flbenSausgabe Nr. 51? ❖ 45. Jahrgang Ausgabe 3 Nr. 253 Dezugsbcdingunzkn und Anzeigcnvrcisi! lind in dkr MMgemmsaube ongcBCdrn Bedatiion: SIB.eS. Linden llrod- 3 Zerukprecher; Dönhoff 292— 292 ZeL'ütdccücSajialtcmoCrat Cetlia Sevlinev VolKsblatt (lO Pfesama) Freitag 2�. Oktober? �2ö Bcrlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 8ib bis 5 Uhr oerleger: Vorwöri». Verlag«SnidS» Verlin STB. GS. Llndonslrahe 3 Zernsprecher: Dönhoff 292— 292 sw Zentralorgan der Bozialdemokratirchcn Partei Deutfchlands Jeme-Schulz im verhör Er spielt den Retter des Baterlandes nnd weitz von- V. 8. Landsberg o. d. HJ., 29. Oktober. ja keine Waffen bei mir und'■ ♦ nichts. B. S. Landsberg a. d. JB., 29. Oktober. Der Andrang zu der heutigen Verhandlung gegen Schiburr und Genossen, die außer der Vernehmung des Oberleutnants Raphael und des Oberleutnants Schulz auch den Beginn der Beweisaufnahme in diesem wichtigen Prozeß bringen soll, ist wieder unvermindert stark. Der Vorsitzende richtete an die Zeugen eine besonders ernste Ermahnung, sich st r e n g an die Wahrheit zu halten, und nicht daran zu drehen oder zu deuteln,„(jps gibt nur eine Wahrheit." Vor Eintritt in die eigentliche Verhandlung inachte dann der Verteidiger des Oberleutnants Schulz, R.-A. Dr. Sack, daraus auf merksam, daß die Verteidigung unter Umständen von ihrem Recht, auf Antrag der Aussetzung in der Hauptoerhandlung zum Zwecke der Erkundigung Gebrauch machen werde, weil eine Reihe von Zeugen der Verteidigung gar nicht oder spät genannt worden sei. Aus die Frage des Verteidigers, ob Major a. D. Buchrucker geladen sei, erklärte der Vorsitzende, daß dieser erst später als Zeuge erscheinen werde. Vernehmung des Angeklagten Raphael. Dann wurde Oberleutnant Raphael vernommen, der während des Krieges Osfizier war, 1918 Freiwilligendienst tat und in Ostpreußen eine Ortsschutzkompagnie ausstellte Er trat dann bei der Schutzpolizei ein und meldete sich 1922, da er, wie er sagte, init Leib und Seele Soldat gewesen sei, bei Oberleutnant Schulz. Zuerst übernahm er das Arbeits- kommando Jüterbog und kain dann auf das Fort Gor gast, wo er als dienstältester Orsizier Fortkommandant wurde. Der Zeuge schilderte dann ausführlich, daß G r ö s ch k c eines Tages zu ihm gebracht worden sei, zusammen mit zwei anderen Leuten. Alle drei waren ihin als unbotmäßig gemeldet und sollten auf Fort Gorgast Schliff bekommen. Gröschke stand außerdem nn Verdacht,«in Spitzel zu sein, und es ging auch das Gerücht, daß er einem kommunistischen Detektiv bureau angehöre. Er habe Gröschke deswegen in Arrest bringen lassen. Der Zugführer Becker inachtc den Vorschlag, Gröschke zu verhören. Bei deni Verhör habe Gröschke zugegeben, ein K o m m u n i st z u s e i n. Er gab auch an, daß in der Frankfurter Reustadt die Kommunisten eine geheime Funkstation hätten. Das Protokoll war dann mit einer Meldung an das Arbeitskommando gesandt worden. Der Angeklagte bestritt energisch, den Befehl gegeben zu haben, Gröschkozuschlogen. Angekl. Schiburr: Ich habe ans Befehl von Leutnant Raphael den Gröschke geschlagen. Angekl. Raphael: Das ist unmöglich, weil ich ja gar nicht in der Zelle gewesen bin, als Gröschke geschlagen wurde. Die übrigen Angeklagten erklären, sie hätten Raphael nicht in der Zelle gesehen, während Grätz behauptet, er habe den Oberleut- nant einmal vor der Zelle beobachtet. Der Angekl. Schiburr bleibt dagegen bei seinen Angaben.— Bors.: War Oberleutnant Schulz bei ihnen, als Gröschke saß, und haben Sie mit Ihrem Vorgesetzten über den Mann gesprochen?— Angekl.: Das weiß ich nicht, denn Oberleutnant Schulz kam alle vierzehn Tage zur In- fvektion.— Bors.: Sind Sie mit Oberleutnant Schulz in Gröschkes Zelle gewesen?— Angekl.: Das m a g sein, ich will es nicht bestreiten.— Bors.: Wann erfuhren Sie denn, daß Gröschke in seiner Zelle geschlagen worden ist?— Angekl.: Erst nach seinem Tode. Ich bestreite ferner, den Befehl gegeben zu haben, daß die Tür zum Arrestlokal ofsen bleibe, damit jeder zu Gröschke hinein könne. Auf Befragen des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektors Weßling, schilderte der Angeklagte Raphael dann weiter die Ereignisse a m Tage vor der' Ermordung Gröschkes. Am Mittag sei ein Auto gekoinmen, in dem Erich Klapproth, Willi K l a p p r o t h und Glaser gesessen haben. Der Wagen kam von Küstrin, Willi Klapproth und Glaser sind von Kllstrin überwiesen worden, weil sie dort eine dienstliche Verfehlung begangen hatten.— Bors.: Sie hatten sich aus der Bahn verspätet und es war Ihnen deshalb eine Bestrafung angedroht worden. Sie haben doch nun aber gar keine Straf gewalt über die beiden gehabt.— Angekl.: Doch, sie waren meiner Abteilung überwiesen worden und ich teilte sie sofort der MEK. zu. Da sie mir nun unterstanden, habe ich beide auf Straiwache geschickt. Am Nachmittag hat uns dann Erich Klapproth mit dem Auto nach Küstrin zu de» Kriegsspielcn gefahren: Ich fragte ihn, ob er uns abends auch wieder nach Fort Gorgast zurückbringen könne, denn ich ließ das Fort nicht gern allein, ohne einen Osfizier. Es war schon ein paar- mal vorgekommen, daß die Leute sich in einem solchen Falle aus- getobt hatten, daß sie mit Handgranaten fischten und in Räuber- zivil die Gegend unsicher machten. Erich Klapproth sagte mir, er habe abends noch zu tun, denn er müsse laut Befehl den Gröschke zusammen mit Büfching nach Frankfurt bringen, wo die Angaben des Gröschke nachgeprüft werden müßten. Ich schenkte dieser Meldung Glauben und fuhr abends nach Gorgaft zurück. Als ich dort ankam, sah ich, daß zwei Leute, es waren Büfching und Klopproth, dort heruni liefen. Ich verfolgte sie und sah gerade, wie sie in die geöfsnele Zelle Gröschkes hineingingen. Die Zelle war nur halbcrlenchlct und ich sah. daß Büsching mit wutverzerrtem Gesicht vor Gröschke stand und eben mit einem sckiweren Instrument zu einem Schlage gegen Gröschke ausholte. Ehe ich zufassen konnte, fiel Klapproth dem Büsching in den Arm. etwa mit den Worten:„Laß das gefälligst sein." Auf weitere Vorhalt"ngen des Vorsitzenden erklärte der An- geklagte, er Habs in der Zelle des Gröschke zuerst den Eindruck ge< habt, als ob Büsching ihn gleich n i e d e r s ch l'a g e n wollte, dann aber, als ob Büsching sich beruhigt hätte und als ob es sich nur um eine momentane Aufwallung gehandelt habe. Bors.: Früher haben Sie gesagt, Sie hätten einen Mord damals auch dann nicht oerhindern können, wenn Sie es gewollt hätten. AngeN.: Ich hatte ja keine Waffen bei mir und Büsching hätte mich daher gleich er- lcdigt. In Küstrin h'at Büsching einmal den Revol- ver auf mich angelegt, und er würde geschossen haben, wenn Klapproth sich nicht dazwischen geworfen hätte. Vor Wut hat Büsching dann wie ein Wahnsinniger aus dem Fenster geschossen. Bors.: Das war ja ein ganz gefährlicher Mensch, der so gegen seine Ofsizicre vorging. Angekl. Klapproth: Das war etwa zwei bis drei Wochen vorher(achselzuckend). Wenn Büsching betrunken war, dann war er ganz»nocrnünstig, sonst hatte er manchmal ganz vernünftige Momente.(Heiterkeit.) Angeklagter Raphael: Büsching wallte ja auch einmal den O b'e r l e u t n a n t Vogel, seinen Vorgesetzten, verhauen, so daß wir alle Vogel zuhilfe kommen mußten. Bors.: Hatten Sie denn mm aus irgendwelchem Grunde nicht den Mut, dem Oberleut- nant S ch'u lz entgegen zutreten, wenn Ihnen ein Befehl von ihm gegen den Strich ging? Angekl.(zögernd): Das nicht, ob- gleich ich Zwistigkeiten init Schulz in Jüterbog gehabt hatte. Bors.: Früher haben Sie gesagt, Schulz hätte Sie dauer'nd über- wachen lassen, und Sie hätten aus diesem Grunde, wegen Ihrer eigenen Sicherheit wegen nicht gewagt, sich Büsching in der Sache Gröschke zu widersetzen. Das ist doch nun sehr merkwürdig. Bisher haben Sic immer behauptet, Büsch i'n g habe die Sache allein gemacht, in dieser Aussage haben Sic nun aber Schulz init hineingebracht. Angekl.: Das lag daran, daß der Unter- s u ch u n'g s r i ch t c r zuletzt immer mit Büsching und Klapproth, die er die Schlächter nannte, auch Schulz in Zusammenhang brachte. Oberstaatsanwalt: Die Sache war anders. Raphael hat in Iüter- bog Unterschlagungen begangen, und zwar soll er Heercsgut zusammen mit Legner(dem ebenfalls ermordeten Wachtmeister) ver- schoben haben. Deswegen hat ihm Schulz mißtraut. Bors.: Das würde doch nun aber dafür sprechen, daß Raphael gerade bei einer Sache des Schulz nicht mitgemacht haben würde. Oberstaatsanwalt: Nein, im Gegenteil, S'ch ulz hatte ihn in der Hand. Der Borfißcnde machte dann den Angeklagten darauf aufmerk- sam. daß er seine erste Aussage vor dein Untersuchungsrichter, in der er die Kenntnis des Mordes an Gröschke und alle sonstigen Vorgänge be st ritt, beschworen habe, woraus die Mein- i i d s a»klage basiere. Der Angeklagte Raphael bemerkt hierzu, daß er befürchtete, wenn er die Wahrheit sage, würde die Zivil- behörde sofort eingreifen und in Küstrin alles aufdecken. Vernehmung von Schulz. Hierauf wurde dann Oberleutnant Schulz vernommen, der ein- leitend erklärte, er wolle sich zu der Mißhandlung Gröschkes äußern, da er erst später auf seine Ausgaben zurückkommen werde. Schul; erklärte, daß er jedensalls, wenn der das Fort G o r g a st besichtigt habe, sich sofort zu dem Fortkommandantcn begeben und mit ihn: und den anderen Offizieren die laufenden Arbeiten durchgesprochen hätte. Ferner betonte Oberleutnant Schulz, daß B ü s ch i n g von ihm nicht etwa erst nach Fort Gorgast geschickt worden sei, als Gröschke dorthin gebracht wurde, sondern daß schondreiWochen vorher Büsching als Sportlehrer dort tätig gewesen sei. Bors.: Herr Schulz, Sie haben sich bisher nur ganz allgemein zu Ihrer Stellung geäußert und auch zu den Arbeitskommandos. Vielleicht gehen Sic auf die Dinge nochmal etwas ausführlicher ein. Angekl. Schulz: Darauf werde ich auch einmal zurückkommen. Aber ich bitte, dazu die Ocffentlichkeit auszu- schließen, denn es handelt sich um wichtige Dinge der Landes- Verteidigung.— R.-A. Dr. Sack: Es soll bloß Klarheit geschaffen werden, entweder ob der Reichswehrmlnlster im Jahre 1922/23 feine Pflicht nicht getan oder ob er die Landesverteidigung an den Oberleutnant Schul; vcpachtet hat... Bors.: Darüber werden wir ja noch Zeugen hören.— R.-A. Dr. Sack: Der Angeklagte Schulz ist ja seit Iahren mit Dreck beworfen worden. Ich bitte das Gericht, den Amtsgerichtsrat Wild aus Ober- schlesien zu laden, da er über die Entwicklung der S e l b ft- sustiz in den Grenzschutzverbänden eine genaue Schil- derung geben kann. Ich halte es für notwendig, damit hier eininal dargetan wird, daß diese S c l b it j u st i z, die jetzt hier zur Anklage steht, damals die Deckung der zuständigen Stell e" hatte. Ernste Vorhaltungen für Schulz. Nach einer kurzen Pause wandte sich der Borsilzende nochmals mit folgenden Worten an Schulz: Erlauben Sie mir, daß ich Sie noch einmal darauf hinweise, daß Sie mit allem, was Sie persönlich und im Interesse der Landesverteidigung geleistet haben, doch nicht um den Kern der Sache herumkommen. Angesichts des schweren Verdachtes, der auf Ihnen ruht, muß ich Ihnen ganz offen vorhalten, daß Gröschke heimlich umgebracht ist, und zwar von Büsching und Klapproth, daß diese beiden sich über ihre Offiziere hinweggesetzt haben, daß B ü- 'ching und Klapproth zu Ihrer besonderen Ver- siigung ge st an den haben, daß Sie, der Leiter der ganzen Organisation, nichts davon erfahren, aber hinterher gesagt haben, daß es richtig gewesen wäre. Ick) frage Sie: Sind Sie sich nicht dessen bewußt, daß solche Entgleisungen und Verbrechen, wie sie Gröschke begangen haben soll, immerhin vor- kommen konnten. Waren Sic entschlossen, Borkehrungen zu treffen, um solche Fälle in einer Weise zu verhindern, die der Ord- nung des Kommandos entsprach, oder sollte es nach Art des Ober- schlesischen Grenzschutzes geschehen? Haben Sei eine gerichtliche Prüfung angeordnet, oder war es wirklich möglich, daß jener Mann von einem Menschen hinterrücks beseitigt werden konnte, ohne daß ein Osfizier oder ein anderer gefragt wurde, nur weil gerade dieser die Neigung dazu hatte?(Mit. erhobener Stimnie): And wenn Sie das Baterland dreimal gerettet haben, Herr Oberleutnant Schulz, dazu müssen Sie Stellung nehmen!(Große Bewegung.) „firbeiterverrat"? Ein Nachwort zu den gestrigen Stadtratswahlen. Von Dr. Richard L o h m a n n. Vor zwei Iahren hat die kommunistische Fraktion des Berliner Rathauses durch den von ihr mitbeschlossenen Abbau dreier sozialdemokratischer Stadträte die bürgerliche Mehrheit im Magistrat geschaffen. Gestern ist diese bürgerliche Mehrheit beseitigt— gegen die kommunistische Fraktion, die die Wahl mit allen„parlamentarischen" Mitteln zu verhindern suchte. Damit hat die S o z i a l d e m o- k r a t i e— wenn man von den Begleitumständen, die die widerliche Form der kommunistischen Obstruktion notgedrungen heraufbeschwor, zunächst einmal absieht— einen ihrer größten politisch en und taktischen Erfolge seit der Revolution errungen. Doppelt erfreulich durch die volle Einmütigkeit, Geschlossenheit und Selbstdisziplin der sozialdemokratischen Fraktion, die die Wahl ihrer Leute erzwang, während kleinlichste Eifer- süchtelei der bürgerlichen Mittelparteien dann die Wahl ihres eigenen Mannes unmöglich machte. Wie ist es zu diesem Erfolge gekommen? Als die vier Stellen im Magistrat vakant waren, beauf- tragte die sozialdemokratische Fraktion ihre Unterhändler, zu n ä ch st mit der k o m m u n i st i s ch e n Fraktion über ein gemeinsames Vorgehen bei der Wahl zu verhandeln. Wir haben die Kommunisten keinen Augenblick darüber im Zweifel gelassen, daß ein taktisches Zusammengehen bei d:r Wahl selbstverständlich auch politische Folgen haben müsse, daß ein von beiden Parteien gemeinschaftlich gebildeterMagistrat auch vom Vertrauen dieser Par- teien getragen und durch verantwortungsbcreite, positive politische Arbeit dieser Parteien gestützt wer- den müsse. Er war von vornherein verdächtig, mit welchem Eifer die Kommunisten bereit waren, den Kämmerer uns zuzubilligen. Nach ihrer bisherigen politischen Haltung gegen- über der Sozialdemokratie lag die Vermutung nahe, daß sie den sozialdemokratischen Kämmerer in den Magistrat hin- einlancieren wollten, um nachher auf seinem Rücken dasHolz ihrerAgitation gegen dieSozial- demokratie hacken zu können. Es wäre natürlich voll- kommen untragbar gewesen, den Kämmerer m i t H i l sc d c r K o m m u n i st e n zu besetzen und nachher bei der Bewilli- gung des Etats die Hilfe bürgerlicher Parteien gegen die Kommunisten erbetteln zu müssen. Insbesondere haben wir immer wieder darauf hinge- wiesen, daß die flegelhafte Agitation gegen die Sozialdemokratie im Rathause während der Berhand- lungen und nachher unter allen Umständen unterbleiben müsse. Die Konununisten forderten zunächst für sich den Stadt- s ch u l r a t. Die Fraktion lehnte das a b— außer allgemein- politischen und kulturpolitischen Gründen aus der Erwägung heraus, daß die Partei es nicht tragen könne, wenn der Sessel, von dem die Kommunisten unseren Stadtschulrat, den Ge- nassen Paulsen, mit Fußtritten hinuntergewor- f e n hatten, nun mit einem Kommunisten besetzt würde. Die Kommunisten forderten daraufhin wieder, wie bereits ein- gangs der Verhandlungen, zwei Posten von den vieren für sich. Auch das lehnte die Fraktion natürlich a b. Schließlich erklärten sie sich auch bereit, mit dem politischen Stadtrat allein fürlieb zu nehmen. Während diese Verhandlungen geführt wurden, oft in denselben Minuten, schickten die Kommunisten im Rathaussaale ihre wüstesten Redner gegen uns vor, die unsere Fraktion in der n i e d e r t r ä ch t i g st e n und flegelhaft esten Weise anpöbelten. Alle Vor- stellungen und Einwände gegen ein solches ganz unmögliches Verhalten inmitten von Paktoerhandlungen fruchteten nichts. Es folgte der Höhepunkt, auf dem die Kommunisten unsere Genossen im Sitzungssaale zum Beweis der Einheit s- front mit Ohrfeigen traktierten. Dazu kam plötzlich die Forderung van„a ch! Punkte n", die unsere Kandidaten unterschreiben sollten. In keinem Stadium der Verhandlungen war von dem kaudinischen Joch solcher kommunistischen„Punkte" auch nur ein Sterbenswörtchen gefallen. Aus alledem ging ganz unzweifelhaft hervor, daß die Kommunisten es mit dem Zusammengehen unmöglich ehrlich meinten und nur wieder nach der„Einheits- front" riefen, um eines ihrer„Entlaroungsmanöver" dabei anzubringen. Die Fraktion beschloß darauf einmütig, diese VerHand- lungen, die mit der Ehre und Selbstachtung der Partei nicht länger vertragbar waren, a b z u- brechen. Auch nicht ein einzige Stimme erhob sich für ein weiteres Paktieren. Es blieb nun nur noch der Weg zu Verhandlungen mit den bürgerlichen Mittelparteien, wenn wir nicht die bereits deutlich erkennbare Gefahr eines Bürgerblocks heraufbeschwören wollten, der seine sämtlichen Kandidaten bei der selbstverständlichen Stimmenthaltung der Kommunisten ohne jede Schwierigkeit hätte durchbringen können. In diesen Verhandlungen ist es nach langein Hin- und Her und unter voller Einsetzung aller politischen und außerpolitischen Trümpfe gelungen, die Zustimmung zur Wahl der drei sozial- demokratischen Kandidaten— genau wie bei den Ver- Handlungen mit den Kommunisten— durchzusetzen. Um die Bedeutung dieses Erfolges voll zu ermessen, muß man bedenken, daß erstlich dadurch mit den Stimmen bürgerlicher Parteien die bürgerliche Mehrheit im Magistrat beseitigt worden ist(auch bei der Wahl eines bürgerlichen Kämmerers stehen 12 gegen 12 Stimmen), daß zweitens das Zentrum nicht gegen einen sozialdemokrati» sehen Schulrat gestimmt hat. daß drittens die Demokraten gegen ihren eigenen Bauratskandidaten und viertens alle Par- tcien gegen ihre eigenen Stadtfchulratskandidaten stimmen mußten. Wenn alles das— was Zweifler noch am Abend der Abstimmung für unmöglich hielten— tatsächlich g e- s ch e h c n ist, wie das Wahlergebnis beweist, so zeigt dies bester als alle Worte, welche Stellung sich die Sozialdemo- kratie durch ihre konsequente und verantwor- tungsbewußte Politik im Rathause errungen hat. Die Volkspartei ist übrigens, wie schon die Abstimmunzs- ziffern zeigen, dem Kompromiß nicht beigetreten, so daß sich das Lügengewebe der„Roten Fahne" vom Popanz einer „Großen Koalition" von selber richtet. Den Kämmerer Posten hat die Fraktion für einen Linksdemokraten und entschiedenen Republikaner freigegeben, nicht zuleßt aus der Erwägung heraus, daß der Leiter der Finanzen in der jetzigen wirtschaftlichen und sozialen Situation für jede Partei eher eine parteipolitische Belastung als eine politische Machtposition darstellt. Die Mittelparteien haben sich, wie das Wahlresultat ausweist, bisher noch nicht über einen gemeinsamen Kandidaten einigen können. So ist es dahin gekommen, daß gestern nur d i e drei Posten besetzt worden sind, die die bürgerliche Magistrats- mehrheit b e s e i t i g e n„ daß nur drei Sozialdemo- traten endgültig gewählt sind. Und dieses Ergebnis ist der„Arbeiterverrat" der „Roten Fahne" und der geschwollenen kommunistischen Erklärung. Um dieses Ergebnis zu verhindern, haben die Sommrniisten Pauken und Hupen und Waldteufel in den Sitzungssaal geschleppt. Um dieses Ergebnis zu verhindern, haben sie abermals das bedauerliche Schauspiel heraufbezwun- gen, daß Schupo in den Parlamentssaal geholt werden mußte, haben sie geschrien, getobt und gevrügclt. Gegen dieses Ergebnis rufen sie heute die„Masten" heraus zur Protest- kundgebungl Aber noch e i n Ergebnis haben die Borgänge bei der Wahl gezeigt, nämlich dieses: daß mit dieser kommunisti- schen Fraktion, deren einsichtige und verständige Mitglieder sich niemals in irgendeiner wichtigen Situation gegen die Schreier und Skandalmacher durchsetzen können, eine gemeinsame Politik im Inter- esse der schaffenden und notleidenden Massen Berlins schlechterdings nicht zu machen ist. Wer es noch nicht gewußt hat, dem sind gestern abend endgültig die Augen geöffnet worden. Denn das. was die Kommunisten gestern abend versucht haben, was ihnen aber erfreulicherweise nicht gelungen ist, die Zer- schlagung der bürgerlichen Mehrheit des Magistrats zu v e r- hindern, die Wahl dreier sozialdemokratischer Magistrats- Mitglieder zu verhindern und ihre Sitze den Bürger- lichen in die Hände zu spielen, das war in der Tat A r b e i t e r v e r r a t in der schlimmsten mög- lichen Form! Oos Kommunistenblatt verschweigt... Die rüden Szenen, die gestern von der kommunistischen Rat- hausfraktion aufgeführt wurden und das Eingreifen der Polizei� notwendig nrachten, werden in der„Roten Fahne" schamhaft verschwiegen. Das Blatt, das sonst jede kommunistische Heldentat ruhmredig zu vergrößern sucht, oerschweigt den kommunistischen Arbeitern mit nicht inißzuoerstehcnder Eindringlichkeit, welcher Art die so- genannte„Obstruktion" war, die ihre Rathausfraktion veranstaltete, verschweigt den Höllenspektakel mit AutoHupen, Paukenbecken, Tuten. Trillerpfeifen und anderen klangvollen Instrumenten, o e r- schweigt, daß ihre„Stadtväter" sogar auf die ihres Amtes waltenden Schupobeamten einichlugen, kurz: verschweigt die eigentlichen Heldentaten ihrer„Arbeitervertreter". Ist in der„Roten Fahne" ein letzter Funken von Scham- g« f ü h l erwacht über die Burschen, denen die kommunistischen Wähler ihr Vertrauen ausdrückten? Keineswegs. Dies plan- mäßige Verschweigen dient nur dazu, um die Notwehraktion des Stadtparlaments desto unverschämter anzupöbeln, den sozialdemokratischen Stadtverordnetenvorsteher zu beschimpfen und selbstverständlich die moskowitischen Radaubrüder als verfolgte Un- schuldsengel hinzustellen. Das Verschweigen wie die Wort« sind gleich verlogen. Ebenso erkennbar verlogen wie die Behauptung des kommunistischen Abendblattes von gestern, der„Vorwärts" habe die IS Millionen Wähler, die beim Volksentscheid mit Ja stimmten, nachträglich als— Idioten bezeichnet. Da von den 15 Millionen der weitaus größere Teil sozialdemokratische Wähler waren, so wird uns unterstellt, unsere eigenen Parteianhänger als Idioten be- zeichnet zu haben. Diese Unterstellung ist so dumm, daß man schon Dauerlescr der Moskauer Abfallprodukte sein muß, um sie zu glauben._ deutschnationaler Sinn und Unsinn. Hergt und Stresemann. In Liegnitz hielt gestern abend Hergt eine Rede, in der er sagte: Die Deutschnationale Volksxartei treibe praktische Politik und dränge sich dazu, praktisch mitarbeiten zu können. Es sei die Tragik des deutschen Volkes, daß acht Jahre nach der schwersten Zeit, alle, die hinter der Partei ständen, an der deutschen Politik nicht mit- helfen könnten. Die Erfüllungspolitit der Vergangenheit mit ihren furchtbaren Folgen lieg« jetzt weit hinter uns. Die andere Tragik des deutschen Volkes sei, daß durch die v e r- fehlte Außenpolitik, die die Politik der Sozialdemokratie ge- wesen sei, auch die Innenpolitik zum Nachteil des deutschen Volkes beeinflußt worden sei. Di« Entwicklung der letzten Monat« gebe, so eigenartig es auch erscheinen mög«, die Hoffnung, daß es doch zu e)nem Verstehen komm«. Locarno habe trennen müssen, ober T h o l r y, das nicht für sich allein betrachtet werden könne, biete Möglichkeiten eines gemeinsamen, von deutschnationalem Sinne durchtränkten Zusammengehens. Zu gleicher Zeit richtete der erkrankte Dr. S t r e s e- mann an seinen Parteifreund Kaiser in Dresden einen Brief, in dem er u. a. ausführte: Es schmerzt mich wn so. mehr, in Dresden nicht sprechen zu können, als ich dadurch auch der Möglichkeit verlustig gehe, all dem Unsinnentgegenzutreten. derjetztüberdieAußen- Politik gesagtwird. Was soll das heißen, wenn v o n e i n« m dcutschnotionalen Abgeordneten davon gesprochen wird, daß„der Glaube an eine internationale Jnterestensolidarität der Völker und der Wirtschaft eine Ausfassung sei, die woniöglich noch Verhängnis- voller sei, als der marxistische Irrtum einer internationalen Jnteresien- solldarität der Arbeiterschaft". Ist denjenigen, die etwas derartiges sagen, nicht bekannt, daß das international« Eisenkartell der deutschen Großindustrie in Frankreich, Belgien und Luxemburg seine Entstehung einem de u t s ch n a t i o na le n führenden Mann« der Wirtschaft, wie Fritz Thyssen, mitverdankt? Weiß man nichts daß das international« Kaliabkommen von Persönlichkeiten abgeschlossen worden ist, die nur rechts st ehenden Kreisen an- gehören? Stresemann erklärt also den„deutschnationalen Sinn", mit dem Hergt die Zlußcnpolitik durchtränken will, für Un- sinn. Dieses harte Urtell trifft auf die Liegnitzer Rede H e r g t s ebenso zu wie auf die Dresdener Rede des Herrn Treoiranus. Hergt sagt, die Erfüllungspolitik liege weit hinter uns. Dabei hat die Erfüllungspolitik doch erst dadurch den richtigen Schwung bekommen, daß die Deutschnationalen zu 50 Proz. für die Annahme des Dawcs-Pakts stimmten. Hat die Erfüllungspolitik„furchtbare Folgen"— in Wirklichkeit war sie das einzige Mittel, um die furchtbaren Folgen der deutschnationalen Kriegspolitik zu mildern—, dann sind diese Folgen erst von Hergt selbst herbeigeführt worden in den Ber- Handlungen, die er seinerzeit mit C u r t i u s über die An- nähme des Dawes-Pakts führte. Locarno lehnt Hergt ab, Thoiry akzeptiert er! Weiß der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses nicht, daß die Loslösung Thoirys von Locarno ein vollkommener Un- sinn ist? Die Deutschnationalen wollen mit nationalistischen Phrasen, die für die Massen bestimmt sind, eine inter- nationale Geschäftspolitik treiben. Wo materielle Interesten in Frage kommen— siehe Eisen und Kali!—, sind sie sofort für internationale Verständigung. Aber wo es gilt, die Massen zu betören, da schimpfen sie Frankreich den „Erbfeind". Das ist eine Politik der Beute und des Volksbetrugs, die das ganze öffentliche Leben vergiftet. Wehe Deutschland, wenn seine äußere und innere Politik von diesem„S i n n" durch- tränkt würde! Schweigen über Tirpitz. Die Rechtspresse sagt kein Wort— das Reichswehr- Ministerium dementiert nicht. Auf unsere Fessstellung, daß Tirpitz amtliche Akten widerrechtlich benutzt und dann wieder in das Marinearchiv habe zurückschaffen lassen, herrscht verlegenes Schweigen auf der Rechten. Wie auf Vcr- abredung wird totgeschwiegen, daß Tirpitz oder seine Helfershelfer amtliches Eigentum benutzt, zerschnitten wieder zusammengeleimt und so rechtzeitig in das Marinearchiv zurückgebracht haben, daß dieses die Reichsregierung über den wahren Tatbestand m die Irre führen konnte. Nun schreibt uns Herr Widemnann, dessen Namen wir beiläufig erwähnten, durch«in Rechtsanwaltsbureau folgende Berichtigung: „Es sst unwahr, daß ich Akten aus dem Amtsbereich der Marineverwaltung oder einer sonstigen Behörde unter irgend einem Vorwande an mitgenommen habe. Ich habe deshalb auch dem Großadmiral von Tirpitz Akten nicht zur Verfügung gestellt." Demgegenüber stellen wir von neuem fest, daß es uns auf die Person dessen, der Tirpitz die Akten verschafft hat. nicht, sondern nur daraus ankommt, daß Tirpitz Akten des Marmearchios benutzt, sie wieder zurückgesändt hat und das Marinearchiv, mit oder ohne Em- oerständnis des Reichswehrministers, diese für Tirpitz ungünstige Um- stände verschwiegen hat. Allen an der Hauptsache vorbeigehenden Dementis gegenüber stellen wir fest: Auf unser« erst« Mitteilung über den wahren Sachverhalt haben Tirpitz und das Reichswehrminsstermm ebenso wie über unsere gestrig« geschwiegen. T i r p i tz hat mit keinem Wort bestritten. daß die Ding« sich so verhalten, das Reichswehrmini st erium hat sie ebenfalls mit keinem Wort bestritten. Auf Tirpitz bleibt der Vorwurf hasten, widerrechllich Akten benutzt und gebraucht zu haben, auf dem Reichswehrministerium oder dem Marinearchiv bleibt der Vorwurf, die Reichsregierung irregeführt zu haben. Deutsch-polnisihes Nechtsabkommen. Regelung der Nachlahfrage. Am 27. Oktober wurden im Auswärtigen Amt ein deussch- polnisches Nachlaßabkommen und ein deutsch-polnisches Ueberleitungsabkommen über Personenstandregister unter- zeichnet. Mit der Unterzeichnung dieser beiden Abkommen können, wie die zuständige Stelle erklärt, die Arbeiten der Rechtskom- Mission der deutsch-polnischen Wirtschaftsdelegaticn nach über drei Jahre dauernden Verhandlungen in der Hauptsache als abgeschlossen gelten: die der Kommission sonst überwiesenen Materien sind bereits durch ein« Reihe anderer Abkommen geregelt, die schon in Kraft getreten sind. Die künsilerische Formgebung öes Reiches In der WandclhalledesReichstags sind die Entwürfe und Abbildungen ausgestellt, die das Arbeitsgebiet des Reichs. k u n st w a r t s illustrieren. Hier tritt man nun einmal mit ganzem Bewußtsein in die furchtbare Ueberlcbensgröße der Wallotschcn Kulissen aus Sand- stein, und erschrickt. Weniger vor dem eiskalten Pomp und der Leere dieser ohne alle Befugnis für repräsentativ erklärten Architck- tur, deren bare Imitation man ja reichlich auch sonst deutsche Lande verpeste» sehen kann, als vor dem Gedanken, daß in diesen Räumen die Politik eines Sechzigmillionenvolkes beglaubigt wird. In diesen Hallen nun, Denkmal gefrorenen Dunkels, steht der Rcichskunstwart und erläutert die Dokumente seiner sechsjährigen Arbeit, die da in einem halben Dutzend Kojen weitjchichtia und geschmackvoll ausgebaut sind. Man kann sich keine größeren Gegen» sötze denken, als diese neuartig hübschen Entwürfe von Flaggen, Reichsadlern, Stempeln, Briefmarken, Medaillen, Wappen, Schil- dern und Drucksachen, slantien von Photographien der paar Reichs- feiern und einigen Vorschlägen für das Reichsehrenmal— und die bimmelhohen Steinsäulen und Architrave, die mit einem grenzen- losen Hochmut aus den kleinwinzigen Einbruch in ihre traditionelle Unfehlbarkeit hinunterglotzen. S i e sind die Vergangenheit, Gegen. wart und Zukunft: was kann ihnen dieser Versuch einer neuen Form anhaben! Die Herren, die hier zu kommandieren haben: was sogen sie zu den schönen Worten und Briefmarken des Reichs- kunstwarts? Sie lachen darüber. Armer ReichskunstwartI In den Ozean schiffte mit tausend Masten der Jüngling, anno 1320. Was bringt er nun, nach sechs Jahren— nicht etwa aus eigener Initiative, sondern auf aller. höchsten Wunsch des hohen Hauses selber, vor das so schön genannte Forum der breitesten Ocsfentlichkeit? Seine Schuld ist's wahrhaftig nicht, wenn die Ausbeute so mager ausgefallen ist und er selber, der Freund und Protektor der ausrechten Künsllerjugend, immer wieder den ironischen Unterton schmerzlicher Entsagung muß durchklingen lassen. Nein, Redslob trifft keine Schuld. Er hat sich überall um Auf- nähme neuen Geistes und wahrer Kunst in den muffigen Bezirken des heiligen Bureaukratius bemüht. Aber er war nur ein Ein- zelnet und ein Künstlermensch dazu, der der glatten„Realpolitik" und den verstockten Bonzen durchaus nicht gewachsen ist. Der Aktendcckel-Pappmachö-Mensch unserer glorreichen Bureau- kratie hat auch diesen frischen Geist um olle Wirkung gebracht. Reden Sie nur, allverehrter Herr Reichskunstwart, lassen Sie sich vom Reichsiimenminister„den Vorteil zielbewußter Arbeit Inner- halb der aktiven Kunstbetätigung des Reichs" bescheinigen. Sie wissen es besser als wir. was hinter solchen Mlnisterialausdrücken steht. Und was nach abermals sechs Jahren sisyphushafter An- strengungen aus Ihrem Bureau hervorgegangen sein wird. Sie wollen es gar nicht wissen? Leider, leider ahnen wir Unter- götter es um so sicherer. Und wir wollen es Ihnen nicht oorent- halten: Nichts. Dr. Paul F. Schmidt. Bekämpfung öer Svphilis. Im Auftroo der Deutschen Gesellschaft zur B«- kämpfung der Geschlechtskrankheiten hielt Prof. Erich Hoffmann, der als Mitarbeiter von Schaudinn zu den Entdeckern des Syphilis«rr«g«rs gehört,«inen Vortrag„W i« kann die Menschheit von der Geißel der Syphilis befreit werden? Cr bracht« in der Einleitung sehr anfechtbare Statistiken aus Belgien, England und Frankreich, ohne mit einem Wort Zahlen aus Deutschland zu erwähnen. Seine Mitteilungen sind obne jede Iahresangabe. So sterben in Belgien jährlich 15 000, in England 60 000 und in Frankreich 1-10 000 Menschen. Im letzteren Lande sollen pro Jahr 130 000 Menschen neu angesteckt werden. In Paris soll jeder zehnte Einwohner syphilitisch sein und-10 Proz. der Kranken- Hausinsassen an Lues leiden. In Belgien seien 22 Proz. der Be- völkerung syphilitssch. Wie gesagt, hat er kein« Zahl über Deutschland gegeben. Cr zeigt« dann einige Lichtbilder über das Vorkommen von Syphilis als Berufskrankheit bei Hebammen und Aerzten und stellt« einen Fall vor, wob«i sich«In Assistent eines Pathologischen Institutes nach vier Tagen an«Iner syphilitischen Leiche infiziert hat. Er betont« dann die hervorragenden Verdienste, die deussch« Forsch«? bei der Bekämpfung der Syphilis sich erworben hätten. Er nannte di« Namen Wassermann, Ehrlich und Schaudinn, dann noch M« i n e ck e und Sachs-Georgi, di« eine der Wassermannschen ähnliche Blutreaktion gesunden haben. Er ging dann auf di« Behandlung der Syphilis ein und zeigte sich als«in groß«? Anhänger des Salvarsan. Er bezeichnete das Saloarsan als dos HeilmiU«! der Syphilis, das bei einer gleichzeitigen Benutzung von Wismuth sicher« 5)eilergebnisse erzielen würde. Er führ« in seiner Klinik in kurzen Abständen drei kombinierte stark« Kuren aus. Dann ging«r auf di« Behandlung der Paralyse ein und teilt« mit, daß Wagner von Iouregg in Wien als erster di« Behandlung der Paralyse mit Malaria eingefiihrt habe. Zum Schluß gab er einige Möglichkeiten an, die zu einer Ein- dämmung der Syphilis führen könnten. Als bestes Schutz- mittel gegen«in« Syphllis-Infektion bezeichnet« er die Treu« und dann den Gebrauch von Schutzmitteln. Er macht« dann noch folgend« Vor- schlüge zur praktischen Bekämpfung. Erstens ein« gesetzliche Regelung, wie sie im Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten vorge- sehen sei und womit man in Dänemark und Schweden schon gute Er- folge erzielt habe. Zweitens«in« systematische Untersuchung aller Gebärenden in Gebäranstolten und der Schwangeren in der Schwangerenfürsorge. So habe er im Jahr« 1903 bei Untersuchungen in der Hebammen-Lehranstalt in Halle 20 Proz. der Gebärenden syphilitisch befunden. In Bonn seien es 1910 10 Proz. gewesen und diese Zahl sei nach dem Kriege aus 7 Proz. gefallen. Aus seinen Ausführungen mußt« man entnehmen, ohne daß er es aussprach, daß er gegen di« Einleitung des künstlichen Abortus sei und glaubt, durch seine starken Kuren zu vermeiden, daß das Kind syphilitisch erkrankt geboren würde. Zum Schluß leistet««r sich noch, wie es be! gewissen Universitäts- Professoren leider unvermeidlich zu sein scheint, einige politisch« Ent- glcisungen, wenn er die Okkupation des Rhcinlandes als die „Franzosenkrankheit" bezeichnet und glaubt, daß dies« wie auch die Syphilis durch deutsch« Arbeit bekämpft werden könne. Gerade bei einem Mitglied der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- heiten, die als«in« der wenigen Gesellschaften auch heute schon wieder die Beziehungen zu den Gesellschaften gleicher Tendenz in den alliierten Ländern ausgenommen hat, wird man durch«in« solch« Betonung sehr unangenehm berührt. E>r. med. Norb«rtMarx. Zum Schund- und Schmuhgeseh äußert sich Heinrich Mann folgendermaßen:„Dos beabsichtigte Gesetz ist der überhaupt frechste und roheste oller dagewesenen Versuche, in das Leben des Geistes einzugreisen. Fachmenschen, Durchschnittsgestallen mit Halbbildung und Viertelsdenkoermögen werden instand gesetzt, jedes beliebige Buch heimlich und ohne Möglichkeit eines Einspruches aus der Oeffentlichkeit oerschwinden zu lassen. Das hat das Kaiserreich sich nie erträumt. Dafür mußte vor allem die Inflation kommen, die Masse der Intellektuellen mußte arm und dumm gemacht werden. Jetzt vergreist man sich unmittelbar an der Literatur, die keine natürlichen Verteidiger mehr hat. Sittlich« Vorwände täuschen niemand. Es handelt sich im Gegenteil um tief unsittliche Inter- essen, die„untragbar" finden, daß noch frei gegen sie sollte geschrieben werden dürfen. Schändlicher Mißbrauch des Namen« der Jugend, wenn doch nichts anderes bevorsteht, als eine den herrschenden Interessen verpflichtete Jndex-Kongregation und die Abwürgung von Denk- und Dichtwerten im Keller!"— Dr. Franz D ü l b e r g: „Der Kampf gegen den Schund— bewußt übertreibende ensstellende Darstellung von Lebensoorgängen— und gegen den Schmutz— anreizende Vorführung von Liebesgeschehnisscn, die zum Mißbrauch eigener und fremder Sexualorgane verleiten könnte— oermag meines Erachtens mit hinreichender Kraft von den Erziehung?- oroancn, Elternhaus, Schule, Kirche, Partei, ärztliche Beratung-- stelle, Dolksbildungsanstalt, Presse, betrieben zu werden. Obrig- keitliche Organe besitzen nicht die nötige Anpassungsfähigkeit, um Mißgriffe zu vermeiden. Unter„Schund" kann jede temperament- volle Romantik, unter„Schmutz" jedes ethisch wertvolle erotische Bekenntnis, jeder Versuch zur Reform unserer Serualisten angc- prangert und in seiner Verbreitung beengt, schließlich also unter- drückt werden. Das kostbare Gut des Deutschtums ist Vielgestallig- kett und Freiheit der Lebensformen. Die Gesunden unter uns dürfen nicht Sklaven der Kranken werden, die durch irgendeine Nackt- darstellung zu Untaten verleitet werden können."— Prof. Dr. Franz Oppenheimer:„So sehr ich die Verwirrung dieser Zeit be- klage, so scharf ich ihre Auswüchse erkenne: als ein viel größeres Unglück würde es mir noch erscheinen, dem Philister die Freiheit des geistigen Schaffens auszuliefern." .'keeie Sogollstssche Hochschule. Am 30.. abend» 7 Uör, spr'cht Pros. SJruno ft u« f c, Köln, im Rahmen der„Freien Lostali uschen vachschule' über„üuiopa und die Stlimii tichaft*. Karlen zum Preise von M. 0,50 sind in der Buchhandlung I. H. B. Tietz, Lindcnslr. 3 und r.n der SIbendkasse erhältlich. Zm Kalscr-Friedrich llluseum bält Dr. B. Daun, Dezernent für Kunst im Polizeipräsidium, am 31.. vorm. 10 Uör, Vortrag über die N e i sl e r. werte der altniederlävdischeu Malerei. Einzelkarten üu Museum erhältlich. Das verbot militärischer verbänüe. Eine Verordnung des Reichspräsidenten. Das„Reichsgesetzblatt" vom heutigen Tage bringt an seiner Spitze folgende Verordnung des Reichs- Präsidenten: Zluf Grund des Artikels 48 der Reichsoerfassung hebe ich die Verordnung de- Reichspräsidenten über das Verbot militärischer Verbände vom 24. Mai 1921(„Reichsgesetzblatt" S. 711) auf. Nach Aufklärung von zuständiger Seite hat diese Ver- ordnung keineswegs den Sinn, das Verbot militärischer Ver- bände aufzuheben. Sie verfolgt vielmehr den entgegenge- setzten Zweck. In der Verordnung vom 24. Mai 1921 hieß es nämlich: Wer es unternimmt, ohne Genehmigung der zu- ständigen Dienststellen Personen zu Verbänden militäri- scher Art zusammenzuschließen, oder wer an solchen Verbänden teil- nimmt, wird mit Geldstrafe bis zu 199 00 Mark oder mit Gefängnis bestraft. Diese Verordnung konnte dahin ausgelegt werden und ist dahin ausgelegt worden, daß die Bildung militärischer Verbände m i t„Genehmigung der zuständigen Dienststellen" erlaubt sein solle, auch wenn sie mit dem Gesetz vom 2 2. März 1921 nicht im Einklang stehe. Dieses Gesetz zur Durchführung der Artikel 177 und 178 des Friedensver- träges besagt, daß Vereinigungen, deren Zweck im Wider- spruch zu jenen Artikeln stehen, aufzulösen sind und daß die Beteiligung an solchen aufgelösten Vereinigungen mit Geld- strafe bis zu 50 000 Mark oder mit Festung bis zu drei Mo- naten oder mit Gefängnis bis zu gleicher Dauer bestraft wird. Dieses Gesetz bleibt ohne jede Ein- schränkuna in Kraft. Es wäre daher falsch, anzu- nehmen, daß die Verordnung die Wirkung habe, bisher ver- botene Verbände militärischer Art, wie Wiking und Olympia, wieder zu gestatten._ Solöatennaturen in öer Politik. Ein Urteil Posadowskys. Der alte Graf P o s a d o w s k i hat sich seltsamerweise zum „Deutschen Tageblatt" des Herrn W u l l« geflüchtet, um Proben seiner abgeklärten Lebensweisheit zu geben, die gerade in dieses Blatt am allerfchlechtesten passen. Neuerdings beschäftigt er sich dort mit dem Fall« S«« ck t, um zur Entschuldigung des Generals u. a. folgendes zu bemerken: Im Heere wird befohlen und gehorcht: im täglichen Dienst ist alles klar begründet und begrenzt. Di« Wege der Politik und ihres täglichen Kampfes liegen echten Soldatennaturen vollkommen fern; ihnen fehlt geradezu das Verständnis für die Weg« dieses gefährlichen und tückischen Irrgartens. Das sollt« man bei der Beurteilung solcher Persönlichkeiten billigerweis« in Betracht ziehen. Schärfer kann man über den Politiker Ludendorff und die zahllosen kleinen Ludendorffe, die sich bei den Völkischen und Vater- ländischen herumtreiben, nicht urteilen. Mißstimmung in Schießen. Gegen die Vernachlässigung durch Berlin. Breslau. 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das sogenannte „Sofort-Programm" der Reichsregierung für den deutschen Osten wurde gestern in einer erregten Kundgebung der Breslauer Stadtverordnetenversammlung scharf kritisiert. Ein sozialdemokratischer Antrag, der im Laufe der Ver- Handlungen einstimmig« Annahme fand, verlangt bessere Berück- sichtigung Nicderschlesien» in den Zuschüssen für Gesundheitspflege, Wohnungsbau, Wohlfahrtspflege und Jugendpflege, da gerade die niederschlcsischen Industriebezirke, Breslau, Waldenburg und gewisie Grenzgebiete unter der gegenwärtigen Wirt- schaftslage und dem Zollkrieg mit Polen besonders schwer leiden. Der sozialdemokratische Fraktionssührer Genosse Mache wies dar- auf hin, daß von den 32 Millionen, die die Reichsregierung im „Sofort-Programm" bewilligt hat und die sich auf vier Provinzen vertellen sollen, Niederschlesien mit seinen 699 Kilometer Auslandsgrenzen nuretwasüberzwei Millionen erhallen soll: von den Wohnungsgeldzuschüssen bekommt Breslau, die weitaus am engsten bebaute Großstadt des ganzen Reiches, nicht einen Pfennig, ebenso von den Zuschllsien für Theater und andere kullurelle Einrichtungen, obwohl die Breslauer sehr hoch- stehenden Theater infolge schwerster Wirtschaftslage trotz größter Sparsamkeit von der Schließung bedroht sind. Oberbürgermeister Dr. Wagner unterstrich dies« Ausführungen und dankt« der Sozialdemokratie für ihren Vorstoß, wobei er besonders auf die zunehmend« Tuberkulose infolg« der schweren Wohnung«. not in der Provinz Niederschlesien hinwies. Er protestierte dann gegen neu angekündigte Abbaumaßnahmen der Reichs- bahn für Schlesien. Diese würden feiner Meinung nach wiederum Arbeiterkategorien treffen, die sozial mit am meisten darunter leiden, weil sie anderweitige Einstellung nicht erwarten können. Die Abänderungsanträg« der bürgerlichen Parteien im Reichstag zum Ostprogramm haben in Schlesien lebhast« Bedenken ausgelöst, da befürchtet wird, daß ein« Erhöhung der Kredite für Privat- firmen mit einer Herabsetzung der Zuschüsse für Verwalwngsmah- nahmen verbunden sein muß. Von keiner Seite wird in der nieder- schlesischen Oefsenllichkeit Kritik an den erheblich größeren Zu- schüssen für Ostpreußen und Oberschlesien geübt, deren Not durchaus anerkannt wird: doch führt die Vernachlässigung Niederschlesiens ollmählich zu einer tiefen und erbitterten Berstimmung gegen die Berliner Zentralstellen. Das vertufchungsspstem von Hannover. TyPhuSepidemie nnd Presse. Hannover, 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In der Sitzung der städtischen Kollegien am Donnerstag, die erst auf Betreiben der sozialdemokratischen Fraktion angesetzt worden war, kam es wegen der Typhusepidemie zu lebhaften Auseinandersetzungen. Der deutschnationale Oberbürgermeister Dr. Menge teilte mit, daß bis heute etwa 2999 Typhuserkrankte und 2S9 Tote zu verzeichnen seien: die letztere Zahl beweis« die Schwere der Epidemie, die jetzt aber stark zurückgehe. In dem staallich-städtischen Gutachterausfchuß sei die Auffasiung über die Ursachen der Epidemie auch heute noch geteill. Dann griff der Oberbürger- meister sowohl die auswärtige als auch die hiesige Presse, und zwar ohne jeden Unterschied, aus das schärfst« an, weil, wie er sagte, die Presse die Oeffentlichkeit fortgesetzt falsch informiert habe. Bc- sonders scharf wandte er sich gegen unser Parteiblatt. Der„Volks- will«" hat allerdings der Äadtverwoltung stets einwandfrei nach- gewiesen, wie sehr ji« gefehll Hab« und wie erst durch die Schweigetaktik des Magistrats die Oeffentlichkeit in starkein Maß« beunruhigt worden war. Der von der Stadt bestellte Gutachter Dr. Jürgens hielt über seine bisherige Unter- suchung einen Bortrag, in dem er zum Ausdruck brachte, daß be- sonders die un hygienischen Verhältnisse im Kanal!- sations- und Wohnwesen einzelner Stadtteile zur großen Ausbreitung der Epidemie beigetragen haben. Vom sozialdemokratischen Redner wurde bemängelt, daß in der Sitzung nur ein einseitiges Gut- achten abgegeben worden fei. Der Oberbürgermeister habe selbst Schuld daran, wenn die Oeffentlichkeit falsch informiert worden sei. Die Politik des Vorst eckspiele ns mußte den Eindruck hervorrufen, als wenn die Behörden vertuschen wollten. Der Rechts- block unterstützte natürlich die Haltung der Stadtverwaltung in allen Fragen. Es kam zu vielen Zusammenstößen zwischen rechts und links. Schließlich wurde der Aufnahm« einer Anleihe von sieben Millionen Mark für die Kanalisation zugestimmt und weitere zwei Millionen Mark zur Deckung der durch die Typhusepidemie ent- standenen Ausgaben bewilligt. Die weitergehenden sozialdemo- kratischen Anträge wurden abgelehnt. Die Erwerbslosenfrage. Verhandlungen mit der Sozialdemokratie. Das Reichskabinett hat heute vormittag im Anschluß an die gestrige Besprechung des Reichskanzlers mit den Vertretern der Regierungsparteien über die Erwerbslosenfrage beraten. Danach empfängt der Reichskanzler im Beisein der Reichsminister für Finanzen, Wirtschaft und Arbeit zunächst die Vertreter der So- zialdcmokratischen und darauf die der Deutschnationalen Partei. Locarno in üer Reichskonferenz. Nur Australiens nnd Neuseelands Vertreter für Ratifizierung. London. 29. Oktober.(EP.) Dem diplomatischen Korrespondenten des„Daily Telegraph" zufolge bestehen auf der britischen Reichs- konferenz noch Meinungsverschiedenheiten über die L o c a r n o- Vertröge. Di« Premierminister von A u st r a l i« n und von Neuseeland wollen ihren Parlamenten die Ratisi- zierung vorschlagen, wobei mit ernster Opposition nur im australischen Parlament zu rechnen ist. Di« Pvemienninister von Kanada und Südafrika sowi« der Vertreter d«s irischen Freistaats verhielten sich trotz aller Ueberredungsversuche a b- lehnend. Di« Diskussion hätte klar ergeben, daß das„Foreign Office" in Zukunft derartige Separatoktionen, wie die von Locarno, nicht wieder vornehmen dürfe, da sie zur Stärkung der Unabhängigkeits- b« strebungen in den Dominions beitrüg«. Diese Mitteilung stammt aus den Delegationen der Do- minien, die über das selbständig« Vorgehen des Londoner Außenministers verärgert sind und sich weigern, sich den Bündnis- pflichten Englands aus dem Vertrage von Locarno anzuschließen. Demgegenüber gibt das Bureau Reuter folgende, vom englischen Außenminister inspirierte Darstellung: Die Besserung in den internationalen Beziehungen Europas im Vergleich zu den Berhällnissen, wie sie der Reichskonferenz von Lord Curzon vor drei Jahren auseinandergesetzt wurden, sei all- gemein anerkannt. Unter diesen Umständen sei es nicht überraschend, daß die Dominions die Locarnopolitik billigen. In diesem Zusammenhang könne gesagt werticn,„daß, welch« Entscheidungen auch immer schließlich bezüglich des formellen Bei- tritts der Dominions zum Pakt getroffen würden— eine Frage, die von den in Betrocht kommenden Parlamenten noch nicht er- örtert worden ist, und schließlich von ihnen geregell wird—, es eine feststehend« Tatsache sei, daß die Politik von Lovarno, über die die Ueberseeregierungen in jedem Stadium der Verhandlungen telegraphisch unterrichtet wurden, durch die Premierminister der Dominions von ganzem Herzen unterstützt werde." Die britische Reichslustfahrt. London, 29. Oktober.(WIB.) In seiner bereits kurz ge- meldten Rede in der Sitzung der Reichskonferenz, in der die Frage der Reichsluftverbindungen vom Standpunkt der zivilen Luft- fahrt besprochen wurde, hob der Minister für Flugwesen, H o a r e, hervor, daß die zivile und die militärische Seite der Frage unzertrennlich miteinander verbunden seien und daß der Ausbau der Reichsluftlinien mittels Flugzeuges oder Luftschiffes eine der lebenswichtigsten Fragen der Reichsoerteidigung darstelle. Kein technischer Grund verhindere, mittels Flugzeuges oder Luftschiffes die entferntesten Städte und Gebiete des Reiches von London aus innerhalb von zwei Wochen zu erreichen. Kein technischer Grund verhindere die Reise nach Kanada auf 214 Tage nach Indien auf 5 Tag«, nach Kapstadt auf 6 Tage, nach Australien auf 6 Tage und nach N e u- S e e l a n d aus 13 Tage zu vermindern. Hoare schlug die Schaffung von zwei Luft- fahrtverbindungen vor. die erste nach dem Fernen O st e n und Australien und die zweite nach Kapstadt. Er er- klärte, alle Reichsteile hätten nicht die Mittel, um die hohen Kosten einer LufKerbindung nach Signapor« oder Kapstadt allein über- nehmen zu können. Wenn daher diese Verbindungen zustande kommen sollten, so müsse jedes auf der Konferenz vertretene Gebiet dazu beitragen. Zur Frage der Reichs-Luftschiff-Berbin- düngen übergehend, erklärte Hoare, die Lustfernreisen würden von Luftschiffen ohne Zwischenlandung zurückgelegt werden. Die beiden Luftschiffe, die England baue, müßten mit einer Normalfracht und 199 Passagieren in der Lage sein, ohne Betriebsstoff- ergänzung bei gutem Wetter eine Entfernung von etwa 4000 Meilen zurückzulegen.' In einem Jahre müßten die beiden Luftschiffe fertig- gestellt sein. Hoare trat für die Abhallung einer zwischen dieser und der nächsten britischen Reichskonserenz liegenden Reichslustkon- ferenz in einem geeigneten Mittelpunkt des Reiches ein, auf der besonders die Frage der Bildung einer oder mehrerer Gesell- s ch a s t e n zur Einrichtung von Luftschisflinien erwogen werden soll. Augenblicklich sei England in Entwicklung von Luftschiffen jeder andere n Nation voraus und habe die Möglichkeit, innerhalb des Reiches eine Luftschiffindustri« und die ersten Lust- schifflinjen zu schaffen. Er ersucht« zum Schluß die Dominions um Unierstützung bei diesem Plan. Wenn er ersolgreich sei, so könne er vielleicht dem Reich eine physische Einheit geben, wie es sie niemals zuvor besessen habe. Cr erklärte, bisher Hobe die Er- sindung des Fliegens dem britischen Reiche und der Welt mehr Schaden als Nutzen gebracht. Das Flugzeug, das Symbol der furchtbaren Mechoden moderner Kriegführung, habe die Küsten Großbritanniens zum erstenmal seil Jahrhunderten für einen An- griff von außen verwundbar gemacht. Es Hab« die Staats- ausgaben vermehrt und fast jedes Vcrteidigungsproblem verwickelter geftallet. Man müsse versuchen, dies« Schäden wieder aufzuwiegen, indem man durchzusetzen suche, daß das Flugzeug nicht nur für Zwecke der Zerstörung, sondern auch des Friedens und der Wohlfahrt benutzt wird. �_ Deutsch-englisthe Wirtschast. Reue Besprechungen der Jndustrirverbäude. London. 29. Oktober.(EP.) Unter Bezugnahme auf«ine Berliner Meldung, daß der britische Industricverband den Reiche- verband der deutschen Industrie zur Entsendung seines Vorstandes nach England eingeladen habe, teilt der englische Verband mit, daß es sich keinesfalls um die Fortsetzung der in R o m s a y begonnenen Industricbesprechungen, sondern um«ine Jnfor- mattonssitzung handele, wie eine solche zwischen den Ver- bänden bereits vor längerer Zeit in Berlin stattgefunden habe. Ueber den Zeitpunkt und über die Tagesordnung der Zusammenkunft könnten noch keine Angaben gemacht werden. Die Arbeiterpartei nimmt teil. Vor der Sozialisteukonfereuz. London, 29. Oktober.(WTB.)„Times" berichtet: Di« britische Arbeiterpartei hat die Einladung der deutschen sozialdemokra- tischen Partei angenommen zu einer Zusammenkunst zwischen Vertretern der sozialistischen Parteien Deutschlands, Frankreichs. Großbritanniens und Belgiens zwecks Erörterung der Frage, wie eine Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich, wie sie von Briand und Stresemann in Thoiry erwogen wurde, am besten g e- fördert werden könne. Die Zusammenkunft werde in Luxem- bürg stattfinden.(Der Zeitpunkt der Konferenz liegt noch nicht fest.) Kuiturbilö aus Ungarn. Klassische Begründung eines BersatntnlungSverbotS. Besser als durch langatmige Schilderungen werden die politischen Zustände in Ungarn durch das folgende Dokument charakterisiert, das zwar einige Monate gebraucht hat, um zu uns zu gelangen, aber unterwegs von seiner Frische nichts verloren hat: „Zahl 624/1926. Dom Oberstuhlrichter des Sziraker Kreises. Gegenstand: Gesuch der Lörinczer Einwohner Joses Ezank und G-- nassen betr. die Bewilligung einer am 7. März In Lörincz geplanten Versammlung politischer Tendenz. Bescheid: Ich nehme die Anmeldung nicht zur Kenntnis und verbiete die Abhaltung der geplanten Versammlung. Weil die Gesuchsteller ohne Ausnahme Landwirte, resp landwirtschaftliche Taglöhner sind, welche Gesellschastsschichten in Lörincz bereit» eine gegründete und wirkende Interessenvertretung besitzt, und zwar wirkt dort bereits seit vier Iahren eine Ortsgruppe des„Landes- Verbandes der Landarbeiter Ungarns". Diese Interessenvertretung mutz die wirtschaftlichen Bestrebungen der Klassengruppen mit land- wirtschaftlicher Mentalität befriedigen, und so sind die Versuche der nur im Trüben fischen wollenden unter jüdischer Leitung stehenden Sozialdemokratischen Partei bei der nüchternen und patriotischen LandwirteNasse meine» Be- zirks ganz überflüssig: deren Operationsgebiet ist die In- dustrieorbeiterschaft(!!) aber nicht die Landwirt« klasse, an die sie sich heranmachen will. Dies« Versuche der Sozialdemokra- tischen Partei sind in Lörincz nicht neu. Wie die Hyäne schleicht sie aus ihrem finsteren Loch, sobald sie glaubt Beute zu finden. Sie will eine Versammlung politischer Tendenz abhallen jetzt, da die politisch« Atmosphäre des Landes gespannt ist, offenbar in d-er schmutzigen, v a t er l o n d s v c r r ä t e- rischen Sl b s l ch t, Verwirung und Unruhe anzustiften auch dort, wo Ruhe, Ordnung, Zufriedenheit herrscht. Die mit der Schreibmaschine angefertigte Eingab« wurde nicht in Lörincz hergestellt, was daraus festgestellt werden kann, daß an der Stell« des Datums zuerst„Szentlörincz" geschrieben und dann ausgebessert wurde. Und die als Anmelder figurierenden Bur- f ch« n sind sicherlich unbewußte Werkzeuge der lichtscheuen internationalen Bande, die Unruhe stiften will. Auf Grund all dessen bin ich nicht in der Lage, die Abhaltung dieser Versammlung bewilligen zu können. Gleichzeitig fordere ich die wahrscheinlich irregeführten Anmelder auf, zu solchen unpa- triotischen Unternehmungen— als christliche Ungarn — nimmermehr ihren Namen herzugeben. Hiervon verständige ich die Gesuchsteller mit dem Bemerken, daß sie gegen diesen Beschluß 15 Tage nach Erhalt im Wege meines Amtes an den Herrn Vizegespann des Komitats rekurrieren können. Szirak, 26. Februar 1926. Unleserliche Unterschrift, Oberstuhlrichter." Wir bedauern die Unleserlichkeit der Unterschrift, die uns hindert, dem Herrn Oberstuhlrichter des Sziräker Kreises zu dem Ruhm zu oerhelfen, der ihm zweifellos gebührt. Wer ift Eöelmann? Häufung von Verdachtsmomenten. Pari». 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der„Temps" teilt am Donnerstag weitere Einzelheiten über den In Colmar im Elsaß verhafteten mutmaßlichen Erzbergermörder Edelmann mit. Edelmann soll aus Kaiserslautern stammen. Das bei einer Haussuchung bei ihm gefundene Dokument sei in der Tat die Ab- schrift eines am 19. Januar 1923 vom Leipziger Reichsgericht gegen Edelmann verhängten Urteil», tn dem dieser zu 5 Jahren Festungshaft wegen Teilnahme an den Mordanschlägcn auf Erzberger und Scheidemann verurteilt worden ist. Edelmann stand, dem Blatt zufolge, seit längerer Zeit unter der Ueberwachung der französischen politischen Polizei. Seine Verhaftung ist auf An- regung von nach dem Elsaß gekommenen Deutschen vorgenommen worden, die ihn wiedererkannt haben wollen. Der Häftling leugnet jede Teilnahme am Erzbergermord. Edelmann hat sich im übrigen mit seiner Freundin, einer Saar- länderin, längere Zeit in Strahburg und Colmar ausgehalten. Er hat seit seiner Verhaftung der Polizei mehrfach Angaben gemacht, die sich sämtlich als falsch herausgestellt haben. » Ein Ersuchen der zuständigen französischen Polizeiorgane um Auskunft über die Person des angeblichen Edelmann ist bis Don- nerstagabend weder bei der Berliner Polizei noch bei der Offenbur- ger Staatsanwallschaft eingetroffen. Die Berliner Polizei hat jedoch bereits von sich aus soweit als möglich Ermittlungen angestellt. Ihre bisherigen Feststellungen haben ergeben, daß der Name Edelmann weder im Zusammenhang mit dem Erzberger- noch dem Rathenau- mord jemals aufgetaucht ist. Nähere Einjelheiten dürsten sich erst ermitteln lassen, sobald die Berliner Polizei in den Besitz der angeb- lich bereits abgeschickten Fingerabdrück« des Edelmann gelangt ist. Auffällig bleibt immerhin, daß«in in der Meldung de»„Temps" angegebenes Urteil vom 21. Januar 1923 tatsächlich ergangen ist, aber nicht gegen«in« Person namens Edelmann. Es scheint deshalb, daß auch der Name Edelmann ebenso eine Täuschung ist wie der gleichzeitig von ihm geführte Name Fournier und sich hinter seiner Person ein anderer mis dem deutschen„nationalen" Lager versteckt. Ms öem Braunkohlenbergbau. Giänzende Bilanzen und Hungerlöhne der Bergarbeiter. ' Bei den jüngsten Lohnverhandlungen iin mitteldeutschen Braun- krhlenrevier erklärte der Vorsitzende des Arbeitgcberverdandcs und Generaldirektor der„B u b i a g", Herr Büren, die Braunkehlen- industric befände sich in den wirtschaftlich denkbar größten Schwierig- leiten und die Zukunft sei sehr grau und höchst unsicher. Eine Lohnerhöhung sei daher völlig unmöglich. In dem eben erschienenen Bericht des letzten Geschäftsjahres der„Vuviag" erklärt deren Geschäjtssührung: daß ein erhöhter Reingewinn voi, 2,29 Millionen Mark zu verzeichnen sei. Im Gegensatz zum vorhergehenden Geschäftsjahr seien die A b- schreibuiigen von 1,75 Millionen auf 2,25 M i l l i o- n e n Mark erhöht worden. Eis erklärt weiter, dag die Bank- guthaben sich von 0,7« auf 1,77 Millionen Mark und die Wert- papiere von 2,17 auf 2.79 Millionen Marl erhöht haben, lind dieselbe Geschäftsführung, deren Führer bei den Lohnverhandlungen mit gekünstelter Entrüstung rief:„Wo gibt es denn Werke, die eine angemessene Dividende zahlen können?", erklärt in ihrem Geschäfts- bericht, dag die Gewinne des Konzerns die Ausschüttung einer D i- vidende von 1« Proz. gestatten. Das hinderte aber.Herrn Büren nicht, bei den Lohnverhand- lungen zu erklären:„Wenn es der Braunkohlenindustrie gut ginge, würden wir den Aktionären gern bessere Dividenden zahlen, damit sie auch einmal etwas bekommen." Weiter meinte damals Herr Büren, daß nur mit Gottes Hilfe der Segen eines kalten Winters die Werkskasten befruäiien und die Gewinne erhöhen könne, sonst aber lausige Zeiten seien. In ihrem Geschäftsbericht aber sagt die„Bubiag" ihren Aktiv- närcn:„Die Bilanz weist ein glänzendes Bild auf." Wenn nun auf Grund der sehr annehmbaren Dividende und der glänzenden Bilanz die Kurse der Braunkohlenpapiere steigen, wun- dert sich der bei Lohnverhandlungen scheinbar börsenunkundige Herr Büren über diese„irrsinnigen B o r g ä n g Als ob es ein besonderes Wunder wäre, dag sich die Börsen- spckulantcn ausgerechnet aus die guten Werte der Braunkohlen- industrie stürzen. Wo Gold ist, sammeln sich die Geldgeier. Nach alledem wundern sich die Herren dann, wenn ihre offiziellen uno inoffiziellen Erklärungen jedweder Art allerorts auf starken Un- glauben stoßen müssen. Nachdem die„Bubiag" nach ihrem Geschäftsbericht die Aktionare ausreichend befriedigt hat und im übrigen niemand weiß, welche sonst noch Gesegneten aus den undefinierbaren Abschreibungen zehren, hat sie zur Beruhigung der Dividcndcnbezieher auch an die Arbeiter gedacht. Wörtlich heißt es im Geschäftsbericht: „Es wird bedauert, daß die Reichsregierung den Forderungen der Arbeitnehmer auf immer weitere Erhöhung der Lohn- und Sozialbeziige und auf Verkürzung der Arbeitszeit nicht mit ver nötigen Energie entgegentritt." Also: den Direktoren hohe Gehälter, den Aktionären hohe Dividenden und den Arbeitern Lohnabzüge, Herabsetzung aller Renten und Krankengelder und zum Ueberfluß B e r- länqerung der Arbeitszeit. Da die Kraft der von den Herren gezüchteten gelben Werk- vereine nicht ausreicht, die berechtigten Forderungen der Berg- arbciter zunichte zu machen, fordern diese Notleidenden die Reichs- regierung auf, ku.rze Löhne und lange Arbeitszert zu stabilisieren. Selten tritt die Profitgier so schämlos auf wie in diesem Falle, wo sie sich in ihrer ganzen widerlichen Brutalität zeigt. Mngeftelltenratsmitgliköler in öer Knorr-Sremse. Die fruchtbringende Tätigkeit, die fie ausüben. Den Angestellten der Knorr-Bremse, die durch Bermittlung der Angestelltenratsmitglieder I a st e r und L e h n e r t, Mitglieder des GdA., bei der Bekleidungsgesellschaft gekauft hatten, ist folgendes Schreiben zugegangen: „Unsere Vertrauensmänner, die Herren I a st e r und L e h n e r t, teilten uns durch Schreiben vom 19. Oktober 1926 mit, dag sie ab 1. Oktober d. I. um eine Erhöhung ihrer Vergütung von zusammen 2 auf 3 Prozent bitten müßten. In einer mündlichen Besprechung erhöhten sie diesen Satz von 3 auf 5 Prozent. Dabei ließen die Herren durchblicken, dag sie günstigere Angebote von Konkurrenzfirmen haben, die ihnen Provision in der erwähnten Höhe zukommen lassen wür- den: sie bäten daher um unsere Entscheidung. Selbstverständlich mußten wir diese Bitte ablehnen, da ihre Erfüllung natürlich dazu führen würde, daß der Mehrbetrag auf unsere äußerst kalkulierten Preise aufgeschlagen werden müßte. Der Kunde würde also den Unterschied bezahlen müssen. Das aber würde unseren bewährten Geschästsprinzipien als Beamtcnunternehmen widersprechen. Wir glauben damit auch in Ihrem Interesse zu handeln, wenn wir Ihnen die Kenntnis der obenerwähnten Verhandlungen nicht vorenthalten. Hochachtungsvoll gez. Bekleidungsgefellschaft für deutsche Beamte A.-G Anstalt' des Deutschen Bcamtenwirtschaftsbundes. Die als.Vertrauensmänner der A n g e st e l l t e n gewählten Mitglieder des Angcstclltenrats mißbrauchen ihr Amt, um als Ver- trauensmönner der Bekleidungsgesellschaft zu fungieren. Bei ihrer Geschäfistüchtigkeit als Vertrauensmänner dieser Firma mußten sie sich sagen, daß eine höhere Provision nicht von der Firma, sondern von ihren Kollegen mit bezahlt werden muß, denen sie die Geschäftsverbindung mit der Firma empfehlen. Trotzdem„winken sie mit günstigeren Angeboten", um eine höhere Provision zu erj, zielen. Die Firma hat sich in diesem Falle jedoch ihren geschästs- tüchtigen Vertrauensmännern überlegen gezeigt. Hoffentlich trögt diese Veröffentlichung dazu bei, in allen Bs- trieben mit einem derartigen Vertrauensmännersystem aufzuräumen, nicht nur bei den Angestellten, auch bei den Arbeitern. Zu solcher Geschästemachcrei sind die Betriebsräte nicht da. Rigoroses verhalten der MG. Gegen einen Schwerbeschädigten. Ein bei der AEG. in der Ackerstvaße beschäftigter Schwer- beschädigter U. wurde nach einer überstandenen Krankheit einem Erholungsheim in Nikolassee überwiesen. Di« Ueberweisung lautet« bis zum 29. September. U. wurde aber nach kurzem Aufenthalt schon am 12. September aus dem Erholungsheim ent- lassen, denn er war nicht, wie er annahm, zu seiner Erholung, sondern zur Beobachtung seines Zustandes nach dem Heim geschickt. Di« Beobachtung war dadurch veranlaßt, daß zwischen Kommunale Konferenz Dienstag, den 2. November, abends S Uhr, im Rathaus, Königstrahc(SladtvcrordnetensitzungZsaal). Tagesordnung: Unsere kommunale Politik in Berlin Die Wahlen zum Magistrat u.die lehten Vorgänge im Rathause Ncsercnt: Genosse Richard Krille. Zur Teilnahme sind berechtigt: Die SPD.-Ttadt- und BezlrkSverordncten, die Magistrats- und Bezirksamtsmitglieder, die'Mitglieder des Bezirks- Vorstandes und die Abteilungsleiter.— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Dezirksverband Bcrliu SUD., kommunales Sekretariat. i? dem behandelnden Arzt und dem Vertrauensarzt eine M e i n u n g s- Verschiedenheit über den Zu st and des U. herrschte. Der erster« hielt U. immer noch für arbeitsunfähig, während ihn der letztere für arbeitsfähig erklärte. U. ist nämlich infolge eines Kopsschusses schwer nervenleihend und u 80 Proz. erwerbsbeschränkt. Sein Arbeitsplatz in der EG. befindet sich in unmittelbarer Nähe mehrerer Stanzen, die so starken Lärm und Erschütterungen hervorrufen, daß U. nach kurzer Zeit einen Nervenzusammenbruch erlitt. Auf diesem Arbeitsplatz kann er also niemals dauernd erwerbsfähig werden. Wenn er feine beschränkt« Arbeitsfähigkeit ausnutzen will, was er gern möchte, dann müßte ihm ein ruhigerer Arbeitsplatz zugewiesen worden. Dazu scheint aber in der AEG. Ackerstraß« keine Aussicht zu sein. Welches Ergebnis die Beobachtung in dem Erholungsheim ge- habt hat, wissen wir nicht. Wer die mittelbare Folge seiner Ueber- Weisung in das Erholungsheim war U.'s Entlassung aus seinerArbeitsstelle bei der AEG. Als U. am 12. September aus dem Erholungsheim entlassen war, fragte er bei der Krankenkasse an, ob er jetzt als arbeitsfähig angesehen werde. Er erhielt den Be- scheid, er sei ja bis zum 29. September dem Erholungsheim über- wiesen, von dort habe die Krankenkasse noch keine Benachrichtigung, also solle U. zu Haus« das Weitere abwarten. Das tat er. Am 25. Sep- tember erhielt U. dann von der Krankenkasse die Nachricht, daß er bereits am 12. Septeinber gesurrd geschrieben sei. Eh« U. noch recht zum Bewußtsein seiner Lage gekommen war, erhielt er von der AEG. die Mitteilung, daß er mit Wirkung vom 12. September fristlos entlassen sei. Di« Firma berief sich aus eine Bestimmung ihrer Arbeitsordnung, wonach als entlassen gilt, wer drei Tage ohne Grund der Ar- beit fernbleibt. U. klagte beim Gewerbegericht, welches zu der Auffassung kam, daß.er im Vertrauen auf die Auskunst der Krankenkasse sich für arbeitsunfähig halten konnte, also in gutem Glauben der Arbeit fern- geblieben war. Die Entlassung war deshalb ungerecht- fertigt, die Firma hat den Lohn weiter zu zahlen. Rechtsanwälte sabotieren die Berufsausbildung. Die im Anwaltssach beschäftigten Angestellten haben, wie allge- mein bekannt, wahrlich keine rosige Existenz. Immer wieder ist gewarnt worden, dem Anwaltsfach Lehrkräfte zuzu- führen. Die Ausbildung, die diese Lehrlinge in Rechtsanwalts- burcaus erhalten, ist äußerst mangelhaft, vor allem auch deshalb, weil gerade die Rechtsanwälte sich selbst wenig oder gar nicht uni die Berussausbildung ihrer Lehrlinge kümmern, ja, im Gegenteil, teilweise sogar noch Hindernisse für die Erweiterung des Berufswissens der Lehrlinge schaffen. In Berlin besteht eine besondere Fachklasse für Lehr- linge bei Rechtsanwälten und Notaren. Diese Fach- klaffe ist angegliedert an die 4. kaufmännische Berufsschule. Der Berliner Anwaltvercin, der früher eine eigene Schule unterhielt, hat selbst darauf hingewirkt, daß eine be- sonder« Fachklasse errichtet wurde. Nach dem neuen Orts- gesetz, betreffend die Berussschulen in Berlin, vom 1. April 1926, sind vom Besuch der Berussschulen diejenigen Jugend- lichen befreit, welche nach dem früher gültigen Ortsgesetz noch nicht der Berufsschulpflicht unterlagen. Hierzu ge- hörten die Lehrlinge bei Rechtsanwällen und Notaren. Bon diesen Jugendlichen sollen nach dem neuen Ortsgesetz diejenigen zum Schul- besuch verpflichtet sein, die nach dem 31. März 1911 geboren sind, während eine Berussschulpflicht für die vor diesem Datum geborenen jugendlichen Personen nicht b e st e h t. Von dieser Ausnah mebe st immung machen nun viele Rechtsanwälte Gebrauch. Sie geben den Lehrlingen, die vor dem 31. März 1911 geboren sind, ke'ne Gelegenheit zur Fortbildung. Sie verweigern ihnen die notwendige Zeit zum Besuch der Berufsschule. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Lehrlinge, die gerade in der Berufsschule erst durch einen gut gegliederten Fachunterricht die besonderen Kenntnisse für ihren Beruf erhalten. In dem für allgemein verbind- lich erklärten Tarifvertrag, der für die Lehrlinge in Rechtsanwaltbureaus in Betracht kommt, heißt es im 8 2: „Der Lehrling muß die Fach- und Fortbil- dungsfchule besuchen. Die dazu erforderliche Zeit muß- hm freigegeben werden." Rechtsanwälte und Notare, die ihre Lehrlinge unter Berufung auf die eigenartige Bestimmung im Ortsgesetz hindern, die no:- wendigen Fachkenntnisse in der Berufsschule zu erwerben, sabotieren die allgemein gültigen Bestimmungen des Tarifvertrages. Es muß vom Berliner Anwaltvercin erwartet werden, daß er seinen Mitgliedern klar macht, als Lehr- Herren ihren Verpflichtungen nachzukommen, Ver- pflichtungen, die schließlich nicht zulegt doch wohl auch im Interesse der Rechtsanwälte und Notare selbst liegen. Ein gut geschulter und fachlich gebildeter Angcstelltennachwuchs ist schließlich auch für die Rechtsanwaltsbureaus und für die Praxis der Rechtsanwälte und Notare selbst notwendig.,... Schließlich könnte sich vielleicht auch die städtische Be- rufsschulverwaltung für diese Angelegenheiten interessieren und sich dabei überlegen, wie es möglich wäre, die doch von ihr wohl nicht gewollten Wirkungen dieser nunmehr burcaukratisch ge- handhabten Bestimmung im Ortsgejetz aufzuheben. Streik in üer Rheinschiffahrt! Esten. 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag vormittag 10 Uhr hatte der Landesschlichter Dr. Iötten die Arbeit- geber und Arbeitnebmer der R h e i n s ch i f f a h r t zu einer Verhandlung geladen, die jedoch abermals scheiterte, weil die Arbci!- geber keine Zugeständnisse machen wollten. Die Arbeitnehmer hielten ihre Forderungen ausrecht. Insbesondere wurde verurteilt die rück- sichtslose und brutale Behandlung des Personals durch die Arbeit- geber wegen der Einhaltung verdienter Lohnbeträge. Demnach scheint der Streik unabwendbar. Mit seinem Ausbruch dürfte in kürzester Frist zu rechnen sein. � Das Reichsarbcitsministerium hat für heute die drei Arbeit- geberverbände der Rheinschifsahrt und die Arbeiterorganisationen zu Berhandlungen nach Duisburg geladen. Ob es gelingt, eine Verständigung herbeizuführen, scheint angesichts der Haltung der Arbeitgeber mehr als zweifelhaft. Tie Angst vor den Grubenbesitzern. London. 29. Oktober.(EP.) Lloyd George erklärte gestern in einer Rede vor der liberalen Versammlung in Earnaoon, der Grubenkonflikt sei das schwerwiegend sie Ereignis, das den englischen Handel und die Industrie betroffen Hab». Die Regierung habe bis jetzt sich als ohnmächtig erwiesen und jede Gelegenheit verpaßt, den Konflikt zu regeln. Sie habe vor dem Grubenbesitzerverband Angst. Das wirtschaftliche Gleichgewicht Englands sei schon jetzt gefährdet, und wenn weiterhin nichts getan werde, werde England am Ende des Jahres gezwungen sein, im Auslande Kredite zu suchen. Die Regierung hätte es noch immer in der Hand, eine R.'- gelung herbeizuführen, da der Ausnahmezustand es ihr er- mögliche, die Wiedereröffnung der Gruben zu be- fehlen.— Als ob der Ausnahmezustand von einer Regierung gegen die Unternehmer benützt würde! Mus öer Partei. Das rote Banner. Eine interessante-kleine Plauderei über das rote Banner,' die Fahne der Sozialdemokrat!«, hat Genosse Friedrich Wendel unter dern'Tilel„Die r 54«"F a h n c, ein Entwurf ihrer Geschichte als Beitrag zur Veuischen Flaggenfrage" in, Verlag von Auer u. Eo. in Hamburg als Broschüre erscheinen lasseu. Das rote Banner taucht bei allen Revolutionen auf. Es gilt in der Geschichte immer als das Zeichen der Empörung, des Aufstandes gegen überlebte Gewalten. Als revolutionäre Bewegung hat die Sozialdemokralie diese Farbe iibernomnicn. Wendel unternimmt nun den Nachweis, daß das revolutionäre Rot ureigenilich nicht revolutio- närcn Charakters war, sondern daß die rote Fahne schon unter Karl dem Großen als Zeichen der ober st en Lehnshoheit entfaltet und von da an bis ins 17. Jahrhundert hinein von samt- lichen deutschen Kaisern bei der Bcrleihung der mit drin Blutbann verknüpften Reichslehen geführt wurde. Daneben wurde das Reichsbanner, schwarzer Adler in goldenem Felde, gezeigt. Wo- her dieses Rot als Kaiscrsahne stammte, darüber werden und mögen sich Historiker und Heraldiker streiten. Die Art, wie Wendel aus diesem Kaiser-Rot das Rot der Sozialdemokratie ableitet, mag eben- falls umstntten werden. Jedenfalls ist die kleine Broschüre ein interessanter Versuch, dem revolutionäre» Rot eine historische llntcr- läge zu geben. Die Broschüre wird zum Preise von nur 19 Pf. abgegeben. Vcranlwsrilick filr Politll: Dr. Eurt Sri««»: Wirtschaft: Brwr Satcrnu»: Ecw«r!schaft»beweauni>: I. Stein»: Feuilleton: 5t. ß. DSIchcr: Lokales und Eoninaes: Sur itaritadt:-An, einen: Tin Glocke: sämtlich in Berlin. Bcriafl: Borwärts- Verla» E. m. b. H.. Berlin- Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlaasanstalt Paul Einacr u. Co. Berlin EW 68, LindcnstraKe 3. Sierzu 1 BcUa»e. II zur Miele W50, Ansbachcrstr.l f Winter- Stiefel 0 zurerlässiK, unvenvCstllcb nur bei n. Bahr i Berlin. Spittelmarkt 7. vor der BHIdie Heute frische, junge Gänse{1;", allererste Qualität. 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Scholz folgende Punkte als wesentliches Bepräg« dieser Ausstellung an: der Vierzylinder tritt in den Hintergrund, der Sechszylinder beherrscht die Lage, und selbst der Achtzylinder wird in den Kreis des Serien- btuti b>n«inb«grifsen. Der Motorradbau zeigt die Entwicklung des Motorrades in einer Höhe, wie wir sie kaum zu hoffen wagten. Aus dem primitiven Fortbewegungsmittel ist«in« fast künstlerisch durch- geführte Maschin« geworden, die dem Fohrer all« Bequemlichkeiten vermittell, welche er benötigt, jedoch zu einem Preis«, der wohl auch international nicht mehr überboten werden kann. ein Rundgong. In der Alten AutoHalle stehen die Personenwagen und in den Seitenkojen find die zahlreichen Stände der Zubchörtclie zusammengeiaßt worden. Gleich am Eingang ist ein E h r e n h o s aufgebaut, in dem man die Siegespreise der deutschen Automobil- industrie und— was viel inlereffanter ist— die ersten Vor- l ö u s e r des Automobils, seltsame hochräderig« Vehikel, be- wundern kann. Da stehen sie. in Reih und Glied ausgefahren, im Aufbau ihrer Karosserie ungeschickt und schwer gegliedert, die Opel» Daimler, Benz. Der älteste, ein Bcnzwagen„Viktoria" aus dem Jahre lZ9l, und dann geht es aufsteigend fort: 18S2, 1893, 1891, 1895 usw., bis der Rennwagen von Targa Florio vom Jahre 1924 die Reihe bcschlieht. Em ungeheurer Entwicklungsweg, der sich kaum bester als an diesen alten Fabrikaten demonstrieren läßt. Erst noch 1990 wurde die äußere Form der Wagen der heute üblichen ähnlich, bis dahin waren es mehr oder weniger verkappte Droschken mit mächtigen Rädern und hinten eingebauter Maschine von ungewöhnlichen Dimensionen. Die großen Firmen von internationalem Ruf: Mercedes, Benz, Opel, Adler, Horch bevorzugen noch den großen Wagen und stellen sich nur langsam auf die kleinen Wagen um. Sechs- und Achtzylinder in einem Block herrschen vor. Die Rumpler-Motoren-Gcsellschaft hat neue Wege be- schritten und bringt auf der diesjährigen Ausstellung einen Wagen mit Vorderradantrieb, bei dem das Hauptaugenmerk auf möglichst leichtes Gewicht gelegt worden ist. Der Wagen ist mit emem chnsteuerpferdigen Vierzylindermotor ausgerüstet. Vierradbremse üb Riederdrvckbereifung tragen den Ansprüchen, die man an ein uodcrnes Fahrzeug stellt, Rechnung. Der allgemeinen Tendenz eiüsprechend, ist die Steuerung auch hier links angeordnet. Achnlich em anderer Typ, der„V o r a«"-Wagen. Seit Jahrtausenden werden Fahrzeuge aus die natürlichste Weise, nämlich durch Zugkraft, fort- mvcgt. Auch das modernste Verkehrsmittel, das Flugzeug, bewegt . h, durch vornlicgcnden Propeller gezogen, durch die Luft. Rur das utomobil wurde bisher nicht gezogen, sondern auf dem unnatür- i.hen Wege der Hinterachse aus geschoben. Soll aber ein Automobil x. zogen werden, so müssen die Vorderräder angetrieben sein. Die Schwierigkeiten, ziehende Vorderräder leicht zu lenken, schienen blo- her unüberwindlich. Bei den„Voran"-Wagen stt das Problem des Zuges durch Antrieb der Vorderräder gelöst. Er liegt fest aus schlechtester Straße, selbst bei hoher Geschwindigkeit, er springt und gleitet nicht wie andere leichte Wagen. Er schleudert nicht auf Alphallstroßcn oder' schlammigen Landstraßen, sondern behält die ursprüngliche Richtung bei, auch bei schroffem Bremsen. Auf dem Opel- Stand sehen wir den 4-?J>.-Wagen, äußerlich und innerlich vervollkommnet. Als Vorderradsederung wurde eine halbe Eliptik- seder gewählt. Die Steuerung wurde nach links verlegt und eine gut durchgearbeitete Vierradbremse verleiht dem Fahrzeug die nötige Sicherheit im Verkehr. Der kleine bekannte 2/10- PL.- H a n a m a g erscheint auch in diesem Jahr wieder aus der?lusstellung. In der Konstruktion seiner Maschincnanlage hat er keine wesentliche Aende- rung vorgenommen, nur äußerlich hat er sich insofern verändert, als er nicht wie bisher die Kotflügel zu einem ganzen mit dem Wagenkörpcr verschweißte, sondern absetzte. Der kleine Hanomag wird als offener und gcschlostener Personenwagen geliefert, wird jedoch auch mit einem Kastenaufsatz versehen, so daß er als Lisfer- wagen für kleinere Güter zu verwenden ist. In der Neuen A u t o h a l l e stehen die großen Last- wagen und die Autobusse der verschiedensten Konstruktionen, dir- unter sehr luxuriöse für Spezialzwecke, ferner Schlepper aller Art und landwirtschaftliche Maschinen mit Motorantrieb. Verlcelirsplsn lür die Automobil-Ausstellung 1926 l- n- rr-n— 7 KfllSEK A Anfahrt B Eingang Halle I C.. II D Ausgang E Uebergang zwischen den Hallen F Untergrundbahn G Autoparkplätze H Tankstelle K Vorführungswagen L Abfahrt Die Eröffnungsfeier. Im Beisein des Reichswirtschastsininifters Krahne, des preu- ßischen Ministerpräsidenten Genossen Braun, der den Protektor der Ausstellung, Reichspräsident von Hindenburg, vertrat, einer großen Anzahl Reichs- und Staatsminister, des Oberbürgermeisters Dr. B ö ß, der Vertreter der einfäilägiaen Industriekreise und der Presse wurde heute vormittag um 11 llhr die deutsche Automobil- ausstellung am Kaiserdamm eröffnet. In der Begrüßungsansprache betonte der Generaldirektor des Reichsverbandes der deutschen Auto- mobilindustrie, Dr. Schippers, daß die deutsche Automobil- industrie in wirtschaftlich schwerster Zeit daran gearbeitet habe, ge- brauchssähige Typen zu schaffen, die vor allem den Großbedars an Automobilen zu decken geeignet sind. Daß ihr das gelungen ist, wird die Zlusstellung beweisen. Sic wird auch zeigen, daß es möglich war, unter Ausrechterhaltung der Qualität die Preise zu senken. Daraus ergibt sich von selbst die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wagen mit denen des Auslandes. Der Weltstandardtyp in Ausführung, Qualität und Preis ist erreicht. Der Inlandsbedarf an Automobilen kann von der nationalen Industrie gedeckt werden. Im Namen des verhinderten Reichspräsidenten eröffnete Reichs- wirtsthaftsminister Krahne die Ausstellung. Er verwies bcson- ders auf die historische Abteilung der Ausstellung, die den großen Anteil der deutsthen Industrie an der Entwicklung des automobilen Fahrzeuges beweisen. Der österreidiische Gesandte Dr. Frank über- brachte die Glückwünsche seines Landes zum 2.5jährigen Jubiläum des Reichsvcrbandes der deutschen Automobilindustrie. Oberbürgermeister Dr. B ö ß wies auf die Förderung des Ausstellungswesens durch das Messeamt der Stadt Berlin hin und wünschte der Aus- ftellung vollen Erfolg. Böß betonte auch das Verdienst der deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten bei der Automobilausstellung. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes schloß der offizielle Festakt, dem sich ein Rundgang durck) die Hallen anschloß. Auf dem Giebel- fahnenmast der alten Halle wehte die schwarzrotgoldene Reichsflagge, während auf der anderen schmalen Seite die schwarzweißrote V«r- bandsflagge des Automobilklubs Deutschlands gezogen war. Die Büste Hnidenburgs im Ehrenhof war mit einer schwarzrotgoldenen Fahne dekoriert.__ Die drei neuen Männer im Magistrat. Aus dem Lebenslauf der drei Genosien Wagner, Nydahl und Reuter, die in den Magistrat hineingewählt worden sind, seien hier die folgenden Daten mitgeteilt: Genosse Dr.-Ing. Marlin Wagner wurde am 5. November 1883 in Königsberg i. Pr. geboren. Er studiert« in Berlin und aus der Technischen Hochschule Charlollendurg, trat 1910 in den Dienst der Gemeinde Berlin-Weißensee und wurde 1911 von der Homburger Hochhaudeputation in ihr Direktionsbureau berufen. In demselben Jahr übernahm er in Rüstringen(Wilhemlshaven) als Stadtbaumeister die Leitung des gesamten Bauwesens. 1914 trat er beim Zweckoerband Groß-Berlin als Abteilungs- Vorsteher ein. Nachdem er von 1916 bis zum Jahre 1918 Kriegs- dienst geleistet hatte, wurde er 1918 zum Stadtbaurat für Berlin- Schöneberg gewählt. Im Herbst 1920 schied er aus städtischen Diensten aus und wurde Direktor des Verbandes sozialer Bau- betrieb«. 1925 wurde er Direktor der Deutschen Wohnungsfürsorge- A.-G.(Dewog) für Beamte, Angestellte und Arbeiter, und Mitarbeiter der Wolyrungsfürsorgegesellschasten im Reich. Genosse öens Nydahl, am 27. Januar 1883 in dem nordschles- wigschen Heidedorf Kraul im Kreise Tondern geboren, besuchte die einklassiqe Schule bis zum 16. Lebensjahre, dann die Präparanden- anstalt Apenrade und dos Seminar in Tondern. Don 1904 an war er als Lehrer 1% Jahre an einer einklassigen Schule an der däni- schen Grenze tätig. 1906 wurde er in den V o l k s s ch u l d i e n st der Stadt Altcndorf berufen und nach Ablösung der Mittelschullehrer- Prüfung kam er an die erste Knabenmittelschulc. In den Iahren 1910— 1912 widmete er sich zweijährigem Besuch der Akademie in Posen(Kursus zur Ausbildung von Seminarlehrern) 1912 legle er die Reifeprüfung an der Oberrealschule ab. Dann folgte ein sechs- semestriges Studium der German! st ik, der Philoso- pH', e und der Pädagogik. Seine Studien wurden durch Einberufung zum Kriegsdienst unterbrochen. Nach KV* Iahren zurückgekehrt, wurde er Rektor in Neukölln, 1919— 1921 war er dort Stadtschulinspektor und Kreisschulrat. Vom 1. Oktober 1921 ab wurde ihm in Berlin das Amt des Dezernenten für Gemeinde- und Mittelschulen übertrogen. Genosse Ernst Reuler wurde am 29. Juli 1889 in Apenrad« in Schleswig-Holstein geboren. Er besuchte in Lehr in Ostsrie-land bis zum Jahr« 1907 das dortig« Gymnasium. Von 1907 bis 1912 studiert« er Geschichte, neuere Philologie und Volkswirtschaft. Nach Beendigung seines Studiums trat er Ende 1912 in Bielefeld der Partei bei, und von da an war er schriftstellerisch und bald als Wanderlehrer des Bildimgsausschusies der Partei für die Arbeiterbewegung tätig. Nach dem Kriege gehört« er bis zum Jahr« 1921 der Kommunistischen Partei an. Ende 1921 wurde er in die Berliner Stadtverordneten- Versammlung gewählt. Anfang 1922 trat er in die„Freiheit"- Redaktion«in, und seit der Wiedervereinigung der beiden sozial- demokoatischen Parteien, also seit 1922, ist er politischer Redakteur des „B o r w ä r t s". In der Stadtverordnetenversammlung hat er sich in erster Linie mit den wirtschaftlichen und finanziellen Problemen des neuen Berlins beschäftigt. Er war Mitglied des Haushaltsausschusses, der Finanz- und Steuerdeputation und der Verkehrsdeputation. Außerdem gehört«r seit Iahren dem Aufsichtsrnt der städtischen Nord-Südbahn A.-G. an, seit der Neuwahl der Stadt- verordnetenversammlung auch dem Aufsichtsrat der Berliner Straßen- bahn. Nach der Neuwahl wählte ihn die Fraktion in ihren Vorstand. Aus Grund seiner Tätigkeit in der Berliner Stadtverordnetenversamm- lung gehört« er seit 1924 auch dem Vorstand des deutschen Städte- tage? an, und er war serner«in ständiger Mitarbeiter unserer kommunalpolitischen Zeitschrift„Die Gemeinde". verlängerte Osfenhaltunq des Pollzelfundamtes. Mehrfachen Anregungen aus dem Publikum folgend, hat der Pol'zeipräsideut bestimmt, daß das Polizeifundamt für die Abfertigung des Publikums fortan in der Zeit von 7„?0 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags werktags offengehalten wird. Die Deutsche Hochschule für Politik beginnt am 30. Oktober ihr Wintersemester mit der Jahresfeier, die um 12 Uhr pünktlich in der Aula der Hochschule, Schinkelplatz' 6, stattfindet. Nach der Ansprache des Reichsministers Dr. Külz wird Professor Dr. Mendels- sohn-Bartholdy den Festvortrag über das Thema„Dom Beruf des Diplomaten" halten. Ansprachen und Vortrag werden durch den Rundfunk aus Welle 504 und 571 übertragen. 90 1 1| �W|f f n jirx ayiycSyttjdßicJhj&x CRctß&mrri Gehrock- Paletot Herren-Ulster daskelgraa hsltb. Cheviot M. Herren-Ulster Krittliger Cbevtet m. karierter Abselte in grau u. braun U. Herren-Ulster reinwoll. Uarengo-Cheviot M Herren-Ulster dank), reinw Uarengo-Chev. Herren-Ulster mittelgrauer Velour» mit angewebter Ab»feite... M. Herren-Ulster pa. relnw.Marengo-Cbeviot U Herren-Ulster dunkelblauer eleg. Velours M 47.- 57.- 63.- 75.- 02.- 89.- 97.- Loden-Joppen warm gefüttert, strapazier 4� fähig Loden M. 27.—, 24.—| f Herren-Ulster •chwerer beaond. strapazier- fthiger Marengo- Cheviot M. J/" Herren-Ulster eleg. dunkelbraun melierter Cheviot mit angew Abselte M. lUO.-" Herren-Ulster1ic Marengo-Chevioti.pr.Qual. 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Diese Ausstellung soll Bau Wirtschaft, Baukunst und Kunst- g e w c r b c und die mit ihnen in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Gebiete umfassen, und um das Zustandekommen werden das Messeamt, die Bauwirtschast und der Deutsche Werkbund in gemeinsamer Arbeit sich bemühen. Böß erklärte zu der Frage, in welchem Ort die Ausstellung veranstaltet werden soll, daß unbestreitbar Berlin einen Anspruch hieraus habe. Es sei selbstverständlich, daß die erste große internationale Ausstellung Deutschlands in der Rcichshauptstadt stattfinden müsse. In keiner anderen Stadt gebe es ein noch unbebautes Gelände von dem Ilm- fange, wie Berlin es in so günstiger Lage zur Berfügung stellen könne. Der Werkbund habe bereits ein Programm aufgestellt, die Bauwirtschaft sei noch nicht damit fertig, aber ein Druck solle mit dem raschen Vorgehen nicht auf sie ausgeübt werden. Nur darauf sei es angekommen, zunächst einmal unwiderruflich festzulegen, daß nur Berlin als Ausstellungsort in Frage kommen könne. Der Mogistrat habe sich hinter diese Forderung gestellt, der Aeltestenmisschuß der Stadtverordnetenversammlung sei darüber unterrichtet worden, in den Fraktionen werde man nächstens dazu Stellung nehmen. Ein sehr gewichtiges Wort hat die Reichs- r e g i e r u n g mitzusprechen. Bei einer Besprechung des Magistrats und des Weikbunde- mit dem Rcichsinnenministcr hat sich gezeigt, daß auch die Rcichsregierung diese Ausstellung wünscht und eine Borloge zur wirtschaftlichen Unterstützung des Unternehmens machen will, über die das Kabinett, der Reichsrat und der Reichstag zu entscheiden haben werden. Ueber den Ausstellung?- ort hat der Magistrat sich nicht geäußert. Böß hält die Wahl Berlins auch deshalb für das Zweckmäßigste, weil der zu erwartende Fremdenstrom aus dem Westen auf seinem Wege nach Berlin das ganze Reich berühren wird. Größten Wert müsse man daraus legen, daß wir wieder in stärkere Beziehung zum Ausland kommen und die Fremden möglichst viel vom Deutschen Reiche kennen lernen. Gegen Berlin als Ausstellungsort werde auch Deutschlands Süden 'weniger einwenden als etwa gegen Düsseldorf, Köln oder Frank- furt a. M. Ohne Gekränktheit und ohne Eifersüchtelei solle, schloß der Ober- bürgermcijter, ganz Deiüschland alle Kräfte zu gemein- s a ni e r Arbeit zusanunensassen im össentlichcn Interesse, tm Interesse des deutschen Volkes, dem die internationale Ausstellung in Berlin einen neuen Anschluß an die Weltwirtschaft verschaffen soll._ Raubüberfälle in öer Sucher ßorst. Zwei Räuber verhaftet, der dritte unerkannt entkommen. Eine dreiköpfige Bande von Wegelagerern verüble gestern abend aus dem Wege von Ruch nach Schönerlinde in der Berliner Forst binnen zweier Skunden zwei räuberische Ueber- fälle. Glücklicherweise gelang es noch an demselben lag. zwei der Wegelagerer festzunehmen: sie bcchmiplen, arbeitslos zu fein. Der drille ist leider entkommen. Als der Maschine n former Otto Gawron um 6 Uhr von Buch nach Schönerlinde radelte, fiel an einer Wegekreuzung plötzlich ein Schuß, der ihm galt, zum Glück aber fehlging. Wäh- rcnd er einen Augenblick stutzte, sprang der Schütze aus dem Chaussee- graben, in dem er gelauert hotte, heraus auf ihn zu und zwang ihn mit vorgehaltener Pistole, anzuhalten. In demselben Augenblick tauchten noch zwei Burschen auf, fielen über den Radler her, würgten ihn und rissen ihn von der Maschine herab. Einer der drei schwang sich auf das Rad und jagte weg, während die beiden andern zu Fuß davonliefen und ebenfalls entkamen. Der Beraubte hatte noch keine Anzeige gemacht, als zwei Stunden später a u f demselben Wege ein zweiter Uebersall verübt wurde. Ein 25 Jahre alter Kutscher Oskar Lisius aus der Bücher Straße 15 zu Buchholz befand sich zu Fuß auf dem Heimwege, als plötzlich aus dem Walde heraus drei Männer über ihn her- fielen. Während einer ihn mit der Pistole in Schach hielt, farder- ten die beiden anderen ihn auf, sein Geld herauszugeben. Lisius versicherte der Wahrheit gemäß, daß er nichts bei sich habe. Die Wegelagerer warfen ihn jedoch zu Boden, würgten ihn und durch- suchten alle seine Taschen. Die Braut des Lisius, die ihrem Bräuti- gam entgegenkam, verscheuchte dann die Wegelagerer, die mit dem geraubten Rad« die Flucht ergriffen. Alle drei schlugen die Rich- tung nach Buchholz zu ein. Die benachrichtigten Kriminalbeamten nahmen mit Fahrrädern sofort die Verfolgung auf. Weil man wußte, welche Richtung die Verbrecher eingeschlagen hatten, kamen die Verfolger nach verhältnismäßig kurzer Zeit auch zum Ziele. Di- Räuber hatten sich getrennt und waren, sich hinter Bäumen möglichst versteckt haltend, nach dem Buchhclzer Gebiet gelangt. Hier wurden zwei von ihnen entdeckt und sestgenommen. Der Dritte war mit dem Rad entkommen und ist noch nicht ermittelt. Die beiden Cr- grisfenen wurden nach der Wache gebracht u!»d als ein 23 Jahre alter Kutscher Franz Becker aus der Marienstraße 27 zu Berlin und als ein 22 Jahre alter Schlosser Helmuth Hacker aus der Bcusselstraße 44 zu Berlin festgestellt. Da die beiden lieber- fallenen sie bestimmt wiedererkannten, legten sie auch ein Geständnis ab. Beide sind, wie sie behaupten, arbeitslos. In der Münzstraße lernten sie vor einigen Tagen den dritten Mann kennen, dessen Namen sie nicht wissen wollen. Die Verhafteten werden nach Berlin gebracht und dem Raubdezernat vorgeführt. Ernennung. Der Pressercferent und� Leiter der Pressestelle des Berliner Polizeipräsidiums, Herr Otto Sch'öny, ist vom Ministe- rium des Innern mii dem 26. Oktober zum Regierungsrat ernannt worden. Regierungsrat Schöny ist seit VA Jahren als Chef der Presseabteilung des Polizeipräsidiums tätig. Schwerer Unfall beim Brückenbau. Beim Umbau der Eisen- bohnbrücke über die Ruhr bei Mühlham ereignete sich ein schwerer Unfall. Beim Andrehen einer Winde schlug die Kurbel plötzlich zurück und traf einen Arbeiter mit voller Wucht auf den Kopf, so daß er sofort tot war. Zwei weitere Ar- b e i t c r wurden so schwerverletzt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Folgenschwerer Holelbrand in Paris. In einem Pariser Hotel brach infolge Kurzschlusses ein großer Brand aus. Die Flammen verbreiteten sich mit einer derartigen Geschwindigkeit, daß es un- möglich war, die Treppen zu benutzen. Unter den Hotelgästen ent- stand eine ungeheure Panik. Mehrere st ll r z t e n sich ohne weiteres ausdemFenstcr, drei wurden lebensgesährlich verletzt. GeMäftliche Mitteilungen. tfllr die kalte Jahreszeit bringt das bekannte Spezialhaus S. Joseph, Berlin- Schonederg, Sauptstr. 1, in einem großen Ulster- und Paletolverkaut gan, desondere Angedot» E« bandelt sich um eine außeraemohnliche Veranstaltunfl. die jeder Herr wadrnehmen sollte, um den jetzt vorliegenden Bedarf tilr den Winter in Mänleln. Baleloi« und Anzllgen usw zu decken. Best« Waren zu billigsten Preisen ist das Prinzip der Zirma. *♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ fifwr r Mu Eröffnung! SCllUh-»Mi. Prinzenstr.79»UM SChlt' vrn i Damen' RoDdievreaa- Spanöensdiuh 90 4 Feblicder JlrbeUertllefel m» Kappe 75 6 Domen' Roffdievreaa- Spandensdmh 90 5 FeMleder ürbeitersllefei ohne Kappe 75 7i Sportstiefel sowie Schaftstiefel erößte Auswahl 1 ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦❖ Der einzige Trost im Lebenskampf ist ein LiUOr der Firma Kramnl! Chcrry Brandy/ Abtd/ Coracao usw. Fl. 3.60 bküI. Ol» Weinbrand« hochfein. Weinbrand« Verschnitt.... Aqoavit.......... Jamaika-Rom« Verschnitt, 40%. Jamaika-Rum« Verschnitt. 45%. Rot- Weine 3.40 :: is«:: :" liS;: ........ 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