Nr. 530 ♦ 43.?ahrg. Musgabe A Nr. 265 Bezugspreis. ZSIchentlich 70 Pknni«, msnatN» 8,- Zieich-mart voraus �hlbar. Unter»rsiuband Mir Deutschland. Da»lli». Saar, und Memeloebiet. Oelterreich. Litauen. Luiembur, «L0 Zieichsmark. für da« ltdria« Ausland 5,50 Zieichsmarl pro Monat. Der.Boraürts* mit der wustrie» ten Sonntagsbeilage»Volk und Zeit' sowie den Beilagen»Unterhaltung nno Wissen'..Aus der RUmmelf, .FraucnMmme'. �>er Rindet- freund'..Lugend- Borwilrt«' und �Slick in dl« Bllcherwelt' erscheint wdchentSglich gweimal. Sonntag, und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdamotral Berlin» Morgenausgabe Derlinev VolKsvl�kt (�10 Pfennig) Anzeigenpreise: Di*, i n t r> a I t i«e Zlonparewo- ,eil« 80 Psennia. ReName, eil« hr- Reichsmark..Klein« An, eigen' da- lettgedruckte Wort 85 Pfennig <,ulSMa»wei fettgedruckte Worte), jede» ineitere wort 12 Psennig. Stellengesuch« da« erlle Wort 15 Pfennig, jedes weiter« Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch- flaben Sühlen für»wei Worte. Ardeitsmarit Keile 60 Pfennig. Kamtlieuaiueigen für Abonnenten Keil« 40 Pfennig. Ansei oen für dl««540« Rummer müssen bis 4lb Uhr nachmittags im Hauvtaeschilft. Berlin SW 6». Linden- itraiieO. abgegeben werden.(SeSffnet von glh Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentratorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfcblanda Ueöaktion und Verlag: Serlin SW. 68, Lindenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292-297. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. öS, Lindenstr.Z Postlchecklonto- Berlin 17 68«- BanNont»! Dan» der«rbelter.«ngeftelten »ad Beamitn. Wall skr. 65: Disbento-Sesellschaft. Devalltenkafse Linden str. 8. Das Urteil in Lanösberg. Schulz freigesprochen, Klapproth und Raphael wegen Mordbeihilfe verurteilt. S8. Landsberg. Z. Jtooembct. Um 8 Uhr abend»«mrde Im Landsberger Femcmordprozeh Schiburr und Genossen das Urteil gefall!. Es lautete: Die ZlngeNagten Schulz. Rohm, will» Klapproth und Vogel werdeu freigesprochen. Der Angeklagte Erich Klapproth wird wegen Relhilse zum Morde zu 15 Jahren Zuchthau» uud 10 Jahren Ehr- verlusl verurteilt, 14 Monate Untersuchungshost werden ihm an- gerechnet. Der Angeklagte Raphael wird wegen Reihllfe zum Mord«, gefährlicher Körperverletzung tu Tateinheit mit Rötlgung und Meineid zu 8 Jahren Zuchthau» und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt, IS Monate Untersuchungshasl werden ihm angerechnet. Der Angeklagte Glaser wird wegen Beihilfe zum Morde zu Z Jahren Zuchthau» verurteilt. 15 Monate Uutersuchuugshast werden ihm angerechnet. Der Angeklagte Schiburr wird wegen Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. 4 Monat« Unterfuchungehast werden ihm angerechnet. Der Angeklagte Becker wird wegen Anstislung zur gesährlicheu Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung zu 9 Mona.en Gefängnis verurteilt, 8 Monate Untersuchungshaft werden ihm angerechnet. Der Ange- klagte Zricke wird wegen gefährlicher Körperverletzung zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Grätz wird wegen gefähUichcr Körperverletzung zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Raphael wird von der Anklage der Anftlftung zur Körperverletzung freigesprochen. Die Kosten de» Versahrens fallen, soweit Freisprechung erfolgt ist, der Staatskasse, im übrigen den Angeklag en zur Last. Die Hastbcfehle gegen Frlck«, Mlli Klapproth. Voael und Schulz in dieser Sache werden ausgehoben. Fricke. Willi l.lapproth und Vogel wurden aus freien Futz gesetzt. Gegen Schulz laust noch in einer anderen Sache Ueberhast. Eine Strafaussetzung oder Bewährungsfrist hat das Gericht bd keinem der Angeklagten für angemessen erachtet. Zur Begründung des Urteils führte Landgerichtsdirektor Wetz. lin g aus: Es ist ein wüstes Bild, das sich vor dem Schwurgericht aus- gerollt hat. Das Gericht mutzte sich zurückversetzen in die Zeit des Juni 1923, wo das deutsche Volk in besonderer wirt- schaftllcher Not und zerrissen war. Das Schwurgericht glaubt aber nicht, daß diese Verhältnisse es allein gewesen sind, die zu den Vor- gängen geführt haben. In Küstrin sei ein A r b e i t s t o m m a n d o errichtet worden, dessen Zweck darin bestand. Waffen zu sammeln und instandzusetzen. In zweiter und dritter Linie war das Ar- beitskomchando nach Matzgab« der Denkschrift de» Reichswehr- Ministeriums in Aussicht genommen, bei einer eventuellen Abwehr eines polnischen Angriffs oder k o m m u n i st i- scher Unruhen Hilfe zu leisten. Ist aber der Mewung, datz nicht in diesem Zweck Das Geri�,. ,,,--v—.......--„g... das zu suchen Ist. was zu den unglücklichen Dingen gesührt hat. die Gegenstand dieser Verhandlung gewesen sind, sondern datz e» Bestrebungen gewesen sind, die sich gegen die Regierung gerichtet haben, wenn auch da» Reichsgericht darin recht hat. datz da» Unternehmen des Hochverrats noch nicht für den Juni 192? in Frage komme, so Ist das Gericht doch der Ueberzeugung, datz Bestrebungen in dieser Richtung zu den unglücklichen ve- Ziehungen geführt haben, die hier den grausamen Tod eine» Menschen herbeigeführt haben. Das Gericht ist der Auffasiung, datz, wenn das Arbeitskommando Küstrin legale Zwecke verfolgt hätte, es nicht zu solchen Vorfällen gekommen wäre. Gerade das Bestreben, diese Dinge vor der Regierung geheimzuhalten, haben zu den schauerlichen Vorgängen geführt. Das Gericht ist der Ueberzeugung, datz die Am schieden war da» Tun im Arbeitskommando Küstrin und im Fort Gorgast von dem Verhalten der Reichswehr. Die Begründung wendet sich dann zunächst den Körperver- letzunaen an Gröschke zu. Zur Anklage des Mordes führte der Vorsitzende aus: Es liege ein Mord vor. B ü s ch i n g hat den unglücklichen Gröschke vorsätzlich und mit Ueberlegung gemordet. An dem Vorsatz ist nicht zu zweifeln, die Ueberlegung geht aus den Vorbereitungen zu der Tat hervor. Er hat Gröschke zwei Schüsse und einen Stich versetzt. Es fragt sich, ob auch Erich Klopp- rvth der Mittäterschaft schuldig ist. Seine Acuherung auf die Frag« Büschings„Schieb doch" spricht wohl dafür. Aber das Gericht hat berücksichtigt, datz Büsching al» ein gemalt- tötiger, roher Mensch bekannt war, und datz insolgedessen die Willens- richtung von Klapproth di, war, Büsching machen zu lassen und ihm nur zu Helsen. Das Gericht hat'hn wegen B e i h i l f t zum Morde zu der zulässigen h ö ch st st r a f» verurteilt. Der Angeklagte Raphael ist de» Meineide» schuldig, ferner der Beihilse zum Mord. Da» Gericht war der Meinung, datz Raphael von vornherein eingeweiht war, er hatte es als Offizier getan, in einer Stellung, in der er die Tat hätte verhindern müssen. Er hat nach der Ueberzeugung des Gerichts besonders ehrlos gehandelt. Deswegen war bei ihm ebenso wie bei Erich Klapproth eine Ehrenstrafe angebracht. Glaser ist der Beihilfe zum Morde schuldig, doch ist das Gericht bei ihm nicht über die Mindeststraf« hinausgegangen, und es sind ihm auch nicht die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt worden, well das Gericht anerkennt, datz er in einem Gewissens- kämpfe gestanden habe. Willy Klapproth und Vogel hat das Gericht frei- gesprochen Es erscheint zwar möglich, datz sie in die Tat ein- geweiht waren, das Gericht hält es aber nicht für erwiesen, datz sie unmittelbar mitgewirkt haben. Infolgedessen kommt bei Vogel auch ein Meineid nicht in Frage. Lei dem Angeklagten Schulz Hot das Gericht die Anstiftung zum Morde verneint. Das Gericht ist zwar der Ueberzeugung, datz das. was Becker und S ch r e n k gesagt haben, nicht ganz aus der Luft ge- griffen und daß etwas Wahres darin ist. Es sind Aeutzerungen von Schulz gefallen, aber was er im einzelnen gesagt hat, war nicht festzustellen. Wenn auch Büsching und Klapproth dem Oberleutnant Schulz treu ergeben und onhängl'ch waren, so konnte das Gericht doch nicht feststellen, wie es das eben mutz, um ein Todesurteil oerantworten zu können, datz von Schulz auf diese beiden oder auf Büsching allein eingewirkt wurde, die Tat an Gröschke zu begehen. Wohl besteht die Möglichkeit, daß irgendeine falschverstandeneAeuherung des Angeklagten Schulz den Büsching verführt hat. die Tat zu begehen, oder sie aus sich selbst heraus zu vollbringen, in dem Glauben, datz sie später die Zustimmung von Schulz finden wird. Eine moralische Schuld legt aber das Gericht dem Angeklagten Schulz auf. weil er den beiden und auch den anderen zuviel Vertrauen geschenkt hat. Das Gericht hat allen Angeklagten nach Möglichkeit die Unter- suchungshaft angerechnet. Es hat sorgfältig überlegt, in wiewest Ehrenstrafen zu verhängen wären. Selbst wenn man glaubte, datz Gröschke gefährlich werden konnte, so hätte doch ein Mann von Ehre nicht ohne gründlichste Prüfung des Verdachtes einen anderen Menschen ums Leben bringen dürfen. * Aus dem Verhalten des Borsitzenden im Lands» berger Schwurgerichtsprozetz war in den letzten Tagen schon ganz eindeutig zu entnehmen, daß wenigstens er persönlich mit seinem Urteil über den Fall Schulz schon ziemlich zum Abschluß gekommen war. Aus einzelnen Aeuße- rungen mußte man schließen, daß er den Beweis für die Mitschuld des Oberleutnants Schulz an dem zur Verhandlung stehenden Einzelmorde nicht als geführt ansah. Bei der starken Stellung, die der Vorsitzende innerhalb eines Gerichts einnimmt, kann daher, trotz des staatsanwaltlichen Antrags auf Todesstrafe, die Freisprechung des Hauptbeschuldigten nicht mehr überraschen. Was wir vor einigen Tagen an- deuteten, ist eingetreten. Es ist den vereinigten Bemühungen der Angeklagten und ihrer Verteidiger geglückt, die Haupt- schuld auf die flüchtigen Fememörder Büsching und F a h l b u s ch abzuwälzen, so daß die der Anstiftung und der Mittäterschaft am Morde Angeklagten entweder f r e i g«- ll? r o ch e n oder doch nur als Mittäter verurteilt wur- den. Auf diese Art wurde es auch ermöglicht, den Feldwebel K l a p p r o t h nicht wegen Mordes, sondern nur wegen Bei- Hilfe zu verurteilen, so daß die beantragte Todesstrafe nicht ausgesprochen werden tonnte. Die Einzelstrafen jedoch, die in Landsberg verhängt wur- den, spielen angesichts dessen, was die Verhandlung enthüllte, nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger war die Tat- fache, daß hier vor aller Oeffentlichkeit endlich hineingeleuchtet werden konnte in den G e f a h r e h e r d, der sich unter Billigung der Cuno-Regierung und des Reichs- wehrministeriums aufgetan hatte. Ein Herd von Gefahren für den Bestand und die ruhige Entwicklung der Republik, ein Netz von Nestern schwärzester Galgenvögel, wie man sich in den schlimmsten Phantasien es kaum hat vorstellen können. Seit dem Kapp-Putsch wußte man zwar, daß es ein System von Zeitfreiwilligen gab, die nicht immer aktiv nach außen in die Erscheinung traten, die aber plötzlich als organisierte und wohlbewaffnete Truppe er- schienen, wenn sie glaubten, für ihre reaktionären Zwecke sei ihre Zeit gekommen. Das Zeitfreiwilligensystem ist freilich der Fckrm nach auf- gehoben worden, an seine Stelle aber traten die„Arbeits- trupps", wie man die neue Organisation beschönigend nannte. Das Reichswehrministerium legt immer noch Wert darauf, diese Bezeichnung beizubehalten und den Begriff„Schwarze Reichswehr" abzulehnen. Aber selbst der Reichswehrminister Dr. G e ß l e r hat am letzten Sonntag in einem Zeiwngs- aufsatz zugestehen müssen, daß das offiziell verbotene System der.Leitfreiwilligen" sich noch im Jahre 1S23 längere Zeit erhalten hatte und daß die Auffüllung einzelner Reichswehrformationen mit ZeitsteiwiMgen sogar unter seiner ausdrücklichen Billigung erfolgt sei. Nach dem, was man in Landsberg erfahren hat, begreift man deshalb, warum von den amtlichen Stellen der Begriff Sichert üen Achtstundentag! Erklärung der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak» t i o n beschloß in ihrer ersten Sitzung nach dem Zusammen- tritt des Reichstags am 3. November folgende Erklärung zur gesetzlichen Sicherung des Achtstundentages: „Die freien, christlichen und Hirsch-Dunckerschen Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften Deutfchlands verlangen gemeinsam von den gesetzgebenden Körperschaften den sofortigen Erlaß eine» Notgesetze» zur Sicherung des achtstündigen Höchst- arbeitstages. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ist in voller Uebereinstimmung mit ihrer ganzen bisherigen Haltung bereit, dieses einmütige Verlangen der organisierten Arbeiter und Angestellten aller Richtungen mit allem Nachdruck zu vertreten. Sie hält die baldige Verwirklichung durch di« Einbringung eine» Initiatiogesetzes für unbedingt erforderlich. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat wiederholt die gesetzliche Wiedereinführung des Achtstundentages in Verbindung mit der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens gefordert. Die Reichsregierung hat infolgedessen die baldige Vorlage eines Gesetzentwurses zur Neuregelung der Arbeitszeit mehrfach zu- gesagt. Dieses Versprechen Ist bis jetzt nicht erfüllt worden. Die Wiedereinführung des Achtstundentages duldet aber keinen «eiteren Aufschub und darf auch nicht bis zur Verabschiedung des Arbeitsschutzgesetzes oerzögert werden. Alle Versuche, die Folgen der Wirtschaftskrise, Insbesondere die Massenarbeitslosigkeit, durch Ausbau der Erwerbslosenfür- sorge zu lindern, werden in ihrer Wirkung beeinträchtigt, wenn nicht endlich durch ein« gesetzliche Begrenzung der bi» zur Unerträg- lichtest gesteigerten Ueberarbeit EinHast geboten und vermehrte Ar-- beitsgelegenheit geschaffen wird. Diese Bekämpfung der Ueberftunden durch gesetzliche Beschrän- kung der Arbeitszeit bedeutet keinesfalls, wie die Erklärung der Unternehmerverbände vom 2. November behauptet, einen„Eingriff in die Produktionsgrundlage der deutschen Wirtschast" oder„Ver- Minderung der Produktionsleistung und Preissteigerung". Trotz Rationalisierung, Steigerung der Arbeitsleistung und der Produktion, Verbilligung der Produktionskosten und einer teilweise zwölf- stündigen Arbeitszeit ist keine nennenswerte Preissenkung«Inge- treten. Die Preisdiktatur der Kartelle und Mo- nopol« hat in Verbindung mit einer Hochschutz- zöllnerischen HandelspolitK bewirkt, datz die Rationalisierung lediglich ein« Steigerung der Gewin nquoten der Unternehmungen brachte. In- folgedcssen haben die hohen Preise die Kaufkraft weiter vermindert, den Inlandsabsatz weiter geschwächt und so die Massenarbeitslosig- keit erhalten. Die Rationalisierung darf aber nicht zur Bereicherung der Unternehmer, sondern mutz zur Gesundung der deutschen Wirtschaft führen. Die wichtigst« Voraussetzung dafür ist ei» verstärkter sozialer Arbeitsschutz, insbesondere die gesetzliche Sicherung de» Achtstundentage».' Bei der Beratung der vorstehenden Erklärung stellte die Fraktion nochmals fest, daß die grundsätzliche Anerkennung des Achtstundentages auch für die Beamtenschaft er- strebt werden muß. der Schwarzen Reichswehr so beharrlich abgeleugnet worden ist. Selbst das Landsberger Schwurgericht— das den Schöpfer und Führer dieser„Arbeitstrupps", Schulz, frei- sprach, weil es ihm in dem zur Verhandlung stehenden Einzel- falle nicht nachweisen zu können glaubte, daß er den Befehl zur Ermordung des Gröfchke gegeben— hat in seiner Urteils- begründung ausdrücklich festgestellt, daß nach seiner Ueber» zeugung in diesen„Arbeitstrupps" hochverräterische Bestrebungen gegen die Republik schon zu früherer Zeit"vorhanden waren, als das das Reichsgericht angenommen hat. Diese„Arbeitstrupps", deren Angehörige in voller Reichswehruniform mit Flinten und Säbeln ausgerüstet und im Waffengebrauch wohl unterrichtet wurden, sollten eine aktive Ergänzung zur„Sicherung von Ruhe und Ordnung" im Lande sein, so, wie sie der Durchschnittsmilitär aufzufassen pflegt. Deshalb auch der planmäßig ge- züchteteÄrgwohn gegen„Spitzel" und„Kommunisten"! Deswegen die Sucht,„V e r r ä t e r" z u b e s e i t i g e n I Es hat keinen Zweck, heut« noch Dinge verheimlichen zu wollen, die alle Welt weiß und von denen das Ausland leider früher und mehr gewußt hat, als man in Deutsch- land nur ahnen konnte! Freilich, im Etat der Reichswehr hat von den ungeheuren Mitteln, die für die„Arbeitstrupps" aufgewandt wurden, nie das Geringste gestanden. Wohl aber sind aus Agrarier- und Indnstriellenkreisen reichliche Mittel geflossen, um dem Gesindel Unterhalt zu schaffen, das unter Buch- ruckers Führung im Verein mit den bayerischen Hitler-Leuten die Deutsche Republik an dem deutschen Wesen der Schulz und Klapproth, der Raphael und Büsching genesen lassen wollte! Man weiß aus den Verhandlungen des preußischen Untersuchungsausschusses einige der Quellen, aus denen diese Mittel flössen. Man weiß, daß der Direktor eines S t i n n e s- W e r k e s in Küstrin sich sehr aktiv für die Finanzierung jener Formationen ins Zeug gelegt hat, und man weiß, daß diese Arbeitstrupps nicht nur in Küstrin und Döberitz, sondern über das ganze Reich verstreut waren. Wurde doch in dem Dresdener Prozeß wegen Unterschlagung beim Volksnotopfer einwandfrei festgestellt, daß auch der Reichs- wehrkommandeur General M ü l l e r sich aus diesem Volksnotopfer 1l1 WX) Mark für die„schwarzen" Organisa- tionen hatte auszahlen lassen. Der Vorwand, daß diese Trupps hauptsächlich zum Schutz gegen erwartete Einfälle von außen gebildet und geduldet wurden, konnte hinter den verschlossenen Türen früherer Geheimverhandlungen vielleicht noch seine Wir- kung tun. Nachdem aber einmal durch die Verhandlungen im Femeausschuß des Preußischen Landtages sehr wesentlich hinter die Kulissen geleuchtet worden war, hat die ö f f e n t- l i ch e Verhandlung in Landsberg jetzt noch ein Uebriges ge- tan. Sie hat vor allem gezeigt, welcher Art der Per- sonenkreis war, der zum Sturz der Republik und zur Errichtung der Diktatur bestimmte offizielle Unterstützung fand unter dem Vorgeben, daß er„vaterländischen Verteidigungs- zwecken" dienen solle. Die grauenerregenden Ein- z e l h e i t e n. die im Falle Gröschke in Landsberg zur Sprache kamen, zeugen von einer Vertiertheit dieser Gesellen, wie sie kaum noch überboten werden kann. Der Fall Gröschke ist nur ein einzelner unter vielen. Aber wenn«nan sich erinnert, mit welcher Selbstverständlichkeit die Tatsache zu- gegeben wurde, daß der etwas einfältige junge Mann, der in gutem Glauben zur..Reickswehr" ging und dann im Fort Gorgast von den„Arbeitern" des Herrn Geßler b u ch st ä b- lichzu Tode gemartert wurde, so kann man sich eine ungefähre Vorstellung von dem machen, was diese Schlächter in „schwarzer" Reichswehruniform angerichtet hätten, wenn der Buchrucker-Putsch von Erfolg gekrönt worden wäre. Diese Burschen als von„vaterländischem Idealismus be- seelt" zu bezeichnen, dazu gehört schon ein Uebermaßvon gutem Glauben. Das Berliner Schwurgericht unter Vorsitz des Herrn Bombe hat in seiner geheimen Urteils- begründung, die zum Teil im Landtagsausschuß bekannt wurde, ganz offen zugegeben, daß die Arbeitskommandos sich „aus scharf rechtsgerichteten Leuten zusam- m e n s e tz t e n", und daß sie den preußischen Innen- lyinisterals Gegner ansahen! Diese ihre Stellung zum preußischen Minister, des Innern wurde ihnen von dem Bombe-Gericht noch als mildernder Um st and an- gerechnet! Es ergibt sich also die Tatsache, daß die„Arbeitstrupps, bei denen die größten Roheiten— von Offizieren ungestört, zum Teil sogar angeregt—, verübt wurden, nur aus scharf rechtsgerichteten Leuten sich zusammen. setzten. Die M ö r d e r des'Gröschke. die F o l t e r e r dieses Mannes und die Offiziere, die das alles sahen, billigten und nicht verhinderten, sind Anhänger der Rechts- Parteien, und die prominente st en deutschnatio- nalen Verteidiger treten für die Mordgesellen in die Schranken. Sie wollen noch immer glauben machen, daß irgendein nationaler Unterton in dem Sausen der Prügel und dem Knallen der Revolver der Mordbuben mitgeklungen hätte. Das ist eine So l i d a r i s i e r u n g, wie sie nur bei An-" hängern des blutigsten Monarchismus möglich erscheint. Aber das ist nur die eine Seite der Sache. Die an- d e r e ist wichtiger. Es kann nicht allein bei dem Urteil in Landsberg bleiben. Nach dem, was dort aufgedeckt wurde, kann der R e i ch s t a g sich seiner Verpflichtung nicht ent- ziehen, völlig reinen Tisch zu machen mit den Be- gründern, Schützern und Förderern jener„Arbeitstrupps". Sie sind auch heute noch nicht sämtlich aus ihren Stellungen entfernt. Die Mißhandlungen und der Mord bei Küstrin sind nicht nur eine Angelegenheit der Kleinen, die jetzt vor dem Richter standen, nicht nur des Strafgesetzbuchs, sie sind eine Angelegenheit des ganzen deutschen Voltes und seiner Selbstachtung. Deshalb muß verlangt werden, daß die mo- ralisch mitschuldigen Beamten bis in die höchsten Stellungen hinauf unschädlich gemacht werden. Nur dadurch kann wieder ein Mindestmaß an Vertrauen zu jenen Amtsstellen geschaffen werden, das sie durch eigenes Verschulden ver- loren. Deutscbnationaler Lanöesverrat.s Schwere Indiskretionen aus dem Auswärtigen Ausschuß. Die Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags sind nach der Verfassung vertraulich. Selbst Reichstagsabgeordnete, die ihm nicht angehören, dürfen ihnen nicht beiwohnen. Vor den Türen des Sitzungs- saals werden Listen ausgelegt, die die Namen der berech- tigten Teilnehmer enthalten. Keiner, der nicht in ihnen ver- zeichnet ist, darf den Saal betreten. Trotzdem sind schon wiederholt Indiskretionen über Einzelheiten der Beratungen in die Presse gedrungen, die von uns stets gerügt worden sind. Denn erstens oerstößt es gegen die Interessen des Reichs, wenn Berichts- fetzen, die zu Mißdeutungen Anlaß geben, in die Oeffentlich- keit geworfen werden, zweitens aber bedeutet ein solches Verfahren eine Schmutzkonkurrenz gegen die an- st ä n d i g e P r e s s e, die selbstverständlich auch dann schweigt, wenn zufällig einer ihrer Redakteure als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses über seine Verhandlungen genau unterrichtet ist. Was bisher an Unzulässigem auf diesem Gebiet geleistet worden ist, wird weit übertroffen durch die offizielle Korrespondenz der D e u t s ch n a t i o n a l e n Partei, die es fertig bringt, über die letzte Sitzung des Ausschusses folgenden Bericht zu veröffentlichen: Nach Eröffnung durch den Abg. Hergt ergriss zunächst Reichs- außenmlnlfter Dr. S t r e f e m a n n dos Wort, um in längeren Ausführungen die von ihm verfolgt« Politik zu verteidigen. Soviel wir erfahren, soll es in der Aussprach« später zu einem Zusammenstoß zwischen ihm und dem Abg. Prof. hoehfch gekommen sein, der auf die G e f a h r e n m o m e n t e der Thoiry-Politik hinwies. Demgegenüber erklärte Dr. Strefemann, daß die Beratungen von Thoiry mit dem damit zusammenhängenden Fragenkomplex natür- lichnichtsoschnell geregelt werden könnten, er aber weiter- hin die Hoffnung auf eine Verständigung hege. Die Pressestimmen des Auslandes ebenso wie das Interview eines führenden fran- zösifchen Wirtschaftlers und Politikers betrachtet er scheinbar keines- wegs als ein Aufgeben oder gar Versagen der in Thoiry ein- geleiteten Politik. Anschließend berichtet« General von Pawels über die Fragen der Militärkonlrolle und der verbände in Deutschland. Trotz des Hervorhebens der erreichten Erleichterungen war aber aus seinen Ausführungen zu entnehmen, daß vorläufig di e Aussicht auf wirkliche Befreiung Deutschlands von der Militärkontrolle mehr als skeptisch zu beurteilen sei. wobei die Frage der Wehroerbände noch völlig offen blieb. Dr. Strefemann wollte scheinbar nicht gern Näheres darüber be- richten: denn er soll nur geäußert haben, daß die Auslösung der Wehrverbände nur nebensächlich in Thoiry erwähnt worden sei. Briands Interesse hätte sich dabei vornehmlich auf ein Führer- buch des„Stahlhelms" konzentriert, das militärische Kom- mandos enthiell, das aber inzwischen vernichtet sein soll. Im übrigen überließ Dr. Strefemann dem Reichsinnenminister die näheren Mit- teilungen über die Wehroerbände. Auf die Frage aus dem Ausschuß, wie sich die Regierung zur Zurückziehung ihres Verbotes gegen„Olympia" und„W i k i n g" stelle, erklärte Dr. Külz, daß die Reichsregierung auf Grund des Beschlusses des Staatsgerichtshofes ihren Verbotbeschluß überprllsen würde, wozu bisher leider noch keine Zeit gewesen sei! Wenn die Reichsregierung alsdann zu dem Ergebnis käme, daß das Verbot aufzuheben fei, würde sie mit einer entsprechenden Anregung an die preußische Regierung herantreten. Er ließ aber«ine weitere Frage ossen, was die Reichsregierung tun würde, wenn Preußen sich solchen Vorschlägen gegenüber ablehnend verhallen würde." Der Bericht enthält grobe Unwahrheiten: aus der Art aber, wie er Wahres und Falsches oermischt, ist un- bedingt zu schließen, daß er von einem deutschnatio- nalen Ausschußmitglied verfaßt sein muß. Die offizielle Parteikorrespondenz der Deutschnationalen hat sich nicht gescheut, diesen Bericht zu veröffentlichen. Für die Schädigung der Reichsinteressen, die durch ihn verursacht wird, trägt die deutschnationale Partei die volle Verantwortung. Gerade die deutschnationale Partei und Presse ist geneigt, in jeder ihr nicht passenden Veröffentlichung über Entwass- nungs- und Bewaffnungsfragen einen Landesverrat zu erblicken: die Seuche der Landesverratsprozesse ist zum großen Teil eine Folge des Geisteszustandes, den sie züchtet. Hier be- richtet die offizielle Korrespondenz der Deutschnationalen un- gescheut von Verhandlungen über diese heiklen Fragen, von Verhandlungen, die zudem durch die Verfassung mit dem Schutz strengster Vertraulichkeit umgeben sind! Ver Arbeitsplan ües Lanbtags. Der Aellestenrat des Landtags beschloß am Mittwoch die Anträge zur produktiven Erwerbslosensür- sorge zu beraten. In den folgenden Tagen stehen eine Reihe kleinerer Entwürfe zur Erledigung. Am Montag kommender Woche werden die Steuergesetze(Krastfahrzeugsteuer, Hauszinssteuer und Gewerbesteuer) bzw. die zu diejen Gefetzen. beantragten- Ab- änderungen auf die Tagesordnung gesetzt werden, dazu di« Vorlage über die Ausgestaltung des staatlichen Besitzes an Elektrizität?- Unternehmungen. Die erste Beratung des Städtebau» gesetzes ist für Donnerstag, den 11. November, in Aussicht ge- nommen worden. Am 12. November soll dann eine Pause bis zum 29. November eintreten. Dann will der Landtag vom 30. November bis zum II. Dezember wiederum tagen. Für diese Zell steht in der Hauptsache die erste Lesung des neuen Haushaltes an. Die Weih- nachtspause wird voraussichtlich am 11. Dezember eintreten und soll bis Dienstag, den 11. Januar anhalten. Müöigkett. Konzertumschau von Surf Singer. Wie das Publikum, so dl« Press«. Auch der überwältigend größte Teil der Berliner Musik-Kritik hat das bürgerliche Herz springen hören, bersten sehen unter dem Eindruck einer Beechooen-Interpre- tation imKlemperer- Konzert. Der Revolutionär wird gegrüßt, der Romantiker geächtet. Und einer versteigt sich zu der herrlichen Randbemerkung, Beethoven sei jetzt erst entdeckt worden. Gemach: das ist nicht immer vorteilhaft. Schon das Gefühl der„Jntcr- pretation", der Auslegung macht einen Kniefall vor Beethoven eiskalt. Interessant auslegen, das ist eine Sache des Intellekts und der künstlich hochgeschraubten Kraft, ist ein Zeichen des Abfalls von der Konvention, ist ein Beweis dafür, daß zuviel des Guten den Blick für das Gut« verdunkelt. Man kann durch solche Darstellungswunder Schwächen entblößen, die besser unter dem Schleier der Tradition verborgen blieben. An diesen Eitelkeits-Allüren kranken die Aufführungen der meisten Bruckner-Dirigenten zweiten und vierten Ranges: und auch die Mahlerianer sollten sich vorsehen. Genial« und kapellmeisterliche Musik offenbaren plötzlich Gesichter, die, adlig und grinnnassiercnd, der Einheit und der Bewunderung gefährlich werden. Es wäre der Untergang der Musik, wenn Beethoven„gerettet" werden müßte, die doch den Besten ein Besitz ist wie Bach. Müdigkeit des Publikums, Müdigkeit der Kritik läßt beim Ruf des Andersseins aufhorchen, applaudieren. Aber der lieb« Gott selber läßt sich für die Frommen nicht retten, nicht für di« Ungläubigen. Und kommt ein« so vital« Ouffider-Kraft wie Klemperer dahingesegt, so kann er wohl offenbaren, was ihm fein Gott Beethoven anvertraut hat. Aber es ist Auto- suggestion od« Lüg«, wenn das schlafende Publikum erklärt, dies sei nun, von heut aus morgen, der neue Gott seiner selbst. Welche Ver- wirrung. welchs. Täuschung der Gefühl«! Hier wie in der Neuen Welt. Man hat Kleiber in Buenos Aires gefeiert als zweiten Bülow, als zweiten Nikifch. Man hat ihn also zwischen zwei Polen festgeklemmt- Wie unsicher muß er sein, wenn er so hin- und her- schwankt zwischen dem Klassiker und dem Romantiker, dem Hämmerer und dem Sänger, dem Rhythmiker und Belkantisten! Und läßt es ivahrhastig für Berlin nachdrucken! In Bruno W a lt« r's Herz lebt Beethoven mit der iV. Sinfonie als ein Gefühlsmensch. Wenn hier das typische Unterhaltungspublikum mit geht, so ist das ehrliche Gesinnung. Wer hat auch in feinem echten Pelz so schnell revolutionäre Gesinnung versteckt? Walter war an diesem Abend allerdings müde. Selten war die Gesamt- stimmung so flau. Turandot-Proben. Reichstags-Konzert, General- prob« für das Abonnoments-Konzert— wie sollte da die Spannkrast selbst dieses Arbetts-Fanatlkers nicht nachlassen! So brachte es die sttlistische Verworrenheit der Pulttnella-Suit«(Pergolefe- St r a w i n f k y) nur in der humoriftffchen Iazz-Szene zu spontanem Erfolg. Josef Schwarz sang Händel'sche Arien so wann beseelt, so schön im gesponnenen Ton, wie selten: die Battistini-Rähe war zu spüren, und eine Nobelkell des Vortrags drang durch, wie bei einem Menschen, der aller Podium-Eitelkeit«nffagt hat. Das zweite Doppel- Konzert von Bach erfuhr feine Auferstehung in der Bsarbeitung von Qfsip SchnürUn. In der Fraktur, in der Technik, im Schwung des ersten, im melodischen Fließen des zweiten Satzes, dem bekannteren Doppel-Geigenkonizert ähnlich, nicht überlegen, fast ebenbürtig, dürfte e» bäkd Gemeingut der Violinisten sein. Emil Bohnk« demonstriert, wie ein gesunder Musiker an der Routin« wachsen kann. Er hatte jüngst all« Schwere abgeworfen und führte einen.Tüll Eulenspiegel" mit aller gelockerten'Kroft des Arms und des Herzens auf. Bufoni's Violinkonzert lebte auf unter der magischen Fähigkeit des Ur-Mufikers Adolf Busch. Das Spielerische wurde groß, das Einfach« bedeutsam, und man bemerkt« plötzlich«in« sinnfällige Beziehung zum Beethoven'schen Konzert aller Konzert«. Am Anfang aber stand«ine neue Sinfonie(Nr. 3, c>p. 20) von Max Trapp. Wie ist er beim Meister des Kotorit», der Streicher- Verzierung, der Bläfer-Einfälle in di« Schul« gegangen! Wie herrlich klingt da ein feinst geformtes, tändelndes, hochgeftimmtes Orchesterl Trapp weiß zu singen, weiß zu kontrastieren, zu entwickeln, er bringt es sogar zu einem Gipfel noch im vierten Satz. Ueberwucherndes Gefühl zieht Müdigkeit nach sich, die durch harmonische und klangliche Reize wieder oerscheucht, durch stark« Partien fugierter Themen mutig gelötet wird. Ein« große Mvsizierfreude herrscht vor, ein ehrliches Bekennertum auch in Regionen, die anfangen, geläufig oder fremd zu werden. Also wirklich ein Musiker, wenn auch im Schatten Richards des Zweiten. Von der Iv ogü n wäre zu sprechen, vom R o s ö- Quartett, vom Guarneri- Quartett. Ihr kennt sie, wißt von ihrem Wert. Also fort zu den neuen Namen. Adi B e r n a r d, Schülerin von Iturbi, erweist im„Sturm" ihre pianistisch« Begabung. In leichtem und eleganten Anschlag, im schönst modellierten Ton offenbart sich«in frisches Mufikertum, das noch schwärmen, Melodien streicheln, das noch romantisieren darf. Ich hörte die Anmut in fo viel Salonstücken Ausdruck werden, daß ich, werm dieses Talent ganz fertig ist, auf das Spiel Beechoven'fcher Sonaten und Basch'scher Fugen gespannt bin. Alice L a n d o l t geht in der Lffzt'fchen OMoll-Scmate fast über die Grenze ihrer Fähigkeiten hinaus. Stört Mangel an körperlicher Dis- Position die Disposition dieses großes Werkes? Gekonntes steht neben Gewolltem. Aber in diesen Augenblicken der Irypiwtion zwingt uns die Künstlerin zur Anerkennung, daß st« schon einen großm Ruf zu verteidigen hat. Arthur Zack kommt aus Amerika. Wie er Bach spielt, das ist schon ein bißchen amerikonffch-langweilig, von oben herab, oder doch nur beiseite. Vorzüge diejer Abwendigkeit: bequemst funktionierende Hände, sauberer, kräftiger, gesunder, doch nicht sehr edler Ton. Er hör« sich Piatigorfky und Földesy an. Georg Herbst aus Bremen wieder hat den Vinn für Schönheit, Ebenheit, Klangfülle des Tönens auf der Geig«. In feinem Alter �Vierziger) den Wegzmn Virtuofentum zu beginnen, zeugt von unge- brochener Kraft. Wer von uns anderen Kritikern wäre dazu nicht schon zu müde, den Wettlaus mit großen Lichtern und Schatten auf- zunehmen? Herbst besteht in Ehren. Sein« Technik fft vorsichtig, auch unsicher: Geschmack aber und Beseeltheit des Spiels ersetzen diese Manko, besonders in den Ts-lolia-Variationen, die jedem Schüler eine prächtig« Lektüre fein konnten. Paul Casslrer, Viktoriastr. 3S, eröffnet am 7. ewe Ausstellung von Ge- inälden van E. L. Kirchner, di« einen Ueberblick über dt« letzte» Schaffensjahre des Künstlers gibt. Die Gesamtzahl der deutschen Studenten an allen deutschen Hochschulen betrug im Winterhalbjahr 1925/2(3 82 602; sie ist, wie wir der neuesten Statistik entnehmen, um 13 000 höher als in der Vor- kriegszeit und gegenüber den beiden vorhergehenden Semestern um 1 bzw. 4 Proz. gestiegen. Die Zahl der Theologiestudicrenden hat weller abgenommen, und zwar gegenüber dem letzten Semester bei den katholischen um 9 Proz. Vermindert hat sich auch die Zahl der Chemie- und Pharmaziestudierenden und �der Volkswirtschastler. Ebenso scheint der Bergbau immer weniger Studierende onzuziehen, dagegen hat das Studium der Hüttenkunde zugenommen. Am stärksten ist die Vermehrung der Studenten beim Studium der Zahnheilkunde, der Tierarzneikund« und der technischen Fächer. Die philologischen Fächer finden ebenfalls mehr Beachtung. Die wcib- liehen Studenten haben kein« erheblich« Zunahm« aufzuweisen: ihre Zahl beträgt 6983 gegen 6923 im vorhergehenden Semester. Die Zahl der Ausländer an den deutschen Hochschulen hat sich von 8597 auf 7804 vermindert. Phonographisch« Sammlung der deuffchea Volkslieder. Geh. Rat Karl Stumpf, der Berliner Psychologe und Musikwissenschaftler, der in seinem Unioersitätsinstitute das erste Phonogrammarchiv begründet hat, bereitet seit einiger Zeit eine lautschriftliche Samm- lung aller noch in Deutschland lebendig gebliebenen Volkslieder vor. Der Ansang wurde jetzt in Oberbayern gemacht. Mit Unterstützung der Deutschen Akademie hat Dr. Karl Huber bayerische Volksmelodien mit der Schallwalze aufgenommen. Auf einer Reise durch die bayc- rischen Alpen verhörte er die bekanntesten Volkssänge, daran schloß sich eine Veranstaltung in München, bei der eine Reihe von dazu eingeladenen Gebirglern sang oder aus den Instrumenten Volks- weisen spielle. Der Ertrag in neuem Material war über alles Er- warten reich. Eine Kirche für vier vekennlnisse. Ein Gotteshaus, in dem sich vier oerschiedene Bekenntnisse zur Abhaltung ihrer Gottesidenstc vereinigen, ist in einem amerikanischen Ort East Lau sing in Michigan «ingeweiht worden. Die Kosten für den stattlichen Bau sind gemein- sam von den Baptisten, Kongregationalisten, Methodisten und Presbyterianern aufgebracht worden, die sich hier zu einer„Aolts- kirche" oereinigen. Der Pastor der Kirche ist von allen gemeinsam an- gestellt und hält den Gottesdienst nach den verschiedenen Rhen. Ueber dem Altar sind die Sinnbilder aller vier Bekenntnisse angebracht. Der Andachtsraum hat Platz für 1300 Teilnehmer: außerdem gibt es noch ein« Kapelle ffir Hochzeiten und Begräbnisse,«inen großen Saal für Festlichkeiten, Studierzirmner und Unterrichtsräum«. Alexander Granach liest aus dem Heinrich-Mann-Abend de« Verbandes Deutscher Erzähler am 7., abend« 8 Uhr. im R e l ch» t a g die Novelle.sseltcttaS*.— Heinrich Mann liest die Novelle.Der Jüngling— Karte» be» Bote u. Bock»xnd A. Werlheim. ver Physiologe Lharle» Henry, bekannt durch seine Arbeiten über das Wesen der Katalyse und eine neue Farbenlehre, in in Parts gestorben. Funde ans der Zetl der völlerivanderung. Bei Ausgrabungen in der Nähe der ungarischen Stadt Szeged wurden annähernd bundeit goldene Schmuckstücke, edelsteinbcsetzte Kleider, Spangen. Goldplatten u. a. gesunden. die nach Annahme de» Direklor« de« Staatlichen Museums im sünsten bis sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung von den Gcpide» während ihrer Kämpse mit den Avaren vergraben worden find. Der Erfolg unserer Werbewoche. Bisher 40 000 neue Mitglieder» 44 000 neue Leser! In einer Zeit schwerster Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit von Millionen hat die Sozial- demokratische Partei ihre rote Werbewoche angesetzt und durchgeführt. Mit dankenswertem Eifer sind unsere Partei- genossen in den meisten Bezirken ans Werk gegangen, um bei den Gleichgültigen neues Interesse für den sozialistischen Kampf zu erwecken und der sozialdemokratischen Presse neue Leser zu gewinnen. Bis zum 3. November wurden beim Parteivorstond aus den einzelnen Bezirken gemeldet: 40 693 neue Mitglieder, darunter SZZS Frauen, 44 238 neue Abonnenten für die Parteipresse. Diese Zahlen sind nur vorläufige. Es ist zu er- warten, daß sie noch wesentlich sich steigern werden, denn aus keinem Bezirk konnten bisher die Meldungen aus allen Ortsvereinen mitgeteilt werden. Aus dem weiten Bezirk Brandenburg zum Beispiel liegen erst aus 132 von ins- gesamt 415 Ortsoereinen Meldungen vor. Bom Bezirk Breslau hoben erst 153 von 255 berichtet. Aus der Pfalz konnte erst das Resultat von 60 Ortsvereinen über- mittelt werden, während das von den restlichen 150 Ortsver- einen noch aussteht. Auch aus Württemberg werden noch 230 Ortsvereine als fehlend gemeldet, während der Bezirk Niederrhein erst aus 6 von insgesamt 11 Unterbezirken die Resultate angeben kann. Bon den Parteizeitungen stehen die Angaben von 50 Blättern noch gänzlich aus, und die Zahlen- angaben der übrigen sind ausdrücklich als noch nicht abge- schlössen bezeichnet. Auch in der Roten Woche vom März 1914 zeigte sich, daß das endgültige Resultat erst längere Zeit nach dem Schluß der Arbeit festgestellt werden konnte,, und daß nach dem ossi- ziellen Abschlußtermin noch eine sehr starke Steigerung der zunächst gemeldeten Zahlen eintrat. Wir können also auch diesmal damit rechnen, daß die an sich schon ä u ß e r st günstigen vorläufigen Meldungen durch noch weit günstigere abgelöst werden. Sie zeigen uns, daß die alte Werbekraft der Partei und die Werbefreudigkeit der einzelnen Parteigenossen keineswegs nachgelassen hat. Das ist be- sonders erfreulich in dieser Zeit der s ch w e r st e n w i r t» s ch a f t l i ch e n Not, die es unendlich vielen Arbeitet* familien fast unmöglich macht, sich auf dauernde finanzielle Verpflichtungen festzulegen. Auch die Hetze der Kom- m u n i st e n, die gerade in den Jndustriebezirken während dieser Woche mit besonderem Nachdruck betrieben wurde, hat eine wesentliche Hemmung der Werbearbeit nicht erzielt. Vielmehr konnte oft beobachtet werden, daf* die maßlosen Be. schimpfungen, die die Kommunisten an Stelle sachlicher Gründe zu setzen pflegen, auf weite Kreise der Arbeiterschaft geradezu abstoßend gewirkt und somit das Gegenteil von dem erreicht haben, was damit beabsichtigt war. Die so erfreulich eingeleitete Werbearbeit kann mit der Werbewoche nicht abgeschlossen sein. Unsere Genossen im Lande werden aus den Erfolgen, die sie erzielt haben, neuen Anstoß herleiten, mit verstärkter Kraft an dem weiteren Aus» bau der Parteiorganisation und an die weitere Verbreitung unserer Presse zu gehen. Dazu Glückauf! Robert dißmann. Ankunft des„Colnmbus".— Die Trauerfeier. Die Leiche Robert Dißmanns wird nach der am heutigen Donnerstag fälligen Ankunft des Dampfers„dolmnbus" in Bremen von Vertretern des Verbandsvorstandes der Metallarbeiter in Empfang genommen und nach Stuttgart übergeführt werden. Am Sonntag, vormittag 10 Uhr, ist im Stuttgarter Siegle-Haus eine große Trauerfeier, an der Vertretungen des Reichstags, der sozial- demokrattschen Fraktionen, des Parteivorstandes, des Jnternatio- nalen Metallarbeiterbundes und der verschiedenen Metallarbeiter- organisationen teilnehmen. An die Trauerfeier schließt sich ein großer Trauerzug zum Pragfriedhof an, wo die Bestattung erfolgt. » In Dißmanns Kämpferleben nimmt seine Arbeit im Metall- arbeiterverband einen besonderen Platz ein. Gerade im Metall- arbeiteroerband wogte noch dem Krieg die Meinungsfehde überaus stürmisch. Auf dem Meiallarbciterkongreß in Stuttgart(1913) hatte die unabhängig-kommunistische Opposttion die Mehrheit. Sie wählte ihren Wortführer Robert Dißmann mit einigen seiner Freunde in den Verbandsvorstand. Als im Gewerkschaftsbund die Forderung nach Jndustrieverbänden erhoben wurde, fand sie in Diß- mann ihren rücksichtslosen Verfechter. Mit seiner ganzen Leidenschaft setzte er sich für sie ein und es ist ihm persönlich sehr nahe gegangen, als sich der Breslauer Gewerkschaftskongreß gegen die so heiß ver- fochtenc und für ihn selbstverständliche Sache entschied. Nahe stand er vor allen Dingen immer der Neugestaltung der Sozial- gesctzgebung. In schier unendlichen Verhandlungen und Aus- einandersetzungen ist es ihm mit seinen Fraktionskollegen gelungen, die Fürsorge für die Erwerbslosen fortgesetzt zu verbesiern. Dazu kommt sein Wirken In der internationalen Arbeiterbewegung, vor allem im Internationalen Mctallarbeiterbund. Auf dem Hauptgebäude des Metollarbeiteroerbandes in Stutt- gart slattert die rote Fahne halbmast als Zeichen der tiefsten Trauer. Mit seinen Kollegen und Kameraden, den Metallarbeitern, trauert in Deutschland die Partei um den Abgeordneten und Kampf- genossen. Auch im Auslande fiihlt man den Verlust, den die Arbeiter- bewegung mit dem Tode Robert Dißmanns getroffen hat. * In einer Beileidskundgebung des Allgemeinen freien Angestell- tenbundes(AfA) an den Deutschen Metallarbeitcrverband heißt es il a.: Unsere freigewerkschaflliche Angestelltenbewegung Hot Robert Dißmann besonders nahegestanden, da er mit zu den Ar- beiterführern zählte, die die Notwendigkeit einer restlosen organisa- torischen Erfasiung der kaufmännischen und technischen Angestell. t e n im Interesse der vollen Schlagkraft der gesamten Arbeiter- bewegung rechtzeitig erkannt haben. Es war ihm mit zu danken. wenn gerade in der Metallindustrie das Zusammenwirten des Deutschen Metallorbeiterverband mit den zuständigen AfA-Ver- bänden ein besonders inniges geworden ist. Pressechef Zechlin. Die Ernennung des bisherigen Dirigenten der Presseabteilung der Reichsregierung. Geheimrat Dr. Zechlin zmn Ministerialdirektor und Leiter der Presseabtoilung, an Stelle Dr. Kiep», der als Botschaftsrat nach London geht, ist grundsätzlich beschlossen und dürft« im Laufe des heutigen Tages erfolgen. Die Niederlage der nutzt hatte,'war nicht mehr zu finden. Die Vunöer öer Klara van tzaag. 4] von Johannes vuchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Nicht, um ihrer Sache sicherer zu sein, sondern in eine Erinnerung verloren, sagte sie: „Du hast nicht die Augen deines Vaters geerbt, und auch nicht das Haar. Dein Vater hat doch fast schmarzes Haar. Zurückgestrichen, nicht wahr?" Hedwig lachte und sagte:„Vater hat jetzt fast gar kein Haar." Die Gnädige lachte auch. Sie unternahm es, Hedwig von allen Seiten mit derselben Sorgfalt zu betrachten, mit der. sie zuvor das Zollamt betrachtet hatte. Hedwig wurde rot unter ihrem Blick, fühlte sich aber nicht unbehaglich. Die Gnädige hatte große merkwürdige Augen, und der Ausdruck in ihrem Gesicht wechselte unablässig. Es war— mußte Hedwig denken— als stände die Gnädige an einem Fenster und sähe eine große Prozession vorbeiziehen. Bald winkte sie einem Bekannten zu, bald lachte sie über einen lächerlichen Menschen, bald runzelte sie die Stirn ein bißchen, weil einer kanr, den sie nicht mochte. Es oerging einige Zeit in Schweigen, dann sagte die Gnädige ernst mit ihrer wohltönenden Stimme:„Ich bin Konsul Steens Tochter, vielleicht hast du dies schon verstanden. Dein Vater und ich sind zweite gute Spielkameraden gewesen, damals in alten Tagen.— Ich finde, jetzt kann ich unmöglich reisen, ohne ihn gesehen zu haben: ja ich glaube, ich kann ebensogut gleich in Knarreby bleiben. Hier ist es nicht un- erträglich, wenn du bei mir bist." Sie öffnete einen Koffer und wühlte in den duftenden, blütenblattweichen Kleidem drinnen, fand dann einen flachen Mahagonikasten und entnahm ihm eine, wie ein Kleeblatt geformte Amethystnadel, die sie lächelnd Hedwig reichte. „Die sollst du an. dein Kleid stecken, am Halse!" „Danke," sagte Hedwig und bot ihr die Hand. Die Gnädige untersuchte wieder ihre Finger und sagte: „Und don müssen wir die kleinen Balletkinder ihrer Bestim- mung gemäß einüben. Wir werden drei gute Freunde sein hier im Zollhaus. Du, der Flügel und ich! Das muh genug fein können, sollte ich meinen!" In diesem Augenblick hörte man einen Wagen vorfahren md draußen halten. Darin saß der Zollverwalter. Er hatte nicht leere Worte gesprochen. Hedwig fühlte einen Stich im Herzen. Sollte das Zollamt jetzt wieder ein Möbelpackhaus werden, in dem ein paar Menschen zufällig eingeschlossen worden waren? Nein, die Gnädige öffnete nur das Fenster und gab ihren Befehl, dem zu gehorchen keiner unterließ: „3>er Wagen kann wieder fortfahren: ich bleibe." Der Zolloerwalter wiederholte den Befehl auf seine Weise: mit derselben Betonung, als wenn er sein Rasiermesser verlangte. Aber es war überflüfig. Sören Fuhrmann hatte schon die Pferde mitten aus die Straße gewendet, jetzt ver- setzte er den Roten einen Extraschmitz, so daß ihr« Hufe Funken auf den Pflastersteinen schlugen. Da sagte die Gnädige einige Worte, die Hedwig fast mehr verwunderten, als alles andere, das sie an diesem bewegten Tage gehört und gesehen hatte:„Geh hinunter und bitte den alten Mann herauf." „Den alten Mann?" „Ja, den alten, verblichenen Mann. Bitte ihn die Rede für mich zu halten, in der er unterbrochen wurde." Hedwig verstand es selbst nicht, aber die Trän«n preßten sich aus ihren Augenwinkeln hervor, als sie die Treppe her- unterlief. Sie brach in die Bureautür ein, ohne anzuklopfen, schlang beide Arme um den kleinen, verdorrten Mann am Fensterpult und sagte mit einem einzigen Atemzug:„Poulsen! Sie ist der beste Mensch auf Erden und dazu eine Königin. Mir hat sie diese Edelsteinnadel gegeben— und jetzt sollen Sie heraufkommen und ihr Ihre Rede halten! Und sie bleibt, Poulsen. Sie reist nicht. Beeilen Sie sich, Poulsen. Sind Sie nicht schrecklich froh?" 2. Kapitel. Am nächsten Abend ging Hedwig nach Hause. Die Gnädige hatte den ganzen Nachmittag bei ihr in der Küche gestanden und ihr viele Dinge aus ihrer Kindheit und Jung- mädchenzeit erzählt. Jetzt schickte sie durch sie einen muntern Gruß an den Bater, und das Versprechen, ihn bald zu besuchen. Ja. ja. dachte Hedwig, als sie in den Bahnhofsweg ein- bog: es hätte ja eine schlimmere Zeit kommen können als jetzt. Wie, wenn es gekommen wäre, als wir noch im Hinter- haus bei dem Tischler wohnten und als Baters Kamera auf einem Zemeistfaß mit einer grünen Gardin« darüber stand. Hedwig erschauerte vor Unbehagen, wenn sie an die Zeii dachte. Nein, da war das weiße Häuschen, das ihr Dater gebaut hate, doch etwas anderes. Gerade jetzt tauchte es vor ihr auf und schimmerte eigentlich vornehm und festlich unter den wilden Wein- und Jelängerjelieberranken hervor, die bis mitten aufs Dach reichten. Hedwig wußte zwar, daß es drinnen nicht gerade so schimmernd vornehm und festlich war— o nein— aber jetzt sie anfaßte. Es brannte schon Licht hinter den kleinen Scheiben, so saß der Bater also schon bei der Arbeit. Wie seine Laune wohl sein mochte? Sie ging über die Grabenbrücke und öffnete. Eine ein- fache, aufreizende Türklingel lärmte. Hedwig sagte:„Ich bin's," und ging durch das„Wartezimmer"— es erschien ihr besonders elegant eingerichtet, wenn die Möbelbezüge auch nicht wenig beschädigt waren— in den nächsten Raum, der Wohn- und Arbeitszimmer zugleich war. Sie sah mit einem einzigen Blick, daß es Besonderes los war. Der Vater stand an seinem Tisch und beschnitt Bilder. Er deckte den Schimmer der kleinen Lampe, so daß der übrige Teil der Stube im Halbdunkel lag, aber auf der Ruhebank saß Hedwigs ältester Bruder Sivert, der Glasergeselle, Klein- Emanuel an sich gepreßt, beide mitten in eninem erschüttern- den lautlosen Gelächter hinter dem Rücken des Vaters. Es war nichts Merkwürdiges dabei, daß Siocrt lachte, das Gegen- tell wäre sonderbar gewesen: aber wie in aller Welt war es zugegangen, daß er sich hier auf der Ruhebank breit machte, während der Vater es ruhig trällernd geschehen ließ? Und sieh, jetzt wandte der Bater sich um und nickte guten Abend mit seiner großen, blanken, kahlen Glatze. Auch sejn Antlitz war sichtlich munter. Rätselhaft. „Ist Mutter draußen?" fragte Hedwig und ging in die Küche. Ja, Mutter war da. Sie ließ los, was sie in der Hand haste, lief der Tochter entgegen und drückte sie an sich. „Und du hast so einfach frei bekommen. Ich erwartete dich nicht in der ersten Woche. Wie ist sie denn? Ich sah sie ja in Sören Fuhrmanns feinstem Wagen oorbeikutschieren, neben dem Zöllner selbst, mit weißem Hut mit Federn und Flitterkram. Ist sie nett?" Hedwig platzte ja vor Lust, von ihrer neuen Herrin zu erzählen, aber sie mußte erst wissen, was es drinnen in der Stube gab, und daher sagte sie nur:„Ja, sehr nett." (Fortsetzung folgt.) Um die Mehrheit im Magistrat�! Die hysterischen Schreikrämpfe der kommunistischen Rathausfraktion wirken bei der„Roten Fahne" heutigentags noch nach. Sie oersucht immer wieder ihrer Leserschaft klarzumachen, daß die klassenverräterischen Sozialdemokrtaen mit vollster Absicht eine bürgerliche Mehrheit im Magistrat belassen hätten. Das Bolfchewistenblatt hat sich jetzt daraus gelegt, an den Fingern herzuzählen, wer im Magistrat wohl für Ar- beitersorderungen in Frage käme und wer die„Reaktionäre" sind, die wirklich berechtigte Forderungen der Bevölkerung niederzu- stimmen willens sind. Wenn die Zusammensetzung des Magistrats nach der Wahl des demokratischen Generalsteuerdirektors Lange zum Kämmerer so ist, daß 12 Magistratsmitglieder der Linken 12 Bürgerlichen gegenüberstehen, so— definiert das Blatt— hat der Oberbürgermeister als Vorsitzender dos Magistrats die aus- schlaggcbende Stimme. Daß der„Reaktionär" Böß selbstverständlich alle von der Linken kommenden Anträge und Vorschläge brutal niederstimmen wird, ist bei der„Roten Fahne" ausgemachte Sache. Für den Fall, daß alles mit der mathematischen Genauigkeit verlausen würde, wie es das Bolfchewistenblatt schildert, wird von ihm aber doch eins verschwiegen: Daß nämlich die Magistrats- fitzungen keine Stodwerordnetenversammlung sind, in der Reden zum Fenster hinaus gehalten werden können. In den Magistrats- fitzungen wird vielmehr ernste, sachliche und frucht- bringende Arbeit geleistet, von Leuten, die, dreimal ge- siebt, auch das Zeug dazu haben. Die„Rote Fahne" braucht in ihrem„Kampfe um die rote Mehrheit im Magistrat", der für sie ein einziger Kamps gegen die Sozialdemokratie ist, das natürlich nicht zu wissen und sie kann es sich leisten, ihren Lesern zu verschweigen, daß in den Magistratssitzungen Persönlich- leiten und Vorschläge gewogen und nicht Stimmen gezählt werden! Auch der lauteste Schreier kann nicht über die Tatsache hinweg- täuschen, daß die Sozialdemokratie bei der Neubesetzung der offenen Stadtratsstellen einen entscheidenden Sieg davongetragen hat, der nicht möglich gewesen wäre, wenn sich unsere Genossen im Stadtparlament der kommunistischen Taktik angeschlossen litten. Wenn jetzt nachträglich die kommunistische Stadtverordneten- sraktion noch das„große Opfer" bringt, den Sozialdemokraten den Kämmererposten anzubieten, so hat sie auf diese Dummdreistigkest von uns im gestrigen Abendblatt die Antwort erhalten. Das könnte den Leutchen aus der Rtünzstraße so in den Kram passen, daß wir mit ihrer Hilfe den Kämmerer stellten, der sich dann für den Etat und seine sonstigen Vorlagen eine Mehrheit im Stadtparlament wchen müßte, wo er sie fände. Oder haben etwa die Konimunisten die Absicht, entgegen ihrer bisherigen Hebung den Etat zu be- willigen? Es bleibt dabei, daß nur die praktische, verantwortungsvolle Arbeit der Sozialdemokratie im Rathaus zu wirklichen Erfolgen in der Komnmnalpolitik führen kann! Der mißbrauchte Vorschuß. Wuchergeschäfte statt Einkäufe. Durch die Inanspruchnahme eines Gehaltsvorschusses hatte sich der Stadtsekretär Sch. eine Anklage wegen Betruges zugezogen und war auch vom Schöffengericht Spandau zu 72 Mark Geldstrafe ver- urteilt worden, weil er den Vorschuß durch falsche Angaben über den Zweck desselben erhalten hatte. Der Stadtsekretär hatte beim Magistrat beantragt, ihm 200 Mark Gehaltsvorschuß zu bewilligen, weil er für sich und seine Frau Wintermäntel, und für seine beiden Kinder Winterwollsachen dringend benötige. Der Vorschuß war ihm auch bewilligt worden. Nach einiger Zeit wurde er aufgefordert, den Nachweis zu führen, daß er auch diese Anschaffungen mit dem Gelde gemacht hätte Er reichte eine Rechming seines Schneider- meisters ein. daß dieser zwei Mäntel geliefert und bezahlt bekommen hakte, und aus einem Wollgoschäft ebenfalls Ouitungen. Beide Rechnungen waren jedoch falsch. Man war gegen Sch. miß- trauisch geworden und hatte Nachforschungen angestellt, well bekannt geworden war, daß Sch. mit einem Wucherer in Geschäftsverbindung stand und mit diesen, zusammen sogar während der Dienstsiunden in den Dicnfträumen arbeitete. Infolgedessen wurde Sch. unter An- klage gestellt und zu 75 Mark Geldstrafe verurteilt. Auf die Bs- rufung des Angeklagten hatte sich die Große Strafkammer nochmals mit dieser eigenartigen Betrugsangelegenheit zu beschäftigen und die rechrlichen Grundlagen des Urteils nachzuvrüfen. Der Angeklagte hatte behauptet, daß er tatsächlich in Not'gewesen sei, weil seine Ehefrau eine Handtasche mit 233 Mark verloren gehabt habe. Durch diesen Verlust sei er zu seinem Bors6)ußantrage ver- anlaßt gewesen. Nach eingehender Prüfung dieser Behauptung fol- gerte die Strafkammer jedoch mis einer Reihe von Widerspruch«, des Angeklagten und seiner Ehefrau, daß die ganze Verlust- gefchichte erdichtet sei. Auf alle Fälle waren die Angaben des Angeklagten über den Zweck des Vorschusses falsch. Er habe sich dadurch widerrechtlich einen Vermögensvorteil verschafft, denn er hätte auf das Darlshn keinen Anspruch gehabt. Diesen Betrag hat er dem Magistrat entzogen und ihm einen Vennögensschaden zugefügt. Es kam dabei auch gar nicht in Betracht, daß der AjigeklaAe die Summe inzwischen in Raten zurückgezahlt und die vereinbarten 10 Mark Zinsen bezahlt hatte. Der Angeklagte hat sich des Betruges schuldig gemacht und mußte bestraft werden. Die Geldstrafe des Vorderrichters erschien der Strafkammer an sich in diesem Falle zu gering, sie war aber an das Strafmaß gebunden, weil der Staats- anwalt keine Berufung eingelegt hatte. Wenn ein Beamter in Not fei, meinte Landgerichtsdirektor Siegert, werden die Richter ihm immer Verständnis entgegenbringen. Hier aber hat der Angeklagte nach der Ueberzeugung des Gerichts das Geld durch falsche Vor- spiegelungen nur für feine Wuchergeschäfte beschaffen wollen. Die Berufung des Angeklagten wurde daher verworfen. Die Freidenker-volkshochschule Berlin, die kürzlich zum vierten Male ihre Herbstarbeit begann, hat einen besonders lebhaften Zu- spruch zu verzeichnen. Am 1. Vortragsabend über den Philosoph!- schen Materialismus nahmen über 201) Personen, vorwiegend Jugend- liche, teil. Der nächste Kursus von zwei Abenden behandelt die materialistische Geschichtsauffassung und gibt Ge- legenheit, sich über dieses theoretische Fundament des wiiienschost» lichen Sozialismus zu unterrichten. Arbeitslose haben freien Ein- trttt. Die Vorträge werden unter Vereinsnachnchten regelmäßig angezeigt. Ist wirtschaftliche Notlage kein Grund? Mit welch bureaukratischer Engherzigkeit oft in Erwerbslosen- angelegenheiten verfahren wird, zeigt ein Fall, den man uns über eine wenig soziale Entscheidung des städtischen Ausschusses für Er- werbslosenhilfe mitteilt. Der Kriegsbeschädigte Heinrich Sch., Berlin- Marienfelde, Dorfstr. 35, erhält eine Kriegsbeschädigtenrente in Höhe von 7 M. monatlich. Vom Februar bis 30. September 1926 war Sch. arbeitslos, bezog also E r w e r b s l 0 s e n un t e r- st ü tz u>, g. Don dieser wurden ihn, jedoch wöchentlich 63 Pf., 2,6 6 M. in, Monat abgezoen, weil Sch. Kriegsbeschädigten- rente empfängt. Sch., der jetzt nur eine Aushilfsstellc hat und täglich mit neuer Erwerbslosigkeit rechnen muß, hat nun gegen die Anrechnung der Bcschädigtenrente aus seine Erwcrbslosenuntcr- stützung Beschwerde erhoben. In der Antwort des Bezirksamts Tempelhos wird Sch. mitgeteilt, daß seine Beschwerde gegen die Anrechnung der Rente aus seine Erwerbslosenunterstützung a b- gelehnt worden sei.„Da," so heißt es in dem Schreiben, „allein die wirtschaftlich« Notlage nicht ausreiche, um von der Anrechnung abzusehen." Da der Beschluß des Aus- schusses endgültig ist, besteht keine Bcschwerdemöglichkeit. Diese Ablehnung, vor allem ihre Motivierung, zwingt zu ernsthafter Kritik. Was ist denn nun ein„triftiger Grund" zu materiellen Dieser Mittwoch war dem Berliner Rundfunksender trotz aller guten Absichten nicht recht geglückt. Di«„Polnisch« Wirt- sch oft", die vielbelacht, aber selten von den Zuschauern ganz in den Zusammenhängen verstanden, vor dem Kriege über die Bühnen ging, ist«in wenig sunktaugliche- Werk. Wer soll sich durch die Wirrnisse aller der behandelten Familienzusanunenhäng« und der falschen und richtigen Namen hinburchfinden? Die Hörer aber werden nicht ein- nwl durch die Situationskomik, an der es bei einer Aufführung des Werkes keinen Mayg:! gibt, entschädigt, ihnen bleibt nur die nett« Musik Gilberts. Aber selbst die ist veraltet, und das Allerbest«, was sie bietet, sind eigentlich die Reminiszenzen an längst verklungen«. einst sehr beliebt« Schlager.— Auch der Nachmittag gab mit Kleist's „Prinzenvon5iomburg"k«in sehr glückliches Sendespiel. Auch hier verlangt die Handlung zum Verständnis das Bühnenbild. Und wenn man selbst voraussetzte, daß«in sehr großer Teil der Funkhörer das Werk kennt, und also das Spiel verfolgen konnte, so ist es immer- hin schade, daß«in« Schar guter Darsteller zu einer unfruchtbaren Arbeit lxrangezogen wurde. Es ist gewiß ein guter Vorsatz, aus der Iugenddühne am Nachmittag klastische Werke zu bringen— übrigens sollt« man hier nicht etwa grundsätzlich die Grenzen allzu eng ziehen, aber vor allen Dingen dars man nur solche Dichtungen berücksichtigen, die«in einigermaßen verständliches Hörbild ergeben. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 4. November. Anßer dem ühlichen Tagesprogramm: 12.30 ühr naebm.: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.30 Uhr nachm.: Alice Berond liest ans ihrem Komnn: Die Bräutigame der Babotte Bomberling. 5—6 Uhr abends: Kammermusik. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildnngskurse). Abteilang Technik. Geh. Rog.-Rat Professor Dr. Brix: Auto und Straße. 7.05 Uhr abends: Einführung zu dem Sendespiel ,Nonna' am 5. November. 7.80 Uhr abends: Hans-Bredow-Sohule(Büdnngs- kurse). Abt. Sprachunterricht. 0. M. Aläeri und Q. v. Eyseren: Spanisch. 8 Uhr abends: Dr. Völter: Die Rolle der Beamten im Wirtschaftsleben. 8.30 Uhr abends: Dr. Archenhold: Die Sonnen- flecken und ihr Einfluß auf irdische Erscheinungen. 9 Uhr abends; Bunte Stunde. 1. a) Roh. Krüger: Titanenkampf, Marsch, b) Mo- rena: Die Schönen von Valencia, Walzer(Berliner Funkkapolle. Leitung: Konzertmeistor Franz v. Szpanowski). 2. a) Rudolf Nelson: Sag, wo hast du diese Bewegung her, b) O'Earley: Bilde dir ein. glücklich zu sein(Robert Koppel, Bariton), 3. Suppd: Humoristische Variationen über.Was kommt dort von der Höh" (Berliner Funkkapello). 4. Negerlieder: a) Der Schornsteinfeger, b) Die Eichkatze hat einen buschigen Schwanz, c) Mein gewohntes Gläschen, d) Wer wird dir nun Hühnchen bringen? e) Kohlenbrenner(Edna Thomas aus Louisiana; am Flügel: Doro Leeser). 5. Erdm. Graeser: Das Examen(Robert Koppel, Rezitation). 6. Eilenberg; Renntierposh Galopp(Berliner Fnnk- kapolle). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tages- nachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30—12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester Ett<5). Königswusterhausen, Donnerstag, den 4. November. 2.30— 3 Uhr nachm.: Zentrale der Hansfrauenverfine Groß- Berlin: Die Hausfrau als Lohrfrau im Hause. 3— 3.30 Uhr nachm.: Prof. Dr. Amsel und Oberschullehrer Westermann: Einheitskurz- schrifh 3.30—4 Uhr nachm.: Landesrat Dr. Vossen, Düsseldorf: Die praktische Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und freier Liebestätigkeit. 4.30--5 Uhr nachm.: Ans dem Zentralinstitut. Berichte. 5—6.30 Uhr nachm.: Dr. med. Tatter: Die Falfcnerei und ihre Geschichte. 5.30—6 Uhr abends: Professor Dr. Woißonberg: Vererbung erworbener Eigenschaften. 6—6.30 Uhr nachm.: Dr. Schindler: Die Bedeutung der landwirtschaftlichen Markt- beoachtnng. 6.80— 7 Uhr abends: Dr. phil. Wegner: Grundlage der Wettervorhersage. 7— 7.30 Uhr abends: Dr. James Simon: Beethovens Kammermusik. 7.30—8 Uhr abends: Thea von Harbou: Das Nibelungenlied. Ab 8.30 Uhr abends: Hebert ragung aus Beilin. Milderungen als die soziale Notloge des protestierenden Sch.? Ist der Mann für die sehlenden Arbeitsbedingungen verantwortlich zu machen; kann er dasür, daß er keine Substanz für gemütliches Rentnerdasein hat, sondern von der Hand in den Mund lebt? Jever auf üem Eiswerüer in Spanüau. Die Feuerwehr zeitweilig ohne Master. Gestern abend, kurz vor 7 Uhr. wurden die Spandauer Feuer. wehren nach der„Alten Pulverfabrik" S p a n d a u- E i s- werder alarmiert, wo in dem Dachgeschoß eines Fabrikgebäu- des, das inmitten eines großen Jndustriekomplexes liegt, Feuer aus- gebrodzen war. Die Wehren, die nach kurzer Zell unter Leitung des Branddirektors Kreis erschienen, fanden bereits einen aus- gedehnten Brandherd vor. Hohe Flammen schössen aus den Luken und erleuchteten die ganze Umgegend taghell. Eine unvorher- gesehene Wasserkalamität wäre beinahe zum Verhängnis ge- worden und hätte unter Umständen eine große Brandkatastrophe herbeiführen können. Die Hydranten, die sonderbarerweise nicht an das städtische Leitungsnetz angeschlossen sind, funktionierten zuerst nicht. Das Feuer konnte dadurch noch größere Ausdehnung gewinnen, bis es den Wehrleuten gelang. die Hydranten in Ordnung zu bringen. Eine ungewöhnlich starke Und beißende Quolmentwicklung erschwerte zudem noch die Löscharbeiien. Nach mehrstündiger Tätigkeit rückten die Wehren ... o..". j>f. r r_____ � m � x...-»vt'ciX/s«« />t*'TM st Fabrik--------„...., von 466 Grad angeserttgt. Die Hitze entweicht durch einen Luflschacht. hat aber im Laufe der Zeit das Gebälk derart.g aus- getrocknet, daß eine Selbstentzündung erfolgte. Der Schoden soll sich auf etwa 25 006 bis 30 000 M. belaufen. das Rennsa um die �bzahlungsgefthäste. Die starken Bemühungen der Warenhäuser und des Spezial- Handels, das Abzahlungsgeschäft an sich zu zi-hei,. haben die bis- herigen Repräsentanten des Teilzahlungsgeschäfts nicht ruhen lasten. So teilt jetzt der Rsichsverband des kreditgebenden Einzelhandels E. B. das Zustandekommen einer neuartigen Organisation mit. deren Tätigkeit die Konkurrenz um den zahlungs- schwachen Käufer noch zu verschärfen geeignet ist. Der genannte Rcichsverband. der die Interessen der gesaniten Abzahlungsgesihäste vertritt, hat mit der Kreditanstalt für B e r k e h r s in i t t« l Sl.- G.. Berlin, ein Abkommen über die Finanzierung der auf Abzahlung durchgeführten Waren- Verkäufe getrosten, um durch Bermittlung einer aus genossen- schaftlicher Basis ausgebauten Organisation, der Diskont- B e r e i n i g 11» g des kreditgebenden Einzelhandels eingetragenen G. m. b. H., Berlin W. 9, Potsdamer Straße 126, die A u ß e n- stände der einzelnen Geschöste zu beleihen. Als Gründe für diese iieue Organisation gibt der Reichsoerband des krcdit- gebenden Einzelhandels E. B. folgende an: 1. Verbillig» n g der Warenpreise durch Ratio- n 0 l i s i e r 11 n g des E i 11 k a u i s. Die dadurch entstehende Verbilliaung muß ganz dem kaufenden Publikum zugute kommen. 2. Verlängerung der Zohlungszlele, um dadurch auch der Ungeheuern Menge der Kleinloh n empfönoer durch kleinste aus einen langen Zeitraum verteilte Raten die An- schasfung nicht von Luxusartikeln� sondern von lc b c ,1 s- notwendigen Gegenständen zu ermöglichen. 3. Schafsuna einer finanziell« n Reserve, die es dem einzelnen Kausmonn gestattet, bei eintretendem, nachweislich unverschuldetem Zohliiiigsunvermöqen des Käufers, wie Arbeits- losigkeit. Krankheit usw. eine Stundunq der Ratenzahlungen gewähren zu können, und dadurch den Käufer von einer schweren Sorge zu befreien. Mit der Erfüllung dieser drei Punkte hofft der Reichsvcrband des kreditgebenden Einzelhandels E. D., die Aufgaben der Ab- zahlungsgeschäfte auf verbreiteter und gefestigterer Grundlage erfüllen zu können » Die Verhandlungen, die seit einiaer Zeit zwischen dem B e r- band Berliner Spezialgeschäfte wegen der Schoiiung einer großzügigen Organisation zur Finanzierung des Konlums geführt werden, sind nunmehr zum Abschluß gelangt. Durch ein vom Verband Berliner Spezialgeschäste mit der„Citag'' (C 0 m m e r c i a l Investment Trust A.- G.) getrofsenes Ab- kommen wird, noch den Mitteilungen des Verbandes, es Vertrauens- und kreditwürdigen Persönlichkeiten jeden Berufs und jeden Standes ermöglicht, zu aünstigen Bedinaungen Kredit zu erhalten, und auf Grund dieses Kredits In bewährten Spezialgeschäften die für die Bedarfsdeckung in Betracht kommenden Gegeiillände einzukaufen. Die neugeschassene Organisation wird ihre Tätigkeit noch vor Weihnachten, spätestens aber am t. Dezember d. 5., aufnehmen. Irgendeine Anzahlung hat der Kreditnehmer n i cht zu leisten._ Dienstalter der Arbeitsnachweis-Angestellten. Für die Angestellten der Bezirks-Arbeitsnachweis« der Stadt Berlin und der Fachabteilungen des Landesarbeitsamtes Berlin will die sozialdemokratische Stadtverordneten- sraktion durch eine von ihr beantragte Abänderung der Dienstordnung eine bessere Regelung der Dienstastersvethült- niste herbeiführen. Die Dienstordnung bestimmt ini 8 2 Abs. 1: „Die Dienstverhältnisse der unter die Dienstordnung sollenden An- gestellten regeln sich nach den für die nichtständigen Angestellten der Stadt Berlin jeweils geltenden allgemeinen tarifvertraglichen Bestimmungen." Hierzu soll, fordert der Antrag, der Zusatz gemacht werden:„mit der Maßgabe, daß den Tarisangestellten der Arbeits- nachweise bei der Festsetzung des Besoldungsdienstalters die vor dem Sei/ Generationen ziert zu Familienfesten ein Kuchen den Tisch. Auch hier gilt der Fortschritt unserer Zeit:„Alle Sorgen für das gute Gelingen dieses Haupt- und Mittelstückes der festlichen Begebenheiten sind verschwunden, wenn Dr. Oetker's Backpulver„Backin", seine zuverlässige Triebkraft entfalten konnte." Eine glänzende Auswahl von vielen ganzlich neuen Rezepten für Kuchen, Torten u. Kleingebäcke aller Art ist in dem neu erschienenen Oetker-Rezeptbuch, Ausgabe F enthalten, das zum Preise von 15 Pfg. in allen einschlägigen Geschäften zu haben ist, wenn nicht vorhanden, gegen Einsendung von Marken von Dr. Ä. Oeikcr, Bielefeld. w teü» Kjofma-Tinii liral ur Br. Mto'i lidnnhn„Jidis" in Tmafti«. Ladenverkanfsprelse: fg-. e- fg. Vanille-Soßenpulver 5 Pfg, Fspr Backpulver„Backin" 10 Pfg., 3 Stck. 25 Pfg. uddingpulver Vanille— Mandel 8 Pfg. che-Hülfc ru «a Si. Folgen Sic dam Schritt der Zeit und ersetz«! Ihr altes Heft durch ein Viel« Rexepte für beliebte Puddings und süße Oeiee- speisen sind außerdem in dem neuen Buch enthalten. Auf den vorrüg-Hch. Backapparat Küchenwunder" mit dem man auf kleiner Gas« kocherflamm« bei einem Gasverbrauch von es. 3 Pfjf. eines großen Kuchen backen kano'wird empfehlend hinyewieaen. Der Apparat ist hs Denen Reaeptbach, Assfmbe F abfebildet und naher bsschriaben. Eintritt in den städtischen Dienst zurückgelegte Dienstzeit, mindestens in der Vergütungsgruppe 5, anzurechnen und bei der Dienstaltererrechnung ihre Kriegs- und Militärdienstzeit praktischer Beschäfti- gung gleichzustellen ist"._ Proteste ües Mittelstanües. Streik von 2—5 Uhr. Eine Anerkennung kann man der Demonstration, die vom Berliner Kartell des selbständigen Mittelstandes gegen die Steuer- belastung ausgezogen war, nicht versagen: Die Regie klappte über- aus gut. LS bis 9 0 Prozent sämtlicher Geschäfte hatten als Protest gegen die«teuerbelastung, der Parole des Mittel- standskartells folgend, ihre Läden in der Zeit von 2 bis S Uhr nach- mittags geschlossen. Ebenso waren die Versammlungen, die in den Lokalen der Hasenheide, bei Kliem, in der Neuen Welt, in der Unionsbrauerei usw. stattfanden, überfüllt. Daß die Redner — es waren nur Redner bürgerlicher Parteien— neue Gesichtspunkte vorbrachten, kann auch der objektivste Beurteiler nicht de- haupten. Die W i r t j cha f t s p a r t e i hatte, wie immer bei der- artigen Demonstrationen, das große Wort. Im großen Saal der „Neuen Welt" leitete das Vorstandsmitglied des Berliner Kartells die Versammlung und begrüßte es mit besonderer Freude, daß auch die Zentrumsfraktion und die SPD. an der Kundgebung Anteil nehmen. In dieser Versammlung wurde besonders Oberbürgermeister Böß scharf kritisiert. Leider hatte man es auch für nötig gehalten, Knüppel-Kunze sprechen zu lassen. Von der Deutschen Volkspartei sprach Stadtverordneter Dr. Falß, der betonte, daß man sich nicht gegen Steuern überhaupt, wohl aber gegen einen Ueberdruck an Abgaben wehren wolle. Die Einwohner Berlins zahlten soviel Steuern, wie 4 Provinzen zusammen, daher sei es nur billig, wenn man erst die eigenen Ausgaben der Stadt decke und nicht den Finanzausgleich noch weiter hinausziehe. Es fei bedauerlich, daß man zuviel Sportplätze von Stadtscite aus baue, die llnsumnren verschlingen. Der deutschnationale Reichstags- abgeordnete Obermeister P a e t h behauptete, daß nicht weniger als 72 900 Steuerbeamte nur mit der Erledigung von Steuerbeschwerden beschäftigt seien. Der Deutsche Zigarrenhändler-Bund, Gau Groß-Bcrlin, hatte in Habcrlands Festsälen, Neue Friedrich- straße 3S, gleichzeitig mit den anderen Gewerbetreibenden«ine große Protestkundgebung veranstaltet. In einer Entschließung, die in allen Lokalen zur Annahme gelangte, wurde folgendes ge- 'ordert: Boldiges Inkrafttreten des Finanzausaleichs, Schasfung einer Rcichseinkommensteuer mit begrenztem Zuschlagsrecht dcrLän- der und Gemeinden, wie in der Vorkriegszeit. Abbau der Ge- werbe st euer, Beseitigung der Hauszins st euer, Herabsetzung der öffentlichen Ausgaben, größte Sparsamkeit in allen Verwaltungen und schleunigste Durchführung der seit Jahren an- oekündigten Verwaltungsreform. Wenn dazu an dieser 'Stelle etwas zu sagen ist, so nur das, daß, wenn eine Klasse über Sleuerbclastung zu klagen hat, es die Arbeiter, Angestellten und kleinen Beamten, die kleinen Rentner, Pensionäre und Kriegsbeschädig- tcn und die sreicn Berufe sind, die, wie jede Steuerstatistik zeigt, schon durch die Steuer den Hauptanteil der öfffentlichen L a it e n tragen, im übrigen aber durch die Preise, die sie für die Waren zahlen müssen, auch statistisch nicht erfaßbare Lasten auf sich zu nehmen gezwungen sind._ Ein verhängnisvoller Schuß. Das unvorsichtige Umgehen mit einer Schußwaffe hat wieder einmal Unheil angerichtet. In die Schankwirtschaft von Reinhold Frenze! vor dem Neuen Tor 1 kamen am Dienstag abend zwei Antosührer. die etwas angetrunken waren. Sie ichimpsten weidlich auf das Publikum, das an die Chauffeure große Anforderungen stelle und oft zu guter Letzt nicht einmal bezahle. Es gäbe auch Leute, die es von vornherein darauf anlegten, die Autoführer zu prellen. Darauf erklärte der eine, er nehme auf solche Preller gar keine Rücksicht. Dafür habe er stets eine Pistole in der Talche. Dabei zog er auch schon die Waffe. Der Wirt riet rhm, sie so'ort wieder einzustecken. In diesem Augenblick aber krachte n u ch s ch o n ein Schuh. Die Kugel drang dem Wirt in den Hals und kam an der Schulter wieder heraus. Jetzt liefen die Chauffeure, ohne sich um den zusammengebrochenen Mann zu k ü m m e r n, hinaus, kurbelten an und jagten davon. Ein Drosch- tenkutscher, dem diese eilige Abfahrt verdächtig erschien, ging in die Wirtschost hinein, sah Frenze! in seinem Blute daliegen, brachte ihn nacl, der Eharttc und machte Anzeige bei der Kriminalpolizei des 1 Reviers. Die beiden Chauffeure sind noch nicht ermittelt. Das überflüssige Jugendschntzgesetz. Im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses veranstaltete der „Bund entschiedener S ch u l r e-s o r in e r" gemeinsam mit der„Deutschen Liga für Menschenrechte" eine Protest- kundgebung gegen die Vorlage des Schmutz- und Schundgesctzes. Das Gesetz bednttet einen Frontalangriff der Reaktion, die die Abdrossclung störender politischer und geistiger Richtungen bezweckt, sllhrie Carl vo n O s s i e tz k y in seinem einleitenden Vor- trag aus. Genosse Professor Dr. Paul O e st r e i ch sprach darauf von der Ueberflüssigkeit eines derartigen Iugendschutzes. Tatsache ist, daß die moderne Jugend wenig liest. Radio, Sport und Technik bilden ihr Hauptinteresse. Das Gesetz kommt deshalb sowieso zu spät. Zur Demoralisierung der Jugend trögt die Literatur am wenigsten bei. Den Grund muß man in den sozialen Miß- Verhältnissen suchen, vor allem in der Wohnungsnot und in der Unmöglichkeit, Arbeit zu finden. Abstellung dieser Mängel würde die Jugend vor schweren Schäden bewahren, nicht aber der Kampf gegen die Groschenhefte. Die Versammlung nahm darauf die Entschließung an, den Reichstag in letzter Stunde zur Ablehnung des Gesetzes aufzufordern. Gemeinsam in den Tod gegangen sind der 49 Jahre atte Bäcker Erich L i e d k e aus der Franseckgstr. 8 und seine Ztzjährige Eho- frau. Die Leute hatten von ihren zwei Stuben im Seitenflügel eine untervermietet. Gestern morgen warteten die Untermieter vergeblich auf den Kaffee. Als sie die Klichentür verschlossen fanden und niemand sich regte, riefen sie die Polizei, die mit Gewalt öffnete und das Ehepaar in der mit Gas gefüllten Küche tot auf dem Fußboden liegend fand. Nach dem Befund ist das Ehepaar frei- willig in den Tod gegangen, wahrscheinlich, weil der Mann seit fünf Monaten arbeitslos war. Die Kommunisten veranstalteten gestern mittag und nachmittag eine Anzahl Kundgebungen in Sälen und aus Plätzen, die unter dem Stichwort„R e i ch s e r w e r b s l o s e n t a g" die Arbeitslosen für die kommunistische Propaganda einsangen wollte. In den Kttnd- gedungen wurden Delegierte zum„Kongreß der Werktätigen" gewählt, der in einigen Wochen in Berlin stattfinden soll. Die Kund- gedungen fanden in Moabit, Sophicnsälen, Pharussälen, in Char- lottenburg, im Friedrichshain. Kreuzberg und in Neukölln statt. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Man hatte den Eindruck, daß die Arbeitslosen zum größten Teil einsahen, daß die Kommunisten gar nicht imstande sind, ihnen zu Helsen. Arbeiterbildungsschule. In dieser Woche beginnen folgende Kurse(Arbeitsgemeinschaften): Donnerstag, den 4. November: Pro- b l e m e der Weltwirtschaft. Vortragender G. Vienstock. Gemeindeschule Wiesen-, Ecke Pankftraße.— Der moderne Kapitalismus. Vortragender Dr. Jack Marschack. Charlotten- bürg, Rosinenstr. 4, Jugendheim.— Einführung in den Marxismus. Vortrageiüier Otto Kauß. Zehlenoorf, Pols- damer Straße, Nordschule.— Freitag, den 5. November: G e- schichte des Sozialismus. Vortragender Erwin Marquardt. Bibliothek der Arbciterbildunasschule, Lindenstr. 3.— Einführung in die Soziologie. Vortragender Dr. Albett Salomon. Neukölln, Donaustr. 129, Mädchen-Mittelschule.— Einführung in den Marxismus. Bortragender Otto Kauß. Prenzlauer Berg, Senefelderftraß«, Gemeindeschule, Konferenz- zimmer.— Anmeldungen erfolgen bei Beginn des.Kursus beim Kurfusleiter. Die Hörgebühr betrögt für den ganzen Kursus 1 M. Billige Afchkage. Infolge guter Abwachsresultate wird der preiswerte Verkauf in Karpfen fortgesetzt. Am Donnerstag, Freitag, Sonnabend, vom 4. bis 6. November, kommen zum Verkauf: lebende Spiegel- und Schuppenkarpfen bester Qualität, pro Pfund 1,29 M., Größe 1— 3 Pfund. Ferner gelangt zur Abgabe prima Millelzandcr, pro Pfund 99 Pf. Die Verkaufsstellen sind wie immer durch Plakate kenntlich gemacht. Ein Dachfluhlbrand kam gestern abend gegen}412 Uhr in dem Hause ZorndorferStraße 13 zum Aurbruch. Di« Feuerwehr war bei Redaktionsschluß noch an der Brandstelle tätig. Schwerer Unfall eines Landtagsabgeordneien. Am Mittwoch abend stieß das Auto des Beigeordneten und Zentrums-Landtags- abgeordneten Sprenger aus Gelsenkirchen mit einem Straßen- bahnwagen zusammen. Der Abg. Sprenger erlitt hierbei eine Gehirnerschütterung und eine B ru st q u e t s ch u n g, so daß er in bedenklichem Zustand ins Krankenhaus übergeführt werden mußte._ Sport. Das 17, berliner Sechstagerennen. Heute abend Beginn.— 14 Mannschaften am Start. Heute abend, pünktlich 19 Uhr, wird der Stattschuß zum 17. Berliner Sechstagerennen in der traditionellen Winterradsportsätte im Sportpalast ertönen und 14 Mann- schaften bzw. 14 Fahrer auf die 1 45- S t u n d e n- R e i s e schicken. 14 Mannschaften werden Tag für Tag, Nacht für Nacht auf dem 169-Meter-Holzoval um Ruhm und Preise kämpfen. Ueber den Wert des Sechstagerennens gehen die Meinungen der mehr oder minder begeisterten Spottjünger auseinander. Fest steht immerhin die Tatsache, das dos Ganze eine bemerkenswerte Probe auf die menschliche L e i st u n g s f ä h i g k e i t ist. Bei der Mannschaftszusammenstellung haben Weltmeister Walter R ü t t und Erich K r o n e r zweifellos eine glückliche Hand gehabt, denn alle 28 Fahrer bürgen für Leistung und Kampf! Einige ausländische Fahrer der diesjährigen Starterliste sind uns längst keine Unbekannten mehr. Nennen wir�zuerst den Amerikaner H o r a n, dem es im letzten Sportpalast-Scchstagerennen vergönnt war, mit Mac Namara den Sieg mit über den großen Teich zu nehmen..Heute fährt er mit dem Australier Härder. Von den Belgiern sei Aerts genannt, der damals am Kaiserdomm mit Walter Rütt den Sechstagesieg heraus- fuhr und heute van Hovel zum Partier hat. Daß der Italiener T o n a n i eine prächtige Kampfnatur ist. weiß jeder Radsportfreund. Er wird mit Lorenz, dem deutschen Fliegermeister, die Fahrt bestreiten. Der Belgier Verschüeren erhält zum Pattner den am Radspotthimmel aufgetauchten„Stern" Fricke. während B l a n ch o n n e t mit seinem Landsmann M o r c i l l a c fährt. Die Namen der acht rein deutschen Mannschaften sind hinlänglich be- kannt. Hier sind folgende Paarungen getroffen worden: 1. Hahn— Ti e tz: 2.Koch— Mieth e: 3. L ewano w— Buschenhagen: 4. Knappe— Rieger: 5. Huschke— Golle: 6. Bauer— Junge: 7. Gottfried— Neb«: 8. Stolz— Behrendt. Für Stolz sollte zuerst Longardt fahren, der aber infolge eines Schlüsselbeinbruches— er stürzte am Sonntag beim Rennen in der Breslauer Iahrhundcrthalle— aus der Statterliste gestrichen werden mußte. Die Wertungen finden wie im Borjahre jeden Abend um 19 Uhr(19 Sputts), nachts 2 Uhr(19 Spurts), nachmittags 2'/a Uhr (5 Sputts) statt. Die erste Wertung wird einc Stundc n a ch B c g i n n des Rennens, um 11 Uhr abends, ausgefahren. — Um 8 Uhr geht dem langen Rennen ein 5 9- K i l o m c t e r- Mannschaftsrennen für Amateure vorauf, das van 15 guten Mannschaften bestritten wird. So haben neben dem Bundesmeistcr Graue Max, Cngelmann, Krupkal, Donath die Breslauer Rickel-Siegel und die Stettiner Aöltz- Corpus usw. gemeldet. Hoffentlich wird das 17. Berliner Sechstagerennen einen sporr- (ich schönen, einwandfreien und ungestötten'Verlauf nehmen. Rennen zu Rlariendorf am Mllwoch, den 3. November. I. Rennen, l. Der Beste(Ed. MillZt, 2. Lebemann tKnüdnadel fr.), 3. Frida Magowan(Kroßmann). Toto: ZS: 10. Platz: 30. 3?. 20: 10. Ferner liefen: Langemann, Kursürst, O'Capt. Leerbsrg. Benedikt. Linscott jr.. Niederländer, Arnfried, Coriolanus, Bronze, Good Boy, Raßgrad, Sonntags- Prinz, Rudi, Natal, Möglich, Casanova, Radiola, Novelle l. 2. R e n n e n. 1. Cilento(F. Bahr), 2. Susi Leyburn(I. Mills), 3. HanS Behrens sBurmester). Toto: L0: 10. Platz: 25, 30. 28: 10. Ferner liefen: Lucie Halle, LachmuSkel, Eitelsried, Eharley Worthh, Kroß- mogul. Kartenfpieler, Diana Magowan, Lcjsing, Efsi, Pola FriSlo,«luge» stern B.. Potsdam, Dintcrinärchen, Struwelpeter, Liebcsiraum, Lampe, Jram, Einsicht, Erzgauner, Hippologe, Meisterfiack, Armenier. 3. Rennen. 1. Colonel(M. Rath), 2. The Kitiy(Jrmer), 3. Kern- gan fr). Toto: 22: 10. Platz: 14, 42, 22: 10. Ferner liefen: Blaue Adrla, Exzellenz. Ingrid Halle, Federnelke. IefftteS jr.. Prinzeß Forlima. Annie Kvildstcr, Jicbcsbotc, Ludwig R., Bergichwalbe, Höhensonne, Jnicr- essent, Barometer, Salome, Erbgraf, Oucra, Burmida, Ackclelci, Ludmill I, Allene, Corona Wc Kinney. 4, R e n n e n. 1. LsbenZlünstler(Ch. Mills), 2. Jcannette(Jauß jr.), 3. Oulfi quasi(W. Lemzer). Toto: 12:10. Platz: 10, 12, 12: 10. Ferner Hefen: Willi A., Magowan jr., Franlet, Dawlon WatlS, Divisionär, Königs. adler. Kluck. S. Rennen. 1. Freund Edelstein CKioßmann), 2. Ehrenberg(Trcu- berz), 3. Antenne(EltaS). Toto: 77: 10. Platz: 22. 31, 25: 10. Ferner liefen: Aga, Alfterbaron, Regenbogen, FredegundiS, Millionär, Minni Halle. S. Rennen. 1. Lilac. erklärt(Ch. MillS), L. Kuy Bacon(Switzer). 3. Doritha lJauß jr.). Toto: 13: 10. Platz: 12, 14: 10. Ferner Uesen: Karneval, Altgold, Progreß. 7. R c n n e n. 1. Prinzessin Elawah(H. Krude), 2. Rubi»(W. Ebert), 3. Konsul(B.Hcckert). Toto: 184: 10. Platz: 58, 120. 05: 10. Ferner liefen: Alpengeier, Wcinstock, Tudora, Invasion, Karl Alexander, Senator, VenuS, Quitte B., Fiameita, Flamingo. Kopeke, Unheil, MrS. BoSworth. 8. R e n n e n. l. Lockung Cliof. ssa-irede, Vortrag«, Tanz. Eintritt 7.» Pf. Repu- blitoner als Gäste willkommen.— Reuköll». Britz: 5. Kameradschaft(tzung- mannschaft) Fr., d. S., V48 Ubr. Monatsoersammlung bei Valewski. Boddi». strafte 57, Ecke Isarstrafte. Pslichtreronstaltung.— Rcinickeubors skrelo): Sonntag, d. 7., nachmittag» 2 Uhr, Antreten Bhf. Waidmanuslust. Pflicht- veron siolwng.— Hermodorsi Do., d. 4., 8 Uhr, itamevadschaftsversammlung bei König. Bismarcks! refte. Portio« Kam. Prof. Neunzig über:„Reichswehr und Republik". Sonntag, b. 7„ Antreten 2 Ubr Bhf. ZSaidmannsluft und„Freie Scholle".— Fichteua«: Do., b. 4., 8 Uhr, Monatsverfammlung im Lindcnhof, Fichtenau. Lauptflr. 45. Verein der Freidcnkrr für Fenerbeftattnog E. B. WUmersdorf: Donnerstag. 4. November, 7ii Uhr, bei Rull«, Ubland- Ecke Lauenbinger Straft«, öffentliche Werbeverfanimlun«. Thema:„Warum weltlich« Schule?"— Bezirk 1: Donners- tag, 4. November, IM Uhr, in den Mitsikersälen. Kaiser-Wilhelm-Strafte, Mit- gliedervrrsaninilung. Vortrag:„Kulturbestrebungen in Nuftland und Deutsch» land". Referent Rektor Schmidt. Diskussion. Bericht der Bezirksleitung. Wahl des Bczirksleitcrs. Laadsmannschast der Schleswig- Kolstetnee SN Berlin. Donnerstag, 4. No- vrmber, 8 Uhr, bei Esser, Köpenicker Str. 7g-, Sitzung. Ko»s»»genossenschaft Berlin und Ilmgegend. Donnerstag, 4. November. 7t4 Uhr, Mitgliederversammlung dec 28. Abgabcsielle im Gewerkschvftshaus. Saal 8. Engclufer 25. Tagesordnung: 1. Bericht Uber das Gefchäftssahr tS2S/25. 2. Aussprache. 8, Bcrschiedenes, Rcichsbnud der Kriegsbeschädigte», Kriegsteilnehmer»nd Kriegerhinter- dliebrnru. Bezirk Zentrum: Sonnabend, 5. November, Wohltätigkeitsfest im „Palais de» Gentrunis", Rosenthaler Str. 86. Montag, 8. November, im Rosen» ihaler Los, Rosentholer Str. 12, Monatsoersammlung. Referat. Bericht übe? ben Gautag.— Bezirk Eharlottrnburft: Dienstag, v. November, 8 Uhr, Mit- gliebervrrsammlung in Eckmanns Fcstftoal, Scharrenstr. 84. 1, Gäutag. 2.„Die Bedeutung der Leichenöffnungen für Kriegsbeschädigte". Verband Bolksgelundheit, Ortsorreiu Berlin. Donnerstag, 4. November, 8 Uhr, Schule Isslanbllr. 9 Bortrag:„Gift oder Seil?" Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen. Freitag. 5. November, Schul« Goftlerstr. 61. Jugend- grupp« Kompfliederobend. �Oelclae �gatetfe ist die beste Sias muß man ausprobieren.— TDir sagen nicht:S)ie äfLfl Y- 2%jareife ist5 die beste. Wir mfen auch nicht: Staucht' nur JMASSßRY! veiLviirdeatRaucher nicht* in seiner eigenen, SOemungsbeeiriftussen, tool* len.~ iDie 2kä der DoUtDÜrsigen, kräftigen 'Zigarette ist vorbei iDie$cute, milde, suß-aro* matische Zigarette steht jetgt in alter%unst. cUn$ev neuer(Tabakfachznxuvru von, europäischem!Ruf bietet hier SÜeisterstucke der(%egeruoarts �Zigarette, wie sie sein soll, um den besten%u fahlen. S)&s merken. Sie gleich,—«las scHmecken Sie,- das atmen Sie! M>er Jhre einsieht* sei maßgebend* bitte: Auch in entzückenden WEIHNACHTS-GESCHENKPACKUNCEM Urfeilen Sie selbst�! Es ist wieder so weil! All jährlich ist der Eintritt dcsNovcmber auch das Zeichen zum allmählichen Abbau der Preise. Was sich ergibt, wenn irar Unsere Preise abbauen, die ohnehin weit und breit berühmt sind, das sehen Sie hier! November- Preise bei„C D A* Oh. welch* herrliche Aussicht! Ottoman-Mäntcl~DnA mod Form, mit Pelz£o Velours-Mäntel Pelzkragen. 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Heute VI, Prmltn; „Die KSalgln" Snutr Filiokn Sbd 31,:DssbOsc PrlnzeBcben Stg.yr,: Der(röh- liehe Weinberg Lasalaf-Thaater 8 U- riensdi and Debermensm Stg. 3'/,; KufcuH Iii. EllirtünttohnR 8 Uhr: In der Johannlsneeht Uisisplemaas 8V« Uhr: D Hcrzagln v.Elbe Stg. 3'/.t fedhnbrW«! Kose-Theater «>,, Uhr Was ihr wollt g Tägl 8>/«Uhr W Theater im Admlralspalast Biesen criolg Kaller- Kenne in il aus Preise von 2-16 M. ■ hnatal esnluir.| fiASTSMEL stellet m Baievpiati 8 Uhr; Sysistrais Morgen T", Uhr: faust Id. ra Sdiffbjtieriüffliii Täglich 8 Uhr: Das liiawal das mitekaDatBii Soldatea. Relchshalian-Thealer Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Steltfaer Sänger luiil Piepen Diele � Burleske von Meysel Nachm halbe Preise I OönhoK-Brett'l Variete Konzert-Tanz Unwiderruflich nur noch bis Donnerstag, 1t November Täglich| 5 HTIf�l Ufa-Theater Tauentzienpaiast Wallner-Tlieaier IK emoTIT Hasemanns Töchter CASINO- THEATER 8 Uhr Nur noch wenige Aufführungen Gräfin Tlppmamsell aotsebelo 1—4 Pers Bei Vorrclg. der Innonce Fauteuil 1.01 Mk„ Settel I.S. Jfiomistfac Cpec Der zreße Overeueneri eng «ST Jidrienne mit Serak, Wassel?, Wir!, Bloss Ooeitcher, Hall.- Sonntag nehm. 3 0.: „Dia Fieder maas*4 in erster Besetz g. Vorverkauf anunterbrochen v. 10 ü an. 8.11 Uhr Donnerstag, d.4.Novbr. nachmittags 1(Ihr c Trianon- Theater Täglich 8'/. Uhr; „DirnentragOdie" 3 Dr. Kaie FranhenlDal «erzogen nach lesstngtlriiae 45 am Hansaplatz,-r Tel. Moabit 6811. ipndnt Sil. I'rf's»««t. Irtj. S-7. Ol!«.. av.4-i'„ Am 8 November, nachts Z Uhr. mt- fchlief nach longent, ichmirem Leiden wem iiedrr Mann, mein treusorgrnder und Hertensvuter Pop«, der frühere Rassenangeftellt» Franz Haberer Diese» zeigen tiesdetrlldt an Fron Anna Hader er n. Sohn. Die?wLicherung findet am 8 So» nein der. nachmittag. 3", Übe, im Rrematoriinn Baumschulenweg statt. azz Eanntag. den 3L Ottober, verstarb nach langer, schwerer Rraniheit unser Ueder Kollege, der ArdeitsvermttUer Arthur Zcholz Wir werden ihm stets ei» ehrendes Andenken dewahren. dl« Colin?, 6 ridutteilnt 4 beSh-.Traoen- n4 teriudaDveiiei Um UoiiurWtunt Beil«. Sinälchernng Freitag.6 Na», nachm. I Uhr. Bremalorwm Serichtitrahe. Zanungokrankcnfasse der Tifchlec- innung zu Berlin ttlnrHudunig betr. di fojjdiüBwikl Aus das Wahlaueschreiden nom 13 OI- tober 1926 sstr ble Wahlen der Vertreter tum Aassenaueschuß wurde sowohl von den Ardeitgedern als auch von den Versicherten nur fe ein gvlttger Wahloorlchlag inner- Yald der sestgeiisiien Frist eingereicht Die beiden eingereichten Wahloorschlilge«nt- nrechen in ihrem gesamien Inhalt den Borichriften der Sagnna und Wahlordnung Die in diesen Wuhivorichiagen dezeichneien Personen gellen daher gemSH h S de: Dahlordnung als gewühlt. Der Wahloorschlog der Arhellgeber de- gmnt mit dem Namen Sottlied Wlttig und endet mll dem Namen Joses Susy Der Wahlvorschlag der Versicherten be- ginnt mll dem Namen NIchard Leopold und endet mit dem Namen August Eick- ,eld Di« sllr den 39. und 30. November >930 ander aumten Wahlen finden daher nicht stait Die SMIigteit der Wahl kann wnerhald eine» Moral, nach Bekanntaade des Dahlergednifie» anasfochten worden. An. iechtungen sind gemäß z 30 der Wahlordnung beim iiasiepnorstand oder beim Ver licherungeamt der Stadt Bertin anzubringen. Berlin, den 4 November 1930. Osr vnrslnnd. Otto Sronau. Willi Lindemann. Vorsiuender Schriltlllhrer CARL| iENBECK .guch 8Uhr CIRCUS BUSCH �10159 BTHCIM U.TIETZ louna«*aiSKA5$£ Rcstauralionsbctrieb im„Gewcrkschaftshaus" Berlin SO 16, Engelufer 24-25 m/r Heute!"W. mf Heute! Frische Blut- n. Leberwurst nach Bagsmaeherart VerKsaf nnchcr dem Hsase In der Stehbierhalle Im Hauptrestanrant: Gr. RDostier-Konzert:: Reichhaltige Abendkarte Mittagstbch Gedeck Mk.-.80 and Mk. 1.- Stogeslrtodige Genossinnen und Genossen! Helft mit am Aulhau eines groSen VoBkschores Werdet Mitglied im„eemisdiifin Chor Norden Berlin". Mud.DASB. Uebungsstd.; Jed.Donnerstag abend von 8—10 Uhr OrQnthaierstr. 5, Eririidilojuin. Sr Mutter, sieh mal! Kostproben gratis!- Ausschank vom FaB! 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Um das Auf und Nieder der geschäftlichen Konjunktur zu er- kennen, sind seit langem verschieden« Maßstäbe im Gebrauch. Beispielsweise die Zahlen des Arbeitsmarktes, des Abrcchnungsver- kehrs der Reichsbank, die Meng« der beförderten Brieffendungen und Telegramme, die Größe des Personen- wie des Güterverkehrs der Eisenbahn und dergleichen sind Aichaltspunkt« für die Volkswirtschaft- liche Erkenntnis. Auch die Höhe des Elektrizitätsver- b r o u ch e s einer Stadt oder eines Landes gibt einen guten Einblick in die jeweilige wirtschaftliche Lage Da nämlich die elektrische Energie sowohl für Licht- wie für Kraft- und Bahnzweck« verwandt wird, da sie in Haushaltungen, in Fabriken, Werkstätten, Ladengeschäften, Warenhäusern, Hotels, Restaurants, Theatern usw. benutzt wird, da sie mit einem Worte die verschiedenartigsten Zwecke und Tätigkeiten durchdringt, so ist die Entwicklung des Verbrauches an Elektrizität in der Tat ein geeigneter Gegenstand der Beobachtung, um über den jeweiligen Status der Wirtschaft Klarheit zu gewinnen. Die Berliner städtischen Elektrizitätswerk«, die zwar nicht das gesamt« Stadtgebiet, aber doch ungefähr drei Viertel von ihm mit Strom versorgen, weisen für die ersten neun Monate des laufenden Jahres die folgenden Slromabrechnungszahlen dus, wobei die Zahlen der entsprechenden Monate des Borjahres zum Vergleich beigefügt sind. Borauszuschicken ist noch, daß zwischen den tn einem Monat abgerechneten und den in demselben Monat abgesetzten Kilowattstunden ein Unterschied besteht, der jedoch nicht groß und für die folgende Betrachtung unerheblich ist. Abgerechnete Kilowattstunden. Monat Januar.. Februar.. Mär,.... April.... Mai.... Juni.... Juli.... August... September� Zusammen: Sochtpann.» Abnehmer lSSS! 1925 26,0 25,6 24.9 23,6 28,0 24,4 25,0 27.0 28.0 24,2 26,1 25,8 24,1 24,9 25,0 26,6 27,4 27.3 227,6| 230,9 Niederlpann,» Abnehmer 19261 1925 36,2 29,4 26,8 22,9 18,2 16,8 11,3 21,8 18,1 201,5 27,0 25,4 21,9 20,3 17,2 15,0 10,9 18,0 19,5 175,2 Strntzen- dahn 19261 1925 8,0 6,9 7,6 7,3 7,6 7.7 7.9 7,8 7,8 6,5 5,9 6,8 6,6 7.4 7,3 7.4 7.4 7.4 68.6 i 62,7 Zusammen 1926 1925 70,1 61,9 59,4 53,8 48,9 49,0 44,3 56,6 63.9 497,9 57,7 57,5 53,9 51,0 49,6 47,3 45,0 52,3 54,2 469,0 Die vorstehende Tabelle ermöglicht zwei verschiedene Er- kcnntniss«: Erstens gestattet sie einen gewisien Einblick in das wirb schaftliche Leben unserer Stadt, wie es sich in den ersten drei Vierteln des laufenden Jahres gestaltet Hot. Zweitens geben die Zahlen»inen Ueberblick über die Entwicklung der städtischen E l c k- trizttätswerke selbst, was von Wichtigkeit ist für die zukünftige Tarifpolitik der Werke, für ihre finanzielle Ergiebigkeit usw. Was zunächst die allgemeine geschäftliche Lage Berlins an- betrifft, fo lehren die obigen Zahlen, daß das wirtschaftliche Leben ö in diesem Jahr« schwächer pulsiert als im Vorjahre. Die Hoch. s n a n n u n g s a b n e h m e r. das sind in der Hauptsache die großen industriellen Betriebe, aber auch einige Warenhäuser, Hotels u. dgl., weisen fast tn allen Monaten des Jahres 1926 kleinere Mengen auf als im Jahre 192S. Der September zeigt sich allerdings in diesem Jahre dem September des vorigen Jahres überlegen. Vielleicht äußert sich darin eine auch von anderen Seiten beobachtete B c- lebung der Konjunktur. Jedoch wird man noch die fol- genden Monate abwarten müssen, um zu erkennen, ob der günstige Septemberausweis tatsächlich die Folg« eines Konjunkturaufstieges ist, oder ob er nur ein zufälliges Abrechnungsergebnis darstellt. Während die gesamt« Stromabnahme der Hochspannungs-Kon- sumenten sich vermindert hat. zeigen die Niederspannung s- abnehmer, das ist die Masie der K l« i n k o n s u m e n t e n, wachsende Stromabsatz-Mengen. Dies« Erscheinung beruht aus der Tatsache, daß die Zahl der Niederspannungsabnehmer bei den städtischen Elektrizitätswerken ständig zunimmt. Im Jahre 1925 wurden 97000 Zähler neu an das Leitungsnetz der Elektrizitätswerke angeschlossen. In diesem Jahre wird ihre Zahl nicht viel geringer sein. Freilich wächst der Stromoerbrauch der Kleinabnehmer nicht in demselben Tempo wie ihre Anzahl. Während die Zahl der Kleinobnehmer in den ersten neun Monaten des Jahres 1926 durchschnittlich etwa 25 Proz. über der entsprechenden Zahl des Borjahres liegt, hat sich der Gesamtstromverbrauch dieser Kategorie nur um 15 Proz. gehoben. Das besagt, daß immer kleinere Stromabnehmer sich anschließen,«in« sozial erfreuliche, finanziell weniger günstige Erscheinung. Vielleicht ist das relative Zurückbleiben des Stromabsatzes an die Kleinabnehmer hinter ihrer Anzahl aber auch darauf zurückzuführen, daß sich der einzelne in seinem Elektrizitätsoerbrauch, trotz des billigen Tarifes, mehr als im Vorjahre einschränkt. Dieses würde auf die wirtschaftliche Lage im ganzen ein ungünstiges Licht werfen. Die Straßenbahn zeigt für alle Vergleichsmonate einen erhöhten Stromverbrauch. Der Mehrbedarf ist zum größten Teil dadurch verursacht, daß die Straßenbahn ihren Verkehr verdichtet hat. Die größere Verkehrsdichte aber ist die Folge davon, daß Fahrgäste, die früher ander« Verkehrsmittel benutzten (Stadtbahn sowie Hoch- und Untergrundbahn), sich der Straßenbahn wegen ihrer größeren Billigkeit zugewandt haben. Erscheint nach der obigen Tabelle die allgemeine Lage der Wirt- schast in einem weniger erfreulichen Zustande, so ist die besondere Lage derstädtischen Elektrizitätswerke nicht ungünstig. Die Entwicklung dieser Werke ist in diesem Jahr« hauptsächlich charakterisiert durch das stark« Vordringen des Strom- absatzes an die Kleinabnehmer. Diese haben die Lücke in der Stromentnahme der Großabnehmer nicht nur ausgefüllt, sondern sie sogar überkompensiert. Die Gesamtstromabgab« der Elektrizitäts- werk« ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres, trotz der oer- kleinerten Abgabe an die Großabnehmer, von 469,0 auf 497,9 Mil- lionen Kilowattstunden, das ist um 6,2 Proz. gestiegen, was fast aus- schließlich auf Rechnung der Kle i n a b n e h m« r zu setzen ist. Di« Steigerung des Absatzes von Niederspannungsstrom hat zunächst «in« stark« Vermehrung der Stromeinnahmen zur Folg«: denn ein« Kilowattstunde Niederspannungsstrom bringt das Doppelte bis Drei- fach« dessen ein, was die Großabnehmer für ein« Kilowattstunde Hoch- spanmmgsstrom bezahlen. Das Anwachsen der Einnahmen bewirkt aber nicht«in« entsprechende Erhöhung des finanziellen Rein- «rträgnisses. Di« Kleinabnehmer sind nämlich größtenteils Licht- konsumenten. Ihre Stromentnahme, die In die Belastungsspitz« hin- «infällt, erfordert einen vergrößerten Kapitalaufwand für Maschinen, Kabel, Transformatoren usw. Ob und Inwieweit die Vermehrung der Einnahmen aus Niederspannungsstrom zu einer Vermehrung des finanziellen Reinertrages führte, das wird erst nach Schluß des Ge- schästsjahres die Gewinn- und Derluftrechnung der Wert« erweisen. Di« Lag« der Elektrizitätswerke wäre günstiger, wenn der Stromabsatz an die Großabnehmer sich heben würde; denn die Großabnehmer liefern die Tages« und die Nachtbelastung, mit einem anderen Wort«, die Grund belastung der Werk«. Da der Strom- absatz an die Großabnehmer aber stagniert, so ist es ein doppelt glück- licher Umstand, daß wenigstens die Abgabe von Niederspannungsstrom fortschreitet. Gleichzeitig ergibt sich aber auch aus dieser Sachlage, daß man die Kleinabnehmer jetzt nicht mit einer Erhöhung des Strompeises behelligen darf. Denn, ob ein« Steigerung des Strompreises unter den gegenwärtigen Umständen ein« Vergrößerung der Einnahmen bewirkt, ist fraglich, ob aber«ine etwaig« Vermehrung der Einnahmen auch«in Anwachsen des finanziellen Reinerträgnisies zur Folge hat. ist geradezu zweifelhast. Die wirtschafllichen Verhält- niss«, unter denen wir zurzeit leben, gestatten kein« Experimente mit dem Elektrizitätstarif. Dr.-Jng. W- Ma>« rc z i k pfanöbriefmarkt und Kopitalversorgung. Für den ländlichen und städtischen Grundbesitz ist der Pfand- briefmarkt die wichtigste Quelle der Kapitaloersorgung. Wie die außerordentlich rasch ansteigenden Umlausszifsern der verschiedenen Pfandbriefinstitute zeigen, war dies« Kapitaloersorgung durch den Psandbriefoerkauf fest dem 1. Januar dieses Jahres sehr stark. Von besonderem Interesse ist dabei der Verkauf von landschaftlichen Pfandbriefen, über dessen llmsang man erst seit Anfang dieses Jahres Genaueres weiß, zu welchem Zeit- punkt die laufenden Veröffentlichungen der Preußischen Zen- trallandschaft einsetzten. Die letzte Veröffentlichung der Direktion der Zentral- landschaft zum 30. September ergibt für die Entwicklung seit Jahres- beginn folgendes Bild(für Zentrallandschaft und ostpreußische, pom- mersche, sächsische, schleswig-holsteinische, schlesische und westfälische Landschaft zusammen): Am 1. Januar Am 30. Juni Am 30. Sept. (in Millionen Mark) 8proz. Goldpfandbriefe 78,9 173,3 26l.7 lOproz.. 208 9_ 225,6_ 224,8 277,8 898,9 486,6 Dazu kommen am 30. September für 10,6 Millionen Zentner fünfprozentig«(12,1 Millionen am 30. Juni bzw. 15,0 Mil- lionen am 1. Januar) und für 2,1 Millionen Zentner zehn pro- zentige Roggenpfandbriese(2,4 bzw. 2,8 Millionen Zent- ner). Am stärksten ist die prozentuale Steigerung wieder bei der oft preußischen Landschaft, die dekannllich vor einigen Wochen die preußische Regierung um eine Finanzhilfe zur Um- Wandlung der zehn- und achtprozentigen in scchsprozentige Pfandbriefe ersucht hat, weil der ostpreußische Landwirt die hohe Ver- zinfung nicht aufbringen könne. Nach der«tattstik der preußischen Zcntrallandschaft hat sich der Pfandbriefumlauf innerhalb neun Monaten fast verdoppelt. Zieht man die entsprechende Steige- rung des Pfandbricfumlaufs der städtischen Hypotheken- danken zum Vergleich heran, so zeigt sich, daß die land- schaftlichen Hypotheken- und Pfandbriesinstitute den Kapitalmarkt für den ländlichen Realkredit fast in demselben Verhältnis aus- zuschöpfen vermochten wie die Hypothekenbanken. Der Pfandbrief- Umlauf von 28 Hypothekenbanken nahm seit 1. Januar folgende Entwicklung: am 1. Januar.. . 30. Juni... „ 80. September 483,3 Millionen Mar! 816,3 998.1 Bemerkenswert ist, daß die Begebung von zehnprozentigen Pfandbriefen fast ganz aufgehört hat, daß der achtprozentige Pfand- brief immer mehr die Regel geworden ist, und daß das Jahr 1926 auch einige Ausgaben von siebenprozentigen Pfandbriefen gebracht hat. Ungefähr entsprechend hat sich, von den(inzwischen ebenfalls etwas gesenkten) Provisionen abgesehen, auch der Zinssatz für neue Hypotheken verringert, so daß nicht nur eine bedeutende Erweiterung, sondern auch eine erhebliche Vcrbilligyng des Realkredits eingetreten ist. Diese Berbilligung des Real- kredits wird auch für die ältere n, höher verzinslichen Hypotheken- schulden und Pfandbriefe wirksam, weil bei sinkendem Zinsniveau der Kurs der höherverzinslichen Pfandbriefe steigt und damit die tatsächliche Verzinsung für die neuen Erwerber(Ren- dite) sinkt. Das schnelle Absinken des Zinsniveaus, wie es das Jahr 1926 brachte, ist für die Schuldner von höherverzinslichen Hypotheken allerdings insofern unangenehm, als sie entweder un- angemesien hohe Zinslasten weitertragen oder mit neuen Kosten die teueren durch billigere Hypotheken ersetzen müssen. Es wäre natürlich die Ausgabe der Hypotheken- und Pfandbrief- institut«, durch allmähliche Einziehung der höherverzinslichen Pfandbriefe die Verzinsung und Beschaffung von Grundstückshypo- theken dem allgemeinen Zinsniveau anzupassen. Der Wiederaufbau des deutschen Sapltalmarkts. Die Discontogesellschaft beziffert die Ansammlung neuer Kapitalien allein während der ersten neun Monate dieses Jahres auf 4,3 Milliarde,, Mark und schreibt dazu: � Es würde falsch fem, diese Ziffer als de,, zahlenmäßigen Ausdruck der tatsächlichen privaten Kapitalneubildung anzusehen. Man wird auch berücksichtigen müsien, daß es zum großen Teil nur die durch die wirtschaftliche Depression verursachte anormale Flüssigkeit des Geldmarktes war, die die Unterbringung fo umfangreicher Wertpapicremifsioncn ermöglichte. Auch durch die Wirkungen des Hereinfließens der ausländischen Kredite wird ja das wirkliche Bild stark verwischt. Jedenfalls ist aber der Wieder- aufbau des inländischen Kapitalmarktes in einem U m- fange und einem Tempo erfolgt, wie man«s vor Jahresfrist noch für völlig unmöglich gehalten hätte. Die internationale Vertrustung üer§ertiginüustrie. Vor der Industrie- und Handelskammer sprach am Mittwoch abend Direktor Mein Hardt vom Internationalen Glüh- l a m p c n t r u st über Möglichkeiten und Aussichten internationaler Vereinbarungen für die Produktions- und Zlbsatzregclung in der verarbeitenden Industrie. Einleitend hatte der Präsident der HundHo- kammer, Frauz v. Mendelssohn, guf dio�große Bedeutung der internationalen /Wirtschaftsvcreipbarungen für die UeberwindMig eines wirtschaftlichen Nationalismus und für die Befriedung, der Welt hingewiesen. In dem groß angelegten Vortrag, der dann folgte, fchllderte Dr. Meinhardt die bekannte Organisation des Trusts, die sich auf Interesfengemeinschaftsverträgen aufbaut und die g e- samte Glühlampen Industrie der Welt zu einer engen Arbeitsgemeinschaft zusammenfaßt. Mit beson- deren, Nachdruck betonte der Redner, daß der Vorteil dieser Trusts in dem gegenseitigen Austausch der Patente und Ersahrungen beruhe, die die Fortschritte der Technik allen Vertrags- teilnehmen, zugänglich machen und so die Annäherung der Her- stellungskosten des Schwachen an die des Stäikeren ermöglichen. Hier hindert die Ausschaltung de» Konkurrenz nicht den technischen Fortschritt, sondern sie regt die Ersinderiätigkeit an und erlaubt es, die Verkaufspreise niedrig festzusetzen Ein System der Absatzkontingentierung schützt die einzelnen Industrien vor gegenseitiger Konkurrenz. Die Arbeit des Trusts darf auf keinen Fall dahin führen, daß die Preise herauf- gesetzt werden. Nicht derjenige sei der beste Geschäftsmann, der Raubpolitik mit feiner Kundschaft treibt und seinen Finanzleuten die Taschen füllt, sonder» der den Grundsatz vertritt:„Erst der König Kunde." In der Diskussion betonte Kommerzienrat Lustig die schweren Bedenken, die der Handel der trustartigen Oraanl- sation entgegenbringt. Obwohl er erklärt, daß er von der Industrie bindende Zusicherungen dafür habe, der Handel würde nicbt aus- geschaltet werden, forderte er von der Regierung Schutz für den Großhandel, der gegenüber der Industrie wehrlos geworden sei- 112 GARBATY Ein Stück Berliner Geschichte tütinji(/htfadhUinq' cdl KÖNIGIN VON SABA Qe/couuMc kaJ&eia/.Qtje.'W-cuz\Majl-�icunSzq-e -zfawuj'&zifkA EnpiMung UaAJ&fc ffiuJriitfyvAjis mjl* Qmu'tt ga&crUn hat ounB- Boa dank\hAJUi aUALITÄT Direktor Wassermann von der Deutschen Bank erklärt« namens seines Gewerbes, daß ohne Mithilfe der Banken die heutigen internationalen Zusammenschlüsse nicht möglich geworden wären. Heute seien die deutschen Banken durchaus in der Lag«, aus dem heimischen Kapitalmarkt die Industrie so zu finanzleren, daß die Technik auf der Höhe bleiben kann. Die Frachtkonjunklur infolge de» englischen Streiks. Nicht nur er Kohlenbergbau und zum Teil auch die Eisen- und Stahlindustrie Zar Kontinentalländer hoben durch den englischen Großstreik«ine Konjunkturbelebung erfahren. Die größten Nutznieher des Streiks find die S ch i s f a h r t s g« s e l l s ch o f t« n. In der Herbst« ;eit pflegen die Frachtsäße infolge der Zunahm« der Getreide, und Saumwolloerschisfungen in die Höh« zu gehen. Die Nachfrage nach Kohlen, die jetzl auch nach England eingeführt werden müssen — bisher wurden feit Beginn des Streiks mehr als 10 000 000 Tonnen noch England eingeführt— hat zur Steigerung der Fracht- ätze erheblich beigetragen. So wird jetzt zum Beispiel a u st r a> ische Kohle nach Südamerika transportiert. Die sonst geringfügige Ausfuhr aus den Bereinigten Staaten hat ge- wältig zugenommen. Als verteuerndes Moment wirkt noch, daß die nglischen Schiffe, die Lebensmittel in überseeischen Ländern auf- nahmen und dafür in denselben Schiffen Kehlen lieferten, jetzt die englischen Häfen leer verlassen. Endlich führt die A n g st vor Kohlenknappheit zu einer fieberhaften Nachfrage nach Schiffsraum und hilft, die Frachtraten zu steigern. Seit Beginn des Streiks find die Frachtsätze um 100 bis ISO Proz. und vielfach noch mehr gestiegen. So kostete der Kohlentransport von den Vereinigten Staaten nach Italien im April 2,45 Lire pro Tonne, gegenwärtig 7,10 Lire. Für die englische Wirtschaft, die in- folge des Kohlenstreiks einen stark gesteigerten Einfuhrüberschuß hat, bedeutet die Zunahme der Frachtraten einen Aktivposten für ihre Zahlungsbilanz: ein schwacher Trost für die Verluste! Die nor- wogische Schiffahrt hat ebenfalls groß« Vorteil« von der Erhöhung der Frachtraten. Die gesteigerten Einnahmen der norwegischen Reedereien, die in ausländischen Valuten zufließen, führten zur weiteren Erhöhung des Kronenkurses, der nach seiner stürmischen Besserung im vergangenen Jahre aus einem Stand von 81,5 stabilisiert wurde. Schiffahrt und Zahlungsbilanz. Anläßlich der gewaltigen Konzentration in der Schiffahrt, deren letztes Ereignis der Zusammenschluß der Austral-Kosmos-Limen mit der Hapag ist, mögen hier einige Ziffern die Bedeutung der Schiffahrt für die Volkswirtschaft und die Zahlungsbilanz beleuchten. Wie weitgehend die im Kriege vernichtete Handelsflotte wieder hergestellt und in den Weltverkehr eingeschaltet werden konnte, dafür zeugen die vom „Institut für Konjunkturforschung" für die Ermittlung der Zahlungsbilanz zusammengestellten Ziffern. Die deutsch« Flotte war im vergangenen Jahre an dem Verkehr über deutsche Häfen mit einem Bruttofrachteinkommen von rund 300 Mill. Mark beteiligt. Die Einnahmen aus dem Berkehr der deutschen Schiffe zwischen außerdeutschen Häsen können auf 50—00 Mill. geschätzt wer- den. Aus dem Schiffsverkehr entstand eine Forderung der Zah- lungsbilanz zugunsten Deutschlands im Jahre 1924 im Betrage von 295 Mill. Mark, 1925 285 Mill., im ersten Halbjahr 1926 134 Mill. Mark. Angesichts der sehr erheblichen Frachtsteigerungen der letzten Monate werden die Frachteinnahmen im zweiten Halb- jähr 1926 erheblich höher sein. Die Forderungen aus dem Schifss. oerkehr enthalten die F r o ch t e i n n a h m e n der deutschen Flott« im Verkehr über deutsche Häsen und zwischen außerdeutschen Häsen, die Einnahmen aus Hafen- und Kanalabgaben der aus- ländischen Schisse, die Einnahmen aus dem Personenverkehr der Ausländer und die Ausgab« der ausländischen Schiffe und Schisssmannschaften in Deutschland. Dagegen sind die Hafen- und Kanalabgaben der deutschen Flotte im Ausland und die Ausgaben der deutschen Schiffe und Schiffsmannschaften im Ausland von den erwähnten Summen bereits abgezogen. Die Spekulation mit dem Tee. Die von der englischen Regierung im vergangenen Jahr zur Kontrolle des Lebensmittelhandels ein- gesetzte Lebensmitteltommissior.(Food Commtssion) ver- offentlichte kürzlich einen Bericht über die Ursachen der Er. höhunq der Teepreise, die im vergangenen Jahre ein« ge- waltige Steigerung erfuhren. Da die Tee-Erzeugung der Welt sich im wesentlichen in Händen des englischen Kapitals befindet und der Welthandel mit Tee über England geht, so sind die Feststellungen der Kommission auch für die Preisentwicklung auf dem europäischer. Kontinent maßgebend. Die Kommission untersuchte das Geschäfts- gebaren und die Profite von 13 leitenden Teegesellschaften in In- dien und Ceylon, die die beiden wichtigsten Tee erzeugenden Länder sind. 12 von den 13 Großgesellschaften verteilten 1925 eine Dividende von 20 bis 60 Proz. Sobald die Preise eine sinkerde Tendenz zeigen oder aber sich Vorräte auf dem Markt an- sammeln, kann der indische Verband der Toeproduzenten die Er- zeugung einschränken, wie dies auch Im Herbst 1925 der Fall war. Der Spekulation des Handels ist aber vornehmlich durch die ungeheuren Preisschwankungen Tür und Tor geöffnet. In den letzten zwei Jahren schwankten die Teepreise um 40 bis 50 Proz., in den letzten sechs Jahren sogar um 400 Proz. Der Groß- Handel hat große Mengen Tee in Erwartung weiterer Preissteige. rungen aus Lager genommen und hat durch sein« spekulative Tätig- keit zur weiteren Erhöhung der Preise beigetragen. vom Aluminiummokt. In Auswirkung der in der zweiten Septemberhälfte erfolgten Herabsetzung der Rohalu in i- n i u m p r e i s« machte sich im Monat Oktober aus dem europäischen Aluminiummarkt eine ver stärkte Nachfrag« bemerkbar. Auch in England zeigt« das Geschäft trotz der Fortdauer des Bergarbeiter. streiks eine geringe Belebung. Die Lage auf dem deutschen Aluminiummarkt wird durch erhöhte Abrufe der Aluminium ver- arbeitenden Industrie gekennzeichnet. Tpphusöebatte im Landtag. Amtliche Vorwürfe gegen den Oberbürgermeister von Hannover. Der Landtag beschäftigte sich gestern in seiner ersten Sitzung nach den Ferien mit der Typhusepidemie in Hannover. Es liegen dazu große Anfragen der Sozialdemokraten, der Deutschnationalcn und des Zentrums vor, in denen um Auskunft ersucht wird, ob dos Staatsministertum bereit ist, die Ursache� der Epidemie restlos zu klären und die Wasserversorgung der Stadt dauernd zu kontrollieren. Es wird weiter gefragt, ob das Staats- Ministerium bereit sei, für eine sofortige und strengste Untersuchung der Schuldfrage zu sorgen und eine einwandfreie Trinkwasseroersor- gung Hannovers zu gewährleisten. Abg. Müller-Hannover(Sog.) erklärt, in Hannover hätten 263 Personen durch die Epidemie ihr Leben eingebüßt. Der„Hannoversche Kurier" habe in einem Flugblatt geschrieben, eine Gefahr bestehe nicht, wenn man sich sauber halte. Das sei eine Beleidigung für die von der Epi- demie Ergriffenen. In Hannooer sei zur Bekämpfung des Typhus viel versäumt worden. Der Verlag des„Hannoverschen Tageblattes" habe aus Geschäftsgründen das Unglück der Stadt mit der Homburger Cholera-Epidemi« in den 90er Jahren oerglichen und sich in diesem Zusammenhang um Schnaps- i n s« r a t e beworben. Müller zitiert dazu einen Brief des„Tage- blatts", dos diesen zum Beispiel an eine Firma in Flensburg ver- fandt hat. In diesem Brief wird auf die Unruhe der B e- oölkerung hinsichtlich der katastropbalen Ausbreitung der Seuche hingewiesen und erklärt, daß jedes Mittel, das Schutz gegen den Typhus verspreche, willkommen sei. Allgemein gelte der Alkohol als eines der sichersten Mittel gegen Ansteckungsgefahr, vor allein Weinbrand und Magenliköre, die die Verdauung günstig beein- flußten. Uebereinstimmend empfehlen die Aerzte der Bevölkerimg für die Folgezeit einen reichlichen Genuß dieser Ge- tränk«. Infolge der gesteigerten Nachfrage könnten die Likör- fabrikanten den Bedarf kaum decken. Der Brief schließt mit der Bemerkung, es liege ebenso sehr im öffentlichen, wie auch im eignen Interesse der benannten Firma, wenn diese j e tz t i h r e E r- Zeugnisse im„Ha nnoverschen Tageblatt" empfehle. Die Abgg. Quaet-Zoslem(Dnat.), Blank(Z.) und Bortel (Komm.) begründen darauf die Anträge ihrer Partei. Wohlfahrtsminister yirtflefer erklärt sich bereit, nicht nur die zur Verfügung stehenden Mittel bereitzustellen, sondern auch mit dem Finanzministerium zu ver- handeln, wie weiter gesorgt werden solle. Seit 1901 sei eine derartige große Epidemie in Preußen nicht mehr vorgekommen. Während im Jahre 1913 9443 Erkrankungen und 1433 Sterbefälle vorkamen, was einer Sterblichkeitsziffer von 15,3 Prozent entspricht, seien 1925 9533 Erkrankungen und 1023 Sterbefälle vorgekommen, was eine Sterblichkeitsziffer von 10,7 Prozent bedeute. Eine Besse- rung müsse also anerkannt werden. Di« staatlichen Mitglieder des Gutachterausschusses hätten von Ansang an die An- sicht vertreten, daß mit größter Wahrscheinlichkeit eine Wasser- e p i d e m i e vorliege. Diese Feststellung sei von der überwiegen- den Mehrzahl des Ausschusses dann festgestellt worden. In dem Gutachten sei auch festgestellt, daß das Ricklinger Wasser. werk, das seit 50 Iahren besteht. Mängel aufweis«: in dem Gutachten sei der Stadt Hannooer nahegelegt, diese Mängel abzu- stellen Der Minister erklärt weiter, die Vorgänge in Hannooer hätten ihn veranlaßt, eine sofortige Nachprüfung aller größeren ltzassergewinnungsanlagen in Preußen anzuordnen: diese werde schon in den nächsten Wochen erfolgen. Mit allen Mitteln werde auf die Abstellung von Mißständen hingewirkt werden. Er sei be- reit, dem Landtag von dem Ergebnis dieser Untersuchung Kenntnis zu geben. Ministerialdirektor Dr. Krone gibt dann einen ausführlichen Bericht über den Beginn, Verlauf, Ursachen und Bekämpfungsmaßnahmen der Epidemie in Hannooer. Er betont, daß heute die Epidemie soweit zurückgegangen sei, daß nur zwei bis drei Erkrankungsfälle täglich ge- meldet würden, an manchen Tagen überhaupt keine Fälle. Ins- gesamt seien in Hannover 2650 Personen an Typhus erkrankt und Z63 Todesfälle zu verzeichnen. Die Erörterungen über die Eni- stehungsursachen hätten zum Teil außerordentlich Irre- führend gewirkt. Während die Medizinalverwaltung in Han- nover und der Redner selbst von Anfang an den Standpunkt ver- treten hätten, daß es sich um eine Wasserepidemie handelte, sei dieser Standpunkt von der Stadtverwaltung Hannover immer be. stritten worden. Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft komme aber bei der explosivmäßig aufgetretenen Epidemie in Hannover als Ursache nur die Beschaffenheit des Wassers In Frage. Eine hochgradige Verunreinigung de» Ricklinger Wasserwerks fei festge- stellt worden, und zwar zuerst am 16. August. Am 21. August war durch inzwischen getroffen« Maßnahmen das Wasser aber wieder absolut einwandfrei. Das explosionsartige Austreten der Epidemie sei erst Ende August und Anfang September geschehen. Ein be- fonderer Gutachterausschuh, dem die endgültige Entschei- dung überlasten worden war, habe nach achtstündiger Beratung e i n- m ü t i g die Auffassung zum Ausdruck gebracht, daß die hannoversche Epidemie mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Wasserlei- tung zurückzuführen ist, wenngleich bei der Schwere einer derartigen Verseuchung eine Reihe von Umständen zusammen- gewirkt hätten. Um Wiederholungen zu vermeiden, seien Verbesse- rungen an dem Wasserwerk nach dem Urtell der Sachverständigen schon jetzt unbedingt notwendig. vor wenigen Tagen habe In einer Sladlvcrordnetensihung Oberbürgermeister Menge das Gutachten des projessors Bürgen vorgetragen. Redner bedauert, daß diese Veröffentlichung erfolgte, und zwar zwei Tage bevor der staalliche Aus- fchuß gemeinsam mit dem städtischen Ausschuß eudgültig Stellung zu nehmen hatte. Die Veröffentlichung diese» Gutachten» habe nur neue Verwirrung gebracht. Die Untersuchung habe ergeben, daß das Wasserwerk nicht mehr als erstklassig angesehen werden könne. Ob und welche Be- amte sich schuldig gemacht hätten, könne erst festgestellt werden, sobald das endgiülige Gutachten vorliege. Es müsse hervor- gehoben werden, daß die Bekämpiungsmaßnahmen sofort mit der größten Energie vorgenommen worden seien. Dos sei besonders durch die Stadt Hannover geschehen. Die Impfung habe zweisel- los segensreich gewirkt. Die bejürwortete Schließuna der Schulen wäre kein geeignetes Mittel gewesen. Es fei heute ein Bericht de» Regierungspräsidenten eingegangen, wonach aus Grund der Verfügung des Regierungspräsidenten bereits eine ganze Reihe von Verbesserungen an dem Ricklinger Merk vorgenommen worden sind. Vom Ministerium fei eine Verfügung erlassen, um mit mög- lichster Beschleunigung einen Plan zur Sanierung der Mängel vor- zulegen. Es dürste sich auch empfehlen, daß die Stadt Hannover einen Medizinalrat anstellt, wie ihn andere größere Städte schon haben. Staatliche Hilfen an Hinterbliebene bei Seuchen hätten keine gesetzliche Gnindlage. E» kann jedoch ein zur Verfügung stehender Fonds in Anspruch genommen werden, um im Notsall den Bedürftigen zu helfen. Di« Epidemie in Hannover sei eine ernste Mahnung, nicht nachzulassen mit ollen Maßnahmen auf dem Ge- biete der Seuchenbekämpfung und der Volksgesundheit überhaupt. Die Medizinalverwaltung werde wie bisher alle nötigen Maßnahmen treffen.„ Abg. Held(D. Vp.) begründet die Große Anfrage seiner Partei wegen der Wasserversorgungs- und Abwässerbeseitigungsverhältnisse der S t a d t B e e l i tz. In der Besprechung der Großen Anfragen erklärt Abg. Hort- leib(Soz.), daß die Bevölkerung durch die Behörden zu spät über den Ernst der Epidemie unterrichtet worden sei. Der Regierungs- Präsident hätte mehr zur Aufklärung beitragen sollen. Es fehle noch immer eine bindende Zusage einer Unterstützung der- jenigen, die bei dem Hilfswerk Schaden gelitten haben. Es fehle an den richtigen Abwäfferkanälen. Es dürfe nicht möglich sein, daß ein aus Dienstvertrag angestellter Assistent an Stelle des Vertreters der staatlichen Medizinalliehörden so wichtige Untersuchungen vornehme, wie es in Hannover geschehen ist Die staatlich« Mediztnalbehörde habe den städtischen gesundheitlichen Interessen in Hannooer zu wenig Rechnung getragen. Die Wobnungsverhältnisse müßten verbessert werden und mehr Geld für die erforderlichen Abwässerkanäle gegeben werden. Die staatlich« Polizei in Hannover habe es auch bei Bekämpfung der Trinkwasserschäden an der nötigen Energie fehlen lassen. Hannooer müsse wegen seiner besonderen Verhältnisse zum Notstandsgebiet erklärt und in erhöhtem Maße bei staatlichen Hilfsmaßnahmen bedacht werden. Abg. Dr. Ouael- Moslem(Dnat.) versucht den Oberbürgermeister Menge damit zu entlchuldigen. daß er noch nicht lange im Amte ist und begründet einen Antrag seiner Partei, der umfassende Hilfs» maßnahmen für die Stadt Hannover fordert. Die Weiterberatung wird dann auf Donnerstag 12 Uhr vertagt. Schluß 5)4 Uhr._ wetterdert»! der Sfievwchen Wrtserdlenttllell» fflr BrrPn. Wailidt tierki.) Meiit stärker bewölkt und vereinzelt Neigung zu Riedel lrblägen, Tempera» turen wenig verändert.— Aür keo schland: Keine erhebliche«enderunq. StelleAirSeinenHustensinlpselbsther Probiere dieses Rezept; es spart Dir Geld. Husten, Erkältung und Influenza sind jetzt sehr häufige Gäste; darum dürste manchem Leser das nachstehende Rezept willkommen sein. Man beschafse sich in der Apotheke 60 Gramm dreifach konzentriertes Ansy und tu« dies in«inen Sirup, den man sich durch Auflösung von einem halben Pfund reinen gestoßenen Zuckers in einem viertel Liter Wasser herstellt. Man verrührt das gut, bis alles vermischt und aufgelöst ist, und läßt es dann erkalten. So bekommt man auf billige und einfach« Weis« beinahe einen halben Liter ausgezeichneten Hustenstrup, der sich gut hält und in jeder Beziehung zusriedenstelll. Man nimmt davon ein bis zwei Tee» löffcl voll viermal täglich; die lindernd« Wirkung auf rauhen Hals und die Brust ist großartig. Das lästige Husten verschwindet meist schon nach 24 Stunden. Eine sorgfältige Hausmutter hält sich daher Immer eine Quantität von diesem Hausmacher-Hustenstrup bei der Hand. 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Herren- Form, med. Stoffe von 21.— M. Vonoerstag 4. November 1426 Unterhaltung unü ÄVissen Vellage öes vorwärts /Iis Parteisekretär nach öerlin. Aus dem Leben Friedrich Eberls. Don Emil Felden. SiadWrt«»!* Schilderuni, brin««n wir au» drm in dicsln Ta«n Im Kr>«fen»B«rla blüfft, begann zu lachen. „Jawohl, die Schreibmaschine." entgegnete Ebert, über das Lachen erstaunt. „Da können Sie lange suchen: wir haben keine." „Wir haben kein« Schreibmaschine? Ja, aber... wie sonder- bar! Ihr seid ja geradezu rückständig. Müssen die Berichte und Briefe wirklich mit der Hand geschrieben werden?" „Selbstverständlich," antwortete Pfannkuch.„Auer und ich schreiben sogar die Anschriften für die Zirkulare." „Wie umständlich!" entsetzte sich Ebert.„Wie macht ihr es denn mit dem Kopieren der Briefe?" „Briefe kopieren wir nicht." „Das?t ja ein geradezu unmöglicher Betrieb," sagte Ebert. Pfannkuch aber ineinte, man sei solange ohne Schreibmaschine au»- gekommen, man würde es also auch weiterhin ohne eine solche machen können.„Sprechen Sie mit Singer," riet Molkenbuhr, „kriegen Sie ihn rum. Meinesteils bin ich mit der Anschaffung der Maschine einverstanden." Und Geriich:..Aar oll«m müssen Sie Auer bearbeiten. Der fällt vom Stuhle, wenn er Sie hört. Er drückt nämlich den Daumen sehr f«st auf den Beutel." „Wo kann man telephonieren?" wollte Ebert nun wissen. „Ueberau, wo Sie wollen, nur hier bei uns nicht," lochte Molkenbuhr. „Aber... Ist das denn möglich!" ktef Ebert. Singer trat«in. Molkenbuhr sagt« zu ihm:„Ebert sucht Schreibmaschine und Telephon." „Nee, mein Lieber, das gibt es bei uns nicht." erklärte Singer seelenruhig.„Telephon? Daß sich jeder Spitzel hercinhängen und lauschen könnte? Das wäre so was beim Bestehen des Sozialisten- gesetzes gewesen!" „Na, d i e Zeit ist längst voniber," wandte Ebert ein. „Wissen Sie, ob wir nicht über kurz oder lang ein neues Gesetz erleben? Und Spitzel gibt es jetzt wie damals," entgegnete Singer. „Das ist ein veralteter Standpunkt," sagte Ebert ruhig aber bestimmt.„Wir müssen mit der Zeit gehen. Auch die ausgehenden Briefe müssen kopiert werden." „Nein, lieber Genosse," wandte sich Singer lebhaft dagegen. „Unter keinen Umständen darf das geschehe». Jeder eingehende Brief muß sofort verbrannt, kein ausgehender darf kopiert werden. Nichts darf bei einer Haussuchung in die Hände der Polizei fallen. Öder wollen wir ihr unsere Genossen ausliefern?" Da merkte Ebert, daß dem alten Kämpen di« böse Zeit des Sozialistengesetzes noch immer in den Knochen steckte. Er sagte nichts mehr, setzte sich still an die Arbeit. Aber es stand bei ihm fest, daß Schreibmaschine und Telephon angeschafft werden müßten. Es braucht ja nicht gleich am ersten Tage zu sein. Nur Geduld! Langsam vorgehen! Auer, mit dem er nach ein paar Tagen die beabsichtigte An- fchofsung besprach, war für di« Neuerung zwar zugänglicher. Aber nein, nein:„das wird Geld kostenl Mit den schwer oerdienten Ar- beitergroschen müssen wir sparsam umgehen," war sein« Antwort. Ebert sprach mit Bebel.„Sie haben recht," sagte dieser. Das Telephon müsse her, und das Kopieren der Brief«— ja, das sei auch zur Notwendigkeit geworden. Andauernd käme es jetzt zu Unstimmigkeiten, weil man bei der ungeheuer anwachsenden Korrespondenz nach kurzer Zeit nicht mehr genau wisse, was man geschrieben habe. Aber die Schreibmaschine...? Es könne ja doch niemand darauf schreiben. „Ich kann's," widersprach Ebert. „Das ist etwas anderes. Dann bin ich für die Anschaffung vorläufig einer Maschine." Trotz Auers Knurren und Singers Widerstreben, der alles Unheil prophezeite, wurden Fernsprecher und Schreibmaschine an- geschafft. Ebert klapperte vergnügt darauf und macht« von allen Ausgängen Durchschläge. Bald hatten sich olle, auch Singer, mit der Neuerung befreundet. Es war wirklich eine praktische Sache. Das merkte er, als Ebert ihm sechs Durchschläge, die er ganz schnell haben mußt«, im Nu herstellte. Nur Auer knurrte noch lange, daß e» soviel Geld gekostet hätte... Das Unternehmermanifest. „wolle., wir nicht ein Stück Weges zusammengehn?" „wie lang wird da» wohl sein?" Zeitungsverleiher. (Eine kulturhistorische Studie.) von Kurt Offenburg. Es gab kaum ein beschwerlicheres Gewerbe, als das der N e w s m a n— d. h. der Neuigkeitenhändler— dt« in den Zver Jahren de» vorigen Jahrhunderts in der Weltstadt London ihr Handwerk trieben. Dazumal konnte noch nicht jeder gewöhnliche Bürger sich eine Morgenzeitung und Abendblatt leisten, denn die Zeitungen waren noch kein billiges Dolksnahrungsmittel. Dafür gab es Leute, die die Zeitungen leih weis« gegen Entgett ins Hau» brachten. Schon beim Morgengrauen stehen sie vor den Druckerelen, au» deren Keller der dumpfe Donner der Dampfmaschinen und Drucker. Stessen rollt, und warten ungeduldig auf die Fertigstellung und usgab« der Morgenzeitungen. Hat der Newsman fein« kostbar« Last endlich unter dem Arm oder auf dem Rücken, so rennt er los und läßt seine Gabe auf den Weg fallen, wie der Fachausdruck lautet. Entscheidend bei diesem Handwerk ist die Schnelligkeit, denn schon eine Stunde nach Beendigung des Drucks müssen die Zeitun- gen in den Händen der neuigkeitshungrigen Leser sein, und mögen sie an der Peripl)«rie der Metropole wohnen. Etwa um 8 Uhr ist der Newsman mit dem Austragen Mner Zeitung fertig, nun aber beginnt eigentlich erst das Geschäft: er besucht seine Kunden, die nicht abonniert sind und die Zeitung nur leihweise für eine einzige Stunde erhalten. Da« kostet zwar nur einen Penny, aber gegen einen höheren Preis können die Leser die Zeitung auch länger mieten. Dreißig bis vierzig Zeitungen setzt«in einzelner Newsman in Umlauf, und klopft so an einem einzigen Tag an sechzig, hundert oder noch mehr Häuser an. Nachmittags werden di« Blätter dann wieder eingesammelt, um mit der Post an die Abonnenten in der Provinz gesandt zu werden! Nun beginnt die zweite Tour: die Ausgabe der Abendblätter. Sie erfordert wieder die ganze Aufmerkfamtett der Newsmen, dieser flinken und geplagten Burschen, die während sechs Monaten des Jahres— wenn die Parlamentssitzungen stattfinden— überhaupt nicht zur Ruhe kommen, weil sie stets aus dem Sprung sein müssen, auch noch die zweite Ausgabe der Abendblätter an ihre Kunden zu verteilen. Bei diesem Zeitungsverleihen gibt es dann manchmal die komischsten Szenen.— Der Newsman erscheint nach einer Stund«, um feine Zeitung wieder abzuholen und seinen Penny zu kassieren. Der Mieter aber, etwas phlegmatisch und noch nicht ganz ausge- schlafen, behauptet hartnäckig, daß erst eine halbe Stunde seit Ab- lieferung der Zeitung vergangen sei. Er läßt dem Newsman sagen, daß er avarten oder später wiederkommen solle.— Ein anderer Kunde, ein Stocktory. liest gerade die Rede„seines" Abgeordneten und freut sich, wie die Whigs eine Abfuhr erhielten,— da kommt die Haushälterin und sagt, daß daß der Newsman feine Zeitung wieder wolle und nicht länger warten könne. Der Herr wird wütend, denn er muß nun noch einmal di« ganze Parlamentsrede von neuem lesen: die Haushälterin lädt ihre Wut wieder auf den Newsman ab, dieser flucht und krakeelt, daß der Herr eben jetzt zwei Pence statt einem Penny zahlen müsse. Inzwischen wartet ein dritter Kunde auf die Zeitung, der auch auf den Parlamentsbericht neugierig ist. Wo bleibt heute der verfluchte Newsman wieder?" fragt er seinen Diener. Erscheint dann endlich, mit einigen Minuten Verspätung, der Vielgeplagte, fährt ihn der alte Junggeselle an: „Ich will meine Zeitung pünktlich auf die Minute! Wollt ihr nicht. so kann sie mir ein anderer bringen!" Der Newsman will aufklären, sich enschuldigen— aber der Mieter, der einen Penny zahlt, findet es unter feiner Würde den Newsman anzuhören. So haben di« Newsmen fast täglich die Ungeduld und schlechte Laune ihrer Kunden zu erdulden. Und wenn sie sich auch von morgens bis abends abhetzen, täglich fast zwanzig englische Meilen zurücklegen, ob es regnet oder schneit, di« Sonne glüht, daß dos Pflaster siedet, Nebel herrscht, daß die Hand vor dem Gesicht nicht zu sehen ist: immer sind die Newsmen unterwegs. Und der Gewinn? Gerade genug, um sich das tägliche Brot zu ergattern, denn die vielen neuen Stiesel, die Verluste, die durch Borgen kommen, und übrig gebliebene und nicht absetzbare Exemplare müssen in Rechnung gestellt werden. Es soll einmal vorgekommen sein, daß die Newsmen über die verspätet« Zeitungsausgab« so in Wut gerieten, daß Setzer und Redakteure, um die Zürnenden zu bewichtigen, keinen anderen Rat wußten, al» die letzte Spalte mit irgendwelchem Satz zu füllen, nur damit die Zeitung fertig wird. Dem Publikum allerdings waren di« sinnlos zusammengewürfelten Fetzen ein Rätsel, und erst in der nächsten Nummer konnte der Herausgeber die Auflösung dazu geben. Sonst werfen die Newsmen, bei verspätetem Druck, im all- gemeinen nur die Fensterscheiben ein, denn für sie hat das Sprich- wort„Time i» monty" jene letzte Gültigkeit, die sonst dem Armen unbegreiflich bleibt.__ verkannte Tiere. Man sagt gewöhnlil�.so tapfer wie ein Löwe", aber im Ver- bältni» zu ihrer Größe, Kraft und Kampfesausrüstung ist der Löwe lange nicht so taoser wie z. B. ein Fuchs, ein Schwein oder sogar da» demütige Schaf. Dies betont ein Zoologe, der die menschlichen Vorurteile in der Beurteilung der Tiere untersucht. Er spricht dem Widder«ine ganz besondere Tapferkeit zu und behauptet, daß dieses Tier jedem lebenden Wesen Trotz bietet, er scheut sich nicht, einen großen Bullen anzugreifen, wenn er die Herde bedroht, und oermag ihn oft zu überwinden. Er verteidigt seine Schafe gegen den größten und wildesten Hund und sogar gegen Menschen. Der Kamps zwischen zwei kräftigen Widdern ist einer der stolzesten und zugleich grausig- sten Schauspiele und endet fast stets mit dem Tode eines der beiden Kämpfenden. Auch das Wildschwein ist außerordentlich tapser, und man sagt von ihm, es sei das einzige Tier, das mit einem Tiger au» derselben Quelle zu trinken wage. Schweine sind überhaupt arg verleumdete Tiere, sie sind z. B. viel weniger gefräßig als ein Kanarienvogel: auch sind sie nicht so dumm wie man annimmt, Sndern haben schon„Jntelligenzvroben" gegeben, die denen des ffen und des Hundes wenig nachgeben. Di« sprichwörtliche Faul- heit der Schweine ist ebenfalls eine Verleumdung, denn es gibt manche Teile Europas, in denen die Schweine hart und eifrig ar- betten. Richtiger wäre es zu sagen, �so faul wie eine Katze", denn die Katzen sind wirklich sehr träge. Sehr verkannt wird auch der Esel: wenn man ihn zum Sinnbild der Dummheit gemacht hat, so tut man ihm Unrecht. Er ist gewöhnlich schlauer als das Pferd. j Wenn man den Esel in einem eingezäunten Raum einsperrt, dann.iz, muß man sehr darauf achten, daß das Gitter verriegelt ist, denn er wird es sofort aufstoßen, um heraus zu kommen, während das Pferd an dem Zaun enttangläuft und selten das Tor findet. Wenn das Pferd von wilden Tieren angegriffen wird, dann rennt es aus Leibeskräften davon. Der Esel aber sucht sich einen günstig ge- legenen Platz zur Deckung und leistet dann dem Angriff mit seinen mächtigen Hufen Widerstand. Der Bär gilt als besonders „brummig": er sst aber mit Ausnahme des Polarbären eines der lustigsten und gutmüttgsten Tiere, da» sich leicht zähmen läßt, wenn es freundlich behandelt wird. Die„Blindheit" der Fledermaus, die ebenfalls sprichwörtlich ist, verkennt di« überaus scharfe SV kraft dieses Tieres, von dem man sagen kann, daß es mit der ganzen Haut steht, stch im tiefste» Dunkel zurechtfindet und die winzigsten Insekten erkennt.___ der Mensch und üas Antlitz der Erde. Lei der Rektoratsübergabe der Handels-Hochschule Berlin hielt der neue Rektor Prof. Dr. Georg Wegener «inen interessanten Dortrag über das Thema„Der Mensch und da» Antlitz der Erde". Der Redner ging davon aus, daß der Mensch als eine Erscheinung der Erdoberfläche ebenso wie alle anderen irdischen Erscheinungen unter dem Einfluß der geogra- phischen Umgebung stehe. Sei dieser Einfluß seit langem bekannt und durchforscht, so sei das nicht im selben Umfange mit dem um- gekehrten der Fall, dem umgestaltenden Einfluß des Menschen auf das Bild der Erde. Der Redner führte zunächst aus, wie in der Landschaft unseres deutschen Vaterlandes kaum»och ein charakte- ristischer Zug vorhanden sei, der nicht die umgestaltende Hand des Menschen erkennen ließe. Selbst die Form miserer Meeresküste werde durch den heroischen, Jahrhunderte langen Kampf des Küsten- bewohner» mit den Sturmsluten bestimmt. Aehnlich beeinflußt sei das Erdbild bereits bei allen Volltulturvölkern Europas. Aber nicht nur hier und in der Gegenwart fei dieser Einfluß zu erkennen. Der Redner nahm als«in Beispiel Aegypten, das schon zur Zeit der Pharaonen aus einem tropischen Urwaldsumpf in die heutige offene Kulturlandschaft verwandelt worden sei. Aehnlich Mesopotamien, Indien, China, das Mittelmeergebiet, das vom Alter- tum bis zur Gegenwart außerordentlichen landschaftlichen Um- gestaltungen unterworfen worden sei. Prof. Wegener sührte dann aus, innerhalb welcher Grenzen auf verschiedenen Gebieten der Geographie diese Einwirkungen des Menschen bereits zu beobachten und in der Zukunft möglich seien. Zwei Faktoren seien am Werke, in der Zukunft diese Umgestaltungen des Erdbildes durch den Menschen noch in» ungemessene zu steigern: Die Fortschritte der Technik und die ungeheure Vermehrung der Menschen. Zwar sei es die Technik, die die Mittel zu dieser Um- gestaltung lleferei aber sie handele doch nur als Werkzeug im Dienste des Wirtschaftslebens. Das Wirtschaftsleben aber sei die Domäne der Handels-Hochschule. Und so erössene das angeschlagene Thema gerade für die geographisch-wissenschaftlichen Arbeiten dieser Hochschule be- sonders fesselnde Perspektiven.__ Schmellerllngsschongebiele. In verschiedenen Ländern existieren bereits Schongebicte für Vögel. Das sind vieljach ausgedehnte Wal- düngen, wo zahlreiche Vogelarten, die sonst der Vernichtung anheim fallen würden, in voller Sicherheit leben und sich sortpsanzen können. Die Londoner„Daily News", die Grund zu der Befürchtung haben, daß die schönsten und sellensten Falter über kurz oder lang dem immer rücksichtsloser sich gebärdenden Sammelelfer zum Opfer fallen müssen, treten fett langer Zeit lebhaft«in für die Schaffung von Schongebieten auch für Schinetterlinge. Sie können sich jetzt rühmen, erreich! zu haben, daß die Londoner„Gesellschaft Linne" sich ent- schlössen hat, zwei große Parks zu erwerben, in denen der Flora und Fauna ausgiebigster Schutz zuteil werden soll. In diesen beiden Park» sollen zugleich auch die ersten Schmetterlingsschutz- und .schongebiet« erstehen. Einsendungen für diese Subtil sind verlin GW 68. Lindenstraße 3, partemachrlchten für Groß-Serlin stet» UN da» 89e,iti»sekrtt«iterten»reisvovsiandes findet in der nächsten Woche nicht statt. Dienstag,». November, im Saale„Märchenbrunnen" Kcsivcrsammlung für Mitglieder lRevalution»- feier). 6.»reis!?riedti>hsbain. Achtung, Elternbeiräte der SPD. de» ilreisesl Wichtige Sitzung am ssreitog, s. November, 7stz Uhr, bei Schmidt, Frucht- straßc!!«a. Keiner darf feblenl 7.«re>, Eharlottenburg. Obgleich die Kirchen aus trittoberoegung stets mir erfreuliche Fortschritte zeichnet, sind doch noch viele vorbanden, denen die Wege zur KirchenaustrittserkILrung unbekannt sind. Für Ebarlottenburg ist im Amtsgericht Ebarlottenburg«ine Stelle«ingerichtet, in der täglich derartig« Erklärungen unentgelllich entgegengenommen werden. Außerdem können solche Erklärungen auch bei einem Notar abgegeben iverden. Unser Scnosse, der Rechtsanwalt Dr. Theodor Tichauer, tlantsir. 187, ist auch in den Abendstunden bereit, gegen ein« mäßig« Gebühr derartige Austritte entgegenzunehmen. heute, Donnerstag, 4. November: 14, Abt Um das endgültige Resultat der Werbewoche festzisileilen, sind die Hausliften bis Freitag, b. November, an den Genossen Szumann obzu- liefern. Di« Billetts zur Reoolutioncfcier müssen bis Montag, 8. Novem- ber, abgerechnet oder zurückgegeben sein. 82. Abt. TA Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Valentin, ftroutstr. 86. 101. Abt. Treptow. 7% Uhr Borstandssitzung mit den Bezirksführern an bekannter Stelle. Morgen, Freitag, 5. November: 1. Abt. 7sh Uhr bei Held, Artilleriestr. 11, wichtig« Funtti-nSrsitzung. 3. Abt. 7', Uhr bei«rüger, Engclufcr 28. wichtig« Funktionärsitzung. 7. Abt 7sb Uhr wichtige Funktionär fitiunq bei Bärwald«, Schlegelstr. 8. 42. Abt. 7>ch Uhr äußerst wichtige Funktionärsitzung bei Wiersdorfs, Urban- straße 6. Kein Funktionär darf fehlen. Schäueberg. 77. Abt. 7!i> Uhr bei Jürgens. Barbarossastr.!i», Funktionär- sitzung.— 7». Abt 8 Uhr im Lokal Groß, Sebansit, 17, wichtige Funktionärsitzung. Niemand darf fehlen, da wichtige Tagesordnung. »1. Abt. Frieden««. 8 Uhr bei Schänefefb.»irchstr.», Funktion ärsttznng. Mitgliedsbuch und„Vorwärts". Quittung sind mitzubringen. Neukölln. 03. Abt. 7-ch Uhr bei Thormälen. Hertzbcrgftr. 22, Funktionärsitzung. Di« Bezirlsführer laden dazu bestimmt«in.— 96. Abt. Freitag, 5. November, HS Uhr. im Lokal von Lohan. Lipper Str. 18/19, Funktionärsitzung. Sämtlich« Funktionäre müssen erscheinen.— 97. Abt Die Funklionär« treffen sich 7 Uhr zu einer Sitzung bei Rohr. Siegfriedstraße. 99. Abt Britz-Buckow. 1% Uhr wichtige Funktionärsitzung in der Wohnung des Genossen Schröder, im Rathaus. Alle Funktionäre müssen unbedingt erscheinen. 118. Abt«iiWeuber«. 7% Uhr bei Rothe. Frankfurter Alle« Ecke Gudrun- straße. Sitzung sämtlicher Funktionär«. 123.«dt. Kaulsdoes. 8 Uhr bei Hühner wichtige Funktionärsitzung. 128./130. Abt. Pankow. Wir weisen noch einmal auf die Arbeiierbilbunts� schul« hin. Genosse Simon Katzenstein spricht jeden Freitag 8 Uhr im städtischen Jugendheim Kissingenstr. 48, Zimmer 3, Uder:„Die Geschichte des 19. Jahrhunderts". Wir bitten um reg« Beteiligung. Hörgcbühr 1 M. — IVt Uhr bei Mecs, Lindenpromenade, wichtig« Funktionärkonferenz. Frauenveranstalkungea. 8. Krei» Friedrichshaiit Freitag, 5. November. 7% Uhr, bei Rosin. Gubener Straß« 19, Funktionärinnenkonserenz. Vortrag:„Politische Wohisahrt, Kinderschutz und Kinde rfre-unde". All» Funktionärinnen müssen wegen der wichtigen Tagesordnung destimmt und pünktlich erscheinen. Jungsozialisiea. heute. Donnerstag. 4 November: Gruppe Beltzenf«! 7% Uhr im Jugendheim Parkstr. 88 Vortrag:„Er- ziehlingsfragen". Referent sselir Fechenbach.— Gruppe Ebarlottenburg: 7>? Uhr im Jugendheim Rosmenstr, 4 Arbeitsgemeinkchaftt„Der moderne Kapitalismus". — Gruppe Osten: 8 Uhr im Jugendheim Tilsster Str. 4 Bortrag:„Das Pro- letoriat und die Arbeiterartstokratie", Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht.— Gruppe Neukölln l! Beteiligun» an der Arbeitsgemeinschaft de» Bolkgbildungsamtes Neukölln Uber:„Europäische Wirtschaftsentwickluug". Res«- rent Stndienrat Erwin Margnordt, In der Bolksbüche«! Ganghoferstraß«. Beginn 8 Uhr.— Gruppe Prenzlauer Berg: 8 Uhr im Jugendheim Danziger Straße 82 Vortrag:„Jugend und Partei". Alle Genossinnen und Genossen, die Interesse an jungsozialistischer Arbeit haben, sind zum Besuch der neu. gegründeten Gruppe herzlichst eingeladen. Jungsozialisten. INorgen, Freitag, 5. November: Gruppe Pankow und Riederschönhausen: Pünktlich 8 Uhr hn städtischen Jugendheim Kissingenstr. 48, Zimmer 8, Fortsetzung des Bortvage«:„Die Gr- schichte de» 19. Jahrhunderts". Wir bitten um zahlreiche» Ersäxinen.— Gruppe Renköln N: Der Gruppenabend sMI au«. Dl« Geuoffe» mttbm«Eielen, sich an dem Kursus der Atbciterbilbunasschuie:„Einführung in dl« SoMlogt«. Reserent Dr. Salomsn, in der Mädchenmittelschule Donaustr. 120 zu bete tilgen. Beginn 7& Uhr. Arbeitsgemeinschaft der kiaderfrennde: Gruppe Ebarlottenburg: Zur Sprechchorprob« treffen wir un» beute. D-nner-taa. 4. November, nachmittags 4 Uhr pünktlich, Stuttgarter Platz Eck- Wilmersdorfer Straße. Achwna! Freitag, 5. November, nachmittags, beginnt die Bastelstunde um dw, Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4. * Bereinigung sozialdemokratischer Studenten, Heute, Donnerstag, 4. Novem- ber, T6 Uhr. im Sozia lwissenlchaftlicheu Klub. Wilhelmstr. 48. wichtig« Mit- gliederveisammlung,__ Sterbetafel der Sroß-öerliner Pottcf»<&rga�fotfon 89. Abt. Neukölln. Unser Genosse Hermann Eonrad. Donaustr. 28/24. ist am 21. Oktober verstorben. Wir werden ihm«in ehrende» Andenken de- wahren. Di« Abteilunasleitnng. 119. Abt. Lichtenberg. Unser Genosse Arthur Scholz ist vevstorben. '"-....."'«ich"-*-" Ein« äscherung am Freitag. 5. November, nachmittag» pünktlich 1 Uhr, im Krema- toirum Derichtstroße. Wir erwarten zahlreich« Beteiligung. GesthastZiches. Eafd Hubertus, Zehlendors. Durch die Umwandlung der früheren Er» Ziehungsanstalt am Urban in ein Krankenhaus ist die Notwendigkeit zur Schaffung einer Ruhestatwn für die Besucher de» Krankenhause« geschalfen worden. Das neuerbaute Eafü Hubertus in der Machnower Straße bietet seinen Gästen bei bescheidenen Preisen, guter Küche und Keller,«inen an- genehmen Aufenthaltsort. Sonntag» sorgt«ine Musikkapelle für die Unter- Haltung. Di« Räume sind geschmaekvoll gehalten, und der Wirt setzt alle» daran, leine Gäste in seder Weis« zufrieden zu stellen. Wappenkuube aus eigene Art treibt die bekannte Berliner Zigarettenfabrik „Zosetti". Sie läßt den Berliner Bären de» Siadtwappens aus seinem steiner- neu Dasein zum echten Berliner Leben erwachen. So wandert er durch die Straßen der Reichshauptstadt und nimmt zu mancherlei Fragen Stellung. In der vorliegenden Ausgab« unseres Blattes finden unser« Leser die erste Ber- össentlichung der unterhaltsamen Anzeigensolge der genannten Finna, aus die wir hiermit hinweisen. > Jr.j » "~v',:* I MUMMMWWK 95p •3 Kiesderstoffe Schotten PulloverstoSfe 1 Reinw.Crepe-Schotten� 2" Mantelstoff e �- 110-%% 360 Velours relBe � � mr 450 Jacquard-Schotten???Bh � 90 Büg el elf en riÄSI«' S« cks stf mit Zuleitnng, 1 Liter, Messing QSO vemiebelt...................." Heizkissen 9*° Wintersonnen ÄKe,t.... II50 Paar Strumpfwaren Damen-StrümpfeunS'iibw� Äfh Herren-Socken Damen-Strümpfe�Tt�Ä �45 > Herren-Socken ÄÄ™4"4?: I Damen-Strümpfe pa. 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In den ersten Jahrzehnten ist er oft aus die Tribüne getreten, um mit Be- geisterung seine Anschauungen zu oertreten und sich mit den Gegnern auseinanderzusetzen. Später hat er sich mehr den 5tonunlssions- arbeiten gewidmet. Diele Jahre hindurch hat Richard Fischer als Schristführer diesem Haus, gedient. Freund und Gegner haben gewußt, was sie an ihm gehabt, denn mst Offenheit und Wahrheit hat er für seine Anschauungen gekämpft. In vorgerücktem Alter ist der jetzt dahingeschieden« Abgeordnete Graf o. Meeroeld dem Reichstag beigetreten, nachdem er lange Zeit vorher seiner Heimat treu gedient hat. Kurz vor der Vertagung ist er noch wieder. holt hier im Hause als Redner aufgetreten. Wenige Tage vor dem Mederzusommentritt des Häuser erreichte uns die schmerzliche Kunde, daß aus dem Damvfer„Columbus' bei seiner Rückkehr von einer Studienreise nach Mexiko der Abgeordnete Robert D> ß m a n N an einem Herzschlag plötzlich gestorben sei. Der Tod hat einem ungemein rührigen Menschenleben ein rasches Ende be- reitet. Schon von früher Jugend an hat Dißmann sich politisch und gewerkschaftlich betätigt und viele Ehrenämter bekleidet. Sein« Arbeit war besonders den arbeitslos Gewordenen gewidmet, und es gewährte ihm eine besondere Genugtuung, daß der Reichstag vor seinem Auseinandergehen das Arbeitsbeschafjungsprogramm an- nahm, an dem er in hervorragender Weise mitgearbeitet hatte und durch das eine Linderung der Rot einer großen Zahl von Erwerbs- losen geschaffen werden sollte. In angestrengter Arbeit hat Diß- mann nie Ruhe gesunden, setzt hat Ihm der Tod die Ruhe gegeben. Der Reichstag hat sich zu Ehren der Gestorbenen während der Ansprache des Präsidenten von den Plätzen erhoben. Präsident Löbe macht nunmehr einige geschäftliche Mitteilungen. Ihre Mandate haben niedergelegt Graf Lerche n selb(Bayer. Vp.), der zum deutschen Gesandten in Wien ernannt worden ist. und Abg. P a e p l o w(Soz.), der sich lediglich der Arbeit im Borsitz des Deutschen Baugewerksbundes und der Ausübung des Mandat» m der Hamburgischen Bürgerschaft widmen will. Abg. Bell(Z.) hat wegen Ernennung zum Reichsjustizminifter sein Amt als Vize- Präsident niedergelat. Vor Eintriü in die Tagesordnung beantragt Abg. Sloecker (Komm.), einen Antrag seiner Partei zur Fürstenabsindung als ersten Puutt aus die heutige Tagesordnung zu setzen. Dem wird von der rechten Seite de» Hauses w!dersprochen. In rascher Folg« erledigt nunmehr der Reichstag die einzelnen Punkt« der Tagesordnung Eine Reihe von kleinereo Per» trägen mit den Niederlanden. Dänemark, Polen. Danzig sowie ein Luftverkehrsabkommen mit Frankreich und Belgien werden dem AuswSrtigen Ausschuß zur Vorberatung überwiesen. Ein Gesetzentwurf zur Aenderung der Gewerbeordnung, der den Verkauf von Broten in Laiben regelt, geht an den Volkswirtschaftlichen Ausschuß. Der Gesetzentwurs über die Sammlung des Reichsrochls wird dem Rechtsausschuß überwiesen. Die Vorlage will eine große Anzahl von gesetzlichen Dorschristen, die durch die Entwicklung der Verhältnisse gegenstandslos geworden sind und einen unnötigen Ballast darstellen, ausmerzen und die noch gültigen Verordnungen und Gesetze in einer Sammlung des Reichsrecht» zusammenfassen. Um welche Menge von Vorschriften es sich hierbei handelt, geht daraus hervor, daß bei einer vorläufigen Prüfung ausscheiden werden: 19lS von 408 verössentlichungen mindestens 373, 1916 von 635 mindestens 601. 1917 von 533 mindesten» 495. und 1918 von 419 mindesten» 380. Au» den Jahren 1867 bl» 1886 werden von insgesamt 1697 Verössentlichungen mindesten» 1525 ausscheiden. Abg. Kahl(D. Vp.) macht als Vorsitzender des Rechtsausschuffe» daraus aufmerksam, daß c» nach Lage der Geschäfte in diesem Aus- schuß unmöglich sei, diese Vorlage dort rasch zu erledigen. Bei der Festsetzung der Tagesordnung für die Sitzung am Donnerstag entspinnt sich«in« längere Geschäftsordnung». dcbatte. Präsident Löbe Ichlägt vor, eine kurze Tagesordnung auf- zustellen, damit die Ausschüsse arbeiten können. Abg. Drey(Soz.) beantragt demgegenüber, die Cr w e r b s l o s« n f ü r s o r g e als zuerst zu behandelnden Punkt aus die Tagesordnung der morgigen Sitzung zu setzen. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags sei einige Zeit vor dem Plenum zusammengetreten, nur zu dem besonderen Zwecke, die vordringliche Frage der Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge schnellstens zu erledigen. Nun hat der Aus- schuß seine Verhandlungen noch Immer nicht zu Ende geführt, aber alle Parteien wissen, wie sie sich zu dieser Materie zu verhallen haben. Die Sozioldemokratlsche Partei will sich nicht mitschuldig machen an einer weiteren Ver- zögerung dieser Angelegenheit. Es liegt kein Grund vor. dl« Erledigung der Frage auch nur noch um einen Tag zu verzögern. Demgegenüber stellt Lbg Rädel(Komm.) den eigentümlichen Antrag, erst einen kommunistischen Antrag zur Fürstenabfindung. und nachher die Erwerbslosensrage zu behandeln. Präsident- Cöbe weist daraus hin, daß der Ausschuß feine Arbeiten noch nicht abgeschlossen habe, und daß auch die neue Vorlage der Regierung dem Hause noch nicht vorliege. Abg. Müller-Franken(Soz.) erinnert daran, daß die sozialdemokratischen Vertreter schon in der Beratung des A e l t e st« n a u s s ch u s s« s die Aussetzung der Erwerbslosenfürsorge aus die Tagesordnung verlangt haben, auch wenn noch kein Bericht des Ausschusses über seine Verhandlungen vorliege. Die Erwerbslosenfrage muß vor allen anderen Fragen behandelt werden, auch vor der Fürstenfrage. Wir sind durchaus bereit, im Laufe der nächsten Tage auch über die mit der Fürsten- obsindung zusammenhängenden Fragen zu verhandeln. Abg. Schulh-Bromberg(Dnat.) und Abg. Andre(Z.) wider- sprechen dem sozialdemokratischen Antrag, da kein« Schädigung der Erwerbslosen eintrete, wenn diese Frage einen Tag später zur Ver- Handlung gelange, denn die Erhöhungen der Unterstützungen sollen ja vom 1. November ab durchgeführt werden. Der sozialdemokratische Antrag, die Erwerbslosen- fürsorge auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung zu setzen, wird abgelehnt. E» bleibt bei der vom Präsidenten vorgeschlagenen Tagesordnung, die unter anderem einen Entwurf des Wahlrecht, zu den Organen der Reichsversicherungsordnung und der An- gestelltenversicherung. sowie der Vorlage zur Bewahrung der Jugend vor Schmutz und Schund vorsieht Gegen 4 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag nachmittag 2 Uhr. Sozialistische firbeiterjugenü Groß-Serlia. gm- JlMJoIutioMäfelet am Sonntag. 14.»oocmtxt,»ormiNas» 11 Mir. tat Kronen Echausvielhau» fiui Rotten«um Preis» non 50 Pf.»ra Slll-k lm guaendsetretarlai zu haben. Da- SprechSiorwert„Menschhcitswille" von Her- mann Claudius aelanat m ErstauftUhrvn». Wandel, und Spi-ll-iterkursu»! I. Abend grcitaa. 5. Ravemher, 7Z4 Uhr. In der Schul« Rochslr. 13. Thema:„Crftc Hilf« bei Uivzlllcksfiillen". Abteiluagsmilgliederversammlungeu Donnerstag Uhr: LchSnh-user Dorstadt: Schul« Dricsener Str. 22.—«arbeit- Schule Put. oullrt Str. 3. galkplahi Schule Cbcrswalder Str. 10.— Criedeaaui Zuaead- heim Offenbacher Str. da.—«antwi»: Schule Schulftrane— iichleftclbci guaendhcim Aibrechtftr. 14».- tzehlendarf! S lidschule. Wilhelmftrohe.— Srlneri Iuaendbeim an der StandficOlunsi.- Wittenau! Zugendbeiin Rosen. ttKller Stvast«. • 2iidost R. B Schule Branaelltr. 123. Mitalieiervtrsanimlunll nnd Bor. trag:.Schund, und Schmuhlitcralur-.- SSdwesleni Inarndheim Lindensir. 3. Mitaliedervcisamniluna und Vortrag!„Alt-Berlin-r Sumor".— Schöncbera III: Iullendhrim Sauutstr. 15. Bartrafl„Stammt der Mensch vom Affen ab?" «erbebe, Irl ONeni Iuaendheim Cbcrtystr. 12. Probe des Sprechchors «erbeb«, iik MLaaelse«! Zugendheim in AM-r-hof, Roonstr. 1«. Serbe* detirtsvorstandslttmna. «erbebe, tri«eukölln: Jugendheim Ranner Straße. Bichiig« ffunttionitr. fltrung. Püntllichea Erscheinen aller gunklionäre Pflicht. Jhre Küchengeräte *» «MS werden, wenn mit VIM geputzt, ebenso wie Ihr Koch- und Tischgeschirr, stets sauber und appetitlich aussehen. VIM putzt Holz, Porzellan und Metall; prächtig reinigt es auch Ihre Hände. VcrteiserteraeTomy 30l>fg. Kein Verstopfen des Blechetreuers Ül« iZi«. welch««« Rh«»»*» GichU •ebtes, HestoMbvfe, aich«®- chmer*«» oad N«nro«iUt Std««, mÜMCC bw«B- l«r««J itoiiw«ch*«l tcbUa. y UUt wluUf mmlHt— U«W«M AbUi*n)o<« r«toij.r.»oi«! prompt M,»-:->»!.» Sl.llw.6b»cl _ laUU! aoait OIcmW. bb lü« i.b.o»krif- «Uv«e«<3.r.Uud. I Ik'«• m mMkm. fcl—«.OneaMi Dlawirkumtteactund- heitskur durch Heilfak- %eiudrerKfäotErkroDB A-Z i&t erfolgreich ge; l eUltrankheii, Sio- reo- u. Blasenleiden u. kalb. Erachelnurgan der Harntaee.Rheunia,Olctn o. 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November.(Eigener Drahtbencht.) ai Sensationellste diese- Prozesses ist vielleicht das e r- fütternd Unsensationelle de r Zl»geklagten. Eben dieser Umstand läßt ihre Tat um so grauenhaster erscheinen. Eine kaum zu schildernde Schlichtheit und Naivität ströint von diesen beiden jungen Menschen aus Von diesem talentierten Musikersohn, dessen Musikstudium durch den Tod des Daters so jäh unterbrochen wurde und dessen zu früh begonnene Musikerkarriere in der grauenhaften Entgleisungskatastrophe von Leiferde ihren ebenso jähen Abschluß gefunden hat. Von dicsein Schankwirtssohn und Elektromonteur, der von seiner geradlinigen Arbeiterlausbahn durch den Fluch der Arbeitslosigkeit über Schneeschippen und das Asyl für Obdachlose, über Gefängnis und Wanderschaft zum„ersten Geiger" des Kapellmeisters Schlesinger wurde. In Hageborn hatte das Wohlfahrtsamt Schlesinger und Walter Weber die Hergabe von Essenmarken abgeschlagen. Nachts weinte Walter Weber vor Hunger, Kälte und Nässe. Da reifte in Schlesinger unter dem feuchten Stroh der Gedanke zu einem Eisenbahnattentat zum Entschluß. Seit diesem Tage war er von der fixen Idee wie besessen, mit dem Gclde aus eineni Postwagen das Musikstudium fortsetzen und seine Mutter unterstützen zu können. Mit nackten Händen, ohne jeglichen festen Plan, allein mit der vagen Vorstellung von Geldbeute aus dem Postwagen und den Brieftaschen der Reisenden stürzten sich die beiden jungen Menschen in ein Abenteuer, dessen Endergebnis in keiner Weiss von ihnen in Rechnung gezogen worden war. Und so wenig sie sich vielleicht die Entgleisung als etwas Ge- fährliches vorgestellt haben mögen, so wenig hatten sie sich Gedanken darüber gemacht, auf welche Weise«s ihnen gelingen sollte, in der allgemeinen Panik den Postwagen, der mit neun Beamten bemannt war, auszuplündern. Armselige Gesellen, die um einer fixen Lust- idee willen 21 Menschenleben vernichteten und über andere Menschen und sich unsägliches Elend gebracht haben. Verständlich wird aber das Verbrechen dieser Menschen allein aus der Psychologie der Landstraße und des Asyls für Obdachlose. Die Tragik der Arbeitslosigkeit und der Walze klagte in dem schwermütigen Erzählen der Angeklagten bewegt Gesellschaft und Staat an, die in dieser schweren Zeit der Volts- und Iugendnot die materiellen und seelischen Mittel nicht ausbringen, um die in Hunger, Kälte und Schmutz jeden moralischen Halt Verlierenden zu stützen. Diese Kleinigkeiten beleuchten blitzhell die Situation. Der Verhandlungsleiter ist ein Richter von größter Milde in dem Befragen der Angeklagten. Man wünscht, daß öfter solche Vorsitzenden die Verhandlungen leiteten. Ein Todesurteil scheint nicht gut vorstellbar. Und trotzdem ist es nicht undenkbar. Zur Tat selbst schilderte der Angeklagte Schlesinger folgenden Sachverhalt: Nachdem wir den Hemmschuh in Lehrte in der Nacht vom 7. zum 8. August entwendet hatten, marschierten wir zum Tatort. Einen bestimmten Zug hatten wir noch nicht ausgesucht. Willi Weber kam auf den Gedanken, mit dem Hemmschuh sei es nichts, wir müßten«inen Bremsklotz haben, der auch später auf dem Lahnhof Meinersen gestohlen wurde. Zch war geiflig so gleichgültig durch das ewige Elend auf der Landstraße. Vors.: Hatten Sie denn keine Nahnmgsmittel zu sich genommen? Angekl.: Ab und zu etwas trockenes Brot, einmal haben wir auch Kartoffeln ausgegraben, die wir in einem Aluminiunitopf kochten, den wir auf der Wanderschaft gekauft hatten. Wir Hakken nur einen Gedanken: Geld. Ich kann nochmals sagen, ich kann es mir nicht anders erklären, als daß ich damals ganz unter dem Eindruck des Elends und der Not gestanden habe. Es ist mir rätselhaft, Herr Vor- sitzender. Der Vorsitzende erläutert dann an Hand einer großen Karte den Totort, der zwischen Meinersen und Leiferde am Kilo- mete'.stein 200'075 liegt. In der Nähe vom Kilometerstein 208,4 befindet sich der Bahnwärterposten 168, dessen Wächter Kluß- inann den entgegenkommenden Zug ausgehalten hat. Nachdem die Täter cii'ige Tage iin Walde an dem Tatort genächtigt hatten, einige Schrauben und Schwellenschlüssel gefunden und im Walde versteckt hatten, waren sie inzwischen nach Braunschweig gegangen, wo sie gebettelt und etwas Brot erhalten hotten. Dann gingen sie wieder noch dem Tatort zurück. Ursprünglich wollte man die Tat schon in der Nacht vom 16. zum 17. ausführen, wurde aber durch einen Polen abgehalten, der Pilze suchte. Vors.: Wir kommen jetzt zur kritischen?tacht, zuin 17. und 18., wo Sie den ersten Versuch gemacht haben. Was hoben Sie da getan? Angekl.: Wik dem Hemmschuh. Schwellen und Schranbenschlüsicl wollten wir eine Barrikade errichten. Oberstaatsanwalt Stelling, der bei dem Lokal- termin anwesend war, demonstrierte an den Asservaten unter aligc- meiner Spannung, wie das Hindernis aufgebaut worden war. Vors.: Auf welchen Zug hatten Sie es denn abgesehen? Angekl. Schlesinger: Auf den Zug Berlin— Amsterdam. Vors.: Und was ge- schah? Glückte es? Angekl.: Rein, der Zug warf die Hindernisse beiseite und fuhr sunkeusprühend weiter. Den Bremsklotz fanden mir wieder, den Schraubenschlüssel dagegen nicht mehr. Vors.: Was baden Sie denn in der Nacht gemacht, geschlafen? Angekl.: Gc- schlafen eigentlich nicht. Vors.: Es war wohl eine Art Erschöpfungs- schlaf? Angekl.: Jawohl. Der Angeklagte Schlesinger erklärte dann weiter, daß man nach dem ersten vergeblichen Versuch aus dem Bahnwärterhaus 176, nachdem der Wärter fortgegangen war, Schwellenschlüssel geh»lt. um die Schienenlaschen zu lockern. Vors.: Die Täter schildern das Verbrechen. ' Wer hat das gemacht? Angekl.: Wir zu zweien. Vors.: War das sehr schwer, mußten Sie sich sehr anstrengen? Angekl.: Rein. manch« saßen so locker, wir konnten einige, die ganz loje saßen, mit der Hand herausholen.(Bewegung.) Das Lockern der Schrauben hat 16 bis 26 Minuten gedauert. Vors.: Wie haben Sie sich denn das nun weiter vorgestellt, wenn der Zug darüberfahren würde? Angekl.: Ich hatte eine Vorstellung, die jetzt ganz sinnlos erscheinen muß. Ich dachte, daß der Zug stehenbleiben würde und die Reisen- den alle aussteigen würden. Diests versagte. Wir hatten es auf den Postwagen abgesehen. Vors.: Glaubten Sie denn, daß die Beamten den Postwogen verlassen würden, es sind doch sonst immer in Postwagen drei Beamte gewesen. Wollten Sie nicht auch die Reisenden berauben. Sic wollten wohl:„Hände hoch!" rufen und sie dann ausplündern. Angekl.: Rein, ich wollke in den Speisewagen. Vors.: Sie glauben doch nicht, daß alle Reisenden bei einer Eni- gleisung ruhig weiter essen würden Schlesinger erzählte dann weiter, wie der Zug Berlin— Amsterdam ungehindert über die Hindernisie gefahren sei. Ich habe dann die Pieke weggeworfen und wollte nicht niehr mitmachen und die Schiene wieder festschrauben. Willy Weber sagte aber: Dann muß es der nächste Zug sein. Dann habe ich aber doch noch mikgemacht und die Schiene auseinandergebogen. Vors.: Was geschah dann? Angekl.: Der Zug brauste heran. Wir Hakken uns im Walde versteckt. Wir hörten klirren von Scheiben und Schmerzensschrele. 2m Verhältnis zu dem großen Unglück war es gar kein großer vadau. wir flüchteien dann tiefer in den Wald. Ich sagte dann zu Willi Weber: Ich weiß zwar nicht, ob meine Nerven das aushalten werden, ich muß aber wieder hin und nachsehen, was geschehen ist. Wir gingen 1566 Meter heran. Vors.: Wollten Sie die Reisenden berauben? Sie sollen das doch schon zu. gegeben haben. Angekl.: Das ist unmöglich, das muh ein Miß. Verständnis sein.(Fortfahrend:) Es herrschte vollkommene Stille. nur das Vseifcn der Lokomotive erschreckte uns. Dann sahen wir Feuer und Laternenscheln. Es kam auch ein Herr aus dem Zuge heraus. Vors.: Das ist wohl auch der Grund, weshalb Sie nicht die Rnubabsicht durchgeführt haben. Angekl.: Das ist nicht der Fall. Ich dachte, die Schienen würden wieder zusammengebogen, und der Zug könnte weiterfahren.(Widerspruch bei den Sachverständigen.) wir waren dann vollkommen erledigt und marschierten in nördlicher Richtung nach helmstädl. Es wurde dann der Briefwechsel zwischen den Attentätern verlesen, der einige verdächtige Stellen enthielt, so von einem Lotiericgcwinn, der durch drei geteilt werden müsse. Der Ton der Briefe war sehr vertraulich und liebevoller, als man ihn sonst unter Männern findet, was auch der Vorsitzende betonte. Sodann wurde Walter Weber, der auch sehr widersprechende An- gaben machte, vernommen. Er stellte es so dar, als ob er die Pläne Schlesingers, einen Zug zur Entgleisung zu bringen, nicht ernst genommen habe. Ich sagte zu ihm, so betonte er, laß doch diese Kindereien. Ich glaubte auch, daß Schlesinger es felbst nicht ernst genommen hat. Vors.: Das widerspricht aber den Aeußerungen, die Sie vor dem Sachverständigen gemacht haben, da sagten Sie, daß Schlesinger einen ganz festen Plan gehabt habe. Angekl.: Wir haben oft gefagt, Otto, laß doch den Unsinn, wo er auf das Attentat zu reden kam." Des weiteren bestritt der Angeklagte Walter Weber auf das entschiedenste, daß davon gesprochen sei, ihn an der Beut« zu beteiligen, um ihn für den Plan zu gewinnen. Dabei kam es zu einem Zusammen stoß mit dem Angeklagten Schlesinger, der bei den Aussagen Watter Webers ironisch lächelte. Walter Weber drehte sich zu Schlesinger um und schrie Ihn scharf an: Otto, du brauchst aar nickst so höhnisch zu lächeln. es ist so, wie Ich sage.(Mit erhobener Stimme zum Vorsitzenden). Herr Präsident, ich werde durch mein späteres Leben beweisen, daß ich zu einer solchen Tat nicht fähig bin. Nach einer Mittagpause erfolgte die Verlesung der Protokolle über den Lokallermin an der Unglücksstelle. Hierauf trat man in die Zeugenvernehmung ein, und als erster Zeug« wurde Eisenbahninspektor Brandt von der Eisenbahnüberwachungsstelle Hannooer vernommen, der nach oer Entgleisimg die Unfallstelle besuchte und zur Aufdeckung des Verbrechens und Verhaftung der Täter beigetragen hatte. Er be- tonte, daß ihn beim ersten Anblick der Unfallstelle auf Grund von Präzedenzfällen klar geworden sei, daß es sich um ein Attentat handele. Er habe an der Schiene ein« B r u ch st e l l t gesunden, aus der hervorgegangen sei, daß ein Hindernis auf den Schienen gelegen habe. Man habe auch später im Gebüsch Schwellen- s ch l ü s s e l gefunden, an denen man fehen konnte, daß frisch damit ocarbcitet worden sei. Kriminalkommissar Räeß Hannover bestätigte diese Darstellung, die noch von Eisenbahnbauinspcktor Sckzelbe.Mcinersen ergänzt wurde, der als erster an die Unfallstelle gekommen war. An Hand einer Photographie schilderte er die Lage der verunglückten Wagen. Aus Befragen des Oberstoats- anwotts äußerte sich der Zeuge über den Zustand der Strecke. Zuletzt sei dort am 2. und 3. August, also etwa 14 Tage vor dem Unglück gearbeitet worden. Dabei habe man festgestellt, daß die Strecke ebenso wie das Schwellenmaterial einwandfrei war. Aus Vorhalt des Vorsitzenden, daß nach Angaben eines Berliner Blattes eine Schwelle faul gewesen sein soll, sagte der �euge, daß er dos nicht für möglich halle. Die meisten der Schwellen seien, wie auch Durchschnitte gezeigt hätten, in Ordnung gewesen. Die Strecke fei zuletzt am 18. morgens durch den Streckenwärter begangen worden. Beisitzer: Wie weit ist die Streckenbegehung gegen früher eingeschränkt worden? Zeuge: Gegen 1623 etwa um die Hälfte. Jetzt wird sie innerhalb 24 Stunden einmal begangen. früher in 12 Stunden. Der Bahnarzt Dr. Johannes Paulfen-Hannover, der an die Unglücksstelle gerufen wurde, sagte aus, daß die Verletzungen der verunglückten grauenhaft gewesen seien. Der Tod sei bei den meisten durch Quetschung ein- getreten. Die Leichen hätten alle Glieder gebrochen und waren blauschwarz und entsetzlich verstümmelt. Nach diesen Tatortszeugen wurde der 17jähritze �Geiger Adolf Echtrop aus Hamburg vernommen, der mit Schlesinger und Wattor Weber zusammengelroffen und gewandert war. Auf die Frage des Borsitzenden, ob er etwas Verdächtiges aus den Gesprächen der beiden gehört habe, sagte der Zeuae, daß Watter Weber zu Schlesinger ge>agt habe:„Laß das doch, sonst habe er nichts Verdächtiges gehört. Angekl. Wolter Weber: Habe ich»ich: drei Kampfspieilosc gehabt, Schirop, und dir gesagt, daß wir auf den Gewinn hofften? Daß wir sparen mühten, damit wir uns Garderobe verschaffen könnten, um gemeinsam ins Enga- aement zu gehen? Zeuge: Jawohl, das hast du gesagt. Der nächste Zeuge, der Dreher Karl Rothe, der ebenfalls mit Walter Weber zu- sammengeirofsen war, bekundete, daß dieser ihn im Wartesaal 3. Klasse in Helmstädt erzählt habe, er müsse am 23. in Berlin sein, um sich auf der Post etwa 36666 bis 46666 Mark abzu- holen,„wenn es klappt, um mich gesund zu machen" Ich fragte Rothe zufammen aus Krimmitschau stammt, betonte auch, daß Walter Weber von 36666 bis 46666 Mark ge- sprechen habe, die er in Berlin erwarten und abheben müsse. Rechtsanwalt Dr. Brunolte: Wollten Sie nicht zusammen stielen und nach Berlin fahren? Zeuge: Ja, wir hielten zusammen und wollten auch zusammen bleiben. Vors.: Was haben Sie über den Plan gehört? Zeuge: Schlesinger sagte, daß bei e i n e m v- Z u g> attentat noch viel Geld zu verdienen wäre, besonders bei einem internationalen, da derselbe viel Geld und Wertsachen mit sich führe. Wir haben ihm noch gesagt, er sollte doch die Folgen bedenken. Dann wurde der Monteur Gustav Windmann aus Schötmar, dem Geburtsort der Gebrüder Weber, als Zeuge gehört, der mit Walter Weber und Schlesinger gewandert und ihn später angezeigt hat. Er hat dann gesagt, daß man in die Post von Schötmar einbrechen müßte. Unter Berufung auf seinen Eid betonte der Zeuge, daß an den Verdächtigungen Schlesingers nichts dran sei.— Es trat dann ein« kleine Pause ein, während der sich auf dem Korridor eine herzzereißende Szene abspiett. Dort befand sich eine ältere Frau, deren Sohn und dessen Braut bei dem Unglück in Leiferde ums Leben gekommen waren. Als sie den Angeklagten Willi Weber, der von der Polizei bewacht wurde, erblickte, erlitt sie Schrei- und Weinkrämpfe. Der nächste Zeuge war der Handlungsgehilse Schoder Fus Schötmar, der auch zur Zlufklärnng des Verbrechens beigetragen und wie Windmann vor einigen Tagen die von der Reichs- bahn ausgesetzte Belohnung erhalten hat. Vors.: Wie ist die Sache vom 3 6. und 31. August? Zeuge: Am 36. August wurde ich von einem Fremden aus der Wohnung gebeten. Da stand Walter Weber auf dem Marktplatz und sagte, er wolle mir etwas Wichtiges mitteilen. Er brachte mich auf das Attentat und fragte mich„ ob ich mich auf die Gespräche besinnen könne. Ich sagte, drs hätte doch damit gar nichts zu tun. da antwortete er:„Wir haben™� es �etan." Und ich antwori/te:„Behalte es für dich, laß Nrichimo damit zufrieden." Er sagte darauf:„Ich gebe dir mein Ehrenwort, es ist gemacht worden." Wir gingen dann bis in die Nkihe des Friedhofes zusammen weiter, wo er das Grab seines Vaters be- suchen wollte. Vors.: Hat er auch etwas von seinem Alibi gesagt. Zeuge: Ja, er sagte, Schlesinger habe eine Braut, die ihm zuliebe schwören würde, Schlesinger sei bei ihr gewesen, falls etwas heraus- komme. Walter Weber habe dann bei Windmann übernachtet, und am nächsten Tage habe er, der Zeuge, ihm den 11 l t o r- B r i e f gezeigt, bei dessen Anblick-Walter Weber zusammengezuckt sei und ihn verdächtigerwcise sortgestcckt habe. Es kamen sodann die Zeugen über das Geständnis der Täter an die Reihe, als erster der Untersuchungsrichter, Amtsgerichtsrat Slernheim Berlin, der bekundet«, daß das Protokoll, das Schlesinger angezweiselt habe, genau nach dessen Aussage aufgenommen sei. Auf seinen Vorhalt habe Schlesinger zugegeben, daß man mit dem Verluste von Menschenleben bei der Ausführung der Tat abrechnet habe. Eisenbahninspektor Brandl erklärte, nach seiner?i ficht sei Schlesinger sich bewußt gewesen, daß Menschen dabei todlich vcr- Unglücken würden. Der Angeklagte habe aber diese Gedanken von sich gewiesen. Der Eisenbahnüberwachungsbeamte Böker betonte, daß Schlesinger und Willi Weber in ihren Aussagen zugegeben hätten, den Postwagen und verletzte Reisende berauben zu wollen. Auch die anderen Kriminalbeamten bestätigten die Protokoll«. Die Vernehmung der Zeugen war damit beendet, und Reichs- bahnoberrat Kläoekorn-Hannooer erstattete dann sein Gutachten über den Umfang und den Hergang der Katastrophe. Er betonte, daß das Unglück gewiijermaßcn noch glimpflich verlaufen sei, insofern, als die Maschine sich niederlegte. Wäre das nicht der Fall gewesen, so wäre die Katastrophe noch schlimmer geworden. und noch mehr Wagen hätten sich zickzackmäßig ineinander geschoben. Daraus wurde die Verhandlung auf Donnerstag 9 Uhr früh vertagt.