ftr. 547 ♦ 43« Fahrg. Musgabe A Nr. 279 Ve»»gSPrett. WSchentlich 10 Pf»n»ia. mouaMch 3,— äUtdiMiari ootou« joftlbat. Unter Ztrcuzdand für Btntfdilont). Sy.i:jt#, Saar, und äRcmelarbiet. Ctiterceidi. Litauen. Lutembtrca 4,50 Aeich-Ulart. für da« übrige Ausland 5.50 Zicichsmart uro Monat. »er.SoneStf«*«it der illustrier» len Tonntogsbeilage.Boll und Zeit» towir den Beilagen„Unterhaltung und Wissen'.„Aus der ffilmmclt", »Staucnftunme*..Der«inder- freunb*...Iugend-Vorwärt-' und »Tlick In die Bücherwelt� erscheint wochentSolilb»welmal. Sonntag» und Montag» einmal. Telegrarmn.Adresse: JSojialderootraf Declin" orgenausgabe »§> Devlinsv Volksvlertt (�10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die elnipoltige Nonpareille» geile 80 Vsennig. Rellamegcile 5,— Neichsmark..Kleine AnjeigcO" da» fettgedruckte Wort 25 Dkennig sguISsssg ,wei fettgedruckte Work). iede» weitere Wort l2 Dscnnig. Ltellengcluche da» erste Wort 15 Lfennig, iedc» weitere Wort 10 Pfennig. Worte übet 15 Buchstaben, üblen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Keile 00 Pfennig. ssomilienan, eigen für Abonnenten Keile 40 Pfennig. Angeioen für die nächste Nummer müssen bis 4l<> Uhr nachmittags im bauvtgefchüft. Berlin EW 08. Linde»- strasteZ. abgegeben werden. Geöffnet von 8lb Uhr früh bis 5 Übt nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokrattrcbcn Partei Deutfchlands ReSaktion und Verlag: Serlin SV. 68, Linöenftraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297, Schwieriger Streikabbruch in England Beschlüsse der Arbeiter: distriktweise Abmachungen— zentrale Bestätigung. London, 19. November.((Eigener vrahlberichi.) Aus dem I?.-tichk der Exekutive der Bergarbeiter, der am Freitag der Dele- g'.ertenkonserenz vorlag, geht hervor, dcch gegen öle Regie- rungsvorschläge 460000, fär ihre Annahme 313 0 0 0 gestimmt haben, so daß die Mehrheit gegen die Annahme 147 000 beträgt. 3m Laufe der Beratungen wurde der Sekretär des Bergarbeilerverbandes Cook stark an- gegriffen und ihm vorgeworfen, während der Ab- st i m m u n g. entgegen feiner Pflicht als Sekretär, durch öffentliche Meinungsäuherungen gegen die Annahme der vor- fchläge Stimmung gemacht zu haben. Cook bestritt diese Vorwürfe. während der Mittagspause der Delegiertenkonferenz erörterte die Exekutive die durch die Ablehnung geschaffene Lage und befchlost, der Deleglertenversammlung einen neuen Vorschlag zu unter- breiten. Dieser geht dahin, die Distrikte nach einer ll r a b st i m- mung unter den zur Arbeit zurückgekehrten Mit- gliedern des Verbandes zu ermächtigen, D i st r i k t s a b- kommen mit den Unternehmern abzuschließen. Die L a u s s r i st diefer Distriktsabkommen soll im Gegensah zu den bisherigen vor- schlügen nicht aus drei Zahre, fondern nur ans ein Zahr be» grenzt fein. . Außerdem lag der Delegiertenkonferenz ein Vorschlag von Lancashire vor. wonach die Distrikte angewiesen werden sollten, den Samps forlznfehen. Die Delegiertenversammlung lehnte jedoch beide Vorschläge ab. Darauf wurden zwei neue Vorschläge unterbreitet: Somerset schlug vor. die Konferenz möge die Bergbaudistrikle sofort ermächtigen, in Disiriklsverhandlungen einzutreten: der Vorschlag des Distrikts Südwales ging dahin, es den Distrikten freizu- stellen, selbst darüber zu entscheiden, ob fie den Kampf einstellen oder fortführen wollen. Die Entscheidung über beide Vorschläge stand abend» um 9 Ahr noch aus. Bezirksweise Verhandlungen. London, 19. November.(WTB.) Die Konferenz der Bergarbeiterdelegierten nahm abends mit S0Z 000 gegen 286 000 Stimmen eine von S ü d w a l e s eingebrachte Entschließung an. worin allen Bezirken anempfohlen wird, unverzüglich mit den Gruben- befitzern in ihren Bezirken die Verhandlungen wegen des Abschlusses neuer Lohnverlräge zu eröffnen, doch soll kein Bezirk eine endgültige Regelung annehmen, bevor nicht eine natio- nal e Konferenz abgehalten worden ist, der Berichte über alle Einzelverhandlungen vergelcgi werden sollen. Der Vollzugsaus- schuh wird morgen in früher Stunde zusammentreten und dann der Delegiertenkonferenz um 9,30 Uhr einen Bericht erstatten, der besagt, nach welchen allgemeinen GrundfäHen die Bezirke ihre Verhandlungen führen sollen. Cook geht nach Ruhland. Die Exekutive der Bergarbeiter beschloß am Zreitag, die Ein- ladung des Allrussischen Gewerkfchaftsbundes zn dem im Dezember statlsindenden russischen Gewerkschaftskongreß anzunehmen und den Sekretär E o o k als Gastdelegierten nach Moskau zn entsenden. Thoirp und Luxemburg. Sonntag Beginn der sozialistischen Bicrländer- konserenz. Am Sonntag vormittag tritt in Luxemburg die von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands angeregte Kon- ferenz von Vertretern der sozialdemokratischen Parteien Belgiens, Deutschlands, Englands und Frankreichs zur Er- örterung der durch den Eintritt Deutschlands in den Völker- bund und die Besprechung von Thoiry aufgeworfenen Fragen der auswärtigen Politik zusammen. Als Teilnehmer werden u. a. erwartet: die belgischen Sena- toren de Vrouck�re, van Roosbroeck, der Abgeordnete Pierard: von Deutschland die drei Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Hermann Müller, Wels, C r i s p i e n, außerdem Hilferding, Breitscheid, Sollmann, Robert Schmidt, Schiff: sowie als Vertreter der saarländischen Sozialdemokratie Schäfer: von England der frühere Minister Roberts, der Abgeordnete Cramp und der internationale Sekretär der Labour Partg Gillies: von Frankreich L�on Blum, Paul Boncour, Bracke, Faure, Grumbach. Außerdem entsendet das Bureau der Sozialistischen Arbeiter-Internalionale eine Vertretung nach Luxemburg. Die Dauer der Konferenz ist auf zwei Tage vorgesehen._ Muffolims verhastungswahn. Die Hetzjagd gegen die Arbciterabgcordncten. Die Fafchistenregierung hat beschlassen, alle soziaidemo- kratischen. maximalistischen und kommunistischen Abgeordnelen, denen ja die Mandake bereits geraubt worden sind, in die Gefängnisse zu ' werfen. Neuerdings sind die Genossen R o m i l a- Turin, v i o ff o- Brcscia und Professor M o m i g l i a n o- Eomo verhaflek worden sowie der Republikaner M o r e a. Rom. Mit allem Eiser sucht die Polizei die Genosien T r e v e s und Pielro N e n n i. Bis zum 14. Nooember waren in das Mailänder Gefängnis San Viliore bereits 5000 politische Gefangene gebracht, so daß felbsl die Korridore und der Gefängnishof mit Gefangenen überfüllt sind: viel« der verhafteten sind schwer kriegsbeschädigt oder durch die Mihhand- lungen des Faschistenpöbels verletzt. Selbstverständlich kann in dem Gedränge eine scharfe Disziplin nichl ausrechterhailen werden und so hört man aus dem Gefängnis sozialistische Kampslieder. Reden und Rufe gegen Mussolini und seine Banden erschallen. Faschistische Gcwaltorgien ans Sardinien. Aus Mailand wird uns berichtet: Nach dem Sturmoersuch auf das Haus des Abgeordneten Lussu/ der dabei bekanntlich in der Notwehr das Milizmitglied Porrä erschoß und verhaftet wurde, gehen in C a g l i a r i und auf Sardinien die faschistischen Ausschreitungen gegen Andersdenkende weiter. Der Rechtsauwall Marcello, der von Luffu mit feiner Verteidigung beauftragt wurde, erhielt wenige Stunden nach diesem Auftrage ein Schreiben des faschiflifche» Abgeordnelen ffao. de: ihn unter Drohungen aufforderte, das Mandat als v-rleidigat uiederzniegen. Als Marcello darauf erwidert hatte, er beabsichtig« feine Pflicht als Anwalt zu erfüllen und werde sich sogar per- fönlich gegen jedes Zwangsmittel verteidigen, wurde er wenige Stunden darauf verhaftet. Im ganzen wurden rund neunzig Personen, darunter eine Anzahl Rechtsanwälte und der frühere Staatssekretär im Justizministerium, Abg. Sanna Randoccio, festgenommen. Mehrere Rechtsanwaltsbureaus find geplündert und in Brand gesteckt worden, die aus ihnen geraubten Papiere und Akten wurden auf der Straße in großen Haufen verbrannt. Privatbriefe selbst allerintimsten Charakters wurden unter den Mitgliedern der Miliz herumgereicht und in den Cafes und an öffentlichen Orten laut vorgelesen. Die Druckereien des k a t h> tischen„Corriere d i Sardegna' und des bereits unter- drückten„Sole o*. Organ der sardinischen Partei, wurden zerstört. Alle Vereinshäuser katholischer Vereinigungen, wie des katholischen Universitätsklubs, der katholischen Pfadfinder usw., wurden zerstört. Der Erzbischof von Cagliari, Monsignore P i o v e l l a, hat ein ent- rüstetes Protestfchrcibcn an den Papst gerichtet, der Aktionär der zerstörten Druckerei des„Corriere di S o r- d eg n a' ist. Die Universität wurde von den faschistischen Studenten- gruppen in Waffen besetzt, die jedem nichtsaschistischen Studenten und Professor den Eintritt verwehrten. Die Stadt wurde» militärisch durch die faschistischen Stoßtrupps unter Führung des Sekretärs des „Fascio", des Abg. Pili, besetzt. Stalins Verzeihung. Wiederverwendung der Oppositionsführer. Riga, 19. November.(TU.) Die Nachrichten Über die W i« d e r» einsetzung von Mitgliedern der Sowjetoppo- s i t i o n in Staatsämter bestätigen sich, und zwar werden Kameness, Soff, I e w d o k i m o w, Sapronow, So- kolnikow, Schljapnikoff und Medwedew im diplo- matifchen Dien st Verwendung finden. Für zwei der genannten Persönlichkeiten ist bereits das Agrement von asiatischen Staaten eingegangen, zwei andere sollen im europäischen D i e n st Verwendung finden. Die Meldung über eine Wiederver- wendung T r o tz k! s bestätigt sich hingegen nicht. Die Wahl Buchartns in die Kommunistisch« Internationale ist bereits erfolgt._ Die Kämpfe auf �ava. Besorgnis vor Aufstandsverbreitung nach Sumatra. Balavla, 19. November.(WTB.) Em Telegramm aus Sura- karta meldet, daß vierzig Bewaffnete um Mitternacht einen Polizei. posten im Innern des Landes angegriffen haben, aber zurück- geworfen wurden. Einer der Aufständischen, der gefangen ge- nommen wurde, erklärte, es fei beabsichtigt gewesen, eine Polizei- kaserne zu überfallen, um 92 Verhaftet« zu befreien. Durch die Maßnahmen der Behörden wurde der geplante Angriff vereitelt. In Djokjakarta sowie in den westlichen Teilen Iaoas herrscht Ruhe, nur kleine Plänkeleien zwischen der Po- lizei und den Aufständischen werden gemeldet, wobei ein Mann ae° tötet wurde. Ein Kanonenboot bewacht die Sundostraß«, um eine Flucht der Aufslandsführer nach Sumatra zu verhindern. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV. 68, Ändenstr.Z PoNichrcklonte! Berlin 37 531— Bankkonto: Bank der Arbeiter,»ngestelltei, nnb Beamten, WoBitr.(5: Diskonto-Gelelllchait. Dcpoftteniasse Lindenste. 3, B Die Reichswehr öer Republik. Ein Wort an die Widersacher. Von Paul Löhe. Die Vorschläge zur Republikanisierung der Reichswehr haben in nationalistischen Kreisen eine weitgehende Unruhe erregt und werden, da man ihre Berechtigung mit durch- schlagenden Gründen nicht erschüttern kann, in eine„Poll- t i s i e r u n g" der Reichswehr umgebogen mit ihren unaus- bleiblichen Folgen für Disziplin, Ordnung, Pflichttreue und anderen soldatischen Tugenden. Das ist eine beabsichtigte Entstellung unserer Vorschläge. Auch wir sind der Meinung, daß die Truppe, der der Staat Waffen in die Hand gibt und sie so aus der Mehrzahl der Be- völkerung heraushebt, ihr mit einem weitgehenden Ver- trauen eine weitgehende Macht einräumt, daß diese Truppe nicht einer Partei, sondern nur der Gesamtheit des Volkes dienen darf. Aus diesem Grunde hat die Sozial- demokratie dem Gesetz zugestimmt, daß für die Mitglieder der Wehrmacht das politische Wahlrecht ausschaltet, damit diese nicht in die Parteikämpse hineingezogen werden. Worum handelt es sich aber hier? Wir wünschen, daß die Reichswehr der Republik genau so ergeben ist, als das alte kaiserliche Heer der Monarchie ergeben war. Jeder Ehrliche muß zugeben, daß diese Forderung berechtigt ist. Die Art, wie heute der Heeresersatz ausgesucht wird, verhindert aber die Erfüllung dieser Folgerung. Die Reichswehr ist nicht„entpolitisiert" worden, wie Herr Geßler es selbst erstrebt. Wenn Reichswehrsoldaten im Manöver das inner- politische Hetzlied von der Brigade Ehrhardt singen, so weist das auf den Geist hin, der in ihr lebt, und dieselben Kreise, die geneigt sind, darüber mit Nachsicht oder Schmunzeln hin- wegzusehen, würden auffchveien, wenn eine andere Truppe bei ähnlicher Gelegenheit die Internationale sänge. Da man die Meinung der Menschen nicht gewaltsam ändern und Liebe nicht erzwingen kann, wie di« Rechtspresse ganz richtig betont, muß eben schon beim Heeresersatz dafür gesorgt werden, daß nicht, die Gegner der heutigen Staatsform ein Privileg für Aufnahme in die Reichswehr be- sitzen. Ein solches Privileg scheint aber in vielen Orten vor- Händen zu sein. Wenn in Hanau Herr Major a. Di W i l h e l m i, in Darmstadt der Hauptmann a. D. Moser, in Büdingen der Kammerdirektor W e i n e r, in Naumburg k'n nationalistischer Rechtsanwalt die Auskunstspersonen der Reichswehr sind, vielleicht«ine ganze Bureautätigkeit für ge- eignete Auswahl der Reichswehrbewerber unterhalten, dann kann die einseitige Auswahl nicht verwundern. Dann kommt es vor, daß Angehörige linksgerichteter Familien, die groß, stark und gesund sind, immer besetzte Regimenter vorfinden, während die Mitglieder nationalistischer Iugendverbände, auch bei geringerer körperlicher Eignung, einen direkten Uebergang aus ihrer Organisation in die Reichswehr finden. Run stellen es die Anhänger der heutigen Wsrbeart so dar, als ob es ganz ausgefallene Gedanken wären, die zur Abstellung dieses Uebelstandes von uns vorgeschlagen werden. Die Herrschaften haben ganz vergessen, daß auch im alten Heer die Aushebung der Mannschaften unter Heranziehung von Zivilkommissaren, von bürgerlichen Mitgliedern vor sich ging. Schon nach dem Reichsmilitärgesetz vom Jahre 1874 wurde den mit den ständigen Geschäften der Heeres- ergänzung betrauten Behörden stets etn Berrpalhmgsbeamter oder ein besonders zu diesem Zwecke bestelltes bürgerliches Mitglied beigegeben. Bei der Entscheidung für Befreiungen und Zurückstellungen, über Verlust von Vergünstigungen, über Klassifikationen der Reservemannschaften, der Landwehr und der Ersatzreserve mit Rücksicht auf häusliche und gewerbliche Verhältnisie, wurde die verstärkte Ersatzkommission mit vier bürgerlichen Mitgliedern ergänzt, welche die Kommunalbehör- den bestimmten. Die Hinzuziehung ziviler Kommiffare oder bürgerlicher Mitglieder bei der Entscheidung über die Heeres- aufnahm? ist also keine Novität. Sie war auch in der Wehr- ordnung für das Königreich Bayern im Jahre 1889 vorge- schrieben und man kann gegen unser Verlangen deshalb keinen grundsätzlichen Widerspruch erheben. Die heutigen Heeresergänzungsbestimmungen haben! di« Entscheidung über den Ersatz der Reichswehr ganz i N die Hände der Truppenteile gelegt, besonders des Kompagniechefs, dem in{5 S der Bestimmungen ausdrücklich anheimgegeben wird,„persönliche Beziehungen auszunutzen". Da unsere Reichswehroffizieve aber nur monarchistische per- sonliche Beziehungen zu haben scheinen, so erfolgt eben die Ergänzung der Reichswehr durchweg im monarchistischen? Sinne. Wir wollen die Mitbestimmung, dst Aufsicht und di« Kontrolle der Zioilstellen wiederherstellen und berufen- uns dafür unter anderem auf die Regelung der Heeresergänzung im österreichischen Bundesheer. Dort erfolgt die Werbung durch Heeresverwaltungsstellen, die in jedem Bundesland be» stehen, dem Bundesminister für Heerwesen untergeordnet sind und auch von einem Offizier geleitet werden. Ihm zur Seit« steht aber eine beratende Zivilkommission, die aus Mit» gliedern vom Landtag noch dem Berhältniswahlrecht gcwähst wird. Luch das Dundesministerium für Heerwesen selbst hat eine ständige Parlamentskommission für Heeres«mgelegen- heiten zur Seite, die aus den Vertretern der drei stärksten Parteien des Nationalrates besteht. Alle Akten, die Auf- nahmegefuche in das Bundesheer betreffen, werden dieser Kommission zugeleitet, die so in der Lage ist, den gesamten Heeresersotz zu kontrollieren und vor allen Dingen auch die Gründe für die Zurückweisung zu prüfen. Nun reden wir durchaus nicht einer schematischen Nachahmung dieses Systems das Wort, wohl aber einer grund- sätzlichen Aenderung der Form, in der heute die Aufnahme der Reichswehr vor sich geht. Warum soll nicht in jedem Wehrkreis eine E r s a tz k o m m i s s i o n mit z i v i- Ten Beisitzern gebildet werden können, die in bestimm- tcn Zeiträumen des Jahres die Anmeldungen entgegen- nimmt und prüft und die Entscheidung über die Aufnahme trifft? Warum soll nicht einem zivilen Staatskommissar im Reichswehrministerium, der allerdings ein fester Republi- kaner fein muß, die Nachprüfung dieser Akten zur Pflicht ge- macht und vor allen Dingen jede Beschwerde über eine Zurück- weisung zur Prüfung überwiesen werden können? Das wird der Disziplin, Ordnung und Pflichttreue in der Reichswehr keinen Abbruch tun, aber es wibd ihre einseitige Zusammen- setzung erschweren, Mißbräuche verhindern und der Republik ein Heer aufbauen helfen, das ihr ergeben ist. Reichsregierung und �deutsche Allgemeine" (?inc halbe Bestätigung. Der„Sozialdemokratische Pressedienst" schreibt: Auf unsere klaren und eindeutigen Fra- gen über das Verhältnis der Reichsregierung zur„Deutschen Allgemeinen Zeitung" haben die zuständigen Reid�sstcllen am Freitag vor der Berliner Presse eine ebenso unklare wie zweideutige Antwort erteilt. Hier ist sie: „Es ist bekannt, daß zwischen dem gesamten Berlagsunter- nehmen der„DAZ." und der preußischen Regierung seinerzeit ge- wisse Vereinbarungen getroffen worden sind. Von diesen Verein- barungen ist ein Teil von Reichs st ellen übernominen worden. Aus diesen Beziehungen hat sich jedoch keinerlei Ernsluß- nahine auf die Zlcnderungen der i n n e r p o l i t i s ch e n Haltung ergeben. Die Richtigkeit dieser Mitteilung ersehe man auch aus verschiedenen Angriffen, wie sie heute auch im„Sozialdemokratischen Pressedienst" erwähnt werden, lieber die geschäftliche Frage der Angelegenheit müsse der Verlag sich äußern." Also kein Wort darüber, o b und seit wann die '„DAZ." monatlich 75 000 bis 90 000 M. erhält und völli- ges Stillschweigen über die Gründe dieser sonderbaren Unterstützung und ihre rechtliche Zulässigkeit. So kann die Sache nicht aus der Welt geschafft werden. Ent- weder erklären die zuständigen R e j ch s st e l l e n— was der Verlag der„DAZ." schließlich sagt, ist gleichgültig— in aller Offenheit, mit welchem Recht sie monatelang eine ver- hältnismäßig ungewöhnliche. Summe an die„DAZ." veraus- gabt haben und noch verausgaben, oder die Angelegenheit wird noch im Reichstag eine Rolle spielen. In der Feststellung der zuständigen Reichsstellen wird schließlich u. a. auch darauf oerwiesen, daß sich in deren Be- ziehungen zu der„DAZ."„keine Einflußnahme auf die Aen- derungen der innerpolitischen Haltung ergeben habe". Aus dieser Betonung hinsichtlich der innerpolitischen HahjUMzst zu schlußfolgern, daß die obige Feststellung in bezug oußihje a u ßenpolitischc Einstellung der„DAZ." keine Anwendung finden kann. Im übrigen ist der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther mit als Urheber der Subventionen für die„DAZ." zu betrachten. Von amtlicher p re u ß i f ch e r Seite wird zu den Fest- stellungen über das Verhältnis einzelner Stellen des Reiches zu der„DAZ." folgende Erklärung verbreitet: „Die preußische Regierung hat seinerzeit das Stinnessch« Druckereiunternehmen gekauft und damit auch die„Deutsche All- gemeine Zeitung", die dazu gehörte, mit übernommen. Da die SabpWäsihe. Von F. A. Celtis. Auf dem Stuhle vor dem Fenster sitzt ein Weib. Scharf hebt das einseitige Licht die Fallen des Harms auf dem jugendlichen Ge- sichte hervor, nur wenig gemildert durch die Reflexe, welche der kleine Berg winziger Wäschestücke vor ihr erzeugt. Mit fleißiger Hand nimmt sie die Liliputhemdchen und Kittelchen auf, hält sie prüfend gegen das Licht, wendet und dreht sie, und bessert, was zu bessern ist. Hin und wieder fliegt ein scheues Lächeln um die festgeschlosienen Lippen und erhellt ihre Züge. Doch ebenso xasch, wie es gekommen, erlischt es wieder und die alte Starrheit ergreift Besitz von diesem Antlitze, aus dessen Stirne eine steile Sorgensalte von Leid und Weh und vertlungenem Glücke zu erzählen weiß. 's ist keine von den Madonnen, die begnadete Künstlerhände auf die Kalkwände der Dome und die Leinwand der Altäre zauberten! Nichts von einem himmlischen Glücke, nichts von heißem, zärt- lichem Muttersehnen! Die da so emsig schafft, leidet unter dem aberwitzigen Fluche, den vor alten Zeiten andere Zauberer dem Weibe anhingen:„... und deine Seele wird ein Schwert durch- dringen...!" Dieses Hemdchen! Kann man es noch gebrauchen? So dünn, so fadenscheinig ist es geworden! Wer trug es doch bereits? Ach richtig, es stammt noch aus der Zeit, da Mutter ihrem Aeltesten das Leben gab! Und lang, lang ist's her! Wieviel Hossnungen und fromme Wünsche mag die Alte in die schmalen Bänder gebunden haben? Nicht nur für den ersten Buben, auch für die beiden anderen und die drei Mädchen, die ihm folgten und groß und stark einem geruhigen Leben entgegenwachsen sollten! Und dann kam die kleine Ausstattung in das Haus der ältesten Tochter, um zwei kleinen Menschenkindern als erste Kleidung zu dienen. Und wieder wurden herzliche Gebete ans blinde Schicksal in Binden und Windeln gewickelt. Die zweite Schwester wurde fruchtbar und wieder wanderte die weiß« Ware in andere Hände. Und auch dort blieben alle heißen Wünsche vergebens. Schließlich kam sie in dieses Haus. In dieses Zimmer. Seit Iahren bildet es die ganze Wohnung! Nun braucht sie die Leinenstücke schon zum zweitenmal! Oft genug hat sie bei den Schwestern nach der schwersten Stunde geweilt und hat den kleinen Schreiern zu ihrem Rechte verHolsen. „Dieses Hemdchen darf mein Kindchen einmal nicht tragen! Ein ganz feines, aus weichem Batist muß es bekommen, und noch ehe es erscheint, will ich duftige Spitzen um da» Hälschen nähen wnfe mit leftaint Böndche« well ich es btebeai»,, Staatsregierung nicht geneigt war, dauernd ein Zeitungsunter- nehmen, das sie doch nicht hinreichend in ihrem Sinne hätte beein- flussen können, zu finanzieren, hat sie die„Deutsche Allgemeine Zeitung" nur noch als D r u ck a u f t r a g in der der Staatsregie- rung gehörigen„Preußischen Druckerei- und Verlags-A.-G." hergestellt, wobei allerdings die Redaktion die Verpflichtung über- nommen hat, sich jeden gehässigen Angriffes auf die preußische Regierung und ihre Politik zu enihalten." Diese Erklärung bestätigt, daß die preußische Regierung mit der Redaktion der„ADZ." im Gegensatz zu gewissen Stellen des Reiches keine direkten Verbindungen unterhält. Die„DAZ." wurde in der Preußen gehörenden„Preußischen Druckerei und Verlags-A.-G." lediglich als Druckauftrag hergestellt. Von der amtlichen Bemerkung, daß die Redaktion auf Grund dessen die Verpflichtung übernommen hat, sich jedes gehässigen Angriffs auf die preußische Regie- rung und ihre Politik zu enthalten, ist nach unseren Jnforma- tionen der jetzigen Redaktion der„DAZ." seit- samerweise nichts bekannt. Die Kulturpolitik als Köder. Das Zentrum beißt nicht an. Die Deutschnationalen haben Pech mit ihrer Taktik. Sie glaubten listig und schlau zu sein, als sie Herrn Martin Spahn vorschickten, um das Zentrum zu erschüttern— und haben nur eine entrüstete und einheitliche Abwehr hervor- gerufen. Nach Stegerwald die„G e r m a n i a", der von parlamentarischer Seite geschrieben wird: „Die Rede des Zentrumsabgeordneten Dr. Schreiber, die den Abg. Dr. Spahn m so große Aufregung versetzt hat, galt nur der Abwehr einer immer sichtbarer hervortretenden Tendenz, die Deutschnationalen— die Deutschnationalen, die zu einem großen Teile überhaupt kein inneres Ver- hältnis zur christlichen Kultur haben— als bessere Vertreter einer christlichen Kulturpolitik hinzustellen wie dos Zen- trum. Dieser Versuch wird an seiner inneren Unwahr- haftig keit scheitern, und es ist das Verdienst des Abg. Dr. Schreiber, der Katze die Schelle umgehängt und die rein p o l i- tischen Hintergedanken enthüllt zu haben, die sich hinter dem ostentativen kulturpolitischen Eifer der Deutschnationalen»er- bergen. Schreiber und Stegerwald in seiner Osterfeider Rede haben ausgesprochen, was klar zutage liegt, daß die Kulturpolitik der Köder sein soll, mit dem das Zentrum für eine Koalition mit den D e u t s ch n a t i o n a l e n ein- gefangen werden soll. Stegerwald hat darauf in Osteffeld die treffende Antwort gegeben." Die Antworten sind deutlich. Statt Liebe haben die Deutschnationalen flammende Empörung im Zentrum her- vorgerufen. die Beratungsstelle gegen die Gemeinden. Die Bevormundung der Kommunalwirtschaft. In der Sitzung des Suboentionsausschusses vom Donnerstag wurde, wie wir berichteten, der sozialdemokratische An- trag, der für die Gewährung von Subventionen neue, scharf um- rissene Linien in Vorschlag bringt, von allen Seiten als durchaus geeignete Grundlage bezeichnet und der Regierung aufgegeben, für die neue Formulierung des Etatsgesetzes, die sie dem Ausschuß in den nächsten Tagen vorlegen wolle, sich an die sozialdemokratischen Vorschläge zu halten. In gleicher Weise wurde m der Freitags- sitzung des Ausschusses der weitere sozialdemokratische Antrag, in dem vorgffchrieben wird, in welcher Weise das Reichsfinanzministe- 1 rium dem Haushaltsausschuß über die vom Reiche übernommenen Bürgschaften und die vom Reich eingeleiteten Stützungsaktionen laufend Auskunst zu erteilen habe, als richtig und notwendig an- erkannt. Bedenken gegen den Antrag bestanden bei einigen Ausschußmitgliedern nur nach der Richtung, daß er zu weit gehe und nicht nur etatrechtliche, sondern auch rein volkswirtschaftliche Ge- sichtepunktc dehandele, so daß eine eingehende Erörterung sich viel- fach mit den Debatten im Enquetc-Ausschuß widerstreiten würde. Auf diesem groben Zeuge soll mein Bübchen sich nicht wälzen! Recht zart und weich soll es ruhen, wenn es sich in die Well hinein- schläft in seinem Bettchen, das ich schmücken will mit wallenden Bor- hängen und glänzender Seide..." Wo ist das weiße Bettchen? Wo Seide und Batist? In der Ecke steht ein kleiner Korb und harrt seines Inhalts... Wie froh, wie dankbar ist sie, daß sie auch für das zweite Kind die verwaschenen Stücke zurückbekam! Es ist so ganz anders ge- worden, als die Mädchenträume ihr vorgaukelten! Nicht einmal Frieden und Liebe hat sie gefunden in ihrer Ehe, die sie vertrauensvoll einging, um Bergcssen zu suchen für den großen Schmerz, den ein anderer ihr zufügte... Dicke Tropfen fallen auf die müden Hände, die müßig im Schöße nihen. Eine stumme Klage um ein verpfuschtes Leben! Ahnt sie. daß der Gatte und Vater in der heiligen Stunde, da ein Weib sein Leben einsetzt, um neues Leben zu gebären, ein Fuß- ballspiel für wichtiger hält, als die Vollendung eines Schicksals? Ahnt sie, daß sie ihn mit keinem Baiide und mit keinem Wort« binden kann, und daß er keine Ahnung hat, wie sehr sie nach einem guten Worte, nach einer Liebkosung lechzt? ..... deine Seele aber wird ein Schwert durchdringen...1" Das Reichsmufeum für Gefellschast». und wirtfchastskunde. In Düsseldorf fand am Freitag in Gegenwart von Vertretern der Reichs- und Staatsregierung, hervorragender Peffänlichkeiten der Wirtschast, Kunst und Wissenschost, sowie Vertretern der Arbeitnehmer- organifationen die Gründungsveffammlung des Reichsmusffnns für Gefellfchasts- und Wirtschaftskunde statt. Der Zweck des Museums ist. das Werwoll« festzuhalten, was die Große Ausstellung Düsseldoff 1S2S aus dem Gebiet« der Gesundheitspflege, der sozialen Fürsorge und der Leibesübungen gebracht hat. Reichsregierung und Preußisch« Staatsregierung bringen dem Plan« des Museums reges Interesse entgegen. Dr. o. Miller gab in einem längeren Vortroge, in dem er sich für die Notwendigkeit des Museums aussprach, wichtige An- regungen für die Ausgestaltung. Da» kommende Reichsbühaengefetz. Der Entwurf eines Reichs- bühnengefetzes wird nunmehr, nachdem die Besprechungen mit den be- teiligten Verbänden und den Länderministerien erledigt sind, vom Reichsinnernninifterium dem Reichskabinett zugeleitet werden. Das Reichskabinett wird sich voraussichtlich in der nächsten Woche, jeden- falls noch im Laufe des November, mit dem Entwuff befchästigen, der dann dem Reichsrat und dem Reichstag zugehl. Eine antike Hexenküche? In dem französischen Ort Glozel sind Ausgrabungen gemacht worden, über die der Vertreter der franzö- fischen Geschichte und Archäologie am College de France, Camille Iullian, vor der„Academie des Inscriptions" einen ausführlichen Bericht erstattete. Er erklärt die Funde für das Handwerkszeug einer antiken„Hexe", wie es in gleicher Vollständigkeit bisher noch nie zutage gekommen sei. Es handelt sich dabei nach seiner Met- o»og mw Geschirr, wie es Hexen gebraucht hätten, mit magische» Von der Re g i e r u n g wurde erklärt, daß dem Ausschuß noch im Laufe der kommenden Woche eine neue Nachweisung des Finanz- Ministeriums zueehen werde, in der die sozialdemokratischen Wünsche in weitgehender Weise berücksichtigt seien. Daraufhin wurde be- schlössen, die Einzelberatung des Antrages bis zum Vorliegen der neuen Nachweisung auszusetzen. Die Beratungsstelle für Aufnahme von Auslands- krediten. Der Ausschuß trat sodann in die Verhandlungen über den sozialdemokratischen Antrag ein, der die Aushebung der so- genannten„Beratungsstelle für die Aufnahme von Auslandskrediten durch Länder. Gemeinden und Gemeindeverbände" fordert. Der Antrag wurde vom Genossen heymaan an Hand eines reichhaltigen, vom Deutschen Städtetag gesammelten Materials begründet. Wenn es oefftändlich fein konnte, daß Ende 1924 und im Jahre 192S versucht wurde, zu reichlicher Hereinnahme ausländischen Geldes durch Länder, Ge- meinden und Gemeindeoerbände einen Riepe! vorzuschieben, so liegen die wirtschaftlichen und Geldverhältnisse heute erfreulicher. weise ganz anders. Selbstversiändlich dürften Anleihen und be- sonders ausländische Anleihen nur für werbende Zwecke aufgenom- men werden. Neben der örtlichen Kontrollinstanz im Bezirksausschuß bzw. dem Regierungspräsidenten bffteht fast in allen Ländern auf Grund des Bürgerlichen Gesetzbuches ein landesgesetz- liches Genehmigungsverfahren für Anleihen, das in Preußen durch die Minister des Innern und der Finanzen ausgeübt wird. Dazu noch eine dritte Kontrollinstanz fei heute unerträglich. Dies um so mehr, als die„Beratungsstelle" nicht etwa nur Berater, sondern diktatorisch vorgehe und kommunalen Be- dürsnissen fremd und unfreundlich gegenüber- stehe, ganz abgesehen von der Verzögerung, die das Vorhanden- sein von drei Kontrollinstanzen für die Gemeinden bedeute. An der Hand von Einzeloorgängen konnte Genosse Hey. mann diese schaffen Urteile belegen. Heymann erbat eine Antwort, weshalb die Privatwirtschaft ganz frei sei. während die Kommunen durch drei Kontrolliuslauzen niedergehalten werden müßten. Ein Elektrizitätswerk zum Beispiel, dem eine Kommune die Form einer Aktiengesellschaft gegeben habe, sei frei. Ein gleiches Werk in kom- munaler Regie unterliege allen möglichen Beschränkungen. Das führe zu gerade absurden Konsequenzen, wie auch an der Hand von Beispielen gezeigt werden tonnte. Bekommen die Gemeinden keine Anleihen bewilligt, so müssen sie, um ihre Betriebe auf die Höhe zu bringen und auf der Höhe zu hallen, mehr Steuern ausschreiben. Dadurch werde eine Belaswng der Wirt- schaff herbeigeführt, die der Reichsfinanzminister doch gerade ver- hindern wolle. Auch seien ausländische Anleihen für die Kommunen eine höchst erwünschte Konkurrenz gegenüber denriesigenZins- forderungen der Banken. Schließlich brachte Heymann noch das seltsame Verhalten der Reichsbank zur Sprache, daß nur aus ihrer rein privatkapitalistischen Einstellung zu erklären ist. Die Reichsbank habe nämlich allen Banken ohne Ausnahme die Rediskontmöglichkeit zum Ultimo eingeräumt, während sie dies der zentralen Kreditorganisation der Gemeinden, der Deutschen Girozentrale, beharrlich verweigere. Der Leiter der„Beratungsstelle". Geheimrot Norden, beschränkte sich in seiner Erwiderung in der Hauptsache auf die Ver- sichcrung, daß die„Beratungsstelle" die Gemeinden auch vielfach durch Rat und Hilfe fördere und daß sie alle Gffuche mit äußeffter Schnelligkeit erledige. Der Regelfall fei die Erledigung innerhalb dreier Tage. Der Frag« wegen der unteffchiedlichen Behandlung der Privatwirtschaft und der Kommunen ging Herr Geheimrat Norden in weitem Boge» aus dem Wege. Nach feiner Erwiderung wurde die Beratung wegen der vorgerückten Zeit abgebrochen. Pilsudski als Zasthistenfreund. Er schenkt Mussolini sein Bild. lvaffchcm. 19. November.(Mtb.) Der Empfang des Faschisten. führers Lanfranconi durch Pilsudski hat großes Aufsehen erregt. Lanfranconi wurde von Pilsudski, vor dem er in Faschisten- uniform effchien, mit zwei Photographien Pilsudskis beschenkt, eine für sich selbst und eine für Mussolini. t eichen und Inschriften bedeckt, um Abbildungen phantastischer Tiere, auberpuppen und vieles ander«, wie es die griechisch-römische Magie verwendete. Das Ganze glaubt Iullian, vor allem nach den Buch- stabenformen, mit voller Sicherheit der Zeit zwischen 250 und 300 n. Ehr zuweisen zu können, und meint, daß die„Hexe von Glozel sich größer Beliebtheit erfreut zu haben scheine. Bei der Bestimml- heit, mit der Iullian sein« These oefficht und mit vielen Einzelheiten belegt ist es um so auffallender, daß ihm Autoritäten wie Solomon Reinnach und der Keltist Loth entschieden entgegentreten. Sie schreiben die Fundstücke der prähistorischen Zeit zu: nichts sei mit Sicherheit als römisch anzusprechen, die Töpfereien seien zu plump und die Lesungen Iullians beruhten auf Selbsttäuschung. Da» Kino in der Westentasche. Ein Berner Architekt fft der Erfinder eines kinematographischen Projektionsapparates, der kaum so groß ist, wie ein Zigarettenetui, und mtt dem man zu jeder Zeit richtige lebende Bilder vorführen kann. Neben der verblüffenden Kleinheit des„Micro-Cine" genannten Apparates, der jetzt von Jnstrumentenfirmen in Aarau und Biel in großen Mengen her- gestellt wird, ist ffn Hauptmerkmal des Projektors, daß er, unab- hängig von der bisher notwendig gewesenen Lichtleitung, schon mit einer ganz gewöhnlichen Taschenlampenbatterie funktioniert. Der Clou der ganzen Effindung aber ist, daß sie auch dann noch funk- tioniert, wenn die elektrische Taschenbatterie schon längst erschöpft oder die kleine Lampe zerbrochen ist. Der Micro-Cine macht es zum erstenmal möglich, lebende Bilder bei ganz gewöhnlichem Tages- licht ohne jegliche künstliche Lichtquelle zu betrachten. Man wird also in Zukunft lebende Bilder wie gewöhnliche Photos in der Tasche mitnehmen und jederzeit vorzeigen können. vortrSg«. Der für Sonnabend im AeichStagSgebaud« angesetzt« Vor- tragSabend deS österreichischen Dichter! Robert Hohldaum(Wien) fällt aus. Alvfitchronik. Die beiden Schöneberger Arbeiierchöre.L i e d e r t a s e l v« r l i n- W e st" und.Echöneberger Männerchor Frenndschait' geben am Sonntag. 1 Uhr, im Bürgeffaal de! Reuen Schöneberger RathaujeS ein gemeinsames Konzert. Dem Schmu h- and Schandgesetz widmet der.SimplicifsimuS" seine neueste Rummer mit Beiträgen von Zh. Tb.. Heine. Olas Gulbranffon, Kuh. Joachim Rtngglnatz,»alter Mehring und Peter Scher. Der wirtschaftliche verband bildender Künstler verlln»»eranstaltet am 25., abends k Uhr, in den Spichernsälen, Spich-rnitr. 3. ein- grohe öfsenl- liche Versammlung, stu dem Thema„AuSstellungSresorm" werden Bildhauer Pros. Bosselt und Maler Arthur Segal sprechen. An- schtiesjend Diskussion Erste Promotion eiae» Franzosen K Deutschland. Wie berichtet wird, hat Jos. Bourgeot, Bibliothekar der DaweS-Kommission. alß erster Franzose nach dem Krieg an einer deutschen Universität die Dottorwürde erworben. Er promovierte mtt einer Arbeit über PazifiSmnS bei dem Phitosophen Pros. HanS Cornelius in Frantsurt M. l'l, Alillivuen Zuden in New Zart. Die Juden bilden nach den neuesten statistischen Angaben soft ein Drittel der ganzen Bevölkerung New JorlS: ihre Zahl beläust sich nus 1'/, Millionen bei einer Eesamtbevölterung von 5924000. Im letzlen Jabrzehnt hat sich die Kahl der in New Bo'.i wohnenden Juden um 250000 vermehrt. Die Zifier der jüdischen Schul. luider beträgt gegenwärtig 350000, d. tz. 33 Proz. der gesamte» SchAerzadl tum Rem York. Das Ergebnis der Werbewoche. 50 000 Mitglieder— 70 000 Abosnente« geworben. Die Annahme, daß das zuerst gemeldete Ergebnis der sozialdemokratischen Werbewoche sich im Schlußergebnis noch wesentlich erhöhen würde, ist durch die nunmehr vor- liegenden Zahlen bestätigt. Auch jetzt kann eine end- gültige Schluß zifser noch nicht genannt werden, denn taglich werden weitere Zugänge an Mitgliedern und Abon- nenten gemeldet. Immerhin dürfte sich das Bild wesentlich kaum verändern. Wer veröffentlichen nachstehend eine Ausstellung über die bisherigen Ergebnisse der Werbewoche nach den Organi- sationsbezirken der Partei geordnet. Die Ziffer der neuge- wonnenen Abonnenten sind nach den Meldungen der Gc- schäftsleitungen unserer Parteipresse angegeben: Unter Berücksichtigung der ungünstigen wirt- s ch a f t l i ch e n Derhältnisse und der skrupellosen Agitation der Kommunisten ist das Ergebnis ein durchaus zu- frieden st eilendes. Die Kommunisten, die zu gleicher Zeit eine Konkurrenz-Wcrbewoche veranstalteten, haben bis heute von ihren Erfolgen noch nichts bekanntgegeben. Sic werden es auch sicher nicht tun, denn Organisation ist nicht ihre Arbeit und auch nicht ihre Stärke. Das Fundament unserer Partei ist und bleibt aber die Organisaiton, der Mitgliederbestand. Nur dadurch wird ihr Leben, Kraft und Ansehen verliehen: denn im poli- tischen Leben kann eine Partei nur wirksam sein, wenn eine geschlossene, organisierte Masse hinter ihr steht. Die SJstrber der Partei haben gute Arbeit geleistet. Der- einzelte Arbeiten unserer Werber bleiben unerreicht. Aus einem Bezirk wurde zum Beispiel gemeldet, daß drei Arbeits- lose allein ILO neue Abonnenten für das Parteiblatt ge- mannen haben. Die Werbung ist noch weiter in Fluß. Es ist insbesondere zu hoffen, daß die Bezirke, die in der Werbewoche nicht be» sonders gut abgeschnitten haben, den guten Bezirken nach- eifern und in nächster Zeit noch wesentliche Erfolg« ver, zeichnen können. W.i rke ein jeder nach Kräften für die Partei! Was er für sie tut, kommt zugleich ihm und seinen Klassengenossen zugute, denn die Hebung seiner politischen und wirtschaftlichen Lage kann er nur durch die Zugehörigkeit zur politischen und wirtschaftlichen Organisation der Arbeiter- schaff erreichen!_ Zur sächsischen Regierungsfrage. Das Arbeitsprogramm der Sozialdemokratischen Partei. Eine gemeinsame Sitzung der Landesinstanzen der Sozialdemokratischen Partei in Sachsen und der Landtags- fraktion hat ein Arbeitsprogramm für eine sozialdemokratische Regierung in Sachsen aufgestellt. Das Arbeitsprogramm lautet: „Ausgehend von ihren sozialistischen Grundsätzen kämpft die Sozialdemokratische Partei Sachsens im Rahmen der Reichs- und der Landesverfassung für Beseitigung der wirtschaftlichen Not de« werktätigen Volkes, der I n s l o t i o n s o p f e r und der verarmten Mittel- schichten. Sie stützt sich dabei auf den sozialen Grundsatz der Reichsverfassung, daß allen deutschen Staatsbürgern Arbeit, Existenzminimum und Wohnung garantiert sei. Dieses Ziel will die Sozialdemokratie in dauernder Verbindung mit dem werktätigen Volke durch folgende R i ch t l i i i e n für das Arbeitsprogramm einer sozialistischen Regierung erreichen: Demokrakisieruag und Republikanisierung der Verwaltung in Staat und Gemeinden. Wiederherstellung der oerletzten Beamtenrechte. Schaffung einer republikanifch-zuverlässigen Polizei. Bekämpfung und Entwaffnung der republikfeindlichen Verbände. Aufhebung aller das Versammlungsleben einengenden Verord- nungcn. Aenderung der Gemeindeordnung von lSZS nach den Grundsähen der im 3ahre 1923 geschaffenen Gemeindeversassung. Umgestaltung der Rechtspflege nach sozialen und republikanischen Gesichtspunkten. Besetzung von Richter- und Staatsanwaltsstellen mit zuverlässigen Republikanern. humane Gestallung des Strafvollzugs. Ausbau der Fürsorge für Strafentlassene. Soziale Ausübung des Gnadenrechts, besonders bei politischen, bei Rot- und Abtreibungsdelikten. Reform de» gesamten Bildung»- und Erziehungswesen, im Sinne des republikanischen und des Einheitsschulgedanken». Unterstellung aller Schulen unter das Bildungsministerium. Schaffung eines Berussschulgesetzes. Schaffung eines Landesfchulbeirates. Förderung der Leibeskullur durch Schaffung von Sportplätzen und Jugendherbergen, insbesondere nachdrucklichste Förderung der Arbeiter-Turn- und Sportschule in Leipzig. Unternehmer und stchtsiunöentag. Schiebungen statt sachlicher Politik. Die Verhandlungen über die Arbeitszeitfrage wollen nicht vom Fleck kommen, obwohl die Gefahr einer Aus- breitung der Arbeitslosigkeit während des Winters mit jedem Tage näher rückt. Eins ganze Reihe von Manövern läßt darauf schließen, daß den Unternehmern daran liegt, eine Ent- s ch e i d u n g über das von den Gewerkschaften geforderte Notgesetz mit allen Mitteln hinauszuzögern. Es ist bei der gegen- wärtigen Arbeitslosigkeit ein ungeheuerlicher Zustand, daß in großen Teilen der Industrie ständig Ueberschichten geleistet werden: so gibt es Fälle, wo in der chemischen Industrie bis zu 14 Stunden täglich gearbeitet wird, in der Textilindustrie beginnt die SOflündige Ar- beiszcit heimisch zu werden, während die Zahl der arbeitsuchenden Textilarbeiter in die vielen Tausende geht. Um eine rasche Notregelung der Arbeitszeit zu verhindern, haben wie wir seinerzeit berichteten, sogar die Unternehmer im E n q u e t e- Ausschuß einen Vorstoß unternommen: sie wollten diese wissen- schaftlichen Zwecken dienend« Kommission ihren dunklen politischen Absichten dienstbar machen. Wie die Unternehmer dabei vorgehen, wird aus folgender Tatsachs erkennbar: Die bürgerliche Presse brachte eine Reihe von Mitteilungen über ein« Siellnngnahme der Bereinigung Deutscher Arbeilgeberverbäade zu dem von den Gewerkschaften geforderten Notgesetz. Dieses Gut- achten ist nur einem Teil der Presse zur Verfügung g e st e l l t worden. Die- Arbcitgebervereinigung scheut offenbar die sachliche Kritik und beschränkt sich daher darauf, die ihr dienstbaren Geister der Rechtspresse über ihre Absichten zu infonnieren. Jetzt läßt sie durch Wolff-Bureau folgende Erklärung verbreiten: „Die Unternehmeroerbände haben überhaupt keine„um- fangreiche' Denkschrift" über die Frage des Achfftunden- tages veröffentlicht, sondern den interessierten Kreisen eine gc- druckte Zusammenste lung von Material zur For- derung der Gewerkschaften auf Vorlage eines Notgesetzes über die Arbeitszeit übergeben. Diese Zusammenstellung hatte nicht die Aufgabe, die Frage des Achtstundentages und damit die Frage des Zwei-Schichten-Systcms in den einzelnen Industrien g r u n d- s ä tz l i ch zu behandeln. Aufgabe der erwähnten Druckschrist war vielmehr lediglich, allgemein wirtschaftlich und für die hauptsächliH in Frage kommenden Jndustnegruppcn zu untersuchen, wie sich wirtschaftlich und arbeitsmarktpolitisch die von den Gewerkschaften oerlangte sofortige Einführung des schematischen Acht st und« n tages in der deutschen Wirt. schaft auswirken würde. Demzufolge ist auch die Frage des Zwei- Schichten-Systems in den einzelnen Industrien lediglich Unter dem Gesichtspunkt behandelt worden, welche arbertsmarktpoWsch« Wirkung ein« etwaige Rückkehr zum Drei-Schichten-Systen» haben würde." Hierbei wird in der Druckschrift ausdrücklich betovk, daß im günstigsten Falle die arbeitsmarktpolitische Auswirkuno einer Rückkehr vom Zwei-Schichten-Betrieb zum Drei-Schichten-Betrieb äußerst gering wäre, daß aber die wirtschaftlichen Aus- Wirkungen durch Steigerung der Selbstkosten, ver. bunden mit Prodnklionsvertcuerung und Minderung der Produk. tionsqualität, außerordentlich erheblich s«in würden." Run haben die Gewerkschaften ihrerseits vorallerOeffent. l i ch k e i t die Forderung nach einem R o t g e s e tz begründet und ganz positives Material dafür angebracht, wie berechtigt diese For- derung ist. Den Unternehmern ist die Mehrarbeit ein Mittel zur Riedrighaltung der Löhne. Nachdem es schon ihrer bisherigen Lohn- Politik gelungen ist, große Teile der Jndustriebelegschasten zu zwingen, nach einem Mehrverdienst zu suchen, berufen sie sich jetzt auf die Tatsache, daß wirklich an vielen Stellen die Arbeiterschaft zur Ueberschichtenleistung s i ch bereit erklärt hat. Das ist eine hinterhältige Argumentation, die an dem Kernproblem vorbeigeht. Wäre es wahr, daß eine Durchführung des Achtstundentages generell zu einer Ver- teuerung der Produtt ion und damit zu neuer Arbeits- lestgteit führen müßte— die Unternehmer behaupten das—, so müßte das Ueberschichtenunwesen noch viel ausgebreiteter sein, als die Gewerkschaften selbst auf Grund ihres Materials an- genommen haben. Aber wie es scheint, verhehlen sich die Arbeit- geberverbände auch die Tatsache, die der letzte Botenjunge in einem modernen Industriebetriebe kennt, nämlich, daß die Rationall- sierung die Ergiebigkeit der Arbeit geradezu generell gesteigert hat, und daß es schon heute viele De- triebe gibt, wo aus einer wesentlich geringeren Belegschaft ein Vielfaches der Leistung hervorgeholt wird, die früher die größere Belegschaft geleistet hatte. Selbst ein so ausgesprochener Reaktionär wie Generaldirektor Vogler vom Stahltrust Hot es vor aller Oeffentlichkeit zugegeben, daß zum Beispiel im Kohlenbergbau die Arbeitsleistung bei ver. kürzter Arbeitszeit gestiegen ist. Mühelos lasten sich in vielen Bc- trieben der verarbeiteirden Industrie die gleichen Ergebnisse fest- stellen. Demnach muß heute für jeden, der die Wirtschaft auf. merffam»erfolgt, klar sein, daß eine > Durchführung de» Achtstundentages ungleich viel weniger Schwierigkeiten macht, als srüher. Aber die Unternehmer argumentieren anders. Sie wollen die Mehrarbeit, weil nur bei einer rücksichtslosen Ausbeutung der Arbeitskraft jene Arbeitslosenreferve aufrechtechalten wird, die es den Unternehmern ermöglicht, die Löhne zu drücken. Sie find noch nicht von ihrer Wirtschafteweishcit her- untergekommen, die auf hohe Preise bei niedrigen Löhnen abzielt, und die uns als Erfolg das Millionenheer von Erwerbslosen gebracht hat. Darauf können die Unternehmer in der Tat st o l z sein. Aber wo bleiben die bürgerlichen Parteien, die mit ihrem Stimmenfang bei den Arbeitnehmern auch eine B e r- antwortung dafür übernommen haben, daß die Krise mit ihren verheerenden sozialen Wirkungen wirksam und ernsthast bekämpft wird? Mit Recht oerweist das„Berliner Tageblatt" daraus, daß ohne eine brauchbare Regelung der Arbeitszeitfrage eine poli- tische Klärung in der Regierungsfrage undenkbar ist. Sie ist undenkbar auch für diejenigen bürgerlichen Parteien, die berufen stnd, die christlichen und die demokratischen Gewerkschaften zu vertreten und die deren Fordeningen nicht gerecht werden können, wenn sie sich mit einer Rechtsblockregierung in das Schlepptau der Industrieherrcn und Groß. agrarier begeben. Schutz der Arbeitskraft. Bekämpfung der Erwerbslosigkett und der Wtrtjchajtskrije durch Schaffung von Arbeitsmöglichteiten. Durchführung eines Ar- beitsbeschaffungs- und Wohnungsbauprogramms. Ausbau der Erwerbslosenfürsorge. Strenge Beachtung der tariflichen Arbeitsbedingungen in den Staatsbetrieben. Einführung des Achtstundentages Wieder- einstellung gemaßrcgelter Betriebsräte. Verschärfte Vorschriften gegen Betriebsstillegungen. Erhöhten Arbeiterschutz, besonders bei Bau- und Bergarbeitern. Weitgehenden Schutz für Jugendliche, Frauen und Heimarbeiter. Bereitstellung ausreichender Mittel zur Durchführung des sächsi- fchen Wohlfahrtsgesetzes. Neuregelung der Beamtenbesoldung. Aenderung der Richtlinien für die Ruhelohnordnung der Ge- meinde- und Staatsarbeiter. Bekämpfung der Wohnungsnot, Förderung des gemeinwirlschaft- lichen Wohnungsbaues. Bekämpfung der Grund- und Bodenspekulation. Erhaltung und Ausbau des Mieterschutzes auch für gewerbliche Räume. Förderung der Gcmeinwictschafl. Stärkung und Ausbau der staatlichen Unternehmungen. Ausgestaltung dieser Unternehmungen zu sozialen Musterbetrieben. Eine zu diesem Zweck entsprechende Zusammensetzung der Auf. sichtsräte in den unter dem Einfluß des Staates stehenden Gc- sellschaften. Bekämpfung der Desizitwirtschaft durch ein« Steuergesetzgebung, die den Besitz erfaßt und die kleinen Einkommen schont, Ent- sprechende Umgestaltung der Gewerbe- und der Grundsteuer. Neuregelung der dem Lande überwiesenen Steuerantcile, unter besonderer Berücksichtigung der. Notlage der Gemeinden. Einwirkung aus Relchsregierung und Rcichsgefehgebung in folgenden Angelegenheilen: Schleunigste Schaffung eines Notgesetzes über den Achtstundentag. Neuregelung des Finanzausgleichs, der den Ländern und den Ge- meinden die Erfüllung ihrer sostalen, kommunalen und kulturellen Ausgaben ermöglicht. Uebernahme der Gesamtkosten der Krisenfürsorge auf das Reich. Abänderung der Reichsbewertungsgesetze, um eine Grundwert- steuer nach anhaltinischem Muster einzuführen, Verwendung der Aufwertungssteuer(Mietzinssteuer) nur zum Wohnungsbau. Beseitigung der Wirtschafts-, Zoll- und Steuerpolitik, die die Lage der breiten Masten der minderbemittelten Bevölkerung durch Verteuerung der Waren verschlechtert, Umgestaltung der Reichswehr im republitanisch-demokratischen Sinne, Säuberung van republikseindlichen Elementen. Umoestaltung des Strafrechts und des Strafvollzugs unter aus- schlaggebender Mitwirkung des Laicnelements. Reichsgcsetzliche Regelung der Trennung von Kirche und Staat. Die„Dresdener Dolkszeitung" fügt diesem Programm folgenden Kommentar hinzu:„Das Programm spricht für sich selbst. Es enthält nur Forderungen, die jeder unterschreiben muß, der Anspruch auf den Namen„Sozial- demokrat" erhebt. Es ist aber auch in dem Arbeitsprogramm der Regierung nichts enthalten, was unausführ- b a r w ä r e. So sehr die Sozialdemokratie davon überzeugt ist, daß die Steuer-, Wirtschafts- und Sozialpolitik des Reiches die Arbeiterschaft nicht befriedigen kann, so ist sie sich darüber klar, daß sich das Land Sachsen bei Gesetzgebung und Der- waltung streng an die Grenzen halten muß, die ihm durch"die Reichsverfassung und die Reichsgesetzgcbung gezogen sind. Stingl vor dem verwaitungsausschuß. Er hat genug vom„grausamen Spiel"- Am Donnerstag kam es im Verwaltungsrat der Reichs- post über die neue Z e hn p f en n i g m a r k e, die das BUd Friedrichs de» Großen trägt, zu lebhaften Auseinandersetzungen. Der Antrag des Abg. S t e i n k o p f(Soz.) auf Zurück- z i e h u n g der Marke wurde gegen fünf Stimmen abgelehnt! In der Begründung seines Antrages wies Sternkopf darauf � hin. daß durch die Fridericus-Marke große Beunruhigung in die Bevölkerung getragen worden sei. Die Bedeutung Friedrichs des Großen sei sehr unistritten: jedenfalls sei es eine Geschmack- l o s i g k e r t und ein politischer F e h l g r i f s, auf einer Brief- marke der deutschen Republik das Bild eines Monarchen des alten Regimes wiederzugeben. Das Fndericus-Bild sei heute d i« Fabrikmarke der rechtsradikalen Putschisten. Der Rcichspostminister hätte es als bayerischer Postminisksr sicherlich nicht über sich gebracht, das Bild Kurt Eisners, des ersten Mimst-rpräsi- dcnten der bayerischen Republik, aus eine Briefmark« zu setzen. Der Reichspostmini st er erklärte, für die Verteilung der Köpfe auf die Briefmarken sek lediglich die Farbcnwir- kung ausschlaggebend gewesen: politische Motive hätten dabei keine Rolle gespielt. Von der Schiller- Marke würden monatlich 2,5 Millionen mehr verbraucht als von der Fridericus-Marke. Man fall im übrigen mit dem grausamen Spiel nun aufhören, sonst nähere man sich der Grenze der Lächerlichkeit. S t e ist k o p f betonte demgegenüber im Verlaus der mehrstündigen Debatte, daß die Zukunft zeigen werde, wer den: Fluche der Lächerlichkeit anHeim falle, diejenigen, die sich gegen die Provokation wehren, oder die andere Seite; die Fridericus-Marke werde nicht lange loben. In der Abstimmung wurden u. a auch die sozialdemo- krotischen Anträge abgelehnt, die den Reichspostminister er- suchen, sich für eine lausende Erhöhung der Bezüge der Beamten in Gruppe II bis VI und für die Wiedereinführung des Achtstundentages einzusetzen. Auch der sozialdemo- kratische Antrag, erwerbslosen Rundfunkhörern, die mindestens drei Wochen eines Kalendermonats nachweisbar arbeits- los waren, die Rundfunkgebühren zu erlösten, wurde abgelehnt. Verwaltungsftrafverfahren: Ein bedenklicher Entwurf. Ein Gesetzentwurf über das VerValtungsstrofrecht und ein Entwurf über das Berwaltungsstrafversahren sind in Borbereitung. Aus dem Strafgesetzbuch soll der Abschnitt„U e b e r- tretungen" herausgenommen werden, ferner die Uebertretungen aus den sogenannten strafrechtlichen Nebengesetzen, für die zurzeit ein eigenes materielles und formelles Recht nicht besteht. Di« dadurch entstehende Lücke soll nun ausgefüllt werden. Die wichtigste Bestimmung wird darin besteljen, daß die Polizeibehörden künftighin durch Strafmandate entscheiden müssen, also als Verwaltungsorgane der untersten Instanz zu fungieren haben. Was den Instonzenzug betrifft, so ist der Gedanke aufgetaucht, die Strafgerichte auszuschalten und die Entscheidung den Verwaltungsgerichten zu über- tragen. Di« Verhandlungen darüber sind aber noch nicht ab- geschlossen. Die gesetzliche Regelung dieser Materie Hot sich als notwendig herausgestellt, da die sich ose widersprechenden Eni- scheidungen höchster Strafgerichts- l-nd Verwaltlmgcgerichtsinste:"'' unsichere Rechtsznstände geschaffen haben, Das Mrbeiterparaöies Siemensftaöt! Die Eisengießerei einer Weltstrma. Weit draußen, wo die gewaltiqe Anlag« der Siemens-Betriebe ihr Ende erreicht, und das Getriebe der Großstadt verebbt ist, liegt die Eisengießerei des Eiemens-Betriebes. Vielleicht ist die etwas abseits von der Knllur gelegen« Gegend die Hauptursach« dafür, daß in der Siemens-Gießerei in kultureller, sozialer, hygienischer und sanitärer Beziehung Verhältnisse bestehen, die stark an mittelalterliche Zeiten erinnern. Die Leitung der Weltfirma Siemens, die alljährlich lln- summen ausgibt, um aus allen möglichen propagandistischen Wegen der wißbegierigen Menschheit die hohe soziale Ethik ihres Unter- nehmen? vor Augen zu führen, hat offenbar keine Kenntnis von den Zuständen ihres Gießereibetriebes. Oder doch? Eine geradezu unerhörte Ausbeutung der menschlichen Arbeits- kraft, verbunden mit einer manchmal absoluten Unterdrückung der Persönlichkeit des einzelnen, sind die hervorstechendsten Merkmale der Betriebsfühning des Leiters, des Herrn von Schmude. Der Rationalisicrungssimmel, der auch Herrn von Schmude ersaßt hat, erschöpft sich fast ausschließlich darin, daß bei jeder Neu- Vergebung von Akkordarbeit die Aktordzeiten gekürzt werden. Irgendeine Preisoereinbarung bei neuer Arbeit ist unbekannt. Die Betriebsleitung und Kalkulation diktiert die Preise, und wer damit nicht einverstanden ist, kann sich wieder in das große Heer der monatelang Arbeitslosen einreihen lassen. Viele würden es sich keinen Augenblick überlegen, die Eni- behrung der Arbeitslosigkeit auf sich zu nehmen, wenn nicht die rigorosen Bestimmungen der Erwerbslosenfürsorge den unter diesen Umständen Aufhörenden die Unterstüßung auf vier Wochen sperren. Ohne Rücksicht auf den vorhandenen P l a ß hat die Betriebsleitung die Zahl der H a n d f o r m e r in kurzer Zeit von 24 auf 36 ver- n'ehrt; von einer geordneten Arbeitsmöglichkeit kann unter solchen Umständen keine Rede sein. Arbeiten, die in anderen Berliner Gießereien mit 13 M. Akkordpreis bezahlt wurden, sind den Siemens-Formern mit 4,25 Mark angeboten wordgn. Dazu kommt, daß die Ausschußbezahlung in einer Welse gehandhabt wird, die jeder fachmännischen Bewertung Hohn spricht. Als Mitglied des Verbandes der Berliner Metallindustriellen besteht für die Siemens-Gießerei sowie für alle Berliner Gießereien ein Abkommen, das die Bezahlung des Fehlgusies regelt. Die Betriebsleitung denkt gar nicht daran, bei der Bezahlung de» Fehlgusies sich an die Bestimmungen des Abkommens zu hallen. Fast jeder Ausschuß wird von der Betriebsleitung als v o r s ä tz- lich oder grob fahrlässig herbeigeführt bezeichnet, und damit ist jeder Anspruch auf Bezahlung vereitelt. Arbeiter, die die Erfüllung ihrer vertragsmäßigen Rechte forderten, wurden kurzerhand entlasten, oder aber solange schikaniert, bis sie die Unannehmlichkeit der Beschäftigung mit der größeren Annehmlichkeit der Erwerbslosigkeit vertauschten. Ein erhebendes Beispiel für die Vertragstreue der Welt- firma Siemens! Ein Kapitel für sich, sind die hygienischen und sanitären Ver- hältnisse. Die Sandaufbereitungsanlage befindet sich in der Gießereihalle: welche Staubentwicklung damll verbunden ist, weiß jeder Fachmann. Auf den Wegen, auf denen flüssiges- Eisen transportiert werden muß, liegen die Abfallschutthaufen tagelang. Soll etwa das immerwährend« Ueberklettern der Schutthaufen ein Ersaß für die fehlend« Sportbetätigung der Gießereiarbeiter sein, die bisher den Weg zu den aufgepäppelten nationalen Sportvereinen der Firma Siemens noch nicht gefunden haben? Aber auch in allgemeiner betriebstechnischer Beziehung sind die Zustände geradezu erbärmlich. Für 36 Handformer, 66 Maschinensormer und 35 Formerlehrlinge stehen «in knappes Dutzend Gießpfannen zur Verfügung. K?in Wunder, daß die Pfannen sehr bald verschlackt sind, und die Avsschußgefabr dadurch vermehrt wird. Die Zahl der H i l f s- a r b e i t e r ist vollständig ungenügend. Wenn die paar Leute, die fast das ganze Eisen pfannenweise abzutragen haben, erschöpft sind, werden sie von dem zuständigen Meister Krüger in .liebenswürdiger" Weise mit Worten: wie.faule Hunde",„faule Bande" und noch saffigeren Ausdrücken zu neuem Schuften er- muntert. So sieht es in der Gießerei der Wettsirma Siemens aus. Leider hat auch hier ein größerer Test der Beschäftigten die Wege noch nicht erkannt, die zur Aenderung derart vorsintflutiger Zustände beschritten werden müsten An ihnen liegt es, endlich die Voraussetzung dafür zu schaffen, daß mit Hilfe der Organisation die Siemens-Gießerei zu einem ordentlichen Betrieb gemacht asrben kann. doppelvertretung üer Unternehmer? Die Wünsche der Gelben. Die Vertreter des„Reichsausschusses werkgemeinschaftlicher Verbände" waren am Dienstag beim Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius. Die Gelben verwiesen darauf, daß es hinsichtlich der Reu- bildung des endgülligen Reichswirtschaftsrates„aus Gründen der Gerechtigkeit und mit Rücksicht auf die Reichsverfastung" unerläßlich fei, daß auch die nichtgewertschaftliche Arbeiterschaft im endgültigen Reichswirtschastsrat zu einer Vertretung komme. Neue Wirtschaft- liche Formen in der deutschen Arbeiterbewegung befänden sich über- aus beachtlich in der Entwicklung. So sei z. B. die„werkgemein- schofUich-wirtschaftsfriedliche Arbeitnehmerbewegung" in stirer Zusammenfassung bereits erheblich stärker als die Hirfch-Dunckerschen Gewerkschaften.(!) Es müßte daher durchaus gefordert werden, daß diese neuen Schichtungen in der deutschen Arbeitnehmerbewegung schon jetzt im endgültigen Reichswirtschastsrat entsprechend ihrer " Stärke Berücksichtigung finden. Was der Reichswirtschaftsminister, der ja schließlich für diese Masexie nicht allein zuständig ist, zu den Gelben gesagt hat, wird nicht verkündet. Die Behauptung der Gelben, sie hätten eine irgend- wie beachtliche Mitgliederzahl, kann dem Eingeweihten nur ein mitleidiges Lächeln abnötigen. Die Forderung der Gelben kommt prakttsch darauf hinaus,«in« Doppelvertretung der Unternehmer zuzulassen. Wir sind der Meinung, daß die Unternehmer schon durch ihre wirtschaftliche Stellung gegenüber den Arbeitern und Angestellten im Borteil sind und daß sie schließlich Manns genug sind, um ihre Interessen auch ohne gelbe Hilfe zu wahren. Sabotage üer Arbeitsbeschaffung. Durch ZwSlfstundenschlchten mit Ueberstunden. Um die Zahl der Arbeitslosen zu oermindern, sind vom Reichs- kabinett erhebliche Mittel bereitgestellt. Größere Beträge hat das Reichsvsrkehrsministerium zur Ausführung von Wasser- st r a ß e» b a u t e» erhalten. Das Ziel des Arbeitsbeschaffungs- Programms wird jedoch nur erreicht, wenn die Arbeitszeit der Bescbäftioten nicht über das normal« Maß hinaus verlängert wird. Die Verwaltung der Märkischen Wasserstraßen in Potsdam hat Naßbaggerarbeitcn bei F ü r st e n w o l d e an die Firma L e y- mann vergeben. Die Firma arbeitet in zwei Schichte« zu je 12 Stunden. Obgleich das Reichsverkehrsministerium und die Verwaltung der Märkischen Wasserstraßen informiert und um Abhilfe ersucht worden sind, bleibt es bei der zwölfstün- digen Arbeitszeit. Dazu treten außerdem noch Ueberstunden. Durch Einführung von drei Schichten von je acht Stunden könnte eine entsprechende Zahl Arbeitsloser mehr b«- fchäftigt werden. Auch bei Neustrelijz wurde bei Naßbaggerarbeiten bis zu 12 Stunden täglich gearbestet. Der Herr R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r hat sich im Reichstag ganz entschieden gegen d,e Doppelverdiener und die iieberstundenwirtschaft gewendet. Das Reichsoer- k«hr«ministerium läßt z w ö l f st ü n d i g e Arbeitszeit für die im Rahmen des Arbeitsbeschaffungspro- gramms vergebenen Arbetten zu. Ist die Zwölfstundenschicht schon an sich ein Skandal, zu- mal bei Arbeiten, die das Reich vergibt, so ist diese Wirtschast um so verwerflicher, als sie den Sinn und Zweck des Arbeitsbefchasfungsprogramms ins Gegenteil verkehrt. Kann der Reichsverkehrsminister das Der- hallen der Märkischen Wasserstraßenverwaltung vor der Oeffentlich- keit verantworten? Wir glauben kaum. Doch dann muß er schleu- «igst für Abhilfe sorgen. Inzwischen aber muß die zuständige Gewerbeaufsicht ein- greifen und der Firma Leymann bedeuten, daß auch sie die B e- stimmungen der Arbeitszeitverordnung zu beachten hat, trotzdem sie einen staatlichen Auftrag hat, vielmehr deswegen erst recht. Die m Deutschland ipcnu.iqqs z DerNäKpvert der von einer Vollperson c>ti.T«�b*** täflieli aufgenommenen NaKrun|smUtel fn. 0/o i9 mx Ei- Fett KoKle- Kalo- Ei- Fett KoKle- Kaloweiß Hydrate rien weiß Kudrate rieit TTieriscHe PF1 an xl i c K e N a K r u n 4 s mittel Lohnbewegung im TextilgeoZhanüel. Mangelnde Organisation rächt sich. Eine Versammlung der Handelsarbeiter und-arbeite- rinnen im Textstgroßhandel am 16. November beschäftigte sich mit dem Stand der Lohnbewegung. Der Referent vom Verkehrsbund geißelte in längeren Ausführungen die äußerst reaktionäre Haltung des Groh-Bcrliner Arbeitgeberoerbandes des Groß- Handels und insbesondere die der Arbeitgeber im Textil- großhandel. Seit dem 1. Mai 1925 besteht in dieser Fachgruppe kein Lohn- t a r i f mehr und die Arbeitgeber haben es immer wieder verstau- den, unter Berufung auf eine angeblich äußerst schlechte Konjunktur, den Wschluh eines öohntarifes zu verhindern. Bei allen Zusammen- künften erklärten die Arbeitgeber, daß sie grundsätzlich gegen die Festsetzung tariflilber Löhne keine Bedenken erheben. Ihre Angebote waren aber so niedrig, daß keine Einigung möglich war. Trotzdem es sich hier zum großen Teil um Arbeitnehmer handelt, deren Tätigkeit eine jahrelange Fachkenntnis erfordert und die eine gewisse Vertrauens st ellung im Betriebe bekleiden, scheuen sich die Arbeitgeber nicht, Wochenlöhne von 28 bis 33,50 M. anzubieten. In der Manteltarifverhandlung im Juni erklärten die Arbeitgeber abermals ihre Bereitwilligkeit, bei Besserung der Konjunktur auch einen Lohntarif abzuschließen. Trotzdem eine be- deutende Besserung der Geschäftslage eingetreten ist, und der Deutsche Verkehrsbund daraufhin erneut Lohnverhandlungen beantragte, kamen die Arbeitgeber wieder mit den alten Ausreden. Es sei der unglücklichste Moment, um über eine Festsetzung der Löhne zu reden, da man angeblich die nur ganz schwach einsetzende Besserung der Geschäftslage nicht dazu ausnutzen dürfe. Es blieb nichts weiter übrig, als den Schlichtungsausschuß anzurufen. Vor Ein- tritt in die Verhandlungen beim Schlichiungsausschuß gab der Ver- tretet des Arbeitgeberoerbandes des Großhandels, Dr. Engel, die Erklärung ab, daß die Arbeitgeber im Textstgroßhandel nicht daran denken, einen Lohntarif abzuschließen, da nach ihrer Auffassung die sogenannte freie Hand im Be- triebe günstiger sei als eine tarifliche Festsetzung der Löhne. Für die Unternehmer! Wer diesen Syndikus Engel kennt, wundert sich über ihn nicht mehr. Es gibt wohl nur wenige Arbeitgeberverbandsvertreter, die in solch zynischer Weise die Not der Arbeiter verhöhnen. Das Verhalten dieses Arbeitgeberoerbandes und seines Syndikus wird allerdings begünstigt durch da» Ver- halten eines Teils der Arbeiter und Arbellerinnen zu ihrer Organisation. Die Arbeiter lebten teilweise in dem Wahn, in ihren Betrieben lebenslänglich beschäftigt zu werden und es dem „guten Herz" der Unternemer-Rechenmaschinen überlassen zu können, anständige Löhne zu zahlen. Der Abbau von Leuten, die bis zu 25 und 30 Jahren geschuftet hatten und in. Verbindung bannt der Lohnabbau, hat die Arbeiter im Textelgroßhandel durch diesen Schaden klug gemacht. Leider etwas spät. Die starke Erregung über das üble Spiel, das mit ihnen ge- trieben wurde, machte sich Luit in der Diskussion. Die„schwache" Konjunktur wird durch die Ueberstunden ins rechte Licht ac- setzt, die in einem großen Teil der Betriebe verlangt werden. Die Versammellen gelobten, nicht eher zu ruhen, bis auch der letzte Handelsarbeitcr, die letzte Handelsarbeiterin im Textilgroßhandel dem Deutschen Verkehrsbund angeschlossen ist. Kommt die Vcrbindlichkeitserklarung? Beuchen, 19. November.(WTB.) Die Bergorbellerorgani- sationen haben den Schiedsspruch vom 12. November, der die Löhne des oberschlesischen Bergbaues durchschnittlich um 20 Pfennig Sro Kops und Schicht erhöht, angenommen und. da die nternehmer den Schiedsspruch abgelehnt haben, seine Verbindlichkeitserklärung beantragt. Tagung der französischen Beamte«. Varl». 19. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Kongreß der Beamtengewerkschaften, der im Laufe der nächsten Woche in Paris tagt, wird sich in der Hauptsache mit der Anpassung der Beamten- gehälter an den Teuerungsindex und in zweiter Linie mit dem Bei- tritt der Gewerkschaft der Post und Telegraphie zu der EGT. be- fassen. In Beamtcnlreisen herrscht über die von der Regierung stets hinausgeschobene Verbesserung der Beamtengehäller eine starke Aus- regung und die Seine-Föderation der Beamten hat bereits vor einiger Zeit mit der Proklamation eines Generalstreiks gedroht. Der Kongreß dürfte also außerordentlich stürmisch werden. Die Beamten- verbände veröffentlichen in der Presse Stattstiken, aus denen hervor- geht, daß selbst wenn eine volle Milliarde, wie das im Budget für 1927 vorgesehen ist, für die Verbesserung der Beamtengehäller ausgeworfen werde, dos die Lage der Beamtenschast kaum ver- bessern wird._ Freie Gewerkschafts-Zugend. Sorf«. S-ini-be»».«n» motqtn, S»n»t-N. n> Lu-tenw-Idr. Trcsfpu-n T-nnaixnd 4% Uhr»-ch»itt»a» am KataUtt»ah»- h«f, S-ll-sch« Strahe._ Achtung, zimmerttl Scui« TH Uhr teilt her Bezirk 1 bei Rott, 6frofrlwnn- Ikroftt 29. Alle Veidanhslamrtehen de» Bezirks müssen pünktlich erscheinen. sseatrslocrband der Zimmerer. Lcrantworilich für Politik: Dr. Surt«cqeri Wirtschost: Arwr Botern»»: Gewertichntlsb-w-auno: gricdr.«hkorn: Feuilleton:*. S. Dlscher; Lokale» und Constiaes: ä-ik»arftädt: An, eise»: Zh.«loche: sämtlich in Berlin. Herten: Vorwärts- Verla«®. m. 6. 5.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlaasanftalt Paul Smner u. So. Berlin SB 68 Lindenürahe 8. Pier,» 1 Bellna«»nd„Unterhalt»»« und Wisse»-. PrefswerteSchiihwareit Lackschuhe 90 NiIIl!!!i!l!IW>IIIiII!lI!i!!WiiW!slIIt>II!IlIIwIII!lsi»lII!!!iiIII!lN!!!!!II!iZ 45 1 mit Stegspange, sehr hübsches Modell Brokat der fesche Abendschuh 275 =E für Damen, KameLhaarart, == wir. 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Sehen wir zu, wie die holländische Kolonie in Berlin sich entfaltet hat. Der allgemeine Charakter. Trotz der zahlreichen und umfassenden geschäftlichen Beziehungen zwischen Holland und Deutschland ist die Zahl der in Berlin leben- den Holländer als nicht gerade groß zu bezeichnen. Man wird sie auf etwa 1200 beziffern können. Der weitaus größte Teil— zirka 90 Prozent— ist als Arbeitnehmer tätig, zu einem ganz beträcht- lichsn Prozentsatz in gehobenen Stellungen; die Anzahl der selb- ständigen Personen ist dagegen nur niedrig. Ein einzelner Ge- schäftsmann widmet sich der Einfuhr von Nahrungsmitteln und zwar betätigt er seine Geschäfte in dem speziellen Holländer Kreise. All die Importartikel, namentlich auch die, die wir täglich als Nahrungs- und Genußmittel unserem Körper einverleiben, oer- lasten die holländische Grenze mit der Bestimmung, von deutschen Händen weiter be- und verhandelt zu werden. Das Kunstinteresse, das Holland zu einem so kulturell wichtigen Lande gemacht hat, spricht sich in der Tatsache aus, daß zwei Antiquitäten-Kunschändlcr in Berlin sich niedergelassen haben. Die hinter uns liegenden schweren Zeiten haben die Entwicklung der Kolonie naturgemäß nicht begünstigt, wenn auch die nieder- ländische Regierung alles getan hat und noch tut, um den in Berlin wie überhaupt in Deutschland wohnenden Angehörigen die Bürde des Daseins zu erleichtern. In der Kriegszeit wurde durch regel- mäßige Zusendung von Nahrungspaketen dafür gesorgt, daß die Lebenshaltung ihren alten Gang beibehalten konnte. In der süngsten Zeit, die die große Arbeitslosigkeit sah, hat die Regierung ebenfalls eingegriffen und gibt den betroffenen Einzelpersonen und den Famisten entsprechende Unterhaltsgelder. Aber natürlich wird so mancher in Deutschland lebende Holländer unser Land verlassen haben, wenn er sich längerer Arbeirslosigkeit gegenüber gesehen hat. Die Slumenzwiebellzeferanten. Holland hat ein natürliches, durch seine Bodenbeschaffenheit be- dingtes Monopol auf die Anzucht der zum.Treiben" in den ge- heizten Winter- Glashäusern bestimmten Blumenzwiebeln, wie Tulpen. Hyazinthen, Narzissen usw. Die große Konkurrenz, die auf diesem Gebiete in der Heimat herrscht, hat die holländischen Firmen von jeher veranlaßt, Reisende nach Deutschland zu senden, um die Herbstousträge an sich zu ziehen.„Die Holländer sind da" — diesen Ruf hört man dann ick den Kreisen, die in der Blumen- halle ihr Zentrum haben. Vor dem Kriege waren weitgehende Krediteinräumungen an der Tagesordnung: jetzt ist man auf beiden Seiten vorsichtiger geworden. Auch die Belieferung Berlins mit Tulpen, Hyazinthen usw. als Schnittblumen hat vielfach böses Blul gemacht, wenngleich auch die die Zwiebeln nach Deutschland liefern- den Firmen sich dagegen verwahren, daß sie an diesem Blumen- hinüberschicken beteiligt sind. Jedenfalls bilden diese Blumenhollän- der eine charakteristische Erscheinung im Berliner Geschästsleben. Die offizielle Vertretung. An der Spitze der Vertretung steht Gesandter und bevollmächtig- ter Minister Baron G c v e r s: sein Heim befindet sich R a u chst r. 10. Die Bedeutung der niederländisch-deutschen Beziehungen spricht sich aber vornehmlich in der Tatsache aus, daß die Konsulararbeit, sowohl was rein persönliche, als auch geschäftliche Fragen betrifft, sich im Herzen von Berlin heimisch gemacht hat. Freilich nicht auf eigenem Boden: das in einfacher Vornehmheit ausgeführte ehemalige Lessing- sche Haus in der Dorotheenstraßc 13 ist als Vermächtnis an den preußischen Staat gelangt, von dem es die niederländische Regierung gemietet hat. So nahe dem Verkehr der Friedrichstraße und des Zentralbahnhoss gelegen und doch eine so wohltuende Stille in dem Hause, das mit seinem mit Gemälden völlig bedeckten Treppenhause, den großen, hohen Räumen, einen so würdigen, wie anheimelnden Eindruck hervorruft. Daß freilich der Sonnenschein wenig Einlaß findet, selbst dem Gartengclände(man denke: im Zentrum Berlins!) fehlt, darf angesichts der hohen Nachbarhäuser nicht wunder nehmen. Das Lessingsche Haus soll später als Leffing-Museum fortleben; bis auf weiteres hat es als Heim des Konsulats eine passende Berwen- dung gefunden. Für die Personalangelegenheiten ist Konsul Schrikker zuständig: die wirtschaftlichen Fragen bilden das Ar- beitsreich des Generalkonsuls Wolfs, der seit zehn Iahren diesen Posten bekleidet. Da das Visum für die nach Holland reisondcn Deutschen abgeschafft ist, hat die tägliche Arbeit eine Abnahme er- fahren: immerhin bietet die Abfertigung der von Berlin noch Hol- land reisenden Ausländer manches interessante Problem— sind doch die holländischen Häfen solche, von denen Dampfcrlimen nach allen Erdteilen ausgehen. NeöerlanS-Grange tmS Hollanöia. Wer nicht rein geschäftlich Berlin besucht, findet Gelegenheit, die hiesigen Landsleute in zwei Vereinen aufzusuchen. Wie bei der dänischen Kolonie hat auch die holländische, da sie nicht groß genug ist, um einen großen Verein zu bilden, zwei Vereinigungen errichtet, deren eine die materiell bessergestellten Kreise umfaßt. Es ist dies der Verein„Nederland an Orange", der unter der Leitung des Herrn Frank M. Ooerhoff steht und ein Klublokal in der Kur- fürstenstraßc 121 besitzt. Neben seiner Tendenz, das Swndesbew"ßt- sein zu pflegen, zielt er auch aus ilnterstützungszwecke ab. In- terestant und charakteristisch für die Bedeutung, die gute und direkte Orientierung über deutsche Verhältnisse für die Holländer hat, ist die Totsache, daß dem Verein die ILertreter folgender Blätter angehören: „Maasbodc",„Nieuwc Rotterdainschc Kurant",„Allgem. Handels- blad"(Amsterdam),„Telegraas"(Amsterdam) und„Baderland" (Haag) und»„Rotterdams Nieuwsblad". Der Verein zählt 180 Mit- glieder und übertrifft damit sehr betächtlich die„Hollandia", die in Herrn I. L. P r i n s ihren bewährten Sekretär hat. Vorsitzender ist Herr C. I. K a m e r l i n g. Der Verein hat 25 Herren-, 11 Damen- und 3 Ehrenmitglieder. Der Zweck ist ein geselliger; auch werden Vorträge gehalten und durch eine Bibliothek Gelegenheit zur Uebung im Holländischen geboten. In diesem Jahre konnte bereits das 20. Stiftungsfest gefeiert werden. Am 5. Dezember wird das für Holland charakteristische Nicklasfcst mit Bescherung für die Kinder gefeiert. Die Holländer im Neich. Es dürfte sicher den meisten Lesern eine Ucberraschung sein, zu erfahren, daß im ganzen Deutschen Reich zirka 120 000 Holländer leben und daß 60 holländische Vereine bestehen. Natürlich ist Rheinland-Westfalen das Gebiet, in dem sich diese Zusammenbal- lung vorfindet. Um nun dieser großen Schar einen Zentralpunkt zu geben, wurde vor fünf Iahren von Berlin aus der Zusammen- schluß all dieser Vereine betrieben und der„Rederlandfchc Rond in Duitschland" begründet, dessen zweimal monatlich erscheinende Zeit- schrift„Post van Holland" ein gutes Bindennttel für die Stammes- genossen ist, da es neben Unterhaltung und amtlichen Nachrichten die Vereinsvorgänge festhält und so eine wirkliche Chronik für die Holländer in Deutschland bildet. Der Redakteur, Herr Henri B l a n ch e- K ö l e n s m i d, ist in Berlin ansässig. » Die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Staaten sind be- kannt und wer je in Holland gereist ist, wird über die lebhafte tat- bereite Unterstützung sich gefreut haben, die man dort genießt. Die Leichtigkeit, sich in einer Sprache zu verständigen, die dald hol- ländisch, bald deutsch ist, hilft dazu viel mit. Wirtschaftliche Sorgen und Wünsche mögen auftauchen— die Friedfertigkeit der Völker vermögen sie nicht zu stören. Dem Wunsch, daß es der holländischen Kolonie in Berlin gut ergehe, kann man gern auf das ganze Nach- barland ausdehnen. Ursachen und Wirkung. Die Chronik der Gcrichtssäle wächst ins ungeheuerliche, mit ihr im gleichen Schritt die Zahl derer, die Mord am eigenen Leben begehen. Und immer sind es in neunundneunzig von hundert Fällen Menschen, die bittere Not zum Verbrecher werden ließ. Die maß- lose Verzweiflung der ohnmächtig mit dem Geschick Kämpfenden' (reibt die vollsten Blüten in ihrer krankhaft erhitzten Phantasie und laßt diese Amateure in grauenhasten Verirrungcn zu Meistern pro- fessioneller Schwerverbrecher werden. In kümmerlichen, gänzllch verwahrlosten Wohnstättcn Hausen, eng zusammengepfercht, alt und jung, Mann und Weib und Kind. Die Not grinst aus allen Ecken, Leid und Entbehrung lagern brctt in ihren abgezehrten Gesichtern. Keine Arbeit, also auch kein Brot! Dazu ständiger Hader mit dem Hausgestrengen, der ständig das Damoklesschwert der Zlusquarticrung über den Häuptern solch schlecht oder gar nicht zahlender Mieter schwingt. Der ausgemergelte Lei« all dieser Unglücklichen ist zum Spiclball körperlicher und scelifchct Krankheitskeime geworden. Träge und einförmig reiht sich ein Tax an den anderen, der nichts als zerstöne Hoffnungen mit sich bringt. Dumpfes, qualvolles Grübeln, ein ewiges sinnloses Hadern mit dem Schicksal schlagen eine tiefe Bresche in ihre Gedankenwelt, und sie verlieren schließlich das Empfinden für Recht und Unrecht. Leben wollen sie, leben um jeden Preis! Und sie zahlen mit dem höchsten, den es überhaupt gibt: Mit ihrem Menschentum. Und unerbittsich, unbeirrt geht das grausame Leben seinen Gang. Wenn auch die Miete fiir die bisherige armselige Behausung sich nicht mehr aufbringen läßt, dann muß ein noch winzigerer, billigerer Unterschlupf gefunden werden. Viele von ihnen kriechen jetzt allesamt in leerstehende, einst tierische Behausungen. Ein Raum ohne jedwedes Licht und Luft, Steinboden und feuchte Wände, klap- pernde Stalltüren, die Wind und Wetter nur ganz geringen Wider- stand leisten, kein wärmender Ofen, dafür aber Natten und anderes ekliges Gezücht. Dann gibt es aber noch solche, bei denen es auch hierzu nicht mehr reicht. Wer jung oder noch ein ganz klein wenig untcrnehmungsbcreit ist, geht auf die„Walze", die unzähligen an- Die Wunder der Klara van Haag. VJ] von Johannes Luchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. „Eines für Sie und eines für mich. Ja," sagte Egholm und er war einige Sekunden abwesend wie in Träumen, die ihm«in Lächeln um den Mund schenkten. Ob Fräulein Klara — Frau Klara— sich auch noch der Fortsetzung erinnerte? Daß er heiß vor Glück ihre Hand geküßt hatte, was sie geschehen ließ, daß sie ihm aber eine Ohrfeige gab, als er sie an sich zog, und daß sie wie eine flatternde Motte über den Rasen verschwand.. Ach, ein trauriges, trauriges Ende des Spiels. Und dann kam noch ein Schlag hinterher. Er dürfe wohl wagen, die Gnädige daran zu erinnem. „5hr Vater erfuhr, was geschehen war, und Sie wurden , auf mehrere Monate nach Schweden geschickt. Ein Lümmel schwatzte über uns. Es war der Sohn des Kammerjunkers. Der einzige Mensch, glaube ich, den ich gehaßt habe. Ein langer, dürrer Kerl." Das Lächeln der Gnädigen erhielt einen sonderbaren Ausdruck u „Erinnern Sie sich nicht, wie der Kammerjunker hieß? „Nein, dessen erinnere ich mich nicht. Doch, hieß er nicht van der Velde?" „Beinahe richttg. Er hieß van Haag." „Aber Egholm!" sagte Frau Egholm rot vor Scham. Aber Frau van Haag zog sie beide in ein ausgelassenes Gelächter hinein, worauf sie erfrischt fortfuhren. Egholm sagte:„Ich kann Ihnen etwas erzählen, was Sie nicht wissen. Ich ging nach Schweden, um Sie zu sehen. Der Winter war in dem Jahre so gräßlich streng, daß der Oeresund zufror. Da ging ich eines Sonntags Morgen von Helsingör hinüber und iah Sie denn auch am Nachmittage hinter einem erleuchtetem Fenster. Es war ja kein großer Erfolg, aber ich war ganz zufrieden, und begab mich auf den Heimweg, wobei ich mich verirrte und mir die Zehen erfror. Acht Wochen lang konnte ich meiner Arbeit im Laden nicht nachgehen. Der Konsul war wirklich nicht gnädig. Aber hätte er gewußt, warum ich über das Eis gegangen war, so hätte er mich wohl nicht so lange behalten, ww er es tat, nämlich bis zum Frühjahr, bis Sie zurückkamen." „Armer Kasper Egholm." sagte Frau van Haag still. Sie wollte mehr sagen, besann sich aber. Zum erstenmal während des Gesprächs fühlte sie sich gehemmt, weil Egholms kleine Frau dabei stand und den Kopf von einer auf die andere Seite legte bei dem Versuch, in etwas hineingezogen zu werden, das sie nichts anging. Es galt, einen gewandten Sprung in die Gegenwart zu machen, so daß die beiden wieder die solide getrennten Menschen aus je einer fest- geschlossenen Ehr wurden. Egholm kam ihr zu Hilfe. Er seufzte und sagte:„Die goldene Zeit ist entschwunden. Aus Konsul Steens reichem Hause zogen wir hinaus, jeder seine Straße. Sie der Sonne, ich der Nacht entgegen. Wir umwanderten die Erde und treffen uns jetzt in Knarreby. Sie müssen ja auf Händen getragen worden sein. Ihre Schuhe und ihr seidenes Kleid sind nicht viel in Berührung mit dem Staub des Weges gekommen. Und hier sitze ich nun als alter, glatzköpfiger, verbrauchter Mann in einem Erdloch." „Mein Kleid ist nicht die Spur von Seide, und wenn Sie Ihr Haus ein Erdloch nennen, dann sind Sie ja ein Unmensch! Dreimal bin ich diesen Weg entlanggegangen, nur um das hübscheste Haus in Knarreby zu sehen. Und da zeigte es sich, daß der Besitzer jammert, weil er darinnen wohnt! Sie müssen sich ja schämen!" In Egholms Innern begann sich eine Wärme zu ent- zünden. Er versuchte jedoch zu sagen:„Das Haus hat �keine Grundmauern und es ist aus altem Gerümpel gebaut." „Das gleiche kann man von Ihnen und mir sagen. Aber sollen immer leben? Oder sollen wir das Haus mit ins Grab nehmen? Ein so herrliches, kleines Märchenhaus!" Da brach Egholms Freude in rote Flammen aus. Sein geheimster Gedanke wurde hier wie eine Selbstverständlichkeit von einer schönen stolzen Frau, seiner Jugendliebe, heraus- geschleudert. Aller Hohn, mit dem er bespien worden war, slog ins Gesicht des Speiers zurück. Das schönste Haus in der Stadt stand schimmernd weiß und laubumkränzt da, wie er es sich geträumt hatte. Blind griff er nach der Hand der Gnädigen, aber die seine stieß gegen die Annas, die schneller gewesen war. Da reichte Frau van Haag ihm lachend ihre Linke. Auch das war eine gute starke Hand. Anna inurmelte ein paar Worte, Herrgott, jetzt stände sie hier und sie hätte der gnädigen Frau nichts angeboten. Etwas Eingemocbtes dürfte sie doch wohl...? Gerade als sie zur Tür hinaus war, kam Emanuel von der Straße durch das Wartezimmer hereingeflogen. Ohne nach rechts oder links zu sehen, schoß er zum Arbeitstisch des Vaters, sprang auf einen Stuhl und schlug mit der flachen Hand unter das Uhrgehäuse, daß das Fünfundzwanzig-Oere- Stück in die Mütze fiel, die er in der anderen Hand hielt. .Letzt ist es mein," lächelte er darauf und nickte bestimmt, und erst jetzt wurde sein Blick ausweichend und verlegen, weil ander? zugegen waren. „Komm und sag der schönsten und vornehmsten Frau der Welt guten Tag," sagte der Vater. Die Gnädige behielt die kleine dünne Hand des Knaben in der ihren und blickte ihn an mit einem Lächeln, das voll freundlicher Wärme war. „Gehörte das Geld dir?" sagte sie. „Nein, erst jetzt. Ich sollte es haben, wenn ich zurück- kam." „Bist du für deinen Vater in die Stadt gegangen?" . Ja" Emanuel suchte die Augen des Vaters, aber der sah gerade vor sich hin. Da dachte der Knabe, daß es gut sei, als ein Held in den Augen der schönsten und vornehmsten Dame von der Welt dazustehen. Der Vater hatte gesagt, daß sie das wäre, und er zweifelte keinen Augenblick, und er fügte mit offensichtlichem Stolz hinzu:„Ich Hab' um so'ne schrecklich Häßliche gefreit." „Aber lieber Gott, Kind, was jagst du? Hast du gefreit?" „Ja, Sivert wagte es nicht und da sagt« Vater, daß..." Egholm hätte es am liebsten gesehen, wenn-■EmarnielS Eingriff in die Dinge Frau van Haag verborgen geblieben wären. Schon einmal heute hatte sie ihn in eindringlichem Ernst gefragt, ob er verrückt sei. Würde sie ihn jetzt wieder fragen? Um zu retten, was zu retten war, griff er ein und sagte:„Du kleines Schaf, wie du das sagst, muß die gnädige Frau ja den Eindruck bekommen, daß du selbst die Bürsten- binderstochter haben sollst. Du hast doch für S'vert angehalten, sag' es doch gleich!" Emanuel wurde sehr verlegen über die Zurechtweisung und stockte, aber Frau van 5)aag dachte nicht darüber nach, ob sie zwischen Verrückten säße. Nie würden solche Späße im königlichen Zollamt, ihrem Heim, ausgedacht werden. Und auch nie hatte sie sonst irgendwo Leute getroffen, die mit dem ernstesten Gesicht so köstliche Einfälle hervorbrachten. Sie hatte Lust, aufzustehen und den abgerissenen, glatzköpfigen Mann zu umarmen, weil er so herrlich inkorrekt war. Sie bezwang sich, zog aber doch seinen Sohn aul ihren Schoß und verlangte, daß er ihr olles von Aiffang bis zu Ende von seiner Freierei erzählen sollte. Und Emanuel war nicht saul. Ohne mitwissendes Lachen, nur voll Eifer, so klar und de"tlich wie möglich zu erzählen, stand der kleine Iunae vor Frau van Haag. Nicht eine Scharte war in seine Unschuld ge-> schlagen. Sein reiner Kinderatem strich ihr über die Wange, als er sich vorbeugte, um ihre Brosche zu sehen die sein Inter« esse gefangen nahm.(Fortsetzung folgt.) deren briJtfen sich in Asylen tmd anderen fiMeren HSHlen hervnr. Jetzt ist die Saat des Unheiles reif geworden. Der Gedanke an irgendetwas, das geschehen muß— und sei es noch so ungeheuerlich, rückt in immer greifbarere Nähe, nimmt immer deutlichere Formen und Farben an. Alle Hemmungen fallen, es geht zum letzten Kamps. Krankheit oder Verbrechen? Beides gräßlich vereint und untrennbar ver» Kunden. Aus dieser Atmosphäre heraus muß man verstehen, was in den letzten Wochsn an furchtbaren Taten, Mensch gegen Mensch, sich ereignete. Um üas berliner �usftellungsprojekt. Eine Konferenz im Nathans. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters B ö ß fand gestern im Berliner Rathaus eine Konferenz statt, zu der die Reichstags- und Landtagsabgeordneten aus den Wahlkreisen der Reichshauptstadt geladen waren. Die Besprechung hatte das inter- nationale Ausstellungsprojekt für 1939 zum Gegenstand der Bs- ratung und diente vor allem dem Zweck, angesichts der von der Reichsregierung gegenüber dem Plan geübten Zurückhaltung die Abgeordneten zu bitten, bei dey Beratung der Angelegenheit in den Parlamenten ihre Stimmen für die Veranstaltung der internatio- nalen Ausstellung in der Reichshauptstadt abzugeben. Oberbürger- meister Böß legte den Abgeordneten die Vorzüge Berlins und des Berliner Messegeländes für eine derartige Veranstaltung dar. Er betonte, daß man sich bei der Wahl zwischen Köln, Düsseldorf und Berlin ohne Frage für die Reichshauptstadt entscheiden müsse, vor allem darum, weil der Ruf Berlins als Metropole des Deutschen Reiches für den wirtschaftlichen und ideellen Erfolg der Ausstellung von ausschlaggebender Bedeutung sein würde. Des weiteren verfüge Berlin über ein großes zusammenhängendes und ausbaufähiges Messegelände und In seinem Mesieamt über eine Institution, die m der Organisation derartiger Veranstaltungen bis- her eine sebr glückliche Hand und die besten Erfolge gehabt habe. Der Oberbürgermeister schloß mit der Bitte an die Abgeordneten, sich auch in dieser Angelegenheit der Interessen der Reichshauptstadt anzunehmen. Um das Projekt der Verwirklichung näher zu bringen, haben in der letzten Zeit verschiedene Besprechungen zwischen dem Deutschen Werkbund und den beteiligten Organisationen stattgefunden, die jedoch bisher noch zu keinen Beschlüssen geführt haben. Teppichräuber. Feuergefecht in der Kolonie Grunewald. Ein großer Einbruch wurde in der Nacht zum Freitag in der Kolonie Grunewald verübt. Unbekannte Beibrecher ver- schafften sich Zugang zu einem Villengrundstück in der Erdenerstrahe, indem sie den Drahtzaun des Gartens durchschnitten, an einem Fenster im Erdgeschoß eine Scheibe eindrückten und in den Räumen ungestört arbeiteten, während die Bewohner des Hauses im Obergeschoß so fest schliefen, daß sie nichts härten. Di« Verbrecher mußten einen schweren Flügel beiseite rollen, um «inen großen Teppich, aus dem er stand, zusammenrollen zu können. Außer diesem packten sie dann noch vier andere Teppiche zusammen und weiter verschiedenes Silberzeug. Zuguter- letzi ließen sie auch noch ein 30X 50 Zentrmeter großes Oel- g e m ä l d e, eine Landschaft von L e j e u n, mitgehen. Zum Weg- schaffen der Beut« diente ihnen wahrscheinlich ein Auto, das, wie he- obachtet worden war, in der Gegend längere Zeit umherfuhr und spät nachts in der Trabenerstraße stand. Die Einbrecher trauten sich ober wohl nicht, in der mondhellen Nacht alle Sachen auf einmal nach Berlin hineinzuschaffen und legten deshalb an einer Stelle, die ihnen geeignet erschien,«inen Teil zurück, um ihn später zu holen. So fand �tN�lötchTtbeamter in etnom Akazienwälbchen im Gleis» d.re i'eck der Ringbahn zwischen Eichkamp-Halense« und Eharlottenburg unter einem dichten Buschwerk zwei große P a k e t e, die vier Teppiche enthielten. Er benachrichtigte die Polizei, d'« die Teppiche abholte und bald feststellt«, daß sie aus der erbrochenen Villa stammten. In der Erwavtung, daß die Verbrecher bald kommen würden, um den Rest der Beute abzuholen, legten sich gestern abend Schupo- und Kriminalbeamte m dem Wäldchen auf die Lauer. Um Uhr tauchten aus dem Dunkel zwei Männer auf,«in großer und ein kleiner, die beide lange Mäntel trugen. Sobald sie aber die Be- amten wahrnahmen, eröffneten sie, ohne erst ein Wort zu verlieren, aus einer Entfernung von 50 Metern ein P i st o l« n fe u« r. Sämtlich« Schüsse gingen aber zum Glück all« fehl. Die Beamten griffen ebenfalls zu ihren Pistolen und schössen ihr« Magazin« leer. Unter der Wirkung des Gegenfeuers wandleiz sich die Verbrecher zur Flucht und entkamen. Von dem gestohlenen Gut fehlen jetzt noch das Gemälde, das Silberzeug und ein Teppich, ein S�XIlb Meter großer Heris. Milde Strafe fiir einen Rohling. Ein überaus tragischer Unglücksfall, der den Tod eines vier- jährigen Knaben zur Folg« hatte, sond vor dem erweiterten Schöffengericht Lichtenberg fein gerichtliches Nachspiel. Dort hatte sich der 42 Jahre alte Händler Joses Slewinski wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Der Angeklagte ist Eigentümer des Hauses Heinersdorser Straße 24 zu Weißensee, und ein Mensch, der durch seine Gewalttätigkeiten bei seinen Mietern überaus verhaßt ist. Am 3. Februar dieses Jahres geriet er auf dem Hofe seines Hauses mit mehreren Mietern in Streit. Ein Ehepaar Kohn bosand sich in unmittelbarer Nähe des Hauswirtes. Ihr vierjähriges Kind stand spielend neben den Eltern. Im Ver- laufe des Streites, in dem Slewinski drohte, Kohn und seine Frau über den Haufen schießen zu wollen, ergrfff der Rohling plötzlich einen halben Mauerstein, mit dem er nach den Eheleuten warf. Während sich diese in Sicherheit bringen konnten, wurde der vierjährige Knabe getröffcn, so daß er blutüberströmt zusammen- brach. Er hatte eine klaffende Wunde an der linken Schläfe davongetragen. Trotzdem die Eltern mit dem Kinde sofort zum Arzt gingen und die Wuude verbinden ließen, war eine �Rettung nicht mehr möglich. Das Kind starb bereits nach sechs Tageft an den Folgen der erlsttsnen Verlegung. Das Gericht verurteilte den Angeklagten. der bereits vorbestraft ist, nach eingehender Be- weisaufnahme an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von drei Monaten unbegreislicherwelse nur zu 1320 Mark(!) Geldstrafe. In Spandau aber wurden einige Parteigenossen, die in eine Schlägerei mit Völkischen verwickelt worden waren, zu monatelanger Gefängnisstrafe verurteilt. Und bei derartigen unbegreiflichen Urteilen wundert sich die Richtcrwelt. daß das Volk kein Vertrauen zu ihrer Rechtsprechung fassen will. Das Urteil im Llutisker-Prozeh. In dem Prozeß gegen Iwan K u t i» k e r und die früheren Be- amten der Staatsbank, Finanzrat Rühe und Obersinanzrat Dr. H e l l w i g, wegen Vergehens gegen das Depot- und Depositen- recht und die Devisengesetzgebung wurde am Freitag nachmittag bereits das Urteil gsiällt, das gegen den Hauptangeklagten Iwan Kutisker auf«ine Geldstrafe von 5200 Mark lautete, während Finanzrat a. D. Rühe und Oberfinanzrat a. D. Dr. Hellwig frei- gesprochen wurden. In der Begründung des obigen Urteils betonte Anitsgerichtsrat Wartenberger, das Gericht stehe auf dem Standpunkt, daß der Hauptongeklagte Iwan Kutisker für die Verstöße gegen das Depot- und Depositenrccht und die De- Visengesetzgebung durch die Steinbank verantwortlich zu machen sei. Die Verstöße wurden darin erblickt, daß die Steinbank. obwohl sie keine Erlaubnis zum Devisenhandel und kein Depotrecht gehabt habe, im Austrage ihrer Kunden Devisengeschäfte gemacht und die Depots ihrer Kunden nicht aufgelöst habe, als der Antrag auf Zulassung zum Devisenhandel abschlägig beschieden worden sei. Das Gericht habe von der beantragten Gefängnisstrafe abgesehen, weil es sich nicht mn ewe Devisenverschiebung kn üblichen Simre handle, sondern weil es sich um an sich ordnungsmäßige Geschäft« gehandelt habe, die aber strasbar seien, weil die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt gewesen seien. Strafmildernd sei auch angesehen worden, daß Kutisker der Staatsbank mehr Devisen zugeführt habe, als er selbst bezogen habe._ Milöerung der Gewerbesteuer. Die Stadtverordnetenversammlung in Berlin hatte die von mehreren Parteien gestellten Anträge zur Milderung der Gewerbe» steuer für 1925 und 1926 zur Vorberatung an den Steuerausschuß verwiesen. Dieser Ausschuß hat in seiner Sitzung am Freitag, den 19. November 1926, die vom Magistrat bereits vorher be» schlossenen Richtlinien für eine Milderung der Gewerbesteuer für 1925 und 1926 einstimmig in ihren Grundsätzen angenommen. Die Richtlinien haben folgenden Wortlaut: 1. In den Fällen, in denen die Veranlagung durch falsche Festsetzung des Ertrages 1925 zu hoch erfolgt ist, muß es dem Steuerpflichtigen überlassen bleiben, sein Recht im Rechtsmittel- verfahren zu suchen.— 2. In den Fällen, in denen die Steuer deshalb als zu hoch empfunden wird, weil sie nach dem Ertrage von 1925 veranlagt ist, während in dem Gewerbebetriebe im Jahre 1926, in dem die Steuer gezahlt werden muß, der Geschäftsgang erheblich schlechter ist als 1925, soll eine Ermäßigung nicht erfolgen, weil der niedrige Ertrag des Jahres 1926 in der entsprechend niedrigeren Gewerbesteuer für das Jahr 1927 seinen Ausgleich finden wird. In diesen Fällen kann aber durch großzügige Stundung über die Grenze des Rechnungsjahres hin- aus dem Steuerpflichtigen Erleichterung gewährt werden.— 3. In den Fällen, in denen die M i e t e in einem unangemessenen Hauptmanns, Weber" im Rundfunk. Der jung« Dichter, von dem Leiden der schlesischen Weber im Innersten gepackt, schrieb das Werk im Jahre 1892. Auf der Bühne erschüttert es auch heute noch selbst die. die sonst vor dem Elend und der Not anderer fest die Augen zu schließen pflegen. Literaturgeschichten finden freilich manches an dem Drama aus- zusetzen, wahrscheinlich haben sie recht.— Der Verfasser war in erster Linie Mensch, dann erst Dichter. Doch der Mensch Haupt- mann schildert hier so voll hinreißender Wahrhaftigkeit, voll stärkstem Mitempfinden und Mitgefühl, daß das Werk packt und zum atemlosen Folgen zwingt. Trotzdem war es ein kühner Versuch, es aus die Sendebühne zu stellen. Ist es nicht fest mst dem Bühnenbilde verbunden, kann es verständlich und eindring- lich genug wirken, wenn es nur auf das gesprochene Wort an- gewiesen bleibt? Alle die Besorgnisse waren überflüssig. Der Rundfunk hätte seinen Hörern und Gerhard Hauptmann selber keine bessere Gabe zum Geburtstag des Dichters darbringen können als die Aufführung der.Weber"'. Das Werk ist so von heißem, erschütterndem Leben erfüllt, so lebendig gestaltet, daß das Wort die Bision des Weberelends zum greifbaren naturalistischen Bild werden läßt. Die Not der Weber? Die Not aller, die hungern, die an Mangel leiden und sterben, die zugrunde gehen müssen, damit andere schwelgen können. Hauptmann, der uns neulich mit seinen wohlgerundeten literarisch einwandfreien Hexametern so bitter enttäuschte und so arm ließ, wurde hier in diesem 34sShrigen alten Werk, an dem Literaturgeschichtsprofessoren nicht ohne Un- recht zu tadeln haben, wieder unser Mitmensch. Unser Dichter. Der Not fühlen, der an Zukunft glauben kann. Dessen Herz für seine Zeit und in seiner Zeit schlägt. Und der nicht fern von uns in seinem Olymp lebt. Die Weber aus dem Jahre 1844 sind unsere Brüder. Es war ein Abend stärksten Erlebens. Hauptmann soll bedankt sein, der Rundfunk und die Darsteller verdienen Lob. Das Rundfunkprogranim. Sonnabend, den 20. November.' Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12.30 Uhr nachm.: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.30 Uhr nachm.: Rezitationen. 1. Oskar Ludwig Brandt: a) Woher ich kam, b) Spät blühen die Linden, c) Der Dichter spricht, d) Ich weiß. 2. Hans Priedrioh Blunck: Das Eingangskapitel aus dem Roman.Hein Höver". 3. Oskar Ludwig Brandt: a) An einen Dichter dieser Zeit, b) Der Welt entfliehen, o) Ans den Mönchs- liedem(Gelesen von Oskar Ludwig Brandt). 5—6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschlii�o fürs Haus, Theater- und Pilmdienst. 6 30 Uhr abends: R. Herdman Pender: Aspects of modern England(Eduoation. Oxford and Cambridge!(In englischer Sprache). 7.05 Uhr abends: Regiernngsrat Scherek: Dalmatinische Reiseeindrflcke(Ragusa). 7.30 Uhr abends; Dr. Weller: Die Anmeldung der Länder and Qemeindeanleihen. 8 Uhr abends: Hans-Bredow-Sohnle(Bildnngskurse). Abteilung Philosophie. Dr. med. Alfr. Beyer: Lebenstüontigkeit und Lebenserfolg(Charakter). 8 30 Uhr abends: Ludwig-Hardt-Abend. 1. W. v. Goethe: Die Welt ist lieblich anzuschauen. 2. Gottfried Keller: Der Narr des Grafen von Zimmern. 3. Gustav Wied: Stinktonne. 4. M. Claudius: Schreiben eines parforcege jagten Hirschen. 6. Klaus Groth: Matten Has. 6, Klaus Groth: He muoh ni mehr. 7. G. de Maupassant: Menuett. 8. G. A. Bürger: An das Herz. 9. H. Chr. Andersen: Die Prinzessin auf der Erbse. 10. Th. Storm: Der kleine Häwelraaun. II. Gebr. Grimm: Has und Swinegel. 9.30 Uhr abends: Stimmen verstorbener Künstler. Prof. Dr. Joseph Joachim, Violine, geb. 1831. gest. 1907: Brehms: Ungarischer Tanz. D-Moll Nr. 2. 2. Josef Kamz, Hofsohauspieler, Wien, geb. 1859, gest. 1910: Shakespeare: Monolog ans, Hamlet''. 3. Leopold Demuth, k. k, Kammersfinger, Wien. geb. 186t, gest. 1910: Lortzing: Nun ist's vollbracht, Arie aus der Oper„Undine". 4. Marie Goetze. Kammersängerin, geb. 1865, gest. 1922: Boieldieu: Spinnlied aus.Die weiße Dame". 5. Paul Knüpfer, kgl. prenß. Kammersänger. Berlin, geb. 1866. gest. 1920: a) Lortzing: Auch ich war ein Jüngling, ans.Waffenschmied", b) Mozart: 0 Isis und Osiris aus„ZauberflCte". 6. Alexander Heinemann, Kammer- sänger. Berlin, geb. 1872, gest. 1918: Leise flehen meine Lieder, Ständchen von Schubert(Grammophoni>latten). T.Adolf Lieben(genannt Adi), Berlin, geb. 1867, gest. 1824: Müchler: Im rieten Keller (Vox-Platte). 8. Alexander Girardi. geb. 1850, gest. 1918: a) Pick: Fiakerlied, b) Kreutzer: Hobellied aus»Der Verschwender*. 9. Francesco Tamagno, geb. 1851, gest. 1905: Verdi: Tod des Othello ans»Othello"(Grammopbonplatten). 10. Josef Mann, Berlin, geh. 1879. gest. 1921; Bizet: Blumenario aus»Carmen'(Odeon-Platte). 11. Enrico Caruso, geb. 1873, gest. 1921: sl Massenet: Ich bin allein aus»Manen", b) Cressenzo: Huznoristisoher, neapolitanischer Gesang aus»Tarantella", c) Mascagni; Abschied von der Matter aus »Cavalleria Rnsticana"(Grammophonplatten), d) Meyerbeer: Land so wunderbar aus»Afrikanerin", c) 1 erdi: Holde Aida aus»Aida" (Elektrola-Platten). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnaohrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Fümdienst Königswusterhausen, Sonnabend, den 30. November. 3— 8.30 Uhr nachm.: Prot Dr. Amsel, Oberschullehrer Wester- mann: Einheitoknrzschrift 3.30—4.00 Uhr nachm.: Postrat Behrend: Esperanto. 4— 4 30 Uhr nachm.: FrL Marg. Schmidt: Die Frauenarbeit in der Bekleidungsindustrie. 4.30—8 Uhr nachm.: Das Neueste aus der pädagogischen Zeitschriftenliteratur. 5—5 80 Uhr abends; Dr. A. Dietrich: Rudolf Backen. Der Mensch und sein Werk. 5.30— 6 Uhr abends; Aug. Ellingcr: Die Arbeitersiedlung. 6— 6.30 Uhr abends; Prof. Dr.-Ing. Schlesinger: Die Gewinde und ihre Normung. 6.30—7 Uhr abends: Dr. Michaelis: Zahnheilkunde und Sport 7—7.30 Uhr abends: Dr. Mersmann: Die deutsche Oper von Mozart bis Schreker. 7.30—8 Uhr abend«: Geh. Reg-Rat Prof. Dr. Waetzoldt: Das Wesen dar deutschen Kunst Ab 8.15 Uhr abends: Ueh ertragung aus Breslau. Verhältnis zu dem Nelneitiuge des Jahres 1925 steht, ist tote folgt zu verfahren: Die Steuer ist insoweit zu ermäßigen, als sie auf den Teil der Miete entfällt, der über 50 Proz. des Rein» ertroges(ohne Miete) hinausgeht. Die Steuerermäßigung für 1925'und 1926 findet ihre Grenze nach unten lediglich in dem Betrage, der als Vorauszahlung nach dem Umsatz im Jahre 1925 gelesstet worden ist oder zu leisten gewesen wäre. Der Ausschuß hat dazu folgende Ensschließung gefaßt:„Es soll der Magistrat ersucht werden, dabei aber in den Fällen unter Ziffer 1 der vorstehenden Richtlinien durch Stundung der Steuer offenbaren Härten zu begegnen und die unter Ziffer 3 vorgesehene Regelung auf die Fälle zu beschränken, in denen die Miete 20 000 M. nicht übersteigt: bei höherer Miete soll Prüfung von Fall zu Fall erfolgen."'_ Tierarzt Dr. Gaul außer Verfolgung. Revision zurückgezogen.— Zweites Verfahren eingestellt. Durch eine Lücke des Reichsfleischbeschaugrsetzes schlüpft der TierarztDr. Max Gaul, durch dessen Verschulden die Massen- Vergiftungen in Herzfelde und Kalkberge verursacht worden sind: er geht gänzlich straffrei aus. Wie erinnerlich, schwebte schon vorher gegen Gaul ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung und Vergehens gegendas Fleischbeschaugesetz. Er wurde aber vom Schöffengericht Lichtenberg und der Strafkammer des Landgerichts III freigesprochen. Dieses Urteil ist nunmehr rechts- kräftig geworden, nachdem die Staatsanwaltschaft ihre beim Reichs- gericht eingelegte Revision zurückgezogen hat, da sie sich der von dein Verteidiger vertretenen Auffassung anzuschließen genötigt war,� daß infolge einer Lücke im Fleischbeschaugesetz ein B e r st o ß d e s T i e r- a r z t e s gegen die Bestimmungen nicht strafbar sei, wenn nie- mand durch den Genuß des Fleisches erkrankt ist. Auch das zweite Strafverfahren gegen Dr. Gaul, das zunächst nicht nur wegen fahrlässiger Körperverletzung, sondern auch wegen fahrlässiger Tötung auf Grund der Massenvergif- tungvon161 Personen«ingeleitet worden war, ist nunmehr eingestellt worden. Ein Zusammenhang zwischen den Massen- erkrankungen und der Tätigkeit des Dr. Gaul ließ sich nicht fest- stellen. Eine fahrlässige Tötung kam überhaupt nicht in Frage, da sämtliche Personen, die nach dem Genuß des mit Paratyphusbazillen infizierten Fleisches erkrankten, wiederhergestellt worden waren. Im Laufe des Ermittlungsverfahrens ergaben sich noch mancherlei An- Haltspunkte dafür, daß der Tierarzt Dr. Gaul seine amtliche Tätigkeit in recht eigenartiger Weise ausgeübt hat. Ein Abdecker hatte angegeben, daß er bei einem Landwirt ein krankes Pferd angetroffen habe, das einen blutigen und eitrigen Ausfluß an der Rase hatte und ganz zusammengebrochen war. Auf den Einwand, daß das Fleisch von viesem Pferde doch nicht für die menschliche Nahrung geeignet sei, soll der Besitzer geäußert haben: »Das lassen Sie meine Sorge sein, ick finde schon jemand, der das Tier abstempelt."' Tatsächlich erfolgte dann auch durchDr. Gaul. wie sich ergeben hat, die Freigabe des Fleisches. Auch in diesem Falle schützte Dr. Gaul die Lücke im Fleischbeschaugesetz gegen eine Strafverfolgung, denn dieses Fleisch von einem kranken Tiere ist hinterher doch nicht in den Verkehr gekommen, so daß niemand erkranken konnte. Dr. Gaul ist im übrigen nunmehr die Berechti- gung zur öffentlichen Fleischbeschauung endgültig entzogen worden. „Deutsche Republik" am Potsdamer Platz. Zwsschen dem Potsdamer Bahnhof und dem Ufahaus liegt vor dem Eingang zum Untergrundbahnhof ein schöner freier Platz, den sich ein halbes Dutzend Zeitungshändler oder wohl noch einige mehr erkoren haben, um ihre meist nationalen und völkischen Blätter an- zubieten. Auch steht dort meisten» ein Mann, der sich seinen Zeitungsstand mit Hakenkreuzfähnchen neckisch dekoriert hat. Niemand nimmt daran Anstoß. Niemand empfindet die Zeitungsmänner, als Verkehrshindernis. Republikaner und Sozialisten sind liberal. Nun ist da plötzlich ein neuer Mann aufgetaucht. Er hat ein schönes geschmackvolles und sehr auffallendes Plakat in Schwarzrot- g o l d und bietet die neue von Dr. Wirth, L ö b e und Haas heraus- gegebene Zeitschrift„Deutsche Republik" an. DieserMannwird als Verkehrshindernis empfunden. Zunächst von ein paar Hakenkreuzlern, die wie die Schuljungen zum Lehrer zum Herrn Schupo gehen und sich über Verkehrshemmung durch den Mann mit Schwarzrotgold beklagen. Und der Schupo bedeutet tatsächlich den Mann, daß er mit seiner„Deutschen Republik" und seinem Schwarzrotgold ein Verkehrshindernis sei. Also wieder ein- mal eine Melodie, die nicht neu ist. Um es aber kurz zu machen: Es soll niemand geraten werden, sich an den Mann mit Schwarz- rotgold heranzumachen. Von der Polizei aber wird er- wartet, daß sie ihn gegen Anrempewngen, Anpöbeleien und Denunziationen der Nationalen schützt. Erwerbslose Jugend und Kriminalität. In der„Vereinigung der Iugendgerichtshelfer", die allmonatlich ihr« Sitzungen abhält, sprach kürzlich Genosse Paul W e g m a n n über die Hilse für die erwerbslose Jugend. Was er erzählte, und was von den anwesenden Iugendhelfern zu dem Thema gesagt wurde, war ebenso lehrreich, wie beweisend für das noch völlig Unzulängliche, das bis jetzt von der Stadt Berlin für die erwerbslose Jugend getan worden ist. Man darf ruhig sagen, daß es ein Tropfen im Meere ist, daß man an die Lösung des Problems noch gar nicht richtig herangegangen ist�und es in seiner ganzen Fülle noch gar nicht angefaßt hat. Das würde auch Mittel erfordern, die vorläufig gar nicht zur Verfügung stehen. Paul Wegmann. Leiter der Hilfstätigkeit an der erwerbslosen Jugend in Schöneberg, sprach von seinen Erfahrungen. Etwa 40 bis 50 erwerbslose Jugend- liche— also ein ganz kleiner Teil der erwerbslosen— gehören hier seiner Gruppe an. Der Bestand sst wechselnd. Es handele sich nach Sfauitm �izvonukt (fesb Sie yiiffit djci e», 'Wn StXudisAM* cleMi flaMU kükdite* au du/HuHsUehmtUM vutfnkM sp&tuu», dm WH' effww) Mr/t fyUAatjbri Cint Muudyw&tnfy fnit c. OD OL . dtAifatdwi /fiW-, ..cir?... Unterhaltung unö �Vissen Ueber öas nächtliche Meer. Don Max Barchel. Wenn der erwachsene Mensch nach langen Jahren wieder ein- mal die Wege der Kindheit geht, geschieht es ost, daß er mitten im Wandern erschrocken stehen bleibt. In seiner Erinnerung wuchsen wilde Berge, schwarze Täler brüteten dumpf, endlos dehnten sich da- mals die Straßen, und in den sausenden Wäldern saß das Grausen. Aber nun ist der Mensch erwachsen. Die Berge sind sanfte Hügel geworden, die Täler Fruchtschalen des Sommers und die Landschaft, die ehemals die Kinderseele geisterhast überfiel, liegt jetzt still und ruhevoll über der Erde. Weiße Wolken schweben im Himmel und sind wie schwellende Segel auf dem Räubcrschiff des?J?aniics, der über alle Grenzen in die Unendlichkeit hinausfahren will. Auch wir waren erwachsen und gingen im nächtlichen Gespräch noch einmal die Wege der Kindheit. Daß waren die dunklen Wege um den Bissen Brot, das enge Tal verstümmelter Kindheit, aber schon leuchteten die Sterne der Hoffnung. Wir erlebten jene Tage im Gespräch auf einem Küstendampfer zwischen Genua und Neapel, der Anstreicher Scheffel aus Wien, der in Nizza wegen Vagabundage aufgegriffen war und jetzt in seine Heiniat abgeschoben wurde, der achtzehnjährige Bäcker Hill aus Freiberg und der Arbeitsbursche Barchel aus Dresden. Die Lichter von Genua waren schon lange ausgelöscht. Der Sturm kam und hob und senkte unser kleines Schiff. Wir konnten nicht schlafen und standen am Berdeck und waren ergriffen und be- geistert von der brausenden Wüste des Meeres. Lange bleiben wir stumm, aber endlich brach Scheffel das Schweigen. „Auf und ab," sagte er.„Auf und ab wie das Meer geht auch das Leben. Wir werden erhoben und in alle Tiefen geschmissen. Wir sind ruhelos und allen Stürmen frei gegeben. Wie schön müßte das sein, auf festem Land zu leben. Ich komme nämlich von Nizza. Mit Hunden werden dort nachts die Palmengärten und Oliven- Haine nach den Vagabunden abgesucht. Mich haben sie aus einem Weinberg herausgeholt. Vier. Wochen saß ich im Gefängnis. Dann wurde ich abgeschoben." „Und was willst du tun?" fragte ich.„An der Grenze werden sie dich wieder greifen und in ein Arbeitshaus stecken." „Das weiß ich," antwortete Scheffel.„Aber in Brindisi baue ich ab und mache mich unsichtbar. Neue Papiere Hab' ich schon. Arbeitshaus, weißj� du, Arbeitshaus ist beinahe so wie ein Galgen. Und mein Lehrer hat mir immer prophezeit," setzte er verbittert hinzu,„daß ich einmal an einem Galgen enden würde." „Tröste dich mit mir," lachte der junge Hill.„Auch ich soll ja im Zuchthaus enden. Die Lehrer sind schlechte Propheten. Erzähle mir lieber, warum du unbedingt an den Galgen'sollst." „Das ist bald erzählt," sagte der Schübling.„Wir waren arm, weißt du. Deshalb der Galgen. Als ich das letzte Jahr die Schule besuchte, wurde eine Statistik angelegt. Wenn schon Elend in der Well ist, dann soll es wenigstens statistisch erfaßt werden! Die Hauptsrage hieß, ich weiß es noch ganz genau:„Was ist dein Vater?" Diese Frage war wie eine Schlinge, in die ich meinen Kopf gelegt habe. Was war mein Vater? Die Vater der Kameraden waren Gärtner, Schutzleute, Händler und kleine Beamte, Fabrik- arbeiter und Straßenkehrer. Nur mein Vater war nichts. Er war ein arbeitsloser Steinmetz, dem der seine Sandstaub die Lunge zer- sressen hatte. „Und wo arbeitet dein Vater?" fragte der Lehrer. „Mein Vater ist krank," sagte ich.„Aber er sucht jetzt Arbeit." „Dein Vater sucht jetzt Arbeit?" wiederholte der Lehrer, der mich nicht liebte.„Womit sucht denn dein Vater Arbeit, Scheffel? Mit dem Schubkarren oder mit dem Opernglas?" Die ganze Klasse lachte. „Nein, Herr Lehrer," sagte ich, das Herz voller Scham und Wut.„Mit seiner zerfressenen Lunge, Herr Lehrer!" „Und auf die Antwort hin wünschte dich der Lehrer an den Galgen?" fragte Hill. „Darauf wünschte er mir den Galgen, ganz recht, Hill," sagte Scheffel.„Seht," fuhr er fort,„so ist das Leben. Ein heulendes Auf und Ab. Als ich aus der Schule kam, starb der Vater. Ich kam in die Lehre und lief davon. Bis nach Nizza. Und dort unter Mandelblüten und Palmen wurde mir erst klar, daß der Lehrer grausam recht hatte mit seinem Doppelbild vom Schubkarren und Opernglas. Die Sache ist nämlich so, daß der Arme wie aus einem Karren sein Elend durch die Straßen sährt, die zerfressene Lunge, die kranke Brust, das kleine Bündel Hoffnung, den großen Packen Verzicht. Dagegen aber steht der Reiche, der sowieso schon alles hat, und was seinem Blick dennoch entgehen sollte, er findet es doch heraus, denn er hat die schärfsten Gläser auf dieser Welt: viel Zeit und noch mehr Geld." Der Himmel war, als dieses Gespräch ging, schwarzer, zerfetzter Purpur. Der Sturm heulte und brüllte aus tausend Mäulern, und zu seiner verrückten Sinfonie tanzte das kleine Frachtschiff, bestieg zitternd die schweren Wasserberge und stürzte dann angstvoll in die abgründigen Täler. Für einige Sekunden blitzte auch das Feuer eines Leuchtturms von der unsichtbaren Felsenküste auf und war wie das weiße, flammeiche Auge eines Wahnsinnigen. „Und nun will ich euch sagen," begann der junge Hill,„warum mir das Zuchthaus prophezeit wurde. Das ist auch so eine ver- dämmte Geschichte, Scheffel, wie die deine, die wie ein Schatten neben einem hergeht und das Herz verbittert. Meine größte Kindersehnsucht war, einmal nicht mehr in ge- flickten Kleidern herumzulaufen. Ich malte mir aus, wie herrlich das sein müsse, eines Morgens aufzustehen, auch innerlich ein neuer Mensch, und mit spitzen Fingern die alten Lumpen zu verbrennen. Vielleicht muh man dazu singen, ich weiß es nicht, aber ich habe das Gefühl und damals hatte ich auch die Melodie. Ja, und dann zieht man neue Kleider an. Das Hemd duftet nach Sonne und Wind. Die Schuhe knarren und riechen nach jungen Pferden. Die Strümpfe schmeicheln sich wie zwei junge Katzen um die Füße. Der Anzug aber macht nachdenklich und feierlich, so sonntagsschön ist er. Hundertmal habe ich mir das ausgedacht, wenn ich im letzten Traum lag und der kalte Tag kam. Aber niemals bekam ich neue Kleider. Und dann vergaß ich auch das Lied, das ich singen wollte. Einmal kam das Lied ganz nahe, denn eine entfernte Tante schickte zu Ostern getragene Kleider, die für ihre Kinder zu schlecht, für uns aber noch zu gut waren. Für mich lag ein Anzug dabei, der erste und schmerzlichste meines Lebens. Ich weiß noch, wie stolz ich damit zur Schule lief. Wie ein Segelschiff mit neuer Leinewand lief ich ich aus, aber meine Segel wurden bald zerfetzt. Der Lehrer(es muß so ein Gesetz sein, daß für die Launen eines Erwachsenen das Kind zu büßen hat), der Lehrer nämlich war kein richtiger Lehrer im tiefen Sinne des Wortes, denn er verhöhnte mich und meine Armut. Warum? Weil ich nicht mehr in Lumpen zur Schule kam? Ich weiß es nicht. Um ihn ganz zu verstehen, müßte man wohl selber Schulmeister werden. „Hill," sagte er gleich in der ersten Stunde,„Hill, wie siehst du heute aus? Habt ihr geerbt oder das große Los gewonnen?" „Nein, Herr Lehrer," sagte ich,„wir haben nicht das große Los gewonnen und geerbt haben wir auch nicht. Aber enterbt sind wir." „Enterbt?" wiederholte er, denn er lebte ja in einer ganz an- deren Welt und sprach eine andere Sprache als wir.„Wie meinst du das, Hill?" Ich hatte das Gesühl, er wisse, was ich meine. Und deshalb blieb ich stumm. „Willst du endlich antworten, wenn dich dein Lehrer fragt?" drohte er endlich. Die preöigt öes Herrn v. Campe oüer Da lachen öie Hühner! .... Monarchische Gesinnung darf nicht fernhalten vom Dienst an der Republik, oarf den Monarchisten nicht zurück- lialten, darf den republikanischen Staat nicht veranlassen, den Monarchisten-um Dienst am Staat nicht zuzulassen." (Herr 0. Campe in der ,TSgI. Rundschau". „Weil wir die Armen sind," sagte ich tapfer,„und die Armen (das hatte ich mit brennenden Augen in der Zeitung gelesen), die Armen, Herr Lehrer, sind die Enterbten aus der Welt."' „Und was war dann?" fragte Scheffel, als Hill lange genug geschwiegen und in das ferne Licht des fernen Leuchtturms gestarrt hatte.„Und was war dann, Hill?" „Dann war weiter nichts. Dann prophezeite mir der Lehrer das Zuchthaus, weil ich angeblich so frech geantwortet hatte," sagte Hill. „Mein Vater starb mit vierzig Jahren an der Schwindsucht," begann der junge Wiener ein neucs Gespräch.„Ich war vierzehn Jahre alt, als mein Vater starb. Er war der erste Tote, den ich gesehen habe. Wenn in den alten Sagen und Geschichten die Helden sterben, Hill, die Könige und Heerführer, da hüllten sie sich in purpurne Gewänder und versammelten ihre Knechte und Dienst- leutc und segneten oder verfluchten. Wenn sie auf dem Schlachtfeld sielen, kamen Walküren und trugen sie in das Licht. Mit Balsam wurden ihre Wunden gewaschen. Dann standen sie aul und waren unsterblich. Mein Vater starb aus dem Bett der armen Leute. Ruhelos lag er da, den Tod vor den Augen. Uns hatte er aus dem Zimmer geschickt. Er wollte einsam sterben wie ein Tier, das sich auch in die dunklen Wälder verkriecht, wenn das Ende kommt. Ehe er aber starb, blühte er noch einmal auf. Er lief umher, die eingefallene Brust voll neuem Mut. Die Flamme des Lebens brannte sichtbar in ihm. Er schwärnüe vom Frühling, der ihn ganz gesund machen würde. Auch von seinen Wanderschaften in das barbarisch schöne Rußland hinein erzählte er, von sternllbersäten Nächten in der ukrainischen Steppe, wo das Gras und die Blumen mannshoch wachse». Als aber der Herbst mit ersten Regenschauern einsetzte, legte sich der Vater auf das harte Lager und in der ersten Herbstnacht ist er gestorben. Ich bin einmal im Traum gestorben, Hill, und habe jetzt keine Angst mehr vor dem Tode. Es war in Wien und wir saßen zu Hause eng und warm um einen Tisch. Im Nebenzimmer spielte ein Klavier. Die Musik trapste in unsere Herzen, so schön war sie, Hill. Alles war dunkel, nur eine einzige Kerze brannte. An die Fenster trommelte der Regen. Wißt ihr, es war so eine süße Stunde der Ruhe und Sammlung gekommen, wie sie manchmal nach schwerer Arbeit da ist. Alles ist getan auf der Welt, das Werk geht weiter, nur Nacht ist noch da, weiche, warme und mütterliche. Ja, die Kerze flackert auch noch und löscht aus. Und so möchtest du auch ausgehen und verlöschen, Hill, wie eine weiße Kerze mit goldenem Feuer in der regnerischen Nacht... Als mein Vater starb, wußte ich noch nicht, daß der Tod so be- seligcnd sein kann. Als wir Kinder den Tod zum erstenmal sahen, da schrien wir auf. Da weinten und klagten wir. Vater hatte ein ganz puppenhastes und abweisendes Gesicht. Die Augen waren kalt und fern und blickten nach der Decke des Zimmers und waren so sonderbar, daß sie sicherlich durch die Mauern sehen konnten. Den Mund hatte der Vater ganz ungläubig verzogen, vielleicht so, Hill, wenn man uns die Geschichte von: Storch erzählen wollte. Das Begräbnis ging schnell vorbei. Jede Sekunde stirbt ein Mensch. In jeder Sekunde wird ein neuer Mensch geboren. Der Herr Pfarrer war ein alter und hastiger Mann, der über die Ver- gänglichkeit aller Dinge in sonderbarer Eile sprach und sich abhetzte, als dürfe er eine wichtige Besprechung mit einem lebendigen Freund nicht versäumen. Zu Hause standen auf den Tischen wundervolle Speisen, die wir früher niemals gegessen hatten, als der Vater noch lebte. Wir hatten auch Trauergäste, und die sprachen nur ganz leise miteinander. Einmal, Hill, stand die Mutter plötzlich vom Tisch auf und lief weinend in das Sterbezimmer und streichelte das Bett vom Vater. Als sie wieder zurückkam, erzählte sie, daß in der Sterbcnacht ein Hahn dreimal laut gekräht habe. Und auch die Uhr sei stehen geblieben. Als der Maurer Rosenbusch starb, erzählte die Tante Berta, siel ein Bild von der Wand, und der Sohn, der als Matrose in Japan abgemustert hatte, härte„Johann" rufen und fuhr mit dem nächsten Dampfer nach Deutschland zurück. Die Witwe Werner lag im Sterben, erzählte Tante Erna, ihre Tochter war in Berlin und ver- schollen. Jahrelang hatte sie nicht mehr geschrieben, kein Sterbens- wort, aber in der letzten Stunde der Mutter kam sie heim. Die Sterbende streichelte ihr Haar und sagte:„Ich wußte, daß du heim- kommst, Gertrud, ich habe dich gerufen. Nun kann ich ruhig sterben." Und sie starb. Auch wir hörten diese Geschichten, Hill, und als die Verwandtschaft auseinanderging, da sagte die Tante Erna zur Mutter:„Weißt du, Schwester, ich will dir nicht weh tun, aber eigentlich kannst du froh sein, daß Vater gestorben ist. Zuletzt ist er ja nur ein unnützer Esser gewesen." „Seht," so schloß Scheffel seiney Bericht,„das war, als' Dater lebte und starb und kurz nach der Zeit, als mich der Lehrer an den Galgen wünschte, weil ich sagte, Vater suche mit der zerfressenen Lunge nach Arbeit." Hill, der die ganze Zeit in die wüsten Wasserberge gestarrt hatte, wandte uns plötzlich das Gesicht zu und sagte unvermittelt: „Gute Nacht." Wir sahen uns an und waren verbittert, denn auf einer nächtlichen Meeresfahrt sollte man schon von anderen Dingen reden als von grauer Kindheit, herzlosen Lehrern und sterbenden Vätern. Der Sturm hatte auch nachgelassen. Durch treibende Wolken schimmerten die Sterne. Der Morgen war nicht mehr fern. Schon grüßte der östliche Himmel. Dei öen Ppgmäen von Neuguinea. Die Untersuchungen, die man über die Pygmäen(Zwergvölker) angestellt hat, haben ergeben, daß sie in früheren Zeiten"in den verschiedensten Gegenden vorgekommen sein müssen. Aus Sizilien und Sardinien hat man Spuren von ihnen gefunden, und zu Beginn dieses Jahrhunderts wurden bei Schaffhausen Skelette ausgegraben, die nach Anficht der Gelehrten von europäischen Pygmäen aus dem Neolithikum(jüngere Steinzeit) herrührten. Desgleichen fand man nicht nur in Afrika, sondern auch in Asien und Ozeanien Zeugnisse dieser merkwürdigen Menschen. Schon im Jahre 1910 hatte" eine von der Britjh Ornithologists Union ausgesandte Expcoilion in Holländisch-Neu-Guinea Pygmäen entdeckt, sich aber nicht näher damit befaßt, da sie zu Studien der Vogelwelt ins Land gekommen war. Holländische Forscher haben neuerdings das Gebiet durchstreif! und entwerfen von ihren Erlebnissen in holländischen Blättern einen anschaulichen Bericht. Sie waren zur Untersuchung der Bodenschätze in eine Berggegend gekommen, und bezogen an einer Waldlichtung ihr Lager. Es wehte eine frische Höhenluft, die die Reisenden zwang, während der Nacht ein großes Feuer zu unterhalten. Die schwarzen Träger schliefen am Rand eines Bergbaches; sie suchten mehr a!s sonst die Nähe der weißen Führer auf: offensichtlich empfanden sie Unruhe. „Mitten in der Nacht." so heißt es in dem Bericht des Führers der Expedition,„wachte ich plötzlich auf und sah in den Blättern des Baumes, unter dem ich schlief, ein schwarzes Gesicht teuflisch grinsen: im Widerichein des brennenden Feuers schien es mir wie ein abscheuliches Gespenst. Ich glaubte geträumt zu haben, und legte mich auf die andere Seite, um wieder einzuschlafen. Da Plötz- lich fuhr neben mir ein Pseil in den Boden. Augenblicklich erhob ich mich, um zu sehen, was es gäbe, als ich auch schon einen Kameraden rufen hörte:„Hinüber auf die andere Seite des Bachs! Die Bäume sind voller Affen: sie wollen angreifen!" Wir folgten diesem Rat. Bald bemerkten wir, daß wir es mit Pygmäen zu tun hatten, und während wir den Tag erwarteten, hielten wir Kriegsrat, wie wir uns gegen diese Angreiser verteidigen sollten. Es wurde hell. Zu Dutzenden, dann zu Hunderten sahen wir die kleinen Wesen vpn den Bäumen hcrabklettern und sich uns nähern, wobei sie durch Gebärden zu erkennen gaben, daß sie nichts Böses im Schilde führten. Sie waren außerordentlich klein von Gestalt. Die Längsten unter ihnen maßen höchstens 1,20 Meter. Ihr Körper war mit' langen Haaren bedeckt, was meinen Kameraden zur An- nähme verleitet hatte, es mit Affen zu tun zu haben. Wir tauschten Höflichkeiten aus, gaben unseren neuen Freunden ein Morgenkonzert und versahen sie mit Tabak, einer Schachtel Streichhölzer und einigen anderen Kleinigkeiten, wovon sie sichtlich entzückt waren. Man unter- hielt sich mit Zeichen und Gebärden so gut es ging» und schließlich luden uns die Zwerge ein, sie in ihrem Dorf zu besuchen. Mr gingen mit und sielen von einem Entzücken ins andere. Wir be- fanden uns plötzlich in einer Gegend außergewöhnlicher Schönheit. Herrliche Vögel mit leuchtendem Gefieder sangen in den Zweigen: einige Arten davon waren uns noch völlig unbekannt. Dann mußten wir durch das Gebiet eines schwarzen Stammes marschieren, der im Gegensatz zu unseren Gastfreunden aus wahren Riesen bestand. Unser Trupp«nachts Halt. Eine Pygmäengejandtschast sprach bei dem Häuptling des Stammes vor, bei dem offensichtlich dem Kanni- balismus gehuldigt wurde, und erwirkte von ihm freies Geleit für uns. Schließlich kamen wir i» das Pygmäendorf. Auf dem Platz vor der Hütte des Häuptlings, die, wie die übrigen Behausungen der Zwerge, sehr niedrig war, wälzten sich Schweine im Schlamm. Zu unserer Verwunderling bekamen wir unter dem herbeiströmenden Volk keine einzige Frau zu Gesicht. Wir erkundigten uns nach dem Grund und erfuhren, daß die Frauen in den Hütten waren, und daß es ihnen verbaten ist, fremde Männer zu sehen. Wir blieben mehrere Tage als Gäste bei den Zwergen und wurden auis freund- lichste behandelt. Beim Abschied überhäufte man uns mit Geschenken. Auf die Frage nach ihrer Herkunft antworteten uns die Pygmäen, daß sie seit vielen Jahren in dieser Gegend wyhnten, und daß sie aus einem Sonnenland mit vielen Flüssen dorthin gekomnten seien." Man lernt nie aus. Aus einem Stück Stahl, das einen Meter im Quadrat mißt und einen Zentimeter dick ist, lassen sich JZ00 Stahlfedern herstellen. * Der Stern Neptun wurde von" Galle in Berlin 18�6 entdeckt, nachdem Le Verrier(Paris) die Notwendigkeit seines Vorhanden- scins durch Rechnung erwiesen hatte. -» Bei schwer Lungenkranken sammeln sich in einem Tropfen Blut bis zu S00 000 Tuberkelbazillen. Kammersplele Norden 10334—38 81/«Uhr: UWi 4 Aatfätangai! UWI!l!.WW von Tristan Bernard Regie: Eug. Robert für Qlas g Porzellan bewährt 7 sich' die Reinigung *% s, durch leichtes_ Hbreiberi. mit .«••%. pÄ VIM au! recht nassem Lappen. VIM kratzt und schmiert nicht. VIM putzt auch Türen, Herd, ■ V � Geschirr und Bestecke. Verbesserle Packung SOPfg. 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Wünzstratze 24. aillMuaichek. ssür die Bahlootfchlä«««elUn die « 7 uttb 8 der Wahlerdnnng ent. sptechend,|«d?ch genügt für dte Wohl. dU iLurschtiri min d _______ Die Wahlnetsch � werden 00» de» Botsiond nach der -"»folge ihte» Eingänge*«lt Ord- nusasnuntmer» versehen und lennen, soweit ft« zugelassen sutd. oon den Au*. dmUntUgliehtm 14 Sage vor der Wahl » gassenlokal wähtrnd der Reit werk. täglich von 8—1 Uhr«ingesehen werden. Di, Stimmabgabe ist an dies« Wahl. Vorschläge aebunden. Sind auf gülligen BoblnorschlSgen i« ganzen mit soviel wählbare Bewerber benannt, wie BorstandslnUgUe. der zu wählen find, so gelten sie gemäß M 10 und 28 der Wahlordnung ols Iii. Zm übrigen gellen für die die zntforechenden Befttmmungen ___ rfcung und der Wahlordnung. Sie Vertreter im Aueschust erhalle gemäß b 24 dar Wghlporschrifien noch »in« schttftftch« Mitteilung über die Bornahme der Borstandswahlen. BerN». de« 18. Ziovember 1925. SR.<8 utsch e, Bor fitzender. S. Bemalt». Schriftführer. KONSUM Genossenscliafl Berlin n. Ifoigegeiul, e.G,in.li,H. 230 Lebensmittelabgabes�ellen Cervelatwurst GEG... pkd. 1»80 Salamiwurst GEG...„ �,80 ttolsteiner plockwurst GEG n 1»80 Deutscher fetter Speck.„ 1,40 I a amerik. Rohschmalz.» 0,75 6E6 Gemttse- u. Obsffionserven Junge Brechbohnen 2 Pf d.-Dose 0,7 0 « 0.70 - 0.70 n 0,80 n 0.90 * 0.60 • 0,75 *9 0,80 . 0,65 Junge Schnittbohnen 2 Gemüse-Erbsen. 2 Junge Erbsen.. 2 Leipziger Allerlei. 2 Spinat la.... 2 Heidelbeeren.. 1 Pflaumen.... 2 Stachelbeeren.. 1 Pflaumen-Konfitüre.. Pfd. 0,60 Deutsches Pflaumenmus.» 0,42 Zuckerhonig...... 0,40 Kakao K G.. V« pick. SeotBl. 0,1 7 Kakao GEG braune Packung op V« Pfd. Paket.(1,40 Kakao GEd blaue Packung ix t%s V« Pfd. Paket. U.OO Kakao GEG � Q O V goldene Packung, Ve Pfd. Paket Reis I, Karoiiner.. Reis II, Kronen-Patna Reis III, Moulmain. Bruchreis Moulmain 0,45 Pfd. 0,50 0,44 0,30 0,24 » 9» 9» Weizenmehl I .... Pfd. 0,26 Weizenauszugsmehl Diamant„ 0,30 Weizenauszugsmehl Diamant in Leinenbentel..... k 5 Pfd. 1 ,65 Melis-Zucker... Kristali-Zucker.. Raffinade-Zucker P. 4 Pfd. 0,34 0,36 0,38 « n Prima SpelscKartoOeln weiße....... 10 Pfd. 0,45 rote....... 10„ 0,53 Die Abgabe der Waren erfolgt nur an Mitglieder Die Aufnahme» gebühr betrigt 50 Pfg. Jedes Mitglied bat das Recht, in sind. Abgabe- steilen der Konsamgenossen- sebaft seinen Bedarf zu decken. WM MelallartieitrVeM Verwaltungsstelle Berlin Den Kollegen zur Zisch richt. daß unser Kollege, der Former Otto Karls am 18 Ziovemder gestorben ist. Ehre feinem Andenkens! Die Einäscherung findet am Man» tag. den 22. Ziovemder. nachmittag« 5 Uhr, im Srcmotortum Gericht» strotze statt. Ziege Beteiligung erwartet VI. OrtsverwaltzuiK» Ocffeutliche Bekanntmachung betreffend Offenlegung der«an den Srnadwertauolchüsscn nach dem Stande >m 1. Zauuar ISA feftgeftellte» Sin» heitowerte. Semäß 8 38- der»Anofilhrungs- beftimmungen»um Zieichsbewertunos- gesetz fitx die erste Feststellung der Sin» beitswerte und zum Bermozenssteuor» gesetz für die Bergnloaung 1SZ5 und 1928- vom 14. Mai 192« sZieichsmini» sterialdlatt Seite 308) gebe ich befannt. daß die Offenlegung im Bezirk des Zandesfinaazamt* Berlin bei den Finanz» Smtero Spandau. Zehlendorf, Stegliz. Tempelhof. Zieukälln, vbetsprec. Oft und Nord in det Zeit vom 1. bis ein. lieblich 31. Dezember 1926, bei den rjgen Finanzämtern des Bezirks In der Zell vom 20. November bis ein» schfietzlich 20. Dezomber 192« stattfindet. Die Offenlegungslisten können bei den Finanzämtern werktäglich»v»» bis 1 Ildr eingesehen w«:d«n. Berlln, den 20. November 192«. See PräsSent d.Loodesfinanzawt* Berlin. MM Zprwgsre Orohgnrage und'TankrteUe Tag unä Nocht geöffnet Auto- Reparatur- Werkstatt Femspr. Norden 1276 o. Alexander 4373 Lothringer Str. 107« Ecke Linien- strafe 14. am Prenzlauer Tor. aal Tdliaiiiniii!! K:: Garderobe MiatcU Ulster. 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Die Freiheit, die den Bezirken in ihrer Hilfs- tätigkeit gewährt ist, soll zu einem gewissen Wirrwarr geführt haben. Diesem Durcheinander zu steuern, ist Aufgabe der neuen Leitsätze, die im Oktober d. I. von der Konferenz der Dezernenten aus- gearbeitet wurden. Im Verlauf« der D i s k u s s i on wurde die Kritik, die von Paul Wegmann on der Berliner Hilfstätigkeit geübt worden war, noch weiter ausgebaut. Der Düsseldorfer Versuch, die Jugend mit produktiver Arbert zu beschäftigen, wurde herangezogen; die Gefahr, die der Arbeiiszwang in sich birgt, wurde abgewiesen; die Not- wendigkeit der individuellen Beeinflussung betont, die ungenügende Lösung der Raumfrage unterstrichen und der Nachweis geführt, daß die Probleme in der ganzen Breite anzupacken seien. Es ist im Augenblick noch schwer zu sagen, inwieweit die Arbeit on der er- werbslosen Jugend sich bereits auf den Rückgang der Jugend- kriminalität ausgewirkt hat. Soviel steht fest, daß sie diese Wirkung nur haben kann, wenn die Hilfe für die erwerbslose Jugend nicht einigen wenigen zugute kommen wird, sondern der Masse der Jugend- lichen. Diese sind jedoch lange nach nicht erfaßt. Selbstmord aus verletzter Offiziersehre. Der Major der Reichswehr AlexonderWiedtmann, der, wie wir hören, im Reichswehrministerium tätig war, wurde am Donnerstag mittag in seiner Wohnung, Goethestraß« 17a, III. Stock, am Fensterkreuz erhängt aufgesunden. Wiedlrnann, der fest drei Jahren bei einer Frau B- zwei möbliert« Zimmer bewohnt, wird von den Hausbewohnern als so munter und elastisch geschildert, daß chm irgendwelche Selbstmordabsichten in keiner Wesse anzumerken waren. Di« Gründe zu seiner Tat, über die mancherlei verlautet, sucht man in„oerletzter Offiziersehre". W.. der an den letzten Herksstmanövern der Reichswehr teilgenommen hat, ist bei der Beförderung übergangen worden und scheint sich diese Zurück- setzung sehr zu Herzen genommen zu haben. Allgemein fiel es auf, daß W., der zwei geladen« Revolver bei sich trug, zum Strick gegriffen hat. Man vermutet, daß er mit Rücksicht auf seine herzleidende, 7g Jcchre alt« Zimmerwirtin nicht schießen wollte. Ein Brief, den W. an seinen Münchener Bruder, einen Regierungsrat gerichtet hat, und den man im Zimmer des Toten auffand, ist von der Kriminalpolizei beschlagnahmt worden. Di« Leiche des Majors wurde erst am Donnerstag mittag aufgefunden, als die Leichenstarre bereits«inge- treten war. Di« Tat selbst ist schon in den Abendstunden des Mitt- woch geschehen. Der Tot« hatte, bis aufs Hemd entkleidet, die un- selige Handlung mit der Rouleau schnür ausgeführt. Die Militär- behörde hat die Leiche des Majors beschlagnahmt. W. hat außer zwei Münchener Brüdern kein« Verwandten. Fahnen für alle Grofi-Berliner Polizeiwachen. Der Polizeipräsident von Berlin beabsichtigt, bei gewissen An- lassen auch alle Broß-Berliner P o l i ze i b u r ea u s und Revier wachen, die in Privatgebäuden untergebracht sind, beflaggen zu lassen. Zu diesem Zweck sind die Eigentümer jener Privat- gebäude um die Genehmigung zur Anbringung eines Fahnenmastes auf dem Dache oder eines Fahnenarmes an der Hausfront gebeten worden. Die Reviervorsteher oder Beteisschaftsführer sollen sich mit dem Hauseigentümer noch mündlich in Verbindung setzen. Eine Anr' politisch rechts eingestellter Hauswirt« ha: die Genehmigung versagt. Sie nehmen zwar vom Fiskus gern die Miete und wissen auch die Bedeutung der Polizei- wache gls Schutz. für die Sicherheit des.Haufes zu würdigen, wollen aber ni<Ä dazu beitragen, daß an ihrem Haufe die ihnen verhaßten Farben der Republik gezeigt werden. Ein Zwang auf dies« kleinlichen und engstirnigen Hansbesitzer läßt sich nicht ans- üben. Dem Polizeifiskus als Mieter kann aber nicht verwehrt werden, auch ohne Anbringung besonderer Vorrichtungen republi- konische Fahnen aus den Fenstern der Polizeiburcaus herausstecken zu lassen. Konfumgenoffenschaft im Oktober. Di« Werbekraft der Berliner konfumgenossenschaftlichen Organi- sation äußert« sich im Monat Oktober in einem verstärkten Mitgliederzuwachs; 1783 Neuaufnahmen waren zu ver- zeichnen, ein« Ziffer, die die Ergebnisse der Vormonate erheblich überschreitet. Der Gesamtumsatz im Oktober belief sich auf 3 25S4Z9,t)9 Mark; das bedeutet gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres«ine Steigerung um 220 89-1,82 Mark oder 7,3 Proz. Di« Sparkasse der Konfumgenossenschast vermochte ihren Einlogenbestand um 4-12 438,03 auf 11 977 280,34 Mark zu erhöhen. Das Verkaufs- stellennetz erfuhr eine Erweiterung durch Neueröfsinungeiner Fleischabgabe stelle in Moabit, Wiclefftroß« 49. Di« Errichtung von drei weiteren Lebensmittelabgabestellen ist in Kürze zu erwarten, und zwar in Mahlsdorf, Melanchthonstraß« 148, Pankow, Kssfingenftraße 37-38, Britz, Siedlung Gehag. Außerdem werden in den nächsten Tagen zwei neu« Fleifchabgabestellen dem Verkehr über- geben werden, die in Neukölln, Wessestraße 36, und in Lichtenberg, Rittergusstraß« 24-26, belegen sind. Wohnungsfürsorge für Eisenbahner. In Spandau fand kürzlich die Grundsteinlegung des ersten Häuserblocks, ben der Gemeinnützige Beamtenwohnungs- Verein baut, statt. Der Vorsitzende, Genosse Schar sschwerdt, gab einen kurzen geschichtlichen Rückblick über Ziele und Zwecke der Baugenossenschaft und weihte den ersten Bau mit dem Wunsch«, daß recht bald weitere Bauvorhaben zum Segen der minderbemittelten Kreise bezugsfertig werden mögen, ein. Ein Wunsch, der von allen derartigen gemeinnützigen Bauvereinen immer wieder ertönt, wurde auch hier mehrfach hervorgehoben,, nämlich, daß die burcautratischen Schwierigkeiten für solche Bauausführungen ausgehoben werden mögen. In der an der Gründungsfeier anschließenden General- Versammlung zeigte sich, in welch ungeheurem Maße die Be- völkerung unter der Wohnungsnot leidet. Der Wunsch, eine gute. gesunde Wohnung zu erhalten, hatte neben den Mitgliedern auch hier Hunderte von Interessenten als Gäste hergeführt. Die Wohnungsnot vieler vertriebener Eijenbahnbeamten hat den Anlaß zur Gründung dieses Gemeinnützigen Beamtenwohnungsbau-Dereins auf genossen- schaftlicher Grundlage gegeben. Durch Einzahlung von 300 M. Genossenschaftsanteile und unter Benützung der Mittel aus der g e- meinnützigen Wohnung sfürsorge und des Ar- beitgeberzuschusjes läßt diese Genossenschaft in verschiedenen Stadtteilen Berlins billige, gute Wohnungen für ihre minde» bemittelten Mitglieder entstehen. Es werden nur Wohnungen von 1— 3 Zimmern mit Küche und Bad gebaut. Aufnahmen können täglich im Bureau des Bmioereins. Berlin W. 35, Magdeburger Straße 14. I, getätigt werden. Ein eigenartiger Automfatl ereignete sich gestern cckenv an der Autohaltcstelle Schrllingstroße. Einer der Chauffeure, die dort mit ihren Kraftdroschken halten, wollte seinen Wagen airkurbeln. Inzwischen aber macht« sich ein Jung« an der Schaltung xu schaffen und schaltete unglücklicherweise den Motor ein. Der Wagen ging los, überfuhr beinahe den Chauffeur, fuhr quer über die Große Frank- furtcr Straße, überfuhr eine Frau, raste auf den Bürgersteig und in ein Haus hinein, das beschädigt wurde. Die Frau mußte mit schweren Verletzungen zur Unfallstelle geschosst werden. Der Wagen wurde abgeschleppt. Heber die Offenlegung der von den Grundwertausschüssen nach dem Stande vom 1. Januar 1926 festgestellten Einheitswerte ist in der heutigen Nummer eine Bekanntmachung erholten. Grofifeuer in der Schweiz. Der in Touristenkreisen bekannte Schweizer Kurort M ü r r e n wurde von einem furchtbaren Brande heimgesucht. Zwei Hotels, ein Basar und«in Photoatclier fielen dem Feuer zum Opfer, das auch m den umliegenden Wäldern großen Schaden anrichtet. Die Feuerwehren des Ortes und der Umgebung arbeiten mit Aufbietung aller Kräfte an der Bekämpfung des Flammenmeeres. Das gesamte Silberzeug des Palace-Hotcls, das in dem abgebrannten Hotel des Sllpes untergebracht war, ist voll- kommen eingeschmolzen. Der Brand wütet gegenwärtig Haupt- sächlich in den Wäldern zwischen Truddel und Staub buch. Das Dorf Murren muß von dieser Seite noch als bedroht angesehen werden. Schweres Eisenbahnunglück in England. London, 19. November.Slid. 8 Uhr wichtige Mitgliederversammlung im Nestau- rant.Ilgerheim". Alle Genossinnen und Genossen müssen unbedingt erscheinen. Morgea. Sonniag, 21. November: S. Abt. vormittag» pünktlich 10 Uhr bei Schmidt. Wiclefsir. IT, wichtige Tunktionärsshun g. erscheinen unbedingt erforderlich. Zullgsozialisten. Gruppe vrenalaner Berg: Sonntag. ZI. November. Tahrt noch Potsdam. Treffpunkt früh 7 Uhr«leranderplak. Berolina.— Gruppe Tiergarten- Serie. Sonnabend, 20. Ziovemder, 8 Uhr, im Jugendheim Bremer Gike Wiclefftrcfie, Zimmer 6 Srnppenversammlung, Vortrag:„strisenerscheinungen de» Sozio- limnu,'. Referent Walter Gotthard:. GSsie herzlichst willkommen. Achtung! Montag. 22. Nooember, Beteiligung on der Gesaurtveran staltung Im Schöne- berger Rathau». » Arbeit»gemeinschaft der sttnbetfmrabe Neukölln. Gruppe Birke: Sonntag. 2t. November. Fahrt noch dem Drunewelb. Treffpunkt morgen» 8!-, Uhr Serrsurthplah. Fahrgeld mitbringen. Eltern willkommen. Werbeheztri RenkH», Der sturfu» fbr Aeltare Mt au». BeteMgua« am Bortrag der Frrten Sozialistischen Lochschule. Werbebezirk Teltowtanal: Borsthendenkonferenz in Wennsee, Schule Ghar- lottenstrasse. Alle Vorststenhen müssen erscheinen, vorstand um 8 Uhr bei der Genossin Lirche.-, Bildungskurse: Werbebezirk Prenzlauer Berg: Für Jüngere Jugendheim Danziger Skr. 28. Themai„Einführung in den Sozialismus'".— t Abend für Aeltere Jugend- heim Klosterstr. 7S, 1 Tr. Thema:.Theorie und Praxis des proletarischen stlassenkompfes". Beuche, irk Kreuzberg: 1, Abend für Jüngere Jugendheim Wilmsstr. 10. Thema:„Volkswirtschaftliche Grundbegriffe".— Für Aeltere Jugendheim Reichenberger Str. SK. Thema:„Einführung in die Soziologie". ZNorgeu, Soaulag, 21. November: Steglih l: Besuch de» Friedhofe» in Friedrichsfelde. Treffpunkt 1 Uhr Rathaus.— Tempelhos: Fahrt Königswusterhaufen. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Tempelhof.— Südwest: Gemeinsam mit den Kinderfreundeu im Jugendheim Belle-Allianee-PIoh 1 Revolutionsfeier. Eltern und Parteigenossen sind herz- lichst eingeladen. Beginn 7 Uhr.- Rofenthaler Borstadt: Besuch des Arbeiter- Wohlfahrts-Museums. Treffpunkt 10 Uhr Rofenthaler Plast. Unkosten mit Fahrgeld SO Pf. Werbebezirk Teltvwkaual: Zum Parteiarchip 10 Uhr vormittags im Sof de» „Borwärts". Führerauafprache abends 8 Uhr Jugendheim Linbenstrgsse. Thema:„Der Weg zum Sozialismus". vortrage, vereine unö verfamminngen. , Reichsbanner„SchroarvRol-Gold". «efchäftsstelle: Berlin«14, Scbastianftr. 87/38, Sof 2 Tr. Friedrichahain: Mo., d. 22., 7 Uhr. Küstrtner Platz.— Wilmer«, dorf: So., d. 20., 7 Uhr, Antreten Sohenzollernplah zum Fackelzug. Sonntag, d. 21., Verteilung von Werdematerial. Wo„ d. 22.. KausagUation und Verteilung von Werbematerial. Di., d. 23., 7ZH Uhr, Antreten Kaiser- vlast zum Werbeumzug. Mi., d. 24., 8 Uhr, Kundgebung in den Iohann-Georg- Sälen. Halensee, Iohann-Georg-S trotze.— Rehleudorf: Sonntag, d. 21., nachmittags 2'/4 Uhr. Antreten sämtlicher Kameraden bei Schnorr«, Potsdamer Elnatze, zur Teilnahme an der Kranzniederlegung auf dem Ehrenfriedhof. Pflichlveranstaltung. Mi., d. 24., ordentliche Mitgl.-Dorf, hei Schnorre. Entgegennahme wichtiger Mitteilungen über das Fest der Bannernagelung.— Schöneberg-Friedenan: Anlätzlich unserer Werbewoche vom 21. bis 28. 11. find alle aktiven und possiven Kameraden zur Werbearbeit aufgeboten. Mo., d. 22„ Ausgabe dringender Inforinativnen in der Turnhalle am Wariburg- platz, pünktlich 8 Uhr. Di., d. 28.. Werheumzug. 7 Uhr Antrete» an den Verlcngerten Innsbrucker Ecke Kauptstratze. Mi., d. 24., Sauspropaganbo.— Reuköllu-Brist: Sonntag, d. 21., Totengedenkfeier auf den Neuköllner und Bristet Gemeindefriedhöfen. Antreten: 1., 2. und 5. Kameradschaft mit Fahnen 1 Uhr Neukölln, Boddinplast. 3. und 4. Kameradschaft und Spielinannszug 2 Uhr Brist. Chauffeeftvatze Ecke Gerinaniapromenade. Pflichtveranstaltunaen. — Treptow: Sonntag, d. 21.. nachmittag» 1 Uhr, am Bhf. Treptow zur Toten» gedächtntsfeier sPflichtveranstalwnal. Aktire und passive Kameraden müssen daran teilnehmen,— Köpenick: Mo., d. 22., Iuc-endkreiswerbeperanftallung. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Köpenick. Ummarfch mit Musik, turnerische und spart- liche Vorführungen, Bortrag. Gesang- und Ftlmvorfilh'rung im(trotzen Saal de» Stadttheaters. Pflichtveranstaltiin«.— Lichtenberg nebst Untergrn-ven: Mo., d. 22., 8 Uhr. Sitzung sämtlicher Zug- und Ortsgruppenflihrer. Sämtliche Abteilungen müssen vertreten sein zur Abholung de» Materials bei Krüger, Türrfchmidtstratze. Di., b. 23., 7 Uhr, Werbeumzug mit Mustk, Tambourkorps und Fahnen. Antreten 7 Uhr bei Löhnow, F ankfurtev Allee 202.— Pankow(Kreis): So., d. 20.. 7 llhr. Bhf. Pankew-Schönhausen. Mo., b. 22., 7 Uhr. Breite Str. 14 mit Tambourkorps»nd Föhnen. Di., d. 23.. bis Fr., d. 28., jede» Abend 7 Uhr in den Kamenadschaftslololen. Zu ollen Veranstaltungen ladet der Rochrichtendienst ein.— Köpenick: Sonntag, b. 21., vormittags*49 Uhr, Bhf. Köpenick Antreten zur Kranzniederlenmg.— Reinickendorf(Kreis): Sämtliche aktiven und possiven Mitglieder haben sich am So., b. 20.. an sämtlichen Werbeveranstaltungen der Ortsgruppe zu beteiligen. Sozialistische flrbeitersugenü Groß-öerlin. „Ruad-um-ben- Schund�-Veronsialiung am Freilae. Z. Dezember. VA Uhr. im großen Saal der Neuen Welt. Hasen. Heide. Mitwirkende: San» Reimann. S.cich Weinter, Günther Plaut, Spiel. gemeinfchaft der Arbeiterlugend und Zungsozialisten usw. Eintritt R Pf. Sorten sind im Iugendsekretariat erhältlich. » Abteilungsleiter, rechnet die Kartest»on der Revolutionsfeier ob: holt die Karten für dir Beranstaitung„Rund um den Schund" ab. Ehemalig« Sprechcdprmitgljcder! Di« Aufnahmen vom Schauspielhau» Und eingetroffen und im Sekretariat»u haben. heute, Sonnabend. 20. November. llhr: Frledrich»hai»: FunktionSrststuno beim Genossen John. Diestelmenerstr. 2. — Steglist II: Jugendheim Lolsteinifche Str. 8. Bortrag:„Arbelterdickler".— Pankow: Städtifchc» Jugendheim Kissingen- Ecke Graniststratze. Vortrag: „Fvrdsyftem". Trocken-Ski-Kurse I» BerNn-Wilwer,dorf. Der Ort»au»schutz für Leibe«- Übungen und Jugendpflege Berlin-Wilmersdorf beginnt mit seinen Trocken- Ski-Kursen Mittwoch. 24. November, in der Turnhalle der Volksschule 8, Koblenzer Str. 22/24. nächst dem Saiserplast. E» sind Surfe von 8—8 Uhr »nd oon 8—10 Uhr abends für Jugendliche und Erwachsene vorgesehen. Die Uebuirgen schlictzcn am 22. Dezember 1926. Teilnehmengebilhr für Schüler 8 M. und Erwachsene 8 M. Skier für Uebungen kostenlos. Meldungen: Geschäftsstelle Sildegardstr. 4 von 9-3 Uhr. Sonnabend, 20. November, 5 Uhr. Turnballe Koblenzer Str. 22/24 erste Zulamnienkunft. Artifteu.Wettltreit der Freien Artistenoereinignng 1924(Mitgl. d AABD.). Totenfonntag ln den Prachtsälen am Treptower Park 27 grvtzer Artlsten-Wett» streit. Eröffnung 3 Uhr. Beginn 4 Uhr. Eintritt einschl. Programm 1 M». Kinder 10 Pf., Erwerbsloke mit Ausweis 80 Pf. Arheiter-Sawariter-Kolonwe. Buswei» Nr. 279, auf den Namen Kurt Fischer lautend, ist verloren gegangen bzw. gestohle» worden. Derselbe wird hierniit für ungültig erklärt. Im verein der Schönehergrr Aeezte spricht Freitag. 26. November. 8',� Uhr, im Sitzungssaal de» neuen Rathauses Eck ö neberg Geheimrot Seck. Direkt«» 4»«»» Zoo. übet..Menfchenatfen und ihr«erhälttti's hllOt' Menschen". Einirif,-.*. M. Fceireligiöle Gemeinde. Sonntag vormittog 11 Uhr Pavvelallee 15 vorttckh> des Herrn Dr. A. Rosenberg:„Die Eucharlstllchen Kongresse". Nachmittag» 4 Uhr Herr A. Dnnrden:„Vom Sinn de» Todes". Gäste willkommen. Die Arbetter-Photovereinigung, Ortsgruppe Norden, trifft sich Sonntag- 2l. November,»ormittogs 9 Uhr. am Bahnhof Gesundbrunnen zur Motivfuch« nach Schildow. Gäste wisskommen, Kundgebung de« Deutsche» Friedenskartell» Mittwoch. 24. November. 8 llbn, im Ptenarfoal des ehemaligen Serrenhausos. Thema:„Die KulMraufaabe de» deutschen Akademikers". Redner die Professoren Zobohm, Paul Oestrich, Quidde, Veit Valentin, Wefwbal sowie Dr. Georg Graf Area und Fred« Warle Gräfin»u Dohna. Borssst: Sellmut v. Gerlach. Lki-Trocken Kursp». Der letzte Eki-Kursu, der Skifachgrupve des Deutscheu Srortlehrerverbande, beginnt Sonntag. 2l. November, vormittags 1044 Uhr. Turnhalle Albreäitstr. 20. am B'hnhof Friedrichstiatzc. Doner: 4 Doppel- stunden. Skter werden gestellt. Meldungen telephonisch: Westend 8008, von 8—2 llhr. Boqelkuudtiche Führung. Die am Totensonntag unter Leitung von Prof. Steinbacher stattfindende vogelkundliche Führung der„Arbeiisgemeinfciiaft für Forstschutz und Naturkunde G. V., Berlln-Friedrichshaaen" beginnt mit einer Dampferfahrt s.Winiermiirchen") 0 Uhr vormittags vom Städtischen Park tu Friedrichshagen. Dauer 2lt Stunden. Teilnehmerkarten SO Pf.. Kinder di« .Hälfte, auf dem Dampfer. Verein der Freidenker für Feueehestattung. San Berlin und Bororte: Totensonntag. Tl. Ziovemder, in den Nachmittagsstunden in allen drei Krem»- torten und in der Zentralfriedhofshalle Frtedrichsfelde Totengedächtnisfeiern. Eintritt frei.__ welterbericht der össenllichen weilcrdienslftelle für Berlin und llingebung. (Nachdnick vcrb) Mcis! bewölkt, cchre erbebüche Niederichlöge; ziemlich warm und windig.— Zür Deutschland. Im Westen strichweise Regen»nd etwas liihler, im Osten wolliges, ziemlich warmes Wetter. WMUlMM-VtibS!!!! Montag, den 32. Jtoocmber, abends t Uhr. in unserer SuNuradleilnug. Liniensir, lorcgegenüberVerdandShaus) Film-Vorführnng für die Kollegen der Klempner- brauche. Au» dem Programm: 1. Falsche Scham 2. Winterfreuden. IstkA EinIriUskarien iverden am Ein- gang gegen Vorzeigung de« MugUedS- buche» unentgeltlich abgegeben. Dt» vr»»oerwa>tn»g. Sialodaag ,ar ordenllichen«n»t-st:-l>.°>.una am Sonnabend, den 27. Ravember 1026. Im Graphische» Dereinshau«, Aceraudrtnen stratze 14, odend» 7>,z Uhr. Tagesordnung: l.Beriesuna de» Protokolls. 2 Voranschlag tüc 1927 3. Wahl von dreiRechnungsprl>sernsllrI026.4.Satzu»g»- Snderunaen. ö. Berschi�enes Um zahlreichen und pünktstchen Besuch ersucht Der vorstand. Rax R-ft, Vorfitz. Hugo Hertz Schristst K werden unsere neuenSorkn des- halb, weil denerwhiteßaucher sekrsdmdl dißHiäe derselhener hmrdhaL%sscnvJlcdml:ktcais- schliesdich auf diejRersk Qudiiäh-(€iaxreäai emqesfeüt. OtiesesCheslrebenkonrni \/rrzöf "c>. Cgioo ,«,J nm(lujdrudc. Qeifewßjiiiße env- mathdne �esdimzckqrtällt aussei' crdenÜidicfid. �lestcrß/jaraties er müden niebeim.l�auben�veH die Guswahl u. Ixlisdiunade.'jjähaLsniil 'Eifinrunq hxpriindete ägyptisdie. . flerstaluurcjsiveise. t Ein kostspieliges Rettungsmanöver. Die Stiuncs- Rettung- eine amerikanische Spekulation. .Der Name Stittnes beftfei in Amrrika noch ein« große Zugkraft. tenn der erste Teil der Anleih« ist erheblich überzeichnet ge» mesen. eh« noch die Bücher geöffnet waren. Man ersieht daraus »ugleich. daß der amerikanische Seidmarkt nach wie vor in Sebelaun« ist.* .Deutsche Bergwerkszeitung*. 5. 11. 1926. Mitte Oktober wurde die deutsche Oeffentlichkeit damit über- roscht, daß der sunge Hugo Stinnes in Amerika eine K o n s o l i- dierungsanleihe über einhundert Millionen Gold- mark(25 Mill. Dollar) abgeschlossen habe. Sofort hatten brave bürgerliche Landesblätter entdeckt, daß das„ein voller Erfolg des jüngeren Hugo Stinnes" sei, der die Anleihe infolge seiner„be- sonderen wirtschaftlichen Begabung" erhalten habe. Die Göyenanbetung ging also wieder an! Sie wurde durch die Ztaivität anderer schon zu einer grotesken Beweihräucherung. Dazu kommt, daß die sogenannten objektiven Bolkswirtschaftler nur den Zufluß des langfristigen Kredites aus Amerika nach Deutschland sehen und alles andere— rlicht sehen wollen. was ist's mit der Skinnes-Anleihe in Wirklichkeit? Di« deutschen Großbanken, die das industrielle Warenhaus Stinnes vor dem offenen Zusammenbruch retteten und durch mäch- tige Stillhaltung-kredite eine langsame Liquidation ermöglichten, schätzten das Rest vermögen von Hugo Stinnes auf etwa 100 Millionen Mark. Die R e st f ch u l d, die bisher noch offen stand, wurde mit etwa SO Millionen Mark angegeben! Bei jener Dermögensschätzung ist zu beachten, daß die Teile des Stinnes-Familienbesitzes an Kohlengruben, die sich in den Hän- den der anderen Stinnes-Linien befinden, weil durch testamen- tarische Bestimmungen bisher immer getrennt geführt, bei jenen Schätzungen nicht mit einbegriffen worden sind. Jene Besitzer von Stinnes-Dermögen haben es auch immer abgelehnt, in die Hugo-' Etinnes-Liquidation irgendwie verknüpft zu werden. Den amerika- Nischen Geldgebern gegenüber sollen sie stch entgegenkommender ver- halten haben. Was die deutschen Banken mit einhundert Millionen Mark ein- schätzten, haben die Amerikaner öffentlich in ihren Prospekten mit zweihundert Millionen Mark bewertet. Die Amerikaner haben auch erfahren, daß die Stinnesschen Stammbetriebe nach Abzug der Abschreibungen und Steuern trotz allem verdient haben: l924....... 2SS2SS2 Dollar 1925....... 1247 628 1936....... 2 500000, mindestens! Man könnte also annehmen, daß die„in Gebelaune" befind- lichen Amerikaner der„besonderen wirtschaftlichen Begabung" des jungen Hugo Stinnes deswegen gehuldigt haben, weil sie wissen, daß fein Vermögen in Wirklichkeit 209 Millionen Mark beträgt, und daß er für 1926 mindestens zehn Millionen Mark Reingewinn machen wird. Damit würde sich dann die Schlußfolgerung ergeben. baß die deutschen Banken, die Hugo Stinnes junior doch eigentlich gerettet haben, von ihm mit außerordentlich wirtschaftlicher Be- gabung hinters Licht geführt worden wären. Dem ist aber nicht so! Unter welchen Bedingungen erhielt der jung« Stinnes die 25 Millionen Dollar geliehen? Der Dauerbesitz der gesamten Familie Stinnes ist in eine amerikanische Gesellschaft eingebracht werden die Stinnes Corpora- tion. Sie gibt 50 Millionen Mark zwanzigjährige 7prozentige An- leihe aus. Die gesamten sonstigen Stinnes-Geschäfte(abzubauende Konzernteile und zu verkaufende Betriebe) sind in eine Corporation of Hugo Stinnes Industries eingebracht. Diese gibt ebenfalls 50 Mil- kicknen Mark zwanzigjährige 7prozentige Anleihe aus. Da der Ausgabekurs jener beiden Anleihen S91£ Proz. ist, hätte der junge Stinnes die günstigste Anleihe abgeschlossen, die bisher irgendein deutscher Interessent in Amerika zustande- gebracht hat. Die Sache hat aber einen Haken. Di« amerikanischen Lnleihezeichner erhalten nämlich ein Funfiel der Aktien der Skinve» Corporation gratis, «in weiteres Fünftel dürfen sie in absehbarer Zeit zu einem Borzugs kurfe kaufen. Man kann sagen, daß so der wirkliche Ausgabekurs der Stinnes-Anleihe etwa bei 70— 75 liegt! Mit anderen Worten, die Anleihe ist nicht mit 7 Proz., sondern mit nahe- zu 10 Proz. zu verzinsen. Da» ist die teuerste Anleihe, die bis- her irgendein Deutscher in den vereinigten Staaten bis zum Zahre 1946(!) abgeschlossen hat. Wenn mit Hilfe der Amerikaner die Stinnesschen nichtdauernden Besitzteile(Corporation of Hugo Stinnes Industries) gut ver- tauft werden, so erhalten die Anleihegeber neben ihrem her- geliehenen Geld« womöglich für ihre vierzig Prozent Anteile an der Stinnes Corporation, die sie zur einen Hälfte gratis, zur anderen zum Borzugspreise bekommen, auch noch gute Sonderdioi- d« n d e n. Stinnes wird von den Amerikanern so behandelt, wie sein Vater das deutsche Volk behandelt hat. Da mit Florida- Terrains jetzt nicht viel zu machen ist, spekuliert man jenseits des großen Wassers in Stinnes! Im übrigen bleibt noch eine Frage: Was werden die beut- schen Großbanken mit den nahezu 100 Millionen Mark Still- haltungs-Kredirgeldern machen, die ihnen jetzt durch jene Amerika- Anleihe zurückfließen? Wird damit dem industriellen Mittelstand geholfen werden— was eigentlich nach der letzten Demonstration der Unternehmer für den Mittelstand ihre Pflicht wäre!— oder schöpft man daraus neue Kraft für weitere Eingriff« des Finanzkapitals in die Wirtschaft? Die Tatsachen werden diese Frage bald beantworten. Kurt H e i n i g. Internationale Kapitalverteilung. Gründung eines Amerika-England-Europntrusts. Seit dem Weltkrieg, der für das kapitalsstifche System heil- lose Zerstörungen brachte, suchen die Unternehmer nach Mitteln, auch durch internationale Organisationen die Folgen des Krieges zu heilen. Man tut es auf die dem Kapitalismus eigene Art, man will dabei oerdienen, aber es geschieht. Und wie überall, wo größere Aufgaben mit stärkeren Kapitalien durch einheitliche Großinstitute, statt durch zersplitterte Einzelunter- nehmungen gelöst werden, winkt auch hier ein Erfolg und vielleicht auch ein Fortschritt. Unter diesen Gesichtspunkten wird auch die mehrfach an- gekündigte, jetzt endgültig erfolgte Gründung des ABC-Trusts, der American, British and Continental-Corpo- r a t i o n anzusehen sein. Es handelt sich um das gemeinsame Vor- gehen je einer amerikanischen und englischen Gründerbant und von weiteren zehn europäischen Banken, die sich über alle nationalen Grenzen hinweg die Kapitolnachfroge und das Kapitalangebot bestimmter Gebiete in einer Zentrale vereinigend, das i n t e r- nationale Finanzierungsgeschäft zur Aufgabe setzen. Die amerikanischen und englischen Gründer wissen, daß der«uro- päische Kontinent nach der weitgehenden Zerstörung von Betriebs- Mitteln durch die Inflation Kapital sucht, und daß insbesondere Amerika auf Jahrzehnte hinaus der Bankier Europas sein wird. Ferner berechnen sie, daß nach der Stabilisierung der messten Währungen Europas in Europa angelegte Kapitallen ziemlich sicher angelegt sind. Auf diese Ueberlegungen gründet sich das beabsichtigte Geschäft. Das Unternehmen stützt sich auf folgende Banken: Gründer: Blyth, Witter u. Co.— I. H. Schraeder Banking Corporation(Amerikahaus). Mitglieder: I. H. Schrocber Banking Corporation-London, Banque de llUnion Parisienne-Paris. Dresdener Bant- Berlin, 5oci6te Cänernle de Belgique-Brüffcl, Credit Suisss- Zürich, Allgemein« Oefterr. Bodenkreditanstalt-Wien, Emskilva- Bank-Stockholm, Ungarische Commercialbank-Budopest. Lippmann, Rosenthal u. Co., Amsterdam, Böhmische Unionbank-Prag. Don den größeren Ländern Europas fehlen Italien und Polen. Als Kapital sind zunächst 14 Millionen Dollar vor» gesehen. Wenn das Kapital nicht ausreicht, soll die Erhöhung der Betriebsmittel durch die Ausgabe von Obligationen erfolgen. Die gefchäflliche Leitung liegt in den Händen der beiden Gründerbanken. Für die Vermittlung und Prüfung der europäischen Kapitalnachsrog« dürfte der Schroeder-Bank in London eine besondere Treuhänder» rolle zufallen. Die handelsgerichtlich« Eintragung erfolgte in Wilmington im Staate Delaware der 11. S. A. Der Trust wird in der Hauptsache ein sogenannter I n v e st- m e n t t r u st sein, der für seine kapitalanlegende Kundschaft die nach seiner Meinung zweckmäßigen Papiere von genügender Sicher- heit und geringstmöglichem Risiko aussucht, und der Kundschaft oerkauft. Dazu gehört auch die Auflegung von amerikanischen und europäischen Anleihen. Die europäischen Banken werden in der Hauptsache die Rolle der Zubringer spielen, und die Ver- mittler von europäischen Anleihen sein. Sogenannte kurze Kredite werden also nicht gewährt. Im ganzen kommt es auf die I n t e r- Nationalisierung des Börsengeschäfts durch eine internationale Bank heraus, nur daß das Spekulationsmoment nicht das entscheidende ist. Das grundsätzlich Reue sst der umfassende Charakter des Unter- nehmens. Di« beiden Welthälften diesseits und jenseits des Atlantischen Ozeans werden für Kapitalnachfrag« und-angebot zu einem Gebiet vereinigt. Natürlich muß man sich hüten, den Wert der Gründung zu überschätzen. Wirklichen Nutzen kann sie nur schaffen, wenn sie billiger arbeitet als die einzelnen Großbanken, die das internationale Finanzierungsgeschäft von Fall zu Fall betreiben. Die Gründung gehört in den Rahmen zahlreicher ähnlicher Erscheinungen internationaler Art. Aehnlich wie die großen Warenhausgesellschaften und vielfach auch schon die Großeinkaufs- genossenfchaften der Konsumverein« international gemeinsam Waren einkaufen und an Ort und Stell« an die Käufer absetzen, so ge- schieht es hier mtt Wertpapieren. Die interessanteste Parallele der letzten Zeit war das Zusammengehen von acht europäischen Währungsbanken, um zur Stabilisierung des belgischen Franken «inen Rediskontkredit von 35 Millionen Dollar sicherzustellen. Nur wurde hier keine eigene Unternehmung gegründet. Zur Lage in der WerfKnduskrle. die ein von uns gebrachter Korrespondenzbericht neuerdings als günstig darstellte, wird uns im Gegensatz dazu vom Deutschen Metallarbeiterverband, Verwaltungsstelle Bremen, geschrieben: Wenn gesogt wird, daß in Kiel, Hamburg und den Unterweserorten in den letzten Wochen die Anforderungen nach Facharbeitern sehr lebhaft gewesen seien, und daß teilweise ein Mangel an Spezialkräften sich bemerkbar mache, so ist daran soviel richtig, daß tatsächlich einige Wersten A u s t r ä g e erhalten haben und deshalb Arbeiter einstellten. Dadurch hat sich jedoch die außerordentlich drückende Lage der Seeschiffswerften sowie in den Werftorten nicht geändert. Allein in der Zeit von Februar 1926 bis August 1926 hat� sich die Zahl der kn ihnen beschäftigten Arbeiter von 34 000 aus 24000 Arbeiter verringert. Noch in den letzten Monaten haben eine An- zahl von Werften größere Entlassungen vorgenommen. Auch auf den Werften an der Unterweser standen größere Entlassungen bevor, die allerdings durch einige Neuaufträge inhibiert werden konnten Noch im letzten Wochenbericht des Landesarbeitsamtes Bremen heißt es, daß die schlechte Lage in der Metallindustrie an- hält. Außerdem ist bei der Werftindustrje zu beobachten, daß Einstellungen und Entlassungen fast gleichzeitig vor sich gehen, und zwar ergibt das sich daraus, weil in keiner Industrie die einzelnen Objekte so groß und die zu leistenden Arbeiten so verschiedenartig sind, wie auf den Werften. Deshalb ist es keine seltene Erscheinung, daß eine Abteilung eine einiger- maßen gute Beschäftigung aufweist, während die andere Arbeits- kräfte abstößt. Eine einigermaßen zufrieden st eilende Be- s ch ä f t i g u n g ist auf den Werften in den nächsten Jahren überhaupt nicht möglich, da die Zahl der vorhandenen Werften zu groß sst. In den letzten Iahren der Borkriegszeit waren auf den deutschen Seeschifsswersten über 60 000 Arbeiter beschäftigt. heute noch 24 000. Inzwischen sind noch neue große Werften hinzugekommen und alte ausgebaut, so daß, wenn die Betriebe ausgenutzt werden sollen, auf den Werften 70 000 bis 80 000 Arbeiter beschäftigt sein müßten. Das sst selbstverständlich auch bei den größten Auftragsvergebungen durch die Reeder nicht möglich. Und deshalb wird die Krise aus den Werften und Werftorten zur Dauerkrise, selbst wenn in anderen Gebieten de» Reiches sich eine Hebung der Wirsschaftslage zeigen sollte. Der Dingkonzern muh saniert werden. Don der Bingwerke-A.-G., Nürnberg, liegt eine Meldung vor, wonach die Herabsetzung des Aktienkapitals von 13,75 Mill. auf die Hälfte erfolgen muß. Die Meldung kommt nicht ganz überraschend, da der Konzern schon lange ziemlich hoch verschuldet war und der Versuch, sich durch eine Auslandsanleihe flott zu machen, g e f ch e i t e r t ist. Die inner« Reorganssatwn des Konzerns, der in der Inflation sich sehr stark ausgedehnt hatte und von der vor- jährigen Krise gerade in dem Moment überrascht wurde, in dem er sich auf der Grundlage eines bisher nie erreichten Absatzes aus den größten Produktionsumfang einrichtete, war seit Anfang dieses Jahres schon im Gang. Di« Äbstoßung von Beteili- gungen, die Neugliederung der Produttton haben aber die Um- stellungsverluste aus dem in der Krise zusammengeschrumpf- t e n Geschäft nicht wettmachen können. Schon«n 31. Dezember 1925 waren die Bankschulden und Akzepte auf 12,56 gegen 6.41 Mill. gewachsen. Die für größte Produktion eingerichteten Material- und Warenvorräte waren aus 13.32 gegen 8,65 Mill. im Vorjahre gestiegen. Diese stark« Illiquidität konnte offenbar auch seither nicht genügend beseittgt werden. So soll die Kapitalherab- setzung den Konzern zur Kapitalaufnahme zwecks Schuldentilgung reif machen. Aus dem zu erzielenden Duchgewinn sollen die Fabrik- anlagen, Vorräte und wohl auch Beteiligungen erheblich abge- schrieben werden. Die Gewinne waren im vorigen Jahr noch ziemlich groß: sie betrugen mit dem Vortrag von 1924(0-80 Millionen) 1,21 Mill. M. Doch wurde wegen der Anspannung schon für 1925 kein« Dividende verteilt. Spezialisierung im Zeih-Zkoa-Trust. Die im September d. I. unter der Führung der Zeißwerke Jena zu einem Trust der optislben Industrie vereinigten Werke der C. P. Goerz A.-G., der. Contessa Nettel A.-G., der Ernemannwerke A.-G. und der Ica A.-G. Dresden ziehen auch die von ihnen finanziell abhängigen Werke m den Kreis ihrer betrieblichen Umorganisation. Auf der Tages- ordnung einer außerordentlichen Generaloersammlung der A.- G. Hahn fürOptik und Mechanik bei Kassel, deren Aktienkapital von 1 Million Mark sich seit Iahren im Besitz der C. P� Goerz A.-G. befindet, steht die Genehmigung eines Interessen- gemeinschaftsvertrages mit der Zciß-Ikon A.-G. Dresden. Der Vertrag hat die Uebernahme der Fabrikation von Kino- apparaten zum Gegenstand, die eine Spezialität der Hahn- A.-G. sind. kapikalerhöhung der Deusschen hypokhekenbank. Die Deutsche Hypothekenbank A.-G. in Berlin genehmigte in ihrer General- Versammlung am 18. d. M die vorgeschlagene Erhöhung ihres Aktienkapitals um 2,0 auf 5,0 Millionen, nachdem erst kürzlich eine Erhöhung von 1,5 auf 3,0 Millionen Mark vorgenommen worden war. Die neuen Aktien, als deren Ausgabekurs 120 Proz. vorgesehen ist. nehmen vom 1. Januar 1927 am Reingewinn teil. 1,5 Millionen werden im Verhältnis von 1: 2 den Besitzern alter Aktien angeboten, 500 000 M. Aktien bleiben zur Verfügung der Verwaltung. Die neuen Mittel sollen die Ausgabe weiterer acht- prozentiger Pfandbriefe und Kommunalobligationen ermöglichen, ferner sollen zur Ablösung der aufgewerteten Mark-Psandbnese 414prozentige Liquidattonspfandbriese ausgegeben werden. Der Erlös der neu auszugebenden, nicht für die Ablösung bestimmten Pfandbriefe dient zur Finanzierung von Neubauten. Hamburg-Südamerikanische Dampfschifsahrtsgesellschask. In der Aufsichtsratssitzung der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiff- fahrtsgesellschaft wurde beschlossen, zur Finanzierung des erweiterten Bauprogramms der außerordentlichen Generalversammlung eine Er- höhung des Aktienkapitals um 5 Millionen Reichsmark Stammaktien vorzuschlagen. Die neuen Aktien sollen den Aktionären im Ver- hältnis von 5: 1 zum Kurs von 150 Proz. angeboten werden. StBOtTNA �5 r r±f\ GARBATY rö N I G I N von 9ABA Ö-Ux 84/0 ÖleAJhMJUis eUv Gio/ihMSüt, i/Jb qeinxufrwv cyo�v cMt/c OUnA/fo' IfhHjuty AteJbs a&ickm/ aUALITÄT /