Ne.S4H ♦ 4S.?ahrg. Ausgabe A Nr. 280 Bezugspreis. WZSentlich 10 Pfcnni«, monatHA 3,- Reichsmark voraus jaSlbat. Unter»reujband für Deutschland, StiaiB. Saar, und äRtmelnebi«, CelUmich. Litauen. Lurcmdur« *50 Reichsmark, für da, üdria« Ausland S.S0 Reichsmark vro Monat. Der.BorwZrts' mit der illustrier- tcn Sonntagsbeilage»Volk und Zeil' sowie den Beilagen»Untcrbaltunq lino Wisse»'..Aus der Silmmelt*. »strauenslimme'..Der Kinder- freund",.Lugend-VorwSrt," und «Blick in die Bllcherwelt" erscheint wochentäglich gweimal. Sonntag, und Montags einmal. Telegramm-Adreste: aSajialOemofcot Cctün" Sonntagsansgabe Derliner VolksMÄtt slS pksnnw) Anzeigenpreise: Dl,, i n« v a I t i a« RonvareiNc- geil» 80 Bkennig. Reklame., eile S,— Reichsmark.«Xlelne An, eigen" da» fettgedruckt« Wort LS Pfennig siulässta»wei settaedruckte Worte). fede» weiter, Wort IL Pfennig. Stellengeluch« das erst« Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber IS Buch- staben ,Sl>len filr ,wei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. stamilienanteiaen wr Abonnenten Zell« 40 Pf-nnia. Arueiaen wr die nächst« Nummer Müllen bis Ubr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 08, Linden- straiieS, abgegeben werden. Geöffnet von SM Ubr krüb bi» S Ubr nachm. Tentralorgan der Bozialdcmokratircben partei Dcutfchlands Neöaktion und Verlag: SerUn SW. HS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. | Sonntag, den 21. November 1926 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. HS, Lindenstr.Z Postscheckkonto! Berlin 87 08«- Bankkonto: Bank»er Arbeiter,«ngestelten NN» Beamten,«ollste.«0:«iskonto-Geselllchast. Deposttenkaste Linbenftr. 8. Zunehmende /lrbeitslofigkeit in Serlin Trotzdem Ueberstnndenwirtschaft! Die Zahl der ilrbellslose« in Verlin ist in der lehken Woche um 3 6 2 8 aus 232 893 Personen gestiegen. Es waren 233 893 Personen eingetragen, darunier 148 339 männliche und 84336 weibliche. * Zum erstenmal seit Monaten zeigt der Berliner Arbeitsmarkt nachdem in den letzten Wochen die Abnahme der Arbeitslosigkeit ein bedeutend langsameres Tempo eingeschlagen hatte, eine Z u- nähme der Arbeitslosigkeit. Wenn auch gewisse Saison- einflüste nicht übersehen werden dürfen, auf die der im Wirtschasts- teil mitgeteilte ausführliche Bericht des Berliner Arbeitsamts hin- weist, die Steigerung der Arbeitslosigkeit erfolgt inmitten jener Be- lebung aller verarbeitenden und Fertigindustrien, die durch die außerordentlich günstige Konjunktur der schweren Industrien aus- gelöst worden ist. Sie erfolgt in demselben Augenblick, in dem die Reichsbahn sehr große Aufträge, die besonders auch für Berlin wirksam wurden, vergeben hat und in dem die Industrie mit der Aufarbeitung der Winteraufträge noch nicht zu Ende ist. Außer- dem sind die Wetterverhältniste besonders günstig geblieben, so daß der Zustrom aus den Außengewerben auf den Arbeitsmarkt ver- häUnismäßig noch gering bleiben konnte. Roch sind die Derhältnist« auf dem deutschen Arbeitsmartt im ganzen zu ungeklärt, und für eine voraussage über die Eni- Wicklung des Arbeitsmarktes in diesem Winter ist es zu früh. Aber es ist außerordentlich verdächtig, daß während aus der Be- lebung der Gesamtwirtschaft durch die Englandkonjunktur auf Monate hinaus noch starke günstige Nachwirkungen vorausgesagt werden, die eine Zunahme der Arbeitslosigkeit verhindern müßten, die belebenden Wirkungen schon aufgefangen zu werden scheinen. Aus dem Firnis der Zusallskonjunkwren scheint die seit einigen Monaten künstlich zurückgedämmte Gesamtwirtschaftskrise wieder hervorzubrechen. Die von den Unternehmern beliebte Rationalisierung der Wirtschaft, durch Ueber stunden das Heer der Arbeitslosen noch über die durch die Leistungssteigerung erzielte Arbeitsersparnis hinaus zu steigern, die Kaufkraft der breiten Massen durch verstärkten Lohndruck aber zu senken, scheint ihre gesähr- lichen Früchte zu zeitigen. Sollte die in Berlin sich zeigende Verschlechterung des Arbeits- Marktes ein Symptom für das ganze Reich fein, so wird es zum Eingreifen mit den größten, von der Arbeiterschaft längst ge- forderten Mitteln allerhöchste Zeit. Dann kann und darf die „Wirtschaft" nicht, wie es die Herren Unternehmer fordern,„in Ruhe gelassen werden". Aus dieser Ruhe, die sich das Privatkapital wünscht, erwüchse der Sturm. Das von den Gewerkschaften ge- sorderte Rotgesetz zur Arbeitszeitsrage muß sofort verabschiedet werden. Mit dem„leisser k»ire" der Regierungen tn der Durchführung de» Notstandsprogramms muh es ein Ende nehmen. internationale Pressekonferenz in Serlin. Besprechung sozialistischer Pressevertreter. Im Saal des Parteivorstandes ist am gestrigen Sonn- abend die von der Sozialiftischen Arbeiter-Jnternationale ein- berufene Konferenz zum Ausbau der Beziehungen zwischen der sozialistischen Presse aller Länder, wo sie be/teht, zu- sammengetreten. An der Konferenz nehmen als Vertreter der Parteipresse ihrer Länder teil die Genossen: William M« l l o r. England Robert Williams, England Oskar Iörg«ns«n, Dänemark Johann Kowall, Polen(Deutsche) K. W a r r e, Lettland Georg S z a p i r o, Polen W. E e k e l e r». Belgien Jakob W e l t n e r, Ungarn Joseph Stivin, Tschechen Siegfried Taub, Sudetendeutsche Heinrich Kremser, Sudetendeutschc Kaarw R. Heinonen. Finnland Toivo M ö H ö n e n. Finnland Albin W i r t a n e n, Finnland S. Schwarz, Rußland I. Jüdin. Ruhland Julius Braunthal. Deutschösterreich Valentin Pittoni, Deutschösterreich Der internationale Sekretär Genosse Friedrich Adler beteiligte sich gleichfalls an den Verhandlungen des ersten Tages, um dann nach Luxemburg zur Sozialist!- fchen Vierländerkonferenz weiterzureifen. Selbstverständlich nehmen auch die Vertreter des Parteivorstandes und der Parteipresse Deutschlands an der Arbeit der Konferenz teil, die am heutigen Sonntag weitergeht. öeginn öer Vierlänüerkonferenz. Ankunft der Delegierten.— Unfall des Genossen Brcitscheid. V. Leb. Luxemburg, 20. November.(Eigener Drahtbericht.) Im Laufe des heutigen Tages sind die Delegationen zur Bierländerkon- ferenz eingetroffen. Bedauerlicherweise erlitt Genosse B re i t s ch e i d bei der Abreise aus Berlin einen Unfall, der leicht die schlimmsten Folgen hätte haben können. Beim Einsteigen in den noch nicht ganz stillstehenden Kölner V-Zug am Bahnhof Zoo glitt er vom Trittbrett ab und fielaus di« Schienen. Zum Glück hiell der Zug fast im gleichen Augenblick, so daß ein größeres Unheil vermieden wurde. Breitscheid kannte, wenn auch mit heftigen Schmerzen, die Reis« an- treten, doch wurden nach seiner Ankunft tn Luxemburg durch Röntgen- aufnahm««in Bruch des rechten Oberarmes und eine Sehnenzerrung am linken Fuß festgestellt. Breiischeid wird zwar noch an der Eröffnungssitzung der Konferenz am Sonntag vormittag teilnehmen, jedoch auf Anraten der Aerzte bereits om Sonntag nachmittag nach Berlin zurückfahren müssen. Auch dürfte infolgedessen cm Stell« Breitscheids Genosse Hermann Müller als erster Redner der Fraktion in der Auswärtigen Debatte am Diens- tag sprechen. Der Franken steigt weiter. Wachsende Arbeitslofigkcit begleitet ihn dabei. Paris, 20. November.(Eigener Drahtbsricht.) Der französische Franken hatte am Sonnabend an der Paciser Börse eine neue st a r k« Hausse zu oerzeichnen. In der Pariser S t a d t v« r- ordnetenversammlung hat am Sonnabend ein Stadtoerord- neter an den Polizeipräsidenten die Anfrage gerichtet, wie sich die Pariser Stadtverwaltung und die sranzösische Regierung verhalten werden, wenn der Franken weiter steigen und insolgedcssen größere Arbeitslosigkeit eintreten sollte. Im besonderen verlangte er zu wissen, was mit den zahlreichen ausländischen Ar- beitskräften geschehen werde, die zu Tausenden und aber Tausenden in den Fabriken der Pariser Bannmeile beschäsiigt sind. Der Polizei- Präsident antwortete ausweichend: er habe Mittel, um die Interessen der französischen Arbeiter wahrzunehmen. Der Stadtverordnete er- klärte, sich mit dieser Antwort nicht zufriedengeben zu können. Er wisse, daß z. B. in einer großen Pariser Automobilfabrit in den letzten Tagen fast 2000 Arbeiter entlassen worden sind. Eine ander« Automobilsabrik, die bisher 200 Automobile täglich herstellte, habe in der letzten Woche nur zwei verkauft. Es müsse alse damit gerechnet rverden, daß, wenn die Franken-Hausse andauere, von einem Tag auf den anderen Tausende von Arbeitern aufs Pflaster fliegen. Terrornieüerlage in Bulgarien. Trotz allem Regiernngsdruck Wahlerfolg der Opposition. Sofia, 20. November.(Eigener Drahtberichl.) Das Ergebnis der bulgarischen Kreistagswahlen vom 14. November war mll größter Spannung erwartet worden, da es ein Anzeichen für d>« Sobranje-Wahlen im Zrühjahr Ist. Die regierende«Demokrakischc" Vereinigung, die sich nach dem blutigen 9..Zu>i-pu>sch 1923 au» drei Gruppen zusammenschloß. Hai 48 proz. aller Stimmen erlangt: in den Slädien 33 proz. gegen 46 proz. bei den letzten Wahlen, also ein starker Stimmenverlust bei der ausgeNärken städtischen Vevölke- rung. Aus dem Lande dagegen waren es fast 67 Proz„ da dort der postzellerror bester nachHelsen konnte. Von den Opposilioasparleien schnitten am besten die zwischen den Liberalen, Demokraten und Lauern eingegangenen Wahlbünd- nisse ab, die ein viertel aller oppositionellen Stimmen erringen konnten. Zm ganzen waren 13 Opposilionslisten vorhanden. Die Sozialisten konnten nicht nur lhre alle Stärke be- haupten, sondern an vielen Plätzen eine beträchtliche Zu- nähme feststellen. Die„weitherzigen" Sozialdemokraten erhielten 39 560 und die Sozialistische Föderation im Vunde mit den un- abhängigen Gewerkschaften 7037 Stimmen, insgesamt etwa 9 proz. der Opposition. Die Föderatiou Halle nur in drel Städte«, darunter in Sofia, eigene Listen aufgestellt. Die Erfolge der Sozialdemokraten sind als günstig zu beurteilen, wenn man berücksichtigt, daß die wahleinschüchlerungen und Gewalllällgkei- l e u besonders gegen die arbeitenden Schichten gerichtet waren. Wie die vielen Telegramme an den partelvorstand bekunden, gehörte an vielen Orlen ein heroischer Mut dazu, offene Agitation für die So- zlalistlsche Partei zu treiben. Durch die ewigen Wühlerelen und hehereteu der Kommunisten ist ein ZwiespaU in die proletarische Vevölkerung hineingetragen worden, nnler dem sie noch jahrelang zu leiden haben wird. Goldregen für Zeitungen. Der„Geheimfonds" des AA.- Heimliche? Offiziösentu« Festreden sind bekannt dafür daß sie immer ein wenig an Ueberschwang leiden. Deshalb wird jedermann auch gewisse Abstrich« machen, wenn bei festlichen Gelegenheiten von Re« gierungssprechern den Bertretern der Presse— seien es Verleger oder Redakteure— die berühmten Versicherungen über den„Wert der sachlichen Kritik", über die Unantastbarteit der „Unabhängigkeit der Presse" und über dergleichen schöne Dinge abgegeben werden. Man merkt die Absicht und wird nicht einmal verstimmt, Denn es liegt im Wesen jeder Bureautratie, daß sie jede Art von Kritik verabscheut, daß sie besonders die gedruckte Kritik an Vorgängen aus ihrem Amtsbereich als einen Einbruch in geheiligte Sphären betrachtet. Und wenn sie zeitweilig gute Miene zum bösen Spiel macht, so besagt das wenig gegen- über der Tatsache, daß sie in Wirklichkeit eine sozusagen be- rufsmäßige Abneigung gegen jedes bedruckte Papier hat, das nicht ihr eigenes Lob singt. Nun hat die Veröffentlichung über die sehr erheblichen Unterstützungen, die aus Fonds der Reichsregierung der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" gemährt wurden, begreif- liches Auffehen erregt. Die Reichsregierung, besonders aber das vor allem genannte Reichsministerium für auswar- t i g e Angelegenheilen, hat bisher auf noch so dringliche Fragen nach Ursprung und Zweck dieser Unterstützung be- harrlich geschwiegen. Den Vermutungen blieben Tür und Tor geöffnet. Jetzt hat das„Berliner Tageblatt" zu den bisher bekannten noch folgende Einzelheiten erfahren: An ber„Deutschen Allgemeinen Zeitung", die b et r ä ch t- liche Zuschüsse erforderte, nahm Rcichsminister Dr. S t r e s e- in a n n Interesse. Es war zunächst notwendig, die Fehlbeträge zu decken, und um das zu erreichen, traf Dr. Strefcinann mit dem damaligen Slaalsfekretär der Reichskanzlei, Dr. kempner, eine Vereinbarung, nach der diese Fehlbeträge aus den Fonds der Reichslanzlei und des Auswärligen Amtes in der Welse zu decken waren, daß die Reichskanzlei ein Drillet, das Auswärtige Amt zwei Drillet beisteuern sollte. Da sich Fehlbeträge in e r heb l i ch e m Um- sänge ergaben, mußten außerordentlich hohe Beträge von der Reichskanzlei und dem Auswärtigen Amt tatsächlich zur Verfügung gestellt werden. Formell geschah das über Herrn Jakob Goldschmidt, wie denn ja auch die D a r in st ä dt« r- und Nationalbank ihren Direktor Bernhard in den Aussichtsrat der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" entsandt hat. Die Verpflichtung der Reichskanzlei ist dem Reichskanzler Marx erst später zu Ohren gekoinmen. Infolgedessen sind die Zahlungen der Reichskanzlei nur unter Vorbehalt er- folgt, und der Reichskanzler hat gegen die eingegangene Verpflichtung Protest eingelegt. Infolgedessen sollte die Sache im Kabinett zur Sprache kommen. Nur die Erkrankung Dr. Strcsemanns hat die klärende Aussprache verhindert. Tn- zwischen ist es Dr. Strefemann gelungen, anderweitige Gelder flüssig zu inachen, die für die»Deutsche Allgemeine Zeitung" ver- wendung finden sollen, und zwar, wie es scheint, aus industriellen Kreisen. Besonders der Abgeordnete Vogler soll für die Bereit- stellung dieser Mittel Sorge getragen haben. Man kann annehmen, daß die Zuschüsse der Reichskanzlei ans diesem Fonds zurückgezahlt sind. Ob dos auch mit den Zuschüssen des Auswärtigen Amies geschehen fft, steht noch dahin. Die so erfolgte Zurück- Zahlung ändert natürlich an der Totsache dek unbefugten Ver- wenbiing von Reichsgeldern nichts, enthält vielmehr das Eingeständnis, daß man sich des Charakters dieser heim- lichen Zuwendungen wohl bewußt war. Uebrigens steht mit der Vildung dieses Fond» auch die Subvention der»Täglichen Rund- schau" in Höhe von einer Rlillion Rlark in Verbindung, die eben- falls durch Takob Goldschmidt als Milller erfolgt ist. Auf diese Einzelheiten hat zunächst Jakob Goldschmidt, der Leiter der Darmstädter und Nationalbank, zu erklären, daß seine Bank keinerlei Eigenintcresse an der „DAZ." habe und alle Geldangelegenheiten nur infolge Kundenauftrags erledigte. Endlich, in später Stunde am Sonnabend, fand auch die Reichsregierung wieder Worte. Sie ließ amtlich folgende Mitteilung oerbreiten: „Die in der Sonnabcnd-Abendausgabe des„Berliner Tage- blatts" ausgeführten Einzelheiten über finanzielle Beziehungen zwischen amtlichen Reichsstellen und der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" geben den Sachverhalt nicht richtig wieder. Die Reichsregierung wird die erste sich bietende Gelegenheit benutzen, um den hierfür zuständigen Stellen jede gewünschte Aus- kunft zu erteilen." Dies Dementi bestätigt endlich, wenn auch gewollt nur indirekt, daß die Subventionierung eines rechts- stehenden Organs erfolgt ist. Es b e st r e i t e t nicht die Höhe der bisher in der Oeffenllichkeit genannten Summen. Es will nur die„Einzelheiten" nicht gellen lassen. * Das Zugeständnis erfolgt mit der harmlosesten Miene, als ob es sich um irgendeine landläufige Angelegenheil handle. von der keinerlei Aufhebens zu machen sei. Man ist sogar giiflbigft bereit, den.Hierfür zuständigen' Stellen«ede ge- wünschte Auskunft zu erteilen. Vorerst aber hat man die Lesart ms Land gefetzt, daß die ungeheuerliche Unterstützung eines Blattes, das dauernd Fehlbeträge aufweist, aus dem „Geheimfonds" des Auswärtigen Amtes stamme und daß dieses Amt über die Verwendung des Geheimfonds keine Rechenschaft schuldig sei! Der Reichstag als die Vertretung des gesamten Volkes hat den geheimen Dispositionsfonds bewilligt. Diese Bewilli- gung geht aus von dem Zutrauen, daß der Fonds für die besonderen Zwecke des Auswärtigen Amtes verwendet würde. Die laufende Unterstützung von mehr oder weniger volts» parteilichen Blättern gehört ober sicher nicht in den Kreis der Aufgaben, für den der Reichstag jene Mittel zur Ber- fügung stellte. Herr Stresemann wird also der„hierfür zu- ständigen Stelle", nämlich dem Reichstage, wohl oder übel übel„jede gewünschte Auskunft geben" müssen. Selbst wenn er die Mittel— ganz oder zum Teil— aus Industrie- qucllen wieder ersetzt bekommen haben sollte. Die Angelegenheit berührt aber nicht nur das Amt Dr. Stresemanns. Sie trifft auch die R e i ch s k a n z l e i. Ist es richtig, daß der Anfang der Unterstützungsaktion schon in die Zeit der Kanzlerschaft Dr. Luthers fällt? Daß der volksparteiliche Staatssekretär Luthers, Dr. Kempner, die Angelegenheit gemeinsam mit dem Reichsaußenminister in Fluß gebracht hat? Ist es ferner richtig, daß Dr. Marx gegen die Zahlung der Gelder Protest erhob? Die knappe Re- gierungserklärung schweigt über diese Dinge. Dies Schwei- gen darf doch wohl als Bestätigung gedeutet werden? ,*..' Es ergibt sich also eine etatsrechtliche Frage, ob der Dispositionsfonds des Auswärtigen Amtes tatsächlich zur willkürlichen Verwendung bereitstehen darf oder ob nicht auch für ihn gewisse Linien innegehalten werden müssen. Darüber hinaus aber erhebt sich die politische Frage, ob die Reichsregierung die ihr bewilligten Mittel überhaupt tzu dem Zwecke verwenden darf, die Presse in einem ihr gefälligen Sinn zu beeinflussen. Die Meinung, es sei wün- fchenswert, daß die Regierung ein sozusagen offiziöses Blatt zur Verfügung habe, ist nicht unbestritten. Immerhin läßt sich über die Frage diskutieren. Die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung", die Vorläuferin der„DTlZ.", hat jähr- zehntelang allen Regierungen seit Bismarck zur Verfügung gestanden. Das Urteil über ihr Offiziosentum ist nicht immer sehr schmeichelhaft gewesen, besonders nicht in jenen Kreisen, in denen noch etwas nachklang von der wirklich politischen Unabhängigkeit der Journalisten. Aber man wußte doch, mit wem man es zu tun hatte, wenn man die„Norddeutsche Allgemeine" zur Hand nahm. Man wußte, daß das Blatt jeder amtlichen Erklärung oder Verdunkelung zur Verfügung stgnd. Und man wußte auch, daß ein Mann wie Wilhelm Liebknecht diesem Blatte schleunigst den Rücken kehrte, als er dxfjen politische Käuflichkeit entdeckte. Wenn also die Reichsregierung ein offiziöses Blatt vom Charakter der alten„Norddeutschen Allgemeinen" wieder haben will, dann soll sie es offen bekennen. Sie soll aber nicht Schleichwege gehen und aus geheimen Fonds unterstützen� die wach außen zwar als privatkapita- ustische Unternehmungen erscheinen und die Interessen der Privatwinsthaft auch-z. B. in Arbeiterfragen auf das rück- sichtsloseste vertreten, während sie in Wirklichkeit vom Reiche aus Reichsmitteln ausgehalten werden. » Nach dem allen ergibt sich aus den Vorgängen auch eine journalistische Frage. Auch der Redakteur und Mit- arveiter eines Blattes muß wissen, welchen Zwecken er seine Arbe-t und seine Feder leiht. Die liberale Theorie von der absoluten Freiheit des Journalisten hat durch die kapitalistische Entwicklung des Zeitungswesens längst eine grundlegende Korrektur erfahren. Die Forderung nach einem I o u r- nali st engesetz galt vor allem der Notwendigkeit, die im Den unbekannten Toten. Die Gräber schmückt ihr heut der Toten, die ihr kanntet und die euch lieb und teuer sind, weil sie euch Eltern, Bräute, Kinder. Freunde waren, eh' sie der Tod von eurer Seite riß. Und ihrer still gedenkend steht ihr vor ihren Gräbern. Ich aber will der Toten heut gedenken, die ich nicht kenne und deren Namen ich nicht weiß, bis auf den einen, den ich trage, und die des Lebens heilge Glut mit diesem Namen von einer Gene- ration zur anderen überliefert haben... bis sie nach Jahrhunderten an mich gelangte. Meiner Vorsahren will ich heut gedenken. Kein Stammbaum gibt von ihnen Kunde, wann sie geboren wurden, wann sie starben, und welche Taten ihres Lebens Inhalt waren. Denn arme Menschen kennen keinen Stammbaum. Sie kennen nicht den Dünkel der„Ge- schlechter". Sie kennen nur der Armut Not und Plage. Darum weiß ich nicht, wer meine Ahnen waren, und weiß es dennoch und ich kenne sie! � Mein Pater war ein armer Ziegelmacher, so wie sein Vater. den ich noch kannte und der mir Buben oft erzählte, wie er zur Winterszeit in harter Arbeit Fron beim Bahnbau dort und da sein Brot verdiente. H i e r ist mein Stammbaum schon zu Ende. Doch weiß ich, daß mein Urgroßvater, auch der Arbeit folgend, durch die Gaue zog und, wo er Arbeit fand, sich redlich mit ihr mühte. Und auch sein Vater war der anderen Knecht, der um geringen Lohn für sie die Arbeit tat, gleich seinem Vater, seinem Urgroßvater. Und wenn sie auch nicht alle Ziegel machten, Dämme für die Eisenbahnen bauten, so trug der eine Sand und Kalk herbei zum Bau von Häusern. Brücken und Palästen, der andere streute wiederum die Saat in Felder, die ihm nicht gehörten, und baog die Emte dann in fremde Echeuiien. Ich kenne meine Ahnen Mann für Mann und sehe sie im Geiste Es waren Arbeitsmeuschen, die für andere werkten. Ich kenne ttuch die Frauens deren Schoß die Kinder sich entrangen, meine Ahnen. Es waren Bauernmägde, Dienstmädchen, Näherinnen, Wafchfraue».... Es waren Arbeitsmenschcn, die Frauen wie die Männer. Ihr Leben war ein Ringen mit der Not und eine Kette harter, harter Arbeitstage. Gar manchen zwang wohl auch die Not. daß er als Vagabund durchs Leben und die Lande zog; als Landsknecht sich für Sold verdingte und für die„Herren" focht und starb. Und manche ihrer Frauen mußten auf dem Schloß dem Herrn, dem sie leibeigen waren, gefügig sein, weil es das„Recht" und auch fein Sinn ver- langte. Zur Robot trieb der Büttel sie mit Spott und Peitschen- schlagen an, den Zehent trugen sie in Demut in vollen Körben in das Schloß zum Herrn, dem Grafen, Bischof oder Abt. Jahrhunderte hindurch. Das waren meine Ahnen. Sie sind tot, verschollen. Ich weiß nicht, wo sie lebten, welchen Grund sie pflügten und mit ihren, Schweiße netzten. Doch ich weiß, daß sie des Lebens wunderbare Dienste von großkapitalistischen Verlagen tätigen Redakteure vor Gesinnungszwang zu schützen. Galt dem Wunsche, daß die politische Tendenz des Blattes für politische Mitarbeiter klar zu erkennen sei und nicht einseitig gewechselt werden dürfe, ohne dem Mitarbeiter die Möglichkeit zu geben, sofort ohne Gefährdung seiner Existenz von der Mit- arbeit zurückzutreten. Das Tarifwerk, das zwischen den be- teiligten Verleger- und Redakteuroerbänden abgeschlosien und für allgemein verbindlich erklärt worden ist, verpflichtet die Verleger oder Verlagsanstalten für Tageszeitungen, die „grundsätzliche Einstellung" des Blattes im Dienswertrag der Redakteure unzweideutig mitzuteilen. Wo sind die Verleger in Deutschland, die diesen von ihrer Organisation abgeschlossenen Tarifvertrag ausgeführt haben, wo sind die V e r t r ä g e, in denen die„grundsätzliche Einstellung" niedergelegt ist? In Berlin ist kaum einer von ihnen aufzufinden und im Reiche schon gar nicht. Der Fall der„DAZ." aber ist wieder ein Beweis dafür, wie notwendig ein Schutz der Redaktion gegen gewisse Beeinflussungsver- suche von außen her ist. Die Gesinnungspresse, die das offizielle Sprachrohr von Parteien oder Wirtfchaftsver- bänden sein will, wird solchen Beeinflussungsversuchen leicht widerstehen. Gefährlich aber werden für die Gestnnungs- korruption des Volkes jene Organe, die nur als Geschäfts- Unternehmungen bestehen und deshalb jeder Einwirkung in- dustrieller oder— sonstiger Geldgeber preisgegeben werden. * Die Reichsregierung ist dem Reichstag, und durch ihn dem ganzen Volke verantwortlich. Sie soll sich die reine Frackweste bewahren. Sie darf nicht durch heimliche Zuwendungen— mögen sie nun in die Millionen oder nur in die Hunderttausende gehen— zur Korruption der Presse beitragen. Sie wird deshalb Rede stehen und Abhilfe schaffen müssen. Sie darf es ruhig einem Snstem Moskau oder Mussolini überlassen, die Presse im Inland zu knebeln und dafür ausländische— auch d e u t s che!— Blätter mit Subsidien zu beglücken!_____ Katholiken gegen üas Schunögeseh. Das Ergebnis einer Zentrums-Rnndfrage. Die„Germania" hat eine Reihe von Führern des katholischen Schrifttums aufgefordert, zum Schmutz- u nd Schundgesetz Stellung zu nehmen. Die Antworten lassen, wie das Blatt mitteilt, übereinstimmend erkennen, daß der vorliegende Gesetzentwurf in seiner jetzigen Fassung auch bei den im katholischen Literatur- und Kulturleben führenden Persönlichkeiten starken Bedenken begegnet. Aus den Zuschriften, die die„Germania" veröffentlicht, sind die Aeuße- rungen des bekannten Iesuitenpaters Muckermann und des bayerischen Landtagsabgeordneten und Dichters Leo Weismantel besonders beachtenswert. Muckermann führt u. a. aus: Durch das vorliegende Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzliteratur kann wohl in einigen, wahrscheinlich seltenen, Fällen erreicht werden, daß«in der Jugend gefährliches Buch auf den staatlichen Index gefetzt wird. Da dieser Index ösftnllich ist, wird durch ihn zmrachst eine ungeheure Reklame für däsbetresfendeBuch gemacht. Auch Jugendliche werden ohne Schwierigkeit die Titel dieser Bücher erfahren. Da es außer dem persönlichen Kausakt noch viele andere Möglichkeiten gibt, in den Be- sitz der verbotenen Bücher zu gelangen, so ist nicht einzusehen, welchen Ruhen das Gesetz bringen könnte. Wenn schon einmal ein maß- gebendes Urteil ausgesprochen wird, ein Buch sei Schund und Schmutz, dann möge man folgerichtig ein solches Machwerk überhaupt«in- ziehen und einstampfen. Nur dies hilft wirklich. In der Zuschrift Leo Weismantels heißt es u. a.: Ich hat!« Maßnahmen, unter Umständen auch ein Gesetz in dieser Richtung für notwendig. Den vorliegenden Entwurf aber sehe ich n i ch t als eine geeignete Grundlage an, aus der eine Ueber- Glut gleich einer Fackel weitergaben, bis sie au mich gelangte, daß ich lebe, damit ich sie an andere lodernd weiicrreiche. Mein Gruß gilt diesen Toten, meinen Ahnen, die namenlos nach ihrem Tode wurden und deren Leben hart und elend war. Sind sie nicht unserallerAhnen? HcinrichHolek, Wien. Oer Keuschheits-örunner gegen üas Schmutzgesetz! Die„Deutsche Gesellschaft von 19lZ" veranstaltete einen Diskussionsabend über das Schmutz- und Schundgesetz, der durch ein Referat des Professors Dr. Karl Brunner eingeleitet wurde, und an dem namhafte Persönlichkeiten der verschiedensten Parteirichtungen und Anschauungen zu Worte kamen. Brunner sprach sich sehr energisch gegen den zur Debatte stehen- den Gesetzentwurf aus, der in der Oeffcntlichkeit eine große Be- unruhigung hervorgerufen habe. Er sei— sagte er— dazu angetan, durch unklare Begriffsbestimmung die gesamte Literatur zu kontrollieren. In der Monarchie wäre ein derartiger Gesetzentwurf direkt undenkbar gewesen. Des weiteren bedauerte Brunner, daß infolge der verkehrten Regie des Gesetzgebers der Jugendschutz in Gefahr und in Mißkredit gebracht worden sei. Ferner bezweifelte er, daß es augenblicklich noch Milliarden Schmutz- und Schundheite gebe, wie es in den Begleitschreiben zu dem Gesegentwurf heiße. Biele dieser Schriften seien bereits eingegangen und nicht mehr im Handel zu haben, also nicht mehr zu ersassen..uf der Liste der verbotenen Schundhefte, die dem Entwurf beigegeben worden sei, befände sich durchaus gute Literatur. Auf der ersten Schundliste seien auch gute Zeitungsromane von ersten Schriftstellern angegeben, die in billiger Aufmachung verlegt worden seien. Die wirklich ge- fährliche, aber der Jugend gar nicht zugängliche erotische Schund- literatur werde trotzdem nicht ersaßt. Das ganze Gesetz versuche eine Geschmackzensur einzurichten, die der Redner, wie er selbst be- tonte, während seiner Amtstätigkeit als Dezernent im Polizei- Präsidium stets abgelehnt habe. Das Gesetz sei der Ausdruck der Anschauungen eines engstirnigen Volksschullehrers, der überall korrigieren müsse. Auch zu der Organisation der Prüsstelle und der Beteiligung der Kirche als Sachverständige machte der Redner zahl- reiche Bedenken geltend._ Schauspieler in Ketten. Dieses Stück eines Franzosen namens D e o a l heißt„D i e F r a u i n der Kette". Es ist natürlich die verliebte Dame, die nun durch einen besonderen Trick den Mann ihres falschen Herzens überwinden will. Sie engagiert sich nämlich einen Liebesfriedensstörer, der immer dann in Aktion zu treten hat, wenn die Sache brenzlig wird. Da der erste Liebhaber ein lederner Kerl ist. der dem engagierten Friedensstörer nicht ein paar hinter die Ohren haut, so läuft die Geschichte natürlich zugunsten des an- geworbenen Jünglings aus. Cr war erst ein Kommis im Dienste einer galanten- Frau und landet, wie zu ermatten war, unter ihrer Bettdecke. Die Idee ist ganz lustig, wenn sie nur nicht gar so dumm in ei» schmieriges Französisch umgesetzt und wieder ins Deutsche übersetzt und dann wieder in eine besondere Sprache nochmals übersetzt worden wäre, damit das Theater am Kurfürsten- dämm seine Bombenpremiere für Frau Käthe Dorsch hat. Aber es ist doch ganz überstüjsig zu sagen, daß die Talente der Windung der vorliegenden Nöte uns zukommen konnte. Sie fragen, ob der Gesetzentwurf„verbesserungsbedürftig" fei. Es fragt sich, ob er verbesserungsfähig ist oder ob er nicht in seiner inneren Struktur abwegig ist und deshalb Verbesserungen an ihm letzten Endes belanglos blieben.... Ihre Frage:„Hallen Sie das Gesetz in vorliegender Form für die Gefährdung des freie» Schaffens für Schrifttum und Verlag?" Antwort:„Unbedingt!"... Ihre Frage: „Halten Sie es für ettrogbar, daß ein einzelnes Land eine Schrift auf die Lifte setzen und damit für das g a n ze R e i ch verbieten kann?" Antwort:„Ich bin für keine unbedingte Diktatur des Reiches über die Länder, aber auch für keine Diktatur der Länder über das Reich. Di« Entscheidungen von Landprüfftellen dürften auf alle Fälle nur für den betreffenden Qandbezirk Geltung besitzen und müßten auf Gegenentscheid der Reichs stelle aufgehoben werden. Ich verweise aus den Parallelfall des Potemkin-Filmes." Selbst in den Kreisen des Zentrums stößt der Gesetz- entwurf auf kein« Gegenliebe. Es scheint, daß sich die geistiger� Väter des Entwurfs bald mit den Deutschnationalen astcin auf weiter Flur befinden werden. Hegen öen Rechtsblock. Eine Warnung des„Deutschen" zur Arbcitszeitfragc. Der„Deutsche", das Organ des Herrn Stegerwald, fetzt fort, was Stegerwald in seiner Rede in Osterfeld gegen die Deutschnationalen begonnen hat. Er macht den Deutsch- nationalen— und unausgesprochen auch der Deutschenjßolks- partei— klar, daß sie auf keinen Fall damit rechnen könnten, in einem Bürgerblock die Arbeitszeitsrage im Sinne der Scharfmacher zu lösen. Er schreibt: „Es gibt Leute, die glauben, wenn die Große Koalition ohne die Sozialdemokratie zustande käme, würde die Lösung der Arbeitszeitfrage den Forderungen der Unter- nehm er eher gerecht werden. Leute solchen Glaubens könnten sehr leicht eine schwere Enttäuschung erleben. Ohne für oder gegen die Einbeziehung dieser oder jener Partei in die Große Koalition einzutreten, sei mit aller Offenheit gesagt, daß j e d e Partei, ganz gleich welcher Richtung, mit dem stärksten Willen der christlich-notionalen A r be i t n e h m e r s ch a f t zu rechnen hat, die Arbeitszeitfrage in einer, nicht nur für d.e sogenannte„Wirtschaft", sondern auch für die Arbeiinehm er- schaft tragbaren Form zu lösen. So wie die Arbeitszeit- frage Heute von den Unternehmern praktisch„gelöst" wird, kann es unmöglich weitergehen." Man wird abwarten müssen, ob der Einfluß der chrift- lichen Gewerkschaften in der Arbeitszeitfrage in den Regie- rungsparieien sich stärker erweisen wird als in der Frage der Erwerbslosenfürsorge. Hapern gegen das Reich. Bayerische Volkspartei und Koalition. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst" erfährt, trifft es zu, daß der bayerische Ministerpräsident Held bei semer An- Wesenheit in Berlin die Absicht zu erkennen gegeben hat, den Staatsgerichtshof anzurufen. Der bayerische Minister. Präsident glaubt vor dem Staatsgerichtshof das Reich anklagen zu können, den Bestimmungen des Attitels 8 der Weimarer Verfassung zuwider gehandelt zu haben, und zwar lautet dieser Satz:„Nimmt das Reich Abgaben oder sonstige Einnahmen in Anspruch, die bisher den Ländern zustanden, so hat es auf die Erhaltung der Lebensfähig- keit der Länder Rücksicht zu nehmen." Bemerkenswett ist die Darstellung der deutschnationalen Partei-Korrespondenz, in der gesagt worden ist, daß es Heids Bestreben sei, vor allem die Bayerische Volkspartei aus der Reg i« r u n g s k oali t i o n des Reichstags herauszulösen. Damit sei nicht nur für die Deutschnationalen, sondern auch für die Mittelpatteien«in« neue Situation geschaffen. Die Einstellung der Deutfchnvtionalen in dieser Frag« dürfte die sein, daß sie durchaus entschlossen sind, die Berechtigung der bayerischen Forderungen anzuerkennen und hieraus die Folgerungen zu ziehen. Frau Dorsch, ihr« ungeheuer liebenswürdigen, ja sogar bezaubernden Vorstadttalente wirklich eingekettet werden, wenn sie dieses Virtuofenstück hinlegt. Wirklich, die Leistung ist sabelhaft, sie boxt sich durch das Stück, obwohl sie eine ununterbrochene Reihe von Verstößen gegen ihre Begabung und den besseren Geschmack begeht. Ebenso ist Herr Harald Paulsen an eine Rolle gekettet, die ihm gar nicht paßt, und die er trotzdem schmeißt. Er hat nämlich einen grünen Jungen zu spielen, zunächst«in Keines Lümplein, daß allmählich zur Tugend kommt, weil es Liebesfeuer fängt. Herr Paulsen ist seinem schauspielettschen Temperament nach der Mann für die forschen Lebemänner. Naivität muß er heucheln, in einer fabelhaften Leidenschaft schließlich explodieren und parodlsiijch wettern. Man verlangt von ihm Anstrengungen, während das Legere seine Att ist. Wilhelm Dieterle gar ist so verkeltet und vernietet in eine unmögliche Nolle, daß man beinahe die Rolle mit dem Schauspieler verwechselt und vermeint, es stehe da ei» ranz trockener Schauspieler aus der Bühne. M. H. Die llraufsührung von Hauptmanns„Dorothea Angermonn" in Wien. Die Wiener Uraufführung von Gcrhari Haupt- manns„Dorothea Angermann" in dem von Mar Reinhardt geleiteten Theater in der Joseph st adt fand dank der glänzenden Regiekunst Reinhardts und der meisterhaften Darstellung stürmischen Beifall. Hauptmann wurde lebhaft ge- feiert und mußte nach jedem Akt auf der Bühne erscheinen. Schmutz und Schund. Preisfrage: Welche der beiden Stelle» füllt unter das Gesetz vom Schmutz und Schund: „Das Kleid, das ihren frisch knospenden jugenddrallen Leib in edelster Keuschheit umspannte, ließ Geheimnisse ahnen, deren sinn- oerwirrende Schwüle in Edgars Seele Stürme trug... Oder „Sie besaß einen einwandfreien Popo."? tAu- der neuesten, dem Schmustgest» gewidmeten Nummer d.„SimpliziMmue".) Volksbühne. Die Uraufführung de; heiteren NärchenIpieleS.Humsti- B u mfli- oder.(»oldelteund dergute Fridolin- findet am St.. nachmittags 3 Uhr, im Theater am Schisfbauerdamm unter der Regie von Viktor Schwanneke statt. Brei palocca mit Ihrer Gruppe wird am Tonntag. SS., vormittag? II«/,(n i$ t 12) Uhr. in der 3. T a n z m o t i n e e d-rVotk«bühne im Theater amSülowplatz neue Tänze vorführen. Einlatzkattc» 1,30 M. Gefellschaft für frei« psychoanalytisch« Forschuag. Am SS., abd«. 8 Uhr. spricht Dr. Walter Kluge über„Die Tugendirise der Frau nnd die Psychoanalyse- im Guttmannsaal de? Zthnärzlehausc?, Bülowstr. 10t. Unkostenbeitrag 50 Pfennig. 3m Rahmen der veranstaltmigeu der Gemeiimühigen Vereinigung zur Vssege deutscher Kunst findet zugunsten der ÄonntagSlonzette für die Straf- getanaenen am 27., abends 8 Uhr, im Herrenhaus ein Portrag des Pro-. Wilhelm Doegcn, Direktor der Lautabtellung an der Staatsbibliothek. über„Stimmen der Völker- mit Laut- und Lichtbilddemonftrationcii statt. 3u der Klaus«, Kantflr. 25. wurde eine K u u ft a u§ st« Il-u n g er- öffnet, die veranstaltet ist von der„Jntereffengemcinschast- des Charlotten- burger Bezirk» de» RTBBK.-Berlin. Die Ausstellung ist als monatlich wech'elnde Dauerausstellung gedacht und soll dazu beitragen, der in den Künsllerkreisen herrschenden Rot zu steuern. Sie ist täglich, auch Sonn- tagS, von'/,11 Uhr vorm. geöffnet. Der Smtrstt ist frei. Polen unter pilsuüsti. Diplomatenschub.— Skrzynski küustiger Gesandter in Berlin. Warschau, 20. November.(Eigener Drahtbericht.) Wie verlautet, wirb aus Beschluß der neu entstandenen konservativen„N a t i o- nalen Rechtspartei�, die als Ergebnis der Nieswiezer Beratungen entstanden ist, der gegenwärtigen Regierung und vor allem Pilsudski nahesteht, eine Reihe von Personalverände- rungen in der polnischen Außenpolitik eintreten. Man spricht davon, daß Fürst Janusz Radzivill nicht, wie ur- sprünglich beabsichtigt, als Gesandter nach Bukarest gehen, sondern Außenminister werden wird und daß die Berliner Gesandtschast der ehemalige Ministerpräsident und Außenminister S k r z y n s k i übernehmen soll. Es steht jedensalls fest, daß die Besetzung dieser Gesandtschaft nicht vor dem Abschluß der gegenwärtigen Handels- Vertragsoerhandlungen gewechselt wird, um durch die Schwierig- keiten in diesen Dauerverhandlungen den neuen Gesandten nicht im voraus zu belasten. verstänüigung mit Nußlanü! Moskau, 20. November.(Sowjet-Agentur.) Dem polnischen Außenminister ist die Antworwote aus die Note vom 28. Oktober wegen des russisch-litauischen Vertrages überreicht worden. Die Note erinnert daran, daß die Sowjetregierung im Rigaer Bertrage mit Polen auf ihre Rechte und Ansprüche hinsichtlich des Wilnagebiets verzichtet und sich verpflichtet hat, jede Bereinbarung an- zuerkennen, die die polnische und die litauische Republik über zwischen ihnen strittige Gebiete etwa abschließen würden. Die Note stellt fest, daß die Sowjetregierung bisher keinerlei Mitteilungen von der polnischen oder litauischen Regierung über eine derartige Ner- einbarung erhalten hat. Dagegen habe die litauische Regiening mit- geteilt, daß sie den polnisch-litauischcn Grenzstreit für unent- schieden halte. Die Note lehnt die Berufung der polnischen Nöte auf den Beschluß der Botschasterkonferenz ab und weist daraus hin, daß die Sowjetregierung durch die Note vom S. April 1923 die polnische Regierung davon in Kenntnis setzte, daß die Sowjetrcgierung sich nicht für verpflichtet halt«, die Zuständigkeit irgendeiner dritten Macht in dieser Frage, insbesondere der Konferenz von Ber- tretern einiger dritter Staaten, anzuerkennen. Es sei der Sowjet- regierung auch bekannt, daß die Kompetenzen der Botschafter- konferenz von der litauischen Regierung bestritten werden. Di« Sowjetregierung erklärt, daß sie durch die Unterzeichnung des Der- träges mit Litauen vom 28. September keinesfalls beabsichtigt habe, die Gültigkeit der im Rigaer Bertrag vorgenommenen Grenzziehung zwischen der Sowjetunion und Polen in Zweifel zu ziehen. Hierzu meldet unser Warschauer Korrespondent, dort sei be- kanntgeworden, daß das Moskauer Regierungsblatt„Jswestia" schreibe, der russisch-litauische Vertrag sei in keiner Weise gegen Polen gerichtet und solle auch nicht eine Entscheidung in der Wilna- Frage herbeiführen. Eine derartige Interpretation, die durchaus falsch sei, wurde Polen, so erklären die„Iswestija", von denjenigen unterschoben, die in einer Verschärfung der polnisch- russischen Beziehungen Bortcile für sich erblicken. Dieser Hinweis enthält eine deutliche Spitze gegen England. In dem Artikel wird Polen ferner aufgefordert, die russischen Bemiihungen zu unterstützen, die ein gut es nachbarliches Berhältnis zwischen beiden Ländern herzustellen suchen. Der sreundschaflliche Ton der russischen Note wird als eine Abschwenkung Rußlands von seiner bisherigen Politik aufgefaßt, was hier, wie unser Kor» respondent bestätigt, große Zufriedenheit hervorruft. Die Der- ständigung mit Rußland sei jetzt, so wird hier angenommen, erheb- lich erleichtert worden. Der JaU Moraczewski. Marschau, 20. November.(Eigener Drahtbericht.) Das Zentral« Dollzugskomitee der PPS. beriet die Erklärung de» Ministers M o- r a c z e w s k i, daß er aus der Regierung nicht austrete. Es wurde beschlossen, die Niederlegung des Abgeordnetenmandat» durch Mo- raezewski sowie den Austritt aus dem Parteirat zur Kenntnis zu nehmen, die Parteimitgliedschaft wurde Moraczewski nicht«nt- zogen, doch wird sie vorübergehend suspendiert. Di« end- gültige Regelung der Angelegenheit wurde dem Parteirat überwiesen. Hierzu schreibt der sozialdemokratische„Robotnit"'. daß die Partei diesen Beschluß schon deshalb fassen mußte, um auch nicht den leisesten Verdacht auf den ausgesprochen oppositionellen Charakter gegenüber der Regierung fallen zu lassen. Diese Opposition äußert sich bereits darin, daß die parlamentarische Fraktion der PPS. die ihr in der Budgetkommission zugesprochenen Referate de» Justiz- Ministeriums und des Ministeriums für öffentliche Arbeiten ab- gelehnt hat, um ihre Loslösung von Moraczewski, dem Minister für öffentlichen Arbeiten, und dem konservativen Iustizminister Meyszto- wicz auszudrücken. » Einer bürgerlichen Korrespondenz hatten wir dieser Tag« die Meldung entnommen, der Warschauer„Robotnik' habe den deutschen Wahlsieg in Ostoberschlesien als Beweis dafür bezeichnet, daß Oft- oberschlesien eine deutsche Mehrheit habe und seine Abtrennung ein Unrecht gegen Deutschland gewesen sei. Diese Widergabe ist, wie wir inzwischen aus dem„Robotnik" feststellen mußten, salsch: das Blatt hat vielmehr geschrieben, die ostoberschlesischen Deutschen hätten durch ihre Abstimmung demonstrieren wollen, daß das Land eine deutsche Mehrheit hätte und seine Abtrennung ein Unrecht > gegen Deutschland gewesen wäre. Sozialismus unö Ethik. Professor Borländer in der Freie» Sozialistische» Hochschule. Im Rahmen der Freien Sozialistischen Hochschule sprach gestern abend im Herrenhaus Genosse Professor Borländer aus Münster in Westfalen über„Die ethische Idee im Sozia lismus". Genosse Borländer gab zunächst einen Ueberblick über die sozialistischen Theorien vergangener Jahrhunderte. Er wies auf die sozialistischen Bestrebungen in China hin. als in Europa noch tiefes Mittelaller herrschte. Er kennzeichnet« die sozial« Kritik der Pro- pheten im Allen Testament, streifte die Ideen Platos und die spärlich überlieferten Reste sozialer Kritik bei den Römern. Das Christen- tum. wie es uns in der Ueberlieferung Jesus gepredigt haben soll, ist well davon entfernt, Sozialismus im heutigen Sinne zu sein. Die kommunistischen Gemeinschaften der Urchristen in Jerusalem entsprangen nur einer augenblicklichen Begeisterung und waren im besten Fall Konsumentensozialismus. Alsdann ging der Redner auf die sozialen Umwälzungen in der Reformation ein und behandelte die Stellung Luthers zu diesen Fragen. Luther, der scharfe Worte gegen Wucher und Händler ge- funden hatte, begriff noch nicht die vclkswirtschastlichen Zusammen- hänge aller dieser Dinge. Erst Ka r l Marx und Friedrich Engels untersuchten diese Zusammenhänge, und es wird ihr un- sterbliches Derdienst bleiben, daß sie sich an die Arbeiter wandten und sie ausriefen, ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen. Erst dadurch haben sie den Grund zum modernen Sozialismus gelegt, der gekennzeichnet ist durch die Forderung der Dergesellschaft- lichung der Produktionsmittel und den Begriff des Klassenkampfes. Klassenkampf ist nicht besonders zu fordern. Er wird täglich und stündlich durchgefochten, aber ihn als Mittel zum Ziel erkannt zu haben, das ist eines der Verdienste des mo- dernen Sozialismus. Genosse Vorländer wies dann auf die Arbeiten des jungen Marx und des jungen Engels hin, die noch von idealistischen An- schauungen durchtränkt sind und stellte dem die sehr sachliche Art gegenüber, die sich bewußt von jeglicher ethischen Phrase fernhält. mll der die beiden Borkämpfer des Sozialismus zum weitaus groß- ten Teil ihre späteren Schriften abfaßten. Er wies aus die Wurzeln des deutschen Sozialismus, auf Kant, Hegel und Fichte hin, und be- gründete psychologisch das Streben von Marx und Engels nach Sach- lichkett. Sie hatten anzukämpfen gegen die Anschauungen der Sozialisten ihrer Zeit, die ihre Forderungen fast ausschließlich ethisch begründeten, während sie weit davon entfern: waren, die Wirtschaft- lichen Zusammenhänge zu begreifen. Trotz dieser gewollten Sach- lichteit aber, die sich vor allem in dem„Kopital" von Marx findet, bricht immer wieder das ethische Werturteil im einzelnen durch. So ist es denn nicht verwunderlich, daß sowohl Kant als Marx eine Gesellschaft fordern, in der die' Freiheit eines jeden unter Berücksichtigung der Freiheit aller anderen gewährleistet wird. An zahlreichen Beispielen zeigte der Redner ferner, wie echter Sozialis- mu» und echter Idealismus keine Gegensätze sind, sondern sich gegen- seitig bedingen, wie die Erhebung der Gemeinschaft durchaus nicht Einengung, sondern Exwellerung der Kraft des einzelnen bedeutet. Daher sst auch keine Bernichwng des Marxismus möglich, sondern nur ein Aufsuchen seiner tiefften Ouelleir. Ohne wirtliche Kullur, politit sehlle dem Sozialismus das beste, seine Seele, und er sänke zu einer bloßen Magenfrage herab. Marx und Engels haben den Sozialismus aus der Well des Traumes herausgehoben, jetzt aber gilt es weiter zu schreiten zum Sozial, smu« der Tat. Das ist nur bei täglicher rastloser Arbell zu ereichen. Das Ziel bleibt unoerrückt bestehen, wenn auch die Einzelzwecke wechseln, wenn auch die polltischen Träger weit hinter der Idee zurückbleiben. Ge- rade das kennzeichnet den sittlichen Gehalt des Sozialismus, daß wir Politik um der Gemeinschaft willen treiben und echte Politit verdirbt mcht den Charakter, sondern verlangt geradezu einen Charakter. Und darum hat niemand das Recht müde zu werden, trotz oller Hemmungen. Gerade die sittliche Idee im Sozialismus ermöglicht es uns, dieser Weltanschauung treu zu bleiben. Das Reich unü üie Länüer. VaUW Bücher-Schranke Eiche gebeizt, i Größe 70 cm breit. 153 cm OA AA 5 hoch, TO'/j cm tief..... Ö&.UU 1 Besonderes Einrichtungshaus i| 4 Stockwerke Möbel i Maus m, Kachcwwascfce Stabgarderobe Me,-,ng. 100 cm lang, mit 4 Stäben, wie Abbildung O______.Oi Messing- Schirmständer wie Abbildung , Stubenhandtuch A TC halbl.DrelUSxlOoU. I O Halbl.GcrstenhotnA q/> 48x105 cm...... U.OU Halblein. Jacq, 45x100 cm...... Reinlein. 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Eine ernste Welt von tiescmpsundenen Gedanken baut sich auf auch an den Stätten, wo noch Grabhügel alter kirchlicher Form sich mit Aschenurnen im Todesfrieden mischen. Ueberall, wo Totenrest« liegen, sproßt heute mehr wie je der Same der Vergebung und Versöhnung, überall sollen aus den dunklen Pforten des Todes die Quellen der Menschenliebe rinnen. Grabinsthrifien. Karl Julius W e b e r, der von 1767 bis 1832 lebte, hat in seinen vielbändigen, unter dem Titel„Demokritos" veröffentlichten«hinterlassen en Papieren eines lachenden Philosophen" ein ganzes Kapitel auch über Grabinschriften verfaßt Wohl die markanteste Stelle ist hier die Uebersetzung des Ausspruches eines Popen:«Es ist in der Grabinschriften Poesie stets viel gesagt gewesen, doch die eine hälsle glaubt man nie. die andere wird nimmer gelesen." Zu jener Zeit und noch früher war man in der Wahl der Grabschnften von Skrupeln wenig gequält. Teils wurden Verstorbene, die all ihren Lebcnsglanz, alle ihre Reichtümer und Würden hinter sich zurück- lassen mußten, unverdient gelobt, teils goß man noch über den Toten mit derben Schriftworten beißenden Spott aus. So sagt eine der bekanntesten, früher oft nachgeahmten Grabschriften dieser Art: «Mein Weib deckt dieser Grabstein zu. für ihre und für meine Ruh'." Noch derber heißt es auf dem Grabstein einer alten Jungfer:«Ich suchte lang' vergebens einen Mann, zuletzt nahm mich der Toten- gräber an, und auf einem anderen verwitterten Stein:«Hier ruht der Gastwirt Morgenrot, an dessen Tisch man schlecht gegessen, jetzt bildet er selber Table d'hote, an der die Würmer besser essen." Sehr 'arkastisch klingt_es:«Hier liegt Hans Klein, das wird bezeichnend KN "OENtf ein." Leisen Spott redet auch der Grabstein eines Schneiders zu Niltach in Bayern:«Der Kleider hat er viel gemacht, doch kein un- sterbliches vollbracht: dazu gehört ein größerer Meister, der kleiden kann nur pure Geister mit ewig schönem Festgewand im andern bessern Vaterland." Die Pietät neuerer Zeit hat sich von der Der- spothing und Verhöhnung der Toten an ihrer letzten Ruhestätte immer mehr entfernt, soweit nicht' in politisch bewegten Perioden tierisch verrohte, nur pathologisch zu bewertende Kreise ihre Todes- opfer wie das krepierte Vieh behandeln oder gar die Gräber längst Verstorbener wie die Vandalen verwüsten. Man kennt zwar noch auf gewissen Kirchhöfen die Unduldsamkeit, eine kirchliche Zensur über Grabschristen auszuüben und nur Bibelsprüche zuzulassen, aber sonst hat sich, von ganz gelegentlichen Ausfällen orthodoxer Grab- redner abgesehen, überall das schöne Herzensgefühl durchgesetzt, das Leben mit dem Tode zu versöhnen und zu handeln nach dem Worte: «Zm Tode sind wir alle gleich, groß, klein, klug, närrisch, arm und reich." Alle deutschen Dichter haben sich lebhaft mit dem Tode be- Was ihrem Geiste entsprang, ist heute das gebräuchlichste und sinnigste Vorbild für Grabschriften, wobei häufiger« Wieder- holungen durchaus nicht stören. Eine Fülle herrlicher Worte aus Dichtcrmund ist beispielsweise auf dem Berliner Gemeindefriedhose in Friedrichsfelde den Toten in die Ewigkeit mitgegeben. So manches richtet sich ernst und eindringlich wohl noch mehr an die Lebenden, daß sie das Leben sich selbst und den Mitmenschen gut und schön machen. V Schon gleich hinter dem Portal mahnt und warnt aus Findlingsgestein Freiligraths unsterbliches:«O lieb', solang' du lieben kannst... die Stunde kommt, wo du an Gräbern stehst und klagst!" Wer weiß, ob es immer auch im Leben stimmte, wenn auf so vielen Grabsteinen steht:«Die Liebe höret nimmer auf." lieber- zeugender ist es, wie Hinterbliebene Goethes«Edel sei der Mensch..." umgewandelt haben in«Edel war er, hilfreich und gut." Schön berührt auch der vielfach in einfachen Stein und in Marmor ge- meißelte Spruch:«Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, de: ist nicht tot. Er ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird." Und wie viele sind so bald vergessen! An wie vielen offenen Grüften der Freistellen-Massenhügel hat nicht ein einziger Leidtragender gc° standen! Gern wird als letztes Geleitwort aus Epiktot gewählt: «Der Tod ist nichts Schreckliches, nur die Vorstellung vom Tod macht ihn furchtbar", oder Körners„Durch Todesschlaf bricht ewiges Morgenrot". Auch Goethes«Dieser ist ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfer sein" kehrt oftmals wieder. Im Anklang hieran preist eine Grabschrift:„Sie alle, die dich einst gekannt, haben dich einen Mann genannt." Aus vielen Goldbuchstaben spricht freudigste Lebensbejahung mit den Worten:„Und wenn einer fröhlich sein will, der sei es heut.... morgen ist es ungewiß." Ueppiger Efeu auf wuchtigem Gestein überwuchert sast die Klage:«Er liebte die Sonne so sehr, darum war er so glücklich... und so elend, als ein Mensch auf Erde sein kann." Oder es seufzt von hoher Marmor- säule mit gestürztem Kapitäl der Chorgesang aus Schillers„Braut von Messina":«Was sind Hofsnungen, was sind Entwürfe?" Dann wieder packt den stillen Friedhofswandler machtvoll der Kekenncrmut auf dem Grabstein des Gründers der Humanistischen Gemeinde: «Aus stillem Denken keimt ein wachsend Leben, dos wird die Welt aus ihren Angeln heben, und wär' es auch nach Hunderten von Iahren, ein Tag erscheint dem ausgesprochnen Wahren." Ist es Zufall, daß dicht dabei unsere größten, besten Führer ihre legte Ruhestätte fanden? Wilhelm Liebknecht, Jgnaz Auer, Paul Singer und manche andere bedürfen im Tode nicht der mahnenden Worte. Ihre Taten gehören der Geschichte an. Die Liebe des werktätigen Volkes zu seinen großen Toten hört nimmer aus. Urnenaufbewahrung. Welchen großen Umfang die Einäscherung der Verstorbenen und damit der Gedanke durchaus pietätvoller hygienischer Beseitigung irdischer Menschenreste in wenigen Jahren angenommen hat, zeigen am besten unsere großen Urnenfriedhöse. Die Kirche sperrt ihre Ein Urnenhain die wunöer öer Klara van Haag. 18Z Van Johannes Vuchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Petreas Mutter hatte ihre Einwilligung davon abhängig gemacht, daß Sivert auch sie versorgte. Auf den Vater machte der Bericht keinen Eindruck. Was bedeutete ein wahnsinniger Traum, wenn man erst erwacht ist. Die Gnädige strich Emanuel übers Haar. Anna kam mit verschiedenerlei Eingemachtem auf kleinen Schüsselchen. Sie hatte Stachelbeergelee, das nur ein paar Jahre jünger als Emanuel war, und sie hatte etwas, des- gleichen nicht einmal Staatsrats aufzuweisen hatten: ein- gemachte Walderdbeeren. Die Gnädige war begeistert und Anna glücklich über all das Lob, das über sie herniederströmte. Es kam ein solches Gefühl der Sicherheit über sie, daß sie zu sagen wagte, was sie wollte. „Sind das nicht auch schreckliche Possen, ein Kind mit. einem solchen Auftrag wegzuschicken?" „Ja, was soll der arme Mann machen, wenn Herr Sivert es nicht wagt," lachte die Gnädige. „Dann soll er entweder selbst gehen oder mich schicken." „Du wärst ein schöner Bote! Wo du ihn vor mir ver- steckst und mir die Leiter wegreißt, wenn ich endlich...!" „Die Sache ist vergessen!" sagte die Gnädige gebieterisch. „Ja, ja, das ist sie," sagte Egholm hastig. „Wenn aber Sivert nach Hause kommt, gerätst du doch wieder außer dir." „Das ist noch nicht sicher..." Die Gnädige wußte Rat. O, sie befand sich in ihrem Element. Hier gab es doch etwas zu regieren, etwas, das nicht in zierlich beschnittenen Buchsbaumhecken stand, wie das kleine, langweilige Gärtchen des Zollamtes. „Darf man nicht Sivert jetzt gleich begrüßen?" fragte sie. „Ja. wenn wir ihn nur finden könnten, aber..." „Ist er nicht auf dem Boden," entfuhr es Emanuel, der gelauscht hatte, ohne zu verstehen. „So. du kennst den Boden auch, du Schlingel! Nein, er ist durch mein gutes Dach gebrochen und weggelaufen." „Dann liegt er unter deinem alten Boot. Das hatten wir verabredet, wenn.. „Hol' ihn," sagte die Gnädige. Fünf Minuten später kam Emanuel wieder. Er ließ die Äüchentür offen. Draußen stand Sivert, räusperte sich und zog an seinem dünnen, weißen Schnurrbart. „Komm herein, du!" Da kam Sivert, in krampfhaft strammer Haltung, den Mund zusammengepreßt und die Stirn gerunzelt, aber doch nicht besonders imponierend anzusehen. Das grüne Zeug hatte sehr darunter gelitten, daß es mehrere Wochen ununter- krochen auf seinem Körper gesessen hatte. Er blickte nicht auf, sondern schritt, von einem Instinkt geleitet, geradeswegs auf Frau van Haag zu und knickte tief in einer Verbeugung zu- sammen, die ihn fast umgeworfen hätte. „Die gnädige Frau will, daß du am Leben bleibst," sagte Egholm. „Dafür bin ich sehr dankbar," sagte Sivert ernst. „Du weißt nicht, wem du gegenüber stehst?" „Doch. Und es stimmt, was Emanuel gesagt hat." „Was hat Emanuel gesagt?" „Daß sie einer Herzogin gleicht." „Nun ja," sagte die Gnädige, die ein wenig rot geworden war,„ich muß wohl etwas Hepzoginnenhaftes tun. Jetzt soll jeder einen Wunsch sagen, und ich will versuchen, ihn zu erfüllen. Es darf nichts allzu Großes sein; mein Herzogtum ist bescheiden. Mütterchen muß ansangen. Was wünscht Mütterchen sich?" Aber Anna weiß nichts, was sie locken kann. Nein, ihr fällt nicht das geringste ein— es sei denn, daß sie sich wünschen darf, die gändigc Frau möge ihcken viele glückliche Tage wie heute verschaffen.... „Sofort bewilligt!" sagte die Gnädige und streicht ihr mit einem Finger über die Wange.„Und Kasper Egholm wünscht sich wohl ein kleines Rittergut?" „Lieber ein großes!" „Damit müssen wir ein bißchen warten, aber gibt es nichts anderes, mit dem wir gleich anfangen können?" Nein, Egholms Phantasie hat durch das eine Wort, das sie genannt hat, eine so reißende Fahrt angenommen, daß sie sich nicht aufhalten läßt. Er findet, daß ihm nur dies eine in der Welt mangelt: ein Rittergut. Da geht die Gnädige zum Nächsten, Sivert. Er macht wieder seine sonderbare Ver- beugung und sagt, indem er die eine Hand flach ausstreckt: „Nach Amerika!" Es ist, als erwarte er, daß die vornehme Dame eme Rune in seine Hand schriebe, die ihn zum Amerikaner machte. Nach Amerika! Ja, das wäre wirtlich die beste Lösung, denkt die Gnädige und ändert augenblicklich ihr Urteil über den merk- würdigen, weißhaarigen Menschen. „Da sollen Sie hinkommen, Sivert," sagte sie und drückt ihm die ausgestreckte Hand.- Emanuel wurde rot, weil jetzt die Reihe an ihn kam, und ehe er gefragt wurde, fuhr der Wunsch aus ihm heraus:„Ich möchte gerne Pastor werden!" „Das ist ja eine schrecklich anspruchsvolle Familie!" sagte die Gnädige streng. Als aber Emanuel den Kopf beugte und noch röter wurde, fuhr sie lächelnd fort:„Nun ja, auch für dich wird wohl Rat werden!" Kurz darauf ging Frau van Haag. Egholm und seine Frau begleiteten sie über die Grabenbrücke, jedem von ihnen hatte sie eine ihrer Hände überlassen, über die sie mit Eifer so lange wie möglich wachten. Ihnen war, als wäre ihr Lebensroman umgeblättert zu einem neuen entscheidende Kapitel, in dem es allen«Handelnden gut ginge. Frau van Haag fühlte etwas Entsprechendes, nämlich, daß sie ein Dichter wäre und einen eigenartigen Stoff in die Feder bekommen hätte. Hedwig würde sich wundern, wenn sie erfuhr, wie der Versuch ausgefallen war. Sie sollte nicht angeführt werden, sondern ihren Wunsch haben wie die anderen. Sie hatte wohl nur einen Wunsch: einen Mann mit einem großen Hut und einer Geige. Den sollte sie bekommen, wenn Klara van Haag irgend etwas dazu tun konnte. Das Leben hatte diese Klara gelehrt, daß Liebenden geholfen werden müsse. Während sie diese Gedanken dachte, entdeckte sie plötzlich verwundert, daß sie von Freude und Elastizität erfüllt war. Etwas Aehnliches hatte sie viele Jahre lang nicht gefühlt. Und sieh, wie der Frühling in den letzten Tagen vom Himmel gefallen war! Das Gras, die Hecken und Gärten dufteten. Uebee den Wäldern, die jetzt leuchtend grün waren, standen schimmernd weiße Wolken, und der frische Belt wond?rte und wanderte. Klara van Haag legte den Kopf in den Nacken. Sie spürte stolz die Schwere ihrer kastanienbraunen Haarpracht und war dankbar, daß sie noch jung und stark war. Hier ging sie mit leichten Schritten über die Fliesen des Pflasters. Jetzt trat sie froh in ihr reines, luftiges Haus... nun ja, oben in der Ecke der einen Stube saß«nohl ein lebender Leichnam. Aber was— in der Küche ging Hedwig Egholm mit krokosblauen Augen. Hör, sie sang... Malle Duses herbe Liedstrophe. Ja, Hedwig und sie wollten schon den Leichnam unter die Erde singen! (Fortsetzung folgt.) Kirchhöfe, wenn auch GeistNche an TinSscherungsfeiern teklnehmen dürfen, sosern nicht ein Sprecher ohne Talar vorgezogen wird, gegen Urnen nach Möglichkeit ab. Nur in ländlichen Gegenden, auch hier nur verhältnismäßig selten, wird die Beisetzung von Aschenkapseln im Grabhügel eines nahen Anverwandten gestattet. So blieb und bleibt es den Gemeinden vo/behalten, alle Gemeindesriedhöse in UrnevfriedhSfe mit Krematorium umzuwandeln und neue Bei- setzungsstätten dieser Art einzurichten. Das erste Berliner Kre« matonum wurde auf dem Genieindefriedhof in der Gerichtstraße er- baut, cheute werden allein hier täglich im Durchschnitt 15 bis 2l1Leichcn eingeäschert, ebensoviele>n Baumschulenweg, etwas weniger in Wilmersdorf, zusammen also täglich etwa 40 bi» St) Leichen. Durch die technische Vervollkommnung der Oefen ist die Verbrennnngs- dauer aus eine halbe Stunde gesunken. Das Krematorium in der Gerichtstraße mußte mehrfach umgebaut werden, um Schritt zu halten mit der Technik. Der die in Straßenbreit« angrenzenden Wohnhäuser der Adolsstroße überragende Schornstein belästigt in keiner Weise durch Geruch oder Rauch. Die Anwohner haben sich auch längst gewöhnt an das für sensible Gemüter peinlich« Gefühl der Verbrennung von Menschenkörpenr in unmittelbarer Nähe. Der Urnensriedhof in der Gerichtslraße ist heute der größte und schönste Berlins, nähert sich mit seinen haushohen, zum Teil bis in di« Krone hinauf von Efeu umsponnenen Bäumen trotz des umgebenden steinernen chäusermeers schon dem Charakter des Waldfnedhofes. Di« Reihengrabhügel sind bis auf«twa hundert verschwunden, ebenso die meisten asten Erbbegräbnisstätten. So wird fast das ganze Gelände von Urnen in der verschiedensten Form und Lagerung ein- kgnommen. Neben dem System der Urnenballe und des Urnenhaines ist eine vielbenutzte Neuerung die an zwei Seiten des Friedhofquadrates unter freiem chimmel mit einfachsten architek- tonischen Mitteln erbaute, für mehrere tausend Urnen berechnete Urnenwand, die sich harmonisch in dm Urnenhain eingliedert. Viele Anhänger der Feuerbestattung ziehen aber die Beisetzung der Aschen- reste oder die Aufstellung der Urne abseits von den Nischen für Massenaufbewahrung vor. Man sieht zahlreiche schmucklose Namen- steine, aber auch Sandsteinmonumcnte von oft hohem künstlerischen Wert. Kalter Marmor und Granit sind so gut wie gar nicht vertreten, wetterfeste heimische Steine wie Sandstein, Kalkstein, Muschel. kalk werden bevorzugt, ksandwerkskunst. nicht mehr Fabrikware ist die Losung. * Wir decken Urnenfelder au» grauer Vorzeit auf und nehmen, zu dm Bestattungsgebräuchen de, Altertum» zurückgekehrt, daran ein wksienschaftliches Interesse, indes au» Scherben das Häuflein Toten- osche in alle Winde fliegt. Den Aschenurnqn der Neuzeit wird es, worüber wir nicht unnütz nachdenken sollen, in ferner Zukunft mcht besser ergehen. Da» ist der Lauf der Welt. Eine neue berliner Verkehrsanleihe. Nachdem soeben die DerNner hoch, und Uniergrundbahn auf dem amerikanischen Markt sür die Neubauten im Berliner Schnellbahn- wesen eine Anleihe von ungefähr 60 Millionen Mark aufgenommen hak, will seht auch die Straßenbahn den Anleihemurkl für ihre Zwecke ausnutzen. Der Magistrat unterbreitet der Stadtverordneten. Versammlung eine Vorlage, die die Uebernahme der Bürgschaft für eine von der Berliner Skroßenbahn-Betriebs-G. m. b. G. aufzunehmend« Inlandsanleihe im Betrage von 60 Mit» lionen Mark vorfleht, lieber die näheren Bedingungen der Anleihe werden in der Vorlage noch keine Mitteilungen gemacht. Zur Begründung wird in der Magistratsvorlag« darauf hin- gewiesen, daß die dauernde Steigerung der städtischen Abgaben, di« «W'Sttaßenbahn zu leisten hat, es der Gesellschaft nicht mehr erlaubt, nnigleichem Maße wie in den Jahren 1924 und 1925 die Er- na'uerungsarbeiten und auch die Enveitevungen aus den laufenden Betriebseinnahmen zu decken. Di« Vorlage gwt an, daß bereits für das Jahr 1926«in Anleihebedarf von 13 Mil- lionen Mark erforderlich fei, der sich im Jahre 1927 mit Rücksicht auf die starken Erweiterungsbauten auf 34,7 Millionen Mark erhöhen wird. Selbstverständlich beabsichtigt der Magistrat, durch die Auf- nahm« einer solchen Anleih« auch die Betriebsmittel mit seinen ge- walligen Ausgaben im Berliner Verkehrswesen entsprechend auf. zufüllen. Man muß sich vor Augen halten, daß allein die im Bau befind- lichen Arbesten an der Nord-Südbah'n und der A E G.- B a h n Kosten von mindesten» 80 Millionen Mark verursachen. In den -nächsten Wochen wird ein« neu« Vorlage über die Inangriffnahme der Schnellbahn Lichtenberg— Alexanderplotz erwartet, deren Kosten mit rund 75 Millionen Mark veranschlagt werden. Hin- zu kommt, daß di« Hochbahn für die bauliche Erneuerung ihrer An- lagen, soweit sie dem immer stärker werdenden Verkehr nicht mehr gewachsen sind, jedenfalls nicht unerhebliche Beträge benötigt. Rechnet »nan dazu, daß gleichzeitig in Berlin di« Elektrifizierung der Stadt-undRingbahn in Arbeit ist, die mit rund 156 Millionen Mark oeranschlagt wird, so kommt man zu ganz gewaltigen Summen. Dabei wird niemand behaupten können, daß dies« Arbeiten in Irgend- einer Weis« nur über das Allernotwendigste hinausgehen. Sie stellen erst«inen Anfang dar. Nachdem der von der Sozialdemokratie seit langem erstrebt« Zusammenschluß der Berliner Dertehrsunter- nehmungen jetzt erreicht Ist, muß und wird in die Arbeit«in be- scheunigt«, Tempo hineingebracht werden. Roheitsakt eines Kutschers. Einen Krüppel absichtlich überfahren. Es ist schwer zu glauben, daß ein Wagenführer einen Menschen absichtlich überfährt. Der folgende ausregende Fall, der sich am Frestag nachmittag um 3 Uhr vor dem Hause Hermann- straße III zu Neukölln abgespiett hat, scheint aber beweisen zu wollen, daß es doch derartige unbegreiflich rohe Menschen gibt. An jener Stelle schleppte sich ein 86 Jahre alter Töpfer Viktor Kl. aus der Ionasstraße, der an beiden Beinen gelähmt ist, mit großer Mühe über den Fahrdamm, um die andere Straßenseite zu gewinnen. Da kam ein mit zwei Füchsen bespannter Arbeitswagen, dessen Führer den hilflosen Greis unbe- dingt sehen muhte, in übermäßig schneller Fahrt daher- gefahren. Rücksichtslos behielt der Führer seine Fahrtrichtung bei, ohne auch nur im geringsten auszuweichen. Im nächsten Augen- blick lag der Greis unter den Rädern. Das empörte Publikum suchte das Gespann anzuhalten, der Kutscher schlug sedoch wie wild auf die Pferde ein, jagt« davon und entkam uner- k a n n t. Der Ueberfahrene wurde zunächst in einem benachbarten Lokal geborgen, mußte dann aber wegen der Schwere seiner Der- letzungen nach dem Krankenhaus gebracht werden. Angaben zur Ermittlung des unmenschlichen Kutschers, eines etwa 56 Jahre alten Mannes mit kurzem dunklen Vollbart, nimmt die Kriminalpolizei im Zimmer 63 de« Polizeiamts Neukölln entgegen. Auch Augen. zeugen des Vorfalles werden gebeten, sich dort zu melden. Nochmals:„Die verlängerte Polizeistunde." In unserem Artikel.Die verlängerte Polizeistunde' hat sich insofern ein Fehler«ingeschlichen als der angeführte Frage- bogen über di« Erfahrungen mit der verlängerten Polizeistunde. den wir erwähnten, nicht von den Gastwirten, sondern vom entralverband der Hotel-, Restaurant- und(Jas 4- n g e st e ll t e n an seine Mitglieder verschickt worden ist. Die .Deutsche(Bastwirte-Zeitung', Amtliche« Organ de» Verbandes der Gast- und Schankwirte sür Berlin und Umgegend', greift den Zentralverband in der heftigsten Weise an, spricht in beispielloser Hetz« von einem.Dokument für schnödesten und zugleich für straf- baren vertrauensmißbrauch' und fabuliert von„absoluter Gewissen- losigkeit' der attackierten gewerkschaftlichen Organisation. Und weshalb das ganz« Theater? Well der Beiband sochkich« Feststellungen über die Resultate der so herbeigewünschten.langen Nacht' von seinen Mitgliedern erbeten hat. West wichttger al» dies hysterische Geschrei der„Gastwirte-Zeitung' ist der absurde Zustand, den das offizielle Organ' der Gastwirte verteidigt, der von einem Großteil seiner Abonnenten als durchaus unrentabel abgelehnt wird. Der Artikel der.Gastwirte-Zeitung' ist so ein Schlag in das eigene Gesicht. Die messten kleinen Gastwirte gehen in der Frage des Mißerfolges der verlängerten Polizeistunde mit den Angestellten durchaus konform. Tretet ein ins Reichsbanner! Das Sieichsbanner Schwarz-Roi-Gold will im Laufe dieser Woche an alle diejenigen beranlrelen, die bisher dem Reichs- bann er zwar iympatbilch gegenüberstanden, aber noch nicht den Weg zu aktiver Mitarbeit und zur Mitgliedichaft gelunden» haben.'<$* fei dabei hier daraui bingewteien, das, neben den aktiven Mitgliedern, die an allen Veranstaltungen teilnehmen. auch passive Mitglieder geführt werden, dl« da« Reichsbanner dei seiner ideellen und geistigen vrdest unterstützen und ihm auch sonst hllsreich zur Seite stehen. Sei» RepudManer, der eS ernst mit seiner Verpflichtung gegenüder de« vulksflaat«eint, sollte daher seine Pflicht, sich bei dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold(S. 14, Sebaftiaustr. 37-38) anzumelden, versämueu. die Weiterführung Üer Norö-Süübahn. Vorläufig bis zur Grenze von Britz. Der bereit» seit längerer Zeit gesichert« Plan, di«Nord-Süd- bahn in Neukölln im Auge der Berg- und der Wallerstroße von der Ionosstraße bi» zur Grenzallee weiter- zuführen, geht seiner Verwirklichung entgegen. Der Magistrat beantragt jetzt bei der Stadtverordnetenversammlung die Zustimmung zu dersofortigenInangriffnahme d e r V ora r b« i t« n und die Bewillig» nq der erforderlichen Geldmittel in Höh« von 6 166 666 Mark. Di« Aueführung dieser Neuköllner Endstrecke der Nord-Südbahn schafft die Möglichkeit, dort den Südrlngver- kehr der Reichsbahn an das Schnellbahn««tz onzu- schließen. Tin solcher Anschluß bringt dem Berliner Verkehrs- wesen eine sehr wünschenswerte Berbesserung und kann auch die Rentabilität der Nord-Südbahn günstig beeinflussen. Die Länge der Endstrecke von der Ionosstraße bis zur Grenzallee beträgt nur 1666 Meter. An der Kreuzung mit dem Slldring wird ein Um- steigebohnhof gebaut, der nach dem abgeänderten Entwurf nach Süden verschoben ist, so daß er unmittelbar unter der Ring- bahnüberführung liegt. Gleichzeitig wird die Ringbahnüber- (ührung umgebaut, damit die jetzt durch die Ueberführung ehr«ingeschnürte Bergstraße so verbreitert werden kann. wie der durch sie flutende starke Verkehr es erfordert. An dem End- punkt Grenzallee wird die Nord-Südbahn mit einer Rampe tn das am Neuköllner Echiffahrtskanal liegende städtische Grundstück ein- biegen, auf dem ein Betriebsbabnhof zur Aufstellung der Züge vor- gesehen sst. Der Magistrat wünscht die sofortige Inangriffnahme der Bauarbeiten, weil sie Erwerbslosen die ersehnte Be- schästigung bringt. Don den 6 166 666 Mark können bei 236 666 Togewerken 556 666 Mark au» der produktiven Erwerb»- losenfürsorge gedeckt werden, so daß noch 5 566 666 Mark au« An- leihemitteln zu decken wären. Hiervon sollen 2 756 666 Mark durch Darlehen von Staat und Reich und die übrigen 2 866 666 Mark durch eine neue Anleihe beschafft werden. Die Magistratsvorlag« steht bereit» für die nächste Stadwerordnetensitzung auf der Tages- orvnung. ßamilientragoüie in Serlin N. Die Ehefrau«iedergeschosien.— Selbstmord des Täters. Eine furchtbare Familientrayodie spielte sich gestern abend gegen �48 Uhr tn dem Hause Stockholmer Straße 36 ob. Der S4iährige Arbetter Otto Sell gab nach einem vorangegangenen Streit aus einem Revolver auf seine 31jährige Ehefrau Charlotte zwei Schüsse ab und stürzt« sich dann selbst au» fünf Stockwerk Höhe in den Lichtschacht hinab, wo er tot liegen blieb. Wir erfahren hierzu folgendes: In dem Haufe Stockholmer Stroh« 36 wohnt fett einiger Zell im Parterre zur untermiete das Ehepaar Sell mit einem fünfjährigen Kind«. Wäbrend die Ehe zunächst sehr harmonisch ver- lies, kam es tn letzter Zeit häufig zu erregten Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten. Die Edezwiftigteiten spitzten sich so zu, daß der Ehemann am Montag dieser Woche seine Sachen packte und die Wohnung verließ. Seil bereute sein Vorgehen aber bald und suchte am Bußtag eine Aussöhnung herbeizufübren. Die Folge waren aber neue Auseinandersetzungen, so daß der Mann unoer- richteter Sache davongehen mußte. Am Sonnabend abend erschien Sell abermals und hörte, daß feine Frau in der im fünften Stockwerk gelegenen Waschküche beschäftigt sei. Er begab sich nach oben, um nochmals eine gütliche Beilegung des Zwiste» zu oersuchen. Wieder aber kam es zu Streitigkeiten. In feiner Erregung zog S. plötzlich einen verborgen gehaltenen Revolver und gab auf seine Frau zwei Schüsse ab, von denen einer den rechten Oberarm traf und der andere in das rechte Becken eindrang. Schwerverletzt brach Frau S. blutüberströmt zusammen. Als Selle sah, was er angerichtet hatte und annahm, daß er seine Frau getötet hatte, schwang er sich über das Treppengeländer und stürzte sich in den Lichtschacht hinab. Inzwischen waren Hausbewobner auf den Knall und das Aufschlagen des Körpers auf den Fußboden aufmerksam geworden. Sie eilten herbei, sahen, was geschehen war, riefen die Polizei und einen Arzt und alarmierten die nächst« Rettungsstelle in der Dadstraße. Der Arzt konnte bei Selle nur noch den Tod infolge Halswirbel- fäulenbruchs und schwerer innerer Verletzungen feststellen. Frau S. wurde schwerverletzt in das Birchow-Kranken- baus eingeliefert. Der Bewohner des Haufe» hatte sich über den schrecklichen Vorfall eine begreifliche Erregung bemächtigt, die noch lange nachzitterte._ Kommunistischer Ueberfall. An der Ecke der Adalbert- und Köpenicker Straße wurde ln der Nacht zum Sonnabend gegen 12 Uhr ein Wagen der Straßen- b a h n Ii n i« 3 von etwa 56 b i» 86 Kommunisten, die einen politisch Andersgesinnten verfolgten, an- gehatten. Di« Kommunisten drangen in den Wagen ein, und es entspann sich eine Prügelet, ln deren Verlaus eine unbekannt ge- bliebene Person verletzt und vier Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Da» herbeigerufene Uebersallkommando war bald zur Stelle, konnte sedoch nur noch den 19jShrigen Glaser Fritz E. au» der Reinickendorfer Straße festnehmen, da sich die anderen Täter bereit» aus dem Staube gemacht batten. E. wurde der Abteilung 1 A de» Polizeipräsidium» zugeführt. Wenn dl« Kommunisten sich zur Austragung ihrer Raushändel Wildwestmethoden bedienen, bei denen gänzlich unbeteiligte« Publikum sowie öffentliche« Eigentum zu Schaden kommt, so dürfen st« sich nicht wundern, wenn sie ein anderes Mal von den Behörden scharf angefaßt werden. hochsckmlwahlen an der Handelshochschule! An der Handels- hochschult Berlin finden am 25. und 28. November die Wahlen zur Studentenvertretung statt.— Wir fordern alle sozialdemokratischen Studenten der Handelshochschule und die Kommilttonen. die der sozialistischen Bewegung nahestehen, aus. die Lsste der vereinigten Linken„Republikanischer Block', Liltennummertz, zu wählen, aus der die sazialistischen und pazifistischen Studenten an sicherer Stelle kandidieren. Wahlrecht sst Wahlpflicht. der Kampf üer TaufenÜmartscheinbefltzer. Mau bietet sich Ohrfeigen an. vor dem 29. Senat des Kammergerichts standen drei Termine an, bei denen es sich wieder um Zivilklagen von Tauscndmarkschein- besitzen, gegen die Reichsbank handelle. Bei den beiden ersten Sachen, die unter dem Rubrum „Iäntsch gegen Reichsbank' und„Winter gegen Reichsbank' liefen, handelt« es sich um R« st i t u t, o n s- klagen, durch di« ein« Wiedereinsetzung des bereits durch Reichs- g«richtsurtell abschlägig beschi«denen Aufwertungsoersahoens gefordert wurde. Bei der dritten Sache, di« unter dem Rubrum„Schwank gegen Reichsdank' geführt wurde, handelte es sich um«in« Be- rufungsverhandlung. Der Kläger hatte gegen die Reichs- dank Leistungskiag« aufAufwertungderrotgestempelten Tausendmarkscheine erhoben und führte zur Begründung an. daß das neu« Reichsbankgesetz ungüttia sei, weil es einer«nsschädi- gungslofen Enteignung gleichkomm«. Di« Reichsbant Hab« während des Krieges die Bevölkerung zur Goldablieferung aufgefordert und dabei versprochen, daß es wieder zurückgegeben würde. Hierin werde «in« Täuschung und unberechtigte Bereicherung erblickt. R.-A. Kügler als Vertreter der Reichsbant bestritt dies« Darlegungen und betonte. daß da» neue Reichsbankgesetz zu Recht bestehe, was auch das Reichs- gerichtsurteil anerkannt habe. Dt« Reichsbank habe nie versprochen, das Gold zurückzugeben, sondern nur rrn Namen des Reiches ge- handett und selbst keinerlei Verpflichtung übernommen. Ein« uner- laubte Handlung seitens der Reichsbant komme asso überhaupt nicht in Frage. Des weiteren bestritt der Vertreter der Reichsbank, daß die allen Tausendmarkschein« Schuldverschreibungen gewesen seien. Di« einschlägig« Literatur stehe auf dem Standpunkt, daß sie nurGeldzeichen darstellten. Die Entscheidung tonnt« nach den bisherigen Urteilen des Reichsgerichtes nicht zweifelhaft sein, sie lautete auf Abweisung der drei Klagen. Nach der Beweisaufnahme für die drei Stteitsachen gegen die Reichsbank kam es aus dem Korridor zu lebhasten Auseinander- setzungen zwischen den Angehörigen der Auswertungsoerhände, die in zwei Richtungen gespalten sind und sich auf das heftigst« gegenseitig befehden. Schließlich bot man sich Ohrfeigen an. Zum Austrog dieses Backpseisenduell» kam«» jedoch nicht, da der Iustizwachrmeister die Aufwertungskonkurrenten auseinandertrieb und den Korridor räumte. Kanarien unö Tauben. Ein Treffpunkt erftklafstger Sänger ist jedes Jahr gegen Weih- nachten die große Allgemein« Ausstellung des Vereins „K a n a r i a'. gegründet 1882, die diesmal im„Deutschen Vereins- haus', Landsberger Straße 89, stattfindet. Die Liebe zum Ka- narienvogel, der besonders in Deutschland gezogen wird, ist bei allen Bölkern ziemlich tief eingewurzelt. Sogt man doch, daß allein im Vorjahre 366 666 Kanarienvögel die Reise über den großen Teich angetreten haben. Amerika ist aber nicht nur ein Liebhaber von Kanarienvögeln, es beansprucht auch sehr oft etwas Neues und verlangt jetzt den reinen gelben Kanarienvogel. Der wurde mal vor Hunderten von Jahren, als man vornehmlich auf Farbe sah und nicht den Gesang besonder» beachtete, in Spanien in Nein- kultur gezogen, wie noch viele Gemälde beweisen, auf denen die reich« Dame den quittegelben Kanarienhahn auf dem Zeigefinger der rechten Hand hätt. Unter den Gesangskanarien war«mst der sogenannt« Harzer Roller der bevorzugt«, er ist inzwischen durch den sogenannten Hohloogel verdrängt worden. Die Sportzüchter des Vereins.Kanaria' machen es sich zur Aufgabe, den Gesang zu veredeln, und sie fanden heraus, daß der grüne Vogel, der in seinem Federkleide dem Wildling, dem echten Kanarienvogel am ähnlichsten ist, den tiefften Sänger abgibt. Von den ausgestellten 132 Ka- nanenvögeln waren 13 gelbe, jedoch nicht rein gelbe, sondern solche mit dunklen Abzeichen, serner waren 51 Schecken und KS grüne vorhanden.. * Diesmal ist es eine wahre Riesenschau, die der„Klub Der» liner Taubenzüchter 196 8' in Erbes Festsälen, Hasen- Herde, seinen Bewuchern bietet. Ueber 3666 kleiner Ausstellungs- teilnehmer sind eingetroffen, ohne die zurückgewiesenen Ausländer, deren Einfuhr in letzter Stunde wegen Seuchengefahr verboten wurde. Aber auch die heimischen Züchter bieten ausgezeichnetes und reichliches Material. Der Riesenrömer, ursprünglich in Paris gezüchtet, aber hier oerbessert, Ist allein mit 86 seiner schönsten Ver- treter vorhanden, dann die ihm verwandt« Montanbautaube. Die Ausstellung bringt viel interessante Tier«, die sich durch eigenartige körperliche Reize auszeichnen. Die Huhntauben ähneln zum Bei- spiel in Gestalt und Kopsform sehr stark dem Huhn, die Nürn- berger und französischen Bagdetten, wovon die ersteren einen aus- gesprochen popageienartigen Kops besitzen, verdanken ihren Namen ihrer Heimatstadt Bagdad und ein Kalis war ihr erster Züchter. Die englischen Carrier(Warzentauben) haben um Augen und Schnabel richtige Fleischrosetten, die wie eine Art schmuckhafter Verzierung wirken. Unter den Kröpsern sehen die Amsterdamer Ballons ungemein possierlich aus, besonders im Stadium der Ekstase. Sie pusten bei solchen Anlässen den Kropf zu einem Riesenballon ouf, betten den Kops mtt der Gelenkigkeit eines indischen Joghi nach hinten und zittern dazu aus Leibeskräften. Sehr hübsch sind auch die Pfautauben, bi« ein richtiggehende» Rad schlagen, das am Ende noch dazu Noturondulatlon trägt.— In den Residenz-Festsälen, Landsberger Straße, ist die heimische„Berliner Lange' Alleinherrscherin in einer Ausstellung des Spezialklubs longschnäbe- liger Tümmler. In 456 Exemplaren zeigt der Klub, was er in den 19 Jahren seines Bestehens an edlem Material gezüchtet hat. Na- türllch fehlt es auch hier am nötigen Geld und trog aller Liebe und Sorgfalt können diese Menschen ihre kleine Liebhaberei nicht nach ihren Wünschen ausbauen. Aber sie lassen es sich, trotz allem, nicht verdrießen. Selbstmorde bei Reichswehr und Schutzpolizei. Erst In der Nummer vom Sonnabend snjh konnten wir von dem Aufsehen erregenden Selbstmord eines Reichswehr- m a j o r s. der sich in seiner Wohnung in der Goethestraße 17 er- hängte, berichten. Sonnabend früh hat wieder ein Angehöriger der Reichswehr Hand an sich gelegt. An der Ecke B l a n k e n b u r g e r u n d G o s l a r e r. S t r a ß e zu Steglitz ertönte morgens kurz vor H4 Uhr ein weithin vernehmbarer Knall. Kurz daraus fanden hier Borübergehende den 22jährig«n R e i ch s w e h r s o l d a t e n Willy Fromm aus Fürstenwalde, der beim 9. Retterregiment diente, mit durchschossener Schläfe bewußtlos auf der Erde liegend vor. Der Schwerverletzte, der noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde In da» Schöneberger Krankenhau» gebracht, wo er kurz nach der Einlteferung starb. Da» Motto zu der Ver- zweiflungstat ist, wie da» bei so vielen Selbstmorden in der Reichs� wehr, unbekannt!— In der Kaserne in der Friesenstraße erschoß sich der P o l i z e i u n t e r w o ch t m e i st e r Beter von der 3. berittenen Bereitschaft. Das Motiv zur Tat ist Liebestummer. Di« Leiche wurde nach dem Staatskrantenhause übergeführt. Die Slndtverordnelenversammluug ha: ihre nächste Sitzung am Donnerstag um\5 Uhr. guien Kaßee maclien. Der IraucKt keine sieben Sachen: farbe/�RSrxe, Duft und Kraft �Skber 8 Carlsbader ibm fdiafft Rastatt zur Nekchsbauuenoerbewoche. Das NeichsbaTmer hat als Auftakt für die Derbewoche vom 21. bis 28. November ßöftern abend in verschiedenen Stadtbezirken ÜB e r b e u in z ü g e veranstaltet. In langen Kolonnen marschierten die Züge, dicht umsäumt von einer großen Menschenmenge, im flackernden Fackelscheine durch die abenddunkelen Straßen. Der Kreisoer ein Kreuzberg sammelte seine Gruppen an der ZBassertorbrücke. In langen Reihen unter Vorantritt eines Tambourkorps und einer Musikkapelle zogen die Kameraden durch die Britzer, Mariannen- und Reichenberger Straße bis zum Schlesischen Tor und von dort zurück zum Sammelplatz. Der Menschenschwarm zu beiden Seiten des Zuges war so groß, daß es der P«lizei nicht gelang, den Fahrdamm für den Verkehr frei- zuhalten. Besonders stark waren die Iugendgruppen angetreten. Am Sammelplatz forderte Kamerad Robinson die Versammelten auf, sich aktiv im Reichsbanner zu beteiligen. Der Vankower Kreisverein veranstaltete gleichfalls einen Werbeumzug mit Fahnen. Unter Vorantritt des Tambourkorps und der Fahnengruppe marschierten die Kameroden durch die Straßen Pankows, überall lebhaft begrüßt und gefolgt von einer riesigen Menge. Auch hier hatten die Werber mit Flugschriften und Handzetteln gute Arbeit zu leisten. Auch da» Reichsbanner Wilmersdorf veranstaltete gestern abend zur Einleitung, der Werbekampagne einen Fackelzug, der vom Hohenzollernplatz, über Nikolsburger Platz und Straße, Helmstädter, Prager Straße, über den Nürnberger Platz durch den Bezirk Wilmersdorf führte. Unter Dorantritt einer Trommler» kapelle ging es mtt zahlreichen Fahnen, unter Hochrufen auf Repu- dlik und Verfasiung, durch die Straßen. Hunderte von Personen begleiteten den Zug. In der Prager Straße versuchten einige miß- gestimmte Monarchisten ein Pfeifkonzert. Traqischer Tod zweier Deutscher bei Neapel» Auf tragische Weise sind zwei Deutsche am Postlippo, Nordwest. lrch von Neapel, ums Leben gekommen. Es handelt sich um den Professor Otto Guzenboch und ein Fräulein He» l e n e K u m b y, die die einzige auf der Felseninsel Gaiola ge» legene Villa bewohnten, die mit dem Posilippo durch ein« Schwebebahn verbunden ist. Als Frestag abend die beiden Deutschen nach der Villa zurückkehrten und Fräulein Kumby sich gerade in dem Wagen der Schwebebahn befand, riß das Seil und der Wagen st ürztemitseinerInsassinineMeer. Profesior Guzenbach versuchte seiner Gefährtin zu Hilfe zu kommen und sprang nach. Bei dem hohen Seegang war jeglicher Rettunas. oersuch zum Mißlingen verurteilt und beide ertranken. Die Leichen tonnten noch nicht geborgen werden. Parteinachrichten für Groß-Serlin Sinfeabaagta fSx diele Rubrik gab «erli» L««S. Liudeustr-Ke Z. Net» m das Bezirkelekretoriut. & Hut, 2 Step, recht»,»» richte». Kommunale Konferenz am Frestag. den 26. November, abend» 714 Ahr(pünktlich) im Berliner Rathaus, Stadlverordaelenfltznngsfaal. Genosse Stadt- schulrat Nydahl spricht über: .Berliner Schulpolitik und die Schulverwaltung der sechs Julleubezirke." Teilnahmeberechtigt sind alle parteigmässtschen Magistrats, und Vestrksamtsmitglieder, die SVD.-Sladt- und Bestrksverordneteo und sonstige aus schulpoliiischem Gebiete tätigen Parteimilglieder. « S, Btti» ricrgarteu. M-ata». Nu armier, 8 llir, eraxlterte arriaaor. bei SSetgrt, Learguiaftr. 21. i&t« Jueuwstrafte. 4, Ät«U iUcujlauet Berg. Dienstag, 23. Navember, 8 Uhr, bei Alu«, Dan» »igrr Etr. 11, Sihung des erweiterten Areisoorlianbes. 7. Arei» aharl»t.enburg. Montag, 22. Navember. 8 Uhr, I?iartion»st8uag mit den Bttraerdeputierten im gimmer 1 de« Rathaus»». U. Arei» Errqllh. Alchterseld», e-niwih. Montag, 22, Slmemhn, 8 Uhr, Areisdeie.iicrlenocrslnnmlung im Aübrechtshof, Elegli», Albrechisnahe, Nor- trag de« Senusscn S.adtrat wudtii„Wohnungsnot� Alle anderen Partei- und DeweiksZ�aflsfunktionär, sind als Diiste eingeladen. Ich Arei, ReuiSlln. Achtunai Mittwoch, Ii. Noaenrber, IM Uhr. In flkctie» ssestslllcn, Hasenheide, öffentliche Versammlung mit dem Thema!„Segen Lchmuh- und Schundacsed". Referent Dr. Aurt Löwenstein. Männer und Frauen, erscheint in Massen!.. 17. Arei, Lichtenberg. Montag. 22. R-anndar, 8 Uhr, Sihung der Begirk». aerordnetensiattion im Rathaus. Zimmer»». Ditrgerdcpuuerte sind«in. 18. Vztte Deihense«. Montag, 22. Rbveinder. TM Uhr, bei Galla,, Lehder- sirahe. wichtige Ar-i-voriiandc-schung. Erscheinen sämlliäser»orsianbsmit. «lieber ist unbedingt erforderlich. Die Bereinigung soZIaldemokratischer Juristen veronslallet am Dien� tag. ZS. November. 8 Uhr, im Pschorrhaus. Tauentuenstr. l3, Zimmer 2. «in« Aonferen, Uber die Sandsbc-gcr Femeprozellc. voran». sich:lich Genosse Dr. F-Ik-nfe'.d. Frankfurt a. d. v. Gäste, auch Nicht- jurillen. willkommen. heule. Sonulag, 2t. November: «. Abt. v-m» Uhr ab Flugblätterverbreilung von Rickert,«teinmetzlir. 17. Morgen, Montag, 22. November: I. Abt. 8 Ubr Sihung der Aommunalen Aommission bei Dobrohlaw, Twin«- Münder Str. U. Bortraq de» Genossen Stadtrerordneten Willi Riese. Pünktliches Erscheinen aller kommunalpolitisch ehrenamtlich tätige» Ge- nossinnen und Genossen ist Pflicht. Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin veranstaltet In ihren Verkaufsräumen Wegelystraße 1(am Stadtbahnhof Tier- garten) vom 22. November ab einen Sonderverkauf bemalter und weißer Porzellane, die kleiner Fabrikationsfehler wegen mtt Preis- Nachlaß abgegeben werden. Es befinden sich hierbei Blumenvasen. Figuren, Dosen und Schalen, Kaffee- und Teegeschirre, Einzelteller und komplette Tafclseroice. Es ist bekannt, wie gewissenhaft die Manufaktur zu sortieren pflegt! man findet daher auch setzt wieder unter den Porzellanen viele schöne Dinge, die Liebhaber der alten Zeptermarke ersreuen werden. M.«M. Wt Ste M«fcW, ttonStssban«. M.«dt. Di« plaamStige Fnaktionärslhun« aa Monte« fällt ans sab findet om 29. November stett. Näher« Mitteilungen erfolgen noch. <7. Abt. 8 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionär« bei Gesche, Wraxgel- Ecke Pü-tl-rssrvße. Wichtig« Tagesordnung. 77.«bt. Schlaeterg. IM Uhr 1. Arbeitsgemeinschaft Apossel.Paulus-Str. 7. Jeder Teilnehmer mutz unbedingt erscheinen. 128./ 130. Abt. Pankow. 7 Uhr Werbeumzug btt Reichsbanner« mit Shifik vom Pankower Marktplatz au». Aebermorgea, Dlevstag, 23. November: 8. Abt. TM Uhr bei Dobrohlaw, Swiuemünder Str. lä, wichtige Funktionär- fitzun«. 18. Abt. TM Uhr bei Lausch, vr�iowstrotz«, FunktiouSrfitzun«. ST. Abt. TM Uhr bei Pfeiffer. Hausdurgstr. 2. wichtig» Funktio uä tsitzuu«. Milkwoch. 24. November: 28. Abt.«chjun«. Parteigenossen! Die Mitgliederversanrmlut»« findet wie bisher im kleinen Saal de» Saalbau Friedrichshain statt. Genosse Aarl Bauer spricht Uber:.Wichtige» au» der Arankenverstchcrung�. 38. Abt. TM Uhr in der Aula Petersburger Str. 4 Filmvorführung!„Unser Äonfum*. Bor trag de» Genossen Bruno G rappler. Einlotzkarten zu 20 Pf., für Aiuder 10 Pf„ sind bei den Bezirksführern sowie in den Zahlabend» lokale» ZU haben. Di« Funktionäre werden ersucht, die Eintrittskarten bis fpätestens Dienstag, 23. November, beim Abteilungskassierer bestimmt ab- zurechnen. 37. Abt. TM Uhr in der Patzenhafer-Brauerei Landaberger Alle« Abteilung». Versammlung, v-rtray:.Die politisch« Lag«''. Referent Erich Auttner, M. d. L. Alle Genossinnen und Genossen sowie.Borwärts'-Leser werden ersucht, in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung bestimmt zu er- scheine». Zuvgsozialistea. am Montag. 22. November, 1% Uhr, im Pren- tzischen Landtag. Prinz-ASirecht-Str. 8, Vortrag:.Gesellschaftlich«, Sein und Bemühtfein in unserer Zeit". Referent Dr. Aurt Löwenstein. All« Gruppen beteiligen sich daran geschlossen.— Achtung! Um 6M Uhr ebenda wichtig« Gruppenkonferenz. Jede Gruppe entsendet zwei Der. treten. Gäste herzlichst willkommen. Gruppe«eltzeusee: Diensteg. 23. November, im Jugendheim Po-rkstr, 38 Vortrag:.Einführung in hie Gefellschafisledre". 5r«menveranstaltuugeu am Monlag. 22. November: 8. Abt. TM Uhr im Aonferenzz immer de« Sewerkschoftshaufe», Engelufer St/S, Bortrag:.Was ist und was will der Sozialismus? Referent Robert Breuer. All« Frauen müssen erscheinen. 8. Abt. TM Uhr bei Rickert, Steinmrtzstr. Mg. Vortrag: �törperiuliu:". Referentin Genossin Albrecht, 28. Abt. TM Uhr bei Heile», Prenzlauer Alle« 239 77. Aurfusobenb. 27.«dt. TM Uhr bei Bogdonowitz. Eonnenburgrr Str. 1, Lichtbildervortrag: .Die Revolution 1918", Referent Genosse Busch. Säst« willkommen. 28.«bt. TM Uhr bei Altmann. Rpkestr. 2, Heiterer Abend. Bortragender Genosse Schumann. Gäste willkommen. 29. Ad!'. TM Uhr bei Riebe. Dunckcrstr. IS, Bortrog:.Snptn an* der Türkei". Referentin Erna Büsing. 88. Abt. TM Uhr bei Peter. Schreinerstr. 88. Vortrag: Fiekigion und Sozia- lismus". >7. Abt. TM Uhr bei Jerafch. Gbertvstr. 10, Bortrag:.DI« Frau in der heutigen Gesellschaft". Referentin Slobtverordnete Minna Todenhagen. Gäste willkommen. 98. Abb 7Ztz Ubr bei Dartusch, Friebensdr. 88, Bortrag:.Körperpflege". R» ferent Dr. Georg Löwenstein. 98. Abt. TM Ubr bei Böttcher. Laqelberger Str. 8, Vortrag:„Die gesund- heitsfürsorgkrischen Einrichtungen der Bezirke." Referent vtadterzt Dr. Grumach. 92. Abt. TM Uhr bei ÄBHIfc,«ergm-nnsk. 09. Vortrag:.Dt««efchichte der Revolution". Referent Wilhelm Richter. 99. Abt. TM Uhr bt* Wolf. Gräfestr. 28, Vortrag: Heinrich Heine". Res«. rent Genosse Heinz Dort bei. 44. Abt. TM Uhr bei Ewald. Sk-litzer Skr. 128, Vortrag:„PolksgesUnbheit durch llörperbildung— und Nacktkultur". Referent Adolf Aoch. 48.«dt. TM Ubr bei Wienziers, Reichenberger Etr. 104, Vortrag:„Das beut- fche Volkslied", mit Erläuterungen am Algvirr. vortragender Dr. Mar Brie. 87. Abt. Eharlotteubnrg. 8 Uhr bei Thunack, Wieiondstr. 4. Vortrag:.Di« Frau in d« Ariminalpolizei". Referentin Genossin Wüst. 87.«it. Grunewald. 8 Uhr im Bahnhofrestauvont Grunewald Dortrag:„Aul. tur und Sozialismus". Refrientin Clara Bohm-Schuch, M. d. R. Aus- spräche. Gäste willkommen.■—'—------—---~—'— 77.«dt. Schöaeberg. 7 Ii Uhr bei Jürgen», Baibaxossastr. 8*, Heitern Abend, Rezitationen und Gesang. Mitwird- nde: Frau volafewer von der eh«. maligen Eharlotlenburger Over. Renkölla.«. und»8. Abt. TM Uhr im Lokal Klein, Reuterfrr, 47, Bortraa: „Frauentrantheiten". Referentin Dr. Wvgodzinski.— 98. Abt. 7>h Uhr bei Srieger, Lcssinastr. 9, Vortrag:„Der Bürger im Spott". Referent Friedrich Wendel. Gäste herzlich willkommen. 102. Abt. vaumfchnlenwcg. TM Uhr bei Hätz. Baumfchulenstr. 73, Vortrag ber Genossin Trapp. 188. Abt. Zohaantethal. Der Frauenabend findet itMsiändehalber erst am 29. November statt. 108.«bt. Köpenick. Titz Uhr Im Jugendheim Grünauer Strotz« Lichtbilder- Vortrag de« Dr. Samuel über:„Geschlechtskrankheiten". 140. Abt. votflgwelde. 7V, Uhr bei Woilfchoch, Ernstste. 1, Vortrag:„Frauen- krankheitrn". Referent Dr. Conrad, Oberarzt dc» Birchowkronkenhauses. Fraueuveranstaltuugen am Dienskag. 23. November: 17. Kreis Lichtenberg. TM Uhr hei Alb recht. Neue Bahnhofstr. 7. Bortrag: „Rörverpflege und Gymnastik". Referentin Genossin Albrecht. Gäste will- kommen. Im Anfchlutz daran gemütliche» Beisammensein. III. Abt. Bohnsdorf, s Uhr hei Heimann. Waltersddrfcr Str. 100. Vortrag: ■Scilltkultur". RrfSrenti» Hertha Sotthelf. Arauenveranstallungea am Miklwoch. 24. November: 18 Arei» Weitzensc«. Geselliger Adcnd um TM Uhr in der Borussia- Brauerei, Berliner Alle«. Bandoniumkonzert, Gharaesäng«, Dorbietun. gen der Arhciteriugcnd und der Iungsoziallsten. Ansprache der Genossin Clara Dobm-Schuch, M. d. R. Wir crwarten reg« Botelligung. Gäste herzlich willkommen. Aiadcrsreunde«enkölln. Gruppe Hertzbergplatz: Montag uud Donnerstag 4—7 Uhr Spielen und Basteln Schule Hertzbergplatz. Gruppe B-rgflratze: Rlon- teg, Dienstag, Freitag 4>4—7 Uhr Jugendheim»ergstr. 29. Gruppe Hermann- Platz: Montag und Donnerstag 4—7 Ubr Spiel und Basteln Schul« Kaiser- Friedrich-Slr. 4 Gruppe Boddinplatz<91, Abt.): Montag und Donnerslag 8—7 Uhr Spiel iind Po stein Boddin- Eck- Berliner Siratze. Gruppe«lbcstr-tze <92. Abt.): Montag und Donneistag 8—7 Uhr Spiel und Basteln Elbeschule. Gruppe Birke: Montag und Donnersteg 4—7 Uhr Spill und Basteln Schulc Lcssinqstratze. Gruppe Ouene: Montag und Donnerstag 4—7 Uhr Spiel und Basteln Schul« Mariend»:fer Weg. Für Kinder aller Gruppen: Dienstag 8—7 Uhr Sprechchor Boddin. Eckc Berliner Stratze. Mittwoch 8—7 Uhr Spiel und Tan, Turnhalle Kaiser-Friedrich-Realgymnasium. Freitag 8—7 Uhr Singe- kreis in der Rütlischule. Kinderfreund« Britz. Montag und Donnersteg 4— 6 Uhr Spielen und Ar- Helte» mit Kindern unter 10 Jahre». Dienstag und Frsitag 4—7 Uhr Arbeiten »nd Spielen mit Kindern über 10 Jahr«. Sonnabend 8— 10 Uhr alle Aiirdcr über 13 Jahre. Sämtliche Veranstaltungen im Jugcndhsim Raihaus II. Mon- tag 8—8 Uhr Spielen in ber Turnhalle der 1. Gemelndeschul«. Chausseestratze, für alle Kinder. Vorträge, vereine nnö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz Rot Gold". D-fchäftsst-lle: Berlin«14. L-basti-nstr. 87/88, Hof S Tl. Mitte: Mo., d. 22., 7 Uhr. Antreten zum Werbeumzug Boyen. . stratze 10. Beteiliguno aller oltiven und passiven Kameraden Pflicht. Turnabeud fällt aus,— Fliebrichehain:. Toio: 34: ll). Platz: 17, 23, 43: 10. Ferner liesen: Dalula. Blücher, Lichiung. Ondina.«es. 3. R e n n e n. I. Hai z> eise(Petzrlt). 2. IrkuiSk(Moiitz), 3. Ciree (v. Metzich). Toto: 26:10, Platz: lg. IS, IS: 10. Ferner lieien: Theos, Dannerweiier,«es., Parloli, Tursball, gel, Baisio, 4. R e n n e n, I. Boiirß(jstukulirS), 2, Riiatcs rein« w. Uenes Gewebe, la Qualität �13250�161.- 5�195.-�223.- �265.-�325.- 420 So" 445. m 534.- 800 Velout-Teppicbc ' 2875�o 39 96-0 180» 200 200« gJfSO 2S0» 50 850 Velour. 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Das Faustrecht des Krieges, die Wohlstand vernichtenden In- flationen in den europäischen Ländern haben die Grundlagen einer gefunden Gütererzeugung und Kapitalverwer. tung in der Weltwirtschaft zerstört. Aus dem Wege zu chrer Wiederherstellung Hot der schutzzöllnerische Selbstschutz, mit dem sich die Wirtschastsnationen umgaben, die Anarchie in der Welt- Wirtschaft vergröhert. Wie in den einzelnen Volkswirt- schaften die Staatsregierungen in die freie Winschast ordnend ein- greisen muhten, so ergibt sich diese Notwendigkeit auch für die Ge- samtwinschaft der Völker. Die Arbeilerschast dars dabei nicht taten- los beiseite stehen. Sie muh zum Schutz ihrer Interessen und um den Sieg der Vernunft gegen privatkapitalistische Gruppen- und nationale Sonderinteressen sich aktiv an der Arbeit zur Rational!. sierung der Weltwirtschast beteiligen. Diese Woche tagte in Genf die Vorbereitende Weltwirtjchastskonferenz. Sie hatte die Ausgabe, das Programm der im Mai 1V27 stattfindenden Weltwirtschaftskonferenz festzustellen und für diese allgemeine Richt- linien auszuarbeiten. Für den Erfolg dieser Konferenz sind gründ- liche Lorarbeit und Materialordnung, aber auch eine klare Erkennt- nis der weltwirtschaftlichen Notwendigkeiten die entscheidende Vor- nusfetzung. Die Vertreter der internationalen Arbeitnehmerjchast sind mit einem schars umrissencn Programm in der Vorbereitenden Konserenz hervorgetreten. Vörarbeilen für die Weltwirlschaslskonserenz. Für die Einsicht in die weltwirtschaftlichen Verhältnisse, wie sie sich seit dem Kriege gestaltet haben, ist die wissenschaftliche Bearbei- tung des Materials, welche sich aus die Probleme der Weltproduk« tion, des Wellhandels, der internationalen Handels- und Zollpolitik usw. bezieht, von großer Bedeutung. Wertvolle Vorarbeit dafür haben schon früher der englische Balfour. Bericht fowi« die Berichle der englischen Kohlen-, derLebensmittel- k o m m i s s i o n geleistet. In Deutschland hat das Institut für Konjunkturforschung im lausenden Jahr zwei Unter- fuchungen übet Weltproduktion und Welthandel veröffentlicht, die allerdings nur bis' emschliohlich lS24 reichen. Das Internationale Arbeitsamt und der Völkerbund waren von jeher bestrebt, Material für weltwirtschaftliche Probleme zu sammeln und zu verarbeiten. Auher den früheren umfangreichen Veröffentlichungen über die Weltproduktion und die Leistungssähigteit der In- d u st r I e, die viel zu wenig beachtet wurden, legte das Inter- nationale Arbeitsamt der Konserenz setzt ein« Arbeit über die internationale Lohnoestaltung vor. Der Völkerbund veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Unter suchuugüber den Welthandel, auherdem Denkschriften über die Entwict- lung von nicht weniger als 62 Ländern, und hat jetzt eine Arbell vorgelegt, in der er auch den Umfang der Weltproduttion zu schätzen sucht. Fünfzig Spezialarbciten des Völkerbundes behandeln verschiedene Probleme der Weltwirtschaft, vor ollem die industrielle Produktion und die Lage der hauptsächlichen Industrien. Auch das Internationale Landwirtschastliche Institut in Rom hat der Konferenz Materiol geliefert. Einige Ergebnisse. Die Feststellungen des Völkerbundes sind oufschluhreich genug: sie zeigen, dah die R o h st o f f p r o d u k t i o n der Well bei einer sünsprozentigen Vermehrung der Bevölkerung seit 1913 im Jahre 1924 um 6,7 Proz., 1923 um 16P Proz. größer, der Welt- Handel da».egen 1924 um 2 Proz. geringer war, als vor dem Krieg, 1923 um 5 Proz. größer. Sehr ungünstig steht der Anteil Europas an dieser Entwicklung, wo bei einer Be- völkerungsoermehrung von 4 Proz. seit dem Krieg die Rohstoff- erzeug!», g in den Iahren 1924 und 1925 94 bzw. 104,3 Proz., der Welthandel aber nur 89 bzw. 94 Proz. der Vorkriegszisfern erreichte. Für Europa ist bezeichnend, dah 4>er Außen- Handel in viel größerem Maße zurück ging als die Produktion, was angesichts der gegenseitigen Absperrung durch Zölle und ander« Maßnahmen wohl verständlich ist. In Amerika und Asien ist im Gegensatz zu Europa nicht nur eine sehr gesteigerte Rohstoff. Produktion, sondern i n n o ch g r o ß e r« m Ausmaß die Er- höhung des Welthandels festzustellen. Zwei Manifeste aus kapikalifkifchen Lagern. Zwei Dokumente, wovon das eine sür die Vorbereitende Welt- wictschaftskonferenz bestimmt war, haben die allgemeine Aufmerk- samkeit der öffentlichen Meinung aus sich gezogen: das sogenannte Freihandelsmanifest und der Bericht der Inter- nationalen Handelskammer an die Wellwirtjchasts- konserenz. Im Freihandelsmanisest kommt die Erkenntnis, daß „der Welthandel kein Krieg, sondern ein Tauschprozeß und das Wohlergehen unserer Nachbarn die Vorbedingung unseres eigenen ist", zum Durchbruch. Trotzdem hat dieses theoretisch gehaltene Manifest viel von seinem Wert eingebüßt. Die Unterschristen ans Frankreich und Italien waren bereits im Manifest mit Einschränkungen gegeben, später haben eine Anzahl der Uiüerzeichneten ihre Unterschrist zurückgezogen. Der Präsident der Vereinigten Staaten Coolidge erklärte, daß die im Manifest dargelegten Grundsätze für Europa sehr wertvoll seien, sich für die Vereinigten Staaten aber nicht eigneten. Am meisten leidet jedoch das Manifest darunter, daß dieselben Leute, welche sich darin z» einer internationalen Kundgebung zusammenschließen, in ihrem eigenen Lande nicht für den Abbau der Schutz, ölle eingetreten sind. Die Internationale Handelskammer hat sich für die Herab- setzung der übermäßigen Zölle ausgesprochen und hier- für eine Anzahl konkreter Vorschläge gemocht: Abschaffung der Wertzölle, Einheitlichkeit der Zolltarifklassifikation, ollgemeine Meist- begünstigung, Abschluß von Tarisoerträgen auf längere Zeit. Außer mit dem Zollproblem beschästigt sich die Internationale Handelskammer mit der Rohstoff- und Kartellfrage. Sie verwirft Ausfuhrverbote und fordert den sreien Gebrauch der Rohstoffe für alle Völker. Als Entgelt dafür sollen die Länder, die Rohstoffe hervorbringen und auch veredeln, in den Ländern, die ihre Rohstoffe abnehmen, eine verständige und günstige Zollbehandlung ihrer Veredlungserzeugnisse finden. Daß die recht unklaren Vorschläge der Internationalen Handelskammer zu einer Lösung der Rvhstosfrage führen könnten, wird niemand behaupten. Zu ihrer Verteidigung könnte man nur anführen, daß die inter- nationalen Rohstoffprobleme für eine Lösung zurzeit noch nicht reif sind. Einiges Aufsehen hat die Stellungnahme der Iiüernationolen Handelskammer in der K a r t e l! f r a g e erregt. Sie ist den internationalen Kartellen sehr freundlich gesinnt und erhofft von ihnen Verbesserungen der Erzeugungsmethöden. bessere Ausnutzung des Produktionsapparates, Förderung der Rationalisierung wie auch einen Zollabbau. Damit wird es allerdings einige Weile haben. Zu beachten ist immerhin, dah selbst die Imernationale Handelskammer die Berücksichtigung der Interessen der Arbeit- nehmer, der Verbraucher und des Handsls durcl) die internationalen Kartelle fordert, was ohne eine Kartellkontrolle nicht möglich ist. Auch der sowohl im französischen wie im internationalen Wirtschaftsleben maßgebende Großindustrielle und Wirtschafts- Politiker Louäreur hat jüngst eine internationale Kartcllkontroll« als unerläßlich bezeichnet. Die Forderungen der Arbeitnehmer. Die Forderungen der Arbeitnehmer von der Wcltwirtschafts- konserenz werden vom Internationalen Gewerkschasts- b u n d getragen, der diese nicht erst zu diesem Anlaß, sondern bereits seit vielen Jahren verkündet und»ertreten hat. Wenn die Arbeit- nehmer der Welt auch hellte den Abbau der Zölle fordern, so wirkt das freilich ganz anders überzeugend, als wenn er von den Vertretern des Kapitals verlangt wird. Forderte dach die Arbeiter- schaft auch in Zeiten, wo die Wellen des Hochschutzzolls besonders hoch gingen und die Unternehmer sich mit Wünschen nach weiterer Zollsrhöhung nicht genug tun konnten, die Abtragung der Zoll- mauern. Sic erkannten darin ein Mittel zum Weltfrieden und einen Ausdruck ilUcrnntionalcr Solidarität. Die Arbeitnehmer fordern die Durchführung der W ä h r u n g s st a b i l i s i e r u n g, womit sie eine andere wichtige Forderung, die Stabilisierung der P r ei s e, verbindeil. Diese soll die Beständigkeit der Produktion und der Arbeitsgelegenheiten zu sichern Helsen. In der Rohstosf- srage vertritt der Internationale Gewerkschastsbund die Fordenrng der iiiternationalen Verteilung der Rohstoffe. Die Zlrbeitcrschast wünscht ferner die Prüfung der Frage der E i»- und Auswanderung durch die Weltwirtschastskonsmnz. Es scheint jedoch, daß das sJiohstofsproblem ebenso wie die Frage der Ein- und Auswanderung und der landwirtschastlicheii Produktion von der Weltwirtschaftskonserenz nicht behanoelt werden. Selhstoerständlich ist, daß die'Arbeiterschaft als Abwehr gegen die intern atio- nalen Kartelle die Einsühviiilg von Kontrolleinrich- t u Ii g e n zum Schutz sowohl der Konsumenten wie der Rechte der Arbeiterschaft fordert und diese Frage vor der Weltwirtschasts- konserenz zu bringen wünscht. Endlich wurde vom Internationalen Gewerkschaftsbund die Schaffung eines ständigen Wirt- jchaftsamtes, eines Organs für die Aussührung der von der Weltwirtschaftskonserenz zu fassende» Beschlüsse und sür die Fort- fuheung ihrer weiteren Arbeiten unter Teilnahme der Arbeiterschaft und der Koiijumcincii vorgeschlagen. Die Forderungen der Arbeiterschaft sind die Forderungen d e r S tri n d e, Maßnahmen, die geeignet sind, die zerrissenen Fäden des Wirtschaftsverkehrs zwischen den'Völkern wieder anzuknüpfen und die schlimmste Ausbeutung durch internationale Kartelle zu verhindern. Ilnbeschadet ihrer allgemeinen ileberzeugungen, die ein« ganz andere Organisation der Weltwirtschaft erheischen würden, kann es sich die Arbeiterschaft nicht nehmen lassen, auch an der Lösung dieser sür den Augenblick brennenden Fragen im Sinne der inter- nationalen Solidarität mitzuarbeiten. A. H. » das Programm üer tveltwirtfihastskoaferenz. Die am 4. Mai 1927 zusammentretende Weltwirischaftskonferen- soll sich den Beschlüssen der vorbereitenden Konferenz zusolge in erster Linie mit der allgemeinen wirtschaftlichen Weltlage befassen und die Ursachen der gegenwärtigen Störungen im Handel»MJp der Industrie untersuchen. Unter den wirtschaftlichen Tendenzen,* die den Weltfrieden becinslussen lönnen, dürsten die lMndels»ch»'d zollpolitischen wie auch die Karlellprobleme erörtert werden. Di« elegMÜ« ain � SÄ' Wdd 5vM»ck>-w rc ingobol« slotion ibnen«b. Moniag Finanz- und Kreditfragen werden.nicht für sich, sondern bei den einzelnen Punkten, für die sie von Bedeutung sind, behandelt. Auf Wunsch der Arbeitnehmer werden die Probleme der Kaufkruft, die Rückwirkung der Verminderung der Kaufkraft aus den internatio- nalen Handel diskutiert, und auch die Entwicklung der Kaufkraft der Landwirte wird zur Sprache kommen. Die Weltwirtfchaftskonferenz wird sich angesichts der Tatsache, das? die wirtschaftlichen Schwierig keilen in erster Linie die europäischen Länder angehen, vornehmlich mit den Fragen zu beschästigen haben, die die europäische Wirtschasts- läge betreffen passive hanöelsbilanz im Oktober. Starke Zunahme der Wareneinfuhr. Der deutsche Außenhandel mar im Monat Oktober dieses Jahres nach der amtlichen Veröffentlichung mit HO, 4 Millionen Mark im reinen Warenverkehr(ohne Edelmetalle) passiv. Es betrug die Einfuhr A u S f u h r Jan /Olt. Ott. 6ppt. gotuOIt Millionen Mari 96,2 1,2 0,8 2592,1 43,4 28,9 Olt. lö,7 334,3 Sept. i n 14,4 255,9 9,1 364,1 Lebende Tiere.. LebenSm.u.Gelränke Rohstoffe und halb« fettige Waren. 484,5 438,3 386�1 232,6 224,2 1912,6 Fertige Waren.. 155.7 114,8 1040,4 602,6 582,4 5853,4 N-in.Warenverl.ztis. 990,3 823.4 7890,8 879,8 836,4 8139,3 Öiold und Silber. 157,9 107,0 464,? 2,0 3,5 32,3 Zusammen 1148,1 930,4 8355,0 882,4 839,9 8171,6 Diese Zahlen geben aber kein ganz zutreffendes Bild. Nach Erhebungen des Statistischen Reichsamts tritt nämlich rege!- mäßig bei der E i n s u h r eine Ilebcrbewertung von zirka 3 Proz., bei der Ausfuhr eins Unterbewertung von zirka l'A Proz. ein. Nimmt man die entsprechende Berichtigung vor, so er- mäßigt sich die Passivität der Warenbilanz auf 67,4 Mil- lionen Mark. Für die ersten zehn Monate 1926 betrug der A u s s u h r übei schuß über 600 Millionen Mark. Im Oktober 1925 betrug dagegen der Einfuhrüberschuß 161,3 Millionen Mark, in den ersten zehn Monaten 1925 über 3 Milliarden Mark. In der Krise des Jahres 19 26 ist also eine außerordentliche Vcrschie- b u n g im Außenhandel tim 3,6 Milliarden Mark eingetreten. In den ersten zehn Monaten 1926 ivar die Wareneinfuhr um rund 2,7 Milliarden Heiner als ini Vorjahr, die Ausfuhr um rund 900 Millionen größer. Der Einfuhrüberschuß des Oktober paßt vollständig in das Bild unserer gegenwärtigen Wirtschaftslage. In Handel und Industrie ist unverkennbar eine Besserung eingetreten, und der Besserung der Wirtschaftslage entspricht die sogenannte„Verschlechterung" der Handelsbilanz, wie die Krise zu ihrer„Verbesserung" führte. Die Eins u h r ist um über 160 Millionen gegenüber der September- einfuhr g e st i c g e n. Davon entfällt sast die Hälfte auf eine Mehreinfuhr von Lebensmitteln, vor allem Reis, Gerste Weizen, Fleisch, Obst, Südfrüchten, Schmalz, über e i n Viertel auf Rohstoffe, darunter Baumwolle, Hopfen, Häute, Tabak, Eisenerze, der Rest auf Fertigwaren, vor alleni Wasser- fahrzeuge und Textilwaren. Die A u s s n h r stieg um über 40 Millionen, davon die Hälfte Fertigwaren. Lebensmittel- und Rohstosfvcrbrauch der deutschen Wirtschast sind also im Anstieg be- griffen, und das gesamtwirtschaftliche Bedürfnis zur A b st o ß u n g von Waren ins Ausland ist weniger dringend ge- worden, so notwendig auch weiterhin die Steigerung des Exports ist. Die Außenhandelsbilanz spiegelt jetzt die Belebung des Inlands Marktes wider, die zum großen Teil eine Folge der k ü n st l i ch e n Anregung unseres Wirtschaftslebens durch den englischen Berg- arbeiterstreik ist._ Die Arbeitslosigkeit sieigt wieder. lieber 3600 neue Arbeitslose in Berlin. Die beiden letzten Berichte vom Berliner Arbeitsmarkt ließen bereits deutlich erkennen, daß das Tempo, in dem die Arbeitslosen in die Betriebe zurückgesaugt würden, ziemlich stark abnahm. Den- noch kommt die Nachricht sehr überraschend, daß schon jetzt die bis- herige Abnahme der Arbeitslosigkeit in Berlin in eine Zunahme um über 3600 Personen umgeschlagen ist. Das Landesarbeitsamt Berlin berichtet dazu: Die Entwicklung des Arbeitsmarktes neigt zur Verschlechterung. Erstmalig ist die Arbeitslosig- t e i t w i e ditiiiiUiiiminiiiiiiiMmitiiiMiiiiiimnmiiii:imni>intiiiNiiiiiNiiiiiMiminnmitnimiiiminmi� Unsere I„Hertie"- Schallplatte |aus reinem Schellack-Voll- ��25 | material, 25 und 30 cm 0 dfig und 4? �iiniuummiiiiiumuiiiiiiiiiiiiiiiuiuJiiiiiiiiiiiinuniiiiiiuiiiniiiiimiuuiuiiiuiiuiiiiimiuimnumiiuiiiiuuiinnunmiri 276 v Sie reden begeifiert, sie loben viel. ie fchwärmen nämlich für Ozonil. mm das selbsttätige Waschmittel peinigt besser müheloser schonender. Ludwig Hardt, fraglos einer der markantesten Rezitatoren der Gegenwart, bestritt den ersten Teil der Tonnabenddarbietungen. Ilnter dem Goetheschen Motto„Die Weit ist durchaus lieblich anzu- schauen'" durchlebte man eine reiche Stunde von gut gewählter Poesie und Prosa. Der ausgezeichnete Sprecher und Gestalter, der uns von, Podium her so ost beschenkt, enttäuschte auch vor dem Mikrophon in keiner Weise. Im Anschluß an seinen Vortrag horte nian„Stimmen verstorbener K ü n st l e r". Gramms- phonplatten übermittelten den Gesang G i r a r d i s, dessen berühm- tes„Fiaksrlied" im Rundfunk erklang, die Stimmen Carusos, Marie Götzes und mancher anderer einstiger Größen. K a i n z hörte man den großen Monolog aus„Hamlet" noch einmal sprechen und Joseph Joachim, der gefeierte Geiacnkllnstlcr, spielte uns den„Ungarischen Tanz Nr. 2" von Brahms. Gewiß wurden manche technische Mängel bei diesen oft vor Jahrzehnten gemachten Auf- nahmen fühlbar. Trotzdem war diese halbe Stunde weit mehr als ein pietätvolles Gedenken' derer, denen die Nachwelt im allgemeinen keine Kränze flicht— wenn ihre Gegenwart sie auch noch so enthu- siastisch feierte. Für diesen ausgezeichneten Wochenschluß sei der Rundfunk bedankt.— Ministerialrat Dr. Alfred Beyer setzte im Rahmen der Hans-Bredow-Schule seine Vortragsreihe über Lebenstüchtigkeit und Lebenserfolg fort. Er ver- suchte mit einer Definition des menschlichen Charakters Wege zur Charakterbildung und damit zum Glück, soweit es von subjektiven Einflüssen abhängt, zu weisen. Den Charakter, obwohl angeboren, hält Dr. Beyer für cntwicklungs- und umsormungsfähig. Durch Ueberkompensationcn ist der Mensch zu Leistungen imstande, die seiner Veranlagung zu widersprechen scheinen. Im allgemeinen warnte aber Dr. Beyer vor einer Derkennung der Charaktcrrichtung, da sie bei einem plötzlich eintretenden Ereignis doch wieder durch- bricht und dann häufig Unheil stiften wird. Dagegen glaubte der Vortragende an den Erfolg einer Charakterentwicklung. Er sieht hierin die Möglichkeit zur Heilung von Nervosität und anderen Nervenleiden, und darüber hinaus den Weg zum Glückerleben. Selbst wenn man nicht immer unbedingt mit den Ausführungen Dr. Beyers übereinstimmte, so bedeuteten sie doch für alle Hörer wesentliche Anregungen. Das Rundfunkprogramiti. Sonntag, den 21. November. 9 Uhr vom.: Morgenfeier. 11.30 Uhr vom.: Konzert. 1. Job. Seb. Bach: Air. 2. Händel: ,Laß mich mit Tränen. Arie ans .Rinaldo1*. 3. Max Eisenberg: Geistliches Lied ohne Worte. 4. Schubert: Litanei. 5. W. Fitzenhagen: Ave Maria. 6. Cyrill Kistler: Vorspiel zn.Kunibild". 7. George Bizet; Adagietto'aus L'Arlesienno"'. 8. Mon Scbjeldernp: Tristosse. 9. Giordano: Caro mio ben. 10. Händel: Largo(Konzertmeister Julius Berger. Cello; und Ben Geysei, Orgel). 1.10 Uhr nachm.: Die Sonate. IV. Einleitende Worte: Prof. Adolf Weißmann. 1. Hans Pfitzner; Sonate für Violoncello und Klavier. Fis-Moll, op. 1. Sehr bewegt— Sehr langsam und breit— So schnell als möglich, beinahe durchweg pp— Nicht zn schnell, mit Humor. 2. Emil Bohnhc: Sonate für Violincello und Klavier. Es-Moll. Energisch und mit, Leidenschaft -- Lebhaft bewegt(Mas Baldner. Cello, und Georg Szell. Klavier). 3 Uhr nachm.: Herbert Kosen: Die Herstellung der Briefmarke'1 (Gumnrierung, Zahnung und Farbe). Anschließend: Keuheiten- meldungen. 3.30 Uhr nachm.: Funkheinzelmann..Als die Blumen schlafen gingen", von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funk- beinzelrnann. 4.30—6 Uhr abends: Kammermusik. Anschließend: Katschlägo fürs Haus. Theater- und Film dien st 7.15 Uhr abends: Prof. Dr. Jumpertz:.Die Kirchhöfe der großen Toten in Berlin". 8 Uhr abends:.Der Einsiedler". Kantate von Max lieger. op. 144. Gedicht von Joseph Freiherr von Eichendorff(Bariton Comelis Bronsgeestj. Fünfstimmiger Chor: Der Oratorienverein. Dirigent: Studienrat Johannes Stehmann. Berliner Punkorchester.„Ein deutsches Requiem" nach Worten der Heiligen Schrift von Job. Brahms, op. 45(Magda Lüdtke-Schmidt. Sopran: Comelis Brons- geest, Barrton). Chor: Der Cratorienverein. Dirigent: Studienrat Johannes Stehmann. Berliner Funkorchester. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst Sportnachrichten, Theater und Filmdienst Königswusterhausen, Sonntag, den 21. November. 9, 11.30 Uhr vorm.. 1.10, 4.30 Uhr nachm., ab 8 Uhr abends: TJebertragung aus Berlin. Montag, den 22. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Frauenfragen und Frauensorgen(Margarete Caemmerer: Der Segen der Ruhe. 4 Uhr nachm.: Stunde mit Büchern. Henry Barbusse: Kraft Sophus Michaelis: Das Himmelsschiff. Jakob Paludan: Vögel ums leuer. Johannes von Jensen: Korne-Gast 4.30 Uhr nachm.: Novellen.„Requiem". Eine Mozart- Novelle von Robert Hohlbaum. Gelesen vom Dichter. 5—6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner FunkkapeUe. Leitung: Konzertmeister Fränz v.Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst 6.30 Uhr abends: Dr. Georg Zehden: Die linke und die rechte Hand. 7.05 Uhr abends: Oberpostrat König: Die Einführung des Belbstanschlußbetriebes in Berlin. 7.30 Uhr abends: Dr. Emil Leimdörfer: Das Mittelmeer. ein Brennpunkt der Weltpolitik(2. Teil). 7.55 Uhr abends: Hans- Bredow-Schule(Bildungskurse). Abteilung Philosophie. Theodor Kappstein: Die Weltanschauung der Völker(Weltanschauung der Aegypter und Babylonier). 8.30 Uhr abends: Gerhart Pohl: Jack London(Zu seinem 10. Todestag). 8.45 Uhr abends: Das Lied. VI. Slawische Romantik. 1. Dvorak: Aus den biblischen Liedern: a) Höre Gott, mein Flehen, b) An den Wassern zu Babylon. 2. Dvorak: a) Als die alte Mutter. b> Mein Lied ertönt. 3. Tschai- kowski: a) Wiegenlied, b) Warum? c) Inmitten des Balles(Hermann Schey, Bariton. Am Flügel: Bruno Soidler-Winkler). 9.15 Uhr abends: Unteihaltungsmnsik der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 1030 bis 12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester Ette). Königswusterhausen, Montag, den 22. November. 2.30—3 Uhr nachm.: Kreuzer-Lampe: Weihnachtsbäckereien auf dem Lande. 3— 3.30 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30—4 Uhr nachm.: Stud.-Hat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4—4.30 Uhr nachm.: B. K. Grnof: Die Kunst des Sprechens. 4.30-5 Uhr nachm.: Erziehungsberatung. 5—5.30 Uhr abends: Dr. phil. Wegner: ge. Ursp_ Germanen. 6— 6.30 Uhr abends: Gartenbaudirektor Grobben: =•.«n_ Grundlagen der Wettervorhersage. 5.30— tz Uhr abends:"Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Schuchhardt: Ursprung und Wanderungen der Förderung des heimischen Frühgemüsebaues. 6.30—7 Uhr abends: Dipl.-Handelslehrer Wieg und Katthain: Buchführungskursus 11 für Kloin-, Mittel- und Großbetriebe. 7—7.30 Uhr abends; Prof. Dr. Sohünemann: Grundlagen der Musikerziehung. 7.30—8 Uhr abends: Geh. Reg.-Rat Dr. Erich Mareks; Auf- und Niedergang im deutschen Schicksal. Ab 8 Uhr abends; TJebertragung aus Stuttgart. Sriestaften der Reöaktwn. Z. 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Wie RD. berichtet, tritt am 24 November in Paris die unter dem Vorsitz des polnischen Vertreters beim Völkerbund, Sokal, die auf der letzten Tagung des Internationalen Arbeits- amtes eingesetzte Prüfungskommission für die be- schleunigte Ratifizierung des Washingtoner Ab- kommens über den Achtstundentag zusammen. Dieser Kommission, die aus 12 Mitgliedern besteht(4 Regierungsvertreter, 4 Vertreter der Arbeitgeber und 4 Vertreter der Arbeitnehmer), ge- hören von deutscher Seite als Arbeitnehmervertreter Her- mann M ü l ler vom Allgemeinen Deutschen Gewerkjchaftsbund und als Arbeitgeberdelegierter Kommerzienrat V o g e l an. Es handelt sich vor allem darum, in der Auslegung bestimmter Paragraphen des Abkommens, die sich namentlich auf die Sonn- abendarbeit und die Innehaltung der 48-Stunden-Woche beziehen, ein brauchbares Kompromiß zu finden. Generalversammlung üer Metallarbeiter. Am 15. November führten die Metallarbeiter ihre bereits zwei- mal vertagte Ouartalsversammlung zu Ende. Zunächst gab der Be- vollmachtigte Zi s ta bekannt, daß das Mitglied Paul Hennig, Kreisleiter des Kreises Moabit, nicht identisdi ist mit Paul Hennig aus Lichtenberg, Dosiestr. 22, der wegen Unterschlagungen aus dem Verband ausgeschlossen wurde. Hierauf widmete Ziska dem verstorbenen Kollegen D i ß m a n n einen warm empfundenen Nachruf. Am heutigen Sonntag findet eine besondere T r a u e r f e i e r für die erweiterte Verwaltung in den Musikersälen statt. Backhau» begründete den Antrag, die Ortsverwoltung soll beim Hauptvorftand dahin wirken, daß er seinen Einfluß beim ZlDGB. geltend macht, um den Entwurf zur Erwerbslosenverfiche- rung nicht Gesetz werden zu lassen. Der ZlDGB. soll sich vielmehr für ausreichende Erwerbslosensürsorg«, Erhöhung der letzigen Bezüge um 50 Proz., Unterstützung aller Erwerbslosen für die Dauer der Erwerbslosigkeit und Beschaffung genügender Not- standsarbeit bei tariflicher Bezahlung einsetzen, darüber hinaus für Wiedereröfsnung der stillgelegten Betriebe mit Staatskrediten unter Kontrolle der freien Gewerkschaften und der Betriebsräte. Nachdem die Art dieser und ähnlicher Antragstellung charakte- risiert worden und unter Hinweis auf die Tätigkeit der Arbeiter- Vertreter rm Reichstage und die Entschließung des Bremer Verbandstages die Ueberflüssigkeit dieses Antrages dargetan war, wurde der Antrag abgelehnt. Schievelbein beantragte, eine Mandatsprüfunaskommisston ein- zusetzen für die Delegierten des Derbondstages. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Ein weiterer Antrag, dahin zu wirken, daß der !5 123 Abs. 1 Ziffer 8 und Abs. 3 der Reichs-Gewerbeordnung ge- strichen wird, der die fristlose Entlassung erkrankter Arbeiter zuläßt, wurde einstimmig angenommen. . Außerdem fand ein st immige Annahme folgender An- trag Fischer: Die Generalversammlung wolle beschließen, daß der Deutsche Mctallarbeiterverband den ADEB. beauftragt, schnellstens dafür Sorge zu�tragen, daß durch die Arbeiterparteien im Parlament ''' werden: muh dahin ge- U. I Mietrforderungs- recht der Hausbesitzer gestellt wird. b) Durch das Parlament soll eine Regelung dahingehend getroffen werden, daß die Landcsversicherungsanstolten(LLA.) oder die Krankenkassen verpflichtet werdcn, die Kosten des Attestes für den Versicherten zur Verschickung in eine Heilanstalt zu tragen haben. Die letzie Versammlung hatte die Ortsoerwaltung beauftragt, noch einmal die Bezüge der Angestellten zu überprüfen. Ziska berichtete, daß die zurzeit gezahltem Gehälter den Beschlüssen der Derbandstage in Breslau, Jena und Kassel entsprechen. Die Bevollmächtigten seien mit den Außenangestelllen gleich- gestellt bei Außendienstauslösungen. Zur Frage, ob für Außenangestellte Einzelliquidationen oder Pauschalsätze zur Anwendung kommen sollen, empfehle die Ortsver- waltung aus Zweckmäßigkeitsgründen die Beibehaltung eines Pauschalsatzes. - Metallarbeiter! Besucht Eure Wahlkdrperversammlungen! Ein Antrag E n d e r l e, die Generalversammlung solle eine Kommission wählen, um nochmals die Bezüge zu überprüsen, wurde abgelehnt und damit der Bericht der Ortsverwaltung gutgeheißen. Die Anfrage, ob bei der Ausschuhwahl zur Betriebskrankenkasse der Firma Borsig Gelbe auf die Vorschlagsliste der freien Gewerk- fchasten gesetzt worden seien, wurde verneint. Auf Beschluß der �unktionärkonferenz seien sechs Mitglieder des Hirfch-Dunckerschen ewerkvereins mit auf die Vorschlagsliste gesetzt worden. „Der verurteilte Magistrat.� Da» haupkgesundheilsamt berichtigt nochmals. Am t. Oktober brachten wir den Bericht über eine Gewerbe- gerichtsverhandlung mit der Ueberschrift:„Der verurteilte Magistrat. Folgen des Personalabbaues in den Krankenanstalten." Im Hospital Buch war eine Schwester entlassen worden. Sie klagte gegen die Entlassung, und auf Grund der Zeugenvernehmungen wurden Mißstände ausgedeckt, die auf Personalmangel zurückzuführen sind, so daß das Gericht den Magistrat verurteilte, die Kranken- sthwester entweder weiterzubejchäftigen oder aber ihr 500 Mark Eni- schädigung zu zahlen. Das Hauptgcsundheitsamt schickte uns daraufhin eine Berich- tigung, die im„Vorwärts" am 16. Oktober erschien und durch eine Erklärung des Rcichsbundes der Beamten und Angestellten in den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen(Mitgliedschaft im Verband« der Gemeinde- und Staatsarbeiter) näher beleuchtet wurde. Daraufhin ging uns die folgend« ErNärung des Hauptgesundheits- amtes zu: „Die Ausführungen des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes sind irreführend. Die Sitzung am 11. Oktober im Hospital Fröbelstrahe fand zu dem Zweck statt, die zur Einführung des Achfftundentages notwendige Personaloermehrung festzustellen. Nicht Personalmangel, sondern Arbeitszeitverkürzung war also die Ursache. Die neun Verletzungen von Pflegepersonal durch Geisteskranke in den Wittenauer Heilstätten (in einem früheren Artikel des„Vorwärts" war von 30 die Rede gewesen!) sind mit Ausnahme eines Falles in Anwesenheit mehrerer Pflegepersonen erfolgt. Personalmangel konnte also nicht wohl die Ursache dafür sein, übrigens waren die Derletzun- gen mit einer Ausnahme ganz leicht und hotten zum Teil überhaupt keine Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Kein Direktor einer Irren- anftolt hat dem Hauptgesundheitsamt mitgeteilt, daß er„die Vcrant- wortung nicht länger tragen könne", ein Verwaltungs- d i r e k t o r schon deshalb nicht» weil es in den Irrenanstalten keinen solchen gibt. Daß 24 Erkrankungssälle von Tuberkulose im Hospital Buch vorgekommen sind, ist unzutreffend, tatsächlich waren es 6 Erkron- kungs- und Verdachtsfälle. Wenn der Magistrat in entgegen- kommender Weise vor Abschluß des Unfallverfahrens einen Teil dieser 0 Fälle so behandelt hat, als handle es sich um Betriebsunfälle, so bedeutet das nicht schon die Anerkennung als An- steckunH im Betriebe. Es mag dahingestellt bleiben, ob nicht auch in Fällen, in denen ein Betriebsunfall anerkannt ist, nach rein medizinischen Gesichtspunkten ein solcher zweifelhaft ist. Die Tragbahren kommen für den Transport von Kranken zur Untersuchung kaum in Frage, da solche Transporte von Kranken nach Vermehrung der Untersuchungsziininer sehr selten stattfinden. Für den Transport der Kranken ins Freie wird noch eine dritte beschafft, obgleich die hierfür überhaupt in Frage kommenden Pa- tienten meist— nötigenfalls mit einiger Hilfe— sich selbst fortbewegen können. Die Kranken werden in der Tat alle 14 Tage ge- badet(Tuberkulöse alle 8 Tage), nur ganz vorübergehend ist vor l'A Jahren auf einigen Häusern in vier-, nicht sechswöchigem Abstand gebadet worden. Wir müssen somit sämtliche Behauptungen des Ver- bandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter als unrichtig be- zeichnen."' * Der Gemeinde- und Staatsarbeitcrverband hält trotzdem seine Darlegungen vom 16. Oktober aufrecht und führt hierzu aus: „Wenn wir früher von 36 Unfällen in den Wittenauer Heilstätten gesprochen haben, so ist dabei zu beachten, daß es sich, wie aus dem Artikel unzweideutig hervorgeht, um eine längere Zeit handelte. Daß die Unfälle sich in Gegenwart mehrerer Pflegepersonen ereignet haben, ist f a l s ch. R i ch t i g i st, d a s mehrere Pflegepersonen den Irrenanstalten Berlins werden toren gleichzeitig von den S r z t l i ch e n D i r e k t o r e n versehen. Bei den als Betriebsunfall anerkannten T u b e r- kuloseerkrankungen im Hospital Buch handelt es sich durch- aus nicht um ein Entgegenkommen des Magistrots, sondern um rechtskräftige Entscheidungen der Unsallfür- f o r j) e für Arbeiter und Angestellte, an die der Magistrat der Stadt Berlin gebunden ist. Wenn das Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin alle Behaup- tungen des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter als un- richtig bezeichnet, so kann das nur darauf zurückzuführen fein, daß dieses Amt von den untergeordneten Dienststellen nichteinwand- frei informiert wird. Wir machen zur Klärung des Sach- verhalt? deswegen dem Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin den Vorschlag, in den in Frage kommenden Betrieben je eine Verhandlung unter Hinzuziehung der Betriebsvertretungsn und der örtlichen Verwaltungen sowie unseres Verbandes eiitzuberufen." Ablehnung der saarländischen Beamtcnforderungcn. Saarbrücken, 20. November.(TU.). Die Regierungskommission des Saargebietes ßat die Eingabe des saarländischen Beamtenbundes auf Gewährung einer Wirtschaftsbeihilfe und Auszahlung eines Ge- Haltszuschlages abschlägig beschieden. Die Regierungs- kommission hat sich dabei angeblich von finanziellen und anderen Gesichtspunkten leiten lassen. Die Unzufriedenheit in der Beamten- fchaft ist groß, jedoch erscheint es zweifelhaft, ob es zu einem Streik kommen wird. übernibt man nur dem Nachweis teS Deuisch.MufikeroerbandeS, Berlin 027, JlnfctcaSftr. 21 kKSni-sst-di 4310, 40181/ ErkchäitSzelt S vi»5. Sonntags 10-5» 2 Ubr. Auf B misch Vertrct-rbcsuch ist, daß erst noch dem Unfall inen hinzugetreten sind. In irden die Posten der Verwaltungsdirck- Unser gemelnnliulzer, partelloser Verein gevitm nach elnmonael icher Mitgliedschaft kostenlose. pietStTOile Bestattung, Einzelaberführung, eigenes Bestattungswesen, höchste Leistungen bei konkurrenzlos niedrigen Beiträgen. Ohne Srxtl. Untersuchung! Kein Kirchenaustrill! Monatsbeitrag bis 40 Jahre 25 PL ., 55, 50 Pf. I.«0. 7JPf. , Ober M, 1 M. mf Achtung! Bei Abgabe dieser Anzeige In der Qe- setiäff«stelle, Uhlandstraßc 42. haben Sie und Ihre Angehörigen Ms zum Atter ran SO Jahren keine Auf- nahmegebührcn zn zahlen. Bei Aufnahme von Personen über SO Jahren werden JMarfc vergüte f. 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Durch seine jahrzehntelange Tätig- keit in der Wiener Tilchler-Krankenkasse und im Krankenkassenver- band hatte er sich zum Spezialisten für die Sozialversicherung ent- wickelt und dieses Wissen als Abgeordneter zum großen Nutzen der Arbeiter verwerten können. SoZmliftisthe �rbeiterjugenü Groß-Serlm. Führeraussprache k�eute� Sonntag, pünktlich abends 6 Uhr, hn Jugendheim 2'ntcnftc. 3. Schema:„Der Wen zum Sozialismus". Referent Dr. Otto Fried» »ander. Korreferent Boris Goldenberg. Wanderer, und Spicleli'erkonferenz am MUtmoch, 24. November, m Uhr, r.n� Jugendheim Lindenfrr. 3. Portrag:„Arbeiteijugend und Leibesübungen". Jede Abteilung muh unbedingt durch einen Genossen vertreten sein, da über d:e neuen Bestimmungen der Fahrpreisermäßigung berichtet wird. hcuie. Sonnkag, 21. November: Stkolitz Ii D-slich des?ri-dl>of-s in ssriedrichsfeld«. Treffpunlt 1 Uhr Sirlhnus.— Scmpclhof: ffohrt«öniaswusterhausrn. Treffpunkt 7 Uhr Bshnhsf Tcmvclhof.— Südwest: Eemcinkam mit den Kinder freunden im Jugendheim Tevc-Zlilionre-Plati 1 Revclutirnsfcisr. Eltern und Parteigenossen find herz- litfift cin.rclvbcn. Beginn 7 Uhr.— Roienthalcr Vorstadt: Besuch des Arbeiter. Wohffohrls-Muieums. Treffpunkt 10 Uhr Rofcnthaler Plast. Unkosten mit Fahrgeld SO Pf.— Südost».•».: Fahrt ins Blaue. Treffpunkt ZHS Uhr ror dem Fueendheim Wranqclftr. 128. SSmbebezirk Tcllowkanal: Zum Parteiarchiv 10 Uhr»ormittass im Hof des .Vorwärts". Morgen. Monkag, 22. November, abends 7% Uhr: Der Zugendchor übt pünktlich 7� Uhr im Jugendheim Lindenstr. S. Moabit I: Schule Waldenserstr. 20. Bortrag: �Karl Marx".— Friedenau: Zugendheim Offenbacher Str. 5a. Vortrag:„Moderne Erzähler".— Westen: Jugendheim Hauptstr. 15. Bortrag:„Völkerbund und Paneuropa".— Johannis» thal: Rathaus am Königsplah. Vortrag:„Pflichten des einzelnen in der Gemeinschaft".— Südost R.-V.: Besucht den Frauenabend der 44. Abt. in Ewalds Festsälen. Skalitzer Str. 123. Dortrag:„Körperkultur".— Helmholh. platz: Der Gruppenabend fällt aus. Dafür Be'.eiligung an der Werbebezirks- Versammlung Im Jugendheim Danziger Str. 62. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Jugendheim Dan,iger Str. 62. 8 Uhr wichtige Funktionärsttzunq. Alle Funktionäre und interessierten Genossinnen und Ge» Nossen sind eingeladen. Thema:„Unsere Winterarbeit". Bildungskurse: Werbab�irk Tcltawkanal: 8. Abend für Illngere Jugendheim Steglist, Ring. sirohe. Thenia:„Einführung in den So»ialismus".— Wcrbcbczirk Lichtenberg: 8. Abend im Zugendhotm Scharnweberstr. 2g. Thema:„Staats, und Bcr- fossungslehre". GMäst!iche Mitteilungen. Amerika als Vorbild? Bei der gerade augenblicklich viel erbrterten Frage bcr Koniumfinan�ierung durch Kreditgewährung wird auf der«inen Seite von den Anhängern dieses Berkaufsfpstems immer wieder auf Amerika als Vorbild hingewiesen, während auf der anderen Seite von skeptisch ver. anlagten Leuten betont wird, dah sich das amerikanische Vorbild nicht ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragen lasse. Beide Parteien übersehen dabei eins, nämlich daß einige deutsche Firmen schon seit Aahrtehntcn ein wohlausgcbildetes und bewährtes Kreditseistem brüsten. So wird es selbst manchem Berliner nicht bekannt sein, daß dos renommierte Ärcdithaus Feder schon im Zahre-1882 gegründet wurde. Die Firma, deren Scschäftsränme beute«inen Sesamtkomplep von 10 000 Quadratmetern umfassen und die jestt mehrere 100 Angestellt« beschäftigt, verdankt ihre Erfolge neben der Güte und Preiswürdiqieit ihrer Erzeugnisse sin der Hauptsache Kleider und Möbel) in erster Linie ihrer auf Erund jahrzehntelanger Erfahrungen bewunderungs- würdig ausgebauten Organisation und dem während der langen Zeit ihres Bestehens gewonnenen Vertrauen, das am schlagendsten illustriert wird durch die Popularität des Spruches:„Und wenn einmal das Selb nicht reicht, kauft man bei Feder federleicht." Der Allgemein« Feuerbeflattungsperris zu Berlin W 15, Uhlandstr. 42. gewährt als genrcinnllstiger Verein Neuciutretcnden besondere Vergünstigungen. Siehe auch heutiges Inserat. Der Rcllameches der Firma Baer Sohn Aktiengesellschaft, Eh ausseestr. 28/80, Herr Zonnn Weriheim, feiert am 22. November seinen 70. Eeburisdag. Massargs Wcihnachtsgabe. Eine hübsche Weihnochtsüberraschung bringt die Wassarn�Zrgarettensabrik in Form von sehr geschmackvollen Weihnachts- Packungen für ihre Marken Massary, Perle, Maflarg-Delft und Massary-Nittcr heraus. Dies« Weihnachtsgeschcnkpackungen enihallcn je vier Originallarions zu 2s Stück Zigaretten. Trost der schönen Ausstattung entspricht der Preis für diese hübschen Ecschenlpackungcn nur dem Preis der üblichen Original» Packungen. Aus diesem Erunde kann allerdings nur eine bestimmte Anzahl dieser Geschenkpackungen zur Berfüzunq gestellt werden. Es wäre daher vorteilhaft, den Bedarf an Zigaretten zeitig zu decken, da diese Packungen bald vergriffen sein werden. Ein glücklicher Ecbanke war es ai-sicrdcm, jeder Wcihnachtspackung ein« Glückwunschkarte beizufügen, die man nur noch mit seinem Namen zu versehen hat. um die reizende Wcihnachtsgabe zu ver- vollständigen. Schuhniode und Schuhpflege. Die Firma Werner u. Merst A..®.. Mainz, veranstaltet am 4. Dez., nachm. 8 Uhr, im Bertiner Sportpalast eine öffentliche Pustprobe. die unter der sachmännisäten Leitung des Herrn Karl Eckerlein, Obermeister der Echuhmacher-Zwangsinnung Berlin und Sachverständiger der Handwerks- kammer Berlin, steht. Es soll festgestellt werd, wieviel Schuhe niit einer Dose Erdal tso heißt das Produkt der Firma) aepustt werden können. Auße:» dem ststt in dem Preisgericht noch Herr Albert Guiard, Obermeister der Echuhmacher-Zwangsinnung Eharlottenburg und gleichfalls Sachverständiger der Handwerkskammer Berlin. Damit ist für eine durchaus fachgemäste Durchführung der Pustprobe weitestgehend Sorge getragen. Die Schuhe, die gevustt werden sollen, sind gegenwärtig»och im Schaufenster des Hauses Friedrichstr. 08 ausgestellt. Sie werden am 4. Dezember verschlossen nach dem Svortpalast gebracht, von dem während der Pustprobe anwesenden Notar geöffnet werden und dann zur Pustprobe verwendet. Es handelt sich um gebrauchte Schuhe und zwar solch«, wir sie in jedem Haushalt getragen werden, um Herrenschuhe, Damenschuhe und Kinderschuhe. Man darf wirk- lich auf das Eraebnis. das in der Pustprobe am 4. Dezember erziell werden wird, gespannt sein. Bei Emil Lefdvre, dem weltbekannten Teppichhaus, feit über 40 Jahren Berlin, nur Oranienstr. 153, hat bereits«in so lebhafter Verkehr cingesestt, daß die. Firma an ihre werten Kunden die beachtenswerte Bitte richtet, mit den Einkäufen für Weihnachten mögliätst in diesem Monat zu beginnen, um ihre Sunden mit gewohnter Sorgfalt bedienen zu können, da sie alle früher gekauften Waren bereitwilligst bis Weihnachten aufbewahrt. Arn Donnerstag, den 18. November, nachmittags gegen 4 Uhr, ist dar Vorsteher unseres Personal- bureans, der Stadtoberinspektor Herr Max Neßler in trenester, selbstloser PEichterfüllung von einem plötzlichen gewaltsamen Tode ereilt worden. Mit uns trauert die gesamte ÄngeBtelltenschaft um den Verlust eipes duroh Sachkunde und Vorzüge seines Charakters ausgezeichneten Mitarbeiters. Wir werden dem Entschlafenen ein dankbares Gedenken bewahren. Der Torstand der Berliner Stadl. Hetürtiiiütswerhe ABL-Ges. rTl■,■"l»•.""(- Am Donnerstag, den 18. November, nachmittags gegen 4 Uhr, ist unser aufrichtig verehrter Vorsteher, der Stadtoberinspektor Max Neßler auf tragische Weise aus unserer Mitte gerissen worden. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen stets hilfsbereiten Freund, der sich durch sein gewinnendes Wesen und seinen geraden Charakter unser aller herzliche Sympathien erworben hat. Ehre seinem Andenken! Leiter nnd Snöeslellle der Personalvenrallunö der Berliner Stadl. QeKlrtzitaisverite AKl.-Ges. Statt Karten. Für die überaus herzlichen Beweise ausrichtiger Liebe und Teilnahme, die uns von allen Seilen anläßlich des Heimganges meines teuren Gatten, unsere, Bruders, Baters. Schwieger» und Großvaters, des Gewerffchajls- sekretärs Friedrldi B!mpcl entgegengebracht worden sind, spreche ich im Namen aller Hinterbliebenen meinen innigsten Dank aus insbesondere danke ich den Ge» nassen Stelling, Schumann. Graß» mann. Lsidecke, sowie den Sprechern best Wahlvereins Kaulsdorf der SPD und der Freidenker stir die trost- reichen Worte, die sie nmnens der von ibnen veriretenen Körperschaficn dem Enlschlafenen widmeten. Ebenso herzlichen Dank den Ber» tretern der Sonsum-Genossenschaiten. der GEG. Hamburg und den Käme» raden vom Reichsbanner Schwarz. Rot-Goid für die überaus zahlreiche fj Beteiligung Bln.» Saulsdorf, 21. November Biilowstr 21. Heilansiall eiw.rgMWW WMWe MM' iMe unD MMltunDe. öMwMe.WAMe WitterktZleo.%mmt tneöiüü�ea m HnDlumöflö«. eten leco. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinscheidens . meines lieben Mannes, unseres lifden guten Vaurs Gnatav Henber lagen wir ollen Benvandten. Freunden. Bekannten und Kollegen unseren herzlichsten Dank. hr»u Auguste ffeudev nebst Xlnäern. Nach mehrjähriger Ausbildung h ab o ich mich in der Großsied lung Britz als niedergelassen. prakt. Aerztin Am Mittwoch, den 17. November, vo r- mittags*1, 8 Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieder. guter Mann, unser, guier Pater. Sohn, Bruder und Onkel Keor« kollmsva im Aller von 45 Jahren. Im Namen der trauernden Hinter- bliedenen Ottilie aollmann, geb. Beyer Lichtenderg, Wühiischstr. 43. Einäscherung: Dienstag. 23. d. M., 3'/. Uhr, im Krem. Baumschuienweg Frau Dr. med. Maria Burg Blnfeisenring 13, I. Sprechzeit 8— 9, 4— 6. Für Kinder| und Säuglinge 9—10. Telephannummer wird»»t bötarn! mtben. ."i..-i-"' Ä-IK-r« Am 17. Sloobr., abends 10 Uhr, verschied plästlich Mei» lieder Mann, unser guter Bruder, Schwager und Onlei Paul Schmidt Windjcheidstr 17. J Im Namen der trauernden Hinter- bliedenen Frau Emmi Schnaidt. Die Einäscherung findet am Montag, dSl' 22. November, nachm. 12>,» Uhr, ins Ktelnatorium in Wilmersdorf, Berliner Straße, statt, Nach kurzem schweren Leiden ver- schied am 17 d. M. meine liebe, un» vergeßliche Frau. Schwägerin u. Tante Karolmkvikäeriedii�,. im Atter von 64 Jahren. Zn tiefer Trauer � Karl Diederlclis. Berlin. Koloniestr. 76. Di- Einäscherung findet am Diene- tag. 28. d. M.. nachmittag, l>.Uhr. im Krematorium Gerichtstraße statt. Oanksagung L Statt«orten. Für die herzliche Teilnahm- h-'.m Hinscheiden meiner lieben, unvergeß» ti!4)en Frau kmilio Kienxrün sprechen wir allen Verwandten, Be» lannten und den Hausbewohnern unseren' herzlichsten Danl aus. Berlin SO, Manlenffeisir. 78. I-rledridt Kiengrön Familie Reichel. Möbel-Colli über 25 Jahre bestehende, altrenommierte Firma, ist großzügig, leistungsfähig, kulant und stets bemüht konkurrenzlos zu sein. Es werden angeboten: ohne Anzahlung I auf Teilzahlung! bei langfristigster Ratenzahlung und billigsten Preisen! Höbe! 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Ischias, Trigeminue-Reuralgie, Migräne, Rückenmarkerkraukungen: Stoffwechselkrankheiten, Zuckerkrankheit, harnsaure Diathese, Fettsucht: Er. kranrungeu dez Blutes. Leukämie, Ehlorose»od Anämie; Nieren- und Blasenleiden: Erlältuagskrankheiten, Zuflnenza, Gripp«: Schupvenflccht«, chronisch- Ekzeme, Bartflechte,. Saalaussall. frrssenb« Hau siechte sLnvu»); Beingcschwsirc, frisch« und veraltete Sunden und Fisteln, Mastdarmsiftelu»ad -fissuren: Sämorrhoiden: Qnetschnngeu,«lnkergüss«: Furunkel wrd Karbunkel: Krampfadern, Muttermale: Ncsselsncht, Rose: Brandwuuden: Drüscnschwel- hingen jeder Art: Ohren- und Raseuleiden, Stirn- und Kicfernhohl-nvereitc- rung: Adcrnverkalkung: Folgen von Schlagaasall, Lähmungen bei Kindern und E.wachienen:«iuderkronkheij«». Skrophulose; Frauealeidcn jeder Art; G-schlechtskrankheiteu. und deren Folgen bei Männern uud Frauen. Bon den Hunderten Geheilten sind iter nur einige wegen Rarnmuangels an* geführt: 1. H. Nänsch, Sattler, DNr., Frankfurter Allee 10», Rheumatis- Müs, geheilt. Z. Fr. E. Kohdarf, Bln., Kolbcrgrr Skr. 28/29. Nerven- und Knochciihaütenlzllndustg. vollständig" gelahmt, geheilt. 3. H. Ritter, Bln.- Friedenau. Sponholzsir. 50, p. Beinleiden geheilt. 4/ L. M. Werner, Kauf» mann, Bln. N., Gottichedstr. 2. v. Lungcnleiden, Blafenlatarrh geheilt. 5. Knabe Wi Mnlack, Bln., Zwinglistr. 39, v. Rückengrawerkrümmung mit Lähmuiigserfcheinungen. Magen- u. Darmkatarrh geheilt. S. Fr. W. Wetneck, Bln., Augustitt. 21. v. Muskelenizündung il. Herzschwäch« geheilt. 7. Fr. I. Hönisch: Bln.. Lübecker Sir. 13, Blinddawnfistel, geheilt. 8. Fr. Hermann, Bln.-Schönebera,.Feurigstr. 13. Biinddärmlistel. geheilt. 9.> Fr. A. Heide- koru, Bln.. Gvßlerstr. 34, Gclenkrheumatwmus. Rückenschmerzen u. Neu» asthenie, geheilt. 10. K. 0. Bürger, Nentier. Bln.. Reichenberger Str. 141, Drüsenschwelluna, geheilt. 11.£>. Paul, Bln.,'Reichenberger-Str. 131, Magen, u...Nervenleiden, gebeilt. IL. Fr. 0. Blihner,> Bln.-Neukölln,> Harzer Str. 87. Krämpfe, geheilt..13. H. v. llnger, Kaufufiinn, Bln., Wichcristr. 4l. Maxen-, Leber- u. Nierenleiden, geheilt. 14. Fr. Ei Basclin, Bln.. Pflugstr. 5. Magengeschwüre u. Blutarmut, geheilt. 15. Frl. Liestow, Bln.. Kolbcrgcr Sir. 28/29. Gelenkrheumatismus, geheilt. 10. Fr. Ww. Friffchler, Bln.. Marienburger Str. 48 Darmgelchwulst, geheilt.. 17. Fr. Hedwig Stern. Bln-Schöneherg, Thorwaldsenstr. 10, Leberanschwellung, Gallenblasenentzsindung. geheilt. 18. Fr.«. Rohrmoser, Bln., Breslau«? Str. 1, Herzerweiterung, Herzneurof«, allg. Nervenschwäche, geheilt. 19. Fr.. Bar.sch, Bln.-Eöpenick, Rosenstr. 2, schwer« Blutvergiftung u. Haudvereitc- rung. geheilt..20. S. O. Ocbme. Echlbchtermeister, Bln., Thaerstr. 40. Herz- u. Maaeuleiden, Lebe» u. Milzanschwellung, geheilt. 21. Fr. A. Kirchner, Bln., Dölzig«! Str. 24. Mageu-, Lebe» u. Gallenstrinleiden. Gelbsucht, g«. heilt. 22. Herta Zabel, Lilbdencru-Spreewald. tuberkulöser Knochenfraß, Kniegelenksentzünbung. geheilt. 23. H. RShr, Rittcraiitsbesister, Ernstwalde. Krs. Aarvowen, Ostvr., schwere Blutvergiftung u. Geschwüre, geheilt. 24. H. O. Leopold. Bln.-Friedenau. Kaiserollee 123. eitrige Lnngenffstcl, geheilt. ?5. S. E. Michaelis, Gastwirt, Bln..Tharlottcnhurg. Wallstr. 87, Lebeileiden, Gallensteinleiden. Gelbsucht, geheilt. 2«. S. Polizeiafsistent R. Kramm, Bln., Kochhannstt. 20, von Magengeschwüren. Magenerweiterung u. Senkung mit 30 Behandlungen geheilt. Mle könne« sogen, daß durch die Kur in nnseeev HellanffaN selbst die ältesten, hartnäckigsten Leiden noch zur Hellung gebracht werden und daß alle, die ihr höchstes Erdenglück, die Gesnndbelk, bereits verloren zu! haben glauben, wieder in den Dollbesitz derselben gesetzt werden, IftW Briefliche Original-Anerkennungen von un« geheilter«Will Pat ienten stehen im Wartezimmer der Anstalt zur Einsicht.-Wvg I «eteennte Vehandlungsrännee fkir voneen«ab Herren! Selne briefliche vehonblnag! NrswKsr vr. med. p. mateiZlff, SM Nur im Auslände ernannt, promoviert nnd approbiert. Mitglied der internationalen Vereinigung von Aerzten nu NahtrSrzlen. Berlin S016, Brückenstraße 10b, 2. Hans«an der Rungestratze. I Zlllnnke van vhf. Zannowlhbrücke. Langjährige fachmännische ärzNtch« vehandlnug«ab Leitnng. Sprech- nnb vehandlnnaozell:»-I, 4— Sonnkag and Zeiertag: 10—12 Ahr.— Praxi» sei» i«g2. Bon der Reise zurück! nivsensusnksNll I«sssnsur»sl»i! Im Osten: SS Gr. 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Wir müssen die Kollege» nnd Kalle. ginnen dringend bitten, sich reger an der Sammlung zu beteilige», da es zu unserem grüßte» Bedauern sonst nicht mbglich ist. unseren arbeitslosen Kol- lege« nnb Kolleginnen eine weih- aachtsnalerflllhnng zu gewähren. vienokag, dett2Z. Ilaoember. noch«». S Ahr. in, Semerkschaftshans«. Engeluser 24/25 Mk" Austerordentlichc"�0 Branchenverfammlung der ZNckalldrücker und Vollerer. Tagesordnung: l Stellungnahme zumAchlstundentag. 2. Bericht 3. Branchen- angelegenheiten. Wegen der außerordentlichen Wichtigkeit der Tagesordnung sind alle Kollegen ver- pflichtet, pünttlich und restlos zu erscheinen. Bcrtrauensleute! Sorgt durch cine reg- Propaganda, daß jeder Kollege au, dein TeKto) an dieser Versammlung Mltknioch. den 24. Aonenrber, abend» 2 Ahr, In, Parterresaal des„«osea- «Haler Hos-,»osenlholer Str.' 11/12 Branchenversammlung aller Aulo-Reparawrschlossrr Tagesordnung: Sielluugnahm« zum geiündigten Lohntarlf. ..Kollegen der Auto-Neparatnrgrupp«! Werdet Euch klar über die � Auswtrlung dep Süvdiaang des Lohnabkommens. Der wlrtfchastlichc Druck lastet schon jetzt schwer genug aus Euren Schulten, Die Löhne sollen abermals abgebaut werden: dazu verlängerte Arbeitszeit. Rüttelt die Lauen und Säumigen auf. Grsch-mt Mann für Mann in dieser Bersammlung. Auch die Unorganifierten find eingeladen. Mikttnach.den 24. Itonetnbec, abend» 6l/s Ahr, im verbandsiianse, Linien- strotze 83.65 z Versammlung*9* aller velriebsräle der Haupt- gruppe lV der Metallindustrie. Tagesordnung l. Berichterstattung von derBstriebsrätekonferenz. 2. Was mutz jetzt geschehen 3.VerbandsangeIessencheitm. NM! GolH.SlldeMiede! mifftn.ad). de« 24. Zlovemher 1S2S, aachmitkan» 5 Ahr. im»vresdaer «ariea-, Vresdner Skr. 45: Branchenversammlung Tagesordnung: I. Bericht>ber die Streiklage 2. Verschieden.«. Es ist Pflicht auch jede» in Arbeit stehenden Kollegen, in der Versammtung vestintmt zu erscheinen- s> Atittwoch, den24. Ilovember. nachm. 5 st, Ahr, in unserer Lnlknrabteilnng, Linienstr.isr(gegenüber Verband- hau») Branch en Versammlung der Zigarelkeamaschillensührerund Belriebshandwerker Toaesordnuug: l. Bericht.» Film- Tag«so vorführuugl vi« Orksnermaiknag. ' b'isme Osten- Kach?loefen 1 für Kohle und Gas s�xediili �yBerlinC25& s�/Jderp�' ßlumenspsnden jeder Art liefert preiswert I"«.'!! GoIIst». vorm. llolml keyrr .MorianncnstraD? 3, Ecke Naunynskraße Amt Morrtzxl. 10303. lg. üliesfMgze 9 Pfd. M. 6,40 frko. Dampf käsefabrik Rendsburg. � Verkäufe «Cttfüiern.,»etltnotilaiif! Preis. aiboul Ricicnallewahl U,M, 16�0. 21,-! Prachtvolle 26.-. 32,-1 Dau- nenbetten 37,50! ftvpftiltcn 3,93! S'eitf-dcra 0,70 aufwärts! Dreiviertel- baunrn 4,901 Oberbettinlett« 6 LZ! Vor,-ig, r 5 Pi°»«»t Sonderrabatts »ctlenfabrir, Prunnenstraff, 115.__ Peachtenswert! Deutsche» Tepvichbaus Emil Lcfovre seit 1582 nur Oranien srrake 155. 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November 1926 Unterhaltung unö ÄVissen Seklage Ses vorwärts Der Toö ist eine Gewohnheit. von Adolf Abter. Gegenüber von meinem Pariser Hotel befindet sich ein Linder. krankenhau». Don meinem Fenster nu» seh« ich, hinter Bäumen. die Mauern und Dächer der verschiedenen Stationen. Aber ganz vorn, frei unter meinen Blicken, breitet sich«in kleiner Hof au». mit Kopfsteinen gepflastert, von der Straße getrennt durch ein weites Holztor. Er grenzt links an ein niedriges, graues, schmuck- loses Haus. Ein Emailleschild daran mit der Inschrift: Lalle cke J*epc>z. Saal der Ruhe. Totenhall«. Jedpn Morgen um 8 Uhr, wenn ich an» Fenster trete, sehe ich einen schwarzbärtigen Mann ,n weißem Littel über den Hof gehen. Sein dichter Schnauzbart und die buschigen Augenbrauen geben ihm das Aussehen«ine» ehemaligen Feldwebels. Gemestenen Schritte« schreitet er über dos harte Pflaster, und in der morgendlichen Stille der Seitenstraße hallt seder seiner Tritte zu mir herauf. Er ist der Aufseher der Totenhalle, der seinen melancholischen Dienst antritt. Seine erste Amtshandlung ist das Aufschließen der Tür zur Totenhalle. Jeden Morgen im exakten militärischen Tempo dreht sich sein Schlüssel im Schloß: eins— zwei. Gewehr ab: eins— zw«. Dann drückt er auf die Klinke und öffnet die Tür ganz wett. Don meinem Fenster au, erblicke Ich zwei Särge, die anderen liegen außerhalb meines Gesichtsfeldes. Tag für Tag, immer zur gleichen Stunde, sehe ich zwei Kindersärge. Mein erster Blick in den jungen Morgen fängt sich an den Ruhelagern des Todes.... Zuerst war ich entsetzt. Wollte sofort ausziehen. Aber ein« Scheu, eine eigenartig« Scham verschloß mir den Mund, der die Kündigung aussprechen wollte. Ich stürmte in die Stadt, in, bunte Leben der Boulevard«. Trank und tanzt« im Montmartre. Ich flüchtete vo» dem Hotel mit meinem Fenster zur Totenhall«. Müde, mit bleiernen Gliedern und heißem Kopf kehrte ich m der vierten Morgenstunde heim. Fahle Dämmerung stahl sich durch die Bor- hänge an meinem Fenster——— --- Meinem Fenster. Ich zwang mich, nicht hinzusehen. Rur nicht ans Fenster treten. Dicht an» Fenster treten. Nur nicht ans Fenster treten. Toueismus tn inbrünstigster Anwendung. Ich macht« kein Licht in meinem Zimmer, um nicht die schwer« Müdig» keit zu verscheuchen. Nur schlafen wollt« ich. Bis In die Mittagszeit hinein. Die achte Stund« verschlafen, da der Türschließer die Toten- hall« äffnet.... Punkt acht Uhr stand ich wieder am Fenster. Irgend etwa« hott« mich hingetrieben. Ich sträubte mich, hinüberzusehen auf die ander« Seite. Richtete bewußt den Blick kerzengerade nach unten auf die Straß«. Aber da hallten auch schon die Schritte auf dem Kopfpflaster. Ob ich wollt« oder nicht: ,ch muhte den Blick auf den Hof richten. Kam der Schnauzbärtige im weißen Littel. Knirschte der Schlüssel im Schloß: eins— zwei. Oeffnet« sich die Tür ganz weit. Zwei Kindersärge im jungen Morgen..,. » Am merten Tag« hatte ich mein« Nerven wieder tn der Gv- wall. DI« Vorgänge drüben im Hof und in der Totenhalle sind mir zur Gewohnhell geworden. Ohne Leidenschaft stehe ich jeden Morgen am Fenster und beobachte. Die Särge der Kinder und die Trauer der Mütter und Angehörigen haben nicht» Schreckhaftes, nicht» Aufpeitschendes mehr für mich. Mein sonst so weiche» Gemüt bleibt unbewegt. Ist abgestumpft durch da» gleiche Einerlei an jedem Morgen, zur selben Stund«. Die Gewohnheit mildert, klärt ab, macht objektiv, bringt die Seele wieder in» Gleichgewicht. Auch der Tod ist eine Gewohnheit— für den nüchternen Beschauer.... Ich schildere, was ich täglich sehe: Wenn der Aufseher die Tür der Totenhalle geöffnet hat, bleibt er zunächst für einige Augenblicke im Eingang stehen. Er mustert, wie ein Feldwebel sein« Kompagnie, die aufgestellten Särge. Nichts scheint er auszusetzen zu haben. Di« Särge stehen am Fußend« genau ausgerichtet auf Bahren. Einheitssärge in brauner Farbe. Darin ruhen, eingehüllt In weiße Laken, die Körper der kleinen Toten. Der Kopf ist frei und etwa» erhöht gebettet. Sie liegen da so ruliig, so friedlich, al« wenn sie traumlo» schliefen. Nur die Särge verraten, daß e« der letzte Schlaf ist, aus dem es kein Er- wachen gibt. Der Aufseher tritt an den ersten Sarg. Betrachtet da» junge Menschlein, da» so schnell wieder der Erde zurückgegeben wird. Ganz sachte ordnen sein« großen Hände ein« Locke am Kopf de» toten Mägdleins. So behutsam und weich streicheln sie das Blond- haar aus der Stirn, wie es sonst nur die zärtlichste Mutter versteht. Dann zupft er hier und dort am Laken, glättet, richtet. Mit Händen, die rührend sind. Alle die toten Linder sind seiner letzten Obhut an- vertraut, er umgibt sie mit der Sorgfalt eines Daters. Unterdesien sammeln sich draußen vor dem Tor die Angehörigen. Diele, viele junge Mütter. Lange schwarze Schleier hängen über Kopf, Brust und Rücken. Oft auch jung« Mütter, die ohne mann- liche Begleitung kommen, nur eine Schwester oder Nachbarin an ihrer Seite. Und Schülerinnen, di« der toten Freundin das letzte Geleite geben wollen. Proletarierinnen, di« zu arm sind, um sich Trauerkleidung zu kaufen, kleine Blumensträuße in den Händen. Das Schluchzen der Frauen au» dem Volke dringt zu mir an» Fenster. Arme Mütter, sie denken nicht, daß ihrem vaterlosen Kinde ein hartes Erdendasein beschiedsn war. da» nur der Tod in mildem Erbarmen kürzte. Um 8�4 Uhr wird das groß« Tor an der Straßenseite geöffnet, und alle Wartenden gehen m die Totenhall,. Jeder und jede zu seinem geliebten Toten. Und die Sargträger finden sich ein, Männer In grauschworzen Jacken und dunklen Hosen und ledernen Mützen. Sie sehen au» wie die Nachtwächter der Berliner Wach» und Schließgesellschaft. Sie bleiben auf der Straße stehen, plaudern und rauchen Zlga- retten. Bis der Anführer auf di« Uhr schaut und die Zeit für ge- kommen erachtet. Schnell noch«n paar Züge aus der Zigarette, und die Stummel werden fortgeworfen. Das Geplauder verstummt, die Mienen nehmen berufsmäßigen Ernst an, und in feierlichem Schritt begibt sich die Korona in den Hof. Zwei von ihnen gehen in die Totenhall«. Letzt tritt der Aufseher im weißen Kittel an die Trauernden heran. Wie manche Mutter kann sich von ihrem toten Kinde nicht trennen, immer und immer wieder ein letzter, ein aller- letzter Blicki Schluchzen erfüllt den Raum. Da tröstet der Auf- seher. und mit sanfter Gewalt führt er di« Frauen auf den Hof hinaus. Inzwischen sind di« Leichenwogen eingefahren. Schnell werden den Pferden schwarze Decken übergeschnallt, vi« Kutscher ziehen sich schwarze Handschuh« an. Jeden Tag dieselben Pierd«. dieselben Kutscher, die gleichen Handschuhe. Und der Sesichtsausdruck der mit dem Tod beruslich verkehrenden Männer ist mit der Zeil zur starren Maske geworden, Die Tintenschwemme. Das Schiff, üas jchwarzweißrot getakelt, Liegt auf öem Trocknen. Man spektakelt. vi?•AV X.vvi;"i vielleicht bekommt es wkeüer 5ahrt, Venn man nicht Leitartikel spart. Die Tinte strömt, der Graf an öorö Spricht: Zwar komm' ich vom Flecke fort, doch einen Zweifel fühl' ich brennen: kann man öies flott geworöen nennen! Winzig« Särglein, von einem Träger auf den Arm genommen, und größere Särge, von vieren feierlichen Schrittes getragen, werden in die Wagen geladen. Dahinter gruppieren sich die Leidtragenden. Pünktlich um 9 Uhr trabt die erste Fuhre aus dem Hof. Die Träger klopfen sich den Staub von den Röcken und schreiten, je zwei an jeder Seite, neben dem Wagen einher. Der Obmann sieht nach der Uhr. Es hat wieder einmal auf die Minute geklappt. Einen Leichenzug sah ich, da folgte ein altes Mütterchen ganz allein hinter dem kleinen Sarg. Das Leben hatte Iharte Furchen in ihr Gesicht gegraben. Sie trug den Kopf tief gesenkt. Di« Lippen preßten sich aufeinander, und ununterbrochen rieselten stille Tränen aus wundervoll gütigen, aber unendlich traurigen Augen. Hanz allein humpette die Frau hinter dem Sarg einher. Wer kennt ihr Leid? Wem gilt der Schmerz dieser weinenden Mutter? Um S�i Uhr ist alles vorbei. Der letzte Wagen ist aus dem Hof gefahren. Der Schnauzbärtige schließt das große Tor. Greift in die Tasche, zieht ein Päckchen Frankenscheine heraus und beginnt zu zählen. Trwkgelder der Leidtragenden. Der Mann lebt von den Toten. Er streicht sich den Bart. Geht zur Leichenhalle, schließt die Tür. Der Cchlüsiel kreischt im Schloß: elns— zwei. Ein« Blume ist von einem Kranz abgefallen und auf dem Hof liegen geblieben. Die hebt der Aufseher im Vorübergehen auf und steckt sie In» Knopfloch seines weißen Kittels. Wie gestern und vorgestern, wie Immer schon. Aus Gewohnheit.... Unterwegs nach Znöien. von Franz Zosef Furtwängler. a>n« Vbordmmfl der TeiUlorbeiteriniernotionale unter IZtthnmfl des intctnolionnTcn Sekret Srs Genossen Tom Show l>at vor kurzem eine Studienreise noch Indien anortretcn. Iwei Deutsch«, die Genossen Karl Schräder, Borsstzender des Terttlurbeiterveibandez. und!?. I. ssurtwSngler, Sekretär des ADGZZ.. nclimen an ihr teil. Sie werden über ihre ärlebniss« im„Vorwärts" berichten. Die» Ist der Abend des vierten Tages an Bord. Seit fünfzig Stunden haben wir die Straße von Mesiina hinter uns und werden morgen früh In Port Said anlegen. Bis zur Stunde haben wir durchaus ruyige See, klaren Himmel und ein« Sommcrwürme, die von Stunde z» Stunde brennender wird. Die„Rajputana" der englischen Peninsular& Oriental Navigation Company, die uns von Marseille nach Bombay bringt, ist ein Schiff von etwa der Größe des Llvyddampfers„Bremen", zeichnet sich jedoch vor diesem»nd den meisten Atlantikschiffen durch größere Frelglbigkeit an Kabinenraum und Inneneinrichtung aus. Bemerkenswerter ist indessen ein anderes Unterscheidungsmerkmal, darin bestehend, daß unser Dampfer nicht wie die gleich großen Schiffe der Amerika-Linien eine zweite Klasse und eine drilte in der Form des„Zwischendecks" hat sondern erste und zweile Klasse zusammen, ein Anlaß, sich die Zusammensetzung des Passagier- Publikums näher anzusehen. Der Amerikadampfer beherbergt in bunter Mischung olle Be- Ntfe und sozialen(»chichteii zwischen dem Pankeemillianär und dein auswandernden europäischen Lohnarbeiter. Die Reisegesell- schoft auf einer solchen Jndienfahrt ist dagegen viel homogener und läßt sich unschwer in ihre sozialen Elemente zerlegen. Die erst« Klasse birgt ein halbes Dutzend besonders erlauchter Reifegäst«, die in der Passagierliste mit„Seine Hoheit" aufgeführt lind. Der schlichte Bürger nimmt mit mehr oder weniger Ehrfurcht davon Kenntnis, daß er auf engem Räume vereint ist mit fünf regierenden(dies Wort wird überall mit einem besonderen Akzent belegt) Maharadschas, unter denen sich mit großem Gefolge der mächtige Fürst von Alwar befindet, Den fünf akttoen Landes- vätern gesellt sich ein„Kronprinz", der Erbe des großen Maisur- staates. Was sonst sich an Indern in der ersten Klasse befindet, sind Großkaufleute, Grundbesitzer und Rechtsanwälte, welch letztere als besonders reich gelten. Die Europäer erster Fahrkartengüte sind ebenfalls große Handelsleute, Baumwollagenten und-fabri- kanten aus Manchester, hohe und Köchste Regierungsbeamte, die auf dem höchsten Gipfel der Würde den Titel„Collector"— „Steuereinholer" führen. Diele dieser Beamten haben ihre Familie bei sich. Die wenigsten unter ihnen betreten Indien zum ersten- mal. In der Regel kehren sie von einem mehrmonatigen Urlaub zurück, den sie nach Ablaui einiger Dienstjahre erhalten und samt Familienanhang und Kindermädchen in Old-England zugebracht haben. Auch die zweite Passagierklasse ist in ihren Hauptmassen ziein- lich gleichförmig. Fünf Gewerkschaftsfekretäre dürsten für den Nichtwissenden etwas schwor zu katalogisieren sein. Einige lässig gekleidete ganz junge Leute wird man gleichfalls nicht auf den ersten Blick als Jockeis erkennen, die für die Rennbahnen von Boinbay und Luknau bestimmt sind, sondern eher für der väterlichen Zucht entronnene Bauernjungen halten. Welter entziehen sich ein argen- tinischer Journalist, ein Pariser Exporteur und Valutaspekulant, ein Syrier und ein Chinese nebst Gemahlin der Typisierung. Die übrigen Reisenden der zweiten Klasse sind ohne tiefe Menschenkennt- nis an Gebärde und äußerer Erscheinung zu erkennen. Da sind Offiziere in Zivil, von ihren Frauen begleitet— für das übrige Militär gibt es andere Schiffe für billige Massenbeförderung—> kleinere Existenzen des Händlertume, Bankangestellte und Bureau- fräuleins, die unteren Beamten des Staate» und schließlich dl« ganzen zahlreichen Gefolgschaften der Maharadschas, worunter sich auch Frauen befinden. Diese tragen zum Teil die grellfarbigen Tücher ihrer Eingeborenentracht, andere europäische Frauenkleidung, Seiden- strllmpfe und Pagenhaar. Grüßt man eine dieser Damen, so beantwortet sie den Gruß, indem sie leicht de» Kopf senkt und zwei Finger der rechten Hand langsam zur Stirn führt. Die Art dieser Ehrbezeugung ist so anmutvoll, daß sie sedc Derwechslung mit einer ähnlichen Geste ausschließt, mit der man in Berlin die höfliche Rede begleitet:„Mensch, du hast'n Bogel!" Die Männer scheinen diese Grußform nicht zu pflegen. Auch von ihnen sind manche europäisch, manche indisch gekleidet. Mit der verschiedenartigen Tönung ihrer Hautfarbe, der Buntheit ihrer Röcke und Turbans bieten sie eine frohe Augenweide. Wie in der ersten Klasse, sind auch hier indische Studenten und Vertreter intellektueller Berufe. mit denen sich lohnende Unterhaltung führen läßt in Borberettung auf den Besuch ihrer Heimat. Der«in« von ihnen hat mtt Rabindrannth Tagur die Tour durch Deutschland gemacht, spricht klug und zutreffend über unser Land und hat ein seltenes Geschick, einem indische Gedanken und Gesinnung näherzubringen. Im allgemeinen findet wenig Verkehr und Unterhaltung zwischen Europäern und Indern statt, doch scheint es mir nicht, als ob man diese'Zurückhaltung einem Hochmut der Engländer gegenüber den indische» Mitreisenden zuschreiben könne, denn der Verkehr der Weißen, also fast ausschließlich der Engländer, untereinander fft kaum weniger steif und knapp, was wahrscheinlich in der eigen- artigen Zusammensetzung der Passaglere seinen Grund hat. Man könnte wohl mit ihnen um die Welt fahren und würde kein« tausend Worte Englisch brauchen, denn das Gespräch erschöpft sich fast immer in der gegenseitigen Versicherung, daß es heute sehr schöne» Wetter sei, aber schrecklich warni. Tagsüber wird häufig Decktennis ge- spielt, und abends sogar manchmal getanzt. Was unsereiner ge- legentlich entbehrt, sind besonders dte Deckkonzerte unserer deutschen Schiffskapelle, die immer etwa« Stimmung m die Monotonie der Seereise bringen. Doch statt dessen gibt es hier täglich neue Beobachtungen und Wahrnehmungen und das interessante indisch« Schiffepersonal, dessen Arbeits- und Lebensverhältnisse zu studieren mein nächstes Beginnen fein wird— wenn nicht die lähmende Hltz« im Roten Meer es vereitelt. die Philosophie öes Landstreichers. Von Paul Keller. Unlängst habe ich einen jungen Menschen tennengelernt, der ja eigentlich nur ein gewöhnlicher Vagabund und Bettelmann war, der aber durch die Bewußtheit, mit der er seine soziale Gesinnung be- stätigte, und durch die Konsequenz, mit der er sie durchführte, sich doch weit über das Niveau bloßen Landstreichertums erhob und in die Welt praktischer Lebensphilosophie hineinragte. „Ich besitze nichts/ sagte dieser Mann,„und ich arbeite nichts. Ich lege eine Ehre darein, die einzige, die ich besitze, den Beweis zu erbringen, daß man dennoch leben kann.' Ich lächelte ahnungsvoll. „O nein/ wehrte der Mann ab.„Unter diesen Worten ist nicht zu verstehen, daß ich betrüge und stehle. Ich will nicht sagen, daß moralische Bedenken mich davon abhalten, wohl aber meine Foul- heit und meine Aengstlichkeit. Ich scheue nichts so sehr wie die Be- tätigung, vor allem wenn sie mit Ausregung verbunden ist, und ich fürchte nichts so sehr wie die Unfreiheit, am meisten aber die Ge- fängnisie/ „So erbetteln Sie sich Ihr Geld?' warf ich ein.„Rur leuchtet mir nicht ein, inwiefern diese Art der Existenzfristung Ihrer Sehn- sucht nach Bequemlichkeit sonderlich entgegenkommen könnte. Sie müssen an Hunderten von Türen pochen, müssen treppauf und treppab gehen, und wieviel Tage wird Ihr Arbeitskolender aufzuweisen haben, die nur überaus dürftige Erträge liefern.' „Keinen einzigen/ sagte der Mann fast begeistert,„der mir nicht das gebracht hätte, was ich von ihm forderte. Ich weiß wohl. es gibt Bettler, die das Betteln als Beschäftigung auffassen, die einen zuweilen gar nicht so uneinbringlichen Beruf daraus machen. Was sind das für knittrige Gesellen! Wie verbürgerlicht sind sie, wie onge- fressen von Kaufmannsgesinnung! Was habnv die noch mit der herrlichen Vagabundage zu tun! Meine Rechnung ist einfach und nüchtern: Ich brauche tagsüber eine Tasse Morgenkaffee, eine Schüssel Mittagessen, ein paar Abendbrotstullen und«in Nachtlager. Das Nachtlager und den Kaffee beziehe ich von den Herbergen. Ich brauche dafür 35 und 5 Pfennig: sind 40 Pfennig. Das sind aber auch die einzigen Geldmittel, die ich benötige. Es ist eine Kleinig- keit, diesen Betrag zusammenzubekommen. Selten nimmt mich sein Erwerb länger als höchstens zwei Stunden in Anspruch, oft nur eine halbe. Ist er in meinen Händen, so ist der Houptteil meine» Tagewerks vollbracht. Ich denke dann nicht mehr daran, einen Pfennig Geld von einem Menschen zu verlangen. Ich brauch« es nicht. Es nützt mir nichts. Ich habe kein Interesse an ihm. Ich gehe dann spazieren. Ich bummele herum. Ich trödele. Bis zur Mittagszeit. Dann lasse ich mich beköstigen. Ist es schon gar nicht so müh- selig, eine kleine Summe Geldes geschenkt zu bekommen, so ist es noch viel leichter, zu einem Teller Essen zu gelangen. Auch das Abeirdbrot macht mir keine Sorge. Ich habe für die Menschen nicht viel übrig. Ich halte sie für die lächerlichen Clowns chrer ein. gebildeten und andrcssierten Bedürfnisse, für die verknöcherten Knechte ihres Geizes in großen Dingen. Aber ich muß ihnen zugute holten, daß sie in den kleinen Dingen, die ich von ihnen begehre, gar nicht so knauserig lind. Von ihrer Bereitwilligkeit, eine Schüssel Suppe und ein beschmiertes Brot zu verschenken, kann«ine Armee von Bettlern leben.' „Sie müssen essen, was Sie bekommen', sagte ich.„Sie müssen mit dem Bett oorlieb nehmen, das Ihnen angewiesen wird. Wie kläglich ist es um Ihre so gerühmte Freiheit bestellt, wenn Sie nicht einmal die Freiheit der Entschließung in bezug auf die Wahl Ihrer Nahrung und- Öhres Nachtlagers besitzen.' „Ich esse, um satt zu werden, und schlafe, um ausgeruht zu fein', erwiderte der seltsame Mann.„Ich bin in diesen Dingen nicht verwöhnt. Sie interessieren mich nicht. Aber bedenken Sie, was ich eintausche: Unendliche Freiheit... Befreit sein von Tau- senden, Zehntausenden von Sorgen, die den Bürger drücken: von der Sorge, die Steuern, die Miete, das Licht, die Heizung, die Gehälter, das Telephon nicht zahlen zu können, von der Sorge, im Geschäft etwas nicht richtig zu machen, die Gunst des Chefs oder die der Kundschaft zu verscherzen, bei den Kollegen in Mißkredit zu geraten, ausgesperrt oder bestreikt zu werden, keine neue Stelle zu finden, sich von der Konkurrenz erdrücken lassen zu müssen. Mein Tag ist frei. Er gehört mir ganz allein. Ich habe immer Ferien. Ich bin immer auf Urlaub. Ich mutz nie ins Geschäft, habe nie Briefe zu schreiben, habe keine Pflichten zu erfüllen, keine Aufgaben zu be wälligen, brauch« mich um nichts zu kümmern. Ist der Gedanke nicht herrlich, keinen Beruf zu haben, an Bureaustunden nicht ge- Kunden zu sein, von früh bis abends träge sein zu können! Ich bin auch an keinen Raum gebunden. Herbergen und Ueberbleibsel vom Mittagessen gibt's überall in Europa.' „Aber Ihre Sonderwünsche', sagte ich.„Sie wollen nie ein Buch lesen, nie in ein Kino gehen, nie ein Glas Bier trinken?' „Gelegentlich', sagte der Bettler geringschätzig.„Dann bettele ich eben einmal zwei oder drei Stunden länger. Aber nur ganz selten scheint es mir von Borteil zu sein, die Mühe, die ich für den Erwerb des Geldes aufbringen muß. gegen solch ein Pergnügen einzutauschen. Darin ist ja eben mein Fanotismus für die Losgelöstheit von allen Bindungen begründet, daß ich mir keine Arbell denken kann, deren Erträgms so lustbereitend Ist. wie die Mühe unlustbereitend ist, die für fie aufgebracht werden muß. Es sst schöner, sich in einer großen Wohnung als in einer Höhle aufzuhalten. Aber ich halte es für vernünftiger, in einer Höhle zu hausen, als sich mit den Lasten zu beschweren, die mit dem Erwerb und der Erhaltung einer großen Wohnung verbunden sind. Da wird irgendeine große Maschine gebaut. Um die Maschine bauen zu können, müssen andere, kleinere Maschinen in Betrieb genommen werden, die die Bestandteile� der großen Maschine liefern. Die große Maschine und die kleinen müssen in Häufern stehen, deren Rohstoff mtt Hilfe von Maschinen zubereitet wird, zu deren Herstellung andere Maschinen benötigt werden, die in Häusern stehen. Um der großen und um der kleinen Maschinen willen müssen Hunderte von Kontobüchern geführt werden, die unter Benutzung von Maschinen hergestellt werden, für die Häuser nötig sind. Wo fängt das an? Wo hört das auf? Die große Maschine aber löst lediglich die Aufgabe, Millionen von Druckknöpfen pro Tag auszuspeien. Ich verzichte auf die Druckknöofe und befreie damit Tausend« von Maurern, Tapezierern, Zimmerleuten, Fabrikarbeitern und Bureauangestellten aus der Oed« ihrer dunsten Zimmer, aus ihrer Geschäftigkeit und Hast heraus, in die Weite des Lichts, in Muße und Beschaulichkeit.' Ich mußte die Unterhaltung abbrechen. Mich rief die Arbeft. Der Bettelmann lächelte. O, würde er erst erfahren haben, daß es Käuze gibt, die die Gedankengänge von Vhilosophen seines Schlages zu Papier bringen, statt sich ihrer zu bedienen, er würde aus dem Kopfschütteln nicht herauskommen. Der glücklichste Tag kkres Lebens. Ein« englisch« Zeitschrift bringt auf Grund einer Umfrage und früherer Aeußerunaen von hervorragenden Männern«ine Zusammenstellung, welchen Tag die Männer für den glücklichsten Tag ihres Lebens halten. Recht charakteristtsch für Bernard Shaw sst die Ant- wort, die er der Zeitung gab. Sie lautet«:„Wenn der glücklichste Tag meines Lebens bereit» der Vergangenheit angehören würde, dann würde es sehr schlimm bestellt sein. Ich bin davon fest über- zeugt, daß mir dieser Tag noch bevorsteht und hqsf«, daß ich ihn vielleicht noch erleben werde/ Tosstoi hat einmal darauf hinge- wiesen, daß er einen besonders bemerkenswerten glücklichen Tag nicht gehabt habe, /ich glaube/ fügt er hinzu,„daß der Mensch den Tag als feinen glücklichsten be, zeichnen kann, an dem er seine geistige Aufklärung oder sein« seelische Erhebung verfpürt.' Auch dies« Aeußerung ist für Tolstoi bezeichnend. Gabriele dÄnnunzio hat es sich nicht nehmen lassen, als den glücklichsten Tag seines Leben, ein politisches Ereignis zu bezeichnen, nämlich den Tag, an dem Italien siegreich au» dem Weltkriege hervorging. Der berühmt« Gelehrt« Rutherfmd, dem e« zuerst gelang,«tn Atom zu zertrümmern. erklärt«, daß die Möglichkeit, in das Innere der Materie einzudringen, etwa« so Erhabenes für ihn gewesen sei, daß«r in diesem Augen. Kick wohl das größte Glücksgefühl empfunden hade, wenn man über» Haupt imstande sei, die Größe des Glücksgefühfs abzumessen. �Rüther- fori» ist de/A nschau ung. daß«in Mensch nichrdie' Möglichkeit' besitze,' rückblickend auf viele Jahr« den Augenblick zu erfassen oder innerlich festzulegen, an dem er sich am glücklichsten gefühlt habe. Glück habe die besondere und wunderbar« Eigenschaft, daß der Mensch immer glaube, in dem Augenblick am glücklichsten zu sein, wenn er sich überhaupt glücklich fühl«. Man kann also dann von dem größten Glück sprechen, wenn man tatsächlich aus diesem Augenblick des Glücksgefühls die Ueberzeugung gewinnt, daß es sich auch um ein würdiges Objekt gehandelt Hab«. Nach dieser sehr feinen philosophi- schen Definition erklärt« er dann, daß der würdigste Augenblick, in dem er sich glücklich fühlle, der gewesen sei. als er zum ersten Male ein Heliumatom zu zertrümmern vermochte. Lloyd George erwiderte recht melancholisch:„Welches der glücklichste Tag meines Lebens gewesen ist, weiß ich nicht. Vielleicht sst es der Tag meiner Geburt gewesen, vielleicht der Tag meines Todes.' Dostojewski soll nach einer Mitteilung der Zeitschrift einmal eine Aeußerung getan haben, daß der Mensch im Leben überhaupt nicht«inen glücklichsten Tag haben könne, sondern nur einen verhältnismäßig wenig unglücklichen Tag. Glücklich sei der Mensch erst— darin trifft er mtt Lloyd George überein— wenn er das Leben überwunden habe. Ein merkwürüiges Echo. Zwei Meilen von Mailand, in einer ebenen und keineswegs romantischen Gegend, befindet sich die Villa Simonetta, berühmt durch ihr Echo, welches alle anderen derartigen bekannten Schall- erfchelnungen überbietet. Ein aufmerksamer Tourist, der vor einigen Iahren die Billa besuchte, beschreibt sie folgendermaßen: Traurig und einsam liegt das große Gebäude Zwischen feuchten Wiesen, die beständig unter Wasser stehen, hohe Baumreiben nehmen ihm die Lust und hüllen es in einen fast immerwährenden Dunst. Im inneren Hof der drei Flügel befindet sich das berühmte Echo. Man stellt sich in ein Fenster der zweiten Etage eine» Settenflügels. Der hier hervorgebrachte Schall wird von dem gegenüberliegenden Flügel, in welchem sich keine Oeffnung befindet, zurückgeworfen. Man kann bis zu 50 Pralltönen zählen, welche auf einen Pistolen- schuß folgen. Sie beginnen in sehr markierter Weis« und verringern sich allmählich, bis sie sich zuletzt in unbeutllches Gemurmel ver- lieren. Trotz des überraschenden Effekts ist doch ein einfaches Waldecho mit nur zwei oder drei Wiedecholungen oiel fcköner. Mtt dem Echo hat man viele interessante Versuche angestellt, so namentlich in betreff harmonischer und melodischer Klänge: allein das Echo bleibt stumm bei den Tönen der Flöten, der Klarinetten. Oboen, Geigen usw. Dagegen wird ein Posaunenstoß mtt wünder- bar starkem Effekt zurückgeworfen. Es gehört also ein scharfer Ton dazu, um das vielfältige Echo hervorzurufen. Man hat bei den angestellten Versuchen die Erfahrung gemacht, daß sich das Echo um sechs Rückprallungen verminderte, seitdem hinter der Mauer. welche den Schvll zurückwirft, eine innere baufällige Galerie ab» gebrochen wurde._ Eine Geschichte des Löffel». Unter dem Titel„Ave englisch« Silberlöffel' hat ein englischer Löffelsammler Norman Ga»k eine Geschichte des«nglsschen Löffels veröffentlicht, die bis in die frühsten Zeiten zurückreicht. Der Verfasser sucht nachzuweisen, daß schon der heilige Dunstan, der Erzbischof von Conterbury, eine Fa- brik zu Glastonbury unterhielt, in der goldene und silberne Löffel angefertigt wurden. Auch König Alfred der Große soll persönlich Modelle für Silberlöffel entworfen haben. Der älteste erhaltene Silberlöffel ist der sogenannt«„Krönungslöffel', der sich im Tower tesitzt selbst die g Löffel, die bisher zusammengebracht wurde. befindet. Gast be rößte Sammlung alter englischer t wurde. 200 berühmte Beispiele der Löffelkunst sind abgebildet. Wie hoch solche Stücke bezahlt werden, zeigt eine kürzlich erfolgte Versteigerung bei Christi«», ausi der ein silberner Lössel des 15. Jahrhunderts für 2100 Mark zugeschlagen wurde. BM» Gleite-' „GILLETTE" RASIERKLINGEN sollen ohne Nachschleifen oder Abziehen Im echten „GILLETTE RASIERAPPARAT" bei sorgfältiger Handhabung lange vorhalten Daher Ist die echte „GILLETTE" RflSIERKLINOE im Gebrauch auBerordentiich billig QIULETTE SAFETY RAZOR CO. G. m. b. H. Hamburg tl, AdmlralltEtstraB« 40 ' /•v'v•..-tu Die handlidie Form des neuen großen „Sunlichf-Würfels für die große Wäsche ist ein neuer Vorzug dieser be» währtesten aller Seifen* Suniicht Seife schont die Wäsche., Der große Würfe! 40 Pfg. Das Doppelstück 45 Pfg N LICHT Sonntag 21. November 1926 Äus öer �ilm-ANelt Seilage öes vorwärts die Iilme öer Woche. „Der Schwarze Sonntag.� (Schauburg.) Der zweite große russische Film aus der offiziellen russischen Filmfabrik hüll in Deutschland seinen Einzug. Wieder ist es ein Film aus der Geschichte unserer Tage, wenn auch seine Ereignisie zwanzig Jahre zurückliegen. Es ist ein entscheidendes Stück aus der russischen Arbeiterbewegung dargestellt, das ooin Jahre 1Z02 bis zum blutigen 9. Januar 1905 führt. Wieder ist die Masse der Held, die ungeheure Schar der russischen Arbeiter, die im Banne einer doppelten Knechtung, der politischen und wirtschaftlichen, ihren Märtyrerweg geht. Die ersten tastenden Versuche einer Arbeiter- bcwegung werden uns vorgeführt. Die bisher ohnmächtige Ar- beiterfchaft wagt es, in den Marinewerrftätten ihren Unterdrückern entgegenzutreten. Zunächst unterliegt natürlich; ihre Wortführer werden nach Sibirien oerschickt. Wir sehen,' wie der Zug der Verbannten seine trostlose Reise antritt. Aber der Funke glimmt weiter, ein merkwürdiger Führer taucht auf, der Pope G a p o n, der bald wachsende Massen von Arbeitern um sich zu scharen weiß, weil er bei den Behörden und selbst bei der Geheimpolizei(Ochrana) lieb Kind ist und sogar Unterstützung empfängt. Er schwärmt von einem sozialen Kaisertum, der Zar soll den Arbeitern helfen, ihre berechtigten Forderungen durchzusetzen. Ist er ein Agent der Polizei oder ein Schwärmer, der aufrichtig an das glaubt, was er tut? Der Film läßt die Frage unentschieden; aber kein Zweifel: Gapon spiell in ihm eine sympathische Figur. Die Ereignisse spitzen sich zu, die Geschichte folgt ihrer eigenen Dialektik, die brutale Herrschaft der Unternehmer duldet keinerlei Zugeständnisse, es kommt zum Massenstreik, der Zar verzieht sich nach Zarskoje Selo und der Groß- fürst Wladimir appelliert an Flinte und Säbel. Unter Führung Gapons setzen sich an jenem traurigen Sonntag Hunderttausende von Arbeitern in Bewegung, um dem Zaren eine Petition zu über- reichen. Aber der Winterpalast ist von Militär abgesperrt. Unter Varantragung von Zarenbildern und Kirchenfahnen stößt die Masse auf das Militär, umsonst knien sie nieder, um von den Soldaten den Weg zu ihrem Zaren zu erflehen. Die einzige Antwort sind Kugeln und Kosakenattacken. Jetzt zeigt der Regisseur W i s- k o w s t i seine große Kunst der Massenentfaltung und-beherrschung. In immer neuen und immer heftigeren Szenen wird die Flucht der Arbeiter und die Hetzjagd der Kosaken geschildert. In dies brandende Ungestüm sind ein paar Einzelbilder eingeschoben, Halte- und Ruhe- punkte, die in Einzelschicksalen symbolisch das der Klasse zusammen- sassen. Dar ergreifende Schlußbild zeigt wieder, wie immer im alten Rußland, Massengräber und Sibirien. Der neue Film hat nicht die dramatische Spannkraft des Po- temtin, die Handlung entwickelt sich breiter, langsamer, in epischem Flusse. Aber zum Schluß stürmt sie wie ein Katarakt dahin. Solche Massen kann man wohl nur in Rußland �uf die Beine bringen, und vorläufig oersteht man auch nur dort, die Arbeiterschaft in höchst charakteristischen Einzelsiguren auszuprägen. Der Name W o- ronichin sei genannt, der den Gapon äußerst lebendig und ein- prägsam gestaltet. Als Vertreter der revolutionären Arbeiterschaft tritt S i m o n o w hervor, der einen jungen Genosien mit jugend- licher Uebertreibung verkörpert. Daneben eine Fülle markanter Köpfe, wohl meist keine Berussdarsteller(der Zar wird von einem ihm äußerst ähnlichen Bäcker dargestellt). Der Film wird in allen Arbeilerkreisen und darüber hinaus starkes Jnteresie finden, um so mehr, da er mit rein künstlerischen Mitteln arbeitet. Es ist kein Hetz, und Tendenzsilm, vielmehr be- fleißigt er sich der größten Objektivität. Die Bertreter der herrschen- den Klassen, vom Zaren augefangen bis zum Polizisten, sind keines- wegs als Zerrbilder geformt. Aber der Sinn der Geschichte ist natürlich klar und deutlich herausgearbeitet: selbst das scheinbar allmächtige Zarenwm will oder kann nicht die Sache des Volkes, wie es Gapon möchte, zu seiner eigenen machen. Wann werden wir in Deutschland Filme aus der Geschichte des Voltes haben— statt der Berherrlichung der Fürsten unö der albernen Liebesgeschichten? Starke geschlossene Werke, in denen der Geist und Sinn der Zeit lebendig wird? D. „vke Eröe mst/ (Mozartsaol.) Wiederum ein Schwedensilm, der den Ruhm seiner Vorgänger erneut. Wie alle gute Schwedensilme vermittelt er den Eindruck ab- soluter Echtheit von Menschen und Land; und wie sie gibt er dies wunderbare Zusammenklingen von Landschaft und Mensch. Man hat den Eindruck, diese Menschen, der Natur nahe und erdentwachjen, gehören gerade in dieses Milieu Hier ist noch Harmonie zwischen Natur und Mensch. Der große Roman der Lagerlös.Jerusalem", dessen erster Teil hier im Film vorliegt, bor besondere Schwierig. ketten für die Umsetzung ins Bild, denn er ist ein echter Heimats- roman, der«ine ganze Landschaft und ihre Jnsasien in mannig- sacher Schicksalsgestaltung bietet und ein besoderes Problem, das in Schweden vor Generationen eine große Rolle gespielt hat. das einer religiösen Erweckung aufgreift. Gustaf M 0 l a n d e r hat, abgesehen von einzelnen Schwankungen, es wohl oerstanden, das stark Menschliche aus dem Roman in den Film hinüberzuretten. In den Mittelpunkt stellt er den Drang zur Scholle, der in dem letzten Sproß einer alten Bauernfamilie, Jgmar, wieder lebendig wird und ihn das beste, was er im Leben erfahren, die Liebe zur Schul- meisterstochter Gertrud, opfern läßt, um den durch Schuld seiner Vorgänger verlorenen Hof wiederzugewinnen. Gertrud findet wie viele andere ihrer Landsleute Trost im Anschluß an die religiöse Bewegung, die unter Leitung des Schwärmers Helgum in der Aus- Wanderung nach Jerusalem mündet. Die Stärke des Films liegt in der Einfachheit, Unafsektierthett und Natürlichkeit. Man hat nicht den Eindruck, Schauspieler vor sich zu haben, sondern wirkliche Bauern. Insbesondere ist der junge Jgmar des Lars H a n s 0 n eine prächtige Berkörperung des erdliebenden, jungen, vorwärts- strebenden Bauern. Mona M a r t e n s 0 n leiht der Schulmeisterstochter die ganze Frische und Stärke einer Darlanetochter. Die Frau, deren Geld Jgmar den Hof verdankt, wird von Jenny Hassel- q u i st mit feiner Unterscheidung als Tochter des reichen Groß- � bauern charakterisiert. Auch die kleineren Partien sind alle liebevoll betreut. Aus dem Rahmen fällt der einzige deutsche Mitwirkende Conrad Deidt, der den religiösen Erwecker mit den starken Mitteln � seines faszinierenden Antlitzes, besonders der Augen, settsam gestaltet. Man glaubt ihm die hypnotisierenden Wirtungen, aber man hat doch irgendwie das Gesühl des Konstruierten und Absichtlichen. Die Photographie von I. Julius folgt sowohl in Außen- wie Innenausnahmen den Absichten des Regisseurs mit vollem Gelingen. _ D. „Der Jüngling aus öer Konfektion.� (Primus-Palast.) Dieser Jüngling stammt aus Krotoschin und hört auf den poetischen Vornamen Moritz. Bereits als Lehrling zeigte er seine großen Kenntnisse auf dem Gebiet der menschlichen Seelenkunde. Er bekommt es fertig, schlechte Anzüge weit über Preis zu ver- kaufen, sein Chef schlägt ihm bewundemd auf die Schulter und meint, er werde es sicher bis zum Warenhaus bringen. Und dann reift Moritz nach Berlin und kommt in einem großen und berühmten Konfektionshaus unter, und was keiner der routinierten Großstadt- Verkäufer fertigstellt, unmoderne Waren an den Mann zu bringen, das gelingt dem unbekannten Krotoschiner vn Handumdrehen. Ach, alle die kleinen und liebenswürdigen Provinzmätzchen wirken auf den Berliner genau so faszinierend wie auf den Kleinbauern im Posenschen. Und dank seinem findigen jüdischen Köpfchen wird Moritz schließlich zum Mitinhaber des großen Modehauses. Krotoschin erobert Berlin, die Provinz liefert frisches Blut, und die Großstädter blicken bewundernd zu diesem kleinen Provinzialen auf, der aus Instinkt weiß, wie die Sache zu drehen ist. Dazwischen erlebt Moritz allerlei. Auch eine Liebe zu einem kleinen Probier- mädchen ist fällig, aber das Probiermädchen verlobt sich dann mit ! dem„ersten" Verkäufer, der es nebenbei versteht, mit Selbstverständ- lichkeit einen Frack zu tragen. Moritz weiß sich zu trösten. Bekannte Typen bevölkern den Film: P a u l i g spielt einen in der Provinz ; herumreisenden Verkäufer mit den Allüren, die man bei dieser Menschengattung aus den Witzblättern kennt. Despermann trägt als„Konkurrenz" ein Menjoubärtchen und gestaltet glaubhast den Konfektionsschieber. Cläre Walldorf ist die Operettendiva und gibt nicht viel mehr als reichllch bekannte mondäne Stellungen, und Dr. M a n n i g versucht sich an einem Inhaber eines großen Mode» geschäfts, der bester in einem akademischen Beruf angesiedest sein würde, Johannes R i e m a n n ist dagegen der Barroutinier, der Lebemann, der die Mittel für seine teure Lebenshaltung au» gut gehenden Konfektionsgeschäften en gro, bezieht, und Maria P a u d l e r verleiht der kleinen blonden Unschuld, die in Flanell aufgewachsen ist und sich nach Seide sehnt, nur typische Züge. Alte, beinahe vergessene Konfcktionswitze tauchen auf, und viele Situationen sind nicht gerade neu in der Erfindung. Der Schluß versandet, man dehnt die Handlung, um die letzten Akte zu füllen, und hilft sich, wenn es nicht anders geht, mit Wortwitzen. Es sieht so aus, als ob die Verfasser L ü t h g e und P r 0 g« r wie auch der Regisseur Richard Löwenbein um das Ende verlegen waren und sich dann mit Modeschau und anderen netten Dingen aus der Verlegenheit zu helfen suchen. Den Jüngling aus der Konfektion spielt Eurt B 0 i s. Wundervoll, wenn er am Anfang in ausgewachsenem Anzug mit Knallbrettchen, gelötetem Schlips und einwärts ein- gesetzten Füßen durch das Leben stürmt, dann wächst er in einigen Szenen beinahe zum Groteskschauspieler, um am Ende nach- zulassen. Frida Richard und Robert Garrison sind die Eltern, Krotoschiner. Gettojuden mit westlichem Einschlag, umwittert von jüdischer Famalienromanttk._ F. S. „Der Sohn öes Scheich.� (Tapilol.) Dem Mimen flicht die Nochwelt kein« Kranze. Ob dies Wort auch für die Filmschauspieler gilt und vor allem für den berühmten Valentina, der in Amerika der Liebling der Filmmassen war, als der schönste Mann galt und doch jetzt jählings vom Tode dahingerafft wurde? Der Film hat die Möglichkett, das BUd eines Schauspieler» lebendig zu erhalten, selbst wenn er lang« tot ist. Aber außer in den Archiven spiell das vorläufig keine Roll«, denn der Film ist nur Gegenwart, er kennt noch keine Lergangenhett und kein Repertoir. Aber den toten Valentina können wir jetzt noch im Film iehen, denn der„Sohn des Scheich" war in Deutschland noch nicht aufgeführt. Freilich ist es nicht die beste Rolle des schnell emporgestiegenen Dar- stellers. Immerhin gibt sie den Eindruck eines anmutigen, bei aller Kraft schlanken, überaus beweglichen und schönen Körpers. Das Minenspiel tritt ganz besonders in Erscheinung, da Valentina sowohl als Sohn wie Vater es mit der Darstellung des Orientalen ernst nimmt; er gibt beiden Rollen«in« große Beherrschthett und innere Ruhe. Dem Sohn mehr als dem Vater. Man sieht ihn in prächtigen Gewandungen einherstolzieren. Fabelhaft ist. was er im Reiten, im Handgemenge und in allem leistet, wozu körperlich« Gewandtheit chn prädestiniert. Aber die Handlung selber ist trotz aller Sensationen wenig mttreißend, denn man merkt, daß diese Söhn« der Wüste, ab- gesehen von ein paar Episodenfiguren, verkleidete Europäer sind, die Orient mimen. Vor allem gilt das auch von der schönen Dilma Ba n k y, die die von dem Sohn des Scheich leidenschaftlich um- wordene, geraubte, wieder verloren« und wiedergefundene Tänzerin darstellt. Es ist«in echt amerikanisches Girl, das mit feinem Geziertwn und Mäulchenfchneiden an alles ander« denn an«ine Tochter der Wüste denken läßt. Auch ihr Tanz ist ganz unorientalisch. Man muß sich also, abgesehen von Valottino, an die Wüstenlandschaft und an das artistisch Akrobatisch« halten, um auf seine Kosten zu kommen. Der Regisseur Fitzmaurice liebt die Ausstattungseffekte, die schönen Pferde, wild« Ritt« und sonstig« Braoourfzenen. Ein« außerordentlich fein abgetönte Photographie unterstützt ihn auf das bereitwilligste. Besonders der Samum ist vorzüglich geraten. V. „Doktor knock." (UT. Friedrichstraße.) Tim interessante, eigenartige Arbett, der eine Massenwirkung versagt bleiben wird und die letzten Endes auch die paar still ge- nießenden Beobachter kalt läßt. Jules R 0 m a i n e s ist ein glän- zender. geistreicher Schriftsteller, der die Menschen kennt. Der Regisseur Renä Heroil wollte dem Schriftsteller gerecht werden, so spielte er Reman und Theater und höchst fetten Film. Der Arzr Dr. Knock will Ruhm und Geld, und darum zieht in einem franzö- fischen Landstädtchen das Zeitalter der Medizin herauf, als dort der junge Doktor die Praxis eines alten Kollegen übernimmt. Der neue Arzt ist etwas Besseres, die biederen Kleinstädter haben es bald heraus, er ist stets korrekt und selbstbewußt, er setzt sich an keinen Stammtisch, er steht über der ganzen Einwohnerschaft. Er arbeitet mit allen Schikanen der Wissenschaft und der Reklame— und zuletzt sähst sich im kleinen Städtchen ein jeder krank. Selbst der alle, biedere Landarzt gerät in das Netz des jungen Kollegen, denn auch der Alle reiht sich ein in den Reigen der eingebildeten Krankem Doch, eine Frage bleibt offen, ist der Arzt selbst ein Kranker, der an der Krankheit der Diagnose leidet, oder ist er ein Teufel? Unter den Schauspielern lernte man feine, echt französische Typen kennen, deren Namen das sogenannte Programm mal wieder schamhaft ver- schweigt. Aber nicht nur die Menschen, auch die französische Klein- stadt findet ihre typische, wenn auch sehr oft mehr untermalte als ausgemalte Schilderung. Eine ganz hervorragend« Leistung bietet Fernand F a b r e, er steht wirklich über den Menschen und über den Dingen, denn durch ein Zucken mit den Mundwinkeln, buch das Hochziehen einer Augenbraue oder durch einen neuen Lichtreslex auf einem Brillenglas beherrscht er die Situation.«. d. „Derby." (Marmorhaus.) Zweierlei muß man diesem Film zugestehen, er hat einen blendenden, oielverfprechenden Anfang und einen aufregenden, mit- reißenden Schluß. Der Anfang erzähst von Vergnügungssucht, Hast und Lärm im Rhythmus unserer Zeit, und der Schluß schildert ein Rennen mit all seinen Spannungen für die Zuschauer. Alles aber, was zwischen Anfang und Schluß liegt, fordert zu heftiger Kritik heraus. Ein« kitschige Liebesgefchichte. in die ein« Erzkokotte ver- flochten ist, die«inen Fahrer um seine Ehre gebracht hat, verhilft zum Schluß einem Adeligen zu einer Schlächtermeisterstochter, die Grete Mosheim mit natürlicher Anmut spielt. Dos Manuskript ist in heilloser Unkenntnis sportlicher Gepflogenheiten geschrieben. So ist e« z. B. ganz unmöglich, daß ein Fahrer, der wegen unlauterer Machenschaften für 19 Jahr« von den ungarischen Rennbahnen ver- wiesen ist, in Deutschland Rennen fährt. Die Darfteller waren größtenteils nicht für die Kamera richtig zurechtgemacht, das fiel be- sonder» bei Barbara von A n n« n k 0 f s auf, die man schon viel vor- teilhafter gesehen hat. Bei einem männlichen Darsteller sah man direkt die Perücke. Solche kleinen Fehler stören ungemein, weil beim Film dem Auge nie ein die Illusion raubender Anblick geboten werden darf. Gute Freilichtaufnahmen mit ihrer gewissenhaften Berichterstattung vom ganzen Drum und Dran des Traberfports wurden die Beran- lassung zu einem wohlwollenden Verhalten des Premierenpublikums. Das fei dem Regisseur Max R« i ch m a n n eine Lehr«. Echtes Leben löst« Begeisterung aus, während die durch und durch unwahre Sentimentalität nur langweilte. e. d. ¥hann reh FneuJe Btimhenl ich mifwU Damen-T aghemden IX, Guter Wajdiesloff mit Wirkung«. vollem SUdterelansara,*ud> Im t I, ROdtcn, verliert. Tragerform. JLt-OO Strümpfe 12� Reine Seide(Scbappsdde) beste � Güte; gut waschbar. 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TrrrrTrrnTTrrwTwr Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ 7Uhr: Tannhäuscr Schauspielhaus 8 Uhr: L u 1 u Schiller* Theater 8 Uhr: Soldaten Städtlsdii! Opn Charlottenburi' ft'/j Uhr: Parsifal O. Graarnd H. Wildbrunn Abonn.-Turnus IV. BeDttfiej Ttiealßt Norden 10334—38 8 Uhr Neldtiardi v. Gneisenaa von Wolfgang Ooetz Regie: Heinz Hilpert Kammerspiele Norden 10334— 38 8'/, Uhr: lifati 3 toffühniDgn! Dergefällio.Thiemi von Tristan Bernard Regie: Eug. Robert Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr Die Gefangene Von Bourdet Reßie M. Reinhardt Neuheiten Sosnabcad! n. Stnolagt 2 Vorstellungen 3» und 8 Uhr, a» zu ermäBigt. Preisend, ganze Programm Volks büh ne (beeter an Blllovplah 8 Uhr: Nadiiasyi Morgen 8 Uhr: Nadifasyi Th. an Sdiiffbanenlann Taglich 8 Uhr: des onbekannten Soldaten. Jiomisttke Cper Der große Operettenerfolg Jidrietme SM, Uh All' abdl. mit Serak, Weaseljr, Wirt, Blass Boettcher, Hell, Loebell, Schuster. Vorverkauf v. 10 U. an ununterbrochen. CASINO- THEATER 8 Uhr Ken! Heute Neni Mister Cornedbeef Gutschein: Fauteuil I Mk. Sessel 1.50 Wallner-Theater Das Stiftungsfest U3sÄ,n von Moser. Sonnt nachm. 3 Uhr: Liebe £ Trianon' Theater Täglich 8", Uhr: Cova ier von Smö-Sinö Amerik. Sens.-Stück in 3 Akt □ S�tonntag�Er�� Reichshallen-Theater Abends 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr Slellwer sanier LSdiinii; Piepers Diele __ Burleske von Meysel Nachm balbe Preise! Oönhoff-Brett'l Variete-Konzert-Tanz Berliner lllk-TrlO Neukölln, W Lahnstr. 74/76 1 Philharmonie �Konzen von Solisten des Philh. Orchesters meüaes TU. 8 Uj Kßtäreogespräöie netropoi- Theat. Täglich 8 Uhr: Die große Revue Wieder fletropo Residenz•theat. Tägl. 8'/, Uhr: MeigeiMM tlütrltl kumaiidmi mtoto TtiaUa-Ttieoter uhV Oer Biberpelz Regie: Berth Viertel Theat. d. Westens SV,: Gastsp. Theat küostl. M enschen laraiwskr-SOlineii Th. Könlg'räfz St. Hasenheide 2110 8 Uj Vn. Ulmet! Ends KomOdlenhans Norden 6304 8; Einbruch Th. a. hollendorfplatz Kurfürst 2091 8; Franziska Rose-Theater 4 Uhr: Max u. Moritz 8'/, Uhr. Was ihr wollt Bis Künstler-Tb. Prltzl Massary: 8:„Die Königin" Sonnabend 3t, Uz Schneewittchen Lessing-Theater 8 u.: Mens® nnd Uebennensdi Tb. a.Korilirstendaiiini 8 Uz Die Fron an der Mette Lustspk-Ihaus 8>.« Uhr: DHerzoe In v.Elba Kaller- Jleone Ana. aus Theater im Admiralspalast Tägl. SV, Uhr 14. Woche Ott kopiert— nie erretdttt Heute fällt d. Nachmltt- Vorstellung aus. Die Abend-Tor- Slellnnd in der Orig.- Besetzung iindet statu ür. wWWM Täglich 8'/, Uhr Su.VZuyru)- CHARELL- REVUE Mittw, Donnerst, u. Sonnabend nachm. 4U.dle neue Kinderrevue Funkhelnzel- manns.v.ärch.-RcIst mit Allr. Braun Totensonntag:® Charell-Revue Von Mund zu Mund Apollo- Th. Tägl. abends 8 U. Der große Erlolg 12 fröhl. Bild, vom Frühling, von der Liebe und was dazu gehört Vorverk. 11-1 Uhr Stg. nachm. 3>/,Uz Familien- Vorslg bei halb. Preisen: Die bunte Tille O SONDERZUG O 9 irTiUH. 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