Itt« 4S4 ♦ 4Z.�ahrg. Ausgabe A Nr. 247 Bezugspreis. � «»»entlich 70 Pfennia. m-natN» S.— äUichsmarf voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Dcnzio. Saar, und Meuielaebiet. Oesterreich. Litauen. Luiembur« 4.50 Zicichsmork, für da» übrige Ausland 5.50 Reichsmark pro Monat. »er USsrwitrt»�»it der Nlustriev- ten Sonntagsbeilage.Volk und geit� sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen�..Au» der isilmwelt", .lsrauenftimme".»Der Kinder» freund"..Lugend-Borwilrt»" und .Blick in die Bllcherwelt* erscheint wochcntäglich zweimal, Sonntags und Montag» einmal. Telegramm-Adress«: �Sozialdemokrat Berlin- orgenausgabe ZZevlinev Volksvlskk (iL pksnnig) Anzeigenpreiset Di«»insvaltig« NonpareMe- geil« 80 Pfennig. Reklamezeil« Reichsmark..Kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Wort 25 Pfennig (zuläfCta zwei fettgedruckte Worte). jede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort IS Pfennig, jede« weitere Wort 10 Pfennia. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Wort«. Arbeitsmarkt Keile 80 Pfennig. gamilienan, eigen für Abonnenten Seil« 40 Pfennig. Anzeigen für dl« nächst« Nummer Müllen bis 4ih Uhr nachmittag» Im Bauvtgefchäft, Berlin SW 68, Linden» ftraste». abgegeben werden. Geöffnet von 8ih Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgati der Sozialdemohratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: öerlin EW. 68, Linüenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SSS— S»7. Vonvärts-Verlag G.m.d.H.,Serlin EW. HS, Lindenftr.3 PoNIcheckkont«: Berlin S7 53t— Bankkonto! Bank der Arbeiter, Angestelte» »od Beamte», waästr. 65: Diskonto-Sefcllfchaft. Denosttcnkaste Lindenftr. 3. Der verurteilte Staatsanwalt. Fünf Monate Gefängnis für Oberstaatsanwalt Frieders. Weimar, 13. Ottober.(Eigener Drahtbcricht.) Das Schwurgericht hat heute abend um SVa Uhr das Urteil gegen den srüheren Oberstaatsanwalt Dr. Frieders verkündet. Es tautet aus fünf Monate Gefängnis wegen fahr- lässigen Aalscheides. Der Staatsanwalt hatte eine Zucht» Haus st rase von einem Jahr drei Monaten und süufjährigea Ehrverlust beantragt. * Das Urteil gegen den der Deutschen Volkspartei nahe- stehenden früheren Oberstaatsanwalt ist nur zu erklären aus derZltmosphärederpolitischenVerhetzung, wie sie seit dem Einmarsch der Reichswehr in Thüringen entwickelt wurde. Frieders ist ein Opfer der Hetze gegen die frühere sozialdemokratische. Regierung und gegen den sozialdemokra- tischen Staatsbankpräsidenten Loeb, weil er dessen Dif- famierung. die von den jetzigen Gewalthabern gewünscht und mit allen Mitteln betrieben wurde, nicht mitmachen konnte und wollte. Die offene Absage an die Treibereien der Reaktionäre, die Niederlegung der ihm durch Anweisung des Ministers auf- gezwungenen Anklagevertretüng im Loeb-Prozeß— das waren die Gründe, weshalb Frieders zunächst feinen Abschied nehmen mußte. Das weitere ergab sich von selbst. Die antisemitische Presse pöbelte ihn Tag für Tag an, die antisemitilfchen Ab- geordneten im Thüringer Landtag, von deren Gnade sich das volksparteilich-deutschnationale Ordnungsblockministerium ab» hängig fühlt, sorgte für den nötigen Nachdruck. Und als gar Frieders eines Tages aussagte, daß das Ministerium sich wiederholt in seine Amtsführung ein» gemischt habe, da war kein Halten mehr. Der Meineids» prozeß wurde an den Haaren herbeigezogen. Weil die Aus- sagen zweier Staatsanwälte, des jetzt verurteilten und des als Zeuge vernommenen F l o e l sich gegenüberstanden, des» halb mußte F r i e d e rs einen Meineid geschworen haben! Deshalb die Anklage und deshalb die Verurteilung! Jeder Thüringer weiß, daß diese Anklage nie erfolgt wäre» wenn Frieders bedingungslos dem Ordnungsblock und seinem Ministerium Gefolgschaft geleistet hätte. Er wäre dann ja nicht dazu gekommen, vor Gericht über die Machinationen gegen Loeb auszusagen, er hätte dann also auch nicht über die seit» same Methode aussagen brauchen, wie man den schon einmal von ihm unterzeichneten Einstellungsbeschluß gegen Loeb nach» träglich derart abänderte, daß der Beschluß zu einer neuen Verdächtigung wurde. Selbst wenn eine Ungenauigkeit in seiner eidlichen Aussage vorlag— es handelte sich darum, ob Frieders auch den zweiten Entwurf des Einstcllungsbefchlusses gesehen hatte— so hätte man bei jedem anderen wahrschein» lich an eine begreifliche Gedächtnislücke geglaubt. Frieders aber hat gegen den Stachel des Ordnungsblocks gelockt. Er mußte verurteilt werden. Aus dem„Meineid" ist zwar nur ein „fahrlässiger Falscheid" geworden. Aber die Ordnung im Lande des Ordnungsblocks ist gerettet! vorfühker in Preußen. Stas Angebot der Deutschen Volkspartei. Vertreter der Regierungsparteien des Preußischen Landtags werden heute nachmittag unter Vorsitz des Mini- sterpräsidenten die Lage besprechen, die durch das dringende Angebot der Deutschen Volkspartei, in die Regierung wieder einzutreten, entstanden ist. Die sozialdemokratische Fraktion wird sich heute vormittag mit derselben Angelegenheit be- schäftigen._ VaWeg in Schweden. Machtiger Fortschritt der Sozialdemokraten. Gestern sind nach fast vierzehntägiger Ausrechnung die Wahlergebnisse der Provinzialwahlen be- kanntgegeben worden. Die Sozialdemokratie hat 76 Mandate gewonnen: sie hat jetzt 444 Sitze inne. Die Freisinnigen und die Bauernpartei haben sich niit je 160 Sitzen ungefähr behauptet. In den Verlust teilen sich die Konservatio�i, die �3 Sitze verloren, und die Liberalen und Kommunisten, die mit 21 und 11 Sitzen jede Bedeutung verloren haben. Ueber die Beherrschung der Provinzparlamente hinaus haben diese Wahlen noch eine große politische Bedeutung: Die erste Kammer wird ans Vertretern der Provinzen zusammengesetzt. Damit hat, zum zweiten Male seit 1921, die Sozialdemokratie in ein Bollwerk der Reaktion eine mächtige Bresche geschlagen. �lgrarprogramm üer /kbeiterpartei. Der Kampf um das flache Land. London, 13, Oktober.(Eigener Drahtbcricht.) Der Parteitag der Arbeiterpartei befaßle sich an seinem dritten Verhcmdlungstage am Mittwoch mit seiner sachlich wichtigsten Aufgabe, der Beratung des von den Fachleuten der Partei in monatelanger Arbeit vorbereiteten Agrarprogramms. Das Programm sieht die V e r st a a t- lichung des gesamten britischen Grundbesitzes vor. Das bisherig« Pachtsystem soll grundsätzlich aufrechterhalten, jedoch unter die Kontrolle des Staates gestellt werden, wobei neben den Vertretern des Staates und der Pächter auch dem Landarbeiter«in entscheidender Einfluß eingeräumt werden soll. Der Entwurf wurde von Macdonald dem Kongreß unter» breitet und in einer längeren Rede erläutert. Macdonald be» gründete die Notwendigkeit der Annahm« vor allem mit dem Hinweis auf die Rückentwicklung, die in der britischen Landarbeiterschast in den letzten Jahrzehnten stattgefunden habe. Das Land müsse da, erste bilden, was der Staat unter einer Regierung der Arbeiterpartei zu übernehmen habe. An Macdonalds Rede schloß sich«in« Diskussion an, in der daß Programm wegen der Gefahr des Bureaukratismus und wegen der im Programm vorgesehenen Entschädigung an die bisherigen Grundbesitzer scharfe Kritik fand. Trotz dieser Kritik im einzelnen nahm die Konferenz mit überwältigender Mehrheit das A g ra r p r o g ra m m an. Die Annahm« des Programm- bildet die Basis für di« feit Monaten großzügig vorb«. reitet« Kampagne der Labour Party, der Eroberung der ländlichen Distrikt«, ohne die eine Arbcitermehrheit im Lnterhaus unmöglich sein wirb. Obstruktion in Steiermark. Die Sozialdemokratie gegen Rintelen.— 48 Dauerreden. Wien, 13. Oktober.(EP.) In der Mittwochsitzung des steiertschen Landtages in Graz sollte Innenminister Dr. Rintelen zum Landeshauptmann gewählt werden. Die Sozialdemokratie setzte jedoch eine Obstruktion durch Dauerreden an, da die Geschäftsordnung jedem Landesrat das Recht zuerkennt, Im Verlaufe einer Debatte zweimal das Wort zu ergreifen und dem Landtag 21 sozialdemokratische Abgeordnete angehören, ist mit 18 Dauerreden ohne Zeitbeschränkung zu rechnen. Es besteht daher keinerlei Aussicht, daß die Christlichsozialen die Wahl Dr. Rintelens durchsetzen könnten. Die Sitzung wurde um 8 Uhr abends nach einer mehrstündigen Obftruktionsrede eines sozialistischen Landcsrates ergebnislos abgebrochen. Falls die Christlich- sozialen die Kandidatur Rintelens nicht zurückziehen, wozu vorläufig keinerlei Neigung besteht, bliebe kein anderer Ausweg in dem poli- tischen Konflikt, als die Auflösung des steierischen Landtages und die Ausschreibung von Neuwahlen. poincars uns öas Schulüenabkommen. Wird er wieder umfallen? par!», 13. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In der Frage der R-ttisikation des Washingtoner Schuldenabkommens scheint sich in Paris ein neuer Umschwung vorzubereiten. Es hat den Anschein, als ob die Kundgebung der ehemaligen Front- k ä m p f e r am letzten Sonntag, bei der die Einleitung einer euer- zischen Protestaktion„selbst auf die Gefahr einer Regierungskrise hin" angekündigt wurde, nicht ohne Folgen aus die Haltung der Regierung bleiben wird. In unterrichteten Kreisen wird versichert, daß Poincare in Anbetracht der mannigfachen Widerstände und Hindernisse auf seine ursprüngliche Absicht, die Ratifikation der Schuldenabkommen mit England und Amerika noch in diesem Jahre zu verlangen, verzichtet habe. Er ist uicht gegen die Rückgabe des Saargebiets. Paris, 13. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Eine Meldung des„Journal" besagt, Poincare habe am Dienstag in Straßburg erklärt, die französische Regierung denke nicht daran, das Saar- gebiet vor Ablauf der im Friedensvertrag vorgesehenen Frist von 13 Iahren wieder an Deutschland zurückzugeben. Diese Darstellung ist, wie sich jetzt herausstellt, frei erfunden. Poincarö hat gegenüber der von Vertretern der elsaß-lothringischen Industrie und des Handel» zum Ausdruck gebrachten Befürchtung, daß Elsaß-Lothringen durch die Rückkehr des Saargebietes zu Deutschland ein wichtiges Absatzgebiet verlieren würde, ledig- lich erwidert, daß die französische Regierung bei der Rückgabe de» Saargebietes die Interessen der beiden Provinzen in zoll- politischer Hinsicht in vollem Umfang« zu wahren wissen werde. Weschugge ist Trumps! Aus einer römischen WTB.-Mellnmg: „Der Großrat der Faschssten beschloß, den vierten Jahrestag de« Marsches nach Rom in ganz Italien unter Teilnahm« von zwanzig Millionen Parteimitgliedern und Parteianhängern feierlich zu begehen." Verkürzung öer Arbeitszeit. Ein Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die letzte Bundesausschußsitzung des Allgemeinen Deutt schen Gewerkschaftsbundes hat auf den Zusammenhang zwischen Dauer der Arbeitszeit und Arbeits- l o s i g t e i t hingewiesen und die baldige Verabschiedung eines Notgesetzes gefordert, das den Achtstundentag sicherstellt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die gewaltige Arbeitslosigkeit feit Ende 1925, die zu einem Dauerzustand zu werden droht, wesentlich verschärft wird durch die eingetretene Verlängerung der Arbeitszeit. Mit Recht ruft deshalb der ADGB. die Gewerkschaften auf, den Kampf für die Verkürzung der Arbeitszeit und gegen das Ueberstunden- Unwesen aufzunehmen. Wir haben bereits vor einigen Tagen in einem anderen Zusammenhang darauf aufmerksam gemacht, daß nach der Denkschrift des Statistischen Reichsamts vom Anfang 1923, die dem Dawes-Komitee vorgelegt wurde, in Deutschland ins- gesamt 5% Millionen neu wieder in die Berufsarbeit einge- rückt sind. Diese Vermehrung der Erwerbstätigen kam unter der Herrschaft des Achtstundentages nicht zur vollen Aus- Wirkung. Inzwischen ist jedoch unter dem Vorwande einer notwendigen Steigerung der Wittschaftsergebnisse nicht nur die Arbeitszeit verlängert worden, so daß mit einer ver- ringerten Zahl von Beschäftigten die gleiche Arbeitsleistung hervorgebracht werden konnte, es steigerte sich auch die Ar- beitsergiebigkeit durch die mit dem Schlagwort Ratio- n a l i s i e r u n g bezeichneten Aenderungen im Arbeitsprozeß. Die Vervollkommnung der Arbeitsmethoden ermöglichen eine erhöhte Ausbeutung der Arbeitskraft: der technische Fortschritt wirtt in der gleichen Richtung einer Steigerung der Wirtschaftsergiebigkeit. Unter freien Konkurrenz- Verhältnissen müßte diese Entwicklung auch der Arbeiterklasse zugute kommen. Der gegenwärtige Stand der kapitalistischen Entwicklung mit seinen'Monopolbildungen und Renten- ansprüchen der stillgelegten Betriebe ver- hindert das jedoch. Und so ergibt sich der sozial ungeheuer- liche Zustand, daß zwar die Kapitalseigentümer der stillge» legten Betriebe ihre Rentenansprüche aus dem Arbeits- ergebnis der technisch vollkommensten Betriebe erhalten, die überflüssig gewordenen Arbeitskräfte jedoch einem arbeitslosen Hungerdasein überantwortet werden. Es kennzeichnet den veränderten Charakter der gegen- wärtigen Wittschaftskonstellation gegenüber früheren Krisen» daß die Rationalisierung nicht zu einer besseren Verteilung des Sozialprodukts durch Lohnerhöhung und Arbeits- zeitverkürzung fühtt und so eine Produktionauf erweiterter Stufenleiter erzeugt, sondern den Druck auf dem Arbeitsmarkt bestehen läßt. Aus dieser Gesamtverschlechterung der Lebenshaltung der Arbeiter- klasse zieht der Monopolkapitalismus feine erhöhten Profite; er ist der Notwendigkeit enthoben, dieses Ziel durch erweiterte Produktion zu erreichen. Damit setzt er sich jedoch in schärf- sten Widerspruch zu den Gesamtinteressen des Volkes. Die größte Sorge der Unternehmer ist darauf gerichtet, durch weltumspannende Monopole zu verhindern, daß die gewaltig gestiegene Produktwität der Arbeit zum Segen der Mensch- heit wird. Deshalb: künstliche Einschränkung der Produktion. Die privatkapitalistische Rentabilität wächst sich zu einem immer schärferen Gegensatz zur Produktivität der Arbeit aus. An diesem Punkt kapitalistischer Entwicklung gewinnt die Arbeitszeitfrage eine neuartige Beleuchtung. Bisher wurde in dem Widerstreit zwischen den kapitalistischen Jnter- essen und den sozialen Erfordernissen von den Unternehmern immer wieder darauf hingewiesen, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit das Gesamtergebnis der wirtschaftlichen Arbeit herabdrücken und damit eine Gefährdung der erreichten Lebenshaltung eintreten würde. Diese Gefahr hat bei einem wirklichen Erforschen der Zusammenhänge zwischen Arbeits- zeit und Arbeitsleistung nie bestanden; sie ist erst recht nicht in einem Zeitpunkt vorhanden, wo man auf den wichtigsten Gebieten der Produktion zu einer künstlichen Einschränkung schreitet. Daraus folgt, daß die Unternehmer selbst ourch ihr Verhalten den Nachweis erbringen, wie falsch ihr Argument ist, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit zu einer Senkung der Wirtschaftsergebnisse führen müßte. Die unausgenutzten Pro- duktionsmöglichkeiten in Verbindung mit einem Ätillionen- Heer brachliegender Arbeitskräfte gestatten vielmehr eine wettt gehende Verkürzung der Arbeitszeit. Man kann den Wirkungsgrad einer Wittschaft durch planvolle Organisation, wie das Walter Rathenau in seiner „Neuen Wirtschaft" dargelegt hat, in einer Weise steigern, daß die erzeugte Gütermenge ungemessen und somit der Verzehr- anteil des einzelnen, sofern eine einigermaßen gerechte Ver- teilung obwaltet, ein beliebig großer ist. Von einer solchen Organisation der Wirtschaft sind wir noch weit entfernt. Des- halb sind unter den gegenwärtigen Produktionsbedingungen Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhungen unentbehrlich, weil sie in die Anarchie der kapitalistischen Produktion sozial regulierend eingreifen und eine gerechtere Verteilung de? Sozialprodukts erzwingen. Diese Neuorientierung wird sich nicht ohne schwere Kämvfe durchsetzen. Starke kapitalistische Kräfte haben bisher die Vorlage des Arbeitsschutzgesetzes, das die Arbeitszeit neu regeln soll, verhindert. Das geforderte Notgesetz wird auf die gleichen starken Widerstände stoßen. Sie können nur durch starke gewerkschaftliche und politische Organisationen der Ar- beiterklosse überwunden werden. völkische Schwätzer. Beleidigungsklage des Genossen Kuttner. Wegen Beleidigung des sozialdemokratischen Landtagsabgeord- rieten Kuttner war gegen den verantwortlichen Redakteur des „Deutschen Vorwärts" Krüger und dessen Mitarbeiter Emil Kloth öffentliche Anklage erhoben worden, die gestern in vielstündiger Verhandlung das Schöffengericht Tempel- h o f beschäftigte. Der beleidigte Abgeordnete K u t t n e r war dem Strafverfahren als Nebenkläger beigetreten. Das antisemitische Wochenblättchcn hatte drei Artikel veröffentlicht„Politische Wegelagerer",„Ein politischer Hanswurst" und„Bonzengehältcr". Es waren in diesen Aufsätzen scharfe Angriffe gegen den Abgeord- neten Kuttner enthalten. Er wurde als Konjunkturpolitiker bezeichnet, der zu Anfang des Krieges in Patriotismus gemacht habe, dann aber als Schriftleiter der„Sozialdemokratischen Feld- post" die Front unterwühlt habe, bis Ihm die Heeresleitung diese Tätigkeit verboten hätte. Weiter wurde Kuttner vorgeworfen, daß er im B a r m a t» A u s s ch u h die Verteidigung der Barmats sich zur Aufgabe gemacht habe. Im Fememordausschuß habe er sich ebenfalls hervorgetan. Das Schöffengericht hielt die beiden Angeklagten der Velei- d i g u n g schuldig. Wie Landgerichtsdirektor Löschte in den Urteils- gründen aussprach, seien die gebrauchten Ausdrücke weit über das Maß des politischen Kampfes hinausgegangen und ließen die Absicht erkennen, den politischen Gegner herabzusetzen. Es seien aber auch unwahre Tatsachen behauptet worden, sowohl über die Vorfälle am Schiffbauerdamm, als auch über die Wirksamkeit Kuttners an der„Sozialdemokratischen Feldpost". Der Schutz des Z 193 wurde versagt. Es wurden wegen öffentlicher Beleidigung Krüger zu 200 Mark und Kloth zu 400 Mark Geld- strafe verurleill. Dem Abg. Kuttner wurde die Befugnis zur Der- öffcntlichung des Urteils zugesprochen. parlamentaristhe Sitten. Zu den Kommunistenskandalen im Landtag. Verbot von Kundgebungen unter freiem Himmel. Es hat keinen leidenschaftlicheren Verfechter guter parlamenta- rischer Sitten gegeben als Slugust Bebel. In Theorie und Praxis huldigte er stets der Auffassung, daß sich die Vertreter der Arbeiter- klasse im Parlament anständig benehmen müßten, wenn sie sich in Respekt setzen und der Sache der Arbeiter dienen wollten. Die Stellung, die sich die Sozialdemokratie in den Parlamenten und im Volke errungen hat, ist nicht zuletzt auf die Ratschläge jenes großen Lehrmeisters zurückzuführen. Die Kommunisten lieben es mitunter, sich zu Zwecken des Arbeiterfangs als Fortsetzcr alter sozialdemokratischer Traditionen hinzustellen. Sie beschmutzen damit das Andenken unserer großen Vorkämpfer. Was hätte wohl August Bebel gesagt, wenn er die Szenen, die sich in den letzten Tagen im Landtag abgespielt haben, erlebt hätte! All« Augenzeugen jener widerlichen Szenen stimmen in dem Urteil üboreln, daß es sich bei den Krawallen, die die Kommunisten ent- fesselten, auch nicht im entferntesten um Ausbrüche echter Leiden. schaft handelte. Das Ganze war nur ein Theater, um dem eigenen Anhang zu zeigen, wie„tüchtig" man ist. Aber auf welches Publikum hat man dabei spekuliert? Es ist allgemein aufgefallen, daß sich die in den Saal gebrüllten Rufe der Skandalmacher fast ouLfchließlich in der sexuellen Sphäre bewegten, wobei Ausdrück« gebraucht wurden, wie sie gelegentlich in den öffentlichen Pissoirs an der Wand zu lesen sind. Besonders wurden auch weiblich« Abgeordnete mit Insulten überschüttet, die aus einer überhitzten sexuellen Phantasie stammen. Auch die Raufszenen, die man aufführte, machten durchaus den Eindruck einer kalten Mache. Daß sie das wirklich waren, beweist der Umstand, daß sich das Temperament, sofort wieder besänftigte, als Polizei im Saale erschien. Auf sie hat man nicht mit Schub- laden geworfen wie auf den greisen Schriftführer, unseren Genossen Brecour, der nur um Haaresbreite einer schweren Verletzung entging. Mit sachlichen Meinungsverschiedenheiten über die Zweckmäßig- keit oder Notwendigkeit des faulen Hohenzollernvergleichs hat dieses Kaschemmentreiben nicht das allermindeste zu tun. Hier wirst sich vielmehr ein ganz anderes Problem auf: Gibt es wirtlich Arbeiter in Deutschland, die es als Zeichen radikaler oder revolutionärer Gesinnung betrachten, wenn man sich wie ein Lude beträgt? Wir möchten diese Frage auf das allerentschiedenste verneinen. Die Kommunisten werden durch solche Manöver ihren eigenen Zu- sammenbruch nur beschleunigen. Und darum bedauern wir, daß die für heute angesagte Lustgartenversammlung der Kommunisten polizeilich verboten worden ist. Vielleicht hat man befürchtet, daß sich die Rauf- s z e n e n aus dem Landtag auf der Straße fortsetzen würden, aber diese Befürchtung ist unbegründet. Die kommunistischen A b g e- ordneten benehmen sich ja nur dann gewalttätig, wenn keine Polizei da ist und wenn ihnen nichts anderes droht als höchstens der Diätenverlust von ein paar Tagen. Die Masse der Arbeiter aber hätte ganz gewiß durch ihr Fernbleiben bewiesen, daß sie nichts zu tun haben will mit sogenannten„Arbeitervertretern", die das Parlament mit der Kaschemme verwechseln. Kronzeugen üer Kpd. Briefe an das Moskau-Blatt. Den Kommunisten ist großes Heil widerfahren. Außer dein Herrn Kratz, der aus einer Partei austrat, der er gar nicht ongs» hörte, hat sich auch noch ein anderer gefunden, der durch die kom- munistische Press« seinen Auetritt aus der Sozialdemokratie an> kündigt: Herr Bruno Sobczyk, aus der Fidicinstr. 42. Es tut uns leid um jeden, der aus momentaner Verärgerung seine politische Organisationszugehörigkeit ausgibt. Aber Herr Sobczyk hat diesen Milderungsgrund nicht einmal für sich. Er hat vielmehr seit 1923 keine Beiträge mehr an die Partei ge- zahlt, hat seine Anrechte dadurch also längst verloren. Ueber sein« sonstige Tätigkeit wollen wir vorläufig nicht reden. Aber wenn die Kommunisten keine anderen Kronzeugen bringen können, mögen sie lieber schweigen. Dichter unö Diplomat. Bedenken gegen Elaudels Entsendung nach Berlin. Kürzlich sind In der französischen Presie Andeutungen über ein bevorstehendes Revirement in der französischen Diplomatie ge- macht worden, wobei als Nachfolger des gegenwärtigen Botschaster« d e Margerie auf den Berliner Posten der bisherige Botschafter in Tokio PaulClaudel genannt wurde. Gegen diese Ernennung ist deutscherseits mit Recht geltend gemacht worden, daß Claudel, der auch ein bekannter Schriftsteller ist, erst vor kurzem Deutschland in unglaublicher Weise beschimpft hat. Dieses Verhalten Claudels ist umso erstaunlicher, als er selbst in seiner diplomatischen Karriere De u t s ch l a n d vor dem Kriege In seiner Eigenschaft als Generalkonsul in Hamburg kennen gelernt hat. Als Schriftsteller ist er hier zu einer Zeit bereits gefeiert worden, als er in Frankreich wegen seiner verschwommenen mystischen Art fast allgemein abgelehnt wurde. Im lsiariser„Oeuvre" vom 12. Oktober wird der Fall Claudel in einer humoristischen Glosse besprochen. Da heißt es u. a.: „Man liebt Paul Claudel. Oder man liebt ihn nicht. Um ihn zu lieben, gilt es vielleicht, ihn zu verstehen. Zu unserer Schande gestehen wir, daß die meisten Schönheiten seiner Werke uns völlig entgehen. Paul Claudel ist vielleicht, wahrscheinlich sogar ein Diplomat ersten Ranges. Die erste Pflicht«ine» Diplomaten ist, seine Gedanken so sehr wie möglich zu verwickeln. Auf diese Art vermögen jene, die dann diese Gedanken entwirren sollen, sie so zu deuten, wie es ihnen gerade paßt. Ausnahmsweise hat Claudel einmal in gemein- verständlicher Sprache reden wollen. Und da schrieb er, daß die Deutschen„Satanshorden" wären und daß Goethe «in„feierlicher Esel" gewesen sei. Wir wundern uns nicht, daß die Reichsregierung zu ver- stehen gibt, daß sie als Vertreter Frankreichs in Berlin einen Bot- schafter vorziehen würde, der nicht über einen der besten deutschen Dichter so unzweideutige Werturteile abgegeben hat. In Wahrheit Ist für einen Schriftsteller ein Nebenberuf immer schädlich. C o u r t e l i n e hat auf seinem Beamtenhocker ver- zichtet, als er seine Satire über das Beamtenleben verfaßte, und Pierrefeu mußte die Demobilmachung abwarten, bevor er uns auseinandersetzen konnte, wie es im Großen Hauptquartier zuging. Paul Claudel hat wirklich Pech: Das erstemal in seinem Leben, wo er einen klaren Satz geschrieben hat, droht das seine diplo- matische Karriere zu stören. Das wird ihm nie wieder passieren. Wehe uns bei seinem nächsten Buch!" $ät Einigung üer italienischen Sozialisien. Bor dem maximalistischen Parteitag. Auf dem 21. Kongreß der italienischen sozialistischen Partei (Maximalisten), der sich in diesem Monat in Rom versammeln wird, wird die Kommission für die Einigung der sozialistischen Kräfte in Italien den Vertretern der Sektionen die Annahme der folgen- den Tagesordnung vorschlagen, worin die gegenwärtige politische Lage der Nation in bezug auf dieses Ziel betrachtet wird. „Der Kongreß stellt fest: a) Die steigende Sichbehauptung der Diktatur der faschistischen Partei durch eine Gesetzgebung, die die letzten öffentlichen Freiheiten vernichtet und die letzten Einrichtungen des Regimes der Volksvertretung durch Konzentration aller Macht und damit aller Verantwortlichkeit in der Regierung unter- drückt hat; b) das völlige Aufgehen aller bürgerlichen Gruppen, die über wirtschaftliche Selbständigkeit verfügen, im Faschismus; c) die Identifizierung der Monarchie mit dem Faschis- mus; 6) die fortschreitende Verelendung und Entrechtung aller Klassen der Arbeiterbevölkerung: e) die Verschlimmerung der Lage in den Fabriken, auf dem Lande und in den Verwaltungen der durch keine Kontrolle be- schränkten kapital! st ischenDiktatur; t) die Erschütterung der auf eine mittlere demokratisch- liberale Lösung gesetzten Illusionen im Rahmen der Ver- fassungsgesetze und der gegenwärtigen politischen und sozialen Einrichtungen." Eine derartige Situation erfordert von der Italienischen sozia- listischen Partei: 1. Jede Anstrengung zu machen, um im eigenen Schöße die Vereinigung der Sozialt st en herbeizuführen und in- der Aktion die Spaltungen zu bewältigen mit chren nachteiligen Folgen, die sie in den Arbeitermassen hervorgerufen haben: 2. den Massen und den wirtschaftlich ausgebeuteten und poli- tisch unterdrückten Klassen das Losungswort der Repu- b l i k und der Arbeiterregieruno zu geben, wofür die Agitation im Lande verstärkt werden muß: 3. auf politischem und gewerkschaftlichem Boden alle Bünd- nisse zu verwirklichen, die geignet erscheinen, den Kampf zu be- leben und die Front zu den verwandten Bewegungen hin zu ver- breitern, die mit dieser Forderung de» Kampfes im Einklang stehen. Der Kongreß ersucht den Parteivorstand, auf der Grundlage des Berichts der Kommission für die sozialistische Einigung«in detaillierte» Programm über die unmittelbaren Ziele der soziall- stischen Partei zu entwerfen und die Initiative zu ergreifen, um auf dem Boden dieses Programms die Vereinigung oller Sozialisten in der italienischen Partei als Kampfesvorhut und politische Mittlerin der Arbeitermassen zu verwirklichen." In dem Bericht wird in einem Schlußwort« bemerkt, die Forderung nach der sozialistischen Einigung sei in der Kommission selbst durch die Erfahrung dieser letzten Jahre, durch die Erfahrung auch des Aventins(die Gesamtheit der Oppositionsparteien, die das Parlament verlassen haben, Red. d.„Vorwärts") entstanden, die er- wiesm habe, daß ohne ein« starke Einigkeit des fozialisti- schen Proletariat» es unmöglich sei, zu kämpfen. �rbetterkonzert X Gefell sthastskonzert. Musikumschau von Kurt Singer. TW« wichtige Tatsache ist zu buchen: nach jahrelanger Vor- arbeit ist es dem Arbeiterkulturkartell gelungen, für seine Mitglieder eine Serie von Orchesteraufführungen zu organisieren, die nach Programm und Idee zu dem Wertvollsten gehören dürften, was die Berliner Saison zu verschenken hat. Bisher haben diese Konzerte, denen Albert Horlitz seine organisatorische Kräfte lieh, nur nebenbei, abseits vom Strom des musikalischen Geschehens Auf- merksamkett erregt. Jetzt aber sehen wir die Arbeiterschaft abend» im Saal der Philharmonie versammelt und fühlen, wa» alle dies« Hörer fühlen: den Dürchbruch des ArbeiterwMens durch das bür- gerltche Schema des Konzertdaseins. Die draußen standen, sitzen nun endlich am gedeckten Tisch. Da» ist ein« Leistung, vor der man au» kulturellen Gründen in Berlin und in Deutschland nicht vor- übergehen wird. Was in Wien seit vielen Jahren an Arbeiter- konzerten geleistet wird, kann nun ein variiertes Spiegelbild in Berlin finden. An der Spitze der Aufführungen steht«in Musiker, der durch seinen künsllerischen Charakter, durch Talent und innere Hinneigung fest mit dem Zukunftsproblem der deutschen Arbeiter- schaft verwachsen ist. I a s ch a H o r e n st« i n hat in kleineren Ausgaben mit seinem Schubert-Chor bewiesen, welche Fähigkeiten in ihm schlummern. Sie können jetzt zum Größten geweckt werden. Die Opernwoche verbot es, dem ganzen Konzertabend beizuwohnen. In den wenigen Minuten, dt« wir der Ausführung der Mahlerschen 1. Sinfonie betwohnen konnten, zeigte Horenstetn, daß er ein im Geiste Mahlers groß gewordener Musiker ist, der durchaus das Format hat, die Plastik diese» herrlichen Jugendwerks herauszu- arbeiten, und dem das Philharmonisch« Orchester Gefolgschaft leistete, wie nur einem Berufenen. An der Spitze des Programms stand das Lied der Wolgafchiffer in der Bearbeitung Strawlnskys für Blasorchester. Das ist allerdings eine Riete. Die schöne Melodie dieses sentimentalen Stückes war vergröbert und in ihren Linien zerrissen. Schnabel, der große Freund aller Bolksbühnen- und Arbeiterbewegungen, spielte mit herzhafter Technik und oorbild- lichem männlichen Ausdruck das Ls-Dur-Konzert von Beethoven; auch hier erwies sich Horenstein als ein persönlicher, klug nachfühlen- der Begleiter, und dies trotz einiger Unachtsamkeiten, die im«rsten Satz zutage traten. Nachdrücklich sei gerade unseren Lesern dieser Zyklus von Konzerten an» Herz gelegt. Ein andere« Publikum, da» typisch gesellschaftsmäßige, bei Furtwängler. Diese Menschen wollen gestreichelt sein durch Musik, sie verschließen sich einem Neuen sowohl der Darstellung. wie de» Schöpferischen im Werk konsequent. Furtwängler weiß dies« Stimmung der Menschen auszunutzen. Die Freischützouvertüre war auf so vollendeten Effekt gestellt, daß die leisen Streicher schon pnhörbar wurden, und daß da» ganz« romantisch« Stück in einer Stretta von furioser Kraft zu enden schien. Im einzelnen schön, ja bewundernswert schien un» die gesamt« Linie des Stückes stark verschoben. Da» Lied der Freud« von Archur Honegger(Chant de joie) dirigiert« er mit großem Temperament und unter Ausnutzung aller orchestralen Möglichkeiten, die in dem liedsörmigen Gebilde gegeben sind. Harmonisch interessant, polyphon, glänzend geführt, reicht da» Werk an Empfindung nicht über ein mittleres Niveau hinaus. Gerade die lärmendsten Partien und der Schluß, der sich so großartig aufschwingt, scheinen innerlich leer zu sein. Eine bär- beißige Freude, die Backen sehr voll genommen, aber weder edel noch überspringend. Jacques Thibaud spielte das Lalokonzert mit dem süßen Ton, den ein so melodietrunkenes Stück verträgt und mit einer brillanten Technik. Diese Bogentechnik der rechten Hand ist Alexander Petschnikoff verloren gegangen, be- sonders der geworfene Strich ist ohne Körper, ohne Ausdruck. Im übrigen aber zeigte er, daß er tonlich in der Kantilene noch immer seinen Meister stellt, und daß musikalisch ein« Bach-Sonate bei ihm In guten Händen ist. Von den Pianisten verdienen zwei besonders genannt zu werden: Claudio Arrau und Erwin Bodky. Beide verraten bereits durch die Aufstellung ihrer Programme, daß ihnen das Virtuofentum nicht Selbstzweck geworden ist. Arrau ist auf der Höhe seiner technischen Leistungsfähigkeit. Nach Weber. Rameau und Strawinsky spielt er die großen Etüden nach Paganini von Franz Liszt, Bravourstücke, die nur selten einem Pianisten so glanzvoll gelingen, wie es sich der Meister gedacht hat. Arraus Spiel ist von einer inneren Bewegtheit und Treffsicherheit, dabei von einer Buntheit der Modulation, die kaum zu übertveffen ist. Er spart mit seiner Kraft, um sie in wirklichen Höhepunkten groß- artig freizugeben. Erwin Bodky stuft sein Programm rückwärts von Bach über Beethoven zu Weber, um in einigen Gelegenheitsarbeiten Bruckners, Janaceks, Snietanas zu enden. So fesselt er Musiker und unterhaltungshungriges Publikum zugleich. Er ist einer der vor- nehmsten Pianisten, die wir jetzt haben, auf dem Weg, Derinner- lichung Und Virtuofentum zu einer letzten Synthese zu bringen. Trotz der Ungunst eines Flügels holt er in dem Präludium und der Fuge Ls-Dur von Bach Stimmungen, Färbungen, Stationen der Linienführung heraus, so daß am Ende ein Wert von orgel- hafter Stufung vor uns steht. Die Kraft seines Anschlags wird nirgends überbetont, und auch aus Figurenwert klingt die stärkst« Cr- fülltheit eines großen Musikers. Lilli Dreyfus setzt ihren ge- sunden musikalischen Geschmack bei italienischen Volksliedern ein, überwindet bei Schubert schnell eine Herbheit der Stimme(Fahrt zum Hades) und offenbart zuletzt den ganzen Reiz ihres warm- blütigen, fchöntimbrierten Alts in den Liedern„Der Jüngling an der Quelle" und„An den Mond". Ein kurzer Besuch im Meifterfaal läßt die Entdeckung machen, daß auch die Gitarre zu den konzertmäßigen Instrumenten unter den Fingern eines berufenen Spielers werden kann. Fräulein Walker ist unter den Gitarristen«in« Meisterin, und trotz ihrer Jugend darf sie zu den Führerinnen ihres Instruments gerechnet werden. Wer ein italienisches, volksliedartiges Gebilde mit solcher klanglichen Schönheit und solcher Fingersicherheit zum Kunstgenuß gestakken kann, hat eine Zukunft vor sich. tlebesbeziehungen und ihre Störungen. Als Gast der Orts- grupp« Berlin des Vereins für Individual- Psychologie sprach im Schubertsaal Dr. Adler-Wien über„LiebesbezieHungsn und ihre Störungen". Dr. Mler ging in seinem Vortrage davon aus, daß der Mensch zwar für seine Beschäftigung und seinen Beruf im Leben heutzutage meist außerordentlich gründlich vorgebildet wird, daß man aber noch so gut wie nichts tut, um ihn für die Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen und zu der sich daraus ergebenden Eh« vorzubereiten. Di« Ehe kann sich nur dann harmonisch gestalten, wenn nicht von vorn- herein falsche Voraussetzungen dies« Gemeinsamkeit stören. Der Egoist, sei er es direkt durch Erziehung oder Anlage, oder aber indirekt dadurch, daß er durch Uebevbetonung seiner Schwäche im anderen Teil ein« Stütze sucht, taugt nicht zur Ehe. Hier sieht Dr. Adler mit Recht das verlogene Kulturziel der männlichen Ueberlegenheit als wesentlichen Schadenfaktor. Denn entweder wird der Mann dadurch veranlaßt, diese Ueberlegenheit auch in der Ehe unbedingt besitzen zu wollen, oder aber die scheinbare oder wirtliche Ueberlegenheit einer Frau, die schon im Kmdesalter etwa eine lvenig ältere Schwester sein kann, erweckt in ihm das Gefühl der Minderwertigkeit und macht Ihn zum haltlosen Menschen. Trotzdem wird aber im«rsten Falle oft dl« Frau der egoistische Teil sein, weil sie im Streben nach dem Ideal- bild eines Heldenhaften Mannes den Mann zwingt, etwas zu sein, was er in Wirklichkeit nicht ist. Auf jeden Fall wird die so auf«ine Lüg« aufgebaut« Gemeinsamkeit leiden und schließlich wird es zu schweren Störungen kommen. Dr. Adler streifte dann noch die Frage de» Rechtes und der Pflicht zur Mutterschaft. Hier vertrat er den Standpunkt, daß die Frau ganz allein zu entscheiden habe, ob sie Mutter werden wolle oder nicht. Der Redner wies darauf hin, daß, sobald die uneheliche Mutter der ehelichen gesellschaftlich gleich. berechtigt sei. viele der scheinbar brennendsten Tagesfragen auf diesem Gebiete sich von selbst erledigen würden.— Die zahlreich erschienenen Hörer, die sicher nicht alle bedingungslos« Anhänger der Freud- Adlerschen Lehren waren, die aber das Thema angelockt hatte, folgten dem Bortrag« mit lebhaftem Interesse, das sich auch noch in zahl- reichen Fragen bekundet«, die Dr. Adler im Anschluß daran gestellt wurden. Sz. Ver Oesterretchisch.Veutsche Volksbuvb veranstaltet am IS.. S vhr abend«. einen O esterretchtschen Komponist en-Ab«nd im Krotrian- S teinweg-Saal. Es kommen solgende Komponisten zur Aussührung! Rudolf Polsterer, Otto Siegl, Karl Weigel, Karl Winkler. Mitwirkende sind:.�rau Agnes lleyhccker. Frl. Hennh Wolff. Hau« Bork. Olto Siegl. Otto Frickhoescr und da« Nürnberger Streichquartelt. EinirittZIarten durch die Geschäftsstelle de» Volksbundes. Ein neue» deutsche» Theater In Polen. Die Deutsche Kolonie in Lodz hat nach langen Bemühungen von den polnischen Behörden die Genehmi- gung zur Errichtung eine» deutschen Theater» erhalten. Die Erössnung de» Theater» soll»och vor Ablauf dies»» Jahre» erfolge«. ?ustizöebatte im Lanötag. Der Magdeburger Skandal.— Erklärungen des Justizministeriums. In der Mittwochssitzung des Preußischen Landtags stellte zu» nächst Abg> Pieck(Komm.) den Antrag, die kommunistischen Miß. trauensanträge gegen die Regierung mit auf die Tagesordnung zu setzen. Der Antrag wurde abgelehnt. Nunmehr tritt das Haus in die Weiterberatung der zum Magdeburger Iuflizskandal eingebrachten großen Anfragen der Sozialdemokraten und Kommu- nisten ein. �bg. Srückner(Soz.): Die preußische Justiz hat in den letzten Jahren umfangreiche Belastungsproben aushalten müssen. Ich kann das Zugeständnis des deutschnationalen Abg. Seelniann nur unterstreichen, daß ein- zelne Organe der Rechtspflege oersagt haben. Aber daß es sich nicht nur um einzeln« handelt, beweist die Tatsache, daß das Magdeburger Richterkollegium sich hinter Kalling gestellt hat. Entstanden ist die Magdeburger Fehljustiz auf dem Boden der antisemitischen Hetz«. Hat doch z. B. das„Deutsche Tage- blatr am 20. August die Forderung nach Freilassung des un- schuldigen Haas als unverhllllte Schamlosigkeit der jüdischen Presse und der jüdischen Partei bezeichnet.(Hört! hört! links.) Hat doch die ganze Rechtspress« behauptet, daß Haas Reichsbannermann sei oder gar, daß führende Linkspolitiker an feinen Geschäften beteiligt wären. Di« Sozialdemokratie kann sich rühmen, daß sie für bedrängte, zu Unrecht beschuldigte Personen eingetreten ist, unbekümmert dar- um, welcher Konssssion und welcher Partei sie angehören. Wenn Richter n»r noch Diener der Parlelleidenschaft und des religiösen Vorurteils sind, dann hört die Rechtsprechung überhaupt auf. (Lachen und Zurufe bei den Kommunisten.) Wenn auch den Kommu- nisten Ihr dauerndes Zusammenarbeiten mit den Völkischen gewisse Verpflichtungen auferlegt, sollten sie sich doch in der Verteidigung der Völkischen nicht übernehmen.(Sehr gut! bei den Sozialdemo. traten.) Herrn Köllings Verhalten mag man jetzt als Fehltritt preisgeben. Aber wie steht es mit dem Landgerichtsrat R e s ch k«, der für Solling den Schutz der Reichsregierung und des Reichetaoes angerufen bat. Die Angriffe gegen Hörsing, weil er einen Justizmord verhindert hat, erinnern an die gelegentlich« Polizeipraxis, einen Mann, der einem Ertrinkenden rettet, wegen unbefugten Badens oder Erregung öffentlichen Aergernisien in Stra e zu nehmen.(Heiterkeit.) Trotzdem hält die„Börsenzeitung* daran fest, es gäbe keinen Fall Kölling, sondern einen Fall Hörsing- Haas.(Sehr wahr bei den Völkischen.) Nach genau dieser Methode hat die Reaktion Ebert zu Tode gehetzt und Seoering unansgeseht geschmäht. Aber jetzt, da er schwer erkrankt zurückgetreten ist, schreibt der „Berliner Lokal-Anzeiger*:„Jetzt, wo Severing der politischen Macht entsagt hat, sei ihm wahrheitsgemäß bescheinigt, daß er mit reinen Händen den Staatsdienst verläßt, zu dem er sich nicht gedrängt hat.*(Lebhaftes hört! hört! links.) Der vechaftete Mörder Schröder hat bereits wenige Tag« nach seiner Verhaftung gestanden. Aber, so hat er ausgesagt,„man glaubte mir nicht, man sagt« mir, ich fei verrückt*. Man wollte kein Geständnis haben. Man wollte, daß Schröder Theater spiele, als ob er der Assessor K u ß m a n n wäre.(Heiterkeit.) Noch nach dem Geständnis der Hilde Götze hat Kölling der Presse mit- geteilt, das Netz seiner Ermittlungen ziehe sich enger und enger um Haas zusammen. Statt den Mörder ausfindig zu machen, hat man Haas intensw gefragt, ob er zum Reichsbanner gehöre oder dem Reichsbanner Geld gegeben hätte. Di« kommunistische Presse hat diese erbärmlich« Parteijustiz gebilligt. Der kommunistische Redner zum Fall Magdeburg hat fast ausschließlich aufunsgeschimpst ober ich versichere den Kommunisten, sie können über uns reden, schreiben und lügen, was sie wollen, die vernünftigen Ar- beiter gehen darüber einfach zur Tagesordnung über.(Sehr gut b. d. Soz.) Für uns Sozialdemokraten ist es eine furchtbare Vorstellung, daß unschuldige Menschen dem politischen Vorurteil der Richter zum Opfer fallen. Ich erinnere an den Fall Dreyfu», den Fall Ziethen, den Fall Höste. Ich rufe in Jhx Gedächtnis, daß man den Mann, der die 28 Morde des Denke aufgeklärt hat, aus diesem Anlaß wegen Vettelns zu vier Wochen Hast verurteilt hat. Ich erinnere Sie an den Feuerbund-Fall in Schle- j i« n. wo es zwei gerissenen Schwindlern gelang, den Unter- suchungsrichter zu bewegen, ein halbes Dorf unschuldig in Unter- suchungshaft zu stecken. Leider gibt es solcher Fälle tausende. Nun denken Sie an d i e O u a t e n der unschuldigen Untersuchungs- gefangenen, etwa im Untersuchungsgefängnis Königs- berg, das wir jüngst vom Rechtsausschuß aus besichtigt haben. Da gibt es noch eine amtlich so bezeichnete„Weiber-Abteilung*, wo 19jährige unkersuchungsgefangene Mädchen mit Dirnen und kupplerinneu zusammengesperrt werden.(Hört, hört!) Der Landtag muß alles tun, um zu ver- hindern, daß weiter so leichtfertig mit den Untersuchungs- gefangenen umgesprungen wird. Staatssekretär Dr. Fritze hat am Sonnabend ausgeführt, der Kriminalkommissar Tenholt habe wissent- lich nichts unterlassen, was die Ausklärung habe verzögern können. Wisienttich vielleicht nicht; aber es ist doch ein Glück, daß im Notiz- buch des Haas das Telexhonamt Ohle aufgeschrieben war. Wenn dort Stephan. Uhland oder Humboldt gestanden hstte, hätte die Nachsor- gung nach dem Mittäter dieses Namens wohl noch einige Monate uern können. Ist es wissentliche oder unwissentliche Ungerechtigkeit, wenn auf eine Betrugsanzeige in Breslau der Oberamisanwalt vor Vernehmung der Beschuldigten schreibt:„Ge- schäftsmäßiae Betrüger, exemplarische Straf« am Platze?* Unser Antrag verlangt eine gründliche Nachprüfung. cck die Aufsicht über Kölling seine Mißgriffe nicht verhüten konnte, eine gründliche Reform der Untersuchungshast und eine durchgreifende Reform des Disziplinarverfahrens; zur Reform der Untersuchungshast verweise ich auf den Entwurf des republikanischen Richterbundes und des Hamburger Anwaltsoereins. Wir wollen im Rechtsausschuß praktische Arbeit leisten, damit wir die preußischen Iustizverhältnisse durchgreifend bessern.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Staatssekretär Dr. Fritze: Die Anregungen der Sozialdemo- kratie find sehr beachtlich: das Justizministerium ist zur Mit- arbeit bereit. Wir haben den Generalstaatsanwalt in Naumburg angewiesen, den Fall Kölling restlos aufzuklären. Wir werden auch gegen Verfehlungen von Richtern mit allem Ernst und Nachdruck eingreifen. Aber wir glauben nicht an politische Voreingenommenheit, Kölling war der Sache nicht ge- wachsen und hat bei den ersten Angriffen die Nerven verloren. Durch Erlaß vom 8. September hat der Iustizminister besondere Vorsicht bei der Wahl der Untersuchungsrichter angeordnet. Der preußische Richtcrverein hat soeben erst m Kastel seine unerschütter- «che Treue zur Weimarer Verfassung bekundet. Abg. Elchhoff: Ich habe mich von Ansang an im Fall Garcis jeder kritischen Betrachtung enthalten. Ich habe das, was ich zum Fall Gareis und zu der llnkerfuchungsmethode im Fall Sareis zu sagen gehabt hätte, unterdrückt. Wie die Akten Gareis von der Münchencr Polizei geführt worden sind, das ergibt folgende Tat- fache: Gareis ist am 9. Juni ermordet worden und am 10. abends haben bereits die Ermittlungen begonnen. Die Akten bc- ginnen mit der Vernehmung des Seraijxg vom 12. August 1921. Der erste Satz lautet darin:«Vorstehende Personalien sind richria. Ich wurde außerehelich geboren.* So beginnen am 12. August 1921 die Akten„gegen den Mörder von Garet«*. Ich sehe den schwersten Vorwurf gegen die bayerische Justiz darin, daß sie alle diese Morde nicht zu einem Gesamtkomplex vereinigt hat. Während man zwei andere Fälle von einer Abteilung der Polizeidirektion an die andere verwies, wurde der Fall Gareis an das Bezlrkskriminalkommistariat verwiesen. Der Kriminalkommissar Herold verhörte bereits am 10. Juni eine Zeugin Ragler. Sie sagte au»:„Als ich in die Freistraße einbog, bemerkte ich vor mir einen Mann, der bald darauf quer über die Straße gegen das Haus Gareis zuging. Plötzlich sah ich, daß zweifellos dieser Mann z u e r st zwei, dann nochmals zwei Schüsse abgab, worauf ich aus Angst fortlief. Ich bemerkte, daß der Mann nach der anderen Richtung ebenfalls davoneilte.* Die protokollarische Riederschrist ist von Herold nicht gemacht worden, sondern die Aussage der Zeugin siel unker den Tisch. Erst auf eine anonyme Anzeige hin hat man die Zeugin wieder auf- aegrisfen, sie aber in einer Weise vernommen, daß alle konkreten Angaben zerstreut wurden. Kriminalkommissar Herold hat mit einer geradezu erstaunlichen Hartnäckigkeit an dem Verdacht gegen Seraing sestgehaiten und dadurch versäumt, die wichtigsten Spuren zu verfolgen. Gegen Seraing liegt praktisch nicht der mindeste Tatverdocht vor. Es war eine Konstruktion des Polizeitom. missars Herold.— Abg. Landsberg: Ein Zeuge ist dann nicht zu vereidigen, wenn ein Verdacht der Teilnahme in Frage käme. Ich frage, ob einer der hier anwesenden Herren den geringsten An- Haltspunkt dafür hat, bah bei diesem Zeugen ein Tatverdacht vor- liegt. Wenn ein urteilslosor Kopf bei Irgendeiner Gelegenheit auf einen Verdacht gekommen ist, der geradezu unsinnig ist, so ist das kein Verdacht, der die Vereidigung unzulässig machen würde. Auch die Abgeordneten Schulte, Brodaus und K e m p k e s schließen sich dieser Auffassung an und verlangen die Vereidigung des Zeugen. Die Dcutfchnationalen ziehen nach längerem Hin und Her ihre Bedenken zurück. Die Vereidigung kann vollzogen werden. Als letzter Zeuge wird C a s a l e t, ein ehemaliger Eni« waffnungskommissar, vernommen. Er hatte vor dem Untersuchungsrichter bezeugt, damals sei das Gerücht umgegangen, daß Gareis an die Entcntekommission ein ganzes Verzeichnis von Waffenvarrätcn verraten habe. Man hat es in seinen Kreisen als eine gewisse Genugtuung und Resrledigunq empfunden, als die Tötung Gareis' bekannt wurde. Der Zeuge nimmt diese früher gemachten Aussagen auf seinen Eid und wicoerholl sie.— Abg. Landsberg: Sie sagen, es ging da» Gerücht, daß Gareis Waffenlager an die Entente verraten hat. Irgendwelche Anhaltspunkt« für die Wahrheit hatten Sic nicht und trotzdem sagen Sie, hat man die Nachricht von der Er- mordung in Ihren Kreisen mit Befriedigung aufgenommen. Ich kann eine solche abgrundtiefe Verrohung nicht glauben und es bäumt sich alles in mir auf Soll das wirklich richtig sein? — Zeuge: Ich kann nur sagen, daß Abg. Gareis ein linksge- richteter Fanatiker war. Ich hält« es für sehr wahrscheinlich, daß die Mitteilung von dem Verrat der Richtigkeit entsprang, denn irgendwoher müssen doch die 20 Millionen Denunziationen an die Entente gekommen sein.— Vors.: Wo haben Sie denn das her? — Zeuge: Das Hab« ich gelesen.(Bewegung.) Das hat ein englischer Offizier gesagt.— Vors.: Sie glauben das, was ein englischer Offizier sagt?— Zeuge: Ja.— Abg. Landsberg: Ich wiederhole: Bestand tatsächlich in den Kreisen, denen Sie nahe- standen, Befriedigung und Genugtuung über die Er- mordung von Gareis?— Zeuge(nach längerem Schweigen): Ja! In anderen Ländern wurden Landesverräter mit dem Tode bestraft. — Bors,(streng): Darüber sind Sie nicht gefragt worden.— Da- mit wird die Beweisaufnahme geschlossen. Der Femeausschuh tagte am Mittwoch nachmittag noch in g e- heimer Sitzung, um über die Frage der Würdigung der Münchener Verhandlungen zu beraten. Diese Sitzung wurde gegen 3 Uhr abgebrochen und um 5(S Uhr wieder aufgenommen; um 6 Uhr war sie zu Ende. Das Ergebnis dieser Beratungen wurde in der anschließenden öffentlichen Sitzung bekanntgegeben. Der Vorsitzende nahm zunächst Gelegenheit, auf einen am Mitt- woch vormittag im Reichstag gestellten Antrag der völkischen Arbeits- gemeinschaft zurückzukommen. Es handelt sich um den Antrag, daß der Reichstag beschließen möge, die Kosten des Femeaus- Uu s s e s, die sich aus mehrere hunderttausend Mark belaufen en, auf die Urheber der Einsetzung des Ausschusses, den Abge- ordneten Dr. Levi und die sozialdemokratische Partei abzuwälzen. Dazu erklärte der Vorsitzende: Die willkürliche Kostenfestsetzung in dem Antrag sei ungeheuerlich gegenüber der Wirklichkeit. Die Ge- samtkosten des Ausschusses in München betragen noch nicht ein- mal 600 Mark, und die Kosten, die vorher entstanden, sind b e t weitem nicht so hoch, wie es in dem völkischen Zlntrag heißt. Ihre gesamte Höhe läßt sich im übrigen noch nicht übersehe». Es ist ober gar nicht daran zu denken, daß die Kosten des Femeaus- fchusses auch nur annähernd den im völkischen Antrag genannten Betrag erreichen. Dann erteilte der Vorsitzende dem Abg. Levi das Wort zu folgender Erklärung: „Aus den Akten war bei mir der Eindruck entstanden, als ob der Schritt des G a d e m a n n bei den Staatsanwälten i» Augs- bürg, der die Enthaftung und schli-ßliche Aufhebung der Verfolgung von des Mordes an Härtung verdächtigten Personen voranging, auf die Initiative des jetzigen Iustizministers und damaligen Landgerichtsrats G ü r t n e r zurückgehe. Nach dem Ergebnis der in München stattgefundenen Beweisaufnahme stehe ich niHt an. zu erklären, daß dieser Eindruck sich nicht ausrcchlerhalten läßt, Herr Giiriner vielmehr lediglich im Auftrag des Iustizministers einen Vortrag der Slaoisanwallschast entgegengenommen und dem Justiz- minister weitergegeben hat.* Anschließend verlas der Vorsitzende selbst zwei Entschließungen de» Ausschusses. 1.„Im Anschluß an die Erklärung des Berichterstatters Dr. Levi ist der Ausschuß schon jetzt i» der Lage, festzustellen, daß die gegen den jetzigen bayerischen Justizminister erhobenen Vorwürfe der Grundlage entbehren. Insbesondere ist es für widerlegt zu erachten, daß der jetzige Iustizminister irgendwie in den Fällen Härtung oder Gareis in die schwebende Untersuchung eingegrissen oder seinen Einfluß geltend gemacht hat, um den Fortgang de» Ver» fahren» zu hemmen. 2.„Der Ausschuß ist nach dem Abschluß der Zeugenvernehmung in München nicht in der Lage, zu den Straftaten in den Fällen Sandmeier, Dobner, Härtung und Garcis schon jetzt in eine grundsätzliche Erörterung der wesentlichen Fragen seine, Ausgabetv- treises einzutreten, weil die Prüfung des umfangreichen Materials ohne genaues Studium der stenographischen Berichte nicht möglich und auch die Beweiserhebung im ganzen noch nicht beendet ist.* Der Vorsitzende erklärte dann, daß der Ausschuß damit a m Ende seiner Tätigkeit in München angelangt sei. Er stellte außerdem fest, daß die Arbeiten des Ausschusses im allgemeinen ordnungsgemäß und reibungslos sich vollzogen haben: Wir wollen die Vorkommnisse, die e» gegeben hat, nicht allzu tragisch nehmen. Solange die Einrichtung der parlamentarischen Untersuchungsaus- schüsse in Deutschland und unser« staatlichen Verhältnisse so um- stritten sind, und solange Untcrsuchungsausgaben, wie die unseren, starken politischen Stimmungen in der össentlichcn Meinung begegnen, wird es immer schwer sein,«in volles Verständnis für die Rechte und Pflichten eines solchen Ausschusses zu finden. Ich glaube. daß auch die unfreundliche Haltung mancher hier vernommenen Zeugen mehr auf die mißverständlichen Anschauungen der betrefsen- den Zeugen zurückzuführen ist. Die Erwägungen, die es angezeigt erscheinen ließen, den Ausschuß nach München zu verlegen, haben sich als zweckmäßig und gerechtfertigt erwiesen. Der Ausschuß war tat- sächlich in der Lage, seinen Aufgaben besser g e r e ch t zu werden, als wenn er in der Rcichshauptstadt getagt hätte. Damit schloß der Vorsitzende die Sitzung. Der Ausschuß trat dann noch zu einer weiteren nichtöffentlichen Sitzung zusammen. Ein unauffindbarer Zeuge. Der Femeausschuß wollte den Zeugen N e u n z e r t vernehmen. Er ist an den Fememorden beteiligt. Dieser Zeuge ist u n a u f f i n d- bar. Er ist seit 2 Monaten nicht noch Hause gekommen. Wer ist Reunzert? Die„Münchencr Post* schreibt: „Der junge Reunzert stand �eit Herbst 1919 in einem seh« warmen Freundschaftsverhältnis zum Exkron- prinzen Rupprecht. Reunzert ist verheiratet mit der Tochter des Gutsbesitzers Ezermack, eines besonderen Freundes von Rupprecht. Bei der Vermählung war Rupprecht von Wit- telsbach Trauzeuge. Der junge Reunzert war aber auch po< litischer Verbindungsmann zwischen Einwohner- wehrleitung und dem Exkronprinzen. Diese Rolle eines Verbindungsmannes zu Rupprecht von Wittelsbach hat der junge Reunzert im März 1920 ebenso durchgeführt wie im Herbst 1923. Die ganz positive Frage an den bestorientierten Bekannten des Neunzert, den Generalfeldmarschall a. D. Rupprecht von Wit- telsbach» ob er direkt oder Indirekt irgendwelche Schritte zugunsten des R. unternommen habe, würde die kriminalistische Sachlage in d e m Sinne ganz erheblich vereinfachen, daß der Täter- und Berschworenenkreis wieder auf den Personen- kreis verengt werden kann, der schon früher in Untersuchung stand. Um nicht mißverstanden zu werden: Bei der Person des Exkron- Prinzen Rupprecht handelt es sich lediglich um die Frage, welch« Ein- flüsie die plötzliche Freilassung der Neunzert und Genossen mitbewirkt habe».* Die demokratische Landtagssraktto» hielt am Mittwoch «ine Fraktionssitzung ab, in der die Geschäftslage besprochen wurde. Di« Entscheidung über die Frag«, welche Stellung die Fraktion gegenüber den Abgeordneten Greßler und Herrmann- Breslau, die gegen die Hohenzollernvorlage ge- stimmt hatten, einnehmen soll, wurde vertagt. Die Stellung- nähme der Demokraten zur Hohenzollernvorlage war durch einen Beschluß festgelegt, der höchsten» Stimmenthaltung zuließ. Die Revssion de» Volksopfer-Schieber» Dr. Meister in Dresden ist vom Reichsgericht verworfen worden. Es bleibt bei den vier Jahren Gefängnis für seine Unterschlagungen. Da» Redeverbot des Schweizer Bundesrates gegen dt« Vertreter der Internationale anläßlich der jüngsten Exekutivsitzung in Zürich rechtfertigt« Bundesrat H ä b« r l i n auf ein« Interpellation des Nationalrats Gen. G r a b e r damit, daß Eds F i m m e n sein« Teil- nähme an einem Eisenbahnerkongreh in Bellinzona mißbraucht habe, um den Bolschewismus zu verherrliche», Die �lusschußtagung ües /!f�-Sunöes. Sozialpolitik im Vordergrund. £m weiteren Verlauf der Ausschußsitzung des A f A- Bundes referierte Dr. O. S u h r über einen AfA-Kurfus für die Velr-ebsrätc im Aufsichtsrat, den der AfA-Bundesoorftand Anfang Februar I9Z7 im Erholungsheim des ZdA. in Finkenmühle i. Thür. abhalten wird. Für den Kursus find hervorragende Wissenschaftler des Arbeitsrechts und der Nationalökonomie als Lehrer gewonnen. — Aus dem Bericht ging weiter hervor, dah die seit einigen Monaten bestehende Wirtschastspolitische Abteilung des AfA Bundes bei den Funktionären der angeschlossenen Verbände, iiis� besondere auch bei den Betriebsräten und Betriebsräten im Auf sichtsrat günstige Aufnahme gefunden hat. lieber den augenblicklichen Stand der E r w e r b s l o s e n i ü r sorge erstattete Frig Schröder Bericht. Er nahm kritisiereich Stellung zu dein vom Reichsarbeitsministerium neu eingeführten System der Arbeitslosenstatistik. Durch die plötzliche Herausnahme der Notstands« rbeiter wird in der Oeffentlichkeit über den tatsäch- lichcn Stand der Erwcrbslolcnfürsorge ein falsches Bild erzeugt.— Bei den Beratungen im Reichsarbeitsministerium über den weiteren Ausbau des gesetzlichen Schutzes für die älteren Angestellten sind die Organisationen des„Gefamtverbandes deutscher Aitgcstelltengewcrkschaftcn" schristlich-uationnl) und des„Gewcrk- schaftsdundes der Angestellten" wiederum umgefallen. Sie haben die Forderung nach Einführung des Meldezwanges beim Arbeits- Nachweis preisgegeben. In der Diskussion weist G r a ß m a n n vom ADGB. aui die Notwendigkeit einer andersgearteten Wirt- schastspolitik hin. Dr. C r o n e r kritisierte die Haltung der Reichs- Versicherungsgesellschaft für Angestellte, die in einem Jahre bei 18st Millionen Beitrngseinnahmen einen Ueberschuh von 144 Aiilllonen machte und ein Gesamlverinögen von ZZ9 Millionen ansammeln tonnte. ohne bisher den? dringenden Verlangen des AfA-Bundes auf B e- freiuug der stellenlosen Versicherten von der Bei- tragspflichl Rechnung zu tragen.— Schwe itzer behandelt« die große und wachsende Stelle nlosigkeit der Techniker und ihr« Zusammenhänge mit der sogenannten Nationalisierung.— Der Vorsitzende des Deutschen Werkmeisterverbandes, Busch in a n n- Düsse!- dori, begründete die schleunige W i e d c r he r st c l l u n g des Acht- st u n d e n t a g e s, wendet sich gegen das Ilebcrstundenwesen und will, daß die Sozialpolitik in den Vordergrund der gewerkschaftlichen und gesetzgeberischen Maßnahmen gestellt wird.— Dr. P f i r r- in nun, Lange und A u f b ä u s e r bespreche» die große Be- deutung des G c n o s s c n i ch o i t s w e s c n s für die Ucberwindung der heutigen Krise. Der Bundesvorstand wurde beauftragt, demnächst in einer besonderen Bundesaueschußtagung die Fragen der Konsum- rersine, der Voskssürsorge, wie des gesamten Gcncssenschastswesens und der wirtschaftlichen Eigenbctricbe zur Erörterung zu stellen. Die Besprechung endete mit der einstimmigen Annahme einer Entschließung, die von d"r Reichsregierung die Durchführung der Beschlüsse des Reichstages tzim Schutze der älteren Angestellten sssdert. Die Anacstelstcn werden ausgefvrdert, in den ireien Orga- niiatianen für eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 4 ö Stund en zu kämnfen. llelier„W a h l r e f o r m der Angestelltenversichc. r Ii n g" referierte dann nach Dr Friy P f i r r in a n n. Werkstättenkonfcrenz der Eisenbahner. ?>n Kon-erthaus in Potsdam tagte kürzlich eine Werk- stättenkonkerenz, einberufen vom Einbeilsverband der Eisen- bahner» zu der jede im Ausgleichsbezirk Berlin liegende llSerkstatt l! bis 4 Delegiert? entsandt hatte. Die Neuordnung des W c r l st ä t t e ii w e s e n s bei der Reichsbahn, die Schließung van W c r k st ö l l e n und Abteilungen, das Gcdingever- iahrau in Vorbindung mit-der Mechanisierung und Ratiannll- sierung der Arbeit, und anderes mehr hatten den Anlaß zu dieser Konferenz gegeben. Die Konserenzteilnehmer hörten ein Referat über die Entwicklung des Wcrkstättenwessns und ein zweites über tsiedinoewefen. Die Konferenz nahm einen vorzüglichen Verlauf. S'e beauftragte die Organisation, im Bezirk eine Stelle zu schassen, durch die Informationen von allen Werkstätten eingeholt und schnellstens ausgetauscht werden können, um/ zu verhindern, daß durch das Ausspielen der einen gegen die andere Werkstatt eine noch größere Ausbeutung der Arbeitskraft eintritt. Am Schluß der Konferenz wurde nachstehende Entschließung einstimmig enge- noinmen: Die in Potsdam tagende Konferenz beauftragt den Haupt- vorstand, zwecks sofortiger Einführung des freien Sonnabend. nachmittag in den Werkstätten mit der Hauptverwaltung in Verhandlungen einzutreten, ferner dafür»l sorgen, daß in möglichst kurzer Zeit der Achtstundentag Rormalarbeitstag für alle Eisenbahner wird. TarifbewcgunjZ in der Gcsundheitsindustric. In einer vom AfA-Bund einberufenen öffentlichen Angestellten- Versammlung, die überfüllt war, ist von den Angestellten nach einem Bericht Günthers vom Butab der Schiedsspruch vom 4. Oktobeck d. I. e i n st i m m i g abgelehnt und die Durchführung der Ur- abstimrnung über Annahin« oder Streik beschlossen worden. Günther führte aus, daß der Schiedsspruch die bisherige tarifliche Enllohnungssorm in der Gesundheitsindustri« grundsätzlich verändere, da der Schiedsspruch die Anwendung des sogenannten Leistungs- Prinzips an Stelle der Staffelbezahlung vorsehe. Die Rechtsansprüche der einzelnen Angestellten aus eine bestimmte Gehaltshöh« werden äußerst stark vermindert. Ein Angestellter der Gruppe T 4 beispiels- weise, der bisher einen Rechtsanspruch von 422 Mark nach zehn Dienstiahren geltend machen konnte, kann nach dem Wortlaut des Schltchtungsspruches nur noch den Betrag von LA Mark kiean» spruchen. Sobald das Ergebnis der Urabstimmung vorliegt, soll nochmals kurzfristig ein« öffentlich« Angestelltenversammlung einbe- rufen werden, in der die weiter notwendig werdenden Maßnahmen besprochen und festgelegt werden sollen. verbonöstag der Gaftwirtsgehilfen. Erster Verhandwngstag. Der 12. Verbandstag des.Lentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafä-Ange st eilten" wurde am Dienstag im„Volksbildungsheim" zu Frankfurt a. M. durch den Vorsitzenden S t r ö h l e i n- Berlin eröffnet. Anwesend sind ö3 De- legierte. Außerdem nehmen an den Verhandlungen elf Vertreter des Vorstandes einschließlich der Bezirtsleiter teil. Namens der Stadt Frankfurt a. M. bringt Bürgermeister Ge- nosse G r ä f, der mst zu den Gründern der Frankstirter Ortsgruppe gehört, die besten Grüß«. Als ausländisch« Gäste sind er- schienen E o v a n vom tschechoslowakischen Bruderverband sowie Kommender von den österreichischen Gastwirtsgehilfen. Den ADGB. oertritt B ackert. Genosse Misbach bringt die Grüße des Frankfurter Gewerkschaftskartells. Direktor Margraf vom städtischen Arbeitsamt versichert dem Verbandstag die Sympathie der Behörde, die er vertritt. Die Anträge, die eine gesonderte BeHand- lung gewisser organisatorischer Maßnahmen oerlangten, wurden er- ledigt. Di« Diskussion wird stofflich gegliedert und die dazugehörigen Anträge, deren Zahl außer den Antrögen des Hauptvorftandes die stattliche Zahl von 200 erreicht hat. mit verhandelt. Die einzelnen Vorstandsmitglieder gaben ihre Ressortberichte. Erwähnens- wert ist, daß der Verband trotz der schlechten Wirtschaftslage gut dasteht. Die Mitglieder zahl hat im Lauf« der letzten zwei Jahre Schwankungen durchgemacht und stellt sich auf 23 398. Die Verwaltungskosten sind vsrhöstnismäßig hoch, da der Verband durch seine Eigenart gezwungen ist, mehr Angestellte zu haben als andere Organisationen.' Die Mandate wurden für gültig erklärt und dann in die Aussprache über den Geschäftsbericht eingetreten. Sie gestaltete sich äußerst lebhaft. Vor allen Dingen sind es die Berliner, die einen heftigen Kampf führen um die Genehmigung eines' neuen Sekretärs. Aus den Prozenffätzen der Mitgliederzahl sowie aus dem Markenumsatz wird ihnen aber nachgewiesen, daß sie fast mehr haben als die Provinz, was von ihnen lebhaft bestritten wird. Von mehreren Rednern wird die Rückkehr zu dem alten System der Be- zirkssekretäre gewünscht, von anderen Delegierten wird dieser Wunsch bekämpft. internationaler Säckerkongreß. Gegen die Trachiarbeik. Das Sekretariat der Internationalen Union der Lebensmittel- arbciter schreib: uns: An dem ö. Internationalen Kongreß der Bäckereiarbeiter, 10. Oktober 1925, im Hotel„Hirschquelle" in Düsseldorf, der zu dem Zweck einberufen war, die Maßnahmen der Väckereiarbeiterverbände der Welt zur Erreichung der Ratifizierung des Ueberein- k o m mens über die Arbeit in den Bäckereien zu besprechen, ließen sich 13 Landesverbände der Bäckereiarbeiter durch 18 Delegierte vertreten. Dem Kongreß wohnten weiter die vier Mitglieder der Exekutive der Internationalen Union der Organisationen der Ar- beiter und Arbeiterinnen der Lebens- und Genußmittelindustrie (?UL.) bei.+ Der Kongreß nahm zuerst einen Bericht des Sekretärs der IUL. über die Tätigkeit der Erekutive seit dem 4. Kongreß entgegen. Dem Referat de? Sekretärs folgten die Berichte der Vertreter der einzelnen Verbände. Der ö. Kongreß nahm sodann eine Eni- schliehung zur Ratisizierung des Abkommens über die Nachtarbeit an, in der es heißt: „Es scheint, daß die R a t i f i z t e r u n g des Ueberein- ? a m ni e n s i» den einzelnen Ländern auf Schwierigkeiten stößt. Der 5. internationale Kongreß der Bäckereiarbeiterverbände verpflichtet deswegen die angeschlossenen Verbände, bei den Re- gierungen ihrer Länder auf ungesäumte Ratifizierung des llebereinkommens zu drängen. Er zählt dabei gemäß den Be- schlüsien auf die Mithilfe der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der gesamten Arbeiterschaft. Das Verbot der Nachtarbeit in den Bäckereien ist ein hygienischer und kultureller sozialpolitischer Fortschritt, der nicht nur der Bäckerei» arbeiterschaft, sondern der Arbeiterklasse überhaupt zugute kommen wird. Die Beseitigung der Nachtarbeit liegt ebenso im Gesamt- interesse der Konsumenten, das deshalb, weil nur während der Tageszeit ein gesundheitlich einwandfreies Brot hergestellt werden kann. Die internationale Union der Lebcnsmittelarbeiter in Gemein- schaft mit den ihr angeschlossenen Organisationen fordert in Fort- fübrimg des bisherigen Kampfes gegen die Nachtarbeit in den Bäckereien mit aller Entschiedenheit in allen Ländern die sofortige Ratifizierung des llebereinkommens über die Nachtarbeit in den Bäckereien." Ktis öem Reiche potemkins. Der Zweck der..Arbeikerdelegaffotiea". Von einem Parteigenossen in Köln, der einer Vorstellung der sogenannten„zweiten deutschen Arbeiterdelegation" beigewohnt hat, wird uns geschrieben, daß eine der angeblichen Delegierten behauptet habe, der„Vorwärts" wäre seinerzeit zur Entsendung einer Ar- beiterdelegation eingeladen worden, habe aber diese Einladung ob- gelehnt. Der Schreiber bittet uns um Aufklärung über den wahren Sachverhalt. Wir geben dies« Aufklärung hiermit öffentlich,«m« allen Parteigenossen Gelegenheit zu geben, dem kommunistischen Delegationsrummel entgegenzutreten. Die Vorgeschichte des ganzen Delegationsrummels geht wahr- scheinlich auf einen Brief zurück, den Arbeiter der Putilow-Werke Ende 1924 an den„Vorwärts" richteten und der im„Vorwärts" veröffentlicht worden ist. Daraufhin mußte die„Rote Fahne" am 31. Januar 1925 ein Telegramm aus Moskau veröffentlichen, des Inhalts, daß eine Belegschaftsoersammlung der Putilow-Werke über die Veröffentlichung des Briefes entrüstet gewesen sei. Ferner habe die Versammlung der„Vorwärts"-Redoktion vorgeschlagen,„eine Delegation aus deutschen Betriebsarbeitern zu- sammenzustellen und diese zur Prüfung der Lage, nicht nur bei den Putilow-Werken, sondern auch bei den übrigen Betrieben der Sowjetunion zu entsenden." Schließlich habe die Delegiertenver- sammlung noch vorgeschlagen, eine Delegation russischer Arbeiter nach Deutschland zu entsenden, um die Lage der deutschen Arbeiter zu prüfen. Diese Einladung der Arbeiter der Putilow-Werke ist uns niemals zugegangen. Wir behaupten natürlich nicht, daß diese Einladung nicht beschlossen und nehmen auch an, daß sie ab- geschickt worden ist. Aber in Ruhland, wo die Arbeiter angeblich die Diktatur ausüben, ist es so eine Sache mit der Abschickung und dem Eintreffen von Briefen, die der herrschenden Clique unbequem sein können. Ebensowenig wie die Einladung jemals in Deutsch- land eintraf, ist auch die Delegation der Arbeiter der Putilow-Werke jemals hier eingetroffen. Der Beschluß der Arbetter der Putilow-Werke vom Januar 1925 ist ein Symptom für das Gefühl der Isolierung, das die russischen Arbeiter beherrscht. Sie möchten aus dieser Isolierung herauskommen. Sie möchten zusammenkommen mit den Arbeitern der anderen Länder. Die russischen Gewalthaber, die für ihre Politik nichts mehr fürchten als eine Verständigung zwischen den russischen Arbettern und den Arbeitern der europäischen Länder, haben es ausgezeichnet verstanden, diesem Bedürfnis der russischen Arbeiter durch die Eni- sendung angeblicher Arbeiterdelegiationen Rechnung zu tragen. Man hat es verhindert, daß russische Arbeiter nach Deutsch- land kommen. Man hat dafür— sich der Tradition Potemkins erinnernd— sogenannte„Arbeiterdelegationen" in Deutschland zu- sammengestellt und sie dann nach bekanntem Muster in Rußland herumgeführt. Nachdem man aber den Versuch der Redaktion des„Borwärts", sich aus eigener Anschauung über Rußland zu informieren, oer- hindert hat» obwohl man den Vertreter der Scharfmacherpreffe, den Gelben, den Schwerindustriellen und sogar einer Hohenzollern- Prinzessin sperrangelweit die Tore nach Rußland geöffnet hat, ist es ein starkes Stück, zu behaupten, der„Vorwärts" habe eine Ein- ladung, nach Rußland zu kommen, abgelehnt. Aber die Verbreitung solcher Schwindelnachrichten gehört wohl zum System Potemkin. veutschlanü im Internationalen Arbeitsamt. Genf, 13. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Im Zusammen- hang mit der am Donerstag beginnenden Herbsttagung des Verwaltungsrats des� Internationalen Arbeits- a m t s, der u.«. auch von den neu geschaffenen Beamten- st e l l e n und ihrer Besetzung Kenntnis nehmen wird, haben am Mittwoch zwei Vertreter der Retchsregierung, Ministerialdirektor Si tz l e r und Ministerialrat F e i g mit dem Direktor Thomas über die mit deutschen Beamten zu besetzenden Stellen eine Be- sprechung gehabt. Wie wir erfahren, ist dabei«in weitgehendes Einverständnis erziett worden. Die bedeutendste Stelle, die neu geschaffen und mit einem deutschen Beamten besetzt werden wird.io ist die eines Sektionschefs inderdiplomatischenAbteilung. Er hat hauptsächlich die Ausführung von Artikel 408 der internatio- nolen Arbeitssatzimg zu überwachen. Es handelt sich dabei um die Bearbeitung der Berichte der Regierungen über die Anwendung der internationalen Arbcitskonoention in den verschiedenen Ländern. Neben diesem deutschen Sektionschef wird eine zweite Stelle eines bisherigen deutschen Beamten aus den gleichen Grad erhöht, so daß nunmehr insgesamt drei deutsche Sektionschefs im Internationalen Arbeitsamt tätig sein werden. Ferner werden zwei neue deutsche Beamte als Oberbeamte, zwei in der mittleren Stufe, ein Uebersetzer und drei Beamte der Hilfsklasse auf Anfang 1927 ins Amt eintreten. Damit ist Deutschland aber immer noch nicht seiner Bedeutung gemäß im Internationalen Arbeitsamt vertreten. g-eie Snvnksch<>f!,Iuft«nd. Keute Donnerstag, 11. vktobtr, VA Utr, taarn dir Grupven: Moabit: Grunpcnbeim Etitdt. Iuaendheim. Dremrr, eck« SBicItffltflfic. Wir lesen aus„Rote geldvost".— Lichtenberg! Iugendbeinr Vackaee K». Dockstanzobend.— SU(Knick: gugendheiin Ibrltnaurr Str.», Aus. svroche über Betricdsvcrliiiltnigl.— Temnelho!: Jugendlieim Germania str.(—8. Unterholtungsobend.— Südosten: Illgenddeim Reichenberser Str. 66, Bortrag:„Das moderne Tdealer".— Gesundbrunnen: Jugendheim Gotenburger Straße 2. Bortrag:..Kirche und Staat".~ Snanbau: Jugendheim Linden» user 1, Tanz- und Liederabend.— Mitte: Jugendheim Reue Königstr. TU Bor- trag:»Die Stellung des Jugendlichen im Betrieb". Dcnischer«erkmeisierrelbanb. Allgemeine Werkmeisterversommlung der Berliner Metallindustrie Mittwoch. 20. Oltobrr. 7 Uhr, im SNubhans, Ohm- straße 2. Tagesordnung:»Die neuzeitlich« Betriebsorganitation in der Metall- industrir, der BBMI. und unsere Werl meist ertollcgen". Referent Kolleg« Rothe. Geschäftsstelle des Bezirks 10: B. Roth«. Bcrantwortlich für Bolitit: Dr. Gurt Geyer: Sirtschaft: Artnr Saternu»; Dewrrkschaflsbeweaung: Z. Steiner: Feuilleton: K. S. DSscher: Lokale» und Sonsligcs: ikrig Karstädt: Anzeigen: Th.»locke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts-Berlag G. m. b. S.. Berlin- Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlaosanllalt Baut Sinacr u. Co. Berlin SW 66 Lindenftraße s. Hierzu 2 Beilagen.„Unterhaltuug und Willen" und„Traueullimme". Moderne Herbst- und Winterkleidung zu billigen Preisen! Keirenulster>U> modernen FisehgrkUiofSen... 38— Herbst- u Winterulster � Se�"':5'0.9" Winterulster Winter pale? ots Rockpaletots Moderner Ulster»ÄÄ; Herren Sakkoanzöge UEd.U8 Sakkoanzüge am rejn�ottea m Kurnm�arn. modern penwsterf. mit Breeches oder oponaiuug Knirkprhocker mu langer Hose... Manchester-Sporte1 nzug Wetiermäntel IZ Kamelhaarlodenmäntel rtiBS Gummimäntel nach Qualitit 55.- tür Damen und H»ren, modern« Stoße, mit guter Gumini'jung........ Herren Wintf rjcppen?ü'ek?ä.l�»»«> u.—.»chwinso,—» i»»�« homi Chaulfeur-Anzug � Ohautfeurmäntel rn� Q".Äo.l!r«Ält Nacktpelze»«»« eebna-ht,.............. Phan? Diirnafo mit Srhafpetzlntter, AermHoelzfflt'enmj», 1Q*%i iinau�eurpeiz SchatDelzkriz.nt. Kordher. 155�, m.DCff Ib. 69°° 36OJ 62°° 69° 24°° imprägniert lür Dirnen 13.50, Hema 6.73, Kneie' ,a> Damenmäntel«. woiiig. Fumchstoa, Qr.«« Damen-Wintermäntel Damenmänte! föoÄiuXr 0.�10™.. Mod. Damenmän'e! �ÄrÄeTÄ Fescher Ottomanemantel Eleganter Mantel ISSSSSfÄÄ- Persianermantel tmit, g«nr sei.,«leg. Aa-lodr�. Damen-Piüschmantel Iß50 13°° 29°° 56« 47°° 48°° 60°° 116°° Windjacken Herrenhosen ÄÜ.rstWiz-. 750. Breeches für v,men-»< Herren... Ii.—. ,2.53. ,0.-0 6°° Herren Sportpelz,>26°° Herren-Sportpelz, K 2H°° Hör ran ßa'�na�-y schwarz-Drip�bez�Seaielelcfrikstüciea-|QA� nerren-ÜB pe i, fulter, SealMeVtrikrollsciallras�n.. Herren-Gehpelz, 7!' Biß00 Damen- Pelzjacken«a... 7s._ 67°° Damen Pelzjacken, 126°° Damen- PelZ jaCken, iChw irz Fohlm, elegmi ge(liiert 175°° Damen- Pelzmäntel, 193°° Knaben- Pyjacks 1U> bläUe n°u' Aermeutidtere. Jj50 Original-Kieler Anzüge, 12-° U'tter oder Raglan, aus nodefarbizen| �60 IlS ..'5-SiÄü i Knaben Mäntel, Fl-uich- nnd anlesen SloSfn.. voo Knaben- und Mädcien�ummimäntel v<» ÄÖF Clisieisseesf resOe 29-SO tmmrnm Untergrundbahn Stettiner bahnhQt Aus unssrer MaBabiei.ung: üer modern»* U stcr ans erat- iOZ OL klassigcn OnaHtfitea IwJ« Oer vollendete Sakkoanzng I JC 00 In e» nten Farben»itJ. Nr. 484 ♦ 4Z.Iahrgang 1. Beilage ües vorwärts Vonnerstag, 74. Oktober 7926 Das Verfahren gegen Dr. Soehme eingestellt. LS. Dresden. 13. Oktober. Um 3,50 Uhr verkündete der Vorsitzende, Landgerichtedirektor Dr. Kurth, nach fast vier- stündiger Beratung unter allgemeiner Spannung folgendes Urteil: „3m Namen des Volkes! Das Verfahren wird eingestellt, die kosten fallen der Slaatskasse zur Last." Die Urteilsbegründung, In der Begründung des Urteils heißt es:„Es ist erwiesen, daß Frau Dr. Boehme am 22. September 1316 bei einem Iagdausflug durch einen Schuß aus der Büchse ihres Mannes ge- tötet wurde. Nach eingehender Beratung erscheint es dem Gericht nicht zweifelhaft, daß viele Umftände�sür eine Mordan. klage gesprochen haben, und noch sprechen. Die Ber- Handlung hat ergeben, daß der Angeklagte ein Mann war, der sich in allen seinen Handlungen in einem solchen Maße vo m G e l d e und vonderGeldgierhat leiten lassen, daß jedes erlaubte Maß von ihm überschritten'worden ist. Tie Verhandlung hat auch ein Bild seines Charakters enthüllt, das man beim besten Willen nur als unschön bezeichnen kann. Dem Angeklagten war die Tat an sich voll zuzutrauen. Dr. Boehme befand sich ISIS in einer finanziellen Situation, daß ihm voll zugetraut werden kann, den Tod seiner Frau, deren Alleinerbe er durch das Testament war, verursacht zu haben. Zum mindesten ist ihm das Ableben seiner Gattin nicht unerwünscht gekommen. Auch das Verhalten des Angeklagten nach dem Tode deutet daraufhin. Er ist ruhig neben ihr liegen geblieben, obwohl es doch seine Pflicht als Gatte und Arzt gewesen wäre, sich sofort darum zu kümmern, ob der Verwundeten noch zu helfen war. Schwer sprach gegen ihn auch der Umstand, daß er sich weigerte, am Tage darauf die Leiche in würdiger Weise in sein Haus aufzunehmen, daß er die Tote vielmehr in einem Schuppen zwischen Holz und Kohlen liegen ließ. Seine Erklärungen zu diesem Punkte haben das Gericht nach keiner Weise befriedigt. Auch seine Ruhe nach dem Tode der Gattin ist schwer belastend für ihn. Er behielt seine kalte Ruhe, sammelte sofort nach dem Unfall Entlastungsmaterial und aß mit dem Förster Winter. Aus seinem Verhalten hat das Gericht nicht annehmen können, daß er völlig unschuldig gewesen ist. Er hat fernerhin auch falsche Nachrichten über den Tod seiner Frau verbreitet, hat behauptet, daß sie an Herzschlag gestorben sei usw. Das Gericht hat alle diese Umstände, die aus der langen Beratung hervorgeht, sehr ernsthast erwogen, aber auf der anderen Seite konnte doch der lückenlose Indizienbeweis, der für die Verurteilung notwendig ist, nicht erbracht werden. Die Zeugin Schaffrath, auf deren Bekundungen das Ver- fahren zum großen Tell aufgebaut war, hat beim Lokal- tcrmin ihre Auesagen umgestoßen. Dadurch entstand ein« Lücke in der bis dahin geschlossenen Beweiskette, und der Indizien- beweis kann nicht mehr als lückenlos betrachtet werden. Die Vor- fätzlichkeit des Todes konnte das Gericht dem Angeklagten also nicht nachweisen. Allerdings ist das Gericht der Ansicht, daß der An- geklagte sich eine Fahrlässigkeit gröbster Art dadurch hat zuschulden kommen lasten, daß er seine Frau in der Schuß- linie seines Gewehres gehen ließ. So handelt kein erfahrener Jäger. und der Angeklagte ist doch nach feinen eigenen Angaben«in waid- gerechter Jäger.. Es liegt zweifellos fahrlässige Tötung vor, aber eine Verurteilung war auch hier nicht möglich, da bereits Verjährung der Tat eingetreten war. Deshalb mußte das Verfahren gegen den Angeschuldigten Dr. Boehme eingestellt und die Kosten der Staatskasse auferlegt worden." Der Haftbefehl gegen Dr. Boehme wurde sofort aufgehoben, und der Angeklagte durch einen Gerichtsdiener zunächst in ein ge- fondertes Ziinmer gebracht, wo Dr. Boehme wartet«, bis die Zu- schauer sich verlaufen hatten. Die Eregung über den Urteilsspruch war bei den Zuhörern recht groß, und auf den Treppen und in den Gängen wurde der Freispruch sehr viel besprochen. Dr. Boehme selbst nahm das Urteil ruhig auf und blieb auch bei der ihn moralisch sehr belastenden Begründung äußerlich vollkommen gleich. gültig. « Zu Beginn der Sitzung hatte die Tatsache allgemeines Aufsehen erregt, daß Staatsanwalt C a n z l e r, der die Anklage während der fünftägigen Verhandlung in erster Reihe oertreten hat, nicht erschienen war, sondern das Plädoyer dem Staatsanwalt Hartmann überlasten hatte. Der Anklagevertreter beschäftigte sich einleitend mit dem Wesen des Indizienbeweises, den er als ein nicht voll- kommenes aber notwendiges Mittel der Justiz bezeichnete. Die Beweiskette habe sich schon in der Voruntersuchung geschlossen und nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch das Landgericht, das die Haftentlassung Dr. Boehmes ablehnte, habe von vornherein mit einer Verurteilung gerechnet. Wenn in der Hauptverhandlung der Indizienbeweis nicht völlig geglückt sei, schon deshalb nicht, weil die Hauptzeugin Schaffrath beim Lokaltermin ihre Aussage stark revidiert habe, und auch die Aussagen des Försters Winter nicht zuungunsten Dr. Boehmes ausgelegt werden könnten, so hätte der Angeklagte doch unbedingt verhüten müssen, daß seine Frau neben ihm in der Schußlinie ging. Die Staatsanwaltschaft sei nach ver- antwortungsvollster Prüfung zu der Ansicht gekommen, daß gegen Dr. Boehme zwar schwerster Tatverdacht weiterbestehe, daß aber der Indizienbeweis nicht als geglückt betrachtet werden könnt«. Di« Charakterveranlagung des Angeklagten fei hier ernst- Haft geprüft worden. Er habe vielfach die Unwahrheit gesagt. Er habe stets nach Geldheiraten getrachtet und nach dem Tode der dritten Frau bei der Leichenaufbewahrung eine bemerkenswerte Gemütsroheit gezeigt. Dr. Boehme Hab« sich an den ihm anver- trauten Mündelgeldern der Tochter vergriffen. Für ihn gab es im September 1311 nach dem obsiegenden Urteil seiner Tochter Im Erb- schaftsprozeh nur das eine Ziel: Geld um jeden Preis. Doch der Indizienbeweis habe eine Lücke. Reichsbanknote ist Reichsbanknote. Um die„Notgestempelten". In der Berufungsverhandlungen wegen Beleidigung des Reichs- bankpräsidenten Dr. Schacht, die gegen den Kaufmann Herbert Schmidt vor der Strafkammer des Landgerichts II stattfand, wurde bei der Beweisaufnahme Dr. Schacht als Zeuge vernommen. Bei seiner Vernehmung kam es zwischen Dr. Schacht, dem Vorsitzen- den Landgerichtsrat Dr. Hartmann und dem Verteidiger Rechts- anwalt Bahn zu einem schweren Zusammenstoß, der dann mit der Mandatsniederlegung des Verteidigers endete. Dr. Schacht erklärte u. a., daß über eine Aufwertung der 1000-Marknoten in dem Abkommen mit Belgien gar nichts enthalten ist.„Bei dieser Gelegenheit stelle ich nun ausdrücklich fest, daß die Reichsbank weder einem Ausländer, noch einem Inländer jemals eine Aufwertung der Noten, einschließlich der belgischen Mark, versprochen hat. Im Gegenteil ist dies ausdrücklich abgelehnt worden. Es besteht keinerlei politische Verpflichtung, die Noten aufzuwerten. Durch eine voll- ständige Irreführung des Publikums sind Leute auch auf die Idee gekommen, daß rotgestempelte Scheine aufgewertet worden. Reichsbanknote ist Reichsbanknote, und es ist aus- geschlossen, daß eine Note anders ausgewertet wird als eine drei Tage später ausgegebene. Der Angeklagte hätte all dies wissen oder sich zum mindesten unterrichten müssen, bevor er mich so schamlos angriff." Rechtsanwalt Bahn: Ihre Rede, Herr Zeuge, in der Aktionärversammlung der Reichsbank war doch wohl mehr an die Allgemeinheit gerichtet? Dr. Schacht: Nicht mehr wie die Ihrige. Rechtsanwalt Bahn(erregt): Ich verbitte mir derartige Bemer- kungen. Der Vorsitzende hätte mich auch dagegen schützen müssen. Vors.: Es ist wirklich kein Wunder, wenn der Zeuge Dr. Schacht bei solchen Angriffen durch Beweisanträge in große Erregung gerät. Kaum hatte sich die Aufregung etwas gelegt, als es zu einem zweiten Zusammen st otz kam. Rechtsanwalt Bahn fragte weiter den Zeugen, wann die Angriffe gegen ihn begonnen hätten. Der Zeuge Dr. Schacht erklärte, dies nicht zu wissen, gab dann aber auf die weitere Frage, ob die Angriffe schon 1324 eingesetzt hätten, zur Antwort:„Ich hoffe es." Rechtsanwalt Bahn erblickte hierin einen Widerspruch und weist den Zeugen auf den geleisteten Eid hin. Dr. Schacht'antwortete etwas heftig und erklärte„die Art der Fragerei" als höchst unangenehm. Rechtsanwalt Bahn verbat sich aufs neue energisch diese Ausdrücke und bat nochmals um Schutz des Vorsitzenden. Als dieser erklärte, er habe keine Veranlassung dazu, angesichts eines solchen Hinweises des Zeugen auf den Eid, sprang Rechtsanwalt Bahn in höchster Erregung auf und erklärte: „Ich lege das Mandat nunmehr nieder, weil nach meiner Meinung der Vorsitzende die Verhandlung nicht in objektiver Weise leitet. Ich rate auch dem Angeklagten, sich nicht mehr aus irgendwelche Fragen zu äußern." Die Strafkamer kam nach kurzer Beratung zu einer Verwersung der Berufung des Angeklagten und damit zur Bestätigung des gegen den Angeklagten Herbert Schmidt auf 10 Tage Gefängnis lautenden Urteil» des Schöffengerichts Tempelhof. §rau und Wohnung. Zu einer öffentlichen Tagung unter obigem Thema hatte der Bund Deutscher Frauenoereine im Saal« des Reichs- wirtfchaftsrates eingeladen. Mitglieder aus allen Teilen des Reiches waren erschienen, um in gemeinsamer Arbeit einen Veitrag für die Lösung dieser brennenden Frage zu liefern. Was den ersten Teil der Tagung anbetrifft, in dem„Die Wohnung der berufstätigen Frau" und„D a s Altersheim der berufskätigen Frau"(Referentinnen Dr. Erna Corte und Studienrätin Gertrud Simroth) behandelt wurden, so gelang die Erfüllung dieser Aufgabe nur recht u n- vollkommen. Von einem wirklich durchdachten, großzügigen Anpacken dieses Problems konnte keine Rede sein. Bürgerliches— Allzubürgerliches im Verein mit kleinlichem Kastengeist verbauten Rednerinnen und Diskussionsrednerinnen den Horizont nach allen Himmelsrichtungen derartig, daß als„Ideal" der berufstätigen und besonders der pensionierten ledigen Frau die möglichst getreue Inn- tation des bürgerlichen Heims mit all seinen Speise-, Besen-, Bade- und sonstigen Schreckenskammern herauskam. Der Sonntag brachte die dringend gebotene Hebung des Niveaus der Tagung durch den warmherzigen Vortrag von Dr. Marie Baum über„Gegenwartsnot und-aufgaben im Woh- n u n g s w e s e n". Die Vortragend« wies nach, wie in der Ge- schichte der Völker stets die Einschätzung des Menschen mit der Ge- staltung der Wohnung parallel geht. Sie schilderte das entsetzliche Wohnungselend der Gegenwart und feine Ursachen und forderte dringend Abhilfe in 5— 6 Jahren durch großzügige Bauprogramme uitt» verbilligende Typisierung und Normierung des Materials. In der starken Bevorzugung des Kleinwohnungsbaues kam allerdings der indivedualistische Pferdesuß der Bürgerlichkeit zum Vorschein. In seinem Referat über„Formen der Wohnungsbeschaf- fung für die nichtkapitalkräftige Bevölkerung� setzte sich Ministerialrat Lehmann mit den Forderungen seiner Vor- rednerin auseinander, tonnte aber die Bedenken nicht zerstreuen, daß trotz aller Anstrengungen von Reich, Ländern und Gemeinden noch immer viel zu wenig geschieht. Wenn von den 800 Millionen, die jährlich durch Hauszinssteuer zur Besetzung der 2. Hypothek mit billigem Zinsfuß bei Neubauten aufgebracht werden, nur die Hälfte ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt wird, und wenn neuerstellte Wohnungen, die früher 200— 300 Mk. Jahresmicte kosteten, heute 960 Mk. kosten, so bedeutet dies eine recht unzulängliche und für die ärmeren Schichten gar nicht in Betracht kommende Hilfe, zumal, wenn durch die geforderten Zuschüsse oder.Genossenschaftsanteile ein« weitere Hemmung geschaffen wird. Auch versagen die Ge- meinden bis auf wenige Ausnahmen noch viel zu sehr bei Befchaf- fung billigen Baugrundes durch Erbpacht und Gründung von Reichs- Heimstätten. In der Diskussion fanden die Ausführungen von Dr. Marie Elisabeth L ü d e r s mit Recht größte Aufmerksamkeit, die sich mit dem Problem Flachbau oder Hochbau ausein- andersetzte. Sie betont«, daß es sich für die Gegenwart darum handele, schnell, billig und viel zu bauen, und daß darum Hoch- Häuser jetzt das Gegebene seien. Das großartige Wiener Vorbild beweis«, daß moderne luftige Hochhäuser durchaus keine trostlosen Mietskasernen zu sein brauchten. Ueber„Ausgestaltungder Wohnung vom Stand- punkt der Hausfrau und der Familie" sprach in sym- pathischer, lebendiger Weise Frau Colden-J a e n i ck e. Sie brachte eine Reihe beachtenswerter, praktischer Vorschläge und leiste mit, daß heute bereits in zirka 60 Städten Hausfrauen- Bautommissionen beständen, die ihre Wünsche und Vorschläge den maßgebenden Instanzen unterbreiten. Es wäre bringend zu wünschen, daß die Vorschläge dieser Frauen, die durchweg Haus- angestellte zu ihrer Verfügung haben, ergänzt werden durch die Wünsche proletarischer Frauen, die die Nachteile un- zweckmäßiger Bauweise noch viel unmittelbarer zu spüren bekommen. In einer Entschließung am Ende der Tagung wurde ge- fordert, daß zur Abhilfe der unsere Volkskultur an der'Wurzel be- drohenden Wohnungsnot weit wirksamere Kräfte in Bewegung gesetzt werden müssen, als sie bei aller Anerkennung des Geleisteten bisher in Erscheinung getreten sind. Reich, Länder und Gemeinden sollen Bauprogramme vorlegen, die die dringendsten Wohnungsnöte für Familien und Ledige beheben. Ferner wird gefordert eine Neu- Der Weg des blinden Bruno. 23s Roman von Oskar Baum. Nein, man hatte auf einem der langen Tische an der Wand ein Lager zurecht gemacht. „Kapetan ist ja gut; wundert dich, daß ihn so etwas aufregt?" Und nun erfuhr Bruno, daß man also wirklich ihn für den Schuldigen hielt. Ihr verzweifeltes, wütendes Nein habe nicht geholfen. Sie wollte auch, daß er gleich wieder gehe, drängte ihn flehentlich: Es war ja so gefährlich, wenn man ihn bei ihr anträfe! Aber er ging nicht.„Weiß Alwin von allem?" „Alwin? Gott! er wird wohl, wie alle, etwas gehört haben!" „Nein,— ich meine— hat er den Eltern davon ge- schrieben? Er hat Mut genug; man muß ihn nur, du weißt ja, mit der Nase auf alles stoßen." „Ich weiß nicht, woran du denkst," sagte sie leise und schluckte. Sie hatte sich recht weit von ihm ans Fenster gestellt. Die ganze Breite des Saales war zwischen ihnen. Wäre es nicht so still gewesen, er hätte kaum jedes Wort verstanden. „Ich begreife ja, die reichen Leute sollen nicht meinen. daß sie dir Geld anbieten könnten. Aber man müßte es ihnen eben so schreiben, daß---" „Nein, nein!" schrie sie verzweifelt auf,„warum bildest du dir das so fest ein?" Und nach einer beunruhigenden Pause, in der sie nicht zu Atem kommen konnte, leise:„Alex war es doch!" Schweigen.„Gott weiß, wie du jetzt über mich denkst! Aber höre, ehe du was sagst: ich will es dir erzählen." In atemloser Angst haspelte sie ab, haßte jedes Wort, das sie herausbringen mußte, haßte die Scham, die ihr dies Unvermeidliche nach erschwerte— beruhigte sich nur langsam, als sie merkte, wie ernst und vertrauensvoll er zuhörte. An- gedeutes gleich verstand und Ausführlichkeit zu vereiteln be- müht war. Was sich bei Alex sehr bald als rohe Triebvergälterung enthüllte, hatte sie erst als Unmaß heldischer Iugendkraft nicht eben geliebt, mit Furcht und Ehrfurcht scheu bestaunt. „Er heilte mich davon, als er— nur indem er lachend mit voller Bestimmtheit voraussagte, ich würde mich nicht getrauen— mich in jein Zimmer lockte. Niemand von Repe- tans war zu Hause und da— ich könnte ja sagen, er tat mir Gewalt an— wer würde es seinem Charakter nicht zutrauen? — Aber er hatte es nicht nötig—- seine Derfühmngstünste verfingen." Sie sprach es nachdrücklich aus, um sich nur ja nichts zu schenken. „Aber wie ich ihn seither hasse, das kann ich nicht be- schreiben. Hörte ich nur seine Stimme, rann mir Ekel den Rücken hinab. An Folgen dachte ich nicht. Ich war so dumm; ich selbst sprach vielleicht am meisten über das Rätselhafte meiner Krankheit, grübelte ehrlich über alle möglichen Ursachen und stand vom Blitz getroffen, als das Fräulein vorige Woche mich ins Zimmer rief und die Frage stellte. Ich hatte Alex schon so lange nicht gesprochen, daß ich gar nicht mehr an ihn dachte. Er war wohl nachher viel um mich herumgeschwänzelt, hatte vielleicht gemeint, die Geschichte ließe sich in Gemütlichkeit einige Zeit fortsetzen. Aber ich habe ihn bald aufgeklärt— Liebe? Ich weiß nicht, was das ist. Ich glaube, den meisten genügt es, wenn sie sich und noch jemand dazu überreden können, die sagenhafte Wunderkraft zwischen ihnen wieder einmal für auferstanden zu erklären. Biel mehr als vor schlüpfrigen Anzüglichkeiten sollte man junge Leute vor der schwärmerischen Verklärung des göttlichen Menschenzustandes bewahren, daß sie nicht, verrückt vor Ungeduld, die Stimme der Wahrheit in sich überhören!" „Und was gedenkst du zu unternehmen?" fragte Bruno. Franzi las ihm einen Brief vor, dessen Braille-Nieder» schrift sie schon einige Tage mit sich herumtrug. Einfache traurige Worte an ihre Eltern. Sie schilderte, was geschehen war, und bat um ihren Rat. Sie hatte bis zur Stunde nicht das Herz, ihn abzuschicken. Ihre Eltexn waren sehr alt. Bruno begann wild im Saal hin- und herzugehen.„Ob Herr Alex etwas dazu tat, weiß ich ja nicht, aber er wird sich gefreut haben, als aller Verdacht gerade gegen mich ging." „Du wunderst dich, warum ich ihn nicht nennen, ihn mit meiner Stummheit decke, warum ich nicht dem Direktor, dem Fräulein schon einfach alles der Reihe nach erzählte?" Bruno schwieg. „Man hätte mir nicht geglaubt. Er wird schon vor- gearbeitet haben, als er die Gefahr immer näher kommen sah. — Aber nein! Das ist es nicht. Die Wahrheit ist: Da er es selbst nicht sagte, hätte ich es nicht herausgebracht und wenn er mich zerschnitten hätte!" „Ja, ja," sagte Bruno rasch, begriff es aber nicht ganz, „Man sah mich oft mit dir beisammen," fuhr sie fort, „wer wußte denn, daß wir über Alwin sprachen? Dennoch: Deine rätselhafte Unauffindbarkeit heute abend, dein unerklär- liches Verschwinden gerade im gegebenen Augenblick— war eigentlich der einzige Anhaltspunkt. Der schien freilich allen so einleuchtend!" «Alex darf nicht auch noch dieser Betrug durchgehen! Schon weil Kapetan ganz anders über die Sache urteilen wird, wenn er weiß, wer der Schuldige ist," sagte Bruno. „Ach, daran läge mir blutwenig! Aber daß du nicht mit hine.inverwickelt wirst, das ist meine Sorge; wie soll nian das nun abwenden? Wenn du doch abends zu mir gekommen wärest, wie ich dich bitte.n ließ! Ich habe erst heute von diesem Verdacht erfahren. Ach, mein Gott, wie soll das nur—" Sie war ganz verzweifelt. „Warte einmal." Bruno blieb stehen.„Dein Brief schil- dert die Dinge so schlicht und eindringlich, daß niemand, der ihn liest, an der Wahrheit zweifeln kann. Gut, daß er noch nicht abgeschickt ist. Morgen gibst du ihn dem Stubenmädchen, dem Fräulein oder irgendwem, der als erster hereinkommt, nur natürlich dem Direktor nicht." „Ich verstehe nicht—?" „Warte nur! Du bittest himmelhoch, ihn so bald wie möglich aufzugeben und ja niemandem zu zeigen. Das mußt du ganz besonders einschärfen!" „Du glaubst, das tut mir jemand zu Gefallen?" „Sie werden mit dem Briefe geradeswegs zum Direktor gehen: je wichtiger du es machst, desto sicherer." „Das glaub' ich auch." „Und Kapetan wird durch den Brief überzeugt werden, darauf verlasse dich; ich kenne ihn.— Ist der Brief schon in Schwarzschrift geschrieben?" „Auch adressiert, aber in meiner verschlossenen Lade int Arbeitssaal." „Ausgezeichnet! Da muß die betreffende Person ihn erst aus deiner Lade holen und damit ist bewiesen, daß er vor der heutigen Gerichtsverhandlung, also ohne jede Nebenabsicht, geschrieben ist. Machen wir uns denn darüber keine Sorge mehr! Sollte es mißglücken, haben wir noch immer Zeit, über anderes nachzudenken.— Sage mir jetzt, was du vorhast, wie du dir die nächste Zukunft und das ganze Leben überhaupt denkst." (Fortsetzung folgt.) regelung des Finanzausgleichs, nach welchem die Hauszinssteuer in voller Höhe für den Wohnungsbau Verwendung findet, Durchprü- füng der Haushaltspläne, ob Mittel an anderer Stelle für diesen Zweck eingespart werden können, keine weitere Erhöhung der Frie- densmiete, und grundsätzliche Anerkennung des Flachbaus und Klein- Hauses. Die Tagung stellt sich auf den Boden des Reichstags- beschlusses vom 5. Mai 1926, wonach der Entwurf betr. das Heim- ftättengefetz mit möglichster Beschleunigung vorzulegen ist. Ferner wird gefordert Vereinfachung und Verbilligung des Bauens durch Typisierung und Normalisierung und ausreichende Vertretung fach- verständiger Frauen in den mastgebenden Ausschüssen. Abgesehen von der Festlegung auf den Kleinhausbau kann man auch von unserem Standpunkt aus den Forderungen der Entschließung wohl zustimmen. Buch ein Bufwertungsfchwinüler. Opfer: die Dumsnpn, die nicht alle werden. Ein Aufwertungsschwindler, der seit einiger Zeit in allen Be- zirken Groß-Berlins sein Unwesen treibt, macht sich die Arbeit sehr leicht. Er»st ein Mann mit weißem Haar, der einen dunklen Anzug trägt, er spricht bald hier bald da vor und führt sich als ,„Beauftragter des Reichsbankpräsidenten Dr. Schach t" ein. Dieser, so erzählt er, habe ihn damit betraut, ein- mal festzustellen, wieviel Vorkriegsgeld noch im Besitz von Berliner Bürgern sei. Der Reichsbankpräsident habe vorläufig 6 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, um das bereits ermittelte Vorkriegs- geld mit 96 Proz. aufzuwerten. Es ist unbegreiflich, daß jemand an dieses Märchen glauben kann. Der„Beauftragte" sieht aber so ehrwürdig aus und macht auch in seiner Unterhaltung einen so guten Eindruck, daß er kein Mißtrauen erregt. Das alles, obwohl er für die„Vorarbeiten" in jedem Falle einen Vorschuß von 26 bis 56 Mark fordert. Das sei, wie er erklärt, Voraussetzung und Bedingimg einer Aufwertung. Viele Leute geben trotz der aufgelegten Dummheit dieser Erzählung das Geld her, dessen Emp- fang der alte Herr unter irgendeinem Namen bescheinigt und warten sehnsüchtig auf den Bescheid, den sie binnen einigen Tagen erhalten sollen. Endlich gehen dann die Betrogenen zur Kriminal» Polizei, und die Dienststelle O 2 im Zimmer 542 des Polizeipräfl- diums erhält zu den bereits eingelaufenen vielen Anzeigen tagtäg- lich neue. Der Schwindler ist etwa 66 Jahre alt und 1,85 bis 1,96 Meter groß und hager, also ein auffallender Mann. Man sollte ihn, wo er erscheint, auf der Stelle festnehmen lassen. Oer Kongreß üer Sexualforschung. Im Saal des Langenbeck-Virchowhauses begann am Montag der Erste Internationale Kongreß für Sexual- f o r s ch u n g seine Arbeit. Probleme der Physiologie, Biologie, Pathologie und Therapie, sofern sie mit der Sexualwissenschaft zu- sammenhängen, ferner Fragen der Psychologie und Pädagogik, der sozialen Hygiene und Eugenik, der Soziologie und Kultur, der Krimi- nologie, des Familienrechts und Bevölkerungswisienschaft werden den Kongreß beschäftigen. Aus der großen Fülle der Referate können natürlich nur einige wenige kurz erwähnt werden. Geheim- rat Dr. Albert Moll wollte in seinem Vortrage„Homo- sexualität und der sogenannte Eros" die Gegenüber- stellung von Eros und Liebe nicht gelten lassen. Er war der An- ficht, daß durch seine bereits vor Jahren ausgestellten Begriffe des Berührungs- und Entladungstriebes alle Möglichkeiten der gegen- seitigen Anziehung der Geschlechter zueinander erschöpft wären. Von besonderem Interesse waren die Ausführungen der Wienerin Charlotte Bühler über die„Männliche und weibliche Pubertätsentwicklung" und des Hamburger Psychologie- vrosessors William Stern über„Ernstspielcharakter Äugenderotik und Sexualität". Charlotte Bühler glaubte an Hand einer großen Reih« von Tagebüchern und von Beobachtungen am Psycho-Jnstitut In Wien feststellen zu tSnnen. daß die Pubertätsentwtcklung bei Mädchen sich im großen und ganzen unabhängig von der sozialen Lage und von den familiären oder sonstigen Einflüssen in der gleichen Weise vollzieh«. Etwa zu 13 Jahren werde die intellektuell-sachlich« Entwicklung des Mädchens durch die Schwärmerei unterbrochen, die bis zum 17. Lebensjahre andauert. Hier müßte die intellektuelle Entwicklung wieder einsetzen. Anders bei Jungen. Das intellektuell-sachliche Moment bleibt in der Regel bis zum 16. Lebensjahr das vorwiegende. Dann trete ent- weder wie bei den Mädchen das schwärmerische Stadium ein oder der junge Mensch gleitet unvermittelt aus dem sachlichen Stadium zu den sexuellen Beziehungen zum Weibe hinüber. Professor Wil- liam Stern wollte durch den Begriff„Ernst spiel" die typische Verhaltungsweise des jugendlichen Menschen in der Ueber- gangszeit von der spielenden Kindheit zur Ernsthaftigkeit des Er- wachsenen gekennzeichnet wissen. Es sprachen u. a. Dr. Finken- rath über„Die Grenzen der Aufklärung im Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten" und Prof. Johannes Byk-Innsbruck über „Grundfragen der Sexualpädagogik". Am Mittwochmoi�en sprach A l m q u i st- Stockholm über den Rückgang der Geschlechtskrankheiten in Schweden. Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten trat am 1. Januar 1919 in Wirkfamkeit, gleichzeitig mit der Aufhebung der Reglementiciung der Prostitution. Alle venerisch Infizierten waren von nun an verpflichtet, sich einer ärztlichen Behandlung zu unter- ziehen, die in Krankenhäusern und Polikliniken auf Kosten des Staates erfolgte. Auch Arznei- und Verbandsstoffe wurden umsonst geliefert. Die Eheschließung Geschlechtskranker wurde unter Strafe gestellt. Seitdem ist ein R ü ck g a n g der Syphilis, insbe- sondere. in den Städten zu verzeichnen. Jadassohn-Breslau berichtete über die Ergebnisse seiner Umfrage, die er in einer ganzen Anzahl von Ländern abgehalten hatte, und die den Zweck verfolgte, die Ergebnisse der Salvarsan-Behandlung bei Syphiliserkrankungen festzustellen. 97 Proz. der Antworten lauteten günstig für Salvarsan. Pastor Bohn-Plötzensee sprach über den Stand der Prosti- tion und sorderte energisch die Aufhebung der Reglemen- tierung und der Bordelle. Ruhland referiefte über Findelhäuser und ihren Einfluß auf den außerehelichen Geschlechts- verkehr. Cr bestritt entschieden, daß sie ein Anreiz zu solchem Der- kehr bedeuteten und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß ihr Vor- handensein die Zahl der Abtreibungen verringern würde. Die Vor- träge und Beratungen werden heute fortgesetzt.— Man wird übrigens durch diesen Kongreß lebhaft an einen anderen ähnlichen Kongreß erinnert, der iin September 1921 inl gleichen Saale statt- gefunden hat. Er nannte sich erste internationale Tagung für Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage. Zum Teil sind es letzt die gleichen Teilnehmer wie damals: jedoch eine ganze Reihe damaliger Teilnehmer fehlen dieses Mal. Auch die Behandlungs- gegenstände der beiden Kongresse fallen teilweise zusammen, damals waren es die innere Sekretion, Sexualreform, Strafgesetzrcform, Sexualpädagogik, Eugenik und Völkerpolitik. „Unter Friedrich Wilhelm IV". Die„K r e u z- Z e i t u n g" brachte anläßlich des fünfundsieb- zigjährigen Bestehens der Berliner Ringbahn einen kurzen Begrühungsartikel, der in seinem ersten Satze ausgerechnet den amüsanten Hinweis enthielt, daß der Bau dieser Bahn„unter Friedrich Wilhelm IV." begonnen wurde. Ja, die Hohen- zollern, das waren eben Leute, die mit Adlerblick erkannt hatten, welche Bedeutung die Erfindung der Eisenbahn hatte! Deutlich beweist das ja die Randbemerkung, die knapp 13 Jahre vorher 1838 S. M. Friedrich Wilhelm III. neben ein Ihm alleruntertänigst vorgelegtes Projekt zum Bau einer Eisenbahn' setzte:„Ich verspreche mir keine besondere Glückseligkeit davon, mit einem Dampfwagen einige Stunden früher von Berlin nach Potsdam zu gelangen als im Pferdefuhrwerk. Und was mag wohl Friedrich Wilhelm IV., von der Unter» aeichming einer formalen vewilligungsurkund» abgesehen, mit dem 8m der Berliner Ringbahn zu tu» gehabt habe»? Die Zusammenarbeit üer Kriminalisten. Die Deutsche Kriminalpolizeiliche Kommission trat im Mini- sterium des Innern unter Vorsitz des Leiters der preußischen Landes- kriminalpolizei, Regierungsdirektor Dr. Weiß, zusammen. Nachdem der Schöpfer der Deutschen Kriminalpolizeilichen Kommission, Polizeipräsident Dr. Palitzsch-Dresden, die Anwesenden aufs wärmste begrüßt hatte, nahm Staatssekretär Dr. A b e g g das Wort zu etwa folgenden Ausführungen:„Ich freue mich, die Leiter der Kriminal- Polizeien der Länder hier vereinigt zu sehen, um den Weg zu einer neuen Zusammenarbeit der Kriminalpolizeien zu finden. Diese Frage, wie man am besten zusammenarbeiten kann, ist seinerzeit schon in den Vordergrund gestellt worden. Durch die Polizeiaus- stellung in Karlsruhe wurde der Gedanke des Polizeipräsidenten Dr. Palitzsch, eine Deutsche Kriminalpolizeiliche Kommission zu gründen und zu fördern, in die Tat umgesetzt. Der Gedanke hat in allen Ländern einen ungeteilten Beifall gefunden. Auf diese An- regung hin ist nun diese Kommission zusammengekommen, um bindende und feste Beschlüsse zu fassen. Darin liegt etwas außer- ordentlich Wertvolles auch für die Entwicklung des deutschen Volkes und des ganzen Staatslebens. Staatssekretär Dr. Abegg ging dann auf die Große Polizeiausstellung Berlin des näheren ein und zeigte, daß hier durch den edlen Wettbewerb der Polizeien der verschiedenen Länder ein gewisses Zusammenarbeiten bereits herbeigeführt worden ist. Darauf überbrachte Reichskommissar K u e n z e r im Namen des Reichsministeriums des Innern die besten Grüße und Wünsche für die-Tagung. Er betonte ebenfalls das lebhafteste Interesse des Reiches an einer innigen Zusammenarbeit der Polizeien und der Polizeibehörden aller Länder. Man kann nur betonen, daß das Reich das allergrößte Interesse an einem günstigen Ausgang der Verhandlungen dieser Tagung habe. Es werden Beschlüsse gefaßt werden und dann wird es Aufgabe der Länderregierungen sein, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Der Vorsitzende der„Deutschen Kriminalpolizeilichen Kommission", Regierungsdirektor Dr. Weiß, dankte allen Anwesenden für ihr Erscheinen. Man trat dann in die eigentliche Beratung der Tagesordnung ein. Als erster Referent sprach Präsident Dr. Palitzsch über die Entstehung und Eni- Wicklung der Deutschen Kriminalpolizeilichen Komnnssion. Den zweiten Vortrag hielt Oberregienmgsrat Dr. Hagemann vom Mini- sterium des Innern über daktyloskopische Zentralstellen. Das eigentliche Gebiet der außerordentlich packenden Vortrags- kunst Hermann S ch e y s ist die Ballade. Hier kann sich die ganze Energie dieser prachtvollen, ausgeglichenen Stimme entfalten, hier kann sich vor allem das dramatische Temperament des Sängers ent- laden. Romantische Lieder wie die von Carl Maria von Weber oder Robert Franz, die Schey gestern abend im Rahmen des Zyklus' „Das Lied" sang, liegen jedoch der Stimme weniger, der im Grunde Weichheit und letzte Schmieasamkeit fehlen. Erstaunlich blieb es trotzdem, wie Schey diese Lieder behandelt, wie rhythmisch und einfach er singt, er kennt keine Mätzchen, keine willkürliche Tongebung oder Schleifung der Töne, aber er bleibt doch dem romantischen Lied die Verinnerlichung schuldig, vielleicht fehlt das Erleben, aller- dings täuscht seine souveräne Technik darüber hinweg, und dann klang die Höhe manchmal gepreßt. Darauf las Walter Hasen- clever die ersten Szenen aus seiner bisher unveröffentlichten Komödie„Ein besserer Herr". Die Sprache ist kühl und klar, klingt aber stellenweise zu forciert. Die Komödie hat einen Großindu- striellen oder Großfinanzter zum Helden, dem sich die Welt allein al» Geschäft darstelN. Ein Urteil über dos Stück ist lelbstoerftändllch nach dieser fragmentarischen Vorlesung unmöglich. Manche«(Unat, als ob et au» dem Atelier Eternheim stamm«. Hafenclever sucht krampfhast nach aphoristisch zugespitzten Phrasen. Ein dramatischer Dialog muß aber mehr sein als eine mehr oder minder geistreiche Sammlung von Bonmots. Es ist möglich, daß es sich hier über- Haupt um eine Parodie handelt. Vor dem Abendprogramm drei ausgezeichnete Vorträge: Felix S t ö s s i n g e r beginnt mit China seinen Zyklus„Dichter und Dichtungen Asiens". Er entwirft in knappen Sätzen ein erschöpfendes Bild von der Weltanschauung, inneren Gliederung und der Lyrik Chinas. Justizrat Dr. H e i l f r o n vermeidet in„Rechtsfragen des Tages" den trockenen Ton und illu- ftriert das Thema durch anschauliche Beispiele. Dann spricht Vize- Polizeipräsident Dr. F.r i e d e n s b u r g über„Unsere Polizei". Er gibt einen tleberblick über das Tätigkeitsfeld der modernen Polizei, über ihre Ausbildung und ihre Hilfsmittel. Bemerkenswert der Satz: Die Polizei darf keine über den Wolken thronende Behörde, sondern muß der Ausdruck für den stttlchen Ordnungswillen des Volkes sein. Das KundktmKprosn'smrn. Donnerstag, den 14. Oktober. Außer dem üblichen Taeesprogramm' 12.30 Uhr nachm.: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4 Uhr naohm.: Gert Hartenau-Thiel:„Eine Bärenjagd in Sumatra11. 4.30— 6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Ansehließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 6 30 Uhr abends: Staatsanwaltschaftsrat Hans Grau:„Der Kraftfahrer und die Polizei11. 7— 7.50 Uhr abends: Hans-Bredow-Schulo fBildungs- kurse). 7 Uhr abends; Abteilung Technik. Prof. Erhard Landt: „Die Welt der kleinen Dimensionen". 7.30 Uhr abends: Abteilung Spraohunterricht. Spanisch(0. M. Alflen und G. v. Eyseren), 8 Uhr abends: Egon Jacobsohn:„Von unbekannten Dingen, die man wissen muß". 9.30 Uhr abends: Sendespiele.Pension Sohöller", Posse in drei Aufzügen von Karl Laufs. Regio: Alfred Braun. Philipp Klapproth: Jakob Tiedtke; Ulrike Sprosse, seine Schwester: Grete Bäck• Ida, Franziska, deren Töchter: Lore Braun, Charlotte Hagenbruch; Alfred Klapproth: Wolfgang Zilzer; Emst Kißling, Maler. Alfreds Freund: Fritz Kampers; Fritz Beruh ardy: Johannes Riemann; Josephino Krüger. Schriftstellerin:'Mathilde Sussin; Schöller, ehemaliger Musikdirektor: Julius Brandt; Amalie Pfeiffer, seine Schwägerin; Lucie Enler; Friederike, ihre Tochter: Irma Dierks; Eugen Rümpel: Engen Rex; Gröber, Major a. D.: Karl Wallauer; Jean, Zahlkellner: Karl Platen. Kellner, Gäste. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachriohten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Pilmdienst. 10.30—12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester Ette). Königswusterhausen, Donnerstag, den 14. Oktober. 2.30—3 Uhr nachm.: Zentrale des Hausfrauenvereins Groß- Berlins: Der Keller als Vorratsraum. 3—3.30 Uhr nachm.: Dr. Amsel, Oberschullehrer Westormann: Einheitskurzschrift. 3 30 bis 4 Uhr nachm.: Professor Dr. Ziehen: Stellung des Willens im Seelenleben. Volunteerismus. 4- 4 30 Uhr nachm.: Professor Dr. Ziehen: Wille und Gehirn. Innere und äußere Willenshandlung. 4.30— 5 Uhr nachm.: Aus dem Zentralinstitut. Berichte. 6—6.30 Uhr abends: Dr. Ebeft: Was muß der Landv.-irt beim Bezug von Obstbäumen aus der Baumschule und bei der Pflanzung beachten. 6 30— 7 Uhr abends: Dipl-Handelslehrer Wieg: Volkswirtschaftliche Fragen für junge Kaufleute. 7— 7.30 Uhr abends: Mihall Wittels: Die frühen Sonaten Beethovens. 7.36—8 Uhr nachm.: Artur Holitscher: Das heutige chinesische Theater. Ab 8 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Große öffentliche Versammlung am Freitag, den 15. Oktober 1976, abend» 71/, Uhr, in Tempel» Festsaal, Friedrichsselde, Prinzenallee. Tagesordnung: Die Sozialdemokratie im heutigen Staat. Redner: Ernst heilmann, M.d. L. Männer und Frauen, erscheint z» dieser Versammlung in Massen l das Musizieren üer deamten. Die ungeheure wirtschaftliche Not, so wird uns vom Deutschen Musikerverband geschrieben, gibt vielen erwerbslosen Arbeitern und Angestellten einen Anreiz, sich musikalisch zu betätigen. Das ist zu verstehen, wenn auch nicht zu billigen, denn dadurch werden die freistehenden Zioilberufsmuslker brotlos gemacht, die infolge ihrer unständigen Beschäftigungsweise nicht einmal Erwerbs- losenunterstützung erhalten. Nicht zu verstehen ist es aber, daß fe st besoldete und pensionsberechtigte Reichs-, Staats- und Kommunalbeamte in ihrer Freizeit und Urlaubszeit, die doch zur Erholung benutzt werden soll, sich im Nebenberuf musikgewerblich betätigen. Dabei handelt es sich nicht nur um die schlechtbezahlten Unterbeamten, sondern vielfach um Sekretäre, Obersekretäre und Inspektoren, die zu ihrem Gehalt der Beamtenbesoldungsgruppen VI bis VIII von 366 M. bis 456 M. monatlich noch oft denselben Betrag durch ihre Musikbetätigung hinzuverdienen. Gering geschätzt kann man in Deutschland mit 12 6 66 bis 15 666 musizierenden Be- a m t e n rechnen, die den Zivilberussmusikern jährlich einen L e r- dienst von 8 bis 16 Millionen Mark wegnehmen. Für diese 8 bis 16 Millionen Mark werden doch nur in den seltensten Fällen Einkommensteuern bezahlt. Durch das nächtliche Musizieren werden die musizierend� Beamten frühzeitig abbau- oder pensions- fähig, treiben es durch die Nichtbeachtung der bestehenden Bestim- mung direkt so weit, abgebaut zu werden. Diese Zustände sind den Behörden nicht etwa unbekannt. In ungezählten Beschwerden und Eingaben an die Reichs-, Länder- und Kommunalbehörden hat der Deutsche Musikerverband eine Abänderung der bestehenden und sich als unzulänglich erwiesenen Bestimmungen für die Musikausübung der Beamten gefordert. Viele Kommunalverwaltungen, darunter Berlin, haben ihren Beamten und Angestellten jede entgeltliche Musikbetätigung verboten. Viele Landesregierungen gs- statten ihren Beamten das entgeltliche Musizieren nur von Hall zu Fall. Nur Preußen und die Reichsregierung haben sich bisher nicht entschließen können, dem Beispiel der an- geführten Kommunen und Länderregierunaen zu folgen, trotzdem gerade bei der Post, Eisenbahn und der Finanzverwaltung sowie bei den preußischen Behörden sich viele ehemalige Militärmusiker in Beamtenstellen befinden, die sich mehr als'Musiker wie als Beamte fühlen. Angesichts dieser Zustände ist wohl die Frage berechtigt und angebracht, wie lange die Allgemeinheit noch zusehen will, daß die musizierenden Beamten doppel- tes Cinkommen erzielen, während die Berussmusiker mit ihren Familien hungern und der Wohlfahrtspflege zur Last fallen müssen. Diese unhaltbaren und unwürdigen Zustände müssen endlich beseitigt werden. Die heutige große Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Not gestatten keinen Doppelverdienst für Arbeitnehmer, die sich in ge- sicherter Beamtenstellung befinden. Das preußische Staatsministerium und die Reichsregierung haben«ine soziale Pflicht zu erfüllen, um den Musikerbenis und die Musikkultur nicht verelenden zu lassen. Sonderfahrt nach dem Kyffhäuser. Pünktlich um 5,54 Uhr morgens setzte sich am Sonntag der Sonderzug der Berliner Reichsbahndirektion nach dem Kyfshäufer in Bewegung. Die Eisenbahndirektion hatte sich nobel gezeigt und statt der Wagen vierter solche dritter Klasse, in denen es sich doch bequemer fährt, gestellt. Es waren etwa 666 Reisende, die sich am Südharz, in Berga Kelbra auf die Kleinbahn begaben. In einer Viertelstunde war man am Fuß des Kyffhäuser. Dann begann der durch Fernsichten erfreuende Ausstieg zum Denkmal. Oben wehte eine heftige Brise Tief unten lag die Goldene Aue und darüber hinaus sah man die dunklen Harzberge. Ein kräftiger Imbiß folgte. Merkwürdigerweise hatte der Wirt schwarzweißrot aus Halb- mast gesetzt, ein Anblick, der den Unwillen vieler erregte. Aber niemand wollte sich die Stimmung durch Protest verderben lassen. Es wäre gut, wenn dafür«sorgt würde, daß diese osfiztell be- luchten Lokal« auf«ine solche Flaggung verzichten. Um 3 Uhr letzte sich der Zug in Fahrt noch der H e I m k e h l», der größten Höhle Deutschland». Die Führung durch die Hohl« gewährte interessante Einblick». Pünktlich um 7,50 Uhr ging«» heimwärts, und um 12 Uhr war alle» wieder wohlbehalten in Berlin. Man sah beim Aussteigen nur frohe und zufriedene Gesichter. 4- Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitte'lt, wird am Sonn- tag, den 17. Oktober, bei genügender Beteiligung ein Sonderzug 4. Klasse zu ermäßigten Fahrpreisen nach Hamburg verkehren: Berlin, Lehrter Bahnhof, ab 6.26 Uhr vorm., Spandau ab 6.38 vorm. Hamburg an 11.36 Uhr. Rückfahrt Hamburg ab 7.18 Uhr abends, Ankunft in Spandau 12.67 Uhr, Lehrter Bahnhof 12.36 Uhr nachts. Di« Fahrpreise für die Hin- und Rückfahrt be- tragen von Berlin, Lehrter Bahnhof, 12,86 M., von Spandau 12,36 M., von Nauen 11,36 M. Der Fahrkartenverkauf hat bc- gönnen. In Hamburg ist neben der Stadt- und Hasenrundsahrt Gelegenheit zu einer Besichtigung des 21 666- Tonnen- Dampfers„Deutschland" der Hamburg-Amerika-Linie und zum Besuch des Hagenbeckschen Tierparks in Stellingen gegeben. Zu diesen Veranstaltungen werden Zusagkarten ausge- geben, und zwar zu einem Preise von 5,56 M., die zur Stadt- und Hafenrundfahrt, zur Besichtigung des Dampiers und zum Mitlag- essen berechtigen, und zum Preise von 1,75 M., die zur Fahrt mit Auto nach Stellingen und Eintritt in den Hagenbeckschen Tierpark berechtigen. Siebente Jahresfeier der Verwaltungsakademie. In der Neuen Aula der Berliner Universität beging die Verwaltungsakademie das Fest ihres siebenjährigen Bestehens. Reichsminister a. D. Schiffer begrüßte als Präsident der Akademie die Erschienenen und wies in seiner Ansprache auf die großen Erfolge der Akademie in der Zeit ihres Bestehens hin. Zumeist wird das Fachstudium gepflegt, um die Beamten durch Vorträge leitender Beamten ihres Dienstkreises in ihrem Gebiet weiterzubilden. Bei einzelnen Behörden werden die Zeugnisse der Verwaltungsakademie in das Personalregister mit aufgenommen. Im M i n i st e r i u m des Innern ist ein Erlaß herausgekommen, der besagt, daß die Beamten, die die Verwaltungsakademie absolviert und die Prüfung bestanden haben, an verantwortlichen Stellen zu beschäftigen sind. Der Herr Minister a. D. betonte dann noch, daß die Akademie den altpreußischen Beamten wieder heranziehen will. Universitätsprofessor Dr. Wiedens eld sprach über Staats- Verwaltung und Wirtschaftsführung. Der Staat übernimmt für die Wirtschaft den Schutz des Eigentums und der Verträge. Wirtschaft ist Gesamtheit aller Tätigkeit zur Befriedi- gung materieller Forderungen. In der Wirtschast steht Einzel- interesse gegen Einzelinteresse. Der Erfolg des Kampfes ist der Gewinn Der Staat aber kennt nur E i n h e i t s interessen. Schon daraus ergeben sich verschiedene Aufgaben und verschiedene Arbeits- Methoden des Staates und der Wirtschaft. Abnahme der Rundfunkteilnehmer. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer in Deutschland hat sich km Mcnat September um 11 675 e r m ä ß i g t: die Gesamtzahl beträgt lomit nach dem Stande vom 1. Oktober 1926 1 246 524. Gegen die Filmschauspielerin Grete Reinwald sst ein Verfahren wegen Kreditschwindeleien eröffnet worden. Es wird ihr vorg«- worfen, daß sie Wohnungsvermietern und ersten Modeworenhäusern für ihr« zahlreichen mrd kostbaren Toiletten die Bezahlung schuldig geblieben sei. Die Bezirksoerodnete Genossin Ottilie Gerndt begeht heute, am 14. Oktober, ihren s« ch z i g st« n Geburtstag. Sie hat seit früher Jugend im Dienste der Sozialdemokratischen Partei erfolgreich mitgearbeitet. Genossin Gerndt ist die erste Frau, die in Berlin da» Amt einer Wohlsahrt»vorst«htrln übernahm. Ei« hat diese» Amt noch heut« Inn«. All« Genossinnen und Genossen«erde» der Genossin Gerndt wünschen, daß sie noch viel« Jahr« für dt» Partej tztig seh, tonn. kommunistische AtttonsplSne und Vostzeiverdok. Die Komnnl- nisten hatten für gestern abend zu einer Demonstration durch den Bezirk Prenzlauer Berg aufgerufen. Die Polizei hatte stärkere Kräfte bereitgestellt, da man nach der„Vorarbeit" der KPD.-Abge- ordneten im Landtag wohl Ausschreitungen befürchtete. Die Kund- nebung wurde jedoch im letzten Augenblick, wohl wegen zu geringen Besuches von den Veranstaltern abgeblasen. Für heute abend um 6 Uhr hatten die Kommunisten zu einer Lu st garten» demonstration aufgerufen. Der Polizeipräsident hat diese Kundgebung verboten. Das Verbot hat folgenden Wort- laut: Die von der KPD. fiir den 14 Oktober geplante Demonftra» tion im Lustgarten ist auf Grund des Artikels 123, Abf. 2 der Reichsverfossung wegen unmittelbarer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verboten worden. Das Verbot bezieht sich auch auf andere von der KPD. unter freiem Himmel am 14. Oktober einberufene Kundgebungen. Die Gefahr besteht, daß sie als Ersatz für die ver- botene Lustgartcndemonstration stattfinden sollen. Bundeskanzler a. D. Genosse Dr. Karl Renner(Wien) wird Sonntag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr, im Grotrian-Steinwsg- Saal, Berlin W 9, Bellevueftr. 14, im Rahmen des Oesterreichifch- Deutschen Volksbundes einen Vortrag über„Oesterreichs An. schluh und der Völkerbund— ein Problem des Rechts und des europäischen Friedens" halten. Eine beschränkte Zahl von Eintrittskarten steht im'Bureau des Volks- bundes zur Verfügung. Genosse psarrer Blei er spricht am Donnerstag, den 14. Oktober, abend» VjS Uhr, im Cäcilien-Lyzeum, Lichtenberg, RathauSstraße(nahe Stadtbahn), über im» Thema:.Warum sind mit Gegner de» Militarismus?' Unkostendeitrag.— Am 17. Oktober, abend» 6 Uhr, spricht lZenosse Pfarrer Bieter im Rahmen einer religiösen Feierstunde in der Trinitaiiskirche, Charlottenburg, Starl-Slugust-Platz, über da» Thema: „Wa» sagen uns die fallende» Blätter?' (Ein Bankraub in Liverpool. Die Stadt Liverpool wurde durch einen sensationellen Bankraub in lebhafte Erregung versetzt. Ein bewaffneter Räuber drang in eine im belebtesten Stadtteil gelegene Bank ein, hielt den Kassierer mit einem Revolver in Schach und schoß aus einen Angestellten, dem er eine schwere Verwundung zufügte. Er stürzte dann auf die Straße und gab flüchtend auf die ihn verfolgende Polizei und Volksmenge eine Reihe von Schüsien ab, durch die ein Polizeibeamter und zwei Zivilpersonen schwer ver- wundet wurden. Schließlich gelang es, ihn zu verhaften. Sein Raub bestand nur in einigen Silbermünzen, die er bei dem lieber- fall zusammengerafft hatte. Einsendung«» für diese Rubrik sind Berti» TB! vb, Liudenstrag« 3, Partemachrichten für Groß-Serlin stet» an das Beztrtssekretartat. 2, Hos, 2 Step, rechts, zu richten. L»reis Mitte. Freitag, Id. Oktober. SM tlhr, Sitzung be, erweiterten Kretsvorstandes bei Dobrohlaw, Ewincmllnber Str. 11. Letzte Vorbereitungen nie die©crberoccbe. S.»reis Friedrich-hain. Donnerstag, 14. Oktober, S Uhr. Sitzung des »reisbeamtenwerbeousschufses bei Toepper, Ecke Proskauer und Rtgacr Etvatze. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.* 7.»reis Eharlottrnburg, Beamtenwerbeausschuh: Sitzung am Donner»- tag, 14. Ottober, 8 Uhr. bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Verteilung des Wcrbeuiaterials auf Grund der Liften. 11.»reis Schöucberg-Friedenau. Arbeiterwohlfahrt: Donnerstag, 14. Oktober, « Uhr. Bortrag:«Die uolitischc Bedeutung der Wohifahrtsbeweguug". Refercntin Dr. Clara Senriquies. Lokal: Rosenthal, am Bhf. Gbcrsstratzc. 14. Kreis Reuköllu. Freitag, lö. Oktober, 7% Uhr, Sitzung des engeren Kreisvorstandes im Parteibureau, Neckarstrahe. 10. Kreis Äöueaick. Freitag. 1». Okiober, 7 Uhr. in Kövenick. bei Fabel, Freiheit 5, Fusainmenkunft der Obleute der Elternbeiräte. Sehr wichtige Tagesordnung. Es müssen unbedingt Vertreter entsandt werden.— Freie Schnlgcmeinde: Freitag, IL. Oktober, 8 Uhr, Monatsnersammlung. Sehr wichtige Tagesordnung. Erscheinen ist Pflicht. BezirkSauSschvh für»rb«itrrw ohlfahrt Jührung durch Sie Große polizeiausftellung 1926 heute, Donnerstag, den 14. Oktober. Treffpunkt: 10 Uhr vormittag» pünktlich om Eingang 0 der Polizeiausstellung sUarmaluhr), an der Eck« Brcdtschoeiderstratze.— Fahrverbindung: Uniergrundbahn Saiserdamm. IS. Kreis Pankow. Arbeiterwohlfahrt: Freitag, IL. Oktober, 7ZH Uhr, bei Mech. Lindenvromenade, Eck- Berliner Straße. 2. Kursusabend:„Ein- silhrung in die Wohlfahrtspflege'. Refcrentrn Stadtverordnete Minna Todenhagcn. heule, Donnerslaq, den 14. Oktober: »4. Bit. Achtung! Bczirksführcr sofort die Hauslistrn abgeben beim Ge- Nossen Willi) Friintzcl, Kopecnikusstr. 33. 40. Abt. ilo Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant Schultheiß sfrüher Tivoli), am Kreutberg, Lichierfelder Sir. 11. Landtagsabgeordnete' Erich Kuitner spricht über„Deutsche Justiz und Sozialdemokratie". Mit uns lympaihistcrend« Volksgenossen stnd freundlichst eingeladen. Morgen. Freilap, den 15. Oktober: Abt. 124a Mahlstzors-Süd. 8 Uhr wichtige Funktivnärsstzung bei Dietz, UHIand- strahc. Alle Funktionäre müssen unbedingt erscheinen. 127. Abt. Hohenschönhausen. 7'z Uhr in der Schule Freicnwalder Str. 6 Mitgliederversammlung. Vortrag:„Der Kampf um die politisch« Macht". Referent Lehrer Willy Roggc. Alle Mitglieder müssen unbedingt er- scheinen. Gäste herzlichst willkommen. Zungsozialisten, heule. Donnerstag, den 14. Oktober: Gruppe Charlottenburg: 8 Uhr im Jugendheim Rostnenstr. 4 Besprechung des Eeptemberhcftes der„Jungsozialistischen Blätter".— Seuppe Reuköll» II: 8 Uhr im Jugendheim Rogaistr. 53 Vortrag:„Wesen und Entwicklung des Staates". Referent Bruno Reumann.— Gruppe Pankow: Der für Frei- tag angesetzt« Gruppenabend fällt aus. Dafür Beteillgung an der Werbe- Veranstaltung der Arbeiterjugend im Lyzeum Götschstvaß«. Rächst« flu- fammeniunft Freitag. 22. Oktober.— Gruppe Sorben: Morgen, Freitag, lhtz Uhr, im Jugendheim Orihstraße, Ledigenheim am Brunnenplatz. Aus- lvracheabend:„Politische Lag«— Rot« Werbewoche". Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht, da wichtiges Material ausgegeben wird. e- Petershage». Sonnabend, 1». Okiober, 8 Uhr. Monatsversammlung im „Alien Dessauer". Vortrag de» Genossen Stadtrat Fischer-Strausberg: „Eiedlungspolitik und Sauszinssteuer". Diskufsion. Verschiedenes. An- Hanger als Gäste wMommen. Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin«14, S-bastianstr. 37/38, Hof 2 Dr. Charlotienbneg: Do., d. 14., Kam.-Verf. am goo bei Arndt, Kant- ftraße 51, 8 Uhr. Fr., d. 15., Kam.-Vers. Westend 7% Uhr bei Teil. dach,•ABnigin-EIisabeih-Str. 8.— Köpenick: Fr., d. 15.. 7—0 Uhr, Turnabend, Turnhall« 1. Cemeindeschule. Leitung Kam. Wenzel.— Lichtenberg nebst Untergruppe«: Fr., d. 15., sämtliche Ortsgruppen- und Zugführer zu bes. Funk- tionärbespr. ZH8 Uhr hei Paul Werner, Wilhelmstr. S. Sämtliche Kameraden ebenfalls ZH8 Uhr dort. Pflichtveranstaltung. Order braucht nicht abgeholt werden.— Pankow sKreis): Fr., d. 15., 8 Uhr, all« Mannschaften, sämtlich« Evortldr, Tambourleute Turnhalle Wollankstr. 131. Nachrichtendienst ladet ein, — Potsdam: Am Sonntag, d. 17., veranstaltet die Ortsgr. Potsdam um 1 Uhr auf dem Alien Markt in Potsdam eine republikanische Kundgebung, bei der Bundeskanzler o.$. Renner und Philivv Scheidemann sprechen werden. Vereinigung für Schul- und Erziehungsfrage«, Berlln-Twptow. Frechag, 22. Oktober, 8 Uhr, im Zeichenfaal der 6. Treptower Gemeindefchule, Wilden- bruchstr. 53, 3 Tr.. spricht Eanitäisrat Dr. S. Placzek über„Selbstmord« Jugendlicher". Deutscher Esperanto-Vund, Ortsgruppe Berlin. Donnerstag. 14. Oktober, 8 Uhr, Konditorei Dobrin, Lackelcher Mark« llebungsabend. Gäste willkommen. Verband Vslksgefundheit, Orisverein Werlin. Donnerstag. 14. Oktober, 8 Uhr.«hule Ifflandstr. 0, spricht Genosse Dr. Barr über„Hanskrankenpflege". Iugendgruppe am Freitag, 15. Okiober, Eohlerstr. 61. Die Walzbrüder er zählen. Deutscher Arbeiter-Mandolinistrn-B'ind l" zirk Berlin). Uebungsahende haben heute, Donnerstag, folgend« Vereine: Freie Mandolinenvere>n!gung Adlershof: 8 Uhr Restaurant Gotthardt, Adiershof. Hackenbcrgstr. 1. Wando- linenllnb„Stern": Uhr im Restaurant Schulze, Emdcncr Str. 32, Ecke Siemensstrahe.„Dcntsch.Russisches Liebhaber. Orchester": 8 Uhr Restaurant Schirdewahn, Danzigcr Str. 25, Ecke Weihcnburger Straß».— Mandolinen- und Gitarrespieler, welche sich einem Arbeiterverein anschlichen wollen, sind zu diesen llebimgsabende» eingeloden. Kursus für Helfer in der Trinkerfürsorge. Freitag, IL. Oktober. 7V> Uhr, Dorotbeenstr. 28, Vortrag:„Ursachen des Alkoholismus". Referent wird noch namhaft gemacht, Sozialistische slrbeltersugenö Seost-Serlkn. B«j!rt«oorsta»d,sttznng heute, Dvimerstag, pünktlich abend« IZtz Ahr. im Sekretariat. Abteilungsleiter, liefert die Mvnatsprogramm« für November und die verichtsbogen vom 8. Quartal ab. heule. Donnerstag, abenfys 7'A Uhr: Wedding: Jugendheim Luxemburger, Eck« Genier Straße. Einführungs- abend.— Norden: Schul« Putbusser Str. 8, Einführungsabend und Vortrag: „Die Geschichte der Arbeiterjugend".— Senefrlder-Viertel: Schul« Eberswalder Strahe 10. Zimmer 12, Vortrag:„Körperpflege und Nacktkultur".— Schöne« berg III: Jugendheim Hauvistr. 15, Vortrag:„Das Rätsel Kaspar Hauser"..— Lankwitz: 15. Gemeindesthule, Schulstraße. Vortrag:„Amerikanische Verhält- nisse",— Erkner: Jugendheim an der Rundstedlung, Liierarischer Abend.— Wittenau: Jugendheim Rosenthaler Straß«, Vortrag:„Kirche und Religion".— Werbebezirk Prenzlauer B«rg: Treffpunkt zum Mgx-Adler-Vortrag W Uhr Danziger Strahe, Ecke Pappelallce. werbebezlrk Osten: Genosse Rar«dler-WIen spricht in der Schul- aula Koppenftr. 7« über„Marristifche Gtaatsauffassung". Anfang ZH8 Uhr. Unkoftenbeitrag 20 Pf. Dl Werbebezlrk Kreuzberg:>48 Uhr im Sitzungssaal des Bezirksamtes DZ«reuzberg, Porckstr. 11, Lichtbildervortrag:„Hinein in die SAI." W Gruppenabend« fallen au«. Jede Abteilung muh vertreien sein. fa Neukölln VI: Einführung»- und Elternabend morgen. Freitag, im Jugend- heim Canner Straße. Heitere» Programm. Beginn Pünktlich 148 Uhr. Er- scheinen aller �Genossen mit Eltern ist Pflicht. Riederfchönhanfen: Unterhaltung», und Werbeabend morgen, Freitag, Im Gesellschaftsbau» Thiel«, Bismarckfkr. 44. Programm: Ansprach», Rezitationen. Volkstänze. Svrechchor usw. Eintritt 8» Pf. Schulentlassen« und Kinder frei. Alle Parteigenossen, Freund« und Gönner stnd herzlichst«ingeladen. Be. ginn 7tzl Uhr. Pankow: Werhefeier morgen, Freitag, in der Aula de» Lyzeum, Görsch. strahe 42. Programm: Mufik. Reiltationen, Szene»on Glahhrrnner, An- sprach«, Schattenspiele, Jugendspiel:„Der neuen Zeit entgegen". Eintritt 33 Pf., Kinder IL Pf. Erwerbslos« fiel. Beginn>48 Uhr. Sport. Rennen zu Sarlshorst am Mittwoch, den 13. Oktober. 1. Rennen. 1. Firn fK. Schul,). L. Alarid sSchreier), 8. Paladin sPajchke). Toto: 47: 10. Platz: 17. 3S, 72; 10. Ferner liefen: Wolken. schieber, Seeivarte, Adolphu», Ganhmed, Teifi. 2. R e n n e n. 1. Philister so. Metzsch), 2. Landdrost(Leutn. Iah), 8. Heckenstrauch so. Horn). Toto: 23: 10. Platz: 13, 17, 20: 10. Ferner liesen: Rosenkönig. Lese, auSgebr., Schelmerei, gef., Sankt Georg, Diamant. 8. R e n n e n. 1. Prospero(Moritz), 2. Adana(Kukulie»), 3. Falnir lBiSmarl). Toto: 27: 10. Platz: IS, lg, 47: 10. Ferner Uesen: Rücksicht. Goldlachs, Imperator, Blumberg, Chanterella, Maestoso, gef., Fritz Fromm, Mariza. ».Rennen. 1. Csanad(v. Borcke), 2. Ma Berthe(v,.Horn), 3. Märchcnzauberin(Leutn. Götz). Toto: 45: 10. Platz: 21, 35, 24: 10. Ferner liesen: Antin, Vellcju», Wcttelscheide, Cleopatra, Le Marbore. S. R e n n e n. 1. L'Hombre(Kanke), 2. Bornlenjunge CE. Krüger), 3. Kassel(H. Braun). Toto: 156: 10. Platz: 30, 19, 97: 10. Ferner liefen: Mohrenglück, Sigelgahela, Semper idem, Der Kohinor, Euphrat, Medina, Engelsgeduld, 6. Rennen 1. Troja sFranzke), 2. Otavi(R. Derschug),. 3. Kolberg sMate). Toto: 121: 10. Platz: 28, 17: 10. Ferner liesen: Ondina, Kiit, Borussia.. 7. Rennen. 1. Ausbau sK. Lüder), 2. Sandhose(Oertel), 3. Reisende Frucht(Männchen). Toto: 139:10. Platz: 56, 18, 24:10. Ferner liefen: Mirabelle. Prinzeß Frohsinn, Obcrjäger, Duselkop, Romreise, Wingois, Totila, Grille, Silva. Delierberichk der öffentlichen welierdlenstsiell« für Berlin.(Nachdr. verb.) Veränderliche Bewöllung und noch einzelne Regenschauer bei abnehmenden Winden und wenig veränderter Temperatur.— Für Deutschland: Im Norden, namentlich im östlichen Küstengebiet, strichweise Niederschläge. Im Süden sehr mild. >—m st. [18761 Wir eröffnen Ende diefes Monats folgende fünf neue Vcrkaufsgefdiäftc: N, Prinzenalice 82 (nahe de» B a d fi r a fi c) * SW, Lindenftr« 109 (nahe dem Belle-Alllance-PIatz) » SW�Bcrgmannftnll (gegcnCber der Markthalle) » S0,Eifcnbafinftre2 (Ecke Maskauer Straße) * Tempelhof, Berliner Str. 117 (nahe dem Markt) | Unsere jubiläumsdofen und ju- | biläumspakete werden noch bis | einschließlich Sonnabend, den 16. Oktober 1926 verkauft fsgen wir allen verehrten Freunden, die uns zu unferem 50 jährigen Gefchäftsjubiläum ihre Glückwünfchc übermittelt haben. Das uns in fo grobem Mabe bezeigte Wohlwollen hat uns mit aufrichtiger Genugtuung erfüllt, und wir bitten, uns dasselbe auch fernerhin zu bewahren. Der belle Beweis dafür, dab wir unserer werten Kundschaft ßcts nur das Belle bieten und die auserwählte Güte unserer Ware allgemein bekannt ift, dürfte der enorme Zufprudi fein, dessen lieh untere sämtlichen Geschäfte an den beiden Jubiläumstagen-dem I. und 2. Oktober- erfreuthaben. Trotz des enormen Andranges glauben wir, untere Abnehmer doch in bekannter, exakter Weife bedient zu haben, und wenn der eine oderandere Kunde dennoch nicht zufrieden- geflellt worden Ifl, bitten wir das eben mit dem auberge- wöhnlichen Zufprudi zu entschuldigen. Namentlich war die Nachfrage nach dem neueingeführten ,,] U BI LAU M S KAFFEE" geradezu überwältigend, weshalb wir uns entschlossen haben, denselben auch weiterzuführen. Wir werden diesen Kaffee am Donnerstag jeder Woche frisch rollen u. er iß am Freitag und Sonnabend zu M.4,20 das Pfund f ohne Dole) in unteren 30 Filialen und in unteren Niederlagen erhältlich« Berlin N, MüilerftraBe 181 N, Friedrichftraße II8-II9 N, Schönhaufer Allee 6-7 N, Schönhaufer Allee 106 N, Rofenthalcr Str. �0-41 W, Potsdamer Strabe 75 W, Linkßrabe Nr. 37 W, Friedrich ß rake 85a NW, Flensburges Str., Bg. 414 NW, Wilsnacker Straße 16 O, Gr. Frankfurter Str. 146 S, Cottbuffcr Damm Nr. 14 Charlottenburg, Rankeßraße 7 CharIottenbg.,BerlinerStr.I3-I4 Charlottenbg, Wil mersd.St. III Wilmersdorf, Uhlandßr. 89-90 Schöneberg, Kolonnenßraße 2 Neukölln, Bergftraße5 Steglitz, Albrechtftraße 2 Steglitz, Schloßftraße 119 Spandau, Potsdamer Str. 37 « Zum Jubiläum neu eröffnet: N, Brunnenftraße Nr. 67 NW, Turm ftraße Nr. 37 O, An der Jannowitzbrücke 4 SO, Falckenßeinßraße Nr. 36 hikhäie 0ui Ut Ihr« Gesundheit! Schätzen Sie sich! Die ErkSltung ist der Anfang fast aller Erkrankungen. Tragen Sie bei schlechtem Wetter nur deppdMhUge§Mdikl Allerbestes Boxcali mit durchgehenden krdfllgen Doppelsohlen »Grimsby* ■ Grimsby Schw. u. braun pa.BoxcalS mit FIQgelkappe(elegante, aufgesetzte Ledergamlturen) durchgehende Doppelsohlen.Grimsby' ' Grimsby Prima StoSfgamaschen alle Modetarben, mit Leder- etntass und LederlersenielL Innere Lederirerarbeltung. 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RRADDATZtC? tvvn invnq�sirm na SS GratiS'Gabe. 1 'Wir geben bis auf Weiteres== jeder ganzen* Packung( 80 tffgj—• KältklOrBmZahnpasia M gratis eine&robedose Que/sser- Lano//n = bei, um auch dieses gute und vielgelobte== ~ Präparat unseren verehr liehen SKaUklora*== — Freunden bekannt zu geben. fjede fHnpreisung vermeidend, bitten wir S — aussdiließhdi die Gutachten des Prospektes 55 = gefi. zu beachten, besonders aber selbst zs zu prüfen. Dann sind wir gewiß, daß S 55 Queisser-JÜanolin in Sfhrem SHause seinen= — Platz neben SKaliklora finden wird. = Queisser& Co, G. m. b. H, Hamburg 19 S Zur Sttditangl SoUie eine ganze SfCtliklorM~ ZSZ Padcung etwa keine Probe-Dose Queisser-Lanolin ent-~ SS halten, dann bitten wir den leeren SKaliklora-SKarton S — als Drurksadie an uns.(SKaliklora-Fahrik,[Hamburg 19)~ SS einzusenden. Deutliche fHbsender-PIdresse nicht SS rtrgetaenl Sie erhalten sofort eine Queisser- Lanolin- �S Probedose und du verausgabte[Porto zugestellt. SS•) In den halben SKaliklora-PPadtungen SO Pfg. war S — die Betgabe leider unmöglich, weil zu klein. inuiiiuiimiH�� Königstr. 33 Chausesestr. 113 AmBIrf.Alenantfaral. Selm Stcllincr Bahnhe* Oranlensftr. 40 Am O rani e it• P lala Kt?W|e«agtbet sttU Ib Osaatntaj rechts fragen tiefgehende Wandlungen vollzogen. Zu ver. weifen ist vor allem auf die Grundsatzerklärungen im Artikel 153 der neuen Reichsverfassung, dann auf die einschlägigen Bestimmungen im Reichsheimstättengesetz, auf die inzwischen im Erbbaurechl gemachten praktischen Ersahrungen und schließlich auf die neueren Bestrebungen zur Wiedereinführung der Erbpacht. Alle diese Um- stände imd Wandlungen sind geeignet, die preußische Rentengutsge- setzgebung, wenn sie neu wirksam werden soll, mit zeitgemäßem In- halt zu befruchten und dem landwirtschaftlichen Siedlung»- wesen einen neuen Impul» zu geben. Auch die neuere Agrargesetzgebung in Nachbarländern dürft« geeignet sein, neu« zweckdienliche Bestimmungen und Bor- schriften anzubringen. Besonders ist es ein Siedlungs-Gesetz in D ä n e m a r k, das die Aufmerksamkeit beansprucht. Danach werden die Rechts- und Eigentumsverhältnisse von Grund und Boden einer- seits und der Baulichkeiten andererseits völlig getrennt behandelt. Das in Frage kommende dänische Siedlungsgefetz dient ebenfalls der Rentengutsbildung. Das zu einem Rentengut gehörende Boden- eigentum bleibt aber mit einer Dauerrente belastet, also mu einer Rente, die weder durch Kapitalisierung abgelöst, noch durch lau- sende Rentenzuschläge allmählich getilgt werden kann. Diese Dauerrente ist auch in ihrer Höhe nicht feststehend. Sie ist vielmehr beweglich und wird darum beweglich gehalten, daß sie sich— aus- gehend vom nackten Bodenwert im Sinne seiner Ertragsfähigteit— allen auftretenden Wirtschaftskonjunkturen an- passen kann. Sie nimmt also denkbar große Rücksicht auf die sich aus den Produktionspreisen«»'gebende Leistungsfähigkeit der Siedler. Sie erlaubt außerdem auf leichte Weise Nachlässe bei Mißernten. Sie berücksichtigt also gewissermaßen alle Schwankungen der tatsächlich erzielbaren landwirtschaftlichen Boden- 101 Ein Berliner l�ind mqkdam.tcAlBmL Hcujoö KÖNIGIN VON 9ABA s.üb C�ekaimv�n. muiAqvvcuachhb wrid'lkqtMKbis Qual ilä+ezigarefte. hUexMck, an Mu, b&iM rente. Die Rentenleistung selbst bleibt eine Reallast der elnzel- neu Siedlungsstelle, die bei jedem Bssitzmechsel auch den neuen B* sitzer belastet, die aber auch von jeder besonderen Voden» st e u e r befreien kann, wenn die Bodenstcuer mit der Rente zugleich entrichtet wird, was in Dänemark der Fall zu sein scheint. Die für die Siedlerstelle aufzuführenden Baulichkeiten werden im Wesensunterschied zum Bodenbesitz mit einer Til gungshypothek bedacht. Voll zu verzinsen ist derjenige Teil, der dem Vorkriegspreise entspricht. Der überschießende Teil bleib! zinsfrei, und wird nur den Tilgungsraten des Kapitals mit unterstellt. Dieses neue dänische Gesetz hat den Gedankeninhalt der preu> ß i s ch e n Rentengutsgesetze und die im E r b p a ch t r e ch t enthab tenen brauchbaren Elemente miteinander o e r e i n i g t und daraus ein neues Recht geschaffen, das den neuzeitigen Verhältnissen auf das Zweckdienlich st e angepaßt ist. Es wird ernstlich und weislich zu überlegen fein, ob nicht auch den zu erneuernden preu- ßischen Rentengutsgesetzen ein wesentlicher Inhalt gegeben werden sollte. A. Die Zunahme des Güterverkehrs der Reichsbahn hat auch in der letzten Septemberwoche angehalten. In der Woche vom 26. Sep- l19. September bis 25. September) tg26: für den Arbeitstag im Durchschnitt berechnet lauten die entsprechenden Ziffern 143,2 bzw. 125,8 bzw. 141,4. Güterwagen st ellung bei der DentschenReichs- bahn. (Die Angaben verstehen sich in 1006 Stück.) Woche wöchentlich durchschn. pro Arbeitstag 1926 1925 1926 1925 4. 7.— 10. 7. 727.0 732,4 12l.2 122.1 11. 7.— 17. 7. 743.0 739,6 123,3 123,3 18. 7.-24. 7. 750,6 721,5 125,1 120,2 25. 7.-81. 7. 758,2 725,2 126,4 120,9 1. 8.— 7. 8. 745,3 708,9 124,2 II 8, 2 8. 8.— 14. 8, 756,0 708,8 126.0 118,1 15. 8.— 21. 8. 769,7 732,9 128,3 122,1 22. 8.-28. 8. 796,8 738,0 132,8 123,0 29. 8.— 4. 9. 824,6 734,2 137,4 122,4 5. 9.— 11. 9. 824.3 745,2 137,4 124.2 12. 9.— 18. 9. 842 2 754,5 140,4 125,7 19. 9—25. 9 848,1 751,5 141,4 125,2 26. 9.— 2. 10. 859,3 754,7 143,2 125,8 Demnach wurden in der letzten Septemberwoche je Arbeitstag 7400 Wagen mehr zum Gllterversand beansprucht als in der gleichen Vorjahrszeit. Zur finanziellen Lage der Ruhrbergbaus. Nach der fünf- prozcntigen Dividende der Kloeckner-Werke wird jetzt eine Dividende von 6 Proz. bei dem Konzern Eisen- und Stahl- werk choesch-Köln, Neuessener Berawcrksverein angekündigt. Wie Kloeckner blieb auch der choesch-Konzern im Vorjahr ohne Dividende. Für die gute Finanzlage des Ruhrberg- baus spricht auch eine Meldung iiber Erweiterungsbauten der Harpener Bergbau A.- G.- D o r t m u n d. Die Harpener Gesellschaft will die einzeln gelegenen Kokereien ihrer Zechen auf dent Gneisenaugelände zu einer Gesamtkokerei zusammen- bauen und erhosft trotz der neuen Transportkosten für die Kohle einen gesteigerten betrieblichen Nutzeffekt. Bemerkenswert dabei ist aber, daß die aufzuwendenden großen Kosten nicht durch eine Kapitalerhöhung aufgebracht, sondern aus eigenen Mit- teln fließen werden, was auch auf die Finanzlage der Harpen nur die g ü n st i g st e n Schlüsse zuläßt. Gründung einer holländischen Gesellschaft für deutsche Bank- und Zndustrieaktien. In Amsterdam ist durch die Banksirnia Proehl u. Guttmann, die bekanntlich hier die Interessen der Dresdner Bannt wahrnimmt, das Amsterdaamsche Kontoor für deutsche Bank- und Jndustrieaktien(D u b i n a) gegründet worden. Das Kapital der Gesellschaft ist auf 100 000 Gulden festgesetzt worden. Der Hauptzweck der neuen Gesellschaft besteht in der Ausgabe von Zertifikaten(Anweisungen) auf voll eingezahlle Aktien deut- scher Banken oder industrieller Unternehmungen. Zur Lage In der Papierindustrie. In der Generaloersammlung der Papierfabrik Reisholz A.-G. in Düsseldorf, deren Abschluß wir kürzlich würdigten, wurde über die Geschäftslage mitgeteilt, daß die Beschäftigung der Werke eine kleine Besserung erfahren habe. Zurzeit sind mit Ausnahm« der stillgelegten Zellstofs-Fabrik Löhnberg an der Lahn sämtliche Betriebe voll beschäftigt. Es hänge dies mit der allgemeinen Belebung des Geschäfts, aber auch mit der im Herbst stets gesteigerten Geschäftstätigkeit zusammen. Die im vergangenen Jahre durchgeführten technischen Verbesserungen wür- den auch im laufenden Äahre sortgesetzt in der Absicht, die Er zeugungsmöglichkeiten de- Werkes zu heben, die Herstellungskosten zu verbilligen und die Qualität der Emeugnisse zu verbessern. Ueber die Frage, ob die Zellstofs-Fabrik Löhnberg wieder in Betrieb genommen oder zum Vertauf gestellt werden soll, ist bisher noch kein Beschluß gefaßt worden. Ruhrkohle für Sowjetrußland. Das Ruhrkohlen-Syndikat hat einen Lieferungskontrakt von über 200 000 Tonnen mi» Sowjet-Rußland abgeschlossen. Die gesamte Menge wird über Rotterdam verschifft werden. Ueberzeichnung der Berliner Sladlan leihe. Die Zeichnung auf die 7 proz. Anleihe der Stadt Berlin, zweite Ausgabe von 1926, wurde wegen erheblicher Ueberzeichnung bereits Mittwoch früh geschlossen. Es geht besser und besser... Die Stabilisierung hak Zeit. Bel- gien und Luxemburg drängen bekanntlich sehr scharf nach der end- gültigen Stabilisierung ihrer Währung. In Paris sieht man die Sache als weniger dringlich an; wahrscheinlich mit weiterschauender Berechnung. Nachdem die französische Regierung nunmehr doch die Ratifizierung der amerikanischen Schuldenverträg« beabsichtigt, wäre es begreiflich, wenn sie aus den Genfer Vereinbarungen mit Deutschland gegenüber Amerika möglichst viel Kapital schlagen will. So ist wohl auch die merkwürdig anmutende Meldung der Pariser Presse zu verstehen, daß die französische Regierung trotz des Drängens der anderen Frankenländer den Augenblick für die Stabi- lisierung des Franken noch nicht für gekommen ansehe. Sie werden sich noch etwas Zeit lasten, zumal die materiellen und psychalogischen Voraussetzungen viel besser geworden seien und alle Tage noch b e s s« r w ü r d e n. So sei die Morgan-Anleihe, die sozusagen oerbraucht war, wieder voll aufgefüllt worden und darüber hinaus hätten ziemlich große Devisenreserven angesammelt werden können. flue öer Partei. Zeder vierte erwachsene wiener organisierter Sozialdemokralt Der Bericht des Parteioorstandes an den bevorstehenden Linzer Parteitag der Sozialdemokratie Deutschösterreichs verzeichnet trotz der wciterdauernden schweren Wirtschaftskrise und Malsennot aber- mals ein Anwachsen der Parteiorganisation. Wenn auch in einzelnen Bundesländeni Stillstand oder selbst geringer Verlust zu buchen ist, o ist dafür der Mitgliedergewinn in Wien, der Steiermark, aber o groß, daß im ganzen eine Zunahme, von 576107 auf die impo- ante Zahl von 5 9 2 3 4 6 Parteimitgliedern festgestellt werden kann, las find 15 Proz. der gesamten erwachsenen Be- völkerung Deutschö st erreich s. Allein in W i e n hat die Partei 3 2 4526 Mitglieder, d. h. jeder vierte erwachsene Bewohner Wiens ist eingeschriebenes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Von den erwachsenen Männern Wiens sind sogar 38 Proz. sozial- demokratisch organisiert. Dazu kommen in Wien 100 641 weibliche Parteimitglieder. In den drei Jahren seit der letzten Parlamentswahl hat die Partei ihren Mitgliederstand um 78 073 vergrößert. Von den 807 515 sreigewerkschaftlich Organisierten sind 73 Proz. auch Parteimitglieder: in dieser Richtung wird die Werbung zunächst weiter- arbeiten. Unsere Bruderpartei besitzt sechs Tageszeitungen(in Wien, Graz, Klagenfurt, Innsbruck, Salzburg und Linz) mit einer Tagesauflags von 137 000, 13 Wochenblätter mit einer Auflage von 168 000 und eine Fülle von Monatsschriften, darunter den„Sozialdemokrat" (illustriert), denn die Wiener Genossen ohne Sonderzahlung erhalten „Die Frau" mit 164 000 Exemplaren, den„Jugendlichen Arbeiter" mit 30 000, den„Schutzbund" für die Abwehrorganisation mit 45 000, den„Schul- und Kinderfreund" mit 90 000, den„Mieter" mit 150 000, den„Naturfreund" mit 59 000 Exemplaren u. a. m.: insgesamt 26 Monatsschriften der Partei und der Kulturbewcgung mit 940000 Exemplaren, worin natürlich die Gewerkschaftsblätter nicht eingerechnet sind. Die Wiener Parteimitglieder haben im letzten Jahr auch vier Broschüren gratis erhalten. Dazu die sonstige Ver- lagstätigkeit der Wiener Volksbuchhandlung, die Bildungsveranstal- tungen bis hinauf zur Arbeiterhochschule, die sonstiaen Kulturein- richtungcn, das alles zeigt, daß unsere Bruderpartei eine vorbildliche Arbeit leistet, um so bewundernswerter in dem kleinen, bitter armen, als Staat dahin vegetierenden Deutschösterreich. Gesthöstliches. Gesaml-Alodenschau bei lieh. Erst kamen die Blusen, die Kleider und dann die Dessous und so weiter! Unter Ausschluß der männlichen Oeffentlichkeit zeigte die Firma Tietz, Leipziger Straße, die angezogene Frau vom Hemd bis zum kostbaren Pelzmantel, mit allen Zwischenstationen. Man bewunderte zarte Gebilde an Kombinations an Seid«, Crepe de Chine und Leinen- geweben, geziert mit Spitzen, Plistes, bestickt oder glatt, kurz, kürzer, am kürzesten! Unter diesen Herrlichkeiten guckten allerhand revue- befähigte Beinchen hervor. Dann gab es Nachthemden, vom braven hochgeschlossenen, bis an die Knöchel reichenden Leinenhemd, bis zum geschürzten und gekürzten Seidenhemd, das manchmal fast ein Kleid ersetzen könnte: dazu Nacht- und Morgenhäubchen in allerhand Formen und Ausführungen. Ausfallend stark war da? Korsett vertreten. Sollten wir etwa gar wieder in diesen Marterkasten krauchen? Wenn er jetzt auch zum größten Teile aus Gummistoff besteht, mit ohne ist's doch schöner. Ueberhaupt deutet die ganze Moderichtung der weiten, lose verarbeiteten Kleider, der lockigen Frisur usw. entschieden auf stärkere Betonung der weiblichen Linie hin. Bei Jazzbandmusik und Gesang führten die Mannequins dann noch prächtige Abendkleider und Pelzmäntel vor, deren Be- schakfung allerdings vielfach auf Zahlungsschwierigkeiten stoßen dürfte. Jedenfalls aber bietet die Sckau recht viel Schönes und wird wohl allerhand sehnsüchtige Wünsche erwecken. „Sratiigab«" betitelt sich die Aiwiae der flaliftora.�olreif Queiftrt n. C»., ®. m. b.&, Hamburg 19, die dos ideal« Houtvllegemittel Orieißer-Lonolin auf«ine ganz neuartige 4lrt und Weise propagiert. Den bekannten Italiklora. Packungen sind Pr»bedi>schen von Oueisier-Lanolin bcigcfllgt, so dasi sich jeder Niiufer dieser herrlich erfrischenden gahnpasto auch vo» der Qualität dieser Haussolbe überzeugen kann, ohne erst Proben anzufordern. Di«»eseklschast deutscher Naturforscher und«erzte beschlosi ihre Düsses. dorfer Tagung am Eonnabend, den 25. September, mit einem Ausflug einer «rosien gab!»ou Teilnebmern nach Cleve am Niederrhein, um die von den Bergbschen ssabrikanlogen zu besichtigen. Di« Säst« wurden durch«inen Bor- trag mit der Margarinefabrikotion bekanntgrmacht und im Anschlusi daran durch die Werke geleitet. Die»an den Perablckxn ffabrikanlagen in Cleve sind. wohl die grösiten der Morgarinelndusirie in Deutschland und bestehen nicht nur au» einer mit den modernsten technischen Hilfsmitteln ausgejlatteten ge- waliioen Margarinefabrik, sondern sind gleichzeitig verbunden mit eigenen Oelrafsinations» und Oelhärtungsanlagen. eitdem ich mit SUMA umsehe , istmdm UJasdtc 'sekori ijormütags -�ledjgty Das Wafdien mit SUMA iß fo einfach: Lö/en Sie in warmem W äff er SUMA zu einer kräftig fch&umenden Lauge auf. Kochen Sie darin 15 Minuten. Leichtes Durdiwafchen und mehrfaches Spülen bilden den Schluß. Wollfachen und Farbiges werden herrlich, wenn- ohne zu kochen- in SUMA gewafthen. SUMA fthont die Wafdhe wie kein anderes Wafdimiftel. Es enihalt alles, was zur vollkommenen Wäfdx creinigung nötig iß, aber keinerlei bleichende Chemikalien oder fchädlidie Beftand- teile. Preis SO Pfg. bin ich abends nicht mehr müde und verdroffen, Früher tagelanges Mühen am Wafchbreff, zum Schaden der Gefundheii fowie der Wäfdie; im ganzen Haufe ein Durcheinander vom Morgen bis zum Abend.... Wie anders doch heute mit SUMAl Schon Mittags ifl die Wafcharbeit beendet und die prächtige Wäfche hängt an der Leine, während Hausmütterchen das Mittagejfen richtet und ftdt freut, den Nachmittag für fidi und die Kinder gewonnen zu haben. -ffisch;, die neue Art Seife der"Suniiehr" Mannheim yi. r~*%, Verlangen Sie kostenlose Zusendung unseres Suma- Wasdibudies 1 ~ hlßibi mir der 7 Nochiiätog filf Sa 7 ,.r:"";.. Unterhaltung unö AAjssen was viel beöeuten will...! /, Uhr: •_«« Abonn.-Turnus III QMt Theater Norden 10334—38 8 Uhr: Peripherie v.F. Langer. Regie: Max Reinhardt Kamraerspiele Norden 10334—38 Ithte Vor,tcl!iingen 8 Uhr: Androklus and der Lfiare Von Bernard Shaw Regie: Erich Engel Melropoi'Theal. Täglich 8 Uhr; Die grofft Revue Wieder Metropol nesiflenz■ Tbeai. Täglich 8'/. Uhr: Ahsteigepartier ElBlritl Jagtnffidm vtrlmtro malla-Ttieater uhr: DerBiherpeli Regie: Berth. Viertel Tbiafsr des Wesfans 8: Der Zog natiiil. Westen HlemesTheater Täglich 8 Uhr: ioniabml d. tarnt, ndin. 4 0. Gr. Kindervorstellg. Sdioeewiltdien Die Komodie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr: Sie Gefangene Von Bourdet Regie: M. Reinhardt Samewsky-SühDEn Theater HOalößraa.Sir. 8 Uhr; Hin. Ctieneys Ende Komoaiehhans 8: Einbruch Sonntag nachm.; Der Qarlen Eden Preise 50 Pf. b. 4M. . Nollcndoifplatz spiel d. Mos- Ib. I, Gastspiel kauer Künstler. Theaters Habima 8 U.: Der eolent Montag: Dybnk �fü Kunürst 6456 S Uhr: Neuheiten Dentsehes SBnstl.-Theater 8>/a Uhr: Das groSe Abenteuer Dsndi. PalltnbErg Sonnabend S'/jU.: Das b9se PriniaSdien Sonntag 3>/? Uhr: Dei fiöhlidie Weinberg ifl- 8 Uhr: Mensth nnd Debermensin Ib. a.llnifilrstendaiiiin 8 Uhr: Revue Es geht schon liessei Musik: R. Nelson Lnslspielhaos 8V, Uhr: Die Eeizoginv.Elba Sonntag ZV, Uhr Schneewittchen Circvs Busch Nur bis 31. Okt. 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Ordentliche Rücklage... 1850000,- 3. Delkredere-Rücklage sür Frachtstundungen..... 500 000,— 4. Beamt• Unterstütz- Fond» 100 000,— 5, Gläubiger......... 851 940 701,20 6. Ueberqangspoften..... 541346,80 7. Gewinn» und V erlustrechn. 1 404 1 00.63 859 836 148.63 Gewinn- und Verlustrechnung. v ebe l: l. Sandlungsunkostm-Ronto 2 41 4 889.88 2. Reingewinn......... 1 404 100,63 3 818 440,51 Ursdll: l, Vorttag 1924/25...... 109 425,91 2 Frachlstnndungs-Ronto. 1363112,71 3. Zmfcn.Ronto....... 2 082 7213» 4. Provistons-Ronto..... 263 180.— 3 818 440.51 PROSSE _ POÜZFh mstuxüKo BERLIN 1926 25 SEPT!»«Eit BIS 20. mg?? Täglich von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends geöifnet Einlaß bis 9 Uhr Die Generalversammlung vom 12 Ok- tober 1926 genehmigte vorstehende Bilanz sowie die Gewinn» nnd Berlnstredinung und beschloß, illr das Geschäftsjahr 1925'26 eine Dividende von>2°,» auszuschütten. Die fälligen Gewinnanteile gelangen aus Gewinnanteilscheine Nr. 8 außer an der Rasse unserer Hauptniederlassung in Berlin nnd unserer sämtlichen Zweignieder- lassungen noch bei folgenden Banken ab heule zur Einlösung: S. Bleichröder, Berlin, Bayerische Hy- potheren» nnd Bechselbant, München, Ba>ieriiche Vereinsbank. München. Com- merz- und Privatbank. Attiengesellschast, Berlin, Darmstädter und Nalionalbank Kommanditgesellschaft auf Bttten, Berlin, Direktion der Disconto-Gesellschast, Ber> lin. Dresdner Bank, Berlin. Mendels- söhn& Co., Berlin, Reichs-RreditASe- sellschoft Attiengesellschast. Berlin. Beriw, den 12. Oftober 1026. Deutsche Verkehrs- Kredit- vank ikikttcngeiesischust Dcr Borstand: Preraner. v. Schaewen. Schlesinger. Berleih von Gesellschafis-Anzllaen. Roienthalerstraße 4.» Vi pfck. SOPf, ratscN eaüSNT