Abendausgabe Nr. 489 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 242 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Ferufprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Sonnabend 16. Oktober 1926 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 8 bis 5 Uhr Berleger: Borwärts- Beriag Gmb5. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 292-237 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Fürstenlakaien als Führer der KPD." Aus der Zeit der Regierung Zeigner- Böttcher. Die obige Ueberschrift stammt nicht von uns. Wir entnehmen sie aus einer Nummer der Kommunistischen Arbeiterzeitung", die ein klassisches Beispiel dafür bietet, wie die jetzige kommunistische Führung von ihrer Opposition genau mit den gleichen Beschimpfungen bedacht murde, die die kommunistischen Führer gegenwärtig gegen die Sozialdemokraten schleudern. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß das einzige Mal, wo die Kommunisten in den letzten Jahren in einem deutschen Land mit regierten, fie ihre 3 ustimmung zu einem Vergleich mit einem vormals regierenden Haus erteilten. Das geschah in Sachsen im Herbst 1923 unter der Regierung Beigner Liebmann Böttcher Hedert Brandler, und zwar auf dem Höhepunkt der Inflation und mitten während der Reichswehraktion in Mitteldeutschland. = = = Am 23. Oktober 1923 wurde im Namen der Gesamtregierung, deren zuständiger Finanzminister der Kommunist Paul Böttcher war, durch den Ministerpräsidenten 3eigner der Gesezentwurf über die Auseinandersehung mit dem vormaligen sächsischen Königshaus eingebracht und beraten. Wir geben nachstehend eine kurze Inhaltsangabe dieses Vergleichs: Der König verzichtet auf alle Rechte an dem Staatsgut einschließlich des Domänengutes. Der Freistaat Sachsen überläßt da für dem Familienverein Haus Wettin- albertinische Linie die Moritzburger Domänengrundstücke, darunter Schloß Morizburg mit Ausstattung, und einige Forstreviere als Eigentum. Weiter erhält der Familienverein eine Barabfindung im Betrage von 14 millionen Mart samt Zinsen von 5 Bro3. ab 1. Juni 1920. Dem vormaligen König wird auf Lebenszeit die Ausübung der Jagdrechte in fünf Revieren eingeräumt. In seiner Begründung der Vorlage ersucht der Ministerpräsident 3eigner um deren schnelle Berab= schiedung, damit endlich Klarheit geschaffen werde. Nach dem stenographischen Protokoll der 62. Sigung vom 23. Oftober 1923 führte er im Namen der sozialdemotratisch- kommunistischen Regierung aus: Ohne eine gewisse Großzügigfeit von beiden Seiten sind Auseinandersetzungen wie die vorliegende überhaupt nicht zum Abschluß zu bringen.. Von einer wesentlichen| Benachteiligung des einen oder des anderen Vertragteiles wird man faum sprechen können. Die Regierung darf sich der Erwartung hin geben, daß auch der Landtag bei der näheren Durchprüfung des Entwurfes fich davon überzeugen wird, daß der Entwurf aus dem Geist heraus entstanden ist, zu dem friedlichen Ausgleich mit dem Tortur gegen Redakteure. Das Zeugniszwangsverfahren in Löbau. Wir haben dieser Tage von dem Versuch berichtet, den die Staatsanwaltschaft in Bautzen gegen den Redakteur unseres Parteiblattes in Löbau, Genossen Efferoth, unternahm, ihn zur Verlegung des Berufsgeheimnisses zu zwingen. Tatsächlich hat auf seinen Antrag das Amtsgericht Löbau das Zeugniszwangsverfahren gegen Efferoth angeordnet. Efferoth soll den Berfasser eines Artikels nennen, der sich kritisch mit gewissen Handlungen der Baußener Staatsanwaltschaft beschäftigte. vormaligen Königshause zu gelangen, deffen Mitglieder, daß wollen wir dankbar anerkennen, in langer Ahnenreihe dem Lande hohe Kulturwerte vermittelt haben. Die Regierung bittet deshalb den Landtag, dem Entwurf seine Zustimmung zu geben und ihn mög. lichst schnell zu verabschieden. Von den drei kommunistischen Regie rungsmitgliedern ergriff fein einziger in der Debatte das Wort, sie solidarisierten sich demnach sowohl mit der Vorlage selbst, wie auch mit ihrer Begründung. Dieser Vorgang ist den Leitern der damaligen KPD. 3entrale sowie auch der Mostauer Grefutive durchaus bekannt gewesen, denn er ist, wie ein Flugblatt der Raz- Gruppe festgestellt hat, auf dem V. Weltfongreß der III. Internationale am 23. Juni 1924 zur Sprache ge zur Ruth Fischer- Maslow- Gruppe gehörte, scharfe Abrechnung mit der Radek- Brandler- Richtung und griff die Tätig feit der sächsischen KPD.- Minister scharf an. Er führte dabei u. a. aus: bracht worden. Dort hielt Thälmann, der damals noch Wir haben ferner gesehen, daß die Regierung schon nach wenigen Tagen 14 Millionen Mart als Abfindungsfumme für den König von Sachsen bewilligte. Auch Bucharin erwähnte in seiner Anklagerede gegen die Brandler- Zentrale die Zustimmung der sächsischen Kommunisten zur Fürstenabfindung. Heute ist die im Jahre 1924 abgefägte Sedert Brandler 3entrale wieder oben auf und der Brandler- 3entrale Finanzminister des Vergleiches mit dem Hause Wettin, Paul Böttcher, ist wieder wohlbestallter Sekretär des Sächsischen Landesvorstandes der KPD. Heran an die Massen! Zu unserer Werbewoche. Die Sozialdemokratische Partei ist heute in ihre Werbewoche eingetreten. Das heißt: Was zu tun eigentlich alle Tage die Aufgabe jedes Genossen und jeder Genoffin ist, das foll in den nächsten Tagen mit besonderem Eifer und mit der gesammelten Kraft der Organisation durchgeführt werden. Es gilt, denen ein Licht aufzustecken, die bis heute noch nicht die ungeheure weitgeschichtliche Bedeutung der sozia= die ihr feindlich, mißtrauisch oder gleichgültig gegenüberstehen. listischen Arbeiterbewegung begriffen haben und Das ist aber leider heute noch immer die große Mehrheit des deutschen Volkes. Obwohl das deutsche Volk fast ausschließlich aus hart arbeitenden Menschen besteht, die zum größten Teil zur Kategorie der Lohn- und Gehaltsempfänger gehören, hat die sozialistische Arbeiterbewegung bisher nur eine Minderheit dieses Volles ergriffen. gewinnen, als ob die Welt schon der sozialistischen ArbeiterHört man die Kommunisten, so möchte es den Anschein bewegung gehörte und als ginge der Streit nur noch darum, munisten. Aber diese Borstellung ist gefährlich falsch, sie lenkt wer sie beherrschen solle: die Sozialdemokraten oder die Romvon den Aufgaben ab, die noch vor uns liegen. Die Sozialdemokraten sind nach allen Kämpfen der letzten Jahre dreimal so start wie die Kommunisten, so daß schon aus diesem Gesichtspunkt die Hoffnung der Kommu nisten, sie in der Führung der Arbeiterbewegung ablösen zu fönnen, ziemlich aussichtslos erscheint. Aber die bürgerlichen Barteien sind zusammen immer noch fast doppelt fo start wie die Sozialdemokraten und die Kommunisten zusammen. Wir stehen also vor der Tatsache, daß die Krast der Arbeiterbewegung durch den dauernden erbitterten Kampf einer Minderheit gegen die Mehrheit geschwächt ist, während doch jene Minderheit und jene Mehrheit zusammen wieder nur eine Minderheit darstellen. Die Mehrheit des Boltes ist an dem Streit gor nicht beteiligt, sie steht ihm gleichgültig gegenüber. Wir erwähnen die Angelegenheit nicht, um hier die Halfieren und einen Bergleich zwischen dem sächsischen Ver- liche bürgerliche Parteien für den faulen Bergleich mit tung der Regierung Zeigner- Böttcher nachträglich zu friti- Im Preußischen Abgeordretenhaus haben gestern sämttrag mit dem Hause Wettin und dem preußischen den Hohenzollern gestimmt. Alle bürgerlichen Parteien stehen Immerhin scheint es, als ob die sächsische Königsfamilie unter tums, und sie finden mit ihrer Haltung noch immer die Bertrag mit dem Hause Hohenzollern zu ziehen. auf dem Boden des kapitalistischen Privateigen= Bustimmung der damals regierenden Kommunisten be- Bustimmung von fast zwei Drittein des deutschen Bolles. Die deutend günstiger davon gekommen wäre, als neuer- Kommunisten aber denfen nicht daran, die bürgerlichen dings die Hohenzollern. Aber nicht darauf kommt es an. Ent- Parteien anzugreifen. Sie richten ihre Angriffe nur gegen scheidend ist es im Augenblic, festzustellen, welche boden die Sozialdemokraten, die sich der Stimme enthalten lose Heuchelei darin liegt, daß dieselben tommu haben, und zwar deshalb enthalten haben, weil ihr Nein an niftischen Führer, die als Regierungspartei jenem Bergleich der Sache nichts gebessert, sondern nur die Sprengung mit den Wettinern zugestimmt haben, sich heute wie die der preußischen Regierung und die Beseitigung des Wilden gebärden, weil die sozialdemokratische Landtags sozialdemokratischen Einflusses in ihr zur Folge gehabt hätte. fraftion in einer offenfundigen 3wangslage fich gegenüber dem Hohenzollernvergleich der Stimme enthält. vertraute Tatsache, deren Geheimhaltung durch ihre Natur gebolen ift, zumal eine berechtigte Berkehrssitte die Redakteure als verpflichtet ansieht, das Geheimnis des Namens zu wahren.( Bgl. Enisch. d G. Hamburg vom 30. September 1908 Rechtspr. Bd. 17 S. 329; Stein- Jonas Anm. III, 3 und Nr. 21 34§ 383 30., .29; Danach mußte der Strafbeschluß aufgehoben werden." Diese Entscheidung ist vom Landgericht Rottbus am 29. Mai dieses Jahres gefällt( Aktenzeichen 2 T 309/26). Auch der fächsische Juſtizminister, der bekanntlich der Volkspartei angehört, sollte sich diese klare Entscheidung zu Gemüte führen. Erlkärung des Vereins Arbeiterpresse". " Wiedergabe folgender Erklärung: Der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse" ersucht uns um # Die Kommunisten behaupten, daß der Einfluß der sozialistischen Arbeiterbewegung auf den Staat deshalb nicht start genug sei, weil die Sozialdemokratie nicht radikal" genug wäre. Die Statistik spricht aber eine ganz andere Sprache. an dem angeblichen Radikalismus der Kommunisten Gefallen Sie sagt uns, daß noch nicht ein Zehntel des deutschen Volkes findet und daß noch fast zwei Drittel darunter Millionen Arbeiter, Angestellte, Beamte, Kleinbauern mit den bürgerlichen Parteien gehen, die doch entschieden viel weniger ,, radikal" sind als die Sozialdemokratie. Wie gewinnt man diese großen arbeitenden Massen, die noch gänzlich abseits stehen, für die sozialistische Gedankenmelt? Das ist eine Frage, die die Kommunisten gar nicht interessiert, während für uns alles auf sie ankommt. Die Kommunisten führen ja nur eine parasitäre Eristenz, sie denken an nichts anderes als daran, Arbeiter, die sowieso jagen. Die Sozialdemokratie müht sich indessen, den soziaschon sozialistisch gesinnt sind, der Sozialdemokratie abzulistischen Gedanken in die Boltskreise zu tragen, die zwar nicht nach ihrer Klassenlage, aber nach ihrer Gesinnung bürgerlich find. Zugleich aber muß fie sich gegen jene wenden, die vom Rüden her die sozialistische Arbeiterbewegung mit Zerstörung bedrohen. Wir halten diesen neuesten Versuch, einen Kollegen zum Bruch des Redaktionsgeheimnisses zu zwingen, für im höchsten Grade unmoralisch und dem Sinne des GeIn jüngster Zeit ist von einzelnen Staatsanwälten und Richtern seges widersprechend. Für Aerzte, Geistliche und Rechtswiederum der Versuch unternommen worden, das Zeugnis anwälte ist die Pflicht zur Wahrung des Berufsgeheimnisses wangsverfahren gegen Redakteure der Tagespresse anzugesetzlich festgelegt. Das ist für die Breffe immer noch nicht wenden. So wurde neuerdings gegen das Mitglied der Redaktion Presse der„ Volkszeitung" in Löbau, Hugo Efferoth, auf Betreiben geschehen. Trotzdem hat sich in der Praxis die Ueberzeugung der Staatsanwaltschaft Bautzen vom Amtsgericht Löbau das Zeug- Fürstenfrage wie immer denken, fie fann gut oder schlecht geMan mag über die Taktik der Sozialdemokratie in der allgemein durchgefeht, daß die Presse ihre öffentlichen Verpflichtungen nur erfüllen kann, wenn ihre Vertreter auch zu niszwangsverfahren eingeleitet. Efferoth hatte sich aus grund- wesen sein, sicher ist doch, daß das unbefriedigende Ergebnis chweigen verstehen. Das ist gemeinsame leber läblichen beruflichen Erwägungen geweigert, Aus- nicht auf irgendeine Taktik" zurückzuführen ist, sondern einfunft über den Verfasser eines die Staatsanwaltschaft Bauzen friti- fach auf die Grundtatsache, daß alle bürgerlichen Parteien zeugung der Zeitungen aller Parteien und Gruppen! Selbst die Justiz hat sich im Laufe der Jahre seine Aussage zu belasten. In einer Verhandlung in Braun sind und daß noch immer eine sehr große Bolksmehrheit hinter fiierenden Artikels zu geben und Mitarbeiter seiner Zeitung durch um die Erhaltung des Privateigentums besorgt zu der Ansicht befehrt. Und die einzelnen Vorstöße, von benen gelegentlich berichtet werden mußte, sind nur Rüdfälle weig forderte der Staatsanwalt, den Redakteur des Braun- den bürgerlichen Barteien steht. Dieser Bolksmehrheit ist es in vergangene Zeiten. Gerade deshalb aber müssen sie um schweiger Bolksfreunds", Regener, zu fragen, wer einen be recht gleichgültig, wie die Sozialdemokraten gestern im Landso schärfer zurückgewiesen werden. stimmten Artikel geschrieben habe. Als Regener erwiderte, daß er tag geftimmt haben. Sie sieht in uns Sozialdemokraten anwalt:„ Wenn der Zeuge das nicht tut, bitte ich, das 3 eugnis geoisie" sind immer noch höchft gefährliche Umstürzler", ohne Not den Verfasser nicht nennen werde, erflärte der Staats- die wir im Jargon der Kommuniſter Agenten der Bourzwangsverfahren gegen ihn in Anwendung zu bringen." benen man nicht die Hand reichen darf. Das Gericht erklärte durch Beschluß, der Zeuge dürfe die Aussage „ Der Beschwerdeführer macht geltend, daß er nicht nach den nicht verweigern. Regener entging der Anwendung des ZeugnisGrunde der Zeugnisverweigerung gefragt sei. Es mag dahingest Itzmangsverfahrens nur dadurch, daß er auf Wunsch seines Rebleiben, weil sich der Grund ohne weiteres aus der gegebenen Sach daftionsfollegen Thielemann diesen als Verfasser des Artikels lage, insbesondere der Stellung des Zeugen als Redakteur der„ Mär. tischen Volksstimme" ergibt. Das sächsische Gericht in Löbau sollte besonders auf merksam lesen, was vor furzem erst ein benachbartes preußisches Gericht in ähnlichem Falle entschied: Die Verweigerung des Zeugnisses erscheint auch aus§ 383 Nr. 5 PO. berechtigt. Die Tagespreffe würde ihre Aufgabe nicht erfüllen können, wenn die Redakteure durch den Zeugniszwang genötigt wären, ihre Gewährsmänner namhaft zu machen. Die eigene Verantwortung der Leiter des Blattes muß diese Kundgabe ersehen. Auch der Name des Gewährsmannes ist eine den Redakteuren traft ihres Gewerbes annannte. Wir müssen in diesem Bestreben von Staatsanwälten und Richfern einen Angriff auf die Berufsehre der Redakteure erblicken, die durch die Tradifion und innere Natur der Presse verpflichtet find, über gewiffe ihnen anvertraute, Dinge Schweigen zu bewahren. Wir erwarten deshalb auch von den gesetzgebenden Körperschaften, daß sie endlich die Redakteure den Aerzten, Geistlichen und Rechtsanwälten gleichstellen, denen die Wahrung des Berufsgeheimnisses gesetzlich vorgeschrieben ist." Mit fommunistischen Schimpf- und Skandalmethoden wird In diese Massen gilt es einzubringen! Aufklärung möglich, und diese ruhige, sachliche Aufklärung man sie nie gewinnen. Das ist nur durch ruhige, sachliche fann nur durch die sozialdemokratische Parteiorganisation und die sozialdemokratische Parteipresse geleistet werden. Es ist immerhin schon mehr als ein Biertel des deutschen Boltes, das bei den Wahlen seinen Willen befundet, fich von der Sozialdemokratie regieren zu lassen- es ist aber noch nicht ein Zehntel, das diefe Aufgabe der Komunistischen Partei überweisen möchte. Eine Verdoppelung der sozialdemokratischen Stimmen würde eine sichere Mehrheit der Sozialdemokratie ergeben. Gelänge es aber Sen Kommunisten, ihre Stimmenzahl zu verdoppeln, so mürden sie noch immer eine ohnmächtige Minderheit sein. Und welcher Narr fönnte auch ernstlich daran denken, die Geschicke des Volkes einer Partei anzuvertrauen, die ihre entsegliche unreife dadurch bekundet, daß sie alle paar Wochen ihre Methoden und ihre Führer wechselt? Ein Borgang, der sich regelmäßig mit demselben lächerlichen Gebrüll vollzieht, mit dem sich die Kommunisten sonst auf ihren ,, äußeren Feind", auf die Sozialdemokratie zu stürzen pflegen. Heute erlesenes Werkzeug der Diktatur des Proletariats", morgen Judas, Arbeiterverräter, Ronterrevolutionär" Brandler, Thalheimer, Maslow, Scholem, Kaz, Korsch, Ruth Fischer- wer fümmert sich noch darum? Die Sozialdemokratie ist ja genötigt, diese Zersehungserscheinungen aufmerksam zu verfolgen in der bürgerlichen Bresse mit ihrer großen Leserschar findet man taum noch ein Wort darüber. Die Massen, die am Rande der Arbeiterbewegung stehen, wenden sich von diesem Treiben angeefelt und gelangweilt ab. Sie ,, Heran an die Massen! rufen die Kommunisten. meinen damit die Massen der Sozialdemokratie, die ihnen als eine begehrenswerte Beute erscheinen. ,, Heran an die Massen!" rufen auch wir. Wir meinen damit nicht die kleine Minderheit der Arbeiter, die das fommunistische Treiben noch immer nicht satt hat; die wird bald den Weg zu uns finden. Zerstört die Kommunistische Partei sich selbst und das tut sie mit großem Eifer, dann bleibt doch keine andere Zuflucht als die große Sozialdemokratische Partei. Heran an die Massen! Wenn wir diesen Ruf erheben, meinen wir die breiten Massen von arbeitenden Männern und Frauen, deren Unwissenheit und Gleichgültig feit den Fortschritt der sozialistischen Arbeiterbewegung hemmt. Sie müssen gewonnen werden, und sie sind zu ge= minnen wären sie es nicht, dann wäre ja jeder Streit über die richtige Methode des Klassenfampfes überflüssig, denn gegen die Mehrheit des Volkes läßt sich nicht sozialistisch regieren, läßt sich nicht sozialistische Aufbaupolitit treiben. Es gibt nur eine richtige Antwort auf das Toben der Rommunisten: Verdoppelte, verzehnfachte Ar= beit für die Sozialdemokratie! Das Armenrecht für den Fürsten. Eine Ungeheuerlichkeit. Unser Barteiblatt in Detmold hatte dieser Tage darauf aufmerksam gemacht, daß der Magistrat dieser Stadt dem ehemaligen Fürsten Leopold von Lippe das Armenrecht bewilligt habe, damit er einen Aufwertungsprozeß gegen den Käufer eines feiner Güter führen könne. Die Lippesche Landeszeitung" hat, offensichtlich als Sprachrohr des Magistrats, die Angaben bestätigt. Man kann über die komische Lage lachen, daß der ehemalige Bon Gottes Gnaden" jezt auf Armenrecht" Prozesse führt. Aber in Wirklichkeit ist gar nichts Heiferes da= bei. Bielmehr ist diese Gewährung des Armenrechts eine Verhöhnung der Erwerbslosen, Kleinrentner, der Kriegsund Infiationsopfer. Unser Parteiorgan in Detmold, das ,, Boltsblatt", fommt auf die Sache zurück, indem es folgende Einzelheiten über die Vermögenslage der ehemaligen Fürstenfamilie bringt: Der Fürft erhielt nach dem Domanialvertrage vom 31. Of. tober 1919 folgende im Paragraphen 3 des Vertrags festgelegten Werte: 1. Das ehemalige Fürstliche Residenzschloß in Det mold und Zubehörungen; 2. Das Jagdschloß Copshorn mit Nebengeländen, Gestüt und Meierei, sowie den eingegatterten Senneteil; 3. Die Oberförsterei Berlebed in der vereinbarten Abgrenzung; 4. Eine Million Mark in bar; 5. Die Fürst Woldemar- Stiftung und den Fürst Woldemar- Reservefonds; Max Liebermann an Arno Holz. Bom Bräsidenten der Afademie, Prof. Mar Liebermann, erhalten wir folgende Buschrift mit der Bitte um Beröffentlichung: Berlin, den 14. Oftober 1926. Herrn Dr. Arno Holz. Mit großer Freude, sehr verehrter Herr Kollege( denn als solchen darf ich Sie ja jetzt begrüßen), habe ich aus ihrer Denkschrift ersehen, daß Sie die Ihnen vom Herrn Minister übertragene Würde eines Mitgliedes der Akademie nicht nur angenommen, sondern sich bereits ernstlich und tiefschürfend mit der Akademie und ihren Aufgaben befchäftigt haben. | 6. Die bei Uebernahme der Regierung durch das Haus Biefter.| Maurice Garraut wird Herriots Nachfolger. feld vorhanden gewesenen Mobilien und Stücke( mit geringen Einschränkungen); 7. Teile des Hausschmuckes; 8. Die Fürstengruft in der Kirche der reformierten Stadtgemeinde Detmold. Außerdem auf Lebenszeit des letzten Fürsten das Jagdrecht in der Oberförsterei Lopshorn. Der Lopshorner Besiz ist groß Oberförsterei Berlebed hat Ueber die Größen des Sachbesites unterrichten folgende Ziffern: Der Besitz im Bereiche der Stadt Detmold umfaßt 4,7595 Heftar 428,3852 Heftar 3093,1466 Heftar Zusammen: 3526,2913 Heftar Der Woldemar- Reservefonds betrug 580 329,62 m., die Woldemar- Stiftung betrug 307 472,08 m. Aus dem Haus= schmuck zählt der Bertrag als dem Fürsten zu überantworten auf: zahlreiche Armbänder, Ringe, Broschen und anderes. Zweifellos durchweg Sachen von erheblichem Wert. einigen angesichts des gewaltigen Umfanges dieses Besizes unBelastet waren die dem Fürsten zugefallenen Sachwerte mit wesentlichen Berechtigungen und Renten. der größte Grundbefizer des ganzen Landes. Scin Befiz umfaßt nicht weniger als 3526,29 Heftar. Nach diesen Feststellungen ist der ehemalige Fürst unzweifelhaft Der ehemalige Fürst führt seinen Prozeß mit dem Käufer feines ehemaligen Gutes Göschendorf. Der Fürst scheint überhaupt eine Vorliebe für Güteranfäuse und-verkäufe zu haben. Es ist erst einige Monate her, da kaufte er sich in Brandenburg, nahe der pommerschen Grenze, ein herrlich gebäude, größeren Teichen und Seen und prachtvollen Waldbestand. legenes Befigtum, bestehend aus einem schloßartigen GeDie Armut" dieses Fürsten von ehedem scheint wirklich riesengroß zu sein. Wenn er nicht im Schlosse zu Detmold haust und gelegentlich große Hotelbefizer, bei denen er Bimmerfluchten in Anspruch nimmt, zu hoftraiteure" ernennen konnte, müßte der Magistrat von Detmold ihm womöglich noch das Asyl für Obdachlose zur Verfügung stellen. Der Völkerbund in Deutschland. Märztagung des Rates wahrscheinlich in Berlin. Der Völkerbundsrat hält viermal im Jahre eine ordentliche Tagung ab. Am Schluß jeder Tagung wird der Ort der nächsten feſtgeſetzt. So ist bei Beendigung der Septembertagung bestimmt tritt. Es ist nicht unmöglich, daß die Dezembertagung Berlin als worden, daß der Rat im Dezember wieder in Genf zusammennächsten Tagungsort wählen wird. daß keine deutsche Einladung an den Bölkerbundsrat, nach früh, da erst im Dezember darüber beschlossen werden wird. Berlin zu kommen, gerichtet worden ist. Dazu wäre es auch zu Im Gegensatz zu Pressemeldungen wird halbamtlich mitgeteilt, Vor einer französisch- italienischen Konferenz. Paris, 16. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Die Nachrichten der italienischen Preffe, wonach eine persönliche Zusammenarbeit zwischen Briand und Mussolini in Aussicht stehe, sind von Paris aus immer wieder bezweifelt und bestritten worden. Am Sonn abend morgen jedoch erklärt" Betit Parifien" in einem langen Artikel, daß zwar nicht eine persönliche Zusammenkunft der beiden Minister, aber vielleicht doch eine umfassende französisch italienische Konferenz stattfinden werde. Die Miß ftimmung, die die faschistische Bresse gegen Frankreich fünftlich gezüchtet habe, sei lange wieder verschwunden, und die Atmosphäre für eine Aussprache günstiger geworden. Auf einer Konferenz fönnte man nicht allein das Tanger Problem und das der italienischen Einwanderung nach Tunis besprechen, sondern man fönnte ihren Rahmen von Anfang an wesentlich erweitern und zahlreiche allgemeine, zwischen den beiden Ländern schwebende Probleme zur Verhandlung stellen. glaubt wenigstens eine zu sein, es ist schon schwer genug, die Individualitäten einer preußischen Akademie unter einen Hut zu bringen, geschweige denn Nord- und Süddeutsche zusammenzubringen, denn jeder Künstler ist seine eigene Akademie. Doch wie dem auch sei, lassen Sie uns gemeinsam arbeiten! In alter Verehrung Mar Liebermann. katja, die Tänzerin" im Schloßpart- Theater. Das Schloß part- Theater scheint sich für die Wintersaison als Operettenbühne behaupten zu wollen. Die walzertanzende Hoheit wurde jeßt abgelöst von der Tänzerin Katja, von der einige bedauernswerte Leute auf der Bühne beifallflatschend behaupten müssen, daß fie fabelEiner besonders eingehenden Kritik unterziehen Sie in Ihrer angesichts der Leistungen Bertha Müllers in diefer Rolle in haft und mit erstaunlichem Temperament tanze. Man könnte daher Denkschrift die Statuten der Akademie, und zwar mit dem Resultat, der Tat auf den Durchschnitt überragende schauspielerische Begabungen daß wir ein Konfortium von an den Händen Gefeffelter wären. In schließen. Leider dukumentierten sie sich nur in diesem einzigen Fall. den bald 30 Jahren, in denen ich der Akademie als Mitglied angehöre, Gust! Beer follte sich flar machen, daß Lord Lallan Webster behabe ich von diesen Fesseln nichts gemerkt, was vielleicht daher fommt, stimmt kein solcher Trottel wäre, wie seine Rolle es vorschreibt, wenn daß ich, wie Sie richtig vermuten, die Statuten taum gelesen habe. jüdisches Blut in seinen Adern flöfse- woran, nach seiner Darstellung In den sieben Jahren als Präsident der Akademie bin ich faum 3u urteilen, nicht zu zweifeln war. Ueber die Leistungen der übrigen jemals in die Versuchung gefommen, mich in sie dem Himmel sei Schauspieler feien die Worte gespart. Nur Paul harden als Dant zu vertiefen. Alle Statuten sind mehr oder weniger burau- Prinz Sascha bot Annehmbares und die anmutige und graziöfe kratisch, aber die Tatsache, daß ich im fiebenten Jahr die PräsidentGrete Lilien war bisweilen ein Lichtblick in tiefster Dunkelheit. schaft führe nach den Statuten ist nur eine dreimalige Wiederwahl zuläffig tann Sie davon überzeugen, wie liberal die Statuten gehandhabt werden. Nicht etwa, daß ich nicht Widerstände gehabt habe und noch habe: leider habe ich deren mehr als zuviel. Aber daran find nicht etwa die Statuten schuld. Die Akademie beruht nicht auf ihren Statuten, sondern auf dem Geist, der in ihr herrscht. Es gibt keine Institution, die in so liberaler Weise sich selbst wählt, wie die Alademie, und ist es mir in der langen Zeit, in der ich ihr angehöre, auch unter dem vorigen Regime nicht vorgekommen, daß eine unserer Wahlen nicht bestätigt worden wäre. Davon werden Sie sich selbst überzeugen tönnen, wenn Sie eine Zeitlang mit uns gearbeitet haben. Also, lieber Herr Doktor denn auch in dieser akademischen Würde sind wir Kollegen arbeiten Sie erst mal mit uns zufammen und beurteilen Sie uns nicht nach den papiernen Statuten. Was aber Ihre Idee, aus der preußischen Akademie eine deutsche zu machen, betrifft, so glaube ich, wird jeder von uns ihr begeistert zustimmen. Aber:„ leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen." Aus einer preußischen Akademie eine deutsche zu machen, ist eine Herkulesarbeit, und nur ein Bismard wäre ihr gewachsen. Wenn Sie, verehrter Herr Kollege, die Kraft in sich spüren wohlauf zum Kampf! Sie werden rich an Thier Seite finden. Ein Spatz in der Hand ist mehr wert als eine Taube auf dem Dache: erst einmal die Reorganisation der preußischen Akademie, was auch nicht so leicht ist. Jeder Künstler ist eine Individualität oder Tes. Unterstühung von Kunst und Wissenschaft durch den Landtag. Der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger und deren Pensionsfasse sollen für je fünf Jahre je 50 000 m. überwiesen werden. Den Studierenden der Universitäten und der Technischen Hochschulen follen in möglichster Größe angemessene Beihilfen gewährt werden. Das Staatsministerium soll ersucht werden, in den Haushalt für 1927 our Förderung der Volkshochschulheimbewegung eine Summe ein zusetzen, die auf jede Heimschule mindestens 10 000 m. ergibt. Ein unvorschriftsmäßiges Geschichtsbuch. Auf eine im Landtag gestellte fleine Anfrage wegen des Geschichtsbuches von Hoff mann und Korsch hat, wie der Amtliche Preußische Bressedienst erfährt, der preußische Kultusminister erwidert, eine Prüfung des Buches habe ergeben, daß die neue Bearbeitung in allen Teilen feineswegs den neuen amtlichen Bestimmungen entspreche. Wenn es sich auch nicht um ein Lehrbuch für Schüler, sondern um ein Vorbereitungsbuch für Lehrer handele, das keiner staatlichen Genehmigung bedürfe, so sei doch die Bemerkung auf dem Titelblatt nach den neuen amtlichen Bestimmungen beGeschichtsunterricht und über die Fernhaltung der Politit arbeitet" geeignet, irrige Vorstellungen über die für den von der Schule erlassenen Richtlinien zu erwecken. Der Minister hat daher Berlag und Verfasser ersucht, die Titelbemerkung bei fünftigen Auflagen wegzulassen oder aber die künftigen Bearbeitungen in allen Teilen den amtlichen Bestimmungen anzupassen. Franklin Bouillon tritt aus. Paris, 16. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die Wahl des neuen Vorsitzenden der Radikal- sozialen Partei kann nunmehr als gesichert gelten. Am Freitag traten nach der Vollfizung des Parteitages die Parteiführer zu einer internen Besprechung zusammen und einigten sich einstimmig auf den Senator Maurice Sarraut. Auf einen neuen dringlichen Schritt hin gab Sarraut endlich seine Widerstände gegen die llebernahme dieses Postens auf und erklärte sich zur Annahme der Wahl bereit. Der Matin" glaubt in diesem Zusammenhang melden zu können, daß der radikale Parteitag, um die innere Einigkeit der Partei nach außen hin besonders zu betonen, Herriot und Caillaug zu Ehrenvorsitzenden ernennen werde. Der Abgeordnete Franklin Bouillon, der am Freitag eine scharfe Rede gegen die Sozialisten hielt, soll sich angesichts der entgegengeseßten Stellungnahme des Parteitages bereits entschlossen haben wenigstens meldet das Havas" aus der Partei aus= zutreten. Der sozialistische Abgeordnete Vincent Auriol hat in einem Telegramm an Herriot gegen die sozialistenfeindlichen Ausführungen Franklin Bouillons Einspruch erhoben und gefordert, bringe, die Sozialisten hätten die Regierungstätigkeit Herriots erdaß Franklin Bouillon nähere Beweise für seine Behauptung erschwert. Herriot antwortete umgehend, er persönlich habe immer wieder betont, daß er ständig bei den Sozialisten eine treue Unterftügung gefunden habe. In den Betrachtungen zum Barteitag begrüßt die Linkspresse genommenen Entschließung, in der sich die Radikalen nach wie vor vor allem die innerpolitische Bedeutung der vom Parteitag anfür eine Zusammenarbeit mit den übrigen LinksEinigkeit geht vollkommener als je aus der Debatte hervor", schreibt parteien bereit erklären.„ Das Kartell besteht also fort, und die die Ere Nouvelle". Das Blatt betont dann, daß es unbedingt notwendig sei, den vier radikalen Ministern im Kabinett Poincaré eine ganz genaue Marschroute zu geben. * Maurice Sarraut ist einer der einflußreichsten Politiker der französischen Linken. Sein Einfluß beruht hauptsächlich darauf, daß er das größte Provinzialblatt Frankreichs, die„ Depeche de Toulouse" leitet, die über den größten Teil von Südfrankreich verbreitet ist. Sarrauts Bruder Albert ist Innenminister in der gegenwärtigen Regierung und mit Poincaré befreundet. Maurice Sarraut gilt dagegen als Anhänger des Linkskartells. Er war im Jahre 1919 Mitglied der von Herriot gelei'eten französischen Bölkerbundsdelega tion. Der Ausklang des Labourkongresses. Für dauernde Arbeitslosenunterstützung. handlungstag des Kongresses der Arbeiterpartei in Margate erLondon, 16. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der letzte Berörterte sozialpolitische und organisatorische Fragen. Der Kongreß nahm eine Entschließung an, in der die dauernde Zahlung von Arbeitslosenunterstützung gefordert und die Fraktion der Arbeiterpartei im Unterhaus aufgefordert wird, die Einbeziehung der landwirtschaftlichen Arbeiter in die Arbeitslosenversicherung im Barlament zu vertreten. Eine intereffante Diskussion ent spann sich über eine Entschließung, durch die die Bergebung eines parlamentarischen Mandanten von einer dreijährigen Zuge hörigteit zur Arbeiterpartei abhängig gemacht werden sollte. Im Namen der Exekutive wandte sich Macdonald gegen diese BeStimmung mit der Begründung, daß eine zeitliche Zugehörig feit zur Partei teinerlei Garantien biete, daß aber eine solche Bestimmung die Partei unter allen Umständen der Dienste wertvollen jungen Nachwuchses auf Jahre berauben werde. Die Entschließung wurde daraufhin verworfen. Die Neuwahl der Exekutive ergab im wesentlichen die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder, jedoch scheidet Genosse Robert Williams aus. Es ist dies der erste Fall in der Geschichte der Arbeiterpartei, daß ein Vorsitzender der Partei und Präsident des Kongresses nach Ablauf seiner Amtszeit nicht wieder in die Erekutive gewählt wird. wenden. Gewöhnlich wirkt Tierblut in der menschlichen Blutbohn als Gift. Das neue Verfahren besteht darin, das aus dem Tier. förper entnommene Blut mit einem besonderen Serum zu behandeln, bevor es injiziert wird, und zwar mit dem Erfolg, daß nur die für den menschlichen Körper verwendbaren roten Blutkörperchen übrig bleiben. Nochmals: Die Staatsoperninferate. Um die Mitte der vorigen Woche richteten wir eine fleine Anfrage an die Verwaltung der Staatstheater wegen der eigenartigen Formulierung der Anzeigen der Staatsoper am Platz der Republik in einigen rechtsgerichteten Blättern. Nun ist zwar hierin inzwischen insofern eine Wandlung eingetreten, als die Deutsche Zeitung" endgültig wie es scheint auch ihrerseits den Königsplay" in Plaz der Republit" umgetauft hat. Die Kreuzzeitung" aber beharrt, wohlgemerkt in den An= zeitung" fcheint Staatsoper" eine hinreichend prägnante Bezeich zeigen, schamhaft bei Kroll- Oper", und der Deutschen Tagesnung. Wir wiederholen unsere Frage: Wer ist dafür verantwortlich?" Erhalten diese Blätter, was uns ganz unwahrscheinlich erscheint, die bezahlten Anzeigen wirklich in dieser Form, die so hübsch und unauffällig auf ihre Weise von der Republik teine Kenntnis nimmt? Oder aber wird der Inseratenteil auch rechtsgerichtet redigiert? Dann sollte die Verwaltung der Staatstheater unbedingt Schadenersatzklage anstrengen, da diese irreführenden Anzeigen ficher bisweilen Opernluftige in ein falsches Theater geführt haben. Auf jeden Fall ist es Zeit, daß sich die Theaterverwaltung zu dieser -gelinde gesagt etwas feltsamen Anzeigenpolitik äußert. Erftaufführungen der Woche. Mittw.. beater in der lofter. straße: Anna- Life". ater in der Kommandantenit t.: Sn Ewigkeit Amen.„ Der Freit. Staatstheater:" Lulu". The. gemütliche Stommiffär". Heiratsantrag". Sonnab. Theater am Surfürstendamm:" In der Johannisnacht". 1 " Urania- Borträge. Mont.( 5, 9), Dienst.( 5), Mittw.( 5, 7), Donnerst., reit., Sonnab.( 5), Sonnt.( 5,9): Die Biene Maja". Mont. ( 5, 7, 9), Dienst., Mittw.( 5, 9), Donnerst.( 5, 7), Sonnt.( 7, 9): Das märchenhaft schöne Finnland". Dienst.( 7): Griechische Trachten". Mittw.( 7): Die deutsche Natur". Freit.( 7): Der Dzean und sein Leben". Donnerst.( 9): Ver. ingung". Freit.( 5, 9), Sonnab., Sonnt.( 5, 7): Die nehe. lichen". Sonnab.( 9): Die Geschichte und Entwidlung des modernen Films". " Im Trianon- Theater finden die Märchenvorstellungen„ Hänsel jeden Nachmittag 4 Uhr statt. Nach wie vor erhält jedes sind ein Geschenk und Gretel" und" Rottäppchen" mit dem Wolfsbund„ Hassan" von beute ab der Schokoladenfabrit Maugion". " Die Galerie 3. Casper, Kurfürstendamm 233, zeigt in der 2. Herbstausstellung vom 20. Dit. bis 15. Novbr. zum ersten Male Stollettionen von Mar Doenigus, Charlottenburg, und Elli Heimann, Berlin. tober bis 3. November Handzeichnungen Hans Holbein d. J. in Die Buchhandlung Arthur Collignon, Wilhelmstr. 69, stellt vom 15. Di Wiedergaben des Verlages Hanfftaengl aus. Die Besichtigung ist zwanglos. Hans Friedrich Blund wird am 26., abends 8 Uhr, im Rahmen der Autoren- Abende der Buchhandlung J. M. Spaeth, Königstraße 52, leſen. in Warschau statt. Bei der Feier werden die brominentesten Persönlich Die feierliche Enthüllung des Chopin- Denkmals findet am 31. Oftober feiten der Musikwelt aller Länder teilnehmen. Seitens der polnischen Negierung find bereits Einladungen an eine Reihe deutscher Musitrepräsentanten Tierbluf zur Transfusion für Menschen? Nach einer Meldung aus Prag hat der dortige Professor Jurewitsch gemeinsam mit seiner Affistentin, Dr. Jelegina, ein Berfahren gefunden, durch das es möglich ist, Zierblut zur Transfusion im menschlichen Körper zu verergangen. Halbjahresbilanz der Reichseinnahmen. Der Einzelrichter. Reine Kleinigkeit, in Moabit Einzelrichter zu sein. Er muß alles für die Verhandlung vorbereiten, während der Beweisauf " ! Ministeriums des Innern, des Polizeipräsidiums und allen denen, Die Steuererträge April- September 1926. die in irgendeiner Form zum Gelingen der Beranstaltung beigetragen hatten, gab. Bis in die Morgenstunden hinein war die große Schar Nach dem Ausweis des Reichsfinanzministeriums über die Einder Festteilnehmer in bester Laune beisammen. Unter den Annahmen des Reichs an Steuern, Zöllen und Abgaben im Septem- nahme viele Notizen machen, ein Urteil treffen und dieses Erkennt- wesenden sah man u. a. den preußischen Minister des Innern, Ge ber sind in diesem Monat insgesamt 545 Millionen Mark ein- nis ausarbeiten. Aber oft ist wohl das, was dem Urteilsfpruch präsidenten Genossen 3örgiebel, den Bizepräsidenten Dr. nossen Grzesin sti, Staatssekretär Dr. Abegg, den Polizeigegangen. Das sind rund 100 Millionen weniger als im Bormonat, vorangeht, das Schwierigste. Diese Beratungen mit sich selbst, denn Friedensburg, den Kommandeur der Berliner Schußpolizei aber rund 100 Millionen mehr als im Juni, der hinsichtlich der Bah- es sind ja teine Beisiger da. Meist geschieht eine solche Beratung" Polizeioberst Haupt, dessen Vertreter, Oberst Heimannsberg. lungstermine etwa die gleiche Stellung einnimmt. Auf der Seite gleich im Sigungszimmer, ab und zu geht aber der arme einzelne der Besitzbelastung brachte die veranlagte Einkommen Mann in das Beratungszimmer hinein. Auch jetzt, als der BuchSteuer 63 Millionen Mart gegen 122 Millionen Mark im Bor halter B. zu den„ Geladenen" gehörte. monat, die Körperschaftssteuer 21 Millionen gegen 57 Millionen, die Vermögenssteuer 15 Millionen gegen 57 Millionen. Von den Massensteuern hielt sich der Ertrag der Lohn steuer mit 93 Millionen und der der Umsatzsteuer mit 60 Millionen etwa auf derselben Höhe wie im August. Eine starte 3unahme weisen dagegen die 3ölle mit 70 millionen, die Labatsteuer mit 68 Millionen und die 3u dersteuer mit 32 Millionen monatlichem Aufkommen auf; die entsprechenden Erträge im August beliefen sich auf 65 Millionen, 53 Millionen und 28 Millionen. Mit dem Monat September ist aber zugleich das zweite 3ah lungsquartal und das erste Halbjahr des Rechnungsjahres 1926 abgeschlossen. Damit wird ein Ueberblid über die Entwicklung der Reichseinnahmen innerhalb dieser Zeiträume möglich. Die wichtigsten Daten diefer Entwicklung ergeben sich aus der nachstehenden Uebersicht: Aufkommen in Millionen Reichsmart 1. Halb- Boranschl.+ Ueberschuß jahr f. 6 Mon.- Fehlbetrag 1. Biertel 2. Biertel jahr jahr Gesamtaufkommen. 1455 Massenbelastung.. davon Lohnsteuer Umiagsteuer. Zölle u. Ver Brauchsst. 1905 3360 3233 1029 1207 2236 2229 251 279 530 600 220 202 422 487 482 • 642 1124 980 Bejizbelastung.. 426 689 1124 1020 davon Einkommenst. 179 328 507 400 Körperich. St. 54 144 198 125 Vermögensst. 36 80 Erbschaftsst.. 6 6 116 12 200 30 +127 7 70 65 +144 +11++++ 二 +120 107 78 84 18 Stellt man auf Grund dieser Uebersicht zunächst die Ergebnifie der beiden Bierteljahre einander gegenüber, so zeigt sich, daß inzwischen ein völliger Umschwung in der Entwicklung der Reichssteuererträge eingetreten ist. Während das erste Bierteljahr gegenüber den Voranschlägen mit einem Fehlbetrag von 161 Millionen abgeschlossen hatte, ergibt sich im zweiten Vierteljahr ein lieberSchuß von 289 Millionen. Diese Entwicklung ist fast ausschließlich auf das starte Anschwellen der Einnahmen aus der Cinfommen und der Körperschaftssteuer sowie aus den Zöllen zurückzuführer, Die insgesamt im zweiten Bierteljahr über 400 Millionen Mark mehr gebracht haben, als bei sayematischer Biertelung des Voranschlags zu erwarten war. Allerdings kommen diese Mehreinnahmen bei der Einkommen- und Körperschaftssteuer nicht unerwartet, denn sie ergeben sich aus den Abschlußzahlungen auf Grund der in Der letzten Zeit zugestellten Steuerbescheide für 1925. Andererseits weisen die Erträgnisse der Cohnsteuer und der Umsatzsteuer nur unwesentliche Veränderungen auf. Die Einnahmen der LohnSteuer bewegen fich aufwärts, weil im ersten Bierteljahr nod; 21 Millionen an Erstattungen wegen Verdienstausfalls im Jahre 1925 in Abgang tamen. In Wirklichkeit sind die Bruttoeinnahmen aus der Lohnsteuer in den letzten Monaten nahezu unverändert geblieben. Umgekehrt sind die Einnahmen aus der limfassteuer ge funten, weil im Monat April noch die Borauszahlungen für das Vierteljahr Januar/ März und die Monatszahlungen für März nach dem Steuersatz von 1 Broz. enthalten sind. Seit sich der ermäßigte Steuersatz von 4 Proz. voll ausgewirkt hat, haben sich die Erträge der Umfazsteuer ebenfalls etwa auf der gleichen Höhe gehalten. Zieht man an Hand der Tabelle die Halbjahtsbilanz, so ergibt sich unter Gegenüberstellung mit dem Boranschlag für fechs Monate folgendes: Die Gesamteinnahmen weisen einen Ueberschuß von 127 millionen auf, von denen diesmal umgekehrt als in früheren Jahren auf die Maffenbelastung nur 7 Millionen, auf die Besitzbelastung dagegen 120 Millionen entfallen. Innerhalb der Massenbelastung weisen die Lohnsteuer und die Umsatzsteuer Fehibeträge von 70 und 65 Millionen auf, die aber durch den Ueberschuß der 3ölle und Berbrauchssteuern von 144 Millionen ausgeglichen merden. Bon diesen Ueberschüssen entfallen auf die Zölle allein 124 Millionen. Innerhalb der Besizsteuern weist die ein tommensteuer mit 107 millionen den abfolut, die Körper. [ chaftssteuer mit 73 Millionen den relativ höchsten Ueberchuß auf. Demgegenüber steht ein Fehlbetrag von 84 illionen bei der Vermögenssteuer und ein Fehlbetrag bei der Erbschaftssteuer von nicht weniger als 60 Broz.! Trotz der abweichenden Einzelergebnisse hat sich das Berhält nis zwischen Massenbelastung( Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Beförde: rungssteuer, Zölle und Verbrauchssteuern) und Besizbelastung( alle übrigen Steuern) nur unwesentlich verschoben. Auch im vergange nen Halbjahr brachte die Massenbelastung 70 Proz. der gesamten Reichssteuereinnahmen tro Wirtschaftskrise, Arbeitslosigteit und ermäßigter Umjazsteuer! Es ist nur innerhalb der Wassen belastung eine Verschiebung dahin eingetreten, daß die Hauptertrcge früher aus der Umsatzsteuer und jetzt aus den Zöllen und Berbrauchs steuern fließen. Gegenüber dem ersten Halbjahr des Rechnungsjahrs 1924 ist das Aufkommen der Umsatzsteuer auf die Hälfte gefunten. das aus den Zöllen und Berbrauchssteuern fast auf dis doppelte gestiegen. Die Aussichten für die Entwicklung im zweiten Halbjahr find nicht ganz so günstig. Bei der Massenbelastung wird der Fehlbetrag der Umsatzsteuer im gleichen Maße, der der Lohnsteuer in stärferem Umfange wachsen, weil hier noch beträchtliche Ausfälle infolge der Erstattungen für 1926 in Rechnung gestellt werden müssen. Ob die Mehreinnahmen aus Zöllen und Berbrauchsiteuern, menn fie in gleichem Maße wachsen, auch diese außerordentlichen Fehlbeträge ausgleichen fönnen, erscheint fraglich. Auch bei den Besizsteuern wird sich der nicht unbeträchtliche Ueberschuß des eriten Halbjahrs faum halten laffen, denn von den Abschlußzahlungen auf Einkommen- und Körperschaftssteuer für 1925 steht nur noch ein fleinerer Teil cus, so daß nur die erhöhten Borauszahlungen für 1926 auf Grund der neuen Steuerbescheide übrig bleiben. Ferner muß abgewartet werden, ob auf Grund der Veranlagung zur Bermögenssteuer, die jetzt im Gange ist, so hohe Zahlungen eingehen, daß das bisherige Defizit verschwindet. Schließlich darf nicht unter schätzt werden, daß in den Stundungen bei den Abschlußzahlungen auf diese drei Steuern sicherlich erhebliche Reserven steken, über deren Höhe nichts bekannt ist. Mehlichs Nachfolger im Staatsrat. An Stelle des bei Leiferde verunglückten Staatsfommissars Genossen Mehlich tritt Genosse Profeffor Dr. Karl Borländer Münster, der bekannte Kant- und Marr- Forscher, in den Preußischen Staatsrat ein. W lange verfehrt hatte. Die Sache lag nicht ganz einfach, weil die B. soll in einer Familie einiges gestohlen haben, bei der er Hausfrau offenbar besonders gut mit dem jungen, schmucken Manne stand, der vor dem Richter( und auch vielleicht bei seinen Besuchen in jener Familie) einen etwas verträumten Eindruck machte. Man hörte, die Dame des Hauses habe ihm sogar Haus- und Korridor schlüssel überlassen. und unerbitterlich, eine höhere Gefängnisstrafe gefordert. In den Die Zeugen waren vernommen, der Staatsanwalt hatte, scharf blauen Augen des Mannes in der Anklagebank zuckten Tränen auf, die ihm befreundete Hausfrau blickte starr zu Boden, da zog sich der Einzelrichter mit sich selbst zur Beratung zurück. Er verschwand aus dem Sigungszimmer, und als über eine Biertelstunde vergangen war, ohne daß ein Lebenszeichen von ihm bemerkbar wurde, flomm einige Berlegenheit im Saale auf. Grübelt er so lange nach, hat er sich zu einem kleinen Frühstück entschlossen, oder was ist sonst mit ihm? Runmehr berieten gewissermaßen die Prozeßbeteiligten untereinander. Zehn Minuten vergingen, und dann klopfte man an. Keine Antwort! Achselzucken und Flüstern. Schließlich faßt der Wachtmeister Mut. Er tritt auf den Korridor und begibt sich zu einem distreten Raume gegenüber dem Verhandlungsfaale. Lauscht einige Minuten schweigend, wie es der Respekt dem Borgesetzten gegenüber selbst an dieser einsamen Stelle gebietet. Dann tönt es von seinen Lippen, besorgt und bescheiden: Is Ihnen was, Herr Amtsjerichtsrat, und Sind Sie überhaupt hier?" Der Angeredete war wirklich da, polternd fam die Antwort zurück:" Blödsinn, gewiß bin ich da, nicht einmal hier hat man Ruhe!" Der Wachtmeister stand zunächst wie versteinert, dann ermannte er fich, worauf er stumm in das Verhandlungszimmer zurücklief und mit der Preisgabe seiner vertraulichen Feststellungen half, des Gerichtsschreibers noch immer verzweifelte Mienen zu entfärben. Bei dem Angeklagten bildeten sich wieder Tränenbäche, knurrend kam der Einzelrichter, feßte das Barret auf und verkündete das Urteil, das sehr gelinde ausfiel: Nur drei Monate Gefängnis mit Bewährungsfrist. Und alles atmete erleichtert auf.. Verurteilung eines Wüstlings. Eine Dreizehnjährige zwei Tage im Stall eingesperrt. Das erweiterte Schöffengericht Lichtenberg hatte fich mit dem 30 Jahre alten Fuhrwerksbesizer Frizz Kaniky zu beschäftigen, dem Sittlichkeitsverbrechen in zwei Fällen zur Last gelegt wurde. Wie wir seinerzeit berichteten, hatte der Angeklagte am 7. September dieses Jahres auf dem Rummelplay in der Köpenider Straße die 13 Jahre alte Schülerin G. angesprochen und das Kind auf seinem Fahrrad nach Lichtenberg mitgenominen, wo. in der Tasdorfer Str. 11 einen Stall sein eigen nennt. Dort hielt er das Mädchen zwei Tage gefangen; während dieser Zeit verging er sich mehrere Male an dem Kinde in der schwersten Weise. Das Mädchen lief schließlich davon und benachrichtigte die Polizei, die den Wüftling verhaftetete, der verheiratet und Vater von vier Rindern ist. Vor Gericht war der Angeklagte vollkommen zu fammengebrochen und weinte heftig. Er wurde wegen fortgejeztem Sittlichkeitsverbrechens zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis verurteilt. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren abgesprochen. Eine gewaltsame Pfändung. Es ist sicher kein Vergnügen, gepfändet zu werden, und es ist wohl auch kein Vergnügen, eine Pfändung vornehmen zu müssen. Die Mehrzahl der Gerichtsvollzieher, so überlastet sie in dieser Zeit find, gehen darum auch gegen ihre Kundschaft" so human vor, wie es ihre Dienſtvorschriften irgend zulassen. Sie wissen, es sind schwere Zeiten, und ven Böswilligkeit" ist bei den meisten Schuldnern heute nicht die Rede. Eine Ausnahme von dieser lobenswerten Regel macht aber anscheinend der Obergerichtsvollzieher Sch. aus der Grellstraße. Er fam am 27. September zu einem Hausverwalter Sch., um dort eine gepfändete Stand uhr abzuholen. Der Hausherr war nicht zugegen, hatte aber seiner Ehefrau die Summe, wegen deren die Uhr gepfändet worden war, gegeben und nur vergessen, daß noch einige Mart an Koſten zu bezahlen waren. Frau Sch. bat nun, fünf Minuten zu warten, bis fie ihren Mann telephonisch benachrichtigt hätte, damit er ihr das fehlende Geld bringen könne. Der Gerichtsvollzieher wollte aber nicht warten, befahl dem Kutscher, die Uhr sofort herunterzutragen. Als Frau Sch. den Kutscher bat, doch noch die kurze Zeit zu warten und dabei vor die Uhr trat, packte der Gerichtsvollzieher die Frau am Hals und schleuderte sie mehrfach gegen die Wand, so daß Frau Sch. eine start blutende Wunde an der rechten Schläfe davenirug. Auf die Hilferufe der Frau tamen schließlich das Hausmädchen und der Nachbar der Frau Sch. in das Bimmer Auch der Nachbar erklärte sich bereit, das fehlende Geld in wenigen Minuten herbeizuschaffen; der Herr Gerichtsvollzieher hatte es aber plöglich äußerst eilig, so eilig, daß er auch nicht die Ankunft des von dem Hausmädchen herbeigerufenen Polizeibeamten abwarten fonnte, sondern nur den guten Rat gab, man folle erft mal ven der Polizei feststellen lassen, welche Nationalität Frau Sch. eigentlich habe". Nun ist es freilich richtig: Frau Sch. ist staaten los und ist Jüdin. Der Herr Obergerichtsvollzieher scheint, toie auch aus einem Telephongespräch unseres Mitarbeiters mit ihm hervorgeht, die Auffassung zu haben, daß das für ihn als„ mildernder Umstand" zu betrachten sei, denn er äußerte auch hier Was sind denn das überhaupt für Leute? Das sind doch keine Deutschen, die Frau hat fich ja gerühmt, daß fie Jüdin ist!" Und auf die Gegenäußerung, daß das doch nichts zur Sache tue, erklärte er: Na ja, bei uns hat ja jeder Ausländer größeres Recht; die Deutschen sind ja so feige!" Er erklärte weiter, er warte nur darauf, daß er wegen dieser Sache angezeigt werde; den Gefallen hat ihm Herr Sch. inzwischen getan, der, gestützt auf das ärztliche Attest, gegen ihn eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverlegung eingereicht hat. Sehr neugierig sind wir, was die vorgesetzte Behörde zu dem merkwürdigen Standpunkt und die merkwürdigen Amtshandlungen des Herrn Obergerichtsvellziehers Sch. zu sagen hat. Morgen Schluß der Polizeiausstellung! Wie uns von der Leitung der Polizeiausstellung mitgeteilt wird, ist morgen, Sonntag, unwiderruflich der lezte Tag, an dem die Ausstellung für das Bublifum geöffnet ist. Die Meldung eines Mittagsblattes, nach der eine Verlängerung der Ausstellung m der Funkhalle von der Ausstellungsleitung beschlossen sein soll, trifft nicht zu. Ueber eine diesbezügliche Anregung sind noch Der Reichsminister des Innern hat den Regierungen von Preußen und Hamburg seine Vermittlung zur Lösung der Großfeine bindenden Beschlüsse gefaßt, und es besteht auch wenig AusHamburg Frage angeboten, da die Reichsregierung auf dem sicht, die Funkhalle für eine Verlängerung der Ausstellung freiStandpunkt steht, daß dieses Problem unbedingt gelöst werden muß. Ein polnischer Protest gegen den ruffisch- litauischen Vertrag, vor allem gegen die Wilna klausel, wird in Warschau vor bereitet, zubekommen. * Der Kehraus bei der Polizei. Es war in der Tat ein fröhliches Schrausfest", das die Leitung der Großen Bolizeiausstellung gestern abend in den Gesamträumen des Zoo den Beamten des Kriminologie. Vom internationalen Kongres für Sexualforschung. Auf dem internationalen Kongreß für Segualreform war der Donnerstag vor allem einer Reihe von Refe= raten über Soziologie und Kultur gewidmet. Der gestrige Tag dagegen gehörte den Problemen der Kriminologie und ihre Sizung ab. Unter den Vorträgen auf dem Gebiete der KrimiEugenit. Gleichzeitig hielt auch die rein medizinische Sektion nologie ist an erster Stelle der vom Ministerialdirektor Dr. fuchungsgefangenen" zu nennen. Wulffen- Dresden über„ Die Sexualnet der Straf- und UnterEr unterstrich die eigentümliche Erscheinung, daß in den Jahresberichten der Anstaltsdirektoren und Anstaltsärzte die feruellen Nöte der Gefangenen überhaupt nicht heraus, daß zweifelsohne von einer Sexualnot gesprochen werden ermähnt wurden. Bei einer näheren Umfrage stellte sich aber suchungsgefangenen. fönne. Diese ist beim Strafgefangenen größer als beim Unterje nach der individuellen Veranlagung des Individuums, nach der Sie ist verschieden, je nach dem Alter und Art der Strafe usw. Die aufgezwungene feruelle Abstinenz führt zu einer Reihe von Erfahhandlungen. Die Isolierung des Gefangenen hat zur Folge eheliche Entfremdung, Eheftörung, Untreue des freien Ehegatten und dergleichen mehr. Die Serualnot fönnte man durch heimbehandlungen. Im großen und ganzen erscheine es notwendig, ein entsprechendes Regime im Gefängnis mildern mit ärztlichen Gein dieser Frage weitere Erfahrungen zu sammeln. Professor Graf Gleispach Wien sprach über die Ursache der Sexual, delikte. Es handle sich nicht darum, das" Sein" der Kriminalität denn Kriminalität wird immer sein, sondern ihr " So Sein" zu erklären. Hinsichtlich der Serualdelikte müßte man sich fragen, wie das Ansteigen ihrer Zahl zu erklären sei, das in fast allen Ländern ohne Ausnahme zu beobachten sei. Die Erflärungen, die gegeben werden, genügen nicht. Es wäre notwendig, eine Zentralstelle zu schaffen, an der alles Material aus verschie= denen Ländern zusammenfließen selle. In seinem Referat über ,, Die Sexualverbrechen nach fünftigem deutschen Sprachrecht" unterzog darauf Justizrat Dr. Löwenstein die diesbezüglichen Paragraphen des Entwurfs zum neuen Strafgesetzbuch einer scharfen Kritik und wies die völlige unhaltbarkeit nach. Der Arzt Hugo Bondy- Prag sprach über die Segualparagraphen im tschechoslowakischen Entwurf des Strafgesebuchs. Neben der Beseitigung der Todesstrafe, der Berechtigung für den Richter, von Strafe anzusehen im Falle, wenn jemand einen Schwerkranten aus Mitleid tötet, um ihn von feinen Qualen oder einer unheilbaren Krankheit zu erlösen, und der bedingten Straffreiheit bei Ausführung der Abtreibung, läßt er 3. B. unter Erhöhung des Schutzalters auch den homosexuellen Berfehr zwischen zwei erwachsenen Personen straffrei. Bon aftuellem Interesse war der Vortrag des Hamburger Professors William Stern über„ Die psychologische Begutachtung jugendlicher Zeugen in Segualprezeifen. Im Gegenfatz zu Geheimrat MoII, der in seinem Korreferat allein den psychologisch vorgebildeten Psychiater als Sachverständigen gelten laffen wollte, fordert er, daß der psychologische Sachverständige nicht allein in der Hauptverhandlung, sondern auch im Vorverwollte dem psychiatrischen Sachverständigen den Vortritt lassen. fahren mitwirken solle. Auch Landgerichtsdirektor Dr. Hell mig Auch er warnte vor lleberschägung der findlichen Zeugenaussage. In der Sektion für soziale Hygiene und Eugenit sprach Genosse Profeffor Grotjan über Eugenit und wirtschaftliche Bevorrechtung der Elternschaft". Er behandelte das Broblem des Geburtenrückganges, in dem er eine große Gefahr für die weitere Entwicklung des deutschen Volkes sieht und forderte Elternschaftsversicherung, die gewissermaßen eine Privilegierung der finderreichen Familien bedeuten solle. Er führte das Beispiel Frankreichs, Englands und Ameritas an, wo ähnliche Tendenzen vorhanden seien. Lehrreich waren auch die Ausführungen des Profeffors Popenoe Kalifornien, der über die Ausdehnung der Sterilisierung aus eugenischen Gründen in Amerika referierte. Hygieneausstellung in Schöneberg. = Das Bezirksamt Schöneberg veranstaltet im Rathaus am Rudolf- Wilde- Platz eine Hygieneausstellung, zu der das deutsche Hygienemuseum( Dresden) aus seinen Sammlungen eine Auswahl von Modellen, Präparaten, Bildern, Tabellen ufw. hergegeben hat. Die Ausstellung wurde heute mit einer kleinen Feier eröffnet, bei der die geladenen Gäste, Mitglieder von Bezirksämtern und Bezirksversammlungen, Vertreter des Hauptgesundheitsamtes, der Krankenkassen, der Aerzteschaft, der Lehrerschaft usw., von dem Bezirksbürgermeister Berndt mit einer merklich nationaliſtiſc gefärbten Rede begrüßt wurden. Den Zweck der Ausstellung, gienische Belehrung in das Bolt hineinzu tragen, wird man wie Stadtrat Dr. Gottfant, der Leiter dieser Ausstellung, mitteilte durch sachverständige Führung zu fördern sich bemühen. Auch reifere Schüler werden in ganzen Klassen die Ausstellung besuchen und werden dort durch Führer angeleitet werden, den rechten Gebrauch von ihr zu machen. Die zur Eröffnungsfeier geladenen Gäste wurden bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung von Dr. Bornstein, dem Sekretär des Preußischen Landesausschusses für hygienische Voltsbelehrung, geführt. In einleitenden Worten betonte Bornstein, daß Sozialhygiene die Grundlage aller hygiene sein muß. Die Ausstellung belehrt hauptsächlich über Körperpflege, Ernährung, Leibesübungen, Säuglingspflege, Kinderfrankheiten, Schulgesundheitspflege, Gewerbehygiene, Tuberkulose, Alkoholismus, Geschlechtskrankheiten. Sie fann besucht werden bis einschließlich 24. Ottober an den Wochentagen von 11 bis 1 Uhr und von 2 bis 7 Uhr, an den Sonntagen von 9 bis 1 Uhr und von 2 bis 7 Uhr. Das Eintrittsgeld beträgt 30 f. für Erwachsene, 15 Pf. für Kinder in Begleitung Erwachsener. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Bappel- Alee 15, Vortrag des Herrn C. Bitthauer: Unschuldig verurteiltes Bolt. Harmonium: Solvejgs Lied( Grieg). Groß- Berliner Parteinachrichten. Mahnung, auch an den Abteilungsleiter, hat der Kassierer bis heute Achtung, 122. Abteilung Biesdorf! Trog bereits erfolgter die Abrechnung noch immer nicht eingeschickt. Die Genossen werden J. A.: Alex Pagels. dringend ersucht, hier Wandel zu schaffen. 0 24. Abt. Seute 6 Uhr Flugblattverbreitung von folgenden Lokalen aus: 1. Gruppe bei Rösner, Emanuelkirchstraße. 1a. Gruppe bei Schmidt, Marienburger Straße. 2. Gruppe bei Winzer, Christburger Ede Wins Straße. 8. Gruppe bei Röhler, Schweizerhäuschen. 40. Abt. Soweit noch nicht geschehen, ist das Werbematerial aut Roten Woche umgehend von Reufner, Hagelberger Str. 20a, abzuholen. 45. Abt. Werbematerial ist sofort von Bertsch abzuholen. Besonderes Ma terial ist beim Abteilungsleiter au haben. Die Kartothekkarten sind fertig abauliefern. 47 Abt. Heute, Sonnabend, nachmittag 5 Uhr und Sonntag vormittag 9 Uhr haben fich fämtliche Genoffinnen und Genossen zur Abholung des Werbematerials bei Giedentopf, Mustauer Str. 35, einzufinden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. frake 15 Mitgliederversammlung. Sonntag Konzert in der Strafanſtalt Segel. Der Junge Chor". Seute, Sonnabend, 7% Uhr, in der Aula WeinmeisterTreffpunkt 10 Uhr vormittags Stettiner Borortbahnhof. Bei Regenwetter 12 ust. Immer noch Ueberschichten! Troz großer Arbeitslosigkeit. Der verurteilte Magistrat. Die unhaltbaren Zustände in den Krankenanstalten. Zu dem Bericht über die Gewerbegerichtsverhandlung( Nr. 462 Dom 1. Oktober) schreibt uns das Hauptgesundheitsamt: ,, Weder im Hospital Buch noch in einer anderen städtischen Krantenanstalt besteht Personalmangel. Nach Durchführung des Achtſtundentages wird z. B. das Hospital Buch 178 Pflegepersonen haben, das Hospital Fröbelstraße, das vielfach mehr bettlägerige Wirtschaft Die neuen Russenkredite. Berhandlungen über neue Russenkredite sind, wie das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hört, in Lieferanten mit den Sowjets, während auf der anderen Seite eine vollem Gange. Auf der einen Seite verhandeln die interessierten Troß der gewaltigen Steigerung der Nachfrage nach Kohle sehen die Grubenunternehmer nur zögernd an die Wiederein. stellung erwerbsloser Bergarbeiter heran. Sie wollen lieber das System der wilden Ueberschichten so weit als möglich ausbauen. Die vier Bergarbeiterverbände haben seit dem Juli wiederholt den Versuch gemacht, das weitere Verfahren Krante unter seinen Kranten zählt, sogar fast 250 Pflegepersonen. enge Fühlungnahme mit dem Reich und den Versicherungsgesellder wilden Ueberschichten zu verhindern. Bis jetzt ist in den Verhandlungen über die Frage der zulässigen Dauer der täglichen fungen, sondern nur zwei Erkrankungen und vier Verdachtsfälle In den letzten Jahren sind im Hospital Buch nicht 24 Erfran- fchaften stattfindet. Bekanntlich ist der große Kredit von 300 Millionen nur für langfristige Lieferungsgeschäfte, für die sogenannte Arbeitszeit bei freiwilliger Mehrarbeit nach dem§ 11 der Arbeits vorgekommen, von denen durchaus nicht feststeht, daß sie alle mit schwere Installation" bestimmt. Nach der Exportkreditversicherung zeitverordnung eine E.nigung nicht zu erzielen gewesen.. dem Pflegedienst ursächlich zusammenhängen. A und B ist Rußland prinzipiell von der Belieferung ausgeschlossen, Da auf etwa 80 Menschen in Berlin ein Tuberkulöser tommt, so ist in mehreren lehnen. Es soll nun versucht werden, das Russengeschäft, insoweit da die Versicherungsgesellschaften Russengeschäfte grundsäglich abJahren bei einem Pflegepersonal von etwa 160 Köpfen auch ohne allgemeinwirtschaftliche Interessen in Frage stehen, in der Weise zu besondere Schädlichkeiten mit vereinzelten Tuberkulofeerkrankungen fördern, daß das Reich sich mit einem verhältnismäßig nicht zu zu rechnen. Es kommt in der Anstalt etwa ein bis zweimal wöchentlich schaften das Geschäft insofern erleichtert, als man ihr Risiko erhohen Garantiefonds beteiligt, und man den Versicherungsgesellvor, daß eine Kranke ins Untersuchungszimmer getragen wird. fonal ungern benutzt. Die Kranten werden regelmäßig alle 14 Tage wirtschaftlichen Grundsätzen erfolgen. ( nicht alle 6-8 Wochen) gebadet." Gegen Neueinstellungen sträuben sich die Grubenunternehmer vor allem mit dem Hinweis auf die Bestimmungen der Stillegungsverordnung, die bei Entlassung von 50 und mehr Arbeitern eine Sperrfrist von vier Wochen vorsieht. Der preußische Handelsminister hat deshalb die Frage aufgeworfen, ob Preußische Zentraistadtschaft in Berlin. Der Goldpfandbriefumlauf der Preußischen Zentralstadtschaft betrug am 30. September 1926 rund 65 Millionen Mark; ihm standen in gleicher Höhe erststellige Deckungshypotheken gegenüber. Die Nachfrage nach Pfandbriefen bei der Zentralstadtschaft sowie die Nachfrage nach Hypotheken bei den angeschlossenen Stadtschaften ist weiter überaus rege. es nicht möglich sei, Arbeiter auf bestimmte 3eit ein Ausreichende Fahrbahnen sind vorhanden, werden aber vom Berheblich beschränkt. Der ganze Aufbau des Geschäfts soll nach privatzustellen. Die Bergarbeiterverbände haben es abgelehnt, in dieser Beziehung irgendwelche Zugeständnisse zu machen, weil die Unternehmer dann die Arbeitsverträge auf einen bestimmten Zeitraum abftellen und damit die Stillegungsverordnung illu forisch machen könnten. Der Zechenverband ist damit einverstanden, daß durch eine eventuelle Busaßverordnung die Frage im Sinne der Anregung des Handelsministers gelöst wird. Das Ober. bergamt wird jetzt zunächst dem Handeisminister Bericht erstatten. Die Zechen befürchten, sie könnten bei einer Aenderung der Konjunktur die neu eingestellten Arbeiter nicht sofort wieder los werden, solange die Bierwochensperrfrist besteht. Die Befürchtungen find stark übertrieben; denn die Konjunktur im Bergbau hört ebenlowenig mit einem Schlag auf, wie sie mit einem Schlag eingetreten ist. Außerdem ist die Kohlennachfrage jetzt so start geworden, daß einzelne Zechen Arbeiter in größerer Zahl einstellen, auch ohne daß die Stillegungsverordnung außer Kraft gesetzt wird. Man sieht, es geht auch so. Die Zechenbesitzer wollen nur nicht. Der Staat foll weiter die Arbeitslosen durchschleifen. Verschärfter Fortgang des englischen Streiks Beschluß der Egefutive der Bergarbeiter. London, 16. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Nach Abschluß der Sihung der Bergarbeiteregekutive wurde eine offizielle Meldung ausgegeben, in der festgestellt wird, daß die Diftrifte die auf der letzten Delegiertenkonferenz beschlossene Entschließung gebilligt hätten. Dies bedeutet nach einem offiziellen Kommentar: Dazu schreibt uns der Gemeinde- und Staatsarbeiterverband: Die Ermiderung des Hauptgesundheitsamtes stellt die Tatsachen auf den Kopf. Am 11. d. M. hat beispielsweise im Hospital in der Fröbelstraße eine Sigung stattgefunden, die sich ausschließlich neben dem Dezernenten, Herrn Stadtrat De gener, Bezirksamt mit dem Personalmangel beschäftigte und an der Prenzlauer Berg auch Herr Professor Schuster vom Hospital Fröbelstraße, andere Aerzte sowie der Verwaltungsdirektor, Herr Brook und das Oberpflegepersonal teilgenommen haben. Die Betriebsvertretungen sowie ein Vertreter un= eres Verbandes waren ebenfalls zugegen. Alle diese Ber: fonen waren sich dursaus einig darüber, daß der Personalmangel ein so großer ist, daß niemand mehr in der Lage sei, die Verantwortung für eine ordnungsmäßige Versorgung und Behandlung der Patienten zu übernehmen. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse im Hospital Buch. Auch in den 3rrenanstalten ist ein Personalmangel zu verzeichnen, der die schwersten Schäden für das Personal sowohl als auch für die Kranten mit fich bringen muß. Im Verlaufe von zwei Monaten sind in der Heil- und Pflegeanstalt Wittenau nicht weniger als neun Fälle schwerer Ver= legungen von Pflegepersonal durch tobsüchtige Geistestranke erfolgt. Der ärztliche Direktor, der Verwaltungs direttor und die Betriebsvertretung haben übereinstimmend in Hauptgesundheitsamt mitgeteilt, daß sie die Verantwortung nicht länger zu tragen in der Lage seien. Auf eine Beschwerde unseres Berbandes hin hat das Hauptgesundheitsamt diese Zustände schriftlich zugegeben. 1. Rüdfehr zur Forderung der Verhältnisse, wie sie am Wenn in der Erwiderung auf die Berhältnisse nach Durch 30. April hinsichtlich Cohna blommen, Löhne und Arbeits- führung des Achtstundentages Bezug genommen wird, so stellen zeit bestanden haben; 2. 3urudziehung der Sicherungs- wir dentgegenüber fest, daß gerade in den Hofpitälern die Durch arbeiter aus den Gruben; 3. Schrift des Bergarbeiterverbandes führung des Achtstundentages offensichtlich sabotiert beim Generalrat der Gewerkschaften zwed's Durchsehung einer wird und man deswegen nicht von den Verhältnissen nach Durch prozentualen Lohnabgabe und einer kohlen trans- führung des Achtstundentages, sondern von den zurzeit be: portfperre; 4. Maßnahmen zur Berhinderung der stehenden sprechen muß. Kohlenförderung im Tagbau. Die Erefutive plant, mit Hilfe der Einsehung sämtlicher Unterhausabgeordneten eine große Agitation in Mittelengland zu entfalten, um die wankenden Distrikte zurückzugewinnen. Die bürgerliche Bresse, die offenbar den Abbruch, wenn nicht den Zusammenbruch des Streits erwartete, verbreitet die wildesten Deutungen des Beschlusses der Exekutive der Bergarbeiter. Die Konstituierung eines Agitationstomitees zur Zurückgewinnung der abgefallenen Bergarbeiter wird als ,, Kriegsrat" ausgegeben, und daran werden allerlei Kommentare gehängt. Abgesehen von dem durch die Urabstimmung herbeigeführten Beschluß, die Sicherheitsleute aus den Gruben zurückzuziehen, der nur da zu rechtfertigen ist, wo sich eine größere Anzahl Streitbrecher gemeldet hatten, sind die Beschlüsse die Auswirkung der Haltung der Unternehmer und der Regierung. Ob die Kohlentransportsperre zur Durchführung fommt, hängt von den englischen Eisenbahner, Transportarbeiter und Geeleute gewerkschaften ab, die bisher eine derartige Sperre abgelehnt haben. Jedenfalls muß die Unterstützungsaktion verschärft fortgeführt werden. Dienstag Verhandlungen bei der Straßenbahn. Um die Erhöhung der Löhne. Wie wir erfahren, finden am Dienstag die Verhandlungen bei der Straßenbahn über die Lohnforderungen der Straßenbahner statt. Die letzten Verhandlungen am 5. Oftober sind an dem ablehnenden Etandpunkt der Direktion, keine Lohnerhöhung vor der Tariferhöhung Dorzunehmen, gescheitert. Streifabstimmung in der Gesundheitsindustrie. Ultimatum bis Montag. Die von allen Angestellten in der Berliner Gesundheitsindustrie durchgeführte Urabstimmung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches hat eine überwältigende Mehrheit für die Ab. lehnung und damit für den Streit ergeben. Das dem Arbeitgeberverband gestellte Ultimatum läuft Montag vormittag ab. Am gleichen Tage findet die bereits angekündigte öffentliche Angestelltenversammlung statt, die über alle erforderlich werdenden Maßnahmen beschließt. Lokal: Nordischer Hof, Invalidenstr. 126, großer Saal. Beginn 7% Uhr. Das Erscheinen aller Angestellten dürfte eine Selbstverständlichkeit sein. Berliner Elektriker Genossenschaff angeschl.dem Verb.soz. Baubetriebe Berlin N. 24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6525, 6526 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Ausstellungsräume und Lager: Alexanderstraße 39-40( Alexander Passage), Telephon: Königstadt 540 Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. Verkauf aller elektr.Bedarfsartikel Ausführg. sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Der Unsere Behauptungen bezüglich der Erkrankungen des Personals erhalten wir vollinhaltlich aufrecht. Daß diese Krankheiten ursächlich mit dem Pflegedienst zusammenhängen, ist dadurch erwiesen, daß der Magistrat der Stadt Berlin, Unfallfür. forge für Arbeiter und Angestellte, diese Erkrankungen ausdrüdlich als Infektionen im Dienst, also als Betriebsunfälle bzw. lnfallrente zahlen muß. anerkannt hat und dem größten Teil der Erkrankten Ruhelohnt Die Behauptung, daß fahrbare Tragbahren in ausreichender Bahl vorhanden seien, ist falsch. Wir stellen ausdrücklich fest, daß für die ganze Anstalt( Hospital Buch) mit einer Belegschaft von 1500 Kranken 2( zwei!) Tragbahren zur Verfügung stehen und daß in der Verhandlung vor dem Gewerbegericht ausdrücklich festgestellt wurde, daß diese zwei Tragbahren sich monatelang in Reparatur befunden haben. Dazu kommt, daß Transporte sondern daß die Kranken auch beispielsweise ins Freie getragen von Kranten nicht nur in die Untersuchungszimmer erfolgen müssen, werden müssen. Auch in Polen ein 3nstitut für Konjunkturforschung. Nachdem soeben durch die Initiative des Nationalbankpräsidenten Dr. Reisch. in Wien die Vorarbeiten für die Gründung eines österreichischen Instituts für Konjunkturforschung eingeleitet wurden, wurde auch am 12. Oftober in Warschau eine Konferenz der Vertreter des Ministerrates und der interessierten Ministerien in dem Statistischen Hauptamt abgehalten, die die Errichtung eines Institutes für Ron= junkturforschung, das nach dem Muſter des deutschen dem Statistischen Hauptamt angegliedert werden soll, beschloß. Zunächst werden die Richtlinien für die Durchführung und die Organisation des Konjunkturforschungs- Institutes ausgearbeitet werden. Die amerikanische Bemberg- Gesellschaft in Tätigkeit. Die im Juli d. I. in Johnson- City im Staate Tennessee errichtete amerifanische Bemberg- Gesellschaft- American Bemberg Corporation-bekanntlich die Batente und Erfindungen der Vereinigten Glanzstoffwird jetzt die Produktion aufnehmen. Die Gesellschaft verwerter werke zu Elberfeld und der Bemberg AG. in Barmen. Das Kapital besteht aus 3,5 Millionen Dollar. Aus der Partei. Die ukrainische sozialistische Partei in Polen Selanstij Sojuz" ( Bauernverband) hat in einer Konferenz in Lemberg, die zuerst von der Polizei auseinandergetrieben wurde, beschlossen, sich mit der galizisch- ukrainischen Partei„ Narodnaja Wola"( Bolkswille) zu vereinigen. Die neue Partei wird den Namen„ Ukrainische Sozialistische Arbeiter- und Bauern- Vereinigung" führen. Sie ist im Sejm gegenwärtig durch sechs Abgeordnete vertreten. Theater der Woche. spiele: Der gefällige Thierry. Bom 17. Ottober bis 25. Oftober 1926. Boltsbühne: Lysistrata. Oper am Blaß der Republit: 17. Rofenfavalier. 18. Boris Godunom. 19. Madame Butterfin. 20. Cavalleria rusticana; Bajazzi. 21. Tristan und Isolde. 22. Liebe zu den drei Orangen. 23. Intermezzi. 21. Jugend. 24. Lohengrin. 25. Martha. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 17. und 20. Herodes und Mariamne. 22., 23. und 24. Lulu. 18.( fein Rartenverkauf) und 25. Peer Gynt. 19. Napoleon. -Schiller- Theater: 17., 21., 22., 23., 24. und 25. Golbaten. 18. Die Welt, in der man sich langweilf. 19. Peer Gynt. 20. Knriz- Bnrig. Deutsches Theater: Peripherie. Kammer heater: Mensch und Uebermensch. Die Komödie: Die Gefangene. Lessing. Theater in der Königgräger Straße: Mrs. Chenens Ende. Städtische Oper, Charlottenburg: 17. Die Entführung 21. Coft fan tutte. 22. Die toten Augen. 28. Ariadne auf Nagos. 24. Curnaus dem Gerail. 18. Fatiniga. 19. Otto und Theophano. 20. Das Rheingold. Theater des Westens: Der Zug nach dem Westen. anthe. 25. Die Bohème. Großes Schauspielhaus: Bon Mund zu Mund. Die Tribüne: Die WildDeutsches Künstler- Theater: Das große Abenteuer. Komödienhaus: Ich hab dich lieb. Cinbruch. Berliner Theater: Mig Amerika. Reues Theater am 800: Absteigequartier. Trianon- Theater: Dirnentragödie. Residenz- Theater: Rentral- Theater: Ich hab mein Herz in Heidelberg. Theater in der Kommandantenstraße: Bis 21. Egmont. Ab 22. Jn Ewigkeit Amen! Der gemittliche Kommiffär. Heiratsantrag.( Einatter.) Theater am Schiffbauerdamm: Das Grabmal des unbekannten Soldaten. Komische Oper: ente. Die Behauptung, daß die Kranten regelmäßig alle 14 Tage gebadet werden, ist falsch. Auf eine besondere Beschwerde unseres Verbandes hin hat das Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin, gezeichnet v. Drigalfti, zugegeben, daß das Baden nur etwa alle sechs Wochen erfolgen tönne und daß man bestrebt Adrienne. Luftspielhaus: Herzogin von Elba. Metropol- Theater: Wiedersei, eine Aenderung herbeizuführen. Ein Skandal! Ein ertragreiches Bergwerk aus Profitgründen abgebrochen. Dortmund, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Verhandlungen wegen der Inbetriebnahme der Zeche Vereinigte Margarete" wird mitgeteilt:„ Die Beteiligten hatten die Hoffnung auf Wiederinbetriebnahme, da ein Vertreter des Stumm- Konzerns ge= äußert hatte, daß evtl. bei einer Verlängerung der Arbeitszeit der Betrieb wieder in Gang gebracht werden könne. Im Laufe der fast zweistündigen Verhandlungen erklärte der Vertreter des Stumm Konzerns wieder, daß auf keinen Fall die Wirtschaftlichkeit des Bechenbetriebes gegeben sei. Der Minister erklärte das Gutachten des Oberbergamtes für maßgebend. Die Verhandlungen führten zu der offiziellen Erklärung, daß eine Wiederinbetriebsetzung nicht in Frage tomme." Damit ist der Abbruch der Zeche sicher. Der Bevölkerung hat sich eine große Erregung bemächtigt. Bereits am Freitag morgen hat man damit begonnen, die auf den Zechen lagernden Holzstapel abzutransportieren. Es besteht jetzt die Möglichkeit, daß die Zeche ,, Karoline" durch den Wasserzufluß der stillgelegten Beche zum Erliegen tommt und die Unternehmer so Gelegenheit nehmen werden, auch die Stillegung dieser Arbeitsstätte zu be= antragen. Neue- Welt- Kalender 1927 ältester Kalender des werktätigen Volkes enthält neben Kalendarium, Messen und Märkte, Ebbe- und Flut- Tabelle aktuelle Beiträge künstlerischer und unterhaltender Art. 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Es geht schon besser. 21. Gastspiel der Tänzerin Argentina. 22. Geschlossen. Ab 23. Jn der Johannisnacht. Töchter. Ab 18. Die Marionetten der Barin. Kleines Theater: Menschenfreunde. Wallner- Theater: Bis 17. Hasemanns Nelson- Theater: Die tanzenden Fräuleins. 114 Uhr Nachtvevue. Rose Theater: Ehrliche Arbeit. Theater in der Lühowstraße: Der fröhliche Kreuzberg. Theater im Admiralspalaft: Barieté, Stettiner Sänger: Mensel, Britton usw. Elite- Sänger: Russisches Rachmittagsvorstellungen. Bolfsbühne: 17. Fauft. 24. 2nfiftrata. Schiller- Theater: 17. Die Welt, in der man sich langweilt. 23. Am bes Bestens: 17., 24. Der Bug nach dem Westen. phntrion. Großes Schauspielhaus: 17., 24. Bon Mund zu Mund. Theater Deutsches Künstler- Theater: 20., 23. Das böse Brinzeßchen. 17., 24. Der fröhliche Weinberg. Komödien haus: 17., 24. Der Garten Eden. Berliner Theater: 17. Mig Amerika. Neues Theater am 800: 21., 23. Als ich noch im Flügelkleide. TrianonTheater: 17., 23., 24. Rottäppchen und Hänsel und Gretel. Rentral- Theater: 17. Ich hab mein Herz in Seidelberg. 20., 23. Der Iuftige Fridoli. Theater Rotkäppchen. in ber Rommandantenstraße: 17., 24. Die zärtlichen Berwandten. 20., 23. Theater am Schiffbanerdamm: 24. Das Grabmal des unbekannten Goldaten. Romische Oper: 17. Die Fledermaus. Lustspielhaus: 17., 23., 24. Schneewittchen und die fieben 8merge. Thalia- Theater: 17., 24. Lottchens Geburtstag und Erster Klaffe. Kleines Theater: 20., 23. Schneewittchen. Wallner- Theater: 17. Safemanns Töchter. Rose- Theater: 23., 24. Aschenbrödel. Theater im Admiralspalast: 17., 24. Haller- Revue: An und aus! Stettiner Sänger: 17., 24. Mensel, Britton usw. Elite- Sänger: 17. 24. Ruffisches Damen- Gesangs- Quartett Popoff. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: Artur Caternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Difcher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. 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