Nr. 502 ♦ 43. �aheg. Ausgabe Kl Nr. 256 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich v.- Reichsmark voraus aaftlbat. Unter Kreuzband für Deutschland, Dauzia, Saar, und Memelaebiet, Oesterreich. Litauen. Lurembura Reichsmark, Für das ltbriae Ausland d.SItrntasse Liudeuftr. 8. Unser Sie Zukunft! Zum Abschluß der sozialdemokratischen Werbewoche. Die Werbewoche der Partei endet mit dem heutigen Tage. Eine große Aufklärungsarbeit ist geleistet worden, die ihre Früchte tragen wird. Die Genossinnen und Genossen, die hier in Berlin und draußen im Reiche überall die großen geistigen und körperlichen Anstrengungen einer konzentrierten Werbearbeit auf sich nahmen, haben der Sache des ringenden arbeitenden Volkes einen großen Dienst geleistet. Wenn aber jetzt wieder der Alltag in feine Rechte tritt, so ist damit nicht gesagt, daß die Zeit gekommen ist, die Hände in den Schoß zu legen. Wie immer das Ergebnis der Werbewoche gewesen sein mag, noch bleibt Gewaltiges zu tun übrig. -i° Der„Vorwärts" hat durch aufklärende Aufsätze, be- sonders in seinen täglichen Werbebeilagen die schwere Arbeit der Genossinnen und Genossen zu unterstützen versucht. Er hat auf einer Reihe einzelner Gebiete die großen Aufgaben dargelegt, die durch die gänzlich veränderten Zeitver- h ä l t n i s s e seit dem Krieg und der Revolution an unsere Partei herangetreten sind. Erschöpfend konnten diese Dar- legungen nicht sein, da dazu Bücher, nicht einzelne Zeitungs- blätter notwendig sein würden. Und doch wird seder ältere Genosse aus ihnen einen lebendigen Eindruck davon erhalten ' haben, welcher umwälzende Wechsel in den Funktionen der Partei eingetreten ist. Vor dem Krieg und der Revolution mußte die Tätigkeit der Partei vorwiegend kritisch und agitatorisch bleiben. In Reich, Staat und Gemeinde war ihr jeder Weg zu direktem Einfluß gesperrt. Eine stets wachsende Masse politisch und gewerkschaftlich Organisierter, eine stets an- schwellende Schar von Wählern, die durch Abgabe eines sozial- demokratischen Stimmzettels ihrer Unzufriedenheit Ausdruck gaben, drängte gegen die Mauern des Obrigkeitsstoates und seiner Privilegiensysteme. Auf dem ganzen Volke lastete das Gefühl, daß diese Zustände auf die Dauer unhaltbar sein würden— und doch fand man aus ihnen keinen Ausweg, bis der Krieg, die Waffenstillstandsbittc der Heeresleitung und damit das Geständnis kam, daß der Krieg verloren sei. Jetzt erst barsten die so lange gehaltenen Dämme, und die Masse der arbeitenden Männer und Frauen strömte in das Leben des Reichs, der Länder und der Gemeinden ein. -i- Die vorwiegend kritische und agitatorische Einstellung der Partei schloß nicht ganz aus, daß auch positive Erfolge er- reicht wurden. Allerdings geschah dies nur auf indirektem Wege, weil die herrschenden Mächte vor dem Anwachsen der Sozialdemokratie Furcht empfanden und bei ihren Maßnahmen darauf bedacht waren, wie sie auf die Reichstagswähler wirken würden. Insofern erwies sich schon der kümmerliche Ansatz zur Demokratie, der in dem damaligen Reichstagswahlrecht bestand, als ein wesent- sicher Vorteil sür die arbeitenden Massen. Was das Kaiser- reich auf dem. Gebiet der Sozialpolitik und der Sozialversiche- rung fertiggebracht hatte, wäre nie zustande gekommen, wenn nicht den Herrschenden die Angst vor der Sozial- de'mokratie im Nacken gesessen hätte. Aber kennzeichnend und eine unvergleichliche Lehre für den Klassenkampf bleibt es, daß die herrschenden Mächte, die sich gelegentlich„sozial" zu gebärden suchten, den demokratischen Forderungen der Arbeiter den hartnäckigsten Widerstand entgegensetzten. Lieber warfen sie den werktätigen Massen ein Almosen der Sozialgesetzgebung hin, als daß sie gutwillig irgendwelche politische Zugeständnisse gemacht hätten. Denn hier ging es um den Siegespreis aller Klassenkämpfe: um die poli- tische Macht. » Der Kampf um die politische Macht ist noch nicht beendet und noch nicht gewonnen. Er wird aber unter gänzlich veränderten Umständen geführt, und wer nicht versteht, sich diesey Veränderungen anzupassen, muß elend scheitern. Die Sozialdemokratie ist nicht mehr die Partei, die im wesentlichen nur kritisiert und agitiert. Indem sie aus der Monarchie die demokratische Republik schuf, den Frauen gleiche Staatsbürgerrechte gewährte, der deutschen Außenpolitik die Linien zum Wiederauffticg aus der furchtbarstcn Niederlage zeigte, hat sie positive Leistungen vollbracht, von denen die Weltgeschichte berichten wird. Diese Leistungen, an deren Vollkommenheit jeder zu zweifeln berechtigt ist, und die uns, vor allem als Sozialisten noch viel zu wünschen übrig lassen, sind vollbracht worden, obwohl die Sozialdemokratie im Laufe dieser ganzen Entwicklung noch niemals die Mehrheit des Volkes hinter sich gebracht hatte. Möglich wurden sie, entweder weil die Macht der Gegner unter der Gewalt der historischen Ereignisse zusammenbrach oder we>l es gelang, einen Teil der bürgerlich en Parteien auf den Wegen, die die Partei als richtig erkannt hatte, ein Stück mitzuziehen. So steht heute im Vordergrund unserer Werbearbeit nicht mehr nur die Kritik der gegebenen sozialen Zustände, sonder» auch die positive Leistung und die positive Forderung. Was die bürgerlichen Parteien heute fürchten, das find die Argumente, die wir für unsere positiven Forderungen ein- setzen können, und ihre Wirkung auf die bisher noch bürger- lich eingestellten Wählermassen. Unser großer Vorteil besteht aber darin, daß diese Wählermassen nach ihrer Klassenlage in ihrer großen Mehrheit zu uns gehören und darum unserer Beweisführung zugänglich sind. sfc Der Weg zur Eroberung der Köpfe ist mühselig und lang, aber wir müssen uns klar darüber fein, daß es keinen anderen gibt. Eine Revolution, mag sie sich auf gewaltsamem oder auf friedlichem Wege vollziehen, ist nur reif, wenn die Köpfe für sie reis sind. Der Widerstand einer mißverstehenden und mißtrauischen Volksmehrheit ist nicht mit Barrikaden- kämpfen, sondern nur in langwierigen, mühsamen, g e i st i- gen Kämpfen zu überwinden. Darum ist jeder praktische Vorschlag wirtschaftlicher und sozialer Reform, der in der Richtung zum Sozialismus geht, in seinem Wesen viel„revolutionärer" als alles kommu- nistifches Revolutionsgeschrei. Wer in dieser Woche treppauf, treppab gelaufen ist, um Fernstehende, Gleichgültige der Ge- dankenwelt des Sozialismus näher zu bringen, der hat für die große soziale Umwälzung positive Arbeit geleistet und kann über das Gejohle, mit dem die nicht zahlreichen, aber immer lauten Anhänger der KPD. fein Werk begleiteten, mit- leidig die Achseln zucken. Mag man darüber reden, ob eine sozialdemokratische Fraktion in einem bestimmten Augenblick richtig oder falsch gehandelt hat— Erörterungen solcher Art bleiben keiner Partei erspart. Nicht das ist das Entscheidende: entscheidend ist die Frage, ob d a s S y st e m, die Methode der sozialdemo- kratischen Arbeit, als Ganzes genommen, richtig ist oder nicht. Wer die Arbeit verfolgt, die die Sozialdemokratische Partei, überall dem gleichen Ziel zustrebend, auf allen Gebieten leistet, wird um die Antwort keinen Augenblick ver- legen sein. Unser die Zukunft, trotz alledem! Der �ustftoß ües Staatsgerichtshofs. Wiking und Olympia. Wir haben hier die preußische Regierung aufgefordert, endlich das gegen den„W i k i n g b u n d", den„Sport- verein Olympia" vorliegende Material bekanntzugeben, damit sich die Oeffentlichkeit selbst ein Urteil bilden kann, ob das Verbot berechtigt und inwieweit der Au f h e b u n g s- b e f ch l u ß des S t a a t s g e r i ch t s h o f s mit den Inter- essen der Republik in Einklang zu bringen ist. Leider hat sich das Ministerium noch nicht zu der Be- kanntgabe entschließen können. Wenn aber die„Gründe", die dem Entscheid des Staatsgerichtshofs beigefügt sind, in der Presie richtig wiedergegeben werden, dann erscheint uns das Schweigen des Ministeriums als eine schwere Unter- l a ss u n g s s ü n d e. Eine Aufhebung des Verbots kommt praktisch ja nicht in Frage, weil es auch auf das Gesetz zur Ausführung des Friedensvertrages bezug nimmt, das mili- tärische Verbände verbietet. Sind aber die verbotenen Or- ganisationen„militärische Verbände" im Sinne dieses Ge- fetzes. so- ist es unbegreiflich, daß der Staatsgerichtshof sie nicht schon aus diesem Grunde als gegen das Republikschutz- gesetz verstoßend angesehen hat. Der Abstand zwischen der Auffassung der preußischen Re- gierung und der des Staatsgerichtshofes ist zu groß, als daß man ihn einfach zur Kenntnis nehmen kann. Es ist not- wendig, daß die Oeffentlichkeit über das Treiben dieser „Wehr- und Sportvereine" völlig aufgeklärt wird. Dann tonnte sich der Entscheid des Staatsgerichtshofs zugunsten der Putschverbände leicht als ein Luftstoß erweisen. Deutsche Tageszeitung als Synagoge. Es ist weit gekommen! Die„D e u t f ch e T a g e s z e i t u n g" muß sich gegen den Vorwurfder Verjudungzur Wehr fetzen. Der Vor- wurf stammt nicht vom ersten besten, sondern von Herrn v o n G r a e f e- G o l d e b e e. Er hat der„Deutschen Tages- zeitung" folgendes nachgesagt: „Eine Organisation wie der Reichslandbund, der tatsächlich sich die Presse hat aus der Hand winden lassen, ohne die sie den Kampf gar nicht führen kann, hat auch hierin versagt. Denn die„Deutsche Tageszeitung" von heute ist doch nicht mehr das Landbund- organ, nicht mehr die„Deutsche Tageszeitung" von früher! Früher gehörte sie zum großen Teil mit ihren Aktien dem Bunde der Landwirte selbst, der Rest fast nur Mitgliedern des Bundes der Landwirte. Sie war also in ihrem Verlag ein reines Organ des Bundes der Landwirte. Die„Deutsche Tageszeitung" von heute ist in der überwiegenden Zahl der Aktien in den Händen von Berliner Finonzleuten, die gar nicht daran denken, die Politik der Landwirtschaft zu fördern. Wenn Sie an den Führer des Reichslandbundes eine Beschwerde über die „Deutsche Tageszeitung" richten, so erhalten Sie die Antwort:„Der Reichslandbund ist leider nicht in der Lage, einen maßgeblichen Ein- fluß auf die Schriftleitung des Blattes auszuüben." So ist es den Leuten gelungen, dank der Inflationszeit, an die Führung des Landbundorgans heranzukommen, die dorthin passen wird, wie— verzeihen Sie das harte Wort—„die Sau in die S y n a g o g eV Das ist denn doch deutlich: Berliner Finanzleute— die Sau; die„Deutsche Tageszeitung"— die Synagoge. Das ist der„Tageszeitung" über die Hutschnur gegangen. Sie schwört, daß sie unentwegt die Interessen der Landwirtschaft vertrete, und versetzt Herrn G r a e f e einen niedlichen kleinen Hieb, indem sie schreibt: „Wir haben nicht die Absicht, uns mit Herrn von Graefe in eine weitere Polemik einzulassen, und die ganze Art seines politischen und agitatorischen Auftretens und die sehr merk- w ü r d i ge n Erfolge, die er damit, wie zum Beispiel in M e ck- l e n b u r g, erzielt hat, legt es wahrlich nahe, Kritik von seiner Seite nicht allzu tragisch zu nehmen." Damit meint die„Tageszeitung" die katastrophale Wahl- Niederlage der Rechtsregierung in Mecklenburg samt ihrem famosen Finanzminister. Daß sie daran selbst sehr beteiligt ist, merkt sie nicht in der Entrüstung darüber, daß sie sich prit einer Synagoge vergleichen lassen muß— ausgerechnet von Herrn von Graes e. Grgesch im Kot. Ein Zeugnis des„Bayerischen Ldnricr" für General Epp. Das Hauptorgan der Bayerischen Volkspartei, der „Bayerische Kurier", beschäftigt sich mit der Verteidi- gung und Bejahung der Fememorde durch General Epp und Hauptmann R ö h m vor dem Femeausschuß in München. Er schreibt gegen sie: „Gegenüber solchen Auffassungen kann nicht nachdrücklich geimg an die Tatsache erinnert werden, daß nach christlicher Sittenlehre auch der po l i t l s ch e und„vaterländische" Mord, d. h. die überlegte, widerrechtliche, wenn auch aus politischen oder„vater- ländischen" Motivbn erfolgende Tötung eines Menschen„Mord" im moralischen Sinne, d. h. moralisch unzulässige und verwerfliche Handlung ist.. Ein Fluch hängt an der„S e l b st h i l f«", ob sie nun„natio- nal" oder„sozial" begründet wird. Denn mögen auch im Anfang und bei einzelnen ihre Beweggründe wirklich„allruistisch" sein, mit unvermeidbarer Zwangsläufigkeit mischen sich in ihr Feuer und Schmutz Mit den altruistischen Mo- tiven verbinden sich selbstische Beweggründe übel st er Art. Jede Grenze des Erlaubten fällt, da über das Erlaubte das subjektive Ermessen entscheidet. Der politische Mord wird z u einer feigen Handlung, bei der die Wahrung imd der Schutz der persönlichen Sicherheitsintcressen die Hauptrolle spielt und zu dem man sich— theoretisch oder praktisch— nur bekennt, wenn man gewiß ist, daß das Bekenntnis keine Nachteile, sondern nur den Vorteil der mutigen Geste bringen kann. Mit dem politischen Mord wird auch der politische Raub, der politische Meineid, die politische Fälschung zur preiswürdigcn, „vaterländischen" Tat. Die sittliche Zersetzung schreitet in grauen- erregender Weise fort. Zu Trägern der Selbsthilfe werden Per- sonen, deren sittliche Minderwertigkeit jedem, dem die „vaterländische" Phrase die Augen nicht völlig verblendet, sichtbar sein muß. Und das Ende ist, daß durch die„Selbsthilfe" jede, auch die edelste Sache, in den Kot und in den Sumpf ge» zogen wird." Setzen wir den Punkt über das I: die Orgesch erhält be- scheinigt, daß sie durch die Fememörder und ihre Hinter- männer in den Kot und in den Sumpf gezogen worden ist. Man kann nicht deutlicher werden. Der Reichsetat. Etat für 1927 im Druck.— Auf dem alten Finanzausgleich aufgebaut. Der neue Reichsetat für 1S27 befindet sich, wie das Nachrichten- bureau des Vereins Deutscher Zeitungsoerleger hört, bereits im Druck und dürfte in einiger Zeit an den Reichsrat gelangen. Nach der Reichshaushaltsordnung müßte der Etat bis zum 1. November dem Reichsrat vorliegen. In diesem Jahre haben technische Schmie- rigkeiten eine kleine Verzögerung herbeigeführt. Der neue Etat ist finanziell auf dem alten Finanzausgleich aufgebaut, der in einigen Punkten eine Abänderung erfahren hat. In dem Reichs- Haushalt für 1927 werden weitere Mittel für die Fort- setzung des Arb e i t s b e sch a f f u n g s p r o g r a m m s an- gefordert, die im Anleihewege aufgebracht werden sollen. Der Nachtragsetat für 1S26. Ein N a ch t r a g s e t a t für das Rechnungsjahr 1926 ist, wie das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverlegcr hört. soeben dem Reichsrat zugegangen. Er enthält die im Anleihewege zu deckenden Ausgaben für das sogenannte Arbeitsbeschaf» fungsprogramm. Auf dem Wege der Anleihe sind ferner zu decken 190 M i l- l i o n e n Mark Darlehen an die Reichsbahn und 2 9 3 Millionen, die im verflossenen Etatsjahr durch Ausgabe einer Anleihe aufgebracht werden sollten. Die Ausgabe der� Anleihe ist bekanntlich nicht erfolgt. Der Ausfall hat durch 250 Millionen Mark Münz gewinne,.aus dem Jahre 1924, durch Rücklagen, die aus älterer Zeit stammen, und aus laufenden Einnahmen seine Deckung gefunden. Auch auf die im Jahre 1927 fällige einmalige Anleiheablösung in Höhe von 150 Millionen Mark ist zurückgegriffen worden. Durch eine Anleihe, die kaum vor dem Frühjahr 1927 herauskommen dürfte, sollen die aus anderen Fonds verausgabten Gelder wieder hereingebracht werden. Das Reich ist augenblicklich sehr liquid, zum Teil durch die letzten Vereinbarungen mit dem Reparationsagenten, zum Teil durch die im Oktober fälligen Vor- auszahlungen für Einkommen- und Umsatz st euer. Die Geldflüssigkeit wird auch im November andauern, denn zu diesem Termin fließen die Eingänge aus der Vermögenssteuer in die Reichs- kasseu. Die neue Anleihe soll übrigens, wie zuverlässig ver- lautet, als reine Märkanleihe auf den Markt kommen. Abbröckelung vom Ordnungsblock. Der thüringische Landtags- abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Schauen in Saalfeld hat seinen Aus- tritt aus der Fraktion der Deutsch-Völkischen Freiheit?» Partei erklärt und ist zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeite�- Partei übergetreten. Dadurch har der Ordnuntzsblock wieder«in Stück von dem„Zünglein an der Wage" eingebüßt, dem seine Rc- gierrmg ihr Dasein verdankt. Di«„Nationalsozialisten" Hitlerscher Prägung sind nämlich nicht so regierungsfromm, wie ihre..deutsch- völkischen früheren Freunde". berliner Sezession. Zur Eröffnung der Herbstausstellung. Der Gesamteindruck ist günstig. Zroeiselhaftes ist ausgemerzt, das Niveau auf einer stattlichen und fast gleichmäßigen Höhe, die weder im Guten noch im Schlimmen stark überschritten wird. Daß die unseligen Raumverhältnisse am Kurfürstendamm und die dadurch bedingte böse Hängungsweisc keinen rechten Genuß aufkommen läßt, ist nicht die Schuld der Sezession, der die städtischen Behörden um keinen Preis einen Platz zur Errichtung eines Berlins würdigen Ausstellungshauses geben wollen. Die K u n st p o l i t i k der Stadt Berlin wandelt auf sonderbaren' und krummen Wegen. Es mangelt an allen Vorbedingungen einer wahren Kunstpflege: dafür wird im Rathaus ein so offenbarer Skandal wie der gründlich miß- glückte Wettbewerb um das Beethooendenkmal aller Welt zur Er- bauung ausgestellt. Das gute Niveau in der Sezession ruht auf zwei Faktoren, die eigentlich etwas Selbstverständliches in der Kunst darstellen. Es wird sachlich und sinnlich angenehm gemalt, und es ist eine Reihe von Skulpturen da, die bleibenden Wert besitzen durch die originelle Kraft plastischen Empfindens. Bleiben wir gleich bei den Bild- Hauern. Selten sah man so viel tüchtig« und eindrucksvolle Skulpturen in diesen Räumen beisammen: außer de F i o r i, der Sintenis, Thorak(Wachsbossierungen), deren Qualität außer Zweifel steht, fallen durch strenge und durch leichte Anmut auf der Franzose D e s p i a u, der Frankfurter Laurent Keller. Zu den besten Hoffnungen berechtigt der Nachwuchs: Abeljanz in Berlin mit zwei wohlponderierten, in sich äußerst verschiedenen Akten, Moissi Kogan in Paris, die Dresdener Eugen Hoff- mann und Mas kos, die stärkste plastische Erlebnisse vermitteln. Dresden bedeutet auch in der Maleret ein Kräftereservoir. Hier treten nur drei Talente hervor von vielen, aber von be- timmter Art: Kretzschmar, Pol Cassel, dämonischer Dar- teller von Tieren und Menschen(Ringelnatz!), L a ch n i t, eines >er stärksten Talente des Verismus. Die Berliner dominieren selbstverständlich. Vieles ist in Fluß und steter Veränderung, erfreulich ist festzustellen: zum Stärkeren. Das gilt besonders für Charlotte Berend, die zwei be- deutende Figurenbilder schickte, von stärkster malerischer Konzen- tration: von Lasser Ury in Nebel verschwindende Themseland- schaften: von Heckendorf, der sich in Paris verjüngt hat, von Spiro, Steinhardt, von Kraustopf, der selten so an- mutige Märchen aus dem Lande der Farbe erzählt, D o m s ch e i d t, der bei aller Phantastik klarer wirkt mit seinen„Negervierteln": von H. Heuser und B a t o gleichwie von I a e ck e l, als dessen stärkste Seite immer deutlicher das Frauenbildnis hervortritt. Eine Gruppe von Landschaften, die durch malerisch heitere Anmut ihrer Lösungen bezaubern, durch einen zarten Klang, der zwischen Rokoko und Eezanne schwebt, bilden Nowak, Parti- kel, Deierling, H. Heuser, Ahlers-Hestermann, Wätjen und Schaff, Darsteller reizvoller Frauentypen im Landschaftlichen, schließe» sich an. Nachhaltigeren Eindruck empfängt man von den Malern des Charakteristischen. KarlHofer steht hier an erster Stelle mit drei herrlichen Bildern, von denen man das ergreifende„David und Jonathan" noch nicht gesehen hat. Heinrich Schwarz mit seinem gehcimnisschwercn Tondunkel, das Landschaft, Tiere, Men- schen wie eine gemeinsame Heimat umsängt, gehört ebenso hierher wie Ch. Berend, Pol Cassel, Leo von König. Von den Veristen ragen hervor Fritsch, Kanoldt(mtt malerisch hoch kultiverten Stilleben)), L a ch n i t mit einem exzellen- ten Mädchenakt. Der Wiener F e r d. Kitt, voller merkwürdiger Probleme, und die Pariser Kars und Kisling gehören hierher. W. Trier, in seiner Machart am ehesten mit Oberländer zu oer- gleichen, pflegt nach wie vor die humoristische Seite des Daseins mit reizenden Nuancen. Man möchte sich an dem ulkigen Glück seiner Bilder ein Beispiel nehmen. Die paar Franzosen, die ausgestellt haben, verlieren sich leider an den chaotischen Wänden O t h o n Friesz und der Schweizer G i m m y fallen am stärksten auf, ohne freilich eine wesentlich andere Note in das bunte Gesamtbild zu fügen. Dr. Paul F. Schmidt. Eine neue sozialistische Lehrställe. Unter starker Beteiligung der Hörerschaft wurden in der letzten Woche die Seminare der «Freien Sozial! st ischen Hochschule" eröffnet. Die große Zahl der Anmeldungen zeigte, daß die vom Reichsausschuh für sozialistische Bildungsarbeit vorgenommene Neugründung einein leb- haften Bedürfnis weiter Kreise entspricht. Es sind als Hörer 160 Personen zugelassen worden, die sich auf folgende Seininare oerteilen: Professor Heinrich Cunow:„Der Staat und seine Entwicklung": Dr. Karl Herz-„Verfassungs- und Verwaltungs- künde": Fritz Naphtali:„Grundfragen der Wirtschaftspolitik": Dr. Albert Solomon:„Grundlagen der Soziologie": Alexander Stein:„Sozialismus und Arbeiterbewegung". Eine recht beträchtliche Anzahl von Hörern nehmen gleichzeitig an zwei oder drei Seminaren teil. Bei der Eröffnung der Seminare am Montag, den 16. Oktober, umriß Genosse A. Stein im Auf- trage des Reichsausschusscs die Aufgaben, die sich die Leitung der „Freien Sozialistischen Hochschule" durch die Gründung der Seminare gestellt hat. Sie sollen das System der Bildungseinrichtungen, die die Partei, die Gewerkschaften und die Jugendorganisationen in Berlin geschaffen haben, ergänzen und bildungseifrigen Genossen und Genossinnen Gelegenheit geben, unter fachkundiger Leitung ihr Wissen zu systematisieren und zu Erweitern. Der Parteivorftand hat in großzügiger Weise die Mittel zur Schaffung der neuen Lehr- stättc zur Verfügung gestellt. Ihm gebührt der Dank der Hörer- schaft, die das hier erworbene Wissen in den Dienst der Arbeiter- bewegung zu stellen hat.— Genosse Ludwig vom Parteioorstand, der zusammen mit dem Genossen Adolf Braun der Eröffnung beiwohnte, sprach warme Worte der Begrüßung an die Hörer und Lehrer. Der Parteioorstand, so führte er aus, hat nie Mittel für Bildungszwecke gespart. Er tut das auch jetzt nicht, sondern will durch verstärkt« Aufwendungen, im Rahmen des Möglichen, dem Bildungsstreben der Arbeiterschaft entgegenkommen. Von dieser neue» Lehrstätte aus, die in dem neuen Heim des Reichsausschusses eingerichtet ist, soll der sozialistische Geist hinausgetragen werden in die Arbeiterschaft, zu Nutz und Frommen der gesamten Bewegung. Einige Worte des Dankes, die Genosse Dr. Solomon im Namen der Hörer und Lehrer vorbrachte, beschlossen die kleine Feier. Dann begann die Arbeit. Pornochoreographle und anderes. Valeska Gert brachte im Blüthner-Saal gesprochene und getanzte Grotesken. Neun kurze Unzweideutigkeiten. Inhaltlich zweifellos geeignet, Anstoß zu erregen, d. h. die Weichteile bürgerlichen Schamgefühle angenehm zu kitzeln. Die sich dann in moralischer-Entrüstung zu enlladrn pflegen. Stofflich: Pornochoreographie. Künstlerisch: in Konzeption und Gestaltung Schöpfungen sehr hohen Ranges. Die, aus unserer Zeit geboren, in unserer Zeit nicht ihresgleichen haben. Pietätlose Verhöhnung und Verzerrung hsiligster Güter: der Kinderliebheit, des Charleston. Geistsprühcnde, witzfunkelnde Parodien allgemein geschätzter Kunstwerte: der französischen Diseuse, des spanischen Tanzelans. Gipfelleistung: der„Gruß aus dem Mumienkcller", eine Höllcnoision aus des Elends tiefsten Tiefen, erschütternd, auf- wühlend, tagelang nachzitternd in fabelhaft starker Rhythmik. Wer Kunst zu erleben vermag, erlebte einen unvergeßlichen Abend. Die es nicht vermögen, pfiffen auf sittenstrengen Hausschlüsseln. Tatjana Barbakoff tänzelte im Scharwenka-Saal. Sie ist seit dem vorigen Jahre technisch gewachsen. Und künstlerisch anspruchsloser geworden. Ihre.Tanzgestalten" sind Nippes- figürchen sehr kleinen Formats. Meist in chinesischen oder russischen Kostümen. Niedlich, zierlich, liebenswürdig, zuweilen harmlos humoristisch. Gut gemeint, gut gemacht, in kleinen Dosen verab- reicht ganz amüsant, aber nicht überzeugend. Manches Schmissige („Tanzmotio"). Das Ganze für ein abendfüllendes Programm aber zu dünn und zu monoton. Ueberhaupt mehr fürs Brettl als für das Podium des Kunsttanzes geeignet. I. S. TNuseumsfahrvage». Heute, 10—11'/, Uhr vormittag», finden amtliche �übrungungen im Neuen Museum lDa» graphische Werk von ttom-Z Corinth)— Dr. Kurrh—, im Kaiser-Friedrich. Museum sBotticelli und Raffael)— Pros. Schollmüller— und im Museum s ü r Völtertunde l.Kunslserttgkcit der Ozeanicr bzw. Melancsier)— Prof. Eichhorn— llalt. Zulajjlarte» zu 50 Ps. sind vor Beginn in beschränkter Anzahl am Eingang der genannten Museen erhälllich. 3m«alser-Zrledrich-Museum hält Dr. B. D a u n. Dezernent sür Kunst im Polizeipräsidium, am beutigen Sonntag, vorm.'/,10 Uhr, Vortrag über die Meislerwerle der italienischen Frührenaissaneeplastik. Einzel- karten swd im Museum erhältlich. „Zadioldualpsychologle- ist da» Eeneralthema der ö s f e n t l i ch c n MonalSversammlung de».Bunde» Entschiedener Schul- reform er", am LS.,?'/, Uhr�abend». Werner-Siemen-Z-Realghinnasium, Bcilin-Schöneberg, Hohenslanienstr. 47/48 sUntergrundbahnbös Vitioria- Luise-PIatzs. E» sprechen als Gälte de» Bunde» Dr. Fritz Künkc! über: »Die prinzipiellen Grundlagen der Jndioidnalpshchologie". Dr. Bruno Klopfer über„Jndividualpsvchologic und bisherige Pädagogik,- Frau Annemarie Kalusah über:„Die Praxis der Jndividualpshchologie Im Er- ziehungsbctriebe der Gegenwart". Freie Aussprache folgt. Jedermann eingeladen! Dle Direktion der Ufa hat die Anregung gegeben, die Vorräume im Usa-Palast am Zoo sür ständige ZluSstellungen von Gemälden Handzelchnungen und Graphit den Küiisllcrn zur B-lsügung zu stellen. Die Neue Kunstbandlung. T-ueiltzienstr. ö, hat die lünstlerische Leitung der Ausstellungen übernommen. Da» Sekretarial Rothenau spricht noch einmal die Bitte um leihweise Ueberlassung von Originaibrieien oder von Abschristen solcher Briese oder vriesslellen aus. die sür die Allgemeinheit von Interesse sind und ihm bisher noch nicht bekannt gegeben wurden. Anschrift: Sekretariat Ralhenau bei der AEG., Berti» IllV 40, Friedrich-Karl-User 2— i. Zusammenfassung öes Reichsrechts. Ein Gesetzentwurf der Regierung.— Ueber reichsrechtliche Veröffentlichungen überfliisfig. Cs ist heute fast unmöglich, den Inhalt des geltenden Reichs- rechts zu überblicken— selbst für den Mann des Rechts. Darunter leiden Verwaltung und Wirtschaft, Richter und Anwälte, Rechts- lchrer und Studierende, überhaupt all« mit dem Rechtsleben in De- rllhrung stehende Behörden und Personen. Das Bedürfnis nach einer Zusammenstellung des geltenden Reichsrechts ist unabweisbar. Die Regierung will deshalb die vorhandenen unübersichtlichen Bände des Reichsgesetzblattes und s«ines Vorgängers, des Bundesgesetzblatts, durch eine geordnete systematische Sammlung des geltenden Reichsrechts ersetzen. Dem Reichstag ist der»Eni- wurf eines Gesetzes über die Sammlung des Reichsrechts" zugegangen. Seine wesentlichsten Bestimmungen besagen: 8 1. Die Reichsregierung wird ermächtigt, die im Bundes- gesetzblatt und im- Reichsgesetzblatt bis zu einem von der Reichs- regicrung zu bezeichnenden Stichtag veröffentlichten Rechtsvor- . schriften nach Maßgabe dieses Gesetzes unter der Bezeichnung „Sammlung des Reichsrechts" neu zu veröffentlichen. In die Sammlung des Reichsrechts können auch Rechts- Vorschriften aufgenommen werden, die bis zu dem Stichtag in anderen amtlichen Blättern veröffentlicht sind. 8 2. In die Sammlung des Reichsrechts werden nicht auf- genommen: 1. Vorschriften, die aufgehoben oder infolge Zeitablaufs außer Kraft getreten sind: 2. Vorschriften, die inhaltlich durch nachfolgende Borschristen oder durch Zeitablaus gegenstandslos geworden sind. 8 3. In die Sammlung des Reichsrechts brauchen nicht aufgenommen zu werden: 1. Vorschriften, die noch nicht gegenstandslos geworden sind, sich indessen lediglich auf solche Verhältnisse beziehen, die nach dem Stichtag nicht mehr völlig neu entstehen können. 2. Uebergangsvorschriften, die bei Erlaß, Aenderung oder Aufhebung von Vorschriften ergangen sind. 3. Die in Ermächtigungsgesetzen enthaltenen Vorschriften, nach denen die auf Grund der Ermächtigung erlasienen Ver- ordnungen aus Verlangen des Reichstags oder anderer Stellen aufzuheben sind. Dieses Verlangen kann nur bis zum Ablauf eines Jahres nach Inkrafttreten der Sammlung gestellt werden. In den Fällen des Abs. 1 Nr. 1 soll von der Aufnahme nur abgesehen werden, wenn die Vorschriften nur noch für wenige Fälle in Betracht kommen. 8 5. Die Veröffentlichungen erhalten die der Rechtslage am Stichtag, insbesondere den staatsrechtlichen Verhält- nlssen entsprechende Fassung. Dabei können Zweifels- fragen entschieden werden: erscheint dies nicht zweckmäßig, so kann vermerkt werden, daß von der Entscheidung mit Rücksicht auf die bestehenden Zweifel abgesehen ist. Im übrigen sind Aenderungen des Wortlauts zulässig, wenn sie, ohne den Inhalt zu berühren, lediglich die Fassung betreffen. Inhaltlich zusammengehörige Veröffentlichungen können zusammengezogen, und die Para- graphenfolgen geändert werden. Der Wortlaut der Reichsverfassung und von Ver- trägen darf nicht geändert werden. Die Zusammenfassung soll von der Reichsregierung vorgenommen werden. Einem Ausschuß des Reichsrats und einem Ausschuß des Reichstags steht ein Einspruchsrecht zu. Kommt in Zweifels- fällen keine Einigung zustande, so soll die alte Fassung gelten. In der Begründung des Gesetzes heißt es: Die Vorarbeiten sind bereits weit gefördert. Unter ein- heitlicher Leitung des für die Verwaltung des Reichsgesetzblattes zuständigen Reichsministeriums des Innern, das namentlich vom Reichsjustizministerium unterstützt wird, sind sämtlich« im Bundes- gesetzblatt und Reichsgesetzblatte seit 18S7 enthaltenen Veröffentlichungen auf ihre gegenwärtig« Gültigkeit hin von den für die«in- zelnen Gegenstände zuständigen Reichsmmisterien geprüft und ge- sichtet worden. Dies« Sichtung, die einstweilen bis zum End« des Jahres 1325 fortgeführt ist, sich also auf S9 Bände des Gesetzblatts erstreckt hat, ist jetzt zu einem vorläufigen Abschluß gelangt. Sie hat als Ergebnis gehabt, daß von den in dem bezeichneten Zeitraum im Reichsgesehblatt enthaltenen It 140 Veröffentlichungen 8228 als jetzt gegen- standslos bezeichnet find.» Die Zahl der bei einer Zusammenstellung zu berückfichtigendcn Ver- öfsentlichungcn wird sich im weiteren Verlaufe des Sichtungs- und Zusammenstellungsverfahrens indessen noch weiter erheblich o« r m i n d« r n, da bei einer Anzahl von Veröffentlichungen das Sichtungsergebnis noch nicht vorliegt und in anderen Fällen die vor- behaltene Entscheidung noch schwebender Zweifelsfragen gleichsfalls zu einer Ausscheidung führen wird. Bemerkenswert ist besonders, daß von den dickleibigen Jahr- gängen der Kriegszeit nur noch ein ganz kleiner Teil des Inhalts Bedeutung hat. So scheiden mit Sicherheit aus: tvlZ von 4l)8 Veröffentlichungen mindestens 375, 1916 von 635 mindestens 601, 1917 von 553 mindestens 495 und 1918 von 419 mindestens 380, insgesamt 1915 bis 1918 von 2017 nicht weniger als 1851 Veröffent- lichungen: ein Ergebnis, das die Notwendigkeit, den Rest übersichtlich zusammenzufassen, besonders deutlich zeigt, namentlich, wenn man die Kosten berücksichtigt, welche die Anschaffung dieser dicken, im wesentlichen überholten Bände bedeutet. Aehnlich ist das Verhällnis in den ersten 20 Jahrgängen(1867 bis 1886), woooninsgefamt 1697 Veröffentlichungen min bestens 1525 aus scheide n. Di« neue Ordnung wird voraussichtlich eins systematisch« sein können, so daß etwa«in Band das Staats- und Ver- waltungsrecht,«in anderer die I u st i z g e f« tz«, ein weiterer die Finanzgesetze, andere das Wirtschafts- und Arbeitsrecht, das Recht der auswärtigen Be- Ziehungen usw. umfassen werden. Wer sich nach Vollendimg der Zusammenstellung über das geltende Reichsrecht unterrichten wi>, braucht nicht mehr mühsam aus fast 60 Bänden des Gesetzblattes das für den Einzelfall in Frag« kommende Recht herauszusychen. Er wird vielmehr in etwa fünf bls acht Bänden das gesamte an einem festzulegenden Stichlag geltende Rcichsrecht, soweit es bisher im Reichsgesetzblatt und Bundesgesetzblatte veröffentlicht war, vereinigt finden. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf die Zusammenstellung der Gesetzeskraft, die ihr durch das im Entwürfe vorliegende Gesetz erteilt werden soll. Um Zweifel darüber auszuschließen, ob nicht die der Reichsregierung durch den Entwurf übertragene Ermächtigung sich infolge ihres Umfanges als«ine Delegation von Gefetzgebungsbefug- nissen darstellt, die als Verfassungsänderung anzusehen ist. erscheint es erforderlich, daß das Gesetz mit der in Artikel 76 der Reichsverfassung vorgesehenen Stimmenzahl beschlossen wird. Di« Sammlung des Reichsrechts würde ihren Zweck, ein« Zu- fammenstellung des geltenden Rechtes zu bilden, oerfehlen, wenn die geltenden Vorschriften lediglich in ihrem bisherigen Wortlaut ohne Rücksicht auf die gegenwärtige Rechtslag« hintereinander abgedruckt würden. Mit der Reuveröffenkichung muß vielmehr auch eine Bereinigung verbunden werden. Leitsatz der Veröffentlichung ist die Bestimmung, daß die Vor- schriften die Fassung erhalten, diedergegenwärtigenRechts- lag«, insbesondere den gegenwärtigen staatsrechtlichen Verhältnissen entspricht. Es werden daher beispielsweise die in Vorschriften aus der Zeit der früheren Verfassung enthaltenen Worte Kaiser, Bundesrat, Reichskanzler, Staats- sekretär, Bundes st aat usw. entsprechend dem gegenwärtigen Versassungsrechte zuersetzen sein. Neben der Anpassung an die gegenwärtige Rechtslage wird zur Gewinnung übersichtlicher und klarer Rechtsvorschriften auch«in« Bereinigung des Wortlauts insoweit zu erfolgen haben, als inhaltlich zusammengehörige Veröffentlichungen einheitlich zusammenzufassen und, soweit erforderlich, auch d i« Paragraphenfokgen zu ändern sein werden. Wortlaut- änderungen sind hierbei zulässig, wenn sie, ohne den Inhalt zu be- rühren, lediglich die Fassung betreffen. Für die Verwaltung bedeutet die Sammlung«inen wichtigen Teil der Maßnahmen zur Verwaltungsvereinfachung. Die Jememoröprozesse in Lanösberg a. ö. W. Vier Verfahre«. B- S. Morgen beginnen vor dem Gericht in Landsberg a. d. W. vier Prozesse, die aus der Zeit der sogenannten schwarzen For- mation stammen. In diesen Prozessen haben sich zahlreiche An- geklagte wegen Mordes, Mordversuches, Anstiftung zum Morde usw. zu verantworten. Am Montag wird sich das Gericht unter Vorsitz von Land- gerichtsdirektor Dr. Weßling zunächst mit einem Giftinordosrsuch zu beschäftigen haben, der unter dem Rubrum„Thom und Genossen" geht. Im Mai 1923 befanden sich die im Zeughof Küstrin beschäf- tigten Leutnant Janke, Feldwebel Gädicke und der Schütze Balte in Geldverlegenheit und beschlossen, Munition zu verschieben. Balle. der die Verladung von Kisten eines größeren Patronentransports zu beaufsichtigen hatte, brachte heimlich 15 Kisten beiseite, und einige Tage später fuhr Leutnant Janke mit dem Feldwebel Gädicke nach Verlin, wo man die Munition an die KPD. zu veräußern suchte. Es gelang ihnen jedoch nur, drei Kisten an einen Altwarenhändler in Küstrin zu verkaufen. Die Behörden entdeckten die Schiebung, und Gädicke, Janke und Balke wurden zu Gefängnis verurteilt. An Janke, der zunächst bei seiner Abteilung in Haft genommen worden war, ist nun ein Giftmordoersuch verübt worden. Der da- malige Unteroffizier Thom hatte in sein Essen Arsenik mischen lassen. Die Dosis war aber nicht genügend stark, um Janke zu töten. Auch die Absicht, ihm Zyankali beizubringen, scheiterte. Neben Thom und Rathsmann, der das Gift oerschafft hatte, ist als dritter der ehe- malige Fähnrich Buchholz wegen Nötigung und Bedrohung an- geklagt. Dem zweiten Teilnehmer an der Munitionsschiebung, dem Feldwebel Gädicke, wäre es um ein Haar schlimmer ergangen. Oberleutnant Schulz, der von der Sache gehört und zusammen mit Klopproth von Berlin nach Küstrin gekommen war, ließ Gädicke von dem Fort Säpzig nach Küstrin kommen. In der Begleitung Gädickes befanden sich Klapproth und Leutnant Dabkowski. Klapp- roth lockte Gädicke nun in eine Kasematte und bearbeitete ihn dort mit einem Totschläger, so daß der Feldwebel blutend zu Boden stürzte. Leutnant Dabkowski sprang jedoch dazwischen und erklärte, daß Klapproth nur über seine Leiche an das Opfer gelangen könne. An dem Ueberfall hatte sich auch der Gefreite Hayn beteiligt, der später bekundete, daß er von Oberleutnant Schulz angestiftet worden sei. In Verbindung mit dieser Sache haben sich K l a p p r o t h wegen Mordversuches, der Gefreite Hayn wegen Mithilfe und Oberleutnant Schulz wegen Anstistung zu verantworten. Die dritte Verhandlung betrifft die Ermordung des Schützen Brauer, der in den Verdacht geraten war, ein kommunistischer Spitzel zu sein. Am 2. August 1923 wurde er von dem Schlosser Ko'walewski aufgefordert, eine Autofahrt nach dem Fort Säpzig zu machen. In dem Kraftwagen befand sich auch Fahl- b u s ch, der wenige Tage vorher von Berlin nach Küstrin gekommen war. Man kneipte auf dem Fort bis gegen Mitternacht. Dann teilte Fahlbulch dem Kowalewski heimlich mit, daß Brauer ein V«r- räter sei und deshalb„umgelegt werden müsse. Auf der Rück- fahrt nach Küitrin ist Brauer dann auch ermordet, die Leiche in einen Sack gesteckt und in einen Abzugsgraben geworfen worden. Beide find wegen Mordes angeklagt. Der vierte und größte Prozeß führt das Rubrum„S ch i b u r r und Genossen", und hier sind nicht weniger als 11 Personen wegen Mordes, körperlicher Mißhandlung, Meineides, Anstistung zum Mord« und noch anderer Vergehen angeklagt. Der Tatbe- stand ist folgender: Im Juni 1923 trat der aus Frankfurt a. d. O. stammende Arbeiter Paul G r ö s ch k e mit mehreren anderen Lands. leckten in die Abteilung K. in Küstrin ein und wurde dem Leutnant a. D. Knüppel zugeteill. Schon nach wenigen Tagen ging das Gerücht um, daß Gröfchke im Auftrage der Kommunistischen Partei die schwarzen Formationen bespitzeln solle, und er wurde zusammen -Mit zwei anderen Verdächtigen nach dem Fort Gorgast gebracht. Dort wurde er zunächst auf der Wache von einem„Rollkommando" schwer mißhandelt und am nächsten Tage dann durch Becker und den Oberleutnant und Sportlehrer Raphael verhört. Nach der Anklage soll Raphael den Inhaftierten in Gegenwart zweier Frei- williger, nachdem man Gröschke vollkommen entkleidet hatte, mit der Hundepeitsche schwer mißhandelt haben, wahrend die beiden anderen Mitglieder des Rollkommandos ihn mit Peitschen bearbeiteten. Auf Grund dieser Behandlung gestand dann Gröschke, er sei kommu- nistischer Spitzel. Don diesem Geständnis wurde dem Oberleutnant Schulz Meldung gemacht. Am nächsten Tage klingelte Oberlcut- nant Schulz auf dem Fort an und teilte Raphael mit, �daß B ü s ch i n g kommen werde, um einen Sportkurs auf dem Fort abzuhalten. Zugleich kamen auch die Brüder Erich und Willy K l a p p r o t h, sowie der Freiwillige Vogel auf dem Fort an, Hollen in der Nacht Gröschke aus der Zelle heraus und setzten ihn, der nur mit Hemd und Unterhose bekleidet war, in ein Auto, während Raphael dafür sorgte, daß die Posten am Tor zurück- gezogen wurden. Büsching saß mit Gröschke im Fond des Wagens. Glaser auf einem Notsitz, während Klapproth ans Steuer ging.' Auf der Charssee nach Fürstenfelde, an einer Schonung des„Trossiner Parnäkels", wurde dann Gröschke er- schössen und die Leiche in der Schonung vergraben. In der Auf- regung ließen die Täter jedoch an der Mordsteue einen blutbefleckten Soldatenmantel zurück, den am nächsten Morgen zwei Maurer fanden. Oberleutnant Schulz hat sich nun wegen Anstiftung zum Morde, Glaser und Klopproth wegen Mordes und Raphael wegen Meineids zu verantworten._ Der �ansa-Kanal. Tagung deS Hansa-Kanal-VereinS in OSnabriick. Osnabrück. 23. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die alte Bischofstadt Osnabrück, nicht weit von der holländischen Grenze, ge- rüstet und berell, sich wirtschaftlich neu einzustellen, hat in chre Mauern eine ganze Schar von einflußreichen Männern geladen, um das große Projekt des Hansa-Kanals zwischen Osnabrück, Bremen und Hamburg zu fördern. Es handelt sich hier um die Herstellung einer direkten Schiffahrtsverbindung zwischen Ruhrgebiet und den Seehäfen, im engeren Sinne um eine Zutunftsfrage Osnabrücks. Nach Eröffnung und Begrüßung der Vertreter der Hansa- Städte sprach der Reichstagsabgeordnete Dr. H u g o, der sich gegen den Pessimismus wandte, der sich in Kanalbaufiagen in der letzten Zeit breitgemacht hätte. Er betonte die Wichtigkeit der Verbindung der beiden großen Wirtschaftszentren, des Industriegebiets und der Seeküste, die durch den Hansa-Kanal hergestellt werden soll. Das Problem spitzt sich zu einem Kampf zwischen englischer und deutscher Kohle zu, da der Engländer die Kohle um 3 M. pro Tonne billiger nach Hamburg verfrachten kann, als es zurzeit mit der Ruhrkohle der Fall ist. Dieser F r a ch t v o r- s p r u n g macht den Konkurrenzkampf für die Ruhrkohlenindustrie aus die Dauer unmöglich, deshalb müsse der kürzeste Weg von der Ruhr zur deutschen Seeküste geschaffen werden. Da 70 bis 75 Proz. der gesamten Baukosten Arbeitslöhne find, so wird auch vielen taufenden Arbeitslosen Arbeit geschaffen. Aber das Entscheidende sei der rein volkswirtschaftliche Nutzen des neuen Projekts. Der erste Vorsitzende der Hansa-Kanas-Dereine, Heye, stellte die Projekte des echten und des unechten Kanals in Vergleich. Es wurde«ine Entschließung angenommen, in der die zehn an der Tagung beteiligten Vereine von der Reichsregierung fordern, mit aller Beschleunigung dem Reichstage eine Vorlage über den Bau des Hansa-Kanals zugehen zu lassen. Es wird in der Vorlage mit aller Bestimmtheit zum Ausdruck gebracht, daß das große Berkehrsbedürfnis zwischen Ruhrgebiet, Nord- und Ostsee nur durch den echten Hansa-Kanal befriedigt werden kann. Eine Kanalüenkschrist üer Neichsregierung. Der Bau des Mittellandkanals. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst" erfährt, beabsichtigt die Reichsregierung in nächster Zeit dem Reichstag eine Denkschrift über das K a n a l b a u pr o g r a m m der Reichsregierung vorzu- legen. Zu der Meldung, daß in der letzten Oktoberwoche mit einem Beginn der Arbeiten am Mittellandkanal gerechnet wird,, ohne daß das Ende der Einwilligungsverhandlungen zwischen Preußen und seinen Provinzen abgewartet worden ist, wird von preußischer Seite mitgeteill, daß die preußische Staats- regierung die zuständigen Reichsstellen stets um schnelle Inangriss- nähme der Arbeiten am Mittellandkanal ersucht hat. Die Verhand- lungen der preußischen Regierung mit den preußischen Provinzen sind wegen der schwierigen Materie sehr zeitraubend, und es würde eine unnötige Verzögerung bedeuten, wenn gewartet würde, bis das Ergebnis dieser Verhandlungen vorliegt. Tschechische Zaschiftenhetze. Gegen deutsches Mitregieren. Prag. 23. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die tschechischen Faschisten beginnen jetzt, die nationalistischen Leidenschaften der Gasse gegen die tschechisch-deutsche Agrarierre- g i e r u n g zu mobilisieren. Der Bürgermeister von Groß- Prag, Dr. B a x a, ließ zum Beispiel ein Plakat anschlagen, auf dem er zur Einheit der Tschechen aufruft und aus der tschechischen Geschichte nachzuweisen sucht, daß Zusammenarbeit mit den Deut- s ch e n jederzeit zum Nachteil der Tschechen ausgeschlagen habe. Dr. Baxa gehört der Nationalsozialen Partei an und steht auf ihrem extrem-nationalistischen Flügel. Der Aufruf erfolgt ohne besonderen Anlaß und nennt keine Gegner bei Namen. Es ist aber klar, daß Baxa seine Stellung als Bürgermeister der Hauptstadt dazu miß- braucht, um den Faschisten unter die Arme zu greifen. Blätter der Regierungsparteien nehmen sehr o e r l e g e n und vorsichtig zu diesem Angriff Stellung. Deutsch-tschechischcs Luftfahrtalikommcn. In Berlin geführte Verhandlungen über ein deutsch> tschecho- slowakisches Luftverkehrsabkommen haben über dessen Grundlagen völliges Einvernehmen erzielt. Die abschließenden Ver- Handlungen sind nach Zustimmung der Regierung für den nächsten Monat für Prag in Aussicht genommen. Lex Korfantp! Parlamentarier dürfen in Polen keine AuffichtsratS- Posten bekleiden. Warschau, 23. Oktober.(MTB.) Eine soeben erschienene und sofort in Kraft getretene Verordnung verbietet den Abgeordneten und Senatoren, Mitglieder von Berwaltungsräten, Auffichts- oder Revistonsräten von Aktiengesellschaften zu sein, gleich- gültig, ob an den Aktiengesellschaften der Staat mit Kapital be- teiligt ist oder nicht.x, Die Berufung von Mitgliedern der Bolksver- tretung in solche Stellungen ist von vornherein ungültig. Ab- geordnete und Senatoren, die binnen 14 Tagen nach Inkrafttreten dieser Verordnung auf die angeführten Stellungen in Aktiengesell- schasten nicht verzichtet haben, gehen ihrer Mandate als Volksver- treter verlustig.(Es wird in Warschau behauptet, diese Maß- nähme richte sich speziell gegen den vielfachen Aufsichtsrat Kor- fanty, der zugleich einer der Führer der nationalistischen Opposj- tion sst.(Red. d.„V.".) Keine Stimme für ihn! Schwelgen rechts. Die Erklärung der Reichsregierung gegen eine Mckkehr des Ex- kaisers nach Deutschland ist von der deutschen Rechtspresse mit be- merkenswerter Zurückhaltung aufgenommen worden. Wir haben nicht vermocht, eine Zeitung zu entdecken, die sich für die Rückkehr Wilhelms II. eingesetzt hätte. Die Gründe sind ja zu verstehen— namentlich nach den letzten Leistungen Wilhelm» ll. als Sonntagsprediger gegen das deutsche Volk. Wir könnten uns aber irren. Sollte es an dem fein, sollten wir eine Zeitung der Rechten übersehen haben, die sich für die Rückkehr Wilhelms einsetzt, so bitten wir um Entschuldigung und ersuchen die betreffend« Zeitung ergebenst, sich zu melden. Der verkauf öes Hotels„Kaiserhof. Privatinteressen gegen öfsentlichc Interesse«. Der Llnkauf des Hotels„Kaiserhof" durch das Reichsfinanz- Ministerium würde zweifellos ein ausgezeichnetes Geschäft für die— Aschinger-Gesellschaft sein. Anders stellt sich dieses Geschäft dar. wenn man es unter dem Gesichtswinkel der Interessen des Reichs und der Arbeiterschaft betrachtet. Das Aktienpaket des Hotels wurde 1924 von der Aschinger- Gesellschaft zum Preise von 1 996 809 M. mit einer Majorität von 74 bis 78 Proz. erworben. Sie hat diesen Aktienbesitz auf 88 Proz. abgerundet und verkaufte nun das Hotel zu dem Preis von 8� Millionen Mark. Zu dieser Summe, die das Reich auszugeben hätte, komnicü die notwendigen U m b a u k o st c n, die auf 2 bis 3 Millionen Mark geschätzt werden, da allein 139 Badezimmer ein- zurcißen, der gesamte Fußboden erneuert werden muß, sowie ein llinbau durch die Einrichtung der Bureaus und den Umbau des großen Festsaales notwendig ist. Die Gesamtkosten würden also im Endeffekt etwa 11 Millionen betragen. Dazu kämen noch die Ausgaben für E r w e r b s l o s e n u n t e r st ü tz u n g für die entlassenen Angestellten. Run gibt es in der nächsten Nähe, und zwar auf dem Grund- stück Wilhelnsstr. 78 einen ausgezeichneten Bauplatz, auf dem sich sehr zweckentsprechend ein Burcauhaus errichten ließe. Die Kosten eines solchen Neubaues dürften nach Angaben namhafter Aaufrrmen 2 bis 2% Millionen Mark betragen. Rechnet man hier- zu eine Million für das notwendige Inventar und eine' Million für den Erwerb des(reichseigenen) Grundstückes, so würden die Kosten eines Neubaues sich auf höchstens S Millionen belaufen, was eine Ersparnis von 9 Millionen Mark ausniachen würde. Dazu käme, daß bei einen? solchen Neubau etwa 799 Slr- beiter direkt beschäftigt werden könnten, eine nicht unerhebliche Eni- lastung des Arbeitsmarktes, der außerdem nicht belastet würde durch das arbeitslos gewordene Personal des Hotels. Auch vom Standpunkt des Freni den Verkehrs würde ein Berkauf des Hotels eine schwere Schädigung bedeuten. Im Vergleich zpr Vorkriegszeit stehen heute mehr als 4999 Hotelzimmer weniger zur Verfügung. Der Verkauf des Hotels würde dieses Manko noch bedenklich vergrößern. In der Oeffentlichkeit wurde behauptet, daß das Hotel Kaiserhof ein Zuschußbetrieb sei. Diese Behauptung wird widerlegt durch die Tatsache, daß das Hotel in den Jahren 1924 und 1923 einen effektiven Gewinn von 269 981 bzw. 299 583 M. ergab, im Jahre 1925 außerdem an die Aschinger-Gesellschaft Darlehen im Betrage von 326 999 M. geben und eine Dividende von 6 Proz. verteilen konnte. Für die Aschinger-Gesellschaft, die ja noch möhr Hotels besitzt, die bis heute es noch nicht für notwendig befunden hat, mit dem Betriebsrat zu verhandeln, obwohl in dem Verkaufskontrakt vor- gesehen ist, daß das Personal entschädigt werden muß(aber wie?), für die Aschinger-Gesellschaft wäre der Bertauf des Hotels in jeder Beziehung ein ausgezeichnetes Geschäft. Für den Arbeitsmarkt, für die Rcichsfinanzen wäre dieser Berkauf jedoch ruinös. Der unsichere Stand der ganzen Angelegenheit führt zur Ber- brcitung allerhand unkontrollierbarer Gerüchte, die zur Beun- ruhigung beitragen. So läuft neben dem Gerücht, daß das Reichs- finanzministerium sich entschlossen habe, von dem schlechten Geschäft zurückzutreten, ein anderes, das dahin geht, der Aschinger- Gesellschaft sei bereits die Kaufsumme von 81- M i l- lionen Mark überwiesen worden. Es ist höchste Zeit, daß der ganzen unerquicklichen Geschichte ein Ende gemacht und der Gesellschaft es selber überlassen wird, den.Laiserhos" in der ihr am besten geeignet erscheinenden Weise zu verwerten. Das Reich aber sollte die Hände davon lassen. Es kann zu den gleichen Summen neu bauen und damit neue Arbeitsgelegenheit schaffen, anstatt obendrein vorhandene Arbeitsmöglichkeit zu unterbinden. ver Lautsprecher als Nervenreibeisen. Eine„Trumpf"-Errungenschaft. Die Schokoladenfabrik„Trumpf". Berlin-Weißensee. macht sich durch ihr Antreibersystem immer unangenehmer bemerkbar. lieber ihre Ueberstundenwirtschast haben wir erst kurzlich berichtet. In neuerer Zeit ist man dort auf die sonderbare Idee gekommen, im Arbeitsraum während der Arbeitszeit einen schlechten Rund- funklautsprecher den ganzen lieben Tag tönen zu lassen. Nach außen hin soll das lo aussehen, als ob es sich hier gewisser- maßen um eine Erholungsstätte für Schokoladenarbeiterinnen handele. Ja Wirklichkeit soll der Lautsprecher zum Schuften ermuntern. Damit während der Arbeitszeit kein Wörtchsn gesprochen werden kann, Übertönt der Lautsprecher alles und verhindert selbst dos Nachdenken. Hier bringt man es fertig, eine Kullurerrungenschaft zur Nerven- plage zu mißbrauchen, um den Profit zu fördern. Arbeiterinnen aus der Schakoladenpackerci vjjn„Trumpf" haben uns versichert, daß es für sie eine wahre M a r t e r ikt, wenn sie Stunde um Stunde, Tag um Tag während der Arbeit den Laut- sp.recher bei„Trumpf" anhören müssen. Als neulich dieses„Nerven- rcibeisen" aus naheliegenden Gründen nicht mehr funktionierte. scheute man sich nicht, von den armen Schokoladenpackerinnen\ c 29 P f. einzusammeln, damit dieses Marterinstrument wieder repa- riert werden konnte und der Ilnsug fortgesetzt werden kann. Stellt ihn die Firma nicht bald ab, dann werden die Arbeiterinnen sich gegen das Antrcibeinstrument selber wehren müssen.„Wenn der Geplagte nirgends Recht finden kann..." Bezeichnend ist, zu welchen Methoden der Kapitalismus greist, um seinem Profit zu dienen. Tarifvertraxsbruch bei Julius Springer. Die Oeffentlichkeit hat ein Interesse daran, zu erfahren, wie die über Berlin hinaus in ganz Deutschland bekannte Verlags- buchhadlung Julius Springer, die rund 499 Angestellte beschäftigt, sich zu gesetzlichen und tarifvertraglich s« st gelegte n Verpflichtungen einstellt. In völliger Mißachtung der � 66, Abs. 5 tnw. 75 BRG. versucht die Firma in der letzten Zeit, eine einseitig aufgesetzte G e- fchäftsordnung ohne Befragen und ohne Einverständnis des Betriebsrates einzuführen. Erst auf den Einspruch des ZdA. hin, daß eine einseitig ausgesetzte Geschäftsordnung keine Rechtskraft haben könne, läßt sich die Firma zu Verhandlungen mit dem Betriebsrat herbei in dem Sinne, daß sie eine Verhandlung über den Inhalt der Geschäftsordnung bzw. ihrer Paragraphen ablehnt und den Betriebsrat lediglich dazu zu nötigen versucht, seine Unterschrift zu geben. In diesem Geschäfts- ordnungs-Entwurf glaubt aber die Firma, sich nicht nur über die gesetzlichen Bestimmungen des Handelsgesetzbuches(Z 63) bezüglich Gehaltszahlung in Krankheitsfällen hinwegsetzen zu können, sondern sie glaubt auch, auf diesem Wege zugleich wcsent- liche Bestimmungen des Buchhandels-Tarifvertrages zu Ungunsten der Angestellten abdingen zu können. Der Prokurist dieser weltbekannten Firma gibt auch offen und rückhaltslos zu, daß es sich um Verletzungen der gesetz- lichen Bestimmungen und um einen offensichtlichen Tarif- Vertragsbruch handele. Trotzdem besteht er im Namen seiner Firma auf die Einführung der vorgelegten Gi' Androhung von Repressalien. Geschäftsordnung unter Es ist bezeichnend, wie diese maßgebend« Buchhandels- und Buchverlags-Firma mit ihren„geistigen" Mitarbeitern umzuspnngen versucht. Es wird zu prüfen sein, inwieweit der Arbeitgeber- verband des Buchhandels, der in Anbetracht der kultu- rcllen Bedeutung des Luchhandels es sich anscheinend zur Ausgabe setzt, in reaktionärer Arbeitgcberpolitik sich nicht überslugeln zu lassen, für das«in Bekenntnis einer seiner maßgebenden Mitglieds- firmen zum Tarifvertragsbruch zur Verantwortung gezogen werden kann._ Iiir Setriebsräte. Arbeilsrechlliche Jnformatioasabende. Die Berliner Gewerkschaftsschule hat für die Betriebsräte eins neue Möglichkeit geschaffen, sich über alle arbeitsrechtlichen grund- legenden Fragen regelmäßig und ständig zu informieren, cie geht von der Erwögung aus, daß ein Teil unserer Betriebsrate nebenbei mit gewerkschahlicheii Funktionen stark belastet ist und sich leider deshalb für langfristige, auf Jahre hinaus disponierte Lehrgänge nicht festlegen kann. Der erste dieser Jnforiiiationsabende wurde am 19. Oktober ab- gehalten und hat bei den dort versammelten Betriebsräten großen Anklang gefunden. Die Leitung dieser Zlbende hat vorläufig auf unbestimmte Zeit der Kollege Clemens N ö r p e l vom Borstand des ADGB. übernommen. Die Besprechungen an diesen Abenden gehen völlig zwanglos vor sich. Es wird den Teilnehmern Gelegenheit gegeben, grund- legende, für alle Betriebsräte interessante Rechtsprobleme selbst auszuwerfen und zur Diskussion zu stellen. Der nächste Jnformations- abend findet am Dienstag, den 2. November, abends 7 Uhr, im Saal 3 bzw Saal 5 des Gewerifchaftshaiises, Engeluser 24/2.5, statt, und van da ab laufend alle 14 Tage Dienstags. Die Teil- »ahme an diesen Abenden ist kostenlos. Wir empfehlen den Betriebsräten, von dieser Einrichtung weitestgehenden Gebrauch zu machen._ Gesperrter Gaslwirtsbe trieb. Der Gastwirt Walter, An der Iannowitzbrücke 5/6 beschäftigt in seinein Lokal Angestellt«, die in jeder Weise organisationsfeindlich«ingestellt sind. Wiederholt haben die Vertreter des Zentralvcrbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-2ingest«llten«ige gütliche Einigung nachgesucht. Dies« Einigung ist schließlich an dem Verhalten des Unternehmers, Herrn Master,' gescheitert. Herr Walter hatte mit dem Vertreter der Organisap m eine letzte 21 its spräche im Beisein seines Personals vereinbart und ist dann zu dieser Aussprach« nicht erschiene n. Das Lokal von Waller, An der Iannowitzbrücke 5/6, wird hiermit wegen Tarif- bruch gesperrt. Verantwartlick für Politik: Dr Curt Geyer; Wirtschaft: Artvr Saternns: Gevxrkfchaftsbeweauna.' 3. Steiner; Feuilleton: K. K. Döscher: Lokales und Sonstiges: fci), Karstadt; An�eiecn: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlay: Vorwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin- Druck: VorroäNs-Buchdruckeret und Verlaasanstalt Paul Sinaer u. Co. Berlin SW 68. Lindenstrastc 3. Hierzu 2 Beilagen.„Unterhaltung und Wissen",„Ans der �Umwelt" und„Zugend-Borwärts". hervorragend bewährt bei: • I« Sicht, Nheuma, Ischias, Grippe, Nerven- und Ropfschmerzen, öbietteT erkältungskrankheiten. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure au». Keine schädlichen Neben- Wirkungen.— Fragen Sie Ihren Arzt!— In allen Apolhe'nen«rhLMtch. � l2�Lith. 0.46Cliinin 7UAcid.acct.saI. ad 100 Amyl. 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Denn, die Wahrheit zu sagen, so restlos beliebt ist die Polizei doch bei uns noch immer nicht! noch immer haftet ihr etwas von der Einstellung vorrevolutionärer Zeiten an, und der- jenige, der wegen irgendeiner Geringfügigkeit von der Polizei.vor. geladen* wird, läßt ein ellenlanges Himmeldonnerwetter los. Scheint ein Streich, wie der des Juwelenräubers, einmal der Poli- zei„eins auszuwischen*, dann ist Schadenfreude immer noch anzu- treffen. Ueber den irgendwie unbequemen Kleinigkeiten übersteht man ost, wie die Polizei, abseits von den„grohen Fällen*, in un- errnüdlicher Arbeit dafür sorgt, dah bei uns weder ein Apachentum nach Pariser Art, noch Rattennester, wie in den Londoner Per- brecheroierteln, entstehen können. Es ist kein Dienst, der Lorbeern trägt, es ist nur das tägliche.Reinemachen*: die Razzien, die täg- lich an irgendeiner Ecke Berlins stattfinden, sie liefern vielleicht nicht die ganz großen Fische ins Netz der Polizei, aber ste stören wieder und wieder die Ruhe der kleinen. Und nur der Berliner, der auch die wenig repräsentablen Winkel seiner Heimatstadt kennt, kann langsam diese Erfolge wachsen sehen. Razzia! Allmorgendlich, wenn die ersten Stadtbahnzüge fahren, doch oft auch schon zu früherer Zeit, wird in den Wartesälen irgend- eines Bahnhofs Razzia abgehalten. Unauffällig geht ein Beamter von Tisch zu Tisch und lähl sich Fahrkarten oder Ausweise zeigen. Was sich nicht ausweisen kann, wird höflichst aufgefordert, sich der kleinen Gruppe Menschen anzuschliehen, die vor dem Wartesaal von einem Uniformierten bewacht werden. Dann geht es zur Lahn- Hosswache. Noch einmal prüft hier der Beamte die vorgelegten un- zulänglichen Papiere— dann telephoniert er nach dem Revier, in dem der Aufaegrisfene wohnt oder zuletzt gewohnt hat Sind die Personalangaven in Ordnung, und hat der Mann keine unange- nehme Aehnlichkeit mit irgendeinem im Fabndungsblatt Gesuchten, so kann er nach Feststellung seiner personalten wieder gehen, selbst wenn er das schwere Verbrechen begangen hat, obdachlos zu sein und lieber in einer Ecke des Wartesaals hockend zu schlafen, statt sich in der„Palme*, dem Asyl für Obdachlose,„wohlzufühlen*. Mädel werden aber noch daraushin kontrolliert, ob sie etwa unter„Sitte* stehen, und wenn ja, ob sie auch ihr„Bäckerbuch* in Ordnung l)aben, d. h. ob sie sich oorschristsmähig stellten.— Es kann jedem harmlosen Staatsbürger passieren, daß er gelegentlich in eine Razzia gerät: dann wird er sich wohl sehr über den sozusagen gemütlichen Umgangslon zwischen den Beamten und den Arrestanten wundern. Jüngere, obdachlose Menschen werden von den Kriminalbeamten in ruhiger Weise verwarnt, harmlose Nachtschwärmer jovial-höflich zum Platznehmen aufgefordert— aber auch zwischen dein„Stamm" und den Beamten herrscht ein recht gemütlicher Ton! Das ist auch eine„Umstellung, die in dieser Allgemeinheit erst aus den letzten Jahren datiert. Der Berufsverbrecher hat eingesehen, daß es sich nicht rentiert, den„wilden Mann* zu spielen, und selbst wenn ein wirklich„schwerer Junge* das Pech hat, bei einer solchen Razzia hoch zu gehen, dann benimmt er sich den Beamten gegenüber lieber doppelt als feiner Mann: zum anderen Teil hat sich aber auch der Beamte eingestellt. Was früher nur die Taktik besonders kluger Kriminalisten war. ist heute Allgemeingut: Mao behandelt„seine Leute* gut, weil auf diese Weise aus ihnen viel mehr herauszuholen ist. So verrät die„verkokst«* Mieze oder Cilly dem liebenswürdi- gen Beamten, der ihr nach ihrem Herzkrampf, den sie durch die Aufregung der Razzia bekam, immer wieder frisches Wasser bringt, schließlich ihren getreuen Kokslieferanten, weil„bloß die schlechte Prise an der janzen Schweinerei schuld ist", und irgendein schwerer Junge gesteht bei dem schwer entbehrten Mokka und einer guten Zigarette dem verhörenden„Kriminal" mehr, als er ursprünglich wollte,„um dem anständigen Kerl noch eine Freude zu machen*.— Gewiß kommen noch immer Fälle vor, in denen Verhaftete aus der Wache mißhandelt werden: denn noch immer gibt es leider vom Gotlesgnadensimmel besessene Beamte, die vor allem bei Leuten, die eine ihnen unsympathische Couleur tragen, gerne ihr Mütchen kühlen. Aber von den oberen Stellen aus wird dauernd gesiebt, um diese ungeeigneten Leute zu entfernen, weil jeder Polizeifach. mann weiß, daß gerade sie die Arbett der Polizei rnst einem un. erträglichen Ballast beschweren: mit dem Mißtrauen des Publikums. Roch immer ist das Publikum ja geneigt, blind die Partei des ver. hastelen zu nehmen, weil noch nicht alle diese Erinnerungen an eine böse alte Zeit abgeklungen sind.... Reinegemacht! Am Schleflschen Bahnhof!— Wahrhaftig eine der häßlichsten Gegenden Berlins. Dunkle, arme Straßen, verwahrlost« Häuser: in ledern zweiten, dritten Haus eine Kneipe. Und was für Kneipen! Born„Farnilien-Bariete* bis zum„Koppenkellcr*. ein schlimmer Rattenkönig von Armut, Laster und verbrechen. Der Schlesische Bahnhof war die Ablösung für das niedergerissene Scheunenviertel, Berlins„Berbrechergegend*. Nun aber hat sich die Polizei da- hintergcsetzt und hat, mit immer wiederholter Razzia, energisch reine gemacht. Das„Farnilien-Bariete*. das in enger Lebensgerncin- schaft mit dein Hotel im selben Hause stand, hat die Waffen gestreckt; noch vor zwei Jahren saßen hier, zwischen Dirnen und Trunkenen, wirklich Mütter mit ihren zehnjährigen Mädels, auch mit jüngeren Kindern, die den mehrdeutigen Gesangsvorträgen begeistert lausch- ten.... und was sie etwa nicht verstanden, kommentierte über- deutlich die kreischende Nachbarschaft. Jetzt ist dieser Anlmierbekrieb endlich geschlossen. Und dann der.Polenkeller*, der Keller, in dem keineswegs nur alle Tag« von den polnischen Schnittern so ternpe- rarnentvoll getanzt wurde, der der Polizei auch als Verkehrs- lokal polnischer Berbrecher und Hehler gut bekannt war, in dem der Geschäftsführer immer ein mitfühlende» Verständnis für gut« Kunden halle, die von irgendwelchen dunklen Geschäften aus der Provinz zurückkehrten und schnell Gepäck und mitgebrachte Fahr- räder los werden wollten. Andauernd hat man ihn mit Gesamt- razzien und ähnlichen unliebsamen Besuchen belästtgt, bis sich die „Stammgäste* verzogen. Run hat die Wirtin kurzerhand umgestellt. hat sich einen neuen Geschäftsführer, Tischtücher und sogar eine Gesinnung zugelegt und fischt damit nach Gästen, deren Bewirtung weniger„geschäftliche Schwierigkeiten* nach sich zieht. Und im Dunkeln der Fruchtstraße leuchten jetzt Preßgaslaternen, so daß die armen„Freudenmädchen* dieser Gegend sich, frierend unter dem ungewohnten Licht, in ihre Hausnischen drücken. Denn ach, auch die„Sitte* ist scharf, und vor ihrem Zugriff kann der„Beschützer. verein Jmmertreu* jetzt nicht mehr schützen. Denn auch die Herren haben zugelernt; sie legen sich nicht mehr wegen eines Mädels, das vcrschütt geht, mit der Polizei an— sie haben auch gelernt, daß es Der Weg des blinden Bruno. 32s Roman von Oskar Baum. Die Kinder auf dem Sofa hinter ihnen und im Neben- zimmer schnarchten ein wenig oder knirschten im Schlaf von Zeit zu Zeit. Das Picken seines Schreibstiftes klang mit maschinenhafter, gleichmäßiger Hast durch den Raum und dazwischen die diktierten Noten in Vilmas melodischer leiser Stimme. Einmal, nach einer Pause— er mußte eine Stelle für sich durchlesen, um für die verkürzte Schreibweise des Folgen- den den Ueberblick zu haben,— erhielt er keine Antwort, als er„Weiter!" bat. Er wartete eine kleine Weile verwundert, und als er nochmals leise gefragt hatte, tastete er vorsichtig nach der Seite. Ihr Kopf lag auf dem Arm über dem Tisch- rand. Ja, was tat er denn da? Wie quälte er das arme Geschöpft? Er saß lange reglos, kaum atmend. Leise rann das Ge- murmel des Kranken durch die Stille. Die Glieder würden sie in dieser Stellung schmerzen, wenn sie fröstelnd noch Stunden erwachte! Er beugte sich über sie. Der Atem ihrer Haut war wie leiser Veilchenduft. Er streichelte zaghaft den dünnen Stoff der Arme, des Rückens— nein, nein! Er erhob sich, schlich hinaus, zog ganz behutsam eine Ewigkeit lang die Tür hinter sich zu. Oh, wem half er denn? Wozu dies alles? Die Arbeit war über seinem Kopf zusammengeschlagen. Ueberspannen der Kräfte. Rasen wider die Grenze des Möglichen hatte seine Leidenschaft aufgerührt und er hatte den Zweck vergessen. Wie viel war denn mit all dem Rummel erzielt worden?— Mutter Geil hatte inzwischen einen Mittagstisch für ledige Herren eingerichtet, und die Arbeit war zu viel für sie. Sie begann zu'kränkeln. Nachts konnte sie nichts essen, zu sehr erschöpft von der steten Eile und Ofenh'tze: jeder der Herren kam zu anderer Zeit, und auch nachmittags war sie vollauf mit Vorbereitungen für das nächste Mittagesien in Atem gehalten. Sie klagte in dieser Zeit nie über ihre Schwäche: aber einmal während der Arbeit fiel sie ohnmächtig hin: glücklicher- weise nicht auf den glühenden Ofen, sondern rücklings auf die Dielen. Der Arzt sagte: So ginge es nicht weiter: sie würde es nicht lange mehr aushalten. Da kam Bruno in seinen wachen Nächten Alwin in den Sinn. Er war schon eine ganze Reihe von Iahren zu Hause, und sein Vater war so reich! Bruno hatte einst nach seinen ersten Erfolgen auch Alwin zum Austritt aus der Anstalt bewegen wollen, ober dessen Angehörige hasten sich zu sehr dagegen gesperrt! Seitdem hatte er auch schon öfters an ihn gedacht: seine Adresse hatte er durch den Vater in der Anstall erfragen lassen: er war aber immer noch nicht dazu� gekommen, ihn zu besuchen. Alwin zeigte keine übermäßige Freude oder Ueberraschung, als Bruno ihn besuchen kam. Er stand beim Fenster und fing Fliegen. „Seine hauptsächlichste Beschäftigung," erklärte das alte Fräulein, die Wirtschafterin, die Bruno hineingeführt hatte. Immer stand er so und lauschte, zur Seite geneigt, auf das Summen und den kleinen Knall, wenn die Köpfchen gegen das Glas anrannten. Zuckerstückchen und halbfaule Früchte lagen um ihn. Er rührte sich nicht, atmete einstudiert langsam, keine Luftwellen zu erzeugen, näherte leise, leise die kunstfertig in geschlossener Wölbung gekrümmten Finger und mit einem Ruck war das Tierchen in seinem Gesängnis. Er hatte schon dreihundertsiebenundzwanzig erledigt! „Es ist notwendig," versicherte er Bruno sehr eifrig, da dieser schwieg,„die Tiere stören einen immerfort: man hielte es gar nicht aus!" Und fem Oberkörper pendelte wie immer, nur etwas schneller. Seine Stimme hatte etwas Verschleiertes, wie Ver- rostetes. Der Speichel rann ihm aus dem Mund. Er war unmäßig dick und ohne das geringste Bedürfnis nach Rein- lichkeit. Den ganzen Tag kam niemand zu ihm herein. Es war nicht leicht gewesen, von der Hausdame, ohne viele An- fragen, zu ihm gelassen zu werden. Die Eltern schnitten ihn von allem Verkehr ab: sie schämten sich seines Zustondes. Die vertrauten Züge, ihre eigenen, in seinen bekleckerten Kleidern, seinen unmöglichen tierhaften Bewegungen erschienen ihnen wie eine höllische Verzerrung ihrer selbst, ein Spiegel, zur Verdammnis ihnen vorgehalten. „.Und Klavier spielen?" fragte Bruno. O ja, dann und wann, nach der Phantasie oder immer wieder die alten Stücke. Eine Fliegenscrcnade war das einzige, das er komponiert hatte. Er spielte sie Bruno sogleich vor und summte dazu, wie als Begleitinstrument, die Fliegen- stimmen in den verschiedenen Tonarten des Morgens, Mittags und Abends, ahmte mit der Zunge zwischen den Zähnen das Schwirren einer in der Hand gefangenen nach oder das einer zwischen geschlossenen Fensterscheiben wahnsinnig gewordenen. Als das Fräulein ein Weilchen hinausging, begann Bruno von Geld, von Hilfe, von gutem Werk und gefahrloser sicherer Anlage: er verpfände seine ganze Zukunft. Aber als Alwin hörte, er solle mit seinem Vater reden, befiel ihn ein Zittern:„Nein, nein, nein, nein!" Und, wohl um abzulenken, fing er von Menschen und Borkommnissen aus der Anstaltszeit an, an die sich Bruno zum Teil gar nicht mehr erinnern konnte, die aber Alwin noch von sehr lebendiger Wichtigkeit schienen. Und zuletzt begann er— was Bruno vermieden hatte— von Franzi» Er rückte dazu näher an Bruno heran und dämpfte die Stimme: Wann er wolle, sei er mit ihr beisammen. O Herr- lich! Immer sei sie ihm zu willen! Ja, ja, das jage er nicht nur so! Er habe noch einige Gegenstände von ihr: Ein Schreiblineal und einen Griffel, eine gestrickte Geldbröse, eine Schachtel, in der sie ihm einmal Briefpapier geliehen habe: es war ganz wenig parfümiert gewesen. Am schönsten seien früh nach den Träumen die wachen Stunden im Bett— er umschlang Bruno und näherte sein Gesicht, hätte ihn vielleicht bald geküßt. Ein furchtbarer Geruch strömte von ihm aus. Aber Bruno überwand sich, ihn nicht wegzustoßen: es war zu viel Ergriffenheit tn seinem Grauen und Ekel. Er stand auf. Franzi sei sehr böse über seine Trägheit, sagte Bruno streng. Er solle üben, Stunden nehmen oder selbst unter- richten. Eine Schande, nicht zu arbeiten! Aber Alwin schnaufte nur verlegen und verbissen immer lauter, legte die Hand auf sein Ohr, faltete die Muschel zu- sammen und preßte sie an, wie immer, wenn ihm Aufregendes oder Unangenehmes gesagt wurde. Das kleine Rauschen im Gehörgang verwirrte so wohltätig den Kopf und überhob ihn der Mühe, zu denken Von Alwins Famille bekam Bruno niemand zu sprechen. Der Hausdame schlug er vor, man möge versuchsweise eine kleine Zimmerorgel aufstellen und jemand aufnehmen, der Alwin alle Tage besondere neue Stücke vorspiele, vielleicht würde das den Geist von«inst allmählich wieder aus ihm hervorlocken.(Fortsetzung folgt.) sich nicht rettiert, einen„Bullen"(Schupomann) mal grün und blau zu schlagen. Auch sie wünschen mit der Polizei niüglichst in Frieden zu leben und vermeiden lärmende Straßenszenen. * Umstellung— Umstellung auf der ganzen Linie. Geschäft ist Geschäft, und wenn man auch berufsmäßig Feind ist, so macht man sich doch nicht mehr Schwierigkeiten, als eben zum Geschäft ge« hören.„Erziehung zur Sanftmut" auch hier, und wir wollen zur Ehre der Polizei annehmen, daß sie, als die Klügere, den Anfang machte.... Und mit dem„scharfen Beamten" stirbt auch der „rabiate Verbrecher" aus. Ist man gefaßt, so betrachtet man das eben als Betriebsunfall, und der Beamte der heiligen chennandad greift der Schwester Iustitia nicht mehr vor. Denn es ist nicht das beste Großreinemachen, bei dem es die meisten Scherben gibt! Der Koubmord in Neukölln. Schumanns Persönlichkeit. Die gestrige Gerichtsverhandlung gab völlige Klarheit über die M 0 l i v e der Tat. Schumann war seit 19S3 mit der um zwei Jahre älteren Elly K. verlobt. Er verkehrte ständig im Hause ihrer Eltern. Die Heirat war für das Frühjahr 1926 vorausgesehen. In der letzten Zeit war aber Schumann arbeitslos geworden. Weihnachte» ohne einen Pfennig Geld zu verbringen— denn tvicmci konnte er schon durch das Hofsingen verdienen— erschien ihm wenig reizvoll. Sein guter Anzug mußte ausgelöst werden. Wirtin. Braut und der Wirt des Stammlokals drängten auf Bezahlung der Schulden. Er hatte bereits zweimal Anzüge seiner Mitbewohner versetzt, die er allerdings sofort wieder ausgelost hatte. Seinem Zimmergenossen Reich hatte er gesagt:„Ich habe Weihnachten stets gefeiert und werde es auch diesmal tun." Und ein anderes Mal:„Ich muß zu Geld kommen, mag es biegen oder brechen. Was hinterher kommt, ist mir egal." Seiner Tante und Wirtin hatte er erzählt, er würde vom Onkel Geld erhalten. Diesem gegenüber sagte er wieder, und zwar in der Hoffnung, von ihm Geld zu bekommen, er habe bereits geheiratet und sei in der Mitropa angestellt gewesen. Charakteristisch für Schumann war auch, daß er dem Onkel gefälschte hervorragende Zeugnisse zeigte. Der Onkel aber dachte gar nicht daran, dem Neffen Geld zu geben. So konnte Schumann, um zu Geld zu kommen, ein Eigentums- verbrechen begehen. Seiner Natur nach, der Hochstapelei und Abenteuerei eigen ist, hätte ein Betrug am nächsten gelegen. Daß er einen Raubmord begehen würde, tonnte man ihm nicht an- sehen. Hatte er ihn begangen? Neben den vielen anderen Indizien, insbesondere der gegen ischumann sprechenden Zeitangaben, erscheinen zwei am belastendsten: der Handschuh des Ange- klagten, den die Überfallene Frau Böhle auf der Stelle ge- stxnden hatte, von der aus der Uebeltäter auf sie hergesprungen war, und die Aussage d�s 14jährigen Kurz, der bekanntlich sofort der Mutter gesagt hatte, daß er an der rechten Schläfe des der Tat verdächtigen Mannes einen Leberfleck gesehen habe. Schumanns Schläfe besitzt tatsächlich diesen Leberfleck. So bleibt das R ä t f e l h a f t e st e an dieser ganzen Sache das h a r l- näckige Leugnen des Angeklagten. Worauf mag er hoffen? Es ist das Rätsel seiner Persönlichkeit. Oer Schimpfbolö laust zum Koöi. knüppel-kunze fühlt sich gekränkt. Bor dem Amtsgericht Mitte wurde gestern eine Privatklage des Stadtverordneten Richard Kunze gegen de» Alterspräsidenten der Berliner Stadtverordnetenversammlung, Kommerzienrat B a m- berg von der demokratische» Fraktion, oerhandelt. Gegenstand der Klage waren Zwischenrufe, die Kommenzlenrat Bamberg in einer stürmischen Sitzung während einer Rede des Privatklägers ge- macht hatte. Stadtv. Kunze hatte eine Hetzrede zum Wohnungswesen ge- halten und dabei vom internationalen Judentum und dessen er- b�ärmliche» deutschen Helfershelfern gesprochen. Der Stadtv. Bamberg hatte nach dem amtlichen Stenogramm ihm zu- gerufen„Schweinehund" und hinterher„ordinärer Schweinehund". Wegen dieses Zwischenrufs hatte Stadtv. Kunze Beleidigungsklage erhoben. Stadtv. Bamberg erhob Widerklage, weil er sich durch die Rede des Stadtv. Kunze beleidigt fühlte. Zu feiner Bertei- digung führt« der Beklagte an, nachdem wiederholte Bergleichsver- Handlungen gescheitert waren, daß er von Kunze schwer gereizt worden sei. Denn dieser habe während seiner Worte mit der Hand eine Geste zu ihm gemacht, so daß deutlich daraus hervorging, daß die beleidigende Aeußerung auf ihn gemünzt worden sei. Das habe ihn maßlos erregt. Stadtv. Kunze behauptete, daß er feine Worte im allgemeinen zur Linken gerichtet habe. Als Zeugen waren In großer Zahl Stadtverordnete aus allen Fraktionen vor Gericht geladen worden. Stadtv. Handelsrichter R o s e n t h a l (Dem.) bekundete, daß Kunze bei den Worten direkt auf Bamberg und ihn, die beide nebeneinander saßen, hingewiesen habe, und daß für ihn gar kein Zweifel bestehe, daß die beleidigenden Worte an sie gi�chtet worden seien. Anderer Aufsasiung war Stadtv. Honette(Dsoz.). Kunze habe von dem galizischen Lumpen. g e s i n d e l gesprochen, und es hätte ihm ferngelegen, den altehr- würdigen Kommerzienrat Bamberg mit diesem zu identifizieren. Stadtrat D e g n e r(Kommunist), der damals als Stadtverordneten- vorsteher-Stellvertreter die Verhandlung leitet«, bekundete, daß Kunze eine Handbewegung zu Bamberg und Rosenthal machte, die vorn dicht vor Ihm saßen. Er hätte die Pflicht gehabt, beide zu rügen, habe es aber unterlassen, nachdem ein Parteifreund Kunzes die Unflätigkeit begangen hatte, durch Hochheben der Rock- schöße eine Aufforderung nach Art des Götz von Berlichingen zu machen. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Lortzing, wies darauf hin, daß von der anderen Seite behauptet werde, Stadtv. Bamberg habe zuerst mit Worten eine derartige Aufforderung ergehen lasten, und daß der Stadw. Kruczkowski darauf in jener Weise erwidert habe. Stadtv. Bamberg wies mit Entrüstung zurück, derartige Worte gebraucht zu haben. Die Meinungen durchkreuzten sich. Schließlich kam Amtsgerichtsrat Lortzing zu folgendem Urteil: Die Widerklage fei abzuweisen, da nicht ganz klar er- Mutter schneide dies aus! Wie man sich einen Hustenfirup selbst macht. Jede Mutter sollte dies Rezept einmal probieren, denn es ergibt beinah« einen halben Liter ausgezeichneten Hustensirup, genug für die ganze Familie, und da« für verhältnismäßig wenig Geld. Der Sirup ist angenehm einzunehmen, enthält nichts Schädliches und verdirbt nie. Er ist unübertrefflich zur Vorbeugung von Husten. Er- kältung. Influenza u. dgl.,»ein gelegentlicher Gebrauch im Frühling ichlägr mancher Krankheit die Tür vor der Nase zu. Stelle ihn heute noch selbst her und halte ibn gebrauchsfertig bei der Hand Beschaffe Dir in der Ävoiheke 60 g dreifach konzentriertes Ansy. Tue es in eine Kanne zusammen mit einem halben Schoppen heißen WasterS und einem halben Pfund reinen gestoßenen Zucker. Gut verrühren, bis alles aufgelöst ist. Bei Erkältung nimmt man davon viermal täglich ein bis zwei Teelöffel voll. Das lindert großartig rauhen Hals und Brust und überwindet oft schon in 24 Stunden den lästigsten Husien: zugleich hat es einen gewissen kräftigenden Einfluß auf den Organismus und erweist sich auch als sehr wert- volles Heilmittel bei den ernsteren Erkrankungen der ÄtmungSorgane. Du mußt aber daraui leben, daß Du das drei'ach konzentrierte Ansy zur Herstellung des Hustensirup» bekommst Wenn der Apotheker es einmal nicht auf Lager hat, kann«r«» in Kürz« für Dich besorgen. Direkter Schnellverkehr GjMVeft. Die Verstürk», ngsstrecke Meisdreieck— Kurfürstenstraße— NoNendorfPlatz— Wittenbergplatz. der Hochbahngesellschaft, die andere für den„Schöpfer des elektrischen Bahnbetriebes Werner v. Siemens" und für„seine Mitarbeiter an der Durchführung seines Schnellbahngedankens Wilhelm o. Siemens und Heinrich Schwieger". Bom unteren Bahnhos Nollendorfplatz Am heutigen 24. Oktober kann endlich auf der Hoch- und Untergrundbahn die jetzt fertiggestellte Berstärkungsstreck« Gleisdreieck— Kursürstenstraße— Nollendorfplatz— Wittenbergplatz i n Betrieb genommen werden, so daß wieder eine direkte Berbindung zwischen Osten und Westen geschaffen wird. Einen direkten Berkehr Ost— West hatten wir schon vor nun bald einem Bierteljahrhundert auf der Stammstrecke, die im Jahre 1992 eröffnet wurde und zu- nächst von Warschauer Brücke über Gleisdreieck bis Knie(mit einer Bahnhof Nollendorfplatz. Abzweigung vom Gleisdreieck zum Potsdamer Platz) reichte. Erst mit der Auflösung der Gleisdreieckanlage und der Ersetzung durch einen Umsteigebahnhof hörte im Jahre 1912 diese Verbindung aus, und es begann dann auf dem Umsteigebahnhof Gleisdreieck die Jagd über die Treppen, die wir alle kennen. Mit der heute erfolgenden Inbetriebsetzung der neuen Strecke werden direkteZüge von Warschauer Brücke über Gleis- dreieck, Kursürstenstraße, Nollendorfplatz weiter Über Wittenberg- platz nach Uhlandstraße und andererseits über Biktoria-Luiss- Platz nach Schöneberg-Hauptstraße eingerichtet. Neben dem alten Hochbahnhof Nollendorfplatz mußte ein neuer Unter- grundbahnhof Nollendorfplatz gebaut werden, dessen Bahnsteige in zwei Geschossen übereinander liegen, so daß hier d i t gesamte Bahnhofsanlage drei Geschosse hat. Auf dem Untergrundbahnhof Nollendorfplatz werden die von Schöneberg und Uhlandstraße kommenden Züge auf dem oberen Bahnsteig, dt« vom Osten kommenden Züge auf dem unteren Bahnsteig halten. Bor- gesehen ist Übrigens, den Schöneberger Zweig später einmal in einer eigenen Linie durch die Genchiner Straße nach dem Stadtinnern weiterzuführen. Untergrundbahnhof und Hochbahnhof haben auf dem Nollendorsplatz eine gemeinsame B o r h a l l e. deren Aeußeres kaum dazu beiträgt, die Berschandelung des Nollendorfplatzes zu mildern. Im Innern macht diese Borhalle einen recht stattlichen Eindruck. Hier sind auch in Nischen ein paar Gedenktafeln an- gebracht, die eine für die im Weltkrieg Gefallenen aus dem Personal bis zum Gleisdreieck muh eine Steigung von fast 19 Meter überwunden werden. Die vom Bahnhos Kursürstenstraße nach Unterfahrung der Potsdamer Straße hinter den Häusern der Steglitzer St-raße zum Gleisdreieck hinauf- führende Rampe liegt in einer doppellen Röhre, damit die Nachbarschaft vor dem Lärm des Zugverkehrs geschützt wird. Auch die U e b e r b r ü ck u n g der D e n n e w i tz st r a h e ist. um das Geräusch der aus dem Häuserblock herauskommenden Züge fern- zuhalten, als geschlossene Röhre in Eisenbeton ausgeführt worden. Eine Art Eröffnungsfeier wurde gestern nachmittag unter Beteiligung einer großen Zahl geladener Gäste veranstaltet. Anwesend waren Mitglieder des Magistrats und der Stadtverord- netenversammlung. der Bezirksämter von Bezirken des Westens und ihrer Bezirksversammlungen, der Direktionen der Hochbahngesellschaft und der Strahenbahngesellschaft. Geheimer Baurnt W i t t i g, der als Vertreter der Hochbahngesellschaft sprach, erinnerte an die zwischen der Stadt und der Gesellschaft zustande gekommene Vereinbarung, UeberbrDckung Dennewltzstraße. die er einen Wendepunkt im Berliner Verkehrswesen nannte, weil von ihr eine Zusammenfassung der Berkehrsunter. nehmungen zu erwarten sei. Für den Magistrat sprach Bürger. meister S ch o l tz, der die Hoffnung ausdrückte, daß nun das Gegen- einander der Verkehrsunternehmungen aufhören werde, so daß die gemeinsame Kraft dem Wohl der Bevölkerung dienen kann. Das gesamte Schnellbahnnetz Berlins hat unter Einschluß der Nordsüdbahn jetzt eine Länge von 53,3 Kilo- meter. Es begann 1992 mit 11,2 Kilometer und erwellerte sich 1996 auf 12,6, 1998 auf 17,8, 1919 aus 29,8, 1913 aus 37.6 Kilometer. Nach einer durch den Krieg verursachten langen Pause folgten neue Erweiterungen, 1923 auf 44,7, 1924 aus 46,9, 1926 aus 53,3 Kiloipetcr. wiesen ist, daß Stadtv. Kunze in seinen allgemeinen politischen Aus» führungen den Beklagten persönlich gemeint habe. Erwiesen sei aber, daß der Beklagte dem Kläger beleidigende Worte zu- gerufen habe. Es soll nicht verkannt werden, daß Kommerzienrat Bamberg sich große Verdienste erworben habe, und strafmtldenrd sei auch, daß er als Angehöriger des Judentums sich gekränkt fühlen mußte. Andererseits aber seien derartige Ausdrucke nicht zu bil- ligen. Es sei ja richtig, daß das Niveau unserer Stadt- Parlamente nicht immer vorbildlich sei: dennoch aber müsse jeder einzelne vermeiden, seinen Gegner zu kränken. Mit Rücksicht auf die Vermögenslage des Beklagten konnte die Strafe nicht zu gering sein, und es erschien dem Gericht 3 99 Mark Geldstrafe angemessen. Dem Stadtv. Kunze wurde die einmalige Publikation des Urteils auf Kosten des Angeklagten in je einer links- und einer rechtsstehenden Zeitung zugebilligt. Rechts- anwalt Dr. Grünberg gab sofort zu Protokoll, daß er für den Stada. Bamberg Berufung einlege. Stadtv. Kunze legte ebenfalls Berufung ein_ Oer§all fjcinfg. Das sogenannte Rußlandkomitee ladet auf den Plakatsäulen die sozialdemokratischen Arbeiter zu einer Versammlung ein, in der der „Fall H e i n i g"— die Richteinlassung unseres Mitarbeiters Genossen Kurt Heinig nach Rußland— besprochen werden soll. Auf den Anschlägen wird bemerlt, daß die Redaktion des„Vorwärts" und der Genosse Heinig zu dieser Versammlung eingeladen sind. Wir halten die Versammlung für vollkommen überflüssig. An der Tatsache, daß nach Rußland Vertreter aller arbeiterscindlichen Blätter, pommersche Junker und Hohenzollernprinzessinnen ein- gelassen werden, während man für Genossen Heinig die Grenze ge- sperrt hat, kann diese Versammlung nichts ändern. Was zur Sctche zu sagen ist, ist im„Vorwärts" gejagt worden. Die Redaktion des„Vorwärts" hat besseres zu tun, als in Ber- sammlungen zu laufen, die von T P einberufen werden. Sie denkt nicht daran, das Rußlandkomitee bei seinem Versuch, sich wichtig zu machen, zu unterstützen. Auch Genosse Heinig wird, wie er uns mit- teilt, dieser Versammlung fernbleiben. Das Ende des großen Aktienfalschnngsprozesses. In dem großen Aktienfälschungsprozeß von Blumenthal und Genossen, der seit etwa 14 Tagen die Große Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte, hatten die oerurteillen Angeklagten Rößner von Blumenthal, Jacob! und Haas gegen das vom Schössen- gericht über sie gefällte Urteil Berufung eingelegt. Im wesentlichen drehte sich die Berusungsoerhandlung um die Frage der Mitschuld des Sparkajjendirektors Dauber von der Sparkasse in ürstenwalde, ob er die falschen Aktien beliehen Halle, um eine Provision zu erhallen. Dauber hatte das von Anfang an be- stritten und wurde nur belastet durch die Angaben des Mitangeklao- ten Jacobi. Die Strafkammer kam wiederum zu einer Frei- s p r e ch u n a Sauber s. Bei Rößner von Blumenthal wurde die Zuchthausstrafe von 4 Jahren in Gefängnis von gleicher Dauer umgewandelt. Bei dem Buchdrucker Haas wurde die Straf« von 3 Jahren auf VA Jahre Gefängnis ermäßigt und als durch die Untersuchungshast für verbüßt erklärt. Verworfen wurde dagegen die Berufung des Angeklagten Jacobi, und es wurde auch vom Gericht abgelehnt, ihm die weitere Unter. suchungshaft anzurechnen. Rot-�ront-Kämpfer-Politik mit Schlagringe«. In den Abendstunden am Freitag kam es bei dem Gastwirt B. >n der Rheinsberger Straße zu einer heftigen Schlägerei, in deren Verlauf d?r Gastivirt und ein Klempncrmeister von uniformierten Rot-Front-Kämpfern mit Schlag- ringen bearbeitet wurden. Der Streit entstand, als die Kornrnu- nisten SPD-Genossen anpöbelten und beschimpften. Der (Bastwirt, ein Parteigenosse, verwies drei unfformierten RFB.-Leulei, sein Lokal, gestattete ihnen aber auf ihre Bill«, daß sie in Ruh« ihr bestelltes Vier austrinken könnten. Diese Ruhepause benützten' die Kommunisten jedoch, um noch drei Mann Verstärkung herbeizuholen, und als nun der Gastwirt bei Eintrill der Polizei- S iinde alle aufforderte, das Lokal zu verlassen, schlug einer der FB.-Lente mit einem Schlagring auf ihn ein und brachte ihm eine klaffende Kopfwunde bei. Der Klempnermeister wurde auf die Straße gezerrt und dort mit Stiefelabsätzen bearbeitet. Erst als eine Polizeistreife naht«, ließen die Angreifer von ihrem Opfer ab und liefen davon. Ein Teil der tapferen„Kämpfer" wurde jedoch von Gästen des Lokals erkannt. Awe! Dachbränöe. Mehr Vorsicht bei Dachreparaluren! Gestern wurde die Feuerwehr nach dem Eckgrundstück Mauer. straße 68 alarmiert, wo große Rauchmassen über der Straße lagerten. Von Vorübergehenden wurde vermutet, daß es sich um einen Dachstuhlbrand handele. Auf dem Dach des Hauses werden Arbeiten ausgeführt. Zu diesem Zweck wurde in einem großen Kessel Teer gekocht, die Masse kochte über und geriet in Brand. Zwei Arbeiter, der 24jährige Alfred St. aus der Eadiner Str. 6 und der 42jähr!ge Polier Otto K. aus Charlottenburg, Goethepark, zogen sich im Gesicht und an den Händen erhebliche Brandwunden zu. Die Verletzten erhielten auf der Rettungsstelle Kronenstraße erste Hilfe. Die Feuerwehr konnte die Gefahr nach kurzer Zeit beseitigen. Einige Zeit später wurde die Feuerwehr abermals zu einem vermeintlichen Dachstuhlbrand nach der Schlesischen Str. 31 gerufen. Auch hier war auf dem Dach der zu Ausbefserungs- arbeiten notwendige Teer übergekocht, der sich brennend über das Dach ergoß. Der Arbeiter Sch. aus der Hollmannstrahe erlitt an den Armen Brandwunden zweiten Grades und wurde von Feuer- wehrsamaritern verbunden. In letzter Zeit häufen ssch ähnliche Fälle, so daß bei Dachreparaturen, seien es Klempner- oder Teer- arbeiten, mit größerer Borsicht als bisher zu Werke gegangen werden sollte. Erst vor kurzer Zeit geriet im Osten Berlins durch Unvorsichtigkeit bei Dacharbeiten ein Dachstuhl in Brand und wurde vollständig eingeäschert. 'Iftjt/H V 'v<'~ IMTHOMPSOMg l5£iFEKiP'ulv£R 2 kferns05ferr Im Aaus halfbueh. dieJhre fasse kaum empfindet u. doeh verdanken Sie die| sai beiden unbedeutenden Ausgaben eine blendend weiße Wäsahe Der Konsum im Rundfunk. In einem Werbeoortrnge sprach Freitag Gern Mirus im Rundfunk über Wesen und Ziele konsumgenvssenschaftlicher Organi- fattoncn. Zum Unterschied zu der Privatwirtschaft, wo tri« erzielten Ueberschüsse prozentual der Anteil« verteilt werden, verteilt die Ävnsumgsnossenschost die erzielten Ueberschüsse prozentual dar ge- tötigten Einkäufe ihrer Mitglieder. Immer mehr ist die Konsumgenossenschaft zum Eigenbetrieb übergegangen. Die ersten Eigenbetriebe waren natürlich die Bäckereien. Mit ihren KV Doppel- auszugsöfen dürfte die Konsumgenossenschaft Berlin die größte Bäckerei der deutschen Republik sein, die sowohl technisch wie hygienisch vollkommen auf der chöhe ist. Ein Berühren der Roh- Materialien und des Teiges wird in ihr so gut wie vernrieden. Erst wenn das Brot versandtfertig gemacht ist, wird es das erstemal durch Menschenhand berührt. All« in der Bäckerei Beschäftigten müssen vor Arbeitsantritt«in Bad nehmen und die ihr von der Konsumgenossenschaft gestellte Kleidung tragen. Die Konsum- genossenschaft ist, wie all« Konsnrnoerein«, dein Zentraloerband Deutscher Konsumverein« mit dem Sitz in Hamburg angeschlossen, dem 11VV Bereine mit über 3 382 OOS Mitgliedern angehören. Die Großeinkaufsgenossenschaft besitzt im ganzen 43 Fabriken, darunter Zündholz-, Tabak-, Seifen-. Bürsten- und Textilwarenfabriken. Der Umsatz der Konsumgenossenschaft Berlin betrug im letzten Geschäfts- jähre 33 Millionen Mark, von denen 1 Million an die Mftglieder zurückvergütet wurde. Sie hat sich auch während des Krieges und der Zwangswirtschaft den Behörden zur Verfügung gestellt und ihr« Tätigkeit ist von höchsten Stellen lobend anerkannt worden. vortrüge der Freien Sozialistischen Hochschule. Reben den wissenschaftlichen Seminaren, die die„Freie Sozialistische Hochschule* in diesem Winter erstmalig durchführt, werden auch die im Vorjahr begonnenen wissenschaftliche» Einzeloorträgc fortgesetzt. Der erster Vortrag findet am Sonnabend, deni 30. Oktober, abends 7]/2 Uhr, im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 4, statt. Professor K u s k e- Köln spricht über das Thema: Europa und die Wellwirtschaft. Einzelkarten o 50 Pf. sind an folgenden Stellen zu haben: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenftr. 3, 2. Hof II, Zimmer 8: Buchhandlung I. H. W. Dietz, Lindenftr. 2: Berband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraße Ecke Luisenuser: Zigarrengeschäit Harsch, Engeluser 24/25(Gewerkschafts- haus): Buchaemeinschaft„Gutenberg*, Dreibundstr. 5: Tabakvertricb, Jnselstr. 6, sowie in allen„Vorwärts"-Speditionen. Gedächlnlsfeier für Zack London. Das Arbeiter-Sport. r a r t e l l veranstaltet zur Erinnerung an den großen amerika- nischen Dichter des Weltgefühls am Montag, den 25. Oktober, eine Gedächtnisfeier im Saalbau Friedrichshain, in dem Alfred B e i e r l e das romanhaste Leben dieses herrlichen Vagabunden, Goldgräbers und Jägers, des ersten Präsidenten der American- Socialistischen Union, unter Begleitung von 50 Lichtbildern erzählen wird. Rezitationen seiner spannenden Kurzgeschichten werden den Abend beschließen. vezirk»bildung»au«sch»h Groß-verlin. Heute. Sonntag, pünktlich 3Ubr nachmittags, im Theater der Volksbühne am Bülowplah „L y i i itr a t a'. Komödie von Leo Kreiner(nach AristophaneS). Preis der Karte einschließlich Kleiderablage und Theaterzettel 1,20 M Karten sind noch im Theater zu haben.— Heute, abend? 8 Uhr, im Vürgersaal des RatbauseS: LiterartscherAbend de? BücherkreiseS. Theo M a r e t spricht über daS 7. Werk diS BücherkreiseS:.Kreatur* von Friedrich Wolf. Eintrittspreis SO Pf. Karten sind noch am Saaleingang zu haben. Für die Witwen- und waiseokass« des Vereins Berliner Journalisten veranstaltet der Verein heute, Sonntag, in der Gctcllschast der Freund- Potsdamer Str. 0. einen geselligen Nachmittag. Die Leitung der Vorträge bat Ulrich Franz Krolop übernommen. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Resi Lauger. Erna Shdow tSolotänzerin, Städl. Oper), Bcrhardn Botel (Städl. Oper), Fritz Hirsch(StaatStheater), das Tanzduo Alice und Heftlin Johannien u. a. Da» Arft der Goldenen Hochzell feiern heute unser Abonnent(feit Bestehen dcS.Vorwärts*) Theodor Li ch t n er und seine Gemahlin, Suunestr. 6-__ Wetterbericht der öffentlichen wetlerdleastfiell« für Berlin. sNachdr. Verb.) Wechselnd meist stärker bewölkt und nur unwescnltiche Niederschläge, weiter- hin sebr kühl, strichweise Nachtsröste.— Für Deutschtand: Ueberall weiterhin sehr kühl, an der Küste zeitweise ziemlich heiter, sonst meist stärker bewölkt, ün Südwesten strichweise Regensälle. Das Geheimnis der guten Tasse Kaffee heißt: 5 Carlsbadef"! Sine Zuiat davon entlockt der Kaffeebohne eine Fülle von Duft und XVbKlgcfchmack und verleiht dem 6e- tränk den vielgerühmten goldbraunen Schimmer des Carlsbader Kaffees. Allgemeine Funktionär-Versammlung am D i e n s t a a, den 26. Okiober 1926, abends 7 Uhr, in den.Germaniasälen*. Chausseesirahe 110. Tagesordnung: Unsere Stellungnahme zur Fürstenabfindung. Referent: Genosse Cr.st Heilmann, M. d. L. Funkllonärausweis für 1926 und Mitgliedsbuch der Partei gellen als Legitimolion. Ohne diese Ausweise hat keiner Zutritt. Der Bezirksvorstand. Die Typhuserkrankungen in Hannover. Von der staatlichen Medizinalbehörde in Hannover wird folgendes mitgeteilt: In der Woche vom 17. bis zum 23. Oktober sind 42 neue Typhusfäll« und Fälle von Typhusuerdacht amtlich mitgeteilt worden. In derselben Zell sind ins Krankenhaus übergeführt 36 Personen, aus den Krankenhäusern entlassen löv Der- sonen. Gestorben sind 16 Personen. Die Zahl der in den Krankenhäusern befindlichen Kranken beträgt nur noch 1322, so daß damit zu rechnen ist, daß im Laufe des November noch eine der als HUfskronkenhäuser eingerichteten Schulen von Typhus- kranken geräumt werden kann. Wieder zwei Eisenbahnunglücke. Ein Eisenbahnunglück ereignete sich am Freitag nachmittag gegen 4 Uhr kurz vor Bellinzona. Kurz nach der Ausfahrt aus der Station Castione entgleiste der Zug in dem Augenblick, als er über eine Brücke fuhr. Zwei Personenwagen stürzten um und gingen in Trümmer. Zwei der Reisenden wurden getötet, mehrer« verletzt.— Von einem weiteren schweren Eisenbahnunglück liegt aus Paris eine Meldung vor. Am Freiio« vormittag stieß auf dein Bahnhof Aulnoye infolge falscher Weichenstellung der Kölner Schnellzug mit dem Brüsseler Schnellzug zusammen. Ein Wagen des Brüsseler Zuges wurde vollständig zertrümmert. 21 Personen wurden verletzt, anscheinend aber niemand schwer. Erdbeben in Armenien. Nach ei nein beim Generalsekretär des amerikanischen Hilss- komitees für den nahen Osten eingegangenen Telegramm wurde dos Gebiet von Russisch-Annenien in der Nacht zum Sonnabend von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Das Erdbeben dauerte in Eriwan 20 Sekunden und verursachte große Schäden. In Alexondropol dauerten die Erdstöße 23 Sekunden. Man hat noch keinen genauen Ueberblick über die genaue Zahl der Toten, doch dürften sich diese auf mehrere hundert und die Zahl der Verletzten auf mehrere Tausend belaufen. Da die Häuser sowohl in Eriwan wie in Alexandropol meistens zerstört oder beschädigt sind, sind Tausende von Einwohnern obdachlos. Die Gebäude der Organisation des amerikanischen HUfslomllees in Alexandropol sind schwer be- schädigt. Das Hilfskomitee hat die Entsendung von Unterstügungen und Lebensmitteln an die heimgesucht« Bevölkeniiig in die Wege geleitet. Mus See Partei. Ein Somogyi-helm In Budapest. Ende September wurde in Budapest ein neue» Arbellerheim«ingeweiht, das den Namen de» großen Märtyrers des ungarischen Sozialismus, des v o n H o r t h y- Banditen ermordeten Genossen Somogyi trägt. Da- Heim befindet sich in Ofen in einer Fabrikgegend. die hauptsächlich von Arbeitern bewohnt wird: es ist ein großes imposantes Gebäude und enthüll einen Fsstsaal. der ungefähr 2000 Per- sonen Platz bietet. An der Eröffnungsfeier des Somogyi-eHeims. zu dessen Bau die Ofener Arbeiter mit größter Begeisterung und Opferwilligkell beigetragen haben, nahmen gegen 10 000 Genossen teil. Sozialistische �rbelterjugenü Groß-Serlin. �iitzr«vml»lvrachc heute, Sonnto». abends 6 Ilbr, im Eipungssaal des Bezirksamt- Krcuzbcrg. Aarckstr-fic. Vortra,:„Iuacnd. Kultur, Wirtschaft und Politik*. Einacladen sind bierzn alle interessierten alteren Genossen und Mitarbeiter. Heule, Sounlag, 24. Oktober: Werbebezirk Osten: Bormittoos 10 Ubr im Zu«endh«im Tilsller Str. 1 Nreissunklionäroersammlunil. Werbebezirk Obeisprce: 1. Bunter Abend IM Zugendbeim Ob-rschönem-ld«. Lauscner Straffe. Beginn 6 llbr. Werbebezirk Prenzlauer Belg: Schulune-kursus. Beginn vormittags 9 Uhr. Alterslieim Danziger Etr. 62. Morgen, Montag, 25. Oktober: neben de- Zugendchor» pü-Nlich 7',i Ubr Im Jngendheim Liudenstr. 3. Weifferrsee: Jugendheim Portstr. SS. Aussvrache über unser« Zeitschrift.— Südost G.-D.: Jugendheim Reichende««-! Str. m. Portrag:„Unser Wandern*. — Schüneberg I: Jugendheim Kauvtstr. IS. �unltionSrüffung.— SchSneberg III: Jugendheim Sauptstr. IS. Dortroq:„Sozialismus und Religion*.— Westen: Jugendheim Hauvtttr. IS. Laffolle-Abend.— Isalkenber«: Jugendheim Alt- Glienicke. Wilhelmltr. 1. Lichtbildervortrag:„Wandern*.— Baumschulenwcq: Jugendheim Srnststr. 16. Serbstfcier. Werbebezirk Neukölln: Jugendheim stonuer Straffe. Sprechchorprobc. Gr» säseint pünktlich und zahlreicher. Werbebezirk streu, berg: Schulungskursu», Schule stochstr. 13. Neukölln Ii Eltern» und Einführungsabend In der Aula der Knaben» Mittelschule Donaustraffe. Die Genoffen und Genossinnen der 89. und W 90. Parteiabtellung sind herzlichst eingeladen. «M- 1 J'I I ll rii ," ij' i'-| Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-RotGold*. Geschäft, stelle: Berlin«5 11. SebaManstr. 37, TO, Hof 2 Dr. Kreuzberg: stameradschaf» II Versammlung am Di., d. 26., 8 Mr, in Robes ssestsälen, Kicki teste. 29. Dortraa des Kameraden ssraenkel Uber:„Die revublikanischen Parteien und da» Reichsbanner*. Gäste herzlich willkommen.- N-ukölln-Briff: ffr., d. 29., 7M Uhr, Kreisvollversammlung Passage»ffeslsäle, Bergslr. ISl. Erscheine» für alle Kameraden Pflicht.— Pankow fstrei,): Mi., d. 27.. 7>.i Uhr. Kreisvollversammlung bei Meier, Türkisches 8«lt, Breite Str. Ii. Ohne Mitgliedskarte kein Zutritt. Nachrichtendienst ladet ein. — Tegel: Mo., d. 2S.. 3 Uhr. im Alten Krug Generalversammlung. Erscheinen aller ist Pflicht.— Preu, lauer Berg: Dl., d. 26.. Uhr. Danziger Str. 62 Kreis-Bolloersammlung. Lichtbildervortrag des Redakteucr» Kurt Lubinfkq über „Meine Islandreise*._ Arbeiter-Adstiueateulnvd Berlin. Montag. 23. Oktober, 716 Ahr, Lands. gemetndehaus Sophienstr. 23: ffunltionärüüung. R. d. M. Berliner Wietciucrei» t. D. Montag. 23. Oktober, 1-8 Mr. öffentliche De rfammlung Nationalhof. BtUowstr. 87. Schema:„130 Proz. Miete und Beseitigung des Mieterfchuffes". Der Ktrchenkrieg tu Mexiko. Mittwoch. 27. Oktober. 8 Uhr, spricht im kleinen Hörsaal, Georgenstr. 31/86 lam Bahnhof ffriedrichftraffe» Dr. Wittich auf Einladung des Monistenbundes über„Kirchenkrieg in Mexiko*(mit Licht» bildernl. Mitglieder 30 Pf., Richtmitglicder 1 M. Arbettsgemeiufchaft der frelgetsttgen Berbänd«. Montag, 23. Oktober, 7Vi Uhr, Hohenschönhausen, ffestsäle War Korn. Berliner Str. 93, und Dienstag. 26. Oktober, 7lh Uhr, Weiffenfee, Borussia.ffestsäle, Berniter Allee 211, öffentliche Bersammlungen. ffrele Diskussion. vcreiu der ffrcidcnker sLe ffeuerbeftattuug. Abt. Stealiff: Montag. 23. Oktober. T/i Uhr. in Lichterfelde, Bäkestr. 7, öffentliche Mitglieder» uns Werbe» Versammlung. Bortrag:„Die kulturellen Aufgabe» der ffreidenkerbewegung*. — Abt. Treptow: Dienstag. 26. Oktober. MitgÜedeiversammIung Baumschulen» weg bei Borkmann. Baumschulen. Ecke Kiefbolzsiraffe. Bortrag.— Abt. Weddiug: Dienstag. 26. Oktober, 7 Mr Ättolioderverfammlung in den Pharusfälen. Mllllerstr. 112. Vortrog.— Abt. ffri«drtch»feld«: ffreitag, 29. Ok» tober. 714 Uhr. Mitoliederverfammlung bei Tempel/ Prinzcnallee 30. Bortrag. Arbetter-Rabio-stlub Dentfchland, e. B. Es tagen folgende Gruppen: Tbarlottenburg: Jeden Dienstag Wielandstr. 1. Mittwoch, 3. November, '48 Mr, findet«ine Berfammlung in der Schulaula Nehringstr. 23 mit fol» gender Tagesordnung statt: 1.„Rundfunkhörer und Mitbestimmungsrecht. Referent W. Soffmann. 2.„Transportable Kochleitungsemofänger*. Referent Divl.»Ing. Mendelfohn. 3. Technische und kulturelle Di-kussion.— ffriedrich»» bain: Jeden Mittwoch Etrausberaer Str. 8. Am Mittwoch. 27. Oktober, Bau einer Besprechungsanlage.—«ottbusser Tor: Jeden Donnerstag Adalbert» straffe 2l. Donnerstag. 28. Oktober, Erperimentierobend am Mehrröhren» gerät. Lichtenberg: Jeden Dienstag Kronvrtnzenstr. 17. Am Dienstag, 26. Ottober. Mitgliederversammlung.— Lichterseldr-Oft: Jeden Freitag Lorenz. straffe 50.— Reukälln: Jeden ffreitaa Prinz-Handiern-Slr. 70. Prenzlgner Berg: Jeden Donnerstag Schönhauser Allee Illfb.- Schöncberg: Jeden Donnerstag Sebanstr. 38. Donnerstag. 28. Oktober, Basselabend, Donnerstag. 1. November, findet«ine Mitgliederversammlung statt mit folgender Tage?» ardnung: 1. Kultureller Bortra». 2. Bericht der Grnvvenleitung. 8 Die Winterarbeit der Gruppe.— Südost: Jeden Donnerstag Sorouer Ecke Görliffer Straffe. Am 27. und 28. Noveniber veranstaltet die Gruppe im.Reichcnberger Hof* zwei öffentliche Vortrags» und Ausstellungstag«.-» Wedding: Jeden Donnerstag Pafewalker Str. S.— Wilmersdorf: Jeden Freitag Augustastr. 18 Gäste überall willkommen.____ Geschastliches. Schaufensterrevue bri Michels. In einer neuartigen b ü h n e n- mäßigen Dekorationsart zeigt die Firma Michels all die kostbaren abendlichen Gewebe, die die planvolle Umrahmung der Bühnenweiblichkeit bilden. Das Wenige, das die Bühnenstars bedeckt— manchmal ist's ja wirklich bloß das un- bedingt erforderliche Streifchen— muß dafür um so prunkhafter sein. Also nicht Ouantttät, sondern Qualität! Gleißender Flitterstaat in Gold. Silber und buntschillernden Farbtönen, Spitzen in Metoll- oder Seidensaden, Velour, Jacquard und noch viele andere Stoffarten in Seide oder Samt. Bei dämonisch verdunkelter «der strahlend Keller Beleuchtung präsentieren sich all diese Herrlich- leiten phantastisch, verlockend. Raiürlich kosten all diese netten Sächelchen ,'ne Kleinigkeit*. Wenn aber so vieler Zuschauer Augen sich daran erfreuen sollen, muh sich ein Theaterdirektor die Sache auch was tosten laste». Griffe Aufmerkfornkeit erregt zurzeit das Schaufenster im Haufe Friedrich- straffe 68 neben der Imperator.Diel«. In rotterevden Kästen wird«in« Anzahl gebrauchter Schub« gezeigt. Was soll da», fragt der erstaunte Zuschauer. Di» bekannte Erdal-ffabrik hat«ine Preisfrage ausgeschrieben:„Wieviel Schuhe können mit dem Inhalt einer Dose Erdöl gepufft werden?" Die Ermittlung dieser Zahl findet in einer öffentlichen Puffvrobc am Sonnabend, 1. Dezember, im Sportpalast statt, wobei die in den Käste» im Schaufenster Friedrichstr. 68 ausgestellten Schuhe gepufft werden. Da für die richtige Beantwortung der Frag« sehr hohe Preis« ausgesefft stnd. ist erklärlich, daff sich hos allgemeine Interesse dieser Preisfrag« zuwendet, die offensichtlich aus dem Rahmen der sonst üblichen Preisfragen herausfällt. Wksn'Ki' Hcurnsinns e i 8 m S f t e I »'et, euch vorrätig Im Alleindepot tiOllS-AUOltteHe Homöop&th.z ntral-Offfzm scrlln N 31, Aniaamer Strafe SS 40» f.n der Ecke Brunnen#tr, 5 Min. r. Rosen ha.Tor, Tel-Amt Humboldt 1022. Alller• ADO IVeKe Pouiu.W. Sedle). Öcr.n-Fr edenau, Rhc'nst'-.tö, Tel. Rheinscu 2029. FriedrlOi- milielm« 'IpoilieKC, Apotheker Georq 5eelcnbinder Charlo tcnPurg 2. Leibnt«.r. 106 Telephon 121, 2 Min. enll. v. Stadt-. Hod.bahns{at.War» Velourlaufet'„S90 c" 675 ßoucl� laufet cm S35/™ 2 45 trasse 32 nur b e r k t n C, Span Pcristan. 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Sie sollen noch aufreizender gekürzt werden. Den landwirtschaftlichen Unternehmern fällt das Vorgehen des Deutschen Landarbeiteroerbandes gegen die empörenden Lohnver- hältnisse auf die Nerven. In ihrer Verlegenheit sind sie jetzt auf den genialen Einfall gekommen, gegen die Löhne der Forst- a r b e i t e r vorzugehen. Die Löhne seien zu hoch, reizten die Land- orbeiter geradezu zur Unzufriedenheit und stellten eine leichtfertige Verausgabung von Staatsgeldern dar. Der Reicksverband land- und forstwirtschaftlicher Slrbeitgebervereinigungen ist sogar so weit gegangen, diese Vorwürfe in einer Denkschrift niederzulegen und damit an die preußische Staatsregierung und zahlreiche be- hördliche Stellen heranzutreten. Wie unverantwortlich dieses Vorgehen ist, beweist eine Auf- stellung, die der Deutsche Landarbeiterverband jetzt über den Stand der Arbeitsverhältnisse in den einzelnen Staats- forsten Deutschlands Mitte September 1326 jetzt bekannt gibt. Wir registrieren: Bei den Männerlöhnen marschiert zurzeit Baden mit 65 P f. Stundenlohn an der Spitze. Es folgen dann Bayern mit 63 Pf., Württemberg und Vraunschweig mit 61 Pf., Hessen mit 60 Pst, Sachsen mit 53 Pf., Lippe und Schaumburg-Lipve mit 55 Pst, Anhalt mit 50 Pst, T h ü- ringen mit 43 Pf., Preußen und Oldenburg mit 4 4 Pf., Mccklenburg-Schwerin mit 42 Pf. und Mecklenburg- Strelitz mit Z5 st S p i tz e n l o h n. Unter Zugrundelegung eines durchschnittlichen Stundenlohnes von 50 Pf. und einer achtstündigen Arbeitszeit ist mit einem Tagelohn von 4 Mark und einem Dochenlohn von 24 Mark zu rechnen. Di« Forstarbeiterinnen erhalten als höchsten Lohn 42 Pf. in Baden. Es folgen Württemberg mit 40 Pst, Heften mit 39 Pf., Bayern mit 38 Pf., Lippe mit 36 Pf., Sachsen und Braun- schweig mit 35 Pf,. Schaumburg-Lipve mit 32 Pf., Preußen und Oldenburg mit 80 Pf., Anhalt und Mecklenburg-Strelitz mit 23 Pf und Mecklenburg-Schwerin mit 22 Pf. Höchstlohn. Der durchschnitt- liche Tagesverdienst ist bei diesen Verhältnissen auf 2,7 0 Mark und der Wochenverdienst aus 16,20 Mark zu bezisfern. Zu diesen Löhnen werden in zwölf Staatsforsten So« zialzulagen gezahlt. In Preußen, Oldenburg und Anhalt machen st- 10 Proz. des verdienten Tageslohns für die Ehefrau und für jedes Kind bis zu 14 Iahren aus. Braunfchweig zahlt für die Ehefrau und jedes Kind 4 Pf., Thüringen 3 Pf. Zuschlag pro Stunde. Im Freistaat Sachsen werden 8 Proz. des Gesamtverdienstes für jedes Kind gewährt und Bayern und Württemberg zahlen«inen Familien- zuschlaa von 3 Pst pro Stunde. Der Freistaat Lipp««währt für die ersten drei Kinder 5 Proz. und für die Ehefrau 10 Proz. Zuschlag. In Schaumburg-Lippe erhalten die Familien mit mehr als drei Kinder 4 Pf. pro Stunde und in Mecklenburg-Schwerin wird für die Frau und jedes Kind ein halber Stundenlohn pro Arbeitstag als Sozialzulage gezahlt. Daneben kommen da und dort noch ein« klein« Werkzeug- «ntschSbigung, geringe Wegegeldbeträge und kleine Vergünstigungen in bezug auf den Holzkauf hinzu. Bei solchen Tatsachen liegt wirklich keine Veranlassung vpr, die Vorwürfe der landwirtschaftlichen Unternehmer ernst zu nedmen. Im Gegenteil, die jetzigen Arbeitsverhältnisse in den Forsten sind als ein Minimum dessen zu betrachten, was die Forstarbeiter bei ihrer gefährlichen und schweren Arbeit, die natürlich auch eine gewiss« Uebung erfordert, zu beanspruchen haben. Der Mgemeine verband führt ln den Sanken. Das Ergebnis der Berliner Bekriebsralswahlen. Als letzte in der Reihe der Berliner Großbanken fand am Donnerstag die Betriebsratswahl in der Dresdner Bank statt. Auf den Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband und die Ober- beamtenliste entfiel je 1 Sitz, auf den Deutschen Bankbeamtenverein 3 Sitze, während der Allgemeine Verband der Deutschen Bank- angestellten 10 Sitze erringen konnte. Das Gesamtergebnis der Bc- triebsratewahlen in den 6 Berliner Großbanken stellt sich wie folgt: Allgemeiner Verband 56 Sitze, Deutscher Bankbeamtenverein 16, Oberbeamte 7. Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband 4. Der Allgemeine Verband besttzt also gegenüber allen anderen Organisatio- nen eine starke Zweidrittelmehrheit. �herr Stingl sorgt für das Deutschtum/ Wir erhalten folgende Zuschrift, die stch gegen unsere Notiz in der Abendausgabe vom Donnerstag wendet: 1. Es ist unwahr, daß Mitglieder des Akademischen Orchesters Berlin(Sitz: Universität) von angeblich nicht rein arischer Herkunst anläßlich der Konzertfahrt nach Ostpreußen durch fünf Obertele- araphensekretäre ersetzt worden sind. Wahr Ist dagegen, daß das Akademische Orchester völlig interkonseftionell und unpolitisch ist, und daß stch an der Konzertfahrt auch jüdische Mitglieder beteiligen, und daß von den erwähnten fünf ObertelegraphcnfekretSren einer seit Jahren und die anderen vier seit geraumer Zeit beitragzahlcnde Verkehrsgöste des Akademischen Orchesters sind, zum Teil für Jnftru- mente, die zurzeit im Orchester nicht vertreten sind, zum Beispiel 3. Trompete und 8. Kontrabaß. 2. Es ist unwahr, daß die erwähnten Herren außer freier Reise, Unterkunft und Verpflegung Tagesdiäten beziehen und„einfach Ferien bekommen" haben Wahr ist dagegen, daß diese Herren, wie schon erwähnt, Peitrag zahlen, wie alle aktiven Mitglieder und Alte Herren des Akademischen Orchesters, und nur freie Fahrt, Unter- kunft und Verpflegung erhalten(was die Geschäftsbücher des Orchesters ausweisen), und daß ferner die fraglichen Herren eine Woche ihres amtlichen Urlaubes für diese mit größten Anstrengungen verknüpfte Konzertreise, die an sieben aufeinander folgenden Aden- den sieben verschiedene Städte berührt, geopfert haben. Wir bedauern außerordentlich, daß ohne vorherige Anfrage bei uns dieser unwahre und tendenziös gehaltene Artikel zum Abdruck gelangt ist. Mit vorzüglicher Hochachtung Das Akademische Orchester Berlin, Sitz Universität. I. A.: Dr. Mantze, 1. Vorsitzender. Dazu ist folgendes zu bemerken: Unsere Notiz stützt sich aus Mitteilungen, die von einem der fünf Obertelegraphensetretäre im Beisein eines Vertreters des Deutschen Musikervcrbandcs und des Obertslegrapheninspektors Friedrich gemacht bzw. zugegeben wurden. Lediglich über die Höh« der Entschädigung— dem Deutschen Musikerverbande waren darüber bestimmt« Angaben zugegangen— konnte der betreffende Obertelegraphensekretär keine bestimmten Angaben machen. Ob die vier Obertelegraphensekretäre, die„seit geraumer Zeit als beitragzahlende Verkehrsgäste" im Aka- demischen Orchester mitwirken, im Hinblick auf die bevorstehende Reise„Verkehrsgäste" wurden, da verschiedene Herren, deren arische Abstammung aus dem ersten Älick angezweifelt werden konnte, nicht an der Konzertreise teilnehmen konnten, ist nicht so wichtig, als viel- mehr die Hilfsstellung der Post bei dieser... sagen wir Umstellung. Zum englischen Sergarbeiterstreik. Lord Derby will vermittel«. condon, 23. Oktober.(WTB.) Lord Derby hat gestern in einer Rede in Leigh in Lancajhire, die sehr beachtet wurde, seine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, als Vermittler im Berg- arbeiterkonflikt zu wirken. Er betonte dabei, daß es für ihn nichts Begrüßenswerteres geben könne, als sich in dieser Richtung nützlich erweisen zu können, erklärte jevoch, daß er nicht die Absicht habe, irgendwelche Vorschläge zu machen, wenn er nicht ausdrücklich u>n seine Vermittlung ersucht würde. Der Bergarbcitersührer Cook äußert« auf die Frage von Pressevertretern, ob ihm Lord Derby als Vermittler willkommen sei, er werde mit der Vermittlung Lord Derbys oder jedes anderen einverstanden sein, der eine Verein- barung für ganz England zustandebringen würde. Der amtliche britische Funkdienst erinnert bei dieser Gelegenheit daran, daß Lord Derby in der schlimmsten Zeit der irischen Unruhen ebenfalls als Vermittler tätig war und daß er sich damals in Vor- tleidung nach Irland begeben hatte. Eine Verkleidung ist in diesem Falle auch innerlich zweck- los. Ob bei dieser Vermittlung mehr herauskommt als bei der der Bischöfe, ist zweifelhaft, obwohl es sehr wünschenswert wäre. Kommunistischer Dockarbeiterstreik in Marseille» Paris, 23. Oktober.(WTB.) Wie Havas aus Marseille berichtet. Ist unter den dortigen Dock- und Kohlenarbeitern ein von der kommunistisch eingestellten Gewerkschaftsorganisation organi- siertcr Teilstreik ausgebrochen, dem sich die In der so z i a l i st i s ch e n Gewerkschaft organisierten Arbeiter nicht angeschlossen haben._ tt«i»«ewerlschaftslugend. Morgen. Montag, 7V6 lltzt, im Jugendheim de» Metallarbeiterverbande«, LInienstr. SS/SS, gusanimenlunlt der Mädchen» kommlssion. Wir bedandeln in Rede und Gegenrede die ssrag« des Hauswirt- schaftlichcn Bernssslhuliahrcs und laden hierzu die weiblichen tzuaeudlichen der Perbände herzlichst ein. Eo ist Aufgabe der Mädel der zu diesnn Pr». blem Eiellun« zu nehmen und zur Niärung beizutragen, Mädel», sorgt für regen Desuch und Antcllnahnicl Ingen dgruppe des gdA. Bezirk Norden: Morgen, Montag, 7>4 Uhr, Jugend- heim Schule Danziger Str. 23 Bunter Abend. Achtung, ztmmcrer! Moroen, Montag, 7 Uhr. müssen alle Funktionär« zur Konferenz in den..Musiker-Sälen", Kaiscr-Wilhelm-Str. 81, erscheinen. Kein Bezirk darf unveriretcn sein.— Dienstag. 2«. Oktober, 7 Uhr. findet in de« Sophien-Süle», Soabienstr. 18/17, unser« Dertrauensmännerversommlung für das Such-, Beton- und Ticfbaugewcrbc statt. Alle Betriebsräte, Platz- und Baudeleglerie Huden wegen der äuhcrft wichtigen Organisation», und Beruf«- aiiaelcgenheUen zu dieser Versammlung zu erscheinen. stentralecrband der zimmere-, siahlstell« BtrNie. Verband der Maler nnd Lackierer. Bstrirdsräle, Bertrauensleut«, Ardeiig- stellenleitcr und Ortsvcrmaltung: Morgen, Monlag. 7lb Uhr, im Oewerkschafi». Haus, Sngelufer 24/25, Eaol 1, Brrsammlung.„Die Arbcitsaergtbuna durch Staat und Kommune". Betriebsratsfraoen. Die vrt»»erwau»iig. Bergoldcr und Rnhmcnmacher im Kol,arbeiterv«rb«»d. Versammlung olle: ln der Branche bcschästigten organisierlen Arbeitnehmer am Mittwoch, 27. öf. todcr, nachmittags 5 Uhr, in Dohrings ffrstsäle», Naunynstrahe.„Unser« Antwort aus das Aerhalten der Arbeitgeber". Die Sparkasse der Bank der Arbeiter, Angestelliea und Beamten U.'(I„ Berlin, wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahm« von Sonnabend von 3— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabend, von 3—1 Uhr geöffnet. -----------—f.-!........ t.!i,.l,j»!l.li übergibt man nur dem Nachweis de« Deutsch. Musikernerbande«, Berlin 087, AndreaSstr. 21 /Königs, adt 4810, 4048). Gcschäsizzeit 9 bis 5, Sonntag« lObi« 2 Udr. Aul Wunsch Vertreterbesuch Leipziger Plaiz Kdnigsir. Rosenihaler Str. Moritzplatz A.uAerorclexitlicfa iiimuliniiiiiiiniiiiiniiiiiiifUlinmiiiiniiiniiiiiniiiiHniniimiiiiiiiiiiiiiiiiniiiHiMiiiimiiiiiiiiiiiintiiiiiiiiiiiiiiiniiinmiiiiiniiiniiimmniulnimiimai billiger Verkauf iMiiiiiiiiuiiniiiuiiimiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiimiiiiiiniiniiiiiiiminmiimiiuiniiiiiiiimiMiiiiiininniiiiiiuiinimiitiiiiiNminMiiiiniiiiiiiiuuiRiiiiinmn Damen-Hemdehen 55 pf «relD oder farbig, kein gerippt � Damen-Untertaillen 1»n Triltot, gcfUtt., ohne Arm, 8 Gr.' Damen-Hemdhosen iq= Kunstseide, larblg 1 00 Prinzeßröcke rar Damen Q10 I Kunstseide, farbig Damenschlüpfer lot' 305 Kunstseide, m. Rauhfutter, Or. 42 � Damenschlüpfer 1 Trikot, Kunstseide, farbig Damen-PulloverÄH 75 mit Kunstseide gemustert �' Damen-Pullover 1«� reine Wolle, mit Kragen' W J Schlupfbeinkleider für Mädchen, farbiger Trikot- QR p» «tost, Wlnlercjual., 6 Großen Jacquard Schlupfbeinkleider i7S f. Mldcb., m. 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Der Wert der Unternehmerkundgebung.- Die Widerstände. Das große Manifest der privaten internationalen Wirt- schaftsführer, das wir am Dienstag veröffentlichten, hat, wie zu ' erwarten war, ein starkes Echo gesunden. Die Forderung nach einem internationalen Freihandel mit dem Ziel der Ueberwindung aller jener verheerenden Folgen, die das Berfailler Diktat für die gesamte Weltwirtschaft und im besonderen die europäische Wirtschast noch sich ziehen mußte,— diese Forderung, noch dazu aus dem Munde von Unternehmern, war so unerhört und für einen großen Teil der regierenden Mächte ein« so schroffe Absage an die verfehlte internationale Handelspolitik, daß der Widerspruch eines großen Teils der Presse und vieler Staats- männer nicht wundernehmen kann. Denn die Unternehmerkund- gebung ist nicht isoliert zu betrachten etwa wie eine private Mei- nungsäußerung weniger Bankier- und Industriesührer, von der die Regierungen nach Belieben wieder abrücken können. Vielmehr tresfen sich diese Forderungen, die von einem großen Teil der deutschen und der internationalen Wissenschast schon seit langem vertreten werden, mit den programmatischen Wünschen ' der internationalen organisierten Arbeiter- f ch a f t. Nachdem die Industrie und die Hochfinanz auf fast allen Gebieten den Rahmen einer national beschränkten Wirtschaftspolitik gesprengt hat, mußte bei den weiter blickenden Vertretern des Unter- nehmertums einmal der Wunsch reifen, dieses Ergebnis einer zwangs- läufigen Entwicklung des kapitalistischen Systems zum Inhalt einer bewußten Staatenpolitik zu machen. Es waren weder die schlechtesten noch die dümmsten Unternehmer, die das taten, als sie jetzt dieses Wirtschaftsmanifest unterschrieben und gleich darauf von den in der internationalen Hon» delskammer zusammengeschlossenen Verbänden ausdrücklich be- stätigen ließen. Die kommunistische Presse, die auf Mos- kauer Befehl das Manifest in seiner Bedeutung herabzusetzen sucht, leistet gerade den reaktionärsten Scharfmachern, den Führen, des wirtschaftlichen Faschismus in den einzelnen Staaten die besten Vorspanndienste und reiht sich mit ihrer Polemik würdig an die Seite der Propagandisten Mussolinis, die den Appell zum inter- nationalen Wirtschaftsfrieden als einen Eingriff in ihre Herrschafts- rechte ansahen.— Doch das nur nebenbei für die famosen kommu- nistischen Apostel des Freihandels, die auf der«inen Zeile über den Z o l l w u ch e r schimpfen und auf der nächsten Zeile über die- jcnigen Vertreter der Arbeiterschaft und des Unternehmertums, die durch den Kampf für den Freihandel den Brotwucher unmöglich machen wollen. Ist das Manifest eine leere Geste? Die zahlreichen Widersprüche, die das Manifest in der Presse der beteiligten Länder und bei diesen Vertretern der amtlichen Wirt- schaftspolitik findet, besagt noch gar nichts dagegen, daß das Mani- fest für den Freihandel ernst zu nehmen sei. Es wäre ja ein Wunder, wenn die protektionistisch eingestellten Regierungs- organe nur auf die Aufforderung einiger Industrieller hin alle bisher geübten Prinzipien über Bord werfen würden. Niemand ohrfeigt gern sich selbst in aller Oessentlichkeit— und darauf wird es hinaus- laufen, wenn etwa der französische Handelsminister als Vertreter des Hochschutzzollsystems auf einen bloßen Anstoß von außen hin sich sofort zuni überzeugten Freihändler erklären würde. Daß Polen und Italien vor den Konsequenzen des Freihandels zurück- schrecken, ist ebenfalls nicht verwunderlich. Beide hoffen eine künstlich gezüchtete Industrie mit den Mitteln des Hochschutzzolles zu erhalten und möchten über ihre wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von der übrigen Welt mit hochtönenden Phrasen hinwegtäuschen. Bei beiden Staaten wirken auch die imperialistischen Momente stark nach, denen sie ihre Existenz oder ihren Ausbau verdanken. Italien, stark auf politische Machterweiterung bedacht, scheut die wirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft mit Nachbarländern, die später einmal zur goldenen Kette werden kann, wenn faschistisches Macht- streben sich über wirtschaftliche Jnteressenverflechtungen hinwegsetzen möchte. Polen, das feine Existenz im heutigen Umfange dem Sieger- taumel eines Staates verdankt, der heute selbst an den Folgen seines Sieges auf das schwerste laboriert, sieht überall die Gefahr, es würde von feinem Staatenbesitz etwas verlieren, so- bald die Völker sich zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit«inigen. Wo vom Freihandel die Rede ist, hören sie vielleicht nicht ganz mit Unrecht nur das heraus, was sich auf den wirtschaftlichen Wider- sinn des polnischen Korridors und der Teilung Oberschlesiens bezieht. Es ist die Sorge vor den Folgen einer verfehlten eigenen Politik, die diese beiden Länder derart erfaßt hat, daß die Presse beider Staaten fast wörtlich übereinstimmend von einem Angriff auf die Existenz der Staatengebilde spricht, während in Wirklichkeit ein Bekenntnis zu vernünftiger Zusammenarbeit mit den übrigen Ländern den Bestand dieser Länder nur sichern kann. Worte und Toten. Wenn nun die deutsche Kritik an dem Wirtschaftsmanifest sich mit Recht darauf beruft, daß die Worte der britischen Industrieb-n für den Freihandel und die Taten der britischen Regierung mit ihrer Jndustrieschutzpolitik etwas anderes seien, so ist das ebenfalls noch kein Grund, das Manifest selbst anzugreifen. Im Gegenteil: die ganze Erklärung wäre doch vollkommen überflüssig ge- wesen, wenn die Regierungen Europas auch ohnedies eine ver- uünftige, auf den Abbau der Handelsbeschränkungen gerichtete Politik betreiben würden. Hat nicht Deutschland genau denselben Feyker gemacht? Hat nicht ein Generaldirektor V ö g l e r genau so wie mancher Führer der britischen Industrie in seinem Lande für die Schutzzölle gestimmt?. Man muß eben das Manifest als ein Zeichen der Neuorientierung auffassen, das sich im Lager des Kapitalismus anbahnt. Diese Umkehr zum Freihandel hat natürlich bei den Unternehmern ganz andere Gründe als etwa die organisierte Arbeiter- f ch a f t, wenn diese sich gegen die Schutzzollschranken wandte. Die Arbeiterschaft erkannte frül)«r als die Unternehmer, daß Europa gegenüber der amerikanischen Konkurrenz zum Erliegen kommen muß, wenn es nicht die Hemmnisse für den Warenaustausch be- seitigte. Ihr lag daran, den großen Markt zu gewinnen, den die seit dem Kriege gewaltig angewachsene Industrie braucht, um der Arbeiterschast Beschäftigung geben zu können. Beim Unternehmertum sind es natürlich keineswegs diese sozialen Interessen, von denen man sich leiten läßt. Ihre Trieb- seder ist der Profit, den sie gefährdet sehen und den sie genau so durch eine überstaatliche Wirtschaftspolitik zu sichern suchen, wie sie ihn vorher schon durch die Anbahnung internationaler Kartelle und trustartiger Organisationen zu verteidigen ver- standen. Schlechte Regie. Bedauerlich ist in jedem Falle die Tatsache, daß einige der Unterzeichner des Manifestes glaubten, nachher wieder von der Unterzeichnung abrücken, zu müssen. In Deutschland wundert uns so etwas feit der berühmten Aktennotiz des Herrn Dr. Meißinger ja nicht mehr. Aber auch dieser Umstand wiegt nicht schwer angesichts der Tatsache, daß selbst jetzt noch genug Wirtschaftsfllhrer sich zu dem Manifest bekennen. Die Kundgebung war ein Anfang. Ihre Endwirkungen lassen sich durchaus noch nicht übersehen.— Bedenklicher ist die Haltung der Amerikaner gegenüber dem Appell der Wirtschaftsfllhrer. Hier platzte die Frei- Handelskundgebung gerade in einen W a h l k a m p f hinein, in dem die Frage der Schutzzölle eins große, wenn nicht entscheidende Rolle spielt. Die Führer der amerikanischen Republikaner, an ihrer Spitze der Präsident C o o l i d g e, aber auch der Staatssekretär H o o v e r, suchten das Dokument dahin auszulegen, daß es nur eine rein europäische Frage sei. Man habe nichts dagegen, wenn die europäischen Staaten untereinander die Schutzzölle ab- bauen, die amerikanische Wirtschaftspolitik werde davon aber nicht betrofsen. Die Unterschrift Morgans unter dem Manifest beweist je- doch, daß diese Auffassung längst nickt die Meinung der gesamten amerikanischen Wirtschast ist. Man kann nicht— wie es sich die Amerikaner offenbar vorstellen— Goldmilliarden auf Goldmilliarden an das europäische Ausland leihen, dafür hohe Zinsen fordern und die Verzinsung und Rückzahlung dieser Kredite noch besonders durch hohe Zölle erschweren. Denn der überwiegende Teil der Zins- und Rückzahlungen erfolgt ja nur scheinbar in Geldbeträgen. Praktisch muß die Rückzahlung durch einen ver- mehrten Warenexport erfolgen. Verwehrt nun Amerika die Einfuhr fremder Waren weiter in dem Maße, wie das jetzt der Fall ist, so wird es vielleicht noch einmal fein blaues Wunder mit den nach Europa gelegten Krediten erleben. Das erkennt der inter- nationale Finanzmann Morgan. Auch die heutigen»Schützer der nationalen Arbeit" werden das einmal einsehen.— Bedauerlich ist jedoch die Fernmirkung der amerikanischen Haltung. Man kann sich die Bereinigten Staaten von Europa, auf die jetzt die internationale Wirtschaftspolitik mit und ohne Manifeste hinsteuert, vorstellen als«inen großen Wirtschostsbund, der mit allen Völkern der Erde Frieden halten will und Rivalitäts- kämpfe mit anderen Staatengruppen nach Möglichkeit zu vermeiden sucht. Ein solches Paneuropa würde freihändlerisch fein. Vor- bedingung dafür wäre jedoch, daß dann Amerika in diesem Kon.zert der Völker mitspielt. Isoliert es sich weiter so wie heute, so besteht die groß« Gefahr, daß die heutigen wirtschaftspolitischen Kämpfe sich nur auf ein größeres Wirtschaftsgebiet übertragen, wenn sich die Völker Europas einmal zusammenschließen. Genau so wie heute Deutschland. und Frankreich miteinander rivalisieren, so wird' eben dann später Europa mit Asien und Amerika um den Absatz kämpfen. Eine Gesundung der weltwirtschaftlichen Beziehungen wird auf diese Weise sicherlich nicht in wünschenswertem Umfange erreicht werden. » Aber bis zu diesem Paneuropa sst der Weg noch weit und es wäre schon viel zu erhoffen, wenn die kommende Weltwirtschafts« konferenz einen Teil der Meinungsgegensätze zwischen einzelnen Staaten zu überbrücken imstande wäre. Die Kundgebung der Unter- nehmer hat im Rahmen dieser auf lange Sicht hinaus zu führenden internationalen Wirtschaftspolitik den Wert, daß in die Weltwirtschaft einmal die Meinung der anderen hinein- geworfen wurde. Bisher war es lediglich die Arbeiterschaft, die mit ihren Organisationen sich für die wirtschaftlich« Völker- Verständigung einsetzte. Jetzt ist es bereits ein kleiner, aber außer- ordentlich einflußreicher Teil des Unternehmertums im Industrie- und Bantgewerbe, und von diesen wieder sind ein Teil gerade jene Wirtschaftsfllhrer, die für die bisherige Schutzpolitik der Staaten verantwortlich zu machen waren, die heute für die internationale Wirtfchaftsverstöndigung eintreten. Vielleicht endet diese ganze Kundgebung als ein Versuchsballon. Wahrschein. licher sst jedoch, daß die Diskussionen über diese Frage nicht so schnell aufhören werden, und daß das Manifest die starken politischen und gesellschaftlichen Kräfte derer stärken wird, die schon bisher aus den verschiedensten Gründen und aus den verschiedensten Lagern für die internationale Zu- sammcnarbeit eingetreten sind. Nur noch geringe Sesserung am Nrbeitsmarkt. Drohende Verschlechterung! Das Tempo der allmählichen Besserung auf dem Arbeitsmarkt verlangsamt sich immer mehr, so daß damit gerechnet werden muß, daß sie bei Eintritt ungünstiger Witterung gänzlich zum Stillstand gelangt. Die Abnahme der Arbeits- losigkeit mit nur 2800 Personen in der letzten Woche bleibt hinter dem Durchschnitt der letzten Wochen zurück. Hiermit dürste eine Neigung des Arbeitsmarktes zu einer ungünstigeren Entwicklung gekennzeichnet sein. Auch der Rückgang in den Zahlen der Erwerbslosenunterstützungsempfänger vermindert sich. Die Aufnahmefähigkeit des Baugewerbes hat merklich nachge- lassen. Desgleichen werden in der Landwirsschaft infolge der vor- göschrsttenen Icchreszeit viele ArssestskrU!« flSerfllWg. fit» wdttr» Durchführung der Notstandsmaßnahme« der Stadtgemeinde Berlin macht« sich auf dem Arbeitsmarkt durch erhöhte Kräfteanforderungen bemerkbar und führt« damit zu einer gewisse» Eni- lastung. Die leichte Besserung auf dem Stellenmarkt für Angestellt« wird durch größere Bewerberzugäng« wieder aufgehoben. Es waren 236 692 Personen bei den Arbeitsnachweisen ringe- tragen, gegen 233»7? der Vorwoche. Darunter befanden sich 152264 (153 756) männliche und 84 428(85 821) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 108 531(109 947) männliche und 56 059 (56 749) weibliche, insgesamt 164 626(166 696) Personen. Außerdem wurden noch 36 150(36 499) Personen durch die Erwerbslosenhllse der Stadtgemeinde Berlin unterstützt und 8250(7732) Personen des Notstandsarbeiten beschäftigt. Di« Metallindustrie verzeichnet ein« weitere gering« Ab- nähme namentlich weiblicher Arbeitsuchender, für die hauptsächlich die Taschenlampenindustri« gute Beschäftigungs- Möglichkeiten aufwies. Die Anforderungen für die Radio- industrie haben etwas nachgelassen. Elektromonteur«, Bauschlosser und Bauklempner kamen gleichfalls in nennenswertem Umfange zur Einstellung, desgleichen in geringerer Zahl Autoschlosser. Im allge- meinen Maschinenbau, Waggon- und Lokomotivbau blieb die Nach. frag« nur gering. Im Sp i nnstoffg« werbe sst die Stickerei, Strickerei und Posamentenbranche gut beschäftigt. Es fehlt an Wäschestickerinnen auf Adler, und Dürkopp-Maschinen, sowie an Perlhäklerinnen In der Zellstoff, und Pa p ie r h e rst« ll u ng und -verabeitung blieben Kartonbetriebe und Duchdruckereien gut aufnahmefähig. Ein stärkerer Zugang Arbeitsuchender blieb jedoch noch immer vorherrschend. In der Holz- und Schn ittstossindugri« schreitet btt Besserund langsam fort._ Der panamokanal im Weltverkehr. Anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der Eröffnung de» Panamakanals für den Weltverkehr gibt die Statistlk der amenka- nischen Verwaltungsbehörden einige recht interessant« Daten.(TKe Panama Canal Record, Annual Report of che Governor os che Panama Canal.). So weist diese Statistik für das Abschlußjahr(1924/25) wlg-nds Zahlen auf: Gesamtverkehr in beiden Richtungen: 2S'Sö9 000 Ladungstonnen(in Ladungstonnen � 1016 Kilogramms 21nAahl der Schiffe 5174 Fahrzeuge. Das Eröfsnungsjahr 1914/15 hatte einen Gesamtverkehr in beiden Richtungen von 1075 Schissen mit insgesamt 4 888 000 Ladungstonnen. Den Hauptanteil für den Verkehr des Jahres 1924/25 nimmt der Durchgana vom Stillen zum Atlantischen Ozean mit rund 16 560 000 Ladungstonnen ein, während oer Ostwestoertehr(von.ftcrsjcn des Atlantischen nach Häfen des Stillen Ozeans) bei höherer Schiffszahl (2413 gegen 2260) nur 7 398 000 Lodungstonnen beansprucht. Von diesem Gesamtverkehr in beiden Richtungen entsvllt auf Schiffe unter amerikanischer Flagge 54,6 Proz., unter britischer Flagg? 24,6 Proz., unter deutscher Flagge 3,4 Proz. Qer Rest von 17,4 Proz. verteilt sich auf 21 andere Staaten, darunter Japan mit 3,9 Proz. an erster und Norwegen mit 3,5 Proz. an zweiter Stelle.— Als zur deutschen Flagge gehörig dürft- der Verkehr des Freistaates Danzig mit etwa 0,2 Proz. des Gesamtoerkehrs zu betrachten sein. An beförderten Waren sind hauptsächlich Oel«, Nitrate (Salpeter usw.), Bauholz zu erwähnen. Der Anteil der Oel- Verschiffung im Berichtsjahre 1924/25 am Gesamtverkehr(beider Richtungen) war 1079 Schisse mit insgesamt 6 297 000 Ladungs- tonnen(23,1 Proz. resp. 26,2 Proz.). Davon entfallen aus Schiffe unter amerikanischer Flagge rund 80 Proz. resp. 78 Proz. Der Anteil der Nitrate(Düngstoffe) betrug.2 155.814 Ladungstonnen, das sind rund 10 Proz. Daran ist der Verkehr unter amerikamscher Flagge mit rund 50 Proz. beteiligt. Baubölz ist ebenfalls rund 10 Proz. beteiligt, davon entfallen auf den Verkebr von Häfen des nordamerikanischen Kontinents(Kanada und USA.) 2 100 000 Ladungstonnen(Kanada 377 000 Tonnen). Die obenerwähnten 4673 Handelsdampfer, die den Kanal im Berichtsjahre in beiden Richtungen durchfuhren, zerfallen in folgend« Kategortsn: 4300 Dampfer(92 Proz.), 282 Motorschiff«, 50 Motor- schöner, 41 andere Schiifsarten. Rund 73 Proz. aller durchfahrenden Schiffe waren init Oelfeuerung verseben, was durch die günbigen Oelverhältnisse in Nordamerika erklärlich erscheint. Die insgesamt 4673 Handelsdurchfahrten entsprechen dem Durchgangsverkehr von 1426 Schiffscinheiten, die 24 Nationen angehörten. Der große Anteil der Fabrzeuge unter amerikanischer Flagge ist hauptsächlich auf den äußerst regen K ü st e n v e r k e h r zwiscken amerikanischen Pazifik- und Atlantikhäfen und vice vers.� zurück- zuführen. Iedorb baben die Ladungsanteile der amerikanischen und der englischen Schiffe gegenüber dem Jahre 1923/24 insolge der verminderten Oeltransporte bereits etwas abgenommen und zeigen weiter fallende Tendenz. Die Ladunqsanteile der übrigen Staaten, hauptsächlich Japans und Deutschlands, hingegen nahmen zu. Im Vergleich hierzu seien einige Daten über den Verkehr im Suerkanal für das gleiche Jahr gegeben: Hier verkehrten 5337 Schiffe(Panamakanal 4673) mit 26 762 000 Tonnen(23 959 000 Tonnen). Am Suezkonalverkehr war Deutschland mit 359 Schiffen und insgesamt 1 791 000 Nettoregistertonnen beteiligt. A. L. poincare will Im Januar stabilisieren. Die großen Anstren- gungen, die Belgien und Luxemburg für die Frankenstabilisierung machen, legen die Frage nahe, wenn nun Frankreich folgen wird. Dem französischen Finanzminsster Poincarö war bisher der fran- zösische Frankenkurs immer noch zur Stabilisierung zu niedrig. Noch kürzlich erklärte er, daß er unabhängig von Belgien und Luxemburg eine weitere Besserung abwarten werde. Nun ist die internationale Bewertung des englischen Pfundes in der letzten Zeit etwas gesunken, der französische Franken hat im Zusammen- hang damit und auch aus anderer Ursache eine beträchtliche Besse- rung erfahren, sogar bis unter 160 Franken gegen ein eng- lisches Pfund. Wie man einer Pariser Meldung entnehmen kann. scheint Herr Poincare dadurch ermutigt worden zu sein. Nach dieser Meldung hat er dem Generalberichterstatter für das Budget mit- geteilt, daß das Parlament nach Wiederzusammentritt im Januar einen Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Währung vor- gelegt bekomme, über den unverzüglich abgestimmt werden müsse. Ob die gegenwärtig« F r a n k e n h a u s s e sich noch bis Januar nach den Wünschen Poincarös fortsetzen wird, ist natürlich eine an» dere Frage. Biipftectem Fertige Betten Graue Federn rtd. 80 PI. Graurot Inlett m. grauen Federn Entenfed.eettciii>.pfi3.20 Oberbett...... 9.90 Ruptfed. Pfi 5.50 4.50 Unterbett..... 7.90 Schleißfedern Kissen....... 345 Schleißfeflem Pfd. 3.50 Schleißfed.�pji' 5.20 Schleißfed.neurK' 7.50 Nandarinendaunen- Oberbett Ä' i türkisch 1 rot, iUa, gold, fraise Inlett, indan-* c jw* Daunen E"bi8--„A 7.50 10.W 14.00 17 JC MSSen pneaend■ 17.S0 OOSODaantn-Dsaiotu Mandarlnen-Daunea £ AOO Dauneii'Oittrbctl �li 130 X 200 cm. mit 8 Pfund weißen Daunen gefüllt kernte Inlette 6.60 Oberbell) 5.50 DnlerbellifO'geßtreift 1.05 Kioen j Bettwäsche tlemdeniuch; siarkfädig Oberbetti2oxKo3.95 Kissen Ax«. 1.25 Laken 1.75 Mengen- abgäbe vorbehalten Vetten ZS"' Satin-SteppdediEn I Handarbeit, 150 x 2001 cm. in allen Farben f Bettstellen schwarz od. wei3,m.Zug- federm atrat2e,stark.Mod. Pf a t r si Img 3- teilig, mit Keilkisaen, IßOfÄO 35.- ZS.- GOaeSee iaa55lail!l®2Ä?®S 7.50. St: onr im Slaffibalmhol Börse Verbands bilisung in bcc DachziegelinLustrie. Nachdem vor 3 Jahren von 20 meist mittleren und kleineren Dachzicgelwerkcn Niederschlesiens und der Lausitz schon ein gemein- ichafiliches Verkaufsbureau in Sarau, N.-L.> eingerichtet war- den war, hat dieser Zusammenschluß jetzt eine ganz erhebliche Ver- stärtung erfahren, indem noch weitere 7 Werke dem Verbände bei- treten.' Dabei befinden sich die namhaftesten Werke Schlesiens und der Lausig, so u. a. die ßinnen Kodersdorfer Werke W-G. (vorm. A. Dannenberg) in Kodersdorf. O.-L.). und Aktiengesellschaft Sturm in Freiwaldau, Kreis Sagau, Z e i p a u c r Dachstein- und Braunkohlenwerke, A.-G., Hansdort. Kreis Sagau, Gebr. Weist, Dörgenhausen bei Hoyerswerda und Gebr. Seydel, Hennersdorf bei Kirchhain, N.-L. Die erweiterte„Verkaufsgesellschaft Schlesischer und Lausitzcr Dachziegelwerke, G. m. b. H." bekommt ihren Sitz in Görlitz. Sie verfugt über eine Gesamtproduktion von jährlich etwa 120 Millionen Bedachungsziegsl aller Art und Farbe. , Tveikere Zusammenfassung im Skahlkrusl. Am 27. Oktober finden Aufsichtsratssitzungen zur Fusion der drei Montanwerke Gelsenkirchen, Deutsch-Luxembura und Bochumer Gußstahl aus der früheren Siemcns-Rhein-Elbe-Schuckert-Union statt. Die drei großen llnternchmunnen sollen zu einem Unternehmen ver- schmolzen, d. h� auch als G r o ß a k t i o n ä r e der Vereinigten Stahl- werke A.-G. vereinigt werden, nachdem die Werke ohnebin mit denem von Rheinstahl, Thyssen und Phönix ein Betrieb sind. Die Interesscnverbindung mit der Siemcns-Gruppe, ohnehin schon mehr formell heute, wird als freundschaftliches Verhältnis zu den Ver- einigten Stahlwerken weitergeführt werden. Die Fusion ist natürlich ein innerer Vorgang im Stahltrust. Er kann aber für Quoten- fragen einmal von praktischer Bedeutung werden, weil die vereinigte Holdingverwaliung der drei Werke eine stärker g>c ballte A k t i en m a ch t präsentieren und sie durch Käufe leichter erweitern kann. Die Ausgaben des neuen Inlernationalen Ainanzirnsts. Kürzlich berichteten wir von der beabsichtigten Gründung eines neuen internationalen Finanzierungstrusts, an dem neben zwei New Dorker Banken und dem Londoner Bankhaus Schrcsder je eine Bank sämt- licher mittel-wefteuropäischen Länder(mit Ausnahme Italiens und Polens) beteiligt sind, darunteiskfür Deutschland die Dresdener Bank. Der Umfang des Unternehmens und der Zweck der Gründima waren nicht klar erkennbar, doch war offenbar, daß der Trust systematisch«inen Teil der gesamteuropäischen Kapital- Versorgung in die Hand nehmen soll. Unsere Vermutung, daß das zuerst genannt« Kapital von 1 Milliarde Dollar stark übertrieben, wird jetzt durch die Mitteilung bestätigt, daß das Kapital voraus- sichtlich etwa 63 Millionen Mark— 15 Millionen Dollar— betragen wird. Auch daß etwa größte internationale Geschäfte, wie die Mobilisierung der Eisenbahnobligationen in Frage kommen, wie von anderer Seite vermutet, wird durch die stark einschränkende Zwecksetzung dementiert, die nur die zusammensassende Kapitaloer- sorgung der mittleren Industrie Europas vorsieht. Man wirh in dem neuen Trust also«ine Ausdehnung der vom Schrveder-Bankhous London schon früher für Deutschland allein vor- gesehenen Kapitalversorgung der Mittelindustrien auf Europa er- blicken müssen. Die Gewährung der Kredite, soll am Sitz der Trustbank, in New Park, erfolgen: die Entscheidung icher die Gewährung bei der Schroeder-Bank in London zusammengefaßt werden. Die Nachfrage jedes Landes nach Kredit, der nur lang- fristig, aber zu billigeren Sätzen als der inländische Bank- kredit gewährt wird, soll jeweils nur von einer Bank(in Deutschland Dresdener Bank) erfaßt und bearbeitet werdsn. Di« Gründung ist grundsätzlich in London beschlossen, die Konstituierung soll« n d- gültig Ende November erfolgen. w ■rar Eillle»t>uvgen gir dies- Rubrll sind Berlin SM 68, Lindenstr-b- 3, parteinachrkchten für Groß-Serlin stet» an da» Drzirlssekrctariat. Z. Hos,'i. Trep. recht», zn richten 2. ftrcl» Ziergarten. Mittwoch. 27. Oktober, VA Uhr, in den Armintuoballen, Bremer StraZe, KreismilgNederversammlung. Vortrag:„Hohenzollern- abfindung und Sozialdemokratie". Referent Hermann Ludcmann, M. d. L. Sämtliche Milglieder de- Kreises müssen unbedingt erscheinen. «. Kreis Prenzlauer Berg. Frei- Schnlgemcinde. Montag. 2?. Oktober, VA Uhr, im Altcrsbetm Danziger Straße Mitgliederversammlung. Lc- »nicht des Genossen Richard Schröter vom Bundestag der Freien Schul- gemeinden Teutschlands. Kassenbericht. Unsere Agitation. Verschiedenes. Alle Mitglieder müssen erscheinen. 5. Riet» Friedrichshain. Tonnerstog. 28. Oktober, VA Uhr, in den Andreas» Festlälen, Andreasstr. 21, Kreismitglicdcrvcrsannitlung. Vortrag:„Unser» Stellungnahme zur Fürstenabfindung". Referent Hermann Lüdemann, M. d. L. Alle Genossinnen und Genossen müssen unbedingt erscheinen. Mitgliedsbuch ist mitzubringen.— Z.«reis Friedrichshain. Mittwoch, 27. Oktober, 6'A Uhr, Bezirksversammlung im Roihans, Etadlverordneten. sstzung-saal. Ginlahkarten sind ab SZt Uhr beim Genossen Fischer, �in» ?ang Spandauer Strosse, zu haben.— 5. Kreis Fricdrichsha-n. Montag, Lkiober, TA.ihr, Ztrcissunkiiontrkonserenz bei Rade, pichtestr. 2». Vortrag:„Unsere Slellungnahmc zur Fltrstenabfindung". Rcferent Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Alle Funktionäre sind zur unbedingten Teilnahme verpflichtet. 7.«reis ssbarlott-abnrg. Mittwoch, 27. Oktober, TW Uhr. in der Aula der Kaiser. Friedrich. Schule, Kn-ssebeclstr. 24, Krelsmitqllcdcrverlammlung. Vortrag:„Hohenzollernvcrglcich und Landtagsfraktion". Rcsercnt«in Landtaqsabgeordnetcr(Nan e wird noch im..PonvMrLs� bÄvlmtqemacht). Jeder Parteigenosse muss erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiertl Die gahl- abcnde fallen aus. 8.«reis Spandau. Mittwoch, 27. Oktober, 8 Uhr. im Turmzimmer des Neuen Rathauses Krcismitglicderversammlung. Vortrag:„Unsere Stellung. nähme zur Fürstenabfindung". Referent Gustav Sabath, M. d. L. Gr» scheinen aller Mitgliede« ist Pflicht.„ 13. Kreis Tewpelhof, Mariendorf, M»ri:aselbc, Lichtenrade. Montag, 2o. Ok- tober, beginnt der Kursus des Genossen Dr. Schröder:„Einführung>n die Gefclischäftswisscnschafl". der ssch über s Abende ausdehnt. Lokal: Nadel. arbei:sraum der Mittelschul« Mariendorf, Kurfürstcnstrasse. Beginn: 7Zo Uhr. 14. Krei» Neukölln. Achtung! Die ursprünglich zum Dienstag, 28. Oktober, angesetzte Kreismitgliederverlammlnng findet nunmehr am Donnerstag, 2». Oktober. 7H Uhr, in Erbes Festsälcn, Hasenh.ide, statt. Vortrag: „Unsere EtessunsnahMe zur Fürstenabfindung. Referent Erich Kuttner, M. d. L. Sämtliche Mitglieder müssen unbedingt erscheinen.. Die Hand. zettel für die Kreismitglicderversammlung können am Montag, 25. Okiober, von 5— 7 Uhr im Sekretariat, N«Iarstr. Z, abgeholt werden.— Montag, 25. Oktober, 7W Uhr, Fraktionssstzung im Rathaus, Reukölln. 15. Kreis Treptow. Montain 7!� Uhr, Im Lokal zur Post in Riedepschöne» weide. Berliner, Ecke Fcnnstrassc, Kreisvorftandsssssung mit den Ab- teilnngsleitern. 16. Kreis Köpenick. Kreisvorstandsstssung am Montag, 25. Oktober, Uhr, bei Gen. Zabel, Köpenick, Freiheit». 17. Kreis Lichtenberg. Montag, 25. Oktober, Sitzung der Bezirksverordneten. fraktion 6 Uhr im Rathaus, Zimmer 3«. Auch die Bürgerdeputierten müssen erscheinen. 1». Kreis Wethens«. Monlag, 25. Oktober, VA Uhr, Fraktionssstzung im » Raihaus, Zimmer 2l. 1». Kreis Pankow. Montag, 25. Oktober, Fraktionssstzung mit den Bürger- deputierten 6H Uhr im Rathaus, Pankow, Zimmer 17. Heute, Sonntag, 24. Oktober: 19. Abt. 32—1 Uhr mittags treffen sich die Funktionäre bei Schrepel, Grün. thaler Str. 13, zur Maabc der Rcsuliate unserer Werbewoche. 23. Abt. Mittwoch, 27. Oktober. 1 Stunde vor Beginn der Mitgliederver- sammlung im kleinen Saal des Saalbau Frlcdrichshain Dücheraus- stcllung. Kein Genosse versäume die günstige Gelegenheit 5 Pf. bis 30 Pf. pro Buch.— Achtung. Bezirksführcr! Neuaufnahmen von Mit- gliedern und Abonnenten sind bis Montag, 25. Oktober, abends beim Gen. Linsenbarth, Friedebcrzer Str. Il, abzugeben. 57. Abt. Eharlottenburg. Borm. 9 Uhr bei Thunack, Wiclandstr. 4. Treff» punkt zur Werbearbeit. Material ist in Empfang zu nehmen. 86. Abt. Neukölln. Die Genossinnen und Genossen müssen die Neuaufnahmen und Vorwärtsbestellungen bis Montag, 25. Oktober, beim Gen. Schmidt, Rentcrstr. 58, abgeben. Meldung unter allen Umständen notwendig. 98. Abt. Reukölli». Grosses Serbstfest nachm. 4 Uhr bei Becker, Britz, Ehaussee. ftrahe 97, zugunsten unserer erwerbslosen Parteigenossen. Um rege Be- tciligung wird gebeten. 369. Abt. Friedrichshagen. Besichtigung der HeimataussteMlna in Köpenick. Treffpunkt mittags 1 Uhr auf dem Marktplatz in Friedrichshagen. Morgen. Monlag, 25. Oktober: 3. Abt. 3 Uhr bei Krstger, Engelufer 23, ausserordentliche Funktioniirfitzung. Sämtliche Funktionäre müssen unbedingt erscheinen. 11. Abt. 7W Uhr bei Berget, Levetzowstr. 21, wichtige Funktionärsitzung. Alle Funktionäre müssen unbedin>zt erscheinen. Die Bezirksführer laden zu der am Riittwoch, 27. Oktober, in den Arminiushallen, Bremer Strasse, ftattfiitdsnden Kreistnitgliederverfammliing bestimmt ein. 22. Abt. Achtung! Der Bericht der Bezirksführer über die Werbearbeit muss schriftlich abends 7 Uhr im Lokal Radzcn, Brüsseler Strasse, abgegeben werden. 31. Abt. 8 Uhr bei Golbfchmidt, Stolpifchs Str. 36, wichtige Funktionär- sstzung. Grlcheinen ist unbcdinat erforderlickt. 42. Abt. Abrechnung der Bezirksführcr während der Kreismitgliederverfamm- Iiing bei Rabe, Fichtestr. 29. 77. Abt. Schönebetg. 7 Uhr 1. Arbeitsgemeinschaft über Bcrfassungsrecht. Apostel- Paulns-Str. 7 IV. Bon 8 Uhr ab ebenda wichtige Vorstondssitzung. 84. Abt. Lankwitz. 8 Uhr bei Lehmann, Kaiser. Wilhelm. Strasse 29/31, wichtige Funktionnrsstzung. 69. Abt. Neukölln. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, die Werbe. Veranstaltung der Arbeit ersugend(Elternabend) abends 7A Uhr in der Schulaula Donaustr. 128'328 zu besuchen. 163. Abt. Lberfchöneweidc. 7W Uhr wichtige Funktionärsttzung bei Imberg, Wilhelminenbofstr. 34. Lichtenberg lt7. Abt. Von 7—8 Uhr bei kriioer, Türrschmidtstr. 33, Abliefe. rung sämtlicher Hauslisten.— 1t9. Abi. 7w Uhr bei Mcne. Möllertzdorf. strosse. Ecke Rittcrgutstrasse, Mitgliederversammlung, Die Genossen wer. den gebeten, dazu die Resuliate von der Werbung mitzubringen. Ferner sind die Billetts zum 6. November mitzubringen, da izicselbcn falsch ge- druckt sind. Mittwoch, den 27. Oktober: 9. Abt. Der Zahlabend fällt aus. Die Mitglieder besuchen restlos die Kreisniitgliederverfammlung in den Arminiushallen, Bremer Strasse, abends 7W Uhr. 14. Abt. TA Uhr in her Schule Pukbusser Str. 3 Ahicilungsversammluna. Bortrog:„Aeltwirtschaftskrife und die Arbeitslosigkeit". Referent David Stettcr, vom Verband der Gemeinde, und Sraatsarbritcr. Vorwärtsleser und Sympatbisieiende sind eingeladen. Die Bezirksführcr werden dringend gebeten, z» dieser Versammlung bestimmt einzuladen. Dir Bezirksführcr mügen unbedingt bis zum 26. Oktober das Resultat von der Werbewoche mitteilen. 25. Abt. 7Vj Uhr im kleine» Saal des Saalbau Friedrichshain Mitglieder. Versammlung. Bortrag:„Landtogssraktion und Fürstenabfindung". Rese- rent Dr. Alfred Freund. Die Bezirksführcr werden gebeten, hierzu ein- zuladen. Kein Mitglied darf fehlen. 42. Abt. 7A Uhr in den Blüchersälen,' Blücherür. 61, Mitgliederversamm- lung. Vortrag:„Unsere Stellungnahme zur FUrstcnabfindung", Referent Ernst Heitmann, M. d. L. Die Bezirksfuhrer müssen einladen. »p Achtung, Elternbeiräte! Der Kursus für Elternbeiräte findet bereits am D l« n e täg, 2 6. O r to b'« rh abends von 8— Ni.Uhr:(nicht, wie trrtüm- iich im Programm- angegib«», am 28. O!tob»r) star't. rn aer..Sophicitschulc,. Weinmeuterstr.>6/18.',.... Iungsozialisten. Gesamtveranstaltung am Montag, den 25. Oktober, s-s abends 7% Uhr, im Preussilchen Landtag. Prinz. Albrech!. Strasse 5. css Direktor Äennicke spricht über:„Pfvchologie des Marrismus". lRach-R dem Buch von Hendrik de Man.) Alle Gruppen beteiligen sich daran. W Achwng! Uni S'ö Uhr ebenda wichtige Gruppenianferenz. Jede Gruppe:! tri entsendet 2 Vertreter. Iungsozialisten. Spielgeweinschast. Montag, 25. Oktober, abends 8 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. 3, Leseprobe.— Gruppe Mitte. Sonntag, 25. Oktober, Besichtigung der Konsumgenossenschaft. Anschliessend Wanderung. Treffpunkt: morgens 8 Uhr Alcrandcrplatz, Berolina.— Gruppe Weissens«. Dienstag, 26. Oktober, 7A Uhr, im Jugendheim Park» straßc 36, Arbeitsgemeinschaft über Erziehungsfragen. Arauenveranstaltungen am Monkag. 25. Oktober: 2. Kreis Tiergarten. 7� llfjr im Bez'-.?s Uhr bei Lohann. Wippcntr. 18, Frauenabend. 101. Abt. Treptow. 7� Uhr bei Oettinger, Kicfholz. Ecke Elsenstrasie, Bortrag: „Kommunale Fragen". Referent Bruno Theek. Der Abend wird durch ein paar heitere Lieder zur Laute eingeleitet. 102. Abt. Vaumschulenweg. 7h Uhr bei Hast. Baumschulenstr. 72. Dortra�: �Kinder- und Heimarbeilerinnenschuh". Referentin Margarete Trapp. 106. Abt. Johannisthal. 7h Uhr bei Botha, Stubenrauchstrasie. Vort'ras: „Schwangerenfürforgl' und Mutterschutz". Referent Dr. Hellinger. 139. Abt. Tegel. 7h Uhr im Jugendheim Dahnbofstr. 15 Vortrag:„Schule und Haus". Referent Bczirksvers'rdneter Frik Haupt. 5rmienveranslaltungen am Dicnskag, 26. Oktober: 33. Abt. Eharlottenburg. Tj Uhr bei Lux. Suttcnstr. 26, Dorivag:„Homöo» vatl,!e. Biochemie, Allopathie. Referent Dr. Jaffa. Gäste herzlichst will. kommen. 97. Ab.:. Neukölln. Der Frouenabcnd muss Iimstänbchalber otlsfollcn und findet «cht Tage später statt. 131. Abt. Niederschönhausen. Uhr in der Gemeindaschule Bismarckstrasse Fvauenabend. Bortrag:„Berufswahl der Mädchen". Referentin Frau Lissow. Gäste herzlichst willkommen. 137. Abt. Relnlckendors-West. Der Fraucnabend fällt wegen der allgemeine» FunktionÄrveisammlung au». Dafür findet derselbe«m 3. November'statt. Thema usw. wirb n«ch bekanntgegeben. �rauenveranstllliuage« am Miitwoch, 27. Oktober: 33. Abt. Konsumbesschtigung. Treffpunkt vormitt'.g» 95. Uhr Rittergut» ssrasse 16/26. 141. Abt. Rofenthal und Rtcderschöahaussn.Zvest. Keiterer Frauenabend mit Rezitationen 734 Uhr bei Ebbmeoer lfrsther Koglin). Hauptstr. 17. All« Frauen unserer Genossen und ,.Borwärts".Leser sowie Freunde und Be- kannte sind freundlichst eingeladen. Arbellsgenieinschaft der kinderfreunde Groß-Dcrliu. Kreis Prenzlauer Berg. Grnppe Nordost: Donziger Str. 62(Daracksu). Montag 5—7 Uhr Handfertigkeiten. Donnerstag 5—7 Uhr Spiel und Tanz. Freitag 5— 7 Uhr Arbeitsgemeinschaft. Montag und Donnerstag*>—7 Uhv Erziehuna zur Musik.— Gruppe Norden: Schule Cberswalder Straße. Dienstag und Freitag 5—7 Uhr. Kreis Friedrichehaiu� Gruppe Baltenplah: Zllontag und Dienstag 5—7 Ufr« Jugendheim Ebertnstr. 12.— Gruppe Landsberger Dierlel: Mittwoch und Frei- tag 5— 7 Uhr Diestelmeyerstr. 5.— Pelersburger und Frankfurter Viertel: Dienstag und Donnerstag 5—7 Uhr Jugendheim Ebertpstr. 12.— Warschauer Viertel: Jugendheim Gosilerstr. 61. Montag 5—7 Uhr für Kinde? von 12—14 Jahren. Mltiwoch 5— 7 Ubr Bostelabend. Freitag 5—7 Uhr Spiel und Vastelu. Sonnabend, 30. Oktober, 7h Uhr, Helferversammlung im Fugendhei« Risaer Strasie 103. Kreis Rute. Sonntag, 24. Oktober, vormittags 9 Uhr, Fugendhei« Georgenkirchstr. 25. 2. Hos, Kreiskinderfunktionärsitzung. Montag, N. Oktöber, 8 Uhr, Blumenftr. 77 Kreishe'fersisiung.— Gruppe VappelplaK: Dienstag. 26. Oktober, 5'.H— 7� Uhr, Turnhelle Elisabethkirchstr. 19/20 Turnen. Spielers und Volkstänze. Donnerstag 4 Uhr Badeanstalt Oderberger Strohe Bad4n. Freitag 5— 7 Uhr Borgstr. 58. Zimmer 7. Heimabend.— Gruppe A tonaplsß: Montag 5h— 7h Uhr Turnhalle Ruppiner Str. 48 Turnen. Spielen und Volks- tänze. Freitag 5h— 7h Uhr Hortzimmcr Elisabeihkirchstr. 19/20 Heimabend.? Kreis Wedding. Gruppe Hnmboldthain: Montag 5—7� Uhr Turn- und Spielaben-d Putbusser Str. 3. Donnerstag 5— 7h Uhr Tanz». Turn- und Siug- ahend Putbusser Str. 3. Sonnabend 5-7% Uhr Tanz- und Spielabend Putbusser Skr. 3.— Gruppe Leopoldplafz: Dienstag 5h— 7h Uhr Bastelabend t« Ledigenheim Schönstedtstraße. Mittwoch 2� Ubr Baden: Treffen vor der Bade- anstalt Gcrichtstrasie. Mittwoch 6—8 Uhr M�er im Jugendheim Lurembursier Ecke Genter Strahe, Donnerstag 5%— Vh Uhr Sprechchorübung und Spielen im Ledigenheim Schönstedtstrasie. Freitag 51?— 7� Uhr Turn- und Tanza.bend in der Turnhalle Ruhepla�strasie.— Gruppe Schillerpark: Montag U8 Irtt Turnhalle Lütticher Str. 4 Turn- und Reigenabend. Freitag 6—3 Uhr Iugeno- heim See- Ecke Turiner Strafe Bassel- und Spielabend. Kreis Neukölln. Gruppe Birlc: Montag und Donnerstag 4—7 Uhr Schul» Lessingstrasie.— Gruppe Quelle: Monlag und Donnerstag 4—7 Uhr Schul« Marl. Ott ober. Besichtigung der„KonsumgenossensStaft in Lichtenberg. Treffpunkt IpS-Uhr. RinAbahlchof....Eltern c und Int�rgssicrtK' sind herzlichst eingeladen..— .GMpve. Hermannplah: Montag und.Donnerstag. 4-7 Uhr Ks ife �Friedlich- Strasie i:-- Gruppe Bovoinplah(Dl. Abt.): Montag und Donnerstag'.�-7 Ubr Bsödin- Ecke Berliner Straße. 1 Treppe.—' Gruppe Elvestraße fv?. Äbt.): Montag und Donnerstag 5—7 Uhr.— Für Kinder aller Gruppen: Dienstag 5—7 Uhr Svrechchor Boddin- Ecke Berliner Straße. 1 Trevp«. Freitag b— 7 Istr Singekreis in der Rütlifchnle. Mittwoch 5—7 Uhr Spiel und Tanz in der Turnhalle Kaiser-Friedrich-Siraße.. Sonntag, 24. Oktober, Fahrt nach den Gosener Bergen. Treffpunkt �8 Uhr morgens Kaiser-Friedrich- Ecke Geyger- straße.— Gruppe Briß: Montag und Donnerstag spielen und wandele»! Gardincnlagerl S>lber> wblfe! Dreißig!«rcuitsllckike fllns�chn! PcUjacken! Monatsgarderobe I lKtine Versaßware.> Teilzahlung. Psandleih«. Beitausshau» Schiinhaulerollee Ub lNordringi.________ «eleaenheltl ill-id-rschranl W.—. Bttlilo 15,—, Was-htoil-tl« 11,— Ruß- baum-Schreibtisch Plilkchsofa 15,—. Möbelhaus Sottlieb. Riiocnerstraß« dreuchn._. Chailelougue». Metallbctten. Auflege. matraßen Patenimatraßen. Waller. StargarderKraße achtzehn. Svezuih aesckast._ Leiterwagen. Schubkarren. Einzelrädcr, Achsen, isedcrn. Globus. Dresdenep straße 55.� Moritzplaß 127 SS._' Bettsedern-, Bcttcnoerkaus! Preis. odbaul Riescnauswahl 11.5<>, lS.bg. 21,— l Prachtvoll- 25.-.»2.— I Dau- nenbetten L7.50! Kopfkissen Z.SZ! Biltfedern 0.75 auswärt»! 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Und doch ist alles Wirklich- ke-t. obwohl auch die ganz hervorragende Photographie von Charles Rosher dem Ganzen das Gepräg« des Unwirtlichen gegeben hat. Es ist eine Kinderfarm irgendwo in den Südstaaten der Union, in der Kinder Ungewisser Herkunft oder die man sonst los fein will, ihrem sicheren Verderben entgegengehen. Mary Pickford, die mit lyrem Film einen Feldzug«gegen solche Scheußlichkeiten unternimmt, wird sicher in allen, die ihren Film sehen. Gefühle des Abfcheus und helfenden Mitleids erregen. Sie selbst, dem Körper nach fast noch ein Kind, eber voll Liebe und Mütterlichkeit und Hingabe an die ver- lasienen Kleinen, spielt die Hauptroll«. Sie bemuttert die Schar, sie sorgt für Speise und Trank, auch wenn sie darüber zur Diebin wird, sie bereitet der Kleinsten mit wahrem Erfindergeist das Fläschchen, sie arbeitet und spielt mit ihrer Bande, sie schützt sie mit eigenem Leibe gegen Roheiten und Gewalt. Sie ist. schließlich berufen, sie zu befreien, als ein reizendes Geschöpfchen von erpresserischen Dieben eingeliefert ist und spurlos im Sumpf verschwinden soll, well man den Dieben und dem ganzen Unternehmen auf die Spur kommt. Diese Kinderszenen sind natürlich nicht nur rührend. Sie zeigen die»er- wahrlost«, schmutzige, wilde Gesellschaft in all chren Abenteuern und Streichen, in ihrer gangen Gefährdetheit und Zügellosigkeit aber über allem chront doch diese herrliche klein« Mutter Mama Molly, die gewiß nebenher auch ein Straßenmädel ist, aber Herz und Gefühl immer aus dem rechten Fleck hat.„Sperlinge Gottes" nennt sie ihre Schützling«, weil sie fest auf die Bibel schwört und sie belehrt, daß Gott sie so wenig wie die Sperlinge verlasien wird. Woran«in kleines Kerlchen mit einer Drecknase immerhin erhebliche Zweifel äußert. Das große Abenteuer, die Sensation ist die Flucht vom Heuboden, an dem Hofhunde vorbei, durch den großen Sumpf, der das .fimis umgibt und der nur bezwungen werden kann, indem man Brücken über ihn legt. Aber von einem Abenteuer stößt die klein« Gesellschaft, immer unter der Obhut Mollys, in das ander«. Es ist unerhört, welchen wenn auch nur Icheinbaren Gefahren die Kinder ausgesetzt werden; über morsche Baumäste geht die Fahrt, mit Stricken schwingen sie sich über die Wässer, und überall lauern unten freßgierige Alligatoren. In Deutschland hätte man wohl die Mit- Wirkung von Kindern bei solchen Szenen nicht zugelassen. Für unser Gefühl liegt hier ein gewisser Mißbrauch von Kindern für die Er- regung von Sensationen vor. Es folgt dann noch der Eingriff der Polizei, ein Kampf zwischen Polizei und Diebsmotorbooten, bei dem die Kinder zuguterletzt noch gerettet werden. Der„Unternehmer" kommt elend im Sumpf um. Zum Schluß muß der liebe Gott wirklich für sie sorgen, um das Herz des reichen Vaters von dem kleinen Kinde zu erweichen, daß er Molly und ihr« ganzen Sperling« zu seinem geretteten Kinde mit ins Haus nimmt und ihnen«ine neu« Heimat-und Zukunft bietet. E). -ver gute Ruf." (Tauenlzien-Palasi.) Trotz mancher guter Einzelhell in szenischer und schauspielerischer Beziehung ist der Film verfehlt im ganzen Aufbau, in der Gliede- rung der Gruppen und in der Führung der Handlung. Der Regisseur Pierre M a r a d o n behandelt den Film als szenisches Ausstatiungs- stück, die Schauspieler spielen je nach Begabung und Anpassungs- fähigkeit miteinander oder aneinander vorbei, jeder kapriziert sich auf einen anderen Stil. Rein technisch betrachtet ist Sudcnnanns Komödie„Der gute Ruf" ein unzureichendes Theaterstück, ganz ab- gesehen von seiner mondänen Pose und anderen Sudcrmann-Eigen- schaften; denn die Handlung selbst bleibt im Dunkeln, d. h. nichts wird motiviert. Warum spielt Dornt von Tanna ihre Komödie, warum benimmt sich der Kommcrzicnrat Weißegger so moralwlltig, da er weiß, es kommt doch nichts an die breitere Oeffentlichkeit. Beim besten Willen ist es heute unmöglich, diese Kurfürstendamm- Geschichte ernst zu nehmen. Kein Theater spielt diesen Salonkitsch. Trotzdem wäre die Komödie als Filmsujet zu verwerten, doch nicht in der Art, wie es Walter Wassermann tat, der sich überhaupt nicht darum bemühte, Klarheit in die dunkle Affäre hincinz»- bringen und die komplizierte Sache zu entwirren. Und doch stecken in dem Stoff Möglichkeiten zu einer witzigen Satire, mindestens aber zu einer imterhaltenden Groteske. Was jedoch dem Bearbeiter entging, Hölle dem Regisseur einfallen können. Maradon denkt nicht daran,' er stllisiert sich nur auf den Regisseur einer längst über- wundenen Gesellsthaftskoinödie mit breiter Ausmalung des Milieus. Er übertrumpft sogar Sudcrmann, alles ist noch vornehmer. Stotistenheere im Frack werden mobil gemacht, um auf einem Ge- fellschaftsabend mehr oder minder gute Figur zu stellen. Das geht eber nicht mehr, das ist zum Sterben langweilig, die Regie erstickt im rein Dekorativen. Und was die Schauspieler dazwischen be- treiben, ist manchmal ebenfalls unzureichend. M i e r c n d o r f f weiß nichts mit sich anzufangen. Entweder ist er weinerlich oder zeigt wildes Augenrollen rmd röchelnden Zusammenbruch; der junge und hübsche Lebemann Max von Termählen hat sich in einen kleinformatigen Hamlet verwandelt, Herr von Tanna imillert Men- jou, Lotte R e u m a n n bemüht sich stellenweise erfolgreich um verführerisches Benehmen, nur Germaine R o u e r als Karla Weißegger gibt mehr als gut einstudierte Pose, hier ist Grazie und Eleganz, wenn sie auch in Sperrdruck gegeben wird. Was soll aber das Ganze? Diese Stoffe sind nur noch als Parodie zu er- tragen, und die Zeiten sind vorüber, da jeder Salonkitsch auf die Massen faszinierend wirkte._ F. S. -Die Jlammen lügen." (Mozart-Saal.) Friedrich Raffs Manuskript bietet mal etwas anderes, denn dieser Film schließt nicht mit dem erwarteten glücklichen Ende. Es ist wirklichkeitstreuer als die meisten Filmmanuskripte, aber nicht film- §eschickt. Ein Offizier a. D. will sein Haus nicht verkaufen, das«in abrikbesitzer zur Erweiterung seines Werkes dringend gebraucht. Der Familie geht's nicht gut, doch schlägt der starrköpfig« Alle die glänzenden Angebote auf sein Haus ab, beschwert sich aber über den Lärm der Fabrik und jammert über die neue Zeit, die ihn systematisch zugrunde richtet. Das wird recht breit erzählt, und man tut gerade so als ob man in dieser Zell des unerhörten Massenelends für«inen alten Querkopf, der aus purem Trotz Existenzmöglichkeiten ausschlägt, Mitgefühl aufbringen könnte. Schließlich verliert der Fabrikbesitzer das Interesse an dem Grundstück und gewinnt dafür Interesse an der Offizierstochter, die ihn auch heiratet. Di« Ehe wird nicht glücklich, er ist stets beschäftigt, sie ist immer allein,«in Kind fehlt. In einem ausländischen Hotel, in dem der Mann mit seiner Geliebten wohnt, kommt es zur Katastrophe. Die Frau reist ihrem Mann nach, die Geliebte will sich zwischen die beiden drängen— so wird der Fabrik- Herr zum Mörder an ihr. Im Hotel bricht ein Brand aus, der Fabrikherr verbrennt, die Leiche seiner Geliebten natürlich auch, und beide werden als Mann und Frau beerdigt. Die Frau ist«in« der wenigen Ueberlebenden, und als sie nach schwerer Krankheit genesen ist. fühlt sie sich Mutter. Und so schließt der Film mit den Worten der Frau:„Mein armer Mann." Der Film hat zu langausgespielte Szenen, denen jede Handlung mangelt. Der Regisseur Carl F r o e l i ch dachte offenbar, es geht doch nichts über die gute, deutsche Sentimentalität und präsentiert« Henny Porten immer als leidende Madonna. Sie muß meterlang« Tränenström« vergießen um Gering- fügigkeiten, denen kein Mensch«in« große Bedeutung beimessen kann. Filmisch ganz vorzüglich geschildert sind der ausbrechende Brand, die Visionen der Fieberkranken und der Mord. Di« Inneneinrichtungen waren bildlich sehr gut, sie waren oft von besonderer Eigenart, ohne gerade jedermanns Geschmack zu treffen. Alles in allem wurde, trotz der wohlwollenden, beifälligen Stimmung des Premicrenpublikums, der aufgewandte gute Wille nicht durch einen vollen Erfolg gekrönt. e. b. -Venn öas Herz öer �ugenö spricht." (Marmorhaus.) Wenn man alt und berühmt ist und dazu vollständig in seinem Beruf aufgeht, soll man eigentlich keine junge Frau heiraten, bc- stimmt nicht, wenn diese junge Frau außerdem noch mehr Sinn für Charleston und Autofahren zeigt als für Anatomie, Herz- neurosen und ähnliche lebensernste Dinge. Es kommt über kurz oder lang ein unbeschäftigter, junger Herr mit einem Automobil, und das Unglück ist da. Der alternde Mann muh dann ein resi- gniertes Benehmen an den Tag legen, in die Scheidung willigen und anderes Unangenehme über sich ergehen lassen. Aber als Trost hat er einen Berus, der ihn aufrecht erhält Hier ist der alternde Monis ein berühmter Chirurg, und der junge ebenfalls sehr reich und nett, sie ist jedoch eine verarmte Komteß, deren Mutter von dem Chirurgen mustergültig operiert wurde. Das Sujet stammt aus Hans Lands Roman„Arthur Jmhoff" und ist geschickt für den Film ausgewertet worden. Fred Sauer stellt einen stillen, kultivierten Film her von kammerspielartigem Charakter, er dämpft Affekte und weiß gegensätzliche Schauspieler wie Basscrmonn und Lee Parry in ihrem Ausdruck einander zu nähern. Rur aus dem jungen Herrn kann er nichts machen. Lee Parry ist am Anfang blaß, sie beschränkt sich auf koketten Augenaufschlag und jungfräuliche Kinomclancholie, die hin und wieder" ein holdseliges Gartenlaubenlächeln verklärt, am Schluß gewinnt sie an Ausdruck. Trotzdem wirkt sie wie edles Theater, wenn sie B a s s e r m a n n gegenübersteht. Bassermann ist hier von einer Selbstverständlichkeit und natürlichen lleberlegenhcit, über die er sonst im Film seilen verfügt. Er spielt die Szenen gar nicht, er ist eben ein Mensch, der sich gibt, wie er geschaffen wurde. Reben Bassermann Paul Henkels als Armenarzt mit Seehunds- schnurrbart und barschem, aber edlem Wesen. Ein Schauspieler, dessen unbetonte und stille Charakterisierungskunst bis jetzt im Film zu wenig ausgenutzt wurde. F. S. Settage öes vorwärts -Das graue haus." (Alhambra.) Joe May hat ani Anfang'Pate gestanden.„Das graue Haus" gleicht in der ersten Szene der„Schuld der Lavinia Morland". Hier wie dort steht eine Frau vor Gericht, die einen Mord begangen hat und die über die Motive der Tat nicht sprechen will. Erst als ihr Kind in den Gerichtssaal gebracht wird, bricht sie ihr Schweigen. Und beide Filme enden mit Freispruch. Sonst aber hat der Regisseur Friedrich F e h e r eine Menge guter, szenischer Einfäll«. Den Stoff gab die Novelle„Ueber Mauern" von Georg Hirschfeld her. Maria ist die Tochter des Verwalters eines Frauengefängnisses. Sie r-rnt einen Hochstapler kennen, der sein« Genossin aus dem Gefängnis de- freien will. Diese Genossin gibt er als sein« Schwester aus. Der Fluchtplan wird zu schnell von dem Vater entdeckt. Maria flieht mit dem Hochstapler allein. Durch Betrügereien können beide ein kost- spieliges Leben führen, bis die früher« Freundin zurückkehrt. Als Maria den Betrug entdeckt, ermordet sie ihren Geliebten Dieses Sujet wird mit den düstersten Farben ausgemalt. Feher geht bis an die Grenze des Erträglichen wie etwa in dem Traum, in dem Maria ihr« Hinrichtung erlebt. Diese Szenen bedeuten auch in darstellerischer Beziehung den Höhepunkt. Unerkannt kommt Maria am Tage vor ihrer Hinrichtung in das Gefängnis. Als sie sich ihrer Mutter«nt- deckt, beschließt dies«, sich für die Tochter zu opfern. Wie Julie Serda hier spielt, vollkommen gebändigt in chrem Schmerz,«ine Frau Alving, die bis zum Aeußersten geht, ist meisterhast. Und dann kommt ein« Szene, in der alle Schauspieler ihren stärksten Ausdruck geben, auch die Maria Magda Sonjas, die vorher öfters theatert«, gewinnt hier an Format. Maria eist ihrer Mutter nach, auf den Stufen des Schafofts bricht sie zusammen. Da erkennt der Vater sie. Er reißt beide Frauey an sich und stürzt mit ihnen dem Staatsanwalt entgegen. Feher ist hier nicht der Gefahr der Opernschablone ganz entgangen, aber Werner K r a u ß läßt olles andere vergessen. Feher zeigt sich in diesem Fllm als Regisseur von großem Können Mögen die Gesellschaftsszenen ohne Gesicht bleiben, die Aufnahmen aus dem Gefängnis sind von außerordentlich bildhafter Wirkung, überhaupt der Aufbau des Films vollendet. Feher weiß Akzent« zu setzen und zu steigern. Erwähnt seien noch Grete Scherl als Spitzbübin und als Hochstapler Angelo Ferrari, der diesen abgebrauchten Typ mit Leben erfüllt, von unaufdringlicher Eleganz und unbetontem, mephistophelischem Spott._— t. -Sonja." (Schauburg.) Man hafte zu der Uraufführung«ine Stunde zu früh ein- geladen. Das war gewiß ein peinliches Versehen, dennoch bestand das hauptsächlichste Versehen darin, die Kritik überhaupt eingeladen zu haben, weil der Film nicht im geringsten den Ansprüchen«nt- spricht, die man heute erfreulicherweise an eine ganz gewöhnliche Durchschnittsarbeit stellen kann. Das Lied„Sonja, deine schwarzen Haare" hat es dem Manufkriptvcrfasser angetan, der daraufhin ein Drama aus unserer Zeit schrieb, von russischer Revolution und Mord, von Eifersucht und hingebender Liebe und einem Schlag- anfall., Genau so schlimm wie das Manuskript ist Marcel L' Herbiers Regie. Nicht eine einzige Szene besteht die Be- lastungsprobe. Alles ist unfilmisch. Emmy L y n n lieh man die Hauptrolle spielen. Sie steht wie ein Stück Holz, sie geht nicht, sondern trippelt wie eine aufgezogene Puppe, sie kleidet sich un- möglich, hat überhaupt leinen Rhythmus für den Film. Dazu sind die hochgezogen« Oberlippe und eine Längsfalte in der Stirn ihre einzigen schauspielerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Roger Karl und Jac Catelain konnten auch nicht wirken, zudem man sie nicht in den Manieren spielen ließ, die ihre Rollen unbedingt er- heischten. Dte Emelka-Woche brachte Sehenswertes aus aller Welt und übermiftelte unter der Rubrik„Was viele nicht wissen" wirklich Wissenswertes in anschaulicher, leicht faßlicher und doch außerordent- lich einprägsamer Form.___— g. „paß auf Seine Irau auf!" (Primus-Palast.) Diese gut gemeinten Worte sind der Titel einer netten Film- geschichke, die von einer modernen Ehe handelt. In Filmamerika beschäftigt man sich bekanntlich unentwegt mit Millionärstöchtcrn. weshalb man auch in diesem Manuskript eine derartige Tochter einen Schriftsteller heiraten läßt. Nach drei Iahren besteht die Ehe nur noch aus unrechten Augenblicken und verpaßten Gelegenheiten, folglich läßt man sich scheiden. Hernach wäre die geschiedene Frau beinahe cineni adeligen Spekulanten ins Netz gegangen, aber im letzten Augenblick findet sie zu ihrem ehemaligen Gatten zurück. So kann das Publikum zum Schluß sich an seiner eigenen Schaden- freude gütlich tun. Virginia Vally ist die Frau, um die sich alles dreht. Sie versteht zu spielen, serner versteht sie es, ihre persöv- liche Schönheit durch auserlesen geschmackvolle Kleidung zu unter- streichen. Der Regisseur kommt aus der Type des Durchschniftv- amerilaners nicht heraus. Er hat einige sehr gute Einfälle, auch hält er ein gutes Tempo. Doch würde seine Arbeit«ine größere Anziehung-krast haben, wenn man nicht Lubitsch kultivierte Film«. die sich im unübertrefflich feinen Lustspiclton mit ehelichen An- gelegcnheitcn beschästigen, als Vergleichsmöglichkeiten häfte. e. b. Bimintmutunmmitimtmiimmtmimmmiimmmmmimmmiis ".,. Damenmantel aus la Köper-Velour gen* wlrkend' k�e,nu; >.«Airm den dleDame In der Hand halt, r',7 „.y�h. gezeldmeteDamenVleld aus bestemWollsloff, it„• die dte Dame zeigt, Ist dreiteilig, aus unä kostet nur e t—»m AnAftam Der Sonnabend bot diesmal einen recht annehmbaren Wochen- schluß. Bruno Seidler-Winkler brachte mit dem Funk- orchester einige gerngehörte Werke. Besonders glucklich gelang die Hebriden-Ouverture, in der das Orchester wieder alle seine Fähig- keiten entwickeln konnte. Fritz Zohsel, der einige Arien singen sollte, war verhindert. An seine Stelle trat Robert chutt von der Staats- oper. Sein klangvoller, funkbewährter Tenor zeigte sich wieder aufs beste. Die Stretta aus dem Troubadour, ein bevorzugtes Pa- radestück aller Tenoristen, wurde eine ausgezeichnete Leistung. Gern hätte man dagegen auf die sentimentale als Konzertstück mindestens sehr abgedroschen« Martha-Arie„Ach wie so fromm, wie so traut" ver- zichtet. Der lustige Jacoby-Abend war bis auf die Cäsar-Flaifchlen- Einleitung eine hübsche Zugabe. Die Charakterisierung der vor- schiedenen Gegenden Deutschlands in knappen und meist netten Ge- schichten verschiedener Autoren bot den Hörern mancherlei Erfreu- liches. Rückkoppslungsgeräusche machten leider den Empfang der Marcel Proust gewidmeten Nachmittagsveranstaltung unmöglich. Väs Rundfunkprogramm. Sonntag, den 24. Oktober. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 11.30 Uhr vorm.: Unterhaltungsmusik der Kapelle Ernö Geiger. 1. al KÄlman; Zwei Märohenangen, aus der Operette„Die Zirkusprinzessin", b) Graniohstaedten: Lied aus der Opererotto„Auf Befehl der Herzogin". 2. a) Whiteman: Wonderful one, Boston, b) E. Meyer- Helmund: Morgen send' ich dir die Veilchen, Lied, o) Wottiz: Parlez-vous framjais? Onestep. 3. a) Kalmen: Grüß mir mein Wien, aus der Operette„Gräfin Jiariza", b)\Y. Bromme: Du allein bist schuld daran, FoxtrOt aus der Operette»Miß Amerika". c) Kälmän: Wo ist der Himmel so blau wie in Wien? Lied aus der Operette„Die Zirkusprinzessin", d) Engel-Borger: Das is a Wein, Wiener Lied, e) Buddy Fields und R. Whiting: By tho sign of the rose. Poxtrot. 4. a) Perez Preire: Ay, Ay, Ay, Serenado, b) H. Leopoldi: Wien, sterbende Märchcnstadt, Wiener Lied, o) Granicnstaedton: Zigarettenlied aus der Operette„Der Orlof", d) Pablo Luna: Andalusia, Onestep. 12.20 Uhr nachm.; Max und Paul fEin Opti- und ein Pessimist). 1 10 Uhr nachm.: Die Stunde der Leberden. 1. Einleitende Worte(Professor Adolf Weißmann). 2. Hanns Eisler: Duo, op. 7, für Violine und Violoncello, 3. Karol Szymanowski; b) Die brennenden Tulpen(aus des Hafis Liebes- liedem. b) Lied des Mädchens am Fenster(Paquet), c) Einsiedel (Bulcke). d) Werbung(Dehmel)(Mariquita Secken, Sopran; am Flügel; Bruno Seidler-Winkler). 4. James Simon; Legende für Streichquartett, in drei Sätzen(Deman-Qnartett: Professor Rudolf Dernau. 1. Violine; Emil Kornsand. 2. Violine; Karl Reitz, Bratsche; Karl Dechert, Cello. 2.30 Uhr nachm.: Paul P. Lindenberg; Aegypten, das Land der Pyraraidenmarken. 3 Uhr nachm.: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Dr. Ebert: Der Anteil des deutschen Obstbaues an der Volks- ornähmng und seine Steigerungsmöglichkeiten. 3.30 Uhr nachm.: Funkheinzelmanns Schöpfungsgeschichte. Der vierte Tag; Sonne, Mond und Sterne, von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.30—6 Uhr abends; Nachmittagskonzert des Ette- Kammerorchesters. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Dr. Anton Mayer: Freude an der Kunst. 7 Uhr abends: Prof. Theodor Wedepohl: Island, das Land der Edda. 7.30 Uhr abends Felis Stößinger: Vortragsreihe »Dichter und Dichtungen Asiens"(Japan). 8 Uhr abends: Walter Schrenk; Einführung zu der Uebertragung aus der Staatsoper am 25. Oktober. 8.30 Uhr abends: Heiteres aus Wilhelm Busch(Vorworte aus„Die Haarbeutel".„Balduin Bählarom",„Julchen" und »Maler Klecksel"). Vorgetragen von Resi Langer. 9 Uhr abends: Lortzing(geboren am 23. Oktober 1801). Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Ouvertüre zu der Oper»Der Waffenschmied". 2. War einst ein junger Springinsfeld, aus der Oper»Der Waffenschmied" (Waldemar Henke, Tenor). 3. Er schläft, Arie der Marie aus der ~"---••■■"lenadow. Sopran). 4. Tanz Taler, aus der Oper»Der Waffenschmied"(Violetta Scnadow, Sopran). 4. Tanz aus Oper„Zar und Zimmermann". 5. Fünftausend Taler, aus der Oper»Der Wildschütz"(Leo Schützendorf. Baß), fi. Vater, Mutter, aus der Oper„Undino"(Waldemar Henke. Tenor). 7. Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar, aus der Oper„Der Waffenschmied"(Leo Schützen dorf, Baß). 8. Was seh' ich, aus der Oper „Undine"(Waldemar Henke, Tenor, und Leo Schützendorf, Baß). Berliner Funkorohester. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnaohrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater und Filmdienst. 10.30—12.30 Uhr abends: Tanzmusik (Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Sonntag, den 24. Oktober. 9. 11.30 Uhr vorm.: Uebertragung aus Berlin. 12. 1.10, 3.30, 4 30 Uhr nachm.: Uebertragung aus Berlin, ab 8,30 Uhr abends; Uebertragung aus Münster. Montag, den 25. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm' 4 Uhr nachm.: Frauenfragen und Frauensorgen. Dorothee Goobeler: Die enge Wohnung auch ein Heim. 4.30 Uhr nachm.: Novellen. 1. Theodor Storm: Posthuma. 2. Theodor Stom: Wenn die Aepfel reif sind.(Gelesen von Adele Proesler). 5—6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Hans. Theater- und Filmdienst. 6.45 Uhr abends: Dr. med. Harry Benjamin. New York: Der Kampf der Medizin gegen die Beschwerden des Alters. 7.15 Uhr abends: Personen Verzeichnis und Inhaltsangabe zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 7.30 Uhr abends: Uebertragung aus der Staatsoper(am Platz der Republik). Spielzeit 1926/27. 6. Uebertragung.„Martha", Oper in vier Akten von F. v. Flotow. Lady Harriet Dnrham, Ehrenfräulein der Königin; Nancy, ihre Vertraute; Lord Tristan Mickle- ford, ihr Vetter; Lyonel; Plumkett, ein reicher Pächter; der Richter zu Richmond; drei Mägde; drei Diener der Lady; Gerichtsschreiber Pächter. Mägde. Knechte, Jäger, Jägerinnen im Gefolge der Königin, Pagen, Diener. Ort der Handlung: Teils auf dem Schlosse der Lady, teils zu Richmond und dessen Umgebung Zeit: Regierung der Königin Anna. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 bis 12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester Ette). Königswusterhausen, Montag, den 25. Oktober. 2.30— 3 Uhr nachm.: Frau Kreuzer-Lampe: Schlachten im Landhaushalt. 3— 3.30 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3 30— 4 Uhr nachm.; Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann; Englisch für Fortgeschrittene. 4--4.30 Uhr nachm.: Dr. Felix Lehrend; Organisatorische Auswirkungen des Arbeitsunterrichtes in den höheren Schulen. 4,30— 5 Uhr nachm.: Dr. Klopfer und Ruth Künkol: Der lljährige Wolf hat verschiedene Maie Geld aus der Tasche seiner Mutter genommen. S— 6 Uhr abends: E. Nebermann: Schach für Anfänger. 6— 6.30 Uhr abends: Prof. Fingerling: Neuzeitliche Grünfutterkonservierung. 6.30 bis 7 Uhr abends: Dipl-Hdl. Wieg und Katthain: Die Buchführung für Kleingewerbetieibende. 7— 7.30 Uhr abends: Dr. Heinitz: Die Musik der Japaner. Ab 7.30 Uhr abends; Uebertragung aus Berlin. IZHarJu f. r, fZoch&femlaria Qeptr>aüdfen5fp.20l21�1� Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. öVjUj Lohengrin , Schauspielhaus 21/i Uhr: Doppel» Selbstmord 8 Uhr: Lul u Schüler' Theater 8 Uhr: Soldaten StäUe Opei Charlottenburi' 7», z Uhr: Carmen M. Olszcwska Dr. E. Schipper Abonn.-Turnus IV Dentsdiet lüsaier Norden 10334— 3S Letzte Aiiffülinnigen 8 Uhr: Peripherie v.F. Langer. Regie: Max Reinhardt Kammerspiele Norden 10334—38 l1/, Uhr Derselällig.TlileiTy von Tristan Bernard Regie; Eug. Robert Die KomSdie BismarCK 3414. 7516 8 Uhr: Die Gefangene Von Bourdet Regie M. Reinhardt 5anu»sky-9üliitto Ttieater KOnl&drälzJttr. Hasenheide 2110 Heute z. IS.Malc 8 Uhr: Mrs. Cheneys Ende SomOiUenhaitj Norden 6304 8: Einbruch Iii. a. Kollendotipla'z Gastspiel d. Moskauer Künstler. Theaters Habima 8 Uhr: Der ewl9e Inde Montag u. Mittv Jacobs Traum Aittw»- Dienstag: Dybuk HnmOdiennaus Heute nachm. SU- Oer GarUn Eden TheaML Westens 3 Uhr und 8 Uhr: Der Zuz n. d. Westen KurrUrst 6436 8 Uhr Variete- Neuiieiten Sonnabinds o. Sonntag- 2 Vorstellunzen a3" und 8 Uhr, ir" zu ermäßigt. Preisend, ganze Programm! Volks b&ih ne Tbiiter im Bülowplati 3 und 8 Uhr: £gsistrata Morgen 8 Uhr: Snsisfrafa Id. am Sdhftbaiieriläram Heute 3 und 8 Uhr; . Das Gralunal des unbekannten Soldaten. Jiomisttkc Cper Der große Ooerettenerfolg Mrienne*" lieh Uhr mit Serak, Wessely, W/r/, Blass Boettcher, Hell.- Sonntag nchm.3 U.: 5>ie äTIedermaus in erster Besetzung Vorverkauf ununterbrochen v. 10 U an ff eiropoi- Tbcal. Täglich i Uhr: Die gioße Revue Wiedür Metrapol Sesldenz- Ttieat. Täglich 8'/« Uhr: MteigeWtier �ialritt Jugendüdien verboten TtiaUa-iaeafer 3 U. Lotldiens Geburtstag Erster Klasse u'r Dorfillwlz Reyie: ßerth Vierte! Salteobarg-BOhncn Deutsehes Künstl.-Theßler 8»,, Uhr: Das große Abenteuer Dondi. Pallcnberq Nachm. ZV, Uhr: Oer trihlidu Weinberg Lesslng-Theater s U- Memfli und Debermensdt Tb. aJarfürsteDdamm 8 Uhr: InderJobannisnadt Lnstspielbaos 8'/. Uhr: Die Herzogin v.Elba Nachm. 3'/, Uhr; Echneewlttcnen Gr. MWIiW Täglich 8'/, Uhr KleinesTheater Täglich 8 Uhr; MeniMreDDile Vorzeiger SO Proz. des Kassenpreises I Heute nachm. 4 Uhr Gr. Kindervorstellg. MmeewittdiDD Kose-Theater 4 Uhr; Aschenbrödel 8V4 Uhr Sbrüche Arbeit Grcus Busch rrgt y i liDDte vorletiter Wag! 2* äiÄÄÄ UM PreiJB ?b.Äru,euÄSi Papa«Irangei Schluß des Gastspiels unwiderr. 3). Okt Rekhshallen-Thealer bends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Slettlner Säuger z.sdiiuB: Piepers Diele � Burleske von Mcysel Nachm halbe Meysel Preise! Oönhoff.Brett'i VarieW- Konzert-Tanz Theatpra. Kottb. Tor Kotlbuaer Str.«. zagt S Nhr u. Sonntag nachm 3 Uhr(zu ermäßigten Preisen) Elite- Sänger und ba« Süss. Damen. Gessnes- QuartellPopotl I AQUARIUM geöffnet v. 9-7 Uhr Eintritt bis 2 Uhr I M» Kinder SO Pf. Ab 2 Uhr ohne Unterschied 50 Pf. 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Wahiaus»chrelven für die Allgemeine Ortskrantenkasie Adiershof und Umgegend. Auf Grund des K ÜO der Saftung sind für die Wodlperiode des Ausschusses der Nasse vom 1. Januar IS27 bis ZI. Dc. zember IWI i» getrennter Wahlhand- lang ,u wählen: 1ä Arbcltgebcrvcrtreter und!»> Gr- saftmänner: M Versichcrtcnvrrtretcr und KO Er- saftmänner! Die Arbeitgeber wählen am Mittwoch, den l. Dezember 1926, von nachmittags 1—6 Uhr, im Kasscnlokal zu Berlin-Adtcrshof, am Bahnhotcr Giun» 1>. Die Versicherten mähten am Dienstag, den 30. November 1926, von vonnitlogs 10 Uhr bis nachmittags 7 Uhr. a) Im Bezirk 1 solle diejenigen Nassen- Mitglieder, deren Beschiisugungsort in Berlin- Treptow cinschlteglich Baumschulenweg liegt) im Kasfenlotal zu BcitiN-Trcptow, Glscnjlri,fte luo. d) Im Bczirl 2(alle diejenigen«asseu- mitglieder. deren Beschäjtigungsort in Berlin-Ziiodcrschöneweide»nd Berlin-Johannisthal liegt) im Kassen. lolai Bcrlin-Peiedcrschöneweidc, Spree- strafte 24. e) Im Bezirk z(alle diejenigen Kassen- Mitglieder, welchc in den ilb'.igcn Ortschaften des»assenbeziris ihre«e- schäfligung haben) im Kassenlotal Berlin-Adlershof, am Bahnhof, Lüfter Grund 1, d) Berechtigte Kassenmitglieder üben ihr Wahlrecht bei derjenigen Wahlabtej, lung aus, in de.en Bezirk sie woh, nc»: oufterhalb des«assenbczirts Wohnend« wählen in dem ihrer Woh- »ung am uächstgclegenen Zilahllokal. Di« Wahl ist geheim. Gewählt wird nach den Grundsäftcn der Verhältnis- wähl. Das Wahlrecht ist in Person auszuüben nach näherer Bestimmung des S 10 der Wahlordnung. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Wahlberechtigt sind alle volljährigen Berficherten beiderlei Geschlechts, welche am Wahltage bei der Allgemeinen Orts- krantentassc für Adlcrshof und Um- gereut versichert sind. Jeder wahlbercch- tigte Versicherte hat«in- Stimm«. Wahlberechtigt sind die volljährigen Ar- beitgebcr beiderlei Geschlechts, welch« für die bei ihnen beschäftigten Per- scncn am Wohllage an die Allgemeine Oliskrankenkosse Berlin-Adlershof Ber träge zu zahlen hoben, vorausgefeftt, daft sie nicht selbst zu den Bersicherlen zählen. Wahlberechtigte Arbeitgeber führen a) bis zu 100 versicherungspflichtig Bit schäftigtcn für je angefangene i«rne Stimme: b) bis zu 200 versicherungspflichtig Bo fchäfltgien für die ersien 100 zwanzil und für je 10 der weiteren Beschäl tmten eine Stimmet c) bis zu 500 versicherungspflichtig Be schäftigtcn Z0 Stimmen für die ersten 200 und für je 20 weilere Deschästigte «ine Stimme: d) bei mehr als 500 vcrsicherungspflich tig Beschäftigten 50 Stimmen. Mehr als 50 Stimmen kann kein Arbeitgeber führen. Di« Wahlbe>echliäl«n worden hiermit aufgefordert, Wahlvorfchläge gesondert für Arbeitgeber und Versicherte bis lpa- testens Sonnabend, den 1Z. November 192«. nachmittags 5 Uhr. dem Kassen- vorstand einzureichen. Di« Wahlvorschläge müsse» von mindestens ie zegn Wahlberechtigten der betreffenden Srupv« mit zusammen mindestens 30 Stimmen unterzeichnet fein. Die Stimmabgabe Ist an die Wahlvorfchläge gebunden. Mit dem Wahlvorfchläge für Versicherte ist von jedem Beworber eine Erklärung darüber vorzulegen, daft er zur Am nähme der Wahl bereit ist. Die aus den«ingereichten Wahlvor fchlägen sich ergebenden Anstände mlisscn bis zum 25. November 1926 beseitigt sein. Besonder« Wählerlisien werden tv aufgestellt. Kur Prüfung der Wahl- und S'.Imm- berechtigung dienen die Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnissc. welch« wer-. täglich von 3 bis 1 Uhr im«assenlokal Berlin-Adlershof. am Bahnhof einge- fels.n wo: den können. Einlvrüche gegen die Nichtigkeit stnd sväiest-n« bis ,»m 16 November 1926 beim Kassenvorstand unter Beifügung von Beweismitteln einzulegen. Di« Wahlvorfchläge liegen vom gleichen Tage ab werktäglich von 3—1 Uhr in der Sauptkasse zu Adler». Hof zur Einsicht au»......, Der Wahlansschuft Ist befugt, die Wahl- und S'immberechtiaung sedes Wähler» zu vrilfen und wirb daher die rechizeltig« B°s<:>affung«ine- Ausweises »mvfohlen. Die Ausweise werden von den se- weiligcn Arbeitgebern oder den zusiän- digen Perwalwngsstellen der Kasse wäh- rend der G-fchäft-siunden ausgestellt und sind bort abzufordern. Ohne Ausweis darf nicht gewählt worden. Die Arbeitgeber erhalten die hierzu notwendigen Bordruck« auf der Haupt- fasse in Adlerohof oder auf den zu- ständigen Kahlst-llen in der Reit vom 16. bis 80. November 1926 in der Reit von 8—1 Uhr werktäglich auf Antrag ausgehändigt: dartfelbst werden den wahlberechtigten Arbeitgebern auf Er- fordern Bescheinigungen darüber ans. g« stellt, wieviel Siimmen ihnen bei der Wahl zustehen. Auf die einschlägigen Bestimmungen in der Saftung und Wahlordnung, die vvn allen Beteiligten in sedem der vbenoenannten Kassenlokal« während der Dienststunben eingesehen werden können. wird besonders hingewiesen. Bln..Adlershof. den 28. Oktober 1926. Der Vorstand de« Allgemeinen Orts- Irankenkasse fll««blershof n. Umgegend. Rar«na,»«. Borsiftenber. Sammlung für eine welhnachlsunterstühnag unlerer orbeits'.ojco und erwerd»- unfähigen Mitglieder. Troft der schweren Krise und der da. mit verbundenen ungeheure» Arbeits- iosigkeit in der Metallindustrie wenden wir uns wieder an unsere in Atdeit stehenden Miiglieder, um zu ermöglichen, unseren arbeitslosen und«rwcrbs. unfähigen Mitgliedern zu Weihnachten durch Gewährung von Geldmitteln eine llcine ffrcude zu bereiten. Es dürfte besannt sein, daft wir erst vor einigen Wochen aus Mtttein der itokalkasse«ine nennenswert« Untev stiiftung an unsere ausgesteuerten Mil glicder ausgewoifen habe», die«in« starke finanzielle Belastung der Lokal tasse darstellte, und können weitere Be� träge aus dieser Kasse nicht mehr ge- nommen werden, damit uns bei fvätcren kommenden Lohntämpfen, die bei besse- rer Beschaftigungsmöglichkeit in der Meiallindului« verstärkt einfeften werden, und wo von feiten der Lotaltasse Ruschllsse zur Strcikunterstitftung zu zah- leu sind, die dazu notwendigen Gelb- mittel zur Verfügung stehen. Wir mstf- sen also eine Sammlung auflege», um unleren arbeitslofen und erwerbsuiifäht, gen Mitgliedern eine weitere Uniev stüftung gewähren zu können.— Ru diesem Rsxd sind von feiten der Vcrroal- lung Ertramorke» zu 50 Pf. und 1 M. ausgegeben worden, die im Verbands� Hans. Linirnstrafte 8385, Portal NI. Schalter 1. gegen Vorlegung des Mit- gliedsbuches und der sfunttionärtart« erhältlich flnd. Rur Ausgabe und zur Abrechnung der Marten ist der beiref- sende Säialter von seftt ab bi» auf weiteres Dienstags und Freitags bis abends 7 Uhr und an den itbrigen Wochentagen bis 4 Uhr geöffnet. Die Marken zu SO P>f. sind für unser« weiblichen und jugendlichen Kol. legen und die Marlen zu 1 M. für unser« männlichen Kollegen beMmmt.— E» ist Pflicht eines jede» Miigliedes, mindesten, ein« Marke ,« Neben, doch wird vorausgefeftt. daft diejenigen Kol- legen, die eine» Höheren Verdicnst haben, mehrere Marten entnehmen.— Unterstttftung sollen alle Kolleginnen und Kollegen erhallen, die mindestens 6 Wochen Mitglied unserer Orggiiisation und in der Woche vom 13.-18. Dezember 1926 arbeitslos lind. Desgleichen solche Kollegen, die wahrend der gleichen Reit als Invalid« erwcibsunfähig sind und Beiträge der Invalidenkasse unserer Organisation steuern.— «rwerbsunsähige Mitglieder infolge Krankheit müssen bei dieser Unlerstiiftnng anegeschaltet werben.— Kolleginnen, Kollegen. Funktionäre unserer Organisation, unterstüftt bi« Orlsverwaliung in dieser dankenswerten Arbeit und seftt euch mit aller Krasi da. sur ein. daft sich die o:oletarische Soli» barität in vollstem Maft« auswirkt. Wir wissen, daft an den Opfermut unserer Kollegen allzu oft eropelliert wird, jedoch sind wir der Auffassung, daft wir bei der augenblllkiiche» u»> geheuren Krise alle Ursach« habe», uns«. rer arbeitslosen Klassengenossen zu ge. denken, und deshalb bitten wir, daft unsere Kollege» selbst bei noch so schlech. tem Verdienst einen geringen Betrag abstoften, um den arbeitslosen Mit» gliedern und deren Angehörigen«ine Wcihnachjsfreude bereiten zu tonnen.— Wir erwarten, daft sich hierbei kein Milglied auslchiieftt, da der gesamte Be. trag, der aus dem Berlrteb der Marlen hervorgeht, restlos unseren ardeitslosen Milglieder» zugul« kommt.— E« wird aufterdcm ersucht, daft unsere Funktionäre unter alle» Umständen dar- auf sehen daft uns der Erlös der Mar- ken oder gräfterr Teilbeträge sofort, soätesten» jedoch bis zum 10. Dezember 1926, llbermitlelt werden, damit zu über- sehen ist, in welcher Höhe«ine Unter- stllftung gewährt werben kann. Auf zur proletarischen Salidaritätl« vi« Ortsverwaltnug. litt M Berlin. Der XXVI. Nachtrag der Saftung de- treffend Aenderung der M 12. 17, 22„nd 30 ist vom Oder versicherungsamt Berlin am 7. Oktober 1026 genehmigt worden. Drucksillcke der Saftungsänderung werden in ungefähr 8 Tagen im Kasjeniokal aus- gegeben. Berlin, den 18 Oktober 1926. Der Vorstand. Moderne WcMseiiirldiüuigeii Polierte ZMiiWer. Berren- mmi WeiiiMr. Weo ür«nilis»l|« PaiaterwnreD fiinnagsvahl! tno,""m||9cPrB|,ci EiozeliBfibel....... {(Xluni». ertelekteriMg iSiüler G.a6.IL Oranienelr. 39 � Tal. Moritzpl. 4908 igli. Hge. ibeltiaiispoiti GnhUM.WUHIllii'U Hasenheide 2312. Z«ss»»«»-M« NMiMMlSeer».Weier! vienstag, den 2S. Oktober, nachm. 5 Uhr. Im„Reitftenbetget Hof-. Relchcnccegec Sfroftc 147(nicht Seeverkschoftohao») SrancheN'Vollversammlung Tagesordnung: 1. Bericht— Siellungnahvie zun, Achlstundeniag. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes Der wichtigen Tagesordnung wegen muß jeder Kollege erscheinen. vlenslag, den 20. Olkober. abends 7 Uhr. Im„Sofcnchalcc Hof-. Zimmer 2 a.Z. UolenthalerSkr. 11/12 Allgemeine Versammlung oller Auto-Reparaturschlosser. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Bei der aufterordentlichen Wichtigkell der Dersgmmlung ist e« Psiidit jede» einzelnen, unbedingt anwesend zu sei». w GM'v.SMrsW!ede! MlNmoch, den 27. ONober. nachm. 4'/i Uhr. im„Ousbenet«Sorten-, vresdeoeiXS krähe 45 Branchenversammlung Tagesordnung: 1. Bericht von umerer Tarifverhandlung vor dem Schlichlungsausschuß 2. Diskussion. 8. Branchenangelegenheiten. Alle Kolleginnen und Kollegen werden ersucht, bestimmt zu erlchetnen. ecMmigi NMllkdelkel! Aditimgl Mittwoch, den 27. Oktober, abends 7 Uhr, im Lokal von Illoltschtäaer. Udalbertfkr. 21 Branchenversammlung Tagesordnung: 1. Branchenange- legenheiten. 2. Diskussion. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Achtung! tstsM-NN'N.MMI'p! Mittwoch, den 27. Oltober. nach. mittags 5 Uhr. In Ewoid» verein». Haas, Skaliher Strohe 12S Branchenversammlung aller Graveure und Ziseleure. Tagesordnung: I. Vortrag Uber: „Giedlungswe'en". Referent: Sladlv. Kollege Gutschmidt. 2. Diskussion 3 Branchenangelegenheiten». Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt Es ist Pflicht eine» jeden organisierten Kollegen, zu erscheinen. Mltlmoch. den 27. Oltober. abend» 7 Uhr, in unserer anltntabfeilnng, Ltnienskr. 197!g!geniil> er Verbands haue) Branchenversammlung der Majchinen-, Auto- und Motoreaschlosser. Tagesordnung: 1. Berdands- und Branchenangelegenheiten. 2. Filmvorsllh- rungen:„Das schwarze Geschlecht". Mitgliedsbuch u. Eintrittskarte legitimiert. Die Orksverwaltung. l£fe€HSianglMl€ KskSKÄL leiste ich als Selbstherstellor auf die bei mir gehäuften des. geschützt Trauringe (Fagenloi) zu billigsten Dreisen in neu Beäiossnsins Bsiliiirnnoen •• c«. 10�0 St. auf Laf?er r Hermann Wiese, Sellin IKSS.» Preisliste gratis! 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Bruder, ich muß die Blicke vor dir senken, wenn du an mir vorübergehst und die Augen— die verraten, was wir denken— haßerfüllt und schnell zur Seite drehst. � Breit ist dein Rücken und von trotzender Kraft, schwer hängen deine Arme und fast erschlafft, krankenfahl das Gesicht, wenn du im Lichte stehst. Hunger hast du, indes die Speicher sich füllen, Hunger hast du und die Aehre schwellt. Hunger! die milchschweren Kühe brüllen, Hunger! die üppigen Gärten leuchten ins Feld. Weit sollst du wandern, du weißt nicht wohin, alles wird fremd deinem leidschweren Sinn, als Bruder will dich keiner auf der Welt. Groß ist deine Gestalt und deiner Arme Stärke, aber noch gibt es Mächte, die stärker sind, auf ihren Wink stehn oder fallen Werke, das Schicksal gebietet mitleidslos blind. Lieblich schaun Licht und Sonne aufs Land, Blumen blühen auch am kargen Straßenrand. Vögel steigen kühn im Wetterwind. Du, der du irrst, geschunden, verflucht, das Leben wird auch dir erblühn, wenn der Mensch des Menschen Auge sucht, wenn für alle die Aehren glühn. (Nach dem Holländischen von Jnliti» Z« r f a ß.) Der?öiot. Chinesische Legende von Alfted Polltz. Die Götter feierten das Jubiläum der siebenmal ewigen Regem- schast ihres Meisters. Zur Freude des Tages wurde ein Scherz ausgemacht. Man beschloß, uMer den Menschen«in« Lotterie zu veranstalten und demjenigen, auf den das Los fallen würde, sollte ein Sgezialakt himmlischer Gnade zuteil werden: Er dürfe einen Wunsch äußern und dieser solle, was es auch fei, erfüllt werden. Die Lotterie kam zustande und das Los fiel auf den Idioten Herrn Wang Tfe-fu. Im Schreck über diese Nachricht stieß er seinen Wanderstecken so heftig auf die Erde, daß er zerbrach. Die Leute lachten und er humpelte in den Saal der Götterversammlung. In der Mitte stand ein goldener Thron, auf dem der Götter- meister saß. Der redete ihn an: „Du kennst die Bedingung: Nur ein Wunsch darf es sein, der erfüllt wird: und sobald ich die Worte spreche„Es sei gewährtl" ist keine Umkehr mehr möglich. Ueberlege also gut!* Herr Wang Tse-fu lächelte: „Mir ist schon ein Wunsch aufgekommen. Vorhin zerbrach ich meinen Stecken, ohne den ich mich schlecht von der Stelle bewegen kann.— Verschaff' mir einen neuen.* Die Götter rissen die Augen auf und der Meister versetzt«: „So, ist es das. was Du verlangst?* „Nein, doch nicht, Du gemahnst mich recht. Einen Stecken kann ich mir allenfalls selber beschaffen: und vielleicht brauche ich chn gar nicht mal. Wenn Du mir ein Pferd gibst, bin ich des Laufens überhoben.* „Mehr nicht?* „Wohl gelüstets mich nach anderem auch, aber es wird ja doch nur ein Wunsch erfüllt.— Doch halt!— Gib mir Reichtum, und ich kaufe mir davon, was ich will.* „Und wenn Du dabei vor Sehnsucht vergehst nach etwa«, das Du nicht durch Kauf erwerben kannst?* „Du meinst es gut, daß Du mich warnst. Schon fällt mir ein, wie Sehnsucht quälen kann.— So stille die gefährlichste meiner Sehnsüchte: Gib mir eine liebende Frau.* „Und wenn Du als kranker Krüppel dahinwelkst, wird Dich ihre Gegenwart über das Gebrechen hinwegtrösten?* „Es scheint mir nicht. Deine Frage öffnet mir die Augen.— (5s klingt zwar wie für Kinderohren geschaffen, hat doch sein« Richtigkeit: Die Gesundheit ist das höchste Gut. Gib mir dauernde Gesundheit.* „Doch bedenk, wenn kein Gliederschmerz und kein Gebrechen Dich hindert, aber keine liebe Seele Dich auch nur aus Stunden über die Rauhigkeit des Alltaglebens erhebt, und Armut Dich hinter jenen zurückstehen läßt, die in schönen Häusern wohnen, schöne Kleider tragen, auch mal schöne Fest« feiern...* „Du führst mich im Kreise. Ich sehe, was ich auch wünsche, schützt mich nicht vor der verspäteten Reue, das Falsche gewählt zu haben* „Also wünschst Du nichts?* „Im Gegenteil, alles!* Di« Götter im Saale brachen in ein schallendes Gelächter aus. Der Meister auf dem Thron befahl Ruhe und erwiderte: „Das geht nicht, Dir steht nur ein Wunsch zul* Der Idiot Herr Wang Tse-fu hatte den Kopf in die Hände gestützt. Die Ader. die. über die Mitte der Stirn läuft, war ge- schwollen von der Anstrengung des Denkens. Endlich richtet« er sich empor: „Nun denn, so werde ich mir alles durch eins schaffen!*(Die Götter traten aushorchend näher.)„Ich verlange, daß von nun an jeder folgende Wunsch in Erfüllung gehe!* Die Götter wichen erschrocken zurück und begannen zu schreien, daß die Wände zitterten. Sic waren schrecklich anzusehen in ihrer Aufreaung, die sich aus Angst und Wut zusammensetzt«, und die ihre Gesichter zu fürchterlichen Fratzen verzerrte. Sie sprangen aus und nieder und stießen sich aneinander.„Wir sind verloren. Das gilt nicht!* kreischten sie. Der Meister verfluchte ihren Lärm und sie standen wieder ruhig. Dann Hub der Meister an: „Was ausgemacht ist, gilt. Cr hat nur eins gewünscht. Aber,* wandte er sich an den Idioten,„bedenkst Du auch, daß es Dir zum Ucbel sein kann? Du siehst, wie erzürnt die Götter sind. Sie wer- den Deine Feinde, und im Augenblick, wo ich Dir gewähre, werden sie sicher Deinen Gefft verwirren, daß Du fernerhin nur Unsinn wünschst.* Herr Wang Tse-fu fühlte die haßsprühenden Blicke auf sich ge- richtet. Er überlegte, ehe er zum zweiten Wunsch komme(mit dem er die wütenden Götter ungefährlich machen könnte), würde das erwähnt« Unglück schon geschehen sein. Volksbelustigung. vas große Zischersiechen zwischen Seu Mmiralen v. Müller unö Tirpitz— eaäete mit üer Niederlage des slömirals Tiepitz, in dessen öoot sich die öalken bogen... l „Ich erkenne, ich werde an keiner Erfüllung Freude haben,* sagte er betrübt,„was es auch fei.* „Und Du willst Dich freuen?* „Sicher, sonst hat alles keinen Wert.' „Na also...?* „Was?* „Warum wünschst Du Dir keine Freude?* „Ich komme mir tatsächlich vor wie ein Idiot, daß ich es nicht bedacht habe. Selbstverständlich wünsche ich mir einfach die dauernd« Freude.*-- Da stutzte er.„Kaum, daß ich es ausspreche, da regen sich die Bedenken. Deine Führung hat mich zur Kritik er- zogen: Ich begreife, schließlich muß mir dauernde Freud« wie alles Dauernde zum Schluß über werden. Die menschliche Natur ist eben nicht für ein stetes Gleichmaß geschaffen!* Die Götter kicherten, und der Meister entgegnet« sanft: „Du bemühst Dich auf Berg«, die nicht da sind. Was heißt dauernde Freude, die Dir über, wird? Und die damit aufhört, Freude zu sein! Das bedeutet also, Du wünschst Dir keine dauernd« Freud«.* „Wie groß Du bist! Meine Gedanken sind verwirrt Dein weises Wort allein vermag mich noch zu lenken! Nun glaubte ich soweit gekommen zu sein, einen Einwand gegen mich selbst gefunden zu haben und traf daneben. Stets werde ich Deiner Weishest ge- denken müsien.— Laß' gut sein, gib mir dauernde Freud«.* „Und was dünkt es Dich, wenn Du dann in Ermangelung einer genügenden Anzahl vernünftiger Gründe genötigt bist. Dich am Un- vernünftigen zu erfreue« und derohalben von aller Welt als Idiot verlacht wirst?* Mit einem Ruck richtete sich Herr Wang Tse-fu aus: „Nie will ich das! Ich bekümmere mich nicht um die Men- schen, ober von ihnen als ein lächerlicher Idiot zu paradieren, wider- strebt mir schon in der Vorstellung.— Ich danke Dir. Bemühe Dich nicht weiter! Verschaff' mir einen neuen Stecken, auf daß ich von bannen ziehe!* „Es fei gewährt,* sagte der Meister, und der Idiot Herr Wang Tse-fug ging mit seinem neuen Stecken hinaus. Der Wpöener Kongreß 1 880. Nach unveröffentlichten handschriftlichen Berichten de» Archiv». Die heutige kämpfende Generation der deutschen Sozialdemo-' tratie wuchs im wesentlichen nach dem Fall des Ausnahmegesetzes gegen die Sozialdemokratie heran. Nur aus den Erzählungen ihrer Väter kennen unser« heutigen Jungen die ständig drohenden Gefahren, unter denen der demokratische Sozialismus in der aus- nahmegesetzlichen Periode von Ende Oktober 1878 bis Anfang Oktober 1890 verbreitet werden mußte. Mehr als 46 Jahre sind verflossen, seitdem deutsche Sozialdemokraten auf dem Schlößchen W y d e n bei Ossingen im Kanton Zürich ihren ersten Kongreß ab- hielten. Welche umfassenden Vorsichtsmaßnahmen mußten unsere Genossen damals treffen, um das Heer polizeilicher Spürnasen von diesem geheimen Kongresse fernzuhalten? Da trat am 29. August 1889 in Wyden„die Generalversammlung der Kranken-, Wander- und Allersunterstützungskasie* zusammen. Merkwürdige Kranken- kasienbrüder fanden sich hier ein, die nicht ihren Gebrechen, sondern den Krankhesten des preußisch- de utschen Staate», der fieberhaft vor dem roten sozialdemokratischen Umsturz zittert« und bebte, zu Leibe gehen wollten. Wenn wir heute den gedruckten Bericht vom Wydener Kongreß durchlesen, so stoßen wir nicht aus den Namen eines deutfcben Referenten oder eines deutschen Delegierten. Die Genossen, deren Namen im Berichte erwähnt sind, erfreuten sich der' republi- konischen Freiheit der Schweiz: es sind das die Genosien Greulich, Uhle, Gutsmann usw. Nach Möglichkeit sind eben alle Namensnennungen vermieden. Allen Kongreßdelegierten wurde die größte Vorsicht bei ihrer Berichterstattung auf deutschem Boden ans Herz gelegt. Kein Delegierter durfte nach einem unveröffentlichten Mydener Kongreßbefchluß Papiere, Druckschriften, Zahlen, die sich nur irgendwie auf die Verhandlungen der Wydener Tagung bezogen, auf der Heimreise mit sich führen. Bei etwaigen gerichtlichen Vernehmungen durften die Genossen wohl notgedrungen ihre Beteiligung am Kongreß zugeben, nichts weiter aber. Man verständigte sich ferner auf dem Kongreß über einen romanhaften Bericht der Wydener Tagung in bürgerlichen Blättern. Wer war auf dem alten Wydener Schlosse erschienen? Das wußte niemand zu sagen. In den Berichten der von unseren Genossen beeinflußten Zeitungen, in den Meldungen der„Berliner Volkszeitung*, der„Tribüne" usw. hieß es unter anderem:„Man bekam keinen der geheimnisvollen Schloßbewohner außerhalb der Tore zu sehen, mit Ausnahme der Wachen, welch« die Weg« zum Schlosie absperrten, und von einem Posten aus dem Turm« b«- nachrichtigt, niemanden nah« kommen ließen.* Der Zeichenstist des Genossen Kautzky hat in der Wydener Kongreßzeitung das uralle „SRcmbschloß* mit den ritterlichen Wachen festgehallen. Für di« Sozialdemokrati« jener Tage existiert« nicht mehr das Gesetz, das gewöhnliche bürgerliche Gesetz, sondern nur das drakonische Ausnahmegesetz: und daher strich der Wyd«n«r Kongreß das Wort: gesetzlich aus dem Gothaer Parteiprogramm, und di« Sozialdemokratie verfolgte nun ihre Ziele mit a l l« n Mitteln. Ignaz Auer bemerkte zu diesem Beschluß aus dem Kongreß: Der Antrag Schlüter— der Genosse Schlüter hatte dies« Streichung vor- geschlagen— bleibe illusorisch, wenn nicht nach diesem Antrag ge- handelt werde. Die ungesetzliche Handlung sei selbstverständlich und deshalb gerechtfertigt, und es sei nur zu wünschen, daß recht viele derartige Handlungen begangen würden. Der Wyd«ner Kongreß schloß die bisherigen Führer Mop und Hasielmann aus der Partei aus: sie hatten neben sehr gehässigen Quertreibereien eine gewaltrevolutionär« konspira- torische Taktik befürwortet, die uns«r« Parteigenossen direkt in di« Bajonette des.herrlich«« Kriegsheeres* treiben mußte. Di« Sozialdemokratie hielt sich frei von den Praktiken der früheren blanquifchen Geheimbünde: sie brütete keine Verfchörungen zum direkten gewaltsamen Sturze des Staates aus. Sie verneinte in ihrer politischen Tätigkeit nur grundsätzlich die Bestimmungen des fluchwürdigen Ausnahmegesetzes, da» ja dl« Sozialdemokratte überhaupt erdrosseln wollte Ja, sie wehrte von sich selbst eine zentralisttsche Organisatton ab, dessen Spitze mit umfassenden dikta- torischen Befugnissen ausgerüstet war. Sie. schuf sich unter der Führung Auers eine den gewöhnlichen politischen Verbindungs- verhältwsien angepaßte Organisation: sie legte die offizielle Parteivertretung in die Hände der„derzeitigen Abgeordneten* und überließ den Aufbau der lokalen Organisation„dem Ermesien der dort lebenden Genosien*. Zum offiziellen Organ der Partei be- stimmte der Wydener Kongreß den in der Schweiz erscheinenden „Sozialdemokrat* Di« Gelder für Parteizwecke sollten durch Marken„von mindestens 19 Pfennige* aufgebracht werden. Ueber die Verbreitung des„Sozialdemokrat* berichtete auf dem Kongresse der rote Postmeister Julius Mottete r. Cr schlug «ine möglichst umfassende Versendung des„Sozialdemokrat* in Paketform vor. Das Bri«fabonnement des offiziellen Parteiorgans würde desien Bezug sehr verteuern. Das Blatt wäre noch von der Unterstützung einzelner Personen abhängig, und es müßte«rst aus die eigenen Füße gestellt werden. Johann Most gefiel sich damals in geistlosen Sticheleien aus den„Goldonkel* der Partei: auf Karl Höchberg, der aber, wie Bebel in Wyden eingehend schilderte, niemals versucht hatte, auf die Haltung des„Sozialdemokrat* einen Einfluß zu gewinnen. Der Redakteur des„Sozialdemokrat*. V o l l m a r. schilderte dann die Schwierigkeiten, mit denen das Parteiorgan zu kämpfen hatte, und er forderte die deutschen Ge- nossen zur Abfassung von Situationsberichten auf, die zur richtigen Erfassung der deutschen Verhältnisse wesentlich beitragen würden. Ein großes Verdienst um die Partei erwarb sich der Wydener Kongreß durch sein geschlossenes und begeistertes Einfteten für die Reichstagswahlen des kommenden Jahres. Er beseitigte die pesii- mistische Stimmung, von der zum Teil bestimmte radikale Gruppen Berlins unter dem Belagerungszustande befallen waren. Der Kongreß beschloß einmütig, di« Reichstagswahlen zu einer großen Heerschau zu gestalten. Bei den Stichwahlen wollte man den Ge- nossen im allgemeinen Wahlenthaltung auferlegen. Der Widerwille gegen den Abschluß von Wahlkompromissen und gegen di« Unterstützung bürgerlicher Kandidaten war allgemein. Aus diesem Widerwillen sprachen die sehr trüben Erfahrungen der Ge- nossen mit den bürgerlichen Parteien. Schließlich stimmt« der Wydener Kongreß dem Vorschlag der Belgischen Arbeiterpartei für die Einberufung eines fozia- listischen Weltkongresses b«i und nahm den Antrag Schlüter mit großer Majorität an. einen bekannten Parteigenosien zwecks Agitation und Sammlung von Geldern nach Amerika zu senden. Nur ein Wort noch zum Schluß über die historische Bedeutung des Wydener Kongresies. Der Wydener Kongreß beseitigte erfolg- reich die Spaltungskeime, die Most und Hasielmann in die Partei getragen hatten. Er förderte wirksam die Verbreitung des„Sozial- demokrat* und den Ausbau der internen Organisation der Partei in Deutschland. Er gab dos Signal zu dem großen Wahlfeldzug der Sozialdemokratie gegen das freiheitsfeindliche, halbabsolutistische System Bismarcks, und stellte dadurch die Partei in die breite Oeffentlichkeit. Di« Partei blieb in engster Fühlung mit den Masicn selbst und hielt sich von allen konspirotorischen Unter- nehmungen fern Der Wydener Kongreß half bie Partei zu ein«r wirklichen Massenpartei entwickeln, die sich als starker Körper mit revolutionärem Eigenleben in allen Organen der bürgerlichen Gesellschaft festsetzte. Der schließliche Sieg der Sozialdemokratte über das Kaiserreich wurde schon in Wyden vorbereitet. Daher muß die heutige Generation der Sozialdemokratie den mutigen Kämpfern von Wyden«in treues Gedächtni» bewahren. P.». Spanische Kleinstadt. Von Richard Huelseubeck. (Sonderbericht für den„Dorm a rt s".) Burgos... Herr Primo de Rivera und sein Anhang, die lieber heute als morgen aus ganz Spanien eine Vorstadt New Jorks machen möchten, werden es mir verübeln, wenn ich behaupte, daß alle spanischen Städte Kleinstädte sind. Wenn sie sich aber noch so absurd gebärden, es wird ihnen nichts helfen, aus den Winkeln der schmutzigen Gassen, aus den verträumien Patios der südlichen Häuser, aus den gewaltigen Hallen der Käthe- dralen läßt sich die feierlich bunte Gelassenheit des Lebens nicht wegnehmen, die mit dem Jagen des modernen Verkehrs unvereinbar erscheint. Madrid strengt sich an, die Reste alter Buntheit, die an eine ruhigere Lebensführung erinnern, glatten Asphaltstraßen, Kino- Palästen, Sportstadien zu opfern, um möglichst schnell noch Anschluß cn das Tempo der übrigen Wcltmetropolcn zu gewinnen. Es gibt Leute, die behaupten, daß diese Verwandlung gelungen sei, der Kenner sieht die Corridas, die blinden Straßenmusikanten, die grauen in alten Spitzenmantillcn, die heilige Woche mit dem mittel- oltcrlichen Aufzug der Inquisition und begreift, daß das Rohren der Automobile die zarte Musik der tausendjährigen Seele dieser Siadt zwar übertönt, aber nicht zum Schweigen gebracht hat. Barcelona ist eine moderne Stadt, aber alles andere sinkt nach vergeblicher Anstrengung, sich aus dem Spinnweb uralter Tradition zu befreien, in eine tiefe Lethargie zurück. Spanien ist nicht zu modernisieren, die Freunde mittelalterlicher Buntheit brauchen sich nicht zu ängstigen, die Versuche des Diktators sind zum Scheitern verurieilt. Ich sah ein Volksfest, eine Verbena in B u r g o s, es war, als hatte man mir auf einer Bühne ein Stück aus dem seckzehnteu Jahrhundert vorgespielt. Versteht sich, nicht in Kostümen, der Spanier von heute ist ebenso elegant und modern gekleidet wie nur iigendcin Mann in Deutschland und England, aber in den Gesten, m der ganzen für uns merkwürdigen und unerfindlichen Art, wie kiese Menschen das Lebe» und die späilichcn Feste des Lebens aus- fassen. So eine Ungebundenheit des Gehens, Sprechens und sich Freuens gibt es nur einmal auf dieser Welt in einer spanischen Kieinstadt. Wo ist da irgendeine Beziehung zu den Problemen unseres Alltags, was wissen ch« die Menschen von der Bosheit der Schlagworte, mit denen wir uns täglich herumzuschlagen haben? Zwischen den Buden der Vergnügungsstadt wimmelt die Msuge, die Verkäufer schreien, die Bettler haben heute das Recht, sich rück sichtelvs bemerkbar zu machen. Der traditionelle Stolz des Spa- mers äußert sich in klsiiisten Bewegungen, aus den Autos steigen si: mit der gleichen Geste wie vor Jahrhunderten au- ihren Karossen. Ich sah einen Annen, von Hunger und Arbeit ausgezehrt, der sich lnn Riemen um die Hose band, als halte er sich mit Würde eine Schärpe umgelegt. Die Bewohner von Burgos haben der Hast und dem Abgehegt- stin noch kein Opfer gebracht, ich sah es vor allem an den Frauen. Die spanischen Flauen sind für meinen Begriff die schönsten der Welt, man muß sie aber abseits der Heerstraße zu finden verstehen. In Madrid ist der Rock genau so kurz wie in New Jork, Puder und Lippenstist haben ein internationales Einhcitsgesicht geschaffen. Die Frauen in Burgos haben noch etwas von der altlpanischen Schönheit, wie wir sie auf den Bildern Goyas und Murillos s-hei, Sie sind berühmt wegen de- tiefen samtenen Glanzes ihrer Augen und wegen der Grazie ihres Ganges. Wie prachtvoll eine schöne Frau sich in den Hüften wiegen kann, ohne je eine Lehrstunde für rhythmische Gymnastik genommen zu haben, konnte man auf dem Volksfest zu Ehren des heiligen An- wnios in Burgos sehen. Es gibt auch hier einen Flirt, obwohl die Nähe der kirchlichen Macht alle Aeußerungen der Liebe dämpft und vorsichtig macht. So wie die Berlinerin unter dem Hut oder hinter einer Zeitung, kokettiert die Spanierin hinter ihrem Fächer. Der Fächer hat hhr nur die eine Bedeutung, hinter ihm zu flüstern und zu kichern. Auf den Verbenas trägt keine Frau einen Hut, der Bubenkopf ist in Burgos eine unbekannte Angelegenheit, wenn irgendwo sich jemand damit zeigte, würde ihn der Pfaffe von der Kanzel in kurzem weggedonnert und beschworen haben. Der Einfluß der Geistlichkeiten erstreckt sich hier bis auf die Regelung der allergrößten Intimitäten der einzelnen Menschen, besonders bei den Frauen. Denn die Priester wissen genau, daß sie di« Männer in der Tasche haben, wenn die Frauen auf ihrer Seite sind. In einem Kino wird ein amerikanischer Film gespielt. Die Leute aus Burgos betrachten das Spiel dieser glatten gewichsten Dollar- Verdiener aus Hollywood mit großen Augen, aber kein Zeichen des Beifalls wird laut, man geht unerschüttert nach Haus, man bleibt Kastilianer. Im Hotel del Norte y Londres sitze ich als einziger fremder Gast an einem blankgeputzten Marmortischchcn und verzehre eure Schüssel Puchero. Der Wirt kommt auf mich zu und tlopft mir auf ine Schulter.„Bueno?... Schmeckt es gut? In den patriarcho- tischen Ton einfallend, sage ich:„Ausgezeichnet, Alter" Im gleichen Augenblick beginnen die Glocken der Kathedrale zu läuten, der Wirt schlägt ein Kreuz. Ich beobachte, wie auf der gekalkten Wand des „Speijesalons" eine große graue Eidechse vorbeihuscht. 0 Toyo schreibt nach Haus. Die blumenreiche und gewählte Ausdrucksform, die dem Ostasiaten eigen sst, nimmt sich merkwürdig aus in den Schilderungen europäischen Lebens, die eine kleine Japanerin ihren Eltern nach dem Lande der aufgehenden Sonne ge- schickt hat. Dies« Briefe werden jetzt unter dem Titel„O Toyo schreibt nach Haus" in London veröffentlicht. Die kleine O Toyo ist ein japanisches Schulmädchen, das zur Vollendung ihrer Bildung auf eine M�dchenfckiule in England geschickt wurde. Sic erzählt nun den„viel- geliebten Alten" von ihren Erlebnissen.„Ich lege Euch meinen tiefften Gehorsam zu Füßen," beginnt sie.„Dieser Brief oerkündet Euch meine Ankunft in dem Lande England, nach dem ich viele viele Tag« gereist bin, endlos, wie die Schar der Wolken, die über euer erhabenes Dach hinziehen. Als das Schiff in den sogenannten Londoner Hafen kam, da warf ich. Euer unerfahrenes Kind, Kimono, Obi und Tabi fort und vertauschte diese natürlichen und edlen Kleidungsstücke mit dem Gewand des englischen Schulmädchens. Nun habe ich Sachen an, die man Jumper, Rock und Bluse nennt:«in steifes Band gehet um meine geringe Taille: meine Füße sind in zwei Loder eingeschnürt, die Schuh« heißen. Solche Kleidungsstücke haben keine Bequemlichkeit und Anmut..." Ein andermal schreibt sie: ..Di« schrecklichsten unter allen Gefährten in den Londoner Straßen sind Ungeheuer, di« man Autobus nennt und in denen Leute des zweiten und dritten Standes ohne alles Vorurteil reisen. Diese Un- geheuer erfüllen die Luft mit schlechtem Geruch: chr Lännen ist wie das Donnergebrüll zorniger Götter. Wahrlich, dieses London ist ein« andere Welt als das erhabene Dorf in unserem heiligen Land. Das Mittagessen sst von großer Wichtigkeit. Wohllöblicher Reis wie er in dem Damato-Lond zu jeder Mahlzeit gegessen wird, wird hier nur einmal in der Woche gereicht, und dann ist es keine schöne und reine Frucht, sondern ein dickes Gsmisch mit Milch und Zucker, das sehr schlecht schmeckt. Das Fleisch der Hausliere, das in ihrem eigenen Sast gekocht wird, ist die Hauptnahrung. Und wie ungeheuerlich und unbeherrscht ist der Appetit der englischen Mädchen!" Ein vücherliebhaber. Der im(7. Jahrhundert lebende Gelehrte und Bibliothekar der Medici, Antonius Magliabecchi in Florenz, liebte die Bücher so leidenschaftlich, daß es in seinem Haus überhaupt nichts als Bücher gab. Außer sechs Stühlen, auf denen aber eben- falls Bücher lagen und einer Matratze zum Schlafen für den Geschrien sah man keine Möbel. Nur übervolle Büchergestelle und vielfach übereinander gestapelte Bücher füllten die Räume des Hauses, dessen Treppen sogar gleichfalls mit Büchern belegt waren. Auch der Stall war mit Büchern vollgepfropft, und selbst der Brunnenrand beständig mit Büchern bedeckt. Was aber das merk- würdigste an der Bücherleidenschast dieses Mannes war, das war die genaue Uebersichi, die er, trog der scheinbaren Unordnung, über seine Schätze besaß: er wußte nämlich jedes Buch, was er gerade brauchte, immer sofort zu finden. Die vegetarischen Hunde. Der steinreiche Inder Arjun Lalshet hat ein ganzes Hindudorf angekauft, um es in sine„Hundestadt" umzuwandeln, die indessen nur von„vegetarischen" Hunden bewohnt werden darf. Der Mann, der diese absonderliche Idee verwirklicht, gehört der Sekte der Jainisten an, die unter den Kausleuten Indiens zahlreiche Anhänger zählt. Der Sekte gilt das Gebot, kein Lebe- wesen zu töten, als oberstes Gesetz. Arjun Lalshet will nun dieses Gesetz auch auf die Hunde ausgedehnt wissen. Um die ihnen inne- wohnenden wilden Instinkte zu unterdrücken, hat er bestimmt, daß alle Hunde in dieser Hundestadt nur mit Reis, Getreide, Milch und Butter ernährt werden dürfen: jede Fleischnahrung ist aufs strengste verpönt. Die jungen Tiere werden bis zum dritten Monat mit Gries gefüttert, der mit Butter und Zucker schmackhaft zubereitet ist. Vom dritten Monat an erhalten die Hunde nur noch Weizenbrot mit Zusatz von Oel und Salz. Vor allem hat man bei der Anlage der Hundestadt Vorsorge getroffen, alle Mauselöcher zu verstopfen, damit die dort lebende Hundebevölkerung nicht etwa in Versuchung kommt, ihrer Jagdleidenschaft zu frönen. Auf diese Weise erhofft Arjun Lalshet, eine Rasse von„zivilisierten" Hunden heranzuzüchtcn, bei denen die Raub- und Mordinstinkte ausgelöscht sind. Aus der Geschichte des konoersaklonslerikons. Das Konver- fationslexikon, das uns heute ein unentbehrlicher Arbeitsbehelf ist, hatte in seiner Jugendzeit mit großen«Schwierigkeiten zu kämpfen. Am Hose Ludwigs XV.. der die französische Enzyklopädie verboten hatte, kam eines Tages das Gespräch aus die Frage der Herkunft einer Anzahl alltäglicher Gebrauchsgegenstände. Die Pompadour beklagte sich lebhaft, daß sie keine Ahnung habe, woraus ihre sei- denen Strümpfe und ihre Schminke gemacht seien, und der König mußte auf die Frage eines Generals gestehen, daß er selbst von der Herstellung des Schießpuloers nicht das geringste wußte. Da fiel ihm ein, daß er für seinen Privatgebrauch ein Exemplar der ver- botenen Enzyklopädie zurückbehalten hatte. Er ließ die 21 Bände schleunigst kommen, und die ganze Gesellschaft saß bis tief in die Nacht hinein staunend über die Fülle der Informationen, die ihr plötzlich zu Gebote standen. Das Verbot wurde denn auch auf- gehoben. Die künstlichen Zähne der allen Römer. In London findet gegenwärtig eine Ausstellung künstlicher Zähne statt. Bon beson- derem Interesse ist die historische Abteilung, in der unter anderem falsche Zähne aus etruskischen Gräbern gezeigt werden, die etwa aus dem Jahre 1000 v. Chr. stammen und in mancher Beziehung den heutigen Erzeugnissen gleichwertig, wenn nicht überlegen sind. In der gleichen Ausstellung findet sich übrigens auch ein kunstliches Gebiß einer wohlhabenden alten Dame aus Ecuador, die sich ihre Zähne mit Brillanten besetzen ließ. ••••••••••••«»«* Abschnitte f. Damen- Wintermäntel ino ierne Farben, gute Qualitä», 2.50 a lang, Stoffe 140 cm breit, lür Röcke oiw. Meter Strichloden(6o cn brdt....... Stoffe 140 cm breit für AnzOge,#. Meier (ür Winter-Damenmdotel. 140 cm breit, vlUllC gute QuahUt, moderne Farben, Meier StoffS 140 cm breit, gute Qualität••••. Gabardine ÄÄw �™ w-u. t'o'nnrc ,ür'�niTi- Mäntel, 140 cm breit. »C üülö vorzügl. Qualität.....Meter Manches er gute Qualität...... 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