Nr. 514 ♦ 43. Fahrg. Ausgabe A Nr. 262 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pknnis, monatlich 3,— Zieichsmart voraus»alilbar. Unter Kreuzband Mr Deutlchtand. 2>.ttzia. Saar» und Atemetaebiet. Qeit!! reich. Litauen. Lurembur» 4,ö0 Zicjchsmari, für das iibriae Ausland b.so Reichsmarl vro Monat. Der..Vorwärts' mit der illustrier len Sonntagsbeilage»Boll und Zeit' iowi« den Beilagen.Unterhaltung und Wissen'..Aus der ssilmmclt', .Frauenstimme'.„Der»inder. freund',..Iugenb-Borwärts' und .Blick in die Bllcherwclt' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm. Adresse: „Sozialvemotrat Verlin' Smmwgsansgalre Vevlinev Volksvlertk Pfennigs Änzeigenpreisc: Di« einsvaltia« Ronvareille. zeile SO Vfennig. Rellamezeile S,— Reichsmark..Kleine Anzeigen' das kettgedruckte Wort 25 Psennia szulässsg zwei fettgedruckte Wortes. iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, iedes weiters Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- Naben zählen wr zwei Worte. Arbkitsmarkt Keile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten stZcile<0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer nillssen bis 414 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden» straßeZ, abgegeben werden. Geöffnet von 814 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentrahrgan der Sozialdemokrat! fchen partei Deutfchtands Reöaktion und Verlag: Herlin SM. HS, Linöenstraße 3 Zvernsprechcr: Tönhoff 292—297. llanötagswahl in Sachsen. Die Entscheidung vom 31. Oktober. Heute, am 31. Oktober, finden in Sachsen Landtagswah- len statt. Der letzte Landtag wurde am 5. November 1922 gewählt. Sein Mandat ist nach Ablauf der vierjährigen Wahlperiode erloschen. Diese Spanne von vier Jahren umfaßt die trübsten Zeiten Deutschlands, die trübsten Zeiten Sachsens, die trüb- sten Zeiten der sächsischen Sozialdemokratie. Sachsen ist durchaus industriell. Sein Unternehmertum gehört zu dem borniertesten in Deutschland. Das Land hat große Bezirke, in der die Bevölkerung hoffnungslos arm ist. Die sozialen Gegensätze sind kraß. Starke sozialdemokratische Organisationen sind in Sachsen— aber auch viel unauf- geklärter Radikalismus aus entsetzlicher Not, der die Kom- munisten begünstigt hat. Ohne die kommunistische Spaltungsarbeit könnte Sachsen feste sozialdemokratische Landtagsmehrheiten und Regierun- gen haben, die nicht zu erschüttern wären. Die Schuld der Kommunisten ist es, daß die Verhältnisse in Sachsen sich seit der Revolution zugunsten des Bürgertums gewanvelt haben. Bei der Wahl vom 5. November 1922 erhielt die Vereinigte Sozialdemokratie 40 Mandate von 96, die Kommunisten 10. Von 2 537 000 Stimmen erhielt die Sozial- demokratie 1 060 200, die Kommunisten 267 700 Stimmen. Am 3. November 1922 wurde die s o z i a l d e m o k r a- tische Minderheitsregierung Vuck gebildet. Sie stützte sich auf die Stimmen der Sozialdemokraten und Konununisten. Die sächsischen Regierungsvcrhältnisie wurden abhängig von dem taktischen Hin- und Herschaukeln der Kommunisten. Am 5. I a n u a r 1923 stürzten sie durch ein Mißtrauens- votuin den Innenminister L i p i n s k i, der sich um die Säuberung der Verwaltung von sabotierenden reaktionären Elementen verdient gemacht hatte. Mit L i p i n s k i fiel die Regierung. " Am 19. März wurde nach neuen Verhandlungen mit den Kommunisten die sozialdemokratische Minderheitsregierung Z e i g n e r gebildet auf Grund von Bedingungen, die starke Konzessionen an kommunistische Gedankengänge bedeuteten. L i p i n s k i mußte fallen gelassen werden. Diese Minder- heitsregierung fiel in die Zeit der schlimmsten Inflation. Diktaturhoffn'ungen beim Unternehmertum und rechts, Sowjetrepublikhoffnungen bei den Kommunisten. Der Verband sächsischer Industrieller entfesselte eine ver- logeue Hetze gegen die sozialdemokratische Minderheits- rcgierung, einen Depeschensturm an die Reichsregierung, sie möge gegen die sozialdemokratische Regiening einschreiten. Der Macher der Hetze war der Lump Meißner, der in- zwischen wegen Veruntreuung der Volksopfergelder zu Ge- fängnis verurteilt worden ist. Das Land Bayern nahm amtlich an dieser Hetze teil— zur selben Zeit, als sich in Bayern der Putsch gegen Reich und Verfassung vorbereitete! Am 27. September 1923 ging infolge des Ausnahme- zustandes die vollziehende Gewalt an General Müller über. Ein Zivilkommissar wurde nicht ernannt. Sachlen wurde von 60 000 Mann Reichswehr und Zeitfreiwilligen über- schwemmt, die in Sachsen wie in einem eroberten Lande hausten. Sachsen hat erfahren, was die Schwarze Reichswehr bedeutete. Die Verwaltung war brachgelegt, Militär herrschte schrankenlos. Die Kommunisten hielten Sie wollten jetzt in die Regierung, eine kommunistische Revolution zu das ihre Zeit für gekommen. um Machtpositionen für schaffen. Am 12. Oktober 1923 wurde unter dem Minister- Präsidenten Dr. Z e i g n e r eine sozialdemokratisch- kommunistische Regierung gebildet. Am 16. Ok- tober stellte General Müller alle staatlichen und Ge- meindepolizeiorgane unter seinen unmittelbaren Befehl. Er enthob willkürlich Beamte vom Amt. Am 25. Oktober pro- testierte die demokratische Fraktion im Landtag gegen das Treiben der Reichswehr und der Zeitfreiwilligen. Am 27. Oktober richtete eine Horde von 18jährigen Zeit- freiwilligen ein furchtbares Blutbad in Freiberg an. Die Kommunisten betätigten sich als Provokateure. Der Ministerpräsident Z e i g n e r erwog, sie aus der Regierung S u entlassen. Er konnte den Entschluß nicht rechtzeitig finden. Oktober verhängte der Reichskanzler Stresemann die Reichsexekutioe gegen Sachsen. General Müller setzte die Regierung ab, er verbot den Zusammentritt des Landtags. Am 31. O k tob e r 1923 wurde die sozialdemokra- tische Minderheitsregierung Fellisch mit den Stimmen der Demokraten gebildet. Am 14. Dezember 1923 stürzten die Demokraten die Regierung F e l l i s ch, um den Weg zur GroßenKoali- t i o n freizumachen. Am 4. Januar 1924 beschloß die Mehrheit der sozial- demokratischen Landtagsfraktion die Bildung einer Großen Koalition mit dem Ministerpräsidenten Held. Dieser Schritt war der Ausgangspunkt zum Streit in der sächsischen Sozialdemokratie. Die nüchterne politische Erwägung, daß Sachsen auf die Machtvcrhältnisie im Reich Rücksicht nehmen müsse, daß man die Konsequenzen ziehen müsie aus dem Scheitern der Experimente mit den Kom- munisten, konnte sich nicht durchsetzen gegen die Massen- stimmung. Die ungeheure Erbitterung über das Gewalt- regime der Reichswehr und der Schwarzen Reichswehr unter General Müller äußerte sich in leidenschaftlicher Abwehr des Gedankens der Großen Koalition in den Parteiorga- nisationen. Zwischen kalter politischer Rechnung und leidenschaftlichem Ressentiment wurde die Partei hin und her gerissen, bis am Ende trotz aller Ver- ftändigungsversuche die Fraktionsmehrheit sich von der sozial- demokratischen Partei trennte. So kommt es, daß heute nicht nur das Bürgertum, son- dern auch die Arbeiterschaft stark zersplittert in die Wahl geht. Gegen die Sozialdemokratische Partei kämpfen nicht nur die Kommunisten, deren Politik in Sachsen ein einziges großes Verbrechen war, sondern auch die„Al te sozialdemokratische Parte i", die Frak- tionsmehrheit, die im Laufe des Wahlkampfes in eine immer unhaltbarere und völlig unmögliche Situation geraten ist. Die Wahl vom 31. Oktober 1926 schließt ein bewegtes Kapitel sächsischer Geschichte ab. die Ernennung dufours. Der deutsche Untcrgcncrnlsckretär.— Wer wird Rcichsprcsscchef? Genf, 36. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die amtliche Be- tanntgabe der Ernennung des deutschen Untergeneratsekretärs Du- f o u r durch das Völkerbundsekretariat, die am Sonnabend wider Erwarten erfolgte, ist offenbar durch die vorausgegangenen Presse- Meldungen veranlaßt worden. In ihrer Form, die aus diplomatischer Sorgfalt die Ernennung des deutschen Untergeneralsekrctärs als ein- fache Ersatzwahl für den ausscheidenden japanischen Untergeneral- sckrelär hinstellt, wird der Anschein aufrechterhalten, daß die Be- amten des Völkerbundes nicht diplomatische Vertreter ihrer Staaten sind und ihre Ernennung nur vom Generalsekretär abhängt. Für die Wahl des Botschaftsrats Dusour fiel, wie wir vernehmen, wesent- lich ins Gewicht, daß er sich in London als gewandter Vermittler bewährt hat. Ferner wird es als ein Vorzug betrachtet, daß Dusour erstvorwenlgen Jahren und im mittleren Mannes- alter in die Diplomatie eingetreten ist. Japan wird für das von ihm zur Verfügung gestellte Amt des Untergeneralsekretärpostens mit der Direktorstelle der politischen Ab- tcilung des Völterbundsekretariats entschädigt. Sie dürfte mit dem Botschaftsrat Sugimura in Paris, der seit einigen Jahren u. a. Präsident der Vcrkehrskommission des Völkerbundes ist, besetzt werden. « Aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Dufours ist der Presseäies der Reichsregicrung, Ministerialdirektor Kiep. Wer soll an seine Stelle Reichspresiechef werden? Längere Zeit hindurch wurde der Dirigent der Presseabteilung, Geheimrat Zechlin, in der Presse als einziger ernsthaft in Betracht kommender Anwärter genannt, ein Mann, dessen Erfahrung im Amt und dessen Eignung dafür unbestritten ist. Neuerdings sst aber auch die Kandidatur des Geheimrats Künzer aufgetaucht. Zechlin ist Sozialdemokrat, Künzer sst Zentrumsmann und zurzeit bei der„Germania" tätig. Die Frag« der Neubesetzung dieses wichtigen Amtes gewinnt unter solchen Umständen ein noch erhöht«? politisches Interesse. D!e Krise im englischen öergarbeiterstreik. London, 30. Oktober.(EP.) Ueber d«n Verlauf der Zusammen- kunst, die gestern abend zwischen dem Schatzkanzler Churchill und den Mitgliedern des Generalrats der Trade Union stattfand, wird bekannt, daß die Delegation von Churchill nicht die Zu- s i ch e r u n g erlangen konnten, die sie von ihm gefordert hatten. Die Arbeitersührer haben deshalb eine Zusammenkunst mit dem Premierminister verlangt. Cook, der sich wieder auf eine Propagandareisc begeben. hat, hat vor dem Verlassen Lon- dons erklärt, daß keine Konferenz der Bergarbeiter angesetzt sei. Es sei möglich, daß in den nächsten Tagen der Voll- zugsausschuh der Bergarbeiter entscheiden werde, daß das Eingreifen der Trade Union die Einberufung einer allgemeinen Konferenz möglich mache. Sie werde nicht vor der Versammlung der Gcwerk- schasten stattfinden, auf der über die Frage der Verhinderung der Einsuhr ausländischer Kohle und die Erhebung eines allgemeinen Beitrags zur Unterstützung der streikenden Arbeiter entschieden werden soll. Die Hauptführer der englischen Arbeiterbewegung haben erklärt, daß die Lage heute günstiger als letzte Woche sei, daß aber trotzdem das Ende der Krise sich n o ch lang« hinaus- zögern dürste. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SM. 68, Uindenflr.Z P-stfcheckkonfo: Berlin 37 53«— Bankk-nf»: Bank de« Arbeiter, Anaestelten und Beamten, Wallsir. 65:'»!,d>nta-<»elelschaft. Dc»a!itcnlaffe Lindenftr. 3. der Reichstag. Sein Arbeitsprogramm, seine Sorgen und seine Reform. Am 3. November nimmt der Reichstag feine Be- ratungen wieder auf, die mit den üblichen kürzeren Unter- brechungen bis in den Sommer des nächsten Jahres dauern dürften. In den nächsten Monaten wird die Verabschiedung des R e i ch s h a u s h a l t s die Aufgabe sein, die ihn dauernd beschäftigen wird. Im vorigen Jahre ist es zum erstenmal wieder gelungen, den Reichshaushaltsplan, der vom 1. April an läuft, rechtzeitig fertigzustellen. Daran muß in Zukunft festgehalten werden, denn wenn der Reichstag die Beratung des Haushaltsplans vernachlässigt, so vernachlässigt er damit sein wichtigstes Macht- mittel. Der Reichstag bewilligt der Regierung und den ihr unterstehenden Behörden die Gelder, die sie zu ihrer Amts- führung brauchen. Ein wirkliches Bewilligungsrecht und eine wirkliche Kontrolle über die Verwendung der bewilligten Mittel ist nur dann möglich, wenn der Reichstag den Be- Hörden rechtzeitig sagt, was sie verbrauchen dürfen und zu welchen Zwecken sie es verbrauchen sollen. Die rechtzeitige Erledigung des Haushaltsgesetzes ist somit ein Gebot der Selbsterhaltung und der Selbstachtung für das parlamenta- rifche System. Die Beratung des Haushaltsgesetzes erstreckt sich über Monate. Sie gibt Gelegenheit, alle Probleme der äußeren und der inneren Politik, sowohl die großen grundsätzlichen Fragen wie auch die kleinsten Einzel- heiten zu errtern. Sie bedeutet, richtig geführt,, eine Durch- leuchtung des ganzen Regierungssystems und des ganzen Behördenapparats. Nicht minder wichtig ist die Aufgabe des Reichstags, die Reichsgesetzgebung dauernd auf ihre Reform- bedürftigkeit zu untersuchen, sie zu erneuern und zu ergänzen. Die Initiative dazu bleibt zum großen Teil der Regierung llberlgLcn, in deren Bureaus die Vorlagen für den Reichstag bearbeitet werden. Das ändert nichts an dem Recht der Parteien, Anträge aus eigenem Antrieb einzubringen. Auch besteht für sie— je nach dem Einfluß, über den sie verfügen — die Möglichkeit, die Einbringung von Vorlagen durch die Regierung zu beschleunigen oder zu verzögern und auf die Gestaltung der Entwürfe schon während ihrer Entstehung in den Amtsstuben einzuwirken. Von den Aufgaben, mit denen sich das R e i ch s m i n i- steriumdesJnnern beschäftigt, sind die neue Z u s a m- menfassung des Reichsrechts, die Wahlreform, das Ausführungsgesetz zum Art ikel 48 der Reichs- Verfassung, das R e i ch s f ch u l g e f e tz, das Gesetz„gegen Schmutz und Schund" die am meisten erröterten. Im Reichsjustizministerium wird das neue Straf- g e f e tz vorbereitet. Umfassend sind die Aufgaben des Reichsarbeitsministeriums auf dem Gebiet der Sozialgesetzgebung: Arbeiterschutz, Arbeitsgerichte, Erwerbslosenversicherung, Arbeitszeitfrage. Das Reichs- wirtfchaftsministerium bereitet ein Gesetz über die endgültige Gestalt des R e i ch s w i r t s ch a f t s r a t s vor und beschäftigt sich mit der weiteren Gestaltung des Zolltarifs. Das Reichsfinanzministerium trifft Vor- bereitungen für den neuen Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, der allerdings erst warten muß, bis die neuen statistischen Angaben vorliegen. Diese trockene Aufzählung, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erhebt, zeigt die gewaltige Reichweite der Reichs- gefetzgebung. Es handelt sich um ungeheure materielle, geistige und moralische Werte, die hier betreut werden sollen und an denen sich die Kämpfe der Weltanschauungen und der Klasseninteressen entzünden. * Welche von diesen zahlreichen Materien in dem nächsten Tagungsabschnitt des Reichstags zur Beratung kommen werden, läßt sich noch nicht absehen. Die Sozialdemokratie ist natürlich bestrebt, diejenigen Fragen in den Vordergrund zu schieben, die den Schutz der Republik und die Wahr- nehmung der Interessen der breiten arbeiten- den Schichten betreffen. Wogegen umgekehrt die Rechte das Bestreben zeigt, nicht nur die Interessen der hinter ihnen stehenden besitzenden Klassen zu vertreten, sondern auch gerade diejenigen Vorlagen voranzustellen, die zwischen den republi- konischen Parteien des Reichstags strittig sind. Wenn von jener Seite— um nur ein Beispiel zu erwähnen— das sogenannte„Gefetz zum Schutz der Jugend gegen Schmutz und Schund" als besonders vordringlich behandelt wird, so beweist das, daß dort die Vorlegen nicht nach ihrer fachlichen Wichtig- keit, sondern nach taktischen Gesichtspunkten gewertet werden. Ueber dem Interesse der einzelnen Gesetze steht jenen Kreisen das Interesse an der p a r l a m e n t a r i s ch en Mehrheitsbildung. «- Die Taktik der Deutschnationalen geht dahin, der Regie- nmg Marx, die sich auf die Mitte stützt, das Regieren im- möglich zu machen und die Bildung eines B ü r g e r b l o ck s, einer Rechtsregierung, zu erzwingen. Maßgebender Einfluß der Deutschnationalen auf die Außenpolitik, auf die Zoll- und Steuerpolitik, auf die Sozialpolitik des Reiches— ist es notwendig ausfuhrlich darzustellen, was das bedeutet? Es handelt sich um Fragen der Verteilung des Volkseinkommens, um Milliardenwerte, aber auch um die höchsten Güter desFriedensund derRepublik. Indessen scheint es nicht, als ob die Bäume der Deutsch- nationalen in den Himmel wachsen sollten. Stresemann kann nicht mit ihnen gehen, ohne seine Außenpolitik zu zer- stören und Marx nicht, ohne seine Partei schwerer Zerrüttung auszusetzen. Gegen die Drohung des Grafen Westarp, er werde' kein Spiel mit wechselnden Mehrheiten mehr gestatten, also alle Vorlagen, sux die die Sozialdemokratie nicht zu haben ist, ohne Rücksicht auf ihren Inhalt ablehnen, haben wir schon das nie versagende Rezept genannt: die Regierung soll eben auf Vorlagen v e r z i ch t e n, die sie nur mit Hilfe der Deutsch- nationalen durchbringen könnte. Für das Volk kann das nur ein Vorteil fein. « Links von der Re-gierung der Mitte steht die Sozial- demokratie. Ihre Taktik ist von jener der Deutschnatio- nalen grundverschieden. Sie empfindet nicht den Drang zur sogenannten„Futterkrippe", dem Herr H e r g t jüngst wieder in Liegnitz so bewegten Ausdruck verliehen hat. Sie denkt auch nicht daran, die Vorlagen der Regierung anders zu behandeln, als sie es nach ihrem sachlichen Inhalt ver- dienen. Sie beabsichtigt nicht, die Regierung zu stürzen zu dem Zweck, die Mitte zur Koalition zu zwingen, wie es die Deutschnationalen als ihre Absicht verkündigen. Das Schicksal der Regierung Marx hängt unter solchen Umständen von ihrer eigenen Geschicklichkeit ab und von dem Grade der Einsicht, die sie den Röten des schaffenden Volkes entgegenbringt. Es hängt natürlich auch von ihrem eigenen Willen ab, sich, so wie sie ist, z u b e h a u p t« n u n d d u r ch- zusetzen. Jener Teil der hinter ihr stehenden Presie, der ihren Willen zur Selbsterhaltung in Zweifel zieht, indem er immer wieder mögliche neue Regierungskombinationen er- örtert, erweist ihr keinen guten Dienst. Trauen sich die Parteien der Mitte die Kraft zur Führung nicht zu, dann müssen sie die Führung anderen über. lassen. Wollen sie das nicht, so müssen sie versuchen, selber zu führen, so lange es geht. O Zu den wichtigsten Aufgaben des Reichstags gehört auch seine eigene Reform. Für ein Volk, das eine gewisie Kulturhöhe erreicht hat, ist die parlamentarische Demokratie die einzig mögliche staatliche Lebensform. Wort wirklicher Parlamentarismus herrscht, ist das Reden nicht Selbstzweck, sondern dos notwendige Mittel zur Herbei- führung von Beschlüssen. Auch die parlamentarische Arbeit bedarf der Rationalisierung. Unter der tatkräftigen Führung des Reichstagspräsiden- ten, unseres Genossen L ö b e, sind nach dieser Richtung schon erhebliche Fortschritte gemacht worden. Man darf aber sagen, haß im Reichstag immer noch zuvielgeredet wird. Da- durch bringt sich der Reichstag um seine Wirkung bei den Massen des Volkes, die von seinen Verhandlungen doch nur durch die Presse erfahren können. Sie können es nicht mehr in ausreichendem Maß, wenn sich die Fülle der in den Ausschüssen und im Plenum gehaltenen Reden so häuft, daß kein Blatt mehr in der Lage ist, ausreichend über sie zu berichten. Einen schweren Mißstand bilden insbesondere die unzäh- ligen langen Reden der kleineren Fraktionen vom äußersten rechten und linken Flügel, Reden, die gewöhnlich kein Mensch anhört und über die auch die Presse der Redner selbst nur in ein paar Zeilen berichtet. In solchen Fällen artet der Parla- inentarismus?n einen ganz sinnlosen Redebetrieb aus. Niemand will den kleinen Fraktionen das Recht parla- mentarischer Redefreiheit beschränken— aber ihre Art, zu tun, als ob sie den ganzen Reichstag für sich gepachtet hätten, nötigt, sie daran zu erinnern, daß auch andere da sind, und daß ein Parlament nicht nur das Recht zu reden hat, sondern auch die Pflicht, zu arbeiten. Das Parlament, die gewählte Vertretung des Volkes, soll die Werkstatt sein, in der für das Volk, für seine arbeitenden, notleidenden Massen Nützliches geschaffen wird. Das ist der Leitgedanke für die parlamentarische Arbeit der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion. (dskar und Strefemann-�lttentäter. Liebesgaben für die Braven. Dem„Berliner Tageblatt" wird von einem ihm als ab- solut zuverlässig geltenden Gewährsmann folgende erbauliche Geschichte berichtet: Der Prozeß gegen die merkwürdigen Leute, die ein Attentat gegen Stresemann vorbereiten wollten, hat mit ihrer Frei- sprechung geendet. Im Laufe der Verhandlung kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß diese Leute nicht ernst zu nehmen seien. Damit sinken sie in das Dunkel zurück, aus dem sie sich durch Groß- sprechereien vergeblich herauszuheben versucht haben. Aber s o- lange sie interessant schienen, haben sie eine merk- würdige Anteilnahme erweckt. Prinz Oskar von Preußen hak dem Angeklagten Lorenz 50 Zlgaretken mit einem freundlichen Brief in die Untersuchungshaft geschickt. Derselbe Prinz Oskar, der dem Parteitag der Völkischen ein Vegrüßungs- telegramm sandte. Stresemann hat sich als Freund des ehemaligen Krön- prinzen besonders um dessen Wiederkehr nach Deutschland bemüht. Er wird es deshalb für ganz selbstverständlich hal- ten, daß der Bruder seines Freundes von Oels jetzt Liebesgaben an den Mann schickt, der wegen geplanten Attentats auf ihn, Herrn Stresemann. in Untersuchungshaft sitzt. Eine Liebe ist der anderen wert. Schafft Stresemann dem Oskar seinen Bruder wieder, so schafft Oskar Zigaretten für den, der Stresemann killen will. Das ist Hohenzollern- Ordnung! Tagung ües Zentrums. Die Stellung zu Republik und Reichsbanner. Wirtschaftliche und kulturelle Probleme. In Erfurt tritt heute der erweiterte Parteiausschuß des Zentrums zu einer Tagung zusammen, die einen Parteitag ersetzen soll. Der Parteioorstand hielt dazu am Sonnabend ein« Sitzung ab, in der Reichstagsabgeordneter Ivos und Reichskanzler Dr. Marx sprachen. Abg. Ivos führte noch einem Bericht der TU. u. a. aus, das Zentrum fühle sich mit verantwortlich für das, was die deutsche Re- publik sei und was sie werden solle. Die Republik lebe aber noch in dem Verantwortungswillen des gesamten Volkes und aller jener Parteien, die sie tragen sollten. Von der im Artikel 151 der Verfassung behandelten Ordnung des Wirtschaftslebens sei man n o ch w e i t entfernt. Man müsse die Auffassung ablehnen, als ob Wirtschaft allein Grundlage des Staates fein könne. Man könne sich nicht genug wundern darüber, mit welcher Gelassenheit die Trustbildungen nationaler und internationaler Art von der deutschen össentlichen Meinung aufgenommen würden. Hier handele es sich letzthin um die Hoheit des Staates und um einen Aufsaugungsprozeß, von dem breite Schichten'des Mittel- standes getroffen würden. Der Staat müsse hier rechtzeitig seinen Einfluß aufrechterhalten. Es müsse verhindert werden, daß die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Arbeitskräste unbeachtet bleiben. Der Redner wandte sich danach der kulturellen Gesetzgebung zu und erklärte, was die Zentrumspartei auf diesem Gebixte erstrebe, habe mit Herrschastssucht der Kirche, kultureller Engherzigkeit und Konzessionspolitik nichts zu tun. Die von der Weimarer Verfassung erstrebte Freiheit des Gewisiens und die Freiheit der Bekenntnisse müßten erhalten bleiben. Zum Reiches chulgefetz erklärte der Redner, daß das Zentrum die konfessionelle Schule wegen der Einheitlichkeit der Erziehung wegen. Reichskanzler Dr. Marx sagte nach dem TU.-Berkcht u. a.. Unsere Partei ist in allen Ständen und Ländern fest davon über. -euat. daß der Wiederausbau unseres Volkes und Reiches n u r a u s der Grundlage der Weimarer Verfassung erioigeit kann. Auch über unsere Parteigrenzen hinaus hat sich das Per- ständnis für die Richtigkeit unserer staatspolitischen Haltung gesepigt. Weite Kreise, die der deutschen Republik bisher ablehnend gegen- überstanden, haben sich zu ihrer Anerkennung durchgerungen. Ta- gungen großer Beruss- und Wirtschastsverbände in den letzten Wochen, sowie innere Vorgänge im deutschen Parteileben sind Ve- weis dafür. Der Bestand der deutschen Republik ist gesichert. Die staatlichen Machtmittel sind stark genug, jeden Versuch eines Um- sturzes niederzuhalten. Auch die Zentrumspartei als Partei lehnt aufs schärfste jene Verbände ab. die sich als Kampfverbaiü« gegen den Bestand der heutigen deutschen Republik wenden. Wir wünschen den Zeitpunkt herbei, daß die Methode, mit politischen Kamps- verbänden Politik zu machen, verschwindet. Das Reichsbanner. dessen Tätigkeit in den Monaten der Umsturzgesahr von rechts eine Notwendigkeit geworden war, wird die ihm gesetzte Aufgabe. den Schutz der Verfassung gegen jedwede G-sahr, gelost haben(?> Unter den kulturellen Fragen wird die Lösung der«chul frage in der nächsten Zeit im Vordergrund stehen. Unsere Parte, wird von deutschnationaler Seite und gerode von deutsch- nationalen Katholiken der Vorwurf gemacht, als sei es unsere Schuld, daß ein die christlichen Belange respektierendes Reichs- schulqesetz noch nicht zustandegekommen sei. Gegen diese Vorwurfe muß ich schärfste Verwahrung einlegen. Sie sind unwahr: denn jene, die sie erhoben, wissen genau, daß das zahlenmäßige Stärkeverhältnis im deutschen Reichstag der Erleoigiiny eines unseren Belangen Rechnung tragenden Reichsschulgesetzes bis- her nicht günstig war. Mögen auch manche Katholiken mit der vorn Zentrum geführten allgemeinen Politik nicht einverstanden sein, in der so wichtigen kullurellen Frage des Reichsschulgcsetzes sollten alle Katholiken einig sein. Die Zentrumspartei wird nach wie vor der Schaffung eines Reichsschulaefetzes, der Sicherung der k o»- fessionellen Schule im ganzen Reiche ihre größte Sorge widmen. Neuer Reichsbannerprozeß. Vorbild Striegau— Grevcsmiihlcn? Am 26. November findet in dem Städtchen Hassel- selbe im Harz ein Prozeß gegen 14 Angehörige des Reichsbanners statt, denen zur Last gelegt wird, im Sep- tember 1925 einen Landfriedensbruch begangen und dabei ver- schieden« Stahlhelmleute mißhandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat nicht weniger als 122 Zeugen auf- geboten. Die Verteidigung, die in den Händen der Rechtsanwälte Dr. B a ere nspru n g- Magdeburg und P hi l i p p s- Braun- schweig liegt, will nachweisen, daß ein planmäßiger U e b e r- soll vom Stahlhelm auf das Reichsbanner erfolgte. und daß auch hier wie in Striegau und Grevesmühlen nicht die Angreifer, sondern die Angegriffenen zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Da von der Verteidigung auch annähernd 166 Zeugen aus- geboten werden, ist mit einer Prozehdauer von mindestens zwei Wochen zu rechnen. Unterwerfung üer Rrbelteroppoßtion. Schljapnikow und Mcdwediew. Moskau. 30. Oktober.(Telegraphenagentur der Sowjetunic n.) Das Mitglied des politischen Bureaus M o l o t o w machte vor der Konferenz der Kommunistischen Partei der Sowjetunion außerhalb des Programms die Miteilung,.dab Schljapnikow und Med- w e d i e w, die Führer der sogenannten Arbeiteropposition,, an da, Zentralkomitee und die Zentralkommission eine Erklärung gerichtet haben, in der sie die Schädlichkeit ihrer eigenen srak- tionellen Tätigkeit zugeben und sich von den von ihnen vertretenen unrichtigen Ideen lossagen. In einer Sonderkundgebung des Zentralkomitees und der Zentral- kontrolltommission wird der weitere Zerfall des Oppositionsblockes festgestellt, was einen vollen Sieg der Idee der Einheit der kom- munistischen Partei bedeute. Die Erklärung Schljapnikow? und Medwediews wird in der„Prawda" veröffentlicht. Die heilige Phrase. Don Paul Gutmann. Mitunter wird eine Situation durch eine zufällige Anekdote besser beleuchtet als durch eine weitschweifige Darstellung. Anekdoten sind gewissermaßen die Zeitlupen der Ereignisse. Deshalb verdient, ob wahr oder nicht, die Aussage jenes Zeugen Heller im Küstriner Femeprozeß unserem Gedächtnis einverleibt zu werden, wonach die Devise:„Gott mit uns" auf dem Rücken des mit dem Koppel- schloß geschlagenen Gröschke noch lange nach der Mißhandlung zu lesen gewesen sei. Die Anrufung Gottes als Schutzpatron der viehischsten Roheiten ist zwar nicht neu— in seinem Namen wurden Millionen sogenannter Ketzer und Teufelsbesessener er- mordet—, aber in unserer aufgeklärteren Zeit hat die Phrase der Frömmigkeit bei der Begehung eines Verbrechens immerhin eine pikante Note. Mag der Spruch:„Gott mit uns" auch ohne Ab- ficht des Mißhandelnden auf das Hinterteil seines Opfers geraten sein» die scheinheilige Phrase auf dem Leibriemen, der das Mord- messer trägt, hat Millionen das Kriegshandwerk oerklären sollen, sie wuchert noch immer in den Gehirnen derjenigen, denen das Alte unantastbar ist oder der anderen in ihrem Gefolge, die Gott sagen und die Befriedigung ihrer egoistisch-sadistischen Triebe meinen. Eine ebenso niederträchtige Phrase verlangt, daß der patriotische Deutsche im Franzosen den Erbfeind zu erblicken habe, wie es die Deutschnationalen auf einem ihrer Verbandstage dekretierten. Ist der Begriff des Feindes schon etwas Verwerfliches, so steht die Verewigung eines Hasses nicht nur mit dem üblichen Wortchristen- tum in Widerspruch, sie ist auch die niedrigste, teuflischste Regung menschlicher Besessenheit. Wir erinnern uns noch von der Schule her, diesen unverständlichen Begriff eingebläut bekommen zu haben, nun klammert sich eine große Partei an ihn, obwohl ihre Hand- lungen ihn wiederholt Lügen gestraft haben. Wie bequem ist eine derartige Phrase, um die Kritik der Massen einzuschläfern. Daß einer unser Feind ist, muß schließlich bewiesen werden, der Begriff Erbfeind setzt aber als bekannt einen geschichtlichen Verlauf voraus. Was aber die Geschichte betrifft, so sind gewisse Deutsche gewohnt, jegliche Lüge, nur weil sie überkommen ist. als Wahrheit hin- zunehmen. Der Hauptheld der nationalen Phrase, F r i d e r i c u s, hat es bekanntlich nicht verschmäht, mit dem Erbfeind zu paktieren. Er hat der Abtrennung alter Reichslande, wie Flandern, Elsaß und Lothrin- gen, für willkommene)ilfe, in alle Ewigkeit zugestimmt. Er hat die Sprache des Erbfeindes fast ausschließlich gesprochen und seine Dichter und Philosophen turmhoch über die gleichzeitig lebenden deutschen gestellt. Er hat den Erbfeind in jeder Hinsicht geliebt und sogar seine Lieblingshunde mit Kosenainen des Erbfeindes bedacht. Er hat seinen Gefühlen und Gedanken nur in der Sprache des Erbfeindes dichterisch Luft gemacht. Dieselbe Partei aber, die den Haß gegen den Erbfeind verewigt sehen möchte, hat sich In Fridericus, dem Freund des Erbfeindes, einen Heiligen geschaffen. dessen Bild nunmehr die gebräuchlichste Markensorte der Republik ziert. � Schund und Schmutz lautet ebenfalls eine jener Phrasen, womit politische Heuchelei und psäffisches Muckertum die Regungen freier Moral und persönlicher Glaubensstärke zu brandmarken und zu vernichten sucht. Während die Zote aus zahlreichen Bühnen triumphiert, in Kabaretts die schamlosesten Gemeinheiten unter dem Gewieher eines dankbaren Publikums vorgetragen werden, soll der Dichter, der Freund der Wahrheit oder der bildende Künstler, dem die Nacktheit Religion ist, zum verdächtigen Gesellen gestempelt werden. Es ist nicht wahr, daß der Schund mit jenem üblen in Vorbereitung befindlichen Gesetz getroffen werden soll; denn jähr- hundertealte Erfahrung hat bewiesen, daß gerade mit dem Schund das Muckertum sich am besten verträgt. Wer aber den Armen dient, wer Gott im Herzen trögt und nicht auf den Lippen, wer überzeugt ist, daß ein Kamel eher durch ein Nadelöhr geht, als daß ein Reicher in den Himmel kommt, der wird gekreuzigt oder ver- brannt oder erschlagen wie Jesus, wie Johann Hus, wie Arnold von Brescia, wie Thomas Münzer oder auf den Index gesetzt wie Emile Zola. „helärengespräche" im Kleinen Theater. Während die Herren der Regierung das Gesetz gegen Schund und Schmutz und Witz und gesunden Menschenverstand und andere gute Gottesgaben aushecken, sorgt Herr Marcellus Schiffer dafür, daß wir noch einmal lachen. Wir lachen über seine Revue„Hetärengespräche", weil ganz klar wird, daß die strengen Leute oben an der Spritze sich mit Unrecht über unsere Verworfenheit entrüsten. Nein, es liegt kein Grund vor, um uns mit einem neuen Gesetz zu verbarrikadieren, wir werden auch ohne Zwangsjacke anständig bleiben. Nur der niedrigste Splcger sieht Greuel und Unmoral, wo es eigentlich etwas zum Lachen gibt. Marcellus Schiffer macht sich weidlich lustig über diese Borniertheit. Die ganze Revue geht dagegen. Es ist eine Revue ohne Revue- tlamauk, ohne Pleiteunkosten, ohne argentinische und andere exotische Koryphän. Es ist Berlin, das die Schnauze aufreißt und trotzdem gemütlich bleibt. Friedrich Holländer parodiert die parodisllicyen Worte durch eine Musik, die durch das ganze Kommersbuch und all« Gassenhauer stolpert. Dann kommt die Aufführung, die an vielen witzigen Einfällen reich ist. Man höre Marga L i o n und Fräulein Brock und L a n d s h o f f singen, obwohl sie nicht singen können. Dann schmettert Herr G e r r o n gewaltige Töne und ein Chor von gar nicht dressierten Girls tanzt so possierlich ungeschickt, das wir höchst zufrieden sind. Entschließt sich der Revuedichter, anstatt des langweiligen zweiten Teiles, für den feine Phantasie nicht mehr ausreichte, jetzt einen neuen und aktuelleren zu schreiben, dann ist die Berliner Revue, die im Metropoltheater lebendig gekitzelt werden sollte, im Kleinen Theater wieder erstanden. m. Yi. 3n der yumboldi.hochschule spricht Dr. R. PotoniS am DIenttag, 8 Uhr Seorgenstr. 30131(mit Lichlbildern) über:.Italien und seine Bulkane". wenn EK öoch einmal käme! Monarchisten sprießt ein Zukunftsveilchen: Einmal kehrt vielleicht ER doch zurück! Warten wir gehorsamst noch ein Weilchen, Kommt uns dennoch das ersehnte Glück! Ach, schon übt ER wieder Reden, Reden, Daß in Doorn es durch die Bäume gellt. Denn wie gern zerschmetterte ER jeden, Der sich etwa ihm entgegenstellt! Ja, so zieht sich durch gewisse Träume Süße Sehnsucht schwarz und weiß und rot. (Frellich zittern Deutschlands Eichenbäume, Denen SEINE Säge wieder droht!) Klempnerläden werden aufgewienert, Prächtig funkeln soll der Brustbelag. Potsdams jungfräulicher Adel dienert Eine Stunde Hofknix jeden Tag. Es versammelt sich das Wild in Haufen, Daß ER es bequemer schießen kann. Abgediente Schranzen aber kaufen Neue bunte Uniformen an. Wilhelms alte Marmorbadewanne Wird mit frischen Dreadnoughts angemalt. Oskar Hoecker singt dem großen Manne Ein Poem, daß jedes Auge strahir. Kriegerbünde üben in Paraden: „Kerle, schmeißt die Beine weiter'raus!" Und ein Unterricht wird gar nicht schaden Ueber unser Hohenzollernhaus. Doch das Volk? Das Volt bezahlt die Kosten, Wie ihr's aus der Weltgeschichte wißt. Deutsche Republik, sei auf dem Posten, Wenn der Wilhelm oor den Toren ist! _ Henning Duderstadl. Leber Laalol« France spricht Professor Eduard ZSechZIer, der Ordinär!»» iiir romanische Literatur an der UniversstSI am Dienstag 7 Uhr im Plenarsaal des ReichSwirtschastSral», Belleoucslrahe 15. Heinrich Illar.n wird aus Einladung der Volksbühne am 8. November, nbendS 8 Ubr, in der Singakademie aus seinen Werken vorlesen. Eintritts« karten zum Preise von 1 M. in den VerkausSslillen der Bollsbübne. Segen die Schmuh- nnd Schundgesetzvorlage sprechen Mittwoch 8 Uhr im ebcmalsgen Herrenhaus, Leipziger Straße Z, aus Veranlassung des Bunde» entschiedener Schulresormer Arthur Höllischer, Pros. Paul Oestreich, E. v. Ossetzky, Gerda Wehl. vte Itenregeluog de» Sexualleben» In Sowletruh'aud bebandelt Dr. Magnus Hir ichseid im Rabmen der Veranstaltungen der Sc- sellschatt der Freunde des neuen Rutzlaird am Donnerstag. 8 Uhr, im „Russischen Hos-, Georgenstraße 22. Die Libtlothek von Lenlograd bat sür AuSbauzwecke und Vermehrung des Bücherbestandes von der Sowjctreglcrnng t Million Rubel erhalten. ES ist daraufhin beschlossen worden, an das Bibliothettgebäude einen neue» Flügel anzubaue». Europa und öu Gegen den Nationalismus— i Im Rahmen der Vorträge der Freien Sozialistischen Hochschule sprach am Sonnabend abend im großen Saal des ehemaligen Herrem Hauses der bekannte Professor der Volkswirtschaft Bruno Küste aus Köln über„Europa und die Weltwirtschaft'. Das gewaltige Tatsachenmaterial, das der Redner in seinem Referat unter einheitlichen Gesichtspunkten ordnete und bei aller Objektivität der wirtschaftlichen Darstellung zu konkreten politischen Schlußfolge� rungcn entwickelte, zeigte wieder, wie sehr die Einrichtung der Freie» Sozialistischen Hochschule geeignet ist, sozialistische Krit'k und sozial! st isches Denken zu vertiefen. Der Redner ging von der bisherigen Sirutkur unseres Erdteils aus, der ganz bestimmte Produktionskörper innerhalb Europas und der Weltwirtschaft erkennen läßt. Der hauptsächlichste ist der w c st- und mitteleuropäische Wirtschaftskörper, der die Kohle und das Eisen zur Verfügung hat, der die Eisen- und di« Rohstoss- Produktion repräsentiert und der damit den anderen Staaten in ekla- tanter Weise voraus ist. Hier ist die am besten durchgebildete A r b e i t s k r a f t zur Verfügung, aber auch die f e i n st e und g r ü n d- lichste Organisation der Produktion. Auch in seiner Versorgung mit gewerblichen Piodckrtionsmitleln ist dieser Teil weit- gehend selbständig. In leinen landwirtschaftlichen Leistungen zeigt dieser Gebietstell die höchste Intensität der ganzen Welt, mindestens der gemäßigten Zone. Hier sind die höchsten Ernteerträgnisse und di« ergiebigste Tierzucht. Charakte- ristisch ist für unseren Erdteil, daß er aus anderen Gebieten in großen» Umfange Rohstoffe und Lebensmittel heranziehen muß. Dabe, zeigen aber die einzelnen Länder ausgeprägt« nationale Eigenheiten. Redner zeigte dann im einzelnen, wie in England die Kohle- Produktion eine Sache nationaler Eigenart ist, da dies« dort ungleich mehr als anderwärts für den Weltmarkt betrieben wird. Daher auch die große Bedeutung des englischen Kohlenstreiks für die ganze Welt. Ferner ist für England als Jnselreich charakteristisch die starke Betonung der Flotte. Als wichtigster Verarbeiter von Faserstoffen suchte England auch seine ganze Kolonial- Politik auf den Bedarf von Textilrohstoffen aufzubauen. Di« Eigenart Frankreichs besteht m semer Gebunden- heit an das Mittelmeer. Dies« gestattet den Weinanbau und die Verarbeitung des Weines. Eigentümlich ist, daß Frankreich seit jeher die f e i n st e n Olivenöle der Welt hat und daß es infolgedessen auch sein Kolonialsystem auf die Bedürfnisse der Oel- und Fettwirtschaft einstellt. Ferner ist für Frankreich bezeichnend die Entwicklung des Luxus w Bekleidung und Wohngewohnheiten, auf deren Dedarf die Produttion weitgehend Rücksicht nimmt. Für Deutschland ist nach den natürlichen Bedingungen immer die Kali- und die Braunkohlenwirtschoft als besonders her- vorstechend zu erwähnen. Der Deutsch« ist besonders leistungsfähig in der Anwendung von chemischen Verfahren, in dem Ausbau der metallurgischen Industrie, ferner in der K e r a- in i k, der Optik, der Elektrotechnik, dem Kun st druck usw. Auf allen diesen Gebieten konnte er durch sein« Kolonial- Politik nicht viel leisten: daher war auch diese vor dem Kriege ziem- lich unsicher. �■_______ Zu dem Körper West- und Mitteleuropas gehören außer Del- gicn die Niederlande, di« Schweiz und dt« Tschechoslowakei, sowie Teile des westlichen Polens. Genosse Kuske zeigte, wie die Ent- wicklung der Industrie in diesen Ländern weitgehend abhängig war von derjenigen ihrer größeren Nachbarländer. Die zweite Gruppe Europas setzt sich zusammen aus den u o r d- und osteuropäischen Ländern. Auch hier hat die In- dustrialisierung weit um sich gegriffen. Als Beispiel nannte der Redner Finnland, das heute an Stelle von Deutschland und England die größten Papierfabriken besitzt. Die oft europäischen Länder treiben Ackerbau ineistens noch im alten Stil. Erst neuerdings hat hier die Intensiviening be- gönnen. Diese Gruppe hat die stärksten Menschenüberschüsse im Vergleich zum Westen gehabt, woran auch die neue Staatspolitik nichts ändern konnte. Der südeuropäische Wirtschaftskörper entwickelt seine natürliche Eigenart aus der Tatsache, daß seine Länder trockene Sommer haben, also in erster Linie Bäum« mit tiefen Wurzeln, Weinstöcke, Südfrüchte und ähnlich« Naturfrüchte pro- duzieren. Der starte Bedarf West- und Mitteleuropas an diesen Waren fördert die Nachfrage nach solchen Gütern. E, wäre also eine falsche Politik, wenn man sich gegen die Eigenart dieser südlichen Völker mit hohe» Zöllen wehren wollte, denn dadurch beeinträchtigt man die Kaufkraft dieser Völker und die Folgen trägt meisten» der west- und mitteleuropäische Industrie- arbeiter. Veltwirtsthast. ür europäische Verständiguu-g. Innerhalb des ganzen Erdteiles haben die nördlichen und dir südlichen Völker noch eine ausgesprochene Produktion an Erzen, die exportiert werden. Sowohl Schweden wie die AlpeHlatider suchen jetzt ihre Wasserkräftestärke auszunutzen, wodurch die metallurgische und chemische Industrie angeregt wird. Im ganzen ist dieser Körper unter dem Einfluß des Derfailler Vertrages und der neuen Grenzen von feinen Abfahgcbielen abgeschnitten worden. Die Länder fangen an, ihre Rohstoffe selbst zu ver- arbeiten. Unterstützt werden sie dabei von den niedrigen Löhnen. Daher eine nationalistische Zndustriepolillk, in der sich der Faschismus von dem Bolschewismus nicht unterscheidet! Un- ersetzbar jedoch ist die Qualitätsarbeit, die allenfalls mit Hilfe von Einfuhrverboten ferngehalten werden kann. In der Stellung Europas zu den übrigen Erdteilen zeigte dos 13. Jahrhundert eine bestimmte Situation, die vorgezeichnet war durch den starken Bedarf an Roh st offen. Andererseits hat Europa mit feinen Fertigfabrikaten leistungsfähige Gewerbezwcig« alter Kulturländer, wie China, Indien und Arabien vernichtet. Diese Stellung fängt an sich zu verschieben. Redner ging ein auf die Industrialisierung der überseeischen Mächte, wo sich die Länder ähnlich wie die Arbeiterschaft im sozialen Kampfe gegen die bevorzugten Mächte wehren und selbst eine verarbeitende Industrie schaffen.� Dieses Verhalten der Roh- stoffländer nötigt uns, die Oberstufe der industriellen Leistung, die Qualitätsarbeit, stärker zu fördern. Ferner streben die übrigen Länder dahin, sich mit Durchschnitts- fabrikoten nicht mehr im Ausland, sondern durch eigene Produktion zu versorgen. Das läßt sich ebenso in Brasilien, Argentinien, Australien, wie in der Textilindustrie Japans und Chinas beobachten. In Amerika wirkt man dem Vorteil der niedrigen Löhn«, die dies« Staaten haben, durch stärkere Mechanisierung entgegen. Für un» ergeben sich vor allem folgende Konsequenzen: Wir müssen die Produktion an Qualitätswaren steigern und hierzu auch durch die Ausbildung der Arbeitskraft, also auch durch die Schul- Politik die Voraussetzungen dafür schaffen. Wir müssen ferner der Welt die Produktionsmittel zur Verfügung stellen. Darin haben wir eine» Vorsprung, der von den anderen nicht so ohne weiteres eingeholt werden kann. Ein Vorteil ist dabei, daß die überseeischen Völker zu neuem Verbrauch übergehen, aus dessen Deckung durch europäische Industriearbeit sie sehr stark an- ' gewiesen bleiben werden. Auch die Neger tragen heute europäische Kleider und bauen europäische Wohnungen, wenn sie auch vielfach nur Ausschußware oerbrauchen. Wir können also mit Sicherheit annehmen, daß in der ganzen Welt ein großer Bedarf an europäischen Daren austreten wird. Darauf müssen wir unsere Maßnahmen einstellen. Der Umstellungsprozeß, die Rationalisierung, hat heut« fchwere soziale Folgen, ist ober unvermeidlich. Wir müssen weiter alles pflegen, was die nationale Eigenart in der Produktion be- trifft. Denn diese kann nicht so schnell ersetzt werden. Die in- dustriellen Kräfte Europas müssen vereinheiMcht werden, näment- lich in der Produktion der Massengüter, wie Eisen und Kohle. Gegenüber der Bildung der großen Konzerne, die sich hi«r vollzogen hat und gegen die sich zu wehren zwecklos wäre, muß di« Arbeiterschaft wachsam sein. Sie muß ihre O r g a n l- sationen kräftigen und international stärker als bisher zur Gellung bringen, um ein Gegengewicht gegen die kapitali- stische Konzentration zu schaffen. Wir brauchen serner in Europa eine Vereinheitlichung des Verkehrs und der Energiewirtschaft, ein« Vereinheitlichung im Wirtschafts- recht, einen Abbau der Zölle und die Entwicklung einer neuen Arbeitsleitung zwischen den Völkern. Die Beseitigung der gegenseitigen Hemmun- gen würde den Bedarf und die Konjunktur stark anfeuern. Wir brauchen endlich eine andere politische Grund st immun g. Wir müssen hinwegkommen von dem Balionalismu» und seinen kulturwidrtgen Folgen. Der Nationalismus entwickelt sich immer mehr zu einem kulturfeindlichen Prinzip: daher müssen wir zu einem neuen Kultur, und Erdteilsbewußts«in kommen. Wir müssen den Nationalismus zurückverweisen auf die Pflege eines gesunden Heimatgefühls: in allen anderen Fragen müssen wir die europäische Gcfamtldee pflegen! Lebhafter Beifall dankte den ebenso interessanten wie durch- dachten Ausführungen des Redners, dessen Gedankengänge für die meisten Zuhörer viel Neues boten. Der belelöigte Reichsprästöent. Neun Monate Gefängnis für die„Note Fahne". Vor dem erweiterten Schosf�ngsricht Berlin-Mitte unter dem Vorsitz des Landzerichtsdirektors Ueberhorst fand gestern eins Gerichtsverhandlung statt, die in mancher Hinsicht besondere Beachtung verdient. Der Sachverhalt war folgender: In der Nr. 163 der„Roten Fahne' vom 13. Juli erschien eine Karikatur— Bulldogge mit den Zügen Hindcnburg»—, einen Knochen, die Verfassung, in der Schnauze. Zu dieser Karikatur war ein Gedicht gebracht, das aus der Rr. 7 des toinmunistischen Witzblattes.Knüppel' abgedruckt war. Das Ganze trug den Titel:„Achtung Hunde. Eine Tierfabel aus dem Kinderreich.' Etwas Geschmackloseres als dieses Gedicht konnte man sich kauin denken, das mußte gestern auch der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Frankel, zugeben. Es wurde da von Hindcnburg als„Hund" gegenüber dem Exkaiser als dem„Oberhund' gesprochen, von seinem„Hundemut' und„Hundspfote', von„Hundetöle', von „Wedeln' und derlei mehr. Den Anlaß zu dem Gedicht, das ganz in der Tonart der kom- munislischen Landtagssraktion gehalten war, gab der bekannte Hindenburg-Brief zum Volksentscheid über die Fükstenenteignung. Auch der Jnhall bezog sich darauf. Die„Rote Fahne' wurde wegen dieses Gedichtes zunächst aus 14 Tage verboten. Das Verbot wurde vom Staatsgerichtshof be- stätigt. Der Redakteur des„Knüppel' konnte wegen seiner parla- mentarischen Immunität strafrechtlich nicht belangt werden. Die Zeitschrift selbst wurde verboten. Gegen den verantwortlichen Re- dakteur der„Roten Fahne', Hauswirth, wurde Anklage erhoben einmal aus dem§ 8, Ziffer 1, des Republikschutzgesetzes wegen Beschimpfung der republikanischen Staats- form, die durch Herabwürdigung eines Mitgliedes der republika- Nischen Regierung, nämlich des Reichspräsidenten Hindcnburg, ge- schehen sein sollte, und aus§ 185 des Strafgesetzbuches. Hinden- bürg hatte nämlich in diesem Falle selbst Strafantrag wegen B e- l e i d i g u n g gestellt. Der Angeklagt« erklärt« in der gestrigen Gerichtsverhandlung. daß er die Verantwortung für das Gedicht übernehm«, obgleich er nicht sagen könne, ob es mit feiner Kenntnis gebracht worden sei. Jedenfalls habe er das Gedicht früher im„Knüppel" gelesen. Eine beleidigende Absicht habe ihm jedoch fern gelegen. Das Ge- dicht habe der damals in breiten Schichten der Bevölkerung Herr- schenden Stimmung entsprochen. Oberstaatsanwalt von Clausewitz sah jedoch den Tatbestand der persönlichen Beleidigung und der Beschimpfung im Sinne des Republikschutzgesetzes gegeben und beantragte«in Jahr Ge- f ä n g n i s! Iustizrat Rechtsanwalt Viktor Frankel bestritt den Tat- bestand des Z 8, Ziffer 1, des Republikschutzgesetzes und berief sich dabei auf das Reichsgericht. Gegenüber dem Staateanwalt, der die großen Verdienste von Hindenburgs betont hotte und aus diesen einen erhöhten Rechtsschutz herleiten zu müssen glaubte, meint; Dr. Frankel, daß Ebert, dessen Verdienst« um das deutsche Volk nicht geringer waren, einen derartigen erhöhten Rechtsschutz nicht genossen habe. Das Gericht bejahte, entsprechend der Forderung des Staatsanwalts, beide Tatbestände und verurteilte den Ange- klagten zu neun Monaten Gefängnis. Außerdem wurde dem Reichspräsidenten von Hindenburg das Recht zur Publikation des Urteils zuerkannt in folgenden Zeitungen:„Rote Fahne",„Vor- wärts",„Berliner Tageblatt",„Deutsche Allgemeine Zeitung", „Kreu--Zeitung" und—„Völkischen Beobachter"!_____ Dies harte Urteil gibt Anlaß zu einigen Bemerkungen allgemeiner Natur. Als der..Sattlergesell«" Ebert der Reiches höchste Würde mit politischem Takt und Verständnis trug, war er bis zu seinem Tode Gegenstand der gehässigsten Verleumdungen und Beschimpfungen. Daran waren auch di« Kommunistcirc beteiligt. Aber unvergleichlich gemeiner waren die Giftpfeile aus dem Köcher der Nationalisten, jener Kreise, die die„Bißrnng" sozusagen tvaditionsmäßig für sich in An- sprucb nahmen. Ueber so blöde Beschimpfungen, wie sie in der„Roten Fahne" gegen Hmdenburg veröffentlicht wurden, hätte Ebert sicher mit Achselzucken hinweggesehen. Ader gegen die systematischen, perfiden Angriffe auf seine politische und persönliche Ehre, die seine Gesundheit untergruben und ihn vor- zeitig aus dem Amte riefen, gegen diese verleumderischen An- griffe hat er sich mehrfach durch Strafanträge zu wehren gesucht. Wo aber ist gegen die Verleumder in der Rechtspresse der Reichspräsident Ebert in ähnlicher Schärf« geschützt worden, wie sein Nachfolger Hindenburg in diesem Falle gegen die blöden Beschimpfungen in der„Rotem Fahne"? politische Justiz. WaS sich ein preußischer Richter erlaube« darf. Während der Agitattcn für die Eintragung zum Bolksbegehren erschien im„Voltsfreund für die Oberlaufitz" ein Inserat, in dem es u. a. hieß:„Eine Eintragung in die Liften zum Volksbegehr kommt auch nur für die Leute in Betracht. die auf den Unterschied von Mein und Dein keinen Wert legen." Unterzeichnet war das Inserat für den Nationaloerband Deutscher Offiziere von einem Dr. Caesar. Parteisekretär Genosse Z a p p a y strengte daraufhin gegen den Unterzeichner Beleidigungsklage an. Ueber die Klage hatte Amtsgerichtsrat Ueberfchär in Niesky(Oberlausitz) als Einzelrichter zu eittfcheiden. Er sprach Dr. Caesar frei und legte die Kosten dem Privatklägcr auf. In der Begründung wird klipp und klar ausgesprochen: Die 14 Millionen, die für die EMeignung ge- stimmt haben, sind dem Sinne nach Diebel Der famose Amtsgerichtsrat verneint zunächst, daß in dem Inserat eine Be- leidig::ng zu erblicken Ist und der Privatkläger durch dies« getroffen werden konnte. Außerdem liege nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vor, daß der Angeklagte das Bewußtsein hatte, den Privat- klüger zu beleidigen. Dann heißt es in der Begründung weiter: „Die den Gegenstand der späteren Abstimmung bildende ent- schädiaungslose Enteignung der früheren Fürsten verkennt denUnterschiedvonMeinundDein. Die Absicht, den ehemaligen Fürsten ihren gesamten Besitz, auch den unzweifelhaft höchst persönlichen, zu nehinen, und zwar ohne jegliäw Entjchädi- aung, untergräbt die fundamentalsten Grundsätze eines Rechtsstaates und widerspricht dem in der Reichsverfossuna aufgestellten Satz des Schutzes des Privateigentums und dem Satz, daß vor dem Gesetz alle Bürger gleich sind. Jeder rechtlich denkende Mensch mußte ein Berfahren, wie es beabsichtigt war, aus das schärfste oerurteilen. Es ist nach Ansicht des G-dchls nicht zu weit gegangen, ein solche» Verfahren sogar mit Diebstahl ,u bezeichnen. ... wer sich für einen derartigen Diebstahl durch Eintragung in die Listen einsehte, konnte durch die Worte, daß er aus den Unterschied von wein und Dein keinen wert lege. ni vom historischen, noch vom staatsrechtlichen oder politischem Stand- Punkt aus haltbar. Sie sind nur«in- Abklatsch deutsch- nationaler Propaganda für di« Fürsten. Aber gibt es überhaupt ein Gericht, das Republikaner vor derartigen Befchimpfun- gen beschützt? Gewiß doch! Denn das Berliner Schöffen. gericht hat eben einen kommunistischen Redakteur ver- urteilt, weil er den Hindenburg-Brief, der sicher der Ansicht des Richters von Riesky entsprach, mit einer gefchmackloscn Karikatur und einem noch geschmackloseren Gedicht beantwortete! Die Todesstrafe in Natten. Der König gegen ihre Einführung. Ehiasso, 33. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Man ist überzeugt, daß die Ansammlung Tausender von Schumrz. Hemden in Bologna am 31. Oktober«in« Sin- schüchterungsgeste gegen den König darstellt, der vor kurzem, wie aus zuverläfstgster Quelle versichert wird, dem„Duce" erklärt hat, er habe das Gesetz über die Wiedereinführung der Todesstrafe nur deshalb unterzeichnet, weil er lediglich feine eigene Person im Auge habe. Eine derartige warnende Geste hätte Mussolini bestimmen können, den Zusammentritt des Parla- ments zu widerrufen, und hat ihm in das Herz die tiefste Miß- st i m m u n g gegen den König gesenkt, von dem er fürchtet, er wolle sich eine neue Volkstümlichkeit dadurch verschaffen, daß er sich gegen die Wiedereinführung des Henkers in Italien ausspricht. Auch der Herzog von Aosta, der, mit der Herzogin zu. sammen, einer der ersten Vorläufer und Apostel des Faschismus gewesen ist, zeigt jetzt Zeichen von Unzufriedenheit und Enttäuschung. Er hat kürzlich seinen Freunden erklärt, er„denke an einen anderen Faschismus" und fei entschlossen, sich nach Piemont zurückzuziehen und dort seine Länder zu bewirtschaften. Der Sejm hat gesiegt. Er steht auf— aber nur vor dem PrLstdente«. Warschau, 30. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Kon- slltt zwischen der Regierung PllsudskI und dem Sejm infolge der Forderung pllsudsti», daß der Sejm das Eröffnungsdekret des Staatspräsidenten stehend anhören müsse, ist in der weife beigelegt worden, daß die für Sonnabend einberufene ErSssnungssthung aus Mittwoch verlegt wurde. Der Staatspräsident wird dann per- s ö n l i ch das Dekret verlesen. Für diesen Fall sind die Abgeordneten bereit, sich von Ihren Sitzen zu erheben. Da die Einberufung de» Sejm noch der Verfassung vor dem 1. November erfolgen muß, wird am Sonntag formell eine Sitzung stattfinden. Dies« Lösung zeigt, daß sich der Sejm auch diesmal ebensowenig wie bei der Beratung des Haushaltplan» restlos dem willen pllsudfkis unler- morsen hat. Attentat in persten. Auf ein Parlamentsmitglied. Teheran, 33. Oktober.(WTB.) Ein hervorragendes Mitglied des persischen Parlaments, Mod Arres wurde, als er fein« Woh- nung verließ, von einem Mann überfallen, der fünf Revoloerfchüffe auf ihn abgab, von denen Mod Arres an beiden Armen ge- troffen wurde. Ein Polizist, der den Täter zu oerhaften suchte, wurde getötet. Schließlich gelang es, den Angreifer feftzu- nehmen. Der Beweggrund zur Tat ist unbekannt. Zusammenschluß der Vertreter der ZeHungrwIssenfchasl an deutschen Hochschulen. Die Vertreter der ZelNingswissenschoft an den deutschen Hochschulen haben eine Arbeitsgemeinschaft errichtet. Der Arbeitsaueschuß der Vereinigung setzt sich zusammen aus den Herren Prof. Dr. Max Fleischmann-Halle, Pros. Dr. Karl d'Ester-München und Dr. Martin Mohr-Berlin. Oer Streik bei der Hochbahn bestblossen. Die am Sonnabend unter dem Personal der Hochbahn vorge- nommene Urabstimmung hat Z9tS Stimmen für den Streik ergeben, denen nur S15 Stimmen gegen den Streik und 109 ungAtige Stimmen gegenüberstehen. Die Dreiviertel- Mehrheit ist damit bei weitem überschritten. Die Aunklionäre werden zu diesem Resultat am Monlagnach- mittag 4 Uhr Stellung nehmen. Es wird sich bei dieser Stellungnahme darum drehen, ob der Versuch des Schlichters Wisscll abgewartet werden soll, am Dienstag eine Einigung herbeizuführen oder aber ob ohne Rücksicht auf die angesetzten Verhandlungen der Streik einsetzen soll. Da auch die Oeffentlichke. t in diesem Falle Stellung nehmen muh, weil in erster Linie die Allgemeinheit der Arbeiter- und Angestellten- jlchaft von einem Streik der Hochbahner bctrossen wird und ihre Meinung« sür den schlichlichcn Erfolg eines Streiks nicht ganz un- wesentlich ist, wäre dringend zu wünschen, dah den Verhandlungen vor dem Schlichter nicht vorgegriffen wird, mit anderen Worten, dah der Streik nicht eher unternommen wird, bevor die Wege, zu einer Einigung zu kommen, erschöpft sind. Die Urabstimmung bei der Aboag ist in dieser Nacht erfolgt. Nach der BS.-Korrespondenz besteht kein Zweifel, dah nach dem Abstimmungsergebnis bei der Hochbahn und bei der zum Teil recht erregten Stimmung des Personals dieses Verkchrsunternehmens auch hier ein Streikbeschluh zustande kommen wird Die Auffassung,„daß die Lohnbewegung in den Berliner Vcr- tehrsbetriebcn von radikaler Seite zu einer politischen Aktion ausgewertet wird", mag etwas für sich haben, doch ist zu erwarten, dah das um eine Lohnzulage kämpfende Personal der Verkehrsbetriebe sich zu solchen Zwecken nicht mißbrauchen läßt. Aussperrung bei Siemens. hygienische Zustände in einem modernen Grohbclrieb. In der Eisengießerei, eidcm der kleinsten Betriebe des Sienrenskonzerns, konnte die Belegschaft am Sonnabend, den 2Z. Oktober, infolge von Rauch und Qualm im Arbeits- räum nicht arbeiten. Die Weltfirma hatte zur Anfeuerung ihrer Oefen so schlechtes Oel benutzt, daß die ganze Halle voll- s ändig vergaste und die Belegschaft gezwungen war, eine halbe Stunde ganz zu feiern. Am Montag, den 25. Oktober, waren die AnkleiderZume nicht geheizt, so dah dre Arbeits» k l e i d u n g der Belegschaft noch von dem Wasserdampf der Bade- einrichtung, die an den Umkleideräumen liegt, vom Sonnabend her vollständig nah waren. Die Belegschaft muhte Zwei Stunden lang warten, bis die Umkleideräume geheizt waren und die Arbeitskleidung trocken war. Am Freitag, den � 28. Ottober, wurden von der Formsandaufbereitungsstelle solche Staub- wölken entwickelt, dah es den Former n nicht möglich war, weiter zu arbeiten, wiederum stand der Betrieb still: eine halbe Stunde lang war der Arbeitsraum eine einzige Staubwolke. Schon am Dienstag beschäftigte sich die Belegschaft in einer Versammlung mit diesen Mißständen im Betriebe, da leistete sich die Betriebsleitung solgendcs: Sie richtete an den Be- triebsratsvorsitzenden ein Schreiben des Inhalts, dah infolge der Betriebsversammlung die Belegschaft am Mittwoch 25 Proz. weniger als sonst üblich gearbeitet hätte und führte dies auf den Alkoholgenuß der Arbeiter vom Dienstag abend zurück. Der Be- triebsrat verlangte den Nachweis für diese Behauptungen, der jedoch nicht erbracht werden konnte. Daraufhin nahm die Belegschaft zu dieser Provokation Stellung und beschloh am gestrigen Sonnabend, eine Viertelstunde passive Resistenz der in Akkord arbeitenden Gruppe,, durchzuführen. Die Betriebsleitung schloß hieraus kurzerhand den Betrieb sür den Sonnabend und schickle die ganze Belegschaft nach Hause. Soweit der Tatbestand. Der Herr Regierungsbaumeister Bolz von der Sozialpoli- tischen Abteilung errechnet alle Fehlstunden in den Siemens- betrieben, die durch Krankheiten»nd Urlaub entstehen. Vielleicht untersucht er nun auch binmal, tvarun, der Kranke übe st and in der Eisengießerei so hoch ist. Er beträgt nicht weniger als durchschnittlich 15 Proz. Derartige Mißstände sind leider nicht nur in diesem Werk. Würde für Abhilfe gesorgt, dann würde sich die Anzahl der Fehlstunden automatisch verringern. Wenn der Belegschaft allerdings II m k l e i d e r ä u m e zur Verfügung gestellt werden, in denen die Arbeiter sich die Gicht und Lungenentzündungen holen können, muh der Gesundheitszustand schlecht sein. Zumal die Belegschaft täglich der Gasvergiftung ausgesetzt ist und infolge der Staubwolken an Tuberkulose erkranken muß, kann der Krankenbestand nicht zurückgehen. Herrn von Siemens wäre zu empfehlen, dah er einmal wachen- lang als Former in diesem Musterbetrieb zubringt. Vielleicht werden dann die Mihstände beseitigt. Von der amerikanischen Studienreise des Herrn Generaldirektors K ö t t ch e n hätte sich die Belegschaft bezüglich der Betriebseinrichtungcn auch etwas mehr versprochen. Der Belegschaft ist nur zu empfehlen, dah sie weiterhin so zusammenhält und sich den durch diese Zustände ent- standenen Verdienstausfall beim Gewerbegericht einklagt. Ueber- dies wäre es Sache der Gewerbeaufsicht, den hier ange- deuteten Mißständen einmal gründlich nachzugehen. Lohnbewegung in be« Margarinelager«. Die in den Berliner Margarineniederlagen beschäftigten Arbeiter hatten ihre Organisation, den Deutschen Verkehrsbund, beauftragt, das Lohnabkommen zum 26. Oktober zu kündigen und eine 1 5 p r o- zentige Lohnerhöhung zu fordern. In den Verhandlungen am 25. Oktober lehnten die Unternehmer jedes Zuge-- ständnis glatt ab. Sie begrünbeten dies u. a. damit, dah von ihnen gezahlten Löhne an der Spitze aller Berliner Transport- arbeiterlöhne stünden und sie nicht die Schrittmacher sür eine Lohnerhöhung im Lcbensmittelgrohhandel sein wollen. Die Vcr- treter der Organisationen wiesen ihnen jedoch nach, daß die Lohne von denen in ähnlichen Branchen noch w e i t ü b e r t r o f f e n würden. Sie betonten weiter, daß es den Geschäftsführern der Niederlagen nicht schwer fallen dürfte, eine Lohnzulage zu geben, da doch ihre Direktoren der Margarineindustrie den Arbeitern in den Fabriken auch eine Zulage von 3 Pfg. pro Stunde zugestanden hätten., Eine Versammlung der in den Niederlagen Beschäftigten war über das ablehnende Verhalten der Unternehmer so empört, daß es den Organisationsvertretern nur mit Mühe gelang, die Arbeiter zu bewegen, erst den Schiedsspruch des angerufenen Schlich- tungsausschusfes und die Stellungnahme der Unternehmer dazu abzuwarten. Diese Empörung kam auch in einer einstimmig ange- noinmenen Entschliehung zum Ausdruck, in der die Vsr- sammelten betonen, die berechtigte Forderung mit allen gewerkschaft- lichcn Mitteln zu erkämpfen. Bei einem unbefriedigenden Schiedsspruch wäre bei der fast restlosen Organisationszugehörigkeit dieser Arbeiter mit einem Streik zu rechnen, zumal sie in den Betrieben selbst und aus den veröffentlichten Geschäftsberichten ersehen, welche Gewinne die Margarinekonzerne erzielen._ Zum Arbcitsschnhgesek. Das Arbeitsschutzgesstz ist nunmehr, wie mir erfahren, dem Reichskabinett zugegangen. Man rechnet damit, dah die Beratungen des Kabinetts über die Vorlage in etwa zehn bis vierzehn Tagen abgeschlossen sind. Danach soll der Gesetzentwurf gleichzeitig den, Reichswirtschaftsrat und dem Reichstag übergeben und veröffentlicht werden._ ScrrtnmafttäncibtT Berlin»! Mittrocch, 3. November, 7 Uhr, in den Anninsülen. Kommandanten str. 58—59, aroficc Saal, Mite-liederversommiunk!. Verichl von den Vcrbandlungcn in?rantfurt. R-«clunz der seitherigen Extra- Positionen. Mitgliedsbuch oder-karte legitimiert. Die Filialleitung. I. A.: W. Lehmann. Verantwortlich für Politik: Dr. Eurt«eqcr: Wirtschaft:«rtur Saternn,; Gewerkschaftsbeweaung: A. Tteiuer; Feuilleton: K. K. Tölcher: Lokales und Sonstiacs: Frifi Karstadt: Anljkiaen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. ZZerlag i Vorwärts.Verlag G.m.b.H.. Berlin- Druck: VorwSrts.Buchdruckcrel und Bcrloasanltalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68. Lindensiraße 3. sier,u 6 Beilagen.„Unterhaltung uud JBifscn",„Aus der Filonoelt". DsmenBiletäuns 1.90 Jumper-Blusc»u. gestreiftem Flanell... Jumper-Bluse»»» modernem Pulloverstoff O OO mit Taschen verziert.. Oac/W Tanzkleid»u» Taft, in hellen Farben, mit 4*1 CT/A Band garniert....... X i•Ov' | Servterkleidachwaiz. Zanella| l mit weißer Garnitur- 5 und Schurze....... OaC/w: Pclzschal kanif rl. 39.00 Pelzkragen.u, aq /»./-. »kunksf. 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Aber immer noch ist in den Diärtern, die nur ein wemg vorsichtiger« Nachfolger dieser Zeitschrist sind, die Frau ohne Mann, d. h. natürlich ohne durch das bürgerliche Recht garantierte Eheversovgung,«in recht beliebtes Distufsions- objekt. Wie pikant ist das alles! Vor einem Jahrzehnt noch über- fetzt««in Schlager die Wünsche eines glühenden Junggesellenherzens in die Worte: „Ob ein« feurig oder ätherisch, Ob sie gesund ist oder hysterisch... Ich geh' auf jede Nuance gern ein! Aber oerheiratet, aber verheiratet, richtig verheiratet, das muß sie sein!" Nun, das ist jetzt ein durchaus überwundener Standpunkt. Jetzt ist die„junge Witwe" oder die„berufstätige Dam« mit Eigenheim" sehr gesucht aus dem mehr oder minder legitimen Heiratsmarkt. Berlin besteht nicht nur aus der Touentzienstraß«, aus scrshionablen Konditoreien und„lauschigen" Restaurants mit lila Beleuchtung: und w diesem anderen Berlin, m das diese Berufsbarden niemals kommen, de leben viel« Tausende Frauen ohne Mann, schlagen sich togtäglich mit den härtesten Nöten des Lebens und sind um so schutzloser, als noch der ganz« Apparat des Staates und, wie oft. noch der„sozialen Fürsorge" von Männern bedient wird, die an all« Ding« mit männlichen Vorurteilen herangehen. Von diesen Frauen meldet kein buntes Magazin, und wer von ihnen wissen will, wird hier kein« Auskunft bekommen können... Und doch lehnt sich schon ein« Entdeckungsreise. Die Witwe. Di« Wohnung ist da draußen, wo die Untergrundbahn ihr Ende hat, in einer jener grauen Nebenstraße mit den freudlosen Miels- kajernen, die auf jedem Treppenabsatz vier Wohnungstüren ausweisen. Ein« kleine, schief« Küche ist der„Empfangsraum", und der ganze klein«, schief« Raum ist voll lebendigster Jugend. Denn dies« Frau hat. als Witwe, drei Kinder großgezogen, und alles, was Freud« heißt, haben diese drei ihr zugetragen. So klein ihre Wohnung ist, ist sie doch alle Tage der Versammlungsraum auch der Freunde ihrer Kinder, ist all« Abende von Musik und Spiel und Freude erfüllt... 1!i17 starb der Vater plötzlich am Herzschlag. Damals waren die Jungen neun und vier Jahre all. das Mädchen war gerade zwei Jahre geworden. Der Dater war Dreher, ein besser bezahlter Arbeiter, es waren einige Spargroschen vorhanden. Nun stand die Mutter ollein mit den fcrei Waisen. Das geringe Kapital mußte für die Kinder auf«in Sparkassenbuch«ingetragen werden, oerlangt« das Vormundschaftsgericht. Armenunterstützung wurde der Frau ver- weigert. Der Armenoorsteher hatte erfahren, daß bei dem Tode des Mannes etwas Geld vorhanden gewesen sei: er wies sie ob:„Erst müssen Sie ihre Groschen verbrauchen!" Da nahm sie nach drei Wochen Arbeit bei Siemens an: Kriegsarbeit. Um halb acht begann die Arbeit. So mußte sie um halb fünf aufstehen, um sechs schon gab sie die beiden Kleinsten im Kriegstindergarten ab— um halb sieben mußte sie aus dem Haus. Ob sie auch den Messter bat— sie mußt«, gleich den anderen, Ueberstunden machen:«zu was sind Sie denn hier! Hier wird gearbeitet!" Erst um halb neun kam sie nach Haus. Dann kam die Hausarbeit bis elf Uhr. Und dann, dann durfte sie schlafen— bis ihr der Wecker meldet«, daß das Mittagessen gar fei. Und halb im Schlaf tappt« sie in die Küche, um das Gas abzudrehen. Aber irgendwie kam der Meister dahinter, daß sie den „Vorwärts" hielt. Da bekam sie die elendeste Arbelt, bei der sie nur drei Viertel des normalen Lohnes verdiene» konnte. Und die Kinder wurden krank... Nun nahm sie Arbett, in der sie Wechsel- schicht arbeitete: und weil sie über Tage doch nicht schlafen konnte, nahm sie noch Wäsche ins Haus, um die droi hungrigen Kindermäuler zu stopfen.. 191g wurde sie im Januar arbeitslos: aber sie bekam nur für sich Unterstützimg, denn für die Kinder hatte sie nun Armen- uilterftützung, nachdem sie zu des Vormundschaftsacrichts Entrüstung das Geld von dem Sparkassenbuch für die Ernst? rung der Kinder abgehoben hatte. Armenuaterstühung, für die sie jedem Kinde gerade zwei Schrippen kaufen konnte. Aber das Waisenhaus wollte die Kinder nicht aufnehmen.„Eine gesunde Frau muß doch drei Kinder ernähren können!" Und Mutter und Kinder zogen im Sommer in die Heide, um Blaubeeren zum trockenen Brot zu haben.. Dann fand sie eine„gute" Stelle als Hausmädchen in einem Krankenhaus. Di« Kinder blieben allein; das Mädel im Bettchen, bis die Brüder nach Haufe kamen. Stullen standen auf dem Tisch, die Jungen wurden fix und fertig angezogen, der Wecker gestellt auf die Zeit, zu der sie in die Schul« gehen mußten. Und mit einem Herzen voll Angst und Oual arbeitete die Mutter, bis sie um 4 Uhr nach Hause kam...„Jetzt habe ich ein Herzleiden, aber nun geht es uns ja glänzend gegen früher! Trude macht die Küche(und die war blank und sauber), der Junge die Stube, und mein Großer...„Ihm ist ein halbes Jahr Lehrzeit geschenkt worden, und jetzt ist er Expodient bei der Firma, 100 Mark bekommt er am Ersten Gehalt! Er hat es so schwer gehabt, sich durchzubeißen, denn er hatte ja ein« Freistelle auf der Realschul«, der Rektor hat ihn ohne meinen Willen hingebracht. Die Anzüge hat er sich selbst verdient mit Nachhilfestunden, und die anderen Jungs haben doch oft über ihn gespottet, weil er nur Schmalz- stullen mithatte. Der zweit« hätte auch auf ein« besser« Schul« kommen können, aber ich konnte es nicht mehr durchsetzen; es kostet ja doch Geld, wenn das Schulgeld auch geschenkt wird..." Neun- unddreißig Jahr« ist sie jetzt: dreißig war sie, noch eine jung« Frau, als der Mann starb. v:e leüige Mutter. ... ich war ja noch so'n Schaf, trotz meiner 23 Jahr«! Ich habe ja gar nicht kapieren können, warum das Kind eigentlich'n Malheur sein sollt«— ich habe mich so drauf gefreut! Es war ja nicht schlimm, Mutter lebte noch, ich konnte arbeiten, da habe ich für beide gesorgt. Wie?— Zuerst habe ich Schürzen genäht, für'n Schneider aber denn habe ich noch Prioatarbeit dazwischen genommen, und ich habe immer gur verdient, nie ausgesetzt, denn ich habe Muster gemacht. Wir haben immer gut zu essen gehabt, aber die anständige Ernährung war auch das Einzige, was ich schassen konnte für uns drei... und dafür mußt« ich täglich mindestens 12 Stunden arbeiten, aber manch- mal ging's die Nacht durch, und am nächsten Tage konnte auch erst um die übliche Zeit Feierabend gemacht werden. Lange habe ich das ausgehalten, aber dann fing ich an der Maschin« immer zu schlafen an und wacht« erst aus, wenn ich mit dem Kops« gegen den Näharm fiel. Dann starb Mutter, ich hätte in der Fabrik leicht bessere Arbeit finden können, aber ich blieb zu Haus«. 1915 ging ich doch in die Fabrik, denn nur so konnte man damals Geld verdienen, und ich nahm Nachtschicht, um den Tag für zu Hause rrei zu haben. Der Vater? Der Vormund? Ja, der Vater war hier ein junger Mann aus wohl- habender Bürgerfamili«, aber darum brauchte er für fein Kind doch nur 15 Mark Alimente zahlen, denn ich wurde nicht als Schneiderin, sondern als„ungelernte Arbeiterin" gerechnet, und der Vormimd riet mir noch, mein Einkommen möglichst niedrig anzugeben. Er soll von dem Vater Geld bekommen haben dafür... Dann starb er, ich wurde meines Kindes Vormund, und der Vater löste feine Verpflichtungen durch Kapitalauszahlung ab Aber das Geld mußte ich auf«in Spar- kassenbuch anlegen, kaum daß man mir so viel freigab, wie die Aus- bildung in der Fröbelfchul« für mein Mädel kostete... Hätte ich wenigstens über das Geld verfügen dürfen, dann hätte ich meinem Mädel ein« Existenz gründen können! Aber so viel Zuverlässigkeit traute das D o rm unds chaft sg eri ch t mir nicht zu; vielleicht, weil ich«in« ledige Mutter oder weil ich nur Schneiderin bin... Da lag dos Geld auf der Sparkasse, und die Inflation hat das Vermögen meines Kindes gefressen. Nun sind mein« Nerven zerrüttet, ich kann nicht mehr Tag für Tag arbeiten, und mein Mädel kriegt in der Wäschefabrik 18 Mark die Woche raus: und sie, die längst nicht so robust ist, wie ich war, wird bald für mich sorgen müssen. Bis auch sie zusammen- bricht. -i° So sieht das Loben der„Frau ohne Mann" heute in Wirklichkeit aus: Sie wird am wenigsten gestützt und alle Staatshilfen sind ihr Die Vunöer öer Klara van Haag. 1] Don Johannes Vuchhollz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. 1. Kapitel. Hedwig erschien auf der Steintreppe des Zollamts. Der Frühlingswind spielte mit ihrem gelben Haar. Sie strich es sich aus der Stirn, beschattete sich die Augen und sah die Brückenstraße hinunter. Jetzt mußte der Wagen bald da sein. Dann lief sie die drei Stufen hinab und blieb mitten auf der Steinbrücke stehen. Sie stand frei und gerade auf ihren Beinen, während der Wind vom Hafen ihr das Kleid um die Schenkel schlug und die weiße Schürze wie ein schimmerndes lateinisches Segel ausspannte. Der alte Poulsen öffnete das Kontorfenster halb und steckte sein braves, graues Ziegenbockgesicht heraus. Hedwig lachte zu ihm hinauf: „Noch nicht!" Sie ging hinein ins Kontor. „Wie herrlich warm es ist," sagte sie und strich sich ostwechselnd über die nackten Unterarme. Das Feuer prasselte still im Ofen, durch die zwei Fenster fiel die Sonne herein und bildete herrlich funkelnde Vierecke auf dem blanken Linoleum. Draußen am Bollwerk lagen die Schiffe mit weißen Kombüsen und hohen Masten. Poulsen schritt unruhig hin und her in seinen aus- getretenen Schuhen. Sein Rock war der bekannte, alte, grüne — auf der rechten Seite gelblich verblichen— Zollassistentey- uniform; aber Hedwig bemerkte, daß er merkwürdig geformte Manschetten trug, die er immer wieder in seine Aermel hinauf- zuschrauben versuchte. Plötzlich blieb er stehen und lauschte mit offenem Mund. Er versuchte sich zwei-, dreimal aufzu- richten, ohne daß der bucklige Rücken folgen wollte, und drehte sich verwirrt auf derselben Stelle herum. „Rasselte es nicht?" sagte er. Hedwig sprang durch die Tür auf die Straße und wieder herein.. � „Rein, keine Spur von einem Wagen!" „Es klang wirklich so. Es klang wirklich so." murmelte Poulsen. wie um Entschuldigung bittend und schritt weiter. Hedwig trat vor ihn. daß er nicht vorbei konnte. „Poulsen! Hören Sie, Poulsen, man sollte wirklich glauben, daß Sie es wären und nicht ich, die meine Gnädige erwartet!" „Ich muß dir gestehen, Hedwig, daß— daß ich daran gedacht habe— hinauszukommen und guten Tag zu sagen. Oder vielleicht: Guten Tag und willkommen in Knarreby Oder..." „Ja, aber— darüber braucht man doch nicht zu er- schrecken." „Ja, aber siehst du, Hedwiglein, ich weiß ja doch nicht, ob es sich paßt. Kontor und Wohnung, was? Ich gehöre ja nach unten. Sie nach oben. Ich dränge mich nirgends auf: aber ich bin jetzt feit zweiundzwanzig Jahren hier und da finde ich, daß es mein gutes Recht ist, hinauszu- gehen und zu sagen: Guten Tag und willkommen im Zollamt von Knarreby." „Daß ist auch Ihr gutes Recht, alter Poulsen." „Es i st mein Recht," wiederholte Poulsen belebt.„Aber, wie soll ich nun am besten...? Meinst du. es wäre am besten, wenn ich draußen auf der Treppe die Mütze abnehme, um das Offizielle zu unterstreichen.... oder..., du mußt daran denken, daß es, obwohl ich ein älterer Mann bin, das erste— das allererste— Mal ist, daß es mir widerfährt, daß eine neue Frau ins Zollamt kommt. Wassermann und seine Frau waren ja nicht mehr jung, als ich herkam. Sie kommt zu uns aus der großen Welt. Der Zollverwalter sagte neulich: ... Als wir einmal in Paris waren. In Paris! Man muß beinahe zittern bei dem Gedanken. Was?" Hedwig sagte bedächtig:„Rein, das ist wirklich nicht so leicht. Wir wissen nicht, ob sie jung oder alt, ob sie ein Engel oder ein Teufel ist. D a s ist sie wohl am ehesten. Aber—" und Hedwig hob den Kopf, als lasse sie einen überflüssigen Mantel von Bedenken von ihren Schultern gleiten„ich jedenfalls werfe mich nicht vor ihr auf die Knie, selbst, wenn sie meine Gnädige ist. Sagt Sie zu mir: Ich bin aus Paris! So bekommt sie zurück: So! Ich bin aus Knarreby! Das gleicht sich aus." „Ja. du kannst lachen." sagte er kopfschüttelnd und ließ sich schwer auf seinen Stuhl am Fenster sinken. Er nahm den Federhalter, als wäre jede Diskussion vorbei, aber einen Augenblick später sprachen sie wieder über denselben merk- würdigen Gegenstand, daß der Zollverwaster, der jetzt fast ein Jahr lang als Junggeselle gelebt, gestern das Telegramm erhalten hatte, und daß Hedwig bei Sören Fuhrmann gewesen war, um den geschlossenen Wagen zum Drei-Uhr- Zuge zu bestellen. Poulsen krümmte jedesmal, wenn er von der Gnädigen sprach, seinen Rücken. „Ja," sagte Hedwig,„aber ich kann es nicht ausstehen, daß sie grob ist. Zum Beispiel gegen ihre Mädchen. Man sollte nicht glauben, daß ein gebildeter Mensch solche in den Mund nähme..." „Was sagst du? Woher weißt du...?" Hedwig sah starr vor sich hin und sagte geheimnisvoll: „Ja, das ist sie. Ich kenne natürlich nicht jedes einzelne Wort, das sie gebraucht. Aber, wenn Herr van Haag nicht einmal seine eigenen Möbel an Ort und Srelle zu setzen wagt. Er sagte immer: Rein, laßt das stehen, bis meine Frau kommt, sie stellt doch alles um!— Dann muß sie ja ein verrücktes Biest sein.— Auch gegen mich zum Beispiel Nicht wahr?" Poulsen wagte durchaus nicht, Hedwig in ihrer Lossik zu folgen. Er öffnete statt dessen das Fenster auf seine vorsichtige Art, und als die frische Luft hereinstrich, hörten sie gleichzeitig deutlich Wagenrollen von der Algade her. Das Fenster wurde höchst unvorsichtig zugeschlagen. Hedwig bekam rote Backen, und Poulsen lief an die Garde- robenhaken, setzte seine Mütze auf, nahm sie wieder ab und stülpte sie sich schließlich verkehrt auf sein störrisches, graues Haar. Als der Wagen an der Zollamtstreppe vorfuhr, standen Hedwig und er wie zwei weit verschiedene Statuen je auf einer Seite der obersten Stufe. Sören Fuhrmann schlug einen allmächtigen Knaller mit der Peitsche und hielt die Roten an. Die Kalesche war her- untergeschlagen. Reben dem Zollverwalter saß eine ranke Dame ganz in Weiß. Sie sagte mit einer Stimme, die jedes Wort zu seinem Recht kommen ließ: „Fahren Sie etwas weiter vor, Kutscher!" Sören Fuhrmann wandte den Kopf und vergewisserte sich, daß der Wagcntritt war, wo er seiner Berechnung nach sein sollte: gerade mitten vor der Treppe, Dann drehte er die Rase wieder nach vorn. „Fahren Sie etwas weiter vor, Kutscher! Fahren Sie bis zu dem Schiff!" Sören suchte mit den Augen Hilfe beim Zollverwalter— der war doch kein Frauenzimmer— da er aber keine fand, trieb er die Pferde an und ließ den Wagen die dreißig Ellen zum Bollwerk hinüber beinahe springen. Nie hatte er solche Behandlung erfahren. (Fortsetzung folgt.) gegenüber am säumigsten. Gejagtes Will> ist sie aber jeder BehSrde, die irgend etwas zu fordern hat oder doch zu haben glaubt. Und nirgends ist so«in Finanz- oder Wohlfahrtsamt genauer beim Steuer» eintreiben oder bei der Rückforderung verauslagter Summen, als bei der Frau ohne Mann, die das Kunststück fertig bringt, eine Familie zu ernähren. Zwei Attentäter. Zum Prozcft von Leiferde. Das Verbrechen von Leiferde wird den Hildesheimer Richtern in dem Prozeß, der, wie bereits gemeldet, am 3. November beginnt, in tatsächlicher Beziehung nur wenig Kopfzerbrechen machen. Um so schwieriger wird die psychologische und rein menschliche Lösung der Aufgabe sein, vor der das Gericht stehen wird. Zwei Vermutungen löste die Eisenbahntatastrophe von Leiferde in bezug auf den möglichen Verbrecher im ersten Augenblick aus: Es kennte nur ein Räuber oder ein Wahnsinniger gewesen sein. Erst später entstand der Streit: Verbrechen oder Un- glück, Vorsatz eines Uebeltäters, oder Fahrlässigkeit der Eisenbahn- Verwaltung? Der Zufall, durch das Gewissen Webers verkörpert, spielte beide Attentäter der Polizei in die Hände. Sein Geständnis machte jedoch dem Streit, ob es sich um ein Unglück oder ein Ver- brechen handelt, kein Ende. Die Katastrophe wurde nun aber zum Cisenbahn-Verbrechen-Unglück. Die hohe Zahl der weiteren Eisenbahnkatastrophen lieferte für die Behauptung, daß die Eisenbahn nicht freizusprechen sei, immer neue Begründungen. Die Frage lautete nun: Hat die Fahrlässigkeit der Eiseubahnoerwaltung oder die Mißwirtschaft, die da herrschen soll. dem Verbrechen von Leiferde Vo r s ch u b geleistet? Aber selbst wenn das der Fall gewesen wäre, wird hiermit ein Teil der Schuld von den Attentätern auf die Eisenbahnvcrwaltung abgewälzt? Und nun zu dieser Schuld selbst! Ihr Maß steht in diesem Augenblick noch nicht endgültig fest. Erst die öffentliche Hauptverhandlung wird die Lösung bringen. Selbst dann aber, wenn das Gesetz den Richtern die Möglichkeit gewähren sollte, den Attentätern das Leben zu lassen, wird die Höhe ihrer objektiven Verantwortlichkeit für das von ihnen angerichtete Unheil eine unermeßliche bleiben. Von der Stärke ihrer Phantasie, von der Empfindsamkeit ihres Nerven- systems, von der Art ihres Gemütslebens wird es abhängen, wie sie Zeit ihres Lebens an der Tat tragen werden. Denn die höchste Strafe ist die Qual der Borstellung von der eigenen Schuld. Bon einer gewissen Presse wurde,, wo die Ergebnisse der polizeilichen Vernehmung allein aus interessiertem Munde bekannt ge- worden waren, verlangt, daß das Strafgesetzbuch durch eine Gcsetzesnorm ergänzt werde, die Eisenbahnattentate mit dem Tode ahnden soll«. So wird für die Erweiterung des Anwendungsgebietes der Todesstrafe Stimmung gemacht. Ihre Fürsprecher wollen wissen, daß die Attentäter zugegeben hätten, nicht allein mit dem Tode der Passagiere gerechnet, sondern an die Unoerineidlichkeit des tödlichen Ausgangs für viele gar nicht ge» zweifelt zu haben. Mehr noch, sie hätten beabsichtigt, die getöteten �Pasiagiere auszurauben. Diese letzte Behauptung läßt an der Rickitigkeit der übrigen zweifeln: denn wie hätten die Attentäter hoffen können, die in umgekippten Wagen eingeschlossenen Passagiere auszuplündern? Ist denn wirtlich jedes Mittel gut-genug, wenn es gilt, die Sensation wachzuhalten und den blutrünstigen Instinkten zu fröhnen. Wer tiefer zu blicken vermag, ist nicht allein von dem Unglück von Leiferde erschüttert, das zum Schicksal der zwanzig Passagiere und ihrer Angehörigen wurde. Erschüttert ist er auch von dem Un- geheuerlicher, des Seelenlebens der Attentäter Gestern noch ist der eine Hcrnslebrer und Maler, der andere Techniker. Ueber Nacht werden sie Urheber eines Verbrechens, wie wir es selten erlebten. Und da entsteht die Frage: Wie konnte das geschehen? Ueber die inneren Voraussetzungen für das Zustandekommen des Derbrechene, die in der Veranlagung der Attentäter selbst lagen, wird man erst nach persönlicher Bekanntschaft mit ihnen während der Haupt- Verhandlung entscheiden können. Die außer ihnen liegenden Ur- fachen fordern aber bereits jetzt zu einer Stellungnahme heraus. B I e l l e I ch t waren es die Zustände bei der Eisenbahnoer- waltung, die das Verbrechen mit verschuldet haben: bestimmt waren es aber die wirtschaftlichen und seelischen Nöte unserer Zeit. Die Arbeitslosigkeit, die innere Entwurzelung, das Vagabundentum mit all seinen Gefahren, hat wie bereits in vielen anderen Fällen, so auch hier junge Menschen, die es sonst vielleicht nie geworden wären, zu Verbrechern gemacht. Schlesinger war In dem Zlllgenblick vom Schicksal gezeichnet, als er, nachdem man ihn auf seiner Arbeitsstelle verleumdet hatte, fein Hab und Gut verteilte und somit unter seine Vergangenheit einen Strich machte. Nun war er nur noch ein Spielball äußerer Umstände. Und über die Kartoffel und Feldfrüchte der Wanderschaft kam er zum Verbrechen von Leiferde. Hier entsteht die aktuelle Forderung: Vermehrt die Stätten. die Ruhepunkte auf dem Wege des rastlosen Manderns der Er- werbslosen von beute fein sollen. Gebt ihnen ein Dach über dem Kopf, ein Stück Brot in den Magen,«in Wort des Zuspruchs für das Herz. Dadurch wird mehr als ein Verbrechen verhindert. Nicht aber durch die Todesstrafe. Selbst das schauerlichste Verbrechen sollte aber nicht imstande sein, Sozialisten von ihrer weltanschau- lichen und triminalpolitschen Einstellung gegen die Todesstrafe abzubringen. Diese trifft nicht so sehr die Mörder, wie die Gesellschaft, die sie verhängt.__ Ein hartes Urteil. Wir hatten gestern über das Urteil des Landgerichts II/ be- richtet, das unter dem Vorsitz des Lanaerichtsdirektor Bomb« gegen den 2ljährigen Mechaniker Herbert Ollsson gefällt wurde und 2H Jahre Zuchthaus betrug. Erst vor wenigen Tagen haben auf der Versammlung des Reichsoerbandes der deutschen Presse Richter ein« Kritik der Presse nicht nur als berechtigt, sondern auch als wünschens- wert erklärt. Wenn irgendwo, so erscheint sie diesmal am Platze. Zwei junge Menschen werden auf dem Heimwege nach unerlaubten Schießübungen vom Förster aufgefordert, die Waffen herzugeben. Sie suchten jedoch Deckung hinter Bäumen und schössen, wie der Förster selbst zugab, ohne zu zielen, blindlings darauf los. Der eine von den beiden jungen Leuten wurde bei der Schießerei von dem Förster erschossen. Der Staatsanwalt hatte sich aber nicht mit der Anklage des oersuchten Totschlags begnügt, obgleich aus der Aussage des Försters hervorging, daß ein Totschlag gor nicht be- absichtigt war, sondern hatte angenommen, daß der Angeklagte, der sich eines ganz geringen Vergehens schuldig gemacht hatte, ver- sucht hätte, sich der Ergreifung auf frischer Tat bei Unternehmung einer strafbaren Handlung zu entziehen. Der Staatsanwalt betonte ganz besonders den Umstand, daß es sich in diesem Falle um einen Kommunisten handle. Dieser Umstand mag auch dazu beigetragen hoben, daß der Staatsanwalt fünf Jahre Zuchthaus beantragte und das Gericht auf zweieinhalb Jahre Zuchthaus erkannte. Wäre aber derselbe Antrag gestellt und das gleiche Urteil gefällt worden, wenn es sich nicht um einen 21jährigen Zlrbeiter, sondern um einen völkischen Jüngling, den Sohn„ehrbarer" Bürger, gehandelt hätte? Die Antwort erscheint nicht zweifelhaft. Hier wurde ein unbe- scholtener Arbeiter, der einen außerordentlich sympathischen Ein- druck machte, den seine Tat reute, und der durch den Tod seines Freundes genügend gestraft war, im Gerichtssaal verhaftet, um von der Arbeit weg ins Zuchthaus geschickt zu werden. Sollte die an- Öekündigte Revision resultatlos verlaufen, so wäre es unter allen Umständen angcheigt, in diesem Falle auf dem Gnadenwege das Urteil zu mildern. Kommunale Konferenz Dienstag, den 2. lNooember, abends S Uhr, im Rathaus, Königstraße lStadtSerordncteiisitzuügSsaal). Tagesordnung: Unsere kommunale Politik in Berlin Die Wahlen zum Magistrat«.die letzten Vorgänge im Ralhanse Referent: Genosse Richard Krille. Zur Teilnahme sind berechtigt: Die SPD.-Stadt- und BezlrkSvcrordneten, die Magistrats- und BezirkSamtSmiigiieder, die Mitglieder des Bezirks- Vorstandes und die Abteilungsleiter.— Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Vezlrksverbaud Berlin SBV„ kommunale» Sekretariat. Nur ein kleiner MeineiS. Wenn man der Frau Unterkunft gewährt. Man wäre fast versucht zu sagen: Der Falscheid ist eine Dolkskrank- heit. Soviel steht auf alle Fälle fest: das Bewußtsein von der Pflicht zur Wahrheit fehlt manchem Zeugen im Gerichtssaal nur zu häufig. Die Erziehung zur Wahrheit müßte im Hause und in der Schule beginnen. Die Angst ist es aber— beim Kinde leider allzu oft cme berechtigte Angst—, die die Lüge in der Regel zur Gewohnheit werden läßt. Dieses Mal war der Meineid wieder in einem Ehefcheidungs- prozeß geschworen worden. Und die Lüge war allzu durchsichtig, als daß kein Meineidsprozeß hätte angestrengt werden können. Wer hätte dem K. in dem Ehescheidungsprozeß glauben sollen, daß er mit der Frau N., die er bei sich aufgenommen und die Monatelang bei ihm gewohnt hatte, nicht intimen Verkehr gepflegt hätte? Und dazu war er auf folgende Weise gelangt. K. hatte mit dem Ehepaar N. einen fröhlichen Abend in einer Gastwirtschaft verlebt. Plötzlich wurde aber der Ehemann, höchst wahrscheinlich von Eifersucht ge- plagt, ausfallend gegen feine Frau. Die Beschimpfungen setzte er auch auf dem Wege nach Hause fort. Kaum hatte sich K. von den Eheleuten getrennt, als ihn Frau N. einholle und ihn bat, sie für diese Nacht bei sich aufzunehmen, zu dem erzürnten Mann könne sie doch nicht. Er tat es, aus Mitleid natürlich. Und dann zog sie zu ihm und blieb da. Eines Tages eröffnete sie ihm, daß sie in anderen Umständen sei und daß sie in diesem Zustande bereits zu ihm gezogen fei. Er behielt sie bei sich, auch nachdem sie niedergekommen war: der Mann, meinte sie, würde ja doch für das Kind aufkommen müssen. Dieser hatte aber bereits eine Ehescheidungsklage ange- strengt. Nun geriet Frau N. in Sorge: wurde sie zum schuldigen Teil erklärt, so brauchte der Mann keine Alimente zu zahlen. Dos mußte vermieden werden. Und so bat sie den K.. auf dem Gericht auszusagen, daß sie zwar bei ihm gelebt Hobe, aber daß zwischen ihnen stets das berühmte Schwert gelegen habe. Und er tat es auch. Natürlich glaubte ihm kein Mensch und am wenigsten der Staats- anmalt. So stand der 62Iährige K., der zwar verheiratet ist, doch mit seiner Frau in Trennung lebt, als reuiger Sünder vor dem Landgericht kl. Das Gericht verurteilte ihn zu b Monaten Ge- f ä ng n i s. Wäre er bei seiner Aussage, die er auch hätte verweigern dürfen, nicht Gefahr gelaufen, sich durch den zugestandenen Ehebruch strafbar zu machen, so wäre eine Zuchthausstrafe unausbleiblich ge- wesen. K. kann von Glück sprechen. Auch Bewährungsfrist ist ihm in Aussicht gestellt worden._ Generalversammlung öer Konsumgenossenschast. Am Montag, den 1. November, abends 6K Uhr, findet im Lehrervereinshaus. Alexanderplatz, die o r d e n�? lich e Generalversammlung statt. Die Generawersamrt�- lung beschäftigt sich neben den Berichterstattungen, der Genehmigung der Bilanz und der Verteilung der Erübrigung mit der Wahl von sieben Aufsichtsratsmitgliedern und deren Ersatzpersonen. Nur bei vollzähliger Anwesenheit der Vertreter der Fraktion„Genossen- s ch a f t s a u f b a u" ist es möglich, unserer Fraktion die ihr auf Gnind ihrer Stärke zustehenden Mandate zu sichern. Darum darf kein Vertreter der Fraktion„Genossenschaftsaufbau" in dieser Ge- neralversammlung fehlen. Die täglichen Verkehrsunfälle. Im Verlauf des gestrigen Tages ereigneten sich wieder eine ganze Reihe von schweren Verkehrsunfällen. Beim Ueberholen eines Last- krastwagens in Siemensstadt bei Spandau wurde der Jöjähriae Motorradfahrer Ingenieur MaxMehiow aus der Akazienallee 44 in Charlottenburg überfahren und erheblich oerletzt. Mit einer schweren Kopfverletzung wurde der Verunglückte in das Paulinenstift zu Spandau gebracht. Die Schuld soll den Benin- glückten selbst treffen.— Am Alcxanderplatz vor dem Kaufhaus Tietz wurde die öüjährige Ehefrau Berta A. aus der Konigstroße von einem Motorradfahrer zu Boden geschleudert. Frau A. erlitt innere Verletzungen. Sie wurde zur nächsten Rettungs- stelle gebracht.— An der Ecke Turm- und Emdener Straße wurde der 73jäHrige Arbeiter Robert Bande aus der Ottostr. 11 von einem Straßenbahnwogen der Linie 44 angefahren. B. zog sich eine schwereKopfoerletzungzu und mußte in das Moobiter Krankenhaus übergeführt werden.— Em weiterer schwerer Un« fall ereignete sich vor dem Hause Frankfurter Allee 343. Hier wurde der 51jährige Arbeiter Karl Schröder aus der Blumentolstr. 14 von einem Straßenbahnwagen der Linie 63 Übersahren. Die Feuer- wehr befreite den Verunglückten und sorgte für seine Ueberführung in das Krankenhaus am Friedrichshain, wo er bedenklich da- niederliegt. Bor dem Hause Schievelbeincr Str. 21 wurde gestern abend gegen �8 Uhr der Vjährige Knabe August Polles aus der Islandstr. 16 von einer Kraftdroschke erfaßt und über- fahren. Das Kind erlitt schwere innere Verletzungen und wurde durch einen Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Virchow-Krankenhaus geschafft. Der Zustand ist sehr bedenklich, Neformationsfeier öer Herliner Schulen. Zur Aufklärung für die Eltern. Die in den letzten Tagen verbreitete Nachricht, daß für Berlin ini Abwendung von letztjähriger Gepflogenheit der 2. November als Re- sormationsfciertag in den Schulen gefeiert werden sollte und daß an diesem Tage die Kinder zur Kirche geführt werden würden, hat in weiten Kreisen der Elternschaft begreifliche Unruhe Hervorgerufen Eine Aufklärung über den Sachverhalt ist deshalb unerläßlich: Maßgebend für die Behandlung des Refarmationstzedankens sä? alle Berliner Schulen sowie für ganz Preußen ist ein Crlaß�des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 15. cep» tember d. I., der durch Rundoerfügung vom 30. September den Schulen von Berlin und Provinz Brandenburg bekanntgegeben. worden ist. Dieser Erlaß regelt aber nur die Frage des Unterrichts- ansfalls am Reformationstage und das Mindestmaß der geforderten Würdigung. Er bestimmt, daß der 31. Oktober, sofern ein Wochentag in Frage kommt, schulfrei sein soll, auch für die nichtevangelischen Schüler, wenn ein fruchtbringender Unterricht für sie allein nicht gewährleistet ist. DicAbhaltungbesondererSchulfeiern ist in dos Belieben der Schul- gestellt. Verbindung mit Kirchenfeiern bleibt ebenfalls der Anregung der Schule uberlasien. Wo keine besondere Feier van der Schule veranstaltet wird, ist der Bedeutung des Tages— hier handelt es sich also um die von der Schulbehörde den Schulen auferlegte Mindestleistung— in einer nächstliegenden Religionsstunde oder in sonst etwa üblichen Wochen- schlußandacksten in würdiger Weife zu gedenken. In einem Schlußsatz wird die Anwendung des Erlasses auch auf FSlle ausgedehnt, in denen an gewissen Orten anderweitige Tage als Gedenktage der Reformation herkömmlich festliegen. Die evangelischen Schulen in ganz Preußen, und das sind leider noch immer fast alle— mit Ausnahme der katholischen und weltlichen— haben danach also, am 31. Oktober, sofern Wochentag vorliegt, schulfrei und sie sind ver- p f l i ch t e t, des Reformationstages in einer dem schulfreien Wochen- tag nächstliegenden Rcligionsstunde zu gedenken. Darüber hinaus können Schiflsciern oder in Verbindung mit Kirchenfciern ab- gehaltene Schulfeiern an diesem freien Wochentage veranstalret werden. Solange Kinder eine evangelische Schule besuchen, werden sie, schulrechtlich betrachtet, auch verpflichtet sein, an diesen Schul- feiern teilzunehmen. Wer seinKind amRcligions unter» richt teilnehmen läßt und damit A sagt, muß in diesem Falle auch B sagen. Die Teilnahme an einer mit kirchlicher Feier verbundenen Schulfeier kann unseres Erachtenz billigerweisc von keinem Kinde verlangt werden. Di« solche gemein- same Feiern veranstaltenden Schulen werden in dieser Hinsicht auch kaum einen Druck ausüben. Sofern es doch geschehen sollte, kann die Zurückbehaltung des Kindes bedenkenlos erfolgen, da die mit dem Kirchcnbesuch möglicherweise verbundene strenggläubige Beeinflussung selbst evangelischen Eltern' nicht zugemutet werden kann. Wenn Vater oder Mutter ganz einwandfrei verfahren wollen, dann geben sie der Schule kurz Nachricht, daß das Kind an einer kirchlichen Feier nicht teilnehmen soll. Durchaus nötig ist diese Benachrichtigung aber nicht. Daß diese Frage der Rcformationsfeier in Berlin in diesem Jahre überhaupt aufgetaucht Ist, verdanken wir der e v a n g e l i- s ch e n Regsamkeit des bisherigen verantwortlichen Leiters des Berliner Schulwesens, dem bürgerlichen Stadtrat B e n« ck e. In den letzten Jahren galt auch für die Berliner der 31. Oktober als Refor- mationsfeiertog. Wäre eine anderweitige Anregung unterblieben, dann hätte in diesem Jahre nach dem Wortlaut des Ministerialeriasses des Reformationstages in den Schulen überhaupt nicht gedacht zu werden brauchen, d» der 31. Oktober als Sonntag den evangelischen Kreisen durch die abgehaltenen Kirchenfeiern reichlich Gelegenheit zum würdigen Gedenken gegeben hätte. So hat es aber eine hohe Schulverwaltung unier Führung des glücklicherweise verflossenen Schulgcwaltfgcn Beneck« für nötig be- fundcn, unter Berufung auf den Schlußsatz des Ministerialerlasses den 2 November als früheren herkömmlichen Reformationsgedenktag hervorzuziehen und deswegen bei der Schulbehörde noch einmal aus- drücklich anzufragen. Das Provinzialschulkollsgium konnte deshalb auch nur antworten, daß der Erlaß für Berliner Schulen diesmal und in Zukunft aus den 2. November Anwendung findet. Berlin wird also schon in diesem Jahre zu dem schulfreien 2. November kommend Und unter� Umständen werden an diesem Tage von der Kirche auch für die Schulen besondere Feiern veranstaltet, zur aus- schließlichen Benutzung für die von orthodoxen Rektoren und Lehrer- kollegien beeinflußten Schulen. Das Spielchen wird erst wieder zu- Nichte, wenn der 2. November in Jahren zwangsläufig auf einen Sonntag fällt. Wenn dann nicht schon wieder die Berliner Schulvcr- waltung soweit ist, daß sie, nach dem Grundsatz: wie es gerade paht, auf den 31. Oktober zurückgreift, können wir uns immerhin glücklich schätzen.___ Hanszinsftenerstundnnge« für Erwerbslose. Vom Nachrichtenamt des Magistrats wird mitgeteilt: Don der monatlichen Wiederholung der Anträge auf Haus- zinssteuerstundung durch die Hauseigentümer und Mieter kann, ab- gesehen von den Ausnahmen für Sozialrentner, Kleinrentner usw. noch den bestehenden Bestimmungen vorläufig nicht abgesehen wer» den. Um aber bei den Erwerbslosen wegen der erforderlichen Mittellosigkeitsbeschcinigungen einen übermäßigen Andrang des Publikums in den Arbeitsämtern zu verhindern, soll künftig in allen Fällen, wo bereits im Oktober eine Mittellosigkeitsbescheini- gung erteilt worden war. in den künftigen Monaten auf diese Bescheinigung verzichtet werden. Die Arbeitsämter werden deshalb den Erwerbslosen künftig nur leere Antragsformulare aushändigen, die nur hinsichtlich der Angaben für die Mieter und Hauseigentümer auszufüllen und der zuständigen Steuerkasse ein- »urctdjpn sind. Mitte llosigkeitsbescheinigungen werden dagegen vom Arbeitsanu nur noch bei dem erstmaligen An- trag. d. h. also nach Eintritt der Erherbslosigkett, ausgestellt werden. Zur Aufklärung der Eigentümer werden den Erwerdslosc» mit den Antragsformularen Merkblätter mitgegeben werden. Cm Landhaus für 50 Pfennig. Die Warcirlottcric de».' Arbeitcrivohlfahrt. Niemand kann sich für 50 Pf. ein Landhaus kaufen. Aber jeder hat die Möglichkeit, eins zu gewinnen, wenn er sich an der Wariyi- lmterie der Arbeiterwohlfahrt beteiligt. Diese Lotterie, die von der Zemrale der Arbeiterwohlfahrt veranstaltet wird, bietet einmal Ge- winnmöglichkeiten, wie sie bisher nur selten irgendeine ähnliche Lot- terie auszuweisen hatte. Sie soll andererseits Mittel für die um- fassenden jkulturaufgaben der Arbeiterwohlfahrt herbeischaffen. Jeder, der«in Los für den billigen Preis von 50 Pf. kaust, hat also nicht nur Aussicht auf erheblichen Gewinn, er trögt auö) dazu bei, eine Einrichtung zu fördern, die seit ihrem Bestehen sich die An- erkcnnung und den Dank weitester Kreise erworben hat. Bor allein in Zeiten der Wirtschaftskrisen steigen die Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt. Es ist geradezu eine sittliche Pflicht, sie in ihrem Bestreben, menschliche Not zu lindern, zu unterstützen. An der Lotterie sind im einzelnen die Organisationen der Arbciterwohl- fahrt in Preußen, Württemberg, Baden, Hessen, Sachsen, Bayern, Hamburg, Thüringen, Mecklenburg und Lübeck beteiligt. Die Aus- gäbe der Lose erfolgt in 5 Serien zu je 800 000 Stück. Sie wer- den zur Unterscheidung mit den Buchstaben A. B, C, D und E versehen sein. Die Ziehung findet bereits am 18. De- z c m b c r dieses Jahres statt. Sie wird manchem ein hübsches und oft genug unerwartetes Weihnachtsgeschenk bescheren. Die Ziehung selbst wird von den zuständigen Behörden beaufsichtigt und notariell beglaubigt. Es kommen folgende Gewinne zur Verteilung: I.Preis: 1 Landhaus, 5 Zimmer».Küche, Badezimmer mit kompl. Möbel- einrichtung........ Mk. 50 000 2., 1 EiniamttienbauS, schlllsielfer».. 25 000 3.. 1 Einfamilienhaus,, schlüsielfert.. 20 000 4.. 1 Einfamilienhaus, schlüsseifert.. 15 000 5.. 1 sechssitziges Auto....., 12 000 8. bis 7., 2 viersitz. OpelautoS d 4500 Mk., S 000 8., 10., 3 Guticheine a.Waren ö ZOOOMk., 9 000 11.. 13., 3 Gutscheine a. Waren 5 2000 Mk., 6 000 14.. 18.. 5 schwere Motorräder h 1800Mk.. 9 000 19.. 23.. 5 Gutscheine a. Warend 1000 Mk.. 5000 24.. 32., 9 Gutscheine a. Waren ä 500 Mk., 4 500 83.. 82., 50 Oelgemälde erster Künstler » 500 Mk.........„ 25 000 83.., 102.. 20 Gutscheine a. Waren ä 300 Mk.. 6 000 103.. 202.. 100 Gutscheine a. Waren»200 Mk.. 20 000 203.. 252.. 50 Nähmaschinen d 200 Mk.... 10 000 253., 802., 50 Damenkahrräder ä 150 Mk., 7 500 303,. 402.. 100 Herrenfahrräder 4 140 Mk.. 14 000 403., 602., 200Gutscheinea.War«n4100Mk.„ 20 000 603., 902., 300 Gutscheine a. Waren d 50 Mk., 15 000 903.. 1302., 400 Gutscheine a. Waren d 25 Mk.. 10000 1303, 2302.. 1000 Prerse(Bücher, bestehend aus 3 Bänden zu je 6,50 Mk.)» 19 500 2303.. 3302.. 1000 Gutscheine a. War. d 10Mk.. 10 000 3303.. 5802.. 2000 Gutscheine«.Waren d 5 Mk.. 10 000 5303., 165302., 160000Gswinne. je ein gerahmt. künstlerisches Bild oder Lebens- und Genußmittel oder ein Buch oder Solinger Stahlwaren, im Werte von 3 Mk.... ~ Summa Mk. 811600 Wichtig ist, daß Gewinn« von 1000 Mark aufwärts auch in bar, nach Abzug von 10 Pvaz., ausgrzahtt werden düneir, wenn es der Ii che Gewinner fordert. Taufende von freiwilligen Helfern werdcn sich in den Dienst dieser Warenlotteri« stellen, so daß man von einer wirklichen Bolkslotteric zum Besten der Allgemeinheit sprechen darf. Daneben wird sich die Möglichkeit bieten, Lose auch in den Berkaufsstellen der Konsumgenossenschaft, der Warenhäuser und in andere» der Oeffentlichkeit leicht zugänglichen Orten zu erstehen. Di« gute Sache an sich und auch die groß« Zahl der wertvollen De- winn« dürft- den Erfolg dieser ersten großen über ganz Deutschland ausgedehnten Veranstallung der Arbeiterwohlfahrt verbürgen. kvanuse«. Unsere Vorwärtsspedition befindet fich von heut« ab bei dem Genossen Woeter, Glienicker Str. 29. fiherqfBt man nur dem Nachweis bei Deutsch. MusikerverbanbeS, Berlin 027, «nbre-SNr. 21 tKSnigltabt 4310, 4048). AeichältSzeit 9 BIS 6. Sonntags 10 Bis 2 Uhr. 5tut Wunsch BcrtrelcrBcsuch Anregung uno mu wcinern oer aiolyicyme wlro ein ni deutscher Seite zu besetzender Posten Internationalen Institut für geistige Zu arbeit in Paris geschaffen. Die C a r n c g i c-< die Jahresfeier öer Hochschule für Politik. Die Deittschc Hochschule sür Politik beging gestern ihr« Jahres- seier in der alten Bauakademie am Söiinkepiotz. mit der das neue Semester eröffnet wurde. Rcichsinnenmimster Dr. Külz sprach über die Aufgabe der Hochschule in der Demokratie als Staaisform, in der wir leben und immer leben werden. Die Demokratie beruht auf der Einsicht des einzelnen und seiner Beurteilung der politischen Zusammeichäiwe. Zwar könne die Politik de» Instinkt und das Fingerspitzengefühl nicht entbehren, aber ebenso wenig sachliche Kenntnis und Erkenntnis der gefellschaf!- lichen Tatsachen. Er hoffe, den von ihm in den Reichshausholt ein- gefetzten Betrog für die Hochschule glücklich durch die finanzministc- riellen und parlamentarischen Schwierigkeiten hindurchsteuern zu können. In seinem Jahresbericht erwähnte der Direktor der Hoch- schule, Dr. Hans Simons, als neue Einrichtungen des eben begonnenen Semesters ein Iugendieminar zur weltpol i- tischen Orientierung von Schülern und Lehrer» der höheren Schulen Berlins. Zwölfhundert Studenten sind in dem letzten Jahr durch die Hochschule hindurchgegangen, die als freie Hochschule jedermann offensteht. Di- internotionale» Beziehunoen sind glücklich ausgebaut worden. Aus Anregung und�nit Mitteln der Hochschule wird«in neuer von in dem s a m m e n- Stiftung bat beschlosien, einen internationalen Lehrstubl in Berlin an der Hochschule zu errichten: für das elfte Jahr wird er von dem Amsri. kaner Professor S h o t w e l 1 besetzt. In seinem Festvortrag über den.Berus des Diplomaten" wies Professor Mendels- s o h n- B a r i h o l d y auf die große Leistung des Wiederaufbaues der deutschen Auslandsoertretungen nach dem Kriege hin, wobei er besonders der Verdienste des Reichspräsidenten bei der Auswahl der Diplomaten gedachte, die zum größten Teil außerhalb der Zunft stehenden Persönlichkeiten entnommen wurden. Den Botschaftern und Gesandten verkörpert sich ein Volk dem andere» Bolke gegenüber, seine Aufgabe ist die Darsteltting der besten Eigenschasten des eigenen Volkes, das Verstehen der Vorzüge des anderen und die Bericht- erftattung an den Heimatstaar. In der Diplomatie hat sich eine mächtige Wandlung vollzogen, während fricher die Staaten indirekt durch die Gesandten miteinander verkehrten, was doppelte und drei- fache Möglichkeit zu Mißverständnissen gegeben hat, kommen jetzt die Staatsmänner zusammen, die selber die höchste Verantwortung tragen. �eidenschau. Die neuartige Dekorationzart ist ganz aus künstlerischer Stil- Wirkung in Raum und Material aufgebaut. Der Ansstatrungsleiter der Staatstheater, Erich T i r s ch a u. hat im Seidenhaus Gcrson ein prächtiges Stück Arbeit geleistet. China, die Urheimat der Seid«, ward zum szenischen Milieu. Von schwarzem Hintergrund heben sich prächtig-leuchtend all die neumodischen Scidenaewebc in künst- krisch vollendeter Gruppierung an Farbe und Musterung ab. Die Mode bringt in der Hauptsache ganz schwer wirkende und doch spinnwebseine Gold- und Silberbrokate in Uni oder gemustert. Große fremdartig wirkende Blumenmuster auf metallisch-schimmcrn- dem Grunde, bunt durcheinandergehende Blüten oder Arabesken aus Brokat, Vslour-Jocquard und Lame. Zwischen all diesen präch- tigen Geweben, deren Anfertigung in technischer und künstlerischer Beziehung wohl zu den Spitzenleistungen der Seidenindustrie zählt, diskrete Pflanzenarrangements. Exotiiche, grell leuchtende Blumen, deren langgefmgerte Blütenblätter den Händen verwöhnter, ge- pflegter Frauen gleichen, bizarre Kakteen und andere seltsame, eigen- artig-schäne Gebilde. Das Ganze in ein diskretes Licht gehüllt, das die verschiedensten Farbentöne, von den zartesten bis zu Pen leuch- tendsten Schattierungen, mit einer wohiig-satten Wärme umstrahlt.. .Mein Chinatraum wird wieder ganz und gar lebendig" seufzt« einer aus sehnsüchtigem Herzen. Und wirklich, man muß da ein wenig träumen in diesem stillen, ganz weltabgeschieden scheinenden Raum mit seiner dezenten und doch überwältigenden, seidig- schimmernden Pracht. Weich, wohlig umhüllt einen all der oer- sührtsche Glanz. Die Luft atmet Kostbarkeit, Wohlleben, Ausruhen. Es gibt natürlich Wichtigeres, Ernsthafteres und Lebensnotwendi- geres. Wenn man die Türe hinter sich geschlosien hat und die Straße sieht, weiß mans und ist auch wieder ganz im Bilde. Aber trotzdem und vielleicht gerade deshalb dit es einem wohl, dann und wann ein wenig seine Phantasie.auf die Weide" zu führen und Lustschloß- bauten aufzuführen. .Die Zudenrepubllk." Das Urteil in dem unter dieser Ueber- schrift mttgeteillen Prozeß lautete nicht auf zwei Monate Gesang- nis, sondsm nur auf zwei Wochen. Der Staatsanwalt hatte allerding» drei Monate beantragt. Außerdem hat das Gericht die Strafe bis ,zum 31. Dezember 1928 ausgesetzt. Der völkische Jüngling fand aber das Urteil noch zu hart. Er Hai berctts Berufung eingelegt. Der Staatsanwalt täte gut, auch seiner- seits das gleiche zu tun. Die grohe herbstbluvienfchau am Koiserdamm ist heute von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachts geöffnet. Die Stadtverordnetenversammlung hat ihre nächste SitzuiP am Donnerstag um 7«5 Uhr. Auf der Tagesordnung steht unter anderen: die Fortsetzung der Beratung des kommunistischen Antrages wegen des Hohenzollern-Vergleichs und die Wieder- holung der in der vorigen� Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit be- schlußunsähig gebliebenen Stadtkämmererwahl. Shakespeare im Rose-Theakcr. Ein« Aufführung von„W a s ihr wollt" im Osten Berlins bedeutet«in Theaterereigvis, und es spricht sür den Ehrgeiz dieser mutigen Vorstadtbühne, daß sie im Laufe der Saison einen ganzen Shakespeore-Zyklus herausbringen will, u. o. '„Winlermärchen",„Liebes Leid und Lust",„Romeo und Julia" und „Die lustigen Weiber von Windsor". Der gestrige Erfolg Hot der Direktion gezeigt, daß sie das klassisch« Lustspiel getrost pflegen darf: es gab einen nicht«ndenwollenden Beifall und viel« Hervorrufe. Berücksichtigt man die primitiven Bühnenaerhältniss«, so durste man die szenische Lösimg geglückt nennen. Di« zahlreichen Berwandlunxen vollzogen sich ziemlich rasch, und die Pausen waren mit Musik aus- gefüllt. Der Regisseur Paul Rose hatte die Darsteller fest in seiner Hand, von denen die cumiuttg« Traute Rose als Viola an erster stell« zu nennen ist: köstliche Szenen schufen das Terzett Rülp(Erich K u t t n e r), Bklci>enwcmg(Carl Heinz Eggers) und Maloolia (Fritz H a l b e r s) im Berein mit dem Narren(Willi Rose). Aus der Schar der übrigen Mitwirkenden verdient noch das frische Talent von Georg Rothkegel(Fabio) hervorgehaben zu werden. Die Ausstellung des gebuuz des Reiches" kann 1. November um 2 Uhr nachmittags besichtigt werden. Wegen sichtigung an den folgenden Tagen bleibt besondere Regelung vor-- behalten. TUandolinea. und Gitarrespieler! 2tm Sonntag, den 31. Oktober, vormittag! 10 Uhr. findet im Retlaurant.Gangerbcim', Weddtnattr. 9, eine vom Arbeiter- Mandolinisten- Bund einberufene Versammlung der Berliner Mandolinen- und Gttarrefpicler statt. Alte bereit? dem Bunde angc- Ichlosscnen Mandotiuenverelne sind verpflichtet zu erscheinen.— Die Mit« glieder der Vereine:»Freie Mandolmenvercwigung Neukölln', Mandolinen- verein„GliWaus". Mandolinenverem.Legato". Mandolinenvercin.Svm- Phonie", Mandolinenverein.Harmonie', Oberschöneweide, werden bierinil be- I anders eingeladen. Ter Bundesvorsitzendc aus Magdeburg erscheint zu dieser Versammlung und hält einen Vortrag über Zweck« und Ziele bei D.-Ä.-M.-B. Zreirellglöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr. Vavpclallce lZ, Vortrag de« Herrn Dr. H.Hasse: Ter Koran und seine Verdienste um die monistische Wcltaussassung. Hai m avium: Gebet(LiSzt). Eäste willkommen. Am Sonntag, den 28. November, eaiervorftellung im Tdealer om Bülöwplatz statt. Zluigcsübrl wird'.Nachtasyl', Szenen auS der Tiefe, von Maxim Gorki. Preis der Karte 1,20 Mark einschließlich Kleiderablage und Theaterzettel Karten find in allen bekannten Verkaufsstellen zu haben. Arbeiterblldvngssckivtc. Am Dienstag, den 2. November, abends Uhr, beginnen jolgende Kuile: D e t ß e n i e e, im neuen Jugendheim. P a r t st r. 36(nicht Real-Oihinnasium. Woclt-Promenadc). JllnfflKruiig in die GesellschaslSwisien'chgfi'. Bortragender: Dr. Karl Schröder.— Jugendheim 2 i n d e n ft r. 3: Internationale Politik'. Vortragender: Dr. Dolspaug Schwarz.— Anmeldungen tonnen erfolgen bei Beginn der Kurse in den belresseuden DortragSIoialen. Die Hörgebiihr beträgt sür jeden Kursu» 1 M._ Reichskunsiwarls»Die künstliche Form- > in der Wandelhalle des Reichstages am lachmittags besichtigt weiden. Wegen Be- Bezirtsb'lduagsousschllß Groß-Derli». Am Sonntag, den 28. Novem nachmittags 3 Uhr. findet die nächste Theaiervorftellung im Tdealer Drei Zahre Zuchthaus für den Binzer Zuwclcnräuber. � Das Spsrt. Für das hcuüge Dreistuvdencennen Im Sporkpalast sind noch K. Krüger« Erxlehen, Stell drin k-Dobe und Jensen-Häuslcr verpflichtet worden. Es werden also zwölf Mannkchasken am Start erscheinen. Rennbcgin» 7H, Uhr Srkeftasten öer Redaktion. Z». n. 10#. Ja,— r>.®. 80. DI« ffnijiehun« ist»uläfsig. ffüliteit Sie Belchwerde. Die Beschwerde ist an die Sickke zu richten, die die Snkziehyng verfügt hat.— S. St., ZieuISIn. Ja. Die Scrlolgung ftrekbem h-nidlung-n ift zunächst Sache des S'aatsonwallcd. nicht der Parlam-ltt».— ZI. 272. Di« Beruksfiirkorge innfaht sowodl die derustich« Ausdildnng als auch die chilfe zur Erlangung einer Arbeitsklclle.— ö. Di. Ja, ioscin die Mitaliedfchaft noch hrftcM.— 21. G.?g. wenn die Sausordnuna es verbieket.— 21. 9. 100. Wenden Sie fich«n Duchimdlungen und Lcihdidliothelen. Bestimmt« Wrmcn Vinnen wir Ihnen nicht nruibaft machen. h-rssrrageud dewdkrt r«: Sicht, Nheuma, Ischias, Grippe, Nerven- unS Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harafimre au». Äeltit schädlichen Neben- ivirUlngen.— fragen S« Ühren Arzt! 3n allen?!po!hei»en cr. ältitch. � 1 Aß Utb. 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Um die sozialpolitisch« Bedeutung der genossenschaftlichen Orga« nisation zu beurteilen, muß man zuerst im Auge halten, daß die Genossenschaftsbewegung die jüngste von allen großen sozialen Bewegungen ist, und zweitens, daß keine vollständig« Sta- tistik der Genossenschaften, vor allem der ländlichen, existiert. Die ungefähre Zahl der Genossenschaften der ganzen Weit kann man auf rund 30 0 00 0 mit einer Mitgliederzahl von ungefähr SO 000 000 Menschen(mitsamt den Familien etwa 200 000 000) schätzen. Don dieser Zahl entfallen auf Deutschland S 3 0 0 0 G e- nossenschaften, während es kurz vor dem Kriege in ganz Deutschland nur 35 000 gab. Bon den 300 000 Genossenschaften der ganzen Welt befinden sich mindestens zwei Drittel auf dem flachen Lande. Großbritannien nimmt die erste Stelle ein in der Ent- Wicklung der Eigenproduktion der einzelnen Konsumvereine sowie der Verbände. Ein Drittel aller in den Konsumläden verkauften Waren stammt aus eigenen Produktivabteilungen. In der Produktion von Mehl, Tee, Biskuit, Seife und Schuhwerk nehmen die englischen Genossenschaften die erste Stelle in ihrem Land« ein. Die während des Krieges in Großbritannien eingeführten Zucker- und Buttermarken haben gezeigt, daß 26 Proz. des im Land« verbrauchten Zuckers und 23 Proz. der Butter durch die Kon- fumvereine verteilt werden. Im November 1024 ernannte die konservative Regierung Englands eins Kommission für die Untersuchung des Handels mit Lebensmitteln. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Konsum- vereine das Brot sehr oft billiger verkaufen als die Privat- bäcker; so verkaufte z. B. einer der größten Konsumvereine der Welt,„Cooperative Royal Arsenal" in Woolwich, vom Jahre 1922 bi» 1024 das Brot um 1 Penny pro Kilo billiger als die Privat- Händler. Die Kommission konstatierte außerdem, daß die Konsum- vereine der Aufforderung der Privatbäcker, die Brotpreise zu er- höhen, nicht folgten, und dadurch waren auch die Händler gezwungen, die Preise niedrig zu halten. Andererseits zeigte die Untersuchung, daß die Konsumvereine in ihren Bäckereien das Höchstmaß der Produktivität erzielen und bei der Der- teilung der Ware eine Ersparnis von 30 Proz. machen. Dies er- möglicht den Konsumvereinen, einen Gewinn von etwa 3 bis 18 Proz. zu realisieren und den Konsumenten eine nicht unbedeutende Rückvergütung bei guter Qualität des Brotes zu ge- währen. Außerdem kam die Kommission zu dem Ergebnis, daß die Hltentabilität der Genossenschaftsmühlen höher ist als die der kapitalistischen Mühlen, und daß die Genossenschaft»- arbeite? im Gegensatz zu den kapstalistischen nicht unter Arbeitslosig- kest leiden. Endlich üben die Konsumvereine denselben wohltuenden Einfluß im Handel mit Fleisch aus. In Deutschland sind die Kreditgenossenschaften und die landwirtschaftlichen Genossenschaften am zahl- reichsten vertreten. Die deutschen ländlichen Kreditgenossenschasten, deren Zahl über 17 000 mit mindestens 1 500 000 Mitgliedern be- trägt, sind musterhaft« Organisationen, die den Wucher auf dem Lande fast gänzlich ausgerottet haben. Die ländliche» Genossenschaften vereinigen sich im Reichs- verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften (Berlin) und im Generalverband der deutschen Raisfeisen- genossenschaften(Berlin); die Konsumvereine sind im Zentralverband deutscher Konsumvereine(Ham- bürg) und im Reichsverband der deutschen Konsumvereine (Düsieldorf), zusammengeschlossen: die Handwerker-Produktio- und die Einkaufsgenossenschaften der Händler vereinigen sich im Deut- schen Gcnossenschaftsverband(Berlin). Was die Zahl der Mitglieder und der Umsätze betrifft, so ist der bedeutendste unter diesen Verbänden der Zentralverband deutscher Konsumvereine in Hamburg, der mit einer Großeinkaufsgesellschaft ebenda in Verbindung steht(Und über deren Tätigkeit hier fortlaufend berichtet wird.— D. Red.). Das typischste Land für das landwirtschaftliche Ge- nossenschaftswesen ist Dänemark. Dank den landwirt- schaftlichen Produktivgenosienschaften oder, genauer gesagt, der Ge- nossenschasten zur Verarbeitung und zum Absatz der landwirtschast- lichen Erzeugnisie überwand Dänemark die Agrarkrise, indem es die nicht mehr rentable Kornproduktion aufgab und in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zur Tierproduktion über- ging. Das Genosienfchaftswesen gab die Grundlage dafür, daß die dänische Viehzucht allmählich zum Hauptproduktionszweig nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der gesamten Volkswirtschaft geworden ist. Die dänischen landwirtschaftlichen Genossenschaften unterfcheiden sich von den Genosienschaften der meisten Länder da- durch, daß sie auf den Export eingestellt find. Hierdurch wird eine frühzeitige rege Teilnahme der gesamten Landbevölke- rung an wirtschaftspolitischen und volkswirtschaftlichen Vorgängen geweckt. Für Dänemark ist es eine Tatsache, daß das Genossen- schaftswesen durch die Verkürzung des Weges zwischen Erzeuger und Verbraucher und der damit verbundenen günstigeren Preisgestaltung, für beide den Absatz zu vermehren und somit die Produktion wesentlich an- zuregen in der Lage ist. In keinem anderen Lande hat das landwirtschaftliche Genossen- schaftswesen«ine derartige Intensität erreicht und die Prioatunter- nehmungen aus den Hauptzweigen der Volkswirtschaft verdrängt wie in Dänemark. Di« Genossenschaftsmolkereien machen augenblicklich 02 Proz. der gesamten Molkereibetriebe des Landes, die der Herstellung von Butter und Käse dienen, aus. Noch im Jahre 1000 waren 05 Proz. aller Kuhbesitzer Mit- glieder der Genosienschaften, 75 Proz. der gesamten Butter wurde von den Molkereigenossenschaften hergestellt. 02 Proz. aller Schlacht- Häuser Dänemarks befanden sich in den Händen der Genossenschaften. Noch im Jahre 1013 wurde von den Genossenschaftsschlächtereien Fleisch für 158 Millionen Kronen verkauft, von denen 132 Mil- lionen Kronen allein aus geräucherten Speck kamen. Die Privat- schlächtereien haben dagegen innerhalb derselben Periode Schweine- fleisch für 31 Millionen Kronen verkaust, von denen 25 Millionen Kronen auf Rauchspeck entfielen. Und schließlich sind 28 Proz. der Gesamtausfuhr Dänemarks an E i e r n in den Händen der Genossen- schaften konzentriert. Auf diesen drei Zweigen der Landwirtschast beruht gerade der Wohlstand Dänemarks, und nur dank der gc> nosienschaftlichen Organisation tonnte dieses Land auf dem inter- nationalen Markt und dank der Qualität seiner Produkte sich die erste Stelle sichern. Aber nicht nur kulturell, sondern auch materiell nimmt die dänische Bauernschaft dank der intensiven Ent- Wicklung aller Genossenschastsarten die führende Rolle in der Welt ein. Die dänischen Bauern sind in der günstigen Lage, die zuerst bei ihnen eingerichteten Bauernuniversitäten besuchen zu können. Sie wandern nicht aus und wohnen in schmucken Häusern, die Dieh- ställe befinden sich bei ihnen in viel saubererem Zustande als die Wohnräume in den Bauernhäusern vieler anderer Länder. Die hellen, weiß angestrichenen Räume für die Kühe werden selbst nacht- nach Bedarf mit elektrischem Licht beleuchtet und sind mit Wasser- leitung versehen. Die Genossenschaftsbewegung tft eine antikapilalistische Bewegung. Dieser antikapitalistische Zug der genossenschaftlichen Organisa- tion führt zur Bekämpfung der Uebel der kapitalistiscl�n Ordnung. d. h. des Wuchers, der Ueberzahl der Zwischenhändler, der Ausschreitungen' der T r u st s usw. Gewiß ist die Genossen- schastsbewegung in den meisten Ländern noch so jung und schwach. daß sie sich mit den großen kapitalistischen Trusts nicht messen kann. Aber schon vor dem Kriege hat die englische Großeinkaufsgesellschaft dank ihrer billigen und guten Seifen Produktion die Gründung eines Seifentrustes verhindert. In Schweden oerzeichnet der schwc- dische Verband der Konsumvereine zwei Siege über die Trusts: einen im Jahre 1024 über den Margarinetrust, indem er ein« eigene Margarinefabrik gründete, und einen anderen über den Mehltrust. Den Sieg über den M e h> t r u st hat der Verband nach einem dreimonatigen Kampfe erzielt, indem er das in seinen beiden genossenschaftlichen Mühlen hergestellte Mehl viel billiger als der Trust verkaufte und letzteren somit zur Herabsetzung der Preise zwang. Von der Verbilligung des Mehles haben nicht nur die Konsummitglieder, sondern die gesamte Bevölkerung Schwedens profitiert. Ein anderes Beispiel des Sieges über einen Trust bietet dos kleine, aber genossenschaftlich sehr starke Finnland. Roch im Jahr« 1023 befand sich der Handel mit Zündhölzchen in den Händen eines Trusts, desien Leiter versuchte, die finnische Großeinkaufsgesell- schoft mit ihrer neugebauten Fabrik zu kaufen oder wenigstens sie zu zwingen, als Mitglied dem Trust beizutreten. Als das nicht gelang, versuchte der Trust, die Großeinkaufsgesellschast zu ver- drängen, indem er die Preise tief herabsetzte, aber die finnische Großeinkaufsgesellschaft ließ sich nicht abschrecken, und es gelang ihr. eine Verbindung mit den Vereinigten Staaten, der Groß- emkaufsgesellschast dänischer Konsumvereine, mit Holland, Palästina, den englischen Kolonien und anderen Ländern herzustellen und auf Königs»?. 25 Chausseestr. 113 Oraniefistr.40 ___________ ftn BM. AUuMtarptaU B.ln St.lll.ar Babah.i B■ O r a■ I•■ B I• I■ � Wort und OOd«erbotcnl PJq»blgjpn Angjphotä rtohtn Ihnen MqntflZLZMr VfrrfQ�wnfl1 Schriftlich® Bostellungen können nicht berOcMlohtlgl werdenl dies« Weise ihre Existenz zu sichern. Heutzutage übertrisft di« Noch- frage nach genossenschaftlich produzierten Zündhölzern deren Liefe- rungsmöglichkit. Man könnte diese Beispiele noch vennehren. Aber das Gesagte genügt, um die Macht der Genossenschaftsberoegung zu zeigen. Prof. Dr. D. T o t o m i a n z. Sie Umsätze im Spiegel ües wechselverkehr. In dem nachfolgenden Schaubild sind die Schwankungen des Wechfelverkehrs, wie sie sich noch dem Aufkommen der Weözselstempclsteuer ergeben, graphisch dargestellt und im Vergleich zu den Jahren 1913 und 19SS gesetzt. ö.0» Oer Waretvwecltselvcrlcelov m Deutschland 1P13, Auf Grunil d er Ve eluclftrmpelTrerst« urrim� MmUurautaitt J FMAMJ J AS ONDO FHAHJ JAS Wl» 192.5 192b 1925 192fc Die Wcchselumsätze sind also in den Monaten Juni, August und September einigermaßen stabil geblieben, nachdem vorher die Kurve mit leichten Schwankungen dauernd abwärts gegangen war. Daraus wird erkennbar, daß die Umsätze im Großhandel ihren Tiefstand erreicht, wenn nicht bereits überwunden hoben. Sind es doch gerade die von U nternehmern abgeschlossenen Warenkäufe, die zum allgemeinen Teil mit Wechseln bezahlt werden; außerdem spielen die Wechsel bei der Finanzierung spekulativer Ge- schäfte bis zu einem gewissen Grade auch bei der Darlchnsgewährung eine Rolle. Das schroffe Auf und Ab, das die Entwicklung der Wcchselumsätze in den beiden letzten Jahren gezeigt hat, und die verhältnismäßig ruhige Bewegung der letzten Zeit zeigt deutlich, wie die deutsche Wirtschast sich noch immer im Zustand der D e- Pression befindet, die feder Krise zu folgen pflegt. vom Serlinee Mrbeitsmarkt. Geringer Rückgang der Arbeitslosigkeit. Das Landesarbeitsamt Berlin berichtet: Auf dem Arbeitsamt hat der Rückgang der Arbeitslosigkeit in der letzten Woche den der Vorwoche nicht wesentlich überschritten und bleibt wiederum stark hinter dem in der Aufw-ärtsbewegung gewohnten Grad zurück. Er betrug rund 3000 Personen, so daß sich die Arbeitslosigkeit gegenwärtig auf 233S8S Per. s o n e n erstreckt. Den Besserungserscheinungen in ein- zclnen Industrie- und Ecwerbezweigen, u. a. auch Metall- und Holzindustrie, standen wieder wesentliche Verschlechterungen in anderen gegenüber. Das Spinnstoff- und Bekleidung s- g e w e r b e steht im Zeichen der Saison und zeigt sich demzufolge gut aufnahmefähig. Teilweise fehlt es an ersten Kräften in diesem Gewerbe. Dagegen ist der Kräftebedarf des Baiige- «erbes stark zurückgegangen, desgleichen belasten die durch Beendigung der Saisonarbeiten aus der Landwirtschaft Zurück- kehrenden den Arbeitsmarkt verhältnismäßig recht stark. Die Unter- bringung derartiger weiblicher Arbeitskräfte in der Forstwirtschaft scheitert an der geringen Aufnahmefähigkeit dieses Gewerbezweiges. Insgesamt muß gesagt werden, daß der Arbeitsmarkt trotz geringen Rückganges der Arbeitslosigkeit bisher keine wesentlichen Anzeichen einer durchgreifenden Besserung zeigt, daß vielmehr bei einem Ab- flauen von Saisonbelebungen mit einer noch ungünstigeren Wen- dung gerechnet werden muß. (Es waren 233 689 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen gegen 236 692 der Vorwoche. Darunter befanden sich 150 U1(152 264) männliche und 83 342(84 428) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 106 365(108 531) männliche und 55 049 (36 095) weibliche, insgesamt 161414(164 626) Personen. Außer- dem wurden noch 35 805(36 150) Personen durch die Erwerbslosen- hilse der Stadtgemeindc Berlin unterstützt und 8504(8250) Personen bei Rotstandsarbeiten beschäftigt. Die Metallindustrie verzeichnet gegen die Vorwoche eine gesteigerte Vermittlungstätigkeit,, die hauptsächlich Elektromonteure, Bauschlosser und Bauklempner sowie weibliche Spezialkräfte der Glüh- und Taschenlampenindustrie betraf. Erst- malig wurden auch wieder einige Neueinstellungen von Facharbeitern für den allgemeinen Maschinenbau vorgcnom- inen. Dagegen hat der Bedarf an Arbeitskräften für die R a d i o- industrie nachgelassen. Die Gesamtlage muß noch immer als recht ungünstig bezeichnet werden, da der Rückgang der Arbeits- losigkeit nur ganz mäßig ist.._ � Die Aufwärtsbewegung im Holz- und Schnitz st osfge- werbe hat im allgemeinen angehalten. Besonders macht sich die Besserung in der Musikinstrumentenindustrie bemerkbar. Als weiter- hin ungünstig muh die Lage noch immer bei den Holzbildhauerii, Karosseriestellmachern und trotz einiger kleiner Besierungserschei- nungen bei den Modelltischlern bezeichnet werden. Im Vervielfältigungsgewerbe ist eine weitere Besierung der Lage für Buchdrucker, mit Ausnahme der Maschinen- setzer, eingetreten. Im Lithographie- und Steindruckgewerbe sind keine Anzeichen einer Besserung zu bemerken. Wirtschaftsumstellung und Eisenverarbeiter. U«ber die deutsch« und europäisch« Wirtschaftsumstellung und das amerikanische Beispiel dazu läßt sich allmählich nicht mehr oll- zuviel Neues sagen, denn die Lehren des amerikanischen Beispiels haben sich in Deutschland schon zu einer Art populären Schlagwort- Wissenschaft verdichtet. Aber es war interessant, die in Arbeitnehmer- kreisen wohlbekannten Ideen des ehemaligen Staatssekretärs Pro- feffor Hirsch von diesem im Unternehmerkreis des Reichs- bundes der Deutschen Metallwarenindustrie ver- treten zu hören und wirken zu sehen. Daß zwischen Lohn und Leistung ein« enge Wechselbeziehung bestehen müsse, fand durchaus Zustimmung; aber daß es bei dieser Wechselwirkung für den Lohn nach oben keine Grenze geben dürfe, weckte doch nur neugieriges und ungläubiges Staunen. Eben- solches Staunen weckte Hirschs Feststellung, daß die beste Rentabili- tät eines Betriebes nur dann gegeben sei, wenn auf das einzelne produzierte und abgesetzte Stück Ware nicht immer mehr, sondern immer weniger Gewinn entfalle. Die einzig richtige Politik für jeden weitsichtigen Unternehmer sei die Erweiterung des Lebens- spielraumes der Arbeiterschaft. Falsch sei der Glaube, daß die Kapitalbildung sich in einzelnen beschränkten Kreisen vollziehen müsse; bewußt und in weitestem Umfange müsse der Unternehmer die menschliche Arbeitskraft daran teilnehmen lassen.„Klassen- kämpf von oben", wie er die Regel sei, sei ganz besonders falsch, wenn man den ZÜassenkamps von unten bekämpfen wolle. Zu einer Stellungnahme zu der Forderung nach„mechanischer Ver- kürzung der Arbeitszeit" aufgefordert, womit der Frage- fteller offenbar den türzlichen Gemeinschastsfchritt der Gewerkschaften im Auge hatte, wies Professor Hirsch darauf hin, daß diese Forde- rung die selbstverständliche Folge der massenhasten Arbeitslosigkeit und der Untätigkeit aller verantwortlichen«tellen sei, der Arbeits- losigkeit nachdrücklich entgegenzuwirken. Uebrigens berechtige die gestellte Frage zu der Gegenfrage, welchen Sinn wohl die Unter- n c h m e r fordcrung nach der grundsätzlichen Verlängerung der Arbeitszeit hatte und habe. Diese Feststellungen nahm die Unter- nchmerversammlung zwar höflich und aufmerksam, aber doch mit deutlicher Hilflosigkeit hin. Etwas wärmer und auch sicherer war die Teilnahme bei der Feststellung, daß die Rationalisierung nicht unbedingt in einer Senkung der Preise Ausdruck finden müsse, sondern auch ohne Preissenkung sich über die private Kapitalbildung auswirken könne.(Was wir angesichts des heutigen Mißverhältnisses zwischen Leistungsfähigkeit und Absatz der Industrie allerdings nachdrücklich bestreiten müssen. D. Red.) Lebhafte Zustimmung fand endlich Hirschs Charakterisierung der Kreditpolitik der deutschen Banken als„B a l k a n i s i e r u n g der Kreditgewährung". Dos System der Warcnübereignung und der Kreditsicherung durch mehrfache Ueberdeckung sei für die In« dustrie bereits gefährlicher geworden als die große Zinsspanne und sei auch als eine der wichtigsten Ursachen der Arbeits- losigkeit anzusehen. Dieser Zustimmung hielt Professor Hirsch aber mit Recht die Gewisiensfroge entgegen, ob man ihr auch den Protest in der Oefsentlichkeit werde folgen lassen. Eine b e z e i ch- n e n d e Antwort darauf aus der Versammlung war, daß dazu der„Reichsverband der Industrie" da sei. Ernste Beachtung und bemcrkenswertcrweise auch lebhaft« Zu- stimmung fand die Warnung Hirschs vor der gegenwärtigen Scheinblüte Deutschlands durch die Englandkon- j u n k t u r. Es gebe nicht nur einen Transfer für Gelder, sondern auch einen Transfer der Arbeitslosigkeit. Wenn noch dem Aufhören der Englondkonjunktur der Rücktransfer der Arbeitslosigkeit noch Deutschland beginne, dann würden Deutschlands hosfnungs- freudige Ministerreden von heute wohl wieder einige Oktaven tiefer klingen._ Die Reichsindexziffer für die Lebenshattungskosien(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und„sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Oktober mit 142,2 gegen 142,0 im Vormonat nahezu unverändert geblieben. Auch bei den einzelnen Vedarfsgruppcn waren Schwankungen von nennenswertem Ausmaß nicht zu oerzeichnen. Nur innerhalb der Ernährungs- ausgaben stand ein stärkeres Anziehen der Eierpreise einem er- heblichcn Rückgang der Gemllscpreise gegenüber. Deutsch-amerikanische Interessengemeinschaft in der Grammophon- sabrikation. Die Polyphonwerke Aktiengesellschaft hat sowohl für sich als für die Deutsche Grammophon- Aktiengesellschaft mit der Brunswick-Balke-Collender Company, Chicago und New Port, einer der größten und kapitalkräftigsten Schallplattenfabrikcn Amerikas, einen Arbeitsgemeinfchosts- vertrag abgeschlossen. Dieser sieht einmal die gemeinsame Verwertung der Matrizen vor, wodurch neben erheblichen Unkostencrsparnissen der Polyphon-Grammophon-Konzern«ine be- deutende Erweiterung seines internationalen Programms sowohl für klassische als für Tanzmusik erhält. Der Vertrag bezweckt ferner den gegenseitigen Austausch von Fabrikation smetho» den, Erfahrungen und Patenten und die gemeinsame Ausnutzung der bestehenden und zu errichtenden Fabriken im Auslande. Mit Rücksicht auf die fortschreitende Entwicklung des elektrischen Aufnahme- und Wiedergabevcrfahrens haben sich die Polyphon» Grammophon-Gesellschaften gemeinsam mit der Brunswick- Company die Verwertung der Patente und Recht« dieses Gebiets von der AEG. und der mit ihr eng verbundenen bekannten größten amerikanischen Elektrizitätsgesellschaft, der General-Electric- Company, gesichert. Die Polyphon-Grommophon-Gesellschoften erwarten von der Nutzbarmachung der Ersahrungen und di« tech- Nische Mitarbeit der beiden großen Elektrizitätsgesellschaften be- deutende Vorteile. QnäQiqe f % STtrfji Chinakrepp C js ta allen Farben, WcaBnat TOB IL w an Fulgnrantsatin r viel« leuchtend« Farben 92 cm brdt...................... 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Bor» tragender Genosse Schumann:„Arbeiterdichtcr". Frauenveransialtungea am Dieasiag, den 2. November: 2t. Abt. 7>4 Uhr bei Kroll. Utrechter Str. 21, Bortrog:„Der Dichter Keller". Bortragender Heinz Barthel. 38. Abt. IVi Uhr in der Schule Hohenlohestr. Ig, Bortrag:„Arbeiterkultur- beftrebungen", Refercntin Stadtverordnete Minna Todenhogen. Neukollm 93. Abt. 7J4 Uhr im Lokal Torniählen. Lertzbergftr. 22, Bortrag: „Treidenkertum". Rrfcient Bruno Theek.—»7. Abt. IV- Uhr bei Krüger, Emser Str. 88—87, Eike Neitzcstrahe. Bortrag des«Lenossen Beidler. Abt. 124a Mahlsdorf-Siid. 8 Uhr bei Dictz, Uhlandstr. 18, Bortrag:„Die Israu im Parlament". Refercntin Luise Kähicr, M. d. L, Jungs ozialisten. Gruppe Tiergarten: Nächste Zusammenkunft Mittwoch, 8. No» vember, 8 Uhr. in der..Borwörts"-<3pedition Wilhelmshavener Str. 48. Gemeinsame Lektüre und Besprechung von Curt Geyers Buch„Führer und Masse in der Demokratie". Arbeilsgemeinschaft der Kinderfreunde. 7. Krei« Charlottenb»rs„ Gruvpe 1: 5Nont4ia ITfjr für Äinicr über 10 Icchrr im Iuq «. Kreis Kreuzberg. Gruppe Walde marftrasic: 77. Genteindefchulie, Hof pari. Montag und Donnerstag von 2— 6 Uhr für Kinder von 10—14 Jahren. Diens- tag und Freitag von 2— 6 Uhr für Kinder von K— 10 Iahren.— Gruppe Rcichcnbcrger Strafte 66: Jugendheim. Montag. Mittwoch, Donnerstag, Frei» tag von �6— Uhr. Jeden Mittwoch, 2� Uhr. Treffen zum Baden in der Manteuffelstrasie, Ecke Kottbusser Ufer.— Gruppe Hallcsches Tor: Montag von VjS— 7 Uhr Märchen, und�jlebunasabend, Lindenstr. 3, Jugendheim. Mitt. woch von �-3— 7 Uhr Spiel und Volkstanz. Donnerstag von H5— 7 Uhr Gpmnastik und Chorabend. Sonnabend von ZHb— 7 Uhr Basteln. Sonntag. 81. Oktober, Gruppenfahrt nach Strausberg. Treffpunkt �>8 Uhr an der Waldemarschule. Neukölln. Gruppe Elbeftrafte: Sonntag, 31. Oktober, Fahrt nach Rahnsdorf. Treffpunkt 9 Uhr vormittags am Räthaus. Berliner Straße. Unkosten heute, Sonnkag, den 31. Ottober: SchZnhauser Boestadt: Schänflieher Str. 7. Heimabend. 18 Pf, Eintritt.— Westen: Pormittays Deteiliauna am Sprcchchor in der Lindenstrotze: nach- mittaas Spazieraan«. Treffpunkt 2 Ilbr Bbf. BÜIawstrahe, Abends'.48 Ubr Heiferützuna beim Genossen Kloppstcin, Kulniitr. 20-,— Wcrbebczirk Reukälln: Die Genossen, die am Svrcchchor teilnehmen, treffen ssäi um?iS Uhr vorinitiaas am Hermannplatz(Apotheke),— Reu-Licktenbera: Fahrt. Treffpunkt 8 Mm Bbf. Nen-Lichtenbera. Treffpunkt zur Ärcisvcranstaltuua abends>47 Uhr Bhf. Reu-Lichtenberg.— Achtung, Sprechchor! Bopmittaas 10 Uhr acmeinfome Probe im Jugendheim Lindenstr. 3. Alle ibe nassen müssen erscheinen. Er- werbslose bekommen das Fahrgeld vergütet. Morgen, Monlag. den 1. November, abends 7% Uhr? Ableilungsmlkgkiederversammlungen: Moabit I: Schule Daldensepstr. 28.— Schäncberg III; Jugendheim Haupt» strastc 15.— Westen: Jugendheim Hauptstr, 15.— Steglitz I: Jugendheim Albrechtftr. 47.— Banmichulcnwcg: Jugendheim Ernstsir. 18,— Johannisthal: Rathaus(Känigsplatz).— Selmsdorf: Turniiallcngebäude, Roonstratzc.— Falk- vlatz: Funktionärsstzuna beim«Senosscn Fritz Ctruzak, Gleimstr. 51.— Stra- lancr Viertel: Jugendheim Gohlerltr. 81, Elahdrcnncr.Abend.— Friedenau: Jugendheim Offenbocher«Str. 5a, Aussprache:„Welche Aufgaben hat das Mit. glied der SAZ.?"— Rcichenberger Biertel: Treffpunkt zum Chor%7 Uhr Kott» busscr Tor. 4° Gruppe Wcihenfec: Dienstag und Donnerstag 5—7 Uhr Jugendheim N, Parkftr, 88. Dienstag Märchenabend, Donnerstag Spielen und Singen. Ivetlerbcrichk der öffenilichen Meilerdienststelle für Berlin. fNachdr. verb.) Anfangs noch ziemlich trübe ohne erhebliche Niederschläge. Später zeitweife etwas aufklarend bei langsam sinkcndcr�Tcmperatnr.— Für Deutschland. ym Nordoltcn noch vielfach Regen, im Süden Besserung, allmählich nord- südwärts fortschreitende Abkühlung. parteinachrfchten für Groß-Serlin Einsendungen sür dies« Rubrik flnd JS stets au das Bcztrkssekretariat. Berlin EW 88, gindeastrahe 8. 2. Hos- 2 Trep. rechts, zn richten. t. Kreis Mitte. Montag, t. November, 7>4 Uhr, Sitzung des erweiterten Kreisvorstandes bei Dobtohlaw, Ewiuemllndcr Str. lt. 2. Kreis Tiergarten. Arbeiterwohlfahrt nnb Kommunale Kommisston: Donnerstag, 4. November. 7',4 Uhr. im Artushof, Pcrlcbrrger Str. 29, Wohlfahrtskonferenz, Bortrag:„Arbciterwohlfohrt und kommunale Wohl» fabrt". Referent Stadtrat Waller FriedILndrr. Alle in der Wohlfahrt täligen Genossinnen und«Genossen, Bezirksverordnete, Wohlfahrtsvorstcher, SchLifen usw. sind zu dieser Konferenz eingeladen. Erscheinen ist Pflicht, 4. Kreis Prcnzlaner Berg. Dienstag, 2. November, 7'4 Ilbr. in den Prackit- sölen am Märchenbrunncn, Am Friedrichshain, Kreismitglicdervcrsamm- lung. Vortrag:„Unsere Stellungnahme zur Fürstenabfindung". Referent Erich KUttner. M. d. L, Alle Genosssnnen und Genossen des Kreises müssen unbedingt erscheinen.— Beginn des Kursus„Einführung in den Marxismus" am Freitag, 5. November, abends 714 Uhr, in der«Schule Eenefelderstr. 7. Die Abteilungsleiter werden gebeten, einem Teilnehmer eine Liste mit Namen und Adressen mitzugeben. 7. Kreis«tharlottenburg. Montag, 1, November, 8 Uhr(nicht 714 Uhr), Froktionsützung mit allen Bürgerdeputierten im Zimmer 1 des Rathauses. Tagesordnung: Haushalt, Berliner Stadtratswahlen. 9. Kreis Wilmersdorf. Dienstag, 2. November, 9 Uhr, Sitzung des engeren Krcisvorsiändes mit den Abteilungsleitern bei Kroihs, Holsteinische Str. 80. lt. Kreis Schöneberg. Montag, t. November, 8 Uhr, bei Will, Mortin-Luthcr» Strasse 89. 4. Vortragsabend:„Reichsverfassung und die sozialen Ein- rirbtungen". Vortragender Rcgicrungsrat Richard Joachim. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 12 Krew Steglitz. Montag, 2 November. 8 Uhr, Kreisvorstandssstzung an bekannter Stelle. 18. Kreis Tempelhof. Montag. 1. November. 8 Uhr, Fraktionssstzung in Temvelhof. Darfstr. 42. pari.— Tcmpelhof, Mariendorf, Maricnfelbe, Lichtenrade: Montag, 1. November. 74 Uhr. in der Mittelschule Kur- fürstenstrosse, Nadclarbeitszimmer, 1. Kursus über„Einführung in die Gesellschaftswissenschaft". Vortragender Dr.«Schröder.«Senossen, die den ersten Abend versäumten, werden dringend für die anderen Abende ein- geladen. Einer sagt's dem anderen!— Achtnng! Dienstag, 9. November, Festabend zur Feier des 9. November im Festsaol des Eymnassums Tempel» Hof, Kaiferin-Augusta-Strassc. Mitwirkende: Alwin Saenger-München, M, d. R.. Festansprache: Albert Florath vom Staatstheater. Rezitationen: Willi Friedrich und Hclmuth Methner von drr Hochschule für Kirchenmusik, Harmonium, Klavier. Violine. Der Volkschor Tcmvcihof-Mariendorf, Männcrchor Tcmpelhof und Männergefangverein Marienfclds wirken eben- falls mit. Eintrittspreis 50 Pf. Erwerbslose frei.«Senossen, werbt für diesen Kun«tabend! 14. Srei, Reukölla. Montag. 1. November, 74 Uhr, hei Schittler, Weichsel- strasse 5. Versammlung der Mieteroblcute, Micserbeisitzcr und Mieterausschüsse. Referent Magistratsrat Dr. Lchcinmann. Diskufsson. An- fragen. Jede Abteilung muss unbedingt vertreten sein. heule. Sonnlag. den 31. Ottober: 53. Abi. Eharlottenburg. Die Karlen zur gemeinsamen Revolutionsfeier zum Preise von 80 Pf. sind bei alle» Bezirksfübrern erhältlich. 72 Abt. Wilmersdorf. Karten zur Revolutionsfeier zum Preise von 30 Pf. beim Abteilungsleiter und bei den Eirasscnführern. Morgen. Monlag. den 1. November: 8. Alt. Kvmmnnol« Kommission: 74 Uhr bei Krüger, Enqelufer 23, Sitzung. Alle auf kommunalem«bebiet ehr«»amtlich tätigen Genossinnen und«be- uossen müssen unbedingt erscheinen. 56. Abt. Ehatlottenburg. 7'- Uhr ausserordentliche Mitgliederversammlung in der Schulaula Wicbestr. 22 Vortrag:„Die Aufgaben der SPD." Refe- rrnt«Senass Hertz, M. d. R. Gäste können«ingeführt werden. Die Be- zirksführer laben«in. 77. Abt. Schäncberg. Die erst« Arbeiisgemcinschaft über„Berfassungsrecht" nimmt an dem Borirag des«Senossen Joachim über„Verfassung und Sozial- versscherung" bei Will, Martin-Luther-Etr. 69, teil. 167. Adt. Alt-Glienickc.Falkcnbcrg. 7'4 Uhr Borstondssitzung im Jugendheim Strasse am Falkenberg. Dienstag, den 2. November: 23. Abt. Di« Fortsetzung dar Landtagsdebatte erledigt sich dadurch, dass sich alle Mitglieder restlos an der Kreismitgliederversammlung in den Pracht- sälen am Märchenbrunnen einfinden. 9S. Abt. Neukölln. 7>4 llhv ausscrordeiltlich« Funktionärsitzung bei Pflanz, Prinz.Handlcry'Str. 54. Ersckieinen des Borftandes, aller Funktionäre nnb der Kommissionsmitalieber unbedingt erforderlich. 104. Abt. Niederfchöneweidr."Achiungl Die Dorstandssitzung findet nicht am Miiiwoch. sonder» berrits am Dienstag, 2. November, 7>4 Uhr, hei Thiele, Berliner Sir. 58, statt. Arauenveranstalluagen: 6. Krei, Kreuzherg. Montag. 1. November, 7l4 Uhr. bei Robe, Fichtestr. 29, 'Kteisfraueiutbend. Ansprache: Mathilde Würm, M. d. R.: Rezitationen: «Senosse Hcfcmann: muzifalisihe«varbietungen. Erscheinen aller«Se- nossinnen unbedingt erforderlich.«Sästc herzlichst. willkommen. «. Besuch der Sternwarte. Treffen Mt Uhr Wlldenbruchbrück«.— Für Kinder aller Gruppen: Dienstag von 5 bis 7 Uhr Svrechchor, Boddin-: Elte Berliner Strosse, 1 Treppe� Mittwoch von 5— 7 Uhr Spiel und Tanz in der Turnhalle Kaifer-Friedrich-Strasse Realgymna- ssum. Freitag von 5—7 Ubr Singekreis in der Riitii-Schulc. Sprcchchorprobc für sämtliche Berliner Bezirke Doncrstag. 4. November. nachmittags 5 Uhr, im Gcfangsfaal des Friedrich-Wilhelm-Eiminasiums, Koch. ftrosse 13.— Selferverfammluna. am 5. November.>48 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 8, 2. Hof, 3 Tr. Thema: 1. Lichtbildervortrag über Erziehung. 2 Wie feiern wir dieses Jahr Weihnachten? 3. B-rfchicdenes. Bis Mittwoch. 8. November, müssen alle Kreise die Treffpunkte für den 14. November angeben. 6. Abt. Unser langiähriger«Genosse Wilhelm N° a ck. Sriehcnowür. 8—9, «st verstorben. Einäscherung am Mant-rg. 2 November, 8' 4 Uhr, im Krcma. torium Gcrichtstross«. Wir erwarten recht rege Beteiligung. Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. «reis Mitte. Montag, 8 Uhr, Blumenftr. 77, Helfersstzun«. Mittwoch, 5—7 Uhr. Bollstanzgruppe. Turnhalle Ruppiner Str. 48.— Gruppe Pappel. platz: Dienstag. 644—714 Uhr. Turnhalle Elisabethkirchstr 19—20, Turnen, Spielen, Dolkatänze. Donnerstag, 4 Uhr. Oderbcrger Strasse(Badeanstalt). Baden. Freitag, 5— 7 Uhr. Betgstr. 58, Zimmer 7, Heimabend.— Gruppe Ariouaplatz: Montag, 5>4— 7>4 Ubr. Turnhalle Ruppiner Str. 48, Turnen, Gymnastik. Donnerstag. 8 Uhr, Arkonaplatz. Baden. Freitag, 5'4— 7-4 Uhr, Elilabethkirchstrasse(Sortzimmer). Heimabend.— Gruppe Karl Liebknecht: Montag. 5—7 Uhr, Turnhalle Blumenftr. 77, Turnen. Freitag. 5—7 Uhr, Blumenftr. 77 fKindergarten). Heimabend.— Gruppe Ernst Toller: Montag, 5—7 Uhr. Turnhalle Blumenftr. 77, Turnen. 4.«reis Prenzlauer Berg. Srupp- Nordost: Danzigcr Str. 82(Baracken). Montag, 5—7 Uhr, Gesang, Brettspiele. Donneistoq.'45—7 Uhr. Basteln. Freitag, 5—7 Uhr, Arbeitsgemeinschaft. Montag und Donnerstag von 8 bis 7 Ubr Erziehung zur Mussk.— Gruppe Norden: Schule Eberswalder Strasse. Dienstag. 5—7 Ubr. Spiel und Basteln. Freitag, 5—7 Uhr, Handfertigkeit. Pankow: Sonnabend von.8— 8 Uhr Spiel und Basteln im Jugendheim Aisstngen-, Ecke Gianitzsirasse. Sonntag, 31. Oktober, Schnitzeisagb, Sennigs- dorf. Treffen>48 Uhr Nordbohnhof. Kosten 40 Pf. Mittwoch von 8—8 Uhr Spielen und Eingen im Jugendheim wie oben. Nieberschönhauien: Montag und Donnerstag von 8—8 Uhr Heimabend in der Geineinschaftsschule, Bismarck strasse. Unser Jugendchor übt am Montag abend pünktlich 714 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 8. mimsererwledereri)lfnelenflUaleNeii]€Ö]lnJlergstr.23-26 (am Unfergrundbahnhof) weil unsere gewaltige Auswahl, von welcher die nebenstehenden Artikel nur eine kleine Auslese darstellen, in ihrer hochwertigen Quaiität und in ihren billigen Preisen nicht zu übertreffen ist i t Hausschuhe aus icincm, geblümtem Satinstoff mit starker Kor- delsohle. der billige leicntc Hans- schah tür Damen____ und Madeben.... PI. mtem Satinstc 90 MSdchen�Schnilrslefal tanz besonders gntes indboxleder m. Kjpgf q/% extra kräftigen Böden, sehr zu empfehlen, 27/30 31/35 6.0O...... Damen»Zugschuhe mit vier Spangen schwarz echt Che- äffe. Oft vreau In neuester flUI*** Form mit ameri- kanisctiem Absatz sehr billig......... gen a 8 Herren- Halbschuhe prima Boxcalbln in neuer, moderner Form, echt rahmcngen&ht mit Gummiabsatz, ganz besonders billig... 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Nur Velret In rorzflgL QuaL ist ▼erarbeitet worden a) zn einem Jugendlichen, an der Rodcpartie und an den Unterärmeln reich gesmoktem Kleide, dessen von Innen mit Seide belegter Kragen mit einer aparten Stickerei geschmückt ist.(Braun und schwarz.) b) zu einem hübschen, feschen Kleide mit kurzen Ärmeln. dessen Faltenrock und dessen, von einem groben Crfipc- de-0.— 25.— Reinwollene fffiddien-tfanlel unsortiert viele Farben fe na* Gröbe 5.— lO.— 42a— OST. wawimfi Tic. 514 ♦ 43. �öhcgötlg 5» ��9 ��0IJÖJClCt9 Sonntag.."1. Gktodcr 10i6 Die Tagung der berliner Betriebsräte. Der Kampf gegen die Erwerbslosigkeit. Die Ortsausschüsse BSrlins des ADGB- und AfA-Bundes haberr h e u t e die Betriebsräte von Berlin zu einer ernsten Tagung in den Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates zu- fanunengerufen. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die R a tionalisierung der deutschen Wirtschaft. Nicht etwa werden sich die Betriebsräte darüber unterhalten, ob die Rationalisierung von der Arbeirerklasse bejaht oder be- kämpft werden müsse— die Gewerkschaften haben sie ja selbst und zuerst gefordert—, wohl aber werden sie alle jene Fragen besprechen,� die sich infolge der Rationalisierung der Wirtschaft für die Gewerkschaften ergeben. Zuerst wjrd die jetzige Wirtschaftskrise auf ihre Wesensart untersucht werden müssen. Dabei wird sich ergeben, daß sie als Absatzkrise entstand, dann ihren Charakter auf Grund der Rationalisierung wesentlich änderte und von einer reinen Absatzkrise zu einer Absatzkrise und Arbeitslosenkrise wurde. Das besonders Charak- teristische dieses Wandels ist die Tatsache, daß er sich vollzog bei fortgesetzter Steigerung der deutschen Aussuhr. Das erste Halbjahr 1926, das im Zeichen der Erwerbslosigkeit und Kurzarbeit von Millionen steht, weist gegenüber dem ersten Halbjahr 1925, das im Zeichen der Hochkonjunktur stand, eine Mehrausfuhr im Werte von 648 Millionen Mark aus. Diese Ausfuhrsteigerung läßt mit einer Deutlichkeit, die jeden Zweifel ausschließt, den Charakter der jetzigen Wirtschaftskrise klar erkennen: sie ist vorwiegend eine Krise des Inlandmarktes. Daraus ergeben sich für die Gewerkschaften weittragende Schlußfolgerungen. Ueberproduktion oder Untertonsum, das wird die zweite Frage der Untersuchung sein. Angesichts des Aufbrauchs der Bedarfsgegenstände und des Bedürfnisses nach Wiederein- deckung von Gütern für die Lebenshaltung der großen Massen der werktäigen Bevölkerung kann von einer Ueberproduktion nicht die Rede sein. Arbeitslosigkeit und Unter- verbrauch, das ist die Diagnose der heutigen kranken deutschen Wirtschaft. Diesem Uebel zu steuern und nach Mitteln hierfür zu suchen, wird die Aufgabe der Konferenz der Betriebsräte sein. Auch die Warenpreise werden einer kriti- fchen Betrachtung unterzogen werden müssen. Will man die Erzeugnisse einer rationalisierten Wirtschaft in die breiten Bolksmasfen tragen, so müssen Einkünfte und Warenpreise derartig gestaltet werden, daß die Linie der Einkünfte von der Linie der Warenpreise möglichst weit nach oben abweicht. Auf welchen Wegen dies möglich Ist, wird besonders zu er- örtern und klarzustellen fein. Ferner wird in den Kreis ihrer Beratungen die Frage nach der Wiedereinführung des allgemeinen Achtstundentages rücken Das kann. bei dem hgrtnäjig ablehnenden Verhalten eines �Teiles der Unternehmerschaft nur im. Wege der schnellem Verabschiedung eines Notgesetzes über di e A r de i t s« z« vch>ii»fchehen. Aber noch ehe ein solches Notgesetz Wirtlich» keit wird, muß die Arbeiterschaft selbst durch V e r w ei g e- rung der Ueberstunden und lleberschichten dafür sorgen, daß die Erwerbslosen nicht durch die Schuld der Arbeiterschaft selbst außerhalb der Betriebe verharren muß. Wäre die Rationalisierung nur ein rein technisches Problem, so könnten die Gewerkschaften mit dem vorliegenden Ergebnis wohl zufrieden fein. Da sie aber auch ein nicht weniger bedeutsames volkswirtschaftliches Pro- b l e m ist, eines der Mittel zur allgemeinen Wohlstandssteige. rung sein soll, so können die Gewerkschaften als Sachwalter der Arbeitskraft den bisherigen Gang der Rationalisierung nicht als befriedigend bezeichnen. Es fehlt gerade nach der volks- wirtschaftlichen Seite hin ihre erwartete und in Aussicht ge- stellte Wirkung: das Steigen des Realeinkommens der werk- tätigen Bevölkerung. Während wir also als Ergebnis der Rationalisierung auf der«inen Seite eine bedeutende Leistungssteigerung bei verminderter Ar- b e i t e r z a h l zu verzeichnen haben, ist auf der anderen Seite, der Preise und Kaufkraft, wenn es gut geht, alles beim alten geblieben. Eine rein technische Rationalisierung aber, die keine Steigerung des Realeinkommens der großen Verbraucher- massen herbeiführt, ist widersinnig. So enssteht für die Gewerkschaften und ihre Organe, die Betriebsräte, die Frage, in welcher Weise die bis jetzt durchgeführte Rationalisierung des Unternehmertums zugunsten der Allgemein- heit, insbesondere oer arbeitenden Klasse, schnell und gründ- lich umgestaltet werden kann. Im Mittelpunkte der Rationa- lisierung steht das Heer der Erwerbslos e n, um das sich die Gesamtheit der Erörterungen der Konferenz der Betriebsräte drehen wird. Die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms, die Erwerbslosenunterstützung und Wohlfahrtsfürsorge, kön- nen ihrer Natur nach nur sozialpolitische Notbehelfe sein. Kein Staat und keine Wirsschaft können auf die Dauer einen so hohen Prozentsatz der Bevölkerung als Erwerbslose und Kurzarbeiter ertragen wie ihn Deutschland nunmehr seit einem vollen Jahre aufzuweisen hat. Mit den Mitteln der Unter- stützung, der Wohlfahrtsfürsorge, der Sozialpolitik ist hier auf die Dauer nicht auszukommen. Die Zurückführung der Erwerbslosen in die Betriebe muß die Auf- gäbe aller Wirtschaftskrcise sein. Den Weg für diese Zurück- führung soll die Konferenz aufzeigen. Angesichts der Fülle der Fragen und ihrer Bedeutung für die Erwerbslosen ist die heutige Tagung der Berliner Be- triebsräte von großer Wichtigkeit. Sie wird sich mit den an- gedeuteten Problemen in sachlicher Weise befassen und an ihrer Lösung mitarbeiten. Während das Unternehmertum in der Rationalisierung lediglich ein Mittel zur Steigerung seines privatkapitalistischen Gewinnes sieht, sehen die Gewerkschaften in ihr die Möglichkeit der Befriedigung des Güter- bedarfs der Volksgesamtheit. In diesem Sinne muß die Rationalisierung der deutschen Wirtschaft wirksam gemacht werden. Möge es der Konferenz der Betriebsräte gelingen, ihren Anteil hierfür beizutragen. W. Eggert. Rationalisierung und �lrbeitssihutz. Von S. A u s h ä u s e r. Das Becriebsrätsgejetz ist nun seit dem Februar 1929 m Kraft. In dieser mehr als sechsjährigen Praxis haben sich die Mängel des Gesetzes erwiesen. Nicht minder deutlich hat sich gezeigt, daß auch dort, wo das Gesetz klare Bestimmungen enthält, in manchem Betrieb wichtige Rechte der Betriebsvcrtretung zu verkümmern drohen, weil das organisierte Unternehmertum die augenblicklich ihm günstigen Kräfteverhältnisse dazu mißbraucht, um die Angestellten und Ar- bester von der Geltendmachung gesetzlich gewährter Miibestimmungs- rechte abzuhalten. Mehr als auf anderen Gebieten hat die Durchführung des B e t r i e b s r ä t e g e f e tz e s erwiesen, wie dringend not- wendig das Reichsarbeitsministeriuni eines systematisch gegliederten örtlichen. und.'.hezjrNichrn Uhirrbaue.s.' vöss.'ArbeitÄbchörden bedarf, um die auf dem'Papier stehenden Arbeitep und Angestelltenrechte ■-.n die Wirklichkeit �mrrznsitzerr."-gs- kommt einer Umgehung des Betriebsrätegefetzes gleich, daß die große organisatorische und tech- nische Umstellung der deutschen Industrie in den letzten Monaten, die sog. Rationalisierung, ohne die Mitwirkung der Betriebsoertretun- gen vor sich gegangen ist. Im§ 6 Ziffer 1 des BRG. heißt es: „Der Betriebsrat hat die Aufgabe, in Betrieben mit wirt- schastlichen Zwecken die Betriebsleitung durch Rat zu unterstützen, um mit ihr für einen möglichst hohen Stand und für möglichste Wirtschaftlichkeit der Betriebsleistungen zu sorgen." Man könnte annehmen, daß der Gesetzgeber diesen Paragraphen geradezu auf eine kommende Rationalisierung zugeschnitten hatte. Und doch blieb den Betriebsräten eine Mitwirkung versagt. Die Betriebsrats, die heute in ihrer Mehrheit gleichzeitig Gewerkschafts- funktirnäre sind, haben mit ihren Organisationen die Notwendigkeit einer technischen Höherentwicklung der Betriebe schon unmittelbar nach der Inslation dringend gefordert, um die damals eingetretene Riickständigkeit vieler Betriebe bald auszugleichen. Die denkenden Ar- beiter und Angestellten wissen, daß verbesserte Maschinen und Pro- duktionsapparate geeignet sind, die menschliche Arbeitsleistung zur höchsten Entwicklung zu bringen, die Produktion zu steigern und die Preise zu verbilligen. Rationalisierung und hoch entwickelte Technik erfüllen indes nur ihren Zweck, wenn ihre Ergebnisie der Mensch- heit zugute kommen. Ein Produktionssystem, wie es die deutsche Industrie in den letzten Monaten eingeführt hat, das bei vermin- dertcr Belegschaft und verlängerter Arbeitszest die Dorteile des tech- Nischen Forsschrittes ausschließlich dazu benutzt, um die Profitrate des Unternehmertums zu vermehren, ist Ausbeutung und hat mit Rationalisierung nichts zu tun. Wenn der gesteigerten Produktion gegenüber ein vermehr- t e r Absatz geschaffen, also die K a u f k r a f� der werktätigen breiten Konsumentenschichten wieder hergestellt weiden soll, so muß die Rationalisierung von einem wachsenden sozialen Arbeits- schütz begleitet sein. Hier steht die Verkürzung der durch Ueber- schichten unerträglich erweiterten Arbeitszeit im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Die Erwerbslosen, die vom Reichswirsschaftsminister mit ihren Familien auf 8 Millionen, das heißt ein Achtel des Gesamtvoltes beziffert werden, müssen durch soziale Hilfe des Staates wieder indie Reihender Konsumenten eingegliedert werden. Dem in seinein Ausmaß unbegründeten Belegschaftsabbau muß durch einen verstärkten Entlassungsschutz Einhalt ge- boten werde». Der Willkür der Unternehmer ist eine größere Rechtssicherheit der Arbeitnehmer, d. h. ein soziales umfassendes Arbeitsgericht gegenüberzustellen. Die Befugnisse der Betriebsräte sind durch einen wirklichen Schutz gegen direkte oder indirekte Maß- regelung zu festigen. Es darf erinnert werden, daß das BRG. nicht nur den erwähn- ten§ 66/1 enthält, der die wirtschaftliche Celle der Ratio- nalisierung behandelt, sondern auch den§ 73, wonach„Arbeiter- und Angestelltenrat darüber zu wachen haben, daß in dem Betriebe die zugunsten der Arbeitnehmer gegebenen gesetzlichen Dorschriften durch- geführt werden". So wie die§§ 66 und 78 des BRG. untrennbar initeinander verbunden sind, so müssen auch Wirtschastlichkeit und Sozialpolitik ineinandergreifen. Eine Rationalisierung, die der Volkswirtschaft helfen soll, muß sozial sein. Hier stehen wir am Anfang der Erfüllung jener großen Aufgabe, die gemeinsam zu lösen Betriebsräte und Gewerkschaften berufen sind. Das Neichsverkehrsminisierium. Seine Verschleppungspolitit. Von» Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter wird uns ge- schrieben: Der zwischen dem Reichsverkehrsministerium, dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbecter, dem Deutschen Verkehrsbunde und dem Zeistralverband der Maschinisten und Heizer bestehende Lohn- t a r i j o e r t r a g für die Arbeiter der R e i ch s w a s s« r st r a ß e n- v e r w a l t u n g wurde tm Laufe dieses Frühjahrs mit Wirkung vom 25. Mai ab neu" abgeschlossen und dabei grundsätzlich vorgesehen, e i n neues L o h n s y st e m einzuführen. Die Lohntabelle konnte aber infolge der weit vorgeschrittenen Zeit und anderer Umstände nicht mehr beraten werden, so daß der§ 2 dieses Tarifvertrages in d« Praxi» nicht tn Anwendung gebracht werden konnte. Das hinderte jedoch den Referenten des Rerchsoerkehrsministeriums. Herrn Ober- regierungsrat L e u b e. nicht, in den einzelnen Wasserstraßenbezirksn herumzureisen und Anweisungen zu geben, die mit dem Sinn und Wortlaut des Tarisoemages in krassestem Widerspruch stehen. So ist es— um nur ein Beispiel Herauszugreisen— auf Grund dieser einseitigen und eigenmächtigen Auslegung dieses Herrn im Bezirk Bremen dazu gekommen, daß Hunderte von Arbeitern a n andere Dienststellen verletzt wurden, für die noch gar keine Lohnsätze bestanden. Die betressenden Arbeiter wurden dadurch um 12 bis 15 pfg. pro Stunde geschädigt. Alle Bemühungen. Herrn Leube auf das Unmögliche seiner Handlungsweise aufmerksam zu machen und ihn zu bitten, doch möglichst rasch eine Verhandlung mit den Tariskontrahentcn einzuberufen, scheiterten an seiner Weigerung. Er setzte sich in die Bahn und fuhr sechs Wochen in Urlaub. Inzwischen von uns aufgenommene persönlich« Besprechungen mit Herrn Ministerialdirektor Dr. v. S t a p e n h o r st Verliesen ebenfalls resultatlos. mit dem Hinweis, daß ohne den Referenten, Herrn Leube, nicht verhondell werden könne. Ende September kehrte Obeyrcgierungsrat Leube vom Urlaub zurück. Die aber nun geglaubt haben, daß die Verhandlungen jetzt sofort be- ginnen können, sahen sich wiederum getäuscht, weil plötzlich der Reichsverkehrs mini st er Krohn« durch anderweitig« Ge- schäfte dringend oerhindert war. Endlick, gelang es dann, auf den 25. Oktober einen Verhandlungstag seftzulegen, aber auch da mußten die Berhandlungen schon noch ganz kurzer Zeit abgebrochen werden. Ein neu- �KJelclie'Zg&fette Ist die beste iDas muß man ausprobfefen.—TDir sagen nicht:S)ie ä&flStS&RY' S&gareitc, ist* die beste. Wir mfert auch nicht:§laudrt nur SMASSJiRY! B�eiiwirderL Raucher nicht' in seiner eigenen SI2cinung� beeinfiussen wol* len.~ Wie%kit der oolbDÜrsigen, kräftigen ZgareUe Äst xxyrbeLWie zarte, milde, suß-aro* matische Zigarette steht jetgt in edler Jurist. Unser neuer(TabakfoLchmanny von curopdisdietn Ruf bietet hier Süjeisterstucke der Gjegeruoarte-Zigarette, wie sie sein soll, um den besten zahlen. ÜDas merken Sie gleich," das schmecken. Sic,- das atmen Sfe! Jibcr Zhrc dlnsichfsci maßgebend'" bitte: Auch im entzuckenden � PACKV N GEN Uifellen Sie selbst"' I angesetzter Termin auf Sonnabend, den 30. Oktober, veranlaßt« die Organisationen, nachdem sie sich extra noch am Donnerstag, den 26. Oktober, bei Herrn Ministerialdirektor v. Sta p enh o rst er- kündigt hatten, ob es nun auch bestimmt bei diesem Termin bleibe, Vertreter aus dem Bezirk Bremen hinzuzuziehen. Wenige Stunden vor Beginn der Ber Handlungen wurde uns nun durch ein Telegramm mitgeteilt, daß auch die Berhandluiitz am Sonnabend, den 30. Oktober, wegen Verhinderung des Ministers nicht st a t t s i n d e n könne. Es liegt uns natürlich ganz fern, etwa anzunehmen, daß man hier absichtlich auch jetzt noch diesen B-rhandlungstermin von einer Woche zur anderen verschiebt. Im Gegenteil. Wir sind fest davon überzeugt, daß es dem Reichsverkehrsminister einstlich darum zu tun ist, den Streitfall aus der Welt zu schassen. Aber noch länger zu warten, ist iin Interesse der Arbeiterschaft ganz unmöglich, ja geradezu ein Verbrechen. Deswegen sind wir der Meinung, daß die Verhandlungen jetzt unter allen Umständen sofort aufgenommen und zu Ende geführt werden müssen, auch dann, wenn es dem Minister unmöglich ist, an diesen Verhandlungen teil- zunehmen.. Es muß unseres Erachtens auch im Reichsvcrkehrsministerium möglich sein, einen Staatssekretär oder einen Ministerialdirektor mit diesen Verhandlungen zu betrauen und ihm die nötigen Vollmachten zu erteilen, damit die Arbeiter endlich zu ihrcm Recht kommen, das ihnen durch die Halsstarrigkeit eines Oberregicrungs- rates verloren gegangen ist. Wir haben im Intercssc der Sache lange, leider viel zu lange, geschwiegen! jetzt ist das Maß voll, und deswegen ersuchen wir um sofortige Erfüllung unseres Wunsches, sonst würden wir z» unserem Bedauern gezwungen sein, dieser Verschlcppungspolitik auch noch an anderer Stelle entsprechend entgegenzuwirken. Der Metallschleiferstrcik bei Libkc u. Co. Die Arbeiter der Metallschleiferei Libke u. C., Inhaber Schulz, C x e r z i e r st r. 4->, stehen wegen Lohnabzügen seit Sep- tember im Streik. Der Firmeninhaber hat vor Ausbruch des Streiks erklärt, daß er die Arbeiten von der Firma L u x- G e s e l l- s ch a f t, Tempelhos. an andere Firmen vergeben wird, da er dabei mehr verdienen kamt, als in seinem eigenen Betriebe. Nach dieser Erklärung ist die Firma denn auch verfahren. Auch in anderen Betrieben kam es wegen dieser Arbeiten in letzter Zeit zu Disfcrenzcn. Die Verhältnisse wurden jedoch durch das Entgegenkommen der Lux-Gcsellschast für beide Teile zur vollen Zufriedenheit geregelt, da der ehrliche Wille dazu auf beiden Seiten vorhanden war. Am 27. Oktober rief die Firma Libke u. Co. beim Deutschen Metallarbcitervcrband an, um Verhandlungen zu führen, die denn auch am 29. Oktober stattfanden. Auf die Frage des Vertreters Koch l, wie die Einstellung der Leute erfolgen könne, erklärte Herr Schulz, daß nur ein Wann eingestellt werden könnte. Auf den Einwand hin, wenn keine Arbeiten aus dem Hause gegeben werden, könnten doch mehr Leute bei der Firma beschäftigt werden, erfolgte die Antwort, man könne eben nicht mehr Arbeiter einstellen. � Aus die weitere Frage des Organisationsoertrcters. ob die im Betriebe beschäftigten ungelernten Leute, welche als Streik- b r e ch c r stingiercn, nicht entlassen werden können, um die Strei- kenden wieder an ihre Plätze zu bringen, erfolgte eine brüske Ablehnung. Herr Schulz mußte zugeben, daß alle Leute, die bei ihm beschäftigt waren, nicht nur tüchtige, sondern auch a n st ä n- dige Arbeiter in seinem Betriebe gewesen sind. Er glaubt aber, auch mit den Rausreihern die Arbeiten, die er von der Firma Lux bekommt und an kleine Quetschen vergibt, zu bewältigen. Einc�besondcre Rolle spielt bei den Rausreißerdicnsten der frühere Schleifer und jetzige Schieber Albert K a l b Berlin, Oudenarder«traßc 25, indem er sich dazu hergibt, die Streik- brccher anzulernen. Der Metollschlieser Hermann Mar- sow, Badstr. 18, hat sich während der Streits krank gemeldet und nachdem er gesund geschrieben war, die Arbeit bei der Firma am 29. Oktober trotz des Streiks aufgenommen, womit er seinen streikenden Kollegen in den Rücken gefallen ist. Der Organisationsvertrcter hat sich samt der Derhandlungskom- Mission die größte Mühe gegeben, um eine Verständigung zu er- zielen. Die Wiedcreinstellung der Streikenden sollte in bestimmten Zcitabständen erfolgen. Jeder Versuch scheiterte an dem Widerstand und an dem Hcrrenstandpunkt des Herr» Schulz. Mit Entrüstung wies der Organisationsvertreter daraus hin, daß er keinem Kollegen zumuten könne, mit Streikbrechern zusammen in einem Betriebe zu arbeiten. Es fei nochmals betont, daß die Leute, die der Inhaber Schulz zurzeit beschäftigt, für diesen Arbeitsprozeß vollkommen unfähige Personen sind, und demnach ihre Arbeit ausfallen muß. Der Streik wird nun mit allen gewerkschaftlichen Mitteln weitergeführt.(Arbeitersreundliche Blätter werden um Ab- druck gebeten.� Tie gcwerbsmastitze Stellenvermittlung. Aus dem Bericht des„Reichsarbcitsblottes" Nr. 36 über die Vermittlungstätigkeit der Arbeitsnachweise geht auch hervor, in welchen, Verhältnis die Nachweistötigkeit der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung zu den öffentlichen Arbeitsnachweisen steht, und wie groß die Zahl der durch die gewerbsmäßigen Stellenveriniit- ler verniittclten Personen überhaupt ist. Danach wurden im Jahre 1923 iin Reichsgebiet insgesamt 3 896 557 männliche und 1 912 939 weibliche Personen vermittelt. Hiervon entfallen auf die gewerbs- mäßigen Stellcnvermittler 154 028 vermittelte Stellen für männliche Personen und 373 355 für weibliche. Auf die gewerbsmäßige Stellenvermittlung kommen rund S Proz. aller Slrbeitsgesuche und 11 Proz. aller offenen Stellen, aus jeden gewerbsmäßigen Vermittler kommen 60 Personen: im Durchschnitt wurden von 100 offenen Stellen bei den gewerbsmäßigen Vermittlern 84 vermittelt. Die Gesamtzahl der vermittelten Personen durch die berufsmäßige Stellenvermittlung verteilt sich auf die Berufe wie folgt: männliche weibliche Landwirtichaft....... 86 028 54 908 Gastwirtschaft........ 31 120.109 701 HauZgehilfen........ 1111 171982 Künstlerische Berufe..... 22673 15607 Aufwartefrauen.......— 7626 'Sonstige Berufe....... 12196 17 471 Die Vergleichsziffern der Statistik mit dem Jahre 1924 zeigen, daß der Zlnteil der geu>erbsmäßigcn Vermittlung an der Ver- ir.ittlung überhaupt von 20,2 Proz. im Jahre 1924 auf 23,5 Proz. im Jahre 1925 gestiegen ist. Wir stehen also vor der Tatsache, daß bei der zunehinenden Arbeilslosigkect im Jahre 1925 den gewerbs- mäßigen Stellenoermittlern»lehr Arbeitsuchende ins Garn gelaufen sind als 1924. Wie aus der Zusammenstellung hervorgeht, wurden Im Plenarsaal des Reichstages liest G e r h ar t H a u p t m a n n aus feinem bisher unveröffentlichen Epos.Till E u l e n I p i e- g e l". Man weiß es, der Dichter der„Weber" und des„Florian Geyer", der Revolutionär ist Meister, Klassiker geworden. Die Wellen der Erregung haben sich beruhigt. An Stelle des au!- peitschenden Inhalts, an Stelle der Wahrheit und Erdverbundenheit der Menschen ist allein die Meisterung der Form getreten. In eng umgrenzte Bahnen flüchtet sich der Dichter, der einstmals die konventionelle Form-zerbrach. Er wählt den Hexameter, tritt damit in den Wettkamps n,it Homer oder Goethe. Ja, diese Verse sind vollendet, gehämmert, vielleicht sind sie tatsächlich die einzige Form, die die Gedanken Hauptmanns aufnimmt, aber was sollen die antiquisiercnden Verse der Gegenwart? Pulsiert in ihnen das Leben, das das unfrige ist? Oder liegt in der Anwendung des Hexa- Nieters eine bewußte Geste, eine betonte Abkehr von der Gegen- wart? Die Olympier residieren auf eisigen Höhen, was kümmert sie noch das Leiden der kleinen Mitmenschen. Man ist eben in Weltenschau versunken, lind wenn man nickst ans eigener Kraft Symbole schaffen kann, dann flüchtet man zu der Antike, sonnt neu. was bereits tausendmal gesorint worden ist, läßt Kentauren und Götter aussprechen, was das Menschcnherz bewegt. Das Epos soll vielleicht symbolisch die Wirren der Nachkriegszeit ausdrücken, aus den vorgelesenen Stücken kann man sich kein Bild schaffen, doch warum diese Symbole? Don Juan, Faust. Eulcnipiegel und viele andere Figuren der Literatur sind zu fest umrissenen Typen ge- worden. Man sollte sie nicht vertiefen oder ihren Namen zu aller- lei Erperimenten gebrauchen. Die Gegenwart ist reicher als alles Gewesene. Maa Hauptmann iin„Till Eulenspiegel" die höchste formale Meisterschaft zeigen, wir verehren in ihm immer wieder nur den großen Gestalter realistischen Geschehens. vss KuncjfunKpr-ozrsrnm. Sonntag, den 31. Oktober. 9 Uhr rorm.; Morgenfeier. ,t 30— 12.50 Uhr narbm.: Platrmusilc Oes Musikloips clor 3.(Preuß.) Xaohricbtenabteilunf:(Potedam). I.eitnnfr: Obermusikmeister Walter Harmens. 1. Griep: Huldi- gTinpsmarscb(bearbeitet von Haekcnberper). 2. Weber; Ouvertüre zu der Oper„Oer Freisobütz". 3. Mendclssobn-Bartboldy: Abschied vom Walde: ,0 Taler weit, o Höhen'1, Lied. 4."Mews: Was Enplein träumen, Waizerintormezzo. 5. Verdi: Fantasie aus der Oper„Traviata". 6. Beethoven: Menuett 7. Johann Strauß: Acceilcrationen. Walzer. 8. Far.faronmärscho: a) Harmens: Festfanfare, hl Gnauek: Niemand zuliebe, niemand zuleide. 1 10 Uhr nachm.: Die Stunde der Lebenden. Einleitende Worte Hermann Kasack. 1. Jakob Haringor. 1. a) November, b) Schattenspiel der Seele, c) Nachts, d) Ansein Kind, e! Schla'lied. f) Kleines Lied (Ilse KuronitzerV 2. a) Wirtshaus im Walde, b) Die Selbstmörderin, c) AnMariafErwinKaisor). II.K. Billinger: 3. a) Die Nonne, b) Abend- glockon. c) Vorm Schlafengehn(Ilse Karanitzer). 4. n) Vor der Ernte, b) Ohne Schlaf, cl Der Bettler, dl Der Mönch, e) Die treue Magd, f) Vollmond(Erwin Kaiser). 2.30 Uhr nachm.: Herbert Hosen:.Die Herstellung der Briefmarke(Druck und Papier)". Anschließend: Neuheitenmeldungen. 3 Uhr nachm.: Hans-Bredow- Schule IBildungskursel. Abteilung Landwirtschaft. Landforstmeister Borggrewo:„Die wechselseitigen Beziehungen zwischen Boden. Pflanzen und Tierleben des Waldes'. 3 30 Uhr nachm.: Funkheinzelrannns Schöpfungsgeschichte. a) Der fünfte Tag; „Als Gott die Tiere schul", b) Der sechste Tag:„Adam und Eva" von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann. 4 30 bis S Uhr abends: NashmittagsmTisik der Kapelle Gehrttder Stetaet Anschließend: Katschläge fürs Hans, Tlbeater- und FllmdienaL 6 15 Uhr abends:„Gesunde Mutter— kraftige Kinder.(Werbe« Vortrag). 6.30 Uhr abends; Frl. Dr. Mathilde Wölfl:„Zusammen- arbeit von Stadt- und Landfrauen". 7.05 Uhr°deues- Vorsehung-- reisender Paul Spatz:„Jm Sudwestzipfel der Sahara. 7.25 Uhr abend«: Felix Stößinger: Vortragsreihe„Dichter und Dichtungen Asiens"(Indien). 7.55 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildungs- kurse). Abteilung Philosophie. Theodor Kappstein.„Die W clt- anschauuno- der Völker",(Was heißt Weltanschauung?). 8.80 Uhr abends: Keformationsfeier. 1. Lobe den Herrn(Stralsund 153o) (Knaben des Domchors unter Leitung ihres Dirigenton Professor Hun-o Rödel). 2. J. S. Bach: Fantasie und Fuge G-Moll(Paul Schmidt. Orgel). 3. a) Brief vom 19. 8. Io20 an Link, b) Brief.vom 29. 7. 1520 an Spalatin, c) Von Dr. Luthers Rciso lo-l f gelesen von Albert Steinrück). 4. J. S. Bach: Kantate-Schlage doch, gewünschte Stunde"(Emma Vilmar- Hansen, Alt; Paul Schmidt, Orgel). 5. a) Brief von Anfang lo24 an Spalatin, b) Brief vom 1542 an Markus Crodel. c) Brief vom 6. 9. lo4„ an Markus Crodel. d) Brief vom 1. 2. 1546 an Melanchthon(gelesen von A. Steinrück)' 6. Mendelssohn-Bartholdy:„Hebe deine Augen auf" Engelterzott aus dem Oratorium„Elias(Knaben des Domchors). 7. Nicolai: Kirchliche Festouvertüre(unter Zugrundelegung des Chorals„Ein feste Burg")(Paul Schmidt Orgel). Ansohheßend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachnchten. Zeitensage.\�tter- dienst. Sportnachrichten. Theater und Filmdienst. 10.30 bis 12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kormbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kernibach). Königswusterhausen, Sonntag, den 31. Oktober. 9. 1130 Uhr vorm., 1.10. 3.30, 4.30 Uhr nachm., abends: Uebcrtragung aus Berlin. ab 8,30 Uhr Montag, den 1. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm.; Frau anfragen und FrauensorgCB. Margarete Caemmerer: Ist Nachgeben Schwäche oder Stärke. 4.30 Uhr nachm.: Otto Ernst: Novellen.-Der Karthäuser, gelesen von Elisabeth v. Elka. 5-6 Uhr abends: Romantik. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Oberingenieur Walter Schäfler: Vortragsreihe, Die deutschen Rundfunksender.(Die verschiedenen Systeme zur Schwmgun�s- erzeugung). 7 05 Uhr abends: Professor Dr. Adolf Marcuse: Der Sternenhimmel im Monat November. 7.30 Uhr abends: Dr. Kurt Singer spricht über„Paradies und Peri", 8 Uhr abends; Das Oratorium II.„Paradies und Peri". Von Robert Schumann. Dichtung aus Lalla Roogh von Th. Moore. Leitung: Professor Hugo Rädel. Peri(Sopran): Elisabeth Schumann; Jungfrau(Sopran): Irmgard Qnitzow; Erzählerin, Engel(Alt): LiUi Droyfuß; Erzähler, Jüngling(Tenor): Karl Jöken; Erzähler. Gazua. Der Mann(Baß-Bariton): Fred Drissen. Chor und Orchester der Funkstunde, Berlin. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30— 12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester Ette). Königswusterhausen, Montag, den 1. November. 2.30—3 Uhr nachm.: Frl. Dr. Woll: Was die märkische Schölls der Landfrau bringt. 3— 3.30 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30—4 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4—4.30 Uhr nachm.; Prof. Dr. Niebcrgall: Wcrtpsyohologische Erziehungslehre. Werten und Werte. 4.30— 5 Uhr nachm.: Prof. Dr„- Nieber- gall: Wertpsychologische Erziehungslehre. Energische und ideale Wertung. 8-L5 30 Uhr nachm.: Dr. phil. Wegner: Grundlagen der Wettervorhersage. 5.30—6 Uhr abends: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Schuchhardt: Ursprung und Wanderungen der Germanen. 6 bis 6.30 Uhr abends: Dir. Dr. Jany: Die Gestaltung des Kartoffelabsatzes. 6.30— 7 Uhr abends:. Diplom-Handelslehrer Wieg und Katthain: Von der einfachen zur doppelten Buchführung; ihr Wesen, ihre Bedeutung und unser Ziel. 7— 7.30 Uhr abends: Prof. Dr. Schünemann: Grundfragen der Musikerziehung. 7.30— 8 Uhr abends: Geh. Reg.-Rat Profi Dr. Erich Mareks: Auf- und Niedergang im deutschen Schicksal. Ab 8 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. ix» den gewerbsmäßigen Vermittlern in erster Linie weibliche Arbeitskräfte für.Gastwirkschaften»nd häusliche Berufe vermittelt, auch für die Landwirtschaft ist der Prozentsatz der vermittelten Per- sonen ziemlich hoch. Insgesamt erreicht die Zahl der durch die gewerbsmäßigen Etellenoermittler vermittelten weiblichen Personen rund das Zweieinhalbfache der männlichen Ver- mittelten. Im Verhältnis zu der Gesamtzahl der durch die öffentlichen Arbeitsnachweise vermittelten Personen ist die Zahl der durch die gewerbsmäßigen Vermittler vermittelten Arbeitsuchenden gering. Dennoch ist sie noch viel zu hoch, da ja weder der Arbeiterschaft noch hüft Wirtschast ein Vorteil aus dieser Einrichtung erwächst. Für die gewerbsmäßigen Vermittler ist das Vermitteln ein Geschäft, an dem verdient werden soll. Die freien Gewerkschaften arbeiten be- wüßt auf die Ausschaltung der berufsmäßigen Stellenvermittlung hin: die Arbeitsuchenden.haben kein Geld, um es für den Nachweis irgendeiner Beschäftigung ausgeben zu können._ dem preußijchen Statististhen Lanöesamt. Die Völkischen dominieren darin. Wiederholt haben wir uns mit den Mißständen in diesem Amte besassen müssen, die teils auf verwaltungstech- nischem Gebiete liegen, wie die Geschichte mit den Zähl- Maschinen, der Lieferung der Bureaueinrichtung durch eine Wäsche- sirma und die Mietung deren Räume, Verschwendung aud) an D nicksachen und ähnliche Dinge, teils auf dem Gebiete der Per- sonalpolitik. Eine Reihe von Klagen sind wegen Tarif- bruch, Kündigungen und dergleichen gegen das Statistische Landes- amt angestrengt worden und von Mitgliedern des Angestellten- rates die Einsetzung eines Sönderschiedsgerichts beantragt worden. Wie es in solchen Fällen zu geschehen pflegt, wird wenig Wert auf die Zlbstellung der Mißstände gelegt, um so mehr aber auf die Ermittlung derjenigen Personen, die im Verdacht stehe», diese Mißstände aufgedeckt zu haben. Endlich glaubte inän„den Schuldigen"— nicht an den Uebel- ständen, sondern an deren Veröffentlichung gesunden zu haben, da man aus seinem Besitz den Entwurf eines«chreibens ae—funden hatte, das beabsichtigte, die Versassep von Notizen und Artikeln über die Zustände in diesem Amte zu ermitteln, uni eveu- tuell mtt ihnen in Verbindung zu kommen. Zur Ausführung dieser Absicht war es jedoch nicht gekommen. Trotzdem wurde der Schreiber, der A n g e st e l l t e Oskar K.. dem man seine Notizen vorhielt, f r i st l o s entlassen. Ob- wohl K. den Veröffentlichungen in der„Welt am Abend" und der „Roten Fahne" fernsteht und sein Schreiben nicht über den Entwarf hinausgekommen ist und es sich um einen Familienvater mit neun Kindern handelt, hat der Angestelllenrat, dessen Mitglieder zum allergrößten Teil rechlsgerichler sind, einer Ler- einburung mit der Awtsfeituncf zugestimmt, S. zum 3L Dezember zu kündigen-nyd„hn mit Uebctgongsgeld zu entlassen. .. Dieses„warnende Eycmvel" fall offenbar bewirken, dsß �bie herrschende Mißwirtschaft unberührt bleibt. Es ist das eine allbekannte Methode, doch keineswegs die richtige. Ein tt-riseurgchilfcn-Prcssefrühstuck. Einer der Vereine der sich„besser" dünkendcn Berliner Friseur- gehilfen, die sich zur gewerkschastlichen Organisation zu vornehm halten, hat das dringende Bedürfnis, sowohl seinem Namen wie seiner Vereinskasse etwas auszuhelfen. Zu diesem Zwecke will, er nach dem Vorbilde der Arbeitervereinigungcn und ähnlicher Gehilfen- veveine eine„Fachmesse" veranstalte», die er natürlich als„I�ie erste Messe in dieser Größe" im redaktionellen Teil der Tagespreye kostenlos angekündigt wissen will. Das heißt, er will diese Ge- fälligkeit nicht umsonst erwiesen haben. Denn als Gegenleistung ladet er„den Herrn der Presse oin Eröffnungstage...zu einem Frühstück ein". Einzelne„Herren der Presse" mögen zu dieser merkwürdigen Einschätzung vielleicht Veranlassung gegeben haben. Um so mehr Ursache scheint uns geboten zu einer gewissen Zurückhaltung gegen solche„verlockende" Einladungen. Wenn schon Trinkgeld empfan- gende Frijeurgehilsen ein Prcssesrühstück veranstalten, ist es weit genug gekommen._ „Zwölfstundcntafl im Fleisrhcrgewcrbe." Der Fleischermeister Karl Seltmann, Manteusfelstr. 86, schickt uns zu der mit obiger Ueberschrift versehenen Notiz in Nr. 56,8 des„Vorwärts" folgende pressegesetzliche Berichtigung: „Es ist nicht richtig, daß in meinem Betriebe seitens meiner Gesellen zwölf und mehr SNinden täglich gearbeitet werden. Laut Tarifvertrag besteht sür das Fleischcrgewerb« in Groß-Berlin die 54stündige wöchentliche Arbeitszeit. Ist an einem Tage einmal länger gearbeitet worden, hoben meine Gesellen am darauf« folgenden Tage stets in den frühen Nachmittagsstunden die Arbeit beendet. Uebcr die tariflich festgelegte Arbeitszeit hinaus werde ich auch in Zukunft nicht dulden, daß gearbeitet wird." Gesperrte Gastwirksbekriebe. Wie uns der Zentroloerband der Hotel-, Restaurant- und Easc-Angestellten mitteilt, sind folgende Gnstwirtsbetriebe für organisierte Arbeitnehmer gesperrt:„Deut- scher Hos", Inh. Kromrey, Luckauer Str. 15: Cafe„Komet", Sich. Hartmann, Warschauer Str. 33:„Club haus", Ohmstr. 2: Nestaurant„Groß Berti n". Inh. Karl Keller, Am Alexander- platz: Restaurant.„Zum Heidereiter", Inh. Pfund, Hasenheide Ecke Cainphniisenstraße. Die Sperre über die Betriebe Welt er. An der Iannowitz- brücke 5/6, und Prälaten des Ostens, Inh. Wnuck, Große Frankfurter Str. 16, wird hiernnt aufgehoben, da die Diffe- renzen beigelegt sind. Die Unternehmer haben sich verpflichtet, die tariflichen und gesetzlichen Bestimmungen innezuhalten. BiiDftedem Graue Federn pfd. 80 pr. Entenfed. hmcui. pm. 3.20 Ruptfed. Pfd. 5.50 4.50 Schleißfedern Schleißfedem Pia. 3.50 Schleißfed.6albWÄ5.20 Schleißfed.wtitrPi" 7.50 Daunen 7.50 10.00 U.00 17.5C Fertige Betten Grauroi Inlett m. grauen Federn Oberbett...... 9.90 Unterbett.....7.90 Kissen.......3.45 Handarinendaunen- Oberbett fraise Inlett, indan- a jr tbrenfarbig... 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Es war geradezu bewunderungswürdig, mit welcher Begeistc- rung sich die in unserem Frankreich wohnenden Ausländer am Tage nach der Kriegserklärung in den Meldestellen drängten, um als Kriegsfreiwillige genommen zu werden. Die Pariser werden sicherlich jene malerischen Trupps nicht vergesicn haben, die sich aus jüdischen, armenischen, griechischen, spanischen, russischen und polnischcn Freiwilligen zusammensetzten. Geschmückt mit ihren Nationalsarben, spazierten sie auf den Strotzen, auf den Boulevards: durch ein Schild, das sie voran- trugen, versicherten sie ihre Liebe zu unserem Vaterlande und riefen ihre Landsleute, die sich unter uns befanden, zu den Waffen. In ihren Augen repräsentierte Frankreich das Land der wahren .Freiheit, wo sie Arbeit fanden, als sie brotlos waren, wo ihnen ein Asyl geboten wurde, als sie Flüchtlinge, Heimatlose waren. Und um die Zivilisation, das mit Füßen getretene Recht, zu verteidigen, boten sie ihr Leben der Nation an, die ihnen die Gastfreundschaft gewährte. Aber..., aber... Das Oberkommando oerstand nicht, diese Menschen entsprechend zu behandeln. Es täuschte sie, behandelte sie grausam; machte aus ihnen unglückliche Opfer oder Empörer. Das Verbrechen von P r o u i l l y hat auf die ausländischen Freiwilligen die unglückseligsten Rückwirkungen ausgeübt. Zlin 20. Juni 1915 sind in einem Dörfchen an der Marne neun Soldaten des 3. Regiments der Logion erschossen worden: Chapiro, Schwiegersohn des russischen Generals Daviddoff: Pallo, Finnländer, Student der Rechtswissenschaften: Timaxioe, Armenier: Broudeck, russischer Arbeiter: Elephant, russischer Jude: Petroff, Nicolaief, Artomachine, Dickmann, Russen. Der Tod dieser Leute hat tn Tausenden von Herzen die Liebe für Frankreich getötet und den Glauben an seine Sache. » Wie hat man jene Freiwilligen behandelt. Zu ihrer militärischen Ausbildung hat man Offiziere und Unteroffiziere gewählt, die berühmt waren wegen ihrer Dummheit und Grausamkeit, die herkamen aus afrikanischen Bataillonen. An der Front herrschte eine Disziplin wie bei Zuchthäuslern. Eine Katastrophe war unvermeidlich. Und sie trat ein. In der Nacht des 17. Juni 1915 wechselt das Bataillon kl des 2. Fremdcnregimcnts seine Stellung und kommt nach 20 Kilometer Marsch in Courlaedon an, einer kleinen Ortschaft de- Bezirks Fismes mit 150 Einwohnern. S�jt neun Monaten war es das erstemal, daß das Regiment sich m einer Ortschaft aufhalt. Die Soldaten machen sich deshalb �gm stühen Morgen auf die Suche nach. Lebensmitteln und Wem. Plötzlich kommt der Befehl:„Es ist verboten, Wein zu kaufen, bei Strafe sofortiger Verhaftung!" Verbot« dieser Art waren häusig. Die Soldaten betrachteten sie als Formalitäten und hielten sich niemals daran, ebenso übrigens wie die Verkäufer. „Zwei Soldaten," erzählte mir ein Freiwilliger,„Koronof und Kask, die zur 2. Kompagnie gehörten, machen sich im Dorfe aus die Suche nach Wein, die Kochgeschirre auf den Rücken geschnallt. Sie hören, datz es in einem Hause bei der Woche Wein gibt und gehen dorthin. In diesem Hause schlemmen einige Unteroffiziere, unter ihnen der Sergeant Barras. Barras erblickt auf dem Hofe die beiden Freiwilligen, schleicht sich hinaus, trifft die beiden beim Füllen der Kochgeschirre— und läßt sie sofort oerhaften. Koronof bricht in wüste Schmähungen gegen den Sergeanten aus, während Kask diesen flehentlich bittet, sie wieder zu ihrer Kein- panie zu lassen. Durch die laute Unterhaltung aufmerksam gemacht, eilen Kireiesf und Elephant herbei.„Nehmt dies« zwei auch fest!" befiehlt der Sergeant. Die vier Männer verlangen verzweifelt, vor ihren Leutnant geführt zu werden. Zufällig kommt noch der Chef des Bataillons hmzu. Leutnant Merokini berichtet ihm, was sich zugetragen Hai. Koronof, Kask, Elephant und Kireiesf wollen auch sprechen. Der Kommandant lehnt dies rundweg ab. Cr wendet sich an Barras: „Eine Empörung, wie?" „Zu Befehl!" „Die vier werden gefesselt!" Das Wachtkommando von fünfzehn Mann ist nicht iinstande, diesen Befehl auszuführen. Zwölf Mann der-3. Kompanie werden zur Unterstützung geholt. Unter diese» letzteren befindet sich ein Pole, Adamtchewsky. Als er hört, was man von ihm verlangt, bittet er, von einem anderen ersetzt zu werden. Man droht ihm mit dem Obersten Kriegsgericht— vergebens. Er wirft Gewehr und Patronentasche zu Baden und geselN sich zu den Gefangenen, dercir Schicksal er teilen will. Nach hartem Kampfe sind endlich die siins überwundcu und gefesselt. Doch es sollte iioch viel schlimmer kommen. Ein Vorgang spielle sich jetzt ab, der seinesgleichen an Brutalität suchen kann. i Sergeant Barras stürzt sich auf Koronofs. der, gefesselt an Hiinden und Fützen, wehrlos ain Boden liegt, und verprügelt ihn in grausamster Weise. Leutnant Sandr6, gleichfalls wegen ssiner Grausamkeit ge- fürchtet, kommt zufällig vorüber. Er sieht den schon im Blute liegenden Adamtchewsky und gibt ihm einen derartigen Tritt an den Kopf, daß das Blut in Strömen aus Mund und Nase geflossen tommt. Der Sanitätssoldat Emu springt herzu, um dem Unglücklichen die Wunden zu verbinden.„Mach dich fort," brüllt ihn der Offizier an,„wenn es dir nicht genau so gehen soll!" Sandrä geht, Barras will dessen Grausamkeit noch übertrumpfen! Er zieht Kireiesf nackt aus und übergießt ihn m» kaltem Wafler, dann ntmmt er einen grohen Lappen, tunkt ihn tn Fett und stonrpft ihn schließlich mit Hilfe eines Stockes in den Mund des unglücklichen Soldaten. Die Mißhandlungen dauerten so lange, bis endlich der Haupt- mann kam, der seine Leute befreite und verbinden ließ. von öer Weltrevolution. Sodatz abschlietzend zu sagen ist: die Weltrevolulion marschieri nickst mehr, sie fliegt jetzt sogar! Aber diesen Ereignissen sollte noch ein tragische? Tag nach- folgen... « Am 20. Juni, 3 Uhr morgens, verließ dos Bataillon Courlaedon und marschierte nach Prouilly, wo es nach vier Stunden ankam. Während des Marsches erfuhren alle Soldaten van den Grausam- leiten des Tages vorder. Kaum war die Truppe in Prouilly ange- kommen, so ließen sich Dickmonn und Broudeck bei ihrem Kompanie- chcf melden. Sie wollten nicht mehr bei dem Frtmdenregimeiit bleiben, sonder» baten um Versetzung zu einem französischen Regi- ment. Die nissischc Abteilung der 2. Kompanie hatte mit dem gleichen Wunsch den Freiwilligen Nicolaief und Petrosf zum Kam- paniechef geschickt, die dort ihre Kameraden vertreten sollten. Aber bevor sie überhaupt ihre Mission erfüllt höben, sind sie schon verhaftet, desgleichen die Freiwilligen Kolodine, Artomachine, Brodsky, Pallo, Chapiro. Die letzten drei hatten schon mehrmals das Regiment wegen schlechter Behandlung verlasien. Immer wieder ergriffen, hatten sie ihre Dersetzung beantragt. Diese war ihnen sogar vom Gcniral versprochen worden, aber nichts geschah.— Bald ist die Zahl der Verhasteten auf 27 gestiegen, alles Russen oder Armenier. Der Hauptmaim fordert die Gefangenen auf. zu ihrer Kam- panie zurückzukehren. „Wir werden nur mit einem jranzösischen Regiment mar- schiere»," antworten sie. Das Bataillon muß am folgenden Tage morgens 6 Uhr weiter. Ein Ossizier fordert mit einigen Worten die Mannschaft zum Äe- horsam aus. „Euer Gesuch wird geprüft werden, und in 24 Stunden werdet ihr Bescheid haben!" Und die Antwort ließ nicht aus sich warten! «- Um 10 Uhr trifft das Bataillon bei dem Gute Aubernay ein. Um 11 Uhr tritt das Kriegsgericht zusainnien, die 27 Angeliagte» werden vorgeführt. Die Verhandlung dauert zwei Stunden. Der Chef der Gen- darmcne wird als Zeuge aufgerufen und erllürt:„Diese Männer verweigern nicht den Frontdienst, sie fordern nur, in ein sranzösisches Rsgiineut eingereiht zu werden." Ein Hauptmann vom 73. Iiifanterie-Regiment hält«ine sehr gemäßigte Anklagerede. Einige Offiziere vom 43. Jnfanterie-Regi- »nent unterdrücken nur mühsam ihre Erregung bei den Erzählung?» der Freiwilligen über erduldete Mißhandlungen. Und trotzdem... Um 1 Uhr wird dos Urteil oertündet: Chapiro, Pallo, Timaetien, Broudeck, Elephant. Nicolaief, Petrosf, Dickmonn und Artomachine werden zum Tod« verurteilt: die 18 anderen Angeklagten erhalten Strafen in Hohe von fünf bi» zehn Jahren Zwongsarbett. Unter diese» Verurteilten starben während ihrer Strafzelt einige, die sich 1914 mit größter Begeisterung kriegssrei willig gemeldet hatten: es waren dl« russischen Studenten Kaet, Kireiesf. Este. Le- winson. Koronoff, Kolodine und Lisch-tz.., Das Bataillon ist entsetzt über dieses Urteil.— 3 Uhr: Antreten zur Exekution! Die Verurteilten marschieren stolz mit erhobenem Haupt auf den Platz, verabschieden sich von ihren Leidensgenosscn, lehnen sich an die Mauer und rufen: „Es lebe Frankreich! Nieder die Legion!" Die Salve kracht... Neun Körper stürzen... Das Drama von Prouilly ist vorüber... Ucbersetzt von Kurt Frenze' Oos moralische Locarno öes Zilms. Der Film hat sich bereits einmal in den Dienst von Locarno gestellt. Als das Abkommen zwischen Frankreich und Deutschland geschlossen wurde, da war dank dem Eifer und der Geschicklichkeit der Filnireporter die ganze zivilisierte Welt Augenzeuge der Po-'- gänge, die sich bei diesem Anlaß abgespielt haben. Jetzt wird der Film auss neue mit dem Friedenswerk von Locarno in Verbindung gebracht. Auf dem Internationalen Filmkongreß in Paris ist das schöne Wort von einem moralischen Locarno gefallen, das herbeizuführen als die Aufgabe des Films bezeichnet wurde. Ein schönes Wort, aber eben nur ein Wort, da/! ein Deutscher unter dem ein- mütigen Beifall der internationalen Delegierten gesprochen hat. Falls aber der französische Antrag, der tags darauf gestellt und ange- nommen wurde, auch wirklich in die befreiende Tat umgesetzt werden könnte, dann ist ein bedeutsamer Schritt in jener Richtung geschehen, die der politische Sprachgebrauch der Gegenwart mit dem Namen Locarno ocrtnüpst. Es sollen keine H e tz f i l in e mehr gedreht werden. Der Kongreß verwirst grundsätzlich Filme, die eine Aufreizung gegen andere Nationen bedeuten könnten. Also eine ganz entschiedene Absage gegen jene Methoden, die in der Kricgszeit gang und gäbe waren. Damals hat man in dem Film ein taugliches, vielleicht das tauglichste Propagandaimttcl erblickt, so recht geeignet, den Haß der einen gegen die anderen bis zur Siede- Hitze aufzupeitschen. Die Kriegslüge im Film wurde direkt in ein System gebracht. Es soll nicht im einzelnen daran erinnert werden, was in dieser Beziehung von mißverstandenem Patriolismus gesündigt wurde, wie gründlich sich das gute Europäertum verleugnete. Die Leinwand bewies, daß sie ebenso geduldig sein könne wie das Papier. Es gab kaum eine Tollheit, die überreizte und entartete Phantasie ausgebrütet hatte und die nicht im Film verarbeitet worden wäre. Ob es möglich fein wird, den Beschlüssen, die jetzt gefaßt wurden, immer und unter allen Umständen Befolgung zu sichern, ist freilich keine ausgemachte Sache. Aber auf jeden Fall tut es wohl und reinigt die europäische Luft, wenn es ausdrücklich als Brunnenver- gistung, als ein Verstoß gegen ungeschriebenes Völkerrecht bezeichnet wird, Angehörigen eines anderen Volkes durch das Kostüm eines Darstellers etwa oder durch einen sonstigen Hinweis eine verächt- liche Rolle zuzuschieben. Es wird von den Filmleuten die überaus vernünftige Parole ausgegeben, daß man sein eigenes Volk lieben. sogar durch und durch national gesinnt sein kann, ohne Anders- geartete zu verunglimpfen und dem zumeist billigen Spott preis- uig?ben. Die ResolAtlonen, die!n Paris gefaßt wurden, begnügen sich aber nicht damit. Sie geben vielmehr der Meinung Ausdru'k. daß einer gewissen Art von(Beschichtsklitterunz überhaupt Einhalt getan werden müsse. Auch hier pflegt der Film nicht allzu selten m den Dienst der höchst fragwürdigen Sache gestellt ,* werben. Der Pariser Kongreß nimmt nun gegen die pseudahistoriichen Filme Stellung, chistorische Filme sollen nur unter Zuziehung von Sach- verständigen der betreffenden Nation hergestellt werden. Mit anderen Worten: Verzicht auf phantastisch« Ausschmückung im Inter- esse der geschichtlichen Wahrheit. Allerdings hat es gar sehr den Anschein, als hätte man in der begeisterten Stimmung des Augen- blick« die Grenzen des Erreichbaren ein wenig allzu weit gesteckt. Schon meldete sich Widerspruch, schon verlangte«ine Minorität, daß man ausdrücklich Filme als unverfänglich erklären solle, die ein cheldenlicd von den Kricgstaten der eigenen Nation singen, von der Größe der Opfer sprechen, die Soldaten und Zivilbevölkerung zur Verteidigung ihres Landes gebracht haben. Di« Mojarität freilich wollte davon nichts wissen. Sie fand augenscheinlickz, daß die Weck big auf wnicres von Krieg und Kriegsruhm mehr als genug habe und kein Bedürfnis empfinde, sich in Blutlachen zu spiegeln, die kaum erst ausgetrocknet sind. Sinü üie Ury>esen gesth'echtslos� 3tcue blolt�ssche Theorien von<5. Schild. Durch da? Lehrgebäude der modernen Biologie geht wieder ein- mal«in mä�ckger Srurm. Wieder prallen die Meinungen hart auf- «inander, und auf dem Kampfseld der Forschung tobt«in zähe? Ringen. Diesmal ist«g Professor Wilhelm Flieh, bekannt durch lein«, klassischen Untersuchungen zur Periodenlehre, der gleich«ine ganze Reihe in der Biologi« herrschenden Ansichten bekämpft. Zunächst richte! sich sein stampf gegen die Annahme, daß es bei den niedersten und einfachsten Lebensformen, die wir kennen, den Ein- z« ll s r n oder Urwesen, noch keinen Unterschied der G« s ch l s ch t« r g e b«. Die Vermehrung dieser winzigen Lebewesen, die uns erst dos Mikroskop nahegebracht Hai, ist außerordentlich ein- fach. Sie pflanzen sich meist durch Teilung fort, wobei ihr Körperchcn einfach zerfällt, also au? einer Zelle zwei werden, deren lebe wieder in zwei zerfällt usw. Neben dieser Vermehnmgsari durch einfache Zweiteilung gibt es aber noch eine Art, die darin besteht, daß sich zwei Zellen zu einer einzigen oereinigen. Sie legen sich an- einander und lassen das Zentralorgan ihres Lebens, die beiden Zell- kerne, müeinonder verschmelzen. Dann, trennen sich die beiden Partner wieder und jeder von ihnen ist durch dies« förmliche„Lluiouffrischung' bestihisit, ,, Stammutter einer langen Reih« einfacher Teil�ngsgcnera- ttcnen zu sein, bis neuerdings wieder ein« Verschmelzung oder Äontugotion zweier Zellen eintritt. Di« Biologie behauptet nun, daß«in geschlechtlicher Unterschied der beiden Zellen bei ihrer Verschmelzung nicht nachweisbar sei, besser gesagt, daß man«inen solchen nicht finden könne. Fließ bezeichnet d'eseo Urteil zumindest als voreilig, denn„weil die Söiffenfchaft mit ihren heutigen Mitteln Äeschlechtsformen nachweisen lassen, und, wo wir es heute noch««cht können, wird uns«in Morgen die Augen öffnen". So hat man, um ein Beispiel heranzuziehen, früher bei den Schürrmetpilzen die ge» schlechtlich« Fortpflanzung geleugnet, bis der Amerikaner 51 F. Blaskesly nachwies, daß die Keimzellen tatsächlich aus zweierlei gcfchlech!-.bestimmten PihzfSden hervorgehen, Fließ behauptet des- halb, daß überall bei den Einzellern,„was sich paart, auch Männer und Weiber feien". Fließ leugnet auch die merkwürdige Erscheinung der Fungfernzeuguna, deren Wesen darin besteht, daß bei be° stimmten niederen Tiersormen das Ei zur Entwicklung kommt, ohne überhaupt befruchtet worden zu fein. Als Beispiel dient di« Biene. Di« Bienenkönigin geht beim choch.zestsfiug mit ihrem Gatten nicht gerade zärtlich um: Sie beißt ihm bei der Paarung die Geschlechts- rrgane ob und tötet ihn dadurch. Mit dem empfangenen Samen ist sie sehr sparsam. Einen Teil der männlichen Keimzellen vorwendet sie zur Befruchtung der Eier; daraus werden Kömginnen und Ar- beitennnen, also weiblich« Tiere. Ein Teil der Eier aber bleibt mibe- fruchtet: daraus entstehen Drohnen, also männlich: Tier«. Di« Drohnen entstehen demnach ohne männlichen Zeugungestofi durch Jungfernzeugung(Parthenogenese). Fließ dagegen verweist darauf, daß es keine eigentliche Jungfernzeugung gebe, sondern sie wechsle immer mit wirklicher geschlechtlicher Befruchtung ab. Jedes Ei ent- holte ursprünglich vom Bater her männlichen, von der Mutter weiblichen Beiruchtungsstosf. Der männliche könne sich«ine Zeitlang durch mehrer« Generationen auch ohne neue Befruchtung erhalten. So ansvrechend manch« der Gedankengänge Fließ' auch sind, wird man ihnen doch nicht überall beipflichten können. beobachten sind, di« eigentlich nur alz geschlechtliche aufgefaßt werden können. Di« Erreger der gefürchteten Malaria beispielsweisc sind mikroskop'.sch kleine Lebewesen, die im menschlichen Blut« ein« lang- chiMig« Entwicklung durchmachen. Da treten nämlich plötzlich zwei verschiedene Lebewesen auf, das eine viel größer als das andere. Denn«in« Malariamücke sie bei ihrem Stich mit aussaugt, so gotten sie sich in deren Magen und zwar stets nur ein großes mit einem kleinen. Nach der Ansicht von Fließ entspricht das klein« dem mann- kichen Samenfaden, das groß« dem treiblichzn Ei. Aehnliche Unterschiede sind neuerding? auch bei anderen einzeiligen Lebewesen ge- mnden worden, weshalb..sich auch bei Einzelligen schon häufig die Mpthmisierung öer Arbeit bei öen Naturvölkern. Ben Dr. ch. K u n i k«. Die Arbeit, die zum Unierholt des Lebens geleistet werden muß. ist je nach der Beschaffenheit des Landes sehr verschieden. Dazu kommt die rassenhasie �Veranlagung der Völker und ihr« Wirtschaft- lichen Einrichtungen. So hoben bei vielen Naturvölkern di« Frauen infolge der dort herrschenden Arbeitsteilung eins erheblich größer« Menge von Arbeit zu leisten als ihre männlichen Stammesmitglieder. Ihnen werden dort vor allem der Ackerbau und die damit verbundenen Tätigkeiten aufgebürdet, ferner der größte Teil der chausinduftri«, de? cherbeischaffens von Wasser und Nahrungsmitteln, und dazu noch eL-entuell die Kinderpflege. Indessen sind auch die Männer bei den primitiven Völkern ntchl durchweg solche faulen Geschöpfe, wie es nach manchen Schilderungen erscheinen mag. Bei den Iägeroölkern haben sie allerdings außer der Jagd nicht allzuviel zu tun, doch müssen sie jedoch auch zum Teil die schwerer« chausarbeit übernehmen. Ohne Zweifel mußte der»rzeitlich« Mensch die'Arbeit erst leimen. Di« einzelnen Tätigkeiten, die zum Nahrungserwerb führen, haben sich erst im Lauf« der Zeit und durch eine Reih« von mehr oder weniger gelungenen Versuchen entwickelt. Die Eteinwerkzeug« des Urmenschen reden hier«in« sehr verständliche Sprache. An einzelnen Stellen, wa cine große Menge solcher Steingeröt« zusammen gesunden worden sind, wo sich also eine Werkstatt befunden haben muß, finden sich zahlreiche unfertige Stücke, sowie solch«, die Versuch« zu neuen Formgebungen darstellen. Der urzeitliche Nfansch ist nach den Funden au? jener Epoche«in Jäger gewesen, doch finden wir zugleich, besonders in den erwähnten Steinwerkzeugen, die Anfänge einer zweckbewußten Arbeit, einer Industrie. Nun erfordert jede A> best ein gewisses Maß geistiger und körperlicher Anstrengung, die leicht zur Ermüdung führt. Daher ist de- vielen Menschen ein« gewiss« Scheu por angestrengter Tätigkeit vorhanden, die zu überwinden mehrere Motiv« erforderlich waren. Alz das stärkst« unter diesen Motiven ist ohne Zweifel die Not des Lebens und die Hoffnung auf Genuß bei deren Uebenpindung anzusehen. Nun habei» es viel« Naturvölker verstand«!!, sich«incn anderen Faktor zur Uebenvindung dieser Schwierigkeiten nutzbar zu machen. Wie Le könnt, sind die primitiven Menschen sehr ausdauernd in Spiel und Tanz; auf diese verwenden sie viel Zeit und liegen ihnen vielfach bis zur Erschöpfimg ob. Ferner wurde wohl sehr früh bemerkt, daß die Musik ein wesentliches Mittel zur Anregung, Er. frischung und Unterstützung weniger rnisprcchendcr Tätigkeiten ist. Ja. schon der einfache Rhvthmus,«ine taktförmigc Wiederholung be- stimmter Geräusch«, kann diese belebende Wirkung ausüben. Indem man sich dies« Faktoren zunutze machi«. wandelte man die Arbeit in ein« Art rhythmisch gegliedertes Spiel um, wodurch besonders geistig« Anstrengimg des Arbeitenden erheblich herabgemindert und die ganz« Betätigung angenehmer gemacht wurde. Uns allen ist be- könnt, wie di« Arbeit vieler Handwerker taktförmig ausgeführt wird. es fei nur an die Tätigkeit des Schmiedes oder Tsschlcrs, des Schuh- machers oder Webers erinnert. Ebenso geschieht das Pflafterrammen in ganz bestimmtem Takt. iBei diesen Arbeitsweiken wird der Rhykh- mus durch die Art der Arbeit selbst bedingt. Nun werden jedoch auch losch« Tätigkeiten, die an sich nicht unfle- ding» rhythmisch sind, durch Musik cd-r auch Gesang rhythmisiert.'Aus diese Weis« entstehen die Arbeitslieder. Ein« große Anzahl Be- vbachtungen stehen uns hinsichtlich dieser Rhythmisierung der Arbeit bei verschiedenen Böllern zu Gebot«, aus denen wir nur die folzendsii als Beispiel« anführen wollen. Von den Basuto in Südafrika schreibt Easalis 1859:„Die Basuto versammeln sich jedes Jahr, um die Felder zu bestellen, welche für den Unterhalt des Häuptlings und dessen erster Frau bestimmt sind. Bei solche» Gelegenhesten kann man Hunderte von Leuten sehen, die in einer Reihe stehen und zugleich ihre Grabe- hacken heben und senken, und zwar ganz gleichförmig. Dabei wird gesungen, um dag Werk der Arbeüer zu erleichtern und um den Takt bei ihren Bewegungen ausrecht zu erhallen." Aehnlich geschehen die Erntearbeiten auf der Insel Bali bei Iaoa: sie gestalten sich geradezu als gest. Es ist zwar keine leichte Arbeit, den Reis zu ernten, denn jede Aehr« muß einzeln geschnitten werden. Jedoch wird dies« Tätigkeit erheblich dadurch erleichtert, doß man zu den Klängen des Gongs und der Handirommel arbeitet, und Tänzer auftreten, die die eifrig schaffenden Leute anzuregen suchen, so daß die Arbeil in der Tat hier zu einem Spiel und Fest wird. Bei den alten Aegyptern geschah das Dreschen des Getreides ebenfalls in rhythmischer Weis«, wie uns ägyptische Reliefs lehren, auf denen uns Drefcherbilder aus einer mehrere Jahrtausende zurückliegenden Zeit überliefert sind. Eins dieser Lieder lautet: „Ihr drescht für Euch, Ihr drescht für Euch, Ihr Rinder, Ihr drescht für Euch. Ihr drescht für Euch. Korn für Euch, Korn für Euren Herrn." Um mm noch«in Beispiel aus Amerika zu nennen, seien die Hopi in Neu-Mexito erwähnt. Bei ihnen wie bei anderen Indianer- stäinmen hoben di« Frauen den Mahlstein zu bedienen, d. h. sie reiben auf einer Steinplatte mit einem walzenförmigen Steine das Getreide zu Mehl. Di« Frauen bei den Izopi erleichtern sich ihr« Arbeit eben- falls dadurch, daß sie, während sie die Ami« bewegen, besonder« Mahlliedcr singen. Ein rhythmisches Verfahren ist natürlich besonders dann am Platz«, wenn es erforderlich ist, daß eine Anzahl von Leuten in gleichmäßiger Weise ihre Arbeit cder auch ihre Bewegungen ausführen. So sei an das Rudern oder das Marschieren erinnert, wobei der Rhythmus und das Lied fördernd und erfrischend wirken. Häufig finden sich Ruder- lieber bei den Naturvölkern: aber auch beim Lauen eines Kahnes, beim Fällen eines Baumes oder dem Slapellauf eines Bootes werden Lieder verwandter Art gesungen. Letzteres wird besonders aus der Südsee berichtet. Durch di« scheinbar« Umwandlung der Arbeit in Spiel, durch die Rhythmisierung von Täligkeiien wird also den Menschen die Arbeit erleichtert, sie wird gewissermaßen automatisiert, so daß sie, wie man zu sagen pflegt, spickend verrichtet wird.___ W W jsMMia WMA Das Alt« Vor»jrt«l1 Ist üb-orwuneJen! Jeder kauft heute au! Tellzahluiigi I Warum blaiban Sla zurück? Warum woilan Sie»Ich Wflntcha«arsageo, daran Erfüllung Sla so leicht haben kbnnan? 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In seinem Artikel„Kampf um den Finanzausgleich" bc- handelte der„Vorwärts" kürzlich unter Zugrundelegung der Denkschrift des Deutschen Städtetages die Finanznot der Ge- meinden. Durch Ueberweifung kostspieliger Aufgaben der Wohlfahrtspflege, insbesondere durch die Fürsorge für die ausgesteuerten Arbeitslosen, sind die Ausgaben der Gemein- den gegenüber der Vorkriegszeit erheblich gewachsen. Auf der anderen Seite verfügen die Gemeinden nicht mehr über das Recht, sich durch selbständig festzusetzende Zuschläge zur Ein- kommeusteuer die notwendigen Mittel zu beschaffen. Das Ge- fetz über Aenderungen des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, das im vorigen Sommer vom Reichstag beschkossen wurde, hat denn auch den Ländern und Gemeinden die Befugnis gegeben,.vom 1. April 1927 ab nach Maßgabe eines bis dahin zu schaffenden besonderen Reichs- gesetzes s e l b st ä n d i g Anteile an der Einkommen- und Körperschaftssteuer festzusetzen. Da jedoch die statistischen Unterlagen zu diesem Reichsgesetz dem Reichstag erst.Anfang 1927 zugehen können, wird der Termin zur Ausübung der Befugnis wahrscheinlich um ein Jahr verschoben werdetz müssen. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich durch ihre Red- ner scharf gegen das Recht der Länder und Gemsinden zur selbständigen Festsetzung der Einkommen- und Körperschafts- zuschlage ausgesprochen. Und sie wird auf diesem Grundsatz der ungeschmälerten Erhaltung der Steuer- Hoheit des Reiches und einer einheitlichen Ge- staltung der Einkommensteuer um so nachdrücklicher bestehen bleiben müssen, als bei einigem guten Willen mit Leichtigkeit andere Wege gesunden werden können, um der Finanznot der Gemeinden ein Ende zu machen. Rur Zweier- lei ist nötig: erstlich die Aufbringung der Mittel für eine aus- reichende Fürsorge aller Erwerbslosen durch Bereit- stellung der erforderlichen Zuschüsse, und zweitens eine Steigerung der Uebcrweisungen, die den Finanzverliegenheiten der Städte ein Ende macht. Prüfen wir, ob beides möglich ist. Infolge des Anwachsens ihrer Aufgaben sind die Ge- meinden genötigt gewesen, die Grund- und Gewerbe- st e u e r n über Gebühr anzuspannen. So sind nach der Denkschrift des Städetages die Gewerbesteuern von fünf Mark auf 14,6 M. pro Kopf der Bevölkerung erhöht worden. Ins- gesami wurden in dem Entwurf des Finanzausgleichsgesetzes die Gesamterträge an Steuern von Grundvermögen und Gewerbebetrieben in den Ländern und Gemeinden für das Jahr 1925 auf 1245 Millionen Mark beziffert, also auf ein Mehrfaches ihres Ertrages im Jahre 1914. Nach einer anderen dem Steuerausschutz vorgelegten amtlichen Berech- nung sollte das Gesamteinkommen der Länder und Gemeinden aus diesen Steuern für das Jahr 1924 sogar 1418 Millionen Mark betragen, für die Gemeinden allein 986 Millionen Mark. Eine Milderung dieser Steuern, die auch die kleinen und mittleren Betriebe schmerzhaft belasten, ist nur mög- lich, wenn Länder und Gemeinden höhere Ginnahmen anderer Art zufließen, also höhere Ueberweisungen aus den Erträgen der Reichsstenern. Wie hoch waren die bisherigen Uebcrweisungen an Reichssteuern an Länder und Gemeinden? Nach dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich 19. 20/21 fgastoz 117 GARBATY Ein Stück Berliner Geschichte uni/UL JhAfaäliluynq- dervl/lcmum all Se/unc, KÖNIGIN VON SABA �e/LOachir ha&eyi/.Qiz uxx/z iMajl (Ö�Uite/irn-ßti Ik/t IhAest tyUchtiM,, unZs mjl'wu qz&chn hat unfr 8o/> . bcunh IttAJUi GLUAUTÄT y�arme �olfene y�mtersachen yjirklkh y�ohlfeifl Normal- Herrenhose wollgemischt, mit ü«bernchlag, gute Qua- lität, Grösse 4. 5. 6...................... Normai-Herrenhemd Nvoll gemischt, mit doppelt«! ßrast, solide Qualität, Grüs e 4, 5, v.................. Herrenhose haltbare Qualität, mit kamelh aarfarbigem Rauh tut ter, Grösse 4. o, 6.............. Kinder Schiupfhose kräftige Qualität, innen geraubt, schöne Farben Grösse 3 bis Ocm jede Grösse Damen- Schlupfhose solide Qualität, innen gerauht, vieie Farnen................................. Damen- ßeformhose marin» blau, mit angerauhtem Futter, beste Verarbeitung.......... 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Wir werben ihm ein dauernde» An» benien bewahren Die Einäscherung findet am Mttt- woch, 3. Norembee, nachm. 12'� Uhr, Im Srcmaiotium Gerichtstraße statt Die OrteocriuaUuug. Neubau-Wohnungen in Brib.raellctnfi Ceimsala-PreiEiute. beste Lage, 2 Mi 1 Emir Bit. fielt Ugfil. per 1. Sanucc 1927»u vermieten. ■autkunit dortseibst i. Saubüro ober neutfilln 1416. Beiein DecBeKioeiBuiüönulei und SMnieBer. Am Montag. I November, erscheint die Nr. Zl der.Mtlteilungen" de» Lerlstier Gaue» mit den Anträgen zur Aenderung der Bereiu»iatzungen. Die Kollegen der nicht durch die Bud'druckwerkstätte mit den „Miileilungen- belieferten Betriebe wollen fUr deren Abholung vom Bureau Sorge tragen. Der starte Umsang der Zip 2t macht eine Belieferung durch die Berein»- boten unmüglich. Die bi»b«t von der Such- druckwerkslätte belieferten Betriebe erhalten auch die 92t. 31 in der üblichen Weife. See CSanaerifanb. DeüMMIWMM OUnsias, den 2. Jtooeinber.»ach. mittag» 1 Ahr, im 3imm«r 28 8a» v«r«onb»hante» Clntenflc. 88/85, Portal I, 4 Treppen ow- Versammlung der arbeitslosen Maschwenschlosser. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannlgegeden. Derband»duch legitimiert. Ach'ung! AES.'Bezilk«chb«"" Mitlmoch, 8en 5. Jtovember, ab, ab» Z Ahr, in unserer AullarobKiliuig, Ctnlcnstc. 19Z(gegenüber Berdandähau») Mitgliederversammlung Tagesordnung l FiimvortrSge l 1. Da« schwarz, Geschlecht. 2. Autogen- und Kupserjchweitzerei. 3. PHSnii al» Deteitw. trV~ Eintrittskarten find gratis bei den Berirauensieulen zu haben. Anschließend an die Versammlung findet die Verlraurnsmänner-Ksnferenz statt. VollzShitgee Erscheinen aller Bertrauens- ieuie ist dringend erforderlich. Dt« Ortsaermalknng. KHz. ßrkIlWlliiilism I. Sskliii-llilikrielllL Am Freitag, den>». November>92«. abend» 7'/, Uhr, findet im Kassenlokal BerUn-Lichterseide. Roonstr. 13, 1 Tr., eine ordentliche Ausschußsitzung statt mit folgender Togesordnunge L Verlesen de» letzten Protokoll». 2 Wohl Ankauf____ drei Vertretern gemäß fi OS der Satzung S. Nachtrageetai für 1928.«. Voranschlag für da« Jahr 1927 7. Satzungeänderung. 8. Aenderung der Dienstordnung. 9. Ver. schiebene». Perliu-Lichterselde, den 29. Oktober 1928. Der Vorstand. Karl Brandenburger, Vor fitzender. MM MHkHM Sammlung für eine welhnachisunlerslühung unserer arbeitslosen und ecroerbs- unfäijigen Mitglieder. Trotz der schweren Krise und der da- mit verdundentn ungeheuren Arbeits- lofigkeit IN der Metallindustrie wenden wir uns wieder an unsere in Arbeit stehende» Mitglieder, um zu ermögliche». uuseren arbeitslosen und erwerb»- uirsähigen Miigiiedorn zu Weihnachten durch Gewillirupg von Seldmitteln eine kleine Freude zu bereiien. Es dürste bekannt sein, daß wir erst vor rinigr» Wochen aus Mitteln der Lokalkafie eine nennenswerie Unter- stützung an unsere ausgesteuerten Mit» giieder ausgeworfen haben, die eine starke stnanzielle Belastung der Lokal» käste darstellie. und können weitere Be< iröge aus dieser Kaste nicht mehr ge» Nammen werde», damit une bei[uiltcrcn kommenden Lohnkämpscii, die bei beste- rer Bcschästigungsmöziichirit in der Meiälliiidust'.ie verstärkt einkrtzm werden, und wo von leiicii der Lokalkasse Zuschüsse zur Eireikuniersiützung zu zag. Ich find, die dazu notwendigen Geld- mittel zur Brrfügnng stehe». Wir müssen also ein« Sammlung auflegen, um unserer, arbeit» tosen und erweebsunsLhi- aen Mitgliedern eine weitere Unter- stützung gesljhren zu können.— stu diesem Kweek find von soite»-. der Derwal. ttnaOEriramarken zn SO Ps. und 1 M. ausgegeben worden, die im Verbands. Haus. Linleustraße 83, 8ö. Portal Iii. Schaller 1, gegen Vorlegung des Mitgliedsbuches und der Funkiionärkarte erhälllich find. Kur Ausgabe und zur Abrechnung der Marken ist der deires. sende Schalter von fetzt ab di» auf weitere» Dienstag» und Freitag, bis abends 7 Uhr und an den übrigen Wochentagen bis 4 Uhr geöffnet. Die Marken zu SO Pf. find für unsere weiblichen und fugendlichtn Kol. legen und die Marken zu 1 M. für unfejt männlichen Kollegen bestimmt.— Es ist Pflicht«Ine« jeden Mitgliedes, mindesten» eine Marke zn Neben, dach wird vorausgesetzt, daß diejenigen Kol- legen, die einen höheren Verdienst haben, mehrere Marken entnehmen.— Unterstützung fallen alle Kolleginnen und Kollegen erhalten, die mindesten» 6 Wochen Mitglied unserer Organisation und In der Woche vom 13.— 18. Dezent» bot 1026 arbeitslos find. Desgleichen solche Kollegen, die während der aleichen Zeit als Invalide erwerbsunfähig find und Beiträge der InvaÜdenkastc unserer Organisation steuern.— Erwerbsunfähige Mitglieder infolge Krankheit müstei, bei diese« Un'cestütznng aasgesdniltct werden.— Kolleginnen. Kollegen. Funktionäre unserer Organisation, unterstützt die Ortsverwaltung In dieser dankenswerten Arbeit und setzt euch mit aller Kraft da- für ein. daß sich die proletarische Soll. darität in vollstem Masse auswirkt. Wir wissen, daß an den Opfermut unserer Kollegen allzu oft appelliert wird, jedoch stnd wir der Auffassung, daß wir bei brt augenblicklichen ungeheuren Krise alle Ursache haben, unserer arbciieiosen Klassengenossen zu ge. denken, und deshalb bitte« wir, daß unsere Kollcoen selbst bei noch so schlich. lern Berdienst einen aerinoen Betrag abstaßen, um den arbeitslosen Mit- aliedern und deren Angehörigen eine Weihnochissreude bereiten z» können.— Wir erwarten, daß sich hierbei kein Mitglied ausschließt, da der gesamte Betrag. der au» dem Vertrieb der Wgrken hrrrgrgebt. restlos unseren arbeitslosen Misglicdern zugute kommt.— Es wird außerdem ersucht, daß unser« Funktionäre unter allen Umständen dar- aus sehen daß uns der Erlös der Mar- ken oder größere Teilbeträge sofort. wätcstenz ledoch dl» zum 10. Dezember 1928. lidermitteit werden, damit zn Über- sehen ist.!» welchrk Höhe eine Unter- filltznng gewährt werden kann. Aus zur proletarischen Solidarität! «I» OcUoanoalteag. WßMMßMttß M Stadt Hßilin Auf da« Wahlauslchreiben für die Wahlen der Berlveter Oer Versicherten und der Er- iatzmänner zum Ausschuh vom 20. Sep» tember 1036 ist nur ein gültiger Dahl- varfchlaa eingegangen. Nach 8 10 der Wahlordnung gelten daher die aui diesem Wahlvorschlage, der mit dem Namen Eichener. Oito, beginnt und mit dem Namen Kuhnert, Otto schließt, be» zeichneten Personen als gewählt Dt« zum 10. November 192« angesetzte Wahl findet deshalb nicht statt Die Güliiglett der Wahl kann innerhalb einer Woche nach der Bekanntmachung de, Wahlergebnisse» bei dem Borstand ober dem Derficherungsamt der Stadt Berlin angefochten werden. Da» Berstcherungs- ami entcheidet Berlin, den 33. Oktober 1923. Der Vorstand. Bettfedern au» erster Saud. Pfd. grau 60 Pf, gefchl. 00 Pf. Nupj 1.7S. Halbdaune 2.76. 4. weiß. Flaumrupf 4, beste 6. Daune 7, weiß 8—10, Echleißbaune 8.50—5, Oberbeil la dicht Inlett 8 Pf b. 12. 18, Kissen 3 Pfd. 830. 5 50 aufw. gegen Nach». Muster-Preisi frei. Richlpassend zurück- Böhm. tpeziaibau» Se Berlin T 13. Landsberger Str. 48. fein Risiko. Nichtpastenb»i stslttedernioeriaidsu» öscbzel& Stadler, W&schiag morgen? Nur keine Sorgen asdien wird Spiel- durch Ozonii, QMDaoa das selbsttätige Waschmittel bringt nach viertelstündigem Kochen einen verblüffenden Reinigungs-und Bleicherfolg. Ozonii ist besser müheloser schonender Moderne VoiiooflgseiiiridiiHQgen Pfilloti SdUiniBnir. tan- tlomier. SpeisezlmiDer. Räüe] EratklsiMge Polsterwareo KiinnisvabF|,,o,n,6l||l»ePrel,e BiQZeUDÖ&el|»tlelcbimtmT" I L Säiäier B.bMiJ. lniiMitz.M"Sr TeU Moritipl. 4303 Herren kleider- Fabrik gibt bis auf weitere» an Private AnsOge, Jlstsr, Paletots ru Fabrikpreisen ab. Bitte überzeugen Sie sich Kaiser- Vllhelm. Str. 24. 1 Tr. Das Brechen des Lackleders verhütet lebeiisidnglldie Garantie leiste ich als SelbsthorsteUer aus die bei mir gekanftea Preisliste gratis Trauringe (Fufienlos) su billigsten Preisen in den gßtHßgßnslßo Aaslnmgßü r? Ständi? 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Es konnte«wen Filmregisseur, der neue Wege sucht, daher sehr wohl reizen, einmal an der Hand eines gekennziichneten Zehnmartscheincs einen Querschnitt durch die Gesellschaft zu ziehen und in Verfolgung seines Weges, wie es zwischen den Menschen B«> Ziehungen knüpft und löst, wie es Abenteuer und Verbrechen ver- anlaßt, wie es dem«inen fein Glück und dem anderen sein Unglück bedeutet, mannigfache Schicksale aufzuzeigen. Freilich, so weit ging der Manustriptoerfasser B e l a B a l a s z nicht, das Chaos des Lebens darzubieten, sondern er half dem Zufall nach und lenkt« die Wege der Banknoten in einen gewissen Kreis von Menschen, die in Bezichmrg zu«inander stehen, herum und konzentrierte die Handlung bei allen Ausflügen nach den verschiedensten Seiten hin, doch wesentlich auf«in paar Personen. Sache des Regisseurs B e r t h o l d Viertel war es, die vielen Details mit eigenem Leben zu beseelen und andererseits doch den Zusammenhang zu wahren und die notwendigen Spannungen und Steigerungen zu erzeugen. Man wird zuacbcn, daß er sehr viel wagte und feststellen, daß ihm nicht alles geiaug. Aber zweifellos h<ü er sich eüs Meister des belebten Details erwiesen, der auch dem kleinsten Teil Bedeutung und symbolhafte» Charakter verleiht. Es ist die Frag«, ob das große Publikum bei einem Film dieser Art bereits mitgeht, der zweisellos in vielem bedeutend filmgerechter ist als viele der landläufigen und erfolgreichen Bilderdramen. Vorläufig zieht der Filmbesucher noch eine geschlossene Handlung vor, und die stärksten Filme, die wir überhaupt hecken, sind nach diesem Muster gebaut. Trotzdem wird dieser andere Weg auch sein« Zukunft haben. Diesmal find die Gesahren noch nicht ganz umschifft, die in einer zu großen Lockerung der Handlung, in der Zusammeuhanglosigkeit der Ereigniss« und dem Zerffattcrn des In- terefies bestehen. Rur so hervorragenden Photograph«» wie H e l m a r Lerski und Robert Babersk« tonnten der ihnen gestellten Aufgabe verecht werden: auch fi« schlugen vielfach neu« Wege ein, sie geben Blick« von oben und unten und von der Seit«. Meisterlich sind einig« der Abenteuer des Zehnmarkscheines im Bilds festgehalten, wie er durch die Lüste segelt, wie er einer armen Bettlerin sich an die Sohl« heftet und dann doch wieder von ihr verloren wird. Vor allem aber ist die Episode hervorragend gelungen, wie er der Spiel- ball von Katzen auf dem Dache wird, vom Regen in die Daclstrauf« geschwemmt und schließlich in den Müllhaufen der Straße verschlagen wird. Dies« Episoden, die den Iilmkenner freilich mehr als Hand- lungsfanatiker intereffieven, sind eine der Hauptreiz« des Films. Man könnte den Film danach als einen Film der Sachlichkeit und Reali- iäien bezeichnen. Aber freilich würde man damit dem anderen Inhalt wenig garecht: auch darstellerisch ist treffliches geleistet. Image ne Robertson und Werner Fuett erer find«in sehr sympa- rhisches Liebespaar, wenn sie auch beide«in paar Stufen zu hoch spielen und insbesondere die Robertson für ein Arbeitermädeln gar zu süß ausfällt. Es wird deutlich, daß dep Regisseur auch die Neben- rollen und Episodenriguren mit gleicher Wichtigkeit wie die Haupt- rollen behandelte. Agnes Müller ist so recht die arm« Mutler aus dem Volk«, die wegen der Mordtat ihres Sohnes Robert(Waller Frank) in den Selbstmord flüchtet. Es erübrigt sich, alle Namen zu nennen: Oskar Homolka als lWerner Direktor, Mally Delschaft als keckes Stubenmädchen. Renate Brausewetter als schwärmerisches Mädchen und Wladimir S o k o l o ff als Lumpen- sammlcr seien besonders hervorgehoben, aber alle anderen verdienen gleiches Lob._ D. „Der Stuöent von pcag.' (CapifoL) Mit dem Studenten von Prag ist m unvergeßlicher Weise der Nome Paul Wegener verbunden. Es war ein« Tat ersten Ranges, als Wagener, der ja dem deutschen Film ans seinen Anfangs- wegen als förderlicher Pate zur Seite stand, 1!)13 den ersten Studenten von Prag spiell«. Wie in„Rübezahls Hochzeit' und seinen anderen Filmen entdeckte er für den Film Neuland, indem er seine technischen Möglichkeiten ausnützt«, um ihm das Reich der Phantasie zu er- schließen. Dieser Wegener-Film ist wie so mancher gut« alt« Film in Vergessenheit geraten, und auch der Versuch der Ufa. ihn in ihrem Repectoireiheater, das ja auch schon wieder«ingegangen ist, neu zu beleben, hat kein« Folgen gehabt. Jetzt hat Hanns Heinz Ewers fein Manuskript aufs neu« verfilmen lassen durch die Sotal Filmgesellschaft, und wir haben wieder einen neuen Studenten von Prag. Freilich die Urheberrechte lassen nicht mit sich spaßen. Di« jetzigen Inhaber des alten Wegener-Films gehen gegen den neuen Film mit einstweiligen Verfügungen vor, und der Schein des Rechtes ist ftir sie. Was entzückt« uns an dem Wegener-Film? Und was entzückt« uns wieder an dem neuen Film, in dem Konrod V e i d t jetzt den Studenten spielt?„Das Wunder ist des Filmes liebstes Kind.' Hier Hai der Film sein eigenes Terrain, sein unumschränktes Herrscher- gebiet, hier kann er sein« technischen Vorspränge vor dem Theater und ledcr anderen Kunst ausnützen, um sonst Unmögliches zu realisieren, um dem Phantastischen die Form des Wirtlichen zu geben. Ewers münzt die alte romantisch« Fabel aus, daß«in Mensch dem Bösen sein Spiegelbild verkauft und dafür zwar die Herrlichkeit der Welt einhandelt, aber sein Bestes, feine Seele, verliert und erst, indem er siein Spiegelbild wiedergewinnt, sich von dem Dömon loslöst. Der verbitterte, von Geldsorgen bedrückte Student von Prag wird uns inmitten der fröhlichsten Sticdentengesellschast vorgeführt— diese Szenen sind etwas zu breit geraten—, er ist«in« Art Menschen- Verächter, den die Liebe nicht rührt und der sein« Ueberlegenheit im Fechten weidlich auskostet. Er ist reif für den Versucher, der sich ihm in Gestallt des Wucherers Scapinelli naht. Das verschafft ihm die Bekanntschaft mit der reichen Erbin, er schüttet einen Schatz von Gold vor ihm aus und das alles— für sein Spiegelbild. Wunderbar ist die Szene, wenn Scapinelli von einsamer Höh« aus ein« adlige Jagdgesellschaft so zu leiten weiß, daß die jimge Gräfin dem Studenten zugeführt wird. Und dann erblüht ein Filmwunder nach dem anderen, wenn das Spiegelbild des Studenten aus dem Spiegel schreitet und mit Scapinelli das Zimmer verläßt. Es beginnt«in Leben in Füll« »nd Glanz, aber an den Wegkreuzungen steh« immer drohend die Gestalt des Spiegelbildes. Sie tötet seinen Gegner im Duell, sie wird die Ursache, daß er ausgestoßen und gemieden wird, sie wird schließlich i» voller UnHeimlichkeit sein erbittertster Feind, mit dem er kämpft. Als der Student schließlich in sei altes Studcntenquartier zurückkehrt, um dort Ruhe zu finden, weiß er sich keinen anderen Rat, als fein anderes Ich, das von ihm abgespalten ist, zu erschießen. Cr trifft natürlich sich selbst, kann aber sterbend im Spiegel feststellen, daß er sein Spiegelbild wiedergewann. Di« Gefahr besteht, daß das Phan- tastische im Film allzu deutlich wird und den Reiz des Ahnungs- vollen und Zauberhaften versiert. Das Wunder in der Phantasie ist ja immer größer als das der Wirklichkeit. Dies« Grenzen sind nicht immer inngehalten, aber der Regisseur Henrik G a l e e n hat trotzdem gute Arbeit geleistet. Nur könnt« das Ganz« etwas mehr Tempo haben. Mit Recht ist schon abgesehen worden von einer Schilderung des allen Prag, es sind alles Atelierszenen, aber die nächliche Orgie u. a. könnte erhebsich kürzer gefaßt sein. Alles Interesie ist auf Konrad Veidt konzentriert, der den Studenten in den beiden Spaltungen seiner Persönlichkeit darstellt und ihm von vornherein den Charqkter des Absonderlichen und Dämonischen gibt. Freiltch ist er für den Studenten zu Anfang zu alt, sein Gesicht zu sehr ver- wittert, aber immer ist ein springender Elan in ihm und aus seinen zusamnrengekniffenen Augen blitzt es unheimlich. Grandios wird er in den Schlußszenen, wo sein« Mimik von allen Leidenschaften verzerrt wird. Agnes E st e r h o z y ist als Gräfin«in« kalte Schön- heit, Elizza la Porta«in nettes slawisches Kind, aber noch nicht reif für die Rolle. Schade, daß Werner Krauß als Scapinelli nur in den ersten Szenen anstritt, er ist der geborene Verführer, er h« so viel Faszinierendes m seinem Blick, daß man ihm oll« Künste Mephistos zutraut. Es war der erste groß« Filmerfolg dieser Saison. D. GROSSES SCHAV&VCUÄuS ■ ArtS 4% i<hWHS f- ALFkSO BltAUN_ o ■—---- o u' J' 0 Q PRElSF, M.Ktivs~som Salkoh MmernootH ssom ncorttttf:» KVG i.-- wv«o<7£>3,-- 7* ySR't-A. i t J#AVO 1,50 ♦ PARKETT Z.SO. KL'JöSt�itL JJO Seilage See vorwärts ,die Erbin ües Holzkönigs.' (Tauenhienpalast.) Ein Holzhändler von echt amerikanischer Filmbrutolitöt will zwei reiche Erben, ein junges Mädchen und einen jungen Mann, betrügen. Beide bekämpfen erfolgreich den Schuft und werden obendrein ein Ehepaar. Damit dieser sogenannte glückliche Abschluß erzielt wird, muß man Zeuge schier endloser Prügeleien sein. Do- zwischen gibt es vrächtige Landschastsaufnahmen und Bilder aus dem Holzsällerleben, das uns nicht mehr unbekannt ist, aber stets inter- essant bleibt. Doch sind die Arbeiter selbst mehr als merkwürdig geschildert, sie sind immer bereit, Mord und Totschlag für den internehmcr zu begehen. Trotzdem kann man mit Brutalität allein schließlich nicht einen ganzen Film ausfüllen, es gehört un- bedingt noch eine regelrechte Sensation dazu. Die setzt mit dem Frühling und der Schneeschmelze ein. Da wird im Holzfällerlager der Staudamm zerstochen und die Stämme treten ihre wild« Fahrt an, die die Konkurrenz durch Verschüttung des Zustroms gewalt- am hindern will. Hier sprengt die eine Partei, dort prengt die andere Partei, an den Usern prügeln sich die Arbeiter, Werksleiter unternehmen tollkühne Kanufahrten, Liebende geraten in Verzweiflung und zu guter Letzt finden sich alle Hauptakteure im reißenden Wasser inmitten der Baum- stämme wieder. Die Amerikaner nehmen dies« Vorgänge bitter ernst, doch erzielen sie trotz aller Anstrengungen letzten Endes nur den Eindruck einer Plamschwiese. Gespielt wird unter Irwin Willats Regie so, als ob der Regisseur einen Marionettenfilm aufleben lasse» wollte. Jack Holt, Billie D o v e, Montagne L o v c, sie alle sind Menschen mtt Puppengesichtern, Menschen mit hölzernen Bewegungen, man sieht im Geiste die Strippe, an der sie hin- und hergezogen werden._ e. b. � Kampf öer Geschlechter.' lMarmorhau».) Man denkt an Ibsen oder gar an Strindberg, wenn man den Titel erfährt und macht sich auf einen psychologischen Film gesaßt. Ja, warum sollte nicht auch Strindberg verfilmt werden! Dem j�ilin Ist alles erlaubt, wenn ei» Könner dahinter steht. Aber dieser deutsch. spanisch« Film hat nüt dem Thema nichts zu tun. Eine junge Deutsche, natürlich adlig und Medizinstudentin, geht als Erzieherin nach Spanien, weil ihr Vater in Geldassären oerwickelt ist und in Untersuchungshaft gerät. Ja, in Spanien, da herrscht noch, wenn wir Marie Luise Droops Geschichte glauben sollen, der absolute Mann, der von Frauenemanzivation und selbständigem Berus der Frau nichts wissen will, der sich freilich auch im Stierkampf als Meister erweist. Der Herr der Schöpfung ist ein Marquese, der auf einem urav romamischen F&sschloß wohnt, und dort die junge Deutsche bald kirre macht. Der weitere Lauf der Handlung ist noch Granada verlegt, und so ist wenigstens Gelegenheit geboten, schöne Stadt- und Landschaftsbilder vorzuführen. Das alte Felsennest ..Monrada', wo die Handlung begann, und jetzt die Alhambra mit ihren mannigfachen Ein- und Ausblicken sind zweisellos da» Beste am Film, denn der wettere Verlauf der Angelegenheit vermag nicht zu fesseln. Daß Aud Egede Nissen als blonde gormanisch« Frau sich gegen die Tyrannei ihres spanischen Eheherrn, den Gaido- r o s f mimisch gut darstellt, auflehnt, ist nicht weiter ernst zu nehmen. denn zum Schluß bekehrt sie sich doch zum alten ehemännlichrn Ideal. Vorher aber muß man recht häßliche und kitschig- Szenen in Kauf nehmen, die hart bis an den Rand der Lächerlichkeit führen.. �_•>) , Küsten Ist keine Siinö'.' (Primus-Palast.) Unter diesem Titel präsentiert sich ein reizender Film für � anspruchslose Leute, die noch immer für Wien, Militär und fesche , Komtessen schwärmen, die sich ncckischerweise für Dienstmädchen ausgeben. Daß die Komtessin den Rittmeister angell, versteht sich ganz von selbst, versetzt aber dennoch alle, die ihren Geschmack a» Kitschliteratur gebildet haben, in Begeisterung. Rudolf W a l t h e r- Fein führte die Regie mit richtigem Verständnis für den Lust- spiclton und das Milieu des FIlm-Wiens. Damit aber nicht nur die fein Lächelnden, sondern auch die derben Lacher aus ihre Kosten komnien, setzte er die dementsprechend«» Schlaglichter auf, wozu ihm die Figuren der liebcstollen. ältlichen Miß. der ahnensüchiigcn Engrosschlächterin, des geschäflstüchtigen Versicherungsagenten sowie de» um sein Leben allzu besorgten Generals Anlaß boten. Die schöne Tenia D e s n i sah wieder fabelhaft aus, und dieses gute Aussehen vor der Kamera verstanden Photograph und Regisseur in ausreichendem Maße für den Film zu benutzen. Livio P a v a- n e l l i spielte den üblichen uniformierten Liebhaber, der, obwohl eine schauspielerisch leichte Leistung, durch diesen Darsteller ver- mehrte Geltung bekam, da er sich so ganz als Vollblutmensch gab. Alle anderen Darsteller waren gute Typen. Die Manuskriptschrciber und Lustsvielregisseure sollten aber endlich einmal sich von Wien und vom Militär lösen und andere Interessengebiete suchen, e. b. MaSsM«195 CEX LUX-WERKE BERLIN-TEMPELMOE Die Pabrikafion der 6£e/e/�c€f£>�=Sl-aubsauqer \s\ aus der Fabrik BerQSiraße in die neuerworbenen Tempelhofer Werke(früher Dinos-Werke) verleqf worden Telephon; Südrinq S003— 2,003 Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. 7 Uhr: Frau ohne Schatten Schauspielhaus ZVa Uhr: Doppel> Selbstmord ? Uhr: L u 1 u Schiller- Theater 8 Uhr: Soldaten Die Komödie Bismarcic 2414, 7516 8 Uhr: Sie Gefangene Von Bourdet Regie. M. Reinhardt Sfüisdie Dp« Charlottenburc 6"/, Uhr: Die Walküre Ohms, Q, Stflckgold Ondgin, Schipper Abonn.-Turnus I Geatjclies Tliester Norden 10334—38 8 Uhr: Neidhardt v. finetsenaa von Wolfgang Goetz Regie: Heinz Hripert Heute nachm. 3 U- Gesellschaft von Galsworthy Regie: M. Reinhardt Kammerspiele Norden 10334—38 8'/. Uhr; DergefälliUIiierry von Tristan Bernard Regie: Eug. Robert ür. Stiiauspieüians Täglich 8"4 Uhr Nollendorf 7360 H Uhr: Variete- Neuiieiten Soonibcnih a. Sogalagi 2 Vorstellungen 380 und 8 Uhr, 3X zu ermäBigt Preisend, ganze Programm Volks blih ne Theater am Bülowplah 3 und 8 Uhr: Sysistrata Morgen 8 Uhr: Sudiih Th. am Sdiilfbanentaimn Heute 3 und 8 Uhr; Das Gralmal des unbekannten Soldaten. Jiomiscfkc Csver Der große Operettenerfolg tä'. Jidrienne � mit Serak, Wessely, Wirl, Blass Boettcher, Hell.- Sonntag nehm. 3 U.: &ic(f IcdcrtnaiMS in erster Besetzung Vorverkaal ununterbrochen». 10 U. an n ■jti Nene« Thealer am Zoo 8„Ich hab Dich Bleb" firt. 1-5 III S«ial6l(.7omrk. Htiitirtr.Stiil.537t 0 Wallner-TSiealer ErlmgfHasemanns Töchter £ Trianon- Theater Täglich SV. Uhr: „Dirnentragödie" □ CASINO» THEATER s Uhr Nur noch wenige AuffOhrungen Gräfin Tippmamsell (iutschein 1—4 Pers. Bei Vorzeig, der Annonce FauteuII 1.03 Mk., Sessel 1,56 CiitusBusdi Heute, Sonntag, S und Uhr: 2 gr. Aitsdiieds-forstellDDgeD 2 Nachm. Erw. u. Kinder halbe Preise. P�'lfÄ Papa Wrangel Ab Mlllwoch, 3. November; Gastspiel Circns Carl Hagenbeck, Slsllingen-Hambs. Reichshallen-Thealer Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Ohr . Siedlner sanier fÄ Pleoers Diele Burleske von Meyscl Nachm halb« Preise! Dönhofr-Bretl'i Variete- Konzert-Tanz Montag, den I.November nachmittags 1 Uhr Sonntag, den 31. Oktober mittags IS Uhr Einfrifl1.25Nk. Vom 27. Oktober bis 7. November täglich von 10 bis 10 Uhr i internationale jlntomobil- jlusstellung« tunaparh 1 Rcsfaurallonsbefricb im GcwerKsdialfshaus Berlin$016, EnOelnler 24/25 Im Haupiresfauranl: Täglich Künstlerkonzert/ Großer Mittagstisch/ Reichhaltige Abendkarte Anerkannt vorzügliche und preiswerte Küche In der Stehbierhalle: Vj Ltr. Schultheiß M. 0.25/ Billiger Wurstverkauf/ Auch außer dem Hause Große ii. kleine fiile für alte"Veranstaltungen Die liebiin KWUWVMKWWWUWAÜ Berlins sehen Sie täglich in der SCHAUBURG AM POTSDAMER PLATZ in dem Emelka- Bayernfilm P rXvMi e mogmmn Regie: Peter Paul Feiner mit Harry Liedtke,Mady Christians Imogene Robertson Georg AlexanderPaul Morgan usw. usw. 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Elba Sonntag SV* Uhr: Aschenbrödel Keiropoi- Ttteai. Täglich S Uhr: Die große Revue Wieder Netropol Besldenz-Theat. Täglich SV. Uhr; Absteigegaartier riBtrilt Jajwjlidmi mbofn Thaltn-Ttienfer 3 u. bttdxm Gshnrhtag Erster Klasse uhr: Der Biberpelz Regie: Berth. Viertel Thenl. d. Westens 3 Uhr und 8 Uhr: Der Zug n. d. Westen JUeinesTheater Täglich 8 Uhr: Revue in 24 Bildern Musik von Fr. H o 1 1 ä n d e r Simnlnr-Iglnn Theater H0nl6äraii.str. Hasenheide 2110 8 Uhr: Mrs. Cheneys Ende HomOdlenhans Norden 6304 8: Einbruch Tb. a. Hollendorlplatz „Habima" Abschleds-Vorstg. 8 Uhr; D V b■ K II1/, Uhr Matinee: Shilflnt Momödlenlians Sonnt nachm.3U. Der Garten Eden Preise 50 Pf.b.4M. ftose-Tbeater 4 Uhr: AschenbrSdel 8V< Uhr: Was ihr wollt Ipiillo-Mer Riesen-Weltstadt- Programm mit Brellbarl Florian Peieraiann 14 crstkl. ittrahtionen «inkr FriidEQiprtiu 0.75,1.—. 1�0,2.- 2�0, 3.— M. usw. Anfang 8 Uhr Phlltiarmonie uh? Konzerl d. Phiiharmon.Orch. 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Oktober 1426 Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner«Schwar�Rok-Gold". S.fchSft-S-Il«: Berlin«14. S-Kasti-nKr. SttSS. S-k S Tr. _ Ättmbeifl: Di., d. 2., 8 Ilhr, Wt. i, tut Ziestaunrirt Jim Lind«". *4* KallesH-z Ufer 14. Abt. Z. 8 Ilbr. bei Böttcher. Sanellx�er Str. 9 sntlt Soften), Bortroq der Aom. Bictor Schifs. Abt. 7. 8 Illir, bei Steinig, Alerandtinenftr. ZS, Bortrog b«s Aain. Salingre. Abt. 8. 8)b Ubr. bei Fuftl- briigge, ZZofti»ltr. 29. Iungmannschaft Eiwoft inl Ingendbewt Drangelstr. 1Ä. Borlrag des«am. Rinnig. Mi., b. 3.. 8 Ubr. Abt. 11 bei Ewald. gtoliWr Etrafte 126 Cmit Sailen), Bortrao des ftora. Robinson. Aht. 12. 8 Uhr, bei RoroaU. Manteufselslr. 9, Vortrag des Korn. Sitter. Die Mitglieder der EBD. ftnd besonders geladen. Abt. 18. 7 Vi Uhr. bei Eichholj, Tuvrnftr. 23. Bortrag de» kaw. Renmann. Abt. 4, 7Vi Uhr, bei Winsziers, Rcichenberger Str. 4, Bortiog des Kam. Morst».— Mitte: Kamcradschastsocrs. Di., d. 2.. 8 Uhr. Kameradschaft 1 Ackerffr. 1: 6. Kameradschaft Donenftr. 19: Z. Kameradschaft Mi., d. 8., C tollschrei berftr. 29._ Arbeit-r.R-di-.KInb D-ntschla-d,. r. Berlin SO. 3«. O-anienftr. 182. Bevirl�rnpn« Berlin: Mittwoch, 3. Nooembcr. in der SeschaftsNelle Techniker- slhung.— Drnpoe Eharksttenbnrg: Mittwoch. 3. November, v?8 Uhr. Beriamm, Inno in der Schulaula Nehringftr. lft. Tagesordnung: 1. Rundfunthöver und MitbeMmmunosrecht. Referent W. Hoffmann. 2. Transportable Hochleiftungs- empfanqer. Reserent Dipl-Inq. Mendclsohn. 3. Technisch« und kulturelle Dislussion.— Gruppe isr,»deich« Hain: Mittwoch. 3. November. Strausberger Strafte 3, Bau eine» Detekwrap parates. Mttwoch. 17. November. fSllt der Baftelabenb an». Srnppe RenkZlln: Freitag, 3. November. Bortrag und Erperirgantieven am Kurdwellenempsanger. Reserent Deiow.— Gruppe Schön«. berg: Dannerstag, 4. Rovember. Mirqliederverlammwn«. Thema: 1. Kultureller Bortraa. 2. Bericht der Sruvvenleitung. 8. Di« Dinterarbeit der Sruvoe. 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