Abendausgabe Nr. 523> 43. Fahrgang Ausgabe B Nr. 254 Sezuzzbedingungen und Anzclgcnpreise find in der Morzcnousgod« anzeaeben »-dattloa: Sw. S». Llndenstrab- 3 z-rnspr-cher: SSnfjolT 202— 20Z Zcl.-lf dccffe; Sozlaldemokro« Berlin Devlinev Volksblatt ( 10 Pfennig) Zreitag 5. November 1�26 Sttlafi und Anzeigenadleilunz: Seschäftszeit bis ä Uhr Verleger: Vorwürk». Verlag Smby. verlln SV». BS, Cinbenflca&e 3 Fernsprecher: VSnhosf 202-207 Zentralorgan der Sozialdemohrati leben Partei Deutfd�lands Ironöe in öer Industrie. Sozialpolitische Reaktion.— Die Werkvereinspolitik und der Reichsverband. Bereits heute morgen konnten wir mitteilen, daß auf Veranlassung einiger reaktionärer Industrieller und einiger Führer der sogenannten vaterländischen Arbeiterbewegung eine„Gesellschaft für deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik" gegründet wird, deren Gründungsversommlung während der Drucklegung des Blattes im Gange ist. Hinter den vaterländischen Arbeit- nehmeroerbänden verbergen sich die Führer der gelben Wertoereinsbewegung, die ihre Felle davonschwim- men sahen, seit sich im Unternehmerlager immer deutlicher die Tendenz zeigte, daß man sich mit den realen Tatsachen ab- finden will. Unter der Oberfläche arbeiteten aber auf beiden Seiten die führenden Kräfte weiter. Leiter der neuen Gründung ist das Mitglied des Reichs- wirtfchaftsrates, Generaldirektor Dr. Hör st. Dieser hat«in Schreiben an die Vereinigung deutscher Arbeit- geberoerbände und an den Reichsverband der deutschen Industrie gerichtet, in dem er sich auf das heftigste gegen die Ausführungen Silverbergs anläßlich der Dresdener Industriellentagung wandte, diese als unerhört bezeichnet und vor allem dagegen protestiert, daß Silverberg es gewagt habe, die deutsche Arbeiterschaft mit der Sozial- demokratie und den freien Gewerkschaften zu identifizieren. In gehässiger Weise wandte er sich auch gegen diejenigen Wendungen Silverbergs, die die Verdienste eines Leoien und E b e r t um den deutschen Staat und die deutsche Wirt- schaft hervorgehoben. Die Einstellung des Herrn Horst zu den freien Gewerk» schaften ist bekanntlich nicht vereinzelt. Sie deckt sich weit- gehend mit dem, was der Schwerindustrielle Dr. Reichert in Dresden und auch bei anderen Anlässen unter Zustimmung seiner deutschnationalen Freunde gegen Silverberg ein- ''"Opposition zu sammeln und zunächst nach berühmtem Muster eine gewandt hat. Man hat nun versucht, die O p p o s i Art Studiengesellschaft zu gründen, die das notwendige pseudowissenschaftliche und agitatorische Material sammeln und bei den Industriellen das metallisch klingende Interesse wecken soll, um die Werkvereinsbewegung in größerem Stile zu entfachen. Von Wisienschafllern hat man den Professor D u n ck m a n n, der ein von den Unternehmerverbänden unterstütztes Institut unterhält, und den Professor Voigt gewonnen. Die Haupttreiber aber sind als politisch reaktionär bekannte Persönlichkeiten, wie wir sie heute morgen genannt haben. In dem Einladungsschreiben zu der heutigen Tagung kommt diese politisch reaktionäre Tendenz auch darin zum Ausdruck, daß erklärt wird, die Unternehmer seien heute nicht in der Lage, die ihnen notwendig er- scheinenden Wege zu gehen, da sie durch Gesetzeund die Politik des Staates in ihrer Tätigkeit in gewissem Sinne festgelegt seien. Man will damit offenkundig gegen die demokratischen Regungen polemisieren, die neuerdings im Unternehmerlager immer deutlicheren Ausdruck fanden und hat sich deshalb mit den Führern der nationalen Arbeiterbewegung an einen Tisch gesetzt, um zu- gleich mit der Förderung des Werksgemeinschaftsgedankens die staatliche Wirtschafts- und Sozialpolitik zu durch- kreuzen. Dr. Horst beruft sich darauf, daß die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände seine Be- strebungen ausdrücklich gebilligt habe. Auch an den Reichs- verband der Deutschen Industrie hat er sich gewandt. Hier scheint er gleichfalls Zusagen einzelner Persönlichkeiten zu haben, wenngleich das Präsidium als solches sicherlich daran nicht beteiligt ist. Wir erwarten, daß der Reichsverband der Deutschen Industrie sich dazu öffentlich ausspricht. Was aber die Vereinigung deutscher Arbeit- geberverbände angeht, so stimmt ihre Zusage durchaus überein mit der doppelzüngigen Politik, die in dieser Vereinigung nicht erst seit heute und gestern geführt wirk». Man weiß, daß Kommerzienrat Ernst v. Bo r s i g, der Vorsitzende dieser Vereinigung, in allen politischen und sozial- politischen Fragen sehr weit rechts steht und für die Werks- gemeinschaft immer sehr viel übrig gehabt hat. Außer Borsig aber ist noch eine ganze Reihe industrieller Führer in' den Vorstandsorganen der Vereinigung deutscher Arbeitgeber- verbände vertreten, von denen man wohs annehmen kann, daß sie sich mit der Gegenaktion gegen die Reichsverbandskund- gebung solidarisch fühlen. Man wird abwarten müssen, was der Reichsverband der deutschen Industrie zu diesen Vorgängen zu sagen hat. B i l- l i g t er die Fronde der Industriellen oder ist er dagegen wehrlos, so wird das für die Beurtellung der wirtschafts- und sozialpolitischen Haltung seiner Führer von der größten Wich- tigkeit sein. Garibalüi- ein Mussolini-Spitzel. Ein entlarvter Gegner des FsaschismuS. Paris, S. November.(EP.) Der als antifaschistischer Ver- schwörer oerhastete Oberst Garibaldi— der übrigens Inhaber der sranzösischen Ehrenlegion ist— ist nach Paris gebracht worden. Die Untersuchung hat ergeben, daß Garibaldi nur noch außen hin als Antifaschist austrat, tatsächlich aber mit Musiolini und der italieni- schen Polizei zusammenarbeitete. Es ist bereits festgestellt worden, daß er sür seine Spitzeltätigkeit 400 000 Franken Sold bezog. Noch am 24. Oktober wurden ihm durch Oberst Rapolla aus Rom 100 000 Franken ausgezahlt Garibaldi hat vor dem Untersuchungs- richter nach längerem Leugnen ein volles Geständnis abgelegt. Es wird bekannt, daß der Verhaftete in Nizza auf sehr großem Fuße lebte. Wie die Polizei Attentate fabriziert. Rom. S. November.(WTB.) lieber die Ursachen, die zu der Verhaftung führten, teilt der„Mattn" mit: Gegen Ende Oktober erhielt die Pariser Sicherheitspolizei aus offiziellen italie- Nischen Ouellen davon Kenntnis, daß ein Italiener namens S c i e v o l i, der in Paris wohnhaft gewesen sei, beabsichtige, sich nach Italien zu begeben, um Mussolini zu eriüorden. Er ist tat- sächlich am 17. Oktober in Nizza eingetroffen und hat sich sofort »nit Garibaldi in Verbindung gesetzt. Er soll im Dienste des Bruders Garibaldis in Paris gestanden haben. Garibaldi führte ihn in die antifaschistischen Kreise in Nizza ein und stellte ihn mit der Bemerkung vor, daß er mit einer vertraulichen, wich- tigen Mission beauftragt sei. Am 24. Oktober stieg«in Italiener, der sich für einen Kaufmann aus Florenz ausgab, in Nizza unter dem Namen Pisa- c a n e ab. Die Sicherheitspolizei bekam bald heraus, daß es sich um einen hohen Beamten der italienischen Polizei handell. nämlich um den Major Lapolla, den Generalinspekteur der Mailänder Po- lizei. Auf die Polizei gebracht, gab Lapolla zu, wer er sei: er «»klärte, die französische Grenze ohne Genehmigung überschritten zu haben, um über die Attentatspläne des Scievoli eine Unter. f u ch u n g anzustellen. Bei Durchsicht seines Gepäcks jedoch wurde festgestellt, daß Lapolla außer dem der Polizei bekannten falschen Paß, der aus den Namen des angeblichen Florenzer Kaufmanns lautete, mich einen weiteren auf den Namen Scievoli lautenden Paß hatte.(!) Gleichzeitig fand man bei ihm«ine Anzahl voll- kommen neuer 1000-Lire.Scheine. Lapolla wurde darauf über die Grenze abgeschoben, jedoch wurde ihm auf sein Ersuchen ge- stattet, noch für ein bis zwei Stunden Noch Nizza zurückzukehren. In seinem chotel angekommen, empfing er zur nicht geringen lieber- raschung der französischen Geheimpolizei, die ihn beobachtete, bald den Besuch des Obersten Garibaldi. Lapolla ist am 25. Oktober »ach Italien zurückgekehrt. Neuer Einbruch bei Güa Lerüa-Glberg. Wie wir erfahren, hat das angebliche Attentat von Bologna auch«inen neuen Einbruch in das Haus des sozialistischen Parteivorstandes, in dem sich auch die Wohnung der Genossin Lerda-Olberg befindet, zur Folge gehabt. Es waren in dieses Haus, das nur von einem 70jährigen Manne, dem Gatten unserer Genossin, drei Frauen und einem Kinde bewohnt war, etwa 200 Fa- schiften eingedrungen, die alles kurz und klein schlugen. Der Angriff war schon zwei Stunden zuvor angekündigt worden, trotzdem geschah nichts Entscheidendes, um dos Verbrechen, das in einer der Haupl- ftraßen Roms verübt wurde, zu verhüten. Der schwachen Polizei, die gewissenschast und mutig die Verteidigung führte, gelang es zu- nächst, indem sie mit der Anwendung der Waffe drohte, die Menge in Schach zu halten. Als aber diese sah, daß die Polizei nicht schießen durfte, Durchbrach sie die Sperre. Die Familie— ein Greis, drei Frauen und ein Kind— mußte sich in eine fremde Wohnung retten und wurde noch später, als sie außerhalb des total verwüsteten Hauses eine Unterkunft für die Nacht suchen muhte, mit dem Schädeleinschlogen bedroht. Ein Versuch der Einbrecher. die Trümmer der völlig demollerten Bureauräume in Brand zu stecken, wurde von der Polizei verhindert. Die Deputiertenkammer einberufen. Auf den 12. November. Paris, 5. November.(Eigener Drahtbericht.) Der am Donners- tag tagende K a b i n e t t s r a t hat im Prinzip die Einberufung der Kammern auf den 12. November festgesetzt. Dieser Beschluß wird im Ministerrat am Freitag ratifiziert werden. Er wird sich außerdem ausführlich mit den Zwischenfällen gegen die französi- schen Konsulate in Ventimiglia und in Tripolis befasien. der englische Streik. Einleitung von Friedensverhandlungen. London. 5. November.(wTv.) Der Vollzugsausschuß der Bergarbeiter und die vermittler aus dem verbände der Gewerkschaften sind heute in der Frühe zusammengetreten, um den Text de» Beschlusses zu formulieren, der der Konferenz der Vertreter der Bergarbeiter noch im Laufe des vormittag» unterbreitet werden soll. Man erwartet, daß der Beschluß den Vollzugsausschuß ermächtigen wird. Verhandlungen für den Frieden einzuleiten. Die Vermittler aus dem verband« der Gewerkschaften werden am Mittag mit der Regierung verhandeln, um die Friedeusmöglichkeiiea zu erörtern. Schicksalsfragen öes Zentrums. Nachwort zur Erfurter Zentrumstagung. Von Wilhelm Sollmann. „Das deutsche G e s e l l s ch a f t s l e b e n ist noch völlig unausgeglichen. Es muß entweder poli- tisch wieder rückwärts gegangen werden, was ousge- schlössen ist, oder es müssen in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur mehrere kräftige Schritte vorwärts getan werden. Das ist die Situation, in der wir uns gegenwärtig befinden. Es ist also sehr falsch, anzu- nehmen, daß wir bereits über die Revo- lution hinweg seien."(S t e g e r w a l d aus der Zentrumstagung in E r f u r t.) Wie groß ist doch dieser unsterbliche Karl Marx gewesen. Seine Lehre, daß die Produktionsweise entscheidend das Denken der Menschen beeinflußt, daß Umwälzungen in der Wirtschast auch den gel st igen Ueberbau, Staats- und Religionssysteme, erschüttern und ver- ändern, wird zwar wütend befehdet, aber in ihren Grund- zügen erweist sich die so oft verzerrte und zu einem gcist- losen Mechanismus herabgewürdigte marxistische Erkenntnis als r i ch t i g. Es ist der höchste Triumph des Meisters, daß selbst die in zwei Jahrtausenden verwurzelte katholische Kirche längst nicht mehr durch Predigt, Gebet und Buße und nicht mehr durch Almosen und Karitas die entfesselten Kräfte des kapitalistischen Zeitalters zu bannen sich vermißt, sondern die organisierte Gegenwehr der besitzlosen Massen gegen den brutalen Materialismus rücksichtsloser Ausbeutung zu begreifen, anzuerkennen, ja zu unterstützen beginnt. Vorüber sind die Jahre, da man christliche Gewerkschaf- ten und Arbeitervereine aus vorwiegend taktischen Beweg- gründen schuf, um Schranken gegen die heranstürmende Sozialdemokratie aufzurichten. Für immer dahin ist die Zeit, da man christliche Arbeiter mit kalten kirchlichen For- meln und gehässiger Routine, die nichts wußte von der Glut religiösen Erlebens, gegen ihre sozialdemokratischen Klassen- genossen verhetzen konnte. Die katholische Kirche und ihr großes politisches Instrument, die deutsche Zentrumspartei, müssen sich dem durch die wachsende Proletari- s i e r u n g von Grund auf sich wandelnden Denken der Massen anzupassen versuchen, wenn die kirchlichen und die politischen Organisationen nicht bedeutend an Ein- fluß und Anhang verlieren solle». Von dem tiefen Miß- trauen vieler katholischer Proletarier nicht nur gegen die meisten ihrer politischen Führer, sondern gerade auch gegen den Klerus machen sich vermutlich nur wenige außerhalb des Katholizismus eine hinreichende Vorstellung. Man muß bedenken, daß auf der Z e n t r u m s t a g u n g in Erfurt nur gesiebte Parlamentarier und gewandte Dialektiker zu Worte gekommen sind, die mit der ganzen Vorsicht des politischen Katholizismus die aufgehäuften Explosivstoffe sorgsam beiseite zu schaffen trachteten. Sieht man von dem alttonservotiven Herrn von P a p e n ab, der den„liberalen Sozialismus" noch immer wie ein bayerischer Bauernkaplan aus den neunziger Iahren des vorigen Jahr- Hunderts zu betrachten scheint: so standen doch alle Redner von Urteil vor einem dreifachen Eingeständnis: das heutige deutsche Staatswesen entspricht in seinem Inhalt nicht den sozialen und demokratischen Worten der Verfassung: die wirtschaftlich abhängigen Volksmasscn sind in der Produktion und im Geistesleben trotz aller politischen Demokratie unterdrückt und be- trogen: die Entfremdung zwischen Proletariat und dem politischen wie dem religiösen Katholizismus ist u n- heilbar, wenn nicht neue Wege in einer neuen Sprache dem Volke gezeigt werden. Oder wie Ivos aus den bitteren Erfahrungen mit den rein katholischen und von dem Partei- sozialismus kaum berührten Arbeitern seiner niederrheinischen Heimat sagt:„Es ist ganz unmöglich, Menschen für den Staat zu gewinnen, die mit einem Fluch auf den Lippen nach Hause gehen, Menschen, die in ihrer Wohnung verkommen." So ist es. Man sieht also das Verhältnis der Menschen zum Staate durch eine marxistische, wenn auch schwarz angerußte Brille. Aber wagt man schon praktische Folgerungen? Die Beschwörungsformel, die man nach achtunggebietender Kritik unseres Gesellschaftskörpers gegen einen Zustand, in dem selbst Stegerwald schwere revolutionäre Gefahren sieht, anzuwenden vorschlägt, lautet:„Das unentbehrliche Fun- dament der deutschen Republik, wie eines jeden Staates, ist und bleibt christliche Sitte und Ordnung, gesundes Familienleben, Solidarität in Familie, Staat und Volk und strengste soziale Gerechtigkei t." Schon die kühne von Vergangenheit und Gegenwart widerlegte Behauptung, daß ein geordnetes Staatswifen ohne christliche Fundamente nicht möglich sei, charakterisiert jenen Satz mehr als rethorische Tonmalerei, denn als ein klar erfaßtes Bekenntnis, hinter dem der aus göttlichen Geboten strömende Wille steht, die mammonistische Anarchie dieses Zeitalters durch eine wie immer geartete Gemein- schaftsordnung zu überwinden. Die ernsten, die lebendigen Christen in der Zentrumspartei, die religiös erweckte Jugend, die den Raubcharakter der formal-christlichen kapitalistischen Welt vergeblich mit der Bergpredigt Jesu Christi in Einklang zu bringen sucht, wird aus Erfurt nur Worte gehört, nicht aber das Rauschen eines neuen Pfingstgeistes vernommen haben. Wenn wirklich die Partei- gebilde, die Herr Dr. Wirth als„vertrocknet" bezeichnet haben soll, der seelischen Belebung bedürfen sollten— von dieser Zentrumstagung scheinen uns keine Ströme leben- digen Wassers ausgegangen zu sein. Wenn die„Germania" recht berichtet, hat Herr Stegerwald versichert, daß nun bald die ch r i st l i ch e Kultur im öffentlichen Leben in ganz anderem Maße zur Geltung gebracht werden soll als bisher. Dies Wort erfordert stärkeren Glauben, als er nach den Erfahrungen von Jahrzehnten in uns lebt. Ach, die christ- liche 5Mtur: ihre Verfechter regen sich leidenschaftlich, wenn irgendwer die engen Zäune durchbricht, die sie ihrer„Sitt- lichkeit" gezogen haben. Noch stets gab es Moraltrompeter der christlichen Kultur übergenug. N i e aber ist christlicher Geist bisher in die I n d u st r i e t o n z e r n e, die Trust- k o n t o r e, die Bankgewölbe, die Kornkammern des Latifundienbesitzes eingedrungen, und nie haben die Lippenbekenner des Christentums auch nur eine Spur des Verdammungsurteils gegen Mammonisten aufgebracht, mit dem sie etwa gegen jedes„gefallene" Mädchen sofort zur Stelle sind. Wenn die Herren christlichen Gewerkschaftler und Politiker jemals die Kapitalsgewaltigen zum wahren Christentum bekehren wollten— an dieser „Christianisierung" der Wirtschaft würden größere Heilige zerbrechen als sie offensichtlich der Gegenwart zur Verfügung stehen. Die Tagung von Erfurt ist ein Symptom, keine Klärung und erst recht kein Abschluß. Die allgemeine Gärung, die unsere deutschen Parteigebilde in langwierigem Prozesse umzuformen sich anschickt, hat die Zentrumspartei mit wach- fender Kraft erfaßt. Beträchtliche Teile des politischen Katholizismus und auch vereinzelte Vertreter des religiösen Katholizismus beginnen Methoden des historischen Materialismus vielleicht noch nicht zu begreifen, aber anzuwenden. Mit ihrer Gesellschaftskritik suchen sie das starke Ethos ursprünglichen Christentums zu verbinden. An den harten Tatsachen der kapitalistischen Welt aber müssen die schönen Wünsche von„sittlicher Gemeinschaft" in diesen durch Klassen zerrissenen scheinchristlichen Völkern zerrinnen. Da der christliche„Solidarismus", diese Ver- lcgenheitserfindung katholischer Oekonomen, sich als unmög- lich erweisen muß, werden die wirklich produzierenden Menschen den Weg zu einer Solidarität der Schas- senden suchen müssen. Sie werden sich um so eher zu- sammenfinden, je früher sie aufhören, die geistigen Strömun- gen, die zum Sozialismus führen in Werturteilen zu klassifizieren, sondern jeden als Bundesgenossen betrachten, der den Kapitalismus durch sozialistische Gemeinschafts- formen überwinden will. Um üen �chtftunöentag. Tie«ozialdcmokratie, die„Arbeiterpartei a priori". Die Gewerkschaften aller Richtungen haben ein Not- gesetz zur Wiederherstellung des Achtstundentags gefordert. > Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat sich sofort mit dieser Forderung solidarisiert. Die Mitte schwankt, die Rechte ist dagegen. Für das Zentrum schreibt die „Germania": Diese jetzt so akut geworden« Frage ist ja derart, bah sie nicht nur einen Trennungsstrich zwischen der Arbeiterpartei a priori, der Sozialdemokralie, und den„bürgerlichen" Parteien zieht, sondern daß sie mitten in die„bürgerlichen" Parteien, die ja gleicherweise Arbeiter wie Anlernehmer in ihren Reihen zählen. bineingeht und in diesen Parteien gelöst werden muß. Was da» Zentrum angeht, so darf man nach den Erfahrungen, die man im Lauf« der Jahre in manchen Konflikten, die unlösbar schienen, gemacht hat, mit Sicherheit annehmen, daß auch diese Frage in einer Weise gelöst werden wird, die beide Teile befriedigt und Witt- schaft und Staat fördert. Zugleich läßt sich die deutschnationale„Kreuzzeitung" so vernehmen: Ebenso ausschweifend wie die uferlosen Bestrebung«» zur Ausdehnung der Crwerbslosenfllrsorge sind die von seilen der Der Walzer meiöet sich wieüer. „Die Königin", Operette von Oscar Straus. Vor dem„Deutschen K ü n st l c r t h c a t e r" sah es gestern so aus, wie ehedem an Premierabenden vor dem Metropoltheater. Nürnberger Straße und Kurfürstenstraße, waren heillo» vcrstopst durch träge schleichende Schlangen von Autodroschken und Luxus- larossericn. MIttendrein schwenkte in verzweifelter Hilflosigkeit ein Schupomann seine machtlosen Arme, und den unbeteiligten Passan- ten drängte sich die Ahnung auf: hier ist was los. Sic hatten recht. Es war was los. Erstens Operettenpremiere, zweitens Musik von Oscar Straus, drittens Max Pallenberg, vierten» Fritzy Massary. Einfache Wahrscheinlichkeitsbercchnung der Direktion Saltenburg: wenn man Kanonen auffährt, muß es einschlagen. Nun, vorne- weg sei festgestellt, für drei und vier stimmte die Rechnung, ein» und zwei waren Blindgänger. Dabei hatten die Librettisten Ernst Marischka und Bruno Granich städten«inen hübschen Ein- fall für die Handlung. Die gestürzte Königin trifft In ihrem Exil, einem Berghotel in der Schweiz, mit dem neugebackenen Präsidenten der Republik zusammen, dem Mann, dem sie den Verlust de» Thrones zu verdanken hat. Sofort nimmt sie den Fehdehandschuh auf, den der Zufall hingeworfen hat. Sie kämpft den Kampf der Rache. Bis dahin hat es bei den Textdichtern gereicht. Dann bc- mühten sie sich, den Einfall so banal wie möglich zu gestalten und versackten richtig in einem Sumpf seichter Operettenromantik. Ratür- lich verlstben sich die Gegner Knall über Fall, und die Sache geht aus wie das Hornberger Schießen. Nun, nach geheiligtem Librettistenbrauch muh ja der Text ein wenig blöd sein. Die Musik wird uns schon entschädigen und den Abend spritzig machen. Aber ach, Oscar Straus' Komposition ist von Zl bis Z eine Enttäuschung. Er ist von der unglückseligen Idee besessen, etwas unerhört Neues zu schassen, indem er das Alte wiederbelebt. Den Walzer will er von neuem kreiren, die schnalzigen Klänge, die mit Recht verstorben sind. Schon in der matten Ouvertüre ahnte man Böses. Inbrünstig erklingen schmeichelnde Weisen im Dreivierteltakt, singen larmoyant und schläfern süß ein, bis man durch ein endloses bezwingend alt- modisches Schlußornamcnt aus den Walzsrträumen gerissen wird. Viele Einfälle hat der Komponist nicht gehabt. Und kein? von den Liedern wird den Weg in die Großstadtunsterblichkeit finden, weil die schmachtenden Töne nicht haften bleiben. Auch in der In- struincntation vermeidet Straus die reichen Mittel, mit der eins moderne Kapelle den Rhythmus der Gegenwart illustriert. Iimmies und Blues sind zwar in der Partitur enthalten, verschwinden aber unter dem Wust des Dreivierteltaktes. Allerdings der T«xt der so- genannten Schlager ist nicht dazu angetan,«inen Komponisten zu? Erfindung schmissiger Klänge aufzustacheln.„Mensch, sei nicht so cufgercgi, das hat dach keinen Zweck", oder„In Basel, in Gewerkschaften und der offenen wie der helmlichen Marxisten einsetzenden Bemühungen um grundsätzliche und tat- sächliche Einschränkung der Arbeitszeit. Die Gewerk- schaftsverbände haben ein Noigesetz verlangt, um die Arbeitszeit allenthalben auf acht Stunde» herabzudrücken, unbekümmert um die Erfordernisse der einzelnen Wirtschaftszweige. Di« Unter- nchmerverbände haben demgegenüber„mit größtem Ernst" ihre warnende Stimme erhoben. Ob diese Stimme gehört werden wird, ist leider trotzdem, bei der Einstellung des gegenwärtigen Reichstages und der gegenwärtigen Regierung, sehr die Frage. Also, die Sozialdemokratie, die„Arbeiterpartei a priori", d. h. von vornherein, ist für den Achtstundentag, die deutsch- nationale Partei, die Unternehmerpartei a priori ist natürlich� gegen ihn. Das gibt wenigstens ein klares Bild. Bei den Mittelparteien geht der Trennungsstrich mitten durch sie hindurch, denn sie haben zwei Seelen in der Brust, eine Arbeiterseele und eine Unternehmerseele. So erfahren die Arbeiter genau, wo sie hingehören. die Erwerbslosenfürsorge. Beschlüsse im Sozialpolitischen Ausschuh. In der heutigen Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages wurde der sozialdemokratische Antrag aus Streichung der Bedürstigkeitsprüsung und der entsprechenden Bestimmungen in der Erwerbslosenverordnung abgelehnt. Angenommen wurde da- gegen ein Zlntrag der Regierungsparteien, wonach in den Aussüh- rungsbestiMmungen der Rcichsregierung die bisherigen Härten in der Bedürftigkcitsprüfung möglichst beseitigt werden sollen. Es wurde serner angenommen ein Initiativgesetz- e n t w u r f S ch r ö d« r, der die Richlanrechnung der Leistungen der Familienwochenhilfe und der wochensürsorge auf die Erwerbslosen- Unterstützung für die Zukunft klar formuliert und sicherstellt. Die Sozialdemokraten hatten serner einen Antrag gestellt, die Pflichtarbeit abzuschaffen. Da dieser Antrag keine Aussicht auf Annahme hatte, so begründete Genosse Giebel einen Eventualantrag, wonach«inmal die Anwendung der Pslichtarbeil nicht dazu führen dürfe, den Angestellten oder Arbeiter zu entlassen und diese ständig« Arbeit al» Pslichtarbeit verrichten zu lassen. Dieser Antrag wurde angenommen. Dagegen lehnte die Mehrheit den Antrag, für Pfllchtarbeit die Tarifbestimmungen gelten zu lassen, ab. Angenommen wurde ferner ein Antrag, dt« Erwerbslosen nicht nur wie bisher gegen Krankheit, sondern auch gegen Invalidität zu versichern und die Anwartschast auf die Leistung der sozialen Der- sicherungen während der Zeit der Erwerbslosigkeit aufrecht- zu«rhalten. Die Berhandlungen über die Verlängerung der Be> zugsdauer der Erwerbslosenunterstützung gehen noch weiter. Reichswehr unü Republik. Eine Forderung des Republikanischen Reichöbundcs. Der Reichsvorstand des Republikanischen Reichs- b u n d e s hat an die Reichstagsfraktionen der Sozialdemokratischen, der Demokratischen und Zentrumspartei ein Schreiben gerichtet, dos sich mit der Aendsrung der Einstellung in di« Reichswehr beschäftigt. In dem Schreiben heißt es: „Die jüngsten Vorgänge in der Reichswehr, die rechtswidrige Einstellung des ä l t e st e n S o h n e s des vormaligen deutschen Kronprinzen, wie die auch in rechtlich gültiger Form voll- zogene Einstellung der Söhne anderer Kronpräten. denken, als auch vor allem die ständige Zusammenarbeit offi- zieller Reichswehrstellen bei der Einstellung von Reichswehrsol- boten und Offiziersanwärtern mit ausgesprochenen st a a t s- und republikfeindlichen Organisationen beunruhigen auf das lebhafiestc die deutschen Republikaner. Die Mißstände, die überall zutage treten, sind im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die E i n st e l l» n g u n t e r g e o r d- n e t« n Stellen übertragen ist, di« sich entweder der Trag- wette ihrer Entscheidungen nicht bewußt sind, oder aber vorsätzlich und systematisch darauf ausgehen, Republikaner der Wehrmacht Basel, da macht man kein Gefasel", sind so ein paar Proben vom Ingenium der Schlagerdichter. Und doch wird der Kassierer des Deutschen fillnstlercheaters monatelang schmunzeln. Seit Iahren sieht man zum ersten Male wieder das Ehepaar Massary-Pallcnberg zusammen auf der Bühne. Die ewig junge Fritzy Massary ist bezaubernd und hinreißend wie immer. Da» albernste Lied wirkt als Kunstwerk, wie sie es vorträgt. tjier wird Routine und Virtuosität der Anmut zum Erlebnis. Un- vermittelt blitzt ein Lächeln auf, und die Herzen der Zuschauer sind gefangen. Mit pikanter Grazie schmeißt sie die großen Augen, aber nur selten die Beine, die sie gestern sichtlich schonte. Eine� be. zwingende Laune prickelt im genialen Spaßmacher Pallenberg. Er jongliert mit Worten, verquatscht die Pointen, verhaspelt sich mit der Zunge und den Beinen und bleibt bei seinem hinreißenden Ulk tot- ernst. Er nennt die Jungfrau ein Hügelchcn und die gestickte Krone eines Taschentuchs«in goldgespicktes Krönlein. Cr singt und krächzt zum Gotterbarmen. Dies Ehepaar und die reizende Eharlotte Ander» reißen die ganz« Operette heraus, so daß trotz der überlangen Dauer das Publikum In feinem stürmischen Beifall nicht erlahmt. Ernst Degner. Max Marlerstcig. Max Martersteig, der, wie bereits gemeldet, im Alter von 73 Jahren in Köln gestorben ist, war einer der bedeutendsten Theaterpraktikcr und Theaterhistorikcr Deutschlands. Er hat die junge Wissenlchajt von der Geschichte des Theaters be- gnindet und so die Studien fortgesetzt, die der berühmte Deorieni vor Jahrzehnten begann. Sein umfangreiches Werk vom Drama im l9. Jahrhundert konirte darum mit Recht in einer Sammlung erscheinen, die Bücher über das gesamte deutsch« Kulturleben vcr> einigte. In Martcrsteig gingen aber stet» die Gelchrtcnarbeit und die Bühnenpraktik zusammen. So hat er al» Regisseur und als Theaterleiter vor allem in Köln und Leipzig vorzügliches geleistet, und viele Talente, die nachher große Bedeutung gewannen, gingen au» seiner Schule hervor. Er war einige Jahre mit Gertrud Eysoldt verheiratet, und durch die eheliche Verbindung mit dieser starke» Künstlerin wurde er auch der modernen Literaturbewegung bc- freundet. So war er stets nach allen Seiten hin interessiert, ein Mann, der das Theater als naltonale und soziale Erscheinung ebenso klug betrachtete, wie als Manifestation der künstlerischen Individualität. M. H. Gegen die neue lex Heinz-:, nehm die vom Ausschuß zur Be- kämpsung des Schundgesetzes einberufene Versammlung im ehe- maligen Herrenhause gegen«ine Stimme folgende sbereits im Morgenblait resümierte) Resolution an: „Das im Reichstag zur Beratung stehend« Gesetz zur Be- ivahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften bedeutet«ine ungeheuerliche Bedrohung der dqrch die Verfassung garantierten Freiheit de» geistigen und ki-nstl«nsch«n Schaffens. Es sucht unter dem Vorwande des Schutzes der Jugend auf Umwegen«In Zensur- gesetz zu schaffen, das schlimmer ist als di« Lex Heinz« vom Jahre 1900, die durch die allgemein« Empörung fortgcfegt wurde. Nicht der Republik fernzuhalten Die deutsche Republik muß aber dar. auf Wert legen, daß die Reichswehr nicht nur ein zuverlässiges Regiment in der Hand der vectassuiigsmäßigen Reichsgewalt ist. sondern auch, daß in ihr der Geist der republikanischen Staatside« lebendig wird. Um die zutage getretenen Mißstände zu beseitigen und um vor allem neuen, unter Umständen schwereren Mißständen vorzu- beugen, bitten wir die Reichstagssraktionen der republikanischen Parteien dahin zu wirken, daß unter Abänderung de» gegen- wärligen Zustaades die Einstellung von Reichswehrfoldatea und Osfizlersanwärtern den untergeordneten kommandoslellcn ent- zogen und besonderen zentralen Rekrulicrungvbureaus übertragen wird, die aus Derkretern des Reichswehrminlsteriums und Vertrauensmännern des Reichstages gebildet werden. Das Schreiben ist vom Rcichstogspräsidenten Genossen L ö b e. vom Oberbürgermeister Dr. Luppe, Mitglied der Demokratischen Partei, und Ministerialdirektor Dr. Spieker, Mitglied des Zen- trums, unterzeichnet._ Reichsfemeausschuß. Tie Geschäftslage. Der Femeausschutz des Reichstages hielt heute morgen eine G c s ch ä f t s f i tz u n g ab, in der der weiter« Arbeitsplan festgelegt wurde. Im Hinblick auf eine Reihe von unflätigen B c- schimpsungen oberbayerischer Blätter erklärt der Borsitzende Schelter, datz er sich einem eventuellen Strasantrag einiger Mitglieder des Ausschusses anschließen werde. Man dllrse diese Beleidigung des Ausschusses nicht ungeschehen laßen. Gegen den Abg. Mittelmann(D. Vp.) hat im„Regensburger An- zeiger" vom 2. November„ein früherer Parlamentarier" schwere Vorwürfe erhoben. Abg. vkittelmann gab eine Protesterklärung ob, in der er seine persönlichen Beziehungen zum Forstrat Ejcherich klarstellte. � Nach Mitteilungen des Vorsitzenden sind durch die Verlegung der Tagung nach München ungefähr 5 0 P r o z. der sonst eii--- wachsen«» Kosten erspart worden. In der nächsten Sitzung am l-Z. November erfolgt noch die Vernehmung von Dobner-Halle, R e u n z« r t- Pfalz und Kanzler. Dann soll die Auffassung des Ausschusses über den baye- rischen Femckomplex in Thesen- festgelegt werden. Ueber die weitere Arbeit wuroe folgendes beschlossen: Man wird zunächst nach den Fall Hermann erledigen, der nur kurze Zeit in An- spruch nimmt. Dann soll der Komplex„Schwarze Reichs- wehr" in Angriff genommen werden, da anzunehmen ist, daß bis dahin in den anderen Femeprozessen rechtskräftige Urteile gefallt sind. Abg. passehl(Soz.) weist mit Nachdruck darauf hin, daß es nicht notwendig sei, die Urteile abzuwarten, der Prozeß in Lands- bcrg habe deutlich gezeigt, daß die Gerichte nur auf die Feststellung der kriminalistischen Tatsachen Wert legen. Zeugen, die über die allgemeinen Zusammenhänge au»zulagen wissen, wie z. B. S ch m i d t und v. Albert, seien in Landsberg abgelehnt worden. Aber gerade aus die Behandlung dieser Dinge komme es im Aus- schuh an._..„„ Der Abg. Zlöhr wünschte sofortige Behandlung des malles Grütts-Lehdcr. Wulle und Kube seien nicht vom preußischen Feme- au»schuß vorgeladen worden. Daraufhin stellt Abg. Landsbcrg fest, daß es skandalös fei, wenn ein Abgeordneter eines Parlaments den Abgeordneten eines anderen Parlaments keinen Respekt bezeuge und damit seine Geringschätzung zum Ausdruck bringe. Es sei nicht wahr, daß der preußische Femeausschuß die Vernehmung Kubes unterlassen habe. Kube habe selbst in einem arroganten Bride die Vernehmung abgelehnt und es gehe deshalb niujt an, daß unter diesen Umständen durch einen seiner Gesinnungsgenossen eine Be- schwerde auf diesem Wege eingelegt werde. Sejm und Senat Polens werden bereits am 13. November zusammentreten. Di« polnischen Sozialisten erklären die Eröffnung des Parlaments im Schloß als verfassungswidrig und werden an ihr nicht teilnehmen. Prager Sprachschwlerigkeilen. Als Justizminister Mayr Harting, der der tschechischen Sprache nicht mächtig ist, im Budget- ousschuß einen in deutscher Sprache abgefaßten Bericht vorlesen wollte, erklärte der tschechische Vorsitzende des Budgetausschussee, dies nicht zulassen zu können. Auf Eingreifen des Mintsterpräsi- dcnten wurde schließlich vereinbart, daß der Justizminister sich bei der Behandlung seines Ressorts von seinem Sektionsches vertreten läßt. nur all« geistig und künstlerisch Schassenden, fondern auch große wirtschaftliche Interessentenkreise sind durch dieses Gesetz aus das schwerste bedroht, ohne daß das angeblich« Ziel, die Lewahvung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften, durch sein Inkrafttreten erreicht würde. Di« Lersammlung protestiert deshalb auf das ent- schiedenst« gegen den vorliegenden Gesetzentwurf und oerlangt von« Reichstag, daß er im Interesse des Ansehens des deutschen Lölkes und der deutschen Kultur das Gesetz ablehnen möge." krebs und Beruf. Da» Medizinische Untersuchungsamt der englischen Regierung hat«inen Sonderbericht verschiedener Aerzt« über das Vorkommen des Krebses in den einzelnen Berufen heraus- gegeben, über den in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" berichtet wird. 40118 Krebstodessäll« bei Männern au» den Jahren 1910 bis 1912 wurden untersucht. Man fand eigentliche Gewerbe- krebs« mir bei den Kaminfegern und den Baumwollspinnern. Doch tonnte festgestellt werden, daß Alkoholiker, Raucher und Syphilitiler besondere zu Krebsen der Zunge und der oberen Verdauungs- und Atemwegc neigen. Bei anderen Gewerben tritt eine Disposition für Krebserkrankungen im Zusammenhang mit derartigen Schädigungen aus, wie z. B. beim Gastwirtsgewerbe, bei den Hondlungsreisenden und Barbieren. Desoriders deutlich ist der Gewerbekrebs bei den Boumwollspinnern, bei denen sich aus den letzten 50 Jahren 539 Fäll« nachweisen ließen. Es gibt 22 000 derartige Arbeiter in Eng- land: sie bekommen sünfunddreißigmal häufiger diesen Krebs als ander« gleichartig« Männer. Niemals wurde«in Fall beobachtet, bei dem der Erkrankt« nicht wenigstens zehn Jahre lang sich der dauernden Beschmutzung mit Paroffinöl in diesem Beruf« ausgefetzt hatte. Man benutzt allerdings in LancasHir« schon lang« gcreini tes Paraffinöl für diese Maschinen, ohne daß aber dadurch das Ent- stehen des Krebses vermindert worden wäre. In dem Bericht werden auch Interessante Beobachtungen aus dem Londoner Krebsinstitut mit- geteilt. Man beraubt« bei Mäusen eine bestimmt« Hautstelle ihrer Jirnerviening und pinselt« sie dann regelmäßig mit Teer, bis Krebs auftrat. Bei diesen Tieren trat der Krebs später aus al» bei Kontroll- tieren, wodurch die Behauptung widerlegt wird, daß unästhetische Hautstellen zu Krebs prädisponieren. S Millionen Mark für ein Bild geboten. Wie Schweizer Blätter berichten, soll«in reicher Amerikaner 5 Millionen Mark für di« „Madonna" des jüngeren Holbein geboten haben, die sich im Museum zu Solrthurn befindet. Es wäre dies der höchst« Preis wohl, der für«in Bild bezahlt wird, denn für das bisher teuerste Gemälde, Tizians„Venus und Adsnis", wurden 4 Millionen Mark gezahlt. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß dies Gebot angenommen wird, denn die Bedingungen, unter denen das wundervolle Wert dem Mussum überlassen wurde, schließen«inen Verkauf aus. Amlltche Jührunge» finden Sonntag, l0 dt« U1/, Ufit vorm, Im Alten Museum tVolykict- Pro!. Neugebauer), im Ztaisei-Friedrich-Muleum< Dürer und Holbein— Dr. Müller», und im Museum Prinz-Nldrecht-Straxe 7 l.ChIncsische und japanische Maleret— Dr. 23. Cohn) statt. va» Mostaoer tünsllertsche Theoler.hadlma' gab ein eigene« Kon- zert im Blülbnrriaal am Montag, 8 Uhr, worin Lieder, Nczitatiancii, Tänze u'w. geboten wurden. Neuregelung preußifthen Stuöentenrechts. Tie Absichten der Regierung. Der Preußische Landtag hat im Frühjahr durch eine Entschlie- ßung das Staatsministerium ersucht, die Verordnung über die Bildung der Studentenschaften vom l8. Septem- der 1ö2l1 umzugestalten und unter voller Ausrcchterhaltung der studentischen Solbstverwostung Sicherheiten dafür äu schaffen, daß die in den letzten Iahren an mehreren Universitäten zutage ge- tretenen Fälle gröblicher Korruption und schweren Miß» brauchs studentischer Aemter und Gelder sich in Zukunft nicht wiederholen. Außerdem hatte der Landtag das Staatsministe- rium ersucht, die Verordnung so umzugestalten, daß die studentischen Rechte aller voll immatrikulierten deutschen und ouslandsdcutschen Studenten in vollem Umfange gewahrt werden, insbesondere da- durch, daß in Zukunft alle österreichischen Studenten und die, vom Rektor al» solch« anerkannten, auslandsdeutschen Studenten zur Studentenschaft gehören sollen, und dadurch, daß die preußischen Studentenschaften sich fernerhin lediglich mit solchen außerpreußischen Studentenschaften koalieren dürfen, die in gleicher Weise zusammen- gesetzt sind wie sie selbst. Diele letzte Entschließung hat insofern besondere Bedeutung, als eine Reihe preußischer Studentenschaften aus dem Kreise der auslandsdeutschen Studenten bisher nur die völkischen Studenten als Mitglieder zugelassen und außerdem alle preußischen Studentenschaften sich, anstatt mit der gesamten österreichischen Studentenschaft und mit der gesamten deutschen Stu- dcntenschaft der Tschechoslowakei sich zu verbinden, sich nur mit den völkischen Gruppen dieser Länder koaliert haben Di« sozialdemokratisch« Landtagsfraktion hat an das Staatsministerium eine Anfrage gerichtet, was es zur Durchfüh- rung des Landtagsbcschlusses getan habe. Kultusminister Dr. Becker hat nunmehr geantwortet, daß die Ausstellung neuer Kassenordnungen, die die ordnungsmäßige Vor- mögensverwaltung der Studentenschaften sicherstellen, angeordnet sei. Zu der Frage der Mitgliedschaft der einzelnen Studenten- schaften und der Koalitionslrage hat der Minister erklärt, daß er dem preußischen Staatsministerium den Entwurf einer Aen- derung des Studentenrechts vorlegen werde. Um Zweifeln, wie sie durch die rechtliche Ausdeutung des Wortlauts de, Landtagsbcscklusfes entstehen können, vorzubeugen, erscheint es jedoch dem Minister erwünscht, vorher«ine Besprechung der An- gelegenheit mit dem Kulturausschuß des Landtags her- beizuführen. Dieser Wunsch dürfte auch von den Regienmgs- Parteien in weitgehendstem Maße geteilt werden, die ihrerseits be- reits beschlossen haben, die Frage im Kulturausschuß zur Sprache zu bringen. Das Ministerium ist durch die Abgeordneten der Re- oierungsvarteien und durch die Vertreter der nichtvölkischen studen- tischen Verbände in Kenntnis darüber gesetzt, daß die bisherige Richtdurchführung der Landtagsbeschlüsse in den Kreisen der freiheitlichen Studentenschaft lebhafteste Be- unruhigung hervorgerufen hat. Um so mehr wäre es zu wünschen, daß dos Ministerium nunmehr den guten Ankündigungen auch in kürzester Frist die entsprechend« Ausführung folgen läßt, die den unerquicklichen Dcrhältnisisn in der deutschen Studenten- schaft ein Ende macht. Ueberblickt man die bisherig« Geschichte der deutschen Studenten- schast, so wird man mit Bedauern feststellen müsien, daß diese Or- ganisation zwar viel politischen Lärm verursacht hat, jach- liche Erfolge aber bisher infolge Ihrer Struktur nicht aufzu- weisen vermochte. Die bei der bekannten Notlage vieler Studierender bedeutsamen wirtschaftlichen Fragen werden längst von anderer Seite her geregelt, und dem Ausland gegenüber hat die deutsche Studenten- schast durch ihr halsstarriges Auftreten gleichfalls kein« Erfolge zu erzielen vermocht. Im Gegenteil, die Wahl des tschechoslowakischen Staatsbürgers Thon zum Vorsitzenden der deutschen Studenten- schast ist im Ausland« peinlich empfunden worden. Demgegenüber ist es besonders erfreulich, festzustellen, daß bei der Genfer Tagung der Völkerbunds-Studcnten. Vereinigungen Referendar P r e u ß, ein Sohn des verstor- denen Innenministers, zum Vorsitzenden dieser großen, etwa 2S Staaten umfassenden Organisation gewählt worden ist, und daß die Re- daktion einer ab Januar erscheinenden internationalen studentischen Zeitschrift dem Vorsitzenden des Verbandes sozialistischer St den- ten Deutschlands und Oesterreichs, Dr. Otto Fricdländer, über- tragen worden Ist. Aus alledem ergibt sich, daß bei einer entsprechen- den Vertretung der deutschen Interessen dem Auslande gegenüber es auch den deutschen studentischen Kreisen durchaus möglich ist, sich die Achtung und das Vertrauen des Auslandes zu erwerben. Wenn, was zu hoffen und auch dringend zu fordern ist, die Neuregelung des preußischen Studentenrechts erfolgt ist, so wird die deutsche Studentenschaft vor die Frage gestellt sein, ob sie als rein private Vereinigung, innenpolitisch und außenpoli.isch isoliert, sich auf ein unreifes churratreiben beschränken will oder ob sie ge- willt ist, auf der Basis einer restlosen Verwirklichung des großdeut. schen Gedankens mit all den freihestlich gesinnten Studenten zu- fammenzuorbeiten, die sich in ihrem Denken und Handeln mit der überwiegenden Mehrheit des Volkes verbunden fühlen und die fried- liche Verständigung zwischen den Völkern als ein« der vornehmsten Kulturaufgaben der deutschen Studenten betrachten. Cm gemeingefährliches Gaunerkleeblatt Wi« ein Bauer um sein Hab unb Gut gebracht wurde. Durch eine Detrügerbande wurde der Landwirt Julius Bloch um sein Hab und Gut gebracht. Er hatte sich im Oktober 1?ZZ entschlossen, sein in G o r g a st bei K ü st r i n gelegenes über hundert Morgen großes Bauerngut z» verkaufen und hatte dafür 260 Stück Ilse-Bergbauaktien, die damals einen Wert von etwa SO 000 Goldmark hatten, erhalten. Bloch beabsichtigte, bald daraus nach Amerika auszuwandern. um sich dort eine Existenz zu gründen. Er mußte also die Aktien verkaufen und wollt« sich Dollar» beschaffen. Durch Bermittlung geriet er nun an ein S ch w t n d l e r k o n s o r t i u m, da» sich vor dem Schöfsengericht Eharlottenbura wegen dieser und anderer„De- fchäfte" zu verantMorten hatte. Bloch erhielt kein bares Geld, fon- dcrn einen Scheck über 16 000 Dollar auf eine a in c r i- k a n i f ch e Bank und wurde auch von dem Gaunerkleeblatt nach Hamburg und direkt aufs Schiff gebracht. In Amerika mußte er aber die Erfahrung machen, daß der Schcckwcrtlos war. Duxch Vermittlung des deutschen Generalkonsuls in Ohio wandte sich Btz'ch an seinen Namensvetter, den Berliner Rechtsanwalt P. Bloch, der sich mit dem jetzigen Angeklagten, dem„Bankier" Gustav Peter- sen, den„Direktoren" Spieß und Schandelle, in Berbin- dung setzte. Um dieser Strasverfügung zu entgehen, fanden sie sich zu einem Vergleich bereit und erboten sich, Bloch 10 000 Dollar bar zu zahlen. Das war aber nur eine'Vertröstung: denn es war von ihnen nichts herauszubekommen, und der Landwirt ist um sein ge- samtes Vermögen gebracht worden. Als die drei Spießgesellen nun- mehr in Haft genominen wurden, stellte e» sich heraus, daß dl« Seele de»„Unternehmens" Petersen war, der noch eine ganze Reihe von Betrügereien auf dem Kerbholz hatte. Er hatte in der In- jlationszeit eine Ex- und Importgesellschast und gleichzeltia Kredit- dank gegründet, die in einer früheren Kneip« ihr Geschästslokal hatte. Die Er- und Importgesellschaft bestellte Waren aller Art, wie Auto», Wolle und Brillanten, und gab Wechsel, die mit den» „Giro" der Bank versehen waren. Auf dies« Weise wurden die Lieferanten getäuscht, und die erlangten Waren wurden sofort gegen bar verschleudert. Auch der Scheck an Bloch war über die„Bank" gegangen. Das Schöffenaericht verurteilte Petersen z»i 2H Iahren Gefängnis und nahm ihn auch sofort in Halt, da er nach Ver- büßung einer Untersuchungshaft von 0 Monaten gegen Sichcrheits- lcistung wieder freigelassen worden war. Spieß und Schandelle, die nur die Rolle der Werkzeuge bei dem Gaunertrick Petersens jjcspielt hatten, erhielten je 6 Monate Gefängnis. die Selohnung von �eiferäe. Wenn man Alimente zahlen mns;. Erst jetzt wird bekannt, daß nach der Urteilsverkündung im Prozeß gegen die EifenbahnaUentäter von Leiferde einer der Haupt- zeugen, Windmann aus EchöUmar, unauffällig aus dem Vcrhand- lungssaal heraus verhaftet wurde. Der Grund dieser Festnahme war in einer Forderung auf S500 Mark zu suchen, die W i n d m a n n wegen nicht gezahlter Alimcntationsge- b ü h r e n schuldete. Windmann, der gemeinsam mit dem Zeugen Schröder die Attentäter zur Anzeige gebracht hat, war vor einigen Tagen die Belohnung in Höhe von etwa 13 000 M. zugestellt worden. Da er sich nunmehr iin Besitz von Geldmitteln befand, während er vorher arbeitslos war, versuchte das Gericht, die bisher ausstehende Forderung einzutreiben. Es wurde ihm von einen» Hildesheiiner Gerichtsvollzieher ein Schuldtitel über SZOO M. vorgezeigt. Windmann äußerte sich dem Gerichtsvollzieher gegenüber, daß er die ihm wegen der Anzeige ausgezahlte Belohnung bereits seinem Vater geschenkt habe, der ihn während seiner Arbeitslosigkeit vollkommen unterhalten und unterstützt habe. Da er sich aus diesem Grunde zahlungsunfähig erklärte, wurde er vorläufig In Haft genommen. Windmann erklärte sich schließlich bereit, mit dem Gerichtsvollzieher am heutigen Freitag nach Schötmar zu fahren, wo er dos Geld durch seinen Vater auszahlen lassen werde. Cin neues deutsches Großflogzeug. Auf dem Berliner Flughafen wurde gestern«in neues drei- inotorlges Großflugzeug der Presse vorgeführt. Es handelle sich um eine Maschine der Rohrbachwerke, die bis- her ausschließlich Seeflugzcuge herstellte und nun zum erstenmal auch mit einem Landslugzeug den Wettbewerb mit den sonstigen Flugzeugtonstruttionen aufnahm. Im Gegensatz zu den ebensalls aus Ganznfetall hergestellten Iunkcrs-Flugzengen ist die neue Maschine aus glatten Blechen zusammengenietet und besitzt nur offene Profile. Zum Bau wurde Duraluminium verwendet. Die Motorenleistung ist so bemessen, daß die Maschine auch nach Ausfall von SO Proz. der Motorstärke noch flugfähig bleibt. Jeder der eingebauten drei wassergekühlten Motoren leistet 250 Pferdestärken Mit dieser Maschinenleistung wird eine Geschwindigkeit von 200 Kilometer in der Stunde in einer Höhe von 2000 Metern und einer Nutzlast von 400 Zentnern er- reicht. Die B r e n n st o f f t a n k s find in den dicken Flügeln untergebracht. Der S Meter lange Fahrgaftroum vermag zehn Passagiere auszunehmen. An den, leider nicht besonders ge- schützten Füherstand ist Platz für. zwei Piloten. Besonder» be- nierkenswrrt ist. daß es bei dieser Maschine zum ersten Male gelang, das Motor- und Propellergeräusch vvin Fahrgast räum fernzuhalten. Das Flugzeug selbst hat eine Spannweite von 26 Meter bei einer Länge von 16,3 Meter und einer Höhe von VA Meter. Es besitzt ein Eigengewicht von 4100 Kilogramm. Die Maschine wird am 5. Novenibcr auf der Strecke Berlin— Lübeck— Kovenhagen—Malmö eingesetzt werden. Rundflüge zeigten, wie sicher dl« Maschine in der Luft fliegt, daß sie nach verhältnismäßig kurzem Anlaufwcg sich voin' Boden abhebt und mit außerordentlicher Leichtigkeit und Sicherheit zu landen vermag. Ein besonderer Vorzug ist es, daß die Maschine als Hochdecker gearbeitet ist, so daß der Fahrgast den freien Blick auf die überslogene Landschaft hat. Auch diese neuen dreimotorlgen Flugzeuge sind nur eine Etappe auf dem Wege zu dem Großflugzeug, das vielleicht hundert und mehr Per- sonen befördern kann und durch dessen Verwendung der Flugverkehr wirtschaftlicher und die Flugpreise vielleicht auch billiger werden. Heute ist dos Fliegen immer noch da» Vorzugsrecht«iiriger weniger. lieber diese Tatsach« täuscht auch da» Anoiachsen der Personenflug- kiwmeter nicht hinweg. Erst dann, wenn das Flugzeug Masten- beförderungsmsttel geworden ist» wird es seine wahr« Mission erfüllen können. Tchwere �chläsicreic». Da» Mester spielte abermals eine Rolle bei ein�r Schlägerei, die gestern abend in der B c s s e l st r a ß c einen Auflauf verursachte. 1)ier kehrten ein 30 Jahre alter Chauffeur Johann Walter und sein Begleiter Müller bet einem Schankwirt ein, um Abendbrot zu essen. Den Wagen ließen sie vor der Tür stehen. Da machten sich mehrere junge Burschen an den Lampen des Autos zu schaffen. Als Walter das wahrnahm und die Burschen wegwie», beschimpften sie ihn und wurden gleich darauf auch tätlich. In den Auflauf, der sich bildete, gerieten unversehens auch der 31 Jahre alte Händler Untermann aus der Lindenstraße und seine gleichaltrige Ehe- frau. Beide erhielten, obwohl sie mit der Schlägerei nichts zu tun hatten, mehrere Stiche und mußten sich auf der Rettunizsstell« verbinden lasten. Al» die Polizei kam, liefen die Uebeltäter davon und entkamen unerkannt, Bewußtlos aufgefunden wurde vor dem Hause Lützowufer 20 ein 40 Jahre aller Tafcldecker Adolf Sch. aus der Nollendorsstraße. Er hatte Kopfverletzungen, die aus der Rettungsstelle verbunden werden mußten. Nachdem er die Besinnung wledererlangt hatte, gab er an, daß' er in ein«»» Lokal mit einem thm bekannten 47jährigen Schlossermeister wegen Frauen in Streit geraten sei. Im Lause der Auseinandersetzung Hab« der Meister eine große Wäsche- kelle ergriffen und ihn damit trotz seiner Gegenwehr so übel zu- gerichtet, daß er auf der Straße zusammengebrochen sei, W.'edcr ein Raubüberfall. Im Humboldthain überfallen wurde gestern eine 24 Jahre alte Frau Gertrud R. au» der Slettiner Straße, Sie wartete dort gegen 10 Uhr auf ihren Mann, der von seiner Arbeitsstelle kam. Als er nicht gleich erschien, ging sie ein paar Schritte in den 5)a>n hinein und hier auf und ab. Plötzlich sprang ein Mann von«tlva 25 Jahren aus dem Gebüsch heraus. Mit vorgehaltenem Revolver zwang er die Frau unter Drohungen, sich ruhig zu verhalten, pack»« sie, schleppte sie in das Gebüsch hinein, vergewaltigte sie dert, raubte ihr drei Ringe von den Fingern, wandte sich dann unter neuen Drohungen fort und entkam in der Dunkelheit. Der Räuber Ist etwa 1,70 Meter groß und trug eine Seglermütze und einen dunklen Schlüpfer.«___ „Pott und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postausiage bei. Von der Slcaßeubohn überfahren. In der Nackt vom Donners- tag zum Freitag«reigi»«te sich in Ruhleben ein schwerer Straßen- unsall. der Reichswehrsoldat A. M i« r i ck e vom 9. Infanterieregi- mein geriet unter einen Straßenbahnwagen der Linie 54. Beide Beine wurden ihm abgefahren. Der Derunglückte fand im Spandauer Krankenhaus Aufnahme. Sein Zustand ist sehr ernst. 3m Bericht der Vezirksvecsammlung Neukölln Ist noch nachzu. tragen, daß unser« Fraktion gegen die Errichtung eines Warenhauses am neuregulienen Hcnnannplatz nichts einzuwenden hat. Die geübte Kritik richtete sich nur gegen die Art, wie dieses Projekt zustand- gekommen ist und daß das Bezirksamt Neukölln sowohl wie die Be- zirksversammlung nunmehr vor vollendeten Tatsachen stehen. Grubenunglück in Hamborn. Ein schrocrer Grubenunfall ereignete sich in der vergangenen Nacht auf der Schachtanlage 4 bis 8 der Zeche Friedrich Thyssen in Hamborn, in dem in einer Kopselkammer unter Tage zwei Schlosser durch Brandgase erstickten. Ein dritter Schlosser kam auf der Flucht vor den Gasen zu Fall und zog sich dabei einen schweren Schädelbruch zu. Er mußte sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Der Brand konnte bald gelöscht werden, so daß eine Gefahr für die Belegschaft nicht mehr vorliegt. Die Bergbehörde hat die sofortige Desahrung der Unfallstelle und ein« Uiitersuchung über die Ursache des Unglücks eingeleitet. FrelrellglZl« ffleweinb«. Sonnlag vormittag II Ukr, Paddel-Allee 15. Dortrag de« Herrn Dr. K. Swnn: Der Einftui, der iranzölilchen Kultur i auf Deutschland. Harmonium: Intermezzo au».Tavatlcrla rusttcana" (MaScagnt).»äste wiU kommen.' Sport. vie erste Nacht im Sportpalast. Das Feld gesprengt.— Nebe-Goltfried führen! Die erste bewegte Nacht des Berliner Sechstagerennens ist ab- geschlosten. Sie brachte Jagden und Kämpfe, die vie! erwarten losten. Die Opfer sind nicht ausgeblieben: bei einer Jagd nach Mitternacht gelingt es Nebe- Gottfried, das ganze Feld zu über. runden. Bei der Einleitung zu dieser Hotz stürzen beim Ablösen Habn-Tietz. TIetz bemerkt man bald wieder im Feld«, Hahn bleibt verschwunden und muß später das Rennen überhaupt ausgeben. Der Sturz am letzten Sonntag dürfte doch nicht so harmlos gelvcsen sein und der gestrige l>at dag ubrigo getan. Der prächtige Tietz setzt als Ersatzmann das Rennen fort. Bon 11 bis 12 Uhr hat das Feld weitere 38,160 Kilometer zurückgelegt. Dann tritt das schon eingangs Erwähnte ein. Tietz. Hahn stürzen, Tietz wird seines Partners endgüllia beraubt. Später geht die Jagd los, bei der Nebe-Goltfried den Sieg durch Ueberraschung davontragen. Horder stürzt und muß ebenfalls die Ueberrundung hinnehmen. Ein« ganz« Anzahl Mann- schaften erhalten Derwornungen... Die erste Wertung. Eine Stund» nach Rennbeginn hat das Feld 30,485 Kilometer zurückgelegt. Nebe kann den e r st e n S p u r t s i« g für sich ver- buchen vor Golle, Horan und Aerts. Den 2. Spurt gewinnt Knappe vor Bauer, Horder und Behrendt. Horder versucht in der letzten Runde noch aufzukommen, muh sich jedoch mit dem dritten Platz begnügen. Tietz siegt schön im 3. Spurt gegen Rieger, Fricke und Golle. Van Hevel ist der Mann des 4. Spurts vor Knappe, Buschen- Hägen, Lacquehay. 5. Spurt: 1. Junge gegen Nebe, Lewanow und Golle. Gottfried läßt im 6. Spurt Hahn, Lorenz und Bauer hinter sich. Nebe, Gottfrieds Portner, vermag im folgenden Spurt cbei»- falls den ersten Platz vor Lewanow, Stolz und Junge zu besetzen. Im 8. Spurt holt Miethe die ersten fünf Punkte vor Hahi», Härder und Buschenhagen Golle fährt dann im neunten den Sieg knapp gegen Rieger, Tonani und Lcwanoio heraus. Endlich der 10. Spurt, den sich Bauer ver Knappe, Buschenhagen und Huschke holt. Die 2-!lhr-Rachtwerlung bringt in den einzelnen Spurts folgend« Ergebnisse: 1. Spurt: 1. Tonani, 2. Horder, 3. Stolz, 4. Marcillac. 2. Spurt: I. Bauer, 2. Buschenhagen, 3. Blanchonnet, 4. Neb«. 3. Spurt: 1. Rieger, 2. Gottsried, 3. Lemnow, 4. Tonani. 4. Spurt: 1. Knappe, 2. Duschenhagen, 8. Neb«, 4. Behrendt. 5. Spurt: 1. Jung«, 2. Horder, 3. Berschueren, 4. Lacquehay. 6. Spurt: 1. Neb«, 2. Bilschen- l)c(j«n, 3. Golle, 4. Fricke. 7. Spurt: 1. Tonani, 2. Gottfried, 3. Horder, 4. Lewanow. 8. Spurt: 1. Neb«, 2. Buschenhagen, 3. Behrendt, 4. Knapp«. 9. Spurt: 1. Tonani, 2. Rieger, 3. Gottsried. 4. Stolz. 10. Spurt: 1. Knappe, 2. Bauer, 3. Buschenhagei», 4. van Hevel. Der Stand des Rennens noch den beiden ersten Wertungen ist nun folgender: 1. Gottfried-Nebe 30 P»mkte. Eine Runde zurück: 2. Knappe-Rieger 36 Punkte. 3. Bauer-Jung« 28 Punkt«. 4. Lewanow-Bltsckienhagen 28 Punkte. 5. Lor«n.z- Tonani 20 Punkt«. 6. Horder-Horon 14 Punkte. 7. Huschke-Gcll« 13 Punkt«. 8. Behrendt-Stolz 9 Punkt«. 0. Aerts-van Hevel 7 Punkte. 10. Frlcke-Berschueren 5 Punkt«. 11. Koch-Miethe 5 Punkt«. 12. Blanchonnet-Marcillac 3 Punkt«. 13. Wambst-Lacquehay 2 Punkt«. Ersatzmann: Tietz. Bei einer Jagd in den frühen Morgenstunden verlieren Stolz- Behrendt. Blanchonnet-Marcillac ein« weiter« Runde. Di« erste Strafrunde wird verhängt: Huschke-Goll« sind die„Glücklichen"! Bis 6 Uhr früh(Beginn der bis 12 Uhr mittags währenden Neutralisation) sind 20 7,330 Kilometer gefahren. Groß-berliner parteinachrichten. II. Kreil SchSnetera-Friedenau. Die Atte>Iuns»leUsr werden»edeten. deute. steeimz. den R. No«»mder. zwitiden 5 und«7, Uhr adends, in der Spedition, Velzigee Strohe, bestimmt Vlatate abzuholen St.«bt. Eonnadend. den S. November, abend» TV, Uhr, Funttionärlon'erenz bei Colvoe. Duerickestr. l. l»S. VbL Relnickendors-Ost. Sonnabend, den S November, abend» 7 Uhr. wichtige flunNioniirNtmnst Im Lokal z»et,ser. Residenzstr., Ed- Ponkower Allee. Erscheinen siimtlicher Funktioniire unbedingt ersordertlch. die Lohne in Veutstblanö. Sie sind diel zu niedrig. Di« eisten Ergebnisse in der Erhebung der Erwerbslosen- sürsorge vom 2. Juli d. I. wurden kürzlich im„Reichsarbeitsblait" veröffentlicht. Die Erhebung verfolgte den Zweck, die Aenderungen der Arbeitslosenunterstützung beim Uebergang vom gegenwärtigen zum Lohnklastensystem zu ermitteln. Au» dem statistischen Material können wir auch auf die Lohnhöhe in Deutschland einige Schlüsi« ziehen. Erstreckt sich die Erhebung aus fast 1,6 Millionen Hauptunterstützungsempfänger, d. h. auf«ine außerordentlich große Zahl von Arbeitnehmern, deren Wochenverdienst in Ihrer letzten Arbeitsstelle in dieser Statistik enthalten»st. Im„Reichsarbeits- blatt" wird zwar davor gewarnt, die Erhebung als L o h n st a t i st i k aufzufasten, weil die Arbeltslosen nur einen Aus- schnitt der Arbeltnebmerschoft darstellen und die Lohnangaben aus ganz verschiedener Zeit herrühren. Indesten wird im„Reichs- arbeitsblatt" selbst erklärt, daß der gewählte Stichtag(2. Juli) mit seiner großen allgemeinen Arbeitslosigkeit fast alle Berufs- g r u p p e»» und gerade auch die qü a l i f i z i c r t e n Arbeiter trifft, weshalb die Statistik u. E. Stützpunkt« für die Feststellung auch der Lohnhöhe zu geben vermag. Bcdouerlickerweise verfügen wir über keine umsasiende Lohn- statistik. Die Statistik über die Entwicklung der Tartsverträge gibt über das wirtliche Lohneinkommen keinen ausreichenden Aufschluß. Di« verdienstvolle Lohnerbebung des AVGV. in» ver- ganqenen Jahre erfaßte nur 125 000 Personen. So sind die vor- handenen Auskünfte über die Lohnhöhe recht mangelhaft: die gegenwärtige Erhebung, wenn sie auch für einen anderen Zweck durchgeführt wurde, kann daher«ine nützliche Ergänzung bieten. Auch die neue Statistik verrät nicht dos wirklich« Lohn- einkomm««» sondern den B r u t t o o e r d i e n st der Arbeiter, das heißt, den normalen Verdienst der Vollarbeiter bei regelmäßiger Arbeitszeit einschließlich etlvaiger Zuschläge(Akkord-, Prämien, Leistung»-, Familienzuschläa«) und ohne Abzüge für Steuern und Sozialabgabe»». Das wirkliche Lohneinkommen, auch der Voll- arbsiter. war in der Regel erheblich niedriger als die neue Statistik es angibt, zumal seit dem Stichtag vom 2. Juli die Löhn« infolge des großen Arbeiterangebotes im wesentlichen sinkende Tendenz zeigen. Auf Grund der Angaben von 1,6 Millionen Arbeitnehmern wurde also festgestellt, daß der wöchentliche Normalbruttoverdienst dieser(später als arbeitslos unterstützten) Arbeitnehmer 33,09 Mark betrua. davon der durchschnittliche Bruttoverdicnst 36,20 Mark, der der weiblichen Arbeitnehmer 20,20 Mark. Der Brutto- verdienst der Erwachsenen betrögt 33„57 M., davon der der männlichen 36.71 M.. der der weiblichen 20,63 M., der der Jugendlichen 16.81 Mark, davon der der männlichen 18,30 M., der der weiblichen 13,03 M. Was die einzelnen Lohnklassen anbelangt. so sind am dicktesten besetzt bei den Männern über 18 Jahr« die Lohn- klasien von wöchentlick 20 bis 30 Mark, bei den Frauen über 18 Jahr« die Lohnklalle von 19 bis 20 Mark, bei den Jugendlichen bis zu 18 Iahren die Lohnklasien von 14 bis 15 Mark. Aus der Erhebung geht hervor, daß von den erwerbs- losen Männern nur 45,33 Proz. keine zuschlagsherechtigten An- gehörigen haben, des weiteren, daß dt« Kopfzahl der zuschlage- berechtigten Angehörigen fast ebenso hoch war, wie die der Haupt- Unterstützungsempfänger. Strekkbefihluß der öauanschläger. Um die Erhöhung der Löhne. Die � im Metallarbeiteroerband organisierten Bauanschläger »allen in ihrer letzten Versammlung die Branchenlcitung beauftragt, Xm Schutzoerband Berliner Schlossereien das Lohnabkommen zu kündigen und eine Ivprozentige Erhöhung der Löhne und Akkorde zu fordern. Ebenso sollte eine Erhöhung des Preises für die Er. cichtung der Baubude verlangt werden. Es gab bisher für das Bauen einer Bude mit ein oder zwei Plätzen 7 M., für jeden weiteren Platz 1,50 M. mehr Gefordert wurden 9 bzw. 2 M, In den Verhandlungen stellten die Unternehmer die Forderung, den Lohn von l,S9 M. auf 1,25 M., den Akkordberechnungssatz von 189 auf 159 und die Fahr- und Laufzeitentschädigung ganz abzubauen. Als das die Orgaiiisationsvertreter ganz entschieden ablehnten, erklärten sie sich schietzlich.mr Verlängerung des alten Lohnabkommens bis zum 39. April 1927 bereit, jedoch mit der Ein- fchränkung, daß die Fahr- und Laufzeitentschädigung fortfalle Da auch dieses Verlangen von den Arbeiteroertretern abgelehnt wurde, scheiterten die Verhandlungen. � Die Unternehmer riefen daraufhin den Sch�lichtungsaus- sch u ß an. Dieser fällte am Mittwoch einen Schiedsspruch, durch den dos bisherige Lohnabkommen bis zum 39 April 1927 verlängert werden soll. Die Forderung auf eine Ivprozentige Erhöhung der Löhne und Akkorde sowie des Preises für die Er- richtung der Baubude trägt der Schiedsspruch nicht Rechnung, sondern sieht im Gegenteil noch eine Verschlechterung des Garantielohnes vor. Die Erklärungsfrift wurde auf den 19. November festgesetzt. Die Baiianschläger nahmen gestern abend in einer gut be- suchten Versammlung im Verbondshause der Metallarbeiter zu dem Schiedsspruch Stellung und lehnten ihn nach einer kurzen Aus- spräche in geheimer Abstimmung e i n st i m m i g ab. Ein in der Versammlung anwesendes Mitglied des Vorstandes des Vereins der Berliner Bauanschläger erklärte, seinen Mitgliedern eben- falls die Ablehnung des Schiedsspruches zu empfehlen. Da diese einstimmige Ablehnung zugleich den S t r e i k b e- s ch l u h bedeutet, hängt es von der weiteren chaltung der Unter- nehmer ab, ob es in den irächsten Tagen zu einem Streik kommt oder nicht. Sollten die Unternehmer den Forderungen der Bau- anfchläger nicht entgegenkommen, erscheint der offene Konflikt jeden- falls unvermeidlich. Nach der Erledigung von Branchenangelegenheiten wurde noch beschlosien, den streikenden englischen Bergarbeitern aus dem Branchenfonds 399 M. zu überweisen. Lohnerhöhung für Wein- und Likörarbeiter. Am Donnerstag fanden nochmals Verhandlungen mit dem Arbeitgebsrverband der Getränkeindustrien statt. Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist folgendes: Ab 29. Oktober 1926 erhalten alle männlichen Arbeiter eine Lohnzulage von wöchentlich 2 M., Kutscher eine solche von 3,59 M., Kraftwagcnsuhrcr 4 M., Arbeiterinnen 1,40 M. Dementsprechend betragen die Wochenlöhne für männliche Arbeiter 41 M., für Kutscher 44,59 M.. für Krastwagenlührer 48 M, für Arbeiterinnen 33,60 M. Das Lohnabkommen soll Geltung haben bis zum 31. März 1927. Die Arbeiter werden ain Dienstag zu dem Verhandlungscrgebnis Stellung nehmen. Kommunistische Verleumdung. In ihrer Schuttablagerung„Aus den Betrieben"— hat die „Rote Fahne" versucht, gegen den Betriebsobmann der Deutschen Bauhütte, Genossen Kiaulehn, eine Hetze zu veranstalten. Es wurde gefordert, daß die Baudelegierten gegen Kiaulehn Stellung nehmen sollen. Die Baudelegierten haben die Vorfälle geprüft und folgenden Beschluh gefaßt: „Die Baudelegierten der„Deutschen Bauhütte" nehmen Kennt- nis von den Anwürfen der„Roten Fahne" und ihren Hinter- männern in der Nr. 239 und 249 gegen den Betriebsratsvorsitzenden Kiaulehn und weisen sie energisch zurück, da die ge- schilderten Vorfälle den Tatsachen nicht entsprechen. Gleichzeitig sprechen sie dem Kollegen Kiaulehn ihr erneutes Vertrauen aus. Eine Berichtigung in der„Roten Fahne" zu geben, halten die Delegierten aus Erfahrung für überflüssig." Nun ist die„Rote Fahne" noch«mmer nicht zufrieden. Die Belegschaften sollen Stellung nehmen. Warum nicht gleich einen Kongreß der Maulhelden einberufen? Mitteldeutscher Mühlenarbeiterstreik. Magdeburg, 5. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Streik imMagdeburgerMühlengcbiethatan Umfang zugenommen. Nunmehr haben neben den Mühlenarbeitern in O u c o l i n- bürg und Burg b. M. auch die Magdeburger Mühlenarbei- tcr die Arbeit niedergelegt. Es befinden sich zurzeit die Arbeiter der Mühlen K. K r o tz e n si e i n und A. K r a m e r in Quedlinburg, der Rolandsmühle in Burg b. M., der Magdeburger Mühlenwerke A.-G. und der Mühle W. A. D r e n k m a n n im Sireik. Wohl wenig Industrien haben seit Jahren eine so gute Bc- schäftigung wie die Mühlenindustrie. Die Verdienst- und Gewinn- Möglichkeiten sind sehr hoch, wie die Börsenausweise beweisen. Im Bezirk Magdeburg gibt es Mühlen, bei denen die Akticnwerte seit 1924 um das zwanzigfache gestiegen sind. Wer aber glaubt, daß dementsprechend auch die Löhnender Mühlenorbciter in die Höhe gegangen sind, der irrt sich. Der Spitzenlohn der Fach- arbeitet in den Magdeburger Mühlen beträgt seit 1?'i. Jahren 36 M. pro Woche. Auf Grund der guten Geschäftslage forderten die Mühlen- arbeiier eine Lohnerhöhung von 4 M. pro Woche. Die Mühlen lehnten ab. Der Schlichtungsausjchuß verlängerte bis auf weiteres durch Schiedsspruch die gegenwärtigen Löhne! Der Schiedsspruch wurde von den Mühlenarbeitern abgelehnt: die Mühlen beantragten Verbindlichkeilserklärung. Diese wurde aber vom Schlichter abge- lehnt. Da die Mühlen von ihrer Hartnäckigkeit nicht abließen, traten mnächst die Mühlenarbeiier in Quedlinburg und Burg b. M. in den Streik, der nun einen größeren Umfang angenommen hat. Lerantworllicki wr Politik: Dr. Curt S-qer: Wirtschaft:«rwr Saternu»! Gcwerkschaftsbewcauna: Urirdr. Stzkor»: ss-uilleton: it. K. Töschrr; Lokal» und Sonstiaeo: isrh, ttarstädt: Alwiern: Th. Slock«: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Bcrlag D. m. d. A.. Berlin- Druck: Borwärto-Buchdruckerei und Berlaasanstalt Paul Singer u. So. Berlin SW 68. Lindrnlirake 3. übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Muükel verbände», Berlin 027, AndreaSstr. 21 tKönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 613 5. Sonntags 10 bis 2 Ubr. Aul Wunsch Vertreterbesuch für wenig Geld viel Ware DamenstrGmpleQQ farb-u-sebwarz. gut vrst Paar"w PI Damenstrümpfe färb.. Doppels-, Uoohf. Paar wir � DsmenstrOmpfeQS Seidentlor, gute Ware. Paar w Pf- Oamenstrümpfe iss Waschfioide.m,ganr kl. Fehl.Paar I Hier der Beweis: Damenhemdo.1;. mit Träger und Stickerei. J W Pf« Damenhemd 135 Achgelscbluß mit Stickerei I Hemdhosen; p mit Klöppelspitze Gummischörzensn für Damen, viele Farben. PI. Selbstbinderüll hübsche Mast, volle Lg., 85 ww Hosenträgerqs Gumm.m.Led., extra st. 1.65 vw VorhemdeiKi qs Kragen, hübsche mod. Streif, OberhemdenQss mit Kngen, modern« Muster. V PI. PI. PI. Unterhosenp für Herren, wollgemischt 1.75 B Karma!- Hemden l?5 wollgemischt...... 1.95 I Strick-TalllenQS weiß, starkfäd. Waren, 1.25 P� Damen-Schlüpfer 1» mit angerauhtem Futter... I Gebr. 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