flt.536 ♦ 4Z.�ahrg. Musgabe A Nr. 275 Bezugspreis. DSch-ntl!» 70 Psentue. monatlich 8,—•Rcidismor! ootous«ahlbar. Untcc Slrciubonb für Scut(d)lon0, Sciuid. Saar» und Remelaedi« Oesterreich. Litauen. Luremdur» 4.5t) Zicichsmari. kllr da» übriae Ausland 5.50 Reichsmarl vro Monat. S-r.Zormärts' mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage.Boll und Seil* towie den Beilagen.Unterhaltung »no Wiste»*.„Au, der isUmweit*. «israuenstimme*..Der Kinder- freund*..�ugend-BorwIrts* und »Blick in die Bllcherwelt* erscheint »ochentäglich zweimal. Sonntags und Montag» einmal. Telegramm-Adreste! «Sozioldamotrat verlin* Morgenausgabe �, Bfet Verlinev Volksvl�kt (10 Pfennig') Anzeigenpreise: Die«inioaltiae Ronpareille- »eile« Pfennig. ReNameuil« Reichsmark..Kleiue«»»eigen* dos tettgedruckte Wort 25 Pfennig fguläfsta»wei fettgedruckte Wortel. ledes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengeluche da» erst» Wort 15 Pfennig, icdcs weitere Wort Ist Pfennig. Worte über 15 Buchstaben»iiblen für»wei Worte. Arbeitsmarkt steile KV Pfennig. gamillenaneeigen flir Abonnenten steile» zum Zl. Dezember dieses Jahres stellen. Außerdem wurde ein sozialdemokratischer Antrag angenommen. wonach die Verpflichtung der Gemeinden, den Arbeitswillen und die Arbeitsfähigkeit bei Uebernohme in die Krisen- fürsorge noch einmal besonders zu prüfen, fortfällt. Um die volle Auszahlung der krisenfürsorge auch in den not- leidenden Gemeinden den ausgesteuerten Erwerbslosen zu sichern. hatten die'sozialdemokratischen Mitglieder eine Entschließung ein- gebracht, wonach es den Gemeinden ermöglicht werden soll, in jedem Fall auch den ihnen zur Last fallenden 2Sprozentigen Anteil an der Krisenfürsorge wirklich auszuzahlen. Auch diese Entschließung wurde angenommen. Nachdem in dieser Weise die Krisenfürsorge durch die Mitarbeit der sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses verbessert worden ist und damit die Gewähr gegeben wurde, daß den Aus- gesteuerten ein Anspruch auf Unterstützung, der nicht den Charakter der Wohlfahrtspflege hat, gegeben wird, stimmten die Sozial- demokraten für die Krisenfürsorge. kommunistische Lügen— unü Sie Wahrheit. Ebenso wiv die Deutschnationalen sehen auch die Kommunisten in der Rot der Erwerbslosen nur ein billiges Agitatiosmittel. Mit Unbehagen verfolgen sie die Ar- beit der Sozialdemokratie, deren Ziel die weitestgehende Erleichterung der Lage der Erwerbslosen ist. Am stärksten aber wird das Schimpfen der Kommunisten, wenn die Sozialdemokratie vor praktischen Erfolgen steht, wie jetzt bei der Erledigung der sogenannten Krisenfürsorge. Den unermüdlichen Bemühungen der Sozialdemokratie ist es schließlich gelungen, die Borlage wesentlich zu verbessern und ihr einen Inhalt zu geben, der einen bedeutenden Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zu st and darstellt. Wir wollen das an Hand der Borwürfc der Kommunisten beweisen. 1. Die Kommuni st en behaupten, daß durch die Krisen- fürsorge.große Masten der ausgesteuerten Erwerbslosen jeder Unterstützung beraubt werden". Tatsach« ist, daß die aus- gesteuerten Erwerbslosen bisher nur von der Wohlfahrtspflege, und zwar vielfach mangelhast, unterstützt wurden. Durch die Krisen- fürsorge werden alle ausgesteuerten Erwerbslosen mit den gleichen Unter st ützungssätzen bedacht wie sie die Erwerbslosenfürsorge zahlt. 2. Die Kommunisten behaupten, daß die ausgesteuerten Erwerbslosen„eine verschärfte Prüfung der Bedürf- t i g k e i t und des Arbeitswillens durchmachen müssen". Tatsache ist. daß die ursprüngliche Vorlage der Reichsregierung derartige Absichten hatte, daß es aber der Sozialdemokratie gelungen ist, diese Bestimmungen zu beseitigen, so daß keine erneut« Prü- fung der Bedürftigkeit und des Arbeitswillens erfolgt. Z. Die Kommunisten behaupten, daß die Unterstützungs- Hauer, die durch die Sozioldemotrati« im Frühjahr lg2S auf 52 Wochen verlängert wurde, jetzt auf Zg Wochen verkürzt werden soll. Tatsache ist, daß die Unter st ützungsdauer von 52 Wochen bestehen bleibt, und erst nach Ablauf dieser Zeit die Krisenfürsorge einsetzt. 4. Die Kommunisten behaupten, daß„ganze Berufs- gruppen von der Unterstiitzung ousgeschlosten werden sollen". Auch diese Behauptung ist unwahr: es bleibt bei den bisherigen Bestimmungen. über den Anspruch auf Erwerbslosenunterstützung. 5. Die K o m m u n i st e n behaupten, daß„Gemeinden mit starker Arbeiterbevölkerung ihren Anteil von 25 Proz. an der Krisenfürsorge nicht ausbringen können". Tatsache ist, daß die Sozialdemokratie erreicht hat, daß die Gemeinden statt 5l) Proz. nur 25 Proz. der Kosten der Krisenfürsorge tragen. Sie hat ferner erreicht, daß durch einen Lastenausgleich gerade den Ge- meinden mit starker und langfristiger Erwerbs- losigkeit geholfen wird, damit auch sie die Mittel zur ausreichenden Unter st iitzung der Ausgesteuer- ten haben. Diese trockene Gegenüberstellung der Lügen der Kommunisten und der wirklichen Tatsachen zeigt am besten, wie die A r b e i t der Sozialdemokratie für die ausgesteuerten Erwerbslosen zu bewerten ist. Sie kann mit Genugtuung die Tatsache feststellen, daß, während die Kommunisten und Deutschnationalen die Rot der Erwerbslosen demagogisch mißbrauchten, die Sozialdemo- trat!« den Erwerbslosen praktisch geholfen hat. verftänüigung von Zoll zu Zoll. Einverständnis der Mittelparteien. Die Regierutigsparteien nahmen am Freitag in einer interfraktionellen B« so rechung von den Ver- einbarungen zwischen dem Reichskanzler und den Füh- rern der sozialdemokratischen Reichstagsfrak- tion Kenntnis. Es handelt sich hier um die Absicht des Reichskabinetts, von Fall zu Fall mit der Sozialdemo- kratie über die Verabschiedung von Regierungsvorlagen durch den Reichstag und über geplante Regierungsmahnahmen Rücksprache zu nehmen. Die Führer der Regierungsparteien stimmten diesen Vereinberungen vollinhaltlich zu. Von diesem Ergebnis unterrichtete der Reichskanzler anschließend die Führer der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die im Gegensatz hierzu von einem Teil der bürgerlichen Vresse verbreiteten Meldungen über irgendwelche Vcrhand- lungen der Regierung mit der Sozialdemokratie wegen einer Erweiterung des jetzigen Kabinetts find falsch. Zentrum unü Volkspartei. Tas Geplänkel beim Nachtragsetat. Bei der Beratung des ersten Rachtragsetats zum Reichsver- kehrsministerium im Reichshaushaltsausschuß war vor einigen Togen, wie wir berichtet haben, ein scharfer Konflikt zwischen den Regierungsparteien, insbesondere zwischen Zentrum und Dolkspartei, entstanden. In diesem Nachtragsetat wurde eins Neche neuer Plan Pellt» für da» Lttt»hrsmüust»riu« angefor- dert. Im Lauf der Beratung erklärten die Zentrumsvertreter, daß sie im Einklang mit der bisherigen Hebung grundsätzlich neue Plan- stellen nur in den jeweiligen H a u p t e I a t s bewilligen und daher diesen Nachtragsetat ablehnen würden. Di« Redner der Deutschen Boltspartel erwiderten in heftiger Weise und stellten schließlich den Antrag, den Reichskanzler vor den Ausschuß zu zitieren, damit er dem Zentrum einen Vortrag über den Regierungsstandpunkt hall». Gestern vormittag hat das Kabinett sich mit diesem Konslikt be- schästigt und beschlosten, den ersten Ractztragsetat zum Reichsver- kehrsministerium zurückzuziehen. Das Zentrum hat also aus der ganzen Linie gesiegt._ öalüwin will ein Enöe machen. Auch ohne Zustimmung der Zechenbcfiher. London, i2. November.(WXB.) Die Grubenbesitzer haben heute vormillag eine Erklärung verössenllichi, in welcher eine etwas kritische Stellungnahme zu der in Vorschlag gebrachten Regelung im kohlenkonfllkt zum Ausdruck kommt. Die Regierung hat hieraus eine Erklärung herausgegeben, in welcher sie zugibt, daß die in Vorschlag gebrachten vefllmmungeu zwar keine Vereinbarung mit den Grubenbesitzern dar- stellen, in welcher sie jedoch hlnzufügt. daß, wenn die Bestimmungen von den vergarbcilern angenommen und durchgeführt werden, die Regieruug unabhängig die mit den vorgeschlagenen Bestimmungen im Einklang stehenden Gesehe einbringen wird. Die Versammlung der vergär belleroertrelcr hak sich bl» mar- gen früh 10 Uhr virlagl. Der Finanzausgleich. Ein Provisorium. Von Stadtkämmerer Bruno Asch. Die Erwartung der deutschen Länder und Gemeinden, daß zum 1. April 1S27 festere und dauerhaftere Grundlagen für ihre Finanzwirtschaft durch die Verabschiedung des in Aussicht gestellten Finanzausgleichgesetzes geschaffen und damit eine den Erfordernissen dee öffentlichen Körper- schaften entsprechende Finanzpolitik auf längere Sicht«ingeleitet werden würde, hat getrogen. Nach den Erklärungen des Reichsfinanzministers und nach der parlamentarischen Lage ist keinesfalls damit zu rechnen, daß zum April 1927 das Gesetz zustande kommen wird, ja, es bestehen sehr begründete Zweifel, ob es vor dem Budgetjahr 1929 zu erwarten ist. Die dringend notwendige Neuordnung der steuerlichen Be- Ziehungen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, die eine wichtige Voraussetzung für eine geordnete Haushaltsführung ist, und, über das unmittelbare Interesse der Beteiligten hinausgehend, auch eine besondere Bedeutung für unsere ge- samte Wirtschaftspolitik hat, erfährt auf diese Weise«ine außer- ordentliche Verzögerung. Es muß daher bereits jetzt zum Ausdruck gebracht wer- den, daß, wenn man auch notgedrungen sich mit der Hinaus- zögerung um ein Jahr wird abfinden müssen, jeder Versuch, den Termin weiter zu verschieben, vom Reichstag mit oller Entschiedenheit abgelehnt werden sollte. Die vom Reichs- finanzminister vorgebrachten Argumente über die Unüber- sichtlichkeit verschiedener wesentlicher, zur Beurteilung der ge- samten Verhältnisse wichtiger Fragen gilt dicht nur jetzt, kn den labilen wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen wir iu Deutschland voraussichtlich noch jahrelang leben werden, kann map mit dieser Begründung die notwendige und als dring- lich anerkannte Reform auf unabsehbare Zeit hinauszögern und dadurch den Ländern und Gemeinden die Möglichkeit nehmen, tatkräftig und auf gesicherter Basis an die Erfüllung der ihnen gestellten Aufgaben zu gehen, deren Behandlung angesichts der gegenwärtigen Unsicherheit über die zukünftige Gestaltung der finanziellen Beziehungen der Steuerträger untereinander notleiden muß. Das Provisorium, das nunmehr zur Durchführung ge- langen soll, beschränkt sich im großen und ganzen auf den bestehenden gesetzlichen Zustand, bringt aber den Ländern und Gemeinden nicht unwesentliche Berschlechterungen, die sich wahrscheinlich in erster Linie zum Nachteil der bereits unter der gegenwärtigen Regelung angesichts des Ansteigens der sozialen Lasten unzulänglich beteiligten Gemeinden auswirken werden. Der Reichsfinanzminister will die Ga- rantie bezüglich der Beteiligung an dem Auskommen der Körperschafts- und Einkommensteuer in der augenblicklichen Höhe aufrechterhalten. In der Praxis will diese Garantie aber gar nichts bedeuten, denn es besteht nirgends ein Zweifel, daß das von ihm garantierte Aufkommen nicht nur erreicht, sondern ganz sicher um einige hundert Millionen überschritten werden wird, so daß sich die Länder und Ge- meinden ohne dieses Garantieoecsprechen ganz genau so gut stehen würden wie mit ihm. Der wesentliche Punkt liegt beider U m s a tz st e u e r, bei der zurzeit das Reich die Verpflichtung übernommen hat, 30 Proz. aus 1500 Millionen Mark Steueraufkommen an Länder und Gemeinden zu leisten. Nachdem der Reichsfinanzminister seine berühmte Steuer- senkungsaktion bei der Umsatzsteuer vorgenonimen hatte, er- klärte er, daß Länder und Gemeinden dadurch nicht betroffen werden würden, da ja die Reichsgarantie unabhängig von Steuersatz und Steueraufkommen weiterlaufe. Wenn jetzt ein provisorischer Finanzausgleich erfolgt, der die übrigen Grundlagen weitgehend unverändert lassen soll, so bleibt eben gar nichts anderes übrig, als daß das Reich unbeschadet der Verringerung der Erträge aus der Umsatzsteuer seine Ga- rantie in der bisherigen Höhe aufrechterhält und die Folgen der Steuersenkungsaktion dort trägt, wo sie getragen werden müssen, nämlich im Reichsetat. Wesentlich für die Gemeinden find außerdem zwei Be- stimmungen des Finanzausgleichgesetzes, die seinerzeit in das geltende Gesetz nur hineinkamen, weil man mit der definitiven Regelung zum 1. April 1927 bestimmt rechnete, das ist die Vorschrift über die Aufbebung der kommunalen Geträn keslcucrn und über den Zuschlag zur Grunderwerbs- steua, soweit eine Wertzuwachssteuer nicht zur Erhebung gelangt. Bei der Getränkesteuer besteht wohl kein Zweifel, daß ihre Aushebung sowohl aus wirtschaftlichen wie aus steuer- lichen Gründen durchaus unerwünscht ist. Die Steuer hat in den Gemeinden, die sie erheben, ein sehr erhebliches finanzielles Ergebnis gebracht, ihr Mangel liegt nur darin. daß nach geltendem Recht die Neueinführung nicht gestattet war, wodurch sich der schwierige Zustand ergab, daß die Steuer in der einen Gemeinde zur Erhebung gelangte, in der anderen nicht,'und daß sich dadurch nicht unerhebliche Nach- teile sowohl für den Steuerfiskus als auch für das örtliche Gewerbe ergeben habe». Am besten würde daher nach wornem Dafürhalten eine Neuregelung sein, durch welche die Be- stimmung über den Wegfall der Steuer ab 1927 beseitigt und ahnlich wie bei der Lustbarkeitssteuir ein Obligatorium zur Einführung in allen Gemeinden geschaffen werden würde. Die Berechtigung zur Erhebung des Zuschlages zur Grundwechselabgabe mützte ebenfalls in der gegenwärtigen Art beibehalten werden, weil man in einem Zeitpunkt, in dem man den Gemeinden bei steigender Belastung keine neuen Einnahmen auf steuerlichem Gebiete gibt, nicht auch noch bestehende Rechte verschlechtern kann. Schon jetzt geht landaus, landab die Klage über die unerträgliche Inanspruch- nähme der Realsteuern durch die Gemeinden, und es ist kein Zweifel möglich, daß tatsächlich in vielen Städten schwerste Lasten dadurch auferlegt werden, durch die bei der Grund- Vermögenssteuer zahlreiche proletarische Existenzen schwer be- lastet, bei der Gewerbesteuer insbesondere die Kleingewerbe- treibenden usw. sehr erheblich in Anspruch genommen werden. Jede Kürzung der steuerlichen Einnahmen der Gemeinden aber führt bei den gegenwärtigen Verhältnissen mit ab- soluter Sicherheit zu einer weiteren schär- feren Anspannung der Real steuern, und schon aus diesem Grunde sollte sich der Reichstatz, der inzwischen wohl einen deutlicheren Einblick in die schwere Finanznot der meisten Gemeinden und Länder gewonnen haben dürste als bei der im Zeichen des Kampfes gegen die angebliche Verschwendung der Gemeinden stehenden letzten Gesetzes- beratuna über den Finanzausgleich, nachdrücklich und wirk- sam dieser Forderungen annehmen. Mehr denn je sind die Gemeinden heute die Stellen, die die Schwere der Wirtschaft- lichen Röte weitester Kreise der Bevölkerung am unmittel- barsten und stärksten empfinden, sie müssen aber auch endlich finanziell in den Stand gesetzt werden, die ihnen vom Reichs- gesetzgeber übertragene Aufgabe der öffentlichen Fürsorge so zu erfüllen, daß das Elend der Massen mehr als bisher ge- mildert und das wertvollste Gut eines Volkes, seine Menschen, über die Zeit der Not hinweg pfleglich behandelt und er- halten werden kann. Ein altpreußischer Geheimrat... möchte Berlins Staub von den Stiefeln schütteln. Im Ausschuß für Bevölkerungspolitit des Preußischen Landtags kam am Freitag eine große Anfrage der sozialdemo- kratischen Fraktion über die Notlage der Krankenkassen zur Perhandlung. Der Vertreter des preußischen Wohlfahrtsmimste- riums, Geheimrat choffmann, wies alle Beschwerden als unbegründet ab. Entweder schützte er die reichsgesetzlichen Bestim» mutigen vor oder— bei den Landkrankenkassen— meinte er seelenruhig, daß die Versicherten selbst lieber geringere Beiträge zahlen als die gesetzlichen Mindestleistungen empfangen möchten: die Ent- bindungen gingen auf dem Lande in der Regel leichter vonstatten, und die Wochenhilfe auf dem Lande sei überhaupt nicht so not- wendig. Vom Zentrum bis zu den Deutschnationalen wurde die rück- ständige Haltung des Wohlfahrtsmini st erlums lebhaft unterstützt. Frau Abg. Kirschmann(Soz.) und der Abg. Bräuker(Soz.) traten dem kräftig entgegen. BrSuker verlas zur Ehorakterifierung des Herrn Gehennrats Hoffmann den folgenden Brief vom 8. Dezember 1918: „Sehr geehrter Herr S... In diesen schweren Zeiten setzt man sich öfter an den Schreibtisch als sonst, um seinen Tedanken einen sichtbaren Ausdruck zu geben, Es gibt so viel zu erörtern, '' daß man nicht recht weiß wo anzufangen. Wer sich von der -Republik und der Herrschaft der Sozialdemo- ""'' traten goldene Berge und eine herrlich« Zukunft versprochen hat, wird schon in der kurzen Zeit eines Besseren belehrt sein. Ganz besondere hat mich die Bewegung interessiert, die jetzt im Westen in der Richtung einer Loslösung der Rheinisch- westfälischen Republik von Preußen in die Erscheinung tritt. Sie kann durch die Franzosen naturgemäß sehr gefördert werden. Der Gedanse, von der Berliner Kultur, die von Juden, De- serteuren und Spitzbuben in Szene gesetzt wird, loszukommen, ist verlockend, nicht minder-- nach vier Hungerjahren Weißbrot und Fett ea masse zu haben und mit den Sriegssteuern verschont zu werden. Es wäre mir sehr interessant, von Ihnen aus nächster Nähe von den Dingen näheres zu erfahren, zumal ich, wie Sie vielleicht wisten, Münsteraner von Geburt und von rhein- ländischen Eltern geboren bin. Mein Bruder wohnt in Düstel- dorf, er ist Geheimer Medizinalrat an der Düsteldorfer Akademie. Sie werden demnach verstehen, daß mir das Schicksal meiner Heimat besonders nahe geht, zumal, wenn man daran denken könnte, eines Tages den Berliner Staub von den Stiefeln zu schütteln. gez. Hoffmann.* Der Wohlfahrtsminister Hirtsiefer, dessen Personalpolitik über- Haupt ein schwarzes Blatt der preußischen Regierungspolitik ist, täte klug daran, Herrn Geheimrat H o f f m a n n zu veranlassen, den Berliner Staub möglichst rasch von den Stiefeln zu schütteln. Es wird wahrhaftig Zeit, daß dieser alt- preußische Beamte oerschwindet! Zrack mit GrÜen. Etwas für Herrn Dr. Külz. Aus München wird uns geschrieben: Ende November finden in München aus Anlaß des hundert- jährigen Jubiläums der Verlegung der Universität Lands- h u t nach München offizielle Feierlichkeiten statt. In der Reihe der Festlichkeiten, die von der Regierung, der Stadt München und den Unioersttätsbehörden ausgehen, ist auch für den 27. November im Hofbräusaal ein„Festbankett* vorgesehen, zu dem die Veranstaller, Mini st erpräsident Dr. Held im Namen der Staats- regierung, und der Stadtrat München an eine große Zahl von Personen Einladungen verschickt haben. Trotz der Massen- beteiligung scheint dieses Bankett sehr exklusiv wirken zu sollen, denn die Einladungskarten oermerken die strenge Kleidervorschrift: „Frack mit Orden*. Den Einladern muß selbstverständlich genau bekannt sein, daß an dieser Kleidervorschrift aus dem monarchistischen Obrigkeitsstaat eine Anzahl der eingeladenen Persönlichkeiten Anstoß nehmen und es als unerträglich empfinden, daß offizielle Behörden anläßlich eines Höflichkeitsaktes die selbstverständliche Rücksichtnahme auf die- jenigen, die es mit dem Artikel 199 der Reichsverfas- s u n g wirklich ernst nehmen, in krasser Weise außer Acht lassen. Ja, man gewinnt sogar den Eindruck, als ob der Ministerpräsident und der Erste Bürgermeister der Stadt München in holdseliger parteipolitischer Harmonie es. m i t Absicht darauf an- gelegt haben, einen Teil der Eingeladenen direkt herauszufordern. Neubayerischer Staats-Knigge! Denn schließlich kann man doch nicht annehmen, daß Herr Dr. Held der Ausfassung huldigt, als ob durch diese seine lächerlich kleinliche Demonstration gegen die Republik auch nur der geringste Abbruch geschieht. Die kommunistische Verlustliste. Die linken Kommunisten im Reichstag. Im Anschluß an unsere Mitteilungen über den Ausschluß der Reichstagsabgeordneten Urbahns, Schalem und Schwan aus der Kommunistischen Partei haben wir seinerzeit mitgeteitt, daß die ausgeschlossenen Oppositionellen im Reichstag demnächst«ine Fraktion der„Verräter* bilden können. Die„Rote Fahne* hat wie gewöhnlich darauf mit einem wütenden Geschimpfe reagiert und eine ausführliche Widerlegung unserer Angaben in Aussicht gestellt, ohne sie leider zu bringen. Jetzt liegt im Reichstag seit einigen Tagen eine Liste„Linke Kommunisten* aus. In diese zeichnen sich folgende Diätenempfänger ein: Frau G o h l k e(Ruth Fischer), Katz, Korsch, Schlagewehrt. Schalem, Schwan, Schwarz, Tiedt und U r b a h n s. Es fehlt nur der von uns als schon verlorengegangen bezeichnete Neddermeyer. Ein gütiges Geschick hat ihn der KPD. und damit dem revolutionären Proletariat vorläufig noch erhallen. Dafür steht aber ein weiterer Zuwachs für die„Fraktion der Dev» räter" in Aussicht, denn der Ausschluß von Schütz und Schlecht steht unmittelbar bevor. Man sieht, wieviel das Gekeife der„Roten Fahne* wert ist._ deutschnationaler Zöüeralismus. Erklärung ge�en Hugenberg. Die Deutschnationale Pressestelle teill mit: Von der Deutschnationalen Fraktion des Preußischen Landtage» wird uns geschrieben: Der Reichstagsabgeordnete Dr. Hugenberg veröffentlicht im „Tag* einen Auszug aus seinem demnächst erscheinenden Buch „Streiflichter*, in dem er die Verschmelzung der p r e u ß i- s ch e n und der Reichs minister und die Verlegung der preußischen Legislative in den Reichstag empfiehlt. Die Deutschnationale Landtagsfraktion legt Gewicht auf die Feststellung, daß sie diesen Vorschlag in vollem Umfange ablehnt. Er ist nach ihrer Ansicht undurchführbar, wird den gewollten Ersparniserfolg nicht haben und widerspricht durchaus der föderalistischen Einstellung der Deutschnationalen Volkspartei. Nlecklenburgs Notstanüsaktion. Der Erfolg der Linksregicrung. Schwerin. 12. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Haupt- ausschuß des mecklenburgischen Landtags nahm am Donnerstag und Freitag zu den Nachtragsplänen und dem Steuer- senkungsprogramm der mecklenburgischen Regierung Siel- lung. Der außerordentliche Nachtragsplan, der 13 Millionen für das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regie- rung vorsieht, wurde nach heftigen Kämpfen gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Volksparteilcr verab- schiedet. Auch bei dem Steuersenkungsprogramm entspann sich eine lebhafte Debatte. Mit allen Mitteln versuchte der vormalige deutsch. nationale Finanzminister v. Oertze-n, die 3,7 Millionen vom Reich überwiesenen Beiträge auf Grund de»§ 35 des Finanzaus- gleichsgesetzes restlos den Großgrundbesitzern und der Großwirtschaft als Steuersenkung zuzuführen. Die Sozialdemokratie verlangte aus diesen Mitteln einen größeren Betrag zur Linderung der sozialen Not des kommenden Winters. Schließlich wurde fol- gendes Regierungsprogramm von Sozialdemokraten, Demokraten und Kommuni st en gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Völkischen und der Volkspartei angenommen: 1. Für die Linderung der N o t' werden 1 Million M. bereitgestellt. 2. Zur Steuersenkung nach sozialen Gesichis- punkten werden 2 Millionen M. zur Verfügung gestellt. 3. Das Land verzichtet für das Jahr 1927 auf die Gewerbe- st euer. Die Gewerbesteuer soll den Städten zugeführt werden. 4. Die Landessteuern sollen für das kommende Wittschaftsjahr nach sozialen Gesichtspunkten umgeändert werden. 5. Die fälligen Landessteuern für den 15. November 1926 werden bis zum 3. Januar 1927 gestundet. Die am 15. Februar 1927 fälligen Steuern sollen am 19. März 1927 erhoben werden. Di« gleichen Fristen gelten auch für die Beschwerdefristen der Mietzinssteuer. Nochmals üas Zürftenvermögen. Zu der Erklärung des Genossen Kurt Rosenfeld gegen den Genossen Paul Hirsch teitt uns Genosse Otto Braun mit:. Genosse Rosenfeld hat im preußischen Kabinett niemals einen Antrag auf Enteignung der HöhsnzoklcrnverMögen gestellt. Gegen den Sozialismus erlassen die mexikanischen Bischöfe ein« Erklärung, die die vom früheren Präsidenten Obregon bekundete Vorliebe für den Sozialismus zum Anlaß nimmt, um zu sagen, es würden die gleichen Folgen wie in Rußland eintreten, wenn die sozialistischen Doktrinen die Oberhand gewönnen. Obregon hatte kürzlich betont, daß die katholische Kirche für den gegenwärtigen Kulturkampf verantwortlich sei und ihren Einfluß auf die Volksmassen verlieren würde. Schmutz und Schund. Von Jodok. Ort: Die Wohnung des Vorsitzenden einer Schmutz- und Schundprüfunxskammer. Personen: Der Vorsitzende und seine Frau. Zeit: Die Zukunft. Der Vorsitzende blättert in einem Buch, seine Frau blättett in der Zeitung. Zwischendurch unterhalten sie sich. Die Frau: Die Bäckersfrau erzählt« heute, daß in der Nacht der eine von Beiers Jungen gestorben wäre. Der Vors.: Beiers-- das sind die aus dem Karnickelstall im Hinterhaus? Die Frau: Ja— er ist an Schwindsucht eingegangen. Soll ja auch ein Skandal sein, wie's da hinten zugeht. Acht Menschen in zwei Zimmern! Di« Eltern und vier Jungen und zwei Mädchen. Das älteste Kind ist dabei erst 13 Jahre! Der Vors.: Sollen nicht soviel Kinder in die Welt setzen. Die Frau: Was so alles passiett! Da lese ich gerade hier: „Vor dem Jugendgericht hatte sich heute der zwölfjährige Edmund L. zu vcraMwotten. Der Knabe war in den Nachmtttagsstunden bei einem hiesigen Kaufmann als Bote beschäftigt gewesen, und es hatte ihin obgelegen, gelegentlich kleinere Beträge zu kassieren. In verschiedenen Fällen konnte ihm die Fälschung von Quittungen nachgewiesen werden. Er hatte sich dadurch Vorteile verschafft, die sich zwischen 19 Pfennig und einer Mark bewegen. Den Hinter- grund der Verhandlung bildete das Familienleben des jugendlichen Angeklagten. Sein Vater ist seit langer Zeit arbeitslos und seine Mutter liegt krank darnieder. Obgleich Edmund L. leidenschaftlich beteuerte, daß er aus eigenem Antrieb die Fälschungen begangen habe und seine Eltern von den Verfehlungen nichts gewußt hätten, scheint doch festzustehen, daß er das erschwindelte Geld seinen Eltern zukommen ließ. Da der Verdacht besteht, daß diese ihn zu seinen Taten anstifteten, dürfte sich für sie vor dem ordentlichen Gericht nach ein Nachspiel ergeben.... Der Vors.: Welch ein bedauerliches Bild jugendlicher Ge- mütsverrohung! Die Frau: Das hier ist auch interessant. Hör mal: Nach einer bei tausend der Kontrolle unterworfenen Prostituierten vor- genommenen Befragung ergibt sich folgendes Bild ihrer Herkunft: Der größte Prozentsatz— 281 von 1999— wird von ehemaligen, zum Teil stellungslos gewordenen Fabttkarbeiterinnen gestellt. 227 gaben Kellnenn, 165 Dienstmädchen, 135 Bureaufräulein, 85 Warenhausangestellte. 73 Verkäuferin, 65 Attistin oder Balleteuse als ihren ursprünglichen Beruf an. Der Rest vetteilt sich auf ver- ichiedenc Berufe. Zumeist erklätten die Befragten, schon in jugcnd- lichem Alter ihre Angehörigen vettoren zu haber» und aus wirt- schaftlicher Not auf die Bahn der Prostitutton gestoßen worden zu sein, oder einen mit Folgen beschwetten Verkehr mit sozialen Vor- gesetzten oder sozial Höhergestellten gehabt zu haben, der sie ihrer normalen Heiratsausstchten beraubt habe. Der Vors.: Jedenfalls erhellt aus dieser Aufstellung, daß die Prostttution sich aus den moralisch weniger widerstandsfähigen ärmeren Kreisen der Bevölkerung rekrutiett. Und das ist dos einzig Erfreuliche an dem sonst so traurigen Kapitel... Aber was ist denn das für ein Gebrüll da unten? Ekelhaft, was diese Kinder für einen Krach machen. Die Frau(geht ans Fenster): Die Jungen von oben spielen mit denen aus dem Nebenhaus. Weißt du, der große Bruder von dem Heinerle, von Müllers, der ist in fonem nationalen Verband. Na, und da hat der kleine was abgeguckt— wie Kinder nun mal sind. Jetzt spielen sie Erschießen. Der Vors.? Naja— ober das kann man doch auch ruhiger machen. Die Frau: Uebrigens, weißt du, wer... Der Vors.(der das Durchblättern seines Buches fottgesetzt hatte): Das ist aber doch... Hab ich mir aber doch gleich gedacht. als ich schon den Autornamen las, daß ein« Schweinerei rauskommen würde. Na, da werd ich aber schön dazwischen fahren. Die Schwatte kommt auf den Index. , Die Frau: Was steht denn dttn? Der Vors.: Ach, sone Armeleutgeschichte, weißt du. Ein Mädel kommt drin vor, das oerfühtt wird und was Uneheliches kriegt. Drumrum wird son neumodischer Seelenkram gemacht. Die Frau: Ein Schundroman also? Der Vors.: Schund will ich nicht mal sagen. Geschrieben ist', nicht schlecht. Aber ich bitte dich: laß mal einen Jugendlichen solch einen Stoff In die Hände bekommen! Welche verrohenden Eindrücke muß sein jugendliches Gemüt empfangen. Deutsche Robelpreisträger. Drei deutsche Gelehrte haben aufs neue Nobelpreise erhalten, und zwar die Göttinger Professoren James F r a n ck und Paul Hertz, die den Physikpreis erhielten, und Prof. S z i g m o n d i von der gleichen Universität, der den Chemiepreis für 1925 erhielt. Die beiden Physiker haben sich in erster Reihe durch ihre Studien über die Elektronen ausgezeichnet, während der Chemiker durch die Erforschung der Kolloide und durch den Ausbau der Kolloidchemie eine ungewöhnliche Bedeutung für die Wissenschaft erlangt hat. Insbesondere ist die Kolloidchemie gerade in den letzten Jahren nicht zum geringsten durch das Ver- dienst Sziamondis in de» Vordergrund des wissenschaftlichen Inter- esses gestellt. Mit der Verleihung des Nobelpreises ist Ezigmondi in die Reihe der großen deutschen Forscher eingetreten, die bereits Träger des chemischen Nobelpreises find. Es sind die besten Namen darunter, denn im Jahre 1991 erhielt ihn van t'Hofs, im Jahre 1992 Fischer, in, Jahre 1995 Bayer, im Jahre 1997 Buchner, im Jahre 1999 Wilhelm Ostwald, im Jahre 1919 Otto Wallach, im Jahre 1913 Alfred Werner, im Jahre 1915 Richard Willstätter, im Jahre 1918 Fritz Habsr, im Jahre 1929 Walter Nernst und im Jahre 1923 Fritz Pregl. Da im Jahre 1916 und 1917 der Ehemieprei» überhaupt nicht zur Verteilung kam und insgesamt 13 deutsche Chemiker mit dem Preise gekrönt wurden, so fällt allein auf die deutsche Wissenschaft mehr als die Hälfte der Nobelpreise für Chemie. Die beiden Physiker haben auch eine Reihe hervorragender deut- scher Gelehrter als Vorläufer ihrer eigenen Ehrung aufzuweisen. Im Jahr« 1991 erhielt Röntgen den Preis, im Jahre 1998 Gabriel Lippmann, im Jahre 1911 Wilhelm Wien, im Jahre 1914 Max von Laue, im Jahre 1918 Max Planck, der Begründer der Quanten- theorie, im Jahre 1919 Johannes Stark und endlich 1921 Albert Einstein für seine Relativitätstheorie. Es sind also acht deutsche Forscher der Physik, die mit dem Nobelpreis gekrönt wurden. Die neuen vichterakademiker. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, Hot die Sektion für Dichtkunst der Preußi- schen Akademie der Künste zu Berliner Mitgliedern gewählt: Georg Kaiser, Bernhard Kellermann, Oskar Loerke, Walter v. Molo, Dr. WUHem v. Scholz und Eduard Stukken. Zu auswärtigen Mit- gliedern: Hermann Bahr, Dr. Max Halb«, Hermann Hesse. Dr. Ricarda Huch, Dr. Erwin Guido Kolbenheyer, Heinrich Mann, Dr. Josef Ponten. Attur Schnitzler, Dr. Karl Schönherr, Dr. Emil Strauß, Jakob Wassernioiin. Franz Werfet. Der preußssche Kultus» minister hat die Wahlen soeben bestätigt. kalinio im„Gotha*. Die.Leningradskaja Prowda* meldet, daß die Redaktion des„Golhaer Almanachs* sich an den Sowjet- Präsidenten Kalinin mit der Bitte gewandt habe, sür den nächs*«» Jahrgang Daten über seine Person und seine Aemter zur Verfügung zu stellen, die dann im politisch-diplomatischen Jahrbuch veröffentlicht werden sollen. Das Sowjetblott widmet dieser Angelegenheit einen in sehr ironischem Ton abgefaßten Artikel, in welchem ein spöttisches Erstaunen darüber ausgedrückt wird, daß der Bauernsohn Michael Kalinin der Aufmerksamkeit des„Gothaer* gewürdigt werde, obgleich feine Gebutt„weder durch Heroldsrufe noch durch Fanfaren, sondern nur durch das Brüllen des Viehs* kundgegeben worden fei. Er könne sich auch nicht mit den im Almanach sonst verzeichneten hoch- geborenen Personen vergleichen, die schreitende Löwen, springende Leoparden u. a. adlige Tiere im Wappen führten, während er nur mit allen seinen Parteigenossen das schlichte Wappen des Haminer» und der Sichel teile._ Cndroig Hardt spricht am Sonntag abend, 8 Übt, im Neifteriaal Heine: Ke'tgedlchte. Deutschland. Romancera, Hebräische Melodien. letzte Gedichte. Amtliche Führungen finden Sonntag. 10 bis tl'/, llbr vorm. im Neuen Museum lAeghptiiche Götter und Tempel— Hr. Zippert), im Kaiser Kriedrich. Museum lByzantiniside Kunst de, Mittelalter»— Dr. Vowach) und int Museum für Völkerkunde(Kultus in China und Japan- Direktor F.«J. St. Müller) statt. Ö Der Attionsausschuh gegen da» Schmutz- und Schuudgesetz will ein Archiv anlegen, um e« zum Schutz der geistigen und künstlerischen ftreibctt zu verwenden. Die Verwaltung de, Archiv, bat Dr. Birkenseid, Bureau de» Verbände, Deutscher Erzähler. Berlin W 50, Nürnberger Str. Ok o, übernommen. Dorthin sind Einsendungen zu richten. Die Jestung al» tittegsmusevm. Die berüchtigte Peter-Paul-stestung in Leningrad ist nach ihrer Wtederheritellung al« historische, Museum eingerichtet worden. Die Kasematten und Bastionen bleiben m der alten Form erhalten und an den Bastionen Peter, de, Grotzen werden Artillerteaeschoss» an» seiner Zell ausgestellt werde». Die Mbeiter g Gemeinsames Manifest vo Warschau, 12. Zlovember. sOE.) Der Eintritt der Sozialisten. parte! in die Opposition ist das Ereignis des Tages. Gestern haben sich auch die in der Zentralkommission der Berussverbände zusammen- geschlossenen Gewerkschaften dem Vorgehen de» sozialistischen Parleivorslandes angeschlossen, was dem Schritt der Partei einen besonderen Nachdruck gibt. Nach einer gemeinsamen Le- sprechung ist eine vom Parteivorstand, sowie den Gewerk- schaften der Eisenbahner, der Bergarbeiter, Nletallarbeiler. Textilarbeiter. Holzarbeiter, Landarbeiter und Drucker be- schlossene Erklärung veröffentlicht worden. Sie betont die Solidarität der politischen und der wirtschafttichen Arbeiter- Vertretung. Beide Gruppen stellen mit großer Besorgnis sefi, daß der Einfluß der Kapitalisten und der Großgrundbesitzer auf die Regierung immer mehr zunehme: der wirtschaftliche Aufbau solle offenbar aus Kosten der Arbeiterklasse vor sich gehen. Ferner wird betont, daß die politische Freiheit die Voraussetzung jeglicher Arbeiter- bewegung sei. Daher würden die Gewerkschaften die Sozialistenpartei bei jedem Eintreten für die parlamentarische Demo- kratie und für die Freiheit de, Wortes unterstützen. Endlich enthält die Erklärung noch die gemeinsamen Forderungen der Partei und der Gewerkschaften aus sozialpolitischem Gebiet: Erhaltung der Arbeiterschuhgesehe. Wiederherstellung der Teuerungszulagen in den Staatsbetrieben, Verbesserung der Arbeitslosenhilfe, Aenderung des Steuersystems, Bekämpfung des Preiswuchers und Durchführung der Agrarreform, welche Forderung zwar nur die Aus- führung der Verfassung fordert, aber Pilsudskis neu« Freund«, die Großgrundbesitzer, direkt trifft.« Ueber den Rücktritt des ZKinisters Vloraczewski bzw. seinen Austritt aus der Sozialistischen Partei wird die Fraktion beraten. Dem Beschluß der Sozialisten, morgen der Sejmerössnung egen pilsuösti. i Partei und Gewerkschaft. im Schloß fernzubleiben, haben sich mehrere Frakflonen der nationalen Minderheiten angeschlossen. pilsuüskis Programm. In einem Interview, das die amerikanische Zeitung„Nirord" (Detroit) veröffentlicht, hat Pilsudsti wörtlich gesagt:„Jawohl, es ist wahr, daß ich Diktator in Polen werden will, aber nur ein Diktator, wie es der amerikanische Präsident ist, kein Diktator, wie er in einigen europäischen Staaten herrscht. Ich halte unser p a r- lamentarisches System für veraltet und zu verwickelt. Auch muß ich sagen, daß die Volksvertretung sich oft ihrer hohen Pflichten nicht gewachsen zeigt, da unter den Abgeordneten sich leider eine Menge Analphabeten befinden. Auch die Verfassung ist nicht geeignet, das Land gedeihen zu lasten. Sie muß radikal geändert werden. Es gibt in Polen zuviel Parteien, die dos Land regieren und die nie unter sich einig sind." Pilsudski erklärte dann weiter, für folgende Grundsätze zu kämpfen: Der Staatspräsident muß nicht von der Nationalversammlung, sondern vom Volk« selbst gewählt werden. Er muß in seiner Tätigkeit nicht von den Parteien abhängig, sondern nur dem Volk« gegenüber verantwort- lich sein. Die Minister müssen vom Präsidenten ernannt und i h m verantwortlich sein und nicht wie bisher dem Parlament. Sozialistische Anträge. Warschau, 12. November.(Mtb.) Di« Sozialisten hoben V e r- fassungsänderungen beantragt. U. a. wird verlangt, daß während der Budgetberatungen der Staatspräsident das Parlament weder schließen noch oertogen darf. Dann soll der Sejm das Recht erhalten, sich selbst einzuberufen, wenn die Einberufung durch die Regierung nicht zum richtigen Termin erfolgt. der Nachtragsetat. Plenarberatung im Reichstag. In der gestrigen Reichstagssitzung wurden zunächst die Handelsabkommen mit Finnland und Lettland in 2. und 3. Lesung debattelos angenommen Darauf wird die 1. Beratung des Nachtragsetats fortgesetzt. Abg. Paeth(Dnat.) wendet sich besonders gegen die heutige Erhebungsart der Gewerbesteuer: die Gemeinden gingen vierfach so rücksichtslos vor. daß die Eriftenz der Gewerbetreibenden bedroht werde. Der Redner verlangt darüber hinaus eine Ermäßigung der Steuerlast für den gewerblichen Mittelstand. Abg. Schreiber(Z.) bezeichnet den Schulgesetzentwurf in seiner jetzigen Form für das Zentrum als unannehmbar. Gegenüber dem Abgeordneten B r e d t, der sich über die Angriffe des Reichs» k a n z l e r s gegen die Wirtschaftspartei auf der Erfurter Zentrums- tagung beklagt hatte, betonte der Redner, daß in einem parlamen- tarischen Staatswesen auch ein Reichskanzler das Recht auf Meinungsfreiheit habe. Mit Schärfe weist er die? u l t u r p o l i- tische Hetze der Deutschnationaien zurück, die sich vor allem gegen die Katholiken und das Zentrum richtet. Der Redner fordert die schleunige Verabschiedung des Gesetzes zum Schutz der Jugend gegen Schund und Schmutz. Er bekämpft die Verlängerung der Polizeistunde. Reichsinnenminister Dr. Külz erklärt auf eine Anfrage des Vorredners, die Reichsregierung stehe mit den Ländern in Unterhandlungen über die Entschädigung der Lehrkräfte geschlossener P r i v a t s ch u l« n. Bei der bevor- stehenden Beratung des Gesetzes gegen Schmutz und Schund werde sich zeigen, wie sehr die Tendenz dieses Gesetze» in der Oessentlichkeit verkannt worden sei(?). Das Reichsschulgesetz bedürfe gründlichster Vorbereitung. Der Minister hoffe, daß die Vorlage spätestens Anfang des nächsten Monats im Kabinett verabschiedet und im Plenum angenommen würde. Abg. koenen(Komm.) wirft dem Reichsfinanzminister vor, daß dessen Poutik zur Bereicherung des Finanzkapitals geführt habe und das gerade in einem Jahre der Krise. Der Verelendung breiter Massen der Bevölkerung stehe eine steigende Verschwendungssucht der besitzenden Klassen gegenüber. In solcher Zeit dürfe man an keiner Koalitionsregierung teilnehmen. Scharf zu bekämpfen fei die Subventionspolitik für die Industrie. Abg. Vleyer-Berlin(Dem.) führt die günstige Entwicklung der Reichsfinanzen auf die Tätigkeit des jetzigen Reichsfinanzmini- sters zurück. Der Abg. H e r g t, deutschnationaler Spezialist für Prophetie(Heiterkeil), habe mit seinem pessimistischen Voraus- sagen nicht recht beholten. Die Forderung nach einem Etats- grundgesetz müsse nach wie vor ausrecht erhalten bleiben. Der Redner wünscht eine Förderung des Handelsvertragswefens, Die jetzige Regelung der Futterzölle bedürfe dringend einer Verände- rung. In der inneren Wirtschaftspolitik müsse vor allem die Jni- tiative des Privatunternehmers zur Geltung kotnmen. Die privatwirtschaftliche Betätigung der Krankenkassen und der kommunalen Betriebe müsse eingeschränkt werden. Die weitere Beratung des Nachtragsetats wird hierauf ver- tagt. Das Abkommen mit Frankreich über den Austausch von Er- Zeugnissen einiger deutscher und saarländischer Industrien wird dem Handelspolitischen Ausschuß überwiesen. Der Gesetzentwurf über eine Srisensürsorge für Erwerbslose vwird dem sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Gegen 7K Uhr vertagt sich das Haus auf Sonnabend mittag 12 Uhr.: 2. Beratung der Abkommen mit Frankreich und der Schweiz, 2. Beratung der Srisensürsorge, Nachtragsetat. Ein Antrag des Abg. Graese(Bäck.) die Aussprache über die Außenpolitik auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung zu fetzen, wird gegen die Stimmen der Völkischen, der Kommunisten und der Deutschnationalen abgelehnt. Auf die Behauptung des völ- tischen Redners, daß der Reichsaußenminister Stresemann sich der Aussprach« im Reichstag entziehen wolle, erwidert Abg. Lobe (Soz.), daß Stresemann sich in diesen Tagen ständig zur Verfügung gehalten habe. Nur dem Umstand, daß der Reichstag die Be- ratung des Nachtragsetats nicht zu Ende geführt habe, sei es zu verdanken, daß die außenpolitische Debatte hinausgeschoben werden müßte._ Neuer deutscher Diplomaten schub. Ministerialdirektor Kiep Botschaftsrat in Washington. MTB. teilt mit: Der Generalkonsul in Amsterdam, Prinz Hatzfeld, tritt in den einstweiligen Ruhestand. Zu seinem Nachfolger ist der Gesandte in Luxemburg, von Guelich, in Aussicht genommen, der durch den Gesandten in Kairo Mertens ersetzt werden wird. An seiner Stelle soll der jetzige Leiter der Personalabteilung des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor von Stohrer nach Kairo gehen. Es ist beabsichtigt, zu seinem Nachfolger den jetzigen Dirigenten der Per- sonalabteilung vortragenden Legationsrat Dr. Schneider zu er- nennen. Außerdem geht der bisherige Gesendte in Columbien, von Haeften, in den einstweiligen Ruhestand. Zum Nachfolger ist der bisherige Generalkonsul in Chicago S t e i n b a ch in Aussicht ge- nommen, der bereits seit mehreren Monaten den Gesandten von Haeften in Bogota vertritt. Zum Generalkonsul in Chicago ist der vortragende Legationsrat im Auswärtigen Amt Simon vor- gesehen. Ferner ist, wie bereits mitgeteilt, beabsichtigt, den Bot- fchaftsrat Dr. D i e ck h o f f von der Botschaft in Washington für den als Untergeneralsekretär zum Völkerbund übertretenden Bot- fchaftsrat Dufour-Feronce nach London zu versetzen. An seine Stelle wird der bisherige Pressechef, Ministerialdirektor Dr. Kiep treten. Kammerbeginn in Paris. Poincars drückt die Vertagung aller Anfragen durch. Paris. 12. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat nach einer ziemlich lebhasten Debatte mit 365 gegen 207 Stimmen die von Poincari unter Stellung der Vertrauensfrage verlangte Ver- tagung sämtlicher Interpellationen bis nach Ver- abschiedung des Budgets angenommen. Die Wintersession wurde um 3 Uhr unter dem üblichen Ze- remoniell eröffnet. Nach Verlesung der 60 vorliegenden Jnterpella- ticnen verlangte Ministerpräsident Poincarö die unterschiedslose Ver- tagung sämtlicher Interpellationen. Er führte aus: Das Budget muß vor Jahresabschluß unter Dach und Fach sein. Der Umschwung in unserer finanziellen Lage ist ollein der Erfolg unserer Disziplin, von der das Parlament im Juli den Beweis erbracht hat. Aber die geringste Unklugheit kann die Gefahr von neuem heraufbeschwören. Poincarö schloß mit dem Hinweis, daß er an die Vertagung der Interpellationen die Vertrauensfrage knüpf«. Von den Parteien antwortete dem Ministerpräsidenten je ein Vertreter. Di« sozia« lipische Fraktion hatte beschlossen, gegen die Vertagung' der Interpellationen zu stimmen, weil die Kammer nur deshalb so spät einberufen worden ssei, um eine gründliche Debatte des Budgets unmöglich zu machen: wenn die Fraktion heute gegen die Regierung stimme, so habe dieses Votum die Bedeutung eines kategorischen Protestes gegen die Machenschaften Poincarös, der die parlamentarische Kontrolle und überhaupt jede geordnete Tätigkeit im Parlament unterbinde. Der sozialistische Abg. F a u r e erklärte in der Debatte, daß die Regierung, indem sie sich absichtlich der Wiedereinberufung des Par- laments möglichst lange widersetzte, die Kammer absichtlich in eine falsche Loge gebracht habe. Er erinnerte daran, daß aus Grund der Kammerordnung Interpellationen über die Innenpolitik h ö ch st e n s um einen Monat verschoben werden dürfen. Der Vorschlag der Regierung sei also unannehmbar. Das Vorgehen der Regierung lause im Grunde genommen aus«inen verhüllten Faschismus und eine parlamentarische Diktatur hinaus. Aus diesen Gründen werde die sozialistische Partei geschlossen gegen die Vertagung stimmen. Der radikale Daladier wollte vermitteln, indem«r die Re- gierung aufforderte, wenigstens den Freitag jeder Woche für die Interpellationen zu reservieren. Aber auch das lehnte Poincarö ab. Nach einigen Rednern der Rechten, die erklärten, die Politik Poincarös gutzuheißen, wurde zur Abstimmung geschritten. deren Ergebnis oben steht. Sozialisten. Kommunisten,«in Teil der Radikalen uyd die äußerste Rechte stimmten gegen die Regierung. Die Genfer Lvirtschastskonferenz. Teilnahme der Gewerkschaften. Gens, 12. November.(Eigener Drahtbericht.) Zur zweiten Tagung der Vorbereitenden Wirtschaftskonserenz, die am Montag beginnt, kommen 35 Sachverständige aus 21 Ländern. Die drei deutschen Sachverständigen sind Staatssekretär von Trendelen- bürg, Reichstagsabg. Cammers und Genosse Eggert vom ADGB. Das Studienmaterial, das vom Välkerbundssekrctariat und vom Internationalen Arbeitsamt gesammelt worden ist, umsaht 55 Broschüren und Denkschriften, von denen ungefähr die Hälfte auf die industrielle Produktion im allgemeinen und auf die Haupt- sächlichsten Industrien entfällt: Kohle, Eisen und Stahl, Maschinen- industrie, Wersten, Baumwolle, Wolle, Seid« und Kunstseide, elek- irisch« Konstruktionen, Petroleum usw. Eine wettere Zusammen- stellung des Internationalen Arbeitsamtes gibt dann einen Ueber- blick über die Arbeitslöhne in den verschiedenen Ländern, nach ihrem Goldwert und ihrer Kaufkraft oerglichen. Das Hauptinteresse wird sich auf das Problem der nationalen und internationalen Kartelle und Trusts konzentrieren, wobei die Frage der Rationalisierung der Wirtschaft und der wissen- schaftlichen Arbeitsmethoden eine bedeutende Rolle spielen wird. Besonder« Erörterungen dürften sich dabei über die Frage der Kontrolle der Kartelle entspinnen. Auf dem Gebiete des Handels und der Zölle wird die meiste Aufmerksamkeit der Be- seitigung der verschiedenen D u m p i n g- Arten und der sonstigen Handelserschwerungen aus Kriegs- und Nachkriegszeit g«> schenkt werden. Zur Beratung der landwirtschaftlichen Produktion und Preisbildung hat das internationale landwirtschaftliche Institut Material beigesteuert. Faschisten in Serlin. Ein« Feier in der italienischen Botschaft.— Gras Aldrovandi„Ehrenfaschist". Anläßlich des Geburtstags des italienischen Königs herrscht« am Donnerstag in der Viktoriastraße in Berlin ein reges Treiben. In den Räumen der italienischen Botschaft fand nämlich bei dieser Ge- legenheit die festliche Einweihung des„Gagliardetto"(des faschisti- schen Wahrzeichens) des neugegründeten Berliner„Fascio" statt. In den festlich erleuchteten Räumen des Vertreters Italiens in Berlin bewegte sich ein« erwartungsvolle Menschenmenge, bestehend aus denjenigen Italienern, die bei jeder Zeremonie dabei sein müssen, und aus solchen, die man ganz gegen ihre antifaschistischen Gefühl« zum Besuch dieser Veranstaltung gezwungen hatte, wie z. B. alle Beamten der Bolschaft, des Konsulats, der Handels. Vertretung usw. Auch sah man hier und da Erscheinungen, die erst in den letzten Tagen zu undurchsichtigen Zwecken aus Italien nach Berlin frisch importiert worden sind, Lockspitzel und Geheimagenten des soeben zum Unter- staatssekretär erhobenen Abgeordneten B a st i a n i n i, des General- sekretärs der faschistischen Organisationen im Ausland, also des Leiters des geheimen faschistischen Nachrichten- und Spionage- dienstes.' Während der Feierlichkeit wurden drei Reden gehatten: eine vom Botschafter, dem Grasen Aldrovaudi-Marescottf, dem der Major Renz�tli die Urkunde seiner Ernennung zum „E h r e n f a s ch i st e n" überreichte, dann eine des unvermeidlichen Majors Renzetti selbst. Den Zuhörern dieser beiden wortreichen Ansprachen mußte es allerdings auffällig erscheinen, daß daran trotz des Hauptanlasses der Feier wohl von dem Ruhme des„unbesieg- ten" und„unbesiegbaren" Duces, von der glorreichen Sendung des Faschismus usw. die Rede war, kaum aber von dem italienischen S cha t t e n k ö n i g, der fast völlig übergangen unirde. Dann muhte der durch seine christlich-demokratischen Anschauun- gen bekannte Pfarrer Dr. Sonnenschein, der sich dieser Pflicht in seiner Eigenschaft als Geistlicher der italienischen Kolonie in Berlin nicht entziehen konnte, bei der Einsegnung des„Gagliardetto" eine kleine vorsichtige Ansprache halten, in der er den Faschismus als eine Verteidigung der Religion(?) bezeichnete, worin sich seine wohlbemessene Charakteristik dieser Erscheinung weise erschöpfte. Denn gerade in diesen Tagen hat man ja lesen können, mit welchen Gewalttaten die Horden dieses Faschismus gegen die promi- nenten Mitglieder der italienischen Katholischen Volks- parte!, gegen Priester, Bischöfe und katholische Vereinshäuser vor- gegangen sind. Dagegen war die gesamte arbeitende italienische Kolonie abwesend—. Das kann auch nicht wundernehmen, wenn man bedenkt, w i e dieser Berliner„Fascio" zustande gekommen ist, wo- bei, wie seinerzeit der„Vorwärts" ausführlich berichtet hat, der hiesige ttalienische Unterstützung� ver« in unter der Dr» drohung, auf die„schwarze Liste" gesetzt zu werden, zum korpo, rativen Eintritt in diesen famosen„Fascio" gezwungen wurde. Mustoliui beschimpft Zrankreich. Bukarest, 12. November.(TU.) Der„Cuvantul", ein rechts- stehendes Blatt, veröffentlicht folgende Aeußerungen Mussolinis zu einem Vertreter dieses Blattes:„Der Sieg ist erreicht worden durch enorme Krastanstrengung und eine Tapferkeit der lateinischen Völker, der Friede war die größte Enttäuschung für die Sieger. Allein die lateinische Union wäre imstande, eine ausbauende Politik zu treiben. Ja, wenn Frankreich aufhören würde, der fehlerhaften demokratischen Ideologie und der Freimaurerei zugetan zu sein, wenn es die romanischen Ideologien verlassen würde und es zu dem romanischen Klassizismus zurückkehren würde, dann wäre eine solch demütige Red«, wie sie Briand im Völker- bund anläßlich des Eintritts Deutschlands gehalten hat, unmöglich." Deutsth-tschechifcher Mehrheitskonstikt. Referat« nach wie vor nur tschechisch erlaubt. Prag. 12. November.(TU.) Im Budgetausschuß des Ab- geordnetenhaujes wollte der deutfchagrarischc Abg. W i n d i r j ch als Referent m deutscher Sprache reden. Der Vorsitzende, der tschechische Agrarier Bradatsch, unterbrach den Redner zweimal und forderte ihn auf, tschechisch zu sprechen. Windirsch erklärte daraus, daß die deutschen Regierungsparteien durch den Eintritt in die Regierung ihre Bereitschaft bewiesen haben, am Ausbau des tschechoslowakischen Staates mitzuarbeiten, daß man ihnen aber auch die technische Möglichkeit hierzu geben müsse. Er beantragte Unter- brechung der Sitzung, die der Vorsitzende eintreten ließ. Beratun- gen führten nicht zu einem günstigen Ergebnis. Nach Wiederaus- nahm« der Sitzung versuchte dann Abg. Windirsch in tschechischer Sprache zu referieren, was ihm nur sehr mühsam gelang. Darauf oerlas Abg. Stenzl(Deutsche Gewerbepartei) unter denselben Schwierigkeiten ein kurzes Referat in tschechischer Sprache. Ein Ehrenhandel. Tcutschnationale Genugtuung für ein Gchuudbild. Di« Deutsch« Volkspartei hat sich beim Grafen Westarp über die offizielle deutschnational« Frottionsreklame für«in Schundbild gegen Stresemann beschwert. Effekt nach der„Täglichen Rundschau": „Eine Abordnung der Fraktion, die gestern abend mit dem Reichstogsabgeordneten Graf Westarp, dem Fraktionsvorsttzenden,«in« Besprechung hatte, trug dies« Forde» rung(nach Genugtuung) vor. Gras Westarp erklärte, daß die Versendling der Einladung ohne sein Wissen ge- sllzehen sei und daß«r sie ebenso bedauereundverurteil«, wie die Reichstagssraktion der Deutschen Volkspartei es tu«. Diese Erklärung soll auch noch schriftlich festgelegt werden. Nach ihrem Eingehen dürft« der Zwischenfall wohl als beigelegt zu betrachten sein." Als Schuldiger bteibt der Fraktionsfekretär der Deutschnationalen. der Reichstagsabgeordnete Lambach, hängen. Der Herr Graf hott« in diesem Fall« nicht befohlen, und der getreu« Knecht, ver- pflichtet, den Herren Grafen immer zu verstehen, hatte ihn n i m» versande n. Unternehmer unö Achtstundentag. Faule Ausreden. Auf die vor einigen Togen erfolgte Kundgebung der Gewerk- schaftcn, in der ein Notgcsetz zur Wiederherstellung des Achtstunden- tages gefordert wird, haben die Untcrnehmcrvcrbändc jetzt mit einer umfangreichen Denkschrift geantwortet. Die Denkschrift untersucht die Möglichkeit der Einführung des D r e i s ch i ch t e Ii s�i st e m s in den einzelnen Betrieben und kommt zu folgendem Ergebnis: In der chemischen, der Zuckerrüben-, der Papier- und Glasindustrie und den Nebenbetrieben der Braun- kohlenindustrie wäre die Einführung des Dreischichtensystems m ö g- l i ch: jedoch wird eine fühlbare Auswirkung der Durchführung des Dreischichtensystems bestritten, da der gröfzte Teil dieser Industrien bereits im Drcischichtensystem arbeitet. Bon einer Verkürzung der Arbeitszeit in den Metall-, Textil- und cholziiidustrirn ist nach der Denkschrift ebenfalls eine Besserung der Arbeitsmarktlagc nicht zu erwarten, da hier die Möglichkeit einer Neueinstellung von Arbeits- kräften von einer Reihe anderer Faktoren wie Anzahl von Ma- schinen, Leiftungsfähiglcit der Kraftanlagen abhängt. Verneint wird die konsequent« Durchführung des Acht- stundcntages im Braunkohlenbergbau. Hier werden die alten nicht stichhaltigen Gründe gegen den Achtstundentag, Rückgang der Gesamtfördcriing, Verringerung der Leistring pro Mann usw. angeführt. Für den Steinkohlenbergbau wird festgestellt, daß z. B. im August„nur" l,87 Heber- und Nebenschichten pro angelegten Mann verfahren worden sind, lieber die Tatsache, daß die Heber- schichten sich gerode in den letzten beiden Monaten u n v e r a n t- wortlich vermehrt haben, schweigt sich die Denkschrift natür- lich aus, wie sie offenbar Gesamtbelegschaft mit chaucni zusammen- wirft. Im übrigen machen die Hntcrriehmer sich die Widerlegung der gewerkschaftlichen Forderung äußerst leicht. Sic verweisen auf die übernommenen Lieferungsverpflichtungen. Auf sie fei man eingegangen, weil Vereinbarungen mit den Gewerkschasten über Mehrarbeit bestehen. Ein Pachwcis darüber, ob eine Mehrcin- stcllung von Arbeitern auf Grund der konsequenten Durchführung des Achtstundentages die Nichterfüllung der Lieferverträge bedeutet, fehlt bezeichnenderweise. * Das Wolff-Bureau meldet: In der Presic wird berichtet, daß die angekündigl« Besprechung des Reichskanzlers mit den Gewerkschaften über die Arbeitszeitsrage am lZ. November stattgefunden habe, und dabei behauptet, daß in maßgebenden Kreisen nicht vor dem l. Oktober lll28 mit einer endgültigen Inkraftsetzung des Arbeits» schutzgefetzes gerechnet werde. Demgegenüber wird aintlichsrfcits darauf hingewiesen, daß die Besprechung zwischen Reichskanzler und Gciosrkschaftsn erst ami 13. November stattfinden wird und daß sich die Halrlcsigkeit der Behauptung über die Inkraftsetzung des Arbeits- schutzgefetzes' schon daraus ergibt. Die Erklärung der Regierung bezieht sich offenbar auf«inen „Bericht" des„Berliner Tageblatts" über den Empfang der Ge- trerkschaften. Es ist uns unverständlich, wie gerade das„Berliner Tagsblatt" auf ein« derartig« schwindelhafte Tendenzmeldung herein- fallen konnte. Lnfälle»mü Erkrankungen im Ruhrbergbau Uebcrsrhichtcn und Pramicnsystcm uls Ursachen. Die„Deutsche Bergwerkszeitung" bezeichnet in ihrer Nr. 2Sö unsere Sozialpolitik als übertrieben. Die Stellungnahme dieses Hnternehmerorgans ist auf die Irreführung der öffentlichen Meinung angelegt. Von den Bergbauunternehmern ist das Reichsknappfchaftsgesetz stets bekämpft worden. Auch hat es an Verschlechterungsanträgen nie gefehlt Sic sind gegen jeden sozialen Foftschritt und müssen logischerweise unsere Sozialpolitik als übertrieben bezeichnen. Es ist viel angenehmer, die hohe Zahl der krankfeiernden Bergarbeiter uuf dos Konto dieses Gesetzes zu setzen, als die Schuld auf das Konto der Bergbauwirtfchoft zu übernehmen. Nach der„Bergweikszeitung" betrug die Zahl der Kranken- Ziffern(in Prozenten der Belegschaft gerechnet) im Monat Januar v,W, Juni 5,83. Juli 8,54. Zlugust 7,80, September 8,95 Proz. Es heißt dann weiter, daß die Zahl der krankfeiernden Bergarbeiter im Monat August um 31,5 Proz., im Monat September um 50,9 Proz. gestiegen sei. Es erübrigt sich vollkommen, diese Zahlen auf ihr« Richtigkeit zu prüfen. Zunächst soll festgestellt werden, daß fest Ausbruch des englischen Bergarbciterstrciks die Jagd nach Kohlen tagtäglich zuge- nommen hat. Das Antreibersystem hat immer schärfere Formen angenommen. Eine systematische Mcnschenquälerei verbunden mit unmenschlichen Heb er schichten hat im ganzen Ruhrge- biet eingesetzt, während Zehntausende von Bergarbeitern arbeitslos waven und sind. Das muß auf den Gesundheitszustand der Berg- arbeiterfchaft einwirken. Die Grubenluft bleibt dazu nicht ohne Ein- fluß und macht müde und abgespannt. Der Bergarbeiter ist kaum noch fähig zum denken, die Grubensicherheit wird gefährdet. Neben einer erhöhten Zahl der Krankfeiernden tritt eine E r- h ö h u n g der Unfälle hinzu. Das Gedinge und dos Förderprämiensystem zwingt aus Grund des Erhaltungstriebes zur unmenschlicher Tätigkest für die Arbeiter sowie die Steiger. Nur an Kohle, an nichts anderes erlaubt die Zeit zu denken. Auf Grund der unersättlichen Profitgier wird den Steigern der Reviersoll immer höher geschraubt. Die Vorgesetzten des Steigeis besitzen infolge des Prämiensystems wieder eine gewaltige Macht. Die Behandlungen, die die Steiger von ihren Vorgesetzten erdulden müssen, wirken sich aus die Arbeiter aus. chier liegen die wahren Hrsachen, die zum krankfeiern zwingen. Die hohen Förderzisfcrn bei den niedrigen Belegschaften bleiben nicht ohne Einfluß aus den Gesundheitszustand der Arbeiter. Wenn die „Bergwerkszeitung" schreibt:„Die hohe Zahl der Krankfeiernden ist natürlich von erheblichen Einfluß auf die Höhe der Förderung gewesen," so ist das eine reichlich späte Einsicht. Ein Rück- gang der Förderung ist unausbleiblich. Die Schuld liegt im Raub- bau der Produktivkräfte. Am Raubbau der Arbeitskraft leidet nicht allein der unter seiner Last zusammenbrechende Arbeiter, sondern zuguterletzt unsere Gesamtwirtschaft. Erweiterung öer Unfallverflcherung. Reorganisierung und Ausdehnung des Personenkreises. Seit Iahren fordern d'e freien Gewerkschaften den Ausbau der Unfallversicherung. So hat sich erst vor kurzem die Reichssektion für Gesundheitswesen des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter wieder an das Reichsarbeitsministerium gc- wandt»nd nachdrücklichst die Einbeziehung der Krankenhäuser. Heil- imd Pflegeanstalten, Kliniken und Sanatorien sowie Laboratorien in den 8 537 der RVO. gefordert. Wie wir erfahren, wird die Reichsrcgierung zusammen mit der Vorlegung der zu ratifizierenden Genfer Abkommen. eme Denkschrift über den Aus- und Hmbau der Hnfallverstcherung dem Reichstag übermitteln In Verbindung damit wird zugleich eine neue Vorlage an den Reichstag gehen, die in Konsequenz der Genfer Hebercinkommcn eine Erweiterung des Personenkreises der Hnfallversicherten und eine Aenderung der Organisa- tion der Versicherungsträger bringt. Die großen Bs- rufsgcnosscnschaften, wie z. B. die der Hütten- und Walzwerke, bleiben natürlich bestehen, bei den Klein, und Familienbetrieben ist jedoch ein regionaler Zusammenschluß vorgesehen. Hoffentlich läßt die neue Vorlage nach den vielen Vcr- sprechungen über den Ausbau der Unfallversicherung nicht mehr allzu lange auf sich warten. Die Lücken der deutschen Unsallgesetz- gebung müssen endlich einmal ausgefüllt werden. Qunrtalsversammlung der Zimmerer. Bon der Zahlstellenleitung Berlin des Zentralverbandes der Zimmerer erhalten wir einen Bericht, dem wir folgendes enH nehmen: Am Dienstag tagte im Gewsrkschaftshaus die ordentliche Dele- giertcnvsrsammlung des Zimmererverbandes, um den Bericht für dos dritte Quartal entgegenzunehmen. Die Abrechnung lag gc- druckt vor. Zum Geschäftsbericht führte der Vorsitzende R e p s ch l ä- a e r aus, daß nach wie vor eine große Arbeitslosigkeit im Berufe herrsche. Durchschnittlich waren im Juli 1243, im August 912, im September 763 arbeitslose Zimmerer auf dem Arbeitsnachweis in der Gormannstroße vorhanden. End« September mit etwa "00 Arbeitslosen war in diesem Jahre der niedrigst« Stand der Arbeitslosigkeit. Bis zum 9. November war die Zahl bereits auf 879 wieder angeschwollen. Das unsinnige Geschrei der Unternehmer des Baugewerbes nach mehr Facharbeitern sei durch diese Zahlen erneut zur Genüge gekennzeichnet. Arbeit fehlt, aber keine Facharbeiter! Es scheine jetzt so, als dämmere es in dieser Frage an ein- zelncn Regierungsstellen. Weiter teilte der Redner mit, daß auf Grund reger Agitation ein guter Fortschritt in der Mit- g 1 i e d s ch a f t zu verzeichnen sei. Der Mitgliederbestand stieg im Laufe des dritten Quartals von 4534 auf 4724. Bei mehreren Firmen habe man mit Erfolg zur Ar- beitseinstellung gegriffen, um die Einführung der Akkordarbeit zu verhindern. Durch das Heberstunden- und Akkord- system haben die deutschen Unternehmer einen noch nie dagewesenen Verdienst«ingerafft. Alle Verbandskameraden haben nach wie vor die Pflicht, jede Heber stunde abzulehnen zugunsten der arbeitslosen Kameraden. Bei Einführung einer 46-Stilnden-Woche im Reichsmahstabe sei es möglich, mindestens eine Million Arbeits- lose in Zlrbeit zu bringen. Für den Zimmererberuf genüge das aber noch nicht: denn durch weitere Einführung verbesiertcr Maschinen und andererseits durch immer größere Pfuscharbeit im Zimmerer- gewerbe werden noch erhebliche Kräfte mehr brachgelegt, so daß eine Arbeitszeit von sieben Stunden, also die 42-Stundcn-Woche, vollauf ausreicht. Nur dadurch wird es möglich sein, alle Zimmerer wieder in den Produktionsprozeß einzureihen. Diel« Forderung, genau so wie früher der Achtstundentag, darf nicht mehr von der Tages- ordnung verschwinden, und olle Bauarbeiter Deutschlands müssen dafür gewonnen werden. Zum Schluß wies der 2. Vorsitzende Schilf auf die ab 1. Dezem- ber in Kraft tretende 7-Stunden-Arbeitszeit hin. Alle Zimmerer Berlins und der Umgegend haben dies unbedingt einzuhalten. Nachschrift der Redaktion: In dem Bericht sind eine Reihe pole- Mischer Ausführungen enthalten, u. a. auch gegen den„Vorwärts". Repschläger scheint wieder einmal das Bedürfnis zu haben, in der Münzstraße in den Geruch unentwegter Liebedienerei gegenüber den jeweiligen moskowitischen Gewalthabern und deren Handlangern in Deutschland zu kommen. Das mag R. in der„Roten Fahne" abtun. die dazu da ist._ Die Buchbinder und Papterverarbeitcr. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter hatte am Mittwoch im Gcwcrkjchaftshaus ihre ordentliche Generaloersammlung. Der Bevollmächtigte, Ge- nosse I m h o f, ging in seinem Geschäftsbericht zunächst auf die Arbeitsmarktlagc während des dritten Quartals ein. Es fei zw?.r eine kleine Besserung eingetreten, doch betreffe sie lediglich die Arbeiterinnen. Die Zahl der männlichen Arbeitslosen hat sogar noch um 55 nach dem zweiten Quartal zugenommen. Ende September waren 874 männliche und 1916 weibliche, insgesamt also 2 7 90 Arbeitslose eingetragen, worunter 433 männliche und 952 weib- liche Verbandsmitglieder. Die Zahl der Kurzarbeiter hat erfreulicherweise abgenommen, doch dürfte diese Besserung nur auf das Weihnachtsgeschäft zurückzuführen sein. Leider hat diese vor- übergehende Besserung dazu geführt, daß in einer Anzahl von Be- trieben, ohne Rücksicht auf die Arbeitslosen, Heberstunden in ganz erheblichem Umfange gemacht werden. Die Organisation ist bemüht, das Heber st undenunwesen einzudämmen, doch bedarf es zur wirksamen Bekämpfung der Mithilfe der Funktio- näre wie der Mitglieder. Der direkte Erfolg der Werbewoche entspricht leider nicht der angewandten Mühe und Arbeit. Genosie Ämhof berichtete dann eingehend über die T a r i s a b s ch l ü s s e im verslosienen Quartal. In der Buchbinderbranche gelang es, das mit dem Verein Berliner Buchdruckereibesitzer abgeschlossene und am 10. September abgelaufene Lohnabkommen bis zum 28. Januar 1927 zu verlängern. Ebenso wurde das am 30. September abgelaufene Lohnabkommen mit den Kartonnagefabriken bis zum Ab- lauf der zentralen Vereinbarungen am 31. Januar 1927 verlängert. In allen übrigen Branchen gelang es gleichfalls, alle Versuche der Unternehmer, die Löhne abzubauen, fast restlos abzuwehren. Die Tarifauskunft stellen erfreuen sich immer mehr eines größeren Zuspruches. Ebenso mehren sich die Vertretungen vor dem Gewerbe- und Innungsschiedsgericht. Infolge Arbeitsüberhäufung liegt der genaue Mitgliederbestand yom Schluß des dritten Quartals noch nicht vor, doch sind nach ober- flächlichen Feststellungen im Laufe des dritten Quartals etwa 300 neue Mitglieder aufgenommen worden, fo daß die Orts- Verwaltung Berlin etwa 8650 Mitglieder zählen dürfte bei 6934 am Ende des ersten Quartals. Jmhof schloß seinen Bericht mit der Ausforderung an die Funktionäre, in der Agitation nicht zu erlahmen. Der Kassierer B y t o m s k i erläuterte dann den im letzten Mitteilungsblatt veröffentlichten Kasienbericht, wonach die Einnahmen und Ausgaben der Zentralkasie mit 76 364,12 M. balan- eieren. Der Bestand der Lokalkasie erhöhte sich von 19 529,28 M. aus 22 221,71 M. Nach einer verhältnismäßig kurzen und sachlichen Diskussion wurde ein Antrag der Ortsverwaltung angenommen, zur Unter- stützung der ausgesteuerten Mitglieder einen Extrabeftrag zu erheben. Die männlichen Mitglieder sollen mindestens zwei Ertramarken zu 50 Pf., die weiblichen zwei Marten zu 25 Pf. entnehmen. Eine längere Debatte entspann sich über die Wiederaufnahme der 1923 und 1924 ausgeschlossenen Mitglieder, die die Ortsverwaltung beim Verbandsvorstand befürworten solle. Die Versammlung stimmte schließlich einem Antrag der Funktionäre der Blichbinderbranche zu, der sich im wesentlichen mit dem Inhalt der diesbezüglichen Anträge deckt._ Lohnerhöhung im oberschleflschen Steinkohlenbergbau Gleiwitz, 12. November.(MTB.) Die unter dem Vorsitz von Oberbergrat Ebel aus dem Reichsarbeitsministerium heute vormittag begonnenen Schlichtungsverhandlungen über die von den Gewerkschaften verlangte Lohnerhöhung für den Steinkohlenberg. bau führten zu einem Schiedsspruch, der ab 15. November eine Lohnerhöhung von 20 Pf. pro Schicht und Kopf vorsieht. Der Schiedsspruch galt für den eberschlesischen Steinkohlenbergbau ein- schließlich der Kokereiarbester. Die Lohnerhöhung entspricht einem Satz von etwa 4 Proz. des augenblicklichen Lohnes. Tie Bergarbeiterforderungen in der Tschechoslowakei. Drag. 12. November.(MTB.) Zur Lohnbewegung der Berg- arbeiter meldet eine Prager Lokalkorrespondenz: Dem Verband der Grubenbesitzer wurde heute die Entschließung der Konserenz der koalierten Bergarbeiterverbände überreicht, in der die Gewährung einer 20prozentigen Teuerungszulage für die Dauer der Teuerung verlangt wird. Der Gnibsnbesiyerverband berief für die nächst« Woche seinen Cxekutioausschuß ein, in welchem zu den gestellten Forderungen Stellung genommen wird. Es wird erwartet, daß die Antwort ablehnend fein wird. 3n der Post- und Telegraphenbcamlenschost finden am 14. und 15. November für die Orts- und Bezirksbeamtenausschüsse sowie für den Hauptbcamtenausschuß Neuwahlen statt. Jfreie Ssii>c?Nch<>ft»j»g«i>d. Giidkrel»: ßrute, Sonnabend. TVj tkbr. werksiliafilickie Iua«ndfei»r in der Scdulaula gorstec, Elke Relchen» berfter Etttific. Bewequnaockior. Re�iloi oncn. Musik. Schattenspiel«. Molto: ..Der Arbeit Lied�. Unkoslenbeitrag?d Ps Iuqendaruppe de« 3MI. Morpcn, Sonntag, veranstaltet die Iugendgrupp« eine Schniticliagd in den ttranichsbergen bei Wollersdorf. Tromnintt S'/i Udr morgens vor dem Bahnbof Srkiirr. Lerantwortlich für Politik: Dr. ttutt Seper: Wirtschaft: Art»» Sateevu»! Eewertlchaflsbewcaunq: getedr.«dkorn: geuilleton:«. t. Düfcher: Lokale» und Sonstiges: geiz aarstädt! Anzeigen: Tb. Sloike: sämtllch in Berlin. Berlag: Lorwilets-Berla« D. m. b. K.. Berlin. Druck: Borwärts Buchdruckeril und Berlagsanstalt Paul Singer u. To. Berlin SD d« Lindenstraß« 8. Sier,u 2 Beilagen»ad..tlnterbaltuna»ad Wisse»'. 'W* Reue 5Kijcfjun� unS öoclz d�ara&fer*' foröert 6cr moöcrnc'Olaucivzr von einer»jutea Jn unferer neuen Reue Packung finbok öiejes iierfan�en eine ü&errafcAcn� a�ückficfye£öf\xn%, J LZaldorf-Astoria- filijaroitcofaftrlft, AriS.\ —____—. i. sC- � A.KUSCHI klr. LZb» 4Z. Jahrgang � ��01rlö01»Ü9 Sonnabenü, 1Z. November I?2b Wenn in unseren Kaffeehäusern die Damen ihr Zitronen- oder Himbeereis verzehren, oder Eiskaffee durch den Strohhalm schlürfen, machen sie sich wenig Gedanken über den Gang der Entwicklung vom Wasser über das Roheis bis zum Speiseeis. Früher konnte man im Winter, wenn unsere Fluhläuse und Seen zugefroren waren, ganze Kolonnen von Männern beobachten, wie sie Eis in Schollen zersägten und in die Eiskeller brachten. Zwischen Holz und Stroh verpackt blieb es so liegen, bis es in der heißen Jahres- zeit zur Kühlung von Speisen und Getränken seine Verwendung fand. Namentlich die Brauereien ließen große Mengen davon ein- fahren und gaben ihren Sunden bei der Lieferung von Bier ent- sprechende Quanten mit ab. War der Winter bei uns mild, kam es nicht zu genügend starkem Eis, dann mußten große Schiffs- ladungen aus den nordischen Ländern bezogen werden. Di« fort- schreitende Technik hat auch hier Wandel geschaffen, hat uns un- abhängig gemacht von den Launen des Wetters und der Tempera- tur. Das Natureis ist durch ein Kunstprodukt ersetzt worden. künstliches Eis. In Berlin bestehen jetzt in der Hauptsache nur noch sechs große Eesellfchafien. die sich mit der Fabrikation von Kunsteis befassen. Am leistungsfähigsten sind die„Norddeutschen E i s w e r t e', die schon 1872 gegründet wurden. Auch sie haben sich in den ersten Iahren darauf beschränkt, Natureis auf dem Rummelsburger, Müggel- und Plötzensee zu gewinnen oder vom Norden her einzu- führen. Ein Rundgang durch die Norddeutschen Eiswerk« soll die Fabrikation des Kunsteises erläutern. Im Kesselhaus sind vier Wasserrohrkessel im Gang, mit zusammen S6ö Quadratmetern wasserbespülter Heizfläche und einem Betriebsdampfdruck von 12 Atmo- sphären. Hier wird der erzeugte Dampf auf 320 Grad Celsius er- hitzt. Der im Kesselhaus erzeugt« Dampf treibt im Moschinenhause drei Dampfmaschinen von je 380 bis 400 Pferdestärkeleiftung. Die Maschinen sind mit je zwei Ammonioksauge. und Druckpumpen, auch Kompressoren genannt, gekcppelt. Die Kompresioren voll- bringen zusammen eine stündliche Leistung von 2 450 000 Wärme- einheiten, bei einer Verdampfungstemperatur mit Ammoniak von 10 Grad Celsius. Die kätteerzeugungsanlagen arbeiten nach dem Ammoniak-Komprefsionssystem. Das flüssige Ammoniak wird m einem ausgedehnten Röhrensystem zum Verdampfen gebracht. Es hat die Eigenschaft, dauernd Wärme aufzunehmen und wieder ab- zugeben. Die zur Verdampfung erforderliche Wärme hat das Am- moniak der sie umspülenden S a l z s o l e entnommen, sie also ab- gekühlt. Wird die Abkühlung immer weiter durchgeführt, so ist bald der Gefrierpunkt erreicht. Die Salzsole gefriert natürlich in- folge ihres Salzgehaltes nicht Hängt man in oas unter Nullgrad abgekühlte Salzwasser Blechgefäße mit Süßwasser gefüllt, so wird es zu Eis gefrieren. Das bei dem Verfahren zu Dampf ge- wordene Ammoniak wird dann durch Berieselung der Röhren wieder in den flüssigen Zustand zurückverwandelt, geht durch die Röhrenleitung zurück, und der Prozeh beginnt von neuem. Die fünf Eisbildner der Norddeutschen Eiswerke haben jeder einen In- halt von 1600 Zentner Kristalleis, d. h. es kann in einem Zeilraum von 24 Stunden mindestens 7500 Zentner Sristalleis hergestellt werden. Obgleich die gesamten Werke direkt an der Spree liegen, kommt bei der Eiserzeugung kein Tropfen Spreewasser zur Verwendung. Das zur Erzeugung benötigte Wasser wird vielmehr eigenen Brunnenanlagen entnommen, deren Sauger 24 bis 32 Meter unter dem Flusse liegen, und die vollständig ab- gedichtet sind, so daß Flußwasser nicht eindringen kann. Das Wasser wird trotzdem in besonderen Filtern von allen Mikroben und Un- reinlichkeiten befreit. Das so gewonnene Eis ist hygienisch voll- ständig einwandfrei. Die Kunst hat hier die Natur verbessert. Das fertige Produkt in den bekannten Blocks von je 25 Kilogramm kommt dann entweder in die Vorratskeller oder zur Verladebühne. Ein großer Wagenpark und 170 Pferde stehen zur Verfügung, um die Eisblocks alltäglich der Kundschaft zuzuführen. die verlorene wärme. Wie in vielen technischen Betrieben, so gehen auch hier große Wärmemengen ungenützt verloren. In jeder Stunde gehen etwa 250 Kubikmeter Wasser von 25 bis 40 Grad Wärme in die Spree, weil keine Verwendung dafür vorhanden ist. Das Anerbieten der Firma, dieses Wasser der nahegelegenen städtischen Badeanstalt kostenlos zu überlassen— es hätte nur die Herstellung einer Leitung bedurft—, ist seinerzeit vom Magistrat abgelehnt worden. Diese Wassermengen hätten gereicht, um stündlich 1000 Bäder abgeben zu können. Neben der Kunsteiserzeugung unterhält die Firma noch einen Kühlhausbetrieb. Im Keller und auf 25 Böden mit zusammen zirka 12 000 Qudratmetern Fläche sind Kühlräume mit Durchschnittstemperaturen von minus 7 bis minus 10 Grad Celsius an Lebensmittelhändler vermietet. Ein großer Teil der Räume ist mit überseeischem Gefrierfleisch belegt, das mit be- sonderen Kühlkähnen aus Ueberseedampfern durch den Hamburger Hafen nach hier gelangt. In den Kühlräumen lagert es bei einer Temperatur von 7 bis 10 Grad unter Null, um zu passender Zeit in den Handel gebracht zu werden. Außer dem Gefrierfleisch finden wir hier alle anderen Arten Lebensmittel zur Frischerhaltung. Es lagern zurzeit in den Kühlräumen Waren im Gesamtwerte von etwa 45 Millionen Mark. Besonders interessant ist die Aufbe- wahrung von Blumen. Vor allem werden Maiglöckchen, Flieder und Rosen hier gelagert, bei denen durch die Einwirkung der Kälte der Keimprozeß zurückgehalten wird, um zu der gewünschten Zeit (im Winter) durch den Einfluß von Wärme hervorgerufen zu werden.____ jährlich 180 Mark Schulgelü. Die neue Staffelung. Der Magistrat hat beschlossen, das Schulgeld für einheimische Schüler der städtischen höheren Lehranstalten in Groß-Berlin mit Wirkung vom 1. Dezember 1926 auf jährlich 180 M. zu er- höhen und gleichzeitig die nachfolgende anderweitige Stafseluno, des Schulgeldes einzuführen: Bei emem Sesamtbruttoeinkommen im Kalender- jähr, das dem Schuljahr vorhergeht Unter 2500 Rm............ von 2500 Rm. bis 3300 Rm ausschließlich.. „ 3300„. 5000„ . 5000,„ zum Betrage des E ndg ehaltes der Gruppe 12 einschließlich Kinderdeihilsen sind zu zahlen sllr da» l.Kind 2. Kind 3. Kind y. voll '/« V, 4 Kind usw. Die Staffelung gilt auch für die Mittelschulen. Soweit Eltern für das laufende Schuljahr auf Grund der alten Staffelung Anträge gestellt und Einkommensnachweise für das Kalenderjahr 1925 vor- gelegt haben, sind neue Anträge nicht mehr zu stellen. Die alten, bereits eingereichten Anträge werden von Amts wegen nach der neuen Staffelung umgearbeitet. Die Erziehungsberechtigten, die nicht schon freigestellt waren, erhalten neue schriftliche Bescheide. Nur diejenigen Eltern, �die noch keinen Antrag gestellt haben und jetzt unter die neue Staffelung fallen, können durch die Schule einen Antrag stellen. Sieben Jahre Freie Turnerfchast Grost-Bcrlin. Am Bußtag veranstaltet die Freie Turnerschaft Groß, Berlin wieder ihr alljährliches Werbefest aller Männer-, Frauen- und Jugendabteilungen in der Zentralturnhalle Prinzen- straße 10. Dieses Fest gilt gleichzeitig der Feier des sieben- jährigen Bestehens und findet seinen geselligen Abschluß in einer Abendveranstaltung im„Gewerkschafts- hau s". lieber das sportliche Programm werden wir noch be- richten. Für heute sei nur ein kurzer Ueberblick über den Berein selbst gegeben. Die FTGB. wurde im April 1919 von nur 40 Mitgliedern ge- gründet. Der prinzipielle Grundsatz, unter Ausschaltung der Partei- Politik im allgemeinen sozialistischen Sinne nach den Beschlüssen des Bundes zu arbeiten, brachte bald starken Zuwachs. Im Jahre 1923 waren bereits 35 Abteilungen vorhanden, 1925 und 1926 war der Zugang so stark, daß sich die Zahl der Abteilungen auf 65 erhöhte. Nach der Zahl der Turn, und Sportabteilungen berechnet, dürste die FTGB. bereits jetzt einer der größten Vereine in Deutschland sein. Dagegen ist die Mitglieder- zahl infolge des kurzen Bestehens vieler Abteilungen noch nicht stark genug, um auch hier an eine der ersten Stellen rücken zu können. Die Wunder der Klara van Haag. 12] van Johannes Vuchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Denn wenn der Sinn nicht war, daß Frauen hier in der Welt ganz und gar zu Unnützigkeit und Hemmung waren, so mußte der Sinn wohl sein, daß sie ihre Männer und Kinder beeinflussen und etwas aus ihnen machen sollten. Was war aus diesem Manne zu machen! Herr van Haag wählte mit Sorgfalt seine gestreiften Hosen, er räusperte sich, glättete seinen Bart und sah mit Bewundtrung in alle Spiegel, an denen er vorbeikam. Darüber hinaus tat er n i ch t s in dieser Welt. Konnte nichts mehr, wollte nichts mehr. Für ihr Geld waren sie in die großen Länder gereist. Herr van Haag wußte daher, daß man in Paris, London, Wien und Rom untadelige Herrengarderobe bekommen konnte. Er wußte, daß die Scheiben in vielen, vielen Städten blank waren und gut spiegelten. Das war sein Gewinn von den Reisen. Rein, sie dachte daran, wenn sie damals ihrem Dater nicht erlaubt hätte, Kasper Egholm zur Tür hinauszuwerfen... Eine Frau erinnert sich jeder Kleinigkeit aus Liebe zu ihrem letzten Seufzer. Aber hier war nicht die Rede von Kleinigkeiten. Einer so weißglühenden Liebe war Frau van Haag nie, nie mehr im Leben begegnet. Das fühlte sie jetzt und seufzte. Sein flüchtiger Sinn hätte gezügelt werden können. Frau van Haag spannte die Muskeln Ihres Körpers. Sie spürte das Gefühl, einen störrischen Pferdetopf hintenüber zu zwingen Hedwig ärgerte sich, daß ihre Worte anscheinend so ge- ringe Wirkung taten: aber sie hatte noch mehr Karten in der Hand. „Und dann glaubt Vater ja. er sei ein heiliger Gottes- mann, und alle seine Handlungen geschähen Gott zur Ehre, und jede Schmalzstulle, die er ißt, sei ihm vom lieben Gott selbst in die Hand gesteckt. Er sagt zu Gott: ach. leih mir eben mal fünfzig Kronen. Ich habe es gehört, denn ich war selbst dabei. Ich mußte ja mit den anderen beten, als ich noch zu Hause war." „Mein Gott—! Dann glaubt er also wirklich an Gott?" „Ja— glaubt— ja," sagte Hedwig unsicher. „Sonderbar--" „Das tun ja viele, ohne daß sie den lieben Gott hinter sich herziehen, wie ein Junge eine tote Katze an einer Schnur schleppt." „Wirklich? Wer sonst noch? Wirklich, wer sonst noch?" „Der Pastor zum Beispiel." „Rein, jetzt führst du mich sicher an, Hedwig. Der Pastor soll an Gott glauben! Rein, Knarreby ist zwar ein eigentümliches Städtchen, aber.. Das war Hedwig unverständlich. Glaubte der Pastor, der sie konfirmiert hatte, nicht an Gott! Sie mußte lachen. Aber die Gnädige lachte nicht mit. Sie saß tiefernst da mit großen verwunderten Augen, ein wenig vornübergebeugt, die Hände unter dem rechten Knie gefallet. Kurz darauf sagte sie:„Dann müßte er der erste sein. Ich meine natürlich glauben in ganz naivem Sinne, was ja das einzig Ge- ziemende ist. Theologisches Gerede und Gewebe kenne ich. Du sagst, dein Vater betet um fünfzig Kronen. D a haben wir den richtigen Standpunkt. Wer nicht um fünfzig Kronen beten kann, zählt nicht mit. Er ist lau." Hedwig wollte nicht auch diesen Einsatz verlieren, es galt ja ihre ganzen Lebensanschauungen, dann lieber all« Rück- ficht beiseite setzen und das Schlimmste erzählen:„Keiner ist lauer als Vater. Sie kennen ihn nicht, Fvou van Haag. Aber ich kenne ihn. Ich habe gesehen, wie er flach auf dem Boden lag, um sich beim lieben Gott beliebt zu machen, und dann aufftand, um im Laufe von fünf Minuten zum Henker und Gewalttäter zu werden. Was er mir und meinem Bruder Sivert angetan hat, will ich gar nicht erwähnen. Aber Mutter hat er mehr als einmal geschlagen, daß sie umgefallen ist!" Hedwig sprang vom Stuhl auf und stand mit blitzenden Augen vor ihrer Gnädigen. „Ja, das hat er getan!" sagte sie. Was würde diese zarte, stengelranke Frau dazu sagen? Empörte sich eine Frau nicht immer über die Mißhandlungen einer anderen? Frau van Haag schloß die Augen und sagte:„Dachte mir schon, daß dein Vater nicht so leicht eine gefunden hätte, die fein Temperament zu beherrfchen wüßte.— Ist deine Mutter nicht eine kleine schwache Frau?— Ja, ich dachte es mir. Rein, Kleine, man darf nicht so völlig einseitig und schnell über recht verwickelte Dinge urteilen. Temperament ist Feuer. Und muß genährt werden. Und muß gehütet werden. — Aber Feuer ist gefährlich. Deine Mutter ist, glaube ich. ein Kind, das sich die Finger verbrannt hat. Du und ich, wir wollen deinen Vater nicht verurteilen. Wir wollen ihn verstehen." „Ich werde nie etwas anderes verstehen, als daß er ein Tyrann ist." „Dieser Standpunkt wird dich bald langweilen." „Rein! Weshalb?" Die Gnädige sprang vom Küchentisch herunter. Sie war tief in ihren eigenen Gedanken. „Wshalb? Wenn sonst nichts ist, dann weil dieser Standpunkt so schrecklich alltäglich ist." „Alltäglich?" „Ja so unerträglich alltäglich." Hedwig setzte sich plötzlich auf den Küchenstuhl und ver- mochte nicht, ihre Augen frei von Tränen zu halten. „Ist es denn so schrecklich, wie andere Menschen zu sein?" „Ja." sagte Frau van Haag,„das Alltägliche ist wie ein mit Wafser verdünntes Nichts. Glaube mir, ich kenne das. Scheue das Alltägliche, tritt es mit Füßen, bespeie es. Es ist schrecklich, sage ich dir. Eines Tages wirst du deinen Vater mit ganz anderen Augen ansehen." 5. Kapitel. Egholm ist wütend. Seine Pläne sind auf die gemeinste Art und Wise, die man sich denken kann, durchkreuzt worden. Sivert ist durchgebrannt— zu einem Paar gehören zwei. Jetzt denkt Egholm verwirrt, wenn er Sivert gehabt hätte, dann hätte er auch schon Petrea eingefangen, und dann wäre das Paar dagewesen. Sivert ist weg. Da liegt ein Zettel von ihm: Herzlichen Gruß. Schreibe bald. Stets Euer Sohn. Sivert Egholm, Glosergeselle. Ich liebe nämlich eine andere. „So ein undankbarer Lümmel!" sagt Egholm und tram- pelt auf den Abschiedsbrief.— „Steht gar nichts darin, wo er hingegangen ist?" fragt die Mutter betrübt. „Nein, und das ist mir auch gleich. Wnn er es übers Herz bringen kann, seinen Eltern diesen Kummer zu bereiten!" „Ach. sie wären nie glücklich geworden, vielleicht." „Sie! Nein, aber ich!" „Sei ruhig, Egolchen, alles kann noch gut werden. Ick) glaube gar nicht, daß sie überhaupt etwas hat. Sie haben überall Schulden, sagen die Leute." „Jeder Pfennig Schulden bedeutet ein Plus an Kapital," sagte Egholm fanatisch. Er begab sich wütend auf seinen Morgenspaziergang. (Fortsetzung folgt.) Die Freie Turnerschaft Groß-Berlin ist in Bezirke eingeteilt, die auch eine gewisse finanzielle Selbständigkeit haben, so daß neu hin» zutretenden Vereinen der Beitritt wesentlich erleichtert wird. Im übrige» ist die gesamte Leitung zentral geregelt. Ein gut aus« gestattetes Mitteilungsblatt von!(3 bis 20 Seiten, mit Illustrationen versehen, ferner ein besondere, Mitteilungsblatt für die Kinder- abteilungen, find gute Werbemittel. Zentrale Lehrkurse und Ver- anstaltungen mannigfacher Art sorgen für Erhöhung der LeistungS- fähigkeit des Vereins. In sportlicher Beziehung wird das neu- zeitliche Turnen nach Altersklassen in Altersriegen. Männer- und Iugendabteilungen gepflegt. Für Iungmädchen kommt noch das Mufikturncn und die rhythmische Gymnastik hinzu. Für Frauen über 25 Jahre sind zurzeit zwei gesondert« Abteilungen vorhanden. die starken Besuch aufweisen. Für Kinder lind 26 Turnabteilungen vyrhanden. Leichtahtl�tik und Turnspiele(Handball usw.), Hockey, Fußball, Rudern und Wanderungen oervollständigen das sportliche Programm._ vatermorü im Dorfe. Tragödie eines 84jährigen Altsitzers. Ein Kapitalverbrechen, das seit einiger Zeit die Ein- wahnerschaft des kleinen Dorfes R o t t st o ck bei Brück an der Ruthe in Atem hielt, wurde durch die Hilfe der Berliner Kriminal- polizei aufgeklärt. Am Sonnabend, den 6. November, wurde der 84 Jahre alle Altsißer Gustav Schmidt in seiner Wohnung in Rottstock t o t aufgesunden. Im Dorfe wußte man nichts Näheres, aber man munkelte sofort, daß der Greis keines natürlichen Todes gestorben fei, daß vielmehr andere bei seinem Ableben die Hand im Spiele gehabt hätten. Die Oberstaatsanwaltschast in Potsdam ließ die Leiche beschlagnahmen und forderte zur Aufklärung von der Landes- kriminalpolizei in Berlin einen Kommissar an, der die Angelegenheit schnell aufklärte. Der alte Schmidt hatte zu Beginn der Jnflations- zeit seine Büdnerwirtschaft an seinen Schwiegersohn Kranepuhl abgetreten. Dieser, ein rechtschasfcner, ruhiger und fleißiger Mann, stand mit dem Ältsitzer auf gutem Fuße, nicht dagegen seine Frau. die jetzt 46 Jahre alte Tochter Luise des alten Schmidt. Frau Kranepuhl, die Mutter von drei Kindern im Alter von 12 bis 16 Iahren, galt im Dorfe als ein„Teufer. Es war bekannt, daß sie ihren greisen Vater öfter verprügelte, besonders, seitdem es wegen der Aufwertung für die Blldnerwirtschaft zu Streitigkeiten gekommen war. Der besonnene Schwiegersohn mahnte wiederholt, aud�diefen Zwist beizulegen und sich in Güte zu einigen. Seine Frau aber ließ sich nicht beruhigen und setzte die Mißhandlungen fort, um auf diesem Wege ihr Ziel, eine möglichst geringe Auf- wcrtung der Ansprüche ihres Vaters, zu erreichen. Zur Verant- wortung gezogen, konnte die Frau ihr Verschulden an dem Tode des Vaters nicht ganz leugnen, denp die Obduktion hatte fest- gestellt, daß der Greis durch Schläge furchtbar zuge- richtet worden war. Unter anderem waren ihm drei Rippen ge- brachen/ deren Spitzen waren in die Lunge eingedrungen und hatten sie durchbohrt. Diele Verletzungen waren als die Todesursache fest- gestellt worden. Die Tochter gestand dann auch die Mißhandlung, behauptete aber, daß sie drei Wanderburschen von der Straße ins Haus hereingerufen und von ihnen ihren Vater habe verprügeln lassen. Räch dem Ergebnis der Ermittlungen aber hat sie ohne Zweifel, von vornherein die Absicht gehabt, den Greis zu erschlagen und allein gehandelt. Während ihr Mann auf dem Felde war, ichickte sie die Kinder weg, verschloß die Wohnung und fiel mit einem Knüppel r den greisen Vater her. Frau Kranepuhl wurde festgenommen. Auf dem Wege nach dem Amts- gerichtsgcfängnis in Potsdam versuchte sie zu entsliehen, wurde aber von dem Landjäger gleich wieder einaeholl und festgenommen. Am Donnerstag erhängte sie sich im Gerichtsgefängnis. Das Geflügel im Zunkhous. � Die 20. Allgemeine Geflügel-Ausstellung des Vereins Berliner Geflügelzüchter„Fortuna" wird heute in der großen Funkholle am Kaiferdamm zu Berlin(Ringbahn- Hof Witzleben), die das Messeamt der Stadt Berlin zur Verfügung gestellt hatte, eröffnet, und zwar als 3. Berliner Jung- geflügel schau. Diese Form wurde gewählt, weil sich das all- gemeine Interesse neuerdings den Iunggeslügelschauen zuwendet, die berufen sind, den Züchtern und dem großen Publikum zu beweisen, daß es durchaus möglich ist, im zeitigen Frühjahr erbrütete Tiere soweit zu bringen, daß sie Mitte Oktober bis Anfang November vollkommen ausgewachsen und ausgemästet sind und gerade dann mit dem Eierlegen beginnen, wenn die alten Hühner damit auf- hören, wodurch sicher ein beachtenswerter wirtschaftlicher Ausgleich geschaffen wird. Zgr Schau gestellt sind etwa 4000 Stück erst- kl assigen Geflügels aller Axt. Den Reigen eröffnen die Truten, Ganse und Enten mit 210 Tieren. Daran schließen sich die deutschen Hühnerrassen und dann folgen die schweren Fleischhuhner wie Plymouth. Orpington, Mechelner usw. Besonders hervorzuheben find hier die mit 340 Tieren vertretenen Rhode- lander und die 376 Wyandotten in den verschiedensten Farben- schlügen. Dann geht es zu den Zierhühnern und den durch Eier- legen ausgezeichneten Minorkas, Italienern, Leghorn und anderen leichten Rassen. An Zuchtstämwen. Herden und landwirtschaftlichem Rutzgcslugel sind über 100 Nummern ausgestellt, die aus je einem mannlichen und 3 bis 6 weiblichen Tieren bestehen. Die Zwerg- huhnarten sind infolge der Beteiligung des Reichsverbandes Deutscher Zwerghuhnzüchter-Vereme besonders zahlreich vertteten und bilden einen Glanzpunkt der Schau. Unter dem Wasser- g e f l u g e l fallen die schweren Toulouser und Emdener Gänse, die massigen Pekinaenten und die schlanken indischen Laufenten besonders auf- Bei den Puten nehmen die Bronzeputen mit ihrem glänzen. den Gefieder den ersten Platz ein. Das bunte Volk der Tauben ist mit nahezu 700 Nummern in allen Rassen, Spielarten und Farbenschlägen oertreten. Auch hier beginnt es mit den schweren Nutztauben, unter denen Strasser, Coburger Lerchen und Luchs- tauben erwähnt sein mögen. Dann folgen die Ziertauben, wie Kröpfer, Psautauben und Perücken. Diesen schließen sich die zahl- reichen Berliner Lokalrassen an, die Tümmler aller Art, die zier- lichen Mövchen, die Farben- und Trommeltauben und endlich die Brieftauben mit 180 Tieren. In einer Sonderabteilung kommt auch die geflügel- züchterische I n d u st r i e mit Brut- und Aufzuchtapparaten, Ge- flügelstallungen, Volieren, Geräten aller Art, Literaturcrzeuanissen, Futtermitteln, Medikamenten usw. zur Geltung. Die Ausstellung kann seiner lebenden und an Freiheit gewöhnten Bevölkerung wegen nur bis Montag, den 15. November, abends 7 Uhr geöffnet aehatten werden. Noch einmal Rechtsanwalts- und Notariatsgebnhren Von anderer Seite wird uns zu diesem Thema geschrieben: In Nummer 633 gibt der„Vorwärts" die Zuschrift eines Ein- senders wieder, in welcher das Verlangen noch Herabsetzung her Rschtsonwalts- und Notariatsgebühren damit begründet wird, daß der Rechtsanwalt für eine Zohlirngsaufforderung bei einem Objekt von 8000 M. 400 M. verdiene, und daß«in Notar bei einer Unter- schriftsbeglaubigung 86 M. in Ansatz bringe. Diese Angaben sind unrichtig. Die gesetzliche Gebühr des Rechtsanwalts für«ine Zah- lungsaufforderung beträgt bei einem Objekt von 8000 M. nicht 400 M., sondern 14 M., bei einem Objekt von 1600 M.(größere Obfekt« kommen für Proletarier kaum jemals in Frag«) beträgt diese Gebühr nur 2 M. Bei den Wersstufen. die für Proletarier in Frage kommen, ist diese Gebühr noch erheblich geringer: so beträgt sie bei einem Streitgegenstand von 200 M. nur 2 M., und bei einem Wart von 1600 M. 6 M. Bei einer Unterschriftsbeglaubigung be- trägt die Gebühr selbst bei einem Objekt von 320 000 M. erst 84,00 M. Derartige Objekte kommen natürlich nur ganz ausnahms- weise und nur bei schwerreichen Leuten in Frage. Bei einem Objekt von 1600 M. beträgt die Gebühr sür die Unterschristsbeglaubigung ganze 2 M. Nach der deutschen Gesetzgebung sinh die Anwaltsgebühren in der Wesse geftasfclt, daß Per Anwalt bei kleinen Ob- jekten Geld zujetzt, während die mittleren Objekte einen Ausgleich Ein Tag öer Sauunfälle. Beim Untergrundbahnbau— Glück im Unglück. Die Berliner Unfallchronik ist gestern nachmittag um einige schwere Unfälle, die zum Glück keine Todesopfer gefordert haben, bereichert worden. In der Münzstraße stürzte eine Dampf- ramme um, durchschlug das Dach eines gerade vorüberfahrenden Straßenbahnanhängers und beschädigte das Oberdeck eines Auto- busses. Glücklicherweise wurden nur drei Personen verletzt. Der Sachschaden dagegen ist sehr groß. Vas Unglück in öer Münzflraße. lieber das Unglück, bei dem wie durch ein Wunder nur drei Personen, zwei erheblich, doch nicht lebensgefährlich, verletzt wurden. erfahren wir noch folgende Einzelheiten: In der Münzstraße werden gegenwärtig Rammarbeiten für den Tunnel der im Bau besindlichen Untergrundbahn Gesundbrunnen— Neukölln ausgeführt. In einem Teil des Straßenzuges sind bereits zahlreiche schwere Eisenträger in das Erdreich versenkt worden. Gestern nachmittag gegen 3 Uhr mar die Arbeitskolonne mit der Dampframmc vor dem Hause Münzstraße 26 an- gelangt. Die große Ramme, die auf eisernen Schienen steht, sollte einige Meter weitergeschoben werden. Kaum hatten die Arbeiter die Ramme ein Stück sortbewegt, als sie sich nach dem Straßendamm zu überneigte, und unter lautem Krachen umstürzte. Gerade in diesem Augenblick passierte ein Straßenbahnzug der Linie 49 und ein Autobus der Linie 24 die Unfallstelle. Mit voller Wucht schlug has Holzgerüst auf das Verdeck hes Anhängewagens auf, has schwer beschädigt wurde: die Hinterplattform wurde total zertrümmert. Das Oberdeck des ebenfalls die Unfallstelle passieren- den Autobusses, Linie 24, wurde abgerissen und auf die Straße geschleudert. Der Fahrgäste beider Fahrzeuge bemächtigte sich eine beispiellose Panik, laute Schreckensrufe ertönten aus den Wagen- innern. Alles glaubte zunächst an eine Katastrophe. Vorübergehende machten sich sofort an das Hilfswerk, andere alarmierten die Feuer- wehr unh das stähtische Rettungsamt. Glücklicherweise bewahrheitete sich has Gerücht von Todesopfern und vielen Schwerverletzten nicht. Nur drei Personen hatten mehr od«r minder er- hebliche Verletzungen erlitten, die aber, wie sich später herausstellte, nicht lebensgefährlicher Natur sind. Der SOjährige Straßenbahnschasfner Albert Tuchy aus der Florastr. 58 zu Pankow zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu. Der 17jährige Kaufmann Nachy Gegner aus der Linienstr. 44 er- litt Verletzungen an beiden Händen und an der Stirn. Die Ehefrau Marie Zieger, aus der Wallner-Theater-Straß« kam mit einer geringfügigen Berstauchung und Hautabschürfungen davon. Während die Letztgenannten nach Anlegung von Notoerbänden in ihr« Wohnungen entlassen werden konnten, mußte der Schaffner von der Feuerwehr in das Hedwigskrankenhaus gebracht werden. Di« 41jährige Ehefrau Gisela Kasper aus der Boyenstr. 14, die in dem beschädigten Autobus fuhr, erlitt einen Nervenschock, konnte aber. ihrem eigenen Wunsch entsprechend, in ihre Wohnung gebracht werden. Die Unfallstelle wurde in weitem Umkreis durch ein starkes Schupoaufgebot abgesperrt. Der Polizeivizepräsident Dr. Friedensburg, Oberbrnnddirektor G e m p p und der Leiter des städtischen Rettungsamtes, Dr. Paul Frank, leiteten persönlich hie erforderlichen Absperrungs- und Hilfsmaßnahmen. Durch den Unglücksfall mußte der gesamte Fuhrwerks- und Straßen- verkehr umgeleitet werden. Die Aufräumungsarbeiten, die von der Feuerwehr und von Arbeitern der Untergrundbahn vorgenommen wurden, dauerten bis in die späten Abendskunden hinein. Es ist noch als ein besonderer Glllckszu stand zu bezeichnen, daß sich der sogenannte viele Zentner schwere Rammbär gerade unten befand. Im anderen Falle hätte das Unglück einen viel größeren Umfang annehmen können. Eine genaue Untersuchung über die Ursache des Unglücks ist bereits eingeleitet worden. Es wird aber vermutet, daß das Unglück durch unsachgemäße Bedienung herbeigeführt worden ist. ver Schachteinflurz in öer Neanöerflraße. Zu dem Schachteinsturz in der R e a n d e r st r a ß e. wo eben- falls Bauarbeiten für die Untergrundbahn vorgenommen werden, über den wir bereits in einem Teil unserer gestrigen Abendausgabe berichteten, erfahren wir noch folgendes: Gegen 1 Uhr nachmittags rutschten vor dem Hause Neanderstr. 33 etwa drei bis vier Kubikmeter Sandmassen, die durch einen Bohlenverschlag herausgedrückt wurden, in den fünf Meter tiefen Schacht. Mehrere Arbeiter, die dort beschäftigt waren, konnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicher- heit bringen und wurden verschüttet. Die Feuerwehr wurde gerufen. Nach wenigen Minuten erschien sie an der Unfallstelle. In der Zwischenzeit hatten sich bereits Arbeitstollegen an die Bergung der Verschütteten gemacht. Zwei von ihnen, der 38jährige Arbeiter W i l h e l m S ch u l z aus der Kopenhag«ner Str. 14. und der 32jährige Arbeiter Alfred Kabelitz aus der Müller- straße 26 hatten innere Verletzungen erlitten und mußten in das Bethanienkrankenhaus übergeführt werden. Es besteht keine Lebensgefahr. Ein dritter Arbeiter, der 60jährige Ernst Rüben aus der Allensteiner Str. 26 konnte nach Behandlung auf der nächsten Rettungsstelle in seine Wohnung entlassen werden. Eine Untersuchung über die Ursachen des Schachteinsturzes ist eingeleitet worden. LichtflSrung im Zentrum verttns. In der fünften Stunde wurde das Zentrum Berlins von einer etwa halbstündigen Licht st örung heimgesucht, die sich in den Geschäften der City recht unangenehm bemerkbar machte. Die Stromstärung hatte ihre Ursache darin, daß in den Umformer- werken Königin-Augusta-Straße und Mark- grasen st raste infolge Schwankungen in der Hochspannungs- leitung, sogenannter primärseitiger Störungen die Umsormerauto- malen überlastet wurden und heraussprangen. Die Beseitigung der Stromunterbrcchung nahm in der Königin-Augusta-Straße nur etwa 5 Minuten in Anspruch, während es in der Markgrasenstraße, von wo aus hauptsächlich die City mit Elektrizität versorgt wird, d>e Umschaltung etwa eine halbe Stunde dauerte, da gleichzeitig die Automaten für Gleich- und Drehstrom betrofsen waren. Die Unter- suchung, woraus die Stromschrr-'nkunoen im Leitungsnetz zurückzuführen sind, ist noch nicht abgeschlossen. Zusammenfloß zwischen Straßenbahn unö Autobus. Zu einem folgenschweren Zusammenstoß zwischen einem Autobus der Linie 5 und einem Straßen- bahnzugderLinie69 kam es gestern nachmittag um 143 Uhr vor dem Hause Potsdamer Str. 122. Hierbei wurden zwei Fahrgäste schwer verletzt. Der 22jährige Dekorationsmaler Karl Rosenkranz aus der Florastr. 6 zu Steglitz, zog sich schwere Kopfwunden zu und der 28jährige Diplomingenieur Max Leederer aus der Akazienstr. 26 zu Steglitz, trug einen Arm- und Schulterbruch davon. Die Verletzten wurden durch einen Wogen des städtischen Rettungsamtes in das Elifabeth-Krankenhaus ge- fchafst. Durch den Unfall entstand eine längere Verkehrsstörung. Die Schuldfrage ist noch nicht einwandfrei geklärt. zwischen Unkosten und Einnahmen gewähren, und nur die Ge- Köhren bei großen Objekten derartig bemessen sind, daß der Anwalt bei diesen auch seinen Verlust an den kleinen Objekten herein- bringen kann. Ich verstehe wohl, wenn die Großkapitalisten gegen eine derartige soziale Staffelung der Anwaltsgebllhren(die Be- mühungen sind bei kleinen Objekten natürlich die gleichen wie bei großen Objekten) Sturm laufen, habe aber Zweifel, ob es im Inter- esse der werktätigen Bevölkerung liegt, auch ihrerseits eine derartige Regelung anzugreifen. Ich möchte nur erwähnen, daß bei der gegenwärtigen gesetzlichen Regelung der Anwalt in der untersten Wertstuse für die Klageschrift, die Schriftsätze sowie für die Kon- ferenzen und Korrespondenzen ganze 2 M. erhält, und für die Wahrnehmung der Termin«, die insbesondere in Berlin oft viele Stunden in Anspruch nehmen, gleichfalls 2 M. Wenn eine Beweis- aufnähme stattfindet, kommt hierzu noch eine Gebühr für die Ver- tretung in der Beweisaufnahme mit 1 M., und falls das Ergebnis der Beweisaufnahm« verhandelt wird, eine weitere Gebühr von nochmals 1 M. Die Gebühren dieser Wertstufe sind genau halb so hoch, als sie vor dem Kriege waren. Ein„Kultnrwerk ersten Grades", Herr Friedeberger und Sohn hatten eine sehr einfache Methode erfunden, um zu Geld zu kommen: Sie gründeten ein Verlags- unternehmen„Deutsche Kultur" und beschlossen, ein deutsches „Kulturwerk" ersten Grades zu schaffen. Zu diesem Zweck« suchten sie mehr oder weniger bekannte Künstler, Dichter und Wissen- schastler auf, ließen sich von ihnen den Lebenslaus erzählen, Photo- graphien geben— und eröffneten ihnen dann, daß es von ihnen sehr freundlich wäre, wenn sie sich auch das Kulturwerk ersten Grades bestellen würden. Es dürfte nur die Kleinigkeit von 186 Mt. tosten— dafür würde es aber auch ein Prachtwerk werden. Die Künstler und Wissenschaftler, waren auf diese Zumutung eigentlich nicht gefaßt. Wohl wünschten sse etwas für ihre Unsterblichkeit zu tun, auch hatten sie nichts dagegen, für sich einen Separatabzug ihres Levenslaufes zu erhalten. Daß sie aber zu ihrer Unsterblichkeit auch durch die Abnahme des Kulturwerks beitragen sollten, wollte Ihnen gar nicht einleuchten. Aber schließlich, was tut man nicht um der Unsterblichkeit willen! So bestellten die Künstler und Wissen- schaftler das„Kulturwert ersten Grades" und erhielten es auch. Groß war aber ihr Erstaunen, als es sich nun heraus- stellte, daß es mit einem Prachtwerk nichts gemein hatte und auch gar kein„Kulturwert" war. Der Einband war, wie der Sach. verständige sich ausdrückte, einfach Dreck, das Papier taugte auch sehr wenig und ein großer Teil des Buches diente allein Reklame- zwecken, in dem Bäder und Kurorte beschrieben wurden. Ver- schiedene Wissenschaftler und Künstler waren ohne ihr Wissen da hineingeraten, andere nahmen ihre Einwilligung zum Abdruck ihre» Lebenslaufes zurück. Die Besteller des Werkes weigerten sich, aber den Rest des Substripttonspreises zu zahlen. So wurden sie ver- klagt. Die Betrogenen machten ober ihrerseits den Staatsanwalt mobil. So standen Herr Friedeberger und Sohn gestern vor dem Schöffengericht Charlottenburg und die Wissenschaftler und Künstler traten einer nach dem anderen vor den Zeugentisch und erklärten, daß sie sich betrogen fühllen. Das waren sie ofsensichtlich auch. Das Urteil lautete auf 11 Monate Gefängnis und 2000 Mark Sozialistische Arbeiterjugend Gros;- Berlin Jungsozialistische Vereinigung Fte volutious-? eier morgen, Sonntag, 14. Nov., vorm. 1 1 Uhr. Im(Broßen Schauspielhaus. Einlaß 10 Uhr.— SintrtttSlarten i SO Pf. sind an der Kasse erhölllich. VortragSsolge: 1. Gemeinsames Sied: ISir werden im Sterben 2. Prolog: Ter neue Sünoii sMnr Barilieli 3 Sorte zum Gedentcn der ztcoolution: M Soenger, M. d R. 4. Atenschheitsmille, TramalischeS«Biel sür BewegungS-Sprechchor von Herm. STtmdiuZ lEislaussührung). 5... Fregestr..»WWW.. Straße 5, Schönwetter, Lichlerselde, Händelplatz 5 a, Lobrengel, Tempelhos, Ringbabnstr. 5g, Irnich, Neukölln, Steinmetzftr. 78, Harnisch, Neukölln, Geygcrstr. 4, Moll, Neukölln. Emscr Str. 57, Bormaun, Neukölln. Liberda- straße 15, BundeSmonn, Niedcrschöneweide, Köllnischc Str. 38, Marie Wudtke-IonkowSki, Köpenick. Borgmannslr. 18, Weiß, Karlshorst, Junker- Jörg-Ttr. 27, Echeibenhuber, Lichtenberg, Neue Babnhosstr. 1, Stein, Lichlenberg, Wagnerstr. 37, Neumann, Weißensee. Lichlcnberger Str. 1, Kubig, Pankow, Maximilianstr. 43 a. Schönewelk, Reinickendors-Ost, Pro- vinzstraße 48. Führung durch da» Märkische Aluseum. Am Sonntag, den 14. d. M., vormiltag» 10 Uhr. findet sür die Milglieder der ArbeitSgemeinschast sür Forstschutz und Naturkunde E. V., Berltn-Friedrichskagi», eine sachkundige Führung durch das Märkiiche Museum statt. Trefipunkt: Eingang. Es wird ein kleiner FührungSbeilrag erhoben. Gäste willkommen. .Frei« Sozialistische Hochschule- Am heutigen Sonnabend, dem 13. November, abends T/, Ubr, findet im Festsaal deS Preußiichen Landtags, Prinz-AIbrecht-Straße, em Festabend statt, zu dem die Hörer der Freien Sozialistischen Hochschule, ebenso auch der ArbeiterbUdungsschule eingeladen sind. Im Mittelpunkt des Abends steht ein Vortrags des Ge> nossen Pros. Leo Kestenberg, seiner finden Lieder- und Klavier- Vorträge statt. Einlaßkarten k 30 Psennig find in den Kursen der genannten Schulen sowie in der Buchhandlung I. H. W. Dietz Nachs., Lindenslr. 2. im Sekretariat des BezirkSbildungSauS chulseS, Lmdeustr. 3, 2. Hos, links 2 Treppen, zu haben. Sport. Polizei boxkämpfe. ' Der Polizeisporwerein veranstaltete kürzlich im Kriegervereins- haus einen Borkampfabend, auf dem es durchweg flotte und auch technisch gute Kämpfe zu sehen gab. Im Fliegengewicht konnte S ch m i d t-PSV. über Weber- Hercs nach Punkten überlegen gewinnen. Zwei unaleich« Gegner stießen im Leichtgewicht auf- einander: B l ü m e l-PSV. und L o l k m a r-Heros. Der flinke und vorzügliche Volkmar punktete den im Ring oft recht unbe- Holsen erscheinenden Llümel hoch aus. Blümel kam aber ohne Schwierigkeiten über die Runden. Einen sehr knappen Punktsieg errang B ä ch l e r- Heros über O n d e r a I PSV. im Federgewicht. Man hat O. schon in weit besserer Verfassung im Ring gesehen. Einen interessanten Kampf gab es im Mittelgewicht. G a i k o w s k i PSV. konnte gegen P i st u l l a, der wiederholt sehr oute Mo- mente zeigt«, nur ein.Unentschieden"' herausholen. Im Welterge- wicht wurde Schröder. Heros ein Punktsieg über R i e m a n n PSD. gegeben. Ein Unentschieden hätte dem Kampfverlaus mehr entsprochen. Ein Teil des Publikums gab deshalb durch Pfeifen zu verstehen, daß es mit dem Urteil nicht zufrieden sei. Im Bantam- gewicht gewann Onderka II über B a u h s u s> Heros klar nach Punkten._ Wc lerberichl der Sfievllicheu Wetterdieaststelle für verlin und Umgebung. Zeitweise neblig, sonst trocken und heiter. In den Tagesstunden wieder mild.— Für Oeustchlaud Fortdauer de« teils heiteren, teil» nebligen. am Tage milden Detter». Kennen Sie sclion>VrlßIey P. K.- Kau-Bonbons? Wenn nicht— dann machen Sie sofort einen Versuch. Dieses erprobte, aus den besten Rohmaterialien hergestellte Kau- Konfekt wirkt dauernd erfrischend auf Mund und Atem. Vorzüglich furdieZähne Appetitanregend. Verdauungfordernd. Von zielen Aerzten und Zahnärzten empfohlen. Päckchen--- 4 Stück— 10 Pf. gf n WöBl WRIGLEY P.K.KAU-BONBONS Am Nachmittag liest Ernst Friedrich Prosa und Gedichte, zusammengefaßt unter dem Titel„Mutter und Kind". Er ver» einigt Andersen, Freiligrath und Hebbel inst Berta Lask. Die Aus- wähl ist gut getroffen. Friedrich vergißt nur, daß der Vorleser in erster Linie Vorleser ist und nicht Darsteller, Schauspieler. Die Charakteristik der Personen hat sich auf Andeutungen zu be schränken. Nicht notwendig, daß jedes Wesen seine individuelle Sprache erhält, dadurch wird der ruhige Rhythmus der Andersenschen Sprache zerristen. Auf den Sprecher jedoch kommt es an.— Abends „Toska" in der Uebertragung aus der Staatsoper mit Bohnen, Talen und Anna Roselle. Vom zweiten Akt kann sich der Rund- sunkhörer kein Bild machen, hier ist ja alles auf Handlung singe- stellt, hinzukommt, daß Bohnen den Scarpia teilweise spricht. Ueber- Haupt ist dieser Sänger im Rundfunk problematisch. Bei ihm sa�t eine Geste oft mehr als die blühendste Kantilene. Er nuanciert rem gesanglich den Scarpia wundervoll, hat fein getönte Uebergänge, aber es entsteht trotzdem keine abgerundet« Gestalt, weil man ihn nicht steht, und weil Bohnen gerade im zweiten Akt den Hauptakzent auf die rein schauspielerische Durchdringung der Gestast legt. Anne R o s e l l e als Toska singt das Gebet mit stark verinnerlichtem Ausdruck, scheint aber an den dramatischen Höhepunkten zu ver- sagen. Ist Björn Talen ein begnadeter Puccini-Sänger? Kaum. Sein Tenor ist zu schlank dazu, es fehlt die berauschende, breit fließende Kantilene, und doch wird man durch seine mühelose Höhe mitgerissen. Das Runäkunkproxi-amm. Sonnabend, den 13. November. Außer dem übliolien Tagesprogramm: ».SO Uhr nachm.: Die Viertelstunde ffir den Landwirt. 4 Uhr nachm.: Dr. Emst Cohn-Wiener:„Die Ausstellung der Berliner Sezession". 4.30—6 Uhr abends: Xachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v.Szparowski. Anschließend: Katschläge fürs Hans, Theater- und FUmdienst. 3 30 Uhr abends: Professor O. Colson:„Viktor Hugo"(In französischer Sprache). 7.05 Uhr abends: Regierungsrat Schorofc: „Dalmatinische Reiseeindrücke"(Spalato). 7.30—8.20 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnle(Bildungskurse). 7.30 Uhr abends: Abteilung Philosophie. Dr. med. Alfred Beyer:„Lebenstuohtigkeit und Lebenserfolg"(Anpassungsfähigkeit). 8 Uhr abends:(Hochschulkurse). Abteilung Technische Naturwissenschaft Dr. Adolf Marcuse:„Wissenschaftliche Grundlagen der Luftschiffahrt in allgemeiner Darstellung"(Navigation von Luftfahrzeugen). 8.30 Uhr abends: Dr. Demuth:„Die Kundgebung der Wirtschafta- führer". 9 Uhr abends: Tänze. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Chopin: Polonäse A-Dur, op. 40, Nr. 1. 2. Johann Strauß: Marien-Walzer. 8, Waldteufel: Qourmandpolka. 4. Jo». Strauß: Franenherz, Polka Mazurka. 5. Gossec: Gavotte. 6. Sibelius: Valse triste. 7. Delibes: Coppelia: Ballett-Suite. (Berliner Funkorehester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe dar neuesten Tagesnacbrichten. Zeitansage. Wetterdienst Sportnachrichten, Theater- und Filradienat 10.30—12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Xanzorehestar Ette). Königswusterhansen, Sonnabend, den 13. November. 3—3.30 Uhr nachm.; Prof. Dr. Amsel, Ob.-SohuUehrar Wester- marm: Einheitskurzschrift. 3 30—4 Uhr nachm.: Postrat Behrend: Esperanto. 4— 4.30 Uhr nachm.: Maschinenbauschuloberlehrer Beyer: Der Beruf des Elektroinstallateurs. 4.30— S Uhr nachm.: Das Neueste aus der pädagogischen Zeitschriftenliteratur. 8 bis S.80 Uhr nachm.: Dr. Ä. Dietrich: Rudolf Euoken. Der Mensch und sein Werk. 5.30—8 Uhr abends: Direktor Niemann: Hansrat in der Arbeiterwohnung. 8—6.30 Uhr abends: Dr.-Ing. A. Sohroeder: Der Dieselmotor and seine Anwendung. 8.30—7 Uhr abends: Dr. Zwiok: Die Boraasche Krankheit der Pferde. 7—7.30 Uhr abends: Dr. Mersmann: Die deutsche Oper von Mozarb bis Schreker. 7 30— 8 Uhr abends: Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Waetzoldt: Das Wesen der deutschen Kunst Ab 8 Uhr abends: Uebertragung aus München. EUb* geht durch den Stögen, favt ein alte»©wiifimort. welche« Me menschlich« Seese besser ch-latterissert«1» mancher Psycholoye. Di« kluge Sattin kesselt den Mann an ihr Seim, wenn Ei« ihm einen ihrer selbst bereite- ten Ltllre vorsetzt und so nach des Tage» Mllhe eine frohe Stunde bereitet. Alle Sorten geraten gleich gut. wenn man Reichel-Sssenzen' mit der Lichther»- marke verwendet Die Sellfitbereitung mit Reichel-Esseuzen setzt Sie in die Log«, sich für wenig Geld auch den teuersten Likör»u leisten. Erhältlich in Drogerien und Avotheken. Dr. Reichels Rc,evtbüchlein mit erprobten Rezepten daselbst umsonst, wenn vergriffen, kostenfrei durch Otto Reichel, Berlin SO. 33, Eisendahnstr. 4. Tüchtige cheschjftsleuie im ganzen Reich stherzeugen sich täglich mehr von der Belebtheit der Wriglei) B. Ä. Saubontons und bemerken, datz der leichte Bertaus der Päckchen dazu beiträgt, die Ladenkasse zu füllen und die so ge- fürchteten Unkosten teilweise zu decken. Die kleinen Päckchen mit der luft. und staubdichten rosa Wachsvapier-Pockung stnd überall bekannt und da» Publi- kum legt gerne ei» Sehnpfennigstück für dieses billige Konfekt bester Qualität an, das durch feinen anaenehmen, dauernden Pfefferminzgeschmack zu seder Jahreszeit erfrischend wirkt.— Aerzte und Jabnärzte sprechen dem Sougumml intosern einen praktischen Wert zu, als die fiähne durch das Sauen gut reu,. «ehalten werden. Da» tz-hnfleilch wird gestrafft— durch erhöhte Speichel. bilbung werden Mund und Rachen erfrischt. Groß-6erlmer parteinachrichten. öezirksoorstanü. heule abend 6 Ahr Sitzung des erweiterten Borstavdes im Konferenzzimmer der„Vorwärts-Rcdakkion, Lindenstr. Z. * 14. Kreis Reuköllu. Anmeldungen zur Krühjahrs-llugendweihe werden in den Borwärts-Speditione» Reckarstr. 2 und Eiegfriedstr. 28— 2S von 2—6 Uhr entgegengenommen. Anmeldegebühr 50 Pf. Unterrichtsbeginn demnächft.— Der»ildnugsauslchutz Reuköllu veranstaltet im koninrenden Winter drei Feierstunden. Die erste findet Donnerstag, 18. November, 8 Uhr, Neue Welt, Sasenheide, statt. Mitwirkende: Sprechchor der Pro- letarischen sselerslunden Ubc treffen sich sämtliche Funktionäre und Partei- Mitglieder zur Agitation bei Würsdorff, Urbanstr.«. Znugsoztalisten. Achtung! Die Gruvrenleiter haben dafür»u sorgen, daß die nichtoerkauften Karten zur Revolutionsfeier am Sonntag bis 1411 Uhr an der Kasse abgegeben werden. Der Arbeitsaussckiutz. 38. Abt. Achtung, Bezirkssührerl Die Ergebnisse der Werbewoche sind schnell- stens mitzuteisen. Auch Zeitteilung der Fehlanzeigen erforderlich.— 166. Bezirk: Die Werber melden wegen Erkrankung des Bezirksfllhrcrs die Ergebnisse selbst und warten nicht weiter auf Abbolung. Das überzählige Werbematerial lagert immer noch bei Bariusch, Friedenstr. 88. S» wird nochmals um Abholung gebeten. Sterbetafel üer Groß»öerliner partet'Grgavifatlon| 18. Abt Unser Genosse Wittmaack, Bochstr. 43, ist verstorben. Die Einäscherung findet am Montag. 15. November, um SU Uhr. in der Gericht- strafe statt. 123. Abt. Kaulsdors. Die Einäscheeung des Genossen Fritz Gimpel findet am Dienstag nachmittag 5 Uhr in Baumschulenwea statt. Um zahlreiche Be- teillgung wird gebeten._ Sozialistische Mrbeiterjugenü Groß-Serlin. Trete Sezialistische Sochsihule. Sonnoidend. 20. November, 714 Uhr. spricht Prof. Dr. Karl Borländer-Münster über„Die ethische Idee im Sozialismus" im grosieu Saal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 8. Emiatz- karte 50 Pf. heute. Sonnabend, den lZ. November, abends TU Uhr: »ndÄ.'Zt spracheabend. Werbe bezirk Prenzlauer Vera: 8 Ilhr i« der Schulaula Sberawalber Str. 10 grotze öffentliche Kundgebung: Ulnsere Stellungnahme»um Gesetz gegen Schmutz und Schund". Referent Genosse Dr.«. Loewenstein. Genossinuen und Genossen, klMNNt zu dieser Kundaedung. Berbebezirk Schlineberg! Werbobezirksvorstandsfitzun« beim Genossen Jona», Salzburger Str. 4. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. Certedezlrk Lichtenberg: Jugendheim Parkaue 10. 8 Uhr autzerordentlich« Werbebezirksvorstandssitzung. Autzerdem müssen sämtlich« 1. und 2. Ab» teilunqsvorsttzenden erscheinen. Weihebezirk Müggelsee: Jeden Sonnabend Polkstanzkursu» im Festsaal der Gartenstadt Falkenberg, abend, 8 Uhr. Unkostenbeitrag 23 Pf. Mitglieder anderer Abteilungen sind herzlich eingeladen. Bildungskurse. Merbedeziri Krenzherg: I. Abend filr Jüngere. Schul« Wilmeftr. 10. Thema:„Einführung in den Sozialismus-. 1. Abend für Aeltere. Jugend, beim Reichenboraer«tr.«6, Thema:.Einführung in die Sozio laaie-. Werbedezfik NeuNNln: 2. Abend für Aeltere. Jugendheim Jergstr. 29, Zimmer Ist. Thema:„Probleme de» Marrismus". Zftorgen. Sonntag, den 14. November: Zur Reoolutionsfeier im»rstzeu Schauspielhaus am Sonntag, 14. ziooem. der, vormittags 11 Uhr, sind Einlatzkarten zum Preis« von 50 Pf pro Stück im Iugends-kretartat erhältlich. Es gelangt u. a. zur Erstaufführung das Sprechchorwerk„Menschheitswille- von Serm. Claudius. Zahnentriger, er» scheint mit euren Fahnen schon um(49 Uhr. Treffpunkte der Abteilungen� zue Revolutiousteier(alle Gruppen müssen ii H9 Uhr Danziger, Ecke Greifswaldev ... i»g«u zu, rot« Fahnen mitbringen): Balkan: Stratze.— Senefelder-Viertel: 10 Uhr Danziger Strotze(Normaluhr).— Westen! 1410 Übe Bhf. Bülowstratze.— Eharlottenbnrg l, II und M: Gemain. sanier Treffpunkt ffst Uhr vor dem Jugendheim Rosinenstr. 4.— Kaleusee. Wilmersdorf:'Ast Uhr Jugendheim Ehgriotlenburg oder Ist Uhr Lehrter Bhf.. Ecke Knvalidenst ratze.— Sieglitz l: Ist Uhr Potsd. Fernbhf.- Srgli» II: lblst Uhr Marktplatz.— Buchholz: lzlst Uhr Post.— RiederschSuhansev, iilst Uhr Friedensplatz.-«erbebe, fil Osten: Treffpunkt 9 Uhr Streu». berget Platz.— Werbebezirk Prenzlauer Berg: Treffpunkt aller Gruppen Vrlst Uhr Danziger Stratze, Eck« Schönhauser Me«(Normaluhr). * Wertebezirk Kreuzderg: Di« Gruppen treffen sich nach Schluß dar Feier vor dem Srotzen Schauspielhaus, Ausgang Schiffbauerdamm, zur Beteiligung an der Kundgebung der Sinderfreunde. Werbe bezirk Reuiälln! HS Uhr im Jugendheim Böhmisch«, Ecke Sanner Stratze. Vortrag:„Die Denkmäler Berlins in histprisch-fatlrifcher Bedeutung". Das Selm wild um 7 Uhr geöffnet vertrag Schineberg III: Zugendheim»auptf_.......... tionslprik-.—«ilneisbaif: Jugendheim Düsseldorfer Str. 3, Konzertabend, 8 Uhr. Alle Gruppen beteiligen sich an der Repolution-feier der KInderfreuntza um'/iS Uhr am Friedhof der M»r»»efallen«n. Jtl iL fonMffmlsff imm&mebt ffsfrufi •werden unsere neuenSorten deshalb, weil bermwchnfsStoMher sehrsdmdl die'§iäe derselbener kamiheä.%isereSabnlcistixus- schliesslich aufdießt Qualiiäts hiqahftei i tyieswlbedreben konantoeidUai in Sa zwnCtusdmk„ mahsthe�eschmac otdeniMi gvd. bester müben me beim ttauchenyjeil die. Chiswahl iLTflisthirades�thahmil mössterScmjfitäezßJm. Cbaru kommt die evqtmartiqe, in eirwrSojährigen, Erßdinmq begründete dt— u'sche ■Mersb, GIANACLIS »MOlMZM!WWW«M«SWl □ANDORF WOCHE. 95 Belle-Ailiance-SWe• Gr. Franklurler SiraSe. BrameastraSe< Kotttnsser Dam ♦ Wilmeisilorfer Strafte Unsere bekannte und beliebte beginnt Montag, den 15. November Vor�verlcauf tieute Staats-Theater Opernhaus a�Platz d.Republ St Cavalier. rusti- cana— Bajazzo Schauspielhaua 8 Uhr: L u I u Schiller« Theater 8 Uhr: Wilhelm Teil »!M Opei Charlotten buf VI, Uhr: Carmen M. Olszewska E. Schipper Abonn.-Turnus M. HMS! Theater ' Nbhfen 10334— 38 8 Uhr; Meldhardt v. Gneisenaa 4 tu;; i Wolfgang Qoeü Jle: Heinz Hilpert von Regie:.WWW Sonntag, 14. Novbr, nachm. 3 Uhr; QcselUchatt Kararaerspiele Norden 10334—38 ,'/« Uhr von Tristan Bernard Regie: Eug. Robert Die Komödie BIsmarcK 2414. 7516 8 Uhr vis Gefangene Von Bourdet Regie: M. Reinhardt 0 TÜgl 8>/ Theater im Admiralspalast BleteaertoU Kaller- Kenne An il aus Preise von 2-16 M. I Imrtail inaMr W • ainanky-flhiii' TU. König ritz 51. Hasenheide 2110 8 U-- Urs. ChFBjjrs Ende Sonnt, nehm. 3 U. Was Ihr wollt t Komödlenhans Norden 6304 8: Einbruch Sonnt, nehm. 3 U. Uer Garten Eden Tb. i. Nollenilorfplatz KurfDrst 2091 Franziska Volks büh ne TO. in Sdiitteertaimi! Täglich 8 Uhr: Das Grabmal ties onbekannten Soldateii. fhaatei am SBlawplati 8 Uhr: NaOUasyi Morgen 3 y.- Lysistrala 8 u.: Nachtasyl Kleine« TU. s u. KetämprädiE Heute und Sonntag C ffalroDol- Them. Täglich Uhr; Die gioBe Revue Wieder Pfetropol Retidenx-TUeal. Täglich 8'', Uhr: AbsteiggQDartier Eiitritt JunindlidOT verboten Stg.4: Rotkäppchen ThaUn-Thecier Uhr Der Biberpelz Regle: Benh Vieitei Theater d. Westens 8,/< Oer Zog oadid. Westen Nollendorf 7360 8 Uhr Neuheiten foDMbeids o. Sonntag: 2 Vorstellungen 3X und 8 Uhr. 3W zu ermäßigt. Preisen d. ganze Programm 7 a? lieh 8./J Uh, 3fiiamiadhc Cpesr Der große Onereitenerfolg Jidvienne mit Serakp Wessely, Wirt, Otass Boettcber, Hell, Loebell, Schütter. Sonntag nehm. 3 U.: in 1. Besetzung !Di/z Ahr. In Emolh» Veeeto»Han», Skolltzer Strotze 126 Branchenversammlung der Gürtler, Monteure, Sroaen- schlosser und-klempner. Sronzenre, Bronziererinnen u. Montier erinneu Tagesordnung 1. Branchenberichl Disliisllon und Verschiedenes. Miigiiedsbudi legitimiert. Erscheinen aller Branchenangehßrigen wird erwartet. Sie Ort»verwattuag. IteUCH KOSTET DIE ANSCHAFFUNG DBS WUNDER-INSTRUMENTES DURCH DAS SYSTEM OER. BEQUEMEN RATENZAHLUNGEN VORSPIEL und PREISLISTE FÜR RATENZAHLUNG AUF WUNSCH BEREITWILLIGST ELECTROLA m.1% &ERUN we. LEI PZIGERSTR.23 UFAPALAST am Zoo GLORIAPALAST a. d. Gadflchtnlskircha KÜR FÜRSTEN DÄM M KurfNrstandamm 36 MozArtsaXÄ am Nollondorffplatx TAUENTZIENPALAST TauantelanstraB« 19 UFA. PAVILLON am Nollandorfplatz KÄMMERÜCHTSPiELE Ufa-Haus Potsdamer PI. FRIEDRICHSTRASSE FrisdrlchstraBe ISO Ecke StromstraBa KÖNIGSTADT SchSnhaus. Allee 10-11 ALEXÄNDERPLATZ WEINBER6SWE6 Lilian Harvey in Dia keusohe Susanne Kegle: Richard Eichberg Lilian Harvoy in jeder Vorstellung persönlich Harold Lloyd in Harold, der Sportstudent Jugendliche haben Zutritt G ö ätä'Ekm an In..... Dar tanzendo Tor 5 Uhr Vorstellung ermSOIgte Preise Jackie Coogan in Allos für die Firma Jugendliche habdn Zutritt Dia Flacht tn den Zirkus mit Marcella Atbanl, Wladimir Gaidarow Dar Welt gewaltigster Film mit Ramon Navarro , Fausf Line deutsche Volks»»! Jugendliche haben kssagc Zutritl! DI« latzta Schlacht das KapItBiis Frank Lillian Gish in La Bohbms Aul der Bühne Anne 1S33 Fans« Eine deutsche Volkseage lugendlicho haben Zutritt Bühnenschau Lillian Gish in La Bobdma Ossi Oswalda in Dae Mädel int d. Scheukol Bühnenschau UUntorg-Biiliaa Dts Künstler* Th. 8:„Die Königin' Misury Pallecbtrg Sonnabend 3' jU.: Schneewittchen 3tg.3l.i: Oer froh. liehe Weinberg Lessing-Theater 8 u.: Plemdi and Cebermenscti Stg. VI,: Kukull Ih. J.durfiirsttndamn 8 Uhr; In der Johannisnacnt Lustspielhaus SV. Uhr: D Herzogin r.Elba Stg. 3'/»: AsdmMdil CASINO. THEATER s Uhr Gräfin Tlppmamsell Ab Donnerstag, den 18. November: Mister Cornedbeef Gutschein; Fauteuil 1 Hk. Sessel .50 Reichshailen-Thealer Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Sfefflner Sänger sdiioa: Piepers Diele „ Burleske von Mejsel Nachm halbe Preise I Oönhoff-Brett'l Varietö• Konzert■ Tanz Hambarg-ameriKa-Llnle Vorführung des neuen Films Amerika Das Land der unbegrenzl.n Möglichkeiten in der URANIA TaubenstralSe 48 49 AI 99 14.. 16., 18., 19., 21.. 23., 25. November, Beginn 5 Uhr nachmittags. 15., 22., 24., 26., 28. November, Beginn 5 Uhr nachmittags und 9 Uhr abends.— 17. November, Beginn 9 Uhr abends Karlen im TorveiKaof an der Dranla- Kasse von 10-12 Ihr vorm. und ab 4 Uhr nadim. Preise 0,50 bis 2,- M. „ CARL HAAINBECK Urcus Busch-öebäude Sonnabend Sonntag Zweimal 3 und 8 Uhr Das volle Orcusprogr___ Kinder nachmittagshaibe Preise ■HHWW Karten ab 10 Uhn Circuskasse.Keti Sonntag ab 10 Uhn und Wertheim. Harstallbesichtigung Erwach s50PtKirrfer25 Pf 4 ür. IdiaDipielhaDi Täglich SV, Uhr CHARELL- REVUE Dienst., Donnerst u. 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Sie ist der wichtigste Teil der eisen- verarbeitenden Industrie, die selbst die meisten Arbeiter in Deutsch- land beschäftigt, und hat an der Millionen Manck starken Be- legschaft der eisenverarbeitenden Industrie weitaus den stärksten Anteil. Ihr« entscheidende Bedeutung für den Export ist unbestritten. Da die Maschinenindustrie aber eine ausgesprochene Produktionsmittelindustrie ist, wäre der Moment, in dem sich bei ihr der Umschwung von der Depression zum dauernden Konjunkturausstieg vollzieht, auch für die Ueberwindung der volkswirtschaftlichen Gesamtkrise das entscheidende Symptom. Beschäftigung und Export. Von einem solchen«ntscheidenden Umschwung kann jedoch bis legt noch nicht gesprochen werden. Leider läßt sich die Entwicklung des Beschäftigungsgrades in der Maschinenindustrie nur schwer ver- folgen. So sehr man sich über den Mangel wundern muß, so muß man sich doch mit der Tatsache abfinden, daß es über Arbeits- losigkeit und Kurzarb«it in dieser wichtigen In- dustrie keine Spezialzisfern gibt. Die Beschäftigungs- zisfern des Deutschen Metallarbeiterverbandes können, anders als in der besser und stärker organisierten Textil- industrie, auch nur für den kleineren Teil der eisenverarbeitenden Industrie ein Entwicklungsbild geben. Immerhin gewähren sie einige Anhaltspunkte auch für die Maschinenindustrie. Arbeitslosig- kcit und Kurzarbeit im Deutschen Metallarbeiterverband zeigen vom September l92S bis September 1926 folgendes Bild: Arbeitslose Kurzarbeiter Zusammen Vollbeschäftigt tin Prozent der Mitgliedschaft) Danach hat die Unterbeschäftigung im Metallarbeiter- verband mit über 69 Proz. der Mitglieder im März 1926 «inen erschreckenden chöhepunkt erreicht, wobei fast 25 Proz. der Mitglieder vollständig ohne Arbeit waren. Der April zeigt eine plötzliche Besserung, die sich aber durch die Verschlechterung von Mai bis Anfang Juli als vorübergehend erweist, um erst seil der zweiten chälite des Monats Juli einem allmählichen und zunächst dauerhafteren Aufstieg zu weichen, der bis in den Oktober und November sich fortgesetzt haben dürste. Daß diese Entwicklung beim Deutschen Metallarbeiterverband derjenigen in der Maschinenindustri« im großen ganzen entspricht, zeigt einmal die Aussuhrkurve der Maschinenindustrie, die nach dem April wieder leicht absank, in den offiziellen Augustziffern einen Tiefstand erkennen läßt und für September bei sinkender Maschinen einfuhr eine Ausfuhr- st e i g e r u n g um 11 auf 66 Millionen ausweist, eine Ziffer, die um 8 Proz. über dem Monatsdurchschnitt des Jahres 1926 liegt. Inlandsaufträge und Rationalisierung. ' Uebereinstimmung besteht auch mit dem letzten Bericht des Der- bände'» deutscher M a s ch i n e n b a u a n st a l t e n für den Monat Oktober. Dieser nennt die Lage der Industrie in den ver- schiedenen Zweigen im ganzen etwas gebessert. Die Zahl der im Oktober tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden hat sich gegenüber Sep- tcinber um etwa 2 Proz. vermehrt, und wenn die Besserung in der Hauptsache sich auch durch Verringerung der Kurzarbeit auswirkte(im Oktober war nach dem Verband deutscher Ma- schinenbauanstalten aber immerhin noch«in Viertel bis ein Drittel der Belegschaften weniger als 48 Stunden wöchentlich beschäftigt). so wird doch vereinzelt von N e u e i n st e l l u n g von Arbeitskrästen berichtet, besonders von Facharbeitern. Grundlegende Besserung ist nach dem Verein deutsche?' Maschinenbauanstolten auch im Oktober noch für keinen Zweig der Maschinenindustrie festzustellen. Immerhin ist die Feststellung bedeutsam, daß die eingetretene ge- ringe Besserung(Werkzeug- und Pumpenbau. Kraftmaschinen, Ma- schinen für die Nahrungs- und Genußmittelindustrie, Textil-, beson- ders Strickmaschinen) durch erhöhte Inlandsnachfrage verursacht ist; ebenso ist der Nachdruck beachtlich, mst dem der Verein deutscher Maschinenbauanstalten die Besserung in der Kraft- Maschinenindustrie unterstreicht, die immer nur dann eintrete, wenn die kaufende Industrie auf längere Zeit hinaus mit befriedigender Beschäftigung rechne. Die Auswirkungen der Ralionalifierung in der Maschinenindustrie liegen ziemlich im Dunkel». Für Großkonzentrationen wenig geeignet, lagen die Hauptmoglich- keiten der technischen und kaufmännischen Ratio na- l i s i e r u n g für die Maschinenindustrie in der kostensparenden Ver- einfachung der Betriebe, in der Schaffung von Vertriebs- und Epe- zialisierungsgemeinfchaften, in der Tppisierung und zahlenmäßigen Beschränkung der hergestellten Maschinen- und Werkzeugarten und in der Zusammenfassung gleichgearteter Betriebe für den Markt und die Produktion. In dieser Richtung scheint seit dem Ausbruch der Krise jedoch entweder ein Stillstand eingetrÄen zu sein, oder der Rationalisierungsprozeß vollzieht sich nur langsam und im Innern der einzelnen Betriebe. Greifbarere Wirkung dürste aber die finanzielle Rationalisierung gehabt haben, die aus der vorjährigen Dezembertagung des Vereins deutscher Maschinen- bananstalten mit besonderem Nachdruck sür jeden einzelnen Betrieb gefordert worden ist. Die damalige Forderung, daß die Maschinen- industrie angesichts der Krise, die nicht wieder künstlich hinaus- zuschieben, sondern endgültig durchzufechten sei, in erster Linie„den Geschäftsumfang in das richtige Verhältnis zum Betriebskapital" zu bringen habe, scheint weitgehend befolgt worden zu sein, und zwar mit gutem Erfolg für die Gewinnentwicklung. Renlabililäl und Aussichten. Zwar schließen weitaus die meisten Gesellschaften der Maschinen- industrie ihr Geschäftsjahr am 31. Dezember, so daß erst im nächsten Frühjahr eine volle Uebersicht über die finanzielle Entwicklung mög- lich sein wird. Aber die schwere Krisenzeit, die für die Maschinenindustri« ja schon fast drei Jahre dauert und im ver- gangenen Winter und Frühjahr nur ihre äußerste Verschärfung erfuhr, scheint die Maschinenindustrie etwas früher und vor allem gründlicher zur Wirtschaftlichkeit erzogen zu haben. Und diese größere Wirtschaftlichkeit wirkt sich auch in der Rentabilität stärker aus, als es die gedrosselten Austräge und die sehr verschärfte Weltkonkurrenz erwarten lassen sollten. Von Zahlungseinstellungen und Geschästsaufsichten bei größeren Maschinenbaugeselljchasten hat man trotz(auch vielleicht wegen) der Vernachlässigung der Maschinenindustrie durch die Privatbanken, über die auch der Oktoberbericht des VDMA. sich wieder heftig beschwert, im letzten halben Jahr wenig vernommen. Im Gegenteil haben mehrere Gesellschaften für den Großniaschinenbau, die aller- dings von der Elektrizitätskonjunktur profitieren, die Dividenden- Zahlung wieder ausgenommen oder verstärkt. So hat die P ö g e- E l e k t r i z i t ä t s- A.- G., Chemnitz, die neben elektrischen Großmaschinen und Lokomotiven auch Auto- zubehör fabriziert, ihren Vorjahrsverlust von 36.999 M. in einen Gewinn von 218 999 M. umgewandelt und verteilt eine Dividende von 6 Proz. Das Kapital wird zum weiteren Ausbau des gebesserten Geschäfts von 3,59 aus 6 Mill. erhöht. Aus der Werftindustrie, die keineswegs zu ihrem dauernden Vorteil das Ver- langen nach Staatshilse der Selbsthilfe voranstellte, meldet die G. Seebcck-A.-G., Werft- und Maschinenfabrik, Wesermünde-Brcmerhaven, dasselbe. Obwohl die Ab- schreibungen in der erforderlichen Höhe vorgenommen wurden, ist der Vorjahrsverlust zum 39. Juni 1926 einem bescheidenen Gewinn -gewichen. Bei der Maschinen- und Kranbau- A.-G., Düsscl- d o r f, die für ihre Fabrikation einmal von der industriellen und privaten Bau konjunktur, sondern sür ihren Gößnitzer Traktorenbau von der Landwirtschaft abhängt, ist das Verhältnis allerdings umgekehrt. Im Vorjahr vertellte sie 5 Proz. Dividende. Daß sie jetzt aber bei 2,76 Mill. Kapital einen Verlust von 176 999 M. ausweist, verdankt sie sehr bemerkenswerterweise ihrem Anlauf zur Traktorenüberproduktion, zu dem sie die vom Staat ver- mittelten Traktorenbaukredite verführten. Die großen Vorräte und die aus größte Produktion eingestellten Betriebe erzwangen eine Arbeits st r e ck u n g, die die Kosten mit den erzielbaren Preisen in Widerspruch setzten. Die Eisengießerei- und Maschinen- b a u- A.- G. Zeitz erzielte auf 2,84 Mill. Aktienkapital den sehr hohen Reingewinn von 419 999 M. Die schon immer hochrentable Dresden-Leipziger Schnellpressenfabrik A.-G., Leipzig-Coswig, endlich hat durch die Vereinigung der gesamten Produktion in einem Betrieb, trotz der im allgemeinen etwas verschlechterten Konjunktur iür Druckmaschinen, ihren Umsatz mengen- und wertmäßig gegen das Vorjahr noch gesteigert und verteilt aus einem Reingewinn von 498 999 M. auf das 2,49-Mill.- Kapital eine Dividende von 19 Proz. Das Kapital ist außerdem auf 3 Mill. erhöht worden. Auch für die große Berliner Maschinen- fabrik von Schwartzkopsf ist erstmals eine Dividende für das am 39. Juni geschlossene Geschäftsjahr angekündigt worden. * Im ganzen gesehen ist freilich die Wiederher st ellung der starken Stellung und großen Rentabilität, wie sie die deutsche Maschinenindustri« in der Vorkriegszeit hatte, eine Frage von Jahrfünften und Jahrzehnten. Dazu kann die Rationalisierung in den eigenen Betrieben, die Verbilligung der Maschinen und auch ein gesteigerter Export wohl manches bei- tragen. Die wirkliche Gesundung der Maschinenindustrie aber hängt davon ab, ob ihre Hauptabnehmer, die Rohstoff- und die Jertigindustrie, mehr kaufen können. Mehr kaufen können diese Industrien aber erst, wenn die Verbilligung und Anreicherung des Konsums der breiten Massen so groß werden, daß von selbst ein größerer Maschinenverschleiß eintritt und der Fortschritt der Maschinentechnik von dem gesteigerten Massenbedarf ausgeht. Alle Raftonalisierung der In- dustrie bleibt schließlich wirkungslos, wenn sie nicht die Intensivierung des Verbrauchs zur Folge hat. Dafür aber hat sich die Wirtschafts- und Sozialpolitik der deutschen Unternehmer bis- her noch immer als zu kurzsichtig erwiesen, und so wird man auch für die deutsche Maschinenindustrie in der nächsten Zukunft die Er- Wartungen nicht zu hoch spannen dürfen. Die österreichische Postsparkastenaffäre. Im Jahre 1883 hat Präsident Coch die ö st e r r e i ch i s ch e Postsparkasse nach englischem Muster gegründet. 1887 wurde der Scheck, und Clearingverkehr eingerichtet, nicht ohne daß vorher heftige Widerstände der Großbanken überwunden werden mußten. Durch Jahrzehnts hindurch aber war die österreichische Postsparkasse wegen ihrer mustergültigen internen Organisation ein Institut von Weltruf, das alljährlich von zahlreichen Fachleuten aus aller Herren Länder ausgesucht wnrdc. Aber nicht nur die Technik der Postspar- lasse stand auf der Höhe der Zeit. Was finanzpolitisch ihr größtes V e r d i e n st war, bestand darin, daß ihre Verwaltung sich immer gegen den Mißbrauch durch leichtfertige Finanz- minister zu wehren ver st and. Präsident Coch setzte es sogar durch, daß die Postsparkasse aus diesem Grunde dem Handels- minister unterstellt wurde, um sie den Zugriffen der Finanzver- waltung zu entziehen. Als Finanzministcr Dunajewski oerlangte, die Postsparkasse soll« eine zu emittierende Staatsanleihe kaufen oder lombardieren, trat Präsident Coch zurück. Aber selbst während des großen Krieges blieb die österreichische Postsparkasse von schwerwiegenden Eingriffen der Finanzverwaltung verschont. Erst die ereignisreiche und bewegte Inflations- und Deslations- Periode hat den Charakter dieser Musteranstalt verdorben. Im Friedensvertrag von St. Germain war die Austeilung der österreichischen Postsparkasse unter die Nationalstaaten ausgesprochen worden. Während aber die Verwaltung diese schwierige Aufgabe glänzend zu lösen verstand, wurde sie in der unvermeidlichen gesetz- losen Periode, die über das Institut hereingebrochen war, ebenfalls auf die schwankende Brücke der Börsenspekulation gelockt, die nirgends im alten Statut vorgesehen war, aber man tröstete sich damit, daß ein neues Statut noch nicht in Kraft vorhanden war. Zuerst wurden 37 Millionen Schilling zu verschiedenen Stützungsaktionen aufgewendet. Darüber soll nicht gerechtet werden, denn hier stoßen Meinung auf Meinung. So berechtigt die«ine Auffassung ist, die Postsparkasse sei keine Heilanstalt für notleidend gewordene Finanzinstitute, so begründbar ist die andere These, daß dem Staat inmitten der Kreditblockade nichts anderes übrigblieb, als Maßnahmen zu treffen, die geeignet waren, die Krise abzuschwächen und zu verhindern,' daß der Leih- preis in Höhen emporschnelle, die der Volkswirtschaft jede positive Arbeit einfach unmöglich gemacht hätten. Bleibt nur noch die un- geklärte Frage, warum man die P o st s pch r k a s s e zur Stützung einer Reihe von Instituten heranzog, während man andere kalt- blütig ihrem Schicksal überließ. Warum half man der Verkehrs- kreditbank und der Treuga, während man die Depositenbank und die Lombardbank einfach zusammenkrachen ließ, warum schützte man Siegmund Bösel und ließ Camilla Castiglioni fallen? Die ein- geleitete Untersuchung wird erst diese Frage, wenn überhaupt, be- antwomn. Bisher hat die Untersuchung nur die erschreckende Tatsache ans Tageslicht gefördert, daß eine Bilanz der Postsparkasse vom 39. September 1926 bei einem Gesamtvermögen von 387 Mil- lionen Schilling einen Verlust von 119 Millionen Schilling aus- weist. Die Aufteilung des Instituts aus die Nationalstaaten hat mit einem Verlust von 19 Millionen Schilling geendet, dafür aber hat die Bekanntschaft mit dem Bankhaus Voscl der Postsparkasse 162 Millionen Schilling gekostet. 78 Mil-- lionen von diesem Riesenbetrag wurden verborgt, kaum ein Drittel,-. davon ist durch entwertete Aktienpakete aus dem Besitz Bösels ge- deckt. Hier wirft sich die Frage auf, was mit den Bergen von Effekten geschehen soll, die jetzt dem Staate gehören. Das Schick- sal der Unionbank hängt von der Lösung dieses Fragenkomplexes ab. Aber weitere 74 Millionen Schilling hat die Postsparkasse teils im Nostrogeschäft, teils in Verbindung mit Bösel verloren, 43 Mil- lionen davon in mißglückten Effektenspekulationen, 31 Millionen durch Beteiligung an der berüchtigten Franken- s p e k u l a t i o n, in die man sich«inließ, um die Verluste im Effektengeschäft zu paralysieren. Gewiß haftet der Staat sür sämtliche Einlagen der Postsparkasse mtt seinem ganzen Vermögen, aber sind auch die Einleger gesichert, so können die direkten Verluste endlich doch nur durch Heran- ziehung der Steuerzahler gedeckt werden. Die Untersuchung wird jetzt die Schuldigen ausdecken, die zur Verantwortung gezogen werden sollen. Wichtiger noch ist die Lösung der Schicksals- frage der Postsparkasse. Bundeskanzler Seipcl hat nicht nur die Durchführung des Reinigungsprozesses in der Verwaltung öffeni- licher Gelder versprochen, sondern auch die Austrifizierung der Post- spa>kasse. Das Institut, das sich seit Jahrzehnten bei hunderttausend Geschäftsleuten eingebürgert hat, wird wahrscheinlich als eine Art Volksckearing der Nationalbank angegliedert werden. Wiederum gibt es Widerstände der Großbanken zu überwinden. Der Gouverneur und der Vizegouoerneur der Post- sparkassc sind bereits in der Versenkung verschwunden. Daß sie mit reinen Händen abgetreten sind, mag vom strafrechtlichen Stand- Punkt befriedigen, volkswirtschaftlich ist es hinreichend wenig. Die Affäre der österreichischen Postsparkasse reiht sich ebenbürtig an die anderen großen Affären der Deflationskrise. Das Institut hat eine so ruhmreiche Vergangenheit, daß man ihm ein schöneres Ende vergönnt hätte. zelc. KÖNIGIN von SABA frisch aus der Fabrik! Wirc uwlß/daaUm'vb&U hjua,-em. g&zlviQ&i aöxge*, yujjc,16 Uhr. Beginn W Uhr. EinKitt«In- schlicftlich Dardeivbe 60 Pf. Gewian-Autzag 2 Klaff« 28. Pre-tzifch-�üdde-lsch«<254. Preoß.) ÄlaffernloHc«« L ZiehungSiag_ 12. November 1926. vormittag« Inul jede geiogeu»«»»»»,««»«wei alei«»«de»e- Winne sefalle».»«»»war te et»«» anf dt« Bas»»leicher _ Nnmwer I« de«»««den«»tetlange» 1»«»»| Ohne Gewähr Nachdruck verkoken Es wurden Gewinn« über 99 Mark gezogen 2 Gewinn« ,u i< 6000 mk. 273566 4 Gewinne ,u je 3000«k. 192114 228940 2 Gewinne zu je 2000«». 92361 4 Gewinnt zu i« 1000 Wt. 229892 287882 6 Gewinne zu je 800«f. 222994 242503 247604 18 Gewinne zu I- 500«f. 17396 21089 80653 130146 153704 17503/2 316790 318537 319345______ 106 Gewinne zu je 300 Ml. 20818 27943 28402 34809 38717 42830 87409 65897 74874 100820 107070 112198 113141 140882 141484 143678 183160 168176 168198 160226 166710 169124 182954 188299 191077 203297 204847 206143 211888 215803 216392 223965 228176 232201 239032 246541 254289 264898 280318 282988 293404 297799 298667 309481 309629 312327 313810 318356 318452 320319 326717 334512 339021 230«-Winne zu Je 180 Mk. 12929 13817 21478 23438 30816 33647 40287 62964 63590 66270 65248 70780 71724 73173 74333 76411 77392 91102 92741 92903 96335 99319 105039 111866 113017 118846 120977 122095 122877 124915 125147 126202 126876 128263 134601 135248 137017 137897 139473 139833 140623 148047 151946 167063 157194 164298 165664 171769 173237 174196 174390 182097 183686 183967 191357 198659 199655 202144 202455 208218 211537 212088 213110 214136 215076 217782 221234 221554 222786 226665 229191 230438 231784 235404 236919 239575 240059 244816 246150 246308 251273 251283 262182 264693 260745 261096 263083 266897 268937 277275 278605 281464 282678 283406 285652 287197 288738 290329 290864 290965 293653 297480 305217 309680 311697 313572 320460 320788 325132 339020 339246 341347 __ 343430 344079 348689_ Beniner- Elektriker- fienosscnstfiaü Berlin N24,EIs3sserStr.86-88 I Filiale Westen, Wilmersdorf Fernfprecber Norden 65 25 u. 65 26 I Landhausslraße». 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November entschlief nach langem schweren Leiden meine liebe Frau und gute Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Emma Brüske sev. Kammier im 38. Lebensjahre. In tiefer Trauer Carl Brüske und Sohn Günter, Berlin SO. 36, Waldemarstr. 65a II. Familie Kammler, Dittersbach i. Schlesien, Schulstr. 5. Die Einäscherung findet am Montag, den 15. November, nachm.<■/, Uhr, im Krematorium Baum- scbulenweg, KiefhoizstraBe, statt Anläßlich des unerwarteten Hinsoheidens des von uns allen hochgeschätzten, lieben Kollegen und Slitarbeiters friedrldi Himpel fühlen wir uns gedrängt, der tiefen Trauer, in die uns derTod dieses guten Kameraden und charaktervollen Mannes versetzt hat, öffentlich Ausdruck zu geben. Was er uns war, läßt sich mit wenigen Worten nicht sagen. Wir teilen uns mit den Familienangehörigen in den großen Schmerz um den herben Verlust mit der Versicherung eines dauernden, ehrenvollen Gedenkens. Berlin, den IS. November 1926. Die Rolleginaes ond Rollegen im EauptbOro des Deotschen Vetkehrsbiindes. Die Trauerfeier findet am Dienstag, den 16. November, nachmittags 5 Uhr im Krematorium Bln-Baumschulenweg statt Am Mittwoch, den 10. November, entschlief nach turzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Botet Schwieger. und Großvater, der Ge> werkschaftssettetär Friedrich Himpel im Alter von 62 Zahlen. Dies zeigen. um still« Teilnahme bittend, liefbe» trübt an Luise Himpel. geb. Zech, nebst Kindern und Enteltindern. Berlin-Kaulsdorf. Blllowstr 2L Die Einäscherung findet am Dienstag. den 16 November, nachmittag» 5 Uhr. Im Krematorium Baumschulen- weg statt. IS. Abteilung. Unser langjähriger S-noss« Max Wittmaack Hochstr. 43, ist am 9 Nov. gestorben. Einäscherung am Montag, den>5. November, nachmittags 3>,, Uht Krematorium Gerichtstraße Um rege Beteiligung wird gebeten. Die Abteilungslcltung. frkmäiilßl 100- SpartpclzcÄ 25.- Gehpelze 125.- J CUillfliUCl IUU. icikhausMoiUzplalzSSaSr felzjaeken 50.- Sonnabeaö 13. November 1H2S Unterhaltung unö ÄAjssen Seilage Ses vorwärts Ein Richter im Himmel. Ein orienkalisches Märchen von TB. M. Doroschewitsch. Asrail, der Engel de: Todes, berührte mit seinem Flügel, als er über die Erde schwebte, den weisen Kadi(Richter) Osman. Der Richter starb, und seine unsterbliche Seele erschien vor dem Propheten. Es war knapp beim Eingang ins Paradies. Hinter den Bäumen hervor, die über und über mit Blüten be- deckt waren, war Schellengeklingel und der göttliche Gesang der Huris zu vernehmen, die zu den überirdischen Genüssen einluden. Aus der Ferne, aus den dichten Wäldern, erscholl Trompeten- ruf, lautes Pferdegetrampel und das Triumphgcschrei der Jäger. Mutige Reiter jagten auf ihren schneeweißen Schimmeln schnell- süßigen Rehen und gefährlichen Ebern nach. „Lasse mich ins Porobies hinein," sagte der Richter. „Gut." entgegnete der Prophet,„doch zuerst mußt du mir sagen, womit du dir das Paradies verdient hast, so verlangt es unser Gesetz." „Das Gesetz?" Der Richter verbeugte sich tief und legte die Hand auf die Stirne, dann aufs Herz, als Zeichen seiner großen Verehrung. „Das ist schön, daß ihr hier Gesetze habt und daß ihr ihnen gehorcht. Gesetze nruß es überall geben, und sie müssen überall befolgt werden. Bei euch ist es sehr gut eingerichtet." „Run, womit hast du dir das Paradies verdient?" fragte der große Prophet. „An mir kann keine Sünde haften," entgegnete der Richter, „denn ich war mein ganzes Leben lang damit beschäftigt, jede Sünde zu verurteilen. Ich war Richter auf der Erde. Ich habe sehr streng gerichtet." „Wahrscheinlich besitzt du selbst ganz außerordentliche Tugenden, wenn du über die anderen, dazu auch noch streng, urteilen durftest." Des Richters Gesicht verfinsterte sich. „Was die Tugenden anbelangt... ich kann nicht sagen, ich war genau so wie alle anderen. Ich habe geurteilt, weil ich dafür ein Gehalt bezog." „Es ist keine große Tugend, ein Gehalt zu beziehen," sprach der Prophet lächelnd.„Ich kenne keinen lasterhaften Menschen, der dessen entsagen würde. Mit anderen Worten: Du hast über. die Menschen nur deshalb geurteilt, weil sie Tugenden, die auch du nicht hast, nicht besitzen, und hast dafür auch noch ein Gehalt bezogen. Diejenigen, die ein Gehalt beziehen, richten über jene, die kein? bekommen. Der Richter kann über einen gewähnlichen Sterbenden urteilen, aber ein gewöhnlicher Sterbender darf nicht über den Richter urteilen, selbst wenn letzterer schuldig ist. Mir kommt die Sache gar sonder- bar vor." „Ich habe nach den Gesetzen geurteilt," erwiderte der Richter trocken.„Ich kannte alle Gesetze und urteilte gesetzmäßig." „Run, und die, über die du geurteilt hast," fragte der Prophet neugierig,„kannten diese die Gesetze?" „O nein," antwortete der Richter stolz.„Woher! Nicht jeder- mann kennt sie." „Das heißt also, du hast Menschen gerichtet, well sie Gesetze über- s schritten haben, die sie gor nicht kannten?" rief der Prophet erstaunt aus.„Und du? Was hast du dazu getan? Hast du dich wenigstens bemüht, damit jene die Gesetze kennen lernen? Hast du die Un- wissenden aufgeklärt?" „Ich habe zu richten." entgegnete der Richter streng. „Als du sähest, daß die Gesetze überschritten werden, hast du dich wenigstens bestrebt, es so einzurichten, daß es die Leute nicht nötig hatten, die Gesetze zu überschreiten?" „Ich habe mein Gehalt nur fürs Richten bekommen." Der Richter betrachtete düster und argwöhnisch den Propheten. Dann runzclle er die Stirn, und aus seinen Augen sprach Zorn. „Du sprichst nicht richtig, Prophet, das muß ich dir sagen," sprach er streng.„Du denkst niir zu frei. Deinen Reden nach scheinst du ein Schiit zu sein, Prophet. Ein Sunnit darf nicht so reden! Der- artige Gedanken, wie du sie äußerst, Prophet, sind nach den Gesetzen der Sunniten untersagt." Der Richter dachte nach. „Und daher auf Grund des Buches 4 des Sunn§ 82 Blatt 132 Zeile 4 von oben, und die Erläuterungen der weisen Männer als Richtschnur nehmend, verurteil« ich dich, Prophet..." Hier konnte sich der Prophet nicht mehr zurückhalten, und er lachte laut auf. „Kehre auf deine Erde zurück, Richter!" sprach er.„Für uns bist du zu streng. Bei uns im Himinel ist man viel toleranter." Und er schickte den allweisen Richter auf die Erde zurück. lDeutsch von Sret« Nrufeld.) Der öeutsthe Werkstudent. Von Stud. Martin D e y. Ru Beginn des neuen Semesters bringen wir einen Aufsah, den die Not und das Leid de, deutschen Werkstudenten eimnal der £Mfsnttichteit bekanntmacht. Di« darin«eschilderten Zustände stnd im �ammersemcfter 192« in Berlin beobachtet worden. Man glaubt vielfach, der Werkstudent sei eine Inflationserschci- nung gewesen, die heute abgetan und erledigt sei. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Im Folgenden sei darum einmal einiges aus dem Leben und Leiden der Werkstudenten aufgedeckt. In den berühmten und berüchtigten Baracken an der Friedrich- straße wohnen Werkstudenten. Man gehe von Bude zu Bude und lasse sich erzählen. Man wird harte Dinge zu hören bekommen. Stud. phil. 1. erzählt: „Mir geht es verhältnismäßig gut. Ich bin vom Lande. Habe in Grund und Boden lOOOO Mark Vermögen. Die bringen mir monatlich 40 Mark Zinsen. Dazu habe ich augenblicklich eine Anstellung am Theater als Zettelverteiler, die mir 90 Mark im Monat einbringt. Das ganze Kabarettpersonal setzt sich dort aus Studenten zusammen." „Dann haben Sie ja die anständige Summe von 139 Mark im Monat." � „Augenblicklich, ja. Aber zum ersten bin ich gekündigt. Da schließt das Kabarett. Aber ich werde schon auskommen. Ich habe allerlei Gelder an Kommilitonen verliehen, die werden mir dann schon weiter Helsen. Wie gesagt, mir geht es gastz leidlich. Aber mein Zimmergenosse. der arme Kerl Hot im vorigen Winter zwei Monate nichts als Kartoffeln mit Salz gegessen. Run hat er endlich einen Freitisch in der Mensa bekommen. Augenblicklich lst er für fünf Tage auf einem Saatzuchtgut in L. zum Kartosfelhacken. Es gibt vier bis sechs Mark den Tag im Akkord und freie Ber- pflegung.." Eine Bude weiter. „Ach. ich kann ja gerade nicht klagen. Ich habe Gebühren- «laß. also keine große Ausgaben. Zu essen habe ich auch. Ich teile Mittags an der Mensa Essen aus und bekomme dafür eine Freitisch- karte. Die Bude kostet im Monat 6,50 M. Das verdiene ich mir, wenn ich Sonnabends nachts am Potsdamerplatz Zeitungen verkaufe. Das bringt immer die Nacht 4 bis 5 M. ein, so daß ich also immer noch genug für meine Barausgaben übrig beHalle. Man darf eben keine großen Sprünge machen, dann gehts schon. Wir Inländer können eigentlich überhaupt nicht groß klagen, denn wir haben doch immerhin einige Unterstützungen. Aber neben mir, da wohnt ein Finne. Dem armen Kerl geht es wahrhaftig schlecht!" Ich lernte den Finnen kennen. Seine Geschichte: „Ich hatte mir als Volksschullehrer 6009 finnische Mark gespart. Damit kam ich 1923 herüber: ich hätte davon studieren können. Aber ich kaufte mir deutsches Geld dafür. Nach drei Monaten war alles entwertet. Da ging mein Elend an. Ach! Leben kann man schon. Ein bedauerliches Vorkommnis ist aus Landsberg zu meldeu. Eine Dame von ohnehin schwächlicher Konstitution geriet in die Hände der Schulz, Klapproth und Genossen! Aber jedes Semester die hohen Gebühren! Ich habe 150 M. zu zahlen. 130 habe ich schon, aber die fehlenden 20 kann und kann ich nicht aufbringen. Ich bekomme jede Woche einen Mahnbrief:„Wenn sie bis dann und dann nicht zahlen, wird ihnen das Semester ge- strichen." Bei solchen Sorgen soll man nun Ruhe zu einer Disser- tatton finden!" So geht es von Bude zu Bude. Man kann von diesen Studenten- heimlern sragen, wen man will, allen geht es gleich. Ein 19jähriger prächtiger Kerl im blauen Wandervogelkittel klagte mir bitter: „Wenn nur das erste Semester erst vorüber wäre! Da ist man vollkommen auf sich gestellt. Man muß sich erst ein Semester lang bewähren, che man der Unterstützung für würdig befunden wird. Im ersten Semester gibt es gar keine Hilfe, weder Freitischkarten, noch Gebührenerlaß, nicht einmal Darlehen, nicht— s! Wenn man da nicht immer zusieht, daß man Arbeit bekommt, dann ist es aus. Neulich war ich am Stettiner Bahnhof, ich hatte mir zehn Pfennig für eine Bahnsteigkarte geliehe» und war an de» Heringsdorser Zug gegangen. Dreimal habe ich gebeten, Koffer tragen zu dürfen." Er begann sast zu weinen.„Man hat mich mißtrauisch angesehen und einen Gepäckträger gerufen. Ein Herr mit Monokel drohte mir sogar mit der Polizei. Da konnte ich nicht mehr." So sieht der deutsche Werkstudent aus. Dos war aus dem Leben einiger weniger. Aber so könnten Tauscnde ihre notoollc Geschichte erzählen. Jeder einzelne ein Held im Schatten! Werkstudent. Man verbindet allgemein ein anderes Bild mit diesem Begriff. Man stellt sich jemanden vor. der neben seinem Studium noch eine geregelte und regelmäßige Arbeit hat. Es gibt auch solche Werkstudenten, aber im allgemeinen sind sie nichts als Gelegenheitsarbeiter, die mit Freuden jede sich bietende Verdienst- Möglichkeit aufgreifen, sei sie auch noch so hart und gering.„Denn man muß doch schließlich leben!" Heute Postaushelfer, morgen Filmstatist, Schneeschipper, Ausschreier aus Rummelplätzen, Sammler für die Eckener-Spende und Hilfsarbeiter. Das ist der Werkstudent! Und der große Arbeitsnachweis sür diese Gelegenheitsarbeiter das ist dos„Akademische Erwerbsvermittelungsbureau" in der Dorotheenstraße. Man ist erstaunt, zu sehen, zu was Studenten nicht olles zu gebrauchen sind. Einige Angebote: „Ein Gut in Pommern sucht sür die Ferien Studenten als Erntearbeller gegen freie Verpflegung."(!)„Zu einem Laubenfest in I. ein Klavierspieler gesucht. Entlohnung 1,29 M. die Stunde." „Zeitungsbureau sucht Ausschneider täglich von 5— 9 und 6-tIO Uhr. GeHall 80 M. im Monat."(!)„Versicherungsgesellschaft sucht drei bis vier redegewandte Herren. Hohe Prozente!"„Adressenschreiber gesucht. Adresse 2 Pf. has Stück." So geht es Tag um Tag. Und alle diese Angebote werden freudig und ohne Verbitterung ange- nommen. Wenn man nur einige Groschen in Aussicht hat, dann läßt man viele Dinge über sich ergehen, die man sich nicht gefallen ließ, wenn man auch nur einen Fünfmarkschein in der Tasche hätte. Ist doch da z. B. in einem Berliner Borort am Scheibenstand, wo sich seit Jahren eine Reihe von Studenten ihr Brot verdienen, ein Inspektor, der früher einmal Unteroffizier gewesen ist, und sich heute eine Freude daraus macht, die ihm unterstellten Studenten als seine Rekruten zu behandeln. Da sitzen an einem Schießstand zwei Mediziner und unterhalten sich über„Pathologie und Therapie des viabetis mellitus", während sie mechanisch die Scheiben auf und nieder ziehen und die eingeschossenen Löcher mit Papierscheibchen zukleben, während rings der Dreck von den einschlagenden Kugeln aufspritzt. Daneben schreibt einer Einfälle für seine Dissertation nieder. Schreitet dann der Herr Inspektor die Reihen ab. dann verschwinden alle diese Dinge für einen Augenblick, denn er kann es nicht leiden, wenn jemand in den von„i h m" bezahlten Stunden für sich arbeitet. Man bemüht sich, unter den Augen des Herrn Inspektors Dienst- eifer zu zeigen, das ist die einzige Antwort auf seine Ausfälle.„Denn man muß doch schließlich leben!" Das ist der deutsche Werkstudent. Und das die Burschenherrlichkeit von heute! ManSelentzünöongen. Zur Herbstzeit häufen sich die Mandelentzündungen(Angina), deren Ursprung verschiedener Natur ist, je nachdem wird eine a n- steckende und nicht übertragene Angina unterschieden. Als Typ der letzten Form, die also nicht auf einer Uebertragung be- ruht, gilt die Erkältungsangin o. Hier spielt die durch den Erkältungsreiz hervorgerufene Veränderung der Gaumenmandeln die entscheidende Rolle. Sie ermöglicht den auf den Mandeln stets vorhandenen, nicht ausgesprochen giftigen Bakterien aktiv zu werden und zu wuchern, so daß sie eine Entzündung hervorrufen können. Anders liegen die Dinge bei der durch Ansteckung er- wordenen Angina. Hier dringen— wie z. B. bei der Grippe- angina— die Krankheitserreger vielfach durch die Nase, Kehlkopf. Mundhöhle ein: beim Scharlach können sie z. B. im Anschluß an eine Infektion an einer Scharlachleiche, durch die verletzte Haut in den Körper gelangen und wandern auf dem Blutwege zu den Mandeln, um sich an dieser ihrer Lieblingsstelle anzusiedeln und eine schwere Entzündung auszulösen. Beide Formen können übrigens auch ineinander übergehen: die mit dem Blut zu den Gaumenmandeln gelangten Keime stimmen das Organ um, so daß sich eine Selbstinfektion mit den stets auf den Mandeln vorhandenen Erregern entwickeln kann. Bei der Erkältungsangina besteht die Vorbeugung in Zuführung � von Hitze, heiße Wannenbäder, heiße Wärmslaschen, heiße Getränke mit und ohne Alkohol, fieberbekämpsende Mitteln wie Aspirin, Pyramidon, Arcanol und dergleichen können recht nützlich sein, um die im Anschluß an die Erfüllung drohende Umstimmung der Mandeln zu verhüten und die Angina im Keim zu ersticken. Bon den sogenannten bakterientötenden Pastillen ist kaum eine wirksame Vorbeugung zu erwarten, weder gegen die Selbstinsektionsangina noch gegen die übertragbare Mandelentzündung. Auf keinen Fall sollten die Gesunden im Vertrauen hierauf die erforderliche Por- ficht anginakranken Personen gegenüber außer Acht lassen. Mnn die Mandelentzündung zum Ausbruch gelangt ist, kommen teilweise die gleichen Maßnahmen in Frage wie bei der Vorbeugung. Der Wert der verschiedenen zum Gurgeln empfohlenen Mittel ist noch umstritten. Zur Linderung der Schluckbeschwerdcn läßt nian Eis- stückchen im Mund zei�ehen und schluckt Speiseeis in kleinsten Porttonen hinunter. Während die einen den warmen, feuchten Halsumschlag als wohltuend empfinden, bevorzugen andere kühle Umschläge, ja sogar eine Eiskrawatte. In vielen Fällen wird der Krankheitsprozeß durch Aspirin, Antipyrin, Pyramidon und der- gleichen günstig beeinflußt, zumal wenn damit Schwitzprozeduren verbunden werden. Allerdings ist zu bedenken, daß diese Medi- kamente bei empfindlichen Personen unter Umständen recht unan- genehme Begleiterscheinungen auslösen können und daher nur auf ärztliches Anraten eingenommen werde» sollen.— Im übrigen können sich, obwohl die Angina im allgemeinen hormlos zu vor- laufen pflegt, in Äiisnahmcsällen schwere Nachkrankheiten wie Ge- lenkrheumatismus, Blutvergiftung, Nierenentzündung usw. an eine Mandelentzündung anschließen. Die Kranken also werden gut daran tun, nicht allzu früh entgegen dem ärztlichen Rat das Bett zu oer- lassen, und werden am besten noch einige Zeit in ärztlicher Be- obachtung bleiben. Dr. M. Ascaaia Nova, der Naturschuhpark in der Ukraine. Im Herzen der Ukraine gibt es eine Sehenswürdigkeit, die ihresgleichen in Europa suchen dürfte: Es ist der große Naturschutzpark Ascania ?lova, der die verschiedensten Tierarten beherbergt und ein aus, gezeichnetes botanisches Versuchsfeld darstellt. Bedeutende Zoologen und Botaniker sind sür das bereits vor dem Kriege von einem Privaten begründete Unternehmen gewonnen worden. Eine Fläche von 600 Desjatinen Steppenland ist ausschließlich botanischen Versuchen vorbehalten. Der den Tieren zugewiesene Raum ist groß genug, daß sich seine Bewohner völlig frei wähnen können, was die genaue Beobachtung ihrer ursprünglichen Lebensgewohn- heilen ermöglicht.„Wo bin ich?" schreibt der Berichterstatter der „Roten Zettung", der sich in Ascania Nova umgesehen hat.„Eine Schar wilder Antilopen jagt an mir vorbei. Ein großer schwarzer Strauß begegnet mir. Wilde Pferde und Zebras ergreifen bei meinem Anblick die Flucht. Mitten in der Steppe hat man einen herrlichen Park angelegt. Man wandert aus kühlem Schatten über blumige Wiesen: hier ist das Paradies der Vögel. Man glaubt, die gefiederten Bewohner tropischer Urwälder zu sehen. Vor mir flattert ein feuerroter Vogel auf. Aus deni von Bäumen um- gcbenen See schwimmen schwarze Schwäne. An den Norden mahnen nur große Scharen von Wildenten. In der Ferne sieht nian die Fla- mingos in ihrer typischen Ruhestellung. An dem Seeuser haben sich ganze Schaven von Ratten eingenistet, gegen die ein erbitterter Kampf geführt wird. Trotzdem vermehren sie sich mit unglaublicher Schnelligkeit und in beängstigendem Maße: selbst hohe Prämien auf jedes vernichtete Tier hoben sich bis heute als zwecklos erwiesen. Wir gehen weiter: plötzlich jagt eine Kruppe von Lamas in rasender Geschwindigkeit vor uns davon. Dort lagert eine Herde Antilopen, unbeweglich wie Statuen, mtt angespannten Muskeln, als wollten sie im nächsten Augenblick aufspringen. Unser. Führer warnt uns» den Tieren zu nahe zu kommen. Besonders gefährlich sei das Antilopenweibchen, das mit großer Sorgfalt seine Jungen schützt. Diese Antilopenart, erklärt uns der Führer weiter, ist für uns eine Art Edelvaluta. Die ist fast ganz ausgestorben: man kann sie zu hohen Preisen van uns beziehen. Ein Tier ist seine 1590 Rubel wert. Oft tauschen wir diese Tiere gegen andere um. Die Antilopen oertrogen den Winter sehr schlecht, während dos Gnu, eine andere Antilopenart, sich mit der kälteren Jahreszeit besser abfindet. Nicht weniger geschätzt ist da? wilde Przewalskipscrd. In Ascania Nova befindet sich auch eine Wisentzncht, die die Erhaltung dieser Tiere anstrebt- Die Wisente, die vor dem Krieg besonders zahlreich im Kaukasus vertreten waren, sind heute bis auf wenige Exemplare ausgestorben." I!nElafflln-¥llrafie25 Wiiea-fiardioen 9S goirebt, TOU......■ Jader Artikel eine Höchstleistung! Nur in der Turmstr. pt GroÄe Poeten.--------- Damensirfimpie 25» HansblflseB�n» echwar» n. farbig Paar| an« gaatt Velour». vv» Hosenlrfifier Kf) Gtumni.......... Herren-Sodien 25 n mdsrsmmeaoS verschiedene Größen... Pt 1 Brsdin�&enifl- od.1 Stickerei-,od. WacbstncblAizchu 25 pt 2 Oamen-BiDdenos gestrickt.........*ä%J Hemden-Passeno� Stickerei oder Klöppel.. Säifierei8n2Joo»»*«- SO Wietbeiuch........wvr 50 WsNMe» mit Stickerei..• Kraben 50 pt o, neu© Fora, w vf 4 fach Mako» neue Fora. Kfisben-Mdeften SO, od-Wandachouer, Wachstuch � v/ j Elamln-Vürabe �0, mit Hohlsaum.... Mtr. w\ß* DnlerziebSMeiio�Q� oder Hcindchen,Pa8teIlfarb. Kinder-WoMtzenoc verschieden« Formen... w 95 ÜMNIZliSMlll« ¥E,: Bauma'.od.Xungtseide Paar » » » Kiiderscbidnier�Q� geraubt. FutL, all. GrSH. S » Pt für Pt Pt riKot-Eandsäalie ir Dämon nnd Herren. S Selbilbiniler�Ä 0� zum Teil reine Seide,,. Pfiliover-Slolle in großem Sortiment Mtr. 95 » Damen-Bemdbosen Kernseileo-aooGrammOC feto gestriclrt, ireill o, Urb. �"■ Biege!.......... 1 Mir. Kdoer-Barcbenl 1 45 3 SlflcJi BinmenseUe 9� 80 cm breit Toilgebleicht.. A'» Karton........ Tfiriwr oh« 1 45 3 Lanolin-«>.r CA tlMe! otM Nah<• X lüleamUob-SeUe..... aJV/ 1 45 Ean de Coiobne°6«r CA JL Lavcndelwasser. Flasche V/ .50 breit reine Volle, doppelt- ....... Meter Marktlasäen TVacbstuch... » Pt Pt Pt » 6 Kafiee Lßüel aus Aluminium.. Kleiderbflrsle. Bandleber, lw ans Koko-i...... Stück � .25 25 .25 » » KomnollsiMssel 9� Preügla«, ca. 24 cm. mt*-* Pt Pt Ramaöe KnnsU<>ids _ Baumwolle für Tanzkleider..... Mtr. ■Scblnnibose i i5 rauh lern Futter. 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