Ur. 194. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel- tähriich 3,30 Mark, monatlich i.io Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei iii'S Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags-Nummer mit illusir. Sonntags- Beilage„Neue Well" toPfg. Post-Abonnement: Z,cioMt.proO.»artal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland sMk.pr.Monat. Eingclr. in der Post-ZeilungS-Preislist« für löSö unter Nr. 7l2S. 12. Inhrg. Insertionz-Gebühr beträgt für dl« fünfgespaltene Peiitzetls oder deren Raum«v Pfg., für Vereins- und VcrsannnlungS- Anzeige» 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedition abgegedc» werde». Die Expedition ist an Wochen» tagen bis? Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt t, Ur. 1508. «eiegramm- Adresse: ..Soiiatdemokrat Kcriin!' Verliiter Molksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LV.1S. Aeuth-Swlße 2. Mittwoch, de» ZI. Antzust 1893. SLpedition: 8V. 19. Meuty-Stmße 3. Der in Nouvnizc. Paris, den 16. August 189S. Die Reaktion in Frankreich und den übrigen Ländern hat die letzten französischen TePartenicntalwahlen als eine Niederlage der sozialistischen Partei hingestellt, weil diese unter 1338 Gewählten nur etliche fünfzig sich zuzählen kann. Die kleine Zahl bedeutet aber eine neue Etappe in dcni Vormarsch des Proletariats zur Erobeniug der etzt von der Kapitalistenklasse beschlagnahmten öffentlichen ewaltcn. Die Fraktion der Marxistischen Sozialisten, die 139 Kandidaten aufgestellt hatte, erlangte 152 000 Stimmen und setzte 25 Kandidaten durch; vor 3 Jahren hatten ihre Kandidaten blos etwa 60 090 Stimnien auf sich vereinigt. Also eine Vermehrung um weit mehr als das doppelte. Die Dcpartcmeutalräthe haben keine politische Bc- deutung; ihre einzige Funktion besteht darin, die Ausgaben für den Bau und Unterhalt der Wege und Schulen zu leiten und die Verwaltung des den Departements gehörenden Eigcnthums zu überwachen; es ist ihnen untersagt, auch nur politische Wünsche auszusprechen. Bei einer einzigen Gelegenheit werden die Mitglieder politische Menschen: nämlich wenn sie, vereinigt mit den Telegirten der Komniunalräthe und mit den Teputirten und Senatoren des Departements, die Scnatoreu wählen, die in Frankreich nicht durch das allgemeine Stimmrecht gewählt werden. Die Sozialisten hatten sich bisher nicht anders mit dem Senat beschäftigt, als um seine Abschaffung zu verlangen; allein seit sie eine große Zahl von Munizipalräthen(Gc- mcinderäthen) erobert haben und in die Tepntirtenkaninier einzudringen beginnen, denken sie auch daran, sich des Senats zu bemächtigen, dieser letzten Zuflucht der Reaktion. Um zum Ziele zu kommen, müssen sie sich in de» Departementalräthen festsetzen. Aber um die Bevölkerung, die bisher nur unpolitische Leute und rein lokale Persönlich- leiten für die Departementalräthe wählte, au die neue Taktik zu gewöhnen, dazu bedarf eS der Zeit. Man war auch er- staunt über den Eifer, mit dem sich die Sozialisten in ganz Frankreich ans Werk machten, besonders im Departement des Nordens, wo die Sozialisten, wenn auch nur zwei ihrer Kandidaten gewählt wurden, doch ein Drittel der gesammteu abgegebenen Stimmen auf ihre 22 Kandidaten vereinigten. In Roubaix nahm der Wahlkampf einen außerordentlich scharfen uud leidenschaftlichen Charakter an. * Roubaix ist, ebenso wie mehrere andere Städte des Departements des Nordens, in unserem Jahrhundert durch die Entwicklung der Großindustrie plötzlich emporgewachsen: seine Bevölkerung, die sich auf ungefähr 110000 beläuft, setzt sich zu- sammen aus einer kleinen Anzahl reicher Fabrikbesitzer, Unter- bcamten uud Lieferanten für ihre Lebensbedürfnisse; der ganze übrige Theil der Bevölkerung besteht aus Arbeitern; zwischen diesen beiden Klassen giebt es kein vermittelndes und verbindendes Kleinbürgerthnm, wie man es in anderen Städten älteren Ursprungs trifft. sNachdrurl verholen. nns dem sUdnmeeikAnisÄxen AZinkevtande. Da siel sein Blick auf die Ohnmächtige am Boden. Ter Brief lag an ihrer Seite. Rasch legte der alte Herr seinen Hut bei Seite, sprang ans das Mädchen zu und faßte an ihre Hand. „Eine Ohnmacht nur... Er packte sie sorgfältig und behutsam und trug sie auf ein Rohrsopha, das in der Nähe stand. Unter ihren Kopf legte er ein Kissen. Dann langte er nach dem Brief, der am Boden liegen geblieben war und überflog seinen Inhalt. „Almes Kind* sagte der Alte mitleidsvoll, als er ihn zu Ende gelesen, und sein Auge verweilte ein paar Sekunden lang auf dem Gesichte der Ohnmächtigen,„das leidige Geld...* Genoveva kam zwar bald zu sich; aber sie redete irre. Sie erkannte niemand. Die alte Magd begann zu heulen, als sie nach Hause kam. Aber der Alte hieß sie schweigen, nahm sie bei seite und redete lauge mit ihr. Nach einer leisen Unterhaltung beruhigte sich die Alte. Der Greis blieb in der Wohnung.»Nach seinem sachverständigen Be- nehmen zu urtheilcn, schien es ein Arzt zu sein. Zehn Stunden nach diesem Vorfall gebar die bewußtlose Genoveva einen tobten Knaben. Lange Zeit schwebte die Mutter zwischen Tod und Leben. Der Alte wich fast nicht von ihrer Seite; nur ab und zu löste ihn die Magd in der Nacht ab und dann schlummerte er ein paar Stunden in einer Hängematte. Nach vier Wochen erst änderte sich ihr Zustand. Zwar war sie schwach und abgemagert; ihre Finger waren dünn und ihr ganzer Körper unsäglich Die Kapitalisten uud die Arbeiterklasse sind derartig von einander getrennt, daß man sie zwei verschiedene Rassen— „zwei Nationen" nach dem Ausspruche Disraeli's— nennen könnte: die Sieger und Besiegten. Die sicgbeivnßten Fabri- kanten blicken mit äußerster Verachtung auf die Arbeiter- klaffe herab, die nach ihrer Ansicht ein tieserstehender Nienschenschlag ist; sie sprechen mit ihnen nur, wenn sie etwas zu befehlen haben; sie dutzen sie in der verächtlichsten Weise, ein Benehmen, wie die Ausbeuter in anderen Theilen Frankreichs sich nicht erlauben; sie behandeln die Arbeiter grob und lassen sie von der Polizei mit der nichtswürdigsten Brutalität verfolgen und schnhriegeln. Im Jahre 1884 habe ich mit erlebt, wie in dem Saal des Arbciter-Kongreffes von Roubaix eine Schaar von Polizisten ohne ersichtlichen Grund mit Knütteln bewaffnet eindrangen und ohne Unter- lchied der Person rechts und links ans die Vcrsamnielten einHieben. Unter solchen Verhältniffen ist es leicht,-die Wuth der Millionen besitzenden Fabrikanten zu verstehe», als sie 1892 infolge des allgemeinen Stimmrechts sich aus dem Stadb verorduetcn-Kollcgium vertrieben und durch Arbeiter ersetzt sahen. Wie! Roubaix sollte zum Bürgermeister Car rette haben, einen Weber, den sie aus ihren Fabriken gejagt hatten, und der um leben zu können, Zeitungen in den Straßen verkaufen ninßte! Roubaix sollte regiert und verwaltet und sie selber verhcirathct werden von diesem armen Weber, den sie gcdutzt und wie einen Hund behandelt hatten! Tie Fabrikanten erklärten das für eine Unmöglichkeit; sie glaubten, die Regierung würde die Wahl für ungiltig erklären, und das ans Arbeitern bestehende Stadtverordneten- Kollegium auflösen. In ihrer rasenden Wuth erklärten sie, die Stadt verlassen und ihr Kapital wo anders hinbringen zu wollen.—„Nur fort mit Schaden und glückliche Reise!" antworteten die Sozialisten,„und vor allen Dingen nehmt keine Retourbillets!" Die Fabrikanten verkündeten den finanziellen Unter gang der Stadt; denn wie konnten sie auch zugeben, daß diese elenden Arbeiter, die noch niemals mehr als ein 20 Frankstück in der Hand hatten glänzen sehen, nun mit einem Mal ein Budget von über 5 Millionen verwalten könnten. Doch leider wurden sie in allen ihren Hoffnungen getäuscht. Die Regierung mußte die Volksabstimmung anerkennen uud Carrette und seine Freunde erwiesen sich als tüchtige, gewissenhafte Verwaltungsbeamte. Das Budget des letzten kapitalistischen Kollegiums war mit einem Defizit ins„Gleichgewicht" gekommen. Die Sozialisten schafften das Defizit aus der Welt, indem sie sparsam vcrivalteten und die Betrügereien unterdrückten, welche die wackeren Herren Arbeitgeber bei der Zollverwaltung begangen hatten. Sie fanden Mittel, um Schulkantincn einzurichten(äsg oantinoo seokires) d. h. täglich 10 000 Kindern, welche die Gemeindeschulcn besuchen, eine Mahlzeit umsonst z» geben, und das Honorar der Lehrer an den städtischen Schulen uud die Löhne der städtischen Arbeiter und Angestellten zu er- 20 kraftlos und elend; aber die aus tiefen Höhlen heraus- funkelnden Augen zeigten, daß sie begriff, wo sie war und was mit ihr vorgegangen. Und der Alte erklärte sie für gerettet. Einige Tage darauf sprach dieser lange mit der Gc- nesenden, und gleich am nämlichen Tage hielt ein Wagen vor der Hausthür. Genoveva wurde sorgfältig hineingepackt, die Dienerin stieg zu ihr hinein und beide fuhren davon. Die ganze Nachbarschaft hatte von all den Dingen nichts erfahren. Zur selben Zeit brachte ein alter brauner Diener, der so weißköpsig war wie sein Herr und von ihm Boni- facio genannt wurde, zwei Pferde a». Der Alte schwang sich ans das leere und beide ritten ebenfalls davon. Das Haus blieb leer. Das Verschwinden von German Winterfeld erregte bei seinen Bekannten wenig Aussehen. Er war ein wenig das, was man eine gefallene Größe nennt. Man sprach zwar anfangs einige Male, daß er nach Argentinien gegangen sei, nach Buenos Aires, nach Santa Fe oder sonst wohin, um von neuem zu beginnen. Acht Tage darauf sprach man nicht mehr von ihm und nach vierzehn Tagen hatte man ihn vergessen. Nur die beiden, die seinerzeit auf ihn den Champagner gewettet hatten, zankten sich noch ab und zu über ihn. Der Dr. Francisco Fernandez erklärte, seine Wette gewonnen zu haben. Er war extra nach der Wohnung des Davongegangenen gekommen, um sich hier an der Quelle nach dem Verbleib der schönen Indianerin zu erkundigen; aber niemand konnte ihm Auskunft geben. Das Hans war geschlossen. Der Eigenthnmer, der anderswo wohnte, sagte, daß die Dienerin ihm die Schlüssel abgeliefert und den Miethszins gezahlt habe; weiter wisse er nichts. Die Nachbarschaft wußte noch weniger. Darauf erklärte Herr Dr. Fernandez, daß er augenscheinlich seine Wette gewonnen habe; denn es höhen. Die Arbeiter als Stadtverordnete führten die Pläne betreffs der Reinigung der Kloaken uud der Ver- sorgung mit gutem Trinkwasser durch— Pläne, von denen man schon seit 20 Jahren gesprochen und die zu unter- nehmen bisher noch kein kapitalistischer Munizipalrath gewagt hatte. Carrette setzte sogar Reformen ins Werk, die vornehmlich den Fabrikanten nützten, wie z. B. die Verbesserung des Telephonwescns der Stadt. Doch die Wuth der Fabrikanten wuchs mit jeder neuen nützlichen Reform. Denn die Hoffnung auf Revanche wurde dadurch in immer weitere Ferne gerückt. Sie be- soldeten einen Exradikalen, um eine Patriotenliga(liAne de patriotes) zu organisircn, die ganz ausschließlich dem hohen Ziele geweiht sein sollte, Carrette und die Sozialisten mit Schmähungen uud Verleumdungen zu überschütten.« Sie rekrutirten Anarchisten und die aus der Arbeitergesellschaft ansgestoßencn Arbeiter und bildeten eine Bande, die den ehren- werthen Auftrag hatte, die Sozialisteuversammlungen zu stören und die Sozialisten mit bewaffneter Hand anzugreifen. Doch alles schlug fehl. Je mehr die Fabrikanten in Aufregung ge- riethen, um so mehr wuchs die Volksbeliebtheit der Sozia- listen. Jede neue Wahl brachte einen sozialistischen Sieg: Culine, der zusammen mit Lafargue nach der Metzelei von Fourmies verurtheilt worden war, wurde dreimal ge- wählr, G u e s d e erfocht 1893 einen glänzenden Sieg. So lange die Fabrikanten in Roubaix ohne jeglicher Opposition herrschten, hatten sie sich in verschiedene Parteien getheilt(in Radikale, Opportunisten uud Klerikale), die sich um die Stellen und Ehrenämter stritten, und sie hatten die Arbeiter unter ihren Fahnen versammelt. Doch angesichts der Sozialistengefahr haben sie all ihre Streitereien vergessen und die sozial- patriotische Vereinigung(I'union sociale et patriotique) gegründet, in der die feindlichen Brüder sich in den Armen liegen. Republikaner, Opportunisten und klerikale Monarchisten haben ihre Streitaxt vergraben und ihren Haß und ihre Gemeinheiten in rührender Ueber- einstimmung zusammengethan, um die Sozialisten bei den Departemenlswahlen zu bekämpfen. Sie haben Anarchisten und bezahlte Agenten in die sozialistischen Versammlungen eschickl, wobei das Messer eine große Rolle spielte; sie abcn eine Schaar Arbeiter, die Gnesde nach einer Ver- sammlung in einem Dorf begleiteten, von Zollwächtern und deren Hunden angreifen lassen; sie haben die zynischste und frechste Wahlbeeinflussung ins Werk gesetzt— aber trotz ihrer vereinten Anstrengungen hat die Stadt Roubaix den drei sozialistischen Kandidaten eine imposante Mehrheit gegeben, die nur durch die Stimmen des Landes in eine allerdings der Mehrheit sehr nahe Minderheit verwandelt wurde. Doch das war der letzte Sieg der vereinigten Fabrikanten, denn diese Dörfer haben unter dem Einflüsse der sozia- listischen Propaganda den Kandidaten der Arbeiterpartei schon starke Stimmenzahlen gegeben und werden ihnen bald die Mehrheit geben. Ghdlua, sei als sicher anzunehmen, daß German Winterfeld seine Geliebte mitgenommen habe. Sein Gegner sagte, das sei durchaus nicht erwiesen. Und so haderten beide einige Tage, bis sie schließlich übereinkamen, daß jeder eine Kiste zahlen sollte, da der Champagner entschieden getrunken werden müßte. Das war das letzte Mal, daß über German Winter- feld gesprochen wurde bei dem Champaguergelage. Man wünschte ihm dabei alles erdenkliche Glück, wo immer er sich auch befinden sollte, und der galante Advokat trank gar das erste Glas aus das Wohl der schönen In- dianerin. „Ein Weib sag' ich Ihnen, Caballeros, ein Weib wie ein Engel..." Und er küßte wieder seine Fingerspitzen. „Ein so alter Sünder, wie ich bin; aber für einen Kuß von ihren Lippen... weiß der Himmel, was ich gethan hätte, um ihn zu bekommen..." Danach erinnerte man sich lange Zeit weder au sie noch an German Winterfeld. -i-* * Wieder verstrichen einige Jahre. Ganz Südamerika befand sich in einem niemals gesehenen Taumel. In Rio de Janeiro, in Bnenos-Aircs, in Montcvidio, selbst in Asnncion, der kleinen Hauptstadt Paraguays, lag das Gold buchstäblich auf der Straße. Zu Hunderttausende» in Paraguay, zu Millionen in den anderen Staaten. Jeder beliebige Junge brauchte sich nur die Mühe zu nehmen, sich ein wenig, nicht gar tief zu bücken und es aufzuheben. Auf diese so einfache und bequeme Weise wurde man reich. In Buenos- Aires stiegen ganze Viertel von Palästen, wie durch Zauberei aus dem Boden ge- hext, über Nacht in die Hohe. Das Gold rollte wie wcrth- loses Kupfer a» der Börse umher und in die Spielhöllen. Die goldene Zeit war da. Sie war gekommen und mußte polMschv Lleberflcht. Berlin, 20. August. Das Essener Urtheil und die bürgerliche Presse. Es ließ sich erwarten, daß die skrupellosesten Organe der bürgerlichen Presse den Urtheilsspruch der Essener Ge- schworencn gegen Schröder und unsere anderen Genossen mit freudigem Eifer zu Angriffen auf die Sozialdemokratie ans- nutzen würden. Etwas anderes ließ sich bei dem tiefen Stande ihres Rcchtsgefühls nicht erwarten. Unter den uns vorliegenden Berliner Zeitungen zeichnen sich besonders die„Deutsche Tageszeitung", ein„unparteiisches Volksblatt" für Agrarier, und die„Neuesten Nachrichten", gleichfalls ein„unparteiisches" Blatt, das von abgelegten Reptilien des Fürsten Bismarck bedient wird, durch die Niedertracht ihrer Unterstellungen aus. Während wir so deutlich wie möglich es aus- gesprochen haben, daß wir Schröder wie die anderen Ver- urtheilten für unschuldig hatten, welche Anschauung be- kanntlich von sämmtlichen in dem Prozeß thätigen Rechts- anmalten, durchweg anderen Parteien angehörigen Männern, getheilt wird, versuchen jene Blätter es so darzustellen, als ob wir einen Meineid billigen wollten. Das ist eine Unterstellnng wider besseres Wissen. Wir treten für die Vernrtheilten ein, weil wir überzeugt sind, daß sie nach bestem Wissen und Gewissen die Wahrheit gesagt haben, wie wir das von jedem unserer Genossen unter gleichen Umständen erwarten, mag er zu irgend einer ge- offenbarten Religion sich bekennen oder konfessionslos sein. Die Religion hat garnichts damit zu thun, ob jemand sich in seinem Gewissen gebunden fühlt den Eid zu achten. Einen herzlich schlechten Dienst haben in ihrem Eifer, daS Beamtenthum zu vertheidigen, übrigens die„Neuesten Nachrichten" dem Zeugen Gendarm Munter erwiesen, indem sie schrieben: „Wir verspüren keine Neigung, die Art, wie der Gendarm Munter seine Amtspflichten ausgeübt hat, besonders zu beloben; auch ist sein Verhalten vor Gericht keineswegs dazu geeignet gewesen, ihm Sympathien zu erwerben. Andererseits muß aber zugegeben werden, daß er inmitten einer leidenschaftlich aufgeregten und feindselig gestimmten Bevölkerung, die fast durchweg der Sozialdemokratie ergeben ist, einen außer- ordentlich schwierigen Dienst zu versehen hatte und daß ihn> manches deshalb nachgesehen werden durfte. Die Art, wie er von den Sozialdeniokraten provozirt wurde, konnte auch einen weniger heißblütigen Mann zum äußer st en treibe n. Ja; wo ist denn das zu tage gekommen, daß Munter von den Sozialdemokraten provozirt wurde? Das hat selbst der Zeuge Münter nicht zu behaupten gewagt. Und was ist das ä u ß e r st e, zu dem er durch die angebliche Provokation angetrieben wurde? Darüber iväre nun doch eine Aufklärung durch besagtes Münter-Blatt sehr erwünscht. Andere Blätter, wie die„Nordd. Allg. Zeitung", die „Kreuz- Zeitung", machen hämische Bemerkungen über Schröder's Aufstellung zum Rcichstagskandidaten. Sie pochen darauf, daß ein Zuchthäusler nicht das passive Wahlrecht zum Reichstag besitze. Das wissen wir auch. Unsere Genossen haben sich bei der Aufstellung von Schröder's Kandidatur für eine künftige Reichstaaswahl in Essen iudeß von der nämlichen Empfindung leiten lassen, die unsere italienischen Genossen bewog, die„Zuchthäusler" Garibaldi Bosco, De Felice und Barbato als Kandidaten gegen Crispi auszustellen. Darin haben sie unsere volle Billigung und ivir hoffen nur, daß die Kandidatur Schröder's den nämlichen Erfolg haben wird, wie die jeuer italienischen Opfer der Klassenjustiz. Aus den Parlamenten kann man die Opfer fern halten, aber die tausende von Stimmen, die sür sie abgegeben werden, sind ebenso viele Proteste gegen die an ihnen geübte Justiz, Proteste von wuchtigster Kraft und nachhaltigster Wirkung. In der liberalen Presse, z. B. in der„Volks-Zeitung" tritt eine vorurtheilssreiere Beurtheilung des Essener Urtheilsspruchs zu tage. Selbst die„National-Zeitung" äußert Bedenken wegen der Anstrengung des Prozesses, den bleiben. Am neuen Hafen in Buenos-Aires, wo Tag und Nacht tausende von Arbeitern wie große Ameisenhaufen in ununterbrochener Arbeit wimmelten, legten täglich Schiffe um Schiffe an der Landungsbrücke an, deren unerschöpf- licher Bauch an das amerikanische Ufer setzte, was imnier Menschenaugen und Menschenherzen nur zu erfreuen ver- mag. Berge von Seide und Brokat, von Brüsseler Teppichen, unabsehbare Batterien der edelsten Weine, Schaaren von englischen Vollblutpferden förderten im rastlosen Schwünge die hydraulischen Krahne ans Ufer. Geschminkte und geputzte Hetären aus Paris, Sänger und Sängerinnen niit unwiderstehlichen Stimmen, Bajazzos und Hcldeuspieler, englische Misss mit ihren frommen Milchgesichtern und ihre ehrwürdigen Väter, alte Lords mit langen schneeweiß«» Bartkotlelets, Jesuiten mit hageren Gesichtern mid großen Hüten, vertrocknete Berliner Predlgtanitskandidaten, die unschuldig vor sich her sahen, kamen von drüben. Kostbare Equipagen rollten ans lautlosen elastischen Gnmmiräder» durch die Straßen. Drinnen saßen braune Kavaliere, die noch vor wenig Jahren den Lasso geschwungen hinter ihren Ochsen, auf dem öden baumlosen Kamp; heute im tadel- losen Anzug nach neustem Pariser Schnitt, mit Brillanten vom reinsten Wasser an den Fingern und an den Busen- nadeln. Glücksritter, die gestern nicht gewußt hatten, wo sie die Nacht über zubringen sollten, und ob sie hungrig oder satt vom andern Tage träumen würden, fuhren heute mit Sechsen lang, zwei betreßte Lakaien hinter sich, einen gravitätischen Kutscher vor sich und eine kostbare und bild- schöne Majtresse an der Seite. An den Rennplätzen wettete die glückliche Kreolcnjugeud und gewann oder verlor fabel- hafte Summen mit dem Gleichmuth von geborenen Grand- seigneurs. Ja, das Gold lag auf der Straße! Ein Narr, der sich nicht danach bückte, um es aufzuheben. Tie kleine Mühe konnte man sich schon niachen. Alle Welt spckulirte, uegoziirte, diskontirte, lombardirte. Ter kleine Schuster oder Schneider, der in der Vorstadt bis dahin geflickt hatte, kaufte mit seinen im Tuch verwahrten Spargroschen Ländereien und Banterrains in La Plata, einer prächtigen Stadt, die wie ein Pilz aufgeschossen war mit Palästen, Makadams, Theatern, Orpheums, Tramways, elektrischem Licht, kurz allem nur Erdenkbaren. In zwei Jahren mußte man ein reicher Mann sein damit; das war sicher. Der rascheren Verdienst wollte, diskontirte Wechsel. Nichts leichter als das; und das lernte auch der Dümmste im Handumdrehen. (Fortsetzung folgt.) sie lieber nicht gesehen hätte. Dann versucht sie allerdings mit dem Urtheil sich dadurch abzufinden, daß sie sich auf den formalen Rechtsstandpnukt stellt. Das Gericht hat ent- schieden, also muß man das Urtheil gelten lassen. Das heißt die Unfehlbarkeit der Richter, sogar einer Äichtermehrheit, proklamiren. Das ist bei einem Organ, das sonst die�Un- sehlbarkeit sogar auf religiösem Gebiete zu bekämpfen vor- giebt, offenbar nur ein Verlegenheitskniff. Am muthigsten drückt sich von den Organen der bürger- lichen Presse die„Vossische Zeitung" aus, der man doch sicher ihrer ganzen Ueberlieferung nach keine Vor- eingenommenhcit gegen Gerichtshöfe oder gar gegen bürgerliche Geschworenengerichte nachsagen kann. Sie schreibt: „Das Urtheil des Essener Schwurgericht?, durch das der einstige Kaiserdelegirte Schröder und seine Genossen wegen Meineids zu schweren Zuchlhausstrafen verurtheilt wurden, erregt vielfach schwere Bedenken. Thatsache bleibt jedenfalls, daß Schröder zweimal zu Boden gefallen ist und daß der Gendarm Münter in seiner unmittelbaren Nähe stand. Ob Münter ihn gestoßen, ob er von selbst gefallen ist, darum drehte sich die Frage. Zahlreiche Zeugen bestätigten die Behauptung Schröders, er sei ge- stoßen worden, andere bezeugten ebenso bestimmt, daß Munter nicht gestoßen habe; sie hätten es sonst sehen müssen. Wer in Versammlungen gewesen ist, in denen es stürmisch und aufgeregt herging, der wird keinen Augenblick im Zweifel darüber sein können, daß es schwer, wenn nicht un- möglich ist, jeden einzelnen Vorgang genau festzustellen. Auch wenn nian die Glaubwürdigkeit des Münter höher anschlägt, als sich nach dem Zivischenfall mit dem Zeugen Rechtsanwalt Niemeyer rechtfertigen würde, so bleibt doch immer die Mög- lichkeit, daß sich entweder Münter oder Schröder und Genossen geirrt haben. Gegen die Annahme bewußte» Meineides wurden von der Verlheidigung gute Gründe geltend gemacht und auch die Art, in der die Verhandlung von dem Vorsitzenden des Gerichtshofes geführt wurde, ließ erkennen, daß dieser von der Schuld der Angeklagte» nicht völlig überzeugt war. Wo aber Zweifel vorhanden sind, da soll zu gunsten des Augeklagten geurtheilt werden." Nach einer weiteren Besprechung des Falles und der Ausstellung Schröder's zum Reichslags-Kandidaten kommt das Blatt zu dem Schluß: „Aber bemerkbar wird sich das Urtheil des Essener Schwur- gerichts aus politischem Gebiete bald genug machen, und wir fürchten, nicht zum Vortheil der Freunde der Ordnung."— Alle Prenstcn siud vor dem Gesetze gleich. Dieser Grundsatz der preußischen Verfassung wird wohl bald ganz in die Rumpelkammer verwiesen werden. Wir sind heute in der Lage, ein Aktenstück zu veröffentlichen, in dem ganz offen ausgesprochen wird, daß die Sozialdemokraten anders zu behandeln siud, wie die übrigen Staatsbürger. Das Aktenstück lautet: Königl. Reg.-Präsident. J. W. I. A. 25841. Schleswig, den 25. Juli 1895. Geheim! Es ist mir aufgefallen, daß einzelne Polizeiverwaltungen gegenüber den von sozialdemokratischer Seite ausgegangenen Anträgen auf Gestattung öffentlicher Aufzüge nicht immer die durch die Rücksichten des Verkehrs und im Jntcr- esse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gebotene Zurückhaltung beobachten. Da der- artige Aufzüge nur dazu dienen sollen, durch das damit ver- bundene Aussehen zu imponiren, die sozialdemokratische Partei zu stärken und die ihr entgegenstehenden Bevölkerungsklassen einzuschüchtern, so haben dieselben auch eine gleiche Behandlung mit ähnlichen Veranstaltungen anderer Ver- eine, welche nur patriotische oder Vergnüguugszwecke verfolgen, keinen Anspruch, sondern sind, soweit die Ge- setze hierzu eine Handhabe bieten, zn untersagen. Maßgebend in dieser Beziehung ist ein Erkenntniß des Königlichen Ober- Verwaltungsgerichts vom 9. Januar 1892, in welchem der Grundsatz anerkannt ist, daß ein öffentlicher Aufzug, welcher sich in einer Weise, die die Aufmerksamkeit Mnnst und UVissenMzafk. DaS erste Zensnrverbot unter dem neuen Polizei- Präsidenten hat das Lessing-Theater zu verzeichnen. Das Schauspiel„Die ideale Frau" von Marco Praga, das bereits zwei Jahre dem Zensurverbote anheimgefallen war, ist trotz völliger Umarbeitung wiederum verboten worden. Freie Volksbühne in Hamburg. Aus Hamburg schreibt man uns: Nach nahezu zwehährigem Ringen ist es endlich dem hiesigen Verein„Freie Volksbühne" gelungen, für seine Vor- stellnngen ein Theater zu bekommen, nämlich das Ernst Drucker- Theater aus St. Pauli. Gestern fand die erste Vorstellung daselbst statt. Gegeben wurde Ludwig Fulda's einaktiges Schauspiel „Die Sklavin", das von dem dichtbesetzten Hanse mit lebhaftem Beifall aufgenomnien wurde. Hoffentlich gelingt es dem Hamburger Kuustverschleißer Baruch Pohl, gen. Polini, nicht, dem Verein auch dieses Theater wieder zu entziehen, wie es ihm leider schon zweimal bei anderen Theatern gelungen ist. ÄnS Budapest wird uns über die Polizeifrömmigkeit, welche die Direktion des dortigen Sommerlheaters anläßlich der„Weber"- Vorstellilngen an den Tag gelegt hat, das folgende geschrieben: Die„Weber" wurden neunmal gegeben bei anfangs aus- verkauften, später halbleeren Häusern, aber unter starkem Beifall, zu dem außer den Arbeitern, die nur bei den ersten drei Vor- siellungen demonstrirten, die literarischen Kreise stark beitrugen. Die Aufnahme in den Zeitungen war getheilt, einzelne verlangten sogar ein Verbot, da die Arena von der Hauptstadl KL0t> fl. Subvention bezieht. Mittwoch war ich wieder bei dem Stück, neben mir saß der Ministerpräsident Baron Bansy, der mit sichtbarem Interesse der Vorstellung bis zum Schlüsse beiwohnte. Donnerstag aber wurde der Direktor zur Audienz befohlen und der Minister er- suchte ihn— das Stück abzusetzen vom Repertoir. Für die Abendvorstellung war es zu spät, aber heute prangt schon „Der Raub der Sabinerinnen" an stelle der„Weber". Dies ist ganz authentisch; Zensur existirt wohl nicht, doch ist unser Publikum bis auf die patriotisch- liberalen Schlagworte ziemlich insolent. Das Kossuthlied in„Heirath aus Probe" wurde auch abgesetzt, aber aus Furcht vor parlamentarischer Intervention freigegeben und das Stück hundertmal gegeben. Die Pasteur'schen Jmpfnugen. lieber den Werth der Pasteur'schen Impfungen giebt solgende kleine Statistik Aufschluß, welche einem Berichts über.die Wirksamkeit des Laboratoriunis Pasteur in Stuttgart entnonimen ist. Das Institut versandte im Jahre 1L94, dem ersten seines Bestehens, innerhalb Deutschland Impfstoff gegen Rothlauf für 7847 Ferkel, Impfstoff gegen Milz- brand für 2200 Schafe, 2215 Rinder, 4 Pferde, zusammen sür 12 200 Thiere. Nach den angestellten Erhebungen betrug die mittlere Sterblichkeit in den betreffenden Beständen vor der Impfung bei: Ferkeln 80 bis 40 pCt., Schafen 20 bis 25 pCt., Sündern 10 bis 20 pCt. Diese Verlustziffern sanken infolge der Impfung auf folgenden niedrigen Prozentsaü und zwar bei Ferkeln auf 0,57 pCt., Schafen 0,38 pCt. und Rindcrn 0.05 pCt. des Publikum? zu erregen und die öffentliche Ord- nung insbesondere den Verkehr zu gefährden geeignet ist. über die öffentlichen Straßen hinwegbewegt, gemäß § 10 des Vereinsgesetzes verboten werden kann. Da diese Voraussetzungen bei den in Rede stehenden Festzügen der sozialdemokratischen Vereine, Gewerkschaften:c. in den meisten Fällen zutreffen, so weise ich Euer Hochwohlgeboren ergebenst an, für die Folge derartige Festzüge in der Regel zu verbieten, wenn aber besondere Umstände eine Ausnahme gerechtfertigt erscheinen lassen, vorher meine Entscheidung einzuholen. Mit Rücksicht auf die bei fekreten Erlassen in letzter Zeit wiederholt vorgekommenen Indiskretionen mache ich Euer Hochwohlgeboren sür die strengste Geheimhaltung der vorstehenden Verfügung verantwortlich. Der Regierungs- Präsident. An die Herren Polizeiverwalter in Altona, Kiel, Flensburg, Neumünster, Wandsbeck, Itzehoe, Rendsburg. Es ist wohl zu begreifen, daßderHerr Regierungspräsident auf die strengste Geheimhaltung dieses Aktenstückes sehr großen Werth legt. Für die Unparteilichkeit des Beamtenthums kann es ebensowenig als Zeugniß benützt werden, als es als Bei- spiel folgerichtiger Logik angeführt werden kann. Es ist doch merkwürdig, daß Rücksichten des Verkehrs das Verbot sozialdemokratischer Aufzüge stets nothwendig machen sollen, wahrend Vereine, die patriotische oder Vergnüanngszwccke verfolgen, den Verkehr nicht stören und niema(s Ordnung und Sicherheit gefährden.— Kriegsjubilänm und Bekämpfung der Sozial- demokratie. Das Organ König Stumm's,„Die Post", schließt ihren heutigen„Reichspolitik' überschriebenen Leit- artikel mit folgendem Satze: „Das Jubiläumsjahr des großen Krieges und daS Verhalten der Sozialdemokratie in demselben bietet gerade jetzt einen treff- lichen Anhalt zu einer wirksamen Bekämpfung derselben." Einige Zeilen früher schreibt sie: „Die Abwehr der sozialrevolutionären Bestrebungen muß daher nach wie vor der leitende Gedanke der Regierungspolitik bleiben." Das ist das A und O der Stumm'schen Politik. Und jeder, auch der fernliegendste Anlaß, wie der Schlußsatz beweist, wird herangezogen, um die Nothwendigkeit, die Sozialdemokratie zu vernichten, hervorzuheben. Wir würde» nicht erstaunen, wenn das Blatt des Herrn Stunim nächstens ein Erdbeben oder eine Ueberschwemmung zum Anlaß nehmen würde, um ihr..Cotemm censeo": „Uebrigens glauben wir, daß die Sozialdemokratie ver- nichtet werden muß", herzuleiern. Mag die„Post" noch so sehr eisern und geifern, die Entwickelung der Sozialdemokratie zu hemmen, wird ihren Staats- männern nicht gelingen. Das Blatt des Herrn v. Stumm macht wider Willen unsere Arbeit, wenn es die Kriegsjubiläen und die Sozial- demokratie in Beziehung bringt. Alle, die den Krieg ver» danimen, müssen sich sagen, daß einzig die Sozialdemokratie den ernstlichen Willen und in absehbarer Zeit die Macht besitzen wird, die Kriege aus der Welt zu schaffen. Des- halb werden gerade die Jubelfeiern der Schlachttage von 1870/71 der Sozialdemokratie zahlreiche neue Anhänger zu- führen.— Nochmals Graf Pfeil. Das Herrenhaus- Mitglied Graf Pfeil- Burghauß brachte jüngst die Beseitigung des Reichstagswahlrechts in Vorschlag. Der Name des Grafen Pfeil erweckte in uns Erinnerungen aus dem Jahre 1848 und der Landrathskammer der fünfziger Jahre. In einem Schreiben an die„Brcslauer Zeitung" bestätigt Graf Pfeil- Burghauß die Richtigkeit unserer Reminiscenzen und vervollständigt sie noch damit, daß er seine Identität mit dem 1848 er provokatorischen Arbeiteragitator sowie mit dem Redner der Landrathskammer erklärt, der für die Ilnverantwortlichkeit der Polizeibehörden eintrat. Auch sein damaliges Auftreten erklärt er ans dem Bestreben, „den demokratischen Unverstand"„mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln" zu bekämpfen. Die„Vossische Zeitung" bemerkt dazu: „Die Dinge, von denen hier' die Rede ist, sind ja längst ver- jährt; auch verzeiht man dem Alter vieles, was sonst anstößig erscheinen würde. Aber selbst die engsten Parteifreunde des Grafen Pfeil werden im stillen über seine Ausklärungen seufzen und sich sagen, er hätte besser gethan, die Karten von damals nicht aufzudecken." Die Konservativen brauchen aber heute nicht zu be- fürchten,„daß ihnen die Karten von damals" aufgedeckt würden, und heute würde Gras Pfeil in seinem Verlangen nach Unvcrantwortlichkeit der Polizei von seinen Parteigenossen sicherlich nicht im Stiche gelassen werden. Den Abgeordneten rief in den Sver Jahren der altliberale Gerichtspräsident Mcictzel unniittelbar nach der Rede des Grafen Pseil zu: „Meine Herren, wenn Ihnen das, was der Vorredner (Graf Pfeil) gesagt hat, noch nicht die Augen geöffnet hat über das, was wir von den„kleinen Herren" zu erwarten aben, dann wollen Sie nicht sehen; bann wollen Sie sich »echten lassen von Personen, welche die Dreistigkeit haben, hierher zn treten und sich Verbrechen zu rühmen, auf welche das Gesetz Zuchthans androht." Heute haben die Junker noch ganz andere Dreistigkeit; mit der größten Schamlosigkeit verlangen sie, daß die Krone sich über Eid und Gesetz hinwegsetze und die wichtigsten Volksrechte eventuell fortkartätsche, und um solche Bagatellen wie Uebcrschreitung der Polizeigeivalt kräht kaum ein Hahn in den bürgerlichen Parteien. Graf Pseil kann sich diesen Liberalen gegenüber noch rühmen, daß er denselben Grundsätzen, die er 1848 bereits vertreten, auch heute mit 92 Jahren treu geblieben sei, und kann sich des Erfolges rühmen, daß die bütgerliche Eescllschaft in ihren herrschenden Kreisen sich zn ihnen be- kehrt hat. Heute ist der Graf Pfeil nicht mehr eine läcker- liche Person— was er in der Jugend gewünscht, genießt er im Alter in Fülle.— Das Jrrenwesen liegt überall im argen. Auch in Frank- reich und England wird über den Mißbrauch der Irren- anstaltcn zu willkürlicher Freiheitsberaubung geklagt. Ebenso wie in Teutschland ist es dort leicht möglich. daß gewissenlose Verwandle sich einer Person entledigen, indem sie ihr durch einige Aerzte einen Uriasbrief ausstellen lassen. Der Fall der Lady Bulmer— der Gattin des berühmten englischen Romanschreibers Bulwer— die. völlig gesund, von diesem in, «in Irrenhaus geichickt ward, bis es ihr durch einen Zufall gelang, ihre Freiheil iviederzuerlangen, ist keinesivegs vereinzelt und kann sich jeden Tag wiederhole». Aehnliche Fälle erregen jetzt In Frankreich viel Aufsehen. Kur», wir haben eS hier mit einem i n ler nationalen Uebelstand zu thnn. Und es ist dringend nothwendig, daß bessere Garantien gegen die Gefahr der unberechtigten Einsperrung in eine Irrenanstalt geschaffen werden. Freilich, bei uns giebt es noch ungleich schlimmere Gefahren für die persönliche Freiheit!— »» « Deutsches Reich. — Der Vizepräsident des preußischen Ab- geordnetenhauses, Geheimer Sanitätsrath Dr. Graf, ist in Konstanz gestorben. Dr. Graf hat sich durch seine vor- eilige Begeisterung für das Koch'sche Tuberkulin und durch seinen mißglückten Feldzug gegen die sozialdemokratischen Aerzte weiteren Kreisen bekannt gemacht. Dr. Graf war nationalliberal. Das genügt zu seiner politischen Charakterisirung.— — Herr Paul Majunke ist durch den neuesten Zwist im Zentrumslager aus seiner Zurückhaltung hervorgcstört worden. Herr Majunke war seinerzeit ver befähigtste Redakteur, den die zetzt ausnehmend schläfrig redigirte„Germania" im Kulturkampf aufzuweisen hatte. Er wurde, als Thron und Altar wieder freundschaftlichere Beziehungen suchten, sammt anderen„Hetzkaplänen" durch eine gute Pfründe aus dem Wege geschafft. Jetzt schreibt er im Verlauf eines in der„Schlestschen Volkszeitung" erschienenen Artikels: „Hieraus folgt ganz von selbst, daß wir sowohl entschiedene „Agrarier", als Vertreter der Städte resp. Jndustriebezirke, sogar„Manchestermänner", wenn es die katholischen Wähler haben wollten, ins Zentrum aufnehmen und dann abwarten, ob und wie sie sich einigen. Selbst wenn sie nicht gemeinschaftlich stimmen, bleibt das stets einigende Band unter ihnen die Re- ligion; versagt diese auch in einer wirthschaftlichen Frage, so bleibt ihr Band doch immer bestehen und es ist viel besser, wenn das Zentrum sich ab und zu in zwei Hälften spaltet, als wenn es sich gänzlich auflöst... Durch Auslösung des Zentrums würden wir theils die Konservativen, theils die Freisinnigen verstärken; jeder Theil hätte dann nicht mehr Unterstützung außerhalb des Zentrums, als er sonst im Zentrum gehabt hatte. Also kein Katholik hätte durch Auflösung des Zentrums einen materiellen Nutzen, während er den Bund zur Vertheidigung idealer Interessen gebrochen hätte." Also richtig eine Parteisöderation, die allein durch„ideale", das heißt kirchliche Interessen zusammengehalten werden soll. Das nimmt sich auf dem Papier ganz logisch aus. Herr Majunke vergißt nur, daß die Schwierigkeit die ist, bei der Wahl die agra- rischen, manchesterlichen und liberalen Katholiken unter einen Hut zu bringen.— — In Kartellträumen schwelgt die konservative „Schlesische Zeitung". Sie möchte zwar ganz gern die Konservativen mit dem Zentrum kartelliren, meint aber, das ginge doch nicht, da die Zentrumsleute zu viel Zugeständnisse im Interesse der Kurie verlangen würden. Deshalb, da man einmal durchaus kartellirt sein muß, soll auf die— Nationalliberalen zurückgegriffen werden, denen das Blatt zutraut, daß sie auch für ein agrarisches Programm zu haben sein würden. Die „Kreuz-Zeitung" weist dies Ansinnen spöttisch ab. Man kann es den Konservativen auch wirklich nicht verdenken, daß sie sich nichi mit einem Kadaver verketten lassen wollen. — Ein mißglückter amtlicher Boykott. Dem Bürgermeister von Kolberg hat bekanntlich der Regierungs- Präsident in Köslin eine Disziplinarstrafe von S0 M. auferlegt, weil er das der Stadlgemeinde eigenthümliche Versammlnngs- lokal, das„Strandschlößchen", auch den Sozialdemokraten zur Volksversammlung bei der Reichstags- Ersatzwahl im Juni überlassen hatte. In der betreffenden Verfügung heißt es u. a.: Der Bürgermeister habe auch den kommunalen Jnter- essen der Stadt geschadet, weil aus der Verwendung des Saales für den fraglichen Zweck dem dortigen Bade schwere Schädigungen und Nachtheile entstehen können. Wie nun aber die 5�olberger Badelisten darthun, erfreut sich das Bad Kolberg gerade in diesem Jahre eines Besuches wie nie zuvor. Die «Freis. Ztg." berichtet nämlich: Bis zum 16. August mittags hatte, abgerechnet die Passauten, die Zahl der Kurgäste bereits die Ziffer von L1 12 erreicht. Im Jahre 1894 sind während der ganzen Saison überhaupt nur 8822 Kurgäste anwesend gewesen. Iii diesem Jahre wird voraussichtlich die Ziffer von 10 000 erreicht werden, was ein Plus gegen das Vorjahr von 1200 ergeben würde. Auch dem Strandschlößchen hat die Zulassung einer sozialdemokratischen Versanimlung nicht geschadet. Dasselbe hat nicht alle Gäste ausnehmen können, welche dort Wohnung gesucht haben. Unlängst sprach dort ein Berliner Geistlicher über das Leben Jesu vor einer großen Versammlung. Zum Besuch der- selben war selbst von der Kanzel eingeladen worden. Tie Geistlichkeit hat also an der angeblichen Entweihung des Ver- sammlungslokals durch die Sozialdemokratie keinen Anstoß ge- nommen. Nur der Regierungspräsident hat bekanntlich im Juli veranlaßt, daß der Fischereiverein seine Versammlung aus dem Stiandschlößchen in ein anderes Lokal verlegte. Das hat dem Fischereiverein und dem Regierungspräsidenten geschadet, nicht aber dem Strandschlößchen und dem Bad Kolberg. — Kein Maxi malarbeitstag für das Bäcker- ?e w e r b e. Ter Berliner Bäckerinnungs-Obermeister Bernard oll auf dem im Juli in Brandenburg abgehaltenen 12. Verbands- tage deutscher Bäckerinnungen gesagt haben: „Er habe Ende April eine Audienz beim Reichs- kanzlerFürsten Hohenlohe gehabt und aus dieser Unter- redung die Hoffnung geschöpft, daß das Bäckergewerbe von einem Maxim alarbeitstage verschont bleiben werde. Zu Hilfe fei dem Gewerbe gekommen, daß im Gegensatz zu der Berliner sozialdemokratischen Agitation aus den Provinzen zahlreiche Bittgesuche der Bäckergesellen selbst gegen die Festsetzung eines Maximalarbeitstages bei der Reichsregierung eingegangen waren. Erhabe hiervon erst imVorzimmer des Reichskanzlers, kurz vor seinem Eintritt zur Audienz, von dem Gehet mrath v. Wilmowsky K e n n t n i ß erhalten, der ihm sagte, daß diese Petitionen bei der Reichsregierung einen anten Eindruck Hervorger nfe n hätten. Seit dem Abgange des Unter-Staatssekretärs v. Rotten bürg scheine sich doch ein Wandel in sozialreformischer Beziehung bei der Reichsregierung vollzogen zu haben. Tie Erzählung des Herrn Vernarb paßt so schön zu dem Zickzackkurs, in dem das Deutsche Reich das Gewässer der Sozialpolitik mit Volldampf durchpustet, daß wir an der Wahr- hcit der Erzählung nur in dem Punkt zweifeln, es seien aus den Reihen der bis aufs Blut geschundenen Bäckergeselleu zahlreiche Gesuche gegen den Maximalarbeitstag ein- gegangen. Es widerstrebt der Vernunft, daß Arbeiter, die so grenzenlos ausgebeutet werden, wie die Bäckergesellen, in nennens werther Zahl gegen den Maximalarbeitstag pelitionirt hätten. Sollte es wirklich geschehen sein, dann haben die Pelitionsunterzeichner nicht gewußt, was ein Maximalarbeitstag für sie zu bedeuten hat. Keinesfalls dürfte die Regierung, der das ungeheuere Elend der Bäckergesellen bekannt ist, aus solche Petitionen irgend wie Gewicht legen. Das verbietet einfach die Ehre. — Ein neuer dolus eventualis. Eine Untersuchung ist gegen den Verleger des„Volksblatt für Harburg", Weniger, den Drucker Weber und den verantwortlichen Re- dakteur desselben Blattes Heinrich Kauffmann eingeleitet worden. Dieselben sollen sich gegen den§ 17 des Preßgesctzes:„Die An- klageschrift oder andere amtliche Schriftstücke eines Strafprozesses dürfen durch die Presse nicht eher veröffentlicht werden, als bis dieselben in öffentlicher Verhandlung kund gegeben worden sind oder das Versahren sein Ende erreicht hat", vergangen haben. und zwar soll das Vergehen in einem Artikel in Nr. 182 des „Volksblatt" unter der Stichmarke„Vom dolus eventualis" liegen. Das„Volksblatt für Harburg" bemerkt dazu: Nach unserer An- sicht kann aber der genannte Artikel als eine„Veröffentlichung der Anklageschrift" unter keinen Umständen aufgefaßt werden, da er lediglich eine Notiznahme von der erhobenen Anklage ent- hält. Was endlich Verleger und Drucker mit der Handlung des Redakteurs zu thun haben, ist uns ganz unersiudlich.—- — Krieg im Frieden. Eine Lokalkorrespondenz meldet daS folgende: Durch ein explodirendes Geschoß ist der Kanonier Nagel vom 4. Feld-Artillerie-Regiment auf dem Schießplatze zu Jüterbog auf derStelle getödtet worden. Am Sonntag Abend machte sich der Bedauernswerthe mit einem sogenannten Blindgänger, den er auf dem Schießplatze auf- gesunden hatte, unnützer Weise zu schaffen und wurde hierbei durch das explodirende Geschoß in Stücke zerrissen. Die Arme, Beine und der Unterkiefer wurden vom Rumpfe abgerissen, so daß der sofortige Tod eintrat.— — U e b e r einen Fall von Soldatenmißhand- l u n g berichtet die„Tilstler Allg. Zeitung" folgendes: Unter dem Druck einer eigenartigen Methode von militärischer Disziplin hat der Musketier R. gestanden, der von seinem Garnison- ort Meinet als Bursche bei dem Vorsteher des Meldeamts in H> Herrn Hauptmann B., kommandirt worden war. Der Hauptmann gab dem Burschen fast täglich, ja stündlich die charakteristischen Be- Zeichnungen wie„Dänischer Hund",„Riesenrindvieh" u. s. w. Mit diesen und ähnlichen Dingen war die Fülle der Zuchtmittel noch lange nicht erschöpft. Es regnete fast täglich auch Stockhiebe. Als neuerdings— es war am 4. d. M.— Arm und Rücken des Soldaten mit diesem Zuchtmitlel bearbeitet waren, sollte derselbe in dieser Verfassung eine stramme militärische Haltung einnehmen, was aber durchaus nicht gelingen wollte. Der Soldat machte nun dem bei dem Melde-Amt stationirten Sergeanten dienst- liche Mittheilung und wurde darauf unverzüglich telegraphisch abberufen und durch einen Gefreiten ersetzt. Die nächste Nachbar- schaft erhob gegen den Hauptmann Beschwerde beim Kriegs- Ministerium. Am 12. d. M. ist nun den Hausgenossen und nächsten Nachbarn die Genugthuung geworden, ihre Wahr- nehmungen über die Behandlung des Musketiers R. vor einem aus dem Meldeamt zusammengetretenen Gerichtshof, dem ein Major, ein Auditeur und ein Hauptmann angehörten, zeugen- eidlich bekunden zu dürfen. Oesterreich. — Der österreichische Liberalismus wird bald aufhören ein ernsthafter politischer Faktor zu sein. Ein liberaler Abgeordneter nach dem anderen legt entweder aus freien Stücken oder gezwungen von den Wählern sein Mandat nieder. In kläglicher Weise geht so eine Partei zu gründe, die früher maß- gebend für die Leitung des Staates war.— Ungarn. — Der Minister des Innern hat, wie die „Montagsrevue" erfährt, an sämmtliche Behörden des Landes einen Erlaß gerichtet, in welchem er sie auffordert, daS Aufsichts- recht über die Vereine streng zu handhaben und bei der g e- ringsten sich zeigenden Spur von sozialistischen Tendenzen die betreffenden Vereine sofort zur Anzeige zu bringen. Der berühmte Liberalismus der Ungarn findet seinen würdigsten Ausdruck in der Thatsache, daß im Vereins- und Versammlungswesen alles der Willkür der Verwaltung vreisgegeben ist, die ja bekanntlich von Fall zu Fall das Interesse des Ausbeuters noch besser zu vertreten weiß, als selbst die arbeiterfeindlichste Gesetzgebung. In solchem Lande lohnt es sich der Bourgeoisie, allerdings ohne Unterwersung unter die historischen Abivehrmächte des Volkes, den Liberalismus und Parlamentarismus„hochzuhalten". Und die Charakteristik der Bourgeoisie vollendet sich, bemerkt die „Wiener Arbeiter-Zeitung", wenn wir sehen, wie der selbst- bewußteste bürgerliche Parlamentarismus des Kontinents am gleichen Ziele mit dem russischen Despotismus angelangt ist, bei der völligen politischen Rechtlosigkeit des Proletariats. Sie ver- steht den Polizeiknüppel ohne feudale Unterstützung oder Nach- Hilfe von oben zu führen; das ist, wie Ungarn beweist, das Geheimniß und der Gipfel der selbständigen Herrschaft der Bourgeoisie.— Italien. — Ueber die Erfolge der Ausnahmegesetz- Politik— in Sizilien schreibt die für ihre deutsche» Mitbürger ausnahmegesetzlüsterne„National-Zeitung":„Die Re- gierung, welche große Versprechnugen gemacht hat, hat bis jetzt nichts zur Lösung des schweren siziliauische» Problems gethan. Die Verhältnisse sind anstatt besser, schlechter geworden, weil Sizilien nach den angedeuteten Tumulte» nichts anderes alsBelagerungszu st and, polizei- liche Ausnahmegesetze und die neuen Steuern gehabt hat, Maßnahmen, welche sicher nicht geeignet sind, das a l l g e m e i n e M i ß v e r g n ü g en zu beschwichtigen und die agrarische Krise zu beenden oder wenigstens zu verminder»."— Ueber die Lage in Italien läßt sich ferner die „National-Zeitung" schreiben: „Ein bemerkensiverthes Symptom ist, daß die Popularität De Felice's und der übrigen Sozialisten, welche von den Kriegsgerichten zu 13 jährigem Gefängniß verurtheill worden sind, neuerlich auslebt und im Steigen begriffen ist. De Felice, welcher wieder zum Abgeordneten gewählt ist, wurde auch zum Gemeinderath der Stadl Catania gewählt, welche keine Gelegen- heil versäumt, um für den Gesangenen der Festung von Volterra zu stimmen. Seine Ernennung zum Abgeordneten ist zwar von der Kammer annullirl worden, aber es ist unzweiselhast, daß er abermals gewählt werden wird; er wird sogar ohne Mitbewerber gewählt werden, weil sich kein Kandidat einem sicheren Fiasko aussetzen will. Alle Bemühungen der Regierung, seine Wiedererwählung zum Deputirten in Catania zu verhindern, werden vergeblich sei». In gleicher Weise wird der andere ver- urtheilte Sozialist, der kaum övjährige Bosco, ganz gewiß zum dritten Male in Palermo, in der Stadt nämlich, welche in der Kammer auch von dem Ministerpräsidenten repräsentirl ist, wieder zum Abgeordneten gewählt werden, wie man aus der Halbinsel auch die Wiederwahl ihres Genosse» Barbalo für sicher ansehen kann. Alißerdem habe» die Provinzialräthe und die Munizipalräthe der haupisächlichsten Städte Siziliens die Begnadigung De Felices und seiner Genossen nachgesucht, indem sie sich aus zenen Absatz der bei Eröffnung der parlamentarischen Arbeiten verlesenen Thronrede beriefen, der aus die Begnadigung anspielte."— England. — Die Adreßdebalte. Auch im englischen Unter- Haus rühren sich die Agrarier, haben aber selbst bei dem konser- vative» Ministerium kein Glück mit ihren Anträge». In der gestrigen Adreßdebalte wurde das Amendement Price, welches erklärt, daß angesichts der Roth der Landwirlhschast sofort Abhilss- maßregeln zweckmäßig seien, mit 236 gegen 105 Stimmen verworfen. — P, ck e r s g i l l beantragte ein Amendement, in welchem be- dauert wird, daß die Regierung keine Absicht angedeutet habe, die aus der Arbeitslosigkeit entstehenden Uebel zu milder». Der Präsident des Lokalverwaltungsamtes Chaplin bekämpft Pickersgill Amendement als unbillig und erklärt, daß die Regie- rung bereit sei, jeden brauchbaren Vorschlag zur Abhilfe der Roth in Erwägung zu ziehen. Die Regierung habe sich mit den aus- wärtigen Mächten in Beziehung gesetzt, um ein gemeinsames Einver- tändniß hinsichtlich der in Gefängnissen hergestellten Artikel herbeizuführen. Das Amendement Pickersgill wurde mit 231 gegen 77 Stimmen verworfen und hierauf die Adresse mit 217 gegen 63 Stimmen angenommen. Die Stellungnahme der L!e- gierung zu dem Amendement Pickersgill zeigt, wessen sich die Arbeiter von der neuen konservativen Aera zu gewärtigen haben.— Japan. — Kriegerisches. Der„Nowoje Wremja" wird tele- graphisch aus Wladtwostock unter dem 17. d. M. gemeldet: Die Japaner halten nur die Küsten von Formosa besetzt und be- schränken sich darauf, Strafexpeditionen in das Innere zu entsenden. Einige dieser Expeditionen sind mißlungen.— Die japanische Opposition agitirt gegen den Beschluß der Regierung, Liautong und Korea zu räumen und fordert Verstärkung der Flotte und der Armee, um die nationalen Interessen zu ver- theidigen.—_ Von der pvenHischen Veokkion in Südveukschlonv. Zum Verbot der Versammlung in Neumühl schreibt die nichts ozialdemokratische„Straßburger Bürger-Zeitung": „Es ist traurig, aber wahr, der Abgeordnete von Straßburg kann unter dem Schatten des Münsters kein Lokal finden. in dem er zu seinen Wählern sprechen kann. Private Lokale stehen den Sozialisten nicht zur Verfügung. Die städtische Markthalle wurde vom Slraßburger Geineinderath verweigert. Wollte Bebel sprechen, so mußte er wie letztes Jahr nach Baden auswandern. Der„liberale Musterstaat Baden" galt sonst in bezug auf Ver- jammlungsfreiheit für einen freundlicheren Boden als das aus- »ahmegesetzliche Elsaß-Lothringen. Noch im letzten Jahre konnte Bebel ungehindert unter freiem Himmel bei der Kiiizigbuicke sprechen. Diesmal kam der Ver- treter von Straßburg, als er nach Baden ging, vom Regen in die Traufe. Der Gemeinderath des Dorfes Kehl verweigerte die Einräumung der Wiese bei der Kinzigbrücke. Bebel ging noch einen Schritt tiefer ins badische Land hinein. Abermals ver- gebens. Das badische Bezirksamt Kehl verbot die in Neumühl beabsichtigte Versammlung. Der Versuch Bebel's, zu seinen Straß» burger Wählern zu sprechen, ist Sisyphusarbeit geblieben. Den Straßburger Wählern ist es unmöglich zu erfahren, was. ihr Abgeordneter will und that. Die Freiheit der Berichterstattung ist die nothwendige Folge des konstitutionellen Systems. Will der Abgeordnete sein Mandat initErfolg ausüben, so muß er Gelegenheit haben, mit seinen Wählern in Fühlung zu kom- wen. Soller in itihnen inFühlungkommen.so muß man ihn sprechen lassen. Eine solche Aussprache liegt gleichermaßen im Interesse von Freund undFeind. Der poli- tische Gesiiiiiuiigsgenosse will sehen, ob das Mandat in seinem Sinne ausgeübt wurde. Der politische Gegner kann lenien, wie man es nicht macht. Sonst ist nian beim politischen Spiele zufrieden, wenn man die Karten des Gegners erfährt. Bei uns beobachtet man das entgegengesetzte Verfahren. und steckt den Kopf in den Sand. Man hat in Elsaß-Lothringen politisch nichts gelernt und nichts vergessen. Bei der Reichs- t a g s w ah l 1393 verbot man Bebel, in H ämm er le's Garten zu sprechen. Acht Tage darauf war Bebel Abgeordneter von Straßburg. Man machte von den Ausnahmegesetzen gegen die Sozialisten den weitgehendsten Gebrauch. Die Zahl der sozialistischen Stimmen stieg von 15 000 im Jahre 1890 auf 45000 im Jahre 1893, Zahlen sprechen. Nicht immer ist nian gegen Abgeordnete so wenig entgegenkommend, als gegen den Abgeordileten Bebel. Vor kurzem machte der Reichstags-Abgeordnete für Weißen- bürg, Prinz Alexander v. Hohr»lol>e-Schilli»gösiirft, der Sohn deö NeichskiiuzlerS, einen Studienausflug in seinen Wahlkreis. Die Kreisblätter sangen sein Lob, Bürgerm ei st er gaben bei ihm die Visiten- karte ab, und die„Amtliche Korresp." gab ihren B e i f a l l s e g e n. An der Spitze der„Amt- lichen Korrcsp." steht Ministeriakrath Mandel. Mandel hat soeben das Gesuch um Zulassung eines sozialistischen Vereins in Straßburg, welcher den Namen„Verein für volksthümliche Wahlen" führen sollte, abgeschlagen. Vereine, welche von anderen Parteien gegründet werden, wird die amtliche Ge- nehiniglma nicht versagt. Es ist für die reichs» ländischen Verhältnisse bezeichnend, daß ein Mann, ,v elcher die politischen Par» tcien niit solch u«gleiche in Maße mißt, an der Spitze der„Amtlichen Korrespondenz" steht, die über allen Parteien schweben sollte. I» der Reihe derer, die sich um Herrn Bebel kümmern, fehlt auch die Straßburger Polizcidirektion nicht. Dieselbe theilte das Verbot de» hiesigen Blättern mit. Die hiesigen Blätter sind ver« pflichtet, dieses Inserat abzudrucken. Wir fragen: Unterliegt es der Kompetenz der Straßburger .Polizeibehörde, Mittheilungen über eine so« zialistische Versammlung zu machen, die im badischen Neumühl stattfinden soll? Wir waren bis- her der Meinung, daß die Kompetenz der Straßburger Polizei- direktion eine rein lokale ist. Es ist weiter bezeichnend, daß in der Angelegenheit der Vebel'schen Versammlung die badischen und elsässischen Behörden aus demselben Standpunkte stehen. Der scharf reaktionäre Wind, der in Elsaß-Lothringen weht, scheint seine» Weg über die Kchler Rheinbriicke genommen zu haben. Das Verbot der Vebel'schen Versammlung erfolgte auf grund der ss 4 und 11 des badischen Vereinsgesetzes vom 21. November 1867. Danach können Vereine verboten werden. welche den Staat oder die öffentliche Sicherheit gefährden. Aus denselben Gründen können öffentliche Versammlungen verboten werden. Mit demselben Rechte, mit welchem man in Kehl eine sozialistische Versa n, mlung ver- bietet, könnte man dieselbe in ganz Baden verbieten. In Baden aber werden anderwärts sozialistischen Versamiuliliigen Schwierigkeiten nicht in den Weg gelegt. Der Vorgang in Kehl steht ganz einzig da. Das Ausnahmegesetz gegen die Sozialisten ist abgeschafft. Die Sozialisten sind eine gleichberechtigte Partei wie die andern. Daß durch sozialistische Versaminliingen die Sittlichkeit gefährdet wird, glaubt»liemnnd. Es bleibt also nur noch die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Damit ist es gleichfalls nichts. Versa», m- lungen, in denen Bebel spricht, verlausen stets ruhig. Das könnte von der im letzten Jahre in Kehl abgehaltenen Versamm- tniig in Erinnerung sein. Eine halbe Stunde von Neumühl entfernt liegt Kehl. In Kehl liegt eine Garnison. Unmittelbar hinter Kehl liegt Straßburg mit rund 13<100 Mann Soldaten. Will man da von einer Gefährdung der Sicherheit durch eine Bebel'sche Versau, ml nng sprechen? Die Sozialisten in Straßburg sind in verschwindender Mehrheil. Das bewiesen aufs neue die Bezirkstagswahle». Bebel ist in Straß» bürg nicht ausschließlich von den Sozialisten, sondern mit Hilfe anderer Unzufriedener gewählt worden. Bei der Versamm- lüng in Neumühl kälten sich nicht nur Sozialisten, fondern auch Anhänger anderer Parteien, die Bebel ihre Stimme gaben und nicht zuletzt Wähler Dr. Petri's eingefunden. Ninimt man hinzu, daß in Eladt und Amt Kehl der Sozialismus gleichfalls nicht sehr verbreitet ist, so sprechen alle Momente dafür, daß in der Bebel'sche» Versammlung die Sozialisten in entschiedener Minder- heit gewesen wären. Bei einer vorwiegend nicht sozialistischen Versammlung aber dürfte selbst nach amtlicher Ausfassung eine Gefährdung der vffent- liche» Sicherheit ausgeschlossen sein. Fazit: AbgeordneterBebel ist nicht in der Lage, seinen Wählern Rechenschaft abzulegen. Der ganze Vorgang aber zeigt, wie herrlich u'eit wir es am Ende des 19. Jahrhunderts ae- bracht!» Soweit das nicht sozialdemokratische, sondern unserer Partei abgeneigte Straßburger Blatt. Seine Ausführungen bestätigen unsere Ansicht, daß aus die badische Regierung, so übelwollend sieunsererParteiauchsonstseinmag. doch ein Druck von außen, nämlich der preußisch-deutschen Regierungs-Bureau- I r a t i e ausgeübt worden ist, damit erreicht wird, daß Straß- bürg das nächste Mal nicht wieder sozialdemokratisch wählt und damit dadurch das verköllert elsaß-lothrin- g i s ch e Regiment durch einen„Erfolg» g e> rechtfertigt wird. Würde Straßburg noch öfter sozial- demokratisch wählen, so könnte man sich in Berlin nicht auf die Daner der Erkenntniß verschließen, daß die Leitung der reichs« ländischen Angelegenheiten in ungeeigneten Händen liegt und daß ein Systemwcchsel vorgenoiumen werden muß, um die Elsaß-Lothringer wirklich mit der Angliedcrung an Deutschland auszusöhnen. Das würde bedeuten, daß die bisherigen leitenden Beamten über die Klinge springen müßten. Es fragt sich nun, ob die klerikalen und liberalen Einwohner Badens ein Interesse daran haben, Baden als Vorspann der preußischen Bureaukratie verwenden zu lassen. Wir glauben, sie haben keinerlei Interesse daran, auch nicht das Klasseninteresse, das ja sonst mitspricht, wen» es sich um einen Sozialdemokraten handelt. Weder hat der Klerikalismus von einem Sieg der preußischen Bureaukratie in Straßburg etwas zu hoffe», noch der badische Liberalismus, der, so wenig liberal er anch ist, doch immerhin noch kein preußischer Junker-Konservatismus ist. Das Verbot der Bebel'schen Versammlung müßte demnach mit unserer alle Parteien Badens gegen sich haben, wenn die Klerikalen und die Nationalliberalen die Augen offen halten. Wir wollen sehen, wie sich die beiden Parteien im nächste» badischen Landtage zu der Sache verhalten. Unseren badischcn Parteigenossen aber wiederholen wir die Mahnung: ihre Zwistigkeiten zu begraben und alle Kräfte zusanimenzri raffen, damit durch einen guten Ausfall der Landtagswahlen die Hoff- niingen der preußischen Reaktion vernichtet werden, ähnlich wie das in Württemberg geschehen ist. Anfrnf an die Parteigenofsc» in Berlin«nd der Provinz Brandcnbnrg! Die diesjährige Parteikonferenz für die Provinz Brandenburg wird, wie schon mitgetheilt ist, Sonntag, den IS. September, in Berlin abgehalten. Die Verhandlungen beginnen vormittags Uhr in Cohn's Saal, Beuthstraße 21. Das Lokal ist im Zentrum Berlins, in unmittelbarer Nähe des Spittelmarkts gelegen. Im Anschluß an diese Bekanntmachung ersuchen wir die Parteigenossen, nun- mehr schleunigst Versamnilungen einzuberufen und die Wahlen von Delegirten vorzunehnien. Die Zahl der Vertreter jedes Kreises darf drei nicht übersteigen. Die Konserenz wird einen Tag in Anspruch nehmen. Auswärtige Parteigenosse», die in Berlin einen oder mehrere Tage Logis nehmen wollen, mögen dies dem unterzeichneten Obmann der Agitations- kommission mittheilen. Die Tagesordnung bestimmt die Konferenz selbst. Als provisorische Tagesordnung ist in Vorschlag gebracht: 1. Berichterstattung der Agitationskommission; 2. Diskussion; 3. Das Agrarprogramm; 4. Anträge. Die Parteigenossen werden gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß sämmtliche Kreise der Pro- vinz auf dieser für die Landagitation so äußerst wichtigen Konferenz vertreten sind. Diejenigen Kreise, welche glauben aus naheliegenden Gründen von der Beschickung Abstand nehmen zu müssen, werden ersucht, sich mit Unterzeichnetem in Ver- bindung zu setzen. Mit soz. Gruß! Die Agitationskommission für die Provinz Brandenburg. I. A.: Karl Dimmick, Berlin 80.. Elisabeth-Ufer SS. Der Parteitag für beide Mecklenburg und Lübeck wird am IS. und 16. September in Lübeck abgehalten, da das mecklenburgische Ministerium des Innern die Genehmigung nicht ertheilt hat, daß er in Güstrow statlfinde. Warum die Ge- »ehmiguug nicht ertheilt wurde, verschwieg das Ministerium. Der neecklenburgische Arbeiter weiß ja auch so. woran er mit der Regierung seines Heimathlandes ist. Die Tagesordnung des Parteitages lautet: I. Bericht des Vertrauensmannes für beide Mecklenburg, 2. Kassenbericht, 3. Agitation und Organisation. 4- Unsere Presse, B. Stellung zum Agrar-Programm, 6. Wie soll Mecklenburg auf dem im Oktober in Breslau stattfindenden allgemeinen Parteitag vertreten sei»? 7. Berathung über etwaige Anträge, 8. Wahl des Vertrauensmannes für beide Mecklenburg resp. der Agitations-Kommission. Ngrarprogramm. Der Arbeiter-Bildungsverein in Goslar nahm nach dem Vortrag des Redakteurs Adler aus Halber- stadt eine Resolution an, worin der Entwurf der Agrarkom» Mission sehr scharf verurtheilt wird, weil er, wie die„Sonntags- Zeitung" sagt,„zum theil den Grundsätzen der Sozialdemokratie widerspreche, zum theil, ohne dies zu thun, das Proletariat zu gunsten der Großen belaste und auch andere Mängel zur Genüge zeige.» In einer Parteiversammlung in Rathenow kam der Re- ferenl Dr. Leo A r o n s aus Berlin zu dem Schluß, daß das Agrarprogranim, als zum großen Theil überflüssig, zu verwerfen sei. Im gleichen Sinne sprach R i e ck. Die Versammlung faßte dann einstimmig folgende Resolution:„Unser Erfurter Pro- gramm reicht auch für die Landagitation völlig ans; eine Er- Weiterung desselben muß deshalb vom Breslauer Parteitag ab- gelehnt werden. Der jetzt vorliegende Entwurf der Agrar» kommission muß auf alle Fälle in Breslau eine ausführliche Er- örterung erfahren. Derselbe darf nicht nur als eine verunglückte Arbeit der in Frankfurt gewählten Kominission betrachtet werden, es ist vielmehr zu berücksichtigen, daß die Resolution 118 des Frankfurter Parteitages die verfehlte Forderung des Bauern- schutzes enthält, obgleich eine besonnene Minderheit deren Streichung beantragt hatte." Der Bezirk Westen des Stuttgarter Sozialdemokratischen Vereins erklärte sich nach einem Vortrage der Frau Klara Zetkin gegen den Programmentwurf und sprach die Erwartung aus, daß der Breslauer Parteitag diesen entschieden ablehnen werde. Die Resolution, worin das ausgedrückt ist, wurde ein- stimmig angenommen. ZllS NeichstagSkanbidat für die Ersatzwahl in dem schlesischen Kreise Wartende rg-Oels ist von unserer Partei der Tischler G i e ß m a n n aus Breslau aufgestellt. Bei der Gcmeinderathswahl in dem rheinpfälzischen Dorfe Oppau, wo acht Gemeinderäthe und ebenso viel Ersatz- männer zu wählen waren, fiel der Sieg unserer Parle! zu. Bei der Gewerbegerichtswahl i» Geestemünde wurden in der Klasse der Arbeitervertreter die Kandidaten der Sozial- demokratie fast einstimmig gewählt. Von SI4 Wählern gaben 509—512 ihre Stimme für unseren Kandidaten ab. NuS Hamburg wird uns geschrieben: Viel böses Blut haben die Anträge des Vorstandes und des Distriktes Bergedorf zwecks Reorganisation des sozialdemokratischen Vereins für den dritten Hamburger Wahlkreis unter den Mitgliedern des Vereins gemacht. Nachdem in mehreren Versamnilungen über die Anträge, nach denen an stelle der bisherigen direkten Stimmberechtigung sä mmtlicher Mitglieder das R e p r ä s e n t a t i v s y st e m ein- geführt werden sollte, heftige Debatten geführt worden sind. wurde jetzt von einer Gcneialversammlung des Vereins die wegen der' Größe des dritten Wahlkreises sehr wichtige Frage der Reorganisation dadurch erledigt, daß ein Antrag angenommen wurde, über die Vorschläge des Vorstandes zur Tagesordnung überzugehen. Vcraiitivortlichcr Redakteur: Max Pfund in Halensce. Für d< Polizeiliches, Gerichtliche» re. — Die Auflösung der Volksversammlungen, an denen rauen theilnehmen, geht in der Rheinprovinz flott weiter. n Elberfeld ist sowohl die erste Versammlung, wo Molken- buhr sprechen sollte, wie die zur Erhebung eines Protestes gegen diese Auflösung einberufene zweite Volksversammlung auf- gelöst worden, weil das Verlangen der Polizei, die Frauen zu entfernen, selbstverständlich nicht erfüllt worden war. Die Parteigenossen U l l e n b a u m und H a r m wurden beim Bürger- meisteramt vorstellig. Das war vergeblich, worauf an den Minister v. Koeller folgendes Telegramm abgesandt wurde:„Minister des Innern. Berlin. Hiesige Polizei löste am.14. und 17. August zwei öffentliche Volksversammlungen auf, weil Frauen anwesend. Persönliche Beschwerden bei hiesiger Behörde blieben ohne Grundangabe. Wende mich hiermit be- schwerdeführend an Ew. Exzellenz mit dem Ersuchen, sofortige Remedur zu schaffen. W. Ullenbaum.» Inzwischen hat die Polizei in Dülken die Entfernung der Frauen sogar aus einer öffentlichen Gewerkschafts-Versanimlung ver- langt. Das fehlt gerade noch, um die arbeitenden Frauen und Mädchen Rheinlands für den Sozialismus zu interessiren. Wenn die Herren Regierungsbeamten wirkliche Kenntniß des Volkes besäßen, würden sie sich hüten, das ohnehin geringe Versamm- lungsrecht noch zu schmälern. —„Wegen sozialdentokratischer Umtriebe» außer Verfolgung gesetzt— schreibt die„Münchcner Post»— wurde laut Verfügung des königl. Ersten Staatsanwalts bei dem königl. Landgericht I vom 13. August d. I. Genosse Witri. Trotzdem wir keine Juristen sind, gestatten wir uns die dreiste Behauptung, daß vorläufig kein Bürger des Deutschen Reiches „wegen sozialdemokratischer Umtriebe" angeklagt und daher auch nicht wegen dieses Reates außer Strafverfolgung gesetzt werden kann. Es scheint, daß einigen untergeordneten Organen der königl. Staatsanwaltschaft die Aufhebung des famosen Sozialisten- gesetzes noch nicht amtlich zur Kenntniß gebracht worden ist, was übrigens nicht nur in München, sondern auch in Schöppen- stedt, Schilda und ähnlichen Weltstädten bis heute noch nicht ge- schehen sein soll. Vielleicht reiben sich die Ausferliger besagter Zuschrift nun wie Rip van Winkel nach seinem hundertjährigen Schlafe die Augen wach und bemerken zu ihrem Erstaunen, daß im Jahre des Heils 1895„sozialdemokratische Umtriebe» jedermann gestattet sind. GemvvKMzÄfililszes. Bei dem Steinsetzmeister P. Wickel in Nixdorf haben am Montag die zehn älteste» Rammer die Arbeit niedergelegt. terr Wickel konnte sich nicht dazu verstehen, den tarifmäßigen linimallohn von 7Vz Thaler zu zahlen. Die ausgetretenen Arbeiter arbeiteten zum Theil schon seit 8—9 Jahre» bei diesem Meister, der sie zum Dank dafür noch unter dem Minimalsatz bezahlt, dafür aber auswärtige Arbeiter heranzieht, die ihm seine Arbeit billig machen und sich außerdem alles gefallen lassen. Vor Zuzug wird gewarnt! Von den weiteren Verhandlnngen dcS süddeutschen Bäckereiarbeitcr- Kongresses, der in Frankfurt a. M. tagte, ist noch folgendes von allgemeinem Interesse. Die an die Niegierung zu sendende Petition lautet: „An die hohe Regierung des Deutsches Reiches! Der am 16. und 17. August statlgefundene Kongreß der süd- und mittel- deutschen Bäckereiarbeiter zu Frankfurt a. M. richtet an die hohe Regierung das Ersuche», endlich einmal den ohnehin schon unter ungünstigen Verhältnissen lebenden Väckcreiarbeitern einiger- maßen entgegenzukommen und den z w ö lf st ün d i g en Maximal-Arbeitstag im Bäckereigewerbe, mit dem man sich auf Seiten der Regierung schon über drei Jahre befaßt, gesetzlich in kraft treten zulassen. Ferner spricht der Kongreß sein Bedauern darüber aus, daß man seitens der Polizeibehörden ruhig mit ansehen konnte, daß die gesetzlich geschaffene Sonntagsruhe in einer Weise von de» Bäckerei-Unternchmern gehandhabt wird, daß trotz der getroffenen gesetzlichen Bestimmungen die Arbeitszeit weit über die gesetzliche Zeit hinaus verlängert wird. Ferner erwartet der' Kongreß von der Hohen Regierung, daß, um den stets ekelerregenden Krankheiten der Arbeiter in dieser Branche vorzubeugen, derBäckereibetrieb dem Fabrik- i n s p e k t o r a t unterstellt wird. Die Vertreter des Kon- greffes geben sich der Hoffnung hin, daß von der Regierung unseren Wünschen zum Wohle der gesqmmten Bäckereiarbeiter Rechnung getragen wird." Die übrigen Beschlüsse lauten: „Der Kongreß erachtet hinsichtlich der Form derOrgani- sation die zentrale als die beste, denn nur durch An- schluß an diese ist es möglich, beffere Zustände im Bäckereigewerbe herbeizuführe». Ferner empfiehlt der Kongreß den Delegirten, in allen Städten für Anschluß an dieselbe zu wirken. Alle drei Verbände (Bäcker, Müller und Konditoren) haben sich nach Möglichkeit in der Agitation gegenseitig zu unterstützen." „Der Kongreß verwirft entschieden das Sprechwesen der sogen. Bäcker- Innungen, stellt sich sympathisch dem städtischen Arbeitsnachweis gegenüber, hält es aber für vortheilhaft, daß überall da, wo es möglich ist. die Gehilsen das Stellenvermittelungswesen selbst in die Hand nehmen." „Der Kongreß warnt entschieden vor Grün- dung von Genossenschafts-Bäckereien, weil dadurch die Organisation der Gehilsen in keiner Weise gefördert werden kan n.» Gerichts-ÄeMtttg. Der GeheimbnudS-Prozest, dessen Endergebniß wir in voriger Nummer kurz mittheilten(wo irrthümlich statt Studenten „Stuckatcure" gesetzt ist), richtet sich gegen die Mitglieder des polnischen„Selbstbildungs-Vereius", die wegen Verletzung des Z 128 des Strafgesetzbuches und Uebertretung des ß 8 des Vereinsgesetzes unter Anklage gestellt waren. Der Prozeß zieht sich schon sehr lange hin, die Strafthaten datiren zum theil jahrelang zurück. Der„Rädelsführer" ist im vorigen Jahre zwei Monate in der Untersuchungshaft gewesen,»ach Stellung einer Kaution späterhin aber auf freien Fuß gesetzt. Die Anklagebehörde hatte ursprünglich die Absicht, 12 Personen auf die Anklagebank zu bringen. 8 sind schließlich davon übrig ge- blieben und 6 nur erschienen. Zwei Angeklagte befinden sich im Auslande. Den Vorsitz der 2. Strafkammer beim Landgericht II führt Landgerichtsrath Schulze. Als Staalsauwalt fungirt Gerichtsaffessor Knorr. Die Bertheidigung liegt in den Händen des Justizraths Munckel. Der Verein„Selbstbildung» wurde am 17. Mai 1892 in Berlin gegründet und dem Polizeipräsidenten angemeldet. Die Statuten besagen, daß der Verein wissenschaftliche Zwecke ver- folgt und Studenten polnischer Zunge als Mitglieder ausnimmt. Am 2. Mai 1894 siedelte der Verein nach Charloltenburg über. Er wurde in der erste» Zeit polizeilich überwacht, späterhin blieben die Beamten fort. Der Verein wurde am 13. Juli 1894 freiwillig aufgelöst. Die Anklagebehörde nimmt an, daß in den Sitzungen Vorträge politischen Inhalts gehalten und politische Fragen erörtert sind. Daß eine Verbindung mit einem Verein gleicher. Tendenz bestanden habe, schließt man daraus, daß man in der Lesehalle des Vereins und in der Wohnung des Vor- sitzenden bei der Haussuchung Briefe gefunden hat, die eine un- erlaubte Verbindung mit einem sogenannten Jugendbnnd in Dresden darthun sollen. Die Tendenz des Vereins ist nach Ansicht der Polizei eine groß-polnische und sozialrcvolutionäre gewesen. Sämmtliche Angeklagte bekennen sich nichtschuldig. Sie bestreiten entschieden, andere als wissenschastlicheZwccke zu verfolgen. Es wird von den Angeklagten hervorgehoben, daß nicht— wie die An- klage behauptet— eine Delegation nach Dresden entsendet ist, » Jnserntcntheil verantwortlich: Th. Clvcke in Berlin. Druck l sondern daß die beiden Vereinsmitglieder von B. und T., welche die„geheime Verbindung" hergestellt haben sollen, privatim zur Todtenfeier des polnischen Dichters Adam Mickiewicz nach Dresden gefahren sind. Daß ein Kongreß in Dresden abgehalten ist, wird bestritten; der„Bund polnischer Jugend in Deutsch- land" ist Projekt geblieben.— � Nach der Vernehmung der An- geklagten werden eine Anzahl Briefe aus Dresden und andere Schriftstücke zur Verlesung gebracht/ Als erster Zeuge erscheint der Kriminalschutzmann Kohr. Er war mit der Ueberwachung der Mitglieder des Vereins „Selbstbildung" beauftragt. Am 2. Juli 1392 hat der Zeuge bemerkt, daß der Student G., nach Angabe der Polizei ein sehr gefährlicher sozialistischer Agitator, der Sitzung beige- wohnt hat. Der Polizeibeamte hat vom Hofe aus gesehen, wte G. sich im Zimmer in„rednerischer Stellung" befand. Was dieser gesprochen, weiß er nicht. Ein anderer bekannter Sozialdemokrat, der Galvaniseur Stephan Thiel, ist an dem fraglichen Abend ebenfalls zugegen gewesen. Der Zeuge will wissen, daß einige Mitglieder des Vereins sich an öffent- lichen sozialdemokratischen Veranstaltungen betheiligt haben. Vors.: Wissen Sie auch etwas davon, ob G. an der Redaklion der„Gazeta Robotniza" betheiligt war?— Zeuge: Nein.— (Heiterkeit.) Kriminalkommissar Bösel macht detaillirte Angaben über die Entstehung des Vereins. Die„Gazeta Polska"(ein nationales polnisches Blatt) brachte eine Erklärung, daß sich der Berliner wissenschaftliche polnische Verein veranlaßt gesehen habe, Mitglieder wegen politischer Umtriebe auszuschließen. Die Aus- geschlossenen gründeten dann im Mai 1892 den Verein„Selbst- bildung". Auf einen Einwurf des Vorsitzenden bemerkt der Zeuge, daß er zu dieser Zeit das betreffende Dezernat nicht selbst bearbeitet, sondern seine Kenntniß über die in Frage stehenden Vorgänge aus den Alten geschöpft habe. Der Kommissar macht über das Ergebniß der Haussuchungen Mittheilung und betont, daß der Inhalt der Bibliothek sich fast ausschließlich aus Werken „revolutionärer Tendenz»(wie Marx Kapital:c.) zusammensetze. Kriminalkommissar Mielenz bestätigt, daß der Verein sich am 13. Juli 1394 selbst aufgelöst hat und bemerkt weiterhin, daß seines Wissens der Bund polnischer Jugend auch nicht ins Leben getrete» ist. Student F. hat die Bibliothek des Vereins benutzt. Er weiß sich zu erinnern, daß Thematas wie„Das Verhältniß der Religion zur Wissenschaft»,„Charles Darwin" ic. besprochen sind. Der Zeuge hat seinerzeit selbst einmal einen Vortrag über „Die materialistische Geschichtsauffassung" gehalten. Ueber die geheime Verbindung kann er nichts bekunden. Der Vorsitzende bemerkt, daß in den Protokollen unter anderem auch von einem Beschluß die Rede ist, daß die„halbamtliche" „Vossische Zeitung" angeschafft werden soll.(Allgemeine Heiter- keit.) Zeuge Stefan Thiel ist, durch einen befreundeten Stu- deuten eingeführt, ein einziges Mal in der Sitzung des Vereins gewesen; er kann sich nicht erinnern, daß politische Gegenstände erörtert sind. Student D. äußert sich eingehend über die Grün- dung des Vereins, dessen Mitglied er war. Der Zeuge weist darauf hin. daß die Notiz in der„Gazeta Polska" aus dein Jahre 1891 stammt, während der Austritt der Studenten, welche den neuen Verein bildeten, erst im Jahre 189A vor sich ging. Die Differenzen im alten Verein entstanden nicht aus politischen Meinungsverschiedenheiten. sondern aus persönlichen Motiven. Der letzte Zeuge Student C. bestreitet gleichfalls, daß der V e r e i n in Dresden Verbindung angeknüpft hat. Damit ist die Beweisaufnahme geschloffen. Nach der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt gegen zwei Angeklagte 7 und 6 Monate, gegen drei 5 Wochen und gegen einen 3 Tage Gefängniß. Vom Vertheidiger wurde auf Freisprechung plädirt. Der Spruch des Gerichts lautete nach halbstündiger Be- rathung folgendermaßen: Der Z 128 konnte nicht in Anwendung kommen, da der Verein seinem Zweck, Bildung zu verbreiten, nachgekommen ist; dazu gehört auch Bildung in politischer Hinsicht. Eine Uebertretung des Vereinsgesetzes liegt auch nicht vor, da der Nachweis fehlt, daß der Jugendbund ins Leben getreten und ferner, daß derselbe ein politischer Verein ist. Das Gericht hat deshalb sämmtliche Angeklagten von Strafe und Kosten freigesprochen. Der Verhandlung, welche mehrere Stunden in Anspruch nahm, wohnten, wie gewöhnlich, eine ganze Anzahl Kriiuinal- beamten bei. Einer der Kommissare der politischen Polizei hatte am Tische des Vertheidigers seinen Platz genommen. xxvfo lehke Mnrhrichken. Köln, 20. August.(W. T. B.) In vergangener Nacht stießt wie die„Kölnische Volkszeitung" meldet, bei Mehrun am Nieder' rhein ein Persouendampser mit einem Schleppzug zusammen Ein Schleppschiff sank, acht Personen erkranken. Paderborn, 20. August.(W. T. B.) Amtlich wird mit- getheilt: Am 19. d. M. sind auf dem Bahnhof Lippstadt in der Ausfahrtsweiche Nr. S die letzten 5 Wagen des Personenzuges Nr. 39 entgleist. 1 Wagen ist umgefalle»; 4 Reisende wurden leicht verletzt. Der Betrieb kannte des Abends um 10 Uhr im vollen Umfange wieder aufgenommen werden. Die Ursache ist unbekannt. Wiesbaden, 20. August.(B. H.). Das„Tageblatt" meldet: Der Generalstabs-Osfizier, Jnfanierie-Lieulenant Thierry, ist heute Vormittag aus dem Exerzierplatze dadurch verunglückt, daß sein Pferd und gleichzeitig zwei Pferde des nachfolgende» Ge- fchützes stürzten. Der Offizier gerieth unter die Pferde und er- hielt einen heftigen Hnfschlag gegen den sKopf. Er wurde mit zersckMietterter Kinnlade ins Lazareth gebracht. Lemberg, 20. August.(B. H.) Im Walde von Nowa Grobla unweit Jaroslaw ist ein Luftballon mit zwei russischen Stabsoffizieren und einem Professor des meteorologischen Instituts zu Petersburg gelandet. Der Ballon war angeblich aus Jwangorow aufgelassen worden. Die Insassen wurden verhaftet und nach Jaroslaw gebracht. Budapest, 20. August.(B. H.) Einer Blättermeldung ans Erlau zufolge hat der zur Waffenübung einberufene Reservist Leopold Selbstmord verübt, weil er, trotzdem er schwerkrank und in zivilärztlicher Behandlung war, von dem Regimentsarzt Dr. Toffler zum Dienst angesetzt wurde mit der Motivirung, daß Leopold's Krankheit simulirt sei. Paris, 20. August.(W. T. B.) Der„Temps" veröffent» licht einen Brief aus Suberbieville, in welchem berichtet wird, daß Snmpffieber und andere Krankheiten unter den Truppen wachsende Verheerungen anrichten. Zweiundeinhalb in Suberbieville liegende Bataillone haben täglich S Todesfälle. Von einer beim Abmarsch aus Majunga 22S Mann starken Geniekompagnie langten 26 Mann in vollständig heruntergekommenem Znstande an. Für Lazarethe ist nicht vorgesorgt. Die Kranken liege» bei einer Hitze von 40 Grad unter Zelten. Marseille, 20. August.(W. T. B.) Das„Journal de Marseille» meldet den Ausbruch von Streitigkeiten zwischen französischen und italienischen Arbeitern der Salzwerke an der Berre, wobei fünf Personen verwundet worden seien. Die Ordnung ist wieder- hergestellt. Die Behörden hätte» Maßnahmen zur Verhinderung neuer Konflikte getroffen. Marseille, 20. August.(B. H.) Gestern traf der Dampfer „Jangste" mit 150 kranken französischen Soldaten aus Mada- gaskar hier ein. London, 20. August.(B. H.) Die„Times" berichte» ans Hongkong, daß chinesische Soldaten neue Ausschreitungen gegen die Fremden begangen haben. Die letzteren werden als die Ursache alles Elends angesehen und deshalb auf das heftigste verfolgt. Nelv-Bork, 20. August.(W.T.B.) In den Carnegie'schen Stahlwerken in Braddock(Pennsylvanicn) wurden infolge Berstens eines Hochofens 9 Arbeiter getödtet, 16 verletzt, darunter 5 lebensgefährlich. nd Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 194. Mittwoch, den 31. Angnst 1893. 12. Jahrg. Mebev die VrevdiZtwgsfleiev* dee Opfee dev Kietee Brücken� liNkAflrophe berichtet uns unser Kieler Korrespondent: Unserer bürgerlichen Gesellschaft ist es vergönnt, den Klassencharakter selbst dann kraß hervortreten zu lassen, wenn Tausende von Schinerz und Trauer tief gebeugt wurden. So wehten am Sonntag in der Stadt Kiel lustig die Fähnlein, den Kampfgenossen und dem daselbst garnisonirenden SSer Bataillon zu Ehren, deren Reihen vor 25 Jahren bei Gravelotte durch mörderisches Feuer gelichtet wurden. Nur am Hafen, hoch oben aus dem Riesenkrahn der Germaniawerft, wehte, weit- hin sichtbar, die Fahne halbstock, die traurige Erinnerung an den am vorigen Mittwoch staltgehabten schrecklichen Unglücksfall. Aber auch überall da, wo Arbeiter wohnten, in den Straßen des Dorfes Gaarden, sowie in den kleinen Pachtgnrten sah man zum Zeichen der Trauer und des Schmerzes die Fahne gesenkt. In immer dichter werdenden Schaaren strömten von allen Seiten Arbeiter der kleinen, mit 11 Särgen besetzten Gaardener Leichen- halle zu, um von dort den auf dem Schlachtfelde der Arbeit ge- wordenen Opfern das letzte Geleit zu geben. Die kleine schmuck- lose Leichenhalle war von den Särgen derart angefüllt, daß an ein Hereintreten der Leidtragenden nicht gedacht werden konnte. Und so mußte denn auch von jeder zeremoniellen Feier daselbst Abstand genommen werden. Gegen 3 Uhr setzte sich der endlos werdende Zug in Bewegung, an der Spitze den Sarg des Schiffszimmermanns Reichert fahrend, der von den Parteigenossen Neumühlens und Wellingdorfs gefolgt, nach dem Kirchhof in Jlmschenhagen gebracht wurde. Der Hauptzug mit 10 Leichen bewegt sich um den Hafen herum, woselvst sämmtliche, den verschiedensten Nationen angehörenden Schiffe ihre Nationalitätsflagge halbstock gehißt hatten,»ach dem außerhalb der Stadt Kiel gelegenen Kirchhof. Von einer Musik- kapelle angeführt, folgte die Werflfeuerwehr, hinter der u. a. ein Kranz vom Prinzen Heinrich und dessen Frau gespendet, getragen wurde. Als erster Sarg folgte derjenige, welcher die sterblichen Reste des Genossen Nothdurft enthielt, mit pracht- vollen Kränzen mit vorwiegend rothen Schleifen bedeckt. Ihm folgten zunächst Deputationen der Parteigenossen von Kiel, Gaarden, Ellerbeck- Wellingsdors, Neumünster, Rendsburg, der Textilarbeiter Neumünsters u. a. mehr, mit Kränzen mit rothen Schleifen. Nach einem mehrere hundert Köpfe zählenden Gefolge folgten neun Leichenwagen mit je einem Sarg, von den nächsten Angehörigen und Freunden gefolgt. Reich mit Kränze» waren alle diese einfachen schwarzen Särge geschmückt, viele Kränze wurden im Zuge noch getragen, von denen zwei mit großen rothen Schleifen, von den Schiffszimmerern Stettins ge- spendet, besonders auffielen. Mehrere tausend Menschen schloffen sich den Särgen an, und ungezählte Menschenmassen bildeten auf den Straßen Spalier. Auf dem Kirchhof angelangt, trug man die zehn Särge in eine gemeinsame Gruft, die von 18, zum theil rothen Vereinsbannern umgeben war. Ein Geistlicher hielt eine kurze Ansprache, in welcher er die Leid- tragenden durch den Satz zu trösten suchte:„Es hätte mancherlei verhütet werden können, wenn der Rath Gottes den Menschen innegewohnt hätte." Mit dem Gesang des Arbeiter-Sänger- bundes„Schlaf wohl du Kamerad" schloß die erhebende Trauer- seier. Still und bewegt trennten sich die tausende von Arbeitern und manchem unter ihnen rollten Thränen des Schmerzes und der Erbitterung über die Wangen. Obgleich wir uns keineswegs zum Anhänger des Vertreters der Kirche bekennen, müssen auch wir sage»,„es hätte viel verhütet werden können". Die zu Grabe getragenen Opfer können die Arbeiter dadurch am besten ehren, daß sie sich durch Organisationen stark machen, um von den Kapitalisten größeren Arbeiterschutz zu erzwingen und dadurch ihrem eigenen Leben sowohl als auch ihrer Gesundheit mehr Rechnung tragen. Und wenn die Kiel- Gaardener Arbeiter und vor allem die im Schiffsbau beschäftigten dies mehr beherzigen, so setzen sie ihren dahingeschiedenen Kameraden ein Denkmal, dauernder als Erz. Uulmles. Die beiden nächsten Sprechstunden finde» heute, de» 21., und Donnerstag, den 22. d. M., abends? Uhr, statt. Den Parteigenosse» dcS zweiten ReichtagS-WahlkreiseS zur Kenntniß, daß die Versammlung zur weiteren Besprechung d s Agrarprogramms am Freilag, den 23. d. M., bei Zubeil, L ndenstr. 106, stattfindet. Parteigenosse» Nixdorfs k Da uns am Montag die Ver- sammlung aufgelöst wurde, so findet die nächste am Freitag, den L3. August, mit demselben Vortrag bei Maaß, Hermann- straße 49, statt. Als ein Opfer deS BanschwindelS wird der 50jährige Malermeister Tonn aus der Kastanienallee Nr. 10 bezeichnet, der am Dienstag früh um 7 Uhr seinem Leben gewaltsam ei» Ende gemacht hat. Er hatte im vierten Stock eine aus zwei Stuben und Küche bestehende Wohnung inne und wollte diese, da er sie niit seiner Frau allein bewohnte, im Herbste noch verkleinern. Tonn war bei verschiedenen Arbeiten leer ausgegangen und mußte, um seine eigenen Gläubiger und die Arbeiter befriedigen zu können, Wechselschulden eingehen, die er jetzt zu decken nicht im stände war. Unter dem Druck dieser Verhältmsse hatte der Meister, der von seiner Nachbarschaft als fleißiger und ordent- lichcr Mann bezeichnet wird und der alles daransetzen wollte, seuien Verpflichtungen nachzukommen, schwer zu leiden. Seine Frau versuchte umsonst, ihn aufrecht zu erhalten. In einem Anfalle von Schwermuth stürzte sich Tonn gestern früh aus dem Fenster seiner Wohnung auf den Bürgersteig hinab, wo er mit zerschmettertem Schädel und ent- stelltem Gesicht regungslos liege» blieb. Die Frau, die sich in seiner Nähe befand, hatte den Unglücklichen nicht mehr zurückhalte» können. Von anderer Seite wird zu dem Vorfall noch geschrieben: Tonn, der seil langen Jahren Bau-Arbeiten ausführte, war wiederholentlich bei S ch w i n d e l b a u t e n hineingelegt worden und hatte noch in letzter Zeit einen derartige» Verlust von 12 000 M. erlitten. Vergeblich bemühte sich der fleißige Hand- werker, seine dernngirten Verhältnisse wieder aufzubessern, doch ivnt T. trotzdem nicht in der Lage, mehrere in diesen Tagen fällige Wechsel zu bezahlen. Nachdem der Malermeister am Sonnabend mit dem letzten Rest seines Kapitals dem Personal die fälligen Löhne ausgezahlt, fuhr er nach Templin, um bei dort wohnenden VerwandtcnGcld aufzutreiben; doch war dies Bemühen vergeblich. Vergeblich waren auch die Bemühungen des T. am Montag in Berlin Geld zu erlangen und bis auf den Tod erschöpft kehrte der Aermste in der heutigen Nacht in seine Woh- nung zurück. Heute morgen um V28 Uhr erhob er sich von seinem Lager, kleidete sich nolhdürftig an und begab sich nach dem Balkonzimmer seiner in der 4. Etage belegenen Wohnung, um sich durch einen Sprung vom Balkon zu tödten. Schon war der Unselige über das Balkongitter geklettert, als seine Frau hinzukam. den zwischen Himmel und Erde Schwebenden ergriff und an den Armen fe st hielt. Mit übermenschlichen Kräften, die der Frau nur Todesangst verleihen konnte, hielt Frau Tonn den Gatten über fünf Minuten in dieser Lage, während durch die Hilferufe eine große Menschen- menge unten auf der Straße angelockt wurde. Den Z u- schauern aber erstarrte beim Anblick der grauen- haften See ne das Blut in den Adern und kein Mensch dachte daran, der verzweifelten Frau fi l s e zu bringen!! Endlich erlahmten die rüste der Gattin, ihre Hände öffnete» sich und be- w u ß t l o s brach d i e A e r m st e auf d e m B a l k o n zu- s a m m e n, während Tonn in die Tiefe stürzte. Mit z e r- schmetterten Gliedern und zertrümmertem Schädel blieb der Malermeister aus dem Straßenpflaster todt liegen. Znr Ermordung deS Dr. Steinthal. Die Mörderin Else Sänke ist nach Ablegung eines umfassenden Geständnisses Montag Abend nach dem Untersuchungsgcsängniß Moabit überführt worden. Nach den bisherigen Ergebnissen hat es den Anschein, als ob das sehr nervöse und leidenschaftliche Mädchen durch fortgesetzte Hetzereien dritter zu der That aufgereizt worden ist. Sehr merkwürdig ist, daß die Mutter der Mörderin die Tochter nicht zu Hause zurückgehalten hat, nachdem Else S. ihr beim Abschied am Sonntag Vormittag gesagt, es sei sehr leicht möglich, daß sie nicht mehr nach Hause zurückkehren werde. Sehr im Widerspruch mit diesen Abschiedsworten steht die Aussage der Damast. Zu dieser sagte die Sauke, als sie das Mädchen bat, Dr. Steinthal zu holen, sie wolle nur noch von dem Geliebten cndgiltig Abschied nehmen, weil sie ihm so sehr zugethan sei. Ans den Bauplänen der Berliner Gewerbe- Ans- stcllnng wurden Montag früh die Arbeiten wieder ausgenommen. Die geplante Arbeitsniederlegung der Zimmerleute wurde durch eine theilweise Lohnerhöhung bis auf weiteres beigelegt. Die Firma Pumplun u. Komp. zahlt nun den aus dem Dach be- schäftigten Zimmerern, über hundert an der Zahl, den erhöhten Lohnsatz von 52'/- Pf. für die Stunde; die übrigen Zimnierleute erhalten den alten Stundenlohn von 50 Pf. Darüber, ob die Arbeiten unter diesen Bedingungen auch am Dienstag weiter- geführt werden sollen, entscheidet eine Berathung der betheiligten Zimmerleute. Dagegen haben am Sonnabend Abend in der Berliner Gewerbe- Ausstellung 40 Schachtarbeiter die Arbeit niedergelegt. Patriotismus auf der Kanzel. Wie arg die Kriegsmani gerade in frommen Kreisen ungeachtet des Bibelwortes„Liebet Eure Feinde" grassirt, das lehrt auch ein Vorkommniß, über welches uns aus dem kleinen Orte Strasburg in der Ucker- mark ein Bericht zugeht. In der dortigen Marienkirche taufte der Prediger Gentzke am Sonntag vor acht Tagen eine Anzahl Kinder. Um die Nothwendigkeit der Taufe zu beweisen, arg»- mentirte der Geistliche folgendermaßen: Unsere im Raine» Gottes getauften Soldaten hätte» mit dieser Gotteshjlfe 1370 die französische Armee zurück geschlagen; ohne dieses Gottes Willen könnten wir jetzt nach 25 Jahren nicht die Niederwerfung des Erbfeindes und die Errichtung des Deutschen Reiches feiern. So des Herrn Pastors Ausführungen bei der Taufe unschuldiger Kindlein. Da war doch der alte Fritz vor anderthalb hundert Jahrhunderten schon weiter, als er den Ausspruch that, daß der liebe Gott immer bei den stärkeren Regimentern sei. Lehr- und Lernfreiheit. Dem Stadtverordneten Vogtherr ist seitens des Provinzial-Schulkollegiums folgendes Schreibe» zugegangen: „Nach den Ermittelungen des hiesigen königlichen Polizei- Präsidiums sammeln Sie Hierselbst allsonntäglich vormittags die Kinder von Mitgliedern der hiesigen freireligiösen Gemeinde, halten denselben Vorträge über die Grundsätze der letzteren, knüpfen daran Erzählungen und geben Erläuterungen zu einem vor und nach dem Vortrage gemeinschaftlich gesungenen Liede. Diese Ihre Thätigkeit ist als U n t e r r i ch t s e r t h e i l u n g beziehungsweise als das Halten einer Privat schule im Sinne des Abschnitts I. der Staatsministerial- Instruktion vom 31. Dezember 1839 anzusehen, wozu es nach der Kabinets- ordre vom 10. Juni 1834 einer E r l a u b n i ß der zuständigen Behörde bedarf. Da Sie diese Erlaubniß nicht besitzen, unter- sagen wir Ihnen hiermit die bezeichnete Thätigkeit mit dem Hinzufügen, daß iür jede Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot eine Exekutiv st rase von 100 Mark festgesetzt werden wird, an deren Stelle im Unvermögenssalle eine Haft st rase von 10 Tagen tritt." Gegen diesen Eingriff in die Vereins- und Versammlungs- „Freiheil" wird selbstverständlich Einspruch erhoben werden. Ans den Kreisen der Eisenbahnarbciter gingen uns in letzter Zeit mehrfach Beschwerden zu, weil ihnen von dem Werk- meister ihrer Inspektion ein Büchlein zugesteckt wurde, das den Titel führt:„Was unsere Arbeiter vom sozialdeniokra- tischen Z u k u n f t s st a a l e zu erwarten haben". Es ist die schon mehrfach in unserem Blatte erwähnte Broschüre des national- liberalen Abgeordneten, Amtsgerichtsrath Schwarze. Mit recht beklagen sich die Eisenbahnarbeiter darüber, daß man bei ihnen ein ungeheures Maß von Dummheit voraussetzt, indem man er- wartet, daß sie sich nach dem Lesen dieser Schrift von der Sozialdemokratie abwenden und wieder treue Anhänger des kapitalistischen Polizei- und Militärstaates von heute werde». Was sollen wir thun, fragen uns die Eisenbahn- arbeitcr? Wir rathen ihnen, die Broschüre ruhig anzunehmen. Die im Staate der Sozialreform für die Kapitalisten mustcrgiltigen Staatsbetriebe haben bekanntlich die Einrichtung, daß jeder, der auch nur im geringsten eine sozial- demokratische Gesinnung merken läßt, hinausfliegt und erbarmungs- los mit Weib und Kind dem Elend und der Arbeitslosigkeit über- antwortet wird. Also ruhig Blut deshalb. Ja noch mehr. Wer Zeit übrig hat, möge die Broschüre des Herrn Anitsgerichtsrath Schwarze auf die Gefahr hin, baldigst in süßen Schlummer versenkt zu werden, zu lesen versuche». Dieser neue Plan des Herrn Schwarze, den Sozialismus zu tödten, ist so albern, daß ein Arbeiter durch ihn am allerwenigsten in Zweifel gebracht werden kann. Die Schrift enthält im Gegentheil eine ganze Fülle von Stellen, welche die Kläglichkeit der heutigen Ordnungsverfechter auch dem Dümmsten vor Augen führen. Man nehme also ge- lassen und mit heiterem Lächeln den Schwarze'schen Sozialistentod entgegen. Nur in de» Fällen, wo für die Broschüre etwa Geld abgefordert werden sollte, bitten wir die Eisenbahnarbeiter, uns Mittheilung zukommen zu lassen. Die Straßenabsperrnnge». die unter dem verstorbenen Polizeipräsidenten Richlhofen so außerordentlich beliebt waren, haben bekanntlich unter dem gegenwärtigen Präsidenten Wind- heim eine fröhliche Auferstehung gefeiert. Darüber sagt ein hiesiges Blatt:„Vermuthlich hat Herr von Windheim auf höhere Anordnung des Hosmarschallamts handeln müssen."— Die„National-Zeitung" aber erwidert hierauf:„Müssen? Kein Mensch muß müssen, und ein Polizeipräsident müßte? Wenn das Hosmarschallamt wirklich an amtlichen Stellen, wo man eine Verantwortlichkeit gegenüber der Bevölkerung trägt, unstatthaste Forderungen erhebt, dann muß man diesen Stellen widersprechen und nöthigenfalls das Eingreifen verantwortlicher Berather der Krone herbeiführen." Nun, und wenn dies dennoch nicht geschehen ist, dann mag die„National-Zeitung" daraus eben schließen, daß Herr v. Wind- heim nicht so gut ist, wie sein Ruf, und daß er in dasselbe Horn zu stoße» gewillt ist, das Herr v. Richthofen so lange Jahre mit Virtuosität geblasen hat. „Kueiiskiii' et altera pars." Unter dieser Stichmarke sendet uns Herr Dr. Doll, der Besitzer des Hauses Stein- metzstr. 34, i» dessen Kellerwohnung vorige Woche, wie wir be- richtet haben, drei Kinder gestorben sind, die folgende Zuschrift: Ter„Vorwärts" bringt in seiner Nummer am 18. August einen Bericht über den Tod dreier Kinder im Hause Steinmetz- straße 34, dessen tendenziöse Fassung nur den einen Schluß zu» läßt, daß ich, als Besitzer des Hauses durch das Vermiethen einer lebensgefährlichen Wohnung das Ereigniß veranlaßt hätte. Von allem, was der Bericht meldet, ist nur das eine thatsächlich, daß nämlich im August drei Kinder in der fraglichen Wohnung gestorben sind. Die von der Familie Schröder am I. Oktober>894 bezogene Kellerwohnung— welche zuvor zwei Jahre bewohnt und dann zwei Jahre als Malerwerkstatt benutzt wurde— besteht aus einer zweifenstrigen, einer einfenstrigen Stube und einer ebensolchen Küche. Die Wohnung war voll- ständig neu gemalt und die Dielen gestrichen. In diese Räume zog nunniehr der M i e t h e r mit Frau und fünf Kindern und nahm dazu noch einen Schlafburschen und ein G e s ch ä f t s f r ä u l e i n, das waren neun Personen; und als nun das Geschäftssräulein noch ein Kindchen bekam, wurden es zehn. Der Mann war im Winter arbeitslos, und da die bitterste Roth herrschte, so habe ich die Familie wiederholt mit b a a r Geld, Lebensmitteln und Feuerung unterstützt. Große Freunde vom Lüften sind die Leute nicht gewesen; und da die Wäsche in der Wohnung ge- waschen und auch getrocknet wurde, so ist es wohl kein Wunder, wenn sich Feuchtigkeit in der Wohnung einnistete. Von den Kindern Schröder's starb ein acht Monate altes allerdings am Keuchhusten; aber dieser ist in der Steinmetzstraße über- Haupt gegenwärtig stark vertreten. Das zweite Kind starb an Zahnkrämpsen im Alter von etwa iVe Jahren, das dritte war das siebenwöchige Kind des Fräuleins. Und da ich den Todtenschein auf unbekannte Ursache ausstellte— nach meiner Ueberzeugung mangelhafte Ernährung— so bin ich selbst es gewesen, der das Erscheinen der Polizei zum Zweck der Beschlagnahme der kleinen Leiche veranlaßte. Ich habe der Familie Schröder die Wohnung zum Oktober gekündigt, weil sie mir z» sehr vernichtet wurde und mir dieses Uebermaß von Mensche» nicht gefiel. Es war aber keine Rede davon, daß ich die Miethe verlangte, sondern Frau Schröder hat sich selbst er- boten, mir die Miethe nach Möglichkeit abzutragen. Nach dieser Zuschrift stellt sich das Elend, welches in der feuchten Kellerwohnung angesammelt war, noch viel entsetzlicher dar, als nach unserer Meldung vom Sonntag. Allerdings wird Herr Dr. Doll persönlich, was wir nicht verschweigen wollen, in mancher Beziehung durch seine Darstellung entlastet. Aber uns ist bei der Schilderung des furchtbaren Jammers, die wir brachten, ja auch weit weniger daran gelegen gewesen, einen einzelnen verantwortlich zu machen, als zu zeigen, unter welchen grauenvollen Zuständen ein beträchtlicher Theil des Proletariats überhaupt sein Dasein fristen muß. Und in diesem Bestreben hat uns Herr Doll, wenn auch vielleicht ohne Absicht, durch seine Zuschrift sehr wesentlich unterstützt. Polizei-Razzia am Hnmboldhafen. Am 16. d. M. soll. wie uns berichtet wird, die Polizei in Stärke von etwa zehn Schutzleuten und einem Lieutenant in der Gegend und auf den Kähnen des Humboldhafens in der Frühe um 4V« Uhr eine große Razzia auf Obdachlose abgehalten haben. Es sollen dabei etwa 20—25 arme, obdach- und arbeitslose Personen aus den Kähnen. wo sie genächtigt hatten, aufgetrieben und mit ihnen wenig glimpflich verfahren worden sein, indem die Polizei sowohl bei dem Ausstöbern, wie auch bei dem Transport nach der Wache, mit dem gezogenen Säbel operirt habe. lieber die Thätigkeit der Berliner Polizei wird uns noch folgender Beitrag geliefert: Eine Kopfarbeiterin verwendet ihre unfreiwillige Ruhezeit dazu, im fernen Osten ihre Heimath, ihre Familienangehörigen zu besuchen. Um hin und wieder auch mit Gesinnungsgenossen in Berührung zu kommen, besucht sie das einzige Lokal des Ortes, das den Sozialdemokraten zur Verfügung steht, weil es einem derselben gehört. Sie wird gebeten, m einer gerade bevorstehen- den Frauenversammlung einen Vortrag zu halten, was auch ge- schieht, ohne daß jedoch Zeit gewesen wäre, dies noch öffentlich bekannt zu machen. Außer den Versammlungsbesuchern und de» Lesern des am Orte erscheinenden sozialdemokratischen Wochen- blattes hatte also niemand davon Kenntniß erlangt. Eines Tages wird eine Schwester der betreffenden aus der Straße von einem Beamten angesprochen, der sie leise, ordentlich verschämt fragt:„Wissen Sie denn auch, was mit Ihrem Fräu- lein Schwester los ist? die ist ja— Sozialdemokratin! Der Herr Oberkommiffarius hat aus Berlin darüber Nachricht be- kommen. Zwar ist sie nicht„so eine", die in„solchen" Bersamm- lungen redet; aber sie hat sich bereits in Versammlungen, wie in Zeitungen für die Sozialdemokratie erklärt!"— Und das mußte zur Sicherung der Ruhe und Ordnung des preußischen Staates die Berliner Polizei nach dem fremden Osten eiligst be- richten. Einen Verein znm Schnh geae» die Schuhleute wollen Hamburger Bürger und Arbeitcr gründen. Die Vorarbeiten sind soweit gediehen, daß in diesen Tagen eine öffentliche Versamm- lung stattfinden soll, in der sich der Verein wahrscheinlich konstituireiv wird. Hamburg hat bekanntlich noch gar keine Gnmmischlauchaffäre im Großen gehabt. Nothstand und Arbeitslosigkeit gicbt es bekanntlich nicht in Berlin. Zu bewundern ist es unter diesen Umständen nur. waS alles von angeblich Hungrigen(in Wirklichkeit giebt es so etwas ja nicht) herausgesucht wird, um das nackte liebe Leben zu erhalten. So hat sich im Zentrum der Stadt, da wo die größten Konfektionsfirmen ihr Heim aufgeschlagen haben, am Hausvogteiplatz, i» der Jerusalemerstraße, am Werderschen Markt und in der Knrstraße er., ei» eigenthümlicher Erwerbs- zweig entwickelt. Man kann da den ganzen Tag über Männer beobachten, welche aufmerksam die Straße nach allen Seiten ab» spähen nach einem Fuhrwerk, sei es Omnibus oder Lastwagen, Droschke 1. oder 2. Güte, welche außer einem menschlichen In- fassen auch noch uursangrciche, in Tuch gehüllte Packete bergen, um bald daraus vor irgend einem Konsektionshanse zu halten. Eine wilde Jagd entspinnt sich, wenn ein solches Gefährt in Sicht ist, denn die Begleiter der umfangreichen Packete sind Konfektionsschneidcr oder deren Gattinnen und wollen liefern. Da die Packete zu schwer sind, so suchen diejenigen, welche neben dem Gefährt oft mit Lebensgefahr einhertraben. sich gegenseitig den Vorrang streitig zu machen, das Abtragen der Packete gegen geringes Entgelt dem Ablieserer abzunehmen. Man muß es gesehen haben, wie die dürftig gekleideten Gestalten, jung und alt, oft in Wind und Wetter Stunde um Stunde auf der Straße ausharre», um im günstigsten Falle einige Pfennige Verdienst zu tvTmfdjen. Man weijj dann bestiimnt. daß eZ in Berlin keinen Liolhstaud gicbt. Eingebrochen wurde in der Nacht vom 16. zum 17. d. M. in dem Große Frankfurterstraße 101 befindlichen Juweliergeschäft. Gestohlen wurden 60 goldene Herren- und Tainenketten, 110 goldene Herreu-Ringe, 100 goldene Damen-Ringe, 8 goldene Herren-Uhre». 12 goldene Miniatur-Uffre», 4 silberne Damen- Remontoir-Uhren und 16 goldene Damen-Uhren. Die Ver- sicherungsgesellschaft„Fides", Dorotheenstraße 46, bei der die Sachen versichert waren, sichert demjenigen öOO Mark Belohnung ju, der die gestohlenen Gegenstände wieder herbeischafft. Das geistige Berlin heißt ein Unternehmen, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Art Reklamelexikon der in Berlin hausenden Gelehrten, Künstler, Tintenkulis, Zeitungkverleger ec. herauszugeben. Das geistige Berlin scheint jedoch finanziell in reckt bedauerlichem Dalles zu stecken. Denn anders wäre es wohl nicht gut möglich, daß ein Theil der Angestellten, welcher auf Asche Anspruch machte, solche mit dem besten Willen nicht er- halten konnte. Bon wegen momentaner Geldverlegenheit konnte auch am Ende der verflossenen Woche ein Bureauvorstcher, der den Dienst qnittire» wollte, nicht zu seinem Gelde kommen. Das geistige Berlin sollte sich Mühe geben, seine recht elend entlohnten Arbeiter zu befriedigen und, wenn die Sache nicht gehen will, lieber die Bude zumachen. Fromme Kinder fressen gerne. In der katholischen St. Sebastians-Kirche waren einige Söhne gottesfürchtigcr Eltern als Chorknaben ic. angestellt. Sie walteten in den, Gotteshause andächtig ihres Amtes und hätten vielleicht an Tugend und Frömmigketl dem heilige» Antonius nachgeeifert, wenn der Teufel, der die Berliner Kinder leider gleich diesem versuchen mußte, sich nicht als der Sttirkcre gezeigt hätte. Es fiel in letzter Zeit auf, daß die Knaben allerhand splendide Ausgaben niachten und Droschke erster Jüte fuhren. Man ging dein flotten Leben auf den Grund, und da stellte sich dann heraus, daß das eine Pflänzchen Vätern um hundert Mark leichter gemacht, ivogegen ein anderer mit dem Schlüssel an Mutterns Geldkasten herum- gestochert hatte. Man entfernte die frommen Knaben schleunigst von dem heiligen Amt, das sie leider nicht vor der kleinen Ab- schweisnug zu schützen vermochte. Im Krankenhause FriedrichShain aufgefunden wurde die seit dem 14. d. M. als vermißt gemeldete Wittwe Salz, Große Hamburgerstr. 26 wohnhaft. Die 67 j ä h r i g e Frau, welche an dem betreffenden Tage in Rnmmelsburg gewesen und seitdem verschwunden war, hatte sich— zu stark geschnürt und verlor, als sie in einem Stadtbahnzug nach Berlin zurück- fuhr, die Besinnung. Sie wurde von Paffagiren der Stadtbahn im Koupee ausgesunden und nach den. Krankenhause Friedrichs- Hain übergeführt. Leider hatte man verabsäumt, das Korset der alten Frau aufzuschnüren und so trat, bevor ärztliche Hilse zur Stelle, eine Gehirnlähmung ein. Infolge dessen ist die Kranke noch immer ohne Besinnung und muß künstlich ernährt werden. Allem Anscheine nach ist die S. während der Fahrt nach Berlin bestohlen worden, da der Umhang und Sonnenschirm fehlt. Die geschlossene VolkSbibliothek. Uns geht die folgende Beschwerdeschrist eines Lesers zu: Es existiren bekanntlich in Berlin mehrere Volksbibliothcken, die ihrem Zwecke nach dazu dienen sollen,„Wissen und Bildung auch in den unteren Bevölkerungsklassen zu fördern". Dies wäre nun schön und gut, wenn so eine Bibliothek nicht mit einem Male ganz zu existiren aushörte. In der vierten städtischen Volksbibliothek, Stallschreiber- straße, starb Ende Mai der Bibliothekar, welcher gleichzeitig Rektor der dort befindlichen Gemeindeschule ist. Seit der Zeit wartet nun das lesende Publikum vergeblich aus einen neuen Bibliothekar, da die Bibliothek beim Tode des Rektors geschlossen wurde. Geht man nun hin und erkundigt sich, so wird einem der erquickliche Bescheid, daß„wahrscheinlich" zu Oktober wieder geöffnet würde. Revisionshalber kann die Bibliothek nicht geschlossen sein, da eine solche erst kurz vor dem Tode des alten Rektors abgehalten wurde. Man wartet also nur auf einen Stellvertreter. Sollte ein solcher denn in ganz Berlin nicht zu haben sein? Die«eucsten Erwerbungen des Berliner Aquariums komnie» hauptsächlich der Reptilieusamnilung und dem Scewasser- decken zu statten. Eine beachtenswerthe Ergänzung der erstere» verdankt es unseren afrikanische» Kolonien und zwar der Freundlich- keit des Herrn Stationsleiters E. Baumann, welcher der Anstalt einige afrikanische Schildkrölen und Krokodile überweisen ließ. Die Schildkröten zeichnen sich vor allen anderen Gattungen und Familien dieser artenreichen Reptilienordnung dadurch aus, daß der Rückenpanzer in zwei, nur durch Faserknorpel mit einander verbundenen Stücken besteht, deren hinteres beweglich ist und nach unten gegen die Bauchschale gepreßt werden kann, während die letztere, die wiederum bei manchen anderen Gattungen ans zwei mehr oder minder bewegbaren Theilen sich zusammensetzt, ein Ganzes bildet. Diese Einrichtung des Rückeuschildes wissen die neuen Schildkröten, deren Vorderfüße beim Gehen nur mit den Nägeln den Bodenfsberühren(stelzen), sehr geschickt zu ver- wenden, indem sie bei Gefahr Kopf, Hals und Füße in den Panzer zurückziehen und denselben durch die Rückenklappe schließen. Die im Zoologische» Garte» mit der Fütterung der Vögel betrauten Fra uen beschweren sich über allzu energische Zlusbeutung. Eine Mittagspause gebe es zuweilen gar nichl, oft dauere sie nur eine halbe Stunde; Frühstücks- und Vesperpaufe sei ihnen unbekannt. Alle 14 Tage hätten die Arbeiterinnen einen halben freien Tag. Mit recht fragen die ausgebeuteten Frauen, ob der Direktion schon einmal der Gedanke gekommen sei, wie denn in dieser Hätz noch zu Hause die Wirlhschaft besorgt und die Kinder erzogen werden sollen? Beschwerden bei der Direktion seien nutzlos; wer nicht über Hals und Kopf arbeile, werde ohne weiteres entlaffen. Vor Hunger ohnmächtig zusammengebrochen ist am Dienstag in der Urbaunraße der Gürtler Heinrich G u p p i ch. Er hat vor einigen Jahren eine 6 monatige Ge- fängnißstrafe wegen Majcstätsbeleidigung verbüßt und seitdem ist es ihm nicht mehr möglich gewesen, dauernde Arbeit zu finden. Ein Berliner Gerichtsassessor, Herr Walter Augustin, hat sich in Frankfurt a. M. unmittelbar nach seiner Trauung erschossen. Im StationSbnrean zn Nixdorf ein gesundes Knäblein zur Welt gebracht hat eine Frau M. aus der Jägerstraße daselbst, als sie von einem Ausfluge nach dort zurückkehrte. Beim Aussteigen aus dem Wagen wurde sie plötzlich von heftigen Wehen befallen, weshalb man sie mit Erlaubniß des Stations- Assistenten nach deni Bahnhofsbureau schaffte und sofort nach einer Hebamme schickte. Mutter und Kiud wurden später mittels Krankenwagens nach ihrer Wohnung gebracht. AuS Verzweiflung hat der 52 Jahre alte Kaufmann August K. aus der Fehrbellinerstraße 46 seinem Leben ein ge- wallsames Ende bereitet. K., der sich sehr oft auf Reisen be- fand, wurde von einem Herzleiden heimgesucht, und das Plötz- liche Ende seines Lebens hätte sich nach dem Gutachten eines Sachverständigen nur durch einen operativen Eingriff aushalten lassen. Darüber verzweifelt, benutzte K. einen Augenblick, wo seine Gattin abwesend war, um zunächst die erwachsene Tochter aus dem Zimnier zu entfernen. Als die letztere wieder eintreten wollte, sah sie den Vater mit einem Revolver, den er auf seine Stirn gerichtet hatte, vor dem Spiegel stehen. In demselben Augenblick krachte auch schon ein Schuß und der Getroffene sank der hinzueilenden Tochter in die Arme. Als man mit dem Schwerverletzten in einem Kraukenhause anlangte, war der Tod bereits eingetreten. El« recht daukßareS Herz scheint elue Dame zu besitzen. welche am letzten Sonnabend Nachmittag auf dem Weddingplatz einem dort seine Fahrt beendenden Pserdebahnwa�en entstieg, wobei sie in diesem ein kleines Packet liegen ließ. Sie begab sich vom Wagen aus direkt in ein Schreibwanren-Geschäst, und hier erst bemerkte sie im höchsten Schreck, daß ihr das Päckchen fehlte. Verstört eilte sie zn dem Wagen zurück, fand das Packet hier auch noch vor und drückte dem Schaffner freudig erregt ein Geldstück in die Hand. Dann ging sie wieder in das Geschäft zurück, wo sie nun erzählte, daß der Verlust des Päckchens sie ruinirt haben würde, da es ihr ganzes Vermögen: 90 000 M. in Papiergeld und Staatspapieren enthalte, weshalb sie auch in ihrer Freude dein Schaffner— eine Mark geschenkt habe. Nach sechSuiiddreißlgstiiudiger Arbeitszeit veriinglliSt! Aus entsetzliche Weise ist am Sonntag ein Mehlkntscher von der Firma B u ch h o l z und S ch m ü ck e r in der Gartenstraße auf dem Wege zwischen Többeritz und Staaken(nahe bei Spandau) verunglückt. Ter Kutscher hatte auf dem für de» Sonntag an die Norddeutsche Brauerei abgegebenen Wagen den in der Gegend manöverirenden Truppe» Bier zuzuführen gehabt und wurde am Sonntag in der fünften Nachmittagsstunde von seine» Kollegen. die in gleicher Eigenschaft beschäftigt waren, im Dorfe Staaken vermißt. Man ging wieder zurück und fand den Vermißten von seinem Gefährt überfahren, in schwer verletztem Zustande am Wege liegen. Der Verunglückle wurde ins Spandauer Krankenhans geschafft. Was war die Ursache des Unglücks- falls? Der Kutscher war vom Sonnabend Morgen an die ganze Nacht hindurch und auch den Sonntag über unausgesetzt in Thätigkeit gewesen und schließlich vom Schlafe ü e r m a n n t worden! Der Besitzer des LokalS„Puhlmann'S Vaudeville-Theater" theilt uns zu der gestern von uns aus dem„Volk" abgedruckten Notiz, in der sein Institut erwähnt wird, berichtigend mit, daß bei ihm überhaupt keine Herrenabende abgehalten würden; und daß die Schlüsse, welche das genannte Blatt aus den Veranstal- tungen in seinen Räumen gezogen habe, verfehlt seien. Bei ihm verkehre ein bürgerliches Familienpublikum; und der Schluß seines Lokals finde bei öffentlichen Veranstaltnngen spätestens V/t Uhr nachts statt. Das„Volk" wird daher wohl das ge- nannte Lokal mit einem andern verwechselt haben. Polizeibericht. Am 19. d. M. wurde ein Gürtlerlehrling in der Wrangelstraße durch einen Geschästswagen überfahren und innerlich anscheinend schwer verletzt.— Bormittags wurde im Landwehrkanal am Schleusenufer die Leiche eines seit dem lö. d. M. vermißten Mannes angeschwemmt.— In einer Wäschefabrik in der Kastanienallee gerielhen nachmittags zwei Zuschneider in Streit, in dessen Verlauf einer durch einen Messerstich in die Brust bedeutend verletzt wurde.— Gegen Abend stürzte sich eine Frau aus dem Fenster ihrer im vierten Stocke eines Hauses in der Kcsselstraße belegenen Wohnung in den Vorgarten hinab, ohne sich jedoch zu verletzen.— In einem Hause in der Alexandrinenstraße fiel abends ein Hausdiener in der Trunkenheit von der Treppe und zog sich schwere innere Verletzungen zu.— Abends fand in der Kreuzbergstraße eine Schlägerei statt, bei der zwei Handelsleute durch Messerstiche erheblich verletzt wurde».— In der Nacht zum 20. d. M. versuchte eine Frau, sich in ihrer Wohnung in der Brunnenstraße zu erhängen. Sie wurde von ihrem Ehe- mann noch rechtzeitig abgeschnitten.— Im Laufe des Tages fanden zwei Feuer, darunter ein Dachsluhlbrand im Hause Görlitzerstr. 71 statt. WittrningSiiberflcht vom SO. August 1895. Wetter-Prognose für Mittwoch, 31. August 1895. Warines, vielfach heiteres, zeitweise wolkiges Wetter mit schwachen südwestlichen Winden und etwas Neigung zur Ge- witterbildung. Berliner Wetterbureau. Gevidjks � Äettun g. Eine bemerkenSwerthe Schöffensitznng tagte am Amts- gerichts II, in welcher der frühere Siaalsanwalt, jetziger Anits- gerichtsrnth Balke den Vorsitz halte. Angeklagt war der Droguist Rohr aus Rummelsburg, weil er im Februar d. I. polizeilich beschlagnahmte Sachen vorsätzlich bei Seite geschafft hatle und Gifte und Arzneien, so weit der Handel damit nicht freigegeben ist, von ihm seilgeboten waren. Letzteres wurde zu- gegeben, während die Beschlagnahme bestritten wurde. Diese soll angeblich am 20. Februar d. I. bei Gelegenheit einer Revision durch den Kreisphyfikus Dr. Philipp, den Apotheker A. Müller und den Polizeidiener Neumann stattgefunden haben. Entgegen den ausdrücklichen Vorschriften wurde ein Revisionsprotokoll nicht aufgenommen, vielmehr begnügte sich Dr. Philipp damit, daß er am 21. dem Amtsvorsteher zu Rummelsburg mitlheilte, welche verbotenen Maaren vorge- funden wurden. Er schloß die Mittheilung mit dem Satze: „Vorstehende Maaren sind bestimmungsgemäß mit Beschlag zu belegen und ersuche ich ganz ergebenst, dies gefälligst veranlassen zu wollen. Ein genauer Bericht über die Revision folgt nach." Dieser Bericht trägt das Datum des 24., obwohl er am 20. an- gefertigt sein niußte, und lief wunderbarerweise erst am 27. aus dem Amte zu Rummelsburg ein. In dem Berichte stand nichts von einer Beschlagnahme. Der Amtsvorsteher faßte das erste Schreiben so auf, daß er den Apotheker Müller ersuchte, behufs Beschlagnahme nach dort zu kommen. Müller nahm nun am 23. in dem Geschäftslokale des Angeklagte» in das Protokoll auf: „Bei der am 23. erfolgten Nachrevision, um die Beschlag- nähme der am 20. gefundenen Gegenstände vorzunehmen, fanden sich vor....." In der Hauptverhandlnng wurde be- stritten, daß der Physikus und ebenso wenig Neumann als Polizeidiener eine Beschlagnahme ausgesprochen hatte». Zum Nachweise darüber beantragte der Bertheidiger die Vernehmung mehrerer Zeugen. Der Vorsitzende sah hierbei in die Akten und wies den Antrag, als der Bertheidiger knapp ausgesprochen hatte, ohne weiteres wegen Unerheblichkeit zurück. Rechts- anmalt Sonnenseld fragte infolge dessen an, ob dies Gerichts- beschluß sei, woraus schon in demselben Athemzuge Amtsgerichtsrath Balke die Frage bejahte. Ohne daß also den Schöffe» wenigstens ein Blick zugeworfen wurde, war der Gerichtsbeschluß fertig. In der Vertheidigung wies Rechtsanwalt Sonnenfeld auf die auffällige Erscheinung hin. daß in den wichtigen Urkunden nichts von der Beschlag- nähme stehe, daß ferner ein gebildeter Mann, der sich über die Tragweite solcher Handlung bewußt ist, sich nicht ins Gesängniß bringen wird. Für den guten Glauben, daß er von einer Be- schlagnahme nichts wußte, spreche der Beweis, der laut Gerichts- beschluß nicht erhoben swurde/ Bezüglich des PolizeidienerS sei es fraglich, ob er zur Ausübung einer Beschlagnahme dann befugt sei, wenn er als untergeordnetes Organ einer ganzen Kommission beigegeben ist, in solchem Falle sei nur der Vor- sitzende dazu berechtigt. Das Schöffengericht verurtheilte den Angeklagten wegen des verbotenen Feilhallens von Giften zu einer Geldstrafe von 100 Mark und wegen des Beiseiteschafsens der beschlagnahmen Sachen zu einer Woche Gesängniß. Zum Tode vernrtheilt nnd— freigesprochen. Nach mehrtägiger Verhandlung wurde am Mittwoch in Brüx in dem Prozesse gegen den Badergehilfcn Josef Weißgraber ans Brunnersdorf, welcher unter der Anklage stand, am 10. Oktober vorige» Jahres seine beiden Eltern und seine acht Jahre alte Schwester Klara mit einer Hacke ermordet zu haben, das Urlheil gefällt. Weißgraber war bereits am 9. Mai d. I. von den Ge- schworencn einstimmig schuldig befunden»nd zum Tode durch de» Strang verurlheilt worden. Infolge seiner Nichtigkeits» beschwerde ordnete der oberste Gerichtshof eine neue Verhandlung an. bei welcher nun Weißgraber einstimmig freigesprochen wurde. Er wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Moderne Justiz. Aus Rawitsch wird der„Germania" be» richtet: Eine sehr hohe Strafe verhängte das hiesige Schössen- gericht gegen den Arbeiter Rosal aus Trachenberg, welcher am 20. Juli d. I. auf dem hiesigen Bahnhof ein Waggonfenster im Wcrthe von 2 M. eingeschlagen halte. Während der Amts- anwalt zwei Jahre Gesängniß beantragte, erkannte der Gerichts- Hof aus eine Gesängniß st rase von drei Jahren. „Gebildete" und wohlhabende Strolche, die ein wehrloses Weib mit einem Stocks brulalisirt haben, sind mit einer für sie gering- fügigen Geldstrafe davon gekommen. Versammlungen. Eine öffentliche Ilistenmacher- Versammlung tagte am 19. August im Lonisenslädtischen Kouzerthaus, Alte Jakobstr. 37. Kollege Tschernig erstattete Bericht über die Lage des Streiks; er führte aus, baß noch 89 Kollegen im Ausstand wären gegen- über 54 in der vorigen Woche. Unterstützung wurde an 52 Kollegen gezahlt. Die Verhciratheten erhielten 12 M. und für jedes Kind 1 M., und die Unverheiratheten 9 M. Der Referent unterzog die Handlungsweise einiger Fabrikanten einer scharfen Kritik. In verschiedenen Fabriken würde schon wieder abgezogen, jedoch sei bis jetzt die Durchsetzung von Abzügen an der Einmülhigkeit der Kollegen gescheitert. Des weiteren wurden viele Mißstände in den Fabriken geschildert; so wurde konstatirt, daß in der Fabrik von Engel, Wein« meister- Straße Nr. 14, die Balken vollständig verfault sind, und die Arbeiter in steter Lebensgefahr schweben. Die ver- breiteten Handzettel an die Hausdiener und Packer haben die- jenigen Fabrikanten in große Aufregung gebracht, welche den Tarif nicht bezahlen. Diesem Aerger machten sie in einem Artikel in der„Vossischen Zeitung" vom Sonnabend in drastischer Weise Lust. Kollege Heinrich Müller kritisirte noch die schwache Unter- stützung der Kistenmacher durch die anderen Gewerkschaften, die- selbe entspreche nicht der von den Kistenmacher» anderen Gewerk- schaften gegenüber geübten Solidarität. Es sei nothwendig, daß sich die Geiverkschaften den Kistenmachern gegenüber etwas eifriger zeige». Zum Schluß wurde man sich noch darüber einig, den Streik noch nicht aufzuheben, denn es ist nicht ausgeschlossen. daß in einigen Tagen wieder einige Werkstellen zum Nachgebe» gezwungen sein werden. Landsmannschaft der SchleSwks-Nalstelnev sn Serlt». Mittwoch, dm 21. Auaufl, abends sz Uhr, Versammlung der SchlcSwtg-Holstetner mit Frauen im Kommandanten-Barten. Kommandantenstr. 10— ll. zierlinrr Radfalirer-Genolfcnschaft„S o l id a r t t ä t". Heute keine Tttzuna. dafür am 2». d. M. große MUgliedersteung. zUuftk-Dilettantenverrin„Knaatsch". Mittwoch, den 21. d. M. Vereinsabend dei Siefsens, Kolbergersir.». Arbeiter- KiId»»g«lch«U. Mittwoch, abends?!(— efj Uhr: Lektüre »If—iWS Uhr: M o r d f ch u l e, Müllerflr. ma: Naturerkenntntß(Ter Darwin Ismus.— Schöpfungspertoden und Schöpsungsurkunden.) Südost- schule, Maldsmarsiraße Nr. i«: Beschichte(römische Klassenlämpfe im alten. Rom, Läsartsmus, Entstehung des Ehriftcnthums.) Bei allen Unterrichts- sachern werde» neue Thetlnehmer, Tanicn und Herren, sederzett ausgenommen. Lese-»nd N>»tintirl>t»b». ZNittwoch. I o h a» n I a c o b u, bei Fritz Lietztc, Cchwedicrstraße S3.— Eesundbrunnen, abends sji Uhr, bei Haferland, Bellerniannstr. 07.— G l e s ch h e t t, abend« Sss Ubr bei Stramm, slitterstrab« 123.— Hein«, Rtpdors, abends s% Uhr, Prinz-Handjerystr. oo, parterre.— Et n tg let t, abends djs Uhr bei Zctge, Trtslstr. 1.— Theater- und Lescklub Morgen roth, abdS.» Uhr, im Rcstaur. Dicke, Lothrtngerstr. 67. Arbeiter- Knngerb»»d Kerlin» nnd Ztmgegrnd. Vorsitzender Adols Mcuman», Pascwalkerstr.». Alle Aenderungen im VereinSIalender stnd»u richten an Fried,«ortum, Manteusselstr. 49, v. 2 Dr. znittivoch. Uebungs- sUinde Abends 9 Uhr, Ausnahme von Mttglsedern.— LledeSsrethest 1, «lndreasstr. 26, bei Wille.— Norddeuts che Schleife, Adalbertftr. 21 bei Roll.— Unverzagt l, Manteuffelslraße 9 bei Slowack.— Frey» I, , Gemischter«bor), Rosenthaterstraß« Str. 67 bei Wernau.— Lorbeer- lranz 1, Wctnsiraßc Nr. 23 bei Späth.— Deutsche Eiche t, Kroße Jrantstirlerftraße Nr. 138 bei Bold.- Echo I, Pankow, Wollank- straße 113 bei Lebmann.— Sctangveretn Alton III, Rixdorf, Herrmann- und Herrfurthstraßen-Ecke bei Weiß.— Freundestreue sgemisch. Ehor), Große Franksurlerstr.>33 bei Bold.— E i n t g k e i t sHutmacher), Rosen- thalerstraße 12 bei Brüning.— Allegro, Wrangelstr. m bei W. Schmidt. — Freiheit l, Bülowstraße 65 bei Richter.— Stetnnelke, Pale- walle rsiraße 3 bei St. Neumann.— Süd-Ost, FatScnstcinstr. 7 bei Drttiel- ivitz.— Lied« S l u st, Fürstenwalde an der Spree, Schloßkelleret.— Freier Atannerchor N o r d- W e st(früher Klempner) Moabit, Eindener- und Stlinensslraßen-Ecke 14.— K u p I e r s» m t ed W-inftraße 11 bei Feind.— Rothe Nelke>, Scksöneberz, Bolzsir. 43 bei Klauke.— Appolonia, Rosenthalcrstr. 67 b-t Wernau.— FrethettSgruß, Eremmenerstr. t bei MaldtcS.— Schneeglöckchen 1, Rixdorf, Hermann- und Karlsgartcn- straßm-Eile bei Hilpert.— Schneeglöckchen 2, Potsdam, Brandenburger Kommunikation 16 bot Glaser.— Matengruß 3, Friedrtchshagen, Rund- theil. bel Lerche.— Unverdrossen, Ltndoiverslraße 26 bei Sachs.— Felfenburg, Langestraße 66 bei Omezareck.— Vorwärts 7, Rummels- bürg, Bölhc- und Kamstraße- Elke bei Bretnert— Hoffnung». Brandenburg a. H,..jiontordta', WtlhelmSdorserstraße.— Frei hell s< klänge I, Stallschreiberstr. 29,„Zum eichenen Stabe" bei Schöning.— Zlrbeilcrgesangperein von Britz in Britz, Bllrgcrstr. 4 bei Dorn.— Seeger- scher Man nerchor, Landsberger Allee 166 bei Bökel.— Maiengruß 2, Lharloltenburg, Wallstr. 96 bei Beyer.— Dämmerlicht, Zorndorser- straße 17 bei Hofsmann.— Edelweiß 2, Potsdam. Brandenburger-«om- munikation 16 bei Blaser.— Hetmalhklänge, Köpenick, Rosenslr. 101 bei DroppenS.— Männer-Besangveresn Geduld, Gesundbrunnen, Butt- mannstraße>7 bei Mohes.— Eesanaveretn Fr e t h e i t sr l än g e ll. Ehortnerstr. 66 bei Hobeck.— Männer, Gesangverein Palme, Velten t. d. M. bei Zemlin.— Weiße Rose, Retnickendors, R-fidenzstr. 10t bei Malchin.— Männer Besangverew L i e d e r l u st, Admtralftr. 33 bei Tutzauer.— Danges- b l ü t h« n, Stralauer Platz 10-11 bei Poppe.— B l e i ch h e t t, Schönhauser tzlllee 136 bei Ramlow.— Sesanaveretn Frohsinn II, Friedrichsberg. Wartenbergstr. 67 bei Lange.— Sängerchor der Maler, Annenstr. 9 bct Protz.— Männer-Besangveretn Zielbewußt, Zeughofstr. 3 bei Behlendorf.— Arbelter-Sesangoerein„Eint g", Blumenstr. 32 bei Reich.— Arbeiter- Gesangverein„Neue Zeit", Wvlltnerftr 86, EperlingSlust bei Sperling. - Männer-Sesangveretn HilarttaS, Hochstr. 32a bei Schmidt.— Arbeiter-Gesangverein Zukunft ll Nieder- Schönhausen, bei Teilekorn, Ltndenstratze. Kund»er sefelligen Ardeiterverrin» Kerlin« und zlingegeud.(Zu- l ch rillen stnd zu richten an P. Gent, Adalbertstraß- 96. Zttitiivoch: Humoriflts cher R auchllub, Görlttzerstrabe 42 bei Pichl.— Te-s s elliger Verein Brüderlichkeit Georgenlirchstraße Nr. 66 bei Spät.— Verein R! h e t 0 r t k, Nvunynsir. 36 bei Zubeil Abends Uhr.— Gelelliger Verein Hoslnung, Lcbuserstraßc Nr. 6 bei Nemitz(alle vierzehn Doge).— Tbearcrveretn Proletariat, Naunynstr. 83 bei«öhn.— SchasSlopfklub Epar-Agne»,»rautstr. 36 bct Jnstnger.— Geselliger Verein Alpenrose, Bntzcrftraße 22 bei Gras.— Prtvaltheater-Seselllchast R 0 IN e l t a. Pücklerstr. 2 bei Müller.(Außerdem alle 14 Tage Sonn- tags.)— Vergnügungsverew A mor 2, Prinzen-Allee 10 bei Bergemann. — Geselliger verein Freundschaft, Zimmerstr. 39 bei Engel.— Rauch- klud Rothe Fahne, Euvryflr. 43 det Lteb«.— Geselliger verein Deutsche ktche, Fiirbringerftr. 7 bei Groth«.— Bllhnenverband Apollo, Prinzen. Allee 10 bei B-rgcmann.— Mundharmonila-Berein Vorwärts, Belle- alltancestr. 74 bei Kttzing. Grsaug., Sur»- und gesellig» Kerel»». Zttlttivoch. Arbeiter- Gesang- Verein Hoffnung, Friedrich sbera. Ucdungsstunbe adendS 9 Uhr. Restauranl O. Schultze, Friedrich Karlsiraße S4.— Privat-Dhcaler- gefellschast Hetmathlust, 9 Uhr Sitzung im Veretnsloral bei Lange, Slromstr.>3.— Prival-Dhealer-Gesellschasl Philharmonie, Sitzung mit Damen, abends 0 Uhr, ZeughoMraße 3 bei Behlenborf. Aufnahme neuer Mitglieder.— Thealervercin Unikum, abends 9 Uhr bei Wiersdorf, Alte Zakobstraße 96t 97: Sitzung mit Damen.— Durnveretn Fichte. l. Männer- Adlheilung turnt Mittwoch und Donnabend von s bis 10 Uhr, Turnhalle griedenstraße 23. 3. Männer- Abiheilung turnt Mitt- woch und Sonnabend Abend von 8—10 Uhr, Turnhalle Böckhstr. 20-22. 2. LchrltngSablheilung turnt Mittwoch u. Sonnabends— iv, Skalitzerstr. 66— 67 — Vereinigung der Turnfreunde. Mittwoch« und Sonnabends Turnen von s>/i— iv't, Uhr abends in der Turnhalle, Temmtnerstr. 66-67, — Geselltger Verein Unter u n S, Sitzung 8 Uhr bei Fischer. Beusselstr. 66.— Musikdilettanten-Berein Prectosa abends sz Uhr bei Geister, Fenn- und Tegel« rsiraßeu-Scke, Uebungistunde, Aufnahmen.— Musil-Dilettanten-Berein No rd isch e Klänge, bei Reuter, Swincmünder» straße 46, vebungsstunde von 3z vis 11 Uhr.— Schwimmveretn Nord, oBenM« Uhr«««Sab MeirlSenbsrf, NebungSstunbe.— Geselliger verein Anna-Marie, abend«« Uhr, im Restaurant Roll, Adalbertstr. Si, Sitzung. — Slatllub Die Luftige Zwölf, im Restaurant Ruhl-Andree, Thoriner- straße«8.— Elaltlub so, Uhr Sitzung bei Fechner, Wtenerstratze 00.— Kraft-hund Arttstenllub„Eiche", Mittwochs von 9— II, Sonntags von li di« i Uhr, bei Auguftin, Kastanien-Allee ti.— Vergnügungsverein Fortuna, obenbs szj Uhr, Sitzung bei Schulz, Weberstraße>o.— VeranügungSverein Bioletla, Sitzung mit Damen Uhr bei Mehner, Chausteestratze 7Z.— AgitationSllub Osten, abends«ij Uhr bei Jauer, Fruchtstr. 52. Rauchklub Grüne Quaste, abends g Uhr bei Steberer, Holz- warltstraße«sa.— Rauchklub Granate, Forsterstr. 40 bei Tugunlke. — Rauchllub Altona, obenbs 8Jj Uhr bei Herrn A. Wich, Forster- straße ss.— Orientalischer Rauchklub, abenbi 8 Uhr, Reichen- bergerstraße 24 bei Dauschke.— Rauchklub Frisch gewagt, abenbs 9 Uhr bei F. Rockenbors, Posen-rstraße 5.— Rauchklub Roochloch, Admiralstr. s» im Restaurant abenbS i�s Uhr.— Rauchklub M e ss a- lin a, bei H. Wultke, Eraudenzerstr. 2.— Skal-Klub Tre ss, Franksurler Allee 80 bei O. Zabel.— Rauchklub Ohne Zwang, Weinstr. 2» bei Späth.— Rauchklub Die Dampfenden, Langeftr. 24 bei Jeratsch.— Rauchklub Virginia, abenb« 8 Uhr bei Schnieber, Abmiralstraße 2l.— Rauchklub Humoristische Psetfenbrüber, abenbs 8 Uhr bei Salz- wcbel. Klosterstr. sg.— Rauchllub Sumatra Süb-Ost, abenbs«X Uhr bei Müller, Liegnitzerstr. is.— Rauchklub Eemüthltchkeit II, abends 9 Uhr im Lokal Schmidt, Köpnickerstr. l7l.— Rauchklub WaldeSgrün, bei Tilgner, Forsterstr. 22. Freie Vereinigung der»au fleute. Im Englischen Hof, Reue Robstr. s, gcmüthlichcs Beisanrmensetn.— Arbeiter-Slenogrophenverein Eintracht, Unterricht und UebungSftunden abends sZj Uhr in den Re- staurantS Owczarek, Langestr.«s und Eeidler, Ratiborflr. l«.— Rollerstcher Sienographenverein Ptonir, Hussttenstr. 8, Restaurant Rausch, abends bZ Uhr, Unterricht und Fortbildung. l-ermsu- Tiwsricaa Illud„Ilae lv 8 am Club", Every Wcänesday o'clock p. w. Frteboes Restaurant, Münzstr.»7. Vermischkes. Die Mülheimer Brvölkeruug gegen die Polizei. Aus Köln wird telegraphirt: Nachdem die Mülheimer Behörde am Montag durch öffentliche» Anschlag die Bürgerschaft aufgefordet hatte, dem Werstplatze fernzubleiben, außerdem von abends VaO Uhr ab die Schiffsahrt den beiden Gesellschaften verboten war, kam auf der Werft trotz Ansammlung einer zahlreichen Menschenmenge eine Ausschreitung nicht vor. Gegen 11 Uhr indeß zog eine starke Truppe vor das Bürgermeisteramt. Es erschien darauf ein starkes Polizeiaufgebot und trieb die Menge mit blanker Waffe auseinander. Wiederum sind zahlreiche Ber- wundungen vorgekommen und viele Personen verhaftet worden. Weitere Ansammlungen vor öffentlichen Gebäuden wurden aus- einandergetrieben. Ueber die Ursache der Unruhen entnehmen wir rheinischen Blättern folgende Mütheilungen: Infolge des zwischen den beiden Dampfschifffahrts-Gesell- schaften tobenden Konkurrenzkampfes hatten in letzter Zeit abends Ansammlungen von Menschen an den Landeplätzen der Schiffe stattgefunden, wobei es zu Sticheleien und Verhöhnung der Passagiere kam. Infolge eines Gerüchts, es solle am Abend zur Gedächtniß- feier der Schlacht bei Gravelotte ein Feuerwerk abgebrannt werden, hatte sich nun am Sonnabend Abend eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden, welche sich auf der Werft und in den angrenzenden Straßen drängte. Die gesammte Polizeimacht Mülheims war auf der Werft zusammengezogen. Der Polizeikommissar wollte den Platz räumen und ließ schließ- lichdie blanke Waffe anwenden und ein hauen. Die dichtgedrängte Menge, außer stände, der Auf- forderung der Polizei schnell genug nach- zukommen, setzte sich schließlich mit Steinwürfen zur Wehre und drängte nun die Polizei zurück. Zahlreiche Verwundungen durch Säbelhiebe und Steinwürfe von Bürgern sowohl wie auch von Polizeibeamten sind vorgekommen. In der Kirchenkasse Mömbries in Unterfranken ergab sich bei einer Revision ein Defizit von über 10 000 Marl. Welch frommer Bruder hat da wieder einmal„getheilt?" Die Explosion in dem Gumry-Hotel in Denver wird der Unvorsichtigkeit des Maschinisten zugeschrieben. Gegenwärtig schätzt man die Zahl der Getödtelen auf 20, diejenige der Ver- mundeten ist sehr groß. Das schnelle Umsichgreifen der Flammen machte die Rettung der Verunglückten unmöglich. Bisher sind vierzehn Leichen aufgefunden; die Nachforschungen werden fort- geseht. Ausbruch deS VefnvS. Die eruptive Thätigkeit des Vesuvs ist noch in Zunahm« begriffen, so daß die Einwohner der in der Nähe liegenden Ortschaften flüchten mußten. Briefkasten der Kedakkion. Wir biten bei jeder Anfrage«in- Chiffre(Zwei Bnchsiaben oder eine A>HI) anzugeben, unter der die Antwort erthetlt werden soll. K. V. 1881 unterlag Bebel mit wenigen Stimmen gegen Träger im 4. Wahlkreise. A B, Turlach. Senden Sie uns den Bericht ein. Bis jetzt haben wir keinen empfangen. W. E. 18. Wir haben keine Veranlassung, auf die magnetischen Künste des Herrn Gerling näher einzugehen, als es unsererseits geschehen. Franz H., Charlotteuburg. Wird gelegentlich un lokalen Theil verwendet. Theilweise ist die Frage schon früher behandelt worden. Der Putzer Sarl Ramm, Stargarderstraße 19. ersucht uns zu konstatiren, daß er mit dem Putzer Ramm, Brimnen- straße 82, dein Vermittler der streikbrechenden Maurer nicht identisch ist. Vier Historiker iu Hamburg.„Krauter" heißt„Meister" in der Gesellensprache, wie Sie sehr richtig bemerken. Im übrigen haben wir doch am Ende mehr zu thun, als literar- historische Studien zu dem Zweck zu machen, Ihnen den Ursprung des Wortes quellenmäßig nachzuweisen. Junnngömeister. Wenn Sie absolut diese albernen Fragen beantwortet haben wollen, dann müssen Sie sich schon an die betreffenden Parteigenossen persönlich wenden. P. III. Blaschko, Syphilis und Prostitution vom Stand« punkt der öffentlichen Gesundheitspflege, kostet geheftet 4,80 M., gebunden 5,50 M. und kann auch durch die Buchhandlung des „Vorwärts" bezogen werden. Ihre Anregung werden wir den Verlraucnsmännern überweisen. Briefkasten der Expedition. ZOO Wuusiedel. Sie müssen sich bei der Postdrrektion Ihres Ortes beschweren, wenn Ihnen die Zeitung nicht regel- mäßig verabfolgt wird. Für denInhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Veranttvortung Theater. Mittwoch, den 21. A u g u st. Gperntzans.(Kroll's Theater) Der Troubadour. Schaufpieltzaus. Ein Sommernachts« träum. Deutsches Theater. Das Lumpen- gesindel. Lesstng-Theater. Die Schmetterlings- schlacht. Htene« Theater. Tata-Toto. Schiller- Theater. Ehrenschulden. Das Schweigen. Ohne Liebe. Friedr.-Mitheimstiidtischer Park. Berlin amüsirt sich. Adolph Ernst- Theater. Madame Suzelte. Aleranderplah-Theater. Im Irren- Hause. National- Theater. Berliner im Feuer und Wasser. Theater Unter den Linde«. Rund um Wien. Dorothea. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vov stellung. Schiller-Tiseater. (Wallnep•Theater.) Mittwoch: Ehrenschulden.— Da» Kchwrige».— Ghu» Liebe. Donnerstag: Minua von Karnhelm. Freitag: Ehreuschutden.— Da» Kchmeigen.— Ghu« Liebe. Sonnabend: Minna von Karnhelm. Mrit-MMW. Mn Nornnzrinr. Freitag, den 30. August 1895, abends 7»/2 Uhr: Erste» Grsammt» Gastspiet der Schauspielgesellschaft „Die Liliputaners Damen: Selm« Goerner, Bertha Jaeger, eda Mahr, Toni Meister, lise Lau. Herren: Franz Ebert, Adolf Zink, Hermann Ring, Max Walter, Ludwig Merkel. Direktion: Earl u. Theodor Roscnfeld Erste» Mi»d»ra»lftr«trn der Liliputaner in Enropa nach kjähriger Gaftspieltonrnee in den Dereinigt»« Staaten vom Uord- Amerika. Zum 1. Male: Die Rttse nch üem Mars. Großes amerikanisches Ausstattungsstück mit Gesqng und Tanz in 4 Akten und 15 Bildern von Robert Breitenbach. 2slll clor«ItvirkonSsn 299 personell. Der Vorverkauf der Billets beginnt Montag, den 26. August. Briefliche Vorausbestellungen werden von jetzt ab entgegengenommen. Preise der Plätze: Orchester- und Fremdenloge 5 M., Parketloge 4 M., Rangloge 3,50M., Erchester-Fautenil -S.50 W.. Fanteuit 2|il., I, Parket 1,50 M.» 11. Parket 1 M. W. Noack's Sommer-Theater, Krunnenstr. 16. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Im Saale: Grosser Ball. Die schone Galath�e- Operelte von Hennie. Musik von Franz von Suppö. •InIillS Ernest, Liedersänger. Anaa Carle, Kostüm-Soubrette. Ernst Feld, Gesangs-Humorist. Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von S— 10 Uhr. Täglich Torstellang im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzeltel. Passage- Panopticum. TllNlMt TniM: Schlangenbeschwörer, Arabische Schule, Bauch- tänzerhmen, Derwische etc. Castan's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weibliche Eitelkeit. Adolph Ernst-Theater. Madame Snzette. Vaudeville-Poffe inZAkl.v.Ordonnean. Musik von Edmond Audran. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 7-/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. i Aich her SoMN-Salson. Mittwoch, den 28. August: frieliricb-iVilbeimtälitiscber Cciicert-Psrk 23/26 Chaussee-Straße 25/26. Der größte Lacherfolg dieser Saison! Berlin amüsirt siel). Urber>/s Million Menschen haben faktisch Thräneu gelacht Die urkomischen Excentrics The lilüien's. Außerdem 36 Nummern. Sonnabend: Blum's Benefiz. Königstrasse, Kolonnaden. Artist. Leitung: Arthnr Fraenkel. Bomben- Erfolg des neuen Programms. Wer ist Rannin? Ein Weltwunder. Die Japanischen Krieger Japanische Ringer. The Kawakani's. J» Castan's Panoptikum Komische Pantomime. Des zoologislhe llnifmii. Ferner 18 Novitiiten-Nimimern Reichshallen» Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal): Täglich: Hllmlll'ißisllie Soirce No»,,olllelltselien Quartett- Wül w y. Couplet-Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags: Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf., ab 9 Uhr 30 Pf. Bsrliusr Monumente. Von der Kanalfeier. Die Zaubermütze. Stettiner Sänger (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Täglich außer Sonnabends Vietoria-Lrauerei LLtzowftr. III— HA, nahe Potsdamer Brücke. Im wundervollen Konzert-Garten resp. Saal. Anfang Wochentag SUHr. Sonntags ? Uhr. Ent ree 50 Pf. Borverkauf-Billets(für die Wochen- tage) ä 40 Pf. und Familien-Billets ä 1 M.(für 3 Personen giltig). (Siehe Plakate). Großartig»« Programm! Jeden Donnerstag und Sonmag nach der Soiree: TanahrAnache n._ National-Theater. Große Frankfnrtcrstraße 182. Direktion: Max Samst. Verliner im Feuer M Wasser. Volksstück in 5 Akten und 7 Bildern von Fritz Schäfer. Musik vom Kapellmeister A. Wiedecke. giegie: Fritz Schäfer. Dirigent: Kapellmeister A. Wiedecke. Wirkliches Feuer. Wirkliches Wasser. Wirklicher Regen. Hauptbilder: 3. Bild: I-a Puce(Heinitz Schund sucht den Floh). 5. Bild: 80 bildschöne badende Mädchen im Wasserbassin mit wirk- lichem Wasser. 7. Bild: Groß-Feuer(Rettung von drei Menschen ans Feuersgefahr durch unsere brave Feuerwehr.) Morgen: Dieselbe Vorstellung. Hasenhaide. Heute Mittwoch: Letztes diesjähriges Kinderfest. Gralis-Präsentvertbeilung, Puppen« Theater. Kinderbeliistigungen u. s. w. Grosses Konzert. Neue Specialitatem Tanzkränzchen. Fackelzug- Entree 15 Pf. Kinder 10 Pf. Morgen: Letztes Monstre» Feuerwerk. Zum elektrisch. Funken Karl Trittelwita[3047L* Falckenstein- Straße Pr. 7. 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Entree: Kinder 10 Pf., Erwachsene frei. Kaffeeküche täglich v. 2 Uhr ab geöffnet. Für Vereine u. Gesellsch. v. 200 Vers. Spezialitäten-Vorstellung frei.(2332L F. Nagel's Festsäle, Schwedterstr. 2S|24. Gr. Saal mit Btilme(400 Pers.) Kl. Saal mit Bühne(200 Pers.) Kleine und groste Urreinszimmer. XüuiKstiidt-I&ismu, foI>marktstv.7S, Alrranderstr.SI. r. u. kl. Kül«, 400 Pers. fassend, unentgeltlich zu Festlichkeiten u. Vers., 3 Vereinsz., zu vergeben. Mafanar. ¥olksganten (ehem. Weimann's Volksgarten) Gesundbrunuen» Kadstr. 56/57, Direktion: Max Samst. Heute: Großes Kinderfreudenfest. Grosses Konzert n. Theater- VorsteUnng. Spezialitäten I. Ranges. Auftreten des beliebten Tanzlomikers Bugen Milardo. Chansonetten, Soubretten, Liedersänger, Lustgtzmnastiker:c. Täglich: Familian-Ball. Passe-partouts haben Giltigkeit. Kassenöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Entere 20 Pf. Ref. PI. 40 Pf. Gebe den prachtvollen Weimann'schen Volksgarten an Vereine wochentags unentgeltlich ab. Sonnabend: Gr. Somitt et*» achtsfest. Cnvl Gnkke Mallstr. 88s. Empf. mein Weiss- u. Bairisch« Bier-Lokal. 2930S* Neues Club-Haus 72. Kommanflantenstrassa 72. Jeden Sonntag: UtRSF- BALL."HNZ Empf. meine 4 Säle zu Festlichkeiten u. Versammlungen gratis. B. Eberl. Englischer Karten Alrranderstr. 27c. Säle zu Festlichkeiten mit Theater» bühne u. zu Versammlung, unentgeltlich. 29701-' Hoffmann A Sohn. Achtung! Achtung! Empfehle allen Freunden und Ve- kannten mein gutes Weißbier. 27S9b A. Löskow, Sebastianstr. 8, früh. Prinzenstr. 79. O. N. Dame. Restaurant, gr. Wohnung zu verkaufen Saal. 2 Kegelbahnen. wegen Krankheit sofort 2783b Schonteinstraßexo. Heute, Mittwoch, den 21. August 1895: XXIV. Tag des 30tägigen Hunger- Experimentes des Ligner Giovanni Snccl im großen Pavillon der Ausstellung. Eintritt für jeden Besucher der Ausstellung Italien unentgeltlich. Heute: Omsez Symphonie-Konzert des Glaldlni'fchen Orchester». In der Aus stell n n g: Grosses Festprogramm. PV Entree 50 Pf. 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Angust, abeuds 8'� Nhr, im Lokale des Geuossen Zubeil, Lindenstraße 10«: Partei Uersammwng. Llv/'-j Tages-Ordnung: Diskussion über das Agrar-Programm. Frauen haben Zutritt."MC Um zahlreichen Besuch bitten Die Vertrauenspersonen. Sozialdemokratischer Wahwerein für de» 1. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Sonntag, den 25. August: Btt Ehren der neehoehenen VorkÄtlrofee Gr. Familien-Ausflug nach der I>fevdebuazk bei Möpenick. � Die Gesangvereine sowie die Genossen nebst ihren Familien werden er. sucht, sich recht zahlreich daran zu betheiligen. 236/3 Entree wird nicht erhoben._ Der Uorstand. Achtung! Zimmerer. Achtung! Heute, Mittwoch, den SI. August, abends SV« Uhr, in Keller s Festsäleu, Koppen-Straße SS(oberer Saal): Große öffentliche Versammlung der Zimmerer Vevlins und Acngegenv. Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhalt- nisse auf der Gewerbe-Ausstellung. 2. Bericht der Kommission der Firma Pumplun. StP" Zu dieser Versammlung sind sämmtliche Zimmerer der Firmen ramplun 4 Co., Wilmersdorf; Schwlen, Am Urban; Küster, Greifswalder- straße; Arens, Moabit; Simon 4 Co., Haidestraße und Qerisch, sowie sämmtliche Ausstellungsarbeiter eingeladen. Der Vertrauensmann der Berliner Zimmerer. 256/6 Theodor Fischer, Dauzigerstr. 83. Achtung! Achtung! Lackivev. Sonntag, den 25. August 1895: Herrenpaptie nach Heiligrnfee(Tegel). 124!6 Treffpunkt morgens 8 Nhr(Friedrich- u. Ziegelstraßen-Ecke, 8>/s Uhr Wedding. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Dorstand der Filiale IV. Lassalle- 3099&* Nadeln en gros und en detail. Abzeichen-Fabrik H. Guttmann, II.,Brunnenstr.9. Reste zn Ktlitbttl-Allziigell, Kerrenhoftu- Reste, Stück 5 Mark Anzugs-Rrste, feinste Waare. Gelegenheitsklüls, sPttbillig. Bngel, Müuzstr. Ur. 4. Achtung! Rwdors. Achtum! Freitag, den SS. Angust, abends 8�« llhr, in den Viktoria- Sälen, Hermannstrahe 4S: Asje öjseitliche VolksversitimillUg. Tages-Ordnung: 1.„Die Bekämpfung der Sozialdemokratie durch die Volksschule". Referent: Genosse«agner. 2. Diskusston. 3. Unsere Lokalfrage. 292/9 Dir Dertranensperson. Für die„Brauerei des Verbandes der Gast- und Schankwirthe für Berlin und Umgegend" werden Bestellungen entgegen genommen auf dem Komptoir der Brauerei Am Tempelhofer Berg 6, sowie bei den Herren C. Albert, Lands- bergerstr. 82; Roberl Brnnzlow, Landsberger Allee 28; Otto Deneke, Müllerstraße 182; Carl Ebel, Schönhauser Allee 79; Albert Renke, Alexanderplatz 4; Carl Ringmann, Neue Friedrichstr. 20 a; Carl Lange in Friedrichsberg, Kronprinzenstraße 16• A. Löbel, Lehrterstraße 48; H. Nümann, Eldenaerstraße 7; Wilh. Schmidt, Schönhauser Allee 103; Otto Schulze, Colbergerstr. 17; Otto Wegener in Weißenses, Lothringenstr. 39; A. Zöls, Köpnickerstr. 62.[3064L* (VttttiH tlSliitd schmerzlos eingesetzt, festsitzend. Reparaturen sofort. Weniger NUUsU«.jUlllll Bemittelte Ermäßigung. Kreslawski, Spittelmarkt 13. 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Schweichel(mit Illustration).— Das Licht der Zukunft. Von Dr. H. Lux(mit Illustrationen).— Die Gesundheitspflege des Kindes. Von Dr. Swoboda.— Irdische Höhen- n. Tiefenverhältnisfe. Von S. Fallen- Horst(mit Illustration).— Das neue Reichs- tagsgebäude. Von L. Schönhoff(mit Jlluslra- tionen).— Ein Kapitel Kriegsgcfr Von M. Willich.— Die gute, alte Zeit. Zoller Eine lulturhistortsche Slizze von A. Vo — Saat und Ernte. Gedicht von Jenny Eolm. — Aus der Geschichte der preußische» Volksschule. Bon Bauermeister.— Ein Sohn des Volkes. Bon W. Liebknecht(mit Porträt).— Tie drei Rosse. Russischs Volks- parabel, erzählt von W. Braunsdorf.— Wir sind nicht frenndloS. Gedicht von A. M.— Fliegende Blätter.— Räthsel ee.:c. Hierzu vier Kupfer: Studienkopf.— Das Lied der Sklavin.— Japanische Mädchen bei der The«-Ernte.— Renovirungsversuche. Ein farbiges Bild: Verlassen(mit Gedicht). Ein Wandkalender. Preis 40 Pfennig. Zu beziehen durch die Buchhandlung des„vorwärts'! 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