Abendausgabe Nr. 54$ ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 271 ©«jugsSebinsunflt* uni Allj-lzcnprtis« sind in der Morzenanzgabe angegeben RedakNoa: STD. 66, Clnbenflrage i Fernsprecher: DSahoff 292— 297 Tel.. Adresse: Sozialdemokral verlin Serltner VolKsblÄkt (iv Pfennig) Sonnabenü 2H. November 1 92ö Verlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 8V, bis 5 Uhr Verleger: vorwärts. Verlag Gmby. Berlin SXD. 68, Llndenstrobe 3 Fernsprecher: VSnhoss 292-297 �entralorgsn dir Sozialdcmokrati fd) en parte» Deutfchlands Illegale Betätigung öer Reichswehr. Reichswehroffiziere fchnorren bei Arbeitgeberverbänöen. Der Reichswehrminister G e ß l e r hat im Reichstag erklärt, man müsse die Reichswehr aus der Atmosphäre des Mißtrauens herausbringen. Das Ziel ist löblich, aber in der Praxis kommt die Reichswehr immer mehr in diese Atmosphäre hinein— durch eigene Schuld. Das„Berliner Tageblatt" berichtet über folgende über- aus verdächtige Angelegenheit: „Von einem Breslauer Industriellen wurden uns kürzlich Mitteilungen über eigenartige Vorkommnisse in Breslau gemacht. Mitte Oktober sanden in Breslau mehrere Sitzungen der Borstände der Arbeitgeberverbände von Industrie, Großhandel und Einzelhandel statt. An diesen Sitzungen nahmen auch Offiziere der Reichswehr teil, mehrere aus Berlin, ein Offizier aus Breslau. Die Reichswehr- offiziere erklärten, daß sie Geld zu bc stimmten Zwecken brauchten. Und zwar sollten von der Reichswehr Turn- lehrer ausgebildet werden, die dann ihrerseits die so er- wordenen Kenntnisse dazu benutzen sollten, um weiterhin in Stadt und Land ähnliche Kurse einzurichten. Die einzelnen Arbeitgeber in Industrie, Großhandel und Einzelhandel sollten alle diese Kurse finanzieren und zwar sollten bestimmte Beträge je nach Zahl der Arbeitnehmer gezahlt werden, etwa 1 Mark pro Kopf. Ein Kuratorium solle die Verwendung der Gelder überwachen. So weit die Mittellungen unseres absolut zuverlässigen Gewährs- mannes." Die Redaktion des„Berliner Tageblatt" hat diese Vor- kommnisse unter Angabe von Einzelheiten dem Reichswehr- Ministerium vorgelegt. Das Reichswehrministerium hat mit folgender Erklärung geantwortet: „Zweck der Besprechung war. die im Wirtschaftsleben stehenden cherren für die für Bestand und Güte des Heeres entscheidend wichtig« Frag« der Unterbringung der ausscheidenden Heeresangehörigen zu interessieren. Daraus ergaben sich im Verlauf der Besprechung auch Erörterungen über Berufs- ausbildung und bei der engen Beziehung zwischen Bersorgung und Heeresersatz Hinweis« auf die unbedingt« Not- wendigkeit der körperlichen Ertüchtigung dieses Ersatzes und damit einer möglichst allgemeinen Sportpflege der Jugend. Gerade dieser Punkt fand besonderen Widerhall. Vor allem wurde anerkannt, daß die Jugend— in erster Linie die Land- jugend— durch die Sport- und Turnvereine bei weitsm noch nicht in dem erforderlichen Umfange erfaßt ist und daß hier Abhilfe dringend nottut. Ihr sollen geldliche Zuwendun- gen dienen, die von privater Seite für die feit längerer Zeit be- stehenden zivilen Sportschulen in Aussicht gestellt wurden." Die Erklärung des Reichswehrministeriums ist von der Sorte, die den traurigen Erfolg gehabt hat, daß man sie in der Oeffentlichkeit mit Achselzucken und Unglauben hinnimmt. Sie redet um den wahren Tatbestand herum. Was sie zugibt, ist verdächtig genug. Es ist nicht die Aufgabe von Reichs- wehroffizieren, dienstlich bei Unternehmerverbänden Gelder für private Sportschulen zu schnorren. Aber darum handelt es sich nicht. Es handelt sich darum, daß Reichswehroffiziere selbst sogenannte S p o r t k u r s e ins Leben rufen. Seit mehreren Wochen sind in verschiedenen Gegenden Norddeutschlands derartige„Sportkurse" in Gang. Es besteht begründeter Verdacht, daß es sich um neue Finanzierung von Beziehungen zwischen Reichswehr und republikfeindlichen Wehrverbänden handelt. Die Feststellung des„Berliner Tageblatts" eröffnet Ein- blicke in die Finanzierungsmethoden der Schwarzen Reichs- wehr. Es ist an der Zeit, daß im Reichstag in aller Oeffentlichkeit die illegalen Beziehungen und Organisa- tionsversuche der Reichswehr aufgedeckt werden. Schweigen über die Wer zahlt die Reichsfubventio» aus? Ostmals kann man hören, daß irgendwelche Reichsausgaben auf- geschoben werden müssen, bis sie als Bestandteile des nächsten Reichshaushaltplans vom Reichstag genehmigt sein werden. Die Reichssubvention an die„Deutsche Allgemeine Zeitung" hat niemals im Etat gestanden, ist aber nichtsdestoweniger g e- zahlt worden. Darüber jedoch, auf Anweisung welches Reichs- Ministeriums und durch welche Reichszahlstelle diese jährliche Million an das voltsparteiliche Organ gezahlt wird, schweigt die Reichsregic. rung auch heute noch in allen Tönen. So tr-eiß man denn nicht, ob das Reichsaußenministerium die gebefreudige Hand ge- öffnet hat, um eine Aender�ng der außenpolitischen Haltung dieses nicht übermäßig stark verbreiteten Blattes herbeizuführen oder weil eine solche Aenderung eingetreten ist. Man weih auch nicht, ob vielleicht ein anderes Ressort verantwortlich zu machen ist, und man kann auch nicht erfahren, wie das in Zukunft weitergehen soll und ob vielleicht verschiedene Geheimfonds in der Zahlung an die„D. A. Z." sich abwechseln wollen. Was übrigens die Verpslichtung der„D. A. Z" anbelangt, ge- hässige Angriffe aus die preußische Staatsregierung und ihre Politik zu unterlassen, so erfährt man die heitere Tatsache, daß diese Ver- pflichmng vom Verlag der„D. A. Z.", also vom Vorstand oder Aufsichtsrat dieser Aktiengesellschaft übernommen worden ist, als sie das Blatt von der preußischen Staatsregierung erwarb, in deren Besitz es zusammen mit der Druckerei übergegangen war. Die Redaktion der„D. 21. Z." hat jedenfalls eine solche Verpflichtung nicht übernommen, und da die Redaktion den Inhalt des Blattes gestaltet, so war mit dieser NichtÜbernahme die ganze Verpflichtung praktisch wertlos geworden. Es scheint, daß man bei der Auferlegung dieser Verpflichtung sich nicht klar darüber gewesen ist, daß nicht der Verlag, sondern die Redaktion den In- halt des Blattes bestimmt. Deutscb-polnische Minüerheitsklagen. falsche polnische Behauptungen. Der Landtogsabg. Klimas(Pole) behauptete in einer Kleinen Anfrage, in Oberschlesien würden„tagtäglich Angehörige der pol. nischen Minderheit ohne Grund verhaftet und einige Zeit im Ge- sängnis festgehallen, indem ihnen ohne jegliche Unterlage der Vor- wurf des Landesverrats gemacht" würde. Wie der Amtliche Preu- ßische Pressedienst der Antwort des preußischen Ministers des Innern entnimmt, widerspricht diese Behauptung den Tatsachen. Die in der Kleinen Anfrage namentlich bezeichneten Verhaftungen seien„wegen dringenden Verdachts der Spionage zugunsten Polens" er- folgt. Von Willkürakten zur Einschüchterung der polnischen Minder- heitsbevölkerung könne nicht die Rede sein. Soweit die in der Kleinen Anfrage bezeichneten Personen sich noch in Hast befinden, werde auf tunlichste Beschleunigung des Verfahrens hingewirkt. Die beteiligten Beamten hätten in jedem Falle pflicht- gemäß gehandelt. Ein Grund, sie oder die Anzeigenden zur Verantwortung zu ziehen, liege nicht vor. Die Unterstützung von Angehörigen der in Haft befindlichen Personen sei 2lufgabe der ört- lichen, zur Fürsorge berufenen Stellen, insbesondere der Wohlfahrts- ämter. Polnische Verfolgung slawischer Brüder. Warschau, 18. November.(Ost-Exprcß.) Die Spannung zwischen den Minderheiten in Polen und der Regierung verschärft sich immer mehr. Vor allem sind es die Ukrainer, die ihrer Abneigung gegen die polnische Herrschaft unverblümt Ausdruck geben. Das in Lemberg erscheinende ukrainische Blatt„Dilo" veröffentlicht folgende Angaben über den Leidensweg des ukrainischen Schul- wesens:„In den letzten Jahren des österreichischen Regimes gab es in Ostgalizien 2612 ukrainische Volksschulen, gegenwärtig be- stehen nur noch 923 und es wird eine weitere Verringerung be- fürchtet. Im jetzigen Polnisch-Wolhynien gab es noch vor drei Iahren <121 ukrainische Schulen, gegenwärtig k e i n e e i n z i g e. Die Ge- samtzahl der von den polnischen Behörden geschlossenen ukrai- nischen Schulen beträgt 2989, d. h. das ukrainische Volksschulwesen in Polen ist bis zu 6 9 P r o z. vernichtet. Von der Erbitterung der Ukrainer hat erst neulich die Ermordung des polnischen Schulrats Sobinski in Lemberg Zeugnis abgelegt.' 2luch die Weißrussen treten immer lauter mit ihren For- derungen auf. In Beniakony verbot die polnische Polizei vor einigen Tagen den Vortrag eines weißrussischen Sejmabgeordncten. Die zu- sammengeströmten weißrussischen Bauern griffen darauf die Polizei an, entwaffneten sie und zwangen die Polizisten, den Ort zu räumen. Der Chef der Ortspolizei ist von der polnischen Regierung daraufhin abgesetzt worden. Der belgisch-chinesische Konflikt. Belgischer Schiedsgcrichtsvorschlag. Brüssel, 29. November.(WTB.) Die belgische Regierung hat der chinesischen Regierung vorgeschlagen, die Punkte genau fest- zustellen, die in gemeinlamem Einvernehmen dem I n t e r n a t i o- nalen Gerichtshof unterbreitet werden sollen. Sollte China das Verfahren ablehnen, so würde Belgien o l l e i n den Konflikt vor den Gerichtshof bringen. Von China abgelehnt. Peking, 29. November.(WTB.) In einem vom chinesischen Ministerium des Aeußern dem belgischen Gesandten übergebenen Memorandum zur Frage der chinesisch-belgischen Handelsbeziehungen wird der belgische Verschlag, die Streitpunkte dem Schiedsgerichtshof im Haag zu unterbreiten, abgelehnt und erklärt: Keine Nation kann die Forderung der Gleich st ellung des Vertrags- p a r t n e r s zum Gegenstand einer juristischen Untersuchung machen. Wenn man einen internationalen Gerichtshof in Anspruch nehmen will, so kann dies nur der Völkerbund sein, und zwar gemäß Artikel 19 seines Statuts betresfend die unanwcndbar gewordenen Verträge. Wenn aber Belgien die gemeinsamen Interessen der beiden Nationen berücksichtigen will, so müßte es auf den chinesischen Vorschlag von Verhandlungen eingehen, die den Abschluß eines neuen Vertrags auf der Grundlage der Gleichheit ermöglichen würden. Politik öer Verzweiflung. Tie Abstimmung der Bergarbeiter. E. W. London 18. November. Die britischen Bergarbeiter haben ihren Entschlüssen der Verzweiflung einen neuen hinzugefügt: sie haben mit einer nominell erheblichen Mehrheit die von der Regie- rung formulierten Friedensgrundlagen verworfen. Mit Ausnahme des Bergbaudistriktes Porkshire, wo der Einfluß des Präsidenten des Verbandes Herbert Smith den Ausschlag gegeben, haben sämtliche zahlenmäßig entscheidenden Distrikte die Friedensbedingungen, die allerdings einer Kapi- tulation gleich kommen, abgelehnt. Hierbei hat sich ein Vorgang, der sich anläßlich der Friedensvorschläge der Kirchen- fürsten abspielte, wiederholt: die viel verschriene Exekutive des Bergarbeiterverbandes oder, wie man besser sagen' wird, der Bergarbeiterföderation((denn es handelt sich nicht um einen „Verband" in dem auf dem Kontinent gebräuchlichen Sinne) hat sich kompromißbereiter gezeigt als die Delegicrtenver- sammlung, die Delegiertenversammlung nachgiebiger als die Distrikte. Die Delegiertenversammlung hat bekanntlich darüber zu beschließen gehabt, ob die Friedensvorschläge einer schriftlichen Urabstimmung, dem sogenannten ballot vote, oder dem üblichen Distriktsabstimmoerfahren unterbreitet werden sollen. Sie hat sich mit einer geringen Mehrheit für das letztere entschieden. Während im Falle einer Urabstimmung statuten- mäßig eine Zweidrittelmehrheit für die Fortsetzuna des Kampfes nötig gewesen wäre, so genügte bei der Distrikt- abstimmunq eine Majorität. Dies mochte wohl ein aroßcr Teil der Delegiertenversammlung mehr noch als die Dringlichkeit, zu einer Entscheidung zu kommen, veranlaßt haben, sich für Distriktabstimmungen auszusprechen. Die besondere, im Bergbau übliche, Methode der Disteikiabstimmung ist aller- dings nicht unanfechtbar und es ist daher nicht unbegreiflich, daß ein Teil der bürgerlichen Presse dieses Abftimmungs- ergebnis deshalb als ein? Verfülkchung der wirklichen Meinung der Bergarbeiter hingestellt hat. Wie spielt sich der Vvrgana ab? Zunächst haben wir die Ortsgruppe. Bei der Abstimmung der Ortsgruppe find in aller Regel, wenn auch nicht überall, die bereits zur Arbeit zurückgekehrten Arbeiter vom Recht oder praktisch durch die Zeit, zu welcher die Versammlung stattfindet, von der M ö g- l i ch k e i t, mitabzustimmen, ausaeschlossen. Damit ergibt sich in allen jenen Orten, wo eine Mehrheit der Arbeiter bereits zur Arbeit zurückgekehrt sind, die Situation, daß?war d-e Mehrheit arbeitet, die weiter Widerstand leistend? Minderheit sich jedoch kür die gesamte Bergarbeiterschait des.Ortes geaen d'e Annahme der Bedingungen ausspricht. Der nächste Schritt ist eine Meldung der Ortsgrupoe an die Distriktleitung, daß eine in dem Orte A. stattaefundene Versammlung die Bedingungen abgelehnt hat. D'e nächste Etappe ist die D i st r i k t v e r s a m m l u n a. In di-ster übt der Delegierte einer solchen Ortsgruppe, welche die Bedingungen abgelehnt hat, em Stirgmrecht von einer Stimme für ie 59 Mitglieder aus. E'n solcher Deleoierte hat hierbei das Recht, die gesamte Mitgliebs?ahl seiner Ortsgruppe geaen die Fried-nsarund- lagen in die Wapscliale zu werfen. So kann unter Umständen in der Diftriktverlommlung ein Deleoiericr. dessen Ortsgrimve 8999 Mitglieder zählt, von denen 1999 zur Arbeit-"rückaekeh''t sind, die übrigen 1999 aber mit einer geringen Mehrheit sich für die Ablehnung entschieden haben, bei der Abstimmung das gan?e Gewicht der 2999 in den Büchern der Ortsgrupvs e'n- getragencn Mitglieder in d'e Wagschale gegen die Bedm- gungen werfen, obwohl sich bei der Abstimmunq nur 699 für diese Politik entschieden haben. Dies ist zugestandenermaßen ein krasser Fall, ober der Estekt wird für den Fall Lancashire ?. B. der sein, daß die drei Delegierten, die Lancaihire in der Delegiertenkonferenz vertreten haben, auf der Landesdele- giertenvsrsammb'na, der nächst bödmen Funktionärveriamm- lung, einen„ablehnond-en" Distrikt vertreten, obwohl ein Drittel der Mitglieder zur Arbeit zurückgekehrt und von den übrigen nur eine geringe Mehrheit für die Ablehnung ge- stimmt hat. Das Ganze ist ein Vorgehen, bei dem die ieweilige Mehr- heit für die ganze Gruppe entscheidet, die Minoritäten— so groß sie auch immer sein mögen— wie beim englischen politischen Wahlrecht auf jeder Etappe ausgeschaltet werden. Aber es kommt gerade einer konservativen Presse, die das grurndsätzlich ähnliche politische Wahlverfahrcn stets gegen alle Vertreter des Proportionalwahlverfahrens verteidigt hat nicht zu, feine Wirksamkeit anzugreifen, wenn es von einer Arbeiterschicht ig; Bezirke ihrer eigenen Organi- sation angewendet wird. Des Weiteren wird gegen dieses Abstimmungssystem eingewandt, daß feine Entscheidungen öffentlich durch Ausheben von Händen erfolgen und dadurch starken persönlichen Bcein- flussungen ausgesetzt sind. Auch vom Standpunkt der Arbeiterschaft aus. wird man diesen Einwand gelten lassen müssen. Der Kritik der konservativen Presse an der Ausschließung der bereits zur Arbeit Zurückgekehrten wird man allerdings grundsätzlich nicht zustimmen können, da diese im technischen Sinne Streikbrecher sind und sich einer schweren Disziplinarverletzung gegenüber ihrem Verbände zu Schulden kommen haben lassen. Die Tatsache jedoch, daß diese Streikbrecher nunmehr beinahe 39 Proz. der Gesamtmitglied- schast ausmachen, besonders aber, daß diese gegenwärtigen Arbeitswilligen vielfach fünf bis sechs Monate gusgehalten haben, um schließlich unter dem D r ü ck der Not knirschend zur Arbeit zurückzukehren, macht die gleiche Behandlung mi» gewöhnlichen Streikbrechern unmöglich. Sie sind zwar im technischen, aber nicht im moralischen Sinne Streikbrecher und werden von ihren Kollegen auch in aller Regel nicht als solch» gewertet. Wie man die Abstimmungsmethode aber auch beurteilen mag, sie ist bei allen lebenswichtigen Entscheidungen des Vergarbeiterverbandes seit Jahrzehnten als bindend anerkannt worden und muß deshalb auch in diesem Falle als die Meinungsäußerung der Mitgliederschast zur Kenntnis genommen werden. Sucht man nach den psychologischen Gründen, die zu dieser Ablehnung ges&hrt haben, so muß man zunächst das von gewisien konservativen Blättern verbreitete Märchen ausschalten, als wäre sie auf eine ungeheuer gesteigerte kam- munistische Tätigkeit im Kahlengebiet zurückzuführen. Die Minderheitsgruppe hat zweifellos das Aeußerste getan, um die Ablehnung der Bedingungen durchzusetzen,>ihr Einfluß ist aber, wie sich in den letzten Monaten bei allen Entscheidungen der Arbeiterklasse gezeigt hat, nicht so groß, daß ihrem Ein- fluß irgend welche entscheidende Bedeutung zukommen könnte. Die Ablehnung ist ein A k t d e r B e r z w e i f l u n g und der der Arbeiterpartei nahestehende Labour-Korrespondent des„Manchester Guardian" hat wohl Recht, wenn er den seelischen Borgang so darstellt:„Sie Bergarbeiter haben zum erstenmal die Bedingungen, die eine völlige Nieder- läge darstellen— Distriktsabkommen, längere Arbeitszeit, niedrigere Löhne, die Zlbschaffung altgewohnter lokaler Sonderdegünstigungen, die Zlusschaltung der B e r g a r b e i t e r s ö d e r a t i o n als Berhandlungskörper — schwarz auf weiß vor Augen gesehen. Die Tatsache, daß ihr Widerstand gebrochen ist, daß ein Drittel der Arbeiter bereits zur Arbeit zurückgekehrt ist, hat dabei in ihrer Be- urteilung nicht die Rolle gespielt, die der Außenminister an- nehmen konnte. Der Bergarbeiter mag zwar wissen, daß er geschlagen ist, aber er will es nicht anerkenne n." Diese Entschließung dürfte fedoch nicht bedeuten, daß der Kampf weiter geführt wird, als ob sich niemals eine Delcgiertenversammlung für die Annahme der Bedingungen entschieden hätte. Die Situation ist seit vierzehn Togen ver- ändert. Die Abbröckelungsbewegung hat einen größeren Umfang angenommen als je zuvor und die Führer wissen, daß sie einen baldigen Frieden schließen müssen, falls nicht- ein beispiellos heroischer Kampf in langsamer innerer Zer- setzung sein tragisches Ende finden soll. Es ist also anzunehmen, daß nunmehr die Devise ausge- geben wird, die D i st r i k t s v e r h a n d l u n g e n auf der ganzen Linie aufzunehmen, eine Devise/ der auch alle jene Distrikte, wenn auch zögernd, werden folgen müssen, die am schärfsten gegen die gegenwärtigen Bedingungen ein- genommen sind. Es ist klar, daß von dem Augenblicke an, wo eme Reihe von Distrikten sich offiziell bereit findet, die Arbeit wieder aufzunehmen, der Widerstand der übrigen völlig aus- sichtslos geworden ist. Die Ablehnung der Regierungsvor- schlüge ist deshalb im wesentlichen eine Demonstration, die den Bergarbeitern selbst damit nicht zu teuer erkauft zu sein scheint, daß sie damit auch den letzten Rest einer nationalen Garantie, wie sie in dem Schiedsgerichts- ho� vorgesehen war, opfepn. Dann wie immer die Dinge jetzt laufen mögen,— darüber kann kein Zweifel bestehen, daß die Regierung, deren Borschläge abgelehnt worden sind, ihre Bereitwilligkeit, einen Gerichtshof zur Sicherung gewisser Grundsätze' gesetzlich festzulegen, nunmehr endgültig zurück- ziehen wird. Die Secräaberei in China. Ein undeutlich formuliertes droht- loses Telegramm des Dampfers„changping", von Singapor« nach Hongkong unterwegs, meldet zwanzig Verletzte an Bord. Man vermutet, daß es sich um einen Piratendampfcr handelt. Muß Sie Welt verhungern! Schon oft sind Befürchtungen ausgesprochen worden,- daß bei zunehmender Bevölkerung die Lebenz-mllteloorröte der Erde einmal zu knapp werden könnten. Durch einen Vortrag von Sir Daniel Hall vor der Britischen Gesellschast zur Förderung der Wissenschaften in Oxford wurde diese Frage wieder aufgerollt.„Ueberbevölkerung imd Arbeitslosigkeit," sagt er.„sind� in diesem und in anderen Ländern zur schrecklichen Tatsache geworden. Biel« Staaten haben Schwierigkeiten, ihre Lebensführung gegen das Eindringen be- uachbarter, sich unbekümmert bis zur untersten Grenze der Er- Haltungsmöglichkeit vermehrender Rassen aufrecht zu erhalten. Auch haben Beobachtungen der Weizenpreise zu dem Schluß geführt, daß die Neigung zum Steigen sich, ebenso wie vor dem Kriege, auch jetzt wieder kundgibt, so sehr auch die Preisbildung in letzter Zelt durch die Kursschwankungen verschleiert wurde." Sir Daniel Hall hält eine Vermehrung der Anbauflächen für unbedingt erforderlich, ohne aber sagen zu können, wo solches Land in der nötigen Qualität und in einer dem Bedürfnis entsprechenden Ausdehnung zu' finden wäre. Um ihre Lebenshaltung zu behaupten, würden die weißen Rassen zweifellos ihre Kinderzahl einschränken, wie wir' es jetzt schon sehen, aber dies« zunehmende Einschränkung wird, auch unter ökonomischem Druck, nicht sogleich wirksam werden, und die Gefahr liegt in der Uebergcmgsperiode. Der Gelehrt« meint, wir würden wahrfcheinlich Vegetarianer werden, da man mehr Land zur Auf- zucht von Vieh als für Gemüsebau brauche. Auch das Alkohol- verbot würde von selbst erzwungen werden, weil„es mehr Boden für Weizen gäbe, wenn keiner zum Anpflanzen von Roggen mid Gerste und Trauben für Getränk« gebraucht würde". Doch waren amerikanische Gelehrte, die am politischen Institut in Williamstowy, Mass., Vorträg« hieben, als diese pessimistische Kunde aus England kam, anderer-Meinung. Die Wirtschaftssachverständigen schickten gleich ein« beruhigende Botschaft au-, des Inhalts, daß Chemiker und Biologen durch Herstellung synthetischer Nahrung die Weit vor dem Hunger bewahren würden. So ver- sichert Dr. Barnard in Chikago, der der oplimistrschen Anschauung ist. daß der Fortschritt in der Fabrikation synthetischer Lebensmittel schon groß genug sei, um den Chemikern im Notfall die Verwandlung von Sonnenlicht und Stickstoff der Lust in Nahrung für Menschen zu ermöglichen. Beruhigende Zukunfteaussichten eröffnet auch der Chemiker Iechn E. Tempi«:„Es hat keinen Sinn," so meint er, „sich über die Verschwendung überflüssiger Ding« aufzuregen. Nur wenig« Elemente im chemischen Sinn, Kohl«, Sauerstoff, Wasser- stoff, Stickstoff, Schwefel und Phosphor, die in allen Pflanzen vor- Händen find, und noch einig« wenig«, die im Meere gefunden werden, find lebenswichtig. Sonst kommt es auf nichts an."„So wunderbar dies scheint, so ist auch die 5)erstelll!ng von Gummi aus Gasolin und Seide aus Holz nicht weniger erstaunlich. Bielleicht werden fgnche- Spielerei statt Politik. Tie Kommunisten und die sächsische Regierungsfrage. Nach der Beröffentlichung des Arbeitsprogramms der sächsischen Sozialdemokratie hoben die K o m m u- n i st e n ein M a n i f e st verfaßt. Es enthält eine Lifte von Forde- rungen, die eine sozialistische Regierung unbedingt und schnellstens durchführen müßte. Dazu schreibt die„Dresdner Volks- zeitung": „Darunter befinden sich zum großen Teil Forderungen, die eine sächsisch« Regierung schon aus dem Grunde nicht erfüllen kann, weil sie an die Reichs gesctze gebunden ist. Co fordern die Kam- munistcn z. B. Erhöhung der Erwerbslosenunter- st ü tz u n g um 50 P r o z., obgleich sie wissen, daß die Einzel- stallten gar keine Befugnis besitzen, die Erwerbslosenunterstützung über die Reichssätze hinaus zu erhöhen, und das Reich ihnen die für die Erwerbslosenunterstützung gewährten Zuschüsse vorenthält, wenn sie sich nicht streng an die Bestimmungen des Reiches hallen. Ferner wird im„Kämpfer" eine Aufhebung dcrMictzins- st e u e r verlangt, die bekanntlich durch Reichsgesetz den Einzel- stallten vorgeschrieben ist. Die Kommunisten dürften auch wisien, daß die Regierung gar nicht imstande ist,„alle von der Heldt-Regierung eingesetzten Beamten und Vertrauensleute der Reaktion in Polizei, Justiz und Verwaltung einfach zu entlasten", es' ist den Herrschaften vom„Kämpfer" bekannt, daß die Richter z. B. überhaupt unabsetzbar sind, und die Beseitigung anderer Beamten nach dem bestehenden Recht nur unter besonderen Umständen möglich ist. Wir können den Kommunisten nur den guten Rat geben, uns mit solchen Albernheiten in Frieden zu lassen. Wir haben inzwischen das Arbeitsprogramm für eine eventuelle sozialistische Regierung oerösfentlicht. Wenn die Kommunisten eine sozialistische Regierung, die dieses Programm durchzuführen bestrebt ist, nicht unterstützen wollen, sollen sie es bleiben lassen. Sie tragen dann die Verantwortung für alles, was kommt. Wir haben bereits gestern betont, daß die Sozialdemo- kratische Partei sich streng an die Reichsgesetzc und an die Reichsverfassung halten wird. Etwas anderes ist auch nicht möglich. Wenn die Kommunisten undurchführbare For- derungen stellen, so können wir sie an diesem kindischen Der- gnügen nicht hindern, sie sollen sich aber nicht einbilden, daß die Sozialdemokratische Partei auf ihre sinnlosen Spielereien irgendwie eingehen wird." Mit zweierlei Maß... Lehrreiches über die„Offiziersehre". Der zeitweilige völkische Obermime, Oberstleutnant a. D. Ahle- mann, der namentlich aus den Verhandlungen der verschiedenen Femeausschüsse einer breiteren Oesfentlichkeit nicht eben rühmlich bekannt geworden ist, hat sich eines fluchwürdigen Verbrechens schuldig gemacht! Er hat zum 9. November einen Artikel geschrieben, in dem er unter anderem über Hindenburg dieses furchtbare Urteil fällt: .Jetzt allmählich erkennt das Bolk, daß der Feldmarschall seit seiner ersten Verabschiedung 1911 nur repräsentative Rollen gespielt hat." Und wie ein Mann erheben sich die verschiedenen Offiziers- verbände und erklären unter dein gewohnten Wortschwulst, dies sei wahrhcitswidrig, und„Herr Ahlemann habe durch seine verabscheuung-würdigen Angriffe auf die u n a n t a st b a r e Ehre des Heros des deutschen Volkes im Weltkriege erneut zum Aus- druck gebracht, daß.er seinerseits von den Anschauungen unseres Standes abgerückt ist". Inwiefern Ahlemanns Behauptung für Hindenburg„ehren- rührig" ist, wissen wir zwar nicht, denn beispielsweise die Rolle unserer diversen wackeren kleinen Potentaten war doch ausgesprochen und ausschließlich repräsentativ. Soviel aber wissen wir: Als Herr Ahlemann seinerzeit im Reichstag untek dem Schutze der Jnnnu- nität gegen den Abgeordneten Genossen B r e t t s ch ei d schmutzige, tische Früchte und Gemüse bald so gewöhnlich sein, wie synthetischer Branntwein. Nur ein Kenner wird«inst«in« chemische Tomate oder«inen künstlichen Pfirsich von der natürlichen Frucht unter- scheiden können." „Das sind Märchen," erklärt dagegen ein anderer Gelehrter, der für Erhaltung unserer jetzigen Hilfsquellen eintritt und Zweifel an den„wunderbaren, synthetischen Substanzen" hegt, mit denen Zau- derer uns blenden wollen. So steht Meinung gegen Meinung, doch im ganzen überwiegt die Hoffnung, daß neue und besser« Produk- tionsmethoden in Verbindung mit einer Einschränkung des Be- völkerungszuwachses genügen werden, die Zukunft zu sichern.„Der Eßtisch der Welt wird reich bestellt sein, wenn nicht eine völlige Weltmißernt« eintritt." R. B. Sinü 5akire Schwinöler! Mit dem Tode des„Entfesiclungskönigs" Houdini ist ein grim- miper Bekämpfer aller„überirdischen" Leistungen dahingegangen. Wie er die spiritistischen Medien zu entlarven suchte, so bejchäftigte er sich auch eingehend mit den Tricks der Fakire, die gerade in letzter Zeit bei uns in Europa eine so große Verehrung gefunden haben. Eine seiner letzten Taten war es, daß er den Fakir Rahman-Bcy übertrumpfte. Dieser hatte erNärt. er werde sich in einem Sarg Stunden lang in die Wasser des Hudsonflusses versenken lassen: aber kaum war er aus dem Boden des Flusses mit dem Sarge an- gelangt, da ließ er die Alarmglocke ertönen und mußte herauf- gezogen werden. Houdini aber erklärte, daß er dieses Kunststück ohne die„übernatürlichen Kräfte" ansführen werde, die sich die Fakire zumessen, und er blieb wirklich IM, Stunden in einem Sarg eingeschlossen auf dem Boden des Hudson. Diese Leistung war natürlich nur mäolich durch die Mitnahme eines kleinen Sauerstoff- apparates, den Houdini so geschickt zu verbergen wußte, wie dies augenscheinlich auch die Fakire tun, die sich in einem Sarg„be- graben" lassen. Ans den Spuren Houdinis nxindelt der französische Gelehrte Paul Heuzö, der seit Jahren wissenschaftliche Aersuche zur Auf- klärung der Fakirtricks unternimmt und soeben ein Luch„Fakire, Schwindler und Genosien" verössentlicht hat. Er hat sich besonders eingehend mit dem Falir beschäftigt, der unter dem Namen„Tarah- Bey" so großes Aussehen in der Pariser Gesellschaft hervorrief, und sich auch bei uns in Berlin produziert hat. Heuzö untersuchte den Lusttubus, den ein in einem Sarg begrabener Mensch für die At- mung zur Verfügung hat, und stellte fest, indem er sich selbst be- groben ließ, daß man eine kurze Zeit sehr gut mit dieser Lufimenge auskommen kann. Läßt man sich längere Zeit„begraben", so muß man sich freilich mit Sauerstoff versorgen, und er glaubt, daß die Fakire in ihren, Turban oder Gürtel kleine Sauerstoifmengen mll sich führen. Auch die„tataleptische Starre", in der sich der Fakir auf einem mll Nägeln beschlagenen Brett befestigen läßt oder Nadeln und Dolche durch die Backen oder die Haut stößt, läßt sich auf ganz natürliche Weste hervorrufe',. Ein einfacher Willensakt genügt. Hcuzö hat selbst alle diese Tricks ausgeführt und gszeiql, daß dein. Herausziehen der Näael und Nadeln kein Blu,' fließ, Wcniz der Fakir selbsttätig diq Wunden dann zum Bluten bringt, durch nichts bewiesene Angriff« erhob, widersprach dies nicht den „Anschauungen des Offizierkorps". Jetzt freilich, wo er an Hin» denburg Kritik zu üben wagt, ist die so überaus empfindliche Offiziersehre verletzt!_ Sie Not üer kleinen Stäüte. Forderungen des Rcichsstädtcbundes. Der Gcsamtvorstand des Reichs st ädtebundes hielt' in Fulda eine mehrtägige Sitzung ab, die sich hauptsächlich mit der bedrängten Finanzlage der kleinen und mittleren Städte befaßte. Dabei wird mitgeteilt, daß die meisten dieser Städte im Jahre 1926 mit einem Defizit abschneiden würden. Dazu sei iH künftigen Finanzausgleich eine Erhöhung des Einkommen-- steucranteils oder zum mindesten die Aufrechterhaltung der Reichs- umsatzsteuergarantie erforderlich. Sonst mühten die R e a l st e u e r u weiter hochgehallen werden. Die höheren Schulen der mittleren und kleineu Städte, die zu 15 bis 72 Proz. von auswärtigen Schülern besucht werden, könnten nur durch sofortige Einbringung eines Gesetzes über Beiträge der Landkreise bzw. Provinzen zu den städtischen Ausgaben für die auswärtigen Schüler aufrechterhalten werden. Die Förderung der Notstandsarbeiten und dos Notstandsprogramm der Reichsregierung kommen den mittleren und kleineren Städten nur dann wesentlich zugute, wenn der Wohnungs» und Straßenbau als Notstandsarbeit zugelasien und das Ersordcr- nis der 2000 Tagewerke fallen gelassen würde. Zur Finanzierung des Wohnungsbaues. Der Gesamtvorstand des Reichsstädtebundes stellt folgend« Forderungen: Aufstellung eines Reichswohnungsbauprogramms auf mindestens 3 Jahre und Sicherung seiner Finanzierung für etwa 250 000 Wohnungen im Jahr, im Werte von 2 bis 2'A Milliarden. Diese können aufgebracht werden durch Eigenkapttal in Höhe von 5 bis 10 Proz. des Bauwertcs, durch erste und zweite Hypotheken in Höhe von �0 Proz. des Bauwertes mit Hilfe der Sparkassen(etwa 20 Proz. der Einlagen), der Hypothekenbanken, öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten Reichsver- sicherunganstalt für Angestellte und aus den freien Geldmarkt, schließlich durch öffentliche Mittel in Höhe von 50 bis 55 P r o z. des Bauwertes, welche teils durch Hauszinssteuer- Hypotheken, teils durch Reichswohnungsanleihe sicherzustellen wären. Gegen eine mäßige Erhöhung der gesetzlichen Miete und der Haus- zinsftcuer am 1. April 1927, welche zwecks allmählicher Angleichung der Mieten in den Althäusern mit denen in den Neuhäusern nicht umgangen werden kann, werden Bedenken nicht erhoben, falls den Gemeinden aus der erhöhten Hauszinssteuer ausreichende Mittel zur Deckung von Gehalt«, und Lohnerhöhungen gewährleistet werden. Ueber die baldige Umwandln ng der Hauszins st euer soll von den kommunalen Spitzenverbänden ein einheitlicher Plan aufgestellt werden. Die �rgebnijse üer Werbewoche. In der Zusammenstellung der Ergebnisse der Werbearbell während der Werbewoche(vgl. letztes Moxgenblatt) sind irrtümlich die Resultate des Bezirks Berlin mit denen. des Bezirks Brandenburg zusammcn- gezählt worden. Im Bezirk Groß-Berlin allein wurden 2093 Mitglieder neu gewonnen, davon 1591 Männer und 502 Frauen,- die Resultate von acht Abteilungen stehen freilich noch aus. Der Zusammenschluß Asiens. Di« japanische Regierung hat Verhandlungen über die Errichtung einer Botschaft in Teheran mit der persischen Regierung erössnet. Die- Botschaft wird voraus- sichtlich im kommenden Frühjahr errichtet. Der Präsident von Nicaragua, D i a z, hat ein Hilfsgesuch nach Washington gerichtet und beschuldigt darin Mexiko, die Rebellen zu unterstützen. so ist dies nur durch einen Betrug zu erklären. Heuzö glaubt, daß bei Tarah-Bey der Dolch, den er immer in der Hand hält, in seinem Griff eine rote Flüssigkeit enthüll, die er durch«inen Mechanismus fließen lossen kann. Aus dieselbe ganz natürliche Weise werden in dem Buch die anderen Tricks erklärt, und nach Heuze gibt es keine Erscheinung im Repertoire der Fakire, die nicht auch von einem ge- schickten Jongleur oder„Zauberkünstler", ausgeführt werden könnte. Bernhard Shaw und der Nobelpreis. Nach den letzten Nach- richten hat jetzt Bernhard Shaw die Nobelprcissumme doch ent- gcaengenommen, jedoch unter der Bedingung, daß er selbst sogleich dies« Summe zu dem bereits von ihm erwähnten Zweck, nämlich zur Förderung der literarischen Berständigung zwischen Schweden und Großbritannien, verwenden dürfe. Es ist anerkennenswert, daß Shaw sich durch den Nobelpreis nicht persönlich bereichern will. Aber die von ihm geplante Ber- wendung des Geldes scheint seiner nicht ganz würdig. Es ist ein Verlcgenhcitseinfall: bei all diesen„Förderungen" springt ja in der Regel nichts heraus. Es wäre eine echte Shawsche Ironie, wenn er, der in seinem«Sozialismus für Millionäre" die Kapitalisten so artig hernimmt, nun selber mit dem Mammon nichts Gescheites an- zusangen umßte._ Erstliulftihnivzea der Woche. Montag. Slädt.Oper:.Der Zwerg». „Der letztcFaun».— Mittwoch. Sommerlpiele:.Karuffell».— Freitag. lyeatec t. d. klosserstrahe:.Loche» H umbricht".— Sonn- abevb. Neue» Iheoler am Z«o-.Rinon am Scheibe weg". llranlo- Vorträge. Täglich:.Geilt und Maschine".»Im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten".— Dienstag. Donnerstag 00:»Das deutsch« Museum in Mllncben".— Mittwoch. Freiing(7):„Fordwerte".— Sonnabend i?):-Jap an". (9):.Dichter, Regisseur und a m e r a ni a n n". Schiilerauisührunoea. L!IS zweite» Stück der voni Magistrat Berlin, Verband Bnliner Bubnenleiler und Büdnengenossenschast gemeinsam vci- anstaltrlen E chiilcranstührungen geht ab Ä>. November im Berliner Theater nachmittag» an zwölf auseinandersolgenden Tagen.Minna von B a r n h e l m" in der Jnlzenicrung des StaatSlheatcrZ in Szene. Ludwig Hardt spricht in der Berliner Sezession am Totensonntag u. a. Bekenntnisse von Börne, Betlin» von tV min, Lckermann. Nletir, Stlindberg, Zola. LStar Wilde, Verse von Goethe, Hölderlcin, Georg Heyn. .Da» Theater der künstlichen Mensche»' bringt Montag im Tbenter de» Westens die Oper»Der Barbier von Sevilla" von Rossini. Richard Leopold wird aus Einladung der Volksbühne 0. V. am 20, abend» 8 Uhr im Bürgersaal de» Ratdaose» Denkmäler alten und neuen Berliner Humor« zum Vortrag bringen. Eintahlartca zum Preise von öd Psg. sind in den Vcrkaujsilellcii der Votlsbühne er- hülllich. Zum vor sitzen den der vlchter-Alademte wurde Dllbelm v. Scholz, der seinen Wohnsitz vom Brdensee nach Berlin verlegt hat, gewählt, und zu seinem Stellvertreter Ludwig Fulda. Nae falsche»Tlloua Lisa" 7 Da» Pariser.Oeuvre" vcröffenllicht einen sentationelt nufgemachten Slrt'krl, worin behauptet wird, daß de» bekannte Gemälde von Leonardo da Vinci.Mona Li'a"»ich! echt sei. Das Bitd, das seinerzeit nach einem Raube wieder iu den Louore zutückgegebeiz wurde, jet eure Kopie. Das Lrrgwal desinde sich in Privatbesitz. Warum soll Serlin Düppel kaufeu? Blick auf die Gutsgebäude. Gegen den Ankauf des Rittergutes Düppel durch die Stadt Berlin werden manche Bedenken vorgebracht. Bemängelt wird hauptsächlich, daß der Preis für Düppel samt Drei- linden sich jetzt auf 11 Millionen steht, während im vorigen Jahr für Düppel allein K Millionen gefordert wurden. Die Leute des �crrn vo» Achenbach, des Landrais vom Kreise Teltow, sind nicht erbaut von der Aussicht auf die Eingemeindung Düppels nach Berlin, die dem Ankauf folgen mühte. Dem Magistrat gilt aber gerade die von der Eingemeindung M erwartende Abrundung der Berliner Stodtgrenzc gegen Kreis Teltow als sehr wünschenswert, und er begrüßt es, daß durch den Ankauf des Gutes die Frage der Eingemeindung ihrer Entscheidung näher gebracht würde, chätte man nicht das Gebiet des Gutes Düppel im Jahre 186Z, wo das Gut entstand, aus der Dorfmark Zehlendorf ausgemcindet, so wäre es im Jahre 1921 bei der Zu- sammensassung der großen Einheitegemeinde Berlin ohne weiteres init Zchlendorf zu dem vergrößerten Berliner Stadtgebiet gezogen worden. Die jetzige Zerrissenbeit der Grenze Berlins im Süden des Verwaltungsbezirkes Zchlendorf bringt für die Verwal- tung allerlei» Schwierigkeiten. Sie erschwert die Auf- stcllung eines einheitlichen Bebauungsplanes, die Anlegung durchgehender Verkehrswege, die Schaffung umfassender Entwässerungscinrichtungeir, die Besiedelung dieses zur Wirtschaftseinheit Berlin gehörenden Gebietes. Daß die Waldungen des Gutes auch als Erholungsstätte für die Bevölkerung Berlins erschlossen werden könnten, ist eine sehr will- kommcne Zugabe. Zwei Drittel des anzukaufenden Gebietes, dos im ganzen 7S6 Hektar umsaht, sind guter Wald. Allein den Holz- wert schätzt die städtische Forstocrwaltung auf VA Million Mark, aber selbstverständlich soll dieser Wald den Berlinern erhalten bleiben. Auch wenn die Eingemeindung nicht sofort zu erreichen ist, hätte die Stadt Berlin nach dem Ankauf als Gutsherrin weitgehende Rechte. Der Magistrat hält jetzt den Erwerb des Gutes und die baldige Eingemeindung für nötig. Im vorigen Jahr sicherte er sich durch ein Hypothekendarlehn zunächst das Vorrecht für einen etwaigen Ankauf, jetzt aber glaubt er, diesen letzten Schritt nicht länger hin- ausschieben zu sollen. Die Finanzierung soll, wie im„Vor- wärts" bereits kurz mitgeteilt wurde, durch'eine Amortisations- Hypothek von 9 Millionen Mark, die von einer Hypothekenbank be- schafft wird, ermöglicht werden. Die Hypothek könnte in 27�> Iahren zurückgezahlt sein, doch soll die Stadt nach Belieben schon ain 1. Januar 1932 kündigen dürfen» falls günstige Gcldverhältnissc das zweckmäßig erscheinen lassen. Bisher ist noch keine den Ankauf von Düppel beantragende Vorlage des Magistrats an die Stadtverordnetenver- s a m m l u n g gelangt. Das Projekt wird hier sicherlich einer sehr eingehenden Prüfung unterzogen werden. �kn bestrafter Verleumder. Ein Dcntschnationalcr beschimpft Hermann Müller und Tr. Bell.— Sechs Monate Gefängnis. Das Schöffengericht in Stade(Unterelbe) verurteilte dieser -rage den Hofbesitzer Claus Schulz aus Bachenbrok bei Hollern (Kreis Jork) wegen verleumderischer Beleidigung zu sechs Mo- naten Eeföngnis. Dieses Mitglied der D e u t s ch n a t i o- nalen Volkspartei leistete sich im Juli bei der Einweihung eines Gefallenendenkmals, an der auch die Freie Turnerschaft und das Reichsbanner teilnahmen, als Sprecher des Reitervereins die unerhörtesten Angriffe gegen seine politischen Gegner und die füh- renden Persönlichkeiten der Republik. Er sprach von„i n t e r- nationalem Gesindel",„internationalen Lumpen und Verbrechern, die das Vaterland verraten haben" und sagte schließlich wörtlich:„Den Versailler Friedensvertrag haben Lumpen, die vom inter- nationalen Gold bestochen worden sind, unter- schrieben". Auch der deutschen Regierung machte er den Vorwurf, von„rotem, internationalem Golde bestochen und gs- kauft" zu sein. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordncte Hennann Müller und Rcichsjustizminister Dr. Bell, die beiden deutschen Unterzeichner des Friedensvertrages, stellten daraufhin gegen Schulz Strafantrag. In der Gerichtsoerhandlung fand der forsche Hofbesitzer natür- lich nicht den Mut, zu seinen Aeußerungen zu stehen. Auch mehrere von ihm aufgebotene Entlastungszeugen wollten sich an gar nichts mehr entsinnen. Einer dieser Zeugen wußte nur noch, toß es sich um eine„vaterländische Rede" gehandelt hatte, weil sie mit den Worten begann: Mit Gott für Kaiser und Reich! Der Oberstaatsanwalt ging mit dem Verleumder scharf ins Gericht und wies darauf hin, daß die Beleidigung hochverdiente Männer getroffen habe,„die nichts weiter getan haben als den Willen der Nationalversammlung, wenn auch schweren, vielleicht gar blutenden Herzens, auszuführen".„Als andere auf und davon gingen", so führte der Oberstaatsanwalt wörtlich aus,„haben sich mutige Männer gefunden, um das schwankende Staatsschiff wieder aufzurichten. Wenn solche Männer in dieser infamen Weise mit Schmutz beworfen werden, so ist es die höchste Zeit, daß mit aller Energie gegen solche Verleumder vorgegangen wird." Der Vertreter der Anklage beantragte eine Gefängnis- st rase von einem Jahr und sechs Monaten. Das Ge- richt. dessen Urteil auf sechs Monate Gefängnis lautet, machte sich zum großen Teil die Ausführungen des Staatsanwalts zu eigen. Es ist noch beyierkenswcrt, daß die verurteilte deutschnationale Größe Claus Schulz die längste Zeit während des Krieges in der Heimat verbracht hat. Seine Losung ist nach wie vor: Mit Gott für König und Vaterland! Aber weder der Kirche noch dem Vater- land gegenüber tut er sein« Pflicht. Als Besitzer eines großen An- wesens zahlt er weder Einkommen st euer noch entrichtete er bis jetzt Kirchensteuer. Das war sogar dem zuständigen Kirchcnvor- stand schließlich zuviel. Er mußte den Hofbesitzer wiederholt darauf oufmerksam machen, daß jeder Arbeiter auf seinem Hofe zur Kirchen- steuer herangezogen wird. Erst damr bequemte sich der gottes- fürchtige Mann, die veranlagte Kirchensteuer in Höhe von 89 M. zu zahlen. Das Sritische Reich als Staatenbunö. Einigung auf der Rcichskonferenz. London. 29. November.(EP.) Die Rcichskonferenz hat gestern eine neu« Sitzung abgehalten und den Bericht des Komitees für die Neuregelung der Beziehungen zwischen England und den Dominions gutgeheißen. Dieser soll vollständig neue Vorschläge für die Zukunft der Dominions enthalten. Dabei würden die Domi- nions als verbündete Länder mit gleichen Rechten unter der Souveränität des Königs von England behandelt werden. Die englischen Generalgouoerneure in den Dominions würden lediglich als persönliche Vertreter des Königs von Eng- land gelten. Die Dominions dürfen direkt mit der Lcndoner Re- gierung verhandeln und würden nicht mehr verpflichtet sein, dies durch die Vermittlung des Generalgouverneurs zu tun. Jedes Dominion hätte das Recht, mit den ausländischen Mächten Handelsverträge abzuschließen unter der Bedingung, daß da- durch die Rechte des Mutterlandes oder der anderen Dominions nicht verletzt würden. Die Dominions erkennen ferner die Derant- wortlichkeit an, die England auf Grund des Vertrags von L o c a r n o sür die Dominions Übernommen hat. Es wird aber bestimmt, daß in Zukunft England nicht mehr berechtigt ist, Verträge solcher Art zu unterzeichnen, ohne zuvor die Dominions befragt zu haben. Starte Sesterung öes Franken. 1 Pfv. Sterling--- 1S4 Franken. In den letzten Tagen ist, hauptsächlich unter dem Einfluß von Stlltzungskäufen in Amsterdam, die offenbar auch von der Spetu- lation ausgenutzt wurden, eine wesentliche Besserung des Kurses des französischen Franken zu verzeichnen. Die Plötzlichkeit und Heftigkeit, mit der die Frantenhauss« einsetzte, läßt erwarten, daß die französisch« Wirtschast, namentlich der Export, in eine schwere Krise hineinkommt. Dazu wird uns gemeldet: Paris, 29. November.(Eigener Drahtbericht.) Der fron- zösische Franken, der am Freitag bereits im Laufe der Börse stark gestiegen war, zeigte in der Nachbörse eine neue außerordentlich starke Hausse. Gegen V Uhr abends notierte das englische Pfund 1 33.99, der Dollar 27,79. Tie deutsche Börse und die Frunkcnbesscrung. Die heutige Börse war fester gestimmt, was in erster Linie auf die Rekordförderung im Bergbau, die Erhöhuno der Aus- landskohlenprcise, den Reichsbahnbericht für Oktober und den an- haltend flüssigen Geldstand zurückzuführen ist. Die Tendenz wäre noch fester geworden, wenn man nicht angesichts der starken Frankenbefestigung bis auf 129 Befürchtungen gehabt hätte, daß der Pariser Markt die d e u t s ch e n E f s e k t e n in Bälde a b- stoßen wird. Insbesondere bevorzugt waren heute Montanwerte, Farben und Spezialitäten wie Metallbank, Ostwcrke Schultheiß. Der Rcntenmarkt ist freundlich aber still. Nur$ Monate dienftzeit. Ein Vorstost der französische» Partei. Paris. 29. November.(Eigener Drahtbericht.) Die sozialistische Fraktion hat am Freitag einen Bericht Renaudels über den vom Kriegsminister Painlev« eingebrachten Gcsetzenpourf über die Reu- gestaUung der Armee entgegengenommen. Renaudel schlug eine Dienstzeit von 9 Monaten vor gegenüber d-r einjährigen Dienstzeit des Gesetzentwurfs. Die sozialistische Fraktion hat Renaudel beauf- trogt, seinen Borschlog in der Kammer zu vertreten. j Der �Taubstumme" als Mörüer. Verhaftung des Einbrechers von Ahlbeck. Im September d.'I. wurden, wie wir mittetllen, in den Ostsee- bädern Swinemünd« und A h l b e ck s chwcre Verbrechen verübt. In der Nacht znm IS. September wurde in Swine- münde in drei Villen eingebrochen. Der unbekannte Verbrecher wurde jedesmal überrascht und oerscheucht. In einem Falle griff er sofort zur Pistole und schoß auf den Wohnungsinhaber, der chn ertappte, ohne ihn jedoch zu treffen. In der Nacht zum 17. September erwachte in Ahrbeck der Kaffee Hausbesitzer Wilhelm Willens, der das feiaft Waldheim betrieb, durch das Anschlagen seines Hundes und«in Geräusch in der Glosveranda. Als er oufftand, um nachzusehen, erhielt er von einem Einbrecher, der durch ein offenes Fenster in die Glasveranda eingestiegen war, sofort mehrer« Schüsse. Trotz seiner schweren Verletzung packte er den Verbrecher, und es kam hinter dem Ladentisch zu einem heftigen Kampfe, in dem der Schwerverletzte schließlich unierlag. Der Verbrecher erbeutete nur«inen geringen Betrag an Kleingeld aus der Ladenkass« und entfloh damit. Den Polizerbetriebsassistenten Rehkopp, der auf den Lärm herbeieilte, und ihn verfolgte, hielt er sich mit mehreren Schüssen vom Leib«. Ein Schuß traf den Beamten schwer in die Brust. Auch der Räuber hatte in dem Kampf« mit dem Kaffeehausbcsitzer Verletzung«» davongetragen, wahrscheinlich von einem Totschläger, den Willens zu seinem Schutz hinter dem Ladentisch zu liegen hatte und den der Räuber dann mitnahm. Mit- einem Slück aus einem.zerrissenen Oberhemd hatte er sich verbunden. Willens erlag, wie noch er- innerlich sein wird, alsbald den Schußverletzrmgen. Auf die Er- greisung des Verbrechers würbe ein« Belohnung von 3999 Mark ausgesetzt. Am 12. d. M. wurde nun in Rostock «in Bettler festgenommen, der den Taubstummen spielte. Er nannte sich„Josef Wintler", verweigert« aber nähere An- gaben über seine Person. Nach Papieren, die man bei ihm fand, sollt« er aus Radzionka stammen. Auf ihn fiel alslxrld der dringende Verdacht, die Verbrechen in Swinemünds und Ahlbeck verübt zu haben. Durch Fingeraddrückc, die man ln Ahlbcck an einein Oberlichtfenstcr gefunden hatte und durch Gcgenüberstellrmg mit anderen Zeugen wurde er auch von der Landestriminalpolizeistelle Stettin überführt und zum Geständnis gebracht. In Berlin halt« unterdessen der Sachverständig« des Polizeipräsidiums, Professor Dr. B r ü n i n g, die in Swinemünde und Ahlbeck aufgefundenen Patronenhülsen genau untersucht. Er hatte festgestellt, daß st« aus derselben Woss«, einer SelbstZadepistol«, Kaliber ö,3S Millimeter, stammten. Hierdurch war bereits erwiesen, daß der Einbrecher von Swinemünd- und d-r Raubmörder von Ahlbeck zweifellos dl« gleich« Person waren. Die Fingerabdrücke wurden jetzt von der Landes- kriminalpolizeistell« S!et!in an die Berliner Zentrale eingesandt. Der Erkennungsdienst stellte fest, daß es die Abdrück« nicht eines Josef Winkler, sondern eines wied-rholt bestraften, am 18. September 1999 zu Radzionka bei Tarnowitz geborenen Schuhmackzers Josef W i n d« r sind. Dieser wurde u. a. in Liegnitz wegen einfachen und Einbruch-diebstahls bereits bestraft. Er trieb sich überall als ..Taubstummer" umher und wurde so auch in Heidelberg einmal als Landstreicher und Bettler aufgegriffen. Opernabend in der Hasenheide. Das Volksbildungsamt Kreuzberg unterzog sich liebevollst der Mühe und bereitete einem im Orphcum zahlreich er- schienenen Publikum eine wirkliche Freude. Es gab„Das M ä d- ch e n von E l i ,z o n d a", Operette von Ossenbach,„W i t w e Grupi n", Komische Oper von Flatow, und„Der Ehemann vor der Tür", Komische Oper von Offenbach. Alle drei Einakter mit ihrer hübsch-n, leichten Musik und der netten, wenn auch manch- mal ein bisset harmlos wirkenden Handlung, fanden ungeheuren Beifall. Gespielt wrndc von einem aus drei Darstellern bestehenden Ensemble„Berliner Spiclrper". Die Sängerin verfügte über sehr gutes Stimmatcrial, der Tenor allerdings nicht in gleichem Maße, aber er verdarb trotzdem nichts am Gesamterfolg. Der rceieführende Dritte im Bunde bemühte sich offensichtlich, seiner Komik etwas stark Neuzeitliches zu verleihen— er schwankte so zwischen Bendow, Pallenberg und noch einigen„prominenten" Kollegen, was aber weder dem Stil noch seiner Persönlichkeit entsprach. Sonst rr-ar das Ganze sehr hübsch aufgemacht und gesicl ungemein. Verhaftung von Kohlenschiebern. Ter unerbittliche Kohlenkommiffar. Am gestrigen Freitagnachmittag sind in Berlin eine Anzahl zum Teil bekannter Geschäftsleute aus dem Rheinland verhaltet worden, die nach Berlin gekommen waren, um bei dem Reichs- kohlcnkommissar zu versuchen, eine nachträgliche Ge nehmt- g u n g von Kohlenschiebungcn nach Holland zu er- wirke». Bekanntlich hatten während des englischen B-rgarbciterstreiks eine Anzahl nicht unbekannter Kohlenhandelssirmen im Rheinland lukrative Geschäfte mit englischen und holländischen Finnen gemocht und große Mengen Kohle ausgeführt, ohne die Genehmigung des Reichstohlenkommissars zu be- sitzen. Die Ausfuhr war dadurch ermöglicht worden, daß die in Frage kommenden Händler Blankoformulars des Rcichskohlenkoiu- missars i» der Hand hatten und diese zum Teil ickcekt s ä l s ch t e n. Der Reichskohlenkommissar hatte, als Zollgrcnzbeamte hinter dies« Schiebung kamen, den Staatsanwalt gegen die in Frage kommen- den Firmen in Bewegung gefetzt. Gestern kamen nun Professor Wi l h c l m U e b e l, der Mitinhaber einer Kohlengrohhondlung u» Ruhrort, Direktor Hill, der Besitzer einer Reederei in Duis- bürg, sowie die Vertreter einer Kohlengroßsirma, Joseph T i s ch e l k a m p und G. Winschermann, nach Berlin und ließen sich beim Reichskohlenkommissar melden. Die Herren gaben dort zu, daß auch sie Kohle ausgeführt hätten, und zwar auf Grund von Blankoformularen. Sie hätten seinerzeit zu sehr teuren Preisen Ruhrkohle gekauft und Verträge mit ausländischen Firmen abge- schlössen, durch die ihnen sehr erheblich» Verkaufspreise zugesichert worden seien. Durch das Eingreisen der Behörden bestehe die Gcsahr, daß die ausländischen Bezieher nun die deutschen Firmen regreßpflichtig inachen würden und daß eine Anzahl großer Unter- nehmen geradezu in Konkurs gehen müßten, wenn sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen könnten. Aus diesem Grunde baten dl« vbcngenanten Herren, daß der Reichskohlenkommissar nachträglich ihre Ausfuhrgeschäfte sanklionieren und ihnen zur Ab- wicklung der Lieferungen gültige Ausfuhrscheine erteilen solle. Der Reichstohleiikommisfnr, Geheimrat Stutz, kam diesem seltsam an- mutenden Verlangen jedoch nicht nach, sondern erklärte, daß die Ausfuhr der Kohle eine straffällige 5) a n d l u n g bedeute, für die die jetzt betroffenen Firmen auch die Verantwortung tragen müßten. Bald nachdem die Kaufleute dann das Amt verlassen hatten, wurden sie von Beamten der Kriminalpolizei verhaftet, da ein Ersuchen der zuständigen Staatsanwaltschaft in Duisburg bereits vorlag. Im Laufe des heutigen Sonnabendvormittag sind die Festgenommenen von Anitsgcrichtsrat Struckmann vernommen worden. Sie dürften, obwohl bereits heute ein Haftentlassungs- antrag eingereicht worden ist. zunächst nach Duisburg transportiert werden, wo dann der Untersuchungsrichter über die Frage einer weiteren Inhaftierung entscheiden wird. Der neue Stadtschulrak. Genosse Rydahl, will in der nächsten Monatsverjainmlung des Bundes entschiedener Schul- res armer(Dienstag, 23. November.'�8 Uhr, Werner-Siemens» Realgymnasium. Hohenstaufenstr. 47/48) sich über seine Stellung. »ahme zur G e g e n w n r t s fchu l p o l I t i k äußern. In derselben Sitzung sprechen Reinh. L ch m a n n- Leipzig über„Au s- ländliche Versuchs) ch u l e n" und Paul O c st r e � ch über „Deutsche Schulreform und Schulrealtion". Material" gegen den Mtjlunöentag. Die alte Methode der Unternehmerverbände. �Leirn es je eines Beweises dafür bedurft hätte, daß die privat» kapitalistische Wirtschaft dos Profitinteress« über die Volksinteresjen stellt, dann ist dieser Beweis während der Inflation und der gegen- wärtigen Krise vollauf erbracht worden. In ihrer Erklärung gegen das von den Gewerkschaften geforderte Notgesetz ,tur Wieder- Herstellung des Achtstundentages leisten die Unternehmerverbände sich den Hohn, zu sagen, die jetzige verlängerte Arbeitszeit samt der Ueberstundenwirtschaft sei auf gesetzlicher Grundlage„im Ein- vernehmen mit den deutschen Arbeitnehmern" so festgesetzt worden, wie es den Lebensbedürfnissen der deutschen Wirt- schaft— als die sie sich in ihrer Bescheidenheit zu bezeichnen pflegen — entspricht. Nicht die Spitzenorganisationen der deutschen Arbeitnehmer seien es, die im Einvernehmen mit den deutschen Arbeitnehmern handelten, wenn sie durch ein Notgesetz die Beschränkung der Ueber- stunden fordern und die Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden, sondern die Unternehmerverbände seien es viel- mehr, die im Einvernehmen mit den Arbeitnehmern handelten, als sie die Arbeitszeit verlängerten; sie seien es auch, die sich aus das Einvernehmen mit den deutschen Arbeitnehmern berufen könnten, wenn sie sich gegen die Forderung der Spitzenverbände wendeten, um„dos dem gesamten Volke drohende Unheil abzuwehren", das ein solches Notgesetz bedeutete. Diese Art der Argumentation, die sich selber kennWichnet, zeigt schon, wie schwach es um die sachlichen Gründe der Unternehmer- verbände bestellt ist. Wir zweifeln daher nicht einmal daran, daß das Verhasten vieler Arbeitnehmer, diktiert von der Furcht vor der Arbeitslosigkeit, die Unternehmer in die ihnen angenehm« Lage ge- bracht hat, sich negativ auf das„Einvernehmen" der Arbeiter mit der verlängerten Arbeitszeit und den Ueberstunden zu berufen. Doch wenn die Führer der Unternehmerverbände nicht so sehr von den Sorgen um die„deutsche Wirtschaft" und um dos Wohlergehen .ches gesamten deutschen Volkes" erfüllt wären, dann hallen auch sie schon dahinter kommen müsien, was es mit dem Einvernehmen der deutschen Arbeitnehmer mit ihrer Arbeitszeitpolitit auf sich hat, wie das„Einvernehmen" in den einzelnen Betrieben zustande kommt. Die rücksichtsloseste Ausnützung des Uebcrgewichts, das ihnen außer dem Besitz der Produktionsmittel die gegenwärtige Arbeitsmarktlage über die Arbeiter und Angestellten bietet, führt zu einem„Ein- vernehmen" in manchen Stücken, in denen es sich unter anderen UinstSnden sehr bald und recht deutlich zeigen würde, daß dieses „Einvernehmen" nichts weiter ist, als der Erfolg eines brutalen Zwanges, einer maßlosen Unterdrückung. Die Unternehmerverbände begnügten sich jedoch nicht mit ihrer Erklärung gegen das von den Gewerkschaften geforderte Notgesetz. Sie versuchten vielmehr, diese Erklärung näher zu begründen und die Stellen, auf deren Beeinflussung in ihrem Sinne es ihnen Haupt- sächlich ankommt, mit ihren, Material zu versehen. Wer die Meissinger-Denkschriften der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberoerbände zur Lohn- und Arbettszeitfrage kennt, begreift lehr wohl die Bemühungen der Unternehmerverbände, durch das Wolff-Bureau berichtigen zu losten, daß sie jetzt keine umfang- reiche Denkschrift ausgegeben hätten, daß die nicht umfangreiche „Denkschrift" überhaupt keine Denkschrift sei, sondern„nur eine gedruckte Zusammen st ellung von Material" gegen Verkürzung der Arbeitszeit, gegen die Einschränkung des wilden Ueberstundenunwesens wie überhaupt gegen jede Minmischung" der Gewerkschaften in die von den Unternehmern im„Einvernehmen mit den deutschen Arbeitnehmern" so vorzüglich geregelte Arbeits- zeitfestsetzung. Das neue Arbeitqeberverbandsmaterial ist offenbar um nichts besser als das„Material" der berüchtigten„Denk- fchriften". Die„Deutsche Bergwerkszeitung" und ähnliche Unternehmerorgane haben entweder dieses Material bereits veerösferlllicht, oder aber es ist ihren Artikeln entnommen. Wie uns mitgeteilt wird, befaßt sich das„Material" Haupt» sächlich mit der Arbeitszeit und dem Ueber st undenwesen im Bergbau. Die Mißwirtschaft auf diesem Gebiete wird zunächst als herzlich unbedeutend hinzustellen und, soweit sie nicht ganz verleugnet werden kann, als notwendig zu erklären versucht. Die Zechenhcrren im Ruhrgfbiet sind übel daran, da sie die arbeitslosen Bergarbeiter nicht finden, sie nur schwer in ihre Betriebe bringen können, und wenn sie wirklich ein paar Mann im Betrieb haben, diese bald wieder ausreißen. Ein Zechenbesitzer berichtet, daß auf einzelnen seiner Schacht- anlagen in der Zeit vom 1. April bis jetzt Illl) angelegten Arbeitern 30 bis 4 5 abkehrende gegenüberstehen. Es fft bei den„glänzenden" Arbeitsbedingungen im Ruhrbergbou „natürlich" gänzlich ausgeschlosten, daß die Ursache für diese— einmal als richtig unterstellte— Erscheinung bei dem Unternehmer und seinen Schachtanlagen selber zu suchen sei. Jedenfalls denkt der betreffende Unternehmer nicht daran, die Schuld etwa bei sich zu suchen. Als Gründe gibt der Unternehmer an: „1. Gewöhnung an ein zwar nicht üppiges, aber doch arbeils- loses, angenehmes Leben auf kosten der Erwerbslosensürforge... 2. Die durch das knappsthaflsgesetz gewährten hohen kranken- geldbezüge beim Krankfeiern, die für manchen Anreiz bieten, schon nach wenigen Arbeltstagen einen Krankenschein zu nehmen und aus dem Arbeitsverhällnis schnellstens wieder auszuscheiden." Der Edle verschweigt in dem„Material" der Unternehmer- verbände schamhast seinen Namen. Zu dem Schaden, den die Herren der Arbeiterschaft und der Wirtschast bei ihrer Jagd nach Neukapital zufügen, kommt die Verdächtigung und die Verhöhnung der Arbeiterschaft. Sie wollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, den Achtstundentag und die Sozialversicherung, und hauen daneben. Eine üble Sache läßt sich nicht mit guten Gründen verfechten. Do Helsen fall, was helfen mag, kommen die Unternehmerverbände mit einem derartigen„Material", das sie verleugnen möchten, nach- dem es seine Wirkung für ihre Zwecke getan Hot. Der Kampf gegen Sie Arbeitslosigkeit. Der Deutsch« Werkmeister-Verband(Bezirk Berlin) hall« sein« Funktionär««un Dienstag zu einer Versammlung nach dem Plenar- fall des ehemaligen Herrenhauses geladen. Das Thema lautet«: „Kampf gegen die Arbeitslosigkeit." Referent: Dr. F. C r o n« r, Leiter der sozialpolitischen Abteilung des DWV. Der Referent führt« «tu>a folgendes aus: In der Vorkriegszeit wurden die Krisen dadurch behoben, daß die Unordnung der Produktion durch Herabsetzung der Preis« wieder in Ordnung gebracht wurde. Also Behebung der Krise durch P r« i s se n k u n g. Heut« haben Kartell« und Trust« die Herrschaft. Man kann die jetzige Krise als erste Krise des Monopol- k ä p i t a l i s m u s bezeichnen.' Der Umfang der Arbeitslosigkeit ist so groß, daß ihr« Behebung die zentralste Aufgabe aller politischen Parteien ist. Es taucht daher die Frage auf, was kann und muß in dieser Tragödie geschehen? Zw«, Wege haben die fteien Gewerkschaften vorgeschlagen: 1. Herabsetzung der Arbeitszeit und Verbot der Leistung von Ueber- stunden, 2. Arbeitsbeschaffung aus künstlichem Wege. Seit sechs Monaten wird im Reichstag über dos Arbeits- beschafsungsprogramm diskutiert; dabei ist festzustellen, daß die Zahl der Notstandsarbeiter von 170 OVO am 15. Mai 1926 auf 129000 am 15. Oktober 1926 zurückgegangen ist. So geht es nicht weiter; außerordentliche Maßnahmen erfordern auherordenUich« Mittel. Ein« Durchgreifung des Reichs, der Länder und Gemeinden ist zu fordern. Es muß ein« wesentliche Erhöhung der Unter st ützungs- s ä tz« d-r Erwerbslosen«intreten. Das Argument der Reichsregierung, daß die Unterstützung die Löhne überschneidet, ist nicht stichhaltig: es steht fest, daß bei den heutigen Sätzen nur 2,8 Proz. oller Erwerbslosen mehr erhalten, als sie sonst als Arbeiter erhielten. Die Gewerkschaften müssen daher auch weiterhin fordern, daß auch das Problem der Arbeitsvermittlung gelöst wird. Es muß der Melde- und Benutzungszwang eingeführt werden, ferner das Recht der zwangsmäßigen Einstellung durch den Arbeitsnachweis. Zu fordern ist auch ein weiterer Ausbau des Kündigungsschutzgesetzes und seine Ausdehnung auf alle Lohnarbeiter. Reicher Beifall wurde dem Referenten zuteil. Alle Diskussions- redirer unterstrichen die Ausführungen des Vortragenden. /lus Sem Kontinental-Hotel. Ein Zimmermädchen Sch.. Mitglied des Betriebsrats im Kontinental-Hotel, soll sich— so behauptet die Direktion— durch zänkisches Benehmen gegen Kollegen und u n b o t- mäßiges Verhalten gegen Vorgesetzte in ihrer Stellung unmöglich gemacht haben. Die Direktion beantragte des- halb beim Gcwerbegericht die vom Betriebsrat verweigerte Z u- 5?I).- Metallarbeiter! Besucht Eure Wahlkörpervcr Sammlungen! st i m m u n g zur Entlassung der Sch. In der Verhandlung wurde folgendes festgestellt. Fräulein Sch. ist schon vor einigen Monaten einmal entlassen worden, ohne daß der Betriebsrat befragt wurde. Damals zeigte sich vor dem Gewerbcgericht. daß die Entlassung unbe- gründet war. Fräulein Sch. wurde wieder eingestellt. Als sie sich beim Direktor zur Arbeit meldete, bemerkte sie, sie müsse aber bitten, auf ihren früheren Platz gestellt zu werden, anderenfalls würde sie sich als gemaßregelt betrachten. Wie der Direktor im gegenwärtigen Prozeß erklärte, hielt er dies Verhalten von Fräulein Sch. für eine llnbotmäßigkeit, aber,„um seinen guten Willen zu zeigen", stellte er sie aus ihren früheren Platz. Hier hatte Fräulein Sch. in der Jnspektrice eine Vorgesetzte, die noch in der Zeit der Gesindeordnun� zu leben glaubt unp die Zimmermädchen als„Dienstboten" zu betrach- ten schien, die ohne Murren zu parieren haben. Einem Zimmermädchen, mit dessen Arbeit die Jnspektrice nicht zufrieden war, rief sie zu:„So alt Sie sind, so dumm sinh Sie." Ein Gast des Hotels, der das hörte, bemerkte, er sei auch Direktor, ober so wage er seine Angestellten nicht zu behandeln. Ein anderes Mädchen, das den Korridor fegen und die Fenster putzen sollte, berief sich daraus, daß das die A r b ei t des Haus- d i e n c r s sei. Da rief ihr die Jnspektrice zu:„Ich verlange es jetzt aber von Ihnen, Sie altes dreckiges, gemeines Weib, Sie sind ja noch gemeiner wie die Sch." Solche Auftritte sind nach Angabe der Zeuginnen täglich vorgekommen. Die so behandelten Mädchen beklagten sich bei ihrer Kollegin Sch. als Betriebsraismitglied. Diese ging pflichtgemäß den Beschwerden nach. Man kann annehmen, daß sie in solchen Fällen der Jnspektrice gegenüber kein Blatt vor den Mund nahm und daß diese im Gefühl ihrer Vorgesetztenwürde den lebhaften Wunsch hatte, das„unbotmäßige" Betriebsratsmitglied loszuwerden. „Wenn man einen Hund prügeln will, findet man auch einen Stock" sagt ein Sprichwort. Also fand die Jnspektrice auch Fälle, die sie dem Direktor als Gründe für die Entlassung von Fräulein Sch. vor- tragen konnte. Alles, was gegen das Verhalten der Sch. vorgebracht wurde, hat das Gericht natürlich geprüft, aber es handelte sich nur um unbedeutende Reibereien wie sie in solchem Verhältnis vorzukommen pflegen.— Das Gericht hat die Zustimmung zur Entlassung abgelehnt, weil es zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß sich Fräulein Sch. gegen die Jnspektrice zwar nicht so benommen hat, wie es erwartet werden mußte, daß dies aber a u f das Verhalten der Jnspektrice zurückzuführen ist, die auch den Angestellten gegenüber ein unpassendes Be- n e h m e n zur Schau getragen hat, so daß Mißstimmung auf beiden Seiten herrschte. die Mitarbeit der LanKarbekterfrauea. Die Agrarier wollen sie noch mehr ausdehnen. Die landwirtschaftlichen Unternehmer kommen von einem Wunsch zum anderen. Was sie jetzt wollen, ist eine A u s d e h- nung der Frauenarbeit weit über das bisherige Maß hin- aus. Die Arbeitervertreter sollen sich mit der Aufnahme solcher Bestimmungen in die Tarifverträge einverstanden erklären, die den Unternehmern ein klagbares Recht auf die Mitarbeit der Frau des Landarbeiters geben. Die Beweggründe für diese Forderung sind leicht zu erraten. Die landwirtschaftlichen Unternehmer wollen Arbeitskräfte in den Betrieben haben, die sie mit Bettelpfennigen abfinde!' können und die darüber hinaus noch sich alles gefallen lassen. Es soll ein Gegengewicht gegen jene männlichen Land- a r b e i t e r geschaffen werden, die mit den heutigen Verhältnissen unzufrieden sind und durch die Zugehörigkeit zur Organisation den Willen bekunden, für die Verbesserung dieser Verhällnisse zu wirken. Beweise für die Richtigkeit dieser Vermutung sind schon des öfteren erbracht worden. Wer besonders wirkungsvolle benötigt, möge sich die Notiz ansehen, die in Nr. 9 des„Landarbeiters", Jahrgong 1926 zur Frage der Entlohnung verössentlicht wird. Nach dieser Notiz beträgt der durchschnittliche Gesamtstundeylohn einer Deputantensrau in Ostpreußen 11,67 Pf., in Pommern 15 Pf., im Freistaat Mecklenburg 12 Pf., in der Provinz Brandenburg 15,75 Pf. und in Schlesien 13 Ps. Diese Löhne mit dem Lohn eines männlichen Deputatarbeiters verglichen, machen in Ost- preuhen 10,73 Proz.. in Pommern 43,83 Proz., in Brandenburg 49,56 Proz. in Schlesien 46,75 Proz. und in Mecklenburg sogar nur 35,76 Proz. aus. Diese Dinge gewinnen an Bedeutung, wenn man sich die Lage einer zur Mitarbeit verpflichteten Landarbeitersrau von der anderen Seite ansieht. Eine solche Frau ist ein gehetztes und im Höchstmaß angespanntes Wesen. Auf der einen Seite wird von ihr verlangt, daß sie dem Unternehmer eine tüchtige und brauchbare Arbeitskraft ist; und auf der anderen Seite soll sie nach getaner Arbeit im Betriebe alle Pflichten erfüllen, die sich für sie als Mutter und Gattin ergeben. Die Landarbeitersrau müsse, so wurde einmal jo schön von völkischer Seite gesagt, die Kraft sein, die es versteht, das ländliche Familienleben zu einer Quelle oller ethischen und völkischen Werte unseres Volkes zu machen. Ein solcher Zustand drückt sich aus in dem frühzeitigen Altern der Landarbeitersrau, in der g r ö b l i ch st e n V e r- nachlässigung der Kindererziehung, in der Er- schütterung und Untergrabung jedes harmonischen Familien- l e b e n s und in allen den Krankheitserscheinungen, die die Aerzte immer wieder beschästigen. Angesichts dessen kann es zu dem Wunsche der landwirtschast- lichen Unternehmer nur die Meinung geben, die die Generaloer- sammlung des Deutschen Landarbeiterverbandes zum Ausdruck brachte: Es ist jedem Versuch, die Mitarbeit der verheirateten Landarbeitersrauen auszudehnen, mit E n t s ch �e d e n h e i t e n t- gegen zutreten und darüber hinaus dafür zu sorgen, daß diese Mitarbeit allmählich aus der deutschen Landwirtschaft v e r- schwindet. Die verheiratete Landarbeitersrau ist zu befreien von dem Joch des doppelten Tagewerks. Ihr ist die Möglichkeit zu geben, den Arbeitsplatz auf dem Acker mit dem in der Familie und der Häuslichkeit zu oertauschen. Die Sparkasse der Lank der Arbeiter. Angestellten»od Beamten A.-G., Berlin. Ivallstr. 65. ist täglich mit Ausnahm« von Sonnobenh von 9—3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabend» von 9—1 Uhr geöffnet. Theater See Voche. Vom£1. bis 29. November 1926. BoIhbCbnt: 21., 22.. 24., 20. bis 29. Nachwsol. 23., 2S. LiMrsw.— Oper am Plab der Republik: 21. Tonichäuser. 22. tzplermezzo. 23. Frei- schüft. 24. Zar und Zumncrmanr. 25. Tosca. 26. Cavallcria RmNcana. Bajoui. 27. Rbscnkavalicr. 2». Lohenzrin. 2S. Der ferne Klans. � Schau. spielhau-: 21.. 23., 25., 26., 27., 28. Lulu. 22. Nathan der Weise tkein Kartenverkaus). 24. Napoleon. 2S. Die Journalisten lkein Kartcnverlauf).— Echiler.Theater: 21., 23., 26. und 29. Soldaten. 22. und 28. Peer Ehnt. 24. Die Welt, in der man sich langroeiit. 25. und 27. Wilhelm Tcll.— Deutsche» Theater: Reidhardt von Encisenau.— Kammerspiele: 23., 23. Der eiesöllige Thierry. Ad 24. Karussel.— Die Komödie: Die Gefangene.— Lessing. Theater: Mensch und Uebermensch.— Theater in her Köuiggröfter Strafte: Mrs. Cheneys Ende.— Stadt. Oper Charlattruburg: 21.: llsft Uhr Morgenfeier, Karblichtuiufik! 6� Uhr Parstfal. 22., 25. Der Zwerg. Der leftte Traum. 23. Das Rheingold. 24.. 29. Turandot. 25. Der Troubadour. 27. Aida: 28. Soffmanns Erzählungen.— Greftes Schauspielhaus: Von Mnns zu Mund.— Die Tribüue: Der Gedanke.— Deutsche» stü-stlcr-Theatcr: D e Königin.— Komödie nhau,: Einbruch.— Verlinet Theater: Miß Amerika.— Reue, Theater am Zoo: 21. Ich Hab' Dich lieb. lO'.H Uhr Laban. Abend: Narrenspirgel. 22., 24. Don Juan. 23. Narrenspiegel. 25. Geschlossen. 26. Geschlossene Vorstellung. 27., 28. Rinon am Scheidewege.— Triarar- Theater: Der Kavalier von Sing-Eing.— Zentral-Theater: E» war einmal in Seidelbcrg.— Theater in her Kommanhantrnitiafte: Der G'wissenswurin.— Thratrr am Schiifbauerdamm: Das Grabmal de» unbekannten Soldaten.— Komisch« Oper: Adrienne.— Lustspirlhau»! Dir Serzogin von Elba.— Mctropol.Theatcr: Wieder Metra pol.— Thalia-Theater: Der Biberpelz.— Theater am Ravendarsplaft: Franziska.— Theater am Kurfürstenbamm: D e iZrau an der Kette.— Wallner-Theater Dos Stiftungsfest.— Theater i« her Klaftrrftraftr: 21., 22. Kabale und Liebe. 23. Anna. Life. 24.. 25., 29. 360 ssraurn. 26. bis 28. Euchen Sumbrecht.— Theater In der Lützowftrafte: Der fröhliche Kreuzbcra.— Schloftpark-Thrater Sirglift: Dl« keusche Susanne.— Kleine, Theater iu der Lüftowstr. 112: 23., 24., 25. Glavigo. 26., 27., 28. Stall des Augins. 29.. 30. Seele llber Vor».— Theatee im Ahmiralspalaft: Saller-Rcvuc»An und aus".— Wintergarten und Seala: Internationales Baricl�— Theater am Koitbusser Tor: Elitc�Sönger.— Reichshallen-Theater: Stettiner Sänger. Rachmitaq»»»rstellu»geu. Volksbühne: 28. Nachtasyl— Echan- spieldan»: 28. Der Doppelselbstmord.— Lcssing-Theater: 28. Kukuli.— Tbcatcr in der Königgräftcr Strafte: 28. Was ihr wollt.— Große» Schan. spielhan»: 24., 25.. 27. ksunkheinz-Imanns Mörchenreise.— Deutsche, Künstler- Theater: 27. svirlesanz. 28. Der fröhliche Weinberg.— Komödicnhatls: 28. Der Garten Eden.— Berliner Thcaier: Miß Amerika.— Trianon-Theater: 21.: 5'.- Uhr Ehristkind im Wrihnackisladen. 24., 27.; 4 Uhr Christkind im Wczhnachlsladen.— Theater in h-i«ommaudautrnftrafte: 28. ffamilie Hanne- mann.— Theater am Schiisbauerdamm: 24., 27. Sumsti-Bumsti. 28. Das Grab- mal des unbekannten Soldaten.— Kamisch« Oper: 28. Die ffieberrnaus.— Lustspielhau»: 28. Aschenbrödel.— Thalia-Theater: Loiichen» Geburtstag. Erster Klage.-«allner-TH-ater: 21.. 28. Liebe.— Theater in der«lostrr- straft«: 24.. 27.. 28. Sänsel und Eretel.— Theater i» der LLftowftrafte: 28 Sänsel und Gretel.— Schloftpaik-Tbeater St-glift: 24.. 28. Schneewittchen und die sieben Zwerge.— Tbcater im Admiralspalast: 24., 27. Kinder-Revu- „Allc Puppen tanzen". 28. Haller-Revue„An und aus". Verantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer: Wirtschaft:»riur Sateruu»: Gewerkschaflsbewegunq: griehr. Eftkar»: Feuilleton: K. s. Döscher: Lokales und Sonstiges: Crift Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke; filmllich in D-rlin. Verlag: Borwärls.Verlag G.m.b.H.. Verliu. Druck: Porwörls-Buchdruckerrl und B-rlagsanstalt Paul Singer u. Ca.. Berlin SW 88. Lindcnstrafte 3. Berliner- Eiehtriher- GenossensdiaU Berlin N 24, Elsasser Str. 86-88 I Filiale Westen, Wilmersdorf Fernsprecher Norden 65 25 u.«5 26 I Undhaus»lr«Be4. Tel.: PkaUbnrr 9831 Bastteuimttrfliune nnd Later Slexanllerttr. 30-40(Alexander- PufoKe) TeL: HOnldstsdt 840. 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