Abendausgabe Nr. 539 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 267 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Redattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-292 Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblaff 10 Pfennig Montag 15. November 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 8½ bis 5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292- 297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Wahlsiege in Sachsen und Lübeck. Gemeindewahlen in Baden, Kiel und Sachsen. Sachsen.- Lübecker Lübecker Bürgerschaftswahlen. Der geftrige Sonntag war im Freistaat Sachsen und im Freistaat Baden den Gemeindewahlen gewidmet. In Lübed, das in letzter Zeit besonders durch seinen Bürgermeister Neumann, den Trabanten des Justizrats Claß und Hugenbergs, absonderlich berühmt geworden ist, gingen gleichzeitig die Neuwahlen zur Bürgerschaft, dem Barlament des Stadtstaates, vor sich, während in Kiel in allgemeiner Abstimmung ein städtischer Beigeordneter zu wählen war. Mit Ausnahme von Baden, wo eine bisher ungekannte Wahlmüdigkeit das Ergebnis ungünstig beeinflußte, hat der Aufmarsch der Wählerschaft unzweifelhafte Bertrauensfundgebungen für die Sozialdemokratie gebracht. Das trifft besonders in Lübeck zu, dem kleinsten Deutschen Freistaat. Dort haben unsere Genossen sieben Mandate gewonnen, während die Kommunisten fünf verloren. Dort hatten sich die Deutschnationalen, die Volkspartei und der Teil der Lübecker Demokraten, der mit dem Sturz des Putschbürgermeisters nicht zufrieden war, zu einem Rechts blod vereinigt, dem sie schamhaft den populären Namen ,, Hanseatischer Boltsbund" gaben. etwas nicht stimmt. Die Ursachen müssen erforscht und beseitigt werden! Wenn in einem Ort, Oberkirch, die sozialdemokratische Leitung sogar ,, pergeffen" hat, den Wahlvor schlag rechtzeitig einzureichen, so ist das schon mehr, als selbst in der Partei erlaubt sein sollte. Sehen wir von Baden ab, so zeigt der letzte Wahlsonn tag ein durchweg erfreuliches Bild für die kämpfende Partei der Arbeit. In Sachsen wie in Lübeck Sammeln und träf tiges Fortschreiten. Der Wahlerfolg in Kiel rundet das Bild! Die Wahlen in Sachsen. Lübed, 15. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Sieg der Sozialdemokratie bei den Bürgerschaftswahlen in Lübeck hat eine Bedeutung, die weit über den Rahmen des kleinsten deu: schen Freistaates hinausgeht. Er stellt die Antwort des Volkes auf die reaktionären Umtriebe der Claß und Hugenberg dar. Das Wahlergebnis zeigt, daß alle Berleumdungen, zu denen der reaktionäre Hanseatische Volksbund", dieser Bürgerblock von Hakenkreuztern bis zur Volkspartei, gegriffen hat, wirkungslos an der Lübecker Arbeiterschaft abgeprallt sind. Dabei wurde mit den Riesenmitteln des Hugenberg- Konzerns eine ungeheure Papierflut über Lübeck ausgeschüttet, der die sozialdemo fratische Propaganda materiell nicht gewachsen war. Dennoch konnte sie nicht nur die fünf Mandate, die die Kommunisten verloren, sondern darüber hinaus noch zwei aus dem bürgerlichen Lager erobern. Damit sind die politischen Pläne des abgefeßten Bürgermeisters Dr. Neumann völlig gescheitert, die bürgerliche Mehrheit ist erledigt. Damit hat Dr. Neumann seine politische Rolle in Lübeck endgültig ausgespielt. Wahlsieg in Kiel. Ueberall starke sozialdemokratische Fortschritte. Dresden, 15. November.( Eigener Drahtbericht.) Bei den Gemeindewahlen, die am Sonntag in Sachsen ftattfanden, hat die Sozialdemokratie im allgemeinen sehr gut abgeschnitten. In verschiedenen Gemeinden haben nicht nur die Bürgerlichen, sondern auch die kommunisten zugunsten der Sozialdemokratie verloren, jo 3. B. in Mittweida, wo neun Sozialdemokraten drei kommunisten Der Rechtsblod ließ auch in Berliner Blättern vor der gegenüberstehen. Das Ergebnis in der Stadt Dresden ist: Sozial Ein Sozialdemokrat zum befoldeten Stadtrat gewählt. demokraten 111 528( 26 Mandate, bisher 21), Kommunisten 40 653 Wahl ankündigen, daß er seines Sieges sicher sei. Er ist arg Kiel, 15. november.( Eigener Drahtbericht.) Bei der Wahl enttäuscht. Denn selbst, wenn er die von ihm aufs heftigste( 10 bisher 10), Alte Sozialdemokraten 15 257( 3), Deutschnationale 42 985( 9, bisher 10), Deutsche Volkspartei 38 503( 9, bisher 11), eines befoldeten Stadtrats, der hier in direkter Abbekämpften und verleumdeten Demokraten, den Vertreter der Aufmertungspartei und den einen Zentrumsmann zu seinem Wirtschaftspartei 24 354( 6, bisher 7), Hausbefizerliste 11 508( 3, ffimmung durch die Wähler erfolgt, erhielt der sozialdemograhkapitalistischen Klüngel rechnen wollte, selbst dann würde bisher 3), Demokraten 16 110( 5, bisher 7), Völkischsoziale 3383 fratische kandidat, Rechtsrat Dr. Hoffmann- Kaiserslautern, ein Sohn des bekannten parteigenössischen Reichstagsabgeordneten, er noch feine Mehrheit haben, sondern den 35 sozialdemokra( bisher 5), 3entrum 4585( 1), Aufwertungspartei 9675( 2). Bon 75 Stadtverordnetenfihen hatten die Bürgerlichen bisher 35 843 Stimmen, während auf den bürgerlichen Sammelkandidaten, tischen und 5 kommunistischen Stimmen auch nur 40 Mandate 44 Size, Sozialdemokraten und kommunisten nur 31 inne. Jetzt Stadtfyndikus Lozwe- kiel, nur 31 468 Stimmen entfielen. Die entgegenstellen können. Praktisch liegen die Dinge in Lübed so, daß Sozial- hat sich das Verhältnis verschoben: 26 Sozialdemokraten, 3 Alfommunisten stimmten, obwohl die Bürgerlichen, um die Urdemokraten und Demokraten bei der Beseitigung fozialdemokraten und 10 Kommunisten stehen insgesamt 36 bürger- beiterftimmen zu zersplittern, neben Coewe einen kommunistlichen Neumanns und bei der Neubesetzung des Senats zusammen- fünf Mandate mehr, als die damals noch einheitliche Partei vorschlag gesetzt hatten, für den sozialdemokratischen Neumanns und bei der Reubesetzung des Senats zusammen- lidhen Mandatsträgern gegenüber. Die Sozialdemokratie allein ha! Kandidaten, den Berliner Rechtsanwalt Samter, auf den Wahlgewirkt haben. Deshalb richtete sich der 3orn der Kap iKandidaten. Unser Wahlerfolg ist um so mehr zu beachten, als talsgemaltigen besonders gegen die Demokraten, die für den sozialdemokratischen Kandidaten 6000 Stimmen mehr sich um der republikanischen Sicherheit willen nicht in ihr als bei der letzten Bürgermeisterwahl abgegeben worden sind. Bei Schlepptau nehmen ließen. Deshalb auch ist der Traum, allen politischen Wahlen der letzten Zeit hatten die bürgerlichen mittels Handstreichs den Einfluß der Sozialdemokratie im Freistaat zu beseitigen, fläglich verflogen. Unsere Genoffen haben sich brav geschlagen, sie haben ihre Vertretung im Lübecker Parlament wieder zur stärksten Fraktion gemacht, nhne und gegen die nichts unternommen werden kann. Und sie haben dem jezigen sozialdemokratischen Bürgermeister von Lübed eine starke Rückendeckung gegeben. Die Wahlen in Sachsen zeigen überall ein erfreuliches Fortschreiten der Sozialdemokratie. In den Großstädten Dresden und Leipzig marschiert fie weitaus an der Spike. Könnte man die Kommunisten zu Den ernsthaften Barteien rechnen, so würde in Dresden werden können. So start ist der zahlenmäßige Einfluß der wie in Leipzig eine fozialistische Gemeindepolitik betrieben Sozialdemokratie gewachsen. In Meißen hat unsere Partei feit den Oktobermahlen noch 500 Stimmen gewonnen. Sie zählt dort jetzt 17 Mandate, während auf die Kommunisten awei( vielleicht drei) entfallen und diesen 19 oder 20 ins gejami 17 oder 18 bürgerliche Mandate gegenüberstehen. In Sebnih konnte die Linksmehrheit erhalten werden, ebenso in Freithal. Besonders günstige Meldungen liegen aus der sächsischen Laufig vor. Dort hat die Partei überall eine Stärkung ihrer Stimmenzahlen nicht nur gegenüber der legten Gemeindewahl, sondern sogar gegenüber den letzten Landtagswahlen vor vierzehn Tagen erzielt. Besonders er= freulich ist das Ergebnis aus Sohland, einem 6000 Einwohner zählenden Ort. Dort wurde die bei den letzten Gemeindeivahlen verlorene Linksmehrheit glatt zurückerobert. Der bürgerliche Klüngel hatte damals feinen Zufallserfolg zum sofortigen Abbau des sozialistischen Bürgermeisters und zur Unterbringung seiner Leute in Gemeindeſtellen benutzt! In Zittau gewannen wir ein Mandat, in Baußen drei, in Löbau zwei Size. In Kamenz stieg unsere Mandatzahl von sieben auf zehn! In einer Reihe von kleineren Orten wurde eine Linksmehrheit neu gewonnen. Auch in Pirna, der Industriestadt wurde eine starke Linksmehrheit gesichert. So zeigt die Wahl in Sachsen überall ein erfreuliches Bild für die Sozialdemokratie. Auffällig ist. daß die ,, Alte Sozialdemokratie Sachsens" gegenüber den Landtagswahlen Ende Oktober überall einen sehr starken Rückgang zu verzeichnen hat. Der größere Teil ihrer Wähler hat sich augenscheinlich wieder zur Sozialdemokratie zurückgefunden. Das ist auch ein gutes Beichen! In Baden werden unsere Genoffen in eine ernste Nachprüfung der Ursachen der Wahlmüdigkeit eintreten müssen. Wenn in den großen Städten wie Karlsruhe und Mannheim faum 40 Proz. der Wahlberechtigten zur Ürne gehen, so zeugt das von einem außerordentlichen Manael an staatsbürgerlichem Intereffe. Bisher pflegte die Wahlmüdigkeit sich auf die bürgerlichen Wähler zu beschränken. Daß aber auch die sozialistische Arbeiterschaft von ihr in einem so erschreckenden Maße erfaßt werden fonnte, ist ein 3eichen dafür, daß irgendwo bei den letzten Wahlen. Leipzig, 15. november.( Eigener Drahtbericht.) Einen großen Wahlfie g haben die Sozialdemokraten in Leipzig errungen. Sie haben 124 800( 115 362) Stimmen erhalten, die kommunisten 68 838( 64 488), usp. 3750, usps. 6035, Demof- aten 19 431, Bölkische 2455, Wirtschaftl. Gemeinschaftslife( Rechtsblock) 90 808( 94 637). Die Site des Stadtverordnetenparlaments verteilen fich: Sozialdemokraten 26, Kommunisten 14, Unabhängige 1, usps. 1, und 33 bürgerliche Mandate. Chemnitz, 15. November.( Eigener Drahtbericht.) Bei der gestern stattgefundenen Stadtverordnetenwahl in Chemnitz haben Stimmen erhalten Sozialdemokraten 46 618 ( 17 Mandate), Kommunisten 38 631( 14 Mandate), Deutsche Voltspartei 20 404( 8 Mandate), Deutschnationale 22 331( 8 Mandate), mittelstand 20 406( 8 Mandate), Demokraten 5282( 3 Mandate), Asps. 2593( fein Mandal), Nationalsozialisten 3081( 1 Mandat), ten haben ein mandat von den kommunisten geAufwertungspartei 6151( 2 mandate). Die Sozialdemokra wonnen. Zwidau, 15. November.( WTB) Auf Grund der heutigen Stadtverordnetenwahlen verteilen sich die Mandate wie folgt: Sozialdemokraten 16( 13 560), Rommunisten 8( 7447). Deutschnationale Volkspartei 6 Size( 4848), Deutsche Volkspartei 6 Size( 4599), Demokraten 4( 3535), Wirtschaftliche Mittelstandsvereinigung 3( 2315), Wirtschaftspartei feinen Gif ( 223), Wirtschaftskartell 3widau 4( 3416), Nationalsozialisten keinen Sig( 631), Aufwertungspartei 3( 1451). Glauchau, 15. November.( WTB.) Die Verteilung der Stimmen zu den Stadtverordnetenwahlen in Glauchau stellen fich wie folgt: Sozialdemokraten 4236( 10), Wirtschaftliche Bereinigung 1411( 4), Kommunisten 1483( 4), Haus- und Grundbefizer 2606( 6), Beamte und Angestellte 962( 2), Bereinigte Bürger. liche Liste 1343( 3), ASPS. 358( feinen Sig), Aufwertungspartei 781( 2). Der Erfolg von Lübeck. Putschift Neumann erledigt. Cübed, 15. november.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fanden in Lübeck die Wahlen zur Bürgerschaft statt. Die Wahlbeteiligung befrug 80 bis 85 Proz. Das Ergebnis iff: Sozialdemokraten 35, bisher 28, gewonnen 7 Kommunisten Demokraten Zentrum . Au werfungspartei Hanfeafischer Volfsbund ( Rechtsblod)... 4 5, 2, 36, 10, verloren 5 6, 4 1, Un Stimmen erhielten: Sozialdemokraten 31 831, Kommuniften 4726, Demokraten 1719, 3entrum 681, Aufwertungspartei 977, Hanseatischer Volksbund( Rechtsblod) 32 940. Dieses Wahlergebnis ist ein glänzender Erfolg der Sozialdemokraten. Der Recht blod wurde von dem früheren Bürgermeister Dr. Neumann geführt und wollte eine Mehrheit erzielen, um die neugewählten republikanischen Senatoren abzubauen. Statt dessen hat die Linke jetzt in der Bürgerschaft die sichere Mehrheit, während fie bisher in der Minderheit war. Parteien in Kiel immer eine starke Mehrheit! Der Vormarsch der Sozialdemokratischen Partei zeigt sich auch in 1148 neuen Mitgliedern, die sie während der Werbewoche gewonnen hat. Gemeindewahlen in Baden. Sehr schwache Wahlbeteiligung. Karlsruhe, 15. November.( Eigener Drahtbericht.) Während in den Landorten und kleinen Städten Badens die Wahlbeteili gung durchschnittlich 60 Pro3. betrug, in einzelnen Gemeinden bis zu 70 Proz. stieg, war sie in den größeren Städten nur sehr gering. In Karlsruhe betrug die Wahlbeteiligung 38 Proz., in statten, da zu drei Körperschaften im gleichen Wahlgang gewählt gering. In Karlsruhe betrug die Wahlbeteiligung 38 Broz., in Mannheim 43 Proz. Das Zählgeschäft ging sehr langsam von worden war. Partei in den Orten mit guter Wahlbeteiligung gehalten. Sie hat in Seweit sich bis jetzt übersehen läßt, hat sich unsere einzelnen Städten Zunahmen zu verzeichnen, z. B. in Badenausschuß gewinnt. Da, wo die Wahlbeteiligung sehr schwach war, ist ein verhältnismäßig starker Rückgang zu verzeichnen. Das bisherige Ergebnis ist: Baden, wo sie 3000 Stimmen und 3 Size im BürgerKarlsruhe: Sozialdemokraten 10 772( Landtagswahl 1925 16 755), Kommunisten 2800( 3400), Demokraten 2205( 4744), Deutsch- liberale Volkspartei 5550( 12 180), 3entrum 8587( 12 085), DeutschnatioWirtschaftliche Bürgervereinigung 1511( 1987). nale und Bölkische 4132( 7512), Aufmertungspartei 2292( 348, Wirtschaftliche Bürgervereinigung 1511( 1987). Mannheim: Sozialdemokraten 20 273( 31 283), USP. 894, Zentrum 10 460( 21 357), Deutsche Volkspartei 8536( 17 403), Deutschnationale 2034( 4165), Demokraten 4580( 7773), Kommunisten 9946( 11 974), Christl.- soz. Reichspartei 928, Aufwertungspartei 1433. Heidelberg: Sozialdemokraten 5728(( 12781), Kommunisten 2732 ( 2994), Deutsche Volkspartei 2610( 4471), 3entrum 3788( 4676), Demokraten 2501( 4005), Bürgerpartei 5038, Rechtsblock 1235. Freiburg: Sozialdemokraten 5527, 3entrum 7570, Hausbesitzer 3825, Deutschnationale und Deutschliberale 2682, Kommunisten 820, Demokraten 1180, Lister der Geschädigten 1794. Pforzheim: Sozialdemokraten 5941( 9111), Deutsche Volkspartei 2828( 1740), Rommunisten 1791( 1229), Demokraten 1431( 2418), 3entrum 1502( 2517), Rechtsblock 3553( 7054). Soweit sich bis jetzt ein Ueberblick geben läßt, tann festgestellt werden, daß die rechtsradikalen Gruppen fast völlig verfchwunden sind. Soweit sich ihre Anhänger mit den Deutschnatienalen verbündeten, reicht der Zuwachs nicht aus, um deren Verluste an die Deutsche Volkspartei und an die neuen Aufwertungs-, Sparer und Mittelstandsparteien usw. auszugleichen. Diese Splitterparteien haben gelegentlich einen Erfolg erzielt. Ihre zahlenmäßige Vertretung in den Rathäusern ist Einzelergebnisse. aber so gering, daß ihr Einfluß gleich null sein wird. Auch die Deutsche Volkspartei dürfte einen Teil ihres Verlustes auf diese Kattowitz. 15. November.( Mtb.) Von 60 Sizen in Katto= neuen Gruppen zurückführen. Die schlechte Wahlbeteiligung beim Bürgertum ist auf das Auftauchen dieser zahlreichen neuen Parteien Sozialisten 5 erhalten, aljo 34 deutsche gegen 26 polwitz hat die deutsche Wahlgemeinschaft 29, die deutschen und Gruppen zurückzuführen, die die bürgerlichen Wähler kopfscheunische Mandate. Zu den polnischen Sitzen kommen noch die Size machten und verwirrten, so daß sie lieber zu Hause blieben. Die der Mieterschutzpartei, der Mittelstandspartei und der Kustos- Partei, Sozialdemokratie verdankt ihren Stimmenausfall in die mit 7 berechnet sind, obgleich nicht alle für diese Splitterparteien den großen Städten der Wirtschaftskrise. Die Erwerbs- abgegebenen Stimmen als polnische anzusehen sind. In Königs= lofen blieben größtenteils den Wahlen fern. Einige Verluste wird hütte sind von den 54 Sitzen der deutschen Wahlgemeinschaft 32, unserer Partei auch die neu aufgestellte„ Mieterliste" zugefügt haben. den deutschen Sozialisten 6, also den Deutschen insgesamt Die unter der Wirtschaftskrise notleidende Arbeiterschaft tat das Un38 zugefallen, den polnischen Parteien aber nur 14 und den Kommuflügste, was sie tun konnte: sie machte von ihrem Wahlrecht keinen nisten 2. Von den kleineren Städten scheint nur Lublinit eine, wenn Gebrauch. Sie wählte auch nicht kommunistisch, denn auch die Kom- auch ziemlich kleine, polnische Mehrheit zu haben. In allen größeren munisten nehmen an dem allgemeinen Stimmenrüdgang Deutsche und Bolen einander gleich. Berhältnismäßig große deutsche Ortschaften, z. B. Schoppiniz, Schwientochlowitz, Rybnik stehen teil. So dürfte mit diesem Wahlausfall keine Partei zufrieden sein. Mehrheiten haben Ruba( 9 Deutsche, 7 Polen), Bleß( 14 Deutsche, 10 Polen), Nikolay( 13 Deutsche, 10 Polen), Bismarckhütte ( 15 Deutsche, 7 Bolen, 2 Kommunisten). In den Kreisen Pleß und Rybnik, die bei der Volksabstimmung polnische Mehrheiten gehabt haben, verzeichnet neben den Kreisstädten eine große Anzahl fleinerer Dörfer deutsche Mehrheiten. Neben diesem deutschen Ermarkenverein aufgestellten Listen, auf die beispielsweise in Kattowig lage der von dem Verbande der Aufständischen und dem Westnoch nicht 10 Pro3. der Stimmen entfallen sind. In den meisten Ortschaften ist diese chauvinistische Liste überhaupt ausgefallen. Ostoberschlesische Gemeindewahlen. Deutsche Mehrheiten. Stalin an Maslow. Breslau, 15. November.( Eigener Drahtbericht). Die Erfolg ist das politisch Wichtigste die geradezu klägliche Niedergebnisse der o stoberschlesischen Gemeindewahlen lassen sich jetzt bereits einigermaßen übersehen. Der Erfolg der deutschen Parteien ist erheblich größer als auf allen Seifen erwartet worden war. Deutsche Mehrheiten sind schon jetzt für Tarnowih. Königshütte, Cautahütte, fowie für die Provinzialhauptstadt& attowitz gesichert, obgleich in Kattowih während der Ausschaltung der Gemeindefelbstverwaltung eine Reihe von überwiegend polnisch gesinnten Dörfern eingemeindet worden war. Selbst in der Stadt Ples ist eine deutsche Mehrheit erreicht worden, obgleich dort schon bei der Boltsabstimmung zwischen Deutschland und Polen die Lage für die Deutschen verhältnismäßig ungünstig war. Auch in einer Reihe kleinerer Induftricorte, wie z. B. Eichenau, Schoppenih u. a. sind die Deutschen in der Gemeindeverwaltung in der Mehrheit. kommen wären. Die polnischen Linksparteien sind durch den bedenkEin interessanter Briefwechsel. Arkadi Maslow, der westeuropäische Lenin, der große revolutionäre Führer des deutschen Proletariats, ist bekanntlich seit längerer Zeit als Verräter" an der großen Sache entlarot und aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Früher hieß es in der ,, Roten Fahne":" Ohne Maslowismus feine Weltrevolution", und eine beinahe amerikanische ReAuf polnischer Seite ist der Korfanty- Block besonders durch seine flame pries morgens und abends die unerhört genialen Cigencffenkundigen engen Beziehungen zur Großzindustrie ohne Unter- schaften Arkadi Maslows und seiner Freundin, der großen schied der Nationalität kompromittiert worden, ohne daß ihm diese Ruth Fischer. Jetzt wird derselbe Maslow in der Roten Beziehungen in anderer als in finanzieller Beziehung zugute ge- Gahne" ebensosehr jeden Tag beschimpft. Er ist ein Mann von einer dunklen Vergangenheit, niemand weiß, wo er eigentlichen Kurs der Pilsubsti- Regierung in allen innerpolitischen Fragen lich hergekommen" ist. Bor Gericht hat er sich schmählich bebloßgestellt. Da in Oftoberschlesien auch die polnischen Sozialisten nommen", trotzdem die Berliner ihm damals ein begeistertes zunächst besonders eng mit der Pilsudski- Richtung verknüpft waren, Huldigungstelegramm schickten. Gerade die Behandlung ist es ihnen hier nicht gelungen, die Abkehrung der sozialistischen Maslows durch die Bolschewifi ist ein Musterbeispiel für den 3ynismus, mit dem die Russen mit der persönlichen Parteileitung vom Pilsudski- Kurse während der letzten Monate auszuwerten. Nicht allzu groß sind die Erfolge der nach allen Seiten Ehre unbequemer Leute umzuspringen belieben. Die führendemagogisch unverantwortlichen Autonomisten, die besonders auch den Männer der Bolschewiki genau so wie ihre Stipendiaten nach deutschen Stimmen strebten, obwohl sie in Schul- und Sprachen beweist ein Brief Stalins an Maslow vom 28. Februar 1925, in Deutschland haben Maslow ganz anders eingeschätzt. Das fragen recht unzuverlässig sind. Innerhalb der deutschen Parteienden die Pfempferische Aktion" veröffentlicht. Damals faß fieht der große deutschbürgerliche Wahlblock selbstver- Maslow schon beinahe ein Jahr in Untersuchungshaft, die ständlich an der Spize, was nicht zuletzt auf seine organisatorische ihm gegenüber allerdings sehr loyal gehandhabt wurde, so und finanzielle Stärke zurückzuführen ist. Die deutschen Sozialdemokraten haben mit sehr geringen Mitteln, zum Russen stehen konnte. In diesem Briefe sucht Stalin daß er in regem Briefwechsel mit der Parteizentrale und den Beispiel ohne ein eigenes Parteisekretariat, den ganzen Wahlkampf a slow zu beruhigen. Er versichert ihm, daß die bestreiten müssen. Es ist ihnen froß dem gelungen, in zahlreichen Bolschewiki in teiner Weise die Absicht hätten, eine politische Industrieorten mehr wähler auf sich zu vereinigen, als die Schwenkung von links nach rechts vorzunehmen. Im Gegenpolnischen Sozialisten es vermochten. Ihre Trennung von teil, er schreibt wörtlich: der deutschen bürgerlichen Wahlliste hat sich durchaus bewährt, da die Wähler der deutschen Sozialisten einer weniger auf das Arbeiter interesse eingestellten Kompromißlifte faum zugestimmt hätten. 3m ganzen ist das Wahlergebnis eine deutliche Folge des auch unter einem Pilsudski- freundlichen Wojwoden fortgeführten scharfen Kurjes gegen die deutsche Minderheit in Ostoberschlesien. Dieser Kurs hat die zweisprachige Bevölkerung durch seine mangelnden fozialen Leistungen, durch die Fortführung des Zolltrieges mit Deutschland und durch seine Verwaltungswillfür in einem Maße abgestoßen, das zu ernsten Erwägungen in Warschau Anlaß geben follte. Uebertrieben wäre allerdings eine deutsche irredentistische Ausdeutung des Wahlergebnisses, da der ganze Wahlkampf der deutschen Parteien cuf der Grundlage von Loyalitätserklärungen der deutschen Kandidaten geführt worden ist. „ Der Gedanke". Die Tribüne hat nach der„ Wildente" in Leonid Andrejews „ Der Gedanke" wieder ein Stück aufgenommen, das sie bereits gespielt hat und das- sprechen wir es von vornherein aus überholt ist. Offenbar führt es die Tribüne auf, weil Paul Wegner in der Komödie des Russen eine Bombenrolle verförpern kann. Das Schauspiel läßt vollkommen falt. Dumpfes Unbehagen ist die einzige seelische Wirkung, die es auslöst. Die Macht des Willens, die Macht des scharfen Intellekts fennen wir. Wir haben fein inneres Interesse an dem Experiment des Andrejewschen Helden, der meisterhaft Geistestrantheit simuliert, in seinem gespielten Wahnsinn ein Berbrechen begeht und nachher bon seinem eigenen Verstand geschlagen wird, indem er nicht mehr weiß, cb sein graufiger Versuch nicht einem wirklichen franken Gehirn entsprungen ist. Heute haben wir andere Gorgen, als uns mit geistvollen Tüfteleien, kunstvoll konstruierten Gedankenpalästen, literarischem Spintisieren aufzuhalten. Andrejews Drama bleibt trotz der scheinbaren Tiefgründigteit eine zwar anspruchsvolle, aber leere Spielerei. Und auch die virtuose Kunst Baul Wegeners rechtfertigt nicht die Wiederwahl der abgespielten Komödie. Gewiß, Wegeners brutale Kraft und seine tierhafte Dämonie imponieren. Beängstigt stehen wir vor einem grollenden Vulkan, der jeden Augenblick auszubrechen auszubrechen droht. Wie er sich zurückhält, wie er statt zu schreien flüstert, das ist unheimlicher und wirkt dämonischer als wenn er losballert. Aber wir wollen bei einem Schauspieler den Menschen durchschimmern sehen. Wegener lähmt, wie es seine Rolle verlangt, seine Gegenspieler durch Furcht und Entsetzen. Wenn sich sein Arm unvermittelt zum Schlag erhebt, wenn seine finstere Miene zur steinernen Maske wird, dann friecht das Grauen ven der Bühne ins Parkett. Nur wandelt sich dieser gigantische Koloß in unserem Empfinden nicht zum furchtbaren Dr. Kershenzew, den er verkörpern soll. Er bleibt für uns der Schauspieler Paul Wegener, der Star und Meister der Routine. Lothar Mithel dagegen spielt nicht nur, er ist auch der leicht lebige unkomplizierte Slawelow, der sich gern verwöhnen läßt. Auch die übrigen Darsteller hat der Regisseur Emil Geyer fest in der Hand. Unter ihnen ragen Annemarie Steinsied und John Dgr. Gotthom heraus. Siegesfest in Frankreich. Am 11. d. M. wurde in Paris der Gedenktag des Waffenstill standes unter starter Beteiligung gefeiert. Am Arc d'Etoile ver= fammelten fich die Regierung, viele Marschälle, Generäle und Deputierte, Soldaten verschiedenster Regimenter. 250 Fahnen umgaben das Grab des unbekannten Soldaten. Um 11 Uhr tam der Präsident der Republik an, schritt an den Schwerverwundeten und Kriegswaisen vorbei und legte, dann am Grabe einen Kranz nieder. Dann herrschte eine Minute allgemeines Schweigen. Die ganze Feier hatte etwas durchaus Würdiges und für uns Deutsche nichts Berlebendes, ,, Sie haben vollkommen recht, wenn Sie behaupten, daß die RBD. foloffale Erfolge erzielt hat.... Jetzt zu glauben, daß es in unserem 3K. Menschen gibt, die den Plan haben, das Rad der Entwicklung der KPD. zurückzudrehen, das heißt also zu schlecht über das 3K. der RKP. denken.... Sie sprechen von der Linie der KPD. Es ist zweifellos, daß ihre Linie ich spreche von der politischen Linie richtig ist. Dadurch werden eigentlich auch jene nahen, freundlichen( und nicht bloß genossenschaftlichen) Bezichungen zwischen der RKP. und KPD. erklärt, von denen Sie selbst in Ihrem Brief sprechen." Das schrieb derselbe Stalin, auf deffen Initiative wenige Monate später der Efti- Brief geschrieben wurde, der das politische Todesurteil für Maslow noch dazu mit der Unterschrift der großen Ruth Fischer enthielt. Und noch Am felben Abend hatte ich Gelegenheit, in einer Versammiung der sogenannten Freien Tribüne", die politisch neutral ist, eine Aussprache französischer Bürger zum Tage zu hören. Da hielt zunächst ein Hauptmann( triegsverlegt, Mitglied der Ehrenlegion, Kriegsfreuz) eine ethusiastische pazifistische Rede. Mehr an den Verstand wandte sich dann in einem längeren Referat über sein jüngst erschienenes Buch Der Krieg und das Baterland" der Radifalsozialiſt Armand Charpentier. Nach einer reich dokumentierten Uebersicht über die geschichtlichen Ursachen der Kriege tam er auf die Hauptgründe moderner Kriege zu sprechen: die Idee des Vaterlandes. Im Gegensatz zu Jaurès und seiner Partei will er weniger Gewicht auf die ökonomischen Ursachen legen. Die Meisten, die 1914 mit Begeisterung in den Krieg gezogen feien, fowohl Führer als Geführte, hätten sich nicht von fapitalistischen Intereffen, sondern von Baterlandsliebe leiten lassen. Es tam ihm nun darauf an, diesen Begriff als eine schädliche Illusion aufzuweisen. Die meisten Baterländer hätten nämlich weder eine einheitliche Sprache noch einheitliche Eitten, nicht einmal ein einheitliches Bolk. Dagegen seien die internationalen Bindungen, z. B. der Klaffen oder Berufe viel stärker. Der Unterschied zwischen einem bretonischen Bauern und einem Pariser Chemiker sei sicher größer als der zwischen einem Pariser und Berliner Chemiker. Schließlich zeigte er noch auf Grund des von den Zeitungen nicht veröffentlichten Gutachtens der internationalen Chemiker an den Wölferbund über den Krieg der Zukunft, daß die gegenwärtigen militärischen Rüstungen reine Kindereien feien, die viel Geld verschlängen, aber nichts nügten. Die meisten Diskussionsredner schlossen sich diesen Ausführungen an, Widerspruch wurde kaum laut. Die bekannte rednerische Begabung des Franzosen konnte man bei der Gelegenheit fast immer bewundern. Einer betonte, daß die Gesellschaft, die doch dazu da sei, das Individuum zu schützen, kein Recht auf dessen Leben habe. Kurzum, es war nichts weniger, als was man sich bei uns unter einer Siegesfeier vorstellt; es war vielmehr eine Gerichtsfizung über sich selbst und über die Menschheit. Ich überlasse es nun den Lesern, darüber nachzudenken, was sich bei uns nach einem Siege ereignet haben würde, in welcher geistigen Berfaffung fich bei uns die große Maise des Mittelstandes Jugend befindet. und in was für Händen vor allen Dingen sich die Erziehung unserer Wie typisch mein Beispiel für die gegenwärtige geistige Verfaffung des größten Teiles des franzöfifchen Boltes ist, bewies mir eine Episode, die mir ein französischer Landarzt am folgenden Tage erzählte. Bei einer Visitation der Schulkinder bemerkte er auf der Tafel Verse, deren Inhalt ich kurz hier wiedergebe: Ihr, die ihr ohne Ueberlegung von den blutigen Spielen und der Schlächterei sprecht, denkt an die Soldaten, die sich dafür schlugen, damit das Morden für immer aufhöre. Höret auf die Stimmen der Toten, die Euch aus ihren Gräbern zurufen: Freunde, aus Mitleid, feine Kriege mehr! Denkt an die Holzkreuze!" Sch.( Paris). Dichterakademiker gegen den Schundgesehentwurf! Die unterzeichneten Mitglieder der Preußischen Akademie der Künste, Seftion für Dichtkunst, warnen in letter Stunde den Reichstag vor der Annahme des Gesetzes zur Bekämpfung von Schund- und Schmuz schriften. Um den wirklichen Schmuß unschädlich zu machen, dazu reichen die bereits bestehenden Gesetze aus. Die Bedrohung der | wenige Monate später wurde Maslow hinausgeworfent von demselben Stalin, der ihm in diesem Brief geschrieben hatte: " Ich bin ganz entschieden gegen die Heraus schmeißer Politik in bezug auf alle andersdenkenden Genossen, ich bin gegen eine solche Politik nicht deshalb, weil ich Mitleid habe mit den Andersdenkenden, sondern deshalb, weil eine folche Politik in der Partei ein Regime der Einschüchterung, ein Regime des Angst machens, ein Regime, das nicht den Geist der Selbstkritik und der Initiative fördert, züchtet." Stalin war dabei noch so freundlich, am Schlusse seines Briefes die russisch- freundliche Redensart hinzuzufügen: Ich Judas Drud, denn der Hahn hatte wirklich taum dreimal drücke Ihre Hand." Dieser Händedruck war wohl eher ein Judas- Druck, denn der Hahn hatte wirklich kaum dreimal gefräht und Stalin schmiß den Maslow in großem Bogen zur KPD. hinaus. Das ist die Atmosphäre, in der die kommunistische Befreiung des Proletariats" ge= deihen soll. Weltwirtschaftskonferenz. Eröffnung in Genf. Genf, 15. November.( Eigener Drahtbericht.) Unter dem Vorfitz des ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten Theunis wurde heute vormittag um 11 Uhr die zweite Session der vor= bereitenden Wirtschaftstonferenz ohne Formalitäteit eröffnet. Nach den Mitteilungen des Vorsitzenden soll die Tagung schon am nächsten Sonntag zu Ende gehen. Dann dürfte, wie wir erfahren, ein Ausschuß die Arbeiten fortsetzen. Die Besprechung des gesammelten Studienmaterials wird direkt in die drei bestehenden Unterausschüsse verlegt und im wesentlichen darin bestehen, außer der großen Masse der zu behandelnden Fragen die wichtigsten Gebiete abzugrenzen und zu einer Formulierung über das Programm der endgültigen Wirtschaftskonferenz zu kommen. Der englische Vertreter Balfour stellte der Konferenz die Unterfuchungsberichte der internationalen Handleskammer über die Wirtschaftslage zur Verfügung. Namens der fünf Vertreter von Arbeiter und genossenschaftlichen Organisationen auf der Konferenz gab Genoffe Jouhaug eine Erklärung ab, welche die Richtlinien enthält, die nach Auffaffung der international organifierten Arbeiter beachtet werden müssen, sofern die Konferenz ein positives Ergebnis haben soll. Ueber die Zuziehung je eines deutschen und französischen Sonderexperten für landwirtschaftliche Fragen wird die Kommission am Nachmittag beschließen. Die Verhandlungen der Unterausschüsse beginnen morgen und werden nicht öffentlich sein. Mit großem Interesse wird im fertigte europäische Starte betrachtet, welche die einzelnen Länder, Wandelgang zum Sigungssaal eine von einem Engländer vermit ihren entsprechenden 3011mauern umgeben, darstellt. Diese sind am niedrigsten um England, Belgien, Holland, Dänemark und Bortugal, steigen über Frankreich und Deutschland nach den Län gegen Rußland die größte Höhe zu erreichen und noch von einem dern der ehemaligen Donaumonarchie zu bedeutend höher, um dann Stacheldrahtzaun abgeschlossen zu werden. Immer noch: Fürftenvermögen! Zu dieser Frage schreibt uns nun noch Genosse Adolph Hoffmann, in der ersten Sizung der preußischen Revolutionsminister fei von einer Seite die Konfistation gefordert worden, die andere habe juristische Bedenkei geltend gemacht und eine Beschlagnahme vorgeschlagen. Dann erſt fei Genosse Rosenfeld zum Justizminister berufen worden. Die Sozialisten von Lyon, die erst vor wenigen Monaten den Rücktritt Herriots vom Oberbürgermeisterposten gefordert und damit den Konflikt mit den Radikalen in ganz Frankreich zugespitzt hatten, haben am Montag mit vier Fünftel Mehrheit beschlossen, bei den Senatswahlen mit den Radikalen das Kartell zu bilden. Bom Herriot- Konflikt wird faum mehr gesprochen. Aus Batavia wird offiziell gemeldet, daß der Kommunistenaufstand niedergeschlagen fei, die Regierungstruppen hätten 500 Gefangene gemacht. Der Ausnahmezustand sei proklamiert. Jugend erscheint daher verschwindend gering gegenüber der von diesem Gesetz zu befürchtenden Bedrohung der Geistesfreiheit. Es würde Kämpfe entfesseln, die auch den heute Gleichgiltigsten erschrecken müßten. Die Mitglieder einer Akademie, die vom Staat berufen ist, die hohe Würde der Dichtfunft zu vertreten, fönnen nicht ruhig zusehen, wie die literarische Kunst, ihr innerster Besiz, unter fremde Aufsicht gestellt und einer Ausnahmegesetzgebung unterworfen wird. Vorstehender Kundgebung haben sich bisher durch Unterschrift angeschlossen: Hermann Bahr, Ludwig Fulda, Mar Halbe, Arno Holz, Georg Kaiser, Bernhard Kellermann, Oskar Loerfe, Heinrich Mann, Thomas Mann, Walter v. Molo, Prof. Petersen, Josef Ponten, Wilhelm Schäfer, René Schidele, Wilhelm Schmidtbonn, Wilhelm v. Scho13, Eduard Studen. Mandolinenkonzert. Der Gau Brandenburg des Deuts schen Mandolinen und Guitarrespieler Bun des E. V. veranstaltete im Saalbau Friedrichshain ein umfangreiches Abendkonzert, in dem die einzelnen angeschlossenen Mandolinen- und Lautenorchester von Groß- Berlin mit je zwei Aufführungen vertreten waren. Das hatte den Ehrgeiz der Dirigenten gestachelt, von denen jeder bemüht war, seine Bereinigung im besten Lichte zu zeigen. Leider hörte man sehr wenig Originalkompositionen, sondern mußte sich im allgemeinen mit cft allerdings recht glücklichen Bearbeitungen begnügen. Aber Meyerbeers„ Krönungsmarsch" ist ebensowenig wie Wagner- Mufit für Mandolinen- Orchester geeignet. Denn immer bleibt im Lauten- und Mandolinenklang etwas Zierliches und Heiteres, und es wirkt dem musikgewohnten Ohr zumindest befremdlich, wenn er plößlich die Sprache eines großen Orchesters, das mit feinster Berechnung jedes einzelne Instrument verwendet, zu reden versucht. Gerade die technisch und musikalisch durchweg stöße besonders auffallen. Es ist zu wünschen, daß sie bei der nächsten guten Darbietungen des Abends ließen solche mufitästhetischen BerS ch. Beranstaltung nicht mehr zu beanstanden sind. Uraufführung des„ Golem" im Frankfurter Opernhause. D'Alberts neuem musikalischen Werk, dem mit außerordentlicher Spannung entgegengesehen wurde, war nur ein äußerer Erfolg be= schieden, und zwar hauptsächlich nach dem zweiten dramatisch und musikalisch recht starken Aft. Troßdem die Hauptpartien außerordentlich gut befeßt waren und auch die musikalische Leitung unter Clemens Krauß nichts zu wünschen übrig ließ, ging der erste Aft ziemlich eindruckslos vorüber, und auch der Beifall nach dem Schlußaft galt in erster Linie der Darstellung und der sorgfältigen Regie. mittelschule, Donauitr. 120-27: Das Grabmal des unbekannten Soldaten". Volfsbühne, Arbeitsgemeinschaft Neuföln. Dienstag, 7%, Uhr, Mädchen Referat Dr. Homeyer. Die Eröffnung des Aachener Zeifungsmuseums. In den Räumen des Alten Kurbauses( Stonzerthaus) wurde das Aachener Beitungsmuseum eröffnet. Es ist ein Vermächtnis seines Begründers Ostar von Fordenbeds ( † 1898) an die Stadt. Die Vorführungen fechnischer Filme, die das Außeninstitut der Technischen Hochschule regelmäßig( 14 tägig) Donnerstag veran tallet, find auf die spätere Zeit von 6-8 115r verlegt worden. Nächste Borführung Donnerstag, 6 Uhr. Themen: 1.) Breßluftwerkzeuge, 2.) Koblen I staubfeuerungen, 3.) Leuchtfeuer, 4.) Technisches und Kunstporzellan. „ Die Angst um die eigene Haut." Harte Kritik der„ Roten Fahne" an der kommunistischen Reichstagsfraktion. Die Rote Fahne" beschäftigt sich noch einmal mit den beiden Kompromissen, die am Sonnabend im Reichstag zur Ausführung gelangten: der Krisenfürsorge und der vorläufigen Einstellung des Strafverfahrens gegen die kommunistischen Abgeordneten. Sie versucht zunächst ihre spitzfindigen Unterscheidungen aufrecht zu erhalten, indem sie erklärt: Es ist lächerlich zu behaupten, daß wir Gegner von Kompromissen wären. Aber es gibt Kompromisse und Kompromisse. Dann aber läßt sie ein Zitat von Lenin folgen, daß sich mit voller Bucht gegen die kommunistische Reichstagsfraktion wendet: Jeder Proletarier hat einen Streit durchgemacht, hat Kompromisse" mit verhaßten Unterdrückern und Ausbeutern erlebt, wo die Arbeiter die Arbeit aufnehmen mußten, entweder ohne etwas erreicht zu haben oder unter Eingehen auf nur teilweise Zuggefährdung durch Steinwürfe. Ein Bremser verletzt. Die Steinwürfe auf fahrende Personen- und Güterzüge wollen fein Ende nehmen. Am Sonnabend wurden wieder drei der artige Attentate in der Nähe des Bahnhofs Hoppegarten verübt. Innerhalb einer halben Stunde wurden der D- Zug Nr. 3, ein Vorortzug Nr. 4463 und ein nach Küffrin gehender Güterzug mit Steinen beworfen. Mehrere Scheiben wurden zertrümmert, außerdem der Schlußschaffner des Güterzuges im Gesicht verlegt. Andere Reisende trugen keinen Schaden davon. Die Nachforschungen, die Kriminalkommissar Doft und seine Beamten von der Fahndungsinspektion der Kriminalpolizei sofort anstellten, ergaben, daß in dem in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs gelegenen Siedlungsgelände Birkenstein" eine größere Gesellschaft allerlei Unfug in der Truntenheit verübt hat. Wahrscheinlich sind unter ihr auch die Uebeltäter zu suchen. Es ist aber bisher noch nicht gelungen, bestimmte Personen festzustellen. Mitteilungen zur Aufklärung an die Fahndungsinspektion H. 4 im Polizeipräsidium. Befriedigung ihrer Forderungen. Jeder Proletarier beobachtet, dant Hakenkreuzlerzusammenstöße in Neukölln. der Situation des Maffenkampfes und der starten Zuspigung der Klaffengegensätze, in der er lebt, den Unterschied zwischen einem Kompromiß, das durch objektive Bedingungen erzwungen ist( die Kaffe der Streifenden ist leer, sie erhalten teine Unterstützung von auswärts, sie haben bis zum Aeußersten gehungert und sind erschöpft), einem Kompromiß, das die revolutionäre Hingebung und Bereitschaft zu weiterem Kampfe der Arbeiter, die dieses Kompromiß abschließen, durchaus nicht beeinträchtigt und andererseits einem Ron ompromiß der Verräter, die ihre Angst um die eigene Haut( auch Streitbrecher gehen Kompromiffe" ein), ihre Feigheit, ihren Wunsch, sich an die Kapitalisten anzuschmieren, ihre Nachgiebigkeit gegenüber Einschüchterungen, manchmal auch gegenüber Beteuerungen, manchmal Almofen, manchmal Schmeicheleien seitens der Kapitalisten auf objektive Ursachen abwälzen. Wer hat am letzten Sonnabend aus ,, Angst um die eigene Haut" einem Kompromiß zugestimmt. Doch nicht die Sozialdemokraten, sondern höchstens die Kommunisten, um deren Haut es bei der erwünschten und mit allen Mitteln der Kompromißtaktik erreichten vorläufigen Einstellung des Verfahrens ja ging. Also wären die Kraftworte Lenins nur auf die kommunistische Reichstagsfraktion anzuwenden, die danach aus Verrätern und Feig lingen bestände. Wir haben, wie man weiß, so harte Urteile vermieden, aber man kennt ja die liebevolle Sprache, die die Kommunisten unter sich führen. Ruth Fischer, Maslow, Scholem heißen längst Feiglinge, Verräter und Agenten der Bourgeoisie. Vielleicht sind die Koenen, Stöder usw. bald ebenso weit! Aufgaben der Republik. Republikanische Kundgebung in Frankfurt a. M. Frankfurt a.m., 14. November.( Eigener Drahtbericht.) Im Schumann- Theater fand am Sonntagvormittag eine große Kundgebung statt, an der sich 5000 bis 6000 Personen beteiligten. Reichs tagsabgeordneter Dr. Haas, Reichskanzler a. D. Joseph Wirth und Reichstagspräsident Genoffe Paul Loebe sprachen über die Aufgaben der Republit". Dr. Ha as betonte die Notwendigkeit eines starken Bekennt nisses zur republikanischen Staatsform. Man müßte Republikaner des Herzens, nicht nur des Verstandes sein. Eine wahrhaft europäische Außenpolitik sei notwendig, um den Frieden zu garantieren. Der Redner forderte die Republikanisierung der Reichs= wehr und trat für einen engen Zusammenschluß aller Republifaner ein. Reichskanzler a. D. Joseph Wirth, von den Anwesenden stürmisch begrüßt, erläuterte die Richtlinien der neuen republikaniidjen Union. Sie sei feine neue Partei, sondern der geistige 3u sammenschluß aller ehrlichen Republikaner, um den sozialen Ausbau der Republik zu vollenden. Auch komme es darauf an, die Parteien mit neuem politischen Geist zu beleben. Er habe in seiner eigenen Partei dafür Sorge getragen, daß aus der Zentrumspartei fein politischer Friedhof werde. Gerade im letzten Jahre habe es Momente gegeben, wo der Bürgerblod vor der Tür stand. Aber die republikanischen Führer hätten sich immer zwischen Tür und Angel geklemmt, um dies zu verhindern. Die Republik dürfe nicht denen überlaffen bleiben, die das alte kasten- und Herrschaftsverhältnis wieder aufrichten wollen. Es liege deshalb im Sinne des republikanischen Zusammenschlusses, daß man jetzt an deu sozialen Ausbau der Republik gehe. Als letzter Redner sprach Genosse Paul Loebe. Er schilderte die großen Schwierigkeiten, unter denen die heutige Staatsform geschaffen wurde, und warnte vor den neuen falschen Freunden der Republik, die jetzt die Erfolge unserer Staatsform für sich verbuchen wollen. Jetzt erst beginne die Arbeit um die Sicherstellung und den sozialen Ausbau unseres Staates. Die formale Demokratie allein genüge nicht, es fomme darauf an, den breiten Massen eine gesicherte Lebenseristenz zu schaffen. Genosse Loebe schloß die Kundgebung mit einem Hoch auf die Republik, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Was Mussolini wünscht. Er läßt Frankreich die Unterdrückung der Antifaschistenpresse ansinnen. Rom, 15. November.( EP.) Der Informatore della Stampa" erfährt aus zuverlässiger" Quelle, daß der in Paris als Organ der Antifaschisten erscheinende ,, Corriere degli Italiani" megen wiederholter Verherrlichung des Attentats auf Mussolini in Bologna neuerdings von den franzöfifchen Behörden verwarnt und zudem wegen Verbrechensverherrlichung unter Antlage gestellt worden sei. Die französische Polizei kündige auch die baldige Einstellung des Blattes an. Der„, Corriere degli Italiani" erfreut sich nicht nur einer ständig steigenden Auflage, sondern auch ausgezeichneter Berichterstattung über die Bestialitäten der Mussolinibanden; es ist also nur zu begreiflich, daß man diese große Pariser Beitung umso lieber verschwinden sehen möchte, als man fie weder kaufen noch unterdrücken kann. Aber Frankreich wird sich nicht so tief erniedrigen, daß es sich zu einem so erbärmlichen Schergendienst hergäbe. Dr. Wilfan wieder frei. Belgrab, 14. November.( WTB.) Die Zeitung ,, Rjetsch" meldet aus Laibach, daß der verhaftete italienisch- flowenische Abg. Dr. Wilfan in Freiheit gesetzt wurde. Die italienische Polizei foll erklärt haben, feine Berhaftung sei auf einen Irrtum zurüd auführen. Ein seltsamer Schupooffizier. Die Nationalsozialisten veranstalteten gestern in Neufölln einen Umzug, bei dem es zu Zusammenstößen mit Straßenpassanten kam. Von den Hakenkreuzlern wurden acht Bolizei nahm 15 Berhaftungen vor. Die Inhaftierten wurden Mann schwerer und etwa 30 leichter verlegt. Die Personalien wieder entlassen. von der Abteilung Ia des Polizeipräsidiums nach Feststellung ihrer " sich am Bahnhof Kaiser- Friedrich- Straße. Die Sturmabteilung der Nationalsozialisten versammelte durch die Kaiser- Friedrich- Straße, Wissmannstraße, Hermannstraße Der Umzug follte nach dem Kranoldplay führen, wo ein Gotesdienst die Veranstaltung beschließen sollte. Schon in den frühen Morgenstunden, als die ein zelnen Trupps zum Sammelpunkt marschierten, tam es zu 3uschwer bewaffnet, meist sogar auch mit Revolvern, mit fammenstößen mit Straßenpassanten. Die Hakenkreuzler waren dieser Trupps wurden 8 Hakenkreuzler schwer und etwa 25 leicht denen sie die Bevölkerung bedrohten. Bei den Zusammenstößen verlegt. 200 Nationalsozialisten versammelt. Zu beiden Seiten des Zuges Als der Zug sich in Bewegung setzte, waren etwa marschierte ein dichter Menschenschwarm. Am Hermannplatz faben die Hakenkreuzler ein, daß sie in Neukölln nicht werben konnten. Sie marschierten nach dem Halleschen Tor. Zahlreiche Einwohner Neutöllns hatten, als der Zug an ihren Häusern vorbeizog, zur Begrüßung" die schwarzrotgoldenen und roten Fahnen herausgesteckt. Sie begrüßten den zug mit zahlreichen, wenig schmeichelhaften zu Straßenbahn durch Neukölln führen und einen Kommunistenzug rufen. In den Mittagsstunden, als einige Hakenkreuzler auf der beschimpften, kam es zu erneuten Zusammenstößen. Die Kommunisten drangen in die Straßenbahnen und schlugen auf ihre Gegner ein, bis die Polizei kam und diese befreite. In zwei Fällen mußten die Verletzten nach der Unfallstation transportiert werden. Die Polizeibeamten haben den gewiß sehr schweren Dienst, die haltung versehen. Ein Beamter, der einem Nationalsozialisten einen fchimpfenden Hakenkreuzler zu beschüßen, mit Ruhe und ZurückRevolver abgenommen hatte, soll, wie uns Zeugen berichten, auf den Wink eines Polizeioffiziers den Revolver wieder zu rückgegeben haben. Am Hermannplatz hatten Reichsbannerleute beobachtet, daß der lezte Trupp des Zuges schwer be waffnet war. Merkwürdigerweise lehnte es der Führer des Schupokommandos, Major Sternheim, zunächst ab, den Trupp untersuchen zu lassen. Erst als ein Reichsbannermann einem Rationalsozialisten einen sehr langen Gummitnüppel aus der Tasche zog, ließ er diesen beschlagnahmen, ohne jedoch den Mann feststellen zu lassen oder auch den Trupp weiter auf Waffen zu durchsuchen. Erst auf wiederholtes Drängen von Bassanten wurde die Adresse des Mannes( ob es die richtige ist, wurde auch nicht geprüft) notiert. Als unser Vertreter, der hinter der Absperrlinie den Vorfall nicht genau beobachten fonnte, unter Vorzeigung seiner Pressefarte die Absperrung passieren wollte, wurde er vom Major Sternheim in grobem Ton angefahren und barsch zurückgewiesen. Das Verhalten dieses Herren steht im schroffsten Gegensatz zu den Verordnungen des Polizeipräsidenten, der von den ihm unterstellten Beamten nicht nur gegen die Vertreter der Presse, sondern auch im allgemeinen Verkehr mit dem Publikum größte Höflichkeit fordert. Herr Major Sternheim sollte nicht nur zart belehrt werden über feine Pflichten, man sollte sich diesen merkwürdigen Beamten der Republik auch sonst noch etwas näher ansehen. Schwerer Automobilunfall in der Köpenicker Straße. freiung der vom Bolte selbst gefesselten Revolution dich die Heere des Glaubens und der Jugend. Der gemeinsame Gejarg des alten Kampfliedes der Arbeiterjugend Wann wir schreiten" befchloß die Feierstunde. " Auf der Spur eines Verbrechens? Unter dem Verdacht des Gattenmordes. Das rätselhafte Berschwinden eines Fleischer meisters beschäftigt erneut die Mordinspektion der Landes friminalpolizei, weil man vermutet, daß der Mann einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Am 29. Juni 1920 verschwand aus Lippehne der damals 62 Jahre alte Fleischermeister Gustav Burrmeister. Troz aller Nachforschungen, die die Vermißtenzentrale anstellte, gelang es bis meister, der in Fleischertreisen Berlins eine wohlbekannte heute nicht, eine Spur des Verschwundenen aufzufinden. Burr Persönlichkeit war und sich häufig geschäftlich hier aufhielt, erfreute fich allgemeiner Beliebtheit. Da der Meister in guten wirtschaftlichen Berhältnissen lebte, so lag auch kein Grund zum Selbstmord vor Als Frau Burrmeister das Berschwinden ihres Mannes anzeigte, gab sie zuerst an, daß er mit 60 000 Mart barem Gelde zu Einfäufen nach Berlin gefahren sei. Bei späteren Bernehmungen widerrief sie diese Bekundung. Nun wurde vor zwei Jahren in der Lippehner Gegend im Ziemer Walde ein Stelett ausgegraben, bas freilich nicht das des Fleischermeisters war. Der Fund gab aber Veranlassung, daß die nie ganz verstümmten Gerüchte über den gewaltsamen Tod Burrmeisters von neuem aufflacerten. Es meldete sich ein neuer wichtiger Zeuge, der bekundete, daß er am 30. Juni 1920, morgens zwischen 3 und 4 Uhr, den Schwager bes Bermißten, einen gewissen Paul Gerlach, im Ziemer Walde einen abseits liegenden Gestellweg in raschem Tempo habe entlangfahren sehen. Die Untersuchung wurde daher nochmals aufgerollt. Gemeinsam mit den zuständigen Ortsbehörden wurden in Lippehne völligen Klärung Frau Burrmeister und ihr Schwager erneut Ermittlungen angestellt. Sie führten dazu, daß bis zur Gerlach, der inzwischen nach Schöneiche bei Guben verzogen war, vorläufig festgenommen wurden. Im Interesse der Unterfuchung wäre es erwünscht, wenn sich alle Personen, die mit Burrinspektion im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums meldeten. meister in Berlin in Verbindung gestanden haben, bei der MordArtisten- Wettstreit. 1 Wie alljährlich vorstellung veranstaltete der Arbeiterathleten bund, diesmal sogar in Form einer Jubiläums4. Streis, Brandenburg, einen Artistenwettstreit. Ein Riesenaufgebot von 36 verschiedenen artistischen Nummern, dem sich zur Feier des Tages liebenswürdigerweise mehrere Berufsartisten angeschlossen hatten, bildete ein ebenso reichliches wie vielfeitiges Brogramm. Man fah sehr gute Leistungen auf dem Gebiete der der Nägel mit der Hand durch ein Brett schlug und Eisenstangen Leicht- und Schwerathletik; auch ein 20jähriger Breitbart in spe, zu Ornamenten bog, war darunter. Jongleure, Trapezfünstler, Humoristen, furz alles, was unter Artistik fällt, waren vertreten. und alle zeigten sie recht gute Arbeit. Das Publikum bildete die Jurn Berufsartisten standen selbstverständlich außerhalb der Konfurrenz und für die Champions gab es Diplome. Der Riesendieser Gelegenheit sei der erwerbslosen Berufsartisten gedacht, deren faal der„ Neuen Welt", Hasenheide, war überausverkauft. Bei seinerzeitige Vorführungen im Rahmen von Notstandsvorstellungen ebenfalls stärkstem Publikumsinteresse begegneten und gleichzeitig die Not ein wenig lindern halfen. Vielleicht läßt es sich die Artistenloge angelegen sein, auch ihrerseits wieder derartige Vorstellungen zu veranstalten. Nächtlicher Ueberfall in Tempelhof. Als Walter C. und Kurt F., gegen 3 Uhr früh, von ihrem Bereinslokal in Tempelhof nach beide aus Mariendorf, in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag, Haufe gingen, wurden sie an der Ecke Friedrich- Karl- und Manteuffelplündern wollten. Die beiden sekten sich fräftig zur Wehr und die straße von fünf Männern überfallen, die sie ausAngreifer flüchteten, als zwei Bassanten den Ueberfallenen zu Hilfe eilten. Leider sind sie unerkannt entkommen. Die Ueberfallenen mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Auf dem Wege zur Arbeitsstelle totgefahren. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich heute früh gegen 47 Uhr vor den Bergmann- Elektrizitätswerken in der Hennigsdorfer Straße im Norden Berlins. Der 57jährige Arbeiter Richard Tunder aus der Malplaquetstraße 18 geriet unter einen 2 aftkraftwagen Der Firma Bergmann, der eben erst den Fabrikhof verlassen hatte. Die Räder gingen über den Verunglückten hinweg, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Stadtverordnetenversammlung hat ihre nächste Sigung am Donnerstag um 45 Uhr. Zu Beginn dieser Sizung soll die Einführung der neugewählten vier Magistratsmitglieder stattfinden, falls die Bestätigung bis dahin noch eingeht. Groß- Berliner Parteinachrichten. 26. Abt. Heute, Montag, 15. November, 7% Uhr, bei Heiles, Prenzlauer Allee 239, Frauenabend. 3. Kursusabend:„ Einführung in den Sozialismus". Referentin: Ellen Beidler. Gäste herzlichst willkommen, 78. Abt. Schöneberg. Sur Anfertigung von Bekleidungsstücken zur Weihnachtsfeier werden alle Genossinnen zu Dienstag, 16. November, 4 Uhr, zu der Tempelhofer Einäscherungsfeier unseres verstorbenen Genossen Fris Simpel am Dienstag, 16, November, 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Gonntag früh in der Köpenicker Straße. Ein Privattraft Ein folgenschweres Automobilunglüd ereignete sich am wagen geriet auf den Bürgersteig und überschlug sich; hierbei wurden fünf Personen zum Teil lebensgefährlich verlegt. Wir erfahren hierzu folgendes: Gegen 6 Uhr früh durchfuhr das mit vier Personen besetzte Privatautomobil des Fabrikanten Salzenbrot aus Mühlenbeck( Niederbarnim) die Köpenider Straße. In der Ecke Eisenbahnstraße tauchte plötzlich ein Bostauto auf. Der Chauffeur des Personenkraftwagens fuchte nach rechts auszubiegen, abt. 123a Raulsborf Süb. Die Genoffinnen und Genossen beteiligen fich an der verlor aber die Gewalt über feinen Wagen und fuhr auf den Bürgersteig. Das Auto überschlug sich. Eine Vorübergehende, die 26jährige Kontoristin Erna M. aus der Köpenider Straße 9, wurde von umstürzenden Wagen erfaßt und ich wer verlegt. Auch die Insassen gerieten so unglücklich unter den eigenen Wagen, daß sie schwere Berlegungen davontrugen. Der Fabrikant Salzenbrot, dessen Ehefrau, der Chauffeur Richard Timm aus Mühlenbeck und ein Kaufmann hacenjoos aus der Turmftraße 14 zogen fich schwere innere Verletzungen und Knochenbrüche 12. November, verstorben. Beerdigung am Dienstag, 16. November, 3% Uhr, 311. Durch das Städtische Rettungsamt wurden die Berunglückten in das Bethanienfrantenhaus übergeführt. Für Hadenjoos besteht Lebensgefahr, während sich das Befinden der anderen soweit gebeffert hat, daß sie mit dem Leben davonkommen dürften. Die Rennen zu Mariendorf am Sonntag, den 14. November. Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Revolutionsfeier der Jugend. Im Großen Schauspielhaus feierte gestern die Jugend den Gedenktag der Revolution Gemeinsam mit den Jungsozialisten hatte die Arbeiterjugend zu dieser Feierstunde aufgerufen. Bis hoch in die das auf der Orgel intonierte ,, Wir werben im Sterben" die FeierEmporen füllte sich der weite Raum des Schauspielhauses und als stunde eröffnete, war der letzte Platz besetzt. Nach einem Prolog Der neue Gimson"- von E. Drews mit lebendiger aber für den weiten Raum nicht ausreichenden Stimme gesprochen hielt Reichstagsabgeordneter Genoffe Alwin Saenger die Festrede. Revolution, so führte er aus, wird immer fein. Es ist eine ewige Frage Was wird morgen sein?" Wir haben den Glauben an die Zukunft. Wir haben heute das Recht zu wählen. Durch unsere Wahl wird die Boltsvertretung geschaffen, die über Gesetze und Rechte im Staate entscheidet. Schauen wir zurüd, so sehen wir, daß noch vor wenigen Jahren das uns jetzt felbstverständliche Recht heiß umstritten war. Auf der Wahlstatt des großen Völkermordens liegen drei Kaiserreiche. Und es ist nicht Zufall, daß es die Reiche sind, die ihren Völkern die menigften Rechte geben wollten. Die Jugend ist die Ründerin des Neuen. In der Tatkraft der Jungen liegt es, ob diese Entwicklung abgeschlossen ist, oder ob wir auf dem Wege zur Freiheit weiter. In Barcelona hat die Polizei 15 tatalonische Separatisten verschreiten werden. Dann wurde Hermann Claudius' neues Werk haftet, darunter den Gewerkschaftsführer Pestana, Menschheitswille" aufgeführt. Das Wert von der Be 89. Abt. Neukölln. Unser Genosse Artur Luithardt ist am 12. November im 71. Lebensjahre verstorben. Einäscherung am Dienstag, den 16. morgens 8 Uhr im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. 99. Abt. Briz- Budow. Unser Genosse Benjamin B3Ie ist am Freitag, auf dem Friedhof in Brig. Sport. 1. Rennen. 1. Der Beste( Ch. Mills), 2. Natal, 3. Crispa, Tot.: 32: 10. Blag: 18, 14, 19:10. Ferner Tiefen: Goudster it., Friedrich Reg, Trauring, Möglich), Bronze, Herostratos, Cosimo, Harlekin, Punier, Etatshöferin, Weinminze, Senator, Sonntagsprinz, Sphing I. Beffie. 2. Rennen. 1. Goudsters Gloria( 3. Mills), 2. Sufi Leyburn, 3. Cirano. Tot.: 29:10. Plak: 15, 14, 24:10. Ferner liefen: Hans Behrens, Diana Magowan, Liffing, Effi, Bola Frisco, Großmogul, Jram, Rehoferin, Charlen Worthy, Einsicht, Meisterstück, Cilento, Elfenkönigin, Rohlenfönig, Struwel peter, Wintermärchen, Armenier. Abria, 3. Altgold. 3. Renne 11. 1. Abteilung: 1. Langemann( B. Ahrens), 2. Blaue Plat: 30, 36, 19:10. Ferner liefen: Mantua, Exzellenz, Ludwig R.,. Cuba, Zeitgeist, Baton Tregantle, BergSterrigan ir.,( W. Mattern), 2. Colonel, 3. Flona. Tot.: 46:10. Bag: schwalbe, Czilag. Adelei B., Jeanette, The Ritin. 2. Abteilung: 14, 13, 43: 10. Ferner Tiefen: Erbgraf, Radiola, Weinstoď, Beter Sarvester, Ingrid Salle, Seideprinz I, Cypresse II, Königsadler, Ludmil I, Söhenfonne, Sarry W. 4. Rennent. 1. Mary S.( Jauß ir.), 2. Noordwnt, 3. Belwin. Tot.: 11:10. Blag: 10, 10:10. Werner liefen: Willy A., Fels. 5. Rennen. 1. Nation( Sm. Schleusener), 2. Minni Salle, 3. Frededonna, Alcibiades, Farmer, Minionär, Quinteffens, Regenbogen, ba Balos. gunbis. Tot.: 32:10. BI 15, 47, 19:10. Ferner liefen: Feftinella, Ma 6. Rennen. 1. Oftermagda( Gauß ir.), 2. Gun Baron, 3. Fenelon. Tot.: 21:10. Plak: 13, 14, 15:10. Ferner liefen: Rammerfänger, Hetman, Colonel, Bosworth, Erdmann. 7. Rennen. 1. Mrs. Bosworth( Ch. mins), 2. Tudora, 3. Copal. Tot.: 26:10. Blak: 22, 74, 68:10. Ferner liefen: Carl Alexander, Odeffa, Ropeke, Quera, Burmida, Prinzessin, Etawah, Rubin, Dewenphine, Invasion, Diagonale, Ronful, Alpengeier, Wasserlauf, Fiametta. 8. Rennen. 1. Aiud( 3. Mills), 2. Interessent, 3. Buchdruder. Tot.: 42:10. Blak: 22, 33, 21:10. Ferner Tiefen: Erster Wolfersomer, Gawein, Federnelle, Rakarad, Seiderofe, B. Blaumeife, Marne, Baron Arworthy, Frankenstein, Ballonkönigin, Cadiac Atworthy, Stella Sarf, Clematis blau, Manfred, Arbeitszeitkündigung in Mitteldeutschland. I ben privaten Weinbergen warten auf die Entscheidung. Auch diese Die Ueberschichten im Braunkohlenbergbau. Halle a. S., 15. november.( Eigener Drahtbericht.) Hier tagte geffern eine von weit über 200 Delegierten besuchte Funktionärfonferenz aller am Tarifvertrag für den Braunkohlenbergbau beteiligten Organisationen aus allen Revieren Mitteldeutschlands. Zur Beratung stand als einziger Tagesordnungspunkt:„ Die Stellungnahme zum Mehrarbeitsabfommen." Ais Referent war Schmidt- Bochum vom Vorstand des Bergarbeiter verbandes erschienen, der im wesentlichen ausführte, daß das den Braunkohlenbergarbeitern im Jahre 1923 durch Schiedsspruch aufgezwungene Mehrarbeitsabkommen geradezu unhaltbar geworden sei. Es liegen heute weder volks- noch betriebswirtschaftliche Gründe vor, die im Abkommen festgelegte unerträglich lange Arbeitszeit noch weiter zu verfahren. In der anschließenden Aussprache, die sich äußerst rege gestaltete, tamen eine große Anzahl im Arbeitsverhältnis stehender Funffionäre aus allen Revieren zum Wort. Mit elementarer Gewalt brach sich der Wille zur Beseitigung der langen Arbeitszeit Bahn. Ganz besonders wurde darauf hingewiesen, daß die lange Arbeitszeit zur Entfremdung von der Familie und zur 3 errüttung des Körpers führt. Die Zustände im Geifelthal, wo Sonntag für Sonntag, sogar unter Zuhilfnahme der Frauen, gearbeitet wird, die Verhältnisse der Grube 21 wine. wo die Kameraden sich widerstandslos die größte Erniederung gefallen laffen und die Willkürafte in den Causiger Revieren fanden beredten Ausdrud. Es wurde einstimmig beschlossen, das Mehrarbeitsabkommen zu fündigen. Der Beschluß der Konferenz wird in allen Revieren freudigen Widerhall finden. Fünfzehn Mark Lohn für einen Familienvater. Arbeiterlos des belegten Gebiets Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Die Stadtverwaltung Bernkastel a. d. Mosel zahlt den bei ihr Leschäftigten Arbeitern einen Stundenlohn von 33 Pfen nig. Neben diesem Lohn erhalten auch verheiratete Arbeiter feinen Pfennig Soziallohn. Der Lohn eines Arbeiters mit mehreren Kindern beträgt nach erfolgten Abzügen rund 15 M. die Woche. In dieser Darstellung liegt ein Bild bitterster Not und Entfagung. Monatelang und jahrelang leben die Arbeiterfamilien von Diesen Hungerpfennigen. Leben? Nein, fie vegetieren dahin! Märchenhaft fast klingt die Kunde vom Vorhandensein solcher Zustände. Leider ist es bittere Wahrheit. Die Winzeraufstände dieses Jahres haben das Augenmerk der freien Gewerkschaften mehr als bisher auf die Arbeiterverhältnisse des Mosellandes gelenkt. Die städtischen Arbeiter von Bernkastel schlossen sich dem Berbande der Gemeinde- und Staatsarbeiter an. Die Gewerkschaft unterbreitete der Stadtverwaltung einen Tarifvertragsentwurf, der u. a. eine Aufbesserung des Stundenlohnes vorfah. Die städtische Finanzkommission beschloß einstimmig:" Der Abschluß eines Tarifvertrages und jegliche Erhöhung des Stundenlohnes wird abgelehnt." Daraufhin wurde der staatliche Schlichtungsausschuß in Trier angerufen. Dank dem sozialen Verständnis des Vorsitzenden wurde ein Schiedsspruch gefällt, der neben der Feststellung eines Manteltarifvertrages eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 45 Pfennig und die Zahlung eines Soziallohnes für Frau und Kind je 3 Pfennig die Stunde vorsieht. Die Stadtverwaltung lehnte den Schiedsspruch ab, die Arbeiter haben ihn angenommen. Was hat die Stadtverwaltung gesagt? 33 Pfennig Stundenlehn reicht aus zum Leben!" Die Erwerbslosenunterstügung für einen Familienvater ist höher als die geldliche Zuwendung für die mühevolle Arbeit in Wind und Wetter. Der Sinn der Arbeit ist zur arce verzerrt! Der Schiedsspruch ist gefällt. Die Augen der anderen Arbeiter des Mosellandes sind in diesen Tagen auf den Schlichter vom Rhein land in Köln gerichtet, der über das Schicksal des Schiedsspruches entscheiden wird. Wird der Schlichter den Spruch für verbind. lich erffären und damit die Zustimmung der Stadtverwaltung ersezen? Im Augenblic ist es noch sein Geheimnis. Nach den Be stimmungen der Schlichtungsordnung hat er zu prüfen, ob die Borauslegungen des§ 6 der Schlichtungsordnung gegeben sind. Sie find lande erfüllt! Der Spruch entspricht mindestens der Billigkeit beider Teile. Aus den Hütten der Armen der Aermsten des Mosellandes ringt sich in diesen Tagen ein Schrei der Verzweiflung, der austlingt in die Worte: Hunger! Hunger! Hilfe! Hilfe!" So rufen Männer und Frauen und armselige Kinder. Wir aber fragen:" Steht die Arbeitskraft unter dem Schutze des Reiches? Wenn ja, dann Reichsregierung, lasse durch deine Hilfsinstanz, durch den rheinischen Schlichter, den Spruch für rechts verbindlich erklären!" Auch die Arbeiter in den staatlichen Weinbaudomänen und in GROSSFORMAT ALT EGYPTEN arbeiten für den Hungerlohn von 33 Pfennig. Hier fragen wir ganz besonders den preußischen Landwirtschaftsminister und die preußische Staatsregierung:„ Wie lange wollt ihr noch die Staatsarbeiter in den Domänen an der Mosel für die Pfennige bei harter Arbeit darben lassen?" Die Arbeiter sind nicht gewerkschaftlich orga= nifiert. Trogdem: wir rufen um Hilfe für sie. Wir glauben hier eine Menschenpflicht erfüllen zu müssen. Es sind arme Menschen, Arbeiter, Einwohner des seit acht Jahren besetzten Gebietes, die schon um deswillen nicht die Freiheiten ihrer Arbeitbrüder im besonderen Schutz verdienen. übrigen Deutschland besigen, die aber vielleicht gerade deshalb Dankbezeugung des britischen Gewerkschaftsbundes. An die im 368. vereinigten Arbeiter. In einem Brief an das Sekretariat des JGB. richtet die Ere: futive der britischen Landeszentrale an den Vorstand des JGB. und damit an die angeschlossenen Länder folgende Worte des Dankes und der Anerkennung für die den englischen Bergleuten geleistete Hilfe: Wir ergreifen die Gelegenheit, um dem Vorstand des JGB. noch einmal für die den Bergleuten in so glänzender Weise geleistete finanzielle Hilfe zu danken. Die auf unsere Bitte durch Ihre Vermittlung von den angeschlossenen Landeszentralen übermittelten Summen waren im großen Kampfe der Bergleute eine Quelle großer Kraft und werden, abgesehen von ihrer unmittelbaren Wirkung, zur Stärkung der Selidaritätsbande zwischen den organifierten Arbeitern Englands und den Kameraden des Kontinents beitragen. Thomas über den Bergarbeiterstreik. London, 15. November.( Eigener Drahtbericht.) In einer Berfammlung in Blackpool stellte der Führer der Eisenbahner Thomas, der bei den jüngsten Verhandlungen mit der Regierung eine führende Rolle gespielt hat, fest, daß niemand, der alle Tatsachen fenne, die velle Berantwortung für den sieben Monate langen Kohlenkampf einer einzelnen Partei aufladen könne. Weder die Regierung, noch die Unternehmer, noch die Führer der Bergarbeiter hätten Anlaß, auf ihr Verhalten stolz zu sein. Die Unternehmer müßten nunmehr ihre Verantwortlichkeit anerkennen und alles tun, um eine Demütigung der Bergarbeiter zu vermeiden, da sonst die Rückkehr zur Arbeit keineswegs Frieden bedeuten würde. Der Kohlenkampf habe dem Lande mindestens 400 Millionen Pfund Sterling gekostet. Der Vorsitzende der Rußlanddelegation. Bon seinem Posten im ADB. enthoben. Der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes beschloß in seiner Vorstandssigung vom 11. d. M., seinem bisherigen Vorsitzenden, dem Kollegen Fr. Körber megen verbandsschädigenden Berhaltens das schärfste Mißtrauen auszusprechen und ihn seines Postens als Vorsitzenden des Drtsausschusses zu entheben. Der Ortsausschuß bittet ferner zu beachten, daß er ab 1. Novem ber d. J. seine Bureauräume nach der Potsdamer Str. 106 II ver= legt hat. Die juristische Sprechstunde des Drtsausschusses des ADB. findet nunmehr jeden Montag und Mittwoch, in der Zeit von 5% bis 7 Uhr, in den neuen Geschäftsräumen statt. Ortsausschuß Berlin des ADB. gez. Weidmann, Feierabend. Freigewerkschaftliche Erfolge. Der Nachteil, gelb zu sein. Der Erfolg, den der Deutsche Nahrungs- und Ge nußmittelarbeiterverband bei der Tarifbewegung in den Innungsbetrieben in Westfalen erzielte, liegt den Gelben schwer im Magen. Keck und dreist sprechen daher die gelben Führer von einem kläglichen Ende der Tarifbewegung des DENAG. Die beste Antwort darauf ist eine einfache Gegenüberstellung der Tarifbestimmungen des Vertrags der Gelben und der DENAG. Gelber Tarif: Arbeitszeit 48- Stunden- Woche, Ueberstunden 25 Broz. Aufschlag, Arbeitsvermittlung fällt weg, Ferien 2, 4, 6, 10, 15 Tage. Differenzbezahlung zwischen Krankengeld und Lohn 3, 6, 12, 18 Tage. DENAG Tarif: Arbeitszeit täglich 8 Stunden, Ueberstunden: die ersten zwei Stunden mit 25 Broz., alle übrigen mit 50 Proz. Aufschlag, Arbeitsvermittlung nach den gesetzlichen Bestimmungen. Ferien: 3, 5, 8, 10, 15 Tage. Differenzbezahlung zwischen Krankengeld und Lohn: 4, 10, 14, 21 Tage. Gegenüber der gelben Abmachung sind im Tarif des DENAG. erhebliche Berbesserungen enthalten. Die Fachabteilung des Friseurgehilfenverbandes( Gemertschaftshaus, Zimmer 59) veranstaltet am Bußtag, nachmittags 5 Uhr, in Haverlands Festsälen, Neue Friedrichstr. 35( Eingang Rochstr.), einen Demonstrationsabend großen Stils, mit anschließender Unterhaltung. Die einzige Stadt in Deutschland, die feinen Erwerbstojen mehr hat, ist Rüsselsheim a. M. Die befante Automobilfabrik Opel hat vergangene Woche den legten Erwerbslosen eingestellt und holt jetzt auswärtige Arbeitskräfte heran. Die Zahl der Arbeitslofen in Dänemark hat sich in der letzten Woche um 3000 vermehrt, womit die Gesamtzahl auf 55 700 gestiegen ist Diese Zahl ist nahezu so hoch wie die bisher größte ArbeitslosenBiffer im Jahre 1921, mit 57 700. Das Dreimillionenland zählt 350 000 Industriearbeiter. Verantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn: Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Berlag: Borwärts.Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts. Buchdruderet Ein schöner Schmuck, ein neues Kleid find Geschenke, mit denen Sie Ihre Frau erfreuen. Aber vergessen Gie nicht, daß eine Hausfrau nur zum Genuß des Lebens kommt, wenn man ihr die tägliche Kleinarbeit des Haushalts erleichtert und Zeit verschafft, Schönheit und Behaglichkeit um sich zu ver breiten. Wieviel Stunden am Tage werden aufgewandt zur Bedienung schlechter Defen im Winter. Stellen Sie einen Winters Germanen- Dauerbrandofen in Ihre Wohnung und Sie werden die Vorteile eines guten Qualitätsofens tennenlernen. Aufklärende Druckschriften über die zweckmäßigste Heizung durch Winters Germanen- Ofen bitten wir von den besseren Ofenhandlungen oder durch Postkarte von dem Fabrikanten, Boßwerke Aktiengesellschaft, Hannover, Arndtstr. 21, anzufordern. Frische Früchte geben ruhigen Schlaf! -W die Wenn abends nach getaner Arbeit Wen Familie sich zu geruhsamer Unterhaltung versammelt, teils um gute Bücher zu lesen, teils den deutschen Rundfunk zu hören, bemerkt man leider vielerorts, daß schwerer Tee, starker Tabak, erregender Alkohol wie etwas Selbstverständliches genossen werden. Welch ein Widerspruch! Die Nerven wollen nicht betäubt sein, sondern verlangen nach natürlicher Ruhe. Man greife zur frischen Frucht- und wird beobachten, daß ihrem Genuß ein ruhiger Schlaf folgt. Esst mehr Früchte, und Jhr bleibtgesund! Täglicher Genuß frischer Früchte ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Frische Früchte gibt es zu jeder Jahreszeit. Aus seltenen Orient Tabaken eine neue Cigarette mild und würzig zugleich 4. DESTRA Städtische Oper Charlottenburg 7% Uhr: Pf Tägi. 84 Uhr Theater im Gr. Schauspielhaus Admiralspalast Täglich 8%, Uhr Riesenerfolg Haller- Revue Zauberflöte Von Mund Anu.aus Abonn.- Turnus IV. Zu Mund Preise von 2-16 M. 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