Abendausgabe Nr. 53t ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 263 SeäUdsbrtinsnit�tB nah VnidQenpuilt fini In btc Morzenansqab« anjefltS»« neOaltion: SB». 68, CiB&eDflra(|e 8 Fernsprecher i VSnhoss 282— 29 T ZeL'USreffeSejIalfteaiofrafSeeti« lZ ) Derlinev Volksblakk Mittwoch jH. November 192v S-rlag und Snzitgenabteilnn�: Gesch Zftsziit ii- 5 Uhr Verleger: Vorwärts. Verlag GmbH. Berlin SV». 68, Llndenskrotze i Fernsprecher: VLnhofs 282— 282 ZentraXovqxn der Soztaldcmokrattfdjcn parte» Deutfchlands Regierungsparteien in Verwirrung. Sie obstruieren im sozialen Ansschntz.— Sie lehnen den Nachtragsetat ab. Die Regierung hatte dem sozialpolitischen Ausschuß Mittwoch vormittag den Cntwurs eines Gesetzes über eine Krisen für- sorg« für Erwerbslos« vorgelegt, trotzdem das Plenum des Reichs- tages den sozialdemokratischen Antrag auf Verlängerung der Bezugs- dauer für die Ausgesteuerten angenommen hatte. Die K o m m u n i st e n erhoben zunächst Einspruch gegen die Beratung dieser Vorlage, zogen sich dann aber zurück auf eine cinstündige Vertagung des Ausschusses, um dann der Beratung keine Schwierigkeiten zu machen. Die sozlaldemo- kratische Fraktion hatte, um in keinem Falle eine Verzögerung der Äusgesteuenenfürsorge eintreten zu lassen, sachliche Anträge zu dem Regierungsentwurf eingebracht, deren Zweck war, den Aus- gesteuerten auf all« Fälle auch wirklich die Fortzahlung der Erwerb«- losenunterstützungssätze als Rechtsanspruch zu sichern. Die Deutschnationalen versuchten, ihre polltischen Ma- nöoer aus den letzten Tagen fortzusetzen, indem sie beantragten, an der jetzigen Erwerbslosenfürsorge festzuhalten, d. h. die Aus- gesteuerten der Wohlfahrtspflege zu überliefern. Sie hofften bei der Ablehnung des Gesetzentwurfe» auf die Stimmen der Sozialdemokraten, die ihnen aber den Gefallen nicht taten, son- der» diese» polittsche Manöver durchkreuzten. Anders stand es bei einem Antrag der Kommunisten, besten Sinn war, die auch von uns beantragte Verlängerung der vezugsdauer im Rahmen der Erwerbs- - losenfürsorge zu erreichen. Für diesen Antrag stimmten selbstver- ständlich die Sozialdemokraten gemäß ihrer ganzen bisherigen Hal- tung: da auch Deutschnationole und Völkisch«, natürlich wiederum aus polttifchen Gründen, müstimmten, erhielt der Antrag die Mehr- heil des Ausschusses. Die Regierungsparteien verloren wieder einmal den Kopf und traten in Obstruktion ein, indem sie den sofortigen Abbruch der Ausschuhverhandlungen erwirkten und es auch ab- lehnten,«ine neue Ausschußsitzung festzusetzen. Hierzu lag um s« weniger Anlaß vor, als erstens der Beschluß den Plenarbeschlüsten des Reichstages entsprach und die Regierung es ist, die stch unter Unterstützung der Regierungspaneien beharrlich über dies« Be- schlüste hinwegsetzt und zweitens bei diesem Beschluß es sich nicht wie bei der Frage der Erhöhung der Unterstützung um finanziell«. sondern nur um die Anerkennung sozialpolitischer Grundsätze handelt. Hochspannung im tzauptausschuß Krach unter den Regierungsparteien. Für die im Reichstag herrschende elektrisch« Hoch- spannung bot auch die Sitzung des Haushaltsaus- schusfes vom Mittwoch einen neuen Beweis. Auf der Tages- ordnung stand die Beratung des ersten und zweiten Räch- trag? zum Haushalt des Reichsverkehrsminste- r i u m s. Die Beratung wurde plötzlich abgebrochen, weil wegen der Behandlung dieses Etats zwischen den Regierung-- Parteien erhebliche Differenzen sich auftaten, die durch spitze Reden hinüber und herüber noch vergrößert wurden. Der erste Nachtrag, über den die Beratung nicht hanauskam, verlangt für verschiedene Abteilungen des Ministeriums eine Reihe neuer Planstellen sowohl für höhere wie für mittler« Be- amte. Der Referent Dr. Q u a o tz(Dnat.) sprach sich zunächst nicht gegen die Bewilligung aus. Insbesondere müsse der Luftver- kehr, bei dem mit einer äußerst scharfen internationalen Kon- turrenz zu rechnen sei, durch Zurverfügungstellung der nötigen Be- amten, deren Zahl jetzt ungenügend sei, gefördert werden. Im Laufe seiner Ausführungen prägt« er das Wort: Der Etat müsse eine gemeinsame Angelegenheit des deutschen Volkes sein, an die kein« Partei vom parteipolitischen Standpunkt herantreten dürfe. Der Sprecher des Zentrums o. Guerard meinte darauf, daß die Deutschnationalen wohl erst heute zu solcher Ausfastung ge- kommen wären, wenigstens hätten die Ereignisse der letzten Tag« das Gegenteil bewiesen. Guerard lehnte die Bewil- ligung der neuen Stellen ab, da grundsätzlich neue Stellen nicht im Rachtragsetot angefordert werden dürfen und die Einbringung des Hauptetats für 1327 bald bevorstehe. Dr. vlofl und Dr. Ererner, Redner der Deutschen Volks- Partei, setzten sich mit großer Lebhaftigkeit für die Bewilli- gung des Nachtragsetats ein. Ihr« Gründe wurden aber vom Redner der dritten Re- gierungspartei, Dr. Wieland(Dem.), als nicht wichtig verworfen. Genosse Stücklen führte für die Sozialdemokratie aus, es gebe zwar kein Prinzip ohne Ausnahme, aber wenn zwei Regierung»- Parteien den Etat ablehnten, hätte die Sozialdemokratie keinen Anlaß päpstlicher zu sein als der Papst und würde daher auch den Etat ablehnen. Die wtrtjchastspartei ließ durch den Abg. Mollath erklären. daß sie sich dem sozialdemokratischen Standpunkt anschließe. Als Diskussionsredner erklärt« Dr. Ouaatz für die Deutschnatio- nalen sodann, daß sie sich nunmehr ihre Stellung vorbehalten müßten und oerlangte Abbruch der Verhandlung. Der Antrag wurde von Dr. Eremer(Dt. Vp.) dahin erweitert, daß die weiteren Verhandlungen in Gegenwort des Reichskanzlers statt- finden müssen, damit dieser den beiden Regierungsparteien den Re- gierungsstandpunkt klarlege. Im übrigen müsse er sehr lebhaft bedanern, daß solche Visse- renzea zwischen den Regierungsparteien»vor versammeltem Kriegsvolk" ausgepaukt würden. Abg. v. Guerard erklärte kühl, daß auf ihn und sein« Freunde die Anwesenheit des Reichskanzlers, mit dem sie übrigens bereits gesprochen hätten, keinen Eindruck»rächen würde. Unter lebhafter Erregung des Ausschusses wurde dann die Sitzung»bis auf weiteres" vertagt. Zwischenfall im Landsberger Prozeß. Die Vertreter des Nebenklägers legen das Mandat nieder. Der Landsberger Prozeß wegen des Mordversuchs an dem Feldwebel Gädicke schreitet unter fortgesetzten Zu- sammen stoßen zwischen dem Lorsitzenden und dem Anwalt des Nebenklägers weiter. Die Verhandlung ruft einen sehr eigenartigen Eindruck hervor. Im Laufe des Prozesses richtete der Vorsitzende an den Rechtsanwalt L ö w e n t h a l, der dem Zeugen S t a n t i« n Fragen stellte, folgende Frage: Herr Dr. Löwenthal, ich frag« Si« zum letzenvml, ob Sie sich innerhalb der Ihnen gezogenen Grenzen halten wollen? Was hat die Autoreparawranftalt mtt der Körperverletzung des von Ihnen vertretenen Herrn Gädicke zu tun? R..A. Dr. Löweathal(sehr erregt): weil alle diese Fragen dazu dienen sollen, festzustellen, daß in der Schwarzen Reich»n»ehr eine Femeorganisatioa bestanden hat. Iustizrat Hahn: Aha, das ist es also. Darin sehen Sie offen- bar Ihren Hauptzweck. Vors.: Herr Dr. Löwenthal, ich ersuche Sie jetzt, dem Gericht eine Erklärung abzugeben, ob sie sich an den Beschluß und den Standpunkt des Gerichts hallen wollen oder nicht. Tun Sie es nicht, so wird das Gericht Ihnen gegenüber von seinen Machmitteln Gebraiuh machen. R..A. Dr. Löwevlhul(erregt ausspringend): Bon welchen Machtmitteln wollen Sie denn Gebrauch machen? Die Strafprozeßordnung kennt keine solche Machtmittel, oder wollen Sie vielleicht Brachialgewalt anwenden? Wollen Si« vielleicht die Polizei holen? E» ist unerhört, wie ich in der Robe de» Anwalt» hier dauernd mit Gewalt bedroht werde. Aber ich«rtlävr Ihnen auch, meine Herren, ich habe vor der Gewall oder Gewallmitteln durchaus keine Angst. Vors.: wenn Sie sich nicht fügen«ollen. Herr Rechtsanwalt Dr. Löweathal. wird das Gerich«, da, stärker ist. als Sie. Herr Rechtsanwalt. Si- zwingen, sich unseren veschlüsseu zu fügen. Erklären Sie jetzt endlich, ob Sie sich füge« oder nicht. 3t-!L&c. Löwen khal(in höchster Erregung): Dann bitte ich sofort um eine Pause, um mich mit meinem Mitverteidiger zu be- raten, ob wir die Nebenklage weiter führen oder nicht. Nach der Pause nahm Rechtsanwalt Dr. Löwenthal das Wort und erklärte: »Die Vertretung des Nebenklägers fleht aus dem Standpunkt. daß hier ein Fall der Mordanstlftuna und Körperver- lehuag vorliegt, der kein gewöhnlicher ist, sondern im Rahmen der Femejustiz erfolgt ist. wenn ein Nachweis einer solchen Anstiswng geführt werden soll, dann nur unter Heranziehung von Fällen, au» denen eine Femejustiz gefolgert werden kann. Ich bitte, bevor ich eine Antwort aus die Frage de» Vorsitzenden abgcbeu kann, um eine Erklärung darüber, ob da» Gericht auf dem Standpunkt steht, daß wir auch in Zukunft kelneFragen stellen underürtern dürfen. die zum Nachweis dieser allgemeinen Femejustiz dienen und deshalb zur Aufklärung diese, Falles, der nur im Rahmen der allgemeinen Femejustiz betrachtet werden kann." Vors.: Das Serich« wird die Erörterung dieser allgemeinen Femesustiz nicht zulassen.. R.-A. Vr. Löwenthal(sehr erregt, mit lauter Stimme): Nach- dem da» Gericht enlgegeu der Strafprozeßordnung erklärt hat. daß e, dem Nebenkläger die zur Beweisaufnahme erforderlichen Fragen abschneiden wird, und nachdem da» Gericht vorher die Er- klärung abgegeben hat, daß e» mit Gewalt diesen seinen Standpunkt durchsetzen werde, einer Gewalt, die nach Ansicht des Nebenklägers und In bisher vom Gericht nicht widerfpcochener weise nur a l s Polizeigewalt anzusehen ist. erkläre ich. daß wir nach dieser ungesetzlichen gewalssamen Behinderung der Nebenklage es mit der würde eine» deutschen Anwalts nicht für vereinbar halleu, vor diesem Gericht in diesem rechtswidrigen versahren weiter mit- zuwirkeu. Ich lege die Vertretung des Nebenklägers hiermit nieder." 91.91. Dr. Falkeuseld: Ich habe geglaubt, dem deutschen Volke durch die Aufklärung zu nutzen. Unter diesen Umständen lege ich aber gleichfalls nieder. Die beiden Anwälle packten inzwischen ihre Akt«n zusammen und verlieben unter allgemein-r Bewegung den Saal. Sonderbare Stützungsaktionen. Sozialdemokratische Antrage zur Reform der Subventionspolitik. Die Kreditmaßnahmen des Reichs, von denen manche feit langem in der Oeffentlichkeit berechtigten Unwillen, ja Empörung erregt haben, konnten zu einem erheblichen Teil nur deswegen in der Weise, wie es geschah, durchgeführt wer- den, weil der Reichsregierung sehr bedeutende, über die Voranschläge weit hinausgehende Steuereinnahmen zugeflossen sind, über die im Etat nicht verfügt war. Dieser Uebelstand wurde dadurch noch ber- schlimmert, daß der Etat lange Jahre hindurch nicht recht- zeitig zum 1. April, sondern erst viele Monate später verab- schiedet wurde, so daß die Regierung ohne jede etatsrechtliche Bindung wirtschaften konnte. Nachdem es den Bemühungen der Sozialde- m o k r a t i e gelungen ist, zum erstenmal in diesem Jahr die rechtzeitige Erledigung des Etats durchzusetzen, darf erwartet werden, daß der Reichstag zur Wahrung seiner Stellung und Würde auch in den kommenden Jahren nicht mehr die Zügel am Boden schleifen läßt. Die eine Quelle der Uebel würde dann abgestellt sein. Damit allein ist es indessen nicht getan. Die Uebelstände, gegen die anzukämpfen ist, bestehen nicht nur in hohen Subventionen, die ohne genügende Rechtstitel, ohne enssprechende Gegenleistungen, ohne daß das Reich sich dauernden Einfluß auf die subventionierten Unter- nehmungen sichert, gewährt werden, sondern ebenso in teil- weiser oder ganzer Streichung aufgenommener Schulden, in Steuerstundungen und Steuernachlässen, sowie in besonders günstigen Kreditgewährungen. Alle diese Unterstützungen, die zum überwiegenden Teil von den un- bemittelten Klassen aufgebracht werden. fließen fast ausnahmslos den großen Konzernen zu, die den Zugang zu den maßgebenden Ministerien am leichtesten zu finden wissen und am ehesten den Anschein des öffentlichen Interesses zu erzeugen vermögen. Die Oeffentlichkeit, das heißt das Plenum des Reichs- tags, ist bei diesen Bewilligungen in der großen Mehrzahl der Fälle beiseite geschoben. Die in den Etatsgesetzen vorgesehene Bestimmung, daß unter gewissen Voraussetzungen der H a u s halt s au s sch u ß an Stelle des Plenums die Zustimmung zu geben hat, kann, wie die Tatsachen er- wiesen haben, einen Ersatz für die Ausschaltung des Plenum des Reichstags in keiner Weife bieten. Nicht nur wurden in fast allen.Fällen, mit Zustimmung der bürgerlichen Parteien, die betreffenden Angelegenheiten erst in letzter Minute an den Ausschuß gebracht, als vertraulich erklärt und ohne genauere schriftliche Unterlagen aufs schnellste verabschiedet, sondern die Bestimmung im Etatsgesetz wurde auch derartig willkürlich ausgelegt, daß schließlich fast alles, was die bürgerlichen Parteien nicht in der Oeffentlichkeit des Pensums des Reichstags verhandeln wollten, im Ausschuß hinter verschlossenen Türen erledigt wurde. Aber selbst wenn es gelingen sollte, die dehnbaren Be- stimmungen im Etatsgesetz für die Zukunft zu beseitigen und an Stelle des Haushaltsausschusses wieder die Oeffentlichkeit des Plenums zu setzen, wird damit auch nur ein Teil dessen erreicht sein, was erreicht werden muß. Die in Betracht kommenden Verhältnisse sind schwierig, weitschichtig und verschlungen. Die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion stemmt sich nicht grundsätzlich dagegen, daß in Zellen wie den gegenwärtigen auch öffentliche Gelder zur Milderung einer schweren Wirtschaftskrise verwendet werden. Aber im Interesse einer durchsichtigen und unantastbaren Finanzgebarung des Reiches verlangt sie, daß Reichs- s u b v e n t i o n e n an die Wirtschaft, gleichviel in welcher Form sie gewährt werden, an bestimmte, eng und scharf umrissene Voraussetzungen geknüpft werden, und daß alle derartigen Transaktionen im Etat ihre genaue Widerspiegelung finden müssen. Beides ist bisher nicht der Fall, Nicht nur haben, weil feste und genaue Richtlinien fehlen, die betreffen- den Ministerialreferenten für Gewährung und Ablehnung der Unterstützungsgesuche wie für die Festsetzung der einzelnen Be- dingungen weitesten Spielraum, sondern manche Sub- v e n t i o n s a rte n verschwinden sogar mit dem Moment der Bewilligung vollkommen und end- gültig in der Versenkung, und kein Mensch hört und sieht noch etwas von ihnen. In nicht seltenen Fällen bestehen nämlich Subventionen des Reiches darin, daß die betreffenden Summen gegen niedrige Zinsen oder ganz z i n s- los gewährt werden. So heißt es zum Beispiel in einem im Juli dieses Jahres vom Reich mit einem großen In- dustriekonzern geschlossenen Kreditvertrag: „In den ersten fünf Jahren findet eine Verzinsung nicht statt. Sodann sind zu zahlen: in weiteren fünf Jahren 1�> Proz., in weiteren 10 Jahren 3 Proz., in den folgenden 15 Jahren ä Proz. Zinsen des jeweils geschuldeten Betrages." Da das in Betracht kommende Darlehen selbst für das Reich ein außerordentlich hohes ist, bedeuten solche Bedin- gungen Millionenverluste für die Reichs- k a s s e. Bei der jetzigen Geschäftsgebarung des Reiches fallen diese Berluste vollkommen ins Leere, und kein Mensch im ganzen Reich weiß oder kann feststellen, welche Verluste insgesamt der Reichskasse dadurch erwachsen sind oder erwachsen werden. Daß solche Mißstände, nachdem ste erkannt sind, nicht an- dauern dürfen, ist klar. Es handelt sich hier, ganz abgesehen von der Frage der Unantastbarkeit der Verwaltung, um ungeheure Millionenbeträge, selbst wenn man absieht von jener in 1924 an die Ruhrkohle A.-tZ. in größter Heimlichkeit geleistete Subvention von allein 715 Millionen Mark. In drei umfassenden Anträgen hat die sozialdemotra- tische Reichstagsfraktion die Voraussetzungen umschrieben und die Wege aufgezeigt, die dazu führen würden, die Frage der Reichssubventionen an die Wirtschaft auf«ine andere und bessere Basis zu stellen als bisher. Die Anträge sind an einen Unterausschuß des Haushaltsausschusses gewiesen, der seine Arbeiten alsbald aufnehmen wird. Unsere Fraktion wird ihre ganze Kraft daran setzen, mit den jetzigen Mißständen, die kaum noch von irgendeiner Partei beschönigt werden, auf- zuräumen. Der Zwang zur Liebe. Oder das deutschnationale Schild«. Die„Nationalliberale Korrespondenz" veröffentlicht einen satirischen Aufsatz, in dem sie die deutschnationale Fraktion wegen ihrer formellen Zustimmung zum sozialdemokratischen Antrag auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung von 30 Proz. und überhaupt wegen ihrer neuen Taktik als die „Fraktion Schilda" verspottet. Auf der anderen Seite aber gibt man die Hoffnung, mit diese? Taktik zum Ziel, das heißt in die Regierung zu kommen, nicht auf. So zieht die„Deutsche Tageszeitung" aus den letzten Reichstagssitzungen die folgende Lehre: Wenn die Regierungsparteien eigensinnig weiter darauf be- harren, in der Minderheit zu bleiben, statt mit denen zusammen- zuarbeiten, mit denen man zusammenarbeiten kann, nämlich der Rechten, dann werden sie sich nicht wundern dürfen, wenn man sie zur besseren Einsicht zwingt. Die Deutschnationalen sind einmal auf dem Wege des Handels in die Regierung gekommen, indem sie 50 Proz. ihrer Stimmen für die„Dawes-Versklavung" verkauften, um vier Ministerportefeuilles zu erlangen. Diesmal versuchen ste es mit dem Mittel der Erpressung. Sie fragen bei ihren Abstimmungen nicht, wiö sie Ergebnisse zustande bringen können, die dem Volke nach ihrer Ansicht nützlich sind, sondern sie versuchen die Resultate so zu gestalten, daß den Regie- mngsparteien die größten Verlegenheiten daraus erwachsen. Wenn sich die Regierungsparteien durch solche Methoden kirre machen ließen, würde si c es nicht besser verdienen. Einst- weilen scheint aber ihre Neigung dazu nicht übermäßig groß zu sein, wie der Artikel der„Nationalliberalen Korrespondenz" beweist._ Die sächsische Regierungsfrage. Tie Sozialdemokratie ergreift die Initiative. Dresden. 10. November.(Eigener Drahtberlcht. Am Montag fand eine gemeinsame Sitzung der Landesinstanzen der Sozialdemokratischen Partei und der s o z i a l d e m o- tratischen Landtagsfraktion statt, in der folgender Be- schluß gefaßt wurde: Die Sozialdemokratische Partei bekundet ihren ernsten Willen, den Versuch zur Bildung einer Regierung zu machen und wird als stärkste Partei die Initiative ergreifen, indem sie ein Regierungsprogramm ausstellen und einen geeigneten Kandidaten für das Amt des M i n i st e rp rä fi- beuten vorschlagen wird. Die Sozialdemokratische Partei fordert die sofortige Einberufung des Landtages, sobald das amtliche Wahl. resultat festgestellt Ist. Tie Stellung der Kommunisten. Dresden, 10. November.(Eigener Drahtbericht.) Das Organ der Chemnitzer Kommunistischen Partei,„Der Kämpfer", das Ursprung- vor öer Rückziehung Üer Kontrolle? Uebergang an den Völkerbund bevorstehend. Paris, 10. November.(Eigener Drahkberichl.) Außenminister Briand hat am Dienstag nachmittag den englischen Bolschaster und den Präsidenten der Interalliierten Militärkontrollkommissiou, General Walch, empfangen. Der„Pettt Paristen" glaubt zu wissen, daß die Unterredungen mit der Abrüstung Deutschlands zusammen- hingen. Seit der Zusammenkunft von Thoiry habe Deutschland un- zweifelhaft einen guten willen in der Abrüstung an den Tag gelegt. In Berlin wünsche man seil langem, die Kontrollkommission durch eine Kontrolle des Völkerbundes erseht zu sehen. Das Blatt behauplek, daß, obwohl gewisse Einzelsragen der deutschen Entwaffnung noch nichl geregelt seien, dem Wunsch der deutschen Reichsregierung in allerkürzester Zeit entsprochen und dle Interalliierte Kontrollkommission durch eine..Ileberwachungv- kommission" de» Völkerbundes erseht werden wird. Vor kurzem habe Stresemann den Wunsch ausgedrückk. daß diese Angelegenheit vor dem Zusammentritt des Völkerbundes Anfang Dezember geregell fei. Auch diesem Wunsche werde von den alliierten Regierungen nach Möglichkeit entsprochen werden. poincare verlangt unbeöingtes vertrauen. Paris, 10. November.(Eigener Drahtbericht.) Di« Kammer wird am Freitag zusammentreten und am Sonnabend sofort mit der Be- ratung des Haushaltsplanes beginnen. Die Regierung Poincare wird die einfache Vertagung sämtlicher Interpellationen verlangen und gleichzeitig die Kammer aussondern, ohne Aussprache die 44 Verord- nungen, die Porncarö auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassen hat, und die zum Teil durchgreifende Verwaltungsmaßnahmen zur Folge hatten, zu genehmigen. * Die Mitteilung des französischen Blattes, daß die Reichs- regierung mit Nachdruck auf die endliche Auflösung der Militärkontrolle hinarbeite, dürfte zutreffen. Ob der Kampf um ihre Aufrechterhaltung innerhalb der französischen Regie- rung bereits beendet ist, steht dahin. Die Bestrebungen, Deutschland dauernd unter interalliierte Kontrolle zu halten, sind um so unberechtigter, als die Kontrolle ja nicht über- Haupt aufhört, sondern an den Völkerbund übergeht. Es wird die wichtigste Aufgabe der nächsten Ratssitzungen sein, über den Umfang und die Art der Durchführung dieser internationalen Kontrolle eine Verständigung herbei- zuführen. lich so tat, als ob die Kommunistische Partei eine sozialdemokratisch« Minderheitsregierung unterstützen würde, erklärt jetzt, daß die Unterstützung einer solchen Minderheitsregie- rung nicht in Frage käme, weil diese Regierung von der Alten Sozialdemokratischen Partei Sachsens abhängig fein und so eine Art ver st eckte Koalitionsregierung darstellen würde. Das Blatt spricht in den üblichen Phrasen von dem außerparlamentarischen Kampf, der gegen den Landtag geführt werden müßte, und fordert die baldige Beseitigung des gegenwärtigen Landtages. Der Prozeß gegen öie Zentrale üer KPD. Ter GeschäftsordnungSauSschust berät. Der Geschäftsordnungsousschuß des Reichtages be- fchäftigte sich in seiner heutigen Sitzung in der Hauptfachs mit dem Antrage der Kommuni st en auf Einstellung eines Verfahrens wegen Hochverrats gegen sechs kam- munistifche Abgeordnet«. Di« Anklage stammt bereits aus dem Iah« 1V24. Als Berichterstatter wies Abg. Landsberg in einer glänzenden Rede nach, daß es im Interesse der Gesamtheit gelegen hätte, auch dieses Verfahren durch die Amnestie ver- schwinden zu lassen. Er beantragte Einstellung des Verfahrens. Der Oberreichsanwalt Dr. Werner wünscht« die Durchführung der Anklage, ebenso die Abgg. kahl und Hampe. Die Sitzung wurde abgebrochen und wird morgen fortgesetzt werden. Rückzug üer Draunschweiger Rusitz. Tas Urteil gegen Tr. Stoelzel revidiert.— Wieder- aufnähme beantragt. Der Landesschulrat Dr. Stoelzel in Braunschweig ist be- kanntlich vom Landgericht Braunschweig zu einer G e f ä n g- nisstrafe von einem Monat verurtellt worden, weil er dadurch einen Betrug begangen haben sollte, daß er auf Dienst- fahrten d r i t t e r K l a s s e g e f a h r e n ist und z w e i t e r K l a s s e liquidiert hat. Das Urteil ist nunmehr durch Anordnung des braunschweigischen Staatsministeriums in eins Geldbuße von 100 M. un, gewandelt worden. Das Staatsministerium er- kennt offenbar selbst an, daß es sich um ein Tendenzurteil handelt, welches der Revision bedarf. Dr. Stoelzel hat übrigens unbeschadet dieses Gnadsnaktes die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt, weil seiner Ansicht nach verschiedene Belastungszeugen unter Verletzung ihrer Eides- Pflicht falsche Angaben gemacht haben. Es ist zu wünschen, daß dieses Wiederaufnahmeverfahren zur völligen Rehabilttiereung dieses so arg verfolgten Opfers der politischen Justiz führ Erwerbslosenfragen in Rußland« Te» Kommunisten ins Stammbuch. Das Mitteilungsblatt der KPD.-Opposition veröffentlicht folgende Notiz des„Trud", des offiziellen russischen Gewerk- schaftsblattes, vom 7. Oktober: Am 6. Oktober war von Gewerffchaftsseite ein« Versammlung der Arbeitslosen der Moskauer Textilindustrie einberufen. Der Bericht lautet: „Nur 230 Arbeitslos« von den 9000 der Moskauer Textilindustrie erschienen auf dem Meeting, das bereits zweimal einberufen war, aber wegen mangelnder Beteiligung verschoben werden mußt«. Wie soll man solche Indifferenz erklären? Im Verlaufe der Aussprache, aber besonders bei den Unter- Haltungen in den Gängen, erklärten di« Arbeitslosen ihre Abgestumpft- Hess damit, daß sie jegliche Hoffnung verloren hätten, von den Gewerkschasten irgendwelche Hilfe zu erhalten.«Man hat uns«inen Haufen schöner Parolen gegeben, aber man hat nichts für uns getan"— erklärte ihr Vertreter Uwanow. Ein Arbeitsloser, der auf Verlangen der Versammlung mehrfach das Wort nehmen mußte, war jedesmal Gegenstand stürmischer Um- jubelung. Er klagte unsere Wirtfchaftsbehörden an. die fremden De- vssen sinnlos zu oerschleudern, indem ste In Europa Luxusautomobile. Taxameterdroschken und Autobusse kauften, während zu gleicher Zeit unsere Texttlmdustri« aus Mangel an Hans stillgelegt werde. Er ver- langte, di« hohen Gehälter der qualifizierten Arbeiter(Spezis) und des Verwaltungsapparats so herabzusetzen, daß dadurch auf der anderen Seit« die Arbeitslosenunterstützung auf 50 Rubel erhöht werden könne. Dies« einsälttge und gemeingefährliche Demagogie wurde von den Arbeitslosen ,mt Begeisterung aufgenomnnm. Arbeitslose, di« ver- suchten, ein« andere Auffassung vorzutragen, wurden mit„Nieder" angeschrien und gezwungen, die Rednerbühn« zu oerlassen." Die Zahl der Arbeiter in den Staatsbetrieben betrug in diesem Sommer 1909 024, die der Erwerbslosen am 1. August 1040300._ Englischer Erfolg gegen russisches Ausgreifen. Der groß- britannisch« Abgesandte Lord Irvin hat mit dem Emir von Afghanistan eine Uebereinkunft getroffen, die geeignet ist, den Ein- fluß Sowjetrußlands in Afghanistan wesentlich einzuschränken: Eng- lands Iahreszahlungen sollen nicht unerheblich erhöht, dem Emir Flugzeug« und Tanks unentgeltlich geliefert werden. Der Emir soll wirsschaftliche Zugeständnisse gemacht haben. �lt-Serliner Kunst. Inder Bildnissammlung der Nationalgaleri« (Am Schinkelplatz) ist eine Kollektion von All-Berliner Kunst, aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ausgestellt. Nicht für all- zulange Zeit: es verlohnt sich, diese ausgezeichnete, von Prof. M a ck o w s k t Mit großer Kenntnis und Geschmack zusammen- gebrachte Schau sich anzusehen. Sie ist für jedermann ergötzlich und interessant, für den Kenner und Liebhaber Alt-Berlins ganz be- sonders, und ste hat das Verdienst, daß aus privater Verborgenheit Schätze ans Licht geholt worden sind, die bisher auch dem schärfsten Spüffinnn entgangen sind. Namentlich kann man von Blechen, Gärtner, Schinkel, Graeb und Brücke ebenso anziehendes wie kunsthiftorisch wichtiges Unbekannte finden, und sogar neue Namen sind zu entdecken: der ironische Maler reizender Spießer» Unfälle Rentzell, Hasenpflug, Schilderer von Straßen und Bauten im Geiste Gärtners und der Krügerschüler C l s h o l tz. Eine rückblickende Ausstellung wie diese, die auf schon bekannte oder halbbekannte Kunst sich bezieht und sie ergänzen will, muß, um allgemein anziehend zu sein, nach beiden Richtungen wirken: nach der Seite des Inhalts wie des künstlerischen Reizes. Beides erfüllt diese wahrhaft anmutige Schau in einem Grade, daß ste wie eine Neuoffenbarung erscheint. Aussehen und Menschen des vor- inärzllchen Bertin erscheinen hier in einer Fülle und mit einer Genauigkeit der Wiedergabe, daß mau fast wider Willen in die Lebendigkeit des längst Vergangenen hineingezogen wird. Woher stammt eigentlich unsere halbsentimentale, halb � wohlbegründete Vorliebe für das Biedermeierliche? Ist es nicht die phrasenlose Treue und Sachlichkeit, mit der uns die Künstler jene Zeit geschildert haben, verbunden mit einem schmerzlich süßen Gefühl von Erhaben- helt im Romantischen ihrer besten Geister, die uns anziehen und - sie uns wesensverwandt erscheinen lassen? Beides wirkt sich praktisch aus in den Möbeln und Gebrauchsstücken der Epoche, mit denen sich einzurichten geradezu Mod« wurde, und die nachzuahmen unsere Innenkunst sich nicht für zu gut fand. Ob auch die Mode vorüber- geht: dos Echte der Biedermeierzeit bleibt uns in seder Gestatt er- halten, mag es in der Literatur sich spezifisch berlinisch geben wie E. Th. A. Hosfmann, W. Alexis und Glaßbrenner, mag es mann- mental in Schinkel» Schlösiern. Museen und Häusern den all- gemeinen Verfall überdauern oder in Bildern von Krüger, Gärtner. Hosemann, Menzel als ein lebendiges Spiegel. bid dw Daseins sich un» unvergessen einprägen. Alles spricht zu un» mit dem Nachdruck einer wahren, längst entschwundenen Kultur- blüte, der letzten, die uns vor dem Einbruch der Gninderzeit und ihrer kulturellen Verwüstungen beschieden war. Wenn wir heute mit der Sehnsucht nach Wiedererhebung un» nach dem nächst Ver- wandten umschauen, dos uns aufrichten könnte, so ist es die Zeit und die Kultur des Vormärz. Damit ist nicht gesagt, daß wir uns diese Vergangenheit etwa zurückwünschen. Gott bewahre uns vor den politischen und geistigen Zuständen aus der Herrschaft der Friedrich Wilhelme III und IV! Verglichen mit der Geducktheit jener finsteren Jahrzehnte, leben wir ja noch in unbändiger Freiheit. Es handelt sich vielmehr um Güter privater Natur, die uns die Entwicklung de» Kapital ismUH ge- nommen hat: um den Genuß unverdorbener Lebensverhällniffe, um das Verständnis guter Bücher, um Erhebung durch die Kunst, die in vielerlei Gestalt bis in die letzten Winkel des Daseins eindrang. Diese Einheit des Kulturwillens und der Fähigkeit, das Leben von materieller wie geistiger Seite unverbildet zu genießen, spricht uns immer wieder überraschend und neiderweckend aus den Dar- stellungen der Künstler an. Dies ist es, was jeden angeht und eine solche Schau am Ende beglückend macht auch für den Widerstreben- den: daß der Abglanz des Lebens selber einen unverlierbaren Wert darstellt: daß Erinnerung der bessere Teil unseres Bewußtseins ist, und die Kunst und diese Erinnerung in einer unvergleichlich starken und wertvollen Form darbietet. In unserem Fall handelt es sich um Ansichten aus Alt-Berlin, die entschwunden oder ge- schändet sind, um Szenen des entzückend simplen und komischen Lebens, dessen Harmlosigkeit uns verloren ist: um Abbilder be- deutender oder gewöhnlicher Persönlichkeiten, deren Wert in der Ueberzeugungskraft ihrer Darstellung liegt. Und endlich um das kostbare Gut des Idealismus, der auch in jener recht beschränkten und durchaus materiellen Epoche der kleinen Spießbürger, sich in Gestalten wie Blechen und Schinkel über das Alltagsniveau zu tragischer Höhe erhebt. Zuletzt aber Handeft es sich um die Einsicht in die überragende Hoheit der künstlerischen Form. Hat man sich In alle Geaobenheiten ausgiebig vertieft, so wird für den Empfindlichen als Resultat die klare Anmut und Ueberlegenhelt dieser Kunst sich ergeben, dle ein oft bi» zum Schein der Banalität abgedämpftes Empfinden des Romantischen ist. Die ungemein deutliche und widerspruchslose Art der Maleret und Zeichnung, die kühle Objektivität der Linie und der glänzenden Färbung, die aus fast allen diesen Werken spricht: sie ,st Ergebnis der deutschen Romantik, die das Ungewöhnliche suchte und den Zauber des Gewöhnlichen fand. Und eben diese Klarheit bis ins letzte hinein, diese Sauberkeit der Darstellung, gleichwie die düstere oder sonnige Phantastik der Schwärmer von der Art Blechens: sie steht uns nahe wie kaum etwas anderes. Dr. Paul F. Schmidt. Joseph Schwarz gestorben. Schon lange war es Eingeweihten bekannt, daß ein tückisches, unaufhaltsames Leiden den berühmten Bariton ergriffen Halle. Jetzt kommt die Trauerkunde, daß er nach einer Operation, von der man noch wenn auch nicht Heilung, so doch Besserung seiner Krankheit erhoffte, verschieden ist. Die ganze musikalische Welt wird erschüttert die Kunde von dem frühen Tode des gefeierten Sängers vernehmen. Denn Joseph Schwarz hat in Europa wie in Amerika seine Künstlerlorbeeren ge- erntet. Man jubelte ihm in New Aork zu, wenn er ol» Gast an der Metropolitan-Oper oder in Konzerten austrat, und man wog seine Sttmme mit Gold auf. Von den zahlreichen deutschen Musikern, die„drüben" enthustostischen Beifall fanden, war Schwarz sicher einer der populärsten. In den letzten Jahren teilte er seine Tätigkeit zwiscben Amerika und Deutschland, nachdem er seinen festen Vertrag mit der Per- Ii« ex Oper gelöst hatte, Jahrelang war er hier der gefeierte Liebling der Berliner und, um der Wahrheit die Ehre zu geben�dcr Berlinerinnen gewesen. Denn Schwarz wirkte nicht nur als Sä»- ger, sondern er war auch mit seltenen Ausnahmen ein ausgezeich- neter Darsteller der Rollen. Seine Haupterfolge bot ihm die italienische Oper, und als Rigoletto wird er unvergessen bleiben. Hier goß er soviel edles Pathos in Spiel und Gesang, ersüllte Verdis Musik mit solcher Fülle tiefen Gefühls und echten Schmerzes, daß er die Zuschauer bis in« Innerste erschütterte. Schwarz war Sänger italienischer Schulung. Er verfügte über ein Bclcanto, wie es heute nur selten anzutreffen ist. Seine Stimme war von einer Weichheit und Schmiegsamkeit und dabei von einer Ausdruckskraft, über die nur der geborene Künstler ge- bietet. Alle Nuancen der Empfindung vermochte sie auszudrücken. Dabei gestaltete sich der Ton immer edler und freier, wurde immer klingender und seelenvoller. Vielleicht war es schon das Zeichen der Krankheit, das der Stimme in der letzten Zeit feinen Stempel aufprägte und ihr die letzte, erschütternde Vollendung gab. Schwarz ist nur 45 Jahre alt geworden. Er war Deutschrusse, in Riga geboren. Seine ersten Erfolge fand er an der Wiener Bolksoper. Von dort holte ihn Mahler an die Wiener Hosoper, an der er längere Zeit wirkte, bi» er an die Berliner Oper über- siedelte. Schwarz war amerikaniscber Staatsangehöriger geworden, hatte ober seinen ständigen Wohnsitz in Baden-Baden. Run Ist er tot. Wir leben heute rasch, und wir haben ein kurzes Gedächtnis. Aber Joseph Schwarz wird so schnell nicht ver- gessen werden. Denn er gehörte zu jenen Künstlern, die einmalig, unersetzlich sind.____ Trübe E. Schulz. Sind Tränen giftig? Ein dänischer Arzt, Dr. Linhol, widere spricht nach einer eingehenden Untersuchung der landläufigen Art� ficht, daß die menschlichen Tränen nur Wasser und ein wen!« Chlorit enthalten. Er hat festgestellt daß unter den salzhaltigen Beimengungen auch ein noch nicht naher bestimmtes Element ent- halten sei. das als Antiseptikon wirkt, aber im allgemeinen als Gift anzusprechen sei. Es töte zahlreiche Bakterien und wirke in- fektionsverhindernd auf die äußeren Augenränder.— Bekanntlich hat schon vor fast hundert Jahren Heinrich Heine die Feststellung gemacht:„Mich hat dos unglückselige Weib vergiftet mit ihren Tränen."____ kwwboldl- tiochschule. Dr. 39. Ivrcmke bilt am 13., abend» 8 Udr, Dorotbeenstr. 13, einen Vortrag mit Lichtbildern In leichtverständlichem Englisch über„A Visit to the United States". Eintrittspreis: 0,75 Mark und 1 Mark. Erfelge be» deutschen Funk-Sprachunlerrichs» Der Unterricht in Eng- lisch und Svanisch. der aus der deutschen Welle(KoiiigSwuslei, hausen 1300) durch daS Zentralinllrtut sür Erziehung und Unterricht erteilt wird, hat, belonder» auch im Ausland, grohen Anklang gesunden, sodah man sich entitfilossen bat, ihn vom 1. Dezember ad von den frühen NachmittagS- stunden in die Abendstunden zu verlegen. Amerikanische Sullurpropagauda am Ralka». Die Gesellschaft.American Echool» in the Near Orient", die schon jetzt in Bulgarien drei, in Kanitan- ttnopel zwei Mittelschulen unterhält, beabsichtigt einen weiteren Ausbau ihrer propagandistischen Kullurarbeit Zunächst sollen zwei Internate in der Siähe von Sofia errichtet werden; mit der türkischen Regieruno wird wegen der Hergabe von Grundstücken und Baumaterialien verhandelt. Der Lanösberger Prozeß. Zusammenstöße zwischen Borsitzenden und Berteidiger. L. 5. Landsberg, 1». November. Am heutigen Tage sollen die wichtigsten Zeugen dieses Prozesses vernommen werden. Bei der Belehrung der Zeugen niachts Land- gerichtsdirektor Dr. Weßling die Zeugen in ernster Form darauf aufmerksam, daß sie allen Prozeßbeteiligten, auch den Anwälten des Nebenklägers, Rede und Antwort stehen müßten. Ebenfalls verbat es sich der Vorsitzende energisch, daß Zeugen im Gericht mit Schußwaffen hantierten. Hierauf teilte der Vorsitzende folgendes mit:„Das Gericht ist dem Nebenkläger außerordentlich weit entgegengekommen. Das Gericht muß aber nach dem Verhalten des Herrn Rechtsanwalts Dr. Löwenthal befürchten, dgß die Verhandlung ins Uferlose gerät, daher g e- stattet es nur noch Fragen, die sich auf die Körper- Verletzung beziehen. Das Gericht hat auch die Macht- mittel, seinen Willen durchzusetzen. Drohung gegen Sie Nebenkläger. Als R.-A. Dr. Löwenthal die Frage stellte, welche Mittel damit gemeint seien, erklärte der Vorsitzende, daß der Anwalt das z u r Z e i t merken werde. Ferner verkündete der Vorsitzende, daß die gestern nachmittag von Dr. Löwenthal gestellten Anträge abgelehnt seien. R.-A. Dr. Falkenfeld: Ist es richtig, daß 1321 der Angeklagte Klapproth Heeresgut zu seinem Vater verschleppt hat und daß deshalb ein Verfahren eingeleitet wurde? Slapprolh: Das Verfahren ist abgeschlossen. Gegen mich persönlich ist nie ein Verfahren gelausen. Das isteinepureLüge. R.-A. Dr. Falken- seld: Ich protestiere gegen diesen Ausdruck. Vors.: Der Angeklagte hat damit wohl auch nickst Sie gemeint, sondern die Stelle, die Ihne» diese Nachricht zugetragen hat. Daraus wurde als erster Zeuge Landgerichlsdireklor vraunc vernommen» der die Voruntersuchung in den Femepro.zcssen geführt hat. Auf Befragen des Vorsitzenden, wqs der Angeklagte Hayn bei seiner ersten Aussage bekundet habe, sagte der Unter- suchungsrichtcr� aus. daß er zu Anfang Hayn als Zeugen in der Sache gehört habe, vors.t War Hayn bei seiner Vorladung er- regt? Zeuge: Er hatte Angst, daß ich ihn festhielt, lieber die Bc- merkung des Schulz, daß„Gädickeverschwinden" solle, konnte er keine Klarheit schassen. In seiner weiteren Vernehmung bekundete Landgerichtsdirektor Dr. Braune: Hayn sagte auch, er hätte über die Bedeutung des Auftrages, den er von Schulz erhielt, keinen Zwei- s e l gehabt. Vors.: Sie hatten also nach dieser Schilderung den Eindruck, daß Klapproth keine Mißhandlung, sondern einen b e- fohlenen Mord vorhatte? Zeuge: Daran tonnte kein Zweifel sein, das war der springende Punkt. Wir haben später noch ein zweites Verhör angestellt, bei dem ihm die erste Aussage noch einmal vorgelesen wurde. Er wiederholte im wesent- lichen seine ersten Angaben, bekam abef dann Bedenken. Vors.: Wie hat sich Oberleutnant Schulz geäußert? Zeuge: Er hat energisch behauptet, keinen Auftrag bezüglich Gä- dickes gegeben zu haben. Vors.: Wie verhielt sich Hayn bei der Gegenüberstellung mit Schulz? Zeuge: Ich glaube, er blieb bei seinen Angaben. Vas öer Verteidigung erlaubt ist. R.-A. Dr. Sack: Herr Zeuge, ist es richtig, daß Mertens bei seiner ersten Vernehmung Ihnen sagte, er wolle Sauerzapf, der Mertens nicht kannte, aushorchen? R.-A. Dr. Löwenthal: Ich beanstande diese Frage. R.-A. Dr. Sack: Haben Sie die„W e l t- bühne" auf Veranlassung des Rechtsanwalts Falkenfeld bestellt? Zeuge: Ich glaube ja, denn ich wollte im Fall Kowalewski Material haben. R.-A. Dr. Sack: Wußten Sie, daß Mertens dem„Hess!- schen Volksfreund" Material angeboten hatte? Zeuge: Da- von hatte ich gehört. Vors.: Brauchen wir denn das? R.-A. Dr. Sack: Ich muß das sagen, um zu zeigen, wie die Oessentlichkeit systematisch vergiftet worden ist. R.-A. Dr. Löwenlhal: Die Fragen sollen nur den abwesenden Mertens diskreditieren. Ich würde vorschlagen, daß ich Mertens hierher lade. Vors.: Bielleicht haben Sie mehr Glück, auf meine Ladung ist er nicht gekommen. R.-A. Dr. Löwenlhal: Herr Zeug«, hatten Sie auch die Auf- fassung, daß Hayn die Wahrheit sagte, als er bekundete, er sei vom Versuch zurückgetreten, und bestand damals noch H a f t g e f a h r für Schulz? Zeuge: Das war Sache des Oberstoatsanwalls. Angekl. Hayn: Ich habe ja nur beim Untersuchungsrichter aus- gesagt, um nach Hausezu kommen, vors,(schorj): Und zwar alles das, was der Untersuchungsrichter wolUo. Herr Untersuchungsrichter, wollen Sie zugeben, daß Sie einen Zwang auf Hayn aus. geübt haben? Zeuge: Hayn sagte, er wolle die Wahrheit sagen, aber er bitte, ihn nicht zu verhaften. Darauf sagte ich, ich würde mich darüber erst später entscheiden. Zu großen Zusammenstößen kam es ia der weileren Vernehmung des Zeugen Slantien. Der Vorsitzende drohte, von seinen Isiacht- Mitteln gegenüber dem R.-A. Dr. Löwenlhal Gebrauch zu machen, und dieser wiederum erklärte, daß er die Vertretung der Bebenklage niederlegen werde. Rechtsanwalt Dr. Löwenthal, Vertreter des Nebenklägers: Herr Zeuge, haben Sie einmal eine Reparaturwerkstatt unter sich gehabt? Zeuge: Ich beanstande diese Frage, und zwar a u s Gründen der Landesverteidigung. Herr Vorsitzender, ich befinde mich hier in einem inneren Konflikt, denn ich weih wirklich nicht, ob ich alle diese Dinge sagen darf. Vors.: Sie können wirklich antworten. Zeuge: Also gut, in Spandau wurden unter mein erLeitung Autos repariert. R.-A. Dr. Löwenlhal: Sind dort auch Autos oerändert worden? Vors.: Herr Rechts- anwalt Dr. Löwenthal, es fällt mir schwer, es auszusprechen, wie ein Rechteanwalt, der sich seiner Aufgabe bewußt ist, hier das Gericht aufhält. R.-A. Dr. Löwenlhal(erregt): Ich behaupte aber, daß d:«se Fragen zur Sache gehören, denn ich behaupte welter. daß dort Autos, die zu Straftaten benutzt worden waren, umgeändert worden sind, um sie unkenntlich zu machen. Zeuge: Das ist unglaublich, was Sie mir da unterschieden wollen. Mit meinen Willen und Wissen ist das niemals geschehen. R.-A. Dr. Löwentbal: Haben Sie an Ihrer Werkstatt nicht einmal, als eine Entcntebesschtigung stattfinden sollte, ein Finnenschild mi» der Aufschrift aufgehängt:„S t a n t i e n u. To."? R.-A. Dr. Sack: Auch das ist eine unerhörte Beschuldigung, und ich verstehe nicht, daß der Herr R.-A. Dr. Löwenthal den Mut hat. mit diesen Dingen zu kommen. Sagen Sie ruhig, Herr Zeug«, daß es geschehen i st, denn Sie haben es doch nur aus nationalen Gründen getan Es geschah, um der Entente, wenn sie mit ihrer Kam- Mission ankam.' nicht zu zeigen, daß dort die Autos der Arbeits- kommandos ständen. Zeuge: Ein solches Schild ist hingehängt worden, ich selbst habe es jedoch nicht angebracht. Es wirö geplündert und gemordet! Das unglückliche Italien. Ehiossa. 10. November.(Eigener Drohtbericht.) In M a i l a n d gehen in den letzten Tagen die dunkelsten Gerüchte über das Plötz- lich« und spurlos« Verschwinden einer ganzen Reihe von Person- lichkeiten um. die vielleicht dasselbe Los wie Matte otti ge- troffen hat. Die unerhörtesten Gewaltakte werden in den volk- reichen Vierteln fortgesetzt. Man bongt um dos Schicksal Schia- v e ll o s. de- bekannten sozialistischen Organisator- der italienischen Textilarbeiter. Die beiden Matteotti-Mörder Volpi und Pov«. romo haben erklärt, das revolutionäre Kommando über die Stadt jej in'ihre Hände übergegangen; der eine übernimmt den Süd-, der andere den Nardt eil. Der Sekretär des Mailänder Fascio, G i a m- p a o l i, hat die Einteilung der einzelnen Zerstörungszonen bereits vorgenommen. Die Heißsporne Albino V o l p i s haben völlig freie Hand bekommen. Den Karabincric in Mailand ist es gelungen, die Zerstörung des Hauses des Senators Dr. Albertini zu verhindern. Völlig geptündcrt und zerstört wurden dagegen Arbeitszimmer und Woh- nung des sozialistischen Abgeordneten Dugoni. Im Hause des früheren Leiters des„Avanti", Pietro Nennt, teillen sich die faschistischen Horden in drei Angriffstolonnen und gingen dreimal vor. Di« erste Kolonne hat sämtliche Möbel und Einrichtungsgkgen- stände zertrümmert, die zweite fegte die Trümmer auf«inen Haufen, wobei allerdings Wertgegenstände und Bücher verschwanden, und die dritte Kolonne zerstörte von Grund auf die gesamte Wäsche und das allerpersönlichste Hab und Gut des Geplünderten. Nicht besser erging es dem Redakteur des„Avant!", Dr. Gardenghi, dem man sämtliche Wäsche und persönliche Effekten methodisch mit Messern zerschnitten hat. Vielleicht sind Sie bereits im Besitze der telegraphischen Nachricht von der Plünderung der Wohnungen der sozialistischen Abgeordneten Treves» Gonzales und Ben- t i n i sowie des republikanischen Abgeordneten C h i e s a. Glück- licherweise war die Mehrzahl der Betroffenen abwesend oder hatte sich rechtzeitig entfernt. Nur der Romanschriftsteller Mario Mo- riani wurde von den Angreifern gefaßt und verprügelt, ebenso der frühere bekannte Karikaturist des„Avant!", Scalarini. Es oersteht sich, daß es sich hier bloß um einen kleinen Ausschnitt des Gesamtgeschehens und eine kleine Auswahl der Opfer handelt, denn in der Mehrzahl sind unbekannte arme Menschen betroffen worden, die im äußersten Elend leben. Man kann noch nicht sagen, wo dieser Kurs der faschistischen Politik enden wird. Soviel aber ist heute klar: der Faschismus hat mit dieser Bartholomäusnacht die einzige Medizin gegen den Zusammensturz zu finden gehofft, den er so fürchtet. Der Faschismus ist bei seinen letzten Schraubenwindungen angelangt. Was geschieht mit Garibaldi? Paris, 10. November.(Eigener Drahtbericht.) Das Haupt- Interesse des am Dienstag zusammengetretenen Ministerrats log in den Mitteilungen Briands über seine letzte Besprechung mit dem italienischen Botschafter. Leider sind der Presse darüber nur sehr lakonische Mitteilungen gemacht worden. Ewige Blätter behaupten, Briand habe erklärt, der italienische Botschafter habe der französischen Regierung volla»f befriedigende Versiche- r u n gen über die Bestrafung der Faschssten, die die Zwischenfälle von Ventimiglia hervorgerufen haben, gemacht. Garibaldi ist am Dienstag nicht verhört worden. Man wartet die Ankunft des katalanischen Seporottstensichrers M a ci a aus Perpignan ab,.der im Laufe des Mittwochs in Paris eintreffen soll. Die französische Regierung scheint sehr in Not, was sie nach Bc- endigung des Verhörs mit Garibaldi anfangen soll. Eine recht- liche Handhabe, ihn zu bestrafen, hat sie nicht, da er nicht gegen die französischen Gesetze verstieß. Man hatte anfänglich gc- gclaubt, ihn ohne weiteres über die Grenze abschieben zu können, aber die Nachbarstaaten Frankreichs scheinen diese dunkle Per- sönlichktt dankend abgelehnt zu haben. Militärische Vorbereitungen Italiens an Frankreichs Grenzen? Paris, 10. November.(Eigener Drahtbericht.) Die„Action" Fran<:aiss" bestätigt am Dienstag die Meldung mehrerer französischer Provinzblätter, noch denen Italien gegenwärtig im Begriff sei, seine Garnisonen in Piömont und Ligurien zu verstärken. An Alexandrien sei ein neues 11. Armeekorps zu- sammcngezogen. Die Plätze von Coni und Alberga hart an der französischen Grenze würden zurzeit zu Angriffszentren ausgebaut. Tragikomisches vor üem Einzelrichter. Herr W o l l m a n n, der irgendwo in Moabit eine Gast- Wirtschaft hat, ist der festen Ueberzeugung, daß in seinem Lokal„nicht solches Kroppzeug"— entsprechende Handbewegung—, sondern durchaus anständiges, höchst seriöses Familicnpublikum vor- kehrt.„Da käme sowas nicht vor..." Mit lüsternen Gäste» usw. Was ist denn nur los? Warum muß Herr Wollmaim, dem ein gepslegter Vollbart die angezweifelte Solidiliät verleiht, so eneckfisch für die sitllichen Belange seiner Schonkftätte in die Schranken treten? Mit Verlaub. Herr W. steht vor dem Moabiter Einzel- richter, weil er ein Mädel unier 18 Iahren in seinen: Betrieb be- schäftigte, was bekanntlich ohne besondere Genehmigung gesetzlich unzulässig ist. Deswegen erhielt W. zwei Strafbcsehle über je 80 M. Herr W. kann und will nicht bezahlen. Und dos Mädchen sei doch bei ihm nicht verdorben worden. Wieder entsprechende. Handbewegung. Der Richter, ein milder freundlicher Herr, der so aussieht, wie man sich in woblmeinenden Journalen die Justiz vor- stellt, ermäßigt die Strafe auf 10 M. Der Mann mit dem seriösen Familienpublitum dankt erfreut und geht. Um Frau Mautcr Platz zu machen..... Kennen Sie Frau Mauter? Sie kennen die gute Frau bc- stimmt. Jeder kennt sie, sie ist in unzähligen Exemplaren vor- banden. Es ist der Typ des weiblichen„perpetuum mc>I,!!e". Die Frau, die nie den Mund halten kann. Frau Maliter ist eine ver- witwete Kleinbürgerin, die sich in Ermangelung anderer Bedürfnisse auf Kakteen und Tulpenzucht gelegt hat. Der Schupowockitmeistcr Bär, ei» sonst durchaus friedlicher Gesetzeswächtcr, bemerkte vom Balkon der Mauterschen Wohnung einen Wasserfall, der sozusagen die Lffcntllche Trockenheit ernstlich gefährdete. Frau M. goß Blumen, sie goß so hestig, daß unten auf ebener Straße das Publikum langsam, aber sicher cinregneie. Wachtmeister Bär zückte den Bleistift, und die Mautcr erhielt einen Strafbeschl über 3 M. Natürlich beruhigte sie sich damit nicht, sondern ging zum Einzel- richter. Der Wachtmeister macht seine Aussagen. Hei, wie Frau Mauter dazwischen fährt:„Bitt' schön, Herr Wachtmeister, ich hob' gesagt: Gehen Sie nach oben zu Müllers, da plätM?erts crst� richtig vom Balkon. So wahr ich hier stehe, das habe ich gesogt." Der Richter winkt ab. Aber Flau Mauter spricht weiter. Schnell das Urteil. Ermäßigung auf 1 M. Der Richter ist eine milde Seele. Aber Frau Mauter ist keineswegs zufrieden. Unaufhörlich Proteste murmelnd, geht sie zur Tür hinaus. Sie brauchte täglich neue Teideustrümpfe. Das Bedürfnis, als große Modedame zu gellen, hat ein« 2(5jahrigc Kontoristin Fanny S. vom rechten Wege abgebracht. Mangelhafte Kontrolle ermöglicht« es ihr, jahrelang immer tiefer« Grifse In die Ihr anvertraute Geschästskasse.zu tun. Die Fehlbeträge verdeckte sie durch falsche Anweisungen über Geschöftsausgaben, unter denen besonders hohe Betrage an die Portokasse eine gqpße Rolle spiellen. Ale dann kürzlich eine gründliche Revision einsetzte, stellte sich ein Fehlbetrog von mehr als 9000 Mark heraus. Fanny war in der Berlagsabteilung eines Warenhaus- tonzerns beschäftigt und dort mit 16 Jahren eingetreten. Sie genoß großes Vertrauen, so daß sie schließlich dl« Lerwaltuna der Kasse bekam. Jetzt war sie angeklagt wegen Unterschlagung und Urkunden» sälschung. Der Vorsitzende wollte ihr nicht glauben, daß sie so groß« Beträge restlos verbraucht hätte, da sie bei ihren EUern wohnte und von ihrem Gehalt von 180 Mark monatlich ohnehin die Hälfte als Taschengeld für sich hatte. Cr fragt« die Angeklagte daher eindringlich, wo sie das Geld auf der Sparkasse oder sonstwie ver- borgen habe. Die Angeklagte versicherte aber, daß sie alles restlos ausgegeben habe. Sie sei sehr vernascht gewesen. Täglich brauchte sie neue seidene Strümpfe, fuhr mehrmals am Tage Auto, hatte sich auch einen kostboren Pelz und teure Kostüme angeschafft. Außerdem besuchte sie in Begleitung ihres Freundes und einer Freundin regelmäßig Wein- und Vergnügunas- lokale. Das Schöffengericht Mitte nahm eine Urkundensälschung nicht an, und verurteilte die Angeklagte lediglich wegen Unterschlagung zu drei Monaten Gefängnis. Weil sie die Straftat aus Leichtsinn begongen hatte und vor Gericht auch Reue zeigte, erhielt sie Be- währungsstist. Weitere Stelettfunöe auf Petzow. Mau vermutet ciuc Begräbnisstätte. L5. Auf dem von Herrn v. Kähne an einen Werdcrfchcn Obst- Züchter verpachteten Ackerland bei Petzow sind in den legten Tagen noch_roeitere Knochenteile gefunden worden, die zu den Skeletten eines erwachsenen Menschen und etwa dreier Kinder gehörten. Auch diese Funde sind dem Institut für Staats- orzneikunde in Berlin zur Begutachtung eingesandt worden, wo bereits die neulich gefundenen Skelette untersucht worden sind. Es konnte natürlich nicht mit Sicherheit festgestellt werden, daß ein Verbrechen nicht in Frage kommt, sondern daß es sich, zumal in Anbetracht der ausgegrabenen Kinderskelette, bei der Fundstelle um eine ältere Begräbnisstätte, vielleicht um die des in den Frei» heitskriegen verwüsteten Dorfes Teschkendorf gehandelt hat. Allerdings neigen die Sachverständigen zu der Annohme, daß die Knochen etwa 30 bis 50 Jahre alt sind, während auf der anderen Seite feststeht, daß in der zweiten Hälste des 19. Jahrhunderts an jener Stelle bestimmt keine Beisetzungen mehr statt- gefunden haben. Die Schädelvcrlctzunp. des einen Skeletts soll nicht auf irgendeine Gewalttat, sondern auf Verwitterung oder sonstige Beschädigung, eventuell durch eine Pflugschar, zurückzu- führen sein._ Wieder ein Raubüberfall. Ei« auswärtiger Kaufmann schwer verletzt. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch gegen 2 Uhr wurde in der Königgrätzer Straße unweit des Anhalter Bahnhofs der 41 Jahre alte Kaufmann Sch. aus der Fasancnstr. 9 zu Chemnitz, der sich geschäftehalber in Berlin aufhält, von zwei Zuhältern überfallen und zu Boden geschlagen. Di« unerkannt entkommenen Täter müssen den Ueberfallenen schon längere Zcit beobachtet haben. Jedenfalls hattcn sie es auf seine Darschait und Wertsachen abgesehen. Auf die Hilferuf« Sch.s, der sich krostig zur Wehr setzte, eilten Borübergehende hinzu; darauf ergrtssen die Strolche schleunigst die Flucht. Der Ueberfallcne, der eine schwere Kopfwunde erhalten hatte, wurde zur nächsten Rettungsstelle gebrocht, wo er einen Notverband erhielt. Gerade in letzter Zcit häufen sich Uebersälle und Anrempclungen in der Gegend des Anhalter Bahnhofs. Vornehmlich in den. zu später Stunde recht dunklen Nebenstraßen hält sich viel lichtscheues Gesindel auf, das sich im gegebenen Augenblick auf ein ahnungslos vorübergchcndes Opfer stürzt und es auszuplündern ver- sucht. Erst kürzlich wurde ein Kausmann, der i» der Gegend ohn- mächtig zusammensank, von hilfsbereiten„Samaritern" um 400 M., die er in seiner Brieftasche trug, erleichtert. Am Schulz«»» erhängt. Straßenpassanten mochten heute morgen an der Ecke Elisabeth- kirch- und Ackerstraße einen grausigen Fund. Am Zaun der 13.(3«» mcindeschule hing mit einer Schlinge um den Hals eine weib- liche Leiche. Polizeibeamte stellten fest, daß es sich um die 82jähngc Greisin Caroline M i ch a l k e handelte, die einen Ausweis bei sich trug, auf dem als Wohnort das S i« 61 e n h e i m in Spandau vermerkt war. Unzweifelhait liegt ein Selbst» mord vor. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus oeschafft. 7NIt Gas verqislek. Heute vormittag wurde die in einer Konditorei in der Greifswalder Straße 2 angestellte zwanzigjährige Klara Boschwitz und die neunzehnjährige Lotte H. bewußtlos aui- gefunden. Beide Ichliefen in«iiicm zu einem Schlafzimmer ein- gerichteten Kellerraum und kamen des Dormittogs nicht zum Dar» ichein. Man fand die Mädchen in dem mit Gas angefüllten Zimmer bewußtlos vor. Durch einen Wagen des städtischen Rettuiiqsa.ntes wurden sie in das Krankenhaus am Fricdrichshain geschafft, wo sie bedenklich darniederliegen. Allem Anscheine noch liegt ein Unglücksfall vor, doch ist die Polizei noch mit der weiteren Klärung des Vorfalles beschäftigt.» „Schmetterlings- und Jnfeklenbörse." In dem Bericht unser gestrigen Abendausgabc über die Kauf- und Tauschbörse der n b r a- G i r l s, niedlich und anspruchslos und Tanzparodien des Fräulein Fredäriquc. Schließlich sei noch erwähnt eine Wild-West-Nummer von Johannes Iosesson, die eine isländische Verteidigungsart„Glima" ganz anschaulich zur Darstellung bringt. Groß-Serliner parteinachrichten. i. Abt. T/» tlbr gahlabcnd im Lokal Obngemach. jtommandantenltrag»«9 Aar» trag Lozialdkmolraiie und Staat, dtchrcnt Genosse A. Niemann. Sämtliche Mügliedeo mit Isen erscheinen. Abt. Gdarlbttenburg, II Gruppe,■'-eilte Mittwoch, den 10 November, abends 7'/, llnr tzadlabend bei Tdunack, Wielandstroße 4. Vortrag: Kampl um die Wohnung Aeferent: Genosse Levi. 0». Abt. Vrih Vunow. Heule Minmoch in allen Bezirken gahlabend: t. Bezirk bei Riemsch, Ghausseelir iS.. 2.. 4. Bezirk und Großsiedlung Brih, im Lokal ..Bnschkrug". Nudower Sir 47. S. Bezirk bei Llldke, ihausseestr. 60. S. und 0. Bezirk bei Bahr, Werderstr. 34. 57. Sport. Heute abend Schluß öes Sechetage- Nennens. Tlod) sieben Mannschaften im Jeldei Sieger Wambst- Lacquehay? Heute abend 11 Uhr werden drei Schüsse das Ende der llä-Swndenfahrt im Sportpalast anzeigen, nachdem die Fahrer in der von 10 bis 11 Uhr gehenden S p u r t st u n d e ihr Letztes her- gegeben haben werden. Die Sieger dieser harten Prüfung stehen so gut wie fest: Wambst-Lacguehay! Sie wußten in der Mitternachtssagd ihre Spitze zu halten und wurden unter Prolest des Publikums sehr stark von van Hevel-Aerts und Marcillac (der doch immerhin der Partner des famosen Jung« ist...) unter- >st ll tz t! Durch den Sturz Riegers bei der Jagd in der Auslaufkurv« blieb die Mannschaft K n a p p e- R i e g e r vor Ueberrundungen bewahrt, erhielt jedoch später«ine Strafrunde: Rieger ist zu spät ins Rennen gegangen! Das so glänzend versagende omerikanisch« Favoritenpaar Horder-Horan, das es auf wohl 14 Verlust- runden gebracht hat, wird aus dem Rennen genommen. Die Feldstärk« beträgt jetzt sieben Mannschaften. Die Zwei-llhr-Nachkwerkung bringt in müden Spurts folgende Ergebnisse: 1. Spurt: 1. Knapp«, 2. Wambst, 3. Gottfried, 4. Junge. 2. Spurt: 1. Marcillac, 2. Lacquehaq, 3. Tietz. 4. Tonani. 3. Spurt: 1. Gottsried, 2. Jimge, 3. Huschke, 4. Aerts. 4. Spurt: 1. T o n a n i, 2. Marcillac, 3. Nebe, 4. Tietz. 5. Spurt: 1. G o t t f r i« d, 2. Knappe, 3. Huschke, 4 Koch. 6. Syurt: 1. Tietz, 2. van Hesel, 3. Wambst, 4. Knapp«. 7. Spurt: 1. Tonani. 2. Knappe, 3. Tietz, 4. Neb«. 8. Spurt: 1 Gottfried, 2. Koch, 3. Jung«, 4. Huschke. 9. Spurt: 1 Tonani, 2. Marcillac, 3. Tietz, 4. Knapp«. 10. Spurt: 1. G o t t f r i e d, 2. van Hevel, 3. Koch, 4. Locquehay. Jetzt ergibt sich folgender Stand des Rennens: 1. Wambst- Lacguehay85Punkte. Ein« Rundezurück: 2. Junge- Marcillac 164 Punkte. Drei Runden zurück: 3. Aerts- van Hevel 104 Punkt«. Sechs Runden zurück: 4. Knappe- Rieger 292 Punkt«, 5. Koch-Tietz 161 Punkt«. Sieben Runden zurück: 6. Hufchte-Tonani 216 Punkt«. Zehn Runden zurück: 7. Gottfried-Reb« 315 Punkt«. Bei Beginn der Neutrali- fation(6 Uhr) früh) sind 3 141 270 Kilometer bedeckt. Ein„Sonze'. Zum Tode Robert Disimauns. In der„Rheinischen Zeitung" gab Gencsse So Ilm an n von dem„Bonzen" Robert Dißmonn folgende Charakteristik: Er war mein Parteigenosse, aber nicht mein Freund. Sein Wesen, seine Politik und seine Art, den Meinungskompf auszutragen, jagten mir nicht zu. Indes rang mir eine Tugend an ihm höchsten Reipekt ab: sein Fleiß. Er gehörte zu den Menschen, deren Arbeitslast auch dem Emsigen immer die Frage aufdrängen kannte: Tue 4ch selbst denn genug? Denn, Genossen und Gegner, dieser Mann hat sich buchstäblich zu Tode gearbeitet. Er war ein Verbandsvorsitzcndcr, ein Gewerkschaftsangestellter, kurzum ein„Bonze". Wie oft habe ich dieses Wort gehört: In tobenden Volksversammlungen von schreienden Diskussionsrednern und gestikulierenden Zwischenrufern, von denen ich nicht einem die Treue zutraute, ein ganzes langes Leben der großen aber harten Sache des Proletariats zu opfern: aus dem Munde von Literaten, von denen ich weiß, wo sie und ihre Nerven blieben, wenn sie durch Jahrzehnte die Nächte in den Eisenbahnen, die Tage in Verhand- lungszimmern und die Abende in rauchigen Sälen vor immer unzu- sricocncn Massen zubringen sollten: von den Lippen feister Bürger, die verlernen würden, ihre Frauen mit Pelzen und ihre Freundinnen mit Brillanten zu behängen, wenn sie mit dem Einkommen eines Gewerkschaftsführers ihr' Leben gestalten sollten. Alle ober, alle wußten sie das verächtliche Wort„Banz e". Dieser Dißmonn also war einer. Wahrscheinlich hat er das ge- hässige Wort öfter gehört als ich. Ob es ihn innerlich traf, wie so manches, was wir Vielbeschimpften mit der Maske des Stoikers oder dem Lächeln des Ironikers von uns schütteln— ich weiß es nicht. Aber ich freue mich jetzt, daß ich diesem„Bonzen" jüngst, als noch niemand feinen frühen Tod ahnen konnte, inmitten von Arbeitern eine Verteidigungsrede gehalten habe, die ihm nun zum Abschied am Grobe gelten soll. Ich glaube kaum, daß ich diesen Arbeitsmenschen je anders als im Laufschritt gesehen habe. Immer hatte er zwischen zwei oder mehreren Pflichten noch eine eilige Besorgung, nicht nur für sich, sondern für andere. Ob er je einen der berühmten Klubsessel im Reichstogsfoyer benutzt hat? Ich möchte es bezweifeln. Mit Handtaschen, Reisekosfern und Denkschriften bepackt, stürzte er morgens nach einer Früh- oder Nachtfahrt in das Reichstags- gebäude, raste in irgendeine Ausschußsitzung, von dort ins Plenum, von da in Konferenzen, von da in sein Arbeitszimmer hoch unter der Kuppel, wo noch in der zehnten oder elften Abendstunde seine Schreibmaschine klapperte. Ging unsereins dann endlich friedlichen Schrittes aus dem großen Gebäude, das einen tagsüber festhält wie ein Gefängnis, und freute sich an dem Blick aus den abendlichen Tiergarten, dann sprang wohl in mächtigen Sätzen Robert Dißmonn die Stufen zum Portal hinab. Wohin? Im Sturmschritt zur nächsten Straßen- bahn— die Autofahrt konnte sich der Führer des größten Gcwerk. schaftsbundes der Welt nicht leisten— um in irgendeinem Berliner Bahnhof einen Eilbrief höchstselbst in den Eisenbahtizug zu stecken. Oder es ging wieder z» einer nächtlichen Bahnfahrt, denn er hatte am frühen Morgen in Königsberg oder in Nürnberg oder in Düssel- dorf oder an irgendeiner anderen Ecke des Reiches Konferenz oder Versammlung. Kannte er überhaupt Sonntage? Die Nacht zum Sonntag und dann wieder zum Montag kampierte er während der Parla- mentszeit jedenfalls stets im Eisenbahnabteil. Schlafwagen? Diese kapitalistische Einrichtrng verachtete er mit der Souveränität eines alten Walzbruders. Er streckte sich im Abtxeil zum Schlafen hin. Erster Klasse, versteht sich! Jeder, den die Freifahrt des Abgeord- neten zur dummen Sünde des Neides verführt, sollte den Vorzug erhalten, in einem Jahre huirdert Nächte auf der rollenden Achse eines erstklassigen v-Zug-Abteils zubringen zu müssen. Andere gingen zur Erholung. Dißmann ging nach Amerika. Das Wie kennzeichnet ihn. In der letzten Stunde, die ihm in Bremerhaven blieb, ehe der Ozeandampfer klar mochte zur Fahrt, sprach er noch in der Stodthalle zu Bremerhaven vor den Metall- arbestern.... Und drüben in Mexiko? Dasselbe Leben wie da- heim: Versammlungen, Nachtfahrten, Konferenzen, Schreibmaschine und Diktat. Auf der.Heimreise gab dann sein müdes Herz das Rennen auf, und der Ted gebot dein Unermüdlichen Feierabend. Wenn im letzten Todesröcheln noch ein Gedanke klar in diesem Genossen aufblitzte, palt er bestimmt den Erwerbslosen, für die er gerade jetzt auf der Tribüne des Reichstags wieder kämpfen würde. Die da stempeln müssen an den Arbeitsnachweisen und von denen sich viele irgendwelches Diimmejungcngeschwätz gegen die„Bonzen" beifällig anhören, hätten Grund, diesem Robert Dißmann, der pro- letarisch blieb bis zuletzt, eine Minute der Trauer zu schenken. /, Uhr in der..Alten Gehetmrai»�»eipe". Ieeusalemer Str.». Veraniwortlich für Volitik: Dr. llnet Seqer: Wirtschast: Ar'»! Baternn»! vewrrischaslsbeweauna: �ried«. Silkorn: steuillrioni st. s. DIschrr: Lokale» und Sonstiae»: st-i» starftäd«: Ameiorn: Td. Sloikc: sämtlich in Berlin. Verlag � BorwSrts.Berlaa D. m. b. K.. Berlin- Druck: Vorwär ts-Buchdruckerei und Brrlaasanitalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 6«. LindcnklraKe S. »erttnermcMiltt«- Oeiiosscnsdiafi an«eccbl.dem Verb.sox. Laudeirledr Berlin N.24, Elsässer Str. 86-88 Fernspredier: Norden AJ25, 65:6 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.; Pfaliburz 9831 Ausstenuajearäutne und Lagert AkxanderstraBe 39.40(Alexander Passat), Tetephon: kOnlgitadl 54C Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. Ver- Kauf aller eleKtr.Bedarfsarlikel Ausiühr,'. sämu Kep iraturen Hreiswerte. ced eeene Arbei' aiberiSiiringare Grobgarage und Tankstelie Tag und Nacht geöffne: Auto- Reparatur'Werkstatt Femspr. Norden 1276 u. 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