Nr. 522 ♦ 43,?ahrg. Ausgabe A Nr. 266 Bezugspreis. WSchentli« 70 Pfennig, moiratli» Z.- Reichsmark voraus»all Idar. Unter iiremchand kür Deutschland. Daitaia. Saar, und Remetaebiet. Oelterreich. Litauen. Lurembur» 4,50 Reichsmark, für da» llbrid« Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„Borwärts� mit der Mustrter» len Sonntagsbeilage»Boll und Zeit' towie den Beilagen„Unterhaltung uno Wissen',„Aus der ikilmwelt'. „Israucnstimme-,„Der Rinder. freund-,„Iugend-BorwSrts- und „Blick in die BiicherweU- erscheint wochentäglich»weimal, Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: „Sozialdewotrat Berlin- Morgenansgabe Verlinev VolKstklÄtt (�10 pksnnis) Anzeigenpreise: vi««inspalttg« Ronvareiü«. »eil« SO Pfennig. Reklame, eile 6/~ Reichsmark..Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 25 Dfennig fiuläffta zwei fettgedruckt, Worte). iede» weiter« Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« da» erst« Wort 15 Pfennig, iede» weitere Wort 10 Pfennig. Wort« über 15 Buch. fiaben zählen für zwei Wort«. Arbeitsmarkt Zeile M Pfennig. ssamilienanzeiaen für Abonnenten Zeil««0 Pfennig. Anzeigen für die nächst« Rumme« müssen bis 4 Mi Ubr nachmittags im Sauvtaefchäft. Berlin SW 68. Linden. ftroste 8. abgegeben werden,©cöffnet von Slh Uhr früh bis 5 Uhr nachin. 2entralorgan der Sozialdcmokrati fchen Partei Deutfchlands Neöaktion und Verlag: S erlin EW. öS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Freitag, den 5. November 19�6 vorwärts-verlag G.m.b.H., Gerlin EW. 68, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Berlin»7 58g— BanNonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, wallst«. 15: Viskonto-Seselllchast, vesssttenkass« Liudcnftr. 8. Die Vergeltung für Leiferöe. Die Attentäter zum Tode verurteilt. Hildes heim, 4. Jtoo.((Eigener Drahibericht.) 3m Prozeß gegen die Eisenbahnalien täler von Leiferde wurde Donnerstag gegen �7 Uhr abends vom Schwurgericht Hildes heim folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagten Otto Schlesinger und Willi Weber werden wegen vorsätzlicher Eisenbahntransportgefährdung mit Todeesolge in lateinheil mit Word zum Tode und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Der Angeklagte Walter Weber wird wegen Vergehens gegen den§ 139 des Sffflv. zu zwei 3ahren Gefängnis verurtcili. Acht Wochen gelien durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Die Angeklagten wollen gegen das Urteil Uevifi on ein- legen. m Das Schwurgericht hat die beiden Eisenbahnattentäter zum Tode verurteilt. Das Attentat von Leiferde hat 21 Menschen das Leben oekostet. Ein Schrei des Entsetzens ging durch Deutschland. Än die tiefe Trauer um die Toten klang der Ruf nach Sühne. Eine unfaßbare Tat— so schien es. Man schreckte zurück vor dem Gedanken, daß einer die Tat vollführt hätke, um zu rauben. Die Täter wurden entdeckt und verhaftet. Man erfuhr ihre Geschichte, sah ihre Bilder. Und erschrak aufs neue. Diese halben Jungen waren es! Was haben sie für Unheil angerichtet! 21 Menschen sind ihrem Tun zum Opfer gefallen und doch mußte jeder, in dem nicht der Racheinstinkt alles andere übertönt«, sich sagen, daß die beiden selbst Opfer waren. Sie haben ungeheure Schuld auf sich geladen, aber hinter ihrer Schuld steht die Schuld der Gesellschaft. Die Tat ist unerklärbar ohne die Rot und den Hunger, der alle Hemmungen in den beiden zerbrochen hat. Die Oeffentlichkeit hat neben der ungeheuren Tragik des Schicksals der Todesopfer von Leiferde die soziale Tragik des Schicksals der Attentäter entdeckt. Nach dieser Entdeckung ist die Frage nicht mehr abzuweisen, ob unsere Strafjustiz, die zu einem guten Teil Rachejustiz ist, ein geeignetes Mittel ist, den sich ergebenden Konflikt zu lösen. Das Gericht in Hildesheim hat zwei Todesurteile gefällt. Man darf ruhig sagen— ohne daß darin ein Werturteil vor- handen ist—, daß das Urteil aus dem Willen zur Todes- strafe hervorgegangen ist, nicht aus eiskalter Gesetzesanwen- dung, die unserer Meinung nach zu einen anderen Beschluß hätte führen müssen. Man hat unwillkürlich gewogen, daß auf der anderen Seite die 21 Toten stehen. Es war instinktives Sühnever- langen für 21 Tote. Aber gerade hier, wo der Wille zur Todesstrafe durchgebrochen ist, aus nur zu begreiflichen Gründen durchgebrochen ist, stimmt dieser Wille nicht überein mit dem strengen Buchstaben des Gesetzes. Danach lag keine vorsätzliche Tötung, also kein Mord im strengsten j u r i- stischen Sinne des Wortes vor, sondern nur Transport- gefährdung mit Todeserfolg. Möge dieser Fall, den niemand seit dem Attentat bis m Urteil ohne tiefe Trauer betrachten kann, zu einem rgument gegen die Todesstrafe werden— wenn auch noch so viele in der schrecklichen Tat einen Beweis für die Rot- wendigkeit der Todesstrafe gesehen haben. Für das Leid und die Opfer des Attentats ist die Boll- streckung des Urteils keine Wiedergutmachung. Eine Auf- rüttelung des sozialen Gewissens, die von diesem Fall aus- gehen kann und muß, ist mehr wert als die Vernichtung von Jwei jungen Menschen, die furchtbare Schuld auf sich geladen aben. s Robert dißmaans Heimkehr. Trauerfeierlichkeiten in Bremerhaven. Bremerhaven. 4. November.(Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag vormittag gegen 11 Uhr traf der Lloyd-Dampfer„Co- lnmbus* in Bremerhaven mit der Leiche des verstorbenen Vor- sitzenden des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Genossen R o-b e r t Dißmann, ein. Um den Toten zu empfangen, waren zahlreiche Delegationen der Arbeiterbewegung, insgesamt mehrere hundert Personen, auf der Anlegestelle in Bremerhaven erschienen. Der Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes hatte aus Stuttgart drei Vertreter entsandt. Gegen 12 Uhr mittags wurde der Sarg Robert Dißmanns unter den feierlichen Klängen einer Musik» kapelle von Bord getragen. Am Laufsteg hatten die zahlreichen Delegationen mit ihren Fahnen Aufstellung genommen. Eine nach Hunderten zählende Menge begleitete den Trauerwagen aus dem Hasen heraus. Der Verstorbene wurde darauf in der Bremerhavener Stadtholle für die große Trauerfeierlichteit nachmittags 3 Uhr auf- gebahrt. Die Drauerfcier. Am Nochmittag um 3 Uhr fand in dem großen dichtgefüllten und feierlich geschmückten Saale die erste Trauerseier auf deutschem Boden für Robert Dißmann statt. Der aus hohem Katafalk ruhende Sarg war mit zahlreichen Kränzen geschmückt. Nach«inleitendem Orgelspiel und Gesang des Bremerhavener Volkschors Hielt Genosse Landgraf, der Bremerhavener Bevollmächtigte des Deutschen Metallarbeiterverbandes, die erste Trauerrede. Er verwies dabei auf die Tragik, daß Dißmann heute als Toter an der gleichen Stelle aufgebahrt sei, wo er am 1. September d. I. zum letztenmal auf deutschem Boden seine zündenden Worte an die deutschen Arbeiter richtete. Für die Brcmerhavener Parteiorganisation feierte Genosse K l e m a n n die Kämpfernatur Robert Dißmanns. Für den Haupt- vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes führte Genosse Reichel aus, daß Robert Dißmann von der Mctallarbeiter-Jntcr- nationale beauftragt worden war, nach Amerika zu fahren, um dort die organisierten Metallarbeiter der großen internationalen Kampf- gcmeinschaft der Metallarbeiter einzugliedern. Dieses Werk sei Robert Dißmann gelungen. Die amerikanischen Metallarbeiter seien der Metallarbeiter-Internationale beigetreten, aber Robert Dißmann kehre als Toter nach Deutschland zurück, mitten aus einem arbeitsreichen Leben herausgerissen. Orgelspiel und Ehorgesang beendeten die ergreifende Feier. Die gesamten Teilnehmer, ungefähr 2000 Menschen, gaben dann unter Dorantritt der Fahnendelegationen den sterblichen Ueberresten Dißmanns das feierliche Gelelt durch die mit zahlreichen Fahnen geschmückten Straßen Bremerhavens zum Bahnhof. Bon dort r.mrde d:r Sarg kurz nach V Uhr mit dem Zuge nach Stuttgart übergesührl. öetteiöskundgebungen. Der Vorstand des ADGB. hat sofort nach Eintreffen der Todesnachricht ein Beileidstelegramm an den Metallarbeiteroerband abgeschickt, in dem es u. a. heißt: „Schmerzlich berührt durch die unerwartete Nachricht vom Tode Robert Dißmanns, des Führers des Deutschen Metall- arbeiterverbandes, sprechen wir Euch unser herzlichstes Beileid aus. In schwieriger Zeit hat er am Steuer gestanden, immer un- verzagt und beseelt von dem Wunsch, seinen Berufskollegen und der Arbeiterklasse auss beste zu dienen. Wir werden ihm ein gutes Andenken bewahren." In dem Beileidsschreiben des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes an den Vorstand des Deutschen Metall- arbeiterverbandes wird zum Ausdruck gebracht, daß Dißmann gerade auch für die sreigewertschoftliche Beamtcnbewegung so oft ein tiesgehendes Verständnis gezeigt habe. Der Borstand des All- gemeinen Deutschen Beamtenbundes wird bei dem Leichenbegängnis Dißmanns durch seinen Vorsitzenden Falkenberg vertreten sein. Weitere BeUeidskundgcbungen sind eingetroffen vom Direktor de« Internationalen Arbeitsamtes in Gens, Albert Thomas, vom Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes Brown, vom Borsttzenden des Allgemeinen Gewertschaftsbundes in Frank- reich I o u h a u x, vom Vorsitzenden der Deutschen Sozial- demokratischen Arbeiterpartei in der Tschecho- s l o w a k e t und vom Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion des Danziger Volkstages. Eine Gefellfthast gegen üie Sozialpolitik. Zur Förderung der Gelben. Heute nachmittag findet tn den Räumen des Reichswirt- schaftsrats die Gründungsversammlung der„Gesellschaft für deutsche Wirtschaft und Sozialpolitik" statt. Bei dieser Gesellschaft handelt es sich nicht um eine wissen- schaftliche Gesellschaft, sondern um eine Interessenten- organisation. Di« Vorbereitungen der Gründung sind vertraulich besprochen worden. Nur die Rechtspresse ist von den Gründern unterrichtet und eingeladen worden. Der Zweck der neuen Gesellschaft ist die Förderung der gelben Verbände. Zu den Gründern gehören die Herren Stadler, Professor Spahn, Bergwerksdirektor Leo- p o l d. Erich Schmidt und andere. Die Personen der Gründer sowie die Zwecksetzung der Gesellschaft lassen erkennen, daß es sich um einen Organi- sationsversuch gegen die Leitung des Reichsnerbandes der Deutlchen Industrie zur Bekämpfung der von Siloerberg ausgesprochenen Tendenzen handelt. Wir werden auf diese Gründung noch näher zurückkommen. Mussolinis Grientpolitik. Don Dr. Artasches Abeghian. „Italiens Zukunft liegt auf dem Meere", hatte Musiolmi —„ohne andere kopieren zu wollen"— im Frühling 1926 bei seinem Tripolisausflug gesagt, aber in seiner tripolitanischen Abschiedsrede sprach er symbolisch:„Wir dürsten nach Land, da wir uns rasch vermehren und auch dabei bleiben wollen." Noch früher hatte er ausgerufen:„Italien muß in den Orient gehen." In der Nat: als der aggressive Faschismus im Innern des Landes schon den„entschiedensten Sieg" über alle seine Gegner davongetragen hatte, fing er auch an, sich k o l o n i a l- politisch zu betätigen. Der Diktator sucht im Orient die „verlorene Zeit" zurückzugewinnen und nachzuholen, was seine Vorgänger„versäumt" hatten. Die Faschistenpresse be- nutzt jede Gelegenheit, um die Revision des Mandat- Problems und Neueinteilung der Kolonien zu erlangen. Der Beginn der Intensivierung italienischer Orientpolitik fällt in das Ende 1925 und hängt mit der Mussolini- Chamberlain- Zusammenkunft in Rapallo zusammen. Wenn auch seinerzeit die Gerüchte offiziell dementiert wurden, Chamberlain hätte Mussolini gegenüber ganz bestimmte Zu- geständnisie gemacht, so konnte doch unmöglich der Rauch ohne Feuer sein. Die darauffolgenden Ereignisse und namentlich das italienisch-englische Sch uldenabkommen waren Beweise dafür. Mussolini erkaufte es mit seiner Unterstützung bei der Entscheidung Englands der M o s s u l f r a g e in Genf. Der Diktator sucht auch die Balkanländer in den Bannkreis seiner Orientpolitik hineinzuziehen, so liegen doch die eigentlichen kolonialen Ziele Mussolinischer Orientpolitik im nahen Osten: in Borderasien und Nordafrika. Auf diesem Gebiete bucht Mussolini schon einige Erfolge. Bor allem: A b e s s i n i e n. Es ist neben Liberia der einzige unab- hängige Staat Afrikas, aber durch europäische Kolonien vom Meere gänzlich getrennt: durch das Somaliland, das zwischen Italien, Frankreich und Egland geteilt ist. und durch die italienische Kolonie Eryträa. Die einzige Bahnlinie, die die Hauptstadt Adis-Abeba mit der Außenwelt oerbindet, steht unter französischer Verwaltung und hat ihren Ausgangspunkt in dem französischen Dschibuti am Golfe von Aden. Das englisch-italienische Abkommen gestattet Italien, Westabessinien wirtschaftlich zu kontrollieren und durch eine Eisenbahnlinie über abessinisches Gebiet Eryträa und Somaliland miteinander zu verbinden. Der abessinische Regent Ras T a f a r i erhob zwar im August 1926 in Genf eine Beschwerde, der Frankreich Unterstützung lieh— das italienisch-britische Abessinienabkom- men war offenbar auch gegen französische Absichten in Abes- sinien gerichtet—, die britische und die italienische Diplomatie zogen jedoch vor, lieber durch unmittelbare Verhandlungen Frankreich zu befriedigen und die Streitfrage aus der Welt zu schaffen, auch der abessinischen Regierung formdlle Bersiche- rungen abzugeben, als die Angelegenheit vor den Völkerbund zu bringen. Dies alles hindert Mussolini nicht, in Abessinien seine Pläne zu verfolgen. Weiter hat der Gouverneur von Italienisch-Eryträa am 2. September 1926 einen Vertrag geschlossen mit I a h i a, dem ImamIemens(des„glücklichen Arabiens"), wodurch Italien auch auf asiatischem Boden Fuß faßt. Jemen gewinnt als Absatzgebiet für italienische Fabrikate und speziell für Textilwaren, zumal es das am dichtesten bevölkerte Gebiet der arabischen Halbinsel ist(6 Millionen Einwohner) mit einer verhältnismäßig entwickelten Landwirtschaft, aber auch wegen seiner unmittelbaren Nähe von Eryträa, an der arabischen Landküste des Roten Meeres, mit dem Zentrum Sana und der Hafenstadt Hodeida ist es gelegen. Iahia selbst gilt als der Rivale Jb n Sauds, des Wahabitenführers und Herr- schers des Hedschas. Wie sonst überall im Orient steht Zweifels- ohne auch in Jemen die Politik Mussolinis im Zusammen- hange mit der Politik Chamberlain s. Bei ihrer Lioornozusammenkunft haben die Beiden, wie auch die ita- lienische Presse zugab, bezüglich ihrer Orientpolitik eine Vereinbarung getroffen. Aber die eigentlichen Triebfedern des italienischen Expansionsdranges, nämlich die Ue b e r o ö l t e r u n g, lenkt die Mussolinischen Pläne mehr nach K l e i n a s i e n. 1919 be- setzten italienische Truppen mit Zustimmung der übrigen Entente das Adaliagebiet am Mittelmeer in unmittel- barer Nachbarschaft Siziliens. Seit Mussolini herrscht, hegt er neue Pläne in dieser Richtung. Er hat schon die notwen- digsten Stützpunkte in Besitz, vor allem aber die Dodekanes- Inseln im östlichen Mittelmeer. Man besprach schon während der Trivolisreisc Mussolinis die Möglichkeit einer kleinasia- tischen Aktion Italiens. Unter dem gestürzten neuen Diktator Pangalos waren Vorbereitungen eines gemeinsamen italienisch-griechischen M'litäruntern>ehmens gegen die Türkei im Gange. Neuerdings war wieder die Rede von einem angeblich vorbereiteten Angriff Mussolin-s in Kleinasien. Selbstverständlich verursachen diese Dinge den Türken Bedenken. Im Zusammenhang damit steht auch die Einbe- rufung der Jahrgänge 1993 und 1904 zur türkischen Armee, obwohl diese Jahrgänge planmäßig erst im April 1927 Heer«»» pflichtig sind. Die türkische Presse— wenn auch augenblick- lich einigermaßen beruhigt durch das offizielle Dementi Italiens— bespricht dieses Thema sehr lebhaft. Die Kon- stantinopeler offiziöse„Republique", eine französische Ausgabe des Regierungsblattes„Dschumhurjet", schreibt, Italien bereite� einen Krieg gegen die Türkei vor und beabsichtige, Adalia zu besetzen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Mussolini gewisie choff- nungen hegt auf eine Uebertragung des jetzt französischen S y r i e n- Mandats an Italien. Allerdings scheint ja aus der von Musiolini ersehnten Besprechung mit B r i a n d nichts zu werden. Die italienische Außenpolitik strebt schon seit langem eine neue Tangerkonferenz an, um dort das Pariser Tangcrabkommen von 1923 revidieren und eigene Forderungen durchsetzen zu können. Auch die unmittelbar vor der Völkerbundstagung 1926 eingetretene Verschärfung in der Tangerfrage, veranlaßt durch Primo de Rivera, war teil- weise eine der Folgen Mussolinischer Orientpolitik und des kurz davor geschlossenen italienisch-spanischen Vertrages. Wie dem auch sei, Syrien und Tanger bleiben Zielpunkte Mussolinischer Orientpolitik. Aber auch handelspolitische Zwecke verfolgt Mussolini im nahen Orient. Schon seit dem Ende des Welt- krieges macht die Expansion des italienischen Handels im öst- lichen Mittelmeere und im Schwarzen Meere unaufhaltsame Fortschritte. Nach einer Statistik der Angora-Regierung liegt der Handelsschiffverkchr der Türkei zum großen Teil in italle- nischen Händen. Noch mehr: die italienischen Schiffe pflegen mit den kaukasischen Küsten der Sowjetunion einen leb- haften Verkehr. Bekannt ist, daß die Entente schon 1919 das Mandat über Georgien den Italienern überlassen hatte: in der Zeit aber, wo die Gefahr des Weiterbleibens britischer Okkupationstruppen im Kaukasus handgreiflich war. Es war also klar, weshalb Nitti, ans Ruder gekommen, auf das georgische Mandat verzichtete. Aber der italienische Handel hatte den Weg im Kaukasus für sich geebnet: er pflegt mit den russischen und transkaukasischen Vertretern des Handelsmono- pols gute Beziehungen. Sogar in P e r s i e n und Afghanistan dringt der italienische Handel vor. Jaule Ausreden! Die Gerichtsbehörde dementiert den Prinzen Qskar. Auf die Nachricht hin, daß Prinz Oskar von Preußen dem einen der beiden Stresemann-Attentäter, Lorenz, Zigaretten in das Untersuchungsgefängnis ge- sandt habe, hat der Prinz bekanntlich die Mitteilung ver» breiten lassen, er habe angenommen, daß Lorenz, der ihm mitgeteilt hatte, daß er wegen einer„nationalen Tat" in Untersuchungshaft sitze, in eine Schlägerei verwickelt gewesen sei. In dieser Mitteilung wurde weiter gesagt, daß der Prinz bei der Gerichtsbehörde angefragt habe, ob die An- gaben zuträfen und der Betreffende einer kleinen Zuwendung würdig sei. Nachdem dies bejaht worden fei, hätte der Prinz 50 Zigaretten gesandt. Die Schuld an dem Skandal sollte die Gerichtsbehörde haben. Im Gegensatz zu der prinzlichen Darstellung erfährt nun- mehr der„Reichsdienst" an unterrichteter Stelle, daß die Uebersendung der Zigaretten an Lorenz durch den Prinzen an das Untersuchungsgefängnis erfolgte, mit der Bitte, sie Lorenz auszuhändigen, wenn hiergegen keine Bedenken be- stünden. Von einer vorherigen Anfrage, ob Lorenz wegen einer„nationalen Sache' in Untersuchungshaft fei, und ob er des Geschenks würdig sei, von der in der Mit- teilung des Prinzen gesprochen wird, ist dem Untersuchungs- richter nichts bekannt. Eine andere Behörde kommt aber als Empfängerin einer solchen Anfrage nicht in Betracht. Die unterrichtete Stelle wirft dem Hohenzollernsproß also nichts weniger vor als eine ebenso böswillige wie feige Verleumdung der Gerichtsbehörde. Der Hohen- zollernskandal wird immer schöner! Die Jnüiskreten. Sie wollen sich auch noch beschweren. In der„Deutschen Tageszeitung" von gestern abend konnte man einen Artikel lesen, der die Ueberschrift trug:„Immer wieder Indiskretionen". Die Ueberschrift schien anzudeuten, daß die„Deutsche Tages- zeitung" Stellung nehmen wollte zu den unverantwortlichen Indiskretionen der deutschnationalen Presse über die Be- ratungen des Auswärtigen Ausschusses. Man konnte aus der Ueberschrift mutmaßen, daß die„Deutsche Tageszeitung" eine neue deutschnationale Indiskretion ver- öffentlichen wolle. Aber solche Vermutung ging daneben. Die„Deutsche Tageszeitung" wollte sich über Indiskretionen beschweren. Nicht etwa über die der Deutschnationalen, sondern über an- gebliche Indiskretionen des Demokratischen Zeitungsdienstes über die Wahlrechtsoorlage des Reichsinnenministers. Es ist der„Deutschen Tageszeitung" recht gut bekannt, daß es üblich ist, daß Reichsminister die ihnen nahestehende Presse über ihre Absichten informieren. Von einer Jndis- kretion dabei zu sprechen, ist lächerlich. Man mußte eine Indiskretion anderer erfinden, um die eigene unverantwortliche Indiskretion aus dem Auswärtigen Ausschuß zu verbergen. Der klagende Ausruf:„Immer wieder Indiskretionen" steht der„Deutschen Tageszeitung" sehr gut an._ Die Enverbslosenfürsorge. Erhöhung um 1a und 10 Proz.» Einbeziehung Jugendlicher, voller Zuschlag dem vierten Kind. Im Sozialen Ausschuß des Reichstags wurden bei den Abstimmungen über die Erhöhung der Unterstützungssätze die Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten aus SV Proz. Steigerung abgelehnt; ebenso der sozialdemokratische Eventualantrag auf 36 Proz. Erhöhung für die Hauptunterstützungsempfänger und 26 Proz. für den Familienzuschlag. Angenommen wurde der Antrag der Regierungsparteien, die Bezüge der HauMnterstützungs- empfänger bis zum 31. März 1S27 wie folgt zu erhöhen: 1. Für Erwerbslos« über und unter 21 Jahren, die keine Familienzuschläg« beziehen und nicht dem Haushalt eines anderen an- gehören, um IS Prozent: 2. für alle übrigen Hauptunterstützungsempsänger inn 10 Prozent. Genossin Schroeder begründet« alsdann einen Antrag, die jugendlichen Erwerbslosen in die Unterstützung e i n z u- beziehen, soweit sie bereits Erwerbsarbeit ausgeübt haben. Der Antrag wurde angenommen. In der weiteren Abstimmung wurde nach der Regierungsvorlage beschlossen, die Höchstsätze so zu gestalten, daß dag viert« Kind den vollen Zuschlag erhält. Bei Beratung der Bedürftigkeitsprüfung fordert Genossin Schroeder erneut die Streichung dieser Vorschriften. Die Ausschußberatung geht Freitag weiter. Di« Verabschiedung der Erwerbslofenfürforge im Plenum ist Freiwg nachmittag zu erwarten. Das Arbeitsprogramm des Reichstags. Wichtige Vorlagen der Reichsregierung. Der Reichstag wird auch In seiner diesjährigen Wintertagunz ein sehr umfangreiches und bedeutsames Arbeits- Programm zu erledigen haben. Reben zahlreichen Initiativ- antragen und Interpellationen der einzelnen Parteien wird er sich mit folgenden wichtigeren Vorlagen der Reichsregierung beschäftigen müssen: R a ch t r a g s e t a t für das Jahr 1626, enthaltend insbesondere das Arbeitsbeschaffungsprogramm. Ordenllicher Haushalts- entwurf für 1927, dessen erste Lesung noch im Dezember 1926 vorgenommen werden soll, Spiritusmonopol, Verlängerung des Provisoriums über den Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Gesetzentwurf betr. Wartegeld� empfänger, Vereinsgesetzentwurf. Reichsdienst- strafordnung, Gesetz über Geschlechtskrankheiten. Gesetz über den Schutz der Jugendlichen bei Lustbarkeiten. Gesetzentwurs über Schmutz und Schund, Gesetzentwurs über Zusammenfassung des Reichsrechts. Gesetzentwurf betr. Ueber- Prüfung der D e r f a s s u n g s m ä ß i g k e i t von Gesetzen. Novelle zum Pressegesetz betr. Parlamentarier als verantwortliche Re- dakteure, Gesetzentwurf über die Depots und Depositenverkehr. Gesetzentwurf über die Reichswohnungszählung, Gesetz- entwurf über die Entlastung des Reichsgerichts. Gesetz- entwurf betr. Anwaltsgebühren in Armensachen. Vorlagen betr. die Arbeitszeitsrage. Arbeitsgerichtsgesetzentwurf. Ge- setzentwurf betr. Beschäftigung von Arbeiterinnen vor und nach der Niederkunft, Vorlagen betr. Erwerbslosenunter. stützung, Reichsfuttermittelgesetz. Ein Teil dieser Vorlagen soll bereits bis Mitte Dezember vor der Vertagung des Reichstags erledigt sein. Der neue Reichspreffechef. Die amtliche Mitteilung. Amtlich wird gemeldet: Der Reichspräsident hat den Leiter der Presseabteilung der Reichsregierung. Ministerialdirektor Dr. Kiep, zum Zwecke des Wiedereintritts in den Auswärtigen Dienst von seinen bisherigen Dienstgcschästen entbunden. Gleichzeitig hat der Reichspräsident den Dirigenten der Presseabteilungen, Vortragenden Legationsrat Dr. Zechlin unter Beförderung zum Ministerialdirektor zum Leiter der Presseabteilung der Reichs- regierung ernannt. * Der den Berliner Genossen gut bekannte Dr. Zechlin ist 17 Jahre alt. Er ist seit 1963 im Dienst des Auswärtigen Amtes, für das er vor allem lange Jahre im Orient tätig war, in Aegypten. Marokko und auch in Spanien. 1919 trat er in die Presseabteilung ein. Großes Aussehen erregte Anfang April 1923 seine Verhaftung in Düsseldorf durch französisches Militär, mitten aus einer Auskunft. erteilung an die in- und ausländische Presse. Zechlins Nachfolger als Dirigent der Presseabteilung wird vor- aussichtlich ein dem Zentrum angehörender Beamter des Aus- wärtigen Amtes. Dr. Kiep, sein Amtsvorgänger, geht an die Londoner Botschaft, um den Botschaftsrat Dufour-Feronce zu ersetzen, den der Völkerbund zum Direktor im Genfer Sekretariat berufen hat._ Kpd..Taktit. Sie laßt die politischen Gefangenen im Stich. Welchen Wert die KPD. ihren eigenen Anträgen beimißt, zeigt wieder einmal folgender Fall: Der Ausschuß des Preußischen Land- tages hatte sich am Donnerstag mit einem Antrag der KPD. zu beschäftigen, der die Behandlung der politischen Ge- f a n g e n e n betraf. Die Ausschußmitglieder der KPD. erschienen zur Sitzung erst, als die Aussprache über den Antrag beendet und die Abstimmung bereits vorgenommen wurde. So sieht das Interesse der KPD. aus, das sie denjenigen entgegenbringt, die infolge der Putschtaktik der KPD. hinter Ge- sä'.igrns- und Zuchthausmauern schmachten! Neuwahlen in Dänemark. Die Mehrheit der Linken gesprengt. Kopenhagen, 4. November.(Eigener Drohtbericht.) Der Reichs- tagsausfchuß zur Beratung der Krisengesetzvorlage der dänischen Sozialistenregierung hat seine Verhandlungen beendet, ohne daß es zu einer Einigung der Linken gekommen sst. Die bürgerlichen Radikalen beschnitten die von der Regierung vorgeschlagenen Hilf?» maßnahmen so stark, daß weder die Minister noch die sozioldemo- kraiischen Fraktionsredner ihnen folgen konnten. Damit hat der Regierungsoorschlag keine Mehrheit im Folkcthing und die am Sonnabend beginnend« zweite Lesung wird mit der Auflösung des Folkething durch die Regierung enden. die Hanü. Von Paul Piechowsti. Aus einer Bant im Körnerpart zu Berlin-Reukölln lehnt ein blinder Proletarier. Vor ihm sein treuer vierbeiniger Begleiter, der Kops des Hundes ruht auf des Herren Knien. Beide verharren völlig regungslos. Vielleicht denken beide nach. Der«ine über den Knochen, den er gestern oerschluckte, der ander« an die Zeit, da er noch sehen konnte. Aber die Morgensonne rieselt daher und durchwärmt wohlig dw Glieder. Es ist, wie wenn in ihren strahlen die vergrämten Züge des Blinden glatter würden, wie wenkl auf seinem Antlitz seine Seele zu leuchten beginn«. Und da, während ich genauer hinschaue, sehe ich, daß des Blinden Hand leise über den Kopf des Hundes kost. So ganz, ganz leise. Wie eine Mutter mit ihren Lippen über ihr Kind küßt, wie«in Kind über die Stirn des kranken Baters behutsam fährt, so lieb und leise streichelt des Blinden Hand. Er hat sein Gesicht zur Sonne gehoben. Es ist, wie wenn Sonne und Seele sich liebten auf diesem zer- brochenen Proletarierantlitz und e» verklärten wie in sellener Schön«. Sein grauer Bart und sein weißes Haar leuchten in der Sonne, und diese Liebe in seinem Antlitz schenkt sich weiter. So wunderlieb und weich streichell seine Hand. Mit verhaltenem Atem schaue ich, um dieses Bild ganz in mich auszunehmen, um es nie zu vergessen. Seht nur, keines Engels Hand kann milder und linder kosen als dieser Proletarier über den Kopf seines Hundes. Und seht nur, wie die runzlige welke Hand zittert und leuchtet. Von so viel innerer Bewegung wird sie geführt. In dem Zittern und Leuchten ist es mir, als formten sich Lippen aus tiefsten Poren, und es entströmt dieser Hand... wie ein Stille- werden nach so viel heißem Daseinskampf... wie ein Gesättigtsein nach soviel Hunger und Sehnen... wie das Ausklingen und Aus- münden eines ganzen Menschenlebens: ich habe dich lieb... Und dann bin ich erschüttert meiner Wege gegangen. Aber am Abend, als alles schlief und ich selber zur Ruhe gehen wollte, und im Stillesein der Tag, der gewesene, durch mein« Seele brauste, kam der Blinde zu mir gegangen und strich leise mll zitternder Hand über mich hin. Da ging es mir warm durch die Seele, und ich beugte mich tief in mir selber. Und weiter kamen gegangen all« die Menschen, mit denen der Tag mich zusammengeführt, und all« Bitterkeiten des Tages verblaßten, lösten sich auf wie in Well« und Traum. Und weiter kamen gegangen die Meinen, die mir mein Leben bereiten, und zuletzt mein Kind, das seinen Kops auf meinen Knien schaukelt«. Und da beugte ich mich ganz tief und ganz nieder, und meine.Hand fing an zu zittern und zu leuchten. Seht, sie bewegt sich leise... So ganz, gcmz leise liebkosend hin und her.. und nun öffnet sie sich sanft wie aus heiligem Erschauern und wie zu 2lndacht und Gebet: ich habe dich lieb.,. /lntwort an yerrn von Soöe. Auf das von uns teilweise veröffenllichte Schreiben des frühe- ren Generaldirektors der Museen von Bode wegen der m a g a- zinierten Kunstwerke in den Schlössern des vor- maligen Königshauses sendet der Finanzminister Höpker-Aschoss eine Entgegnung, der wir folgendes entnehmen: .Sie versuchen, in dem Brief wieder an der Tatsache vorbei- zugehen, daß im Wesentlichen von Ihnen im Jahre 1919/26 Ver- cinbarungen über die Kunstwerke des Hauses Hohenzollern getroffen worden find, die auch Sie noch 1923 als grundlegend angesehen haben, und daß diese Vereinbarungen für den Staat später äußerst hinderlich gewesen sind, da sie Verzichtserklärungen auf die wertvollsten Kunstwerke des vormaligen Königshauses enthiellen. Roch bei den Verhandlungen im Jahre 192S haben Sie, von der Gene- raloerwallung der Staatsmuseen zur Unterstützung bei Vcrhand- lungen über Kunstwerke hinzugezogen, entscheidend gegen die Ab- sichten und Interessen der Staatsverwaltung gehandelr, indem Sie dem vormaligen Königshause von dem Tauschgeschäst, das Sie unterstützen sollten, abgeraten haben. Es ist danach wohl erklärlich, daß gegen die Beteiligung Ihrer Person auf feiten des Staates bei Verhandlungen mit dem vormaligen Königshause Bedenken vor- lagen. Sie kommen weiter auf Ihre Behauptung zurück, die Fachleute der Staatsmuseen seien bei der Sichtung der Gemäldedepots— auf die Depots hatten S i e 1926 verzichtet— nicht zugezogen worden. Tatsache ist, daß der stellvertretende Direktor der Ge- mäldegalerie im Lause der letzten Vergleichsoerhandlungen über die Kunstwerke(September 192S) das Hauptgemäldedepot im Schloß Niederschönhausen eingehend durchgesehen und die für den Staat wichtigen Bilder bezeichnet hat. Tatsach« ist ferner, daß Sie selbst während dieser Verhandlungen(Juli 1923) den nachstehenden Brief an einen Referenten der Generaloerwaltung des vormaligen Königs- Hauses gerichtet haben: „Euer Hochwohlgeboren bitte ich zu entschuldigen, daß ich das Verzeichnis der kunsthistorisch interessanten Magazinbilder in den Schlössern Eharlottenburg u. s. f., deren Verkaufswert nur ein mäßiger ist, nur in dieser Form an Sie einreiche, da ich mir nicht klar war, an welche offizielle Adresse ich es einzureichen hätte. Unsere Bitte geht dahin, daß diese Bilder, die nur einen kunst- historischen Wert haben, der alten vor etwa sechs Iahren von uns eingereichten Liste der für die Museen bei einer Auseinander- setzung mit dem Königshause besonders erwünschten Kunstwerke mll hinzugefügt werden mögen. Bei der Abfassung jener Liste waren uns die Schloßmagazine und ihre Bilder noch nicht zu- gänglich gewesen. W. v. Bode. Diesem Brief lag ein Verzeichnis von Bildern aus verfchie- denen Gemäldcdepots(Galerie Sanssouci, Schloß Eharlottenburg, Möbelspeicher Eharlottenburg, Schloß Niederschönhausen) bei, die einer Ihrer Mitarbeiter im Einverständnis mit der Krongutsoer- waltung besichtigt hatte, auf Grund Ihres Brieses wurden die auf- geführten Bilder fast sämtlich für den Staat gesichert. Sie werden mir zugeben müssen, daß Ihre jetzige Behauptung:„Nicht bekannt ist es mir dagegen, daß bei der Aussonderung der dem Staat zu- fallenden Gemälde aus den Schlössern und Gemäldedepots die Fach- leute der Staatsmuseen hinzugezogen seien" mit den angeführten Tatsachen nicht in Einklang zu bringen ist." Ausstellung allerer Berliner Kunst. In der B i l d n i s s o m m- lung der Notionalgalerie am Schinkclplatz wurde gestern mittag eine Ausstellung von Gemälden und Zeichnungen älterer Berliner Künstler eröffnet. Prof. Dr. Hans M a ck o w s t y, der die Sammlurm zusammengestellt hat, wies in einer kurzen An- sprach« auf die Bedeutung der alten Berliner Kunst, ihren vaterländischen Charakter und ihren Wirklichleitsstnn hin. Die Aus- stellung, über die wir noch ausführlich berichten werden, bleibt vier Wochen lang täglich von 9 bis 3 Uhr geöffnet. Stimmen zum Schmutz- und Schundgesetz: Karl Henkel! schreibt:„2>er Entwurf des Gesetzes gegen Schmutz, und Schund" mahnt zum gesetzlichen Schutz gegen«chwund der' Freiheit von Kunst und Schrifttum. Starke Sicherungen tun not, um das Wir- kungsfeld hier abzugrenzen. Wer als„Sachverständiger" der Be- Handlung heikler Grenzfölle zwischen jeweiliger staatsmoralsscher und unbefangen künstlerischer, darum aber keineswegs unmoralischer Weltbetrachtung gerichtlich beigewohnt oder sie überhaupt alz kullurell Interessierter verfolgt hat, muß schon aus Gründen sachlicher Rein- lichkeit dafür eintreten, daß Wortlaut, Auslegung und Anwendung eines derartigen Schutzgesetzes selbst ausreichend gegen Mißverstand und Fehl- oder gar Tcndenzurteil geschützt sind. Darum soll sich der Gesetzgeber verpflichtet sühlen, den berufenen Anwälten des geistigen Lebens und seinen maßgebenden Berbänden als mitentscheidender Stimmen entsprechend Gehör zu leihen und zu verschaffen."— Marie von B u n s e n:.Kampf gegen Schmutz und Schund, aber auch Kampf gegen gessttge Bevormundung jeglicher Art."— Jakob Wassermann:„Selbstverständlich schließe ich mich der Opposition gegen das drohende Gesetz an. Ich weiß zu genau, was es bedeutet: nämlich Einengung durch starre Paragraphen für den frei schaffenden Geist und heimlichere Wege und Schlupflöcher für das Ungeziefer der Literatur, das damit keineswegs vernichtet wer- den kann."— Alfons P a q u e t:„In einer Gesellschaft, die den Staat und das Recht als Kampfobjekte betrachtet, Halle ich viele Ge- setze, die im Entwurf einen Schein von Bernünftigkeit für sich haben, für gefährlich, denn der höchst fraglichen Wahrscheinlichkell, daß sie das Geringste bessern werden, steht die sichere Aussicht au'«ine neue Machtvermehrung der Polizei und der Rechtsverdreher gegenüber. Bei den Verhältnissen, unter denen wir zu leben haben, hatte ich ein Gesetz„zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutz- schriften" für wertlos. Desha'b betrachte ich auch den Gesetzentwurf mit Mißtrauen und hoffe, daß es gelingen wird, ihn zu Fall zu bringen."_ JJtaj Utarinfteig ist, 77 Jabre alt, in Köln gestorben, ffr Set sich als Silfmtnleitcr, unter anderem in Leipzig und Köln.>o«!e als Beifasser einer Tbeatergefwichte und weherer dramaturgiichen Zchristen einen Namen gemacht. ?u der Komödie findet am 8. abends'1,12 llhr fiir die Berliner S ch a u i p i e.1 e r bei freiem Eintritt eine Ausfübrung der.« e- I a n g e n e n* von Bourdet statt. Tie Karlen find bei den Obleuten der einzelnen Tbeaier»rbältiich. Bestellungen müssen bis zum 6. nachm. 1 Uhr bei den Obleute» eingereicht werde». Das Gesch gegen geistige Freiheit. Kundgebung gegen das Schmntz- und Schnndgesetz. Schon heute steht auf der Tagesordnung des Reichstags der Ausschußbericht über die Anträge des Zentrums und der Deutsch- nationalen, die ein.Schmutz, und Schundgesetz- fordern. Die Entscheidung über das Gesetz ist noch nicht gefallen, aber man kann bei der augenblicklichen Reichstogszusammensetzung auf das Schlimmste gefaßt sein. Die Annahme des Gesetzes aber würde den Tod aller fortschrittlichen geistigen Strömung jeder freiheitlich orlen- tierten Kunst bedeuten. Hinter dem harmlos erscheinenden Gesetz verbirgt sich die Diktatur über den Geist, eine Diktatur, die von Dunkelmännern und Muckern aller Art gehandhabt werden würde. Es gilt noch in letzter Stunde, dieses Unglück zu verhindern. Es gilt, die Masten über den eigentlichen Zweck des Gesetzes aufzu- klären, ihnen in die Gehirne zu hämmern, worum es geht, und dem Reichstag beizubringen, daß man nicht gewillt ist, stillschweigend dieses Gesetz über sich ergehen zu lasten. Diesem Zweck diente die Kundgebung, die gestern der „Ausschuß zur Bekämpfung des Gesetzes zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften- im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses veranstallet hatte. Auch an die Abgeordneten war eine Einladung ergangen. Aber nur wenige von ihnen waren gekommen, denn es handelte sich ja, wie Chefredakteur Georg Bernhard ausführte, nicht um ein Gesetz, das sich mit Lohnfragen befaßt, sondern um ein Gesetz, das den Geist unterdrücken will. Wie ist es möglich, daß man in der deutschen Republik ein derariiges Gesetz entwirft? Daß vor allem die Gefahr seiner Annahme so nahe liegt? Bernhard beantwortet diese Frage folgendermaßen: Das Kaiserreich hatte nicht nötig, Gesetze dieser Art zu ent. werfen, denn die Berwaltungen sorgten bereits dafür, daß ein Werk, das dem muckerischen Geist nicht gefiel, heimlich er» drosselt wurde. In der Republik jedoch muß das Muckertum entschied en Farbe bekennen. Deshalb diese Eindringling. Das Gesetz ist aus dem Geist des Muckertums entstanden. Aber schlimmer noch als dieser Geist ist der Leichtsinn, mit welchem der Reichstag an seine Formulierung gegangen ist. Es gibt über- Haupt keine Garantie für das Verfahren. Das Gesetz läßt zu, daß eine Verurteilung möglich ist. ohne den Schriftsteller anzubören. Und wer bietet«ine Garantie für die Zusammensetzung der Kommission? Bor allem aber— und dies ist das schwer- wiegendste Moment— kennt da» Gesetz keine Definition von „Schmutz und Schund". Danrit sind dem Muckertum Tür und Tor geöffnet. Die Vertreter von Volkswohlfahrtsbestrebungen sind meisten» Men- schen von vorbildlich puritanischem Geist, die sich bereits über Ding« ausregen, über die man sich nicht aufzuregen braucht. Deshalb liegt die Gefahr des Derbstes von hochstehender Liters. tur sehr nahe. Außerdem klafft in dem Gesetz ein merkwürdiger Zwiespalt: Jedes deutsche Land hat seine eigene Prüsstelle, das Verbot aber, das diese Prüsstelle erläßt, gilt für das ganze R e I ch I Ueberhaupt liegt in diesem Gesetz der Grund zu einer neuen Theaterzensur. Es ist nur ein Schritt zu tun— von dem Verbot des Buches zum Verbot der Aufführung des Dramas. In welchem Geist das neue Gesetz arbeiten wird, zeigt die vor- liegende provisorische Liste der verbotenen Bücher, hier ist auch nicht ein einziges Luch angegeben, das Schmutz und Schlüpfrigkeit enthält. Aber jede Detektivgeschichte und jeder A b e n- teurerroman wird als„Schund" angesehen. Dabei ist die Lö- sung der ganzen Frage so einfach: Dem Kinde müßten spannende und gute Sachen vorgelegt werden, denn es liest ja den Schund nicht um des Schundes willen. Dann erledigt sich die Sache von selbst. Alle Parteien sollten es sich aber reiflich überlegen, ob sie diesem Gesetz zustimmen können. Man kann nämlich das Gesetz auch auf die eigene Parteiliteratur anwenden. Man kennt ja den Vor. wurf, der oft von protestantischer Seite gegen die Schriften ver- schiedener katholischer Heiliger erhoben werden. Genosse Dr. Arth Sarseu stellte darauf fest, daß es sich bei dem großen Jammern um die Schundliteratur um eine groß« uebertreibung handelt. Er selbst habe unter seinen Schülern in Neukölln festgestellt, daß höchstens 1l) Prozent aller von ihnen gelesenen Bücher zur Schundliteratur gerechnet werden könnten. Und die Verbrechen Jugendlicher sind wohl niemals auf die Lektüre, wohl aber auf die sozialen Mißstände zurückzuführen. Die ungeheuren Summen, die dt« Einrichtung der Prüf- stellen kostet, sollten besser zur Steuerung der Arbeits- l o s i g k e i t verwendet werden. Das Gesetz wurde aber auch die Jugend hindern, sich ein eigenes kritisches Urteil zu bilden. Man müßte Wert daraus l«gen, daß die Jugend selb st urteilen kann:„Die ist Schund." Ein solches Urteil schützt sie bester als jedes Gesetz. Die ganze Frage ist also eine Erziehungsfrage. Man darf auch nicht vergessen, daß in dem Gesetz eine große Gefahr für den Lehrer liegt. Es ist für ihn unmöglich, jedes Buch zu kennen, das irgend- eine obskure Prüfungsstelle auf den Index setzt. Man könnte aber aus dieser Unkenntnis dem Lehrer einen Strick drehen. Natürlich würde diese Methode mit Vorliebe auf sozialdemokratische oder überhaupt republikanische Lehrer angewandt werden. Aehnlich wie Georg Bernhard äußerte sich Professor Paul Hildebrandt. Vielleicht verfolgen die Schöpfer des Gesetzes«in- wandfreie Ziele, aber der Wirkungskreis des Gesetzes kann größer werden als seine Schöpfer es ursprünglich annahmen. Als weitere Redner sprachen Dr. Paelel als Vertreter des Deutschen Verlegervereins, ferner der Maler Hans Dalnschek für die bildenden Künstler, Dr. Alfred Döblin sowie Dr. Arthur Eloester für die Schriftsteller. Dr. Paetel führte übrigens ein inter- «stantes Beispiel an: In dem bereit» vorliegenden Index befinden sich verbotene Bücher, die bedeutende Schulmänner sogar al» Muster- beispiel für gute Iugendlektüre anpreisen. Sehr scharf griff Alfred Döblin das Gesetz an. Er sagte unter anderem: Schon der Gedanke, ein solches Gesetz zu schaffen. ist«in« Schmach für Deutschland, dl« selbst im kaiserlichen Deutschland unmöglich gewesen wäre. Die deutschen Schriftsteller werden sich wenig um dieses Gesetz kümmern. Sie werden wiffen, wie sie es sabotieren können. Einstimmig wurde am Schluß folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung protestiert auf das energischste gegen den vorliegenden Gesehentwurs und verlangt vom Reichstag, daß er ihn im Interesse der deutschen Kultur und de» deutschen Geiste» ablehnt." pogromjlimmung in Italien. Boykott der ausländische« Korrespondenten.— Mißhandlung von Abgeordneten. der Kaiserhof-Kauf. Dte Vereinfachung der Rcichszentralverwaltung. Das Reichskabinett hat«instinnnig beschlosten, den Ankauf des Hotels Kaiserhof durch das Reich zu genehmigen. In einer ausführ- lichen Denkschrift setzt die Reichsregierung dem Reichstag die Gründe für den Ankauf und fein« finanziellen und venvaltungs- mäßigen Vorteile auseinander. Die Absicht der Reichsregierung ist, das erhebliche Maß unproduktiver Verwaltungsarbeit zu vermindern, das durch die Unterbringung der einzelnen Dienststellen in verschiedenen Gebäuden und Gegenden entsteht. Gegenwärtig sind nämlich einige Reichs- Ministerien vollständig zerrissen, einige ander« völlig außerhalb des Regierungszentrmns gelegen. Auch sind die Unterkünfte z. B. der Reichskanzlei, unzureichend. Dos Ziel der Reichsregierung ist, diese Mißstände zu beseitigen. Di« einzelnen Ministerien sollen zusammen- hängend untergebracht werden, und zwar derart, daß 1. die Z i v i l- b e h ö r d en des Reiches möglichst in dem«igenllichen Regierungs- Zentrum der Wilhelmstraße gelegen sind. 2. Di« Militär- behörden des Reiches sollen in dem Block an der Bendlerstraß« kommen. Dadurch hofft man, Z. dem Austand näher zu kommen, daß die preußischen Behörden in der Gegend des Abgeordneten- Hauses tonzentriert werden, zugleich aber auch 4. die an der L e i p- ziger Straße gelegenen amtlichen Gebäude der Privatwirt- s ch a f t überlassen zu können. Auf dies« Weis« sollen die entstehenden Kosten nicht nur eingebracht werden, man rechnet sogar mit einem Ueberschuß. Zusammenfassend sagt die Denkschrift der Reichsregierimg: „Das Bestreben der Privatwirtschaft, durch Abstoßung des Kaiserhofs ein« Rationalisierung im Hotelgewerbe anzubahnen, be- gegnet sich mit dem Wunsch« der Reichsregierimg, durch Erwerb des Koiserhofs die Grundlage für«In« durchgreifend« Verein- fachunci, Vereinheitlichung und Verbilligung der Reichszentraloerwaltung zu gewinnen. Wenn die Pläne der Reichsregierung zur Durchführung gelangen, wird im Endergebnis damit zu rechnen fein, daß«ine wesentliche Verbesserung in der Unterkunft der Reichsbehörden in Berlin erziell wird, daß dabei Arbeit für 2 Millionen Arbeitertog« geschaffen oder 6000 Arbeiter«in Jahr long beschäftigt oder 4 Millionen Reichsmark für Erwerbslosenfürsorge weniger ver- ausgabt werden, daß 10 000 gm Dureauraum von der Staatswirtschaft an die Privatwirtschaft zurückgegeben wird, daß der Privatwirtschaft erheblich größer« und für ihre Zwecke wichtiger« Grund st ück« neu zugeführt werden, als ihr entzogen werden, daß— neben einer wesentlichen Herabminderung der laufenden personellen und sächlichen Verwaltungsausgaben—«in b«- trächtlicher Ueberschuß zugunsten des Reichsfiskus erziell wird." Es mag zweifelhaft erscheinen, ob diese Vortelle alle er- reicht werden. Auf alle Fälle bleibt die Frage zu erörtern, ob der Nachteil, daß dem Fremdenverkehr ein großes Hotel entzogen wird, nicht stärkere Berücksichtigung verdient als er bei der Reichs- regierung gefunden hat. Luch dieHöhederKaufsumme macht eine eingehende Prüfung notwendig. Noch wichtiger ist das Schick- sal der betroffenen Arbeiter und Ange st eilten, deren Zahl mehrere Hundert beträgt. Di« Denkschrift der Reichs- regierung erwähnt hierzu, daß der Hotelkonzern, dem der Kaiserhof gehört. � „voraussichtlich in der Lage fein werde, einen erheblichen Teil des Personals, der bisher im Kviferhof beschäftigt gewesen fei, in Zukunft in den sonstigen Hotel- und Gastwirt- schaftsbetrieben des Konzerns zu ver wenden: allerdings müsse damit gerechnet werden, daß bei einer Anzahl von Angestellten, Arbeitern usw. eine derartige Unterbringung sich nicht werde ermöglichen lasten." Außerdem wird mitgeteill, daß In dem Vertrag Bestimmungen aufgenommen worden sind, wonach das Reich für die Auf- Wendungen, die der Berliner Hotelgesellschaft durch die Lösung bestehender D e r t r ä g e mit Lieseranten, Musikern, Kunden, Gästen, Arbeitern und Angestellten sowie durch die Aufgabe des Hotelbetriebes und durch die Räumung entstehen, der Hotelgesellschaft eine Vergütung bis zum Höchst betrage von SOOOOO Reichsmark gegen Erbringung des vcrwendungsnachweises zahlt. Leider ist nicht gesagt, welcher Teil dieses Betrages für die Entschädigung von Arbeitern und Angestellten in Aussicht genommen Ist. Was heißt übrigens dabei.Lösung bestehender Verträge"? Sollen die Arbeiter und Angestellten, die keine Verträge haben oder hatten, nicht entschädigt werden? Läßt sich für die durchgreifende Vereinfachung der Reichszentralverwallung keine bessere Lösung finden als der Ankauf des Kaiserhofs, so müssen unter allen limständendieeinzigunmittelbarLeidtragenden, das sind die Arbeiter und A n g e st e l l t e n, so aus- reichend entschädigt werden, daß keine Unbillig- leiten entstehen. Der Warschauer Sejmkonflikt. Neue Hinausschiebung der Parlamentstaguug. Warschau, 4. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Konflikt zwischen dem Sejm und der Regierung konnte noch immer nicht beigelegt werd«n. so daß die für Mittwoch angekündigte Eröff- nungssitzung ausfiel. Sejmmarschall R a t a s hat infolgedessen die Verantwortung für den verfassungsmäßigen Beginn der Paria- mentstagung abgelehnt und die Initiative der Regierung überlasten, die den Konflikt heraufbeschworen hat. Es wird von der Möglich- keit eines Rücktritts des Sejmmorschalls gesprochen. Die Nationaldemokraten haben dem Sejmmarschall eine Entschließung überreicht, in der sie gegen das Verhalten der Regierung als einer Verletzung der Verfassung protestieren. Man nimmt an, daß die Eröffnung des Sejms Ende dieser Woche erfolgen wird, in Regie- rungskreisen wird Ende November als Termin angegeben. Dadurch würde allerdings die Zeitspanne von fünf Monaten zur Beratung des Haushalts nicht eingehalten werden können. Der sozialistisch«„Robotnik" teilt mit. die fei«rlich« Eröffnung des Sejm solle im Schloß unter Vorsitz des Staatspräsidenten statt- finden, was jedoch mehrere Parteien ablehnten. Schweres Unglück in Columbien. 27 Tote. 40 Verletzte. » o g o« a(Columbien). 4. November,(wlv.) In der Näh« de» Orte» Perevia ereignete sich heute an der nach Caldas führen- den CEisenbahnftrecke ein umfangreicher Erdrutsch. Durch die herabgestürzten Blassen wurde der Lauf des Flusses Otun gesperrt, so daß in Calao eine lleberschwemmung stattfand. Nach den bisher vorliegende» Berichte» find 27?«rson«» getötet und 40 verletzt. Rom. 4. November.(WTV.) Heule wurden die auslän- bischen Korrespondenten, darunter mehrere deutsche. von der italienischen journalistischen verussgenossenschasl aufgefordert, die Räumlichkeilen der genannten Pressevereinigung nicht mehr zu betreten. Wie erinnerlich, find vor wenigen Tagen sämlliche Korrespondenten der Opposition» presse aus die gleiche Art von dieser Berussgenossenschaft ausgeschlosfen worden. .Lmpero" berichtet: Gestern wurden mehrere Redakteure des„M o nd o" von Faschisten verprügelt. Der sozialistische Abgeordnete Nobili wurde von einigen Faschisten aufgefordert. ihnen im Wagen zu einem Verhör zu folgen. Unterweg» wurde der Wagen von anderen Faschisten ausgehalten und der Abgeordnete derart mißhandelt, daß er in ein Krankenhaus übergeführt werden muhte. Ebenfalls mißhandelt wurde der sozialistische Abgeordnete B a c o c ch i in Livorno. Säuberung der Faschistenpartei angeordnet. Rom. 4. Nov.(EP.). Mussolini hat heute den Innen- minister F e d e r z o n i, den Iustizminister R o c c o und den Generalsekretär der Partei, Tu rat i, zu einer langen Konferenz empfangen, in der die G e s e tz m a ß n a h m e n zum wirksamen Schutz des Regierungschefs und zur Beruhigung der Erregung im Lande«rusgeorbeitet wurden. Dies« Maßnahmen werden morgen im Ministerrat und vom großen Faschistenrat beraten und sofort einer außerordentlichen Kammersitzung unterbreitet werden, die vom Kammerpräsidenten aus Wunsch Mussolinis auf Dienstag, den S. November,«inberufen werden wird. Mussolini ordnet« auch ein« sofortige energisch« Säuberung der Partei von allen verdächtigen Leuten und jenen an, die sich mit der Absicht ein- geschrieben haben, unterdemSchutz« desSchwarzhemdes in der Partei und Nation«ine zersetzend« Tätigkeit zu entfalten. (Dieser Befehl zur„Säuberung" der faschistischen Partei von Ele- menten, die sich darin eingeschmuggelt hätten, um leichter anti- faschistisch« Propaganda zu treiben, sucht also den Anschein zu er- wecken, als wäre der ermordet« jung« Zamboni, der«in Schwarz- Hemd trug, d o ch der Täter. Diese Version ist aber bereits vor zwei Tagen von der offiziellen Stefani-Agentur preisgegeben wor- den. Soll sie aufs neu« aufgewärmt werden? Mit jedem Tag« ver- strickt sich der Faschismus immer mehr in dieses Lügennetz, mäh- rcnd Beweise dafür, daß ein Attentat tatsächlich verübt wurde, immer noch ausbleiben. Red. d.„V.".) * Ein römischer Bericht der Pariser„Er« Rouvelle" erinnert aus Anlaß des angeblichen Attentates von Bologna an den Revolver. schuß, den ein 18jähriger junger Mann im Jahr« 1012 in Rom aus den König Victor Emanuel feuerte. Damals habe Mussolini den Ausschluß mehrerer sozialistischer Abgeordneter, darunter »issolati, aus der Sozialistischen Partei verlangt und durch- gesetzt, well diese dos Attentat mißbilligt hätten, während Mussolini es verherrlichte. Der Sonderberichterstatter des„Manchester Guardian" in Bo- logna, der die Feierlichkeiten der Einweihung des Faschistenstadions vor dem Altentat schildert, bemerkt nach einer Schilderung de» prunkvollen militaristischen Bildes, das dort dem Zuschauer ge- boten wurde, daß das Bologna der Nachkriegszelt eine sonderbare Aehnlichieit mit dem Potsdam der Vorkriegszeit Hab«. Es ist nicht da» erstemal, daß«in« Parallel« zwischen Mussolim und Wilhelm gezogen wird, zumal Mussolini selbst in seinen Aussprüchen den letzten deutschen Kaiser mehr oder weniger bewußt wiederHoll kopiert hat. Es ist auch kein Zweifel daran, daß er— bestenfalls— ebenso enden wird wie sein Vorbild. Jesus-- zwischen dem König und Mussolini. Aus Ehiasso wird uns geschrieben: Der Generaldirektor der volteschulen von Mailand hat ange- ordnet, daß in allen Schulen der Stadt ein Bild de»„unbesiegten Duces" angenagell wird. Der Oberkommissar der Stadt, B e l l o n t, hat natürlich sofort ISO 000 Lire zur Tragung der Unkosten bewilligt. Der geniale Generaldirektor hat ober diese ISO 000 Lire für einen anderen Zweck bestimmt und die Lehrer und Schüler verpflichtet, für den Ankauf der Bilder des Tyrannen aus eigenem zu sammeln. Im übrigen muß auch das Problem der Aufhängung noch gelöst werden. In den italienischen Schulen gibt es schon zwei Bilder, das des Königs und das Jesu C h r i st i: soll dem Ge- kreuzigten jetzt das Schicksal zugemutet werden, zwischen einem Manne, der die Verletzung der Versassung stillschweigend duldet, und einem anderen, der Mordtaten auf dem Gewissen hat, hängen zu müssen? Die Verschwörung an Spaniens Grenze. Auch Italiener beteiligt. pari». 4. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Direktor der Pariser Sicherheitspolizei, C h i a p p e, hat am Donnerstag dem Kabinttsrat über den Stand der Untersuchung in Perpignan Bericht erstattet. Man glaubt in hiesigen politischen Areisen nicht, daß ernste strafrechtliche Maßnahmen gegen die Verschwörer er- griffen werden können, da der französischen Regierung die juristisch« Handhabe dazu fehlt. Deshalb ist übrigens die g«nze Angelegenheit bisher immer noch in den Händen der Polizei, und nicht der Staatsanwaltschaft überwiesen worden. Es wird angenommen, daß die verhafteten sich nur wegen verbotenen Waffentragens vor der Strafkammer zu verantworten haben werden. Ein« end- gültig« Entscheidung darüber liegt bei der Regierung. Im übrigen hat die Untersuchung der Angelegenheit im Laufe des Donnerstags keine größeren Fortschritte gemacht. Die Abendblätter dementieren die früheren Meldungen, nach denen große Waffenbestände bei den Verschwörern gefunden worden seien. Die meisten der Verhafteten trugen nur gewöhnliche Taschenmesser und keine anderen Waffen. Trotzdem ist die Polizei von Perpignan eifrig bemüht, die Zusammenhänge der Bewegung festzu- stellen. Die telcphonischen und telegraphischen Verbindungen nach Spanien sind einer strengen Zensur unterworfen. Auch die nach Spanien fahrenden Züge werden scharf durchsucht. Da» verhör der Festgenommenen hat bisher ergeben, daß«» sich um ein eigen- artige« Gemisch von katalonischen separatistische» Intellektuellen, von Abenteurern, von italienische» Anarchisten und italienischen Antifaschisten handelt. Die Mehrzahl der in der, Affäre verwickelten Italiener erklärte, Garibaldianer zu sein. Ihr Chef, der frühere Oberst Ricci- otti Garibaldi, der Italien vor einigen Iahren, als Mussolini die Regierung ergriff, verließ, ist in Nizza von der französischen Polizei festgenommen worden. Die MH.-Turbine beim Lohnabbau. Sie beschwört einen Konflikt herauf. Der Preisabbau, den man der deutschen Arbeiterschaft v«r> heißen hatte, ist in der Hauptsache ausgeblieben, trotzdem mit Rücksicht darauf vorweg der Verzicht auf Lohnerhöhung gefordert, die Löhne gedrosselt und schließlich obendrein abgebaut wurden, sei es direkt oder durch allmählichen Druck aus die Akkord- löhne. Jetzt, wo es höchste Zeit wäre, die Löhne zu erhöhen und wenigstens die Lohnabbauaktion der Unternehmer als abgeschlossen gelten müßte, kommt die AEG.-Turbine aus den Einsall, einen Lohnabbau von 10 Proz. vorzunehmen. Doch über die Höhe der von ihr beabsichtigten Lohnkürzung ließ sie insofern mit sich reden, als sie aus den Widerspruch ihrer Belegschast hin. ihre fforderung bis auf 3 Proz. ermäßigte, womit die Arbeiter sich jedoch ebensalls nicht befreunden konnten und auch diesen Abzug ablehnten. Um so mehr als sie bereits mehrfach nicht unerheb- liche Abzüge in den Kauf nehmen mußten. Selbst wenn der AEG.- Konzern die Absicht hätte, die Preise seiner Monopolfabrikate herab- zusetzen, könnte sie dies sehr wohl tun, ohne etwa auf«ine erneute Lohnkürzung dabei angewiesen zu sein. Die Belegschaft der AEG.-Iurbine, die heute nachmittag zu dieser Lohnkürzungsaktion Stellung nehmen muß, wird ihrer Direktion voraussichtlich eine nicht mißzuoerstehende Antwort geben. Die Arbeiterschaft kann auf die Dauer nicht stillhalten, wenn ihr der Leibriemen ein Loch ums andere enger geschnallt wird, um zu sehen, wie lange ste es aushält. In der Turbine verdiente ein Maschinenschlosser vor dem Kriege etwa eine Mark pro Stunde, während er heute bei wesentlich höheren Lebenshaltungskosten und nicht geringerer Äntreiberei I3bis20Ps. mehr bekommt und mindestens 30 Pf. mehr erhalten müßte. Da kommt man ihnen denn noch obendrein mit Lohnabbau! Die Arbeiter der Turbine sind von jeher gut organisiert und standen mit ihren Lohnbedingungen an der Spitze der Berliner Metallarbeiterschaft. Sie werden sich jedenfalls energisch da- gegen wehren, daß man ihnen jetzt noch den Lohn kürzen will. Eignungsprüfung der Lehrlinge. Die Folgen der ungeheuren Arbeitslosigkeit beschränken sich nicht nur auf den erwachsenen Arbeitnehmer, sondern ziehen auch die schulentlassene Jugend aus das stärkste in Mitleidenschaft. Viele junge Menschen, die eben die Schule verlosten haben und nun in das Erwerbsleben eintreten wollen, finden kein Unterkommen. Namentlich die kaufmännischen Berufe leiden an mangeln- der Aufnahmefähigkeit. Infolge des radikalen Abbaues in den kaufmännischen Betrieben sind unzählige überflüssige Kräfte vorhanden. Es ist selbstverständlich, daß bei einer solchen Lage mit der größten Sorgfalt bei der Berusswahl verfahren werden muß. Nicht nur eine reifliche Ueberlegung, ob überhaupt die kaufmännische Lausbahn eingesckilagen werden soll, sondern auch eine eingehende Eignungsprüfung vor der Berufswahl sind unbedingt erforderlich. Eine solche Forderung erscheint unter den gegebenen Verhält- nisten selbstverständlich. Trotzdem wurde in der jüngsten Volloer- fammlung der Handelskammer für den Kreis K o n st a n z eine Auf- fassung oertreten, die den Widerspruch aller um das Wohl der Jugend besorgten Menschen heroorrusen muß. Die dort geäußerte Meinung entspricht glücklicherweise nicht der aller Arbeitgeberkreisc. Sie läßt aber erkennen, daß der Fortschritt noch nicht überall eingedrungen ist. Der Referent in dieser Vollverfammlung war ein Dr. Wieder- recht, der unter Zustimmung des Plenums folgende Schlußfolge- rung zur Frage des kaufmännischen Lehrlingswesens kundtat. Er führt« nach dem Bericht aus,„daß die Einführung von Eignung»- Prüfungen für Lehrlinge im Kammerbezirt solange unter- bleiben sollt«, bis eine weitere Klärung herbeigeführt und bei den anderorts unternommenen Versuchen ausreichende Er- fahrungen gesammelt worden sind. So wünschenswert die Aus- bildung des kaufmännischen Nachwuchses ist, so kann unter Würdi- §ung aller Vorteile nicht eingesehen werden, daß dieses Ziel durch Einführung von Prüfungen erreicht wird. Es wird vielmehr d e m L e h r h e r r n in der Hauptsache überlassen bleiben jnüsten, die für seinen Betrieb geeigneten Kräfte sorgfältig auszuwählen, was ihm bei dem zurzeit großen Angebot von Lehrlingen nicht schwer fallen wird. Für ihre Ausbildung wird er dann in Ge- meinfchaft mit der Berufsschule und den Eltern zu sorgen haben. Taugt ein Lehrling für ein bestimmtes Geschäft nicht, so. besteht die Möglichkeit, ihn innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Probezeft zu entlasten." Unter Führung des Zentralverband es der Ange- stellten treten weite Kreise unter den berufstätigen Angestellten für die Eignungsprüfung ein. Jeder Nichtorganisierte und vor allem die kaufmännischen Lehrlinge und jugendlichen Ange- stellten müsten erkennen, daß hierin eine wicbtige Zukunstssorderung begründet liegt. Nur der Anschluß an den Zentralverband der An- gestellten und die tätige Mitarbeit in dieser Organisation sichert vor schweren Schäden._ Rowdytum. Wir erfahren erst heute von einem Vorfall, der sich kürzlich abgespielt hat. trotzdem aber festaebalten zu werden verdient, well er ein unbeschreibliches Nowdnium beleuchtet, das nicht schnrs flenng gebrandmarkt werden kann. Uns wird der Vorfall wie iolgt ge- schildert: Am Sonnabend, den S. Oktober, wollte der bei einer bekannten Firma in der Drontbeimer Straße beschäftigte Mecha- niker Robert H.. vom Bohnbos Gesundbrunnen kommend, seine Arbeitsstätte aufsuchen. An der B e l l e r m a n n st r a ß e Ecke Prinzenallee wurde ihm von einem Unbekannten bintcrrücks plötzlich in die Wade getreten. Als er sich nach dem Täter um- drehte, sah er sich drei Burschen gegenüber Er verbat sich die Anrempeleien irnd ging auf die andere Seite � der Straße. Die Burschen folaten ibm nach Sie provozierten einen neuen Wort- Wechsel, in bellen Verlauf einer der Bravi H einen Schlag auf den Kopf versetzte. Als sich nun H. zur Wehr setzte, fielen alle drei über ibn her und richteten ibn übel zu. Unbeareiflicherweise trat keiner der vorüberaebenden Arbeiter den Rowdys entgegen. Es gelang erst dem Mechaniker A., der gerade hinzukam, als H. an verschiedenen Stellen blutend, zu Boden geworfen wurde, mit Hilfe von einigen anderen Ar- beitskolleaen den Mißhandelten den Händen der Banditen zu ent- reißen. Nimmebr wandten sich diese auch gegen A. und gerieten in noch größere Wut. als sie sahen, daß A. das Varteizeichen der SPD. trug. Einer der Burschen zoa den Rock aus und ging in Borer ftellung gegen A. vor. Nur mit Müh« gelang es den Umstehenden, ihn zurückzuhalten. A. ging dann nach seiner Arbeitsstelle, und der Held folgte ibm,.us den Metallarbeiterver- band, die SPD. und deren Funktionäre schimpfend. Dabei vrahlte er, er sei„ein kreier Bauarbeiter". Auf dem Fabrikhof angekommen, versetzte er A nochmals einen so wuchtigen Schlag gegen den Kons, daß A. an die Wand taumelte. Durch einen herbeigeholten Volizcibeamten konnte einer dieser Burschen als ein Arbeiter Ernst Bremer aus der Soldincr Straße 4 0 fest gebellt werden. Da H. sowohl als A. Mitglieder der SPD. und bekannte Gewerkschaftsfunktionär« find, muß man annehmen, daß es sich hier um einen politischen Racheakt gehandelt ha«. Jeder anständige Arbeiter, mag er volitisch eingestellt sein wie er will, wird solche Kampsesweise auf das schärfste mißbilligen und von derartigen Elementen und ihren Hintermännern entschieden abrücken. kommunistische Maskerade. Seit Ende 1923 erscheint unter dem Titel„Die Einheit" eine von der Kommunistischen Partei herausgegebene Zeitschrift, die zur Ausgabe hat, unter den sozialdemokratischen Arbeitern, besonders aber unter den Mitgliedern der Gewerkschaften Dumme zu sangen. Die„Rote Fahne" läßt nun eine Reklame los, in der es heißt: Unter diesem Namen erscheint nach der Rückkehr der zweiten Arbefterdclegation die von den sozialdemokratischen Rußland delegierten herausgegebene Zeitichrist, die für den Gedanken der Gcwerkschastseinheit und der Zusammenarbeit mit dem proletarischen Rußland eintritt. Wir haben es hier zweifellos mit einer sozialdemokratischen Links- gruppierung zu tun, die sich grundsätzlich von den sogenann- ten„Linken" innerhalb der SPD., i la Lewy usw., unterscheidet. Während diese„Linken" unter dem Drucke der Arbeiter ihr« opportunistische Praxis mit linken Phrasen verdecken und die Linksschwenkung der sozialdemokratischen Arbeiter nur verzerrt widerspiegeln, bilden die sozialdemokratischen Rußlanddelegierten eine Gruppe, die um wirkliche revo- lutionäre Klarheit ringt. Wir stellen demgegenüber fest, daß die Herausgeber des Blattes auf«ine Anfrage der Berliner Handelskammer erklärt haben, daß sämtliche Gesellschafter„dem in Auslösung begriffenen Ruhlano- komitee der kommunistischen Partei" angehören. Diese Auskuntt, die von den Gesellschaftern selbst gegeben wurde, ist das Eingeständ- nis, daß es sich auch bei dieser„Einheit" um eine k o m m u- n i st i s ch e Maskerade h gabelt. WaffenstillstanS im englischen Serpbau. Der Gencralrat führt jetzt die Verhandlungen� London. 4. November.(Eigener Drahtbericht.) Die D e l e- gierbenkonferenz der Bergarbeiter, die am Donnerstag aber- mals zusammentrat, zeigte im Gegensatz zu ihren Vorgängern eine ausgesprochene Friedens st immung. In der Diskus- sion trat die überwältigende Mehrheit der Delegierten dafür ein, den Generalrat der Gewerkschaften offiziell zu ermächtigen, die unterbrochenen Verhandlungen mit der Regierung wieder aufzunehmen. Ohne einen Beschluß gefaßt zu haben, ver- tagte sich die De! gic'.tenkonserenz aus Freitag mittag, um in der Zwischenzeit der Exekutive der Bergarbeiter Gelegenheit zu geben. gemeinsam mit dem Generalrat der Gewerkschaften die bereits in der vergangenen Woche in Umrissen gemeldeten Vorschläge zur Herbeiführung eines Waffenstillstandes in«ine feste Form zu bringen. Diese Vorschläge werden der am Freitag wieder zusammen- tretenden Delegierteickonferenz zur Emscheidung vorliegen. Nach der Stimmung der Delegierten zu schließen, werden sie die Villi- gung der Mehrheit finden. Daraus wird der Generalrat seine Verhandlungen, diesmal als voller Bevollmächtigter der Berg- arbeiter, wieder aufnehmen. Die Vorverhandlungen für einen Friedensschluß bzw. Waffenstillstand im Bergbau treten damit in ein neues Stadium, da der Generalrat zum erstenmal seit dem Zusammenbruch des General- streiks offiziell als Vermittler zwischen Regierung und Berg- arbeitern tätig sein wird. In der Zwischenzeit haben allerdings in- offizielle Besprechungen hinter den Kulissen stattgefunden. Lcranlwertllck sllr Politik: Dr. Snr»«fqrr: Zvirtschaft:»rNir Setrrn»»: Sdoerklitiostsbewcallnq: grirdr.«»kor»; gruilleton:».». D»lcher! Lokal«» und Sonliia««: gri»»arliädt! Anarioen: Td. Dlokk«! liimtlich in Berlin. Berla«: Borw Rotenfhaler Sirahe, KVnstttirahe, Moriisplaisi Jagdwurst...pfund I20 Teewurst---- Pkund lvo Speckwurst.. wnnd I20 Schinkenspeck pm. Ivo Soweit Vorrat Obst Ocmüse, Fleisch und Fische werden nicht tugesaruK Butter Tafelbutter pu. 1 75 1 es Dän. Butter,.primd 2os Margarine..Ph»d 55pf. Speisetalg.»kund 60 pr Schweineschmalz 78 Pt Limburger.Pfund 64 pt u. Käse Limburger A,fcr 72?«. Holländern. Edamer 85 Pf. QOUda d Inischer, Pfd. 85 Pf Steinbuscher Pfd. 95 p,. Tllslter vÄ98Pf.1io Schweizer S�.HÄjd 1 ss Konserven Junge Brech- u.«/,do« Schnittoohnen 58 pr Junge Erbsen..76 Pf. Pfefferlinge.... 82 Pf. Birnen........ 65 w. Pflaumen...... 68 n. Ananas........ leo- Oelsardinen�l 70** portuflesisch» 4oP. /ÖPf. Konfiiftren, 2 Pfd.-Eimer Erdbeer, Aprikos. 1 36 Johannisbeeren.. Iis Ananas......... 1«o Pflaumen-Konfitüre 8 Plund- O 10 Plund- Elmer �»0 Eimer iso Preiselbeeren »Pfd.. 0„ Elmer lO Pfd.- e Elmer O<0 Frisches Fleisch Kalbskamm, Brust u. Rücken pm. 80 n. Kalbskeule nd«««»«....... nnd 90 n. Hammel, SSfeS,ppe- Br'1** r«™- 80«. Schmorfleisch u. Roastbeef k»! 85 pt Schweinebauch, u lo» Schweine-Liesen........... pi«d Im Kavier, Speer u. Kamm.. n»* lao Prima Ochsenfleisch pf-d 55 pt Kamm u. Brust«e«™«....... pw-d 55p». Geflügel GSnsekleln oh*« m�«............. 98 pt Junge Gänse........ pf.°d 95 pt. Iis Junge Puten»n«»««»,»»»-». PM. Iis las Junge Enten»ritd> gexiiiediict..... nnd las Junge Hühner iru��d,i�<..pw. las lso Fische Dorsche»»»8«»»»»»»«»........... PAnd 10 p». Grüne Heringe............ p.»°d 24 p». Rotbarse-""VW 24 Schellfische 28 p». Kabeljau oh»« Kap», i«BU FUAc.... Find 35 Pt Zander*<»«<»................. ptn» 78 t Lebende Hechte...... pmd 95pi�1io Lebende Schleie...... pf»°d Iis» las Lebende Spiegelkarpfen...pmd lao eigene RSsierel Frisch gebrannter Katfee Konsum-Mischung pftmd 2do Haushalt-Misch. 2 so Olympia-Misch.pfd.34o Sonder-Misch. Pfd. 3 m Globus-Misch. tu. 3 so Räucherwaren Fettbücklinge 43. 35 pt Sprotten cchi«, ptund 48 pf FlundernpHSnnd481 75 m Schellfische pfond 45 p». Bücklinge""k�nd 55 pf Spickaal piundvon 2ss-» Obst u. Eß-u. Kochbirnen 9pf. Kaiserkronen pi«td 1 8 pf. Tiroler Aepfel pm. 15?». Kranzfeigen Pfund 30pf. Bananen...PMndSOp». wirdmd--. w«l». B_. kohl..... Ptund � � Gemüse Rot Möhren gtwanch«n,Pfd 5 Pt Märk. Rübchen Pfd. 5« Dauerzwiebeln pu. 5pt Sellerie pf»nd 9pt 14pt Kaliforn. Aepfel pmd 45 p». JT'pÄJS 15 so 4,. woit» ZaBtmer"»ZS Zusendung In Groff Berlin 80 Pf. Aufschlag, Sadrptand 80 PL Winterkartoffeln 5 a» Backartikel Weizenmehl pmd 24 p». Rosinen pm. 52pi 65 pt Auszugmehl 26 pf. Korlnthenf« 58pf 70pt Kartoffelmehl pm. 26«. Sultaninen oXCms 65»,. Maispuder Mund 26 p». Zitronat...pfmd 220 Mandeln 275 Backwaren Brezeln...stude 45 p». Mandelkränze s«. 55pl Mohnstangen«. 50pf. Königskuchen st. 75«,. Kleine Wiener Torten im Kano« 75pt Konfitüren Holländischer Kakao �.%"d?sTÄ 1 so pfd 2 so Borkenschokolade SLmo0" SOpl 1Mcor. 55pt Sandgebäck p'ä, 25 saJU 35 pl Teegebäck SOp». Wein Preise ftr% Fl+uhe einsthUeßUdt Berliner GefrSnkesfeuer, ohne Glas 15 ausgewählte Sorten, darunter: 1924 Caseler Riosllng m«.i...... 1 m 1921 LiObtrSUmilCll I vellaKapwI.IIeM.Dwenvcbi 240 Jamaika-Rum-Verschnitk* 40 3i» Liter ... 90 PL ... ISO s Sorten Wein vom fofi, Z. R.t Johannlsbeerweän««»....... Tarragona Spezial.a», mt...... rr/' vwth Sirene Saucen Dellkateß-Suppen Braten. Tomaten, Pili Oaulaach. Sardellen Kapern. Macelra Würfel 12 Pf. Königin mit Kalbfleisch, Erbsen mit Pökelbrust, G« flö�el, Wftdbrel, Ochscnachwtlf, Stern che» 2 Teller 16 Pf. Böffkom gekörnte Fleischbrühe Dose 60 Gr. 65 Pf 125 Gramm 120 '«Pfd.- n,s Doae 420 780 Echte Flelschbrüh-Würfel Dos« 10 Stück 49 Pf 25 Stück Im 50 Stück 2 m 100 Stück 375 Würze 5 Größen TON 35 PL bla 6 M Nr. 522 ♦ 4Z.�ahrgakg 7. Seilage öes vorwärts Irektag, 5. November?H2H Staötkämmererwahl ohne Raöau. Die kommunistische Stadtverordnetenfraktion obstruiert— nicht! Die Kommunisten der Berliner Stadtverordnetenversammlung lieben die Ueberraschunyen. In der vorigen Sitzung kainen sie uns mit„Musik", um die Stadtratswahlen zu hintertreiben. Sie tonnten nicht hindern, daß drei der Wahlen vollzogen wurden, bei denen dann die Stadtratssitz« mit Sozialdemokraten besetzt wurden. Nur das konnten sie, im Bunds mit den Deutschnationalen, erreichen, daß die Kämmererwahl infolge Beschlußunfähigkeit ergebnislos blieb. In der gestrigen Sitzung versuchten die Kommunisten, sich wider Erwarten vernünftig zu benehmen— und es gelang ihnen. Nachdem sie mit ihrem Antrag, die Wahl zu oertagen, kein Glück gehabt hatien, verhielten sie sich ruhig. Auch die Deutsch« Bolkspartei, deren Kämmerertandidat S« i p« l in der vorigen Sitzung ganze drei(!) Stimmen erhielt und inzwischen ein« noch- nialige Kandidatur abgelehnt hat, wünsch:« Vertagung, um sich nach einem anderen Kandidaten umzuschauen. Gegen Kommunisten und Deutsch« Volks Partei wurde sofortiger Wahlvollzug beschlossen. Di« Wahl ging dann, zur großen Enttäuschung der Tribüne, unter völliger Ruhe von statten und ergab die Wahl des Demokraten, Haupt» steuerdirektor Lang«. » Zu Beginn der gestern abgehaltenen Sitzung der Stadtverord- neten gab der kommunistische Stadtverordnete Gabel eine lang- atmig« Erklärung zu den Vorgängen in der letzten Sitzung ab. Gäbet sprach davon, daß der Ausschluß der ran- dalierenden Kommunisten unter Bruch der Geschäftsordnung vor sich gegangen sei.(!) Ohne geschäftsordnungsmäßigc Unterlagen feien die Stadtverordneten mit Gewalt aus dem Saal geschafft worden, und der Vorsteher hätte sogar vor Beginn dieser Sitzung «inen Teil der am vorigen Donnerstag Ausgeschlossenen am Be- treten des Sitzungssaales gehindert und damit ihre Mitarbeit lahm- gelegt G ä b e l Nannte das Vorgehen des Vorstehers und der über- großen Mehrheit des Hauses eine„Provokation für die kommunistische Fraktion": er verlangt«, daß durch«inen Beschluß de» 5?auies die Ausschüsse aufgehoben werden. Vor- steber Genosse haß betonte demgegemiber, daß der Aelteftenrat eine Behandlung dieser ganzen Angelegenheit bereits abgelehnt habe, und daß deshalb auch im Plenum über den Antrag Säbel» nicht abgestimmt werden könne. Im übrigen sei die Angelegenheit er. ledigt.— Zur Verlesung kam dann eine Anfrage der sozial- demokratischen Fraktion wegen des stockenden Ikeubaus der Schloßbrücke in Charlottenburg. Di« Brücke fei nunmehr ein Jahr lang gesperrt, die Notbrücke be- gmn? bereit« brüchig zu werden, aber die gesperrt« Schloßbrück« sei noch nicht einmal abgerissen. Der Magistrat wird gefragt, wie er die Benachteiligung des Verkehrs durch diese Brückenspcrrung beheben wolle. Die Anfrage wird geschäftsord- nungsmäßig behandelt werden.— Vom Stadtverordneten Kunze und seinen Anhängern war eine Anfrage wegen der beabsichtigten Vergrößerung des jüdischen Friedhofs nach der Innenstadt zu eingebracht worden. In der Aussprache wurde betont, daß es nicht angängig fei, Friedhöfe heutigentags noch nach dem Innern Berlin» zu zu erweitern. Ueberdies sollen dadurch auch Laubenkolonisten von ihren Gärten vertrieben werden. Nach einer kurzen Bemerkung des zuständigen Magistratsvertreters, der eine weitere Prüfung der Angelegenheit zusagte, schloß die Aussprache. Eine weitere Anfrage aus derselben Fraktion bemängelte, daß die jugendlichen Besucher der Tagesheim« im Bezirk Mitte im Sommer größere Wanderfahrten— sogar nach Rügen(!)— unternommen hätten. Man wollte wissen, woher dos Geld dazu genommen worden sei. Stadträtin Genossin Weyl teilte mit, daß die Ausgaben für diese Wanderfahrten äußerst gering oewesen seien. Für zehn« bi» vierzehntägige Fahrten hätte man pro Person ganze IS Mark ausgegeben. Im übrigen seien im Ein- vernehmen mit den Bezirksjugendleitern neu« Richtlinien für die Veranstaltung von Wanderfahrten ausgestellt worden, wobei in der Hauptsache Fahrten in die Mark in Aussicht ge- nommen sind. Dann wurde die Debatte über den Antrag der Kom- munisien, die Ifirstenabflndung betreffend, fortgesetzt. Bevor der Kommunist Schwenk das Schlußwort erhielt, verlas namens der sozialdemokratischen Fraktion Stadtverordneter Genosse Czeminski folgende Erklärung: Die sozialdemokraklsche Fraktion ist sich der großen Tragweite. die der hohcnzollern-Vergleich gegenüber der Berliner Vevölke- rung besitzt, durchaus bewußt und bedauert gerade deshalb, daß keine andere Lösung gesunden wurde, nachdem der Volksentscheid keine Mehrheit für die entschädigungslose Enteignung ergeben hat. wir sehen aber keine Möglichkeit, von der Stadlverordnetcnvcr. sammlung aus den weg einer besseren und gerechteren Lösung zu finden und find daher nicht in der Lage, dem kommunistischen Antrag zuzustimmen. Nach der Rede Schwenks wurde die Abstimmung abermals ausgesetzt, weil die Kommunisten den Wiedereintritt ihrer Freunde abwarten wollten. vr. Lange Staütkämmerer. Nunmehr wurde die am vorigen Donnerstag vertagte Wahl des Kämmerers vorgenommen. Stadtverordneter Gäbet(Komm.) ver- langte auch hierbei die Vertagung der Wahl, weil die noch ausgeschlossenen Kommunisten an der Ausübung ihres Stimmrechtes gehindert seien. Stadtverordneter Schwarz(D. Dp.) verlangte eben- falls eine Vertagung,„wenn auch aus anderen Grün- d e n". Stadtverordneter Merten(Dem.) schob die Schuld an dem Ausschluß der Kommunisten diesen selbst zu. Die Stadtverordneten hätten die Aufgabe, für eine oerhandlunitsfähige Ver- sammlung Sorge zu tragen und die Würde des Hauses zu erhalten. Zu der Kandidatur des Essener Kämmerers Seipel, die von der Deutschen Volkspartei stark unterstützt wurde, teilt Merten mit. daß Seipel am 30. Oktober in einem Briefe noch Berlin die Absicht ausgesprochen hätte, selbst im Fall« seiner Wahl den Posten nicht anzunehmen, da er andere Zu- kunftsabsichten habe. Schwarz(D. Vp.) zog daraushin die Kandi- datur Seipel zurück. Die Deutschnationalen beteiligten sich an ber namentlichen Abstimmung nicht. Sie hatten schon bei der Fürstenabfindungsdedatte den Saal verlassen. Die bei völliger Ruhe vorgenommene Wahl ergab die Wahl des Generolsteuer- direklors Dr. Lange(Dem.) zum Kämmerer der Stadt Berlin. Er erhiell von 134 gültigen Stimmen 110. Der Kommunist Letz bekam 23 Stimmen, der Kandidat Schmudc eine Stimme. Nach Erledigung einer größeren Anzahl Dorlagen und Anträge kam in vorgerückter Stunde ein Antrag der Kommunisten zur Vor- Handlung, der durch die Ereignisse überholt war. Es handelte sich in dem Antrag darum, daß der Magistrat beauftragt werden sollte, bei der Lohnbewegung des Verkehrs Personals im Sinne der Forderungen des Personals auf die Direktionen einzuwirken. Der Arbeiterratsvorsitzende bei der Hochbahn, Stadtverordneter veter(Komm.), begründete den Antrag. Aus seinen Worten war nicht, zur Begründung de» Antrages zu entnehmen, was bei der inzwischen beendeten Lohnbewegung ja auch nicht weiter verwunder- sich war. Er schimpfte ein bißchen aus die Gewerkschaften und die Sozialdemokraten und trat dann ob. Genosse Klose stellte die ichiesen Behauptungen D e t e r s richtig: dem Urteil der Belegschaft über die Führung der Gewerkschaften und die Haltung des„Vor- wärts" sähen wir mit Ruhe entgegen. Wir wünschen nur gerade Herrn D e t e r dabei viel Glück! Am Schlüsse der Sitzung wurde noch ein Antrag zugunsten der Krankenversicherung der Erwerbslosen mit großer Mehrheit angenommen. Das Programm ües neuen Kämmerers. Der neue Kämmerer hat noch am Abend seiner Wahl eine durch da» Nachrichtenamt des Magistrats verbreitet- A-uherung über seine Pläne zur Berliner Finanz- und Steuerpolitik an die Zeitungen gelangen lassen. Er beklagt die für Verlin so überaus ungünstige Regelung des Finanzausgleichs und die S ch ä- digung Berlins bei der Beteiligung an den Reichs- und Landes st euer«. Eine erhebliche Senkung der Steuern Berlins wäre ohne veiteree möglich, wenn wir nicht in unseren An- teilen an den Ucberrveisungssteuern, z. B. an der Hauszins- st euer, verkürzt worden wären. Der gesunde Gedanke eines Aus- gleichs zwischen leistungskräftigen und leistungsschwachen Gemeinden sei bei der jetzigen Regelung weit überspannt. Die Bürgerschaft Berlins müsse einsehen, daß die Frage des Finanzausgleichs jeden einzelnen angehe und daß z. B. die A e n d e r u n g des Ver- teilungsschlüssels mindestens ebenso wichtig und in ihrer Auswirkung auf unsere Berliner Sicuerzahler ebenso schwerwiegend sei wie irgend welche Aendcrungen des Gewerbcsteuergesetzes oder anderer Steuerordnungen. Lange betont, die Berliner Bevölkerung und die Berliner Wirtschaft habe einen Anspruch darauf, daß auch künftig unsere Steuern hinter dem Durchschnitt der übrigen Gemeinden zurückbleiben. Der Steuerdruck dürfe nicht überspannt, sondern müsse möglichst gemildert werden. Der neue Kämmerer meint, neben der erstrebten Besserung des Fi- Nanzausgleichs könne hier nur das immer wiederholte Gebot der Sparsamkeit helfen. Die Durchführung sei sicherlich schwer. da zwei Drittel der lausenden Gemeindeausgaben durch die Gesetz- gebung zwongläuftg seien. Auch von den übrigen Auswendungen sei ein erheblicher Teil sozialer Art, und die bestehende große Not dränge«her zu einer E r w e it e r u n g als zu einer Einschränkung. Eine der wichtigsten Aufgaben sei, durch Vereinfachung und zweckmäßige Ausgestaltung der Verwaltung und durch Vermeidung aller nicht notwendigen Ausgaben den Bedarf möglichst einzuschränken. Einmalige Ausgaben, die bei ordnungs- mäßiger Finanzwirtschaft durch Anleihen zu decken seien, dürfen nicht mehr aus lausenden Einnahmen gedeckt werden und seien auf das Maß zu beschränken, in dem Anleihen tatsächlich beschafft werden können. Andererseits dürfe man die Notwendigkeiten der voraussichtlichen Entwicklung nicht aus dem Auge lassen, da Unterlassungen für Gemeinde und Wirtschaft schwersten Schaden bringen können. So verhängnisvoll eine uferlose Anleihe- Politik für die zukünftige Finanzwirtschaft werden könnt«, so falsch wäre andererseits zu große Engherzigkeit auf diesem Gebiet. r 4- Der neugc wählte Kämmerer Hauptsteuerdirektor Lange wurde am 15. August 1883 in Schlacha-Freistadt in Niederschlesien geboren. Er besuchte das Gymnasium in Liegnitz und studierte Rechtswissen- schaft in München und Breslau. Nach Ablcgung der Referendar- und Assessorprüfungen trat er 1912 in den Dienst von Berlin- Wilmersdorf und begann hiermit seine Kommunallaufbahn. 1913 ging er nach Bcrlin-Schöneberg als Magistratsassessor, und 1919 wurde er dort zum Stadtrat gewählt. Als Hauptstsuerdirektor wurde er 1921 in die Verwaltung der Einheit-gemeinde Berlin über- nommen. Wie Arbeiter sterben. „Tic Zeit drängt.— Betrieb darf nicht stillstehen." Das Moabiter Kriminalgericht bemüht sich, festzustellen, was an dem Unglück in der Berti n-Anhaltinischen Ma- s ch i n e n s a b r i k A.- G. im vergangenen Juni schuld gewesen ist. An einem Kran in der Kesselschmiede ist das Seil gerissen und ein Kesselschloß im Gewicht von 600 Kilogramm herabgesaust. Es stand niemand darunter. Aber das Kesselschloß schlug auf ein an- deres auf, das am Boden lag, rutschte von diesem seitwärts ab, er- schlug dabei einen Arbeiter auf der Stelle und ver- letzte zwei andere schwer. Der Kran war f e h l e r h a s t gewesen. Der Endschalter, der automatisch das Höherziehen der Last verhindert, wenn die gewünschte Höhe erreicht ist, und den Strom ausschaltet, fehlte an der Maschine. Nur so war das Weiterwirken des Stroms möglich gewesen. Der Kranführer hatte dem Werk- meister gemeldet, daß dieser Endschalter entzwei war. Daraufhin war von diesem ein Reparaturzettel ausgeschrieben und der schab- haste Maschinenteil in die Reparaturwcrkstätte geschickt worden. Zu seiner Entlastung gibt der Kranführer an, er habe den Wert- meister zwei in al gefragt, ob er trotzdem fahren solle, habe darauf keine Antwort bekommen und das Still- schweigen als Zustimmung ausgelegt. Unglücklicberweise ist der Werkmeister beinahe taub, so schwerhörig jedenfalls, daß er nur mit Mühe der Verhandlung folgen konnte. Er will die Fragen überhaupt nicht gehört haben. Aber selbst wenn er sie gehört hätte, hätte das dem Kranführer auch Die Wunöer öer Klara van Haag. 6] van Johaaues Duchholß. Au» dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. „Na.(Zottseidank. Ja. ja, ich urteile auch nicht zu Hort über sie wegen der paar unüberlegten Ruppigkeiten, mit denen sie den alten Poulsen überschüttete, als er so hübsch in seinen Manschetten dastand und sie auf der Zollamtstreppe empfing." Hedwig runzelte die Brauen und bedachte sich. „Jetzt hast du wieder mit Madam Hermanfcn geklatscht," sagte sie ärgerlich. Die Mutter duckte sich über die Kaffeekanne und sagte still:„Herrgott, wir Frauen sind nun einmal geschaffen, von uns zu geben, was wir in uns bekommen. Ich dachte übrigens schon, daß es Lüge wäre, daß die Zöllnerin von einem Zoll- haus mit dem Namenszug des Königs über der Tür gesagt haben soll, das wäre das schlimmste Wort auf der Welt. Hedwig verlor die Lust, mehr auf die Sache einzugehen. Wie erklären, daß es wohl wahr fein mochte, daß die Gnädige aber doch so fein wie kein« andere war. Sie fragte: „Wie kommt es, daß Elvert drinnen sitzt und grinst?" „Dein Vater hat ihn selbst hineingerusen. und wenn er grinst, der freche Bengel, ist es wohl, weil der den Kaffee riechen kann." „Kriegt er denn Kaffee drinnen?" „Ja, dein Vater hat selbst gesagt..." „Jetzt steht die Welt still! Wozu soll er denn gebraucht werden?" „Gebraucht werden," sagte die Mutter und tat erstaunt. aber Hedwig hört« mit Leichtigkeit das Ausweichen in ihrer Stimme. Er bat sich erboten, einen Brunnen zu graben, und das hat Vater ihm mit Begeisterung erlaubt." „Ach. die alte Geschichte mit dein Brunnen. Du willst mir doch nicht weißmachen. daß Vater'hn deswegen in die Stube geholt hat?" „Ja. ja, dann ist es vielleicht auch noch etwas mit einer Liebschaft," sagte die Mutter, und wandte ihr ganz den Rücken zu—„aber das ist etwas, womit ich nichts zu tun habe. Darüber mußt du mit deinem Vater und Sioert sprechen." Damit ordnete sie mit gewohnter Fingerfertigkeit die Kaffeetassen zwischen ihrem linken Unterarm und ihrer Brust, nahm die Kaffeetanne am Henkel und ging schnell w die Stube. Hedwig folgte ihr. Sie legte Hut und Jacke ab und ließ sich bei den Brüdern nieder. Der Vater erhielt seine Tasse Kaffee an seinem eigenen Tisch. Sivert schwelgte in dem Kuchen und dem braunen Getränk- „Ich denke darüber nach," sagte er,„ob in so was auch Nährwert ist für einen Mann, der in die Erde muß. Ja. du hast vielleicht noch nichts von dem großen Brunnen gehört, an den ich mich morgen machen will?" „Ja, es ist ganz richtig," bestätigte der Nater wohl- wollend,„er soll uns einen Brunnen graben. Zu � einem Palast wie diesem gehört ein Brunnen. Das ist klar." „Was verstehst du davon," fragte Hedwig. Sivert mußte die Tasse niedersetzen und sich auf der Ruhebant hintenüber wälzen, um seiner Verachtung Luft zu machen. „Sagt die Göre, daß ich nichts von Brunnengraben ver- stehe! Ich habe welche gegraben, die eine gute halbe Meile tief waren. Und da hielt ich auch nur auf, weil mir in der großen Tiefe die Füße warm zu werden begannen. Müde war ich nicht oder sonst was.— Ich kann überhaupt eine Masse tun. Während ich mit dem Brunnengraben beginne, habe ich mich gleichzeitig in«in Liebesverhältnis verwickelt. Keines von diesen tut mir etwas." „Run hör mal, Sivert," sagte Hedwig,„daß du einen Bnmnen graben kannst, schön, aber rede mir nicht vor, daß ein Mädchen was von dir wissen will. Nein, weißt du was.. Der Vater wandte sich um und sagte:„Doch, ja, ja, das betreffende Mädchen will ihn lieber als gern!"— „Wer ist das Mädchen?" Sivert blinzelte geheimnisvoll und schwieg. Aber der Vater räusperte sick und sprach:„Ja, er weiß selbst noch nicht, wer sie ist. Hm, ich habe es ihm nicht gesagt, denn es eilt ja nicht. Aber ich kann es übrigens gern sagm, es ist ein nettes Mädchen: Sivert in jeder Beziehung würdig— und noch etwas dazu. Es ist die Tochter vom verstorbenen Bisserup. Ich weiß ihren Namen nicht mehr." Sehr selten klang ein freies frohes Lachen in Egholms Stube: aber in demselben Augenblick, als der Vater den Namen Bisierup nannte, sahen sie alle vor sich die lächerlichste Figur der Stadt, den alten, haarigen, blinden und schäbigen Mann, dessen Hosen hinten in einem großen schlaffen Beutel bis zu den Kniekehlen herunterhingen. Und im nächsten Augenblick sahen sie die Tochter Petrea in kurzen Röcken und unförmigen Filzschuhen vor sich. Sie war es, die ihn überall hinzog, wo in Knarreby etwas geschah. Bisserup war ein sehr neugieriger Mann gewesen. Alle wie einer, die Mutter. Hedwig, Sivert und Emenuel brachen in Lachen aus und tonnten die ersten Minuten nicht aufhören. Der Vater suchte sie zu beschwichtigen. „Ja. es ist nun gleichgültig, was ihr sagt.— Sivert und sie sollen sich haben!" Sioert fand den Spaß großartig. Er sagte mit drolligem Ernst:„Ich freute mit gerade darauf, daß sie es sein sollte! An sie läßt sich so gut denken, wenn ich tief in meinen Liebesbrunnen komme." Aber Hedwig verlor plötzlich die gute Laune. Ihr Ge- ficht, das vom Lachen rot war, entfärbte sich. Die Kaffee- tasse klirrte In ihrer Hand, als sie mit einer Stimme, die be- herrscht klingen sollte, sagte:„Du willst doch wohl nicht, daß wir jetzt einen Bürstenbinder in die Familie bekommen sollen?" „Du denkst vielleicht im Augenblick nicht daran, daß Bisserup tot und begraben ist?" „Selbst wenn er tot ist, wird man sich noch nach hundert Jahren in der Stadt erinnern, wie er herumgelaufen ist und sich überoll lächerlich gemacht hat, vor Dreck und Armut �stank und den Fetzen von Petreas Rock in seinen großen unförmi- gen Tatzen hielt." „Wir sollen ja nicht die Sünden der Väter an den Kindern strafen." „Petrea selbst ist, wenn möglich, noch lächerlicher als ihr Bater. Ganz richtig ist sie doch nicht. Und.. „Ach, was glaubst du, wieviele das sind, wenn wir der Sache einmal auf den Grund gehen wollten. Und so etwas sieht man den Leuten ja jedenfalls nicht von außen an!" „Aber vielleicht sieht man ihr von außen an, daß sie einen schiefen Hals hat?" „Herrgott, doch nur nach der einen Seite." „Witze habe ich schon früher gehört, auch schon bessere. Verrückte habe ich auch schon aus der Nähe gesehen, aber noch nie«ine so dumme wie diese." Hedwig war jetzt ganz weiß im Gesicht. Sie hatte sich erhoben. Die Mutter zog sie hinten am Nock. „Was bildest du dir ein. Mädel!" sagte der Vater drohend, aber nicht mit besonders fester Stimme. (Fortsetzung folgt.) nichts genutzt. Der Werkmeister ist Kesselschmied und versteht nichts von Elektrotechnik. Der einzige, der zuständig gewesen wäre, der Betriebsleiter, war nicht zu erreichen. Segen der Arbeitsteilung! Der Mann, der den Unglückskran bedient hat, macht einen ganz unselbständigen Eindruck. Er oersteht von seiner Maschine nichts als die paar Handgriffe, die man immer wieder von ihm verlangt. Er ist ungelernter Arbeiter. Befragt, weshalb er sich denn nicht geweigert habe, die unvollständige Maschine in Gang zu setzen, gibt er eine sehr bezeichnende Antwort:.Dann wäre ich hcrousgeslogen und hätte auf der Straße gelegen. Wie das heute olles so ist, Herr Rat!" Die Zeit drängt, der Be- trieb darf nicht st ill stehen. Niemand ist da, der dem armen Manne raten kann. Hätte er etwas von Mechanik verstanden, er hätte den Strom auch ohne die Sicherhcitsvorrichtung im rechten Moment ausschalten können. Aber die Fabrikleitung beschäftigt nun einmal lieber Ungelernt«. Die sind billiger. So arbeitet der Mann mechanisch weiter wie eine fehlerhafte Maschine. Ein paar Augenblicke späte? wälzen sich zwei Menschen in ihrem Blute. Einer liegt zerquetscht am Boden. Der Werkmeister, der von Natur fast taub ist und in dem Lärm der Keisclschmieoc die Fragen wohl überhört haben kann, ist nicht schuldig. Der Richter hätte ihn ruhig freisprechen können. Aber auf Antrag des Staatsanwalts wird die Derhandlung v e r- tagt. Es soll nämlich festgestellt werden, ob in dem Werk Be- triebsoorschristen bestanden haben, die verletzt worden sind. Es gibt zwar Unfallocrhütungsvorschriftsn für das Reich vom t. Januar lSÄ. Aber die Hot der Kranführer niemals zu sehen bekommen. Auch der angeklagte Werkmeister nie. Auch dessen Kollege nicht, der als Zeuge geladen ist und einen durchaus intelligenten Eindruck macht. In den zwanzig Jahren, die er in der Anhaltinischen Maschinenfabrik arbeitet, hat er nie etwas von Betriebs- Vorschriften gehört oder gelesen. Als das Unglück ge- schehen war, hatte nian es mit der Angst gekriegt und ein Rund- schreiben erlassen, das zur Dorsicht mahnte und künftigen Unfälle» vorbeugen sollte. Der Brunnen wird immer erst dann zugedeckt, wenn das Kind schon hineingefallen ist. Ausstellung Herlin 7�50» Der Magistrat der Stadt Berlin hat zu dem Projekt einer großen Ausstellung für Baukunst, Bauwirtschaft, Kunst und Kunstgewerbe in Berlin 1330 nachstehende Entschließung gefaßt: „Der Magistrat billigt das Vorgehe» des Oberbürgermeisters bei de,, Verhandlungen mit den Vertretern der Bauwirtjchast, dem Werkbund und anderen Vertretern der Wirtschaft und Künstler- schost und ersucht ihn, die Verhandlungen weiterzuführen und zur Durchführung zu brmgen. Der Magistrat erklärt sich seinerseits. vorbehaltlich der Stadtverordnetenversammlung bereit, das Zustande. kommen, der Ausstellung durch weitestgehendste Unterstützung durch die Stadt zu sichern." In den Sitzungen der Fraktionen der Stadt- verordnetenoersammlung entschloß man sich gleichfalls nahezu ein- mütig, die Arbeiten des Oberbürgermeisters nach jeher Richtung hin zu unterstützen. Im Gegensatz zu der hier und da noch immer be- stehenden Auffassung, als handele es sich bei dem Berliner Aus- stellungsplan 1930 um ein« Weltausstellung oder weitaus- stellungsähnliche Veranstaltung, sei hier noch einmal mit allem Nachdruck auf die Rede des Oberbürgermeisters Böß vor der Presse am 28. Oktober verwiesen, in der er kurz und klar feststellte, daß von einem derartigen Plan natürlich gar keine Rede sein kann. Berlin widme sich lediglich einer großen internationalen Spezial- ausstellung mit dem eingangs erwähnten Inhalt. Es besteht Ver. onlassung, anzunehmen, daß alle bei einer solchen Ausstellung be. teiligten Faktoren ihre Mithilfe nicht versagen werden. Die Vor» arbeiten zur Durchführung der Ausstellung nehmen trotz anders lautender Zcitungsmeldungen ihren Fortgang. r; Raubüberfall in der Wuhlheiöe. Die Unsicherheit in der Umgebung BerlinS. Von zwei Wegelagerern überfallen und beraubt wurde gestern abend gegen 9� Uhr der 35 Jahr« alte Kaufmann Erich Meißner aus der Pfarrstraße 87 zu Lichtenberg. Meißner kehrte um diese Zeit mit seinem Fuhrwerk von einer Kundenfahrt zurück. In der W u h l h e i d e ist die Straße, die von Köpenick und Oberschöneweide her nach Treptow führt und in die Treptower Chaussee mündet, auf der einen Seite von Wald begrenzt. Die andere Seite ist auch erst wenig bebaut. Nicht weit von der Gastwirtschaft.Zum Mittel- punkt der Erde" entfernt, kamen plötzlich aus der Heide zwei Männer herausgesprungen und hielten das Fuhrwerk an. Der größere von ihnen zwang Meißner mit vorgehaltener Pistole, abzusteigen. Währenddem begann der andere, ein kleinerer, ihm die Taschen zu durchsuchen. Nachdem er<0 M. herausgeholt hatte, blitzte plötzlich auf der Chaussee der Scheinwerfer eines Autos auf. Als die Räuber das sahen, begnügten sie sich mit den 40 M.. ließen von ihrem Opfer ob und entflohen in die Wuhlheide hinein. Meißner fuhr nach Hause und machte auf dem Polizeirevier Anzeige. Eine Streife blieb erfolglos. Wegen der Dunkelheit hat Meißner die Räuber nicht genau gesehen, daß er sie näher beschreiben könnte. Er weiß nur, daß der größere, ein Mann von etwa 1,79 Meter, einen dunklen Palewt und einen Schlapphut trug. Der kleinere war mit einem dunklen Jakettanzug und einer Schiebermütze bekleidet. Im Laboratorium getötet. Ein folgenschweres Explofionsnnglück, bei dem ein 27jähriger Laborant tödlich verletzt wurde, ereignete sich gestern nach- mittag gegen 2 Uhr in der chemischen Fabrik von Hennig in der Kmnturstraße 19/20 zu Tempelhof. Im Laboratoriumsraum war der Laborant Karl Jäger aus der Annenstraße 82 mir Arbeiten an einem Trockenofen beschäftigt. Plötzlich erfolgt« unter lauter Detonation ein« Explosion. I. wurde am Kopf schwer verletzt imd sank bewußtlos zu Boden. I. wurde durch«inen Wogen des Städtischen Rettungsamtes in das Neuköllner Krankenhaus geschafft. Es bestand von voniherein wenig Aussicht, den Verunglückten am Leben zu erhalten. Gegen 4 Uhr nachmittags trat der T o d ein. Di« Entstehungslirsoche tonnt« noch nicht einwandfrei geklärt werden. Es besteht aber die Vermutung, daß die Explosion durch irgendeine falsche Handhabung verursacht wurde. Di« polizeilich« Untersuchung ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Durch den gewaltigen Druck der Ex- plosion gingen die Fensterscheiben in Trümmer. Ein Feuer, das sich auszubreiten drohte, tonnt« im Keime erstickt werden. Bekleidungsschikanen in der Schupo. Dom freigewerkschoftlichen Allgemeinen- Preußischen Polizeibeamtenverband werden uns mehrer« Fäll« von schikanöser Behandlung Berliner/ Schutzpolizeibeamter durch ihre Offiziere gemeldet, vor allem auf dem Gebiete der„Bekleidungs- oppelle". Jene Beschwerden richten sich vor ällem gegen � folgende Offiziere: Polizeihouptmann Seelig, Vorsteher des 103. Polizei- reviers, Polizeilcutnant M e i s ch k e von der 2. Bereitschaft Prenz- lauer Berg, Polizeimajor Limberger. Leiter der Polizeiinspek- Der Leichenfunö auf Petzow. Herr v. Kähne erklärt die Herkunft der Skelette.— Ein Oberlandjäger, der nur den„Lokal-Anzeiger" informiert. Schon lange vor Beginn des gestern nachmittag um 3 Uhr anberaumten Lokalter mines an der Fundstelle der drei Skelette auf dem Rittergut des Herrn von Kähne hatten sich vor dem Eingang von Petzow viele Neugierige eingefunden. Von der Fundstell«, die rechts vom Südeingang des Schloßparkes liegt, und zwar nicht an der Wafferfeite, sondern an einem Berg- a b h a n g aus dem Felde, ist von der Straße aus zuerst nichts zu sehen. Reben der Fundstelle steht«ine O b st h ü t t e und rings- umher liegen große Düngerhaufen. Im weiten Umkreis ist das Terrain abgesperrt. Pächter des Landes ist ein gewisser Pietsch aus Werder a. d. Havel, der bereits seit mehreren Iahren den Boden gepflügt und bestellt hat. Gegen 1 Uhr nachmittags traf Herr v o n K ä h n e j u n. an der Fundstelle ein. Aus die Frage, wie der Schloßbesitzer sich die Herkunst der Skelette denkt, meinte Herr von Kähne: D i e stammen sicherlich aus dem dreißigjährigen Krieg. Die Untersuchung ist dadurch sehr erschwert worden, daß die Land- jägerei erst sehr spät den zuständigen Stellen von dem Aufiindcn der Skelette Mitteilung gemacht hat. Vor 14 Tagen fand der Pächter Pietsch dos erste Skelett. Gestern früh 20 Meter weiter zwei weitere Skelette. Erst heute früh hat die Staatsanwalt- s ch a s t von diesen Funden Ztachricht erhalten. So blieb die Stelle 24 Stunden ohne Aussicht. Um 3 Uhr erschien Amtsgerichtsrat Eifclkraut aus Werder a. d. Havel mit einem Protokollführer. Mit ihm erschien auch Herr von Kähne sen. Die Pressevertreter, Herr von Kqhne sen., der Amtsgerichtsrat und die Oberlandjäger gingen nun zu der Fundstelle, und da ereignete sich folgendes: Herr von Kähne hob seinen Stock hoch und erklärte feierlich: D i e Skelette haben die Knoblauchjuden aus Berlin hierher gelegt, damit sie wieder mit der Schreiberei etwas verdienen können. Hoffentlich haben sie auch den Knoblauch mit hineingelegt. Diese Redensarten nahm der Amtsgerichtsrat, der ein sehr guter Freund des Herrn von Kähne sst. ohne Wi d e r s p r u ch hin. Darauf wurde zuerst die Stelle des zuletzt gefundenen Skeletts aufgegraben. Etwa fünf Meter unter der Erde lag«in Skelett in gebückter Stellung. Der Schädel wies vorn- an der Stirn ein«� Stich- bzw. Schießöffnung auf. Ein Einschuß wurde nicht vorgefunden. Etwa ein Meter weiter wurde noch ein Skelett ausgegraben. Die Zähne und der Schädel waren sehr gut erhalten. Etwa 20 Schritt weiter wurden ein Kindcrschädel und Kinder- knochen gesunden. Um Mi Uhr erschien der Oberstaatsanwalt Pfaffe aus Potsdam mit dem Kreismedizinalrat Dr. M a n t h e q aus Belzig und Dr. Palm aus Glindow. Die Sachverständigen sind nach einer nur flüchtigen Untersuchung der Knochenteile der Meinung, daß die Skelette 20 bis 30 Jahre in der Erde liegen können. Es ist dies aber nur eine Mutmaßung. Das Skelett mit dem Einschuß am Kopf rührt von einem jüngeren Mann her. das Kind kann etwa 10 bis 12 Jahre alt fein. Auf Anordnung des Oberstaatsanwalts werden die Schädel und sämtliche Knochen dein Institut der Staatsarzneikunde in Berlin überwiesen werden. Es muß dann vor allem noch folgendes mitgeteilt werden: Einige Berliner Zeitungen hatten Vertreter entsandt. Bevor der Ober- staotsanwalt und der Amtsrichter eingetroffen waren, war der zu- ständige Oberlandjäger Klein aus Werder erschienen. Die Presse- Vertreter wollten von ihm etwas ersahren. Da meint« der Ober- londjäger: Wer ist vom„Lokal-Anzeiger" hier? Darauf meldete sich ein Herr und nur dieser erhielt von dem Oberlandjäger Informationen. Also, der Herr O b e rl a nd j äge r Klein, der die Fluren des Herrn von Kähne auf Petzow zu betreuen hat, vergibt offen- bar nur Nachrichten an jene Blätter, die seiner politischen Ein- stellung und der des Herrn von Kähne genehm sind. Es scheinen sich ja reizende Polizeiidyllen in jener Gegend entwickelt zu haben. und wir halten es für dringend notwendig, daß das Landes« polizeiamt auch dort einmal nach dem Rechten sieht. tion Steglitz, sowie gegen die Bekleidungskommissivn des Pol.ze,- Präsidiums. Die Angaben des Verbandes werden in jedem ein- zelnen Falle genau präzisiert und lediglich der Raummangel hindert uns daran, die Schikanen im einzelnen zu schildern, denen die Be- amten durch diese Offiziere ausgesetzt werden. E» ergibt sich daraus jedenfalls das unerfreuliche Bild einer vorkriegszeitlichen Re kr Utenbehandlung, die sicher nickst den Intentionen der verantwortlichen Leiter der preußischen Schutzpolizei entspricht. Deren Ausgabe wird es nun fein, diesen Beschwerden nachzugehen und Abhilfe zu schaffen.__ Zwei Slumentöpfe. Ja, wenn Frau L. das vorher gewußt hätte... A Sicherlich würde sie sich mit dem Strafmandat von 5 Mk. beruhigt haben und wäre nicht bis zum Einzelrichter gegangen. Nun war es zu spät. Frau L. ist, dezent gesagt, eine cholerisch« Natur. Ihr Temperamentsüberschuß verleUet sie häufiger als lieb ist mit der Außenwelt in Berührung zu kommen. Einmal trateelt die L. mit dem Hauswirt, ein andermal verprügelt sie ihren Mann mit solchem Geräusch, daß das ganze Haus die Prügel miterlebt. Bor etlichen Wochen geriet die Amazon« aus Gott weiß welcher Ursache wieder einmal in Zorn. Der innere Grimm muß einen Auspuff haben und so warf die gut« Fsau holterdiepolter zwei Blumentöpfe auf die Straße, deren einer dem Unbeteiligten Herrn Ro. auf den Kopf fiel. Glücklicherweise ohne ernstliche Folgen. Immerhin war Ro. von dem unerwarteten. Geschenk des Himmels keineswegs er- baut. Er lief zur nächsten Polizeiwache und die Frau L. erhielt ein Strafmandat. Nun geriet die Attentäterin außer sich. Natürlich fühlte sie sich unschuldig. Vollkommen unschuldig.„Und wenn ich bis zum Reichsgericht gehe..." Se kam die Sache vor den Einzelrichter. Ter war auf solches Temperament keineswegs gefaßt. Ueberflüssig zu sagen, daß Frau L. den Zeugen Ro. und den Polizisten, der die Anzeig« erstattete, nicht zu Worte kommen ließ. Als der Staats- anwalt eine Bemerkung wagte, fuhr die L. auf ihn los. Die Szene wird zum Tribunal. Der Richter schreit, die Angeklagt« schreit, der Staatsanwalt bebt vor Empörung. Komödie um zwei Blumentöpfe Das Ende? Man nimmt die L. in eine Ordnungsstrafe von 1 0 M k. Die Blumentopfasfär« dagegen verbilligt sich um 2 Mk. In --urnm» surnarurn: 13 M. Frau L. ist zur Salzsäule erstarrt. Hörbar schnappt sie nach Luft. Aber schon lächelt der Richter. Die nächste Sache, bitte..._> Hagenbeck-Gastspiel im Zirkus Busch. Für alle Zirkus- und Tierfreunde find die Darbietungen des Hagcnbeckfchen Unternehmens eine helle Freude und eine angenehme Ueberraschung, weil endlich einmal ein reines Zirkusprogromm zur Abwicklung kommt. Die verstorbenen Brüder Karl und Wilhelm Hagenbeck haben Tierhaltung und Tierdressur auf eine andere Stufe gestellt. So führt der junge Alfred Kaden acht bengalische Königstiger in selbstverständlicher Ruhe vor, Richard L i st zeigt in einer Nummer Eisbären und die ulkigen, aber durchaus nicht ungefährlichen Kragenbären, Gustav Hundriefer arbeitet mit den Elefanten leickst und elegant, ohne daß er den bewußten Haken, der sonst immer zur Elesantendrefsur benutzt wird, in der Hand hat, und Charles B r a d b u r g, der sich gern mit etwas absonderlichen Tieren beschäftigt, präsentiert die bissigen und störrischen Zebras, die viel Mllye machen, Zebus, einen indischen Wasserbüffel, ein südamerikanisches Guanaco und die scheue Clen-Antilope, die bei ihren langsamen sicheren Sprüngen über zwei Zebus die vorzüglichsten Bewegungsstudien ermöglicht. Dos Pferdematerial ist erstklassig, und die Namen Karl H a ck a n s o n Petoletti, Fred Petoletti und Könyöt sind der Beweis für die Pflege ollerbester Ue'oerlieferunq auf dem Gebiete der hohen Schule, der'Freiheitsdressur und der Stehendreiterei. Ferner ver- vollständigen Artisten und Clowns von internationalem Ruf das Programm. Eine neue Appollo-Beoue. Es geht also auch ohne Nakedeichen, saftigen Zötchen und Kalauern des Alltags. Zwölf lustige Bilder unter dem Titel„Die bunte Tüte", von K r e h a n mit er- quickendem Humor untermalen, führen uns vom ältesten Berlin durch die ganze Welt. Volkstümlicher Humor, geschickt mit ein wenig Sentimentalität gepaart: dazwischen spielt eine nette kleine Liebes- gefchichte im internationalen Milieu, Berlin, Tokio, Wien, von Hertha L o e w e reiz- und talentvoll interpretiert. Keffe Berliner Wackeltänze, füasse, liabe Weane Gftanzln und liebliche Walzer, trippelnde Geishas und ein witziges, Warenproben verteilendes, fesch kostümiertes Hausballett bestr.tten den choreographischen Teil des Abends. Waller Rene streute aus der„Buntep Tüte" allerhand geistooll-witzige Sächelchen ins Publikum. Die'Musik beschränkte sich auf einen einzigen, dafür recht hoffnungsvollen Schlager� und verflocht im übrigen Musik und Milieu zu einem gut abgetönten Akkord. Als Auftakt gab es einen Einakter mit Alwin Neuß' „B e r e g i ß", eine etwas vormärzliche Angelegenheit mit Spionage. Abmurkserei und ähnlichen pollernden Effekten. Das Tatjana- Trio trompetete meisterhaft auf Horn und Saxophon. Genosse Joachim Feldmann. Neukölln, Reuterstr. 68/69, bittet uns, mitzuteilen, daß er mit dem im Fememordprozeß in Lands- berg a. d. W. erwähnten Joachim Feldmann weder identisch noch verwandt ist. Die Aburteilung de» vlnzer Zuwelenraubes, bei dem bekannt- lich einem in Binz wellenden Berliner Schriftsteller wertvolle Schmuckgegenstände entwendet wurden, ist nach Berlin über- wiesen worden und wird am 13. Dezember vor dem Amts- gericht Berlin-Mitte durch den Einzelrichter erfolgen. Sport. Seginn des 77. öerliner Sechstagerennens Grell leuchtet dos wächtiae Transparent an der Straßenfront der klassischen Winterradsportstätte de» Sportpalastes die An-' kündigung des Sechstagerennens in den Spätabend hinaus. Noch herrscht hier ruhiger Verkehr. Auch in der großen Halle selbst herrscht verhältnismäßig noch ruhiges Leben. Während sich die Amateure zu dem vorhergehenden bv-Kilometer-Mannschaftsrennen vorbereiten, legen die Pfleger der Sechstagemannschaften letzte Hand an Material und Schlafstätten ihrer zu Betreuenden an. Inzwischen füllen sich Jnnenraum, Parkett und Ränge. Und oben, ganz oben, auf dem hohen Olymp wird allmählich Platz auf Platz besetzt. Die Glocke ertönt. Nach einer Vorstellungsrunde treten die Amateure die 50-Kilometer-Fahrt an und entwickeln nur allzu schnell ein wildes Tempo. Bald sind Mannschaften überrundet und weiter rast das Feld. Ein kurzer Schlußkampf und die Mannschaft Nickel- Siegel kann die Ehrenrunde als Sieger absolvieren. Die Uhr zeigt MIO. Fncke kommt als erster der Sechstagemänner auf den Lattenbelag. Nach und nach erscheinen fast alle Fahrer auf der Bahn, mehr oder minder lebhaft begrüßt. Der Zeitpunkt des Start» rückt näher. Man schickt die Mannschaften auf die V o r st e l l u n g s- runde, während die Musik die Nationalhymne der jeweiligen Mannschaft intoniert. Gegen 10 Uhr hat auch dieser Akt seine Er- ledioung gefunden und nachdem die Photographen noch einmal das Blitzlicht haben aufflammen lassen, kann Charly Mills mit dem Startschuß dos Feld auf die lange Reife schicken. Die Führung übernimmt zunächst der Amerikaner Horon. Huschke, versehen mit einer Fliegerstnrzkapve, löst als erster seinen Partner Galle ab, während das Feld in flottem Tempo die Bahn um- kreist.— lieber die ersten Wertungen werden wir im heutigen Abend- blatt berichten.__ Rennen zu Strausberg am Donnerstaa, den 4. Rovember. t. Rennen, t. Mundschenk(v. Dorckel. S. Frigga II ISchnitzer), S. Diamant tRamelch). Toto: 22: 10. Platz: tt, 12, 13: 10. gcrncr Uesen: Tursball, HanS v. fterch, Spero, gel.. Laus 2. R e n n e ii. 1. Prinzetz Nrobsmn lMate), 2. Lfando lWalter Heuer), 3. N-rita so. Metzsch). Toto: V4: 10. Platz: 26. 15. 18: 10. fitxntt liefen: Grille, Treuherz. Gustel, Jarlebre, Duselkov, Rabenstelnerin. Moving, Albana, Chrtftkind, angeh, Theano, Sieltelbeck, Silvaplana. 8. Rennen. 1. Abteilung:!. Nana(Bitzmart), 2. Doktor lThiel), 3. Parioli sglose). Toto: 42: 10. Platz: 16, 27, 46: 10. Ferner Uesen: Chalzit, Wolken!ch!cbcr, Hexenmeister. Ondina. Schaumschläger. La Saunet, Teifi.— 2. Abteilung: 1. Blücher sHaufer), 2. Hazard(Männchen), 3. SoneZ(KululieZ). Toto: 17:10. Platz: 15. 77. 25: 10. Ferner lieten: Pennemätzchen, Alexander der Große, Schwertlilie, Countrhside, Arbela, ges., Blauselche, Chin-Chin, susa. 4. R e n n e n. 1. Borfuß(Schnitzer), 2. Le Marboree(Leu in. Viebig). 3. Föhn II(v. Metzsch). Toto: 18:10. Platz: 12. 17. 17:10. Feiner Uesen: Gtree, Theos, Jwo. Harzreise. JrkutSk. 5. R e n n e n.»1. GlückSllunde(ZlutuIiiS), 2 Fechterin lOerlel), 3. Flor» sina(Hauser). Toto: 32: 10. Platz: 13. 12. 17: 10. Ferner Uesen: Riß nie ouick. Rosenkönig, Gigerl, gef., Francoise. 6. R e n n e n. 1. Athalberga(Jaekel), 2. FraSquita(Ttaudinger), 3. TulliuS(Huguenin). Toto: 56: 10. Platz: 17, 12. 18: 10. Ferner liesen: Kronprinz, Aase, Campanula, Steinzeit, Livonia, Signot. wetterbertchl der SffenNlche» Wetterdienststelle für Berlin und Um o_____ iRachdr. verb.) Größtenteils bewöltt bis trübe, später Neigung zu Riedel schlögen: etwa» milder.— Für Ventlchland: Bon Wellen nach Citen(ort- schreitende Neigung zu Regensällen, Tcmperawreu etwa» ansteigend. 8 focdecn Sie nickt einßdi Zahnpasta. | verlangen Sie ausdrücklich �(jcosse Tube 80�6 iclelneTube 50 S �ocxacxaKpOictqiootooiooioCBoaPQIoooqiocaocaicxatooiooio ICat lilclor'a. Berlins wasserverkehr. 65|4 Millionen Tonnen.- Ein Wendepunkt in der Geschichte der Berliner Häfen. Im Jahre 1S24 betrug die Güterbewegung zu Wasser in Groß. Berlin im ganzen 5397 000 Tonnen; davon wurden in den Berliner Häfen fast genau ein Fünftel, nämlich 1 094 926 Tonnen, umgeschlagen: die übrigen 89 Proz. wurden an eigenen Umschlagsplätzen der Industrie, an privaten Speichern und an ande- rcn Ladestellen behandelt. In> Jahre lgZZ war der Anteil der Häfen am Gesomtwasscrvertehr, der 6746000 Tonnen betrug, 18 Proz. Auf Güterwagen gingen in Groß- Berlin im Jahre 1924/1926 rund je 13 Millionen Tonnen ein, davon in den Häsen 1,1 Proz. Am Woggonausgang waren die Häfen im Jahre 1924 mit 3,7 Proz. und 1923 mit 3,5 Proz. beteiligt. Die Ausfuhr auf dem Wasserwegs bleibt hinter der Einfuhr weit zurück. Dies hat seinen Grund hauptsächlich in dem starten Verbrauch der Stadt an Massengütern, insbesondere an Brenn- und Baustoffen, denen in der Aussuhr keine entsprechenden Massen gegenüberstehen. In Erkenntnis der Wichtigkeit des Wasserverkehrs wurde der im Jahre 1923 fertiggestellte grötzte und modernste aller Berliner Häfen, der W e st h a f e n, alsbald beträchtlich erweitert. Ein neues drittes Hafenbecken und neue Ladeufer harren nun neben neuen Eisenbahnanlogen der Aus- Nutzung. TKe erforderlichen Lagerschuppen und Kräne können in kurzer Zeit aufgestellt werden. Der nächstliegende Gedanke ist, den erweiterten Westhafen in erster Linie zur Aufnahme des lebhaften Stückgutvcrtehrs zu verwenden, der sich zurzeit noch in ziemlich primitiver und sehr beengter Weise im H u m b o l d t h a s e n und am Kronprinzenufer abspielt. In dieser Hinsicht stehen aussichtsreiche Verhandlungen zwischen der Berliner Hafcnvcrwaltung und den be- teiligtcn Schiffahrtsgesellschasten vor dem Abschluß. Die in Frage kommenden Schiffahrtsgesellschasten hoben sich bereit erklärt, ihren Verkehr aus dem Zentrum zum Westhafen zu oerlegen, und zwar ob April 1927. Diese Regelung bedarf nur noch, insbesondere wegen einer Sonderabmachung, der Zustimmung des Berliner Polizei- Präsidenten. IWird sie erteilt, so tritt damit ein Wendepunkt in der Geschichte der Berliner Häfen ein insofern, als eine Ausnutzung der umfangreichen Westhafenanlogen gesichert ist. Für die aus dem Osten Berlins stammenden oder ihn aussuchenden Güter kommt an Stelle der veralteten Anlagen im Zentrum der günstig gelegene große Osthafen an der Oberbaumbrücke in Betracht. Ete- weitere Verbesserung der wasserslvaßen Berlins wird angestrebt durch die Schaffung eines Durchstiches zwischen Siemcnsstadt und dem sogenannten Verbindungskanal. Dadurch soll der untere Teil der Spree in Berlin vom Verkehr entlostet und ein« kürzere Verbindung zwischen Sicmensstadt, dem Westhafen, Nord- Hafen und Humboldthafen geschaffen werden. Weiter schweben zurzeit lebhafte Verhandlungen, die dahin zielen, den Spandouer Südhofen zu einem Zentral- platz für den Verkehr mit Naphthaprodukten zu machen. Der Bedarf Berlins an diesen Erzeugnissen steigt schnell und stetig. Ihr billiger Massentransport zu Wasser ist daher eine der wichtigsten Wasservcrkehrsfragcn. Da aber der Umschlag und die Lagerung großer Mengen von Benzin usw. sehr schweren poli- zeilichen Bestimmungen unterworfen sind, ist die Auswahl geeigne- ter Plätze, die doch möglichst nahe an der Stadt liegen müssen, nicht groß. In Spandau wären alle Voraussetzungen gegeben. Ms öen Bezirken. z. Bezirk— wedding. Die Bezirksverordneten-Dersammlung des 3. Kreises beschäftigte sich am Mittwoch' mit dem Bau eines Verwaltungsgebäudes für den Bezirk Wedding. Gen. Krause. der Fraktionsredner der SPD., bemängelte das vorliegende Projekt, das den Bcdürsnissen des Verwaltungsbezirks nicht gerecht werde. Wir fordern die Wiederherstellung des früheren Projekts, auch im Hinblick auf die herrschende Wohnungsnot; denn nicht weniger als 60 Privatwohnungen werden dadurch frei. Zudem ist die Räumung des Jüdischen Krankenhauses, das jetzt vom Bezirksamt für seine Verwaltungszweige in Anspruch genommen wird, eine Notwendig. keit. Annähernd 200 000 M. muß das. Bezirksamt jährlich an Miete für die in Anspruch- genommenen Rmun« zahlen. Bürger- meister Gen. Lei bestimmte den Aussührungen zu. aber das Bezirks- antt' befinde sich in einer Notlage. Der Bau des Verwaltungs- gebäudes dürfe nicht mehr als 1 600 000 M. kosten. Besonders be- daure er den Wegfall des Vollsbildungssaales in dem an Bildungs- Möglichkeiten so armen Bezirk Wedding. Zu dem Antrag auf Asphaltierung der Putbusser Straße führte Gen. Rektor H e n n i ck e aus: Dieser Antrag sei seit den, Bestehen der Schzile von drm Lehrerkollegium, der Elternschaft und dem Schularzt schon oft ge- stellt worden. Achtzehn große Unterrichtsräume der von über 700 Arbeiterkindern besuchten Schule liegen nach der Straße zu. Der Verkehrslärm sei aber derart, daß auch im Sommer nur bei geschlossenen Fenstern unterrichtet werden könnte. Die Bezirks- oerordntenoersammlung stimmte dem Antrage zu. Die Forderungen der KPD. bezüglich der Erwerbslosen und der Jugendheime wurden durch die Gen. U r i ch und die Stadräte F a b i m ck e und K u l i s ch ins rechte Licht gesetzt. Die Jugendheime für Erwerbslose dürften nicht Tummelplätze unreifer Elemente werden. 5. Bezirk— Friedrichshain. Die letzte außerordentliche Sitzung der Bezirksvcrsammlung Friedrichshain war ganz mit der Beratung des Haushalls aus- gefüllt. Einige Anträge, die Anschaffungen nur durch das An- schaffungsamt zu besorgen, das Brennstoffquantum zu verdoppeln und Lehrwerkstätten einzurichten, fanden Annahme. Genosse G u t e k u n st befürwortetete sodann die Berücksich- tigung eines Schreibens des Elternbeirats der 35. Gemeindeschul« aus Alt-Stralau, in dem dringend die Modernisierung der Abort- Verhältnisse, der Einbau einer Schulaula und die Bereitstellung eines Spielplatzes gewünscht wurde. Oberbaurot Dr. M« u r e r wies als Vertreter des Bezirksamts daraus hin, daß dem- entsprechende Vorschläge der Schuldeputation bereits unterbreitet wurden. Bei den Wohnungsangelegenherten stellte der Kommunist Ostrowski wiederum eine Reihe von Anträgen, deren Begrün- düng er wie üblich mit Angriffen gegen die sozialdemokratischen Bezirksamtsmitalieder begleitete. Bürgermeister Genosse Mi«- l i tz wies insbesondere darauf hin, daß es bei der schon jetzt vor- handenen Bevölkerungsdichte im Bezirk unmöglich sei, noch die letzten freien Plätze, an denen der Bezirk ohnehin schon sehr arm ist, zu bebauen. Der Dolksparteiler F u.h r m a n n glaubte gegen die angeblich drohende Sozialisierung des Wohnungswesens«ine Attacke reiten zu müssen, für die die Zwangswirtschaft eine Grund- läge bot. Ex.mußte sich von unseren. Genossen G u t e k u n st und Klingler und dem Stadtv. Schm,i dt(ßfc) sägen lassen, daß ein Abbau der Zwangswirtschaft katastrophale Folgen für die arbeitende Bevölkerung nach sich ziehen müsse. Die Anträge auf Feststellung noch vorhandener Bauflächen, auf Festsetzung der Mie- ten in neuen Bauten nach dem Reichsmietengesetz und der Ver- wendung der Gesamteinnahme der Hluiszinssteuer zu Kleinwohnungsbauten unter Verwaltung der Gemeinden, der Länder und des Reiches wurden angenommen. Weitere Etatkapitel für das Gesundheitswesen fanden nach kurzer Debatte unter Ablehnung kommunistischer Demonstrationsanträge Annahme. Zur Projekt- beratung für den Neubau eines zweiben Stadtbads im Bezirk wur- den 10 000 M. bewilligt. Beim Peinkt Partverwaltung tonnte Stadtrat Genosse R o s i n mitteilen, daß es dem besonderen Be- mühen des Bürgermeisters, Genossen Mielitz, nunmehr gelungen sei, dem Magistrat zur Bewilligung von Mitteln für die gärt- ncrische und künstlerische Ausgestaltung der Weberwiese zu bewegen. Ein künstlerisch ausgeführter Brun- nen mit den entsprechenden Anlagen soll dort zur Aufstellung gelangen, so daß der Platz dadurch ein vollkommen neues Gesicht erhält. Aus Antrag unserer Fraktion wurden 27 000 M. für diese Zwecke eingesetzt. Die Frage des Krematoriums in der Diestel- meyerstraße, das noch immer der Fertigstellung harrt, gab den Kommunisten Anlaß zu Kritik. Genosse Stadtrat Mann wies die Vorwürfe treffend zurück. Zum Schluß holten die Kommunisten noch einmal zu einem großen Coup aus, um die Annohme des Etats zu oerhindern-- Der Kommunist B a r tz verlas eine längst vorbereitete Erklärung gegen die Etatsgestaltung, die den Genossen Bürgermeister Moelitz veranlaßte, das unverantwortliche und unproduktive Verhalten der Kommunisten bei jeder praktischen Arbeit zu brandmarken. Auch der Stadw. Schmidt und der Genosse K l i n g l e r lehnten mit aller Entschiedenheit solches Treiben ab. Hierbei kam es zu tumultuarischcn Ausein- anderjetzuntzen zwischen Kommunisten und den übrigen Mit- gliedern der Bezirksversommlung. Nur der Ruhe unserer Genossen und der Umsicht des Vorstehers. Gen. K a y s e r. war es zu danken, daß die Sitzung nicht in ein Handgemenge ausartete. Unter großer Unruhe gelangte der Gesamtetat in der beschlossenen Form zur Annahme. 14. Bezirk— Neukölln. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung der letzten Bezirks- Versammlung war eine Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion, die geplante Bebauung des Her mannplatzes be- treffend. Hierdurch bot sich für die Bezirksversammlung und für das Bezirksamt Gelegenheit, zu dem Gesamtprojekt— Umgestaltung des Hermannplotzes— Stellung zu nehmen. Don dem Redner der sozialdemokratischen Bezirksverordnetenfraktion wurde kritisiert, daß die Oeffcntlichkeit ganz über- raschend mit einem Umgestaltungs- und Be- bauungsplan des Hermannplatzes„beglückt" worden sei, ohne daß vorher die daran interessierten Verwaltungsbezirke Kreu.zberg und Neukölln gekört worden seien. Es sei doch wohl nicht engongig, so ohne Fühlungnahme mit den Körperschafte» der beiden Verwaltungsbezirke die Umgestaltung eines wichtigen Verkehrsknotenpunktes festzulegen. Die Verbreiterung des Hermann- Platzes um'mindestens weitere 6 Meter wurde verlangt. In der neuprojektierten Breite von 52 Meter sei der Platz in Zukunft nicht in der Lage, allen Anforderungen der noch weiter zu erwartenden Verkehrssteigerung zu genügen. Darum muß ein Streifen von mindestens 6 Meter von der Firma Karstadt zurückerworben werden. Bürgermeister Gen. Scholz betonte, daß es ganz unmöglich sei, unter Umgehung der für die Umgestaltung und Neubebauung des Hermannplotzes in Betracht kommenden Verwaltungen bzw. Bs- Hörden Verträge abzuschließen, und große städtebauliche Probleme zu lösen. Das sei nickt Sache einer nur für bestimmte Zwecke ge- schaffenen städtischen Gesellschaft. Es könne nicht erst alles zum Abschluß gebrocht werden, und dann unterbreite man der Stadt- verordnetenoersammlung eine Vorlage zur Kenntnisnahme. Genosse Scholz bat die Stadtverorneten. sich dafür einzusetzen, daß die not- wendige Verbreiterung des Hermannplatzes um mindestens 6 Meter durchgesetzt werde. Redner der übrigen Fraktionen unterstrichen die Ausführungen des Bürgermeisters.— Nach einer Reihe un- wesentlicher Punkte wurde einer der bekannten Rundreise- antrüge der KPD. betr.„Maßnahmen zur Verhinderung des Beschlusses des Preußischen Landtages über die Fürstenabfindung" vorgelegt. Unsere Fraktion gab nachstehende Erklärung ab: „Die SPD.-Fraktion der Bezirksveisammlung Neukölln vermag nicht zu erkennen, daß der Beschluß dieser Körperschait irgendeine Einwirkung auf die Erledigung'der Frage der Fürstenabfindung durch das Reich hoben könnte. Wir sind überzeugt, daß nur Agitätionsbedürsnis der Kommunisten die Triebfeder bei Ein- bringung dieses Antrages gewesen ist. Wenn die kommunistssche Fraktion im Vertrauen auf Reichsregierung und Reichstag hofft, daß dies««tMen.Haztt beitragen wstrden, die.VFNnögcn der Hohen- zollern zn vermindelhit, so können wir olese Hofinung nicht teilen. Da wir diesen Versuch nicht hindern wollen, der Antrag selbst auch durchaus von dem Gedanken getragen ist, der die Haltung unserer Partei zur Fürstenabfindung bestimmte, so werden wir diesem Antrag zustimmen." 16. Bezirk— Köpenick. Da die Kommunisten und�ihr hinkommandiertcr Anhang in sattsam bekannter und überall geübter Weise die letzte Bezirksver- ordnetcuocrsammlung gesprengt hatten, mußte sich die zu Mittwoch, den 3. November, anberaumte Sitzung mit den Rückständen der letzten Tagesordnung befassen. Es waren nicht weniger als 5 An- träge der kommunistischen Fraktion, die sie agitationsmäßig in allen Bezirken aufs Tapet gebracht hatten: 46-Stundcn-Wochc, Kongreß der Erwerbstätigen, Durchführung von Notstandsmaßnahmen u. a. Besonders die Beschickung des Erwerbstätigen-Kongresses, die seitens unserer Fraktion Ablehnung fand, gab den Kommunisten Anlaß, eine einstündige Rede zum Fenster hinaus zu halten, leider ohne Resonanz, da Vorsorge getroffen war, daß die radaulustigen Ele- niente, die die Kommunisten in der letzten Sitzung aufgeboten hatten, keinen Zutritt gesunden hatten. Abgesehen von dem oorge- legten kommunistischen Speisezettel, wurde die. Vorlage des Bezirksamts betr. Durchführung von Sparmaßnahmen im Haushalt 1926, die eine eingesparte Summe von 119 513 M. auswies, zur Kenntnis genommen. Der interessanteste Teil der �LGharakter. l&fe f-»,, dm mdm. TDinxrZ�'"nickte wieolee begektm �un£n- 0 SfccA.: TDir konvn SßMu* JZ m v Sikuma war bte Red«, die bei der Vorlag« der B-darfsnachweisung für 1927 der Bezirksbürgermeister Genosse Kohl zur Begründung der Vorlage hielt. 3n einstündigen Aussührungen gab er einen Ueberblick über den Bedarf und die Deckung der Bedursnisse des Bezirks, wobei er die Zahlen des vergangenen Etatsjahres und die Entwicklung des Bezirks besonders betonte. Als Kuriosum sei ver- bucht, daß die D e u t s ch n a t i o n a l e n und der völkische B e- z i r k s v e r o r d n e t e bei der Rede des Bürgern, eisters den Saal verließen, dabei zum Ausdruck bringend, daß sie kommunal- politische Kindsköpfe find. 17. Bezirk— Lichlenberg. In der Bezirksversammlung am 27. Oktober teilte der Bor- sicher mit. daß der Magistrot dem Beschluß der Bezirksversammlung. in den städtischen Betrieben die 46-Stunden-Woche einzuführen, nicht zuaestlmmt habe. Lorher wurde Bezirksverordnetcr Greusing lKPD.) als Ersatz für den bestätigten Stadtrot K o w a l k e einge- führt und verpflichtet. In rascher Folge erledigte die Aersammlung einige Schiedsmannswohlen, die Ersatzwahlen für einige Kommisio- nen und Deputationen sowie einige Petitionen. Der Errichtung eine r Tageskrippe in der Simplonstraße wurde zugestimmt. 2399 M. aus Vorbehaltsmitteln bewilligt, um die Wege und Gräben in Biesdorf. Kaulsdorf. Mahlsdorf von Müll zu befreien. Der kommunistische Antrag, das AbHallen von Andachten in den gemein- famen Aufenthallsräumen des Krankenhauses zu verbieten, wurde angenommen. Zu einem Antrag, Gasabsoerrtöpfe vor jedem chaus einzubauen, sprach Stadtrat Genosse Stimmin g. Die Bcsürch- tungen wegen verstärkter Explosionsgesahr beim Fehlen der Ab- sperrtöpse seien grundlos. Ein Amrag, den Schülern, die am Gortenbauunterricht auf dem ehemaligen Flugplatz Biesdorf teil- nehmen, freie Fahrt zu gewähren, wurde der wchuldeputotion über- wiesen. Die Rechte brachte einen Antrag auf Errichtung einer Säuglingssürsorgestelle in Biesdorf-Süd ein. Genosse Stadtrot Thurm betonte, daß die Errichtung von Fürsorgestellen in den Außenbezirken von dem zuständigen Ausschuh e i n st i m m i g be- schlössen sei. Nicht zu verstehen sei der Wunsch, die Säuglings- sursorgc in ein Lokal zu verlegen. Der Antrag wurde abgelehnt. Di« Wahl des Stadtbaurates wurde vertagt. Eine lange Debatte rief ein Antrag der KPD. hervor, einen Ausschuß der rechtlichen Ansprüche von Gläubigern der Friedrichsberger Bank zu bilden. S a e b e l(KPD.) begründete den Antrag. Die Stadt hätte die moralische Verpflichtung, sich der„kleinen Sparer" anzunehmen, weil bekonnte Personen des damaligen Magistrats beteiligt gewesen wären. Genosse A r n dt bezwcisell den Erfolg einer solchen Aktion. Die Stadt sei in keiner Weise beteiligt gewesen. Dr. Maretzki war als Privatperson, nicht als städtischer Beamter bei der Verwaltung der Dank tätig. Genosse W i tz k e erklärte, daß der Ausschuß sich lächerlich machen könnte, da er keinerlei Machtmittel habe, von der Privatbank die nötigen Unterlagen zu bekommen. L e e tz(KPD.) glaubt dos Material von den Gläubigern zu erhallen. Genosse Elias spricht ebenfalls gegen den Antrag, der dann auch abgelehnt wurde. Unter lebhafter Unruhe werden die letzten Vorlagen er- ledigt. Von der Tribüne wurde geschimpft und— gespuckt. Jedenfalls etwas Neues und ein Beweis für die politische Erziehung der Massen durch die Kommunisten. 18. Bezirk— weijzeasee. Die Bezirksverordnetenversammlung vom 27. Oktober d. I. stand unter dem Zeichen einer großen Anzahl kommunistischer Rundreiseanträge, die angeblich dazu dienen sollten, den Erwerbslosen zu helfen. Allein schon das harmonische Zusammen- spiel zwischen der kommunistischen Fraktion und der Tribüne ließ erkennen, daß es der KPD. nur wieder einmal darauf ankain, über die SPD- herzufallen. Es ergoß sich also über unsere Genossen und die„unfähigen" Gewerkschaften ein Strom von Schimpfworten. Unser« Genossen taten das einzig- Richtige, die Kommunisten ruhig tobe» zu lassen. Di« Sprech« uns«« Fraktion tonnten mit Recht darauf hinweisen, daß wir in ruhiger und zäher Arbell v«. suchen, die zweifellos schweren Sorgen der Erwerbslosen zu lindern. Die in besonders bedrängter Lage befindlichen Arbeitslosen haben stets den Weg zu unseren Bezirksamtsmitgliedern gefunden, ohne enttäuscht worden zu sei». Nach stundenlangen nutzlosen Debatten konnte endlich mit der praktischen Arbeit begonnen werden. Gemäß einer Vorlage des Bezirksamtes wurden 2000 M. zur Verrichtung einer Wärmehalle für Erwerbslose in der Greifswalder Straß« Ecke Lehderstraße de- willigt. Sodann wurde über ein« Dringlichkeitsvorlage des Bezirks- amtes betreffend Neubau einer Volksschule und Er- Weiterungsbau anderer Voltsschulen verhandelt. Die im 1«. Bezirk vorhandenen Volksschulen reichen mit ihren Baulich- keiten entfernt nicht mebr aus. Seit Iahren sind Klasien in Baracken untergebracht, 5 Schulen zusammen haben fliegende Klassen: von 4 Schulen sind 11 Klassen in anderen, zum Teil weit entfernt liegenden Schulen untergebracht. Nur 3 Schulen besitzen eine Aula: Zeichensäke, Physik- und Ehemieunterrichtsröume sind an keiner Schule vorhanden. Die 8. Gemeindeschule ist behelfsmäßig in zwei weit voneinander entfernt liegenden Schulen untergebracht. Ein reibungsloser, ordnungsgemäßer Schulbetrieb ist unter diesen Um- ständen natürlich so gut wie ausgeschlossen, chier treten die Fehler des alten Systems, in dem die Volksschulen stiefmütterlich behandell worden sind, kraß zutage. Der Vorlage des Bezirksamtes, ein neues Schulgebäude zu erbauen, Erweiterungsbauten in der 3. und 5. Schule vorzunehmen und die Turnhallen in der Wörthstrahe und in der Goethestrahc aufzustocken, wurde zugestimmt. Die Berufs- und Handelsschule hat überhaupt kein eigenes Gebäude. sondern ist behelfsmäßig im Realgymnasium untergebracht. Da nur einige Räume zur Verfügung stehen, sind die Zustände unerträglich. Die Bezirksversammlung beschloß daher einstimmig, von der Zentral- stelle den Neubau einer Berufs- und Handelsschule zu erlangen. Da der 18. Bezirk im Aufblühen begriffen ist, kann den Umständen im Schulwesen nur durch Neubau abgeholfen wer- den. Eine Anfrage wegen der Erweiterung des jüdischen Friedhofs wurde vom Bezirksamt dahingehend beantwortet, daß die jüdische Gemeinde mit den Zentralstellen wegen der Erweiterung des Fried- Hofs auf Weißenfeer und Prenzlaucr-Berg-Gebiet verhandelt. 19. Bezirk— Pankow. Die Beratung des Haushalles erfolgte in Pankow unter recht eigenartigen Umständen. Auf der Tagesordnung stand zunächst der Antrag der KPD. wegen der Fürstenabfindung. Der Vorsitzende der Versammlung hatte bereits dem Redner das Wort erteilt, als sich der Führer der Deutschnationalsn Volkspartei zur Geschäfts- ordnung meldete. Er konnte natürlich das Wort nicht erhallen und nun verließen Deutschnationale und Volksparteiler unter leb- haften Zurufen der Kommunisten den Saal. Dann kam es zur Beratung des Haushalts. Der Bürgermeister sprach eingehend über den Etat. Durch Zuruf wurde festgestellt, daß er nicht einmal mehr das Vertrauen seiner eigenen Fraktion habe, da diese auch jetzt nicht wieder im Saal erschienen war. Dann sprach unser Redner zum Etat. Er behandelt« zunächst den Angriff des Oberbürgermeisters gegen die Bezirksverfamm- lunaen und erklärte, daß die SPD. derselben Auffassung sei, die der Berliner Oberbürgermeister noch im Oktober 1923 in einer Schrift an den Landtag niedergelegt hat. Damals schrieb er:„Die Bezirksverwallung steht den Verhältnissen näher als die Zentral« und kann daher den örtlichen Besonderhesten besser Rechnung tragen. Aus diesen Gründen ist den Bezirken ein Wirkungskreis zuerkannt, wie er den, Gemeiuschaftsinteresse wie auch der Förde- rung des kommunalen Fortschritts entspricht." Unser Redner kam dann aus den Abbau der Steuern zu sprechen. Der Anteil der Ge- meinden an der Einkommensteuer ist ständig zurückge- gangen. Von 47 Pro», im Jahre 1914 auf 29 Pn». te» Lahre 192«. Der Städtetag hat festgestellt, daß die großen Städte mehr und mehr auf die Erträge aus den Werken angewiesen sind. Wenn auch der Anteil der Lohnsteuer am Gesamtaufkommen der Steuer von 99 Proz. in der Inflationszeit auf unter S9 Proz. im Jahre 1926 gesunken ist. so ist die Belastung der unteren Schichten der Bevölkerung aus Zöllen und Ver- brauch? steuern so im Steigen begriffen, daß die alte Belastung bald wieder erreicht sein dürfte. Endlich kritisierte unser Redner die unterschiedliche Behandlung der Bezirke durch die Zen- trale. Er schloß mit dein Hinweis, daß die Sozialdemokratie, allen Widerständen zum Trotz, an dem Aufblühen des großen Gemein- wesens Berlin arbeiten werde. 20. Bezirk— Reinickendorf. In der Sitzung am 27. Oktober gab der Vorsitzende der Bezirks- Versammlung ein Beschwer deschreibcnderKlcingarte�» s i e d l e r auf einem Borsigschen Grundstück gegen die Maßnahmen des Besitzers bekannt. Die Anforderungen von Lchrerstellen an die Mittelschule in Borsigwalde wurden bewilligt. Dann trat die Be- zirtsoersanimlung in die Etatsberatung ein. Da die einmaligen Anforderungen bereits in einer früheren Sitzung erledigt waren, fand der Vorschlag des Vezirksverordnetenoorstehers, auf eine Einzel- beratung zu verzichten, einstimmige Annahme. Der Bezirksbürger- meister wies darauf hin, daß der vorgelegte Etat mit einer Ein- nähme von 2339S99 M. und einer Ausgabe von 16 594 569 M. abschließt. In den Ausgaben stecken aber die ein- maligen Ausgaben von zirka 6 999 999 M., fo daß der ordentliche Etat etwa 1 Million M. mehr fordert als der im Vorjahr be- willigte. Diese Mehrausgabe ist zum größten Test auf die erhöhten Anforderungen in der Wohlfahrtspflege und die Straßenbeleuchtung zurückzuführen. Auch ist die Bevölkerung des Bezirks in den Jahren nach der letzten Volkszählung um zirka 7999 auf etwa 112 999 Köpfe angewachsen. Unser Genosse W o l l j ch l ä g e r wies besonders auf das nötige Verantwortungsgefühl bei der Etatberatung hin und for- derte eine besiere Ausstattung der Bureauräume. Für die Volks- schüler werde noch immer nicht ausreichend gesorgt. Die Gebäude des Auhenspielplatzes könnten viel besser auegenutzt werden, wenn der Bezirk sie in Verwaltung hätte. Seit vielen Iahren lagert in dem geräumigen Saal des ehemaligen Offizierskasinos Gerumpel, während es an den nötigen Iugcndheimräumen fehlt. Die Einrich- tungen des Krankenhauses müssen modernisiert werden. Die An- lagen für Warmbäder im Bezirk reichen bei weitem nicht aus. Tegel und Borsigwalde müssen endlich durch eine befestigte Straße ver- blinden werden. Eine freiwillige Feuerwehr dürste nur noch in den schlecht erreichbaren Ortsteilen bestehen bleiben. Die Genossen Kreutlein und Schäfer wiesen die üblichen unberechtigten Angriffe der Kommunisten zurück. Der Vertreter der Bürgerlichen kritisiert die Erhöhung der Straßenreinigungsgebühren für einige höher eingestuft« Straßen und fragt an. woher die Haus- besitzer die Mittel nehmen sollen. Wöhrend sich unsere Genosien auf den Standpunkt stellen, an den Grundzügen des bestehenden Gesetzes über Groß-Berlln festzuhalten, da durch die Inslation und die fol. gende Krisenzell noch keine klare Auswirkung erfolgen tonnte, wiesen die Bürgerlichen aus«ine Erweiterung der Bezirksrechke hin und forderten die Einräumung eines Budgetrechts. Die Kommunisten erklärten die Bezirksoersommlung für überflüssig, well die zurzeit bestehende für ihre Anträge nicht zu haben gewesen wäre. Nach- dem vom Bürgermeister und verschiedenen Bezirksamtsmitaliedcrn darauf hingewiesen wurde, daß bestehende Mängel nach Kräften be- hoben werden sollen, wurde der Etat gegen die Stimmen der Kam- munlsten angenommen. Darauf wurde noch ein Antrag, der die Beschleunigung de« Neu- baue? einer Volksschule in Wittenau oerlangt, einstimmig angcnom- inen. Der Straßenaustauschvertrag mit dem Dominikusstist in Hermsdorf wurde ebenfalls angenommen. M-r hei JAN DORF kauft.sparf Gdi Madeiien-ißeli] Waschsamt mit mg rn bunkern Kragen buü tu Manscftcltcn, Größe 45... II üede weitere Größe 40 Pf. mehr) Damen-Kieid aus Wolt-Popetinc m. neuart. Bmrfen- gamicrung, Rock m. 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Heber den Stand der deutschen Lieferungen nach Rußland aus Grund des sogenannten 3()l)-Millionen-Krcdits sind in der letzten Zeit zahlreiche Meldungen an die Oefsentlichkeit ge- kommen. Im folgenden wollen wir versuchen, eine Uebersicht über den wirklichen Stand der Rusiengeschäfte zu gewinnen. Ende Februar d. I. erklärte sich das Reich bereit, bei Liefe- rungen nach Rußland eine Garantie langfristiger Kredite bis zur Höhe von 10S Millionen, d. h. 3S Proz., da man 300 Mil- lionen in Aussicht nahm, zu leisten. Die Länder ihrerseits erklärten sich zur Garantieübernahme für weitere 75 Millionen Mark bereit. Für 180 Millionen Mark— 60 Proz. von 300 Millionen Mark wollten also Länder und Reich eine Garantie übernehmen, die den Kredit des russischen Staates gegenüber den deutschen Lieferfirmen und Bankiers oerbessern sollten. Vier Monate lang dauerte es, bis die Danken sich bereit erklärten, für die Finanzierung des Rusiengeschäftes einen Krebst von ganzen 120 Millionen bereitzustellen, von dem also 72 Millionen durch das Reich und die Länder garantiert waren: ei den restlichen das Reich und die Länder garantiert waren; bei den restlichen als im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Lieferanten Verluste der Banken in Frage kamen. Für die ersten 72 Millionen hasten den Banken also der russische Staat, das Deutsche Reich und die deutschen L ä n de r, für die übrigen 48 Mil- lionen der russische Staat und die deutschen Liefer- firmen. In den vier Monaten März bis Juni stritt man sich über die chöhe der von den Russen zu vergütenden Z i n s en. Schließlich einigte man sich auf einen Satz von S.4 Proz., der durch die in- zwischen erfolgte Ermäßigung des Reichsbankdiskonts automatisch aus 8.9 Proz. herunterging. In diesen vier Monaten, in denen sich die Banken nicht entschließen tonnten, einen Krebst von 120 Mil- lionen Mark zu übernehmen, der Tausenden von deutschen Arbeitern Beschäftigung mitten in der schwersten Wirtschaftskrise hätte geben können, erhöhten 6 Berliner Großbanken die Kredst«, die sie der Börsenspekulation zur Verfügung stellen, um 127,3 Millionen Mark. Diese Börsenkredite trugen zu einem Teil niedrigeren Zins, als die Rußlandkredite gebracht hätten. Erst nach der formellen Erklärung der Bereitstellung von 120 Mil- lionen Mark Bankkrediten konnte das Russengeschäft überhaupt in Gang kommen. Die höhe der Lieferkredite. Etwa in der folgenden Höhe wurden in den einzelnen Monaten Liescrungsverträge zwischen den Russen und deutschen Industrie- firmen abgeschlossen: Juli...... zirka 90 Millionen Mark August...... 35, September..... 15.. Oktober...... 20_. Insgesamt also zirka 100 Millionen Mark Die Garantie des Reiches und der Länder wurde in dieser Zeit für etwa 80 Proz. der abgeschlossenen Aufträge gewährt, und zwar: In den Monaten Juli und August zirka 40 Millionen Mark Im September........26,, Im Oktober......... 15 Insgesamt zrrka 80 Millionen Mark Di« 6 Berliner Großbanken, die sämtlich Mitglieder des Kon- sorttums sind, das die Finanzierung der Russcnkredit« übernommen hat. erhöhten in der Zeit vom 30. Juni bis 31. August ihre Börsenkredit« um weitere 160 Millionen Mark. Man kann annehmen, daß diese Kredite durchweg zu Zinsbedin» gungcn gegeben wurden, die für die Banken weniger profitabel waren, als es die Russenkredite geworden wären, man muß sagen: „geworden wären*: denn bis Ende September haben die Banken praktisch überhaupt keine Jinanzierungsarbeit geleistet. Der Grund dafür lag in jener eigentümlichen Perwandlung, in der sich die deutschen Großbanken zurzeit befinden. Die deutschen Banken hören auf, P a n k e n zu sein, d. h. Finanzierungsinstitute für Handel und Industrie, sondern sie verwandeln sich, um einen Bankdirektor zu zitieren, der diese eigentümliche Wandlung für seine Person und sein Institut nicht mitmacht, mit ziemlicher Ge- schwindigkeit in Leihhäuser. Mehr und mehr drängen die Banken daraus hin, daß Handel und Industrie zu ihnen kommen, wie der arme Schlucker zum Leihhaus kommt, um feine Tombakuhr zu versetzen. Das Bankgeschäft läuft immer mehr darauf hinaus, ein Geschäft ohne Risiko zu werden, und ohne Rücksicht aus wirtschaftliche Erfordernisse werden die E i n l a(j e n, die den Banken in ständig steigendem Umfange zufliehen, der Börse zugeführt, wenn Handel und Industrie nicht mehr in der Lage sind, den Banken die Sicherheiten zu geben, die die Leihhauspolitik verlangt. Da die Banken solide Leihhäuser sind, oerlangen sie vielfa� Sicherheiten im zwei- bis dreifachen werte der gegebenen Kredite, so daß chre Kreditpolitik dahin wirkt. Handel nnd Industrie in zunehmendem Maße kreditunwürdig zu machen und das gesamte Kreditvolumen innerhalb der deutschen Wirtschast zu ver- ringern. Wie diese Politik dazu geführt hat, innerhalb von noch nicht Ihi Iahren über 460 Millionen Mark an die Börse zu leiten und so die beispiellose Hausse herbeizuführen, die seit Be- ginn des Jahres das Aktienkursniveau auf mehr als das Doppelte gehoben hat. so hat sie auch dazu geführt, daß die Banken im R u sie n g e s ch ä f t außerordentlich zurückhaltend waren. Die Banken haben sich geweigert, sich mit den Sicherheiten zu bc- gnügen, die ihnen die Organisation des Russenkredits an sich bereits an Hand gibt, sondern sie haben von den Lieferfirmen neben ihrer Wechsewntcrschrift noch eine besondere Deckung in �.orm von bankmäßigen Sicherheiten für die 40 Proz. der russi- fchen Austräge verlangt, die nicht durch die Ausfallsgarantie des Ö| 1 eiches und der Länder gedeckt waren. Bis Ende September kämpfte die Industrie mit den Banken um diese Forderung, die praktisch darauf hinausläuft, daß die Industrie anstatt der Banken die Russenkredite finanziert. Denn die Industrie muß Kreditmöglichkeiten preisgeben, die ihr die verpfändeten Sicherheiten sonst bieten würden, um die Banken zu befriedigen. Dies bedeutet, daß der Russenkredit seine Aufgabe, im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung zusätzliche Arbeit zu schaffen, nur zu 6 0 Proz. der tatsächlich erreichten Liefersumme erfüllen kann. Die lange Verschleppung der Gewährung von Bankkredtten hat denn auch dazu geführt, daß den 100 Millionen russischer Aufträge, den 80 Millionen vom Reich übernommenen Garantien bis Ende Ok- tober wohl höchstens 50 Millionen von den Banken gewährter Kredite gegenüberstanden. Di« oben gegebene Uebersicht zeigt, daß selbst bei großem Optimismus kaum Aussicht besteht, daß der Russenkredit oder, richtiger gesagt, die vom Reich und den Ländern übernommene Garantie in vollem Umfange ausgenutzt wird. Zwar haben inzwischen die Banken weitere 60 Millionen Mark„zur Verfügung gestellt* und weitere 50 Millionen ausländischer Mittel sich gesichert. Würden aber im November und Dezember selbst ebensoviel« Auf- träge zustande kommen wie im August, so würden im ganzen nur etwa 180 Millionen Mark Austräge wirtlich abgeschlossen werden. Würden die Banken im November und Dezember die von ihnen gegebenen Kredite verdreifachen, so würde nur die Finanzierung von 150 Millionen sichergestellt sein. Es besteht also die begründete Befürchtung, daß aus dem ZoO-Millionen-kredit höchstens 200 RUMonen wirklich vergeben werden, ein Betrag, der tatsächlich, nur' für 120 Millionen neue Arbeit für die deutsche Arbeiterschaft schaffen kann. Schon Mitte Oktober hat man denn auch in russischen Kreisen nur noch mit einem 200- Millionen-Kredtt gerechnet. Von Ende Februar bis Ende September, also in 7 Monaten der Gesamtfrist von 10 Monaten, die für das Zustandekommen der Rußlandgeschäfte zur Verfügung stand, hat die Tätigkeit der Banken darin bestanden, die gevlante Aktion zu sabotieren. Die Reichsregierung hat sich diesen Sabotage- versuch bisher beinahe immer stillschweigend gefallen lassen. Ueber die Hemmungen, die die Banken dem Rußlandgeschäft von Juli bis September bereiteten, hat die R e i ch s r c g i e r u n g die Oefsentlichkeit so gut wie überhaupt nicht informiert. Durch die Politik der Banken, durch die eigentümliche Zurückhaltung des Reichswirtschaftsministeriums ist die deutsche Arbeiterschaft unmittelbar geschädigt worden. Die Reichsregierung hat es tatenlos mitangesehen, wie die Politik der Banken zu einer zügeln losen Börsenspekulation führte und gleichzeitig das Russengeschäft aufs schwerste schädigte. Zehn Jahre Deutscher Hiroverbanü. Die Danken entschuldigen sich.— Eine Rede Schachts. Im Oktober waren 10 Jahre seit der Begründung der deutschen Kommunalgiroorganisation vergangen. Ueber die Bedeutung dieses umfassenden Kapitalfammlungs- und Zahlungsausgleichs- systems ist heute kein Wort mehr zu verlieren. Sie ist das größte öffentliche Bankensystem in Deutschland. Wir sind keine Freunde von großen Iubiläumsfesten. Aber der großzügige F e st a k t, den der Deutsche Sparkassen- und Girooerband anläßlich des Iubi- lüunis im Berliner Rathaus veranstaltete, war eine Notwendig- keit. Denn die Organisation des�deutschen Sparkassen- und Giro- verbände» muß in der deutschen Oefsentlichkeit, trog chrer gewal- tigen Leistungen, um die Gleichberechtigung neben dem privat- kapitalistischen Bankwesen noch kämpfen. Die Zentralorganisation des deutschen Bank- und Bankier- gewerbes ließ sich entschuldigen. Wir wollen nicht sagen, daß wegen des Fernbleibens dieser Organisation kein Reichs- mini st er und kein Mini st er Preußens das Wort er- griffen hat. Die Wünsche des Reiches und Preußens überbrachten Dr. Zweigert und Dr. von Leyden. Aber wenn man feststellen muh, daß der Bankiertag durch die Anwesenheit von fünf Reichsministern und zwei preußischen Ministern geehrt wurde, so scheint es, daß im offiziellen Deutschland stark« Unterschiede gelten zwischen minister- sähigen und nichtmini st ersähigen Perbänden. und daß zu den letzteren leider auch der deutsch« Sparkassen- und Giroverband gehört. Aber weder die Abwesenheit des Zentral- Verbandes, noch die Anspruchslosigkeit besonders des Reichskabinetts vermochte das stark fühlbare Selbstbewußtsein einer Organisation zu erschüttern, der der erfolgreiche Dienst am Gemeininteresse mehr bedeutet als repräsentativ« Ehrungen. Diel Beachtung fand«ine Glückwunschrcde des Reichsbank- Präsidenten Schacht. Nicht ohne Witz beglückwünschte er die Giroorganisation zu ihrer Konfirmation, und für ihren Weg zur Mündigkeit versprach Schacht nachdrückliche Förderung durch die Reichsbank. Es war natürlich, daß Schacht dabei das volle, fast übervolle Verständnis der zahlreich vertretenen Gemeinden, Sparkassen und Girooerbände fand, die seine Mitarbeit als Er- z i e h e r in den letzten Jahren recht eindringlich fühlen und beurteilen gelernt hatten. Nur durch eine Mahnung zum geschlossenen Zu- sammenarbeiten, darum aber nicht weniger eindrucksvoll, trat der Präsident des Girooerbandes sächsischer Gemeinden Dr. Eberls hervor, der nach öen Worten des Verbandspräsidenten Dr. Kleiner das größte Verdienst an der deutschen Giroorganisation hat. Im Perlauf des Abends wurde der Oefsentlichkeit auch eine Denkschrift überreicht, das als Quellenwerk über die Geschichte und den Ausbau der deutschen Giroorganisation dauernde Pedeutung haben wird. Die Reichsbank am Gktoberlchluß. Einrichtung des telegraphischen Giroverkehrs. Daß der Oktoberultimo tvieder sehr leicht war, ließ schon die Börse erkennen, auf der trotz des Monatsschlusses die Effek- t e n h a u f se ungestört ihren Fortgang nahm. Der Reichs- bankausweis zum 30. Oktober vermag diese Tatsache nur zu unter- streichen. Die ausfallend geringe Steigerung der Lombarddar- l-hen um 31,6 auf 42,8 Millionen ist das deuttichste Merkmal dafür im Reichsbankausweis. Die gesamte Kapitalanlage wuchs um 173,5 auf 1549,1 Millionen. Abgesehen von den Lombarddarlehen kamen davon auf neue Wechsel und Schecks(fast ausschließlich In- landswechsel) 141,9 Mill. M.. so daß die Wechsel- und Scheckbestände aus 1415,0 Mill. anwuchsen. Die Kundengelder auf Girokonto zeigen die zum Monatsschluß gewohnte Abnahme, sie sanken um 339,5 auf 532,6 Millwnen. Der Umlauf an Reichsbanknoten stieg um 501,3 auf 3325,8 Mill., der an Rentenbankscheinen um 92.7 auf 1317,6 Mill. Die Goldbestände wurden wetter um 36,8 auf 1716,1 Mill. erhöht; ebenso stiegen die deckungsfähigen Devisen um 1,3 auf 412,6 Millionen Mark. ISA Ende: I. Quartal Noten und Schulden: Reichsb.- Notenumlauf 3 160 Giroeinlag. d. Wirtsch. 626 Kredite an die Wirtschaft Lombardkredite... 77 Wechselkredite... 1 216 (Weiterbegeb. Wechsel)(413,5) Notendeckung: durch Gold.... 1401 durch Devisen... 481 Zusammen 1 972 DeckungSverhältniS: Gold und Devisen zus. 64,4°/, Der Vergleich mit früheren Monatsabschlüssen, wie sie unsere Tabelle gibt, läßt für die Goldbestände und den Umlauf an Reichsbanknoten die vom Reichsbankprästdenten mehr- fach erörterte Zunahme deutlich erkennen. Ader auch die Wechsel- bestände zeigen eine fortdauernde Vermehrung: ein Zeichen, daß die verringerte Spanne zwischen den privaten Gelüsätzcn und dem Reichsbankdiskont weiter ihr« Wirkung getan hat. Für die Posttionsstärkung der Reichsbank gegenüber den Privatbanken ist das natürlich noch kein Beweis, da die Banken bei der Einreichung von Wechseln offenbat nur leichter ihre Rechnung finden. In die letzte Ottoberwoche fällt auch der Entschluß der Reichs- dank, für ihr Girosystem auch t« l e g ra p h i s ch e Ueber- «eisungen auf Kosten der Kundschaft zuzulassen. Die Neue- rung wird aber wohl kaum vor dem 15. November in Kraft treten. Nleüerlausitzer öraunkohleugewinoe. Zum Abschluß der Braunkohle», und Briketlindustrie A.'G. Berlin. Die nach dem letzten Generalversammlungsbeschluß auch offiziell „Bubiag" firmierende Braunkohlen- und Brikellindustne A.-G. Berlin versteht es ausgezeichnet, ihre Verhältnisse entweder der öffenttichen Beobachtung zu entziehen oder zur Förderung der „höheren Absichten* der Verwaltung möglichst nur ungünstiges über ihre Lage zu verbreiten. Es geht der Gesellschaft, die ihre Haupt- gruben im Niederlausitzer Gebiet abteufen läßt, nämlich nur zu gut. So hat nach dem Geschäftsbericht zum 30. Juni 1926 ihre Pro- duktion den höchsten Stand feit dem Bestehen erreicht. Die Förderung, Brikettierung und der Absatz der 9 Gruben mit ihren über 5 Dutzend Brikettpressen hat gegen das Vorjahr um 11,5 bis 15,6 Prozent z u g e n o mjn e n. Di« Steigerung wurde er- zielt mit einer durchschnittlichen Belegschaft von 4226 Mann, die aber gegen das Vorjahr(4254 Mann) noch etwas niedriger ist. Die Produktivität der verwendeten Arbeitskraft ist also beträchtlich gestiegen. Der Bericht findet es aber sehr bedauerlich, daß die Rcichsreaierung die Lohn-, Sozial- und Arbeitszettsorderungen der Arbeiterschaft nicht genügend bekämpft, und in der Generalverjamm- lung verkündete die Verwaltung eine Erhöhung der Belegschaft um 40 Proz.(1) und eine Steigerung der Prikettprels«. falls wirklich das Dreischichtensyftcm eingeführt würde. Natürlich sind beide Be- hauptungen auf eine grobe Irreführuno der Oefsentlichkeit berechnet, denn mit der festgestellten großen Leistungssteigerung allein wider- legt die Verwaltung sich selbst; das wirtlich glänzende Gewinnergeb- nis des vergangenen Jahres aber wurde mit einer Preissenkung von 3 Proz. erzielt, wie der Bericht an jener Stelle verrät, wo er die Belastung durch ochtpro entige Lohnsteigerung dem als Der» dienst erscheinenden Preisabbauopser der Gesellschaft gegenüberstellt. Herr Generaldirektor Büren wird also das aus der Schule plaudern seines Kollegen Dr. Silverberg sehr bedauern müssen, der in seiner Rheinischen A.-G. für Braunkohlenbergbau und Brikettsabrikation mit sehr viel höheren Löhnen und einer auf 9 Stunden ver- ver führende Reifen! 0/ aller auf der Deutschen Automobil» Ig* Ausstellung, Berlin, befindlichen 'O Fahrzeuge sind montiert mit -„Schwarz fflr.jfen Arbeitszeit nur die allerbesten Erfahrungen gemacht hat. Aber auch die Bilanz enthüllt die Unaufrichtigkeit der Ver- «altung. Obwohl Produktion und Absatz gewaltig gestiegen sind, obwohl in der Lausitz Riescnbestände aufgelagert sein sollen, die natürlich festgelegtes Geld sind, gibt die Bilanz folgende Berbesse- rungon: Rückgang der Betriebsschulden von 3,14 aus 3,12 Mill., mehr als Derdoppelung der Bankguthaben von 0,77 auf 1,78 Millionen, Erhöhung der Forderungen von 3,1V auf 3,77 Mill. Alte Obligationsschulden wurden zurück gezahlt(0,83 gegen 1,06 Millionen). Reue Beteiligungen treten auf(von 3,17 auf 3,7g Mill. erhöht). Dazu wurden 874 000 M. zum Grundstücksankaus und zum Ausbau der Anlagen aus dem Betrieb genommen. Die Abschreibungen aus die leistungsfähiger ge- wordenen Betriebe wurden um 500 000 M. erhöht. Mindestens 2,42 Mill. find besondere echte Gewinne, die in dem gegen das Borjahr noch erhöhten ausgewiesenen Gewinn von 2,29 Mill. (2,18) nicht erscheinen. Der Gesamt rein gewinn beträgt infolgedessen nicht 2,29 Mill., sondern mindestens 4,71 Mill., also mehr als das Doppelte. Eine Dividende von 20 Proz. auszuschütten, wäre für die Bubiag ein Spiel gewesen. Der Aktionär, der in der Generalversammlung eine höhere Dividende verlangte, hatte Recht, und die Antwort der Verwaltung, man müsse sich(i m I a h r e 1 9 2 0!) für den Ablauf des Sqndikatsvertrags(b i s M ä r z 1928 unkündbar!) rüsten, ist eine leere Ausrede. Freilich, die Bubiag weiß nur zu gut, was 20 Proz. Dividende in den Rieder- lousttzer Revieren für einen Eindruck machen müssen, und daß auch die Gelben, die in der Riederlausttz so sorglich gezüchtet werden, dann zu roten Arbeitern werden mühten. Es ist bedauerlich, daß über die Verwaltung eines großen Unter- nehmens in solcher Weise geurteilt werden muß. Das ist umso be- dauerlicher, als der verantwortliche Leiter der Bubiag, Herr General- direktor Büren, bei Tarifverhandlungen führend das Ar- beitgebertum vertritt. Mit Worten Bertrauensbrücken zur Arbeiterschaft zu bauen, was das Unternehmertum als seine Absicht vorgibt, während die Zahlen alle Worte Lügen strafen, ist u n- möglich. Der amtliche Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 3. November berechnete Großhandels- mdexziffer des Statistischen Reichsomtes ist gegenüber dem 27. Ok- tober um 0,7 Proz. auf 131,5 zurückgegangen. Von den Haupt- gruppen haben die Agrarerzeugniste um 0B Proz. auf 136,3, die Jndustriestoffe um 0,3 Proz. auf 122,6 nachgegeben. Im Durchschnitt Oktober ist die Gesamtindexziffer gegenüber dem Durchschnitt September um 2.7 Proz. auf 130,2 gestiegen. Die Gruppenindexziffer der Agrarerzeugniste hat im Durchschnitt Oktober bei gestiegenen Getreide- und Kartoffelpreifen auf 133,9 angezogen, die Gruppeuindexziffer der Jndustriestoffe dagegen bei rückläufigen Preisen für Textilroh- und Halbstoffe auf 123,3 nachgegeben. Die teuren Zündhölzer. Vor einigen Tagen gaben wir unter dieser Uederschrift eine Mittellung über die Preisfestsetzung der Zündholz-Verkaussge sellschaft. Der Preis einer Kiste zu 1000 Paketen betrögt demnach 20 5 Mark. Die amtlichen Stellen gingen davon aus, daß bei einem derartigen Prelle die Zünd- Hölzer dem Verbraucher 25 bis 30 Ps. kosten sollten. Wie uns nun aus Kreisen der Händler mitgeteilt wird, werden augenblicklich die Zündhölzer von Spezi algroßhandlungen zu einem Preis« von 2 5 bis 34 Pf. je Paket an den Detaillistcn ver- kauft. Die vom Verbraucher geforderten bekannten Marken kosteten nach der Zuschrift im Händlereinkausspreis über 32 Pf. Wie wir hierzu von unterrichteter Seite erfahren, trifft es zu, daß mancherorts im Handel Ueberpreise für Zündhölzer gefordert werden. Dos liegt u. a. auch daran, daß eine große Zahl von Firmen immer noch an den verschiedensten Plätzen Vertretun- gen unterhält, die einen Sinn hallen, solange am Zündholzmarkt dn>. fxeie Konkurrenz bestand. Der große Vcrtriebsapparat ist aber jetzt«ach der einheitlichen Regelung vollkommen überflüssig geworden und belastet insbesondere den Großhandel mit enormen Unkosten. Bei einem Grundpreis von 205 M. je Kiste bleibt für den gesamten Handel eine Verdienstspanne von 45 M., also über 25 Proz. Vor dem Kriege war diese Spanne wesentlich geringer. Gelangen die Zündhölzer mit 30 Pf. je Paket an den Verbraucher, so beträgt die Verdienstspann«, aus der selbstverständ- lich auch die Berteilungssoesen zu bestreiten sind, sogar 95 M. oder über 50 Proz. Die einheitliche Regelung der Zündholzwirtschast sührt natürlich erst allmählich zu dem notwendigen Abbau des Der- triebsapparates im Handel. Bei der Preisfestsetzung durch den Zwischenhandel macht es sich außerdem noch nachteilig bemerkbar, daß die Fabriken nicht von vornherein den vom Derbraucher zu zahlenden Endverkaufspreis auf die Pakete aufdrucken, so daß der Willkür der einzelnen Firmen ein weiter Spielraum bleibt. Der Verbraucher kann sich gegen Uebervorteilung da- durch schützen, daß er sich der Konsumvereine bei der Deckung des Bedarfs bedient. Die Konsumgenostenschaft Berlin liefert ihren Mitgliedern das Paket Streichhölzer mit 25 Pf. Dem Klein- Händler bleibt vorläufig kein anderer Weg, als unter seinen Großlieferanten diejenigen ausfindig zu machen, die durch niedrige Bemestung ihres Preises sich auf die neuen Marktverhältnisse bereits «ingestellt haben. Die Golddlskont-SrcdUe für die Landwirtschaft. Wie von zu- ständiger Stelle mitgeteilt wird, find von dem Golddiskont- bank-Zwischentredit bisher 240 Millionen Mark durch die Reolkreditinstitut« an die Landwirtschaft ausgeteilt worden. Der bewilligte Gesamtkredit macht aber 360 Millionen Mark aus. Er ist den einzelnen Kreditinstituten berells zugewiesen. Man erwartet, daß die Landwirtschaft die restlichen 120 Millionen Mark in den nächsten Monaten in Anspruch nehmen wird, da bereits ge- nügende Anforderungen bei den einzelnen Banken vorliegen. Reichsgericht unö Kpd. Justizdebatte im Reichstag. Die gestrige Reichstagssitzung wurde um 2M Uhr vom Präsidenten Lobe eröffnet. Für den Abg. P a e p l o w(Soz.), der sein Mandat niedergelegt hat, ist der Abg. Biedermann (Soz.) m den Reichstag eingetreten. An Stelle des Abg. Bell(Z.). der wegen der Ernennung zum Rcichsjustizminister sein Amt niedergelegt hat, wird vom Zentrum Abg. Esser(Z.) zum DizeprSsidenten vorgeschlagen. Die Abgg. Henning(völk.) und Torgler(Komm.) erheben bet dieser Gelegenheit darüber Beschwerde, daß ihre Fraktionen nicht ihrer Stärke entsprechend im Präsidium vertreten seien. Als der kommunistische Redner mitteilt, daß seine Fraktion den Abg. Stöcker als Gegenkandidat aufstelle, erhebt sich laute Heiterkeit. Herr Torgler rächt sich dafür durch die geistreiche Be- merkungi Dieses Lachen beweist die unglaubsiche Borniertheit und Blödigkeit des Parlaments. Er erhält dafür einen Ordnungsruf. Der Redner erzielt«inen neuen Heiterksiteerfolg, als er behauptet, der Abg. Ester leide in„Kommunistenpsychose�. Die namentliche Abstimmung ergibt mit 321 gegen 24 Stimmen bei 27 Enthaltungen die Wahl des Abg. Ester zum vizepräsi- denken. 4 Stimmen find ungültig. Ein Antrag der kommunistischen Fraktion, da? vor dem Staats- gerichtshof zum Schutz der Republik schwebende Verfahren gegen den Abg. Stöcker und fünf andere kommunistische Abgeordnete für die Dauer der Sitzungsperiode einzustellen, wird voni Abg. Dr. Rosenberg(Komm.) begründet. Der Reichstag habe sich stets seiner Mitglieder angenommen, wenn sie aus politischen Gründen verfolgt worden seien. Das müsse auch in diesem Falle geschehen, zumal sich der Staatsyerichtehof unter der Führung des Rcichsgerichisrats Niedner grober Willkürakte schuldig gemacht habe. Neuerdings habe man dort sogar den kommunistischen Rechtsanwalt Obuch von der Verteidigung ausgeschlossen. weil er verdächtig sei, einen Zeugen beeinflußt zu haben. Auf reich- haltiges Material gestützt, glaubt der Redner nachweisen zu können, daß der unter Leitung des Herrn Niedner stehende Strafsenat des Reichsgerichts voreingenommen gegen kommunistische Angeklagt« handle und damit das Recht beuge. Reichejustizminister Dr. Bell erklärt, daß er auf die Einzelheiten des von dem Abg. Rosenberg vorgetragenen Materials bei der Be- ratung des Reichsjustizctats eingehen werde Er erinnert an den Beschluß des Haushallsausschusses, dem sich die Mehrheit des Reichs- tags angeschlossen habe, wonach die Immunität der sechs Abgeordneten aufzuheben sei. Es liege Heute kein Anlaß vor, diese Stellungnahme zu ändern. Der Reichstag habe keine Untersuchungen anzustellen, sondern nur zu prüfen, ob begründeter Anlaß gegeben sei, die Immunität auszuheben. Der MIntster weist entrüstet den Vorwurf des kommunistischen Redners zurück, daß der Strafsenat unter Herrn Niedner bewußt das Recht beuge. Für ihn sei es selbstverständlich, daß ein kommunistischer Abgeordneter mit derselben Gerelytigkeit behandelt werde wie jeder andere Angeklagte. Er müsse mit aller Entschiedenheit den Vorwurf zurückwessen, als ob von deutschen Gerichten und insbesondere vom Reichsgericht das Recht gebeugt werde.(Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Ditkmann(Soz.) bedauert diese Stellungnahme des Ministers, da der kommu- nistische Redner doch nicht nur allgemeine Ausführungen gemacht, sondern seine Vorwürfe mit genauem Material belegt habe. Demgegenüber könne doch nicht von einer llnparteiigkelt des Reichsgerichts gesprochen werden. Es ist wohl selbstverständlich, daß die Darlegungen des kommunistischen Redners, die auf Dokumente ge- stützt sind, im Geschäftsordnungsausschuß sehr sorgfällia nachgeprüft werden müssen. Die sozialdemokratische Fraktion hat schon wieder- holt bei früheren Gelegenheiten schwere Bedenken gegenüber der angeblichen Unparteilichkeit der deutschen Justiz geäußert. Am 22. November 1924 hat sich der völkisch? Abgeordnete Graefc gerühmt. vor der Front der Faschisten in München marschiert zu sein. Zst gegen ihn Anklage erhoben worden oder etwa gegen Herrn Ludeadorss. der dasselbe wie Herr Graes« getan hat? Dieses Messen mit zweierlei Maß muß in der Oessentlichkeit den Eindruck erwecken. daß gegen Kommunisten alle Finessen der Justiz angewendet wer- den, während man nach rechts die Gesetze unangewendet läßt. Der Reichstag darf nicht dazu beitragen, diesen Eindruck zu verschärfen. wenn der Reichstag für eine unparteiische stosti, sorgen will. dann darf er sein« Hand nicht dazu bieten, die sechs Abgeordneten unter Umständen auszuliefern. Die sind von uns schon genügend gekennzeichnet worden. Uns kann niemand unterstellen, dajz wir aus politischer Vorliebe für Herrn Stöckcr und Genosten dies« Stellung einnehmen. Denn niemand wird stärker politisch und persönlich von dielen Herren bekämpft als wir. Aber wir lehnen es ab, an der Auslieferung dieser Abgeord- neten an die Justiz teilzunehmen. Wir werden im Ausschuß ge- wiisenhaft prüfen, ob die Loraussetzungen vorliegen, daß die Aus- lieferung stallfinden kann. Ich appelliere auch an die anderen Pat- feien, die hier vorgetragenen Gründe zu prüfen und sich nicht mit allgemeinen abweisenden Bemerkungen zu begnügen. Es geht hier darum, ob in Deutschland überhaupt noch eine objektive Justiz möglich ist oder nicht.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag wird hierauf dem Geschäftsordnungsausschuß über- wiesen. Gegen 4 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag nachmittag 3 Uhr mit der Tagesordnung: Erwerbslosenfürsorge: Rest der heu- tigen Tagesordnung. Clenösquartiere als Seuchenherd Abschluß der Typhusdcbattc im Landtag. Am Donnerstag wurde im Landtag zunächst«in Antrag der Rechtsparteien, die Gerichtsgebühren für große Streitobjekt« herab- zusetzen, von der Tagesordnung abgefetzt und zurückgestellt, da die Sozialdemokraten und Kommunisten das Wort zur sachlichen Be- sprechung verlangten. Das Haus lehnte dann die Einsprüche kommu- nistischer Abgeordneter gegen ihren Ausschluß und erteilte Ordnungs- ruf« ab. In der nun folgenden Fortsetzung der Aussprache über die An- träge der Parteien zur Typhusepidemie in Hannover wurde die Stadtverwaltung in Hannooer besonders von den Abgg. Blanck(Z.) und vartell(Dem.) angegriffen. Beide Redner vertraten den Standpunkt, daß die Stadtverwaltung die Epidemie von Anfang an viel zu leicht genommen habe. An der Erregung der Bevölkerung und den sensationellen Gerüchten im Lande habe der Ober bürg er. meist er Menge, der dem Ordnungsblock angehört, selbst schuld, da er es an rechtzeitiger Aufklärung fehlen ließ. Dem oolksparteilichen Abgeordneten Dr. Loeck und seinem Han- noverschen Kollegen Prelle(D-Hannov. P.) aber blieb es vorbehalten, die Stadtverwaltung Hannover gegen die Regierung in Schutz zu nehmen. Besonders Abg. Prell« glaubt« dem Oberbürgermeister«in glänzendes Zeugnis ausstellen zu müsien. Di« Stadtverwaltung habe alles zur Bekämpfung der Seuche getan. Die Regierung habe für die Behauptung, daß der Seuchenherd in dem rückständigen Rscklinger Wasserwerk liege, den Beweis nicht führen können. Das Werk fei bis zum Ausbruch der Epidemie durchaus einwandfrei gewesen. Interessant war das Eingeständnis, daß die elenden wohnquarklere der proletarischen Bevölkerung von Hannover der Seuche zu der gewalligen Ausbreitung oerholfen. Schon vor 20 Jahren hätten sich die Stadwäler Hannovers bei Be» sichligung dief-r Elendsquarliere vor Ansteckung durch das Ueberziehe» von Handschuhen schützen müssen, die sie nachher fortgeworsen hoben. Bon sozialdemokratischer Seit« mußte Herr Prelle den Zuruf«in- stecken, daß dieses Bekenntnis ein« furchtbare Selb st an» klage jener bürgerlichen Kresse fei, die seitdem nichts getan haben, um die Wohnungsnot in Hannover zu beseitigen. Ministerialdirektor Krahne trat in längeren Ausführungen de» Angriffen Prelles entgegen und führt« schlüssig den Beweis daß das Ricklinger Wasserwerk hygienisch zweitklassig sei. Di« Tatsache, daß das Ricklinger Wasier feit geraumer Zeit gechlort werde, weif« schon von selbst daraus hin, daß man auch in Hannover das Wasser nicht für einwandfrei angesehen habe. Aus ein« Be- merkung m der Rede des Abg. Hartleib(Soz.) erklärt der Ministerial- direktor ausdrücklich, daß die Arbeilersamarlker in Hannover Hohes Lob verdienen. Sie hätten sich in mustergültiger Weise selbstlos bei Bekämpfung der Epidemie zur Bersügung gestellt. Nach einer Rede des völkischen Abg. v. Brehmer, der bedauert«, daß zu spät eingegriffen sei und die Hilfsmaßnahmen am Anfang der Seuche sehr mangelhaft gewesen seien, wurde«in Antrag auf Schluß der Debatte angenommen und die Anträge der Parteien dem Ausschuß für Beoölkerungspolitit überwiesen. Danach vertagt« sich das Haus auf Freitag, den 5. November, mittags 12 Uhr. Tagesordnung: Ausschreitungen der Wehrverbänd«._ Geschäftliche Mitteilungen. Zwei iZlicgca mit einer glniipe! Man nehme M Pf. in dir S&nb und kaufe sich ein« flr»de Packunq Aaliklma.Zalinpasta. Wann man dir Tube dem Aarton entnimmt, wirb man durch dir nrtte Beigabe, einer Prob« Oueider- Lanolin, angenehm überrascht. Und wenn c» auch nur ein kleines Diischen ist, es Iaht sich dach jeder gern was schenken! Aber auch di« Aaliklaia.�abrii schlügt awei glieoen mit einer Alaune: Denn nun wird ot« ganz ausge�cichneto' Aaliklora-Zahnpasta um so lieber gekauft und das vlelgedobte Oveiher-Lanolin mit all feinen Ko Hilgen beim Publilmn bekannt und beliebt. Eine gut« Ein- fübrungsreName! Zirkus Aarl Sagende», der am Mittwoch mit einem an Neukeiten reichen und ausgesprochenen Zirkusprogramm fein kurses Gastspiel im Zirtus-Biisch- Gebäude eröffnet hat. gibt Sonnabend und Sonntag>e»wei Borstellungen, nachmittags z Uhr und abends 8 Uhr. In den Nachmittaosvorstellungen, di« das«ott»« Aden dp tog ramm eittbakten,»ahlen Ainder unter 1t Jahren auf allen PlSsten halbe Preis«. Wenn Sie der Magen schmerzt, versuchen Sie dies! Wenn Sie an Dispepsie, schlechter Verdauung, Schmerzen nach der Mahlzeit, Sodbrennen oder irgendwelchen anderen, von Säure oder Gärung der Speisen herrührenden Magenbeschwerden leiden, so gehen Sie zum Apotheker und kaufen Sie eine Flasche relne Biserltte Magnesia. Wenn Sie dann wieder Nahrung zu sich nehmen oder Magenschmerzen verspüren, nehmen Sie einen halben Teelössel voll von diesem Mittel in ein wenig warmen Wassers ein und beobachten Sie, wie schnell alle Schmerzen und Beschwerden oerschwinden. Chemiker erklären, daß der säst unausbleibliche Er- folg dieses Mittels dem Umstände zuzuschreiben ist, daß die über- jchüssige Säure durch Biserirte Magnesia sofort unschädlich gemacht und die Gärung der Nahrung augenblicklich gehemmt und auf diese Weis««ine gesunde, natürliche Verdauung gefördert wird. Da dieses einfache Mittel unbedingt unschädlich und zugleich billig ist, sollte es von allen, welche Sparsamkeit mit der Erhaltung guter Gesundheit zu verbinden wünschen, vorrätig gehatten werden. Wichtig! Stserlri« Magnesia wird la drei verschiedene» ver» pockuagsgr.hen geliefert; in Pnloei- und Tablett ensorm zv M. 1.50 da« Aläschchen nnd in größeren Flasche» mit Pulver zn M. Z 00 die Fiaich«. � Reue HIeus w neuem Äünö> LüzaiatüNt fa£) r iß A-KüSCHB Tarsstreue be! Unternehmern. Aufforderung zu unkertariflicher Bezahlung unskalkhaft. Ein ilrbtitgeberverband hatte an seine Mitglieder ein Rund- schreiben versandt, in dem er sie aussorderte, nicht etwa die um 10 Proz. erhöhten©ehälter au zahlen, die durch Schiedsspruch des Schlichtungsausschusies sestgesetzt waren, sondern es mit Rücksicht auf die schwierige Wirtschaftslage bei den alten©ehältern zu belassen. Der Zlrbeiinehmerverband, der mit jenem ilrbeitgeberverbnnd einen Tarifvertrag abgeschlossen hatte, strengte gegen den Arbeitgeberoerband Klage an, mit der er die Unterlassung derartiger Rundschreiben fordert«. Er behauptete, der Inhalt und das Wesen des Tariivertrages v e r- pflichten jede Vertragspartei, ihre Mitglieder zur Erfüllung des Tarifvertrages anzuhalten, jedenfalls aber alle den Ar- beiterfrieden störenden Kampfmasinahmen zu unterlassen. Das Rundschreiben stelle indessen eine solche Kampfmaßnahme dar. Der beklagte Arbeitgeberverband wandte ein, der Kläger Hab« keinen Unterlassungsanspruch, lediglich die ein- zelnen Ange st eilten hätten ein Recht, im Wege der Klage von ihren Arbeitgebern die tariflichen©ehälter zu fordern. Das Landgericht Stettin hat jedoch dem Klage- ««trag Folge gegeben und dem beklagten Verbände— bei Vermeidung einer Geldstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung— »erboten, seine Mitglieder aufzufordern, ihren Angestellten an- statt des tariflich festgesetzten Lohnes einen geringeren Lohn zu zahlen Durch Verbreitung des Rundschreibens habe sich der beklagte Verband eine Verletzung seiner Pflichten aus dem Tarisvertrage zuschulden kommen lassen, da nach dem Tarif- vertrage die verbände als Vertragsparteien gehalten feien, einen Arbeitskampf wegen tariflich geordneter Fragen für die Dauer des Tarifvertrages zu unterlassen. Weiterhin ist in dem Rundschreiben des beklagten Arbeitgeber- Verbandes auch eine unerlaubte Handlung im Sinne des 8 828 BSV. zu erblicken, denn es ist nicht angängig, daß sich eine Tarisvertragspartei der Entscheidung einer staatlich anerkannten Be- Hörde widersetzt und ihre Angehörigen auffordert, dem Schiedsspruch entgegenzuhandeln. Landgericht Stettin, 31. 1». 23. 26)(„Bauwelt*, Berlin.) Bezeichnend ist die Mitteilung dieses Vorkommnisses durch die Unternehmerzeitungen des V o u g e w e r b e s. In Verbindung ge- bracht mit den besonderen Umgangsformen und Eigenschaften der Pommerschen Bauunternehmer und ihres Syndikus ist solche Erscheinung nicht verwunderlich. Die Herrschaften mußten sich erst durch Gerichtsentscheid auf ihre Tarisoertragspslichten verweisen lassen. Der Versuch der Unternehmer zeigt, wie man aus jener Seit« den Begriff T a r i f t r e u e auffaßt. Jeder Versuch der Unter- «ehmer, einmal eingegangene tarifliche Verpflichtungen unter Aus- Nutzung der wirtschaftlichen Verhällnisse zu uingehen, beweist, wie wenig ernst es den Unternehmern mit der Einhaltung einmal ein- gegangener Verpflichtungen ist. Das Vertrauen der Arbeiter, daß man a'"*'*!~"~" Tarifai koinmni! schaften wenig oder gar nicht beschwert sind? Was auch die Ursach« ist, fest steht, daß die Tarisfähigkeit der Unternehmer durch solche Vorkommnisse in Zweifel gezogen werden muß. H. Sch. Kelne Einigung in der Rhcinschiffahrt. Di« Einigungsverhandlungen zur Beilegung des Lohnstreits in der Rheinschiffahrt, die am Donnerstag im Reichsarbeitsministerium stattfanden, haben zu keinem Ergebnis geführt. Beide Teile ver- harrten auf ihrem Standpunkt. Am Reichsarbeitsministerium siegt es fetzt, den Schiedsspruch, den die Arbeitgeber abgelehnt, die Arbeitnehmer aber trotz großer Bedenken angenommen hatten, für verbind- lich zu erklären. Geschieht das nicht, dann ist bereits für Sonnabend mit dem Ausbruch des Streiks in der Rheinschisfahrt zu rechnen. Schiedsspruch im Braunkohlenbergbau. Berlin, 4. November.(WTB.) In der Lohnstreitigkeit im mittel- deutschen Braunkohlenbergbau wurde am 4. November ein Schieds- spruch dahin gefällt, daß der tarifliche Durchschnittslohn mit Wirkung vom 1. November 1926 ab um 3,5 Prozent er- höht wird. Die Lohnregelung ist frühestens zum 31. Mai 1927 kündbar. Die Erklärungsfnst läuft bis zum 19. November 1926. Der Lohnstreit im Saarbergbau beigelegt. Am Donnerstag fanden in Saarbrücken zur Vermeidung des drohenden Lohnkonflikts im Saarbergbau neue Verhandlungen statt, nachdem die Regierungskommission des Saargebiets ihre Vermittlung angeboten und am 1. und 2. November mit den Bergarbeiter- organifationen verhandelt hatte. Die französische Bergwerksdirektion kam den Bergarbeitern in zwei Punkten entgegen. Zunächst wurde eine Erhöhung der Löhne um 5,8 Proz., d. h. 2,14 Franken pro Hauerschicht zugestanden und dann die Er- höhung der Löhne bereits ab 16. Oktober bewilligt. Nachdem für einzelne Gruppen wettere Erleichterungen erziest worden waren und der Verwaltungsrat in Paris feine Zustimmung gegeben hotte, wurde der Lohntarif unterzeichnet. Damit ist der Lohnstreit im Saar- bergbau einstweilen beigelegt._ In Aachen 12 000 Textilarbeiter gekündigt. Aachen. 4. November.(WTB.) Ende der vorigen Woche hatten die Arbeiter zweier hiesiger Textilfabriken ihre Kündigung ein- gereicht, nachdem die Bersuche der Textilarbeiterschast, zu verhand- lungen über einen neuen Lohntaris zu gelangen, gescheitert waren. Die Arbeitgeber der Aachener Textilindustrie forderten die Zurück- nähme der Kündigung und drohten mst©esamtaussperrung. Die Gewerkschaften lehnten dies« Forderung ab. Daraufhin haben die Arbeitgeber der gesamten Belegschaft zum 18. November gekündigt Nach„Mtb.* werden von der angedrohten Aussperrung 12 099 Arbeiter und Arbeiterinnen betrosten. Schwächung des dänische« Gewerkschaftsbundes. Der Verband der ungelernten Arbeiter hat wider Erwarten auf seinem außerordentlichen Kongreß mit 194 gegen 188 Stimmen beschlossen, die Kündigung seiner Zugehörigkeit zum Gcwertschaftsbunde ausrecht zu erhalten, wamst sein Austritt vollzogen ist. Vom Standpunkte der proletarischen Solidarität ist es außerordentlich bedauerlich, daß ein so schwerwiegender Be» schluß auf Grund einer Mehrheit von wenigen Stimmen aesatzt werden kann. Dabei ist der Verband der Ungelernten mst seinen 99 999 Mitgliedern die größte Organisation in Dänemark. Sie hotte in dem Gewerkschastsbund zweifellos den größten Einfluß, hatte dafür allerdings auch den größten Teil der Beströge aufzu bringen. Diese Beiträge aber will man f o r t ab„sparen" Unter den Gründen für den Austritt spielt allem Anschein nach auch der Umstand eine gewisse Rolle, daß die Regierung im Jahre 1925, als der große Arbeitskonflikt ins Uferlose zu geraten droht«, durch Schiedsspruch mit staatlichem Zwang ein Ende des Kampfes diktieren wollte und die Gewerkschaftszentrale diesem Plan zustimmte. Un- mittelbar praktisch wird der Austritt erst im Frühjahr, wenn die meisten Tarife ablaufen. Der Kongreß hat sämtliche Tarife der ungelernten Arbeiter gekündigt Bedeutet der Austritt emch keinen Frontwechsel, so doch eine schwere Schädigung der Allgemeininteressen, da der G e w e r k- s ch a f t s b u ii d nur noch 149 999 Mitglieder in 5<> kleineren Ver- bänden behält. Auch die Bauarbeiter mit etwa 79 999 Mit- gliedern stehen außerhalb des Bundes. Der Zusammenschluß in der Tsch«ch»slow«?ei. Prag, 4. November.(TU.) Hier fand eine Vertreterverfamni- limg der tschechischen und deutschen sozialdemokratischen Gewerk- "asisverbände statt. Es wurde beschlossen, gemeinsam« Ausschüsse. zu bilden, die den vollständigen Zusammenschluß beider Verbünde herbeiführen sollen. Die deutschen©ewerkschaftcn werden in die tschechischen Gewerkschastszentrale eintreten. Der Beschluß.»;*•»■« mit allen gegen zwei Stimmen gesaht. Zatcrnatianale Arbeiterinnenkon fcrcnz. Amsterdam. 4. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Frauen- konferenz des Internationalen©ewerkschaftsbundes beschloß am Mittwoch die Einberufung einer internationalen gewer tschaft- ltchen Arbeiterinnentonserenz auf den 39. und 31. Juli 1927. Für die Tagesordnung sind vorgesehen«in Referat der©«- nvsstn Hanna-Deutschland über Frauenerwerbsarbeit,«in Referat der Genossin Bourniaux-Belgien über Heimarbeit und eines der Genossin Darley-England._______ Die belgischen Bergarbeiter zur Ueberschicht. Brüstet 4. Ncwembr.(Eigener Drahtbericht.) Im Ministerium berichtete der Arbeitsminister Genoste W a u t e r s über die anhallende Kohlenkrise in Belgien und kündigte weiter« streng« Maß- nahmen zur Einschränkung der K o h l e n a u s s u h r an. Er teill« gleichzeitig mit, daß keinerlei Ausfuhrbewilligung nach Eng- land erteilt worden sei. und daß es sich bei Kohlenverschickungen nach England ausschließlich um Transsttohle handeln könne. Dem- gegenüber erklärt der Vorstand der Bergarbeiter, daß tatsächlich 299 999 bis 399999 Tonnen belgischer Kohle nach England versandt worden seien, wobei Durchstechereien von Hasenbeamten mit- gespielt haben sollen. Diese Betrügereien sollen noch heute sortgesetzt werden. Der Vorstand beschloß, die Frage der Bewilligung der ge- forderten halbstündigen Ueberschicht den Lokalorganisationen zur Entscheidung zu überlasten._ Saii ttmertfAiftefttgtB». öeutt, Keeiwg. 7 ©Tuppeiibelin Simmblielm ßcmi Vi: Uhr. lagen Sic Sruppen: Keiinbelviechnn«.— Sri»»i»>»lazl Sde K»b?echttin>ge. S«imbec?rkchiinuna.— 3«»»eN»»I»tz: Grnvrenhen» SlSblikch« Iagendheim Luxem butger\£ttt(Btnttt Sltafc», Ktimbispitckiana. Wir lesen aus Georg BUchnera Zleoobnttonsdivma„Drrtfln« Tod".— Weodiag i: ffixuppmbehii SUibtboi» Wedbing, Kerl cht ftr. 65/6S. L-dmfctfpttdjumi. Wir lesen und rezitieren c„Die Tlinnne bts Arbeilerdichlers zur Revolution". z»ttii»»r»pp« de» 8MU Seuie. Freitag. Uhr, In folgenden Bezirken: """-------(tzin tag. •«: Keule. Frei- .......'.igten Staotftbtt fiohaTbttittotrbclib. Setfralbtt mtb gleich nach Arbeitoschlug aller in der Industrie beschltfth ownu fielen Ardeitnehmer. Sntscheidlprg Uber das Vcrhandlungsergednis. Di« Ortooerioaltung. Deutsch««ertlMlpetvoSon».»«jfafwtresn 23, khemisch« Industrie: Keule. Freitag. 7 Uhr. findet unser« Monaisverfammlung in Kaverlando FeMiilen. Rene Friedrichstrahe. statt. Bartrag de» Kollegen Dr. Tranrr. Vollzähliges Erscheinen der Kollegen ist Pflicht. Ächtung, Zimmer«! Äve Funktionär« haben die Pflicht, reg« Agitation fllr dl» nachsiedenden Bezirkoversammlungen zu entfalten: Seut« tagt der »«zirk SS Spandau. Uhr bei Möge!, Bismarelstr. 6, Am Sonnaden». 8 Uhr. tagt der Bezirk»8 Käpenick de! WvIIer, GrStt- Sik« kieher Strafte, und der Bezirk Z8 Friedrichshagen bei Bogler, Friedrichstr. 12. Am Sonntag 7. Rv- vemver, noäiimttags 3 Uhr, tagt der Bezirk 22 Teltow bei Kupsch. Soher Stein- meg l». 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Di« groteske Totsache, daß ein Gerichtsvorsitzender in ein und demselben Atemzug den Angeklagten in väterlicher Weise nichts anders als beim Vornamen Willy nennt und trotzdem über ihn «in Todesurteil spricht, ist hier Wirklichkeit geworden. In dar Urteilsbegründung kein Wort des Mitgefühls! Dafür aber der harte und zweifelswürdig« Ausspruch, daß ein Millionenvolt, das leben will, denjenigen, der sich ihm entgegenstellt, durch den Tod befestigen muß. Man mag sich vielleicht fragen: Was bedeuten diese zwei Leben angesichts der ZI Todesopfer des Eisenbahn- attentats? Aber gerade in diesem Fall, wie eigentümlich das auch scheinen mag, muß den sozialen Mißständen unserer Zeit der größte Test der Schuld an dieser Tat zugeschoben werden. Den wahren Sinn des Todesurteils hat der Swatsanwast in seiner Anklagerede enthüllt. Es sollte die Antwort auf die angebliche Frage des Aus- landes sein, ob es denn wirtllch keine Gewähr für die Sicherheit auf den deutschen Eisenbahnen gäbe. Es sollte ein Mittel der Ab- schreckung sein und schlleßltch auch eine Sühne für die Tat bedeuten. Das Urteil gibt aber keine Antwort aus die ander« bange Frage: Löst man durch die Todesstrafe dos soziale Problem, das nirgends in so krasser Form zum Ausdruck gelangt als in dem Gegensatz zwischen dem hungernden Wanderburschen, der durch die Arbeits- losigkest in die Wanderschaft hinausgestoßen wird, und dem satten Touristen im internationalen Luxuszug und im komfortablen Auto? Die Todesstrafe ist ebensowenig geeignet, das soziale Problem zu lösen, wie die Zugentgleisung imstande war, Schlesinger au» seiner persönlichen Not herauszuhelfen. Die Anwendungsmöglichkeit des ß 241, der den Mord mst Todesstrafe„sühnt", hätte in diesem Fall« mehr als zweifelhaft er- scheinen muffen. Die Gerichtsverhandlung, die mst einer Eile durch- gepeitscht wurde, die einer befferen Sache würdig gewesen wäre, ist dem Seelenleben der Angeklagten in keiner Weise gerecht geworden. Weder der Vorsitzende noch der Sachverständige, weder der Ber- tcidiger noch die Urteilsbegründung haben dem Innenleben der An- geklagten genügend Rechnung getragen. Die Angeklagten hoben das Urteil nicht angenommen: sie werden Revision einlegen. S8. hlldesheim. 4. November 1926. Aus der Verhandlung ist noch nachzutro doyer de» Staatsanwalts Rechtsanwalt Dr. B l e i s i n g e r s. führte in seinem Plädoyer aus. daß nach der Beweis- ausnahm«, die allein in Frage komme, nicht von Borsäglichkeit und Mord gesprochen werden könne. Das Delikt der Eisenbahntrans- portgefahrdung schließe den Verlust von Menschenleben schon in sich ein, aber der Angeklagte Schlesinger habe nicht den Tod von Menschenleben gewollt. Er habe geglaubt, der Zug werde langsam anhalten und habe nicht ein so großes Unglück vorausgesehen. Der Sachverständige Mönkemöller hat ollerl)and Nebensächlichkeiten von früher hier ausgeführt, die ihn hier nichts anginge». Ein anderer Anwalt hat ihn nicht zu Unrecht als den zweiten Staatsanwalt be- zeichnet. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß die Angeklagten keine Alärder sind, und ich bitte, noch einmal zu prüfen, ob wirklich auf Mord zu erkennen ist. Wenn hier gesagt ist, daß Deutschland und das Aus- land auf das Gericht blickten, man erwarte gewissermaßen die Todesstrafe, so muh man entgegenhalten, daß sich das Gericht nicht nach den Meinungen der Außenstehenden richten darf, die nicht wissen, was hier im Gerichtssaal bei der Verhandlung vorgegangen ist. Rechtsanwall f) o f f m a n n. der Verteidiger Willy Webers, legte ebenfalls dar, daß der§ 211 des Mordes nicht in Frag« kommen könne, well die Vorsätzlichkeit des Tötens weder direkt noch indirekt vorliege. Er wandte sich be. sonders an die Geschworenen, aus deren hohe Berantwortlichkeit er hinwies, und setzte ihnen den juristischen Begriff des äolus eveu- tuali« und seine Voraussetzungen eingehend ausemander. Es han- dele sich bei der Beurteilung darum, ob sich die Angeklagten vor- gestellt hätten, ob etwa jemand getötet werden könnt«, oder ob sie den Tod selbst gewollt hätten, also darum, ob man sich der alten Vorstellung oder der. modernen Willenscheorie anschließen wolle. Bei dem äolu» eventualis müsse man sehr vor» sichtig sein, denn man müsse sich dabei mit schwer feststellbaren Seelenoorgängen des Angeklagten beschäftigen. Rechtsanwall Dr B r u n o t t e l, der Verteidiger Walter Webers, erklärte, daß dieser Angeklagte nach seiner Ansicht nichts zur Beihilf« an diesem Berbrechen getan habe, die man bestimmt trennen müsse. Der Verteidiger führte zusammenfassend aus, daß keine Ber» bilfe zum Morde, keine Beihilfe zur Tronsportgesährdung bei Walter Weber vorliege, sondern daß der Angeklagte im ungünstigsten Falle bei Zusammenfassung aller etwa belastenden Moment« nur wegen Beihilfe zur versuchten Transportgefährdung verurteill und mildernde Umstände im weitestgehenden Maße zugebilligt werden müßten. Er plädierte im übrigen auf Freisprechung. In der Erwiderung hielt der Oberstaatsanwalt Stelling sein« An- klage und die Sttasanträgc in vollem Umfange aufrecht. Die UrtellsbegrünSvng. Vor der Urteilsvertündigung. die auf 6 Uhr angesetzt war. hatte sich auf dem Domhof, an dem sich das Gerichtsgebaud« in dem Furftbischöflichen Palais befindet, eine große Menschen. menge, etwa 200 Personen, eingefunden, die auf den Richter- hiruch warteten und erregt den Ausgang des Prozesses diskutierten. 'S* Zuschauerraum war, wie der Sitzungssaal, völlig überfüllt, -h an den Türen drängten sich zahllose Personen, die keinen Platz Kunden hatten Der polizeiliche Schutz war verstärkt worden und �le Kartenkontrolle wurde wieder wie am ersten Tage sehr streng gehandhabt. Um K7 Uhr erschien dann der Gerichtshof, und unter allgemeiner Spannung verkündet« der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Dr. Kämmerer das im chauptblatt mstgeteill« Urteil. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß die Ange- klagten überführt worden seien, drei Eisenbahntransportgesährdungen versucht bzw. verübt zu haben Er ging dann kurz nochmal« auf gehandelt hätten, und daß sie mst dem Tod von Menschen gerechnet haben. Es Handel« sich um M o r d und daraus steh« die Todeestras«.„Das Urteil ist gerecht," so betonte der Präsident. „Wenn ein Millionenvolk leben will, müssen einzeln« den Tod er- leiden, wenn sie da» Leben der anderen gefährden." Bezüglich de« Angeklagten Walter Weber habe das Gericht die Deihllse für nicht festgestellt erachtet. Er habe nicht mit Rat und Tat bei der Aus- jührung des Attentats geholfen, aber er Hab« sich insofern strafbar gemacht, als er seine Kenntnis von einem schweren bevorstehenden Verbrechen nicht der Behörde angezeigt habe. Er habe gewußt, daß das Attentat vor der Tür stand und trotzdem nichts getan, um es zu oerhüten. Auf sein Echuldkonto gehe es mst, daß Menschen ums Leben kommen mußten. Aus diesem Grunde sei er wegen Unter- lassung einer Anzeige auf Grund des§ 139 zu zwei Jobren Ge- fängnis unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft ver» urteilt worden. Der Vorsitzende fragt« sodann die drei Ange- tlggten. ob sie sich mit dem Urteil zufriedengeben oder Rechts- mittel einlegen würden. Sie hätten dazu eine Woche Zeit und könnten es sich überlegen. Di« drei Angeklagten erklärten gemein- sam, daß sie sich Bedenkzeit vorbehielten. Im übrigen nahmen sie das Urteil ruhig auf, nur der Angeklagte Walter Weber brach in Tränen aus. Beim Abtranspckrt der Verurteilten, der wieder im Gerichtswagen nach dem St. Godehardi-Gefängnis er- folgte, ereigneten sich keinerlei Zwischenfälle. Die Abendveranstaltung interessiert durch die N e g e r l i e d e r, die Edna Thomas sang, verständnisvoll am Flügel beglestet von Dore Leeser. Di« eigenartige und reizvoll« Melodik dieser Gesänge und Straßenrufe der Negeroerkäufer, losgelöst von dem heute fast unvermeidlichen Iazzorchester, zeigten sich an einer Reihe von gut gewähllen Beispielen. Robert K o p> c l erfreute durch die Rezi- tationc», von Erdmann Gräsers Spitze„Das Examen". Einen flotten und gut gesetzten Charleston von Nelson"und einen recht banalen amerikanischen Schlager sang er mit langvollem Bariton. Die Funkkapelle begnügte sich mit emem sehr anspruchslosen Re- pertoire. Eilenbergs Galopp„Renntierpost" wäre ebenso entbehrlich gewesen wie Robert Krügers Marsch„Titanenkampf" und Morenas Walzer„Die Schönen von Valencia". Einzig die lustigen Variatio- nen Suppäs über„Was kommt dort von der liöh'" hielten das Niveau, das man auch von einem helleren Abend der Funkkapelle erwarten darf. Da» Nowack-Frank-Quartett, wahrscheinlich selber in Böhmen heimisch, brachte am Nachmittag Kompositionen von Smetana und Dvorak in trefflicher Ausführung. Der treffliche Zusammenklang des Quartetts bewies vier Musiker von guten Quali- täten. Die beiden bekannten Werke Smetanas, v-Moll-Ouar- lest Nr. 2 und Dvoraks Quartett in.As- Dur Op. 105, die dos Programm ausmachten, bezeigten in ihrer Melodieführung und Rhych- mit charakteristisch die böhmisch« Musik.— Einen hörenswerten Vortrag über„Die Sonnenflecken und ihr Einfluß auf Irdische Er- scheinungen" hiest der Direktor der Treptow-Sternwart«, Professor Dr. Archenhold. Das Rundfunkprojrramm. Freitag, den 5. November. 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Dirigent: Selmar Meyrowitz von der Berliner Staatsoper. Leitung: Cornalis Bronsgeest. Pollione, römischer Prokonsul in Italien: Bernhard Bötel; Oroveso, Oberhauptmann der Druiden: Emannel List; Norma, Druidin, seine Tochter: Gertrud Bindemagel; Adalgisa, junge Priesterin am Tempel der Inninsul: Emmy Bettondorf; Ulotilde. Normas Vertraute: Hildegard Gajewska; Plavio, Pollio- nes Freund; Max Oamphausen. Druiden, Barden, Priesterinnen. Ort der Handlang: Gallien. Zeit: 100 nach Christi Geburt. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst 10.50—12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Kfinigswusterbaasen, Freitag, den 5. November. 12—12.80 Uhr nachm.: B. K. Graef: Sprech teohnik für Schüler. 2.50— S Uhr nachm.: Dr. Olga Stieglitz: Allgemeine Bildung, Begriff nnd Bedeutung. 3— S.SO Uhr nachm.: 0. M. Alflen, G. v. Eyseren: Spanisch SSO— 4 Uhr nachm.: Landesrat Dr. Vossen, Düsseldorf: Die Berücksichtigung des Bekenntnisses oder der Weltanschauung 1. in der Jugendfürsorge, 2. bei der behördlichen Unterbringung Minderjähriger. 4.50—5 Uhr nachm.: Mitteilungen ans den mit dem Zentrslinstitut verbundenen Stationen. 5 eis 5 30 Uhr nachm.: Medizinalrat Dr. Slawyk: Die physikalische Erforschung des Mikrokosmos. 6.58—6 Uhr abends: Dr. A. Dix: Die Hauptmächte der Gegenwart: I. Die Kennzeichen unseres 5 lobaltn Zeitalters. 6—6.30 Uhr abends: Regierungspräsident Dr. unghann: Ziel und Leistung des Völkerbundes. 6.80—7 Uhr abends; Staatssekretär Dr. Meyer: Die deutsche Handelsvertrags- politik. 7—7.80 Uhr abends; Dr. Ritsoher: Lyriker der Romantik im Liede 7.80—7.55 Uhr abends: Dr. Hayward: Behandlung frischer Wunden. Ab 8 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. CiBfcnbnogcn für tieft Stntcll(tat etzlin 66 68, Llattnstrshe 3, parteinachrichten für Groß-öerlin stet» an tss«caiztsfctcetarfet. & Hof, 3 Irep. rechts, zu rtchtv». 2. Kreis Tirrgarteu. Eoirnaheut, 6. Zhroeuiter, 8 Uhr. rrwellerte greis- verftmüisIltmiTg bei Artiger, Vutlltzstr. IN(Jtfdjclitcn unbtMngt notoeniia. 4.»reig Prenzlauer Berg. Arbeit er«ohlfahrt: Die Wteiflutigsletteriimtit für ArbeUerwoblfatrt«erden gebeten, umgehend die Lese für die Arbeiter» mohlfahrtsletierie bei der Eenossin Borlowski, Woldenbrger Str. 6, ntlg. lichst normittegs abzuholen. tt. K»ei» Reuliill». Achtung! Dienstag, 9. Ndnember, 7H Ubr. int StSdii. Lichtspielbaus, Bergltr. 117, Rcoolutionsfrier. Festred«: Pont Sers», M. d. 53. Rezitationen, Gesang der Neuliillner Liedertafel u. a. Alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, bestimmt zu erscheinen. Heule, Freitag. 5. November: 32. bi» 38. Abt. Sifiun« sämtlicher Elternbeiräte PA Uhr bei Schmidt, Ilruchtstr. 38. Erscheinen unbedingt erforderlich. K. Abt. Tempel hos. 8 Uhr im Reitaurcnt.„girr Linde", WCrder. Eck« ffriedrich. Narl-Strcst«, wichtig« tznnkticnitrsthung. tzrcgvbogen sind beim Genossen Wille ausgefilllt«d,ngeben. ffrogebogen. die noch nicht ausgefiillt find. find schnellstens fertigzumachen und ebenfalls an den Genossen Wille ein» »u/enden. II«.«M. Lichtenberg. 7V4 Ubr bei Schwarzer, Gabriel-Mar-Str. 17, Vorstands- iikun« mit sämtlichen Funktioniiren. Morgen, Sonnabend, 6. November: 4.«bt. 7 Vi Uhr wicht!« iymtttionärsihnna bei Schwarz. Blanke nfelder Str. ist. Li. Abt. TVi Uhr bei Baronski. Pasteurstr. 8, Sihung der Be/üiksführer. Betriebsvertrauensleute, SBD-Elternbeiriite und der sonstigen Funktionäre. 34.«bt. Uhr bei Busch. TUstter Str. 27. wichtig- stfunktionärsitning. 182. Vibt. Baums chnlenweg. Bon 5—6 Uhr ausserordentlich wichtige Be. sorechirng und«leichzeitig ffluablattverbr-ituna für die Revolutionsfeier am ko armen den Montag. Bi« Besirksfilhrer werden dringend ersucht, all« tiitlflen Se Nossen und Senvssinnen aa dieser tzlusblattoerbreituns heran. aimehen. Lokal: Sah. Bamnschulsrnstr. 72. 11». Vitt. Lichtenberg. Die ffundtio niirsihunq fällt aus. Bchtunal Dafür am Mowtaa, 8. November, Areisfunttionärsitiun«. die wir bitten, bestimmt und pünktlich zu besuchen. Zullgsozialisten. heule, Freilag, S. November: »ruppe Süden: 8 Uhr Sruppenobend. Besinn der Arbeitaarmeinschaft: „Sozialistische Erziehung� im Zuflendheim Linde nstr. 8.— Spielgemeinfchaft: 8�i Uhr im Iuaendheim Lindenstr. 3 Brobe zum Schmökers viel, 1. und 2. Teil. — Gruppe Mitte: 8 Uhr in der Schul« Sipsstr. 23« Ausspracheabend. Sterbetafel der Groß-Serliner Partei-Grganisation 118. BW. Lichtenberg. Unser lanchiihriaer Parteigenosse und ssunktioniir ssronz Saberer. tzrenaplah 2. ist am Mittmoch noch lonarm schmeren Leiden oerstorben. Einäscherung am Sonnabend, 8. Ämember. 3>4 Uhr, im Srema. torium Baumschulenweg. Rege Beteiligung der- Parteigenossen erwünscht. Sozialistische flrbelterjugenö Groß-Serlin. tzn» Menolntlonaseiei tan Sonntag, 14. November, vormittags II Uhr, im Drohen Schauspielhaus find«arten zum Preise von S0 Ps. pro Stück im Zugendsekreiariot zu haben. Das Sprechchorwerk Menschhmtswille" von cher- mann Claudius«»langt zur Erftaufsühruna. Achtung,«bteilungsk-stlerer! cheute, ftreito«. von 5—7 Uhr. Abrechnung. Ausgabe der �Zugeud voran I" und der.Arbeiter-Zug» nd". Achtnag, Abteilungsleiter! Salt die Karten ,ur Revolutionskeier ab. Die Bücherstube ist heute, tzreitag. von d— 7 Uhr geöffnet. Heule. Freitag, 5. November, abends 7H Uhr: «ander, sab Spiellciteekursns. Erster Abend in der Schult Kochst:. 18. Thema:.Erste Silf« bei llnglllcksfiillen". Ableilullgsmitgliederversammlullgeu: «eiheasee: Juaendheim Barkstr. 3«.— Stralauer Bieztel: Jugendheim Äostlerstr. O.— Eharlottenbnrg: Jugendheim Rofinenftr. 4.— Eharlmtrnburg. Nord: Jugendheim Zkostnenstr. 4.— Kal-ase«: Schul« tzvachim-sssriedrich�Stvan« 35,38.— Brist: Jugendheim Rathaus. Ehausseestr. 48.— Reulöll» ll: Zugcnd». heim Bersstr. 2S.— Adlcrohof: Iugendhetn: Roonstr. 18.— NZpenick: Zugcnd. Hein: Drllnauer Str. 5.—«ieterschSueweidr: Schule Berliner Str. 31-4 Spandau: Zugendheim Lindenufrr 1. » Reukölln IV: Jugendheim Zkogatftr. 53. Mitgliederversammlung mit Bor- trag:„Was bedeutet der I. Aiovcmber?"— Moabit II: Schule Bochmncr Str. 88. Bortrag:„fWrperkultur" 1. Teil.— Balkan: 806. Ivemelnd«schul«, Mandelstraste. Elastbrrnner-Äbend.— Rardoft U: Jugendheim Dansigrr Str. 82. Bvrtrag: „Der englisch« Streik".— Seuefelder-Biertel: Jugendheim Dangiger Str. 23. Bortrog:„Revolutionen von 1848 bis 1!>I8".— Sckidlleb-rg I: Jugendheim Sauptstr. Ib. Bortrog:„Der 0. Rovember 1S18".— Schilucberg II: Jugendheim Sauptstr. 15. Bortrag:„Bedeutung des fl. November".— Reukiln UI: Schule Weisestr. 19. Vortrag;..Di« seximllc Frage".— treptmo: Jugendheim Elsen. stvah« 3. Aussprache:„Warum bin ich in der SAZ.?" Werbebe,irk grrn�bcrg: Der Dwnnastikkursuo findet diesmal ASllnischer Park 8 statt. Dt« Slldostgrrwven treffen sich um SVj Uhr tlottbusser Tor. B«rdebe,irl Wedding: Sprechchorprobe Jugendheim Schöllsted tstr. 1, Ledigen. heim. Werbedezirk leltowkaaal: Bildungskursus für Aelter«, erster Abend. Steg» lih, Aldrrchtstr. 47. Thema:„Probleme des Marxismus". vortrage, vereine und verfammlungena Reichsbanner»Schwarz-Rot-Goid". Seschaftsstell«:»erlin«14, Sebastianstr. 37/38 Hof 2 Ar. Kreutberg: Erwachsen««ameoaden(nicht unter 25 Jahren), welche gewillt stnt>, dem Tambourkorps deiHutreten, werden gebeten, sich umsehend bei ihren Abteilungsleitern ju melden. All« Borträg« des«am». roden Neumann fallen aus.— Nenkölln-Brig: So., d. 8.. 7 Uhr. 2. stamerad- fchaft 1. und 2. Rüg ffamilienabend mit SaiM(PMchtveranNaltuna) im Lokal T!u> mahlen, Aerhbergstr. 22. Einleitend« Wort« ttreisvoostkender Stadtoerord- veter Dutfchmidt. Witwirkend«: Hauskapelle und Doypelauortett der Reukiillner Liedertafel. Sonntag, d. morgens 7V4 Uhr, 1. Kameradschaft Bflichtttbungs- marsch. Wildenbruch. Eck« goiser-tzriedrich�ötrohe. Rückkehr 12 Uhr. Mittag, Reuenhagen, Hoppegarten, Birkenstem: Sonntag, d. 7., Fahrt nach Peters- I>ag«n: ab Loppegarten 12,32 Uhr, ab Neuenhagev 12.38 Uhr.— sslchtiaau: Sonntag, d. 7., vormittags Sit Uhr. Antreten Sportplah iSutenbergstrah« ,um Marsch nach tzrederodors.— T-mpelhas ttkrets): Gründungsfeier am So., d. 8., Stecherts tzestsale, Bahnhof Mariendorf. Anfang 3 Uhr, End« 71 Fahrt- Verbindung Linie 08. Billetts, die bis»um gleichen Tage nicht abgerechnet nnd. gelten als verkauft.— vaumschnlenweg: Di« ordentiche Mitglicdervers. am ffr., d. 3., füllt umständehalber aus. Nächst« Versammlung ffr„ d. 12., bei Ohrtmann. Vortrag des Reichsiagsabg. Levrmer. fRAHKFUar�L t Tkttta tz-I-Mttttiier Schleikr. Cormrfuni, I. JtawtjiAfi. 8 Uhr, bei Ämmct, Cothexiusstr. 3, Eihunz. BoU»h-v!ichuIe(Stoh-Bctliu. Im Rohmen einet»wangwfen Reihe oou 3?ottTä(icn übet.Wem? su einem Weltbild" spricht Eonntag, 7. Ztoneinber. 11 Uhr, im Mnsemn für Meereslunde, Grorgenstr. 34/38, Prof, Dr. ff. Eule» burp Uber„Des Weltbild des wittschaftcnden Menschen". Eintritt sllr Nicht Mitglieder 30 Pf. Die Deutsche. Der erste Vortrag findet Donnerstag, u. Nonemder, 8 Uhr, stoit und behandelt dos Themat„Die Gesundheitsfitrsorge in der neueren tbeschgebung" von Abteilungsdirltor Dr. E43 Uhr und »nit der 2. Männer gegen Rowawes 1 VA Uhr ans dem Wasfersportplass Blässen. see. Aus dem ffichteplass in Reinickendorf. Schäfersee, spielen ffichte 5 l gegen ffichte 18 1 Männer>411 Uhr und die ffrauen ffickitessB. gegen ffichte.? 1 Ii Uhr, ffichte g A. gegen Gross-Beilin-Rorden 1 1 Uhr und ffichte 5 l gegen Ed'önow 3 Ubr. Auf dem ffichteplass Baumschulenweg spielen 10 Uhr ffichte 18 I gegen Iahn»Trcptow»Iu«c»d und ffichte 2 1 gegen Berlin 12 1 und ffichte 13 2. Männer gegen Schönow 2 3 Uhr. In Spandau, ffolkenhogener Chaussee, spielt die 1. ffrauen gegen Reukölln-Bereinsmannkchast 2 Uhr und 1. Männer gegen Neukölln. Veleinsmonnschaft 3 Uhr. In Hohenschönhausen, Sommerllrosse, spielt fftchie 8 mit der 1. Jugend 2 Uhr und 1. Manner 3 Uhr gegen Schönow. Weitere Spiele ssnd Oberspree 1. Jugend sola Uhr und I. Männer gegen Sparta >-..11 Uhr, Lichtenberg 1 1. ffrauen arg Moabit 2 3 Uhr Knnaststrasse. Bohn». dors 1. Jugend gegen Mt-Slienicke 10 Uhr, 1. Männer gegen Köpenick 11 Uhr und die Männermannschaften Lichtenberg 1 1 qeoen Alt-Glienicke 1 in ffriedrichs- fe'de>43 Uhr. ffichte 20 8 1 gegen Berlin 12 1 2 Uhr in Lichtenrade. Stralau 1 gegen Rudernerein Eollegia'411 Uhr und Kaulodo rs 1 gegen Lichtenberg 3 2 >'2 Ubr in Kaulsdorfi Biesdorf 2 gegen Sparta 2 10 Mir und Biesdorf 1 gegen Nordost 88 3 Uhr in Biesdorf: Schäneberg, Turner gegen Iahn-Treptow 3 Uhr Dominicusplass.- Rassball: ffronen-Weissenfee georn Pankow 2 Uhr Weissen. see. Rennbahnplass. Männer: Schwante 1 gegen ffichte 13 1, Schwante 2 gegen ffichte 13 3, Brandenburg gegen ffichte 22 1 und 2 und Schwedt a. d. O. gegen Wcissensee._ Zuhballspicle am 7. November. Im Norden finden einige Spiel« von Bedeutung statt. Staaken erhält den Besuch von Rathenow, während in Spandau, Stadion Hakenfeld«. Spandau 25 den Sportverein lIiemensstadt erwartet. Beide, Staaken sowie Spandau, müssen sich sehr anstrenge«, um die fführung tu Abteilung A zu hasten. Audi in Abteilung B finbet ein wichiigeo Spiel statt. Minrror empfängt in Borsigwalde. Rene Ernst- Ecke Eonradstrasie, Vorwärts-Henniosdorf. Minerva ha: gwei und Vorwärts drei Verlustpunkie. In Abteilung E kämpft Einigkeit 25 mit ffichte 24 um die Episse in Niedcrschänhousen. Kaiserweg. Weitere Spiele rm Norden: Veltener Vallspielltud gegen Virtenwerder in Velten. Kessin gegen Kpriss in Kessin. Hertha qegen Pankow 08 in Steinfurth. Arbeiter-Turnverein Pankow gegen Biiss in Pankow. Andreos-Hofer-Piass. Arminia gegen Ardeiter. Sportverein 24 in Blairtenburg, Römerstrasse. Alemannia gegen Blau-Weiss in der Ehriftianiastrasse. Union geoen Vilioria in Pankow. Marimilianstrasse. Lowset gegen Borussia in Zepernick. Ioachiiusihai gegen Wacker 24 irr Ioachinisthal. Teutonia gegen Amateure in der Ehristiauraitraß«.— Im Osten treffen sich in Abtmlung A in Lichtenberg, Wagnersirasse, zwei alt« Rivalen: Stralau und Vritannra. Stralau gelang es im Sommer nicht, iBritannia zu besiegen. Im Gegenteil wurden sie doch«eschlagen. Roch den lesstcn Resultaten zu urteilen, ist BrUannias Soielstorke sehr zurückgegangen und müssen sie sich daher sehr anstrengen, um gegen Stralau zu bestehe». In Abteilung B dürste Obersoree die fführung>ild>t mehr zu nehmen sein, tro ss dein dürfen st« Zo» honnrsthal nidit unterschässe», wenn sie auch den Vorteil des eigenen Masses, in der Wuhlheid«. haben. Weitere Spiel«: Askanio gegen Tasmonia in Köpenick, Grüne Trift. Sadowa gegen Wriezen in Köpenick-Nord. Verein für Be» wegungsspiele gegen Ketschendorf in Köpenick, am ffriedhof. Treptower B<�. spielklub qegen Riditer-waldc in Treptow, Plänterwasid. Lichtenberg 2 gegrn Branbenburg 02 im Stadion Lichtenberg, Serssberqskrosse. Lustig.ffibel gegen Berliner Svortocoein 18 in Rudow. Rcuköllner Strasse. Zcuthen gegen Wolters- dorf bei Erkner In Zeuthen. Wcissensee gegen AU�Slicnick« in Weisscnsee, Rennbahn. Lichtenberg 3 gegen Schwcisstern« in ffriedrichsfeld«, Kartellplass, Treskowallee. Komet gegen Gcrn:onia in ffürstenwald«. ssrisdr-ffrei««gen Reucnhagen in Riederschöneweide, an der Gasanstalt, ffichtcaolldost gegen Adl-eshof auf dem ffichtc-Tnrnplass Baumsdiulenweg. ffriedridishagcn gegen Berliner Sportverein 22 in ffriedrichshaqcn. Adler gegen Sparta in Mahls. darf.— Bezirk Südwesten: Jüterbog gegen Luckenwalde 2 in Jüterbog. Lucken. walde l geoen Hertha in Luckenwalde. Hessheide. Eintracht 25 gegen Berlin 12 in Briss. Germaniapromenade. Wilmersdorf gegen Beeliss in Wilmersdorf, Württemberaische Ecke Kähringcr Strasse. Potsdam gegen Wannsee in Potsdam, Bornstedter ffeld. Schmargendorf gegen ffortuna 23 in Eichkamp. Biktoria gegen Rowawes in Temoelhof, oerlängeite Kaiferin-Augusta-Strosse. Neukölln. Briss gegen Rüstig-Borwärts in Reukölln. Dammweg. Lankwiss qegen Ehar- lottenburg in Lankwiss, Gemeindepork. Kolzenburg gegen Kreuzherg in Kolze». buro. ffnssballriug gegen Schäneberg im Beusselgrnnd, am Bahnhof Beussel» fkrass». ffichi«?l qeoen Marienfclde in Lichtenrade. Luckenwalde 5 gegen Trebbin in Luckenwalde, ffrankcnfeld« gegen Woltersdarf in ffranlcnfelde.— Beginn der Spiele nodpnittag» 2'4 llhr. Borher untere Mannschaften. Frauell' und INädchen-Iverbeturnea. Der Bezirk Wilmersdorf der Freien Turnerschaft Groß- Berlin ladet die Arbeiterschaft des Westens zum Werbe fest am Sonntaa, den 7. November, nachmittags von 4 bis 6 llhr, Turnhalle in ch a l e» f e c, Ioachiin-Friedrich-Straste 35/36,«in. Es wird das neuzeitliche Turnen mit Musik und Tanzvorführungen gezeigt. Nachdem geselliges. Acisammenlein im Turnerheim. Wilmersdorf, Württeinbergifchc'Straße.— Die Denofsinnen werden besonders gebeten, den Frauenspon der Freien Turnerschast zu unterstützen. Di« Juiiginadchcn. wie die Kinderabteilung ersucht un, Zuweisung von Mitgliedern.__ Hockeyspiele am 7. November. Auf dem Mass Echönhanser Allee spielen ffichge 10 1 gegen Moabit kRolond) von 3— lOlf. SvV. Roland gegen Staaken 10>4— 12 kMockbit>. Rovdost gegen ffichte 1 1 12—!>., tSchönholz). In der Rormannenstrassc Lichtenberg spielen Lichtenberg 2 1 gegen Schmaraanborf I>4— 3 lASE.l, Lichtender« Sportler 1 gegen ffichte 12 1 3-4-., sLichtcnberg 2). ASE. 2 gegen ffichte 1 3 10-4—12 lEharlotlen. Kur«), ASE. 1 gegen Eharloltenbnrg 1 12—11, iSchmarzendorsl. In Schängolz treffen sich aus dem Plass am Wasserturm Schäuholz 3 gegen ffichte 10 2 10-4—12 lffichte 12), Schönbolss 1 gegen ffichte-Westl 2>4-�4 kfficht« 1). Aus dcm städtischen Sprrtplass Westend spielen Eharlottenbnrg 2 gegen Schönholz 2 >42— 3< Pankow) und die ffrauen-Mannschaften von Schönholz und Charlotten. bürg 3—4.__ Touristcnoercin.Die Ratuasrennde" kZeatral« Bien). Abt. Eharlattenbarg: ffreitag. 5. November, 8 Uhr, im Heim Berliner Str. 137 Geschäftliches und Sinqsang. Eonnigg 7. November, Oranienburg— Kremmen. Abfahrt 7,50 Uhr Sirttincr Bahnhof.— Abt. ffriedenau: ffreitag. 5. November,« Uhr, Im Heim Offendacher Str. 5» Mitgliederversammlung.— Abt. Südost: ffreitag. 5. Ro- vember. 8 Uhr. im Heim Reichenberger Str. 88 Aktuelles. Dienstag, 3. Ro- vember,>48 Uhr. in bor Aula der Schule Reichenberger Ecke ffonster Strasse: ,9. November. Wie es dazu kam." Lichtbildervortrag mit 200 Bildern vom gvauenhaffen Völlermorden.— Abt. Südwest: ffreitag, 5._ November. 3 Uhr. in der Badeanstalt Bärwaldstrasse Heimabend.— Abt. Neukölln: ffreitag, 5. zu». ocmder, 7 Uhr. Iugendqrnvpe im Heim Kopfslr. 55 Heimabend.— Abt. Tempel» hol- ffreitag, 5. November. 8 Uhr, im Heim Mariendoif. Dorsstrasse.— Abt. Treptow: ffreitag. 5. November, 8 Uhr. im Heim Eiscnstr. 3 Lichtbildervortrog. — Chor des Werbebezirl» Norden ffreitag, 5. November. 8 Uhr, in der Danziger Str. 82, Altersheim. Barocke 3, Ucbnngsswndc.— Photogemeinschast: Moirtaa, 8. November,',8 Uhr. im Heim Ebcriystr. 12:„Praktische Arbeiter- Photographie und schnellste Berichiernattung".— Ratnrwisseirschastliche Abt.: Montag, 8. November, 8 Uhr. im Heim Etralaucr Str. 55:„Naturwissinsd)ast. lidjcs. Allerlei". Sonntag. 7. November,. Prof. Degener, Wanderung nach Tegel. Abfahrt Stettiner Bahnhof 8>4 llhr.— Abt. Schöneberg! Montag, 8. November. 8 Uhr. im Heim Hanctftr. 15„Kampflied« rabcnb".— Wimtersportabt.: Sonn» tag. 7. November. Wanderung Potsdam. Treffpunkt 8 Uhr Potsdamer ffern- bahnhof. Der T:ockc»kursus Smllfchreiderstrasse fällt ans.— Abt. Wedding: Sonntag, 7. November, Buch—©orinf«. 148 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Abt. Stcgliss: Montag, 8. November, im Hrim Kniephof. Ecke Jever Strasse Geidlästliches, Volkslieber.— Abt. Norden: Sonntag, 7. November. Buken- werde:. Abfahrt 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. .Silcfia".Stettin gegen ,Lnrich".Derlin. Am Sonntag. 7. November,»er- anstaltec der Sporttlub„Lnrich 02" in den Andreasfosisälen, Andreasitr. 21. einen Städteringkampf mit dem pommcrschen Kreismeistcrklnb„Eilesia 87", Stettin. Ausserdem finde» noch Iin-Iitsn-Kämpfe und Demonstrationen sowie ein Städtelampf im Heben zwischen der Abteilung ffürstenwakde des Sportklubs ..Luridz" und der Berliner Staminannschast statt. Beginn 4 llhr. Erwerbslos« ermässigte Preise. Irn.Iitsv.Wettkamps in Potsdam, Sonntag, 7. November, 2 llhr. findet der erst« Bczirtswettstreit im Jiu-Jitsu in Potsdam, im Resianrant �sofjägrr". Luckcnwalder Str. 2, statt. Eintritt 1 M. Jugendliche und Erwerbslos« 50 Pf. Alle ffreundc und Gönner insbesondere d!« Potsdamer Arbeiterschaft, sind zu der Veranstaltung berzlich willkommen. Ad 6 Uhr gemütliches Beisammensein mit Tanz. Ingendfunktiovärkursu». Der Bezirksjugendansschuss des 2. Bezirks de» 1. Kreises im Arbeiler-Turn» und Sportbund veionstaltet einen Jugend- fnnktiouärkursus am Mittwoch, 17. November, vormittags 10 llhr. in Briten im Lokal Pntliss, Breite Str. 3: am Sonntag. 21. November, vormittags 10 Uhr, in Bernau im Restaurant Bellevue. Vortrag:„Die Aufgaben des Jugend- funktionärs im Arbeiter-Turn- uud Sportbimd". Au ssvreiche. Vortrag: „Jugend und sozialistische Erziehung". Anssprad:e hierüber. Mitteilungen, Anregungen usw. Di« Vereine werden ersucht, die Iugendleitnng al» Delegierte zu dieser Tagung zu entsenden. Die Vereine haben die Adressen der jeweiligen Ingendleiter umgehend einzusenden. Der Bezieksjugendausschuss. I. A.: H. Massow. Berlin RO 55. Winsftr. 53. Arbeitcrschachturvier 1926,27. Die Mannschattswettkämpfe de» Berliner ArbeitcrvSchachtlub» hatten am lessten Saimtag folgend« Resultate: A-Sruppe: Wedding l gegen Lichtenberg l 8:0 st Hänge). Wedding 2 gegen Gesund- brunnen 1 314: 214(4 Hange). Rater Stern 1 gegen Weiten l 414: 214(3 Hänge). Eharlottcnburg 1 gegen Osten 1 0: 8(4 Sänge). BffSruppe: Nordring 1 gegen Norden 1 8:4. E-Gruppe: Osten 2 gegen Westen 2 7:3. E-Ernope: König. stadt 1 gegen Reinickendars-Ost 1 214: 714. Osten 3 gegen Ostkap 2 714:214.— Sonntag, 7. November, vormittags 10 Ubr. treffen sich folgend« Mannschaften: B-Gruppe: Zlorden 1 gegen Neukölln l. Tegeler Str. 23. Weissense« 1 gegen Rordring l. Lchderstr. 122. Eharlottenburg 2 gegen ffriedrichsfelde 1, Kaiser- ffriedrichbZIr. 57. Humbolttbainl gegen Nordwest 1. Boltastr. 37. Süden 1 spielfrei. D-G nippe: Norden 2 gegen Süden 2. Tegeler Str. 23. Gesund- brunnen 3 gegen Südwest 2. Koloniestr. 147. Eharlottenburg 3 gegen Baltikum 1. Kaiser-ffriedrich-Ste. 57. Neukölln 2 gegen Mitte 1. Ponnierstr. 40. Wedding 4 gegen ffriedrichsfelde 2. Maxstr. 12.— Die Abt. ffriedrichshain spielt sesst jeden ffreitag 8 Ubr bei Otto Rvsenderg, Langenbeckstr. 1, Ecke Elbinger Strasse. Schachnnterricht kostenlos. Der SportNvb»Liberia« 98" eröffnet in Moabit eine Iweigabteilung für Jiu.Iitsu. Die Uebungsstunden beginnen Montag, 8. November, 8 llhr. im Lokal R. Wildau. Eickingeuftr. 72. Ecke Berlichingenstrassr. Hansa 4411. Nächster Abend Mittwoch, 11. November. Auskunft im Lokal und in der Gefchäflsstelle drs Vereins: Walter Laube, Krumme Str. 85 II. Arbeiter.N-dfabrerverria Geoss-Berlia. Sanntag. 7. Rovev:b«r, 1-4 Ubr, Köpenick, Berliner Str. 18. Rrfiourant Brndach. Motvrfahrer«ine Swnde später am Start. Start Waldemo rstrasse Ecke Mariannenplass. Gäste will. kommen. Die»ffeien Schwimmer Norden 1893* veranstalten Sonntag, 7. November, im Stadtbad Weddiva. Gerichtstrasse,«in lokales Schwimmfeft. Eintritt 80 Pf. Kinder in Begleitung Erwachsener frei. KartelloerbauK für Sport und Sörperpstege. Bezirkskogiell 11 ffriebrich». Hain: Die für Montag. 8. November, anggfesste Eissnng des Bezirkskartells findet umständehalber erst am Montag, 15. November, im bekannten Lokal statt. U. a. Statutenberatung. Die säumigen Bereine werden aufgefordert, im eigenen Interesse alle Verbindlichkeiten dem Kartellverband gegenüber noch vor Iahtesfchluss zu regeln. Sportabteilung ffichte-West. Die ffortsessung der Jahresversammlung findet am ffreitag. 5. November, im Lokal»an Dreissig. Panlshorner Strasse, am Griese-vlass. statt. Dos Erscheinen aller Berein-mitglieder ist unbedingt er- forderlich, da wichtig« Tagesordnung. Anfang pünktlich>43 Uhr. dlckot, yn&jdgSi. jaüjede Verkäufe Leiterwagen, Schubkarren, Einzelrädcr. Achsen, ffedern. Globus, Dresdener» strasso 5Z. Morissploss 127 38._• Teppiche, Diwandccken. Tischdecken. Bettvorleaer. Läuserstoffe. prachtvolle Auswohl, ertra billiae Geteaenbeiten. 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Der Abend war gekommen und brachte die Verzauberung der Nacht, jene geheimnisvolle Unruhe, die das Blut aufwühlt und fruchtbar macht. Ueber der trockenen chast des Tages erhob sich das zweite Dasein: die Steigerung und Vervielfältigung aller Sinn«, die Bereitschaft zum Leben und die leichte Schwärmerei nach der Ewigkeit hin, die sich in den Spielen zwischen Mann und Frau magisch auswirkt. Es war im Herbst, und der weiße Septembermond stand ganz kühl und klar über dem dunstigen Feuer Berlins. Dom Norden der Stadt aus streiften zwei Menschen nach dem Westen. Mit der . rührenden Feierlichkeit der Verliebten hatten sie ihre schönsten Kleider angelegt. Karl, so hieß der junge Mann, trug im Knopfloch eine weiße Dahlie. Agnes vertauschte den Staub drückender Fabrik- arbeit mit dem bleichen Puder einer jungen Dame. Vielleicht war es auch nur der weiße Mond und das leichte Frösteln herbstlicher Schwermut, das die zwei Menschen zusammenbrachte, vielleicht auch nur die atemlose Flucht nach dem Westen. Ja, das war es vielleicht, das ihr Blut purpurner aufschäumen ließ. Der Kurfürstendamm brauste wie Sinfonie. Di« Straßen im Norden waren wie jene steinernen Schluchten, die in den mexika- nischen Räubergeschichten beschrieben werden und die„Tal des Todes'' und»Schlucht der Geier" heißen. Jene westliche Avenue aber prahlte und gleiste voller Licht und war beinahe so schön an- zusehen, wie der Abstich des flüssigen Eisens aus einem Hochofen. Vielleicht war dies« Straße auch eine Schlucht der Geier. Ja, aber diese Geier hallen goldene Flügel. Vielleicht war diese Straß« auch nur ein Tal des Todes, aber das Eingangstor hieß Wollust, die breite Lichtrinne hieß Wollust, und die Tür zum Schatten hieß Wollust. Agnes und Karl sprachen, als sie auf dem Verdeck des Autobus saßen, sehr wenig miteinander. Sie waren keine Kinder mehr, die über strahlende Lichter jauchzten, sie waren auch nicht niehr so jung, um nicht zu wissen, daß beinahe alles Licht aus schwarzer Kohle und aus wilden Strömen gewonnen wird. Ihr Leben war gebücktes Gehen über die Erde. Darum wußten sie wohl, daß die irdische Schönheit in der Tiefe verwurzelt ist. An diesem September» abend nun hatten sie ihre Köpfe erhoben. Das viele Licht stand wie zugehörig um sie. Vielleicht sprachen sie deshalb so wenig, wir wissen es nicht, vielleicht dachten sie an verrauschte Begegnungen und Liebschaften, auch das wissen wir nicht, nur das wissen wir, daß sie am Ende der Fahrt sehr fröhlich waren und im Strom vieler Menschen nach dem großen Vergnügungspark schwammen, der sich mit Musik und Flammen aus der Nacht erhob. Die leuchtende Heiterkeit jenes Partes wurde durch aufdring» liche Reklamen sehr gestört. Kaugummi und Seife, Schokolade und Liköre, Zeitungen und heiße Wü-ftchen verfolgten wie kleine Monde oder Ballons die vielen tausend Menschen. Aber wie man die Sterne am Himmel vergessen kann, asso konnte man sich auch über Seif« und Kaugummi erheben und gegen das lächerliche Gekreisch der großen Vergnügungsmaschine absperren. Agnes und Karl er» hoben sich über Kaugummi und Seife und hörten auch da» Aechzen der geschäftlichen Aktionen nicht. Sie gaben sich dem Schwung rasender Tal- und Bergbahnen hin, dem kurzen, beglückten Absturz einer Rutsche in den See, der blitzschnellen Drehung des Teufels- rades, dem phantastischen Spiegelgarten ungeheuerlicher Berzerrun- gen und der schönen Illusion eines Fluges durch den Raum auf einem hochgebauten Karussell. Wie aus einer Honigwabe der Honig quillt, so quellen aus den lichtblühenden Terrassen und Dielen die Lieder- und Rhythmen vieler Jahrhunderte, sammelten sich scheinbar nahe am See in jener Ka- pelle, die in einer kleinen, gewölbten Halle stand und musizierte. Von der Kapelle ging ein Rauschen aus wie von einer bizarren Riesenmuschel aus der Südsee, in der man auch olle Meere, Stürme, Windstillen, Götter, Teufel und Liebenden singen und musizie- ren hört. " Vor dem dunklen See standen viele Lampen in bunter Reihe. Ein Hausboot baute eine leuchtende Terrasse in das schwarze Wasser hinaus. Auf jenem Boot, das auch nur eine Illusion war, denn es schwamm niemals nach der Mitte des Sees, nur die hymnischen Schläge und Sprünge des Jazzbands lösten sich vom Ufer, auf jenem Boot saßen also Agnes und Karl«ine kleine Stunde, um sich einzufügen in das andere Leben, in das blühende, leichte und beschwingte. Al» der Jazz am wütendsten hämmerte, begannen sie von der Liebe zu sprechen. Um den Anfang des Gespräches wehten keine Seufzer. Am Anfang standen die gekreuzten Klingen prüfender Augen, das Wissen vom Anfang und Ende der Liebe und dos trunkene Träumen von jener Zeit, die ewig ist und den Tod besiegt, das trunkene Träumen von jener Zeit nämlich, in der die Tage sich verdunkeln und die Nächte strahlend werden, wenn die Liebste kommt. „Ach," sagte Agnes,„kein Wort von ewig. Ich will nur ge- liebt sein. Vielgeliebt. Jmmergeliebt." „Ich habe dich sehr lieb, Agnes. So lieb, daß ich dich auch heiraten würde," antwortete Karl und wußte nicht, daß sie wirk- lich geheiratet sein wollte und sein Herz nur prüfte. „Also liebst du mich nicht?" sagte das Mädchen und mochte ein kühles Gesicht, wie der bleiche Mond, der hoch über den schwarzen Bäumen geisterhaft stand. „Aber ich sagte doch: ich liebe dichl Agnes, Agnes, willst du, daß ich dich heirate?" sagte Karl und hatte alles vergessen: die ge- kreuzten Klingen prüfender Augen und dos Wissen vom bitteren Ende einer Liebe. Nur die Schwärmerei nach der Ewigkeit war in ihm, jenes Rauschgift, das in jeder Nacht ausgestreut wird. „Nein," lochte Agnes.„Ich will nicht. Du sollst wollen.* Du bist der Mann.... Heirat, Heirat," spottete sie weiter und hatte brennende Augen.„Heirat, Heirat... Heute wird ja nur ge- heiratet, um wieder auseinander zu laufen. Wenn die süßen Jahre vorbei sind.. Karl kannte dos Mädchen einige Wochen. Noch nie war sie ihm so begehrenswert erschienen wie heute abend. An eine Heirat hatte er niemals gedacht. Aber jetzt war nur ein einziger Gedanke in ihm- Agnes immer zu haben, jeden Tag und jede Nacht. Natür- lich war er der Mann, und Mann sein heißt Erobern und Siegen... Gab es etwas Schöneres in der Well als die Vereinigung von Mann und Frau? Als das Zusammenbrausen zweier Blutströme? Diese Gedanken, die aus der Nachtküble aufstiegen, füllten ihn voll- kommen aus. Als Karl die Hand des Mädchens erfaßte und sie im Takt der Tanzmusik preßte, als ob es niemals einen Tag gäbe, sondern immer nur eine Nacht, in jenem Augenblick krachten über dem Liebespaar die ersten Raketen auf. zischten nach den Sternen, strahlten and zerfielen traurig und schön.(Schluß{<*#■) Wie Mentate auf Nussolini entstehen. üu schnalzest mit üer Zunge— du verursachst daraufhin eine Panik— ihr beide lyncht ein Kind— und die Hetze gegen Frankreich besorge ich selber!" /tos sturmbewegten Tagen. Von Adolph Hoffmann. In Ulvtcrhaltuna und Wissen" vom 19. Oktober wurde ein Artikel mit dem Titel»Antän-!« der Berliner Sel,eimor«»nisati»n" verilfkent. licht. Eenoss« Ad-lpl, Kosfmann sendet uns einen Beitr-q. in dem die ihm persönlich bekannten Boroöngc durch«inen damals aktiv beteiliqten Genossen noch einmal aufgefrischt und bestätigt wurden. Es bandelt sich um«ine Episode, die seinerzeit im Kreise der Parteigenossen und darüber binau» in der OeffentÜchkeit große Heiterkeit erregt«. Einer von den dreizehn der am 13. Januar 188» verhafteten, bis 13. April in Untersuchungshaft gehaltenen und an diesem Tag« frei- gesprochenen Genossen namens H i l l« r erhielt trotz Freispruch sechs Monat« später das Ausweisungsdekret. Das sogenannt« Belagerungsgebiet erstreckte sich, wie nicht mehr allgemein bekannt sein dürfte, nicht nur aus den Stadtkreis Berlin, sondern auch auf die Stadtkreise Charlottenburg und Potsdam sowie die Kresse Teltow, Nieder-Bornim und Ost-Havelland. Die Praxis der Polizei gegenüber den von der Ausweisung Betroffenen ging dahin, daß vom Augenblick der Behändigung des Auswesslmgx-dekrets an, dos vom Dorsteher des Polizei-Revisrs dem Delinquenten ins.Haus ge- bracht und gegen Quittung ausgehändigt wurde, zwei„Geheime" vor dem Haus« des Betreffenden aufgestellt wurden, welch« denselben während der in der Regel auf drei Tage bemessenen Frist aus Schritt und Tritt zu überwachen hatten und ganz besonders das Reiseziel des Ausgewiesenen feststellen sollten. Es ist erklärlich, daß dies« Art der Beobachtung und Begleitung allgemein als lästig und unangenehm empfunden wurde, und daher das Bestreben vorherrscht«, den Aufpassern auf irgendeine Art«in Schnippchen zu schlagen. Auch unser Genosse Hiller hatte nicht Lust, sein« Begleiter bis auf den zur Abreise in Aussicht genommenen Bahnhof mitzunehmen und sonn darauf, wie er eventuell mit List den„Spitzeln" entrinnen könnt«. Ein Ausweg war auch bald gefunden. Sein Schwiegervater hatte im Osten Berlins«ine Möbelpolier- Werkstatt, in welche kleine Tischlermeistcr ihre Arbeit brachten, um sie mit dem nötigen Glanz versehen zu lassen. Hier siel es einem anwesenden Genossen«in, Hiller als Einlage in einem dort stellenden Schrank fortzubringen. Gesagt, getan. Hiller stieg in den Schrank. Vier kräftig« Hände trugen die Last die Treppe hinunter, setzten sie auf den bereitstehenden Handwagen und fort ging es durch«in« Reih« von Straßen, bis er bei einem Bekannten wieder ausgeladen wurde. Aus diese Weise war er den Spürhunden aus der Ras« gekommen und im wahren Sinne des Wortes„glänzend" entwsscht. Hiller kam unbeachtet zum Bahn- Hof und der Zug hatte ihn längst in die Weit« getragen, als der Doppelposten noch immer in der Rüdersdorfer Straße vor dem Haus« stand, bis er sich endlich davon überzeugt«, daß ihm der„Delinquent" entwischt war. Doch derÄrm der Polizei reicht weit. Und da sie wußte, daß die messt«» Züge, die Ausgewiesen« von Berlin wegbrachten, über Leipzig gingen, lag für die Berliner Polizei die Vermutung nahe, daß auch Hiller sich dorthin gewandt hob«. So erschien dann auch in Leipzig prompt drei Tag« später in aller Morgensrühe der damals allgewaltig« Polizei-vberwachttneister Döbler bei Hillers schon vorher ausgewiesenem Freunde Heinrich Peege mit der Anrede:„Bei Ihnen soll sich ein Herr Hiller aushalten." Da das verneint wurde� erklärte«r:„Er ist doch wohl hier, denn wir haben's von Berlin und die wissen besser Bescheid wie wir." Nachdem ihm erwidert wurde, daß Hiller wohl hier war und sich sogar zwei Tage aufgehalten habe, aber gestern schon wieder mit unbestimmtem Ziel abgeresst sei, überzeugt« sich Döbler durch Absuchen der Wohnung von seiner Nichtamvesenheit und ging mit enttäuschter Miene davon. Hiller wurde aber bald nachher in semer schlesischen Heimat, wo- hin er sich gewandt hatte, ermittelt. Die in diesem Vorgehen der damaligen Machthaber zum Ausdruck kommende brutal« Verfolgungsmanie den ins Exil gejagten Familien- vätern gegenüber empörte allgeinein, lief sie doch in ihrer Wirkung darauf hinaus, den davon Betroffenen in Deutschland jede Möglichkeit zu nehmen, für sich und ihr« Famllien an irgendeinem Ort« Arbeit oder Existenz zu finden. Di« so Geächteten konnten sich der Kontroll« der Berliner politischen Polizei nirgends entziehen, da sie, wenn sie sich in einem andern Ort« niederlassen wollten, als Legitimation nichts weiter in Händen hatten als ihr« Ausweisung. Ein Führungsattest zu erhalten war ausgeschlossen. A,kf«inen diesbezüglichen Antrag erfolgt« die lakonische Antwort:„Wir haben über Ihre persönlichen und sonstigen Verhältnisse der Polizeibehörde in...... Bericht erstattet und nehmen deshalb von der Aus- stellung«Ines Führungszeugnisses Abstand." Dadurch waren die schon als„gemeingefährlich" gekennzeichneten Opfer der neuen Aufenthaltsbehörde in„empfehlenswerte Erinnerung" gebracht. So kam es, daß, wenn es einem gelungen war, Arbeit zu finden, recht bald die Polizei an den Arbeitgeber herantrat, um ihn zu veranlassen, den gemeingefährlichen Mensche» zu entlassen. In den meisten Fällen hatte dieses Vorgehen auch Ersolg. Es gab aber auch damals schon Arbeitgeber, die solchen Beein- flussungsoersuchen nicht zugänglich waren. Auch unser Genosse Hillcr hotte in seiner Hermatsstadt einen Arbeitgeber gefunden, der diesen Versuchen widerstand. Hiller hat dort Jahr« lang ungestört als Klovierarbeitcr gearbeitet, betrieb dann viel« Jahre hindurch ein kleines Kaufmannsgeschäft, in welchem es ihm sogar gelang, einig« Ersparnisse zu machen(Hiller ist kinderlos). Er lebt noch heut« dort, 7S Jahre alt, mit seiner Frau in erträglichen Berhällmssen. mutung, zurückzuführen,. daß die Genossen Pietschmann und Hellwig ihre Begleitung unter Außerachtlassung der gebotenen Vorsicht von der Potsdamer Straß« her bis an das Tagungslokol unbewußt mitgebracht hatten. Durch das Nachschleichen der Spitzel und damaligen politischen .Llchtgroschensungens" erfolgte manche-Polizeiüberrumpelung und Verhaftung, hinter der man dann, oft Verräterei suchte. Manch ehr- sicher Genosse wurde dadurch schuldlos verdächtigt. Noch kurz vor dem Zusammenbruch 1318, als di« Sozialdemo- kraiische Arbeitsgemeinschaft ihr« erste Reichskonferenz natürlich geheim in Berlin abhielt, wurde dt« Berhaftnng der ganzen Versammlung dadurch möglich, daß der Genosse Horn-Stettiy, weil der den ersten Zug oersäumt hatte, unvorsichtigerwess« an den einladenden Genossen Bahnhof Alexanderplotz, Wartesaal II. Klasse, telegraphierte. (Hier sollten die Ankommenden die nähere Adresse erfahren.) Di« Polizei, die von diesem Telegramm Kenntnis«rhiel», erwartet« Horn, lies ihm und dem Abholer nach und man hatte die ganzen„Verbrecher". Die Ausbeute für die Polizei war ja Null, Null. Aber die ge- schilderten Fäll« zeigen, daß bei den vielen Schnippchen, die der so schlauen und berühmten königlich preußischen Polizei geschlagen wur- den, auch einige Episoden sich abspielten, wo,„wie eine blinde Henne ein Körnchen findet", die heilige Hermandad auch manchmal«in revolutionäres und staatsgefährliches Nest ausnahm, nicht weil Verrat im Spiele war, sondern weil die Genossen bei aller Vorsicht nicht vorsichtig genug waren. Wie heißt doch das alte Sprichwort?„Vorsicht ist die Mutter der Weisheit." Aber— ihr Vater wird nie genannt, ist also unbekannt. Daraus ergibt sich klipp und klar, daß auch die Vorsiäzt einmal unvorsichtig war.__ Der freundliche Hai. Die allgemeine Anschauung, daß der Hai- fisch ein stets hungriges und gieriges Raubtier ist, das den Menschen anfällt, wird von dem bekannten amerikanischen Zoologen und Direktor des New Porker Zoo, Prof. William Beebe, nicht geteilt. Er hat vielmehr die Erfahrung gemacht, daß die Haifische dem Menschen, der im Badekostüm und Taucherhelm auf dem Meeres- boden herumspaziert, nicht das geringste tun. In seinem neuen Buch„Das Arcturus-Abenteuer", das die Ergebnisse seiner ozean- graphischen Expedition mit dem Schiff„Arcturus" bei den Kokos- und Galapagos-Jnseln erzählt, schildert er die angenehmen Be- gegnungen, die er mit Haifischen gehab: hat.„Mehrere Mitglieder unserer Gesellschaft," schreibt er,„darunter auch Ruth Rose und ich, stiegen m Badekostüme» und Taucherhelmen zum Meeresboden her- ab, um hier die interessante Tierwelt zu studieren. Dabei waren wir beständig vor großen Haifischen umgeben, die über uns und um uns herumschwömmen, hie und da einen Fisch erschnappten.�uns selbst aber nur mit einer freundlichen Neugierde betrachteten. Zwei kamen einmal langsam ruf mich zu. Sie richteten ihr gelben katzen- ähnlichen Augen aus mich, aber in diesen Blicken war nichts Schlimmes zu lesen, sondern eher ein gewisses Wohlwollen(!) üud sie schwammen dann snedlich weiter. Was Tigerhaie anbelangt, die ein« Länge von 33 Fuß erreichen, so möchte ich mich für ihre Gut. mütigkeit nicht verbürgen. Wir hatten nur mit mittelgroßen Exemplaren von etwa 6 Fuß zu tun, die uns gegenüber keine be- unruhigenden Zeichen erkennen ließen." Wolkenkratzer aus Glas. Der New Porker Architekt William esse ein w ri Möglichkeit, ein Glas herzustellen, das auch für Wärme und Kälte Orr Ludlow veröffentlicht in der amerikanischen Presse einen Aui- ruf, Wolkenkratzer aus Glas herzustellen. Luolow rechnet mit der nndurchlässig ist und meint, daß dann gleichsam das„Thermo- prinzip" auf den Häuserbau angewendet werden könnte: doppelte Glaswände mit einem Bakuum dazwischen. Das Ergebnis würde ein« Ersparnis an Heizung im Winter sein, während für den Som mer kühle Wohn- und Arbeitsräume geschaffen würden. Staats- Theater Opern platrd.Hlppn�'* 12 U.: MittaOT-Sin fonlekoniert SU.: l.Slnfon.-lConz. SchanepIeUm"4 3 Uhr: Lnl n Schnier.Thenlw 3 Uhr: Soldaten »W ÜP?I Charlotlenbnri? VI, Uhr: Malett« H.*. Debicka J. Schwarz Abonn.-Turnus II vonWotfganeGoetz Regle: HelnzHilpert Syx.(7.) nachm. äU.: Kanunerspiele Norden 10334—38 8«/« Uhr: lhikgMUMM von Tristan Bernard Regie: Eug. Roben Die Komödie Bismarck 2414,7516 « Uhr Sie Gefangene Von Bourdet Regle M. Reinhardt Hr. MOIlW Täglich 8'/, Uhr tyon'Wavx} S?U VdujriB' CHAREUU- REVUE o /MÜV SVt�c �vwiCvi Mriiispieleiisw.i ■ rwyvvw-»wy-x-ifwaf m r%.■_■f-�urmwmnrgnrj�J' üeimdies Theater Norden 10334—38 8 Uhr: Reldhardl V. Gnelsenau aesells ehalt '-'iniowiln-SIhner Th.Konigerätz St. Hasenheide 2110 SU- An Dwwn Eidt HomOdlennaDS Norden 6304 8; Einbruch Th. a. Kallsnilorfpliti 8: Franziska Uomoaienhaus Sonnt nachm. 3 U. ler Garten Eden "seSOPf. h. 4M. PTjfiS Slkinbirj-Bihim» Ott künstler-Th. 8:„Öde Königin" ■«say Filltohtn Sbd.S'.i Das böse PrlnieBchen Stg.SVj; Uer fröhliche Weinberg Lesslng-Theater 3 u..- üensttt nnfl Oehememui Stg. 3'/,: KnhnH TL a.KcrffirsleiäaüiiE 8 Uhr: In der Johaanisnachit Lastspielhaas 8>/« Uhr: D.nerzoglavflbt Stg. 3'/,; MasMM SCAIÄ Nollendort 7360 8 Uhr. Variete- Neulieiten 3" zu ermäßigt. Preisen d. ganze Programm Kose-7heater 8>,. Uhr; Waslhrwoilt Kleines m s u.- Kethrengesprädie Metro pol. xneai. Täglich S Uhr: Die große Revue Wieder MeDopol Residenz-Tlieat. Täglich gt/r Uhr: Ahsteigeiiiiartier Hatihl Jcatmllid»««rtetni Ttuuio-Theater uhr Der Biberpelz Regie: Berth. Viertel Thittr Iis Westens g; Der Zug aadii Westen | Tagt. St/, Uhr b Theater im Admiralspalast mesenertou Kaller- Kenne An il aus Preise von 2-16 M. | VoTTokanf iimrttrbr.| Heute funge frische Gänse{};« allererste Qualität äpestner, Berlin SO. 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