flg, 530 ♦ 43.?ahca. Msgabe A Nr. 270 Bezugspreis. wöchentlich 70 Dfcnnia, monalNch 8,- Aeichsmart voran»»ahlbar. Unter Kreuzband kür Deutichlan», Dan�ia. Saar» unl> Memeiaebiet. Oelirrreich. Litauen. Lnrembur» <.öv Rcichsmarl. fiir da» übri«» Busland 5,50 Reichsmarl pro Monat. Der„Vorwärts� mit der illulirler- ten Sonntagsbeilage.Boll und gett� lomie den Beilagen.UnIerhaUung Uno Wissen',.«u» der isilmwelt'. »Frauenliimme'..Der Rinder. freund'..Lugend-Borwörts' und »Bück in die Biicherwelt' erscheint wochentäglich gweimal, Sonntag» und Montag, einmal. Telegramm-Adresse: »Sozioldeiaotral verlin» Morgenausgabe Nerliner Volksblskt MO�Pfenitig�) Anzeigenpreise: Di««inspaitia« Nonoartille. »eile«0 Pfennig. Reklame, eile t/— Reichsmark..Kleine An, eigen' da» fettgedruckte Wort 25 Pfennio lgulälssa ,wei kettgedruckte Worte). jede» weitere Wort 72 Pfennig. Stellengekuchc das«rsle Wort 16 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber lö Buch> Ilaben gäblen fiir iwei Worte. Olrbeitsmarkt kicile 00 Pfennig. Uamiiienan, eigen für Abonnenten Seile 4S Pfennig. Aruelgen für die nöchss« Nummer müssen bis Hi Ulir nachmittags im Hauotaefchäft, Berlin SW 68, Linden. ltrosseZ. abgegeben werden. Geöffnet von SVa Udr früh bis 5 Udr nachm. �entralorgsn cier 8o2ialäemokratiscken Darrel Daitfcblands nc6°i"°n 3|| Mittwoch, den IQ. November 1926|[ vorwärts-verlag G.m.b.h.,Serlin 69). 6$, Linüenstr.Z Poftichecklonto: Berlin 37 536- BanNonto: Bank der Arbeiter. Angestelteu und Beamten,«allstr. 65: Di»konto.S°Icüschast. D-»°sstenlasse Liudeaftr. 3. Kampf um Sie Erwerbslofenunterstützung. Neuer Antrag der Sozialdemokratischen Reichstagssraktion. Die Verordnung der Regierung, die die Sätze der Er- werbslosenunterstützung um 10 Proz. für die Hauptunter- stützungscmpfänger. um 15 Proz. für die Alleinstehenden erhöht, wird heute erlassen und tritt sofort in Kraft. So unzureicdend die Erhöhung auch ist, so ist auch sie nur auf das Betreiben der Sozialdemokratie zurückzuführeil. Inzwischen hat die sozialdemokratische Reichstagssraktion, wie schon gestern früh hier angekündigt wurde, beschlossen, ihre Aktion fortzusetzen. Sie wird schon heute zu der soeben erlassenen Verordnung folgenden Antrag ein- bringen: »Der Reichstag wolle befchlletzen, die Kelchsregler img zu ersuchen: 1. die Verordnung beiqeffend Erwerbslosenfürsorge oom S. Jto- vember 1926 dahin abzuändern, datz dle vezügc der hauptunler- stühungxeinpfänger um Z0 Proz. sstatt um IS bzw. l0 proz.). die Aamllienzuschläge um 26 Proz. erhöht werden. 2. Zur Deckung der dadurch entstehenden Mehrausgaben ist ersorderllcheufalls die durch die 14. Rotverordnuag über dle RSrsenumsahsteuer sErmätzlgung von Steuern) vom ZS. April 1926 eingetretene Ermähiguog der Dörsenumsatzsteuer auf- zuHeben.- Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hat damit bewiesen, daß sie ihrer Verantwortung sich voll bewußt ist. Sie stellt nicht nur Forderungen, sondern sorgt auch für die Deckung. Sollte der neue Antrag oerschleppt, abgelehnt oder nach der Annahme nicht durchgeführt werden, so würden dafür die bürgerlichen Parteien und die Regierung die Vor- antwortung zu tragen haben. Der Rest der Anträge zur Crwerbslosenfürsorge wurde auf eigenartige Weise erladigt, da sich nur Sozialdemokraten und Kommunisten an den Abstimmungen beteiligten. Die Deutschnationalen enthielten sich aus taktischen Gründen, die Mittelparteisn taten dasselbe, weil sie mit Rücksicht auf die angekündigten Regierungsvorlagen Ab- setzung der Anträge von der Tagesordnung beantragt hatten, diese aber gegen die Rechte und die Linke nicht durchsetzen tonnten. Für«inen kommunistischen Antrag, dem Arbeitsminister Dr. Brauns ein Mißtrauensvotum auszllstellen. stimmten nur die Antragsteller. Die Deutschnationalen enthielten sich. Mittelparteien und Sozialdemokraten stimmten dagegen. Wenn die Sozialdemokraten es für notwendig halten, einen Minister oder eine Regierung zu stürzen, so stellen sie die entsprechenden Anträge selbst, zuvor aber überlegen sie, was daraus wird. Wäre der Mißtrauensantrag gegen Brauns angenommen worden, so hätten die Arbeitslosen des- wegen ke'nen Pfennig mehr bekommen, viel eher bestand dann die Gefahr, daß selbst die neue Verordnung mit ihren zu geringen Verbesserungen zurückgezogen worden wäre; dann hätten die beitslosen nicht einmal das wenige bekommen, was ihnen die Verordnung zugesteht. Die Sozialdemokratie bleibt bei ihrer Taktik, aus der Regierung und den bürgerlichen Parteien im Sinn« ihrer Forderungen soviel herauszuholen, als möglich ist. Ob die Herbeiführung einer Regierungskrise die Aussicht auf Er- füllung ihrer Fordeningen verbessert, kann nur unter Be- rückfichtigung der politischen Gesamtlage von Fall zu Fall entschieden werden. » Kommunisten und Völkische hotten gestern im Reichstag noch zwei Mlßtrauensanträge eingebracht, diesmal gegen die Gcsamtregieruna. Vor der Abstimmung über die noch außenstehen- den Anträge des sozialpolitischen Ausschusses zur Erwerbslosensnr- sorge nimmt das Wort Relchsarbeitsminister vr. Srauns: Wie bereits gestern angekündigt worden ist, ist die Reichs- regierung sofort zusammengetreten, um ihr weiteres Vorgehen in der Frage der Arbeitslosenfürsorge zu beraten. Bestimmend für die Stellung der Regierung waren folgende Gesichtspunkte: die Reichs- regierung ist ermächtigt, die Unterstützungssätze in der Erwerbslosen. fürsorg« an die wechselnden wirtschaftlichen Verhältnisse anzupassen und dabei den Reichsrat zu hören. Sie hat bisher stets dabei mit dem Reichstag und mll dem Sozialpolitischen Ausschuß und mit dem Hauptausschuß vor ihren wichtigsten Beschlüssen Stellung'genonmien. Das ist auch diesmal in ausgiebigen Beratungen geschehen. Das endgültige Ergebnis dieser Beratungen ist in den von den Re- gisrung, portei-n vorgeschlagenen Erhöhungen zu sehen. Auf dem- selben Boden hat sich auch der Haushaltsausschuß gestellt. Der Sozialpolitische Ausschuß hat großen Wert darauf gelegt, die neuen Unterstützungssätze in dieser Woche in Kraft treten zu lassen. Nach den gestrigen Parteierklärungen steht fest. daß es sich hei den gestrigen Beschlüssen zum Teil um taktische Ab- stimm ungen gehandelt Hot und daß tossächlich eine Mehrheit des Reichstag» für die gestern beschlossene Erhöhung um 30 Proz. für die Hauptunterstützungsempfänger und um 20 Proz. für die Familienzuschläge nicht vorhanden ist. Auf Grund dieser Zusammen- hänge hat sich die Reichsregierung entschlossen, an der dem Reichs- rat bereits unterbreiteten Borlage im Einklang mit den R e- flierungsparteien und den Beschlüssen des Ausschusses estzuhatten, und im Wege der Verordnung die lluierstühungssätze um IS und 10 proz. zu erhöhen. Heute vormittag haben die Reichsratsausschüsse dem Dorschloge der Regierung ihre Zustimmung erteill und daraufhin ist die B e r> ordnung heut« mittag von mir vollzogen worden. fHört! hört! bei den Kommunisten.) Nur so ist zu erreichen, daß dle Arbetlsloseu noch in dieser Woche in den Genuß der erhöhten llnkerfkühuag komme«. Gleichzeitig soll der volle Zuschlag auch für das viert« Kind gezahlt werden. Di« neuen Lasten werde« oom Reich getragen. Darüber hinaus ergreift die Reichs- regieymg die Initiative, um im Sinne der Anträge der Regierung». Parteien folgende Ausgaben teils gesetzlich, teils durch Verordnungen und Ausführungsbestimmungen zu lös««: Die Regierung will ohne Verzug einen Gesetzentwurf vorlegen, demzufolge die Bezüge aus der wochenhilse und Fürsorge nicht auf die Erwerbslosenunterstühung angerechnet werden. Sie wird weiterhin eine Vorlage einbringen, wonach den Erwerbslosen die Anwartschaft aus dle Sozialver- ficherung aus den Mitteln der Erwerbslosenfürsorge gesichert wird. Endlich soll durch Gesetz aus dem Wege der k r i s e u s ü r- sorge den Ausgesteuerten der Fortbezug der Unterstützungen für den Winter gewährleistet werden- Diese Vorlage soll schon am Donnerstag im Reichsrat verabschiedet_ werden. Durch Verordnung oder Aussührungsbeslimmungen soll eine gleichmäßige und entgegenkommende Durchführung der Be- dürftigkeltsprüsung sichergestellt und verhindert werden, daß Arbeitsstellen mit sortlaufender voller Arbeitstätigkeit aus dem Wege der pslichkarbeit beseht werden. Endlich wird die Reichs- regierung entsprechend den Anträgen der Regierungsparteien die berufliche Fortbildung der erwerbslosen Zu- g e n d ti ch e a fördern. Die Regierung hält an ihrer bejahenden Stellung zur Sozialpolitik fest und wird daraus alle Konsequenzen ziehen, fveifall bei den Regierungsparteien.) Mufjolinis neuester Gewaltstreich. Alle Oppositionsabgeordneten ihrer Mandate beraubt. Rom. 9. November. fwTB.) Die Kammer nahm den Aotrag Turatis an. der die Abgeordaeteu der Aveoltu-Oppo- fi< i o n und die Kommuni st en ihres Mandat» ver- lustig erklärt. * lieber keinen noch so empörenden Gewaltstreich Musso- linis darf man sich mehr wundern. Man muß sich darauf beschränken, den jewelligen Zweck zu enthüllen. Daß dieser neue Beschluß der Verfassung ins Gesicht schlägt, versteht sich von selbst. Di« italienische Verfassung besteht zwar noch immer, aber kein Mensch kümmert sich mehr um sie, am aller- wenigsten der Schattenkönig Viktor-Emanuel, der bei seiner Thronbesteigung geschworen, sie zu schützen. Das Ziel, das Mussolini durch den gestrigen Beschluß der Kammer verfolgt, Ist ganz klar: er will die Möglichkeit haben, die nicht-faschistischen Abgeordneten jederzeit zu verhaften, vor das Standgericht zu stellen und sie durch dieses willfährige Parteiinstrument zum Tode oder zu Zuchthausstrafen bis zu 80 Jahren zu oerurteilen. Da den Führern der Opposition außerdem verboten wird, Italien zu verlassen, sichert sich Mussolini zugleich einige hundert prominente Geiseln, mit denen er anfangen kann, was ihm beliebt. Man muß damit rechnen, daß mit den Verhaftungen schon in den nächsten Tagen begonnen wird. Eine Proskriptionsliste ist bereits, wie uns von der italienischen Grenz« zuoer- lässig berichtet wird, schon fertig, die zunächst mehr als 100 Na- men enthält, darunter Senator Graf Sforza, Senator A l b e r t i n i, die Schriftsteller Benedetto Croce und B r a c c o, der sozialistisch« Abgeordnete und Rechtsanwalt Gonzales usw. usw. Der gestrige Beschluß der Faschistentammer betrifft nicht nur die Sozialisten, Marimalisten und Kommunisten, sondern auch die Demotraten, die Republikaner, die Katholiken und sogar den größten Teil der Liberalen, denn auch letztere hatten zuletzt unter Führung Giolittis der Avenssn-Opposstion an- gehört. Damit werden die Schwarzhemden in dieser Karikatur eines Parlaments ganz unter sich sein. ver verkauf der Sitzung. Rom, 9. November.(EP.) Zur außerordentlichen Kammersitzung für die Annahm« des Gesetzes über die Todesstrafe erschienen alle faschistischen Abgeordneten heute auf Defehl des Generalsekretärs der Partei Im Schwarzhemd. Vor der Sitznng ereigneten sich in den Wandelgängen einige Zwischenfälle mit oppositionellen Abgeordneten, u. a. wurde der maximalistische Abgeordnete Lazzari gezwungen, sofort das Parlamcntsgebäude zu verlassen. Die Tribünen waren bei Beginn der Sitzung dicht besetzt. In der Diplomaten- log« waren zahlreiche ausländische Vertreter anwesend. Musso- l i n i wurde mit einer stürmischen, nicht endenwollenden Ovation begrüßt, on der sich auch die Tribünen bcteUigw. Als sich der Beifallssturm gelegt hatte, sagte der Kammer- Präsident Casertano, dies« eindrucksvolle Kundgebung erübrig« jede Rede. Die hi st arische Stunde erfordere zudem nicht Worte, sondern Taten. Ich lade sie ein, den Ruf zu wiederholen: „Es lebe Mussolini, jetzt und immer!" Mussolini dankte dem Präsi- denten und der Kammer. Hierauf verlas der Kammerpräsident den von T u r a t t eingebrachten Antrag, wonach die Aventi nabgeordneten ihrer Mandate für verlustig erklärt werden, und fügte hinzu: Ueber die verlangte sofortig« Behandlung müsse ge- heim abgestimmt werden, was auch sofort geschah. Mit 293 gegen 10 Stimmen wurde beschlossen, sosort in die Beratung des Antrages einzutreten. (Die Gesamtzahl der gewählten Abgeordneten beträgt S10! Red. d.„B.".) Der Iustizminister Rocco brachte den Gesetzentwurs über die Einführung der T o d c s st r a f e und die anderen Bestimmungen zur Verteidigung des Staates ein. Es wurde mit 29S gegen 8 Stimmen die sofortige Behandlung der Zlnträge beschlossen. Alsdann begann die Diskussion des von Turati eingebrachten Antrags, der ein Verzeichnis der Aventin- abgeordneten oerlas, denen ihr Mandat entzogen werden soll. Ihrer Haltung seit der Matteotti-Affäre stellte er die Leistungen der Regie- rimg gegenüber und sagte hinsichtlich der Attentate auf Mussolini, der Anschlag des Sozialisten Z a n i b o n i sei aus den Kreisen des Aventin gekommen.(Diese verlogene Behauptung kann er nur wagen, weil die Zensur die Berichte über die Geständnisse G a r i- baldis unterdrückt hat. Auch Zaniboni ist von Garibaldi im Aus- trage Mussolinis geworben worden. Red. d. V.) Er betonte zum Schluß, man müsse der Stimme des Volkes Gehör schenken, das unter der Leitung des Duce in Ruhe arbeiten wolle. Mussolini' unterstützte diesen Schlußsatz mit den Worten:„Ich gehe dem Volke voran!"— Die Rede des Kammerpräsidenten wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, und die Kammer stimmte die Faschistenhymne an. An der Sitzung nahmen außer den faschistischen Abgeordneten die Erminister Salandra, Soleri und R I c c i o/ der liberal« Abgeordnete G i o v a n n i n i und einige andere teil, aber kein Vertreter der Aventin-Opposition- und kein Kommunist. frich üie Schanögefetze genehmigt. Ein Rückzug vor dem Rnsland. Rom, 9. November.(WTV.) Die Kammer nahm den Gesetz- entwurs zum Schuhe de» Staates bei namentlicher Ab- stimmung mit 3 41 gegen 12 Stimmen an. Es folgte eine geheime Abstimmung, die 31S Stimmen für und 6 gegen den Entwurf ergab.' Der Zlrllkel. nach welchem ein ilasienischer Bürger oder ein Ausländer ein von dem Geseheniwurs vorgesehenes verbrechen auf ausländischem Gebiet begehen würde, dem Gesehe gemäß im Königreich abgeurleili werden sollte, obwohl er schon im Auslände abgeurteilt sei, wurde au» dem Texk de» Gesehen« würfe» enifernt.(weil ein europäischer prolest gegen diese Bölkerrcchlswidrigkeii unvermeidlich wart Red. d.„v".j Der wiederzusammenlrllt der Kammer, die sich darauf vertagte, sol' deu Abgeordnelen in' ihren Heimatsorlen milgetclll werden. Zlbg. Dr. Scholz(D. Vp.) begrüßt das Vorgehen der Regierung und beantragt, die Weiterberatung der Anträge zu v e r- tagen, da sie jetzt doch unpraktisch und unzweckmäßig wäre. �bg. Müller-Iranken(Soz.j: Nach der Erklärung des Reichsarbeitsminifters ist es un'mög� lich, die ganze Angelegenheit zu oertagen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So sehr es anzuerkennen ist, daß er eine ganze Reihe von Vorlagen in Aussicht gestellt hat, so sehr müssen wir doch darauf bestehen, Gelegenheit zu haben, uns auch in anderen wichtigen Fragen zu äußern. Wir können nicht anerkennen, daß die Reichsregierung in der Untcrstützungsfrage ein Entgegenkommen gezeigt hat gegenüber den Beschlüssen, die gestern die Mehrheit in diesem Hause erhalten haben. Wir können heute keine Anträge zur Abänderung der Verordnung stellen, die uns noch nicht zugängig gemacht worden ist. Wir werden aber beantragen, die Verordnung dahin abzuändern. daß die Unlerstühungssähe um 30 und 20 Proz. erhöht werden sollen. Die Deckung der Mehrausgaben soll erforderlichenfalls durch die Beseitigung der Ermäßigung der Börsenumsatzsteuer aufgebracht werden. Auf diesem Wege kann auch die Deckungsfrage gelöst werden. Wer die Spekulationen in der letzten Zeit an den Börsen beobachtet hat, der weiß, daß hier eine Quelle ist, die uns die Mittel zu der Er- höhung gibt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist gestern wieder die Behauptung aufgestellt worden, daß unsere An- träge agitatorischen Charakter hätten. Ich will demgegenüber dar- auf hinweisen, daß in Berlin und Hamburg für einen Mann mst Frau und zwei Kindern jetzt 18,60 M. gezahlt werden, dazu kommen nach der Regierungsverordnung l,07 M., also 19,73 M., nach unserem Antrag würden es 23,45 M. sein. I m Wirt- schastsgebiet III werden bisher bezahlt 12,72 M., nach der Regierungsoerordnung 13,44 M., nach unserem Antrag sollen 15,80 M. gezahlt werden. Ich möchte denjenigen sehen, der an- gesichts dieser Ziffern den Mut aufbringt zu behaupten, daß unsere Anträge agitatorischen Motiven entspringen. Nun eine Antwort zu der sogenannten Uebersch neidung der Löhne. Meine Fraktion hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß die Arbeitslosen nicht mehr als die in Arbeit stehenden Arbeiter erhalten haben. Es hat sich aber herausgestellt, daß die Gemeinden heute schon in der Lage sind, Vorsorge dafür zu treffen, daß diese Ueberschneidung nicht eintritt. Wir sind auch dazu bereit, das Nötige dazu zu tun, um das zu verhindern. Nun zu den Mißtrauensanträgen, die von den Kommunisten und den Völkischen teils gegen den Reichsarbeits- minister, teils gegen die Regierung eingebracht worden sind. Im Namen meiner Fraktion habe ich zu erklären: Wir wählen den Termin selb st aus, an dem wir noch Anträge stellen wollen. In einem allerdings hat der Reichsarbeitsminister recht. Die Ver- ordnung ist in Kraft gesetzt worden, damit die Erwerbslosen wenigstens noch in dieser Woche etwas erhalten. Wenn es nach Ihnen(zu den Kommunisten) ginge, würden die Erwerbslosen über- Haupt nichts erhalten.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Auch Abg. Rädel(Komm.) erklärt sich gegen die Vertagung. Der Redner fordert Beseitigung der Reichsregierung und Auflösung des Reichstages. Nachdem noch Abg. Henning(Völk.) sich gegen die Vertagung ausgesprochen hat, wird der verlagungsanlrag mit den Stimmen der Sozialdemokraten. Kommunisten, Deutschnationalen und völkischen abgelehnt. Abg. Scholz(D. Dp.) erklärt dann im Namen der Regie- rungsparteien, daß diese sich an der weiteren Be- ratungdiesesGegenstandesnichtbeteiligen werden. Die überlassen die Verantwortung für die eveMuell gefaßten Be- fchlüsfe der neuen Koalition, die sich anscheinend aus tiefer sachlicher Uebereinstimmung aufbaue.(Große Heiterkeit bei den Regicruiizs- Parteien.) Die sozialdemokratischen Anträge zur Erwerbslosenvorlage werden dann angenommen. Die zweite Lesung des damit ver- bundcnen Gesehenlwurses wird erledigt, die dritte durch den Einspruch der Regierungsparteien verhindert. Für das kommunistische Mißtrauensvotum gegen Dr. Brauns stimmen nur die Antragsteller, die Dcutschnationalen enthalten sich, die anderen Parteien stimmen dagegen. Ueber das völkisch« Mißtrauensvotum wird am Mittwoch abgestimmt. Das Futtermittelgesetz wird dem Ausschuß überwiesen. (Weiterer Bericht in der Vellage.) die neuen Erwerbslosen-Unterftützungssätze Nach der Verordnung der Regierung. In später Abendstunde wird die Regierungsverordnung über die neuen II iH e r st ü tz u n g s s ä tz e in der E rwerbslosenfürsorge bekannt. Danach soll der Höchstsatz in Berlin betragen für die Zeit vom 8. No- vember bis 31. März 1927 für den Wochentag: 1. für Personen über 21 Zahre: 2) alleinstehende........... 2,08 M. d) nicht alleinstehende während der ersten acht Unlerstützungswochen........ 1,78 M. c) nicht alleinstehende vom Beginn der neunten UnterstützungSwoche ab........ 1,66 M. 2. für Personen unter 21 Zahren: 2) alleinstehende........... 1,86 M. d) nicht alleinstehende während der ersten acht Unterstützungswochen........ 1,08 M. c) nicht alleinstehende vom Beginn der neunten UnterstützungSwoche an....... 1,19 M. 8. als Familienzuschläge für 2) den Ehegatten........... 0,55 M. b) die Kiuder und sonstige unterstützungSbe- rechtigte Angehörige......... 0,39 M, Einschließlich der Familienzuschläge darf in Berlin die Unterstützung, die ein Erwerbsloser für den Wochen- tag erhält, in keinem Falle folgende Beträge(Spitzen- sätze) übersteigen: 1. während der e r st e n acht Unterstützungswochen Z.SS also 23,34 M. wöchentlich; 2. vom Beginn der neunten llnterstützungswoche ab 4,07 Mark, also 24,42 M. wöchentlich. Im Sinne dieser Anordnung sind„alleinstehende" Er- werbslose solche, die weder Familienzuschläge be- ziehen, noch dem Haushalte eines anderen angehören:„nicht alleinstehende" Erwerbslose: alle übrigen. Soweit die Eesamtunterstützung den durchschnittlichen Ar- beitsverdienst vergleichbarer Arbeitnehmergruppen erreichen würde, dürfen die F a m i l i e n z u s ch l S g e die Unter- st ü tz u n g, die der Erwerbslose für seine Person erhält (Haüptunierstützung), nicht übersteigen. Die selbständigen Unterstützungen, die mehrere in einem gemeinschaftlichen Hausstand lebende Familienmitglieder er- halten, dürfen insgesamt das Zweieinhalbfache der Unter- ftützung nicht übersteigen, die dem höchstunterstützten Mitglied der Familie für seine Person zusteht. Der Äorstand der Familie gilt im Sinne dieser Bestimmung als ihr Mitglied. Um den Achtstundentag. In der Besprechung mit den Unternehmern, die wir bereits im gestrigen Abendblatt verzeichneten, hat— nach MTB.— die Reichsregierung darauf hingewiesen, daß sie vor eigener Entschließung � besonderen Wert darauf lege, diese überaus bedeutungsvollen sozio- len und wirtschaftspolitischen Probleme in eingehenden Aussprachen mit den berufenen Vertretern der Unternehmer und Arbeiter einer Klärung nahe zu bringen. Die Untcrnehmervertreter betonten ihren Willen, zur befriedigenden Lösung der Arbeitszeitfrage beitragen zu wollen, jedoch müsse bei der Regelung der Arbeitszeitfrage auf die noch keineswegs gesicherte allgemeine Wirtschaftslage sowie auf die besonderen Verhältnisse in den einzelnen Wirtschaftszweigen ent- sprechende Rücksicht genommen werben. Der Reichskanzler hat die Stellungnahme der Reichsregierung vorbchastsn. Also für die Unternehmer ist die„allgemeine Wirtschaftslage" noch nicht so, daß man nicht nur den„grundsätzlichen", sondern auch den tatsächlichen Achtstundentag einführt. Die Rationalisierung hat zwei Millionen Arbeiter aus dem Produktionsprozeß ausge- schaltet, etwa ebensoviel auf Kurzarbeit gestellt, während ein Teil der Unternehmer noch immer nicht aus Ueberstunden verzichten will. Auf diese unwirtschaftliche Schmutzkonkurrenz soll noch immer Rück» ficht genommen werden. Es ist höchste Zeit, daß man so unange- brachte Rücksichten fallen läßt. Unbequeme Wahrheiten. Wie steht es mit den Pensionen der alten Kaiserlichen? Von den Deutschnationalen und den Völkischen wird seit Iahren eine wüste Hetz« gegen die Republikaner getrieben, von denen angeblich eine große Zahl trotz kurzer Amtstätigkeit hohe Pensionen bezieht. Die sozialdemokratisch« Fraktion sah sich unter diesen Umständen zu einem entsprechenden Antrag im Reichs- tag veranlaßt, der am 15. Dezember 1925 vom Reichstag angenommen wurde und in dem es heißt: „Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ver- anlassen, alsbald eine Denkschrift mit einer erschöpfenden namentlichen Uebersicht über die zurzeit lausenden Pen- stauen und Wartegelder sämtlicher Reichskanzler, Reichsminister, Staaissekretäre und Generale aller Grade außer Dienst und im einstweiligen Ruhestand vorzulegen. Aus der Uebersicht find ins- besondere die Höhe der Pension und Wartegelder, die Berechnung und Art der zugrunde gelegten Dienst, zeilen, sowie Höhe und Art sonstiger dem Pensions- und Wartegeldberechtigten aus Reichs-, Staats- oder anderen öffentlichen Mitteln zustehenden Bezüge genau ersichtlich zu machen." Seit der Annohm« dieses Antrages sind mehr als zehn Monate vergangen, ohne daß dies« Denkschrift aber dein Reichstage zugegangen wäre. Da die fachlichen Schwierigkeiten zu ihrer Anfertigung nicht erheblich sind, so kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß es sich bei der Verzögerung um einen offensichtlichen Versuch national! st ischer Kreise handelt, ihnen unangenehnw Wahrheiten zu unterdrücken. Die sozialdemokratisch« Fraktion hat deshalb, um diese Sabotage zu brechen, im Reichs- tage eine Anfrag« eingebracht, in der die Regierung gefragt wird, welche Gründe für die Nichterfüllung eines fast«in- wütigen Verlangens des Reichstages bestehen und ob sie gewillt ist, die Denkschrift dem Reichstag« mit der allergrößten Be- schleunigung zugehenzulassen. Ein geheimnisvolles Strefemann-öild. Und die dcutschnationale Rcichstagsfraktion. Ein eigenartiges Geheimzirkular der deutschnationalen Reichs- tagsfraktion wird vom„Demokratischen Zeitungsdicnst" bekannt- gegeben. Darin werden die Fraktionsmitglieder eingeladen, das Atelier eines Malers F r o h n« zu besuchen, wo„ein f a b e l- Haftes Bild Stresemanns im Kreise seiner Anhänger in der Wandelhalle des Reichstags" zu sehen sei. Etresemann selbst kenne das Bild noch nicht, ihm werde nichts anderes übrig bleiben, als es anzukaufen und zu verstecken, denn wenn dieses„!m Stil der neuen Sachlichkeit" gemalte Bild öffentlich ausgestellt würde, dann würde es„zu einer großen politischen Sensation" werden. Uns scheint es sich da weniger um eine„große politische Sensation", als um eine große Albernheit zu handeln, vielleicht auch um eine große Reklame, sicher aber um einen Ausdruck des Hasses, mit dem die deutschnationale Fraliwn Herrn Strcsemann beehrt. Zur Frage der Fürstenvermogen. Die Vorgänge vom Jahre 1918. Zu der Erklärung des Genossen Wolfgany Heine, deten JnhaU wir am Dienstagabend wiedergaben, schreibt uns Genosse Kurt Rosenfeld, daß er seine, in der Funktionärkonferenz gc- gebene Darstellung in jedem Punkt voll aufrechterhalte. Am 13. No- vember 1918 sei er noch gar nicht Iustizminister gewesen und habe danials auch noch keinen Antrag stellen können. Die Bekannt- machung vom 13. November trage daher auch gar nicht seinen Namen. Dagegen sei die Bekanntmachung vom 30. November, Ii« eine Ergänzung der unzureichenden Beschlagnahme vom 13. No» vember darstelle, auf sein Betreiben ergangen und auch von ihm unterschrieben worden. Mussolinis öoppeltes Gesicht. l In diesen Tagen, da Mussolini gegen den gesunden Menschen- verstand so fleißig rast und tobt, ist es interessant, auch etwas aus dem privaten Leben dieses offenbar wahnsinnigen Mannes zu er- fahren. Es handelt sich da nicht etwa um Klatschgeschichten, die von irgendeinem Gegner kolportiert werden, sondern um ganz ernsthaste Berichte, die in den treuesten Mussolini-Blättcrn erscheinen. Ja, diese Berichte wurden direkt von Mussolini inspiriert. Er hält sich nämlich seine eigenen Hofchronisten, die ihn auf Schritt und Tritt begleiten. Diese Leute von der malerischen Feder werden von ihrem Duce genährt und gestreichell, sie dürfen ihm nahekommen, wenn er auch kein schwarzes Hemd trägt. Sie dürfen ihn sogar sehen, wenn er am Allerseelentog das Grab seiner Mutter besucht. Da erfahren wir denn, daß der Freund des Spitzels Garibaldi sich in seiner Heimat nicht nur wie ein Gott anbeten läßt, er ordnet sogar an, daß ein Bettler des Landes vor ihm hinkniet und auf dem Boden hin und her rutscht, als wenn er in der Kirche vor dem Ehnstusbild Reverenzen macht. Dieser Bettler im Dienst Mussolinis wurde eigens dressiert und ausgeschickt, um vor Mussolini rings um das Grab der Mutter Mussolinis herumzurutschen. Und der Berichterstatter, der im Auftrage seines Duce berichtet, verschweigt nicht, daß Frau Musso- lini dem Manne ein Almosen gegeben hat. Außerdem sorgt der General der Mordbrenner dafür,' daß die kleinen Leute seiner Heimat methodisch erpreßt werden. Man zwingt sie, Blumen zum Grabe der Mutter Mussolinis heranzutragen. Und haben sie keine Blumen oder weigern sie sich, dann oerfallen sie der Härte des Gesetzes, das nach den neuesten Bestimmungen die Gegner Musso"- liuis ins Zuchthaus oder an den Galgen schickt. Am gleichen Tage, da Mussolini das Grab seiner Mutter be- suchte, lud er zu sich den Maharadscha von Aoakar ein. Es fand ein Gespräch hinter verschlossenen Türen statt, das aber Mussolinis Leibjournalist aufzeichnen konnte, weil Mussolini selber ihm nachher die Geheimnisse der Unterhaltung inspirierte. Aus dieser Unterredung zwischen dem Maharadscha und dem Häuptling aller Schwarzhemden erfahren wir, daß der Maharadscha durch- aus mit dem Faschismus einverstanden und sogar gesonnen ist, in seinem indischen Lande die italienischen Sitten einzuführen. Mussolini übergab dem Maharadscha sein � Bildnis. Der indische Fürst betrachtete es und meinte, daß dieses Gesicht auf der Photo- graphie zu hart wäre. Daraus erhielt er ein zweites Bild, auf dem das Gesicht Mussolinis weicher war. Der Maharadscha wun- derte sich dorm, daß Mussolini bald ein weiches und bald ein hartes Gesicht zeige. Mussolini antwortete, daß er eben ein Mensch und nicht ein Stein sei. Und der Maharadscha war über diese Auseinandersetzung sehr befriedigt. Alles das läßt Mussolini in den Zeitungen, die er knebelt und an der eisernen Kandare hält, oerbreiten, und er merkt aar nicht, daß er schon für die Gummizelle reif ist. M. H. Kulturgeschichte von heute. Die Königin von Rumänien, die, wie bekannt, aus äußerst fragwürdigen'Gründen in Amerika weilt, hat mit einem Sioux- Indianerhäuptling durch gemeinsame Blutabnahme«in Schutz- und Trutzbündnis zwischen Rumänien und den Sioxindianern ge- schlössen. Die beiden tranken gegenseitig das abgezapfte Blut aus. zur Bekräftigung dieses Bündnisses. Der Zweck dieses äußerst historischen, vielleicht besser ausgedrückt: kulturhistorischen Er- eignisses ist etwas unklar. Der einzige, der hier vielleicht tieferen Aufschluß geben könnte, ist leider schon tot: Karl May. Oder sollte die weihe Squaw erst vor ihrer Amerikareise diesen beliebten Autor gelesen haben? » Ganz in der Nähe von diesem Bericht las ich«ine Wiener Lokal- notiz: Ein Kindermädchen, das mit Zwei ihr schutzbefohlenen Kleinen, einem Jungen von drei Jahren und einem zehn Monate alten Mädchen im Kinderwagen von einem Bierwagcn überfahren wurde, hatte so viel Geistesgegenwart und Heldenmut, im letzten Augenblick noch den Knaben zur Seite zu schleudern und den Kinder- wagen im Schwung fortzurollen, wurde aber dadurch verhindert, sich selbst rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, und wurde von dem Bier- wagen zermalmt. Ich gäbe die Krone, die Leier dafür... und auch Königinnen, die mit Indianern Blutsbruderschaft trinken. » Eine Rundfrage unter den beliebtesten Filmstars von Amerika hat jüngst viel Interesse erweckt. Die Frage lautete: „Was kann Sie am ehesten nervös machen und aus der Fassung bringen?" Die Antworten, die einliefen, waren erschütternd. Als Kultur- kuriofum sei nur die Antwort Tom Mix' wiedergegeben: „Wenn auf meinem breiten Cowboyhut von mir während einer Filmaufnahme ein wenn auch kleiner Schmutzfleck entdeckt wird, ist's mit der Spiellust endgültig vorbei. So ein Tag ist für mich verloren!" Es würde sich verlohnen, die Arbeitslosen aller Länder zu einem gemischten Voltsopfer aufzufordern: sie mögen alle ihre Hüte Tom Mix zur Verfügung stellen. Vielleicht gibt er dann das Filmen auf. «- Seit ich diese drei Notizen gelesen habe, pfeife ich auf Kultur- geschichte der Gegenwart. Die Königin von Rumänien, die mit ihrem Freund, dem Sioux, Vlutsbrüderschaft trinkt, anno 1926, Tom Mix mit dem Fleck aus dem Cowboyhut, außer Fassung, und das Kindermädchen unter dem Bierwagen... Ich brauche keine Kulturgeschichte mehr zu lesen. Das genügt vorläufig._ 21. W. Die Bolavforfcher in Berlin. Gestern abend gab die Wissenschaft- liche Gesellschaft �ür Lustfahrt im Flugverbandshaus einen Be- grüßungsabend für die internationalen Wissenschaftler, dl« zu der Tagung der Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff eingetroffen sind. U. a. sah man Fritjof Nansen und die wissenschaftlichen Vertreter von Deutschland, Norwegen, Dänemark. England, Rußland, Spanien, Estland usw. Herr Schütte, der Prä- sident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt, begrilßte�die Gäste und berichtete über die Entstehung der Idee, arktische For- schung mit dem Luftschiff zu treiben. Heute zählt die Gesellschaft 180 Mitglieder aus 19 verschiedenen Staaten. Fritjof Nansen dankte für die Gastfreundschaft der Gesellschaft für Luftfahrt, indem er zu- gleich der Hoffnung 2lusdruck verleiht, daß diese erste Tagung der Internationalen Studiengesellschast nicht nur ein Markstein der Luft- schiffahrt, sondern ein Maßstab geographischer Forschung sei. Wir sind dankbar und stolz, fährt Nansen fort, daß diese erste Tagung der Studiengesellschast in Berlin stattfindet. Ein Prozeß um eine Prominentengage. Die Schauspielerin Else E ck e r s b e r g hatte gegen Direktor Saltenburg eine Klage auf Nachzahlung von Gage angestrengt, die darauf gegründet war, daß Saltenburg ihr eine geringere Gage zahlte, als vereinbart war, mit der Motivierung, daß die Gagenkommission die Zahlung der ver- einbartcn Gage nicht billige. Die erste Instanz des Bühnenschicds- aerichts hatte der Klage stattgegeben mit der Bearllnduiig, daß Direktor Saltenburg gegen Treu und Glauben auf die Entscheidung der Gagenkommission eingewirkt habe. Das Oberschiedsgericht hat nun das Urteil der ersten Instanz bestätigt. Eine Million Dollar für eine Schreckenskammer. Das vor einiger Zeit durch Feuer zerstörte Wachskabinett Mme. Tussauds in London wird im Laufe des nächsten Jahres neu aufgebaut werden. Es hat sich dieser Tage zu diesem Zweck eine amerikanische Finanzgesellschaft gebildet, die zunächst 1 Million Dollar gezeichnet hat. In oer Haupt- fache wird dieser Betrag für die Wiederherstellung der Schreckens- kammer verwendet werden, die für alle Panoptikums der Weit seinerzeit vorbildlich gewesen ist. In der Schreckenskammer werden auch darauf bezügliche geschichtliche Ereignisse künftighin im Film zu sehen sein. Ob das Finanzkonsortium auch daran gedacht hat, die Schreckens- kammer zu modernisieren? Der Krieg und seine Folgen haben doch erstaunliches Material dafür geliefert. Dandalen! Die römisch« offiziöse„Tribuna" hatte zuerst all« Nachrichten dementiert, wonach die Wohnung des berühmtesten italienischen Philosophen Benedetto Croce in Neapel von den Faschistenbanden zerstört worden sei. Jetzt muß auch die Faschisten. presse zugeben, daß die Bibliothek des Gelehrten, die die wertvollste private Sammlung von philosophischer Literatur darstellt und auf einen Wert von Millionen Liren geschätzt wird, von den einge- drungenen Schwarzhemden vollständig zerstört und ge- plündert worden ist. «rbeiterbillmngs'chlll». Sonnabend, den tZ. November, abend» VI, Ubr. findet im Festiaal de» Preußlichen Landtag», Prinz-Albiechl-Straße, lar die Hörer der Freien sostaliMschen Hochlchule, Nrbciterbildiingslchule undn«»i>rst»nd. SVD.-Metallarbeit« de» 17. DMB.-Dezirk». Donnerstag Uhr g bei Regenber«. Sartrnstr. TS, wichs ig« Besprechung. Misgltedsbuch f~ der Partei logitimiert. Der Zrakti-n-oorstanb. Znoendarnppe de» stbA. feeut«, Mittwoch, 7V4 Uhr. tagen folgende Be- »Irke: NentZhn: Jugendheim Stogatstr. A. IN eck und Ziel unserer Arbeit- «Eschbach).— ZSebding-Desnndtrnnuea: tzuqendheim Schilirstebtstr. 1(Ledigen. heim) 5 Tr..Anschauungen deraf!.-— Schöneberg: Jugendheim SmioliVr. 18 tAoantenIaiid, immer). Leseabend.— Lichtenberg: Jugendheior Schule Dostlerstr. w. Reoolulionsqedenrabend. Freie Sewertschastsingend. Heute, Mittwoch. 7'4 Uhr. tosen die Gruppen: Aeuköll» l: Sruppenhrim Jugendheim»rrgstr. 29, Hof. Vorttag:.Borlstmpfer der Arbeiterbewegung-.— Südwesten: Sruvpenheim BezirSoingendheim Etiidt. Schwimmhalle. Bärwalbstr.«.«ortrag:„Ausgaben und Zweck der ZSI.-— Schöncberg: Dnippenheim Jugendheim Rubensstrah« sSportplati). Ein« Schieds- ichtersthung.— Eharloiteabnig: Sruppenheim Iuaendhcim Dcritscher itranSenksssenverband,«enliner Ei-. 137. Wir beteiligen UN» an der Werbe- oeranstoltung de» Wesckreisc».- Aordring: Sruppenheim Jugendheim Eber«. walder Str. 10.«ortrag:.Iudlvidualisinrn:»— Dualismu»— Gemeinschaft-. — Norden: Sruppenheim Gartenplat, 1. Diskussion Uber«vewerkschgftssrage». — Werbeoeranftaltnng de, Westkreifc» der FGZ., Eharlottenburg. Berliner Strah« 137 sDeuische»«ranken kassenhau»).„Unser Wollen— Weg— Werk. Musik— Lied der Arbeit sBewegungschor)— Ansprach«— Heitere Ziant� bemerkungen.tut Arbeit. «erantwortlich sstt Politik: Dr. Etui Otutt: Wirtschaft:»rtnr«at-r»-,: G-werkschaftobeweaun«: Fried:. Ettkor«, Feuilleton:*. 6. Töscher: Lokale» und Sonstige»: Frist st-rstödt: An,»igen: Tb. Glocke: sämtlich in«erlin. «erlag: BorwSrt».Berlg« G.m.b.H.. Berlin- Druck: Vorwitrts»Buchdrucker«t und Verlagsonstalt Poul Singer u. Eo. Berlin SW 68 Lindenftraste st. Hier,» Z Beilagen»ad..Unterhalt»»«»nd Willen-. ULISI'AM««»»» �Sardinen Echalgakdinen 7* Tüllgarnituren 775 J.elgrwtr:-.neuei;nst..Mtr.1,20, JL•»'PI, Stallig.................... 4,50, Ju Etamin-SaibstorttlZ« Tull-Salbstores 7»z rnit li.osiir n an<1 Volant. 2,90, JL rn modern. AustShrangen 4,25, Rablüs Settöetfen sbettig, />75 extra ic'iwere Qnalit&t...Meter verschied. 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Wagners Ehorgesang„Wach auf" aus den„Meistersingern" leitete den Abend ein. Franz Fischer rezitierte mir schöner Begeisterung Dichtungen von Heine, Lissauer und Turgenjew. Genossin Klara Bohm-Schuch gedachte in warmempfundenen Worten vor allem derer, die am Bau des freien Tempels geholfen und ihre Bereitschaft mit dem Leben bezahlt hoben. In flammender Rede forderte sie auf, ein Werk zu vollenden, das — mit so unendlich schweren Opsern begonnen— einzig und allein dem Volke Freiheit und Menschenrechte bringen kann. Der ganze Abend stand im Zeichen tiefster Ergriffenheit und ehrlichster Bereit- schaft. Erlösung sprach aus allen. Es folgten noch Gesänge und Rezitationen, und unter Absingung der Internationale nahm die stille Feier ihr Ende. Die Aula in der Kasserin-Augusw-Straße zu Tempelhof war überfüllt. Händels Largo, gespielt von Paul Friedrich, eröffnete die Feier. Chöre umrahmten die Ansprache des Genossen Alwin S a e ng e r- M ü n che n, M. d. R. Er gedachte der Gsburtsftunde der deutschen Republik. Drei Kaiserreiche lagen am Boden, Reiche, die ihren Völkern den geringsten Antell am politischen Leben des Staates gestatteten. Der Paragraph 11 der ehemaligen deutschen Reichsverfassung, der einem einzigen Manne das Recht gab über Krieg und Frieden eines VO-Millionen-Volkes, der in seiner Rück- ständigkeit nur noch von Persien und China geteilt wurde, würde den Zusammenbruch eines solchen Regimes schon allein erklären. Die heutige Republik ist gewiß kein sozialistisches Ideal! aber eine Besserung ist sie, sei sie noch so bürgerlich, so„kapitalistisch", und eine Parallele mit dem Frankreich von 1871 zeigt, daß wir auf dem rechten Wege sind, das Erreichte zu befestigen. Jeder Sozialist muß jetzt mit zwei Fahnen in der Hand kämpfen. In der einen Hand die Fahne der Gegenwart, der Republik, die schwarzrotgoldene, in der anderen aber die Fahne der Zukunft, die rote Fahne der Soziali st en. Rezstationen von Laubinger(Staatstheater), Musikvortröge von P. Friedrich und Eckhardt erhöhten die Weihe des Zlbends. Machtvoll erklang zum Schluß die Internationale. Die Neuköllner Genossen begingen ihre Revolutionsfeier in dem renovierten Saal de? Städtischen Lichtspielhauses. Auf Antrag unserer Fraktion hatte die Bezirksverordnetcnvcrsamm- lung die Verträge des Lichtbildhauses kündigen lassen. Es soll nun ein Vortrags- und Aufsührungsraum für die Bevölkerung werden. Gestern konnte die Arbeiterschaft mit chrer Reoolutionsfeier die Ein. weihung dieses Saales vollziehen. Zahlreich war die Arbeiterschaft der Einladung gefolgt. Der Saal war überfüllt. Auf der Bühne leuchtete das rote Banner der Partei. Die Neuköllner Liedertafel sang als Einleitung„Empor zum Licht". Dann sprach Heinz Wolf die alten Trutz- und Kampfgesänge Heinrich Heines und Georg Herweghs. Nach ihm sprach Reichstagsabgeordncter Genosse Herz. Sachlich zeichnete er ein Bild der Wirtschaftsmächte in Deutschland. Die Arbeiterschaft hat 1913 wohl die politische Macht erobert, doch hat sich im Verlaus der Entwicklung die Wirtschaftsmacht als stärker erwiesen. Im Wirtschaftskampf werden die Fronten, Bourgeoisie und Proletariat, klar aufgezeichnet. Wir werden diesen Kampf nur be- stehen können, wenn die Sammlung sämtlicher proletarischer Kräfte gelingt. Mit dieser Macht aber werden wir siegreich aus diesem Kampf hervorgehen. Rezitationen Heinz Wolfs beschlossen die würdige Feier der Neuköllner Genossen. Der 17. Kreis feierte den Gedenktag der Revolution im Festsaal des Cäcilien-Lyzeums in Lichtenberg. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal war entsprechend der Be» deutung des Abends reich mit roten Fahnen und gleichfarbigen Girlanden geschmückt. Eingeleitet wurde die Feier durch den Prolog „Die Toten an die Lebenden" von Ferdinand Freiligrath und«in Trio für Celli, gespiest vom Liebermann-Trio. Reichstagsabge- ordneter Genosse B r e i t s ch e i d wies in seiner Festrede daraus hin, daß die Revolution vom November 1918 zwar keine Revolu- tion mit Barritaden und unzähligen Menschenopfern gewesen sei, wie wir sie uns erträumt hatten,' trotzdem aber eine grundlegende Staatsumwälzung war. Auch wenn nicht das erreicht wurde, was wir uns erhofft hatten, so muß man sich die Geschichte aller Revo- lutionen vor Augen halten, deren Saaten immer erst viel später ausgingen. Der 9. November darf für uns nicht nur ein Tag der Erinnerung und des Feierns sein, sondern ein Tag des Gelöbnisses, wester zu gehen und weiter zu kämpfen für die wahre sozialistische Republik. Auf die wirkungsvolle Rede folgte ein Musikvortrag und die Feier wurde mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie beendet. Die Parteigenossen von Reinickendorf trafen sich zur Revolutionsgedenkfeier in de» Hubertussälen am Bahnhof Schönholz. Ein Kammermusikquartett des Deutschen Musikerver- bandes brachte Musik alter und neuer Meister vollendet zu Ge- hör. Der Männcrchor Reinickcndors-Ost brachte den „Gesang der Völker" und„Tord Foleson" ausgezeichnet zum Vor- trag. Genosse Wissel! streifte in seiner Gedenkrede die Vorgänge in den Septembertagen 1918 im Hauptquartier und bei der Regie- rung. Durch den Nebel von 1918 leuchteten die Worte„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Noch sind wir nicht Herren unserer Ge- schicke. Aber die Zeit wird kommen, da jeder seines Lebens froh werden kann. Der Sinn der Umwälzung ist, sich selbst der Gesamt- heit schenken. Die Rede fand großen Beifall. Theo Maret rezi- tierte und erntete ebenfalls reichen Beifall. Die Versammelten sangen zum Schluß die Marseillaise und die Internationale. «-das letzte Nittel/ Der Schulrat schützt den prügelnden Lehrer. Erziehung durch Prügel gilt immer noch vielen Eltern und Lehrern als unbedenklich. Wenn nichtprügelnde Eltern gegen einen prügelnden Lehrer sich an seine Dienstbehörde wenden, können sie es erleben, daß dem Lehrer von dort aus noch Schutz gewährt wird. Die Schule hat nach dem Gesetz leider noch das Prügel- recht, und auf diese Rllckständigkeit unseres Schulwesens kann die Behörde sich berufen, wenn sie Beschwerdeführer abweist. So erging es im Verwaltungsbezirk Schöneberg auch einem Elternbeiratsmitglied, einem in der Kinderfreundeorganifation tätigen Genossen. Gegen einen im Friedenauer Bezirksteil an der 18. Gemeindeschule angestellten Lehrer Franke reichte er eine Beschwerde ein, weil ein ihm bekannter Knabe in der Schule geprügelt worden war. Die Spuren des Prllgelstocks, die aui dem Körper des Kindes noch nach einer reichlich langen Reihe von Tagen zu sehen waren, wurden zuerst beim Baden bemerkt. Im Einver- ständnis mit der Mutter, vor der das Kind die Sache bis dahin geheim gehalten hatte, ging das Elternbeirotsmitglied zum Rektor Kaul. Dieser gab nach Besichtigung der Spuren zu, daß Herr Franke„etwas grob" geschlagen habe, aber er entschuldigte ihn mit Nervosität und Familiensorgen, woraus seine öfter aus- tretende Mißstimmung zu erklären sei. Das Elternbeiratsmitglied richtete hiernach an die Bezirksschuldeputation ein« Beschwerde, in der auch erwähnt wurde, daß bei jener Brügelcrekution noch ein anderer Schüler geschlagen worden war. Der Bescheid lautete wie zu erwarten war. SchulratStubbe erwiderte dem Beschwerde- führer:„Dem Lehrer steht das Züchtigungsrecht zu." Der Bescheid fuhr fort:„Eine Ueberschreitung seiner Befugnis ist nicht nachgewiesen. Keiner der beiden Knaben hat sich nach irgend- einer Seite beklagt! beide haben offenbar das Gefühl gehabt, ihre Strafe verdient zu haben." Und schließlich wurde erklärt:„Die Schulaufsicht wünscht, daß die körperliche Züchtigung möglichst ver- mieden werde! wenn aber der Lehrer im einzelnen Falle glaubt, zu. diesem letzten Mittel greisen zu müssen, so kann ihm. sofern er sich innerhalb der ihm gesteckten Grenzen hält, ein Vorwurf nicht gemocht werden." Die Dienstbehörde schützt also diejenigen Lehrer, deren Erziehungstun st nicht ausreicht, ohne Prügel mit den Kindern fertig zu werden. Sie wünscht nur, daß die prügelnden Pädagogen bei dem Gebrauch des „letzten M i t t e l s"' die Vorsicht üben, sich innerhalb der„ge- steckten Grenzen" zu hallen. Ob Lehrer Franke das getan hat, hätte ein Arzt entscheiden können, wenn man ihm rechtzeitig das Kind zugeführt hätte. Da das unterblieben ist, so gilt dem Schul- rat Stubbe eine Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes als„nicht nachgewiesen", und der Lehrer wird geschützt. So war es früher, so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag— und so soll es immer bleiben nach dem Wunsch derjenigen, die in Hieben noch ein Erziehungsmittel sehen. Soll es wirklich immer so bleiben? Die von fortgeschrittenen Lehrern und Eltern getragene, immer weiter um sich greifende Bewegung, die eine Neugestaltung des Schulwesens erstrebt, wird aus unseren Schulen auch die Gewaltpädagogik hinaus- bringen. Sie wird dazu führen, daß aus den Schulen auch der letzte Freund des„letzten Mittels", das nur zu oft ein erstes ist, verschwinden muß. In S ch ö n e b e r g ist man jetzt dabei, für Errichtung weltlicher Schulen zu werben. In weltlichen Schulen ist kein Platz für Lehrer, die sich auf das„letzte Mittel" verlassen. Es gibt verschiedene Gründe, aus denen immer mehr Ellern sich dazu entschließen, ihre Kinder den weltlichen Schulen Die Wunöer öer Klara van Haag. 9s Don Zohannes Luchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. „Es gehören zwanzigtausend Kronen dazu, um die Sache aufzuwiegen. Soviel beträgt Petreas Erbe. Mindestens. Dies„mindestens" erfüllte Hedwig mit neuem Zorn, der ihr letztes Lächeln gefrieren ließ. Das sagte ihr, daß der Vater immer noch ins Blaue hinein phantasierte. Sie hatte sich zwei Vorsätze überlegt, um das Unglück abzuwenden. D.'r erste war, auf eine gemütliche Art von einem Handel zu reden. Konnte man das Lächeln des Vaters hervorrufen, so war schon viel gewonnen. Dieser Versuch war mißglückt. Ferner hatte Hedwig in ihrer Verzweiflung daran gedacht, sich vor dem Bater niederzuwerfen und ihn anzuflehen, einzuhalten. Ein Weib rechnet mit seinen Plänen stets auf Gnadengeschenke. Jetzt, unter dem gnadenlosen Blick des Vaters, stieß sie diesen Versuch mit Verachtung von sich. Sie wandte sich an Swert, der mit niedergeschlagenen Augen, aber mit unverminderter Eile seine Mahlzeit sortgesetzt hatte. „S'vert/ sagte sie eindringlich,„du erinnerst dich wohl deines Versprechens?" Sivert kicherte ausweichend. „Welches Versprechens?" „Standest du nicht heute nacht unter meinem Fenster und versprachst mir. daß du dich von der Geschichte femhalten wolltest?" sagte Hedwig aufgebracht. „Heute nacht?" , Ach, du wirst wohl noch wissen...!" ..Wie sah ich aus?" „Du sahst aus wie das Gewürm, das du bist." „Du wirst dich wohl geirrt haben, denke ich. Hatte ich nicht' eine Geige mit und kratzte schön darauf zwischen den Leichensteinen? Kamst du nicht in bloßem Hemd ans Fenster und ließest mich nachher ins heilige Zollamt ein. Gab ich nicht an, daß ich Johan hieße und Maler wäre?" Hedwig war dicht am Herzen getroffen. Das Gift lähmte ste fast. Ein paarmal schöpfte sie tief Luft und wollte etwas fazen. dann aber beugte sie si» vornüber und ging. Die Mutter riei sie!„Herrgott, aber 5iedwig," aber sie ging weiter, ohne sich umzusehen...„ �. .Was sagtest du, geschah heute nacht?" fragte der Dater. „Ach, sie ist ja verrückt und sieht Gespenster. Jetzt kommt sie her und stört unsere gute Stimmung." Nein, die Stimmung war nicht so gut wie früher. Jetzt klingelte es. Jemand kam, um aufgenommen zu werden. Egholm bekam zornige nervöse Runzeln. Nichts nahm feine Kräfte so mit wie sein Beruf. Nie erlangte er Routine. Sein Gehirn war so beschaffen, daß er sozusagen bei jeder Auf- nähme die Photographie von Grund auf erfand, und da die Photographie längst aufgehört hatte, ihn zu interessieren, kostete ihm die Erfindung ungeheures Kopfzerbrechen. Egholm erfand das Gehen, wenn er über den Fußboden ging, und das Kauen, wenn er aß; aber diese und alle andern Dinge be- lustigten ihn ewig. Nur die Photographie— unglücklicherweise gerade sein Lebensunterhalt— langweilte ihn zu Tode. Als er im Wartezimmer gewesen war und zwei geputzte Bauernmädchen gebeten hatte, Platz zu nehmen, war seine Stimmung Sivert gegenüber verändert. „Warum bist du nicht gegangen?" sagte er.„Ich will dein Schmatzen nicht länger anhören." Sivert hatte den Mund ganz voll von Essen: jetzt ver- schlang er es ungekaut, so daß sein ungeheurer Adamsapfel heraussprang wie eine Ratte im Sack. „Sage mir nur," meinte er,„ehe ich gehe, abwich den Eindruck eines einigermaßen netten Burschen mache." Der Vater musterte ihn mit einem Blick und sagte:„Nein, du gleichst einem abscheulichen hausbackenen Idioten." „Aber ist es da nicht klüger, die Sache aufzuschieben...?" „Aufzuschieben? Willst du den Mund halten und machen. daß du wegkommst!" „Du mußt mir eine Krone leihen, um mein Aussehen ein bißchen zu flicken." „Erpressung! Na, nimm sie und fort mit dir. Und bist du nicht in einer Stunde mit einem guten Ergebnis wieder da, dann werde ich-- 1" Damit eilte der Vater in seine Dunkelkammer.� Aber Sivert schien es, daß er selbst in etwas noch Schwärzeres ginge. Ein paar Stunden vergehen. Es wird Mittag. Emanuel kommt aus der Schule und erhält von der Mutter den Be- richt über die Ereignisse des Vormittags. Hin und wieder geht der Vater unruhig durch die Küche. Man sieht seinem finsteren Ausdruck an. daß er sich in großer Spannung be- findet. Wenn er sich nähert, schweigen die Mutter und Emanuel. Jetzt, da der Wahnsinn Wirklichkeit geworden ist. hat er jeden Anstrich von Komik verloren. Wo bleibt Sivert? Es wäre ja denkbar, daß er jetzt, wo er keinen Ausweg mehr sieht, ins Wasser gesprungen ist. Wird Hedwig ihre Stellung behalten dürfen, wenn der Klatsch die Geschichte zu fassen bekommt? Solche bitteren Gedanken macht Frau Egholm sich, während sie in ihrem Haar wühlt und sich mit ihren Koch- geräten beschäftigt. Und jetzt muß sie mitten darin denken, daß dies ja nichts ist gegen das, was sie früher durchmachen mußte. Was Egholm denkt, weiß niemand. Augenblicklich sitzt er an seinem Arbeitstisch, den Kopf schwerbrütend in beiden Händen. Emanuel zieht seine Mutter am Aermel. Sie steht auf: Draußen unterm Kirschbaum steht Sivert zusammengefallen und starrt hinein. Sie machen ihm beruhigende Zeichen, aber er schüttelt bloß den Kopf. Da erhebt Egholm sich und öfstiet die Tür. Er erblickt Sivert und tritt mit schweren Schritten zu ihm hinaus. „In Teufels Namen, was stehst du da und mimst den abgeschnittenen Erhenkten?" sagte er wütend. Jetzt sollte er weglaufen, denkt Emanuel. Statt zu laufen, steckt Sivert ein bebendes, aber stark die Zähne zeigendes Lächeln auf und sagte:„Ich darf mich wohl ein bißchen erholen hinterher?" Der Vater wird verwirrt. „Nun ja, aber komm wenigstens herein.— Gib ihm Essen!" Sivert richtete sich auf und folgte ihm ganz in die Stube. Die Mutter, Emanuel und er wechselten verständnislose Blicke. „Also, was hast du ihr gesagt? Beeil dich ein bißchen." „Ach, es wurde über mehrere recht interessante Dinge gc- sprachen." „Erwähntest du ihres Vaters Tod und Begräbnis? Das würde ich getan haben." „Ja. damit fing ich gerade an." „Und dann?" „Es verging ja einig« Zeit mit dem Gerede. Der Sarg feit gut und stark für den Preis gewesen, sagte sie." '„Das ist sicher eine reizende Unterhaltung zwischen euch beiden gewesen. Weiter." „Was kostete er?"—„Dreißig Kronen".—„Wo war er her?"—„Von Andreasen."—„War er schwarz?"—„Ja." —„Wieviel Griffe?"—„Acht Griffe." (Fortsetzung folgt.) zuzofShren. Unter diesen Gründen soll anH der nicht vergessen werden, daß die weltliche Schule auf die Gewalt- Pädagogik verzichtet. Alle, die aus Schule und Haus das von Schulrat Stubbe verteidigte„letzte Mittel" verbannt sehen wollen, mögen dafür eintreten, daß die weltlichen Schulen rasch weiter vermehrt werden. Wer in Schoneberg sein Kind zu Ostern in eine wellliche Schule zu bringen wünscht," wende sich schon jetzt cm den Genossen Rieth, Wartburgstr. 37. Sallaöe vom Sportpalast. AllrLiih erschien ZU später Stunde der frilhere tknnprinz im Sportpalast, um dem Sechetaae- rennen beizuwohnen. Er blieb sijnzlich unbeachtet, bis et. um feine Popularität festzustellen, stch unliebsam bemerllich machte. Es erschien plötzlich in großen Lettern auf dem Berstöndiaungstransparent folgende Mittet- lung:»Ein alier Isrrund der Sechstagefahrer au» Otis stiftet 500 Zst. dem Sieger In den nächsten 5 Runden". Saum war die Transporentschrift zu entziffern, als ein Söllenipektokel begann: Pfeifen und wenig freund- liche Wünsche oller Art bekundeten dem»hohen Herrn", daß Berlin buchstäblich auf ihn pfeift. Zu, Berhölt- »is zu dem Beifall, den die Heiden dänische» Zilmschau. spieler Patt und Patochon an dem gleichen Abend er» hielten, mußten die vereinzelte» Beifallsrufe fstr de» Sportfreund aus Oels geradezu kläglich anmntem Achllausend Mann, das ist schon viel, Dsbei sind noch die meisten oben, Auch mal in Stellung, die gehoben, Und die begleiten Sport und Spiel Mitunter mit der Hölle Toben. Unh wissen es gar nicht gebührlich m schätzen, Wenn Damen und Herren stch zum Schlemmen setzen. Zwischen eins und zwei Der Pullen drsi— Und die armen Fahrer wie Hunde hetzen. Dann sqll es geschehen, Daß Leute, die oben in Engen stehen. Ganz unvermittelt die Wahrheit sagen: Bon diesem auch und von jenem auch, Bom hohlen Geist und vom vollen Bauch, Und daß unten die Fahrer sich Prämien holen Bei Leuten, die vorher das Volk bestohlen, Ein leises Wort, ein lautes Wort, Und sehr viel Wahrheit— dann fährt man fort Jüngst kam ein Mann aus Junkerland, Der war sehr läng verreist gewesen, Doch wo er jetzt was Frohes fand— Sei's Weiber. Sport und allerhand— Ließ er sein deutsches Herz genesen. Und wollte es gern, daß man wissen sollte, Wer m den Logen die Augen rollt«— Und wie macht mans fein, Ein Prinz zu sein. Und dennoch die republikanisch« Menge Nicht anzustacheln zu zürnender Streng«. Denn es Habens ja manche noch im Gedächtnis Und Hütens treu als M onarchenv ermäch tni», Daß man von Thron und von Volk geslcchen Und vor der Gerechtigkeit sühnendem Drohen Na. und so weiter— das war einmal, Und neues Leben beginnt feudal. Doch prinzliche Gnaden erschienen vevuurndert, Als es im Hause sogleich bekannt, Daß der Herr aus Oess ganz ungenannt, Soeben stiftete Mark fünfhundert Und die dos Faktum sofort begriffen, Das waren die Leute, die grausam pfiffen Erst uns bestehlen, erst Volk betrügen. Dann fort mit Geldern in vollen Zügen. Bei Weibern, Sport und anderen Freuden, Da darf man Gelder der Völker vergeuden. Und einer von oben, ein reifer Mann, Fing gleich mit der Nutzanwendung an. Wir machteu's mit einem Rennen nicht, Der Feind ist wahrlich nicht zu verkennen— Härter der Kampf! Und reger dl« Pflicht! Da brauchen wir ein Sechstagerennen. Und wir wollen es künden, wir wollen es zeigen, Wer fleißig wandernd am End« siegt— Noch ehe wir aus dem Sattel steigen Seht zu, wie d e r aus dem Sattel fliegt. Hockersteuer nach 1 Uhr nachts l Die städtische Finanzdeputation hatte stch in ihrer gestrigen Sitzung mit einem Anträge des demnächst scheidenden Kämmerers Dr. K a r d i n g zu beschäftigen, wonach die Lustbarkeitssteuer dahin abzuändern sei, daß jeder, der nach 1 Uhr nachts in einem Lokal getroffen werde, Hocker steuerpflichtig sei. Nach längerem Berhandeln stimmte die Finanzdeputation mit neun Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten gegen sieben Stimmen der bürgerlichen Fraktionen dieser Vorlag« zu, zu der nunmehr der Magistrat Stellung nehmen wird. Opfer der Straße. Ein folgenschwerer Straßenunfall ereignete sich gestern un. mittelbar auf der P o t s d a in e r B r ü ck e. Der 26jahrige Gärtner Rein hold Voll aus der Berliner Straße in Lichterfelde wurde beim Ueberschrciten des Fahrdammes von einem L a st k r a f t> wagen ersaßt und überfahren. Die Räder des schweren Geföhrits gingen über den Verunglückten hinweg. Er wurde zur naheliegenden Rettungsstelle m der Eichhornstraße geschafft, wo er kurz nach der Emlieferung starb.— An der Ecke Boß. und Friedrich. L 6 c 1 1-St r a ß« geriet der Süjährige Kaufmann AdamEichler au?. Snkofastr. 30 zu Magdeburg, der sich besuchsweise in Berlin aushaltz unter einen Straßenbahnwagen. Er erlitt ctncn Schädelbruch und schwere innere Verletzungen durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes in das Elisabethkrankenhaus geschafft.— Ein weiterer schwerer Unfall er- eignete sich gegen 5 Uhr nachmittags an der Straßenkreuzung Gor- " n b Lothringer Straße. Hier wurde der etwa SÜMhrige Arbeiter Gustav Böhme aus der Wolllner Str. 46 von einer Aulodrofchke zu Boden gerissen und überfahren. Mik schweren inneren Verletzungen wurde B. in das Krankenhaus am Friednchshain geschafft. Sein Zustand gibt zu Besorgnissen Anlaß. — Beim Spielen auf der Straße wurde an der Ecke Wiener und Glogauer stroße gegen 6 Uhr abends der siebenjährige Schüler v rl. Pietsch aus der Lohmühlenstr. 46 von einer Kraft- droschke uberfahren. Das Kind wurde schwer verletzt zur Reftungz. Fl ,r,m �urlitzer Bahnhof nud von dort in das Krankenhaus geschafft.— Fpst um die gleiche Zeit wurde in der Restdenz- Eck«. B?sncr Straße zu Reinickendorf der zehnjährige Schüler Paul König aus der Restdenzstraße von einem Personenkraftwagen uberfahren. In bewußtlosem Zustande mit einem Oberschenkelbruch und schweren inneren Derletzüngen wurde das Kind in das Rei- nickendorfer Krankenhaus übergeführt. (Kiiie Alwin-Gerifch-Straße. Auch im Verwaltungsbezirk Treptow hat man bei der Be. nennung neuer Straßen nicht vergessen, das Andenken eine« bekann. ten Sozialdemokraten zu ehren. Unter den neue» Straßen- namen für Treptow, die mit Zustimmung des preußischen Staat». Ministeriums jetzt vom Berliner Polizeipräsidium bestätigt worden sind, ist eine Alwin-Gerisch-Straße. Genosse Alwin Gerisch war lange in Treptow Gemeindevertreter und später Bezirk»- verordneter. Ulbert Vachs' letzte Jährt. In den Abendstunden des gestrigen Tages versammelte sich im Krematorium Gerichtstraße in Berlin eine zahlreiche Trauergemeinde um dem Genossen Albert Wachs die letzte Ehre zu erweisen. Der Buchdruckergesangoerein„T y p o g r a p h i a" sang unter persönlicher Leitung seines Dirigenten Alexander Weinbaum ein- leitend sehr stimmungsvoll„Sei getreu bis in den Tod". Dann ergriff der zweite Gauoorsitzende der Berliner Buchdrucker, Genosse A l b r e ch t, das Wort. Er zeichnete ein Lebensbild des Berstorbe- nen, der seiner Gewerkschaft und der Arbeiterbewegung von seiner frühesten Jugend bis zu seinem Lebensende treu gedient hat. Der unermüdlichen Arbeit des Genossen Wachs ist der Aufstieg des Buck>- druckeroerbandes in erster Linie mit zu danken.„Wir danken dir für alles, was du für uns getan hast und geloben, in deinem Sinne weiter zu arbeiten". So rief der Redner seinem Amtsvorgänger im Verband der Buchdrucker nach. Er schloß mit den Worten:„Ein Sohn des Volkes wolltest du sein und bleiben; nun ruhe sanft, du treuer Kamerod." Genosse Matth«? rühmte in Albert Wachs vor allem den Freund und Kollegen, der allezeit ein guter Sachwalter und Ratgeber gewesen ist. Im Namen der Gefchäftsleitung und des Personals der Borwärts-Buchdruckerei entbot der Redner dem Der- schiedenen den letzten Scheidegruß. Für die Redaktion des„Vor- wärts" sprach Genosse Etz k o r n den Dank aus für die selbstlose Arbeit, die Albert Wachs der Redaktion in schwerster Zeit geleistet. Der Vertreter der 14. Abteilung gedachte in warmen Worten der Tätigkeit des Genossen Wachs für die Sozialdemokratische Partei. Dann übertönte das Lied:„Ein Sohn des Volkes" die andachtsvolle Stille. Der Sarg war reich mit Kränzen geschmückt. Redaktion und Berlag des„Vorwärts" hatten einen großen Kranz mit roter Schleife gewidmet mit der Inschrift:„Dein Leben war die Pflicht, dein Streben war das Licht". Die Fahnen senkten stch und unter den Klängen der Musik sank der Sarg in die Tiefe. Das Andenken des Verstorbenen wird allen, denen er im Leben nähergestanden, unver- gessen bleiben._ Genosse Alberl Zander, Nnunhnstr. 38. begebt beute seinen 7 5. Ge» Burla Jag.— Seit 1895 politiich organisiert, war Genosse'.flanier in den nennziger Jabren besonders in der �rchneiderbewegung tZlig. Mit Jobannes Timm gehörte er zum Vorstand des SlbneiderverbandeS. Alle politischen Ereignisse dieier bewegten Zeit hat der Jlubiiar an führender Stelle mit- gemacht und bis in die letzten Jabre besonders in der Gewerkschafts- bewegung immer seinen Mann gestanden. Sprechchor für Proletarische Zeterstunden. Die NebungSstunde findet In dieser Dache am Sonnabend, den 13. November, abends 7V, Uhr, im®e< taogSsaal der Sophienschule, Dewmeisterstr. 1S>17, statt. Gäste, die mit- spreche« wollen, sind willkommen. S«>ge»fretmbe, die neuzegründete»Volks« Sing-Gemein» sich»st Roleberh dÄ r g u t o" übt jeden DoitnerZtag. abend« 8 Uhr, in der Schuloula Soachimatbaler Str. 31. SangeSwillige Frauen. Männer »nd Jugendliche weiden gebeten, sich anzuschließen. Siotenkenntnisse sowie Besondere Stimmittel find nicht erforderlich. Der Nachmittag gast der Serenade, dieser Liedform, die heute nur noch in Oper und Konzertsaal ein stilles Dasein führt. Sogar Toselli war�nicht vergessen worden, dagegen vermißte man Schubert mit seinen Ständchen Außer Dschaikowskys schwerblütiger„serenade melancholique" und dem Ständchen von BraHms kann kaum die Serenade emes neueren Komvoniften aus bedeutenden künstlerischen Wert Anspruch erheben. Raff und Popper haben hübsch« Einfälle, komponieren sauber und witzig, vermeiden auch das Betonen des Sentimentalen, in dem sich Toselli außerordentlich wohlfühlt, aber dies« melodischen Einfälle wiegen zu leicht. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich das Programm allein auf die älteren Serenaden beschränkt, und wenn die Funkstunde einen anderen Sänger gewonnen hätte. Eduard H a b i ch, noch heute ein vorbildlicher Alberich und Beckmesser, eignet sich nicht zum Liedersänger. seine Stimme sst für den Bortrag von Serenaden zu schwer und zu derb. So blieb Habich den Liedern allen Schmelz schuldig, sang sie allein mit großem Stimmaufwand. Auch Franz von Szpanowski enttäuschte, ließ kalt, und nur Julius B e r g e r s weicher Cellovortrag wurde hem Thema gerecht. Vorher war wieder einmal eine Novelle fällig. dfb zweite bereits in dieser Woche. Die Funkstunde könnt« hier mehr Enthaltsamkeit üben. Am Abend Robert Schumann im Rahmen des Zyklus„200 Jahre Orchestermusik" mit der Mansred-Ouvertüre, der L-Dur-Sinfonie und dem Klavierkonzert Op. 54 in der feinfühligen Ausdeutung durch Georg Schumann. Werner M a h r h o l z umriß das Lied des„Raturalisnnis im 19. Jahrhundert". Sehr eingehend behandelte er die geisteswissenschaftlichen und kulturellen Grundlagen dieses revolutionierenden Stils. Das ganze war aus weiter Perspektive gesehen. Ministerpräsident Genosse Braun sprach über die Bedeutung des 9. November. Der Rundfunk scheint endlich sein Damaskus zu erleben. Dss Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 10. November. Außer dem üblichen Tasjesprogramnr 1.80— 2 Uhr nachm.; TJebertratmng des OlocVenspiels von der Paroohialkirche, Berlin. 3.30 Uhr nachm.: Franenfrasjen und Franensorjrcn(Marsrarete Weinberg:»Ans den Anfängen der modernen KranVenpflege"). 4 Uhr nachm.: Jngendbühna fUnter- haltnngsstnnde). Die Fnnkprinzessin erzählt: t. Otto Weddigen: Nebelmännchen. 2. Otto Weddigen; Die Waldgeister. Die Pnnk- prinzessin: Lncie Mannheim. 4.30— 6 Uhr abends: Kachmittags- konzert des Että-Kammororchcsters. Anschließend: Ratschläge fürs Hans. Theater- und Pilmdienst. 8.30 Uhr abends: Oarten- direktor Ludwig Lesser:„Rundschau für Blumen- und Garten- freunde*(Der Blumentisch im Winter, ein Zwiegespräch). 7.05 Uhr abends; Geh. Justizrat Prof. Ed. Heilfron: Vortragsreihe.»Rechts- fragen des Tages". 7 30 Uhr abends: Hans-Bredow-F'hule(Bil- dnngskurse). Abteilung Musikwissenschaft. Dr. Rieh. II. Stein: »Altgermanische Musik"(Die Musik der deutschen Klöster). 8 Uhr abends: Dr. Franz Servaes: Einführung in das Seudespiel »Maria Stuart' am II. November. 8.30 Uhr abends: Lyrik unserer Zeit. IV. Abend: Rainer Maria Rilke, t. Einleitende Worte: Dr. Manfred Georg. 2. a) Eingang, b) Kindheit, o) Die Liebende, dl Herbsttag, e) Aus einem April, f) Zum Einschlafen zu sagen (Sybille Binder, Rezitationl. 9 Uhr abends: Olk. Ja. die Liebe. Menschenfresser Dar Gassenhauer. O by Jingo. Die Liebe im Ruhstal). Eine Adele Gerichtssitzung u. a. m.(Vorgetragen von Irene Ambrus. Max Aebner. Franz Baumann und Heinrich Blaß. Am Flügel: Ben Geysei). 10— II Uhr abends:„Die letzte Stunde des Berliner Sechstage-Rennens"(Uebertragung aus dem Berliner Sportpalast). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Danach Tanzmusik(Tanzorchaster Ette). Königswusterhausen, Mittwoch, den 10. November. 18—12 30 Uhr nachm.: Lektor Grander. Walinsky: Französisch für Schüler. 12.30—12.40 Uhr nachm.: Mitteilungen des Reiche- stidtebundes. 3— 3.30 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch tür Anfänger. 3.30—4 Uhr nachm.; Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschritten«. 4— 4.30 Uhr nachm.: Dr. Erna Haßlacher-Friedensthal: Das geltende Jugend- »trafreoht. 4.30--5 Uhr nachm.: Berichte aus dem Zentralinstitut. S.SO— 8 Uhr abends: Geh. Beg.-Rat Cleinow: Das heutige Rußland. 8— 6.30 Uhr nachm.: Dir. Dr. ing. Litz: Ana dem Betrieb einer Maschinenfabrik. 8.80—7 Uhr abends; Wirkl. Geheimrat von Glase- tapp: Aus der Geschichte der Reichsbank wahrend des Krieges und nach dem Kriege. 7— 7.S0 Uhr abends: Dr. Bixkvnfeld: Bücherstunde: J. P. Kogge. 7.30—8 Uhr abends: Dr. von Krie»: Deutschlands geldliche Interessen und Beteiligungen in China in alter und neuer Zeit Ab• Uhr abends; Uebertragung ans Berlin Chi gefährliche« Jener kam gestern abend gegen UtO llhr ia den Räumen der Bürstenhölzerfabrik von Eudmann in der Bernauer Str. 79 zum Ausbruch, das an Holzvor- räten reiche Nahrung fand. Der Feuerwehr gelang es noch längerer Löschtätigkeit, ein Weitergreifen zu verhindern. Die Eni» stehungsursache ist noch unbekannt. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis kurz vor Mitternacht hin. Der Nachschulungskurses für männliche wohlfahrlspfleger des Hauptausschusses für Arbeiierwohifahrl e. V. beginnt bestimmt am 15. November und schließt Ende März mit einer staatlichen Prüfung. Die zugelassene» Bewerber erhalten persönlich Nachricht. Bewerbungen können noch zugelassen werden und sind zu richten an den Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt e. B.. Berlin SW 61» Belle- Alliance- Platz 8. Zugelassen werden männlich« Wohlfahrtspsleaer. die drei Jahre Berufspraxis auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege haben. Für die Zrilhlahrssuqenhweihen 1027 Im Großen SchautpielkauS. Schiller-Tbeater Cbarwttenbmq nnd Lpzeum. Pankow, werden Anmildungcn unter gleichzeitiger Zadiung von 59 Pf. in den nachstehenden Aufnabme- stellen enlgegengenommen: Jugendsekretariat, SW 88, Linden» straße 3. 2. Hos 2 Treppen, Zimmer 11. geöffnet von g— 5 Uhr, Mittwoch» und Freitags von 9-7 Uhr. S. Josepb. NW 21, ZSilhelmShavener«tr 48 (VorwärtS-Sped), P. Kroll, N 65, Utrechter Str. 2t(Restanraiili. A Ho» Nif». N 65. Müller. Ecke Utrecht« Str.(DorwäriS-Sped.). S. Hoffmann, N 58. Sychen« Str. 8(Restaurant), H. Ob». N 54, ad««tr 1.4(4>ot- wäris-Sped.), P Dobroblaw. N 37. Swinemänder Str. II(Restgurant>. K. Zlnderffon, N31, Stialsund« Str. 19. E. Gertb, N 113. GtejfenScgcncc Str. 22(VorwärtS-Sped.), H. Fiicher. N2i), Bastianstr. 7(VorwartS-Sved 1, P. Tölz. NO 55, Immanuelkirchstr. 24(BorwäriS-Sp-d.).»«übe, N© 18, Landsberger Nll-e 45 I, M ZSartmann. O 34, Königsberg« str. 37(Pbotn- gelchäM, St Melle, O 34, Petersburg« Platz 4«rteau»sch»ß: 8 im Lokal TSpper, Ecke Proskauer und All« x«imlcngcl!ossen sind freundlichst eingeladen� amt« kdnnen«benfall, eingeflchrt werden.— Heute, Mittwoch, 10. Zlooen,- Ret, 7 Uhr, vezirkmxrsammlung im Stadtverordnetensitiungnsaal. Einlaß» karten ab Ißt Uhr beim Eenosse» Mschar. Eingang Epandauer Straß«. «onferen». Vortrag:»Di«' �ürsorger�lichtöerordnrmg?" Rofr�nUn Dr. chdlinger. Ii. Srei, ZieukZlln. Mittwoch, 10. Ziovember. kurze Besprechung de» en «reiooorstande, um«>4 Uhr«an, pünktlich im Parteibureau. Pünkt Erscheinen ist unbedingt rrsorderlich. 17. ttrei, Lichtenberg, ffteiteg. 12. November. 7 Uhr, Sistun, da» vtlduna» au»schuls«, in der vibiiothek Weichlelsir. 2». Erschein-» sSnMicher Mt- oliadar ist unbedingt erforderlich. heule, Alilkwoch, den 10. November: 2. Abt. 7Z4 Uhr bei Shngemach, Ztonnnandantensir.«z, gahlahend. va» traa: JUnnrnunotoolitif". Referent Stadtverordneter fftifc vrolat. 2t. Abt. 2. Druppe: 7>h Uhr gahlabend im Lokal Schleiff. Wins». Ecke Christ» burger Straße. Vortrag:»Reichswehr, Bolksheer. Schußtwlizei�. Referent Waldemar von Puttkomer. 26. klbt. 7>g Uhr Sahlabend« in den bekannten Lokale». 2. Srupv«: vor» 26. Ab 7\i Uhr gablabenb» in den bekannten Lokalen. All« gaM-Lend« beschstftigea sich mit der Werbung für dir ssrri« Echulgameinschaft. Sie trag über.Di« Volksfllrsorg«�. Referent Eenass« Vrinkmann. ......-----— chSftigea sich mit der Werbung für die i. noch aussiebenden Mrlbungen der Werbewoch« sind unbedingt witrud... 62. Äbt. vi Uhr gahlabend« bei Wagner, Blsichersir. 81: Diersdorff, Urban- siraße«: vogeler. Mitte nwalder Str. 1«: vuhr, vlllcherstr. 88: HSHlle, Bergmannsir. SS: Seebas«, MMbalb-Alerls-Str. 8. 8«. Abt. S»Sacb«rg. Übe Abteilunqsversammlung im Helmhaitz.chmnna» sium. Genosse Polizeiobersi Lange spricht über„Reich, wehr und ttllsirin". 82. Abt. Steglid. 8 Uhr psinitlich tzahlabend« in den belannten Lokalen 61. Abt. Neukill». Vi Uhr stehlabende: 20.. 21., 39. Bejirk bei itdsier. Kars». gartenstr. i: iO. und 50. Betirk dei Lübbecke, Karlszartensir. 12: Z8„«... 49. Bezirk bei Mischk«, Msinchener Str. 23: 97., iZ..■«. Bezirk bei Stoh. mann. Münchener. Ecke Reuterstraße. Referenten Senossen Günther und Gärtner. Die anderen ZIeserenten werden in den g ah labenden bekannt. gegeben.-» »6. Abt. Beiß. Buckow, Um 8 Ubr treffen stch sSmtNch« Mitglied«! der Großsiedlung Bei» Im Lokal Bllschkrug»um Zahlabend. Erscheinen ist unbedingt erforderlich. 102. Abt. Bauwschnlenweg. 714 Uhr im Lokal Boramann. Baumschulen». Ecke Siefholzsiraße. Revasutlonsgetorkfeler. sfestansprach«: Genosse Schillere Göttinnen, M. d. R. Siimtliche Mitglieder müssen unbedinat erscheinen. 188. Abt.«dlershef. 8 Uhr im Lokal Bogel. Bismarcksir. 7t, Mitaliederver. sammlung. Borkrag:.Da» Reichsbanner�. Referent Genosse Küter. Erscheinen fiimllichrr Mitglieder dringend erforderlich. 118. Ab». Lichtenberg. Achtung! Dt« heutig« Mitalieberversammlung findet »icht in der Schul« statt, sondern im Lokal Albrecht, Bo;hage»er, Ecke Reue Rabnbosstraße. 12t. Abt. Mghl.dorf. 714 Uhr im Lokal von Anbe-s, am B-ihnhof. Beoolu. tiensardenkflier. sfestansprach«: Genosse Dr. Alkred ssrennd. Sämtliche Senossen und Senosftnnen sind herzlichst«ingeladen. Söst« Snnen«en. geführt werten.____. 122. Abt.»l-nkenbnrg. 714 Uhr im Lokal von Klug. Dvrsstr. 2. Mitobieder» Versammlung. Bortraa de» Genossen Ernst Nenmann:.Der 9. Novem, beick. TZmtiich« MiiaNeder müssen erscheinen. Gstst« willlainmen. fintxrborf.« Ubr Kahlabend im Lokal Radaß. Tiniusstr. M.«orira« de» Genossen Stadtverordneten Zimmermann. Erscheinen siluitlicher Mit. «Tieder unbedingt erforderlich. Frauenveranstalkungen: 17. Rrei» Llchtenber«. Donnerstag. 11. November. 7'4 Uhr, im Bihliothek». Zimmer. Delchselstr. 28. Kursus über.Die Derfassung'. Referentin Se» nossin Stbovrr«. »i. Ab». Neukölln. Heu»«. Mittwoch. 10. November, vormlttag». Besschiigung der Konsum genossensiboft in L!»»enh«rg. Sreffmuft vorm. 9 Uhr Bahn- Hof Sermannftroß». Reg««eteiliaung IN erwilnfcht. 188. Abt. Relnickendorf.vst. Donnerstoo. 11. November. 714 Uhr. im ver- waltungsgeböud« Kimmer 8, ssnnktionärinnenkonfe-enz. Ardeitsgemeiolchaft der Kindeefrennte. G-Nvv? Neukölln: sfreitag, 12. Ro» »ember. 8 Uhr. In der Baracke DanaHoferstraß«, Selfcrsißung. Achtung! Um 7 Uhr ebenda wichtig« Borstantssißuna. ZunasoziaNsten. morgen, Donnerskag, den 11. November: Grupve Eharlottenbnrg: 714 Uhr im Jugendheim Rosivenstr. i«rboi.t-gemein» fchaft:..Der modern« Kavltolimnus».. Gruppe Weißenfe«: 714 Uhr im Jugendheim Parkstr. 87 Mitgliederversammlung. Sterbetafel üer Groß-Herliner pactei» Preis« von SO Pf. pro Stück im Jugendsekretariat erhältlich. E, gelang« u. a. nie Srstauffilhrun« da» Svrechchorwerk.WtUsi5>K«U-u»lIe von Herm. Elaudiu«. Abt-i:ung«lrit«r. rechnet die verkauf'«««arten ab.«ringt am Sonntag rgt» sf-hnrn mit. Achtung, Kassierer! Heut« von 5—7 Uhr Abrechnmng, Ausgob« de»»Jugend naran" und der„Ardeiter, Jugend". Heule. MIttlvoch. 7� Uhr: Wedding: Jugendheim Luremdurger Eck» Se-lt»: Straße, Borrvag: ,.P-V- tisch« Lage. � H-wholßplag: Jugendheim Eb«r,w°ld«r Str. 10. Aussprach-- »Jugend und Partei".—«chimhauser Borstädt: Schul« Dri-s»n-r Str. NZ, »ortrag: jüngeren, und Aelteiongrupo-n".--»thaler B-eftÄt: Schul« «ipsstr. 28», Rrvolution-feier.—«alteuplgßi Jugendheim Rigaer Str. 10». Bortrag:..Revolutionen im Lauf« der iScItgeschichi«".— Betersbnrger»iertrl: Jugendheim Eberlvsir. 12. Bortrag:..Die deutsch- Revolution von 1918".— Wa. schauer Bi-rtel- Jugendheim Tilsitrr«re. 4. Bo-iragi.Einführung in die Lilevotur"— Görliner»iertrl: Jiigcndheivi Reichendergir Str. 80. lO-Minu- ten-Rrfenlie.—»cichenberger viertel: Jugendheim Reichenberger Str. 65, Bortrag.Kg, wir wollen".— Schönederg N: Jugendheim Hauvtstr. 15, vor. Lnzeum,«ermaniastr. 4—6, Revolutionsfeier.— ssriedrichsfeld«: Jugend' Schloß», Ecke Berliner Straße, Bortrag:„Wilhelm Busch".— Kanlsdorf: S>. Adolfstraße. Aussprache:„Barum bin ich in der SAZ.?"— Lichtenberg-Mitt«: Jugendheim Dossestr. 22, Vortrag:.1918—1928".— Sleu-Lichtenderg: Jugend. heim Prinz- Albert- Straße. Reooluttonsseier.— Lichtenberg. Nord: Jugendheim Parkaue 10, Revolutionsgedenkabend.— Lichtcaberg-Dest: Iuzrndbcim Scharnwsberstr. 29, Bortrag:„Was ist Marxismus?" Werbebezirk Sreuzberg: Sprechchorprobe im Jugendheim Reichenberger Straße 86. Lilduugskurse: Werbebezirke Weste» und Tiergarten: 1. Abend für Jüngere im Jugend. heim Ehailottenbura. Rosinen str. 4. Thema:„Einführung in den Sozialismus". Wrrbebezirle Ziergarten nud Wcstou: 1. Abend für Aelter« im Jugend- heim Eharlattenburg, Rasinenstr. 4, füllt aus und beginnt erst nächsten Mitt, woch. Thema:„Sozialistische Erziekiungsfragen". Werbebtzirk Neukölln: 2. Abend fitr Jüngere im Jugendheim Böhmische, Ecke Canner Straße. Thema:„Einführung in den Sozialismus". m Werbebezirk Prenzlauer Berg: Sonnabend, 18. Rovember, 8 Uhr, in der Schulaula Eberswalder Str. 10. große öffentliche Kundgebung:„Unsere Stel» liingnahm« zum Geseß gegen Schmuh und Schund". Referentin Genossin Tsirra Dohm-Schuch. Genossinnen und Genossen, kommt»u dieser Kundgebung. vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rol-Gold". Geschäft, stell«: Berlin« 14. Sebasiianstr. 87/38 Hof 2 Tr. Prenzlauer B-eg: Kameradschaft Talle. Do., d. 11., Monatsvers. ___ bei Bourdaillier. SOsilastr. 5b, Wörther Blaß am Fr., d. 12.. fällt aus, dafür findet die Mvnatsverf. am 18., 5 Uhr, bei«raufe, Belforter Straße. statt, mtt gemütlichem Beisammensein mit Damen. Robert Blum, Do., b. 11.. 8 Uhr. bei Klug. Danziger Str. 71. Der Verfasser des schwarzrotgoldenen Bolksstückes„Robert Blum", Otto Ernst Hesse, wird aus dieser Richtung rezi» tieren. Di« Verf. am 18. d. M. fällt au».— Kehleutorf: Do., d. 11., 8 Uhr pünktl., b. Schnorr«, Mitgl..Bcrs. Vortrag von Kam. Wilh. RichteoStegliß über„Pan.Europa" lBereinigt« Staaten von Europa). Aussprache über die sseier der Bannernageluug am 27. Ziov.— Lichtenberg nebst Untergruppen: Do., d 11., Turnabend, ffr., d. 12., Kugsißungen in den bekannten Lokalen.— Beeuon: Do., d. 11., pünktlich 8 Uhr, Borstandssißung bei Modisch, anschließend 149 Uhr Sstitl>I..B«rs._ Arbeit rroereln für Biochemie und Lebensrefor» i. B.«. Der biochemisch« Kursus beginnt am Dienstag, den 28. Ziovember,%S Uhr pünktlich, im Lokal oon Dohms Koppcnstr. 82. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Blei» stift und Papier mitbringen. Der Kursus findet laufend seden Dienstag im selben Lokal statt und erstreckt sich auf Anatomie, Pathologie, Biochemie und ! « Interessierte Mitglieder- und Angehörige können noch teilnehmen. Degctaricr-Dereiuiimng Berlin. Mittwoch, 17. November, pünktlich 8 Uhr. findet In der Aula des Gymnasiums Klosterftr. 74«in Vortrag de» Herrn Dr. med.>1. Phil. Lemke statt. Thema:„Bahai", ein« neu« Heilweife für Körper- und Soelenleiden". Gäste willkommen. Arbeiter-PhotoKraphen. Mittwoch, 10. November, 714 Uhr, Mitglieder. Versammlung in den Blücher-Sälen, Blücher str. M. Ausgab« des neue» Stummer des.Arbeiter» Photo graph". wetterberichi der Sff-nNIcheu wetserdlenstficlle für Bcrfla und Hingebung. sRachdr. derb.) Mrößtenteilt bewölit und rlwaS Regen. Später zeitweise Besserung des Deiters.— Für v-ulschland: Keine wesentliche Aendcrung. Kostenlose Aulofahrl. Vom Westen zur City geht diesmal der Weg, und zwar im Prioatauto. Es bringt den Käufer vom Kur- fiirstendamm Ecke I o a ch i m st h a l e r Straße, wo unter dem Motto„Die Hemdhose am Kurfürftendamm" ein neuer Ver- kaufsraum des bekannten Wäschehauses Fi V. Grünfeld errichtet wurde, kostenlos nach dem Hauptgeschäft in der Leipziger Straße. Die Käuferin findet im Verkausshaus am Kurfürstendamm Hemd- hosen, Schlüpfer, Strümvse und Taschentücher,— für weitere Einkäufe benutzt sie den stündlich abgehenden ,Lug nach dem Osten* bzw. das Auto von F. V. Grünfeld, dessen Benutzung völlig un- abhängig von dem Nachweis des tatsächlichen Einkauf» ist. Erössuung einer neuen Gerson-Fillale. Am Kurfürsten- d a m m 2 3 5, In den früheren Räumen de» Schuhgeschäftes„Stiefel- könig", hat die Firma Gerfon eine Spe�ial-Strumpf» Niederlage eröffnet. Die geschmackvollen Räume hat die Möbel- abteilung der Firma Gerfon eingerichtet. Da» Lager bietet Herren-, Damen- und Kinderstrümpfe in allen möglichen Farben und Qual!- täten, daneben führt die Firma auch Damenwäsche in Wolle, Seide und Crep« de Chine. Da» Bestreben geht dahin, für jedermann da» Richtige vorlegen zu können. Die Räume bieten in ihrer einfachen und schönen Aufmachung einen angenehmen Aufenthalt: die Verkaufe» tische sind übersichtlich verteilt, und die Ware ist so zur Schau gestellt, daß der Kunde nicht durch lange» Herumsuchen aufgehalten wird. Dessous mit den dazugehörigen hauchdünnen Strümpfen, daneben kompaktere, solidere Eauipierung ln festeren, standhafteren Geweben, kurz, für jedermanns Geschmack und für jeden Geldbeutel ist Vorsorge getroffen. Mehner, Andreneft«. 28, hat die Beriaufsräum« im 2. Stockwerk wiederum erweitert. Di«»llerwärts angehotenen billigen Schlager sind hier»n finden, ebenso wird«In« preiswert- Mark« durS> groß« günstig« Einkäufe sehr vor» teilhaft angeboten. Kum Weihnachtsfesi werden die vorjährigen Verkaufs. stände ehenfalls vergrößert, so daß ieder schon heut« die Riesenauswahl he- sonders in Puppenwagen besichtigen kann. Aufbewahrung bis»um Fest gratis. Rio Kinderwagen, Korbmöbel und Bettstellen ist Jahlungserleichte- rung gestattet. Weihnachtsrcparaturenannahm« bis 8. Dezember, Ausführung In eigener Werlstatt. Abholung und Lieferung frei. Jweiggeschasie: Brunnen. siraße S5. Beusselsie. 87. Leipziger Str. 54, Neukölln. Bergstr. 138. Spandau. Eharlottorür. 24», Riederschöneweid«. Brücken skr. 9. Was sagt der Bilrs So wird in Kür»««in Deiliner den anderen fragen. Dl« Antwort finden nnser« Leser- heut«»um erstenmal— im Anzeigenteil unsere» Blatte». Denn nnter diesen Svißmarle veröffentlicht die bekannte Berliner Kigarettenfabrik.Svsetti" eine Reihe von Antigen, die stch bald des besonderen Woh/wollen» der Berliner erfreuen werden. Hat doch alles. ma» mit Berlin zusammenhängt, von jeher da» Interesse der Berliner Be» völkenlng gefunden. Da» dürfte au» mit dem„Jofetti-Bären" der Fall sein. Sriestasten der Redaktion. H. S. 88. Ueberswnde» Ja, Nachtmilag« bi» 1 M. pro Schicht nicht.—> «. R. 100. fragen Sie einen Geigenbauer tAdrrßbuch).— H. M. 25. 1. SoziaNstisch. kommunistisch. 2. Derseld«. iPos sagi öerBäp? Aus der H6he nimmt isich die Stadt des braUf senden Lebens anders aus, als sie in der Wirklichkeit des Werktags ist. Um den Berliner zu ven stehen, mu� man seine •Sorgen heilen können. Besser5 hoch ist es, sie zu zerstreuen.' Wir tun dies, indem wir für ihn eine Zigarette fertigen, die ein «Sorgenbrecher ist, nämlich*. Jose«! •Xu.no Berlins meistgerauchte 4� Cigarette Sturm auf die Staatswirtjchast. Unternehmerverbände gegen die öffentliche Wirtschaft. Unt«r Führung des Zentraloerbandes des Deutschen Bank, und Bankiergewerbes veranstaltet die Gesamtheit der Spitzenverbände der deutschen Unternehmer in Landwirtschaft, Industrie, Handel, Import und Export und Versicherungswesen heute eine Kundgebung gegen die Betätigung der öffentlichen Hand in der Wirt- s ch a f t. Man zielt planmäßig darauf ab, die gesamte Oeffentlichkeit gegen jede wirtschaftliche Betätigung des Reiches, Staates und Gemeinde einzunehmen. Nebenher sollen selbstverständlich auch die Genossenschastsorganisationen ihr Teil abbekommen. Sinn der ganzen Kundgebung ist, die in Interessentenkreisen seit langem gepflogenen Erörterungen zu einem Sturmangriff gegen die Gemeinwirtschaft überhaupt zufammenzufasfen. Die Arbeiterschaft hat an dieser Kundgebung ein besonderes Interesse. Auf ihrer Dresdener Tagung versuchten die deutschen Industriellen zum Ausdruck zu bringen, daß sie gewillt feien, in der Politik ein Stück Weges m i t der organisierten Arbeiterschaft zusammenzugehen. Inhalt und Ton der heutigen Kundgebung werden beweisen, ob es in den einfachsten wirtschaftspolitischen Dingen auch nur einen schwanken Steg von der Auffasiung der Unternehmer zu der der Arbeiter gibt. Nicht immer ist das Unternehmertum staatsfeindlich. Man braucht nur den Nachtragsetat, der kürzlich dem Reichstag zugegangen ist-, durchzublättern, um deutlich zu erkennen, wie das Unternehmertum die wirtschaftliche Be» tätigung des Reiches begrüßt, wenn sie i h m zugute kommt. Da werden 15 Millionen Mark neue Kredit« für die schon immer so reich bedachten Winzer angefordert, 18 Millionen Mark sollen den Unternehmungen des Flugzeug baues und des Luftfahrwesens zugute kommen, 4,5 Millionen Mark werden für den Aufbau der deutschen Binnenschiff- f a h r t s flotte den Schiffahrtsunternehmern zur Verfügung gestellt, 14 Millionen Mark sollen für den jetzt gerade besonders„notleidenden" Ruhrbergbau bewilligt werden, 18 Millionen Mark gehen an die oberfchlesifche Eisenindustrie oder genauer an die Banken, die sich mit ihren Krediten festgefahren hatten und nun mit Reichshilfe die D i v i d e n» denerwartungen ihrer Aktionäre befriedigen können. . So war es immer. Gedenkt man der 700 Ruhrmillionen, die der Herr v. Schrieben dem Ruhrbergbau schenkte, gedenkt man der umfangreichen Kredite, die die Landwirtschaft, die Werften, die Schiffahrtsunternehmungen und eins große Zahl von Einzelunternehmungen unter den verschieden- sten Gründen und Vorwänden vom Reich ergattert haben, gedenkt man der Staatshilfe für den Erzbergbau, denkt man an die E x p o r t k r e d i t v e r s i ch e r u n g. an die Russenkredite und nicht zuletzt an die Schutzzölle— dann muß einem in der Tat das Borgehen der Unternehmerverbände als schnöder Undank erscheinen. Das haben die Herren v. Schlieben und Dr. Reinhold wirklich nicht verdient. Es lohnte nicht, die Kundgebung übermäßig ernst zu nehmen, wäre sie nicht ein Ausschnitt aus einem ganz plan- mäßig organisierten Feldzug. Die außerordent- liche Machtentfaltung des deutschen Unternehmertums in den letzten Iahren hat den deutschen Kapitalisten nicht nur große Herrschaftsgebiete im eigenen Staat gesichert: vielmehr ist mit Hilf« eben dieses Staates, besten wirtschaftlich« Betätigung sie jetzt bekämpfen, ihre Macht weit über die Reichsgrenzen hinausgewachsen, sie sind zu internationalen Groß- mächten geworden. Unmöglich wäre diese ganze Entwick- lung gewesen, wenn nicht die Politik des Reiches sie gefördert und unter großen Opfern der Arbeiterschaft jene Atmosphäre in der Weltwirtschaft geschaffen hätte, deren Nutznießer das deutsche Unternehmertum aller Grade ist. Wenn nun dieser Staat mit seinen Unterorganen, den Ländern und Gemeinden, auch in der wirtschaftlichen Betätigung seine eigenen Ansprüche zu erfüllen sucht, so ist das das Ergebnis einer zwangsläufigen Entwicklung, gegen die keine Kundgebung irgend etwas ausrichten kann. In ernst haften Unternehmerkreisen gibt « heut« auch keinen Streit mehr darüber, daß große Teile der Wirtschaft überhaupt nur von der öffentlichen Hand gelenkt werden können. Wo in der Welt gibt es ein E i s e n- bahnunternehmen, das wie das deutsche den un- geheuren Transportanforderungen der letzten Monate ge- wachsen gewesen wäre? Noch vor drei Iahren glaubten einzelne Industrieführer, die Reichsbahn für die Privat- �Wirtschaft beanspruchen zu können— heute redet kein Mensch mehr davon. Die gewaltigen Leistungen in der Organisation der deutschen Elektrizitätsversorgung wären ohne die aktive und opfervolle Mithilfe der öffentlichen Hand nicht möglich gewesen. Eine der größten Glanz- leistungen deutscher Industriewirtschaft, die S t i ck st o f f- i n d u st r i e, verdankt ihr Entstehen ausschließlich dem öffentlichen Interesse und dem öffentlichen Kapitalaufwand. Daß heute Milliardenbeträge, die das erklärliche Mißtrauen kleiner Sparer sonst in der Truhe zurückgehalten hätte, in öffentlichen Sparkassen aufgesammelt und der Wirtschaft wieder zugeführt werden, ist ausschließlich eine Folge davgn, daß die öffentliche Hand einsprang, wo die Banken v e r- sagten. Die Beispiele ließen sich noch lange fortsetzen. Zu er- innern ist hier noch an die Bersorgungsbetriebe, an den Aufschluß der Wasserstraßen, an die zahlreichen Notstandsaktionen für die Landwirffchaft— olles Maßnahmen, die ohne ein starkes wirtschaftliches Intereste des Staates nicht denkbor gewesen wären. Man hat dieses Interesse immer zu nutzen oerstanden, wenn es der Privat- Wirtschaft schlecht ging, öder wenn neue Wege zur Entfaltung rentabler Produktion beschritten werden mußten. Man be- kämpft aber die Betätigung der öffentlichen Hand, sobald sie der Privatwirtschaft irgendwie unbequem wird. Ueber die Hälfte der deutschen Depositen- und Spargelder werden von öffentlichen Banken verwaltet, darunter große Beträge, die sonst wahrscheinlich überhaupt nicht in der Wirtschaft angelegt werden, sondern im Spar- strumpf stecken bleiben würden. Dennoch richtet sich der Angriff der privaten Unternehmer gerade gegen diesen für die Gesamt- heit bekonders erfolgreichen Zweig wirtschaftlicher Tätigkeit. Mit mehr Recht könnten die öffentlichen Banken gegen die Mißwirtschaft bei den privaten Banken«ine Demonstration veranstalten, die monatelang ihre Pflicht gegen die produktive Wirtschaft versäumt und in geradezu herausfordernder Weife einer unsinnigen Spekulation stets neue Mittel zur Verfügung gestellt haben. Einen Schein von Recht versuchen die Unternehmer- verbände für ihre Kundgebung darauss herzuleiten, daß mit fortschreitender Konzentration der privaten Wirtschaft die öffentliche Hand dazu gezwungen wird, hier und da mit den Profitinteressen des Kapitals in Gegensatz zu geraten. Sie beklagen sich darüber, daß die öffentliche Wirtschaft an einzelnen Stellen als Kon- t u r r e n t des Prioatkapitals auftritt. Diese Konkurrenz ist den Unternehmern lästig. Anstatt danach zu fragen, w« s- halb sie entstanden ist, bekämpfen sie sie mit dem reichen Register der liberalen Schlagworte. Die freie Konkurrenz soll angeblich bedroht sein. Als ob in dem Lande der dreitausend Kartelle, der größten europäischen Trusts und der weitestgehenden Organisation des Handels überhaupt noch von einer freien Konkurrenz die Rede fein könnte! Ueberall strebt die Wirffchaft nach Preismono- polen, überall will sie den Verbraucher und die breiten Massen der Lohnempfänger ihrem Preisdiktat unterwerfen. Und da- bei stört sie die Konkurrenz der öffentlichen Hand, deren Wohltaten das Kapital gern hinnimmt, deren Selbständigkeit es aber vernichten möchte. Es geht tatsächlich um die Kartell- und Monopolrente der großen Wirt- schaftsverbände und Trusts, wenn es die öffenlliche Wirtschaft bekämpft. Deshalb soll setzt zu einem großen Schlage aus- geholt werden. Einigen der Beteiligten, die etwas weiter sehen, ist vielleicht jetzt schon beim Gedanken an diese Kund- gebung nicht ganz wohl. Denn wenn sie das Register ihrer Schlagworte überschauen, so haben sie Grund zu der Defürch- tung, daß eine derarttge Kundgebung das öffentliche Gewissen wachrütteln kann, und daß die angegrif- fenen Organe ihre Existenzberechtigung nachweisen. Das wird ihnen gewiß nicht schwer fallen, besonders wenn sie sich endlich entschließen, die ungeheuren Fehler, die die Privatwirt- schaft während der letzten Jahre gemacht hat, schonunglos aufzudecken._ Seüentea gegen öie Mzahlungsgestbäste. Einzelhandel— Beamte— Genossenschaften. Die außerordentlich starke Zunahme der Abzahlungsgeschäfte, die jetzt in ganz Bettin und auch in anderen Stödten einheitlich organisiert werden, hat uns bereits früher Anlaß zu einer ein- gehenden Kritik dieser neuartigen Geschäftsmethoden veranlaßt. Es ist nun interessant festzustellen, daß auch im Einzelhandel ein ziemlich starker Widerstand gegen das Abzahlungssystem bemerk- bar wird. Es herrscht wohl Uebereinstimmung darüber, daß die finanzielle Organisation durch die verschiedenen Jnftitute den Waren. konsum um 20 bis 25 Prozent, vielleicht noch mehr v e r. t e u e r t. Diese Verteuerung wird dem Konsumenten teilweise nicht unmittelbar sichtbar, muh aber von ihm in irgendeiner Weise auf- gebracht werden: daß auch der Händler einen Teil davon tragen wird, ist allenfalls insoweit möglich, als eine wesentliche Steige. rung der Umsätze eine Herabsetzung der Generalunkosten ge- stattet. Das wird aber nicht überall der Fall sein. Man hat in Einzelhandelskreisen schon das Schlagwott vcm.König P u m p« r' an Stelle des bisher üblichen.König Kunden"' geprägt, dem sich der ganze Handel zu beugen hat. Das Eigenartige ist, daß die wenigsten Einzelhändler öffentlich mit ihren Bedenken hervottreten, obwohl diese von großer volkswirtschaftlicher Tragweite sind. Es ist sogar damit zu rechnen, daß viele der Widerstrebenden aus Konturrenzgründen sich dem Abzahlungsge- schüft anschließen werden, obwohl sie das Experiment für ge- fährlich oder direkt schädlich halten. Bor allem rechnet man damit, daß man überhaupt nicht viel neue Kunden gewinn en wird außer denen, die schon jetzt auf Abzahlung kaufen. Da die Konsumsinanzierungsgeschäfte bei einer Rückoersicherung gedeckt sein müssen, die praktisch darüber entscheidet, ob jemand Kredit bekommt cder nicht, werden fast ausschließlich Festbesoldete in Betracht kommen, unter ihnen viele, die infolge ihres niedrigen Gehalts schon heute in Ab- zahlungsgeschäften kaufen. Tritt aber die Erweiterung des Kunden- kreises Nicht in wesenllichem Umfang« ein, so bedeutet die Reu- organisation des Abzahlungsgeschäfts keine Schaffung neuer Nachfrage, sondern höchstens die Vorwegnahme von An- s ch a f f u n g e n, die später doch erfolgen würden. Der Arbeiter wird dann im allgemeinen nur als Bartunde erwünscht sein und dieser Barkunde wird wahrscheinlich mit dazu beitragen müssen, daß di« Ausfälle, die dem Abzahlungsgeschäft entstehen, durch Ueberpreise gedeckt werden. Vor allem befürchtet man im Einzelhandel, daß nach der Der- allgemeinerung der Abzahlungsgeschäft« eine ganz irreguläre Preisbildung im Bargeschäft eintreten wird. Für den Barkunden braucht der Einzelhändler an seine Bank keine Zinsen zu zahlen. Er wird ihm also in den verschiedensten Formen Rabatte gewähren, sei es als Kassaskontr, sei es in anderer Form. Um nun die Rabatte möglichst hoch erscheinen zu lassen— mit ihnen wird man in der Hauptsache ja den Konkurrenzkampf führen—, wird man die Grundpreise um so mehr ausschlagen. Schließlich kennt sich niemand mehr aus, die Konkurrenz wird durch das Angebot verschiedener Qualitäten verschärft. So kann es in der Tat dahin kommen, daß zwar sehr viele Geschäfte dem Kun- den Kredit geben, daß aber sehr bald diejenigen Geschäfte dos meiste Verttauen beim Kunden haben, die an ihr Firmenschild schreiben:.es wird nur in bar verkauft". Es ist außerordentlich bezeichnend, daß die Beamten selbst gar nicht übermäßig von der Neuorganisation erbaut sind, weil sie ebenfalls die Gefahr einer Verteuerung des gesamten Konsums er- kennen. Eine Beamtenkorrespondenz veröffentlichte kürzlich eine warnende Notiz, die u. a. daraus hinweist, daß bei Inanspruch- nähme der Konsumsinanzierung die Beamten sich vcn einem ganz kleinen Kreis von Geschäften abhängig machen. Entschiedene Gegner des Slbzahlungsgeschäfts sind nach wie vor die Konsumgenossenschaften, die das Pumpgeschäft seit jeher auf das entschiedenste bekämpft haben und ihre Mitglieder zu Sparern, d. h. zur Wirtschaftlichkeit zu erziehen suchen. Sie sehen darin die einzig« Gewähr dafür, daß die großen Verbraucher- massen ihre Unabhängigkeft als Konsumenten behalten. In be- sonders leidenschaftlicher Weise wendet sich der Führer der Kon- sumgenossenschaftsbewegung Heinttch Kaufmann in der.Kon- sumgenossenschaftlichen Rundschau" gegen die Ueberhandnahme der Abzahlungsgeschäfte, von denen er befürchtet, daß sie den Konsum mindern anstatt steigern werden. Die Arbeiterschaft kommt, wi« erwähnt, als Kunde ja ohnehin kaum in Betracht. Immerhin sei darauf verwiesen, wie ungeheuer- lich Lohnbewegungen erschwert werden, wenn«in großer Teil der erganisierten Arbeitnehmer an den Handel ver- schuldet ist. Das gilt insbesondere für die Angestellten, deren Kundschaft man viel mehr suchen wird. Die Bedenken gegen eine allzu starke Ausdehnung des Ab- zahlungsgeschäfts. das in gewissen Grenzen sicherlich viel für sich hat, mehren sich also. Trotzdem wird man an der ganzen Bewegung nicht achtlos vorübergehen dürfen angesichts der großen Kapitalmengen, die dafür aufgewandt werden, und des großen Anreizes, den dieses Geschäft für die bretten Volksmassen bietet. Wir werden daher alle Erfahrungen, di« in diesem neuen Geschästszweis gemacht werden, wetter kritisch nachprüfen. Konzentrationen in der Binnenschiffahrt. Nachdem die durch di« Entwicklung des Kraftverkehrs, durch die Vereinigung kombinierter Betriebe auf den besten Standort und durch die starke Verkchrskonkurrenz ins Hintertreffen gekommene Binnenschiffahrt sich bisher(teilweise mit Erfolg) auf di« Forderung staatlicher Subventionen beschränkt hatte, scheint auch sie sich jetzt-ruf die S e l b st h i l f e durch B e t r i e b s k o n z e n- tra t i o n stärker zu besinnen. So wird jetzt der bevorstehende Zu- sammenfchluß von fünf bedeutenden Flußschiffahrtsgefellschaften ge- meldet. Die Neue Norddeutsche Fluß- und Dampf- schiffahrtsgeselllschaft hat durch Vermittlung der Com- merz- und Privatbank von her Vereinigte Elbschiffahrts- g e f« l l s ch a f t A.- G. ein größeres Akttenpaket übernommen. Auf den Anfang Dezember stattfindenden Generalversammlungen soll chre Vereinigung durch Austausch und Zuwahl von Aufsichtsrats- Mitgliedern vorbereitet werden. Die aufnehmende Neue Norddeutsche Fluh- und Dampfschiffahrtsgefellschaft beherrscht ihrerseits die „D e u t s ch l a n d"- S ch n e l l d a m p f e r G. m. b. H. und ist auch an der Schlesischen D am p f« r- C o m pa g n ie Bettiner Äoyd A.-G. maßgebend beteiligt. Aus der anderen Seite besteht zwischen der aufzunehmenden Vereinigte Elbeschiffahrts- A.-G. und der Neuen Deutsch-Böhmischen Elbeschiffahrt A.-G. seit Ottober 1925 eine Betriebsmittelgemeinschaft, so daß der Zusammen. fchluß einen beträchtlichen Teil der deutschen Binnenschiffahrt zu ge- meinsamer Wirksamtest vereinigen wird. wie alte Eisenhütten sich rentabel halten. Zu einem großen Spezialwerk der verarbeitenden Industrie sind fest ihrer Fusion mit den.Herzoglich" Schleswigholsteinischen Eisen- und Cmaillierwerken die War st einer Eisenwerke(Wests.) geworden, die das interessante Beispiel einer aus Uroäterzeiten erhaltenen, aber durch ihre außerordentlich starke Spezialisierung rentable Eisenhütte sind. Der Gesellschaftsbericht nennt aus dem ver- einigten Produktionsprogramm folgende Hauvtprodukte: Röhren, Heizkörper, rohe und emaillierte Sanitätsgegenstände, Kanalisations- guß, Badewannen, gußeisernes Geschirr, Herde, Oesen, Maschinen- und Bauguß, Pianoplatten, Gaswerkarmaturen, Grauguß für den Eisenbahnbedarf, Härte-, Glüh- und Schmiedeösen für Gas- und Oel- feuerung, Wassergasanlagen und Wagenachsen aller Art. Den Vorteil dieser reich differenzierten Produktion charakterisiert der Sesellschaftsbericht treffend dahin, daß den Ver- schiebungen auf den Absatzmärkten leicht Rechnung getragen werden kann. Die Fusion diente der systematischen Unterocrteilung der Pro- duktion, die weitverzweigte Lage der Werke ermöglicht vielfache Frachtvorteile und macht von lokalen Arbeitsschwierigkeiten unabhängig. Schon im vorigen Jahre vertciste das Warfteiner Werk 10 Proz. Dividende. Nach der Fusion sind die Gewinne fast oervier- facht, und nur die Erhöhung des Kapitals von 1,6 auf 4,3 Mill. senkt die diesjährige Dividende auf 7 Proz. In den fünf Werks- komplexen wrrd eine Belegschaft von 2200 Arbeitern und Angestellten beschäftigt. Gülersloher Wurstwaren S Proz. Dividende. Auch für die Fleisch- und Wurstwarenindustrie meldet die V o g t u. W o l f A.-G. Gütersloh, die in ihren Betrieben 150 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, fühlbare Auswirkungen der Wirtschafts- k r i f e: jchwankende Rohproduktenpreise, unregelmäßige Beschäf- tigung und auch unzureichende Aufträge aus Bädern und Kurorten. In den Gewinnen sind die Störungen allerdings nicht er- kennbar. Der Warengewinn ist von 0,99 auf 1,02 Mill.(bei 800 000 Mark Kapital) gestiegen, die Gesamtunkosten allerdings etwa im gleichen Verhältnis ebenfalls. Dennoch ist der Gewinn mit 70 000 gegen 68 000 M. noch etwas höher. Wie im Vorjahr wird eine Dividende von 5 Proz. verteilt. Haitiaussclilag, Beinschäden (Krampfadern), auch veraltete Wunden, Hautjucken und Flechten heilt die milde und wohltuende, seit 100 Jahren bewährte San.>Rat D**. Strahles Haussalbe. Original-Dose ä M. 125. Z50, 420 versendet spesenfrei Elefanten-Apotheke, Berlin SW. 19 Leipziger Straße 74. am Dönhoffplatz Neu! maqgis Buchstaben- Suppe eine feine Eier-Teigwaren-Suppe- 1 Würfel für 2 Teller nur 13 Pf. fit 530» 4.�. Jahrgang_ 2« ÖC0 �OrtPOCtS Mittwoch, IS. Nsx-mber l»2d Kaiseröebatte Majestät haben d Im Anschluß an die Abstimmungen zur Erwerbslosenfrage beriet der Reichstag am Dienstag den Nachtragsetat. Dazu nahm zunächst das Wort Neichsfinanzminister dr. Neinholö: Der Finanzminister begrüßt es zunächst, daß der Reichstag jetzt den Weg einer gesunderen Finanzpolitik beschritten und die Steuern den wirklichen Bedürfnissen angepaßt habe. Er schildert dann die bekannten Abmachungen mit dem Reparations- a g e n t e n, durch die eine wesentliche Verbesserung der Liquidität der Reichshauptkasse erreicht worden sei. Das Abkommen habe dem Reiche auch wesentliche Ersparnisse gebracht. Durch diese und andere Ersparnisse konnte ein Drittel der Mehrausgaben gedeckt werden, weitere 90 Millionen aus dem Mehraufkommen aus den Zöllen. Mehrerträge sind auch aus der Einkommen- und Körperschafts st euer erzielt worden. Im ersten Halb- jähr 1926 blieb zum erstenmal das Aufkommen aus der Lohn- st e u e r mit 530 Millionen zurück hinter dem Ertrag der übrigen freien Einkommensteuer, die 563 Millionen brachte. Di« Umsatz. steuer, die Vermögens- und Erbschaftssteuer blieben hinter den Etat- ansäßen zurück, während der Ertrag der Körpcrschaftssteuer von 94 Millionen im Vorjahre auf 198 Millionnen in diesem Jahre gestiegen ist. Das Gesamlaufkommen sämklicher Sleuerarten wird den Etats- ansah so übersteigen, daß es berechtigt war. 90 Millionen Mehrauskommen zur Deckung des vorliegenden Nachtragsetats heranzuziehen. Dem Arbeitsbeschafsungsprogramm des Reichsarbeitsministers stimme ich durchaus zu. Wir haben 200 Millionen als Zwischen- krcdit« für den Kleinwohnungsbau zur Verfügung gestellt. Dadurch werden 40 000 neue Wohnungen geschaffen und es werden damit 120 000 Bauarbeiter aus der unterstützenden Erwerbslosen- sürsorge herauskommen. Wir ersoaren damit also etwa 84 Millionen an Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorg«. Aehnlich liegt es auch mit dem Kredit, den wir der Reichsbahn zur Fertigstellung angefangener Bahnbauten geben. Auch damit wird die Zahl der Erwerbslosen oermindert und die ganze Wirtschast wird damit belebt. Es ist immerhin ein Fortschritt, wenn statt der 2 Millionen im Februar heute nur noch 1,3 Millionen unterstützt« Erwerbslos« vorhanden sind. Zur Deckung können wir eine neue Anleihe von 372 Millionen aufnehmen, so daß wir zur Aufnahme von insgesamt 965 Millionen Anleihe ermächtigt sind. Wir haben aber von der Ermächtigung zur Lombardierung von Schatzwechseln noch keinen Gebrauch gemacht. Wir werden auch jetzt noch nicht den Anleihemarkt in Anspruch nehmen, sondern werden den Zeitpunkt dazu sorgsam auswählen. Trotz der Steuerermäßigungen haben wir eine Finanzgebarung, die zwar hart die Grenze des Defizits streift, die aber doch sich in durchaus soliden Bahnen bewegt. Ernster lieht die Lage aus, wenn wir die Finanzen der Länder und Gemeinden betrachten. Wir wollen ihnen im Wege des Finanzausgleichs helfen und erwarten dann, daß sie besonders die vielfach überspannten Real- steuern senken werden. Jedenfalls kann festgestellt werden, daß. die Erwartungen, die das Reichsfinanzminisierium im Frühjahr aus- so räch, sich erfüllt haben. Ich darf wohl von der Loyalität der De utschnationalen annehmen, daß sie anerkennen, daß ihre däinaligen pessimistischen Prophezeiungen in keiner Weise einge- troffen sind. Wollen wir die Erwerbslosennot beseitigen, dann brauchen wir eine gesunde Finanz- und Wirtschaftspolitik, gute Handelsverträge und ein gutes Einvernehmen mit dem Auslande. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Ein kommunistischer Antrag, die Minister Geßler und Stingl zu den Beratungen herbeizurufen, wird gegen die Stimmen der So- zialdemokraten, Kommunisten und Völkischen abgelehnt. �ibg. Saenger sSoz.j begründet den von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Gesetzentwurs, wonach den Mitgliedern der ehemals regieren- den Fürstensamilien der Ausenlhalt im Reichsgebiet verboten werden solle, wenn dadurch dos Wohl der Republik gefährdet werde. Dem ehemaligen Kaiser Wilhelm II. soll das Betreten des Reichsgebiets untersagt werden. Für den Fall, daß Wilhelm II. feindlich« Unternehmungen gegen das Reich oder Preußen richtet, kann das seiner Familie zuerkannte Vermögen ein- gezogen werden. Der Redner weist daraus hin, tw& die Bedeutung dieser Frage von niemandem geleugnet werden köime, und deshalb sei es notwendig, sich eingehend damit zu befassen. Die Wirtschaft- lichen Fragen, die mit dem Nachtragsctat verbunden sind, wird der Abg� Robert Schmidt als zweiter Redner der sozialdemokratischen Fraktion behandeln. Bevor die staatepolitische Begründung für diesen Antrag gegeben wird, erscheint es notwendig, sich mit dem bisherigen verhallen der Kommunisten auseinanderzusetzen. Sie(zu den Komm.) haben sich im Preußischen Landtag einiges geleistet, aber wir nehmen diese Sache nicht allzu tragisch, nachdem wir wissen, wie Ihre Entrüftungsstürme vorbereitet werden. Einer Ihrer früheren Fraklionsangehörigen hat aus dem Jahre 1924/25 berichtet, daß jeder von Ihnen veranstaltete Spektakel vorher beschlossen worden ist und daß dazu die Anweisungen vonMoskau kamen. Wie lagen die Dinge in Preußen? In einem Punkte gebe ich Ihnen recht, die Republik hat in der Frage der Fürstenvermögensenteignung und der Fürstenbehandlung vieles versäumt und vieles nicht getan.(Sehr wahr! bei den Soz.) Aber was war vor acht Iahren in diesen Stunden das Wichtigste? Vor allem für die Arbeiter war es das Wichtigste, daß die Einheit des Reichs erhalten blieb. Sie, meine Herren Kommunisten, haben für diese große geschichtliche Notwendigkeit niemals irgendwelches Verständnis bewiesen. Aber Sie haben auch nicht nachgelesen, was Karl Marx darüber geschrieben hat, Sie haben auch niemals darüber nachgedacht, wie sich Ferdinand L a s s a l l e im Jahre 1859 dazu geäußert hat. Wer außerhalb dieses Hauses behaupten sollte, es sei nicht wahr, daß wir Sozialdemokraten aus innerer Usberzeugung die Enteignung der Fürstenoermöge» wollten, den würde ich einen Demagogen schelten.(Sehr wahr bei den Soz.) Wir sind für die entschädigungslose Enteignung eingetreten, wir haben bei dem Volksentscheid darüber einen großen Erfolg erzielt aber zum restlosen Sieg reichte er nicht aus. Die Frage wurde da- durch den einzelnen Parlamenten zurückgegeben. und wie man sie dort behandelt hat, das war eine Sache der Taktik. Ob man es auf Prozesse ankommen oder den vergleich an- nehmen solle, das muhte im Landtag entschieden werden. E» war dort nicht mehr zu erreichen, und darum billigen wir durch- au, die Haltung unserer Freunde im preußischen Landtag. Dort ist nichts anderes geschehen, als was unter aktiver Anteilnahme des Herrn H e ck e r t als s ä ch s i fche r M i n i st e r i n S a»1-" geschah Dort ist dem vergleich mit den weltinern mit den gleichen Gründen auch von Ihren Freunden(zu den Komm.) zugestimmt worden, wie jetzt in Preußen dem vergleich mit den hohenzollern zugestimmt worden Ist. Sie, meine Herren Kommunisten, werfen uns vor, wir hätten Verrat geübt. Aber in den hinteren Reihen Ihrer Fraktion, aus der politischen Galerie, sitzen Ihr« ehemaligen Führer, wie Herr Iwanow Katz, wie Frau Fischer, wie die Herren Nedder- im Reichstag. 'außen zu bleiben! meyer und Schalem, die nach Ihrer Auffassung gleichfalls Verrat am Proletariat verübt haben.(Sehr richtig! bei den Soz.) Alle die Leute, die heute dort hinten sitzen, sie waren g e st e r n n o ch die Führer des proletarischen Klassenkampfes, diese Ver- räter waren gestern dazu berufen, gegen uns das Wort vom Verrat zu sprechen. Gestern noch die einzigen berechtigten Klassenkämpfer, heute Verräter am Proletariat. (Große Heiterkeit.) Und da möchte ich doch nun die Frage auswerfen, ob die Art und Weise, wie Sie diese Sache im Preußischen Landtag oertreten haben, Jden Lebensinteressen des Proletariats den größten Schaden zugefügt haben.(Sehr wahr.) Ich halte es für verständlich, daß in großen Schichten des Bürgertums Zweifel darüber entstehen, ob der Teil der Arbeiterklasse, der solchen Führern folgt, dazu berufen ist, die menschliche Gemeinschaft zu höheren Zielen zu führen.(Sehr richtig! bei den Soz., Zurufe bei den Komm.) Es sind ja auch bei Ihnen genug Herren, die diesen menschlichen Takt der Gesellschaft zu wahren wissen. Nun wird uns von deutschnationaler Seite gesagt werden, wie schwach muß doch die Republik sein, daß sie derartige Maßnahmen nötig hat. Ich erinnere aber daran, was Bismarck im Jahre 1872 dem Grafen Henckel geschrieben hat. Ich erinnere auch daran, was die französischen Royal! st en getan haben, um die Rückkehr Napoleons zu verhindern. Der Grund für unseren Antrag liegt aber darin, daß die Wiederkehr des ehemaligen deutschen Kaisers eine Herausforderung wäre, wie man sie einem freien Volke in der Geschichte noch niemals geboten hat. Als unser Antrag in der Oeffentlichkeit bekannt wurde, wurde in den rechtsstehenden Zeitungen dagegen eingewendet, daß man dadurch ein Recht der Demokratie verletzte. Leider haben die Demokratie und die Republik bisher viel zu wenig Gelegenheit genommen, um ihre Rechte zu wahren, sonst wäre es nicht möglich gewesen, daß geradezu tierische Ver- b r e ch e r heute noch in Ihrem(nach rechts) Lager Schutz gefunden haben.(Sehr richtig.) Hätte der demokratische Staat von seinem Recht Gebrauch gemacht, dann wäre es nicht möglich gewesen, daß unter einem demokratischen Reichswehrmini st er Skandal auf Skandal gehäuft werden konnte.(Sehr richtig! bei den Soz.) Der Verlust der Staaksangehörigkeit war ja aber auch schon im kaiserlichen Deutschland möglich. Er wurde ausdrücklich ausgesprochen für Reichsdeutsche, die außerhalb des Landes ver- blieben sind. Das noch heute geltende Gesetz besagt, daß Treulosigkeit gegenüber seinem Vaterlande den Verlust der Staatsangehörigkeit nach sich ziehen muß. Unser Antrag ist daher nur eine Ergänzung des heute noch geltenden Rechts. Meine politischen Freunde sind außerdem der Anschauung, daß es für ein freies Volk besser ist, aus eigener Erkenntnis selbst Beschlüsse zu fassen, als sie sich v»m A u s l a n d e aufzwingen zu lasten. Ich glaube allerdings nicht an«inen solchen Fall, aber die Handlungsweise Wilhelms allein zwingt uns dazu, einen solchen An- trag einzubringen. Auch Herr Rupprecht von Wittelsbach wird in zunehmendem Maße ein Objekt der bayerischen SSnigsmacher. 3m 3ahre 19IS hat er die Veränderung des Staatswesens, als sie durch die ver- sassunggebende Rationaloersammlung vollzogen war. auch für. sich als gellendes Recht anerkannt. 3m 3ahrs 1923 hat er aber erklärt, daß er in die Rechte seines Hauses wieder eintreten wolle. Inzwischen haben sich auch die monarchistischen Kundgebungen in Bayern vermehrt. Harr Rupprecht hat allerdings gesagt, ihm stände das Volk höher, als sein eigenes Interesse, aber das haben auch jene Kurfürsten gesagt, die ihre eigenen Landeskinder an das Ausland verkauft haben.(Sehr richtig!) Ich muß es als nicht fair be- zeichnen, daß dieser Kronprinz es nicht für nötig hält, das offene und ehrliche Wort zu sprechen, er sei ein Privatmann und denk« nicht daran, sein« sogenannten Rechte geltend zu machen. Das Wort hört man aber nicht von ihm. In Rosenberg hat man erst kürzlich bei einer Denkmalsenthllllung die Stadt mit den königlichen Forben geschmückt und ein bayerischer Monarchist hat sich dazu ver- stiegen, er bitte den lieben Gatt, daß ein König die Zügel wieder in die Hand nehme,„wir müssen uns srei machen von der Weimarer Verfassung". Es ist nicht a n st ä n d i g und nicht königlich, daß Herr Rupprecht zu all diesen verräterischen Taten einfach schweigt, zumal das Verhalten auch dieses„hohen Herrn" beim Zusammen- bruch des deutschen Volkes, als er gleichfalls nach Holland über- trat, ainfoldatisch, um nicht Schlimmeres zu sagen, war.(Sehr richtig!) Ein Führer der Deutschen Volkspartei hat einmal erklärt, daß man die groß« Vergangenheit eines Volkes achten solle, auch bei staatspolitischen Umwälzungen. Auch wir unterschreiben diesen Ge- danken. Es ist selbstverständlich, daß ein freies Volk sich seiner großen Vergangenheit erinnert. Wenn eine Partei das Recht hat, auf die Vergangenheit zu schauen, dann sind es wir Sozialdemokra- t e n, denn oft genug haben wir in den Jahrzehnten des Kaiser- reich s unsere' w a rn« nde Stimme erhoben. Ja es waren herrliche Zeiten damals, und wer das nicht glaubt, der mag dem Rat« der ,K re u z ze i t u n g" folgen und für 25 Pf.«in Buch taufen, in dem der früher« Kaiser selbst spricht. Armer Monarch, der sich für 25 Pf. kaufen läßt.(Heiterkeit.) Wilhelm konnte alles, er zeichnete, er baute, er malt«, er verkündete m Bielefeld, daß der Arm des deutschen Kaisers bis zu den entferntesten Gegenden der Welt reiche. Er lieferte Schlachtenpläne für andere Staaten, er schimpft« auf die Ultramontanen, die man hängen müßte, er schenkte oen französischen Seekadetten Schokolade, den fremden Offizieren Orden. Aber wenn er als Monarch von Gottes Gnaden alles konnte, wenn er noch am 28. November 1918 den Rat der Volksbeauftragten bitten konnte, daß sein Geld und sein« Schätze nicht berührt werden sollten, eines konnte er nicht, er tonnte nicht kämpfen, er konnte nicht sterben für die Ehre seines Hauses und seiner Heimat. Jetzt hören wir aus Doorn, daß er Bäum« schlägt, daß sein Arm so stark sei, haß er mit einem einzigen Hieb den ältesten Baum fällen könne.(Große Heiterkeit.) Er ist der Gleich« geblieben auch nach seiner Flucht, der Gleiche auch im Schimpfen. Soll die R«- publik einen solchen Monarchen jemals wieder hereinlassen? Wenn ein Kriegerdenkmal enthüllt wird, dann telegraphiert er, daß es ihm schwer falle, im Ausland zu leben und von der Mitarbeit ausgeschlossen zu sein Aber was der Republik Anlaß zu Denken gibt, has ist die Tatsach«, daß er nicht nur einmal, sondern wiederholt klar ausgesprochen hat, er hoffe den königlichen Thron wieder zu be st eigen. Selbst im Exil hat dieser Mann es noch nicht über sich gebracht, von de» Beschimpfungen des deutschen Volkes abzulassen. Er hat es als ein Verbrechen bezeichnet, daß das deutsch« Volk Belgien räumen und Bedingllstgen annehmen mußte, die so schwer waren, wie sie wohl niemals vorher ein Volk annehmen mußte. Diese Vorwürfe erhebt ein Mann, der sich selbst jeder Verantwortung entzogen hat. Manchmal telegraphiert er selbst, manchmal auch sein Sohn Oskar, der Zigarettenoskar. Dieser Zigarettenoskar hat mit einem Wanne in Verbindung gestanden, der angeklagt war, ein Attentat auf den Reichsaußenminister vorbereitet zu haben. Als Thronprätendent bleibt dann noch dex Herr Kronprinz, von dem in der„Kreuz- zeitung" geschrieben wurde, er trag« in seinem Gesicht die Züge des königlichen Haufe». Man sei,« aus den ersten Blick, selbst wenn man nicht wüßte, wer es sei, die Familienähnlichkeit. Diese Familienähnlichkeit konnte man auch am vorigen Sonntag bei dem Sechstagerennen in Berlin bewundern, wo der Kronprinz 500 Mark stiftete und aus einem Plakat schamhaft ange- kündigt wurde:„von einem alten Scchstagcsreund aus Oels." (Heiterkeit.) 3ch glaube, man darf es sagen, ruhmloser und un- königlicher ist noch niemals eine Dynastie niedergesunken wie die der Hohenzollern.(Sehr richtig!) Und nun ein offenes und ehrliches Wort: Heute vor acht Jahren hat sich das Schicksal unseres deutschen Volkes vollzogen. Die Arbeiterklasse allein wußte, was sie dem deutschen Volle schuldig sei Sie hat das Reich gerettet, als das Reich der Hohenzollern zerfiel. Die Arbeiterklasse hat das fortgesetzt, was das Bürgertum im Jahre 1848 gefordert hat. Jahre lang haben Sozial- demokraten im Kaiserreich im Gefängnis zugebracht, weil sie einen Mann beleidigt haben sollten, der wegen Feigheit sein Soldaten- leben nicht einsetzen wollt«. Gegen Wahlrechtsdemonstrationen wollte dieser Mann die Garde alarmieicn, das Volk hat er als Lumpenpack beschimpft. Freilich haben damals Minister, Generäle und teilweise auch bürgerliche Parteien»och unter ihm gestanden, was Charakter- losigkeit anbetrifft. 14)4 Millionen haben für die ent- schädigungslose Enteignung der Fürstenoer- mögen gestimmt. Was glauben Sie wohl, wie viele Millionen es sein würden, wenn sie kämpfen sollten unter der Parole Wilhelni oder nicht! heute vor acht 3ahren haben die deutschen Arbeiter da» Vaterland gerettet und dieses Volk hat das Recht darauf, daß es nicht bei demokratischen Bestimmungen bleibt, sondern daß es auch zu demokratischen republikanischen Taten kommt. Die Enterbten, die soviel gelitten haben, haben ein Lebensrecht dar- auf, daß das geschieht, was die Sozialdemokratie jetzt will. Jetzt soll auch das deutsch« Bolk zu Gericht aufgerufen werden und sein Urteil kann nur indem Befehl an Wilhem gipfeln: Seine Majestät haben draußen zu bleiben! Und diesen Befehl erteilt die deutsche Republik.(Stür- Mischer Beifall bei de,, Sozialdemokraten.) Abg. v. Lindelner-Wildan(Dnat.) wendet sich gegen die Ueber- Weisung des sozialdemokratischen Antrages an den Rechtsausschuß. Die ehemals regierenden Fürsten müßten dieselben Rechte genießen, wie alle übrigen Staatsbürger. Seine politischen Freunde seien durch die Entlassung des Generalober st en v. Seeckt außerordentlich beunruhigt worden, es sei zu bedauern, daß der Reichswehrminister durch seine Starrheit diese Entlassung herbei- geführt habe. Unser Vertrauen zum Wehrminister ist dadurch weit- gehend erschüttert worden. Der Redner hofft, daß General v. H c y c im gleichen Sinn« wie sein Vorgänger arheiten und sich dabei durch parteipolitische Quertreibereien nicht stören lassen werde. Die von den Abg. Löbe geforderte Republikanisierung der Reichs- wehr beheute eine schwere Schädigung, da sie dadurch politisiert werde. Die Deutschnationalen seien jederzeit bereit, die Verant- Wartung für das zu tragen, was sie vorschlagen. Die Mittelparteien sollten nun sehen, wie sie zwischen Theorie und Praxis dieses Par- lamentarismus eine Uebereinftimmung fänden. Die Art, wie der Reichsfinanzmini st er den Umbau seiner Verwaltung vor- genommen habe, sei mit derVerfassung nicht vereinbar. Bedauerlich seien die Angriffe, die der preußische Ministerpräsident vor kurzem gegen das Berussbeamtentum gerichtet habe. Auch die Verunglimpfung der Rechtspflege fei unbegründet. Die Offizere, die sich vor acht Jahren der Republik zur Verfügung gestellt hätten, hätten damals den Staat gerettet. Die Jugend müsse durch Wieder- Herstellung des christlichen Charakters unserer Jugenderziehung wieder auf den richtigen Weg geführt werden. Am 9. November sei die wahre Freihest nicht erreicht worden. Nur in dem Geiste der Freiheit vom A u g u st 1914 könnte das deutsche Bolk wieder wahrhaft frei in einem freien Vaterlande werden.(Lebhafter Bei- fall rechts.) Abg. Reubauer(Komm.) stellt wieder einmal die Behauptung auf, daß die Sozialdemokratie in der Behandlung der ehemaligen Fürsten vor allem beim preußischen Hohenzollernvergleich dos Volk verraten habe. Die schwarze Reichswehr habe in Sachsen und Thüringen unerhörte Bestialitäten verübt. Der Hauptschuldige daran sei der Reichswehrminister Dr. Geßler, der sich noch zu verant- warten habe. Herr Geßler selbst habe Ausweise schwarzer Reichs� ivehrangehöriger unterschrieben. Es dürsten nicht nur die kleinen Verbrecher bestraft werden. Ebensowenig wie dem Wehrminister dürfe man dem Innenminister Dr. Külz trauen, das zeige sich am deutlichsten bei dem Zensurgesetz gegen Schmutz und Schund und bei seinem reaktionären Bereinsgefetz. Der Redner begründet schließ- lich die Anträge seiner Fraktion auf Ausweisung und Enteignung der ehemals regierenden Fürsten. Die Weiterberatung wird gegen 7 Uhr auf Mittwoch 3 Uhr vertagt. Clektrowirtschast in Preußen. Die Regierungsvorlage im Landtag verabschiedet. Der Landtag setzte am Dienstag zunächst die Beratung des Gc- setzentwurfs über die Bereitstellung von Geldmitteln zur A u s g e- staltung des staatlichen Besitzes an Clekrizitäts- Unternehmungen fort. Handelsminister Dr. Schreiber: Die Elektrounternehmungen haben volkswirtschaftlich«ine rasch steigend« Bedeutung. In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der installierten Kilowatts verdreifacht. Dabei verbraucht Deutschland auch gegenwärtig auf den Kopf der Bevölkerung erst 142 Kilowatt- stunden. Der Staat muß dafür sorgen, daß das ganze Land mit elektrischer Kraft versorgt wird, aber er kann sich in seiner Tätigkeit nicht auf die ungünstigen und unvorteilhaften Gebiete beschränke» lassen. Noch bedeutsamer als die rein geschäftliche Tätigkeit ist für den Staat die Regulierung und der Ausgleich unserer Strompreise und die gemeinsame Schaffung von Wasseranlagcn. Der Staat denkt nicht daran, nur um der Konkurrenz willen unwirtschaftliche In- vestierungen zu machen, aber wir können uns auch nicht dazu ver- stehen, bestimmte Gebiete einzelnen Elektrounternehmungen des Reiches oher der Privatindustrie zur Ausbeutung zu überlassen. Wir wollen vielmehr gemeinsam mit allen anderen Elektrounternch- münzen an einer großzügigen Rationalisierung mitwirken. Wir wollen auch dafür sorgen, daß die Kette bis zmn letzten Verbraucher nicht zu lang und die Verteilung der elektrischen Kraft billig wird und rechnen dabei auf die verständnisvolle Mitwirkung der Kommunalverbände, in deren Hand die meisten Strom- Verteilungsanlagen liegen. Das Jnstallationsgeschäft und der Vertrieb elektrischer Bedarfsartikel soll ohne öffentlich rechtliche Konkurrenz den lebensfähigen Handwerksbetrieben überlassen bleiben. Das staat- liche Hoheitsrecht der Enteignung muß von der geschäftlichen Betätigung des Staates vollkommen getrennt gehalten werden. Auch die allgemeinen elektropolitischen Ausgaben sind verwaltungsmäßig von den Geschäftsbetrieben zu trennen. Entsprechende Vorlagen wird ihnen die Regierung demnächst unterbreiten. Das Deutsche Reich würde gerade wegen seiner großen elektropolitischen Aufgaben besser nicht al, Unternehmer auf diesem Gebiet auftreten. Äm übrigen sollen alle Elektrounternehmungen miteinander Hand in Hand arbeiten.(Beifall.) Abg. Dr. waenlig(Soz.): Die Geschichte der preußischen Elektrizitätspolitik Ist bi» in die letzten Jahre hinein eine Koschlchte der verpaßten Ge- l e g e n h e i t e n. Augenblicklich beschäftigt uns die Streitfrage der Abgrenzung de» Tätigkeitsgebietes der verschiedenen Elektrounternehmungen. Darüber werden wir uns mit Herrn Dr. Hermes nicht verständigen, der in das privatkapitalistische RWT-(Rheinisch-West. fälische Elektrizitätswerk) blind oerliebt ist. Für uns handelt es sich um die rein praktische Frage, aus dem gegenwärtigen Zustand latenter Kriegssührung in einen Zustand des Einvernehmens, aus dem Konkurrenzkampf heraus in ein Kartell zu kommen. Dabei denken wir nicht nur an Gebietskartellierung: es gibt auch Produktionskartelle, Gewinnkartelle usw. Das Hans darf sich nicht programmatisch auf eine bestimmte Kartellform festlegen. Leitend muh bei der Verständigung über die Interessensphären die Wahrung des öffentlichen Interesses sein. Eine Ver- teilung nach Interessengebieten schafft die Möglichkeit privater oder halb öffentlicher Monopole, die wir vermeiden müsien. 2ll» Endpunkt der ganzen Entwicklung werden wir mit einem ganz Deutschland umsastenden Elektrotrust zu rechnen haben. heute yber haben wir es zunächst mit der Zlusgeslallung der preußischen Elektrizitätswerke zu tun. Für sie brauchen wir eine heute aber haben wir es zunächst mit der Zlusgestallung der rke zu tun Reuorgonisatipn zur rationellen Zusammenfassung der Betriebe über den bisherigen rein kapitalsmäßigen Zusammenholt hinaus. Die endgültige Entscheidung über diese Organisation sollte nicht ohne Anhörung aller geeigneten Sachverständigen fallen. Letztes Ziel aller staatlichen Elektropolitik muß die möglichst billige Der- sorgung des letzten Abnehmers mit Licht und Kraft sein. Entscheidend dafür ist die Senkung der Verteilungskosten. Deshalb muh der Staat entweder unmittelbar an den letzten Abnehmer liefern oder sich entscheidenden Einfluß auf die Zwischeninstanzen sichern. Auf diesem Gebiet hat das RWE. manche beachtliche Vorarbeit ge- leistet. Nicht ausschlaggebend darf. die Befürchtung sein, daß die Herabsetzung der Zwischengewinne bei der Verteilung des elektrischen Stroms zur Steuererhöhung in den Gemeinden führen könnte. Die Erhebung überspannter Preise für elektrisches Licht und Kraft ist auch nichts anderes als eine Steuer und eine rück- ständige und ungerechte obendrein. Unter den aufgezeigten Gesichts- punkten soll die preußisch« Elektropolitik dem Gemeinwohl dienen. (Bravo! links.) Abg. Pinkerneil(D. Vp): Wir verlangen völlige Klarheit über den Geldbedarf des preußischen Staates für feine Elektrounter- nehmung«». Der Staat muß sich schleunigst mit RWE. und Elektrowcrken verständigen. Wenn er den Wirtschaftsführern so feindlich gegenübersteht wie jetzt in der Eelektroindustric, kann er leine Aufgabe nicht erfüllen. Abg. SchwUk-Berlin(Komm.): Das Zetergeschrei des Privat- kapitals ist ganz' überflüssig. Niemand will ihm seine Prosite rauben. Der Staat ist viel zu spät und viel zu rücksichtsvoll vorgegangen. Abg. Dr. Falk(Dein.): Wir kommen bei der Elektrizität zum Staatsmonopol wie bei den Eisenbahnen. Aber heute können wir die Pionierarbeit der Prioatunternehmungen noch nicht ausschalten. Immerhin hat Preußen schon heute in diesem wichtigsten aller Wirtschaftszweige große soziale, kulturelle und nationale Interessen. Wir sind entschieden gegen jedes Privatmonopol und wünschen dringend, daß das Reich fein« Elektrowerke an Preußen abträte. Der Staat muß vorsichtig an neue Unternehmungen herantreten, aber er darf sich seinen Auf- gaben auch nicht entziehen und darf dabei weder vor der Mainlinie noch vor der Rheinlinie.zurückschrecken.(Beifall links.) Nach weiteren Ausführungen des Abg. Müller-Franten(Wp.) schließt die Debatte. Das Gesetz wird in zweiter und dritter Lesung angenommen. Ohne größere Aussprache werden daraus eine ganze Reihe von Anträgen des Hauptausschusses, des Ausschusses für Handel und Ge- werbe und des Bcamtenausschusses angenommen. Beschlossen werden u. a. Staatsbeihilfen für den Bau der Landsberger Warthe- Brüche und die Besserung der Verkehrsoerhältnifse im Ostpreußischen Moosbruck�, Ebenso wird der Antrag angenommen, der Organisation der b i l d e n d e n K ü n st l e r 1lX> 000 M. und der Genossen- 'chaft Deutscher Bühnepangehöriger sowie deren lensionskasse für 5 Jahre je SO 000 M. zuzuweisen. Die Zuschüsse für die notleidenden Grubenbetriebe des Siegerlandes sowie des Lahn- und Dillgebietes, des Sauerlandes und des Hunsrücks. werden nach warmer Befürwortung durch den Abg. Otter(Soz.) bis Ende 1926 weiter bewilligt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Mittwoch, 12 Uhr: U. a. Abstimmung über das Mißtrauens- votum gegen den Innenminister. verband der Gemeinde- und Siaaisarbeller Filiale Groh-Berlln Zum 30 jährigen Bcsiehen der Filiale Berlin 4 Fcsivcrsammlun�cn am FreMag, den 12. November, abends 7 Uhr, in den Gcrmania-Festtälen, Berlin, Chausseestraße 110 ✓ Andreas-Festsllen, Berlin, Andreasstraße 21 x Erbes FesisJUen, (früher Kliem), Neukölln, Hasenheide 1 3 Naiionalhof, Berlin, Bfilowsiraße 37 Tagesordnung: 30 lahre Gemeinde- and StaalsaiDeiler-OrganlMllon Referenten: die Kollegen: Albert Gessner, Willi Gnadt, Carl Polenske, Gustav Schaum In den Versammlungen wirken mit die Chöre des Arbeiter-Sänger- hnndes Fichte-Georginia, Hegar-Chor, Liederfreunde Norden, Männerchor Moabit./ Wir erwarten zahlreiche Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen./ Mitgliedsbuch legitimiert! Die Ortsverwaltung Ein unbequemer Nebenkläger. Zusammenstöße im Landsberger Prozeß. Di« gestrigen Verhandlungen in Landsberg ver- liefen zum großen Teil resultatlos. da sich die Zeugen w e i gern, dem Rechtsanwalt Dr. Löwenthal zu antworten, und ein« Reihe von Fragen nicht zugelassen wird. R.-A. Cöwenthal fragt den Zeugen Oberleutnant a. D. von Senden, wie weit seine Strafgewalt ging und welcher Art sie war. Das Gericht beschließt, die Frage abzulehnen. R.-A. Dr. Löwenthal beantragt, die Zeugen Schöler und�G r o h l m a n n zu laden, um die Richtigkeit der Aussagen von Sendens nachzuprüfen. Der vorsitzend« lehnt den Antrag ab und vereidigt den Zeugen. Der Oberstaatsanwalt stellt die Behauptung auf, daß Untersuchungs- richter Graßke vom Landgericht III bei Schulz Akten vorgefunden hat, die sich mit Verrätern befassen. Das Gericht beschließt, Dr. Graßke nicht zu vernehmen, da es un- gesetzlich sei, den Untersuchungsrichter über ein schwebendes Ber- fahren zu hören, dessen Akten den Angeklagten nicht kennen. Es folgt die Vernehmung des ehemaligen Oberleutnants S t a n t i n. Er erklärt, er wisse nicht, ob er über seine Tätigkeit beim Stabe des Wehrkreiskommandos Hl aussagen dürfe. Das Wehrkreiskommando III habe ihm verboten, über organisatorische Fragen auszusagen, wie ja auch Hauptmann Keiner nur beschränkt aussagen dürfe. Seine Vernehmung verläuft durchaus negativ. Weiterer Zeuge ist Diplomlandwirt Feuerlein, der behauptet, sich nicht als Zivilangestellter, sonder als Soldat der Reichswehr gefühlt zu haben. Er hat im Bureau des Schulz die Akten über Diebstähle und Verräterei geführt. Er hat die Akten später dem Hauptmann Ebersbach übergeben, von dem durch Zeugenaussage festgestellt wird, daß er in Wirklichkeit Grafunder hieß. Auch diese Vernehmung ver- läuft negativ. Als R.-A. Dr. Löwenthal fragt, ob der Zeuge die Akten des später ermordeten Sand gesehen habe, fährt der Vorsitzende dazwischen:.Das gehört zum großen Gebiet der allgemeinen Beschuldigungen." Ein weiterer Zeuge, der ehemalige Feldwebel T h i e m e, be- arbeitet« die Akten vor Feuerlein. Nach seiner Aussage hat ihn Oberleutnant Schulz mit der Funktion eines Gerichtsofsiziers be- traut. Schulz verbot ihm, feine Stellung jemanden wissen zu lasien. Er hat u. a. auch mit ihm Zusammenstöße gehabt und festgestellt, daß Sand kein Offizier sein durfte. Meistens beschäftigten sich die Akten mit Lebensmittel-, Automobilschiebungen und ähn- lichen Dingen.„Unser Hauptgesprächsthema," so führt der Zeug« aus, war:„wann geht es los, wann dürfen wir eingesetzt werden?" Es hieß hin und wieder, es fei ein Mann weggekommen. Die Kommunisten hätten Beseitigung der SR-Leute versucht. Vors.: Haben Sie die Munitionsschiebung Iante bearbeitet? Zeuge: Das kann sein, ich weiß es aber nicht mehr. Ich habe oft das Ergebnis meiner Untersuchung Oberleutnant Schulz vorgetragen. Im Falle Weißkamp bat ich um Entfernung dieses Offiziers, aber Schulz sagte, man solle es doch noch einmal versuchen. Im Falle Sand meinte Schulz:„Ueberlassen Sie mir das." Sand, der selbst zu mir gesagt hatte, er sei ein verkommenes Subjekt, hat sich meiner Meinung nach bei Oberleutnant Schulz nicht mehr sehen lasien. Vors.: Was wurde denn aus dem Aktenstück? Zeuge: Schulz gab es mir zurück und ich hob es im Tischkasten auf. Vors.: Haben Sie auf einem Aktenstück den Vermerk gesehen:„An Klapproth zur Kenntnisnahme und weiteren Veranlasiung." Zeuge: Ein solcher Vermerk rft niemals angeordnet oder gemacht worden. R.-A. Dr. Löwenthal: Wie ist der Fall Leutnant Boeck erledigt worden? Zeuge: Leider wurde nur wenig getan, man war der Ansicht, daß der Mann zuviel ausplaudern könne und ließ ihn laufen. Der Mann trieb sich dann, nachdem er sein« Kameraden bestohlen hatte, Im Westen verlins als Zuhälter herum. R.-A. Dr. Löwenthal: Bestand eine Abrede, wie man Schiebungen usw. erledigen sollte? Sollten die Täter dem Gericht übergeben werden? Zeuge: Nein, denn dann wäre doch alles ver- raten worden. Solche Leute ließ man einfach laufen. R.-A. Löwen- lhol: Hat Sckzulz Sie einmal angewiesen, die Akten dem Gericht zu übergeben? Zeuge: Das weiß ich nicht, da Hauptmann Keiner und Oberleutnant Schulz die Entscheidung trafen. R.-A. Dr. Löwenthal: Wissen sie etwas über das Zusammenhalten Büschings und Fahl- buschs? Zeuge: Sie hatten hohe Aufgaben, nämlich sie hatten von den Kommunisten Waffen und Munition zu holen. Als R.-A. Dr. Löwenthal darauf an den Zeugen die Frage richtet, ob er gewußt habe, daß die drei die Mordkommission hießen, braust der Zeuge auf. er habe den Eindruck, daß er beeinflußt werden solle und wünsiche, nur vom Vorsitzenden befragt zu werden. Di« Befragung wird abgebrochen und nach einer kurzen Pause Oberlandjäger Gerlach vernommen, der die Munitions- schiebung Gädicke-Jahnke aufklärte und dem Oberst Gudovlns darüber Meldung erstattete. Auch er will nur dem Gericht Rede und Antwort stehen, so daß R.-A. Löwenthal den Verdacht äußert, unter den Zeugen be- stehe eine Verabredung, ihm nicht zu antworten. Die Befragung bleibt negativ. Der nächste Zeuge ist Hauptmann der Reichswehr L i n d i g, früher bei der Kommandantur Küstrin. Auch er hat nur bedingte Aussageerlaubnis. Nach seiner Aus sage sollte der Fall Gädicke-Jahnke wie jeder andere dem Gericht zur Bestrafung übergeben werden. Auf Vorschlag des Leutnants Knüppel wurden die Schuldigen festgenommen. Auf mehrere Fragen ant- wartet Lindig zunächst, er wisse nickst, welche Rolle Schulz gespielt habe. Er erinnere sich an nichts mehr. Als aber der Vorsitzende fragt: Sie sollen Oberleutnant Schulz überhaupt erst informiert haben? sagt plötzlich der Zeuge: Ich weiß wohl. daß wir darüber gesprochen haben. Er war durchaus meiner Meinung, daß die Täter dem Gericht übergeben werden müsien. Auf Befragen von Rechtsanwalt Dr. Sack bestätigte dann Oberlandjäger Gerlach, daß tatsächlich Oberleutnant Schutz ihn mit Hauptmann Lindig vor der Kommandantur Küstrin««troffen habe. R.-A. Dr. Löwenthal: Dann haben sich die Arbeitskommandos «ine Polizeigewalt angemaßt, die sie nicht besaßen. Es folgt die Vernehmung des Obersten Gudooius. Er sagt: Oberleutnant Schulz hat mich als Zeugen angerufen, daß er mir die Verhaftung der Gädicke und Ianke vorgeschlagen hat. Ich erinnere mich dessen. Ich billigte das auch, um beide vor der Wut der Kameraden zu schützen. Es habe vollständige Ueberein- stimmung darüber geherrscht, Iahnke-Gödicke vorläufig festzunehmen und sie dem Gericht zu übergeben. Schulz hatte den Befehl dazu von mir. vors: Wie faßten Sie die vorläufige Festnahme auf, da doch die Arbeitskommandos eigentlich keine Strafgewalt hatten? R.-A. Dr. Löwenthal: Durch Beantwortung dieser Frage könnte sich der Zeuge einer Verfolgung wegen Freiheitsberaubung aussetzen. Zeuge: Eine Strafgewalt in den Arbeitskomman- dos hatte ich nicht, aber es hatte sich in den Arbeilskommandos mit Einverständnis aller einer gewisse Disziplingewalt herausgebildet. Das war eine interne Angelegenheit. Die Fest- nähme führte ich als Kommandant aus, genau so, wie ich später den Major Buchrucker festnahm. Es rgaren beides außer- gewöhnliche Fälle, in denen ich mich als Polizei fühlte. Jeder, dem es nicht gefiel, wurde entlassen. Als R.-A. Löwenthal danach fragt: Galt das auch für die Arrestanten? kommt es zu einem scharfen Zusammenstoß mit dem Vorsitzenden. Vors.: Herr Dr. Löwenthal, es ist derselbe Fall wie gestern. Sie gehen zu rveit. Ihre nächst« Frage wird lauten, ob Gröschke da- mit einverstanden war, daß er totgeschlagen würde. R.-A. Dr. Löwenthal: Ich muß die Unmöglichkeü dieser Antworten doch nach- weisen können. Vors.(erregt):»o, vielleicht behaupten Sie noch, der Kommandant von Küstrin habe die Hand zum Giftmord ge- boten. R.-A. Dr. Löwenthal: Die Einstellung ist hier allgemein gegen mich. Als R.-A. Löwenthal die Frage stellt, ob Schulz berechtigt war, Degradationen vorzunehmen, beanstandet Verteidiger Sack diese Frage. R.-A. Löwenthal: Ich will nachweisen. daß Schul., Anstiftung zum Mord getrieben hat. Das Gericht beschließt, die Frag« nicht zuzulassen. Bei der weiteren Vernehmung weigert sich Gudovius, Löwenchal u antworten. R.-A. Löwenthal stellt den Antrag, Erweiterung r Aussagegenehmigung für Oberst Gudooius zu erwirken. Darauf- hin ist Zeuge Gudooius plötzllch bereit, die Fragen des Anwalts zu beantworten, da er nicht an einer Verzögerung der Verhandlung schuld sein wolle. Wer als der Rechtsanwalt fragt, oh der Oberst Gädicke und Iahnke erst dann dem Gericht übergeben habe, als man Garantien hatte, daß die Verhandlung nicht vor aller Oeffentlichkeit stattfinden sollte, lehnt Gudovius die Beantwortung ab. Vors.: Herr Rechtsanwall, ich kann dem Zeugen diese Einstellung nicht verdenken. Wir haben denselben Fall wie gestern, als Sie den Zusammenstoß mit Amtsgerichtsrat Leitzmann hatten. Das Vorgehen der Zeugen ist durch die Art Ihrer Fragestellung hervorgerufen worden. Sie können es einem juristisch nicht vorgebildeten Zeugen schließlich nicht verdenken, daß er sich so einstellt, wie es Oberst Gudovius tut. Es gibt immer eine Grenze. R.-A. Dr. Löwenkhal beantragt, auch diesen Vorgang zu vro- tokollieren. Iustizrat Mamroth: Herr Oberst, haben Sie von dem Fall gehört, daß Oberleutnant Schulz jemals eine Strafe verhängt hat? Zeuge: Nein, dazu hatte er auch kein Recht: denn er war nichts anders als Angestellter der Kommandantur. Vors.: Herr Oberst, nach dieser Befragung müssen Sie auch auf Fragen des Herrn Neben- klägers antworten, denn Sie können selbstverständlich nicht einseitig für Schulz aussagen. Oberst Gudovius erklärt sich dazu auch bereit. Als aber Löwenthal die Frage an ihn richtet, ob Schulz als Zivilangestellter das Recht hatte, sich einen Gerichtsoffizie� zu halten, ver» weigert der Oberst die Auskunft. Und als Löwenthal fragt, ob der Oberst das Recht hatte, Leute in Arrest zu halten, bis er die Sicherheit hatte, daß die Leute nichts jagen würden, erklärt Gudovius: Aber jetzt lehne ich es definitiv ab, noch irgendein Wort zu sagen. R.-A. Dr. Löwenthal: Diese Erklärung genügt mir. Hierauf wurde die Verhandlung aus Mittwoch oertagt. Die. Kaffeebohne verlangt die Zutat von J�ber'4(Wkbader Zur stärkeren Entfaltung ihres Reichtums an Duft und Wür�e? Lu noderne Winterklddong zn niedrigsten Preisen Henen-Mänfel Winterulster»»» iurtttn Fuchs ribtos«...... 30°° Winterulster»» nvnee- md e-mu»iale» Slo««». tngo oder sefawan 36°° SO00 E500 65°° Winterpaletots lA/i n�ovii lef nv* aus modern kirierteit o. georaaterteii StoBeo VTIIIlurUlolcr mit Abseite. ßU'e Qaalitlt u. 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November 1�26 Unterhaltung unö AAijsen Seilage ües vorwärts Eine Kopeke. Von A. S o r i t s ch. . Verzeihung, ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen— ober haben Sie nicht zufällig von der Fischhandlung Jakob Dsiga u Sohn in Astrachan gehört? Sie sehen den Chef dieses Hauses vor sich, und zwar: Jakob Mesropowitsch Dsiga. Ich selbst bin nur mit Kupsergeld erzogen worden und nicht mit besonderen Kenntnissen gesegnet, doch achte ich den Schriftmenschen: er hat viel Verstand. Einst haben wir gut gelebt, einen schönen Handel gehabt— trockene Fische, gesalzene, halbgesalzene, gefrorene, rote Fische, Kaviar, bevor uns der Herrgott mit seiner Gnade verlassen hat. Doch im Jahre 1918 mußte ich mich zur Ruhe setzen und bis zum letzten Fischfang spielte ich mit Kindern, las die Werke des Herrn Melnikow Petscherski, der von Bergen und Wäldern erzählt und lieh das Grammophon, das man für die Aufklärung der Massen damals noch nicht beschlagnahmt hatte, im Speicher Kirchenlieder des heiligen Lisitfin spielen. Zur Zeit des vorigen Fischfangs kommt mein Sohn Grischa zu mir und sagt:„Papachen, mir ist heute im Traum ein Floh er- schienen. Er hatte viele Beine und kratzte mit ihnen derart herum, daß die Wolken flogen." „Run." sagte ich,„das bedeutet Geld. Vom Floh wird das in jedem Traumbuch behauptet."„So ist es," sagte er,„das bedeutet Geld. Und deshalb werden wir in der ganzen föderativen Republik mit gesalzenen Fischen handeln." Natürlich schlug ich das Kreuz über ihn: Will er vielleicht bis zu den Sternen spucken? Was für einen Umsatz kann man heute machen? Das Staatsmonopol mit seinen Rubeln müßte uns doch sofort vernichten.„Das tut nichts." sagte er,„sie werden mit Rubeln und wir mit Kopeken fechten. Wissen Sie denn nicht. Papachen, daß die Monopolleute, die Fische verkaufen, kein Blut haben? Sie sind wie Gallerte, kall und ohne Leben. Bevor die sich umdrehen, werden wir den halben Fang verkauft haben." Sest diesen Worten verlor ich die Ruhe und den Schlaf. Träumte andauernd nur von Stör und Kaviar und so deutlich, daß es mir im Mund ganz salzig wurde und ich Kaoiarkörnchen zwischen den Zähnen spürte. Zu den großen Fasten borgten wir uns bei einem guten Menschen Geld mit 18 Prozent, kauften drei Waggon Stockfische und fuhren damst in die Stadt Nowgorod-Sewersky zu den Kleinrusien. Das ist ein gesegneter Ort, weil die Kleinrussen während der Peters- fasten ohne Fische und in derselben Lage sind wie die Schnepfen im Kornspeicher: viel Futter und nichts zu essen. Wir kamen an und erkundigten uns bei den Leuten, welches Staatsorgan sich hier mit Fischoerkauf beschäftige. Mein Sohn Grischa ging zum Lager der Monopolleute, um als gewöhnlicher Bürger einen Fisch zu kaufen. Als er zurückkam, sagte er:„Unser Geschäft, Papachen, wird ausgezeichnet gehen." „Wieso denn?" fragte ich,„ist die Ware unbrauchbar oder liegt es am Preis?"—„Nein, die Ware ist frisch und nicht teuer, aber, verstehen Sie mich recht, für jeden Fisch müßten erst vier Quittungen ausgestellt werden und die Leute haben keine Geduld. Sogar der Kleinrusse, der sehr vorsichtig zu kaufen gewohnt ist, sogar der wartet und wartet und plötzlich schreit er, der ungebildete Mensch:„Tum- mest euch doch, zum Teufel noch einmal!" Man antwortet ihm ordnungsmäßig:„Bürger, wenn Sie keine Zeit haben, kaufen Sie anderswo."— Das paßt uns." Erst nahmen wir uns vor, denselben Preis wie der Staat fest- zusetzen, dann aber ließen wir«ine Kopeke nach, und mit dieser Kopeke wollten wir unseren Erfolg machen. Mittwoch eröffneten wir unseren Laden, setzten den Preis um eine Kopeke niedriger an als der Staat. Sonntag, muß ich Ihnen sagen, ist der staatliche Laden verlassen geblieben wie eine Tele- graphenstange im Feld. Da kam der Verwalter zu uns und sagte: „Was macht ihr da? Ihr untergrabt den Staat?"—„Machen Sie sich keine Sorge," sagte ich,„lassen Sie auch eine Kopeke nach. Das wird noch lange kein Verlust sein."—„Das kann ich nicht," sagte er. „diese Kopeke gehört nicht mir, sondern dem Staat. Für diese eine Kopeke dürfte man mich dorthin schicken, wo die Wölfe spazieren- gehen. Ich habe aber schon eine Anfrage versatzt und ihr habt nicht mehr als drei Tage zu atmen." Nun, wir verkauften und er sandte Anfragen. Nach elf Tagen bekam er ein ausgefertigtes Schreiben. Um welche Kopeke es sich handle und von welchem Quantum man sie nochlassen solle: vom Zentner, vom Kilo, vom Dutzend oder von jedem Fisch, und wie die Marktsituation sei. Der Verwalter antwortete und wartete wieder elf Tage. Dann kam wieder ein ausgefertigtes Schreiben. Wir haben noch immer Zeit, die Kopeke nachzulassen. Schreiben Sie uns aber Ihre Ansicht darüber, welcher Verlust uns aus dieser Kopeke erwachsen wird. Ferner machen Sie die Fischinventur. Wir verkaufen schon den zweiten Waggon, und er, der Arme, arbeitet bis in die späte Nacht hinein, zählt die Fische zusainmcn und schreibt eine Nummer nach der anderen auf. Dieser Kopeke wegen hat er sich sogar eine Mappe gekauft, um die Berechnungen dort aufzubewahren— ein ordnungsliebender Mensch. Um der Sache ein Ende zu machen: sie schrieben einander ändert- halb Monate. Wir verkauften alles und ließen in der Kirche ein Tcdeum beten. Die Erlaubnis, besagte Kopeke nachzulassen, kam erst, als die Stocksischsaison vorbei war. Da sagte mir mein Sohn Grischa:„Papachen, habe ich Ihnen nicht gesagt, daß die Monopol- leute machtlos sind? Sie haben Rubel, und wir besiegen sie mit einer Kopeke..." Und ich sehe, daß es wahr ist, solange Gott unsere Sünden vcr- trägt Und jetzt bereiten wir schon die zweite Partie vor." lAus bcm Russischen von Elsa B r o d.) /-Inf einer Estanzia. Stimmungsbild vom argentinischen Landleben. Bon Fritz Carl Roegels. Man tritt aus dem Haus und sieht sich um: die Welt ist nur noch eine runde grüne Scheibe— vielleicht auch mal silberne, vom Tau oder auch vom Reif. Oder an einem dunstigen warmen Nach- mittage vermischt sich die scharfe, grüne Honzontlinie mit einem weichen blauen Ton. so daß sie in die tiefblaue Luft überzugehen scheint. Aber es ist nur der Farbton, den die wechselnde Beleuch- tung verändert. Die Sache an sich bleibt unweigerlich dieselbe: ein vollkommen flaches, grünes Kreisland rings um einen herum. Ein Mensck, ahne Pferd oder ohne Pferd und Wagen ist in diesem unabsehbar grünen Zirkel ein Mens» ohne Beine. Er sitzt in seiner Cosa so einsam wie auf einer Insel im Ozean, ab- geschnitten von der Welt. Alles reitet der Herr und der Knecht— und wenn es Bettler gibt, sogar die. Wie soll man sonst weiterkommen?— Die Land- Das öeutstbnationaZe Detrugsmanöver. Es ist ein alier Trick jener Kreise, Armen falsche» Geld zu geben! strecken sind ungeheuer. Wo es Eisenbahnen gibt, liegen die An- jicdlungen doch oft so weit, weit von den Bahnhösen, und die Arbeitsfelder ein und derselben Estanzia wiederum liegen viele Kilometer weit auseinander. Es geht über oft herzlich schlechte Wege oder meistens quer über den Camp: da ist das Pferd, stark, camp- gewohnt und vernünftig, das rascheste und sicherste Fortbewegungs- mittel. Melancholisch ist das, diese ewige, unabsehbare Fläche ohne Baum und Strauch, ohne Haus und Hügel. Es stimmt das Gemüt nicht heiter: eher schwermütig und nachdenkliche Und man denkt un- willkürlich, dieses Land, erst regelrecht bevölkert, müßte einmal eine schwer« und nachdenksäme Sorte von Menschen hervorbringen. Vielleicht ist dieses harte und einsame Leben leichter für Männer als Frauen zu ertrogen und für den Estanziero und Mayordomo wiederum leichter als für leine Leute. Die Estanzierofamilie kann doch öfter in die größeren Bequemlichkeiten der. Kulturwelt flüchten. Viele Landbesitzer leben überhaupt nicht draußen, sondern in Buenos Aires oder Europa und überlassen ihrem Mayordomo die Bewirtschaftung der Estanzia. Aber was kann man sich einsamer denken, als das Leben einer Posterofamilie.— Der Postero, sehr weit von den Gebäuden der Estanzia postiert, hat Tausende von Hektaren zu überwachen, ob die Windmühlen in Ordnung sind, die Wasser in die Tränk- rinnen und Tankpumpen fürs Vieh schaffen, ob ein Stück Vieh krank oder gefallen ist, ob die Tiere Drahteinzäunungen eingerissen haben, die auf ungeheure Entfernungen hin das ganz« Weideland in einzelne Parzellen zerlegen. Der Mann liegt den ganzen Tag über— oft auch die Nächte— im Sattel, die Frau ist mutter- seclenallein in der grünen Einsamkeit und immer aus sich allein angewiesen. Was zart ist, paßt eben nicht auf den Camp und geht einfach zugrunde. Langweilig erscheint uns der Camp, wenn man ihn vom Bahn- wogenfenfter aus sieht. Langweilig und einsam und schwermütig. Aber die grüne, flache Einsamkeit belebt sich, wenn man hindurch- reitet— oder fährt. Und wenn man mit einem erfahrenen„Camp- mann" reitet oder fährt, da lernt man begreifen, wie Menschen es darin aushalten und wie sie diese eintönige Ebene sogar lieben können: einfach, weil für den, der hier zu Hause ist, der Camp seine Eintönigkeit verliert. Da reiten wir von Hause weg in den Camp hinaus. In den Potreros dicht bei der Estanzia grasen die wertvollen Zuckthengste und-bullen. Da sehen wir echt belgische Hengste und Durham- bullen, für deren„Schönheit" dem Nichtzüchtcr das richtige Ber- ständnis abgeht. Auch wenn er schwarz aus weiß gesehen, daß die großen Züchter für so ein Geschöpf bis 69 090 Pesos ausgeben! — Daneben grasen die.zahmen Reit- und Wagenpferde, um bei Bedarf leicht eingesangen zu werden. Dann kommen die viel größeren Umzäunungen, in denen die großen Herden gehen, Tau- sende von Rindern und Pferden!— Da läutet die Glocke einer Madrina, d. h. einer Stute, an die ein bestimmter Trupp Pferde, eine Tropilla, gewöhnt ist. Im nächsten Potrero kommt eine Herde Nooillos(junge Stiere) aus un» zu, und in der Ferne sehen wir unzählige Schafe weiden. Jetzt ist der Camp noch grün und frisch, aber wehe, wenn die Landplagen kommen! Dürre und Heuschrecken— das sind die bösen Gerster des argentinischen Landwirts. Die Dürre, wenn die grüne Scheibe gelb und braungrau wird, und unter ehernem Himmel alle Kreatur, Pflanze und Tier und Mensch, vergebens nach dem er- lösenden Naß stöhnt: die Heuschrecken, wenn der ganze weite Camp plötzlich lebendig wird von wahren Armeekorps, die Kilometer um Kilometer bedecken und nicht ein Hälmchen, nicht ein grünes Blatt hinter sich lassen. Ich sah vor mehreren Jahren einen Schwärm, der auf einer Estanzia in Corrientes für 299 999 Pesos auf Samen gezogenen Alsalfaklen abfraß!— Jeder, der einmal einen solchen Schwärm gesehen hat, schüttelt sich und sagt, es sei etwas Grauen- Haftes. Wir reiten weiter und kommen an eine Lagune, die voll Wasser steht und ordentlich Wellen schlägt wie ein richtiger See. An dieser finden wir eine Eidechsenart, die im ausgewachsenen Zu- stände fast so groß fft wie ein Krokodil.— Hinter der Lagune be- ginnt«in Endchen schlechteres Land, Urcamp, mit buschigem Gras, des stellenweis über zwei Meter hoch ist und Mensch und Tier voll- ständig verdeckt. Der Boden ist hier undurchlässig, die feste Tosca tritt bis an die Oberfläche, und das Regenmasser bildet Tümpel und kleine Moräste. Hier fft noch ein Paradies für Jäger— Wildenten. Kiebitze und Rebhühner gehen hoch, und zuweilen stört man auch einen Puma auf. Hot man Glück, sieht man an den Tümpeln Flamingos stehen. . Die Pferde treten vorsichtiger, da der ganze Boden von den Bauten der Piscachas(eine Fuchsart), Gürtelliere und Stinktiere wie ein Sieb durchlöchert fft. Die Camppferde vermeiden die Löcher mit einer verblüffenden Geschicklichkeit und brechen höchstens an einer unsichtbar uMerwühlten Stelle ein. Wir kommen zu dem Pflugcamp. Möwen begleiten die Ko- können der Pflüger, die breiten eisernen Diskuseggen je mit einem Fahrer und mit vier starken Gäulen davor und mit der Stattlich- keit von Artilleriebatterien, in Zügen von je vieren fahrend. Diese riesigen Strecken erfordern eben eine Bearbeitung im großen. Diese Ackerer im Camp haben gerade kein weiches Leben, da kann man des Abends nicht zur weit entfernten Estanzia zurück. Vor Sonnen- aufgang beginnt die Arbeit, und des Nachts schläft alles, Arbeiter wie aufsichtführender Capatag, bei der jeweiligen Arbeitsstelle, unter Wellblech oder Zeltleinwand auf dem Erdboden: die Estanzia liefert Fleisch und Mate(Tee) heraus— der Koch sucht sich trockenen Mist und kocht draußen ab: Wasser mutz von der nächsten„Mühle" geholt werden. Ich glaub«, in Deutschland denkt sich manch einer das„freie argentinische Leben" auch ein bißchen anders, als tags zwischen diesen endlosen Ackerfurchen und nachts in einer armseligen Hütte, zu der bei einem ordentlichen Regenguß das Wasser hereinläust. Neue Zortsthntte öer Visiensthast. (Das zertrümmerte Diamantenatom.—„Flüssige Strahlen". ein neues Heilmittel.) Auf dem Gebiete der strahlenden Energie sind in den letzten Tagen in Wien und in Berlin bedeutsame Fortschritte gemacht worden, die für die Entwicklung der Wissenschast von höchster Be- deutung sind. In Wien fft es Professor Dr. P e t t e r s o n ge- lungen, die Zertrümmerung der Atom« durch Alsa-Strahlen, wie sie Ruthersord geübt hat, so weit zu verbressern, daß es gelang, in einer Minute soviel Atome zu zertrümmern, wie Ruthersord in einem Jahr vollbrächt hatte. Bekanntlich hat Ruthersord durch kleine, vom Radium ausgehende Geschosse die Atomkerne beschossen, wodurch es ihm hin und wieder gelang, einen solchen Atomkern zu zertrümmern. Es war nicht immer leicht, den Atomkern zu treffen, zumal der Atomkern zu dem gesamten Atom sich ungefähr verhält wie eine Erbse zu der Größe eines Saales. Die Methode Rutherfords wurde durch Petterson stark verbessert, und es gelang ihm, Kohlenstofsatome zu zertrümmern, wobei er sür den Kohlen- stofs Diamantenatome als reinste Form des Kohlenstoffes gewählt hatte. Von Interesse ist eine Mitteilung, daß durch eine sinnreiche Einrichtung Professor Petterson es möglich machte, das Aufprallen der Radiumstrahlcn auf die Atome hörbar zu machen, und zwar so deutlich, daß es wie ein leises Gewehrseuer im ganzen Saal ver- nommen werden konnte. Dies ist allerdings nicht sehr erstaunlich, wenn man daran denkt, daß es bereits gelungen ist, das Knirschen der Eisenatome hörbar zu machen, die sich bei Magnetisierung des Eisens innerhalb des Eisens gerade richten, um dadurch das Eisen magnetisch zu machen. Auch die Sphärenmusik der durch das Welt- all sausenden Sterne fft ja bereits mit Hilfe der seinen modernen Apparate hörbar gemacht worden. Der große Fortschritt Professor Pettersons liegt darin, daß nunmehr die Zertrümmerung der Atome nicht zufällig erfolgt wie bisher, sondern in großem Maße durchgeführt werden kann. Die künstliche Zertrümmerung der Atome ist also einen bedeutenden Schritt vorwärts gekommen und damit die Möglichkeit, Energien in ungeheurem Maßstäbe ohne Kohle zu gewinnen. Ein anderer sehr wesentlicher Fortschritt der Wissenschaft, ins- besondere der Heilkunde, wurde vor einigen Tagen in einem Vor- trag des Professors Lazarus in der„Berliner Medizinischen Gesell- schaft" mitgeteilt. Es gelana nämlich dem Professor Lazarus, die heilwirkende Kraft des Thorium X und somit der strahlenden Energie dadurch dem Körper in viel konzentrierterer Form zu- zuführen als bisher, daß er die Strahlen flüssig machte und dadurch gewissermaßen die flüssigen Strahlen den kranken Stellen zuführte. Wir wissen, daß die harten, kurzwelligen Strahlen des Radiums und der radiumhaltigen Stofse in der Behandlung von Geschwülsten aller Art von großem Einsluß sind. Es sind schon vor vielen Jahren in Wien von Professor Bergell Versuche gemacht worden, diese strahlende und heilkräftioe Energie dem Körper auf andere Weise zuzuführen, indem Umschläge hergestellt wurden, die in radium- bestrahltes Wasser getaucht waren Die bisherigen Versuche waren aber ziemlich ergebnislos. Nun hat Professor Lazarus Thorium X dadurch der Geschwulst zugänglich gemacht, daß es in Wasser auf- genommen wurde. So konnten durrb tropfenweise Einsprüning diese flüssigen Strahlen der kranken Geschwulst direkt zugeführt werden. Es wurden dadurch nicht nur krankhaste Geschwülste bei Ratten zum Verschwinden gebracht, sondern die Geschwülste hatten auch dadurch offenbar den kraiiken Charakter verloren, da es nicht mehr möglich war, diese Geschwülste zu überimpfen. Außerdem hat Professor' Lazarus die flüssigen Strahlen dazu benutzt, die Ge- schwulst abzuschnüren, indem er die Strahlen um die Geschwulst herum austrug und dadurch eine bindeaewebeartige Kapsel hervor- rief. Die Behandlung von Krebsgeschwülsten mit strahlender Ener- gie ist dadurch offenbar erheblich verbessert worden, zumal durch Versuche festgestellt wurde, daß die mit den slüssigen Strahlen be- handelten Krebsgeschwülste der Bestrahlung viel zugänalicker sind als gewöhnliche Geschwülste, denen nicht die flüssigen Strahlen in- jiziert worden sind._ Die Kuh mit dem Holzbein. Eine Kuh mit einem hölzernen Bein ist eine Sehenswürdigkeit, die sich auf dem Gut einer Miß Penrose zu Ejayfield in Neu-Südwales befindet. Das Tier brach sich, als es 18 Monate alt war, das eine Bein. Da dos Glied, trotzdem es in Bandage gelegt wurde, nicht heilen wollte, so entschloß.sich Miß Pen- rose, die eine tüchtige Tierärztin ist, das Bein abzunehmen und stellte für die Klih ein künstliches Holzbein her, das sie ihr anlegte. Mit dieser Prothese befindet sich die Kuh sehr wohl. Sie ist jetzt acht Jahre alt, hat drei Kälber gehabt und gibt sehr viel Milch. Ufer bei JAN DORF kaufhsoarfGe! dorF Möbelstoffe 1.75 Linoleum-Läufer ca. 65 cm breit........ Meter Linoleum-Huslegeware n ye ..........,. Quadratmeter*'•% w Peraer Vorleger imit... 1.65 Wolltapestry-Vorleger 3.95 Tapestry-Teppich cyc\ cn ca. 150x240 cm........... 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