Nr. 506 ♦ 43»?ahrg. Musgabe A Nr. 25$ Bezugspreis« Wöchentlich 70 Psenntg, mnnatllch S.- Reichsmart voraus»ahlbar. Unter!treu»band kür Deutlchlanb. Daii»ia, Saar, und Memelaebiet. Oeilcrreich, Litauen. Lurcmbur» 4.Z0 Reichsmart. fUt das llvriae Ausland ä.A Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts' mit der illustrierte» Sonntagsbeilage»Volt und Zeit' towie den Beilagen„Unterhaltung uns Willen'.„Aus der iiilmwelt'. „lirauenstimme'.„Der Kinder- freund'...Jugend» Borwärts' und »Blick in die Bitcherwelt' erscheint wochentSglich»weimal, Sonntag, und Montags einmal. Telegromm-Adresse: »Soztaldemotra» Berlin- Morgenausgave P. �-rw* f. Derlinev Volksvlstt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: DU«inivaltig« Nonvareille- »eile 80 Pfennig. ReNamegeile 5/— Reichsmark.»Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 25 Pfennig (»ulSllig zwei kettgedruckte Wartet, jedes weitere Wort 12 Pfennig. Etellengefuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stallen»Lhlcn für zwei Worte. Arbeitsmartt Keils 80 Pfennig. fsamilienanzeigen fstr Abonnenten Keile tO Pfennig. Anzeigen für die nächst« Nummer müssen bis 4H Uhr nachmittags im Lauptgefchäft. Berlin EW 88. Linden. strafte 8. abgegeben werden. Geöffnet von 8th Uhr früh bis 5 Uhr nachm. �entralorgan ckr Sozialdemokrat! fd�en partei Dcutfchlands Redaktion und Verlag: Herlin SV. H8, �inöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Mittwoch, den 27. Oktober 19556 vorwärts Verlag G.m.b.H., öerlin SM. öS, Linöenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 8? 580— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte» »nd Beamten. Wallftr. 65».»Iskonto-Gescllschaft. Dcoosttenkaffe Lindenftr. 3. Orianö bleibt optimistifth. „Schritt für Schritt vorwärts"- Abrücken von de Jouvenel. Von unserem Pariser Korrespondenten wird uns geschrieben: In der letzten Zeit ist in der französischen Presse außer- ordentlich viel über die„S t o ck u n g e n", die in den Ver- Handlungen zwischen Deutschland und Frankreich eingetreten seien, geschrieben worden. Es waren insbesondere zwei ein- ander ziemlich schroff gegenüberstehende Tendenzen fest- stellbar. Während die einen bei aller Hervorhebung der Schwierigkeiten, auf die gewisse, in Thoiry besprochene Pläne stoßen, in der nachdrücklichsten Weise darauf hin- wiesen, daß man von dem langsamen Gang der VerHand- lungen keineswegs überrascht sein dürfe und kein Grund vorliege, daran zu zweifeln, daß das große Werk des französssch-deutschcn Ausgleichs gelingen werde, sprachen die anderen von einem„Zusammenbruch der Illu- fionen von Thoiry" und klagten Briand an,„aus seinem Erfolg vor dem Völkerbund Schlußfolgerungen ge- zogen zu haben, die mit Frankreichs Interessen in Wider- spnich ständen". Genau wie die deutsche nationalistische Presse, um der„Politik von Thoiry" möglichst viel Böses nachsagen zu können, sich auf die Artikel ihrer rechtsstehen- den französischen Bruderorgane beruft, zitieren auch die Organe des Nationalen Blocks alles was in der„Deutschen Tageszeitung", in den Hugenbergblättern oder in der „Kreuzzeitung" steht, sehr eifrig, um den Eindruck zu er- wecken, als ob die deutsche„öffentliche Meinung" längst ab- gerückt sei von den Liebeserklärungen, die man sich in Genf und Thoiry machte. Der Zweck der ganzen Kampagne ist klar: die Außen- polit't, wie sie Briand macht, ist das einzige, was von der Aktion der Mehrheit vom 11. Mai 1S24 übrig geblieben ist, und daß Briand diese Politik unter der Ministerpräsident- fchaft Poincarös weiterführt, lastet auf den Rechtsparteien aus wahltaktischen Gründen außer- ordentlich stark. Gelänge es wenigstens, den Anschein zu erwecken, daß die großzügige Annäherungspolitik, wie sie in Thoiry und vorher schon in Locarno ins Auge gefaßt >wurde, auf einstweilen unüberwindliche Hindernisse stößt, so ließe sich auch in dieser Hinsicht gegen das der Rechten auch nach semem Tode noch so gefährlich erscheinende und tief verhaßt gebliebene„Linkskartcll" ein demagogischer Fcldzug entfachen, dessen Gewinn der Nationale Block viel- leicht schon bei den im kommenden Januar stattfindenden Senatscrneuerungswahlen einzuheimsen gedächte. Immer- hin ist auch auf der Linken ein gewisses Un- sicherheitsgefühl entstanden, da die Dinge tatsächlich nicht so rasch vorwärts gehen, als es infolge einer unoor- sichtigen oder absichtlich übertreibenden Pressekampagne, un- mittelbar nach Thoiry, den Anschein haben konnte. Aber was Briand selbst betrifft, so zeigt er sich nach wie vor entschlossen, den in Locarno und Thoirn eingeschlage- nen Weg weiterzugehen, ohne sich durch Hinoernisse, durch die er sich nicht überrascht erklärt, irgendwie ent- mutigen zu lassen. Das geht am besten aus nachstehenden Aeußerungen hervor: „Kotmie irgendein ernsthafter Mensch, der die Sachlage und Ihre Komplikationen kennt, wirklich glauben, daß man von heute aus morgen zu den gewünschten Lösungen käme? Ein M e s e n t. l i ch e s ist e r re i ch t: Frankreich und Deutschland arbeiten a u s völlig gleichem Fuße im Völkerbund zusammen. Sie sind beide besten willens, um die vorhandenen Schwierigkellen zu uberwinden, die ihrer notwendigen Verständigung sich entgegen- stellen können, wenn es aus einem Weg nicht geht, so werden sie eben einen anderen suchen, ohne je dos Ziel aus dem Auge zu verlieren, das, bei ständiger Würdigung der beiderseitigen Zn» terefsen, in der Gesamtlösung aller, ja aller Fragen be- steht, die heute noch zwischen den beiden Ländern schweben. Dabei darf man weder eine Frage aus die lange Dank schieben noch sich überstürzen. So vieles, was vor zwei Jahren für unmöglich gehalten wurde, hat sich in der Zwischenzeit verwirklicht. Einstweilen sind, wie wir es in Thoiry ausgemach! haben, die Experten an der Arbeit, die die Einzelfragen prüfen, und die Besprechungen zwischen mir und dem deutschen Botschafter v. h o e s ch haben, ebenfalls entsprechend den in Thoiry getrosjeuen Vereinbarungen, sofort nach der Rückkehr des Herrn von hoesch nach Paris eingesetzt. Andere Besprechungen werden ihr folgen und wohl viele. Z m Dezember gedenke ich Herrn Stresemann in Genf zu treffen: dann werden wir das Terrain zusammen wieder überschauen. So kämen wir Schritt für Schritt vorwärts, ohne uns durch das Geschrei von Leuten, die, aus wer weiß welchen Gründen, sicher nicht immer den edelsten oder desinleressiertesten, plötzlich eine gar große Ungeduld an den Tag legen, aus der Ruhe bringen zu lassen." DasertlärteBriand dieser Tage in einem engeren Kreis von Mitarbeitern und Politikern. An den Richtlinien seiner auswärtigen Politik ist nichts geändert. Konnten gewisse Artikel des Senators Henry de Jouvenel, der Mitglied der franzfischen Delegation in Genf war, diesen Ein- druck erwecken, so war das ein Irrtum, da diese Artikel, wie es der„Quotidien" dieser Tage betonte, wohl nicht ohne sich vorher anderbe st enQuelle danach erkundigt zu haben, in keiner Weise die Auffassungen Briands wiederspiegeln. verhanülungen im englischen Streik. Zwischen Regierung und Gewerkschaften. London. 26. Oktober. llllTv.i Räch einer amtlichen Mitteilung Hot heule nachmittag der Premierminister in Gegenwart des Schahkanzlers und des Vergbauministers in Downing Street Vertreter des Generalrals der britischen Gewerkschaften zu Besprechungen über die gegenwärtige Lage im Kohlenbergbau empfangen. Die Besprechungen waren vertraulich. Kenworthp geht zur Mrbeiterpartei. Zu den im Ausland bekanntesten britischen Parlamentariern gehört der Abg. Kenworthy, schon durch seinen Kamps gegen die früheren Schikanen gegen Deutschland und gegen Unrecht in rller Welt. Er ist jetzt von den Liberalen zur Labourpartei übergetreten und erklärte der Presse gegenüber:„Es ist die Pflicht eines jeden Liberalen und Radialen, meinem Beispiel zu folgen. Die Labour- partei ist nun die wichtigere Partei. Die Liberalen sind von Grund auf zersplittert, und der Rücktritt Lord Oxfords hat die Partei noch mehr zerbersten lassen. Lloyd George nahm während des Generalstreiks die richtige Linie ein und ich war der einzige vom radikalen liberalen Flügel, welcher Lloyd George dabei unterstützte. Lloyd George und alle, die wirkliche Radikale sind, sollten meinem Beispiel folgen und die Wighs zu den Tones hinübergehen lassen." Dieser Schlußsatz bedeutet auf deutsch etwa:„Sollen doch die Rechtsradikalen zu den Deutschnationalen hinübergehen!"' Der angebliche Erzberger-Mörüer. pari», 26. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der..Temps" ineldet zu den in der Presse verbreiteten Nachrichten von der Ber- Haftung eines angeblichen E r z b e r g e r- M ö r d e r s in Mül- Hausen im Elsaß, daß nicht in Mülhausen, aber in Colmar ein Deutscher festgenommen worden sei, der seit einiger Zell dort unter falschem Namen lebte und sich in mehrfacher Hinsicht verdächtig zeigte. Er hielt sich in Colmar unter dem Namen F o u r n i e r auf. Die französisch« Polizei hat aber festgestellt, daß er in Wirklichkeit ein früherer deutscher Offizier namens Edelmann ist, der sich längere Zeit in Algerien in der Fremdenlegion aufgehalten hat. Die französische Polize. hat jetzt der badischen Justiz in Offenburg, die damals den Erzberger-Prozeh führte, die Photo- graphie und die Personalbeschreibung des Verhafteten zugehen lassen, um festzustellen, ob, der Festgenommene nicht der gesuchte Mörder T i l l e s s e n oder ein Komplice ist. polen erschwert sie verhanülungen. Durch neue Deutscheuvcrfolgung. Zu den eigentlichen deutsch-polnischen Verhandlungsschwierig- leiten sind in der letzten Zeit noch verschiedene Differenzen hinzu- getreten, die die Arbeit der Unterhändler erschweren. So haben die polnischen Behörden zwei Direktoren größerer ostoberschlefischer Werke aus Polen ausgewiesen und gegen siebzehn Wohltätig- k e i t s a n st a l t e n des Deutschen Frauenvereins in Posen und Pommcrcllen einen Liquidationsbeschluß gefällt, der aber- .mals hunderte Deutsche zwingen wird, das Land zu verlassen. In beiden Fällen hat die deutsche Regierung Beschwerde- noten nach Warschau gerichtet. Ebenso kann die deutsche Regie- rung nicht zu der unerträglichen Spitzelei gegen das deutsche Generalkonsulat in Kattowitz schweigen, die zum Kattowitzer Volksbundprozeß geführt hat. Die neuen Ausweisungen passen zu den deutsch-polnischen Ver- Handlungen über das N i e d e r l a s s u n g s r e ch t wie die Faust aufs Auge. Mit solchen Methoden zwingt Polen die deutschen Unterhändler erst recht, darauf zu bestehen, daß in der Nieder- lassungsfrage ganz klare und sichere Verhältnisse geschasfckn werden. Bis jetzt will Polen nur Großkaufleuten das Nieder- lassungsrecht zugestehen, nicht aber Angestellten, Handwerkern, Kleingewerbetreibenden usw. In der Einreisefrage ist man bis jetzt nicht viel vorwärtsgekommen. Im November tritt der tschechoflowakisch-poi- nische Handelsvertrag in Kraft. Er enthält verschiedene Zuge- ständnisse. die nach Zustandekommen des deutsch-polnischen Vertrages auch Deutschland zufallen, da auch dieser Bertrag die gegenseitige Meistbegünstigung entHallen wird. Kampf um öen Finanzausgleich. Forderungen der Industrie.— Denkschrift des Städtetages. Die Reichsregicrung hat schon vor längerer Zeit mitgeteilt, daß die ursprünglich beabsichtigte endgültige Regelung des Fi Nanzausgleichs bis zum 1. April 1927 nicht durch- geführt werden kann. Sie will dem Reichstag eine p r o v i- sorifche Regelung vorschlagen und im übrigen zunächst einmal die Ergebnisse der Reichsfinanzstatistik abwarten, die einen vergleichenden Ueberblick über die Jstziffern der Finanzen des Reichs, der Länder und Gemeinden im Jahre 1913, 1923 und im ersten Halbjahr 1926 geben soll. Der Gesetzentwurf über den>rovisorischen Finanzausgleich ist noch nickst veröffentlicht, aber schon melden sich von allen Seiten die Stimmen der I n t e r e s s e n t e n. Die bayerische und württembergische Regierung lassen ankündigen, daß sie auf der Konferenz der Länderfinanzminister am 2. November die Erhöhung des Anteils der Länder und Gemeinden an der Einkommensteuer von 73 auf 90 Proz. verlangen. Ferner wenden sie sich mit aller Energie gegen den beabfich- tigten Fortfall der Garantie für diejenigen Länder, die nicht 80 Proz. des durchschnittlichen Aufkommens erreichen. Der Deutsche Städtetag hat eine ausführliche, forgfälsig durchgearbeitete Denkschrift über die Finanzen der Gemeinden veröffentlicht, in der er die allgemeine Forderimg nach Ge- Währung eines Zuschlagsrechts zur Einkommensteuer eingehend begründet. Die Spitzenverbände der Wirtschaft veröffentlichen Leitsätze zum Finanzausgleich mit ihren eigenen Forderungen. In diesem allgemeinen Kampfe aller Interessenten gegen- einander darf niemals vergessen werden, daß es sich bei dem Finanzausgleich um das f ch w i e r i g st e i n n e r p o l i t i s ch e Problem handelt. Von der Regelung des Finanzausgleichs ist die verwaltungsorganisatorische und damit auch in starkem Maße die politische Entwicklung Deutschlands abhängig. In diesem Kampfe werden die verschiedensten Gesichtspunkte durchein- ander gehen. Zentralistische Bestrebungen kämpfen gegen föderalistische, die„W i r t s ch a f t" kämpft schlechthin gegen jede Steuerzahlung überhaupt und wird in diesen Ausein- andersetzungen die eifrigste Perfechterin der Theorie von der Nachtwächterrolle des Staates sein. Nur keine Sozialpolitik, nur keine Gefühlsduselei, wir ersticken unter der Last der Steuern! Die Mittel müssen zwangsweise verknappt werden, zwanzig Prozent der Ausgaben müssen rücksichtslos zum Verschwinden gebracht werden. Der Finanzausgleich ist die günstige Gelegenheit, die„Steuersadisten" in Gemeinden und Ländern niederzuzwingen. Die Denkschrift des Deutschen Städtetages hak den Vorzug, daß sie wirkliches Material bringt. Dieses Material ist interessant, es wird vielen neu sein und sicher zum Nachdenken anregen. Es ergibt sich, daß die Städte den Hauptonteil der öffentlichen Verwaltung s- arbeit bestreiten. Eine Uebersicht über den etatmäßigen Steuerbedarf des Reichs, der Länder und Gemeinden nach den Jstausgaben des Jahres 1913 und den Etatszahlen des Jahres 1923 ergibt folgende Vergleichszahlen auf den Kopf der Be- völkerung: EtatSauSgaben«inn,0«ntn Reich(Steuern u. Zölle vhne Ueberweisungen) 23,(51 68,52— IflO Ol0 Preußen............. 13,13 36,50=178% Städte(Stadtkreise)......... 38,30 62,00= 62% Obwohl also die Städte vor dem Kriege den größten Finanzbedarf hatten, haben sich die Ausgaben bei ihnen nur um 62 Proz. gegenüber der Vorkriegszeit g e st e i- g e r t, während Land und Reich eine dreifach größere Steige- rung zu verzeichnen haben. Gewiß erklärt sich die gewaltige Steigerung der Ausgaben des Reichs und auch der Länder zur Genüge aus den Kriegsjahren und den Verschiebungen der Aufgabenverteilung. Die verhältnismäßig geringe Steige- rung der gemeindlichen Ausgaben steht aber in keinem Ver- hält'nis zu den h e f t i g e n A n g r i f f e n, die von den Unter- nehmern pnunterbrochen viel mehr gegen die Gemeinden als gegen Reich und Länder gerichtet worden sind. Das erklärt sich aus der starten Anspannung der Gewerbe- st e u e r n bei den Gemeinden. Auch die Leitsätze der Spitzen- oerbände beschäftigen sich in erster Linie mit den Beschwerden über die„gegenwärtig ganz ungleichartige und unübersichtliche Gewerbesteuergesetzgebung der Länder. Es wird hier ein Reichsrahmengesetz für die Gewerbesteuer verlangt, eine Forderung, die ebenso sehr berechtigt ist, wie das Ver- langen, daß„in Fortentwicklung des Gedankens des Reichs- bewertungsgesetzes" die Vielheit der Steuerbehör- den vermieden werden müsse. Di« Unternehmer ver- gessen aber vollkommen, darauf hinzuweisen, woher die starke Anspannung der kommunaleigenen Steuern rührt, die weit über die durchschnittliche Ausgabensteigerung der Städte hinausgeht. Diese Anspannung der Gemeindesteuern ist eine Folge des jetzigen Finanzausgleichs. Man braucht nur die vergleichende Statistik über die Verteilung der Em» 1 nahmen in den Städten in den Jahren 1913 und 1925 zu Rate M ziehen. Bei dem Gesamtfinan,?bsdarf der Städte hat s!ch Zunächst der Anteil aus Einnahmen aus den Betrieben von 5,50 M. im Jahre 1913 auf 11,10 M. im Jahre 1925 gesteigert, d h. die Gemeindebetriebe deckten 1913 vom Finanz- bedarf 11,7 Proz. und 1925 bereits 15 Pro z. Innerhalb der steuerlichen Einnahmen hat sich folgende Verschiebung bemerkbar gemacht. Die Einkommensteuer brachte im Jahre 1913 noch 21 30 M. pro Kopf, im Jahre 1925 nur noch 17,70 M In Prozentsätzen der Gesamteinnahmen ist der Rückgang noch viel katastrophaler. 1913 wurden durch die Einkommensteuer 53,3 Proz. des Steuerbedarfs, 1925 nur noch 28 Proz. gedeckt. Als unvermeidliche Folge beobachten wir ein Steigen der Gewerbesteuereinnahmen von 5 M. auf 14,6 M. bzw. 12,5 Proz. auf 23,2 Proz. Ganz ähnliche Steigerungen haben die kleinen Kommunalsteuern (Vergnügungssteuer. Getränkesteuer. Hundesteuer usw.) zu verzeichnen, deren Erträgnisse sich nicht nur absolut, sondern auch relativ verdreifacht haben. Es ergibt sich also eindeutig folgendes Bild: Der Finanzausgleich arbeitete, ebenso wie alle Steuer- senkungsaktionen des Reiches bereits nach der berühmten Theorie von der B e r k n a p p u n g d e r M I t t e l. Da die Gemeinden ein Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer nicht haben, waren sie gezwungen, ihre anderen Ventile zu öffnen. Infolgedessen erleben wir starke Steigerungen der Grund- und Realsteuern wie der kleinen indirekten Steuern in den Ge- meinden. Die Verbände der Unternehmer möchten hier ein- für allemal einen Riegel vorschieben. Sie verlangen Ausdeh- nung des Anhörungs- und Einspruchsrechts bei den Gewerbe- steuern und behaupten, daß„der Gedanke der S e l b st v e r- antwortung der Gemeinden sich nur dann auswirken könne, wenn diejenigen, die in den Gemeinden über die Steuern zu beschliehen haben, auch unmittelbar von einer Erhöhung dieser Steuern mitbetroffen werden". Das bedeutet so viel wie Verweigerung des Selbstverwaltungs- rechts an die Gemeinden. Auf diesen Tenor ist alles abgestimmt, was von der sogenannten Wirtschaft zum Finanzausgleich und zur Forderung eines nicht nur formalen, sondern auch materiellen Selbstbestimmungs- r e ch t s der Gemeinden bisher offiziell oder inoffiziell geäußert wurde. Auf dem Umwege über den Finanzausgleich will man sich für Beseitigung des Hausbesitzerprivilegs und des D r e i- klaffenwahlrechts rächen. Demgegenüber tritt es in den Hintergrund, daß' die Leit- fätze der Spitzenverbände auch allerhand erfreuliche und ver- nünftige Gemeinplätze enthalten. Wer würde es nicht be- grüßen, wenn eine weitestgehende Vereinheitlichung und Offenlegung der Haushaltungspläne, insbesondere der Gemeinden, eingeführt würde? Wer würde es aber nicht noch vielmehr begrüßen, wenn die sogenannten Vertreter der sogenannten Wirtschaft an diesen Haushalts- planen in den Gemeindevertretungen wirklich mit Sachkunde mitarbeiten würden und uns das Schauspiel ersparen würden, daß kleine Wald- und Wiesendemagogen im engen Kreise kommunaler Ausschußberatungen für sich zwar die Rot- w e n d i g k e i t bestimmter Ausgaben zugeben, auf den Tagungen ihrer Verbände aber fulminante Reden über die Verschwendung— der anderen halten. Bei aller Gegensätzlichkeit gibt es allerdings in der Denk- schrift der Jndustrieverbände und der des Deutschen Städte- tage? manche Berührungspunkte. In dem Kampf um den Steuerertrag haben sie beide einen gemeinsamen Geg- n e r. Dieser Gegner sind die L ä n d e r. Das Reich hat sich so- wieso im Verlauf der natürlichen Entwicklung zu einer für die Kommunen mindestens ebenso entscheidentwn Instanz ent- wickelt, wie es früher die Länder waren. Die Länder sind außerdem im deutschen Verwaltungsorganismus der schwächste Punkt. Da es sich um Steuerzahlen handelt, wird die Indu- strie sogar gegenüber Bayern stark sein. Die natürliche Ent- Wicklung wird weiter dahin gehen, daß die Kompetenzen »Die alles bestimmende Lebensmacht/ Bon Hans Bauer. Neulich abends, als ich mich auf dem Heimweg befand, kam ich an einem kleinen Auflauf vorüber. Eine Anzahl Leute standen in respektvollem Kreis um drei Heilsarmeesoldaten, deren einer, ein blutjunger Mann, eine begeisterte und schwärmerische Rede hielt. Er sprach von Gott und der Liebe und dem Evangelium Jesu Christi, und die Worte strömten ihm so warm vom Mund, daß gar kein Zweifel daran sein konnte, daß hier ein reiner und überzeugter Idealist eine von ihm für gut gehaltene Sache vertrat. Die Leute waren taktvoll genug, die Inbrunst des frommen Jünglings nicht mit Gespött zu übergießen— aber keinem einzigen kam es doch auch in den Sinn, über die Straßenpredigt zu diskutieren. Sie wurde als Kuriosum bewertet, als absurde Ausgefallenheit als ge- dankliche Unmöglichkeit. Als der Jüngling geendet hatte, schritten die Leute weiter. Mit leisem Kopfschütteln. Mit stiller Berwunde- rung. Welch ein Kauz, dachten sie. Es gibt heute kaum ein Thema, das so unaktuell, so bar jeglichen Reizes, so uuumkämpft ist, wie das religiöse. Sogar die Kirchen. austrittsbewegung ist keine rechte„Bewegung" mehr, einfach, weil man für die Religion nicht einmal mehr jenes Minimum von Jnter- esse aufbringt, das die Vorbedingungen der Verneinung ist. Bei der katholischen Konfession liegen die Dinge vielleicht etwas anders, weil sie in weltanschauliche und politische Gesichtspunkte verfluchten ist, aber wo weiß man noch recht, was die evangelische Kirche über. Haupt will, auf welchen Grundprinzipien sie sich ausbaut, wozu sie da ist, für wen sie eintritt! Mit schmunzelndem Behagen liest man da, daß der Hof- und Domprediger Doehring in den vergangenen Wochen auf einer 30. Generalversammlung des Evangelischen Bundes einmal rund und offen heraus erklärt hat, daß wir zwar Kirchen und Klöster, das römische System, das er tüchtig madig gemacht hat, und einiges andere keineswegs benötigen, daß aber das Evangelium als solches dazu berufen sei, zur„schlechthin bestimmenden Lebensmacht" zu werden, daß es„zu Katholiken und Juden, Idealisten und Materialisten, Kopf- und Handarbeitern, ins Volk und in die Völker getragen werden müsse, daß es ernst zu nehmen sei, daß es das Plusvorzeichcn vor unserem Nationalgefühl abzugeben habe und daß kein Minderer denn der Herr der Geschichte persönlich uns dieses Ziel gesteckt hätte". Es ist ja gewiß anfechtbar, daß das Peltzerbein und der Diener- bizeps zum Ideal einer gar nicht so geringen Menschenschicht ge- worden sind, und ein wenig Verinnerlichung tut uns gewiß not, aber bitte schvn, Herr Hof- und Domprediger: wenn das vergangene Jahx,,chnt etwas Gutes gebracht hat, so die Desillusionlerung der dicken Worte, der unbeweisbaren Geschwollenheiten, des zu nichts verpflichtenden Dahergeredes. Wir lästern Gott nicht und loben ihn mch». Wir sagen bloß, daß wir uns Sie von ihm nichts wisien. Evrngelifch ist kein Krtterium mehr. Das Wort sagt gar nichts. der Länder zum Teil an das Reich, zum Teil aber auch an die Gemeinden abgegeben werden. Auf dieser Basis wird dann allerdings eine größere finanzielle Beweglichkeit der Gemeinden möglich fein. Erwerbslosenfraaen im �usscbuß. Wochenhilfc und Unterstützung.— Das Schicksal der Jugendlichen. Der Unterausschuß des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags beendete am Dienstag die Generaldebatte über die Neuregelung der Erwerbslofenfürsorge. Neben den grundsätzlichen Fragen, Erhöhung der Unterstützung, Verlängerung der Unterstützungsdauer, Bedürftigkcitsprinzip, wurden von vcr- schiedenen Parteien auch noch Anträge bezüglich der Regelung oon Einzelheiten gestellt. Die Vertreter der Sozialdemokra- t i e beantragten eine Aenderung des ß 7 der Erwerbslosenfürsorge- Verordnung in der Form, daß die Lei st un gen der Wochen- Hilfe nicht mehr angerechnet werden dürfen: sie beantrag- ten ferner, die jugendlichen Erwerbslosen in die Erwerbs- losenunterstlltzung einzubeziehen. Der Vertreter der demokratischen Partei beantragte, die U n t e r ft ü tz u n g s d a u e r für alle Erwerbslosen bis zum 31. März 1927 zu verlängern. Bis dahin muffe das Arbeitslosen-Versicherungsgesetz verabschiedet sein. Der Vertreter der Reichsregierung legte an der Hand eines umfangreichen Zahlenmaterials die Wirkungen der Einführung von Lohnklassen dar. Der Ausschuß beschloß, in der nächsten Sitzung am Donnerstag nachmittag in die Spezialberatung einzutreten. Das Arbeitsgerichts gesetz. Acndcrungcn der Regierungsvorlage im Ausschuß. Der Sozialpoli tisch« Ausschuß des Reichstags be- schloß am Dienstag bei der Beratung des Arbeitsgerichts- g« f e tz e s zu Z 21, das 2ö. Lebensjahr als Voraussetzung für das Beisitzeramt zu bestimnien. Im folgenden � 22, der die Besonder- Helten für die Arbeitgeberbeisitzer enthält, fand«in f o z i a l d e m o- kratifcher Antrag Annahm«, wonach den Arbeitgebern für die Berufung zum Beisitzer gleichstehen Mitglieder und Ang«. stellt« der Arbeitgeberverbände, die durch Satzung oder Vollmacht zur Vertretung berechtigt sind. Entgegen der Regierungsvorlage werden solch« Arbeitnehmer kz. B. Werkmeister), die in einer Betriebs- a b t e i l u n g Einstellungen vornehmen können, nicht als Arbeit- rbervertreter angesehen. Auf Antrag der Sozialdemokratie ist in 23, der die Besonderheiten für die Arbeitnehmerbelsitzer regelt, den Erwerbslosen das Berusungsrecht zum Beisitzer gesichert worden. Den Arbeitern stehen nach dem angenommenen sozialdemokratischen Antrag für die Berufung zum Beisitzer Mitglieder und Angestellte der Gewerkschaften gleich, die durch Satzung oder Vollmacht zur Ver- tretung berechtigt sind. Das gleich« gilt für die Spitzengewerkschaften und für die Verbände der Angestellten. Nach dem weiter verabschiedeten Z 24 kann die lieber- nähme des Beisitzeramtes abgelehnt werden, nach Vollen- dung des(55. Lebensjahres, bei Behinderung durch Krankheit, starke ehrenamtlich« Inanspruchnahme usw. Für die Entschädigung und den Ersatz der Fahrtkosten(§ 25) begründete Genosse A u f h ä u ser einen Antrag, der abweichend von der Regierungsvorlage für das ganze Reich eine obligatorische einheitliche Regelung vorsieht. Die Amtsenthebung der Beisitzer kann durch Ent- fcheidung einer Kammer erfolgen, die aus dem Präsidenten des Land- gerichts und je zwei Beisitzern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht. Der zu diesem Z 26 gestellte sozialdemokratische Antrag, bei dieser wichtigen Entscheidung statt des Präsidenten des ordentlichen Landgerichts den Vorsitzenden des Landesarbeitsgerichts als zuständig zu erklären, wurde von den sämtlichen bürgerlichen Parteien ab- gelehnt. F 27 regelt die Ordnungsstrafen für die Beisitzer. Di« im 8 28 bestimmten Beifitzerausschüss« werden nach der erfolgten Annahme des sozialdemokratischen Antrages gewählt, während die Regierungsvorlage die Berufung durch den Vorsitzenden gewollt hat. Der wetter angenommen« Antrag der Sozialdemokraten gibt den Beisitzerausschüsien das Recht, bei ollen Fragen der Bildung von Kammern mitzuwirken. Der Ausschuß ist danach auch zu hören vor der Ausstellung der Listen über die Heran- ziehung der Beisitzer zu den Sitzungen. Di« Geschästsverteilung und die Kammerbesetzung wurde im wesentlichen nach der Regierungs- vorlag« zu§ 2g befchlosien,«benso die Heranziehung der Beisitzer Ts ist eme Belanglosigkeit. Man spricht nicht mehr darüber. Als Luther seine Sö Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg schlug, schuf er Weltgeschichte. Das lag an den Zeitumständen. Wenn heute jemand irgendwelche 95 noch so neuartige andere Thesen an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin befestigte, so schüfe er 5 Zeilen Text für die Lotalchronik des nächsten Tages. Das liegt auch an den Zeitumständen. Bibelausdeutungcn sind eine Geheim- wisienschaft geworden. Außer ins Fachblatt gehören sie nirgend- wohin. Früher gab es Religionskriege, heut« gibt es nicht einmal mehr religiöse Kasfeehausdebatten. Der Protestantismus ist«in Problem akademischen Charakters geworden, und eigentlich wird man immer nur dann an ihn erinnert, wenn jemand, der beruflich mit ihm zu tun hat, uns nachweist, daß er eine bestimmende Lebens- macht sei. 5ilmhe!Sen. Von Christoph Blücher. Wohin man guckt, wohin man spuckt: Ein nationales Filmprcdukt! Erst war's der Alte Fritze Mit preußischem Geblitze. Doch trat man Fritzen gar zu breit Auf allen Lichtspielbühnen. Mal Schluß mit der Vergangenheit! Jetzt klaubt man aus der heut'gen Zeit Die Heldentumsrosinen. Nun dreht man emsig Stück um Stück: Parademarsch mit Liebesglück, Die deutsche Seelenmischung, Als Nationalerfrischung. Da rollt durch Großstadt und Provinz Alt-Heidclberg, die seine! Franzosenstücke! Deutscher Prinz! Im Arme eines holden Kind's! Ein Säbelschwur am Rheine! Marinefilm: In Treue stark! Das braust durch jedes Rückenmark. Matrosen Admirale, Ein Herz und eine Seele! Blaujungensang beim Abendbrot Bei schlichten Haferflocken! Und alles treu bis in den Tod! Stolz weht die Flagge schwarzweißrot Um deutsche Frauenlocken.— Ein süßer Kitsch! Doch: Trau, schau, wem? Der süße Kitsch hat schon System! Man greift schon zu den Kaisern Und edlen Fürstenhäusern. Schon kommt die Siebzger Truppenschau. Es öffnet sich die Schleuse Mit hehrem Marschmusikradau.— Die Leute wissen ganz genau: Mit Kitsch, da fängt man Mäuse! nach Z 39. Bei jedem Arbeitsgericht wird nach der zu 8 31 be- schlossenen Fassung eine Geschäftsstelle errichtet Der Wunsch der Deutschen Bolkspartei, diese Stelle als Eerichtsschreiberei zu be» nennen, fand kein« Mehrheit. Anläßlich der Erörterung über die Schaffung von Landes- arbeitsgerichten entspann sich nochmals eine grundsätzliche Debatte zu 8 22, in der die Genosien A u f h ö u s e r und R o s e n- seid die Selbständigkeit der Landesarbeitsgerichte und ihre Unab» hängigkeit von den Landgerichten verlangten. Di« fozialdemokrati- fchsn Anträge wurden abgelehnt. Die Kommunisten hatten gefordert, daß überhaupt kein« Landcsarbeitsgerichte und kein Reichsarbeits- gericht geschaffen werden, sondern. die Arbeitsgerichte in einer Instanz gleichzeitig gegenseitig Berufungsinstanz bilden sollen. Da die Vereinigung von Gericht und Beruflingsgericht in einer Instanz eine Unmöglichkeit darstellt, so würde dieser Anttag, falls die Kommu» nisten eine Mehrheit gehabt Härten, die arbeitsgerichtlich« Berufung zur Revisionsinstanz einfach beseitigt haben. Die Folg« wäre gewesen, vaß die ordentlichen Landgerichte und das Reichsgericht ein- geschaltet worden wären. Dieser eigene Antrag der Kommunisten zeigte wieder einmal ihr völliges Versagen auf dem Ge- biet« des Arbeiterschutzes._ Los von Loe! Die rheinischen Bauern gegen dcutschnationale Politik im Zentrum. Köln, 26. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die politischen Gegensätze in der rheinischen Bauernschaft werden von Tag zu Tag schärfer. Auf der einen Seite stehen die oon dem Vorsitzenden des Rheinischen Bauernvereins. Freiherrn von L o e, geführten Anhänger der Rechtsparteien, während die Gegenseite oon bäuerlichen Zentrumsabgeordneten, die im neuen Staat verantwortungsbewußt mitarbeiten wollen, geführt wird. Wiederholt ist es in letzter Zeit zu starken Auseinander- fetzungen der beiden Richtungen gekommen, über die allerdings die bürgerliche Presse bisher immer sehr zurückhallend berichtet hat. Der sich heute noch offen als Monarchist bezeichnende Freiherr von Loe ist noch immer eingeschriebenes Mitglied der Zentrumspartei, trotzdcm er seiner ganzen politischen Haltung nach zur äußer- sten Rechten gehört. Da Loe außerdem zu den größten rheini- schen Großgrundbesitzern zählt, die Mitglieder seiner Organisation jedoch meist Klein- und Mittelbauern sind und sie in ihrer Mehr- heit den politischen Kurs der Zenttumspartei bedingungslos unter- stützen, ist die Ursache der Gegensätze innerhalb der rheinischen Bauernschaft ohne weiteres erklärlich. Die Zentrumspartei hat lange gewartet, bevor sie in die un- erquicklichen Auseinandersetzungen, die letzten Endes den Kampf um die Macht im Rheinischen Bauernverein darstellen, eintrat. Jetzt endlich, nachdem die rheinischen Kleinbauern sich bereits eine neue Organisation geschaffen haben, die auf dem Boden der demokratischen Republik steht, scheint man im Zentrum etnzu- sehen, daß die Dinge so nicht weiter gehen können. Man beginnt überall Bauernvereinsversammmlungen einzube- rufen, in denen Zentrumsabgeordnete referieren und die Politik ihrer Partei rechtfertigen. In einer dieser Versammlungen, die dieser Tage in der Koblenzer Gegend stattfand, kam es zwischen den beiden streitenden Gruppen zu lebhasten Auseinandersetzungen, die damit endeten, daß die Anhänger Loes unter Tumult den Saal verließen. Für die Zentrumspartei wird nunmehr die Frage akut, ob sie sich endlich dazu entschließen will, gegen diejenigen, die öffentlich gegen die Politik der Partei in Versammlungen und Konferenzen Sturm laufen, vorzugehen oder ob sie auch weiterhin zusehen will, wie von Großagrariern in ihren Reihen deutschnationale Politik getrieben wird. Gcständniflc der Miß Gibson. Faschistenblättern zufolge soll Miß Gibson ausgesagt haben, daß sie den Revolver für das Attentat auf Mussolini von einem ehemaligen der faschistischen Regierung angehörenden Minister erhallen habe. Man glaubt, daß hiermit nur der Oppositionsführer C o l o n n a d i C e s a gemeint sein könnt«. Dann soll Miß Gibson dieses Geständnis zurückgenommen aber angegeben haben, mit französischen Faschistenfeinden in Fühlung gestanden zu haben. Eine Ausstellung des Reichskunstworts. Eine Ausstellung„Die künstlerische Formgebung des Reiches"(Arbeitsgebiet des Reichs- kunstwarts). wird am Freitag, den 29. Oktober, mittags 12 Uhr, vom Reichsminister des Innern im Reichstagsgebäude vor geladenen Teilnehmern eröffnet werden. Sie zeigt in ihrem Grundstock Bei- spiele der während der letzten Jahre unternommenen Neugestaltung auf dem Gebiete der amtlichen Graphik und aller damit in Zusam- menhong stehenden Fragen. Sie enthält also die Hoheitszeichen, Fahnen, Münzen, Medaillen, Urkunden, Drucksachen, Siegest Stempel und Marken des Reiches und außerdem Beispiele der Aus- Wirkung der hier vorgenommenen reformatorischen Tätigkeit aus Kunst und Handwerk. Eine besondere Zlbteilung wird den staatlichen Feiern, eine weitere dem Reichsehrenmal gewidmet sein. Die Ausstellung ist gegen Lösung der Besucherkarte für den Reichstag vom Freitag nachmittag an öffentlich zugänglich. Der höchste Wolkenkratzer.� Der gigantischste Wolkenkratzer der Welt wird in kurzem in der Stadt Detroit im nordamerikanischen Staate Michigan errichtet werden. Der„Book Tower", wie das fabelhafte Bauwerk von seinem Erbauer getauft worden ist, wird etwa 300 Meter hoch fein und 86 Stockwerke haben, vier davon unter der Erde. Das Gebäude soll Garagen für tausend Auto- mobile enthalten, und dies« Automobile sollen so aufgestellt werden, daß ihre Besitzer sie in dem neuen Turm von Babel mit derselben Leichtigkeit werden finden können wie etwa ihren Spazierstock oder ihren Hut. Der New Porker Berichterstatter des„Observer" ver- ichert, daß der riesige Wolkenkratzer im Jahre 1928 fix und fertig ein wird. Schillerons ühravgen Im Sroßen Schonfplelhou». Kemeinfame Be« strebungen de« Magistrats Berlin, bei Verbandes Berliner Bübnenleiter und der Senoffenschast Deutscher Bübnenangebörigen wollen der Berliner Schuljugend Klassiker und moderne Autoren in künstlerischen Austübrungen vermitteln. AIS erstes Werk ist.Wilbetm Teil- gewählt, das am 2?. Oktober nachmittags im Großen Schauspielhau« in Szene gebt. Die Inszeniernng bat Leopold Aigner übeinommcn. An weiteren Wirken sind Flolian Geher, Kabale und Lieoe, Die Weber, Minna von Barnhclm, Wallcnstciii, Lum» pazivagabundu« oorgeschen. Konzert der„hablma". Die.GeleMchast der Freunde jüdischer Mustk- und der Mustkverlag.Juwal" veranstaiten ein Konzert am St., nachmittag» 4 Uhr, imMetftersaal, Kötbener Str. 38, unter Mitwirkung prominenter Mitglieder de« Moskauer Künstlerischen Theaters.Habima-. Frank wcdektod» bisher nie gespieltes fünsalliges bistoritcheS Schauspiel .Bismarck- gelangt am 30. im Deutschen Nationaltheatcr in Weimar zur Urausjührung. Ver«ünstlerdant veranstaltet vom 1.— IS. November eine Ausstellung der Aquarell« des Dichters Hermann Hess« aus dem Tessin in der Amelangschen Buchhandlung. Chariottenburg, Kantstr. 164. Die Aquarelle Hermann HesseS werden zum ersten Male m Deuttchland gezeigt. .Segen dir Schund- und Schmuhgesehvorlage.- ver.Bund entschiedener Schulrcsormer- und die.Deutsche Liga sür Menschenrechte, E. V.- veranstalten am 3. November, 8 Uhr abend«, im ebcmaltgen Herrenhaus unter obigem Tlcma eine Versammlung. AIS Reserenten sind vorgesehen: Waller Hammer. Arthur Hotitscher, Pros. Ocstreich, llarl von Osfiehky. Für Unkosten- bcitrag werden 60 Pf. erhoben. Selbiwerwallung In den Moskauer Schulen. In den Moskauer Schulen sollen die Schüler und Schülerinnen zu einer gewissen Selbstverwaltung ihrer Schulen erzogen und organisiert werden. Den Lehrern sind bereit« dt« entsprechenden Vorjchrislen zur Einrichwng solcher Verwaltung«zcllen zugsgange». Industrie und j Das Existenzminimum Der Kampf um die Neugestaltung des Finanz- a u s g l e i ch s, der den Anteil des Reiches und der Gemeinden an den Steuereinnahmen regelt, ist in ein neues Stadium getreten. In Erwiderung auf die Denkschrift des Deutschen Städtetages hat eine Reihe von Spitzenverbänden der deutschen Industrie- und Handelskreise, nämlich der Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes, der Deutsche Industrie- und Handelst« g, die Haupt- gemeinschaft des deutschen Einzelhandels, der Reichs- verband der Deutschen Industrie und der Zentral- verband des deutschen Großhandels. Leitsätze ausge- arbeitet, die in einzelnen Punkten eine Annäherung an den Standpunkt der Gemeinden darstellen, im großen und ganzen jedoch eine Fortsetzung der bisher bereits von den Industrie- und Handelsunternehmern vertretenen Gedankengänge bedeuten. Diese Leitsätze gehen davon aus, haß der Druck der Ein- kommen- und Gewerbe st euer so groß sei, um eine durch- greifende Milderung erforderlich zu machen. Die Leitsätze fahren fort: Steuerliche Erleichterungen sind im übrigen für die Wirtschaft durch Einschränkung der öffentlichen Ausgaben auf allen Gebieten in Verbindung mit einer gerechten Lastenverteilung und durch eine wesentliche Vereinfachung und Rationalisierung des ganzen Steuersystem» zu schaffen. Diese Aufgabe ist nur durch eine zweckmäßige Ge- staltung des Finanzausgleichs zu lösen. Da» Finanzausgleichs- Problem muß in erster Linie als«in volkswirtschaftliches betrachtet werden: die wirtschaitlichen Interessen an Herabminderung der Steuerlast und der Vereinfachung des Systems müssen unter den heutigen Verhältnissen hierbei ausschlaggebend sein. Im einzelnen sind für die Gestaltung des Finanzausgleichs folgende Gesichtspunkte zu berücksichtigen: a) Die steuerliche Ueberlastung der Wirtschaft beruht zum großen Teil auf der Vielheit der Steuern und der Z e r- splitterung des Steuersystems in Deutschland. Nur eine durchgreifende Vereinfachung des Steueraufbaues und Schaffung fester Relationen zwischen den einzelnen Steuerarten kann hier Erleichterungen bringen. Diese beiden Maßnahmen werden aber in erster Linie durch die gegenwärtig ganz ungleich- artige und unübersichtliche Gewerbe st»uergesetzgebung derLänder stark gehemmt. Es bedarf daher einer Zusammen- fassung der Gewerbesteuergesetzgebung in einem Retchsrahmen- gesetz. In diesem muß Umfang und Bewertung des Gewerbe- ertrage» sowie des Gewerbekapitals an die im Rsichseinkommen- und Körperschaftssteuergesetz sowie im Reichsbewertungsgesetz fest- gelegten Grundsätze angepaßt werden. d) An Stelle der Vielheit der Steuerbehörden des Reiches, der Länder und der Gemeinden müssen einheitlichzusammen- gefaßte Behörden in Fortentwicklung der Gedanken de» Reichsbewertungsgesetzes treten. Bei der Zusammensetzung und Tätigkeit dieser Behörden ist die Mitarbeit der Länder und Gemeinden sicherzustellen sowie ihre Erfahrung auf dem Gebiete der betreffenden Steuern nutzbar zu machen. Die Vereinfachung der Verwaltung»st insbesondere auf dem Gebiete der Gewerbesteuern durchzuführen. c) Es bedarf eingehender Prüfung, ob und in welcher Form das im Finanzausglcichsgesetz für die Länder und Gemein- d e n in Aussicht genommene Recht, selbständig Zuschläge zur Reichscinkommensteuer zu erheben, in dem endgültigen Finanzausgleich aufgenommen werden kann. Jedenfalls käme für die Wirtschaft ein solches Zu- schlagsrecht nur dann in Betracht, wenn die sichere Gewähr besteht, daß derartige Zuschläge nicht das Maß einer v c r- nünftigen Gesamtbelastung der Wirtschaft in dem oben dargelegten Sinne überschreiten. Die bisher erörterten Kautelen gegen eine Uebcrfpannung der Zuschläge, insbesondere der Hinweis auf das Aussichtsrecht der Länder reichen nach dieser Richtung hin nicht aus. Der Gedanke der Selbllverantwortung der Gemeinden bei der Zuschlagserhebung kann sich nur dann aus- wirken, wenn diejenigen, die in den Gemeinden über die Steuern zu beschließen haben, auch unmittelbar von einer Erhöhung dieser Steuern mitbetroffen werden. ä) Das den berufsständifchen Vertretungen zustehende A n- h ö r u n g s- und Einspruchsrecht bei der Auferlegung der die Wirtschaft in besonderem Maße treffenden Gewerbesteuern, das bisher nur in einzelnen Teilen Deutschlands besteht, muß für das ganze Reich einheitlich weiter ausgestaltet werden. e) Eine neue organische Verteilung der Aufgaben zwischen Reich, Ländern und Gemeinden unter Berücksichtigung des Grund- gedankcns, daß manzausgleich. soll versteuert werden. keine Aufgaben ohne Sicherstellung der hierfür erforderlichen Mittel auferlegt werden dürfen, ist notwendig. Daran muß sich die Vec- einheitlichung und Otfenlegung der Haushaltspläne, insbesoitdere der Gemeinden schließen, damit eine stete Uebersicht über die Finanzgebarung der öffentlichen Körperschaften möglich ist. Die bereits in die Wege geleitete Statistik über die Finanzgebarung der Länder und Gemeinden ist mit größter Beschleunigung fertig- zustellen und weiterzuführen. Eine baldige endgültige Ausgestaltung des Finanzausgleichs unter Berücksichtigung der vorerwähnten Gesichtspunkte liegt im dringenden Interesse der Wirtschaft. Sollte es mangels rechtzeitiger Fertigstellung der Finanzstatistik der Länder und Gemeinden zu einer kurzen Verlängerung des gegen- wältigen Finanzausglelchs-Provisoriums fiAimen— ein Aufschub, der der Wirtschaft angesichts der gegenwärtigen drückenden Steuer» belastung durchaus unerwünscht wäre—, so müssen in jedem Falle die vorerwähnten Gesichtspunkte bereits bei dieserVerlänge- rung berücksichtigt und insbesondere die Grundzüge der künftigen Gestaltung des Finanzausgleichs schon jetzt erörtert und in Richtlinien festgelegt werden. Diesen Leitsätzen sind zwei Gutachten von vr. d. e. Benno Becker, München, Senatspräsidenten am Reichsfinanzhof, und Profesior Dr. Albert H e n f e l, Bonn, beigegeben, die in großer Ausführllchkeit die Thesen der Industrie begründen, manchmal jedoch auch in einem Widerspruch zu den Forde- rungen der Unternehmer stehen. Die Erweiterung der Steuerrechte der Gemeinden, wie sie von den Unternehmern gefordert wird, läuft auf eine schwere zusätzliche Belastung der arbeitenden Massen hinaus. Davor, den Gemeinden ein unbeschränktes Recht der Erhebung von Zuschlägen zur Einkommensteuer zu geben, schrecken selbst die Industriellen zurück. Sie wollen die Zuschläge von vornherein begrenzt wissen, um die großen Einkommen nicht zu sehr zu belasten. Dagegen wollen sie mindestens unter bestimmten Bedingungen das steuerfreie Existenzminimum der Minderbemittelten mit zur Bestreitung der Gemeindelasten heranziehen, ohne eine bestimmte untere Grenze der zulässigen Besteuerung vorzu- ehen. Man denkt sich die Sache so, daß das steuerfreie Exi- tenzminimum herangezogen werden soll, wenn die Gewerbe- teuer und die Realsteuern eine gewisse Höhe über- ch r e i t e n. Dabei findet sich In dem Gutachten des Senats- Präsidenten Becker eine Stelle, die diese ganze Regelung rund heraus als p o l i t i s ch und bis zu einem gewissen Grade auch als wirtschaftlich unmöglich bezeichnet. Becker schreibt wörtlich: „Weiter fragt sich, ob die Heranziehung der lohnsteuerfreien Teile zu den Gemeindezuschlägen politisch erreichbar ist. Ich glaube: schwerlich! Alle die Gr ü n d e. dl« mit großer Wucht und mit Erfolg noch lürzlich gegen die Ausdehnung des Existenz- Minimums bei der Einkommensteuer geltend gemacht sind, werden auch gegen die Erstreckung der Gemeindezuschlöge auf die lohnsteuersreien Teile geltend gemacht werden Man darf auch nicht übersehen, daß die große Menge der Vevälkerung durch die Zölle und Verbrauchssteuern, weiter durch die meist gar nicht beachtete vcfördcrungssteuer und endlich auch die Umsahsteuer ent- sprechend unserer gesamten Notlage schon schwer genug belastet ist. Man wird auch nicht sogen können, daß die Arbeiter die auf die lohnsteuerfreien Teile entfallenden Steuerbetröge abwälzen könnten. Schließlich scheint mir die Heranziehung der lohnsteuerfreien Teile dem Zuge der Entwicklung zu widersprechen. die nach heftigen Kämpfen in dem gegenwärtigen Ergebnis vor- läufig ihren Abschluß gefunden hat und die dahin zu gehen scheint, ähnlich wie in England die Lohnsteuer immer mehr auf die einiger- maßen leistungsfähigen Lohnempfänger zu beschränken. Läßt sich aber politisch nicht erreichen, daß die lohnsteuersreien Ein- kommensteile durch die Zuschläge getroffen werden, so fällt damit die wesentliche und unerläßliche Voraussetzung für die Ge- Währung des Zufchlagrechtes. Dann bliebe als Sicherung der Wirt- fchaft gegen eine Ueberlastung durch Gemeindezuschläge nur das Genehmigungsverfahren."' Aber auch dieser Ausweg erscheint dem Berfasser des Gut- achtens als a b w c a i g. Er l e h n t mit Rücksicht auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise das Zuschlagsrecht ab und beschränkt sich auf die Forderung nach einem Abbau der öffentlichen Ausgaben und Schaffung eines Lasten- ausgleichs für wirtschaftlich schwache Gemeinden. Man sieht, daß selbst ein van der Industrie als maßgebend anerkannter Gutachter in dieser für die Arbeiterschaft entscheidenden Frage anderer Meinung als der Unternehmer ist. Vertagung i'n Lanösberg. Der Angeklagte Schulz über die„Schwarze Reichswehr". Das zweite Verfahren der in Landsberg verhandelten Fem e m o r d a f f ä r e n hat am Dienstag nachmittag eine ebenso überraschende wie bedenkliche We n d u n g genommen. Noch am Vormittag hatte der Vorsitzende, Land- gerichtsdirektor Weßling, mit scharfen Worten den Ausdruck „Schwarze Reichswehr' gerügt, weil es eine solche„nie ge- geben" habe. Aber wenige Stunden später, als der wegen An- stiftung versuchter und vollendeter Fememorde angeklagte Oberleutnant Schulz zum ersten Male vernommen wurde, da ergab sich aus seinen Darlegungen klipp und klar, daß die sogenannten„Arbeitskommandos", die ihm unterstanden, und bei denen dieses Verbrechen verübt wurde, eine zwar heim- liche, aber durch das Wissen und die Begünstigung der oberen Reichswchrstcllen durchaus„legale" Einrichtung gewesen sind! Diese Enthüllung ist in Wirklichkeit längst keine Enthüllung mehr. Am allerbesten ist das Ausland darüber unterrichtet, wie der Oberstaatsanwalt Rohrlack in der Montagsverhandlung mit Recht angedeutet hat. Auch in Deutschland waren die Dinge wenn auch nur oberflächlich, schon längst bekannt. Und wenn diese Aussage des Schulz fenfatio- nell w'rkte, so lediglich deshalb, weil zum erstenmal in öffentlicher Gerichtsverhandlung die Dinge beimrechtenNamengenannt wurden. Gerade diese Talsache aber scheint auf das Gericht einen so niederschmet- ternden Eindruck gemacht zu haben, daß es den ersten besten Vorwand— Nichterscheinen eines Zeugen— benutzte, um die Verhandlung ohne Festsetzung eines neuen Termins zu vertagen. Dieser Beschluß erscheint um so bedenklicher, als erstens ein zwingender Grund für die Vertagung nicht gegeben war und zweitens der Angeklagte Schulz außer den oben erwähnten Bebauvtungen, die in ihrein Kern richtig fein dürften, ganz unsinnige Angaben über eine angebsiche Förderung der .Llrbeitskommandos" durch den preußischen Minister Genos- sen S e v e r i n g gemacht hat. Für jeden, der über die Tätig» keit des Genossen Severing, besonders im Jahre 1923, Bescheid weiß, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß diese Behaup- tungen des um seinen Kopf kämpfenden Schulz erkennbarer Unsinn sind. Wenn es einen Menschen gibt, der die„Arbeits- kommandos", genannt„Schwarze Reichswehr", unablässig bekämpft hat und der sich dabei unauslöschliche Verdienste um die innen- und außenpolitische Konsolidierung der deutschen Republik erworben hat, so ist es gerade Genosse Karl Severing. Dieses Wirken Severings bedeutet— im Gegensatz zu der Tätigkeit mancher Reichswehrstellen— einen besonders wert- vollen Aktivposten für die deutsche Außen» Politik. Nicht zuletzt aus diesem Grunde halten wir es für un- erläßlich, daß die Angaben des Schulz so schnell wie möglich. sei es durch offizielle Erklärungen zuständiger Stellen, sei es durch eidlicheundöffentlicheZeugenausfagen, widerlegt werden. Da aber anscheinend der Prozeß bestenfalls erst in einigen Tagen wieder aufgenommen werden wird, gebietet das Interesse des Reichs, daß die zuständige Behörde, in diesem Falle das preußische Ministerium des Innern, unbeschadet um dos schwebende Verfahren die Aus- sagen des Schulz unverzüglich ins rechte Licht fetzt. Ruth Iistber niedergeschrieen! AuS dem„Fall Heintg" ward ei« Fall Ruth! Gestern abend fand die vom„Rußlandkomitee" groß ange- . ndigte Versammlung zum„Fall Heinig" statt. Der Redner Beck wiederholte die unseren Lesern aus dem„Vorwärts" genügend be- kannte Begründung für die Verweigerung der Einreise- erlaubnis für-den Genossen Heinig. Beck sprach allerdings viel weniger über den Fall Heinig, als gegen die Gewerkschaften und die sozialdemokratische Presse, die Berichte von den„Rußland- delegationen" nicht bringe. Da sich Sozialdemokraten nicht bereit fanden, als Diskussionsredner die kommunistische Versammlung interessant zu machen, so meldete sich zu aller Ueberraschung Ruth Fischer. Erst verlegenes Schweigen in der Versammlung, dann Protest. Doch ließ die Versammlungsleitung sich herab, unter Protest der Versammlung für die einst gefeierte Führerin zehn Minuten Redezeit(!) zu bewilligen. Nachdem Ruth Fischer sich mit der Behandlung des„Falles Heinig" durch die Sowjetbureoukraten ein- verstanden erklärt hatte, wollte sie die Lehren aus solchen Vor- kommnissen ziehen. Wütender Protest stürm der Versomm- l u n g hinderte sie am Weitersprechen Erst nachdem die Leitung sich für ein Weitersprechen einsetzte, konnte Ruth Fischer auch die Parteispaltung tn Rußland besprechen. Sie suchte Sinowjew zu verteidigen, indem sie dre Opposition als die wahren Kämpfer für die Weiterführung der Oktoberrevo- l u t i o n feierte. Der schwache Beifall, den die engeren Freunde der Rednerin spendeten, wurde bald erstickt durch den stürmischen Protest, den die gut gedrillte Mehrheit der Versammlung ihr entgegenschrie. „Du hast die Partei gespalten!" rief man ihr zu. Und der Haupt. redner des Abends, Beck, hielt es für nötig, der einstigen Führerin im unverfälschten kommunistischen Phrasenkampf eine lehrreiche Standpauke über— Parteidisziplin zu halten! So wuchs sich der„Fall Heinig" wider Erwarten zu einem Fall Ruth Fischer aus. Die kommunistischen Dersammlungsbesucher hatten ein anderes Opfer ihrer„revolutionären Unfehlbarkeit" gefunden. Matts Nachfolger. Dr. Goldenbergcr bayerischer Kultusminister. München, 2K. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In der am Dienstag nachmittag abgehaltenen Sitzung der Landtagsfraktion der Bayerischen Volkspartei ist endlich die Entscheidung über den Nachfolger des kürzlich zurückgetretenen bayerischen Kultus- Ministers Dr. Matt gefallen. Auf Vorschlag der Bayerischen Volkspartei wird nunmehr der Ministerpräsident im Einverständnis mit dem Landtag das Ministerium jür Unterricht und Kultus mit dem bisherigen Ministerialdirektor Dr. Goldenberger besetzen. Goldenberger entstammt der juristischen Beomtenlaufbahn. war zuletzt Bezirksamtmann in Niederbayern. Von diesem Posten wurde er im Jahre 191S unter Knilling als Referent in das Kultus- Ministerium berufen. Er bearbeitete hier lang« Jahre das st a a t s- kirchenrechtliche Referat und wurde in dieser Tätigkeit der eigentliche Verfasser des bayerischen Konkordats mit der Kurie und der gleichzeitig abgeschlossenen Staatsverträge mit den evangelischen Landeskirchen. Goldenberger steht im SO. Lebens- jähr und ist geborener Münchener. Die literarische slkaSemiefektion. Eröffnung durch Minister Becker. Am gestrigen Dienstag Ist in der Akademie der Künste die neue Sektion für Dichtkunst feierlich eröffnet worden. Der Akademie- Präsident Max Liebermann hielt eine programmatische Be- grüßungsrede, in der er hervorhob, daß der erste Kultusminister der Republik Preußen, unser viel zu früh verstorbener Conrad Haenisch, die Idee einer literarischen Akademiesektton mit Begeiste- rung aufgenommen hat. Liebermann sagte auch jedem neuen Geist unvoreingenommene Förderung zu. Er begrüßte die neuernannten Mitglieder Fulda. Arno Holz, Thomas Mann, Hermann S t e h r und den Senator Petersen: der andere Senator B u r d a ch war durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Dann mahnte der Präsident, nicht in einem unfruchtbaren Streit um die Form der Körperschaft zu vergessen, daß auch hier der Geist sich den Körper baue. Minister Dr. Becker führte au», daß die Sektion für Dicht- kunst die erste staatlich autorisierte Vertretung des deutschen Schrift- tums sei. Aus ihrem noch gar nicht ganz zu übersehenden Ausgaben- kreis hob der Minister die Frage der Dauer der gesetzlichen Schutz- frlst für Werk« der Literatur, die Schiller- und Nobelpreise, fowc« Maßnahmen zur Linderung dringendster Not der freien Geistes- arbeitcr hervor. Er stellte einen literarischen Staatspreis von 3000 M. In Aussicht und teilt« mit, daß die Witwe de, verstorbenen Ehrenmit- gliedes der Akademie, Eduard Arnhold, einen jährlich zu verleihen. den Literaturpreis von 2000 M. gestiftet hat. Nachdem der Minister dann noch weitere Ausführungen über das Verhältnis von Kunst und Staat gemacht hatte, sprach Thomas Mann in geist- voller Rede über dieses Thema, besonders über die dem Schriftsteller unentbehrliche radikale Freiheit, über die außergejellschaftliche Aben- teuerlichkeit und Unbedingtheit setner Existenz. Damit zielte Thomas Mann auf den Widerstand sehr bedeutender Schriftsteller gegen die neuerrichtete Literarische Alademiesettion, t« welchem Schritt der Redner nichts weiter sehen will als die Anerkennung und amtliche Bestätigung schon bestehender Tatsachen, nämlich der beträchtlichen Hebung, die die Stellung des Schriftstellers in der deutschen Notion erfahren habe. Er versprach zum Schluß, daß die bevorstehenden Ergänzungowahlen mit vollem Freisinn und nur mit dem Sinn für Rang und Würdigkeit vorgenommen werden sollen. * Arno Holz läßt uns eine Erklärung zugehen, In dsr er zu- nächst Zustimmungserklärungen von Hugo Lederer und E r n st Schade zu dem von Arno Holz vertretenen Plan einer Deutschen Zlkademie der Künste mitteilte und die bereits bekannte Zustimmung Mar Liebermanns hierzu feststellte. Als einen Unsinn bezeichnet Holz es, daß Thomas Mann und Hermann Stehr nur dann ihr Stimm- recht dauernd ausüben könnten, wenn sie— gemäß den uralten Akademiebestimniungen— ihren„Wohnsitz in Berlin und in den mit Berlin im Vorortverkehr verbundenen Orten" nehmen würden. Einen solchen Nonsens mache er, Holz, nicht mit. Neue Statuten müßten aus der preußischen Zlkademie eine deutsche machen. Ein Entwurf dazu sei in Ausarbeitung unter Mitwirkung aller wesent- lichsten Akademiker und juristisch wi« staatsrechtlich geschulter Fach. kräfte._ Endzahlen der Abstimmung in Norwegen. Nunmehr liegen die gesamten Relultat« der Abstimmung über das Branntweinverbot in Norwegen vor. Für das Verbot wurden abgegeben 421 202 Stimmen, dagegen 631 426. Bei der Abstimmung im Jahre ISIS wurden für das Verbot 439017, da- gegen 304 673 Stimmen abgegeben. Danzig» vesahungskosten. Di« Botschaftertonferenz hat be- schloffen, die Kosten für die militärische Besetzung Danzigs bei Er- richtung der Freien Stadt auf 460 000 M. für die britische und rv' 1170 000 M. für die französische Lesatzung festzusetzen. Das Mbetterparaöies in yennigsöorf. Streik mit Unterftützttng des DMB. In dem Industrievorort Hennigsdorf hat feit einiger Zeit der Linke-Hofsmann- A.-O.-Konzern«in Stahl- und Walz- werk im Betrieb. Die Gesamtbelegschast beträgt ungcsahr 1200 Per- insolgedeHen aus dem rhemilch-westscuilchen Industriegebu hauptsächlich die Walzwerksarbeiter beheimatet sind,\ Oberschlesien vorgebildete Walzwerksarbeiter heran. Für fönen, wovon zirka 250 im Feinvlechwalzwerk beschäftigt sind. Da Walzwerksbetriebe früher in der Groh-Berliner Metall» industrie nicht vertreten waren, fehlte es bei der Errichtung des Betriebes an vorgebildeten Kräften. Die damalige Direktion holte infolgedessen aus dem rheinifch-weftsälifchen Industriegebiet, in dem sowie aus einen wurde die Möglichkeit geschaffen, sich mit ihren Familien anzusiedeln, während«in erheblicher Tell noch in Baracken ein« Art No- madenleben führt. Die im Walzwerk beschäftigten Personen gehören mit ganz geringen Ausnahmen keiner Organisation an, insolgedesien war e» für die Direktion ganz selbstverständlich, daß diese Menschen auf menschliche Behandlung und menschliche Arbeit»- Methoden Anspruch ju erheben überhaupt kein Recht hätten. Die Direktion, die bis zum 20. Oktober 1325 die Betriebsleitung in Händen hatte, oersuchte wenigstens noch einigermaßen ein mensch. liches Verhältnis zwischen Betriebsleitung und Belegschaft zu er- halten. Die neue Direktion ist von solchen.Sentimentalitäten' nicht angekränkelt. Die Parole: friß. Vogel, oder stirb. ist die Methode, mit der die Betriebsleitung regiert. Infolge des Fehlens jedes organisatorischen Rückhalts war es für den Betriebsleiter Born ganz selbstverständlich, daß der Bor- sitzende des gesetzlichen Betriebsrat» nur zu dem Zweck geschaffen wurde, um vom Betriebsleiter Born hinausgeworfen zu werden. Ohrfeigen und andere neuzeitliche Lehandlungs- Methoden der Arbeiterschaft gegenüber gehörten in der letzten Zeit ebenfalls nicht zu den Seltenheiten. Ein besonderes System hatte sich die Betriebsleitung für die geldlichen Bestrafungen zugelegt. Jede Kleinigkeit, die in den Augen der Betriebsleitung eine Berfehlung darstellte, wurde mit der geringsten Geldstrafe von 2 M. belegt. Geldstrafen darüber hinaus b i s zu 1 0 M. waren an der Tagesordnung. Diese Strafen hatten nach Auffassung der Betriebsleitung noch nicht den erziehe- rischen Wert, den sie glaubte bei der Belegschaft mit anderen päda- gogischen Mitteln nicht erreichen zu können. Es wurde infolgedessen vor einigen Tagen ein neuer Anschlag verfügt, worin den Nordermännern mitgeteilt wurde, daß Walzenbruch, der dadurch ent- steht, daß Walzpakete über 4.2 Millimeter Durchmesser durch die Walzstraße gebracht werden, mit 20 M. Geldstrafe ond lltSgigem Aussetzen bestraft wird. Daß die Betriebsleitung diese Methode als ein« auch von der Belegschaft durchaus gebilligt« betrachten konnte, war wohl darauf zurückzuführen, daß bis vor wenigen Tagen die Belegschaft sich zu irgendwelchen Gegenmaßnahmen überhaupt nicht ausge- rafft hat. Die Zahl der an einem Walzwerkgerüst arbeitenden Personen ist Im Laufe der Entwicklung von 11 auf S herabgesetzt worden. Die Sicherung der Rentabilität war nach Auffassung der Betrieb»- leitung durch diese Steigerung der Ausbeutung der Arbeitsleistung der verbleibenden Personen noch nicht erreicht. Sc wurde vor einigen Tagen, ohne mit der Belegschoftsoertretung irgendwie Rücksprache zu nehmen oder diese auch nur in Kenntms zu setzen, durch einen Anschlag verfügt, daß die Zahl der Personen, die an einem Gerüst in Zukunft zu arbeiten haben, wieder um«inen Mann reduziert wird. Das schlug nun endlich dem Faß den Boden au». Spontan kam die gesamte Belegschaft zusammen und beauftragte den Be- triebsrat, wegen der Zurücknahme dieser diktatorischen Der- fügung mtt der Betriebsleitung zu verhandeln. Die Aenderung der Verfügung wurde Hochwang und brüsk abgelehnt. Daraufhin hat die gesamte Belegschaft de» Walzwerk, in ge- heimer Abstimmung gegen 3 Stimmen die Einstellung der Arbeit beschlossen. Wenn die Betriebsleitung aus der Tatsache, daß die Belegschaft nur durch einig« organisierte Personen vertreten ist, schließen zu können glaubte, daß in diesem Falle der Deutsche Metallarbeiter- verband sich der geknechteten Belegschaft nicht annehmen würde, so war dds ein grober, wenn auch verständlicher Irrtum. Der Metallorbeiterverband hat, soweit seine statutarischen Boraussetzun- gen es ermöglichen, der um chre Menschenrechte und Menschenwürde kämpfenden Belegschaft seine volle Unter st ützung zugesagt und wird alles tun, um bei der Wiederaufnahme der Arbeit Ver- Hältnisse im Betriebe zur Geltung kommen zu lassen, die den sonst üblichen Verhältnissen in der Groh-Berliner Metallindustrie eben« bürtig sind. Die Belegschaft hat jetzt aber eingesehen, daß die.Sparmaß. nähme' des Unorganisiertseins doch sehr erhebliche Nachteile auslösen kann. Sie ist fest entschlossen, nach Beendigung des Kamp- fes vollzählig dem Deutschen Metollarbeiterverband beizutreten. Im Interesse der verzweifelt kämpfenden Belegschaft wird ersucht, daß niemand den Streikenden in den Rücken fällt und diesem.Ar- beiterparadies' bis zur Beendigung des Kampfes fern bleibt. Der Schieüssprvch für Hochbahn und flboag. Einstimmig abgelehnt. wie na, da, tohnkartell der Hochbahn und der ilboog miktelll, hoben die Funktionäre gestern abend zu dem Oohnschiedsspruch Stellung genommen und ein stimm ig dessen Ablehnung be- schlössen. Die Belegschaften sollen Gelegenheit haben, in einer vrab- stimmung zu dem Schiedsspruch Stellung zu nehmen, weiter wurde befchlofieu, Vollversammlungen eiazuberusen, um über die zu aateraehmenden Schritt« zu beraten. Herbeet Smith über öen Sergarbekterkampf. Er lehnt die bolschewistischen Methoden ab. In einer Versammlung hat nach englischen Zeitungsmeldungen Herbert Smith, der Präsident der Bergarbeiterorganisation. aus- geführt: .Ich unterschreibe kein Abkommen, welches eine ver- längerte Arbeitszeit vorsieht. Eher lege ich mein Amt nieder, verkürzte Löhne können wir im Kampf wieder erhöhen, Verkürzung der Arbeitszeit nicht. Bon Rußland haben wir bisher 823 000 Pfund Sterling <1(5,64 Millionen Marks erhalten. Ich nehme die Gelder an, auch wenn das zu erwartende Gesetz mich dafür 7 Jahre ins Gefängnis schickt. Die russischen Ansichten lehne ich ab. Bei uns ist es schlecht, aber dort ist es noch schlechter. Wäre ich im Jahre 1924, als ich nach Rußland ging, revolutionär gewesen, wäre ich dort sicher anderer Meinung geworden. Wir können bei un» mit dem Stimmzettel unsere Verhältnisse viel sicherer regeln.' Extraunkerstützung«n» ausgesteuerte Holzarbeiter. Die Berliner Verwaltung des Deutschen Holzarbeiterverbandes hat beschlossen, in der Zeit vom 25. Oktober bis 6. November ein- schließlich, an die ausge st«uerten, arbeitslosen und kranken Mitglieder wieder ein« Extraunter st ützung aus den Mitteln der Lokaltasse zu zahlen. Diese Unterstützung er- halten alle Mitglieder, die am 23. Ottober d. I. vier Wochen und länger ausgesteuert und in der Auszahlungszeit noch arbeitslos oder krank sind. Die Höhe der Unterstützung bemißt sich noch den geleisteten Beiträgen. Berücksichtigt werden ledoch nur diejenigen Mitglieder, deren Berbandsbücher satzungsgemäß auf dem laufenden sind. Die A u s z o h l u n g der Unterstützung erfolgt im Bureau de» Verbandes nach der den Mitgliedern bekannten alphabetischen Ordnung. Um«ine reibungslose Abwicklung der Auszahlung zu ermöglichen, empfiehlt es sich, daß die arbeitstofen Mitglieder«inen Tag vorher die Berbandsbücher im Arbeitsnachweis oder im Verbandsbureau abgeben. Soweit letzteres nicht geschieht, kann für die Auszahlung an diesem Tage nicht garantiert werden. _ Die Ortsoerwaltung. Freigewcrkschastlichcr Erfolg i» Braunschweig. vrauaschweig, 26. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Ein gute» Vorzeichen für kommende Wahlen bildet die am Sonntag in der Stadt Braunschweig stattgefundene Wahl zum Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Die Liste der Frsi- gewerkschafter erhielt 11 875(1921 6578), die Liste der.nationalen' Gewerkschaften 1690 Stimmen(1456). Die Freigewerkschafter er- hallen 53, die.Nationalsozialisten' 7 Sitze. Die Nationalen haben 4 Sitze verloren und verlieren damit auch das einzige Vorstands- Mitglied der Kasse. An der Ortskrankenkassenwahl haben sich die Arbeiter der großen Betriebe nicht beteiligen können, da sie in den Betriebskrankenkassen zusammengefaßt sind. Erfolgreicher Abwehrstrcik. Leipzig. 26. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Di« Aussper- rung der Leipziger BauNempner ist nach mehr als vielwöchigem Kampfe beendet und der Unternehmerangriff a b g e s ch l a- gen worden. Die neuen Mindestlöhne für die Leipziger Bau- klempner und Installateure betragen für Arbeiter über 25 Jahre 1,16 M., 21 bis 23 Jahre 1,10 M., bis 21 Jahre 0,99 M. und im ersten Gehilfenjahr 0,90 M. die Stunde. Trotz des zähen Kampfes haben die Unternehmer nachgeben müssen. Der österreichische Beamtenkonflikt. Wien. 26. Oktober.(E. P.) Durch den Verlauf der gestrigen Unterhandlungen der österreichischen Beamtenschaft mit d«m neuen Bundeskanzler Dr. Seipel. der nur unwesentlich über die � nisse der früheren Bundesregierung hinausging, ist die Gefahr eines allgemeinen österreichischen Bcamtenstreiks wieder in die Nähe gerückt._ Achtung, Bauarbeiter! Di« Differenzen bei der Firma B a m m auf der Baustelle Frohnau sind beigelegt. Die Sperre wird hiermit aufgehoben. Baugewerksbund, Baugewertschaft Bersin. Verband der Akkordmaurer Groß-Berlin. «cht-ng. GPD.-B«kleilwva»arbriterl ffttitaq alxnd VA Uhr in twn R-iiden�lsests-ilen. Landsberger Str. 81. wichtig« veismnmlung aller Genoffen und Genossinnen. Tagesordnung: 1. Unser« Werbe- arbeit. Referent Eenosse A. Solz. Z. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der graNionsvorstanb. erwartet_. »cht««,«chnIthelh.Patzenhoscr, Srenzbergl Donnerstag nachmittag 5 Uhr bei Wollenberg. Reu-Tempelhof, Berliner�Str. 2, �wichtige Ber. fommlun« aller Senoffen. und Invalidenversicherung�. Tagesoi dnung: 1. Reserat llber.Alters- 2. Verschiedenes. Regen Besuch erwartet Der ffr-Nio nsoar stand. Achtung,«PD.-Iflrischerl Donnerstag abend pünktlich 8 Uhr findet im Lokal.Schl«sis-I>e Seimat", Reue zriedrichstr. 1, ein« äußerst wichtige straktion-sihung Natt, Togeeordnung: Stellungnahme unserer Landtags- fraktion zur Fürstenabfindung. Wir erwarten wegen der wichtigen Tagesordnung vollzähliges Trscheinen. Ohne Mitgliedsbuch der Organi- fätion und Partei kein gutritt! Der«raktionsoorstand. m Ii Iugendgrnpp« de» gML Leute. Mittwoch, abend 7% Uhr, tagen folgend« Bezirke: Lichtenberg! Jugendheim Schul« Goßlersir. 81, Satirischer Abend.— wedding.Sesundbrn»»«»: Jugendheim SchLnstedistr. 1 tLedigenheim), d Tr., Proletarisch« Dichter fSeilbninn».— RenUI»: Jugendheim Rogatsir. bZ, Arbeiterdichtung.— SchSaeberg: Jugendheim Kauptstr. 1»(Frankenlandzimmer), .ZRoderne ttunsi'. l5ortsehunq sLepinski). Deutscher Solzorbeiterverband, Verwaltungsstelle Bern», vi« Bersammlung der Gl n sefter findet am Mittwoch nicht statt. Di« Ortsverwaltung. Trete Gewerklchastsivgend. Leute. Mittwoch, abends 7 Vi Uhr. tagen die Gruppen: ReukZlla I: Jugendheim Bergsir. 2». Los. Bortrog:„Entstehung und Entwicklung der Schrift".— SckSuederg: Jugendheim Rubrnsstraße(Sport- plofO. Vortrag:.Der Aufbau der fiGI."— Südweste»: Jugendheim Bärwald- strah« 84. Bortrag:»Proletariat und ltlrperlultrtr".— Norden: Jugendkeim Gartenplah 4. Leseabend!»Märkische Gcslbichie".— Rorbring: Jugendheim Ebcrswalder Str. lg. Vortrag:„Nikotin— Alkohol— Jugend".— EHarlotte», bnr«: Jugendheim Berliner Str. 187 tDtfch. Srankenkassenverb.). Vortrag: »Vom Wesen und Werden der Religion". «erantwortliib Nir Politik: Dr. Türk Sei»«»! Wirtschaft: Art»» Saternn«: Sewerkschaftsdeweauug: Z. Steluer: Feuilleton!». L. Däscher: Lokales und Sonstige«: jsrig g-rstädt: Anzeioen: Th. Glocke: silmilich in Berlin. Verlag! Borwärts-Berlag®. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckere! und Berlaasanstalt Paul Singer u. To. Perlin SB 88 LIudcnsiraße 2. Lierz» 2 Beilage»»od..Uvterhaltvna»»» Wiste»'. MoefefrukeGrofi-Settefifobrllafion, •in Rietenpark neuester Präzisions- Wertueugrnasdsinen ermöglichen • bei Ausschaltung aller SpeziaU typen und Renmvagen- den ver- � gröherien Opel 4 PS trotz wesentlicher Verbesserungen, wie palen- lierte Vierradbremse, geräumigere Karosserie usw. zu neuen Preisen zu liefern; Zweisitzer..... 2960 Mk. Viersitzer...... 3400 Mk. Limousine..... 3980 Mk. Lieferwagen... 3300 Mk. Preise ab Werk meuem* Nr. SS»»»Z.�chrg-os � ÖCÖ t0 mlttao<6,57.®((c.t«H26 Die /kbeiterbilöungsjchule. Mehr als AS Jahre sind nun verlosten, feit in ekner großen Bolls- Versammlung, in einem Versammlungslokal des Berliner Ostens der Beschluß gefaßt wurde, ein« Schul« für Arbeiter zu gründen. Wilhelm Liebknecht, der„Schulmeister der Partei', dar in dieser Versammlung referierte, schrieb unter dem frischen Eindruck der Ereignist«, daß er nie eine ähnliche Versammlung gesehen habe. Große, überfüllt« Versammlungen waren für Wilhelm Liebknecht sicher nichts UngewShnliches. aber es war der Geist der Ver- sammlung, der auch Ihn zu Heller Begeisterung hinriß. Das war kurz noch dem Fall des Sozialistengesetzes. In mehr als zwölf- jährigem harten Kampfe, In dem Tausende von Proletariern Gut. Gesundheit, Freiheit und Lebensglück für die Partei einsetzten, hotten die Arbeiter gesiegt und dos System Bismorck-Puttkamer nieder- geworfen. Nun wurde der Kampf ein anderer. Jetzt genügte es nicht, sich zu wehren gegen die brutal« Gewalt, sondern im Angriff bedurft« man neuer Waffen, der Waffen des Geistes. Bildung zu erwerben, dieser Gedanke bewegte jetzt dl« Genossen, und das war auch der Grund, weshalb jene Versammlung im Jahr« 1881 ein- berufen wurde. verein„�rdeitekbilüungsfthule�. DI« neugegründete Bildungsstätte erhielt den Namen„Verein Arbeiterbildungsschule" und der heilige Eifer, den die Wort« Liebknechts auslösten, war so groß, daß sich mehrere Tausend Arbeiter zur Teilnahm« an den Unterrichtsstunden dieser Schul« mel- deten und manch einer der führenden Genosten Hot sich sein geistiges Nüstzeug In der Arbeiterbildungsschule geholt. Noch war es In der Hauptsache der Drang, sich allgemeines Wisten anzueignen, an den Bildungsgütern des Bürgertums teilzunehmen und«In Verhältnis zur Kunst zu gewinnen: denn auch Kulturträger wurde die Arbeiter- bildimgsschule. Doch wurden auch schon WIstensgeblet« behandelt, die im offlziellen Unterrichtsbetrieb sür das Volk gar nicht, oder nur im Sinne der bestehenden Gesellschaftsordnung gelehrt wurden, wie Naturwissenschost, Rechlsfragen, Geschichte und Nationalökonomie. Die Schul« hat ihre wechselnden Schicksale gehabt und ihr Bestehen war oft in Frage gestellt, ober der Opfermut einer Reihe von Genossen sichert« Immer wieder den Fortbestand der Schul«. Im Jahr« 1Sl4 wurde der Verein aufgelöst und die Schule von der Partei übernommen und damit war auch die finanziell« Sickzerhelt der Schul« gewährleistet. Der Ausbruch des Krieges unterbrach zwar nicht die Täiigkeit der Schul«, aber er hemmt« sie doch sehr. Im chochschwang der Revolution war auch die Arbeiterbildungsschule hervorragend tätig. Dann kam d!« Inflation, die alle Kulturb«- strebungen vernichtet« und unter der auch unsere Schul« sehr zu leiden hatte. Das neue Unterrichtsjahr 1926�27. Der Drang noch gewaltsamem Vorwärtsschreiten verebbt, es kommt die Zeit der Besinnung. Erneut und nachdrücklich muß das Dildungsgut der Arbeiter vermehrt werden. Nicht nur. um «inen immerhin meßbaren Wissensgrad zu erwerben, fondern den Geist der Hörer zu wecken, damit alle Waffen, wirtschaftliche wie geistig«, im Klassenkampf des Proletariats richtig angewandt werden können. Diesem Zweck sind all« Vortragstheinen angepaßt. Die Kurs« sind als Arbeitsgemeinschatt gedacht, die Be- griffe und Erkenntnisse werden durch gemeinsame Arbeit dor Lehrer und Hörer gefunden und die Resultate werden um so besser sein. Das gesamt« Arbeiterschulungswesen wird jetzt einen neuen Ausbau erhalten, und zwar ist die A r b« i t e r b i l d u n g s s ch u l e a l s Unterbau gedacht, während d!« Frei« Sozialistische Hochschul« den Ueberbau darstellen soll. Hörer, die mit Erfolg unsere Schul« besucht haben, können dann am Unterricht der Freien Sozialistischen Hochschule teilnehmen. Es wird nun an den Berliner Genossen und Genossinnen rmd an der heranwachsenden Jugend liegen, die G-leg«nh«it. Ihr« Geisteskräfte zum Nutzen der gesamten Arbeiterklasse zu schärfen, auszunutzen. Arbeitsplan öee �rbeiterbilöungsfthule. Zntiruational« volitik. Vortragender Dr. Wotfgan« Schwarz. Dos System der Vrostmachtvolitik, der moderne Imverlalismus, Ausbruch und Verlauf des Weltkriescs, dir Versailler Derlrog, Anfang« der Weltoraanifation. Emstek, rir.z des TSlkerbundes, Deutschlands Eintritt in den Völlerbund, Organi- fation des LNkerdunde», die Streitfchlichtuna des Völkerbundes, das Ad- rltstunasproblein. der Völkerbund als Wirllchoftsaemeinschast, das Minderbellcn- und Grenzproblem. Jeden Diensten von 7H bis 9 Uhr abends im Zentral- junendbeim. LindenlNst 8, 2. Hof. 3 Tr. Deflinn Dienstag, den 2. November. vivbleme der Deltrotrtfchnft. Vortragender ffl. V> c n st o rk. Der Begriff der Welltvirifchaft, von der Bolkswlrffchaft zur Weltwirtschaft, der Kampf um dir Abtodmärltc, der Kampf um die Rohstoffe, Suropa und die Weltwirtschaft, Organisation und Weltwirtschaft, die Weltwirtschaft und der Sozialismus. Jeden Donnerstag von VA bis 9 Uhr abends in der S4Z. Demeindefchule, Wielen». Ecke Dankssrast«. Beginn Donnerstag, de» 4. November. Sefchlchtr de» Sozialismus In Vergangenheit und Gegenwart. Bortragender Erwin Marquardt. Sozialismus und Kommunismus In Altertum und Mittelalter, die Naturrechtslrhre. die neuzeitlichen Utopisten, der Marxismus und die Entwicklung der organisterten Ardciicrbervegung. die heutigen Richtung». kämpfe fSoziatismus und Bolschewismus), Einführung In die neueste Lite- ratur. Jeden Freitag von 714 bis 9 Uhr abend» in der Bibliothek der Ardettrrdilbvngsfchlile, Linden str. 8, 2. Hof, 2 Dr., Zimmer 3. Beginn Frei- tag, den ö. November. Einführung in die Soziologie. Vortragender Dr. Aldert Solomon. Das Wesen der Gcscstschoftkliljr« und die Geschichte, die gesellschaftlichen Ver- bände— ssomiNe. Elte und Eippenocrdond Staat und Gefellschast— Wirt- schakt und Gesellschaft— Klaffe und Stand— die aufbauenden Elemente de» arfellschaftlichen Lebens— bstrgerliche und marxistisch« Gesellschaftsauffafsung. fleden Isreltag von 714 bis 9 llbr abend» in der Mädchenmittellchule. Reu- kölln, Donauftr. 129. Beginn ssreitag, den 8. November. Diese vier Kurse umkasse» febe, zwölf Vortragsabend«. Die Hörgebllhr für einen Sesamttursu» beträgt 2 M. Kurse in den Bezirken. 13. Kreis— Tempelhos-Marlendorf. einfiihrnng In die Gelellfchastswlstcnfchast. Vortragender Dr. Karl Schröder. Allgemein« Begrilforrläuterung, die bllrgerliche Soziologie, die Marx'sch« Gesellfchaftatheorie, Naiurwissenschsft und Gesellscktaftswiisenschaft. Jeden Montag von V.i bis 9 Uhr in der Mittelschule Mariendorf, Kurfürsten- ftraZe. 18. Kreis— Weißensee. Einführung in die Sesellschastswistenschast. Vortragender Dr. Karl Schröder. Mit vorstehenden Dispositionen. Joden Dienstag von 7t»> bis 9 Uhr odrnd» im Nralgymnasium Weiftenfe«, Woelckpromcnade. Beginn Dien«. tag, den 2. November. IS. kref»— Pankow. Denis che Geschichte Im 19. Zahrhvndeet. Bortragender Simon Kasten» stet». Zusammenstosi mit der französischen Revolution, Roaeneralions- und Unabhängigteiisbestrebungen. freiheitliche und national» Bewegungen, die B-weanna von 1848 und 1849, der Unlorganq des Deulfchen Bundes, dao Deutsch, Reich. Jeden ssreiiag von 7>4 bis 9 Uhr aiend» in Pankow, Städii- sches Jugendheim. Kisstngenstr. 48. Beginn am ssreitag, den 29. Oktober. 7. Kreis— Charloktenburg. Der aioderne Kapltnlismu». Vortragender Dr. Zack Marschack. Di« ökcnpmifckic Lage, die volitische Lage, die allgemeine kulturelle Lag«, der sazia» listische Weg. Jeden Donnerstag von 7>4 bis 9 Uhr abends im Jugendheim Charloitonbueg, Rostnenstr. 4. Beginn Donnerstag, den 4. Zloveuibee. 4. Kreis—. Prenzlauer Berg. Eiuiöhruuo in de» Marxismu». Vortragender Ott» K a u z. Religiöse ltheo logische) Gefchichtsauffostuux— Geschichte alz Wissenschaft— Leael und Marx— idealistische und materialistssch» Geschichtsaushossung. dialektische Be» wrguna in der Geschichte~ ideologische und ökonomisch« Entwicklung— G«. sellschgft. Staat, Klaff»— soziale sfunktion von Ideologie und Wirtsckiast—- kslsektire und individuelle Sicherung— sseudalstaat, Absolutismus, bürgerlich. kavltolistifche Stgotsjormen— Marxismus als Lehre vom Aufbau der kavita. listischen Wirtschaft und als Weg zum Sozialismus— Sozialismus als Wissen. schgst. Irden Ste'.'.aq von TVj bis 9 Uhr abends in der Gcmeindeschulo Sene- felderstraü». Leginn Freitag, den ö. November. 18. Krcl» Zchlendorf. Elz.führ«»» in de« Marxia«»,. Boriragender Otto Kaust. Mit vor» stehender Disposition. Jeden Donncrstaa von 7>4 bis 9 Uhr abend» in der Nordschule, Zehlendorf. Potsdamer Etrast«. Beginn Donnerstag, den 4. Ro- vcmber. 12. Kreis— Steglitz. Grnndloigen der Arbeiterdildung. Vortragender Albert Horlist. Pro» leiariat und Erziehung: Klassenkampf, besondere Typen der Bildungsarbeit— Masse— Führer— Funktionäre— Männer— Frauen— Jugendliche— Kinde-, Aufgaben der Ecgenwart und der Zukunft, psychologische Grundlagen und Methoden der Bildungsarbeit. Selbstbildung. Jede» Montag von 8 bis 914 Uhr abends in StcgI.st, 1. Gemeindeschtile. Ringstraste. Beginn Montag, den ls. November. Diese Kurse umfassen feder sechs Dort-agsadende. Die Hörgebiihr beträgt für den Kurf«, l M. Der Weg des blinden Bruno. 341 Roman von vskar Baum. Oft, wenn das Buch sie nicht losließ, wurde es auch wohl Mitternacht und später, und nach dem letzten Wort saßen sie zuweilen stumm, noch mit ihrer ganzen Seele mitschwingend. Es war so still, daß man die Atemzüge der Mutter nebenan hörte. Und sie waren einander vertraut, als hörten sie ihre Gedanken richtiger und reiner, wenn sie sie nicht aussprachen. Und auch als Vilma gegangen war, saß Bruno häufig noch lange auf seinem Platz und rührte sich nicht in dem schweigenden Raum, der noch so voll vom Duft ihres lieben Wesens war und vom dunklen beweglichen Klang ihrer lieben Stimme. »« m Immer peinlicher wurden für BIlma geheimnisvolle feind- llche Strömungen, die ihr im Theaterleben jeden Schritt vor- wärts erschwerten und vereitelten. Man munkelte von einem mächtigen hartnäckigen Verehrer, den sie immer wieder und wieder abwies und der sie so seine Macht fühlen lassen wollte. Sie leugnete es.„Phantasien des sensationslustigen Theater- voiks,' sagte sie. Sie wollte wohl aus irgendeinem schwer- wiegenden Grunde den Namen nicht verraten. Die Nerven- spannungen des augenscheinlich immer zugespitztcren Kampfes, die Erregungen der wechselnden Situationen, die Furcht vor dem Ansturm der Verliebtheit oder des Hasses zerstörten die Ruhe und die natürliche Klarheit ihrer sonst so harmonischen Natur. Ihr Tun und Denken bekam etwas Zerstücktes, Gehetztes. Scheues. Und es war so qualvoll, daß die Angst und Gefahr wie eine unsichtbare Mauer, wie ein böser Zauber um sie lag: man tonnte nicht hindurch, sie zu retten. »» • Bruno kam von einem kleinen Frühlingsausflug heim, den er gegen alle Hindernisse des Kirchendienstes und des Schuljahrs ertrotzt hatte, well das Wetter so wenig über den Kalender vermochte und die geliebte Sommerfreiheit noch immer so unnahbar fern blieb. Es war nicht weit von Mitter- nacht. Behutsam schloß er auf. schlich durchs Vorzimmer, aber-- die Mutter war noch wach und Lizzi bei ihr. Bruno war mit zwei Schritten im Zimmer:„Was ist geschehen�ts � oI(eni> � Q-ie fürchten," sagte Kröß. i Me? der war auch hier? Lizzi sagte:„Liptus(sie hatte zuerst„Mein Mann" sagen wollen) ist in Vilmas Wohnung unwohl geworden." Das war doch keine Erklärung! Niemand fügte etwas hinzu. „Wird man ihn herbringen?" fragte Bruno. „Bis er so weit ist." meinte Kröß sonderbar geringschätzig. „Wen will man verantwortlich machen?" Lizzi nahm ein abgebrochenes Gespräch wieder auf.„Liptus hat zunächst Bilma überall nur geschadet, ihr alles Mögliche in den Weg gelegt, um vor ihr seine Macht zu entfaiien. Die liebe ttn- schuld hat ja, wer weiß, wie lange, die Qualen dieser Jagd vor allen verschwiegen, um mich nicht zu kränken. Er, wie er eben war, konnte nicht glauben, daß jemand das aus Unschuld täte. Er steigerte nur immerfort seine Anträge, bot ihr zuletzt an, sich scheiden zu lassen. Er dachte, sie sei nur gerissener als er. Ich wußte natür- lich, daß er herzkrank war: aber wie sollte ich ihn vor de» gleichen Aufregungen bewahren? Mich wundert nur,— Vilma war doch nie sein Typus--" „Sie sah gestern als Micaela sehr gut aus und--" sagte Kröß. „Und er wallte mich eifersüchtig machen, meinen Sie?" Lizzi lächelte:„Oh, auf dem Fuß standen wir schon lange nicht mehr!" „Er konnte sich mit seiner Liebe wohl nicht mehr an dich wenden." die Mutter hob vor Erregung drohend die Stimm«: , Mir ahnt, oh, oh, du bist furchtbar, Lizzi!" „Ich konnte mir nicht helfen— ich haßte ihn, seit er nicht mehr das Wichtigste, das Notwendigste für mich war: oh, wie ich ihn haßte! Und er muß es verdient haben. Jeder, der gehaßt wird, ist daran schuld!" „Siehst du, Kind, siehst du. ich sagte es dir voraus." „Was denn?— Daibtet Ihr, ich hätte viel anderes er- wartet? Ich zahle den Preis, den etwas kostet. Nur so konnte ich meine Laufbahn ebnen!" Draußen wurde derb geläutet. Schwere Schritte stapften ins Borzimmer. Man trug die Leiche hinüber ins Zimmer. Vilma trat ein. Alle wurden still. Sie fetzte sich zu Bruno. Sie weinte sehr. Mit kalten Fingern umklammerte sie seine Hand. „Bösen Menschen braucht man nicht nachzujammern!" sagte Lizzi. „Ach. böse Menschen," flüsterte Dilma,„ich glaube, die leiden nach mehr!" Todesurteil im Prozeß Schumann. 3m Raubmordprozeß Schumann sprach das Landgericht II nach fast dreistündiger Beratung den Z2jährigen Buchhalter Walter Schumann schuldig, den Tabatwarcnhändler Wilhelm Wurzel am 25. Dezembeer 1325 erwürgt und beraubt zu haben und verurteilte ihn wegen Raubmordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Außerdem wurde Schumann wegen gefährlicher Körperverletzung, begangen an Frau v o e h l e. zu drei 3ahren Gefängnis verurleili. Auf diese Strafe wurden zehn Blonale Unlersuchungshaft angerechnet. * Für das Gericht gab es keinen anderen Ausweg als den des Todes. Es mußte ihn gehen. Selten war ein Indizienbeweis, er grenzte hier hart an einen Tatbeweis, so lückenlos. Der Angeklagte war der Täter. Die Tat war ein Mord. Auf Mord steht die Todesstrafe. Das wußten alle. Worauf hoffte Schumann? Viel- letcht das irgendein Faden, der von einem Indiz zu einem anderen führte, reißen würbe. Es waren aber dies nicht mehr Fäden, es waren eiserne Strange, die ihn unzerreißbar an den Todespara- graphen band«». Schumann wollte dieses nicht wissen. Die Akten- tasche im Laden?!— er hatte sie absichtlich dagelassen. Sein Hand- schuh hinter der Tür?!— er hatte ihn verloren. Die Zeugen er- kennen ihn wieder?!— können die sich nicht irren? Seine Geld- ausgaben nach der Tat?!— weshalb sollte er sie nicht von der Kursürstondame erhalten haben? Der Riß ani Paletot?!— Wem Ist das nicht schon passiert? Das Reinigen der Kleider?!— War nicht Weihnachten vor der Tür? Das Beil, das in die Wunde paßte?!— Gibt es nicht mehr solcher Beile?.. Ja, dieses Beil! Das war es, was ihn zum Leugnen zwang, lieber das Bell stolperte sein Geständnis. Denn hatte er es von Hans« mitgenommen, so gab es für ihn wenig Hoffnung, daß aus dem Morde ein Totschlag wihde. Das wußte Schumann. Und so zog er es vor, sich in die Pose des Streiters um sein Leben zu werfen, den unschuldig Verdäckstigten zu spielen: besser als Sensationsheid die Oeffentlichkeit zu bc° lchüftigen, als in der Jammergestalt eines reuigen Sünders seine Richter um Mitleid zu betteln— um Mitleid, da- ihm doch nicht gewährt werden konnte. Wozu Geständnis, wozu Reue:§ 211 bleibt doch 211. Für ein Geständnis ist ja immer noch Z«it kurz vor der Entjcheidung der Gnadeninstanz. Ja, es war Mord! lieber Nacht war Schumann zum Mörder geworden— das wollte er nur nicht eingestehen— weil er seine Schulden bezahlen mußte, weil er der zürnenden Schwiegermutter die Gans, der Braut die Handschuhe taufen muhte. Wo alle sich des Weihnachtsfestes fieuien, sollte er.zu Hause sitzen? Sich alle freuten! Schumann hat im Augenblick, wo der Gedanke in Ihm zur Tat reifte, vergessen, daß Arbeitelosigkelt Hunderttausende gleich ihm freudlos macht« und dies« werden nicht zu Mördern. Das Gc- fühlderZusammengehürigkeltfehlteihmier pochte nur auf sein Recht auf Freude und wurde zum Mörder an Wurzel und an sich. Das Gericht hat fein Urteil gesprochen. Co sühnt den Getöteten. So darf man wenige menschliche Satze auch für den Mörder finden. Schumann halte recht, als er in feinem letzten Worte feinen Richtern sagte:„Sie sitzen über mich zu Gericht und kennen mein Inneres nicht." Da er die Tat leugnete, erfuhr man wenig über fein Leben weine Entwicklung blieb in Dunkel gehüllt. Auch wie es zur Tat kommen konnte. Glücklich wird aber fein Leben nicht gewesen sein. Als er als Fünfzehnjnbrigcr kurz nacheinander Vater und Mutter verlor, war ihm nur die Tante, eine einfältige und brave Frau, allein auf der weiten Welt geblieben. In der Familie feiner zukünftigen Schwieaereltern fi'chte er Ersatz für das verlorene Ellcrnhau». Ilm fein Slnfehen als B-äutigom zu wahren, beging er den Mord. Schumann hat kein Gel'ändnis abqe- legt. Niemand weiß, ob ihn leine Tat reut. Ein ausflibrliches Ge> stöndnls erhöht unter allen Umständen das Recht auf Gnade. Der ?2iäHnge Schumann sollte sich zu diesem Geständnis zwingen. Dazu ist es nie zu spät.__ Unter den Berliner Studenten ffi eine große Anzahl, die mit bitterer Not zu kämpfen hat. um durchzuhalten und zum Ziele z» gelang«». Manch« Familie ist vielleicht in der Lage, einen dieser jungen Akademiker zu unterstützen, indem sie ihm ein Zimmer unentgeltlich oder gegen Erstattung der Unkosten für Licht und Heizung überläßt! Sluch Zimmer gegen Nachhilfeunterricht. Beauffichtigling der Schularbeit«» od«r sonstig« Gegenleistungen werden dringend benötigt. Angebote nimmt«nt- Beim Bergführer Hänsele in Sachwitz erschien an einem Abend zu Anfang des Sommers ein blinder Herr in Begleitung eines Hotelbediensteten und ersuchte ihn, am nächsten Morgen den Großgiockncr mit ihm zu besteigen. Es war ein breit- schultriger Herr von kaum mehr als dreißig Jahren, in dessen z.artgefärbtem, fast mädchenhaftem Gesicht die halbgeschlossenm Augen wie verträumt, wie von Gedanken abgelenkt und nur zufällig zu Boden gerichtet, erschienen. .„Görnitz," stellte er sich in aller Form und sogar mit einer leichten Verbeugung dem Führer Hänsele vor, der auf der Bank vor seinem Häuschen in behaglichem Gespräcb mit feinem Nachbarn, dem Bauern Schillting saß, und seine Pfeife rauchte. Hänsele sah verständnislos, beinahe feindselig vor Ver- wunderung den blinden Herrn an, dessen elegante Kleidung sehr komisch von dem kotbespritzten Gewand des Kutschers abstach, der wie ein Freund in ihn eingehängt war. Aber der Herr sprach so erfahren und sachlich, so gelassen von der Stunde des Aufbruchs, den Bedingungen des Weiters und von allem anderen, das vor einer Bergpartei besprochen zu werden pflegt, daß der schwerfällige Aelpier ga« keine Gelegenheit hatte, seine Weigerung vorzubringen. Auch war die Höhe des Honorars, das er zum größten Teil voraus- bekam, wenngleich erheblich höher als sonst, doch nicht so außerordentlich, daß man darin eine Verlockung zu einem Abenteuer, zu einer Dummheit hätte erblicken können. Und außerdem wurde Hänsele immer neugieriger auf den Verlauf dieses seltsamen Abenteuers, je länger er sich den Menschen ansah. Pünktlich erwartete Bruno, wie es besprochen war, den Führer auf der Landstraße vor seinem Hotel in Sportanzug, Nagelschuhen, den Rucksack auf dem Rücken. Anfangs hängte er sich nicht in Hänsele ein. Er werde noch dessen Hilfe mehr als genug in Anspruch nehmen, meinte er lächelnd. Er hörte ja die Sckiritte neben sich, und die breite Landstraße war zu so früher Stunde noch unbelebt. Selten nur fuhr ein Bauernfuhrwerk aufs Feld hinaus. Und es war ihm ein besonderes Vergnügen, so frei zu gehen, den derben Stock-kräftig um den knorpligen Griff zu halten und bei jedem Schritt im Takt auf den Boden zu stoßen. Die Füße dehnten sich bei dem gleichmäßigen weiten Ausschreiten. Es war ein verheißungsvoller, klarer Sommermorgen. Würzige Luft strich wohl von Gärten und Wiesen herüber: ein kleiner, frischer Wind. (Fortsetzung folgt.) gcflcii: Akademisches Wohnungsamt des Studentenwerks Berlin, e. B.. Universität, Ecke Dorothecnstrahe, und Wohnungssürsorgeamt der Technischen Hochschule, Charlottenburg, Berliner Straße. �ns Moabiter Gerichtssälen. Das freie Geleit. Der Angestellte hat 2 5 0 0 0 M. veruntreut— für den Arbeitgeber, einen mittleren Kaufmann, eine außerordentlich hohe Summe. Der fluchtige Uebeltäter konnte nicht gestellt werden. Als aber das Geld alle war— vielleicht hatte er auch einen Teil als„L e b e n s- Versicherung" aus die Seite geschafft—, tauchte er wieder auf, und zwar im Kabinett eines Anwalts: er wollte sich stellen, falls man ihm freies Geleit gewähre: eine dreiste Zumutung. Man gewährte es ihm und er stellte sich den Behörden. In der Gerichtsverhandlung oersprach er hoch und heilig, das veruntreute Geld in Raten abzuzahlen— wie lange wurde er an den 25 000 Mark abzahlen müssen oder hoffte er. das große Los zu gewinnen? Momentan, beteuerte er aber, sei er ohne einen Heller. Und schließ- lich bat er um Bewährungsfrist. Das Gericht befaß aber nicht so viel Nachsicht mit dem Manne, der auf fremde Kosten sich gütlich getan hatte. Es verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefäng- nis und gab ihm keine Bewährungsfrist. Das freie Ge- leit, das ihm gewährt war, galt nichts für das erkennende Gericht. Im Gefängnis gibl's zu effen. Im Juli dieses Jahres hatte er erst das Gefängnis verlassen. Eine Woche' später stahl er im Tietzschen Warenhaus ein Paar Hosen— allerdings wurden sie ihm an Ort und Stelle wieder ab- genommen. Wegen eines Paares Hosen hatte man mit diesem alten Dieb Nachsicht lind steckte ihn, der Gewohnheit entgegen, nicht so- fort ein. Aber auch Arbeit erhielt er nicht. Er bettelte und hungerte sich durch— vielleicht stahl er auch zwischendurch. Jedenfalls wurde er nicht ertappt. Dann ward ihm aber dieses Leben über, er suchte den Richter auf und bat ihn um Untersuchungshaft. Der Richter hatte Mitleid mit dem Manne und schickte ihn ins Gefängnis. Auch das erkennende Gericht hatte Einsicht mit dem arbeitslosen und hungernden Menschen: es verurteilte ihn zu vier Monaten. Fünf wären schon richtiger gewesen, denn im Fe- bruar ist es noch bitter kalt. Die Beleidigung und der vergleich. Frau T. kommt eines schönen Tages dahinter, daß ihr Mann sie mit der Frau P. hintergeht. Sie stellt diese zur Rede. Frau Q). oerspricht, von dem fremden Manne zu lassen. Und sie hält nicht ihr Wort. Da richtet Frau T. an ihre Rivalin einen groben Brief, einen derart groben, daß er zur Wiedergabe im Druck sich schlecht eignet. Frau P. strengt eine Beleidigungsklage an. Frau T. behauptet, In Notwehr gehandelt zu haben. Die Sache verspricht iickeressant zu werden und endet mit einer kleinen Ueberraschung. Frau I. und Frau U. gehen einen friedlichen Bergleich ein. Frau nimmt ihre zensurwidrigen Beschimpfungen mit dem Ausdruck ..aufrichtigen" Bedauerns zurück— den Grad der Aufrichtigkeit kann man sich wohl denken. Und Frau P. verspricht natürlich, nie mehr — lese und schreibe„nie mehr"— mit dem Manne der Frau anzubandeln. Na, na... Unterschlagung eines Reichsbahninspektors. Die Täter geständig. Bei einer Revision auf dem B a h n h o s Wustermark ist die Reichsbahndirektion größeren Unterschlagungen auf die Spur gekommen. Nach den bisherigen Feststellungen sind von einem Eisenbahninspektor etwa 13 000 M. veruntreut worden. Wir erfahren hierzu folgende Einzelheiten: Ein Teil der Kassengeschäfte des Bahnhofs Wustermark unter- standen dem Inspektor Thiele, der sich seit einiger Zeit wegen Neroenzerrüttung in einem Sanatorium in der Nähe Berlins auf- bält. Durch einen Beamten wurden in den Büchern einige U n- stimmigkeiten seftgestellt, die zu einer genauen Unter- s u ch u n g führten, wobei die Berjehlungon zutage kamen. Die Veruntreuungen reichen bis zu Anfang Mai d. I. zurück. Der Verdacht fiel sofort auf den Inspektor Thiele. Es wurde auch vermutet, daß noch weitere Beamte in die Unterschlagungsasfäre verwickelt seien. Einige Beamte der Reichsbahndirektion begaben sich unverzüglich zu Thiele. Ohne zu leugnen, legte er ein um- fassendes Geständnis ab. Demnach hat er von Nach- nahmegeldern Teilsummen für sich verwandt und die Versehlungen durch geschickte Buchungen zu verdecken gewußt. Die ersten Unterschleife machte er im Mai, die er dann von Monat zu Monat fortfetzte, bis sie jetzt eine Höhe von ziemlich 13 000 M. erreicht hatten. Durch einen unfreiwilligen Plötz- lichen Nervenzusammenbruch, der seine Ueberführung in ein Sanatorium notwendig machte, wurde weiteren Versehlungen ein Riegel vorgeschoben. Nach dem Geständnis sind weitere Be- amte, wie anfänglich vermutet wurde, nicht in die Angelegenheit verwickelt. Thiele war im Kriege Reserveoffizier und wurde verschüttet. Später trat er in den Dienst der Reichsbahn. Er ist verheiratet und galt allgemein als ein solider und sehr ordent- licher Beamter. Welche Gründe Th. zu den Veruntreuungen ge- trieben haben, tonnte bisher noch nicht einwandfrei ermittelt werde». Eine Denunziation. Zu welchen Handlungen zuweilen der Haß führt, zeigte ein Fall, l der vor dem Slmtsgericht Berlin-Mitt« oerhandelt wurde. Der Schneidermeister Friedrich Kablitz, Berlin, Fehrbelliner Straße 20, ist vor einigen Jahren feinem Ausschluß aus unserer Partei wegen parteischädigenden Verhaltens dadurch zuvorgekommen, daß er seinen Austritt aus der Partei erklärte. Nun hat er nach Jahren den Veranlasser des Ausschlußverfahrens wegen eines ganz geringen Vergehens, das er in der Arbeitsstelle während der In- flationszeit begangen hatte, denunziert. Gestern stand nun der Be- schuldigte, der Drechsler K. Sch. vor dem Einzelrichter in Moabit, um sich zu verantworten. Kablitz war als Ze'ige geladen, jedoch verzichten Amtsanwalt und Richter darauf, ihn zu vernehmen. Sch. wurde zu einer geringen Strafe mit dreijähriger Bewährungsfrist verurteilt. Härter jedoch wird©ch. dadurch betroffen, daß er aus Lohn und Brot wegen des geringfügigen Vergehens kam. Monarchiftenreklame des Deutschen Ostbundes. Der Deutsche Ostbund E. V. schickt uns ein Schreiben, in dein er unsere Kritik an seiner tendenziösen Roethe-Gedächl- n i s f e i e r in der Universität und an der fchwarzweißroten Rede des Prof. Petersen angreift. Der Ostbund will in dieser Zu- schrift„überparteilich" sein und behauptet, daß er„Tausende und aber Tausende von Mitgliedern hätte, die sich zur Staatsform der Republik bekennen". Stimmt das, so ist das Verhalten seines Präsi- dimns noch unverständlicher und tadelnswerter. Wenn in dem Schreiben des Ostbundes gesagt wird, wir hätten „einzelne Wendungen" aus dem„Zusammenhang gerissen" und„in ein falsches Licht gesetzt", so stimmt das in keiner Weise. Wir müssen unseren Bericht in ollen seinen Teilen voll aufrechterhalten. Die Rede des Prof. Dr. Petersen wurde 3U_ einer beispiellosen p a r t e i p o l i t i s ch. t e n d e n- ziösen Attacke gegen Republick und Volk— erschwerend taktlos in Gegenwart von Vertretern der deutschen mili- tärischen Ministerien der Republik. Uns freut es, daß dem Ostbund aus den Reihen feiner„Tausend und aber Tausend Republikaner", wie es scheint, aus die Finger geklopft worden ist. Denn es wäre ja auch der Gipfelpunkt, wenn ein»„unparteiische Organisation" so unoerhiillt antirepublitanische Propaganda treiben dürste, ohne von ihren Mitgliedern zur Ordnung gerufen zu werden. Zvgendwelhe Ikevkilla. Anmeldungen nehmen Vorwartsspeditlonen Neckarltr. 2 und Slegsriedstr. entgegen. Anmeldung S.b llbr Vorslandssißung mit den Gruppenleitern bei Kromphardt, Paul-Singer-Str. 49. 34. Abt. 7 Uhr in den Andreas-Fcstfälen, Andreasstr. 21, Krcismitglieder- vcrsnmmlun«. Beteiligung aller Eenosssnnen und Genosscn ist Pflicht, 38. Abt. Di« Genosscn beteiligen sich an der Krcismilgliedcrversannnlung in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 71, abends 7 Uhr. Die Bezirlsführer laden ein. 41. Abt. 71b Uhr bei Bader, Illtcrboaer Str. 7(gegenüber der Kaserne), wichtige Mitgliederversammlung. Bortrag:„Unsere Stellungnahme zum Hohenzollern-Bertrag". Referent Brzirksvcrordnclcr Karl Litkc. Sämtliche Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. 1287-30. Abt. Pankow. 714 Uhr im Türkischen Zelt,«reite Str. 14, Mitglieder. Versammlung. Vortrag:„Unsere Stellungnahme zur Fürstenabfindung". Referent Bürgenncister Kerl Leid. M. d, L, Es ist Pflicht oller Mit- alieder, bestimmt und pünltlich zu erscheinen. Achtung! Die Bezirks- führer laden zu der Versammlung«in. 134. Abt, Buch. 8 Uhr in: Lokal Gävfcrt, am Bahnhof, Eißung des Abteilungs- vorilandes mit den Funktionärcn. Rowawcs. 8 Uhr bei Gebauer. Wallstr. 52, außerordentliche Mitgliederver- sammlung. Tagesordnung:„Die Sozialdemokratie und die Hohcnzollcrn- abfindung". Arauenveransiallungen am Miliwoch, den 27. Okiober: 141. Abt. Rosenihal und Riederschönhauscn-Wcst. 7'4 Uhr bei Ebbmever, Kauvtstr. 5, Heiterer Abend. Vortragender: Heinz Barihel. Alle Ge- noiiinnen sind herzlichst eingeladen. Gäste willkommen. Frmienveranstallungen am Donnerstag, den 2S. Oktober: 5. Abt. TMr Ubr im SoFal Linienstr. 222 LichtbilbervortrQg:„Die französische Revolution". Referent Genosse Busch. 68. Abt. Kalensce. 7�4 Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42,. Vortrag: „Landtag und Mrstcn�bfindung". Referentin Else Scheibenliuber. 80. Abt. Schöneberlg. 8 Uhr bei Gürlich. Begaostr. 1. Heiterer ssrauenabend. Vortragender Genosse Schumann. Gäste herzlichst willkommen. ( Sterbetafel öer Groß-öerliner partei-'Grgakiisation 29. Alt. Unser lssenoss« Johann H ö I d t k e, Hochmeistersir. 13, ist ver- sterben. Einäscherung am Freitag, 20 Oktober. 12 Uh-, im Krematorium Gcrichtstraße. Um rege Beteiligung bittet die Adlcilungr'eitung. 52. Abt. Eharlottcnburg. Am Freitag. 22. Oktober, verstarb unser Genosse Paul Schoarschmidt. Wir werden ihm ein ehrendes Andenke» bcwahrc». SoAialiftistbe ftrbeiterjugenü Groß-Serlin. Wanderleiterkonfcren, heute, Miliwoch. pünktlich 714 Uhr. im Jugendheim Lindcnstr, 3. Tagesordnung: 1. Bericht über den Kursus in Spandau lGc- »osstn Else Gaßner). 2. Ardeiterjugend und Lcibesübung(Eenossc Karl Tilch). 3. Aussprache. 4. Berschiedenes. B.-V.-Stßung morgen pünktlich 714 Uhr, Achtung, Abteilungsleiter! Liefert den Berichisbogcn pom 3. Ouartal ab. Achtung,«blcilungskafsiererl Heute. Miitwoch, vou 5—7 Uhr Oldrcchmmg. heule, ZNillwoch, TA Uhr: Weißens»! Turnen In der Salle Ro-ickestraße sleßtco Mal, dann immer Donnerstags in der Turnholle Wörthstroße).— Andreasploß: Jugendheim Große Frankfurter Str. 15, Bortr, z:„Lileratur der Jugend".— Friedrich»- lmin: Iuaendheiin Dieftelmeverstr. 5— 6, Bortrag:„Unser Wandern..,— Friedenau: Die gemeinsame Mitgliederversammlung mi! der Parlei findet nicht statt. Wir gehen zum Kursus, 8 Uhr Schule Wartburgplaß.— Tempclhof: Lyzeum Gcrinaniastr. 4—5 Vortrag:„Alt-Berlin".— Fricdrichshagen: Jugend- Hein: scharnweberstr. 105a, Aussprache:„Die Gewerkschaft— Lichtenberg- MUte: slugendheim Dosscstr. 22,-Vortrag:„Iugendbewrguno und IvaendrUege". —Reu. Lichtenberg: Jugendheim Prinz-Albert-Eiraßc, Iv-Minuten-Referatc.— Li�stenberg-West: Jugendheim Scharnweberstr. 29, Vortrag:„Einführung in die sozialistische Gedankenwelt". We-bebe-ink Vchäueberg: Ech-ule Wartburavlait We'bcbe»ir?svorstandsstßung. Eämt'iche Gruppenleiter müssen pünktlich erscheinen. Anschließend Echulungs- kUtst'S, Wrrbebezirk»reuzbng: Sprechchorprob« im Jugendheim Reichenberger Str-«r 55, �elu-b-ilNvlak: Schul» Elerowatder Str. 10, Einführungsabend. Zwei Kunstabenb« am Sonntag. 31. Oltober. Jugendheim Linden- st-aße 3 Prof. Keftenberg:„Ioh. Scb, Dach"(mi: E' läutcrungen am Klavier): Jugendheim Eharlottenhurg Rostnenstr. 4. Dr. Hilker:„Ein- kühruna in die Kunst". Beainn pünktlich 714 Uhr. 9. Kreis Wilmersdorf. henke ZNillwoch, den 27. Oktober, abends pünktlich S Zlhr, im Vikloriagarken, Wilhelmsaue 114/115 Nepublikamscher Abend Vortrag:.Leben wir in einem Rechtsstaat?'(Die Fälle Kölling, Großmann, Femeprozesse usw.) Referent: Rechtsanwalt Dr. Rotbe. Alle Republitaner sind eingeladen. Erscheint in Massen, um gegen die gegenwärtigen Zustände zu protestieren! Sprech- Chor für Proleiarische Feierstunden. Die NebungSlwnde muß auch In dieser Woche verlegt werden, Sic findet also nicht am Donnerstag, sondern am Sonntag vormittag 10 tlhr in der Aula der Sophienschnic. Weinmeisterstr, 16/17, statt. Alle Beteiligten müssen bestimmt und pünktlich erscheinen, Gäste, die mitsprechen wollen, sind willkommen. Lee Bildungiaudschnß Treptow-Laumschulenweg veranstaltei am Freitag. den 29. Ostobcr. abends S Uhr, seine 45. Vorführung wifsenschastticher Filme in der Treptow-Sternwarte. Zur Vorführung gelangen neben Natursilmcn lechnischc Filme und ein sehr heilerer längerer Schlußsilm, Karlen zu 50 Ps, sind in den DorwärtSspcditionen Graeßstr. 50 und Baumschulenwez, Kiesholzstraße, sowie an der Abendkasse zu haben. Sport. Rennen zu Strausberg am Diensla?. den 26. Offeber. 1. Rennen. 1. Lukrczia(SS. Schmidt), 2. Firn(ST. Schmidt), 3. Mumpitz(H. Torke), Toto: 29: 10. Platz: 12, 19, 26: 10, Ferner liesen: Lese, Paladin, Schirmherr, Dollar, ges,. VaSko, gef,. Parioli. 2. Rennen. 1. Cebria(v.Metzsch), 2 GlückSstundc(Öcrlel), 3. Capua (Schimma). Toto: 30:10. Platz: 16, 23, 22:10. Ferner liesen: Frkuisk, Lebedam c, Baltazar, ThcoS, angeh, Vidouze, Moustasa Kcmal, Le Marborö, Diamant, Lauf, angeh,, Circe, Frangoisö, 3. Rennen. 1. AMeilung: 1. Stichelei(Walter Heuer), 2. Sieg- linde(Weidner), 3. Haideprinzessin(Dippelt). Toto: 412: 10. Platz: 94, III. 26: 10. Ferner liesen: Ardoriton. Dan, Argonaut, Trenhcrz. Eiccola, slosiclstein, ges,. Oftara, Trutzin.— 2. Abteilung: 1. Campamila(Hauser), 2. Anstel lMLschcn), 3. TulliuS(R, Derschug). Toto: 23: 10. Platz: 13, 18, 21: 10. Ferner liefen: Eigilsaga, Scdan, Leiersrau, Engpaß, Raben- steinerin, Valid, angeh,, Walla Walla, Silvaplana. 4. Rennen. 1. Roienkönig(v.Reibnitz), 2. Antin(Schnitzer), 3. Onkel Otto(v, Götz). Toto: 145: 10. Platz: 72, 59: 10. Ferner liefen: Im- prcffario, Esto. 5. Rennen. 1. Fcchkerin(Derlei), 2. Spiritist(Franzke), 3. Mund- schenk(Wcidner). Toto: 52: 10. Platz: 17, 19, 26: 10, Ferner liesen: Seewarte, Credulitc. Gigerl, Sulamitb. gef., Ma Berthe, Wetterscheide, Sliß me quick, gef., Fabiola, Tnrsball. ges, 6. R e n n e n 1. Clothilde(Lr, Wenzel). 2. FraSguila(Zehmisch), 3. Taiga(M, Leutzsch). Toto: 259: 10. Platz: 53, 21, 87: 10, Ferner liesen: Ristil, Märchen. Regina II, Jlsenstein, Traunegg, ges,, Rcsenracker, Sanktion. Landolo, Lichtung, Grille. Für da, am kommenden Sonnlag im Sporkpalast stattfindendc inkcr- nalionaie Z-Slunden-AIonnschastsrevuen sollen zwölf auSgcwählle Paare verpflichtet werden. Das Rennen, das den traditionellen Anstatt zu dem am Donnerstag nächster Woche beginnenden 17. Berliner Sechstagerennen bilden soll, muß schon jetzt nach der GiSher erfahrenen Besetzung— ver- interessanten Verlauf nehmen. Vorträge, Vereine unö Versammlungen. « Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin<5 14, Sebastianstr. 37/38. Hof 2 Tr. Wilmersdorf: Mi., d. 27., 8 Uhr. besuchen sämtliche Kameraden den �. Nevublikanischen Abend im Viktoriafl-Trten. Die Jugend» und Gruppensülzrer laden ein. Jeden Do� 8 Uhr, T�.n- und Sportüdungen in der Oberrealschule am Eeepark. BcteAiguna fUr Jugendliche usw. Pflicht.— Treptow: So., d. 30., 514 Uhr, Antreten Bhf. Treptow.— Käpcuick: Jugend- kaincradiÄaft: Mr., d. 27., 8 Uhr, im Jugendheim Lichtbildervortrag über„Der deut/che Bauernkrieg". Kam. Dr. Grunde!,— Weißeirsc«(Kreis): Do„ d. 28,. 714 Uhr. Antreten Griiuer Baum, Berliner Aller. Pflichiveroustaltung. Werbe- versammlg. 8 Uhr Borirsstofuai. Referent Fr. v. Pultkamer:„Innere und äußere Poirtlk 1914— 1918". Republikaner als Gäste willkommen. Nochrichtcndicnst lodct ein. Fr,, d. 29., 7 Uhr. Autreien Grüner Baum zwecks Saalschuß nach Hohenschönhausen.— Reinickendorf(Kreis): Fr., d, 29., 8 Uhr. Echüßenhaus. Restdcuzstr. 1. Vollvers. Vortrag des Kam. Martin Schneider:„Unsere Gegner". Erscheinen aller Pflicht.— B-rnau.Ladcburg: Mi., d. 27., rs« Uhr, Antreten beim Kam. Modisch zum Umzug und Saalschuß bei der öffentlichen Kundgebung der SPD. Redner Landtazspräsident Bartels. Berliner Äandwcrkeroerein, Mittwoch. 27. Okiobcr. 8 Uhr. Sophienstr. 18, Lichtbildervortrag von Lehrer Emil Dorm:„Wie entstand die Welt?" Verband Bolksgefundheit, Ordsvcrcin Berlin. Donnerstag. 28, Oktober, 8 Uhr, in der Schule Ifflandstr. 9, spricht Genosse Miillcr über„iS-dwng-. mSglichkeit in Deutschland".— Arn 29. Oktober spricht Genosse Rektor Schmidt über„Ptoletarische Kulturarbeit", Goßlerstr. 51. Dentschc Fri-d-n-ges-llschast. Donnerstag abend 8 Uhr im„Aslanier", Auhaltstr. 11. Vortrag von Ministerialrat a, D. Folkenberg über„Die wir«. fchaftliche Oroanisation des Friedens". Anschließend Berichterstattung Dr. Weh- bcrgs Uber Gencralverfammluna und Pazifistenkongreß, Reichsbund südlicher FronisoUraten. Ortsgruppe B-rli», Bezirk Moabit. Donncrsiag. 28. Oktober. 814 llbr. im Restaurant Tieroartcnhof(Pfeilersaal), Bahnhof Tiergarten. Bortrag. Referent Egon Jacob, oh,> Kursus lüc Helfet in der Trinkerfürsorge. Miitwoch, 27. Okwber, 711 llbr, Dorothccnstr. 28. Borirag:„UiUcrbringung und Heilung von Aikoholkranken". Acfl'rLnt>sanltälsr leugnen. Ein neuer Volksentscheid war unmöglich. Für die Hohen- zollern bestand nächstens die Mögllchkeit, im Weg« der Klag» vor- gehen zu können. Wie das ausgegangen wäre, wissen wir bereits. Vor allem stand im Vordergrund: wir sitzen in der Regierung und diese Regierung wäre dafür verantwortlich geworden, daß die hohen- zollcrn an Gerichksstclle mshr bekommen Höllen, als ihnen der ver- gleich zusprcih. Darauf wäre die Ablchmmg des Vergleichs hinaus- gelaufen. Wollen die Parteigenossen es auf sich nehmen, daß den Hohenzollern mehr als nötig gegeben werde, nur deshalb, weil ihnen der Mut zur Verteidigung des Vergleichs fehlle?(Sehr richtig!) Unter der Heiterkeit der Versammlung erklärte der Redner, es dürfte kaum eintreten, daß die Hohenzollern mit dem ihnen zugesprochenen Gelde etwa reaktionäre Bewegungen unterstützen werden. Nach ihren Lcbensgewohnheitcn dürsten sie aller Voraus- sicht nach mit dem Gelds bald allein fertig werden. Solange der ehemalige Kronprinz noch Vorschüsse für den Ankauf von Flugzeugen erbittet, solange braucht uns um die Verwendung der Gelder nicht bange zu sein. War etwa als Rückwirkung des Vergleichs eine Rückkehr Wilhelms des Ehemaligen erwartet, der erkennt die tatsächlichen Verhältnisse nicht. Richt Wilhelms Rückkehr bedeutet eine Gefahr für die Republik. Viel- mehr ist der Wunsch der Rechtsparteien, besonders der Deutsch- nationalen, in die Regierung zu kommen, viel gesähr- sicher. Wäre es nach den Kommunisten und ihren deutschnationalen Bundesgenossen gegangen, so wären die Reaktionäre ebenso schon an der Regierung, wie Hindenburg mit Thälmanns Hilfe Reichs- Präsident wurde. Gefabr droht der Republik auch von den Ultrarechten. Ihr Geschrei„Ran an den Staat sollte doch jedem zeigen, wohin der Weg geht. Die Erhaltung der Republik und der Freiheit ist also unsere vornehmste Pflicht. Dazu gehörte auch der Hohenzollern-Vergleich. Er war die b i l l i g st e Be> aleichung einer üblen Angelegenheit.(Bravo und Widerspruch!) Bedenken Sie doch, daß man über t a t t I s ch e Fragen In der Partei noch immer geteilter Meinung war. Das ist gut so. Wir werden auch über diese Sache zu einer Einigung kommen. Eines aber sollten wir bedenken: wir dürfen nicht die Partei entgelten lassen, was nur Meinungsverschiedenheit über eine taktische Frage ist!(Lebhafter Beifall!) In der Z)!s?ussioa trat Genosse Löfsler dafür ein, daß unier der Parole der Fürsten» entcignung die Auflösung des Reichstags hätte erzmun- gen werden müssen. Die Fehler von 1918 können nicht als Eni- schuldigung für die jetzige Entscheidung der Landtagsfraktion gelten. Genosse Dr. Roscn'eld betonte, daß die Reichstagsabgeordneten D i ß m a n n und A u f h ä u s e r bei den ausschlaggebenden Sitzun- der Reichstogsfraltion nicht zug estlmmt gegen das Kompromiß gestimmt. Die Londtagsfraktion en der Reichstogsfraltion nicht z u g e a e n�waren. Tie hatten ..--. hätte auch keine Rücksicht auf die« t i m m u n g der Parteigsnossm und aus die W« r b e w o ch e genommen. Rosenfcld verteidigte seine Tätigkeit als Iustizminister: seine Anträge auf Enteignung der Hohenzollern seien damals abgelehnt worden.(Der Redner erhall eine Zusatzredezeit.) Im übrigen hätte die Fürstenabfindung als eine politische Frage behandell werden müssen. Der Hohenzollern- vergleich bedeutet eine Schädigung der Bevölkerung auch in den anderen Bundesstaaten, die noch vor einer Auseinaudirsetzung mit den Fürsten stehen. Die Fürstenabfindungsfrage hätten wir zum Gegenstand einer Reichstogsauflösung machen müssen. Genosse Künstler beniängelle, daß die Parteigcnossenschaft nicht vor Abschluß des Vergleichs über seinen InHall informiert wurden. Auch der„V o r w ä r t s" hat in dieser Hinsicht versagt. Das muß im Interesse einer geordneten Porceiarbcit in Bersin m Zu- kunft aufhören. Hätte die Fraktion vorher mit den Parteigenossen gesprochen, so hätte sich sehr wohl eine Verständigung erzielen lassen. Wir dürfen nicht ooc lauter Staatspolitik unsere Parteipolitik vergessen. Genosse hlldsbrandt steht auf dem Standpunkt, daß sslbst für den Preis des Austritts unserer Genossen aus der Regierung der Fürstenvergleich hätte abgelehnt werden müssen. Die Ablehnung des Vergleichs hatte die Erfolge unserer Werbcwochc bedeutend gesteigert. So aber ist unsere Arbeit stark erschwert worden. Landtagsabgeordneter Harnisch bestätigt«, daß die Fraktion das erstemal, ohne daß der Wortlain des Vergleichs jedem einzelnen Abgeordneten vorlag, s ü r diesen Vergleich eintrat. Allerdings hätten später dann viele Jasager dagegen gestimmt. In den Fraktions- sigunpen seien jedenfalls nicht alle Ablehner gegen den Vergleich vorstellig geworden. Die anderen Koalitionsparteien nehmen auf ihre Verpflichtungen als Regierungsparteien nicht soviel Rücksicht, wie unsere Fraktion. Harnisch führte dafür Beispiele an. Wir hätten uns alsd auch freie Hand behotten können. In der ganzen Frage hätte die führend« Hand des Parteivorstandes gefehlt. Die beste Stütze der Republik ist eine starke Sozialdemokratie: ihre Stärkung würde mit der Annahme des Vergleichs nicht erreicht. Genosse Geiger spricht von der Erschwerung der Parteiarbeit durch die Haltung der Landtagsfraktion. Allerdings werden die an Kampf gewohnten Funktionäre olle Angriff« abzuwehren wissen. Genosse Söhn begrüßt die Aussprache und erhofft davon ein« Klärung der Meinungsverschiedenheiten. Der Redner spricht gegen die Koalitionspolitik. Genosse Ad. hoffmann bestätigte die Ausführungen des Ge. nassen Dr. Rosenfeld. Die Parteigenossen haben die Pflicht, i» der Zukunft wachsamer zu sein. Die technische Möglichkeit zur Ver- ständigung der Partei hätte durchaus vorgelegen. Bei der Varwen- dung der Gelder durch die Hohenzollern werden wir noch manche Ueberroschung erleben. Bei der Fernhaltung der Hohenzollern. sollten wir uns nicht auf den Protest des Auelandes verlassen. Durch die Annahme de- Vergleichs ist dem Reichstag die Möglichkeit ge- nommon worden, das Sperrgesetz zu verlängern. Hosfmann kritisierte dann die Haltung des„Vorwärts" und befürwortet die Annahme einer Resolution. In vorgerückter Stunde wird ein Antrag auf Schluß der Debatte ohne Widerspruch gutgeheißen. Eine größere Anzahl Redner konnte daher nicht mehr zu Wort kommen. Im Schlußwort bedauert Hcilmann. daß kein Mitglied des Parteioorstandes und ander« Sochksnner in der Diskussion zu Wort« gekommen sind. Der Reimer polemisiert dann gegen die Ausführun- gen des Genossen Dr. Rosenfeld und kritisiert dessen Tätigkeit als ehemaliger Iustizminister... � m Im übrigen trägt selbstverständlich die Landtagsfraktion die Ver- anttvortlmg für ihr« Stellungnahme und es kann keine Rede davon sein, daß diese Verantwartung etwa abgewälzt werden soll Wäre es nach dem freien Willen der Fraktionsmitglieder gegangen, so wäre der Vergleich abgelehnt worden. Aber es war noch mehr zu beachten. In der Landtagsfraktion ist über die Vorlag« gesprochen worden,«he sie eingebracht wurde und deshalb ist ihr wesentlicher Inhalt auch den Fraktionsmitgliedern bekannt gewesen. Es kann als feststehend an- gesehen werden, daß die Reichstagssraktion die fjaltung der Eencssen im Landtag billigen wird. Wenn die Parteigenossen auch die Haltung der Londtagsfraktion jetzt kritisieren, wozu sie natürtzch das Recht haben, so müssen doch auch die guten Gründe der Fraktion anerkannt werden. Heilmann teilte dann noch mit, daß die Fraktion es jedem Mitgliede freigestellt hatte, vor der Abstimmung im Plenum den©alil zu verlassen. Davon haben aber nur sehr wenig« Ge- brauch gemacht. Die Fraktion stimmte im Landlag nicht mit ja. aber auch nicht mit nein, weil sie keinen Weg sah, billiger die Auseinandersetzung beenden zu können. Wer da glaubt, daß uns die Teilnahme an der Regierung Freude mache, der irrt gewaltig. Glauben Sie, Genossen, daß es für Eberl, Braun und Severing leicht war, unter den obwaltenden Umständen die Regierung zu "" ren? Hat es einen Menschen in Berlin gegeben, der es nicht bedauerte als Severing scbied? Von diesen Gesichtspunkten aus imiß man die Frage doch schließlich auch betrachten und so müssen sich auch die Berliner Parteigenossen einstellen.(Beifall!) Nach einer persönlichen Bemerkung des Genossen Rosenfeld wurde folgend« Entschließung gegen eine starke Minderheit angenomnien: Die stark besuchte Funktionärkonferenj erklärt, daß die Stimmenchalluna der Landtogssraktion der Aufsassung der großen Mehrheit der Berliner Parteigenrssenscl�st widerspricht. Die Konserenz bedauert die Haltung der Fraktion. Die Funktionärversammlung begrüßt dagegen den Antrag der Reichstagssraktion, der die dauernde Verbannung des Exkaisers gesetzlich festlegen will. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratische Partei schloß Genosse Liedtke die Versammlung. Kaffee imd Bassel* nidii fillela auch y&Lef 5 IWlsWWma j) hinein! Die Kaffeelwlute ist von tipräAcr llaiiit Dem Isochenden�&ssef ihr Befba nicht preis. Es l>ec!&rf der 2utat von �her s Carlshader tun ihren flüthügen Ditfi und herhen Whhlgelchmack restlos für das Getränk Zu gewinnen. [#1____ SnioEge des drohen msprudss- FoUseEzond des r-—___' Belle- Alliance-Str.* Gr. Frankfurter Str.# Brunnenstr.# Kottbusser Damm# Wilmersdorf er Str. ► ftr. 506 ❖ 45. Jahrgang 2. Heilage des vorwärts Mittwoch, 27. Oktober 1926 s Ireies oöer gebundenes Hodeneigentum � Akute Fragen des Bodenrechts. Sowohl der Entwurf für ein prcuhisches Städte- b a u g e f e tz als auch der vom Reichstag geforderte Entwurf eines Reichsbodenreformgesetzes bezwecken einen unverkenn- baren Eingriff in das Privateigentum am Boden. Beide Entwürfe beruhen auf dem Artikel ISS der Reichsverfassung, in dem ausgesprochen ist. daß die Verteilung und Nutzung des Bodens von Staats wegen in einer Weise über- wacht wird, die Mißbrauch verhütet und dem Ziele zustrebt, jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den kinderreichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wehn- oder Wirtschaftsheimstätte zu sichern. Wenn diesem ver- fassungsmäßigen Ziele gedient werden soll, dann lassen sich gewisie Eingriffe in das Privateigentumsrecht eben nicht vermeiden. Hinter die lebens- und naturnotwendigen Bedürfnisse der Allge- meinheit haben die privatrechtlichen Ansprüche einzelner Bolksange- hörigen, die damit kollidieren, zurückzutreten. Das Recht des ein- zelnen hört immer dort auf, wo dos Recht der übergeordneten All- gemeinheit anfängt, der auch der einzelne fein Recht und feine Stellung verdankr. Zu jenen Kreisen, die sich hartnäckig sträuben, dies anzuerkennen, die sogar den Artikel ISS ablehnen, gehört auch der R e i ch s l a n d- b u n d. Dieser hat in den letzten beiden Iahren zur Frage des Bodenprivatetgentums eine Stellung eingenommen, die weit ent- fernt von derjenigen ist, zu der sich der frühere hervorragende Führer des Reichslandbundes, der im vorigen Jahre verstorbene Dr. Freiherr v. Wangenheim wiederholt bekannt hat, nämlich: daß Grund und Boden überhaupt nicht dem sonstigen Eigentums- begriff unterstellt werden dürfte, er vielmehr als„O c t t e s l e h e n" im Sinne der biblischen Deklaration(3. Buch Mose, Kap. 26) behandelt werden müßte. Die manchmal geradezu wütige Kampf- «instellung des Reichslandbundes gegen die neuzeitlich wieder auf- genommenen, an altes mosaisches und altgermanisches Recht an- knüpfenden Bestrebungen fällt ungefähr zusammen mit dem Ein- tritt des Ministerialrats a. D. Dr. Hans P o n s i ck in die Leitung des Reichslandbundes und dessen Tätigkeit als reichslandbündleri- scher Berater in Bodenrechts- und Siedlungsfragen. Dieser Umstand ist um so bemerkenswerter, als derselbe Herr Dr. Ponsick, der heute gar nicht genug das freie, unbeschränkte Bodeneigentum preisen kann und jeden als„B o l s ch e w i st e n* und„Privat- eigentumsräuber'„brandmarkt", der andere Rechtsauf. fastungen vertritt, früher, bevor er in den Diensten des Reichsland- bundes gestanden hat, um mit feinen eigenen heutigen Worten zu sprechen, ein richtiger„Bodenrechtsrevolutionär" gewesen ist. Ein anschauliches Zeugnis dafür ist eine Schrift des Dr. Ponsick, die im Jahre 19A1 unter dem Titel„Bodenreform— insbesondere ländliche— im Rahmen völkischer Staatskunst"(Verlag I. F. Lehmann, München) erschienen ist. Hier seien nur einige Proben dar- aus angeführt. Ponsick schreibt: „Nach der gesunden, natürlichen Auffastuna unserer Vor- fahren hatte auf Grund und Boden nur der ein Recht, der ihn auch wirklich zum Wohl der Gesamtheit und damit lediglich zum eigenen Wohle nutzte. Das Grundeigentum war gebunden.... Im Artikel 16S der Reichsverfastung ist ein Ziel für eine völkische Staatskunst ausgestellt, das> e d e m, der sich ernstlich mit den gesellschaftlichen Folgen unseres bis- herigen Bodenrechts befaßt hat, einleuchten muß. Rur Eigen- nutz kann hier Gefolgschaft versagen." Das schrieb also vor sechs Jahren derselbe Mann, der jetzt den Artikel ISS verleugnet und fein« Abschaffung unterstützt! Man wird wohl annehmen müssen, daß Herr Dr. Ponsick inzwischen ver- gesten hat, was er damit geschrieben. Andernfalls mühte er den Satz vom„Eigennutz" jetzt doch auf sich selbst anwenden. Aber es war nicht bloß dieses Allgemeinbekenntnis. Ponsick, der heute auch ein grimmiger Feind des Bundes der Bodenreformer ist, lobte und beglückwünschte damals die Bodenreformer zu dem von ihnen mit dem Artikel tS5 erzielten Erfolg. Im übrigen sah er sich gemüßigt, zu erklären, der Bund der Bodenreformer müsse noch viel mehr tun als er bisher getan. Besonders sei es an der Zell, dieländlicheundlandwirtschaftlicheBoden- frage eingehender zu behandeln. Er selbst erhebt gleich mehrere «inschneidende Forderungen. So läßt er sich z. B. über den Groß- grundbesitz mit folgenden Worten vernehmen: „Man kann die Notwendigkeit des landwirtschaftlichen Groß- betriebe für bestimmt« Zwecke(Saatgut, Versuchsgüter tzsw.) durchaus anerkennen und dennoch im Großgrundbesitz oder besser Grobgrundeigentum eine zu dem Gemeinwohl schädlich wirkender Macht st ellung führende, also aus un- richtigem Recht ruhende Einrichtung sehen." Und weiter:„Andererseits braucht die Erkenntnis der Volkswirtschaft- lichen Notwendigkeit landwirtschaftlicher Kleinbetriebe durchaus nicht in die Forderung des freien bürgerlichen Eig c n- t u m s an solchen Betrieben münden. Man braucht sich nur Ein- richtungen wie Erbpacht, die Erbzinshöhe und ähn- liche'Gestaltungen einer— leider fast völlig vcrschwun- denen— Landverfasfung, überhaupt die frühere Gestallung des „O b e r e i g e n t u m s" gegenwärtig zu halten, um dies zu er- kennen." Hier bekennt sich also Ponsick offen als Anhänger nicht bloß des gebundenen Eigentums, sondern sogar gegen die Zweckmäßigkeit des Privateigentums, indem er für Erbpacht und ähnliche Gestaltungen eintritt. Das Großgrundelgentum fand damals nur sehr wenig Sympathie bei Ponsick. An einer anderen Stelle läßt er sich nämlich noch so aus: „Bor allem die übergroßen Grundherrschaften wird man aus das im volkswirtschaftlichen Belange liegende Maß zurückzuführen haben." Als Mittel, zu diesem Ziele zu gelangen, bedürfe es einer progressiven Grundwert st euer. Und was für einer! „Sie wäre nach Aereboes Vorschlägen so zu gestalten, daß für die ersten z. B. 109 Hektar der einfache Steuersatz, für die nächsten lOO ein erhöhter und für weitere 199 Hektar ein noch stärker erhöhter Steuersatz zu zahlen ist. Bei Ueber- schreitung der Grenze aber, die vernünftigerweise noch von einem einzelnen dienlich bewirtschaftet werden kann, mühte die Grundsteuer so ansteigen, daß ein Ruhen so gut wie unmöglich wird." Ponsick tritt also hier für eine indirekte, letzten Endes entfchädi- gungslofe Enteignung des Großgrundeigentums„auf kaltem Wege" ein, indem er verlangt, die Steuerschraube entsprechend an- zusetzen. Demgemäß kann man sich auch nicht wundern, wenn er im übrigen«in Ankaufsrecht des Staates und ebenso eine unmlltelbare Enteignung in dem Sinne verlangt, daß der Staat immer nur„nach der Seibsteinschätzung zum Nenn- wert" ankaufen und enteignen kann. „Keinem Zweifel darf man sich darüber hingeben," sagt der Ponsick von 1S29,„daß alle Maßnahmen einen schweren Ein- griff in bisher für unantastbar gehaltene Rechte des Pri- vateigentümcrs bringen müssen.... Wir müsten uns aber wieder mit dem Gedanken befreunden, daß Eigentum an Grund und Boden etwas anderes ist als das Eigen- tum an beweglichen Sachen, dos eine begrenzte Rechts- form darstellt." So schrieb der gegenwärtige Leiter des Reichslandbundes für Bodenrechts- und Siedlungsfragen, Ministerialrat a. D. Dr. Hans Ponsick im Jahre 1929. Heute erklärt derselbe Mann und läßt von seinen Mitarbeitern im Reichslandbund jeden als„Privateigentums- räuber" erklären, der in der einen oder anderen Form gleiche Gedanken und Forderungen ausspricht. Preissrage: In welcher Zeit hat Herr Dr. Ponsick seine wirkliche Ueberzeugung bekannt? Zweite Preisfrage: Wie steht der Reichslandbund zu dem Urteil Ponsicks vom Jahre 1929, wonach nur Eigennutz die Gefolgschaft zur Ausführung der im Artikel ISS der Reichs- oerfastung niedergelegten Verheißungen versagen kann? Die politische und soziale Entwicklung unserer Zeit hat sich seit 1918 in Kreuz- und Querzügen bewegt. Das wird ganz besonders offenbar, wenn man sich die veränderte Haltung der verschiedenen politischen Parteien, Wirtschafts- und Bolksgruppen zu den Bodenrechtsfragen einmal vergegenwärtigt. Viele verfluchen und steinigen heute, was sie damals angebetet. Und andere, denen das damals von diesen Angebetete zu unscheinbar war, sind heute seine Schützer und Pfleger geworden. Wir befinden uns in der Tat in einer großen, tiefgehenden Umwertung politischer und sozialerWerte. OttoAlbrecht. Der neue Hroßschiffahrtskonzern. Kufion Havaa-DeutslH-Austral-Kosmos-Stinncs» Linien. An der Bildung eines neuen Großfchiffahrtskonzerns, der einen großen Teil der gesamten deutschen Ueberseeschiffahrt umsaßt, ist nicht mehr zu zweifeln. Die Fusion der H a m b u r g- 2l m c r i k a- Lini«, der Deutsch- Australischen Dampfschiff- fahrtsgesellschast. der Dampfschifsohrtsgesellschast„Kos- mos" und der von den beiden letzten Gesellschaften angekauften Stinnes-Linien wird als feststehend gemeldet und durch den bevorstehenden Eintritt des Generaldirektors Bögcr vom Deursch- Austral-Kosmos-Konzern in den Vorstand der„Hapag" bekräftigt. Damit erreicht die K o n z e n t r a t i on s t e n d e n z in der deutschen Ueberseeschiffahrt ihren bisherigen Höhepunkt: der Zu- sammenschluß der Rolandlini«, der Hamburg-Bremer Afrika-Linie und der Rederei Horn A.-G.. Lübeck, mit dem Norddeutschen Lloyd sowie die Vereinigung der Stinnes-Linien mit Deutsch- Austral-Kosmos werden damll zur Etappe. Die Hapag wird nach dem Zusammenschluß die größte Rederei Deutschlands sein. Folgende Tonnenzahlen und Kapital« werden durch die Fusion»«reinigt: . 439 909 To. Schiffsraum, 76 Mill. Kapital Hapag.... Deutich-Austral- Kosmos.. Stinnes-Linien. 229 909 >46 999 39 5 Zusammen: 796999 To. ScbiffSranm, 1>1 Mill. Kapital Mit rund 899 999 Tonnen wird der Schiffsbestand des neuen Konzerns den des Norddeutschen Lloyd noch um 299 999 Tonnen übertreffen. Das zusammengeschlosstne Kapital wird sich aber von III Millionen noch auf 126 Millionen erhöhen. Die Hapag wird nämlich ihr jetziges Kapital von 76 Millionen um 59 Millionen auf 126 Millionen steigern. Von diesen 59 Millionen gehen 18 Millionen an Deutsch-Austral, 12 Millionen an Kosmos und 29 Millionen sollen zum Ankauf der 5 Millionen Stinnes- Aktien und zur Ablösung der auf der Stinnes-Flotte liegenden holländischen Hypothekenschulden Verwendung finden. Wie weit für andere Zwecke noch Beträge verfügbar bleiben, steht noch nicht fest. Nach der Fusion wird bei der Hapag und dem Norddeutschen Lloyd allein die Hälft« der gesamten deutschen Handelstonnage ver- einigt sein. Täuscht nicht alles, so wird die S ch i f f a h r t s v e r- trustung noch weiter« Kreise ziehen. Einmal sind Hapag und Lloyd gemeinsam an den beiden Afrikalinien(Woermann- und Ostafrikalinie) beteiligt. Sodann bestehen schon j«tzt zwischen Hapag und Norddeutscher Lloyd Vereinbarungen zur Ausschaltung der gegenseitigen Konkurrenz. Ein wichtiger treibender Faktor ist auch das Bankkapital, das ja vielfach aus eigenem Inter- esse die Konzentrationsbewegung in Deutschland stark fördert. So ist auch für diese Fusion besonders jnteressant, daß die D a r m- städter und Nationalbank duttil starke Aktwnkäufe die Fusion von langer Hand vorbereitet und durch das b e- fristete Angebot ein«s Deutsch-Austral>Kosmos-Aktienpakets die Hapag indirekt zum Kauf gezwungen hat. Die amerikaaische Nekorö-Saumwollentte. Der Vaumwollpreis unier Vorkriegsstand. Das amerikanische Ackerbauamt schätzt, einer Kabelmeldttng d«r „Tertil-Woche" zufolge, die diesjährige amerikanische Ba um- woller Nie auf 17 4 5 4999 Ballen(gegenüber«iner Schätzung von 16 627 999 Ballen vor zwei Wochen). Damit steht fest, daß die Ernte einen bisher noch nie erreichten Rekord- er t r a g erbringen wird. Die letztjöhrigen Ernten von 1921 bis 1925 hatten eine ständige Steigerung auszuweisen: sie beliesen si6> aus 7,9 Millionen, 9,7 Millionen, 19,1 Millionen, 13,6 Millionen und 16,1 Millionen Ballen. Auf dem Baumwollmarkt ist diese neue, gewaltige Mehrschätzung jedoch ohne großen Eindruck geblieben, denn man hatte bereits vorher allgemein mit einer Erhöhung der Schätzung auf über 17 Millionen Ballen gerechnet. Auch steht der Baum- Wollhandel gegenwärtig stark unter dem Eindruck der amerikanischen Pläne, die mit Reglerungshilfe ein« Balorisierung der Baumwolle und eine umfangreiche Einschränkung des Baumwollanbaus erreichen wollen. Der Außerordentliche Tiefstand der Baumwollpreise, die sogar noch etwas urftfir die Vorkriegspreise des Jahres 1913 zurückgegangen find, veranlaßt bereits viele Derbraucher, sich in größerem Umfang einzudecken, aus Furcht, die günstigsten Preise zu verpassen. Der /irbeitsmarkt in 6er dritten Gktoberwock-e. Die Besserung der Arbeitsmarttlage hiell nach den Be- richten der Landesarbeitsämter zwar in der dritten Oktoberwoche noch an, näherte si ch aber in den Bezirken, in denen Saisov- geschäfte überwiegen, merklich d e m S t i l l st a n d. In den übrigen Bezirken, insbesondere Rheinland, Westfalen, Mittel- und Süd- deutschland, hob sich die Lage weiterhin schwach, wobei betont wird, daß diese Besterung trotz Rückganges in den Saisongcjperbeu er- folgte� Der Bergbau hatte auch in der Berichtswoche günstige Vcschäftigungsmögllchkciten. Befriedigend war auch die Skae in der Textil-, der Papier- und der NaHrungsmif�e!- i n d u st r i e sowie im Bekleidung?- und Bervielsästigungsgewspbe. Dagegen lag die Metall- und M a s ch i n e n i n d u st r� e weiterhin danieder und nahm teilweise Entlassungen vor. Nor einem deutschen Messtugtrust. Große Pläne mit realem Hintergrund, die auf die Schaffung eines deutschen Trustes der Messingerzeuger hinauslaufen, verfolgen die Hirsch-Kupfer- u.nd Messingwerte A.-G., die M a n s f e l d A.-G. und die Metallbantgruppe Frankfurt. Beabsichtigt ist die Zusammen sastmig möglichst der gesamten Messing- Produktion Deutschlands in wenigen leistungsfähigen Werken, die rationell« Untervertellung der einzelnen Produkt« und die einheitliche Gesamtbewirtschaftung der Erzeugung und des Absatzes. Um auch die sehr zahlreichen Kleinerzeuger zum Anschluß zu bringen(es eristieren rund 129 Er.zeugerfirmen, davon noch nicht zwei Dutzend große), ist ein Quotens y st am geplant mit der Möglichkeit der Ouotenübertragung und der Zahlung von Entschädi- gungen für stillzulegende Betriebe. Die Trustgründung soll durch eine Studiengesellschaft vorbereitet werden, für die«in Kapital von 199 Millionen genannt wird. Ein neues Wirtjchaflsunternehmen der Gewerkschaften. Eine Handelsgesellschaft für Bureaubedarf und Papier wurde am 1. Oktober auf Beschluß des Bundesvorstandes des ADGB. ge- gründet. Das Unternehmen, an dem die Gewerkschaften beteiligt sind, trägt den Namen„Büropa", Bureaubedarss- und Papier- Handelsgesellschaft m. b. H., und hat ihren Sitz i» Berlin S. 14, Sebastianstraße 6l. Ausgab« des Unternehmens ist die Belieferung der Gewerkschaften mit dem notwendigen Verwaltuugsbedarj aller Art, angefangen von Papier, Bureaumaschincn und Stempeln bis zu ganzen Bureaueinrichtungcn, Geldschränken usw. Als zentrale Beschaftungsorgauisation der Gewerkschaften bringt die„Büropa" alle Voraussetzungen dafür mit, sich zu einer leistungsfähigen Lieferfirma auch für andere Kreise zu entwickeln. llbsitest Unterbett \issen.. (lonopoideunen- O bar bell pcbt tUrklsob rot oder Iii«, fold, fraioe Inlett, iadan- Ati l tbrenfnrbif... Bettbezüge ■•■UaalMh, sfarUMff Oberbett isox»»... 3.95 Kissen«x«..... 1.25 Bettlaken Wäschestoff auruui« 1,75 Guter Linon 4.25 Handtücher Gerstenkorn TLu"' 39 pt Drellhandtuch 75 w Frottierhandtuchf51t.95 w Kinderwagen le.cht fofclerkaft, am M*/ swrfleh» /e gas« Ueberiaken Frian Ltnoi. r»i«n beeiickt..... 7«2 5 Daunendecken Prima frartfltowckflr Daoi>e»petkai, 9£ AA echfln Hanl gennetort, mit laDanuen J WsWW la Daunen�atin, RtckeoHe baot Per- C, C AA kal in diversen Farben, 150x200 w . Steppdecken SattB.Obcrwita la«ifvr».» F.rban 9.25 24.50 Metallbettsteiien Polsterbettstelle 8.75 Bogenbettstelle � ▼ersiersog, 90X190 weiü«. echwar* dL Damenwäsche Hemdhose i«iwg»u i-r-u.» spu.. 1,95 nan fiarnifiir reiek mit Hande'i�kerei und Lieg, üdrimur Spjt-«, aoe Opal Oder ILalcodattflt Taghomd 4.25 Beioki«M 4.25 MenpHiabg«!)« vflrbeHtften I WeiBe Möbel Garderobenschranke.,«v» all HitMu SIIHI.■ Nachttisch 18.75 Ruhebetten mit buntem Bezug, gut 1KO OO gepolstert....... 'rinzenstTn�Ke Rabastianstr. W8 lustig; vie Aussagen ües Oberleutnants Schulz. Der Fall Gädicke vertagt.— Geeckt, Gehler, Tevering als Zeugen? ö. 8 tandsbery,?S. Oktober. Im weiteren Verlauf der Ver> Handlung werden die Angeklagten Hayn und K l a p p r o t h ver- nommen. Hayn war im Sommer 1923 Führer einer Unterabteilung des Arbeitskommandos in Küstrin. Er bekam den Zluftrag, im Fort T s ch e r n o w Quartier zu machen. Hier hat K l a p p r o t h. der Hayn im Auto zum Fort gefahren hatte, nach der Aussage des An- geklagten den in einer Munitionsschiebung verwickelten Feld- webel Gädicke plötzlich niedergestreckt, so daß er am Hinterkopf blutete. Er, Hayn, habe Klapproth von weiteren Angriffen abgehalten. Klapproth habe Gädicke dann im Auto sortge- fahren. Der Vors. hielt Hayn vor, daß er in seinem ersten Ver- nehmungsprotokoll angegeben habe, Oberleutnant Schulz habe ihm von der Fahrt nach Fort Ischernow gesagt, klapprolh habe den Auftrag. Gädicke um die Ecke zu bringen: er selbst habe sich dem Befehl des Schulz, klapprolh zu begleiten, nur mit innerem widerstreben gefügt. Angeklagter Hayn erwidert darauf zunächst zögernd, das Protokoll fei unrichtig, gibt dann aber zu, daß Gädicke verprügelt werden sollte, es sei jedoch seine Absicht gewesen, keine zu starke Züchtigung zuzulassen. Vors.: Bald sagen Sie, Gädicke sollte beseitigt werden, bald be- haupten Sie aber, er sollte nur verprügelt werden. Was ist denn nun eigentlich richtig? Angekl.: Oberleutnant Schulz hat nicht gesagt, daß Gädicke beseitigt werden sollte. R.-A. Dr. Löwenthal: Kann der Angeklagte bestreiten, dajj Oberleutnant Schulz gesagt hat:„Die Leute, die se etwas tun, müssen eine Abreibung erhalten." Angekl.: Das ist so gesagt worden, und das entsprach auch ineiner persönlichen Zlnsicht. Ich vertrete sogar heute noch diesen Stand- punkt. R.-A Gr. Löwenthal: Sie haben in Ihrer zweiten Ver- nehmung auch den Ausdruck gebraucht, sie wollten dem Gädicke den Mund stopfen. Das ist eine verfängliche Redensart, was verstanden Sie denn unter dem„Mundstopfen"? Angekl.: Wenn ein Mann etwas auegesresscn bat, so dürste er doch selbstverständlich nicht mehr in unserer Reihe bleiben. Auf der anderen Seit« durfte er aber auch nichts verraten. Vors.: Herr Angeklagter, der Ausdruck, einem Menschen den Mund zu stopfen, ist nicht ganz im- gefährlich. Man kann einem Menschen den Mund dadurch stopfen, daß man den Mund für ewig schließt. Angekl.: So war es selbst- verständlich nicht gemeint. R.-A. Dr. klöwcnlhal: Sie behaupten ja u. a. auch, Angeklagter, daß Sie von Klapproth heute eine bester« Meinung haben als damals. Ist Ihnen bekannt, daß dieser Klapproth mehrere Morde inszeniert hat? Angekl. N«in. Oberstaatsanwalt: Sie sollten den Gädicke nach dem Fort Tschernow in einem Auto bringen, welches von Klapproth gesteuert wurde. Nun steht doch aber fest, Herr Angeklagter, das; Klapproth bei Ihrer Ab- leitnng gar nicht als krastsahrer tätig war, sondern, daß er von Schulz erst zu Zhnen hingeschickt worden ist. Angekl.: Das konnte inir gleichgültig fein, ich mußte natürlich den Wagen benutzen, den meine vorgesetzte Dienststelle schickte. R.-A. Dr. Falkenberg: War Ihnen damals nicht bekannt, Herr Angeklagter, daß K l a p p r o t h, Fahlbusch und Büsching zur geheimen Femepolizei gehören. Angekl.: Rein, mir war nur bekannt, daß diese drei be- sonderen Vertrauensleute in Verlin tütig waren, daß sie öfter Munitionstronsvorte und Geldsendungen zu erledigen hatten. Ob sie aber dem Oberleutnant Schulz oder dem Wehrkreiskommando unterstanden, wußte ich nicht. Damit war die Vernehmung des Angeklagten Hayn abge- schlössen. Angeklagter Slapproth b e st r e i t e t bei seiner Vernehmung einen Befehl zur Ausführung der Tat an Gädicke bekommen zu haben, er trage die Verantwortung allein. Er habe aus Wut über die Wasfenschiebung gehandelt und für die Sache einen„schön e n Anpfiff" bekommen. Er sei sehr jähzornig und wenn er„in Fahrt" sei, wisse er nicht, was er tue. Ob er aus seinem Revolver geschosten Hobe, wisse er nicht mehr. Er habe einen Mantel oder eine Zeltbahn noch Fort Tschernow mitgenommen. Vors.: Sie sollen zu Gädicke gesagt haben:..Wenn Büsching und Fahlbusch dagewesen wären, dann wäre es noch ganz anders gekommen, wenn ich nicht an Deine Frau und Kinder gedacht hätte, dann.. Angekl.: Das kann ja sein, daß ich das in der Wut gesagt habe, aber totschlagen wollte Ich ihn nicht, wenn ich das gewollt hätte, dann hätte ich mir ja nicht einen Oiausen Offiziere mitgenommen, sondern dann hätte ich ihn mir mal irgendwo allein vorgeknöpft. Vors.: Angeklagter, ist es wahr, daß Sie mit Fahlbusch und Büsching gewistermaßcn die rechte Hand von Oberleutnant Schulz waren, daß Schulz nur mit dem Auge zwinkern brauchte, wenn irgendwo ein unsicherer Mann war, dann wurde er einfach erledigt? Angekl. (ironisch): Den Mann möchte ich einmal kennen lernen, der das be- hauptet. Vors.: Sie bestreiten also, die rechte Hand des Fcmerichters gewesen zu sein. Sie haben aber wohl selbst dafür gesorgt, daß von Ihnen bekannt wurde, daß Sie sich derart betätigten. Angekl. (pathetisch): Ja, dafür habe ich schon gesorgt. Wenn wir so einen aus dem„Sien" hatten, dann hieß e«:„Komm mal her. mein Junge.... Klatsch!(Große Bewegung im Saal.) R.-A. Dr. Löwcnthal: Sie haben gesagt. Gädicke kann froh sein, daß Büsching und Fahlbusch nicht da waren. Kennen Sie Büsching aus anderen Fällen, in denen einmal Leute ermordet wurden? Angekl.(sich ironisch über die Anklagebank beugend): Erstens ist keiner ermordet worden, lieber Herr, zweitens kenne ich Büsching aus Greifenhagen, drittens habe ich mich selbst mal mit ihm gekeilt.(Erneute Be- weguna im Saal.) R.-A. Dr Löwcnthal: Es ist doch richtig, daß Sie sich mit Büsching einmal auf Ianke stürzen wollten, als gerade Sitzung bei Schulz war. Angekl.: Ob Büsching dabei war, weiß ich nicht, aber jedenfalls wollte ich Ianke die Jacke vollhauen. Damit war die Vernehmung Klapproths vorläufig zu Ende. Vernehmung ües Angeklagten Schulz. Der Angeklagt« sagt aus: Ich habe mich über die Arbeitskom- mandos, genannt schwarze Reichswehr, in einer geheimen Denkschrift geäußert, die ich in drei Exemplaren dem Gericht, dem Reichswehrminister und dem preußischen Innenminister zu- gestellt habe. Vors.: Bei den Akten kann ich ein- solche Denkschrift nicht finden. Justizrat Hahn: Ich habe in den Akten des Ge- richte den Vermerk gefunden, daß diese Denkschrift vorhanden gewesen und dann herausgenommen worden ist.(Bewegung.) Der Angeklagte schildert darauf seinen Lebenslauf und fährt dann smlj Im Jahre 1921 habe ich meine Tätigkeit begonnen, die von der' Reichswehr und von anderen staatlichen Behörden gewünscht und geduldet worden ist. Meine Ausgabe war, daß bei dem Zustand der Reibereien, der zwischen der Reichswehr und anderen Behörden bestand, das W a f f e n m a t e r i a l auf dem Lande g e s a m- m e l t wurde. Meine Dienststelle war das Wehrkreiskommando II in Äustlin und ich hatte den g c s a in t e n G r e n? o b s ch n i t t der Kommandantur zu bearbeiten Unsere Zlusgabe war zunächst, das Waffenmaterial, das zum Zwecke der Landesverteidigung in den Grenzbezirken niedergelegt worden war, dos zum Teil versteckt ge- halten wurde, zu sammeln und für die Zwecke der Landesverteidigung wieder instandzusetzen. Im Jahre 1922 befürchtete man, dag von den P o l e n ein G e w a l t st o ß auf Richtung Küstrin kommen würde, so wie er in Oberschlesien gekommen war. Tatsächlich haben die Polen in diesem Jahre an der Grenze große Hebungen ver- anstoltet. Die Aufgabe der Kommandantur Küstrin war nun. Formalionen zu bilden, die in engster Fühlung und In Zusammenarbeit mit der Reichswehr die Grenzen besehen sollten. Aus außenpolitischen Gründen sage ich über die innere Gliederung dieser Formationen nichts mehr. Aber kompetente Stellen haben diese Formationen besichtigt, sie für gut befunden und haben sie auch geleitet. Durch das Abkommen von Spa wurde dann die Festung Küstrin desarmiert. Ich erkläre öffentlich, daß die von mir ge- leiteten Arbeitskommandos von dem preußische nMini st er des Innern und dem Reichsweh Ministerium auf- g e st e l l t worden sind.(Große Bewegung im ganzen Saal.) Tic von uns angeworbenen Leute trugen die Uniformen der Reichswehr und sie waren vom Reichswehrmini st ertum ver- pflichtet worden, jede, auch die geringste Maßnabme geh« i m zu halten. Die Aufgabe meiner Formation war, das Waffenmaterial instandzubringen, das war wahrhaftig eine harte Arbeit. vors,(heftig!: Trotz dieser harten Arbeit haben Sie veranlaßt, daß Gädicke mißhandelt worden ist, und daß nian gegen andere Leute noch mit schlimmeren Maßnahmen vorging. Angekl. Schulz: Das ist vollkommen unrichtig, ich weise diese Be- hauptungen weit zurück, denn ich bin l e d i g l i ch der R e s e r e n l eines Arbeitskommandos gewesen, deren es 39 im Lande gegeben hat. Ich werde, nachdem mir Immer wieder das angehängt wird, was andere Leute aurgefresien haben, nun endlich die Lücke ausfüllen, die di> Voruntersuchung gelassen hat. Meine Tätigkeit bei der Kommandantur Küstrin dauerte von 1921 bis 1922. Nach der Niederschlagung des Auistandss in Oberschlesien trieben sich dort viele kleine Abteilungen mit ihren Waisen umher. Diese Waffen sollten gesammelt werden und in das Eigentum des Reiches über- geben. Es wurden nun besondere Kommandos gebildet, die das Einsammeln der Waffen besorgen sollten. In Oberschlesien wurde» zunächst die Waffen eingesammelt und in verschiedenen Depots untergebracht. Auf diese Wafsenbestände hatte die En- t e n t e bereits ein wachsames Auge geworfen, und die Regierung wollte der Entente diese Bestände entziehen. Ich bekam den Aus- trag, diese Depots in Sicherheit zu bringen. Ur- sprünglich waren Soldaten mit der Bergung der Depots beauftragt worden, aber die Leute versagten meistens schon nach zwei bis drst Tagen. Mit Einwilligung der Kommandantur Küstrin wurden nun besondere Leute angeworben. Wir überführten die Waffen, Ge- schütze. Handwaffen usw. in Eisenbahnwagen, luden sie in der Nacht ohne Kenntnis der Eisenbobnbeamten aus, und eine Slnzahl Leute, die den 3. Pionieren in Küstrin angegliedert waren, brachten d.is Material in Sicherheit. Ein« Bezahlung für diese Arbe't gab es eigentlich nicht. Die Leute erhielten ein Taschengeld, das kaum leichte, um ein paar Zigaretten zu besorgen, und auch die Verpfle- aung wurde zum großen Teil aus Spandau und aus offiziellen Mitteln aufgebracht. Die Arbeitskommandos bestanden zuerst aus 89, später aus 199 Mann. Wenn ich mehr Leute brauchte, so stellte ich entspreibenden Antrag, und zwar benachrichtigte ich das Wehrkreis- kommando, dieses gab die Meldung dem Reichwehr- Ministerium, und dieses dem preußischen Minister des Innern weiter. Mrt Einverständnis des Innenministers wurde die Ausfüllung dieser Formation vollzogen.(Große Dewe- gung. Sehr erregt:) Ich habe nie einen Wann eingesperrt, nie einen Menschen gehauen oder einen gelötet. Es ist, solange ich an der Spitze der Arbeitskommandos stand, nicht die geringste Schweinerei passiert. Als ich ging, sind Uebergriffe erfolgt, aber dafür sind andere verantwortlich. 1923 wurde ich dann nach Berlin berufen, und mein Nachfolger der Kommanndaniur Küstrin offiziell unterstellt. Ich bemerke weiter, daß im Jahre 1923 bei Ausbruch des Ruhrkampfes unter der Führung des Majors Buchruck er sich alle Wehrverbände zusammentaten und dem Wehrkreiskommando unter- stellt wurden. Die Wehrverbände wurden dann mit den Arbeits- kommando» vereinigt und die Offiziere aus den Arbeitskommandos den Leuten der Wehrverbände übergeordnet. Nun war es doch so, daß die Mitglieder der Wehrverbände über ihre Mitglieder eigentlich nur sehr geringe Macht hatten, da Dispizlinarstrafcn für sie ja nicht zutrafen. Die wehrverbände übten vielmehr eine Selbstjustiz au», und diese wurde dann aus die Arbeitskommandos übertragen. So ist es gekommen, daß schlleßlich innerhalb des Arbeilskommandos Femclalen, auch Fememorde passierk sind. Ich wurde von allen möglichen Arbeitskommandos dauernd in An- spruch genommen. Ich mußte in finanziellen Dingen, wie Be- sprechungen mit dem Regierungspräsidenten und Wehrkreisverbändcn immer wieder oennitteln und tätig fein, wenn es sich um Be- sprechungen im Sinne der Landesverteidigung handelte. Mein Ramc ist dann oft mißbraucht worden, viele schoben das, was sie taten, auf mich und noch heute wird unter der Küstrincr Landbevölkerung mit meinem Namen hausiert. Schulz ging dann auf den Fall Gädicke im besonderen ein und erklärte:„Bon einem„Erscheinen" zu dieser Munitionsschiebung kann bei mir leine Red« sein. Ein Mann in meiner Stellung erscheint nicht, sondern er meldet sich an und ist dann da. Im übrigen war die Munitionsschiebung keine jo besonders interessante, was mich hätte veranlassen können, dorthin zu fahren. Wenn ich nach Küstrin fuhr, dann hatte ich ungeheuer viel zu tun, dann fuhr ich auch zu den G r« n z a b s chn I t t e n. In diese Zeit fiel nämlich die Ausstellung einer Haubitzenfabrik und deshalb war ich viel unterwegs. Bei meiner angestrengten Tätigkeit konnte ich überhaupt nur immer Über Sonnabend und Sonntag nach Küstrin fahren. Wie ich nun damals vom Bahnhof kam. begegnete ich an der Kommandantur dem Hauptmann Lindig mit einem Land- jäger, und Lindig erzählte mir von der Munitionsschiebung. Mit ihm und dem Landjäger fuhr ich zu dem Altwarcnhändler Zickelbein. und dort haben wir die M n i t i o n beschlagnahmt. Auf dem Rückweg ging ich zum Zeughof, wo ich von der Sache erzählte. worauf sich der Leute eine ungeheure Erregung bemächtigte. Herr Borsitzender, ich betone dabei, es handelte sich um Munition, die wrr laut Friedensvertrag haben durften, denn wir hatten doch Fehl- betröge in unseren Beständen. Es waren etatsmaßlg« Mumtions. bestände und kein« schwarzen Bestände. Nachher habe Ich dann m der Kommandantur dem Oberst Gudovius die Erregung der Leute geschildert und ihm gesagt:„Das beste ist, wir ubergeben die Schuldigen dem Amtsgericht und loffon sie seftnehmen.®"�0' vius stimmte mir zu und jagte in meiner Gegenwart, die Leute joll-en sofort festgenommen werden. Die ganze Wumtlonsschlebung stand im Zusammenhang mit der Uebergabe des Forts Tschernow, wo Artilleriebeüände lagerten, die aussortiert wsrden mutzten, jjierzu war auch Klapproth angesordert worden. Ich habe dann bei einem Appell, der wie gewLhullch in der Ab- leilung k. slaltsand. von der Munitionsschiahung gcsproch» und ausdrücklich gesagt, keiner von den Leuten durse beschimpft werden, sie würden dem Gericht übergeben. Schulz betont« dann weiter, daß er sich auf das erwähnte G e- sprach mit Hayn überhaupt n i ch t b« s> n n e n könne. Jeden- falls habe er Hayn niemals gesagt, daß dieser mit Klapproth zum Fort Tschernow fahren müsse. Vors.: Sie erklären also, daß Sie keinen Austrag gegeben haben. den Gädicke zu beseitigen? Slngekl.: Ja. es wäre>- auch eine kolossale Dämlichkeit von mir getvefen. nachdem ich vorher dem Oberst Gudovius gesagt hatte, er sdil- die Leute dem Gericht über- geben. Hayn verwechselt„was" und„wie.(Erregt.) 34 tnöchte doch die Leute hier einmal unter Eid kragen: Wer bat damals das Work überhaupt gekannt, das)st� doch Quatsch. Nach einer Mittagspause erfolgte zuivichst eine kurze Beimgung der Angeklagten Hayn und Schulz durch den Vertreter des Reben- klägers R.-Ä. Dr. Löwenlhal. R.-A. Dr. Löwenthal beantragte hieraus ols Zügen zu laden: 1. ReichswehrminlKer Dr. Geßler, 2. Reichsinnenminister Dr. Külz, Z. Generaloberst v. S e e ck l, 4. Minister a.D. Severing. 5. Oberregierunqsral K u e n z e r. 6. Oberst v. Bock, 7. Regierungsdirektor Weiß und K. Obcrregierongsrat Ist ü h l c l s e n. R.-A. Dr. Löwenthal begründet leinen Antrag damit, daß nach seinen Informationen den amtlichen Stellen nichts davon bekannt gewesen sei, daß die Arbeitskommandos militä- rifche Verbände gewesen seien, deren Ausgabe es war, bei einem Poleneinbruch nach Osten geworfen zu werden. Wnm dort mtli- tiirische Ueblingen und Exerzitien vorgekommen seien, so handele es sich um U e b« r t r e t u n a e n untergeordneter« t e l- l e n. Regierunasdirektor Weiß solle bekunden, daß die Aus- sagen des Angeklagten Oberleutnant Schulz im Falle des Leutnant Boeck unwahr feien. Ferner berief fich Dr. Löwenthal auf die Denkschriften der Minister Dr. Külz. Severing und Dr. Geßler. die dem Femeuntersuchungsmisschliß des Preußischen Landtages seinerzeit von den Ministern überreicht worden seien. Der Oberstaatsanwalt beqntragte die Ablehnung dieser Bewcisanträge, da sie weit über den Rahmen der gegenwärtigen Verhandlung Hinauegingen. R.-A. Dr. Sack: Der Antrag des Herrn Dr. Löwenlhal er- ledigt sich schon dadurch, daß in der Denlschrist des Herrn Severing, die dieser dem Femeuntersuchungsausschuß über- reicht hat, tatsächlich das bestätigt wird, was Schulz mir gesagt hat. In dieser Denkschrift hieß es nämlich:„Es waren ausgesprochene Ausnahmeverhältnisse, unter denen die Arbeitstrupps damals ent- standen. Seit dem Herbst 1922 drohte im Westen Poincore die unerfüllbaren Reparationsforderungcn durch die Besetzung weiteren deutschen Landes— also mit deo Mitteln des Krieges— «inzugreifen. Die Drohung wnrde im Januar 1923 zur Tat. Zluch im Osten war mit der Gefahr eines Einmarsches zu rechnen. Gleichzeitig wuchs im Innern mit der furchtbaren Zeit der Infla- tion, der zunehmenden radikalen Agitation und dem Schwinden jeder staatlichen Autorität die Gefahr ernsterer innerer Unruhen, wie sie das Jahr 1923 auch tatsächlich brachte." Weiter betone ich, daß der domaliae Leiter der volitischen Polizei in Berlin, Herr Regierungsdirektor Weiß, die Möglichkeit gehabt habe, sich von den Zuständen und der Zusammensetzung der ArbeiisLomman- dos zu überzeuaen. Schließlich verweise ich noch auf den L o t t- busser Putschprozeß, in dem über die Gefahr aus dem Osten detaillierte Angaben aemacht worden sind. Justizrat Hahn: Bezüglich des Teiles des Beweisantrages, der von dem Leutnant Boeck handelt, teile ich mit. daß das Reichs- gericht, das mit der Sache befaßt worden ist. selbst erklärte. Boeck sei ein leichtfertiger Mensch, der sich mit der Entente- kommission eingelassen habe. R.-A. Dr. Löwenlhal: Ich besteh« aus der Ladung von Minister Dr. Geßler. in desien Denkschrift es auf der dritten Seite heißt:„Zn den letzten Seplemberlagen regle sich beim Wehrkreiskommando der verdacht, daß die allaemelne Beunruhigung in den Trupp» von seinem eigenen Angestellten, den Major a. D. vuchrucker, ausgehl. Cr wurde sofort am 28. September vormittag» vom Ehes de» Stabe«, Oberstleutnant v. Bock, selbst zur Rede gestellt." R.-A.: Dr. Sack: Das ist etwas ganz anderes. Unser Beweis bezieht sich nicht auf den Herbst, sondern auf den Sommer 1923, als tatsächlich die Polen«inzusallen drohten. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende folgenden HerlchtsbejA)luß: 1. Der veweisankrag des Rechtsanwalts Dr. Löwenlhal wird als unerheblich abgelehnt. 2. Die Sache wird verlagt, weil der Zeuge Becker nicht za erreichen ist. der bezüglich des Schul, notwendig gebraucht wird. Z. Die Abtrennung des Versahrens qegea Hayn wird abgelehnt. 4. Den Verteidigern der Angeklagten und de» Nebenklägers wird empfohlen, ihre ckwoigen veweisankräqe schriitlich einzureichen, damit die Sache in einem späteren Termin zur verhandlunq kommen kann. Es läßt sich jedoch noch nicht ab- sehen, wann dieser Termin angesetzt werden kann. Damit war die Perhandlung geschsosien und da» Gericht ver» tagte sich aus den heutigen Vormittag 9 Uhr für den Prozeß Kowa- lewski wegen Ermordung des Unteroffiziers Brauer. -----— iMlini Ml» Hl 77»III Hur 4, Pfennig kostet MA66r Fleischbrüh-Würtej Achtung auf den Namen MAGGI und die gelb-rote Packung. Einfach in kochendem Wasser aufgelöst, ergibt der Würfel gi Vi Liter kräftige Fleischbrühe zum Trinken und Kochen, zun. Verbessern oder Verlängern von Suppen und Soßen aller Art. Jn dksm%rislmjfwtrtfdi�WdiefVorgänge hat sidi die CfVERJTOIX ihre Sonderstellung- am deidsdien stigareitenmarkb errungen iDasßn? gebot an �Pfg-�igaretten ist groß, und tneleffluns derte vonMarken stehen in dieser Tiaupipreislage mit 0VER£T013L imWeäbetveth�e letzten aniilidiens&ffem aber besagen, daß OVERSTOI� ein drittel des deutschen öesambverhraudis auf sieh vereinigt hat? �Würden wir in diesem vherragenden&lnheiL unsererMarke nur ein gutes Gesdiqß erblicken, das uns zu nidtts anderem verßflidttebso wäre der QncäitäisvorSprimgr der OVEß�T OL�S) yc�V� sidier bald eingehdür. Jndem wir aber die Er-� sparnisse�die mir durdh unsere gwßeEbodukiioti immer wieder sturVerbesserung der- � benutzen, wollen, wir den einmal erreidv ten Qjialitätsvorsfmmg nicht nur behalten sondern nodh vergrabene. die volkstümliche Leipziger Strasse Alexanderplafs Frankfurier Allee Vers and abtellungs Leipziger Strasse Schriftliche Beste Hangen werden prompt erledigt, Bei Aufträgen nach auswärts vergüten wir für 247 /« 20 M. 80 Pf., die nur für Porto btw. Verpackung m Anrechnung gebracht werden. Silligc Bücher Antiquarische Werke« Restauflagen« Neuausgaben Gesebiehte der deutschen Literatur S00 von den Anfängen bis In die Gegenwart. Von Eduard Engel. I. Von den Antangen bis zum 19 Jahrhundert. Mit. 25 Bildnissen. II, Das 19. Jahrhundert und die Gegenwart Mi*. 76 Bildnfcsrn. 2starHeHalt>leiaenbd.in Lexikonfortn-mitzu.".!142S.,frah.lO, CO, fetzt Bilder zur Geschichte. Mit Betonung der Kunst eachicht-.'. Für Schule und Haue. 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Dieser neu« Krieg wird nicht von Soldaten und nicht gegen Soldaten geführt. Friedliche Städte werden, ohne ein« Ahnung von Gefahr zu haben, in wenigen Minuten in schweigende Leichenselder verwandelt, ganz« Landstrich« sterben an einem Nachmittag. Ganze Völker sind den verbrecherischen Instinkten von ein paar hundert Menschen, die die Diktatur des Giftgase» ausüben. rettungslos ausgeliefert. Hier mutz die Ueberlegung der Kulturwelt einsetzen, die geschilderte Gefahr mutz beseitigt werden durch den vereiniaten Willen aller Nationen, bevor sie sich in die Tat um- setzt. Das ist nicht Pazifismus, sondern das nüchterne Gebot der Selbsterhaltung! Es ist ein schlechthin unerträglicher Zustand, zu wissen, daß Millionen von Menschen heute, morgen oder wann immer das Opfer einer rabiaten Minorität werden können, daß Kultur und Glück. Existenz und alles was ist, von Gistbomben ab- hängig Ist, die in den Händen von Narren oder Verbrechern, von Phantasten oder Fanatikern zum Richter über Leben und Tod werden. Hier kann nur ein Weltgesetz helfen, das zu formulieren on dieser Stell« nicht oersucht werden soll, das aber durchaus möglich und auch in seiner Ausführung kontrollierbar ist. Und jeder Mensch, der das Gesetz verletzt, muß schonungslos— wie ein Leprakranter— aus der menschlichen Gesellschaft sür immer ausgeschlossen werden. sMU bttonbem Erlaubn!» bes Serton«» Echwetschk« u. Sobit, Berlin, bem Buch«»Sotetlonb Europa- von{?. E. Enbrco eiitnommcn.) Der Segriff öes Sozialismus. Von Vernard Shaw. In England ist heuer dl« 12. Auflage einer 32bändigen „Encyclopaeoia Britanncia" erschienen, dt« viele bekannte und be- deutende Zeitgenossen zu ihren Mitarbeitern zählt(Einstein, Nanlen, Marschall, Masaryk u. o.).--- Auch Bernard Shaw schrieb in diese Encyclopaedia einen Beitrag, und zwar der Sozialismus, Shaw sagt:„Der Sozialismus ist die Revolution gegen eine Kapitalsoer- teilung, die jede moralische Begründung eingebüßt hat. Ein kolossale» Vermögen ist mit der Unproduktioität und manchmal Sgnr mit einer offenkundigen Charakterminderwertigkeil vereinigt. ach einem Leben angestrengtester, schwerster Arbeit von der frühesten Kindheit an, bleibt dem Arbeitcr im Alter keine andere Zufluchtsstätte als das Armenhaus. Diese Ungleichheiten sind gerade, zu ungeheuerlich. Die Regierungen sind gezwungen zu intervenieren und durch Konjlskation eine» immer größeren und größeren Prozent- satze« vom Einkommen(Einkommensteuer, Vermögenssteuer usw.! dieses Vermögensanrecht» bis zu einem gewissen Maße einzuschränken und dies« Gewinn« für Arbeitslosenunterstützungen usw. anzufordern. Der Erfolg, mit welchem diese beschlagnahmten Summen durch De- meinden und Regierung in gemeinnützige Unternehmungen ver- wendet wurden, verglichen mit den vielen Fehlschlägen und der verhältnismäßigen Kostspieligkeit privatkapitalistischer Unternehmun- gen, Hot den Aberglauben vernichtet, daß die privatkapitalistisch« Wirtschaft besser und weniger korrupt sei al» die öffentliche Ber- waltung. Ein Unternehmer kann seinem ältesten Sohn die Aussicht über «ine Industrie als Erdteil hinterlassen, mit welcher die Existenz von Tausenden von Arbeitern oerknüpft ist. und welche von ihrem Leiter entweder große natürlich» Fähigkeiten und Energien oder ei»« nam. hafte wissenschaftliche und politische Bildung verlangt, oh»»« daß et aufgesorderl würde, die Befähigung seines Sohnes zu prüfen. Unter solchen Umständen kommt die Leitung der Unternehmungen in di« Hände von Besitzern, die in Wirklichkeit ihr Geschäft überhaupt nicht oerstehen, oder in die von Finanzleuten, die noch nie im Leben eine Fabrik betraten oder in einem Kohlenschachte waren und die von ihrem Geschälte nicht» verstehen, wie Geld herauszuschlagen und dieses wieder als Kapital zu gebrauchen.—- Unermeßliche Hoffnun- gen waren aus die Entwicklung de« allgemeinen Wahlrechtes, gipselnd in der Wahlberechtigung der Frau, gesetzt worden. Die Hoftnungen wurden zunichte, weil di« Wähler, sowohl die Männer wie auch die Frauen, politisch nicht geschult und nicht erzogen sind und keinen Begrisi von konstruktiven Maßregeln' haben, und einen Abscheu gegen jede offizielle Einrichtung hegen und al»»inen Angriff auf ihre persönliche Freiheil ansehen. Nicht früher, ehe die beiden Hauptlehren de« Sozialismus: Auf, Hebung de« Privateigentum«(was nicht mit persönlichem Besitz ver- wechselt werden darf) und Gleichheit de» Einkommen» vom Volke al» ein religiöse» Dogma begriffen werden wird, gegen dos keinerlei Bestreiten Hilst, nicht früher wird»in gesunder, sozialistischer Staat möglich sein." 325 000 Spiralnebel. Di« modern« Lternensorschung venvendet zur Erkenntnis der fernen Himmelskörper die scheinbaren Hellig- keilen und Entfernungen der Stern«. Durch die Verbindung dieser Daten komm! sie zur Kenntnis der absowten Helligkeit, der Leucht» kraft de»«lnzelnen Stern«. Ist da» Gefetz festgestellt, dem da» Vor- kommen der verschiedenen Grade der Leuchtkraft unterliegt, so ergibt sich au» der Verbindung diese» Gesetze» mit der Zählung der Stern« nach den einzelnen Stufen der scheinbaren Helligkeit ihr« Verteilung im Raum. Auf diese Weis« hat man zunächst das abgeschlossen« Sternensgstem durchforscht, das wir das Milchstraßen- oder Galaktlsch« System nennen. Run gibt es aber unter den Nebeln de» Himmel» «in« Anzahl von Körpern, hie zweifeklo» nicht dem Milchstraßen- lystcm angehören und di« man nach dem Beispiel der größeren ihre« Art als Spiralnedel ansieht. Ihr« kosmisch« Stellung ist nicht klar zu übersehen, und so hat man denn versucht, ihr System aus ähnlich« Weis« zu durchforschen wie das Galattische System. Ueder«inen solchen Versuch, der von C. Wirtz unternommen worden ist. wind in den„Naturwissenschasten" berichtet. Bisher war di« Totalhelligkeit dieser Nebel kaum zu messen, und über die Entfernungen war nickt» bekannt. Man hat aber jetzt unternommen, die Totalhelligkeiten aus den geschätzten Flächenhelllgtetten und der Ausdehnung der Nebel zu berechnen. VVZ solcher Nebel wurden untersucht, und«» ergab sich. daß die scheinbaren Totalhelligkeiten zwischen lt),7 und 20,1 der bekannten Größenklassen liegen. Da die Oerter dieser Nebel gleich- mähig über den gan.zen Himmel verteili sind, kann man danach ab- schätzen,«ine wie große Anzahl solcher Spiralnebel am ganzen Himmel zu erwarten ist, und man kommt dabei aus die Zahl Z2ö 000, di« mit anderen Beobachtungen gut übereinstimmt. Als mittler« Leuchtkraft der Spiralnebel ergibt sich 0,1. Bei einem Vergleich mit den Sternen unseres Milchstraßensystem» läßt sich wahrscheinlich machen, daß die Spiralnebel von ähnlicher Größe und Konstitution sind wie unser Sternensystem. Viele» deutet daraus hin, daß es sich um ein abge- schlössen«» System höherer Ordnung handelt und daß unser« Aus- nahmen schon an di« äußere Grenz« diese» System» heranpeichen. Sin 50 ooo-Voll-Wasserkabel. Ein von einer deutschen Firma geschaffenes Wasserkabsl von 30 000 Volt Stärke ist jetzt zwischen Dänemark und Schweden gelegt worden. Nach einem Bericht der „Umschau" hat die Gesamtstrccke eine Länge von 28 Kilometern. von denen 5,i Kilometer zwischen Helsingör und Helsinghorg uitter Wasser siegen Da» Kabel ist durch einen 4 Millimeter dicken Bl««- maniel geschützt und hat ein« Dick« von 11 Zentimetern, ver unter dem Sund liegend« Teil wurde in 0 Längen von je VOO Meter Länge gelegt. y ,' /> -.■- ■ r> SUMA schalt für mich! In der brodelnden SUMA-Schaiim-Löfung vollzieht ßdi von felbft die Reinigung Ihrer Wafche, die Sie fonfl gewohnt waren, mit großer Mühe rein zu reiben- zum Schaden der Gewebe. Schlimmer noch als das Reiben iß die diemifche Einwirkung vonfdiarfen Waßhmiiieln. SUMA iß völlig frei von Soda, Vd äff er glas und künftlidien Bleichmitteln. Behuifam löfi es den Schmutz aus der Wäfche heraus und macht fie fchnceweiß. Preis SO Pfg. SUMA die TieHerfrt Seife der"SnnliM"Mannheim Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Hepabl. 7l/2: Der ferne Klang Schauspielhaus S Uhr; L u 1 u Schiller* Theater 8 Uhr; Soldaten MjM W Charlottenburr 7 Uhr: Aida M.Salvatinf, S.Onö- gin, Dr. Schipper Abonn.-Turnus I OBitsdigs Itieatsr Norden 10334-31 8 Uhr: Neid&anU v. Gaeisenaa von Wolfgang Qoeu Regie; Heinz Hilpert iinumtr-Rniini _ Theater HOuifidranjSfr. Hasenheide ZI l» t Uhr; Hrs. taejs EndB UotnftfitcnHnns Norden 6304 S; Elnbrucli Kammsrspiele Norden 10334—38 »V« Uhr ifaiHit fjjj von Tristan Bernard Regie: Eng. Robert Die Romödie BismarCK 2414. 7516 > Uhr Sie Qefangene Von bourdet Regie; M. Reinhardt Tli. a. Lefttä»DÜOlminjea „nabima" "JacoBs Tranm Donnerst u. Sbd. Uhr: u y b n k Freitag: XnHim Komfiiilenltaaa Sonnt nachm. 3U. Der Gart« Eden Preise SO Ff. b. 4M. ______.. Nollendorf 736« « Uhr Varlete- Neuiisüen | Tägl. 64/i ünr| Theater im Admiralspalast ateseaerlou Kaller-?.evus Ann. cos Preise von 2-16 M l| Vorverkauf unuDferbr, "Wolksbiihne nmtBf DD BBInwjiliti t Uhr: Sysistrafa Morgen I Uhr: LRsisiraia TB.«n Sdiifftanenlirafli Täglich 8 Uhr: Das Grainnal das mbekaiiBteB Soldatm. Mojmisefkc fJ-per Der große Owerottenerfaig JSdrienne** mit Sarak, Weoaely, Wirt, Blass Boeiicher, Bell,- Sonntag nehm. 3 V.: „Die fledermMus** In erster Besetz g. Ververkmül ananterbrochen p. 10 ü an tich Wallaer-fheafer ist'r Er�riaseoiamis Töchter 8 Uhr Gräfin Tippmamsell Gotschein 1—4 Pers Fei Vorzeig, der Annonce Faut. nur i.On Mk.. Sessel 1,5. Kcacs Theater am Zoo 8„ich hab Dich Heb" Prt. l-5> Intal II»rrrrrt. int« tfrtr, ital. 1311 1 üJ z trlanon- Theater Taglich«>/, Uhr; „Dirnentragödie" Relchshallcn>Theater Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Sfelfiner sanger •jübs: Piepers Diele Burleske von Meysd Nachm halbe Prelael Dönheft-ireU'f Variete Konzert Tanz ZU Mittwoch, d. 27. Oktober nachmittags 12Vt Uhr Metropoi• Theai. rägUcn Uhr. D'e sjroße Revue Wiezier Metropol n|l Berliner 1 Jlh-Tlls ««»! MauUölln, Lahnstr.TA/TBA PhUluircioiile 8: Havar.Motarf- Beethovea- AM. d. PhilharmonOrch. Dlrig.: Prof. Prower 9. Sinf. Haydn; Sinf. concert Mozart; Pa- storale-Sinf. Seeth. Es ist keine Frage. Tatucnde d«e««S«v o». dtB STUVK AMP-S8LZ ein uoüuertrolteaoo Mitlei dantelit. die ÜMuadhsit zu crbaltea. K* regt-fie Btutzirknletioo eod den Stoüwecbaet en und rer- Achafft ioocs Ciofühl dee dauernde* Wehlbebaife«», d»U*«» de* wirklich gesunden Meaacbea beherrechl Für 3 Pitz, pr» I»S b4o*«« 8»»%ieh»»wind erbniteo. ■d(Mgia�pach. n M. 3» M. 2« KpMfkm a. Oraf.«UM. GASTSPIEL CIRCUS CARL HAKENBECK STELLINGEN/ HAM.BUR G- AB3.N0VEMB CIRCUS BUSCH Residenz- Theat. Täglich S1'. Uhr: liiilßigßparfißr Eintritt JogBürfllthen rsrbotm Thalla-Thealer um- Derliimlz Regte: Berth. Viertel Tlmter its Wsstans s: Der Zog nailiWestn iZ. NAlMkiSS« TSglieh Vi, Uhr liiwdttrAE«, Bsiftsehes KOnstl.-Thesler Vlt Uhr; I>a.> eroBo Abentencr ömdi, rZllenkr? Lesslng-Thester S U- Men«öj nafl DehenneRMi TB. iJarfüntniiniiii I Uhr; biilerJoMsiiadit Lustsplelhaas 8V. Uhr: Die Heragia».Elba XlelnesTheater Täglich 8 Uhr: Vorzeiger gO Proz. des Kassenpreises! Sbd. nachm. 4 Uhr Or. Kindervorstellß. idiOEeWlttdiED Kose-Thsiter JI«/4 Uhr Sbrlichs Meli Ri e»sn- Wet tstad t- Programm mit Brettbart Florian Petermsa* U trsrtl. dttiakthnn Vitdsr Fhi sV,!.- l.—. iS Jo, 3.— M Anfang 8 Uhr 2.- usw. Am 24. Ott nachm. 8 Uhr verstarb nach kurzer Ärankheil mein Ib. Mann. unser guter Dater. Schwiegervater. Großvater und Onkel, der Tischler Kichsrd Kiicks Im 67. LedeitsiaHre. Zm Jlamtn btt(tmifmbtn Hlttftz- »Ntbtnrn Ww. Anns Klfcka. Cinäfthcnmti am Donntrstag. bnt 2S. Dflcbtr, obbs. 6 Uhr, Im Rcema- tnr'.um Boumlchnlknwta. (für die»ohlrelchen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Be- stattung unseres liehen Entschlafenen. des Sangees Bruno kskmlx sagen wie«Pen rrllttewnern, insbf (anbete den Barftandsinilaliedern de« greldenkerserein« sowie den Herren Rednern und ,ll-n Milw.irAgnden bei der sseler in,«temotothim unseren «usrichttgen®«*L ErnM Xrvmann, geb. Rahmig. ssffrmanu 8«chr«ai«u ssroa Bis Och»i�rzr>t>rn. p. rtctiuitf 5.— IC. November. 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