Nr. 496 ♦ 43. Jahrg. Ausgabe!& Nr. 253 Bezugspreis. WijKkNtlich 70 Plennla. mondttlS B,- Reichsmark voraus»ahlbar. Unter Sreu»band lür Deutschland, ScMia, Saar- und Memelacdiet. Oesterreichs Litauen, Lurembur» «.SV Reichsmark, iür da, übrig« Ausland 5.30 Reichsmark uro Monat. Der.vorwärts' mit der Multrier- ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' iowie den Beilagen.Unterhaliung und Wissen',„Aus der Kilmwelt'. .ffraucnstimme'.»Der Kinder. freund'...Iugend-Borwärts' und »Blick in die Bilcherwelt' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag, und Montags einmal. Telegramm. Adresse: .Sozialdemotrat vrrliu- argen ausgäbe Derliner (lO Pfennig) Anzeigenpreise: Die«i n l v alt i ge Nonpareile. »eil« 80 Dfennia. ReName�il« B,- Reichsmark,.»leine An, eigen' das settaedruckte Wort 25 Mennig (suISfssa»wei fettgedruckte Wortes. jedes weitere Wort 12 Menniq. Kieüengesuch« das«rss« Wort 75 Mennia. iedes weitere Wort 10 Mennig. Worte über 15 Buch- Naben ,iihlcn für ,wei Worte. 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Der Dermal- iungsral der Znlernationalen Handelskammer hat aus Antrag des Präsidenten der deutschen Abteilung, Geheimrak von DIendelssohn, eine Resolution angenommen, in der das am Dienstag verössenl- lichte ZN a n i f e st der internationalen Dirtschasts- f ü h r e r zugunsten der Aushebung der Zoltbarriere vorbehält- los gebilligt wird. * Am Mittwoch trat in Paris der Verwaltungsrat der Internationalen Handelskammer zu einer Sitzung zu- summen, in der der Vorsitzende, Sir Allan Anderson, in einer großen Rede auf die Wirtschaftslage der einzelnen Länder einging. Seine Rede klang aus in der Forderung nach einer S t a b i l i s i e- rung der noch schwankenden Währungen und nach V e- seitigung der Wirtschastssch ranken in den europäischen Ländern. Ueber die Beschlüsse der Kammer, die in vielen Punkten eine Ergänzung des Freihandelsmanifestes der internationalen Un- ternehmer darstellen, wurde ein Kommunique ausgegeben, in dem u. o. erklärt wird: Beschlüsse von sehr großer Bedeutung für das Kapital, die Arbeit und die öffentlichen Interessen sind e i n st i m m i g von dem Ausschuh für die Beseitigung der Handelsschranken und dem Per- waltungsrat der Internationalen Handelskammer gefaßt worden. Diese Beschlüsse sind in einem Bericht zusammengefaßt, der von Sir Arthur Balfour der Internationalen Wirt- schaststonserenz unterbreitet werden wird. Die Beschlüsse legen die Heilmittel dar, deren Anwendung in den Augen der Ge> schäftswelt für notwendig gehalten wird, wenn man einen wirt- schaftlichen Umsturz vermeiden will. Was die Behandlung der Ausländer betrifft und die für sie ungünstigen Gesetze und Gebräuche mehrerer Länder, so fordert der Ausschuß für dis Beseitigung der handelsschranten unter Außerachtlassung der Frage der Aus- Wanderung und Einwanderung, die von den Regierungen allein ge- regelt werden muß, daß die Rechte der Ausländer garantiert werden durch einheitliche Gesetze in allen Ländern aus Grund inter- nationaler Abkommen. Es wird weiter gefordert, daß die obligato- rische Visierung der Pässe abgeschafft wird, da sie die Reisen von Industriellen und Kaufleuten behindert und den Touristenverkehv beschränkt. Die Ausländer müssen überall die gleichen Rechte haben wie die Bürger der betreffenden Nation, vollkommene Bewegungsfreiheit, Wohn- und Niederlassungsrecht. Was die Behinderungen des Eisenbahn-, Schiffs- und Lustoertehrs anlangt, so fordert man für die Eisenbahn die Standardisie- rung des rollenden Materials, die allgemeine Annahme des 24-Stunden-Tages, Vereinfachung und Vereinheitlichung des Reglements und der Formalitäten für den Schiffsverkehr, daß samt- liche Länder, und zwar sofort, das Abkommen des Völkerbundes betreffend die Freiheit der Häfen ratifizieren. Der Ausschuß lenkt im besonderen die Aufmerksamkeit auf die Beschränkun- gen. unter denen der F l u ß o e r k e h r auf der Donau zu leiden hat. Er fordert, daß der Verkehr von sämtlichen Bindungen und Formalitäten, die seine Entwicklung beeinträchtigen könnten, befreit wird. Für das F i n a n z p r o b l e m ist eine Reihe von Lösungen vorgeschlagen worden, insbesondere für die Frage der Preise und Kredite. Zur Behandlung der Ein- und Aussuhr, zu den Zöllen und den Handelsformalitäten fordert der Ausschuß die Freiheil des Handels mit Rohstosfen. Man soll künftig frei Rohstoff« kaufen können, ohne eine besondere Abgabe zu zahlen. Dagegen müßten die Rohstoff einführenden Län- der Meistbegünstigung und vernünftige Zölle für die Waren derjenigen Länder gewähren, die Rohstoffe ausführen, ebenso für die Waren, die aus diesen Rohstoffen hergestellt werden. Die Kund- gebung betont weiter den Ernst der Lage, die geschaffen wird durch die Zahl und höhe der Zollgrenzen, die so viele Länder um- geben, und die die ernsteste Leeinträchligung des internationalen Handels bilden. Ein besonderer Unterausschuß hat sich mit der Frage der in- dustriellen internationalen Abmachungen be- schäitigt: er erklärt sich mit diesen internationalen Abmachungen ein- verstanden und empfiehlt aus diesem Wege fortzufahren, da derartige Abkommen in der Tat der Industrie dienen, indem sie die K o n- kurrenzbeseitigen, der Arbeiterschaft regelmäßige B e s ch ä s- tigung sichern und weiterhin auch den Interessen der Ver- braucher gerecht werden, da dnrch sie die Preise herabgesetzt werden. Der Bericht fügt hinzu, daß die Ausdehnung derartiger inter- nationaler Abmachungen die Mittel liesern werde, die Zoll- grenzen zu Überschreiten und den Weg für weitergehende DUrtschaslsabkommcn unter den Rationen frei zu machen. Die Internationale Handels- kammer wird über sämtliche industrielle Abmachungen ihrer Mit- glieder eine genaue und vollständige Untersuchung anstellen. Der Ausschuß für die Beseitigung der Handelsbeschränkungen fordert endlich unter den Auspizien des Völkerbundes die Schaffung eines Ständigen Ausschusses für Zoll- und Handels- angelegenheiten. Der Eindruck in London. London, 20. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das internationale Wirtschaftsmanifest ist hier mit bemerkenswerier Kühle ausgenommen worden, wenn auch die traditionell sreihandlerisch-liberalen Blätter einige freundliche Worte geäußert haben. Es ist charakteristisch, daß die Londoner Börse im Gegensatz zur deutschen Börse auf das Mani- fest überhaupt nicht reagiert hat. Der„Daily he ra l d", der vom Manifest ausgehend, am Dienstag in einem Leitartikel auf die Ge- fahren hingewiesen hatte, die die neuen internationalen Tendenzen des Kapitalismus für die Arbeiter als Produzenten und Konsumenten mit sich bringen, hat«in« Reihe führender Politiker der Arbeiterpartei über ihr« Meinung zum Manifest befragt. Philipp Snowden hat in seiner Antwort die ablehnende Einstellung, die das Zentralblatt der Arbeiterpartei, der„Daily herald", eingenommen hat, kritisiert und festgestellt,«ine solche Ablehnung sei vom Standpunkt des So- zialisnms ans falsch. Neue Entwaffnungsschwiengkeiten. Folgen des Prinzcngastspicls in der Reichswehr. Paris, 20. Oktober.(WTB.) Mittwoch vormilteg hat die Botschafterkonserenz eine Sitzung abgehalten über die die Agentur havas berichtet: Es sei eine Anzahl von Berichten betressend die Entwaffnung Deutschlands zur Ksnnlnis genommen worden. Die Berichte behandelten verschiedene Punkte, in denen die Kontrollkommission weiterhin der Ansicht sei, daß sie von der deutsche» Regierung noch nicht befriedigt worden sei. Es handelt sich Insbesondere um die Organlsalion des Oberkommandos, hinsichtlich dessen die von seinem Nachfolger angenommenen Direkiiven tatsächlich einige Beruhigung gebracht hätten. Die Illegalen Rekrutierungen, die zur Demission des Generalissimus xesührl Höllen, beschäftigten gleichfalls die Konserenz. Es handele sich noch»m die Herstellung und die Aussuhr von Kriegsmaterial, die Organisation der Polizei, die ver- äußerung gewisser militärischer Gebäude, die Besesiigung von Königsberg, die sogenannten Sporlverbände, die in Wirklichkeit militärische Ziele verjolgien. Erst wenn die Kontrollkommission der Bolschaflerkouscrenz mitgeteilt habe, daß sie in allen diesen Punkten befriedigt worden sei, werde die Botschaflerkovserenz den Völkerbund ersuchen können, die Ausgaben der Mililärkontrollc in Deutschland zu übernehmen. wie dies in Locarno ins Auge gesaßt worden sei. Regierung Seipel gewählt. Kampfansage der österreichischen Sozialdemokratie. Wien, 20. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die bürgerliche Mehrheit des Nationalrates wählte mit 91 christlichnationalen und großdeutschen gegen 6-5 sozialdemokratische Stimmen am Mittwoch die neue Regierung Seipel. Die Verteilung der Ministerposten zwischen den beiden Regierungsparteien ist die gleiche wie bisher: nur wurde zum Vorsitzenden der bisherige zweile Präsident des Natienalrates, Dr. D i n g h o f e r, gewählt, der zugleich das Justiz- Ministerium übernommen hat. Der bisherige großdcutjchc Justiz- minister Dr. Wa b e r wird am Mittwoch an Stelle Dinghofcrs zum zweiten Präsidenten des Nationalrates gewählt werden. Von den weiteren Ministern sind erwähnenswert der christlichsoziale Dr. Ki e n b öck als Finanzministcr und der Ab- geordnete Schmitz, der zum Unterrichtsminister gewählt wurde. Schmitz war im früheren Kabinett Seipel Minister für soziale Ver- rvaltung. wo er sich als fanatischer A r b e i t e r s e i n d be- tätigt hatte. Bundeskanzler Dr. Seipel hat bereits in der Mittwochsetzung die Programmerklärung der neuen Regierung abgegeben. Abgesehen von einigen Bosheiten gegen die Sozialdemokraten, war sie ziemlich farblos. Für die sozialdemokratische Fraktion hat Genosse S e i tz in einer längeren Rede die Stellung zur neuen Re- gierung dargelegt und erklärt, daß das Dreigestirn Scipel-Kienböck- Schmitz von der Arbeiterschaft als Provokation aufgefaßt werden müsse. Vierte des«Vorwärts": Nie fran nmi der Sozfailsrons Marie Juchacz: Kultur und Volkswohlfahrt. Anna Geyer; Frauenarbeit— Frauenrechte. Hedwig Wachenheim: Die Krise der Familie. Hedwig Schwarz: Vernunft in der Hauswirtschaft. Bebel über das Frauenrecht. kNussoiini und flverescu. Italiens imperialistische Politik am Balkan. Bon Hermann Wendel. Als Mussolini und A v e r e s c u am 16. September in Rom den Freundschaftsvertrag zwischen ihren Staaten unterzeichneten, mögen sie sich besonders beziehungs- voll die nicht ganz saubere Rechte gedrückt haben; denn wirklich waren hier einmal zwei Spießgesellen einander wert. Italien und Rumänien sind heute die beiden Länder, in denen Recht und Gesetzlichkeit am meisten zu den Hunden geflohen ist und der Knüppel eines schamlosen Willkürregiments triumphiert, und General Aoerescu, der ein Möcytegern-Mussolini ist, oerschite denn nicht, dem Faschismus eine Verbeugung zu machen, indem er die gut: Verwaltung eines Landes rühmte, in dem die Bürger diszipliniert seien! Aber trotz der aufdringlichen Sehnsucht der Rumänen, als echte Nachkommen der alten Römer zu gelten, befriedigte der Bertrag mit dein eitlen Nachüffer des antiken Römertums die öffentliche Meinung des Landes keineswegs. Die ganze Po- link Bukarests seit 1918 ging darauf aus, den territorialen Be- stand des gewaltig angewachsenen Reiches zu sichern. Daher der Beitritt zur Kleinen Entente, daher der Schutz- und Trutz- vertrag mit Polen, daher auch der vor wenigen Monden ab- geschlossene Paki mit Frankreich. Bor allem ist Rumäniens außenpolitisches Weh und 2lch aus einem Punkte zu kurieren, der Sicherung Bcßorabiens heißt. Obwohl d'efa 1918 angegliederte Provinz überwiegend von Rumänin und nur zum geringen Teil von Russen bewohnt ist. hat die Sowseirsgierung ihren Anspruch auf das 1878 vom Zarismus geschluckte Land keinen Augenblick preisgeben Die Grenzen aller Nachbarstaaten hat sie anerkannt, nur die Rumäniens nicht, und in Bukarest gab man sich schwere Mühe, die Groß- mächte zu Garanten der neuen Besitzverteilung zu machen. Aber nur widerwillig hat England 1922, Frankreich 192-t den Pariser Vertrag vom 28. Oktober 1920 ratifiziert, der Veß- arabien zu Rumänien schlägt, und Italien hat sich, obwohl ebenfalls Unterzeichner des Vertrages, bisher geflissentlich von seiner Ratifizierung gedrückt. Als sich darum Aoerescu nach Rom begab, verhieß er, daß er die Anerkennung Italiens für das rumänische Beß- arabien mitbringen werde, aber an Ort und Stelle w'.dcrfvhr ihm bittere Enttäuschung. In ihren Gewaltmeihoden sind sich der schwane Bolschewismus in Italien und der rote Faschismus iu Rußland?ii wefsnsähnlich, als daß die römi- schen Machthaber ohne Rot d:n Zorn des Lcningrader Ty- ransn beraustordern möchten. So kam in den italienisch- rumiiniscben Vertrag trcht nur keine Silbe über Beßarabien im besonderen und über Grcnzsicherunq im allgemeinen, son- dern in einem offiziellen Schreiben an Aoerescu betonte Mussolini auch ausdrücklich, daß er aus mündlich initge- teilten Gründen das Abkommen Beßarabien unerwähnt lasse. und daß der Pariser Vertrag von 1920 erst dann zu raiifizie- ren sei, wenn die allgcmcmen Interessen Italiens dadurch mcht geschädigt würden. Der rumänische Ministerpräsident biß in oen sauren 2lvfel und trollte sich mit dem fadenscheinigen Trost heim, daß in Rom wenigstens die Existenz des Pariser Vertrags anerkannk und feine Ratifizierung irgend- wann einmal in Aussicht gestellt worden sei. Da demnach das Uebereinkommen zwischen Italien und Rumänien wenig Bindendes und Handgreifliches enthält und zudem zwischen zwei Schnapphäbncn geschloffen wurde, könnte es im Ernstfall wie in Heines Gedicht von den beiden edlen Polen gehen: lind da keiner wollte leiden, Daß der andere für ihn zahle, Zahlte keiner von den beiden. Aber erst wenn er zwischen den Zeilen gelesen wird, cnt- hüllt der Vertrag sein eigentliches Wesen. Die rumänische Opposstionspresse sieht in ihm nur einen Schlüssel, mit dem sich der italienische.Kapitalismus einen neuen stid- osteuropäischen Markt aufschließen will, um gute Geschäfte zu machen. In der Tat stauen sich nach Ueberwindung der gröbsten Rachkriegswirlungen auf der Apeimincnhalbinsel die Produktivkräfte. Zu Ende des vergangenen Jahrhunderts noch auf die Einfuhr von Textilien angewiesen, ist Italien heute ein großer Exporteur von Baumwollwaren, der 1925 nicht weniger als 737 000 Doppclzentner auf den Weltmarkt warf. Ebenso entfällt ein Sechstel der gesamten Weltproduttion an Kunstseide auf„das Land, wo die Zitronen blüh'n"; feine elektrische Krafterzeugung hat sich seit 1914 mehr als vel-drei- facht und gewaltigen Aufschwung verzeichnet auch die 2l»to- mobilindustrie. Der Faschismus sieht sein tieferes Daseins- recht in der Rolle eines Schrittmachers dieses Kapitalismus und betrachtet im Südosten Itasien als den legitimen Erben der Habsburger Monarchie, die auch bis zum bitteren Ende noch der wirtschaftlichen Unterjochung und kolonialen Aus- guctschung der Balkauhalbinsel strebte. Wenn Rumänien in den letzten Iahren drauf und dran war, sich dem ökonomischen Einfluß Italiens zu entwinden, so ist nach der im Sommer gewährten Anleihe von zweihundert Millionen Lire dieser Vertrag dos zweite Mittel, das Land Averescus unter die Botmäßigkeit des römischen Kapitals zu bringen. Bisher be- fanden sich unter den 195 Gesellschaften, die an der Ausbeu- tung der rumänischen Erdölschätze teilhaben, nur vier italie- nische Finanzgruppen. Künftig soll das anders werden! Da Mussolini jedoch mit gleichem Eifer nach der politischen Vorherrschaft auf dem Balkan trachtet, ist der Vertrag mit Rumänien auch da eine Masche in dem Netz, das er über der Halbinsel zusammenzieht. Das größte Hindernis für die Strcbungen der faschistischen Außen- A f I i.! 1:....A«•£ K I ,•« f„ f Tn � �• A Ci' f n*%-> PC Li*«A X A AAA I r A«A S» A Sesonöeres und Mbfonöerliches. konzerkumfchau von Kurl Singer. Es geschieht etwas Sonderbares in der Philharmonie. Menschen, friedlich gestimmt, zu Tausenden, umstehen, umjubcl» einen einzelnen. Das muh eine Primadonna fein, der gleich die Pferde ausgespannt werden. Und eine liebenswürdige, da sie gern und viel spendet, und eine schöne, denn durch Musik allein wird ja Berliner Bürgertum nicht warm. Aber nichts von alledem. Der sich so schön und so liebenswert vor der Umschlingung der Masse zu retten weih, indem er ihr alle Gefallen tut. ist ein Greis, Bat- t i st i n i. Cr singt zum letzten, unwiderruflich letzten(?) Male im Konzertsaal. Der Meistersinger von 70 Pahren. Der Belkantist der Buhne. Der Mann des vorbildlichen Atems, der gelockertsten Sprache, des belebtesten Vortrags, der Künstler, der dem Erhabenen und dem Trivialen zugleich ein heiliger Deuter wird. Was singt er nicht alles? Volkslied und Mozart und Verdi und Peri. Zwischen die Reihe der Zugaben setzt er ein berühmt kleines Programm, bei dem chm Li nd e m a n n in vollendeter Laun« hilft. Kein edlerer Bariton, kein tragenderes Organ, kein treibenderes Temperament ist heute noch zu finden. Spuren des Alters? Unmöglich, es zu über. sehen. Der Lauf nach der Tenorhöhe zu wird vorsichtiger als früher zu Ende geführt, kleine Transpositionen helfen die Gefahr über- winden, und ab und zu wird der Atem schneller, tiefer gezogen, als es dem jugendlichen Brustkorb einst nötig war. Was tut's? Vom Gesang, vom angedeuteten Spiel, von der flammenden Künstler- persönlichkeit B a t t i st i n i s wird gepackt, wer Gesang überhaupt noch liebt. Ein Bombenerfolg, auch für die Konzertdirektion Leonard, die wohlweislich sogar die Pressekarten für sich be- halten hatte. Emil B o h n k e gibt sich Mühe, die Programme seiner sin- fonischen Konzerte besonders interessant zu machen. Diese Methode hat etwas doppelt Gutes. Einmal können wir aufhorchen auf das Neuartige, vielleicht Erstmalige, das da erklingt, und zweitens lenkt der Bortrag noch von dem Dirigenten ab, der sich in eine Technik «inlebt, um sie langsam beherrschen zu lernen. B» h n k e ist ein guter, ein gesunder Musikant, schwerfällig, ohne Nerven, ohne die - Gabe des Differonziersns. Kann er wohl singen? Ich glaube es nicht, denn ed klingt keine Gesangsphrase der 5. Sinfonie Tschai- kowskys bis zu Ende, die Phrafieiung ist mangelhaft, der Atem des Dirigenten unsicher. Zudem findet er zwischen Laut und Leise, zwischen Zeitlupenaufnahme und Nurmi keinen rechten Ausgleich. Aber das kann alles werden, denn Musikantenblut ist da, und das ist doch noch dicker als das Wasser der Routine. Aus der urauf- geführten 2. Sinfonie von Max Butting konnte er allerdings wenig machen. Das liegt hauptsächlich an der Komposition. Butting, im Kammcrmusikalischen ein eigener Kopf, versucht hier, mit dem üblichen Rezept der unentwegt Atonalen Musik im großen zu schaffen. Er beginnt im ersten Satz temperamentvoll, arbeitet mit schönen Kontrasten, weitz aber karge Gedanken nicht weiterzutreiben, zu füllen und zu färben. Tonales an Melodie wird bequem atonal retouchiert, zwischen Baß und Diskant bewegen sich Linien und Lichter recht unorganisch, dick. Im Adagio schleppt sich Klang unendlich nichtssagend hin, bis Schlußakkorde, ätherische, wieder Die Aollernprinzesiln in Sowjetrußlanö. Eine rnssisch-offiziöse Darstellung. Zur Angelegenheit der Hohenzollernprinzesstn, die eine Vergnügungsreise durch Sowjetrußland machte, erläßt jetzt die Telegraphenagentur der Sowjetunion folgende Erklärung: Im August dieses Jahres hat eine südamerikanische Touristenexkursion einige europäische Länder und darunter auch die UdSSR, besucht. Sie bestand aus südamerikanischen Politikern, Industriellen, Gelehrten, Journalisten usw., denen sich in Europa eine Anzahl spanischer, holländischer und deutscher T o u r i st e n angeschlossen hat. Unter den letzteren befand sich auch die Frau eines preußischen Prinzen. Die Teilnehmer der Exkursion sind weder von der Regierung noch von irgendeiner Organisation in der UdSSR, eingeladen worden; sie wurden auch nicht als Gäste der Sowjetregierung behandelt. Die Exkursion, die insgesamt drei Tage in der Sowjetunion weille, besuchte Leningrad und Moskau. Es wurde ihr von der Regierung kein Extrazug zur Verfügung ge- stellt und sie bezahlte ihre Eisenbahn, und Dampferrouten tarif- mäßig. Auch die in der sozialdemokratischen Presse erwähnte an- gebliche„Festvorstellung" war eine gewöhnliche Vorstellung, für die die Exkursion bezahlte Karten vorbestellt hatte. Es ist nicht wahr, daß— wie die„Ostthüringische Tribüne� behauptet— eine Hohenzollernprinzcssin„mit großen Ehren emp- fangen wurde". Ebenso erfunden ist die Behauptung des„Schwä- bischen Tageblatts",(?) Tschitscherin selber habe die Honneurs ge- macht. Es fand überhaupt kein Bankett oder Empfang zu Ehren der Exkursion statt. Diese Feststellung erübrigt die Richtigstellung weiterer Erfin- düngen der sozialdemokratischen Presse über angebliche Teilnahme Tschitscherins oder anderer Regierungsoertreter an diesen Banketts, Trinksprüchen usw. Für uns ist allein wesentlich die Feststellung, daß einer Hohenzollern Prinzessin die Einreise nach Rußland gestattet worden ist, während sie einem Berichterstatter des „Vorwärts" versagt wird. Diese Feststellung, die für sich allein schon Bände spricht, wird durch die russisch-offiziöse Erklärung bestätigt. Was aber das Drum und Dran der Berichterstattung betrifft, so scheint uns, daß sich die russische Erklärung, indem sie auf die sozialdemokratische Presse im Reich Bezug nimmt, an die falsche Adresse wendet. Urheber der Enthüllungen über die Reise der Zollernprinzessin ist doch die Opposition in der KPD.! Rückwärts... D«r Rückgang d«r KPD. in Niederfachsen zeigt sich, wie uns aus Braunschweig geschrieben wird, immer deutlicher. Jetzt hat die KPD. wieder einen schweren Verlust zu beklagen. Die drei bis- her im Gebiet Hannover-Braunschweig, Westfalen-Lippe und Hessen- Waldeck erscheinenden kommunistischen Parteiblätter werden mit dem 31. Oktober eingehen. An ihrer Stelle wird nur noch in Hannooer«ine Zeitung, die„Neue Arbeiter-Zeitung" erscheinen. Sie soll den ganzen Bezirk versorgen, in den sich bisher drei Zeitungen teilten. Von Bielefeld bis Helmstedt und von Kassel bis weit hinauf in die Lüncburger Heide wird es also in Zukunft nur noch eine Zeitung der KPD. geben. Und ob die„Neue Arbeiter-Zeitung" ein langes Leben haben wird, ist auch noch sehr fraglich. Staatsgerichtshof für öen tvikingbunü. Das Verbot für Preußen aufgehoben. Im Mai d. I. hat der preußische Innenminister den „Wikingbund" Ehrhardts und den sogenannten Sportverein l „Olympia" auf Grund des Rcpublikschutzgesetzes und auf Grund des Gesetzes zur Ausführung des Friedensvertrages oerboten. Dieses Verbot erfolgte im Anschluß an die Aufdeckung der Putschist!- schen Vorbereitungen des Herrn Elaß und seiner Genossen. Soweit das Verbot auf Grund des Republikschutzgesetzes erfolgt war, haben die Anwälte der beiden Verbände Beschwerde beim Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik erhoben und den Erfolg erzielt, daß das Verbot am Mittwoch durch Gerichts. fesseln, und im Allegro bricht nur ein sehr verkrampfter, gar nicht freier Humor durch. Die Komposition, deutlicher Beweis ein«? noch zielunsichercn Begabung, stieß aus guten Beifall und leise Ableh. nung. Dritter, absonderlicher Fall: eine junge, noch unbekannte Sän- gerin wird stürmisch gefeiert vom großen Publikum. Blumen und Lorbeer in Fülle. Zu viel, zu früh des allzu Guten. Charlotte Schräder, hoher Sopran, gute Podiumerscheinung, will ganz hoch hinaus. Schönes Material, schlank« Kopftöne, doch wenig Resonanz der Tiefe, lieblich im Vortrag, doch monoton, schnell er- müdend und leicht detonierend. Eine Erwartung, keine Erfüllung. Woher die große Spannung in der Lust? Es erhebt sich, ungc- rufen, ein sympathischer Mann im Publikum, winkt der Sängerin entzückt zu, applaudiert lange, verbeugt sich vor den Nachbarn, läuft mehrmals zum Podium. Richard W i n tz e r schürt also den Erfolg seiner eigenen Lieder. Lieber Kollege, das hätten sie nicht tun sollen. Das war eine kleine kritische Entgleisung und eine kleine Geschmacklosigkeit dazu. Die Lieder selbst sind gut erfunden, voll- griffig im Klavierpart, dankbar im Vortrag, effektvoll gesteigert, nicht immer kurzweilig, straußisch und wagnerisch erhitzt. Wiegen- lied und Liebeslied gefielen am besten. Margarete Roll ist noch jung; so hat sie im Regerschen Lied schon musikantisch einen harten Stand. Lieblich, wie sie ausschaut, setzt sie behutsam Ton an Ton. Noch erklingt kein ganzes Stück. sondern ein Mosaik an gelernten Dingen. Entwickelt sich die noch starr« Stimme zum Sopran oder zum Alt, so wird man ein Talent mehr grüßen dürfen. Das Volksbildungsamt Prenzlauer Berg gibt sein erstes Sinfoniekonzert. Das Aufgebot ist stark. Mahlersche Lieder (Cmmy von Stetten), Einführung durch den klugen Sprecher Rudolf Kastner, Hören st ein als Dirigent und Mahlersche Sinfonie Nr. 4. Zu bedenken bleibt, ob die Ambitionen nicht zu hoch sind. Gestern noch klassische Sinfonie und heute schon tiefst schürfendes Mahler-Erlebnis? Hoff�ntl'ch kam das Publikum mit Denken und Fühlen dieser Mlisikphilosophie nach. Heinz U n g e r hat eifervoll die Propaganda für seinen Konzert- zyklus betrieben und treibt jedes Konzert wieder fieberhaft zur Höhe. Er malt die vielen Stimmungen, die im ersten Satz der 3. Mahler- schen Sinfonie ruhen, klar, freundlich, ekstatiscy nach, immer mit dem Unterton des Mystischen, das Volkstümliche noch gerade am Ba- nalen vorbeirettend. Gesunde, kultivierte Art des Musizierens und ganz frei in der Technik. Leider zwang uns die Straußische„Sa- lome", das freudige Fest zu unterbrechen. Warum beginnt Ungcr seine langen Abende erst um 8 Uhr? Zur Frage der Akademie-Reform. Auf den— von uns veröffentlichten— Brief Max Liebermonns antwortet jetzt Arno Holz mit einem umfangreichen Schreiben, in dem er die Zustimmung Liebcrmanns zu seinen Reformpläncn mit Befriedigung. konstatiert und einige ihm zuaegangene Zuschriften verössemlicht. „O, mein lieber Herr Arno Holz," schreibt Heinrich Zille, „wie haben sie als Erster sich getraut, die Axt an den alten morschen Baum zu legen. Das Institut Ist eine Lächerlichkeit. Warum sst das nicht schon früher von Geistmenschen erkannt?" Temperament- beschluß aufgehoben wurde. Soweit sich die Berbotsoerfügung jedoch auf das Aussührungsgesetz zum Friedensvertrag stützt, ist eine Beschwerde unzulässig. Es wird also, wenn nicht aus Grund anderer Erwägungen eine Aufhebung des Verbotes von Amts wegen erfolgt, dabei bleiben müssen, daß die beiden rechtsradikalen Geheimorganisationen im Reich und Preußen v e r- boten sind. Zwar werden nun auf Grund der Entscheidung des Staats- gerichtshofs alle deutschnationalen Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Putschorganisationen wieder zur öffentlichen Wirksamkeit zu- zulassen, wir erwarten jedoch, daß sowohl die Reichs- wie die preu- ßische Regierung allen diesen Beeinflussungsoersuchen wider st ehen und eine durchaus berechtigte Mahnahme nicht selbst wieder durchlöchern werden. Das flrbeitsgerichtsgesetz. Verhandlungen in» Reichstagsausschuß. In seiner Mittwoch-Sitzung befaßte sich der Sozial« R e i ch s i a g s a u s s ch u ß bei der Weiterberatung des Arbeits- gerichtsgesetzes zunächst mit der Gebührenfestsetzung. Die Aitträg« der Sozialdemokraten und Demokraten, abweichend von der Regierungsvorlage, in allen drei Instanzen besondere und er- mäßigte Gebühren einzuführen, fanden Annahme. Nach dem Ausschußbeschluß betragen die Gebühren bei einem Streitwert bis zu 20 Mark: 30 Pfennige, von mehr als 20 bis 60 Mark: 60 Pfennige, von mehr als 60 bis 100 Mark: 1 Mark und von da ab für jede angefangenen 100 Reichsmark je 1 Mark bis zu höchstens 300 Mark. Annahme fand ferner der sozialdemokratische Antrag, den Laienbeisitzern die Bezeichnung Arbeitsrichter zu geben und damit auch äußerlich ihre Gleichberechtigung mit dem juristischen Vorsitzenden zum Ausdruck zu bringen. In der folgenden General- debatte über den zweiten Teil des Gesetzentwurfs forderte Genosse Graßmann, das Reich zum Träger der Arbeitsgerichts- behörden zu machen. Er konnte in seiner Begründung auf die Reichsverfassung hinweisen, die die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechtes öorsieht, dessen wichttgste Voraussetzung auch die Ver- einheitlichung der Arbeitsrechtsprechung sein muß. Er erläutert« weiter den grundsätzlichen Antrag der Sozialdemokraten zu dem gesamten Aufbau der Arbeitsgerichte, wonach zur Mitwirkung in der Verwaltung beim Reichsjustizministerium ein paritätischer Reichs- arbeitsjustizausschuß, bei den Landesjustizbehörden Landesarbetts- justizausschüsse aus den beteiligten Arbeitnehmern und Arbeitgebern gebildet werden sollen. Die Deutsche Volkspartei versuchte in einem neuen Antrag, den Arbeitsgerichten den Charakter als s e l b st ä n- d i g e Gerichte wieder zu nehmen und sie in die ordentlichen Ge- richte einzugliedern. Nach einer mehrstündigen Debatte wurde der sozialdemokratisch« Antrag von sämtlichen bürgerlichen Parteien abgelehnt, selbst ein demokrattscher Antrag, der den Beschlüssen des Reichswirtschafts- rats entspricht und wenigstens Beiräte für die Mitwirkung in der Verwaltung der Arbeitsgerichtsinstanzen vorsieht, wurde gegen die Stimmen der Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Die sämtlichen Abgeordnet en von den christlichen Gewerkschaften stimmten damit gegen die Anträge ihrer eigenen Organisationen. Nachdem auch der sozialdemokratische Antrag, die Arbeitegertchtsbehörden zu Reichs behörden zu machen, abgelehnt war, wurde beschlossen, daß die Kosten der Arbeitsgerichte und der Landesarbeitsgerichte von den Ländern, die Kosten des Reichsorbettsgerichtes vom Reich zu tragen sind. Der Versuch der Deutschen Volkspartei und ihres Redners, des Abg. Thiel, auf völlige Eingliederung der~ Arbeitsgerichte in die ordentlichen Gerichte tonnte auch diesmal mit starker Mehrheit abgewiesen werden. Genosse Adolph Hoffmann schreibt uns: Für alle Beweise von Liebe und Freundschaft, die mir aus Anlaß meines Jubiläums aus allen Teilen Deutschlands zugingen, ist«s mir nur aus diesem Wege möglich, meinen herzlichsten Dank auszusprechen, ganz besonders der 4. Abteilung für das prächttge Fest im Gewerkschaftshaus. Adolph Hoffmann. Die Konferenz der deutscheu Flnanzminister wird am 2. No> vember dieses Jahres tagen. voll äußert sich Prof. E. R. Weiß:„Als Mitglied der Akademie, der ich die Ohnmacht dieser Ouatschbude ost genug beschämend emp- funden habe, sage ich zu Ihrem Cntwurs Bravo!' Und dreimal Bravo für Ihren M.t, und Dank für Ihre Mühe!" Ein dritter, der vorläufig noch nicht genannt werden möchte, erinnert an ver- schiedene Ereignisse der jüngsten Zeit, die die Ohnmacht der Akade- mie beweisen:„1. Die Zusammenlegung der Berliner staatlichen Kunstschulen und die Verpachtung des Ateliergebäudes Prinz-Albrecht-Strahe hat hestigften Widerstand in der Akademie gefunden. Die Kommission der Akademie, die auf Wunsch des Landtags zu der Frage Slellung nahm, wurde vom Kullus- Ministerium nicht beachtet. Welche Konsequenzen zogen die Mit- glieder der Akademie? Keine. 2. Konflikt zwischen Justi und Liebermann. Liebermann fühlte sich aufs schwerste ge- kränkt, die Akademie mit ihm. Das Kultusministerium stellte sich 'auf Seite Justiz. Welche Konsequenzen zog die Akademie? Keine. 3. Der Umbau des Opernhauses veranlaßte auch einen Protest der Akademie. Der Eindruck, den dieser machte, war gleich Null; und die Konsequenz, die die Mitglieder der Akademie aus ihrer gleich Nullbewertung zogen, war ebenfalls wieder gleich Null." Wettbewerb für die Ausschmückung der Frankfurter Marien- kirche. Zur Gewinnung von Entwürfen für eine malerische Aus- schmückung des Innern der westlichen Eingangshalle der S t. M a- ricnkirche in Frankfurt a. d. O. veranstaltet der preußische Kultusminister einen engeren Wettbewerb. Zur Beteiligung an diesem sind seitens des Ministers 20 Künstler aufgefordert worden. Von der Ausschreibung eines allgemeinen Wettbewerbs wurde in diesem Fall in Anbetracht der wirtschaftlich schweren Zeit und mit Rücksicht darauf abgesehen, daß nur sehr wenige der an einer all- gemeinen Konkurrenz sich beteiligenden Künstler Preise und Ent- schädigungen erhalten könnten. Eine Erweiterung erhält dieser engere Wettbewerb jedoch insofern, als denjenigen deutschen Künst- lern, die ähnliche Aufgaben malerischer Ausschmückung kirchlicher Gebäude bereits ausgeführt haben und die preußische Staa:s< angehörigkeit besitzen oder in Preußen leben, die freie Beteiligung gestattet ist. Für diese Künstler sind die näheren Bestimmungen des Wettbewerbs durch die Akademie der Künste, Berlin, Pariser Platz 4, zu bezichen. Frauen-Dienstpflicht in Peru. Eine Anzahl peruanischer Frauen. organisationen haben eine gemeinsame Denkschrift an die Regierung gerichtet, in der sie die Einrichtung einer allgemeinen Dienstpflicht für die Frauen verlangen. Die Dienstpflicht soll in erster Linie aus den Arbeitsgebieten der Krankenpflege, der Unfallverhütung, der Kinderfürsorge und der Lebensmittelversorgung durchgeführt wer- den. Die Denkschrift hält auch eine Kasernierung während des Dienstjahrrs für wünschenswert. Arno Hotz' vielgenannter„Entwurf einer Deiltichem?lka- demic alt Vertreterin der geeinten deutschen KeisleS- a r I) c i t e r i ch a s t" iit ol4 vrolchüre im Verlag von Otto».Holten, Berlin C.1S, Neue Grilnsir. 13, erschienen. HeNurqga, in der tüvebuiger Heid« 7 Eine Entdeckung, die anscheinend von größter Bedeutung ist. ist in dem Erdöllager der Ldnebiirger Heide gemacht worden, indem man selftellte, daß die dortigen Oellager allem Anschein nach stark heliumhattig find. pounr war aus oicicm iycioe oie sucinc rxmeme zwischen oer Tschechoslowakei, Südslawien und Rumänien, die im Ver hältni? zu der Großen einen ausgesprochen antiimperialisti schen Charakter aufweist. Ginge es für Mussolini um eine friedliche Balkanpolitik, so wäre, wovon schon einmal die Rede war. der Beitritt Italiens zur Kleinen Entente das Ge gebene. Er zieht es aber aus durchsichtigen Gründen vor, dieses Dmstaatenbündnis von innen heraus zu lähmen, indem er eins ihrer Mitglieder nach dem anderen, erst Südslawien, jetzt Rumänien, durch besondere Verträge an sich bindet. Aber auch die anderen Balkanstaaten traben bereits in seinem Ge folge. Die Tage, an denen sich in Rom die Abordnungen der unterworfenen Völker des Erdkreises drängten, stiegen für den größonwahnsinigen Imitator der Cäsaren auf. als kurz nach Averescu der bulgarische Llußenminister B u r o w huldi- gend in Rom erschien und sich gleich darauf eine griechische Deputation unter T i d a l y s nahte, um an den neuen Handelsvertrag die letzte Feile zu legen. Da Albanien heute nichts a�s eine italienische Kolonie ist, wäre mit Einbe- ziebung Rumäniens. Griechenlands und Bulgariens ein ganz niedlicher Ring geschlossen, und Südslawien. das trotz des Freundschaftspaktes mit Rom wegen der Mißhandlung der 500 0teichsreIicrilng war gerade der Teil des Programms, auf den die m u n g e n und W iderständen machte sich bemerkbar. dieser Widerstände........ Ein Teil liegt darin, daß jede Provinz, die zu den Kosten herangezogen werden soll, mit Gegenforderungen aus S t i ch k a n ä l e und dergleichen anrückte. Der tiefere Grund jedoch, warum es mit dem Kanalprogramm nicht vorwärts ging, iiegp darin, daß Reich und Preußen In der Kanalfrage verschiedene Wege gingen. Das preußische Staatsministerium kann sich nicht dafür bs- geistern, Schiffahrtsstraßen zu bauen, die eigentlich eine Sache des Meiches sind. Dag Ärbeitsbefchaffungsprogramm will de» Bau von Schiffahrtsstraßen durch dieproduttioeErwerbsloien- f ü r f o r g c finanzieren. Das bedeutet, daß Reich und Länder zu den Kosten beitragen müssen. Preußen wollte deshalb auch den Lau des Kanalwerkcs von O t t m a ch a u aus den, Arbeits- bcfchaffungsprogramm herausgenommen haben, well seine Durch- sührung R e i ch s s a ch e sei. Im preußischen Handelsnünisterium steht man den�Zanalplänen, vor allem jenen der Kohlenreviere, mit großer Skepsis gegen- über. Man hält daran fest, daß Kanäle immer erhebliche Zu- sch ii[| c fordern und daß deshalb nur mit großer Vorfielt an neue Kanalbauten herangegangen werden könne. Vor allem könne man keine Kanäle bauen, die in erster Linie dem Kohlentransport zu dienen bestimmt feien. Man müsse damit rechnen, daß in Verhältnis- mäßig kurzer Zeit die ganze Kohlenwirtscliaft umgestellt werde. Wenn die amerikanischen Oelproduzentcn der deutschen Kohlenwirt- schast Hunderte von Millionen anböten Millionen M. notwendig sind und wozu finanzielle r-ckerstüfntm vom Reich qekordevt wd. Gegen den Ausbau bereits begonnener Kanäle, z. B. des Kanals H a ni m— L i p p st a d t oder des m a f u r i s ch e n Kanals hat Preußen nichts einzuwenden, da man natürlich angefangene Bauten nicht liegenlassen könne, sondern dafür sorgen müsse, daß unter den zum Teil bereits fertigen Brücken oder Meliorationen? Ueber die allgemeine Streiklage ist noch zu sagen, daß die Zahl der Streikenden, die sich in die Listen einträgt, stündlich wächst: die Haltung der in den Betrieben befindlichen Arbeiter(Rohrleger und Helfer) ist mustergültig. Sie lehnen jede Zusammenarbeit mit Streikbrechern mit Entschiedenhell ab und nehmen an dem Ver- lauf des Kampfes— wie das aus den vielen Meldungen, die bei der Streikleitung eingehen, ersichtlich ist— wärmsten Anteil. Die Zentral st reikleitu na. Günther, Lange, Bräunlich, Fink, Ientsch, Eisenbraun. f"ll, Kanäle hindnrchgeführt werden. Die Argumente des preußischen Staatsministennms. das, wie wir boren, in dieser wichtigen Frage eine einheitliche Aussassnng bat, können nicht mit einer Handbewegung abgetan werden. Auf der anderen Seite kann aber auch nicht das ganze Kanalbaupro- gromm sang- und klanglos eingesargt werden. Im Interesse der Arbeitsbeschoffunq wäre daher eine baldige Verständigung zwischen Reich und Preußen dringend erwünscht. ö:? ftrbcleszeitveroeönung außer Kraft: Eine dankbare Aufgabe fiiir die Gewerbeaufsicht Das Arbeitsbefchaffungsprogramm der Regierung bezweckt, die Zahl der ArNitslosen zu verringern. Der Arbeitsminister sendet Rundschreiben pber Rnndschreibcn an die Dienststellen, an die Unter nehmerverbünde zur Aeseitignng der Doppelverdiener und der über langen Zirbeitszeit. In Berlin am Kronprinzenufer scheinen die Unternehmer der Binnenschiffahrt keine Rücksicht auf diese Bestimmungen zu nehmen, dort wird sehr oft bis in die späte Nacht hinein gearbeitet. Besonders fällt hier die Firma Rothenbücher, Maaß u. L ü d e ck e auf. Am Dienstag, dein t9. Oktober, wurde bei dieser Firma noch gegen Mitternacht gearbeitet. Obgleich die Arbcitszeitverlängerung nur in bestimmten Fällen eine Ucberlchreitung der Arbeitszeit um wenige Stunden vorsieht— in dem Tarifoertrog für die Schiffsbesatzungen ist die achtstündige Arbeitszeit vereinbart— wird in der Regel diese Arbeitszeit anz erheblich überschritten. Arbeilszeilen von 12 bis 16 Stunden nd keine Seltenheiten. Würden die Schiffahrtsfirmen durch die Gewerbeaufsicht gezwungen, die normale Arbeitszeit einzuhalten, so könnten Arbeitslose untergebracht werden. Herr Gewerbeaufsichtsrat, hier ist eine dankbare Aufgabe! Des Stre'k in Ser AentraiheizungsinSuflrie. Sämtliche Lngestelltenverbände bekeiligi. Der Streik der Angestellten wird mit unverminderter Energie fortgesetzt. Auch am Mittwoch hat sich die Zahl der Streikenden ver- größert. Gleichfalls haben sich verschiedene Firmen berellerklärt, die Forderungen der Streikenden zu erfüllen. Der Schlichter von Groß-Berlin hat im Einverständnis mit den Arbeitgebern die Verhandlungen bereits auf heute früh 9'.� Uhr festgesetzt. Am Mitt- woch hat auch der Deutfchnationale Handlungsgch'lfenverband sich dem Streik angeschlossen, was vom Berbrnid weiblicher Bureau- und Handelsangestellten bereits Dienstag geschehen ist. Der Streik ist damit allgemein. Die D a u e r d e s S t r e i k s ist von der Stellung- nähme der Arbeitgeber in ihrer Generalversammlung und ihrem Verhalten in den heutigen Verhandlungen beim Schlichter abhängig. Die Stimmung der Streikenden ist sehr gut und zuver- sichtlich. Ueber die heutigen Verhandlungen berichtet die Streik- leitung in der L e r s a m m l u n g heute abend Uhr im Nordischen Hof, Großer Saal, Invalidenstr. 126. Die außerordentliche Generalversammlung der Unternehmer. die gestern stattfand, dürste eine Klärung der offensichtlich sehr starken Meinungsverschiedenheiten im Unternehmerlager nicht gebracht haben. Mit Bestimmtheit ist jedoch zu erkennen, daß durch diele Versammlung eine Nervosität ausgelöst wurde, die für bestreikte Untcrnehmeroerbände nach den bisher gemachten Erfahrungen als ungewöhnlich angesprochen werden muß. Bedeutende Firmen haben telephonisch das Streiklokal wieder- holt angerufen und den naiven Wunsch geäußert, mit ihren An- gestellten in einer von ihnen einzuberufenden Betriebsversammlung zu sprechen. Der Zweck dieser Aussprache sollte darin bestehen. die Angestellten„einwandfrei" zu informieren, nachdem sie von den Organisationsvertretern offensichtlich„falsch" unterrichtet und ver- hetzt worden seien. Bon der Streikversommlung. der von dieser wahrscheinlich ein- zigen Parole, die der Arbellgeberverband heute herausbringen konnte, Kenntnis gegeben wurde, ist diese Mitteilung mit großer Heiterkeit aufgenommen worden. Die Streikleitung hat. obwohl es an sich überflüssig Ist, beschlossen, daß kein Angestellter, der sich im Streik befindet, ohne Zustimmung der Streikleitung mll seinem Unternehmer Fühlung nehmen darf. voller Streikerfolg. In der Badeapparakeinduskrie. Wegen des Streiks in der Badeapparateindustrie fanden gefteru vormittag aus Veranlassung der Unternehmer Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß statt. Der Streik war bekanntlich deshalb ausgebrochen, weil die Unternehmer sich weigerten, die ab 1. Oktober für di? übrigen Bauklempner automatisch eingetretene Lohnerhöhung von 1,30 M. auf 1,35 M. bis zum 31. März 1927 anzuerkennen. Sie hatten sich wohl zur Zahlung dieser erhöhten Löhne bis zum 31. Dezember bereit erklärt, verlangten aber dann Verhandlungen über eine Neusestsetzung der Löhne und Akkorde. Sie wollten, mit anderen Worten gesagt, die zu diesem Zeitpunkt eintretende Ge- schöftsslaute ausnutzen, um dann eine Lohn- und Akkordreduzierung durchsetzen zu können. Die Badeapparateklempner verlangten von den Unternehmern, daß sie die am t. Ollober eingetretene Lohnerhöhung genau wie im Bauklempnergcwerbe unverändert bis zum 31. März 1927 auch auf ihre Beschäftigten anwenden, zumal sie sich bisher stets nach den im Vauklempnergewerbe üblichen Löhnen, auch als diese vermindert wurden, gerichtet haben. Nach längeren Verhandlungen vor dem Schlichtnngsausschuß gaben die Vertreter der Unternehmer die protokollarisch festgelegte Erklärung ab. daß bis zum 31. März 1927 eine Aenderung der Löhne und Akkorde nicht vorgenommen, der Streik nicht als Ar- beitsunterbrechung angesehen und keine Maßregelungen oorge- nommen werden sollen. Die Streikenden nahmen am gleichen Tage z» dem Verhandlungsei gebnis Stellung und beschlossen, heute (Donnerstag) die Arbeit in allen Betrieben geschlossen wieder aus- zunehmen, da ihre Forderungen restlos erfüllt worden sind. Diesen vollen Erfolg in der Badeapparateindustrie danken die Streikenden vor allem dem Umstände, daß sie fast restlos o r- g a n i s i e r t sind. Sie dürfen aber nun ob des erzielten Er- jolges nicht träge werden, sondern müsien dafür sorgen, daß die wenigen Unorganisicrten der Organisation auch noch zugeführt werden. Dieser Kampf ist nicht der letzte gewesen: er war nur ein Abwehrkampf. Es muß im Frühjahr möglich sein, die Unternehmer. die sich bisher jedem Tarifabschluß entzogen haben, entweder zur Anerkennung des Bauklempnertarifes oder zum Abschluß eines be sonderen Tnrifes für die Badeapparateindustrie zu zwingen. Saboteure öes /Achtstundentags. Der„revolutionäre" Industrieverband, Gruppe Verkehr. Seit ewigen Monaten stehen die im Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands organisierten Mitglieder in einem zähen unermüdlichen Kampf mit der Reichsbahnvecwaltung und ihrem vielfach rückschrittlich eingestellten Beamtenapparat um eine Neu regelung der zur Uncrtröglichkeit gewordenen Arbeltszeit und um Abänderung der'Dienstdauervorschriften. Die Organisationsleitungen der Tariforganisationen sind aus dem Stadium der Lorbercitunosarbeiten heraus. Die Werkstätten arbeiter haben bereits die Unterstützung ihrer Wcrkleitungen zur versuchsweisen Einführung des Achtstunden- t a g e s resp. Herbeiführung eines frühzeitigen Wochen endes. Auch in den Berufsgruvpen der Betriebsarbeiter, die unter die Dienstdauervorschristen fallen, macht die Bewegung immer größere Fortschritte. Anders liegen die Dinge dort, wo der in einzelnen Dienststellen noch vorhandene„Industrieoerband. Gruppe Berkehr"(Richtung Schmidtke�Schäfer-Bolz) sein Dasein fristet. Als berufsmäßige „Klnsienkämpfer" fragen die Mitglieder dieser F a s ch i st e n organisation den Teufel danach, ob das Ueberstundenunwesen, oder die auf Wunsch eines nach Leistungsprämien hungernden Dienstvorstehers eingelegte siebente Schicht verhindert wird oder nicht. Der Betriebsrat der Bahnmeisterei 161, Richtung Industrie- verband, stimmte zu, daß einige von der Bahnmeisterei 191»ach der Güterabfertigung Neukölln zur Aushilfsarbeit überwiesene Zeitarbeiter die siebente Schicht arbeiten. Selbst die zuständige Stelle ist machtlos gegenüber diesen Elementen, weil sie sich frei- willig anbiedern.?lehnliche. aber gefährlichere Elemente sitzen im Betriebsrot der Güterabfertigung des Stettiner Bahnhofs. Wir nennen nur den Namen S ch m i d t k e, Indnstrieverband. Daß es noch immer eine Anzahl Dienststellenleiter gibt, die mit derartigen Gnmmimännern durch dünn und dick gehen, darüber braucht man sich freilich nicht zu wundern. Also, wer Ueberstunden schieben will oder mit der 54-Stunde»- woche oder mit sechs Schichten noch nicht zufrieden ist, das heißt sieben oder acht Schichten schuften will, schließe sich möglichst schnell dem Verein der Saboteure des Achtstundentages. Richtung Schmidtke, an._ Nieöerlänöli scher Gewerkfchastskon-zreß. Ablehnung der Vorschläge von Sleenhnis. Amsterdam, 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der 13. Nieder- ländische Gewerkschaftskongreß, der vom 18. bis 29. Oktober im Utrechter Eisenbahnerhaus tagte, war von 214 Delegierten, die 28 holländische Gewerkschaften vertraten, besucht. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die„S t e e n h u i s- F r a g e", d. h. die Frage der bedrohten Einheit der niederländischen Gewerk- schaflsbewegung. Bekanntlich bestehen, seitdem Steenhuis auf dem Rotierdamer Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei eine Verschmelzung der Partei und Gew> rtschasten zu einer L a b o u r- arty propagierte, Meinungsverschiedenheiten im, erhalb des auptvorstandes. Der Lundesoorsitzende Steenhuis stellte in semer Eröff- nungsrede zunächst mit Genugtuung fest, daß die Mitgliederzahl des Gewerkschaftsbundes auf 299 999 gestiegen ist. Trotzdem warnte er vor Optimismus. Er wies auf die große Arbeitslosig- k e i t hin und betonte, ein Wiederonfleben der europäischen Wirt- schast sei nur möglich, wen» es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Westeuropa und Rußland komme. Scharse' Kämpfe um das Existenzminimum und die Arbeitszelt stünden bevor. Steenhuis besprach dann die Frage des Verhältnisses zwischen Partei und Gewerkschaften. Das Wesent- liche, betonte er, sei, die richtigen Formen einer Zu- sammenarbeit zu finden. In der allgemeinen Zlussprachc erklärte der Vorsitzende»es Zentralverbandes niederländischer Beamter, Genosse R o o r d h o s f, Steenhuis entfremde sich dem Bund und pafle sich nicht der Siel- long an. die die Gewerkschaftsbewegung Ihm angewiesen habe. Genosse H i l m st r a vom Niederländischen Landarbeiterverband er- klärte,'Steenhuis habe in seinem Kampf gegen FImmen immer mehr besten Standpunkt«ingenommen. Genosse de Iong vom Fabrikarbeiterverband bedauerte Steenhuis' übereilten Boy. kottvorschlag gegen Italien. In Ähnlicher Weise nahm« noch mehrere Redner gegen Steenhuis Stellung. Am zweiten Kongreßtage trat zunächst der Hauptvorstand zusammen, woraus nach' Eröffnung der Berhandlungen Steenhuis eine Erklärung abgab, in der er versicherte, unmittelbar nach der allgemeinen Tagung im geschästssührenden Vorstand ewe offene Auesprache herbeizuführen und daran mitzuarbeiten, daß alle Maßnahmen getroffen werden, wodurch ein gemeinsames Auftreten der Leitung auf der Grundlage der von der Hauptvorständetagung vom 28. Mai dieses Jahres angenommene Entschließungen künftig in jeder Hinsicht oerbürgt wird. � Diese vorläufige Kompromißlösung der Steenhuis-�rage wurde vom Kongreß mit lautem Beifall aufgenommen. Die Streiklage in Cnglanö. London, 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Feldzug der Exekutive des Bergarbeiterverbandes in M i t t e l e n g l a n d ist in vollem Gange. Er hat außer der Verminderung der Anzahl� der Arbeitswilligen in Mittelengland nunmehr auch eine weitere Folge gezeitigt, indem es zu einem Friedensschluß im Schöße des Berg- arbeiterverbandes des Distriktes Nottingham, wenigstens für den Augenblick, gekommen ist. Die 25 abgesetzten Delegierten haben sich nach einer Aussprache mit der Exekutive bereit erklärt, sich der Mehr- heitsentscheidung des Distriktes zu unterwerfen. Das bedeutet, daß diese Delegierten, soweit sie Arbeiter sind, die Arbeit im Sinne der offiziellen Verbandspolitik einstellen werden, soweit sie Funk- tionäre sind, im Sinne der Politik des Verbandes arbeiten werden. Die Gefahr der Spaltung des Verbandes in jenem Distrikt scheint damit endgültig beseitigt. Der nächste wichtige Schritt ist die für Donnerstag oerabredete Besprechung mit dem Vorstand des Bergarbeiteroerbandes des Distriktes Leicestershire, da in jenem Distrikt die Arbeiter bekanntlich auf Grund eines offiziellen Be- Hlustes des Distriktes zur Arbeit zurückgekehrt sind. Die von der Exekutive der Bergarbeiter erbetene gemeinsame Sitzung mit dem Generalrat der Gewerkschaften wird nunmehr am Freitag stattfinden. Die Exekutive wird hierbei dem Generalrat ihre Forderung nach einer prozentualen Lohnabgabe für die Bergarbeiter und nach einer Transportsperre für Kohle vorlegen. Aagcstclte der Arbeitsnachweise nad der Srwrrbslosrnfirsorgestelleu. In der vom gentralverlmnd der Angestellten flu den 21. Oltober. 7Va Uhr. in den Mulllerfestsälen, Kaiser-Wildelm-Str. 31. cinbcrusencn Versammlung spricht an Stelle des verhinderten Genossen Splicdt der Kollege Bernhard Gö ing vom AtA-Bund Uber:„Erwerbsloscnfilrsorge und Erwerbotosenversschcrung". Kreie Gewerkschasisingend. Siute, Donnerstag. Vi Uhr, tagen die Erup- ven: Moabit: Giuvpenhcim Städtisches Jugendheim Bremer Ecke Wiclefstraße. Fortschung des Vortrages:„Die Stellung des Lehrlings im Beiriebe".— Lichtenbeig: Jugendheim Parka»« lv. Wir Üben.— Zlöpenick: Jugendheim Grünauer Str. i>. Dolkston�abend.— Tempethot: Jugendheim Germania. ttrasse 413. Voltrng:„Das Erwerbsloscnrroblem und die Gewerkschaften".— Südosten: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Vortrag:„Lebenoresorm und Klassenkampf". Gcsnnbbrnuncn: Jugendheim Golenburgcr Str. 2. Bortrag: ..Das Mädchen in der Jugendbewegung".— Spandau: Iugendhrim Linden. nfcr l. Vortrag:„Entstehung und Entwicklung der Erde".— Mitte: Jugend- heim Reue Känigsir. 21. Wir lesen aus.Mark Twains Skizzcnbuch".— Frankfurter Allee: Jugendheim Rigaer Str. 102/103. Liederbücher mitbringen! Keut wird gesungen! Verantwortlicki für Politik: Dr. Eurt Geaer: Wirtschaft: Artnr Saterini»; Dewerkschaftsbeweaung: Z. Steiner: sscuilletog K. S. Däichei: Lokales und Seniligcs:?:iä Karstadt: An.aeioen: Td. Glocke: sämtlich in Verlin. Verla«: Borwärls-Berlaq®. m. 6. S.. Verlio Druck: Vorwii:»S-Buchdruckerei und Verlaasanstalt Paul Linaer u. To. Verlin SW 63 Lindenstrahe 3. SIer»u 2 Beilagen und.Ilnterbaltuno»nd Wissen" �JuewaÄren Sie Jhrem Liebling das duftende Seidenhaar des Kindes, das man so gerne streichelt und küßt. Pflegen Sie es ständig mit Elida- Haarpflege, die gründlich reinigt und absolut unschädlich ist Prachtvoller Glanz und entzückende natürliche Wellen sind der sichere Erfolg einer Waschung mit DA HAARPFLEGE Nr. 496 ♦ 4Z.Fahrgaüg ?. Heilage öes vorwärts Vonnerstag, 21. Oktober 1926 Ein schlichter erwerbsloser Mann aus dem Volk, intelligent und gewitzt, schildert hier seine Erlebnisse mit Berliner Kautionshyünem Wir haben absichtlich an der Darstellung so wenig wie möglich' geändert. Den Behörden sei die Beachtung der hier aufgedeckten Zustände sehr emp> fohlen. Selten kann man in der Welt so viel Schwindel und Betrug finden, wie gerade in einer Großstadt. Nachgehend will ich Erlebnisse, die ich hier in Berlin binnen drei Tagen gehabt habe, schildern. Bor- ausgeschickt sei, daß ich durch verschiedene Erfahrungen, durch die ich in der vevgangcnen Zeit viel Geld habe zusetzen müssen, sehr vorsichtig geworden bin. Während der Saison war ich in einem größeren Hotel eines Ostseebades beschäftigt und hatte mir während dieser Zeit etliche hundert Mark zusammengespart. Froher Hoffnung voll fuhr ich nach Berlin mit dem guten Gedanken, bei Verwertung meines sauer ersparten Geldes als Kutscher eine gesicherte Stellung zu bekommen? aber wie sehr ich mich in dieser Hinsicht getäuscht habe, wird man gleich erfahren. Einige tausenS Mark Kaution verlangt. In einer der größten Berliner Zeitungen gab ich folgendes Inserat auf:„S u che mit eilligen hundert Mark gute gesicherte Stellung. Angebot an usw." Der Erfolg war verblüffend. Am anderen Tage kam ich mit einer ganzen Hand voll Offerten aus der Zeitungsfiliale heraus und stürmte damit nach Haufe, um mir so schnell wie möglich die beste Sache herauszusuchen. In diesen Offerten wurden mir brillante Angebote gemacht: große und außergewöhnlich gutklingende Firmennamen prangten in Gold- druck aus der Kopfseite des Briefbogens. Andere hatten sehr gut aussehende Geschäflskarten geschickt. Nur wenige benutzten einfache Briefsachen. Ich suchte mir die erstgenannten heraus, die äußerlich einen soliden Eindruck machten— es waren vier Stück—, und ging nun, von neidischen Blicken arbeitsloser Freunde verfolgt, sehr selbst- sicher am anderen Morgen los., In einem äußerst gediegenen Bureau einer sehr guten Htraße des Berliner Westens faß ich dann einem der Herrn Chefgewaltigen gogcnüber. Eine äußerst imposante Erscheinung, die mir in gesetzten Worten erklärte, daß eine Vertrauensstelle in seinem Berliner Re- tlamcbureau frei wäre: da ich aber mit sehr viel Geld umzugehen hätte, müßte ich eine Kaulion von einigen tausend Mark stellen: er bot mir dann auch ein sehr verlockendes Gehalt an. Nun hatte ich wohl ein paar hundert Mark bar und hätte ihm auch noch ein Grllnd- stück sicherstellen lassen können: aber das war ganz ausgeschlossen, das Geld muß bar und im eigenen Geschäft angelegt sein. Es sollte dann pro Monat mit ö proz. verzinst werden. Dgraufhin riet er nur noch dringend, eine Hypothek aufzunehmen, und erklärte zum Schluß, daß mir solch eine Stellung wohl nicht mehr angeboten werden würde. Ich sollte ihm recht bald meinen Entschluß bringen. Unten fragte ich den Portier, was das eigenllich für eine Firma sei? „Kerne Ahnung! Wat der eigentlich treibt, weeß keener." Da wußte ich fchon Bescheid und hatte genug. Also auf zur zweiten Sache: ebenfalls im Westen, vornehmes Haus, gutmöbliertcs Bureau. Dr. für. Nach dem formellen hin und her bietet er mir zum l. Oktober eine Stellung als Bureaubote, Einkassierer und Reisebegleiter an. ZZll M. Ansangsgehalt. bis ich mich eingearbeitet hätte. Meine Einlage wird bankmäßig verzinst: ich bat um einige Tage Bedenkzeit. Er war auch ganz einverstanden, daß ich mir»rst noch die anderen Sachen ansehen wollte, und fügte noch gutherzig hinzu, daß er mir alles gute wünscht. Sollte mir jemand 200 M. bieten, so würde er es auch nicht übelnehmen, wenn ich dort anfange Wir schieden im besten Einvernehmen. Diese Stellung wollte ich mir warmhalten, wenn sich nichts Besieres bieten sollte. Die beiden anderen Offerten waren Reiseposken auf Taschen- lampen, Batterien, Glühbirnen usw. und auf Seifenwaren. Reisen- der wollte ich nicht werden, dafür bin ich absolut nicht geeignet. Trotzdem wollte man mir ganz gegen meinen Willen diese Posten aufhalsen: verdächtig war, daß man soviel Kaution haben wollte. In der Hoffnung, am anderen Tage etwas Besseres zu finden, ging ich niedergedrückt nach Hause. Spezialität: Souillonwürfel und Glühftrümpfe. Am anderen Morgen zog ich guten Mutes wieder los. Ein Vor- such mit einem Erfinder, der mir mit einer genialen Sache meine Zukunft sichern wollte, ging fehl, weil der Erfinder nicht zu Hause war. Sodann begab ich mich zu einem Trikotagengeschäst in Wil- mersdorf, dessen Inhaber mir durchaus plausibel machen wollte, daß ich mit einem hausflurfland ein„Schweinegeld" verdienen könne. Merkwürdig nur, daß er selber sein solides Ladengeschäft einem Hausflurftand vorzog. Dann aber wanderte ich nach der R.-straßc zu einem Aafsagrossisien. Spezialität:„Bouillonwürfel und Glüh- strümpfe!" Ein etwas altertümliches Bureau voller Geschäftsbücher und Kladden. Ein alter, ehrwürdig aussehender Kaufmann spricht sich sehr offen aus. Sein Bureaufräulein sei krank. Er könne auch schlecht mit einem Fräulein arbeiten und habe sich entschlösse», einen Herrn einzustellen. Wir wurden einig über das Gehalt und auch über die Einlage. Ich hatte zweifellos einen sehr guten Posten erwischt und der Vertrag sollte am Freitag gemacht werden. Ueberaus freudig gestimmt, verließ ich das Bureau und kehrte in dem gegen- überliegcnden Haus in einem Lokal ein, einen Schoppen zu trinken. Beim Trinken frage ich so nebenher den Wirt, wie das„Geschäft dort drüben" geht? Der Wirt guckt mich eine Weile ganz merk- würdig an und sagt dann mit einem treuen Grinsen„Ianz gut!" Natürlich merkte ich sofort, daß er etwas ganz Bestimmtes ineint. Er nahm mich dann treuherzig beim Rockärmel. Was ich dann zu hören bekam, darauf war ich doch nicht gefaßt. In der Erinnerung habe ich noch Worte wie:„Jahrelang deswegen gesessen... überall Schulden.... Kriegsinvaliden uni ihre ersparten paar Groschen gebracht.... sehr schlauer Fuchs, kann ihn auch keiner gerichtlich zur Rechenschaft ziehen, weil er alles sehr sein einfädeln kann." Als ich mich vom ersten Schreck erholt hatte, trank ich mit dem Wirt noch zwei Schnäpse und verließ aufatmend das Restaurant, das mir vielleicht mein Geld gerettet hat. Drei weitere Versuche führten mich noch zu einem Revisor, der eine Zeitschrift herausgeben wollte, zu einer Firma, die einen Reiseposten auf Provision abgeben wollte und zu einer kleinen pleile- gegangenen Konfitürenfabrik, die mit meinen paar hundert Mark sich wieder herausrappeln wollte. Ich verzichtete überall. Miß- mutig ging ich heim. In üer Höhle des Löwen. Am nächsten Tag machte ich nun den letzten Versuch und wollte dann, wenn auch der fehlschlagen sollte, zu dem Dr. jur. zurückkehren und den an zweiter Stelle angebotenen Posten nehmen. Suchte mir also noch eine Offerte heraus und ging damit in das in der nächsten Nähe des Alexanderplahcs gelegene Bureau. Oben begrüßte mich Fi» älterer gut aussehender Herr sehr freundlich und fragte mich höflichst, mit was er dienen könnte: ich erklärte ihm, daß ich mich um die angebotene Vertrauensstellung bewerben mächte. Er lud mich freundlichst ein, ihm in ein anderes Zimmer zu folgen. In dem- selben befanden sich vier weiter« Herren, die, wenn auch gut gekleidet, mir absolut kein Vertrauen einflößen konnten. Einer der Herren fragte mich dann kurzerhand, ob ich Lust hätte, in einem Dekekllv- und Auskunstsbureau anzufangen. Natürlich, erwiderte ich, die Hauptsache wäre für mich, eine gute Stellung zu bekommen. Na, das trifft sich herrlich, sagte er, zufällig ist der Herr gerade anwesend. Mit diesen Worten übergab er mich einem ziemlich robusten Manne, welcher mir gegenüber auf einem Stuhl Platz nahm: ich konnte mich einer innerlichen Unruhe nicht erwehren und umspannte in der Tasche kraftvoll meinen Hausschlüssel. Mein Gegenüber fand sich nur sehr schlecht in seine Rolle. Unsicher fragte er nach meinem Beruf und ob ich auch schreiben könne. Als ich bejahte, stellte er sofort u»ge- wöhnliche Begabung für meinen zukünftigen Beruf fest, und erklärte mir, daß ich ihm äußerst gut gefalle und er sich gar keinen besseren Der Weg des blinden Bruno. 29s Roman von Oskar Baum. Lizzi blieb auf ihrem Platz in der Sofaecke sitzen, was sie sonst nie tat, und stellte mancherlei wenig zusammen- hängende Fragen an Bruno. Sie war ganz ohne ihre Ruhe und Sicherheit: nervös, zerrissen.— Er wagte nicht, zum Klavier zu gehen. „Gehen Sie vielleicht nächste Woche wieder zu Ihrem Vater zurück?" fragte sie dann unvermittelt. Bruno erzählte ihr, sein Vater sei zwar da gewesen, aber im Grunde recht zufrieden wieder gegangen, als ihm Bruno versicherte, er werde ihn, so oft es feine Zeit nur er- laude, besuchen. Kröß kam. Lizzi war seinetwegen nach Tisch dageblieben, merkte Bruno erstaunt. Kröß kam fast alle Tage, aber immer ängstlich, mit Widerstreben, Lizzi war gewöhnlich „eben im Fortgehen" oder entschuldigte sich, sie habe viel zu lernen. Kröß stand dann ein Weilchen bei der Mutter in der Küche, erkundigte sich, welche Rollen Lizzi studiere, fragte, was es sonst Neues gab, nach Baron Liptus und schien sehr erstaunt, zu hören daß er nie herkam. „Können Sie sich das erklären?" fragte er ein übers an- dere Mal. Die Mutter seufzte. Bruno erfuhr dann, daß Lizzi mit Liptus draußen fort zusammenstecke, daß man sie über- Haupt nur noch miteinander kenne. Bruno nahm am Nachmittag das neue große Werk vor, das ihm kürzlich erst der Heidelberger Verlag gesandt hatte: Kirchenmusik eines ganzen Jahrs in liturgischer Reihenfolge. Und glücklich stampfte er auf den knarrenden Parketten dia Pedaltönr- und sang sie mit keineswegs wohlklingendem, aber gewaltigem Baß zu den Akkorden seiner Finger stünden. ohne Boden, losgeschnitten in der Luft stünden. Und lm Eifer griff er zuweilen an den Seiten des Klavier- deckels mach den Registern umher oder stieß die taktierende Hand ungeduldig in die Luft, als der Chor nicht zur Zeit einfiel. «» • Ratlos verzweifelt hielt Bruno eines Nachmittags drei Notenblätter in ruhelosen Fingern und wartete auf Lizzi, ob- gleich cer sicher war, sie würde eine wichtige Arbeit haben und ihm ni cht helfen. Er ließ nichts unversucht. Der Chordirigent hatte ihm die Partitur eines MendelssoHnschen Frauenchors, weiß Gott, aus welchem nichtigen Grunde, erst heute, Freitag nachinittag, gesandt, und übermorgen sollte er ihn auf der Orgel begleiten. Natürlich konnte er heute Kröß nicht ver- ständigen: der war irgendwo auf einem Bau außerhalb der Stadt beschäftigt. *Es gab so viele, die auf die Organistenstelle lauerten. Keinesfalls durfte er für fein Gebrechen jetzt Rücksicht an» sprechen! Aber es schien fast ausgeschlossen, daß er den Frauen- chor bis Sonntag einstudieren konnte. Lieber aber wollte er sein ganzes Iahresgehalt für das Diktieren dieser Nummer zahlen, als sie seinetwegen ausfallen lassen. Mutter Geil kam atemlos. Sie hatte vergebens versucht, sich telephonisch mit Lizzi oder Kröß in Verbindung zu setzen. „So ist also kein Ausweg mehr," sagte Bruno, und seine Zähne klangen aneinander. „Durch einen solchen Zufall eine Stelle zu verlieren!" klagte die Mutter. Wie? An derlei Folgen hatte er'noch gar nicht gedacht. Am, Ende war es gar eine Absicht des Chor- dirigenten, dem ein sehender Organist bequemer schien? Einige stumme Minuten saßen sie nun da in Aengstlichkeit und unter- drücktem Seufzer. Da hatte Mutter Geik eine Eingebung: Ziemlich nahe wohnte Lizzis Freundin Vilma Zebsen.„Die kommt, wenn sie nur irgend kann, das heißt, wenn ihr Vater nicht wieder mal stirbt." Und sie lief schon. Bruno erinnerte sich dunkel des Namens von dem Abend bei Fräulein von Kröß. Als Vilmas erstes Wort in der reinen Zartheit ihrer Stimme durch das Zimmer klang, fühlte Bruno, daß sich seine Welt verwandelte. Unglaubhaft war der Ton. so voll kühler süßer Lieblichkeit und wie von einem Kind. Eine un- trübbare Friedlichkeit fühlte man. Wie aus der Erinnerung, aber gewisser hörte er«ine innige, fremdartige dunkle Weise wie auf einer sordinierten Viola ganz pianissimo. Er war unbeholfen in dieser Stunde, als wären feine Glieder aus Lehm. Sie machte nicht viele Einleitungen, ergriff den Frauen- chor, der auf dem Tische lag und setzte sich ans Klavier. Bruno hatte Papier, Stahlstift und Schreibtafel schon vorbereitet. Er beeilte sich, die sanfte unpersönliche Sachlichkeit durch beschei- dene Zurückhaltung zu erwidern und unterdrückte die warmen Reden von Dank und Güte. Eine Unbehaglichkeit machte sich breit durch den trockenen Eifer, mit dem beide die Arbeit trieben und jagten, ohne auf- zuatmen. Die Dame war erstaunlich musikalisch. Sie hatte sehr bald heraus, wie beim Uebertragen der Schwarzdruck- noten in die Braille-Schrift zu diktieren war. Sie wußte sogar mancherlei Vorteile zu ersinnen und hielt sich peinlich genau an die Anleitung, die er im Ton schüchterner Bitten vorbrachte. Nie irrte sie sich darin, die Stimmen von der tiefften aufwärts anzuordnen, nie las sie Akkorde in falschem Schlüssel oder in falscher Oktave. Geriet ihr einmal eine Stimme in die andere, hatte sie eine so rührende Art zu erschrecken und war so drollig bemüht, den Fehler wieder gutzumachen, daß Bruno wünschte, sie möchte sich öfter irren. Der Frauenchor war in einem Stündchen abgeschrieben, obgleich ein Solo mit sehr bewegter Orgelbegleitung darin vorkam. Die letzren Punkte stach Bruno in steigender Er- regung: Wird sie jetzt einfach gehen? Der Klavierdeckel klappte zu. Langsam legte Bruno das Blatt aus der Tafel auf den Tisch und ließ mechanisch die Finger über die Zeilen streifen, um nachzusehen, oder der Griffel irgendwo daneben geglitten war. Aber er wußte gar nicht, was er las. Er lauschte zum Klavier hin. Sie rührte sich nicht und sah seinen Fingern zu. Da gab er sich einen Ruck und erklärte ihr das System: Buchstaben und Noten. „Es klopft, Herr Görnitz!" Bruno hörte sein eigenes„Herein!" nicht, so kräftig und gleichzeitig erschien ein Gruß in hellem, hallendem Bariton. Mit ein paar legeren Förmlichkeiten stellte sich Bankier Liptus, wie'immer, von neuem vor.(Diesmal hatte ihn Bruno wirklich nicht erkannt.) Er bemächtigte sich eines Sessels und hörte zu. Bruno ließ sich durch den Eindringling in seinem Vortrag nicht unterbrechen. „Kann man denn aber von einer solchen Organistenstelle allein leben?" warf der Bankier unvermittelt ein. „Nein," sagte Bmno ohne Betonung und wandte sich mit seinen Erläuterungen gleich wieder an das schweigsame Fräulein. Als Lizzi kam, eilig mit ihrem nachdrücklichen Gang, winkte ihr Lipftis, stille zu bleiben. Bruno beirrten diese halb geahnten, halb wahrgenom- menen Bewegungen, die über ihn hinweggingen, mehr als laute Geräusche. Er wurde unsicher, fühlte, was er dachte und sagte, von etwas Unbeeinflußbarem, Dunklem begleitet- Er suchte diese grundlose Verwirrung und Befangenheit ärgerlich zu überwinden. Da sagte die Stimme tief und weich mit einem kleinen seidenen Nebengeräusch wie eine sordinicrte Viola:„Sie sind schon fort, die Beiden. Sie stören noch in ihrer Abwesenheit, nicht wahr?" Wie ein Wunder ersclsien es ihm, daß sie so einfach und selbstverständlich dies ihm' selbst kaum Faßliche klar verstand, (Fortsetzung folgt.) Mann wtillschen könne. 200 M. Sehalt, die ich prv Monat ver- langt habe, drückte er noch pro forma auf 180 M. und wollt« dann auch gleich den Vertrag machen. Tief bedauerte ich, die Einlage von 300 M. leider nicht bei mir zu haben, erklärte mich aber sofort bereit. sie gleich zu holen und dann die Sache schriftlich zu' machen. Die allerseits enttSuschlen Gefichler sehe ich jetzt noch immer vor mir. Nach einigem hin und her ließ man mich dann endlich in Frieden ziehen. Froh, aus der Höhle der Löwen, in der ich minutenlang auf alles gefaßt war, noch einmal heil herausgekommen zu fein, ging ich von bannen. In aller Ruhe überlegte ich mir nun die ganze Geschichte. Weiter wollte ich nichts versuchen, sondern glattweg die Stellung bei den, Dr. jur. antreten. Stehe auf, gehe zur Haltestelle, um dort hinzu- fahren. Plotzlj� ganz unverhofft, kamen mir selbst in dieser Sache allerhand Bedenken. Doktor hin, Doktor her, wer weiß, was das eigentlich für eine Firma ist. Kurzerhand ging ich zum Polizei. Präsidium mit der festen Hoffnung, dort irgendetwas über diese Doktor-Finna zu erfahren. Aber... aber.... eine ganze Rundreise machte ich dort. Von einem Dezernat zum andern wurde ich geschickt. Was ich wollte, konnte ich nirgends erfahren. Ich war traurig darüber, daß im Polizeipräsidium kein Dezernat für solche Schwindelfirmen existiert. Viele, sehr viele haben durch solche Gauner ihre letzten Spar- groschen verloren. Diesen dunklen Existenzen Ist absolut nichts heilig. Selbst annseligen Kriegsinvaliden verstehen sie den letzten Pfennig aus der Tasche zu holen, und was das Schlimmste ist: Man kann diese Menschen schwer gerichtlich belangen, weil sie viel zu gerissen sind. Nur durch einen unoerhofften Zufall wurde ich schließ- lich davor bewahrt, dem Herrn Dr. jur. ins Garn zu gehen. Gegenwartsarbeiten und Zukunstsaufgaben Eine lehrreiche Fahrt durch den 20. Bezirk. Ilm den interessierten Persönlichkeiten der Berliner Zentraloer- waltung die kommunalen Arbeiten der letzten Jahre vor Augen zu führen, hatte das Bezirksamt des'20. Bezirks Reinickendorf zu einer Rundfahrt durch das riesige Gebiet des Bezirks, das zweitgrößte Berlins, eingeladen. Unter Führung des Stadtverordnetenvorstehers, Genossen Haß, war ein« ganze Anzahl Damen und Herren der Einladung gefolgt. Zunächst wurden die reizvollen und schönen Anlagen um den S ch ä f e r s e e besichtigt. Leider sind die Arbeiten an dieser Stelle, die bekanntlich durch Hinzu- nähme eines Cisweihers nebst Gelände in wahrhaft großzügiger Weise zu einem modernen Bad ausgestaltet werden. soll, das den Namen Humboldt-Bad führen wird, ins Stocken geraten. Der nahe Berliner Norden ist karg an Reizen und Schönheiten und so sollte unbedingt dafür gesorgt werden, daß dieses Projekt, dessen Aus- führung vielen Arbeitslosen Arbeit schaffen würde, recht bald vollendet wird. Sodann ist es dem Bezirk durch sehr ge- schickte Transaktionen gelungen, sich einen acht Kilometer langen und bis zu 300 Meter breiten Streifen Landes zu sichern, der aus der Stadt heraus als Grünstreifen in ununterbrochenem Zug unmittelbar?in den Tegeler Dauerwald führen soll: auch ein Stück notwendiger und im edelsten Sinn produkttver Erwerbs- losenarbeit. Ganz unmodernes Berlin lernte man dann mit Entsetzen in dem sehr wichtigen Verbindungsweg Tegel- Kolonie Freie Scholle— Waidmannslust kennen. Dieser Weg, der täglich von viele Hunderten von Fahrzeugen benutzt werden muß, ist in einem Zustand, der ihn wohl besähigt, zwei verlorene polnische Dörfer, nicht aber zwei Vororte einer Weltstadt zu oerbinden. Einen besonders erfreulichen Einblick gewann man in die rege Bautätigkeit der im Norden arbeitenden gemein- -nützigen Heimstättengesellschaft Primus. Die Häuser- blocks, die sie in der Lettestraße, der Ragazer Straße und in anderen Straßen mit insgesamt über 600 Wohnungen erstellt hat und noch erstellt, machen einen städtebaulich sehr guten Eindruck. Am Tegelersee wird Großes geplant. Man will quer durch den See : an den Borsigwerken vorbei einen Damm ziehen, der als Straße und Promenade die schöne Seeuferpromenade mit der Tegeler- und weiter..itiit der Iungfernheide verbindet. Von den großen Berliner Seen wäre dann der Tegeler der einzige, dessen Ufer ringsherum für die Bevölkerung frei wären. Auch in dem noch ganz idyllischen Heilig en see wird besonderes geplant. Der im privaten Besitz befindliche Heiligensee soll in Gemeindebesitz übergehen, um auf diese Weise für Wassersport jeder Art. für den er jetzt verboten ist. frei zu werden. Hinter Heiligensee dicht an der zukünftigen e l« k t r i- schen Schnellbahn Kremmen— Tegel— Berlin wird eine neue Siedlung entstehen. Und in dem ehemaligen Kaiser- liehen Frohnau ist es dem Bezirk gelungen, den Sportplatz des P o l o k l u b s in seinen Besitz zu bringen. Alles dies und noch manches andere, besonders auch Schul wünsche, stellte Bezirks- bürgermeister R e i ch h e l m bei dem abschließenden Beisammensein als Gegenwartsarbeiten und Zukunftsaufgaben geschickt zusammen und lieh dem Wunsch Ausdruck, daß dem starten Drang der Männer und Frauen im Bezirksamt und Bezirksoersammlung nach praktischer Arbeit auch von der Zentrale durch Bereitstellung von Mitteln ent- sprachen werden möge. In seiner Erwiderung wies Stadtoerord- netenoorsteher Genosse Haß mit eindringlichen Worten auf die schwere finanzielle Lage Berlins hin, lieh dann aber seiner und der Mitgekommenen Freude über das Gesehene und der Ueberraschung darüber Ausdruck, wie viel Wertvolles und Schönes im Bezirk Reinickendorf im Werden ist. Man dürfe überzeugt fein, so sagte er, daß nach der sehr lehrreichen Fahrt die Zentral« volles Verständnis für die Wünsch« des 20. Bezirks haben werde. Gefahr für die Hausbrandbelieferuug? Der Reichskohlenkommissar teilt amtlich mit: Die Be- lieferung von Groß-Berlin mit Hausbrandbrikett» weist gegenüber dem vergangenen Jahr einen bedeutenden Rückgang auf. In den Monaten April bis einschließlich September sind die Liefe- rungen nach Groß-Berlin über drei Millionen Zentner g e r i n g e r als im vergangenen Jahre. Wenn auch aus den Gruben im Nicderlausitzer Revier zurzeit noch sehr große Bestände lagern, so können doch bei Eintritt von Frost infolge der dann zu er- wartenden Verkehrsschwierigkeiten in der Versorgung der Bevölke- rung Unterbrechungen eintreten, zumal auch die Bestände auf den Händlerplätzen bei der augenblicklich noch sehr schwachen Ein- deckung nur für einen Bedarf von höchstens zwölf Tagen reichen. Es wird daher dringend geraten, schon jetzt wenigstens einen Teil des Winterbedarfs zu beziehen. Zwei schwere Verkehrsunfälle. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßen- bahn zu g der Linie 154 und einer mit vier Fahrgästen be- setzten Kraftdroschke ereignete sich gestern abend gegen �6 Uhr an der Straßenkreuzung Warschauer und Kopernikus- st r a ß e. Der Triebwagen fuhr der Kraftdroschke in die Flanke und zertrümmerte sie vollständig. Die Insassen, der 37jährige Jnstalla- teur August R., dessen 37jährige Ehefrau Olga, der 11jährige Sohn Gerhard aus der Dirfchauer Str. 7 und der Bäckermeister Erwin G. aus Tornowski, Kreis Flatow, der besuchsweise in Berlin weilt, zogen sich Schnittwunden, Verstauchungen und Haut- abschürsungen zu. Alle vier mußten sich in privatärztliche Behandlung begeben. Der Vorderperron der Straßenbahn wurde schwer beschädigt, sämtliche Scheiben wurden zertrümmert. Die Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon. Die Schuldfrage konnte noch nicht einwandfrei geklärt werden,»eide Fahrzeuge mußten abgeschleppt werden.— Ein zweiter Unfall ereignete sich in der zehnten Abendstunde an der Ecke Leipziger und Fried- richstraße. Ein Straßenbahnwagen prallte mit einem Autobus der Linie 4 so heftig zusammen, daß die Fahrgäste de» Autobusses von ihren Sitzen geschleudert wurden. Die Fenster- Ichelbe» zersplitterten. Der Fahrgäste bemächtigte sich eine Panik. OMMBcheaMife wurden«ur mm Perjo»«, oerletzt,«t» Heer Regelung öer Oer Die Bedeutung des Der Polizeipräsident hat nunmehr, wie die BZ.-Korre- spondenz mitteilt, eine Verordnung über die Polizeistunde heraus- gegeben, die mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft tritt. Nach dieser neuen Polizeiverordnung wird für Gast- und Schank- wirtschaften jeder Art als Polizeistunde von 3 Uhr morgens bis 6 Uhr morgens festgesetzt. In den Frühstunden bis 8 Uhr morgens ist der Ausschank von Branntwein oder oranntweinhaltigen Getränken verboten. Während der Zeit von 3 bis 6 Uhr sind die Schankräume für den Verkehr ge- schlössen zu halten. Ausnahmen können in einzelnen,' besonders gearteten Fällen vom Polizeipräsidenten bewilligt werden. Diese Festsetzung der Polizeistunde gilt auch für geschlossene Gesellschaften (Klubs usw.), in denen Gast- oder Schankwirtschaft betrieben wird oder die mit einer solchen in Verbindung stehen. Das Ver- bleiben der Gäste in den Wirtschaftsräumen über die Polizei st unde hinaus ist verboten, ohne daß es einer be- sonderen Aufforderung zum Verlassen der Schankräume bedarf. Vor- sätzliche Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten und mit Geldstrafen bis zu 10 000 Mark oder mit einer dieser Strafen, fahrlässige Zuwiderhandlungen mit der vorgenannten Geldstrafe bestraft. Besonders beachtenswert an der jetzigen Polizeioerordnung ist ein neuer§ 7, der bestimmt, daß der Beginn der Polizeistunde in einzelnen Fällen ans eine frühere Stunde festgesetzt werden kann, wenn sich der Wirt oder sein Stellvertreter in der Aus- führung seines Gewerbes als unzuverlässig erweist, ins- besondere wenn durch das lange Aushalten in einer Gast- oder Schankwirtschaft die Arbeitszeit der darin beschäftig- ten Arbeitnehmer in ungesetzlicher Weise aus- gedehnt wird, vor allem durch Nichtbeachtung der Polizeistunde sich Unzuträglichkeiten ergeben. Im übrigen verbleibt es hinsichtlich der Handhabung der Polizeistunde bei den bisherigen Vorschriften. mit der Aenderung, daß künftig auch für öffentliche Ver- an staltungen die Polizeiämter zuständig sind.— Für die Durchführung des neuen§ 7 hat der Polizeipräsident eine Schutzverfügung erlassen, nach der die Herabsetzung der Polizei- stunde wegen ungesetzlicher Ueberspannung der Arbeitszeit der Arbeitnehmer einer Gast- oder Schankwirtschast im allgemeinen zur Voraussetzung haben muß, daß die Beschwerden von den betreffen- den Arbeitnehmern selbst ausgehen. Nach dem geltenden Tarif- Ofias Grauberg au» der Schützenstraße zog sich einen Nervenschock und eine Oberschenkelverletzung zu. Eine Dame erlitt eine blutende Kopfwunde. Die Verletzten erhielten auf der nächsten Rettungsstelle erste Hilfe. Auch hier ist die Schuldfrage noch nicht geklärt. In beiden Fällen entstand eine empfindliche Verkehrsstörung von 20 bzw. 30 Minuten Dauer. Der große Kokaknprozeß. Das Urteil berücksichtigt die Notlage der Angeklagten. Im allgemeinen gaben die Angeklagten ihre Beteiligung an dem Kokaingeschäft des Angeklagten Georg von Meyer, der mit 100 Gramm Kokain nach Paris gefahren war, zu. Sie be- stritten aber, daß sie gewerbsmäßig Kotoingeschäfte gemacht hätten und behaupteten, es sei dos der einzige Fall ge- wesen, und sie hätten dabei in der Hauptsache Freundschaftsdienste leisten wollen. Die 100 Gramm Kokain wurden von Meyer und Krause durch Vermittlung einer Frau von Lange aus Riga an eine polnische Tänzerin vom Moulin Rouge verkauft, die das Rauschgift an die Lebewelt des Montmartre absetzte und schließlich von der Pariser Kriminalpolizei dabei erwischt wurde. Der Angeklagte Waldemar von Manteuffel bestritt. sich überhaupt strafbar gemacht zu haben, da er an Meyer und an Eiewers kein Kokain, sondern eine Fälschung verkaust habe. Der Angeklagte Apotheker Hahn ist ein Mann von 63 Iahren. Er besaß früher ein großes Vermögen, dos er Anfang des Jahr- Hunderts beim Zusammenbruch der Leipziger Bank verloren hat Jahrelang ist er als Chemiker und Betriebsleiter tätig gewesen, während des Krieges war er am jkriegsnnnisterium Nahrungsmittel- chemiker und kam dann auch zum Polizeipräsidium. Seit 1025 ist er als gerichtlicher Sachverständiger ver- e i d i g t und wurde auch mehrfach vom Gericht als Gutachter für Rauschgifte in Anspruch genommen. Vors.: Wie kamen Sie, der genau über die Verbote des Verkehrs mit Kokain und über die Folgen der Uebertretting informiert war, dazu, sich auf solch ein Unternehmen einzulassen? Angekl. Hahn: Ich war fast nur mit Gutachten über Preistreibereien beschäftigt und verdiente monatlich etwa 300 M. Nach Aushebung der Wuchergcsetze geriet ich in bit- terste Not. Ich mußte sogar meinen Ring versetzen, um die Miete bezahlen zu können. Vors.: Sie haben mehrsach Kokain aus den Beständen der Staatsanwaltschaft bezogen. Angekl.: Der Dezernent fragte mich, wie die beschlagnahmten Mengen verwertet werden könnten. Einmal habe ich 2 Kilogramm an die Handelsgesellschaft Deutscher Apotheker(Hageda) gegeben, ein anderes Mal erwarb ich 10 Kilogramm. Beim Oeffnen des Paketes stellte sich ober heraus, daß schon VA Kilogramm entwendet waren: diese Menge habe ich an eine Gesellschaft mit Handels- erlaubnis für Kokain verkauft. Iusttzinfpektor Cichler bekundete, daß die.Staatsanwaltschaft die Pflicht gehabt habe, eingezogene Mengen zu verwerten. Zuerst wurde beschlagnahmtes Kokain an die Hageda abgeführt. Da diese aber nicht immer Bedarf hatte, habe er aus Weisung des ersten Staatsanwalts Rück- spräche mit Hahn genommen, ob er als Vertrauensperson der Gerichte die Mengen unterbringen könnte. Hahn sei dabei als Treuhänder aufgefaßt worden, und dieser habe auch von der Hageda und den Höchster Farbwerken gesprochen. Daß die Bestimmungen des Opiumabkommen» durch die Weitergabe an Hahn verletzt wurden, sei ihm nicht zum Bewußtsein gekommen. Staatsanwaltschastsrat Dr. Ortmann venirteilte besonders scharf das Verhalten der russischen Angeklagten, die die deutsche Gast- sreundschaft mißbraucht hätten, indem sie das volksvcrseuchend« Gift in die Menge brachten. Besonders gröblich sei der Vertrauens, bruch des Angeklagten Hahn, der gerade als Gehilfe des Gerichts an der Bekämpfung der Kokainseuche mitzuwirken hatte. Gegen ihn beantragte der Staatsanwalt die schwerste Strafe, näm- lich ein Jahr Gefängnis. Das Schöffengericht berücksichtigte aber bei allen Angeklagten, daß sie aus Not auf Abwege ge- raten seien. Hahn wurde wegen Vergehens gegen das Opium- gefetz in zwei Fällen zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, erhielt aber für den noch nicht durch die Untersuchungshaft verbüßten Rest der Strafe Bewährungsfrist und wurde aus der Haft ent- lassen. Der Angeklagte von Manteuffel erhielt wegen Ver- gehens gegen das Opiumgesetz und wegen Betruges vier Monate Gefängnis. Die Angeklagten von Meyer, Krause, von Siewers, Michaeloff und Pavkewitsch wurden zu je drei Monaten, Buhe zu einem Monat und Leseritz zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Leseritz und Papkiwitsch erhielten ebenfalls Bewährungsfrist. Konkursanlraq des Kaufhauses Hermann Engel. Die be- kannte Berliner Kaufhausfirma Hermann Engel, die sich schon seit langem in Zahlungsschwierigkeiten befand, und bei der zunächst berechtigte Aussichten auf Sanierung bestanden, hat nunmehr, wie der»Konfektionär" erfährt. Infolge de? nicht wieder wettzumachenden llmsatzausfalles sich genötigt gesehen, ihre Zahlungen neuerlich am M. Ottvdee»inzuftelka» imb hal Gericht dt« CtUjituag Imct poltAeiftunöe. § 7 der Verordnung. vertrag beträgt die Arbeitszeit für diese Arbeitnehmer täglich Stunden, in der Woche also 57 Stunden. Sie dars täglich durch eine zweistündige Pause, über die der Arbeitnehmer frei verfügen kann, unterbrochen werden. Gartengeschäfte könnten die Arbeitszeit der Woche angemessen aus die einzelnen Tage verteilen, wobei die reine tägliche Arbeitszeit 14 Stunden jedoch nicht überschreiten darf. Ueberswnden dürfen nur geleistet werden, wenn sie gesetzlich zulässig sind, also nicht dauernd, sondern nur, wenn besondere Umstände es oerlangen. Jedem Arbeitnehmer ist all- wöchentlich eine einmalige Ruhepause von 24 Stunden anschließend an eine Nachtruhe zu gewährei«. Sollten sich über die Bestimmungen des Tarifvertrages oder über die gesetzlichen Bestimmungen betr. die Arbeitszeit und die Ruhetage Zweifel ergeben, so ist wegen der Aus- legung das zuständige Gcwerbeaussichtsamt anzurufen. Eine V rr- längcrung der abendlichen Theaterspielzeit um eine Stunde ist gleichfalls zu erwarten. » Wir bezweifeln, daß der Inhalt der angeführten Schutzvcr- fügung des Polizeipräsidenten zu dem g 7 richtig wiedergegeben ist. Der Berliner Polizeipräsident weiß natürlich als ehemaliger Gewerkschaftler, daß ein Tarifvertrag nicht ausgehoben werden kann, auch wenn sich die in einem Betrieb Beschäftigten durch wirtschast- lichen Druck oder aus Unkenntnis dazu verleiten lassen, den Tarif nicht einzuhalten. Zur Ueberwachung der Durchführung des Tarif- Vertrages sind die vertragschließenden Parteien in erster Linie berufen. Geht der Polizeibehörde von einer der beiden Parteien die Mitteilung zu, daß in dem einen oder dem anderen Falle die gewiß nicht engherzig gezogenen Grenzen des Tarif- Vertrages überschritten worden sind, dann ist die Richtigkeit der An- gaben nachzuprüfen bzw. der§ 7 anzuwenden. Eine andere Hand- habung ist praktisch gar nicht möglich. Nur die Organisationen biete» die Gewähr, daß die Anzeigen auch begründet sind. Weiterhin muh nunmehr verlangt werden, daß die Polizei nach§ 7 überall dort mit aller Rücksichtslosigkeit durchgreift, wo sich aus der Verlängerung der Polizeistunde eine Belästigung der Bewohner und eine Störung der Na ch t r u h e ergibt. Der»Vorwärts" hat bereits einige Fälle veröffentlichen müssen, aus denen sich ergab, daß die in ihrer Nachtruhe gestörten Anwohner keineswegs den poli- zeilichen Schutz gefunden haben, den sie erwarteten. Es handelt sich dabei nicht allein um ruhestörenden Lärm in, sondern auch vor den Lokalen. des Konkursverfahrens zu beantragen. Die Firma teilt gleichzeitig mit, daß der Umsatzrückgang in den ersten neun Monaten des Jahres 1926 etwa 750 000 Reichsmark betrug(der Gesamtumsatz belief sich in diesem Zeitraum auf nur eineinhalb Millionen Reichsmark). Bisher wurden an Gläubiger und Banken 477 000 M. in diesem Zeitraum ausgezahlt. Die Zahlungen auf Unkosten betrugen einschließlich Zinsen gleichzeitig 641 000 M. Nähere Einzelheiten über die Quote können natürsich erst in Ver- Handlungen des Konkursverwalters.mit den Gläubigern festgesetzt werden._ Unterschleife bei der Neichsfilmprufskelle. ..Vorschüsse" für den Regierungsinspektor. Unterschlagungen von Prüfungsgebühren bei der Reichssilm- prüfstelle beschästigen jetzt auch die Berliner Kriminalpolizei. Bei dieser Prüfstelle, die ihre Geschäftsräume in der Moltkestr. 5 hat und die dem Ministerium des Innern untersteht,, ist ein Regierung»- infpettor Hans Köhler tätig, dem die Buchung der von den Film- Herstellern eingezahlten Prüfungsgebühren obliegt. Jetzt kam es zur Kenntnis der Reichsfilmprüsstelle, daß Köhler seit längerer Zeit sich Vorschüsse auf die Prüfungsgebühren hat zahlen lassen, ohne die Bettäge an die Kasse abzuführen. Die Veruntreu- ung verdeckte er durch falsche Buchungen. Wie verlautet, sollen dies« Unregelmäßigketten bis in das Jahr 1024 zurückreichen. Man spricht bisher von etwa 12 000 bis 15 000 M. Wie hoch tat- sächlich die unterschlagenen Summen sind, steht noch nicht fest. Die Reichsfilmprüsstelle hat die Kriminasinspektion Tiergarten n'mmchr mit den Nachsorschungen bettaut. Diese sucht nun zu ermitteln, von welchen Filmfirmen, die Filme zur Prüfung einreichten, Köhler Vorschüsse verlangt und erhalten hat. Der beschuldigte Regierung?- Inspektor K. bestreitet entschieden jede Veruntreuung. K. ist ein ehemaliger Zahlmeister und steht schon 35 Jahre im Dienst. Seine vorqesetzte Behörde selbst gibt ihm da» Zeugnis eines ruhigen soliden Mannes und bestätigt sein« Erklärung, daß er bei der Prüfungsstelle mit Arbeiten überlastet gewesen sei. Er be- hauptet, daß er nicht einen Pfennig an sich genommen hat und will sich das Fehlen von etwa 10 000 M. nur dadurch erklären können, daß Eingänge irgendwo an verkehrter Stelle gebucht worden seien. Die Fehler müßten an irgendeiner Stelle zu finden sein. Der Beschuldigte bleibt auf freiem Fuße. Mit RauchschutzgerSten und Gasmasken. Mehrere Löschzüge der Feuerwehr wurden gestern nachmittag kurz vor'�4 Uhr nach der Giesebrechtstraße 16 zu Eyor- l o t t e n b u r g gerufen, wo mehrere Lagerkeller in Flau,. m e n standen. Dos Feuer war in dem Lagerkeller der Drogerie R. durch Fahrlässigkeit ensstanden. Ein jugendlicher Angestellter hott? den Keller verbotswidrig mit o f s e n« m Licht betteten. Der Keller war in kurzer Zeit vollständig verqualmt. Den Löschmann- schaften war es nur unter größten Schwierigkeiten möglich, gegen den Brandherd vorzurücken. Im Keller lagernde S ä u r« b a l l o n s explodierten. Der Flüssigkeit entströmten stickige Gase, so daß die Feuerwehrleute nur mit Rauchschutzgeräten und Gasmasken versehen ihre gefahrvolle Löschtätigkeit erfolgreich aufnehmen konnte. Erst nach ziemlich zweistündigem Waflergeben konnte das Feuer, das auch auf die Nebenkellereien übergegriffen hatte, gelöscht werden. « Gestern abend gegen s£l0 Uhr kam in den Räumen der Putzlappenfabrik Reibedanz in der Teilestraße 23 zu Tempelhof ein größeres Feuer zum Ausbruch. Mehrere Lösch- züge unter Leitung des Baurates Sttepeldei eilten auf den Alarm an die Brandstelle. Aus mehreren Rohren größten Kalibers wurde etwa eine Stunde lang Wasser gegeben. Der Schaden ist erheblich. Die Ausräumungsarbeiten zogen sich bis gegen Mitternacht hin. Die Entstehungsursache ist unklar. Einzelhandel und Warenhäuser. Bei einem Pressetee, den der V e r b a n d d e u t s ch e r W a r e n- Utrd Kaufhäuser im Anschluß an seine G e n e r a l v o r s u in m- lung veranstaltete, hielt der Vorsitzende des Verbandes. Dicettor Althoff-Münster vom Karstadt-Konzern, einen Vortrag über die Ausgaben des Einzelhandels, in dem er aussührte, daß das Ziel und die Aufgaben jedes Einzelhändlers ist, durch mög- lichst niedrige Gestaltung der Unkosten, durch mäßigen E ctainn- a u f s ch l a g und vorteilhafte Tätigung des Einkaufes die Preise der Waren möglichst billig zu halten. Im Einzelhandel sei ein Kapital investiert, von dessen Größe man im allgemeinen keine Ahnung Hobe. Anlage, und Betriebskapital und Zahl der beschäs- tigten Angestellten stehen nur wenig hinter der Industrie und Land- Wirtschaft zurück und haben den Großhandel überflügell. Dan n wies Direktor Bach darauf hin, daß die großen Sonderoeranstal dingen der Warenhäuser hervorgerufm seien durch den Trieb, den Umsatz zu halten. Gelinge das nicht, dann gehe der Spesensatz über die lArenze dessen, was tragbar ist, hinaus, und die Folge wäre»in Abbme de» Personals. Die WarenHausbesiger lehne» gesetzlich« Regexuagen, die den freien Wettbewerb einschränken. rf>, weil sie nur auf Koster des Konsums- erfolgen können. Der Wettbewerb darf aber nicht unfair werden. Dagegen habe niemand das Recht, einen uube- quemen Wettbewerb als unfair oder unlauter zu bezeichnen. Die tränke Wirtschaft müsse sich selber Helsen. Unsere werbeveranftaltungen. Im Rahmen der Werbewoche veranstalteten gestern einige Kreis- vereine Werbekundgebungen. Zahlreich war die Bevölkerung den Einladungen zu den Versammlungen gefolgt. Auch im Kreis Friedrichshain, der gestern zwei Versammlungen abhielt, waren die Säle überfüllt. Die Kommunisten hatten die plakatierten Einladungen mit ihren Zetteln überklebt und in unmittelbarer Nähe der Ver- sammlungen Straßenumzüge veranstaltet, um die Bevölkerung von der Versammlung fernzuhalten. Der Erfolg war genau so kläglich wie am Dienstag. Im Kreisoerein Friedrichhain sprach in einer über- füllten Versammlung in de» Comeniussälen Reichstagsabgeordneter A u f h ä u s e r. Genosse Aufhäuser gab eine Uebersicht über Deutsch- lands Wirtschaftslage. Wenn die Partei trotz der schweren Wirt- schaftslage an die Arbeiterschaft herantritt und sie zum Zusammen- schluß in der Partei aufruft, so geschehe das, weil die schweren politischen und wirtschaftlichen Kämpfe immer wieder ergeben haben, daß die Arbeiterschaft der Macht des Kapitals nur die Macht der Masse entgegensetzen kann.— In der Schulaula in der Straßmannstraße sprach Genosse L a n d a. Er führte an chand einiger Beispiele aus, daß die Wirtschaftsloge größte Aufmerk- samkeit auf Seiten d-rr Arbeiterschaft erheischt. Der Fürstcnvergleich war für die Partei schwer, aber staatspolitisch not- wendig, nachdem der Volksentscheid nicht die notwendige Mehrheit gefunden hatte. Wir wollen nicht, daß die Gerichte über die Ab- findung entscheiden. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich die W e r b e v e r s a m m l u n g, die die 17. Abteilung Wedding veranstaltete. Bürgermeister Genoise Karl Leid, der das Referat hielt, ging ausführlich auf den ch o h e n z o l l e r n v e r g l e i ch ein, der vor kurzem im Landtag angenommen wurde. Er zeigte die Siellung auf, die die Sozialdemokratische Partei zu dem Vergleich eingenommen hat und legte im einzelnen dar, aus welchen Gründen unsere Landtagsfraktion bei der Abstimmung sich der Stimme ent- halten hat. Wenn unsere Gegner von unks jetzt über Verrat schreien, so soll uns das wenig stören. Wenn s i e vor diese Frage gestellt ivorden wäreiMsie hätten kaum eine andere Entscheidung fällen können. Uns geht es schließlich nicht bloß darum, ein paar Minister in der Regierung zu haben, sondern uns geht es um die Republik. Wir arbeiten an dieser Republik und erblicken unser« vornehmste Aufgabe darin, sie zu festigen und zu oerankern. Man soll uns jetzt nicht mit dem kommen, was hinter uns liegt, sondern wir richten unseren Blick auf die Zukunft, und wir sind gewiß, daß eine spätere Zeit unsere Maßnahmen verstehen wird. Die Landtagsfraktion hat eingehend erwogen, ob noch ein anderer Ausweg vorhanden ist, und sie ist zu dem Ergebnis ge- kommen, daß etwas anderes wie die Stimmenthaltung für die Fraktion nicht übrig blieb. Mit einer kurzen Ansprache des Vor- sitzenden endete die Kundgebung. Warum das Konzert nicht zustande kam. Das Löh mische Brauhaus hatte für gestern abend ein Iohann-Strauß-Konzert geplant. Als Musiker hatte man Beamte genommen, eine Irreführung des Publikums, das natürlich an- »ahm, der Miener Kapellmeister habe sich seine österreichischen Musi- kanten mitgebracht. Der Deutsche Musikerverband hatte den Besitzer des Brauhauses, Liebing, dringend gebeten, in dieser Zeit schwerster Arbeitslosigkeit die Musiker aus den Reihen der arbeitslosen Musiker zu nehmen. Liebing lehnte ab. Am Mittwoch- abend versammelten sich vor Beginn des Konzerts mehrere chrmdert ... arbeitslose Musiker fvor dem Böhnnschen Brauhaus, um gegen den "»lauteren Wettbewerb der Beamtenmusi'-r, die den hungernden Musiker» in den Rücken fallen, zu demonstrieren. Vor dem Lokal wurden chondzettel verteilt, in denen das Publikum aufgefordert wurde, die Musiker in ihrem Abwehrkampf zu unter- stützen und Lokale, die so den Interessen der arbeitenden Bevölkc- rung zuwiderhandeln, zu meiden. Die Abwehrpropaganda erzielte einen vollen Erfolg. Die Beamten lehnten nunmehr ab zu spielen und gingen nach Hause. Dos Publikum verlangte sein Geld zurück, was»ach einigem Widerstreben auch geschah. Das Konzert fand nicht statt, die herbeigerufene Schutzpolizei erhielt keine Arbeit, ,da die Demonstranten sich völlig ruhig ver- hielten. Hoffentlich nehmen sich die Saalbesitzer diesen Vorfall zur Lehre, und setzen in Zukunft keine Konzertoeranstaltung'an, ohne sich vorher mit dem Deutschen Musikerverband ins Ein- vernehmen zu setzen. Daß in solchen Fällen die gesamte Arbeiter- schaft Solidarität übt, ist selbstverständlich. Der entsicherte Revolver. Vor kurzem berichteten wir von einem eigenartigen Unfall, bei dem ein Schupowachtmeister, der sich mit seinem Rade auf einer Patrouillenfahrt befand, durch einen Schuß aus seinem eigenen Revolver schwer verletzt wurde. Äni Mitl- woch nachmittag ereignete sich in der Koinmandantenstraße Ecke Oranienstraße ein ähnlicher Fall. Mitten im Straßengetriebe er- tönte plötzlich ein Schuß. Ein Herr in den mittleren Iahren brach blutüberströmt zusammen. Zunächst glaubte man an ein Ver- brechen oder einen Ueberfall. Polizeibeamte eilten hinzu und stellten iest, daß es sich um einen Unglücksfall handelte. Der Verletzte, ein bVjähriger Bücherrevisor Franz Lehmann aus der Baerlvaldstraße 16, war durch einen Schuß aus seinem eigenen Revolver, den er in der Brusttajch« trug, getroffen worden. Der Revolver war nicht gesichert, so daß sich die Waffx, als Lehmann aus seiner Bruchtasche etwas herausholen wollte, entlud. Die Kugel drang ihm in di.- Bauchhöhle und blieb rechts vom Magen stecken. In bewußtlosem Zustande wurde L. zur nächsten Retwngs- stelle und von dort in das Urbankrankenkaus geschafft. Der Zustand ist sehr bedenklich. Oeffentliche Tanzstunde. Was müssen sich unsere armen Lustspiel- und Possendichter plagen, um dem Publikum ein paar kleine Lacbcr zu entlocken. Dabei liegt der Humor auf der Straße. Die Charleston-Import-Gesellschaft, ein ausländisches Tanzpaar, erteilt dreimal wöchentlich Gratis- Unterricht in der Scala an Tanzwütige beiderlei Geschlechts ohne vorh'gehende Eignungsprüfung. Erst zeigte das Tanzpaar den Tanz, wie er fein soll, dann kamen die Schüler.(Wie er nicht sein soll. Eigentlich aber ist er nur als Karikatur genießbar.) Die Oeffentl.Werbeverfammlungen heute, Vonnerstag, üe« 27. Oktober: Charlottenburg: 8 Uhr in den Hohenzollern-Festsälen, Berliner Straße 10S. Referent: Stadtverordneter Adolph Hoffmann. Morgen, Lreltag, öeu 22. Oktober: Tiergarten(S. Abteilung): 754 Uhr im Nationalhof, Bülowstr. 37. Referent: Bezirksoerordneter Hermann Lempert. Alahlsdorf'Süd: 8 Uhr im Lokal Dietz, Uhlandstr. 18. Redner: Wilhelm Landa. Reinickendorf: Werbeumzug mit Mrsik.— Treffpunkt abends 654 Uhr, Bahnhofsplatz Tegel. Männer und Frauen, erscheint in Massen! Damenriege: Klein«, fette, ältliche Damen mit den unvermeidlichen kurzen Beinchen und weit ausladendem Gesäßteil, lange Wesen, mit nicht endenwollenden Gliedmaßen, dazwiichen auch eit, paar Normalweibsen(bis auf den Charleston-Knick). Die Herrenriege: Höchstaltersstufe Mitte Zwanzig(die vorhergehende Generation be- treibt es vielleicht heimlich, immerhin ein Beispiel für die weibliche Altersgenossenschaft). Gesamhnerlmal: Geistiger Jnfantilsmus in Veinkultur. Also: Auf Kommando wippte alles runter und schnellte wieder hoch, bog die Beine nach innen und nach außen— diese „Figur* in des Wortes tiefster Bedeutung war der Gipfelpunkt der Komik— turnte, müllerte, mensendiette und hopste, daß es eine Freude war. Dies alles mit todernsten Gesichtern, ungeachtet des homerischen Gelächters der Zuschauer, eine voll« Stunde lang. Soll man die Beharrlichkeit oder die Talentlosigkeit mehr bewundern? Von der einfach verblüffenden Ignoranz dem Publikum gegenüber ganz zu schweigen. Ein Jüngling mit Hornbrille nahm diese nach dem Tanz sofort ab. Ein ganz Kleiner, mit kurzen Höschen, schein- bar noch schulpflichtig, huldigte ebenfalls dem seltsamen Tanzlaster. Und noch viele andere köstliche Typen waren da. Charleston-Parodie in höchster Vollendung. Die Werbewoche der Pariei hat die Buchhandlung de« Dietz--Verlages zu einer großzügigen Propagierung ihres Sortiments benutzt. Die„Bücher des Fortschrittlichen*. wie man dem Passanten in großen Lettern verkündet, ziehen in recht geschickter Auslage das Publikum an. Zwei rote Fahnen geben den Grundton für Idee und tieferen Sinn des ausgestellten Werkes. Da sind die richtungweisenden Arbeiten von Marx. Engel», Lassalle, außerdem noch eine Fülle sozialer, aktuell politischer und allgemein moderner Literatur. Sehr viel begehrt sind die Broschüren im Preise von 11) bis 50 Pfennigen, Schriften von Bernstein, Nörpel, Braun, sowie Wilms:„Wilhelry II. als Krüppel und Psychopath*, deren Preis der geringen Kaufkraft der breiten Massen erfreulich Rechnung trägt. Die Staatliche Fachschule für Wirtschast und Verwaltung wurde im Beisein des preußischen Handelsministers Schreiber sowie Vertretern des Reichsarbeitsministeriums, des Oberpräsidiums und anderer staatlicher und städtischer Behörden und Vertretern aller drei Gewerkschaftsrichiungen feierlichst eröffnet. In seiner Erösf- nungsrede wies der Herr Handelsminister S ch r e i b e r auf die Not- wendigkeit hin, geeigneten Männern und Frauen der arbeitenden Bevölkerung die Grundlagen einer wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen-Bildung zu vermitteln. Er begrüßt es, daß die Gewerk- schaften durch die Entsendung der Schüler wesentlich zum Zustande- kommen der Schule beigetragen haben. Zum Schluß der zahl- reichen Ansprachen nahm der Direktor der Schule, Dr. Ernst N ö l- ting, das Wors zu einem instruktiven Vortrag über„Ausgaben und Ziele der Staatlichen Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung*. Die eindrucksvolle Feier wurde mit einer Besichtigung der Schul- und JMernatsräume beendet. Schließung der stüdlischen Sleuerkassen am 21. Oktober. Wegen des Monatsabschlusses bleiben die städtischen Steuerkassen in allen Verwaltungsbezirken der Stadt Berlin am Donnerstag, den 21. Ok- tober d. I., für jeden Verkehr mit dem Publikum geschloffen. Dezirksd Idunnsausich'ch«vrah verlln Sonntag, den 24. Oktober, nach- mittags 3 Uhr. im Tbeater der Volksbühne am Bülowplatz Vorstellung. Zur?lusiübrnng kommt ,L y si st r a t a'. eine Komödie von Leo Wremer(nach ArislopbancS). Tintrittskarten(einschiiehlich Kleiderablage und Tbeaterzeltcit zum Preise von 1,20 M bei den BildnngSobieuten der Kreise nnd Abteilungen, im Zigarrengeschäst Horsch, Engelnser 24/2S, Tabak. vertrieb GEG., Jnselstr. 6, Verband der gravhischcn HUsSarbeiter. Luisen- user 38, in den Vorwärtsspedilionen, in der Budthandlung Vorwärts, Lindenstr. 2 und im Bureau de« Bezirksbildungsausschusses, Lindenslr. 8, 2. tzos II, Zimmer 8.— Am Sonntag, den 24. Oktober, abend»» Uhr, im Bllrgersaal de» Ztakhaitses, KSnigstrahe: Literarischer Abend de» BücherkrciseS. Theo M a r e t spricht über da» 7. Werk de» Büchev- kreise»:.Kreatur' von Friedrich Wolf. SintrittSPreiS 50 Pf. Tourislenvcrein»vi« Itawrfreuade", Zealral« wie». Heute abend 8 Uhr findet im.Altcrsbeim', Danziger Str. 62, ein Lichtbitdervorttag:„Die Bourgeoisie in der Karikatur- statt. Die Erläuterungen gibt Friedrich Wendel vom.Lachen link»-. Stapellauf ües Dampfers«.New tjork". Am Mittwoch nachmittag lief auf der Hamburger Werft von B l o h m u. V o ß der für die H a m b u r g- A m e r i k a- Linie erbaute neue Turbinendampfer.New Port* vom Stapel. Eine ungeheure Menschenmenge wohnte dem interessanten Schauspiel bei. Bürgermeister Petersen, der im Namen des Bürgermeisters Walker-New Port die Weiherede hielt, pries das neue Werk als ein Symbol der Freiheit, des Rechts und des Friedens. „Immer klarer und stärker ringt sich in den Völkern der Erde die Erkenntnis durch, daß die Menschheit durch wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen so vielfältig organisch verknüpft wird, daß der Frieden in gegenseitiger Achtung und gegenseitigem Ver- trauen ihr Lebenselement ist. Diese Wahrheit wird immer ent- scheidender. Die sittlichen Gesetze alles Handelns werden die Epoche herbeiführen, in der es keinen anderen Kampf unter den Völkern gibt als den um die h ö ch st e Äc i st u n g im gemeinsamen Dienst der Menschheit. Dieser Idee des Friedens diene auch dies Schiff, das eine weitere VcrbinUmg über den Ozean schlagen soll. Wir Deutsche bewundern die schöpferische Tatkraft. Wir wissen auch, daß wir Völker der allen Welt nur verstanden werden können aus unserer Geschichte und unseren nationalen Entwicklungen und der Enge des Bodens, der uns zugewiesen ist. Aber wir glauben daran, daß alte und neue Welt sich finden werden im Sieg des Menschheitsgcdankens. Lassen Sie uns aus der Kraft solchen Glaubens diesem Schiff, das ein Symbol dieser Einhett der alten und der neuen Welt ist. die Weihe geben und im Geist jener Zeit huldigen, in der diese Sehnsucht erfüllt sein wird." Der Name des neuen Hapag-Dampfers zeuge für die enge Ver- bundenheit Hamburgs und New Porks und sei ein sichtbares Zeichen der friedlichen Zusammenarbeit Deutschlands mit Amerika. Nach der Weiherede vollzog die Gattin des New Dorker Bürgermeisters, Mrs. Walker, den üblichen Taufakt, worauf der neue Ozeanricsc langsam in die Fluten glitt. Der neue Turbinendampfer der Ham- burg-Amerika-Linie ist das vierte Schiff der Ball in- Klaffe, der Schiffe„ohne Seekrankheit*, die den Dienst Ham- bürg— New Park versehen Das Schiff hat einen Rauminhalt von 21000 Bruttoregistertnnnen, ist 193 Meter lang, 24 Meter breit und hat eine Tiefe von 17 Metern. Der Antrieb, der dem Schiff eine Geschwindigkeit von 16 Seemeilen in der Stunde gibt, erfolgt durch zwei Turbinen, die 13 000 Pferdestärken erzeugen. Das Schiff hat alle modernen Einrichtungen, die für Sicherheit auf See sorgen. 250 Passagiere können in der ersten, 420 in der zweiten und 4 60 in der dritten Klasse bequem Unterkunft finden. Auch die dritte Klasse hat Gesellschaftsräume, Spielsäle, Rauch- ustd Da-neu- zimmer. Die Indienststellung des Dampfers erfolgt im Frühjahr. Eisenbahnunglück in Mitteldeutschland., wünschendors a. d. 20. Oktober.(MTB.) Mittwoch mittag fuhr dem oo» Weida kommenden Personenzug 2251 bei der Einfahrt in den Bahnhof eine Lokomotive in die Flanke. Die Lokomotive, der Packwagen und ein Personenwagen entgleisten und wurden leicht beschädigt. Bei dem Unfall wurden zehn Reisende und zwei Eisenbahnbedienstete leicht o e r l e tzj. Der Betrieb wurde nicht wesentlich gestört. Sport. Rennen zu Rlarfendorf am Mtkwoch, den 20. Oktober. 1. N e n n e n. 1. Arnjried iBrzhrembel), 2. Ingrid Hall«(v. Heuert), 3. Benedict lLoutz jr.). Toto: 135: 10. Platz: 40, 45, 71: 10. Ferner liefen: Kasimir. Küralficr. OCaPl. Leeidera. Bron,«. Baron Silvester. Lebemann. Dele Marion, Terrarin, Min,. Michael. Radiola, Punter, Trispa, Erisa, Ocrostrnlo», Coriolanu». Morgentau, Dante. Kurfürst. 2. R e n n c ir 1. Ehrenberg(Treuherz), 2. Mary Guy(I. Still»), 3. Karo Bub-(P. Firm). Toto:38:t0. Platz: 1«. 14. IS: 10. Ferner liefen: Martha Halle, Anker I. Regenbogen. Millionär, Antenne. 3. R e n n e n. 1. Dompiaff I(L. Weih». 2. Imporiatwa kgautz fr.), 3. Eyprefie II(W. Eberl). Toto:»7: 10. Platz: 31. 25. 68: 10. Ferner liefen: Gawein, Good Bot). Stella Surs, Dunajec, FtskuS, verglchwaibe, Cleo Walt», Barmaid, Ackelci B.. Heroftrat, Postumu». Fiamette, Malmö. 4. R e n n e n. 1. Feneion(I. Mill»), 2. Liiac(Eh. Mills». 3. Oster. magda iJautz jr.). Toto: 122: 10. Platz: 19. 12, 14: 10. Ferner liefen: Marl, H., Dawion Wall». Pechfackel. Rai. Farbe«. 5. R e n n e n. 1. Kerrigan jr. iMattern), 2. Colonel(M. Rath). 3. Iefiiie» jr.(Hanka). Toto: 121: 10. Platz: 28, 19, 163: 10. Ferner liefen: Blaue Adria. F. Langemaim, Lindow'ind, Eckstein. Ouero, örbgras, Iimiene, Frühaus. Peter Harvesler. Baron Tregantte, Zeitgeist, Rotula, Czillag, Federnelte. Höhensonne, Berdun, Manzanare», Interessent, Lud- mill I, Ouintora, Barometer. Hetman. 6. Rennen 1. Koryphäe(As Lemzer), 2. Potsdam(L. Weih), 3. llirano(H.Grube). Toto: 56: 10, Platz: 24, 25, 408: 10. Ferner liefen: Einsicht, Diana Magowan. Ibilu», Krosimogul, Susi Lehburn, Meisterstück. Hans Behren», Kroschet, Lachmustel, Lessing. Deutscher, Leucht- sacke!, Leuchtturm, Peler Hall, Kronsbeere, Hippologe, Leuchttäser, Cilento, Eilc.iried, Jram, Esfi, Lucie Halle, Kartenipieler, Wintermärchen, Schüler Teddy. 7. R e n n e n. t. Colonel Bosworth(Ch. Mill»), 2. Soubrette(Switzer), 3. Addie iP. Firm). Toto: 13: 10. Platz: 11, 14: 10. Ferner Uesen: Karneval, Trotteur. 8. R e n n e n. 1. Mentor I(P. Finn), 2. Koveke(Kwtt), 8. Invasion (L. Weih). Toto: 120: 10. Platz: 29. 15, 21- 10. Ferner Uesen: Besfie, Balloniönigin, Winnie. Novell- 1, Benu», Diagonale, Oeean Girl, Katzbach, Baron Tregantie, Rubin. Konsul, Burmida. 9 Rennen 1. Ehester Belle(Ch. Mill»), 2. Copal(F. Schmidt), 8. Wainsca(H.Huth). Toto: 12: 10. Platz: 11, 11: 10. Ferner Uesen: Kluck, Nachisalter. Cleo Dolo. Tstt drei Generationen tit In, ÖHnüm, KONIGIN VON SABA Qualität�ziqarette. -ytoKß/cfc bistAins Beliebtheit in Berlin 103 TUJJL'tchJtxft&itAULQaLduujnty tri« GAmATY N die neue AH- Seife in Pulverform der Sunlicltf-Gesellschaft Mannheim MwMrwk x» Wart und BUd>*rb*l«Bl Königttr. 33 Chausseestr. 113 Oranientftr. 40 AmBM.AiMaMterpi. Baiai•laHlaar•■•»•»•••• Du obige Aofcbat sUbt ob DoontnUg tw Vtf(Bgun|l- SthrtfU. BttUlluagti bbooco oKbt bcrOdukbtigt woftel gegen 12 Monats ititen (Raddafa Sdrtln.twpi'yi»" II B'n'tjoii-üKtmf ii an der J otit,•Brillit. b«««ee«w»»»SSSSM» Unserem Genossen prioclriok �saxo neb» Gemah in die herzlichste»«ILckwSnsche zur SUderhochzeit. vi« knnlrtlonlre n.«UOlIeder der 5. XleteUnntz. »SS»»«««««« ZMlIIAiMSIdM-lüsWl! Uditircg! VMvMVgSMglleilN! Am g t e 1 1« fl. den A Ottober, finde, leine etstuni, der»tiUcren vre»- »ermaltnng ilon vi« OrlooerwaUnng. Heule enischitei sonst nach langen schweren Leiben mein lieber, unoer- letzlichei Mann, unser guier Daier, hwiegervater und Erozvaler Emi! Bunde im Aster von 77 Zahre». Die» zeigen nesdetrlldt an Za'vbine Bunde geb. Samson Ziodert Bunde a. Frau geb Tau Bertram Bunne u-Fraa geb.Kopp Werner Bunde. Tniel Hermann Bunde UN» Fra» geb. Tramwetter, z. Zt. iDSlmerila. Die Einäscherung findet am Montag. den Lb. Oktober, nachmittag« 3 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg iiatt Eenlährlnen schiilerl. Direktor Dr. Sobenzollerndamm 1S8. Abituranstal» kBoIks- Fackel mann. hPfd. 50 Pf. Nr. 496 ❖ 45. Jahrgang 2. Seilage des vorwärts Donnerstag. 21. Oktober 1926 Kultur und Volkswohlfahrt. Die Grundforderungcn der Frauenerwerbsarbeit. Von Marie Juchacz. Die kulturelle Entwicklung eines Volkes wird durch wirt- schaftliche und soziale Verhältnisse bedingt. Es ist kein Reich- tum notwendig, wohl aber ein bestimmter Wohlstand für alle Menschen, der es erlaubt, die materiellen Vorbedingungen einer Volkswohlfahrt zu erfüllen. Also ist V o l k s w o h l» fahrt in Verbindung mit der kulturellen Lebensgestaltung eine Lohn- und Wohnfragc. Grundlage der Volkswohlfahrt aber ist wertschaffende und werterhaltende Arbeit. Daher sind kulturelle G r u n d f o r d e r u n g e n: auskömm- l i ch e s Geholt für die Arbeitenden, eine Arbeitszeit, die die Kräfte der Arbeitenden nicht überspannt und sich in sozial vernünftigen Grenzen bewegt, hygienisch und gesundheitlich gute Arbeitsbedingungen, das Recht auf Arbeit für Mann und Frau, ein Ersatz für die im Dienst an der Volkswirtschaft etwa verlorene Gesundheit in Gestalt einer gut ausgebauten und ebenso durchgeführten Sozialgesetzgebung, die auf der gleichen sozialen Grundanschauung, auch den Schutz der schwangeren Frau, der Mutter und des Kindes, sowie der Jugend umfastt. Jede Arbeit, die das Ziel hat, Massen geistig und materiell aufwärts zu führen, ist Kulturarbeit. Fichte sagt:„Der Mensch soll arbeiten, aber nicht wie ein Lasttier, das unter seiner Bürde in den Schlaf sinkt und nach der notdürftigsten Erholung seiner erschöpften Kraft zum Tragen derselben Bürde wieder aufgestört wird. Er soll angstlos, mit Lust und Freudigkeit arbeiten und Zeit übrig behalten, seinen Geist und sein Äuge zum Himmel zu erheben, zu dessen 2lnbl!ck er gebildet ist." Die Arbeit soll den Arbeiter, den Schöpfer der Werte, nicht aufzehren, sie soll Mittel zum Zweck sein, um möglichst allen Gliedern des Volkes kulturelle Ent- wicklungsmöglichkeiten zu geben. Deshalb ist das Leitmotiv für die Arbeit der Volkswohlfahrt: Kulturarbeit der Arbeiterschaft soll nicht Mittel der Er- bauung sein, sondern Mittel zum sozialen und geistigen A u f st i e g der Arbeiterklasse! Hier haben die freien Gewerkschaften und die Sozial- demokratische Partei eine große Summe von Pionierarbeit geleistet. Das Programm von Heidelberg hat die materiellen Grundlagen aller Volkskultur aufs neue festgelegt. Die Sozialdemokratie fordert darin: Gleiches Recht der Frauen auf Arbeit. Verbot jeder Erwerbsarbeit schulpflichtiger Kinder. Ein Gebiet, das vom Standpunkt der Kultur usw. be- sondere Beachtung verdient, ist die Frauenerwerbs» arbeit. In ihr liegen unter den heutigen Wirtschaftsver- hältnisfen kulturzerstörende und kulturaufbauende Tendenzen. Die kulturzerstörenden Tendenzen haben ihre Wurzel nur in der grundfalschen Verteilung der Ärbeit und in der allgemeinen falschen Einstellung zur verwaltenden und werterhallenden Hausfrauenarbeit. Wir können daran nicht vorbeigehen, daß aus dieser nur nach kapitalistischen Grundsätzen organisierten Frauenarbeit eine ungeheure moralische und gesundheitliche Jugend- arbeit notwendig herauswächst. Unsere ganze häuslich-privatwirtschaftliche Lebensge- staltung, aber auch die sozialen Lebensformen und die sozialen Einrichtungen, damit unser ganzes soziales Leben, stehen in einem krassen Gegensatz zu den sozialen Auswirkungen der Frauenarbeit und zum sozialen Menschenrecht schlechthin. Es ist ein neues Frauengeschlecht herangewachsen. Die Entwicklung ist noch im Fluß. Der eigene Erwerb gibt wirtschaftliche Selbständigkeit, größere Lebenssicherheit, gibt mit dem anderen Umkreis und Tätigkeit auch eine an- dere geistige und soziale Perspektive. Der Eintritt der Frau in die Politik, das Frauenwahlrecht, sind nur die Konsequenz der Frouenerwerbsarbeit. Es ist nun eine gebieterische Notwendigkeit, daß die Wohnungsfrage in Verbindung mit der Frage der Haushaltsg est a l t u.n g und Führung den neuen Ver- Hältnissen entsprechend entwickelt wird. Die Wohnungsfrage ist verkoppelt mit dein Wohnungselend, das wir aus der Vorkriegszeit mit herübergeschleppt haben in die Gegenwart, wie es zu den ungeheuren Dimensionen angeschwollen ist und bei der Gestaltung der Wohnfrage als Hindernis wirkt. Das heutige Wohnungselend ist die Quelle für Ehezerstörung und Iugendverwahrlosung, für Volksseuchen wie: Tuber- kulose, Alkohol— Geschlechtskrankheiten, aber auch für das Elend der Kinder— Verkrüppelung des Geistes und der Seele. Erwerbslosigkeit, Wohnungselend, Wirtschaftskrisen— drei fast unüberwindlich scheinende Hindernisse auf dem Wege zu dem, was wir„Volkswohlfahrt" nennen. Und doch heißt es nun erst recht an die Arbeit gShen, Wege zu suchen, die uns herausführen aus den Wirrnissen einer anarchischen Wirtschaft, aus dem ewigen Unfrieden innen- und außen- politischer Zerrissenheit. Wir als Sozialdemokraten wissen, daß nur der Sozialis- mus uns zum Ziele führen wird, daß nur durch die Durch- dringung unseres ganzen Staats- und Wirtschaftslebens mit foLalistischem Geist dieses Ziel erreicht werden kann. W i r wissen es— aber noch viel zu klein ist die Zahl derer, die zu unserer Fahne stehen, viel zu klein insbesondere die Zahl der Frauen, die doch der Sozialdemokratie in erster Linie die Möglichkeit politischer Einflußnahme verdanken. Darum gilt es auch vor allem— und nicht nur in der Werbewoche—, die Frauen für unsere Ideen zu begeistern. Die Erreichung unseres großen, gemeinsamen Zieles ist nicht zuletzt eine M a ch t f r a g e. Je mehr Anhängerinnen unsere Forderungen unterstützen, je eher werden wir unser Ziel erreichen._ Der Vorkämpfer öer Zrauenrechte Worte Bebels. Der Sozialismus als Befreier. ,A>i« Frau steht dem Mann« erst gleich, wenn sie nicht bloß rechtlich, sondern auch ökonomisch ihm gleichsteht, wenn sie dasselbe Menschenrecht wie der Mann genießt, wenn die gesellschaft- lichen Verhältnisse dem Manne es unmöglich machen, sich zu ihrem Herrn auszuwerfen, weil er ihr Ernährer ist. Der gesellschaftlich« Zustand, der keinen Herrn und kein« Unterdrückten kennt, weder auf politischem, noch ökonomischem, noch religiösem, noch geschlechtlichem Gebiet«, ist der Sozialismus. Im Sozialismus allein tritt die Frau, wie jeder Unterdrückte in den Besitz des vollen Menschenrechtes. Der Sozialismus fetzt sich die höchste Entwicklung der Kräfte und Fähig- leiten alier Gesellschaftsmitglieder, also auch der Frauen, zum Ziel;«r verlangt von allen Gesellschaftsmitgliedern, also auch von den Frauen, die Anwendung ihrer Kräfte und Fähigkeiten zum gemeinsamen Nutzen:«r gewährt allen Gesellschaftsmitgliedern, also auch den Frauen, vollen Anteil an dem gemeinschaftlichen Ertrage und Nutzen aller Tätigkeit. Im Sozialismus allein kann sich der edelste Trieb im Menschen, die Lied«, voll und ganz entfalten: alle Hemmnisse fallen weg, Mann und Frau stehen sich vollständig gleich gegenüber, ihre Neigung allein entscheidet ihr Zusammenleben, ihre Ehe....." Die Frau hat das gleiche Recht. „Die Frau hat von Natur das gleiche Recht wie der Mann, der Zufall der Geburt kann daran nichts ändern. Die Frau, weil st« als Frau nicht als Mann geboren ist— woran der Mann so un- schuldig ist wie die Frau—, von den Rechten der Menschen aus- zuschließen, ist ebenso unsinnig und ungerecht, als wenn Recht« von dem Zufall der Religion oder der politischen Gesinnung abhängig gemacht werden, oder daß zwei Menschen sich als Feinde betrachten, weil sie bei durch den Zufall der Geburt verschiedenen Volksstämmen oder verschiedenen Nationalitäten angehören. Alles das sind eines freien Menschen unwürdige Hemmungen und Gesinnungen, und der Fortschritt der Menschheit besteht darin, diese, und zwar so rasch als möglich, zu beseitigen. Es hat kein« andere Ungleichheit ein Recht auf Bestand als jene, welche die Natur fiir die Erreichung des äußerlich verschiedenartigen, im Wesen gleichartigen Naturzwecks begründete. Die Naturfchranken wird ober kein Geschlecht überschreiten, weil es damit seinen eigenen Naturzweck vernichtete, darauf können wir uns sicher verlassen, und ist kein Geschlecht berechtigt, dem andern sein« Schranken zu ziehen, so wenig wie ein« Klasse der andern." Frau und Mann im Proletarial. „Ein günstigeres Verhältnis bildet sich zwischen Mann und Frau im Proletariat heraus, insofern beide erkennen, daß sie an dem gleichen Strange ziehen und es für ihre menschenwürdig« Zukunft nur«in Mittel gibt: die gründlich« gesellschaftliche Umgestaltung, die alle zu freien Menschen macht. In dem Maß«, wie diese Erkenntnis sich auch unter den Frauen des Proletariats immer mehr verbreitet, idealisiert sich, trotz Not und Elend ihr Eheleben. Beide Telle haben jetzt«in gemeinsames Ziel, nach dem sie streben und ein« unversiegbare Quelle der Anregung durch den Meinungsaustausch zu dem ihr gemeinsamer Kampf sie führt. Die Zahl der Proletarierfrauen, die zu dieser Erkenntnis kommen, wird mit jedem Jahre größer. Hier entwickelt sich eine Bewegung, die von ausschlaggebender Bedeutung für die Zukunft der Menschheit ist... Der klassenbewußte Arbeiter weiß, daß die gegenwärtige ökono- mische Entwicklung die Frau zwingt, sich zum Konkurrenten des Mannes aufzuwerfen, er weiß aber auch, daß die Frauenarbeit zu verbieten ebenso unsinnig wäre wie ein Verbot der Anwendung von Maschinen und so trachtet er danach, die Frau über ihre Stellung in der Gesellschaft auzuklären und sie zur Mitkämpferin in dem Befreiungskampf des Proletariats gegen den Kapitalismus zu erziehen." Die sozialistische Ehe. .In der sozialistischen Gesellschaft ist die Ehe das reinste, von keiner anderen Rücksicht als auf die gegenseitig« Neigung. geschlossene Verhältnis:«in Verhältnis, das, weil es aus keiner anderen Absicht als der, sich gegenseitig anzugehören, von zu gegen- seitiger Achtung und voller Gleichberechtigung erzogenen Menschen geschlossen wird, eine unendlich sittlichere Grundlage, als die meisten heutigen Ehen hat. Es existiert nicht, wie böswillige und unver- ständige Gegner dem Sozialismus unterschieben wollen, die sog«- nannte„Weibergemeinschaft",«in Zustand, dessen Name schon«ine schimpfliche Dregradation der Frau bedeutet, der aber heut« für manche Klassen in Wirklichkeit besteht.. „Die Frau und der Sozialismus"(1870). Frauenarbeit- Frauenrechte. Der Kampf für die Arbeiterklasse als Staatsbürger» Pflicht. Von Anna Geyer. Nicht selten hört man die Behauptung, daß den Frauen die politische Gleichberechtigung im November 1918 geschenkt worden sei, ohne daß sie jemals ernstlich darum gekämpft hätten. Vergleicht man die verhältnismäßig kleine Zahl der Frauen, die bereits vor dem Krieg den Kampf um ihre politischen Rechte geführt haben, mit der Masse der Frauen, denen das politische Wahlrecht zuteil wurde, so mag diese Behauptung allerdings den Schein der Nichtigkeit fiir sich haben. Zlber richtig ist sie darum doch nicht. Gewiß ist das Tempo, in dem sich eine politische Ent- wicklung vollzieht, abhängig von dem politischen Willen der für sie kämpfenden Klasse oder Gruppe. Der kleinen Zahl der für das Wahlrecht kämpfenden Frauen stand schon seit Jahrzehnten vor dem Krieg der nicht geringe politische Wille der deutschen Sozialdemokratie zur Seite, der schließlich auch zum Ziele führte. Aber wenn der politische Wille für eine Aenderung der politischen Rechts- oder Machtverhältnisse wichtig und bedeutungsvoll ist, so ist noch ungleich entscheiden- der, daß eine Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse dafür die Vorbedingungen geschaffen hat. Diese Veränderung der wirtschaftlichen Stel- l u n g der Frau hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts vollzogen. Die Frauenerwerbsarbeit bildet die Voraussetzung für das»Frauenwahlrecht. Zwar ist die Frauenarbeit keine Erfindung des letzten Jahrhunderts. Die Frauen haben zu allen Zeiten gearbeitet. Äber ihr Arbeitsgebiet war in früheren Zeiten genauer abgegrenzt. Es bestand im wesent- lichen in der Herstellung eines großen Teiles von Bedarfs- gegenständen in der eigenen häuslichen Wirtschaft. Je mehr die moderne Form der Gütererzevgung die Herstellung einer immer größeren Zahl von Gegenständen aus dem Haushalt in den Gewerbebetrieb verlegte, desto größer wurde auch die Zahl der Frauen, die in den Fabriken arbeiteten und nicht mehr ausschließlich in ihrem Haushalt. Zwischen der Zu- nähme der außerhäuslichen Erwerbsarbeit der Frauen und dör Verringerung der Hausarbeit bestand und besteht auch heute noch eine deutliche Wechselwirkung. Je geringer die Hausarbeit, desto leichter können die Frauen Berufsarbeit leisten. Je mehr Frauen einem außerhäuslichen Erwerb nachgehen, desto lebhafter wird das Bedürfnis nach Er- leichterung in der Hausarbeit. Silber nicht die Befreiung von einem Teil der Hausarbeit war die für das Frauenwahlrecht entscheidende wirtschaftliche Veränderung. Die Frauenarbeitinden Fabriken un binde n Bureaus war es vor allem, die das Frauen- Wahlrecht zur Folge hatte. Diese Arbeit hat von Jahr zu Jahr an Bedeutung zugenommen. Für Deutschland oricn- ticren uns darüber Statistiken seit dem Jahre 1882. Damals waren 5,5 Millionen Frauen oder 24 Proz. der weiblichen Bevölkerung erwerbstätig. Für die Berufszählung von 1925 liegen bis jetzt nur Teilergebnisse vor. Es kann danach ge- schätzt werden, daß heute fast 11 Millionen, also doppelt so- viel Frauen wie 1882, erwerbstätig find. Nicht nur im Umfang der Frauenerwerbsarbeit, auch in der Art der Tätigkeit hat sich eine Aenderung vollzogen. Vis vor wenigen Jahrzehnten war es fast ausschließlich die Frau des Proletariats, die außerhalb ihres Hauses erwerbs- tätig war. Man wies ihr vorwiegend die am meisten unter- geordneten und unselbständigen Arbeiten zu. Heute sind wir so gewohnt, die Frauen auch in höheren Berufen und bei selbständiger Arbeit anzutreffen, daß es uns kaum mehr zum Bewußtsein kommt, wie schnell sich gerade auf diesen Arbeitsgebieten die Entwicklung und Anerkennung der Frauenarbeit vollzogen hat. Im Jahre 1893 wurde zum erstenmal Mädchen die Zulassung zum Abiturientenexamen gestattet und im Jahre 1899 wurden Studentinnen zum erstenmal zur medizinischen und pharmazeutischen Staats- Prüfung zugelassen. Die anderen akademischen Berufe folgten noch später. Höhere Beamtenstellen wurden den Frauen vor dem Krieg überhaupt nicht eingeräumt. Innerhalb des letzten Vierteljahrhunderts haben die Frauen mit zäher Energie und mit Tüchtigkeit um die Anerkennung ihrer bc- ruflichen Arbeitsleistung gerungen. Nicht nur die akademisch gebildete Frau in den höheren Berufen wurde eine immer häufigere Erscheinung. Auch in den Bureaus und zum Teil sogar in den Fabriken wurden Frauen leitende �Stellungen übertragen. Die Einschätzung der weiblichen Arbeits- l e i st u n g hat sich grundlegend geändert. Die in die Enge ihres Haushalts gebannte Frau früherer Jahrhunderte hatte keine Gelegenheit, ihre ganz anders geartete Arbeit mit der Arbeitsleistung des Mannes zu vergleichen. Sie war leicht von der Unterwertigkeit ihrer Leistungen und ihrer Person zu überzeugen. Schwieriger war das bei der Fobrik- oder Bureauarbeiterin. Sie arbeitete häufig an der Seite von Männern. Sie konnte ihre Arbeitsleistungen vergleichen mit denen ihrer männlichen Kollegen. Nicht selten konnte sie konstatieren, daß sie viele Arbeiten ebenso gut verrichtete wie die Männer. Besonders als während der Kriegsjahre viele Frauen zu zahllosen Arbeiten herangezogen wurden, die vor- dem ausschließlich den Männern vorbehalten waren, da wurde förmlich mit Erstaunen von Männern wie von den Frauen selbst bemerkt, daß das Märchen von der geringeren Leistungsfähigkeit der Frau eben nur ein altes Märchen war. Die Tüchtigkeit der arbeitenden Frauen, besonders wäh- rend der Kriegsjahre, in den Fabriken sowohl wie in den höheren Berufen, hat die psychiscken Voraussetzungen ae- schaffen für die widerstandslose Einführung des Frauenwayl- rechts durch die Partei der Arbeiterschaft, durch die Sozial- demokratie. Ohne die Erwerbsarbeit der Frauen wäre die Einführung des Frauenwahlrechts nicht möglich gewesen. War auch die Zahl der bewußt für das Wahlrecht kämpfen- den Frauen nur kein, so hat doch die große Mehrheit der Frauen durch ihre Leistungen für die Allgemeinheit, für die Wirtschaft des ganzen Volkes, sich die Anerkennung er- zwungen, die sich in politische Rechte umsetzen mußte. Verhältnismäßig schnell haben die Frauen gelernt, von ihren neuen politischen Rechten Gebrauch zu machen. Die Wahlbeteiligung der Frauen blieb im allge- meinen wenig hinter den entsprechenden Zahlen der männ- lichen Wähler zurück. Freilich ist auch heute wieder die Schar der Frauen verhältnismäßig klein, die ihre politischen Rechte bewußt in politische Macht für die Partei der arbeiten- den Frauen umsetzen will. Sie ist größer als die Zahl der vor dem Krieg für das Frauenwahlrecht kämpfenden Frauen. Mehr als ISO 000 Frauen sind heute in der Sozialdemokratie tätig. Das ist eine große Schar, und doch— in Beziehung zur Zahl der erwerbstätigen Frauen gesetzt— noch nicht einmal anderthalb Prozent. Viel größer ist die Zahl der Frauen, die aus ihrer wirtschaftlichen Stellung heraus sich der Partei zuwenden müßten, die seit dem Bestehen der Frauenerwerbsarbeit am entschiedensten die Interessen der arbeitenden Frauen gewahrt hat— die Sozialdemokratie. Sehr viele Frauen wissen den Wert und die Verant- wortung des Frauenwahlrechts kaum zu würdigen. Es ist ihnen heute, nach kaum acht Jahren schon zur.Selbstverständ- lichkeit geworden. Sie wissen nicht, daß sie als deutsche Frauen damit den Frauen in sehr vielen anderen Ländern ein gutes Stück voraus sind. Von allen Ländern Europas baben nur Deutschland, Rußland und die drei nordischen Länder das uneingeschränkte Frauenstimmrecht. In allen anderen Ländern, auch in den Staaten mit einer demokrati- giien Verfassung, wie Frankreich und England, haben die rauen gar kein oder nur ein oeschränktes politisches Mit- bestimmungsrecht. Die Tatsache, daß Deutschland mit zu den ersten Ländern gehört, in denen die Frauen gleichberechtigte Staatsbürge- rinnen wurden, legt den deutschen Frauen die besondere Ver- pflichtuna auf, sich ihrer staatsbürgerlichen Pflich- t e n in besonderem Maße bewußt zu sein. Ihr politi- sches Mitbestimmungsrecht muß viel mehr Frauen als seither veranlassen, sich in politischen Fragen auf dem laufenden zu halten, ,0 daß sie selbständig ihre politischen Entscheidungen treffen können. In der Erwerbsarbeit haben sich die Frauen ihre An- erkennung als gleichwertige Arbeitskräfte durch ihre Tüchtig- keit errungen. Es ist kein geringeres Ziel, wenn sie sich durch ihr Interesse an der Politik und durch die Klugheit ihrer Entscheidungen ihre Anerkennung als gleichwertige Staatsbürger erringen. Das wird nur möglich sein, wenn sich die Frauen auch außerhalb der Wahlzeiten in größerer Zahl um politische Fragen kümmern, wenn sie sich laufend informieren, wie ihnen das durch den Besuch unserer Parteioeranstaltungen möglich ist, und wenn sie regelmäßig unsere Zeitung— auch den politischen Teck— lesen. Die Frau, die Mitglied wird in der Partei, die seit ihrem Bestehen für die Gleichberechtigung der Frauen kämpfte, die Frau, die sich der Partei der Arbeiterklasse, der Klasse des Aufstiegs zu einer besseren Zukunft anschließt, die Frau, die Sozialistin wird, zeigt damit, daß sie sich ihrer Verantwor» tung als Staatsbürgerin bewußt ist. tsts strisis der Iamilie. Zwischen zwei Kulturen. Bon Hedwig Wachenheim. Wir leben in einer Zeit, d>a alte Bindungen aufgelöst und neue nach nicht geformt sind. In der Politik liegt diese Taksache klar vor uns. Vor 1318 stand für alle Richtsozialisten und die wenigen Pazifisten fest, daß der Krieg nicht nur das letzte, sondern auch ein gutes Mittel im Konkurrenzkampf der Völker sei und für die Sieger ein Glück. Das industrielle und handeltreibende Bürgertum der ganzen Welt hat inzwischen den Glauben an die Segnungen des Krieges für die Baterländer verloren. Es sucht den Frieden und erkennt, daß es sich unter dessen Hort am besten ruhig arbeiten, verdienen und mit anderen Völkern zum eigenen Nutzen Handel treiben läßt. Aber nach den Formen eines wcchren Völkerbundes, einer wirklichen Friedenssicherung wird noch mühsam das Gelände abgetastet. Jahrhunderte alte Monarchien brachen in Rußland, Oesterreich und Deutschland zusammen. Zwar ist an Stelle der Monarchie in Deutschland die demokratische Republik getreten, aber noch hat diese Republik ihren wahren Ausdruck nicht gefunden. Unentschieden wogt um sie noch der Kampf von Proletariat und Bürgertum. Die Republik hat die alte Rang- ordnung gesellschaftlicher Schichtung außer Kraft gesetzt, aber weder eine neue, noch eine wirkliche demokratische Gleich- ordnung an ihre Stelle gesetzt. Im Deutschland vor 1918 dominierte der ostclbische Land- junker. Ihm folgte— seine Manieren, seine Ausfassung von ständischer Rangordnung getreu nachahmend— das Bürgertum, in selbst geschaffenen, selbst anerkannten, vom Junker sorgfältig gepflegten Abständen: Reserveoffizier, Korpsstudent, Industrieller, Großkaufmann, Handwerker, Kleinkaufmann. Dann kam der Arbeiter. Die Arbeiterschaft drängt herauf und zu wirklicher Demo- kratie: das Bürgertum will sie unten halten. Und wenn wir auch die Hoffnung auf den endlichen Sieg der Arbeiterklasse haben: ob die nächsten Jahrzehnte schon neue Formen bringen werden, ahnen wir nicht. Diese Unsicherheit wirkt sich auch noch in viel intimeren Zirkeln aus. Während dem Bürgertum jedes Klassenbewußt- sein abging, zwangen Klassenicige und die der Klassenlag« ent- sprungene Arbeiterbewegung dem Arbeiter Klassenbewußtsein förmlich auf. Je mehr er sich als Klassenglied fühlte, je mehr pflegte der Staat die" Familie, angeblich als Stütze des Staates, in Wahrheit als Stütze der gesellschaftlichen Ordnung. Der nur in der Familie verankerte, nur ihrem Wohl und Wackstum verbundene Arbeiter war ein viel ruhigerer Dulder, als der in der Klasse verwurzelte. Saubere Bürgertichkeit auch der Arbeiterfamilie, gefügige Unterordnung der Frau, Einordnung der Kinder in den elterlichen Willen, Pflege des Familienlebens in der Freizeit, und das alles verbrämt mit einer Gefühlsselig kest, für die hundert Jahre vorher Schiller schon mit der„züchtigen Hausfrau" das Motiv angeschlagen hatte, bannten vermeintlich die Gefahr, die eine fest zusammen- geschweißte, kampfentschlossene Klasse bot. Längst schon nagte die Industrialisierung an der Proletarierfamilie, jagte die Kinder in früher Jugend hinaus und unterwarf sie frühzeitig Eindrücken, auf die die Eltern keinerlei Einfluß hatten. Aber bis zu dem Augenblick, da alle Bande des Respekts zu reißen begannen und überlieferte Fürstenhäuser und Staaten zu- sammenftelon wie Zunder, blieb auch der Respekt vor dem alten Glauben an die patriarchalische Familie gewahrt. Jetzt zeigt sich die Lüge klar vor unserem Auge. Wir sind in Deutschland immer noch weit entfernt von einer äußeren Auflösung der Familie, umso stärker ist nur zu oft die i n n e r e Auflösung und zwar in allen Klassen. Wir haben nie auf dem Standpunkt gestanden, daß die Auflösung der Familie eine gleichgültig« Sache sei. Die neusten Forschungen der Mediziner und auch die Erfahrungen, die zum Beispiel in der Praxis der Wohlfahrtspflege gemacht werden, offenbaren aufs neue ihren Wert für die Entwicklung der Kinder. Eine weitere l—!— Durch die Sozialdemokratie hat das Denken von INiilionen von Arbeitern und Arbeiterinnen eine feste Struktur bekommen. Die Sozialdemokratie hat sie aus der Stumpfheit herausgerissen und ihnen einen titanischen Trotz eingehaucht Sie hat die Geister zusammengeballt. indem sie alle mit einem Glauben, mit einer Hoffnung, mit einem Willen erfüllte.... Ihre Erfolge reichen weit über die Grenzen der Partei hinaus. Die Sozialdemokratie hat das Bild des Volkes verändert.... Ueberall kann man eine Verschiebung der Volksart durch die Sozialdemokra- lie feststellen und überall wird die Veränderung aus einem erhöhten Gefühl der Freiheil und Selbständigkeit beruhen.... Die Sozialdemokratie ist in den Augen der Armen die große Helferin und Trösterin. Was eigentlich die Kirche fein sollte, wenn sie nach der Lehre und dem Vorbild Zesu Handelle, das hat an ihrer Stelle die Sozialdemokratie vollbracht, sie richtet die Gefallenen auf. sie sättigt die hungrigen, sie predigt den Armen das Evangelium von ihrer Erlösung. Pfarrer L i e b st e r(Leipzig) w seiner Schrift„Kirche und Sozialdemokratie"(190g). Gefahr aber zeigt uns der heutige Zustand und darum sprechen wir jetzt und hier von ihm. Wiederum werden die sch werften Lasten dieser Uebergangszeit auf das Lasttier beinahe aller Zeiten abgewälzt, die Frau. Die Ehefrau ist, sogar, wenn sie eine Doppelbelastung durch den Beruf nicht trägt, gefesselt an ihre Hausfrauenarbeit. Sie kennt keine Einschränkung der Arbeitszeit und wenn sie ein- mal für Minuten die Hände in den Schoß legen kann, bleiben die Sorgen lebendig. Mutterschaft und Mutterwerden, die körperliche, seelische und wirtschaftlich« Verantwortlichkeit, die damit verbunden ist, ziehen den Kreis um das eigene per- sönlichste Leben immer enger. Der Mann und die heranreifen- den Kinder aber leben in der Welt, und mit ihr, finden in ihren Kollegen und Kameraden, Freunde, gemeinsames Er- leben mit ihnen, und schließlich neue Gemeinschaft. Die Mutter lebt in der Einsamkeit ihrer Hauswirtschaft und findet neue Gemeinsamkeit nicht. Mit ihrer Sorge um die ihren bleibt sie von ihnen verlassen. Solche erst« Entfremdung bringt oft Reizbarkeit und die Reizbarkeit neue Entfremdung und verschärfte Flucht derjenigen, oie sich aus der häuslichen Gemeinschaft leicht entfernen können für Stunden und Tage. Das ist nie die Frau. Und immer fester wird dann das Band, das draußen gemeinsames Erleben, gemeinsamer Glaube und gemeinsames Wirken um die dem Haus entflohenen und ihre Kameraden schlingt und immer größer die- Einsamkeit der Zurückgebliebenen. Wir können nicht einmal sagen, das Familienproblem fei leichter lösbar da, wo die Frau sich„emanzipiert" hat, da, wo sie wirtschaftlich und geistig selbständig geworden ist. Die Form der Familie, die wir kennen und für die eine andere Form nur vereinzelt gefunden worden ist, beruht darauf, daß die Frau Ansprüche und Rechte auf Selbständigkeit aufgibt und sich einordnet. Wo neue Formen heute sich zeigen, be- ruhen sie auf der Einschränkung der Kinderzahl, auf besonders guter wirtschaftlicher Lage, besonders glücklicher Veranlagung der Beteiligten: Allgemeingültigkeit haben sie noch nicht ge- funden. Hier entstehen nicht jene schleichenden Erkrankungen, die wir oben geschildert haben, sondern der immer erneute Konflikt, der in dex Frau heftiger sich austrägt als im Manne, weil ihr die Gefahr ihrer Doppelstellung stärker be- wüßt ist und die Notwendigkeit von Entscheidungen nach einer der beiden Seiten sie ständig bedrängt. So stehen wir heute vor der von der Sozialdemokratie längst vorausgesagten Krise der Ehe und Familie. Es ist hier wie überall in der Gegenwart: alte Formen lösen sich und neue sind noch nicht gefunden. Die festen Bande, die einst Handwerk und Landwirtschaft um sie geschlungen haben und die noch lange nachher von der Ideologie jener Zeit ge- halten wurden, zerfallen. Wir fühlen, daß die Aufgaben der Familie für die künftige Generation geblieben sind. Aber das Gehäuse dieser Aufgaben ist morsch geworden. Wir Sozialisten arbeiten an der Erneuerung politischer. Wirtschaft- licher und kultureller Formen. Wir haben ein festumrissenes Programm für die neue Form politischen und wirtschaitlichen Lebens. Die zukünftigen Beziehungen von Mensch zu Mensch. die kulturelle Gestalt jener werdenden Gesellschaft steht noch nicht klar vor unserem Auge. Wir sehen die Krankheiten der Gegenwart und streben nach neuer Gestall. Offen steht vor uns die Tatsache, daß eine Flucht vor der Gegenwart in die Vergangenheit nicht möglich ist, sondern nur im Rahmen einer anderen Zeit die Probleme, die uns heute hier beschäftigt haben, die Lösung finden. An ihr mit- zuarbeiten ist darum nicht zuletzt Frauensache. Es ist eines der ältesten Gesetze der Arbeiterbewegung, daß die Befreiung der Arbeiterklasse nur ihr Werk sein kann, weil alle anderen Klassen an ihrer Unterdrückung interessiert sind. Lassalle hat dieses Wort dahin ergänzt, daß dieses Be- freiungswerk höchsten sittlichen Impuls hat, weil es zusammenfällt mit der Tendenz der Geschichte und der Idee der Menschheit. Das gilt genau so für die Frauen, die sich selbst behaupten, um ihr Schicksal zu gestalten und die damit der Gesamtheit einen Dienst erweisen. Vernunft in öer Hauswirtschaft! Normung für den Haushalt. Bon Hedwig Schwarz. Die Wohnung, und ganz besonders die Küche, wird als ,ch i e Werkstatt der Frau" bezeichnet. Dieser Werkstatt aber man- gelt gar zu oft die Zweckmäßigkeit der Anlage und des Handwerkszeuges und macht das Arbeiten in ihr zur Qual. Gegen veraltete, durch und durch bürgerliche Begrisse von„Gemütlichkeit" und„individueller Note" müssen wir daher die Losung der Ver» « i n s a ch u n g und De reinheitlichung setzen. Die Frau muh sich dagegen wehren, fortgesetzt unnötige Handgriff«, überflüssige Schritte und Gänge zu machen. Dies« Dinge betrachte man nicht als belanglose Kleinigkeiten. Der Unternehmer, der in seinem Be- trieb ein durchdachtes System für die Arbeitsweise, wie etwa das Taylorsystem, einführt, erzielt mehr oder weniger bedeutende Mehrleistungen: die Hausfrau, die ihr Tätigkeitsfeld nicht nur dumpf und mechanisch täglich durchrast, sondern es durchdenkt, wird der Arbeitslast hier ein paar Sekunden, dort einige Minuten, dort eine Biertelstunde abringen, die ihr durch gewonnene Stunden für ihre geistigö Weiterbildung, für öffentliche Tätigkeit oder seelische Einwirkung auf ihre Kinder zugute kommen. Während bisher auf die praktischen Erfahrungen und Vorschläge von 19 Millionen Hausfrauen aus 12 Millionen Haushaltungen in Deutschland so gut wie gar keine Rücksicht genommen wurde, sängt man allmählich an, Hausfrauen-Baukommissionen bei den städtischen Behörden und Ausschüsse von Hausfrauen- vereinen in der Industrie heranzuziehen. Nicht länger mehr wollen die Frauen, zum mindesten der auf Zeitersparnis bedachte Teil von ihnen, gottergeben alles hinnehmen, was ihnen der Waren- markt bietet(oder, was oft noch wichtiger ist, nicht bietet). Von den Werkzeugen aus der Folterkammer des nicht rakionalisierten Haushaltes feien nur die augenfälligsten aufgezählt. Welche Hausfrau kennt nicht die neckischen Kasserollen aus Aluminium, die ungefüllt stets nach der Seite des viel zu schweren Holzstteles umfallen? Und die kleinen elektrischen Stehlampen mit dem unbefchwerten hölzernen Fuß, die bei der geringsten Berührung der Leitungsschnur umkippen? Weiter laden blecherne Handschaufeln mit viel zu stumpfem Rand beim täglichen Auskehren zum Geduldspiel ein, denn erst nach fünf- bis sechsmaligem Fegen hat man den Kehricht darauf gebracht, freilich auch dann nur unvollkommen. Waschschüsseln mit gerader oder gar mit nach außen gebuchteter Wand werden hergestellt, die das Ausgießen des Waschwassers zur aufregenden Defchicklichkeits- probe machen, Vasen, die die Beschwerung durch Blumen nicht oder nur sehr schwer vertragen können, Porzellan- und Steinguttöpfe, die unten breit, oben aber so schmal sind, daß man zum Abtrocknen nicht mit der Hand hinein kann, Suppenschüsseln, aus denen man den Rest der Suppe nur mit Anstrengung herausbekommt, Küchen- schränke, die für größere Schüsseln, Kleiderschränke, die für Normal- bügel zu schmal sind usw. usw. Backbleche kann man nicht fertig kaufen, weil jeder Bratofen wieder eine andere Wette hat: von der größten Qual jeder umziehenden Hausfrau, der verschiedenen Fenster- weite und der dadurch immer wieder notwendig werdenden Neu- anschaffung oder-Herstellung von Gardinen mit Stangen und allem Zubehör ganz zu schweigen. In diesen Rahmen gehören noch die verschiedenen Voltstärken in den verschiedenen Berliner Bezirken, die für die Hausfrau wahrhaftig kein« rein« Freude find. Vom Normenausschuß der Deutschen Industrie ist endlich einmal ein Anfang zur lleberwindung dieser unhaltbaren Zustände gemacht worden. Es sind jetzt einheitliche Einksch» g l ä j e r vorgeschlagen worden, damit beim Zerbrechen von Deckeln oder Gläsern oder beim Zerreißen von Gummiringen nicht stets das ganze Glas neubefchafft zu werden braucht, sondern jedes ein- schlägige Geschäft den Ersatzteil liefert. Die genormten Gläser sind durch das Zeichen vidi gekennzeichnet, und keine fortschrittlich ge- sinnt« Hausfrau sollte in Zukunft mehr ungenormt« Einkochgläser kaufen. Gegen die Normung werden aber nicht nur rückständig« Hausfrauen, sondern auch Zweige der Industrie, die sich in ihren Berdienstmöglichkeiten beeinträchtigt fühlen, Protest erheben. So selbstverständlich es ist, daß sich der Normenausschuß mit seinen ersten Vorschlägen auf der Linie des geringsten Widerstandes bewegt, so berechtigt ist der Hinweis, daß es für die breite Masse der Frauen näherlicgende Forderungen gibt,— denn wie vielen ist die Beschaffung von Eintochgiäsern überhaupt möglich! Als nächste Aufgaben wären dem Normenausschuß daher vorzuschlagen: Normung von Kaffeemühlen, Fleischhackmaschinen, Passiermaschinen und Küchengeräten aller Art, damit nicht die Beschaffung von Er- satzteilen weiterhin so unendlich viel Aerger und Zeitverlust durch fruchtlose Gänge verursacht. Weiterhin wäre daran zu denken, daß nicht mehr ein Kaffee- oder Eßservice durch Zerbrechen irgendeines geringfügigen Teiles unvollständig gemacht und durch unpassenden Ersatz verdorben wird. Durch Normung unter Hinzuziehung von Kunstgewerblern könnten etwa 1— 2 Dutzend von Servicen ge- schaffen werden, die der Verschiedenartigkeit von Geschmack und Geld- beute! vollauf entsprechen. Ferner müßten für Aluminium-, Emaille- und Eisentöpfe feste Normen geschaffen werden, die dem Durch- messcr der(ebenfalls genormten) Herdlöcher und-ringe entsprechen, und das Fehlen eines Topfes im„Satz" nicht gleich zur Katastrophe machest, da immer passender Einzelersatz zu bcschyffen ist, auch für die Deckel. Auch auf die praktische Ausgestaltung aller genormten Gegenstände hätten die beteiligten Hausfrauenvertreterinnen zu achten. Alle Aluminiumtöpfe, besonders die oielbenutzten Wasser- kesiel, sollten mit isolierten Griffen versehen sein, und vor allem sollte man nicht so dünnwandiges Aluminium verarbeiten, daß die Töpfe in 1— 2 Iahren durchlöchert und unbrauchbar sind. Di« „Billigkeit" dieser Art von Waren erweist sich als Betrug gerade an den ärmsten Volksschichten. In weiter Ferne für den Normenausschuß liegt die Dereinheit- lichung von Fenstern. Türen. Bettstellen, Herden usw. Ein« Un- menge von Zeit, Kraft und Material wird immer noch verschwendet, weil die Hausftau ihr Tätigkeitsgebiet nicht geistig beherrscht. Groß« und dankbare Aufgaben hat der Normenausschuß vor sich, und Pflicht jeder modern eingestellten Hausfrau muß es sein, seine Arbeit tatkräftig zu unterstützen. Diese Anregungen fügen sich In den Rahmen des heutigen Woh. nungsbaues ein. Doch dämmert in Deutschland kaum die Zeit herauf, in der die Familie in neuer Form in der Gemeinschaft mit anderen Familien lebt. Der isolierte Einzelhaushalt ist die Norm, der sich auch die Prolstarierfrau beugt. Jetzt schon sind einzelne kräftig genug, sich gegen die Fron dieses Haushaltes durchzusetzen. Aber die Massen der hausarbeitenden Frauen müssen die Ratio- nalifierung ihres Haushaltes als eine drängende Aufgabe erkennen und bewältigen, um sich die ökonomische Basis für ihre Befreiung zu schaffen. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW«8, Lwdeustraße 3, T partelnachrichten Groß-Serlln Net» an da»?e»irl»1«kretariat. •L Hos, 2 Trep. recht»,»u richten. Sezirksvoesianö. Sihung de» erweiterlcn Bezirksvorstandes am Sonnabend, den 23. Oktober, abends pünktlich 6 Uhr. im Konferenzzimmer der Vor- wäris-Redaktion. Lindenstrahe Z, 4. Hof. 4 Tr. * Voranzeige I Diensfag, den 26. Oktober, abends 7 Uhr. findet in den„Oer- maniafälcn". Ehauffeeftrahe HO. eine allgemeine Funktio- näroerfammlung statt mit der Tagesordnung:.Unsere Slellungnahine zur Fürstenabfindung". Referent ist Genoste Ernst heilmann, M. d. L.— Die Funktionäre werden gebeten, sich diesen Abend für die Versammlung freizuhalten. ». ftuis Wilmrrsdorf. Heut«, Donnerstag, 8 Mir, im Viktoria. garten, Wilhclmsaue Ut-'IIS, Kreismitgliederversammlung. Dortrag: Wintere Stellungnahme gur Hohenzollernabfindung". Referent Hermann LIidemann, M. d. L. Wegen der Wichtigkeit der Sache müssen unbedingt alle Genossinnen und Genossen bestimmt erscheinen. 11. ttrci« SchZnrberg.Fnebenan. Freitag, ts. Oktober. 714 Uhr, In der Lchulaula F-urigstr. b«. neben der sscuerroach«,«reismitgliederver. sammlung. Vortrag:»Unsere Stellungnahme zur Fürstenabfindung". Referent Landtagsprästdent Friedrich Bartels. Alle Genossinnen und Genossen müssen unbedingt erscheinen. 1«. Ztrei» Reukülln. Die Abteilungen werden ersucht, Genossen zu benennen, die bereit stnd. als Zugendschösfen tätig zu werden. Di« zu Denennenden müssen in Strassen wohnen, die mit dem Duchstabcn H oder D beginnen. — Grweitcrte Kreisvoistandsstssung am Freitag, 22. Oktober, 714 Uhr. an der k»kannten Stelle. 20. Ärei, Reinickendorf. Freitag, 22. Oktober, Werbe umzug mit Mustk in Tegel. Treffpunkt S14 Uhr Bahnhofsvlass Tegel. Betl nossinnen und Genossen des gesamten Kreises ist Pflicht. gung aller De- Heule, Donnerstag, 21. Oktober: 8. Abt. Die Iuqendfeicr am Sonnabend, 2Z. Oktober, musst« wegen be. sondercr Schwierigkeiten abgesagt werden. Die Genossen, welche im Besitze von Eintrittskarten stnd, wenden sich an den Genossen Wilhelm Klapp. Sein, Culmstr. 20». bt. 2t Abt. 8 Uhr Flugblattverbrritung von den bekannten Stellen au». Me müssen sich beteiligen. 714 Uhr bei Mu«, Danziger Str. 71. Konferenz aller Elternbeiräte. Jede Schul« muss unbedinat vertreten fein. 181. Abt. Treptow. Agitationsmaterial für die Rot« Woche Ist in her„Vor» wSr!»".Si>edition Sriitzstr. 50. Alle Genossinnen»nd Genossen müssen stch von Donnerstag bis Sonnabend dort melden zur Arbeitseinteilung. RS ntgeutol. Zepernick. 8 Uhr bei Basen er Zahlabend. Vortrag. Erscheinen oller Genossen und Genossinnen ist Pflicht. Gäste willkommen. ZN»rgen, Freitag, 22. Oktober: 8. Abt. SU Uhr Umzug mit Musik. schliesscnd 714 Uhr Werdekundaebung im Ratlo Bczlrlsverordneter Lempert. Die Bczieksfllhrer Svnipothisierenden, und holen die Sinladungszettel bei Rückert, Steinmetz. ftrasse SVo, ab. 87. und 88. Abt. 8 Uhr im grossen Saal der Patzenhofer Brauerei, Landsberger Allee 2�/25. grosse Versammlung. Alle Genossinnen und Genossen müssen wegen der«tchttgen Tagesordnung unbedingt erscheinen. 81. Abt. Friedenau. Die Genossinnen und Genossen beteiligen stch vollzählig an der Kreismitaliederversammlung 8 Uhr Schule sseurigstrasse. 121. Abt. Karlshorst. 8 Uhr im Restaurant Fürstenhaus. Tresckowallee 08, Versammlung. Vortrag:»Werden»nd Wirken der SPD." Referen! Gc- noste Karl Dollmerhaus. All« Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. Gäste herzlichst willkommen. 180.«bt. Tegel. Werbeumzug mit Musik. Treffpunkt 614 Uhr Bahnhofsplatz. Erfchelucn aller ist Pflicht. Frauen oeransialtungen: lt Kreis RrukSstn. Die Abtcilungsleiteriunen treffen stch Freitag. 22. Oktober, 6 Uhr, im Vorraum der»Reuen Welt" zu einer wichtigen Besprechung. Ein auch in der Proarammzusammenstelsung außerordentlich ge- glückter Beethoven-Abend war der Höhepunkt dieses Tages. Die feine, wenn auch für das Lebenswerk des Meisters nicht sehr bedeutungsvolle Ouvertüre zu dem Festspiel„König Stephan" führte zu zwei Werken ganz großen Formats hin: dem L-Moll-Klavier- konzcrt und der Sinfonie Nr. 2. Frida K w a st- h o d a p v bot mit dem Klavierkonzert eine Pianistenleistung, die alles Loo verdiente. Das traftvoll-wuchtigc Werk verlor auch in der Ueber- tragung nichts von diesem Charakter, höchstens, daß einmal in den höheren Lagen ein Forte-Ton des Flügels störend drahtig durch- klang, hier ist für Radio-Spieler noch immer besondere Vorsicht geboten. Das Funkorchelter, das unter Leo Blechs tempera- mentvoller Leitung das Konzert begleitet hatte, entwickelte auch in der D-Dur Sinfonie wieder seine besten Eigenschaften. Blech, vielleicht nicht einer der prägnantesten, aber doch gewiß einer der feinfühligsten Veethoven-Dirigenten, war dem Werk ein außer- ordentlich glücklicher Interpret. Leopold Schmid leitete den Abend mit einem knappen, verständnisvollen Vortrage ein. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 21. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogsramm: 12.30 Uhr nachm.: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4 Uhr nachm.: Onkel Doktor als Märchenerzähler:„Die erste Zigarette", nürzählt von Dr. med. K. Moshaoher), 4.30 Uhr nachm.: Herraine von Viilinger' Rezitationen. 1. Auch ein Roman. 2. Die Präule.(Gelesen von Karl Elzer). 8—# Uhr abends: Unterhaltungsmusik der Kapelle Gebrüder Steiner. Anschließend! Ratschläge fürs Haus. Theater und Filmdienst. 8.30— 7.21 Uhr abends: Hans- Bredow-Schule(Bildungskurse). 6.80 Uhr abends: Abteilung Technik. Geh. Bertrrat Profesoor Dr. A. Stavenhagen: Di» Kohle. unser schwarzer Diamant(2. Teil). 7 Uhr abends: Abteilung Sprachunterricht. Spanisch(C. M. Alfleri und G. v»n Eysersn), 7.30 Uhr abends: Georg Brost: Wirtschaftsdiktatur— Tirtechafts- demokratie. 8 Uhr abends: Sendespiele.„Scbwarswaldraftdel", Operette in drei Teilen von August Neidhart. Musik ven Leon .lessei. Dirigent: Der Komponist. Leitung: Oornelis Bronsgoest- Blasius Römer, Domkapellmeister: Gustav Oharle; Hannelo, seine Tochter: Tilly Feiner; Bnrbele, bei Römer hedienstet: Käte löken-König; Jürgen, der Wirt vom„Blauen Ochsen"; Bernhard Köhler; Lorlo. seine Tochter; Fried» Wolf: Malwine von Hainau; Margit Snchy; Hans: Franz Baumann; Richard: Artur Hell; Die alteTraudel: Ida Perry; Schmußheim, ein Berliner: Karl Neisser. Musikanten. Bauern. Bäuerinnen. Die Handlung spielt in St, Christof im Schwarzwald, gegenwärtig. Ansehließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichton. Zeitansage, Wetterdienst Sportnachrichten. Theater- und Fümdicnst. 10.30— 12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorohester Ettd). Königswusterhausen, Donnerstag, den 21. Oktober. 2.30— 3 Uhr nachm.; Zentrale der Hauskrauen vereine Groß- Berlins: Ordnung in Schränken und Truhen. 3— 3.30 Uhr nachm.: Professor Dr Amsel, Oberschullohrer Westermann: Einheitsknrz- schrift. 3 30— 4 Uhr nachm.: Professor Dr. Ziehen: Experimentelle Untersuchung des Spiels und Kampfes der Motive. 4- 4.30 Uhr nachm.: Professor Dr. Ziehen: Hauptformen der Wülenshandlung. 4.30— 5 Uhr nachm.: Aus dem Zentxalinstitut. Berichte. 0—0.80 Uhr abends: Blum. Krefeld: Viehwirtschaft mit Rücksicht auf heutige Futterverhältnisse. 6.38—7 Uhr abends: Diplom-Handelslehrer Wieg: Volkswirtschaftliche Fragen für junge Kanfleute. 7— 7.80 Uhr abends: Mihail Wittels; Die frühen Sonaten Beethovens. 7 80 his 8 Uhr abends: Artur Holitscher: Reise durch China: Peking. Ab 0 Uhr abends; Uebertragung aus Berlin 30. Abt. Freitag, 22. Oktober, 714 Uhr, hn Lokal»Zum V ergfrieden", Witbert- stresse 6g, Vortrag:»Die Grundlagen sittlicher Erziehung". Referent W,!. Helm Wiethke. Gaste herzlickist willkommen. Jungsozialisten, heule, Donnerstag. 21. Oktober: Gruppe Neukölln I: Beteiligung an der Arbeitsgemeinschaft des Bolks- bildungsamtrs Reukälln über:»Europäisch« Wirtschaflsentwicklung". Leiter Studienrat Erwin Margnardt. In der Bolksbücherei Ganghoferstrasse. Beginn pünktlich 8 Uhr.— Gruppe Reukälln II: 8 Uhr im Jugendheim Roqatslr. SZ Borbereitungen zur Werbeoeranstaltung am Donnerstag nächster Woche. ZNorgen, Freitag. 22. Oktober: Gruppe Schlueberg.abarletteubuep.riergnrten: Gemeinsamer Werbsabend im Rahmen der Rotrn Woche 8 Uhr im Ingendheim Schänederg, Aauptstr. IS Ost» markzimmer. Bortrog:»Jugend nnd Parle!". Referent Franz Lepinfki. Iugendgenossen aller Kreise sind eingeladen.— Gruppe Paukow: 8 Uhr im städtischen Jugendheim KIssingenstr. 18. Zimmer 2. Vortrag:„Neue Kunst". Vortragender: Genosse Nagel. Wir bilten um rege Beteiligung. Arbeiterjugend und Partei herzlich willkommen. Sozialistische �rbeiterjugenö Grost-Serlm. Z«gendbeirate«nd Reserente» de, SAI.: Erste stusammenknnst Sonnabend, 23. Oktober, in der Iuristifchen Sprechstunde. Lindenstr. 3. Vrrtraa des Ge- Nossen Dr. Sieafried Dernfeld über:..Die Psyche des proletarischen Jugend» uchen. Doll',ärzliyes Erscheinen unbedingt notwendig. Westen: Die Iuaendfeier, die am Sonabend stattfinden sollte, mufi wegen unüberwindbarer Schwieriakciten abgesetzt werden. Die gelösten Karten werden qeaen RUckerstattikna des Geldes von unseren Genossen und von dem Genossen Alappstein, Culmstr. 20*, zurUckgensrnmen. heule, Donnerstag, 2l. Oktober: Falkplatz: Eberswalder Str. 10. EinfUhrungsabend.— Rsrdra: Jugendheim Weltliche Schule Putbusser Str. 8. Unierhaltungsabend.— S-bäihausee Vor- stadt: Jugendheim Dricsencr Str. 22. Vortrag:»Jugend und Sozialismus". (Ausserordentliche Mitgliederversammlung.)— Lankwitz: Jugendheim 16. Ee- meindeschnle, Schulstr. 16. Zchn-Minuten-Rcferate.— Lichterfelde: Jugendheim Lichicrsclde.Wrst, Albrechtstr. IIa. Bertrag:„Alkohol und Nikotin".— stehlen. dort: Jugendheim Güdichule, Wilhelmstrasse.»Sozialistische Erziehung".— Wittenau: Jugendheim Rosenthaler Strasse. Vortrag:„Niketin und AlkohoV. »eebebczirk Osten: Jugendheim Ebkrtnstrasse. Svrechchorprobe für unser« Rcvolutionsscter. Alle Genossen müssen unbedingt erscheinen. «erbebeziek Reinickendorf: Sämtliche Genossen beteiligen stch an der De» monstralivn der Parici. Treffpunkt 7 Uhr am Dahnhofplatz i» Tegel. Verträge, vereine unö Versammlungen. Rcicksbanner„Söhmarz-Tiot-Gold". »efchäftsftelle: Berlin S 14, Sebastianstr. 37(08, chof 2 Tr. Pre», lauer Berg: Kameradschaft Sencselber Platz Fr., 22.,» Uhr. bei Büttner Kameradschastssttzung mit dem Kicisvorftand. Di« Dounerziagsitzung fällt aus.__ Bereinigung siir Schul- nnd Erzichungsfeagen, Berlin. Treptow. Freitag, 22. Okiober, 8 Uhr, steichensaal der Gcmcindeichule Wildenbruchstr. S8 Iii. »Selbstmorde Jugendlicher" lSanitätsrat Dr. S. Placzek). Eintritt frei. Deutscher Esper.utebuud, Ortsgruppe Scrlin. Donngrsiag, 21. Oktober, 8 Uhr. Konditorei Dobrin, Oackeschei Markt, Uebungsabend, Gäste willkommen. Esperantoschule versin. Freitag. 22. Oktober, 8 Uhr. beginnt im Dorvthccn- Lnzcum. RW, Wilhclmshavener Str. 2, ein Esperanto-Anfängerkutfu». Znter- esse nie» willkommen.- Efpetantogruppc Reukölln. Donnerstag. 21. Oktober. 8 Uhr. erSffnet Ge- noss« Wittbrodt einen Kursus für Anfäugcr in der Schule Rütlistrassc, stimmcr 28. Vefkerberichk der Öffcn-Tchen wellerdlenfkllestr für Berlin. kNachdr. verb.) Weiterhin sehr kiibl, wechlelud blivötkt, ohne erhebliche Nicder'chldgc.— Süt Icuijdiionö: �ra Jloiten»och feine iDc|cnlIichc Aenderung, im Süden starker bewölkt. dEDERj JDmTTE c%4UCHE einer ��'�garette Jaucht overstolz? .-iBnilBM ngUERBURß .. Qiß�rüwicklurig einer dmi gen 9}(arite SI�ND/IRP-TYP ihr&r Preislage war nur dadurch möglich, daß der Staucher QieQmätätsVorteik der Overßol�erkannte. &er vemöhntejsoucher, der bei befonderem Einlaß eine teure SLigarette raucht, lud Ouerfloli �rUgMimlJerhrauchs�ißarette erwählt, dem erfchät# an ihr den reinen Gefchmack. edler rm- zedonifcher und hlängfiatifcher Qäbahe, den er fonfi nur in teuren Sigar dien findet S)ie große fiaucher/ch icht, Qeren9lCittel es nicht erlauben�, mehr ah Sty für eim�garette auszugeben, empfindet mit ffreude, wie fehr fich das �QnalitäUffJiveau die/er Preislage gehoben hatr~ ® foll uns eine beßnders angenehmeAufgabe fein, durch weitere IJerbefferungen unferer Ouerßolz. jedermann szum JVEWÖHHTEW �VCHERfiZu machen. Qie vol�stümliclye Zigarette ttNSE UttO O• H• ß» mexss Das Kartell Aussagen in der V Der Kredttausschuß der Wirtschafts-Enquete hatte die führenden Mitglieder der Stempelvereinigung. des Konditionen-Kartells der Großbanken und Bankhäuser, zu einer Der- nehmung geladen, um sich als eine weitere Einführung in die Unter- suchung über die Gestaltung der Kreditkosten, über die Zinshöhe und Zinsspanne einen Ucberblick zu oerschasfen, über die Natur der Stempelvereinigung und über die Art ihrer Festsetzung von Zinsen und Provisionen. Man hörte in der von dem Genolsen chilferding geleiteten Vernehmung manches Interessante von der Eigenart dieser Vereinigung der Banken. Bei völliger Form- losigkeit, bei dem Mangel rechtlicher Bindung ihrer Beschlüsse, die stets einstimmig gefaßt werden müssen, herrscht doch die denkbar schärssle Disziplin. In den vielen Iahren, seitdem die Stempelvereinigung funktioniert, ist es nie zu einer absichtlichen Verletzung ihrer Be- dingungen gekommen, niemals hat sich ein Mitglied von ihr gelöst, um als Außenseiter sein Heil zu versuchen. Worauf beruht diese Straffheit ohne rechtlichen Zwang? Sicherlich aus der Vielfältigkeit der Verflechtung der geschäftlichen Beziehungen zwischen ihren Mitgliedern, bei der jede Eigenwillig- kcit, zu der etwa ein Institut auf dem Gebiete der von der Stempel- Vereinigung festgesetzten Konditionen neigen könnte, unendlich viel schwerwiegende Nachteile auf anderem Gebiete mit sich führen könnte. Auf die Frage, ob nicht einem Mitglieds gegenüber, das Lust hätte, außer der Reihe zu tanzen, durch die Verweigerung der Annahme seines Akzeptes im Bankenverkehr der schwerste Zwang angewendet werden könne, wurde mit Recht geantwortet, daß dies die wirtsdjostliche Todesstrafe wäre, und daß man diese nicht leicht anwende. Immerhin gibt es natürlich eine ungewöhnliche Machtstellung, wenn man ohne jede rechtliche Bindung auch nur die Möglichkeit hat, mit der Wirtschaft- lick)en Todesstrafe zu winken I So erklärt es sich, und hierin liegt eine für die Frage des ganzen Kartellproblems wichtige Beobachtung, daß eine Organisation ungeheuer fest gefügt sein kann bei der denkbar lockersten Rechtsform ihres Zusammen- s ch l u s s e s. Wir konnten ähnliches in anderem Zusammenhang für einen Jndustricoerband, den Eisenbauverband, feststellen, dessen Mitglieder ebenfalls straff zusammenarbeiten, ohne daß der Verband auch nur ein eingetragener Verein wäre. »irtschafts- Enquete. Als man nun zu erfragen suchte, auf welcher Grundlage die einzelnen Beschlüsse über die Bestimmung von Zinssähen und Provisionen zustande kämen, ob hier bestimmte Grundsätze obwalten, ob sich auf bestimmte Kostenberechnungen diese Festsetzungen aufbauen, erhielt man klipp und klar die Antwort, daß es Prinzipien für die Ge- staltung der Konditionen nicht gebe, daß man Selbstkostenrech- nungen für Kreditgeschäfte selbst gern haben würde, daß aber das Problem der Selbstkostenrechnung im Bankgewerbe ungelöst sei, und vielleicht ist es auch bei den deutschen Universalbanken gar nicht lösbar. In Wirklichkeit vollzieht sich also die jeweilige Diskussion bei der neuen Bestimmung von Banksätzen nur in der Form einer Erörterung der Marktlage. Man tastet ab, welche Sätze man wohl erheben kann, ohne das Geschäft zu schädigen und in der Hoffnung, möglichst hohen Nutzen zu ziehen. Es gibt dabei wohl gelegentliche Meinungsverschiedenheiten, aber kaum eigentliche In- teressengegensätze, denn schließlich ist es allen recht, die Sätze s o hoch zu halten, w i e es nur eben bei der gegebenen Marktlage möglich ist. Man darf sich auch nicht vorstellen, daß tiefgründige volkswirtschaftliche Erörterungen bei dieser Gelegenheit gepflogen werden, denn als Genosse Dr. H i l f e r d i n g den Vorsitzenden der Stempelvereinigung, Herrn Dr. Möhler, bot, doch eimnal zu schil- dern, wie denn nun eine derartige Debatte verlaufe, setzte er ihn in arge Verlegenheit, und er wußte nichts Besseres zu erzählen, als daß sich die Unterhaltung stark in Fachausdrücken bewege, daß man eine Rednerliste führe und ähnliche interessante Dingel Dabei hat der Aussagende sicherlich nicht einmal irgendetwas Bedeutsames ver- schwiegen, sondern es entspricht sicherlich der Wirklichkeit, daß der- artige Sitzungen sich viel nüchterner und langweiliger vollziehen, als es der Vorstellung des Laien entspricht, der immer glaubt, wenn eine Reihe von Größen der Finanzwelt beisammen sind, so müßte entweder sehr viel Weisheit verzapft oder eine Ver- schwönmg angezettelt werden. In Wirklichkeit findet offenbar kcins von beiden statt, s widern man tauscht ein bißchen seine Ansichten aus und fetzt dann die Zinsen und Provisionen so fest, wie es dem Nützen der eigenen Institute am besten zu entsprechen scheint. Ge- rade weil diese Beschlüsse aus einer betonten Systemlosigkeit ent- stehen, ist natürlich die Bildung einer öffentlichen Meinung über die Angemessenheit oder Unangcmessenheit von Zins- und Provisionssätzen«in außerordentlich wichtiger Faktor. Sanierung be! Linke-�ofmann. Der mitteldeutsche Stahltrust fertig. Gegen Ende der Inflation genoß neben dem Stinnes-Konzern der Linke- Hofmann- Lau ch ha m in er° Konzern das größte Ansehen. Denn er war neben diesem am raschesten gewachsen. Ein typischer I n f l a t i o n s k o n z e r n wie Stinnes, nur lange nicht so groß, teilte er nicht dessen und Stumms, Rombachs, Sichels Schicksal. In die Oberschlesische Hüttonwerte A.-G., die größtenteils aus politischen Gründen von Preußen und vom Reich saniert wurden, konnte er rechtzeitig gegen 15 Millionen Mark neue Trust- aktien seine notleidenden Werke Julien- und Henninen-Hütte sowie die Glciwitzer Betriebe einbringen. Die Großbanken und Herr Flick, der heutige Großaktionär der Vereinigten Stahlwerke A.-G., waren dem Konzern wohlwollende und materiell stark interessierte Helfer. So kam er das ganze kritische Jahr 1925, obwohl die Bilanz für 1924/25 schon bedrohlich aussah, an gefährlichen Finanzklippen vorbei. Jetzt erfolgt die endgültige Sanierung des feit langem bedrohten Konzerns. . Zur Verfügung hatte der Konzern noch seinen M a- schinen-, Waggon- und Lokomotivbau, die Lauch- Hammer Eisen werke in Riesa, Burghammer, Gröditz usw., seine Mchrheitsbetciligung am Stahl werk Herrnigsdorf und neben einer Anzahl kleinerer Beteiligungen seine Braunkohlen gruben und das Oberschlesische Truslatuenpaket. Ein Kommunique von der Verwaltungsratssitzung läßt jetzt deutlich den Gang der Sanierung durchschauen. Die Gründung des Mitteldeutschen Stahltrusts mit einem Aktienkapital von 59 Millionen Mark ist beschlossene Sache. Er wird von Linke-Hofmann-Lauchhammcr und dem Ruhrmontantrust gemacht. Letzterer bringt sein W e b e r- W e r k in Brandenburg in den Trust ein. Linkc-Hof- mann die Lauchhammer-Werke mit allen dazugehörigen Beteiligun- gen, also neben den Beteiligungen an der Siegener Eisenindustrie A.-G. und der Gewerkschaft Luise auch die Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf A,-G., die kürzlich noch besonders saniert wurde. Von den 59 Millionen Mitteldeutsche Stahltrustaktien(der Trust scheint„Mitteldeutsche StahlwerkgcseUjchaft" zu heißen) erhält Lauch- Hammer 33 Millionen(Vereinigte Stahlwerke A.-G. erhält 12 Mil- lionen) für das, was er an Anlagen einbringt, der neue Trust kauft ihm gegen bar alle Vorräte ab, und die Außenstände werden vom Lauchhammer-Konzern noch selbst eingezogen. Das ober- fchlefifche Trustaktienpaket soll der neuen Stahlwerksgesellschast eben- falls zum Kauf angeboten werden, würde aber wohl, da es auf Jahre hinaus ohne Ertrag bleiben wird, weit nicht die 15 Millionen Nennwert einbringen. Von den 33 Millionen Aktien gibt der Kon- zern gleich 28 Millionen an die Konzernaktionär« weiter, 5 Millio- neu behält die Verwaltung im Portefeuille.- Um die 28 Millionen soll das Konzernkapital von 79 Millionen auf 42 Millionen herabgesetzt, und dieser Betrag soll wiederum auf 21 Millionen z u s a m m e n g e l e g t werden, hinter dem dann noch die Ober- schlesische Trustbeteiligung und oie Maschinen-, Waggon- und Loko- motivdauinteresscn stehen werden.(Werke in Breslau, Archimedes- Werke, Füllner-Werk, in Köln. Brand, Aachen, noch Waggonfabti- ken). Für diesen Rest scheint es finanziell so zu werden(die Bilanz für 39. September liegt noch nicht vor), daß die Forderungen und Schulden sich decken und dem Aktienkapital die Fabrikanlagen und die Vorräte gegenüberstehen werden. Fast sicher ist heute schon, daß der ganze Konzern als Werks- g e s el l s ch a f t verschwindet und zur reinen Holding- g e s e l l s ch a f t wird, die nur mehr Aktien oerwaltet. Ueber«inen Waggontrust wird schon lange, über einen L o k o in o t i v- b a u t r u st wird neuerdings verhandelt. An der Spitze stehen bei diesen Verhandlungen die Einbringungen des Linke-Hofmann- Lauchhammcr-Konzerns. Es mutet im ganzen etwas komisch an, daß der Konzern seine vollständige Auflösung mit Rationalisicruugs- a b f i ch t e n begründet. Die Zerlegung des Konzerns'mag unter dem Gesichtspunkt der Rationalisierung durchaus zweckmäßig sein: aber in erster Linie scheint der Konzern doch mehr Glück und gute Freunde als wirkliche Rationalisierungspläne gehabt zu haben. vsrbanü öeutscher Waren- unS Kaufkäufer. Der Verband deutscher Waren, und Kaufhäuser hielt in diesen Tagen seine Generalversammlung ab. Nach einigen fach. lichen Referaten berichtete Direktor Bach über seine Amerikarcise, wobei er mit aller wünschenswerten Deutlichkeit nachwies, welchen Nutzen das Prinzip„Hohe Löhne und niedrige Preise"' dem Einzelhandel Amerikas gebracht hat. Er legte dar, daß der Preisinder, wenn nian das Jahr 1913 zugrunde legt, im Jahre 1928 von 226 auf 169 im Jahre 1925 zurückgegangen ist, während der L o h n i n d e x in der gleichen Zeit eine Steigerung auf 228 erfahren hat. Ob das in Amerika angewandte System zur Steigerung der angestellten Leistung, das Prämiensystem, das richtige ist, darüber kann man verschiedener Ansicht sein. Direktor Vach warnte, von der Konsumfinanzierung allzuviel zu erwarten. Chefredakteur Bernhard, de? am zweiten Tage über Kaufkraft und Arbeitslosigkeit sprach, führte die letztere vor allem auf die vollkommen veränderte Struktur m der Bevölkerung zurück. Es kommen zu dem Heer der Arbeitslosen, das wir in jeder kavitalistischen Konjunkturkrise finden können, jetzt noch hinzu die großen Massen, die vor dem Kriege im stehenden fteert Aufnahme gefunden haben und die Schichten, die früher von Renten lebten. Bernhard fchätzt diese Menschenmassen auf 1 bis IVi Millionen Menfckicn. Die Struktur des Konsums war vor dem Kriege weit günstiger als in anderen Ländern. Wir müßten wieder zu einem gefunden Inlandsmarkt kommen. Es fei ein Unsiitn. die Wirtschaft durch Vroduktionssteigerung beben zu wollen. Vielmehr muß die Konsumkraft durch Er- höhung des Reallohnes verbessert worden. Vorerst bleibt uns nichts anderes, als den Versuch mit der Rationalisierung und mit der Typisierung zu machen. Bernhard hält die Kon- sumfinanzierung nur soweit für ersprießlich, als sie dazu dient, notwendige Käufe zu ermöglichen. Dogegen müßten Lurus- kaufe von der Finanzierung ausgeschlossen sein. Professor L e v y warnte, wie überbmivt alle Redner, davor, das Beisviel Amerikas in der Frage der Typisserung vollkommen aus Deutschland zu über- tragew Er führte neben den bekannten Argumenten, andere ge- schmackliche Einstellung usw., vor allen Dingen an, daß eine tyvi- sierte Ware schwer exportiert werden könne, denn selbst wenn stch der Geschmack und der Bedarf eines einzigen Landes ver- einheitlichen lasse, so könne doch der Geschmack aller Ländee nicht vereinheitlicht werden. In der Diskussion berichtete dee Borsitzende, Direktor Alt ho ff vom Karstadt-Konzern, über die Erfahrungen, die der Konzern mit dea Annliederung von FabrikotionsbeHeben gemacht habe. Solche Angllederimgen hätten nur dann Bor- teil, wenn der Einzelbandelsbetrieb in der Laae sei. die gesamte Produktion des Fabrikastonsbetriebes aufzunehmen und da- neben noch den freien Markt beim Wareneinkauf benutzen zu 'können._ Neues tzppothekenrecht. Gegen Vodennnicher und Bodenspekulation. „Das zurzeit geltende deutsche Hypothekenrecht ist, vom Stand- punkt des Juristen aus betrachtet, ein Kunstwerk, fein durch- gearbeitet und technisch vollendet, wie ein Uhrwerk, bei dem ein Rad genau in das andere greift." Mit diesen Worten leitete Justiz- rat Dr. L i e r tz- Düsseldorf im vorigen Jahre einen seiner Vor- träge über Hypothekenresonn ein. Er fuhr aber sogleich fort: „Anders aber ist es, wenn man es mit dem Auge des Sozial- p o l i t i k er s betrachtet. Im wirtschaftlichen und sozialen Leben eines Volkes kommt es nicht in erster Linie darauf an, daß die ge- segliche Rechtsordnung formal fein durchgearbeitet ist, sondern dar- auf, daß sie die ewigen Grundgedanken der sittlichen und sozialen Wcltordnung zum Ausdruck bringt und durchsetzt. Auch das feinst durchgearbeitete Gesetz taugt nicht, wenn es dieser Forderung nicht entspricht. Unser Hypotheken- recht entspricht dem nicht, und so kommt es. daß hinter dem Wort Hypothekenrecht eine gewaltige Summe von Unglück und Verzweiflung und Elend steckt." Justizrat Dr. Liertz kommt dann, nach einer eingehenden Schil- derung der geschichtlichen Entwicklung des Hypotl)«kenrechts in Deutschland und feiner tiefgründigen sozialen Würdigung seiner Elemente und Zusammenhänge zu der Forderung, das Ziel einer Reform müsse fein: a) einmal, daß die Grundstücke nicht über- bewertet, die Preise nicht übersteigert werden: b) daß die Grundstücke nicht dauernd mit Hypotheken belastet, sondern daß sie e n t s ch�l d e t werden, um auch den Kreditbedürfnissen der Zukunft dienen zu können: c) daß die Kredite für die ver- b e s s e r u n g des Grundstückes nicht durch die übermäßige Grund- stückskaufpreishypothek aus ihrer Sicherheit oerdrängt werden können. Um diese Reformen durchzuführen, sei qeboten, zu dem ur- sprünglich deutschen Rechtsprinzip der Trennung von Boden und Aufbauten zurückzukehren. Für Boden- werte sollten dann nur noch Rastkaissaelder als Grundschuld oder als Darlehen ohne hypothekarische Eintragung zugelassen werden, während Gebäude und Bodenverbesserungseinrichtunoen mit T i l- gungshypotheken bedacht«erden könnten, mit Hypotheken also, deren ratenweise Abtragung sich der mutmaßlichen Lebens- dauer dieser Objekte anpaßt. Eine in diesem Sinne durchgeführte Hypothekarreform würde eines der besten Mittel sein, den sozial und wohnungspolitisch so verhängnisvollen Bodenwucher und die Bodenspekulation zum großen Teil zu unterbinden. Im übrigen würden sich damit auch im gesamten Wohnungsbau- wesen für alle ehrlich Schaffenden gesunde Verhältnisse heraus- bilden und festigen. Gedanken wesensgleicher Art find bereits in der Zeit vor dem Kriege mehrfach vertreten worden, besonders durch die deutschen Bodenreformer, aber auch in andoren Kreisen. Iustizrat Dr. Liertz ist ein bekannter Führer der Zentrumspartei im Rhein- land. Im Jahre 1929 gab Ministerialrat Dr. P o n f i ck, der jetzt als Angestellter des Reichslandbundes der Hauptsachberater des Reichslandbundes in Bodenrechts- und Siedlungsjragen ist, eine Schrift heraus, in der für das Hypothekarrecht durchaus dieselben Forderungen oertreten werden. Ebenso hat sich dafür in einem Vortrage auf der Tagung des Siedlungsausschusses des Reichsland- bundes am 12. April 1923 der Geheime Regierungsrat G e r st e n- Hauer ausgesprochen, und zwar mit den gerade für die Land- Wirtschaft schwerwiegendsten Argumenten. Der Reichslandbund selbst verbreitet diese Rede als besondere Flugschrist, woraus ge- schlössen werden darf, daß seine geistigen Führer sich ebenfalls dazu bekennen. Auffällig ist aber, daß noch keine bürgerliche Partei einen p a r- lamentarischen Bor stoß unternommen Hot, um die sonst von ihren Sachkennern als notwendig bezeichnete chypothekarreform nun auch gesetzgeberisch in Fluß und zur Durchführung zu bringen. Es scheint, als müßte auch hier wieder, wie das schon in der Frage der gemeindlichen Bodenoorratswirtschaft geschehen ist (Entwurf eines Gesetzes des Ständigen Beirats für Heimstätten- wesen im Reichsarbeitsministerium, über den erleichterten Erwerb von Wohn- und Wirtschaftsland,—„Bodenreformgefetz"), erst die Sozialdemokratie die Initiative ergreifen. Die hier nur kurz umrissenen Forderunoen für eine zeiigemäß soziale Hypothekarreform hätten sich am leichtesten bei Gelegenheit der Verabschiedung der sogenannten Aufwertungsgesetze an- bringen lassen. Indessen wird es damit niemals zu spät werden. Je früher aber die Reform eingeführt wird, um so schneller werden sich auch ihre sozial und wirtschaftlich wünschenswerten Auswir- kungen einstellen._ Otto A l b r e ch t. Der Güterverkehr der Belchsbahn stand auch in der Woche vom 3. bis 9. Oktober im Zeichen einer starken Zunahme. Es wurden zum Transport 889 399 Güterwagen gestellt gegen 772 299 in der entsprechenden Woche des vorigen Jahres und 859 399 in der vorangegangenen Woche dieses Jahres. Wie sehr der Verkehr zugenommen hat, zeigt die nachfolgende Uebersickä über die Güter- wagengestellung der Reichsbahn in den letzten Monaten: Woche wöchentlich durchlckn. pro Arbeitstag Demnach sind arbeitstäglich 3599 Wagen mehr als in der Vorwoche und rund 18 999 Wagen mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres für den Verkehr benötigt worden. Die Reichsbank Mitte Oktober. Der Rsichsbankausweis zum 15. Oktober zeigt gegen die Dorwoche keine ungewohnten Ver- änderungen in der summen mäßigen Inanspruchnahme durch Banken und Wirtschast. Auffallend sind aber die stärkeren V e w e- gungen auf den einzelnen Konten. Die stärkste unge- wohnlichste Bewegung ist die Zunahme der L o in b a r d b e st ä n d e; mit 23,8 auf 35,0 Millionen ist sie die größte, die im letzten halben Jahr für die Monatsmitte zu verzeichnen war. Sehr möglich, daß das Haussefieber, in dem die Börsenspekulation damals schon wieder arbeitete und gegen das eine Großbank schon aktiv durch Baissemanöver angekämpft haben soll, zur Beschaffung von K a m p f- gelbem durch Efsekteubeleihuna bei der Reichsbank gefübrt hat. Die Wechsel- und Schelkbestände sind um 84,5 Millionen auf 1293,3 Millionen zurückgegangen, so daß sich eine Der- ringerung der Kapitalanlage(die eigenen Wertpapiere blieben mit 91,3 Millionen wieder unverändert) um 69,7 Millionen ergab. Die K u n d e n g e l d e r auf Girokonto stiegen weiter um 192.1 auf 737,8 Millionen Mark: ein Zeichen, daß es bei der Reichsbankkuird- schaft an flüssigen Mitteln keineswegs fehlt. Deckung-. fähige Devisen nahmen um 64,8 auf 446,1 Millionen ab. die Gold bestände sind wieder, und zwar um 36,3 auf 1632,6 Millionen, gewachsen. Im Zusammenhang damit ging der Gefamtpupier. »mlauf der Reichsbank um 199,9 auf 4243,8 Millionen zurück. Davon waren Reichsbanknoten 2971,7 Millionen(— 167,6 Millionen) und Rentenbankscheine 1277,1 Millionen(—22.4 Millionen). Die Deckung der Reichsbanknoten durch Gold und Devisen zusammen erhöhte sich gegen die Vorwoche von 67,8 auf 70,6 Proz.(durch Sold allein von 51,5 auf 53,6 Proz.). Das Reich hatte es noch immei nicht nötig, durch Hingabe von Reich sfchatzwechfeln feinen neuen Kredit bei der Reichsbant in Anspruch zu nehmen. Konzentration in der Textilindustrie. Der K atz- Konzern hat, wie uns unser westdeutscher Mitarbeiter berichtet, die„Webe- G. m. b. H." in sich aufgenommen und dadurch einen ganz bedeuten- den Machtzuwachs erhalten. Der Konzern, der seinen Sitz in Viele- seld hat, ist eine Gründung der in Westdeutschland maßgebenden Konfektionsfirma S. Alsberg u. Co. Ihm find ungefähr 49 große Textilfirmen in Westdeutschland angeschlossen. Der Konzern befaßt sich mit dem Großeinkauf von Textilien. Daneben betreibt er Wäschesabrikation. Ein konsnmsinanzlerungsinstlkul des Einzelhandels für Beamte. In Berlin winde ein Institut für die Finanzierung der Kreditverkäufe im Einzelhandel an die Verbraucher gegründet. Das Unternehmen hat den Zweck, auch denjenigen der beteiiigieu Geschäfte, die bisher lediglich auf den Grundsatz des Barverlaufs ein- gestellt waren, risikofreie Kreditverkäufe zu ermöglichen, indem das Lerkaufegefchäft von der Kreditgewährung bzw. Finan- zierung der Kreditverkäufe völlig getrennt wird. Der Geschäftsgang bei dieser für Groh-Berlin neuartigen Einrichtung ist folgender: Der Kredit beanspruchende Kunde wendet sich an das Finanzierüiigs- institut und erhält von diesem nach Prüfung seiner Kreditfähigkeit einen Warenkreditbrief in bestimmter Höhe. Ter Kunde, der im Ladengeschäft wie jeder Barzahlungskäufer bedient wird, zahlt nun an der Kasse mit einem Scheck auf das Institut. D-efe Schecks werden dem betreffenden Geschäft von dem Finanzierungsinstitut nach Abzug von 19 Proz. diskontiert. Der Kunde hat für die Inanspruchnahme des Kredits eine Verzinsung von 6 Proz. führlich zu leisten und im übrigen die festgelegten Abznhlungstermine pünkt- lich einzuhalten. Der Kreis der dem Unternehmen angeschlossenen Firmen ist unbegrenzt. Er umfaßt unter anderen Einzelhandels. firmen der Tcxiil-, Schuh-, Galanterie-, Haushalts- und Kurzwaien» brauche usw. Ausgeschlossen sind Lebensmittelgeschäfte sowohl wie auch Juweliergeschäfte. Die Kreditgewährung ist zunächst nur auf Beamte beschränkt und soll erst später, wenn genügend Erfahrun- gen gesammelt sind, auf andere Berufsgruppen ausgedehnt werden. Vonnerstag 21. Oktober 1926 Unterhaltung unö Wissen Sellage des vorwärts Ein schwieriger Srief. Humoreske von Edith Rode-Aebeloug. „Kommst du mit?" fragte sie.„ich will was zum Mittageffen einholen." »Ich habe keine Zeit," sagte er. »Hast du was zu tun�" sagte sie und näherte sich neugierig. „Ja. ich muß einen schwierigen Brief schreiben." „Huch— Geldangelegenheiten— na, ich danke." „Absolut keine Geldangelegenheiten." antwortete er streng,„es gibt doch noch andere schwierige Dinge außer Geldangelegenheiten'" „Nein, wirklich?" Sie verschwand. Er ihr nach:„Du, hör doch mal, wo willst du hin?" „Mittagessen kaufen." „Du legst wohl weiter keinen Wert auf meine Begleitung 1" sagte er. „Das kannst du dir doch denken," erwiderte sie und schnitt ein Gesicht. „Denn sieh mal," sagte er belehrend,„wenn wir zusammen gehen, kaufen wir doch nie was Vernünftiges! wir bleiben ja immer nur vor den oerkehrten Schaufenstern stehen, wo die teuren Dinge sind, die wir nicht bezahlen können." „Um Cotteswillen, du brauchst ja gar nicht mitzukommen," sagte sie mit einer großartigen Geste und verschwand. Sie ging. Sie ging wirklich! Er war zweimal an der Tür. um sich davon zu überzeugen und holte wie aus Zerstreutheit seinen Hut, besaß aber glücklicherweise so viel Charakterstärke, um ihn wieder an seinen Platz zu hängen. Das fehlte noch, sich auf. drängen— niemals! Aber es war doch ein starkes Stück von ihr— na, auch gut! Dann setzte er sich an seinen Schreibtisch. Es verging eine ganze Zeit. Eine lange Zeit. Eine ganz unglaublich lange Zeit. Hm. Schön. Wenn man nur Gewißheit hätte— dann könnte man seine Verhaltungsmaßregeln danach treffen, sich darauf einrichten. Zum Donnerwetter, wo war denn der Hut bloß hingekommen! Ihr nachgehen? Das fehlte noch gerade, unter keiner Bedingung! Da kam sie. „Bist du fleißig gewesen?" fragte sie. „Wo bist du gewesen?" fragte er. „Nun paß mal aus!" sagte sie und ergriff ein Paket. „Was Ist das?" „Eine Tändelschürze." Sie hielt sich das Ding vor und sah sehr zufrieden aus. „Wozu ist denn die?" „Na, wenn ich koche, verstehst du: ich ruinlere mir ja sonst alle meine Kleider beim Kochen." „Aber du kochst ja gar nicht," sagte er. „Mal werde ich es doch wn." sagte sie und schnürte ein anderes Paket auf. „Und was ist das?" „Ein Rest apfelgrüner Chiffon, kannst du das nicht sehen?" „Ja, aber das Stückchen langt ja nicht einmal zu einer Bluse." „Ach." sagte sie rasch gefaßt,„den kann ich mir so hübsch uin den Kops drapieren, siehst du. so!" „Ist das auch beim Kochen notwendig?" fragte er. Dafür bekam er eine Ohrfeige: aber er hielt sie fest und zahlte es ihr auf ander« Weise heim. Als sie bald danach den apfelgrünen Ghiffon vom Boden auf- suchte, sagte er? „Und wo ist nun das Esten?" „Das Esten?" gab sie geistesabwesend zurück. „Ja. sollen wir denn Tändelschürze mit apfelgrünem Chiffon esten?" „Henrik," sagt« sie,„sei setzt endlich mal vernünftig, dann werden wir mal zusammen überlegen, was wir zu Mittag essen können?" „Hast du denn wirklich gar nichts eingeholt! Was ist denn in dem Paket da?" „Ach nichts." Sie zog es ihm schnell weg. „Gib mal her." „Nein!" „Gib mal gleich her!" »Fällt mir gar nicht ein!— Uebrigens— du kannst es dir meinetwegen ansehen, bitte, es ist ein Fez." „Ein Fez? Wozu denn in aller Welt?" „Gott, den kann man doch immer gebrauchen. Er ist ganz «cht. Der Araber oder Türke, der ihn mir verkaufte, sagte.«« wäre gerade ein« sehr günstige Gelegenheit, well man die setzt unten nicht mehr tragen darf." Er drehte den Fez in der Hank:„Ja, nun versteh« ich, weshalb du nichts zu Mittag gekauft hast," sagte er. „Nicht wahr" meint« sie erleichtert,„sonst hätte ich ja kein Geld mehr gehabt, um den Fez zu kaufen." „Aber ich/ habe Hunger." „Den hast du Immer," antwortete sie ärgerlich. „Weil ich nie was Vernünftiges zu esten bekomme!" „Du ißt ja den ganzen Tag! Uebrigens— bist du mit deinem Drief fertig?" „Nein," sagte er und seufzte. „Was ist es denn eigentlich für ein Brief?" Sie ging neu- gierig zum Schreibtisch. „Ja— sieh mal—* fing er an. „Liebste Asta!" las sie„Was ist dos für eine Afta?" „Weißt du. Asta. Asta— ist ein« Frau." „Das konnte ich mir denken." „Und sie hat, sie hat an mich geschrieben— und gefragt, ob es wahr wäre, daß ich mich verheiratet hätte— und—" „Gott, jetzt wird mir alles klar!" rief sie und schlug die Hände zusammen,„du hast einfach ganz vergessen, deine Verlobung mit Asta zu lösen!" „Durchaus nicht," sagte er gekränkt,„durchaus nicht, ich war gar nicht mit Asta verlobt!" „Wer sie liebte dich wohnsinnig?" „Jawohl, da» tat sie," sagte er,„meinetwegen lache du nur." „Aber wo» hat dir denn dies« Asta geschrieben?" „Lies," sagte er und gab ihr den Brief. Sie las:„Sie will sich das Leben nehmen?" sagt« sie und sah auf,„sie flebt dich um eine Antwort an? Ja, aber, dann antworte ihr doch, Menschenskind!" „Was soll Ich denn antworten?" „Das werden wir gleich erledigt haben, ich werd« es dir diktter»n. Also:„Liebste Asta!"— Na, das hast du ja schon." »Ja," sagte er verwirrt Das Manifest der Wirtfchastsführer. v I e wollen die Zollmauer zwiftben den Ländern niederreißen!— Ehe wir kommen, wird es woht nichts werden l „Gut. Also:„Tief ergriffen und erschüttert über Deinen lieben Brief, send« ich Dir hiermit die erflehte Antwort." „Mach keinen Unsinn!" ..... Ach ja, es ist wahr, allzu war— ich bin verheiratet. aber Dein teures Bild, süße Asta—" „Hör nun endlich mit dem Unsinn auf, hilf mir lieber wirklich." „Na, dann noch einmal von vorn:„Liebste Asta! Ich liebe für Zeit und Ewigkeit— vorläufig— eine Andere." „Begreifst du denn nicht," sagte er,„daß es«in wichtiger Brief ist. sie hat mir doch geschrieben, sie will sich das Leben nehmen!" „Ach, stimmt so," sagt« sie,„das hatte ich ganz vergessen. Also jetzt pah auf:„Liebste Asta!" „Das habe ich ja doch schon längst!" sagte er mutlos. „Dein Brief hat mich tief betrübt." Er sah aus„Das schreibe ich jetzt wirklich." sagte er. „Na also." sagte sie triumphierend, weiter:„Ich hatte geglaubt, daß Du Dich etwas mehr beruhigt hättest, und ich hatte gehofft, daß unsere Liebe—* „Deine," warf er ein. „Nein,— unsere— das klingt höflicher, also„unsere Liebe"— nein,„also" darfit du doch nicht mitschreiben!.... Unsere Liebe in eine wahre und tiefe Freundschaft sich verwandeln könnte. Tiefe unterstrichen. Hast du das? Laß mal sehen." Sie las über feine Schulter gebeugt. „Das klingt großartig, nickt? Na. weiter:... Daß Du mir den Kummer antun könntest—" „Saß das Kitzeln!" sagte er und schüttelte den Kopf. „Ich habe ja bloß dein Ohr geküßt." — Pause.— „Na," meinte sie,„sei nun vernünftig, also— wo sind wir stehen geblieben.... den Kummer antun. Dir das Leben zu nehmen.--" „Fällt Ihr gar nicht ein," sagte er.„so redet sie bloß immer!" „Also:....vermag ich nicht zu glauben! Strich unter vermag.... Dein Andenken< ist mir zu teuer.--* „Was hast du denn immerzu zu lachen?" fragte er etwa» gereizt. „Soll ich lieber weinen?" „Nein," sagte er etwas betreten. „.... zu teuer und rein, rein unterstrichen." „Warum soll ich denn alles unterstreichen?" „Weil di« vielen Striche sich so großartig machen. Hast du das, weiter:.. als daß ich es von einem derartigen Gedanken verzerren lassen möchte." „Verzerren?" wiederholte er zögernd,„na, meinetwegen, asso wa» weiter?" „Dann fetze noch hinzu:.... Ich werde mich Deiner stets voll dankbarer Ergebenheit erinnern und—" „Warte mal.... Dankbarer Ergebenheit und— ja. was denn nun noch?" „.... und hoffe, daß wir un» in einer nicht zu fernen Zukunf als Freunde wiedersehen werden. Dein—— Dein ehe- maliger--* „Einen Augenblick!... Freunde wiedersehen werden. Dein— wie sagtest du?" „Dein ehemaliger--* „Nein, das geht nicht." „Dein Henrik." „Auch nicht," sagte er nachdenksich. „Dein treuer Freund." „Ach wo!" »Hall mal." sagte er,..... Dein Dir ergebener Henrik." „Mit Strich drunter!" sagte sie. „Wo runter?" „Unter Dein und ergebener. So, nun lies mal das Ganze!" „Brillant!" lagt« sie, als er fertig war.„Aber weißt du, ich.. Hab« von deinem schwierigen Brief Hunger bekommen." „Na, dann los," sagt« er,„jetzt stecken wir ihn nebenan in den Briefkasten und gehen dann gleich weiter ins Restaurant zuin Mittagessen." (Berich tist« Uebirsehuna au« dem Dänischen von Frida Erdmute Bösel.) Die teuersten Tiere. Der Handel mit Tieren ist ein Geschäft, das viele Usberraschun» gen mit sich bringt, denn die Moden wechseln schnell, und ein Schoß- tier, das heute noch sehr begehrt und hoch bezahlt wird, kann im nächsten J�hre sehr viel weniger wert sein. So herrscht z. B. jetzt in England und in den Vereinigten Stdaten eine große Nachfrage nach deutschen Schäferhunden. Für einen preisgekrönten Hund dieser Rasse namens Caro wurden 40 000 M. geboten. Eine Arne- rikonerin kaufte aus einer Hundeausstellung im vergangenen Jahr einen deutschen Schäserhund für die Summe von 36 000 M. Aber auch die kleinen Hunde, die heute nicht mehr so beliebt sind, er- zielen doch bisweilen noch erstaunliche Preise. Ein kleiner Spitz brachte aus der letzten Hundeausstellung in London 10 000 M., so daß für ein Gramm dieses teuren Tieres etwa 10 M. angelegt wurden. Der Wert der Tiere richtet sich natürlich nach Angebot und Nachfrage, aber es ist nicht nur die Seltenheit, die berücksichtigt wird, sondern auch das Wesen und die Schönheit de» einzelnen Tieres. Affen sind sehr billig zu haben, aber dann sind ee böse und unerzogene Tiere, an denen der Besitzer keine Freude hat. Für kleine Affen muß man häufig bedeutend mehr zahlen als für große, denn sie werden eifriger begehrt Dasselbe ist mit Schild- träten der Fall. Kleine Tiere kosten im Verhältnis mehr als große, aber in neuester Zeit ist auch nach großen Schildkröten eine beträchtliche Nachfrage, da man diese nützlichen Tiere, die viele Insekten vertilgen, in den großen Gärten der Landhäuser hält und in der kalte» Jahreszeit im Wintergarten unterbringt. Manche kleinen Schlangen werden mit Hunderten von Mark bezahlt, wenn sie zu.einer Art gehören, die sich leicht aufziehen läßt und später eine stattliche Größe erreicht. Ein Paradiesvogelweibchen kann da- durch sehr wertvoll werden, daß es ein Ei legt, und solch ein Para- diesvogel wird von Naturforschern hoch geschätzt, tm man bisher über die Aufzucht verschiedener Paradiesvoaelärten noch sehr wenig weiß. 2000 M. für ein« Katze ist eine Menge Geld, aber für Chinchilla-Katzen, die preisgekrönt sind, werden solche Summen an- gelegt. Unter den wilden Tieren sind nach den Mitteilungen eines Händlers die Giraffen am teuersten Ein Tiger ist mehr wert als mehrere Löwen, aber ein toter Schmetterling kann soviel wert sei" wie zwei tot« Tiger, wenn er sehr selten fit. Das Work„Buchstabe". Buchstabe heißt eigentlich soviel wie Buchenstab und gibt somit die ethymologische Bestätigung dafür, daß die Schriftzeichen anfänglich in Holz oder andere Gegenstände geritzt wurden. Unsere Vorfahren bedienten sich des Buchenholzes, indem sie auf Buchenstäben ihre Schriftzeichen cingniben. Auch bei den Kalmücken hat man ganze Bücher gefunden, die au» beschriebener Baumrinde bestanden. Wahrscheinlich haben auch die alten Römer ibre ersten Mitteilungen In Holz eingeritzt, wenigstens stammt das Wort„Codex"(alte Handschrift) von caudex, was in unserer Sprache Holzklotz bedeutet. Auch das Wort„Rune" hat einen ähnlichen Ur- sprung. So hat der- dänische Gelehrte Wormius schon im 17. Jahr- hundert nachgewiesen, daß das Wort„Rune" von dem dänischen „ren" kommt, was soviel heißt wie„eine Furche ziehen" oder „ritzen". Zluch das englische Wort für„schreiben"„write" heißt eigentlich ritzen. Der Gebrauch der Feder bürgert« sich in Europa erst im Mittelalter, ein. Man verwendete zunächst die persische Rohrfeder, später den Gänsekiel und erst seit etwa 100 Jahren kennen wir unser« heutige Stahlfeder. /kbektersport. Hockey. Hockey ist in seinem Wesen ein dem Fußball ähnliches Rasen- spieb Nur daß hier ein wesentlich kleinerer, 22 bis 23 Zentimeter im Umfang messender Ball mit Stöcken, die unten gebogen und an der Innenseite flach sind, gespielt wirb. Wie beim Fußball muß der Ball durch das gegnerische lor gespielt werden. In den Arbeiter- Sportvereinen wird dieses Spiel seit mehreren Iahren vor dem Kriege gepflegt. Damals nur von einigen Abteilungen des Turn- und Sportvereins Fichte geübt, hat es heute eine größer« Verbrei- tung auch außerhalb Berlins, besonders in Leipzig, gefunden. In Berlin haben in den letzten Iahren etwa 36 Mannschaften an einem geregelten Serienbetrieb teilgenommen. Die etwas höheren An- schassungskosten und ein allgemeines Vbrurteil sind die hauptsäch- lichstcn Gründe, daß es noch so wenig Anhang findet. Das Vorurteil gipfelt in der Kritik, daß es sich angeblich um einen rohen Sport handeln soll. Warum? Weil mit den derben Stöcken gespielt wird? Unglücksfälle sind sehr sellen und dann stets harmloser Natur. Im übrigen sorgt eine straffe Spielregel für einwandfreies Spiel. Das Hockeyspiel gibt insbesondere den Leichtathleten, Schwimmern und Sportlern während der Winterzeit die Möglichkeit, durch Spielen im Freien den Körper geschmeidig zu erhalten. Infolge der Leicht- flüssigkeit des Hockeyspiels ist es gerade für genannte Sportarten das geeignetste Wintertraining. Die Hockey spielenden Vereine Groß- Berlins waren bisher als Unterorganisation der Märkischen Spiel- Vereinigung(Fußball) angegliedert. Diese selbst war dem 1. Kreis des Arbeiter-Turn. und Sportbundes zugeteilt. An dem bevor- stehenden Serienbetricb werden sich wieder folgende Vereine be- teiligen: Freie Turnerschaft Charlottenburg, Athletik-Sport-Klub. Freie Turnerschaft Lichtenberg I. und II. Abteilung. Freie Turner- schast Groß-Berlin Norden II, Freie Turnerschaft Schönholz, Freie Turnerschaft Wilmersdorf-Schmargendorf, Freie Turnerschaft Staaten, Turn- und Sportverein Fichte I, III. X. XII und Ab- teilung West, Sportliche Vereinigung Roland und Nord-Ost, Ar- beiterturnverein Pankow, Sportverein Moabit. Das höchste Naturfreundehaus Deutschlands. Unter zahlreicher Beteiligung von Touristen und Naturfreunden fand kürzlich die Einweihung des höchstgelegensten Natur- sre und« Hauses, das wir in Deutschland besitzen, statt. Das Alpenschutzhaus befindet sich 1760 Meter hoch auf der Tiroler Seite des Lechtales, drei Viertelstunden vom Gipfel des Säulings VvillZmoMadena fflr die sozlaldemohralistfien Frauen nnd Hfiddien Freitag, den 22. Oktober 1926, abends 7V« Uhr, im großen Saal der.Neuen Welt", Hasenheide. Vortragsfolge: Orchester: Ouvertüre zu„Egmont"...... Beethoven Prolog................. Arthur Petzold Chor: Auferstehung............ Ph. Ortmann Violine: a) aus der Kreutzersonate...... Beethoven b) aus der Frühlingssonate..... Beethoven Orchester: Andante cantabile aus der I. Sinfonie Beethoven Ansprache: Arbeit und Freude Orchester: S. Sinfonie, 1. Satz........ Beethoven Chor: Die Schmiede.'.....»...... Ph. Ortmann Trio: Allegretto aus dem 6. Trio....... Beethoven Orchester: S. Sinfonie, 4. Satz........ Beethoven Mitwirkende: Volkskunstgemeinschaft„Wedding"(Orchester und Gemischter Chor), Wolf-Trutz vom Staatstheater, die Ansprache hält Genossin Minna Todenhagen. Eintrittspreis 30 Pf, Karten sind zu haben Im Frauensekretariat, LindenstraSe 3, ll. Hof n, Zimmer 1 • und an der Abendkasse. (2034 Meter) entfernt. I» vier Wochen wird der Bau vollendet fein und soll voraussichtlich Pfingsten 1927 dem Verkehr übergeben werden. Die Hütte hat 6 Zimmer mit 20 Betten und einen pro« visorischen Schlafraum für 40 bis 60 Personen, ferner einen großen Wirtschaftsraum mit der herrlichsten Aussicht auf die LechtMr Alpen bis zum Fernpaß, Planster Berge und auf die Tannheimer Gruppe, und Wirtschaftsröume für den Hüttenwart. Von Flach (Tirol) ist das Heim in 2 bis 2� Stunden, von der bayerischen Seite, Füssen. Hohenschwangau im bayerischen Allgäu, In 3)4 bis 4 Stunden erreichbar. Mit welch ungeheuren Mühen dieses Tou- ristenhaus von Mitgliedern der Naturfreunde(Sektion Augsburg) errichtet wurde, kann nur der beurteilen, der diese Gegend in ihrer wilden Romantik kennt. Der Platz, auf dem die Schutzhütte in lawinengeschützter Lage steht, war mit einem Riesenfelsblock bedeckt, der gesprengt werden mußte._ Handballspiel Magdeburg Fermersleben. Bei Halbzeit stand das Spiel bereits 6:0 für den Magdeburger Kreismeister, der mit feinem präzisen Zuspiel die unsichere Sparta-Verteidigung recht häufig überspielte. Nach der Pause erhöhten die Innenstürmer das Resultat auf« und 7: 0. Erst etwa 10 Minuten vor Gpiekschtuß gelangte Sparta durch den Mittelstürmer zum.Ehrentor". Magd«- bürg wurde angrisfslustiger und verbesserte den Torslond aus v: 1. Sparta muß viel mehr Wert aus Zufammenspielen legen, das plan- volle Spiel der Magdeburger sollte ihnen Lehre sein. Dem Sturm fehlte vor dem Tore das blitzschnelle Schießen. Läuferreihe und Verteidigung hielten schlecht Platz, während der Torwart für mehrere Bälle verantwortlich zu machen ist.— Vorher fanden fol- qende Spiel« statt: Schüler: Adlershof— Sparta 1: L Jugend: Fichte-Süd— Sparta 3:0. Männer: Neukölln II— Spana II 10:1. Hockey: Fichte-West— Sparta 4:2. Znkernalionales Arbeiterschachturnier In Berlin. 5m auftrope der Arbeiter�chachinternationale und des Deutschen Ärbeiier. Gchochbundes u-renswltet der Berliner Arbeifer-Echcchflud Ostern 1927 das 2. Internatianale Arbcüer�Schochlurnier in Berlin. Die Eidachinternatianale ist Ostern 1924 anläßlich des 1. Internationalen Arbeiter-Schachturniers in Berlin ins Leben zeruien und auf dein Bundestag in Jena Ostern 1926 durch den Eintritt der russischen und österreichischen Schachverbänd« weiter gefcst-gt werden. Echan iestt müssen die Vereine daran aehcn, Barbereitunasarbeiien zu leisten, die auf das falzende Prazrotnm Bezuz nehmen müssen: Inter- naüanales Meisterturnier, Internaiianales Mannschaftsturnier, Internatia- nales Zlebentumier. Wettkämpfe und Turniere des Deutschen Arbeiter-Schach, Bundes: Mannfchafts-Kauptturnier, Mannschafts-Nebenturnier, Einzel-Haupt. furnier. Einzel-Zlebeniurmer. Weiter: Problemturnier, Lösungsturnier und Wertung der besten Partien aller Gruppen. Als Preis« stehen für jede Ab- teilung je zehn Bücherpreise zur Verfügung. Einen besonderen Plast wird die Echadiausstcllung einnehmen. Wir fordern hier zur regsten Mitarbeit auf. Alles, was zum Sehach in Beziehung steht, bitten wir uns zur Verfügung zu stellen. Besonderes Augenmerk mnsi auf dje Schachliteratur genommen werden. Als Rebenperanstaltungen werden Vorträge veranstaltet, gehalten von den Echacharnassen Danker-Kiel, Duchmann-Berlin, Otto-Wismar und Rlinke-Ghem- nist. Ebenfalls ist für die Ülntcrhaltung bestens gesorgt. Das gesamte Pro. arämm wird später in eirckr sfestschrift zusammenaefasit und Probenmnmcrn den Vereinen auf Wunsch zugestellt. Alle Inschriften und Anfragen sind an den Dchachgenosscn Barl Franke, Bcrlin-Rcinickendorf-Ost, Schillerprvmenad« 61, zu richten._ Achtung, Arbeiter-Radfahrer! Die Ortsgruppe Neukölln des AN?..Salt- darität" veranstaltet am 23. Oktober, 8 Uhr, in Äliems sscstsiilcn(Erbe). Hasen- Heide, ihr diesiähriges Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe.. Saalfahren, Elühlichtreigen, Kunstfahrer Mulock und Bürbach, Festball. Eintritt 1,2» M., im Vorverkauf 1 M. Für Erwerbslose gegen Ausweis 50 Pf. Zach-Lanbon-Sedüchteisfeler der Arbeitersporfler. Vor 10 Kahren starb Jack London. Das Arbeiter-Sportkartell veranstaltet zur Erinnerung an den amerikanischen Dichter des Weltgefühls am Montag. 26. Oktober, ein« De- dächlnisfeier im Saalbau Iriedrichohain, in der Alfred Veierl« das roman- hafle Leben dieses Vagabunden. Ansternritubers, Gologriibers nnd Jägers, des ersten Präsidenten der Ameriegn-Socialistischsn-Unipn. unter Begleitung von »0 Lichtbildern erzählen wird, Ratten im Vorverkauf zu 60 Pf. in den Ardeiterbuchhandlungen, Iahrradhaus„ffrisch-Auf", Bznsselstr. 19, Sporthaus Mchte, Röpenickcr Str. 196,(siliale Neukölln, Raiser-ifriedrich-Str. 61, Metall» arbciterbörse Wedding, Moxstr. 12, und an der Abendkasse(76 Pf.). »eleucliluWliöfpefj Gegen Mvnata•|| Raten fletropol- Tlieu. Täglich S Uhr: Die große Revue Wieder Metropol Besidenz- Theal. Täglich SV, Uhr: flatritl t,ieM»ee rnWen Tnnlln-Thealcr uhr: DerBiberpel: Regle: Berth. Viertel VCOlAMOEM SIC 9ON0CB ANOEB9T P.RADDITZCC? Berlin Ulpil9»i-Str-.122-12i DlewirksamsteGeaund- heltskur durch Hellfak- �"HräDterkrflDe A-Z ist erfolgreich geg. Zuckerkrankheit. Nieren- u. Klasenlcfden u. kalh. Erscheinungen der Harnweg.Rheuma.Olcht ». ArtenenTerkalkung, sowie viele Blut- und Stoliwechselkrankhelten. 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Theaters habima Heute, Donnerstag u. Sonnabend 8 u.! Dybuk Freitag z. 1. Male! Der ewtDe lade ■•mMleuluias jeden Sonntg.3 U. Der OarKn Eden Aunürkt 0450 » Uhr Variete- Neutieileo Tbeito dis Hestms 8- Oer Zug nadid. Westen Hlo-Mei Riesen-Weltstadt- Programm mit Brellborf Florian Peteraiann 14 intkl. IttraktioieD ritte FiMosiniu ocksTT-, i.su, 2.- 1,50, 3.— M. usw. Anfang 8 Uhr listaktrHitaa Deutsehes IDnstl.-Tsteater 8'/, Uhr: Da« srroße Abenteuer Dtndi. Pallrahttz Sonnabend S'nU.: D» bise PrinzeBdien Sonntag 3V3 Uhr; Der frbhKdie Weinberg Lessing-Tbealer 8 u.. nenstn and vebermentdi Tb. a.Rnrfbrifenilaiiiii Heute 8 Uhr: Argentina Lnslspielhass PI, Uhr: f. Elia Sbd, Stg. 3 V.Uhr: Schneewittchen KIninesTheater Täglich 8 Uhr: MeasdiüDfreDDde Segubnil n. Sonnt,«tun. 4 II Gr. Kindervorstellg. SüiBeewiftdieD AQUARIUM geöffnet v.9-7 Uhr Eintritt bis 2 Uhr I M, Kinder 50 Pf. Ab 2 Uhr ohne Unterschied 50 Pf. Im ZOO"gl. Kon z e rt niBfltpr i. lottb Tor Kittbuier Str. t Aagl O UHr a Sonntag nachnr 1 Uhr(zu «rmästtgten Vrttsen) kille- zsoger > und das !>»». vnmeo- Leaann». Onanvlteonaff lli zur Met« W50, Annbacdemtr.l Volksbühne Ibeitei u BSIoiplali 8 Uhr; Sysistrata Morgen 8 Uhr: Sysistrata Tb. an SAiffbiaerdaDn Täglich 8 Uhr: Das Crabnal des BsbeiiBDten Soldatei Jfiomistfkc Cper Der große Ovvtttenerfoig tä' Jidrienne% rfilt Serak, Wessel?, Wirl, Blass Boettcher, Hell.- Sonntag nchnuS U.: „Die Fledermaus4* in erster Bejetzg. Vorverkauf ununterbrochen f. 10 U an Die KALLER-REVUE untaiMT Thrmtcr i. AdmtrmtjpMfast TSaOdt PI, Ute T4,nd,»>(. Ute 10. Woche Der aaObertrtHbar, Erfolg I Soaaiags-Vorsl. J u.S<, Ubr Nachm. gante yoratellung zu halben Freisen saa — hon 2% Jinder-Revne-Afli0«eu�en Premiere: Sonnab., 23. d. Mts., 31/, U. Kleine Preise 6,50, 1.—, 1,50 M. usw. In allen Vornlei uogen i Badge S'nien.Tlller Girls. S diäten Lillpirtjft. Rennen» Karlshorst Donnerstag;, den 21. 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I-S* iemlSl Tanrt.miirtr.Stzl.illl 0 DU !(€%jcibej(&J2evcce Von Muuä zu Wund wird am Freitag, den 22., auch Von Ohr zu Ohr durch den"Rundfunk übertragen. /Ufr ßd ßroun' Sprecher in der Loge Cornelius Sronsgesit singt auf der Bühne JVa Dt Grosses Sdiousmlhm emeimt Bekanntmachung detteffend die Wahlen zum Berftande der Ortskrantenkasse für die lhewerd« der Tischler nnd Pianosottearbetter zn Berlin. Ans El und des z 70 der Kassensastung jinb für die Wahlperlode bis 31. Dezember 1929 die Mitglieder zum Üassenoorstand zu wählen, und zwar: 4 Arbeltgeberoertteter und 8 Ersatz Männer und 8 BerstcherteNpettrtter und 16 Ersatzmänner. Die Wahlen finden am Montag, den 22. Nooember 1928, im»Retchenberger Hos", Reichenberg er Etr. 147, statt, und zwar für die Bersichertenoettreter gbends 5 dis P), Uhr und tüc die Arbellgeder» Vertreter abends 6 dis 6'/, Uhr. Die Wahlen find geheim; gewählt wird nach den Drundlätzen der Verhältniswahl nach näherer Best mmung der Wahlordnung Das Wahlrecht ist in Person auszuüden Wahlberechtigt sind alle AusschutzmttaUeder. Die Wahlberechtigten werden htermit ansgefordett, Wahlporschläge, gesondert Mr die beteiltqlen Brdeitzeber und 33er sicherten, auszustellen und dem unlerzeich litten Vorstand spätestens bis zum 8. Ns» vemdec 1928 einzureichen Die Wahtvor- schtäge müssen von mivdeften» 3 Wahl de- rechitgien der betressenden Gruppe unterzeichnet sein. Die Wahlvorschläge werden oon dem Vorstand nach der Reihenfolge ihres Eingangs mit Ordnungsnummern oersehen und tönnen. soweit sie zugelassen sind, oon den Ausschußmitgliedern 14 Tage vor der Wahl im Kassenlokal während der 'ett oon 8 dt» 1 Uhr eingesehen werden. ie Stimmabgabe ist an diese Wahlvor- "äae gebunden. Sind ans gültige Wahlvorschläge Im anzen nur so vteTe wählbare Bewerber mannt, wieBorstandsmitgliederzu wählen sind, so gelten ste gemäz 6 9 der Wahl- ordnung als gewählt. Im übrigen gelten für dt» Wahl die entsprechenden Bestim. mungen der Satzung und Wahlordnung Berlik den 20. Ottober 1928. Der Borstaad. Fr Meersdach, Herm. Ehrlich Borfitzender EchttstfÜhrer Verkäufe Bettsedern-, Bettenverlans! Preis abdaul Riesenauswahl 11,50, 16,50, 21,-1 Prachtovlle 26,—, 32,-1 Bau- nendette» 87,60! Ropfklsfen 3,951 Bettfedern 0,70 anfwätts! Dreiviertel- daunen 4.901 Vberbettinlette 6�51 rzetger 5 Prozent Sonderrabatt! Bettenfabrtk, Brunnenfiraß« 115.* Teppiche, Diwandecken. Tischdecken, Bettvorleger, Läuferfiosfe. prachtvolle Auswahl,»ttpa billige Geleaenbeiten. Conrad Fischer, fett 1884 Potsdamer- stroße 109.' aetHeidungaiiurbe. Aibclle uz» Epattbilltge Pelzamrra. Eelegendeils» käute von Sportpelzen. Dehpelzen. hoih- eleganten Pelzmänteln. Pelziacken. Enorm bMlg« Herrenanzllge. 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