!lr. 545 ♦ 43. �ohrg. Ausgabe A Nr. 27$ Bezugspreis. BSchenUi» 70 Pfenai«, moaaM» 8.- Aeich-marl»»raus»ahlkxZi. Tinter Krcusband ftir Deutschlan». Dnnzia. Saar, und Memetaedie! Lelterreich. Litauen, Lurembur» «,»0 Reichsmari, für das übrige Llusland SM Reichsmari vro Monat. Der.Vorwärts� mit der Mufkier. ten Sonntagsbeilage.Bali und Zeit' tawi- den Beilagen„llnterbattung uno Wissen'.»Aus der ililmwelt'. .Frauenstimme'..Der Kinder- freund'..Lugend-Borwirts' und .Blick in die Büchermelt' erscheint wechcntäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Delegrannn.Bdresse: »Sozialdemotro« verlin' orgenansgave Verliner Volksblatt (10 pksnnzs) Anzeigenpreise: Di« einspaltig« Nonpareille- »eil« SO Pfennig. ReName, eile B,— Reichsmari.»Kleine An, eigen' das fettgedruckte Wort 2S Pkennio (zuISssta zwei fettgedruckte Worte) fedes wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche dos erst« Wort IL Pfennig, jedes weiter« Wor! 10 Pfennig. Worte über 10 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. gamilienanzeiaen für Abonnenten Zeil«<0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bis Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SWOS.Lindc». ilrasteS. abgegeben werden. Deäffne! von Slh Uhr früh bis 0 Uhr nachm Zentralorgan der Sozialdemobratirchen parte» Deutfchlands Neüaktion und Verlag: S erlin EW. SS, Linöenstraße 2 Fernsprecher: Dönhoff 29'i—297. vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin EW. öS, Linüenstr.Z Posticheckiont»! Berlin 37 03«— Bankkonto! Bank der Arbeiter. Angestellten »od Beamte». Wallftr.«O-, Diokoato-Sefellschaft. D-nolltenkasse Lindenftr. 3. Die /lrbeitslosenversicherung. Abänderungsvorschläge der Reichsregierung.— Die Beratungen im Reichsrat. Bei den letzten Auseinandersetzungen im Reichstage über den Ausbau der Erwerbslosenfürsorge wurde von der Rcichsregierung wiederholt die baldige Verabschiedung des Gesetzes über Arbeitslosenversicherung verlangt. Der Reichs- sinanzininister Dr. R e i n h o l d erklärte im Ausschuh für- den Rcichshaushalt, daß die Reichsregierung mir unter der Voraussetzung die Erhöhung der Unterstützungssätze vorgenommen Hobe, daß spätestens mit dem 1. Apri, des nächsten Jahres das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung in Kraft treten könne. Die sozialdemokratische Reichstogsfraktion ist gern bereit, sofort «n die Berotung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes einzutreten: sie hat wiederholt die Einbringung dieses Gesetzentwurfes gefordert. Bevor die Reichsregierung einen Termin für die Verabschiedung stellt, hätte sie lieber für eine frühzeitige Einbringung dieses Gesetz- entwurses sorgen sollen. Monatelang hat der Reichswirtschaftsrat auf die Begründung warten müsien, bis er sein« Beratungen auf- nehmen konnte. Zu den gestern abgeschlossenen Beratungen des Reichsrats hatte die Reichsregierung eine Reihe von Abänderungs- antragen zu ihrer eigenen Borlage gestellt. Die Vor- log«»ird nunmehr dem Reichstage zugehen. Die Defchlffffe des Reichsr«tS. Das Ergebnis der Beratungen im Reichsrat ist eine E r- Weiterung desPersonenkreises derVersicherungs- pili cht igen. Seit dem 1. Januar dieses Jahres sind dank den Bemühungen der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion auch d i« nichtkrankenverficherungspflichtigen Angestellten, soweit sie ongestelltenversicherungspflichtig sind, in die Erwerbslosenfürsorge einbezogen worden. Sie sollen auch der künftigen.Arbeitslosenversicherung unterliegen. Im Fall einer ungünstigen Lage des Arbeitsmarktes darf die ff ö ch st d o u e r der Unterstützung über 26 Wochen hinaus auf 3S Wochen ausgedehnt werden. Zurzeit einer besonders ungünstigen Arbeitslage wird serner nach den Ausschußbeschlüssen der Arbeitsminister ermächtigt, mtt Zustimmung des Reichsrats zu- zulassen, daß die Unterstützung aus der Versicherung als Krisenunter st ützung auch an solche Personen gewährt wird, die die Anwartschaftszeit noch nicht voll erfüllt haben und auch an solche, die bereits ausgesteuert sind. Während sonst die Kosten der Arbeitslosenversicherung nur von Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufzubringen sind, und das Reich nur im Notfall Darlehen gewährt, sollen die Kosten der Krisensürsorge nach den Ausschußbeschlüssen zu acht Neunteln vom Reich und zu einem Neuntel von den Gemeinden getragen werden. In dem Fall« der Krisensürsorge wird die Unterstützung von einer Prüfling der Bedürftigkeit abhängig gemocht. Ist da- gegen der Anspruch auf Unterstützung« r w o r b e n, so ist die Unter- ftützung in keinem Falle von einer Bedürftigkeitsprüfung abhängig. Die Beiträge werden nach einem Lohnklassensystem erhoben, wonach auch die Leistungen gewährt werden. Auch hier haben die Ausschüsse die. Vorloge abgeändert. Sieben Lohn. klaffen sollen errichtet werden, beginnend mit einem Einheitslohn von 12 M. in Klaffe 1. In den Klassen 2 bis 6 beträgt der Satz des Einheitslohnes IS, 21, 27, 32 und 3g M. In der Klasse 7: 42 M. Di« Unterstützung ist sozial abgestuft. Sie beträgt in den Klallen 1 und 2: 43 Prozent, 3 bis 5: 40 Prozent und 6 und 7: 35 Prozent des Einheitslohnes. Die Unterstützungssätze dürfen in den Klassen 1 und 2 70 Prozent des Arbeitslohnes, in den Klassen 3 bis ö 65 Prozent und in den Klassen 6 und 7 60 Prozent keinesfalls übersteigen. Die Möglichkeit der Einführung weiterer Lohnklassen ist vorgesehen. Neu eingefügt haben die Ausschüsse die Möglichkeit einer Kurz- orbeiter-Unteistützung. Die Ausschüsse haben beschlossen, daß der sogenannte Notstock mindestens in einer Höhe gehalten werden soll, die zur Unterstützung von 400 000 Arbeitslosen aus drei Monate ausreicht. Das Gesetz soll am 1. April 1927 in Kraft treten. Ein Vertreter des Reichsarbeits Ministeriums beantragte im Namen der Reichsregierung, die Bestimmung über Kurzarbeiterfürsorge zu streichen und bei der Krisensürsorge die Kosten so zu verteilen, daß das Reich drei Viertel und die Gemein- den ein Viertel zu tragen hätten. Eventuell würde die Reichs- regierung in bezug auf die Kostenregelung eine Doppcloorlage machen.— Der Antrag der Regierung auf Strei- chung der Ausschußbeschlüsse bezüglich der Kurz- arbeiterfürsorge wurde mit großer Mehrheit an- g e n o m m en. Dagegen wurde der Antrag der Regierung beziig- lich der Kostenregelung einstimmig bei einer Stimmenthaltung ab- gelehnt. Di« Vorlage im ganzen wurde— abgesehen von der Streichung der Kurzarbeiterfürsorge— mit Mehrheit angenommen. Keine wesentliche Verbcfferung. Die Beschlüsse des Reichsrats bedeuten keine wirkliche Verbesserung der unzulänglichen Regierungsvorlage. In den beiden untersten Klassen werden die Mmdeswnterstützungssätze«in wenig erhöht, in den höheren Klasien dagegen ermäßigt. Di« wöchentliche,, Mindestuniechützungssätz« betragen nach den Be- schlüffen des Reichsrats: Klasse I 5,40 M., Klasse II 6,75 M., Klasse III 8.40 M., Klasse IV 10,80 M.. Klasse V 12,80 M.. Klasse VI 13,65 M. und Klasse VII 14.70 M. Diese Regelung ist vollständig unzureichend: es wird Aufgabe des Reichstages sein, die Unterstützungssätze wesentlich zu erhöhen. An den entscheidenden Aufgaben eines Ausbaues des materiellen Versicherungsrechts ist der Reichsrat voll- ständig vorübergegangen. Seinen einzigen Anlauf bei der Kurz. arbeiterfürsorge hat er selbst wieder ausgegeben. Geblieben sind die unhaltbaren Bestimmungen über Pslichtarbeit, über Eni- zug der Arbeitslosenunter st ützung bei Aus st and und Aussperrungen, über die Borausjetzungen für den Unterstützungsbezug und über die Dauer der Unterstützung. Es geht auch nicht an, d'e Unterstützung von einer H i l f s b c d ü r f- t i g k e i t im Sinne der Armcnfürsorge abhängig zu machen, wie es der Regierungsentwurf will, sobald das Reich Darlehen zur Finan- zierung gibt. Bei dem großen Umfang der Arbeiislostgkeit wird das dann regelmäßig der Fall sein. Genau so wie in England muß von vornherein ein erheblicher Teil der Kosten aus öffentlichen Mitteln gedeckt werden, ohne daß dadurch der Rechtsanspruch ge- fährdet wird. Die Regierungsvorlage sieht 2 Proz. des Grundlohnes als Bei- tragshöchstsatz vor. Für die Beratungen im Reichsrat hatte die Reichsregierung in ihren Abänderungsvorschlägen eine Erhöhung auf 3 Proz. vorgeschlagen. Das ist der gegenwärtige Beitragssatz für die Erwerbslosenfürsorge. Es wird auch hier notwendig sein, zu festen Beitragssätzen für das ganze Reich überzugehen, damit die gegenwärtigen Ungerechtigkeiten einer ganz verschieden- artigen Bemessung in der Beitragshöhe, obwohl der Prozentsatz ein- heillich ist, beseitigt werden. Neben dem materiellen Versicherungsrecht ist die Frage des Versicherungsträgers von erheblichster Bedeutung. Die Arbeitsnachweisämter müssen zu wirklichen sozial- politischen Selbstoerwaltungskörpern ausgebaut werden: sie sind die berufenen Träger der Slrbeitslosenversicherung. Di« sozialdemokratisch« Reichstagsfraktion wird mit aller Kraft für eine gründliche Umgestaltung des Regierungsentwurfs nach dieser Richtung eintreten. Einführung öer neuen Staüträte. feierliche Aufnahme und Vereidigung. In der gestrigen Berliner Stadt verordnet ensihung fand durch Oberbürgermeister Böh die feierliche Ausnahme von vier neuen Stadträten, der Genossen Dr. Wagner. Rydahl, Reuter und des Demokraten Dr. Lange nnd ihre Derpflichlung aus die Reichs- nud Staatsverfassung und die Städteordnung statt. Zm Anschluß daran hieß der Stadkerordneienvorsteher Genosse Hätz die neuen Magistratsmilglieder namens der Versammlung willkommen. Die Deutschnationalcn waren dem Einführungsakt fern geblieben. (Sitzungsbericht siehe 1. Beilage.) Schwache Streikmehrheit in Englanü. Wiederaufnahme der Arbeit sicher. eondon. 18. November.(Eigener Drahtbericht.) Die SchluH- ergebn lsse der vistriklsabstlmmungen im Bergbau haben eine außerordentlich schwierige Lage geschaffen: mit einer vom Sekretär der Bergarbeiter. Cook, auf nmd 100 000 geschätzten Mehrheit haben sich die Bergarbeiter für Ablehnung der Reglerungsvorschiöge entschieden. Diese Mehrheit hat sich ergeben, obwohl das am Donnerstag eingelansene Abstimmnngs- ergebnis des Distriktes Dorkshire mit seinen rund 150 000 Bergarbeitern eine Mehrheit für Annahme der Bedingungen auswies. Das noch ausstehende Abstimmungsergebnis des Distriktes R o r d» wales kann an der Mehrheil für die Ablehnung nichts mehr ändern, wie die vom Bergarbeileroerband angegebenen Ziffern zeigen, waren es vorwiegend die Distrikte, die Exportkohle fördern, welche die Ablehnung entschieden haben. � Die bürgerliche Presse übi angesichts dieses Ergebnisses an der Abstimmung hesttgste Kritik und behauptet, daß der Ausschluß der bereits zur Arbeit zurückgekehrten 360 000 Bergarbeiter von der Abstimmung eine Bersäischung der wirMchen Stimmimg der Bergarbeiter darstelle, vi« weitere Entscheidung liegt nunmehr bei der Delegiertenkonferenz. die am Freitag abermals zusammentritt. Eine führende Persön'lchkeit der vergarbciier erklärte dem Londoner Vertreter des»S oz. Pressedienst" aus die Frage nach der praktischen Bedeutung der Ablehnung der Re- gierungsvorschläge, das Abstimmungsergebnis stelle eine Demonstration gegen die Regierungsbedingungen dar: die Delegierten- konfersnz werde jedoch die Distrikte anweisen. die-Berhand- lungen difirikiswcise aufzunehmen. Kampf gegen Senefch. Das tschechische Bürgertum gegen seine Befreier. Bon Senator Wilhelm Nießner, Prag. Seit acht Jahren hat der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch, als wohl einziger europäischer Diplomat, jeden Regierungswechsel überlebt. Er besaß und besitzt die Freundschaft des Präsidenten Masaryk und er konnte sich auch auf das Vertrauen sämtlicher tschechoslowakischen Parteien stützen. Ob Dr. Beneschs Politik immer den Interessen des Staates, dessen wirklicher und nicht bloß vermeintlicher innerer und äußerer Konsolidierung dienlich war. darüber ist der stärkste Zweifel zulässig: jedenfalls war sie dem Geiste und den Wünschen der tschechischen politischen Parteien unterge- obdnet, welche die Hauptaufgabe des Außenministers darin sahen, Wächter und Erhalter der unversehrten Friedensverträge zu sein. In der Erfüllung dieser ihm gestellten Aufgabe entwickelte er eine Geschäftigkeit, die immer seinem beweglichen Naturell, nicht immer den wahren Notwendigkeiten des Staates diente und die seinen Namen in der internationalen Politik zumindest als den eines rührigen Diplomaten bekanntgemacht hat. Ob auch als den eines klugen und weitsichtigen, bleibe dahin- gestellt, die Erfotge sprechen jedenfalls dagegen. Das ficht- barste Ergebnis, an dem natürlich auch die Innenpolitik des Staates ihr Teil hat, ist die fast restlose Jsoliertheitder Tschechoslowakei, sicher ein höchst kurioses Resultat der Tätigkeit eines Diplomaten, der acht Jahre hindurch wie ein geölter Blitz zwischen den europäischen Hauptstädten und internationalen Koizgreßorten herumfuhr, um militärische und andere Bündnisse zu suchen. Das Vertrauen der nichtfchechi- sehen politischen Parteien hat Dr. Benesch trotz seiner liebens- würdigen Umgangsformen nicht gesucht und nicht besessen, nicht zuletzt deshalb, weil er sich als Wiedererwecker der ältesten abgebrauchtesten diplomatischen Methoden betätigte. Er ist ein Wortjongleur ohne oratorische Begabung: das Wort diente ihm, einem alten Rezept entsprechend, seine Gedanken da- hinter zu verbergen, und kaum ein zweiter wäre zu finden. der wie er die Kunst versteht, viel zu reden, ohne etwas zu sagen. Seine gefügige Unterordnung unter das Geheiß des tschechischnationalen Bürgertums hat bisher sogar die An- erkennung Rußlands verhindert: dennoch sind gerade dies« Parteien jetzt eifrig damit beschäftigt, ihn zur Strecke zu bringen, und es ist kaum noch ein Zweifel darüber möglich, daß ihnen dies gelingen wird. Der Kampf des tschechischen Bürgertums gegen Denefch reicht schon längere Zeit zurück. Er wurde zuerst nur von der faschistisch eingestellten na tivnaldemokra tischen Partei, der Partei des tschechischen Finanzkapitals, geführt; heute stehen aber auch die tschechischen Agrarier und Klerikalen als geschworen« Feinde gegen ihn, und dieser Kampf ver- schärfte sich, je mehr infolge der wirtschaftlichen Erstarkung und Bereicherung der tschechischen Bourgeoisie sich deren Wandlung von demokratischen Anschauungen zu faschistisch- obsolutistifchen Neigungen vollzog. Ursprünglich waren vor- wiegend persönliche Motive die Ursache der zuerst versteckten. später immer offeneren Angriffe, die Dr. Kramarsch, der Führer der Nationaldemokraten, und seine Partei gegen Be- nesch richteten. Letzten Endes reicht dieser Kampf, der nach Landesbrauch in der gehässigsten und bedenkenlosesten Weise geführt wird, auf den Streit um die Palme des Befreiertums zurück, ein Streit, der nicht beendet und in den auch der Prä- sident Masaryk einbezogen ist. Dr. Kramarsch wurde im Kriege von der österreichischen Militärjustiz wegen Hochverrats, übrigens sehr zu Unrecht, zum Tode verurteilt, später be- gnadigt und fühlt sich gekränkt, behauptet, daß seine Verdienste um die Befreiung des tschechischen Volkes von diesem schlecht belohnt wurden, denn nicht jenen, welche außerhalb des Landes die sogenannte tschechische Auslandsrevolution organisiert haben, sondern die daheimgebliebenen Kämpfer seien die wirklichen Befreier gewesen. Kramarsch sah Masaryk und Benesch auf den Schild erhoben— Benesch galt als der prä- sumtive Nachfolger des Präsidenten—, während ihm nur die Rolle der Führerschaft einer kleinen Partei zufiel, er ist daher ein Mißvergnügter und betreibt die Politik des verdorbenen Magens. Er fand in feiner Gegnerschaft gegen Benefch und die„B u r g p o l i t i k", die sozialistensreundlicher Gesinnung geziehen wird, bald d'e Unterstützung der Klerikalen, und je mehr die tschechischen Agrarier ihre früheren demo- kratischen Neigungen ablegten, wurden auch sie Gegner des Außenministers. Im Willen, ihn zu stürzen, ist heute das gesamte Bürgertum einig. In der PersomBeneschs soll Masaryk getroffen werden, den die zur Herrschaft gelangte internationale kapitalistische Reakfton not- gedrungen dulden muß, da sich zu seinen Lebzeiten ein an- derer geeigneter Kandidat für die Präsidentenstelle nicht auf- treiben läßt. Die bürgerlichen Parteien waren schon bei der vor einem Monat erfolgten Neubildung der Regierung ernstlich ent- schlössen der Ministerschaft Dr. Beneschs ein Ende zu setzen; der Nachfolger war bereits in der Person des früheren Land- w irtscha fismmisters, des slowakischen Agrariers Dr. H o d z a, bereitgestellt. Die Absicht scheiterte vorläufig insofern an dem Widerstand des Präsidenten, als Benesch, der wohl formell wieder das Portefeuille des Außenmimsteriums erhielt, um im Ausland den üblen Eindruck seiner glatten Absägung zu ver- hüten, auf einen längeren Urlaub geschickt wuride, nach desseuBe- endigung sich die Notwendigkeit einer weiteren Erholungsfrist von solcher Dauer einstellen soll, daß der Wiederantritt seines Amtes ausgeschlossen erscheint. Wie erholungsbedürftig er ist, hat Dr. Benesch bis zu dem Augenblick, da er gezwungen nach dem Süden verreisen mußte, selber nicht geahnt. Merkwürdig nur, daß die um seine Gesundheit so besorgte Heimat nicht ge- rade Sorge trägt, Aufregung und Aerger von ihm fernzu- holten, denn seitdem er mit dem Auftrag abgereist ist, irgend- wo in Italien oder Frankreich seine Nerven zu heilen, ver- geht kein Tag. an dem die Fürsorglichen nicht auf seinen Nerven herumtrampeln würden. Das Scheibenschießen auf Dr. Benesch wird nun täglich mit heißem Fleiß« geübt. Er soll nicht nur verschwinden, er soll es auch i n S ch a n d e tun. Jetzt entdeckt man, feine Außenpolitik habe dem tschechoslowa>- kischen Staat nur Schaden gebracht, da er den anderen Staaten gegenüber stets eine zu große Nachgiebigkeit bewiesen habe. Er habe in Reparationszahlungen gewilligt, ganz wie es die andern wünschten, nicht wie es dem Staatsinteresse entspricht. Er habe den Verbündeten häufig genug geholfen, sich unbe- guemer Fragen zu entledigen, damit sie Ruhe in Mittel- europa haben und sich Deutschland nähern können. Aber das find politische Vorwürfe, ärger sind die persönlichen Änwürfe, denen der Vorzug gegeben wird. Er wird der Ränkesucht, des Strebertums, der Hinterhältigkeit beschuldigt, auch vor Angriffen auf sein Privatleben scheuen die wütenden Patrioten nicht zurück. Die Gestaltung seiner Vermögensverhältnisse wird zu dem von ihm oerwalteten Disposittonsfonds in Beziehungen gebracht imd die Gegen- wehr gegen diese schmutzigen Angriffe hilft ihm wenig, denn �seine betriebsamen Gegner verstehen es, immer neue ins Werk zu setzen. Von der Art dieses Kampfes zeugt am besten ein Bild im faschistisch-nationaldemotratischen.Lech"', das den Außenminister an einen Baumast aufgehängt zeigt mit dem Daruntergesetzten Ratschlag:„Was der Herr Außenminister «tun soll, wenn er sich in der verworrenen internationalen poli- ittschen Situation nicht mehr helfen kann, während ihm in- Zwischen daheim das Wasier in die Stiefel läuft.. Das tschechisch« Bürgertum stattet den Dank an feine V e f r e i e r in einer höchst eigenarttgen Weise ab. Dr. Be- inesch ist ein vom politischen Tod Gezeichneter, er wird die Kampagne derer, deren Geschäfte er durch acht Jahre besorgt«, nicht überleben. Er muh letzten Endes gehen, weil er als Exponent der„Burg Politik" der restlosen Errichtttng des im Vau begriffenen reaktionären Regimes im Wege steht. z der üeutsche Wahlsieg in Gsiobersihlesien. 335 deutsche, 265 polnische Mandate. Aach der vorläufigen Zusammenstellung haben die deutschen Ii Parteien ZZ5 Mandate In den Gemeindevertretungen errungen. während alle polnischen Parteien zusammen nur 265 Mandate er- obern kdnntcn. Die polnische Presse gibt endlich zu. daß etwa 6 0 Prozent der Stimmen ans die beiden deutschen Listen(Bürgerliche und Sozialdemokratens und nur 40 Proz.«ms alle polnischen Listen gefallen sind. Die polnischen bürgerlichen Blätler streiten darüber, ob die frühere nationaldemokratische Re- gicrung oder das jetzige Kabinett Pilsudski, ob Korsanty oder die llusständischen schuld an dem Anschwellen der deutsthen Stimmen haben. Der„Robotnik" aber, dos Blatt der polnistheu Sozialdemokraten, zieht aus der Wahlniederlage das Fazit, daß da» polnische Oberschlesien überwiegend von Deut- scheu bewohnt sei und d«ch man durch die eostrennung dieses Gebietes Deutschland ein Unrecht zugefü� habe. Zwischen der Nitte und rechts. Das Zentrum keine christliche Partei— sagt der „Reichsbote". Der„R e i ch s b o t e", das Blatt der reaktionären Land» pastoren, wirft in seinem Leitartikel die Frage auf:„Ist das Zentrum eine christliche Partei?", um sie zu verneinen, und er bewaffnet sich sogar mit dem sonst bei ihm wenig beliebten Papst, um zu erklären: „Während das Oberhaupt der katholischen Kirche immer wieder den schärfsten Kampf gegen die gottlose Sozialdemokratie und ihre verderblichen Lehren betont, geht die Partei, die den Anspruch er- hebt, die allein berufene Vorkämpferin des kathollschen Glaubens zu sein, Arm in Arm mit dem Todfeinde der Kirch« und vermeidet ängsttich alles, was die Gegensätze zwischen ihr und der Sozialdemokratie in die Erscheinung treten lasten könnte." Der„Reichsbote" kommt in seiner Kritik des Zentrums zu dem Schluß: .Aas ist eine Pollllk auf Kosten christlicher Belange, die einer Verleugnung christlicher Grundsätze gleich kommt. Solang« das Zentrum dabei bleibt, ist es keine christliche Partei mehr, sondern eine reine politische Opportu- ui tätspart ei mit christlicher Maske." Welche Wirkung dieses unfehlbare Urteil der reaktiv- nären Pastoren auf das Zentrum haben wird, bleibt abzu- warten. Bayerische Volkspartei und Zentrum. Man macht sich in der Bayerischen Volkspartei Sorgen um den Weltanschauungscharakter der Zentrumspartei. Der „Bayerische Kurier" müht sich um den Nachweis, daß durch ein Bekenntnis des Zentrums zur Re- publik der Weltanfchauungscharakter der Zentrumspartei unmittelbar oder mittelbar angetastet werde. Er schreibt: „Man kann ruhig den Satz aufstellen, daß es keine einzige wirklich« politische Entscheidung im demokratischen Staat gibt, die sich der Zentrumspartei dadurch entziehen würde, daß sie den anfänglich eingenommenen Grundsatz des Schwebezustandes gegenüber der Frage der Staatsform aufrechterhält: man kann den Satz auf- stellen, daß keine einzige politische Entscheidung(außen-, kultur-, staats-, wirtschafts», sozialpolitischer Art) sachlich von der Frage der Entscheidung der Staatsform abhängt. Jene„Entscheidung", die die parteimäßige Festlegung auf eine bestimmte Staatsform ent- häll, ist eine rein deklamatorische, eine„Entscheidung" der unsachlichen Agitation, eine„Entscheidung" des Wortes, nicht aber eine Entscheidung der sachlich fruchtbaren Tat." So sehr diese Beweisführung vom Zentrum scheinbar eine Indifferenz gegenüber der Frage der Staatsform ver- langt, so deutlich entspringt sie einer Abneigung gegen die Republik, die in Bayern verbreitet ist. Mit dieser Beweisführung kommt der„Bayerische Kurier" in verdächtige Nähe der evangelischen Pastoren im „Reichsboten". Stegerwalds Echo in der„Krcuz-Zeitung". Der Zentrumsabgeordnete S t e g e r w a l d hat in seiner Rede in Osterfeld mißerordentlich scharfe Kritik an den Deutschnattonalen geübt. Er hat ein sehr ähnliches Porträt der Deutschnationalen entworfen. Weit entfernt davon, die Deutschnationale Partei gegen Stegerwalds Angriffe in Schutz zu nehmen, erklärt sie: betrifft mir nicht. Sie schreibt: „Stegerwald verlangt, daß die Partei mehr von christlich- konservativem Geist durchsetzt sein müsse, wenn das Zenttum eine Zusammenarbeit mit ihr begrüßen sollte. Er vermißt diesen christlich-konservatioen Geist bei einem großen Teil der Mitglieder der deutschnationalen Reichstagsfraktion und be- hauptet, daß die Partei als Ganzes im Grunde genommen rein interessenpolitisch eingestellt sei. Zweifellos find in der Deutschnationalen Volkspartei verschiedene Strö- m u n g e n vorhanden und es ist auch nicht abzuleugnen, daß gewisse Gegensätze in ihr aus der Einstellung ihrer Mit- glleder zu den Fragen der Tagespolltti gelegentlich scharf aufeinanderprallen. Das ist aber ganz natürlich bei einer Partei, die zum Sammelbecken der nationalen rechtsstehenden Kreise geworden ist. Die vorhandene einheitliche Weltanschau- u n g, die zum mindesten christlich-konservatio durch- flochten ist, bleibt davon unberührt. Unsere politische Arbeit an der„K r e u z- Z e i t u n g" hat stets darin bestanden, den christ- lich-konservatioen Geist in der Partei lebendig zu erhallen und zur Wirkung zu bringen." Das ist sehr kleinlaut. Noch kleinlauter wird die r e u z- Z e i t u n g" in der Antwort auf den Vorwurf. daß die Deutschnationalen in altem Klasien- und Kastengeist befangen seien: „Stegerwald glaubt, in diesem Zusammenhang der Deutsch- nationalen Voltspartei auch alten Klassen- und Kastengeist vor- werfen zu können, und zieht daraus die Schlußfolgerung, daß aus innerstaatlichen und gesellschaftspolitischen Grün- den der Graben zwischen Deutschnationaler Volks- partei und Zentrum noch sehr tief sei. Dieser Graben brauchte wirklich nicht so tief zu sein, wenn das Zentrum selbst endlich einmal einsehen wollte, daß hier nicht Klassen-Tra- dition und alte Staatsgesinnung die Anschauung der Leute bestimmen, die sich mit d er Republik vom Novembc? 1918 innerlich nicht so abfinden können, wie das dauernd von ihnen verlangt wird. Denn die auf der Linken zu suchenden Hauptvertreter des jetzigen Systems ergehen sich bei jeder Gelegenheit in solchen Schmähungen unserer großen Vergangenheit und alles dessen, was uns einstmals heilig und un- antastbar war, daß es unmöglich ist, einen Frieden mit solchen Anschauungen zu schließen." Schon so weit aus Furcht vor entschwindenden Minister- sitzen? Man glaubt Stresemann reden zu hören: wir w a r e n Monarchisten... Das alles nur, um eine Verständigung zwischen Zentrum und Sozialdemokratie nach Möglichkeit zu stören: „Aber selbst wenn man diese grundsätzlichen Erörterungen in den Vordergrund schiebt, muß Stegerwald bei gutem Willen eingestehen, daß gerade die Weltanschauung derSozial- demokrati« himmelweit von der entfernt ist. die er s e l b st vertritt." Man unterhält sich eifrig zwischen der Mitte und der Rechten. Die Rechte redet viel von Weltanschauung, von Christentum und christlich-konservativer Gesinnung. Sie meint den Bürgerblock, der eine antisoziale Politik gegen die Arbeiterschaft führen soll. Unverbindliche Unterhaltungen. Keine politischen Vereinbarungen. Am Mittwoch fand beim Reichskanzler Dr. M a r x ein« Veran- staltung statt, an der neben den in Berlin anwesenden Mitgliedern der Reichsregierung Mitglieder der v o l k s p a r t e i l i ch e n, der demokratischen und der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion teilnahmen. Es handelte sich mn eine gesellschaftliche Veranstaltung, auf der selbstverständlich bindende politische Vereinbarungen nicht getroffen wurden. Allein die Tatsache, daß bei dieser Leranstalwng die Bayerische Volkspartei nnd die Führer der Zentrumssraktion nicht anwesend waren, schließt alle anderen Vermutungen aus. In den unverbind- lichen persönlichen Unterhaltungen sind von allen Seiten die Schmie- rigkeiten unterstrichen worden, die sich aus der gegenwärtigen Lage ergeben, aber Wege zu ihrer Ueberwindung nicht gezeigt worden. Zum Zoll l)ölz. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Moses(Soz.) hat den Reichs- begnadigungsausschuß zu einer neuen Sitzung auf Mon- tag, den 22. November, nachm. 2 Uhr in den Reichstag einberufen, um auf Grund des neuen Materials, das von dem Vertreter von Max Hölz dem Ausschuß vorgelegt worden ist, von neuem zum Fall Hölz Stellung zu nehmen. von öach bis heute. Musik-Ilmschclu von Kurt Singer. Die vergangene Woche brachte viel Neues, und unter dem vielen kaum ein Weniges, dos die Woche, das den Tag überdauern dürfte. So sehnte man sich nach Allem und fand in dem Aellesten, das zu hören war, nämlich in der Matthäuspassion unter Leitung von Siegfried Ochs endlich jenes Wunder des Miterlebens, das einzig Maßstab für Konzenieren sein dürste. Daß man auch Aelteres, piel Gehörtes, vom Heute her betrachten und in die Idee der Zeit einbeziehen kann, das lehrt ein höchst kluges, systematisch entworfe- »es Programm Leo Kestenbergs zu den künfttgen Beethoven- Feiern(Volksbühnen-Verband). Es kann nicht früh genug auf die Fingerzeige hingewiesen werden, die ein das Berliner und deutsche Musikleben erschöpfend beherrschender Mann gibt. Mit den üblichen Beethoven-Konzerten, die gewiß nicht ausbleiben sollen, ist es nicht' »etan: aber auch für diese, das Wert Beethovens kennzeichnenden Abende find besonders stilvolle, am Seltenen nicht vorbeigehende hinweise gegeben. Ich vermisse unter den selten gehörten Werten Sie C-Dur-Messe, die Ruinen von Athen, Meeresstille und glückliche Fahrt. Diese Auslassung schadet nichts, weil ich diese Werte selbst - gelegentlich der Zentenarfeier an mehreren Stellen zu Gehör bringen werde. Wichtiger aber, besonders wichtig im Rahmen der Volts- bühnenbewegung, ist die auch von anderer Seite schon betonte »nd geforderte Vertiefung der Volksmusik durch Errichtung von Singschulcn, Jugendmusikschulen, durch Anordnung von Musikvor. trägen, Unterstützung von Orchesterschulen, Ausbau von Bibliothe- ken, Suboentionsmögliclsteiten für Studierende. Auch die Stadt Berlin wird sich diese im tiefsten Sinn idealen und Beethovenschen Vorschläge angelegen sein lassen, und vielleicht bringt das Jahr 1927 aeben dem allzu üblichen schon die Grundsteinlegung eines Beet- Hoven- Gymnasiums. Zuweilen ist das Nachlesen solcher Schriften sür die Veranstalter von Konzerten wichtiger, als das ständige Imitieren tausendfach dagewesener Programme. Hier hilft auch ein Buch weiter, das nicht »ngelexcntlich genug empfohlen werden kann. Es ist das„K o n.z e r t. b u ch" von Paul Schwerz und Martin Friödland sMuthsche Verlagsbuchhandlung). Es ist das ein stilistischer Führer durch die klassische und romantische Literatur, bedeutsam fortgesetzt bis zu der modernen Musik. Ohne übles Aesthetisieren. ohne die Unwescntlichkeit biographischen Details, ist formal und kultur. historisch die Persönlichkeit der großen Musiker in der Analyse der meistgehörtcn Werke eingesangen. Kapitel, wie die über Mahler oder Richard Strauß gehören mit zu den besten, was dem Konzert- besucher vor dein Weg ins Konzert an die Hand gegeben werden kann. Man wird von den beiden Autoren eine absolute Objektivität »icht verlangen dürfen. Sie zeigt sich in einer besonderen Betonung. in einer gewissen Ablehnuno. bestimmter inusikalischer Strömungen. Männer wie Slrawinsky und Hindemith müßten unbedingt aus- Dhrlichsr betrachtet werden, auch das Kapitel Bruckner scheint zu kurz: dagegen Hütten sämtlich« Borspiele zu Opern aus dem Bande fortbleiben können. Noch einmal sei betont: ein nicht nur hervor- ragendes, sondern auch nützliches und höchst eleganc geschriebenes Studicnwerk, das auch den Musiker nicht unbefriedigt läßt. Um also die neuen oder sogenannten neuen Werke zunächst zu betrachten: zu Ehren des sechzigsten Gebuttstagses von Waldemar von Bausnern erklingen Chorwerke, Gesänge, Geigensonate, Klaviersuite. Zwei Jahrzehnte sind ausgefüllt mit Kompositionen großen und kleinen Formats, ohne daß das höchst« Glück der Erden- linder erreicht wäre. Bausnern schadet sich selbst durch die gar zu lange und intensive Ausspinnung seiner musikalischen Gedanken, ist aber einer von jenen wetterfesten, im Handwerk großgewordenen Kompositionsmeister, tie wir im Schatten der genialen Komponisten und gar als Lehrer des Fachs nicht missen wollen. Auch das Respighi-Konzert, sowohl in der Philharmonie unter Ungers bewegter Leitung, wie im Rundfunk, war eine Enttäuschung. Ein blasser, mit Vorliebe archaisierender Komponist, anmutig im Kolorit des Orchesters, sanft wngnerisierend in der Erotik seines Frühlingsgesanges. Es fehlt ihm die bauende und zusammen- raffende Kraft, die erst den großen Meister auch im kleinen, �ier« lichen, schwelgerischen Einfall ausmachen würde. Carl Clewing spricht und singt vor leeren Bänken. Seine Ansprachen, vom Manuskript heruntergelesen, sind, gelinde gesagt, überslüjsig. Das Dozieren gehört nicht zum Konzertbetrieb oder es müßte Entscheiden- deres von den ausgewählten Meistern gesagt werden. Die Gesell- schaftslieder, die Clewing vortrug, vor allem Krieger, Bellmann, wirkten in der sinnigen, launigen, auch humoristischen Interpret«- tton wie Gesänge von heute. Es schlummern tatsächlich in diesen Werken des 17. Jahrhunderts beträchtliche Werte, die zu heben sich lohnt. Paul Höffers Opus 12 ist ein von einem geschmack- vollen Musiker geschaffenes Stück Kommermusik, das auch bei primi- tioer Thematik"durch den inneren Schwung zu interessieren vermag, in der vorsichtigen Modernität Stimmung verrät, und schließlich in einem witzigen'Schlußsatz sich tänzerisch belebt. Böla Bartö-ks 2. Sonate für Geige und Klavier ist kein organisch gewack/senes Musikstück, sondern ein leicht grotestes Durcheinander, In dem die Melodien nicht gewochsen, sondern aufgepfropft, umgebogen sind, ohne rechte Logik der Verarbeitung. Die Sonatine für Klavier Opus S von H o r e n st e i n ist schon natürlicher gebaut und klarer in der Empfindung: auch hier dürften sich die guten Einfälle noch wesentlicher und architektonischer formen lassen. Karl Wieners Lieder sind, soweit ich hören tonrte, melodische, ober gestrige Ge- bilde. Von Hermann Wunsch, dessen Bruckner-Zyklus als Idee an sich zu begrüßen wäre, ist nach seinem ersten Konzert des- wegen nicht viel Gutes zu sagen, weil er sich mit einer sehr pathe- tischen und geschwätzigen Cigenarbeit, einer weichen, ungeformten Sinfonie zu präsentieren oersuchte. Nirgendwo ist die Besinnung aus das Notwendige so zu forderr, wie in der Disposition einer Sinfonie. Daß der frühere und unvergessene Dirigent des Philhar- manischen Orchesters. Ernst Kunwald, die 9. Sinfonie mit einem ihm herrlich hingegebenen Instrumentalkörper grundmustka» lisch darstellt, ist fast eine Selbstverständlichkeit. An dem romantischen Abend des Berliner S ä n g c r ch o r s ist nur das- eine zu tadeln, daß er sein Konzert in die Nachmittagsstunden des Sonn- tags verlegt. Der übervolle Saal bewies, daß nicht alle diese Ein- richtung so kritisch und als fehlerhaft betrachten. Was der Chor und was sein Dirigent P h i l i p p H e i d leistet, ist achtunggebietend. Ich hörte zwei Chöre von Bruch und Weber, die die bereits ange- strengten Sänger noch in vollster Stimmfrische und Ausdrucksfähig- keil zeigten. Das Programm, im wesentlichen auf die Namen Schubert, Schumann und Mendelssohn vestellt, fand durch die be- kannte und bewährte Altistin Alice Schäfser-Kuznitzki freund- lichste Untefftützung. Ee wäre Atem zu holen, es wäre der Eindruck der P a ss i o n s- musik unter Leitung von Siegfried Ochs zu schildern. So oft wir die Matthäuspassion gehört haben— es schien die beste aller Aufführungen zu sein. Ganz im Gegensatz zur Tradition, die ja Bach den Borwurs der Langeweile und Unertröglichkeit zugezogen hat, stellt sich Siegfried Ochs auf die Lebendigkeit einer dramatischen Darstellung ein. Wer die Partitur liest, wer das, was Bach in die Stimmen eingezeichnet hat, kennt, ja, wer auch nur dem Studium des textlichen Vorwurfs ein paar Minuten widmet, wird wissen, daß hier ein geistliches Drama geschrieben tr-urde. Und so stciot die Handlung, das Schicksal Jesu, so steigt der seelische Reflex, den Leiden und Sterben auf das Volk, aus die Menschheit wirft, in keiner anderen Darstellung so elementar, so zwingend, so effchütternd empor. Die letzte innere Verbindung zwischen Einzelnem und Massen, ein tiefster, innerer, logischer Zusammenhang zwischen Evangelisten und dem im Choral verdichteten Seelenausdruck der Gemeinde, eines der großen, von Frommsein und Religion so weit entfernten Er- lebnisse in Musik, die wirklich einmal in dem Menschen das Gute aufleben lassen, das Böse ertöten. Keiner der Mitwirkenden sei ge- nannt, denn es war eine Unterordnung unter den Geist des Ganzen. die unerhört ist im Betrieb unseres Kouzertlebens. Günther Heß tanzte im Scharwenka-Saal. Man sah ihn vor zwei Jahren als dürftigen unfertigen Debütanten. Inzwischen ist er künstlerisch nicht nur gewachsen, sondern von innen heraus ein anderer geworden. Eine Persönlichkeit, die etwa zwischen Kreutz- berg und Ja Fischer steht. Vollendete Technik, gründliche Durch- bildung des Körpers, der alles leicht, manches fast spielend gibt. Vielseitige, umfassende Gestaltungsmöglichkeiten. Der Ausdnick am stärksten und eigenartigsten in der Aktion der Hände, in Kehrt- sprängen, im leichten schwebenden Lauf und in gewissen Entspan- nungen, die eine ganz persönliche Note haben. Die Kompositionen nervös, zuweilen noch ohne rechten inneren Zusammenhang, mit jähen Uebergängen. Aber niemals auf äußeren Esfett gestellt, stets künstlerisch vornehm. Sehr schön besonders die„Drei Gestalten im Raum". Interessant das karikaturistische„Nachtstück", ein geluv. gener Versuch, komische Wirkung ohne pantomimische Zutaten allein aus abstrakter Bewegung, aus drolligen Linien und ulkigen Rhythmen zu holen. Alles in allem ein Tänzer hohen Ranges. dessen strenger, fast asketischer Linienkunst zur letzten Vollendung nur noch ein wenig mehr Farbe und Wärme zu wünschen wäre. � S t e f y Peters, die sich mit Heß in das Programm teilte, hat in ihren Anfängen einst Besseres versprochen. Was fle heute bietet, ist in seiner technischen Unzulänglichkeit und süßlichen, neckischen, schmalzigen Fadheit nicht diskutabel. I. S. Bernhard Shaw lehnt die Nobelprelsspende ab. Bernhard Shaw hat der schwedischen Akademie mitgeteilt, daß er die Nobelpreis- spende nicht annehmen könne, da sein« Einkünfte groß genug wären Er bitte daher, seine Werke außer Wettbewerb zu klassifizieren und den Geldpreis zum Nutzen gemeinsamer literarischer Bestrebungen beider Länder zu verwenden. Rußlands weg zur privatwirtfthast. Die Not der Staatsindnstrie.— Einführung von Privat- Aktiengesellschaften. Heber die Wirtschaftspolitik Sowjetruhlands bringt die„Ekonom. Shisn" vom 6. November eine Mitteilung, deren zukünftige Trag- weite für das sowjetrussische Wirtschasts- und Staatssystem kaum abzusehen ist. Danach sieht sich die Sowjetregierung infolge des Mangels an staatlichem Kapital gezwungen, ihre Politik gegenüber dem Privatkapital zu ändern. Das Präsidium des staatlichen Plan- ausschusses Hot sich mit der Frage der Organisation von pri- vaten Aktiengesellschaften befaßt und beschlossen, solche Gründungen grundsätzlich gutzuheißen, und zwar ohne Beteiligung des Staates. Die Gründungen sollen zugelassen werden für die Produktion von Waren, die im Verhältnis zur Nachfrage von der staatlichen und genossenschaftlichen Industrie in unzureichendem Maße oder überhaupt nicht produziert werden. Auch wird die Gründung von privaten Aktiengesellschaften zur Hebung des Bauwesens als wünschenswert erachtet. Als un> erwünscht erscheinen Gründungen zum Ankauf von Rohstoffen, und das Präsidium des Planausschusses schlägt vor, solche Gesellschaften nur versuchsweise in denjenigen Gebieten zu gründen, die von den staatlichen und genossenschafllichen Ankaufsorganen nicht genügend ersaßt werden. Außerdem beantragt der staatliche Planausschuß, die Gründung von örtlichen privaten Aktiengesellschaften ausschließlich für den Kleinhandel und den beschränkten Großhandel versuchsweise zuzulassen. Werden diese Vorschläge des staatlichen Planausschusses durch- geführt, und sie werden noch der verzweifellen Lage der nach Rykows Rede vor der tS. Konferenz der RKP. über das Versagen der in- dustriellen Verwallung in Sowjetrußland(vgl.„Vorwärts" Nr. 540) durchgeführt werden müssen, so steht das russische Wirtschafts- und Staatsfystem vor einer grundstürzenden Wandlung. Man wird die notwendige Reorganisation, zu der der Bureaukratismus und tech- nische Rückständigkeit nach Rykow zwingen, in der hier vor- geschlagenen Preisgabe des Prinzips der staatlichen Produktion und in der Zulassung von privatkapitalistischen Aktiengesellschaften ohne staatliche Kontrolle oder Beteiligung erblicken müssen. Für die Wirtschasts- und Staatspolitik führt das zu Konsequenzen. Die russische staatliche Jndustrieverwaltung hat nämlich die Freiheit der Entschließung verloren. Sie handelt aus Not. Das brennendste Problem in Sowjetrußland ist die Beschaffung von Kapital. Die Versorgung der nach wie vor im ganzen durchaus unrentablen Staatsindustrie mit den erforderlichen Betriebsmitteln erfolgte bisher auf Kosten der Tscherwonetzwährung, deren Parität bisher nur künstlich, dem Scheine nach, und zwar nur für den Ver- kehr der Staatsbehörden und mit den Staatsbehörden, aufrecht- erhalten wurde. Weil die Tscherwonetzwährung praktisch entwertet ist, ist die staatlich« Industrie in Sowjetrußland für das Ausland nicht kreditfähig. Andererseits aber ist infolge der Unrentabilität und der dauernden Kapitalansprüche der Staatsindustrie die Währung nicht mehr zu retten, wenn nicht neues Kapital in Rußland verfügbar wird. So ist die Zulassung von privaten Aktiengesellschaften für Produttion und Handel, gleichviel ob sie von Inländern oder vom Ausland gegründet werden, die notwendige Konsequenz aus der Kapitalnot der. staatlichen Industriewirtschaft. Da damit aber grund- sätzlich die Frage der freien Unternehmer- und Marktwirtschaft in Ruhland aufgeworfen wird, wird die Zulassung privater Produk- tions- und Handelsgesellschaften für die Diktatur der Rusiischen Kommunistischen Partei zur Schicksalsfrage, die zugunsten der breiten Bauern- und Arbeitermassen nur durch den Umbau der Diktatur zur großzügigen demokratischen Kontroll« zu lösen sein wird. Reichsmittel für Sie Deutsche Allgemeine? Eine Anfrage an die Reichsregierung. Der Sozialdemokratische Pressedienst schreibt: Vor mehreren Monaten ging die Druckerei der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" in. den Besitz des Preußischen Staates über. Finanzielle Schwierigkeiten veranlaßten damals den Stinnes-Konzern als Besitzer zu diesem Verkauf. Der Verlag und die Redaktion blieben als selbständiges Unter- nehmen weiter bestehen und ließen ihr Blatt im Lohndruck bei ihi'er bisherigen Druckerei, der heutigen„Preußischen Druckerei und Verlags-Gesellschast" fertigstellen. Aber weder die Ten- denz noch i h r Umfang änderten sich. Die finanziellen Erträg- nisse des Iirseratenteils waren im Vergleich zu den Kosten der Zeitung verhältnismäßig gering. Immer und immer wieder wurde unter diesen Umständen, sowohl in journalistischen wie in parlamen- tarischcn Kreisen die Existenzfähigkeit der„DAZ." erörtert, ohne daß bisher das Geheimnis gelüftet worden wäre. Vereinzelt wurde bei dieser Gelegenheit auch aus die Verbindungen der Redaktion der „DAZ." zu gewisien Persönlichkeiten der Reichs r.egie» rung hingewiesen, aber daß diese Persönlichkeiten sich mit Erfolg zu einer höheren Unterstützung aus Reichsmitteln für die „DAZ." verwandt haben, erfährt die Oefsentlichkeit erst heute. Diese Unterstützung verdient insofern ein politisches Interesse, als die„DAZ." bis in den letzten Tagen die preußische Regierung heftig angegriffen und trotz der Reichssubventionen in der ein- seitigsten Form die Politik der Deutschen Volkspartei vertreten hat. Wir fragen die Reichsregierung: Ist es richtig, daß der„DAZ." seit mehrerenMonaten ein Betrag v o n 75 000 bis 90 000 M. monatlich zur Verfügung gestellt wird? Welche Gründe waren hierfür maßgebend, trotzdem auch den zuständigen Instanzen des Reiches bekannt sein mußte, daß die Redaktion der„DAZ." bis auf den heutigen Tag die preußische Regierung bekämpft hat und ein- s e i t i g die Politik der Rechtsparteien vertritt? „Wie schön ift's in fifghoniftan!" singt die„Nreuz-Zeitung". Es muß doch mächtig unangenehm sein für einen richtigen Konservativen vom alten Schrot und Korn, sich nicht mehr wohl- fühlen zu können im demokratisch verseuchten Europä, das keinen Wilhelm, keinen Nikolaus und keinen Franz Joseph mehr an- erkennt. Wie ein Fremdkörper muß man sich vorkommen! Und da schweift denn der Blick des„Kreuz-Zeitungs"-L«it- artiklers hinaus in die Welt: An alles, was einstens war, denkt der Wackere, und wo entdeckt er die wahre Glückseligkeit? Fern in Afghanistan! Beseligt schreibt er: „In Afghanistan herrscht der gesunde Zustand der asiatischen Despotie, der sich vorteilhast von den Zu- ständen des europäischen Parlamentarismus unterscheidet." Ja, so eine asiatische Despotie tut Deutschland not! Die würde uns— immer mal wieder— herrlichen Zetten entgegenführen. Ein Emir— alias Kaiser— regiert in unbeschränktem Absolutismus, gestützt auf Adel und Geistlichkeit, das Volk hat ohne Widerwort zu parieren, und wehe ihm, wenn es den Mund aufmacht! In der Tat,«in„gesunder Zustand", zum mindesten für die adligen Leser der„Kreuz-Zeitung", die dann die Knuten zu führen hätten. Ei, wäre das eine Lust, zu leben! Reichswehr, Gewertschasten, Dorüelle. Ein bezeichnender Bataillonsbefehl. Vor einiger Zeit berichteten wir, daß der Reichswehr» Bataillonskom mandant in Goslar den Soldaten das Betreten des Gewerkfchaftshauses oerboten hatte. Aber die Kritik in der gesamten republikanischen Presse Deutsch- lands hat natürlich nichts geholfen: weder Herr Geßler noch der Goslorer Major kümmerten sich darum. Das geht auch aus einem Bataillonsbefchl Nr. 78 vom 3. November 1925 hervor, der lautet: „Verbotene Lokale. Allen Heeresangehörigen des Stand- ortes ist nochmals besonders bekanntzugeben, daß die Verbole zum Betreten der Gaststätten Harms(Gose-Case), desGcwerk- schaftshauscs und des Hauses Immenroder Str. 25 nach wie vor bestehen. Anders lautende Gerüchte scheinen verbreitet zu werden, um Hccresangehörigc zu schädigen bzw. Strafen auszu- setzen. Wer Kenntnis davon hat, daß diese Lokale trotzdem betreten werden und nicht Weidung erstattet, macht sich ebenso strafbar, wie der Ilebcrtreter des Verbots. gez.: von Einem. Major und Bataillonskommandeur." An dem Befehl ist ebenso skandalös wie das Verbot an sich die Tatsache, daß das Gswerkschaftshaus. ein durchaus a n st ä n- d i g e s Lokal, mit zwei Kneipen zweifelhafter Art in Berbin- dung gebracht wird. Die Gaststätte Immenroder Straße ist ein Bordell. So werden in der Reichswehr im stillen Einver- nehmen mit dem Reichswehr mini st erium die Arbeiter und ihre Einrichtungen beleidigtl � Zornige Enttäuschung beimNationalen Stock Wegen des Beschlusses der Radikalen. Paris, 18. November.(Eigener Drahtbericht.) Der von der Exekutive der Radikalen und Radikalsozialen Partei gefaßte Beschluß, den radikalen Kandidaten bei den bevorstehenden Senats- wählen jedes Zusammengehen mit den Rechtsparteien zu untersagen und nur im Einklang mit dem Beschluß des So- zialistischcn Parteitages im zweiten Wahlgang gemeinsame Listen mit s o z i a l i st i s ch e n Kandidaten zu gestatten, gibt der reaktiv- nären Presse Anlaß zu heftigen Angriffen auf die Radikale Partei. Das ist um so begreiflicher, als durch den Beschluß der Exekutive allerhand Hoffnungen im Lager der Rechten zerstört worden sind. So hatte im Departement Seine-et-Oise der radikale Franklin-Bouillon, der Wortführer des fozialistengegne- rischen Flügels der Radikalsozialistischen Partei, bereits eine Liste zusammen mit den reaktionären Kandidaten des Wahlkreises aus- gearbeitet. Sie ist nunmehr hinfällig geworden. Die Blätter der Rechten beschuldigen außerdem P o i n c a r e persönlich, mit allerlei Berwaltungsmaßnahmen einen Wahlsieg der Kartellparteien zu unterstützen.(!) Auch die Partei Painlevös gegen die Rechte. Paris. 18. November.(WTB.) Der Parteivorsland der Sozialrepublikaner(Gruppe Painleve. Red. d.„V.") be- schästigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Angebot der demokratisch-republikanischcn Allianz(Nationaler Block), bei den Senatsersatzwahlen gemeinsam vorzugehen. Es wurde. beschlosicn. gemäß der von der Bezirksvereinigung der Sozialrepublikaner des Seinedepartcments bereits getroffenen Entscheidung das Angebot abzulehnen und der Politik vom 11. Mai 1924, also der Politik des Kartells der Linken, treu zu bleiben, weltwirtschastskonferenz am 4. Mai. Vornehmlich europäisch. Genf, 18. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Beginn der Wirtschaftskonferenz wurde auf den 4. Mai 1927 angesetzt. Teil- nehmen sollen alle Mitgliedsstaaten des Völkerbundes sowie die wichtigeren noch außerhalb stehenden Länder(Vereinigte Staaten von Amerika, Rußland und wahrscheinlich auch die Türkei und Mexiko). Die Delegierten(fünf von jedem Land ausschließlich Sach- verständige) sollen durch die Regierungen ernannt werden, während die freien Sachverständigen ohne gebundene Instruktion von Fall zu Fall geladen werden. Die Zusammensetzung der Delegationen soll ungefähr die gleiche sein wie für die vorbereitende Kommission, d. h. Vertreter der Wissenschaft und der großen Wirtschaftsorganisationen sowie genaue Kenner der Wirtschaftspolitik ihres Landes enthalten. Die Währungs- und Finanzfrage ist nicht als be- sonderer Programmpunkt aufgenommen, sie soll jedoch in ihren Auswirkungen auf die Wirtschast bei jeder einzelnen industriellen, kommerziellen und landwirtschaftlichen Frage geprüft werden. Das gleiche ist der Fall für die Beoölkerungsfrage und den Arbeitsmarkt. Das Programm ist in zwei Teile geteilt. Der erste Teil sieht die Prüfung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in jedem Lande und ihre Folgen aus den Weltfrieden vor. Der zweite Teil führt in drei Abschnitten die einzelnen Fragen auf, welche im Welthandel, in der Industrie und in der Landwirtschaft zu untersuchen sind. Diese Einzelverzeichnisse können noch Aenderungen erfahren. Im allgemeinen Teil des Vorentwurss wird ferner ausgeführt, daß die internationale Wirtschaftskrise vornehmlich«uro- p ä i s ch sei und deshalb die europäischen Verhältnisse besondere Berücksichtigung finden sollen. Di« Beschlüsse der Konferenz sollen. wie bei der Brüsseler Finanzkonferenz, einmütig und nicht durch Abstimmung und Mehrheitsentscheid gefaßt werden. 5estfteUung öes Programms. Genf, 18. November.'(Eigener Drahtbericht.) Die Vorbereitende Kommission der Wirtschastskonferenz hat am Donnerstag nach- mittag den Programmentwurf genehmigt. Dabei sind sowohl am allgemeinen Berichtstext wie an den einzelnen Programmpunktcn nur wenige Aenderungen vorgenommen worden. Die wichtigste davon betrifst eine Forderung der Arbeitervertreter über die Prüfung der Rückwirkungen der gesunkenen Kauf- kraft auf den internationalen Handel. Als Vertreter der Arbeiter und Genossenschaften sprach Genosse I o u h a u x seine Gemigtuung darüber aus, daß einer Reihe ihrer Wünsche, wenn auch sehr ver- hüllt, doch Rechnung getragen worden sei. Ein weiterer Wunsch der Arbeitergruppe geht dahin, daß die Wirtschaftskonserenz wenigstens ihren wichtigeren Beschlüssen die Form von Empsehlungen gebe, wie sie von den internationalen Arbeitskonserenzen be- schlössen werden. Am Freitag wird die Kommission noch das Verzeichnis des der Wirtschaftskonserenz vorzulegenden Studienmaterials feststellen und damit ihr« Tagung beendigen. Der einzusetzende Ausschuß zur Vorbereitung der letzten Arbeiten dürfte aus dem Präsidemen und den Ausschußpräsidenten v. Trendelenburg, Dubots, Gilbert, Layton und Iouhaux zusammengesetzt sein.'* Die Gerüchte, daß die Wirtschaftskonserenz in Amsterdam stattsinden soll, eilen vorläufig den Tatsachen voraus, den Tagungs- ort wird der Völkerbundsrat bestimmen. die Knechtung Georgiens. Italiens Schuld daran. In einer der letzten Nummern des Brüsseler„Peuple" macht der erste belgische Delegierte zum Völkerbund. Genosse Louis de Brouckere, auf eine Stelle des kürzlich erschienenen Buches von Francesco N i t t i„Bolschewismus, Faschismus und Demokratie" aufmerksam, die ein eigenartiges Licht auf die internationalen Mani- pulationen der siegreichen Mächte unmittelbar nach dem Waffen- stillstand wirst. Nitti erzählt hier, als er im Juli 1919 die Regierung in Italien übernahm, mußte er feststellen, daß eine militärische Expedition nach Georgien vollständig vorbereitet war und die Tnippen zum Abmarsch bereit standen. Was man im Auge hatte, war eine dauernde Besetzung dieses unabhängigen Landes, und zwar waren die Ententemächte mit diesem Abenteuer nicht nur einverstanden, sondern drängten geradezu Italien dazu. In diesem Zusammenhang erinnert de Brouckere an seine eigenen Ersahrungen in Georgien, als er ein Jahr nach dem von Nitti an- gegebenen Zeitpunkt das Land besuchte. Es fiel ihm damals auf, daß. während die meisten Mächte in Tiflis nur eine ganz geringe und untergeordnete Vertretung hatten, gerade Italien eine außer- gewöhnlich umfangreiche Mission unterhielt, die über olle Zustände und Hilfsquellen des Landes merkwürdig genau unter- richtet war. Heute, bemerkt de Brouckere, verstehe ich besser, weshalb die Italiener sich eine so große Mühe gaben. Die italienische Expedition unterblieb, aber die zur Vorbereitung dieses Abenteuers in Georgien eingeführten italienische»Ban- ken und Konzejjionsunter nehmungen blieben. Es wäre sehr interessant, fügt de Brouckere hityn, j>ie neuer« Geschichte dieser Unternehmungen zu kennen. Sie würde vielleicht manche son- derbar« politische Poradoxon(scheinbarer Widerspruch) erklären und uns die besondere Eile begreiflich machen, womit die f a s ch i st i s ch e Regierung Italiens, als erste der Welt, die Sowjetregierung anerkannt hat. Abschließend unterstreicht de Brouckere, daß die Erklärungen Nittis eigentlich die klare Anschuldigung gegen die Ententemächte enthalten, einen unprovozierten Angriff aus ein freies Volk e r- mutigt zu haben. Warten wir ab. ob von diesen Mächten irgend ein Dementi erfolgt. der pogromftaat Rumänien. Mord im Justizpalast. Vor einiger Zeit sollten einige Gymnasialschüler in dem jetzt rumänischen Ezernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, die Reife- Prüfung ablegen. Dazu kam eine eigene Prüfungskommission aus A l t rumänien, die alle Kandidaten durchfallen lieh, weil sie die (rumänische!) Staatssprache nicht genügend beherrschten! Deshalb gab es nachher Demonstrationen, wobei einer der Prüsungskom- missare— Diaconescu— von Unbekannten verprügelt worden sein soll. Darauf wurden die Studenten, obwohl man sie in lÄh- Menge nicht erkannt hatte, wegen eines Angriffs auf den rumiL»� nischen Staat angeklagt! Der Prozeß wurde mehrmals vertagt und inzwischen leitete Diaconescu eine wüste antisemitisch« Hetze gegen die Angeklagten ein, zu welchem Zweck er auch ein« eigene Broschüre herausgab. Vor wenigen Tagen wpr wieder eine Verhandlung, die gleichfalls vertagt wurde. Unmittelbar nachher wurde der Angeklagte David F a l l i k, ein 18jähriger Schüler, auf dem Korridor des Iustizpalastes von dem eigens aus Altrumänien gekommenen 19jährigen Schüler Tautu niedergeschossen. An der schweren Bauchschußwunde ist Fallit bald darauf g e- st o r b e n. Der Mörder hatte die Broschüre des Diaconescu gelesen, die den Angriff auf die Prüfungskommission als eine Demonstration gegen das ganze rumänische Volk hinstellte. Tautu war selbst ein Schüler Diaconscus, stand aber mit ihm nicht sehr gut und ist bei ihm in der sechsten Klasse durchgefallen. Das Begräbnis Falliks, den man als einen der vielen Mär- tyrer der systematischen Pogromhetze in Rumänien bezeichnen muß, wurde zu einer gewaltigen Demonstration. Die Polizei hatte da» Aushängen von Trauerfahnen verboten, trotz- dem ausgehängte Fahnen wurden von Polizeibeamten beschlagnahmt. Der vieltausendköpfige Leichenzug durfte vom Krankenhau- nicht zur Synagoge ziehen, sondern mußte direkt den Weg zum Friedhof nehmen. Ein dichtes Menschcnspalier säumte den ganzen Weg, die deutsche und die ukrainische Volkspartci hatten Abordnungen entsendet. Die Pogrompresse stellt den Mörder bereits als— g eist es- krank hin. Der Rufftanü auf �ava. Noch nicht zu Ende. Bolavia, 18. November.(WTB.) Da in den mittleren Gebieten Javas die in großer Zahl vorhandenen Kommunisten die Zucker- plantagen beunruhigen, hat der Statthalter die Bewaffnung des Personals der Plantagen gestattet. In Soerakarta ist eine Kommunistenbande zerstreut worden. Telephonisch« Per- bindungen sind abgeschnitten worden. Ein Tabak- l a g e r wurde vernichtet. Zwanzig Personen wurden verhaftet. London, 18. November.(TU.) Wie aus Batavia gemeldet wird, ist der Parteiausschuß der Kommunisten Niederländisch-Jndienx, der die Ausstandsbewegung inszeniert hat, in Bandung verhaftet worden. Die Aufstandsbewegung dürste damit zerbrochen worden sein, jedoch dlliften die Raubzüge revolutionärer Slrbeiter aus dem Lande noch anhalten. Reventlows Toüesangft. Hitlers Zeugnis. Im Prozeh Reventlow-Hitler-Esser, über den wir gestern abend berichteten, sagte Hitler aus: „Keine Behörde könne ihm verbieten, als Diskussionsredner auszutreten. Gras Reoentlow allerdings hätte Todes- a n g st davor gehabt, daß er Hitler von Angesicht zu Angesicht sprechen würde." Man kann annehmen, daß der völkische Gras wirklich Todes- angst gehabt hat. Herr Hitler muß es wissen, er ist doch Spezialist in Todesangst. Er hatte sie selbst, als er nach seinem Putsch angst- voll flüchtete und sich verbarg. Er hat Todesangst aus nächster Nähe beobachten können: bei Herrn von Kahr, als er verge- waltigt wurde, bei Herrn L u d e n d o r f f, als er sich vor der Feld- Herrnhalle auf den Bauch warf, Sauarbeitersthutz und Unfallverhütung Ueberwachung der Baustellen durch Baukontrolleure! Von fachkundiger Seite schreibt man uns: Die Verstöße der Bau Unternehmer gegen die Unfolloerhütungsvorschristen mehren sich in kaum glaublicher Weis«. Die Folge ist, daß die Unfälle ebenfall» zunehmen. Die letzten Tage bieten hierfür«in klassisches Beispiel. Zunächst einig« Bemerkungen zu den Unglücksfällen beim Bau der Untergrundbahn in der Neanderstraß« und in der M ü n z st r a ß e. In der Münzstroße stürzte die Dompframm« um, durchschlägt das Dach eines Straßenbahnrvagens, einig« Personen werden verletzt! Daß das Unglück nicht größer wurde, ist ein reiner Glückszufall. Di« Ursache ist noch n i ch t geklärt und wird wohrschein lich auch nicht geklärt werden.„Man vermutet, daß das Unglück durch unsachgemäß« Bedienung herbeigeführt worden ist." Das liest man in der Press«! Demgegenüber ist zu sagen: Die wirklich« Ursache des Unglücks ist einzig und allein die P r o f i t g i« r der Firma Zimmer Nach» folger Danke, die aus der Arbeitskraft der dort Beschäftigten herauspressen will, was nur menschenmöglich ist. Di« Sicherheits- maßnahmen, die besonders unter Berücksichtigung der örtlichen Be- schaffenheit hätten getroffen werden müssen, waren nicht getroffen. Der leitende Polier oder Schachtmeister hat auch nicht das geringste Verantwortungsgefühl besessen. Im Gegenteil, wer den Mann dort auf der Arbeitsstelle beobachten tonnt«, mußte stch über das Antreiben der Leute durch diesen Polier geradezu empören. Dazu kommt, daß es— für dies« Arbeit— ungeübt« und unorganisierte Leute waren, die alles über sich ergehen lassen. Das Unglück hätte unter allen Umständen vermieden werden können. Indes die Sicherheitsmaßnahmen verursachen dem Unternehmer einige Mark Unkosten, das schmälert seinen Profit.... Da das Bauwerk ein st ä dt i s ch« s Unternehmen ist, hat unseres Erachtens der Magistrat der S t a d t B« r l i n hier einzugreifen. Auch auf dieser Baustell« gehört ständig ein Baukontrolleur zur Überwachung der Unfall- verhütungsoorschriften! Zu dem Schachtein st urzinderNeander st raße ist zu sagen, daß hier ebsnfalls leichtfertig gehandelt worden ist. Das „Rutschen" der 3 bis 4 Kubikmeter Sandnrasien wäre unmöglich, wenn die Ein- bzw. Verschalung einwandfrei ausgeführt worden wäre. Hier kann nur ein Fehler in der Einschalung liegen. Di« Hölzer, die von einem bis zum andern eingerammten Eisenträger reichen sollen, sind offenbar zu kurz geschnitten, wahrscheinlich hat auch keine„Verkeilung"— ein Keil, der zwischen den Träger und das Holz getrieben wird— stattgefunden. Die Folge war dann das Durchdrücken der Einschalung durch die Sandmassen. Auch für die Baustelle in der Neanderstraß« kommt in Betracht, daß man Leute«instellt, die der Arbeit unkundig sind. Die Baupolizei ha: die Pflicht, diese Baustelle einer strengen Nachprüfung zu unterziehen. Damit solche Unglücksfälle, wie sie am Freitag, den 12. November, vorgekommen sind, für die Zukunft nicht wieder vorkommen können. Leichtfertiges Spielen mit Menschenleben. Auf dem Bahnhof Alexanderplatz werden seit«inigen Wochen die Dachbedeckungsarbeiten ausgeführt. Daß auf einer Ar» beitsstelle der Reich sbahngesellschast Arbeiten ausgeführt werden, ohne daß die Unfallverhiilungsvorschristen auch nur im ge- rinosten beachte: werden, ist einfach«in Skandal. Wir konnten fest- stellen, daß die Verglasungen aus dem Dache zunächst ohne daß ein Schutzger ü st vorhanden war, ausgeführt wurden. Dann ist ein Schutzgerüst etwa 1 bis 1,80 Meter lang angebracht worden. Dies Gerüst entspricht nicht den Anforderungen. Es ist so angebracht daß der Arbeiter, wenn er vom Dache abstürzt, nicht auf die kurze Schutzrüstung fällt, sondern über diese einfach hinweg aus die Straß« fallen muß. Denn auch das Schutzgerüst, welches auf der Straß« ringsum den Bahnhof steht, ist wohl nur für den Schutz des auf der Straß« verkehrenden Publikums oufgeftellr. Für die auf dem Dach« beschäftigten Arbeiter hat dies« Rüstung nicht den geringsten Wert. Di« Geländer an den abgedeckten Stellen im Im n e r n des Bahnhofs— dies« Arbeiten werden von der Firma Iuchow ausgeführt — fehlen durchweg. Eine besonders gefahrvolle Arbeit ist auf dem Stadtbahn st eig Richtung Friedrich st raße zu be- obachten. Hier wird an Trägern gearbeitet. Der Arbeiter steht auf einem Brett mit einem Fuß, mit dem andern zeitwellig auf der Eisen. konstruktion,«in Geländer ist nicht vorhanden. Stürzt er durch einen unglücklichen Zufall herunter, dann fällt er aus das Gleise der Stadtbahn und wird von dem Zug« überfahren. Der Vertreter der Firma meinte, daß sei ein« Stell«, an der die Materialien verladen werden. Das dünkt wenig glaubhaft. An einem Tage konnte be- obachtet werden, daß während des halben Tages an dieser Menschen- fall« nicht„verladen" wurde. An einem Sonnabend beobachteten wir, wie ein Arbeiter, der in 40 Meter höhe an einem Bogen arbeitet«, von dieser Stelle aus, auf zwei neben» «inander hochkantig liegenden Schienen, stch etwa 2l> Meter fortbe- wegte. Da keinerlei Abdeckung vorhanden, auch kein Netz gespannt war, wäre der Arbeiter bei einem Absturz nur noch«in« breiige Masse auf dem Schienenstrang gewesen. Wer hat nun die Sicherheit auf dieser Baustelle zu leisten, die Reichsbahn oder die Firma Iuchow? Jede Firma wird die Der- dingungsbestimmungen unterschreiben— um sie nicht einzuhalten. Di« Hauptsache der Verdingungsbestimmung ist, daß der Unternehmer die Arbeit erhöh. Den Beweis dafür bietet das vorn gesagte von der Baustelle Bahnhof Alexanderplatz. Di« Reichsbahn hat sich davon zu überzeugen, ob die unterschrieben« Verdingungsordnung auch«inge- halten wird. Aolgen des Aeber-die-Hand-Mauerns. Di« Firma A. I ä n i ck«, Berlin, führt in Zehlendorf einen Schulneubau auf. Dort wird gegen die Unfallverhütungsvor- schritten arg verstoßen: angeblich soll das nötig« Rüstungs» materialnichtvorhanden sein. � Schutzdächer waren zunächst nicht vorhanden. Als wir nach einigen Tagen die Baustell« wieder beobachteten, war der Zustand im wesentlichen unverändert. Das Schutzgerüst aemäß der Polizeioerordnung vom September 1923 herzustellen, dazu soll, so sagte uns einer der Arbeiter, der Polier nicht die nötigen Bretter haben. Das muß ein sonderbarer Kauz sein, der Herr Polier. Da es sich hier um einen städtischen Bau handelt, be- suchten wir den Neubau noch zweimal. Der Befund war beim ersten- mal der gleiche wie zu Anfang. Auf eine Frage, ob denn bisher noch kein Baukontrolleur diesen Bau besucht hält«, heißt es:.La. der war mehrmals, letztmalig vor einigen Tagen hier." Beim zweiten Besuch kennten wir feststellen, daß init dem Aufstellen des Schutzgerüstes begonnen war. an dem Bmlwerk selbst wurde indes weiter- gearbeitet. An diesem Tag« stürzte ein Maurer beim Uber-die-Hand-Mauern aus einer Höhe von 9 Metern ab. an dieser Stelle war kein Schutzdach vorhanden— er wurde schwerverletzt von der Baustelle gebracht. Hier müssen beide, der Polier sowohl wie der städtische Bauführer, in gehöriger Weise in Strafe genommen werden, damit die Herrschaften endlich be- greifen lernen, daß sie die Unfollverhütungsvorschristen einhalten müsien. Zu der Dienstanweisung der Bauarbeiterschutz- männer, die im„Vorwärts" jüngst besprochen wurde, ist noch zu bemerken, daß der Verband der Baugeschäfte Berlins die Dienst- anweisung nebst einem Rundschreiben an sein« Mitglieder versandt«, mit dem Zusatz(dem Sinne noch):„Wenn die Bauarbeiterschutz- männer sich Uebergrifs« erlauben sollten, dann sind diese sofort dem Verband der Baugeschäst« zu melden, er würde dann für A b h i l f« sorgen." Uns dünkt, der Verband der Baugeschäst« Berlins würde sich«in weit größeres Verdienst erwerben, wenn er für st r i k t e Durch- führung der Unfallverhütung auf den Baustellen seiner Mitglieder wirken wollte. �iis der Gsram G. m. b. H., 5abrik fl. Ilm die Verkürzung der Arbeikszeit. In der Sitzung des Arbeiterrats am 9. November wurde ein- stimmig eine Entschließung gefaßt, die der Belegschaft als Flug- b l a t t zur Aufklärung bekanntgegeben werden wird. Die Ent- schließung begrüßt die Initiative der Spitzenverbände der Gewerk- schaften, um der Not der Erwerbslosen zu begegnen und das Wirt- fchastsleben in geordnete Bahnen zu leiten. Indem heute mit der Hälfte der Belegschaft und darunter eine weit höhere Produktion erzielt wird wie bisher, und die sich daraus ergebenden Mehr- gewinne, gesteigert durch fast verdoppelte Warenpreise, ausschließ- lich in die Taschen der Unternehmer fließen, ergibt sich für die Ar- beiterschast eine steigende Arbeitslosigkeit. Die unfreiwillig feiern- den Kräfte werden der Produktion entzogen, der Arbeit entwöhnt, und werden damit zu einer Gefahr für die Volkswirtschaft. Die katastrophale Lahmlegung der Kaufkraft erfordert Gegenmaßnahmen, wie sie die Gewerkschaften sordern. Mit der Schaffung des Betriebsrätegesetzes wurde ein�Teil der Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung auf die Schultern der Betriebs-"und Arbeiterräte gelegt, vorab, um die menschliche Arbeitskraft vor Schaden zu bewahren. Der Artikel 163 der Ver- fassung gibt den Arbeitern und Angestellten außerdem das Recht und damit auch die Pflicht, an der wirtschaftlichen Entwicklung mitzuwirken._ Der Arbeiterrat hält deshalb eine vollständige Beseitl- gung der Ueberarbeit dringend geboten, um einen nennens- werten Teil der Arbeitslosen wieder in den Produktionsprozeß zu bringen. Die Belegschaftsstärke muß groß genug sein, damit die achtstündige Arbeitszeit auch bei gesteigerter Produktions. Möglichkeit ausreicht. Die tarifliche V o r b e d i n g u n g für die Ableistung der neunten Stunde ist für die Fabrik A nicht mehr gegeben. Die Entlassung von Arbeitskräften bei eintretendem Arbeits- Mangel soll vermieden, vielmehr die Arbeitszeit dementsprechend her- abgesetzt werden. Der dadurch entstehende Verdienstaussall. d. h. die Verminderung der Kaufkraft soll durch prozentuale Erhöhung des Lohnes aus den Mitteln ausgeglichen werden, die der Firma durch die Rationalisierung zufließen, die Löhne stabil gehalten werden, was bei dem geringen Anteil des Arbeitslohnes an den Kosten dee Produktes sehr wohl möglich sei. Der Arbeiterrat beauftragte den Betriebsausschuß, über die in der Entschließung ausgeworfenen Fragen eine Aussprache mit der Direktion des Werkes herbeizuführen. Um den Akkordtarif der Einsetzer. Der Holzarbeiterverband steht mit dem Zentrolverband der Bautischlermeister Berlins seit dem Frühjahr dieses Jahres in Verhandlungen über den Abschluß eines Äkkordtarifes für die Einsetzer. Der jetzigen Akkordbercchnung liegt der im Jahre 1913 abgeschlossene Akkordtaris zugrunde, aus den je nach den betrieblichen Vereinbarungen etwa 39 bis 89 Proz. Aufschlag gezahlt werden. Die Forderung der Einsetzer geht dahin, einen neuen Akkordtaris abzuschließen, durch den die Akkordpreise der Vorkriegszeit generell u m S 9 Pr o z. erhöht werden sollen. Nachdem schon verschiedene Verhandlungen an der Ablehnung dieser Forderung gescheitert waren, erklärten sich die Unternehmer in der letzten Verhandlung bereit, einen Tarif abzuschließen, der eine 3Sprozentige Erhöhung der Akkordpreise der Vor- kriegszeit vorsieht. Dieses Angebot wurde von der Versammlung der tm Holzarbeitcrverband organisierten Einsetzer am Dienstag ein- stimmig als völlig ungenügend abgelehnt und die Organisationen zu neuen Verhandlungen beauftragt. »- Ixqrndanip»« de» 3 Ml. htuit, greitos, TU, Uhr. fulaenb« Bezirk«: vst»»: Iuaendbnm Grog« granksurter Str. IS Gimmer?>.»Berusskrankheitcn nce»Str. 7!10. Maß- brenner-Abend. Wir üben ,ur Weibnachlsfeier.— Spanda«: Iugendbelm Lindcnufer 1.„Ausdruckstiittur". Ausspracheabend. Freie Kcwcrllchast,ju«ic»d. S«ute, Frei:«!,. 7� Ubr. hiflrn dl« Gruppen: ObrrfchSarwride: Gruvvenlxim Suflrndbcint Laufcnrr Str. 2 iZinter Saal). Bartra»:„kulturelle Bedeutung der Gewerkschaften".— Kermaonplati: Gruppen» beim Iugendbeim Sande' str. n. ecke»abrechtsiraß«.«artrag:..D«r«nglisch« Bergarbeiter streik und feige Äuawirkunaen".— geppliiipl«»! Grugpenbeim «tSMifch« Iugenddci» tiuremburaer«cke»cnter«trade. Sasemann kgmmt. — Dedding I; Gruppenheirn Stadtdad Weddin«. Gerichtstr. SS/S». Bartrag: „Da, Birken der FGI."— Oftlrei»: S-ul« tagt der«reiskurfu, d«» vstkreifc» im Iugendbeim Lichtenberg, Dollestr. 22, pünktlich"■% Uhr. Verantwortlich für Politik: Dr. ll»rt»«,«': Wirtschaft:«rt»r«atero»»: G-w-rkschaftsbeweaunq: Friede,«ßkorn: Feuilleton: st.«. D»scher: Lokale, und Sonstiges: Fritz starftädt! An, eigen: r».»lock«: sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts.Berlog G. m. b. S.. Berlin- Druck: Borwärts-Buchbruckeret und Berlaasanstalt Paul Singer u. To. Berlin SW 68 Linden straße 3. Sier,u 2 Beilagen,„Unterhaltung und«ist«»"»nd„Gdodtbeiloge". übergibt«an nur dem Nachweis de« Deutich.MulikervcrbandeS, Berlin 027, AndreaSstr. 2t kKönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 3 bis!>. Sonntags 10 bis 2 Ubr. Slui«misch Vertreterbesuch H. WERTHEIM JCebenstnittel Leipziger Platz KSSSZö Kdnigstr. Roscnthalcr Str. Moritzplatz Soweit Vorrat Frisches Fleisch Kaibskamm, Brust u. Rücken pm. 78 pl Hammel, Siiudiiet, ptand 95� Junge Gänse......... n�d 95 pi Iis Gänse-Stückenfleisch Pfd. 85 Ke,££ iss Fische Braftschollen.............. � 12 n Goldbarse j£°pe, 25 p*. Schellfische 28 pt Kabeljau«b»««<»?»,«»»,«?>,<*>«..... pfnad 28 pt Lebende Hechte...... P(md Im Iis Lebende Spiegelkarpfen. p.°.d I20 Räucherwaren Schellfische»fand 32»t Sprotten«chi«,pfund 48pt Fettbücklinge 4"; 38 pt Bücklinge 53 p,. Ahibecker Riesen-Flundern»fand 78pt Wein Pnbe für X. flruthe ehntfiHeßlkh Berlin* Uetränkestcucr. ohne Qlat Edelapfelwein i-.kiob,t.............. 55?*. 1922 Liebfraumilch utUMi............. los 1924 Leiwener Klostergarten»on. 1 1921 Oppenheimep v©« und............... 1 so 1921 Berncasteler blumige Mo»«i«rt..»»», 1 90 1921 Niersteiner Domtal blumig, gchaiivon,, 2 so 1923 St, dustin»paniacber Lueliliifaralveln..... 1 26 1923 Fleurie Bema/s a La., Btaunc) molliger Burgunder 2 10 Tarragona Rot an#, vorxugiich« Quaiust 1 10 vlarnaica-Rurn-Verschnltt»«voi.-,wr«nk.. 3 10 Wein vom Faß zu Extra-Preisen Kr. 545 ♦ 4Z. Jahrgang 1. Heilage öes vorwärts Freitag, November?H2S Rsvolverattentat in öer„Hewag". Ein Personalchef getötet.- Der Täter offenbar geisteskrank. Ein furchtbares Verbrechen ist am gestrigen Donnerstag nachmittag gegen 4 Uhr in den Bureaus der Berliner Elet- lrlzitätswerke A.-G.(Bewag) am Schissbaverdamm Nr. 22 verübt worden. Dort erschoß der 2öjährige Bureauan- gestellte Karl L e m m den Vertreter des personalchess, Neßler, weil Lemm zum ZI. Dezember d. Z. die Kündigung erhalten hatte. Ueber den Vorfall erfahren wir folgende Einzelhelten: Seit etwa Jahresfrist war der Bureaudiener Karl Lemm in den Bureaus der Bewag tätig. Lemm, der ein Phantast ist, machte sich bei seinen Kollegen schon nach kurzer Zeit außerordentlich unbeliebt, da er selbst ein überempfindlicher Mensch war. den auch der geringste Vorwurf bis zur Raserei bringen konnte, der auf der an- deren Seite ober das Recht für sich in Anspruch nahm, selbst ältere Kollegen und Vorgesetzte maßlos beleidigen zu können. So wußte er auch von jedem anderen Angestellten seiner Abteilung Uebles zu berichten und in fast allen Fällen stellte es sich heraus, daß die Beschuldigungen des Lemm nur in der Phantasie des jungen Mannes ihren Ursprung hatten. Allem Anschein nach ist Lemm auch sexuell überreizt gewesen, wenigstens deuten gewisse Anzeichen und Erzählungen des Mannes darauf hin. Die Stimmung gegen Lemm fand innerhalb der Beamten und Angestellten eine starke Verschärfung, als der junge Mensch eines Tages erklärte, er sei Mitglied einer rechtsradikalen Geheimorganisation, besitze dort mächtige Freunde und werde jeden erschießen, der ihm dienstlich sich in den Weg dränge. Die über das Verhalten Lemms entrüsteten Angestellten baten den Leiter der Abteilung, Direktor Kunstmann, sich den Prahlhans vorzunehmen, da ein gedeihliches Zusammenarbeiten sonst nicht möglich erscheine. Der Abteilungs- chef ließ sich Lemm auch kommen, machte ihm ernste Vorhaltungen und verlangte von ihm eine Aenderung seines ganzen Verhaltens, da er sonst keine Möglichkeit habe, in der Bewag zu bleiben oder gar die von ihm beantragte Gehaltserhöhung zu erlangen. Lemm versprach auch wirklich Besserung, geriet aber schon wenige Tage später mit einem alten Angestellten in einen neuen Konflikt und griff auch die Direktion der Bewag an. Die Direktion sah sich jedoch nach diesem Borfall, der innerhalb der ganzen Ab- teilung große Empörung auslöste, gezwungen, Lemm zu kün- d i g e n und der Betriebsrat stimmte einer f r i st l-o s e n Entlassung zu. Am gestrigen Donnerstag erschien Lemm, der inzwischen den Kündigungsbrief erhalten hatte, wie gewöhnlich im Bureau und ver. langte gegen Mittag den Leiter der juristischen Abteilung zu sprechen, von dem er stets behauptet hatte, daß der betreffende Herr sein größter Feind sei. Zufälligerweise traf er den in Frage kommenden Beamten nicht an und ging nun in die Personalabteilung, deren Chef er zur Rede stellen wollte. Lemm wurde von dem Vertreter des Chefs, N e ß l e r, empfangen, dem das aufgeregte Wesen und die wirren Andeutungen Lemms aufsielen. Neßler erklärte, er wolle Lemm zum Chef bringen und begleitete den jungen Mann auch tatsächlich, indem er seiner Sekretärin bedeutete, er habe das unbestimmte Ge- fühl, daß Lemm gegen den Chef der Abteilung etwas Ernstliches im Schilde führe. Kur; vor der Tür zum Bureau des Leiters der Per- sonalabteilung zog Lemm plötzlich einen Revolver hervor und streckte Neßler durch zwei Brastschüsse nieder. Nach der Tat warf der Mör» der die Waffe fort und eilte, da in der ersten Aufregung sich niemand um ihn kümmerte, sondern die hinzueilenden Angestellten sich um den schwerverletzten Neßler bemühten, ungehindert die Treppe hinab und verließ das chaus. Zufälligerweise stieß er jedoch nach wenigen Schritten auf einen Schupobeamten, auf den er mit den Worten zuging:..verhasten Sie mich, ich habe eben meinen Ehes er- schössen." Der Beamte nahm daraufhin Lemm fest und brachte ihn nach der Polizeiwache, wo der Täter sofort alles zugab. Er behaup- tetc, er Habs unter einem' unwiderstehlichen Zwang gehandelt, da er in der Bewag„von Feinden" umgeben gewesen sei. Lemm dürfte zunächst dem Untersuchungsrichter vorgeführt, dann aber Voraussicht- lich am seinen Geisteszustand untersucht werden. Der schwerverwundete Neßler wurde in die Charitä über- geführt, wo er bald nach seiner Aufnahme verstarb. Der Getötete, der im 42. Lebensjahre stand und feit langen Jahren der Bewag angehörte, hinterläßt eine Frau und mehrere Kinder. Von anderer Seite erfahren w-ir zu der Angelegenheit: Der Bureaudiener Lemm hatte wiederHoll Vorgesetzte beleidigt und schließlich einen Brief an die Verwaltung gerichtet, der die Aufschrift „An den Verbrecherkonzern" trug. Als er wegen dieses Briefes die Entlastung erhielt, suchte er den Bureaudirektor Kunst- mann auf, und dieser zog zu der Unterredung den Bureauvorsteher kreis Sozialistisdie Msdiule. Sonnabend, 20. November, 7V, Uhr abds., im Sitzungssaal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Str. 8, Vortrag des Genossen Prof. Dr. Karl Vorländer-Münster: Die ethische Idee im Sozialismus Eintrittskarten tum Preise von 50 Pf. sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof, II, Zimmer 8.— Buchhandlung J. H. W. Dietz, Lindenstr. 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraffe Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, Qewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5.— freude" Bücherstuben. Potsdamer Str. 104, sowie in allen Vorwärts-Spedi�ionen. Neßler hinzu. Lemm holte plötzlich einen Revolver hervor und zielte aus den Bureaudirektor, so daß der Bureau. Vorsteher dazwischen sprang. Da drückte Lemm ab und Bureau- Vorsteher Neßler brach zusammen. Lemm war nach voll- brachter Tat aus die Straße hinausgelaufen und wurde dort durch einen Polizeibeamten sestgenommen. Schon früher hatte Lemm einmal gedroht, einen zum Betriebsrat gehörenden Angestellten zu erschießen. Er wurde damals durch den Vertrauensarzt der Stadt auf seinen Geisteszustand untersucht, aber für geistig ge- sund erklärt, worauf man ihn welter beschäftigte. Lemm, der jene Nachsicht jetzt so böse vergolten hat, soll einer deutschvölkischen Orga- nisation angehören. Er ist einarmig, doch ist er nicht Kriegsbeschädigter. Den Verlust eines Armes hat er be- reits in seiner jknabenzeit erlitten. Das erste verhör. Lemm wurde dem Polizeipräsidium eingeliefert und dort un> verzüglich in Gegenwart des Chefs der Kriminalpolizei, Regierungs- direktor Dr. Weiß, verhört. Der Grund zu der Bluttat ist ohne Zweifel in persönlicher Rache gegen den Direktor Kunst- mann zu suchen. Er behauptet, daß er zurückgesetzt worden sei. Diese Behauptung ist aber mit größter Vorsicht aufzunehmen. Ge- rächte, die davon wisten wollten, daß der Tat politische Motive zugrunde lägen, entbehren, wie uns Regisrungsdirektor Dr. Weiß mitteilt, zunächst der Grundlage. Mit der Bearbeitung der Au�- klärung wurde Kriminalkommissar Nebe betraut. ganzen waren an den Unfällen ÜISstFahrzeuge beteiligt. Im Vergleich mit dem zweiten Vierteljahr 1926 weist der K r a f t r a!>> verkehr mit plus 12,4 Proz. die stärkste Zunahme der Zahl der zusammengestoßenen Fahrzeuge auf. Dann folgen Lastkraftwagen mit plus 7,8 Proz., an dritter Stelle Fahrräder mit 6,6 Proz., während Straßenbahnen am wenigsten (mit nur 1,5 Proz.) daran beteiligt sind. Die Schuld an den Un- fällen trugen in 452 Fällen Kraftdroschken, in 436 Fällen private Personenkraftwagen und in 348 Fällen Fußgänger. Die Schuld- frage wurde in 69 von hundert Fällen geklärt. Paragraph 218. Zwei Aerzte unter Anklage. Auf fahrlässige Tötung und Vergehen gegen§ 218 lautete die Anklag« gegen die Aerzte Dr. Sch. und Dr. K., die vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Tempelhof zur Vechandlung gelangte. Es war gewissermaßen ein Aerztekongreß hinter verschlossenen Türen. denn nicht weniger als fünf medizinische Sachverständige, darunter Professor Dührßen, Medizinalrat Dr. Hommerich und Prosestor Kaiser waren zur Stelle, um über die komplizierte, für die An- geklagten zum Teil recht bedenkliche Sachlage gehört zu werden. Eines Tages war ein junges Mädchen zu Dr. Sch. gekommen, der ihr nach der Untersuchung erklärte, es müsse wegen ihres kör- perlichen Zustandes eine Unter brechungderMutterfchaft auf dem Wege einer Operation stattfinden. Diese wurde dann auch unter Hinzuziehung des Mitangeklagten Dr. K., eines Spezialarztes, vorgenommen; wenigstens ließ die Aeußerung des Dr. Sch. dem Bräutigam und der Mutter des jungen Mädchens gegenüber, daß die Operation gut verlaufen fei, darauf schließen. Noch in der Woh- nung des Arztes bekam die Patientin hohes Fieber, und weiter- hin zeigte sie die Erscheinungen einer fchwerenBauchfellent- z ü n d« n g. Jedoch vcranlaßten die Aerzte nur, daß das Mädchen auf einer Tragbahre in chre Wohnung gebracht wurde. Erst auf Veranlassung eines anderen Arztes kam die Schwerkranke in ein Krankenhaus, wo sie sofort operiert wurde, jedoch wenige Minuten nach der Operation verstarb. Da bei der Obduktion festgestellt wurde, daß bestimmte innere Organe durchbohrt waren, so wurde Anklage gegen Dr. Sch. und Dr. K. erhoben. Diese Aerzte behaupteten nun. daß sie gar keine Operation vorgenommen hätten, da von ihnen in der Diagnose erkannt worden wäre, daß sich das junge Mädchen über seinen Zustand getäuscht hätte, was auch tatsächlich der Fall gewesen war. Die Verstorbene, bei der auch die Adresse einer weisen Frau gefunden worden war, müsse daher zu einer solchen gegangen sein und durch deren Behandlung die Verletzungen davongetragen haben. Aus gewisten Gründen hätten sie die Angehörigen darüber im unklaren gelassen, ob die Operation erfolgt war oder nicht.— Das Gericht kam jedoch zu der Ansicht, daß die Angeklagten den Eingriff vorgenommen hätten, jedoch, nahm das Gericht k e i n e A b- t r e i b u n g. sondern nur fahrlässige Tötung an, nachdem die medizinischen Sachverständigen erklärt hatten, daß solch« Ver- letzung auch einem geübten Operateur zustoßen könnte, dieser aber natürlich sogleich die nötige Feststellung träfe und in einem solchen Falle wie hier sür die sofortige Uebersührung in das Krankenhaus hätte sorgen müssen. Das Gericht erkannte wegen fahrlässiger Tötung ans je drei Monate Gefängnis. Mehr Verkehrsunfälle in öerliu. Noch der Statistik des Kraftverkehrsamts im Poll- z e i p r ä s i d i u m ist im dritten Vierteljahr 1926 die Zahl der Unfälle im Berliner Straßenverkehr gegenüber dem zweiten Viertel- jähr von 3417 auf 3628 gestiegen. Diese Zunahme um 6,2 Proz. bedeutet eine Zunahme der täglichen Unsallsziffer von 37,5 auf 39,4. Entsprechend ist auch die Zahl der durch Zusammenstöße herbei- geführten Verletzungen von Personen gestiegen, die sich um 72 auf 1595 im dritten' Vierteljahr erhöht hat. Von den Verletzten waren 149Kinder unter 14 Jahren. Unter den 31 tödlich Verunglückten befanden sich acht Kinder. Mehr als zwei Drittel der zu- sammengestoßencn Gefährte waren Kraftfahrzeuge. Im Em Straßenbahnwagen zerdrückt ein Auto. An der Straßenbahnhaltestelle in der Dorotheenstraß« Ecke Wilhelmstraße hielt gestern abend gegen 8 Uhr ein Straßenbahn- wagen. Hinter dem Straßenbahnwagen wartete eine Autodroschke mit zwei Insassen. Aus der Richtung des Brandenburger Tors kam ein Straßenbahnzug der Linie 51 in voller Fahrt an. Der Schaffner versuchte zwar den Wagen elektrisd) zu bremsen unter gleichzeitiger Benutzung der Sandbremse, aber der Straßenbahnzug lief> n oollerFahrt auf das Auto auf und drückte es vollständig zusammen. Der Chauffeur wurde in sehr bedenklichem Zustande zur Unfallstation gebracht, da ihm eine eiserne Stange in die Brust gedrungen war. Die beiden Insassen des Autos waren Dr. Stenzler, der Theaterarzt des Wintergartens, und dessen Frau. Di« Frau des Arztes mußte ebenfalls in die Unfallstation gebracht werden. Die Feuerwehr traf bald darauf ein und verband noch einige der leichtverletzten Fahrgäste der Straßenbahn. Sie Wunöer öer Klara van Haag. 1(3� Bon Johannes Vuchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. „Es ist ivahr," sagte er.„Haben gnädige Frau bestimmte Wünsche, ob es Brustbild sein soll oder Kniestück...? Ich hatte fast vergessen, zu fragen, weil ich es fast immer selbst entscheide." „Also sagen wir Brustbild," meinte die Gnädige. „Brustbild. Ja. Ich glaub« auch, das wird aus- gezeichnet." Frau van Haag faß im Sessel und beobachtete Egholm, während er eifrig hin und her schoß und sich unter das schwarze Tuch duckte. Nur Ekel und tief«— fast erniedrigende Enttäuschung fühlte sie bei seinem Anblick. Nicht ein Zug ist bewahrt, dachte sie und schüttelte den Kopf. Sieh, wie seine ausgestanzten Aermel ihm um das Handgelenk schlottern. Warum trägt er keine Manschetten? Und seine Nägel sind ganz schwarzrandig. Er sollte sich schämen. Selbst die Kopfform ist entstellt, weil das Haar fehlt. Diese große frierende Nacktheit ist vielleicht das schlimmste. Und sie wird eingerahmt von etwas zerzaustem, welkem Greisenhaar an den Ohren und am Rockkragen. Nein, nie verzeihe ich dir, Kasper Jgholm, daß du alt und häßlich geworden bist wie der Teufel selbst. Ich bin empört über dich, weil du einem jungen, schönen Freund, den ich einst hatte den Namen gestohlen hast. Hedwig hat recht. Und sie, seine Frau, ist ja gar keine plattgetretene Alltag- lichkeik Frau van Haag konnte einen kleinen Zug nicht vergessen, den sie aufgefangen hotte, als sie so unerwartet den Kovf um d'e Ecke steckte. Eaholms kleine Frau lag auf den Knien und flehte mit emporgestreckten Händen um Gnade. Aber im selben Augenblick, als sie die fremde Dame erblickte, hatte sie sich niedergebeugt, und zu jäten begonnen, ohne ein einziges Mal aufzusehen. Ja. das kann einem geradezu das Master aus den Augen prellen, dachte die Gnädige. So kam es denn, daß Mitleid mit Frau Egholm Frau van Haag tun ließ, was Bewunderung für den Mann nicht vermocht hatte. Gerade als Egholm mit dem Einstellen fertig zu sein meinte und einen letzten prüfenden Blick auf die Gnädige warf, erhob sie sich, machte königinnenstolz einen Schritt auf ihn zu und sagte:„Ich bin eigentlich gekommen. um Sie zu begrüßen. Ich bin Konsul Steens Tochter aus Helsingör." Egholm wurde gelb und fahl, aber er fuhr fort, in seiner Kamera herumzufummeln und sagte ohne aufzusehen:„Konsul Steens Tochter! Eine sehr große Ehre. Ja, es ist lange her. Biele Jahre. Ich glaube— wenn Sie ein bißchen in dieser Richtung sehen wollten, auf die Türfüllung..." Frau van Haag trat noch einen Schritt näher und sagte zitternd vor Zorn:„Ich fin�e, Sie empfangen mich auf eine seltsame Art, Kasper Egholm. Zuerst sende ich Ihnen einen Gruß, den beantworten Sie nicht. Und jetzt, da ich selbst komme, kriechen Sie unter das schwarze Tuch, ohne meine Hand zu nehmen." Egholm stammelte mit Schwierigkeit:„Ihren Gruß habe ich nicht bekommen, und Ihre Hand, die sah ich nicht! Was soll ich sagen, wenn ich dastehe und nur wünsche, tot zu sein? Warum mußten Sie in einem für mich so verhängnisvollen Augenblick kommen.". „Sie schlugen siel" „Nein, aber ich wollte es gerade!" Diese merkwürdige Aehnlichkeit verwirrte Frau van Haag. „Was in aller Welt hatte sie denn getan?" Jetzt fühlte Egholm, daß seine Sache nicht ganz verloren war. Er war von Anklagen gegen Anna erfüllt. Wenn er sie nur vorbringen durfte, dann... Sie hätte Sivert ja lange versteckt, sagte er, wider seinen Willen. Das Essen für ihn gestohlen. Und jetzt, da sein Versteck entdeckt sei, hätte sie sich dazwischen gestellt— zwischen Gerechtigkeit und Sünde! Sivert— das war also der junge Mann auf dem Dache, aber was hatte e r denn getan? Da schwieg Egholm unvermittelt. Gegenüber dieser Frau aus einer anderen Welt sah er die Dinge plötzlich in einem anderen Lichte. Was natürlich und selbstverständlich gewesen war, wurde lächerlich und unmöglich. Aber er konnte ja nicht schweigen und so machte et eine Handbewegung und begann flüsternd, eindringlich von seinen Geldverhältnisten zu erzählen, die nicht recht in Ordnung waren, warum er gedacht hatte... Petrea Bisserup, die Tochter eines reichen, ver- storbenen Bürstenbinders... Aber Sivert hatte sich der Ehe entzogen, indem er sich versteckte. Und jetzt näherte der Termin sich. Frau van Haag hatte ein unsicheres, zwingendes und schwindelndes Gefühl. Wenn sie nur zuhörte, klang Egholms Erzählung wie eine amüsante, aber sehr unwahrscheinliche Geschichte. Wenn sie aber den niedergeschlagenen Blick und die verzweifelt gerunzelte Stirn des Erzählers sah, wurde ihr klar, daß er die Geschickte als völlig wahr und traurig verstanden haben wollte. Das Ergebnis war, daß Frau van Haag jedenfalls ihren Ekel und ihren Zorn vergaß. Sie ergriff ihn am Arm. als wollte sie ihn wachrütteln, und sagte mit ungehaltenem Erstaunen:„Aber sind Sie denn voll- kommen verrückt, Kasper Egholm?" „Das bin ich wohl," sagte er unsicher und ihm schien selbst, daß er gleichsam erwachte. y. Kapitel. Um gut in eine Geschichte hineinzukommen, ist ein er- probtes Hausmittel, den Anfang zu überspringen. Frau van Haag und Egholm wurden einig, dies hier zu hm. Jetzt saßen sie beisammen und suchten heitere und wehmütige Erinnerungen aus einer fernen Zeit hervor. Keiner von ihnen erinnerte sich anscheinend an irgend etwas von einem brüllenden Wilden, der soeben einen furchtbaren Lattenstumpf hoch über den Kopf eines Weibes gehoben, dagestanden war. Auch diese«! Weib erinnerte sich nicht an etwas Derartiges. Sie war hereingerufen worden und hatte sich viele Male'die Hand an ihrer Schürze abgewischt, ehe sie sie, beehrt und glücklich, Hedwigs Gnädigen reichte. Sie kam ja gerade von der Gartenarbeit, die leicht schwarze Finger machte. Sie hörte lächelnd zu, was die beiden sich zu erzählen hatten. „Ja. das war eine wunderbare Zeit," sagte Egholm. „Die Lust war gleichsam eine ganz andere. Die Menschen auch. Nirgends Armut. Schweres Silberzeug in jedem Heim. Vollblutpferde in den Ställen. Der Konsul fuhr ja nie mit mehr als zweien. Aber sein Schwager und mehrere andere spannten stets vier vor ihre Staatswagen." „Und die Feste!" „Die Feste, ja! Die Gartenfeste waren am prachtvollsten. Ich entsinne mich namentlich eines, bei dem der Garten von Hunderten von schwelenden roten Pechfackeln eingerahmt war." „Das war damals, als die französischen Kriegsschiffe uns besuchten." „Richtig. Ach, das war ein schönes Fest. Ich hatte die Fackeln angefertigt, und dann mußte ich doch draußen stehen." „Nicht die ganze Zeit!" „Nicht die ganze Zeit? Kam ich doch herein? Erinnern, Sie sich ein wenig daran?" „Lud Sie nicht jemand ein und schenkte Ihnen Cham- pagner ein?" „Bei dem chinesischen Pavillon! War das damals? O. Sie riefen mich im Dunkeln. Sie hatten mich wohl herumschleichen sehen, und Sie befahlen Iespersen, dem Krämerkommis, der den Weinausschank besorgte, mir ein Glas zu geben. Seine Augen waren eitergrün vor Wut, aber Sie befahlen." „Zwei Gläser. Eines für Sie und eines für mich!" (Fortsetzung folgt.) Ein Unfall beim Sechstagerennen. Tie schadhafte Treppe. � Ein Unfall mit tragischem Ausgang, der sich am 20. Januar ISW während des Sechstagerennens in den Ausstellungs- hallen am Kaiserdamm ereignet«, bildete den Gegenstand einer Anklage, durch Fahrlässigkeit den nachfolgenden Tod des oer- unglückten 6Sjährigcn Herrn G. verschuldet zu haben, vor dem Schösfengericht Charlottenburg. Zlngcklagt waren der Direktor der Deutschen Sporthallen-A.-G., Düstes, der Architekt im Bau- bureau des Rcichsverbandes der Deutschen Automobilindustrie, S t r e l l e r, und dessen Angestellter, der Polier Arendt. Vor Beginn des Sechstagerennens hatte sich gezeigt, daß die S t e i n t r e p p e, die zur Tribüne führte, st e l l e n w e i j e schadhaft war. Beim Transport von Maschinen anläßlich der kurz vorher geschlossenen Automobilousstellung waren mehrere Stufen der Treppe beschädigt worden, und es waren Löcher vorhanden. In der Eile wurde auf Anordnung des Architekten Streller eine orooisorische Ausbesserung in der Art vorgenommen, daß auf die siyadhasten Stufen ein Bohlenbelag gelegt wurde. Die Bretter waren an den Seiten abgesteift. Bei dem starken Berkehr während des Sechstagerennens, bei dem das Publikum wiederHoll wie wild über die Treppe stürmte, lockerte sich am 20. Januar auf einer Stufe der Belag, und in der sechsten Abendstunde stolperte ein Besucher des Rennens über das lose Brett und zog sich eine Verletzung am Knie zu. Durch das hohe Alter und eine starke Arterienverkalkung des Verunglückten trat eine derartige Ber- schlimmcrung ein, dah G. an der Verletzung verstarb. Das Gericht vernahm eine ganze Reihe von Sachverständigen, die fast sämtlich bekundeten, daß der Bohlenbelag, wenn es auch ein pro- oisorischer gewesen sei, so sorgfältig angelegt worden sei. dah man damit rechnen konnte, er würde während der ganzen Dauer der Veranstaltung halten. Der Anklagevertreter war der Ansicht, dah Streller allein eine Schuld treffe. Er muhte damit rechnen, dah es sich nur um ein Provisorium handelte und dah bei der starken Benutzung der Treppe bei Tag und bei Nacht ein neuer Schoden entstehen könnte. Seine Pflicht wäre es daher gewesen, dauernd eine sichere Kontrolle an der ausgebesserten Treppe zu veranlassen Die Verteidiger bestritten aus Gruyd der Gutachten, dah die Angeklagten, die für die Organisation des Rennens weitestgehende Fürsorge getroffen hätten, irgendeine Schuld treffe. Das Schöisengericht nahm an, dah nicht nur Duskes und Arendt, sondern auch Streller keine Schuld an dem Unfall treffe. Auch Streller habe, nachdem er sür eine sachgemäß provisorische Anlage gesorgt hatte, die für die ganze Dauer des Sechstagerennens ausreichend sein sollte, eine weitere persönliche Aussichtspflicht nicht gehabt. Daher sprach das Gericht sämtliche drei Angeklagten auf Kosten der Staatskasse frei. „Etitgällimo'. Tchnaps aus MonoPolin Betriebsstoff. Dem Zollgrenzkommifsariat Berlin war die Mitteilung zu- gegangen, daß der Kaufmann Siegsried K w i l e c k i, Stralauer Straße 3 in Berlin, ausfallend viel Fässer Monopolin unter falschem Namen von einer Monopolinsirma bezog. Eingefordert wurde das Monopolin, welches nur für Kraftsahrzwecke hergegeben wird, �ur Bereitung von Fleckwasser. In der Stralauer Straße wurdck�nichts Auffälliges gefunden. Da erstattete«in Speditions- kutfcher die Anzeige, daß er häusig Nachtfuhren mit großen Fässern nach Werder a. d. Havel für Kwilecki auszuführen hätte. Gleichzeitig lief bei der Polizei in Werder die Mitteilung ein, dah aus der Fruchtsnftprcsserei Fritz M ö w e s starke Benzin. gerüchc ausströmen, die die Anwohner beunruhigten. Nun fielen die Zollbeamten am 2K. Mai in die Fruchtpresserei ein. Möwes gab an, einen Teil der Räume zur Herstellflng von Fleckwasser an Kidilecti abvermietet zu höben. Sämtliche Bottiche waren bis oben 'üWt Wässer ausgefüllt, aber an den Verschluhschläuchen witterten die Zollbeamten Bcnzingeruch. Nach gründlicher Durchsuchung wurde eine großzügig angelegte Entgäklungsanlage entdeckt. Zwei volle Fässer Monopolin und acht leere wurden vorgefunden. Und während der Durchsuchung hatte Möwes auf dem Hof zwei volle Fässer schnell auslaufen lasien. Statt Fleckwasser herzustellen, hat K. mit dem Chemiker Leonard P e r n e r aus Berlin die Entgällung des bereits entgällten Monopolins aus kaltem Weg« vorgenommen und den daraus gewonnenen Sprit zur Berel- tung von Likören oerwandt. Kwilecki war noch am selben Tage aus Werder verschwunden und in eine geschlossene Anstalt in Bernau untergeschlüpft. Den Chemiker fanden die Zollbeamten in einem Gartengrundstück hinter Kisten oersteckt. K. und P. mußten sich wegen Steuerhinterziehung und Vergehens gegen das Branntweinmonopolgesctz vor dem erweiterten Potsdamer Schöffengericht in zweitägiger Sitzung verantworten. Viele Sach- verständige und Zollbeamte waren geladen. Das Finanzamt trat als Nebenklägerin auf. Das Urteil erging gegen beide An- geklagte auf je 7000 M. Geldstrafe und zwei Monate G e s ä n g n is: ferner wurde auf Einziehung des beschlagnahmten Monopolins und der Geräte erkannt. /trzt und Wohlfahrtspflege./ In der Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege hielt der Landeshauptmann der Grenzmark Posen-Weftpreuhen, Genosse Dr. Caspar!, einen mit großem Interesse aufgenommenen Vortrag über dieses Thema. Unter den Zuhörern bemerkte man u. a. den Ministerialdirigenten im Reichsarbcitsnnnisterium Pro- fessor Martineck. Genosse Dr. Caspari führte folgendes aus: Heute bedeutet Wohlfahrtspflege die Summe der erzieherischen, wirtschaftlichen und— gesundheitlichen Maßnahmen, deren Ziel es ist, durch Vorbeugen, Heilen und Versorgen Menschendasein, Lebensfreude und Schaffenskrast zu fördern und zu erhalten. Daimt ist der Gesundheitspflege der gebührende Platz zugewiesen. Die „alte" Wohlfahrtspflege hatte nur das Ziel, Krankheitsschäden wieder güt zu machen. Der Gedanke der Borbeugung war ihr fremd. Die produktive Wohlfahrtspflege von heute soll in erster Reihe vor- beugen. Auf keinem Gebiete zeigen sich die Erfolge vorbeugender Maßnahmen so augenfällig wie gerade bei der Gesundheitspflege. Sie erweisen sich hier auch immer und immer wieder als äußerst wirtschaftlich. Di« moderne Wohlfahrtspflege, wie sie heute ge- trieben wird bzw. überall getrieben werden sollte(!). kann nicht gedeihen, wenn mcht gleichzeitig auch Maßnahmen der öffentlichen Gesundheitspflege in großzügiger Weise unermüdlich durchgefühtt werden. Alles dies kann nur dann Erfolg haben, wenn die Organi- sattonsform eine gute ist. In kleinen Städten und in Landkreisen bewährt sich das Wohlfahrtsamt mit seinen drei Abteilungen: U.nterstützungsamt, Jugendamt und Gesundheit«- a m t. In größeren Städten hat man mit selbständigen Gesund- heitsämtern, die von Verwallungsmedizinern geleitet werden, die besten Erfahrungen gemacht. Frellich muß der Sozialarzt auch wissen, daß die Fürsorge außer der gesundheitlichen auch eine wirtschaftliche und eine pädagogische Seite hat: die Wohlfahrtspraktiker, welche auf den Gebieten der wirtschaftlichen und erziehlichen Fürsorge arbeiten, dürfen aber ihrerseits Umfang und Bedeutung des soziolärztlichen Arbeitsfeldes nicht unterschätzen. Ein enges Zusammenarbeiten mit dem Verwoltungsmediziner tut auch in den Prooinzialverwaltungen dringend not. In der Grenz- mark ist ein Sozialarzt als Landesrat und Vorstandsmitglied der Landesversicherungsanstalt seit mehreren Jahren tätig. Mit bestem Erfolge! Es gelang, lämttiche Unternehmungen im Kampfe gegen die Tuberkulose und die Geschlechtskrankheiten zusammenzufassen und die Arbeit aller öffentlichen. Organ« und gemeinnützigen Vereine auf diesen Gebieten unter Führung des ärztlichen Landesrots höchst nutzbringend zu gestalten. In ähnlicher Weise sollte überall im Reiche die gesamte gesund- beitsfürsorgerische Arbeit organisatorisch zusammengefaßt werden. Nicht nur die Träger der Sozialversicherung und die Organe der Einführung öer neuen Stadträte. Pastor Koch als Schutzpatron der evangelischen Kirche. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung ging gestern die Einführung der neuen Stadträte ohne Zwischenfall vonstatten. Die Kommunisten hielten sich während des Einführungsaktes außerhalb des Saales auf, und so blieb uns s i n Begrüßungskrakeel erspart. Nachher wurde in der Sitzung flotte Arbeit geleistet. Einen breiten Raum nahm die Debatte über die Reformationsdenkmünze ein, gegen deren weitere Verteilung in den höheren Schulen der Stadt unser Genosse K a w e r a u sprach. Mit einer lahmen Erwiderung kam der deutsch- nationale Pastor Koch, der sich als Schutzpatron der evangelischen Kirche versuchte. Beachtung verdient die Haltung des Zentrums, das sich auf«ine belanglose Erklärung beschränkte. Anscheinend sehen die Kacholiken in der Verteilung dieser aus Stadtmitteln beschafften Reformationsdenkmünze keine Provokation. In der gestern abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten nahm Oberbürgermeister Dr. Löh zunächst die Einführung öer neugewählten Stadträte vor. Zur Begrüßung führte der Oberbürgermeister aus: Meine Herren Kollegen! Meine Damen und Herren! Bier wichtige Stellen sollen heute im Berliner Magistrat besetzt werden. Sie waren bisher teils unbesetzt, teils kommissarisch verwaltet. Hoch- bau- und Siedlungswesen, das Schulwesen, die Finanz Verwaltung und das Verkehrsdezernat wer- den von den neugewählten Stadträten übernommen werden. Hierin liegt die weitttagende Bedeutung der Neubesetzung. Wenn man das Notwendige im Hochbau und das Zulünfttge im Siedlungswefen betrachtet, so wird klar, welche Aufgaben den, neuen S t a d t b a u- r a t bevorstehen. Die Neuorganisation des Schulwesens wird dem neuen Stadtschulrat viel Arbeit bringen. Wir hoffen, daß der Kämmerer vor großen Zahlen nicht zurückschrecken wird, wenn es sich um die Befriedigung großer Aufgaben im Interesse des Gemeinwesens handelt. Die Probleme, die uns aus der Ueber- nähme der Hochbahn und dem Betrieb der Straßen- bahn erwachsen, erfordern die ganze Kraft des neuen Stadtrotes. Unter keinen Umständen darf eine Sonderstellung des einzelnen Unternehmens gegenüber den anderen eintreten. Meine Herren Kollegen! Gleichmäßig übernehmen Sie große Aufgaben. Ihre Arbeit bedeutet Arbeit für die Stadtverwaltung und damit für die Allgemeinheit! Die neuen Stadträte— die Genossen Dr. Wagner. Nydahl, Reuter und der Demokrat Dr. Lange als Kämmerer— wurden dann durch die Verpflichtung auf Reichs- und Staatsverfassung und die Städteordnung in ihr Amt eingeführt. Stadtverordnetenvorsteher Genosse haß hieß die neuen Magistratsmitglieder namens der Ver- sammlung willkommen. Er stellte die blsherige kommunale Mit- arbeit der Eingeführten heraus und betonte, daß diese Tätigkeit die Gewähr für eine erfolgreiche Arbeit in den neuen Aemtern biete. Die Deutschnationole n blieben dem Einführung s- o k t fern, die Kommunisten hatten nur Horchposten gestellt. Sie blieben unter Führung des unbesoldeten Stadtrates G ä b e l, der seinerzeit auch den Eid auf die Verfassung leistet«, bei der Dereidi- gung der Stadträte sitzen. Nach Eintritt in die Tagesordnung teilte der Oberbürgermeister in Beantwortung einer entsprechenden A n- frage der sozialdemokratischen Fraktion(die wir im„Vorwärts" am Mittwoch früh mitteilten), mit, daß die Mittel zur Aortfehung der Rolstandsarbclten ln den Rchbergen vom Mogistrat bereits freigestellt worden sind. Unsere An- frage war also von Erfolg. Eine längere Debatte gab es dann aus Anlaß einer sozialdemokratischen Anfrage wegen der Ablehnung eines Kandidaten für den Posten des städliiöien Gewcrbearzles. den der Derwaltungsausschuß des Landes- arbeitsamts vorschlug. Unsere Anfrage begründete Stadtverordneter Genosse Alalau. Der Stadtmedizinalrat Pros. Dr. v. Drigalski ant- wartete, daß die von Flatau angeführten Gründe lür die Ablehnung durch den Magistrat nicht maßgebend waren. In einer weiteren Anfrage unserer Fraktion wurde der Magistrot gestagt, ob es ihm bekannt sei, daß das Anschlagwesen in einzelnen Bezirken an Privatunlernehrner verpachtet worden ist, obwohl günstigere Angebote des städtischen Anschlag» Wesens, der„Berel", vorlagen. Der Magistrat wurde weiter ge- fragt, wie er eine Wiederholung derartiger Fälle verhindern wolle. In der Begründung führte Genosse Bubliß einige besonders markante Beispiele aus den Bezirken Reinickendorf und Wil» m e r s d o r f an. Er forderte, daß die Bezirke verpflichtet werden, städtische Einrichtungen und Betriebe zu bevorzugen, besonders, wenn ihre größere Leistungsfähigkeit so offensichtlich sei wie in den vor- liegenden Fällen, ter deutschnationale Pastor koch benutzte die Gelegenheit, seine und seiner Parteifreunde Abneigung gegen städtische Betrieb« im allgemeinen und die„Berel" im besonderen kund zu tun. Er beschwerte sich über die an städtischen Anschlag- säulen erschienenen Plakate beim Volksentscheid über die Fürsten- enteignung und meinte, daß derartige Plakate zensunert werden mühten.(Gelächter links!) Stadtbourat Hahn gab die von B u b l i tz vorgetragenen Fälle zu und bedauerte sie. Im übrigen konnte er mitteileu, daß die„Berek" etwa viermal soviel an Ueberschüssen an die Stadtverwaltung abliefere als die Prioalfirma, die seinerzeit das Anschlagwescn gepachtet hatte. In namentlicher Abstimmung wurde ein Antrag der Sozialdemokraten angenommen, der verlangt, daß in Zukunft die Bezirke angehalten werden sollen, bei der Verpachtung ihres An- schlagwesens die städtische„Berel" zu bevor z u g e n.-- Genosse kawerau begründete im weiteren Verlauf der Sitzung die Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion wegen der Sperrung fcer Schloßbrücke in Charlotten bürg. Seit 10 Iahren sei die erst vor 20 Iahren vom preußischen Staat gebaute und heute noch in dessen Besitz befindliche Brücke defekt, ohne daß eine Verständigung zwischen der Stadt und dem Staat erfolgt sei. Erst als urplötzlich vor einem Jahre Einsturz- g e s a h r e i n t r a t und die augenblickliche Sperrung angeordnet werden mußte, trat man in Verhandlungen, die jetzt endlich zu einem gewissen Abschluß gebracht wurden. Genosse K a w e r a n betonte den außerordentlichen M i ß st a n d, der sich aus der Sperrung dieses Verbindungsweges nach Sienicnsftadt ergeben Hot, klagte über tue Unzulänglichkeit der Notbrücke und forderte die schleunigste In- angriffnahme des Brückenneubaues. Als Magistratsvertreter sprach Stadtbaurat Hahn. Der Staat Hot jetzt endlich die Brücke der Stadt Berlin überlassen: er zahlt zum Neubau rund K00 000 M. zu. so.daß die Stadt noch etwa 300 000 M. zuschießen muß. Der Bau wird aufs äußerste beschleunigt werden. Die Abstimmung über den Antrag der Kommunisten wegen des Fürstenabsindungsgesetzes ergab die Ablehnung des An» träges. Durch einen Beschluß der Stadtverordneten im Sommer dieses Jahres war der Magistrat ersucht worden, die Resormationsdenkmünze nicht mehr zur Verteilung zu bringen. Der Magistrat hatte mii- geteilt, daß er diesem Beschluß nicht beitreten könne, da er glaube, an dem Einsührungsbeschluß dieser Gedenkmünze, der im Jahre 1812 gefaßt und 1325 bekräftigt worden sei, festhallen zu müssen. Stadtverordneter Genosse Milte teille als Ausschuß- benchterstatter mit. daß sich die Mehrheit des Ausschusses dieser Stellungnahme des Magistrats nicht anschließen konnte. Noch dem Demokraten Hildebrandt, der sür die Weiterverleihung der Münze eintrat, sprach sich Genosse kawerau aus pädagogischen und juripi- scheu Gründen gegen die Münze aus. Er verwies darauf, daß di« Verleihung solcher Denkmünzen Sache der Kirche sein müßte und mcht der Stadt. Im übrigen werde in den Berliner Außenbezirken diese Münze nicht verteilt, sondern nur im so- genannten allen Berlin. Der Sprecher der Deutschnationalen, Pastor koch, erfuhr vom Genossen kawerau die wieder einmal nötige Stäupung. Bei der Rede des Kommunisten Lange verließen die Deutschnationalen den Saal. Sie fühlten sich selbst unter der Obhut ihres Pastors Koch in ihren religiösen Gefühlen bedroht.— Mit der debattelosen Erledigung einer ganzen Reihe von Borlagen schloß die Versammlung. freien Wohlfahrtspflege müssen— wie dies vom Reichsarbeits- Ministerium angestrebt wird— in Bezirksarbeitsgemeinschaften zusammengefaßt werden. Es ist dringend notwendig, daß auch die öffentlichen Verwaltungen(Stadt-, Provinzial- und Kreisverwol- tungen) ihre Vertreter in diese Arbeitsgemeinschaften entsenden und dort eine führend« Rolle spielen. Ist doch die gesundheitssürsorge- rische Arbeit ganz überwiegend auf kommunalem Boden heran- gereift._ Der„taubstumme" Kautiousschwiudler. Der Herr heißt Wies«. Den Rainen soll man sich merken, denn di« Gemeingefährlichkeit von Kauttonsfchwindlern liegt auf der Hand. Allerdings ist noch nichts erwiesen: di« Verhandlung mußt« vertagt werden, da das weibliche Faktotum des Herrn Wies« an„Fettsucht" erkrankt war und deshalb vor Gericht nicht erscheinen konnte. Der Vorsitzend« ließ aber keinen Zweifel darüber, daß er von der Schuld des Angeklagten überzeugt sei und bezeichnete das plötzliche Erkranken der Sekretärin, die der Mittäterschaft dringend verdächtig erscheine, als sehr„putzig". Die Zeugen aber, mit anderen Worten di« De- trogenen, die imverrichteter Dinge nach Hause gehen mußten, waren der Ansicht, daß Frau K.— so heißt nämlich das Faktotum— wohl die Fettsucht von ihrem, der Zeugin Geld« bekommen habe: vielleicht meint« sie das nicht cchne Grund. Denn der„taubstumme" Herr Wiese, der zwar vorzüglich spricht, doch völlig harthörig sein soll, mußt« beim Abschluß seiner Geschäfte sich der Niederschriften seiner Sekretärin bedienen: nur auf diese Weise konnte er sich oerständigen. Di« Geschäfte selbst gingen aber glänzend. Er inserierte nach be- rühmten Mustern, daß er gegen Kaution Angestellte suche und nahm dann auch wirtlich die Kaution envonje 100 M. entgegen, di« ihm laut Vertrag zur freien Verfügung gestellt werden mußten, als Gegenlei st ungverfpracherein« Stellung bei sofortigem Antritt und einem Gehalt von 250 M. In Wirklichkeit aber erhielten die Angestellten weder ihr Gehalt noch ihre Kaution zurück. Etwa sechs oder sieben Leute wurden auf dies« Weis« um ihre Ersparnisse gebracht. Herr Wies« befindet sich auf freiem Fuß. Hoffentlich treibt er sein Unwesen nicht weiter. Er ist mehrmals vorbestraft, trotz seiner„Taubstummheit". Prüfung künstlerisch begabter Schüler. Das Landesberufsamt Berlin, SW. 13. Niederwall. straße 12, veranstaltet am 23. und 30. November 1326, vormittags 3 Uhr, in den Dereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, Berlin-Charlottenburg 2. Hordenbergstr. 33. wiederum ein« Prüfung von künsllerisch begabten Schülern und Schülerinnen aller «chulgattungcn Berlins, die zu Ostern 1327 die Schule verlassen und darüber beroten sein wollen, ob ihre Begabung für einen künstlerischen oder kunstgewerblichen Beruf aus. reicht. Nach Begutachtung der Prüfungsleistungen durch Professor Dannenberg findet für die Prüflinge ein« Berufsberatung durch Berufsberater des Landesberufsamtes statt. Zur Aufnahme in die Kunstschulen selbst berechtigt diese Prüfung nicht. Schüler und Schülerinnen, die an der Prüfung tellzunehmen wünschen, haben selbstgeserttgte Arbellen(Zeichnungen, Malereien, Entwürfe, Baste- leien, Handarbeiten, plastische Arbeiten), aus denen allgemeine und besondere Begabung, Formen- und Farbensinn und Phantasie sprechen, bereits am Freitag, dem 26., und Sonnabend, dem 27. November d. I., in der Zeit von 10 bis 2 Uhr im Sekretariat der Kunstschulen, Charlottenburg, Hordenbergstr. 33, ab- zuliefern und gleichzeitig eine Prüfungsgebühr von 3 M. zu ent- richten. Anträge auf teilweisen oder gänzlichen Erlaß dieser Prü- fungsgebühren sind unter eingehender Darlegung der Gründe und unter Bestätigung der Schulleitung bei der Anmeldung vorzulegen. Später eingehende Anträge können nicht berücksichtigt werden. Zur Prüfung selbst chnd Mal- und Zeichenmaterial und das erforderliche Papier mitzubringen. Qritt Kind in einem Wafferloch ertrunken. Im Luisen städtischen Kanal in Berlin, der gegen- wärtig zugeschüttet wird, fand am Bußtag ein achtjähriger Junge beim Spielen den Tod, indem er von einem Sandhügel herunter- rutschte und dabei in«in tiefes Wafferloch fiel. Statt um Hilfe zu rufen, liefen die Spielkameraden davon und überließen den Knaben seinem Schicksal. Abends vermißten die Ellern ihr Kind� das auch die Polizei nicht auffinden konnte. Am anderen Morgen nahm der Lehrer die Spielkameraden des Vermißten energisch ins Verhör, und jetzt gestanden sie zögernd den Unfall. Die sofort alar- mierte Feuerwehr fischte auch tatsächlich sehr rasch die Leiche des Knaben aus einem Wasscrloch.— Wie ist es möglich, daß, wenn sich in dem Gelände des ehemaligen Kanals noch derartig gefährliche Stellen befinden, diese Stellen offenbar so wenig geschützt sind, daß Kinder hineinstürzen können? Warnung vor der„Hydra"! Mit einem„H y d r a s y st e m" sucht wieder einmal ein« holländische Gesellschaft ihre deutschen Mitmenschen zu beglücken. Es ist eine Firma„Allgemeen Kreditinstitut" zu Roer- mönd, das Stadt und Land im Deutschen Reiche mit seinen Pro- spekten überschwemmt. Es verspricht, wie alle diese Unternehmun- gen, denen, d'e seine Gutscheine vertreiben, hohe Preise. Di« Ab- nehmer und Vertreiber der Kutscheine machen sich aber in Preußen nach dm Gesetz vom 23. August 1301 wegen Spielens in einer außer- preußischen Lotterie strafbar, denn derartige„H y d r a s y st e m e" sind als Lotterien zu betrachten und demnach verboten. Vor einer Beteiligung ist also schon aus diesem Grunde zu warnen. Wer Material zugesandt bekckmmt, wird ersucht, es der Dienststell« k'.L der Kriminalpolizei im Polizeidienstgebäude in der Georgen- kirchstroße 30a einzusenden. Die Jnscktenfrennde. Im Anschluß an ein« Schmetterlings- und Infektenbörfe, über die wir kürzlich berichteten, lud der Entomologe von B o d e m e y e r Insektensammler und-freunde zu einem Vortrag ein. Unter den zahlreich erschienenen Gästen bemerkte man interessant« Köpfe. Men- schen, die viel Leid durchgemocht haben müssen— auch der Vortragende selbst ist Kriegsbeschädigter. Er liest mit geschulter Stimme aus seinen sibirischen Reiseerlebnissen vor. Er führt uns an den Amur, den sibirischen Riefenstrom, wo unter ungeheuren Strapazen die Juwelen der Käierwell aus dem Laufkäiergefchlecht erbeutet werden. Ungemein fesselnd, mit den oftenen Augen des wirklichen Naturschwärmers, schildert er all seine Erlebnisse, di« Natur und die Kostbarkellen, die er ihr unter den größten Entbehrungen abgerungen hat. Alles hängt begeistert an seinen Lippen, all diese Menschen, die das Leben so stiefmütterlich behandelt, und die trotz alledem die Kraft besitzen, sich an der Schönheit der Natur immer wieder aufs neue zu begeistern. Hier in diesem Neinen Raum mit den aufgestellten Jnsektenkästcn, die die prächtigen exotischen und heimischen Insekten enthalten, unter Menschen, die, wenn auch äußerlich verschiede», doch eine einzige Familie bilden, gab es an diesem Abend viel Freude und Zufriedenheit. Für die Frühiahrssugendweihen 19?? im Kroßen Schauspielhaus, Schillcr-Tbcalcr Charlottenburg und Lhzcum, Pankow, werden Anmeldungen unter gleichzeitiger Zahlung von öd Ps. in den nachstehenden Ausnahme- stellen entgegengenommen: I u g e n d s e k r e t a r i a t, 8W SK, Linden- strage 3, 2. Hos 2 Treppen, Zimmer 11. oeöiinct von 9— 5 Uhr, Mittwochs und FreitagS von 9— 7 Uhr. S. Joseph, XV 21, WilhclmShavener Str. 48 (Borwärts-Sped), P. Kroll, X 65, UIrcchler Str. 21 sRestaurailt), A. Hönisch. X 65. Müller- Ecke Utrechtcr Str. lPorwärtS-Tped.), W. Hoffmann, X 58, Lpchener Str. 8 lRestaurantl. H. Obst, X 54, Ackerstraße 174, K. Andcrsson, X 31. Stialsunder Str. 19. E. Gertb. X113. Greisenbagcner Str. 22 sDorwärtS-Sped.), H. Fiicher. X 20, Bastianstr. 7(Vorwärts-Sbed.l, P. Dölz, XO 55, Jmmanuelkirchstr. 24(Vorwärts-Sped.), W.(Bübe. XO 18, Landsberger Allee 45 I, M. Wartmann, O 34, Königsberger Str. 37(Photo- gelchä'tl, K. Melle, O 34, Petersburger Platz 4(VorwärtS-Sped), L. Witt- schuß, O 34, Petersburger Str. 5(Restaurant), F. Arndt, O 27, MarkuZ- ftraßc 36(VorwärtS-Sped.), F. Petke. LO 36. Glogaucr Str. 30 vorn IV, P. Böhm, 80 36, Lausitzer Platz 14,15(VorwärtS-Sped.), P. Lier, SO 26, Naunynstr. 9(Restaurant�, SS. Kallas, Baumschulenweg, Schradcr- straße 16 vorn III, E. Meckelburg, Treptow, Graetzslr. 50(Vorwärts- Sved), Frau Klawitter, Schöneberg, Apostel-Paulus-Str. 7, R. Petrie, Schön cberg, EberSstr. 70, Ratbmann, Schöneberg, Beiziger Str. 27(Vor- wärtS-Spcd.l, K. Schaudt. Friedenau. Bachestr. 9, Frau Ungerer Wilmersdorf, Hanauer Str. 43(Siedlung), E. Ziege. Lichter- seid e-Ost, Lorcnzstr. 15. K. Schönweiter. Lichterselde-West, Händelplatz 5, F. Hamburg, Steglitz, Schloßstr. 103, W. Skubig, Steglitz, Ringstr. 7. Gartenh. III, G. Felgentvcu, Lankwitz. Cbarlottenftr. 34, Charlotten bürg:.Vorwäris-Spedition�, Charlottenburg. Sesen- bcimer Str. 1. ptr., Joachimic. Charlottenburg. Kaiserdamm 102(Vorwärts- Sped.). Schulz, Charlottenburg. Dropscnitr. 12, 1. Kartenh. III, Puseniak, Charlottenburg. Augsburger Str. 47, ptr., F. Schmidt, Charlottenburg, Rosincnitr. 4(Laden). Pankow: Konsumoerkaussstellen in Pankow, Wollantstr. 102 und Berliner Str. 47, Konsumoerkaussstellen in Nieder- schönhausen, Kaiser-Withelm-Str. 79 und Kaiserweg 60. Arbeiterbildungsschule. Die Arbeitsgmeinschast des Genossen Marquardt .Geschichte des Sozialismus in Vergangenheit und Gegenwart" findet ab Freitag, den 19. November, pünltl-ch 8 Uhr abends, im VerwaltungS- gebäude deS Bezirksamts Kreuzberg, Aorckstr. 11, Zimmer 37, statt. Bund religiöser Sozialisten. Eröffnung der diesjährigen Wintervorträgc in N e u k ö l I n am Montag, den 22. November, abends 7'/, Uhr, im Ge- meindeiaal Herthastr. 9. ES spricht Genosse Pfarrer Karl Schmidt über daS Thema:.Die stattgesundencn Kirchenwahlen in Mitteldeutschland (Anhalt und Thüringen)." Eintritt frei. Wieder ein Völkischer verurteilt. Das Amtsgericht München fällte in dem Beleidigungsprozeß Ballerstedt-Buckcley, der sich um die Zugspitzbahn drehte, folgendes Urteil: Der Schriftsteller Wilhelm Sternbauer vom ehe- maligen„Völkischen Kurier" wird wegen übler Nach- rede zu 200 Mark Geldstrafe eventuell zwei Tagen Gefängnis verurteilt. Der Diplomingenieur Ballerstedt und Rechtsanwalt Dr. August Buckeley werden freigesprochen. Zugzusammensloß in -... 2 Sachsen. Der Personenzug 1452 fuhr Dienstag nachmittag 2 Uhr auf Bahnhof Hammer-Unterwiefenthal (Schmalspurbahn Kranzahl— Oberwiesenthal) infolge falscher Weichen- stellung dem Güterzug 10635 in die Flanke. Bei dem Unfall wurden drei Reisende leicht verletzt. Von dem Güterzug wurden drei aufgebockte Wagen umgeworfen. Schwere Betriebsunfälle in Belgien. Im Marmor st ein- b r u ch von D e n e e bei Dinant stürzte ein Gerüst, aus dem sich sechs Arbeiter befanden, in eine Tiefe von 30 Meter. Alle sechs Arbeiter erlitten schwere Verletzungen.— In St. Vadst stieß ein A r b e i t e r z u g infolge Bremsenbruchs mit einem anderen Zug zusammen und stürfte den Bahndamm hinunter. Dreißig Ar- o eil er wurden dabei verletzt. Gesthästliches. Vergrößerung des Mokka-Efki-Vekriebes. Die Kaffeeräume des Mokka-Efti-Betriebes in der L e i p- ziger Straße, wo man für 25 Pf. eine anständig« Taste Kaffee erhält, sind zu klein geworden, und es wurde jetzt ein zweites Stock- wert, ebenfalls als Kaffeestation eingerichtet. Die neuen Räume sind nach Entwürfen des Firmeninhabers geschmackvoll und behaglich ein- gerichtet. Der eine Saal ist, wie die bisherigen Räume, als gemüt- licher Koffeefalon gedacht, daran schließen sich zwei richtiggehende, im maurisch-türkischen Stil gehaltene Mokkastuben und eine Turko- Bar. Fußboden und Wände sind mit Teppichen bedeckt, eine edic Griechin kredenzt die Genüsse, mit einem Wort: alles ist stilecht. Die Firma unterhält außer in Berlin noch in einigen ausländischen Großstädten Filialen, die Hauptgeschäfte befinden sich in ihrer Heimat. Der Betrieb beschäftigt hier bereits 150 Angestellte. Herbert Eulenbergs Vorlesung aus eigenen Werken im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses wurde auf den Berliner Rundfunksender übertragen. Eulenbcrgs eigenartige Persönlichkeit brachte sich auch in dieser kurzen Stunde zur Geltung. Aus den „Schattenbildern", seinen bekanntesten und vielleicht gelungensten Werken las er das liebevoll gezeichnete Schattenbild„Mozart". Vorher hörte man ein Kapitel aus einem noch unveröffentlichten Zeitroman:„Mensch und Meteor". Auch hier packte wieder Eulen- bergs Fähigkeit, Menschen zu sehen. Wie er eine Gestalt in ihrer Struktur erfaßt, die schließlich immer in guten wie in bösen Situa- tionen zutage tritt, beweist nicht nur den feinen Seelenkenner, sondern auch den Menschen, der die Beziehungen erfühlt zwischen Ereignis und Geschöpf. Und so stark lebt der Romantiker Eulenberg in der Gegenwart, daß er— nicht durch photographisch treu abgebildete Situationen— uns einen Abschnitt„Die Krisenzeit der Inflation" mit allen Erlebnismomcnten und Gefühlsstimmungen heraufbeschwören kann. Gedichte, die nach dieser starken Prosa aber weniger wirkten, bildeten den Schluß seines Vortragsabends. Wozu Albert Reinkes Vorlesung aus eigenen, höchst belanglosen Werken am Nachmittag aber gut sein sollte, war nicht ersichtlich. Auch ohne die mehr als kindliche überbetonte Vortragsweise des Verfassers wäre diese halbe Stunde kein Ruhmesblatt für den dafür verantwortlichen Ver- anstalter geworden. Sehr interessante Ausführungen, die drei a k- tuelle Probleme der Filmtechnik behandelten, den Farbenfilm, den Film in Verbindung mit Wort und Ton und den plastischen Film hörte man von Hans Pander. Die ausgezeichnete ungarische Kapelle unter der Leitung von Dr. I m r e v. S z i l a g i gab vier Jahrhunderte Zigeunerleben voll Wildheit und Leiden- schaft, Edith D i o s y sang Zigeunerlieder von Dvorak mit schöner Stimme und lebendigem Ausdruck. vss kunclfunkproxr'smm. freitsg, den 19. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm.: Pranenfragen und Prauensorgcn(Charlotte Mühsam- Werth er: Konsumfinanzicrung und Zahlungserleichto- rungen für die Hauskrau. 4.30—6 Uhr abends: Nachmittagskonzert des Ette-Kammerorchesters. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Pilmdipnst. 6.30 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule (Bildnngskurse). Abteilung Gartenbau. Professor E. Heine: Die Herbst- und Winterdüngung im Garten. 7.05 Uhr abends; Dr. Hans Bollmann; Die Sportschau des Monats. 7.30 Uhr abends: Alfred Kern: Einführung in Gerhart Hauptmanns Schauspiel: „Die Weber". 8 Uhr abends: Sendespiele.(Zu Gerhart Hauptmanns Geburtstag). Deitung: Alfred Braun. Personen; Dreißiger, Barchentfabribant; Frau Dreißiger: Pfeifer. Expedient; Xou- mann, Kassierer, der Lehrling, der Kutscher Johann, ein Mädchen, alle fünf bei Dreißiger; Weinhold. Hauslehrer bei Dreißigers Söhnen; Pastor Kittelhaas; Frau Pastor Kittelhaus; Heide, Polizeiverwalter; Kutsche, Gendarm; Welze], Gastwirt: Frau Welzel; Anna Welzel: Wiegand, Tischler; ein Reisender; ein Bauer; ein Förster; Schmidt, Cbirurgus; Hornig, Lumpensammler; der alte Wittig, Schmiedemeister; Weber; Bäcker;. Moritz Jäger; der alte Baumert; Mutter Baumert; Emma Baumert; Fritz, Emmas Sohn, vier Jahre alt; August Baumert; der alte Ansorge; Frau Heinrich: der alte Hilse: Frau Hilse; Gottlieb Hilse; Luise, Gottliebs Frau; Mielchen, seine Tochter, sechs Jahre alt; Reimann, Weber; Heibef, Weber: eine Weberfrau: ein Knabe, acht Jahre alt; eine große Menge junger und alter Weber und Weberfrauen. Die Vorgänge dieser Dichtung geschehen in den vierziger Jahren in Kaschbach im Eulengebirge, sowie in Peterswaldau und Langen- bielau am Fuße des Eulengebirges. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Xagesnachrichtop. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30—12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kennbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhansen, Freitag, den 19. November. 12— 12 30 Uhr nachm.: B. K. Graef: Sprechtechnik für Schüler. 2.30—3 Uhr nochm.: FrL Dr. Olga Stieglitz: Allgemeine Bildung, Mittel und Wege des Erwerbs der Bildung. 3—3.30 Uhr nachm?: C. M. Alfieri. G. v. Eyseren-: Spanisch. 3 30— 4 Uhr nachm.: Dirigent Schüler: Der"Klempner. Gas- und Wasserinstallateur. 4— 4 30 Uhr nachm.: Frl. Marg. Schmidt: Die Frauenarbeit in der Bekleidungsindustrie. 4.30— B Uhr nachm.: Mitteilungen aus den mit dem Zentralinstitut verbundenen Stellen. 5—5.30 Uhr nachm.: Ob.-Med.-Rat Dr. Slawyk; Die physikalische Erforschung des Mikrokosmos._5.30— 6 Ühr abends: Dr. Artur Dix: Die außer- e fr Sozialistische flrbeiterjugenö Groß-Serlin. «Rund-um-den-Schund"-Veranslalkung am Freito«, 8. Dezember. 7)4 Uhr, im gtofitn Saal der Neuen Welt, Hasen. Heid«. Mitwirkende: Hans Rcimann. Erich Weinter, Günther Plaut, Spiel. Gemeinschaft der Arbcitcriueend und Iungsozialisten usw. Eintritt 50 Pf. Karten sind im Iugendsekretariat erhältlich. 4- tzlbteilungsleiter, rechnet die Karten von der Revolutionsfeier ab. isrei« Sozialistisch« Hochschule. Sonnabend, 20. November. 7)o Uhr. spricht Pros. Dr. Karl Porländer-Münster über„Die ethische Idee im Sozialismus" im arosien Saal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 8. Einlaß- karte 50 Pf. Führer aussprach« Sonntag. 21. November, abends k Uhr, Jugendheim Lindenftraße. Thema:»Der Wca zum Sozialismus". Prob« zum Schmöker-Spiel heute, Freitag, pünktlich 7'.� Uhr. im Jugend- heim Lindenstr. 3. Abteilung, kassier er heute, Kreits g, von. 5— 7 Uhr, Abrechnung. Heute, Freitag, Ig. lNovember, abends TA Uhr: Wander- und Spielleiter. llursu« 3. Abend. Thema:.Erst« Hilfe bei Un- alllckssällcn". Schule Kochstr. 13. Moabit II: Schule Pochumer Str. N>. Vortrag:„Religion und Sozia- ilsmus".— Rardoft II: Jugendheim Danziger Str. 62. Börtrog:„Sexuelle Kragen".— Seneseldee-Biertel: Schule Danziger Str. 23. Aussprache:„Unsere Wruppenarbeit".— wcihensee U: Iuqcndheim Parkstr. 3«. Bortrag:„Die Entstehung des Kapiwlismus" 2. Teil.— Schöneberg I: Jugendheim Haupt- strafte 15. Tagespolitische Ausspracis«.— Schöneberg II: Jugendheim Haupt» strafte 15. Vortrag:„Die Revolution".— Eharlottenbnrg und Eharlotteuhurg- Nord: Jugendheim Rosinenstr. 4. Vortrag:„Rcvolutinäre Bewegung des Proletariats".— Steglitz IT: Jugendheim Holsteinische Str. 3. Arbeiter-Dichter: „Schönlank— Dchmel".— Neukölln II: Jugendheim B-rgstr. 23. Lons-Abeiid. — Neukölln IV: Jugendheim Nogatstr. 53. Vortrag:„Der einzelne in der Bewegung".— Adlershof: Jugendheim Roonstr. IG. Bor trag:„Bursche und Miidel in der SAI."— Köpenick: Jugendheim Grünauer Etr 5. Lichtbilder. Vortrag:„Der Rhein".— Baumschulenweg: Jugendheim Erirststr. 16. Lichtbildervortrag:„Bon der Postkutsche zur Eisenbahn".— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3. Vortrag:„EÄJ�und Kirche".�— Lichteuberg-Nord: Jugendheim dorff: Die neueste Entwicklung der Konzentrationsbewegung in der deutschen Industrie. 7—7.30 Uhr abends: Dr. Rttscher: Lyriker der Romantik im Liede. 7.30—7.65 Uhr abends: Prof. Dr. Lewandowski: Die Tätigkeit des Schularztes. 7.55— 8 20 Uhr abends: Prof. Dr. Hamburger: Drüsenkinder. Ab 8.30 Uhr abends: Ueber- tragung aus Berlin. ___________________................ Steglitz, Jugendheim Albrechtstr. 47. Thema:„Probleme des Marxismus". Werbebezirk Reinickendorf: Der Ansang des Bildungskursus muh leidet nochmals um eine Woche verschoben werden. * Werbebezirk Neukölln: Achtung, Vorsitzende! Die Kundgebung findet am Dienstag statt. Handzettel müssen heute von W—%7 Uhr im" Sekretariat Neckarstr. 2 abgeholt werde».___ vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz- Rok-Gold". ««schöft-Nelle: Verlin S14. Sebastiansir. 37/38 Hos 2 Tr. Prenzlaner«er«: Kameradschaft Nordkap Fr., d. 1».. Kamerad- schastsversammlung. Referent Kamerad Karl Litte. Thema:„Da« Reichsbonner und die Partei".— Friedrichshain: Fr., d. 19. Die Kameraden werden ersucht, in Bannerkleidung an der Kundgebung im Herrenhaus tcilzu- nehmen. Beginn 3 Uhr.— Pankow(Kreis): Freitag 8 Uhr Turnhalle Wollvnk- strafte. Erscheinen Pflicht. So., d. 20., 7 Uhr, Pankow�SSiönhausen(Bahnhof). Mo., d. 22., 7 Uhr. Breit« Str. 14 mit Tambonrkorps und Fahnen. Di., d. 23., bis Fr., d. 26., jeden Abend 7 Uhr in den Komeradschaftslokalen. Zu allen Veranstaltungen ladet der Nachrichtendienst ein.— Tempclhof(Kreis): Fr., d. 19., 8 Uhr, bei Pomme:«ning, Tempclhof. Berliner Str. lvil. Ausgabe de, Werbematerials. So., d. 20.. 8 Uhr. Antreten zum Fackelzug Tempclhof, DerlÄnqerte Ringbahn- Ecke Berliner Strafte.— Treptow(Kreis): Sonntag, d. 21.. Totengedächtnisfeier von 2— 3 Uhr, auf dem Friedhof Baumschuienweg (Krematorium). Redner: Herr Lutz. Antreten der Kameradschgst 1',. Uhr Baumschulenweg, Kiefholz- Ecke Baumschulenstraße.— Mitte: Fr., d. 13., 714 Uhr, Wahlschutz Herrenhaus. Leipziger Str. 3. Sonntag, d. 21.. Vormittage S Uhr. treffen sich alle aktive» und passiven Kameraden zur Werdearbeit, 1. Kameradschaft Ackerstr. 1: 3. Kameradschaft Etallschreibcrstr. 29: 4. Kamerad- schaft Neu« Friedrichstr. 1( Schleiische Heimat): 5. Kameradschaft Iostnstr 4 (Logenhaus): 6. Kameradschaft Brunnenstr. 4.— Wilmersdorf: So., d. 20., 7!4 Uhr. Antreten Hohenzollernplatz zum Fackelzug.— Erkner: Unsere Monalg- Versammlung findet diesmal i» Woltersdorf im alten Krug an der K. che am Fr., d Ist.: statt. Gemeinsamer Abmarsch von Wierling um 718 Uhr zu« Versammlungslokal._____ Berliner Gesellschaft kür Individnalpsnchologie.„Psncholoqii des Alltags", drei Borträge von Dr. Fritz KUnkel. Dienstag. 23. November:„Abhängigfeit und Selbständigkeit"(Suggestion. Opposition. Mode und öffentliche Meinungi. Dienstag, 30. November:„Selb und Geltung" sNcichtum und Armut. Befehlen und Gehorckfen). Dienstag. T. Dezember:„Glauben und Aberglauben"(Traum -und Wirklichkeit. Sicherung und Sicherheit). Anschlieftend Fragenbeantwortung. Beginn 8ts Uhr. Ort: Sozialwifsenschastlicher Klub. Wilhelm str. 43. Honorar: für.den Einzelrwrtrag i Zll.. für. den.„Julius.5 M. Mitglieder der tvrgaffi- sation. Lehrer und Studierende, die Hälfte. Karten an der Atzendkvssc: Eeziehtzng». nnd Fiirsorgevcrein für geistig znriickgebliebene(Ichwachsinn iget Kinder. Mittwoch. 24. November. lbS Uhr, im Bürgersaale de» Ratlstcktsös Vortrag Direktor Dr. Th. Heller-Wien-Grinzing über:„Die kindliche Motorik, ihre Abweichungen von der Norm und ihr« heilpädagogischc Behandlung". Deutsche Landsmanuschast der Provinz Posen, Seoft. Berlin. 5. Etiftungs» fest am Sonnabend, 20. November, im Deutschen Hof, Luckauer Str. 15. All« Deutschposener nebst Angehörigen sind eingeladen. Freunde de, arbeitenden Palästina. Dienstg«, 23. November. 8 Uhr, im groften Saal Sophienstr. 17,18, öffentliche Kundgebung für das arbeitend« Palästina. Thema:„Sozialistische Aufbauarbeit in Palästina". Referenten: Dr. Oskar Cohn, Felix Fechenbach. Alfred.Berger. Eintritt 1 M.. erhältlich in ollen Theaterkassen von A. Wertheim, Bote u. Bock und im Bureau Berlin N 24. Auguststr. 17. Tel.: Norden 3sgs. Perein der Freidenker für Feuerbestattung. Ortsgruppe Sermsdvrf.Waid, mannslust: Freitag. IS. November, 8 llhr, in Sermsdorf, Berliner Ecke Bahn- hofstrafte, Mitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung und Referat. □f. 1?";�'» Lungentee mit Nähr- salzen seit _ Jahrzehnten bei Asthma, Brust- und Lunzen-Katarrhen, Husten, _ Heiserkeit u. Verschleimung der Atmungsorgane, selbst in schweren Fällen, bestens bewährt und empfohlen. Prospekt gratis. Originalpaket M. 2.SO, 3 Pakete Ist. 7.50 versendet spesenfrei Qeneraldepot: Elefnnten-Apoltieke, Berlin SW 19, Leipziger Str. 74, am DSnholtpIatz. Lungenleiden, £:/ X CrilTgR&A T. �Jidtfiurahllas rauchen,$ an dem mit bedacht! ttas heißt für-zeenig Geld eine itigci rette Icauien, an der Sie Shre helle SF�eu de haJjen. ttas ist Jeixi Toieder' FRITZI'MASSÄKJ� die tinv-ery-leichliche 3 Qfenn, die in ihrer- neuen Tcmndo-v-cdL mil d�ü/S en�> Gefchmaclcsiichhintf selb/l den verutähnlfFen 42 Uhr, die 1. Jugend Vt3 Uhr und die 1. Männer Hi Uhr. In Reinickendorf, Schorn- wobcrstrafte, spielt Fichte-Nord 2. Männer gegen Schönow 2 1 Uhr, 1. Männer gegen Niederschöneweid« 1 2 Uhr und Frauen gegen Fichte 9» 8 Uhr. Fichte spielt in Hohenschönhausen, Sommerktvafte. mit der 1. Jugend>410 Uhr und der I.Männer(411 Uhr gegen Velten. Aus dem Fichteplass Baumschulenwe« spielen di« 2. Abt. 1. Männer gegen Ruderverein Eollegia 10 Uhr. 1. Turnerinnenabt. gogen Moabit 2 10 Uhr, 18. Frauenabt. 1 gegen Groß-Berlin-Norden 1. 1 10 Uhr und die 2. Iugendabt. gegen 8. Abt. 1 10 Uhr. Auf dem Exerzierplass spielen Fichte 12 1 gegen Moabit 2 10 Uhr. Groft-Berlin-Norten 2. Frauen gegen Lichten, berg 1 10 Uhr, Grvft-Berlin-Zlorden 1. Jugend gegen Alt-Glienick« 11 Uhr. In Bohnsdorf spielen die 1. Jugend gegen Lichtenberg 212 Uhr und 1. Männer gegen Biesdorf 1 Z Uhr. In Köpenick, Marienftraft«, spielen die 1. Jugend qegen Stralau 1 10 Uhr und die 1. Männer gegen Kaulsdorf 1(45 Uhr. In Schöneberg, Dominicusplass. spielen Echöneberg-Sportler 2. Jugend gegen Groß» Berlin-Rorden 1 10 Uhr, Fichte 20 B, 2. Männer qegen Biesdorf 2 11 Uhr und Fichte 20 B. 1 gegen Nordost 1 2 Uhr. Weiter« Spiel« sind: Fichte 19. Jugend gegen Treptow 8 Uhr und Fichte 20a 1. Männer gegen Fichte IS 2 10 Uhr in Mariendorf, Rosenthal 1 gegen Norden!(411 Uhr in Rosenthal. Spandau! gegen Schönow 1 11 Uhr in Spandau, ffallenhagener Chaussee, Fichte 5 1 gegen Ficht« 19 1 10 Uhr in Reinickendorf. Schäfers«, und Ält-Glienicke 1 gegen Stralau 1 2 Uhr in Alt-Glienick«. Raffball. Räuner: In Hohenschönhausen. Eommerstrasse, spielt Ficht« 22 1 (412 Uhr und Fichte 22 2(42 Uhr gegen Schwante. Auf dem Fichteplass Baum. fchulenweg Fichte 13 2 gogen 13 1(410 Uhr, 13 3 gogen 13 1(412 Uhr und 13 2 gegen 18 3(42 Uhr. Am Sonntag, 21. November, spielen di« Berein-mannschasten der Freien Turnerschaft Groft-Berlin auf dem Plass Schönhauser All«, Die Jugend 1 Uhr gegen Ficht«?, die Frauen und die Männer««gen die Neulöllncr Vereins- Mannschaft um 2 und 3 Uhr._ «rbeiter-Radf-chrerbu»»„Salidaritöt". Touren für Sonntag. 21. November. Bez. 1, 2. Abt.: 1 Uhr Pichelswcrder(Freund). Start Dieffenbachstr. 36.— 3. Abt.: 1 Uhr«eller» Waldburg. Start Lausisser Plass.— 4. Abt.: 2 Uhr Sternwarte. Start Weberwiese.— l. Abt.: 12(4 Uhr Radebrück. Start Lande- berger Plass,— I. Abt.: 1 Uhr Röntgenthal. Start Schönhauser All« 104.— 7. Abt.: Rundtour Spandau— Hennigsdorf— Glienick« a. b. N. Start Kolonie- strafte 147.— 8. Abt.: 1 Uhr Wittenau. Eberhardt. Start Waldenserstr. 19.— 9. Abt.: 1 Uhr Schönerwalde. Start Schulstr. 114.— 10, Abt.: 8 Uhr aiends Treffpunkt Gubener Str. 45.— 11. Abt.! 10 Uhr Jugend tour Rund um den Tegclew See. Start Blochplass.— Achlung, GaalsaHrer. Rennfahrer und Wert- Iahrm»schuft! Sonnabend, 20. November, Rufammenkunft oller Freunde de, Saal- und Rennsport» im kleinen Saal der Eoncordia-Festsäle, Andreasstr. 64. Abend» 8 Uhr mit Familie Besuch angenehm.— Bez. 2, Ortsgr. Charlotten- bprgr 1 Uhr am Start Galvanistr. 13.— Bez. 21, Ortsgr. Tegel: 1 Uhr am Start Schlieperstr. 64. Touristen»««!»»Dl« Naturfreunde"(Rentaale Wien),«dt. Charlotte». bürg: Freitag, 19. November, 8 Uhr, im Heim Berliner Str. 137. Ellen Beidler spricht über»Rationalisierung". Gäste willkommen.— Abt. Südost: Freitag. 19. November, 8 Uhr. im Leim Reichenberger Str. 06. Lichtbilder- Vortrag.— Abt. Südwest: Freilag. 19. November,« Ubr, im Krim Börwald- straft«(Bateanstalt). Vortrag:»Wir Naturfreunde".— Abt. Neukölln: Jugend- gruppe Freitag. 19. November, 7 Uhr. im Heim Kopfstr. 55.— Abt. Treptow: Freitag. 19. November,(48 Uhr, im Heim Elsenstr. 3 Lichtbildervortrag: »Technik der Urmenschen".— Abt. Friedenau: Freitag. 19. November,(48 Uhr, im Heim Offenbach« Str. 5u Bortrag de» DeNossen Walter Eschbach:»Vom Runftgescllen zum freien Arbeiter".— Ehar de» Werbcbezirk, Rordea: Freitag. 19. November, 8 Uhr, im Altersheim Baracke 8 Uebungsftunde. Sanqesfreudig« Genossen sind herzlich willkommen, desgleichen Gäste.— Abt. Webbing: Sonntag. 21. November. Oranienburg— Kremmen. Treffpunkt(48 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Abt. Friedenau: 20.121. November Rüdersdorf. Treffpunkt k Uhr abends Bahnhof Wllmersdorf-Fricdenau.— Abt. Fricbrichshaiu: Sonn- tag, 21. November, Dernau— Liepnissfe«. Abfahrt(48 Uhr Stettin« Vorort- bahnhof.— Abt. Prenzlauer Berg: Sonntag, 21. November, Bernau. Treff- punkt 7 Uhr Stettiner Bahnhof.— Naturwissenschaftliche Abt.: Montag. 22. No- vember, 8 Uhr. im Seim Stralaucr Str. 55...Spuren der Eiszeit". Sonn- tag, 21. November, Aquarium. Treffpunkt 10 Uhr am Aquarium.— Photo. gemewschast: Rlontag. 22. November.(48 Uhr, im Heim Eberlnstr. 12.»Photo- chemic" mit Exverimenten. Referent Dr. Beck.— Abt. Schöucberg: Montag, 22. Nooemder. 8 Uhr, im Heim Hauvtstr. 15. Ergebnisse der geologischen Fahrt. — Abt. Stegliss! Montag. 22. November, 8 Uhr, im Heim Knlephof- Ecke Jever Strasse.»Korperbilhung und Nacktkultur".— Wintersport-Adt.: Donnerstag, 25 November, im Sovhien-Lpzeum. Weimneisterstr. 10,17. Arbeiter. Turn- und«Portbund 1. Kreis. Krtisschulc: Dil Männer, und Iugendiehrklasse trifft sich am Montag. 22. November, in der Badeanstalt Bärwaldstraft« zu einem Schwimmlehrabend,>.-:9 Uhr. Dienstag, 23. November. gemeinsame Lebrstund« mit der Fraucnturnklass« in der Uhland-Schul«. Schöne- der«,«olonnenftrassi.(48 Uhr. Fahroerbindung bl» Bahnhof Schöneberg. Sportvereinigung Lichtenierg-Frlebrichslelde 64 ringt Segen Svortvererni- gung Köpenick. Wie all! ährlich, so veranstaltet die Sportvereinigung Lichten- bcrg-Friedrichsfelde auch diesmal am To.cnfonntag. 21. November, in Tempels Festfälen. Friedrichefelde. Prinzenallre 30, eine grosse Galo-Svoitvorstellung. Rur Borfllhrung gelangen: Ringen. Hebe». Jiu-Jitsu und Artistik. Besonders hervorzuheben ist das Ringen, welches im Rahmen der Serienkämvie des AABD. 4. Kreis in der A-Klasse vsnsmtten geht. Da beide Bercine über aus- qezeichnete Rinqer verfügen, so ist mit harten Kämpfen zu rechnen. Lichtenberg geht in folgender Aufstellung auf die Matte: Wiangke, Eplittstöfter. W. Binder. P. Binder. Svrenz. Kreclow und Richter. Beginn der Veranstaltung um 4 Uhr. Arbci.or-Sport- und Kulturausstcllunq in Charlottenburg. Da- Arbeiter- Sport- und Kuitürkartell veranstaltet eine Ausstellung im Charlottenburger Rat- Haus vom 15. bis 21. Dezember. Die Ausstelluug wird wochentags von 1—9 Uhr und Sonntag von 10— k Uhr geöffnet siin. Arbeiter-Tcnnievercinigung. Wintertraininq regoimäftia irden Sonntag in der Turnhalle der Schule Gormannstrafte(5 Minuten vom Alexandervlass) von 9—12 Uhr. Turnschuhe und Schläger sind mitzubringen. Gälte willkommen. Weihuachtssahrt der AWI(Arbeiter-Aintersport-Inl-ress-ng-meinschaft) m das Riesengebirge und die Mark. B-m 24, Dezember bis 2. Januar Fahrt in da» Ricicngebirge, Schmi-d-bcvger Baß. AusNinfte erteilt: Albtat Schne:dir->t. Berlin-Cchmaraendorf. Roppvter Str. 49. Für dicicnigcn, die Weihnachten eine Eklfadrt für drei Tag« in die Mark mitmachen wollen. Anmeldungen und Auskünfte bei Karl Deichmonn Berlin-Tempelhof, Schön«kerg-r Str. 25. Arbeiter. Schach klnb. Abt. Ostkap: Freitag. 19. November. 8 Uhr. bei Soll- mann. Rigaer Str. 07, Werbe-dend. Simultanvorstellung. Blindspiel. Gast-. auch Richtspicler, herzlich willkommen.— Abt. Osthascn: Jeden Donnerstag von(48 Uhr an dei Bruno Heller. Goftlerstr. 10. Gäste i-d-r,eit willkommen. ST. Berolina, Neulölln. Totensonntag in Raddoss Festfälen, Briss, Ch'ussec-- strafte. Kampftag im Ringen. In der Liqaklasse kämpft Berolina gegen Rath-. nvw 08. in der A.Klasse gegen Adler 05. Berlin, und in der B-Klassc gegen Einigkeit 20. Berlin. Ausserdem Darbietungen im Heben. Jiu-Jitsu und Bozen. Beginn 4 Uhr._,„. Sportklub Liberia, 9«. Am Totensonntag groß« Sportveranstaltung in ten I-h-nn-Gcorg-F-stsälen, Salensee. Iohann-Eera-Str. 19. Anfang 5(4 Uhr. Eintritt im Vorverkauf 1 M. Donnerstag. 18. November, ist dl« Knaben- abteiluna eröffnet worden. Ei- übt jeden D-nnersta» 7-8 Uhr IN der 31. Volls. schule. Auch weilen wir auf di« neuoebildete Ziu-Iitsu-Abtailuna Moabit Hrn. jeden Montag und Mittwoch 8-10 Uhr im Lokal Wildau. Berlichingen- Ecke Sickingen strosse._.... Arbeiter-Radfahrerverei» Groft-Berlin. Sonntag. 21. Novemher, 1(4 Uhr, Kartoffel- und Heringstour noch Sirfchgarien. Restaurant Wilhelmshof. wtart W-ldemarstrafte Eck- Moriannenvlass. Gäste willkommen..,. Wasserfportaerein.Recomania". Eissung beute abend 8(4 Uhr bei Hoff- wann. Wismarplass 2. Gäste willkommen. Mitglieder werden noch auf- genommen.__ Sport. Rennen zu Marlendorf am Donnerskaji. den IS. Ravember. 1. Rennen, l. Natal fSchleusener), S, Baron Siloester(A. szinn), 3. Trauring(E. Trcuberzi. Toto: 21:10. Platz: 16, 39, 44: 10. irerner liefen: Crilpa, Michael, Arnsiicd. Salome. LiebeSbote. Flöte, KapilänHall< SonntagSprinz, Kursürst. Benedikt, Lebemann, Cz'llag. L.Rennen. 1.(Srossmognl(Jauft jr.), 2. Modern(J. Millö), 3. Potsdam iL. Welh). Toto: 108: 10. Platz: 22, 13, 17: 10. Ferner liefen: Monoftatoi. Liebestraum. Z!arten't>icler, Lachmuskel, Diana Mago- wan, Jram, Holstein, Lampe. Esfi, Quantität. 3. Nennen, l. Madonna slSrotzmann), 2. Ida Palosol:\ o 4.0 r,%A Äer einen edlen%fiee bUliß Än will, 5er lauft nur Amlz-�leinbotmig Nr. 545 ♦ 45. Jahrgang 2. Heilage ües Vorwärts z--...« i» Die Elektrisierung Kein eigenes Kraftwerk der Reichsbahn. Die Elektrisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen ist seit einigen Wochen im Gang. Ueber den Umfang der Arbeiten und den Bauplan werden folgende Einzelheiten bekannt: Die Bau- und Beschaffungsarbeiten für die große Bahnelektri- sierung find in vollstem Gang. Der beste Beweis für die Schnellig- keit des Fortschritts der Bauarbeiten besteht in der Tatsache, daß von Baubeginn August 1926 bis November 1926 4 5 Millionen Mark durch Bestellungen festgelegt wurden. Die Elektrisierung umfaßt nicht nur die eigentliche Stadtbahn Chor- lottenburg— Stralau und die Ringbahn, sondern auch alle hieran anschließenden Vorort st recken, also im Westen die Strecken nach Potsdam, Stahnsdorf und Spandau-West, im Osten die Strecken nach Erkner, Grünau nebst Spindlersfeld und Kaulsdorf. Die ge- famte Länge dieser Strecken beträgt rund 169 Kilometer. Rechnet man hierzu noch die bereits elektrisierten Berliner Vorortstrecken — Nordstrecken und Lichterfelde-Ost—, so beträgt die Gesamtlänge oller im elektrischen Betrieb und Ausbau befindlichen Berliner Stadt- und Vorortstrecken 249 Kilometer. Die Dauer der gesamten Bauarbeiten für die Ckektristerung einschließlich des Einstellens der elektrischen Züge war ursprünglich auf VA Jahre oeranschlagt. Sämtliche Arbeiten werden jedoch so gefördert, daß aller Voraussicht nach die Baudauer um ein Kalbes Jahr verkürzt werden kann. hiernach würde die Elektrisierung in dem anfangs erwähnten Um- sang bereits im August 1928 vollendet sein. Die SlromNeferung. Die Elektrowerke und die Berliner Städtischen Elektrizitätswerke werden sich �voraussichtlich gemeinsam vertraglich verpflichten, den elektrischen Strom für den Berliner Bahnbetrieb zu Bedingungen zu liefern, die sowohl in ihrer finanziellen Auswirkung als auch mit Bezug auf die Zuverlässigkeit in der Strombelieferung den Ansprüchen der Reichsbahn genügen. Gegenwärtig werden die einzelnen Vertragsbestimmungen gemeinsam bearbeitet. Die ge- nannten Werke werden Drehstrom von 39 999 Volt Spannung nach zwei in Eichkamp und am Markgrafendamm gelegenen Stromllber- gabestellen liesern. Hier werden sich die Einnchtungen für das Messen des Stroms befinden. Verbraucht werden anfangs etwa 139 Millionen Kilowattstunden im Jahre, später voraussichtlich mehr als eine Diertelmilliarde. Es ist Vorsorge getroffen, daß im Not- falle die beiden Lieferer sich gegenseitig aushelfen können. Umfangreiche Bestellungen. Die im setzigen Dampfbetrieb laufenden Wagen werden restlos beseitigt. Statt ihrer werden geräumige, mit bequemen Sitzen vor- schene Wagen geschaffen: sie erhalten elektrische Heizung und Be- leuchtung. Die elektrische Ausrüstung für 345 Trieb- wagen und fast ebenso viel Beiwagen im Werte von 17 Millionen Mark wurde vor mehreren Wochen bei der AEG- und den Siemens- Schuckert-Werken(Motoren) sowie bei den Bergmann-Eletrizitäts- werken und den Mafsei-Schwartzkopsf-Werken(Steuerung) bestellt. Damit auf der Stadtstrecke ein möglichst dichter Zugbetrieb— bis 49 Züge in der Stunde— zustande kommen kann, werden die Signale dürch ein völlig selbsttätig wirkendes Signalsystem ersetzt, das auch am Tage Lichtsignale aufweist. • Wie früher schon bekannt geworden ist, beträgt der Gesamt- aufwand für die Elekttisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen nach vorläufiger Schätzung rund 139 Millionen Mark. Damit sind den einschlägigen Industrien für die nächsten zwei Jahre Aufträge gesichert, die sich in der Beschäftigung der Industrien wohltätig fühlbar machen wird. Dabei ist besonders wichtig, daß ein großer Teil der A u f t r ä g e, wie vorstehend« Mit- teilungen zeigen, in Berlin selbst vergeben werden und den Berliner Belegschaften neue Beschäftigungsmöglichkeiten zuwachsen. Das ist um so willkommener, als die letzte Erhebung des Statistischen Reichsamts über den Elektrizitätsoerbrauch gezeigt hat. daß infolge der Wirtschaftskrise der Zuwachs des Kraftver- brauchs doch erheblich geringer geworden ist als im Vorjahr, was natürlich auch auf die elektrotechnische Jdustrie zurück- wirken mußt«. Besonders zu begrüßen ist die endgültige Klärung der Frage, die die Oeffentlichkeit stark bewegt hat, ob die Reichsbahn für ihren Krastverbrauch ein eigenes Kraftwert bauen würde, was unzweckmäßig neu« Baukosten und eine teurere Strom- Versorgung bedeutet hätte, oder ob der Strom aus vorhandenm oder im Bau befindlichen Großtraftzentralen bezogen wird. Die Frag« ist nunmehr dahin entschieden, daß die Reichsbahn ihren Strom von den Berliner Städtischen Elektrizitätswerten und den Reichselektrowerken kauft, was für das neut Großkraftwerk Rum- melsburg eine erheblich stärker« Ausnutzung seiner Kapazität bedeutet und wertvolle Wege zur rationellsten Kraft- Versorgung Groß-Berlins neu eröffnet. Man wird daher auch nicht fehlgehen in der Vermutung, daß die 29>Millionen-Dollar- taöt- und Ringbahnen. — Wirkung auf den Berliner Berkehr. anleihe, über die die Bewag jetzt die letzten Verhandlungen führt und die zu sehr günsttgen Bedingungen abgeschlossen wird, außer für das Zuendebauen von Rummelsburg auch für die Strom- zuführungseinrichtungen an die Stadt-, Ring- und Vorortbahnen Verwendung finden wird. Für die zukünftige Gestaltung des Groß-Berliner Der» kehrssystems wird die Elektrisierung der Reichsbahnlinien in der Stadt Berlin äußerst fruchtbar sein. Immer stärker steuert Berlin einem großzügigen und bequemen Schnellverkehr zu, der das Wichtigste leistet, was die Großstadt ihren Bürgern zu leisten hat: daß sie ihnen Zeit spart und das Fahren angenehm macht. Beides wird auch durch die elektrischen Stadt-, Ring- und Vorortbahnen gefördert werden. So ist nur zu hoffen, nachdem die Stadt Berlin nunmehr alle Berkehrseinrichtungen Berlins außer der Stadtbahn beherrscht, daß bald Einrichtungen auch mit der Stadtbahn geschaffen werden, die den ungehinderten Uebergang von einem Verkehrsmittel zum anderen sicherstellen und damit zum ersten- mal für eine Weltstadt die Einheit des Verkehrs auch praktisch sicher- gestellt wird, die bisher nur ein frommer Wunsch fem konnte. Einzelhanüel und Konsumvereine. Eine Erwiderung des Einzelhandels. Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzel- Handels fühlt sich unangenehm berührt durch die Feststellung des Internationalen Arbeitsamtes, daß an vielen Stellen der Welt gleichmäßig beobachtet werden konnte, wie die Konsum- g e n o s s en s cha f ten zur Preissenkung beitragen. Ziuf unseren Artikel in der Dienstag-Morgenausgabe verbreitet die Hauptgemeinschast folgende Mitteilung durch die Handelskorrespondenzen: „Unter der Ueberschrift„Der Segen der Konsumvereine" wird in einer Berliner Tageszettung eine Denkschrift des Inter- nationalen Arbeitsamts in Genf besprochen, das für die Novembertagung des Vorbereitungsausschuffes für die Internationale Wirtschaftskonferenz„Ergebnisse einiger Erhebungen-ur Aufstellung eines Vergleiches zwischen den Verteilungskosten des Privathandels und denen der Konsumgenossenschaften" zusammen- gestellt hat. In dieser Denkschrift wird angeblich(!) auch für Deutschland festgestellt, daß die Verkaufspreise beim Konsumverein erheblich unter denen des ortsansässigen Einzelhandels liegen. Die Hauptgemeinschaft de» deutschen Einzelhandels als die Spitzenvertretung des gesamten deutschen Einzelhandels legt Wert auf die Feststellung, daß bei der Materialsammlung seitens des Internattonolen Arbeitsamtes an sie nicht heran- getreten worden ist. Sie bedauert das um so mehr, als sie über ein umfangreiches Material aus über 39 deutschen Städten verfügt, auf Grund dessen einwandfrei festgestellt werden kann, daß. abgesehen von einigen Lockartikeln, die Preise des Einzelhandels bei gleicher Qualität in den allermeisten Fällen unter denen der Verbrauchergenossenschaften lagen. Dazu ist zunächst zu bemerken, daß es Sache des Inter- nationalen Arbeitsamtes ist, auf den Vorwurf zu ant- warten, den die Hauptgemeinschast des deutschen Einzelhandels gegen seine Preiszusammenstellungen erhebt. Wir unsererseits möchten jedoch feststellen, daß die ganze Er- widerung reichlich sonderbar anmutet. Wäre es wahr, daß die Konsumvereine teurer sind als der Einzelhandel, so wäre der nicht immer sehr sachlich geführte Konkurrenzkampf 1>er Händler gegen die Konsumgenossenschaften einfach sinnlos. Ueberdies hat das Internationale Arbeitsamt genau angegeben, auf w e ich e n Dergleichen feine Mitteilungen beruhen. Schließlich ist auch daran zu erinnern, daß selbst Reichskanzler a. D. Dr. Luther in seiner Amtszeit die preissenkende Wirkung der Konsum- vereine betont hat auf Grund von Material, das dieser vorsichtige Mann sicher nicht ohne Nachprüfung durch seine Dienststellen ver- wertet hat. E» kann also gar keine Rede davon sein, daß durch die Bemerkungen der Hduptgemeinschast des deutschen Einzelhandels die sachlichen Fe st st el l un g e n des Internattonalen Arbeitsamtes entkräftet werden. Wir glauben, daß der Einzelhandel ruhig mit feinen Statistiken herauskommen kann— die deutschen Genossenschaften werden es an einer Erwiderung sicherlich nicht fehlen lassest. Aber mit allgemeinen Redewendungen ist nichts er- reicht. Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 16. November berechnet« Großandelsindexzifter des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem 19. November um 9,9 Proz. aus 131,8 zurückgegangen. Bon den Hauptgruppen haben die Agrarerzeug- nisse um 1,4 Proz. auf 136,6 nachgegeben, während die Industriestoffe mit 122,9 nahezu unverändert blieben. Deuts cKLarids KoKlenpr o dulttion 191�.19�6 In lOOOToniieii - S t e i n k o"Kl e n llslllllll Braunkohle, um�epecKiiet in Steinkohle 1913, J FKAMJ 0 AS Das vorstehende Schaubild zeigt die recht beträchtliche Pro- duktionssteigerung, die der deutsche Kehlenbergbau seit seinem Tiefstand im Zlpril d. I. infolge des Ausfalls der eng- tischen Kohlenförderung erfahren hat. In der Hauptsache hat davon der Steinkohlenbergbau profitiert. Bekanntlich ging die Politik des Kohlensyndikates dahin, durch den Abschluß langfristiger Lieferungsverträge sich die Exporte nach dem Ausland auf längere Zeit hinaus zu sichern, so daß für die nächsten Monat« noch mit einem Anhalten der guten Kohlenkonjunktur zu rechnen ist._ Oer Herbstgüterverkehr der Reichsbahn. Wie alljährlich, so wurde auch diesen Herbst die Verkehrsleistung der Reichsbahn stark in Anspruch genommen. Erst in der ersten Novemberwoche ist«in leichtes Abflauen des Verkehrs festzu- stellen. Trotzdem liegen die Verkehrsleistungen der Reichsbahn immer noch weit über denen des Vorjahres: die Entwicklung wird im ein- zelnen durch die nachstehend« Tabelle veranschaulicht, die die Zahl der gestellten Wagen in tausend Stück wöchentlich und pro Arbeitstag von Ansang August an»ergleicht: Arbettstäglich wurden asso noch in der ersten Nooemberwoche 18299 Wagen mehr gestellt al» in der gleichen Zeit des Vorjahres. Es ist aus der Rede des Reichsbahn-Generaldirek- tors Dorpmüller bekannt, daß die starke Beanspruchung des Ver- tehrs, die übrigens auch auf den englischen Bergarbeiterstreik zu. rückzuführen ist, für die Reichsbahn im laufenden Jahre eine Mehr- einnähme von 199 Millionen Mark erwarten läßt. Ein europälsches Almninimn-Syndikal. Di« Verhandlungen über die Bildung eines europäischen Aluminium-Syndikats sind nunmehr zum Abschluß gekommen. Beteiligt sind Frankreich. Eng- land, die Schweiz und Deutschland. Das Syndikat ist zu» nächst aus die Dauer von zwei Iahren gegründet. Der Sitz des Bureaus befindet sich in Neuhausen, der des Ueberwachungskomitees in Paris. Amerika ist dem Syndikat ferngeblieben, da das Sherman-Truft-Gefetz einer derartigen Syndizierung entgegensteht. Man hat bereits, als die Verhandlungen in«in ernsthaftes Stadium traten und die Aussichten aus ein Zustandekommen ziemlich gesichert waren, die Aluminium p r e i s e um 13 Pfund pro Tonne gesenkt. Man erwartet vom Zusammenschluß ein« Stabilisierung der Preis«. WIR BRAUCHEN KEINE REKLAME-ARTIKEL, WEIL BEI UNS JEDES PAAP GUT UND PREISWERT IST. DARIN BESTEHT DAS BESONDERE AN SALAMANDER, NUR 6 PREISE: -J250 H50 1 6 50 1850 2100 24(99 0A5S JEDES PAAR IN DER EIGENEN SCHUHFABRIK. DER WEITAUS QRÖSSTEN UND LEISTUNGSFÄHIGSTEN DEUTSCHIANDS, HERGESTELLT UND JEDER PREIS VON DER FABRIK AUS FESTGESETZT WIRD. SALAMAN Der Maimaxkonzern, der in seinen zwei Fabriken und drei Der- trirbsgesellschaften an 700 Arbeiter und Angestellte beschäftijst. hat in dem am 30. April geschlossenen Geschäftsjahr für seine Aktionäre 10 Proz. Doidende erwirtschaftet. Im vorigen Jahr hatten ihm die Handfcuerlöschpatentc, die er verwertet, 12 Proz. Dividende eingebracht. Die kleinere Dividende ist gewiß kein Unglück, aber die größere Bescheidenheit in diesem Jahr hat ernste Gründe. In den Potenten, die hochrentabel sind, liegen sie nicht: denn die durch die Patente geschürten Miniinarprodukte haben einen großen, sicheren Markt und dieser Markt soll ießt, nach dem Erwerb der lpnkurrieren- den P e r k e o A.-G. für Schaumlöschoerfahren zu einem Markt- monopol ausgebaut werden. So bleiben nur die durch die Krise gestörten Absaßocrhältnisse und die Art der Geschäftsfllh- rung. � Der Absatz kann nun, entgegen den Ausführungen im Geschäftsbericht, nicht besonders gelitten haben, denn der Roh- gewinn wird mit 2,27 Will, noch etwas höher ausgewiesen als im Vorjahr<2,26 Mill.). Abschreibungen sind um 40 000 Mk. niedriger angesetzt 063000 gegen 201 000 Mk.). Der R e< n- gewinn erscheint mit 271000 gegen 365 000 um 34 000 Mk. niedriger als im Vorjahr: und d.ese Verminderungen gehe» ausschließlich auf das Konto der erhöhten Generalkosten, die trotz der Klage über rückgängigen Absatz von 1,39 auf 1,89 Mill. gestiegen sind. Daß die Gründe der Verschlechterung des Geschäftserfo.'gs wohl bei der Verwaltung zu suchen sind,.zeigt deutlich auch die Bilanz: die vorjährigen Bankguthaben mit 0,44 Mill. sind verschwunden, eine Sonderreserve van 100 000 Mk. wurde verbraucht und neu erscheinen über 200 000 Mk. Bankschulden! und umlaufende Akzepte. Endlich sind die Mitcrial- und Maren- bestände von 0,28 auf 0,32 Mill. erhöht. Die Opposition in der Generalversammlung, die auf die Verschlechterung der Bilanz hin» wies und deshalb die Verwaltung angriff, hatte also schon recht. Uns selbst gegenüber wurde in Zuschriften auch mancherlei über kostspielige Allüren der Verwaltung bekannt. So wird man die Kapitalerhöhung um 1,36 auf 4 Mill. wohl nickt nur unter den« Gesichtspunkt betrachten hürfen, daß die Psrkso-Patente ausgebaut werden sollen; und wenn wir es auch wünschen müßten, das Eigen interesse der Belegschaften durch den Hinweis auf die hohe Dividende wachzuhalten, so scheinen uns dach die diesjährigen 10 Proz. mancherlei verstecken zu sollen, was der beabsichtigten Kapitalerhöhung vielleicht nicht förderlich wäre Die Batiovolisierunq bei Flohr. Wie im vergangenen Jahre, verteilt die den Berliner Metallarbeitern seit alters bekannte Aufzug- und Kronbausirma Carl F l o h r auch diesmal keine Dividende. Von einem mit 1.240 Millionen Mark(1924/1323 gleich 1 878 000 M.) ausgewiesenen Rohgcwinn verbleiben nach Abzug von 1.066 Millionen Mark Unkosten(I,1S) und 0,131 Mil- lionen Mark Abschreibunoen(0.137) 22 821 M. Rein- gewinn, die sich durch 31 337 M. Vortrag aus dem vorigen Jahr auf rund 34 000 Mark erhöhen. Nach dem Geschäftsbericht bildet der Aufzugbau die Hauvtcinnahmequelle des Unternehmens. Das Krangeschäft leide dagegen an einer zu ge- ringen Beschäftigung der großen Werkstätten. Die Verwaltung der Carl Flohr A.-G. empfiehlt daher eine weltgehende Spezio- lisierung der einzelnen Kranbaufirmen unter Führung des Kranbau-Derbandes. Wich sonst kommt der durch die wirtschaftlichen VLrhältnisl« errungene Wille zur Rationalisierung in dem Geschäftsbericht zum Aus- druck. Das wird nicht zuletzt auch eine Wirkung der Annäherung der Carl Flohr A.-G. an den..D e m a g"- M a f ch I n e n t o n z e r n fein, der auch die eisenverarbeitenden Unternehmungen de» deutschen Stahltrust» in sich aufgenommen hat und Innerhalb seines Macht- bereichs auf Rationalisierung der Produktion drängt. Für die Zeit der Umorgonisation verzichten die wenigen Großaktionäre, die Produktiansinteresscnten sind, auf eine Dividende. Der dividendcn- lose Abschluß 1923/1326 ist daher kein schlechtes Zeichen, wie auch die Bilanz selbst kein u n a ii n st i g e s B i ld von der Lage der Flohr- A.>G. bietet. Wie die Verwaltung auf der Generaloersammlung mitteilte, ist der Auftragseingang noch immer unzureichend, doch läge noch für mehrere Monate genügend Beschäftigung vor. Kapitalherabfetzung bei der preßlustwerkzeug und Maschinenbau A.-G. Berlin. Di« Preßluftwerkzeug und Maschinenbau A.-G. B«rlin ist voll von der Konjunktur der eisenverarbeitenden Industrie abhängig. Das letzte Geschäftsjahr, das am 31. Mörz schloß, fiel fast ganz in die Periode der Depression. Der geringfügig« Reingewinn von 1800 M., der ausgewiesen wird nach Abzug von Hondelsunkosten. Steuern und Zinsen(333 000 M), und Abschreibungen(100 000 M.) von dem Fobrikationsgewinn (633 000 M.), wird nur durch den vorjährigen Gcwinnvortrag van 12 800 M. auf 14 600 M. erhöht. Schon im S e p t« m b« r d i« f« s Jahres wurde aber im Zusammenhang mit der Belebimg der eisen- verarHeitenden Industrie eine Verdoppelung der Umsätze gegenüber dem schlechten Monat Januar gemeldet, und im Oktober erfolgte«in« weiter« Belebung, so daß der Geschäftsbericht für das laufende Geschäftejahr, das am 31. Dezember geschlossen werden soll, «in« befriedigende Dividende erwartet. Reben der ungünstigen Ge- schästslag« des vergangenen Jahres haben ober auch kostspielig« Streitigkeiten zwischen den Großaktionären die Gewinn« verkleinert, wie auch die Gesellschaft selbst ihr bisheriges Aktienkapital und die bisherige Bewertung der Anlagen zu hoch ansieht. Deshalb soll jetzt das Aktienkapital um 700 000 M. auf 1,70 Millionen herabgesetzt und die Bewertung der L n- lagen und Beteiligungen»m 40? 000Martg«s«nkt werden. Abgesehen von einem langfristigen Darlehen von rund 400 000 M. war dos Verhältnis der Schulden zu den Federungen schon am 31. März dieses Jahres relativ günstig. General Motors Co. 130 Millionen Dollar Reingewinn. Der phantastische Reingewinn von 130 Millionen Dollar, den die jetzt auch in Berlin(Borsigwalde) montierende größte amerikanische Automobilgesellschaft in einem Jahre erzielt hat, dokumentiert recht deutlich die ungeheure Verschiedenheit der amerikanischen Produk- tione- und Abjatzverhältnisse gegenüber der deutschen Automobil- Industrie. Der Reingewinn dieser einen amerikanischen Automobilgesellschost von über einer halben Milliarde Mark ist bedeutend größer als das gesamt« in der deutschen Automobil- industxie tätige Aktienkapital und ist mehr ol» zehnmal so groß ol» sämtliche von der gesamten deutschen Maschinen-, Appa- rate-, gohrzeug- und Echifsbauindustrie 1924/25 ausgewiesenen ffl e- winne. Gegenüber dem Vorjahr ist der A u t o m o b i l v e r k a u f der General Motors To. um 63 Proz. gestiegen und belief sich auf 396000, fast eine Million Wagen(Dorjahr 612 000). Der Reingewinn ist gegen das Vorjahr(81 Millionen Dollar) fast verdoppelt. �Kongreß öer werktätigen/ Seine Urheber und ihre Abfichten. Wir haben oft genug schon darauf hingewiesen, daß das dem- nächst in Szene gesetzte Spektakelstück.Kongreß der Werktätigen" nichts anderes als eine Veranstaltung der Kommuni st i- s ch e n Partei ist. Das wird jetzt von sozusagen prominenter Seite bestätigt. Der Leiter der„Agitprop-Äbteilung" des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei hat am 14. November in einer Funktionärkonferenz in Düsseldorf nach der dortigen kommunistischen«Freiheit" folgendes ausgeführt: „Nehmen wir als Beispiel die Kampagne für den Kongreß der Werktätigen. Die Parteileitung b e- schließt die politische Linie. Die Agitprop-Abteilung stellt den Entwurf zu einem Plan für die Kampagne gemeinsam mit den Vertretern der Orts- und Gewerkschaftsabteilungen(der (KPD.) sertia. Der Plan wird von der Parteileitung be» raten und beschlossen und die Agitprop-Abteilung ist für die Durch- führung der Kampagne verantwortlich. Sie wird zuerst s ch r i f t- l i ch e Anweisungen an die unteren Parteiorganisationen geben und eventuell eine R e d e d i s p o s i t i o n für die Zellen- Versammlungen und eine Rededisposition für Fraktion»- Versammlungen ausarbeiten. Zugleich beruft sie die 5?I).- Metallarbeiter I Besucht Eure Wahlkorpcrvcrsammlungenl Referenten zusammen. Der Leiter der betresfenden Partei. leitung wird gründlich über die gegenwärtige Lage und über die Losungen zum Kongreß der Werttätigen und über die einzelnen Aufgaben svrechen. Z. B. in der ge g e n w är t i- gen Kampagne wird er besonders die Frage des Programms der Industriellen, der Rationalisierung, der Polllik des ADGB. und der koaliliouspoUlik der SPD. behandeln." Also: Die Leitung der Kommunistischen Partei hat die Ein- berufung des„Kongresses der Werktätigen" beschlossen: sie hat den Plan für die„Kampagne" aufgestellt: die einzelnen Abteilungen der Kommunistischen Partei führen ihn aus. Zu den Hauptlosungen der„Kampagne" aber gehört die Bekämpfung, der Gewert. schoflen und der Sozialdemokratie. Noch diesen amt- liehen Darlegungen des Zweckes dieses Kongresses kann kein Sozialdemokrat es mit seiner Parteichre, kein Eewerkschaftstolleg« es mit seiner Gcwcrtschaftsehre noch vereinbaren, sich an dieser kommunistischen Aktion zu beteiligen. Nicht allein die A b s i ch t c n der KPD. sind klar, auch die Aus- sichten des Kongresses sind nicht minder klar. Eine Hetze gegen Gewerkschaften und Partei ohne jede praktisch« Bedeutung. Nur die Unternehmer werden sich freuen. Um üie Erwerbslofenunterftützung. Was der Erwerbslose tun muh. Bon einem Angestellten wird uns geschrieben: Immer wieder häufen sich die Fälle, in denen die Erwerbslosen mit den Angestellten der Arbeitsnachweise sowie der Erwerbslosen- fürsorge in Konflikte geraten, die nachher die öffentliche Meinung vergiften. Die Erwerbslosen, die sich, nicht zu Unrecht, in Krisen- zeiten in gedrückter, gereizter und nervöser Stimmung befinden, fühlen sich durch die vorgeschriebenen Fragen belästigt und schikaniert. Solange die Erwerbslosenfürsorge keine Der- sichern ng ist und der berüchtigte Bedürftigkeitspara- g r a p h noch eine Rolle spielt, sind die Angestellten gezwungen, auf Beantwortung der Fragen zu dringen, umdemErwcrbslosen zu seinem Recht zu verHelsen. Grundbedingung sind zur Erlangung einer Stempelkarte sowie zum Bezug der Erwerbslosen- Unterstützung: 1. Invaliden- oder Angestelltenkart«: 2. Gestempelt« Arbeitsboscheinigungen des Arbeitgebers: 3. Wohnbescheinigung vom zuständigen Polizeirevier: 4. Berdienstbescheimgung der im Haushalt verdienenden Fa- milienangehörigen. Beim Bezug der Crwerbslosenhilfe noch als 3. Bescheinigung vom zuständigen Wohlsahrtsvorsteher. Wird vom Erwerbslosen eine Rente bezogen, so ist auch der Rentenbescheid vorzulegen. Sind diese Vorbedingungen erfüllt, so werden zwischen Erwerbslosen und Angestellten Reibungen vermieden. Den Bezirksämtern muß nahgelegt werden, in der kalten Jahreszeit für Unterkunsträume zu sorgen, damit die Er- werbslosen nicht auf den Treppen und Korridoren dem Unbill des Wetters preisgegeben sind. Ebenso müssen die Erwerbslosen die vorgeschriebene Zeit zur Erledigung ihrer Antröge benutzen. Nur gegonseitigcsBer stehen des Erwerbslosen und Angestellten, der selbst erst vor kurzem erwerbslos war, wird die Lage beider erleichtern und eine reibungslose Abfertigung ermöglichen. Immer noch öer Ueberstunüeaskanöal. Macht Schluß damit! lieber denEchutzderälterenArbeiter findet am Sonn- abend im Reichsarbeitsministerium eine Besprechung mit den Ge- wertschaften statt. Die Aussprache über das Notgesetz wird am kommenden Montag im Reichsarbeitsministerium fort- ö' Jeden Tag werden neueaufreizendeZahlen über das Ueberstundenunwesen bekannt. So schildert die„Schuhsabrikanten- Zeitung" in Weißenfels, daß nicht nur mit Bollarbeit, sondern mit sast 17 Proz. der Arbeiter in Ueber stunden gearbeitet wird. Beinahe«in Fünftel der Schuharbester in Weißenfels macht Ueber- stunden. Statt die arbeitslosen Schuhfabrikarbeiter wieder der Schuhindustrie zuzuführen, reden die Bericht« der„Schuhsabrikanten- Zeitung" davon, daß man die arbeitslosen Schuhmacher in den Zuckerfabriken oder im Leunawerk unterzubringen hoffe. Vielfach werden Ueberswnden gefordert, ohne die im Tarifvertrag vorgesehenen Prozente zu zahlen. Die Zahlung der vorgeschriebenen Prozente für Ueberstunden ist das allermindeste, was verlangt werden muß. Man sollte die Ueberstundcnsätze noch erhöhen, dann würden die Unternehmer sehr schnell aus Ueberstundenarbeit verzichten. Wo wirklich nicht darauf verzichtet werden kann, sollten die Arbeiter von der Leistung der Ueberstunden die Einstellung einer bestimmten Anzahl a r- b e i t s l o s e r Kollegen abhängig machen» Oer verkauf ües ,Kaiferhof'. klage der Angestellten. Die Kündigung der Angestellten des„Kaiserhos" beschäftigte am Donnerstag das Kaufmannsgericht in einer lehr langen Verhandlung. Mit Rücksicht auf den Verkauf hat die Direktion des „Kaiserhoi" sämtliche Angestellte am 30. September zum nächstzulässigen Termin gekündigt. Das ist für die meisten Angestellten der 31. Oktober, für die übrigen, welch« den Schutz des Kündigungsgesetzes genießen, eine entsprechend längere Zeit, die im Höchstfalle bis 31. März 1927 laufen würde.— Der Angestelltenrat hat gegen die Kündigung Einspruch er- haben. Er macht geltend, daß der Verkauf noch gar nicht abgeschlossen sei, die Kündigung also nicht mit der Schließung des Betriebes begründet werden könne und deshalb ohne weiteres als unbillige Härte anzusehen sei. Ferner bestreitet der Angestelltenrat die Behauptung der Direktion, der Verkauf habe sich notwendig gemocht, weil der Betrieb unrentabel sei. Richtig sei vielmehr, daß die Unrentabilität zu bestimmten Zwecken absichtlich her- b e i g e f ü h r t werde, denn es sei Tatsache, daß Gäste, die regel- mäßig im„Kaiserhos" ein, zukehren pflegen, an ander« Hotels gewiesen worden seien. Mit der Klage, die sich auf 8 84 BRG. stützt, wird Weiter- beschäftigung oder eine den Bestimmungen des BRG. ent- sprechende Entschädigung gefordert: insgesamt 40 000 M. Stadtrat L ö h n i n g, der die beklagte Firma vertrat, bestritt die Behauptung der Kläger bezüglich der Rentabilität und führte aus: Der Verkauf des„Kaiserhos" bedürfe der Zustimmung des Reichstages, des Reichsrats und der Generalversammlung der Aktionäre. Wenn die Zustimmung dieser Körperschaften bis zum 30. November nicht erfolgt sei, dann gelte der Verkauf als nicht vollzogen. Er fetze aber als bestimmt voraus, daß die Zustimmung aller drei Körperschaften gegeben werde. Sollte das Gericht«nt- scheiden, daß die Kündigung ungültig sei, weil sie vor Abschluß des Verkaufs erfolgt sei. dann würde die Beklagte die Weiter- beschäftigung wählen. Sie würde dann, wenn der Ver- kauf am 30. November abgeschlossen ist, sofort wegen Stillegung des Betriebes die Kündigung aussprechen, die dann nicht mehr angefochten werden könne und die die Firma zu keiner Entschädigung verpflichte. Der praktische Erfolg für die Angestellten würde in diesem Falle der sein, daß der größte Teil von ihnen bis 31. Dezember, die unter Kündigungsschutz stehenden längstens bis 31. Juni Gehalt zu be- anfpruchen haben. Nach der Beratung des Gerichts verkündet« der Vorsitzende, Magistratsrat Dr. O P P l e r, folgendes Urteil: Der Einspruch der Kläger ist zulässig, denn eine Betriebsstillegung liegt zurzeit nicht vor. Erst wenn der beabsichtigte Verkauf Tatsache ge- worden ist, kann eine Stillegung als vorliegend angesehen werden. Es war nun zu berücksichtigen, ob die Verhältnisse die Kündigung rechtfertigen. Das ist nicht der Fall. Aus Grund der Bilanzen von 1924/1923 Hai das Gericht fest gestellt, daß erhebliche Ueberschüsse erzielt worden sind. Diese beliesei» sich 1923 nach Abzug der Abschreibunaen von 217 000 M. auf rund 300 000 Mark, und es wurde eine Dividende von 6 Proz. verteilt. Für 1926 liegt noch kein Abschluß vor, es ist aber nicht anzu- nehmen, daß sich der Ueberschuß vom Vorjahre inzwischen in einen Verlust umgewandelt haben könnte. Es steht fest, daß das Hotel noch im November voll belegt war, und Gäste nach anderen Hotels überwiesen wurden. Also ist anzunehmen, daß das Hotel noch jetzt rentabel ist. Also nicht U n. rentobilität, sondern die Möglichkeit, einen hohen Gewinn zu erzielen, ist als Ursache des be- absichttgten Derkavfs anzunehmen. Aus diesen Gründen oerurteilte das Gericht die Deklagt«, die Kläger weiter zu beschäftigen, oder ihnen die ge- forderten Entschädigungssummen, die nur in ein- zelnen Fällen etwas herabgesetzt wurden, zu zahlen. Stadtrat Löhning erklärte, die Beklagte wähle die Weiter- beschäftigung.— Bis zur Stillegung! Eine Knochenmühle ist die Fleisch- und Wurstwarenfabrik der Firma Jahn u. Summ, Oranienburger Straße 6/7. Die dort Beschäftigten werden in über- langer Zlrbeitszeit bis aufs letzte ausgepumpt. In der Woche vom 8. bis 13. November wurde ein Teil der Gesellen von morgens 7 Uhr bis abends 11 Uhr und in der vorhergehenden Wache gar von vormittags 10 Uhr bis zum anderen Morgen u m 8 U h r ausgemergelt. Wer sich von den Beschäftigten weigert, nachdem er 10 Stunden Zlrbeitszeit hinter sich hat, weiter zu arbeiten, wird prompt entlassen. Alle Mahnungen der Organisation, die tarifliche Arbeitszeit von 8 Stunden einzuhalten, haben bisher beim Inhaber Jahn nichts gefruchtet. Die Not der arbeitslosen Fleischergesellcn münzt der Herr in klingende Münz« für sich um. Hoffentlich gelingt es dem Ge- werbeauf sichtsamt Berlin- Mitte nun recht bald, den Inhaber ZurBeachtungdergesetzlichenBestimmungen anzuhalten._ EisenbahnScamte im DBB. Man schreibt uns: Der Vorstand der Gewerkschaft Deutscher Eisenbahnfahrbeamten hat den Beschluß gefaßt, aus dem zentralen Gewerkschaftsbunde der Eisenbahnbea inten auszuscheiden und den Vorstand des DBB. zu ersuchen, seine Aufnahme als unmittelbares Mitglied des DBB. in die Wege zu leiten. Kommt der Vorstand des DBB. dieser Aus- forderung nicht nach, so ist damit zu rechnen, daß die Gewerkschaft aus ihrer Spitzen- sowohl wie auch der Dachorganisation ausscheidet und sich selbständig macht. Die Hereinnahme der Christen beginnt sich auszuwirken. Unterhaltung unö ÄAissen � Selbstisolierung heißt: Ganz Italien ist ein Gefängnis geworüen! die Scheiöung. Von A. Sorilfch. (Aus dem Russischen übersetzt von Nina Stein.) Dieses wtSit„Kulturbild" aus dem heutigen Zlußland ik in der kommunistischen Zeitung.Prawda" am le. Seutember d. z. erschienen. Als der Zechenangestellte Jakob Batzaew, der Sohn eines Bauern, der im Dorfe unter dem häßlichen Namen„Knochenfresser" bekannt war, in die Partei eintrat und in eine höhere Schule ab- kommandiert wurde, zog er sich städtisch an, befestigte eine Uhrkette am Knopfloch und sprach von sich nur noch in der Mehrzahl, wobei er hochtrabende, schnörkelhafte Ausdrücke gebrauchte, die seiner Um» gebung unverständlich waren. Seine Gattin, eine einfache und un- gebildete Frau, freute sich über das Glück ihres Mannes, doch der plötzliche Umschwung in seinem Auftreten betrübte und beunruhigte sie; sie dachte bekümmert daran, daß die Stadt, die neue Umgebung und die neuen Interessen den Mann der Familie entreißen könnten, deren Armut und Unwissenheit ihm in seiner jetzigen— ihrer Meinung nach— hohen Stellung lästig fallen würden. Ihre Unruhe verstärkte sich immer mehr, und sie fühlte sich sehr gekränkt, als ihr Mann, nach seiner Rückkehr aus der Stadt, ihr mit einer ihr unerklärlichen Gereiztheit über Kleinigkeiten Vorwürfe zu machen begann, die in ihren ärmlichen Berhältnisien selbstverständ- lich und unvermeidlich waren, und die er früher nie beachtet hatte. Sein Gesicht drückte Ekel und Widerwillen aus, wenn sie bei Tisch mit einer Brotrinde das Fleisch aus dem Topf holte und dabei mit den Fingern nachhalf: er ärgerte sich über den säuerlichen Geruch von Schafwolle in der Hütte und über ihre laute Stimme im Hof, wenn sie die Hühner und Ferkel herbeilockte: er musterte verächtlich ihren ausgeblichenen Leinenrock und ihre dicken, hausgewebten Strümpfe, verglich ihre Kleidung mit der der Frauen, die er in der Stadt sah und kennenlernte. Er war wie ausgetauscht. Mit fremden, kalten und feindseligen Blicken betrachtete er sie, die Kinder und das Haus, in dem sie über 8 Jahre einträchtig zusammengelebt hatten. Sie konnte nicht begreifen, woher das alles gekommen war. Sie weinte und beschuldigte in allem zuerst die Partei, die ihrer Meinung nach ihrem Manne die Verachtung des armseligen Bauern- lebens eingeflößt hatte. Sie änderte ihre Meinung nach einem Be- such bei dem Sekretär der Betriebszelle, Mochowoi, der bei den Bergwertsarbeitern als ein seelensguter und teilnahmsvoller Mann galt. Mochowoi hörte geduldig ihre verwirrten und aufgeregten Worte an, die voller Bitterkeit und Schmerz waren, und als sie weinte, strich er schweigend mit seiner rauhen, schwieligen und von der Kohle geschwärzten Hand über ihr Haar. Und dann erklärte er ihr, daß die Partei niemandem Verachtung der Arbeiternot ein- flößen könne, da sie selber aus Menschen bestehe, deren Leben rauh und freudlos gewesen sei. Und er sagte ihr auch, daß sie ihren Mann in die Partei aufgenommen und in die Hochschule geschickt hätten, damit er etwas lerne, um nachher mit seinem Wissen dem Volke dienen zu können, dem Volte, zu dem auch er selber gehöre. Und wenn er das nicht verstehe, sondern seine Frau verachte/ weil sie keine städtischen Strümpfe trage und beim SchweinefüUern ihre Röcke schürze, dann werde die Organisation Maßnahmen ergreisen, um ihn über das Schändliche seines Betragens aufzuklären. Er lieh in der Tat Batzaew rufen und sprach mit ihm hinter geschlossenen Türen ungefähr drei Stunden lang. Jakob Batzaew verließ das tleine Zimmer mit hochrotem Kopf, schweißbedeckt und vergaß sogar die Mütze auf dem Fensterbrett. Er schlug jetzt einen anderen Ton an, wurde ruhig und gleichmäßig, scherzte manchmal und versuchte sogar freundlich zu sein, aber in seinem Reden und Handeln sühlle man eher Vorsicht als Aufrichtigkeit. Cr war ein- geschüchtert, aber er hatte nichts von alledem oerstanden, was Mochowoi ihm auseinandergesetzt hatte. Bold erfuhr seine Frau von einer Liebschaft zwischen ihm und der Tochter des Popen. Das Fräulein wurde Raitschka genannt: sie trug einen spanischen Kamm und eine rote Papierrose in den Haaren. Sie lachte oft, ohne jeden Grund und so laut, als ob man ihr die Fersen mit einem Strohhalm kitzelte. Die Frau ertrug es schweigend, verbarg ihren Kummer und gab sich den Anschein, als wüßte sie nichts von dieser Liebschaft, die jedem Huhn im Dorfe be- kannt war. Sie wollte allen Zank und Streit vermeiden, immer noch in der Hoffnung, daß auch diese Laune vergehen und alles sich wieder zum Guten wenden würde. Wenn ihr Mann abends ver- schwand, ging sie, nachdem sie die Kinder zu Bett gebracht hatte, in die Kammer, um dort zu weinen. Bon Schluchzen geschüttelt, deckte sie sich bis über den Kopf zu, damit niemand ihr Weinen hörte. Nach kurzer Zeit wurde Raissa Nikolajewna, die Tochter des Popen, schwanger und starb nach einer mißglückten Abtreibung. Jakob Batzaew war darüber eher unruhig als betrübt. Er gab sich den Anschein, als ginge ihr Tod ihn nicht an, und er kam auch nicht zum Begräbnis. Nach einem Monat knüpfte er ein« neue Lieb- schost mit einer jungen Nonne aus dem benachbarten Kloster an. Das erschien der Frau als eine Gemeinheit, sie konnte sich nicht mehr beherrschen und schweigen— und in der Nacht spielte sich in ihrer Kammer ein abscheulicher Auftritt ab. Auf den Lärm kam der Vater Batzacws in die Kammer des Ehepaares. Seit Jakob Student geworden war, fand der Alte, daß seine Schwiegertochter eine unpassende Frau sür seinen Sohn sei, und er hoffte, eine Schei- dung durchzusetzen, um ihn nochmals zu oerheiraten und als Mit- gift eine Mühle zu bekommen, die zu besitzen seit langem sein sehn- lichster Wunsch war. Er nahm einen eisenbeschlagenen Halfter von der Wand und sich zur Frau wendend, sagte er mit wütender Stimme:„Mein Sohn ist in der Partei, und es könnte Dir wohl passen, mit einem Studenten zusammenzuleben, Du Kanaille!" Er hob die Hand. Jakob Batzaew stand mit abgewandtem Gesicht schweigend da. Als der Sohn in die JStadt zurückkehrte, zwang der Alte die Schwiegertochter, in die Scheune überzusiedeln, und befahl, den Kindern nur gefrorene Kartoffeln zu geben, aus denen das Schweine- futter gekocht wurde. Als die Alle einmal aus Mitleid ihnen etwas Kohlsuppe in die Scheune bringen wollte, faßte er sie im Hof« ob. schlug sie und spuckte in die Schüssel. Jeden Abend kam er in die Scheune, setzte sich neben die Tür und begann von der Scheidung zu reden. Er drohte, sie sonst aus die Straße zu jagen, ihr die Haare abzuschneiden oder die Tür ihrer elenden Behausung mit Teer zu beschmieren Zuerst versuchte sie sich zu verteidigen, dann wurde sie schwach und müde, alles wurde ihr gleichgültig, sie ergab sich in ihr Schicksal und unterschrieb ein Papier, das der Alte ihr hingeschoben hatte. Zum Scheidungstermin kam Jakob Batzaew aus der Stadt zurück, und alle drei gingen auf das Standesamt. Dort wurde Jakob über den Scheidungsgrund gefragt; er schwieg, aber der Alte trat vor und erklärte würdevoll, daß es sich für seinen Sohn, der Mit- glied der Partei und Student sei, nicht zieme, mit einem einfachen Bauernweib zusammenzuleben. Der mürrische Beamte machte einen Vermerk im Standesregister und sagte:„Ein Schuft bist Du, Alter!" Der Alte kniff die schmalen, runzeligen Lippen zusammen und schwieg. In der eisigen Herbstkäste wurde sie mit den Kindern auf die Straße gejagt, nachdem man ihr. als Eigentum des Mannes, alle warmen Kleidungsstücke fortgenommen hatte. Die Alte steckte den Kindern noch heimlich ein Stück Brot zu. Ein Jahr lang war sie mit den Kindern obdachlos, bis sie sich die fünfzehn Rubel zusammengebettelt hatte, die nötig waren, um eine Schlafstelle in einer kleinen Hütte draußen vor dem Dorfe zu bezahlen. Nachdem sie mit vieler Mühe die völlig entkräfteten, abgezehrten und kränkelnden Kinder irgend- wie untergebracht hatte, begann sie, in ein benachbartes Dorf auf Tagelohn zu gehen. Dort auf den Feldern rieten ihr die Leute, eine Klage beim Gericht einzureichen. Das Sewskier Volksgericht verurteilte Jakob Batzaew, der Familie als Abfindung einen Teil des Besitzes zu überlassen und ihr für die Kinder monatlich vierzehn Rubel auszuzahlen. Als der Alte erfuhr, daß ihr der Vollstreckungs- befehl ausgehändigt worden war, überschrieb er den Besitz auf den Namen eines Nachbarn und sie erhielt ein krankes Lamm, das unter- wegs verendete, und zwei Milchferkel. Jakob Batzaew erhob Ein- spruch gegen die Alimentenzahlung, und der Gerichtsbeschluß wurde in einer höheren Instanz aufgehoben. Sie reichte zum zweitenmal eine Klage ein, es wurde ihr wiederum ein Dollstreckungsbefehl ausgehändigt, aber auch dieses Mal hob das Gouvernemcntsgericht das Urteil auf. Zur Zeit, als die Angelegenheit zum drittenmal vor Gericht verhandelt wurde, siedelte Batzaew nach Bachmut über und leistet« der Gerichtsvorladüng keine Folge. Die Frau übersandte die Ab- schrift des Gerichtsbeschlusses über die Zahlung von Alimenten in Höhe von sechs Rubel monatlich dem Gerichtsvollzieher in Dachmut, erhielt ober keine Antwort darauf. Sie hörte auf zu prozessieren, weil die Gcrichtskosten ihren kargen Verdienst verschlangen, und die Kinder nichts zu essen hatten. Zum letztenmal schrieb sie in der Nacht, hinter dem Ofen, wo an- statt einer Lampe ein mit Petroleum begossenes Holzscheit sein kärgliches Licht verbreitete, mit unbeholfenen Buchstaben einen Brief an das Bachmuter Parteikomitee. All ihr schweres Leid und ihren Kummer schüttete sie in diesen krummen und kindlich naiven Zeilen aus, die mit Ruh und Tränen befleckt waren: ihre ganze Schmach, ihre Hoffnung und ihren Schmerz sog der graue, nach Seife riechende Fetzen Packpapier in sich auf: ihre ganze Seele war in diesen toten, zitternden Buchstaben enthasten, die sie mit unsagbarer Mühe in ihr abgestumpftes Gedächtnis zurückrief, um sie dann sür immer zu vergessen. Auch dieser Brief wurde nie beantwortet. Straßen im Altertum. Das Automobil hat das Interesse an der Straße wieder erweckt, das die Eisenbahn in den Hintergrund gedrückt hatte. Die ersten Kunftstrahen bauten die Perser. Als die bedeutendste galt die 2600 Kilometer lang« Königstraß« von Susa nach Sarves und Ephesus. Sie waren ausgestattet mit hervorragenden Kunstbauten von Brücken und Toren und geziert mit Tempeln und Palästen. In regelmäßigen Abständen befanden sich die Unterkünfte in Herbergen für Menschen und Tier«, denn es war ein regelmäßiger Postdienst«ingerichtet. Auf diesen Straßen führt« Darius sein« Kriegshaufen gegen die Griechen, sie dienten ober auch als Einfallstraßen dem berühmten Zug Alexanders des Großen mit seinen Zehntausend zur Eroberung des Landes. Die Weltherrschaft Roms stützte sich aus sein Straßennetz von 390 000 Kilometer Länge. Oberhaurat Dr.-Jrag. Cassinone macht in„Steinbruch und Sandgrube" höchst bemerkenswert« Angaben über ihren Bau. Die von Rom ausgehenden Hauptstraßen waren im Querschnitt in drei Teil« geteilt. Der mittler«, etwas erhöhte gewölbt« Teil 5 Meier breit, der Agger, war mit Steinen gepflastert, me beiden mit Schotter oder Kies beschütteten Seitenstreifen von 2,S Meter Breite waren durch 60 Zentimeter brest« und ebenso hohe Mauern. Margo, getrennt, aus welchen bei nassem Wetter die Reifenden gehen konnten. Daneben waren in Abständen dicht an der Mauer treppen- förmig behauen« Stein« aufgestellt. Sie dienten zur Bequemlichkeit der Fußgänger zum Ausruhen, dann aber zum Auf- und Absteigen der Reiter, da der Gebrauch der Steigbügel den Römern unbekannt war, ferner hatten sie aber auch noch den Zweck, die Mauer gegen das Anfahren der Räder der Fuhrwerk« zu schützen. Die Fahrbahn mar äußerst dauerhaft aus drei bis vier Schichten von zusammen 65 bis 90 Zentimeter Höhe hergestellt. S&r Bau selbst erfolgt« durch die Legionen, die Hilfsoölker und die Anwohner. Als wefter« unbezahlte Arbeiter wurden die Strafgefangenen und Verbrecher benutzt. Nur für die Maurer- und Pslasterarbeiten wurden Werkleut« beigezogen, welche Meister im Legen von Estrich- uid Terrazzoböden waren und daher die vorzüglichen, fast fugenlosen Pflasterungen herstellen konnten. Recht beachtenswert find ferner die Angaben von Cassinone über die germanischen Straßen. Nur die in der oben beschriebenen Weis« für die besonderen militärischen Zwecke hergerichteten Straßen dürfen in Deutschland als römische angesprochen werden: nicht aber jeder alte Straßenzug, wo ein paar römische Scherben oder Münzen gefunden werden. Es bestanden vielmehr schon vorher von den Germanen angelegte Straßen, in einem regelrechten Wegnetz, welche die Römer nur benutzten und durch ihre Hinterlassenschaften ihrq Anwesenheit dartaten._% Der Bergfink. Dieser Vogel mit seinem schwarzen, bläulichen, gelblich-weißen und gelblich-roten Tupfen kommt zu uns, wenn der Winter seinen Einzug hält. Im Sommer hält er sich hoch oben im Norden Europas und Asiens bis hinüber zu den kalten Regionen des Stillen Ozeans auf. Je nachdem, wie oben im Norden die Witterung ist, kommt er manchmal schon im Oktober, öfter jedoch auch erst Ende November oder Anfang Dezember zu uns. Selbst in jenen nördlichen Gegenden, wo die Bäume schon zu Krüpvelholz geworden sind, fühlt sich der Bergfink in den Sommermonaten noch heimisch. Ist dann im hohen Norden gar kein Futter mehr zu finden und es wird dort zu kalt und unwirtlich, so ziehen die Bergfinken in großen Scharen fort in südlicher gelegene Länder: die aus dem europäischen Norden lassen sich in Deutschland, in der Schweiz und Norditalien oder auch in e-ponien nieder, die aus dem asiatischen Norden ziehen nach Zcntralasien, nach China und Japan. Der Berg- sink hat manche Zlehnlichkeit mit dem Buchfink, doch ist sein Gesang nicht sehr schön. Er ist auch viel weniger verträglich als unsere Finken. Am wohlsten scheint er sich zu fühlen, wenn er sich den ganzen Tag herumzanken kann. Auch mit seinen Artgenossen lebt er stets auf dem Kriegsfuß; vor allem scheint er keinem anderen Vogel einen Bissen zu gönnen, denn am bissigsten und am zornig- sten ist er stets auf den Futterplätzen. Die liebste Nahrung der Bergfinken sind die Bucheckern, daher find sie bei uns am häufigsten in Buchwaldungen zu finden. Kommt das Frühjahr heran, so macht sich der Bergsink wieder auf in seinen Sommerheimat nach Schweden, Norwegen, Finnland und nach Sibirien. Ein Strauch, der sich selbst entzündet. Der in Aegypten und Palästina wachsende Dictamnus- Strauch, der sogenannte weiße Diptam, enthält in seinen Blüten wie auch in seinen Blättern und Zweigen«in flüchtiges balsamisch-ätherisches Oel, das die Eigen- fchaft' besitzt, bei starkem Wärmeeinfluß als Gas auszustrahlen und sich in diesem Zustande dann von selbst zu entzünden. Bei diesem eigenartigen Selbstentzündungsprozeß. den man besonders vor Ge- wittern häufig beobachten kann, verbrennt jedoch immer nur das Gas, während der Strauch völlig unverfehrt bleibt. Die Erscheinung des„feurigen Busches", in dem Moses einst den Engel des Herrn stehen sah, läßt sich jedenfalls auf einen plötzlich aufflammenden Diptamstrauch zurückführen. Obst und GemOse nmiimuinrimimmmmitimmnimimniiHimmiii Koclibirnen..... Piand lOPf. Wirsingkohl Bananen......... P/nnd 4CPt Apfelsinen........ Dtz. 65Pf. Zitronen.......... vtz. I2Pü Kranzfeigen.... Pinna SöPf. Dauerzwiebein...Pfund 5Pf. Rot- und Weisskobl Kohlrüben.......... Möhren gewaschen.. Grüne Bohnen 2 Pfand 25 Pf. Sellerie...Piand 8pr.» iSPf. WfilfijlilWHMH* S0!zwiirst...pfn1d95pf. GröfieMettwurstpidl00 20 HdQSni.'ROtVtPtnnd 1°° 10 Sceckwurst...Pfandl Hausin.LßlJßr®.pfdro Jngilwürst....piand l20 KnoDIauchv. p�] Mßltwurst�wÄr ff.Uößrwurstpnufdr Holst. 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Zu den erfreulichsten Erscheinungen der letzten Zeit gehört zweifellos das wiedererwachende Interesse für Bildungs- und Kultur. fragen, das sich in der Arbeiterschaft bemerkbar macht. Noch ist freilich bei weitem nicht der Stand der Bildungsarbeit von vor dem Kriege erreicht. Es zeigen sich aber dennoch unverkennbare Merk- male eines Aufstieges, der entsprechend den neugeschaffenen Verhält- nisten neue Wege, neue Methoden sucht, um die Arb.nterkultur» bewegung vorwärt« zu treiben und die sozialistische Bildungs rrbeit auf feste Grundlagen zu stellen. Was im besonderen die Bildung». arbeit in Berlin betrifft, so kann festgestellt werden, daß der Tief» stam. der letzten Jahre überwunden ist und daß in allen Kursen und Sen,inaren der Freien sozial! st ischen Hochschule, der Arbeiterbildungsschule und der Gewerkschaft». schule eine starke Teilnahme der Hörer zu verzeichnen ist. Die vielgestaltige Silüungsarbeit. Charakteristisch für die neue Situation ist die Bielgestaltigkeit der Bildungs- und Kulturbestrebungen. Von derselben Quelle aus- gehend: dem Streben nach einem größeren Anteil der Arbeiterschaft an den kulturellen Gütern, suchen die verschiedenen Kreise der Arbeiterkulturbewegung auf eigenen Wegen und mit verschiedenen Methoden das Ziel der Hebung des geistigen und kulturellen Niveaus zu erreichen. Partei und Gewerkschaft. Arbeitersänger und ArbeitersporUer, Volksbühnen und Jugend- organisationcn, sozialistische Lehrer und Kinderfreunde— alle gehen eifrig daran, die Kullurbewegung der Arbeiterschaft zu fördern. Diese vielgestaltigen Bestrebungen zeigen freilich in dem gegenioärtigen Stadium eine gemiste Zerrissenheit und Planlosigkeit. die noch überwunden werden müssen. Das Nebeneinander der oer. schiedenen Organisationen führt vielfach zu Unzuträglichkeitcn, die hemmend auf die Gesamtbewegung einwirken. Das Fehlen «ine» einheitlichen Planes und die Systemlosigkeit der einzelnen Bestrebungen hemmt insbesondere die Schulungs» arbeit tn der Arbeiterschaft, führt zu Kräfteoergeudung und Zersplitterung, verhindert eine richtige Auslese der jüngeren Kräfte und damit auch die Heranbildung eines leistungs- fähigem mit dem notwendigen Wissen ausgerüsteten proletarischen Nachwuchses. Die Versuche, diese Zersplitterung durch Gründung von Arbeiterkulturkartellen zu überwinden, sind nur an einigen Stellen geglückt. Vielfach werden verheißungsvolle An- sätze auf diesem Gebiete durch Organisationsegoismus und Vereins- meieret zunichte gemacht. Und doch machen gerade die gesteigerten Anforderungen den Ausbau und die Vereinheitlichung des Arbeiterschulungswesens wie der Kulturarbeit überhaupt zu einer der dringendsten Aufgaben der gesamten Arbeiterbewegung. Auf politischem wie auf wirtschaftlichem Gebiete werden an die Funktionäre wie an die Masse selbst erhöhte Anforderungen gestellt, die nur befriedigt werden köniren, wenn die Arbeiterschaft ihren Gegnern geistig gewachsen ist. Der demokratische Staat hat dem Proletariat zahlreiche neue Auswirkungsmöglichkeiten für seinen sozialen Kampf eröffnet: diese Möglichkeiten werden ober nicht in vollem Maße ausgenutzt: insbesondere wird nicht genügend getan, um Staat und Gemeinde an ihre kulturellen Pflichten gegenüber der Arbeiterschaft zu erinnern. Im wirtschaftlichen Kampf hat die Arbeiterschaft eine Anzahl wesentlicher Stützpunkte und Kampfpositionen erobert: es bedarf aber intensiver geistiger Arbeit ' und einet beträchtlichen Summe von Kenntnissen, um diese Position in Betrieb und Gewerkschaft zu behaupten. Nicht minder kompliziert sind die Aufgaben in der Kommunalpolitik, in der Ar. beiterwohlsahrt, in der Sozialpolitik usw. Ueberall braucht die Arbeiterschaft eine große Anzahl tüchtiger, geschulter Kräfte, die den bürgerlichen Gegnern gewachsen sind und das nötige Maß von sachlichem und fachlichem Wissen besitzen. Sozialististhe Erkenntnis! Darüber hinaus zeigt gerode die Entwicklung der letzten Jahre die Notwendigkeit» die sozialistische Erkenntnis m der Arbeiterschaft zu vertiefen, die Einheitlichkeit der sozialstischen Grund- sätze herauszuarbeiten, die vielgestaltigen Ströme der proletarischen Bewegung in der Richtung auf die Verwirklichung dcs sozialistischen Endzieles zusammen, zufassen. Vertiefte Bildungsarbeit auf diesem Gebiete ist deshalb nicht Arbeit an einzelnen, sondern Arbeit für die Gesamtbcwegung. Diese Arbeit um die Ausweitung und Vertiefung der sozialistischen Erkenntnis wie des Wissens überhaupt schließt keineswegs aus. daß die Arbeiterbildungsbewegung auch das Seelen- und Gefühlsleben der proletarischen Masse ersußt. Gerade hier zeigt die Arbeiterkulturbewegung, vor allem bei der Jugend, verheißungsvolle Ansätze, machen sich Bestrebungen bemerk- bar, um Hirn und Herz des Proletariers mit neuen Impulsen zu erfüllen und zu einer höheren Einheit zu vereinigen. Dielfach wird aber die ungeheure Bedeutung dieser Arbeit noch in der Arbeiter- schast selbst verkannt. Die Notwendigkeiten des politischen und wirt- schaftlichen Lebens beherrschen den Tageskampf, und unter der schweren Last der täglichen Kleinarbeit für Partei und Gewerkschaft ersticken die Ansätze zu einer erhöhten Wertung und einer theoretischen Vertiefung der proletarischen Bewegung. Aus der anderen Seite machen sich gleichzeitig Bestrebungen bemerkbar, sich von der poli- tischen und wirtschaftlichen Bewegung zu isolieren und am Rande der Arbeiterbewegung ein sich selbst genügendes Sonderdasein zu führen. Diese unhelloolle Zerrissenheit, die die Gesamtbewegung hemmt, kann nur überwunden werden, wenn überall die Erkenntnis durchdringt, daß alle Formen der proletarischen Kultur- bewegung mtt hinein gehören in die große politische und wirt- schaftliche Bewegung des Proletariats, und daß andererseits diese Bewegung die Kulturarbeit braucht, um ihr eigenes Niveau zu heben, ihre Werbekrafl nach außen hin zu verstärken und jene sozialistischen Menschen zu erziehen, ohne die jede politische und wirtschaftliche Errungenschaft auf dem Papier bleiben muß. Nach wie vor ist das Wort von August Bebel wahr, daß der politische und ökonomische Kampf die beiden Beine sind, mit denen das Proletariat marschiert, daß aber der kulturelle Kampf, der Kampf des Sozialismus um Hirn und Herz des schaffenden Volkes, der Kopf ist, der den Beinen die Richtung zeigt, die sie gehen müssen. Im Sinne dieser Bebelschen Tradition zu arbeiten, ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, einerlei, ob er diese oder jene Funktion in der Arbeiterbewegung ausübt. Denn nur durch Zu- sammenfassung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Arbeit kann die Arbeiterklasse im demokratischen Staat zu jener Macht emporwachsen, die imstande ist, das Bikdungsmonopol der besitzenden Klassen zu zertrümmern und�den Kulturapparat der Gesellschaft, der heute zum größten TeU noch als Unterdrückungsapparat gegenüber der großen werktätigen Masse ausgenützt wird, in ein'Mittel der radikalen Umgestaltung der Gesellschaft, in ein Instrument des Kulturfortschrittes und der wirklichen Freiheit zu oerwandeln. « Diese Gedankengänge bildeten den Inhalt der Ausführung.m, die Genosse A. Stein am Dienstag abend in der Konferenz der Obleute und Mitglieder der Kreisbildungsausschüsse im Preußischen Landtag machte. An sein Referat schloß sich eine lebhafte Aussprache, aus der klar hervorging, daß das allgemeine Empfinden der in der Bildungsarbeit stehenden Genossen zu einem einheitlichen syste- inatischen Ausbau der Bildungsarbeit drängt. Notwendig ist die Schaffung eines solchen einheitlichen Systems im Rahmen des Ar- beiterkulturkartells. Dann erst ist die Kräfteoergeudung zu ver. hindern und eine Auslese der tüchtigsten Kräfte aus der Arbcitersch zft möglich. Notwendig ist aber auch die Schaffung eines geistigen Mittelpunktes für alle in der Bildungsarbeit stehenden Genossen. Einmütig wurde der Vorschlag angenommen, daß Konferenzen mit einem bestimmten theoretischen Thema vom Beztrksbildungsausschuß einberufen werden sollen. Ebenso einmütig wurde der Vorschlag des Genossen W e i m a n n angenommen, den Parteivorstand zu ersuchen, eine populäre Broschüren- reihe für die Massenverbreitung herauszugeben. Nachdem noch Genosse Schenk das Programm der geplanten Veranstaltungen des Bezirksbildungsausschusses für den Winter bekanntgegeben hatte, wurde die ungemein anregend verlaufene Versammlung geschlossen. Wohnungsamt und Inftanösetzungen. Was viel« Mieter noch nicht kennen, ist das gesetzliche' Recht, die Schieds- und Beschluß st elle ihres Wohnungs- amtes anzurufen, wenn laufende Instandsetzungen vom Haus- eigentümer entgegen seiner Verpflichtung abgelehnt oder verzögert werden. Das Wohnungsamt Treptow hat unter dem 22. Oktober einem Mieter folgenden beachtenswerten Bescheid erteilt:„Wir teilen Ihre Auffassung, daß bei Zahlung der gesetzlichen Miete im Miel- vertrage getroffene besondere Vereinbarungen über laufende In- standsetzungen außer Wirkung gesetzt sind. Macht der Mieter eine ihm zustehende Ersatzforderung gegenüber dem Vermieter geltend, so kann er gemäß§ 28 Mieterschutzgesetz eine solche Forderung nur aufrechnen, soweit er sich von uns vor Ausführung der Arbeit eine Bescheinigung verschafft hat, daß die Vornahme der laufenden In- standsetzuntzsarbeit erforderlich war. Nachträglich können wir Ihnen die Bescheinigung nicht geben Sie werden deshalb auf die Rück. forderung des verauslagten Betrages verzichten müssen." Es handelle sich um einen im Dezember 1320 geschlossenen Mietvertrag, mit dem der Vermieter, wie es damals auch in anderen Dingen üblich war, die Kosten für Ialousiereparaturen auf den Mieter abge« wälzt hatte. Der Mieter ließ eine solche Reparatur für einen nicht unerheblichen Kostenbetrag durch einen Handwerker vornehmen, weil die schwere Rolljalousie sein Arbeitszimmer am Tage vollständig verdunkelte. Später lehnte her Hausbesitzer, ein Ausländer. die Erstattung der Kosten ab. Nach dem Bescheide des Wohnung»- amtes, der formell durchaus richtig ist, hätte also der Mieter erst die Ablehnung des Hausbesitzers abwarten und dann das Wohnungs- amt anrufen müssen, so daß der betreffende Wohnraum wochenlang ohne Tageslicht geblieben wäre. Hier ist eine Lücke im§ 28 des Mierterschutzgesetzes. Es müßte in N o t s ä l l e n zulässig sein, noch nachträglich dem Hausbesitzer, damit dieser sich nicht unverdient bereichert, die Kosten der Instandsetzung aufzuerlegen. Stiefkinü Staaken. Dörfliche Verhältnisse in der Großstadt. Ein« öffentliche Versammlung, di« der„Bezirks- und Vertehrsverein Berlin- Staaken" einberufen hatte, nahm di« Berichte feines Arbeitsausschusses entgegen, aus denen her- vorging, daß der unermüdliche Kampf für di« Beseitigung der Miß. stände in Staaken schon in kurzer Zeit sichtbar« Erfolge gezeitigt Hot. Nicht zuletzt durch die Unterstützung der Press«, wobei die örtliche Parteipress«— das„Volksblatt für Spandau"— vor ollem zu nennen ist. Der„Bezirks- und Aerkehrsverein Berlin-Staaken" hatte ein« D e n k s ch r i f t an den Oberbürgermeister B ö ß gerichtet, der ja dann auch selbst in Staaken war, um sich an Ort und Stelle von der Be- rechtigung der Klagen zu überzeugen. Diese Denkschrift, di« besser als ein N o t r u f bezeichnet wird, zeichnet noch einmal ein deutliches Bild von der Rückständigkeit der Staakener Verhältnisse. Di« Straßen und Wege befinden sich in einem miserablen Zustand, an dem auch der Umstand die Schuld trägt, daß es in Staaken zuviel Privat- st r a ß« n gibt. Die Fuhrwerke müssen, um zu ihrem Ziel zu ge- langen, ständig zeitraubende Umwege machen. Auch die ö f fe n t» liche Wohlfahrtspflege liegt danieder. Staaken Hot keine gepflegten Parkanlagen. Groß ist die W a s s« r n o t: chemisch« Proben ergaben die Schädlichkeit des Brunnenwassers, auf das viel« Bewohner noch angewiesen sind. Außerordentlich schlecht ist d!« Eisenbahnoerbindung. Verkehrspausen von 147, 130, 112 und 86 Minuten sind für die berufstätig« Bevölkerung untragbar. Seinerzeit hatte sich di« Mehrheit der Staakener für di« Eingliedirung in den Stadtoerband Berlin ausgesprochen. Jetzt ist man aber, wi« die Denkschrift sagt,„entmutigt und enttäuscht". Die Denkschrift ist an Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden geschickt worden. Das Echo ist nicht ausgeblieben. Von den eingelaufenen Antworten ist die des Hauptgesundheitsamtes sehr sonderbar. Es erklärt rund und nett, daß das Brunnenwasser wohl eine„Geschmacks- benachteiligung" aufzuweisen hat,„gesundheitsschädlich sei es aber nicht". Vielleicht machen mal di« Verfasser dieser merkwürdigen Antwort«ine Brunnenkur in Staaken.' Das stärkste Entgegenkommen fand man bej der E i se ncha hzi-, g Der zuständige Dezernent verhandelte mit größter Sachlichkeit, und' das Resultat der Verhandlungen war, daß im Eisenbahn- verkehr nach Staaken eine grundlegende Aende-' rung eintreten wird. Die Festsetzung der Fahrzeiten wird in einer zweiten Verhandlung, die in Kürz« stattfindet, vorgenommen werden. Schlecht dagegen sind die Aussichten, die sich hinsichtlich einer Straßenbahnverbindung nach Staakei? bieten. Ein« Zählung, die vom Verkehrsamt vorgenommen wurdz, hatte er- geben, daß täglich zwischen Spandau und Staaken S000 Fußgänger- und Radfahrer verkehren. Eine Schätzung läßt den Schluß.zu, daß etwa 2000 Personen ein« Autobusverbindung benutzen würden. Trotzdem sich«in Autobusverkehr— als Vorläufer für die Straßenbahn— rentieren würde und di« Hamburger Chaussee gutes Walzpflaster hat, lehnt di« A b o a g aus unverständlichen Gründen die Ausnahme eines Pendelverkehrs zwischen Spandau und Staaken ab. Der Bau der Straßenbahn kommt aus Mangel an Mitteln vor- läufig nicht in Frage. Man ist also an keiner Stelle in der Lage, für vier Kilometer einen Autobus- oder Straßenbahnoerkehr ein- zurichten. Vielleicht geschieht's im neuen E�atsjahr. Gute Erfolge wurden hinsichtlich der Wasserversorgung erzielt. Die Stadt Berlin will versuchen, gegen einen Abstand in Höhe von 200 000 M., der für das jetzige Rohrnetz an das Kreis- wasienverk Nauen zu zahlen sst, das Recht zu erhalten, Staaken mit Wasser zu versorgen. Bis dahin trägt Berlin die Differenz, die zwischen dem Mosserprels des Werkes Nauen(36 Pf. prv Kubikmeter) und dem von Berlin(15 Pf.) besteht. Für die Haus- anschlüss«, die für N« u st a a k e n in Betracht kommen, hat Berlin die Zusage gegeben, daß es kein« höheren Preise wie Nauen fordern wird, so daß ein Hausanschluß 60 bis 70 M. kostet. In absehbarer Zeit wird Staaken auch mit Gas oersorgt werden. Ein Vertreter der Gaswerke erklärte, daß den Verbrauchern die Röhren vom Gasmesser ÄKlsefsimg din neuer iÖaföorf- Jyp uou unucn (SigcnarJ- ist untere neue llntjcuiöf�nii cf� mif6 und boeft, diese l\eruorTa�cn6e 3*% ein �ian�enbe« für die �eislungeju�ig unsere«» au fee. Kaldors-Ästoria. di-jarottimfabrife QI.-6. s*, M X" A.KWSCHC bis zum vrtsn«tz zum Selbsttostenpr«!« gelegt werken, wenn fi« fich verpflichten, vom Gaswert Berlin Gas für die Zeitdauer von 30 Jahren abzunehmen. Di« Versammlung stand diesem Plan nicht ablehnend gegenüber._ Neue Räume für öle Arbeitsnachweise. Infolge der immer mehr zunehmenden Arbeitslosigkeit haben sich bei den einzelnen Arbeitsnachweifen durch den großen Andrang unhaltbare Zustände gebildet. Der Magistrat hat sich deshalb in den letzten Monaten vcmüht, die Fachabteilungen des Landesarbeits- omtes an anderer Stelle unterzubringen. Die Verhandlungen über den Ankauf eines eigenen Gebäudes für die Ar- beitsnachweife hatten sich zerschlagen, so daß nur die Mie- tung geeigneter Räumlichkeiten übrigblieb. Nach dem bisherigen Er- gebnis der Verhandlungen sind die Räume in der B e u t h st r. 1/3 zur Unterbringung der weiblichen Fachabteilungen für Textil und Bekleidung, ferner die Fachabteilung für das männliche Gastwirts- personal vorgesehen, und endlich soll dort noch die zweite Zweig- stelle für den städtischen Gewerbearzt errichtet werden. Des wei- teren wurden die Räume in der G r ü n st r. S/6 gemietet, in denen die weibliche Abteilung der Fachabteilung der Angestellten untergebracht werden soll, die sich zurzeit in der Klosterstr. 39 be- findet, dort aber nicht mehr verbleiben kann, weil die Räume sich als gänzlich unzulänglich erwiesen haben. Schließlich sind noch Räume in der K o m m a n d a n t e n st r. 7 6/78 für die männ- (iche Abteilung des Schneidergewerbes und für die Buchdrucker ge- mietet worden, deren Arbeitsnachweise sich bisher in der Gormann- straße befanvcn. Noch anzumieten bleiben Räume für die Unter- bringung des Arbeitsnachweises für die Metallindustrie, der bisher in der Wusterhausener Straße(Spreehof) unter- gebracht ist. Dafür sind im Hause Kottbusser Str. 23 Räume in Aussicht genommen. Für die Herrichtung der Räume in der Beuthstraße, deren Kosten der Magistrat zu tragen verpflichtet ist, stehen bereits Mittel zur Verfügung: es müssen jedoch noch die Kosten für die baulichen Veränderungen in den anderen Arbeits- nachweisen bewilligt werden die insgesamt 6 2 l) l) 0 M. ausmachen. Da auch noch ein Teil des Inventars erneuert werden muß, fordert der Magistrat jetzt vom Stadtparlament insgesamt 7 8 0 0 0 M. für diese Zwecke._ Abschied im Krematorium. Ma schreibt uns: Jede Leichenfeier in der Halle des Krema- toriums hat einen gleichförmigen dramatischen Höhepunkt. Das ist der Augenblick, in dem die Fahrstuhlbühne mit dem Sarge lang- sam in die Tiefe sinkt und die Oeffnung sich geräuschlos wieder schließt. Waren die Angehörigen bis dahin noch ziemlich gefaßt, so brechen sie beim Verschwinden des Sarges regelmäßig in krampf- Haftes Weinen aus. Nicht selten ereignen sich Ohnmächten und Wein- krämpfe. Selbst Leidtragende mit stärkeren Nerven können sich dem peinigenden Gefühl dieses Augenblicks niemals ganz entziehen. Da- zu kommt, daß hintenstehende Leidtragende vielfach nach vorn drängen, um genau zu sehen, wie der Sarg versinkt. Muß das s o b l e i b e n? Ist das nicht zu ändern? Man wendet ein. der Fahrstuhl sei ja der technisch vollkommenere Ersatz für das Hinab- lassen des Sarges in die Erdgruft, wobei ebenfalls fast stets leb- haftere Schmerzausbrüche zu beobachten sind. Das ist richtig, sollte aber nicht abhalten von Vorkehrungen, die geeignet sind, die bei jedem Todesfall auf das äußerste angespannten Nerven der nächsten Angehörigen zu schonen. Das einfachste AbHilfsmittel ist doch, den Fahrstuhl erst dann anzulasten, wenn sich die Trauer- Versammlung aus der Halle entfernt hat. Befürchtet man ein zu langes Verbleiben der Angehörigen am Sarge, so kann mit einem durch elektrischen Antrieb bedienten Vorhang der Sarg dem Auge der Leidtragenden entzogen werden. Man soll den Abschied vom Toten nicht schwer, sondern so leicht wie möglich machen. /lus öen Bezirken. 11. Bezirk— Schoueberg. In der Bezirksversammlung vom 10. November sprach der Be- zirksoerordnetenoorsteher sehr anerkennende und ehrende Abschieds- worte für unseren Genossen E r n st O b st. der sein Mandat wegen durch sein Alter beeinträchtigter Gesundheit niedergelegt hatte. Ge- nosse Obst hat das Amt eines Stadtverordneten der früher jelbständi- gen Gemeinde Schöneberg und nach dem Zusammenschluß von Erotz- Berlin das eines Bezirksoerordncten des 11. Verwaltungsbezirks ununterbrochen 29 Jahre innegehabt. Er war der erste sozialdemo- kratische Stadtverordnete im Schöneberger Stadtparlament. Dann gab das Bezirksamt bekannt, daß die von uns in diesem Sommer geforderte unentgeltliche Ueberlassung der Jugendheime während der Sommerferien auch für die weiteren Jahre ausgesprochen ist. Die von uns ebenfalls beantragte Benutzung der Schulhöfe durch die Jugend während der großen Ferien hatte diesmal noch wenig Jnan- spruchnahmc gefunden, wohl wegen der nicht rechtzeitigen Bekanntgabe dieser Einrichtung. Bessere Propaganda wird künftig guten Besuch erzielen. Dann beschäftigte sich die Versammlung mit dem Haushaltsplan. In drei langen Tagungen des Haushallsausschusses war der Schönebevger Etat für 1927 durchgesprochen worden. Die Kommunisten hatten sich bei diesen Beratungen nach alter Gewohn- heit fast ganz passiv verhalten und nur hin und wieder ihre Unver- trautheit mit den kommunalen Dingen erkennen lassen. Jetzt kamen sie im Plenum mit einem runden Dutzend Anträgen, die allerdings meistens offene Türen einrannten oder längst überholt waren. Einige wurden dem Haushaltsausschuß überwiesen. Genosse P e t e r s o n wies bei dem Kapitel Jugendpflege auf den eigen- artigen Umstand hin, daß zu der jüngst stattgesundenen Einweihung des Jugend- und La n d s ch u l h« i m s Blantenhof nur die Vertreter der rechtsgerichteten Jugend- organisationen eingeladen worden seien. Der deutschnatio- nale Bürgermeister B e r n d t versuchte diese stark einseitige Ein- schränkung der Einladungen mit„Platzmangel" im Heim zu erNären. Dann wurden die Haushaltspläne 1927 von der Ver- sammlung genehmigt. Der Kommunist Müller begründete mit viel Pathos und wenig Geschick den bekannten Antrag wegen des Hohenzollernoergleichs. Die sozialdemokratische Fraktion gab die Erklärung ab, daß, da nach dem Ergebnis des Volksentscheids eine andere Lösung für die Hohenzollernabfindung bedauerlicherweise nicht gefunden sei, sie auch von der Einwirkung der Schöneberger Bezirksversammlung keine bessere Lösung erwarte und daher den kommunistischen Antrag ablehne. 14. Bezirk— Neukölln. Die am Freitag, dem 12. November, tagende außerordentliche Bezirksversammlung beschäftigt« sich hauptsächlich mit dem Haus- haltsooranschlag 192 7. Der Bertreter des Bezirksamts, Stadtrat Genosse Radtte, erläuterte tzen Voranschlag im einzelnen und betonte, daß sich die vom Berliner Kämmerer für die Bezirks- etats angewendeten Richtsätze gerade für Neukölln sehr ungünstig auswirkten. Hinzu komme, daß durch die den Gemeinden zuge- wiesenen Aufgaben besonders die Berliner Finanzpolitik sehr un- günstig beeinflußt werde. Der nachfolgende Redner, der deutsch- nationale Dr. B i e r b a ch, erklärte, daß die Rechte des Hauses den Haushaltsvoranschlag ablehne, weil sie dem roten Bezirks- amt kein Vertrauensvotum aussprechen könne. Don unserer Fraktion verlangte Genosse F e l l e r die Abstellung drin- aender Uebelstönd«, so vor allem die Beseitigung des Mülls aus den Kiesgruben in Britz. Er erwartet, daß die städtische Müllabfuhr auch auf Britz ausgedehnt werde. Außerdem harre der Hohenzollernplatz immer noch seiner Erneuerung, und die von der Bezirksversammlung beschlossene Entfern vng des Kaifer-Wilhelm-Denk- m a l s sei noch immer nicht durchgeführt worden. Wir müssen erneut fordern, daß das Denkmal schleunigst beseitigt wird. Dann be- gründet er die von der SPD.-Fraktion zum Haushalt gestellten Anträge, von Wichtigkeit ist dt« Schulspetfung. Infolge der großen Not sei für viele Kinder die Schulspeisung im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebensnotwendigkeit. Die hierfür von uns bean- kragten SO OOO M. als einmalige Ausgabe sei vollauf berechtigt. Wir erwarten vom Berliner Magistrat, besonders vom Oberbürgermeister, eine starke Befürwortung dieser Art Anträge, denn v o r der Errich» tung von Sportplätzen komme die Erhaltung und gesundheitliche Fürsorge der notleidenden Kinder. Die Demokraten ließen durch Herrn Borne mann erklären, daß sie dem Haushaltsplan und den sozialdemokratischen Anträgen zustimmen werden. Die Kommunisten, Arm in Arm mit den Rechtsradikalen, lehnten den Etatsplan ab, so daß der Haushaltsvoranschlagmit den Stimmen der Sozialdemokraten und Demokraten seine Annahme fand. Danach beschloh die Versammlung ohne De- batte, einen neuen Wochenmarkt in der Hannemannstraße in Britz zu errichten. 17. Bezirk— Lichtenberg. Die Dezirksversammlung am 10. November beschäftigte sich mit dem Entwurf des Haushaltsplanes für 192 7. Aus den Ausführungen des Bürgermeisters Dr. S i g g e l ist folgendes hervorzuheben. Der Entwurf selbst stellt nicht einen Haushallsplan in den: Sinne dar, wie ihn eine selbständige Stadt aufstellt, sondern es handelt sich um eine Bedarfanmeldung. Di« Finanzen müssen bei der Zentrale bleiben, auch eine Pauschal« ist abzulehnen, da das zu einer Benachteiligung des Ostens führen würde. Die Airmeldung des laufenden Bedarfs entspricht im allgetneinen den Forderungen des Magistrats, denn hier ist in der Hauptsache das Prinzip der Richtzahien oder Schlüsselzahlen maßgebend. Sichern diese Schlüsselzahlen wirklich eine gerecht« Berücksichtigung der Bezjrks- bedürfnisse? Vor einem halben Jahre wurde gezeigt, daß trotz der Schlüsselzahlen auf den meisten Gebieten ein« Benachteiligung unseres B e z i r k« s g e g e nü be r westlichen sich feststellen läßt. Di« Ursache ist darin zu suchen, daß die Richtzahlen erst dann ein« gerechte Verteilung der Mittel verbürgen, wenn die Ausgangs- zahlen, die Basiszahlen, auf die sie sich beziehen, die Bedürfnisse der Bezirke im Vergleich zueinander richtig wiedergeben. Die große Liste unserer Anforderungen beweist, welche Bedürfnisse noch zu befriedigen sind. Wir können feststellen, daß in letzter Zeit durch gute Berücksichtigung wenigstens bei den Notstandsorbeiten eine Besserung eingetreten ist. So sind uns nachträglich Mittel bewilligt worden, um die Hauptstraße zum Großkraftwerk aus- bauen zu können, die ebenso wie die Frankfurter Chaussee mit zwei Fahrdämmen uni» einer Mittelpromenade ausgestattet werden soll. Endlich ist auch vorgesehen, die berüchtigt«„Tonne" in Angriff zu nehmen, für die etwa 200 000 M. bereitgestellt werden. Aus den übrigen Haushaltskapiteln wäre zu erwähnen, daß das Feuer- löschwesen mit Raumschwierigkeiten in der Morktstrvß« zu kämpfen hat, so daß em eigenes Gebäude bald nötig fein wird. Im Haushältsabschnitt sür„Sonstige s" ist der Ansatz für die Volts- speisung wesentlich erhöht. Da wir«inen der wichtigsten Bahnknoten- punkte in unserem Bezirk haben, müssen wir fordern, daß unser Bezirk für den Osten ein Zentrum des Berufsschulwesens wird. Ueber das Verkehrswesen ist an dieser Stelle oft gesprochen worden. Stets war die Vernachlässigung des Ostens der Inhalt des Themas. Insbesondere ist über die Nichtberücksichtigung beim Schnellbahnbou zu klagen. Ebenso wichtig wie das Verkehrswesen ist der Wohnungsbau. Er ist bei uns kein« kommunal« Angelegenheit, sondern m Privathänden oder der Wohnungsfürsorgegesellfchaft übertragen. In der Diskussion wünscht Genoss« Schubert ein« besondere Unterstützung des Neubaues der Entbindungsanstalt und bringt hierzu einen Antrag«in. der später«instimmig angenommen wird. Er kritisiert die schlechten Verkehrsverhältniss« und fordert weiter nachdrückliche Förderung des Wohnungsbaues. Di« Wahl des Stadtbaumtes wird auf Antrag der Kommunssten gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wiederum vertagt. Zum Schlüsse werden noch einige Anträge erledigt, ist fahrend In afifiee weil er streng auf allerbeste üualitSli hält Preis � Pfund 23° Ä10 l70 f 30 Mk. Bis Donnerstag, den 25. November, auf jedes halbe Pfund zu 230 Ä10 t70 Mk. olne Tafel Qualitäis-Schokolade e feudi fungskör per für Wohnungen in äffen offifarien Speziafbefeucßiungen für Verkaufsräume, efehaufen ßer, Werkfätten �CeiizaHfungen Gönnen auf Wunfcfi vefeinhori werden föefeucßfungskörper 5. n, b. ß- Herrm HIV 6 �Beficftigen cf/'e unfere flusßettungsräume ßuifenflr. 25 »iMlUMlllliWlllMHlillllimniimiHm.tunnuiiiMmiiiiiiMimiiilllllllunimi Man sieht» ihnen an« Stolz genen sie daher, im Bewui�t- »eln. modern und elegant gekleidet zu»ein. Gefallen ihnen die Beiden? Sie können genau»o schick aussehen, ohne viel Geld auszugeben. Kommen Sie einmal zu mlrl Ich zeige ihnen das Schönste und Beste was die Mode bringt. In wirklich guten Qualltaten und zu Preisen. die ihnen den Kauf leicht machen. 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Die kom- inunistische Fraktion hörte diesen Ausführungen mit gesenkten Köpfen on, verzichtete auch auf eine Debatte, die sie sich nicht hätte entgehen lassen, wenn ein Stadtrat unserer Partei die Anfrage beantwortet bättc. Nunmehr wu�dc.zur Beratung des Etats geschritten. Der Sprecher unserer Fraktion, Genosse F a l k e n st e i n� nahm in längeren treffenden Ausführungen zum Etat Stellung,»rr ersuchte das Bezirksamt, unter allen Umständen dafür zu sorgen, daß die Mittel zum Neubau einer Volksschule und zum C r w c t- terungsbau anderer Volksschulen unbedingt bewilligt werden, da iniolge der Entwicklung unseres Bezirks die Schul- verhältnisse unhaltbar geworden sind. Auch der Erwei- terungsbau des völlig unzulänglichen Krankenhauses darf nicht weiter hinausgeschoben werden. Beim Ueberschreiten des normalen Krankenstandes würde eine Katastrophe nicht zu vermeiden sein. Sehr wichtig ist auch die Errichtung des vorgesehenen Freibades im Orankesee, das für die Bswobner des Berliner Ostens besonders segensreich sein wird. Die SPD. legt ferner Gewicht daraus, daß eigene Ferienheime siir unsere Kinder errichtet werden, da die Landverschickung der Kinder in vielen Fällen nicht den ge- wünschten Erfolg gezeitigt halte. Der Redner erklärte schließlich unsere Zustimmung zum Etat. Nunmehr nahm der Kom- munist Böttcher(einer der 700 Unterzeichner der bekannten Er- klärung der kommunistischen Opposition) das Wort, um eine ellenlange Agitationsrede gegen die SPD. für die Tribüne zu hallen. Er befaßte sich nur wenig mit dem Etat, besckäftigte sich vielmehr mit Dingen, aus die die Bezirksversammlung nicht den geringsten Ein- fluß hat. Ihm folgte unter anderem der Fraktionsführer'der KPD. Griebel, der sich besonders darin gefiel, einen Kaschemmenton anzuschlagen, wie ihn die Bezirksoersammlung glücklicherweise nur selten erlebt. Sehr interessant war seine Erklärung, daß die KPD. kein Gewicht daraus legt, daß den jugendlichen männlichen Erwerbs- losen Werksunterricht erteilt wird, da die Lehrlinge doch nur als Lohndrücker benutzt werden Unsere Genossen I ä h n und Fischer rechneten mit den Kommunisten kräftig ab. Sie hielten ihnen vor, daß sie in der Etatsausschußberatung und bei den Einzelberatungen in diN Deputationen— wo doch die Hauptarbeit zu verrichten ist— so gut wie nichts geleistet haben, daß sie es lieber vorziehen, in der öffentlichen Bezirksverordnetenversammlung demagogische Rede» zu halten. Nachdem noch einige bürgerliche Vertreter kurze Ertlänrngen abgegeben hatten, ging ein Antrag ein, den Etat en hloc anzunehmen. Unsere Fraktion erklärte, daß sie zwar in der Einzelberatung noch Anträge einzubringen beabsichtige, daß sie aber im Interesse der schleunigen Verabschiedung des Etats diesem Antrage zustimmen werde. Deutschnationale und Kommunisten erklärten sich gegen den Antrag. Die Abstimmung ergab die Annahme des An- träges und des Etats mit 18 gegen 19 Stimmen. Es war belusti- gend, anzusehen, wie die Kommunisten mit den verdutzten Gesichtern dasaßen, war ihnen doch die Möglichkeit genommen, in der Einzel- beratung ihre massenhaft vorbereiteten Demonstrationsanträge an den Mann zu bringen. Die kommunistischen Tribünenbesucher be- reiteten am Schlüsse der Sitzung ihren Fraktionsmitgliedern wegen ihrer„schlappen" Haltung einen warmen Empfang. Im Kampf mit öen Steuerbehörüen. Das Steuer-Ueberleitungsgesetz vom Mai 1925 brachte den Lohn- und Gehaltsempfängern die Möglichkeit einer Rückerstattung von Steuerbeträgen, sosern ihr« Steuersähigkeit durch be- sondere wirtschaftlich« Verhältnisse(u. 0. Krankheit) wesentlich beeinträchtigt wurde. Aus Antrag der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion sind dazu im Frühjahr dieses Jahres Vorschriften zur Vereinfachung des Geschäftsganges erlassen worden, sowie ein« ausdrückliche Anweisung des Reichssinanzministers, die Finanzämter möchten dies« Rückerstattungen beschleunigen und dabei nicht kleinlich verfahren. � Wie manch« Finanzbehörden dies« wohl- wollenden Erlasse ausgefaßt Haiben, möchten wir an einem Einzelfalle zeigen, dessen Erledigung sich in zwei Instanzen über ein Jahr hin- gezogen hat. Ein Parteigenosse. Lehrer von Beruf, war im Vorjahre wegen eines Herzleidens genötigt, einen schlesischen Kurort aufzusuchen. Er erhielt von der Schulbehörde dazu Urlaub. Er wies bei seinem An- trage aus Rückerstattung von Steuern dem Finanz amt« Frie- drichshain Unkosten im Betrag« von 591,79 M. nach. Dazu kamen einmalig« Anschaffungen und lausende Ausgaben für Krank- heit, so daß die durch Krankheit verursachten Kosten den Sehaltsbezug des Lehrers für die sechs Wochen der Kur bei weitem überstiegen. Dos Finanzamt Friedrichshain wies den Antrag ab und berief sich dabei auf«in« angeblich«ntgegenstehende Entscheidung des Reichs- sinanzhoses vom September 1923. In feiner Beschwerde, die der Lehrer nun an das Landesfinanzamt Groß-Berlin richtet«, wies er u. a. daraus Hirt, daß es im Jahre 1923 Rückerstattungen von Steuern noch nicht gegeben hat, jene Entscheidung sich mithin auch nicht aui sie beziehen konnte. Dies« Beschwerde muß durch das entscheidende Finanzamt eingereicht werden. Dieses, eben das Finanzamt Friedrichs- Hain, gab die Beschwerde aber nicht weiter, sondern spiell« selbst Beschwerdeinstang. Es wies den Antragsteller erneut ab und führt« ihm zu Gemüt«, daß, da er ledig sei, die Ausgaben kein« wesentliche Belastung darstellten.„Sie könnten beguem von dem Gehalt bestrillen werden." Bor Ablauf der Berufungsfrist von einem Monat traf nun «in« Kostenrechnung ein, nebst einer Drohung mit Zwangs- verfahren. Ein Antrag auf Einstellung der Kostenbeitreibung bis zur endgültigen Entscheidung fand bei dem Finanzamt keine Gnade. Der Antragsteller erhielt vielmehr ein« erneut« Aufforderung zur Zahlung binnen einer Woche und die Drohung mit der Pfändung. Nun beschwerte sich der bedrängt« Steuerzahler direkt bei dem Landes- sinanzamt und bat um Schutz gegen das Verfahren des Finanzamtes Friedrichshain, dem er inzwischen seine Berufung eingereicht hatte. Der Gerichtsvollzieher blieb denn auch aus und die Angelegenhell ging zur Entscheidung an dos Landessinan.zamt Groß-Berlin. Das Finanzamt Friedrichshain beantragt« dort in einem seltsamen Schrift- saß die Abweisung der Berufung:„Da D. ledig ist. sein Gehalt lediglich für seinen Bedarf nach Belieben oerwenden kann und di« Ausgaben--- bequem gedeckt werden konnten, liegt«in sehr günstiges wirtschaftliches Verhältnis vor." Das Landesfinanzamt wies die Berufung kostenpflichtig ab ohne Gründe anzugeben. Während nämlich das Finanzamt den Streitgegenstand auf 69 M. festgesetzt hatte, setzte es diesen Betrag aus 29,50 M. herab und er- öffnet«' nun dem Antragsteller:„Da der Streitgegenstand keinen höheren Wert hat als 59 M., sst nach freiem Ermessen ent- schieden worden." Der Antragsteller, der seine Ersparnisse während der Inflation losgeworden ist, hat nach diesen Ersahrungen begreif- licherweise die Lust verloren, auch noch den Reichssinanzhos an- zurustm gin0njbcj)Örl)cn seinen nicht zu wissen, daß die Bezüge der unteren und mittleren Beamten im Reichstage wiederholt einhellig als unzulänglich erkannt worden sind, auch vom Reichssinanz- minister Wir sind übrigens begierig zu erfahren, wann in diesem Falle nach ihrer Meinung eine wesentliche Beeinträchtigung der Steuersähigkeit wohl vorgelegen hätte und halten es für wahrscheinlich daß auch viele Arbeiter mit dieser unsozialen Ein- stell ung" mancher Finanzbehörden Bekanntschaft gemacht haben werden. Zumal nicht jeder sein Recht soweit oerfolgen kann, wie(* 5er Lntragsteller getan hat. UeLerdies zeigt der Fall auch, daß Finanzämter an ihrer Ueberlastung selbst schuld haben können, in- dem sie alles andere als schleunig und nicht kleinlich verfahren. Weltliche Schulen im Irieürichshain. Alljährlich werden Tausende von Kindern eingeschult, um das Rüstzeug für ihr späteres Leben in sich aufzunehmen. Die am 14. Oktober 1926 gegründete„Freie Schulgemeinschaft Friedrichshain" hat eine starke Schulbewegung hervor- gerufen. Ihr Programm fordert die freie Einheitsschule, frei von allen Bekenntnissen und Parteiprogrammen. Die Kirche verlangt die Aufsicht über die Schulen. Doch die Schule gehört dem Staat. Was will die weltliche Schule? Der Unterricht wird er- teilt nach dem Stand neuzeillicher Wissenschaft und Erziehungslehre unter genauer Beachtung des Gegenwartslebens, frei von jedem Personenkult, ober engster Zusammenarbeit zwischen Lehrerschaft und Ellernschaft. Die Kinder werden erzogen im Geist des friedlichen Zusammenlebens, der Achtung des Menschen zu den: Menschen, und der Unterricht ist frei von Wunderglauben, aber mit ganzem Inhalt der rauhen Wirklichkeit angepaßt, und die Qualität des Lehrstoffes ist oberstes Gesetz. Alle Republikaner, Arbeiter, Angestellten und Beamten, alle fortschrittlichen Lehrer und Pädagogen melden sich an folgenden Stellen: Kintlein, Berlin, Gabelsbergerstraße 6, vorn 2 Treppen, täglich von 4 bis 7 Uhr: Ernst Fal'kenberg. Berlin, Straßmannstraße 16, Seitenflügel, 3 Treppen, täglich von 4 bis 7 Uhr: Frau Wengels, Berlin, Lillauer Straße 14, Eck- aufgang, 3 Treppen, täglich von 12 bis 6 Uhr: Hermann Reibe- tanz, Berlin, Richthofenstraße 32, vorn 4 Treppen, täglich von 6 bis 7 Uhr: O d e r b a ch, Berlin, Eckertstraße 8, Ouergebäude, 3 Treppen, Dienstag und Freitag von 5 bis 7 Uhr: Gustav Franke, Berlin, Große Frankfurter Straße 34, vorn 4 Treppen, Dienstag und Freitag von 1�6 bis Kl Uhr: Albert V o ß. Berlin, Thaer- straße 41, vorn 2 Treppen, täglich von 4 bis 6 Uhr außer Sonn- abend und Sonntag: Wilhelm M a r d u s, Berlin, Löwestraße 7, Ouergebäude, 2 Treppen, täglich von 4 bis 7 Uhr. Letzterer erteilt Auskunft in sämtlichen Angelegenheiten der weltlichen Schule. Industrie gegen Kleingärtner. Die Knorr-Bremse A.-G. in Berlin-Lichtenberg hat das ehemals Buggenhagensche Gelände zwischen R ö d e r st r. und Landsberger Chaussee vor einigen Jahren erworben. Auf diesem Gelände sitzen etwa 699 Kleingärtner, darunter zirka 79, die in Er- mangelung einer Stadtwohnung in der Laube wohnen müssen. Dieses Gelände ist im neuen Generalbebauungsplan von Groß-Berlin als Dauerkleingartengelände vorgeschlagen. Um das zu hintertreiben und die Kleingärtner überhaupt von dem Gelände herunterzubekommen, wendet die Knorr-Bremse A.-G. alle Mittel an. die ihr zur Verfügung stehen. Sie weigert sich, einen neuen Pacht- vertrag abzuschließen, weist die ihr angebotenen Pachtgelder zurück und hat sogar die Räumungsklage beim Landgericht ein- gereicht, trotzdem ein Pachtoertragsoerfahren beim Magistrat Berlin schwebt. Angeblick gebraucht die Gesellschaft das Gelände für in- dustrielle Zwecke.(Dabei steht heute schon ein großer Teil der neuen Fabrikanlagen in Rummelsburg leer.) Gegen diese Machenschaften protestierten die in Frage kommenden, restlos erschienenen Klein- gärtner in einer Versammlung. Tin Vertreter des gemeinnützigen Bezirksverbandes der Kleingärtner Berlin-Lichtenberg führte un- gefähr folgendes aus:„Die Kleingärtner sind durch das Kleingarten- schutzgesetz vom Juli 1919 vor unrechtmäßiger Kündigung geschützt. Dieses Gesetz und die Kleingärtner überhaupt sind den Bodenspeku- tonten ein Dorn im Auge und schicken ihre Juristen vor, um das Gesetz zu durchlöchern oder überhaupt von der Bildsläche verschwinden zu lassen, wie so manche soziale Errungenschaft der Nachkriegszeit. Das Großkapital, welches seilten Arbeitnehmer ausnutzt, und wenn er nicht mehr volleiftungsfähig ist, rücksichtslos aufs Pflaster wirst. versucht auch noch ihm sein einziges Erholungsplätzchen, und das ist der Kleingarten, zu nehmen. Statt zur Erhaltung der Arbeitskraft beizutragen und alles in ihrem Besitz befindliche Gelände für Klein- gärten herauszugeben, drängt man den Arbeitnehmer in seine vier Wände der Hinterhäuser zurück. Wo die 79 Kleingärtner, die in den Lauben ständig wohnen müssen, nun ihre müden Glieder ausruhen lassen sollen, kümmertdieKnorr-Bremseanscheinendwenig. Gegen solche volksfeindliche Maßnahmen zu protestieren ist nicht nur Pflicht der Kleingärtner, sondern der Gesamtbevölkerung Groß-Berljns. Anstatt Grünflächen und Erholungsstätten zu schaffen, soll das letzte bißchen Grün der Bodenspekulation ausgeliefert werden. Die Organisation der Kleingärtner wird versuchen, ihren Mitgliedern ihr Erholungs- Plätzchen zu erhalten. Es wird Sache des Magistrats sein, hier unter allen Umständen einzugreisen und die Gesellschaft in die Schranken zu weisen." Eine P r o t e st r e j o l u t i o n wurde in der Versamm- lung angenommen und dem Magistrat Berlin und dem Bezirksamt Lichtenberg eingesandt. Gleichzeitig schloß eine Teilfunktionärver- sammlung der Kleingärtner Berlin-Lichtenberg, die zirka 7999 Klein- gärtner vertritt, sich dieser Protestaktion an. Die Spareinlagen bei der Sparkasse der Stadt Berlin haben, nachdem Mitte August d. I. der Einlagenbestand von 199 Millionen Mark überschritten worden ist, weiter unverändert zugenommen. Die Zahl der Sparkonten betrug Ende August 239 999; im September sind 11999 und im Oktober rund 19 999 neue Sparer hinzugekommen, Ende dieses Monats werden über 269 999 Sparkonten vorhanden sein. Der Einlagen- bestand hatte am 39. September 196,5 Millionen Mark erreicht und wird Ende dieses Monats über 119 Millionen Mark betragen. Bei der Verteilung der Geschenksparbücher, die von der Spartasse der Stadt Berlin zur Erinnerung an den Tag gestiftet würben, an dem die Spareinlagen 199 Millionen Mark über- schritten hatten, konnten 48 Kinder, darunter 14 Mündel der Berliner Amtsvormundschaft, bedacht werden. Außerdem haben über 169 Angehörige der erwerbstättgen Berliner Bevölkerung, davon etwa die Hälfte Frauen, ein Gcschenksparbnch erhalten.. Eröffnung von wärmestuben im Bezirk Friedrichshain. Am 1. November d. I. wurden folgende Wö.rmeftuben im Bezirk eröffnet: 1. Jugendheim Fruchtstr. 25, geöffnet wochentäqlich außer Dienstags von 19 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends, Dienstags von 19 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags: 2. Jugendheim Stralauer Allee 25, geöffnet wochentäglich von 19 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends; 3. Turnhalle Rigaer Str. 192, II. Hof, geöffnet wochentäglich von 19 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends. Außerdem wixd voraussichtlich vom gleichen Zeitpunkt ab in einem Raum der Schule Höchste Str. 36 „�lalpsiiZ Hocca� habe mich eingenistet. Es ging doch sehr schnell! Sollte man mit so etwas außerordentlich Cutem in Berlin nicht freundlich aufgenommen werden 7 Ich bin eine besonders gute und besonders preiswerte Cigarette! MAUO %> ein» wettere WSrmestube aufgemacht. Für die bedürftigen allen Einwohner des Bezirks, denen ein eigener heizbarer Raum nicht zur Verfügung steht, ist hier für die talle Jahreszeit ein gemütlicher Tagesaufenthalt geschaffen. Die erforderlichen Ausweiskarten, welch« zum Besuch dieser Räume berechtigen, werden von den zuständigen Wohlfahrkskommisstonsvorstehern ausgegeben. Zur Pflege des Laienspiel» hat das Bolksbildungsamt Friedrichs- Hain eine Jugendbühnenliste herausgebracht, die einem dringend empfundenen Bedürfnis der Jugendbuhnen-Aufführungen in Schule und Jugendoerbänden entsprechen will. Die große Mehrzahl der vorhandenen Stücke ist in Form und Sprache für die Jugend- bildungszwecke wenig geeignet. Aus der ungeheuren Menge der auf dem Markt befindlichen Sachen ift das herausgesucht worden, was nach Inhalt und Gestaltung einwandfrei ist. Im Anhang der Liste wird eine Zusammenstellung über die Grundsätze der Verwertung von Bühnenstücken gegeben. Gegen Einsendung eines Umschlags mit Drucksochenporto kann die Lifte unentgeltlich vom Bolksbildungsamt Friedrichshaio, O. 27, Markusstr. 49, erlangt werden. Das verwoltungsgebäade der Lichlenberger Allgemeinen Ort». krankenkaffe. dessen Ausführung durch die Inflation verhindert wurde, soll nunmehr doch gebaut werden. Da an dem Verwaltungsgebäude in der Magdalenenftr. IS/16 umfangreiche Ausbesserungsarbetten erforderlich sind, haben sich der Vorstand und der Ausschuß ent- schlössen, den Plan eines Neubaues wieder auszunehmen und zur Ausführung zu bringen. Das Gebäude wird auf dem der Orts- krankenkaffe gehörenden Grundstück in der Deutschmeisterstraße und Parkaue errichtet. Es soll im Kellergeschoß eine Badeanstalt mit 35 Bädern nebst allen dazugehörigen Medizinalbädern erhalten. Im Erdgeschoß werden die Verwaltungs- und Kassenräume unter- gebracht. Im 1. und 2. Obergeschoß sind Räume für die Zahnklinik und Ambulatorien für den Verband der Groß-Berliner Kranken- lassen vorgesehen. In den übrigen Stockwerken werden ungefähr 3S Wohnungen gebaut. Außerdem stellt die Ortskrankenkasse durch die Ausgabe ihrer jetzigen Räume noch weitere 30 Wohnungen zur Verfügung. Das Gebäude soll auch architektonisch geschmackvoll au»- geführt werden, so daß es dem Bezirk zur Zierde gereichen dürste. postfahrlen in der Mark. Die Oberpostdirellion hat erstmalig als vorteilhafte Neuerung neben den bereits sehr groß gewordenen Aushangfahrplänen über die Kraftposten ihres Bezirk» ein Hand- liches Heftchen in Tafchenform mtt den Winterfahrplänen herausgegeben. Das mit ansprechendem Umschlage versehene Hestchen bietet einen guten Wegweiser für die Benutzung der 72 Kraftposten. Eine Uebersichtskarte,«in Verzeichnis der Linie» und ein alphabetisches Verzeichnis der Hallestellen erleichtern den Gebrauch Der äußerst geringe Verkaufspreis von 10 Pf. soll jedem Reisenden die Anschaffung ermöglichen. Der Fahrplan ist durch Vermittlung jeder Postanstall des Bezirks Potsdam und durch die Kraftwagenführer zu beziehen. Zugendpflegesprechstunde des Bezirksamts Treptow. In allen Angelegenheiten der Jugendpflege und des Iugendherbergswesens wird jeden Mittwoch in der Zeit von 7 bis 8 Uhr abends im Amtshaus Niedecschöne weide, Grünauer Str. 1, Zimmer 16, unentgelllich Rat und Auskunft erteilt. Sternwartevergünstigungen. Jugendgruppen der Turn-, Sport- und Jugendbewegung zahlen bei einer Teilnehmerzahl von zwanzig Besuchern an gegen Vorlegung einer Bescheinigung des Jugend- amts bei Filmvorführungen und Vorträgen in der Sternwarte die halben Kassenpreise. Bescheinigungen werden auf Antrag im Jugendamt, Rathaus Treptow, Zimmer 54, und in der Jugend- pflege-Sprechftunde ausgestellt. l\inderkleidcheii Wo kleine firam- pelnde Beindien za Hau/c find, ift jeder, Tag ein kleiner Wafdi- leg für L UX- Seifen» flocken. Die niedlichen wollenen Kleidchen, die Ihr Liebling bei feinen ergötzlichen Spielen tagsüber be- fchmutzt, wofdien Sie am Abend im prächtigen LUX-Schaum mühelos wieder aus. LUX läßt nichts zurück, was die empfindliche Haut reizen könnte. Es er». hält die Wolle mollig, weich and warm. SEIFEHFLOCKEN 'SUNLICKT'MAritiHEin | Thealer ILldilfplele I......™L... Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Repabl. U U.: MillaRS-Sin- fonickonzcrt 8U- 2.Slnlon.-Konz. Schauspielhaus 8 Uhr: Napoleon Schiller- Theater 8: Die Welt, in der man sich lanxweilt StäHe Opn Charlottenburg VI, Uhr: Hoffinanns Erzählungen M.lvogün, F. Krause Abonn.-Turnus IV. Voranzeige: G onnabend 20. 11. Gastspiele von Jan üiepnra Tosca(Cavaradossi) MvM MW Norden 10334—38 8 Uhr Zum 25. Male Neidliardt v. Gneisenan von WoIfgangGoetz Regie: HeinzHilpert Kammerspiele Norden 10334—38 8'/, Uhr: lehti lofführungtn! Dergelällig.Tiiieny von Tristan Bernard Regie; Eug. Robert Heule Eröffnung 7 Uhr der 7 Uhr Casino-Lichtspiele ErstauffOhrungs-Theater s Brunn enstraSe 1S4 mit »Sein großer Fall der Originalfilm der Ufa Anfang wochentags 6 Uhr i« Allgemeine Ortskrankenkaffe Berlin-Wilmersdorf Dit Vertreter der Atbeiiaeder und Der sicherten im Aueschuß werden hiermit ge» miß§ 80, Absatz 1, der Satzung zu einer ordentlichen Ausschußsihung am Moulog, ben ZS.Kooembcr 1028. obenbs 8 Ahr. Im Reflontanl„18- blnget Oos", Secltn- IOilmecsboc|, fialferplah 19, etgebenft eingeladen Tagesordnung: 1 Wahl des Bor- Itzenben 2. Festsetzung des Voranschlages llr das Jahr 1927. S. Wahl der Rech- nungsprtlmngerommillion für die Iahres- rechnung 1928 4 Bericht vom Kranten- lassentag in Dllsseibors. 5 Verschiedenes Berlw-Wilmersbors, 18. November 1926. 9t. Sugelharbt, F. Siemann, Vorsitzender._ Echrittillhrer. WallneMtieafer Das Stiftungsfest L03sÄ,n von Moser. Sonnt nachm. 3 Uhr; Liebe Nollendorl 7360 8 Uhr: Variete- Neuheiten loDnabendi> Sonntags 2 Vorstellungen 3« und 8 Uhr, S" zu ermäßigt. Preisend, ganze ramm Das große rassische Filmkunstwerfc Der schwarze Sonntag Der 9. Januar 1905 Uraufführung 18. November 1926 SCHAU BURG POTSDAMER PLATZ BeglnnderVorstellungenSjT�Uhr Tellzoiilunsl 1/ flircaninnD j6». I Monaisraienl Cevaltijst ligar in 4 Etag. j Das Neueste tlr HerM DDd Winter[ Anzüge Ulster Paletots M. 48�, 64.., 78.- bis ISO.-, Anzahlung von 8 H. anl Anzüge für Knaben u. Jünglinge] Begenmanlel Damen'HAnlel RliiOv L Sbiii l Sntllidiift 1 M.16.� 24-,3Z-,46-b.l4C I Anzahlung von 3 M. an I WäsdtB, OturtündgD, Bote In bmondam Etagen:| Ndbel-Etoiidtiniijeii Rosenthaler Strasse f 46-47 Icke Nene Scbdubaastr Str.| Jiomisffkc Oper Der große Operehenerfolg abdi Jidrienne Uh mit Serak, W-eM./y, tp/rl, Blaaa Boettcher, Hall, Lotbell, Scbaattr. Vonerkaat r. 10 U. an unanterf rochen CASINO* THEATER 8 Uhr Nent Heute Real Mister Cornedbeef Qutscbein; Fauteull 1 Mk. Sessel 1.50 c Trianon- Theater Täglich 8"/, Uhr: Corailer von flnä-ttnW Amerik. Sens.-Stück in 3 Akt 3 Reichshallen-Theater Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Slelflner Säuger i.sdiiutt; Piepers Diele Burleske von Meyscl Nachm halbe Preise! Oönhoff-Bratt'l Varie« Konzert■ Tanz CARL�ECIf Täglich 8 Uhr CIRCUS BUSCH KartenablOUhr i-t-in-n��TrE Wertheim/TTetZ/ Circus-Kasse! oßie6Äahj�diitzc& rietie a&fcfimackooUe �cuJuiJxct, vjezßäzkies Svimuitvutä Qzob&ci fieft zu den aüerL tAnfiängem täglich neue dJüezinde in, devgefiunieru �cuichecmelt. Volks büh ne tbultf u Mlnplih 8 Uhr: Nadüasyi Morgen 8 Uhr: Nadilasyl Die Komödie Bismarck 2414. 751b 8 Uhr Von Bourdet Regie M. Reinhardt ür. Sdiaüspielliaüs Täglich 8v4 Uhr CHARELL- REVUE Sonnabend nachm. 4U.die neue Kinderrevue Fnnkhelnzel- mannsMärch.-Reise mit Alfr. Braun Tk. ia StUffbnirtiD» Täglich 8 Uhr: Das Gratmal des mtbekannto Soldatti Dts kflnstler-Tb. Prltzl Mnssary: 8:„Die Königin" Sonnabend 3' ,U. Schneewittchen Lesslng-Thcater 8 u.: HeaMh nno firOörEitnÄii 8 Uhr: In der Johann Isnaeht Sbd. VI. Premlere Die Frnn an der Mette Lustspielbaus 8'/, Uhr: D Herzo-In v.Elba Rose-Thfiater 8'/, Uhr WasinrwoUt meines m 8 u. Sbd. 4 Uc SdnnnitKka Vorhu Kasperle-Th. Netropoi■ meai. Täglich 8 Uhr; Die roBe Revue JletniiHil Bcstdenz-Tneiu. TigLSb, Uhr: sinWIl linwlliatn nrtnn» Thaua-Theaier Uhr DerBilicnielz Regle: Berth Viertel nwatd-Wetiens 3'/,: Gastsp. Tbeat kQnstl. M enscheo I rägi B'/iUn. I Theater im Admlraltpalasi RiescnenoiR Kaller- Keuue Ann. aus Preise von 2-16 M. I lomrknt nontnrtr| Inferieren bringt BRPOLQ1