!tg.5H ♦ 43.?ahrg. Ausgabe A Nr. 2HI Bezugspreis. Morgenausgabe Z?Z«>>tltch 70 Sfennic 8- Reichsmark ootmis»ohlbar. Unter Jtreiabanii für ScutfälanO, S�r.jio. Saar, und Memelaediet Ciliitccidi. Litauen. Luiembur« 4,50 Reichsmark, für da« Ubtifl« Ausland 5J0 Reichsmark er» Monat. Der.Bor« Sri«' mit bei ilustrier- ken Sonntaasbeilas«.Boll und Zeit' sowie den Beilagen»Unterhaltung trno Wissen',.Au« der Mlmwelt'. .Israuenslimme',»Der Kinder- freund'..Lugenb-BorwSrts' und »Blick in die Bücherwelf erscheint wochentSglich«weimal, Sonntag, und Montag, einmal. Telegrarnm-Abresse: �SozialSemotrat Seriin- Verliner Volksvl�tt (10 Pfennig� Anzeigenpreise: Die»inlvaltig« RonpareMe- »eile 80 Pfennig. ReNamegeil« 8,— Reichsmark.»Xlela« Anzeigen' da» fettgedruckte Wort 25 Pfennig tzulSfstg zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Work 12 Pfennig Stellengesuche da»»rli« Wort 15 Pfennig, iede» weitere Wort 10 Pfennig. Worte übet 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. gamilienan, eigen für Abonnenten Zeil« 40 Pfennig. Anzeigen für die nächll« Rummer müssen bis 4M> Uhr nachmittags im Kauvtgefchäft. Berlin SW 08. Linden. firaheZ, abgegeben weiden. Deöfinei von 8lh Uhr Küh bis S Uhr nachm Zcntralorgan der Sozialdcmokratircben partei Dcutfcblands ReSaktion und Verlag: Serlin Sw. HS, Linöenstraße Z g-ernsprecher: Dönhoff 292—297. Waffenstillstanö in England. Die Verhandlungen im Gange. So udo«. 29. Oktober.(Eigener Drahkbericht.) Da» Bestreben de» Generalrots der Gewerkschaflen, eine Wiederaufnahme der Der- Handlungen zwischen den Parteien zum Zwecke der Beilegung des kohlenkampfes herbeizuführen, hat am Freitag zu einer Reihe von wichtigen Besprechungen geführt, die möglicherweife den Auftakt zu einer entscheidenden Wendung haben werden. Zu- nüchft trat die Exekutive der Bergarbeiter zu einer kurze» Sitzung zusammen. Sie begab sich dann in das Hauptquartier der Gewerk- schoflen zu einer gemeinsamen Besprechung mit dem Generalral der britischen Gewerkschaflen. Die Blilglieder des Generalrats, die bei den letzten Verhandlungen mit dem Winisterprüsidenten anwesend waren, berichteten hier über ihr« Besprechungen und umristen ihren Plan zu einem baldigen Waffenstillstand Im Bergbau, für den sie die Bergarbeiterexekutlve zu gewinnen suchten. Der Korrespondent des»Sozialistischen Pressedieustes" er- fährt hierzu, dah es sich bei diesem Plan darum handelt, eine völlig neue Basis für die Wiederaufnahme der Arbeit in einer kurzfristigen Pertod« durchzusetzen. Zu der Zwischenzeit sollen die Verhandlungen für einen neuen Ar- beitsvertrag anf zentraler Basis zwischen Unterneh- mern und Bergarbeitern geführt werden. Der Plan, der ein« enl- sernte Aehnllchkeit mit den vor längerer Zeit von den Bischöfen ge- machten Vorschlägen besitzt, hat die Billigung der Berg. arbeitervertreter gesunden. Bachdem somit das Einverständnis der Bergarbeiter zu weiteren Verhandlungen eingeholt worden war. begaben sich die fünf Vertreter des Generolrats der Gewerkschaften zur Regierung. Diese Besprechungen fanden am Freitag spät abends statt. Die Mitglieder de» Generalrat» traten anschliehend nochmal» mit der Bergarbeiterexekulivc in Verbindung. Nach üer Unterredung Yoeftb-Srianü. Günstiges Vcho in der Pariser Presse.— Die Ost» frage» ausgeschaltet. Paris, 29. Oktober.(Eigener Drahkbericht.) Die am Donners- tag erfolgt« Aussprache zwischen dem deutschen Botschafter von h o e s ch und dem Außenminister B r i a n d findet in der Pariser Presse große Beachtung. Man sieht in dem neuen Besuch den deutlichen Beweis dafür, daß die von der reaktionären Presse beider Länder lärmend verbreiteten Nachrichten von dem Fiasko der Politik von Thoiry völlig unbegründet sind und im Gegenteil beide Regierungen in Berlin und Poris Wert darauf legen, den Kontakt aufrechtzuerhalten und sich be- mühen, die in Thoiry eingeleitete Politik einer deutsch-französischen Verständigung einem günstigen Abschluß entgegenzu- führen. Es ist mehrfach betont worden, daß dies nicht das Wert einiger kurzen Wochen sein kann. Man oerhehlt sich hier auch keineswegs, daß die Verhandlungen erst in der ersten vorbereitenden Phase angelangt sind und scheint sich mit dem Gedanken ver- traut gemacht zu haben, daß von Deutschland andere als wirtschast- liche und finanzielle Zugeständnisie nicht zu erreichen sind und nicht erwartet werden dürfen. Man ist deshalb bemüht, und Briand scheint in diesem Punkt am Donnerstag mit ftoesch eine grundlegende Aussprache gehabt zu haben, auf den Gebieten, aus denen es Deutschland möglich ist, Frankreich Zugeständnilsc zu bieten, Anfangserfolge herbeizuführen. Jedenfalls dürfte der an- fänglich« Plan, die Verhandlungen auch auf politische Fragen i m Osten auszudehnen, mindestens vorläufig fallen gelassen sein. die Erwerbslosenfürsorye. Besprechung Reichsregierung— Sozialdemokratie» Am gestrigen Freita "'!(SenoJjc der als Vertreter unserer Mitglieder im Sozialpolitischen des Reichskanzlers Genosse W e I tionsvorstandes, Genosse B r e y u vormittag hatten auf Einladung s als Vertreter des Frak- und Genossin Luise S ch r ö Ausschuß eine Besprechung mit dem Reichskanzler und den Reichsministern der Arbeit, der Finanzen und der Wirtschaft. Die Regierung hatte kurz vorher die Frage der Verbesierung der Erwerbslosenfürsorge durchberaten. Der Zweck der Zu- sammenkunft war, mit den Vertretern der Sozialdemokra- tischen Fraktion die beabsichtigten Aenderungen durch- zusprechen. In längeren Beratungen betonten die Genosien den bekannten Standpunkt unserer Fraktion. Die Vorlage wird dem Reichstagsausschuß spätestens am Dienstag zu- gehen. Oer Inhalt üer neuen Vorlage. Noch einem Bericht des»Sozialdemokratischen Presiedienstes" beabsichtigt die Regierung die Sätze für eigentliche Hauptunter- ftützungsempfänger, d. h. Alleinstehende und Familienernährer u in lstProz. zu erhöhen, nicht aber die F a m i l i e n z u- schlägt. Da» Problem der Verlängerung der Bezugsdauer der Unterstützung will mau w Verbindung mit dem Arbeitsnachweis lösen. Danach saiUn die Ausgesteuerten ihr« U«t«rstützung durch den Nachweis und nicht durch die Wohlfahrtsämter erhallen. Die Frage, wie man die Ausgesteuertenunterstlltzung finanziert und wie die Lasten auf die Gemeinden gelegt werden sollen, ist noch nicht endgültig geklärt. Man denkt an eine Bestimmung, wonach den bedürftigen Gemeinden bis 75 P r o z. der Kosten rückvergütet werden k ö n n n e n. Die Bedürftigkeits- Prüfung soll nicht aufgehoben, sondern durch einen besonderen Erlaß e r l e i cht e r t werden. Die Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ließen die Reichsregierung nicht im Zweifel darüber, daß sie die vorge- schlagene Lösung für ungenügend halten. Sie betonten, daß die Erhöhung der Unterstützung zu gering sei: die Nichtcrhöhung der Familienzuschlöge müsie für die Familien der Erwerbslosen zu einer großen Härte werden. Ebenso sei dos Entgegenkommen der Reichsregierung in der Frage der Bedürstigkciteprüfung nicht groß genug. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird noch vor dem Zusammentritt des Plenums ihre Stellungnahme gegen- über diesen Dorschlägen präzisieren. Winterbeihilse in Hessen. Darmstadl, 2g. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Angesicht» der durch dl« Besetzung eines großen Teiles des Landes entstandenen wirtschaftlichen Not, unter der die Arbeiterschaft am meisten leidet, beschloß der Landtag auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion mll den Stimmen der Koalitionsparteien gegen Bauernbuud und Kommuni st en. den Erwerbslosen und Rentenempfängern«ine W i n t e r b e i h i lf e in der durchschnitt- lichen Höhe von 40 M. zu gewähren. Aus Landesmitteln sollen die Bezirksfürsorgeverbänd« zu diesem Zwecke zinslos« Darlehen in der halben Höhe des aufzuwenden Betrages erhalten. Ein neuer prager Skandal. Bestechungen und Bodenreform. Prag, 29. Oktober.(Eigener Drahtberichl.) vor einigen Tagen verlangte der kronpriaz Cyrill von Bulgarien die Verhaftung seines Prager Anwalls Dr. Norbert E I s l e r. da dieser au» der vermögensmasse des Prinzen, der einer der Haupt- erben des Zahre» 1921 verstorbenen Philipp voa koburg ist. Millioncnbeträge für sich verwendet haben soll. Aus der Klage- sache de» bulgarischen Kronprinzen scheint aber eine große polilische Standalassäre zu werden. E» stellt sich heraus, daß in das tschechische Bodenresormgeseh, als dieses bereits fertig vorlag, eine ergänzende Bestimmung ausgenommen wurde, die eigens den Zweck versolgte, den Rlesenbesih, den Cyrill aus der koburgischea Erbschaft zu erwarten Halle, von der Boden- resorm auszunehmen. Begründet wurde diese Lex Cyrill damit, daß man den slawischen koburger gegen die deutschen koburger schützen müsset Tatsächlich scheinen hier Bestechungen eine Rolle zu spielen, die«inen der ungeheuersten korrnptions- skandale in Mitteleuropa bedeuten würden, da es dabei um eine direkte Beeinslossung der Gesetzgebung geh». Dle von Cyrill stchklich beeinflußte bürgerliche Presie leugnet vorläufig, daß Korruption vorliege. Die tschechoslowakische Bodenreform soll den Großgrund- besitz zerschlagen und auf dem so gewonnenen Lande Bauern ansiedeln. Es gab in den Ländern der Tschechoslowakei, vor allem in Böhmen, ungeheure Anhäusiingen von Grund- besitz in einer Hand. Das österreichische Kaiserhaus, die katholische Kirche und der Hochadel besaßen gewaltige Boden- flächen, so z. B. der Fürst Schwarzenbergallein ein volles Zwanzig st el von ganz Böhmens Was diesen adligen Großgrundbesitz angeht, so ist sein Erwerb zum größten Teil mit dem Ende der altböhmischen Staatsherrlich- keit durch die Schlacht am Weißen Berjje im Jahre 1620 ursächlich verbunden. Die Güter der früheren Grundbesitzer, die sich dem Protestantismus angeschlossen oder sich sonst gegen Habsburg aufgelehnt hatten, wurden den kaiserlichen Söldnerführern zum Dank für die Wiederaufrichtuna der So sehr die Absicht dieser Bodenreform demokratischen Forderungen entspricht, so hat ihre Ausführung die schärf st eOppositiondernationalenMinder- !) e i t e n hervorgerufen. Denn neuangesiedelt wurden bis etzt auf dem parzellierten Großgrundbesitz ausschließlich Tschechen und der starke Anteil der Nichttschechen, besonders der Deutschen, an der Gesamtbevölkerung der Republik ist hierbei so gut wie vollkommen unberücksichtigt geblieben. Ueber die Geschäftsführung des Boden a m t e s, das die Bodenreform auszuführen hat, sind zahllose Klagen, auch mit deutlichem Einschlag von Korruptionsbeschuldigu.lgen erhoben worden, und es hat bereits vor einiger Zeit einen ziemlichen Skandal gegeben, der allerdings weit in den Schatten gestelst würde, wenn sich die obenstehend« Meldung bestätigte. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SW. 68» Linüenstr.Z Bastlcheckkanto: Berti- 37 554- BanRonle: Bank der««leitet,«nflefteltei ■ab Beamten.»aNftr. 03: Bt-kanto-Seselllchatt. Be-aRtenfafle Linbenftr. I. Sruno Schönlank. Zum 25. Todestage des Meisters sozialdemokratischer Journalistik. Heute vor 25 Jahren starb in Leipzig 42jährig Dr. Bruno Schönlank. Fast zwei Jahre lang hatte ihn ein Körper und Geist verzehrendes Leiden an dos Krankenlager gefesielt. Nicht länger als sechs oder sieben Jahre hatte er die Redaktion einer sozialdemokratischen Zeitung geführt. Und doch hat diese Zeit genügt, chm den Ehrentitel eines Meisters der sozialdemo- kratischen Journalistik zu verschaffen, mit dem er in der Ge- schichte unserer Partei fortleben wird. Bruno S ch ö n l a n k war am 16. Mai 1859 in Mühl- hausen in Thüringen geboren. Er hatte an verschiedenen beut- schen Universitäten studiert, und sein draufgängerisches Temperament nach Studentensitte mit dem Schläger betätigt. Dos hinderte ihn aber nicht, ernsteste nationolökonomische und historische Studien zu treiben, mit Dreiundzwanzig seinen Doktor zu machen und mit Vierundzwanzig Parteigenosse zu sein. Man schrieb 1883. Das Sozialistengesetz lastete auf Deutschland. Schönlank war einer der nicht allzu zahlreichen Intellektuellen, die der Geist des Protestes gegen das Schand- gefetz nun erst recht in die Reihe der kämpfenden Arbeiter trieb. ' Wilhelm Liebknecht sagte einmal:„Ich habe kein Gefühl für die Gefahr." Das Wort paßt ausgezeichnet auf seinen Urheber, denn der ging, den Stern seiner Idee vor Augen, seinen Weg, unbekümmert um das, was rechts und links von ihm war. Bruno Schönlank hatte„Gefühle für die Gefahr", denn ihn reizte sie. Es mit ihr aufzunehmen, sie herauszufordern, ihr auf der Rase herumzutanzen, war ihm eine Lust. In diesem Sinne war ihm die Partei zurzeit des Sozialistengesetzes, mehr noch als andern, das Lebenselement. Denn fein Lebenselement, das war der Kampf. Die bayerischen Genossen, in deren Kreis der junge Dok- tor zunächst auftauchte, faßten bald zu ihm Vertrauen. Er erwarb es durch die tolldreisten Streiche, mit denen er, von der Schweiz nach Deutschland herüber und hinüber pa- trouillierend, dem Sozialistengesetz einen Possen nach dem andern spielte. In der legalen Presse der damaligen Zeit konnte sich jedoch sein publizistischer Kämpfergeist nicht aus- leben. So fand er auch Zeit zu bedeutenden nationalökono- mischen Arbeiten im Geist der sogenannten historischen Schule, aber durchtränkt mit starkem sozialen Emp- finden. Er war in den geschichtlichen Klassenkämpfen Nürnbergs ebenso zu Hause wie in den Zuständen der Fürther Quecksilberbelege. Seinen Blick für die kapitalistische Entwicklung bewies er, indem er als einer der ersten auf das Werden der Kartelle und Trusts sein Augenmerk lenkte. 1892 stand sein Können bei der Partei schon so hoch im Kurse, daß sie ihn beauftragte, mit K a u t s k y zusammen den Komnientar zum Erfurter Programm zu ver- fassen, eines der wichtigsten Dokumente der Geschichte unserer Partei., Inzwischen war das Soziali st engesetz gefallen, und die Parteipresse erfreute sich wieder der„Freiheit" im Rahmen der bestehenden Gesetze. Jetzt kam Schönlank, der als Wissenschaftler ein starkes Talent, aber als Journalist ein Genie war, erst in sein richtiges Fahrwasser. Nach einem Jahr der Redaktionstätigkeit am„Vorwärts", neben dem alten Liebknecht, folgte er dem Ruf der Leipziger Genossen, der ihm ein weiteres Wirkungsfeld oerhieß. Er wurde der Schöpfer der„Leipziger V o l k s z e i t u n g" und damit der Reformator der sozialdemokratischen Parteipresse. Das Werden der sozialdemokratischen Parteiprcsse war eine Großtat der deutschen Arbeiterklasse. Arbeiter waren es, die in den Redaktionen die Feder führten, nur ganz wenige Akademiker, von denen Schönlank einer war, hatten sich zu ihnen gesellt. Die Aufgabe, vor die sie sich gestellt sayen, war nicht leicht. Dazu kam, daß die Partei eben erst aus ihrer Illegalität in die aktuelle deutsche Politik hinein- wuchs. So trägt das durchschnittliche Parteiblatt der ersten Jahre nach dem Fall des Gesetzes noch den Charakter eines lehrhaften Vereinsorgans. Auf theoretische Fragen und innere Parteiangelegenheiten wurde die meiste Kraft verwendet, die übrige Welt aber lag ziemlich weit irgendwo draußen. Schöniank schuf in seinem Blatt eine wirkliche moderne sozialdemokratische Zeitung. Er stellte sie und sich m'i t t e n in d i'e Kämpfe des Tages hinein. Er organisierte mit be- scheidenen Mitteln ein weitmaschiges Netz der Berichterstattung Er schuf ein mustergültiges Feuilleton, in dem für alles, was damals modern war, Schwerter geschwungen und Lanzen ge- brachen wurden. Er versah sein Blatt mit Karrikaturen, die er freilich, weil die Mittel fehlten das heißerstrebte Ziel einer Auflage von 20 000 war noch lange nicht erreicht— aus berühmten Blättern des Auslandes entnehmen mußte. Was auf diese Weise entstand, das war etwas ganz anderes als das schwerfällige, in sich versenkte, alle Aktualität und alle Bedürfnisse eines breiteren Lesepublikums wenig achtende Parteibl�tt der Anfangszeit. Das Beste aber, was Schönlank der„Leipziger Volts- zeitung" gab, da» waren seine eigenen Beiträge. Was er sich an profunder Gelehrsamkeit errungen hatte, vereinigte sich mit seinen alle aktuellen und persönlichen Angelegenheiten umfassenden Kenntnissen, die er sich als Reichstagsabgeord- neter erwarb, zu einem Arsenal, aus dem er je nach Bedarf seine Waffen holte. Sein Stil war im schweren Säbelhieb ebenso gewandt wie im zielsicheren Degenstoß. Durch jede Zeile, die er schrieb, zitterte die Angriffslust des glänzenden Fechters. So wurde die„Leipziger Volkszeitung" Bruno Schön- lanks für die damalige junge Generation zu einem Erlebnis. Sie gewann der Partei den Respekt sowohl der Gegner wie auch der mit ihr sympathisierenden Schichten, die nun bemerk- ten, daß ein sozialdemokratisches Blatt mit den bürgerlichen Zeitungen an Reichhaltigkeit wetteifern, aber an G e i st sie übertreffen konnte. Für die sozialdemokratische Journalistik wurde Schönlank Meister und Borbild. Nicht vergessen werden darf, daß die Leipziger Genossen zum Gelingen des Werkes das Ihre beitrugxn. Man dars in diesem Zusammenhang nicht Geschäftsführer wie Gustav ch e i n i s ch, nicht Vorsitzende der Pressekommission wie Paul K l e e m a n n veraessen. Was in den damaligen engen Ver- Hältnissen geleistet wurde, um das Geld zur Verfügung zu stellen, ohne das nun einmal kein Krieg geführt werden kann, ist erstaunlich. Die Parteipresse begann, sich nach dem Muster der „Leipziger Volkszeitung" einzurichten. Auch der„Vorwärts" gewann bald, besonders durch das Wirken des genialen Kurt Eisner eine respektable journalistische Höhe. Sein Blatt den Erfordernissen der Zeit anzupassen und mit der bürger- liehen Presse den Wettlauf der Aktualität und der Reichhaltig- keit des Gebotenen aufzunehmen, wurde das Ziel des Ehr- geizes für jede sozialdemokratische Redaktion. So läßt sich aus der Geschichte unserer Parteipresse die Gestalt Bruno Schönlanks nicht hinwegdenken. Ihre Erfolge und damit die Erfolge der Partei sind zu nicht geringem Teil der schöpferischen Anregung dieses Mannes zu danken. Sie hat aber auch auf die g e i st i g e Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung dauernd miteingewirtt, denn indem sich die Presse in ihrem Kampfe auf das Heuteundfjier einstellte, tat das auch die Partei selbst. Sie fand so ihre Auf- gäbe, nicht nur eine bessere Zukunft zu prophezeien, sondern allen Schaffenden und Bedrängten in den Nöten der Gegen- wart ein Helfer zu sein. Das �rbeitszeit-Notgesetz. Die Forderung sämtlicher Gewerkschaften. Wir haben wiederholt auf den Zusammenhang zwischen Dauer der Arbeitszeit und Arbeitslosigkeit hingewiesen und die baldige Verabschiedung eines Notgesetzes gefordert, das den Achsstundentag ficherstelll. Noch vor wenigen Tagen führten wir den einwandfreien Nachweis, daß der Unternehmersyndikus Dr. Meißinger mit seiner berühmten Aktennotiz vom September v. I., in der er behauptete, das Reichsarbeitsministerium würde die Der- abschiedung eines neuen Arbeitszeitgesetzes mit allen Mitteln in die Länge ziehen, recht behalten hat. Alle Versprechungen des Reichsarbeitsministeriums und der Reichsregierung sind nicht gehalten worden. Am 17. September 1924 wurde den Gewerkschaften eine baldige gesetzliche Neuregelung der Arbeitszeit und die Rati- fizierung des Washingtoner Uebereinkommens über den Acht- stundentag i n A u s s i ch t g e st e l l t. Es geschah nichts. Am 3. Februar 1925 erklärte der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns im Reichstage: er hoffe, noch im Laufe des Jahres 1925 den neuen Gesetzentwurf herauszubringen. Es geschah wiederum nichts. Das Arbeitsschutzgesetz wird nach wie vor so„gründlich" bearbeitet, daß auch die bisherigen zehn Monate des Jahres 1926 den Geheimräten des Reichs- arbeitsministeriums nicht genügten, einen Gesetzentwurf von 57 Paragraphen fertig zu stellen. Noch heute wird„intensiv" an der Begründung gearbeitet. Wem schaudert's nicht bei dieser Gründlichkeit. Reichskabinett, Reichswirtschaftsrat, Reichsrat: es sind weite Etappen, die zurück zu legen sind, bis sich der Reichstag mit dem Gesetzentwurf beschäftigen kann. Wir unterstreichen deshalb mit allem Nachdruck die For- derung der Gewerkschaften: ein Notgesetz muß auf dem kürze st en Wege den Achsstundentag wiedereinführen. Das kann durch eine Aenderung der bestehenden Vorschriften über die Arbeitszeit geschehen. Ins- besondere sind die Bestimmungen zu streichen, die auf dem Wege des Tarifvertrags und durch behördliche Anordnungen die regelmäßige Ueberschreitung des Achtstundentages zulassen. Hier liegen die eigentlichen Mängel der gegenwärtigen Arbeitszeitreglung. Eine falsche Tarifpolitik der Schlichtung?- behörden. die auch durch Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen den Arbeitern und Angestellten den Acht- stundentag raubte, hat wesentlich zur Verschärfung der Arbeits- lofigkeit beigetragen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ist bereit, sich mit allem Nachdruck für die sofortige Verwirklichung dieser einmütigen Forderungen aller Gewerkschaften einzusetzen. �ergt von öer»Kreuzzestung� gerüffelt. Wegen seiner Liegnitzcr Rede. Herr H e r g t, der frühere Vorsitzende der deutsch- nationalen Partei, wird in der„Kreuzzeitung" wegen seiner Liegnitzer Rede, die gestern hier schon besprochen wurde, derb angefahren. Das Blatt des Grafen Westarp schreibt: Ob Staatsminister Hergt die in obigem Bericht wiedergegebenen Ausführungen dem Verlauf nach so gemacht hat. läßt sich vorläufig nicht feststellen. Daß die Erfüllungspolitik jetzt weit hinter uns liegt, davon könnte doch erst vielleicht die Rede sein, wenn das Dawes-Joch wesentlich gemildert ist. Die Deutschnationalen haben sich in Köln bereiterklärt, in die Regierung hineinzugehen Nachdem sich aber die Volkspartei sogar in Preußen immer mehr nach links zu orientieren scheint, war die Aufforderung des Grafen Westarp an die Mittelparteien, nunmehr zwischen den Deutsch- nationalen oder den Sozialdemokraten zu wählen, sehr richtig: denn sie enthält gleichzeitig die Ankündigung der Opposition für den Fall eines Zusammengehens mit der Sozialdemokratie. Der Bericht, auf den sich die..Kreuzzeitung" bezieht, stammt aus der rechtsgerichteten TU. und wird übrigens durch andere Berichte bestätigt. Der Zweifel am der Richtigkeit des Berichts ist hier nur die diplomatiscye Form, um die Meinungsver- schiedenheiten zwischen dem abgesägten Parteiführer und dem jetzigen Parteidittator Westarp festzustellen. Dabei ergibt sich — ein seltener Fall— eine gewisse Uebereinstimmung zwischen der„Kreuzzeitung" und dem„B o r w ä r t s": auch das deutsch- national« Organ erkennt an, daß der Dawes-Pakt Kern und Stern der„Erftillungspolitik" ist, nur vergißt sie hinzuzufügen, daß das sogenannte„Dawes-Joch" dem deutschem Volk mit Hilfe von 49 deutschnationalen Abgeordneten auferlegt worden ist. Hergt sagt:„Wir drängen uns zur praktischen Mitarbeit." Das hat vor ein paar Tagen Westarp auch gesagt, aber jetzt, da sich die ganze Drängelei als ziemlich aussichtslos erweist, droht er, das ganze Porzellan kaputzuschlagen. Inzwischen drängelt Hergt munter weiter, Regie! Regie!_ Württembergische potemkin-debatte. Sie Pfeifen auf das Reich. Stuttgart, 2g. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Württembergische Landtag beschäftigte sich am Freitag mit dem Verbot des„P o t e m l i n" für den Polrzeibereich Stuttgart, An der außerordentlich lebhaften Debatte beteiligten sich die R e g i« r u n g s- Parteien fast gar nicht. Der Minister des Innern erklärt«, das Verbot steh« in keinem Widerspruch zu den reichsgesetzlichen Be- stimmungen. Er lasse es auf eine Entscheidung des Ver- waltungsgerichtshofes ankommen. Di« Filmprüsstell« sei gar nicht in der Lage, die polizeilichen Belang« der einzelnen Reich,» teile vor ihren Entscheidungen zu wahren. Redner der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten be- stritten«nsschieden die Zuliifsigkeit des Verbots. Ihren Höhepunkt erreicht« die Angelegenheit am Schluß der Debatte, als die Re- gierungsparteien einschheßlich der Minister folgenden Antrag ab- lehnten: „Das Stoatsministerimn zu ersuchen, in solchen Fällen, in denen nach bestehenden Gesetzen Reichsstellen innerhalb ihrer Zu- ständigkeit endgültig ensschieden haben, von abweichenden Maß- nahmen abzusehen. Die Erklärungen, die von Vertretern der Regierungsparteien zu der Abstimmung abgegeben wurden, vermögen die Tassach« nicht ab- zuschwöchen, daß sich Württemberg das Recht vorbehält, entgegen reichsgesetzlichen Regelungen selbständig zu entscheiden. Jürftenforüerungen in Württemberg. Vor einem neuen„Vergleich". Slukkgarl. 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Auf eine demo. kratische Anfrage im Landtag wegen der Abfindung des Hauses Württemberg ließ die Regierung erklären,„daß Verhandlungen in dieser Richtung mit den Erben des ehemaligen Königs ausgenommen worden seien. Zu welchem Ergebnis diese Verhandlungen führen werden, lasse sich im Augenblick noch nicht sagen. Die Regierung werde aber demnächst dem Landtag einen Vergleichsoorschlag vorlegen." Das Haus Württemberg verfügt heute über den größten Grundbesitz im Lande, nämlich über rund 36 000 Morgen Acker, Wiesen, Weinberge und Wald. Außerdem bezieht die herzog- liche Witwe eine namhafte staatliche Rente neben der un- entgeltlichen Nutzung des Schlosses Bebenhausen. Die An- sprüche des Hauses Württemberg gehören zu den unverschämtesten in ganz Deutschland. Die deutschnationale Regierung wird aber dennoch in dieser Angelegenheit sehr großzügig sein. Nlafarpk über üie Mitarbeit öer deutschen. Prag. 29. Oktober.(WTB.) Bei der offiziellen Staats- gründungsfeier führte Präsident Massoryk aus: Ich drücke meine Genugtuung darüber aus, daß sich unsere beut- scheu Landsleute zur Mitarbeit im Parlament ent- schlössen haben. Ich überschätze diesen ersten Schritt nicht, aber ich erblicke in der administrattven Zusammenarbeit eine gute Bedingung für die weitere politische Annäherung. Unsere deinokra- tische Republik ermöglicht diese Annäherung. Die absolutistische Monarchie konnte eine Nation gegen die andere ausspielen. In der Republik und in der Demokratie Ist das bei unserer Wahlord- nung ausgeschlossen. Der Entschluß unserer deutschen Landsleute erfolgte in einem Augenblick, in dem sich in ganz Europa die Völker einander nähern und insbesondere, wo Franzosen und Deutsche einander die Hände reichen. Poinearös Reise durch Elsaß-Lothringen und seine neue Sprachenpolitik sind ein lehrreicher Beweis dafür, wie die Annäherung der Staaten und Völker und die Außenpolitik organisch n, it der Innenpolitik zu- sammenhängt. Ich selbst habe auch während des Krieges nicht daran gezweifelt, daß sich die deutsche Nation von ihrer Niederlage erholen wird. Ich habe in ihrer Niederlage die Erziehung zur Demokratie gesehen, und deshalb habe Ich immer mit einem gestärkten und starken Deusschland gerechnet. Wir wollen zu Deutsch- land wie zu allen Nachbarn und Völkern Europas ein freund- schaftliches Verhältnis haben. Dabei werden wir nicht vergessen, daß sich unser« auswärtigen Freunde mit uns nichs"nur auf wirtschaftlichem Gebiete, sondern auch in allen Zweigen..1>er nationalen und kulturellen Tätigkeit Mellen und mit uns konkurrieren werden. Dazu haben wir das gleiche Recht und die gleiche Pflicht. Freundschaft schließt Rechnen nicht aus, und so werden wir nicht nur unsere Außen-, sondern auch unsere Innen- Politik auffassen und von europäischen und Weltgesichts- punkten aus machen. Dazu sind wir durch unsere geo- graphisch« Lage im Herzen Europas, durch die nationale Zusammen- setzung des Staates und durch die bisherige Entwicklung berufen. Was ein Zranzofe in Serlin gesehen hat! Don Dr. S cha rren b ro i ch, Paris. Für die Franzosen besteht augenblicklich naturgemäß ein großes Interesse an Deutschland. Deshalb hat das viel gelesene liberale „Journal" Herrn Henri Beroud nach Deutschland geschickt, um den Franzosen ein Bild von diesem ihnen ja ziemlich unbekannten Lande zu geben. Nun, man kann ruhig sagen, daß ihnen nach diesen Be- richten Deutschland nicht nur weiter unbekannt bleiben wird, sondern daß ihnen eine Reihe uralter Vorurteile weiter bestätigt, andere groteske Ensstellungen hinzugefügt werden. Das ist um so bedauer- licher, weil nach dem Kriege in Frankreich so gründliche und instruk- tive Bücher wie von H. Lichtenberger und Jules Huret nicht wieder über Deutschland erschienen sind und die Berichte von Beraub hier mehr Aufsehen gemacht haben, als sie oerdienen. Mit dem erstaunten Pathos eines Eingeborenen von Tibet, der zum ersten Male Europa steht, schildert er Verhältnisse in Berlin, die man in jeder Großstadt findet. Er findet z. B. im Cafä Bater- land am Potsdamer Platz einen derartigen„sozialen Salat" wie nirgends in der Welt. Ja, was sieht man denn in den Boulevards- cafes? Ist das wicht buchstäblich der soziale Salat der ganzen(oft auch der halben) Welt? Die Berliner kennen Sonntags nur dreierlei Vergnügungen: sich auf den Strand des Freibades Wannsee legen, als Wandervogel herumtreiben oder stumpfsinnig unter den Zelten ihren Herdeninstinkten frönen. Im Zoologischen Garten sieht er ein Kindermädchen vor einem Affenhaus perverse, dunkle Triebe be- friedigen, auch die Betrachter des Aquariums sind wahrscheinlich Nachkommen sadistischer Hunnen. Die Herren betreten vor den Damen das Lokal, hat Herr Beraub gesehen. Auch finden wir dos beliebte Klischee vom Theaterbüfett wieder. Gretchen, das vorher im „Lohengrin" sentimentale Tränen vergossen hat. steckt sich in der Pause eine warme Wurst in den Mund. Herr Beraub erzählt natürlich nicht, daß die Theater bei uns nicht wi« in Frankreich um 8 oder 8Z4 Uhr. sondern, besonders eine Wagneroper, schon um 5 oder 6 Uhr beginnen. Die Hauptsach« ist ja, daß der Leser de«„Journal" das hört, was er immer wieder gerne hört. Daß sich aber Herr Beraub in seinen Konsumenten doch etwas getäuscht hat, werde ich gleich berichten. Ich habe hier nämlich zwei Versammlungen besucht, die über die Berichte von Beraub diskutierten. In diesen Veranstattungen, „Faubourg" genannt, pflegt man über allerlei aktuelle Themata zu referieren und diskutieren. Das Publikum ist also nicht einseitig politisch orientiert. Da konnte ich also feststellen, daß man die Artikel- serie unseres rasenden Reporters doch glücklicherweise nicht allzu ernst nahm. Ein Redner sah in ihm nur einen von seiner Zeitung bezahlten Berufspatrioten, von dem man natürlich nichts anderes erwarten könne. Ueber die Tatsache, daß Beraub bei un» überall nur Militarismus steht, machte sich ein anderer lustig, indem er von einem Bekannten erzähtte, der Sonntags nicht ohne seine Trompete aufs Land ging. Man sagte, daß Beraub Deutschland nur vom Hotel aus gesehen habe, daß man ein Land in drei Wochen nicht kennen lernen könne usw. Ein Berliner, der nicht gerade gewandt und taktvoll eine ausgiebige Kritik vortrug, wurde nicht nur ruhig an- gehört, sondern halle sogar großen Beifall. Man braucht also den Fall Beraub nicht besonders tragisch zu nehmen. Prailsford und der„New Leader". Mit dem soeben erfolgten Rücktritt von H. N. Brailsford als Herausgeber und Chefredakteur der in London erscheinenden„New Leader" endet nach vier Iahren eine der glänzendsten Episoden in der Geschichte des sozio- listischen Journalismus in England. Brallssord hatte es seit 1922 verstanden, aus dem damaligen„Labour Leader" ein Organ zu schaffen, das weit über die englische Sprachgrenze hinaus einen von Jahr zu Jahr wachsenden Leserkreis mustern konnte Als Organ der Unabhängigen Arbeiterpartei wurde der„New Leader" mehr und mehr das Sprachrohr der englischen Arbeiterbewegung selbst. An diesem Blatte konnte die Entwicklung der Partei abgelesen werden, denn die Auffassungen, die der„New Leader" vertrat, pflegten nach und nach auch die oftizielle Politik der Partei zu bestimmen. Aber noch bedeutender als Brailsfords glänzende schriftstellerische Leistungen war seine Begabung als Herausgeber. Er verstand es, alle wertvollen sozialistischen Schriststeller seiner Nation zur Mit- orbeit heranzuziehen und der Zeitschrift dadurch ein außerordentlich hohes geistiges Niveau zu schaffen. Eine besondere Stärke Brails- fords war sein« Unabhängigkeit. Trotzdem die Zettschrift das offizielle, auch finanziell abhängige Organ der Unabhängigen Arbeiterpartei darstellte, hielt Brailsford niemals mit eindringlicher Kritik an Führern und Partei zurück. Nur in einem Falle, bei seinen Angriffen aus Macdonald, hat er sich von einer persönlichen Verstimmung hinreißen lassen. Sein Rücktritt von seinem Posten ist eine Folge der Sparpolitik, zu der sich die Unabhängig« Arbeiter- Partei genötigt sieht. Die Zeitschrift war in ihrer bisherigen Form zu kostspielig geworden und soll in Zukunft weniger auf die Bedürs- nissc eines anspruchsvollen Leserkreises und mehr auf die Bedürfnisse größerer Massen zugeschnitten werden. So begreiflich diese Maß- nähme auch sein mag, so sehr wird man doch das Ausscheiden dieses glänzenden Journalisten aus der Leitung der Zeisschrist unserer englischen Genossen bedauern. Kostbarkeiten allchinesischer Kunst. Im British Museum zu London wird demnächst eine Anzahl Gemälde ausgestellt werden, die an Wert ihresgleichen suchen. Es handett sich um altchinesssche Fres- kobilder, die der griechische Kaufmann Eumorphopulos dem Museum zu Ausstellungszweckcn geliehen hat. Der griechische Rabob ist bereits Besitzer einer wertvollen Sammlung chinesischen Porzellans und hat außerdem die erwähnten Freskobilder erworben. Er hatte einen Londoner Kaufmann mit dem Auitrag nach China enlsandt, den Transport der Bilder aus dem Innern der Provinz Tschili zu über- wachen. Zu diesem Zweck mußte eine große Zahl van Kulis auf- geboten werden. Die Fresken haben nöiulich ganz ungewöhnliche Ausmaße. Ein Bild ist so groß, daß es in zwölf Teile zerlegt werden mußte, um nach England übergeführt werden zu können. Nach der Erklärung des Kustos am British Museum handelt es sich bei diesem Bilde um das„vollendesste Meisterwerk aller Zeiten und Schulen". Italien und Griechenland schützen ihren Besitz an Kunst heute durch Ausführverbote: früher wliroen sie auch ausgeplündert In China kann aber noch leder reiche Kaufmann unersetzliche Meister- werke an sich bringen, exportieren und sich dafür obendrein als Kunstmäzen feiern lassen. Die Götter sterben. Die japanische Regierung hat ein Dekret er- lassen, demzufolge die Verehrung der Götter verboten wird. Auch die Tempel, die im ganzen Lande zerstreut, namentlich an erhöhten Punkten errichtet sind, sollen niedergerissen werden! Diese Nachricht wird der ausgeklärte Leser teils mit Freude, teils mit Staunen zur Kenntnis nehmen. Es muß aber bemerkt werden, daß die japa- nische Regierung durch das erwähnte Dekret lediglich die Tiergötter trifft. Die übrigen Götter, soserne sie als„reine Geister" erklärt und angebetet werden, bleiben unbehelligtl In Japan werden vom Volk Füchse und Karpfen, Hasen, Tauben, Drachen usw. verehrt. Zwischen Göttern und Dämonen sind natürlich zahllose Ucbergängc. Merk- würdig ist, daß auch in Japan der Fuchs als schlau und gefährlich gilt, er ist ein Zauberer. Mit alle dem soll es nun nach dem Willen der japanischen Regierung zu Ende sein. Die Gesellschaft zur Förderung der Aiissenschasien veranstaltet folgende Vorträge in ihren Räumen im Schloß: Mittwoch, den 24. November: Prof. v. Harnack„Was gab der christlichen Religion über die anderen Religionen im römi- fchen Reich den Sieg?"— Professor Reubera:„Don den Leistungen der Mikroorganismen im Dienste der Menschen". Mittwoch, den IS. Dezember: Prof. Spielmeyer: „Die Bedeutung der Kreislauf st örungen für die Entstehung von Aehirnkrankheiten". Mittwoch, den 19. Januar 1927: Professor Life Meitner:„Ueber den Bau des Atominner n". Mtttwoch, den 16. Februar 1927: Professor Bruns über„Das modern« Völkerrecht".— Di« Borträge beginnen pünktlich 8 Uhr abends. Es können auch Freunde der Gesellschaft daran teilnehmen. Der Eintritt ist frei, jedoch nur gegen Karte._ Theaierchronlt. Die NaKmittagSvorstellunz im Deutschen Thea ter mutz am Sonnabend auZsallen. ta* Berliner Sinfonle-Orchesler veranstaltet am Zt., abend» 8 llbr. im zzlülbner-Saal ein Konzert unter Leitung von Emil Sohnke. (jiolfft: V Bernseid(Violine). Die öffentlchen vorlröge Im ZNaseum'Le INeercokunde beginnen am 2. November, 8 Uhr abend», mit einem Bericht de» FvrschungSreiiendcn P. S p a b über: ErgebniMe einer balbj übrigen R c i l e durch die unbeiannte Insel Kreta zu Lichtbildern eigener Aufnahme. Eine Heinhardi-Feftsdirist. Anläßlich de» Neinhardt-IubilZum» lassen die Reinbardtbühncn eine ossiziell« Festschrift in Form eine» Sonderbelte» der von Erich Köhrer berau» regebenen Zeitschrist.D a» T h e a l e r- er- scheinen, die u. a. etwa 60 Bilder au» dei Geschichte der Nelnhardlbübnen enthält. Die Festschrift wird in den Reinhardt-Tbeatern täuslich zu haben sein. istrünbrng eine,.beulsch-enalischen Akademischen Amte».» Time» zujolge ist in London ein„Dcutlch-cnglischeS Atadcmiiche» Allst' elngesrht worden, da» ein System de» Austausch» von UniverntälSiludenten zwischiu Deutschland und England entwickeln soll. Da» Amt wird zusammen mlt dem Akademilchen Austauichdienst in Berlin arbeiten, dessen Direktor Dr. Werner Picht ist. Das �rbeitsgerichtsgesetz. Äccndigung der ersten Lesung. Der sozialpolitische Reichstagsausschuß Hai am Freitag die erste Lesung des Entwurfs zum Arbeitsgerichtsgesetz abgeschlossen. Bei den Verfahrensvorschristen ist im wesentlichen die Regierungsvorlage angenommen worden. Lebhafte Auseinandersetzungen gab es bei§ 88, nach dem durch Vereinbarung die Arbeitsgerichte ausgeschlossen und durch Schiedsgerichte ersetzt werden können. Abg. A u f h ä u s e r(Soz.) begründete den sozialdemokratischen Antrag, wonach dieser Ausschluß der Arbeits- gerichte nur von Tarif Parteien für Tarif streitigkeiten er- folgen darf, nicht aber in jedem beliebigen Einzelfall. Unser Redner wies nachdrücklich darauf hin, daß nach der Regierungssassung jeder Arbeitgeber im Dienstoertrag bereits ein privates Schiedsgericht vereinbaren könnte. Die bürgerliche Mehrheit stimmte den Antrag nieder. Diese Hauptfrage dürfte voraussichtlich aber in der zweiten Lesung eine Revision erfahren. Der Gegensatz zwischen den bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie oerschärfte sich noch, als auch im Z 107 beschlossen wurde, die sämtlichen für die I n n u n g s schiedsgerichte bestehenden Sonderbestimmungen in der Gewerbeordnung aufrechtzuerhalten. Abg. Hoch(Soz.) wies darauf hin, daß die Handwerker in den besonderen Fochkammern der Arbeitsgerichte zur Wahrung der Eigenarten des Handwerks hinreichend gesichert seien. Der Antrag der Sozialdemokratie, die besondere Rechtsprechung, die für die An- gestellten der Sozialoerstcherung bei den Versicherungsämtern nach der Rsichsoersicherungsordnung besteht, durch d>e Arbeitsgerichte zu ersetzen, wurde ebenfalls abgelehnt, so daß hier auch künftig Auf- ficht und Rechtsprechung bei der gleichen Behörde vereint bleiben. Die Bestimmungen über die Uebernahme von Beamten und Angestellten aus den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten tonnten nicht verabschiedet werden, da die Deutschnationalen und Kommu- nisten den einschlägigen Z 112 nach Annahme verschiedener Der- besserungsanträge>n der Gcsamtabstimmung zur Ablehnung brachten. Diese Lücke muß ebenfalls in der zweiten Lesung aus- gefüllt werden. Das Gesetz soll nach dein Ausschußbeschluß am 1. Juli 1927 in Kraft treten. Die zweite Lesung wird voraussichtlich in der zweiten Noocmberwoche beginnen. Dreußens Eiektrizitätswirtsthast. Bewilligung von Geldmitteln. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags beriet am Freitag einen Gesetzentwurf über die Bereit st«llung von Geld- Mitteln für die Ausgestaltung der staatlichen Elektrizitätswerke. Es wird darin ein Betrag von ö3,8 Millionen Mark gefordert, der einen TeilbOtag des durch das Gesetz vom 16. Februar bewilligten Kredits in Höhe von 150 Wil- lionen darstellt. Berichterstatter Abg. Dr. W a e n t i g(Soz.) empfahl das Gesetz zur Annahme. Als Grundlinien für die Elektro- Politik des Staates forderte er: zweckmäßige betriebstech- Nische Organisation der staatlichen Werke, billige Strompreise für den letzten Abnehmer, Abgrenzt'««» der Jnter- effensphären, insbesondere gegenüber dem rheinisch-wcstfälischen Elek- trizitätswcrk und Regelung des staatlichen Verhältnisses zum Reich bezüglich der Elcktrowerke des Reiches. Der Handelsmini st er wies auf die große Bedeutung der staallichen Elektropolitik hin. Für das Rechnungsjahr 1926 fei ein Betrag von 21,2 Millionen erforder- lich.. Das Ziel der staatlichen Elektropolitik liege str der Verbillig ung des Stroms. Abg. Lüdemann iopz.) betonte, daß dem Staat das Recht auf den Elektrizstätsmarkt eingeräumt werden müsse. In die staatliche Elektropolitik müsse ober Ordnung und Uebersicht gebracht werden. Für die technische Leitung der staatlichen Werke müsse eine besondere Stelle geschaffen werden» Der Ausschuß stimmte dem Gesetz gegen die Stimmen der Wirtschaftspartei zu. Reform öer Geschichtslebrbücher. Eine beachtliche Zentrnmsstimme. In der„Kölnischen Volkszeitung* tritt der preußische Landtags- abgeordnete Dr. Lauscher mit bemerkenswerter Entschiedenheit für eine gründliche Reform des Geschichtsunterrichts an den preußischen Schulen ein. Lauscher weist darauf hin, daß die unentwegten Verteidiger der herkömmlichen Geschichtsdarstellung nicht daran denken, sich mit einer Ehrenrettung der Monarchie zu begnügen, sondern ihnen die Verherrlichung der Vergangen- h e i t zugleich Parole für die Gegenwart und Propaganda für die Zukunft sei. Der Ruf auf rücksichtslose Ausmcrzung von allein, was in dem Geschichtsunterricht tendenziös ist, müsse darum n a ch d r ü ck- l i ch'st unterstützt werden. Man könne damit nicht mehr jahrelang warten, sondern man müsie sofort handeln. Lauscher zeigt dann an Beispielen die Verlogenheit der bisherigen Ge- schichtsschreibung: „... Kein in preußischen Schulen gebrauchtes Geschichtsbuch verriet etwas davon, daß der„Große Kurfürst viele Jahre lang im Solde Frankreichs gestanden hat und daß er der Hauptschuldige am Verlust Straßburgs gewesen istl Die gleiche Diskretion wurde gewahrt gegenüber der r« i ch s- zerstörenden Politik Friedrichs des Großen, der Lähmung des deutschen Widerstandes gegen das Vordringen der französischen Reoolutionsheere und der Preisgabe des Rheinlandes durch Preußen im Frieden tzu Basel... Nicht Tendenzhiftori« brauchen wir, sondern ungebrochene und unge- stochene, unbedingt wahrhaftige deutsche Geschichte! Ein neues Deutschland muß werden. Die berufen sind, es zu gestalten, müssen schaffen im Lichte der deutsiben Geschichte, sorg- lich anknüpfend an das, was sie als ursprünglich und echt, gesund und triebkrästig, als deutschem Wesen und ocutjcher Art gemäß aufzeigt. Was brauchen wir also? Eine ,.v o l i t i s ch e Ge- schichte des deutschen Volkes der Stauferzeit bis zur Gegenwart". Wissenschaftliche Gründlichkeit und frische Volksfüm- lichkeit müßten sie gleichmäßig auszeichnen. Ein Volksbuch im besten Sinne des Wortes, obgewandt jeder Der- hejzung und jedem Demogogcntum, ohne andere Tendenz als die. die Wahrheit zu sagen und dem deutschen Volke zu dienen. Ein Buch, das dem deutschen Volke bilst, sich aus partikularistischer Der- «ngung und verkrümelung zu befreien und aus dem Spiegel der Vergangenheit feine Gegenwartsausgaben und seine Zukunstsziele abzulesen. Wer schenkt uns Deutschen dieses Buch?" Es ist erfreulich, daß sich auch in maßgebenden Zentrums- kreisen die Einsicht von der unbedingt notwendigen Neugestaltting unserer Geschichtsbücher verstärkt. Je stärker die bürgerlichen repnbli- konischen Parteien dabei mithelfen, um so schneller wird«in Problem gelöst, das für die Erziehung unserer Jugend von großer Bedeu- tung ist._ Der royallfklsche Schriftsteller«Harle» Maurra» hatte in der „Actton fran<:oise an den damaligen Minister des Innern Schra- meck einen offenen Brief gerichtet, in dem er ihn mit dem Tohe bedrohte. Gegen Maurrgs war deswegen ein Der- fahren eröffnet worden, in dessen Verlauf er in contumocian zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Im Derufungs- verfahren wurde Maurras unter Zubilligung mildernder Umstände zu 1 Jahr Gefängnis und 1000 Fr. Geldstrafe verurteilt. Die Rolle öes Schutz. Leiter der Femeorganifation. E. S. Landsberg. 29. Oktober. Angekl. Schulz schildert seine Rolle als Leiter der Organisa- tion. Er erklärte: Ich bin nicht d e r F ü h r e r der ganzen Organisation gcweien. Vors.: Sie haben aber selbst er- zählt, daß die Leute zu Ihnen kamen, wenn sie irgend etwas de- drückte. Jedenfalls war es doch die allgemeine Auffassung.— Angekl.: Nein, das waren Ausnahmefälle. Es gab ja Leute, die mich überhaupt nicht kannten, und dann gab es auch Arbeitskommandos, wie Spandau. DSberlh und Iülerbog, die vollständig fast von vaterländischen Organisationen geflellk wurden, und mit denen ich nichts zu tun hatte Ich bitte doch, hierüber den Hauptmann Stennes, den ehemaligen Führer der„Hu n d e r t- s ch a f t z. b V.* in Berlin zu vernehmen. Angekl. Schulz: Was ich als Lkiter der AK. in Küstrin tat. das geschah mit Wissen der Kommandantur. Als ich dann zum Wehr- kreiskommando kam, hatte ich mit dem AK. Küstrin nichts mehr zu tun.— Vors.: Dann wäre es also absolut nicht in Ordnung gewesen, daß Raphael den Becker und S ch r e n k mit dem Protokoll in Sachen G r ö s ch k e zu Ihnen schickte.— Angekl: Jawohl, das war nicht in Ordnung.— Vors: Es war auch also nie die Rede davon, daß Berichte über unsichere Elemente an Sie gingen.— Angeff.: Niemals ist mir solch ein Fall gemeldet worden.— Vors.: Es ist Ihnen auch nicht eingesallen, solche Leute hintenrum beseitigen zu lassen?— Angekl.: Nein.— Vors.: Herr Schulz, Sie hatten also erfahren, daß Büsch, ng den Gröschke aus eigene Faust umgebracht hat. Wie stand dieser Mann zu Ihnen persönlich? Angekl. Schulz: Ich möchte bei meiner Schstderring mit F o h l b u s ch anfangen. Fahlbusch stammte aus O.-E., die mehrere Arbeitskommandos hatte und sollte nach Spandau kommen. Ich habe ihn kennen gelernt, als er von Küstrin zusammen mit Büschina versetzt werden sollte, weil beide sich in sehr übler Weise im Juli 1923 aus- geführt hatten.— Vors.: In der„Weltbühne" Hab« ich ge- lesen, daß die Auftritte zwischen Büsching und Fahlbusch gerade Ihnen sehr peinlich gewesen sein sollen.— Angekl.: Nein," mich berührte die ganz« Sache dort gar nicht, weil beide Leute Untergebene des Ober st Gudooius waren. Der Mitangeklagte filapprokh hat mit mir zusammen das Arbeits- kommando Küstrin gegründet, er war meine rechte Hand. Vors.: Haben Sie denn nicht mit Klapproch häufig, täglich sogar, wichtige Dinge besprochen? Angekl. Schulz: Nur bei ganz beson- deren vertraulichen Angelegenheiten. Vors.: Als Gröschke ermordet war, haben Sie dann mit Klaporoth und Büsching über diesen Fall gesprochen? Angekl.: Nur mii Büsching. Büsching war hinterher de! mir und sagte, es sei in der A. K. Küstrin eine Sache postiert, um die man(der ttnaeNagt« Schutz stockt lange Zelt und sucht nach einem Ausdruck) um die man nicht herum konnte. Vors.: Warum teilte er gerade Ihnen das mit? Schulz: West Gröschke als K o m m u n i st galt, hatte Büsching vor der drohenden Untersuchung Angst. Vors.: Das ist ganz verständlich. Waren Sie denn nun über diese Sache ungehalten? Aeußern Sie sich doch etwas näher darüber. Angekl.: Da am 1. Oktober die A. K.s aufgelöst wurden, konnte ich praktisch überhaupt nichts mehr tun, und dann war in Küstrin ein«, wie soll ich sogen, eine Stimmung, daß man dagegen nichts machen konnte. Vorl.: Es war so, wie der Zeuge Buchrucker uns nachher sagen wird, die kleinen Verräter schoß man über den Haufen. Der Vorsitzende richtete dann an Schulz nochmals die Frage, ob er bei der Erörterung der K ü st r i n e r Vorgänge in allen ihren Einzelheiten auf Ausschluß der Oeffentlichkeit bestehe. Rechts- nnwnlt Dr. Sack unterstützte diesen Wunsch des Angeklagten. Der Vorsitzende stellte die endgültige Entscheidung hierüber noch zurück und ließ zunächst die als Beweismittel herangezogene Denkschrift des Reichswehrminlster» Dr.«Keßler an den preußischen Femeaueschuß oerlesen. Die Verlesung nahm längere Zeit in Anspruch. Die Denkschrift ist der Oeffentlichkeit bekannt. Die Beweisaufnahme yird dann geschlossen und In die Zeugenvernehmung eingetreten. Zunäckst vernahm man die beiden Oberlandiäger Kurschat und Lroscro, die seinerzeit bei der Auffindung der Leiche des Gröschke hinzugezogen worden waren. Nach Ansicht der beiden Beamten hatte die Leiche nicht nur Schuß-, sondern auch Hieb- Verletzungen am Hinterkopf. Nach Angabe des einen Landsägers war sie nur mit einer Hose bekleidet, nach Ansicht des anderen war sie völlig nackt. Die Angeklagten Klapproth und Glaser be st reiten aber, daß die Leiche vor dem Verscharren entkleidet worden sei. An der Gnibe in der Schonung fand man nach Darstellung der Zeugen an einem Baume hängend einen M i l i t ä r m a n t e l, der innen blutig war, rpöhrend im Chausseegraben eine Windjacke lag. Man habe damals geglaubt, daß die Tat van Zigeunern verübt worden sei. Dann wurden die Zeugen Rohrbach und Schlosser Schönherr vernommen, die die Leiche Gröschkes morgens gesunden und in Gegenwart des Landgendarms ausgegraben haben. Die Zeugen machen über die Kleidung des Toten sehr verschiedene Angaben. Der Sachverständig« Dr. med. Vach» schilderte dann die Toten. schau und die Obduktion. Vors.: Hat das Opfer wohl noch lange Zeit sich quälen müssen, eh« der Tod eintrat? Sacht».: Vielleicht eine Minute. Vors.: Das ist eine lang« Zeit. Darauf wnrde Kriminalsekretör Ltebsch aus Frankfurt a. d. O. über die Person des ermordeten Gröschke vernommen. Der Ze»'ge betonte, daß er über den Cnno-deten eigentlich nur Gutes erfahren hob». Gröschke sei jedoch geistig etwas schwach gewesen. Mitglied der KPD. war er dagegen nicht, daß diese damals nur 60 bis 80 Mitglieder zählte. Vors.: Der Angeklagte Graetz behauptet, daß Gröschke ein un- sauberer Mensch, ein sogenanntes„Früchtchen" wefen sei. Zeuge: Darüber habe ich nichts ermitteln können. Ein veillher:' Nach den Aussagen eines Angeklagten soll Gröschke ein Waffenlnger Unterbalten haben. Zeug«: Das halte ich für undenkbar, denn wir haben in Frankfurt wohl hier und da eine einzelne Waffe gefunden, aber nie ein Waffenlager. Der Zeug« bekundet dann weiter, daß Gröschke sich politisch nicht betätigt hob«. Hierons trat die Mittagspause ein. Nach der Mittagspause wurde der ehemalige Leutnant, jetzig« Schriftleiter Knüppel, der damalig« Führer der Abteilung K vernommen. Er bekundete, daß ihm die Frankfurter, darunter Gröschke, durch Unteroffizier Brauer, der einer semer Vertrauten gewesen, empfohlen worden fei Gerade über dies« Leute sei plötzlich das Gerücht verbreitet worden, daß sie Spitzel feien. Von einem Protokoll des Oberleutnants Rapbael über die Vernehmung Gröschkes habe er überhaupt kein« Ahnung. Der Angeklagt« Decker erklärte auch hierzu, daß er nach seiner Erinnerung mit diesem Prot»- koll nicht zu Knüppel, sondern zu Schulz gegangen kei. Weiter erklärt« der Zeuge, daß«r bei der Nachricht van dem Leichenfund gar nicht aus den Gedanken gekommen sei, daß es sich um einen Mann feiner Abteilung handle. Di« Behanpwng, daß Gröschke aus einem A r re stan te n t ra n s p ort nach Goraast gebracht worden sei, hezcichnet« Knüppel als unrichtig,«ähreno der Ange- klagte Decker bei dieser Darstellung blieb. Von Zklapproth und Büsching wußte der Zeuge, daß sie die verkraukea des Schulz waren, Klapproth habe einen sehr guten Ruf gehabt, er hätte zu u... Stammvätern der Organisation gehört, von Büsching wisse er dagegen weniger. Schulz sei meistens am Sonnabend nach Küstrin gekonunen und bis Sonntag geblieben. Er habe im Hotel groß« Besprechungen abgehalten. Schulz sei immer der Mittelpunkt dieser Konferen- zen gewesen. R.-A. Dr. Sack: Zu welcher Organisation gehörte Büsching? Zeuge(zögernd): Meinen Sie eine vaterländische Orga- nisation oder eine aus unserem Bereich? R.-A. Dr. Sack: Ich mein«, zu welchem Verband er gehört«, ob er aus der OC. kam. Angekl.: Das weiß ich nicht. R.-A. Dr. Sock: Wurden die besonderen Aufgaben, die Klopp- roth zu erledigen hatte, durch die Kommandantur Küstrin bestätigt? Zeuge: Jawohl. Zu den aus Frankfurt kommenden Mitgliedern der Abteilung K aus Fort Gorgast gehört« auch der nächste Zeug«, der Schlosser Schönherr, der mit Gröschke zusammen, weil sie beide arbeitslos und Dekannte von Unteroffizier Brauer waren, im Jahre 1923 eingetreten war. Zuerst habe man Gröschke allein nach Gorgast gebracht, später seien auch die anderen hinzugekommen und man habe ihm, Schönherr, den Revolver vor die Nase gehalten und ihn nach k o m m u n i st i s ch e n Führern und Waffenlagern ausgefragt, weil Gröschke ihn bezichtigt hatte, daß er einer der Anführer der Kommunisten gewesen sei Bei der Gegenüberstellung Hab« Gröschke dies wiederholt, habe aber dann wieder mit einem Male«inen anderen als den Führer bezeichnet. Ich kannte Gröschke sehr gut, er war«in bißchen dumm. Ich habe ihn auch gefragt, ob er verrückt sei.«in« solche Beschuldigung zu erheben. Im übrigen weiß ich genau, daß Gröschke im Leben kein Kommunist sei. ich auch nicht. Vors.: War ihm zuzutrauen, daß er von dem, was er in Küstrin gesehen hatte, etwas verraten würde? Zeuge: Ich würde ihm das nicht zutrauen. Ich wurde dann später, nachdem«in Druder von mir ertrunken war, auf meinen Wunsch entlassen. Als ich nach Frankfurt zurückkam, ging ich zu der Mutter Gröschkes und da fagle sie mir:„Den Paul haben sie tot gemacht."(Bewegung.) Auf Befragen des Vorsitzenden blieben die Angeklagten Raphael und Becker dabei, daß sie Gröschke keineswegs für so dumm gehalten, vielmehr an die Richtigkeit seiner Bekun« düngen geglaubt hätten. Dann wurde der Zeuge Ofensetzer Muo aus Zehden vernommen, der im Mai 1923 in dem Fort Gorgast war, als Gröschke ermordet wurde. Vors.: Ihnen ist es in dem Fort Gorgast ganz gut gegangen? Zeuge: Ra. einmal bekam ich das Rollkommando. Vors.: Wanim denn? Zeuge: Ich war Bursche bei Oberleutnant Walter und sollte dessen Pistole reinigen. Ich wollte das Ding auseinandernehmen, wobei Graetz mir half, und dann haben wir, um die Waffe zu reinigen, ein paar Schuh abgefeuert. Das sollte nicht sein, und dar- aufhin wurden wir vcrplättet. DI« folgenden Zeugen bekundeten übereinstimmend, daß GrSfchke weder Kommunist noch aufsässig gewesen sei. Dagegen sagen sie aus, daß er geistig recht be- schränkt geweicn sei. In diesem Sinne äußern sich der Ofensetzer Busse aus Frankfurt a. d. O. und der Schausteller Kaiser. Der folgende Zeug«, Bäcker Heller, hat in der Voruntersuchung angegeben, er habe beobachtet, daß Gröschke in der Arrestzelle mit einem Koppelschloß derart geschlagen worden sei, daß sich das Schloß im Fleisch abgezeichnet und man die Worte:„Gott mit uns" habe lesen können. Vors.: Ucberlegen Sie sich mal etwas genauer, es kann in dieser Fassung sehr viel drin liegen, in diesem„Gott mit uns*. Zeuge: Ich muß heute erklären, daß ich meine Angaben vor dem Untersuchungsrichter nicht mehr aufrechterhalten kann. Ich Hobe die Dinge auch nicht selbst gesehen, sondern man erzählte mir dos bei uns auf der Stube. Um%5 Uhr vertagte der Borsitzende dann die Verhandlung auf Montag vormittag 9 Uhr. Nachdem die Sitzung ge- schlössen war, drängten sich die Zlngehörigen der in Hast be- sindlichen Angeklagten an die Anklagebank heran, um sie lebhaft zu begrüßen und ihnen die Hand zu drücken. Am Montag werden u. a. Major Buchrucker, Untersuchungsrichter Landge- richtsdirektor Braune und Kommissar Stumm von der Ab- teilung I A des Berliner Polizeipräsidiums vernommen werden. der zweite Schulz-prozeß. B. 5. Landeberg a. d. W.. 29. Oktober. Wie wir erfahren, be- ginnt vor dem Schwurgericht Landsberg am 6 November der abgebrochene Prozeß gegen Oberleutnant Schulz, Klapp- roth und Hayn von neuem. Das Schwurgericht wird in der nächsten Woche noch mit dem gegenwärtig lausenden Prozeß S ch i b u r r und Genossen bis voraussichtlich Mittwoch oder Donnerstag beschäftigt sein. Dann werden drei kleiner« Fäll« erledigt, die in dieser Session vom Schwurgericht noch verhandelt werden müssen. In der darausfolgenden Woche wird dann am 8. November d-r Prozeß beginnen, der einen vorwiegend p o l i t i> sch e n Charakter haben wird. Das Schwurgericht rechnet mit einer längeren Dauer und hat deshalb die Schwurgerichtssesston auf unbestimmt« Zeit verlängert. In den nächsten lagen sollen, sobald zwischen dem Gericht und der Verteidigung Uebeveinstimmung über die Deweisanträge hergestellt ist, die Zeugonladungen erfolgen. veutfchnationale und politisier Mord. Eine Z?eststeNn»g. Wir lesen im„B a y e r i s ch e n K u r i e r* über das Echo, das der Artikel des„Kuriers*:„Mord ist Mord" in der deutschnationalen Presse in Bayern gefunden hat: „In der„Münchcn-Augsburger Abendzeitung" erklärt Herr v. T raub, daß er die in der„langatmigen mora- tischen Vorlesung" vorgetragen"» Anschauungen des„Bayerischen Kuriers" für falsch halt«: Mord bleibe nicht immer Mord, wenn man damit„nicht nur ein Derbrechen in juristischem, sondern im moralischen Sinn" meine. Es werde„der Bayerischen Volkspartei nicht ganz genehm" sein,„wie hier(in der Zuschrift des ..Bayer. Kuriers") von einer Zeitung, die man weithin mtt ihr in Zusammenhang bringt, dem verdienten General Leviten gelesen werden." Dieses Bekenntnis des dem Evangelischen Bunde nahe- stehenden Herrn v T r o u b wird gewiß niemanden überraschen. Don ihm, der sich schon beim Kapp-Putsch als„Mann der Feder" seine Sporen verdient hat, konnte unmöglich erwartet werden, daß er die im„Bayer. Kurler* als katholisch bezeichneten Anschauungen teilt. Aber überaus seltsam muß es doch berühren, wie hier in einer Zeitimg, die man„weithin* mit der deutschnatio- »alcn Partei und ihren Führern„in Zusammenhang* bring!. Aussassungen entwickelt werden, die auf eine Rechlsertigimg 6?' polilischeu Mordes im allgemeinen und der in Bayern geschcb»- polltllchen Bkorde im besonderen hinanslanfe«.* Strafe für �rbettsannahme. Neue F-uftangcln für Erwerbslose. >er Sozialdemokratische Pressedienst meldet: .öer Preußisch« Wohlfahrtsminister weist in einem neuen Rund» >aß darauf hin, daß die Jndustriegemeinden der Ortsklassen A irnö B. die unter dem Zuzug beschäftigungsloser Personen äus ländlichen Bezirken zu leiden haben, die Fürsorge für diese Erwerbslosen auf vier Wochen beschränken sollen. Praktisch wirkt sich dieser Runderlaß als eine Strafe gegen die Ardeitslosen aus, die eine ihnen überwiesene Arbeit auf dem Lande angenommen haben und nunmehr, nachdem die Ernlearbeiten beendet sind, wieder entlassen werden. Vielleicht ist der vreußische Wohlfahrtsminister so freund- lich und k-ilt der Oesfentlichkcit mit, was die nunmehr ent- lussenen Erntearbeiter tun sollen. Auf dem Lande, wo sie während der Sommermonate bis zum Herbst beschäftigt wurden, haben sie keine Wohnung und auch keine Möglichkeit, andere Arbeit zu bekommen. Ein großer Teil dieser Saison- arbeiter ist bisher nur in der Industrie beschäftigt gewesen und hat die ungewohnte und schlecht bezahlte Arbeit aus dem Lande nur angenommen, weil keine Aussicht bestand, in der Industrie unterzukommen und weil die Entziehung der Er- werbslofenunierstütziing die unerbittliche Folge einer Weige- rung, die Arbeit auf dem Lande anzunehmen, gewesen wäre. Run erklärt der Wohlfohrrsminister:„Wer Arbeit auf dem Lande annimmt, dem blüht während des Winters der Entzug der Unterstützung." Dieser Runderlaß wird sich auswirken, wenn die Kinder klopfenden Herzens an den Weibnaäzksbaum denken werden. Die Arbeitslosen, die einige Monate auf dem Lande waren, können dann seben, ob die Gemeinde ihnen Armenunter- stützuvg gewähren will oder diese Arbeitslosen nicht an den Gutsbezirk oder die Landgemeinde verweist, wo sie zuletzt gearbeitet haben. Uns will es scheinen, dag der Wohlfahrtsminister mit seinen! Rundcriaß einig« Waggonladungen Pflastersteine für den Weg geliefert hat, der, wenn nicht zur Hölle, sicher zum Verbrechen führt. St. vureaukratius und Sie Arbeitsbeschaffung. Durch die Erhöhung der preußischen Mittel für die produktive Erwerbsioscniürsorge kann nunmehr die so dringend notwendige Errichtung von Arbeitsnachweisgebäuden gefördert werden. Allerdings sollen, wie der Wohllohrtsminiltcr in einein Erlaß erklärt, nur ganz dringende Fälle berücksichtigt wer- den. Die Darlehen dürfen in Höhe von% bis höchficns% der Kohen gewährt werden. Sie sind zun, Reichsbankdiskontsay, aber nicht zu mehr als 3 Proz. zu verzinsen und in längstens t3 Iahren zu tilgen. Zins- und Tilgungsraicn können aus Beitragsmitteln entnommen werden. Man mutz sich wundern, daß noch keine Bor- schritten eilosscn wurden über die Länge der Haare, die zu spalten sind. Musrvirkunyen öes englischen Streiks. Uebcrall Kohlenmangel. Wir entnehmen den Prcsienachrichten des Internationalen Ge- werkschaftsbiindes folgende Mitteilungen: Wie während eines Krieges ist auch im englischen Streik die Lage im„Hinterland" nicht weniger wichtig. In dieser Beziehung kann gesagt werden, daß sie für die Gegner der Bergleute geradezu katastrophal ist. Aus allen Teilen Großbritanniens wessen Berichte ein über stillgelegte Schiffswerften, außer Betrieb gesetzt« Hochöfen, geschlossene Textilwcrke und Fabriken. Ein Sxeziol- korrespondent des„Dailli Herald" gibt in einer allgemeinen Uebcr- ficht Zahlen, die für sich selbst sprechen: so waren in West-Schott- lnnd zu Beginn der Aussperrung 83 Hochösen in Betrieb, heute kein einziger. Die schottische Eisen- und Stahlindustrie liegt seit 5 Monaten still. Die verloren gegangenen Lohnsummcn und die Verluste auf Grund von Aufträgen sind nicht zu errechnen. Laut Mitteilungen des Generalsekretärs des Eisen- und Stahlarbeiter- Verbandes und zeitweiligen Vertreters des in Amerika weilenden Präsidenten des Britischen Gewerkschaftsbundes arbeiten von ins- gesamt 470 Hochöfen der Metollindustrie nur noch fünf. Auch das Ausland gehört in diesem Streik zum„Hinter- land": In Frankreich werden oerschieden« Hochöfen in ab- schbarer Zeit zur Stillegung gezwungen sein. Die Kohlenknappheit hat sich derartig verschärft, daß in einzelnen Bezirken bereits keine ausreichende«elleferung der Industrie im allgemeinen mehr er- folgen kann. In der Schiffahrt herrscht bereits in verschiedenen Häfen Stagnation. In Belgien ist die Lage auf dem Brennstoff- markt seit einigen Wochen beängstigend geworden. Nicht allein die Schwerindustrie, sondern auch die Privat- und Staatsbetriebe be- ginnen unter Kohlenmangel immer mehr zu leiden. In Oester- reich haben die Fohnsdorser Kohlenbergbauc aus Italien so große Lieserungsauftrögc erhallen, daß sie in die Lage gekommen sind, die Feierschichten zu beseitigen. Was dos Ausland anbetrifft, so handelt es sich nun noch darum. auch in bezug aus die Arbeiter gute Nachrichten bringen und dar- über berichten zu können, daß die Geldsammlungen ihren Fortlauf nehmen. Dem guten Beispiel Oesterreichs, Hollands usw. folgend hat die Zcntralgcwerkschastskommission des deutschen Geworkschaitsbundcs in der Tschechoslowakei beschlosien, zur Ergän- zung der bisherigen Leistungen, die direkt von den Verbänden er- folgten, eine allgemeine Sammlung durchzuführen. In England wird die Frage einer Erhebung pro Kopf am 3. November von einer Sitzung der Exekutiven der der Londeszentrale ange- schlosssnen Gewerkschaften besprochen werden. Hochkonjunktur im Ruhrbergbau. Bochum, Zll. Oktober.(Eigensr Drahtbericht.) Die Gesamtbeleg- schaftszifser des Ruhrbergbaues, die von ihrem Höchststände End« Dezember 1022 mit 562 000 aus 365 000 Ende März herabgesunken war, hat infolge der oerbesserten Absatzlage jetzt wieder 402 000 über- schritten. Es ist somit seit Ausbruch des englischen Vergarbeiterstreiks eine Vermehrung der Bclcgschait des Ruhrgebiets um ungefähr 42si00 Mann erfolgt. Es kann erwartet werden, daß im Lause des Na- vember abermals Einstellungen von mehreren Tausend Bergarbeitern crsolgen werden. Gegenwärtig besteht ei» wesentlicher Mangel an tüchtigen Kohlenhauern. Der englische Streik schädigt auch Deutschland. Aus einer Tagung der rheinischen Braunkohlenbergbaubesitzer in Köln sagte nach Mirbachs Telegraphenbureou Herr Siloerberg,„daß die deutsche Wirtschaft keinerlei Anlaß habe,«ine weitere Ans- dehnung des britischen Dergorbeiterstreits zu wünschen, da i n- folge der Verflechtung des internationalen Güter» o u s t o u l ch e s und der sichtlichen Schwächung der britischen Ver- brauchskroft auch Deutschland handelspolitisch be- e i n t r ä ch t i g t werde". Diese Aeußerung, die turmhoch über dem kurzsichtigen Gefasel nationalistischer Blätter steht, ist mr einen deutschen Großindustriellen besonders bemerkenswert._» Die pottze stunöe. Generalversammlung der Hotelangestcllken. Die Gencralvenammlung des Zweigvereins Berlin des Zen- trolverband?? der Hotel-, Restaurant- und Eafö-Angestellten be- schäftigte sich am 27. Oktober mit dem Geschäftsbericht für das dritte Ounrial und zugleich mit der Verlängerung der Polizeistunde. Zur Polizeistunde nahm die Vcrsanimlung einstimmig folgende Eni- s ch l i e ß u n g on: „Die Generalversammlung erhebt entschiedenen Protest gegen die durch den Minister des Innern Grzcsinski angeordnet« verlängerte Polizeistunde bis 3 Uhr morgens. Sie verurteilt auls schärfste die Art des Vorgehens des Ministers. Die Verlängerung der Polizeistunde war absolut nicht so dringend, daß der Minister nicht einmal die Zeit fand, die gostwirtschastlichen Arbeit. nehmerorganisationen um ihre Meinung zu beftaaen. Es handell sich bei der ganzen Sache nicht um Fordcrimgen der Unternehmer im Interesic des Gastwirtsgewerbes. Ebensowenig Handell es sich um eine Maßnahme zur Hebung des Fremdenverkehrs. Die Po- lizeistunde kann mit Bedürfnissen der Großstadt, die fraglich sind, ebenlawenig gerechtfertigt werden. Es handelt sich für die gostwirtschastlichen Unternehmer ausschließlich um eine Mochtsroge. Die gostwirtschastlichen Arbeitgeber sind auch mit der jetzigen Polizeistunde nicht einoer- standen. Was sie verlangen, ist das uneingeschränkte Recht, ihre Betriebe ununterbrochen 24 Stunden pro Tag osfenzuhallen: sie wollen dabei keinerlei Beschränkungen unterliegen. Der sozialistische Minister hatte keinerlei Veranlassung, sich so kurz nach seinem Sln- tritt diesem Mnchtwillen der Unternehmer zu beugen. Daß es sich um ein« solche Mochtfrage handelt, beweist am tressendsten die Tat- fache, daß gerade in Berlin die maßgebenden Firmen im Ga st wirtsgewerbe von der Verlängerung der Polizeistunde keinerlei Gebrauch machen. Den Versammellen erscheint es unverständlich, wie der Minister. im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger, den Forderungen der gast- wirtschastlichen Unternehmer so schnell nachgeben konnte, und da- mit viele Zehntausende von Arbeitnehmern der Ausbeutung auslieferte. Die Haltung der sozialdemokratischen Reichstagssraktwn sowohl als die der sozialdemokratischen Landtagssraktion wider» spricht absolut dem Vorgehen des Ministers, weil sich diese Fraktionen bis in die««est« Zeit für Alkoholverbot und Semeindebestb» mungsrecht eingesetzt haben. Diesen Fordeningen der Sozialdemo- kratischen Partei steht nunmehr die Tatsache gegenüber, daß i n Preußen eine 21stün>zige Geschäftszeit für das Gast wirtsgewerbe existiert, die in der ganzen Welt einzig dasteht. Die verlängerte Polizeistunde ist, wie leicht zu beweisen sein wird, für die Unternehmer völlig unrentabel und führt nicht zu irgendeiner Mehrein st ellung gast- wirtschaftlicher Arbeitnehmer. Der Zlrbeitgeber verband im Gastwirtsgewerbe Berlin hat ganz osien erklärt, daß trotz der Verlängerung der Polizeistunde eine Mehr- einstellnng an Personal nicht in Frage kommt. Das eilige Vorgehen des preußischen Ministers bedeutet auch eine außerordentlich ernste Gefahr für die gostwirtschastlichen Arbeit- nehmer in Rücksicht auf das Fehlen jeder Fahrverbin- dungnochäUhrnachts. Die Versammlung fordert, daß der Minister des Innern die Polizeibehörden anweist, Verordnungen zu erlassen, nach denen diejenigen Unternehmer, die die g e s e tz l' che n bzw. tarifliche» Bestimmungen über die Arbeits- zeit, oder die Bestimmungen über den wöchentlichen Ruhetag, ferner die Bestimmungen des Gesetzes über die B e- schästigung weiblicher Arbeitnehmer im Gast- wirtsgewerbe nicht innehalten, als unzuverlässig zu betrachten sind und für diese Betriebe auf Anzeige der Organisationen der Arbeitnehmer die Polizei st und« auf 11 Uhr festgesetzt wird.„_ Ferner fordern die Versammelten von den Parteien des Land- tages, besonders von der sozialdemokratischen Landtagssraktion, da- für Sorge zu tragen, daß die Anordnungen des Ministers in bezug auf die Po!i,z«istiinde rückgängig gemocht werden. Die Versammlung steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß eine allgemeine Verlängerung der Geschäftszeit im Gajtwirtsgewerbe über 1 Uhr nachts abzulehnen ist und verlangt die Wiederherstellung des früheren Zustandes, das heißt die E i n- U h r- P v l i z e i st u n d e. Das schließt nicht aus, daß bestimmten Betrieben on den Brennpunkten der Großstädte sowie Tanzstätten eine längere Geschästszett eingeräumt wird. Unter der Voraussetzung, daß dieselbe an einen bestimmten Zlnsong und ein bestimmt festgelegtes End« gebunden wird, kann die Geschäftszeit sogar bis S Uhr morgens ausgedehnt werden. Auf keinen Fall darf aber die a l l g e m ei n e Polizeistunde später als ein Uhr nachts festgesetzt werden."_ Der Lohnkonflikt im obcrfchlcsische» Berffban. Am Freitag sind die vor einigen Wochen abgebrochenen Lohn- Verhandlungen des wcstoberschlesifchen Bergbaus wieder aufgcnom- men worden. Die Bergarbeiter haben chre Forderung anf fünf- zehnprazentige Lohnerhöhung wiederholst Zur Be- gründung ihrer Forderung oerweisen sie aus die günstige Lage des westoberschlesischen Bergbaus, bei dem infolge des englischen Streiks große Bestellungen eingegangen sind. Bei dem wurstfabrikanten Rudost Sonnenschein. Elbinger Straß« 73, wcrdciO vier Fleischergesellen beschäftigt. Die tägliche Arbeitszeit betrögt elf bis zwölf Stunden. Eine Be- schwerde, deren Richtigkeit vom Gcwerbeau'''mmt festgestellt wurde, hotte nicht den Erfolg, daß die Arbeitszett verkürzt wurde. Vielmehr hat S. einen Gesellen, den er im Verdacht hatte, die Unter- lagen für die Anzeige geliefert zu haben, kurzerhand fristlos entlassen. Die Konsumenten, die ihren Bedarf an Fleisch- und Wurllworen aus den Märkten in der Wichertstrahe, in der Schlesischen Straße und aui dem Griinberger Platz decken, wollen bitte aus diesen noblen Arbeitgeber achten und dessen Derkauisstelle„besonder» be- rücksichtigen". Zlchkung! Die Sammelliste Nr. 8326 für die englischen Berg- arbeiter ist verloren gegangen. Sollte sie irgendwo austauchen, ist sie sofort anzuhalten, dem Sammler Geld und List« ab- zunehmen und im Bureau. Engclufer 24/25 III, Zimmer 50, abzuliefern. Zentralverbond der Zimmerer Deutschlands. I. Zl.: H. Gumz, Kassierer. Ureiei>«klchast»n»ge»d. Leute, Sonnabend, abend 7 llbr im Sitnina». saal des AkA-Ortstorlell,. Benin» de» Arbeil»kreites für die oemerktchnftlichen ?uii«nbkunktu>nSr«. Tbema:.Beenkserziehuna— B»r»I»au»bildnna". Biintt. Ii4>»» und vollzAilikies ikrtcheinea erkoibnrli«. Achtunn. zimmere»! Alle Verband»kam rradcn werden bierdurch verpflichtet. auf den Arbeitsstellen fvlflendcs bekanntzugeben: Wegen schwieriger Saal- beschafsuna müssen folgend« Bezlrte heut«. M. Ottober. 7 Ubr. ihre Bersamin- lungen abhalten: Bezirk 1, 1Z. 30 und 44. Ferner weisen wir auf unseren am Mittwoch. 3. November. 7 Uhr. Im Eewcrkschaflshau», Saal 4. stattfindenden Lichtbildervortrag bin. gehalten von Kerrn Fiimnermeister ftrefi aus Tübingen. Der Bortrag ist besonder» für unser« Iungkameraden bestimmt, auch die Liieren Kameraden werden ersucht, daran teilzunehmen und für regen Besuch zu agitier»». Der Borstond. Verantwortlich für Politik: Dr. Surt Sc»»»! Wirtschaft:«rtur Satcruu»: Sewerkschafttbeweaun«: Z. Steine,! Feuilleton: K.». Dischcr: Lokale« und Sonstiges: Fri« Karstadt: Anzeigen: Zh. sloike: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärt»»V«rlag D. m. h. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Berlagsonstal« Paul Singer u. So. Berlin SW SS Lindenstrast- 3. LIerzn 3 Beilaoen und..Unterhaltun- und Dissen' r--.-'"S-WWW W m W' M W. A Beginn Montag« den 1. November Heute Vorverkauf Wir dringen Waren aus fast allen Abteilungen, die sieh durch ihre aussergewöhniiehe Billigkeit schon Jetzt zum Einkauf für das Weihnachtsfest eignen. ERHkMm ). Seilage ües Vorwärts Nr. 512<- 4Z.�ahrgang M* mr W Sonnabend, 30. Oktober 1426 Oktoberfahrt auf märkischen Gewässern. Der Wind weht winter- lich. Er treibt die stahlgrauen Wogen voran, daß sie mit weißen Kämmen dahinstürmen und ihren Lauf nur widerwillig von den Usern hemmen lassen, während der Wind seine Stärke an den Bäumen mißt mid nicht übel Lust zu spüren scheint, auch sie in eilige Bewegung zu versetzen. Rund um die Müggelberge geht heute die Fahrt. Nur wenige Boote sind auf dem Wasser. Die Bahn ist frei. Nur Wind und Wellen erzwingen Aufmerksamkeit und die Landschaft, die in jedem Augenblick andere Farbentöne zeigt, wenn mehr oder minder dunkle Wolken den Glanz der Sonne mildern oder ihn gänzlich zum Verschwinden bringen. Gktobenvetter. In Erkner bsgmnt die Fahrt. Der Dämerihsee schickt Woge auf Woge gegen da» Ufer. Es ist nicht leicht, abzukommen und die Spitze des Bootes herumzudrehen. Endlich liegt der Kirchturm von Erkner hinter uns und dos Boot strebt, von harten Paddelschlägen getrieben, dem jenseitigen Ufer zu. Die beiden Fahrtzeichen am Ausgang der Müggelspree sind das erste Ziel. Kurz vor der Mün- dung liegt eine flache Stelle im See, die an warmen Tagen dem Fallbootfohrer erlaubt, mitten im See auszusteigen und ein er- frischendes Bad zu nehmen. Dann wendet das Boot scharf nach Süden und nimmt seinen Kurs auf den Gosener Graben. In der Ferne winkt die Schillerwarte aus den Gosencr Bergen, heute ein lockender, scheinbar unendlich weit entfernt liegender Punkt. Das Wasser des Gosener Grabens läßt den Wind, der über die Seen weht, hier kaum empfinden. Die Landschaft ist friedlich geworden. Zur linken dehnen sich weite Wiesen, zur rechten aber grenzt sie alsbald der Wald ein, der von den Müggelberge» herabsteigt. Jetzt im Oktober ist der Graben fast ohne jeden Verkehr. Im Sommer aber ist es selten ein Vergnügen, ihn zu durchfahren. Dann drängen sich oft die Boote dicht beieinander und mancher leise und leider auch laute Fluch ertönt. In zahlreichen Bogen windet sich der Graben zur Försterei Fahlenberg hindurch, die nun einsam, verlassen daliegt. Unter der Brücke zieht ein seltsames Gefährt, ein Kahn, hoch mit Heu beladen, fast wie ein cheuwagen auf dem Lande. Träge nur kommt er voran und hemmt die Fahrt unseres Bootes, das vor- wörts soll, weil die kurzen Tage langen Ausenthalt nicht mehr gestatten. Endlich gelingt es, an dem Hindernis vorbeizuschlüpsen und wieder freie Fahrt zu gewinnen. Der Graben öfinet sich, wird M Ii Ilster und breiter, und endlich ist der Gosencr Berg dicht vor uns. Der Seddinsee nimmt uns stürmisch in Empfang. Der Kirchturm des Dörfchens Gosen hob sich seit langem aus wirrem Gezweig und chölisergiebeln heraus. Dichte Schilfinseln sperren den Weg zum Ufer Zwei Fabrikschornsteinc strecken sich in den Himmel und ver- suchen, das Landschaftebild zu stören. Die Schillerwarte auf dem Essener Berge aber herrscht unbestritten über dem See. Ihr An- blick ruft die Erinnerung wach an manche Sonnemvendfeier der Ar- beiterjugend, die hier mit urwüchsiger Freude gefeiert wurde. Seddinwall, die große Insel des Sees, liegt vor uns, auf einer Seetonne hat sich eine Möse niedergelassen, die dem Boot, trotzdem es dicht vorüberfährt, kaum irgendwelche Beachtung schenkt. Ruhig verharrt sie auf dem einsamen Hochsitz mitten im See. Der Wind bläst aus Südwesten. Wir aber fahren jetzt in dem Schutz, den uns der Schmöckwiher Werder gewährt, durch ruhiges, von keinem Wind- hauch getrübtes Wasser. Ein Motorboot jagt an uns vorüber, hinein m den Oder-Spree-Kanol, der zunächst nach Fürstenwalde führt. Die hohen Heckwellen des mit voller Motorkraft laufenden Schiffes lassen unser leichtes Fahrzeug auf und nieder tanzen. Aber dieser Tanz in reiner Luft macht Freude, zeigt er doch wieder einmal, wie sicher ein gutes Faltboot auf dem Wnsier ist. Unter der großen Brücke, die den Kanal kurz nach seinem Anfang überspannt, liegen schwere Kähne. Es hat den Anschein, als wollten sie sich nie mehr von der Stelle rühren. Halbrechts winkt die Krampenburg. Die Fahrtstraße wird unübersichtlich. Die Inseln, die den Langen See vom Seddinsee trennen, oersperren die Fernsicht. Bald erscheint links die Brücke, die sich über die Enge zwischen dem Seddin- und dem Zeulhenersee schwingt. Fast im rechten Winkel dreht da» Boot ob, um Schmöckwitz zu umgehen. Dort liegt auch das Bootshaus neben dem Restaurant Storchnest, das im vergangenen Jahre einem Brande zum Opfer fiel. Mit ihm verbrannten mehr als ein halbes hundert Boote, die zum Teil nicht versichert waren, so daß viele Wasierfreunde einen für sie nur schwer ersetzbaren Schaden erlitten. Rechts liegt jetzt die Einfahrt zur Krummen Lanke, dem schmalen Wasserarm, der zu dem mitten im Walde gelegenen Müggelheim führt, das der in weiten Kreisen durch seine Nahirfchilderungen bekannte Kurl Grottewih so liebte. Der herrliche Lange See hat uns aufgenommen. Di« Türme auf den Müggelbergen grüßen zu uns herunter. Die Eonne ist schlafen gegangen. Dickes, schwarzes Gewolk erscheint dort, wo die Abendröte verschwand. Der Wind, der gewöhnlich mit der Sonne schlafen geht, wird jetzt erst emsig tätig. Blitze leuchten zur Erde nieder. Schwere Tropfen beginnen zu fallen. Die helle Lampe eines Bootshauses verheißt Rettung. Wir werden geblendet von feiner Helligkeit, als wir es ansteuern. Und während draußen der Regen prasselt, sitzen wir, wohlgeborgen, unter dem schützenden Dach. Durch den Müggelsee. Eine Woche danach schwimmt unser Schifslein wieder auf dem Langen See. Das Wetter ist unbeständig. Bald lacht die Sonne. bald weint der Himmel. Die Spritzwosserdecke macht das Boot dicht, Regenmäntel schützen vor allzu großer Nässe. Der Wind kommt aus Nordosten. Im seillichen Anprall der Wogen geht unser Boot durch das Wasser. Noch ragen uns zur rechten die Müggeltürm«. Wir laufen Marienlust an. Im Windschutz fahren wir fast mühelos. Dort oben unter dem hölzernen Turm ist eine Nein« Berliner Sehenswürdigkeit: das Heimatmuseum aus den Müggelbergen. Ein einziges, nicht allzugroßes Zimmer beherbergt es. Funde sind es aus der Urzeit dieser Landschaft. Topsscherben zeigen den mannig- falligsten Schmuck. Waffen, Zierat. Schnitte durch die Schichten der Müggelberge. Karten, die die Fundstätten aufzeigen, und endlich Lichtbilder von den Fundstätten selbst vervollständigen die kleine Sammlung, die unter der Leitung des Märkischen Museums hier mitten im Fundgebiet errichtet wurde. Die Sammlung ist klein. Aber sie hat den großen Vorzug, daß sie von jedem Besucher über- sehen werden kann. Wer hier aufmerksam verweilt, wird sein Wissen wirklich vermehren können. Im Geiste sieht er vielleicht die Ureinwohner der Mark, wie sie in einer Landschaft, die anders war als dre heutige, in primitiver Weise ihr Leben fristeten. Damals, als noch Eichen statt der Kiefern die Dünen bedeckten, die wir heute Müggelberge getaust haben, mag es kein Vergnügen gewesen sein, sie zu durchwandern. Die religiösen Atzjchauungen, die Sitten und das ganze Leben der Ureinwohner werden verständlich, wenn man sich mit der kulturgeschichtlichen Entwicklung eines Volkes beschäftigt. Das kleine Museum auf den Müggelbergen redet eine deutliche Sprache. Längst liegen die Türme hinter uns. Grünau ist da. Das Freibad ist verödet, das Sportdenkmal, die Häuser der bc- kannten bürgerlichen Sportvereine und endlich die Lokale, die«n Sommer den fast endlosen Strom der Ausflügler aufnehmen, alles das macht im Regen und in seiner trostlosen Verlassenheit jetzt einen trüben Eindruck. Der Regen läßt zuweilen nach. Da entdecken wir zwei große schwarzrotgoldene Fahnen an hohen Masten: die viel- befehdete wassersportableilung des Reichsbanners. Prächtige Segel- boote liegen am Steg vor dem neuen Bootshaus. Nicht allzuweit davon entfernt liegt das schmucke Bootshaus des Rudervereiu» „vorwärts", eines der schönsten der freien Wassersportverbändc. Allmählich schieben sich Fabriken in die Landschaft. Köpenick, die Stadt der Wäscher ist da. Krangerüste, Kohlenladeonlagen und Werkstätten stehen am Ufer, seit wir den südlichen Arm des Teltow- kanals passierten. Köpenicks Kirchen winken. Endlich gehen wir durch einen kleinen Kanal, der durch den Kietz zur Müggelspree führt. Eine große Filmfabrik hat sich breit an das Ufer hingelegt. Daneben ein Kabelwerk. Bootshäuser, die Albatroswerke, Ver- gnllgungswtale, ein wenig Wald begleiten unsere Fahrt. Und nun ist Friedrichshagen da, jener Ort, der in der deutschen Literatur- aeschichte seinen Platz behaupten wird. Hier arbeitete Gerhart Hauptmann. Hier entstand sein Drama„Einsame Menschen". Unsere Gedanken eilen voraus, an den Ansang unserer Fahrt nach Erkner, dort lebt noch heute das Urbild der Müller wolffen, dort fand Hauptmann auch das Vorbild für seinen typisch-preuhischen Amt- mann Wehrhahn. Dort schrieb er das„Friedenssest". In Friedrichs- Hagen aber hatte sich eine richtige Künfklertolonie. der„Vlufenhof am MügAelfee" gebildet. Schriftsteller wie Bruno Wille, Bölsche, die Gebrüder Hardt u. a. waren hier heimisch. Hier in Friedrichs- Hägen wird jetzt ein inkerefsantes technisches Bauwerk vollendet: ein Tunnel unter dem Wasser, dessen Röhren man fix und fertig her- stellte, bevor man sie in zwei Teilen in den Sand der Müggelsorce bettete. Bald wird man zu jeder Tageszeit von dem«inen Ufer der Spree zum anderen wandern können und niemand braucht sich zu beeilen, wenn er sich im Gewirr der Müggelberge verirrt, so daß er erst in später Nachtzeit Friedrichshagen erreichen kann. Wir fahren am Nordufer des Müggelsees, wiederum im Windschutz der Bäume, vorüber an dem großen Wasserwerk der Stadl Berlin, vor- über an dem Freibad nach Rahnsdorf, dorthin, wo der Mall der Rettungsstation und ein Seezeichen winken. Jetzt haben w'r die Müggelberge auf der anderen Seite. Wieder grüßen die Türme. Zwischen Nadelbäumen leuchtet das helle Laub der Birken. Der Müggelsee, der bei Ostwind gerade in der Nähe von Rahnsdorf ein Der Weg des blinden Bruno. 37s Roman von Oskar Baum. (Schluß.) Er steckte die Uhr wieder ein. Seltsam, daß er nun immer- während genau wissen würde, wie viel Uhr es unten bei den Menschen war! Wohl, damit er so recht fühle, wie ruhig dort alles nach seinem Verschwinden weiterging. Er nahm vor, sie bis zum letzten Verlöschen seiner Kraft und seines Bewußtseins immer genau aufzuziehen. Vielleicht würde es regnen, bevor er starb. Die einzige Abwechslung, auf die er hoffen konnte. Verzweiflung packte ihn. Er erhob sich, stemmte die Fußspitzen fest ins Erdreich und beugte sich vor. Nach irgendeiner Richtung wollte er einen Sprung machen. Es würde hier schon eine Stelle geben, wo man im Augenblick tot sein konnte. „Hallo! schrie da jemand von fernher. „Hallo!" antwortete Bruno. Er wollte es antworten. glaubte, zu schreien, aber kein Laut kam aus seinem Halse. Die Füße zitterten. Sausen füllte seine Ohren. Doch es war keine Zeit für solche Schwächen. Er hielt sich aufrecht, zog die Luft kühlend durch die zusammengepreßten Zähne ein. „Hallo!" rief er jetzt ganz laut und anhaltend. Atemlos blieb er so mit vorgestrecktem Kopfe stehen. Nach einer ganz kurzen Pause ein zweites Hallo weit näher und er antwortete jubelnd und erleichtert zwei-, dreimal, dann bald schon aus nächster Nähe, und er erkannte die Stimme des Führers, dessen eilige Schritte er nun auch ganz deullich auf sich zukommen hörte. „Ich Hab' sie lang' warten lassen, was?" fragte Hanfele und holte tief Atem. „War nicht so schlimm," sagte Bruno mit mühsamem Lächeln,„wo waren Sie denn?" „Sie haben vielleicht glaubt, ich komm nimmer?" sagte Hanlele lachend,„ich bin nur Edelweiß suchen'gangen: Hab mich bis zuweit gewagt und könnt' unser Plägl nicht gleich wiederfinden." „Ja, warum sagten Sie denn nicht ein Wort, daß sie weggehen? Ich rief und rief...." tagte Bruno, nicht als Vorwurf, nur erstaunt. „Ach so!" brummte Hanfele.„dran Hab' ich nicht gedacht! Und nach einer Weile:„Es tut mir leid!" Bruno lächelte. Ja, konnte er denn verlangen, daß der Bauer sich in die Natur eines Blinden einleben, einfühlen solle? „Es tut mir leid," wiederholte der Führer nach einiger Zeit nochmals und war auf dem weiteren Wege viel freund- ljcher und aufmerksamer. Und als sie wohlbehalten und munter gegen Abend(jar nicht mehr spät nach Kals kamen, beglückwünschte Hanfele chn und sich begeistert und glaubte, ihm eine besondere Freude und Ehre zu bereiten, wenn er ihm versicherte, er werde noch seinen Enkeln und Urenkeln von dieser seltenen und so vorzüglich verlaufenen Tour erzählen. *** Bruno gehörte nicht zu den Menschen, die die Erregung und Erkenntnis einer bedeutsamen Stunde, sobald'ste wieder im Alltag stehen, wie ein verworrenes und übertriebenes Traumgesicht belächeln, verwinden und in chrer vorherigen Gedankenrichtung verharren. Aber als der Entschluß der Heirat feststand, erschien seine Ausführung durchaus nicht mehr so einfach und glatt wie vorher. Der Einspruch von Vilmas Vater war zu erwarten. Und Vilma selbst— woher wußte er denn eigentlich mit solcher Sicherheit, daß er nur zu sprechen brauchte? Allein schon die Art, wie er die Frage stellen, mit welchen Worten er beginnen wollte, hatte mehr als die übliche Be- deutung und Schwierigkeit. Es galt, die Gütige, Zarte vor einer beklemmenden Situation zu bewahren, in der sie sich davon mitbestimmen ließe, daß ihr Nein allzu verletzend für ihn wäre. Aber die Schwierigkeiten stärkten ihn auch hier nur wieder und trieben ihn mit gedoppeltem Willen vorwärts. Und als er vor ihr faß, und sie feine Erregung sogleich merkte, besorgt und geängstigt in ihn drang, ihr doch den Grund zu sagen, erschienen ihm alle die vorbereiteten vorsichtigen Wendungen lächerlich! Jede Ueberlegung war Unsinn! Wußte er nicht, als ginge es in ihm selbst vor. was sie empfand? Traumhafte Selbstverständlichkeit regierte ihn und die Worte spielte die geringste Rolle in dieser glücklichen Stunde. *** Bruno hatte Vilma lange um diese Reise bitten müssen. Er hatte auch selbst geglaubt, daß er nur die Freude ihrer Eindrücke haben würde, daß nur durch die Uebersetzung ihrer Genüsse vielleicht etwas wie ein Schimmer der Weltbuntheit, ein Ahnen der Erscheinungen hinter Dämmerschleiern für i h n abfallen würde. Aber je mehr die Verschiedenheit der Umgebung feine Beobachtungstalente auslöste, desto unbefangener wurde seine doppelte Art der Aufnahme, die unwillkürliche seiner Sinne und die Ergänzung durch die geliebten Augen. Vilma hatte nicht das rechte Talent, zu beschreiben und zu schildern. Sie sah vielleicht zu leidenschaftlich, zu viel, zu genau und empfand in ihrer Gewissenhaftigkeit zu sehr den Abstand zwischen lebendig Beschautem und der Wiedergabe. Auch war ihr Verhältnis zur Sprache nicht zu gepflegt und intim. Um so ideenreicher war sie, unermüdlich in Versuchen. seine eigenen Aufnahmemöglichkeiten zu unterstützen, zu steigern. Wie sehr er auch die Ausführlichkeit, die Einzelheiten ihrer Schilderungen entbehrte, die sie durch hilflos eifrige Be- geisterungsrufe zu ersetzen suchte— er hätte ja doch nur ein unwahres Ersatzgesamtbild zusammenleimen können: einen Phantasiebetrug. Sie aber zwang ihn, das wenige ihm von der Natur Gegebene zu entwickeln: es wuchs zur denkbarsten Leistung. So erlebte er wahrer, kräftiger innerhalb seiner Umgrenzung. Und er kam den Urtönen der Dinge in manchen Augenblicken näher als andere. Es war eine Entdeckungsreise, jeder Tag brachte ein Stück unbekannter Welt. Freundliche Bauersleute ließen sich bei der Erntearbeit durch ihre Gesellschaft stören. Vilma lernte und lehrte Bruno Garbenbänder aus Kornstroh flechten. Es ging ihm bald gar nicht so langsam. Er saß auf weichem Rasenabhang: Lieder klangen in unfreiwilligem Kanon oder sonstigem Kontrapunkt des Zufalls von verschiedenen Feldern. Sicheln und Sensen klirrten und rauschten in den Halmen zu den Reden der Weiber. Da. fern ein Sensendengeln, ein lautes, offenes Mädchenlachen, Männerrufe, schwere Wagen knarrten und über allem Vögel, das Nähmafchinensurren der Heuschrecken und dünnes, dunkles Summen der Insekten. Keine Pastorale hat dieses Instrument, fühlte er. In einer tiefen Ergriffenheit war ihm plötzlich die Wirk- lichteit des Augenblicks wie eine zauberhafte Erscheinung, wie ein Bild seines Lebens, das nun vor ihm lag. Ein Fest der Arbeit und der frohen bewegten Hingabe an die natürliche Entwicklung. War nicht Vilma selbst wie eine Verkörperung dieses heiteren Getriebes, dieser friedlichen Lust der Gemein- samkeit, des gläubigen Vertrauens zu dem wohltätigen Sinn allen Geschehens? Wie erdichtete Sinnbilder einer spielerischen Phantasie spiegelten sich Menschen und Dinge ineinander. Gab es nicht eine Zeit, da diese freie Fläche von schlichter nährender Frucht- barkeit Urwaldwildnis war nud vordem einmal totes, starres Eis? Wandelten sich die Versuche, zu leben, nicht auch im Stoff und verlohnte sich nicht, auch in der Entwicklung der Aeonen dieser Versuche? War keiner geringer im Kreislauf, wie viel ihm auch von den Möglichkeiten der anderen abging? „Du weinst?" fragte Vilma erschrocken, die sich zu ihm umgewandt hatte, und ihn, die Kornhalme in untätigen Händen, auf seinem Rasen sitzen sah. „Nein, nein," sagte er lächelnd und streichelte sie, die sich zu ihm herabbeugte,„aus Freude nur, aus ein wenig über- triebener Freude und Dankbarkeit!" böses Gesicht macht, ist heute trotz des Windes durchaus friedfertige Ungehindert überqueren wir seine breite Fläche. Em kurzes �Stück geht die Fahrt durch herrliche Wiesen, die der Wald der Müggcl- berge auf der rechten Seite umsäumt. Zuweilen eine Laube, ein Sommerhäuschen, hübsche Gärten, ein Landhaus. Melancholisch ist das Ganze. Das bunte Leben des Sommer, ging zur Ruhe. Wildgänse ziehen In keilförmiger Staffel über unseren Häuptern dahin: das erste Anzeichen des nahenden Winters. Bald haben wir die Brücke von Hessenwinkcl erreicht, dann liegt der D ä m e r i g- s c e wieder vor uns, bedeckt von eilenden Wellen und weißen Kämmen. Auch hier gewährt das Nordufer Schutz. Bald liegt unser Schiff am Strand. Eine halbe Stunde später hat es sich m seine Teile aufgelöst: Wohlverpackt sind sie auf dem kleinen Boots- wagen. Die Reise ins Winterquartier tonnte beginnen. die verhängnisvolle Schießübung. Feucrgefecht im Walde. Line Schießübung mit Pistolen hatte für zwei junge Leute, die an einem Sonntag im Februar im Walde zu Falkensee ihrer Sport- lcidenschaft nachgegangen waren, tragische Folgen: Der eine,«in gewisser Stephan, wurde bei einem Zusammenstoß mit einem Förster erschossen, der andere, der 21jährige Mechaniker Herbert Olsson, kam vor das Schwurgericht III und wurde zu schwerer Zuchthausstrafe verurteilt. Olsson wohnte bei dem verheirateten Stephan, der ein eifriger Anhänger des Kleinkalibersportes war. Beide hatten auch schon in der Wohnung Schießübungen veranstaltet. Bei einer Haus- fuchuna waren die Waffen beschlagnahmt worden. Von seinen Er- sparnissen hatte Stephan aber wieder neue Pistolen angeschafft. Am 21. Februar zogen die beiden Schießluftigen mit vier Schußwaffen verschiedensten Kalibers nach Falkensee und veranstalteten am Nach- mittag dort ein llebungsschießen. Der Hilfssörster Kutzer von der Oberförstcrei Falkenhagen hörte aus 3 Kilometer Entfernung das Schießen und ging dem Schall nach. Bei seiner Annäherung gingen die beiden Leute in Deckung, und es entspann sich ein Feuer- g e s e ch t, in dessen Verlauf Stephan tödlich getroffen wurde. Der Förster wurde mit etwa zwölf Kugeln beschossen, die aber alle fehlgingen. Olsson war nunmehr wegen versuchten Tot- schlages und schweren Widerstandes gegen einen Forstbeamten, der sich in Ausübung seines Amtes befand, und zwar unter Bedrohung mit Gewalt, angeklagt. Der Angeklagte bestritt, die Absicht gehabt zu haben, den Forster zu erschießen. Es sei ihm und seinem Freunde nur darauf angekommen, den Forstbeamten abzuschrecken und Zeit zu gewinnen, mit den für sie sehr wertvollen Pistolen zu entweichen. Er bestritt auch, daß sie zuerst geschossen hätten. Der Förster be- kündete dagegen, daß er erst geschossen habe, nachdem von der andere» Seite angefangen worden sei. Als er die Schüsse hörte, habe er sich herangepürscht, aus dem Knall habe er sofort ersehen, daß es keine Wilddiebe waren, sondern er habe Wandervögel vermutet. Diesen habe er die„Dinger' wegnehmen wollen, denn es sei v« r- boten, im Walde scharf zu schießen, da leicht jemand getroffen werden könne. Die beiden Leute kamen ihm schon entgegen und waren osfenbar auf dem Heimwege. Mit erhobenem Gewehr habe er ihnen zugerufen:„Hönde hoch, Waffen weg- werfen!* Sie nahmen sofort Deckung hinter einer Böschung, und der Angeklagte sprang nach einer zweiten Aufforderung hinter«inen Baum, sechsmal habe er die Aufforderung wiederholt und erst geschossen, als er es auf der anderen Seite aufblitzen sah. Er habe auch viermal geschossen und Stephan, als dieser sich eine Blöße gab, getroffen. Stephan schrie auf und blieb dann liegen. Der anoere habe weiter geschossen, sei dann ober schließlich, nachdem er, der Förster, sein Ehrenwort gegeben hatte, auf ihn nicht weiter zu schießen, hervorgetreten und habe auch die Waffen ausgeliefert. Surf seine Bitte habe er den Angeklagten bei seinem sterbenden Freund zurückgelassen, und er selbst sei weggerannt, einen Arzt und die Polizei zu holen. Bei der Rückkehr sei der Angeklagte weggewesen, � dgr Ängeschosson« aber war tot. Der Staatsanwalt beantragte fünf Jahre Zuchthaus und wegen des Widerstandes sechs Monate Gefängnis. Mit Rücksicht auf feine Jugend und des Umstandes, daß der Angeklagte unter dem Einfluß seines älteren Freundes stand. hat das Gericht die Mindeststrafe für ausreichend gehalten und auf 2� Jahre Zuchthaus erkannt. Für den Widerstand lautete die Strafe auf sechs Monate Gefängnis, und beide Strafen wurden zu- sammengezogen zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren neuen Monaten Zuchthaus. Auf Beschluß des Schwurgerichts wurde der Angeklagte sofort verhaftet. Der Verteidiger erklärte für den Angeklagten, daß dieser das Urteil nicht annehme und daß er sofort Revision beim Reichsgericht anmelden werde. Die Straßenbahn fährt länger. Zunächst in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag. Vom 30. d. M. ab wird versuchsweise in den Nächten vom Sonnabend zum Sonntag ein verlängerter Nachtbetrieb auf folgenden Linien durchgeführt: Linie 13 bis 2.16 ab Gostkowski- straße, 3.22 ab Dönhoffplatz alle 15 Minuten: Linie 47 bis 2.34 ab Buschkrug, 3.30 ab Spittelmarkt alle 30 Minuten; Linie 48 El bis 2.16 ab Nordend, 3.07 ab Dönhoffplatz alle 15 Minuten; Linie 55 bis 3.17 ab Spandau, Pichelsdorf« Str., 4.48 ab Anhalter Bahnhof alle 30 Minute»; Linie 60 El bis 2.35 ab Weißensee, 3.17 ab Kar.onierstr. alle 30 Minuten; Linie 187 bis 2.16 ab Köpenick. 3.33 ab Behrenstraße bis Oberschönewelde, Königsplatz, alle 30 Minuten. Die Linien 1, 15, 44, 60, 74, 76, 09 verkehren wie bisher während der ganzen Nacht.(Linie 15 zwischen Bahnhof Neukölln und Pots- damer Bahnhof, Linie 44 zwischen Görlitzer Bahnhof und Götz- kowskystraße, Linie 69 zwischen Leipziger Platz und Gudrunstr., Linie 76 zwischen Molkenmarkt und Halensee, Linie 99 zwischen Bahstraße und Tempelhof, Friedrich-Karl-Str., und zwar Linie 99 alle 15 Minuten statt bisher alle 20 Minuten.) Zwischen fünf und acht Uhr... In den gestrigen Nachmittagsstunden zwischen 5 und 8 Uhr ereigneten sich eine Reihe von schweren Verkehrs- Unfällen. In Johannisthal, auf dem Stcrndamm. wurde abends gegen 6 Uhr die 37jährige Ehefrau Frieda Fellach aus der �nedrich-Mirbach-Str. 5 zu Johannisthal beim Ueberschreiten des Fahrdammcs von einem Privatkraftwagen erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes wurde die Vsrunglückte in das Elisabeth-Hospital nach Oberschönewelde geschafft, wo sie kurz nach der Einlieferung infolge innerer Verletzungen starb. Die Echuldfroge konnte nicht geklärt werden.— An der Ecke Post- und Königstraße wurde die 70jährige Elisabeth Günther von einem Autobus der Linie 2 überfahren. Das linke Bein wurde ihr abge- trennt. Die Greisin wurde zur Rettungsstelle Landsberger Straße und von dort in das Krankenhaus Friedrichshain gebracht. Ihr Zustand ist sehr bedenklich.— Auf dem Güterbahn. hos Rummelsburg wurde der 42jährige Arbeiter Franz G o t t f ch a l k von einen: Lastwagen überfahren. Die Räder gingen über den Verunglückten hinweg, ein Bein wurde ihm zerschmettert. G. fand im Lazarus-Krankenhaus Ausnahm«. — Am Dinetaplatz, im Norden Berlins, stürzte der 56jährige Buchdrucker Otto S'ch u l z aus der Puttbuffer Straß« 16 von einem Straßenbahnwagen der Linie 148 auf die Straße hinab. Sch. wollte seinen Fahrschein knipsen lassen, als er den Halt verlor. Schwerverletzt wurde er in das Virchow-Krankeichaus gebracht. — An der Kreuzung Friedrich- und Französische Straße geriet der 59jährige Bankbeamte Arnold R ü ch n i ck aus der Brückenallee 9 unter einen Straßenbahnwagen der Linie ISSe. R. zog sich ein« schwere Kopfverletzung zu und wurde von der Rettungsstelle Kronenstraße nach dem Moabiter Kranken- haus übergeführt.— Ein weiterer schwerer Unfall trug sich um 6>4 Uhr abends an der Ecke Bismarck- und Fritschc st ratze in Charlottenburg zu. Die 36jährige Martha H o e l k e aus der Bülowftr. 21 wurde von einem Privatkraftwagen erfaßt und überfahren. Mit schweren inneren Verletzungen wurde sie in das Westender Krankenhaus gebracht.— Schließlich verunglückte in der Nürnberger Straße der 55jährige Bankbeamte Hans S t e i n b a ch aus der Krausenftr. 23. St. wurde von der Straßenbahn, Linie 56. angefahren. Er erlitt eine s chw c r e Kopsverletzung und wurde durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes in das Krankenhaus Westend geschafft. kreie Sozialistisdie Hodisdiule. Sonnabend, d. 30. Oktober, 7 V» Uhr abds., im Sitzungssaal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Str. 8. Vortrag des Genossen Prof. Kuske-Köln: Europa und die Weltwirtschaft. Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. sind zu baten an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3. 2. Hof, II, Zimmer 8.— Buchhandlung I. H. W. Dietz, Lindenstr. 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, RitterstraBe Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24 25, Qcwerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, inselstr. 6, Buchgemeinschaft„Guten berg", Dreibundstr. 5, sowie in allen Vonvärts-Speditionen. »Die Iuüenrepublik/ Zwei Monate Gefängnis. Ein„geistvolleres* Schimpfwort als dieses konnte für die Republik ein völkisches Hirn nicht erfinden. Dies Geistesprodukt hat bereits mehr als einmal verschiedene Gerichte und selbst das Reichs- gericht beschäftigt. Anfangs glaubte so mancher der Herren Richter in diesem Ausdruck durchaus keine Beschimpfung der Republik sehen zu müssen. Dann ab« scheint doch die Ueberzeugung Oberhand ge- wonnen zu haben, daß es doch so etwas Aehnlichcs wie eine Be- schimpfung bedeute. Die Gefängnisstrafen, die ausgesprochen wurden, haben aber die völkischen Jünglinge noch immer nicht eines Besseren belehrt. Hi« ein Beweis dafür aus neuester Zeit: Auf der Chausseestraße gab es im Juni d. I. aus irgendeinem Grunde eine Verkehrsstockung mit großem Menschenauflauf. Ei» Polizeihauptmann sorgte mit seinen Leuten sllr Ordnung. In der üblichen, vielleicht ein wenig scharfen Form, forderte er da� Publikum auf, auseinanderzugehen. Ein junger Mensch glaubte sich aber durch das Vorgehen des republikanischen Beamten in den tiefsten Tiefen seiner monarchistischen Gefühle gekränkt; er beant- wartete die Aufforderung des Hauptmanns, auseinanderzugehen, mit dem klafsisthen Satz:„Wir befinden uns ja in einer I u d e n r e p u b l i k, nur da kann einem so was passieren!*(I) Der Hauptmann ersuchte den Mann, feine Aus- drücke besser zu wählen. Dieser aber meinte,»er dürfe den Ausdruck gebrauchen. Da ließ der Hauptmann den jungen Menschen feststellen und ihn ins Polizeirevier bringen. Unterwegs wiederHolle er seine schnoddrigen Bemerkungen über die ,�Z u d e n r e p u b l i k.*— Gestern hatte er sich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte zu verant- warten. Er erklärte, daß ihm das Bewußtsein fehl«, sich strafbar gemacht zu haben. Er habe auch in einem Artikel gelesen, daß der Ausdruck.�Zudenrepublik* nichts Strafwürdiges in sich schließe. Im übrigen sei es seine aufrichtige Ueberzeugung, daß das deutsche Volk tatsächlich in einer Judenrepublck lebe, in der das ganze Wirtschaftsleben von Juden beeinflußt werde. Außerdem sei er ein sehr leicht erregbarer Mensch und habe sich bereits längere Zeit in einer Nervenheilanstalt aufgehallen. Das Gericht beriet recht lange; es wird wohl scharfe Auseinandersetzungen gegeben haben. In den Gerichtssaal drangen lautete Stimmen. Das Urteil lautet« auf zwei Monate Gefängnis. Der Lorsitzende führte in der Urteilsbegründung aus, daß das Gericht lmig« darüber beraten habe, ob eine Beschimpfung der Republik im Sinne des Rcpublikschuß- gesetzes stattgefunden habe. Es fei jedoch schließlich zum Ergebnis gelangt, daß solch eine Beschimpfung in der Absicht des Angeklagten gelegen habe. Dieser erNärte aber, nicht so ohne weiteres das Urteil annehmen zu können, da er gehört haben wolle, daß das Republikschutzgesetz außer Kraft gesetzt sei.. Der junge Mensch irrt; dos Gesetz, das die Bcsdiimpfung der Republik mit Gefängnis straft, besteht zum Glück noch und man wird dafür Sorge zu tragen haben, daß nach Ablauf der Frist für dieses Gesetz die Frechheit der völkischen„Helden* nicht in den Himmel wächst. Eine Straflosigkeit der blöden Beschimpfungen der Republik würde eine unerhörte Brüskierung der republikanischen Mehrheit des deutschen Volkes bedeuten und nur dazu führen, daß die Republikaner zum S e l b st s ch u tz greifen werden. Dies nmß aber unter allen Umständen vermieden werden. Das Reformationsfest im Rundfunk. Man ist seit langem daran gewöhnt, am Sonntag vormittag eine evangelische Feier über sich ergehen zu lassen. Die Frage ist ja wohl erlaubt, warum gerade nur die Protestanten dieser Erbauung teilhaftig werden. Der Rundfunk, dessen Tendenz es ist. allen gerecht zu werden, müßte demnach auch Messen zelebrieren, am Sonnabend abend jüdische Gottesdienste einrichten und auch für die Freireligiösen entsprechende Feierstunden schassen. Das tut er nicht, vielleicht um bei ganz„vornehmen* Familien nicht anstößig zu wirken. Man kann nie wissen.! Aber die evangelische Vorliebe des Rundfunks geht doch allmählich zu weit. Der Sonntagabend ist ganz allein der Feier des Reformationsfestes gewidmet. Das ist ein unmöglicher Einfall! Ja, der Rundfunk kann nun ein- wenden, er habe auch eine Franz-von-Assisi-Feier veranstaltet. Aber der Fall liegt doch anders. Franz von Assisi war auch einer der größten Menschen, die jemals gelebt haben. Damit soll nichts gegen die Persönlichkeit Luthers gesagt werden. Aber Luther hat heute noch einen viel demonstrativeren Charakter als der Heilige von Assist, und von dem Choral„Eine feste Burg* singt sogar Raoul in den„Hugenotten*:„Es ist das Kampflied unserer Kirche!* Und wenn nun schon der Rundfunk seine Tendenz nicht verhüllen will, dann hätte er sich mit seiner Reformationsfeier auf den Sonntag- vormittag beschränken können. Immer wieder stößt der. Rundfunk große Massen der Funkhörer vor den Kopf. Vergißt er denn, daß sich seine Hörerschaft hauptsächlich aus Proletariern zusammensetzt? Was sollen die denn mit einem derartigen Sonntagsprogramm anfangen? Von dem erwählten Geschmack der Rundfunkleitung legt übrigens die Programmstellung beredtes Zeugnis ab. Gleich nach dem Choral gibt es Tanz- m u s t k. Warum auch nicht? Vielleicht komponiert noch ein rühriger Rundfunkgeist einen Reformationswalzer! Noch ist es Zeit, das Programm zu ändern! Der Rundfunk ist keine Einrichtung für alte Stiftsdamen, sondern für die Masse! Warum gräbt er sich sein eignes Grab? Die Abnahme der Rundfunkhörer im letzten Monat ist nicht allein auf die wirtschaftliche Notlage zurückzuführen. Fischfterbe« in der Havel. Zum zweitenmal stehen in diesem Jahr Berufsfischer und Sport- angler vor wirtschaftlidien Nöten, deren Umfang im Publikum wenig erkannt wird. Schon um Pfingsten dieses Jahres waren die K e tz i n« r Gewässer von einem Fisch st erben heimgesucht. Schon damals sollten dl« Sachverständigen und Beauftragten der LandesaustaU für Fischerei ihr Urteil abgeben, auf welche Ursachen dieses Fsschfterben zurückzuführen sei. Zwei Faktoren waren es, die nach Ansicht der Interessenten Anlaß dazu boten. Erstens die von einer Großgärtncrci in Angrisi genommen« Zuschüttung der sid, an der Havel anschließenden Torfstiche, zweitens die ungenügende Sicherung der Kläranlage«tner Zuckerfabrik. Ortskundig« be- behaupten, daß außerdem von der Zuckerfabrik noch direkt in d« Havel mündende Rohre, die die nicht mehr einwandsfreisn Ab- wässer zuführen, daran schuld seien. Die Zuschüttung ist mit der bekannten Rücksichtslosigkeit, unter Außerachtlassung unbedingt notwendiger Vorsichtsmaßnahmen, vorgenommen worden. Große Mengen nicht immer einwandfreier Stoffe werden in die Torflöcher geschüttet, ohne daß die Verbindung mit der Havel hochwassersrei abgeschlossen ist. Die Torsstiche leibst werden vo» Fachleuten als die Kinderstuben der Ketziner tl'scher« bezeichnet, weil die Jungfische, die sich in dem(besonders im Herbst) starken Strom nicht halten können, dort Schutz und Nahrung suchen. Nun sind sie dort, ebenso wie auch große Fische, elend zugrunde gegangen. Die Ketziner Ortsbehörde forschte nach bestem Ber- mögen dem Uebel nach, denn es lag in ihrem ureigensten Interesse. die ortsansässigen 29 Fischerfamilien vor größeren Schaden zu be- wahren. Wenn nicht baldigst Abhilfe geschaffen wird, so wird die Existenz der Ketziner Fischer schwer bedrohL Es befremdet, daß das Ergebnis der behördlichen Nachforschungen von Pfingsten her heute noch aussteht. Im Interesse des Fischerberufes ist jedenfalls größte Eile geboten, ehe der Unfug den gesamten Fssch- bestand absterben läßt._ �lcht heiratslustige ßrauen betrogen. Die neunte läht ihn verhasten. In den verschiedensten Rollen trat ein Heiratsschwindler auf, den eine„helle* Frau hinter Schloß und Riegel brachte. Es handelt sich um einen 38 Jähre alten früheren Geschäftsreisenden Fritz Wolzick, der als Junggeselle in W e r n e u che n wohnte. Wolzick meldete sich auf Heiratsanzeigen, die er in Berliner Zeitungen fand. Er annoncierte aber auch selbst, daß er eine Lebensgefährtin mit etwas Geld suche. Bald spielte er den Schneidermeister, bald den L a n d w i r t. bald den Kaufmann aus irgendeiner kleinen märtischen oder schlesischen Stadt. Den heiratslustigen Damen, mit denen er Berbinduna fand, erzählte er, daß er gerade eine Berlinerin suche. Mit den Mädchen in der Provinz habe er nichts im Sinne. Trat er als Schneider- meister auf. so brauchte er Geld, um für seinen großen Betrieb neue Nähmaschinen kaufen zu können. Als Landwirt benötigte er Drill- und Hackmaschinen oder dergleichen, als Kaufmann wollte er fein Kolonialwarengeschäft«- weitern. Wolzick fiel aber nie mit der Tür ins Haus, sondern war stets so vorsichtig, die Damen einmal daraufhin auszuhorchen, welcher Beruf ihnen am meisten zusagte. Was sie wünschten, das war er dann: Schneidermesster, Landwirt, Kaufmann usw. So erhielt er dann auch, wie bisher festgestellt wurde, in acht Fällen das gewünschte Geld. Trotz oller Anzeige» wurde er nicht gefaßt. Die neunte Bekanntschaft wurde ihm jetzt zum Verhängnis. Einer hiesigen Witwe erzählte er, daß er in Berlin eine Weinhandlung mit Restaurationsbetrieb übernehmen wolle. Die Dame wollte aber erst das Geschäft sehen, bevor sie ihr Geld hineinstecke. Wolzick führte sie in eine Weinswbe in der Wilmersdorfer Straße. Wahrend er hier auf einen Augenblick nach hinten ging, fragte die Dame rasch den Oberkellner, wie es mit dem Verkauf stehe. Da erfuhr sie denn, daß alles Schwindel war. Sie ließ einen Schupomann holen und den falschen Bräutigam festnehmen. Der Verhaftete räumt olles ein, was ihm zur Last gelegt wird, meint aber, die Bräute haben ihn das Geld nahezu aufgedrängt. Minoritätenfrageu. Dr. Leo M o g k i n- P a r i s. Präsident des Zionistischen Aktianskonntees. sprach kürzlich auf Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung üb« Minoritätenfragen in der internationalen Politik. Motzkin, der der Führer der jüdischen Minderheitsdelegation auf dem 2. Genf« Minoritäten- kongreß war, behandelte das Minderheitsproblem allgemein und skizzierte die Schwierigkeiten, die seiner Ansicht nach sich der Forde- rung nach Minderheitsrechten entgegenstellen: die Souveränität des Staates, d. h. der Prestigewahn, der jede Einmischung von außen als einen„Eingriff* in Hoheitsrechte ansieht, mrd— die„materia- listische Geschichtsaussassung"— die die politisch linksstehenden Kreise zur Ueberschätzung reaktionärer Erscheinungen geführt habe.(? Red.) Hier scheint ein recht erheblicher logischer Schnitzer vorzuliegen. Die Gewährung von Minderheitsrcchten ist ein beträchtlicher Schritt auf dem Wege zur europäischen Befriedung. Alle internationalen Tagungen beschäftigen sich sehr eingehend mit dem Minoritäten- Problem, dessen Lösung Kriege für die Zukunft illusorisch machen kann. Döß üb« die Ausstellung Berlin 1930. Oberbürgermeister Böß bat nicht vom„M a g i st r a!*. wie in Nr. 511 infolge eines Druckfehlers zu lrsen stand, sondern vom Minister gesagt, daß dieser sich zur Frage des Ausstellungsortes nicht ge- äußert habe. Unser B«icht hob ja auch hervor, daß der Mogistrat sich hinter die Forderung gestellt hat: Ausstellungsort kann nur Berlin fein. Die Groschenbüchermesse im Berlin« Gewerkschaftshaufe hat täglich größeren Zulauf, besonders aus den Kreisen der Arbeiter, Schüler und Studenten. Auf dringendes Verlangen mußte sie deshalb noch verlängert werden und soll täglich(11 bis 7 Uhr) bis zum 2. November einschließlich geöffnet bleiben. Di« reiche Aus- wähl wird all« Tag« durch neue Zufuhren aus den Berliner Arbeiter- buchhandlungen ergänzt. Die Art des Vertriebes im Gewerkschafts- Haus«, die an die billigen Bücherstände in den Pariser und Londoner Studentenvierteln erinnert, behagt offensichllich dem Arbeiter sehr, denn er kann obneKaufzwang und ungeniert stunden- lang in den Auslagen herumstöbern und ist gegen jede Gefahr, daß ihm etwas für ihn Wertloses aufgehängt wird, durchaus gesichert. JFenn ein Bubikopf mißfällt, so liegt das meistens nicht an der kurzen Haartracht, die so bequem, so voller Eigenart und ! jugendlichem Reiz sein kann. Fast immer liegt j es an der mangelhaften Pflege. Ein Bubikopf > muß nämlich regelmäßig jede Woche mit Pixavon gewaschen werden. Pixavon gibt dem Haar lockere Fülle, schimmernden Glanz and den weichen Fall, der die weibliche Anmut und, stilvolle Eigenart jeder Bubifrisur ausmacht. fa Kerne der gewöhnlichen flüssigen TecrseifcnhcU auehnurannähernddie E Jj Wirkungen von Fixation. Bestehen Sie fest auf„Pixavon"(nur in getchlot- senen Originalflaschen), sowohl für die häusliche Haarwäsche, wie auch für die im Frisiersalon, Fordens Sie kostenlos von uns Abbildungen neuer Buben- PIXAVON kopfschnitte für Winter 1926. UNGNER-WERKE jrNjrwVF�-Trrip Dresden Kommunistische Heldentaten* In Bernau sprach aar kurzem Genosse Landtagspräsiüeut B a r t e' s über die Sozialdemokratie im neuen Staat. Der Rescrent wurde durch das Reichsbanner mit Musik abgeholt. Die Kommu- nisten, di« es van vornherein auf die S p r e n g u n g d e r V e r- s a m m l u n g abgesehen hotten, waren lange vor Beginn der Vor- sommlung in großer Zahl erschienen, daß fast olle Stühle von ihnen besetzt waren. Selbst aus Berlin hatten sie Parteianhönger heran- geführt. Schon bei der Eröffnung der Bersammlung begannen sie zu stören. Der Referent wurde ständig unterbrochen. Die anwesen- den Reichsbannerleute versuchten, da sie den Saalschutz übernommen hatten, einzelne Kommunisten gütlich zur Vernunft zu bringen. Auf ein verabredetes Zeichen stürmten die anwesenden Roten Front- kämpfer der Bühne zu, um über Genossen Bartels herzufallen. Mit Stühlen, Biergläsern und Knüppeln bewaffnet, ver- suchten sie sich gegenüber den übrigen Verfammlungsbsuchern durchzusetzen. Rur der Ruhe und Besonnenheit der Reichsbannerleute gelang es, den Tumult einigermaßen zu dämpfen. Die Berfamm- lung mußte hierauf geschlossen werden Die Kommunisten oersuchten nunmehr, die Versammlung auf eigene Faust fortzuführen. Der Wirt jedoch machte von seinem Hausrccht Gebrauch und verwies sie aus de.n Saal, der einem Trümmerfelde glich. Stühle, Bier- glöser. Tische lagen, zum Teil zerbrochen, wüst durcheinander. Als die Kommunisten dann versuchten auf dem Marktplatz eine eigene Versammlung abzuhalten, mochte die Polizei ihrem Treiben ein Ende. Als Anführer wurde der Koinmunist Otto B. aus Berlin festgestellt. Einige Reichsbannerleute hatten geringe Verletzungen er- litten. Die Kommunisten dürfen sicher lein, daß sie sich mit diesem rüpelhaften Vorgehen in Bernau keine Freunde erworben haben. Eine sehr gut besuchte Versammlung hiellen gestern abend unsere Genossen in Oberschöneweide in Geriigs Blumen- garten ab. Gleich zu Anfang der Versammlung versuchten die K 0 m m u n i st e n durch Krakeel und Radau die Versammlung zu stören. Erst nach längeren Bemühungen gelang es, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Landtagsabgeordneter Genosse Lüde- m a n n, der das Referat in der Versammlung hielt, ging auf diese Vorgänge ein und wandte sich dann dem chohenzollernoergleich zu, der vor kurzem im Preußischen Landtag abgeschlossen wurde. Er betonte dabei.�daß der Abschluß dieses Vergleichs der Sozialdemo- kratie keine Freude berette. Aber nachdem der Volksentscheid zahlenmäßig zwer einen Erfolg gebracht Hot, polittsch aber eine Niederlage, war ein anderer Ausweg nicht mehr möglich. Die bürgerlichen Kreise haben sich, das müsse nachträglich noch betont werden, an der Formulierung, daß entschädigungslos enteignet werden solle, gestoßen. Von den Kommunisten, die durch fort- währenden Rodau die Ausführungen zu stören versuchten, sagte Lüdcmann, daß ihre Forderungen stets größer geweien feien wie die der Sozialdemokratie, aber erreicht hatten sie stets weniger als wir. In der Diskussion sprach ein kommunistischer Redner, der die Aiiefiihnjngen des Genossen Lüdemann damit entkräften wollte, daß er lang und brett Über die Vorgänge vom Jahre 1018 sprach Er sowie die übrigen kommunistischen Radauhelden erhiellen von unserem Referenten im Schlußwort die gebührende Antwort. «Sasverglstuvg in Schmöckwih. Gestern abend hat sich der Gc- müsehändler Schulz aus der Gartenstr. 5 in Schmöckwitz mit Leucht- gas vergiftet. Bewohner des Hauses in der Seestraße zu Schmück- witz, in dem Schulz seinen Loden hat, wurden auf den Gasgeruch aufmerksam, Hollen die Ehefrau und fanden nun den Sch. leblos vor. Er hatte den Gashahn aufgedreht, so daß dos Gas ungehindert ausströmen konnte. Der Grund zu der Tat scheint Lebensüberdruß gewesen zu sein. Sch. stand im Ansang der fünf- ziger Jahre; er war verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter. Aue Tpphusepiöemie in Hannover. Magistrat und Sachverständige. Hannover, 20. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Obgleich die wissenschoslliche Untersuchung der Ursache der hannoverschen Typhusepidemie noch nicht abgeschlossen ist, hat der hannoversche Oberbürgermeister Dr. Menge in das schwebende Unter- suchungsverfahrei, eingegriffen und ein einzelnes, im Laufe der vertraulichen, bisher nicht abgeschlossenen Derhand- lungen erstattetes Gutachten von Prof. Jürgens der Presse über- geben, weil es chm besonders günstig für den hannoverschen Ma- gistrat erschien. Der hannoversche„Volkswillc" stellt nun in einem Aufsatz von A q u a r i u s, der offenbar aus wohlinformierter Quelle stammt, folgende Betrachtungen an:„Wie bekannt, hatte sich zur Unter- suchung der Ursache der hannoverschen Typhuscpidemie der Unter- suchungsausschuß des Staates gemeinsam mtt den von der Stadt er- nannten Sachverständigen zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen- getan, um der Welt das unwürdige Schauspiel eines Gegeneinander- arbeitcns zu ersparen. In der Sitzung kam man aber zu keinem Ergebnis, sondern beschloß, noch einmal zusammenzutreten. Die Beratungen des gemeinsamen Ausschusses wurden als streng vertraulich bezeichnet. Es bedeutet einen unerhörten Bruch dieses Vertrauens, wenn der Magistrat jetzt, noch vor dem Zu- sammcntritt der vereinigten Ausschüsse der Oeffenttichkeit die Nieder- schrift eines Referates übergibt, das von einem Gutachter der Stadt in der ersten gemeinsamen Sitzung erstattet worden ist. Wenn der Herr Oberbürgermeister es unterlassen hat, gleichzeilig die Aus- nähme zu schildern, die der Vortrag des Herrn Prof. Jürgens- Berlin— um diesen bandelt es sich— im Kreise der meisten übrigen Sachverständigen gesunden hat, so macht er sich damit einer groben Irreführung der öffentlichen Meinung schuldig. Wir dürfen annehmen, daß Pros. Jürgens über diese, allen Grundsätzen einer wissenschaftlichen Diskussion zuwiderlausenden vorzeitigen Veröffentlichung nicht unterrichtet worden ist. Tatsächlich hat das Iürgensch« Referat im Ausschuß eine nahezu vollkommene Ablehnung erfahren. Dabei waren keineswegs nur die„staatlichen" Gutachter der Meinung, daß sich Pros. Jürgens in ganz unhaltbare Anschauungen verrannt hat. Die von der Stadt berufenen Pro- fessoren Bruns- Gelsenkirchen und Gärtner- Jena lehnten alle Schlüsse des Prof Jürgens ab und bezeichneten die Leitung«. wasserverschmutzung als die unverkennbare Quell« der Typhusepidemie. Am eindrucksvollsten waren aber die Ausführungen des hervorragenden Internisten Prof. H i s von der Berliner Universität, mit denen er die Grundlage der Jürgens'schen Berechnungen, nämlich die willkürliche Annahme einer kurzen Inkubationszeit, aus seinen reichen Erfahrungen zerstört«. SShmisches Räuberunwesen. Das feit«inigen Monaten in Südböhmen geradezu Üppig blühende Räuberunwesen, das di« Bevölkerung in un- gÄheur« Aufregung oersetzt«, da ganz« Banden die Einzelanwesen piomnäßig ausplünderten, hat endlich die Lmtsstellen zum Durch- greifen veranlaßt. Di« Verstärkung der Gendarmerie hatte allein noch nicht genügt. So wurde nun mit 2000 Mann Gendarmen und Militär«in« Generalrazzia in Südböhmen abgehalten. Auch d!« umliegenden Garnisonen wurden zugezogen. Es wurden eine große Anzahl verdächtige' Personen inhaftiert, darunter acht Zigeuner, denen zahlreich« Räubereien nachgewiesen wurden. Ein Dampfer auf offener Tee verbrannt. Der amerikanisch« Dampser„T v e r e steht, einem JCele- mm aus San Franziska zufolge, auf der in Flammen. Dt« 22 Mann starke� framm aus San Franziska zufolge, auf der Höhe von Point Gorda n Flammen, vi« 22 Mann starke Besatzung bemühte sich. da» Feuer zu löschen, mußte aber da« Schiff auf der Höh« von Eureka ausgeben. Die Dienststelle der städllschen Erwerbslasenhllse des Bezirksamts Mille wird am Freitag, dem 20. d. M., von der Neuen Schönhauser Straße 1 nach der Chausseestr. 42, erster Hof links, 2 Tr., verlegt. Sozialiftisthe Arbeiterjugend Groß-Serlin. BorlUicndtllkonsk««, beut«. Soo»abend, pilnktlich abends 9 Uhr, In der Aula der Echulc Nochstr. 18. 1. Bericht des B.-B. 2. Bamaß:.Die Jugend- schutisorderunsen der sozialistischen Ii'ßen.d internationale" sisterd Bothur). 3. Berschiedenes. Ohne Aus»>eis und Mitgliedsbuch kein gutritt. Snnstabead morgen, Sonntag. 7 Ubr. im Jugendheim Lindcnstr. 8. Bor- trag mit Erläuterungen am Klavier über ,3oh. Seb. Bach". Vortragender Prof. L. Kestenbera. Der Kunstabevd in Ehorlottenbirra wird bi, auf weiteres um S Tag« verschoben. Renkin I: Sonntag ssabrt nach Bernau— Bogcnsee. Treffpunkt 7 Ubr Bbk. Kaiser-Friedrich-Strohe.— Pankow: Heute, Sonnabend. Iuocndhcim Kissingen- strastc, Zimmer 2. lO-Mi mite».Referate.— Schönbouscr Vorstadt: Acute, Sonn- abend. 7 Uhr, Bhf. Schönhauser Allee.— Hclmholhplah: Sountagsfahrt. Treff- vunkt 7 Uhr Bhf. Prenzlauer Aller. Der Sprechchor beteiligt stch.— Werbe- bezirk Müggelsee: Berbcbezirkstreffohrt nach Eborin. Treffpunkt heute. Sonn- abend, W Uhr Stett. Bhf.— Südost sReichenbcrger Viertel): Heimabend.— Achtung, Sprechchor l Sonntaa vorm. in Uhr aemeinsam« Probe im Jugend» beim Lindenstr. 8. Alle Danosten mllsten erscheinen. Erwerbslose bekommen das ssahrgcid vergütet.— Lichtcnberg-West: Sonntag. 81. Oktober. Museums- besuch. Treffpunkt 2 Uhr Warschauer Srraß«. Wellerbericht der äffenilichea Weiterdleitstfielle fflt Berlin. sNachdr. derb.) Noch ziemlich trübe mtt leichlen Regensällen. Temperatur etwas niedriger. — Attr Deutschland: TrübeS, regnerisches Wetter. Vorwiegend im ganzen Küstengebiet ziemlich kühl. Ein Tagesprogramm von hoch tem Niveau, das aber wieder den Beweis für den unökonomischen Geist der Rundstinkleitung liefert. Es ist nicht nötig, daß auf einen Kammermusiknachmittag, der allein Beethoven bringt, om Abend der Zyklus„200 Jahre Orcheftermusik" mtt Haydn-Mozart folgt. Das ist zu viel des guten, besonders wenn man noch berücksichtigt, das var Beethoven während einer halben Stunde hochwertige Gedicht« rezitiert wurden. Em Ausgleich muß hier geschaffen werden, oder der Rundfunk muß von vornherein be- stimmte Tage für bestimmte Darbietungen festlegen, sonst verwirrt das ständige Pendeln zwischen den Extremen. Der Titel der Rezi» tatianen„Die deutsche Heimat ini deittschen Gedicht" ist zu eng ge- saßt, Goethe zersprengt bestimmt den Rahmen, paßt nicht zu dem Gartenlaubeittttel. auch alle die anderen nicht. Warinn imitiert hier der Rundfunk den Fllm? Aber besser der Tttel ist schlimm als die Darbietung. Jrmela van D u l o n g spricht die Gedichte mtt ver- schleierter, beseelter Stimm«, ganz zart„Die Mondnacht", überhaupt gelingt Eichendarss am besten. Der Name des Havemann- Quartetts verbirgt bereits ein« kongeniale Wiedergabe Beethovens. Dagegen könnte Mozart leichter, kapriziöser gegeben werden. Das Orchester spiell sauber, klangvoll, doch es fehlt dos Letzte, das Brio. Mozart löcheft auch In Anoantesätzen. Prof. Paul Rembt spiett das Mozartsche Harnkonzert in Es-2)ur mtt höchster virtuoser Sicherheit, aber bat man heute noch ein intimeres Ver- höltnis zur Hornmusik? Außerdem hielt Friedrich G. Knöpfke einen Propagandavortrag für den Rundstink. Das kuncjfunkproxnsmm. Sonnabend, den 30. Oktober. Außer dem üblichen Tapfesprogramm 12—1.10 Uhr nachm.: Uebertragung der jahreefeier der Deutschen Hochschule für Politik aus der Alten Bauakademie Schinkelplatz 6. Vortragsfolge: 1. Begrüßung der Festteünehmer durch Staatsminister Dr. Drews. 2. Ansprache des Eeichsministors des Innern Dr. Külz. 3. Bericht des Herrn Ober-Heg.-Kats z. D. Dr. Simons, Direktor der Deutschen Hochschule für Politik, über die Tätigkeit der Hochschule. 4. Festvortrag Gcheirarat Professor Dr. Mendelssohn-Bartholdy: Vom Beruf des Diplomaten. 4 Uhr nachm.: B. Stnrm: Schafft wohlfeile künstlerische Sportpreise! 4.30— 6 Uhr abends: Fröhlicher Kachmittog. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Paul Marlnvald-Caro:„Die volts- und privatwirtschaftliche Bedeutung des ßparens". 7 Uhr abends: ProfesECr 0. Colson:„L'invasion de Pari#.(In französischer Sprache). 7.25 Uhr abends: Hans-Bredow- Schule(Bildungskurse). Abteilung Philosophie. Dr. med. Alfred Beyer:„Lebensträohtigkeit und Lebenserfolg".(Objektivos und subjektives Leben). S Uhr abends: Debertragung ans dem Plenarsaal des Reichstages. Gerhart Hauptmann liest aus eigenen Werken. 1. Baude. 2. Kentaorenritt(Aus dem unveröfientliohten Kpos„Till Eulenspiegel'). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachnchten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30—12.80 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester Etti). KSnigswusterhausen, Sonnabend, den 30. Oktober. 3—3.30 Uhr nachm.: Prof. Dr. Amsel, Oberschullehrer Westermann: Einheitskurzschrift 3 30— 4 Uhr nachm.: Hedwig Stieve: Die Arbeit der Kreisfürsorgerin. 4— 4.80 Uhr nachm.: Prof. Dr.- Ing. E. h. Toussaint: Berufskunde. Ingenieure und Techniker in der Metallindastrie. 4.30—5 Uhr nachm.: Das Neueste aus der pädagogischeu Zeitschriftenliteratur. 6— 5 30 Uhr nachm.: v. Wila- raowilz�Moellendorfl: Das antike Lustspiel. 5 30— 6 Uhr abends: Prof. Mackowsky: Romantischer Ausklang der Bautätigkeit in Berlin und Potsdam. 6— 8.30 Uhr abends: Prof. Dr.-Ing. Laudien: Die Elektxo-KIeinmotoren. 6.80—7 Uhr abends: Prof. Dr. Adrion: Bösartige Gewächse in der Mundhöhle. 7—7.30 Uhr abends: Dr. Mersmann: Die deutsche Oper von Mozart biz Schreker. 7.30 bis 8 Uhr abends: Professor Dr. Richter: Strömungen der modernen deutschen Literaturgeschichte. Ab 8 Uhr abends: üebertragung aus Berlin. Bus Ser Partei. „Die Gefellschaft", Internationale Revue für Sozialismus und Politik. Das soeben erschienene Heft Nr. 11 bringt u. a. folgende Artikel: Gregor B i e n st o ck: Frankreichs Industrialisierung und die Krise des Mittelstandes.— Dr. Fritz Baabe: Branntweinpalitik.— A. Ju g o w: Wirtschaftslage und Parteitrise in Rußland.— flrederik B e d f o- Kopenhagen: Bodenreform in Dänemark.— Hermann Wendel: Der Präger Slawenkongreß von 1848. — Bücher usw. Bestellungen zum Hestpreis von 1,50 M. nehmen die Zeiftmgs- boten und alle Parteibuchhandlungen entgegen. parteinachrichten Einieadungen für diese Rubrik sind Berlin SW 98, Lindenstraße 8. für Groß- Sedin stets an da» Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richte», Henke. Sonnabend, den 30. Oktober: 66. Abt. Wilmersdori. 8 Uhr Zusammenkunft der Kenossen im Lokal der (freien Tnrnerschaft, Dürttembergische Str. 58. Säfte mitbringen. Morgen. Sonntag, den 31. Oktober: 9. Abt. Barm. 10 Uhr wichtig« sZnnktionärsißung bei Hllbner, Wilsnackrr Straße 84. Achtung! Um 9 Uhr vorm. Porftandosißung ebenda. Arbeilsgemeinfchaft der kinderfreunde. iSnwp« Herwannplah: Margen, Sonntag. 81. Oktober, Besuch der Sternwarte. Treffpunkt nachm. 2% Uhr Kaiser-Friedrich-, Ecke Weichselstraße. 80 Pf. sind mitzubringen.— Gruppe Birke: Sonntag, OL Oktober, gahrt nach Bernau. Treffpunkt morgens?lr Uhr Bhf. Kormannstraße. 50 Pf, stnd mitzubringen.— Sruppe Britz: Sonntag 81. Okwbcr, findet unsere Werbe- Veranstaltung im Jugendheim, Rathaus abend» 7 Uhr statt. Die Partei- genassen werden geboten, daran teilzunehmen.— Gruppe Lcopoldplatz: Wochenplan: Dienstag, 2. Rooember, SU bi» 7Va Uhr, Bastciabend im Ledigenheim Schiinitedtstraße, Mittwoch, 8. November, 284 Uhr, Baden. Treffpunkt vor der Badeanstalt, 9 Uhr Uebungoabend der Mustker im Jugendheim Lurcmburger, Ecke Genter Straße. Donnerstag, 4. November, von m bi» 7th Uhr Kinderverfammlung, Ledigenheim Schönstcdtstr, Freitag, 5. November, von blh bis TVi Uhr Turnen und Tanzen in der Turnhalle. — Gruppe Hallefchc» Tor tagt Belle-Allianec-Plaß L Montag: Märchen. und Uebungsahcnd. Mittwoch: Spiel und Äolkstanz. Donnerstag: Gnmnastik und Ehorabend. Sonnabend: Basteln. Arbeitersport. Turnspiele am Sonntag. 31. Oktober. Handball. Reukölln veranstaltet auf dem Herßbergvlaß«inen Spieltag, Bereinsmannschast Männer ll gegen Moabit II. 1 Uhr: 2, Turnerinnenabt. I gegen sZichte 0a I. 2 Uhr: 2. Männerabt. I gegen Schöuehcvg Sportler I, 8 Uhr: Vereinsturnerinnenmannschaft gegen Tegel I, 4 Uhr. Adlcrshof spielt mit allen Mannschaften auf ihrem Platz, Verlängerte Selbigstraße, gegen Schönow. Auf dem Daminieusplatz spielt Echöneberg Sportler 1. Jugend gegen Fichte 10 I, 10 Uhr: Sportler IT gegen Fichte-Nord Ii. 2 Uhr: Turner I gegen Groß-Berlin-Süden II, 8 Uhr. Auf dem Fichteplatz, Baumschulenweg, spielen Fichte 15 Jugend l gegen Stralau I, ZHIO Uhr: Männer 15 I«ige» Ficht« 4 I und 15 II gegen Ruderverci« Callcgia, HS Uhr: 16 Frauen I gegen Moabit II, 144 Uhr: Ficht« I gegen Fichte 8 I,(42 Uhr und Fichte 2 I gegen Fichte 12 I: Fichte 10 l Männer gegen Fichte 4 ll um 9 Uhr und 10. Jugend I gegen Sparta I um 10 Uhr in Maricndorf, neben der Rennbahn: Tegel 2. Männer gegen Sparta U um 2 Uhr und die 1, Biann- schaften um 8 Uhr in Tegel, Graf-Rödern-Korso. Alt-Glienick« spielt auf ihrem Platze mit der 1. Männer gegen Lichtenberg 2. Abt. I. 142 Uhr, und die l, Zugendwannschaften beider Vereine um 148 Uhr. Auf dem Urbanplatz spiele» Groß. Berlln-Sll den Turnerinnen gegen Mpabit I, 0 Uhr, und Süden l, Jugend gegen Fichte 7 I um 10 Uhr. Weitere Spiele stnd: Moabit gegen Fichte-Zwrd. die 1. Fugendmann schaften um 1 Ubr und di» 1. Männermann- schaften um)44 Uhr auf dem Tiaraartanplatz: Droß-Berltn-Wedding Schüler gegen Sparta. 0 Uhr, und Fichte-Nard II Zugeud gegen Fichte 4, 11 Uhr, Scharnweberstraße: Svandau 08 II Männer gegen Graß-Derlin-Norbe» 1 I in Spandau, Falkenhagener Chaussee,>44 Uhr: Groß-Berlin-Rolenthal 1. Männer gege» Groß-Berlin-Dedding II, 10 Uhr, in Rofenthal und Lichtenberg I Frauen gageu Fichte 4. Abt. l. 10 Uhr. in Lkchtenberg, Kunaftstraße. Frei««nbeeee NN» Kannsahree, 1. Kreis. Sonntag, 31. Oktober, Ist Uhr. findet im Scwerkschaft»hau«, Saal 1, ein« außerordentliche Spartenversamm- lung stait. Tgggsotdnnng: 1. Bericht vom Bundestag Hamburg. 2. Wahl der Deleqierten zum Kreistag. 8. Verschiedene«. Um zahlreiche» und pünktliche» Erscheinen ersucht der Borstand. Der Bpart-Elnb„Lnrich 02* beginnt demnächst mit seinen Kursen im Ziu- Aitsu kDamen und Herren getrennt). Anmeldungen werden Montag», Dien»- tag«, Dvnn«r»taas und Freitag» von 8—10 Uhr in der Turnhalle KLpenicker Straß« 2 entgegengenommen. «Iirr»rlcgeuturner und Sportler. Am 5. November findet da» Alters- riegentnrnen in der Turnhalle in der Prinzenstraße statt. Taaesordnung: 1. Neuwahl des Aktersriegenvarftonde». 2. Kritik der Altersnegenvartie, 3. Altersriogeu-Schauturnen, evtl, mit den Frauen zusammen. 4. Festsetzung de» Datum» der nächsten Altersriegenpartie und evtl. wohin. 25 Fahre Berliner Schwimmverciu„Delle*. Auf ein 25>ährige» Bestehen konnte om 18. August der Berliner Schwimmverain„Welle*, der heute 700 Mitglieder zählt, zurückblicken. Auf dem Gebiete de» Rettunaswesen» hat der Be-ein sein Bestes getan. Seit 14 Jahren, feit der Eröffnung he» Frei- bade» Müggelsee, versteht er ehrenamtlich den ständigen Rettungsdienst wi Freibad Am Sonnabend, 80. Oktober, 8 Uhr, findet im Laolbau Friedrich»- bain di« offizielle Jubiläumsfeier statt. Konzert, fvortlich« Borfiihrungen und Tanz werdcn den Abend angenehm aucfllllen. II. a. wirken mit: Männerchor „Solidarität*, die Konzerlfänaerin Charlotte Friedrich, Cellovlrtuofe Armin Liebcrmann, Rezitator Theo Marct. Der Eintritt beträgt 1 M. 8u dieser Feier stnd die Freund« und Gönner sowie all» ehemaligen Angebörtgen de» Bcreins und di« Brudcrvereln« herzlichst eingeladen. Bereitstellung von Tischen für bi« Bruderverein« werden unter Angabe der ungefähren Teilnehmerzahlen und Einsendung de» Tischbanner» bis Sonnabend nachmittag 2 Uhr»om Ge- Nossen Falkenber«. Berlin. Bernaucr Str. 05. entgegengenommen, Die Frei« Tuntel schaft Neukölln-Britz veranssaltet Svnntzg, 81. Oktober, Provaganda-Handballfpiele auf dem Scrtzbcrgvlaß. Bon 1—2 Uhr Männer: Neukölln 2, Venn, gaeen Moabit n; von 2—8 Uhr Frauen r Neukölln 2, Abt, gegen Fichte 0«; von 8—4 Uhr Männer: Neukölln 2, Abt. gegen Schöneberg l: von 4—5 Uhr Frauen: Neukölln Bonn, gegen Tegel I. Sport. Sechstage-Vorrenn«». Dein Sechöiggetenneii, das am Donnerstag nächster Woche im Sportpalast um 10 Ubr abends seinen Anfang nimmt, gebt um 8 Uhr ein 50-Kilometer.Mannschast«- rennen für Amateure voran», da» eine ausgezeichnete Besetzung ge- funden hat. lö Mannichasien werden an dem Rennen teilnehmen, zu dem u, a. neben dem BnndeSmeister Wraue die Berliner Herrenjahrcr Mar. Krehn, Tonalb, Krupkat jnii.. Packebuich. Engeiniann, Schuffcnbauer, die Stiatzcntahrer DahmS und Meyer, sowie die bekannten BreSlaucr Nickel und Siegel gemeldet haben. Merl .yUqJi te&crcmHsJtäitReaope. tat. FRANKFURTS dUÄ? erücksichtigt werden! » I r k•■■ sind die V*< KLEINEN ANZEIGEN{ in derGesamUoflagc des«Vorwirts'4 and 1 Sonder-Angebof! 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Die deutsche Ar- b e i t e r s ch a s t Hot an einer ersolgreichen Lösung dieses Problems ein gewaltiges Interesse: denn solange der deutsche Inlandsmarkt nicht aufnahmesähig genug ist, bezahlt sie mit der Arbeitslosigkeit d i e K o st e n. Die Ausnahmesähigkeit des deutschen Marktes zu steigern, ist das Hauptziel der sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Das E i n k o m- m e n der arbeitenden Massen der Kröge und der Ka u s k r os t nach zu st e i g e r n, die Kosten der Produktion und der Warenoerteilung und damit die Warenpreise zu senken, sind die Hauptmittel dieser Politik. Zu ihrer wirksamen Anwendung kämpft die Arbeiter- schaft um höhere Löhne und Gehälter, sie fördert selbst mit allem Nachdruck die Rationalisierung oller Betriebe und begrüßt alle Maßnahmen, die im Endeffekt die Produktion verbilligen, den Per- brauch steigern. In diesem Programm der Arbeiterschaft wirken die zahlreichen neuen Versuche, durch Gewährung von Kunden- kredit in organisierter Form Absatz und Derbrauch zu steigern, zunächst wie ein Fremdkörper. Aber auch für die Volks- Wirtschaft sind sie ein umstrittenes Problem. Alke und neue Einrichtungen. Die Einräumung von Kredit an den kaufenden Konsumenten ist nichts Neues. Es gab zu allen Zeiten und für alle Waren Konsumentenkredit: Abzahlungsoerkäufe mit Eigentumsvorbehalt. wenn der Käufer nicht sicher war, und Verkäufe an sicher« Kunden ohne EigentumsvorbehaU, weil der Käufer kreditwürdig war. In diesem altbekannten Konsumentenkredit erfolgte auch eine»Finan- zierung" des Konlums: das Kapital, das das Abzahlungsgeschäft in den gekauften Möbeln etwa, dem Kunden vor der vollen Bezahlung zum Gebrauch überließ, wurde entweder durch schlechtere Qualität oder durch einen höheren Preis verzinst. Wer ohne Eigentumsvorbehalt verkaufte, schlug die Zinsen für den gewährten Krebst auf seine Geschäftskosten und rechnete diese in den Preis ein. Dennoch steckt in dem, was heute mit Kon- fumfinanzierung gemeint ist, etwas grundlegend Neues. Die Konsumfinanzierung im alten Sinne war im ollgemeinen«ine Ausnahm«, heute wird sie als Regel angestrebt. Sie wir früher eine Privatangelegenheit einzelner Händler und ein- zelner Konsumenten, heute soll sie ein organisches Stück der Volkswirtschaft werden, das in diese systematisch eingebaut wird. Sie vollzog sich früher im Rahmen«ine» im allgemeinen aus- reichenden Inlandskonsums, heute soll sie einen sonst nicht oder nicht so stark vorhandenen Absatz neu schaffen oder k ü n st l i ch erweitern. Früher streckte der Kredit gewährend« Händler dem Konsumenten s e l b st das Kapital vor. dos in der Ware steckte(oder lieferte ein« schlechtere Oualitätll, heut« wird das Kapital geborgt, und zwar in der Regel im Ausland. Vor allem aber stand hinter dem Konsumentenkredit von früher keine Absatznot ganzer Industriezweige, er war kein volkswirtschaftliches Absotzsteigerungs- .p, Problem wie die heutig« Konsumfinanzierung, sondern eine gewöhn- liche Geschäftsangelegenheit einzelner Kausleute. Richtige und bedenkliche Geschäfte. Die heutige Konsumfinanzierung nimmt Geld in großen Men- gen vom Ausland auf. Der Absatz fehlt. Er soll durch das Aus- landsgeld geschaffen werden. Bei den Automobilbanken ist die Absicht auch volkswirtschaftlich noch durchaus rationell. Die Motorisierung des Verkehrs ist ein Stück Rationalisierung der Volks- Wirtschaft. Die Arbeitszeit, das wichtigste Produktionsmittel, wird durch die Verkürzung der Entfernungen, durch die Be- wältigung größerer Lasten mit geringerem Kraft- und Koftenauf- wand produktiver gemacht. Dafür Zinsen ans Ausland zu zahlen, lohnt sich. Es handelt sich um Werte von längerer Lebensdauer. Automobile schaffen in sehr vielen Fällen sofort greifbaren Nutzen, bringen Ersparnisse. Der Kreis der Konsumenten ist nicht zu groß. Di« Zahlungsfähigkeit ist leichter feststellbar, leichter ton- trollierbar. Auch die Zahl der Kredit gewährenden Firmen ist Nein. Eigentlich ist es nur die hinter der Autoindustrie stehende Automobilbank, der ausländische Geldgeber und die Ver- sicherungsgesellschaft. Auch das volkswirtschaftliche Risiko ist eng begrenzt. Aehnlich, aber nicht mehr so günstig, liegen die Ding« bei der Klavier- und H a r m o n i u m i n d u st r i e. Diese hat zwei Finanzierungsinstitut« geschaffen,«in« Absatzfinanzierungs- und eine Diskontpemeinschaft der Fabriken. Beide werden hauptsächlich mst schweizerischem Kapital ausgestattet. Aber Klavier, Flügel und Harmonium sind sicherlich in den seltensten Fällen Produktions- mittel, die die Produktivität von Betrieben steigern. Der Krei» der Käufer ist größer, das Objekt ist weniger wertvoll, und wenn es auch eine lange Lebensdauer hat, der Konsument wird auf lange Zeit mit Abzahlungsraten belastet. Immerhin sind die Kreditverkäufe auf Amateure beschränkt, für die der eigene Instrumentenbesitz zwar auch eine Versuchung ist, die aber ihren Pflickten meist gern nachkommen. Auck erfolgt die Anschaffung in der Regel aus keiner Notlage heraus. Die Ware selbst, um die es sich handelt, birgt noch keine unmittelbar« Gefahr für Konsumenten- kreise. Immerhin handelt es sich in den meisten � Fällen um ein Strck der Haushaltseinrichtung, das nur konsumtiv verbraucht wird, nicht wie beim Fahrrad, das dem Benutzer Zeit und Geld für Verkehrsmittel erspart, oder auch dem Kraftrad, das dem gewerblichen Mittelstand dieselben Dienste leistet. Auch für diese scheint ein« systematische Absatzsteigerung noch unbedenklich zu sein. Konsummaren im Tellzahlungsgeschäfl. Kcfähftich aber scheint uns schon der Weg, den die Waren- Häuser einzuschlagen begonnen haben. Und zwar insbesondere deshalb, weil die Warenhäuser den gesamten Spezial- und Kleinhandel mit sich zu reißen drohen, dem es um feine Exi- steni Angst wird. Ab 1 November stellt die Berliner Filiale der K a u f k r e d i t A.- G? ü r i ch auf Grund eines Kapitals von zu- nächst? Millionen Franken Beamten und mit langen Verträgen ausgestatteten Privatangestellten Kreditbriefe aus, auf Grund deren in de,: Hermann-Tietz'Warenhäusern eingekauft werden kann. Später sollen fteie Berufe. Gewerbetreibende und weitere Kreise folgen. Die Kreditbriefe laufen auf sechs Monate. In den ersten vier Wochen müssen die Einkäufe erfolgen. Für fünf Monate werden S Proz. Zinsen abgezogen: jährlich also 12 Proz. Zum Teil durch diese Gefahr wachgerufen, zum Teil aus eigener Initiative ist der Detail- und SpezialHandel gefolgt. Der.Deutsch« Möbelhändler- v e rb a n d E. V." hat die.T r e u m o"-Genossenschaft seiner Mit- glieder sür das ganze Reich gegründet und mit der Deutschen Auto- mobilbank A.-G. einen Vertrag zur Diskontierung von Kunden- wechseln geschlossen, die aus Teilzahlungsverträgen stammen. Der .Verband Berliner Spezialgeschäfte", dem sämtliche Spezialgeschäfte des Einzelhandel- ohne Warenhäuser angehören, verhandelt mit einer ausländischen Bank, die 100 Millionen Mark zur Verfügung stellen soll, über die Gründung eines bc- sonderen Instituts. Beliebiger Einkauf in begrenzter Höhe, auf 6 bis 12 Monate jlredit, Zinsen für den Käufer zum Reichsbank- diskont, der Rest von den Händlern zu tragen, als Kundenkreis z u n S ch st Beamte und Privatangestellte in fester Kondition: da» ist zunächst vorgesehen. Fast phantastisch ober wirkt folgender Plan: die Mehrzahl der Verbände des deutschen Einzel- Handels, ohne Lebensmittelhändlcr und Warenhäuser, will sich nach den Mitteilungen der Vereinigung de» Putz-Einzelhandels Groß-Berlin zu einer Konfumfinanzierungsgemein- schaft vereinigen, die fast alle Einrichtungsgegenstände de» Haushalt» und die ganze Bekleidung umfaßt: Herren- und Frauenbekleidung, Hüte, Schuhe, Küchenartikel und-einrichtungen, Glas und Porzellanwaren, Oefen, Sportaus- rüstungen und-geräte, Wäscheausstattungen, Photo- und Radio- apparate. Musikinstrumente. Die Mitglieder sollen in Genossen- schaften vereinigt werden, die selbst die Solidität der Kunden prüfen. 50 Millionen(auch Auslandsgeld) seien zunächst sicher- gestellt. Grundsätzlich keine Beschränkung nach der Einkommen?- höhe, auch nicht nach der Sicherhest des Einkommens, Kredstbriefe der Käufer, auf die die vorgenommenen Käufe abgeschrieben werden, monatlich 1 Proz..Verwaltungsgebühr", also jährlich 12 Proz. Zinsen, und Kosten, die der Käufer selbst zahlt. Man beachte die Summen, mst denen schon der Deutsche Möbelhändlerverband rech- net: im ersten Jahre erwartet er für 100 Millionen Diskont- «inreichungen von stunden. Soll der letztgenannte Plan der Deut- schen Einzelhandelsverbänd« Wirklichkeit werden, dann handelt e, sich jährlich um Milliarden. Der Uebereifer muh sich rächen. Eine solche Entwicklung aber kann nicht gesund sein. Zum mindesten die O r g o n i s a t i o n s w u t des Einzelhandels ist eine Angstgeburt. Sein Volk kann mehr verbraucheu. al» es auf Dauer au Eiukomemn erzielt. Durch die Konsumentenkredste kann das Ein- kommen nicht steigen. Der Absatz der Industrie kann nur um die- jengen Beträge steigen, und zwar auch nur im Augenblick, nicht auf Dauer, die das Ausland zur Konsumfinanzierung dauernd zur Ver- fügung stellt. Nun werden mindestens 12 Pro;. Zinsen gezahlt: in Wahrhest mehr, nämlich mindestens 17 Proz., weil der kaufend« Konsument für seine Ersparnisse keine Zinsen bekommt. Die Zinsen zahlt so oder so der Konsument. Sie gehen von seinen Ersparnissen ab: auf Dauer kauft er um so weniger. Das Geschäft kann nur glücken, wenn die Absotzsteige- rung und die Ersparnisse der Industriegebiete daraus so groß sind, daß mehr als die 17 Proz. in einem Jahre herauskommen. Das ist in aller Regel ausgeschlossen. Ferner aber ist zu bedenken, daß es beim Abzahlungsgeschäft immer Leute gibt, die sich lediglich durch die Bequemlichkeit der Abzahlung, nicht durch einen wirklichen und in den eigenen Einkommensverhältnissen begründeten Bedarf zu Anschaffungen hinreißen lassen. Zahlen diese nicht, so entstehen Verluste. Diese ver- lustc. trägt nicht der Kaufmann, auch nicht die hinter ihm stehende Bank, sondern der reelle Kunde. Auf diese Weis« erhöht sich der Preiszuschsag noch weiter. Nun gibt es aber einen viel rationelleren Weg. Warum den Umweg über den Konsumenten, wenn es die Industrie ist, der eigentlich das Geld fehlt. Warum besorgt sich die Industrie nicht direkt das Kapital, das zum Kreditgeben nötig ist? Hier löst sich da» Problem. Di« Industrie kann das Kapital nicht haben, eben weil der Absatz fehlt. Im ganzen genommen steckt hinter der Konsumfinanzierung«in gefährlicher Trugschluß, von den wenigen Ausnahmen abgesehen, wo es sich eigentlich um Pro- duktionsmittel handelt. Darum wird heute mit Recht schon gewarnt. Der Groß- Handel hat sich schon gegen die Konsumfinanzierung von eigentlichen Bedarfs waren gewandt. Die Konsumgenossenschaften lehnen ähnliche Projekte selbstverständlich ab. Hohe Löhne bei niedrigen Preisen und die einzige Möglichkeit, die Krise zu überwinden. Man kann keinen neuen Absatz schaffen, wo man nicht neues Einkommen schafft. Di« überspannte Erweiterung der Abzahlungsgeschäfte kann leicht als Morphiuni spritze wirken, die den Körper der Volkswirtschaft kräftiger erscheinen läßt, als er wirklich ist. Einen Trost gibt es, daß derartige künslliche Aus. peitschungen der Konjunktur meist in einer Zunahme der Kon- k u r s e sich wieder ausgleichen. Daran haben weder Händler, noch Käufer, noch Arbeiter und Industrie ein Interesse. Zinnspekulation und Seüarf. Die tage der internationalen Zlnnwirtschaft. Zinn ist dasjenige Metall, das bisher unter dem größten Ein- fluß der Spekulation stand und bei dem die Kursschwankun- g« n im Vergleich zu den anderen Metallen stets die größten waren Seit einem halben Jahre haben sich aber insofern die Verhältnisse grundlegend geändert, als die letzten Steigerungen nur zum gc- � ringen Teil auf spekulative Maßnahmen zurückzuführen sind, wäh> rend vielmehr die Wirtschaftslage in fast allen Ländern den Zinn- preis bestimmt hat. Die Produktiv n selbst hat sich im Gegensatz zu Kupfer, Blei und Zink wenig oerändert. Die bedeutendsten Hersteller sind die englischen und holländischen Gesellschaften, die infolge ihrer großen finanziellen Macht den Zinnmarkt beherrschen und gewisser- maßen eine Monopol st ellung am Weltmarkt ausüben. Die Ausnutzung dieser Monopolstellung hat schon mehrfach in den Ver- einichen Staaten, wo der größte Konsum an Zinn festzustellen ist, in der Konseroenbüchsenfabrikation, in der Zinntuben- und Zinn foliefabrikation und bei der Herstellung von Legierungen(Löt- zinn) für Bau- und Eisenbahnzwecke Verwendung. Besonders in der Weißblechindustrie ist eine außerordentliche Steigerung des Be- darfs zu verzeichnen: haben doch die Vereinigten Staaten allein im Monat August ungefähr 3.7 Millionen Kisten Weißblech hergestellt. Das ist eine Produktion, die selbst nach amerikanischen Begriffen außerordentlich ist. Auch die deutsche Weißblechindustrie konnte infolge beb englischen Streits einen ungewöhnlichen Aufschwung ver- zeichnen. Im vergangenen Jahr wurden im Inland« etwa 00 000 Tonnen Weißblech produziert. Im Juli und August dieses Jahres stellte sich die Produktion auf etwa 11 000 Tonnen je Monat. Bei dieser Vergrößerung ist allerdings zu berücksichtigen, daß sehr viele Aufträge aus dem Ausland infolge des englischen Streik» und der Ueberlastung der amerikanischen Häuser nach Deutschland ge° legt worden sind. Maßgebend für die Preisentwicklung am Zinnmarkt sind in erster Linie die sichtbaren Vorrät« und die Produk- tionsziffern. Nach den bisherigen Ergebnissen und den Ver- Ichiffungen aus den Malaienstaaten ist für dieses Jahr mit einem Rückgang der W« l t p r o d u k t i o n um mindestens 2000 Tonnen zu rechnen, während sich der W e l t o e r b r a u ch um mindestens 3000 bis 4000 Tonnen vermehrt hat. Die Vereinigten Staaten haben allein in den Monaten Juli, August, September insgesamt etwa 20 000 Tonnen oerbraucht. Diesem Konsum stehen sichtbare Vorrät« von ungefähr 13 000 Tonn«n gegenüber. Da» heißt mit anderen Worten, der Durchschnittsverbrauch der amerikanischen In- dustrie im Monat ist durch die Weltbcstände mir gut zweimal gedeckt. Die deutsche Produktion ist nur geringeren Umfanges. Es kommen nur zwei Hütten hauptsächlich in Frage, nämlich Gold- schmidt, Essen, und die Zinnwerke Wilhelmsburg. Beide Unter- nehmungen hatten ihre Zinnproduktion infolge Mangels an Zinn- erzen und bei dem niedrigen Kurs im vergangenen Jahr stillgelegt. Bei den Zinnwerkcn Wilhelmsbura hat sich in letzter Zeit die be- kannte englische Finna B r a n d e l s, Goldlchmidt u. Co. beteiligt, wodurch die Lieferung von Zinnerzen für dieses Unternehmen ge- sichert ist. Auch Goldschmidt tonnte wieder arbeiten, da der hohe Preisstand trotz erheblicher Frachttpesen die Verarbeitung möglich machte. Die Lage von Zinn wird durch folgend« Zahlenübe iftcht beleuchtet: Die sickttbare» Vorräte stellten sich in englischen Tonnen(zu je 1016,06 Kilogramm) Ende 1023 aus etwa 20 000 Tonnen, Ende 1024 auf rund 24 000 und Ende 192S aus rund 16 700 Tonnen. Aus der Statistik ergibt sich mit aller Deutlichkeit, daß infolge der ständigen Verminderung der W e l t b e st ä n d e und der Re- duzierung der Welterzeugung bei den augenblicklichen Konsumoer- Hältnissen große Preisrückgänge nicht zu erwarten sind. Die Amerikaner verfolgen die Entwicklung de» Zinnmarkte» mit größter Aufmerksamkeit. Mit allen Mitteln versucht man hier, sich von dem Preisdiktat Londons freizumachen. Neue Zinnerzläger find jedoch nicht gefunden, und die amerikanischen Meldungen über angebliche Funde sind wohl hauptsächlich als Stimmungsmache gegen den Londoner Markt anzusehen. R. B. Gegen öie nationalistische hanöelspoliti?. Eine Kundgebung des Aufzenhandclsverbandes. Der Vorstand des A u ß e n h a n d e l s o e r b a n d e s Hot in seiner kürzlich stattgefundene» Sitzung eine Kundgebung erlassen, die sich mit Entschiedenheit gegen die Methoden der Nachkriegszeit- lichen Handelspolitik wendet. Alle noch so wertvollen Arbeiten des Völkerbundes, der Internationalen Handelskammer usw. müßten ohne nennenswerte Ergebnisse bleiben, wenn nicht mit der natio- nalistischen Handels- und Wirtschaftspolitik ge- brachen und auf jenen„Schutz der nationalen Arbeit" oerzichlet wird, der selbst in den kleinsten Staaten eigene In- dustrien züchten will, die ohne hohe Zollmauern nicht lebens- fähig sind. E» müssen neue Wege der Handelspolitik beschritten werden. Die bekannten Vorschläge vom früheren Rcichswirtschalts- minister N e u h a u s und von dem früheren österreichischen Ge- sandten Riedl bilden ekne geeignete Grundlage für weitere Be- ratungen. Die bisherigen Texte der Handelsverträge inüsscn eine ein- heitlichc Neuregelung erfahren und durch einen Kollektivvertrag zum Jnternationolvertragsrccht gemacht werden. Ein solcher Kollektivvertrag würde zusammen mit dein gleichzeitig anzustrebenden einheitlichen Zolltarifschema die wesentliche Voraussetzung sür einen fortschreitenden wirtschaftlichen Zusammen- schluh der europäischen Länder bilden. Ein allmählicher Abbau der Zollmauern kann durch die Festlegung der Maximal- höhe der Zollbelastung erreicht werden. Ständige Zoll- und Han- delskonferenzen der den Kollektivverträgen beigetretenen Staaten müßten die Durchführung der Verträge überwachen, als Schlichtungs- stellen fungieren und die Verständigung wetter ausbauen. kÜN MfiWHlß. N'ea« Kraft durch da» boeb�e Scxunl-KraftiÄunp�tuiitel„OKASA** nach Oetidmr&t Dr. meii. Lahuaen. HfiTotraß. aputachtet i»t die prompt« nnd naoh* haltigo Wli kun OrUIntl Pac'.rnnT«ÄOM, Das reut* Pihparat rrhahfa 81« nur do"'h Radlaoers Krenan Apolhek«. 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Gneisenaa von Wolfgang Goetz Regie: Hcmz Hilpert Sonntg.nachm. 3U.: Gesellschaft von Galsworthy Regie: M. Reinhardt Kammerspiele Korden 10334—38 0V4 Uhr: Dersetällis.Tliiorry von Tristan Bernard Regte: Eug. Robert Kose-7heater 4 Uhr: Aschenbrödel 8V4 Uhr Was ihr wollt Nollendorf 7360 8 Uhr Neuheiten Sonnabends n. Sonntags 2 Vorstellungen i» und 8 Uhr. 580 zu ermäßigt Preisen d. ganze Programm KAMMERLICHTSPIELE FRIEDRICHSTRASSE TURNSTRASSE KON IGSTADT ALEXANDERPLATZ WEINBER6SWEG Segelfahrt In Weadertand.„Der 1 Flieger f. Tsinglau",». Vertrag f d.Hra.KapIthtlt. a.D. G. PlOscbow| Harry Lledtke In D*r FaldhormhOgel| Der FeldhermhOgel 1 Auf der BUhne: Das verhinderte Manflver| Mary Pickford In Sparllngo Gottes BQhnenschau Norma Shearer in Die Im Schatten leben Daa Geheimnis von| St. Pauli Uni Mitwirk. d. Hamborger I Schutz- und Hafenpolizei{ mannuua und s�abnen 12<4 Ubr SM. KAttWntmObt.»ttffwm» ftt««tt- «ehSriqc Märners Blumengarten. Oberschoneweibe. vtaßenbahn: 87. 18?. Sa.— Treptow(«reis»: So., d. 30.. S Uhr. Antreten am Sternplatz Johannisthal ,um Itzackelzug. Sanntag. d. 31.. 1 Uhr. ebenda.-- 0bers<�»->«id«, Ri-d-r. schönewcide und Johannisthal tritt am Sonntag, d. S1., 12/4 Ilhr, zum db- holen der Kahne bei Rälhel. Brückenstr. 13, an. Sämtlich«««weraden treicn ohne isahrräder an. � Daamfchulcnweg: V0. 3 Uhr Antreten Bhs. Baumsdiulen- weg zum!7°ckcUug. Sonntag, b. 31.. Fohnenmeihe und Umzug,«»treten mi Uhr Bhs. Baumschulenweg.- Ried-rschpuhaus-n: Sonntag, d. 31.. 11 Uhr. Antreten �ur Pslichtveronstaltung Friedcnsplatz, Klindt. Nochrichtenbicnft�Iodct� -in.- Wildau: So..». SO.,«.10 Uhr, Antreten»V.Mld«». rtWfÖi« Uhr. Sonntag, d. 31.. 12.23 Uhr. Antreten Bhs. Dlldau. Abf. 12.33 Uhu. Erscheinen Pflicht._ Beeeiu der Schleswig-Salsteiner lgegr. 1888). Am Sonnabend. 30. Oktaber. findet unser 38. Stiftungsfest im Sotci„Deutscher Hof, Luckaucr Etr. 1o. statt. Landsleute und Gäste willkommen. lfecireliaiöse Gemeinde. Sonntag vorm. II Uhr, Pappelallee 1a, Vortrag des Scrrn Dr. H. Sasse:„Der Koran und sein« Verdienste um die monlsttscho DZeltauffassung". Sarmonium: Gebet(Liszt). Gäste willkommen. Die üomoäie Sismarcu 2414, 7313 W Uhr Die Gefaugene Von Bourdet Regie: M. Reinhardt BarnoffskydöhReo Ttiealer KOntS�rfttz.Str. Hasenheide 2110 8 Uhr: Mrs. Chensys Ende HomOdleniiaos Norden 6304 8: Einbruch Th. a. Nollendorfplatz Letzte Aüffütirungen „liablma" Heute u. morgen 8 Uhr: DybDh Stg. vorm. 11'/, U. Matinee: ttllltllll HomOlUeiUiaus Sonnt nachm. 3 U. Oer Garten Eden Preise 50 Pf. b. 4M. KleinesTheater Heute 8 Uhr Premiere: Bßtäfeogradi Revue in 24 Bildern Sonnt nachm. 4Uhr Stlingßwittdieo Ssltenborg-Böhnea DeatsebES Sllnstl.- Theater 8>,« Uhr: nas große Abentenep Doj-sdi. Pailenberg Jeden Sonnab.S1/, Das bise PriozeBdien Lessing-Tbealer s u.: Kensm nnd Uebermeaadi Th. a.Korförsteodainni 8 Uhr: In derJobannisnadit Lnslspielhaus 8'/, Uhr: Die Herzogin v. Elba Jeden Sonntg. 3 Schneewlltcnen netropol■ rneni. Täglich»> Uhr: Die große Revue Wieder Metropol Reiidenz- Tiieat. Täglich 81'. Uhr: Absteigemrartier Eintritt Jogendliihen verbolOT Tiiaiia-Tneaier uhr Der Biberpelz Regie: Berth. Viertel Tbealei des Westens g Der Zug nadtd. Westen g Tägl. ü'/j Uhr| Theater im Admiratspatast Blesencrlolg Kalier- Henne Ann. aus Preise von 2-16 M. i Vorverkaot ononterbr P Dr. SdiaospielPaos TägUch 8'/« Uhr ilpollii-TMn Ri esen-Wel tstad t- Programm mit Breitbart Florian Petennann 14 entkl. Attraktionen Wieder Friedcnspreue 0.75,1.—, iJü,2.- 2J0, 3.— M. usw. Anfang 8 Uhr Fboatpr a. Sottb. Tor Ksllbutrr Str. t, Togl S Uhr u. Sonn- tag nachm 3 Uhr lzu ermätztglen illretleu) im- «Suüer und da« Rubi. Damen- Detänat- QaarteitPopon rag nag ermätzst i o Volks buh ne fheater am BülovA'atzjTb. m Sdiiitbeoerdamm 8 Uhr:' Täglich 8 Uhr; Sysistrata 1 Das Grabmal Morgen 3 u. 8 Uhr: j l!eS 111�1(300160 Sysistrafa! Soldaten. Jede Frau, welche Sun /ich f Seife erprobt hat, schätzt ihre unübertreffliche Güte und Reinheit Sun licht Seife schont die Wäsche. Der neue große Würfet 40 P fg. Das Doppelstück 45 Pfg. sis WorAr ! �oooef •;I3 M S.tl Ih Jüomiscfte Cper Der ffroße Operettenerfolg l* Jldvienne mit Serak, Wessely, Wirl, Blass ßoettcher, hell.- Sonntag nehm. 3 U.: 5>ie Fledermaus in erster Besetzung Vorverkauf ununterbrochen v.lO U. an Wallner- Theafer 8Ttt EÄHasemannsTöchter L Trianon- Theater Täglich 8>/. Uhr: „Dirnentragödie" 2 VlinteF Carien Reichshallen-Theater Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Ubr Slefflner Sänger i.sdii«B: Piepers Diele __ Burleske von Meysel Nachm halbe Preise 2 Oönhoff-Brett'l Varietd- Konzert-Tanz Cfmis Busch Heute 7V,: Clrcas• Attraktionen �.��ÄSPapaWraogri Morgen, Sonntag: 3-f 7'.z Uhr: 2 gr. Abidiieiii-VoritellDßgen 2 Nachm. Erw. u. Kinder halbe Preise. Das volle Abendprogr. u. Papa Wränge) IAb Mittwoch, 3. November: I Gastspiel Circus Carl Hagenbeck, Stellingen-Hambg.| Zlach kurzem Leiden verschied am 28 Oktober nachmittags 3 Uhr mein lieber Mann und Vater, unser Trotz- vatcr. der Bauarbeiter >Vilhelm Noack Die trauernden Hinterbliebenen Emma Noack Elise Meier, geb. Roadt als Tochter und Enkelkinder. Bln ,Griebenowstr. 8 9. d. lv Oktober. Die Einäscherung findet am Montag, den l. November, abends SV, Uhr, im Krematorium Gerichlftraße statt. »BtsMIMOlM-MWi! ZZZontng. Den I. Jtooembec, nachmittags 2 Ahe, Im Zimmer 28 bes Oetbanbabanfea, Cinlenflc. 83 85. Portal I, 4 Steppen aw Versammlung der arbeitslosen Vau- und Gctd- schraukschtosser. Sagesordnung: 1. Bericht der Branchrnlomniissson. 2. Die Arbeitslage in den Beirieben. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. M ten ist es. inen. Keine Angst für morgen, Pin do wird Dir borgen! * Auf Teilzahlung: cjqne cucugueosDUOT c e i n rtuccu Pflicht oller arbeitslosen Kolleye in dieser Versammlung Zu rrschein Alben Springare Gro�garage and Tankstelle Tag und Nacht geöffnet Auto- Reparatur- Werkstatt Fernspr. Norden 1276 u. Alexander 4376 Lothringer Str. 107, Ecke Linien- strafe 14, am Prenzlauer Tor Herrenanzüge Paletots Ulster Regen- u. Gummimäntel Sportanzüge Smoking- u. Tanzanzüge Hüte, Stöcke Pullov/ers Peise Dsmen- Kleider Kostüme Mäntel Regen- u. Gummimäntel GeseliscbaMieifler Strickkleider Pullowers Pelzjacken Pelzmäntel Pelzkragen RSesenauswahll �UERGCNS Mctaadarpla tr Blnnenspenden lebet Art lielett preiswert Paul Gollets. vorm. SgM Meyer. Mariannenstraße 3, Ecke Naunynil ratze Amt MorttzvI. 10303. Hiilttlliigz-.stsdlii!- il.AeIlIsmem»Tben gegen Nachahmung gesetzt, gesch. lettigt seit 43 3ah r. als Spezlalltä« Conrad HOiler Kchtzeuditz Leipzig la. Eiderlüllkäse 9 Pfd. M. 6,30 frko. Damplklsefabrlk Rendsburg. 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Zu Anfang der siebziger Jahre, als es noch keine öffentlichen Gebäude in Simla gab, wurde Fräulein Gaurey von ihren Eltern mit dem Oberst Schreiberling oerheiratet. Er kann nicht viel mehr als fiinfunddrcißig Jahre älter gewesen sein als sie; und da er monatlich 200 Rupien verdiente und eigenes Vermögen besaß, stand er sich gut. Er stammte aus guter Familie und litt in der lallen Iahreszell an Stichen in der Lunge. In der heißen Zeit war er beständig vom Hitzschlag bedroht! aber er ging doch nie ganz drauf. Wohlverstanden, ich tadle Schreiberling nicht. Er war für seine Begriffe ein guter Ehemann, und er war nur schlechter Laune, wenn er der Pflege bedurfte. Das war an siebzehn Tagen im Monat der Fall. In Geldangelegenheiten war er gegen seine Frau beinahe aroßzügig, und das will bei ihm schon was heißen. Und doch war Frau Schreiberling nicht glücklich. Man verheiratete sie, als sie noch nicht zwanzig war und ihr ganzes armes Herzchen einem anderen geschenkt hatte. Seinen Namen habe ich vergessen, wir wollen ihn einfach den anderen nennen. Er hatte weder Geld noch Aus- sichten. Er war nicht einmal hübsch; ich glaube, er war im Kom- missariat oder beim Transportwesen angestellt. Aber trotz alledem liebte sie ihn heftig; und sie waren so gut wie verlobt, als Schreiber- ling auftauchte und Frau Gaurey mitteilte, er wolle ihre Tochter heiroten. Da wurde die andere Verlobung aufgehoben— ausgelöscht von Frau Gaureys Tränen; dies« Dome nämlich regierte ihr Haus durch Trönenströme, vergossen über Ungehorsam gegen ihre Autorität und den Mangel an Respekt vor ihrem Aller. Die Tochter artete nicht nach ihrer Mutter. Sie weinte nie. Nicht einmal auf ihrer Hochzeit. Der andere trug seinen Verlust schweigend und wurde bald darauf in eine der schlechtesten Stationen versetzt. Vielleicht tröstete das Klima ihn. Er litt am Wechselfieber, und das mag ihn von seinem Kummer abgelenkt haben. Er litt auch an Herzschwäche. Im doppelten Sinne des Wortes. Die eine Herzklappe war angegriffen und wurde durch das Fieber immer mehr geschwächt. Das zeigte sich später. Monate vergingen; dann fing Frau Schreiberling an zu kränkeln. Sie welkt« nicht dahin wie Leute in Romanen, aber sie schien An- zichungskrast für alle in der Station auftauchenden Krankheiten zu haben vom einfachsten Fieber an. Sie sah in ihrer besten Zell nie mehr als ganz nett aus, die Krankheiten machten sie direkt häßlich. Das sagte Schreiberling. Er war stolz darauf, daß er immer seine Meinung sagte. Als sie nicht mehr hübsch war, überließ er sie ganz sich selbst und kehrte zurück zu den Logerstätten seiner Iunggesellenzeit. Sie pflegte die Hauptallee in Simla auf ein« seltsam verlorene Weise auf und ob zu reiten, einen grauen Hut in den Nacken geschoben, aus einem ungemein schäbigen Sattel. Schreiberlings Großmut machte beim Pferd holt. Et sagte, jeder Sattel sei für eine so nervöse Frau wie seine gut genug. Sie wurde nie zum Tanzen aufgefordert, weil sie nicht gut tanzte; und sie war so langweilig und uninteressant, daß sich in ihrer Visitenkartenschale selten Karten fanden. Schreiber. ling sagte, wenn er gewußt hätte, daß sie nach der Heirat eine solche Vogelscheuch« werden würde, hätte er sie nie geheiratet. Ja, er war stolz darauf, daß er immer offen seine Meinung sagte, der Herr Schreiderling! Einmal im August, als er zu seinem Regiment ging, ließ er sie allein in Simla zurück. Da lebte sie etwas auf, aber ihr gutes Aussehen erlangte sie nicht wieder. Im Klub hörte ich, daß der andere krank, sehr krank, nach Simla kommen würde, ein letzter Genesungsversuch. Das Fieber und die kranke Herzklappe hatten ihn dem Tode nahe gebracht. Sie wußte es auch, und sie wußte auch— woran ich kein- Interesse hatte— wann er kommen würde. Er hotte es ihr wohl geschrieben. Sie hatten einander zuletzt einen Monat vor ihrer Hochzeit gesehen. Ein später Besuch hielt mich eines Abends bis zum Dunkel- wevden im Dovell-Hotel zurück. Frau Schreiderling war den ganzen Wachmittag unruhig in der Alle« auf und ab gegangen. Als ich die Fahrstraße entlang ritt, überholte mich ein« Tonga, da setzt« ich mein Pony, das sehr lange hall« stehen müssen, in Galopp. An der Straße beim Tongahalteplotz stand Frau Schreiderling. triefnaß und wartet« auf die Tonga. Ich ritt weiter, da mich ja die Tonga nichts anging, da schrie Frau Schreiderling auf. Ich kelu/te sofort um und sah beim Schein« der Straßenlaterne Frau Schreitrnling auf der nassen Straße neben dem Rücksitz der eben angekommenen Tonga knien, gellende. Schrei« ausstoßend. Als ich näher kam, stürzt« sie hin, mit dem Ge- ficht in den Schmutz. Auf dem Rücksitz saß fest und aufrecht, die ein« Hand an der Verdeckstütze, Hut und Bart vom Regen triefend, der andere— tot. Das Gerüttel die sechzig Meilen bergan war wohl zu viel gewesen für sein« Herzklappe. Der Tongakutscher sagt«:„Der Sahib ist zwei Stationen hinter Solon gestorben. Da Hab ich ihn mit einem Strick festgebunden, damit er nach Simla käme und nicht unterwegs raus- fallen sollt«. Will der Sahib mir einen Bakschisch geben? Das da— er zeigt« aus den anderen— wollt« mir«ine Rupie geben." " Der andere Halle«in Grinsen auf dem Gesicht, als ob der Witz seiner Ankunft ihm Spaß mache; Frau Schreiderling, im Schmutz liegend, fing zu stöhnen an. Außer uns vieren war niemand da, es regnet« in Strömen. Dos Wichtigste war, Frau Schreiderling nach Hause zu bringen, das Zweitwichtigst«, zu verhindern, daß ihr Name in Verbindung mit dieser Angelegenheit genannt wurde. Der Tonga- kutscher erhielt fünf Rupien, um eine Rikscha für Frau Schreiderling herbeizuschaffen. Er sollt« nachher dem Tongabeamten von dem anderen erzählen, und der sollt« dann alles weller« oeranlasien. Wir trugen Frau Schrerderling aus dem Regen unter dos Schutzdach, und dort warteten wir dreiviertel Stunden auf die Rikscha. Der andere saß noch genau so da, wie er angekommen war. Frau Schreiderling tat alles, nur nicht weinen, das häll« ihr vielleicht geholfen. Sobald sie wieder bei Besinnung war, versucht« sie wieder zu schreien, und dann fing sie an. für die Seele des anderen zu beten. Wäre sie nicht so rein gewesen, wie der hellst« Tag, dann hätte sie auch für ihr« eigene Seele gebetet. Ich wartete direkt darauf, ober sie tat es nicht. Ich versuchte, ihre Kleider von dem schlimmsten Schmutz zu reinigen. Endlich kam die Rikscha, und ich schaffte sie, fast mit Gewall, fort. Es war schrecklich von Anfang bis Ende; aber das Schrecklichst« war. als die Rikscha sich zwischen Wand und Tonga hindurchdrängen mußte, und sie im Laternenschein die magere gelb« Hand an der Lerdeckstütze sich. Sie starb nicht— Männer von Schreiderling? Art heiraten Frauen, die nicht so leicht sterben. Sie leben und werden häßlich. Sie sprach niemals von dieser einzigen Begegnung mit dem anderen sell ihrer Heirat; sie ritt wieder auf demselben gräßlich schäbigen Sattel die Alle« aus und ab und sah aus, als ob sie jeden Augenblick erwarte, daß jemand um die Ecke biegen und auf sie zu- kommen würde. Zwei Jahre später ging sie nach England zurück und starb, ich glaub«, in Bournemouth. Wenn Schreiderling im Kasino etwas angesäuselt— sentimental wurde, sprach er immer von seiner„armen, lieben Frau". Er legte immer viel Wert darauf, sein« Meinung zu sogen, der Herr Schreiderling! Der Opponent muh vielleicht erst noch dünner werden, bevor man ihn durch die Tür kriegt! Zur Geschichte Paneuropas. Von BernhardDüwell. Der paneuropäische Gedanke, dessen Aufschwung auf dem letzten Wiener Pan-Europa-Kongreß klar wurde, ist ein legllimes Kind bürgerlicher Not, die aus dem europäischen Elend einen Ausweg sucht. Der Weltkrieg brachte Europa nicht nur furchtbare Dlutopfer und materielle Schäden, er beflügelte auf- der einen Seite den ge- wolllgen Wirtschaftsoorsprung Amerikas, befestigte auf der anderen erneut dos britische Empire und schuf endlich den Koloß Sowjetruß- land, der trotz aller scheinbaren inneren Schwäche immer energischer in die Weltpolitit eingreift. Diesen drei Riesengewalten begegnen die souveränen europäischen Staaten auf dem Weltmarkte überoll und merken dabei, daß sie wirtschaftlich mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. Europas Profit kam ins Wanken, und das ist der Grund, weshalb es sich allmählich immer intensiver mit den Ursachen zu beschästigen beginnt. Das ist auch der Grund für die europäische Besinnung, die wir in den letzten Wochen erlebten: intereuropäische Manifeste von Wirtschaftssührern, die im Prinzip auf den wirtschafts- politisch geeinten Europäischen Staatenbund zielen, gleichgerichtete Handelskammer-Kundgebungen und sogar substanzhaftere inter- europäische Wirtschaftsbündnisse, wie etwa den Eisentrust usw. Karl Marx hat uns gelehrt, alle gesellschaftlichen und kulturellen Ideen als Ausfluß wirtschaftlicher Zustände und Notwendigkeiten zu betrachten. Auch der Pan-Europa-Gedanke wurde erst dann dem Bereiche historisch-philosophischer Spekulationen entrissen, als er ein Gegenstand materieller Wertung geworden war. Nicht immanente ideologische Schwungkraft oder die„sittliche Idee" des Völkerfriedens oder die Arbeit seines modernen tapferen Trompeters Coudenhove- Calergi machten ihn in unseren Tagen zukunftsträchtig, sondern vor allem ganz gewöhnlich wirtschaftliche Ueberlegung, die die Kon- kurrenz der drei Wellreiche außerhalb Kontinentaleuropas fürchtet. Als Friedrich Schiller seinen berühmten Satz niederschrieb, er betrachtete die Völker nur als Durchgangsstadium zur Menschheit, waren die besten Köpfe Europas mit ihm einer Meinung. Einer von ihnen, Beethoven, verherrlichte in der Eroica-Sinfonie das Leben jenes Mannes, der dem Kosmopolitismus seinerzeit als europäischer Vorkämpfer erschien, das Leben Napoleons, des Generals der französischen Revolution, der Europas dynastische Verschnürung zer- riß, um dann selbst in schwacher Menschlichkeit die Krone einzu- tauschen und über den Verrat seines trotz allem für Europa befreien- den Wertes zu stürzen. Die Fürsten Europas und sein Adel begriffen die Drohung dieses Sturzes besser als ihre Völkere. Unter der Führung Rußlands konstituierten die gekrönten Häupter zum ersten Male am 20. Sep- tember 1815 Paneuropa. Es läßt sich freibch in der Heiligen Allianz, von der sich nur England ausschloß, nur als magerer Schatten erkennen. Es war jedenfalls da. Die Monarchen erklärten, fortan würde es„... ihr einziger Grundsatz sein, sich gegenseitig Dienste zu leisten, sich durch ein unverändertes Wohlwollen die gegenseitige Zu- Neigung zu bezeigen und sich alle nur als Mitglieder einer und der- selben christlichen Nation zu betrachten... Der Wiener Kongreß, die erste europäische Staatenoersamm- lung, hatte also nach dem Willen seiner Drahtzieher, vor allem Metternichs, erreicht, was er erreichen sollte: zu verhindern, daß der Sturz eines auf Revolution beruhenden Despotismus(Napoleons) anstatt zur Restauration der von dem Korsen bedrohten Dynastien zur revolutionären Befreiung aller Völker führte, zur Bildung einer auf Demokratie gegründeten europäischen Staatenfamilie. Das Paneuropa der Heiligen Allianz, diese dynastische Gegen- seitigkeitsversicherung gegen Demokratie und Volksrechte, die nach einem Worte des liberalen Geschichtsschreibers Rotteck die Völker Europas als dem Sachenrecht anheimgefallen behandelte, sicherte in der Tat 33 Jahre den europäischen Frieden und brach erst in den Stürmen von 1848 zusammen. Der Gedanke einer europäischen Völkergemeinschaft aber blieb unversehrt, strahlte um so heller, nach- dem er aus der prostituierenden Zwangsehe mit den Fürsten erlöst worden war. Er hatte einen neuen Vertreter im aufstrebenden Bürgertum gesunden, das den Kapitalismus aus den Fesseln dynastischer Eigennützigkeiten befreien wollte. Zehrten doch allein in Deutschland 34 Fürsten mit Zöllen, Steuern, Mauten an dem Ertrag bürgerlicher Arbeit und verhinderten so die Bildung des großen deutschen Marktes als Grundlage ungehemmten kapitalistischen Auf- schwungs. Wie die Angst vor dem erwachenden Proletariat den bürgerlichen Elan rasch hemmte, ist bekannt. Weniger bekannt aber die Tatsache, daß die Frankfurter Nationalversammlung einen Antrag Seilage des vorwärts auf Einberufung eines europäischen Völkerkongresses zu debattieren hatte, der unter dem Eindrucke des Lamartinefchen Vorschlages eines deutsch-französischen Bündnisses gereift war. Der Abgeordnete Arnold Rüge brachte am 22. Juli 1848 folgenden Antrag ein: „... Da der bewaffnete Friede durch feine stehenden Heere den Völkern Europas eine unerträgliche Bürde auferlogt und die bürgerliche Freiheit gefährdet, so erkennen wir das Bedürfnis an, einen Völkerkongreß ins Leben zu rufen zu dem Zweck einer allge- meinen europäischen Entwaffnung..." In der Begründung heißt es u. a.(zitiert nach W. Appens„Die Nationalversammlung zu Frankfurt a. M.):.. Wie-wir den Fürstenkongreß des Bundes- tages aufgelöst haben, werden die Nationen Europas durch die Logik der Ereignisse gezwungen, an die Stelle der Fürstenkongrcsse in Zu- kunft den Völkcrkongreß zu setzen. Der Völkerkongreh... das ist der Gegensatz zu dem bisherigen System. Das System der Kon- gresse wird erst dann ein wahres, wenn diejenigen, welche den Kongreß bilden, von dem Bolke zum Kongreß gewählt sind... Die wahren Kongresse sind nur die Völkerkongresse, die falschen sind die Diplomatenkongresse... Es ist das ungeheure Bedürfnis, diese furchtbaren Ausgaben für Müßiggänger und Fresser des Staats- vermöge, is ov�uheben und diese vielen Millionen und Milliarden auf die Industrie und die Schulen zu verwenden..." Rüge erhoffte sich weiter von einem solchen Kongresse der Ab- geordneten der Völker die Rekonstituierung aller europäischen Na- tionen, auch Ruhlands, im Geiste bürgerlicher Freiheit und des Par- lamentarismus, die Ausrechterhaltung des europäischen Friedens, die Beseitigung der Militärherrschaft und ihre absolute Unterstellung unter die Zivilgcwalt. Unterstützt wurde Ruges Antrag hauptsächlich von Robert Blum, der in seiner Annahme eine kräftig internationale Propa- ganda für die Freiheitsgedanken der französischen Revolution er- blickte:„... aber das Ziel, das man im Sluge hat, muß man aus- sprechen und das Ziel einer Verbrüderimg des frcigewordencn oder sreiwerdenden Westens, das ist es, dem ich meine Stimme leihe..." Aber bei Blum begann dann auch kräftig der bürgerliche Pferdefuß der Abneigung vor dem Proletariat zu scharren:„... In der Er- reichung dieses Zieles ist aber zugleich auch gesichert, was man so vielfach bedroht sieht, der gesellschaftliche Zustand, der Bestand des Besitzes, die Heiligkeit des Eigentumes. Denn wenn wir es vcr- mögen, unsere bisher an Recht wie an Lebensbedürfnissen notleiden- den Brüder auf eine andere Stufe zu heben, wenn wir auch ihnen Wohlstand, Sicherstellung und Genuß des Daseins gewähren können, dann haben wir nimmermehr zu fürchten, daß die Verzweiflung sie zur Gewalt treiben läßt..." Marx, der das Frankfurter Parlament als im„Luftreich des Traumes" herumirrend und feine Debatten„literarische und anti- quarische Kuriositäten" nannte, hat sich nur im Hinblick auf die historischen Perspektiven geirrt. Die Paneuropa-Jdee hat die Frank- furter Nationaloersammlung überlebt, die sie ablehnte, und hat auch überlebt, was dahinter kam. Dies erweckte sie vielmehr zu neuer Aktivität. Heute haben auch die imperialistischen Treiber zum Welt- kriege in den Direktionssesseln der Schwerindustrie den Nutzen einer intereuropätschen Verständigung und wirtschaftlichen Zusammen- arbeit erkannt. Sie bekannten sich zur Blumschcn Begründung eines europäischen Swatenbundes, durchaus bürgerlich in der Absicht, das Eigentum zu schützen und zu mehren. Sprachen sie einst vom Vaterland, so deshalb, weil es ihnen die Machtmittel zur tmperia- listischen Ausdehnung stellte. Heute ist dieser Traum ausgeträumt, deshalb sagen sie„Vereinigte Staaten von Europa" und meinen die Schassung jenes großen inneren Marktes eines einheitlichen Kon- linentaleuropas, der als Ersatz für den durch den Weltkrieg für Europa verlorengegangenen Weltmarkt dienen soll. In dieser ideell weniger glanzvollen Entwicklung ist dennoch eine sichere Garantie für Paneuropa gegeben. Nicht die ideologische Schönheit des Gedankens, nicht die sittliche Idee europäischer Pazifi- zierung, nicht der philosophische Traum der Menschheitsverbrüderung verleihen ihm Siegesgewalt. Biel wesentlicher für seine Zukunft ist das kapitalistische Bedürfnis nach unbedingter wirtschaftlicher Ruhe und Freiheit für Europa. Und wie stets in der Geschichte wird dies Bedürfnis fruchtbar werden in der Errichtung eines Wirtschaft- lich notwendigen europäischen Zweckverbandes. Und wenn auch dos Heidelberger Programm der SPD. aus freilich ganz anderen Mo- tioen die Vereinigten Staaten Europas fordert, soHiegt das durchaus im marxistischen Sinne einer Nutzung aller der Stadien imperia- listischer Entwicklung, die ihr aus objektiven Gründen zu durch- schreiten bestimmt ist und die natürlich für den proletarischen Eman- zipationskampf nicht ungenützt bleiben dürfen. Uebersteigerte 5ruchtbarkeit. Man berichtet uns über die enorme Fruchtbarkeit niederer Lebe- wesen. Der Rogen mancher Fische enthält Millionen von Eiern. Eine Stubenfliege kann es auf eine Nachkommenschaft von zwei Millionen bringen usw. Alle diese und ähnliche Beispiele oer- schwinden gegen die Fruchtbarkeit des Riescnbovists. Es gibt bei uns verschiedene Arten dieser kugelförmigen Pilze, kleinere z. B. an Waldwegen, größere, wie den Riesenbovist, auf etwas feuchten Wiesen, wo man ihn bis tief in den Herbst hinein bis zur Größe von Kohlköpfen antreffen kann. Er erreicht anderweits bis zu einem halben Meter Durchmesser. Platzt er zur Reifezeit oder zerstört man seine Hülle, so entweicht der gesamte Inhalt in Gestalt einer braunen Staubwolke, die aus den Sporen dieses Pilzes besteht. Die einzelne Spore ist für das bloße Auge unsichtbar klein. Nach der mikroskopisch meßbaren Größe der Sporen und nach der Größe des Pilzes hat ein schweizerischer Forscher berechnet, daß ein solcher Riesenbovist von normaler Größe sieben und eine halbe Billionen, also 7 500 000 Millionen Sporen enthält. Wenn alle diese Sporen keimten und jede nur einen Fruchtkörper mittlerer Größe entwickelte, dann würde die Masse der Pilze schon in der zweiten Generation achthundertmal die Erde an Größe übertreffen. Der betreffende Forscher bezeichnet den Riesenbovist daher als den fruchtbarsten Organismus unserer Erde. Wie bewährt sich nun aber bei genauerem Zusehen diese Frucht- barkeit? So grotesk wie sie ist, so grotesk ist nach menschlichen Be- griffen auch ihr Mißerfolg! Denn obwohl, der Riesenbovist zu den häufigen Pilzen zählt, muß man doch auf die Suche gehen, wenn man ihn sehen will. Wir dürfen annehmen, daß seine Anzahl aus Erden im Durchschnitt immer dieselbe bleibt. Und daraus dürfen wir weiter schließen, daß von den Billionen Sporen jedes dieser Pilze durchschnittlich immer nur eine einzige sich erhält und einen neuen Pilz erzeugt. Der übrige riesige Billionen-Aufwand wird nutzlos vertan.„Nutzlos" aber nur in einem sehr beschränkten Sinne. Denn die Sporen vermögen wahrscheinlich nur beim Zusammentreffen besonderer Umstände zu keimen, und wenn ihre Zahl geringer wäre, würde der Pilz vermutlich aussterben. In naturphilosophischen Betrachtungen findet man nicht selten Ausführungen über die weife Sparsamkeit der Natur, die z. B. dem Löwen nicht auch noch Hörner und dem Büffel nick-t auch noch scharfe Klauen oerliehen habe. Abgesehen von der Kindlichkeit solcher Ueber- legungen zeigen nicht bloß die„nutzlos" verpuffenden Billionen Sporen der Boviste, sondern jeder offenen Auges durch die lebende Natur unternommene Gang ihre Unsinnigkeit. Begriffe aus dem menschlichen Lebensgebiete haben außerhalb dieses Kreises keine Geltung. Der Dichter mag von der verschwenderischen Fülle der Natur fprcchcn, und unser Gemüt wird sie als solche immer von neuem empfinden. Aber nur in diesem übertragenen Sinne sind unsere Begriffe überhaupt auf die Natur anwendbar. Die Natur ist nicht sparsam oder verschwenderisch, so wenig wie sie an sich gut oder böse ist. L. L o e s k e. — W A (-vlelleichl- sogar das 1®S Festwozhe vom JO. Okt-S.Nov in unseren 5 Berliner Kaufhäusern anläßlich der Wiederkehr desEröffnunqsiaqes unseres KAUFHAUSES MOABIT TURMSTRASSE rcos derßerfinerTur/h u. Sport-Lotterie bei Einkäufen über 5.— M. 9 latfendL ffanlcl Die ilelbetebrte Form Fesches TanzKleid NBäadttafisHetd Hcganler Manlel Vornehmer Hanlel Crdp« de Chine, mit der be- la Wollrip� Crepe prächtiger, extra hoher Bibe- d.Clon d.Saia� Velour de laine,QuaU* ' �--------"— de chme-Weate rett-Pelzans. Velour de laine Velour de laine, Seal- plüschk ragen u. Manechett. mit ttberreicher Biberett- Pelrrerbr&mung llabton Fr.na.ngamUn, SticUr.. wäre, labelb. Biberettpelzrerbräm. mischt Eoiiennei«)«>br»75 Woll. mit S4