Abendausgabe Nr. 537 ❖ 43. Jahrgang Ausgabe L Nr. 2öH Bezugsbedingungen und Anzclgennreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebanion: 5XD. 6S, Liudenslrotze S Fernsprecher: VSahoff 292— 297 Iel..«dreffe: Sozialdemokrat SerUn Derlinev VolKsblcrkk Tentralorgan der Sozialdemokrat» fd�en parte» Deutfchlands (10 Pfennig) Sonnabend 13. November 192b Verlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit bis 5 Uhr Verleger: Vormtlrto-Verlag GmbH. Berlin SW. 68, cindenfirasz« 3 Fernsprecher: VSnhoss 292— 297 Die Sewerkfthastsführer bei Dr. Marx. Tie fordern den Achtstundentag. Beim Reichskanzler begannen heute vormittag Bera- tungen mit Vertretern der Gewerkschaften über das Arbeits- zeitgesetz. Darüber meldet WTB.: Entsprechend der am 9. d. M. abgehaltenen Besprechung mit den Vertretern der Arbeitgeberorganisationen fand heute vormittag eine Aussprache des Reichskanzlers mit den Vertretern der G e- w e r k s ch a f t c n unter Beteiligung der Reichsminister Dr. Brauns, Dr. C u r t i u s und Dr. ch a s l i n d e über die A r- beitszeitfrage statt. Zm verlause dieser Aussprache wurde seitens der Vertreter der Arbeitnehmerorganisationen zum Ausdruck gebracht, dah sie nach eingehender Prüfung oller Schwierigkeiten der deutschen Wirtschast zu der Forderung einer Durchführung des Achtstunden- orbeilslages namentlich ober der vekämpfung des A e b e r- stundenmihbrouchs kommen mühten, um eine fühlbare ver- Minderung der Arbeitslosigkeit zu erreichen. Krisenfürsorge und Sozialdemokratie. Erklärung der Reichstagsfraktion. Bei der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes über ein« Krisen- fürsorge für Erwerbslose gab die sozialdemokratisch« Fraktion durch Mg. hoch folgende Erklärung ab: Di« sozialdemokratische Reichstagsfrattion hat sich ständig be- müht, die von den sozialdemokratischen Bolksbeaustragten ins Leben gerufene Erwerbslosenfürsorge zu verbessern. Auch in diesem Herbst hat sie vor Zusammentritt des Sozialpolitischen Aus- schusies beantragt, einen Unterausschuß einzusetzen und die Erwerbs- losenfürsorg« auszuge st alten, insbesondere auch für die A u s- gesteuerten zu sorgen. Dabei haben wir auch die Verlängerung der Bezugsdauer und ihr« Ausdehnung auf die Ausgesteuerten gefordert. Wir hasten dies nach wie vor für das Beste. Es ist uns jedoch nicht gelungen, die Regierung und die Regierungs- Parteien hierfür zu gewinnen. Auch die Deutschnationolen erklärten sich im Ausschuß gegen unsere Forderungen und bean- tragten, die Ausgesteuerten auch fernerhin der gemeindlichen Wohlfahrtspflege zu überlassen. Trotzdem haben sie für unsere Forderungen gestimmt und zwar, wie sie ausdrücklich erklärten, aus politischen Gründen. Sie wollten das Elend der Erwerbslosen zum Sturz der Regierung benutzen, um so ihren Eintritt in die Regierung zu erzwingen. Es ist selbstverständlich, daß die sozialdemo- kratisch« Fraktion nicht auf Kosten der Erwerbslosen und Aus- gesteuerten die Geschäft« der Deutschnationalen fördern konnte. Deshalb blieb uns nichts anderes übrig, als eine V e r st ä n d i- g u n g mit den Regierui�sparteien, um auf dem Boden der Krisen- fürsorge möglichst viel für die Ausgesteuerten zu erreichen. Der ursprüngliche Gesetzentwurs ist dann auch in folgenden Punkten ver- bessert worden: 1. Die Krisenfürsorge berechtigt alle vom 1. April 1926 ab und später Ausgesteuerten zu denselben Ansprüchen wie die Erwerbslosenfürsorge! damit ist die große Masse der unter-der gegenwärtigen Wirtschaftskrise leidenden Arbeitnehmer berücksichtigt. In solchen Bezirken und Berufen, die schon seit län- gerer Zeit unter starker Erwerbslosigkeit leiden, ist auch für die v o r dem 1. April 1926 Ausgesteuerten in dieser Weise gesorgt. 2. Die bei dem Uebertritt in die Krisenfürsorge in jedem Fall vorgeschriebene besondere Prüfung der A r b e i t s w i l l i g k e i t und Arbeitsfähigkeit der Erwerbslosen ist beseitigt. 3. Die Lasten der leistungsunfähigen Gemeinden sollen mit Hilfe der Länder oder des Reiches erleichtert werden. Um die Ausgesteuerten aus der sie niederdrückenden gemeind- lichen Wohlfahrtspflege herauszuheben, stimmen wir für die Vorlag« und lehnen alle entgegenstehenden Anträge ab. Damit haben wir unter den durch die letzten Wahlen gegebenen Machwer- Hältnissen den Erwerbslosen am b e st e n gedient. Der Häuptling der Einwohnerwehr. Kanzler vor dem �eme-Nusschust. Im Femeausschuß des Reichstages war heute früh zur Fortsetzung der Beweisaufnahme über die Fememorde in der bayerischen Einwohnerwehr nur der Zeuge Kanzler erschienen. Dobner und Reunzcrt waren nicht zu ermitteln. Kanzler war der stellvertretende Landeshauptmann der bayerischen Einwohnerwehr uni>. wie er angibt, von der baye- rischen Regierung zur Niederwerfung des„Spartakistenaufftandes" mit Vollmachten zur Wiederherstellung der Ordnung und Errichtung eines Freikorps versehen worden Später sei die Ilmwandlung der Einwohnerwehr in Heimwehr und Heimatschutz ersolgt. Mit E s ch c r i ch wurde die Organisation über ganz Bayern, Oefterreich und Deutschland ausgedehnt. Kanzler war der„Wehrtechruker, Escherich hatte nach außen hin die Repräsentation und den Verkehr nnt de» Behörden. Die sogenannten Wafsenschiebungen seien „Wafsensicherungen" und sehr gefährlich gewesen. Es sei auch darauf angekommen, schwere Stücke zu„verraumen". Die Motive waren 1. der altgermanische Ehrbegriff, daß es ein« Schande sei, freiwillig die Waffen abzuliefern. Escherich und er, Kanzler, hätten nie daran gedacht, den Reoanchekrieg gegen Frank- reich führen zu können. 2. Notwehr: das Bürgertum wollte sich nicht entwassnen lassen. Er nehme an, daß gegenüber den Waffen- Verrätern von„nationalen vlännern" einige Exempel statuiert worden seien. Man habe wohl auch einige getötet, aber das sei doch nichts gegenüber den Tausenden, die von der anderen Seite umgebracht worden sind. Die Maßnahme habe offenkundig abschreckend gewirkt. Die betreffenden. Fäll« seien der Einwohnerwchrleitung nur aus den Zeitungen bekanntgeworden. Weitere Gedanken habe man sich nicht gemacht. Man nahm an, es seien keine Leute von ihnen. Aus Be> fragen gibt aber Kanzler zu, daß er Neunzert und Oberleutnant Braun persönlich gut kannte. Vors.: Spürten Sic keine Veranlassung, den Dingen, die über Ihre Organisation geredet wurden, nachzugehen? Kanzler: Wir wußten, die Polizei bearbeitet die Sache. Wir haben es vollkommen für ausgeschlossen gehalten, daß unsere Leute das machten. Braun zum Beispiel war schwer kriegsverletzt. Außerdem war die Waffcnbeschaffungsstelle eine private Firma. Vors.: Knebel hat ausgesagt, sie war als Abteilung 7«in- gegliedert. Kanzler: Jawohl, sie hat Munition und Uniformen an- geschasst. Im Fall Härtung war Verdacht aus Beurer oefallen. Aber als Bayern dachten wir. das haben die ordentlichen felsrichte zu bearbeiten. Was hätten solche Untersuchungen bezwecken sollen? Als Kanzler weiterhin von den Opfern der Jernt als den„Gerichteten" spricht, beanstandet Abgeordneter Landsberg nachdrücklichst diesen Ausdruck. Zusammenlassend erklärt K an z l e r: Zwei Auffassungen haben in ihm geherrscht: Als stellvertretender Londesleiter habe er die Vorfälle verurteilt. Seine persönliche Meinung aber sei folgende: Er habe keine veranlassung. Leute zu bedauern, die für verrat gerichtet wurden, sondern er habe sich darüber gefreut! Vors.: Früher haben Sie anders ausgesagt. Ueber die Ausstellung falscher Päsie weih der Zeuge nichts zu sagen, den Schweickart habe er nicht gekanirt. Abg. Levl: Haben Sie gewußt, ob diese Wafsengeschäste zum Zweck der persönlichen Bereicherung gemacht war- den sind? Kanzler: Ich bin nicht in der Lage, dem Abgeordneten Levi zu antworten. Nicht weil er Jude oder Mehrheitssozialist ist, sondern weil er seit sechs Jahren den Vorwurf des L a n d c s v e r r a t s auf sich sitzen lassen muß. Es entspinnt sich eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden und Kanzler, in der der Vorsitzende darauf hinweist, daß er die Frage eines Abgeordneten nicht abzulehnen habe. Sie haben Zhrer Staatsbüigcrpslicht nachzukommen, auch wenn da» für Sie nicht angenehm ist. Da» ist versassungsmäßig festgelegt. Kanzler: Ich kann das mit meinem Ehrgefühl nicht vereinbaren. Vors.: Wollen Sie Ihre Staatsbürgerpslicht verletzen? Zeuge erklärt: Zawohl! Vors.: Sind Sie sich der Folgen bewußt? Zeuge: 2a! Nach längerem Zureden, wobei darauf hingewiesen wird, daß ja auch Roth und Gärtner, Escherich, Ludwig und Kohr ihr« Aussage gemacht hätten, entschließt sich der Zeuge, doch zu antworten. Die Vernehmung bringt aber wenig Neues, bis der Abg. Le o i die Sprache auf den Brief des Zeugen an Geheimrat heim bringt, worin die Rede von dem„Fall Z.* ist. Cetil: Was war damit gemeint? Kanzler: Zum ersten Teil werde ich aussagen, zum zweiten Teil die Aussage verweigern. Ich erkläre, daß jedenfalls mit dem „Z" nicht Zus marshausen(der Mord an dem Kellner Har- tung) gemeint ist. Vors.:_____ sondern Zettelmeier." Kanzler: Jawohl, da nun einmal der Name genannt ist. Ich wollte mein« Hand nicht dazu hergeben, weil ich mich sonst eines kompletten Landesverrats schuldig gemacht hätte. Als Kanzler dieserhalb den Abgeordneten Levi angreist, stellt der Vorsitzende fest, daß Dr. Levi von dem Fall Zettelmeier nichts publiziert habe. Abg. Levi: Von einer Seite, die mir nahesteht, ist mir mit- geteilt w-orden, die Sache Zettelmeier sei erfunden. Es sei in ihr nie ein Schritt unternommen worden. Sehr ver- dächtig ist, daß der Brief Kanzlers am 25. Juli 1924 geschrieben wurde, nachdem am 5. Juli in Sachen Zusmarshausen die VerHand- lung wieder aufgenommen war. Der Vorsitzende verliest den Brief an Dr. Heim, worin es über die Bemühungen zur Vermittlung im Fall Z. heißt, daß sie notwendig, wären, es könnten sonst Weiterungen von ungeahnter Tragweite entstehen oder nationaler Skandal ungeahnter Ausmaße. Die Sache fei noch nicht einmal brieflich anzudeuten. Nach einem Bericht des Vorsitzenden über die Tätigkeit des preußischen Femeausschusses fordert Abg. Berg- st r ä s s« r(Dem.), daß sofort an die Vehaudlung des Komplexes „Schwarze Reichswehr" herangegangen werden soll. Es sei dringend notwendig, diesen wichttgsten politischen Komplex ohne Rücksicht auf schwebende Vtrsahren zu untersuchen Es handelt sich nicht um die einzelnen Fäll«, sondern um die Aufklärung des Milieus, aus dem die einzelnen Fememorde entstehen tonnten. Nach längerer Diskussion, in der sich die deutschnationolen Ab- geordneten gegen die sofortige Behandlung wenden, wird beschlossen, alle Vorbereitungen zu treffen, daß Ansang n ä chft e n Jahres spätestens der Komplex..Schwarze Reichs- wehr" in Angtiff genominen wird. Ueber die vorbereitenden Schritte soll die nächste Sitzung Anfang Dezember auf Grund von Dorschlägen des Abg. Bergsträsser Klarheit schassen. (Die Verhandlung geht weiter.) Unö was tut Külz! Er macht das Schmutz- und Schundgesetz. In den gestrigen Spätabendblättern war zu lesen, daß Herr Külz Vertreter der Regierungsparteien und der Deutsch nationalen um sich versammelt habe, um mit ihnen über die Verabschiedung des Schmutz- und Schundgesetzes zu beraten. Diese Nachricht mußte, gelinde gesagt, das st ä r k st e Staunen hervorrufen. Soeben war der sozialdemokrati- schen Reichstagsfraktion offiziell mitgeteilt worden, daß die Vereinbarungen, die zur Verständigung über die laufende Gesetzgebungsorbeit getroffen worden waren, von den Frak- tionen gebilligt worden sein. Und nun wird die neue Aera der Verständigung dadurch eingeleitet, daß man die Regie- rungsparteien mit den Mannen des Grafen Westarp zusammenlädt und mit ihnen— unter Ausschluß der Sozial- demokratie— über einen Gesetzentwurf berät, an dem die Sozialdemokratie aufs stärkste interessiert ist? Nun scheint es doch nicht ganz so gewesen zu sein. Da uns eigene Unterrichtung fehlt, sind wir genötigt, uns auf «inen Bericht des„Berliner Tageblatt" zu beziehen, in dem folgendes ausgeführt wird: Am gestrigen Nachmittag beschäftigten sich die Vertreter der Regierungsparteien auf Einladung des Reichsinnen- Ministers Dr. Külz mit dem vorliegenden Entwurf des G c setzes zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und S ch m u tz s ch r i f t e n. Die Beratungen dauerten bis in die Abendstunden. Politisch bedeutsam für diese Besprechung war, daß die Deutschnationalen, die ursprünglich ebenfalls zu dieser Be sprechung eingeladen worden waren, sich an dieser Beratung nicht beteiligt haben. Der deutschnationale Abg. Dr. M u m m, der erschien, erklärte ausdrücklich, daß er nicht als Vertreter seiner Frak- tion, sondern lediglich aus persönlichen Gründen an der Besprechung teilzunehmen wünsche. Das Ergebnis dieser Besprechung war negativ. Eine Einigung unter den Regierungsparteien war nicht zu erzielen. Die Demokraten lehnen die gegenwärtige Fassung des Gesetzentwurfs ab. Wie wir erfahren, haben die Demokraten durch Dr. H c u ß Abänderungsvorschläge eingebracht, die im wesentlichen folgenden Inhalt haben: Zunächst soll durch Streichung des Absatzes III in 8 1 vermieden werden, daß auch periodische Druckschrislen unter das Gesetz fallen. Ferner wünschen die Demokraten, daß dem ersten Absatz des ß 1 folgende Fassung gegeben wird:„Die Entscheidung darüber, ob eine Schrift auf die Liste gesetzt werden soll, erfolgt durch eine prüsstelle des Reiche», die dem Reichsministerium des Innern angegliedert ist. Der Vorsitzende der Reichsprüfungsstelle hat die Schrift, deren Aufnahme in die Liste ausgesprochen ist, binnen drei Wochen öffentlich bekanntzugeben: Das bedeutet also, daß die Demotraten an die Stelle der Länder prüf- stellen Reichsprüfstellen treten lassen wollen. Zum§ 3 beantragen sie folgende Abänderung:„Die Prüsstelle setzt sich aus einem beamteten Vorsitzenden und vier Sachverständigen zusammen. Von den Sachverständigen ist je einer dem Kreise der Kunst, des Buchhandels, des Schriftums, der Jugendwohlfahrt und der Volks- bildung zu entnehmen. Das Reichsministerium ernennt auf Grund von Vorschlägen der beteiligten Gruppen auf drei Jahre eine Anzahl Sachverständiger. Die Heranziehung im Einzelfalle erfolgt nach einem bestimmten Plan durch den Vorsitzenden." Ferner wünschen die Demokraten, daß das Gesetz dahin abgeändert wird, daß die Heranziehung eines Sachverständigen, der bei der ersten Entscheidung der Reichsprüfstelle mitwirkt, bei künftigen Entfcheidun- gen nicht statthast sei. Wie wir weiter hören, wird von der Deutschen volksparlel eine Abänderung des vorliegenden Gesetzentwurfes verlangt, der einen Ausgleich zwischen Reichs- und Landeeinteressen versucht. Angesichts der Tatsache, daß der Reichsinnenminister bei der gestrigen Besprechung eine Einigung der Parteien nicht erzielen konnte, und daß eine solche Einigung auch im gegenwärtigen Stadium kaum möglich erscheint, beabsichtigt Dr. Külz das Gesetz in seiner bisherigen Fassung ins Plenum gehen zu lassen und das Plenum sowohl über die Abänderungsanträge wie über das Gesetz selbst entscheiden zu lassen. Er glaubt offenbar, daß eine Mehrheit für das Gesetz sicher ist, und zwar eine Mehr- heit von den Deutschnationalen bis einschließlich lies Zentrums. Auch die Deutschnationolen haben sich über ihre Stellungnahme nochnichtschlüssig gemacht. Dr. Mumm ließ bei der gestrigen Besprechung durchblicken, daß die Deutschnationalen vermutlich auf Beibehaltung der bisherigen Fassung bestehen. Ob dafür die übrigen Fraktionen zu gewinnen sind, läßt sich jetzt nicht übersehen. D'e Zustimmung der Dsmokraten ist jedenfalls ausgeschlossen. Das„Berliner Tageblatt" knüpft an diesen Bericht folgende Bemerkung: Es scheint uns ganz unmöglich, daß die Regierung angesichts der Uneinigkeit unter den Regierungsparteien das Gesetz jetzt einfach treiben lassen will. Wenn die Regierung über- Haupt daraus besteht, das Gesetz durchzubringen, dann muß sie doch zunächst dafür sorgen, daß sich die Regierungsparteien über eine gemeinsam« Fassung verständigen. Unmöglich kann doch die Regierung ein Gesetz von dieser Bedeutung, dessen unerträgliche Mängel wir erst kürzlich nachgewiesen haben, etwcr gegen die demo- kratischen Stimmen mit Hilfe der Deutschnationolen und der Völ- tischen durchbringen wollen! Wir möchten hinzufügen, daß für die gemeinsame Fassung, wie sie nach der Meinung des„Berliner Tageblattes" zwischen den Regierungsparteien gesucht werden muß, eine Mehrheit noch nicht besteht, daß sie aber möglicherweise gefunden werden kann, wenn man sichmitderSozialdemokratic rechtzeitig verständigt. Kommt aber diese Verständigung nicht zustande, so scheint es uns mit der gegebenen politischen| Sozialdemokraten und eines Teils der Regie-| der Deutschen während des Weltfrieges in Birmingham gestorbeneri Gesamtlage ebenso unvereinbar zu sein, daß man eine Mehr- rungsparteien dazu! heit von Regierungsparteien plus Deutschnationalen sucht, wie daß man sie aus Teilen der Regierungsparteien und der Rechten zusamentlaubt. Wohin die Fahrt gehen sol, verrät in etwas unvor sichtiger Weise die Deutsche Allgemeine Zeitung". Nachdem sie auseinandergesetzt hat, warum die Große Koalition zur zeit unmöglich ist sie führt das bezeichnenderweise auf ,, unwirtliche Winde aus der Richtung der Deutschen Bolks partei" zurück, führt sie aus: Zu dieser Haltung trägt die Erfeminis bei, daß eine Reihe gesetzgeberischer Arbeiten das Syffem der wechselnden Mehrheiten geradezu erheifchen, weil sie nicht wie die Teilfragen der Sozialpolitit mit der Linken allein gemacht werden können. Dazu gehört das Schmug- und Schundgesetz, das, abgesehen von seinem unerfreulichen Namen, auch in anderer Beziehung Eorge bereitet. Dr. Külz hatte sämtliche bürgerlichen Fraktionen zu der Borbesprechung eingeladen. Einheitlich in ihrer Stellungnahme ist feine Partei. Trotzdem sieht man eine Mehrheit für das Gefeß als gesichert an, wenn Deutschnationale, Zentrum und Bayerische Boltspartei dafür stimmen und wenn Demokraten und Volkspartei, die beide noch Abänderungsanträge angekündigt haben, wenigstens einen Teil ihrer Stimmen hinzufügen. Ist es nicht überaus bemerkenswert, daß hier ungefähr die gleiche Mehrheit auf marschiert steht, wie sie für weitere wichtige Gesetze wirtschafts- und kulturpolitischer Art, so für das vom Innenminister gestern dringlich angekündigte Reichsschulgesetz notwendig wäre? Was hier empfohlen wird, ist eine Politit des doppelten Bodens, eine Politit der Treulosigkeit, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Die Deutschnationalen haben unter dem Oberbefehl des Grafen We starp eine Lattik eingeschlagen, die darauf hinausläuft, durch Sabotage der parlamentari ichen Arbeit ihren Eintritt in die Regierung zu erpreffen. Die Sozialdemokraten haben sich bereit erklärt, der Barlamentsarbeit über diese Klippen hinwegzuhelfen. Sie find bereit zu dem Versuch, sich von Fall zu Fall mit den Regierungsparteien über die vorliegenden Gefeßentwürfe zu verständigen und, wenn die Verständigung gelingt, für das Zustandekommen einer Mehrheit zu sorgen. Was nun die Deutsche Allgemeine Zeitung" der Regierung rät, ist illoyal und mit dem Geist des parlamentarischen Systems nicht zu vereinbaren. Und würde die Regierung Neigung zeigen, solche Ratschläge zu befolgen, so würde fich daraus eine ganz neue Situation ergeben, die die sozialdemokratische Reichstagsfraktion auch zu neuen Entschlüssen nötigen würde. Im Fall des Schmuz- und Schundgesetzes ist nun die Situation insofern tragikomisch, als die Regierung nicht ein mal die Minderheit, auf die sie sich ftüßt, zusammenhalten kann! Es ist start zu vermuten, daß es in allen an deren Fällen, in denen die Deutsche Allgemeine Zeitung" der Regierung zu dem Spiel mit wechselnden Mehrheiten rät, genau so gehen würde. Die trisenhafte Lage, die in den letzten Tagen entstanden war, war eine Folge viel weniger wirklicher Schwierigkeiten als einer beispiellosschlechten Regie. Auch in der Kaiferzeit war es faum vorgekommen, daß Borlagen parla mentarisch so schlecht vorbereitet wurden, wie es in der letzten Zeit der Fall gewesen war. Wir hatten angesichts dieser Verwirrung an die einfache Wahrheit erinnert, daß sich Regierungen auf dem Berhandlungswege Mehrheiten sichern müssen, wenn sie ihre Borlagen durchbringen wollen. Auf diesem selbstverständlichen Grundgedanken beruhte dann die Bereinbarung zur Förderung der parlamentarischen Arbeit, die zwischen den Sozialdemokraten und den Mittelparteien geschlossen wurde. Diese Vereinbarung würde wieder zerschlagen wer den, wenn jetzt ein Gesetz wie das gegen Schmutz und Schund" gemacht werden sollte mit Hilfe der Deutschnationalen gegen den entschiedenen Widerstand der Kopien altdeutscher Fresken. In der Kunstakademie( Hardenbergstraße) find Kopien ausgestellt, die der Maler Robert Richter von den aufgedeckten Fresken in der Lindauer Peterskirche gemalt hat. Wir fühlen uns an die Sorgfalt erinnert, mit der die russischen Maler ihre alten Heiligtümer in Nowgorod topiert haben: fein Versuch, zu verbessern und zu ergänzen; sondern in dem ruinösen Zustand, wie sie sich uns heute darbieten, gibt sie der Maler wieder, mit allen Flecken und Zufallserscheinungen. Augenscheinlich ist die oberste Farbschicht, welche die eigentlichen Bigmente enthielt, zum größten Teil abgeblättert, und die modellierende Untermalung in grau tritt zutage; erhalten sind im wesentlichen nur breite Partien von grün und hellblau, deren unterbrochene und oft ausgelaugte Flächen bei dem Linearstil der Fresten einen teppichartigen Eindruck von großem Reiz enthalten. Diese malerischen Reize des Halberloschenen sind es wohl auch in erster Linie gewesen, die den Maler zu seiner treuen und ausdauernden Arbeit angeregt haben. Er hat die zehn wesentlichsten Fresten auf grober Leinwand mit einer Tempera wiedergegeben, die dem Charakter der alten Wandbilder in hohem Maße gerecht wird. Bei dem schlechten Zustand der alten Werle, in verwahrloster Kirche, bei der Gefahr immer fortschreitender Zerstörung, ist die reprodutive Erhaltung des heutigen Zustandes ein äußerst verdienstvolles Wert. Und die Bilder selber verdienen dieses Interesse und diese Hingebung. Es find fortlaufende Szenen aus der Passion Chrifti von Gethsemane bis zur Grablegung; entstanden um oder bald nach 1500, von einem Meister, der zwar gewiß nicht Holbein der Aeltere ist, wie Herr Robert Richter annimmt, wohl aber ein füd. schwäbischer Maler, der zwischen Holbein und J. Ratgeb stehen mag. Der Stil ist für den Anfang des 16. Jahrhunderts provinzial zurückgeblieben und von jener gemütlichen und ein wenig ausdrucks lofen Schwerfälligkeit, die schwäbische Malerei fennzeichnet, und wofür etwa Bartel Zeitblom der charakteristische Vertreter ist. Den Mangel an dramatischer Kraft ersetzt er durch eine schöne Tonigkeit und eine gewisse stille und derbe Anmut, vor allem durch große Geschlossenheit der Komposition und eine gobelinhafte Teppich wirkung, was alles ihn dem Kreise der Glasmaler von der Art Hans Wilds näher bringt und von Holbein dem Vater entfernt. Solche Fragen in unserm funftarmen Berlin angeregt und die heitere Stimmung füddeutscher Kunststädtchen unmittelbar uns nahe gebracht zu haben, danken wir dem fleißigen Maler. Für eine glückliche Stunde taucht die unfägliche Heiterfeit der Inselstadt am Bodensee, taucht Lindau mit seinem Pfänder und hohen Säntis vor uns auf. Dr. P. F. Schmidt. Stück. Theater in der Kommandantenstraße. Anzengrubers G'wissenswurm" redet heute zu uns ganz wie ein modernes Wenn die Aufführung etwas phantasievoller und schauspielerisch leidenschaftlicher gewesen wäre, so würde man auch gemert haben, wieviel soziale Blutstropfen im Herzen Anzengrubers zu zählen sind. Das war ja ein grimmiger Kerl, obwohl er fich luftig gebärdete. Er predigte aber nicht die Bergänglichkeit des bos Man fuche also entweder eine Einigung über dieses Gesetz herbeizuführen unter den Parteien, die zur Förderung der parlamentarischen Arbeit bereit sind, oder man verzichte auf den Versuch, es durch den Reichstag zu bringen. Schließ lich hat auch Bismard manchmal Borlagen zurüdgezogen, die zu einer veränderten Gesamtsituation nicht mehr paßten. Und eiserner als der Eiserne braucht Herr Külz nicht zu sein! und beerdigten deutschen Soldaten niederlegen wird. Sie wird an der Seite des Leiters der Konsularabteilung der deutschen Botschaft in London, Dr. Mevnen, schreiten, der von den vormaligen Kriegsteilnehmern Birminghams eingeladen worden ist, bei der Zeremonie zugegen zu sein. Der Kranz trägt die Aufschrift: hier auf dem Ruheplatz derer, die vom Vaterlande schlafen, für das sie starben, wird dieser Kranz in liebevoller Ehrfurcht von einem englischen Kinde niedergelegt." Antwerpen, 13. November.( WTB.) Sozialistische Kriegsteilnehmer haben heute auf den Gräbern der in AntDas Kompromiß über den Zentrale- Prozeß. werpen beerdigten deutschen Soldaten Blumenspenden Lächerliche Ausreden. Die ,, Rote Fahne" schreibt: Der Borwärts" hat die Schamlosigkeit, die Preisgabe der elementarsten Arbeiterforderungen durch die SPD. damit zu verteidigen, daß auch die Kommunisten angeblich Rompromiffe" mach ten. Als„ Beweis" führt der„ Borwärts" an, daß sich die Kommuniſten mit der SPD. und den Bürgerlichen auf die Verschie bung des Prozesses gegen die KPD. 3entrale geeinigt" hätten, als die Niederschlagung nicht zu erreichen war. = Was ist die Wahrheit? Die Kommunisten hielten ihren Antrag aufrecht. Erst als er niedergestimmt war, ftimmten fie, wie es selbstverständlich ist, für Verschiebung. Sie werden ihren Antrag auch im Plenum aufrechterhalten. Sie werden ungeachtet der Entscheidung der SPD. und des Reichstags für die Niederschlagung des Zentrale- Prozesses wie für volle Amnestie für alle proletarischen politischen Gefangenen und Strafverfolgten weiterhin die Massen mobilisieren, bis das Ziel erreicht ist. Das ist der Unterschied zwischen sozialdemokratischer und tommunistischer Vertretung von Arbeiterinteressen. Auf der ersten Seite derselben Nummer der Roten Fahne" liest man: Die Krisenfürsorge muß fallen! Her mit der unbegrenzten Unterſtügungsdauer für die Erwerbslosen." Also die Krisenfürsorge muß fallen, weil sie ein Rom promiß ist. Muß auch der Beschluß des Geschäftsordnungsausschusses fallen", weil er den Zentral- Prozeß nicht für unbegrenzte Dauer, sondern nur bis zum Sommer einstellt? O nein, das ist etwas ganz anderes. Denn da geht es ja nicht um die Arbeitslosen, da geht es um die Abgeord= neten! Wenn die Kommunisten der Einstellung des Prozesses bis zum Sommer zustimmen, tun fie etwas anderes, als was wir in so vielen Fällen tun? Sie sagen, sie halten ihre Forderungen aufrecht. Ja, als ob wir das nicht auch täten! Forderungen aufrechter halten ist das leichteste, was es gibt. Aber das Durch. sehen ist schwer, da begnügt man sich eben manchmal mit dem Spaß in der Hand, wenn man die Taube auf dem Dach nicht bekommen fann. Rum Beispiel, man stimmt für die Einstellung eines Brozesses gegen kommunistische Abgeordnete bis zum Som mer, wenn man die Einstellung überhaupt zunächst nicht erreichen kann. Und man benimmt sich sehr artig, um dieses Teilziel zu erreichen. Man verhandelt darüber sehr höflich mit den bürgerlichen Parteien. Was durchaus fein Vorwurf sein soll. Wir bitten nur, auch uns feinen Vorwurf zu machen, wenn wir nach der gleichen Methode verfahren, wo es um die Interessen nicht von Abgeordneten, sondern von Arbeitern geht. Die Toten als Versöhner. Deutsche Kriegergräber in England und Belgien mit Blumen geschmückt. London, 13. November.( WTB.) ,, Daily Expreß" meldet aus Birmingham, daß ein kleines englisches Waisen mädchen am tommenden Sonntag einen Kranz auf den Gräbern haften Charakters, er zeigte nur, so daß der schlichte Mann nicht einmal nachzudenken braucht, auf welche energische Art ein Leisetreter und Heuchler hops geht. Tartüffe, ins Desterreichische und Bäuerische übersetzt, das ist das Thema. llebrigens enthalten so starte Boltsstücke, die gefallen, ohne daß viel getiftelt wird, immer ein uraltes Problem. Es scheint, sieht man die Dinge so an, daß die Meinung der Theoretiker richtig ist, die großen Talente oder gar die Genies brauchten gar teine Phantasie, sondern nur einen fabelhaften Ordnungsfinn. So nimmt auch Anzengruber die jahrhundertealte Figur des Zeloten und falschen Frömmlers her, um ihr Innenleben und Außenleben nach allen Seiten neu abzuleuchten. Und es wird ein famoses Theaterstück. Das Stück lebendig zu machen, gab man sich im Theater in der Kommandantenstraße viel Mühe. Doch es fehlt dort an Kräften. Herr Leibelt ist gut in der Maste des Dusterer, er schleicht auch wie ein Bauernteufel luftig über die Bühne, er näfelt auch seinen Frömmlerton erbaulich und so, daß man dem Schuft und Erbschleicher gelegentlich an den Kragen will, aber faftigste Bointen läßt er sich häufig entgehen. Paul Marr ist eher ein Philosoph als ein Bauer, und das dialektische Gewand steht ihm nicht an. Immerhin taten Fräulein Nemes, die Horlacherlies, Herr Kampers, der einen wütigen Fuhrknecht mimte, und Herr Reithofer, der ein biederer und verliebter Großknecht war, ihr Bestes. M. H. Theater in seiner Bescheidenheit ein aus Amerifa importiertes „ Die größte Sensationskomödie der Welt" nennt das Trianon Detektivstück von Alfred Murray Der Kavalier von Sing Sing". Jimmy Samson ist ein gefürchteter Geldschrank tnader, was man ihm zur Verzweiflung des Detektivs Evans nicht nachweisen kann. Diesmal figt er wegen eines fleinen Totschlags im Rittchen, der sich alsbald als eine wahrhaft ritterliche Tat entpuppt. Im ersten Aft erscheint der Handelsminister und Bankdirektor Flan beim Gefängnisgewaltigen und eröffnet ihm, daß Samson mit diesem Totschlag seine Tochter Rofe aus den Krallen eines Wüftlings gerettet hat. Wie das so in Amerika zugeht, wird Samson daraufhin Profurist bei Flay und bewährt sich als Finanzgenie. Inzwischen hat ihn und feine Spießgefellen der zähe Detektiv Evans wieder auf dem Kiefer. Aber aus einer Bankdiebstahlsaffäre gehen die früheren Zuchthäusler makellos und tugendbededt hervor. Bis plötzlich das ist die große Sensation ein Rind in einem Geldschrank zu erstiden droht. In feinem Edelmut gibt Samson die schön aufgebaute Zukunft auf und rettet das Kind, indem er sich selbst als Geldschrankknader entlarpt. Die romantisch- rührfelige Deteftingefchichte ist in ihrem Ablauf nicht spannend, sondern eher abspannend. Unter der Regie von Berry Berner hielten sich Georg Wieczorek, Hans Otters. hausen und Paul Hern recht wader. Richard Eisenac spielte den Detektiv wie ein Gerichtsvollzieher und Rolf Jahn den Samson wie ein Rinoheld. Dgr. nahm, bot in den einzelnen streng fachwissenschaftlichen Borträgen Der Kongreß der Polarforscher, der drei Tage in Anspruch sehr viel des Interessanten. Es frat flar hervor, von wie großer Bedeutung eine dauernde Beobachtung der Berhältnisse des Polargebietes nicht nur für geographische und witterungskundliche Fragen ist, sondern für eine ganze Reihe anderer Wissenszweige, des Erdniedergelegt. Der ,, Lokal- Anzeiger" regt sich außerordentlich darüber auf, daß der deutsche Botschafter in Washington, von Malzahn, am 11. NoDember, aus Anlaß der amerikanischen Waffenstillstandsfeier, die Reichsflaggen auf dem Botschaftsgebäude gehißt bat. Das Hugenberg- Blatt spricht von denkbar schmählichster Selbsterniedrigung". unerhörtem Schimpf", traurigen Vorgängen" usw. Man erfährt nun zu dem Vorgang, daß der Doyen des diplo matischen Korps die allgemeine Flaggenhissung angeordnet hatte. Sollte der deutsche Botschafter den Rechtsparteien zuliebe eine Aus. nahme machen und einen ähnlichen Flaggenstandal hervorrufen, wie fein Vorgänger Dr. Wiedfeld, der beim Tode Wilsons als einziger diplomatischer Vertreter nicht halbmast geflaggt hatte, wodurch er Deutschlands Ansehen in Amerika auf das schwerste kompromittierte? Wenn es sich bei der Waffenstill. standsfeier nur um eine reine Siegesfeier handelte, könnte man die Aufregung der Hugenberg- Presse begreifen ,. Aber der 11. November hat diesen Charakter immer mehr verloren und ist heute, nicht nur in Amerika, vor allem eine Gedenkfeier für die Toten des Weltkrieges und eine Erinnerung an den Tag, an dem die Massenschlächterei aufhörte. Das fam auch deutlich in der Rede zum Ausdruck, die Präsident Coolidge am 11. November dieses Jahres in Kansas- City gehalten hat. In diesem Sinne tönnen alle Bölfer den 11. November feiern und konnte auch die deutsche Botschaft in Washington ihren Flaggenschmuck zeigen. Moskau und Angora. Tschitscherin und Ruschdy Bey in Odessa. In Odessa hat sich Tschitscherin mit dem türkischen Mis nister Ruschdy Bey getroffen. Es haben Bankette stattgefunden, London und Rom beunruhigt, weil man eine neue Schwenfung es sind Festreden gehalten worden, und darüber zeigt man sich in ber türkischen Politik befürchtet, die sich im Sommer mit dem MofjulBertrag abgefunden und von Moskaus Freundschaft losgelöst zu haben schien. Die Sowjetpresse spricht schon von der Bildung einer neuen Front gegen England und den Völkerbund. Einem eigenen Drahtbericht aus Paris zufolge reist Tschiticherin demnächst nach Paris, angeblich zu Erholungszwecken, " Richter der Republik. Schwarz- Rot- Senf, Schwarz- Rot- Mostrich, SchwarzRot- Sch... find volkstümlich!" sagt ein Landgerichts. Direktor! Caffel, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) In Cassel fand gestern die Berufungsverhandlung gegen den Bahnhofsausseher Bad zu Philippstal a. d. Werra statt, der vom Amtsgericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, weil er von den Reichsfarben mit den Worten Schwarz- Rot- Senf, Schwarz- RotMostrich und Schwarz- Rot- Sch.... gesprochen hatte. In der Berufungsverhandlung, die unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Baiser stattfand, wurde entgegen dem Antrag, des Staatsanwalts, der Erhöhung der Strafe verlangte, auf Ermäßigung der Strafe auf einen Monat Gefängnis erkannt. Im Verlaufe der magnetismus, der Strömungsverhältnisse in den Ozeanen und vielen anderen, und daß dazu die Errichtung dauernder Stationen in den das Polargebiet umgrenzenden Festländern sowohl als auf den Inseln und selbst auf dem Eise des Eismeeres erforderlich ist. Ihre Wichtigkeit wurde auch in einer Resolution betont, und es wurde beschlossen, die Sowjetregierung zu bitten, die Errichtung weiterer solcher Stationen in Sibirien in Angriff zu nehmen. Algemeines Intereffe beansprucht die Diskussion über die Sicherheit der Luftfahrzeuge, die in der letzten Sigung im Anschluß an den des starren Luftschiffs für Weltverkehr und Forschungszwede statt. Vortrag von Dr.- Ing. Bleist ein über die Entwicklungsmöglichkeit fand. Durch das Unglück, welches die„ Shenandoah" erlitten hat, ist das Zutrauen zur Sicherheit der Luftschiffe erheblich gesunken, aber mit Unrecht. Geheimrat Schütte betonte, daß von 130 Luftschiffen, die in Deutschland nach demselben System gebaut sind, tein einziger Fall bekannt geworden ist, daß es ebenso wie die " Shenandoah" in der Luft zerbrochen ist, und fein einziger Unfall hat sich ereignet, bei dem etwa ein Mensch ums Leben gekommen ist. Bei der Shenandoah" lagen erhebliche Konstruktionsfehler vor, die nicht nur vermeidbar sind, sondern unter allen Umständen vermieden werden müssen. Man soll doch auch nicht vergessen, daß derselbe Sturm, der die Shenandoah" von ihrem Anfermast losriß, auch 40 Seeschiffe an der Küste losgerissen hat, von denen eine ganze alle Aussicht, daß weder ihm noch den auf ihm befindlichen Menschen Reihe unter Verlust zahlreicher Menschenleben scheiterte. Ein Luftfchiff dagegen, das von seinem Anfermast losgeriffen werde, biete ein Unheil widerfahre. zutage, daß als ein Luftfahrzeug für Forschungszwecke und speziell In der weiteren Diskussion trat flar in der Bolargegend nur eines von riesigen Ausmaßen, von etwa 150 000 Rubikmeter Gasinhalt, in Frage fommen fönne, wie es zurzeit nur nach dem starren System zu erbauen sei. Ein Luftschiff eigens für diesen Zweck zu bauen, fomme wegen der hohen Kosten nicht in Betracht, wohl aber werde es möglich sein, von den großen Verkehrsgesellschaften, die ja sehr bald ihre großen Fahrzeuge zwischen Europa, Afien und Amerita in Verkehr bringen werden, ein Schiff zu leihen und durch entsprechende Einbauten für For [ chungszwecke geeignet zu machen. Ausblick in die Zukunft wurde die Tagung von Nansen ge schungszwede geeignet zu machen. Mit einem hoffnungsreichen fchloffen. Erftaufführungen der Woche. Donnerstag Casino- Theater: Mister Corned beef. Montag( 22.) Städtische Oper:" Der Zwerg". Der leste Faun. Sonnab.( 5): Urania- Borft äge. Mont.( 5, 9), Dienst.( 7), Donnerst.( 5, 7), reit.( 5, 9), Im Lande der unbegrenzten Möglich. feiten". Mont.( 7), Dienst.( 9), Mittw.( 7). Donnerst.( 9), Freit.( 7), Sonnab.( 9), Sonnt.( 7): Geist und Maigine". Mittw., Sonnt.( 5, 9):, Die bgiene der Ehe". Sonnab.( 7): Dichter, Regiffeur und kameramann beim Film". Gizung wird der deutsche Botschafter in Totto, Dr. Bilhelm Solf im Hörsaale der Staatlichen unit bibliotber stattfindenden Gefellschaft für Offafiatische Kunft. In der am 16., abends 18 Uhr über Mahayana, das geistige Band des fernen Ditens und feine wirtung auf die Kunst" sprechen, darauf Prof. Dr. A. Döring über„ Siamesische Kunst. Beide Borträge werden durch Lichtbilder erläutert. Beweisaufnahme fragte der Borfigende feden 3eugen, ob ihm nicht bekannt sei, daß der Volksmund" das Reichsbanner, das der Angeklagte Bad gemeint zu haben behauptet, im gewöhnlichen Leben Schwarz- Rot- Senf, Schwarz- Rot- Mostrich, Schwarz- Rot Sch.... nenne. Die Zeugen verneinten das. Der Staatsanwalt jedoch erhob Einspruch gegen die Fragestellung durch den Vorsizzenden und führte dazu aus:„ Bolkstümlich sei die Ansicht, daß Schwarz- Rot- Gold die Reichsfarben seien. Das erstinstanzliche Urteil im vorliegenden Falle sei sehr richtig. Würde Back freigesprochen, so schaffe das einen Präzedenzfall. Gerade die, die das Reichsbanner, die Repblik und die Reichsfarben gewöhnlich und berufsmäßig beschimpfen, würden sich, wenn die Meinung des Vorfihenden Platz griffe, feige hinter den Vorwand versteden, sie hätten nur das Reichsbanner gemeint." Trotzdem ermäßigte das Gericht die Strafe. Das Justizministerium aber sollte sich den Namen des Landgerichtsdirefors Baiser vermerken. Er verdient baldigst befördert zu werden. Wo die Deutschnationalen herrschen. Der Typhus und der Oberbürgermeister. Hannover, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) Das Gut achten des staatlichen Gutachterausschusses über die ur sachen der Typhusepidemie in Hannover liegt jetzt im Wortlaut vor. Es besagt im großen und ganzen das Gegenteil von dem, was die Stadtverwaltung als Ursache angeführt hat. Es wird darin gesagt, daß in der Zeit vom 16. August an 20 000 bis 30 000 Menschen an atutem Darmlatarrh erkrankt sind. Drei Wochen später wurden dann Typhuskranke in immer steigender Zahl in die Krankenhäuser eingeliefert. Diese Tatsache der explosivartig auftretenden Erkrankungen weise darauf hin, daß ein Typhusherd vorhanden gewesen sein müsse, der großen Teilen der Bevölkerung gleichermaßen zugänglich war. Milch komme dafür jedoch nicht in Betracht, wohl aber das Wasser. Festgestellt sei, daß vom 14. bis 20. August, also in der Zeit der ersten Massenerkrankungen, das Wasser des Ricklinger Wasserwerks sehr start feimhaltig war. Die Keimzahl stieg pro Kubikmeter bis zu mehreren Tausenden. Diese und andere Gründe, besonders auch die Verteilung der Typhusfälle auf das Gebiet der Ricklinger Wasser versorgung, lassen mit hoher Wahrscheinlichkeit den Schluß zu, daß die Verschmutzung des genannten Wasserwerks mit Typhusbazillen die Ursache der Erkrankungen sei. Diesem Gutachten der staatlichen linterfuchungskommiffion traten drei Mitglieder des städtischen Gutachterausschusses vorbehaltlos bei. Die fozialdemokratische Fraktion beantragte in der gestrigen Sigung der städtischen Kollegien, daß der Bericht über die Verhandlungen im Landtage über die hannoversche Typhuskatastrophe ebenso in Broschürenform verbreitet werden soll, wie die höchst einseitig gehaltene Rede des( deutschnationalen) Oberbürgermeisters Dr. Menge in der letzten Sitzung der städtischen Kollegien, die von Angriffen gegen die Presse und unsachlichen Polemiken stroßzt. Dieser Antrag wurde mit Hilfe des Ordnungsblocks abgelehnt. Der Oberbürgermeister äußerte hier: bei, daß selbst Abgeordnete im Landtag unwahre Angaben über die Typhusepidemie gemacht hätten, und er wiederholte seine unsach lichen Angriffe gegen die Presse. In derselben Sigung wurden pon Bertretern fast aller Parteien Hilferufe an Staat und Reich gerichtet wegen der fatastrophalen Finanzlage der Stadt Hannover. " Nationale Arbeiterführer". Gleiche Brüder- gleiche Kappen. Der Preußische Landtag hat am Freitag auf Antrag des Ge= schäftsordnungsausschusses die Aufhebung der Immunität des deutschnationalen Abgeordneten Wiedeman abgelehnt. Gefordert wurde die Aufhebung der Immunität von dem Schriftleiter Albert 3immermann, dem leitenden Redakteur der ,, Deutschen Handelswacht", Organ des Deutschnatinalen Handlungsgehilfenverbandes in Hamburg. Wiedemann hat in seiner Zeitschrift Deutsche Werfsgemeinschaft", dem Organ der Gelben, in Nr. 35 vom 29. August 1926. seinem deutschnationalen Parteifreund Zimmermann nachgesagt, er bewege sich auf dem Boden des Lumpen milieus, sei ein unsauberer Patron und Ver= leumder, hätte an Gemeinheit den Reford vor allen anderen erreicht und sich damit selbst aus der Reihe der anständigen Menschen gestrichen. Wiedemann vergleicht seinen Parteifreund Zimmermann mit einer aufgeblafenen, in efelhaftestem Schmutz und Sumpf fizenden Kröte und versichert ihm zum Schluß, daß Prolet Prolet bleibe. Das Ganze nennt man nationale Arbeiterführer oder auch gleiche Brüder, gleiche Kappen". Das sind die Deutschnationalen unter sich! Von Stufe zu Stufe! Ganz Italien im Verbrecheralbum. Rom, 13. November.( WIB.) Die vom neuen Polizeigeset in Jtalien eingeführte Ausweistarte wird außer der Photographie und den Personalien auch einen Fingerabdruck enthalten. Erregung in Belgrad über Wilfans Verhaftung. Belgrad, 13. November.( WTB.) Die heutige Sigung der Stupshtina war vollständig von der Verhandlung über die Interpellation der Slowenen und über die Behandlung Dr. Wilfans in Rom ausgefüllt. Alle Oppositionsparteien hatten ihre Redner vorgeschickt. Abgeordneter Bojowitsch erklärte u. a.: Wir sind nicht mehr die Nation, mit der man alles machen kann; das soll sich Mussolini merfen. Abgeordneter Dr. Moser vom Deutschen Klub sagte in seinen Ausführungen: Troß der Unterdrückungen wird sich das slowenische und das kroatische Volk in Italien erhalten. Minister des Aeußeren Dr. Mintschitsch beantragte die Ablehnung der Dringlichkeit, weil diese Behandlung der Angelegenheit den Beziehungen mit Italien nicht nügen würde. Ueber die Resolution der Demokraten wurde, da sie als nicht geschäftsordnungsmäßig erachtet wurde, nicht abgestimmt. Riga, 13. November.( TU.) Im Zusammenhang mit der fürzlich erfolgten Verhaftung des Vorsitzenden des Minder heitenfongresses in Genf, Wilfan, durch italienische Fa schisten hat der Abgeordnete Dr. Schiemann in Riga als Vorftandsmitglied dieses Kongresses einen Aufruf erfaffen, in dem alle Minderheiten Europas zu einem flammenden Brotest gegen diese Gewaltaktion aufgefordert werden. Averescu mit Muffolini solidarisch: Beschlagnahme des Bukarester Parteiorgans. Bufareff, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Militärstaatsanwalt hat das offizielle Organ der rumänischen Sozialdemotratie, den„ Socialismul", beschlagnahmt. Die Beschlagnahme erfolgte wegen eines Artikels Nieder mit dem Faschismus, nieder mit dem Terror". Bukarest fühlte sich offenbar mindestens ebenso getroffen mie Rom.** Tragödie des Alltags. Als der Tischler M. an einem Sonnabend im Juli v. J. von feiner Arbeit heimgekehrt war und an seiner Wohnungstür lopjte, erhielt er keinen Einlaß. Schimmes ahnend, schaute er durchs Schlüsselloch: es steckte der Schlüssel darin. Er stieß die Türfüllung ein und prallte bestürzt zurück: das Zimmer war voll Gas und ihm entgegen lief weinend und" Papa" rufend sein ein= dreivierteljähriger Knabe. " Auf dem Bett lag bewußtlos eine Frau: der Mann versetzte ihr außer sich zwei Schläge ins Gesicht. Auf dem anderen Bett lag gleichfalls bewußtlos fein fünfjähriges Töchterchen. M. öffnete die Fenster, lief zur Polizei und rief die Feuerwehr. Die Kleine starb, die Frau genas von ihrer schweren Vergiftung nach einem einmonatigen Aufenthalt im Krankenhaus. Sie hatte vor ihrer Tat einen Bettel hinterlassen, in dem es hieß:„ Ich gehe mit den Kindern aus dem Leben, Du allein trägst die Schuld. Du wirst nun feine Ruhe mehr im Leben finden. Du hast uns auf dem Gewissen. Grüße alle unsere Bekannten. Vergib mir die Tat. Lebe wohl. Deine Frau und Kinder." Gestern standen nun Frau und Mann vor dem Landgericht. Sie unter der Anklage des Totschlages an ihrem fünfjährigen Töchteriein, in Tateinheit mit versuchtem Totschlag an ihrem 1% jährigen Jungen. Er als Hauptschul diger an der Tat feiner Frau. Unter Tränen fagte er den Richtern: Wir haben miteinander gut gelebt bis zuletzt. Es Schuld auf mich, ich bin sehr jähzornig; habe es vom Vater geerbt; famen wohl Streitigkeiten vor, wie in jeder Ehe. Ich nehme viel tann gegen meine ererbte Anlage nicht viel ausrichten. Meine Nerven sind kaputt auch von der schweren Verwundung. Wenn ich im Zorn war, habe ich sie wohl geschlagen, mehr wegen des Geldes. Anfangs gab ich ihr meinen ganzen Wochenlohn, 40-45 Mark wöchentlich. Dann wollte ich aber sparen, um vorwärts zu fommen. Go gab ich ihr nur 20 Mt. Sie sagte mir aber nicht, schimpfen würde. Als ich erfuhr, daß sie meinen Baletot und meinen daß sie mit dem Gelde nicht ausfam. Sie hatte Angst, daß ich Anzug versetzt hatte, geriet ich in große Erregung. Ich sagte ihr: Holst du mir morgen meinen Winterpaletot nicht wieder, so schlage ich dich tot, besser springe aus dem Fenster oder tu Dir sonst was an!" Da sagte sie: Da nehme ich auch meine Kinder mit." Komm ich auch darüber weg", antwortete ich ihr. Nachts konnte sie vor Aufregung nicht schlafen. Am anderen Morgen ging ich ohne ständig in die Enge getrieben und wußte nicht ein noch aus. So hat Gruß weg. Sie hatte meine Worte wohl ernst genommen, war vollsie wohl beschlossen, aus dem Leben zu gehen. Ich trage den größten Teil der Schuid." Und das Gleiche hatte er ihr schon ins Gefängnis geschrieben. Ich bin zu drei Viertel schuld an der Sache... Ich hätte dir mehr Koftgeld geben sollen. Jetzt wo unser Kleiner ohne Mutter ist, verstehe ich, weshalb du so gehandelt hast... Daß man dich im Gefängnis hält, als hättest du ein delt hast... Daß man dich im Gefängnis hält, als hättest du ein Verbrechen begangen... Komm nur bald wieder zurüd, damit richtssaal ob des Verlustes ihres feinen Töchterleins, das sie über mir ein neues Leben beginnen." Mann und Frau weinten im Gealles geliebt hatten. Die Angeklagte schilderte ausführlich ihre Seelenpein am Morgen der Tat. Die Worte ihres Mannes hatte sie sich sehr zu Herzen genommen. Sie hatte Angst, da das Beug verfallen war. Da sie selbst unter einer Stiefmutter schwer zu leiden hatte, wollte sie nicht, daß ihre Kinder nach ihrem Tode ins Bett genommen; er war aber wohl auf den Boden hinunter eine Stiefmutter bekämen. Sie hatte den kleinen Jungen zu sich geklettert. So biieb er am Leben. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis, der Verteidiger Dr. Mendel bat um die Mindeststrafe und um Bewährungsfrist. Das Gericht verurteilte die Angeflagte zu neun Monaten Gefängnis, verfügte Haft entlassung und stellte Bewährungsfrist in Aussicht. So tann Frau M. nun zu ihrem fleinen Jungen zurüdkehren, der sich augenblicklich bei fremden Leuten befindet. Ein Umstand muß aber zum Schluß besonders hervorgehoben werden. Die Angeklagte war vom Untersuchungsrichter aus der Haft entlassen, der Staatsanwalt hatte aber im September aufs neue Unterfuchungshaft verfügt. Warum er dies tat, obgleich weder Berdunkelungsgefahr noch Fluchtverdacht vorlagen und die Tragit der Tat offensichtlich war, erscheint völlig unbegreiflich. Ein Schwindlertrio. Geschäfte mit guten und mit faulen Wechseln. gab auch fechs Schuleinbrüche zu. Man fand bei ihm 23 Schlüssel, die zu Schultüren pasien. Er pflegte auszukundschaften, wann die Flure und Schulklassen unbesetzt waren, während die Kinder sich im Turn- oder Zeichensaal aufhielten. Dann brach er ein und stahl. Der Berhaftete wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Haushaltungsschulen für Kriegerwaisen. Die Stadt Berlin hat in ihrer Kriegshinterbliebenenfürsorge eine besondere Art Haushaltungsschulen geschaffen, die für Töchter gefallener Kriegsteilnehmer eine Stätte der Berufsausbildung und auch der Erholungsfürsorge sein sollen. Schulentlaffene Mädchen werden diesen in ländlicher Umgebung gelegenen Schulen auf ein Jahr überwiesen, damit vor Eintritt in das Ermerbsleben zunächst einmal ihre Körperentwicklung gefördert und gleichzeitig ihnen eine fachliche Vorbereitung auf hauswirtschaftliche Tätigkeit gegeben werden kann. Die von Berlin eingerichteten KriegermaisenHaushaltungsschulen haben sich in wenigen Jahren auf jetzt bereits elf gemehrt, die teils in der näheren Umgebung( Niederschönhausen, Lankwitz, Lichterfelde, Bossen, Spandau, Wilhelmshagen), teils in entfernteren Orten( Safrow am Scharmügelfee, Kagel in Niederbarnim, Bagow im Westhavelland, Hohenlychen, Havelberg) untergebracht sind. Die Belegung der einzelnen Schulen hält sich meist zwischen 15 und 20( nur die dem Johannisstift in Spandau an geschlossene Schule hat die ungewöhnlich hohe Belegungszahl 42), und die Gesamtbelegung der elf Schulen ist in diesem Jahr rund 200. Am Freitag wurde die Haushaltungsschule in Wila helmshagen, die den dortigen Anstalten der Sozialen Arbeitsgemeinschaft Berlin- Ost angeschlossen ist, von Bertretern der Presse besichtigt. Die Mädchen wohnen in freundlich und sauber eingerichteten Räumen, erhalten vollständige Verpflegung und arbeiten zur Berufsausbildung in Haus und Küche, im Garten, in der Ausbildung wird auch theoretische Unterweisung gegeben, und auch Nähstube, im benachbarten Kinderheim. Neben der praktischen für Förderung der Allgemeinbildung ist gesorgt. Zur Deckung der Kosten leisten die Kinder selber einen Beitrag mit ihren Waisenrenten, die an die Stadt überwiesen werden. Ungedeckt bleibt aber auch so noch ein Betrag, der je Kind zwischen 30 und 60 Mart im Monat schwankt und aus Mitteln der Stadt gedeckt werden muß. Einstweilen konnten solche Schulen nur den Mädchen zugute hat aber für nötig gehalten, daß ähnliche Einrichtungen auch für fommen, die Berliner Hauptstelle der Kriegshinterbliebenenfürsorge Söhne gefallener Kriegsteilnehmer geschaffen werden. Eine erste Erholungs- und Ausbildungsstätte für Knaben ist in Hohenlychen eingerichtet worden, ein Heim, in dem die Knaben die Anfangsfenntnisse der Schlosserei und der Gärtnerei erwerben fönnen. Alle diese Heime sind zunächst nur für Kriegerwaisen bestimmt, es wird aber bereits der Gedante erwogen, fie in absehbarer Zeit( wenn die letzten Kriegerwaisen aus der Schule entlassen den Schulentlassenen zugängig zu machen. und ins Erwerbsleben übergetreten sein werden) allgemein Mehr Schuh den Zollbeamten! Man schreibt uns: Eigenartige Zustände herrschen im Bad. Jahren dort feststellen konnten, ist heute noch anzutreffen. Im hof Lehrter Bahnhof. Dasselbe, mas mir vor einigen Bureau 7 und 19 sieht man bei der Zollabfertigung die Beamten in großen Mänteln und Holzschuhen, angetan mit großen Belzhandschuhen, ihre schriftlichen Arbeiten erledigen. Bei der Bollabfertigung wird ungefähr die Hälfte der Dienstzeit am Tage mit schriftlichen Arbeiten ausgefüllt, so daß die Beamten in diesem Raum aus ihren Belzmänteln und ihren Handschuhen den ganzen Tag nicht herauskommen. Der Betrieb auf dem Backhof ist ein sehr flotter. Die Einnahmen find dementsprechend. Man follte also zunächst im Interesse der Gesundheit der dort beschäftigten Beamten für entsprechende Heizung der Diensträume Sorge tragen. Jedoch liegt eine Heizung der Räume auch im Interesse des Publikums, der Kaufleute, die dort oft stundenlang warten müssen. Hoffentlich gelingt es durch diese Zeilen Remedur zu schaffen. Die dreißigmal verkaufte Wohnung. Spiken. Auf eine sehr einfache Weise wußte die erst 20jährige Kons toristin Else H. aus ihrer Wohnung durch Ausnutzung der herrschenden Wohnngsnot Kapital zu schlagen. Sie war die glückliche Inhaberin einer günstig in der Nähe des Wittenbergplatzes gelegenen Der eine gab sich als bayerischer Gutsbesitzer aus und zeigte Wohnung, und bot diese zum Verkauf an. Begreiflicher den Mißtrauischen prachtvolle Bilder von seinem Gut, der andere weise fanden sich, da sehr günstige Bedingungen gestellt und auf erklärte fich selbst für einen Reichstagsabgeordneten und mies den einen höheren Abstand verzichtet wurde, viele Leute, die gern die Mißtrauischen Briefe vor, die man an ihn in seiner Eigenschaft als Wohnung übernommen hätten. Der Kaufvertrag war bald ab= Reichstagsabgeordneter adressiert hatte. Damit erreichten drei Damit erreichten drei geschlossen, und Fräulein 5. ließ sich zur Sicherheit eine AnSchwindler namens Josef Haenle, Alfred Meister und Marzahlung von 30 m. geben. Das wiederhalte sich nicht meniger Belzer ihr Ziel: Sie erschienen vertrauenswürdig, befamen gute als dreißigmal. Wegen dieses Betruges hatte das Schöffen Wechsel in die Hände und kauften dafür waren, und zwar, wie gericht sie zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt. Die Be bisher schon festgestellt wurde, mehrere tausend photo- rufungsstraftammer des Landgerichts III fetzte jedoch die etwas graphische Apparate, einen großen Posten Weihnachtsbaum strenge Strafe auf ein Jahr Gefängnis herab. schmuck, Wirtschaftsartikel aller Art( Hunderte von Staubsaugern usw.). Aber selbst mit faulen Wechseln gelang es den edlen Dreien, Ge schäfte, d. h. Geld zu machen. Den Erlös aus ihren Schwindeleien verpraßten sie mit einem großen weiblichen Anhang in den Bars und Lurusdielen des Kurfürstendammes und der Bülowstraße. Als es jezt endlich der Polizei gelang, Meister zu faffen, während Haenle noch flüchtig ist, fonnte auch ein Teil der Korrespondenz beschlag nahmt werden, aus der bereits Betrügereien in Höhe von 50 000 m. festgestellt wurden. Bald darauf konnte auch Belzer festgenommen werden, und zwar in demselben Augenblick, als der saubere Bursche einen Kriegsinvaliden um 5000 m. betrügen wollte. Zweifellos sind in der Provinz sehr viele Leute betrogen worden. Zwei Berliner Stenotypistinnen aber waren fchlauer. Sie waren der Schwindlertompagnie, die unter dem harmlosen Namen einer Firma Haeberle Nachfolger auftrat, zugewiesen, durchschauten aber bald den Schwin del. Während die eine es immerhin zwei Tage aushielt, ging die andere schon nach zwei Stunden von dannen. Brandstiftung in geistiger Umnachtung. Um sich das Leben zu nehmen, versuchte am Freitagabend eine 34 Jahre alte Frau Anna Schmidt in der Lyder Str. 23 zu Lichtenberg ihre Wohnung in Brand zu stecken. Die Frau sollte am Sonnabend nach der Irrenanstalt gebracht werden. Ihr Mann hatte bereits alle dazu erforderlichen Schritte getan und die nötigen Papiere besergt: Da beschloß die Kranke, vorher aus dem Leben zu scheiden. Sie begoß in der Küche das Fensterbrett und verschiedene Sachen mit Petroleum und zündete sie an. In der Stube traf sie dieselben Vorbereitungen. Hier kam sie jedoch nicht mehr zum Anzünden. Auf Veranlassung der 8 und 13 Jahre alten Kinder wurde das Polizeirevier benachrichtigt. Kriminalbeamte eilten nach der Wohnung, löschten den kleinen Brand und brachten die Frau mit einem Krantenwagen gleich nach der Anstalt. Vom Studenten zum Einbrecher. Die Einbrüche in Gemeinde- und höhere Schulen mehrten sich in der letzten Zeit start. Es wurden Kleidungsstücke der Schüler und Schülerinnen und Bücher aller Art ge= stohlen. Die Kriminalbeamten vermuteten, daß der Dieb die Bücher, namentlich Schulbücher, bei Händlern zu Geld mache, die bann auch auf einen Händler dieser Art, der von einem jungen vom Wagen verkaufen. In der Nähe der Universität stießen sie Manne wiederholt Bücher erworben hatte. Die Beschreibung des Verkäufers paßte auf einen früheren Stubenten Friz Klampp, der vor einigen Jahren, als er noch immatrituliert war, schon einmal bei einem Diebstahl in der Universität abgefaßt wurde. Klampp Die Mode hat diesmal der Spitze und Stickerei das große Wort gesprochen. Sie baut daraus zarte, fließende Gewänder, Uebermürfe, Kleidergarnierungen. Auch die früher beliebte Spigenwäsche ist wieder ganz auf der Höhe, ebenso Zierdeckchen, die prächtige Arbeiten aufweisen. Seit Jahren lag die heimische Spigenindustrie vollkommen darnieder. Das brachte namenloses Elend für jene mit sich, die die mühsame Arbeit des Spißenflöppelns verrichten. Blauen i. Vogtl., die Hauptzentrale dieses Industriezweiges, und die umliegenden Ortschaften find die Heimat deutscher Spigen und Stickereien. Der größte Teil der weiblichen Bevölkerung jener Gegend stickt oder flöppelt, die Männer sind in den Spizenfabriken beschäftigt und ihre fleißigen Hände schaffen diese wunderhübschen Gebilde, deren Herstellung sich im Laufe der Zeit derart vervolltommnet hat, daß sie ausländischer Ware zumindest ebenbürtig, teilweise aber sogar überlegen sind. Der Werbeausschuß für deutsche Spigen und Stidereien zeigte auf einer Modeschau die verschiedenartigsten Kleider, Wäschestücke, Handarbeiten. Eine spanische Tänzerin erschien ganz und gar in Spizen gehüllt. Dieser Veranstaltung war ein Wettbewerb im Publikum zur Anregung neuer Ideen über die Verwendbarkeit der Spizze porausgegangen, und die prämiierten Arbeiten wurden auf einer Ausstellung gezeigt. Die verftenerten Wölfe. Die Gegend um Deutsch- Enlau wurde seit längerer Zeit von Wölfen unsicher gemacht. Es wurden Treibjagden veranstaltet, ohne Erfolg. Ueber die Missetaten der Wölfe raren Schauermärchen im Umlauf Nun find fie erlegt aber vorher hat sie schon die Steuerbehörde in der Mache gehabt. Das„ Allensteiner Boltsblatt" meldet: Nach langen Bemühungen ist es erfreulicherweise ge. lungen, die beiden Wölfe, die seit einiger Zeit die Gegend um Deutsch- Enlau unsicher machten, zu erlegen. Es waren tapitale Exemplare mit ganz vorzüglichem Belz, der nur bei beiden in der Halsgegend etwas verfcheuert war. Die Ursache bildete, wie fich bei der Besichtigung herausstellte, das mit Steuermarte versehene Halsband, das beide trugen. Man kann sich die Enttäuschung der Jäger vorstellen, als auf diese Weise selbst für den wolfgläubigsten Zeitgenossen flar wurde, daß es fich auch bei diesen Wölfen um wildernde Hunde handelte." Arbeiter Samariter- Bund, Rolonne Berlin e. B., Abt. Neukölln. Die Mit gliederversammlung der Abteilung findet am Sonnabend, den 18. November. Schule Rütliftraße statt.- Abt. Tiergarten. Am Sonntag veranstaltet die Abteilung im Rege Beteiligung wird erwartet, da der Ueberschuß zu Anschaffungen von MateUlap ein Bintervergnügen. Beginn 4 Uhr nachmittags. Eintrittspreis 1 Mark. rialen verwandt wird. Die„ Eroberung der Gewerkschaften". Das spezifisch kommunistische Gesicht. Auf der jüngsten Konferenz der Kommunistischen Partei der Sowjetunion wurden die ausländischen kommunistischen Parteien erneut an die Parole der Eroberung der Gemertschaften erinnert. Bucharin stellte in seinem Referat über die internationale Lage ausdrücklich fest, daß, nach der einstimmigen Behauptung aller Genossen", die breiten Massen, selbst wenn sie der politischen Führung der Kommunisten ihr Vertrauen schenken, an die Fähigkeit Der Kommunisten, Wirtschaftstämpfe zu führen, nicht glauben. In feinem Schlußwort fam Bucharin auf die kommu= nistische Arbeit in den Gewerkschaften zurück: In einer ganzen Reihe europäischer Parteien werden Sie Kommuniſten finden, die in den Gewerkschaften tätig sind und die an der gewertschaftlichen Alltagsarbeit teilnehmen; sie unterscheiden fich ihrem Wesen nach äußerst wenig von den in den Gewertschaftsverbänden tätigen Sozial demokraten vom guten Schlage. Wenn Sie jedoch Kommunisten vom revolutionären Schlage vor sich haben, so werden Sie oft die Beobachtung machen können, daß diese Ge= noffen, obgleich sie grundsäglich die Notwendigkeit der Gewerkschaftsarbeit anerkennen, in Wirklichkeit dieser Arbeit ein nur geringes Interesse schenken, oder aber, daß sie bestrebt sind, ihre revolutionären Anschauungen und ihr kommunistisches Antlig auf die Weise zu demonstrieren, daß sie an die gewöhnliche Gewerkschaftsarbeit, die sich nur sehr wenig von der sozialdemokratischen Arbeit unter scheidet, mechanisch irgendwelche revolutionäre Anhängsel fnüpfen: Arbeiter und Bauern- Regierung, Dittatur des Proletariats oder irgendeine andere End"-Parole, die von diesem(?) Standpunkte aus in feinem Zusammenhang mit dem allgemeinen Arbeitsprogramm steht."( Prawda" Dom 29. Oktober.) Bucharin ist also über das Gebaren seiner revolutio nären" Pappenheimer in den Gewerkschaften recht gut unterrichtet. Doch er ist keineswegs davon befriedigt. Er verlangt daher von den Kommunisten, die in den Gewerkschaften arbeiten, fie müffen ein fpezifisch fommunistisches Gesicht haben" und sich„ in schärfster Weise" von den Sozialdemokraten unterscheiden. Diese Aufgabe sei allerdings äußerst fompliziert". Der Erjaz Sinowjem su cht nun nach solchen Aufgaben, die die Kommunisten fich zu eigen machen, die aber unter feinen Umständen" von den Sozialdemokraten vertreten werden könnten. Es soll drei solche spezifisch fommunistische" Aufgaben geben: Erstens, der Kampf gegen das vertrustete Kapital, nicht einfach gegen die Kapitalisten, sondern gegen das vertruſtete Kapital mit allen daraus folgenden Konsequenzen", d. h. in erster Linie die Aufgabe der Reorganisierung der Gewerkschaften und ihrer Verwandlung in starke fampfesfähige Industrieverbände. Zweitens.„ die eft feßung einer Linie in den Fragen der Rationalisierung, die sich radikal von derjenigen der Sezialdemocratie unterscheiden müsse". Drittens, endlich, die Vereinigung der Arbeitenden und der Arbeitslosen, die Aufnahme der Arbeitslosen in die Gewerkschaften",„ die Unterstützung der Bewegung der Arbeitslosen". Damit ist die Weisheit dieses Not- Gewerkschafters erschöpft. Seine Berlegenheit ist offensichtlich. Bon dem spezifisch fommunistischen Gesicht bleibt lediglich das Schindludertreiben mit den unorganisierten Arbeitslosen, die von der PD. gegen die Gewerkschaften ausgespielt werden. Die große Masse der Gewerkschaftsmitglieder wird den Stänfern und ParolePolporteuren mit dem„ spezifisch fommunistischen Gesicht" nach wie vor ihr sozialdemofratisches Geficht zeigen und ihnen die„ Eroberung" gehörig verfalzen. Die Arbeitslosigkeit im Muñferberuf. In der Vorstands- und Beiratssitzung des Deutschen MufiferVerbandes am 11. und 12. November in Berlin wurde die Arbeitslofenfrage im Mufiferberuf eingehend besprochen und nachstehende Entschließung angenommen: Die Durchführung dieser durchaus erfüllbaren Forderungen wird angesichts der noch immer im Steigen begriffenen Arbeits= losigkeit im Müfiterberuf heute mehr denn je dringend notwendig. Der Beirat beauftragt den Verbandsvorstand, für die Durchführung der Forderungen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln einzutreten. Der Beirat erwartet aber auch von Deutschen Berufsmufiterschaft, daß sie den Deutschen Musiker- Verband in seinem Kampfe zweds Abstellung der Arbeitslofigfeit unterstüßt." Der neue Kurs in der Beamtenbewegung. Bollversammlung der Berliner Palizeibeamten. der Aus der Partei. Die Sozialdemokratie in der deutschen Geschichte. Die Geschichte der Sozialdemokratie als politische Partei und als proletarisches Klassenorgan ist in der Parteiliteratur wie in gegnerischen Schriften vielfach behandelt worden. Die Gegner sahen die sozialistische Bewegung zumeist als einen Fremdkörper oder als eine Krankheitserscheinung an, deren Ursprung und Wesen fie vergeblich zu ergründen suchten. Lange Jahrzehnte hat bei fast allen bürgerlichen Parteien der von der Bismardpresse nach 1871 aufgebrachte Satz Geltung gehabt, daß die Sozialdemokratie eine antinationale, weil internationale, Bildung sei und deshalb nicht mit den gleichen juristischen Maßen cemressen werden dürfe, wie jede andere Partei im Lande. Diese politische Anschauung gehörte sozufagen zum guten Ton in der Gesellschaft und Wilhelm II. verund von der„ Rotte von Menschen, nicht wert, den Namen Deutsche gröberte sie nur, wenn er von den„ vaterlandslosen Gesellen" sprach zu tragen". Bewegung innerhalb der gesamtdeutschen Entwic Iung entfaltet wurden. Diesen Nachweis hat Genosse Baut Kampffmeyer in einer soeben bei G. Birk u. Co., unserem Münchener Parteiverlag, erschienenen Abhandlung„ Die So zialdemokratie in der deutschen Geschichte bis zur Reichsgründung" geliefert. 3war sind die ersten soziafistischen Gedankergänge von französischen und englischen Sozialisten übernommen. Aber ihre Neugestaltung in Deutschland, besonders durch Marg, Engels und Lassalle ist doch völlig auf deutschem Kulturboden vor sich gegangen. Und gar die sezialdemokratische Barte i als Organisation und wirkende Kraft, nicht nur als philosophischer Gedankenbau, ist mit der geschichtlichen Entwicklung Deutschlands von dem Elend der Kleinstaaterei zum Einheitsstaate aufs innigste verbunden. Die Schrift Kampffmeŋers( 88 Geiten, Preis 1 M.) liefert für diese Verbundenheit eine Fülle von Belegen. Sie ist nicht eine politische Kampfschrift im engeren Sinne, sondern eine historische Darstellung, die gleichzeitig eine Geschichte der Bewegung und eine solche ihrer Wirksamkeit im gesamtdeutschen Entwicklungsgang umfaßt. Gerade durch ihre Sachlichkeit wirkt sie start. Sie sollte von recht vielen gelesen werden, vor allem von den Genossen, denen ihre Partei mehr bedeutet, als mur ein Organ K. zur Befriedigung politischer Tagesbedürfnisse. Der Bezirk Groß Berlin des Allgemeinen preußi fchen Polizeibeamtenverbandes hatte zu Donnerstag abend nach den Kammersälen" eine Vollversammlung der Berliner Polizeibeamten einberufen, die, wie der starke Besuch zeigte, überaus reges Interesse sand. In seinem Vortrag über den neuen Kurs in der Beamtenbewegung führte der Wenn die Epigonen der Bismärder auch heute noch mit dem Vorsitzende des ADB., Genosse Miniſterialrat a. D. Faltenberg, Schlagwort operieren, das in sechzigjährigem Gebrauch nun wirkaus, daß man in bezug auf das Beamtenideal, auf die sozialrechtliche lich abçebraucht genug ist, so lächeln sie wahrscheinlich selbst über und beamtenrechtliche Stellung des Beamten wieder hinter die Linie vor dem 9. November 1918 zurückgedrängt politischer Ueberlebtheiten ist der Nachweis für die schöpfe. ihre geistige Bertalktheit. Aber ein anderes als die Abwehr solcher worden sei. Die Beamtenschaft muß versuchen, sich nach der Rich- rischen und anregenden Kräfte, die von der sozialistischen tung einzustellen, wo ihr hilfe werden kann. Die Beamten= besoldung hängt ab von der Wirtschaftspolitik. Die Beamten müssen sich daran gewöhnen, bei der Lösung von Wirtschaftsfragen mitzuhelfen und sich mit Arbeitern und Angestellten, mit sämtlichen Arbeitnehmern in eine Linie stellen. Die Beamten glauben auch noch, sie selbst seien der Staat. Wir leben aber nicht im Obrigkeitsstaat, sondern im Volksstaat. Ein republikanischer Beamter muß die Verwaltungen bewußt mit republikanischem Geiste anfüllen. Nur so ist die Demokratisierung der Verwaltung, der Aufstieg von unten möglich. Nur so kann die Bahn frei gemacht werden für die Hundert tausende, die sich nach jahrzehntelanger Drangfalierung auch nach Licht und Luft sehnen. Wir verlangen, daß das Disziplinarverfahren öffentlich ist, daß die Boruntersuchung zwar soweit wie möglich Auf flärung schafft, aber die Zeugen nicht mit dem Eid belastet. Wir verlangen das Mitbestimmungsrecht der Beamten bei Lösung ihrer dienstlichen und persönlichen Fragen. Und wir müssen uns zu einem System bekennen, das gegen die Ausbeutung sämtlicher Arbeitnehmer, Arbeiter, Angestellten und Beamten aufs entschiedenste Stellung nimmt. Das kann nur geschehen auf gewerkschaftlicher Grundlage. Wenn die Einigungsverhandlungen mit dem DBB. gescheitert sind, so hat das seine Ursache darin, daß diese gewerkfchaftliche Grundlage feine Anerkennung bei der Gegenseite fand. Man wollte, daß der ADB. sich vom ADGB. und vom AfA- Bund trennen sollte, während man den christlichen Beamten, die jezt aufgenommen worden find, die Beibehaltung der Verbindung mit ihren bisherigen gewerkschaftlichen Organisationen zugestand. Ferner scheiterten die Verhandlungen daran, daß gemischte Berbände aufgenommen werden sollten. Der ADB. aber ist eine reine Beamtenorganisation. Das neue Gebilde läßt jede Homogenität vermissen. Wie soll in einem Bunde, in dem deutsch nationale Führer einen sehr weitgehenden Einfluß haben, die Gewähr dafür vorhanden sein, daß die Belange der Republik nicht unter die Räder kommen? Auch sonst wird die Politik der neuen Vereinigung gekennzeichnet dadurch, daß der Reichsbund der höheren Beamten sich der neuen Organisation anschließen will. Und man braucht nur das Wort„ Besoldungspolitif" zu nennen, um zu wissen, daß die Interessen der Hunderttausende unterer Beamten mit den Interessen der oberen Beamten gar nicht zu vereinigen find. Beamtenfragen sind staatspolitische Fragen ersten Ranges. Es ist gut, daß der ADB., so sehr er die Einigung erstrebte, in seinen Grundfäßen festgeblieben ist. Das bietet eine Gewähr für die Möglichkeit weiteren Aufstiegs., Der Borsigende Betnared sprach dann über die Beklei dungsbesichtigungen. Er schilderte die Schikanen, die dabei angewandt werden, so daß der Schupobeamte sich so vorkomme, als ob er beim preußischen Kommiß sei, und er verlangte, daß die Kleiderbesichtigungen nur so weit vorgenommen Die infolge der bestehenden Wirtschaftskrise auch im Mufifer- werden, als sie nötig sind. Der Vorsitzende des Beamtenausschusses beruf vorhandene Arbeitslosigkeit wird noch dadurch vermehrt, daß beim Kommando, Klenz, besprach dann die neue Dienst Beamte, Militärmusiker, Doppelberufler und Dilettanten regelung. Es soll der 24stündige Dienst mit Wechseldie schon einmal in Arbeit und Verdienst stehen im Neben ablösung eingeführt werden, während die Beamten der Ansicht sind, beruf gewerblich mufizieren und dadurch den freistehenden daß der achtstündige Dienst, die 48- Stunden- Woche mit Dreiteilung und erwerbslosen Berufsmusikern die Arbeitsgelegenheiten weg- Bolizeibeamte auf die Straße, als bisher der Fall war. In der Dis des Dienstes, das richtige sei. Durch diesen Dienst fämen mehr über die fussion fam der Unwille der Beamten chlechte Behandlung durch die Vorgesetzten" und die vielen Schikanen, denen sie ausgesetzt seien, an zahlreichen Beispielen zur Sprache. Der Landtagsabgeordnete Genosse Martwald fennzeichnete dann die Verdienste der SPD. um die Besserstellung der Polizeibeamten in der Gesetzgebung und in der Lohnpolitik. Zum Schluß wurde in der sehr anregend verlaufenen Bersammlung eine Entschließung anSanten unterstrich. genommen, die die in den Referaten zum Ausdrud gebrachten Genehmen. Der Deutsche Musiker- Berband, als die berufene Interessenvertretung der deutschen Berufsmusikerschaft hat bereits wiederholt die Forderung aufgestellt, daß .1. die nad)§ 49 des Arbeitsnachweisgesetzes zugelaffene Anmeldepflicht aller offenen Musiferstellen bei den zuständigen Arbeitsnachweisen durchgeführt wird und darüber hinaus die Arbeitgeber verpflichtet werden sollen, offene Stellen nur über den örtlich in Frage kommenden Musikernachweis zu besetzen; 2. die Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 bahin abgeändert bzw. erweitert wird, daß eine Ueberschreitung des gefeßlichen Normalarbeitstages auch dann als vorliegend und ftrafbar angefehen wird, wenn sie in Form von unentgeltlicher Nebenbeschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber oder, in einem anderen Betriebe sich vollzieht; 3. den Reichs-, Staats- und Kommunalbeamten, Angestellten und Arbeitern je de entgeltliche Mufitertätigkeit unter sagt wird bzw. die Genehmigung für jeden Einzelfall nur dann er. teilt werden darf, wenn eine Bescheinigung des zuständigen Arbeitsnachweises beigebracht wird, daß brauchbare Zivilberufsmusiker nicht mehr zu haben sind bzw. nicht geschädigt werden; 4. den Militärmusifern die außerdienstliche öffentliche Mufiftätigkeit weiter eingeschränkt wird unter Berücksichtigung folgender Forderungen: a) Den Militärmusikern ist die Annahme von laufenden Spielverpflichtungen zu verbieten. b) Jede außerdienstliche Mufittätigkeit der Militärmusifer ist in 3ivilfleibung auszuführen. c) Zur Prüfung vorkommender Beschwerden der Zivilberufs mufiter sowie zweds einwandfreier Auslegung der Bestim: mungen des Reichswehrministers vom 8. Juli 1921 ist eine zentrale paritätisch zusammengesetzte Kommission einzusetzen. Lebenslängliche Garantie leiste ich als Selbsthersteller auf die bei mir gekauften Preisliste gratis! Trauringe ( Fugenlos) zu billigsten Preisen in den gediegensten Ausführungen Ständig ca. 3000 St. auf Lager: H 24, Artilleriestr. 30 Jes. geschützt Hermann Wiese, Berlin W, Passauer Straße 12 Bel Umtausch werden die von mir nekauften Ringe innerhalb eines Jahres zum vollen Preise zurückgenommen. Albert Springare HUNDE Großgarage und Tankstelle Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tag und Nacht geöffnet Auto- Reparatur- Werkstatt Tierärztliche Poliklinik Fernspr. Norden 1276 u. Alexander 4376 Lothringer Str. 107, Ecke Linfenstraße 14, am Prenzlauer Tor. Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr " Regierungserklärung im englischen Streik. Rumänisechr Parteitag. Das Erekutivfemitee der rumänischen Sozialdemokratischen Bartei hat beschlossen, einen Gesamtparteitag für den 6. und 7. Januar 1927 in Bufareſt einzuberufen. Auf diesem Kongreß wird die endgültige Verschmelzung aller Regionalparteien in eine Landespartei gemäß dem Beschluß des letzten Gesamtparteitages durchgeführt werden. Theater der Woche. Bom 14. bis 22. November 1926. Bolfsbühne: Nachtafnl. Leffing- Theater: 14. bis 16. und 18. bis 22. Theater in ber Königgräger Straße: 14. bis 16. und 18. bis 22. Mrs. Chenens Ende. Städtische Oper, Charlottenburg: Mensch und Uebermensch. 17. Fräulein Julie und die Stärkere. beufel, Der Rammersänger. 14., 16. Turandot. 15. Die Rauberflöte. 17., 21. Parsifal. 18. Rigoletto. 19. Hoffmanns Erzählungen. 20. Tosca. 21., 11% Uhr, Morgenfeier: Farblichtmusit. 22. Der Zwerg: Der legte Faun. Großes Schauspielhaus: 14. bis 16. und 18. bis 22. Bon Mund zu Mund. 17., 6% und 8% Uhr, Film. Theater des Beftens: Bis 14. Der Rug nach dem Westen. Ab 15. Gaflspiel Teatro dei Piccoli, Die Tribüne: Der Gedanke. Deutsches Künstler- Theater: 14. bis 16. und 18. bis 22. Die Königin. 17. 8aza. Oper am Plak der Republik: 14. Freischig. 15. Boris Godunow. 16. Maskenball. 17. Fidelio. 18. Madame Butterfin. 19. 2. Ginfoniekonzert. 20. Meistersinger. 21. Tannhäuser. 22. 311termezzo. Staatliches Schauspielhaus: 14., 16., 17., 18., 20., 21. Bulu. 15. Jugend( tein Kartenverkauf). 19. Napoleon. 22. Nathan der Weise( tein Kartenverkauf). Schiller- Theater: 14., 17., 22. Peer Gynt. 15., 18., 20. Wil helm Tell. 16., 21. Goldaten. 19. Die Welt, in der man sich langweilt. Romödienhaus: 14. bis 16. und 18. bis 22. Einbruch. 17. Totentanz. Berliner Theater: 14. bis 16. und 18. bis 22. Mik Amerika. 17. Die Ehre. Neues Theater am Roo: 14. bis 16. und 18. bis 22. Ich hab dich lieb. 17. Tanadrama Don Juan. 14., 12 Uhr, Matinee Don Juan. 20., 11 Uhr, Der Stall des Augias. 21., 12 Uhr, Matinee Narrenspiele. Zentral- Theater: sch hab mein Sera in Seidelberg. Theater in der Kommandantenstraße: 14. bis 16. und 18. bis 22. Der G'wissenswurm. 17. Die Ratten. Theater Romische am Schiffbauerdamm: Das Grabmal des unbekannten Goldaten. Oper: 14. bis 16. und 18. bis 22. Adrienne. 17. Dr. Stieglitz. Bustspielhaus: Metro14. bis 16. und 18. bis 22. Die Herzogin von Elba. 17. Gespenster. pol- Theater: 14. bis 16. und 18. bis 22, Wieder Metropol. 17.( unbeſtimmt). Thalia- Theater: 14. bis 16. und 18. bis 22. Der Biberpela. 17. Gefchloffene aista. 17. Die fremde Frau. Borstellung. Theater am Rollendorfplah: 14, bis 16. und 18. bis 22. Fran Theater am Kurfürstendamm: 14. bis 16. und 18. bis 22. Jn. der Johannisnacht. 17. Echeiterhaufen, Theater in der Klosterstraße: 14., 15., 18. 360 Frauen. 16., 20. Spanische Fliege. 17., 21. Rose- Theater: 14. bis 16, und 18, bis 22. Was ihr wollt. 17. Jugend. Rafino- Theater: Bis 16. Gräfin Tippmamsell. 17. Gefchloffen. Ab 18. Mister Cornebbeef. Theater in der Lühowstraße: 14. bis 16. und 18. bis 22. Der fröhliche Kreuzberg. Schloßpart.Theater Steglig: Die öfterdrift. Rabale und Liebe. 19. Anna- Life. 17. Der Strom. Theater im Admiralspalast: 14. bis 16, und 18. bis 22. Haller- Revue: An und aus. 17. Ruban- RosakenTheater am Chor. Winiergarten und Scala: Internationales Barieté. Rottbuffer Tor: Elite- Sänger. Reichshallen Theater: Stettiner Gänger. Deutsches Theater: Neidhardt von Gneisenau. Rammerspiele: 14. bis 16. und 18. bis 22. Der gefällige Thierrn. 17. Die Nadten fleiben...! Komödie: Die Gefangene. London, 13. November.( Eigener Drahtbricht.) Die Regierung hat erklärt, falls sich die Bergarbeiter die vorgeschlagene Regelung zur Beilegung des Kohlenkonfliktes zu eigen machen, werde fie, unabhängig davon, ob die Grubenbefizer den Vorschlägen zustimmen oder nicht, Bon Mund zu Mund. die entsprechenden Gesetze im Parlament einbringen. Meinungsverschiedenheit unter den Bergarbeiterführern. London, 13. November.( WTB.)„ Daily Chronicle" zufolge herrscht unter den Bergarbeiterführern eine Meinungsverschieden. heit über die Annahme der Bedingungen der Regierung. Angesichts des Versprechens der Regierung erwartet man jedoch, daß die heutige Konferenz der Delegierten der Bergarbeiter einen entscheidenden Schritt zur Beendigung des Konflifts tun werde. Lord Birkenhead erklärte gestern in einer Rede:" Wir haben die Höchstbedingungen angeboten, und wenn die Bergarbeiter dieses Angebot annehmen, werden wir nicht zögern, diese Bedingungen durch Gesezgebung auszuführen, selbst wenn sie sich den Grubenbefizern unwillkommen erweisen." Ú URANIA 12 Monaisheite und 4 wertvolle Bücher vierteljährlich... nur 1.60 Mk. mit Ganzleinen- Buch 2.25 Mk. Probehefte und Prospekte gratis Zu beziehen durch die Annahmestellen und die Botenfrauen des Vorwärts Rachmittags Vorstellungen. Bolfsbühne: 14. Lysistrata. Oper am Blak der Republik: 14. Bohème. 19. Ginfonie- Mittagskonzert. Staatliches Schauspielhaus: 14. Doppelfelbstmord. Schiller- Theater: 14, Die Fahrt nach der Südsee. Theater in der Königgräger Straße: 14., 21. Was ihr wollt. Großes Schauspielhaus: 16., 18., 20. Funtheinzelmanns Märchenreise. Theater des Westens: 14. Der Rug nach dem Westen. Deutsches Künstler- Theater: 20. Schneewittchen. Romödienhaus: 14., 21. Der Garten Eden. Berliner Theater: 14. Mig Amerika. Neues Rentral- Theater: 14. Ich hab Theater am Roo: 19. Fridolins Märchenreise. mein Herz in Heidelberg. Theater in der Rommandantenstraße: 14. Rottäppchen. Komische Over: 21. Dr. Stieglig. Thalia- Theater: 14. Lottchens Schwung. 20. Sänfel und Gretel. Geburtstag: Erster Klasse. Theater in der Klosterstraße: 14. Bombast und Rose Theater: 14., 20. Mag und Morig und der Weihnachtsmann. Theater in der Lügowstraße: 14. Lügenmäulchen und Wahrheitsmündchen. Schloßpart- Theater Steglig: 14. Schneewittchen. Theater im Admiralspalaft: 14., 21. Haller- Revue: An und aus. 17, RubanRofaten- Chor. 20. Rinder- Revue: Alle Puppen tanzen. 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