Menöausgabe Nr. 544 4Z. Jahrgang Ausgabe B Nr. 249 Bezugsbcdingungt« und Anzeigenpreis« sind in der Morgenausgob« angegeben »«doNlon: STB. 68, cindenstratz- a Zerasprecher: Dönhoff 202— 2S2 Iel..Udrrffe:S»zIaldcmo»raIvcr»n Berltnev VolkSvlakt �entralorgan äer Sosialäemokratifcken Partei DeutfcklanÄs (�10 pfeiutig) Donnerstag 1 S. November 1 92b ZZcrlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit»Zb bis s Uhr Verleger: vorwärts. vertag GmbH. verlin Sv>. SS, Llndenstraff« ö Fernsprecher: Dönhoff 2g2— 2S2 Zreihanöel mit tzochsthutzzöllm? Zweideutige Politik der Unternehmerverbände. In letzter Zeit schien sich international eine Entspannung der Wirtschaftsbeziehungen dadurch anzubahnen, daß manche bisher nationalistisch eingestellten Unternehmerkreise teils in- folge ihrer Zusammenarbeit der internationalen Kartell- und Trustbildung, teils aus Gründen ihres Handelsinteresses sich vor aller Oeffentlichkeit g e a e n die Zl u f f a s su n g wandten, daß der Handel ein Krieg sei. Sie verlangten den Abbau der Hemmungen des internationalen Warenverkehrs in mehr oder weniger bestimmter Form. Nach dem so- genannten Wirtschaftsmanifest, das von einer Reihe privater Bankiers und Industrieunternehmer unterzeichnet war, und das auch von deutscher Seite die Unterschriften eines V ö g l c r und Dulsberg trägt, trat die Internationale Handelskammer mit einer ausführlichen Kundgebung hervor, die grundsätzlich das erwähnte Wirtschaftsmanifest billigte und Richtlinien zur praktischen Durchführung der darin niedergelegten Auffassung gab. Freizügigkeit der Roh- stoffe, Vermeidung internationaler Monopole zum Schaden der Arbeiter und Verbraucher, Bewegunasfreiheit für den gewerbetreibenden Menschen in allen Ländern, Abbau aller fchikanösen Bestimmungen, die diesen Forderungen entgegen- stehen— das ungefähr ist der Inhalt der ins emzelne gehenden Vorschläge der internationalen Handelskammer in Paris. Industrielle Blätter, so unter anderm auch die sonst hoch- schutzzöllnerisch eingestellte„Deutsche Bergwerks-Zeitung". hatten aus dieser internationalen Kundgebuilg maßgebender Führer des Unternehmertums bereits die Konsequenz gezogen, daß auch die Landwirtschaft sich auf deil kommenden Freihandel einstellen müsse. Man sprach bereits davon, daß die Landwirtschaft in abfehbarer Zeit unter Verzicht auf die bisher zu ihren Guilsten errichteten Hochschutzzollschranken -nner neuen inrerilaiionalen Arbeitstellung zustreben müsse. Derartige Aeußerungen waren, ebenso wie die Kundgebungen, eine klare Absage an die bisherige deutsche Handelspolitik, die in Verkennung der deutschen Aus- fuhrinterefsen die Rücksicht auf den Großgrundbesitz und auf andere kleine Gruppen der Landwirtschaft so weit gehen ließ, daß selbst der Abschluß wichtiger Handelsabkommen daran scheiterte. Diese Absagen an die Politik des Brot- Wuchers, der künstlichen Verteuerung der Lebenshaltung der breiten Massen unter Erschwerung der Produkt�onsbedin- gungen der verarbeitenden Industrie ließen die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß endlich nach einem Jahrzehnt ge- fährlichster Abschließung gegenüber dem Weltmarkt auch in die Handelspolitik allmählich der G e i st der Wirtschaft- l i ch k e i t einziehen würde. Um so erstaunter muß man sein, daß jetzt die bürgerliche Presse eine Reihe von Zuschriften aus industriellen Kreisen veröffentlicht, die das genaue Gegenteil der bisherigen Unternehmerkundgebungen darstellt. Offenbar 'aus politischen Gründen, nämlich um den sonst unvermeid- lichen Zerfall der Deutschnationalen und der Deutschen Volks- partei zu verhindern, lassen die Jndustrieunternehmer jetzt erklären, das internationale Wirtschaftsmanifest sei mehr taktischer als programmatischer Art. Von einem U e b e r- gang v o m S ch u tz z o l l in den Freihandel könne für Deutschland vorerst gar nichtdie Rede sein. Diese Auf- fassung wird nicht nur aus den deutschnationalen Unter- nehmerkreisen des sogenannten Langnamvereins—„Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen Rheinlands und Westfallens"— laut, sondern sie wird auch von führenden Perfönlichkeiten der deutschen Handelskam- mern anerkannt. Die deutschen Unternehmer bekommen also das fertig, was bisher noch keiner zu Wege gebracht hat; nämlich den Freihandel mit Hochschutzzöllen zu propagieren. Sie reden von einem Abbau der internationalen Handels- beschränkungen, setzen ihre Unterschrift unter nationale Manifeste, die die Wirtschaft beeinflussen sollen, machen sich aber für die deutsche Handelspolitik die Demagogie des R e i ch s l a n d b u n d e s zu eigen, der jede freiheitliche Gestaltung des deutschen Handelsverkehrs mit dem Ausland verhindern will. Das ist ein unmöglicher Zustand. Die Unter- uehmervertreter, die die Freihandelskundgebungen unter- schrieben haben, setzen sich nicht nur dem Gespött der Welt aus, sondern sie bringen auch sich persönlich in den schwersten Mißkredft, wenn sie heute das Gegenteil von dem behaupten, was sie gestern am internationalen Verhandlungstisch unter- schrieben haben. Man muß daher von den Unterzeichnern der Manifeste eine klare Meinungsäußerung, zu der anonyme Zeitungsnotizen nicht genügen, darüber verlangen, ob sie selbst ihre Unterschrift als wertlos ansehen. Tun sie das, so werden daraus auch für die programmatischen Kundgebungen der Jnteressenverbände zur inneren Wirt- fchaftspolitik Schlüsse zu ziehen sein, die den Unternehmern nicht angenehm in den Ohren klingen werden. Um üie Regierungsbilüung in Sachsen. Vorschläge der Sozialdemokratischen Partei. Dresden, 18. November.(Eigener Drahtbericht.) Am gestrigen Dußtag fand eine Sitzung der Landesinstanzen der Sozialdemokratischen Partei Sachsens gemeinsam mit der sächsischen Landtagssraktion statt. Es wurde ein Arbeitsprogramm für eine sozialdemokratische Regierung Sachsens beschlossen. Der frühere sächsische Kultusminister Reichstagsabgeordneter Genosse Fleißner soll als R1 i n i st e r p r ä s i d e n t vorgeschlagen werden, für den Posten des Landtagspräsidenlen ist der frühere Wirt schastsminisler Genosse Schwarz vorgeschlagen worden. 3m bürgerlichen„Dresdener Anzeiger" findet sich eine Mitteilung. wonach zwischen den bürgerlichen Parteien und der Allen sozialdemokralifchen Partei Sachsens eingehende Verhandlungen über die Frage der Regierungsbildung stattfanden. Eine Einigung ist aber bisher nicht zustande gekommen. Die Deutschnationalen bestehen darauf, daß sie sich aktiv an der Regierung beteiligen und daß ihnen Miaisterposten übergeben werden, aber zu Bedingungen, auf die bisher die ASPS, nicht eingehen will. Die Deutschnationalen haben sich ihrerseits wiederholt bereit erklärt, der ASPS, einen Ministerposten zuzugestehen. Die Verhandlungen sollen fortgesetzt werden. wie die Wahl am 25. November aussallen wird, läßt sich noch nicht absehen. Es besteht sogar die Möglichkeit, daß unter Umständen die alte Regierung noch im Amte bleibt. Denn in der sächsischen Verfassung ist für die Wahl des Miniflerpräsidenlen eine Stichwahl nicht vorgesehen, und wenn keiner von den ausgestellten Kandidaten eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält, so ist die Ministerpräsidentenwahl überhaupt nicht zustande gekommen. Das bestehende Ministerium müßte in diesem Falle als„geschäftsführendes Ministerium" weiter amtieren._ Der Zwischenfall Marin erledigt. Die Radikal-Sozialen gegen das Wahlbündnis mit der Reaktion. Paris, 18. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Exekutive der Radikal-Sozialen Partei nahm am Mittwoch abend zu dem Zwischenfall Marin Stellung. Der Vorsitzend« der Partei, Sarraut, hielt dabei eine große Rede, in der er sich mit aller Schärfe gegen die Ausführungen Marias und besonders gegen dessen Be- schuldigungen des Linkskartells wandte, an der gegenwärtigen Finanzkrise schuldig zu sein. In einer Entschließung wurde die Rede Marius scharf verurteilt, dessen Partei„vor der Geschichte die Verantwortung für die Politik des Unverstandes, der Anleihen und der Reaktion trage, die Frankreich zu den gegenwärtigen Finanz- fchwierigkeiten geführt habe". Das.Exekutivkomitee fordert die Wähler auf. sich um die demokratischen Linksparteien zu scharen und bei den bevorstehenden Senats wählen der Reaktion zu be- weisen, daß das französisch« Volk von den Parteien des Nationalen Blocks nichts mehr wissen wolle. In einer zweiten Entschließung wind den Radikalen und radikal-sozialistischen Organisationen noch einmal verboten, für die Senatswahlen gemeinsame Listen mit Kandidaten der reaktionären Parteien aufzustellen. Noch kein Zrieüen in Englanü. Tie Abstimmung der Bergarbeiter. London. 18. November.(Eigener Drahtberichl.) Zu den bisher gemeldeten Bergbaudistriklen, welche sür die Annahme der von der Regierung gemachten Friedensvorschläge gestimmt haben. treten nunmehr noch Bristol und Kenl, während die Distrikte Schottland und Südwales mit überwältigender, Lancashire mit kleiner Mehrheit die Regierungsvorschläge a b- gelehnt haben. Letztere drei Distrikte repräsentieren rund 40 Proz. der gesamten Bergarbeiter. Trotz dieses allgemein überraschenden Ergebnisses wird jedoch eine Mehrheit für die Annahme der Vorschläge erwartet. 200 000 Bergarbeiter überflüssig. London, 17. November.(TU.) Man erwartet, daß die Arbeits- losenunterstlltzungen als Folge des Kohlenstreiks eine weitere außer- ordentliche Belastung erfahren werden. Alle Bergarbeiter, welche nicht wieder in die Gruben eingestellt wer- den können, und ihre Zahl wird schätzungsweise mit 200 000 angegeben, werden berechtigt sein, Arbeitslosen- Unterstützung zu empfangen. Dadurch wird der Arbeitslosonuntcr- stützungsfonds. der bereits eine Verschuldung von 10 Millionen Pfund aufweist, um weitere 200 000 Pfund wöchentlich belastet. In unterrichteten Kreisen wird darauf hingewiesen, daß die Rc- duzierung in der Anzahl der Arbeiter in den Gruben nicht auf die längere Arbeitszeit zurückzuführen ist, sondern auf die Tat- lache, daß die Kohlenmärkte, die verloren gegangen sind, nicht sofort wieder zurückgewonnen werden können Das Zechenkapital hat demnach eine umfassende Maß- regelungsaktion geplant Allein schon die Drohung mit „Abbau" soll bewirken, daß die Bergarbeiter fluchtartig in die Gruben zurückkehren, um ohne Rücksicht auf das immer noch zweifelhafte Ergebnis der Abstimmung den Betrieb im Achtstundentag wieder auszunehmen. Die Trägödie der englischen Bergarbeiterschast scheint nach dem Ende des Streiks erst recht zu beginnen. Reichslaa erst am Dienstaa. Die für nächsten Montag, den 22. November, nachmittags 3 Uhr. anberaumte Plenarsitzung de» Reichstages, in der die auswärtig« Debatte ihren Anfang nehmen sollte, ist auf Dienstag, den 23. November, zur gleichen Stunde uno mit der gleichen Tagesordnung, verschoben worden. Deutsche Kriegslasten. Deutschnatiauales Geschenk an die Entente. Im K ri e g s l a ste nc t a t, der seit einigen J-abren getrennt vom Etat der allgemeinen Reichsverwaltung geführt wird, sind die sämtlichen Lasten zusammengestellt, die Deutsch- land als Auswirkung des verlorenen Welt- k r i e g e s zu tragen hat. Der ordentliche Haushalt dieses Etats umfaßt die inneren Kriegslasten, d. h. Wartegeloer, Wirtschaftsbeihilfen an verdrängte Beamte, Zahlungen auf Grund der Gewaltschädenverordnung u. a. Der außerordent- liche Haushalt weist die jeweils fälligen Reparations- Verpflichtungen nach. Im Hauptetat 1920 wurden insgesamt 1528 Millionen angefordert, und zwar 1285 Mil- lionen für Reparationszahlungen und 242 Millionen für innere Kriegslasten. Die Regelung dieser inneren Kriegs- lasten ist ausschließlich Sache der deutschen Gesetzgebung, die Reparationsleistungen hingegen beruhen auf den Dawes-Gcfetzen. Die Ucberfichtlichkcit der Reparationsverpflichtungen wird dadurch erschwert, �aß das Reparationsjahr vom September des einen bis Ende August des nächsten Rechnungsjahres läuft, sich also nicht m i t d e ni Rc chnungsjahr deckt. In das Rechnungsjahr 1926 fallen fünf Monate des zweiten Reparationsjahres (April bis Sluguft 1926) und sieben Monate des dritten Reparationsjahres(September 1926 bis März 1927). Der Nachtragsetat 1926 bringt für die inneren Kriegs- lasten zusätzliche Forderungen in Höhe pon 117,4 Millionen. Von diesen entfallen 166 Millionen auf Barzahlunge n, die auf Grund der Gewaltschädenverordnung vom 28. Oktober 1923 und des Liquidationsschädengesetzes vom 26. November 1923 zu leisten find. Aus diesen Mitteln können im Ver- waltungswege Vorschüsse, Darlehen und Wirlschaftsbeihilfen gewährt werden. In der Mehrforderung ist ferner ein- geschlossen ein Betrag von 14 Millionen, der dem Reich laut Urteil des Reichswirtschaftsgerichts vom 25. Juni 1926 in Sachen des Rhelnisch-Westsälifchen KohlensyndlkatZ. A.-H. n. Essen als Nachzahlung für Reparativ nskohlcn- l i efe r u n g e n auferlegt worden ist. Der außerordentliche Haushalt verlangt für die fälligen Reparationsvvcrpflichtungen ein Mehr von 95,7 Millionen. Diese Mehrforderung von 95,7 Millionen würde noch um 12,2 Millionen größer geworden sein, also rund 168 Millionen betragen, wenn nicht mit dem Generalagenten für Reparationszahlungen eine neue Verrechnungsart für die Leistungen aus der Beförderungssteuer vereinbart worden wäre, die für das Rechnungsjahr 1926 gegenüber dem im Hauptetat angeforderten Betrag eine um 12,2 Millionen ver- ringerte Summe ergibt. Im Rechnungsjahr 1927, in das noch fünf Monate des dritten Reparationsjahres fallen, wird dafür eine entsprechend höhere Summe zu zahlen sein. Die 168 Millionen, die für die ersten sieben Monate des dritten Reparationsjahres jetzt fällig werden, find eine Last, die dem deutschen Volk nicht von den Ententeländern auf- erlegt ist. Sie stellen vielmehr ein glattes Geschenk der besitzenden Klassen Deutschlands an die Entente auf Kosten der Unbemittelten dar. Bei den Steuerkämpfen des vorigen Sommers handelte es sich um die Entscheidung, zu wessen Lasten die notwendige Erhöhung der Reichseinnahmen erfolgen sollte. Die Sozialdemokratie widersetzte sich mit ihrer ganzen Kraft dem Abbau der Besitz steuern. Sie befand sich in diesem Kampfe in voller Uebereinstimmung mit den Sachverständigen, die in ihrem Gutachten vor aller Welt erklärt hatten:„Wir haben der Schlußfolgerung nicht entgehen können, daß die reichen Klassen in Deutschland in den letzten Jahren nicht in angemessener Weise von dem Steuersystem erfaßt worden sind, weder in einem Maße, das die Be- fteuerung der arbeitenden Klaffen rechtfertigen würde, noch in einem Maße, das mit der Belastung der reicheren Klassen in anderen Ländern vergleichbar wäre." Die bürgerlichen Parteien indessen, besonders die Deutschnationalen, wollten sich den Preis, der ihnen für die Annahme der Dawes-Gssetze zugesichert war, nicht entgehen lassen, setzten die Besißsteuern herab und erhöhten auch die verpfändeten Z ö l l e und V e r b r a u ch s a b- gaben, trotzdem solche Erhöhung zugleich eine f r e i w i l- ligc Erhöhung der Reparationsabgabe mit sich brachte, da dem Reich nach dem Londoner Abkommen aus diesen Erhöhungen nur etwa die Hälfte zufließt, während der überschießende Teil, bis zur Höhe von je 256 Millionen für das volle Reparationsjahr, an die Entente abzuführen ist. Für das dritte und vierte Reparationsjahr sollten also nach dem Willen der bürgerlichen Parteien, die sich hier ganz der Führung der Deutschnationalen untergeordnet hatten, eine volle halbe Milliarde zusätzliche Leistung an die Entente gezahlt werden! Wenn es in Verhandlungen mit dem Generalagenten für Reparationszahlungen gelungen ist, die Zustimmung der Reparationskommission zur Herabsetzung der Schuld von 566 Millionen auf 366 M'�onen zu erlangen, so zeigt diese Tatsache, daß, um in der Sprache der Deutschnationalen zu reden, beim Generalagenten des„Feindbundes" eine weit größere Einsicht und Rücksieb' die Interessen des weitaus größten Teils des deutschen ckes und auf die deutsche Währung zu finden war, als be den Deutschnationalen. Hätte der Generalagent für Reparationszahlungen n-cht in diese Verminderung der Schuld gewilligt, so würde die zusätzliche Belastung des deutschen Volkes im dritten und vierten Repa- rationsjahr noch um je IlXI Millionen größer geworden sein. So reich auch die kurze Geschichte der Deutschnationalen Partei an Tatsachen ist, die ihre rücksichtslose Gewinnsucht aufzeigen, so läßt sich ein klareres Bild als das dargelegte von ihrer vor nichts zurückschreckenden Habgier kaum finden. In den Verhandlungen mit dem Generalagenten für Reparationszahlungen wurde es ferner inöglich, zu verein- baren, daß die für die genannten Reparationsjahrc zusätzlich zu leistenden 300 Millionen Mark ganz für S ach liefe- r u n g e n Verwendung finden sollen— ein Zugeständnis, das in Anbetracht der ungeheuren Arbeitslosigkeit und unserer schlechten Wirtschaftslage besonders zu begrüßen ist. Ein weiteres Abkommen konnte im Laufe der Verhandlungen dahin getroffen werden, daß die verpfändeten Einnahmen nur so lange gesperrt bleiben, bis die in jedem Monat fälligen Haushaltszahlungen bewirkt wird, wodurch die Liquidität der Reichskasse wesentlich gestärkt wird. Sie uneinige Mitte. ..Kölnische Zeitung" gegen Große Koalition. Wie Herr Scholz, der volksparteiliche Fraktionsführer, ist auch die„Kölnische Zeitung" jeder Bindung der Mitte nach links stark abgeneigt. Sie schreibt: Da mit den verschiedenen Behauptungen über Koaliüonsver- Handlungen viel Verwirrung angerichtet wird, sei ganz kurz fest- gestellt, wie die Dinge im Augenblick laufen: in der vorigen Woche hat es Verhandlungen zwischen den Regierungsparteien und den Sozialdemokraten überhaupt nicht gegeben, sondern der Reichskanzler Dr. Marx hat für sich allein mit den Sozialdemokraten Besprechungen gehabt und über dies« Besprechungen den Regierungsparteien berichtet. Di« Regierungsparteien sind übereinstimmend(? Red. d.„B.") der Auffassung gewesen, daß der Reichskanzler mit der Sozialdemokratie in keinerWeife Verpflichtungen eingegangen fei, die weder für den Abgen- blick oder für die Zukunft den Regierungsparteien die geringste politische Bindung auferlegen. Sie waren auch der Meinung, daß eine solche Bindung nicht eingegangen werden könne, sondern daß es sich lediglich darum handle, von Fall zu Fall,' wie man es schon immer großen Oppositionsparteien gegenüber getan habe, Vorbesprechungen mit ihnen über ihre etwa mögliche Unterstützung der Regierung zu veranstalten. Wenn die Sozialdemokraten ihrerseits behaupten, daß der Reichskanzler ihnen das Versprechen gegeben habe, die gesetzgeberische Arbeil der Regierung aus die Grundlage einer Mehrheit zu stellen, die aus der Mitte und der Sozialdemokratie, also den Parteien der sogenannten Großen Koalition, besteh«, so ist das ein M i ß v e r st ä n d n i s, das sie mit dein Reichskanzler klären müssen, das aber von den Regierungs- Parteien weder formell noch sachlich gewollt ist, noch anerkannt wird. Diese wollen vielmehr die völligeFreiheit in ihrem sachlichen und taktischen Vorgehen gewahrt wissen. Damit entfallen alle vor- oussehungsn für Verhandlungen in Richtung auf die Große Koalition. Im übrigen wird die Verbreiterung der Regierung nach links im gegenwärtigen Zeitpunkt nur vom Zentrum betrieben, und die Sozialdemokratie benutzt mit Freuden diese Schwäche der der- zeitigen Regierungskoalition durch das Zentrum, um wieder einmal die Schuldfrage über das Scheitern der Großen Koalition aufwerfen und die Schuld daran diesmal der Deutschen Volkspartei zuschreiben zu können. Indessen ist diesmal die Sache derart durchsichtig auf- gezogen, Pätz auch das harmloseste Gemüt nicht aus diese Quer- treibereien hineinfallen wird. So stellt sich immer deutlicher heraus, daß die Mitte als Ganzes überhaupt nicht o e r h a n d l u n g s f ä h i g ist. Nicht nur will jeder etwas anderes, sondern auch das, was vereinbart ist, wird von den verschiedenen Parteien ganz ver- schieden ausgelegt. Das Zentrum will die Große Koalition, die Volkspartei— von der Gruppe um Cremer abgesehen— will sie nicht. Der Reichskanzler trifft eine Vereinbarung mit der Sozialdemokratischen Partei, die den Fortgang der parla- mentarischen Arbeit gegenüber der deutschnationalen Sabotage Zweierlei Maß. Von Hans Bauer. Der Nachhall zweier Mordprozesse, die das Augenmerk der Oeffenklichkeit in hohem Maße auf sich lenkten: des Feme- und des Eisenbahnattentäterprozesses, wirkt sich noch immer in der Presse aus. Und da haben sie rechts nun etwas ausgeknobelt, von dem sie das Recht herleiten, sich in moralische Positur zu werfen und ein strenges Sittenamt auszuüben. Sie haben nämlich festgestellt, daß links zweierlei Maß angelegt worden ist, und so wenig sie wohl gegen die doppelte Moral, auf der sich nicht selten ihre ganze geistige Existenz aufbaut, an sich etwas einzuwenden haben, so meinen sie doch, sie in diesem Falle, der nicht ihrer ist, festnageln zu müssen. Es ist wahr, daß wir Küstrin und Leiferde verschieden bewerten, aber im Gegensatz zu jenen nicht aus persönlichen, sondern aus weit- anschaulichen Gründen. Leiferde wies 21 Tote auf, Küstrin selbst inklusive der vielleicht noch nicht ans Tageslicht geförderten erheblich weniger. So grenzenlos oberflächlich es aber ist, den inneren Wert eines Künstlers etwa nach seinen äußerlichen Erfolgen zu bemessen, so banal ist die menschliche Bewertung eines Uebeltäters nach der hloßen Wirkung seiner Tat. Die Femeoerbrecher hatten das voll« Bewußtsein ihrer Tat, sie waren roh und grausam, unmenschlich und blutrünstig ohne Not- wendigkeit und mit Ueberlegung. Ihre Taten und sie sind«in Untrennbares, ein sich Bedingendes, find eine Einheit. Sie wollten die Hinrichtungen, die ihr Zweck waren. Die Leiferdeoerbrecher waren ursprünglich nicht brutal und grausam, sondern hungrig und obdachlos. Sie wollten nicht die Tot, sondern Brot, und. bedienten sich ihrer schließlich als Mittel, um zum Brot zu kommen, sie nahinen sie in Kauf. Ein Gericht ist keine Erziehungs-, sondern eine Be- strafungs- und Abschreckungsanstalt. Es war seine Pflicht, zu einem harten Urteil zu kommen, und fraglich ist nur, ob es zum härtesten kommen mußte. Aber darum geht es nicht. Die öffentlich« Meinung nämlich ist eben kein Gericht und sieht nicht wie dieses ausschließlich das angerichtet« Unheil, sondern auch das Herz an. Das der Küstriner war vom Willen zu Bestialitäten besessen, das der Leiferdcr vom Willen zum erträglichen Leben. Diese hätten nur allzu gern auf die Toten verzichtet, deren Klageschreie ihnen die Ohren zerrissen, die Küstriner wollten die Toten, an deren Qualen sie sich weideten. Manche rechts stehen zu den Küstriner Scheußlich- leiten, niemand links steht zu denen von Leiferde, aber«in Ge- schchnis verdammen, heißt noch nicht, auf die Erkenntnis der Motive seines Zustandekommens verzichten zu wollen. Die Küstriner kann man sich in jeder sozialen Lebenslage nur als herz- und geistlose Rohlinge vorstellen, die unfertigen Buben von Leiferde aber wären, als MllionärsföhNe geboren, gewiß manierliche Menschen geworden, die nie daran gedacht hätten, 21 Menschen m den Tod zu jagen. sichern will, die volksparteiliche Presie erklärt, es fei über- Haupt nichts vereinbart worden. Die„Kölnische Zeitung" spricht von„Quertreibereien", sie wendet sich mit diesem Worte aber nicht gegen die Deutsch- nationalen und auch nicht gegen diejenigen, die den Deutsch- nationalen helfen, der Regierung das Regieren unmöglich zu machen, sondern gegen das Z e n t r u in, das mit der Volkspartei in der Regierung sitzt und gegen die Sozial- demokratie, die sich auf Wunsch des Reichskanzlers zur s a ch- l i ch e n Mitarbeit an der Gesetzgebung bereit erklärt hat. In der Tat, auch„das harmloseste Gemüt" sieht, was da gespielt wird. Es ist die alte Untenninierungs- und Zersetzungsarbeit, die die Volkspartei gegen jede Regierung betreibt, in der die Deutschnationalen nicht vertreten sind. Run könnte man aus alledem schließen, daß wenigstens zwischen Volkspartei und Deutsch natio- nalen ein einigermaßen zärtliches Verhältnis besteht. Wie wenig aber auch dies der Fall ist, zeigt folgende Notiz der „Nationalliberalen Correspondenz": Die parteiamtliche deutschnationale Korrespondenz pöbelt in einem Tone gegen die NLC., den wir nur als S t a l l j a r g o n bezeichnen können. Im übrigen bestätigt sie nur das bekannte Wort, daß derjenige Unrecht chat, der schimpft. Wir sehen also auch sachlich � keinen Anlaß, der deutschnationalen Korrespondenz zu erwidern. Gezänke und Gezeter auf allen Seiten. Kunterbuntes Durcheinander. Politik der Mitte. Der Korb. Zcntrumsabsage an den deutschnationalen Freier. Köln. 18. November.(Eigener Drahtbericht.) In der „Kölnischen Bolkszeitung" wendet sich der preußische Landtagsabge- ordnete Heß, der Führer des Zentrums, in der Schulfragc ent- schieden gegen die deutschnationale Forderung, die Schulfragc zum Gegenstand eines Volkse ntscheids zu machen. In seiner Polemik kommt Heß zu sehr interessanten Schlüssen, die zeigen, daß man auch im Zentrum einzusehen beginnt, daß in Welt- anschauungsfragen Wege der Verständigung gegangen werden müssen. Heß betont, daß, wie gegenwärtig die politischen Kräfte tn Deutsch- land verkeilt seien, es vollkommener Unsinn wäre, ein Schulgesetz durch Majorisierung der einen oder anderen Seite erzwingen zu wollen. Man könne dabei ganz dahingestellt sein lassen, ob die Majorität auf feiten der Freunde oder der Gegner der konfessionellen Schule wäre. Auf jeden Fall würde jede Minderheit sehr erheblich sein. Nach Lage der Sache könne in Deutschland ein Schulgesetz nur auf dem Wege der Verständigung erreicht werden, wobei jedem das recht fein müsse, was dem anderen billig dünke. Der Schlüssel zur Lösung der Frage liege in jener Verfasiungsbestim- nmng, nach der es das Recht der Eltern sei, die Erziehung der Kinder zu bestimmen. Heß bestreitet dann, daß mit den Deutsch- nationalen überhaupt ein das Zentrum befriedigendes Schulgesetz geschaffen werden kann. Er verweist dabei auf die Borgänge bei der Beratung des Volksschulverwaltungsgesetzes im Jahre 1906, wobei die damaligen Konservativen, Freikonservativen und National- liberalen das Zentrum von vornherein bis zuletzt bei den Beratungen im Landtag ausgeschlossen hatten. völkische Drüüer. Bersammlungssprenger Hitler und Genossen. ZNünchen, 18. November.(Eigener Drahtbericht.) Wie er- innerlich, konnte im Februar dieses Jahres eine vom„National- sozialistischen Volksbund" mit den Referenten R e v e n t l o w und G r a e f e angesetzte Versammlung im Hofbräuhaus nicht durchge- führt werden, weil Hitler und Esser den Saal zum großen Teil mit ihren Leuten besetzt hatten und durch fortwährende Rufe zur Geschäftsordnung Reventlow am Sprechen verhinder- Jawohl, mit zweierlei Maß ist zu messen, weil wir, im Gegen- satz zum Gericht, nur einerlei Norm anwenden dürfen: die des ver- stehenden Herzens. Das Ende öer Geishas in �apan. Ein altes Wahrzeichen des japanischen Kaiserreiches wird ver- schwinden. Das japanische Kultusministerium hat umfangreiche Maßnahmen getroffen, die sich gegen den ausgebreiteten Mädchen- Handel richten und die Berschleppung armer, ahnungsloser Mädchen zumeist aus ländlichen Distrikten verhindern solle». Zu dieser Maßregel wurde die japanische Regierung durch die letzte Statistik veran- laßt, aus der hervorging, daß'insgesamt in ganz Japan nicht weniger als 362 000 sogenannte„Teehäuser" existieren, deren tatsächlicher Zweck ja jedem Japanreisenden bekannt ist. Die Bedienung in diesen Häusern besteht aus Kellnerinnen, den Geishas, deren Bekanntschast der Ankömmling in Japan meistens zu allererst zu macheu pflegt, von deren entzückendem Wesen, Liebenswürdigkeit, Schönheit, Grazie ja so viel berichtet wurde. Wer aber Gelegenheit hat, hinter die Kulissen zu blicken, der erfährt, daß diese armen Mädchen, deren es nach der Statistik rund 842 000 in Japan gibt, unter einem recht traurigen Lose zu leiden haben. Gewissenlose Agenten reisen berufs- mäßig in jene Provinzen des Reiches, deren Bevölkerung unbe- inittelt, aber kinderreich ist, und schließen mit den Eltern der Btädchen Kontrakte, nach denen diese sick auf 15 bis 25 Jahre, also geradezu auf Lebenszeit, verpflichten müssen. Auf diese Art sind die Mädchen natürlich mit Haut und Haren ihren Ausbeutern verfallen. Sie kommen in noch jugendlichem Alter mit dem Agenten in die Stadt und genießen daselbst allerdings recht sorgfältige Erziehung, lernen sogar Literatur und Sprachen, vor allem aber Tanzen, Singen und Konoersation. Sobald die Geisha, zu der man heimlich das Mädchen derart gemacht hat, etwa 16 oder 17 Jahre geworden ist, wird sie ihrem Berufe zugeführt, d. h. man schickt sie zu Festlichkeiten und Banketten, wo sie zur Aufheiterung der Gäste durch ihre Kunst dient, oder die Geisha wird einem Tee- Hause verkauft, in dem sie offiziell als Kellnerin, in Wirklichkeit aber nur zur Gesellschaft der männlichen Besucher, dient. Bei dem lieber- gaugssystem, in welchem Japan gegenwärtig begriffen ist und wobei in Handel und Industrie so viele Ärbeilskröfte, auch weibliche, von- Nöten sind, will man nicht die Schmach auf sich sitzen lassen, daß ein so großer Teil der weiblichen Bevölkerung der Prostitution zugeführt wird. Die neu erlassenen Gesetze bedrohen nicht allein den Mädchen- Handel mit den allerschwersten Strafen, sondern sie untersagen den Bestand van Geishasahnlcn überhaupt und ordnen an, daß i» keinem Etablissement neue Geishas inchr aufgenommen werden dürfen. Oskar Baum als Borleser. Der blinde Dichter Oskar Baum las am Dienstag im bunten Börtragssonl des Sturm aus seinen Werken. Seine schlanken nervösen Fingerspitzen ließen die Punkt- schrift lebendig werden, die für ihn seine Arbeit festhält. Eine syin- pathischc Erscheinung mit durchgeistigtem Gesicht und einem feinen Gefühl, das ihn nie die Verbindung mit de» aufmerksamen Zuhörern verlieren ließ. Ein Seher mit starkein inneren Gesicht, der so viele Sehende erst ein Stückchen ihrer Welt sehen lehrt. Als erstes las der Dichter, der neben dem im„Vorwärts" erschienenen t e n. Die Folge war eine Anklage gegen Hitler und Ester wegen Versammlungssprengung, beide wurden jedoch von der Strafkammer außer Verfolgung gesetzt, wogegen die Staatsanwall- schaft Beschwerde beim Obersten Landesgericht München einlegte. Von diesem Gericht wurde Hitler nunmehr von der Anklage wegen groben Unfugs freigesprochen, Esser dagegen zu zwei Wochen Hast verurteilt. Außerdem ist in dem Urteil die für zwei Monate bc- willigte Bewährungsfrist Essers, die er anläßlich einer Verurteilung — ebenfalls wegen Vcrsammlungssprengung— erhalten hatte, widerrufen. Paul Lensch gestorben. Gestern früh ist Dr. Paul L c n s ch nach längerem schweren Leiden an Herzlähmung gestorben. Lensch war im Jahre 1873 in Potsdam geboren und hatte sich in jungen Jahren der Sozialdemo- kratis6>en Partei angeschlossen. Er wurde Redakteur der„Freien Presse" in Straßburg und ging dann nach Leipzig, wo er Redakteur, später Ehefredakteur der„Leipziger Volkszeitung" wurde, aus derer 1913 ausschied. Als Journalist und Reichstagsabgeordneter stand er auf dem linken Flügel der Partei, bis im Laufe des Krieges sein stürmischer G e s i n n u n g s u m s ch w u n g erfolgte. Lensch,. der noch von Hönisch zum Universitätsprosessor ernannt worden war, ließ sick) von Stinnes zum Chefredakteur der„D. A. Z." machen und schied aus der Partei aus. Aber auch seine Stellung bei der„D. 2l. Z." erwies sich bald als unhaltbar, Lensch mußte sie verlassen, blieb'aber außenpolitischer Mitarbeiter des Blattes. Eine Wandornatur, die sich wohl nie und nirgend ganz daheim gefühlt hat, ein ewig Ruheloser hat seine Ruhe gefunden. Mussolini unö üie Wissenschaften. Eine Rede unmittelbar vor dem Attentat. Im Pariser„Quotidien" berichtet der Professor Berne von der Pariser medizinischen Fakultät über seine Erlebnisse in Bologna, wo er als französischer Delegierter an einem intcr- nationalen Kongreß zur Förderung der Wissenschaften teilgenommen hatte, der von Mussolini während seines dortigen Aufenthaltes unmittelbar vor dem angeblichen Attentat eröffnet wurde. Er sagt, daß die französische» Delegierten bei ihrer Ankunft in Bologna den Eindruck erhalten hätten, sie wären in einer dem Wahnsinn verfallenen Stadt eingetroffen. Mussolini, der zunächst eine faschistische Parade abnahm, trug eine phantastische Operettenuniform und eine Kopsbedeckung mit einem 30 Zentimeter langen Reiher. � Seine Eröffnungsrede auf dem wissenschaftlichen Kongreß versetzte die Teilnehmer in maßloses Staunen. Er führte unter anderem aus: „Ich glaube nicht, daß ich die Ehre verdient habe, in diesem Gelehrtenkongrcß den Vorsitz zu führen, denn ich habe bisher nichts für die Wissenschaft und für die italienischen Gelehrten getan. Ich erkenne jedoch gern an, daß ich viel für sie tun muß, denn i ch erwarte viel von ihnen. Ich erwarte viel von den Chemikern, die noch giftigere Gase als die bisher entdeckten erfinden müssen. damit wir unsere Feinde leichter besiegen können. Ich erwarte viel von unseren Aerzten und Chirurgen, die die Pflicht haben, die großen Ersahrungen, die sie aus dem letzte« Kriege gezogen i haben, wieder anzuwenden, wenn der Tag kommt." Professor Berne sagt weiter, daß er Bologna bald noch dem � Attentat verließ, daß er aber schon vordem dazu entschlosteck M weil ihm die ganze Atmosphäre unerträglich war. Er\ und alle mit ihm abgereisten Teilnehmer des wissenschaftlichen Kon-\ gresses atmeten befreit auf, als sie den freien Boden der Schmelz j wieder betraten. Er hat aus Italien den Eindruck gewonnen, daß die faschistischen Banden einem Kollektivwahnsinn ver- fallen sind, der ohne Beispiel in der Geschichte irgendeines andere» Volkes ist, und daß sie nicht nur bereit sind, Mussolini in seinen außenpolitischen Abenteuern zu unterstützen, zu denen er gezwungen ist, um sein wankendes Prestige zu konsolidieren, sondern daß sie diese Abenteuer obendrein noch herbeisehnen und nur aus eine Parole warten, um sie zu provozieren. Roman„Der Weg des blinden Bruno" unter anderem noch„Ufer- dasein",„Das Leben im Dunkel" und„Die Tür ins Unmögliche" geschrieben hat, zwei Kapitel aus seinem neuen Roman„G. F., der Abenteurer", starke Proben seiner tiefschürfenden Schafsensart. Dann las er aus seinen„Kleinen Romanen der gründlichen Phan- tasie" drei Arbeiten, von denen die Geschichte vom Ende zweier glücklicher Menschen und dann die Geschichte eines Bettelmönches er- schütternd wirkten. Seine Dirnepparodie„Die Bahnbrecherin" kannte er nicht beißend genug wiedergeben, weil diese Geschichte seiner gütigen, etwas tastenden Stimme nicht liegen mag, vielleicht auch. weil sie noch viel zu gütig für eine Parodie ist. Als Letztes gab er ein Kapitel aus„Dem Weg des blinden Bruno", die zarte Novelle vom Liebessest des blinden Jungen und der Dirne. Der Beifall für den Dichter war reich und stark; ein jeder ging wohl nachdenklich und dankbar davon. B. Sch. Das Museum der Preußischen Geologischen Landesanstall Berlin N4, Jnvalidenstr. 44, ist bemüht, in den einzelnen Abtei- luugen auch die charakteristischen Landschaften Norddeutschlands und den Zusammenhang dieser charakteristischen Landschaftsformcn mit dem geologischen Aufbau des Landes zur Darstellung zu bringen. So ist z. B. ime"-Bücherstub«n, Potsdamer Straß« 194, sowie in allen „Lorwärts"-Spedilion«n. Schweres Grubenonglück in Japan. Wie aus Tokio gemeldet wird, wurden bei einer Grubenexplosion 28 Bergleute getötet und verwundet. Große Schisssverlusle auf dem Atlanlik. Llolzds Schisfsbureau meldet 2 9 Schiff« als überfällig. Man nimmt an, daß sie in den letzten Stürmen auf dem Atlantischen Ozean gescheitert sind._ Groß-Serlmer Partemachrichten. Am Freitag, den 19. November, abends 7 Uhr. Sitzung der Kreisobleute der Zeitungskommission im vorwärlsgebSude, Linden- straße Z. 1. hos links. 1 Treppe links. Zeder Kreis muß unbedingt vertreten sein. «- z. Sttti» litroorltn. Sichtung! Partcigrnossen, welche ZZertrauensmaniier des deutschen Mteatlardetterverdande« in Maschwenschlafseeeien sind. rnUffen heule abend 7 Uhr im Slesenthalcr ief an der vertrauenSmIwnerkonsrren, teil- nehmen,«einer darf diese«onferen» versiiumen. U.«tti» Neukölln, ssreitaa, 19. Nov-mb-r, abend, 7 Uhr, IM Parteiturrau, Reckarstr. Sitzung siimtlicher TlterndeirSt« de,«reise». Im B»h>nb«rung»IaN- ift ein Dertreier ju entsenden 82. Abt. Achtung! Di« sür heute, Donner»tag, vcrilffentUchte«ommunale«e>n- ieren» findet>rkt am Freitag, 19 November, abend, 7>,, Uhr. bei Valentin, Krautfir. 8«. statt.— Vortrag: Wohlfahtts- und Jugendpflege. Referent: Stadtrat»iinther 8«.«dt. Marieudarf. Freitag, den 19. November, abend« 7>/, Uhr, bei Niendorf, Thaufleestraße 19, Funktionllrsitzung.— Pünktliche, erscheinen wird erwartet. da da» Zimmer hi, um 10 Uhr gerilumt sein mutz. | Sterbetafel üer Groß-Serliner partei-Grganisatlon� II«. Abt. Lichtenberg. Unser Genosse Paul«aumgarten, Boidagener Strotze, ist im Alter von 71 Fahren verstorben, Einäscherung am Freitag, den I». November. vor». II'/, Uhr, i»«rematortum BaumschÄrnweg. Wir ertvortm reg« Beteiligung. Lohnkürzung vertragskünöigung? Ein Fehlurteil des Gewerbegerichts. Die Firma Tiemens-Bauunion führt in L i m e r i l in Irland größere Bauaufträge aus, für die sie eine Anzahl Berliner Zimmerer einstellte. Mit diesen schloß die Firma am 12. Oktober 1025 einen bis 1. November 1927 laufenden Arbeits- vcrtraz, der den W o ch e n l o h n auf 109 Schilling festsetzt. Eine Klausel des Vertrages sagt, falls besondere Gründe Vorliegen, kann die Firma das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende kündigen. Zu de» Bedingungen dieses Vertrages haben die Zimmerer bis September 192t> gearbeitet. Dann hat die F i r m a d a s A r b e i t s- Verhältnis widerrechtlich gelöst und zwar aus folgenden Gründen: Durch Schreiben vom 28. August 1926 teilte die Firma den Zimmerern mit, daß sie den vertraglichen Lohn zum 30, September kündige und von da ab statt 100 n u r 90 S ch i l- l i u g zahle. Wörtlich heißt es dann in dem Schreiben:„I m übrigen sind wir bereit, Sie wie bisher z u be- s ch ä f t i g o ii." Die Lohnherabsetzung wird begründet mit der andauernd schlechten Wirtschaftslage in Deutschland.(!) Die Z i ni m e r e r waren mit der Lohnherabsetzung nicht einverstanden, sie beriefen sich auf ihren Vertrag und vcr- langten den vertragsmäßigen Lohn. Aber die Firma war nicht zur Erfüllung des Vertrages zu bewegen. Sie erklärte die Zimmerer für entlassen und drohte, sie durch die Volizei abtransportieren zu lassen, falls sie nicht die ihnen von der Firma gestellten Wohnungen unverzüglich räumen würden.— Den Zimmerern, die doch iin Auslände ihr Recht nicht suchen konnten, blieb hiernach nichts übrig, als den irischen Arbeitsplatz zu verlassen. Am 27.' September traten sie die Rückfahrt nach Berlin an. Hier klagten sie beim Gewerbegericht gegen die Siemens-Bauunion auf Erfüllung des bis 1. November 1927 laufenden Arbeitsvertrages. Die Kammerö wies dieKlageab mit der Begründung, die fristgemäß erfolgte Kündigung ch e s Lohnes, der ja die Hauptsache im Vertrage sei, sei gleichbedeutend mit der Kündigung des ganzen Vertrages. Dies Urteil stellt einen unbegreiflichen Rechts- i r r t n m dar. Sn dem Schreiben der Firma vom 28. August wird doch ausdrücklich gesagt:„Im übrigen sind wir bereit, Sie wie bisher zu beschäftigen." Dadurch wird doch klar zum Ausdruck gebracht, daß die Firma den Arbeitsvertrag gar nicht kündigen wollte, nu r den Lohn wollte sie herabsetzen, also den Vertrag ändern, was aber ohne Zustimmung des anderen Ver- tragspariners nicht möglich war. Die Firma war auch gar nicht berechtigt, den Ver- trag zu kündigen, denn das dürfte ja, wie es im Vertrage heißt, nur geschehen„falls besondere Umstände vorliegen." Solche lagen aber nicht vor. Die Absicht des Unternehmers, den Lohn herabzusetzen, ist doch kein besonderer Umstand, sonder«— leider— ein alltägliches Ereignis.— Der wahre CS r u n b, weshalb die Firma den Lehn herabsetzen wollte, scheint der zu sein: Die auf der Baustelle in Limerick beschäftigten i r ischen Arbeiter forderten unter Hinweis auf den höheren Lohn der Berliner Zimmerer eine Lohnaufbesserung. Anstatt diese jedenfalls berechtigte Forderung zu erfüllen, glaubte die Firma wohl durch Herabsetzung der Löhne der Berliner den -Zren den Grund für ihre Forderung nehmen zu können. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die B e r u f u n g s- Instanz, welche die Kläger anrufen werden, das unhaltbare Urteil des Gewerbegerichts korrigieren wird. die Härtner forüern ihr Recht! Der Verband macht Jortschrille. .me Verwaltung Berlin des Verbandes der Gärtner.und Gärt- nereiarbeiier hielt am. 76- Noventber im Gewerksä)aftshaus' chr« Vierteliahrcs-GeneralversamnUung ab, zu welcher außer den Dele- gierten auch die Funktionäre eingeladen waren. Der Geschäfts- und Kahenbericht wurde von den Angestellten Bernotat und Saar erstattet. Aus dem Bericht ging hervor, daß trotz der großen Ar- beitslesigkeit e i n e r f r e u l i ch e r Fortschritt zu oerzeichnen ist. Fm 3. VieUeljahr sind sast 4000 Marken mehr als im vorigen Vierteljahr umgesetzt worden, lieber 100 Mitglieder wurden neu gewonnen. Ein Lohnabbau konnte auf der ganzen Linie verhindert weiden In einigen Branchen sind Lohnerhöhungen von 1 bis 2 Pf. je Stunde erreicht worden. die streikenden englischen Bergarbeiter sind sast 1000 M. gesammelt worden. Es wurde einstinimig gutgeheißen, den Arbeitslosen eine W c i h n a ch t s u n t e r st ü tz u n g zu ge- mähren, zu welchem Zweck Sammellisten herausgegeben werden. Eine Aussprache über den Bericht fand nicht statt.' Dann hielt der Schriftleiter des Verbandes. Kollege Leh- mann, einen längeren Vortrag über„Die kommende Ar- beitszeitgesetzgebung(Arbeitslosenversicherung, das Ar- beitegerichts-, Arbeitsschutz- und Arbeitsverlragsgesetz) und die Wahrung unserer Berufsinteresse»". Redner wies auf die eigen- artigen Rechtsverhältnisse der Gärtner hin, die gestern der Gewerbe- ordnung unterstehen konnten, heute dem Handelsgesetzbuch und morgen dem bürgerlichen Recht unterstehen, je nachdem sie in einer Landschaftsgärtnerei, in einem Handelsgeschäft, in einem Gemeinde- betrieb oder bei einer Prioatherrschast beschäftigt werden. Jetzt sei die vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit gegeben, dieses Durcheinander zu beseitigen und den jahrzehntelang dauern- den Kampf der Gärtner um die Rechtszugehörigkeit zu beenden. Obwohl die Unternehmer in der Oejfentlichkeit zu diesen Fragen keine Stellung nehmen, kann doch einwandfrei sestgestellt werden, daß sie um so eifriger hinter den Kulissen tätig sind. Ihr bekanntes Streben geht dahin, daß die gesamte Gärtnerei auch bei der kommenden Zlrbeitsgesetzgebung zur Land- w i r t s ch a s t gerechnet wird. Nachdem sie in Steuerfragen und auch bei der öffentlich-rechtlichen Berufsvertretung ein sehr weit- gehendes Entgegenkommen bei den Staatsregierungen gefunden haben, halten sie die Zeit für getoinmen, ihre Ziele zu verwirklichen. Aber während sie früher ihre Ansichten ösfentlich vertraten und be- gründeten, scheuen sie heute die Oeffentlichkeit. Die Vorgänge beim Arbeitsschutzgcsetz zeigen mit aller Deutlichkeit, wie die ö f f e n t- lich- rechtliche Berufsvertretung Hand in Hand in i t den Unternehmern arbeitet und mit ihnen durch Dick und Dünn geht. Oöwohl für das Arbeitsschutzgesetz erst ein vorläufiger Re- ferentenermwurf vorlag, welcher der Oeffentlichkeit nicht zugänglich war, war der Reichsverband des Deutschen Garten- baues sofort davon unierrichtet und konnte seine Anträge an das Reichsarbeitsministerium sofort loslassen. In der Verbands- zeitung der Gärtner ist bereits im Juli d. I. dargelegt, daß d i e Fachkammer sür den Gartenbau im Freistaat Sachsen den Entwurf in Ueberschreitung ihrer formalen anitlichen Befug- nisse dem Unternehmeroerband zugeleitet hat. Ob- wohl diese Stelle sonst immer sehr schnell mit Berichtigungen zur Hand ist, hat sie diese Feststellung stillschweigend hingenommen. Der Bortmgende behandelt« dann«ingehend hie verschiedenen Gesetzentwürfe, soweit sie bekannt geworden sind. Er zeigte die Ge- fahren auf, die sich für die gesamte Arbeiterfchast und. für die Berufs- angehörigen im besonderen ergeben, wenn es nicht gelingt, bei der Verabschiedung dieser Gesetze ein« Reihe von rückständigen Bestim- mungen zu beseitigen. Es sei jetzt darum zu kämpfen, daß das gärtnerische Arbe itsrecht nicht um 30 Jahre zurück- geworfen wird. An den Vortrag, der beifällig aufgenommen wurde, schloß sich eine lebhafte Aussprache. Der Redner der„Opposition" meinte, daß höchstens durch außenparlamentarische Mittel etwas zu erreichen sei. Die übrigen Redner waren mit dem Referenten einer Meinung, daß die größten Anstrengungen nötig sind und gegebenenfalls d i e gesamten arbeitenden Berussangehör ig en mobil gemacht werden müssen, um die Anschläge der Unter- nehm er zu vereiteln._ Delegiertenkonferenz See Mühlenarbeiter. Die Lage im Mühlengewerbe. Der Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter hotte zu Bußtag vormittag»ach dem Gewcrkschaftshous eine Delegiertenkon- serenz der Mühlenarbeiter des Gaues Brandenburg-Berlin einbe- rufen, in der Genosse R ö s l e r vom Hauptvorstand über„Die wirt- schaftliche Lage im Mühlengewerbe" sprach.' Er wies in seinem mit leicht faßlichem Zahlenmaterial gegebenen Vortrag nach, daß auch die Krise in> Mühlengewerbe, wenn von einer solchen über- Haupt gesprochen werden kann, nur durch eine Hebung der K a ii s k r a s t der Bevölkerung und einen dadurch gesteigerten Jnlandsabsatz behoben werden kann. In der ausgedehnten Aussprache wurden die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Mühlen in der Provinz lebhaft kritisiert. Die Unternehmer kehren dort einen Herrn-im- Hause-Standpunkt heraus, der aller Beschreibung spottet. Uebcr- schreitungen der achtstündigen Arbeitszeit biszu6und8Stiin- d e n sind keine Seltenheit' trotz größter Arbeitsintensität. In vielen Mühlen ist der 1 2 st ü n d i g c S ch i ch t w e ch s e l- z u r Regel geworden. Alle diese Mißstände sind aber nur möglich gewor- den, weil der notwendige gewerkschaftliche Zusammenschluß der Mühlenarbeiter fehlt. Dieses lückenhafte Organisationsverhältnis hat auch dazu geführt, daß der Streik der Magdeburger Mühlenarbeiter erfolglos verlies. Bei besserer Organi- sation hätte sich der Streik nicht drei Wochen lang hinziehen können. Durch die lange Dauer des Streiks jedoch gelang es einigen Haken- k r e u z l e r n, im Verein mit roten Frontkämpfern und anderen Streikbrechern die Front der Streikenden ins Wanken zu bringen, so daß es schließlich zu der unerhörten Verbindlichkeit s- erklär u ng eines Schiedsspruches kam, der die Arbeiter glatt ab- weilt. Die Delegierten waren einmütig der Auffassung, daß durch eifrige Agitation die organisatorische Voraussetzung geschossen wer- den kann zur Beseitigung dieser Mißstände. Zum Schluß wurde noch mitgeteilt, daß der Hauptvorstand einen Entwurf ausgearbeitet hat zur Einführung einer laufenden Unter- stützung der invaliden Verbands Mitglieder je nach der Dauer der Mitalicdschaft., Alle arbeitslosen Mitglieder sollen zu Weihnachten eine Ertrauntersiützung von 20 M. erhalten. Die in den einzelnen Ortsverwaltungen eingeleiteten Sammlungen zugunsten der Erwerbslosen werdeit davon nicht berührt. In einer einstimmig angenommenen Entschließung sprach die Konferenz dem Schlich- 'ter von Magdeburg ihre Mißbilligung aus. Willkür landwirtschaftlicher Unternehmer. Der Wille der landwirtschaftlichen Unternehmer, die Landarbeiter in die vorrevolutionären Arbeitsverhältnisse zurückzustoßen und der Haß dieser Kreise gegen jede fortschrittliche Einstellung der Landarbeiter nimmt immer grenzenlosere Formen an. So wird jetzt dem Berbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes aus dem Kreise S t o l p in Pommern berichtet, daß in den letzten Wochen auf fast allen Gütern M a s s e n k ü n d i g u n g e n mit dem-Ziele erfolgt sind, 1. die Landarbeiter zur Unterzeichnung von Einzelner- trägen zu bringen, 2. von den E i n s p ä n n e r s a m i l i e n los- zukommen, 3. das Hafgttngerwesen auszubauen und 4. die Verbandsfunktionäre los zu werden. Einige» der Gekündigten wurde ein Schreiben folgenden Wortlauts zugestellt: Gr. Runow, den... Oktober 1926. Gutsverwaltung Gr. Runow. Herrn.......... Ich kündige Ihnen hierniit den Dienst zuni 1. April 1927 und auch die Wohnung....... Ich bin jedoch unter Umständen bereit, Sie weiter'zubeschäftigen, wenn Sie mir in Zukunft keine Schwierigkeiten machen, sondern sich auf die Seite Ihres Arbeit- gebers stellen, sich als verständiger Mensch zeigen und nichts mehr auf Worte geben, die von arbeitsscheuen Menschen in die Welt hinausposaunt werden. gez. zum Winkel. Solcher Unverschämtheit können die Landarbeiter sich nur er- wehren durch festen Zusammenschluß im Deutschen Land- arbeiterverband. «Atmia, SPD. Sls-nbahner! Kent«, abend» 7 Uhr. findet w Schmidt, »-s.lllch-stsh->>». Fruchlftr. 36«, eine«IgUBQ aller im ffiinfrelt.Berbanb otoonifierten SPD.-SenoNe« statt. Tagesordnung sehr wichtig. Beso». der» die Delegierten zur Seneralnersamnilung werden in Anbetracht der regenwärtigen Situation gebeten, zu erscheinen. Der Werbeausschich. Achtung. Berner-Marienselde! Am Freitag, nachmittag, 4V< Uhr. im Lotal Wildgrude. Marienfeide. wichtige Versammlung sämtlicher SPD»Senosseu Alle Denoise» miissen bestimmt anwesend sein. Sqm- pathisierende fönneu eingesührt werde». Der Fraktionsoorstand. Wirtschaft KohlenverflWgung und Weltwirtschaft. Deutsche Erfinder aus dem amerikanischen Kohlcnkongrefi. In Pittsburg fand dieser Tage«ine intern ationals Konferenz für Weichkohle statt, die von den amerikani schcn Kohlen- und Oelinteresfenten stark besucht war. Die Tagung erhielt dadurch ihr besonderes Gepräge, daß die deutschen Erfinder Prof. B e r g i u s- Heidelberg und Geheimrat Fischer- Mühlheim die Ergebnisse ihrer Forschungen und Experimente zum ersten Male vor einem großen internationalen Forum von Fachmännern und Interessenten darlegten. Es handelt sich dabei, wie unseren Lesern bekannt ist, um die aus die Kohlen- und Oelwirtschaft der Welt geradezu umwälzend wirkenden Verfahren, Kohle unmittelbar, also nicht auf dem Wege über die Verkokung, in Schwer- und Leichtöle zu verwandeln. Eine Reihe deutsche Unternehmungen, so der chemische Großtnist, neuerdings auch dos Rhcinisch-westfälische Kohlensyndikat sind dabei, das Verfahren zur Fabrikation im großen auszunützen. Durch ihre Beteiligung an der deutschen Gasolin A.-G. sind auch die großen Petroleumkonzerne Amerikas und Englands bis zu einem gewissen Krade an dem Absatz der auf diese Weise herzustellenden Oele interessiert. Wir haben die Eigenart der Patente bereits früher geschildert. Gegenüber unseren damaligen Darlegungen brachten die Referate in Pittsburg nichts wesentlich Neues. Interessant ist das Echo der Darlegungen der deutschen Ge- lehrten. Ueber das B c r g i n- Versahren äußerte sich Prof. F l g vom amerikanischen Carnegie-Jnstitut vor einem Mitarbeiter des „Berliner Tageblatts" folgendermaßen: „Wenn Gold in der Kohle wäre, würden alle Anstrengungen gemacht werden, es vor der Verbrennung auszuscheiden, Ocl und andere Kohlenderivate haben Koldcswert. Dahcr� fei auch Amerika an jedem ökononnjchen Alisscheidungsverfahren i n- t e r e s s i e r t. Das Bergin-Verfahren sei zweisellos geeignet, die K o h l e n w i rts ch a f't zu revolutionieren. Da in Amerika die Oelfrage heute noch nicht brennend sei, sei gegen- wärtiq vielleicht das' praktische Interesse größer für ein Versahren zur(Gewinnung von Beiproduktcn anderer Art, die in Amerika seltener sind als Oel. Doch sei es nur eine Frage der Zeit, wann das Bergin-Verfahren auch in Amerika praktisch verwertet wird, zumal da die Ansichten über die amerikanische Oelreservc sehr oerschieden sind. Entscheidend wird dabei das Ber- hältns der Herstellungskosten des Bcrgin-Vsrsahrens zum Oel- gestchungspreis in Zlmerika sein." Die Frage der Gestehungskosten steht also für Amerika noch osfen. Für Deutschland, das fast gar nicht über natürliche Oelquellen verfügt, liegen die Dinge von vornherein anders. Es ist trotzdem durchaus möglich, daß die ausländische Konkurrenz sehr bald aus- taucht. Meldet doch soeben die Londoner„Daily New s", daß eine englische Gruppe von Kohlen- und Oelinteresfenten die Lizenz zur Ausbeutung des Bergin-Verfahrens für Großbritannien erworben Hot._ Die Kohleveredlungsinleressen de« AEG.Konzerns. Vor einigen Wochen teilten wir mit, daß auch der AEG.-Konzern sich aktiv, und zwar von der Braunkohle aus, an der Kohleveredlung beteiligen werde. Diese Absicht fand ihren Ausdruck in der Grün- dung der„Kohleveredlung- A.-G.", die von der AEG. beherrscht wird und als Dachgesellschaft die Patente und Aktien der eigentlichen Produktionsgesellschaften zu verwalten hat. Die erste Produktionsgesellschaft ist jetzt unter dem Namen „Schwclwerke Minna Anna A.-G". mit einem Kapital von 1,5 Millionen gegründet worden: die Errichtung der Schwel- anlage auf der Braunkohlengrube Minna Anna erfolgt sofort. Gleichzeitig erfolgt eine Kapitalerhöhung der Kohlever- edlungs A.-G., die sämtliche Aktien der neuen Wcrksgescllschaft be- sitzt, auf 2,3 Millionen Mark. Die Zusammensetzung des Aufstchts- rcits der beiden Gesellschaften läßt auf ein enges Zu sa m m c ii- arbeiten mit der Braunkohlen- und der Krafter- zeugungsindstrie schließen. Neben der Besetzung durch die AEG. selbst sind außer der Berliner Handelsgesellschaft, dem Bank haus Speyer, und den vier V-Banken die Grube Leopold A.-EL, die Elektrizitätslieferungsgesellschaft und die Bank elektrischer Werts vertreten. Gesicherter Absah, aber doch Verluste. Die Stadtberg er Hütte A.-G.- N i e d e r m a r s b e r g, die seit 1838 Kupservor- kommen bei Niedermarsberg in drei kleinen Gruben und Hütten ausbeutet und nach neueren Verfahren Raffinad- und Elektrolyt, kupfer erzeugt, hat mit der F i r m a Kr u p p ein e n b, s 19 4 i lausenden Liefervertrag, der den Absatz der Produkte vollkommen sicherstellt. Die Förderung ist gegen das Voriahr von 2o 400 auf 23 900 Tonnen Erz gestiegen. Erzeugt wurden 13.1 Tonnen Raffinadekupscr und 213 Tonnen Elektrolytkupser, gegen , u s a m m e n 379 Tonnen im Vorjahr, blieb also gegen das Vorjahr etwas zurück. Die Belegschaft des Zwergwerks beträgt außer den 6 Steigern, Beamten und Meistern 139 Mann gegen 113 im Durch- schnitt der Vorjahre. Trotz der absolut gesicherten Abnahme der Produktion arbeitete das Werk(zum Teil infolge der kofifpieligen Einführung neuer Verfahren) mit Verlust. Gegen das Vorjahr. wo er rund 38 000 M. betrug, steigerte er sich für 1925/26 aus 54 600 M. Veianlworllicki siie Politik: De. Tuet Geyer: Wietsckiaft: Aetue Sutern»»: Dewerkschoktobeweounq: Friede. Stzkoen: Feuilleton: tt. S. Däscher: Lokales und Sonsliaes: Fest,»aesiädt: A», eisen: Tb. Stocke: sämilich in Berlin. Verlan: Vorwärts- Verlan®. m. b. S.. Veilii. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlan-anstalt Paul Einger u. Co., Berlin CW 63. Lindensirabe 3. ■V'A'UME mit Kantftchnkplattc 1 u. 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