Nr. 4�0 ♦ 4Z.�ahrg. Musgabe A Nr. 250 Bezugspreis. WSchrntlich TD Wenni«, monatll» Äeidjsmotf voraus»ahlbar. Unitx Btnubanji für Deutschland, Dantiq. Saar» und Meinelaebiet. Dellerreich, Litauen. Lurembure 4.5V Zieichemarl. für da, übri«« Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Bonnüri»' mit der illustrier. t-n Sonntagsbeilage.Volk und Zeif sowie den Beilagen»Unterhaltung uno Wissen'.»Au, der ÄilmrocU*. „fftauenflimmC,»Der Kinde» treund'...Iugend-Vorwiirts' und �lick in die Bücherwelf erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag, und Montag, einmal. Telegrennm-Adresse: .Sozialdemokrat verlin- Sonntagsausyabe Derliner VolKsvlakk (l5 Pfennig� Anzeigenpreise: Di« einspaltig« Nonpareille. geile 80 Pfennig. Reklamegell« 5,— Reichmnark..»leine Anzeigen* da, fettgedruckte Wort 25 Pfennig szuläsftg ,wei fettgedruckte Wort«), iedes weiter« Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« da, erst« Wort 15 Pfennig, jedes weiter« Wort 10 Pfennig. Wort« über 15 Buch- staden zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 60 Pfennig. lkamilienanzeigen für Abonnenten steil« 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi« 4)4 Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden. strasseZ. abgegeben werden. Ecäffnet von 8)4 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Soztaldemokratlfcben parte» Deutfchlands Reüaktion und Verlag: ö erlin SW. HS, Linöenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Sonntag, den 17. Oktober 1926 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin SW. HS, Linüenstr.Z Postscheckkonto: Perlin 17 5Zg— Bankkonto! Pank der Arbeiter. Angestelten nnd Beamten. Wallftr. 65: Diskonto-Sesellschaft. Deposttenkass««indenstr. 3. Cm Sonntag der Werbung. Oer Weg der Partei: durch Meinarbeit zur Großmacht. Heilte fft ein Tag der Parteiarbeit. Dieser Sonntag, der Sonntag der Werbewoche der Sozialdemokra- tischen Partei Deutschlands, ist der Parteipflicht gewidmet. Es wird heute nicht gewählt. Es fallen keine sichtbaren poli- tischen Entscheidungen, kein Wahlfieber und keine Stimmen- Zählung steht am Ende dieses Sonntags— es gilt, Mitglieder für die Partei, Leser für den„Vorwärts" zu gewinnen. Heute und in der folgenden Woche erproben wir unsere innere Kraft. Voll Stolz sagen wir es: wir sind die stärkste politische Partei. Wir sind die Massenpartei der Arbeiter- s ch a f t. Viele Hunderttausende gehören zu unserer Organi- sation, viele Millionen geben ihre Stimme für unsere Partei. Unsere Gegner bekennen: die überwiegende Mehrheit der deutschen Arbeiter sieht ihre politische Vertretung in der Sozialdemokratischen Partei. Im Bewußtsein unserer Stärke können wir es offen sagen: wohl sind wir stark, doch noch nicht stark genug. Wir müssen die Massenpartei des ganzen Volkes werden. Wir dürfen es sagen, weil wir stark stnd: noch ist die Zahl dör Wähler, die sich zur Sozialdemokratie bekennt, nicht stark genug, um jedes Regieren gegen die Sozialdemokratie und die Arbeiterschaft zu verhindern. Roch ist die Zahl unserer organisierten Mitglieder und der L e s e r unserer Parteipreste zu gering im Verhältnis zur Zahl unserer Wähler! Ein großes Rekrutierungsfekd liegt vor uns in der Arbeiterschaft. Rund fünf Millionen Mitglieder zählen die freien Gewerkschaften— aber längst noch nicht eine Million beträgt die Zahl der Mitglieder unserer Partei. Ein noch größeres Rekrutierungsfeld für uns das ganze Volk! » Berlin ist republikanisch durch und durch. Jede Wahl hat es bestätigt. Die Berliner Sozialdemokratie hat alle anderen Parteien überflügelt. Jeder Wahlgang war ein glänzender Erfolg der Berliner Partei- genossen, und darum können wir es offen sagen: wir stnd in der Reichshauptstadt organisatorisch noch nicht stark genug! Darum gilt es, unermüdlich und systematisch zu werben. Darum reißt die Partei in dieser Woche ihre Kraft zusammen, damit politischer Wille und Werbekraft von ihr ausgeht. Darum gehen heute die Genossen und die Genossinnen frei- willig und unermüdlich von Haus zu Haus, darum ziehen sie werbend durch die Straßen. Es ist heute Kampftag gegen den Indifferen- t i s m u s. Wir werben für unsere Partei und ihr sozialistisches Ziel. Wir werben, um Gemeinschaftsgeist zu wecken. Wer den Schritt vollzieht, aus einem Wähler zum Parteimitglied zu werden, der räumt in seinem Leben der Politik, der Arbeit für das Gemeinwohl,«inen größeren Raum ein als bisher, der entschließt sich, mit Festigkeit politischem Willen Ausdruck zu verleihen. Wer abseits stand und nun sich zur Sozialdemokratischen Partei bekennt, der erfüllt eine Staatsbürgerpflicht, eine wahr- hafte Eemeinfchaftspflicht: denn das Wohl der Gemeinschaft zu fördern— das ist das höchste Ziel der Sozialdemokratie. Gegen Indifferentismus, für Gemeinschaftsgeist— dafür werben wir. m „Partei! Parteil Wer sollte sie nicht nehmen, Die noch die Mutter aller Siege war!" Rur in der Partei und durch die Partei können wir politisch wirken. Die Partei, unsere Partei war es, die die Arbeiterbewegung, klein und schwach in den Anfängen, an die Schwelle der Staatsmacht geführt hat. die Demokratie auf dem Wege von der Forderung zur verbrieften Verfassung, die sozialistische Idee an die Schwelle der Verwirklichung heran. Die Partei war es. die den Willen der Massen der deut- scheu Arbeiterschaft gesammelt hat. Sie hat ihn zur politischen und sozialen Forderung geprägt. Sie hat ihre Stimme für den Willen der Arbeiterschaft erhoben. Sie hat politische Macht, die lebendigen Massenkräfte des Voltes gesammelt für die idealen Zielsetzungen der großen Sozialisten. Unsere Partei— sie ist für uns Führerin, Kampfgemeinschaft, Aus- druck unserer großen Zukunftshoffnungen. In der Partei tritt der Genosie neben den Genosien, um im Streit der Tagesmeinung das große gemeinsame Ziel her- auszuarbeiten und den gemeinsamen Weg für den gemein- samen Kampf zu finden. In der Partei wird der Wille der Hunderttausende von Genossen zu einem großen, gemeinsamen politischen Willen gesammelt. Durch die Partei schlagen wir unsere Walstschlachten, werfen wir unseren Willen in die Wagschale, um die Führung des Volkes mitzubestimmen. In der Partei lebt Wille, lebt Kritik, lebt Ringen und Erkenntnis, Ringen um Zielsetzung, Ringen um den Weg. Hier ist wahrhaft politisches Leben in der Demokratie. Die Partei ist die Grundlag« des demokratischen Staats- lebens. Ohne Partei kein Parlament, ohne Parlament keine Herrschaft des Voltes. Die Partei ist der Grund jeder Volks- regierung.-:!. Daran denken wir, wenn wir für die Sozialdemokratische Partei zu werben. Roch hemmt uns in der deutschen Republik die Viel- gestaltigkeit des Parteiwesens, noch schwankt die Regierungs- macht hin und her, noch kann der Kurs des Staates nicht ohne Schwanken und unbeirrt in der Richtung des Forffchritts, des Gemeinwohls, des Sozialismus gehalten werden. Je stärker unsere Partei, um so größer und sicherer unser Einfluß auf den Staat. Jeder Parteigenosse mehr ist ein Fortschritt auf diesem Wege. Das Wa chsen der Sozialdemokratischen Partei ist die sicherste Bürgschaft für kommende Einheitlichkeit des deuffchen Regierungssystems, eine Bürgschaft für die Stabilität des polltischen Lebens und des Kurses des Staates in der Richtung des gesellschaftlichen Fortschrittes. Je größer unsere Partei— um so stärker unsere Macht im Parlament und Regierung zur Verwirklichung unserer Ziele. Darum werben wir heute und in aller Zukunft für unsere Partei. Denn unsere Partei ist unsere Hoffnung. » Wir werben, indem wir wirken und indem wir werben, wirken wir! Für uns haben die großen Sozialisten gewirkt und geworben, auf dem Felde des Geistes und dem Felde des Parteikampfes— mit feuriger Begeisterung und gläubiger Hoffnung unter Hingabe der Persönlichkeit und des ganzen Lebens. Für uns haben die Hunderttausende und Mil- lionen von Namenlosen gearbeitet und geworben, die das stolze Gebäude der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands errichtet haben— belohnt nicht durch Nachruhm, sondern durch das Bewußtsein treuester Pflichterfüllung für ein großes Gemeinschaftsziel. Ein Weg voll harter Arbeit und Kampf, voll Siegesjubel und Trauer über Rückschläge, ein Weg, der durch schwerste Erschütterung und Spaltung zu Einheit und Aufstieg führte. Eine große Tradition! Rückwärts erst den Blick auf unser« stolze Geschichte— dann vorwärts auf die Kämpfe und Aufgaben der Zukunft! Ueber alle Maßen groß, über allen Irrtum und alle Verwir- Lrste Werbebeilage des„Vorwärts*': „Sdiutz der Arbeit" Peter Qraßmann: Die Sozialdemokratie führt. S. Aufhäuser: Volksstaat und Sozialpolitik. A. Freymuth: Sozialdemokratie und Beamte. Ferner Aufsätze Ober Arbeitslosenschutz. Arbeitsinvaliden, Kriegsopfer, Unfallversicherung. rung des Tages hinaus sind unsere Ziele und unsere Aufgaben. Wir können sie nicht erfüllen, wenn wir untergehen im Streit des Alltags, wenn wir Zersplitterung der Slrbcitcrfchaft dulden oder gar fördern. Hemmung und Rückschlag und Irrtum, Widerstand der Gegner und Dumpfheit des Indifferentismus— wir überwinden sie nicht, wenn wir nicht, den Blick auf das große Ziel gerichtet, in treuer unablässiger Arbeit wirken und werben. Werben wollen wir, in dem sicheren und unbeirrten Be- wußtsein, daß unser Weg zum Wohle des ganzen Voltes führt, daß mit uns die Zukunft ist. Nach schweren Kämpfen innerhalb der Arbeiterbewegung sind wir zurückgekehrt zur Einheit der Partei. Nun werben wir für die Einheitd er Arbeiterbewegung, für die Einheit des Volkes. Das ist der Sinn der Kleinarbeit für die Partei, der unsere Werbewoche gewidmet ist. Unsere großen Lehrmeister habe» das stolze geistige Gebäude des deutschen Sozialismus er- richtet, unsere Politiker und Staatsmänner haben in diesem Geiste gearbeitet: nun gilt es, durch treueste Kleinarbeit das ganze Volk für uns zu gewinnen, heute und in der Zukunft, Mann für Mann, Frau für Frau. Aus den Einzelnen werden die Tausende, aus den Tausenden die Millionen. Wer einen Parteigenossen wirbt, der stärkt unsere Macht. Durch Kleinarbeit zur Großmachtl Treue zur Partei, Arbeit für die Partei: und unser der Staat und die Zukunft! ein unmögliches Gutachten. Reichsjustizministerium gegen Reichstagsausschuß. Der Femeausschuß in Münc Sitzung vom 11. Oktober über den. !en verhängte w seiner eugenR ö h m eine Geld- strafe von 3 Mark, weil er sich weigerte, auf Fragen des Berichterstatters Dr. Levi zu antworten. Im Anschluß daran wurde in der Oeffentlichkeit die Frage der Straf- befugnis des Ausschusses erörtert, zu der sich nunmehr auch das Reichsjustizministerium durch ein Gutachten geäußert haben soll, das der Abgeordnete Troßmann(Bayer. Volkspartei) gewünscht hat. Das Wesentliche dieses Gut- achtens ist folgender Abschnitt: .Da Artikel 34 der Reichsversassung auf die Beweiserhebungen des Untersuchungsausschusse« nur die sinngemäße Anwendung der Vorschriften der Strafprozeßordnung zuläßt, entfällt für den Unter- suchungsausschuß die Verhängung von Strafen, deren Rechtsunter. läge sich nicht in der Strafprozeßordnung, sondern im Gerichtsoer- fassungsgesetz findet. Die in den JH) 177 und 178 des Gerichtsverfassungsgesetzes dem ordentlichen Gericht eingeräumte Strafbefugnis steht daher dem Untersuchungsausschuß nicht zu. Wird von Per- jonen, die vor dem Untersuchungsausschuß erscheinen, eine Störung der Ordnung der Sitzung oder eine Ungebühr begangen, so ist der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses somit auf di« Befugnisse beschränkt, di« sich aus der parlamentarischen Ordnungsgewalt und aus dem Hausrecht ergeben. Die Mittel der Ordnungsge- w a l t. sind in der Geschäftsordnung für den Reichstag näher be- stimmt. Wenn die Vorschriften der Geschäftsordnung sich auch ihrem Wortlaut nach nur auf Abgeordnete. Regierungsvertreter und Tri- bünenbesucher beziehen, so dürfen doch ihrer entsprechenden Anwen- dung auf Auskunftspersenen, die vor dem Untersuchungsausschuß er- scheinen, keine Bedenken entgegenstehen. Geld- und Haftstrafen sind als Mittel der Ordnungsgewalt in der Geschäftsordnung weder vor- gesehen, noch könnten sie durch eine Erweiterung der Geschäftsord- nung eingeführt werden. Dies könnte nur durch Gesetz ge- schehen." Dieses angebliche Gutachten des Reichsjustizministeriums geht in seinen Schlußfolgerungen von völlig falschen Voraussetzungen aus und erweckt aus den verschiedensten Gründen den Anschein, als ob es nicht in Berlin, son- dern in München, in der unmittelbaren Umgebung des Herrn Dr. Gürtner entstanden sei. Rühm erhielt 300 Mark Geldstrafe, nicht auf Grund des Gerichtsverfassungsgesetzes, wegen ungebührlichen Betragens, sondern wegen Zeug- nisoerweigerung auf Grund des 8 70 der Straf- Prozeßordnung. Der Untersuchungsausschuß des Reichstages hat in diesem Falle wie jedes andere Gericht zur Erledigung des ihm erteilten Auftrages das Recht, die Aussage zu erzwingen und das Mittel dazu war die sinngemäße An- wendung der Strafprozeßordnung durch Verhängung einer Geldstrafe. In einer späteren Sitzung wird der Ausschuß zu entscheiden haben, ob er nach der Ausführung seiner Strafe gegen Röhm noch Wert auf dessen Vernehmung legt. Ver- weigert Röhm im gegebenen Falle wieder die Aussage, so hat der Ausschuß das Recht, über ihn eine noch höhere G e l d st r a f e oder Haft bis zu 6 Monaten zu verhängen. Das vorstehende und angeblich vom Reichsjustizministe- rium stammende Gutachten würde in der Praxis jeden Unter- suchungsausschuß lahmlegen und ihn der Lächerlichkeit preis- geben: denn schließlich wäre ein Untersuchungsausschuß, der nicht einmal das Zeugnis erzwingen kann, nichts anderes als ein Spottgebilde für renegate Zeugen. Die R e i ch s v e r- fassung will das Gegenteil und das entspricht auch einem früheren Gutachten des Reichsjustizministeriums über die strittige Frage. Wer ift's? Wo hat der Tirpitz die Akten her? Ueber die neue Aktenpublitation des früheren Großadmirals Tirpitz haben wir am 7. Oktober ausführlich berichtet. Wir schrieben damals im Anschluß an eine Besprechung des neuen Tirpitzschen Buches auch darüber, woher Tirpitz eigentlich die Akten habe. In diesem Zusammenhang teilten wir mit: „Der Kapitän zur See Wiedemann, der jetzt im Reichs- wehrministerium ist, hat seinerzeit unter dem Borwand, die Akten des Reichswchrministeriums vor dem Zugriff der Sparta- k i st e n zu sichern, sie an sich genommen und in seiner Wohnung untergebracht. Er hat sich dann Tirpitz zur Verfügung g e st e l bt, der das darin enthaltene Material nicht nur rücksichts- los abgeschrieben, sondern die Originalurkunden des AA. mit der Schere zerschnitten und für sich verwendet hat. Später hat dann Wiedemann, als darüber in der Oeffentlichkeit ge- sprachen wurde, Bloßstellung befürchtet, und die Akten daher wieder ins Reichswchrministerium geschafft, wo die zerschnittenen Dokument« wieder zusammengeleimt worden seien. Dar- auf ist dann die Erklärung des Reichswehrministeriums er- folgt, daß die Akten vorhanden seien." Diese Mitteilungen waren kaum iin„Vorwärts" gedruckt, als schon bei unserer Redaktion mit dem Vermerk„Eilt sehr" ein Schreibebrief der Rechtsanwälte Homeyer und Donner einging, in dem uns mitgeteilt wurde, die Notiz sei„im vollen Umfang u n- w a h r und e r f u n d e n". Ihr Auftraggeber, der Herr Kapitän z. S. W i d e n in a n n, sei nicht Beamter des Reichswehrministeriums und habe keine Akten an sich genommen. Daraufhin veröffentlichten wir in Nr. 476, vom 9. Oktober, folgende Notiz: „Der Kapitän z. S. a. D. W i d e n m a n n bittet uns, mit- zuteilen, daß er mit dem Kapitän z. S. Wiedemann nicht identisch i st, von dessen Mitwirkung bei der Tirpitzschen Akten- Veröffentlichungen wir berichtet haben." Diese Notiz hat aber offenbar das Reichswehrmini- st e r i u m beunruhigt. Die Nachrichtenstelle des Ministeriums schreibt uns deshalb folgendes: „Sie brachten in Nr. 473 vom 7. Oktober 1926 die Mitteilung, daß ein Kapitän zur See Wiedemann jetzt im Reichswehr- Ministerium sei. Ihre kurze Notiz in Nr. 476 vom 9. Oktober reicht nicht aus, die Sachlage zu erklären. Ich beehre mich zur Ergänzung mitzuteilen, daß weder ein Herr von Wiedemann, noch ein Herr Widenmann, noch ein Herr mit ähnlichen Namen sich im Reichswehrministerium lMarineleitung) befindet. In der Marin« hat es nur einen Kapitän zur See(jetzt a. D.) Widenmann gegeben, der bereits - Anfang 1917 seinen Abschied genommen hat. Dieser spielt in der Aktenpublikation des AuswärtI gen Amtes eine Rolle und dürfte derjenige sein, den Sie meinen." Jetzt ist die Frage wohl wirklich erlaubt: Wer ist's? Der Herr Kapitän a. D. W i d e n m a n n, den das Reichswehrministerium angibt, scheint doch mit dem Herrn identisch zu sein, der uns durch seine Anwälte mitteilen ließ, er sei es nicht. Wer hat nun von Beiden die Wahrheit gesagt? Der Zall Richard Schulz. Schulz leugnet— die kommunistische Landtagssraktion mißbilligt. Richard Schulz, diese besondere Zierde der kommunistischen Landtagssraktion, hat unserem Genossen Osterroth Behauptungen zu. geschleudert, die seiner schmutzigen Phantasie entsprungen und gegen die Ehre Osterroths und seiner Gattin gerichtet waren. Osterroths Söhn« haben ihn dafür mit einer. Hundepeitsche gezüchtigt. Nun erläßt dieser Schulz in der„Roten Fahne" folgende Er- klärung: Entgegen der Behauptung, ich hätte gegen die Frau des Ab- geordneten Osterroth ehrenrührige Aeutzerungen getan, stelle ich fest, daß ich keine derartigen Aeutzerungen getan habe und daß ich sie, wenn sie gefallen sein sollten, ebenso miß- billigen würde wie meine Fraktion sie verurteilt. Diesem wahrheitswidrigen Ableugunungsversuch folgt eine E r- klärung der kommunistischen Landtagssraktion, die zum Schluß auf die übliche Schimpferei auf die Sozialdemokratie hinausläuft, in ihrem ersten Absatz aber besagt: Wir erklären hierzu, daß wir, wenn Zurufe der geschilderten Art gefallen sein sollten, diese schärfst ens mißbilli- gen. Unser Kampf ist ein politischer und wird von uns mit polittschen Mitteln und Argumenten geführt. Dazu ist zu bemerken, daß die Art der Zurufe, mit denen kom- munistische Abgeordnete die Sozialdemokraten überschütteten, gar nicht geschildert worden ist und nicht geschildert werden kann. Man muß sich mit Andeutungen begnügen und mit der Feststellung, daß be- sonders die weiblichen Mitglieder unserer Fraktion ein wahres Martyrium durchzumachen hatten. Aber der Schulz will es nicht gewesen sein, und die Fraktion hat nichts gehört. Immerhin, sie will den politischen Kampf nicht noch einmal in die Sphäre der Schweinerei hinabsinken lasien. Hoffentlich hält sie dieses Ver- sprechen!_ Der Streit um üie Klöster. Schwerin siegt gegen Strelitz. Der S t a a t s g e r i ch t s h o f für das Deutsche Reich ver- handelte am Sonnabend unter dem Vorsitz des Reichsgerichtspräsi- denten Dr. S i m on s die Feststellungsklogen des Landes Mecklen- bürg- Strelitz wider das Land Mecklenburg- Schwerin über die Lerfllgungsberechtigung hinsichtlich des Vermögens der ehemaligen Landesklöster und früheren Stände. Es han- delt sich um etwa 56 Güter im Vorkriegswerte von 2!� Millionen Mark, die nach der Revolution auf Mecklenburg-Schwerin übergegangen sind. Mecklenburg-S t r e l i tz stützt sich bei seinen Ansprüchen auf die Gesetzgebung der früheren Großherzöge und der Stände, wonach das Land Strelitz das Nutzungs- und Verwaltungsrecht der Klöster und ihrer Güter seit Jahrhunderten habe. Mecklenburg-S ch w e r i n hingegen hatte unter Brandenstein zunächst den Einwand erhoben, Mecklcnburg-Strelitz sei gar kein selbständiges Land, denn es hätte nach früheren Erbfolgeverträgen längst in Mecklenburg-Schwerin ausgegagngen sein müssen. Nachdem der Staatsgerichtshof in einer Borentscheidung zu- nächst dem Land« Strelitz bescheinigt hatte, daß es wirklich ein „Land" im Sinne der Reichsverfassung sei, hat er jetzt den An- s p r u ch dieses Landes an die früheren gemeinsamen.Klöster" und ihre Güter abgewiesen. In der Begründung dieses Rechts- spruches heißt es: Die Revolution habe das Ständewessn und mit ihm auch die früheren Verträge beseitigt. Die historischen Abmachungen des früheren Staates Mecklenburg-Strelitz seien nicht mehr maßgebend. Das Nutzungs- und Verwal- tungsrecht an den Klostergütern, das früher die Mecklenburg-Strelitz- schen Stände hatten, sei damit aus den Freistaat Mecklenburg- Schwerin übergegangen. ver sranzSsisch-kürkische„Lolus"- Streit wird auf entsprechende Vereinbarung schiedsgerichtlich entschieden werden. Die baüischen(Dbstbrennereien. Befichtigungsreisc deS Reichstagsausschusses. Aus Baden wird dem„Sozialdemokratischen Presiedienst" geschrieben: Der Ausschutz für die Regelung des Branntwein- Monopolgesetzes unternahm in der vergangenen Woche unter Teil- nähme von Vertretern des Reichsfinanzministeriums, des Reichs- Monopolamtes, der Badischen Landwirtschaftskammer und des Landesfinanzamtes ein« Besichtigungsfahrt durch das b a d i s ch e Ob st brennereigebiet. Zweck der Fahrt war, an Ort und Stelle die Lage der etwa 36666 kleinen badischen Obstbrennereien kennenzulernen, deren Existenz durch die in dem Entwurf des neuen Branntweinmonopolgesetzes enthaltenen Bestimmungen aufs schwerst« bedroht ist. Die Reise ging von Baden-Baden aus und erstreckte sich über drei Tage, wobei nahezu 26 Orte und mehrere Dutzend Obstbrennereien besichtigt wurden. Den Vertretern des Reichstagsausschusses wie auch der Regierung sollte vor allem ge- zeigt werden, daß die im Gesetzentwurf vorgesehene Errichtung sogenannter Gemeinschaftsbrennereien für dieses Brennereigebiet eine Unmöglichkeit ist, ebenso die geplante Herabsetzung des Brennkontingents von drei aus einen Hektoliter. Die Reiseteilnehmer wohntn auch einer im Brennereigebiete veranstalteten öffentlichen Versammlung bei, in der die Klein- brenner persönlich ihre Wünsche und Beschwerden vorbrachten. Von sozialdemokratischer Seite setzte sich der Abg. S ch ö p f l i n und der frühere Abgeordnete von Straßburg, Genosie B ö h l e, für die Sache der Kleinbrenner ein. Das Rrbeitslofenverstcherungsgesetz. Vom Reichswirtschaftsrat an den Rcichsrat. Wolfss Bureau meldet: Nachdem die Beratungen über den Ge- setzentwurf über Arbeitslosenversicherung im Vorläu- figen Reichswirtschaftsrat zum Abschluß gekommen sind, wird sich nunmehr der R e i ch s r a t mit dem Entwurf beschäftigen, die zu- ständigen Ausschüsse des Reichsrates werden am 22. Oktober mit den Beratungen beginnen._ Sürgerblock in Danzig. Tie Deutschnationalen müssen mittun. Danzig, 16. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) An Stelle des vor 14 Tagen gestürzten parlamentarischen Senats der Mittelparteien und der Sozialdemokratie tritt schon in den nächsten Tagen eine Bürgerblockregierung. Die Deutschnationalen, die anfäng- lich den ihnen unbequemen, vom Völkerbund geforderten Abbau des Beamtenapparates und der Gehaltssätze aus dem Wege gehen wollten, haben sich auf Drängen der Wirtschaftsherrscher doch zur Regierungsbildung entschließen müssen. Der von ihnen zunächst propagierte„unpolitische" Senat fand bei den übrigen bür- gerlichen Parteien nur bedingte Unterstützung. Jetzt wird der parla- mcntarische Senat— es besteht neben ihm ein auf Dauer gewählter achtköpfigcr Beamtensenat— rein parteipolitisch zusammengesetzt werden. Dabei dürften die um die Handelskammer gruppierten reaktionären Wirtschastsführer einen starken Einfluß haben. Der neue Senat wird von sämtlichen bürgerlichen Parteien (Deutschnationale, Zentrum, Liberale, Beamte) mit Ausnahme der Hausbesitzer-(alias Volkspartei) gruppe und der zersplitterten Völki- schen gebildet werden. Er versügt nur über 62 Stimmen bei 126 Ab- geordneten, dürft« aber vielsach die Unterstützung der bürgerlichen Außenseiter erhalten. Ueber das Programm der neuen Regierung steht bisher soviel fest, daß sie die Sanierung mit Hilfe eines Er mächtigungsgesetzes auf dem Verordnungswege durchführen will. Die neue Regierung, die Mitte der kommenden Woche gewählt werden soll, scheint vor allem eine Einschränkung der Er- werbslosenfürsorge zu beabsichtigen. Sollte dem neuen Senat tatsächlich ein Abbau der sozialen Fürsorge gelingen, so tragen die K o m m u n i st e n hierfür die Hauptschuld, da s i e dem Bürger- block durch Sturz des alten Senats den Weg geebnet haben. Interessentenkreise zu informieren. Wie aus den Abstimmungen auf der Warschauer Konferenz zu ersehen war, stehen die deutschen Autorenverbänd« auf dem Standpunkt einer Verlängerung der deutschen Schutzfrist auf 56 Jahre, entsprechend z. B. dem französischen und dem neuen polnischen Gesetz, während der Börsen- verein Deutscher Buchhändler bis jetzt diese Verlängerung ablehnt. Es bleibt abzuwarten, ob es der Regierung gelingen wird, für ihre Stellungnahme auf dem Kongreß in Rom auf dem Wege eines Kompromisses zwischen diesen verschiedenartigen Anschauungen eine einheitliche Linie zu finden. Ein gesetzgeberisches Vorgehen dürfte erst nach dem Kongreß in Frage kommen, da etwaige Abänderungs- befchlüsse gegenüber den jetzigen Bestimmungen der Berner Kon- vention sich als neue völkerrechtliche Verträge darstellen würden, die in den einzelnen Teilnehmerstaaten der Ratifikation durch Gesetz unterliegen. Sine Rekonstruktion der Renaissancebühne. Di« Bühnenform der Renaissance, bei der es sich ausschließlich um provisorssch aufge- schlagen« Saalbühnen handelte, gewinnt heute durch die Wander- und Laienspiel« erneute Bedeutung, da hier ähnliche Bedingungen wie bei dem Theaterspiel der Renaissance vorliegen. Daher ist die Rekonstruktion einer solchen Bühne nicht nur historisch interessant. Wie uns aus Magdeburg berichtet wird, hat der Leiter des Münch«- ner Theatermuseums, Dr. Rapp, eine genau« Wiederherstellung der sogenannten Serlio-Bllhne vorgenommen, die nach den Beschreibun- gen des Bologneser Architekten Sebastian Serlio über sein berülpntes Theater in Vicenz aufgebaut ist. Die künstlerisch und wissenschaftlich hervorragend durchgearbeiteten Modell« vermitteln ein klares Bild von der Bühne und vom Zuschauerraum: sie wurden für die Deutsche Theaterausstellung Magdeburg 1927 geschaffen und werden dort zum ersten Mal« der Oeffentlichkeit gezeigt werden. Der lebende Pelzkragen. Di« neuest« Modetorheit In London ist der lebende Pelzkragen. Das beliebtest« Tier für diesen Zweck sind die langschwänzigen Lemuren aus Madagaskar. Sie legen sich um den Hals der Trägerin und können dort stundenlang schlafend liegen bleiben: als Schutz gegen Wind und Kälte dient dann nicht nur das Fell, sondern auch die lebendig« Körperwärm« des Tieres. Die Tierhändler oerlangen für«in Exemplar zurzeit etwa 96 Mark, wenn sich die Mode ausdehnt, wird aber der Preis wohl steigen. Mannheim, Tagungsort des Deutschen Werkbundes. Vorstand und Ausschuß des Deutschen Werkbundes haben beschlossen, die Ta- gung im kommenden Jahre in Mannheim abzuhalten, um von dorr anschleißend die Stuttgarter Ausstellung„Wohnungen der Neuzeit" besichtigen zu können. Es wurde weiter beschlossen, das Thema „Probleme des Handwerks" in den Mittelpunkt der Beratungen zu stellen._> 3n der Humboldt-Hochschule stuicht Max Nentwich am Dienstag 8 Uhr, Gcorgenstr. 80/31, über leine Reise nachden Glücklichen Inseln. Die Schmelz aui der v rutschen Thealeraosslelluag 1917. Der Verband Schmelzer Bühmn Hai beschlossen, dasj die Schweizer Tbeaier sich lollekilv an der Deutschen TbeatcrauSNellung in Magdeburg beteiligen. Sie wollen ein möglichst geschlossenes Bild schweizerischen BühncnlebenS geben. Ehodowiecki in Danzig. Au??lnlab der Lvtzjährigen GebuitStagSIeier de« Danziger Künstlers Daniel Cbodowiccki. der am IS. Oklobcr 172« in Danzig geboren wurde, ist an seinem Geburtshause eine Gedenktafel angebracht worden. Das Werbejahr. Don Lucian. Der Volksausspruch pflegt zu sagen, daß eine Frau in die Wochen kommt, wenn das Jahr ihrer Schwangerschaft vor dem letzten Viertel beendet ist. So geht es der Sozialdemokratie: sie kommt in die Werbewoche, nachdem da» Jahr ihrer Trächtigteit, welche vielmehr die Niederträchtigkeit ihrer Gegner war. wieder einmal sich rundet. Es war ein gesegnetes Jahr, ein Jahr voll Bosheit und Schlechtigkeit von rechts, angepfropft mit Unter» drückung und Haß, mit jeder Art von Ungerechtigkeit und Hohn auf das Gebot der Nächstenliebe. Um einen der fettesten Bissen jener reaktionären Teufelsküche zu nennen, die uns fruchtbare Säfte zugeführt hat, so sei vor allem des Magdeburger Haasbratens gedacht, der unsere Parteikalorien wesentlich erhöht hat. Diese Jagd auf einen Unschuldigen, wobei man sich eines Mörders als Treibers bediente, während die Hundemeute der Rechtspresse mit wütendem Gekläff hinterdrein hetzte, diese Hasenjagd gegen Reichsbanner und die Sozialdemokratie, soll unserer Erinnerung vor allem eingeprägt sein. Aber nicht bloß der Magdeburger Hasenpfeffer war ein leckeres Mahl, sondern die verschiedensten Gaue Deutschlands bemühten sich, das Ihrige beizutragen, um das wachsende Kindlein zu nähren. Mecklenburg und Pommern, Thüringen und vor allem Bayern dienten uns mit unredlichem Bemühen. Wir gedenken mit Rührung der Kußhände, die uns alle Arten von Kußmänner zuwarfen, während der Seeckt, Marke Kaiserkrone trocken, in» bessere Jenseits davonfloß. Die bayerische Volteseele kochte ledigsich für uns, und was sie uns zubereitete, war zwar derb, aber nahrhaft. Schaum- geschlagener Monarchistenauflauf würzte oftmals die Mahlzeit. Wahrlich, das Jahr warb für uns In einem ganz besonderen Maße. Der Uebermut unserer Gegner überschlug sich derart, daß ihre Bocksprünge auch den Kurzsichtigsten belehren mußten. Der an die Grenze des Verbrechens getriebene Hochmut der Justiz, die Frechheit der republikfeindlichen Beamten haben ihre Blößen derart enthüllt, daß nunmehr auch dem Sanftesten die Galle überläuft. Bis hierher und nicht weiter! Unvergeßlich sind uns auch die Dienst« unserer Brüder von der äußersten Linken. Es wird behauptet, um einen Menschen völlig kennen zu lernen, muß man ihn in der Betrunkenheit sehen. Ihr Phrasenrausch, von den Aerzten Moskauer Dilirium genannt, hat uns tiefe Einblicke in ihre Seele gestattet. Aus einem Urgrund von hemmungsloser Roheit wuchs Bosheit und ohnmächtiger Haß, bis zu jenem letzten Stadium des Delirantentums, der sich, wie in der sog/wannten Korsakowschen Psychose, zu Tobsuchtsanfällen steigert. So möge denn das Werbejahr in die Werbewoche übergehen und unser diesjähriges Knäblein zu einem Riesenkerl gedeihen, der sich seiner Haut tapfer wehrt und nach rechts und links kräftige Schläge austeilt, dabei aber gesunden Sinn und ein fröhliches, menschenfreundliches H«rz für alle, die guten Willens sind, entwickett. Ein charmanter �lbenü der Nuancen. Die Kammerspiele vermittelten uns gestern die Bekannt. schaft mit dem liebenswürdigen französischen Humoristen T r i st a n B e r n a r d. Sein Lustsvrel„Der gefällige T h i e r r y" be- sitzt eine sehr simple Hanolung. Thierry ist Lebemann und Lebens- stllnstler. Er erobert sich im Nu das Vertrauen seiner Mitmenschen, der Männer und der Frauen. Er läßt sich nicht lange bitten, für seinen Thiebaut Fürsprecher bei seinen Liebesaffären zu spielen. Aber er ist nicht nur gefällig, er gefällt auch den Frauen, die er Thiebaut gewinnen soll? Dem Freund räumt er zwar zunächst die Hindernisse aus dem Weg, aber dessen Freundin wirft sich ihm an den Hals. Thierry fühlt sich sehr unglücklich über einen so schnöden Vertrauensbruch. Zum Glück hat aber Thiebau am nächsten Vor- mittag sein Herz an einer anderen Flamme entzündet und bittet den gefülligen Thierry, die Werbeniission bei der neuen Liebe zu er- füllen. Hi«r geht es dem armen Thierry genau wie das erstemal. Bei der dritten Liebschaft sind wir gespannt, wie der Dichter nun den Knoten endlich lösen wird. Tristan Bernard beschert uns die netteste Ueberraschung, indem er ihn gar nicht löst. Auch die dritte Fürsprache endet wie die ersten beiden. Der Kreis des ewigen Don Juan Ist geschlossen. Die Handlung ist dreimal die gleiche, aber die Behandlung allemal oerschieden. Tristan Bernard plaudert so amüsant und so voller Charme, die Menschen und Situationen sind mit so vielerlei Nuancen gezeichnet, daß man sich mit Vergnügen noch drei weitere Akte lang vom Dichter unterhalten lassen möchte. Der Regisseur Eugen Robert hatte den Abend fein abgestimmt. Einen besseren Darsteller für die Titelrolle als Curt Götz hätte er nicht finden können. Dem nuancenreichen Lustspiel gewinnt dieser elegante Schauspieler noch seinerseits charmant« Schattierungen ab. Ein„Ach" aus seinem Munde, ein unvermitteltes Kopfschütteln ent- zündet fröhliche Heiterkeit. Seine liebenswürdig« Komik entspringt diskretesten Mitteln. Auch die gewandt« Kate Haack und der prachtvoll frische Hans Brausewetter können den Erfolg des Abends auf ihre Gutseite buchen. Nur Grete R e i n w a l d— Max Reinhardt macht den an sich dankenswerten Versuch, Filmsterne der Bühne zu erobern— berettete leider allen eine Enttäuschung. _ Dgr. „Die Soldaten" von Lenz. Im Schlll«rtheat«r wurde schönes Theater für das alte Stück gemacht, das trotz seiner Ver- gangenheit noch mit zahlreichen Spitzen bespickt ist. Die Regie vo»> Jürgen Fe h l i n g war rätselhaft, aber auch prunkhast. Das Trauer. spiel ist nicht minder rätselhaft. Alle Rätsel können um Mitternacht nicht gelöst werden. Deshalb Vertagung bis auf Montag. Rur Luci« Mannheim werde schnell noch sonntäglich gelobt. Da» Schillertheater war am Schlüsse durch das Stück gelangweilt, durch die Regie enthusiastisch aufgeregt. M. H. Die Regierung und die Frage de» Aulorenrechl». Nachdem die internationale Autorenkonferenz in Warschau vor kurzem beschlossen hat, für eine einheitliche Regelung der Autorenrechte und ins- besondere für eine Schutzfrist von 56 Jahren einzutreten, beginnen jetzt in den an der Berner Konvention beteiligten Ländern die Vorarbeiten für den auf dos nächste Jahr angesetzten Kongreß in Rom. Wie wir aus dem Reichsjustizministerium erfahren, hat die deutsche Regierung noch keinerlei Stellung genommen, sondern ist noch damit beschäftigt, sich über die Wünsche aller beteiligten Stingl, der Post-Zriöericus. Ein unaufgeklärter Despot. Der Reichspostminister Stingl ist nicht nur ein großer Ver- ehrer des zweiten Friedrich von Preußen, sondern auch sein Nach- ohmer. Er regiert absolut. Aber immerhin gibt es zwischen diesen beiden berühmten deutschen Männern Unterschiede. Friedrich, der Freund Voltaires, war ein aufgeklärter Despot, Herr Stingl. der bayerische Volksparteiler, ist ein unaufgeklärter. Herr Stingl hat aus eigener Machtvollkommenheit verfügt, daß die bisher gangbarste Briefmarke der Republik, die lO-Pfennig- Marke, mit einem Monarchenkops zu schmücken sei.„Cor tel est son plaisir'— es macht ihm halt Spaß! Die Proteste der republikanischen Bevölkerung, die sich nicht verhöhnen lassen will, sind ihm gleichgültig, die Forderung nach Einberufung des Verwaltungsrats schlägt er in den Wind. Dieser Despot ist so unaufgeklärt, daß er scheinbar nicht einmal das Reichspostgesetz kennt, in dem es heißt: Der Verwaltungsrat hat den Reichspostminister in der Füh- rung der Geschäfte zu unterstützen und die Beachtung der durch Gesetz und Ausführungsbestimmungen aufgestellten Grundsätze zu überwachen. Zu diesem Zwecke ist er in allen wich- tigen Fragen der Verwaltung gutachtlich zu hören. Entweder Herr Stingl kennt dieses Gesetz nicht, oder er hält seinen Briefmarken-Erlaß für keine„wichtige Frage". Herr Stingl wird sich von der Wichtigkeit dieser Frage noch überzeugen müssen. Es ist interessant, daß gleichzeitig mit uns auch bürgerlich. republikanisch« Blätter den Boykott gegen die geplanten neuen lo-Pfennig-Marten ankündigten. Man sieht, der Gedanke liegt in der Luft. Ob es aber notwendig ist, aus reinem Uebermut«inen neuen Zankapfel ins Volt zu werfen, das ist ein« Frag«, die über den Machtberich des Herrn Stingl hinaus wichtig sst. Es wird dringend davor gewarnt,„Imponderabilien" zu unter- schätzen. Was diese unwägbaren Gefühlswerte bedeuten, hat sich schon bei Luthers Flaggenerlaß gezeigt, zu dem Stingls Briefmarkenerlaß das würdige Gegenstück ist. Dorpmüllers Bestätigung. Einigung zwischen Reichsregierung und Reichsbahn? Die Besprechungen zwischen dem Präsidenten des Verwaltungs- rats der Reichsbahn, von Siemens, und dem Reichsverkehrsminister Dr. Krahne über die zwischen beiden Instanzen noch zu klärenden grundsätzlichen Fragen scheinen, wie die TU. meldet, zu einer Ei ni- g u n g geführt zu haben. Die drei strittigen Punkte waren: 1. daß in künftigen Fällen vor der Ernennung des Gene- raldirektors der Reichsbahn zwischen der Reichsregierung und dem Verwaltungsrat eine gewisse Fühlungnahme erfolgen soll, 2. daß künftig auch bei der Ernennung eines Stellvertreters des Generaldirektors der Reichsbahn der Reichsregierung ein Be- stätigungsrecht zustehen wird, und 3. daß der Reichsverkehrsminister in Zukunft an den Sitzungen des Verwaltungsrates der Reichsbahn teilnehmen wird, um die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Jnstan- zcn zu schassen. Da über diese grundlegenden Fragen zwischen der Reichsre�ie- rung und dem Verwaltungsrat nunmehr eine Einigung erzielt sein dürste, wird mit der alsbaldigen Bestätigung des Ge- ncraldirektors Dr. Dorpmüller durch die Reichsregie. rung zu rechnen sein. Dorpmüller bekommt seine Bestätigung in der Gegenwart; der Verwallungsrat behält Recht in der Ge g e n w a r t. Der Reichs- regierung wird etwas versprochen für die Zukunft. Sie erhält die Taube aus dem Dache, der Siemensrat aber nimmt den Dorpmüller in die Hand! Schwehlas Schwierigkeiten. Er muh slowarisch-klcrikalc Unterstützung erkaufen. Prag, 16. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die neue deutsch- tschechische Regierung steht sich bereits vor große Schwierig- leiten gestellt. Schon die Mehrheit für die Regierungserklärung Gefolei. Ein kritisches Nachwort zu der Ausstellung in Düsseldorf. Von Dr. Käthe Frankenthal. Gesundheitspflege— Sozialhygiene— Leibesübungen, also die Kunst, Gesundheit und Arbeitskraft zu erhalten. Fürwahr, ein wichtiges Problem für den Staat und für jeden einzelnen! Die 5— 6 Millionen Besucher, die die Gesolei zu verzeichnen hat, sprechen ja auch für das große Interesse, das die Gesolei gefunden hat. Wieviel Prozent davon auf das Konto der Vergnügungs- stätten kommen, wieviel auf das wissenschaftliche Material, das wag« ich nicht zu entscheiden! Die Vergnügungsstätten sind übersichtlich und leicht zu finden. Leider kann man nicht dasselbe von den anderen Ausstellungs- objekten sagen. Diese sind so geordnet, wie sie nach Ansicht der Aussteller am besten zur Geltung kommen, auch wenn dadurch das organisch Zusammengehörende ganz willkürlich aus- einandergerissen wird. Es ist daher selbst für den Fach- mann nicht leicht, alles Wichtige zusammen zu suchen, der weniger interessierte Ausstellungsbummler wird nicht allzuviel profitieren. Gewiß wird auch das große Publikum manches Anregende und Interessante dort sehen. Aber, wer zum Schluß begriffen hat, was Hygiene und Gesundheitspflege bedeutet, der muß besser ver- stehen, die Spreu vom Welzen zu scheiden, als es die Ausstellungs- leitung verstanden hat. Der Fachmann freut sich, alte Bekannte mal wieder in neuer Ausmachung und Zusammenstellung zu sehen. Aber wesentlich Neues findet und sucht er auch nicht auf der Ausstellung, dafür sind die Stätten der Wissenschaft da. Wessen Interesse dient denn schließlich eine solche Ausstellung in erster Linie? Dem der Aussteller und des Privatkapitals? Ja. auch diesem dient sie und hier brauche ich kein„aber" anzufügen! Ein Hauptfehler der Ausstellung ist, daß die ausstellenden Firmen Monopole erhielten. Man sieht daher nicht, was es auf jedem Gebiete wichtiges gibt, sondern man sieht nur, was die einzelnen Firmen zu leisten vermögen. Manchmal treibt die Reklamesucht merkwürdige Auswüchse. Zum Beispiel erfährt man an einer Stelle, daß das Schlafzimmer kühl und frisch sein soll und daß ausreichende Nachtruhe ein wesent- licher Faktor zur Gesunderhaltung ist. Dann ober nimmt die Koksreklame das Wort mit folgendem Sinnspruch: Ein Schlafgemach, das gut durchwärmt, Ist es, wofür ein jeder schwärmt. Das Schönste ist auf dieser Erden Nacht» lesen, ohne kalt zu werden! Jeder Genosse, jede Genossin wirbt in dieser Woche Mitglieder der Partei Leser dem„Vorwärts" ist fraglich, da die Regierung selbst dann, wenn man ihr die Stimmen der Nationaldemokraten als sicher zurechnet, nur über 146 von 306 Stimmen zuverlässig verfügt. Sie ist unbedingt auf die Unterstützung der 23 slowakischen Klerikalen angewiesen, die aber plötzlich verschiedene Forderungen für ihre Teilnahme an an der Koalition stellen. Sie verlangen ein slowakisches Mini- sterium, das Schulreferat für die Slowakei, Befreiung der Kirchengllter von der Kirchenresorm und Konkordat mit dem Vatikan. Wahrscheinlich werden ihnen einige Zugestand- nisse gemacht. Damit zeigt sich schon heute, daß die Existenz der neuen Regierung nur um den Preis sozial und kulturell reaktiv- närer Konzessionen erkauft werden kann. Ninöerheitenblock in polen. Gemeinsame Auslands-Jnformation. Warschau, 16. Oktober.(OE.) In einer hier abgehaltenen vor- bereitenden Konferenz von Dertretem der nationalen Minderheiten haben Vertreter der Deutschen(Senator Hasbach und Abg. Ulitz), Ukrainer, Weißrussen und Litauer teilgenommen. Es wurde die Gründung eines Pressebureaus beschlossen, welches das Aus- land über die kulturelle, wirtschaftliche und politische Lage der nationalen Minderheiten in Polen(mit Ausnahme der Inden, die der Organisation nicht beigetreten sind) informieren soll. Die Aus- gaben des Pressebureaus werden in französischer, englischer und deutscher Sprache erscheinen. Die deutsche Minderheit steht auf dem Standpunkt der L o y a l i t ä t gegenüber dem polnischen Staat. Dagegen nehmen die Ukrainer, die Weißrussen und die Litauer, die geschlossene Siedlungsgebiete bewohnen und sich als„Terri- torialvölter" bezeichnen, dem Staat gegenüber eine viel radikalere, national- revolutionäre Haltung ein. Für den 25. Oktober ist eine weitere Konferenz in Aussicht genommen. Es dürfte sich bei diesem Zusammenschluß nur um die b ü r g e r- l i ch e n Parteien der nichtpolnischen Völker handeln.(Red. d. ,33.*.) Rom-pariser Konferenzpläne. Von der Thoiry-Gegnern betrieben. Paris, 16. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Eine amtliche Be- stätigung für die von einem Teil der Parsser Presse verbreiteten Gerüchte von der bevorstehenden Begegnung zwischen Driand und Mussolini liegt bisher nicht vor. Am Quai d'Orsay wird dazu er- klärt, daß bisher kein Meinungsaustausch darüber zwischen Rom und Paris stattgefunden habe. Der Gedanke einer italienisch-französischen Konferenz zur Bereinigung der zahlreichen zwischen beiden Ländern schwebenden Streitfragen wird hier vor allem von denjenigen unter- stützt, die der Politik von Thoiry ablehnend gegenüberstehen und in einer NeukonsolidierungderKriegsbündnisse das beste Mittel sehen, die Annäherung an Deutschland zu hinter- treiben. vie Haltung üer Raöikalsozialen. Paris, 16. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Hoffnung, daß der Parteitag in Bordeaux eine Klärung der innerpolitischen Situa- tion und eine offene und freimütige Aussprach« über die Vorgänge im Juli schaffen würde, hat sich nicht erfüllt. Die Entschließung, deren fast einstimmige Annahme die innerpolitisch« Aufeinander- setzung schloß, ist ein politisches Akrobatenkunststück schlimmster Sorte. Sie versucht so ziemlich allen Strömungen in der Partei gerecht zu werden, ohne sich nach der einen oder anderen Richtung festzulegen. Sie läßt jede Interpretation zu, und wenn Auch die Kaffeereklame will sich an der Dolksaufklärung be- teiligen und läßt sich wie folgt vernehmen: Laßt euch doch nur nicht ängstlich machen, Mit Herzgift und dergleichen Sachen. Trinkt Kaffee, wie Natur ihn schafft, Er steigert Mut und Arbeitskraft! Gehört beides in das Kapitel„Erziehung zur Hygiene"! Ein besonders lehrreiches Kapitel sind die Toiletten der Hygiene- ausstellung, Benutzung tostet 15 Pf., Hände waschen 26 Pf. Was notwendiger und billiger ist, wird bevorzugt. 35 Pf. ist viel Geld und die Hände waschen muß man sich nicht unbedingt in der Gesolei, auch nicht, wenn man die Toillette benutzt hat. Ueberschrift: Erziehung zur Hygiene! Besonders eingehend ist in der Gesolei die Altoholfrage behandelt. Man sieht den engen Zusammenschluß zwischen Alkohol und Geisteskrankheit, zwischen Altohol und wirtschaftlichem und gesundheitlichem Ruin. Man sieht aber auch das Haus der Brauindustrie, wo der Altohol als bestes und ge- sundestes Nahrungsmittel gepriesen wird. In Deutschland wird nur 66 Proz. der Alkoholmenge konsumiert, die noch als mähig zu bezeichnen ist. Also muß der Konsum um 46 Proz. steigen! Gesufsa! Ein Bild zeigt einen fröhlichen Bierbruder, der sein volles Glas schwenkt. Ein Pfeil mit der Aufschrist„Prost" zeigt auf eine Tabelle. Die Tabelle enthält die Sterblichkeitsstatistik aus der Hamburger Choleraepidemie 1892. Die Brauer hatten eine Sterblichkeit von„nur" 6,9 Proz., dann kommen die anderen Berufe mit immer höheren, furchtbaren Zahlen. Und der fröhliche Trink- bruder auf dem Bilde schwenkt sein Glas und lacht. Lacht er vielleicht darüber, daß man dem Publikum unter der Firma „Hygieneausstellung" alles bieten kann? In einer anderen Abteilung macht sich die bekannte Reklame der L e b e n s s a l z e, Stuvkamp, Kruschen usw. breit. Diese Aus- stellung könnte wertvoll sein, wenn das Publikum darüber auf- geklärt würde, daß es unter dem Namen irgendeines„Lebens- salzes" für 3 Mk. dasselbe erhält, wie unter dem Namen„Karls- bader Salz" für 26 Pf. Vergebens sucht man nach einer der- artigen Aufklärung. Die ganze marktschreierische Reklame wird dem Publikum ohne Kommentar vorgesetzt, ohne darauf hinzu- weisen, daß ja doch die Käufer diese ungeheure Reklame bezahlen müssen! Das Dasogen-Kinderheim zeigt eine mit jedem modernen Komfort ausgestattete Säuglingsstation mit dazugehörigen Säug- lingen. Die Besucher sind begeistert, die Säuglinge etwas verdutzt über das nicht endenwollende Menschen- und Stimmengewirr«. Fragt man eine entzückte Frau, ob sie ihr Kind hierher legen möchte, so sagt sie„nein". Der Luxus von Sauberkeit und Pflege wirkt märchenhast schön. Aber, wie man in der Wirklichkeit, mit erschwinglichen Mitteln, ein Kind pflegen kann, da« lernen hier die Frauen nicht. Dagegen können sie sich genau unterrichte» über die die„Ere Nouvelle" am Sonnabend die Forderung der Rückkehr zur Kartellpolitik herausliest, so hat das nicht mehr, aber auch nicht weniger Berechtigung als die von den Blättern anderer Richtung vertretene Auffassung, daß die Resolution im Gegenteil die neue Politik der Partei, d. h. ein Zusammengehen mit der Gruppe des Nationalen Blocks, billige. Sozialistische Antwort an Franklin-Bouillon. Paris, 16. Oktober.(WTB�) Der sozialistisch« Abgeordnete Vincent A u r i o l hat in einem Telegramm an Herriot gegen die Angriffe Franklin-Bouillons in schärfster Weise Protest erhoben, indem er darauf hinwies, daß die Sozialisten, als es schon 1924 und 1925 infolg« der Finanzpolitik wiederholt zu Meinungsverschieden- heiten mit Herriot gekommen war, die größte Diskretion gewahrt hätten. Die neue Regierung Sethlen. Rekonstruiert zu Wahlbetrugszwecken. pudapest, 16. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Sieges- fanfaren ertönen— das neue Kabinett Bethlen ist da. Mit der Demission hat Bethlen es erreicht, einige ihm persönlich nicht ge- nehme Minister, so z. B. den Iustizminister Pesthy, durch ge- eignetere Männer zu ersetzen. Das Wahlgespenst droht; Anfang 1927 soll gewählt werden. Unter allen Rechtsradikalen herrscht eitel Freude. Bethlen— erklären sie— kann die Wahlschlacht nur mit Hilfe der rechtsgerichteten Organisationen gewinnen, d. h. also mit Hilfe des nackten Terrors. Bethlen weiß nur zu genau, daß trotz der mündlichen Abstimmung, trotz Gendarmerieaufgebot, Wahlbestechung und Einschüchterung der Wähler er ohne die völki- schen Stoßtrupps nicht siegen wird. Bethlen fühlt sich nicht sicher. Der stellvertretende Ministerpräsident Domherr Baß hält Hetzreden übelster Art gegen die sozialdemokratische Gefahr. Das Märchen von kommunistischen Sturmtruppen wurde erfunden, um den Re- gierungsterror zu begründen. Ein Sonöerzug für eine Zeitung! Wie in Mussolinien„gespart" wird. Aus Chiasso wird uns geschrieben: In allen faschistischen Zeitungen liest man sehr viel über Wirt- schaftlichkeit und Sparmaßnahmen für die Staatssinanzen. Wie alles dies bei den italienischen Eisenbahnen in Wirklichkeit aus- sieht, davon erzählt die kommunstische Zeitung„Unita" ein Pröbchcn, das ihr Korrespondent aus Bologna berichtet. „Der„E o r r i e r e P a d a n o", das Organ des uitrafafchisti- schen Unterstaatssekretärs B a l b o im Wirtschaftsministerium, ist ein überglückliches Blatt. Der Mangel eines Zuges von Ferrara noch Bologna in der ersten Morgenstunde machte den Besitzern vom „Eorriere Padano" einigermaßen zu schaffen, da hierdurch ihr Blatt, das keinen Anschluß in Bologna fanh, nicht In verschiedene Gebiete zur selben Stunde wie die Konkurrenzblätter anderer Städte ge- langen konnte. Es sst nun«in« Lösung für die Schwierigkeit gefunden worden, die dem Herrn Balbo jede Sorge nimmt. Jetzt ist nämlich ein Zug zu seiner völligen Verfügung gestellt worden. Jeden Morgen kurz nach 2 Uhr fährt jetzt ein Expreß-Güter- z u g nach Bologna, der nicht eher abfahren darf, bis der Sack mit dem„Eorriere Podano" aufgegeben worden ist. Sollten keine Güter für den Transport nach Bologna vorhanden sein, so muß der Zug doch abgehen einzig mit Maschine und Gepäckwagen, lediglich zur Beförderung der genannten Zeitung." Schüsse von der Parlamentsgalerie. In Mexiko. Monterev(Mexiko), 16. Oktober.(WTB.) In der Abgeordneten- kammer des Staates Nueoo Leon kam es zu einer S ch i e ß e r e i, bei der drei Personen, darunter ein Beamter, getötet wurden. Der Zwischenfall wurde durch einen Tribünenbesucher ver- ursacht, der plötzlich aus noch nicht aufgeklärter Ursache auf die Abge- ordneten schoß. viesseitige Verwendungsmöglichkeit der Vasogen-Präparate. Wenn also auch sonst niemand Nutzen von dieser Ausstellung hat, die Vasogen-Werke haben ihn sicherlich! Nun zu der Ausstellung der Krankenkassen. Hier laufen ja alle Fäden der Gesundheitspflege zusammen. Das Material ist auch des Studiums wert, weit wertvoller wäre es aber noch, wenn nicht der Kampf aller gegen alle in den Vordergrund gestellt wäre. Die freien Kassen beweisen, daß sie viel besser arbeiten, als die Zwangskassen, diese wieder zeigen, daß nur ihre Arbeit rationell sst, beide zeigen, wie die hohen Arztkostcn an ihrem Marke zehren und im Arzthause wird bewiesen, daß der Arztstand durch die schlechte Bezahlung der Kassen zugrunde gerichtet wird. Der Eingeweihte kennt diesen Streit, dem Laien wird es scheinen, daß sie alle Recht haben. Zu einer klaren Stellungnahme kann hier niemand kommen. Ein Bild verdient aber, besonders erwähnt zu werden. Die Berufs- lassen zeigen das Bild des Reichstages. Von rechts naht eine Reihe ehrsamer Bürger, von links zwei wüste, furchterregende Strolche. Die Unterschrift: Für die Forderung der Zwangskassen treten ein Sozialdemokraten und Kommunisten, alle übrigen Par- teien treten ein für die Forderung der Berufstassen! Gehört Bauernfängerei auch zur Hygieneausstellung? Wo so viel von Gesundheit die Rede ist, wird auch der Arzt zu Worte kommen müssen. Das Arzthaus zeigt die wertvolle Urkundensammlung und auch sonst manches Interessante. Dann aber kommen Statistiken, Bilder, Tabellen, die alle zeigen, was so ein armer, geplagter Arzt alles leisten muß. Wieviele Kilometer legt er bei seinen Krankenbesuchen zurück, verglichen mit dem Aequator und den höchsten Berggipfeln. Gleichzeitig wird aber vor dem Studium der Medizin gewarnt, weil die meisten Aerzte gar keine Beschäftigung finden. Ueber allem der Leitsatz: So viel leisten wir und so wenig bekommen wir bezahlt! Wenig angenehm berührt wendet man sich weiter. Aber was das nächste Kabinett bringt, das durfte nicht kommen! Eine Reihe von Dioramen, die in wirklich kindlicher Art an die Tränendrüsen appellieren. Ja, weinen könnte man, aber nicht vor Rührung! Man sieht hier den Arzt, stets voll Sorge und Aufopferung nur um seinen Patienten bemüht, den Arzt, der am Sterbebette seines Patienten vor Gram zusammenbricht. In der Erläuterung heißt e« wörtlich: „Wenn seine Kunst mit dem Tode ringt!" An die Liquidation denkt er in diesem Kabinette nie, das geschieht im nächsten Raum«. Besonderen Eindruck machte ein Bild. Ein gebrochener Mensch sitzt vor seinem bekümmerten Arzte. Im Hintergrunde erscheinen die drei Laster, die ihn zugrundegerichtet haben: Der Schnaps, dos Kartenspiel und eine Frau. Schnaps und Kartenspiel in einem wüsten Milieu, die Frau als Einzelfigur. Nicht» Dirnenhaftes. nichts Besonderes ist an der Figur zu sehen. Sie ist eben eine Frau— das ist Laster genug! Schleunigst verließ ich das Lokal. als Arzt und als Frau gleich peinlich berührt von den erlebten Geschmacklosigkeiten! Net», eine rein« Freud« ist die Gesolei nicht! Das neue /lrbeitsfthlchgesetz. Die wichtigsten Bestimmungen. Me der �Demokratische Zeitungsdienst- mitteilt, gliedert stch der Entwurf des Arbeitsschutzgesetzes in sieben Abschnitte. Der erste Abschnitt enthält allgemeine Vorschriften, im zweiten Ab- schnitt werden die Betriebsgefahren behandelt, der dritte und umfangreichste Abschnitt enthält die Bestimmungen über die Arbeitszeit, und zwar die allgemeinen Vorschriften sowie die besonderen Vorsrchiften über einen erhöhten Schutz für weibliche und i u g e n d l i ch e Arbeitnehmer. Weiterhin ist in diesem Abschnitt auch das Nachtbackverbot geregelt. Der viert« Abschnitt be- handelt die Frage der Sonntagsruhe, der fünfte die des Ladenschlusses, im sechsten wird die Frage der Arbeits- a u s s i ch t geregell und der siebente Abschnitt enthält die Bestim- mungen über die Durchführung des Gesetzes. Im ersten Abschnitt ist u. a. der Begriff des Arbeitnehmers gesetzlich festgehalten worden. Nach den Bestimmungen dieses Eni- wurfs sind als Arbeitnehmer Arbeiter und Angestellte einschließlich der Lehrlinge anzusehen. Nicht als Arbeitnehmer im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes gelten Geschäftsführer, Betriebs- i e i t e r und andere höhere Angestellte, deren Tätigkeit eine besondere Verantwortung erfordert oder die in erheblichem Ilmsang zur selbständigen Entscheidung be- fugt sind. Weiterhin gilt das Gesetz auch nicht für Angestellte in Vertrauens st ellungen, deren Jahresarbeitsverdienst 5l)0l> Reichsmart übersteigt. Einer der grundlegenden Paragraphen über die Frage der A r- b« i t s z e i t ist der fj 9, der im Sinne des Washingtoner Abkommens die Bestimmung enthält, daß die Arbeitszeit des einzelnen Arbeit- nehnicrs die Dauer von acht Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich nicht übersteigen darf. Nicht als Arbeitszeit gelten die innerhalb der Arbeitszeit liegenden Pausen. Die geleistete Mehrarbeit ist über den Lohn für die regelmäßig« Arbeit hin- aus mit einem Zuschlag von 25 Proz. zu bezahlen. Die Vorschriften über die Arbeitszeit finden keine Anwendung auf die U n te r t a g e- arbeit im Bergbau, weiterhin gelten sie nicht für die Familien- betriebe und auch nicht für das Pflegepersonal in Krankenanstalten(!). In den fiskalischen Verwaltungen sowie in der Reichsbahn und der Reichsbank können die für Beamte geltenden Dienstvorschriften auch auf die Arbeiter und Ange- st e l l t e übertragen werden. Hinsichtlich der Nachtarbeit gilt u. a., daß Arbeitnehmer unter 18 Jahren und Arbeiterinnen über 18 Jahre nicht zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens beschäftigt werden dürfen. Für die arbeitsfreie Zeit ist u. a. bestimmt, daß Arbeitnehmer unter 18 Jahren und weiblichen Arbeitnehmern über 18 Jahren nach Be- cndigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene arbeitsfreie Zeit von mindestens 11 Stunden zu gewähren ist. Weitere Be- stimmungcn regeln die Pausen. Arbeitnehmer unter 15 Jahren dürfen nicht länger als 4 Stunden hintereinander ohne Pause be- übergibt mim nur dem Nachweis des Deutsch. MusikerverbaudeS, Berlin 027, UntncaSftr. 21 lKonigstadt 1310,4048). OicschäftSzeit 9 bis S, Sonntag? 10 bi? 2 Nbr. Aul Wunich Verlrctcrbeiuch schäftigt werden. Schließlich ist noch Mutter» und Kinder» schütz gesetzlich gefaßt. Nach den Bestimmungen über die Sonntagsruhe dürfen an Sonn- und Festtagen Arbeitnehmer grundsätzlich nicht beschäftigt werden. Ausnahmen sind nur zulässig, soweit sie a u s d r ü ck- lich vorgesehen sind. Der Gesetzentwurs sieht weiter eine Ruhezeit bei Sonntagsbeschäftigung vor, und zwar müssen Arbeit- nehmer, die an Sonn- und Festtagen innerhalb eines Zeitraums von mehr als drei Stunden beschäftigt sind, am nächsten Sonntag mindestens von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends oder am dritten Sonntag mindestens 36 Stunden von der Arbeit freigelassen werden. Hinsichtlich des Ladenschlusses ist u. a. bestimmt, daß offene Verkaufsstellen an Werktagen nur in der Zeit von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends für den geschäftlichen Verkehr geöffnet sein dürfen. Abweichend kann angeordnet werden, daß offene Verkaufsstellen aller oder einzelner Geschäftszweige an höchstens zwanzig Tagen im Jahr über 7 Uhr abends hinaus, jedoch bis längstens 9 Uhr abends geöffnet sein dürfen. Im sechsten Abschnitt des Entwurfes wird gesagt, daß die Durch- fllhrung der Vorschriften des Arbeitsschutzgesetzes besondere A r- beits- Aufsichtsämter zu überwachen haben. Der Reichs- arbeitsminister kann mit Zustimmung des Reichsrats Richtlinien über die Tätigkeit der Arbeits-Aufsichtsämter aufstellen. In dem Paragraphen, der das Inkrafttreten des Gesetzes regelt, wird u. a. gesagt, daß, soweit das Inkrafttreten der Vorschriften über die Regelung der Arbeitszeit in einem Teile des Reichsgebietes die wirtschaftliche Lage eines Gewerbes schwer gefährden würde, die oberste Landesbehörde mit Zustimmung des Reichsarbeitsministers das Inkrafttreten dieser Vorschriften bis zur Dauer eines Jahres hinausschieben kann. * Zu diesen Mitteilungen läßt sich vorläufig nur sagen, daß uns vor allem die Bestimmung des Begriffs„Arbeitnehmer"(wann wird man endlich diese sinnwidrige Bezeichnung beseitigen!) höchst bedenklich erscheint, weil er alle Werkmeister, Techniker und höheren Bureauangestelljen prakttsch außerhalb der Sozial- politik stellt. Das gleiche gilt von der Herausnahme des Pflege- personal? und(auf Umwegen) der Eisenbahner und Rcichsbankangx st eilten, im Widerspruch zu den klaren Bestimmungen des Abkomemns von Washington. Wir werden ein- gehender darauf zurückkommen, sobald uns der Entwurf selbst vor- liegen wird. Ratifiziert öen Rchtfiunüentag! Beschluß des Internationalen Arbeitsamts. Genf. 16. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Auf die vorläufige Tagesordnung der im Jahre 1928 stattfindenden Arbeitskonferenz setzte der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes am Sonnabend folgende drei Punkte: 1. Arbeitslosenversiche» rung:2. Unfall Verhütung(einschließlich der automatischen Kuppelung der Eisenbahnwagen): 3. Arbeitsregelung der Eingeborenen. Ein Anttag des ttalienilchen Regierung?» Vertreters, auf der nächstjährigen Arbeitskonferenz zusammen mit der Frage der Koalitionsfreiheit auch die der gewerblichen Schiedsgerichtsbarkeit zu verhandeln, wurde vom Direktor Albert Thomas aus technischen Gründen zur Ablehnung empfohlen und darauf zurückgezogen. Im vergangenen Frühjahr war bei dem Internationalen Ar- beitsamt von der Arbeitergruppe und durch Regierungsvertreter der Antrag gestellt worden, sobald als möglich die Frage der sogenannten wissenschaftlichen Arbeitsmethoden vom sozialen Standpunkt aus zu prüfen. Fast gleichzeitig traten zwei amerikanische Institute, an deren Spitze der Bostoner Großkaufmann und Phi- lantrop F i l e ne steht, mit der Anregung an das Amt heran, g e- m e i n s a m ein besonderes internationales Bureau zum Studium der wisienfchaftlichen Arbeitsmethoden zu errichten. Die Amerikaner wollen, vorläufig für ein Jahr, eine Summe von 25 996 Dollars beisteuern. Das Arbeitsamt soll ein oder zwei seiner Be- amten dafür zur Verfügung stellen. Im Prinzip war der Ver- waltungsrat einstimmig bereit, zuzustimmen. Von den Arbeitgebern wurde allerdings darauf hingewiesen, daß die industrielle Organi- sation und die wirtschaftliche Lage in Europa und Amerika so ver- schieden seien, daß die Frage der wissenschaftlichen Arbeitsmethode für Europa nicht nach amerikanischen Grundsätzen geprüft und beurteilt werden könnte. Die Arbeitergruppe machte ihre Zustimmung von der Bedingung abhängig, daß die Verantwortung des Internationalen Arbeitsamtes von derjenigen des neuen Institutes vollkommen g e- trennt bleibt, und die vorzunehmenden Studien sich i m Rahmen des Zlchtstundentages bewegen müssen. Bezüglich der Beschleunigung der Ratisikation des Arbeits- zeitabkommens wurde die abgeänderte Entschließung S o k a l (Polen) e i n st i m m I g angenommen. Die danach eingesetzte Kom- Mission besteht aus 12 Mitgliedern, also der Hälfte des Rates und je vier Vertretern' der drei Gruppen. Die Arbeiter sind in der Kom- Mission vertreten durch Müller- Deutschland, I o u h a u x- Frank- reich, Oudegeest- Holland und P o u l t o n- England. Auch der deutsche Arbeitgebervertreter Vogel gehört der Kommission an. Die Kommission hat den Stand der Arbeitszeitgesetzgebung und ihre Durchführung in jedem einzelnen Land« zu prüfen und geeignete Vorschläge zu machen, wie die Ratifikation des Washingtoner Ab- kommens beschleunigt werden kann. Als Vorsitzenden und Be- richterstatter der Kommission wurde S o k a l gewähtt. Die Kom- Mission soll ihre Arbeiten sofort i» Angriff nehmen und vor der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats zu einer abschließenden Beratung zusammentreten.— Die nächste Tagung des Verwaltungs- rats ist auf Mittwoch, den 26. Januar, festgesetzt worden. Lerantivorilich für P-Iiiik: Dr. E»rt»«)«»! Wirtschaft:«rt»r«aternu»: iSewerkfchaftsbeweaun«: Z. Striaer: ifruiUtton: tt. Ä. DSschrr: Lokales und Eontiiaes: gri» ttarftädt: Ameiarn: Th. Sliuke: ftimikich in Berlin. 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Oktober 192� �zbt 63 Jahre sind es nun her, seit Ferdinand Lassalle in seiner großen Rede über die.Feste, die Presse und der Frankfurter Ab- geordnetentag* prophetisch ausrief:.Der Augenblick wird kommen, wo wir den Blitz werfen, der diese Presse in ewige Nacht be- gräbt."— Und heute?— Scheint es nicht so, als sei der Kampf gegen die vielköpfige Schlange der bürgerlichen Presse aussichts- loser denn je? Die Auflagenzisfern der bürgerlichen Blätter, die die Reklame von allen Plakatsäulen schreit, erreichen eine Höhe, von der man sich zu Lassalles Zeiten nichts träumen ließ; eine Sonn- tagsnummer so einer Zeitung ist ein ganzes Buch, und in den In- seratenplantagen dieser Blätter findet man alles— sozusagen vom Kinderwagen mit Bierradbremse bis zum Sarg mit Innen- beleuchtung. Und was das Bedenklichste ist: die höchsten Abonnenten- ziffern erreichen gerade die Blätter, die aus einen halb- oder ganz- proletarischen Leserkreis zugeschnitten sind, die»Hinterhaus- Zeitungen" großer Berlagsanstalten, und ebenso holen die Nach- fahren selig verblichener Generalanzeigerpresse, die Bororts- oder Dezirkszeitungen, mächtig auf. Warum nun lesen all die Leute, die sonst durchaus richtig empfinden, in welcher Front im Klassenkampf sie zu stehen haben, bürgerliche Blätter?— Sie haben einem unserer Mitarbeiter die Frage beantwortet. vas Vorortblatt. S i e antwortet mir; sie ist 56 Jahre all und ihr Mann sst städtischer Arbeiter. S i e antwortet mir: denn»sei hell' mit Muul as de Kalleiker mit'n Start", wie Bräsig sagt. Ihr Mann sitzt dabei und dampft. Er ist städtischer Arbeiter, bei den Wahlen wählt man sozialdemo- kratisch, beide gehen auch öfter zu politischen Versammlungen: und doch liegt da aus dem Küchenstuhl ein Vorortblatt...»Na, eigent- lich is das ja nu noch«ine Angewohnheit von'n Krieg her; denn da stand immer drin, was man so vom Magistrat extra kriegt«. Und dann bieten die Leute sehr viel sür's Geld. So mit Beilage» in Humor und Mode. Bon Politik liest mein ZNann ja auch nich viel; die denken wir uns alleine, un wenn sie uns da zu dämlich komm'n, da falln wir ja nich drauf rein. Bloh meine Nachbarn, die dos Blatt mtt uns zusammen hält, die glaubt noch allen?: wir woll'n bloß gern« wissen, was in unserer Gegend los is..." Und meine brave Frau® denkt gar nicht daran, daß sie durch ihr Blatt zwar pünktlich erfährt, wenn der Kirchenchor ein Konzert hat und wenn der Major I. P. Z. mit Lichtbildern die Schön- heiten der Kolonialpolitik erklärt, aber nichts davon, wenn irgend- eine proletarische Organisation einen Diskussionsabend oder irgend- eine Veranstaltung hat, und daß ihr täglich, und nicht einmal in homöopathischer Dosis, eine urreaktionäre Ideologie eingeflößt wird. Schon findet sie»ganz richtig, daß sie nun endlich alle solche Dreck- schriften verbieten wollen", und weiß in der Anekdotenliteratur über die Paradepserde der Hohenzollernlegende gut Bescheid. Die»große� Zeitung. »Angefangen hat meine Frau. Denn die kuckt immer die Annoncen nachHfür sich und die Große. B«i sonen dreckigen Zeiten kann man sich aber nich zwei Zeitungen halten. Un denn muß ich ja sagen, daß da wirklich für jeden was drin is. Ich lese nu zu gerne Sonntags die Reisen, denn das is ganz was anders wie so n Buch, das is jrade, wie es jetzt da is, un das interessiert mir. Ueber- Haupt is da von alle Gegenden was drin, von Unglücksfälle und Verbrechen und'ne Menge Lokales. Un von die Ueberschristen alleine sieht man meistens, was los is un was man jar nich zu lesen braucht. Die Zeitung is interessant, das is es! Politik mach! sie nich viel, u» das ist mir ganz ans nischl. so n'ch und' aussieht. Was meine sie meint, er is zu natürlich, jar nich so überspannt modern. Sonw tags liest Jrete immer, wat so die Leute selbst sagen, über'n Charleston oder ob sie heiraten sollen. Un die Zeitung is sehr scheene zu lesen, sie niacht ein'n alles richtich klar, man braucht jar nich bei zu denken..." Daq ist ein Arbeiter, dem es ging wie vielen: arbeitslos geworden, ausgesteuert: schließlich hat er mit dem Mut der Verzweiflung, mit den letzten paar Kröten, die er aufbringen konnte, eine» kleinen Handel angefangen. Früher hielt er den .Vorwärts" und war gewerkschaftlich organisiert. Nun ist er aber aus Reih und Glied getreten, statt mit Kollegen den Tag über zu arbeiten, bedient er Kunden. Und das ist ein gewalttger Unter- schied... Langsam wandelt sich seine Ideologie: und als die Frau den»Vorwärts" abbestellte, schnitt sie die letzten feinen Wurzeln durch, die ihn noch mit der Arbeiterbewegung verbanden. Er liest dle Z eilung. bei der er nicht zu denken braucht... Aber gerade, weil er so ein einsacher, primitiver Mensch ist, spricht er eine Wahr- hell unverschleiert aus: Die urvolkstümlich« Freude an der Moritat. Und damit wird dieser Teil der Leser geködert. Kein Wort in all den Spalte» wird dazu gebraucht, den sozialen Boden, aus denen all die»Unglücksfälle und Verbrechen" wachsen, bloßzulegen, immer wird nur«ine individuelle Verwahrlosung und Bosheit angeprangert. Und dann die Reisen! Ja, er sieht eine bunt«, sarbige Welt, aber er sieht die Welt mit bürgerlichen Augen. Er liest von sterbender Südsee, doch nichts von der Gewalt, die diese Schönheit mordet: von dem Kapital, das dort noch heute so über Leichen geht, wie : Heilung>s inicce»ani, aas 19 rsi pjuiii» inuu» dos ist mir ganz anienehm, davon habe ich doch d so nich. Aber sonst zeigt sie, wie's in de Welt eine Olle is. die liest auch den Roman jerne, un es w den anderen Kontinenten seinen Siegesweg mit den Schädeln der eingeborenen Bevölkerung pflasterte. Und wie die Kinder der Rattenfängerpfeife, so folgt er der schönen Melodie des Blattes, bei der er nicht zu denken braucht... Aber auch diese Straße führt in einen Berg, der die vertauensseligen Kinder verschlingt. Der SpmpathisierenSe. .»Oer„Borwärts" sst nicht reichhaltig genug. Bilder von den Prozessen, und ein größeres Unterhattungsblatt, und eine Witzbel- lag«... und... und... und..."»Sie lesen ja den„Vor- wärts" sehr genau! Wie lange sind Sie denn schon Abonnent?"— »Abonnent, nein, das bin ich nicht! Ich kaufe ibn mir so zwei-, drei- mal in der Woche, und mein Nachbar liest ihn, der gibt ihn mir manchmal rüber!"— Das ist ein Angestellter; früher hatte er eine respektable Position. Aber jetzt hat er kaum drei Viertel seines Vorkriegsgehaltes. Langsam aber sicher wird sein Hausstand pro- letarisiert, längst zählt der Mann, jetzt auch die Frau bei den Wahlen zu den Mitläufern der Sozialdemokratie. Von nichts kommt nichts— für alle anderen Dinge des Lebens haben sie es längst begriffen: daß aber die Arbeiterpresse, der noch dazu die»stillen Reserven" der bürgerlichen Blätter fehlen, nicht deren Aufmachung geben kann, wenn ihr Stamm von Abonnenten nicht annähern!» so groß ist. das wollen sie nicht begreifen. Man liest den»vor- wärts". den der Nachbar schenkt, und alle Woche kaust man für da» so gesparte Geld ein illustriertes Blatt, das den aktuellsten Kitsch und die blödesten Romane bringt. Von dem verlangt man keine»Ge- sellschaftstritit", da freut man sich der.mondänen" Photographien und denkt nicht daran, daß man mit diesen Groschen zum Ausbau der Arbeiterpress« helfen könnte. Ja. Gesellschaftskritik ist sehr schön, aber ein dekolletierter Filmstar ist auch nicht übel. Die sozialistische Zeitung möchte man umsonst haben, je größer, se schöner, je lieber. Aber selbst für die Photographie der berühmten Puttt Nuttt muß man bezahlen: das begreift man leicht. Warum! In den Mitteilungen der Vereins.Arbeiterpresse" sind« wir zu dem Thema folgende interessant« Feststellungen, die ein Mitarbeiter eines unserer Parteiblätter in Westdeutschland gemacht hat... Jeder feiner Berichte zeigt, daß nur vereinzelte Ab- bestellung« aus Unzufriedenheit mit der politisch« Haltung des Blatte« erfolg« Ein sehr großer TeU der Leser beurteill das Blatt überhaupt nicht als politisches Organ, sondern wertet es lediglich als Tageszeitung. Die meist« Abbestellung« erklären sich aus der harten wirtschaftlichen Not. Sehr oft wird das Blatt auch von Parteigenossen und Gewerkschaften abbestellt,, weil man glaubt, durch die kleinen Anzeig« im Generalanzeiger eine Arbeitsstelle oder eine Wohnung zu erlangen. Daß das bei der jetzigen Wirtschaftslage und dem zwangsweise bewirtschafteten Wohnungsmarkt einem trüge- rischen Lotteriespiel gleichkommt, wird meistens nicht bedacht. Jeder glaubt eben, er könne bei der Jagd nach einem Arbeitsplatz oder einer Wohnung doch zufällig der Glückliche sein. Vielfach quält die Frau Der Weg des blinden Bruno. 26] Roman von Oskar Baum. Jetzt unterbrach sie ihn eilig: Sie müsse gleich zur Stunde und habe noch wichtiges zu lernen. Eine Weile möge er mn der Mutter vorliebnehmen. „Mutter!" rief sie. Bis sie zurückkomme, finde sse thn ja vielleicht noch vor. Schüttelte ihm die Hand und lief: eine Tür fiel hinter ihr zu... Eine alte kleine Dame mit langsamer, ein wenig singen- der Stimme kam. Sie schien gewohnt, daß allerhand sonder» barer Besuch da war und ihr zuweilen überlassen wurde. Sie fragte nicht viel, schien mit anderen Gedanken beschäftigt, war von einer ungeöffneten, halben Freundlichkeit, als wäre sie nur zum Teil da im Zimmer. Mit einer bekümmerten, zer- sorgten Traurigkeit, die sich nicht nur auf das Gesagte be- ziehen konnte, klagte sie, daß Lizzi spät aufftehe, alle Ver- abredungen vergesse, vor lauter Zutunhaben nichts ernst nehme; ein Wunder, daß noch jemand mit ihr verkehre. Also so war die WeltI dachte Bruno, verschlossen waren alle Türen, auch die, die weit aufgerissen wurden: die Treppen führten irgendwohin, die Glockenzüge waren eine tückische Täuschung. Die Gassen waren zum Fliehen. Und Worte? Schon sehr dankenswert gutmütig, wenn man ihnen Anschein der Ueberzeugung gab. Ach, wie lächerlich läppisch und lästig er da mit seiner kindischen Gläubigkeit hineingetölpelt war! Er schämte sich. Die Frau, der er vielleicht keine einzige Antwort gegeben hatte, sprach immer noch.— Fort, fort! Er erhob sich, stieß dahin, dorthin, in die Möbel, wußte kaum mehr die Richtung, die er geführt worden war. Die Frau stand erschrocken, hatte vordem vielleicht gar nichts von seinem Mangel gemerkt. Er erwischte die Tür, stolperte durchs Vorzimmer, schlug dröhnend gegen eine offene Schranktür, kam irgendwie zum Ausgang und tappte mit den Füßen auf den Steinen des Korridors nach den Stufen der Treppe, beugte sich zur Seite nach dem Geländer— da faßten zwei Hände hart seinen Arm, zogen ihn ungeduldig ins Vor- zimmer zurück:„Wohin denn?" „Lizzi!" mahnte die Mutter außer sich. „So kommen Sic doch! Sie hatte ihn vielleicht schon mehrmals gerufen.». „Sie sind doch nicht beleldigt?" fuhr sie ihn dann drm streng an. „Ich? Nein, nein, keineswegs, wollte nur--* „Sie sagten doch, daß Sie nicht einmal zum Bater zurück könnten: wohin denn also?" „Ich— habe hier Verwandte w der Nähe und ver- sprach--" „Ach so!" „Ja." Er war schon wieder zum Gehen gewandt. „Aber nachmittags kommen Sie doch, nicht wahr? Wir werden musizieren!" „Ja." Er ging. „Bestimmt! Ich verlasse mich darauf! Wir fangen nicht eher an, als bis©te kommen," rief sie ihm noch über die Treppe nach. „Ich werde doch wenigstens mit ihm bis zum Haus gehen," hört« er die Mutter angstvoll sagen. Das Geländer in der Hand, flog er die Stockwerte hinab, schlurfte an der Wand hin schnell durch den Hausflur, stand atemlos auf der Straße— nein, es kam niemand hinterdrein. Was denn aber jetzt?— Er war nicht kopflos verzweifelt, zählte sogar die Schritte vom Haustor zum Straßenende, als er weiterging, da er ja nachmittags hierher zurück mußte, wenn er es doch einmal versprochen hatte. Wo nur die Zeit inzwischen oerbringen? Eine ganze Reihe von Stunden! Ar bog ein, schritt eine kleine menschenleere Nebenstraße auf, ab, trat für eine Zeit in ein Haustor, stellte sich an eine Ecke, als warte er auf jemand.-- Wär's nicht das beste, er stiege in einem dieser Häuser ins höchste Stockwerk, öffnete ein Korridorfenster und spränge hinunter? Wie tat es wohl, zu denken, daß ihn niemand agnoszieren könnte! Er würde vorher alles aus den Taschen werfen. So würde der Armenwagen ohne jemand dahinter durch die Straßen hinausholpern, und man oerscharrte ihn in ein namenloses Grob zu anderen, oder er wurde den Studenten auf der Klinik zum Zerstückeln geschenkt. Er schritt zur Abwechslung hinüber ans andere Ende, die zurückgelegte Entfernung genau im Kopf behaltend. Eine Tür wurde aufgerissen: Gelächter, Gläserklirren, Biergeruch — er blieb stehen. Pflegte er nicht alle Tage nach dem Auf- stehen etwas zu essen? Jetzt war es wohl schon gegen Mittag. Er trat ein. Niemand kümmerte sich um ihn— tat Schritte, warf einen Stuhl fast um, setzte sich mit leisem Gruß. Stille. Im ganzen Raum war Lärm. An diesem Tisch saß niemand. Hier, nahe der Tür, gab's Luftzug. Ohne zu fragen, stieß man ein Glas Bier auf einem Tellerchen vor ihm hin. Nun wußte er, was vordem die Unruhe in seinem ganzen Körper, das Unbehagen, die immer kribbeligere ungeduldig« Erwartung gewesen war: er hatte Hunger. Nie wäre er darauf gekommen. Wenn der Zustand sich verschlimmert hätte, wäre er vielleicht zu einem Arzt ge- gangen, fragen, was das für ein Leiden sei. Das Essen war einfach immer mit der Tageszeit da gewesen: er hatte so wenig hinzugetan, wie er Luft zum Atmen, Sonnenwärme, Boden unter den Füßen beschafft hatte. » Er wollte nur ja nicht zu früh kommen und hört« auch schon, als er vor der Tür stand, drin musizieren. Man wird ihn nicht läuten hören, dachte er beinahe erleichtert und wollte wieder gehen. Wozu war er eigentlich da heraufgekommen? Was erwartete er denn? Er wurde mit großem, vergnügtem Lärm von der Ge- fellschaft begrüßt. Man unterbrach sogar die Musik, wie hier überhaupt nicht der Ernst und die strenge Weihe von gestern herrschte. Man stellte ihm einige, die er noch nicht kannte, vor. Die Verschiedenheit der vielen Hände verwischte im flüchtigen Be- rühren das eindruckslose Durcheinander der höflichen Redens- arten noch mehr. Ein Herr Liptus ärgerte sich, weil man ihn„Baron" vor- stellt«. Er werde sich rein von einem Bürgerlichen adoptieren lassen müssen! Er war. erfuhr Bruno, einst ein verschuldeter Kavalier, durch gesellschaftliche Helfersdienste und vielleicht nicht ganz reine, glückliche Geschäfte eine leitende Größe der Schwerindustrie, der Börse geworden. Alle behandelten ihn mit versteckter ironischer Stachelichkeit aus Neid und Gering- schätzung, die er mit ebenso ungreifbarer spöttischer Verachtung, einer unkantigen Bosheit von schwebender Grazie zurückgab. Jetzt gerade stellte ihn eine Dame wegen einer hinterlistigen Quertreiberei seines Zeltungskonzerns. Man raunte Bruno zu, sie komme aus dem Gefängnis, wo sie für ein paar aus- richtige Ausdrücke in einer Volksrede geraume Zeit gesessen habe. Sie war Redakteurin eines sozialistischen Blattes. Eine Gruppe ließ sich in lustiger Sonderunterhaltung beim Fenster nicht stören: die meisten aber interessierten sich mehr für Brunos Geschichte, die Lizzi mit Humor berichtete. Die Mutter, die eben den Tee brachte, regte die Erzählung sehr auf.„Und dennoch hat sie ihn allein fortgelassen!" sagte sie zu Kröß, der in Brunos Nähe stand,„und hat mir von alledem nichts gesagt! Ein Ungeheuer, hat statt des Herzens ein zweites Hirn mitbekommen!" Kröß winkte ihr wohl, doch leiser zu reden und führte Bruno zu Tisch. "..(Fortsetzung solggj j ihren Mann so lange, bis er um des lieben Friedens willen das Parteiblatt aufgibt. Diese Frauen sagen, sie seien lroh aller Mühen nicht in der Lage, die politische Zeitung zu verstehen und ziehen deshalb den Generalanzeiger vor. Ein sehr charakteristisches Erlebnis hatte der Abonnentcnsucher bei einem Gewerkschafter, der seit mehreren Jahren organisiert ist. Als er den Gewerkschaftskollegen fragte, warum er den Generalanzeiger lese und nicht das Arbeiter- blatt, antwortete der tiefernst und überzeugt:„Wieso Arbeiterblatt? Der Generalan, zeiger, den ich lese, beschäftigt doch viel mehr Arbeiter, als das sozialdemokratische Blatt... Wer weiß, wie viele Vor- träge über Klassensolidarität und Klassenkampf dieser Gewerkschafts- kollege, der meinetwegen eine Ausnahme sein soll, gehört hatte, ohne daß sein Gehirn begreifen konnte, um was es geht. Von jüngeren Leuten wird das Parteiblatt abbestellt, weil ein demokratisches Organ am Platze seinen Sportteil vorbildlich ausgebaut hat. Diese domo- kratische Zeitung wird im Wettbewerb noch dadurch begünstigt, daß sie am Montag in aller Frühe mit einem Sportblatt im Straßen- oerkauf auftritt. Tausende von Arbeitern kaufen es auf dem Wege zur Fabrik. In einzelnen Fällen wurden ganz sonderbare Begrün- düngen gegeben. So erklärte die Frau eines Parteigenossen, sie dulde die Zeitung nicht mehr im Hause, weil in einem Aussatz die Königin Luise geschmäht worden sei. Einige Leser waren unzufrieden, weil nicht nur proletarische, sondern auch bürgerliche Sportberichte gc- bracht worden seien. Andere erklären kaltblütig, sie hätten keine Zeil zum Lesen. Zahlreiche Leute meinten, daß das Parteiblatt zu wenig Papier liefere. Einigen stand es buchstäblich in zu üblem Geruch. Sie bemängelten nämlich den unangnehmen Geruch der Druckerschwärze. Es gelang dein Besucher, die meisten Abbestellungen rück- gängig zu machen. Den Erfolg erzielte er vorwiegend dadurch, daß er immer wieder an die Slasfensolidarität appellierte, daß er den Unterschied zwischen bürgerlichen und sozialistischen Zeitungen klar- machte und die Aussichtslosigkeit auf Erlangung einer Arbeitsstelle oder einer Wohnung durch den Bezug des Generalanzeigers bewies. deine Zeitung! Unser Genosse hält den„Vorwärts" schon lange; und, selbstver- ständlich ist er durchaus nicht immer und nicht mit allem zufrieden. Denn eine Zeitung, die jedem Wunsche entspricht, hat es noch nie gegeben.„Aber," so erklärt er mir,„ich halte ihn doch. Denn der „Vorwärts", er ist wie ein Spiegel, er ist der Spiegel der deutschen Arbeiterbewegung. Ich bin ja mit meinem Spiegel auch nicht immer zufrieden, der hat denselben Fehler: er ist ehrlich, und er malt mich so ab, wie ich wirklich bin. Es hat keinen Zweck, wenn ich von ihm verlangen wollte, er soll mich schöner machen, oder wenn ich mir einen Spiegel anschaffe, der mein Bild verzerrt... Und dann gibt mir die Zeitung eins: Das Bewußtsein unserer großen inter- nationalen Gemeinschaft, das uns unter allem Kleinkram fast ver- schüttet wird. Unser Blatt ist unsere Tribüne, von der wir auch zu denen sprechen, die noch nicht fest auf unserer Seite stehen und an die wir gar nicht anders herankommen können. Ich möchte schon, daß unsere Zeitung mehr„Aufmachung" und sowas alles bieten würde. Denn damit zieht sie die Indifferenten, die sonst überhaupt nichts vom Sozialismus erfahren, und die so doch langsam zu uns gebracht werden. Aber zum Kriegführen gehört Geld, und bei uns muß groschenweise einkommen, was woanders der Jnseratenchef scheffeln kann. Und gerade darum werbe ich für meine Zeitung, denn eine Partei, die ein große Zestuna in der Hand hat, hat halbe Mühe mit aller anderen Agitation... Und so lange, bis wir die Pro- duktionsmittel in der Hand des arbeitenden Volkes vereinigt haben, müssen wir unsere Zeitung immer weiter ausbauen. Sie ist unsere Tribüne und unser Sprachrohr. Und immer wieder sage ich jedem Arbeiter: Nur ein« proletarische Zeitung, zeigt dir die Welt so, wie sie ist, die bürgerlichen Zeitungen, in denen dir langsam, aber sicher, das Denken abgewöhnt wird, sie sind„unser Hauptfeind" polizeistrntöe imd Nachtverkehr. Der preußische Minister des Innern hat, wie mitgeteilt, den Beginn der Polizeistunde für Berlin auf 3 Uhr ver- längert. Mit dieser Verordnung ist den Wünschen der Gastwirts- und Hoteloerbände Rechnung getragen worden. Im allgemeinen kann aber eine Verlängerung der Schankzeit nur Zweck haben, wenn die Verkehrseinrichtungen Nachtverkehr einrichten und so die Möglichkeit für joden schassen, sein« Wohnung zu erreichen, ohne die teuren Verkehrsmöglichkeiten benutzen zu müssen. Besonders für die im Gastwirts- uno Hotelbetriebe angestellten Arbeit«? und Angestellten wird es schwierig sein, ihr Heim zu erreichen. Eine Rundfrage bei den Verkehrsgesellschaften ergab, daß mit der Ein- richtung von einem verlängerten Nachtoerk«hr vorläufig nicht ge- rechnet werden kann. Die Straßenbahnbetriebsgesellschaft läßt ihre letzten Wagen aus denz Stadtinnern nach den Vororten nach'A3 Uhr fahren. Da morgens um 4� Uhr schon wieder die ersten Wagen verkehren, ist die Betriebspaus« von 3. 45 Uhr bis 4.15 schon jetzt zu knapp, um die notwendigen Gleisreparaturen und das Erneuern von Oberleitungen vornehmen zu können. In der Nacht vom Sonn- abend zum Sonntag verkehren die Hauptlinien die ganze Nacht hin- durch. Die Straßenbahn glaubt nicht, daß er notwendig wäre, noch Wagen zu späteren Zeiten als nach 2 Uhr verkehren zu lassen. Die letzten Wagen sind sehr schwach besetzt. Die Straßenbahnbe- triebsgesellschaft hofft, das durch die verlängerte Poliezistunde ihre letzten Wagen besser besetzt werden. Die Hoch- und Untergrundbahn hat auch nicht die Absicht, ihren Fahrplan zu«rweitern. Die letzten Züge verlassen um A2 Uhr das Stadtinnere. Morgens beginnt der Aerkehr bei der Untergrundbahn um 5 Uhr. Die knappe Vetriebspaufe von 3A Stunden reicht schon jetzt kaum, um die Gleisanlagen und die Signaleinrichtungen zu revidieren. Der Fahrplan ist genau so wie in der Vorkriegszeit, wo auch der Beginn der Polizeistunde später gelegt war. Die Reichsbahndirektion hält an ihrem Winterfahrplan fest, nach dem die letzten Züge aus dem Stadtinnern nach den Vororten, zwischen 1 und 2 Uhr, abfahren. In Paris wird auch der Eisenbahnvorortverkehr um 1 Uhr eingestellt, trotzdem es in Paris eine Polizeistunde überhaupt nicht gibt. Die A b o a g hat auf einzelnen Omnibuslinien schon seit einiger Zeit Nachtverkehr eingerichtet. Erst nach genauer Beobachtung der eingerichteten Linien, deren Wagen meist sogar bis nach. 3 und 4 Uhr aus dem Stadtinnern abfahren, wird über die Berlängerung des Nachtverkehrs entschieden. Auch hier macht sich die kurze Bs- triebspause störend bemerkbar. Viele Wagen können in der kurzen Zeitspanne nicht kontrolliert werden und fehlen am nächsten Tage im Verkehrsnetz. „Abhärtung" für Reisende 4. Klasse. Unterschied muß sein. Der Reisende 2. Klasse erhält für den Höchstfahrpreis einen Aufenthaltsraum mit blütenweifcn gedeckten Tischen, in der 3. Klaffe gibt's bunte Decken und in der 4. Klasse ißt man eben vom bloßen Holztisch, das ist ja auch gar nicht so schlimm. Aber einen erwärmten Raum, zumal in der jetzigen rauhen Jahres- zeit, hat wohl jeder Reisende 4. Klasse zu beanspruchen, der oft eng zusammengepfercht in schlechter Lust und schlechter Sitzgelegenheit weite Strecken zurücklegen muß und bis zum nächsten Zuge sich manchmal stundenlang im Wartesaal aufhält. Ganz zu schweigen von den Kindern, die in solch ungeheiztem Raum besonders leiden. Ursache dieses Uebslstandes am Lehrter Bahnhof ist der schadhafte Heizkessel, dessen Instandsetzung mehrere Wochen dauern soll. Auf eine Beschwerde unseres Mitarbeiters erwiderte die Bahnvcrwaltung, den Reisenden sei es unbenommen, einfach in den Wartesaal 2. und 3. Klasse zu gehen. Jeder Mensch weiß aber ganz genau, daß gerade die Mehrzahl der Reisenden 4. Klasse solche Eigenmächtigkeiten ohne ausdrückliche Erlaubnis schwerlich begeht. Auf den Vorschlag, doch einfach einen Anschlag im Wartesaol anzubringen, erfolgte die Antwort: Das wollen wir aus dem Grunde nicht, weil sonst alle Reisenden 4. Klasse hinübergehen würden! Der Schaffner hat den Auftrag, von Zeit zu Zell hineinzurufen, wem e» zu kalt sei, der könne den Wartesaal 2. und 3. Klasse benutzen. Man rechnet schein- bar mst der übergroßen Bescheidenheit der„kleinen Leute", die es einfach gar nicht wagen, die sogenannten„besseren Herrschaften" mit ihrer Gegenwart zu belästigen! Lluch in bezug auf Reinlichkeit lassen die Warteräume 4. Klasse am Lehrter, wie auch am Stettiner Bahnhof allerhand zu wünschen übrig. Oeffentl.Werbeversammlungen heute, Sonntag, öen 17. Oktober: Baumschulenweg: Werbekundgebung. Antreten zum Ummarsch vormittags 9 Uhr Baumschulenstraße Ecke Heidekampweg.— Anschließend um 10 Uhr öffentlich? Werbeversammlung im Saal des Kinos Baumschulenstraße. Referent: Polizeioberst a. D. Dr. Her- mann Schützinger. Dienstag, öen 19. Oktober: Mille(4. Abkeilung): 1A Uhr in der Schule Kleine Frankfurter Straße 6. Referent: Bezirksverordneter Karl Litke. Lankwitz: 8 Uhr in Lehmanns F«stsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 29-31. Referent: Bürgermeister Dr. Ostrowski. Treptow: 7A Uhr im Lokal Nitschke, Am Treptower Park 26. Redner: Siegfried Aufhäuser, M. d. R. Köpenick: 7 Uhr Antreten am Bahnhof Köpenick. Anschließend öffentliche Werbeoersammlung im Stadttheater. Redner: Willy Steinkopf, M. d. R. Mittwoch, öen 20. Ottober: Illedding<17. Abteilung): TA Uhr im Saal von Schreiber, Trift- straße 63. Referent: Bürgermeister Karl Leid, M. d. L. Friedrichshain<34. Abteilung): TA Uhr in den Comeniussälen, Memeler Straße 67. Referent: Siegfried Aufhäufer, M. d. R. Friedrichshain<36. Abteilung): TA Uhr in der Schulaula Straß- mannstrahe 6. Referent: Wilhelm Landa. » Oeffentlrche Frauenkundgebung Charlotlenburg: Mittwoch, den 20. Ottober, abends TA Uhr in der Aula des Schiller-Realgymnasiums. Schillerstr. 26. Mitwirkende: Frauenchor des Gesangoereins„Liedertafel". Rezitationen: Wolf Trutz vom Staatstheater Berlin. Vortrag: FWuen und Völker- Verständigung. Referentin: Adele Schreiber. Männer und Frauen, erscheint in Massen! Versicherungsverbrechen. Alles um des Geldes willen. Bersicherungsverbrechen gibt's, seitdem es Derstcherungsgesell- schaften gibt. Um der Versicherungssumme willen werden Brand- stistung, Morde, Urkundenfälschungen begangen, Einbrüche fingiert und ähnliches mehr. Gerade das letzt« Jahr kann sich rühmen, auf diesem Gebiete Neues geleistet zu haben. So steht noch der Prozeß des Ingenieurs Marek bevor, der sich selb st ein Bein abgehackt hat. In guter Erinnerung ist der Stockholmer Fall, in dem die zwei jungen Leute ihren Kompagnon um der Versicherungssumme willen in einem Auto in die Luft gesprengt haben. In München verlangte eine trauernde Witwe die Lebensoersicherung-summe ihres in den Bergen abgestürzten und verschollenen Mannes. In Wirklich- keit faß er Holl und gesund in Erwartung der kommenden Dinge in Straßburg. Erst vor einigen Tagen hat sich In Salzburg eine Gerichtsverhandlung abgespielt, die Abgründe von Perfidie und Ge- meinheit zweier jungen Leute enthüllt hat, die ihresgleichen suchen kann. Der Zahntechniker Karl Payrleitner und der Hand- lungsgehilfe o'vanz Schwarz, beide Hakcnkreuzler, waren ange- klagt,.ihren Freund Andreas B e r g e r, der bei dem ersten als Hilfstechniker angestellt war, in einen Abgrund gestürzt zu haben. Schwarz war der Täter, Payrleitner der Anstifter. Auf Veranlassung dieses hatte jener sich einer Bersichcrungsagcntin als Berger vorgestellt, hatte unter diesem Namen sich von den Aerzten in Salzburg untersuchen lassen und schließlich auch in dessen Eigen- schaft in der Höhe von etwa 50 000 M. versichert. Payrleitner hatte den teuflischen Plan ausgeheckt, Berger beiseite zu schaffen und hinterher die Versicherungssumme zu erheben. Cr verstand es, Schwarz für feinen Plan zu gewinnen. Auch er sollte eine kleine Summe abbekommen. Anfangs wollte er einen Selbstmord des Berger fingieren, ihn mit Gas vergiften oder erschießen. Dann ließ er aber den Gedanken fallen und beschloß, ihn während einer ge- meinsamen Bergpartie in den Abgrund zu stürzen. Die geeignete Stelle an einer steilen Felswand hatte er bereits ausgekundschaftet. Das erstemal im April, als sich alle drei, Payrleitner, Schwarz und Berger, bereits an Ort und Stelle befanden, versagte im letzten Augenblick dem Schwarz der Mut. Nun ließ aber Payrleitner ihm keine Ruhe. Er setzte ihm so lange zu, bis er versprach, am 13. Mai die Sache zum glücklichen Ende zu führen. Payrleitner nahm auch seinen Bruder mit, um einen Zeugen dafür zu haben, daß Berger das Opfer eines Unfalles geworben fei. Als auf dem schmalen Wege an der Felswand alle Vorbereitungen getroffen waren, der photo- graphische Apparat am steilen Abhang aufgestellt war und Berger durch das matte Glas die auszunehmende Landschaft aiisah, versetzte ihm Schwarz einen kleinen„Nückel". Im nächsten Augenblick flogen Apparat und Berger in den Abgrund. Dann wurde d i e Rettungsmannschaft geholt. An der Beerdigung nahm Payrleitner mit einem großen Kranze teil. Einige Wochen später schickte er seine Bekannte.zur Versicherungsgesellschaft. Als„Braut" des Verstorbenen verlangte sie die Versicherungssumme. Die Ver- sicherungsgesellschaft stellte Nachforschungen an und stellte die wahr« Braut des Verunglückten fest und machte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren nahm seinen Lauf. Die Geschworenen bejahten die Frage wegen Mordes und das Gericht verurteilte Payrleitner zu lebenslänglichem und Karl Schwarz zu löjährigem schweren Kerker._ Der internationale Kongreß für Sexualforsthung. Der letzte Tag des Kongrestes war den Problemen der Bevölkerungswifsenschaft gewidmet. Die zahlreichen Vor- träge befaßten sich in der Hauptsache mit der Frage der G e> burtenregelung und den Präoentivmitteln. So erklärte Dr. Max Marcus«- Berlin die Schwangerschaftsverhütung für das erfolgreichste Mittel zur Bekämpfung der„Abtreibungsversuche". Der Arzt müsse den Willen zur Kinderlosigkest als den seelischen Tatbestand eines erwachsenen Menschen respektiere�. Der Bor« tragende schien jedoch die Bedeutung der sozialen und Wirtschaft- lichen wie auch der moralischen und hygienischen Ursachen, die für die Geburtenprävention bestimmend sind, zu unterschätzen: er sprach von einer Fortpflanzungsunlust. Im Gegensatz zu ihm konnte jedoch Frau Dr. Hertha Riese aus Frankfurt a. M. auf Grund eines umfangreichen Materials, das von der Sozial- und Serualberatungs- stelle des Bundes für Mutterschutz stammt, nachweisen, daß diele Stelle durchaus nicht von Frauen aufgesucht werde, die unwillig zur Mutterschaft sind, sondern daß 95 Proz. Frauen von A r- beitslosen waren, die bereits zahlreiche Kinder besaßen. Pros. Dr. Zahn-München sprach über„Die kinderreichen Familien und die Sozialpolitik". Er meint«, daß die Hauptaufgabe nicht so sehr die Schaffung neuer kinderreicher Familien sein dürfe, sondern vielmehr Festigung und Stützung der bereits vorhandenen kinderreichen Familien. Durch eine ganze Reihe Maß- nahmen, wie Frauen- und Kinderzuschläge, durch Elternschaft- oder Kinderrentenversicherung und dergleichen mehr müßte dieses ge- schehen. Die reinen medizinischen Vorträge behandelten in der Haupt- fache das Problem der Keimdrüsenüberpflanzung und der Sainen- stranguntcrbindung. Einige kritische Bemerkungen über den Kongreß seien an dieser Stelle gestattet. Die Fülle der Vorträge— es waren 14 2 Referate angesagt— ließen fast gar keine Zeit für dw Aus- spräche übrig. Das Fehlen einer Reihe von Gelehrten und Sexual- polstiker bewirkte teilweise einen schleppenden Gang der Verhand- lungen. Bezeichnend für den Kongreß mag das Referat des Grazer katholischen Priesters Ilde sein, der mit dem Fanatismus eines mittelalterlichen Asketen die sexuelle Echik der katholischen Kirche unter dem Veifall eines Teils der Versammlung als die einzig richtige bezeichnete, die Ehe sei ein Sakrament, der Geschlechtsakt diene allem der Fortpflanzung, die Schwangerschaftsverhütung sei eine Sünde, die Frau müsse eher sterben, als daß sie sich die Frucht abtreiben ließe. Was hatte dieser Redner aus einem Kongreß für Sexual- s o r s ch u n g zu suchen? Der nächste Kongreß findet in Rom statt. Großfeuer in Rahnsüorf. Gestern abend, kurz vor �9 Uhr, wurde die Rahnsdorser Feuerwehr nach den sogenaanken Spreewiesen g-rufen wo in einem der größeren Wohnhäuser, die zun) Teil aus holz und Fachwerk befiehen. Feuer ausgebrochen war. Un- aufhörlich ertönten die Feuersirenen, so daß zur Hilfeleistung die Freiwilligen Feuerwehren von Müggelheim und Blumensaue an die Brandstelle eilten. Ein gewaltiger Feuer- schein, der weit hinaus in das Dunkel der Nacht leuchtete, ver- anlaßle die Feuerwehren von Köpenick und wllhclmshagen auf eigene Znilialive sich ebenfalls unverzüglich an die Brandstelle zu begeben. Bei Redaklionsschluh dauert das Feuer noch an. Einzel- Helten über die Ursache und ob Menschenleben zuschaden gekommen sind, fehlen noch._ Der Schienenweg im Westen. Beseitigung der Kreuzungen zwischen Grunewald und Charlottenburg.— Die höchste Erhebung Berlins mit Rodelbahn. Das zwischen den Bahnhöfen Eharlottenburg, Halen- see, Grunewald und Witzleben liegende große Eisenbahn- gebiet, das mit den vielen, stellenweise in drei Stockwerken über- einander und nebeneinander liegenden Eisenbahnstrccken wohl das komplizierteste Schienengebilde der Berliner Eisenbahnanlagen dar- stellt, wird in der nächsten Zeit eine vollständige Umgestaltung erfahren. Die Bauarbeiten, von denen der erste Teil bereits in Angriff genommen ist, sind— wie der Deutsche Verkehrsdienst erfährt— die größten und umfangreichsten, die in den letzten 20 Jahren in Berlin zur Ausführung kommen. Die Arbeiten gestalten sich deshalb besonders schwierig, weil die einzelnen Objekte unter voller Aufrechterhallung des Eisenbahnverkehrs hergestellt werden müssen. Eine grundsätzliche, für den Eisenbahnbetrieb be- deutungsvolle Aenderung liegt darin, daß die unmittelbar vor dem Bahnhof Charlottenburg befindliche Kreuzung der Spandauer und Wetzlarer Ferngleise beseitigt und die schienenfreie Kreuzung dieser beiden Bahnstrecken weiter nach Westen, in die Nähe des bestehenden Bahnhofs Eichkamp, verlegt wird. Gegenüber dem jetzigen Zustand» kann also später gleichzeitig ein Fernzug in der Richtung Belzig— Sangerhausen vom Bcchnhof Charlottenburg abfahren und ein Fernzug aus der Richtung Hannover— Köln in den Bahnhof einfahren. Zu diesem Zweck werden zunächst in dem ersten Bau- abschnitt die Spandauer Ferngleise vom Bahnhof Heerstraße ab nach Westen verlegt und unter der Avus hindurch und über die Vorort- gleise nach Grunewald hinweg, zwischen den Wetzlarcr Ferngleisen in den Bahnhof Charlottenburg eingeführt. Für den B o r o r t- verkehr nach Spandau wird einbesonderesGleispaar neben den Ferngleisen angelegt und an den Umsteigebahnhof angeschlossen, der bekanntlich an der Kreuzung der Grunewaldlinic mit der Ring- bahn errichtet wird. Dieser Pahnhof wird von vornherein i n jedem Geschoß zwei Bahnsteige erhalten und so zur Aus- nahm« eines großen Massenverkchrs geeignet sein, wie er bei der von der Stadt' Berlin auf dem Messegelände in den nächsten Jahren geplanten Weltaus st ellung zu erwarten ist. Im Zusammenbange mit diesen Arbeiten wird an dem west- lichen Rande des Messcgelönders der h ö ch st e Hügel Berlins entstehen. Nach den Vorschlägen des Oberbaurats Dr. Heiligen- t h a l wird mit dem gesamten Erdboden, der aus der neuen, in einem Einschnitt liegenden Strecke gewonnen wird, ein Berg her- gestellt, dessen Spitze 80 Meter über dem Meeresspiegel, also noch 16 Meter höher als der Kreuzbsrg, liegen soll. Von diesem Punkte aus, der als Gegenpol zu dem Funkturm architektonisch reiz- voll ausgestaltet werden wird, bietet sich dann gleichfalls ein weiter Blick auf der einen Seite über das Messegelände hinweg nach Berlin, und auf der anderen Seite über den Grunewald bis an die Havel- seen. Durch Anlage einer Rodelbahn wird dieser Berg bei den Berliner Wintersportlern bald eine große Beliebtheit erlangen. Der erste Werbeumzug. Trotz aller Widerwärtigkeiten hatte es sich der 1. Kreis (Mitte) nicht nehmen lassen, seinen Werbeumzug mit Fackeln am Sonnabend vom Arkonaplatz nach dem Gewerkschaftshaus zum Be- ginn der Werbewoche glatt durchzuführen. Reu waren diesmal die schön dekorierten Wagen bei guter Beteiligung der Genossinnen, Gc- nossen, der Kinder, der Arbeiterjugend und der Jungsozialisten. Der erste Wagen stellte den Sozialismus dar, der zweite Wagen war den Kindern gewidmet; die alte Schule wurde im Gegensatz zur neuen Gemeinschaftsschule dargestellt. Der dritte Wagen mit der Anschrift „Wir Frauen kämpfen mit der Männern für eine bessere Zeit" war von Frauen besetzt. Die Jugend und Jungsozialisten hatten ihrem Wagen die Devise„Aufbau" gegeben, in großen beleuchteten Buch- stoben war zu lesen: Kinderfreunde, Jugend, Jungsozialisten und Sozialdemokratie, tretet ein in unsere Sozialdemokratische Partei". Genosse Riese sprach gegen die Kommunisten als Störenfriede und aufklärend zugleich, mit einem Hoch auf die Partei schließend. Notftands-Konzert des Musikeroerbandes. Die Berufsmusiker, arg bedroht durch die unlautere Konkurrenz der„Außenseiter" und musizierenden Beamten, gaben in der Reuen Welt, Hasenheide, ein Konzert zum Besten ihrer erwerbslosen Kollegen. Der Riesensaal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt, und wahre Beifallsstürme durchbrausten das Haus. Der Abend war dem unsterblichen Dreigestirn Strauß— Millöcker— Suppe gewidmet. Süße Weaner Must, dirigiert vom letzten Sproß der Strauhschen Gene- ration, Johann Strauß III., dem das Erbe seiner Väter noch voll und ganz im Blute sitzt. Es war prachtvoll, mit welchem Schneid das Streichorchester all die schönen bekannten Klänge aus „Fledermaus",„Bettelstudent",„Schöne Galathee" und noch viele andere zu Gehör brachte. Das war Musik, die keiner Mode unterworfen, keiner Zeilrichtung und keinem bestimmten Publikums- kreis vorbehalten ist. Die wackeren Musiker, die hier eine so glänzende Probe ihres Könnens abgelegt haben, werden hoffentlich siegreich den Kampf gegen die Nebenberufler bestehen. Die starke Arbeits- losigkeit der Berufsmusiker hat eben ihren Grund darin, daß der Ver- band auf Zahlung von Tariflöhnen besteht, während die anderen „freien" Musiker natürlich Preisdrücker sind. Die Lokalbesitzer würden gut daran tun, möglichst Berufsmusiker zu bevorzugen und die Honorardifferenz auf Kosten der Leistungshöhe zu buchen. In kleineren Kinos beispielsweise, die absolut nlcht über schlechten Ge- schöftsgang zu klagen haben, würde diese Aenderung wohltuend auf das Ohr der Zuhörer wirken. Vereinigung der Freunde für»ellglcrn und vtirgcrfricden. Wegen Be- binderung des Genossen Pfarrer Bl-ier fpricht heute. Sonntag, w der ZrinitaNSIirche Genosse Pfarrer Franle. Die Wannseenbung deS Roten KrentzeS. In dem Verfahren, das von der Potsdamer Staatsanwaltschaft gegen die verantwortlichen Leiter jener unglücklich verlaufenen Rettungsllbung des Roten Kreuzes auf dem Wannsee eingeleitet worden war, ist nunmehr die Voruntersuchung endgültig abgeschlossen worden. Wie wir jedoch erfahren,-st die Cnt- scheidung der«taatsanwalrschaft über die eventuelle Erhebung einer Anklage erst Ende dieses Monats zu erwarten. Festabend der Zollbeamten. Etwas verspätet veranstaltete am Freitag die Zollbeamten. s ch a f t einen Festabend, für den die Beteiligung der Reichsfinanz» Verwaltung an der Polizeiausstellung zum Anlaß genommen war. Die Berliner und auswärtigen Zollbeamten aller Dienstgrade waren recht zahlreich im Rheingold erschienen. Staatssekretär Prof. Dr. P o p i tz war der Einladung gefolgt und überbrachte in einer An- spräche die Grüße des Reichsfinanzininistcrs. Er betonte, daß die Umstellung im Ministerium sich nicht auf die Außenverwaltungen erstrecken würde und daß deshalb von einem Beamtenabbau nicht die Rede fein könne. Die Festrede hielt Abteilungs- Präsident R i ß m a n n vom Landesfinanzamt Berlin. Ein Bierabend hielt die Teilnehmer noch lange beieinander. Verliänstnisvolle Vergeßlichkeit. Eine folgenschwere Gasexplosion ereignete sich am Sonnabend abend gegen 7 Uhr im Osten Berlins, in der L i t a u e r S t r a h e 2. In einer im zweiten Stockwerk des Vorderhauses gelegenen Woh- nung war der 24jährige Elektromonteur Kurt S). aus der Rathenower Str. ll) mit der Abmontage einer Gaslampe beschäftigt, ch. vergaß den Ga'somctcr abzustellen, so daß, als er sich auf kurze Zeit aus dem Zimmer entfernte, größere Mengen Leucht- gas ausströmen konnten. Nach einigen Minuten kehrte er zurück und schraubte die Sicherungspropsen ein. Um zu prüfen, ob die Leitung grit abgedichtet sei, entzündete er ein Streichholz. Plötzlich explodierten unter großem Knall die Gase, die sich inzwischen an der Decke angesammelt hatten, ch. wurde von der Leiter g e- schleudert und zog sich außer inneren Verletzungen erhebliche Brandwunden zu. Er wurde durch die Feuerwehr in das Kranken- Haus am Friedrichshain geschafft. Durch den gewalligen Druck wurde das ganze Fensterkreuz auf die Straße ge» schleudert. Durch die Explosion geriet das Wohnungsinventar in Brand, doch konnte das Feuer, das sich aus die Wohnung aus- zudehnen drohte, nach kurzer Zeit von der Feuerwehr gelöscht werden. Die Polizciaussiellung wird nicht verlängert. Verschiedenen um- laufenden Gerüchten gegenüber stellt das Berliner Messeamt fest, daß es aus technischen Gründen nicht möglich ist, die Große Polizsiausstellung Berlin 1926 in irgendeiner Form zu verlängern. Alle drei Hallen werden am morgigen Sonntag, den 17. Oktober, abends 16 Uhr, endgültig geschlossen. Bei dieser Gelegenheit sei noch besonders auf die Tatsache hinge- wiesen, daß diejenigen Ausstellungsobjekte, die nach Schluß der Ausstellung in das neugegründete Polizsimuseum über- nommen werden, dort dem Publikum nicht mehr zugäng- l i ch sind, da der Eintritt in das Polizeimuseum aus dienstlichen Gründen nur Polizeibeamten gestattet werden kann. Schon wieder ein Wasierrohrbruch. Gestern nachmittag platzte an der«trahenkreuzung B ä r w a l d- und Urban st raße ein Hauptwaslerrohr. Große Wasiermengen stürzten an die Oberfläche und zerwühlten eisten Teil des Fahrdammes. Bis.zum Eintreffen einer Arbeitskolonne der Wasserwerke war der Fahrdamm derart unterspült, daß dieser eine Gefahr für den Straßenbahn- und Fuhrwerksverkehr bildete. Der Verkehr wurde in beiden Richtungen über Nebenstraßen umgeleitet. Das Rohr wurde abgesperrt, die Arbester sorgten sodann für den Abfluß der großen Wasser- mengen, die sich angesammell hatten. Erössnung der Gedächtnisausstellung für Chodowieckt. Gestern nachmittag wurde in, Märkischen Museum die aus Anlaß der 266jährigen Wiederkehr des Geburtstags von Daniel Chodowiecki veranstastetc Gedächtnisausstellung eröffnet. Eine ggjährigc Berlinerin. Frau Sophie Hasse, die Gallin des verstorbenen Musikdirektors Hasse, feierte am Sonnabend in voller Frische und Gesundheit ihren 99. Geburtstag. Sozialdemokratie und Fürstenabfindung. Am Freitag sprach Genosse E r n st H e i l m a n n in Friedrichsselde in Tempels Fest- sälen über„Die Sozialdemokratie im heutigen Staat". Der Saal war überfüllt. Genosse Heilin an n behandelte in seinem Vortrag die Abstimmung im Preußischen Landtag, die zur'Annahme des Hohenzollernvergleichs geführt hat. Man macht der Landtagsfrak- tion den Vorwurf, daß sie sich der Stimme enthalten hat: aber wer die Dinge genau kennt, muh zugeben, daß sie nicht anders handeln konnte. Die Sozialdemokratie hat gewiß keine Freude an diesem Vertrag, und wenn praktisch die Möglichkeit be- standen hätte, den Hohenzollern noch mehr zu nehmen, die Land- tagsfraktion hätte sich diese Möglichkeit bestimmt nicht entgehen lassen. Wir müssen mst den politischen Machtverhältnissen rechnen, und dürfen uns nicht nur von unseren Gefühlen leiten lassen. Nach- dem der Volksentscheid durch den Unverstand der Masien nicht zu dem gewünschten Ziel geführt hat, bestand keine andere Möglichkeit mehr, als den Weg des Vergleichs zu beschreiten. Die Kommunisten überschütten uns mit Schimpfworten, aber keiner von ihnen hat bis heute zu behaupten gewagt, daß ein neuer Volksentscheid die nötige Stimmenzahl für die Enteignung aufbringen wird. Wenn man das weiß, dann hat es gar keinen Zweck, sich noch zu entrüsten. Wir werden uns durch das Gekreisch nicht davon abhalten lassen, weiter praktische Arbeit im Interesse des arbeitenden Volkes zu leisten. Wenn unsere Arbeit wirksam werden soll, so brauchen wir mehr Macht. Daher müssen wir werben für unsere Bewegung. Und daher müssen alle Kräfte für die Werbcwochc eingesetzt werden. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Konzert im Saalbau Fricdrichshain. Die Dolksbildungsämter Prenzlauer Berg und Friedrichshain veranstalteten kürzlich im Saalbau Friedrichshain ihr e r st e s Sinfonie- k o n z c r t mit dem Berliner Sinfonie-Orchestcr unter Leitung Jascha Horcnsteins. Der Abend stand unter dem Stern Gustav Mahlers. Mahlerschc Lieder aus„Des Knaben Wunderhorn", von der Solistin Emy von Stetten gesungen, gelangten zur Wiedergabe.„Bald gras' ich am Neckar bald gras' ich am Rhein uni>„Wo die schönen Trom- peten blasen" gefielen sehr. Und eines der schönsten Mahlerschen Schöpfungen:„Wer hat denn dies Liedlein erdacht" riß sogar zum Beifallssturm hin. Gustav Kästner gab in seinem einführenden Vor- trog einen gedrängten Ueberblick über Mahlers Schaffen und Wirken, und der Bedeutung Mahlerscher Musik für Gegenwart und Zukunft. Lange Zeit verkannt, bricht sich jetzt seine Musik auch außerhalb der Grenzen Deutschlands Bahn. Den Abschluß bildete die Vierte Sinfonie mit dein Sopransolo, sicher der schönste Teil des Abends. Elnen volksmusikobcvd für die sozialdemokratischen Frauen und Mädchen veranstaltet der BezirkSbildnngSausschutz der SPD. ezrotz. Berlin am Freitag, den 22. Oktober, abends 71/, Ubr. im großen Saal der„Neuen Welt', Hasenheidc. Bortragssolge: Orchester: Ouvertüre zu.Eginoni'(Bcetboven) Prolog(Artur Petzold). Chor: Auserstehung(Pb. Litmann), Violine: a) auZ der Kreutzcrsonate(Beethoven). b) aus der FrühlingSsonate (Beethoven). Orchester: �nckanb« cantabiie aus der 1. Sinfonie(Beethoven), Ansprache: Arbeit und Freude. Orchester: 5. Sintonie, 1. Satz(Beetboven). Chor: Die Schmiede(PH. Orlmavn). Trio:.�Ilexrstto aus dem S.Trio (Beethoven). Orchester: S. Sinfonie. 4. Satz(Beethoven). Mitwiikcnde: VolkSkunstgemelnschast.Wedding'(Orchester und ge» m ichter Chor). Heinrich Witte vom EtaalStbeater. Die Anivrache hält Genossin MrnnaTodenhagen. Eintrittspreis 86 Ps. Karten sind zu haben im Fraueniekretariat, Lindcnslr. 3, Hos U, Zimmer t. lSezirtsbildungsavsschoß«Broß- Berlin. Sonntag, den 84, Oktober. nachmittags 3 Uhr, im Theater der Volksbühne am Büloivplatz Vorstellung. Zur Ausführung kommt„2 y s i st r a t a', eine Komödie von Leo Greiner nach Aristovhanes. Eintrittskarten, einschließlich Garderobe und Theaterzettel, zum Preise von 1,26 M. bei den BildungSobleuten der Kreis» und Ablcilungcn, im Zigarrengeschäst Horsch. Engeluser 24/25, Tabat» vertreib GEG., Jnselstr. S, Verband der graphischen Hilssarbeitcr, Luisen» ufcr 88. in den VorwärtSspeditiouen. in der Buchdandlung Vorwärts, Lindcnstr. 2 nnd im Burau des BezirksbildungSanSichusseS, Lindenstr. 3, 2. Hos II, Zimmer 8.— Am Sonntag, den 24 Oktober, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses, Königstrasie: Literarischer Abend des BüchertreijeS. Theo Marc! spricht über daS 7. Wert des Bücher» IreiseS:.Kreatur' von Friedrich Wots. Eintrittspreis 56 Ps.—- VorlragS- und Vorleseabend deS Dichters Martin Andersen Nexö, .Aus elgeuem Leben und eigenen Werken", am Mittwoch, den 26. Oltober, abends 8 Uhr, im Märkischen Saal, Rathaus Charlottenburg. Karten zum Preise von 56 Ps. im Bureau des BezirtSbildungSausschusseS, Linden- straße 3, 2. Hos II, Zimmer 8. Professor Dr. Franz Oppenheimer. Frankfurt a. M., wird aus Einladung deS Präsidiums deS Kereu H a j e s j o d(Jüdisches Paläitinawerk) E. B. am Montag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, im Biüthnersaal, Lützowstr. 76, einen einmaligen öffentlichen Vortrag über.Kritisches und Positives zum Palästinawerl' hallen. Fahnenweihe de» Keichsbanner» im Nordoste«. Die Kameradschaften Königstor und Ballon begehen Sonnlag, den 17. Oktober, die Weihe ihrer t ahnen. Die Weihe, a» weicher Landtagsabgeordneter Gustav Harlmann ie Festausprachc und Genosse Küler vom Gauvorstand des Reichsbanners' die Weihe: ede hält, wir aus dem Arnswalder Platz veranstaltet. Der Kreis- verein wird vor und nach der Fahnenweihe einen DemonstiationSumzug durch die Straßen des Bezirks veranstalten. Zusammenstoß zwischen Automobil und Fabritzug. In Straß. gräbchcn bei K a m e n z fuhr das Auto eines Baumeisters von Straßgräbchen, in dem sich neben dem Besitzer noch der Chauffeur und der Buchhalter befanden, mit voller Wucht auf einen die Straße überquerenden Fabrikzug. Das Auto schlug um und wurde fast vollständig zertrümmert. Zwei Wagen des Zuges wurden aus dem Gleis gehoben. Der Besitzer des Autos war sofort tot, die beiden anderen Insassen trugen weniger schwere Verletzungen davon. Frankreichs vergrabener Goldschah. Die Pariser Zeitung „L'Jntrvnsigeant" Hot ein« Schätzung der Gold- und Silbermünzen vorgenommen, die in Frankreich vor allem von der ländlichen Be- völkerung vergraben sind. Das Blatt kommt auf einen Betrag von zwei Milliarden Franken in Gold und m Milliarden Franken in Silber. Gewissensbisse veranlaßt«! einen 21 Jahre alten Willi B., sich jetzt der Kriminalpolizei zu stellen, weil er im Dezember vorigen Jahres in Oberschönau m Kreise Oels sein uneheliches Kind ermordet hat. Er lebte damals mit einer polnischen Land- arbeüerin zusammen, die das Kind gebar. Als es ein halbes Jahr alt war, erstickte er es, indem er ihm mit der Hand Mund und Rase zupreßte und beseitigte die Leiche. E!n Denkmal für ein Schwein. In Lüneburg hat inan einem Schwein aus Dankbarkeit ein Denkmal gesetzt. Vor fünf Jahren war der Besitzer, des Tieres durch dessen Wühlen aus das Vorkommen von Salz aufmerksam gemocht worden. Heute befindet sich an dieser Stelle ein stattliches Salzbergwerk. An seinem Eingang steht jetzt das Denkmal des Schweines. Sport. 3m heu Ilgen Sleher-Krikerinm auf der Olympia-Ladrenubahn, das zu» gleich den K e h r a u s bringt, starten AerlS(Belgien), Leddh(Holland), Vanderstuhst(Belgien), Sawall. Möller und Koch(Deutschland). Berufs» f l i e g e r und Amateure umrahmen das Programm. Rennbeginn 2 Uhr. wetterberich! der äffen küchen wellerdienststelle für Berlin.(Rachdr. verb.) Nacht« sehr kühl, und meist trocken mit etwas Bewölkungsabnahme,, vor» wiegend nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Norden und Ostei» Nachlaffen der Regensälle bei wenig veränderter Temperatur, im Silber» beträchtliche Abkühlung und Regen. A. WERTHEIM Leipziger Platz Königstr. Roscntholer Str. Moritzplatz EXTRA-DREISE EW>i!!!ii!i!!l!!!!!!sN!!iI!I»II!IWII!WI!!W!!!!IIIsII>!!!WM»■ inilllllllllllllllllllllllliniinilllllllDllllllllllininilllllllll WIRISCHAFTS'WOCH Porzellan weiß Saucieren..... 130 Kartoffelnäpfe.. Its Terrinen...... 275 Platten oval 68pf.bi»l20 Beilageschalen 35pf. Salatschüsseln mit Fehlern Dessertteller. Kompotteller. Kaffeekannen»c Frühstückservice„ dekoriert, für 2 Per»., Slellig �-25 dekoriert Kaffeeservice 8 per». 9 teilig 12 Per». 16 lelllg 12 Bers. 28, eilig ■.65"; 18pf. • 6 Pf. 75?n 075 1275 1850 Tafelservice« p«». 1Q 28(eilig, Feston Qold' � 50 6 Per». 12 Per». 25(eilig 77(eilig Zwclgdekor 27 M 85 M Tassen........ 38 pf. Dessertteller... 32pf. 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Großvater, unser guter Schwiegersohn Bruder, Ontet und Schwager, der Sänger Bruno Zm Namen der HimerMiedenen: Erna Neumann geb. Rahmig, Brich Neumann und Schwiegereltern H. Bertram Die Einäscherung findet Montag. 18. Oktober/ abends 7 Uhr. im Krematorium Gerichistrahe statt. Aranzspenden dankend verbeten. � □ Bntc WH. 5.- an � ca. 250 Landparzellen, prima Oarten- boden. 20 Minuten vom Bahnhof. Vertreter Mittwochs, Sonnabends und Sonntags im Restaurant„Zu den drei Linden1 direkt a. Bahnst. Fredersdorf. . loLBteSer. Berlin C, Gontardstr. 5. Im fast vollendeten 88 Lebensjahr starb nach langer, schwerer Krankheit unerwartet mein treusoraender Mann, unser guter Bater. Schwieger- und Kroßvater, der Schlosser Robert Ermrlch in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober 1926. Im Namen der Hinterbliebenen Mae Ermrich. Die Einäscherung findet am Mon- tag, den 18 Oftoder, abends 61,', Uhr, im Krematorium Gerichtftraße statt. 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Hein, Thüringer Str. 37 ,, Heinrich, Münchner Str. 19 ,_ Gärtner, Wissmannstr. 14 _- Nicoialsen, Herlordplatzä _, ANl0RewaiKt,PfHlgerstr.74 Postscheckkonto Hamburg 32530 Spa rkasse: Spareinlagen von 1 Mark an zu 4�2 Proz. mit täglicher Kündigung Spareinlagen von 1 Mark an zu S V2 Proz. mit monatlicher Kündigung Spareinlagen v. 500 Mark an zu 6 7. Proz. mit vierteijährl. Kündigung Kassenstunden: 9— 3 und 5— 7 Uhr„Schließfächer" Sonnabends: 9— 1 Uhr Nr. 490 ♦ 43. Jahrgang 2. Seilage ües Vorwärts Sokktag, 17.rgeru)en wurden, gibt die Berechnung der Deutschen Bank für den&. Oktober em deutliches Bild. Vom 9. September bis 9. Oktober stieg der D u r ch s ch n i t t s k u r s der an der Berliner Börse notierten Aktien von 131,5 auf 143,2 Proz. Daran sind Bankaktien beteiligt mit einer Steigerung von 147,9 auf 162,0 Proz., Industrie- und Schiffahrtsaktien mit einer Erhöhung von 131,7 auf 143,3 Proz. (Termin papiere von 159,8-auf 173,4 Proz.). Nun hat die Woche seit dem 9. Oktober noch größere Steigerungen gebracht. Gegenüber Anfang 1926 sind die Steiaerungen geradezu toll: im Durchschnittskurs von 68,3 auf 143,2 Proz., de, Industrie- und Schiffahrtsaktien von 65,8 auf 143,3 Pro; sind sie mehr als verdoppelt, bei Bankaktien von 89,6 auf 162,0 Proz, fast verdoppelt. In Prozenten ausgedrückt ist vom 4. Januar bis 9. Oktober der Durchschnittskurs aller Aktien(4. Januar— 100) um 109,66 Proz., der Bankaktien um 80,80 Proz., der Industrie, und Schiffahrtsaktien um 117,78 Proz., der Termin papiere sogar um 133,38 Proz. erhöbt. Wäre die Börsenbewertung allein maßgebend, es dürfte im Durchschnitt überhaupt keine börsennotieite Unternehmung Deutschlands mehr unrentabel sein. Darf man der Koniunkturtheorie glauben, die aar Ende der Depression, unmittelbar vor Beginn des neuen Auf- schwungs, die rabiateste Spekulationswut annimmt, so dürfte man jetzt wohl den lange ersehnten Aufschwung endgültig erwarten, was für die Börsenhausse natürlich einen ruckhaften Stillstand, wei.n nicht vorübergehenden Krach bedeuten müßte. Auch die Zinssätze müßten eine Erhöhung erfahren. Soweit die Börsen- und Geld- marktoorgänge gegenwärtig als Symptom der Wirtschafrs- entwicklung wirklich maßgebend sind, wird man in den kommen- den Wochen sehr auf sie achten müssen. Die Zukunft könnte aller- dings zugleich auch zeigen, wie weit die Börsen- und Geldmarkt- Vorgänge als Symptom der Entwicklung einen Anspruch auf Zu- verlässigleit erheben dürfen. Steigende Lebensmittelpreise. Di« steigenden Getreidepreis« haben sich in kürzester Frist aus die Mehl- bzw. Brotpreise übertragen. Nach den Fessstellungen des Preußischen Statistischen Landesamtcs auf Grund dsr Preislage in 51 preußischen Städten ergibt sich für die Brot- und Mehlpreise folgende Berändrnmg: Sept. 13 Sept. 24 Aug. 26 Sept. 26 (für 1 Kilogramm in Pfennigen) Roggengraubrot. � I.. 29,1 31,3 38,7 39,3 Weizenkleingebäck(Semmel:c.) 52,7 68,4 78,2 79,0 Roggenmehl....... 29,0 33,9 38,7 38,9 Weizenmehl....... 37,5 42,0 53,7 54,0 Auch alle anderen Lebensmittel, die für die Ernährung der breiten Massen in Frage kommen, sind von der Preissteigerung mit- gerissen worden. So steigerte sich z. B. der Preis für Haserstocken (1 Kilogramm) von 57,6 auf 57,8 Pfg., der Preis für Reis von 61 auf 61,4 Pfg., der Preis für Erbsen von 57 auf 59,3, der für Zucker von 67,6 auf 68,3 und der Preis für Schweineschmalz von 282,3 auf 282,4 Pfg._ Blech verarbeitende Industrien im Jahre 1926. Di« Hoffnungen auf eine allgemeine und nachhaltige Besierunz der Konjunktur, die man für das laufende Jahr hegte, haben sich bishet nicht erfüllt. Gewiß sind Aufwärtsbestrebungen in der Beschäftigung der Werke festzustellen gewesen, aber diese hatten Saisoncharaktcr und fanden dementsprechend ein zeitiges Ende. Für die Gesamtheit der Weiß- und Schwarzblech verarbeitenden In- dustrien dauert die Depression an. Unter den obwaltenden Wirsschaftsverhältniisen ist es bisher nicht gelungen, die Haupl- Ursachen der Depression, d. h. das Mißverhältnis zwischen Produk- tirns- und Absatzmöglichkeiten zu überwinden. Di« vermehrten und ausgedehnten Produktionsanlagen sind von so großer Kapazt- tat, daß es nicht einmal bei weichenden Preisen gelang, für die einzelnen Betriebe«inen so hohen Beschäftigungsgrad zu erreichen, daß rationellste Produktion unter Senkung der Kosten möglich ge- worden wäre. Die Bemühungen� durch organisatorische Zu- sammenfassungen die Fortführung der Produktion zu Kosten und zu Preisen durchzuführen, die dem verschärften Wettbewerb auf den Auslandsmärkten und der mangelnden Kaufkraft auf dem In- landsmarkte angepaßt sind, werden daher fortgesetzt werden müssen. Die verhältnismäßig günstigen Ausfuhrziffern des zweiten Halbjahrs 1925 konnten im essten Halbjahr 1926 nicht wieder erreich! werden._ Die Reichsbahngcsellschafl im Sepiember 1926. Wie die Deutschs..- Reichsbahngcsellschan mitteilt,' hat sich der Güterverkehr tm Sepr Sustav-Meyer-Älle«, am Drunnenvlag und Leapoldplag. S8. Abt. Kalenfee. Unsere Iugendgruppe veranstaltet hent« abend 8 Uhr im Jugendheim Joachim-Friedrich-Str. 35/36«in« Iugendfeier. Die G«. nossinnen und Genossen-unserer Abteilung werden gebeten, stch zahlreich daran zu beteiligen. 8». Abt. Wilmersdorf. Alle Denofstnnen und Genossen beteiligen sich an der Werbearbeit. Treffpunkt vormittags 9 Uhr bei Andrea», Pf-Izdurgcr Straße 55. 81. Abt. Friedenau. Die Demonstration fällt aus. Rächst« Zusammenkunft am Montag, dem 18. Oktober, abend» 5\i Uhr. 85. Abt. Tempelhof. Broschüren für die Rote Woche sind von ber„Borwärts". Spedition abzuholen. Weiteres Material liegt in der„Linde", Werder- Ecke Friedrich-Karl-Straße. 3. und 4. Dezirk: Funktionär« und Gruppen, führer treffen sich vormittags 9 Uhr in der„Linde", Werder. Ecke Friedrich-Karl-Straße. Morgen. Moytag. den l8. Oktober: 35. Abt. Abends 7 Uhr Abrechnung mit den Bezirksführern im Lokal von Peter, Schreinerst». 36. Daselbst um 8 Uhr wichtige Funktionärsttzung. 38. Abt. Die Bezirkeführer nehmen da, eingeteilte Material zür LZerbreitung noch den Hauslificn um SVh Uhr in Empfang bei Bartusch, Friedenste. 88.' 49. Abt. 714 Uhr hei Kcufner, Haaelberaer Str. 26». Sitzung sämtlicher gunktionäre. Die Derlrcter der Jugend sind besonders eingeladen. bt. Schöneberg. Achtung! Die Arbeitsgemeinschaft über Berfassung». recht findet doch statt abend» 7 Uhr bei Klawitter, Apostel-Paulus-Str. 7, 4 Treppen. 119. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr bei Morr, Reue Bahnhofste. 28, wichtige Sitzung sämtlicher Partei, und Gewerkschaftsfunktionäre. Niemand darf fehlen. Wichtige Tagesordnung. 138. Abt. Reinickendorf.Oft. 714 Uhr Beamtenwerbeverfammlung Im Lokal Echlltzenhaus, Reinickendorf-Ost. Restdcnzstr. 1/2. Vortrag:„Beamten. fragen." Referent Polizeihauptmann a. D. Genosse Siering.. All« Partei. gcnösstschen Beamten sind eingeladen. Sympathisierende find besonder» willkommen. 138. Abt. HermsdBtf. 8 Uhr im Lokal Bcllevu« wichtige Mitgljeberversamm- lung. Wir ersuchen um dos Erscheinen sämtlicher Mitglieder. Frauenveranstaltungen am Montag, den 18. Oktober: 3. Abt. 714 Uhr im Konferenzsaal de» Gcwerkschaftshauses, Engeluser 24/25, Bortrag:„Die internationale Loge de» Proletariats". Referent Wilhelm Lands. Gäste willkommen. 2«. Abt. 714 Uhr bei Heile», Prenzlauer Allee 239, Werbeversammlung für die Freie Schule. Referent Wilhelm Miethke. Gäste herzlichst willkommen. 28. Abt. 714 Uhr im Lokal Altmann, Rykestr. 2, Vortrag:„Unsere Kinder und die weltliche Schule". Referent Lehrer Faust. Gäste willkommen. 29. Abt. 714 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 189 Werbeverlammlung für die Freie Schule. Referent Genosse Rachow. Anschließend daran gemütliches Beisammensein. Gäste willkommen. 37. Abt. 714 Uhr im Lokal Raschke, Matternstr. 14, Vortrag:„Die Kultur. Politik der Sozialdemokratie". Referentin Liesbeih Hübner. Riedger. 45, Abt. 714 Uhr bei Wienzter», Rcichcnberger Str. 194, Bortrag:„Der Kampf um die politische. Macht". Referentin Genossin Hertz. 48. Abt. 714 Uhr im Graphischen B-r-i»,h-u», Alexandrinenstr. 44, Bortrag: „Körperkultur". Refercntin Genossin Albrecht. 57. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr bei Thunack, Wielandstr. 4, Literarischer Abend. Bortragende Friede! Hall. 74. Abt. Zehlendorf. 714 Uhr bei Schnorre, Potsdamer Str. 8, Bortrag: „Sexuelle-Frage in der Erziehuna". Referent Dr. Gerth. 198. Abt. Köpenick. Dormittags 16 Uhr, Treffpunkt Freiheit zur Besichtigung der Kochschul- und des Äindergartens. Abends 8 Uhr im Jugendheim Grünauer Str. 5, Bortrag:„Gesundheitsfürsorge" mit Lichtbildern. Refe. rent Genosse Samuel. Ii«. Abt.»Hteim. 714 Ud- bei Werner,«äpenicker Str. 1». Bartrog:„»«lt. Itcher Staat, weltliche Schule". Referent Genosse Schmidtdauer. Di« Falkcnberger Genossinnen find herzlichst eingeladen. 1-9. Borsigwalde. 714 Uhr bei Woitschach, Srnststr. l. Heiterer Abend. Mit- wirkende: Heinz Barthcl, Tegeler Arbeiterjugend. Gäste herzlichst will- kommen. Dienstag, den 13. Oktober: 28. Abt. 714 Uhr bei Heiles, Eliernbeiroisversammlung. Erscheinen ist Pflicht. Wichtige Tagesordnung. 38. Abt. sämtliche Genossen tretten sich zur Flugblatt., Material, und Hand. zettelverbreitung in ihren Zahlabendlokalen. Niemand darf schient 196. Bezirk: Abends 614 Uhr bei Lubotta, Richthofenstr. 1. 135. Abt. Reinickendors.Ost. Sämtliche Mitglieder sind verpflichtet, sich an der Demonstratio» abends 7 Ifhr ad Bahnhof Schönholz zu beteiligen. Die Bezirksführer werden gebeten, bestimmt einzuladen. 139. Abt. Tegel. Di« Genosstnnen und Genossen beteiligen stch an der De» monstrotion des Kreises. Abfahrt ab Tegel abends 6.28 Uhr bis Bahn. haf Schönholz. 14l. Abt. Rosenthal nah RiederschöBhausen.Weft. Umzug zur Wcrbewoche. Treffpunkt abends 7 Uhr am Bahnhos Schönholz. Die Genossen beteiligen sich mit ihre» Frauen geschlossen au der Kundgebung.— Donnerstag, den 21. Oktober, sindet im Lokal von Schneider lInhaber Kohn), Hauptstraße, ein Lichtbilbervortrag von den Freidenkern statt. Zahlreiche Beteiligung erdeten. Frauenveranstaltuugen am Dieastag. den IS. Oktober: 1. Abt. 714 Uhr bei Junik«, Artilleriestr. 11, Bortrag:„Die bürgerliche unb die proletarisch- Frauenbewegung". Referentin Hertha Gotthelf. 29. Abt. 714 Uhr bei Bontke, Echulstr. 74, Tolswi. Abend. Bortragender Heinz Barthcl. 21. Abt. 714 Uhr bei Kroll, Utrechter Str. 21, Briefe und Bekenntnisse an» Gefängnissen. Referentin Genossin Dr. Bielhaber. 31. Abt. 714 Uhr bei Goldschmidt, Stolpischc Str. 36, Werbeversammlung für die Freie Schule. Referent Richard Schröter. Gäste herzlichst will- kommen. 35. Abt. Tewpelhos. 8 Uhr bei Buse, Werder, Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße. Bortrag:„Die Wohlfahrtspflege unter der Fllrsorgepflichtverordnung". Reserentin Dr. Hanna Cohn. Alle ehrenamtlich in ber Wohlfahrtspflege tätigen Genossinnen und Genosse» werden gebeten, zu erscheinen. 194. Abt.«ieberschöBeweide. 714 Uhr im Lokal R-eth-l, Brllckcnstr. 15. Heiterer Abend. Bortragender Genosse Hofemann. Gäste herzlichst will. kommen. III. Abt. Bohnsdorf. 714 Uhr Im Lokal Seimann. Waltersdorfer Str. 166, Bortrag:„Kulturpolilil". Referent Wilhelm Richter. Mittwoch, den 20. Oktober: 49. Abt. Schwerhörige. 8 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Tr., wichtige Mitgliederversammlung Vortrag:„Reise, durch West.Norwegen. Bortragender Zlaver Engensteiner. Alle Genossen müssen bestimmt er. scheine». Gäste herzlichst willkommen. ArbeitogemeiBschast der KindeisreUBde. Bezirk ReiBickeBdoes-West. Mittwoch, den 27. Oktober, findet ein« Ellernversammlung im Bollshaus, Scharn. weberstr. 114, abends 8 Uhr, statt. Die Genossen von Borsigwalde sind ebenfalls dazu eingeladen.—»rup»« Britz. Mittwoch, den 26. Oktober, findet unsere Eltcrnversammlung im Jugendheim im Rathaus, abends 7'4 Uhr, statt. Sontag, den 31. Oktober, haben wir im Jugendheim eine Werbeveranstattung. zu der dir Genossen herzlichst eingeladen sind. Jungsozialisten. Mittwoch, den 20. Oktober: Grnppe Tiergarten. 8 Uhr Gruppenveranstaltung in der Spedition Wil. helmshavener Etr. 48. Gemeinsame Lektüre zur Besprechung von Kurt Geyer: Führer und Masse in der Demokratie. Achten«! Freitag, den 22. Oktober, 8 Uhr, Gemeinsame Beranstalteng mit der Gruppe Schöne. berg und Charlottcnburg im Jugendheim, Echönebcrg, Hauptsir. 15n Uhr, Helfcrocrsammluna In dcr Baräckr- Ganghofcrfiraße.— Gruppe ßneffe: Montag u. Donnerstag 144— 7 Ahr Schul« Mariendorfer Weg.—»xuppe Birke: Montag u. Douiierstag 4—7 Uhr Saiule Lessingstraße.— Gruppe Heetzbergplatz: Moniag u. Donnrestag 4—7 Uhr.— Gruppe Bergstraße: Montag, Dienstag, Doniicestag 145—7 Uhr im Jugend. heim Brrgstr. 2«.— Gruppe Kaiser-Friedrich-Ltraße: Moniag II. Donnerstag 4—7 Uhr.— Gruppe Boddinplatz: Montag u. Donnerstag 5—7 Uhr in den Schulräumen Boddiirftraße Ecke Berliner Straße.— Gruppe Elbefchrle: Mön. tag u. Donnerotag 5—7 Uhr.— Für Kinder aller Gruppen: Dienstag 5—7 Ubr Sprechchor Boddinstraße Ecke.Berliner Straße. Mittwoch 5—7 Uhr Spiel und Tanz Turnhalle Kaiser.Friedrich.Realgymnasium. Freitag 5—7 Uhr Singekrei, Lyzeum Richaröplatz. Reinickendorf, West: Jugendheim S-idelstr. 1 Dienstog 5—7 Uhr Basteln, Donnerstag 5—7 Uhr Gruppenabend, Sonntag 3-6 Uhr Spiel und Unter- Haltung. Kanlsdoes: Schule Adolssteaße Mittwoch 6— 8 Uhr Spielen und Singen. Freitag 6— 8 Uhr Baslclabcnd.— Gruppe Neu-Lichtenberg: Schule Prinz. Albcrt.Str-ß- Dlenstaa 5—7 Uhr Spielen.- Gruppe Feiedrich-felde: Jugend. tictm Berliner Ecke Schloßstraße Mittwoch 6—8 Uhr Spßclabrnd, Freitag 6-8 Uhr Bastelabend.— Gruppe Licht-Bb-rg.R-rd: Baracke 3, Rathausstraßc Mon. tag 5— 7 Uhr Bastelabend, Mittwoch 5—7 Uhr Spiel und Singen mit der Musskgruppe, Freitog 5—7 Uhr«oitstanzabend, Dienstag 7—814 Uhr Heben der Mustkgruppc. Sterbetafel der Groß-öerliner Partei-Grganifation Rimkolln: Unser Genosse Bruno Rahmig, Prinz.Handjery» Strohe 2(54. Bezirk) ist plötzlich verstorben. Einäscherung am Montag, dem 18. Oktober, abends 7 Uhr, im Krematorium Gerichtstraßo. Wir erwarten rege Beteiligung aller Genossinnen und Genossen. hervorragend dewährt bei: «bTe""�11 Sicht, Nheuma, Ischias, Grippe, Nerven- unö Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. T»g»l stillt die Schmerz»» und scheide, die H-rnsöur»»»«. Kein« schädlichen Rede». , Birkungen.— O ragen Sie Ihren Aeztl— 3» allen»pothelcen-rci-U.tch. � I24LiUj. 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Oktober 1y2b Die Neuregelung des Seamtenrechts. f Der ADB. beim Reichsminister des Innern. Im Reichsministerium des Innern fand am Sonnabend mittag eine Aussprache zwischen dem Minister Dr. Külz und Vertretern des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes über die bevorstehend« Neuregelung des Beamtenrechts statt. Die Vertreter der ADB. informierten den Minister über die in der freigewerkschaftlichen Beamtenbewegung vertretene Meinung in der Frage des Beamtenrechts. Sie hoben dabei besonders hervor, daß die von dem Berwaltungsrat der Reichsbahn geschaffenen Rechts- Verhältnisse des Personals unhaltbar seien. Der Minister erklärte hierzu, dah er die jetzige Sonderstellung der Reichsbahn nur als einen vorübergehenden Notzu- stand betrachte. Er würde sich dagegen wenden, daß durch eine veränderte Rechtsstellung der Reichsbahnbeamten ein neuer Beamten- typ geschaffen würde, der die Reichsbahnbeamten von den übrigen Beamten trenne. Im übrigen erklärte der Minister seine Bereit- Willigkeit, jederzeit mit den Bertretern des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes Berhandlungen über all« Fragen des Beamten- rechts fortzuführen. Einigung km Santgemerbe. Der Tarifstreit im Bankgewerb« ist am Sonnabend beigelegt worden. Auf Empfehlung des vom Reichsavbestsminifter bestellten Lerhandlungsleiters, Ministerialrat Dr. M c w e s, einigte man sich auf folgend« Lösung: Der Schiedsspruch vom 24. September 1926 wird zum Vertrag erhoben. Der Reichsvertxmd der Bankleitungen verpflichtet sich, seinen Mitgliedern zu empfehlen, zwischen den am IS. Dezember 1926 und IS. Januar 1927 fälligen GeHolls- zahlungen ein halbes Monatseinkommen am ZI. Dezem- ber d. I. an sämtliche Angestellt« zur Auszahlung zu bringen. Die Mehrzahl der(Brotzbanken hat bereits erklärt, die Empfehlung durch- zuführen. Die Einigungsformel bringt zweifellos eine nicht u n- wesentliche Verbesserung des Schiedsspruches vom 24. Septemer: denn jetzt geth die Empfehlung auf Zahlung des halben Monatsgehaltes von den Bantleitungen selbst aus, und die rGotzbanken haben sich zur Zahlung verpflichtet. Das bedeutet, wenn auch die Mitteldeutsche Kreditbank einstweilen noch zögert, dah alle Banken sich wohl oder übel zu der Zahlung des halben Monats- geholtes bequemen müssen. Die Arellszeit bleibt einstweilen noch wie bisher. Hier erwarten die Bankangestellten in erster Linie Hilfe durch das von den Gewerk- schaften geforderte NotgeseK zur Wiederherstellung de» Achtshinden- tag es und Beseitigung des Ueberftundenwesen». der Lohnkonflikt im Einzelhandel. Ein ungenügende« Angebot. Seit Ende Juli find die Handelsarbeiter ohne Lohntarif. Die Kündigung des M a n t e l v e r t r a g e s ist ebenfalls von den Unternehmern zum 36. September ausgesprochen worden. Trotz der Androhung einer Konventionalstrafe haben aber 75 Proz. der Handelsorb eiter keinen Lohnabzug erhallen. Rur wenige Firmen haben den Lohnabbau mitgemacht. Di« am 7. Oktober wieder aufgenommenen Verhandlungen scheiterten, da die Unternehmer über die im Schiedsspruch fest- gesetzten Lohnsätze nicht hinausgehen wollten. Auf Veranlassung der Unternehmer fand am Freitag nochmals eine Verhandlung statt. Es wurde den Arbeitern ein neuer Vorschlag unterbreitet, die Sätze des Schiedsspruches um 56 Pf. bis 1,56 M. pro Woche zu erhöhen, mit der Matzgabe, dah die Arbeiter, die bisher keinen Lohnabzug erhalten haben, durch die neue Lohnvereinbarung nicht geschädigt werden sollen. Der Abschluß des Manlelvcrtrages soll erst erfolgen, wenn eine Verständigung in der Lohnfrage erzielt ist. Strittig sind ebenfalls noch die Löhne für die Chauffeure. Zu diesem neuen Vorschlag der Unternehmer werden die Funktionäre der Handelsarbeiter Stellung nehmen. Es ist jedoch damit zu rechnen, datz die Vorschläge von den Handelsarbcitern abgelehnt werden._ Ausbeutung ist Trumpf. In der Schokoladenfabrik..Trumpf". Vom Deutschen Nahrungs- und Genutzmittelarbeiterverband wird uns geschrieben: Die Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik von„Trumps" Berlin-Weitzenfe«, macht durch Reklametamtam viel von sich reden. Aber so viel wie Reklame gemacht wird, arbeitet auf der anderen Seite die Firma gegen ihre Arbetterschaft unsozial. Bei der Firma, welche etwa 666 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, wallet der alt« Herr-im-Hause-Standpunkt. Ein Achtstunden- tag ist für die Gefchäftsleitung der Finna eine Illusion. Es wird ein typisches System angewendet, um die Arbeiter- fchast zu täglich 2— 5 Ueberstunden zu veranlassen. Nach dem Gc- setz dürfen nur an 36 Tagen im Jahre täglich 2 Ueberstunden nach vorheriger Genehmigung des Arbeiterrates und der Behörde gr. leistet werden. Nach dem Ueberstunden-Trumpf-System sind im Lauf« des Jahres schätzungsweise 2Smal die Ueber- ftundenvorschriften überschritten worden. Wild durcheinander gehen Beginn und Ende der Arbeitszeit. Trotz der vielen, vielen Arbeitslosen, welche Berlin hat, die gern arbeiten möchten, sind hier 26— 25 Ueberstunden pro Woche für eine Person keine Seltenheit. Die Firma denkt nur an sich und ihren Geschästsvorteil. Ob die Nerven ihrer Arbetterschaft zugrunde gehen und ob die Volksgesundhett und das Familienleben dadurch zerrüttet wird und wie die konsumierende Bevölkerung über diese? Ueberstunden-Trumps-System denkt, ist für sie ganz gleichgültig. Hier� sollte endlich einmal die Behörde eingreifen, um diesem übermäßigen Arbeiter-Ausbeutungs-System durch Ueberstunden ein Ende zu machen und einen Teil der etwa 3666 Erwerbslosen von Weitzensee einen Erwerb zu verschaffen. Achtung, Zimmerer! Zur Sperrnotiz gegen die Firma In- d u st r i e b a u- A.- G., Berlin, Schiffbauerdamm 26, erhalten wir vom Geschäftsführer des Beton- und Tiefbau-Arbeitgeberverbandes, Gruppe-Berlin-Brandenburg, Lützow-Ufer 1s, die Mitteilung, dah obige Firma in Teltow keine Baustelle habe. Hierzu erklären wir nunmehr folgendes: Wie bereits gestern berichtet, handelt es sich um die Baustelle Zehlendorf-Mitte, Strohe 361/363, an der Alfenstr.(nicht Eisenbahnstr.. wie irrtümlich angegeben), der F i r m a I n d u st r i e- A.- G., Berlin, Schifsbauerdamm 26. Die Zimmererarbeiten dagegen werden auf dem Holzplatz der Siedlungsgesellschaft Brandenburg, Berlin, Königin-Augustastr. 21, der sich in Teltow, Potsdamer Ecke Katzbachstr. befindet, hergestellt. Als die Zimmerer die Arbeiten in Akkord auszuführen ablehnten, erhielten sie aber nicht von der Jndustriebau-A.-G., sondern von der Firma Gr o ß e r u. Klein, B a u- A.- G., Berlin, Schiffbauordamm 26, ihre Entlassungspapiere. Es steht somit fest, dah beide Firmen in einem Hause ihren Sitz und auch Geschäftsverbindungen haben. Es ist daher genannte Baustelle und Platz für beide Firmen ge- sperrt. Kameraden, übt Solidarität! Meidet die Baustelle und den Holzplatz. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin u. Umg. Mitglieder des Verkehrsbundes! Die Bezirksverwaltung Groh- Berlin hat beschlossen, auch in diesem Jahre für ihre arbeitslosen Mitglieder wieder eine Sammlung für Wcihnachtsunter- st ü tz u n g einzuleiten. Es werden zu diesem Zweck Marken im Werte von 1 M. für männliche und 56 Pf. für weibliche Mitglieder ausgegeben. Die Marken können in den nächsten Tagen von den Funktionären durch den Kassierer zum Vertrieb in Empfang ge- nommen werden. Sämtliche Mitglieder werden ersucht, für einen regen Absatz dieser Weinachtsunterstützungsmarken die allerstärkste Propaganda zu betreiben, damit auch in diesem Jahre eine möglichst weitgehende Unterstützung den arbeitslosen Kollegen zuteil wer- den kann. Deutscher Verkehrsbund. Bezirksoerwaltung Grotz-Berlin. SPD.-Fraktion der Gemeinde- und Skaatsarbeiter. Montan abend 7 Uhr im Grohrn Saal dr, Sewerlschastahause«. Oaatl- nftr 22— 23, Frattioll»-crlammlllllg. laaceordnnnq: 1. Da, SriorrbalaI«». prablrm in Politik und Wcttwirtillnifl. Rcscrrnt»rnofle e«aert,«orstaad,. Mitglied im ADSB. 2. Unser« Ausqabrn in der Wcrbcwoch«. Z. Brrschie. den«. Vollzähliacs Erscheinen aller Parteiseeund« in dieser Vrrsammluug ist Pflicht. Mitalicdsbuch und Parteiauswet» sind»or,»zeigen. Der Arattioimoorstaud. verband der Semeinbe» und Staat»arb«itrr, Filiale Droh. Berlin, Brz. VI, lkreuzberg. Bezirksversammluns. Mittwoch abend Uhr til der Schuiaula, Dicffenbachstr. 61. Der Bezirksftihrer. Z. A.: Dierhard. Deutscher Baug«werk»bunb, Fachgruppe der Töpfer. Dienstag abrnd 7 Uhr Bczirksvcrsamintun« für Prenzlauer und Schönhauser Vorstadt, Pankow, Wcifiensec im Lokal Danziger. Eil« Weißcnburgcr Straße. Tagesordnung: Vortrag, Bezirks, und Fachangelegenheiten. Regen Besuch erwartet Die Bezirksleitung.s _ Achtung, Schuhmacher! Montag, 514 Uhr. bei Blawert, Weber» n strafe 24, Versammlung aller SPD..Aollegen. Sqmpathifierende können rj eingeführt werden. Der Werbeausschuß. Achtung, Betrieb, funktionär« h», SPD.!„Der Sämpfer" Nr. 10 Ni kann sofort im Bureau Lindenstr. Z in Empfang genommen werden. pi Besonders die Deriretcr der Mittel- und Kleinbetriebe werden ersucht, • das Material abzuholen. Das Betriebssekrerariat. Fr Achtung, AEiS.-Ailerstraßel Montag nachmittag 4-4 Uhr bei Leusch- bl ner, Ackcrstr. 110, wichtig« Versammlung aller Parteigenossen. Regen � Besuch erwartet � � Iugendgruppe de» gdA. beute. Sonntag, vorm. 10 Uhr, findet ein« Be- stchtigung des Museums für Völkerkunde statt. Treffpunkt Uhr vor dem Museum, Königgräßer Str. 120. Morgen Montag, abends 714 Uhr, findet folgende Veranstaltung statt: Bezirk Norde»: Jugendheim Schule Danziger Straße 20,„Bub und Mädel". Angcstctlle der Arbeitsnachweise«ud de« Srwerb»losensSrs»raestellen. Der zentralverband der Angestellten beruft für Donnerstag abend 714 Uhr in den Mussker-Festsälen. Kaiscr-Wilhelm-Etr. 81, ein« Versammlung«in. in der der Genosse Eplieds vom ADGB. über„Arbeitsnachweis und Erwerbslostn» sürsorge" sprechen wird, zutritt haben alle sreigerverkschaftlich organissetten Angestellten. Deutscher Werkmcistervcrband. Allgemeine Werkmeisterversammlung der Berliner Metallindustrie Mittwotf?, 20, Oktober, 7 Uhr, im Klubhaus. Ohm» straße 2. Tagesordnung:„Die neuzeitliche Vet: iebsorganifation in der Metall. industrie. der VBMJ. und untere Werkmeifterkolleaen". Referent Kollege Rothe. Die Wichtigkeit de- Tagesordnung verpflichtet feden Werkmeister- kollegen der Berliner Meiollindustric. an dieser Versammlung teilzunehmen. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Unorganisterte Werkmeister können durch Mit- glieder eingeführt werden.»cschöftsstel« de» 10. Bezirk«: gez. P. Rothe. „Itameldaar"- Sednallen- » mit Filz und Ledersohle»od Fleet, Lederspitz- tappe, Grösse 43-4« 4,50, 36-42 3,90, 31-35 3.25, 27-302,96, 25-282,75, 20-24 0%» Wetterfeste doppelsohlige Kinder� Stiefel � on schwarz, rnitOesen u.Agrskken, Grösse 31— 35 9,90, 28—30 giiiiitiiiiiiiHiiiiiiNimiiiiNtiiiiiiiiiiiiiiiiniiiHiiiiiiiiiiiiiiiitiiiitiniiiiitii | Seltene Gelegenheit!| | Damen-Stiefel| I schwarz u.brsun, | bette Erfurier 1 Rahmenarbeit i z? V/ft, "TSr , schulie mit senuae mn v • A iL- ,.«>«dr-sohi«. vn- � •.„M-ü-.. m$ .zM«:. m| Cs *»*4 UM Jeder hatdie Pflicht, seine Gesundheit zu schützen. Warten Sie nicht, das Wetter wird kälter; tragen Sie schon Jetzt gutes, wetterfestes, warmes Schuhwerk. 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Morgen, Montag, den 18. Oktober. 7% Uhr: Stralauer Viertel: Jugendheim Goßlerstr. IS, Einfilhrungsabcnd.— Gör- liger Viertel: Jugendheim Reichenberger Str. SS, Vortrag:„Bürgerliche und proletarisch« Jugendbewegung".— Friedenau: Jugendheim Osfcnbacher Str. 5a, Bortrag:„Sexuelle Fragen".— Schöucberg III: Jugendheim Kauptstr. 15, Politisch« Aussprache.— Derbebezirk Schöucberg: Jugendheim Zauptstr. 15 lRheinlandzimmer), Außerordentliche Delegiertenkonferenz. Tagesordnung: Draanisatorisch« Angelegenheiten.— Wcrdebeziik Neukölln: Alle Genossen nehmen an der Eprcchprobe um HS Uhr im Jugendheim Canner Straße teil. vortrage, vereine und Versammlungen« » Arbeiter-Abstinenteu-Bund. Ortsgi der Schul« Gipsllr. 23», öffentliche V richten. Samburg:„Dos Braulapital". npp« BerNu.' IS. Okwber, 7H Uhr. tu trsammlung. Diplomvolksmirt Dr. Bau» l/vc,• tx villi., IUI>5lzVUi>�\L>, fangsverfuche, mit einem kulturellen Barirag verbunden.— Gruppe Schöne- b-rg: Jeden Donnerstag Sedanstr. 53. Donnerstag, 21. Okwber. ssortseßung de» Dortragcz über„Elektrotechnik". Donnerstag, 28. Okwber, Bastelabcnd.— Gruppe Südost: Jeden Donnerstag Sorauer, Ecke Görlißcr Straße. Boramzcig«: 27. und 28. November.zwei öffentliche Vortrags, und Ausstellunoswg« im Httal Reichenberger Hof.— Gruppe Weddina: Jeden Donnerstag Pafcwalker Straß« 3.— Gruppe Wilmersdorf: Jeden Freiwg Augustastr. 18. Gäste überall willkommen. Nödeicolm über 25 Jahre bestehende, altrenommierte Firma, schlägt den Besuch seiner Riesenläger vor und bietet alles ohne Anzahlung! auf Tellxahiung! bei langfristigster Ratenzahlung an, wie: Möbel Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, Küchen, veiD M lasiert, Polstermöbel länzungs-Möbel Riesenauswahl I Riesenauswahl I Im Osten: 58 Gr. Frankfurter Straße 58 5 Mloaiec tob AJcxandcrpIafz. Im Osten: Gr. Frankfurter Str. 83 5 Min. yom Alexanderplatz. Im Norden: Badstraße 47-48 5 Min. v. Bahnb. Gesundbrunnen. Teiizahlung! : Kulante Bedingungen I ungT.Z.SOan /Görlcke, Brennahor f Abzahlung Zutritt. 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Oktober. nachmMagt Es wurden Gewinne über 60 Mark gezogen. 2 Gewinn- zu I« 10000 MI. 16723 4 Gcwmnc zu S000 MI. 63963 111431 4«-Winne zu je 2000 Ml. 12604 122766 2 S-wmn- zu je 1000 Ml. 316663 � 12«ewüm- zu je 800 Ml. 98973 99331 238817 282869 286104 331687 26«-Wim,- ,U j« 800 Ml. 4666 63380 31132 103273 111977 238726 246638 266533 264263 273330 326273 326285 326368 116 Mwrnne zu je 200 Ml. 10606 11203 20317 32674 38767 42010 66367 67673 66143 67637 63661 73200 80232 81723 83782 102733 111833 118016 133226 140312 171140 160043 188370 188613 190666 134730 203143 211771 212333 216146 218833 223436 243648 260723 261374 266334 266663 267040 267460 263767 266103 267606 272333 276214 276624 276932 273333 281608 236116 236347 303613 30733? 303812 318636 321740 322136 332876 343663 262 Gewinn- zu j- 120 Ml. 6602 3083 3326 3637 11470 14062 14306 14703 20184 26748 27743 28433 23361 30363 38411 40136 63668 66024 66037 68663 63618 61016 62337 66736 70714 71363 71860 77613 77886 85011 87643 33S73 36327 95831 96899 97466 38946 103140 103826 103635 105836 108085 110342 112569 120424 123146 125169 126967 127263 128844 132560 141995 142585 186279 160938 163165 163333 J. 170163 176704 178107 178292 183685 130902 198584 201621 203184 206453 209417 217344 146847 147039 149129 152657 163345 164439 166116 167312 222393 225438 225631 226139 229852 230028 231489 231798 236408 238907 241781 242734 246135 251191 251262 255467 265663 256578 257019 269821 259338 262486 262541 265832 268904 270446 271639 276387 279381 279841 281733 286162 288705 289947 290016 294174 294267 294690 296410 301313 303160 311236 313234 318108 324138 326249 330447 336367 339413 2. ZiehungSkag 16. Oktober, vormittags Es wurden Gewinne über 66 Mark gezogen. 2«ew'.nne ,u>« 6000 MI. 32113 2 Gewinne ,u 2000 Ml. 274371 8 Gewinn- zu je 1000 Ml. 61660 144166 21373« 8 S-Winn« ,u je 800 Ml. 109215 233971 309498 347082 20«ewinn« zu je 600 Ml. 68040 118194 146279 1892 263985 286130 298787 326051 327661 71 208794 106 Ä-Winn« zu I« 200 Ml. 1183 1989 11373 13080 24300 232IS 36303 47506 48853 62224 76181 81305 83693 82038 92416 106287 119408 120722 122010 126267 128373 132301 147569 148835 162462 163294 156000 166223 189477 200323 214380 217614 248076 253028 263696 276743 276127 276340 277063 283911 286748 288648 290722 294700 306643 310868 311326 316876 332998 335065 342811 343617 346405 268«-w:nn« zu je 120 Ml. 1263 1487 3213 4710 7018 10019 10669 19202 20836 29672 31370 31460 41619 41562 41914 44012 44414 47401 63060 53580 53077 68476 61046 65473 71628 73788 81673 82615 92935 93554 93616 93789 94619 95708 98091 99874 105815 106134 107320 108783 109608 109657 111342 114654 114937 122695 124577 128016 130389 132307 136881 137354 1 40000 143069 160120 157128 157421 157719 158154 158509 I6939Ü 173913 174308 178700 183475 186833 187399 199900 204016 207162 208232 213384 221243 223212 224107 231838 232474 233493 234766 236223 238478 239988 241695 242237 245163 250045 253655 259693 260601 261316 261557 266079 266128 267089 267920 268051 2258446 268941 272225 275181 277451 277714 281785 283775 284239 284815 288616 300628 301608 304118 306539 308061 312254 313766 314592 315020 310233 315416 316357 316824 317406 321915 327879 329384 330612 332909 333661 339313 339598 340921 346345 349789 340926 343124 SpUtelmarkt Ecke WallstraJ« Alexanderplatz nahe Aaoblager König-Str. 55 gegeuüber Rathaus w Friedrich- Str. 195« Ecke Leipziger StraBe Friedrich- Str. 150 Leipziger Str. 115 Ecke Mauerstrafle Unk- Str. 1 Ecke Potsdamer Btrafie N Schflnhauter Allee 81 am Babnbol Nordring Friedrich- Str. 100 Ecke Ziegel StraBe Invaliden- Str. 104 Ecke BrunnenstraBt Invaliden- Str. 117 am Stettiner Bahntaol ChauMec-Str. 72 nahe UbllerstraSe Frankfuirer Allee 14 nahe Pietz Das ist die Brille, die Sie suchen! 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Erinnern wir uns noch, wie wir einst als Kinder ein kleines cheslchen aus halbsteisem Papier in der Hand hielten und unerntiid- lich in das Geheimnis jenes Vorgangs einzudringen oersllchten, der uns einmal ein grimassenschneidendes Gesicht, ein andermal zwei sich ohrfeigende Männlein und dergleichen vorzauberten? Wie wir emsig blätterten und die Grimassen und die Ohrfeigen um so deutlicher wahrnahmen, je rascher wir blätterten? Ganz genau dasselbe Ge- heimnis liegt dem Zeichen- und Trickfilm zugrunde, dessen Ent- stehen so manchem Kinobesucher schon Kopszerbrechen gemacht hat. Was hier auf der Leinwand vor sich geht, ist zunächst auf zahllosen weißen Blättern vorgezeichnet: jede Bewegung eines Arms, eines Beins, des Körpers, Kopfes usw. wird in ihren klein- slen Stationen, in millimeterweisem Vorrücken gezeichnet, so daß, wenn man alle diese Zeichnungen in einem Hefte ähnlich jenem Kinematographenbilderbuch unserer Jugend gebunden hätte und dann sehr rasch blätterte, sich dasselbe Bild ergeben würde, das wir später aus der Leinwand sehen. Der Operateur sitzt nun am„Trick- oufnahmetisch", etwa 60 Zentimeter über sich den feststehenden Auf- nahmeapparat, rechts neben sich das Quecksilberdampflicht, das zu allen Filmaufnahmen dient: er legt ein Blatt mit der Zeichnung aus den Tisch und knipst zweimal. Das wiederholt er bei jedem der unzähligen Blätter in genauer Reihenfolge der winzigen Be- wegungsstufen, die so dicht beisammen sind, daß auf einen Meter Film 26. ja sogar 52 Blätter kommen. Um nun das sich im Bild gleichbleibende, also alles, was nicht in Bewegung ist, der Hintergrund, die nicht gerade handelnden Personen usw. möglichst gleichmähig auf die Leinwand zu bringen, bleibt das sich nicht ver- ändernde auf dem Aufnahmetisch liegen, während das sich bewegende, also das handelnde Bild, jeweils ausgeschnitten und aus jenes aus- gelegt wird. Dadurch, daß nicht die ganz« Bewegung in ihren winzigsten Teilen aufgenommen werden kann, ergibt sich jene den Zeichenfilm kennzeichnende grotesk erscheinende eckige Art der Be- wegung, die ihn von vornherein, erst recht aber durch die Unbe- grenztheit seiner Ausdrucks- und Handlungsmöglichkeiten, für die Groteske besinnmt erscheinen läßt. Die unbegrenzten Darstellungsmöglichkeiten des Zeichenfilms machen ihn aber nicht nur für die komische Groteske, sondern in ganz hervorragendem Maße für alle Arten von Propagandafilmen ge- eignet— ein Feld, das noch sehr der Beackerung bedarf und unge- ahnte Möglichkeiten aufweist, ganz besonders aber den Werbesach« leuten in Industrie und Handel, den Gelebrten aus Naturwissenschaft» lichem, historischem und mathematisch-ingenieurfachlichem Gebiet willkommen sein muß. Außerdem kann der Zeichenfilm mit dem andern Film vereinigt werden. Der Zeichenfilm beruht also gewissermaßen auf der Kombination von dichterischer Idee und lünstlenscher Zeichnung. Um die verblüssen- den, immer wieder neue Ueberraschungen bietenden Ideen handelt -s sich, nicht um dramatische Geschehnisse oder sidele Romane. Und diese Ideen müssen soviel starken Humor in sich haben, daß ihre innere und äußere UnWahrscheinlichkeit zur Groteske emporwächst. .Zaust.' (Ufapalast am Zoo.) Kann man, soll man, darf man den Faust verfilmen? Mit diesen Fragen wird jeder bestürmt werden, der das kühne Wagnis unternimmt. Hans K y s« r, der das Manuskript verfaßte, und F. W. M u r n a u, der die Regie führte, werden auf diese Fragen auch Rede und Antwort stehen müssen. Die VerHimmler Goethes werden von Sakrileg sprechen, die Literaten, die den Film mit einem Drama oerwechseln, werden uns den Unsinn eines Faust- fllmes beweisen, und in dem Chor der andrängenden Kritiker wird der Filmpraktiker um Mäßigung und Besinnung bitten müssen. Gewiß, der Film kann nicht das Lebenswerk Goethes, an dem er sechzig ungeheuer inhaltsreiche Jahre gearbeitet hat und das noch weiter fortzuspinnen, er nur durch den Tod verhindert wurde, bildlich verwirklichen. Denn der Faust Goethes ist im Grunde der Kamps des modernen Menschen gegen i-as Mittelalter, die völlige Befreiung der Persönlichkeit zum Inhalt. Er ist ein Triuknph des Wissensdranges, der Machterweiterung und der Genußfreudigkell, kurzum: ein geistiger Werdeprozeß, dem nur das Wort unseres größten Dichters und Lebensweisen gerecht werden konnte. Die Be- arbeiter haben natürlich diese Unmöglichkeit wohl ins Auge gefaßt: sie wollten die„deutsche Volkssage' verbildlichen, und so hielten sie sich zunächst an den mittelalterlichen Stoff. Aber sie empfanden mit Recht, daß uns dieser Faust der Sage— und mochten sie ihn noch so sehr mit Filmherrlichkciten des Wunders und der Natur- beherrschung ausstatten— nicht genügen würde. Sie fügten deshalb aus Goethe» Bereich die Gretchen-Tragödie hinzu und ließen statt des Teufels(in der alten Sage) die Liebe siegen: Faust eilt aus den Hilferuf Gretchens herbei und besteigt mit ihr den Scheiterhaufen. Der Engel verkündet beider Erlösung durch die Liebe. Leider kommt dieser Schluß etwas sehr plötzlich und ohne, daß Faust Zeit gehabt hat, wie in Goethes Drama zu beweisen, daß er sich geläutert oder gar durch soziale Arbeit gesühnt hat. Was bietet nun die Fauft-Verfilmung? Ist sie ein Seitenstück zu Gounods Faustmusik, die ja bei all ihrer technischen Virtuosität und volkstümlichen Schlagkraft sich doch schließlich auf einem Text aufbaut, gegen den man mindestens die gleichen Bedenken geltend machen muß wie gegen Kysers Manuskript? Der Erfolg der jähre- langen Arbeit beruht vor allem auf den stimmungsmäßigen Partien. Wunderbar ist das Bild der mittelallerlichen engen Stadt mit ihrer Gedrückthett und Beschränktheit getroffen. Das Gewinkel der steilen Gassen schafft ein Milieu, das deutlicher ist als viele Worte. In diese mittelalterliche Stadt sendet der Teufel, der mit seinen un- geheuren Fittichen sie in ihrem ganzen Umkreis verfinstert, die Pest. Das eben noch ausgelassen lustige Volt stürzt entsetzt davon. Faust. der Mann der Forschung und Gelehrsamkeit, sucht vergebens ein Mittel gegen die Krankheit. Da alles mißlingt, wird er an allem irre und beschwört in einer höchst einprägsamen Szene auf dem Kreuz- weg den Teufel. Er geht zunächst mit ihm einen Kontrakt auf einen Tag ein, indem er als Helfer der Kranken auftritt und verjüngt mit Mephisto eine Reise durch die Lüfte nach Italien antritt. Gerade als er die schönste Frap Italiens, die Herzogin von Parma, für sich erobern will, ist der Probetag abgelaufen, und so verfällt er ganz Mephisto. Die Sehnsucht nach der Heimat bringt Faust dahin zurück, und nun entwickelt sich, eng im Anschluß an Goethe, die Gretchen-Tragödie. Gab die Reise durch die Luft Gelegenheit, die Wunder der modernen Kinotechnik auszukosten(wobei man freilich manchmal den Apparat merkt«), so ist Gretchens Lieb« der Vorwand zu entzückenden Frühlingsbildern mit Blumen und Kinderreigen, und dann, als sie vergebens für ihr Kind in Schnee und Nacht ein Unterkommen sucht, zur Entfaltung einer unheimlichen Schneeland- schaft. Der Schluß bewegt sich wieder ganz im Geiste des Mittel- allers: Gretchen besteigt den Scheiterhaufen, wie sie vorher schon am Pranger gestanden hatte— eine Gefallene und Ausgestoßene. Sprechen wir endlich von Mephisto, der dem stärksten deutschen Filmdarsteller, I a n n i n g s, anvertraut war. Sein Teufel ist eine Schöpfung ureigensten Gepräges, es ist«in Bauernschlauer, Durch- triebner, der sich auch kobokdartig bewegt und am Schabernack sein« Freude hat, kein Kavalier und Ironiker wie der Goethesche, viel ursprünglicher und dem Bösen und Gemeinen verhafteter. Neben dieser starken Charakteristik tritt natürlich der Faust zurück: man hat sich Gösta E k m a n n aus Schweden dafür verschrieben. So schön er ist(mit einem Zug betonter Sinnlichkeit), so weiß er doch als alter Faust der üblichen Bühnenerscheinung keinen neuen Reiz abzugewinnen. Die Ueberraschung des Abends war Camilla Horn. Alle Anmut eines jungen, reinen Geschöpfes, alle Einfalt und un- verdorbene Natur setzte sie ins Spiel, und auch die tragischen Noten waren der neuentdeckten Kraft nicht verschlossen. Poette G u i l b e r t oerlieh der Kupplerin Warthe Schwertlein alle Feinheiten ihres Mienen- und Augenspieles. Wie es nicht anders zu erwarten war, ernteten die Architekten den Preis ihres Fleißes und stellte Carl H o f f m a n n die Photo- graphie meisterhaft in den Dienst der Sache. Die Musikumrahmung ISglidi! Die große# Premiere das enlzfidtende d e n t s di e Lnstspid mit Dorothea Wieck (der detelerten ludendlidien Darstellerin ans „Kit nab mein Herz In Heidelberg verloren") und Oskar Marion/ Harry Bardi/ C.W. Meyer Ilse Bill/ Erika Heide ReHie: Franz Oslen GleSdszellSg Kurffirslcndamin Potsdamer Platz hatte Werner R. Heymann unter Benutzung der ganzen Musik- literatur— vom Choral bis zu Strauß— gehaltvoll und wirkungs- reich zusammengestellt. D. �Segelfahrt ins wunöerlanü.� (Ufa-Surfürstendamm.) Der Flieger von Tsingtau, Günther Plüsch ow, unternimmt mit einem Segelschiff ein« Reise um das Kap Horn nach Süd- mnerita, schreibt darüber ein Buch und dreht«inen Film, außerdem hält er vor der Uraufführung einen Vortrag über sein« Reise. Der Vortrag, in kernigem Seemannsdeutsch versaßt, ist im Grunde über- flüssig, denn er nimmt nur den Inhalt des Films voraus, der Film aber ist stellenweise hervorragend, wenn ihn auch manche neckilchen Intermezzi, die sich durch kein« besonder« Originalität auszeichnen, unnötig dehnen. Dos Treiben mi Bord eines Segelschiffes kennt man, interessant bleibt trotzdem das Arbeiten der Matrosen bei schwerer See: aber Plüschow liebt es, Genreszenen zu stellen, die in diesen Film nicht richtig hineinpassen wollen. Humor muß unter allen Umständen vorkommen. Dies« Dehnung des Films hat jedoch den großen Nachteil, daß sie die Aufmerksamkeit des Zuschauers von der Hauptsache abzieht und sie auch allmählich abstumpft. Dazwischen stehen allerdings außerordentlich sein empfunden« Bilder. Der Atlantische Ozean in verschlafener Ruhe, Meer und Himmel ver- schwimmen, das Wasser ist kristallklar, hin und wieder sieht man die Silhouette eines Haifisches. Das wird sehr gut gegeben. Seider vermißt man bei diesen Aufnahmen die Farben. Dann wird es aber anders. Die Genreszenen fallen fort, sobald die Stürme beim Kap ssorn m Erscheinung treten. Hier gelangen Plüschow großartige Aufnahmen, die aber noch übertrosfen werden durch die Photo- graphien von Patagonien, von diesem in seiner Einsamkeit monumen- tal wirkenden Hochland. Ein Bild ist da, das unvergeßlich bleibt: im Hintergrund die schneebedeckte und zerklüftete Kette der Kor- dillieren, davor zwei kahle Bergrücken und«ine dunkle Waldsilhouette, in der klaren Lust zum Greisen nah, aber meilenweit dehnen sich dazwischen die öden Pampas aus. Das Bild ist von einer seltenen Tiefenwirkung und Plastik. Was darauf folgt, bedeutet dann ein Nachlassen und ein Versanden. Sicherlich haben die Aufnahmen der Kirchen peruanischer und chilenischer Städte oder die Photographien von Indionergruppen Niveau, aber sie holten den Vergleich mit den vorausgegangenen Bildern nicht aus. Der Film ist im Ganzen nicht einheitlich.' Es stör«» immer wieder genremäßig« Momente, die die Person des Autors zu betont in den Vordergrund rücken, auch wenn er das Verdlenst in Anspruch nimmt, als erster emen Film von den verlassenen Gegenden des Feuerlandes ausgenommen zu haben. _ F. S. ,vie kleine Inge und ihre örei Väter.' (Alhambra, Surfürstendamm.) Schon der Titel deutet mannigfache Verwicklungsmöglichkeiten an, und was die Ueberschrift oerspricht, hält der Film. Er beginnt eigentlich recht trgurig, denn die Mutter der kleinen Inge stirbt auf der Landstraße, wodurch das Kind Vollwaise wird. Doch drei Knaben, liebe, brav« Bengel, nehmen sich des Mädels an, so kommt es zu seinen drei Vätern. Nach diesem Auftakt sieht man Inge als Wildfang allerschwersten Ranges In der Pension. Dorthin kommen die drei Bärer zum Schlußexamen und zur Schulabschiedsfeier und werden im Nu, alle drei, glühende Verehrer. Von ihnen ist der erste unermeßlich reich, der zweite ist Besitzer eines Autos und dcr dritte hat ein trautes Heim, seinen Fleiß und Tante Nelly. Das sind so die äußeren Bewertungsunterschiede. Die Liebe zu Inge ist aber bei den drei Verehrern gleich zu werten. Da aber die Be- lohnungsmoral und die Lobpreisung von Fleiß und Bescheidenheit im allgemeinen so beliebt sind, meint man tatsächlich, die Vielum- schwärmte würde bei dem Armen und der Tante Nelly landen, dockz nein, sie nimmt den Mann mit dem Gut. Auf ihrer Hochzeitsreise jedoch finden die beiden übriggebliebenen Väter in ihren Tischdamen die sogcnanten besseren Hälften. Also, zum Schluß ist alles in Ordnung. Dem jungen Ehepaar darf man sogar bis in's Schlas- zimmer folgen, was äußerst kitschig wirkt und bei Franz O st e n S Regie verwundert, denn sie ist an und für sich geschmackvoll und unterhaltsam. Leider wurde der Regisseur von einer Uhrenmanie befallen, die mit diesem Film nichts zu tun hat, als daß sie sich störend bemerkbar macht. Plötzlich und unerwartet erscheint nämlich in den anregendsten Szenen eine Uhr in Großaufnahme und das Orchester spielt das Lied„Freut euch des Lebens'. Das wiederholt sich grundlos ein paarmal. Sonst gibt es sehr schöne Landschafts- ausnahmen, viel Prunk und Glanz und 5?srrlichkcit und fast jeden Augenblick Schadenfreude über die unglücklichen Liebhaber. Die Dar- steller, Dorothea Wieck, Oskar Marion, Harry Hardt und C. W. Meyer, erstrebten das gemeinsame Ziel, den Zuschauern ein« vergnügte Stunde zu bereiten. c. b. .Mn-Tin-Tin unter Wölfen.' (Marmorhaus.) Ein geschicktes Manuskript stellt diesmal Rin-Tin-Tin, den berühmten Schouspiclerhund, unter Wölje. Sehr nett ist geschildert, wie das Tier der Wildnis, dem endlich einmal ein Mensch etwas Gutes erweist, zahm wird. Derartige Vorgänge entsprechen der Wirklichkeit. Sonst ist zwar allerlei in den Film gebracht, was nur den Filmzwecken entspricht, aber bei dem Schwung dcr Dar- stellung jmd dem flotten Tempo seine Berechtigung hat. Noei Mason Smith führte die Regie. jSie hat dramatische Höhepunkt«, gestaltet aber auch die einfachsten Szenen, bei ausgezeichneter Aus- Nutzung der Landschaft, so, daß stets das Interesse wach bleibt. Die Photographen, die wiederholt Trickausnahmen verwandten, leisteten für diesen Film eine Arbeit von graßer Bedeutung. Sie erfaßten das Tier in dcr Bewegung. Und die jagenden Wölfe und Hunde sind, ob ihrer Natürlichkeit, von überwältigender Wirkung, die den Beschauer nahezu aus die Verschrobenheit und Gespreiztheit der Bewegung des zivilisierten Menschen hinweist. Wie schon ein- mal, sah man auch jetzt wieder neben Rin-Tin-Tin eine schlanke. filmsichere Partnerin. Äuch ist ein guter Nachwuchs oertreten. Mit- hin sind schöne, kluge Tiere, die die Augen eines jeden Tierfreundes ausleuchten lassen, genügend vorhanden. Hoffentlich sind nun die Menschen klug genug, die Tiere richtig zu verwenden. c. I,. Warnung! Die National-Filmgesellschaft bat es für angebracht gehalten, unsere Kritik über ihren Marinefilm„In Treu« stark" als Reklame, unter unberechtigter Benutzung des„Vorwärts'-Kopfes, in der Filmpresse abdrucken zu lassen. Wir brauchen nicht zu sagen, daß es ein sehr gewagtes Unterfangen(um milde zu sein) war, und zweifellos auch seine Wirkung verfehlt hat. Uns find Zuschriften aus der Provinz zugegangen, daß die Arbeiterschaft sich kräftig gegen die Aufführung des Films gewehrt hat. trotzdem der Rcklametrick der National auch dort probiert war. Unsere Arbeiter können nämlich deutsche Sätze verstehen und haben aus der„Vorwärts'-Kritik sehr gut herausgelesen, daß sie im höchsten Maße ironisch gemeint war und selbstverständlich den Film als das charakterisieren wollte, was er ist: als ein« Flottenoereinspropaaanda neuer Aufmachung. Die künstlerischen Leistungen der Mitwirkenden waren dabei objektiv gewürdigt worden, aber daß Arbeiter und Republikaner nichts mit einem Film zu tun haben wollen, der den Hurrapatriotismus für die Flotte ausnutzen will, wird inzwischen auch der National ein- gepaukt worden sein. Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ 7U.: Rosenkavalier Schauspielhaus 8 Uhr: Jugend Schiller- Theater 3: Die Welt, in der man sich langweilt 8 Uhr: Soldaten WM Opei Charlottenburs 7'/2 Uhr: Die Entführung aus dem Serail Musikal. Leitung B. Walter Abonn.-Turnus III DeuttdiesHr Norden 10334—38 8 Uhr: Peripherie v.F. Langer. Regie: Max Reinhardt Kammerspiele Norden 10334—38 8 Uhr Dürgefaiiig.Thierry von Tristan Bernard Regie: Eng. Robert Eamflwsry-iühnen Tbealer HOnlääraiz.jltr. 8 Uhr: Urs. Cheneys Ende Hontomenhan* 8; Einbruch Heute nachm. 3: Der Garten Eden Preise SO Pf. b. 4M. Th. a. Nollendorfplatz Gastspiel d. Mos kauer k tinstier. Theaters habima 8 U.: Der Golem Montag 8: Dybuk Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr: Die Gefangene Von ßoardet Kurfürst 64S6 8 Uhr: Deotsehcs KOnsd.-Theaier 8»/. Uhr: Das grroBc Abenteuer Dindi, Palleibtri Nachm. ZV, Uhr: Oer IMliche Weinberg Lesslng-Theater 8 Uhr: Nenfdi and Debermensm Th. a.KiirfünteDdamiii 8 Uhr: Revue: Es geht schon besser Musik; R. Nelson Lastspielhaus 8>/« Uhr: Die Herzogin i.EIha Nachm. ZV, Uhr: Schneewittchen VtoiMOATltOttlAV Neuheiten Sonnabendi a. Sonatags 2 Vorstellungen 330 und 8 Uhr, Z30 zu ermäßigt Preisend, ganze Programm! Philharmonie 7V, Uhr; KONZERT � d.Philharmon.Orch. . Regie• M. Reinhardt iDirig.: Prof. Prflwer Volksbühne)= Theater am Bülowplatz 2>- Uhr: Faust 8 Uhr: Lysistrata Morgen 8U.: Lysistrata Th. am Sdiiffbauerdanm Heute 3 und 8 Uhr: Das Grahtnal des unbekannten Soldaten. Mamiseftc Cper Der große Operettenerfolg tä' Jidvienne mit Serak, Wessely, Witt, Blass Boettcber, hell.- Sonntag nchm.3 U.: S>ie& Icdcrmaus in erster Besetzung Vorverkauf ununterbrochen v. 10 U. an c Trianon- Täglich 8'/, Uhr: Theater V. Uhr: „Dirnentragödie loniert-Dir. Hermann Vellt und inles Saebs Bechstein- Baal« Mittwoch« SO. Oktober, 8 Uhr: II.(letzter» Lieder-Abend WOLLNER A. Fl.: Coenraad V. Bos Schubert: Winterreise>••• Beehateln- Saal H Dienstag;, 26. Oktober, 8 Uhr: 2ASINO. THEATER 8 Uhr: Gräfin Tippmamsell Gutschein 1—4 Pers Bei Vorzeig, der Annonce Faut. nur 1.00 Mk.. Sessel I,5l r j pn Neues Tbealer am Zoo 8„Ich Hab Dich lieb" Pirk. 1-5 1. Stssil 6 S.*«mrt. lunlirtr. Slpl. 5371 n ml Die neue KALLER-REVUE »JJriuntmiAr Theater i. Admiralspalasi TSgUdt ä't, Uhr TJft/icft a'|< Uht 10. Woche Der unübertreffbere Erfolg! Sonnt.- Vorst.Su.S'uV. ffe Ute Nachm. ganze Vorst. zu halben Preis. 'vgjint©� i«RIETi- Ganetv gfried | Som Sonntags 3M > Randten gestattet EnnäBigtu Prasel ÄMH £J Faup «ne Seuffche Volkssage Regle: K. W. Mucncm Dir Fanftftlm gilaiuit unr im Usa-P-laft eL,o zur»itffßhnoig wochentogd � � � Uhe Sonnwg« Erste Vorstellung ermäßigle preise Vorverk. f. 7 Tage l« voraus tägl. ab n Ukir mumtertroch. ÜFA-PALAST AM ZOO amuidit«hrin. naß fett. körten ungSMg. UFAPALAST [ GLORIAPALAST KURFÜRSTEN DANN MOZARTSAAL TAUENTZIENPALAST UFA-PAVILLON KANNERLICHTSPIELE FR IEVR ICHSTRASSE TURMSTRASSE kONIGSTADT WEINBER6SWE6 SCHONEBERG Faust Eine deutsche Volkssage I Der Riesen» Erfolg Lillan Glsh in La Bohdme Segelfahrt ins Wonderlaad.„Oer Flieger v. Tsiogtas", mit Vortr. d. Hm. Kptl.». 0. K. PlOschow Herry Lledlke la Der FcldhermhOgel Harry Lledtke ia Der FeldherrnhOgel Oer Welt gewaltiqster Film mit Ramon Novarra Sein großer Fall Ein Kriminal-Spielfilm uni. Mitwirkung d. BeH. Polizei Lou Chaney, Norme Shearer in Der Narr und die Dirne Kreuzzug des Weibes Bit Conrad Veidt. Harn Liedtke, a. d-BOhee; Akropolls, KoBMineotal-Plasttkea Sein großer Fall Ein Kriminal-Spielfilm Itter Mitw.d.Berl.Polizel.Bflhiensehaa 15.-18. Die groBe Zirkuskita- strepbe 11-21. Roma Shearer, Lew Cedy, Seine Prtvitsekrettrla Harry Liedtke ta Der Feldherrnhügel letropoi Täglich 8 Uhr: Die große Revue Wieder Newel üesideni■ meai. Täglich 8V, Uhr; tlilrifl JriwiiridiBi nrtutn TnoUa-neaier 3 U.: bttdian Giborhlag Erster Klasse unr: Der Biberpelz Regie: Berth Viertel TUeold. West cbi Uhr und 8 Uhr: Der Zug n. d. Westen Rose-Theater 4 Uhr: Aschenbrödel 8V4 Uhr. Shrliche Arbeit PERSONEN- UND "TRACHT BETÖRDE RUN G Oelefcohdt ra VlKONOaUNGS' UND KtHOLUNGSKtlSEN ZUM StX ■k 4m Damofcni der rcgeinU Ifen Diemau Auskflnfte und Drocksachea durch alle Reisebüros und Vertretnagen der HAMBURG- AMERIKA LINIE HAMBURG /ALSTERDAMM 25 In: BcrUa V. 8, Chi CT GCB UMtea 8. nnd TerkehrsDanK L-«L. Hnrttlrslen- «muo 231. FraeMantMtaUte erteilt das Schiffsfrachtenkontor O. in. b. 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Komm! da» sei ein Lrudergrnß durch Fabriken, hau» und Hütten, jeder, der mit dir gelitten, er begreift wie du da» Muh., Wenn dein Beispiel ihn bezwingt, wenn dein wort zu Ihm Sie Brücke, dann verscheucht e» Trug und Tücke. und es macht euch gleichbeschwingt. komm! verstärke unser Heer! werden wir aus teidgenossen notgesügle Streilgenosseot Und so kommen Immer mehr. Komm! da» ist da» Zauberwort! Aus die Freiheit warten viele! kommt ihr, kommen wir zum Ziele. sind wir um so schneller dort. Zuliu» Zersah. Zwei kriminalfälle. Boa Alfred Polgar. Eine Sechzehnjährige. Eine Sechzehnjährige hat sich im Arrest erhängt. Sie kam zur Polizei und bat um ein.Gesundheitsbuch", wie es die weibliche Jugend braucht, um die Gcschlechtsfreude. die ihr Leib birgt, im freien Straßenhandel ausbieten zu dürfen. Die De> Hörde duldet kein wildes Hausierwesen. Der Verschleiß von Fleck. putzmitteln, Notizbüchern, Sexualität, Schuhbändern und anderen Kleinigkeiten, die man so im täglichen Leben braucht, ist an Lizenzen gebunden. Ein« Leichtsinnige hätte sich nicht viel um Vorschriften geküm« wert. Anna aber war ein polizeifromme» Mädchen, wissend, was Gesetz ist. So ging sie hin zum Dater Staat und bat ihn um die Erlaubnis. Mit sechzehn Jahren erhalten die Mädchen hierzulande noch kein Gefundheitsbuch. Mit vierzehn dürfen sie in die Fabrik, mit siebzehn erst bekommen sie da» Prostitution»., mit zwanzig da» Wohlrecht. Der Polizeimensch, vor dem die Anna stand, mußte sie abweisen. Doch da er ihre Bestürzung sah und wie sie traurig sich wandt«. ihre» Wege» zu gehen, erbarmte ihn die Kleine und er rief sie zurück und steckte sie in den Arrest, in dem sich außer Wanzen noch drei verirrte Mädchen befanden, die vom Pfade ihrer vorbestimmten Entwicklung zu Dienstboten oder Abortfrauen leichtsinnig abgewichen waren. Was soll man denn mit einer jungen Person anfangen, die keine Tugend hat und noch nicht das gesetzliche Alter hierzu? Soll man vielleicht gut zu ihr sein und ihr freundlich« Wort« geben und Notfchläg« und ihr zeigen, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat, durch das Licht auch in die duster« Finsternis fällt? Im Arrest ist es still unh friedlich. Durch die Mauern, die ihn umgrenzen, dringt der Verführung Stimm« nicht. Sicher vor den tödlichen Lockungen de» Lichts, des Sonnenlicht» sowohl wie der Bogenlampe, bist du. klein« Motte. Speise und Trank, die deinen zarten Leib nicht reizen, trägt der liebe Wärter dir zu, Stunde um Stunde fließt ruhevoll dahin, und mit sanftem Fittich weht der Genius der Beschaulichkeit deiner Seele Kühlung zu. Dennoch war die Anna nicht zufrieden. Sie empfand es nämlich als Treubruch, daß man sie in den Arrest gesteckt hatte, als einen Ueberfall an ihr Wehrlosen. Gut- gläubigen. Eine Pflicht zu erfüllen, wie da» Gesetz ihr befahl, war sie hergekommen... und ward deshalb bestraft. Ihre Freiheit hatte sie unter den Schutz der Obrigkeit gestellt... und ward deshalb von der Obrigkeit ihrer Freiheit beraubt Da» schien ihr unge- heuerlicher Betrug. Die moralische Weltordnung, der sie sich ein- gegliedert wähnte, stürzte donnernd zusammen. Und darum, glaube ich— nicht au» Furcht vor Besserung», und Arbeitsanstatt und den schaudervollen Streck» und Ouetschmethoden, mit denen dort Seelen auf Gleich gebracht werden—, darum hat sie sich umgebracht. Geflügelte Worte. Der Franz Seemayer äußerte sich, als ihn ein Wachmann auf der Straße zur Ruhe wies:„Die ganze Regierung kann mich.,. Deshalb wurde er wegen Beleidigung der Regierung zu drei Tagen Arrest verurteilt. Er sagte:„Kann, nicht„soll'." Er forderte die Regierung nicht auf, so zu tun, er' drückte nur seine Bereitwilligkeit aus, es zuzulassen, falls die Regierung so tun wolle. Er oerlangt« nichts von ihr. er stellte ihr nur etwas frei. Hätte er etwa gesagt:„Die Regierung ist schlecht!"... nichts wäre ihm geschehen. Denn In der Demokratie darf jeder seine Meinung über die Regiening haben und aussprechen. Wer Seemayer hatte dieses Recht gar nicht in Anspruch �genommen, er hat die Regierung nicht kritisiert, er hat nur seine durchaus uninteressierte Einstellung zu ihr betont. Es ist empörend, daß man einen Mann aus dem Volke einsperrt, weil er sich volkstümlicher Redeweise bedient, die er gewiß auch Verwandten und Freunden gegenüber anwendet, dl« er liebt und die'hm wahrhastig näher stehen als die Regierung. Aber die fühlte sich beleidigt. Tut sich was! Dabei war das Anerbieten bestimmt nicht ernst gemeint. See- mayer dacht« gewiß keinen Augenblick an di« faktisch« Möglichkeit. daß ihn die Regierung und noch dazu die ganze Regierungl Stellen wir also fest: Wegen eine» bildlichen, rein akademisch gemeinten Anerbietens, das die Regierung zudem je nach Gutdünken annehmen konnte oder nicht, wegen Gebrauchs einer im voltstüm. lichen Sprachsatz eingebürgerten, im Leben de» schlichten Mannes fast unentbehrlichen W-fdung. die. an die Regierung gerichtet, nur Zeugnis ablegen konnte von des Sprechers demokratischem Selbst. gefühl und davon, daß er auf Gunst und Gnaden der Machthaber verzichte. wegen solch populären Ausdrucks freier Gesinnung wird man iin freien Staat eingesperrt. Seemayer ist ein aufrechter Charakter: dafür muß er büßen. Vielleicht hat er da« Wfrechte zu weit getrieben. Wenn er schon sah, daß die Regierung beleidigt war. hätte er ihr den Gefallen tun und erklären sollen:„Ich nehme mein Anerbieten zurück." nercthmt an« Sem SemntlldN«efditiiietibf« 9toT«tfc-#a4»Lrch«ft»e tt» rtea- trn Betk* Caft StoooWt S-Ut».«BtncrnmenJ Oer Silöerbogen vom Herrn Schulz. Herr Schulz auf allen seinen wegen Sieht eiaeu Mann sich fleißig regen. Er werkt. Die Güter, die uns frommen, SiehtSchulz aus feinenHändeu kommen. Doch auch um andre Diuge fleht Herr Schulz den Fleißigen bemüht. Sieh dal Die Faust den Lesen faßt, Er säubert den Fustizpalastt war'n Schulz so manche Dinge greulich l So findet die» er hocherfteulich! Und macht der Mann der Stänkeret Ein Ende, ist auch Schulz dabei! Desgleichen ist Herr Schulz erfreut Durch dieser Sprache Deutlichkeit! Und wer den Bund der Völker slützl, Schulz steht es ein, sich selber nützt! hier freuen Mädel sich und Buben, Er lüftet au» verstaubte Stuben l Er nimm! der Wohnungsnot sich an. Herrn Schulzen imponiert der Mann: Kurz, wo Vernunft am Werke war. Vahm Schulz auch jenen immer wahr. Und eines Tags, die Zleugier plagt, Zieht Schulze feinen Hut und fragt. was jenem so da» Herze stärke. Laß immer er au bravem Werke. Der lacht und spricht:„Freund, daß Ihr'» wißt: Ich bin mit Freuden Sozialist!" Nu sieh mal an. herjemiueh. Der Manu zählt sich zur SPD.! Da seh'>ch als verständ'ger Mann, Sprich! Schulz, den Fall mir nährr an! Ich werde, da» Problem zu löien. Die Schrifteu dieser Woche leseul Hagen, öer Iuöenjunge. Von Oskar Maurus Fontana. „Mein Name ist Eisenbrandt. Der Gott, der Eisen machsen ließ. .)at mich aus dem Gewissen. Ich freue mich, daß Sie mich kennen lernen wollen. Ja, ich bin der Gesangenenmeister Eisenbrandt aus Jena, der in einem Prozeß als diensttuender Justizbeamter— Ruhe und Ordnung im Publikum mein Amt, versteht sich— den aus Berlin gekommenen Verteidiger Dr. Paul Levi anfuhr:„Es ist ein Skandal, einen Berliner Juden hier so auftreten zu lassen. Man sollte den Kerl eigentlich über den Haufen schießen lassen." Das sagte ich. der Gerichtsdiener, vor dem Gerichtshof, vor dem Publi- kum, für dessen Maulhalten ich zu sorgen hatte. Was mir geschehen ist? Der Gexichtsvorsitzende rügte auf Veranlassung des Berliner Anwalts meine Aeußerung. Disziplinarisch wurde ich dann mit dem Entzug eines Wochengehalts bestraft. Sie finden das nicht viel. Hören Sie, wegen der Bagatelle einen ganzen Wochengchalt! „Entschuldigen Sie—" „An Ihren Augen sehe ich's. Wir verstehen uns. Haben Sie Worte? Mir 20 Mark abzuknöpsen! Das ist eine Rechtsoerwirrung. Wer hat sie auf dem Kerbholz? Die Juden. Natürlich. Sie sind an ollem schuld. Haben sie uns auch nicht die Bibel verfälscht? Sie wissen doch, das Paradies llkg im Mecklenburgischen, in Tribsees, südlich von Stralsund. Uebrigens ist dieses Städtchen auch Troja gewesen. Die niederrassigen Hebräer wurden aus dem Paradies nicht so einfach ausgetrieben. Glauben Sie das nicht. Sondern, nachdem sie unter Mitnahme wertvoller Gegenstände geflohen waren, von den Germanen eingeholt und niedergemetzelt. Dieser erste Pogrom war die Vertreibung aus dem Paradies. Und weil es an der Peene geschah, daher kommt der panische Schrecken, was soviel bedeutet, wie Hebräerschrecken an der Peene. Das ist alles sonnenklar. Nur haben es die Juden mit orientalischer Lllgenhas- tigkeit verfälscht und so die Germanen, das größte und. älteste, sa sogar überhaupt das einzig wirkliche Kulturvolk der Menschheit, auch um die Bibel gebracht. Verstehen Sie das? Jetzt geht Ihnen die Pupille auf, mein Herr. Klargestellt. Unsere Gelehrten haben es bewiesen." „Gelehrte?" „Unsere Gelehrten. Selbstverständlich. Wer sonst? Sie glauben doch nicht, die Juden. Die wären schön dumm, wenn sie so was glauben würden. Das widerspricht ihnen. Lesen Sie nur Wendrins „Entdeckung des Paradieses". Sie werden staunen, was Juden alles imstande sind. Hören Sie nur, was sie sich jetzt wieder geleiste? haben. Unser Nibelungenlied haben sie uns verhöhnt." „Haben Sic das Nibelungenlied gelesen?" „Ich bitte Sie, wer wird sowas einen deutschen Mann fragen, Berschuaufen Sie noch, ehe ich Ihnen weiter erzähle. Da hat der Dolksverband der Bücherfreunde das Nibelungenlied herousge- geben."' „Jckl kenne die Ausgabe. Sie ist sehr schön. Sie bringt die Hundeshagensche Fsandschrift, die als einzige Niederschrift des Nu belungenliedes illustriert auf uns gekommen ist, bringt auch ihre Miniaturen in guten Reproduktionen." „Das nennen Sie eine schöne Ausgabe? Mensch! Um die Bilde: bandelt Vi sich. Was Sie da Miniaturen nennen! Worum Minia- tursn? Die Bilder sind doch groß genug. Hören Sie, was über die Ausgabe und ihre Bilder die Monatsschrift des Bundes völkischer Lehrer Deutschlands„Die völkische-Schule" schreibt:„Diese Nihc- lungenausgabe ist mit merkwürdigen Bildern versehen, die versuchen wollen, mittelalterliche Originale vorzutäuschen. Wir wollen nur eines von ihnen näher betrachten. Es ist ein Bild der Begrüßung Kriemhilds und Siegfrieds. Die Figuren sind dermaßen lächerlich dargestellt, daß jedem Deutschem daZ Nibelungenlied verleidet werden tonnte. Außerdem haben die meisten Hauptpersonen etwas sehr merkwürdige Nasen erhalten. Sa. sieht Hagen, der ein großes Schlachtschwert, das einem Käsemesser ähnelt, in der rechten Hand hält, wie ein Judenjunge mit Wasserkops aus. Aus allem geht die deutliche Absicht hervor, das Nibelungenlied lind seine Gestalten lächerlich zu machen. Ein Jugenderzisber kommt an diesem Urteil. Und Sie sprechen von einer schönen Ausgabe. Wo nehmen Sie jetzt die Pufte her?" Ich bätte ihm sagen, können, daß die Bilder zugleich mit der Handschrift entstanden seien,' ungefähr um 1435, daß der Maler, der auch der Schreiber aewesen ist, der Schule des schwäbischen See- kreises und ihrem Führer Konrad Witz angehört haben dürfte, daß die Miniaturen der Hundeshaaenschen Handschrist durchaus Aus- druck und Geist des deutschen Mittelalters feien. Aber was sollte das? Dieser surrende Motor, maäc in Germsnv. hätte mich doch nicht verstanden. Wenn ich ihn hinters Licht führte, vielleicht sah er dann das Licht! Ich erwiderte darum kaltblütig.„Wer sagt Ihnen, daß Hagen nicht ein Jude war�" „Sie meinen den großen Kölner Bankier Louis Hagen. Selbst- nerständlich weder als Louis noch als Hagen geboren. Was sagen Sie zu dieser Frechheit. Ein Lcoy nennt sich Hagen." „Vielleicht hat er gewl-ßt, was er tat. Ist Ihnen nie im Nibe- lungenlied was über Hagen ausgefallen? Der schwarze Hagen ist es, der König Gunther gegen den blonden Siegfried aufhetzt. Be- achten Sie die Argumente Hagens:„Wenn Siegfried nicht mehr lebte, ihm(dem Königs würden Untertan manches König« Lande". Was ist das anderes als—" Mein Nachbar ergänzte sofort:„Jüdische Gier nach Besitz." „Und Hagens Schwur gegen Siegfried! Er lautet: Immer sei ihm— versteht sich dem blonden, blauäugigen germanischen Sieg- fried Hagen zu Haß und Schaden bereit. Wörtlich. Deuten Sie sich das aus. Und wenn die Ritter auf Untreu und Verrat sinnen, wer hat sie verführt? Hagen. Untren und Verrat, bitte, das sind doch—" „Selbstverständlich jüdische Eigenschaften. Es wird klar." „Dann: Hagen läßt die sterbliche Stelle Siegfrieds von Kriem- hild mit einem Kreuzchen bezeichnen. Warum kein Sternchen, wa- wrn gerade est, Kreuzchen? Der Ntbetungendichter gkbt Ihne««nt- wort:„Er schoß ihm durch das Kreuze. Der Haß des Hebräers gegen das Kreuz wähst gerade dieses Zeichen. Verstehen Sie?" „Ausgezeichnet. Weiter." „Und wesien rühmt sich Hagen vor Siegfrieds Leiche?„Wohl mir, daß seiner Herrschast durch mich ein End ist geschehen." Sie verstehen, der Blonde ist tot. Der Schwarze triumphiert. Genügt das nicht? Brauche ich noch hinzuweisen, daß Hagen den Nibelun- genschatz, Sie kapieren: das Gold der Witwe rauht— also Geldgier—, daß die arische Frau des Niederösterreichers Rüdiger im heutigen Pöchlarn vor Hagen zurückschreckt, in instinktivem Abscheu—" „Der blonden Ariertochter vor dem schwarzhaarigen Juden. Ausgezeichnet. Publizieren Sie die Entdeckung. Sie wirft elektrl- sches Licht auf unser Nationalgedicht. Wer schafft der Nibelungen Not? Hagen. Immer wieder Hagen. Sonnenklar. Ihm gebührt die krumme Nase und der Wasterkopf. Hagen als Judenjunge ent- larvt." Ich unterbrach den Sturz der Worte.„Na sehen Sie, wie leicht ihr es habt, wie glücklich ihr seid." „Leicht? Glücklich? Verstehe keine Silbe." „Alles was euch unbequem oder fremd ist, ob Menschen oder Miniaturen oder Mythen, könnt ihr in Juden oerwandeln und da- durch ablehnen." Er macht ein Schafsgesicht.„Wieso?" Plötzlich wurde er hoch- mütig:„Tag, mein Herr! Ich habe mich in Ihnen geirrt." Und ging. „Schade," rief ich ihm nach.„Aber Ihre Irrtümer liegen nichk in mir, liegen in Ihnen. Mögen Sie das erkennen. Das walte Gottl Heil!»_ der Tod auf drei Ebenen. von Frank Crane(New Zork). In Los Angeles starb dieser Tage der Weltmeister im Spaghetti- Esten. Er hatte angeküichigt, daß er zwölfhundert Pfund Spaghetti im Jahr verzehre. Er hatte mitgeteilt, daß er viermal am Tage Spaghetti esse, und zwar j« eine Meile in der Minute. Eine Meile zur anderen getan, würde— dessen hat er sich gerühmt— die Menge Spaghetti, die er alljährlich verzehrte, achtmal um die Erde gereicht haben. Er.wurde tot in seinem Zimmer aufgefunden, umgeben von Spaghetti. Die Doktoren erklärten als Todesursache: akute Magenschwöche. Er hatte sich mit 33 Iahren zu Tode gegesten. Das war der Tod auf der einen Ebene— auf niederer Ebene. Aus einer nächsten Seite der Morgenzeitung war von einem anderen Tode zu lesen. Ein Farmer im westlichen Texas hatte seine Frau, die gerade Truthllhnsreier einsammelte, aufschreien gehört. Er war zu ihr hin- gelaufen— eine Klapperschlange hatte sie gebissen. Der Farmer sog das Gift aus der Wunde seiner Frau und rettete ihr das Leben. Aber durch eine offen« Stelle an seiner Lippe war das Gift in seinen Körper getreten. Sein Zustand verschlimmerte sich immer mehr— an, nächsten Tage war er tot. Das war der Tod auf einer anderen Ebene— einer weit höheren Ebene. Der erste Tod war ein Tod auf animalischer Ebene— der zweite war der Tod auf oer Ebene des heroischen Menschen. Auf einer anderen Seite der Morgenzeitung konnte man von einer Art Tod lesen, der sich auf der dritten Ebene vorbereitet. Ein Forscher, der ein Mittel zur Bekämpfung einer Krankheit suchte, war gezwungen, gefährliche Versuche anzustellen. Dabei zog er sich eine Krankheit Z'.i, die ihn nötigte, mehr als ein halbes Hundert Operationen an sich vollziehen zu lasten. Mit nur einem Auge, einem Daumen und einem einzigen Finger kehrte er nach jeder Operation zu seiner gefährlichen Arbeit furchtlos zurück und geht so seinem sicheren Tod entgegen. Dieser Mann will dos Leben derjenigen leichter machen, die er niemals gesehen hat. Er opfert sich einer Sache, von der er per- sönlich wenig Lohn ernten wird, und ohne von dem Gefühl an- gespornt zu sein, daß er für Menschen wirkt, die er liebt oder die ihm sehr nahe stehen. Dieser Mann nähert sich langsam dem Tode auf der höchsten Ebene. ftlebertsoHen«n Max H a,« k.) vom Niggertanz zum Fußball. Bon A. R. D u g m o r e. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als ich endlich er- wacht«. Ich fühlte mich krank, elend und steif und konnte kaum auf den Füßen stehen. Hätte ich dos Fahrrad nicht gehabt, so wäre ich nicht imstande gewesen, weiterzureisen. Aber auch mit dem Rad war die Fortbewegung noch schwer genug, und ich war heil- froh, als ich das Eingeborenendorf erreichte, wo wir die Nacht in einem solide gebauten Unterkunftshaus verbrachten. Am folgenden Morgen kehrten wir nach Aei zurück, und am Nachmittag wurde ich mtt dem Kraftwagen nach Lata befördert. Leute wurden ausg». sandt, um in der Nachbarschaft nach Spuren von weißen Noshör- nern auszuschauen, und ich mußte zwei Tage umsonst aus Nach- richten warten. Um mir die Zeit zu vertreiben, wurde ein Tanz der Fojoli veranstaltet, den ich photographieren sollte. Es war der erste i afrikanische Tanz mit Musik, den ich sah. Als Instrumente benutzte man Tamtams verschiedener Größe und Tonart, sowie hölzerne Klappern, die den Lärm noch verstärkten. Mehrere„Orchester" hockten gruppenweise auf dem Boden, und jede Gruppe versuchte die andere mit ihrem Höllenlärm zu überbieten. Männer und Frauen umkreisten mit langsamen, schlürfenden Schritten, dabei immer voll- kommen im Takt bleibend, die einzelnen Gruppe» von Muftker». Di« Kleider der- Frauen waren unleugbar sehr verschiedenartig. Einige waren vollständig bedeckt mtt einem einzigen Stück gedruckten Baumwollstoff, sehr bunt gemustert und straff dem Körper an- liegend. Es waren ganz gut gebaute Weiber, deren Formen jeden- falls nicht an Mangel von Ueppigkeit litten. Andere Frauen wieder trugen nur eine Art Unterrock, dadurch gebildet, daß sie sich ein« Bahn Kattun um die Hüften gewickelt hatten. Wieder andere, die in ihrer Geschmacksrichtung etwas einfacher geblieben waren, hatten einen Gürtel, aus Blättern oder aus zahlreichen feingeflochtenen Streifen Haar oder Leder bestehend, der ihnen von der Taille her- abhing. Diejenigen Schönen, die durch die Fortschritte der Zivilt- sation noch nicht beeinflußt waren, hatten ganz einfach nur einen Strauß von Blättern vorn und hinten angebracht, während eine. die sonst auch auf Einfachheit hielt, zur.Ergänzung noch einen großen Strohhut trug. Solch ein Anblick wirft« auf die Lachmus- kein. Viele der Frauen trugen ihre Säuglinge auf den Rücken ge- Kunden, und man sah nur die schwarzen Köpfchen, während die Mutter sich den Freuden des Tanzes hingab. Alle Frauen waren mit Halsketten aus Perlen oder Drabt behangen, Armspangsn und zahlreiche Fußreifen umschlossen die Gliedmaßen, und manche hatte aus den Lippen die schon erwähnten Glasftückchen herausstehen. Eine Altersgrenze gab es nicht. Jedes weibliche Wesen von drei Jahren bis zu den ältesten Semestern tanzte. Die Männer waren teils bekleidet, teils nackt, ganz nach Belieben. Biele Männer der Polizeitruppe trugen Kniehosen oder Kniehosen und Hemden. Einer der scheinbar beliebtesten Tänze bestand aus höchst ein- fachen Bewegungen und war eigentlich mehr ein Beweis von Aus- dauer als von Grazie. Die Tänzerinnen toten nichts anderes, als fortwährend, so oft sie konnten, und so hoch wie möglich auf und ab zu springen, solange ihre Muskeln es nur zuließen. Das war zwar ganz unterhaltend— aber nach einiger Zeit wird es, wenn auch nicht für die Darstellerinnnen, so doch für die Zuschauer, lang- weilig. Ich hatte versprochen, ihnen als Belohnung Marista, das heißt Eingeborenenbier, geben zu lasten, wenn sie recht hübsch tanzten. und so wurde denn einige Stunden später, etwä gegen 7 Uhr, die Erfrischung gereicht, das heißt, große Krüge und Eimer voll des gräßlich aussehenden Stoffes. Es waren riesige Mengen Bier, aber in wenigen Minuten war auch der letzte Tropfen verschwunden: übrigens bemerkte ich, daß zuerst die Frauen, dann erst die Männer zu trinken bekamen. Danach wurden die Tänze mit erneuten Kräften, unermüdlich, trotz aller Anstrengung, während der heißesten Zeit des Tages fortgesetzt. Es war schon spät am Abend, als endlich die letzten Töne der wilden Festlichkeit verklungen waren. Das fort- währende Schlagen der Tamtams hatte mich aber schon beinahe verrückt gemacht. Während meines Aufenthaltes in Loka war es mir interessant zu sehen, daß Fußball das Liebslingsspiel der Männer und Knaben war: es wurde barfuß gespielt, aber all« Regeln und Vorschriften wurden dabei mehr oder weniger genau beachtet, obwohl schon, wie ich bemerkte, in der Begeisterung gelegenttich auch Dekstöße dagegen vorkamen. Ich soll noch den Ort, an dem Engländer vertreten sind, sehen, und wäre ihre Zahl noch so klein, wo das Fußballspiel sich nicht eingebürgert hätte. Die große Hitze, die klimatischen Der- hältniste und sonstige Umstände mögen noch so sehr dagegen sprechen, dies Spiel blüht überall. Hier am Aequator genießen diese Nege* es gründlich. Obwohl sie kein Wort englisch verstehen, gebrauchen sie während des Spiels doch alle englischen Bezeichnungen. Tbia:?. 31. Dugmoie, rieben im Sudan. Mit der Kilmkamen» auf dem Anstand." Mit t« Abbildungen und 2 Karten. Leinen 9,50 M. (S. A. Brockbaus. Leipzig.) Fischwanderungen nach dem Süden. Daß die Vogel jetzt wieder ihre Züge noch den wärmeren Gegenden des Südens angetreten l haben, ist eine uns allen geläufige Tatsache. Zu gleicher Zeit aber vollzieht sich eine noch kaum bekannte und wenig erforschte Wan- derung nach dem Süden, still und ungesehen in den Tiefen des Meeres. Viele Fischarten der Nordsee haben schon ihre Züge nach den Winterquartieren angetreten. Bei manchen ist es nur ein Neiner Ausflug, der innerhalb von 24 Stunden zurückgelegt werden kann, bei anderen ist es eine lange Wanderung, von der sie erst im April oder Anfang Mai noch der Nordsee zurückkehren. Der auffälligste dieser Wanderzüge, der schon immer beobachtet worden ist. weil er für die Fischer von größter Wichtigkeit wird, ist der Zug des Herings. Die frühere Anschauung, daß die Heringe einen großen jährlichen Umzug um die britischen Inseln abhalten, ist durch die Fortschritte unserer Kenntnisse aufgegeben worden. Die Heringe, deren silbern schimmernde ungeheure Massen im Oktober an den englischen Küsten auftreten, kommen aus unbekannte« weiter nördlich gelegenen Regionen. Der„Schrei nach dem Süden". der die Fischwelt so gut wie die Vogelwelt ergreift, kann bisweilen sie auch nach Norden führen, denn es ist bekannt, daß manche Fisch- arten aus den mittleren Gebieten der Nordsee ihre Winterquartiere an den Küsten des Nordens von Schottland beziehen, weil hier die wärmespendende Macht des Golfstroms zu merken ist. Diesen Weg schlagen, wie englische Tiefseeforscher kürzlich festgestellt haben. der Hechtdorsch, der Barsch, die Seebrasse und verschiedene Mo« krelenarten ein, die den Sommer über weit und breit die Nordsee durchschwimmen, sich im Winter aber in die wärmeren Teile zurück- ziehen. Di- größeren Vettern der Makrele, die Tunfische, die als die letzten unter den Sommerbewohnern der Nordsee erscheinen, treten eine wettere Wanderung nach den freundlicheren blauen Gewässern des Mittelländischen Meeres an. Aus allen Seen und Flüssen des westlichen Europas wenden sich die Aale ihrem geheimnisvollen Zug nach Süden zu, der sie 5000 Kilometer weit in die Gebiete in der Nähe des Saragossameeres führt, wo sie laichen und sterben. Durch die„Beringung" der Aale hat man ihre Spuren von Stock- Holm und der Küste Finnlands her über den Sund nach dem offenen Meer verfolgt: sie wandern mit einer Geschwindigkett von etwa 14 Kilometern am Tage. Auf welchen Wegen und mit welcher Ge- schwindigkeit sie aber die großen Meere durchquerm, hat man noch nicht herausbekommen. Alns«»««*|l« eon*«n»«canfla(lMn0 ist 0«n illndcr» 0«n»ldm«l unft steh» unfee*«* Deoif« 3>f«nnt0« hoben 61« und 3h« Sieb* »ing geost« 9c«ud«t * Mädchenkleider i ia f eKchmack roller Ausführung:/ und in besten Qualitäten Länge 40 bin 00 ea TO. u. 6.75 Ua IL 9.56 j r Lingo 65 bU 85 oa i TM IL 10.56 M. IL 17.— i Knaben» Anzüge in bester Versrbeitnng nnd nun guten Stoffen 1 bis 4 Jahre •* 8.75 w. z. 14.— 6 bin 8 Jahre ia gnten j >d Faifc Knabenmäntel in bester Ansrtibrang_ Qualitäten mit Gurt und 1 bis 4 Jahre tm il 14.75 m. il 2t- 5 bis 12 Jahre *. 15.- w«. 27.— /tm m 19.50 bu v 29.- Mädchenmäntel in beeter Verarbeitung und ia prima Qualitäten Länge 45 bin 60 om TM VC. 14.— M» M. 17.— Länge 65 bin 100 cm VC. 18.— M. 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Mk.—.20 Popp: Jugendgeschichte einer Arbeiterin... Mk.—.25 Wilm: Wilhelm IT als Krüppel und Psychopath Mk.— ,20 Tiburtius: Die Arbeiterfrage........ Mk. 1.— Kampffmeyer: Das deutsche Volk undcüeFürsten in der deutschen Einheitsbewegung.... Mk.—.20 Thomas: Gib meine Jugend mir zurück... Mk.—.25 Ab Montag täglich von 9 bis 7 Uhr geöffnet! Verlag F. H. W. Dich Kachf./ Linöenstr. t Abteilung Lortimenv� •..r—••• R» M» S» Jl. 4 Mit! T eppidie DfeKühe. önf den füjlfgen Wefdcn O�ieslonds geben IWoMfldvdamfl s/e unle# dem Lfbby-ElflceH fi» Voten konjefvferf vdfd Dnfd» Vefdömpjnng vriM de/ ftl fchen Mflchnu�Wane/ enlzogen(äIle k�h/floffe bleiben jedoch dtutfh enf/ hellen.» Ev&po/Ie/h peffllfiefl, kelmf/el t 1*2/ alle Haushallszweckel Siels geb/änchsfe/h'gl QualilSIs Milch ei» imu Teppithe Diafan- and TisdideAen mit Fehlern Deotsäies Teppidilians tmr Emil ef�vre m, b. H. S. Seil 1882 nnr Orantcnsir. 158 Vir haben hetoe Finalen! 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Cinlenfic.<3/65, Portal I, 2 Treppen NV Konferenz oller weiblichen Vertraueos- perfooea und Betriebsräte. Tagesordnung: l. Vortrag über: „Die Schugbestimmnngen für Arbeiterinnen und Jugendliches Referenlin: Frau Regierung»rat Marz. Trapp. 2. Ber- bandtangelegenheiten und Verschiedenes. Da es sich um wichtige Fragen handelt, mutz jeder Betrieb vertreten sein. Die Betriebsräte werden gebeten, unsere Kolleginnen aus diese wichlige Veran- staltung ausmertsam zu machen. UN! BflöflöSflei Um! vienaiag. den 19. Otlabcc. obanda 7 llhr, im Sitzungssaal»«»Verbands Hans«», Linien skratze«3/«» Branchenversammlung Tagesordnung: l. Vortrag über Krankenversicherung. 2. Stellungnahme zur Kündigung de» Lohnabkommen». st. Verschiedene». aHT" Die Kollegen der Firma Hahn ». Drundmaun müssen unbedmgt in dieser Versammlung erscheinen vlillmoch, ba» M. Otto bar. nachm. 3»hr.«m Lokal(»riitzar Arätziich). Zeughos. Ecke Mustauar S kratze »V Versammlung aller im S. und 7. Bezirk de» DMV. beschäft. Lehrlinge u. jugendlichen Metallarbeiter und-arbeilerinuea. Tagesordnung: 1. Jugend und Dcwerlschaslen. 2. Organisatorisches lBetrtedsoerbSstnisse). i> k v l l e g e n, erscheint restros V-rsammlungi Bringt die rten Arbetlskollegen mit. daß wir«st Mitteln der Jugend koll« gen in dieser Versammiunl. unargauifierten Arbeilsköllegen Sammlung für eine Meihnachtsunlerstühuag unserer arbeitslosen und erwerb»- unsähigen Mitglieder. Trotz der schweren Krise und der da- mit verbundenen ungeheuren Arbeits- losigkeit in der Metallindustrie wenden wir uns wieder an unsere in Albeit stehenden Mitglieder, um zu«rmäglichen, unseren arbeitslosen und«rw«rb»- unfähigen Mitgliedern zu Weihnachten durch Sewährung von Geldmitteln eine kleine Freude zu bereiten. st» dürste bekannt sein, vor«Inigen Wochen au» Lokaltasse«in« nennenswert« Unter- silltzung an unser« ausgesteuerte» Mit. glieder au Zg« morsen haben, die«in« starke finanziell« Bel-stun« der Lokal- kosse darstellt», und können weiter« Be- träge au» dieser Kasse nicht mehr ge- nommen werden, damit un» bei späteren lammenden Lohnkämpfen, die bei besse. rer Beschäftigungsmöalichkcit in der Metallindustrie verstärkt einsetzen wer- den, und wo von selten der Lokalkass« eiuschüsio zur Streikunterstützung zu»ah. .en sind, die dazu notwendigen Geld- mittel zur Äerfügung stehen. Wir Müs. kn also eine Sammlung auflegen, um un>-le>>«rdeiitlosen und«rwerbsunfähi- gen Mitgliedern eine weitere llnter- stützung gewähren zu können.— stu die- fem Zweck sind von leiten der Berwal- tung Srtraniarkc» zu So Pf. und 1 M ausgegeben worden, die im Verbands. Haus, Linienftratze 83 85, Portal III, Schalt«: 1. gegen Aorleglin« de» Mit- ".und der Funttionärkarte erhältlich sind. Zur Ausgab« und zur Abrechnung der Marken Ist der belref. sende Schalter von jetzt ob dl, aus weiteres Dienstags und Freitag, bis abends 7 ilhr und an den übrigen Wochentagen bis 4 Uhr geöffnet. Die Marken zu«0 Pf. find für unsere weiblichen und jugendlichen Kol- legen und die Marken zu I M. für unser« männlichen Kollegen bestimmt.— Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, mindestens eine Marke zu Neben, doch wird vorausgesetzt, datz di-senigen Kol. >«g«n, die einen höhere» Verdienst haben, mehrere Marken entnehmen.— Unterstützung sollen alle Kolleginnen ssoks. stelt-aen erhalten, bi« mindestens Wochen Mitglied unserer Organisation und in der Woche vom 12.— 18. Dezem- ?? 102*, arbeitslos sind. Desgleichen laiche Kollegen, dl« während der gleichen Zeit als J. mlide erwerbsunfähig sind >"sd Beiträge der Invalideiitofie unserer Orhanisation steuern.— erw-rb-unfghig« Mitglieder Infvlge Kolleginnen, Kollegen. ssunINonSre unserer Organisation, unterstllkt die „ rtsvcrwaltung in dieser bankenswerien Arbeit und setzt euch mit aller«rast da- iür ein. batz sich die vrol-t-risch- Soli- darität in vollstem Matz- auswir». Wir wissen, datz an den Ovf-rrmut unserer Kollegen allzu oft apvelliert wird, jedoch ssnd wir ber Ausfassung. ootz wir bei der augenblieNichen un- geheuren Krise all- Ursach« haben, uns«- rer arbeilslosen Klassengenossen zu g«. henken, und deshalb bitte» wir. batz nnlere Kollegen selbst bei noch so schlich. lern Verdienst einen geringen Betrag -bstotzcn, um den arbeitslosen Mit. gttebern und deren Angchöriaen«in« W-ibnachtsfr-ube bereiten ,» können.— Wir erwarten, datz sich hierbei kein Mitglied aiisschlietzt. da ber gesamte Be- . trag, der aus dem Vertrieb der Marken hervorgeht, restlos unseren arbeitslosen Mitgliedern zugute kommt.— E» wird autzerdem ersucht, datz unsere Funktionäre unter allen Umständen dar- aus s-ben. datz uns der Erlös der Mar- kcn ober«rötzere Teilbeiräae sofort, fvätesten» jedoch bi» zum 10. Dezember IS?«, llh-rmittelt werden, damit zu über- l-hen ist. in welcher Söhe eine Unter. Mitzun« gewährt werden kann. Auf zur proletarischen SoNbarltätl VI» 0rk»o»r«M,l»iwii. Welcher edel denkend. Parteigenosse würde einem Schwerkriegsbeschädigten für den Bau eines Häuschens eine Hypothek von'Mk. 3500.— an erster Stelle selbst geben oder verminein. Suchender ist in fester Stellung und bietet als Sicherheit seine monatllcheRentenebstZinsen. Off. unter n. M. 42 Vorwärts- Verlag. VMMWMkl d?r Allgemeinen OrtskrantenkoZc öerlin-Weideosee. Für die Wahlperiode vom 1. Januar 1927 bi» zum 31. Dezember 1932 stnd von den Berficherten und den bei der Kasse zuständigen Arbeitgebern Bertr«. ter zum Ausschuß nach näherer Bor- schrift ber Wahlordnuna zu wählen. Die Versicherten haben«0 Vertreter und 120 Ersatzmänner au» ihrer Mitte und die Arbeitgeber 30 Vertreter und 30 Ersatzmänner aus ihrer Mitte In getrennter Wahlhandlung zu wählen. Wahlberechtigt sind volljährige Arbeit- geber und Versicherte, welch« der Kasse angehören. Die Versicherten sowohl nl» bie Ar- beitgeber haben da,«abt'echt I» Per- son auizuübe», dürfe» sich als» nicht »ertreten laffe». Wählbar sind nur valljähria« Deutsche. Sie Arbeitgeber können auch al» Der- treter und al» Ersatzmänner»um Au»- schütz bevollmächtigte Betriebsleiter, Seschiiftsführer und Betriebsdeamte der beteiligten Arbeitgeber wählen. Die Wahl findet statt am Sonntag, den 13. Dezember 192», im Kassenlokal zu Berlin-Weißenfee. Pistoriusstr. 17, und zwar wählen die Versicherten in der Zeit von 9 bi» 12 Uhr vormittag» und die Arbeitgeber in ber Zeit von 12 ih bi, Ist Uhr nach- mittag». Jeder Wahlberechtigt« hat stch für die Wahlhandlung mit einer Legitimation in versehen. Als solch« genügt für die i versicherten da, Mitgliedsbuch ober«in« Belcheinigun« de« Arbeitgeber», daß der Betreffende am Tag« der Wahl noch in Arbeit steht. Entsprechend« Formular« find in unserem Meldedureau, Pisto- riusstr. 17, 2 Treppen, Zimmer 5, er- hältlich. Di« Wähler können die Arbeltgeber. und Mitgliederverzeichniss« während der Kassenstunden von 3 bi» 1 Uhr im Kossenbureau einsehen. Einsprüche gegen die Nichtigkeit der sich au« dem Arbeitgeber» und Mit- qkiederver�ichnis ergebenden Wahl- und Etiunnberechtignng find bei Vermeidung de» Ausschlusses spätefiens bi» zum 12. November 1928, unter Beifügung von Beweismitteln, bei dem Kossenvor stand einzulegen. GewSHIt wird gemäß den Bestimmun. gen der Wahlordnung nach den Grund- otzen der Berhältniswohl. Fllr die Wahlen find dem Vorstand Borschkagslisten getrennt für Arbeit- geber und Berti che rt« bi, spätesten, den 13 November 192« einzureichen. Nut bi, zu diesem Tage eingereichte WahlvvrschlSg« können berücksichtigt werden. Di« Sirmmabgab« der Wähler ist an diese Wahlvvrschläg« gebunden. Di« Wohlvarschläg« müssen mm min. besten, je 10 Wahlberechtigten der de- treffenden Gruppe mit zusammen min- dejten, 30 Stimmen unterzeichnet sein. Die cinzefnen Bewerber stnd unter fort- laufender Nummer aufzuführen, welch« ore Neihenfolg« ihrer Benennung arm- dAckt. und nach Familien- und vor- Ottuf») n Wohmwt zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem ss« beschäftigt stnd. anzugeben. Mit den Wahlvorschläaen für Bei�chert« ist van jedem Bewerber «in« Erftärun� darüber vorzulegen, dost er prr Annahm« der Wahl bereit ist. Bei den W-Hlvorschlägen für Arbeit. geber Ist«jn« solch« Erklärung nur er- forderlich, soweit«in vorgeschlagener Bewerber nach 17 der Reichsverfiche- runs«rdnirng zur Ablehnung der Wahl befugt ist. „In jedem Wohtvorfchlag Ist ferner ein Vertreter de, Wahlvorschlaqes und ein Stellvertreter für ihn au- der Mitte d«r Unterzeichner zu bezeichnen. Ist d'-o unterblieben, so gilt der erste Unter«lchner al, Vertreter de» Wohl- vorschlage» und. soweit«ine Neihen- folae erkennbar ist. der»wcite al» sein Stellvertreter. Der Wahlvorschlag-wer- treter ist berechtigt und verpflichtet, dem t"? znr Bcselti-rung etwaiger Anstände erforderlichen ErNSrung-n ab- zugeben.* Die zugelössenen Wahloorfchkäge kän. nen von den Wählern im Kassen- dittean während der Kassenstunden von 8 bis 1 Ubr«inqefeben v>erd«n. «erlw.Weistensee, den 16. Oktober 1226 l'IHH Abcssinterpumpen, Ersatzteile. Spritz- pumpen, allerbilligft. Auf Wunsch auch Aufstellung. Pumpcnfabrik(Sarten. strafte 78. Bck leidunqssliicli e; W äsrhe liswi- , Pelzwaren. S-Iegenheits- täufe von Sporrpelzen, Gehpelzen. hoch. eleganten Pelzmänteln. Pelziackc». Enorm dillig« Serrenanzüge. Ulster. Paletot». Kein« Lombardware. Leih» hau» Friedrichftraß« 2 lBelle-Allianc«. Platz,._' Der Versuch, Günstig« Gelegenheit. Pelzwaren vom Kürschnermeister. Pelzmäntel. Pelz. jacken, Lerrensportpelze, Kreuz», Silber». Zobel», AlasIa.Fllchse, China-Ziegen, Skunks, Amerikanisch». Australisch. Stunksopossum, Muffen, Pelzhüte. Pelz» decken sowie all« Arten von Pelzwaren. 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