Menöausgabe Nr. 55d ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 272 Bezugsbedinzussrn und Anztigennrers« sind in der Mnrgenausgab« angegeben »edariwn: sw. SS. Lindeasteahc 3 Setnfptedier: Vönhoff 292- 292 ZeL-VdresTc: SojtaU) emoftoiSectta Verltnev Volksvlakk (lO Pfennig) Montag 22. November 1 H2H »erlag und Anzetgenabteiluns: Geschäfts, ett Ssj dt, S Uhr Verleger: Vorwar»». Verlag GmbH. verlin Sw. SS, Lindenstrohe Zernsprecher: vvnhoff 292— 292 Zentralorgan der Sozialdemokrat! fcben Partei Deuttd�landd Beschlüsse öer Luxemburger Konferenz. Für Verständigung, Rheinlandräumung und Abrüstung. V. Sei,, taxemburg, 21. November.(Eig. Drahtber.) Die Vier- länderkonferenz, zu der am Sonntag in Luxemburg die Vertreter der sozialistischen Parteien Frankreichs, Englands, Deutschlands und Belgiens zusammengetreten sind, hat sich die Aufgabe gestellt, der Politik der internationalen Verständigung und Versöhnung, die seit den Ansätzen von Thoiry etwas ins Stocken geraten ist, neue Impulse zu geben. Sie will die RichUrnien festlegen, die der Zusammenarbeit der Arbeiterparteien auf dem Gebiete der Friedenssicherung als Grundlage und Gcmeinfchaftsprogramm dienen und sie veranlassen, die beteiligten Regierungen aus dem seit Locarno und dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund eingeschlagenen Weg vorwärts zu treiben. Die deutsche Delegation setzt sich zusammen aus den Genossen Wels, Hermann Müller, HUferding, Breitscheid, Robert Schmidt, Sallmann, Crispien, Viktor Schiff und Schäfer. Frankreich hat Leon Blum, Renaudel, Auriol, Faure, Brake und Paul Boncour entsandt, England ist durch Roberts und Gillies, Belgien durch de Brouquere, van Rosbek und Saxe vertreten. Für das Exekutiv- komrtee der Internationale ist Friedrich Adler erschienen. Die erste Vollversammlung wurde um 10 Uhr morgens er- öffnet. Auf Vorschlag der deutschen Delegation wurde de B r o u-- quere zum Vorsitzenden gewählt. In seiner Begrüßungs- ansprach« begrüßte er die deutsche Anregung zur Einberufung der Konferenz als der notwendigen Fortsetzung des in den Jahren 1922 und 1923 in Frankfurt und Berlin begonnenen Werkes, die sozio- listische Internationale auf ein gemeinsames Friedensprogramm zu einigen. Wels-Deutschland wies darauf hin, daß heute die kapitalistischen Parteien und die bürgerlichen Regierungen die Früchte einer Politik ernten, für die der Sozialismus jahrelang gekämpft hat, und wofür wir aufs schärfste bekämpft worden sind. Wels gibt einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung seit der Berliner Besprechung und stellt mit Genugtuung fest, daß ein großer Teil der damals ausgestellten Forderungen inzwischen verwirklicht worden ist. In Thoiry ist bedauerlicherweise die Frage der Sicherheit Frankreichs und der Räumung des Rheinlandes auf ein Gebiet gezogen worden, auf dem notwendigerweise neue Schwierigkeiten entstehen mußten. Während die Beschlüsse der sozialistischen Internationale die Frage der R S u. mung als einen Teil des S i ch e r h e i t s p r o b l e m s be- trachteten, hat man in Thoiry ein Finanzgeschäft daraus zu machen versucht. Der Umschwung, der seitdem sowohl in der innerpolitischen Konstellation der einzelnen Länder wie auch in der internationalen Situation eingetreten ist, hat die deutsche Sozial- demokratie veranlaßt, an die Bruderparteien mit der Frage heran- zutreten, ob es nicht zweckmäßig wäre, der Politik des Sozialismus erneut mit einer gemeinsamen Kundgebung Ausdruck zu geben. Als Distusiionsbasis schlägt die deutsche Delegation eine Resolution vor, die im Sinne der Berliner und Frankfurter Beschlüsse sowie im Rahmen der von der Internationale in Hamburg und Marseille gefaßten Entschließung die Richtlinien für die Fortführung der Politik der internationalen Sicherung in prägnanter Form zu- sammenfaßt. Die Aussprache darüber, an der sich vor allem die französischen und belgischen Genossen beteiligten, ergab g r u n d- sätzliche Einmütigkeit über die darin niedergelegten Forde- rungen. Nur gegen die redaktionelle Fassung einzelner Abschnitte wurden Bedenken erhoben, denen die Konferenz durch Einsetzung eines Unterkomitces Rechnung trägt, das einen neuen Text aus- arbeiten soll. Dieses setzt sich wie folgt zusammen: Müller und Hilferding für Deutschland, Blum und Paul Boncour für Frankreich, de Brouqucre und Saxe für Belgien, Roberts und Gillies für England. Die Selcblüsse öer Konferenz. Nach eingehender Aussprache beauftragte der Unterausschuß de Brouquere und Blum mit dem Entwurf einer neuen Resolutton. Nach einem Meinungsaustausch, der völlig« Ueberein- st i m m u n g aller Delegationen ergab, wurde folgende Resolukion einstimmig angenommen: I. Die am 21. und 22. November 1928 in Luxemburg versammelten Vertreter der belgischen, deutschen, englischen und französi- scheu Sektionen der sozialistischen Arbeiterinternotionale stellen mit Genugtuung fest, daß als Ergebnis der Konferenz von London und Locarno, der Völkerbundstogung von 1926 in Genf und der Zu- sommenkunft von Thoiry wesentliche Fortschritt« in der Vrrstöndig'mg und der Politik der europäischen Völker erziell worden sind. Nicht Schuld der Sozialisten war es. daß diese Fort- schritte nicht früher und vollständiger verwirklicht wurden. Sie haben olle beteiligten Parteien zu solidarischen Anstrengungen zusammen- gefaßt: allen Angriffen zum Trotz, die allein schon dieses Zusammenwirken jeder einzelnen Partei eintrug, haben sie bereits un- mittelbar nach dem Kriege jene Grundsätze aufgestellt, die ihre Re- gierungen nur allzu spät und nur unvollständig zur Anwendung gebracht haben. Der D a w e s- P l a n ist in seinem nützlichen und gerechten Teil durch den von der Frantfurter Fünflönderkonferenz ausgearbeiteten Plan beeinflußt worden. Der Vertrag von Locarno ist dem Protokoll der foziolPischen Zusomwenkunft in Berlin im April 1923 entlehnt: Deutschlands Eintritt in den Völkerbund ist durch die Brüsseler Konferenz und dem Internationalen Kongreß von Marseille im Juli bzw. August 1925 vorbereitet worden. Heute gestatten die erzielten Ergebnisse und die dadurch ge- schaffene günstigere Atmosphäre den Sozialisten, eine neue Stufe des Fortschritts ins Auge zu fassen. Sie wollen auch heute durch ihre Initiative und unter ihrem Druck von den Regierungen die not- wendigen Entschlüsse erwirken, um das Werk des Friedens vorwärts zu treiben und um die Konfliktsstoffe zu beseitigen, die noch zwischen Deutsch- land und Frankreich bestehen: denn die aufrichtige Versöhnung zwischen beiden Ländern bleibt die wesentliche Voraussetzung des europäischen Friedens. II. Die Resolution der Berliner Konferenz vom April 1923 hatte bereits festgestellt, daß„der Frieden in Europa und die Sicher- heit Frankreichs ihre sicherste Garantie in einer Stärkung der Repu- blik und der Demokratie in Deutschland haben". In Deutschland und fast überall in Europa besteht eines der gefährlichsten Hindernisse, die der wirklichen Befriedung entgegenstehen, noch immer in der Pro- paganda der reaktionären Parteien und der militaristischen Cliquen. Die Gefahr wird dadurch gesteigert, daß sich faschistische Parteien in verschiedenen Ländern Europas, Italien, Spanien, Ungarn im Besitze der Macht befinden und chr Regime der Unterdrückung nur aufrecht erhalten können, indem sie wahnsinnige Abenteuer suchen, um nationalistisch« Instinkt« zu fördern und Ablenkung der Volksmassen vom inneren Druck zu finden. Pflicht einer jeden Sektion der sozialistischen Internationale ist «2, den Kampf gegen den Faschismus auf allen Gebieten fortzusetzen und den unterdrückten Proletariern mit materieller und moralischer Hilf« beizustehen, deren Ringen nicht nur der eigenen Befreiung vom unerträglichen Druck, sondern auch der Befreiung der gesamten Menschheit von einer Gefahr gilt, die den Frieden ständig bedroht. III. Die wirklich« und dauernde deutsch-französisch« An- Näherung, die für die Festigung des Friedens unerläßlich ist, schließt notwendig das baldigste Ende der militärischen Besetzung deutschen Bodens ein. Schon auf der Frankfurter Konferenz vom Februar 1922 hatten die in Luxemburg vertretenen Parteien erklärt:„Solche Okkupationen verletzen die Gefühle der Bevölkerung der besetzten Gebiete und verschlingen die von Deutschland für den Wieder- aufbau der zerstörten Gebiete aufgebrachten Mittel, erzeugen immer von neuem Haß gegenüber den Besetzenden und bergen in sich die Gefahr neuer Konflikte." Eine der wesenllichsten Aufgaben der sozialistischen Parteien bestcht also darin, eine schnelle Lösung des Problems der Rheinlandsräumung herbeizuführen. Die Ausführung des Dawes-Plans durch Deutschland, Deutschlands Eintritt in den Völkerbund und das Inkrafttreten der Verträge von Locarno ge- statten den Regierungen,«ine schnelle Lösung dieser Frage ins Auge zu fassen. Es ist die Aufgabe der beteiligten sozialistischen Parteien, diese Lösung der Frage zu beschleunigen und die Schwierigkesten aller Art zu beseitigen, die sich ihr noch entgegenstellen. Es muß insbesondere vermieden werden. daß finanzielle Schwierigkeiten ein Hindernis für die baldige Räumung bilden, die der internationale Sozialismus für unerläßlich hält. IV. Hingegen haben die sozialistischen Parteien erkannt, daß die Räumung des Rhelnlandes mit einer befriedigenden Lösung der Abrüsiungssrage praktisch verbunden ist. Deutschland hat sich verpflichtet, abzurüsten„und die Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Nationen zu«rmög- lichen". Die in Versailles vertretenen Regierungen sowie alle Re- gierungen, die in den Völkerbund«ingetreten sind, haben die feier- lich« Verpflichtung übernommen, diese Rüstungsbeschränkung zu ver- wirklichen. Di« organisiert« Arbeiterschaft aller Länder muß die Er- Mung dieses Versprechens mst Entschiedenhest fordern. Die Luxemburger Konferenz stellt fest, daß nach dem Abschluß der technischen Vorarbesten die Einberufung der allgemeinen Ab- rüstungskonferenz nur noch von dem WillenderRegierungen abhängt. Die Konferenz erklärt, daß jede ungerechtfertigte Verzögerung dle schlimmsten Folgen haben würde. Ein Versagen des Völkerbundes auf diesem Gebiete müßt« zu einer Krise des Völkerbundes führen. Der Völkerbund muß die allgemeine Abrüstung entschlossen und schleunigst in Angriff nehmen und damit die Kontrolle der Abrüstung für alle Völker durch- führen. Die Arbester Deutschlands und Frankreichs müssen auf ihre Regierungen einen Druck ausüben, damst diese den nötigen guten Willen zeigen, die eine, um die letzien von Deutschland versprochenen Abrüstungsmaßnahmen bald durchzuführen, und die andere, um zu verhindern, daß durch schikanöse Forderungen die notwendige Ausführung der interalliierten Militärkontrolle hinaus- gezögert wird. Die Kontrolle der deutschen Abrüstung kann in Zukunft nur im Rahmen einer allgemeinen Konvention gedacht werden, die allen Staaten gleiche Rechte gewährt und gleiche pflichten auserlegt, wie übrigens auch die Abrüstung Deutschlands nur denkbar ist, im Hinblick auf die Weltabrüstung. Bis zu dem Zeitpunkt, wo diese Gesamtorganisation ausgebaut' sein wird, und um die Räumung der rheinischen Gebiete nicht hinaus- i zuzögern, würde es sich empfehlen, daß der Völkerbund eine aus � Vertretern von Bundesmitgliedern bestehende zivile Kommission. bildet, in der Deutschland vertreten ist. Es darf keine Anstrengung, gescheut werden, um zu erreichen, daß in denkbar kürzester Frist dies' Regime durch ein anderes ersetzt wird, das einen streng vertraglichen Charakter hätte und auf der Grundlage strikter Gegenseitigkeit stehen müßte, um die Feststellungen zu treffen, die notwendig sind, um den. Eintritt der Verträge von Locarno am wirksamsten zur Anwendung zu bringen. V. die sozialistischen Parteien müssen dafür sorgen, daß im Zu- sammenhang mst der Lösung des Reichsproblems das Schicksal der Bevölkerung des Saargebietes endgüstig und ihrem Willen entsprechend geregell werde. Es liegt im Interesse keines Landes. die harte Zeit, die der Versailler Vertrag der Saarbevölkerung aus- erlegt hat. fortdauern zu lassen. Eine ferundschaftliche Regelung. für die alle Voraussetzungen bereits geschaffen sind, würde die deutsch-französische Annäherung wirksam fördern. VI. Endlich erfordert das Werk der internationalen Versöhnung und Annäherung eine endgüllige und vollkommen befriedigende Lö- sung der Reparationg- und Schuldenfrage. Der internationale Sozialismus hat allen Anlaß, auf Grund der Fortschritte, die j.ine eigenen Anstrengungen auf diesem Gebiete ermöglicht haben, seine Bemühungen fortzusetzen. Die Erfahrung hat die Richtigkeit der sozialistischen Ansichten bewiesen, die aus der Konserenz von Frank- furt und auf den Internationalen Kongressen von Hamburg und Marseille durch nachstehende Resolution zum Ausdruck kam: „Allgemeine Streichung der aus dem Kriege stammenden inter- nationalen Schulden, ausschließliche Verwendung der deutschen Zah- lungen für de Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, Mobstisierung der deutschen Schuld nach Maßgabe der Mögl>-.,.eit und Billigkeit." Heute lastet das Problem der interalliierten Schulden auf dem Wirtschaftsleben und auf den politischen Beziehungen aller großen Völker. Die Gesamtsumme der deutschen Schuld ist noch nicht fest- gesetzt. Das Fehlen ihrer Mobilisierung hat zur Folge, daß sich nach wie vor ein Schuldnerstaat und Gläubigerstaat gegenüberstehen. Gemäß den von ihm stets vertretenen Grundsätzen muß der inter- nationale Sozialismus auf die Streichung der interalliierten Schulden hluarbeiten, sowie aus dle LeschrSukung der deulscheo Schuld nach dem Wert der lalsSchlicheu Wiedergutmachung. Dann kann eine Mobilisierung der deutschen Schuld erfolgen. die eine schnelle finanzielle Befreiung Deutschlands bewirken wird. VII. Schon die Frankfurter Konferenz hatte erkannt, daß das Reparations- und Schuldenproblem nicht allein die ehemals krieg- führenden Länder berührt und daß sie nicht von den allgemeinen Problemen getrennt werden können, von denen alle Völker durch die Nachwirkungen des Krieges betroffen worden find. Die Konsolidierung des Friedens hängt zum großen Teil von der Entwicklung des wettwirtschaftlichen Solidaritätsgefühls ab. Die Luxemburger Konferenz stellt die wesentlichsten Fortschritte fest, die auf diesem Gebiet in den letzten Monaten erzielt worden q'ind, deren Notwendigkeit so oft von der Internationale unter Angabe der ge- eigneten Mittel und Wege betont worden sind. Aber die sozialistischen Parteien dürfen nicht den Großtapilalisten die Leitung der neuen Gebilde überlassen, in denen die Bezeichnung und der Auslausch der Güter sich konzentrieren. Sie müssen u n a b- lässig kämpfen, um eine größere Beteiligung des Staates und der Arbeiterorganisationen an der Leitung dieser Zentren zu sichern, in denen alle Fäden der Wirtschast zusammenlausen. Sie müssen besonders dafür sorgen, daß unter den neuen Verhältnissen, die die industrielle Entwicklung geschaffen hat, die Löhne und Zlrbeits- bedingunoen geschützt werden. Die Konferenz erinnert die vertretenen Parteien an die Not- wendigkeit, in ihren Ländern die Ratifikation de, Washingtoner Abkommens über den Acht- stundenlag durchzusetzen. Dies ist eines der wichtigsten Mittel, den neuen An- stürm siegreich abzuschlagen, den der internationale Kapitalismus auf «ine der wertvollsten Errungenschaften des Proletariats unternimmt. Die Konferenz erinnert außerdem an die entsprechenden Beschlüsse der Brüsseler sozialistischen Konferenz vom Januar 1925. Die Arbeiter dürfen sich nicht von der Wirtschaftskonferenz auf- halten lassen, die der Völkerbund vorberestet und bei der ihre Inter- essen so offenkundig auf dem Spiele stehen. Die Luxemburger Kon- ferenz ersucht die Sozialistische Arbeiterinternational«, sich mit der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale in Verbindung zu setzen, damit eine gemeinsame Zusammenkunft noch vor dem Zusammentritt der offiziellen Konferenz einberufen werde, um dort die geeigneten Propaganda- und Altionsmaßnahmen festzulegen. VIII. Die Luxemburger Konserenz übermittelt die vorstehende Resolution dem Exekutiokomstee der SAI. mst der Bitte, sie allen angeschlossenen Sektionen zur Kenntnis zu geben, Reichswehr-Skanöal. Geheime Umtriebe.— Gefährdung der Staatssicherheit. Die Enthüllung des„Berliner Tageblatts" über illegale Betätigung von Reichswehroffizieren in Breslau hat weitere Enthüllungen nach sich gezogen. Es werden jetzt Teile der DentschriftdescherrnMahraun. des Hochmeisters des Iungdeutschen Ordens, veröffentlicht, die Herrn G e ß l e r im März 1S26 zugegangen ist. Die Veröffentlichungen lassen erkennen, daß Reichs- wehroffiziere im Bunde mit sogenannten„Vater- ländischen Verbänden" in den Wehrkreisen neben den amtlichen Reichswehrbehörden illegale Behörden und Formationen gebildet haben. Diese illegalen Or- ganisationen werden in"der Mabraunschen Denkschrift als „getarnte(von Tarnkappe) Reichswehrorgani- f o t i o n e n" bezeichnet. Nach außen erfcheinhn sie teils als Wehrverbände, teils als Sportverbände. Die„getarnte" Reichswehrbehörde im Wehrkreis wird geleitet von einem Major, dem Kreiskommandeur, dem ein K r e i s o f f i z i e r zur Seite steht. Die Aufgaben dieser Behörde sind den Aufgaben der früheren Bezirks- kommandos nachgebildet. Zusammengefaßt sind sie durch den sogenannten„Bund für Freiheit und Rech t", von dem es in der M a h r a u n s ch e n Denkschrift heißt: Der„Bund für Freiheit und Recht", bis vor kurzem die Tar- nung für gewisse Mobil n, achungsarbeiten der Reichswehr, verpflichtet feine Mitglieder... Den Leuten ist gesagt worden, daß sie ihren Eid der Reichswehr ge- leistet hätten und daß sie bei Eidesverletzung mit st a a t- lichen Mitteln erledigt würden. Es wird darauf hin- gewiesen, daß bereits viele Personen hinter verschlossenen Türen wegen Landesverrats abgeurteilt seien. Außerdem werden die Leute mit der Feme bedroht. Viele Ordensbrüder sind dem Bund für Freiheit und Recht beigetreten. Sie nahmen an, daß der Ordensleitung diese Mahnahmen der Reichswehr selbstverständlich bekannt seien, was nicht der Fall war. Aus entsprechende Vorstellung der Ordensleitong bei dem zu- ständigen Herrn des Relchswehrminlsterlums wurde von diesem er- klärt, daß Angaben über den„Bund für Freiheit und Recht" Belange der Reichswehr verletzen würden.. Dieser„Bund für Freiheit und Recht" ist jetzt die Maske für die Zusammenfassung der„Sportoerbände". Ueber den Zweck dieser Verbände sagt die Denkschrift: .... Major von Briefen in Stolp, von der Reichswehr angestellterBezirksleiter, hat nach seinen eigenen Angaben zur Durchführung der ihm gestellten Aufgaben den Ver- band„P o m m e r n t r e u e" gebildet. Dieser Verband betrachtet sich nicht als vaterländischer Verband, sondern als reiner Wehr- verband für besondere Zwecke. Ueber den Einsatz des Verbandes entscheidet Major von Briefen. Die Angehörigen seines Verbandes sind auf seine Person vereidigt. Generalmajor Teschner in Küstrin(der Vorgänger von Gudovius und eigentliche Macher des Femeleutnants Schulz) ist B e- zirksleiter östlich der Oder. Ihm unterstehen die ein- zelnen Kreiskommandeure mit den Kreisofjizieren. Deb Leutnant Preuh sammelt in der Ballei des Herrn von Tresckow sür eine neue Organisation mit dem Benierken, daß aus Grund der Lage der Reichspräsident nunmehr genötigt sei. vom Artikel 48 der«Versassung Gebrauch zu machen. Es sei mit einer Diktatur zu rechnen. Zur Vurchsührung dieser Diktatur reiche die Reichswehr nicht aus. es mühten daher nach dem Willen der Reichswehr neue For- niotionen ausgestellt werden. Der Kreis Neu mark müsse zum Beispiel zwei Kam-' p a g n i e n ausstellen. Herr von Tresckow fragte daraufhin bei dem Vorgesetzten des Leutnants Preuß, dem Kreisoffizier Major B a d> ck e im Schönfeld bei Bärwalde an. Dieser bestätigte die Angaben des Leutnants Preuß... Cs handet sich nicht etwa um Vorgänge auf dem Lahre 1923; sondern aus der ersten Hälfte des Jahres 1 S 2 6. An jenem Zeitpunkt, an dem die preußische Regie- rung„W i k i n g" und„Olympia" auslöste, hat also d i e Reichswehr mit dem Gedanken eines Staats st reichs gespielt und dafür organisatorische Vorbereitungen getroffen. Auf weitere Zusammenhänge weist die„Frankfurter Zeitung" hin. Sie berichtet aus Gießen: „In den rechts st ehenden Verbänden unserer Gegend. in Oberhessen und vor allem im nassauischen Lahnteil, treibt ein Oberst a. D. Reinhard Kock seit einiger Zeit mit vermehrter Intensität Propaganda. Dies fällt um so mehr auf, als diesem Obersten, der früher für die Org esch und dann bei der F i- nanzierung der Zeitsreiwilligen tätig war, in der hie. siegen Reichswehrkaserne ein eigenes Bureau einge- räumt ist. In der gleichen„Reuen Kaserne" hat übrigens auch ein ehemaliger Oberleutnant Haßloss fein eigenes Bureau, der ebenfalls aus seiner rechtsradikalen Einstellung kein Hehl macht. Jedem der beiden Herren steht eine besondere Schreibkraft zur Verfügung. Die Motive dieser amt- lichen Gastfreundschaft entziehen sich öffentlicher Kenntnis. Bei den Mannschaften der Reichswehr herrscht dar- über jedenfalls eine ziemliche Mißstimmung, um so mehr als das Auftreten der Herren gegenüber Soldaten und Unteroffizieren zu- weilen weniger ihrer Zivilkleidung als ihren miltiärlschen Titel entspricht." Die Motive dieser Gastfreundschaft sind leicht zu erklären. Herr Oberst K o ck hat im Jahre 1924 unter Berufung auf die Heeresleitung vom ArbeitgeberverbandfürLahn- aau und Oberheffen Mittel für die Ausbildung von Zeitfreiwilligen gefordert und zugesagt erhalten. Seine Ausführungen zur Begründung dieser Forderung sind überaus belastend für die Reicbswehr. Da- mals wurde ein Ausschuß des Arbeitgeberverbandes eingesetzt, der für seinen Bezirk 800 000 M. bewilligt hat. Die Mitteilung der„Frankfurter Zeitung" läßt erkennen, daß Oberst Kock seine Tätigkeit aus dem Jahre 1924 wieder aufgenommen hat: die Enthüllung des„Ver- linerTageblatts" zeigt, daß wie zu Beginn des Jahres 1926 weiter an der Aufstellung„getarnter" Organisationen gearbeitet wird. Herr G e ß l e r wird imReichstage über diese Dinge schonungslos zur Rede gestellt werden. Die Veröffentlichungen enthalten bei weitem noch nicht alles Material über illegale Betätigung der Reichswehr. Diese illegale Betätigung ge- fährdet die Staatssicherheit. Was sagt das Kabinett, was sagt der Außenminister dazu? Die sozialistische pressekonserenz. Besichtigung der Partei-Jnstitote. Die am Sonntag fortgesetzten Berhandlungen der Internationalen sozialistischen Pressekonferenz galten dem Ausbau und der Derbesse- rung der Einrichtungen, die sich die sozialistische Presse zum Zwecke eigenen Nachrichtendienstes geschaffen hat und führte zu prak- tischen Ergebnissen. Fachtechmsche Einzelheiten wurden im kollegialen Geiste erörtert Es kam die einmütige Entrüstung zum Ausdruck über die Unterdrückung der Presse- f r e i h e i t, unter der das arbeitende Volk in verschiedenen Ländern leidet und die Ueberzeugung, daß durch die Förderung der sozia- listischen Arbeiterpresse dem Umsichgreifen diktatorischer Bestrebungen am besten Einhalt geboten werden kann. Die Konferenzteilnehmer besichtigten am Sonntag die Elnrich- tungen des„Soz. Pressedienstes", am Montag vormittag zum Schluß die„Vorwärts"-Druckcrei. Die au» Frankreich ausgewiesenen 12 katalanischen Verschwörer sind mit Erlaubnis der belgischen Regierung in Brüssel«in- getroffen. Vermutlich komm: auch der Führer der Verschwörer, Oberst M a c i s, dorthin. Gtaöt tu Not. ilnbeschretblichc Zustände in Hindenburg. Die über ll0 000 Einwohner zählende Stadt Hindenburg /, Uhr. im.Sturm", Potsdamer Straße 134 e, einen Kabaretl-VortragSabend mit einem reich- baltigen Lieder- nnd Chanson» Programm und plaudert über persönliche Erlebnisse au» dieler geil. Wilhelm« Scholz llifl am 25.. abend« 8 Uhr. sür den Künitler- dank in der S e»« ssi o n. Kuisürftendamm 232, au» seinem soeben er- schienenen Roman.Perpetua". Die Solerle). Coiper, Kursürilendawm 233. bringt alt Weihnachlt- anSslellung vom 26. November bis 1. Januar eine Kunllschau von Bronzen, die die Firma bllbert Rosenhain veranstaltet. Anna Pawlowa beginnt am 1. Dezember ein Wastiviel im T h e a t e e de» Besten«. Tie bringt ein Ensemble van 40 russischen Tänzern und Jänjtrfnaw mit. / Sootsungtück auf den planer See. Drei Berliner, zwei Brandenburger Naturfreunde ertrunken. Ein eulsehliches Boolsvnglück. bei dem fünf Personen den Tod des Erlrinkens fanden, ereignete sich am Sonnlag vormittag gegen lv Uhr in unmittelbarer Nähe der Znscl Vuhnen- wcrder, die im Breitlingsee, einem Teil des Planer Sees bei Brandenburg liegt, wir erfahren über dos furchtbare Unglück folgende Einzelheiten. Die Insel Buhnenwerder im Breitlingsee ist zur wannen Jahreszeit wegen ihrer günstigen und reizvollen Lage das Ziel vieler Wassersportler. Aus der Insel, die sonst un- bewohnt ist, hat der Verein„Die Naturfreunde" ein eigenes Heim. Hauptsächlich an Sonnabenden und Sanntoaen herrscht dort immer ein reges Leben. Die Brandenburger Naturfreunde kommen dann in ihren Booten herüber, um zusammen mit auswärtigen Mit- gliedern der Vereinigung die frei« Zeit auf der Insel isu verbringen. Am gestrigen Sonntag hatten die Brandenburger, wie es beinahe jeden Sonntag vorkommt, Besuch aus Berlin. Vormittags gegen% 10 Uhr wurde zur Ueberfahrt von Brandenburg nach Buhnenwerder gerüstet. Bei ziemlich hohem Wellengang verließen mehrere vollbesetzte Paddel, und Ruderboote das Ufer. Die Fahrt oerlief zunächst trotz des Sturmes ohne Zwischenfäll«. Alle Boot«, außer einem mit acht Personen besetzten Ruderboot, das sehr tief ging, hatten bereits Buhnenwerder erreicht. Das letzt« Boot befand sich noch etwa 150 Meter vom Ufer der Insel entfernt, als plötzlich laute Hilferufe erönten. Mehrere Wellen waren in das sehr tiesgehende Boot geschlagen, das zu sinken droht«. Die Bootsinsassen warfen zunächst die Gepäckstücke ins Wasser. Wenige Augenblick« später aber geschah das entsetzliche Unglück. Das Boot hatte so viel Wasser gefaßt, daß es ganz zu sinken drohte. Alle Insassen sprangen ins Wasser und hielten sich am Bootsrand fest. Vom Ufer aus war de? Vorfall bemerkt worden und ein Boot eilte sofort zu Hilf«, ffüns von den mit den Wellen Kämpfenden verließen bald die Kräfte, sie versanken vor den Augen der herbeieilenden Retter. Zwei Berlinerinnen, die sich in ihrer Todesangst mit aller Energie am Bootsrand festhielten, die Kontoristinnen Ida Lips und Martha Schmidt aus Berlin konnten gerettet werden, ein weiterer Boots- insasse, der Arbeiter Buge aus Brandenburg konnte sich selbst durch Schwimmen in Sicherheit bringen. Sofort wurden alle Boot« flott- gemacht und trotz des immer stärker wehenden Vturmes unausgesetzt nach den Verunglückten gesucht. Die Hiobsbotschaft wurde schließlich an das Polizeiamt weiter gegeben, das seinerseits Tergungsverfuche nach den Ertrunkenen anstellen ließ. Bis in die Abendstunden hinein wurde nach den Verunglückten vergeblich gesucht. Die Namen der auf so tragische Weise ums Leben gekommen sind: 1. Erna Sodoma. 18 Jahr«, Kontoristin, Berlin N.. Prinz-Eugen- Straß« 16. 2. Margarete Otto. 21 Jahre, Arbeiterin, Berlin N., Pantstr. 8. 3. Georg Prinzke, 19 Jahre, Stellmacher, Berlin N., Buchstr. 8. 4. Max Loppach. 23 Jahre, Brandenburg, Krakauer Landstr. 16. 5. Karl Beiß, 32 Jahr«, Arbeiter, Brandenburg, Nollendorfer Straße 44. Am heutigen Vormittag wurde bei ruhigem Wetter die Suche nach den Ertrunkenen fortgesetzt, ohne daß es bisher gelang,«ine der Leichen, die wahrscheinlich weit abgetrieben wurden, zu bergen öootsunglück auf öem Wannfee. Ein weiteres schweres Bootsunglück ereignet« sich am Sonntag aus dem großen Wannsee in der Näh« vom Schwanenwerder. Trotz des hohen Wellenganges hatte sich ein mit vier Personen bc- setztes Boot des Ruderklubs„B a l t i c" auf dos Wasser hinaus- gewagt. Dos Boot wurde von einer Welle seitlich gefaßt und eh« es die Insassen verhindern konnten, zum Kentern gebracht. Alle vier stürzten ins Wasser und kämpften verzweifelt mit den Wellen. In diesem Augenblick passierte zufällig«in Motorboot die Unfallstelle. Der Besitzer,«in K a u f m a n n 5). K r« u z i g e r aus der Triststraße zu Berlin, machte sich sofort an die Rettung der Verunglückten. Es gelang ihm, drei Personen in sein Boot zu ziehen. Der viert« Insasse. ein 17 Jahre alter Kaufmann Horst Cordt aus der Luisenstraß« 14 hatte inzwischen das Bewußtsein verloren und war untergegangen. Alle Versuchs, ihn noch zu retten, schlugen fehl und mußten wegen des Sturmes ausgegeben werden. Der 19jährige Kurt Wiegcrt aus der Elsasser Straße 26 erlitt nach seiner Rettung einen schweren Nerven- Zusammenbruch. Er mußte in das Lichterfelder Kreiskrankenhaus überführt werden. Schließlich trug sich noch«in drittes Bootsunglück auf dem Müggelsee zu. Ein mit drei Personen besetztes Segelboot schlug um und die Insassen stürzten ins Wasser. Der Vorfall war vom Ufer aus beobachtet worden und ein Boot eilt« zur Rettung herbei. Alle drei Personen konnten glücklich geborgen werden. Stresemann vnö llttwm. Em Beleidigungsprozcst des Außenministers. Plauen(Vogtl.), 22. November.(LZ.) Vor dem Großen Schöffengericht in Plauen begann heute morgen unter Vorsitz von Amtsgerichtsdircktor Goldbcrg die Verhandlung gegen den Plaucner Rechtsanwalt Arthur Müller wegen Beleidigung des Reichs- außenministers Dr. Stresemann. Müller hatte gegen Dr. Strese- mann den Borwurs erhoben, daß er„ein Verbrechen gestützt und der Korruption Vorschub geleistet habe". In einer An- zahl Artikel, die zum großen Teil im„Fridericus" erschienen waren, hatte Müller noch weitere Beschuldigungen erhoben. Die Staats- anwaltschaft griff nun von Amts wegen ein und erhob gegen Müller Anklage wegen Beleidigung. Reichsoußcnminister Dr. Stresemann hat sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen. Der Anklage liegt folgende Vorgeschichte zugrunde: Im Jahre 1920 war Dr. Stresemann Mitglied des Aufsichtsrats der E v a p o- rator-Gesellschaft gleich anderen führenden Männern der Industrie, wie Kommerzienrot Friedrich vom Reichsoerband der dsuischen Industrie, dem jetzigen Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, Geh.-Rat Schweighoeffer vom Reichsoerband der deutschen Industrie, den Generaldirektoren Siller, Flach, Boenhold, Petersen u. a. in. Die Evaporator-A.»G., an deren Spitze die Brüder Litwin standen, hatten im Sommer 1920 rund 29 Waggon Schrott von der italie- Nischen Regierung erworben. Es handelte sich um deutsche Granaten, die unbrauchbar gemacht und Italien zugesprochen worden waren. Die Evaporator-Ai-G. kaufte dieses Metall, um es nach dem Eisen- werk Kladno in der Tschechoslowakei auszuführen. Diese Schrottmengen gingen dann aber nicht an das genannte Werk, sondern anderes Altmaterial, das aber an der Grenze ongehatten und beschlagnahmt wurde. Die Direktion der Evaporator-A.-G. wandte sich nun, nachdem man bereits beschwerdeführend das Reichs- wirtschoftsgericht angcrusen hatte, an Dr. Stresemann und bat ihn, die Angelegenheit dem Neichswirtschaftsminister zur Entscheidung vorzulegen. Dr. Stresemann tat dies, erhielt aber nach einiger Zeit die Mitteilung, daß die Beschlagnahme ausrechterhaltcn werde, und teilte dies der Direktion der Evoporator-A.-G. mit, ohne weitere Schritte in dieser Sache zu tun. Müller beschuldigte nun den Reichs- außenminister der„Korruption� und machte ihm ebenfalls den Vor- wurf, daß Stresemann mit den„Juden Litwin sich geduzt und enge Freundschaft unterhalten" habe. Weiter aber will der Angeklagte die ganze politische Tätigkeit des Ministers, die er öffcnt- lich in abfälliger Weise kritisiert hat, zum Gegenstand einer Gerichts- Verhandlung machen. Er hat auch behauptet, daß die Evaporator- A.-G. seinerzeit nicht zerstörte Granaten nach der Tschechoslowakei ausgeführt habe, sondern, daß Waffen nach Polen ver- schoben worden seien. Aus dem Eröffnungsbeschluß geht hervor, daß Müller In einem Brief an die Deutsche Volks partei und an den Alldeut- jchen Verband sowie an die Dcutschnationale Partei geschrieben hat, Dr. Stresemann habe in das schwebende Versahren gegen Litwin eingegriffen, so daß es versandet sei. Er habe damit eine verbreche- rischc Handlung gedeckt und der Korruption Vorschub geleistet. Der Angellaatc vertrat die Ansicht, er müsse so weitgehend auf Dinge eingehen, die seine Behauptungen stützten und die Vorgeschichte seiner Briese an die Deutsch« Volkspartei erklären. Das Gericht verlas hierauf einen Brief Müllers an die Deutsch« Volkspartei vom 31. Juli 1925, in dem der Angeklagte im Anschluß an den Präsidentschaftswahlkampf im Jahre 1925 bc- hauptet, daß Dr. Stresemann das Sichcrhcitsangebot von Locarno ohne Befragung des Kabinetts gemocht habe, ohne mit den Deutschnationalen in Fühlung zu treten. Dr. Stresemann habe darüber entweder seiner Parkes falsche Angaben gemacht oder geduldet, daß in der Oeffentlichkeit falsche Angaben darüber verbreitet wurden, und zur Verteidigung dieser Politik sich objektiver Lügen bedient habe. Eine Politik, die mit Lügen ver. teidlgt werden müsse, könne aber nicht dem nationalen Interesse des Volkes dienen. Am 10. September 1925 schrieb Müller wieder an die Deutsche Voltspartei, Ortsgruppe Plauen i. V.. und erklärte, daß man den Behauptungen seines Briefes vom 31. Juli nicht entgegen« getreten sei, daß also seine, Müllers, Behauptungen als richtig an- erkannt würden. In diesem Stil hat der Mann noch eine Reihe weiterer Briefe geschrieben, bis Stresemann Strasantrag stellte. Der Angeklagte erklärte darauf: Das Ausschlaggebende sei für ihn die Haltung Stresemanns gewesen, der schwarzwelßrot rede und schwarzrokgold handele. Stresemann sei bis 1918 Mitglied des Alldeutschen Verbandes ge- wefen. dem Müller in leitender Stellung angehörte. Seit dem Aus- tritt Stresemanns aus dem Alldeutschen Verband sei Dr. Stresemanns Linksentwicklung offenbar geworden. Trotz des Widerspruchs des Vertreters Stresemanns beschloß das Gericht, die Verteidigung Müllers nicht einzuschränken und sein politisches Platdoyer fortsetzen zu lassen. Der Angeklagte erklärte weiter, daß Dr. Stresemann«m Ichre 1919 erst in der Demotratischen Partei unterkommen wollte und dann die Deutsche Volkspartei gegründet habe. Er, Muller, fei in eine Kampfstellung gegen Dr. Stresemann gegangen, weil viele gute Deutsche auf die Phraseologie Dr. Stresemanns herein- gefallen seien.„Ich wußte um seine Beziehungen zu internationalen Juden." Der Angeklagte ging dann aus das Abkommen von Locarno ein. Der Alldeutsch«Ver band von Plauen habe damals gefordert, Stresemann wegen seiner Eigen- Mächtigkeit vor den Staatsgerichtshof zu stellen. Die Verhandlung geht weiter. volksparteiliche Illusionen in Sachsen. Sie wollen einen Rechtsblock mit Altsozialisten. Der Landesausschuß der Deutschen Volts- partei Sachsens nahm am Sonntag eine Entschließung zur Regierungsbildung an, in der eine Regierungsbildung mit den Linkssozialisten entschieden abgelehnt wird. Der Landes- ausschuß fordert eine Koalition von D e u t s ch n a t I o n a l c n bis einschließlich Altsoziali st en und drückt sein Bedauern darüber aus, daß die Altsozialistsn dazu nicht bereit sind. Die Entschließung gibt' selbst zu, daß es unter diesen Umständen bis auf weiteres an einer Mehrheit für eine Neubildung der Regierung fehlt. Für alle weiteren Verhandlungen habe als oberster Grundsatz zu gelten, die Bildung einer Linksregierung zu verhindern. Hürgerburgfrieüen in Zrantreich. Poincare nnd Hcrriot auf gemeinsamer Redetour. Paris. 22. November.(Eigener Drahtbericht.) Bei der Ein- weihung einer Fortbildungsschule in Tarbes hat Ministerpräsident Potneorp, am Sonntag eine Rede gehalten, die in einen Appell für die Aufrechterhaltung der„nationalen Einheit" ausklang. Poincare führte aus. daß gegenwärtigdieLageebenso ernstsei wie im Kriege: wie damals müsse man sich ohne Rücksicht auf die eigene Parteirichtung um einen Führer scharen und unter Hint- ansetzung aller Parteirücksichten nur das nationale Interesse Frank- reich- Im Auge haben. Herriot. der Poincare begleitete, schloß sich besten Worten an und erklärte, daß.„wenn die Mutter krank sei, sich die Söhne nicht am Krankenlager streiten dürften". FaschistenkrawaN«n Luxemburg. An der luxemburgisch-franzö- sischen Grenze— bei Deutsch-Oth— kam es in der Nachc zum Frei- tag zwischen italienischen Jaschiste» und Antisaschisten zu Zu- sammcnstößen. in deren Verlaus der 28 Jahre alte Bellanoli durch «neu Schuß niedergestreckt wurde._______. Der Tag öer Toten. Der gestrige Totensonntag war von gutem Wetter begünstigt und so zogen ungezählt« Scharen Leidtragender zu den Friedhöfen. Einen ungeheuren Besuch hatte der Friedrichsfelder Friedhof zu verzeichnen, wo unser« Parteigenossen die Gräber von Singer, Auer und Wilhelm Liebknecht besuchten, während die Kommunisten sich demonstrativ um die Gräber Karl Liedknechts und Rosa Luxemburgs bewegten. Für den verstorbenen Schöpfer der Reichsverfassung Hugo Preuß hatte der Kreizvercin Wedding des Reichsbanners eine Gedenkfeier veranstaltet. Genosse Franz von Puttkamer sprach auf dem Urnen fr iedljos in der Gerichtstraße Gedentwort«. Zu einer eindrucksvollen Gedächtniskundgebung für die un- zähligen Toten des Weltkrieges gestaltete sich die Toten- seier des Kreisvereins Berlin-Treptow des Reichs- banners Schwarz-Rot-Gold, die auf dem Friedhof des Krema- toriums Baumschulenweg gestern Taufende von Republikanern zusammenführte. Es war ein imposante« Bild, diese Schar wehr- hafter Republikaner ein entschiedenes Bekenntnis zu Frieden und Freiheit oblegen zu sehen. Die Ansprache des Genosien Lutz war vom Geiste der Verständigung getragen, war«ine Ab- sage an die unselige Haß- und Revanchepolitik der ewig Gestrigen. Das Reichsbanner werde sich mit aller Energie dafür ein- setzen, der deutschen R ep u b l i k und den breiten Masten des Volkes den Frieden zu erhalten. Der Redner erinnerte daran, daß die Kriegshetzer noch immer ihr altes Sündenhandwerk fortbetreiben. Trotz der entsetzlichen Er- fahrungen des mörderischsten oller Kriege haben diese Leute noch nicht gelernt, daß Menschenblut zu kostbar ist, um für Kriegsinter- esten verspritzt zu werden Die Kundgebung endete mit Gesang und der Niedcrlegung eines Kranzes mit den schwarzrotgoldenen Farben. Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung veranstaltete der Neuköllner Kreisverein des Reichsbanners seine Totengedenkseier auf dem Ehrenfriedhof am Mariendorser Weg. Gemeinsam mit dem Reichsbund für Kriegsbeschädigten hatte das Reichsbanner zu dieser Feier ausgerufen. Zu Tausenden schloß sich die Bevölkerung aus dem Wege zum Friedhof dem Zuge an. An den Gräbern der Gefallenen sprach vom Reichsbund Kamerad M e n d e und vom Reichsbanner Kamerad B a r z a n t i, die in bewegten Worten an die Schrecken des Krieges erinnerten und auf- forderten, mit aller Kraft für die Erhaltung des Friedens zu kämpfen. Auf den Gräbem wurden Kränz« mit Schleifen in den Reichsfarben niedergelegt.. Der Gauvorstand des Reichsbanners ließ im Laufe des gestrigen Tages am Denkmal des Freiherrn v. Stein einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife für den„B o r k ä m p f e r der deutschen Einheit und Freiheit" niederlegen. Die kleine Demonstration wurde in der verkehrsreichen Leipziger Straße sehr beachtet.— Der Zehlendorfer Kreisoerein des Reichs- banners hatte zum erstenmal eine in schlichtesten Formen gehaltene Totengedenkseier veranstaltet, an der sich Zehlendorfer und Dahlemer Kameraden beteiligten. Am Vormittag vor dem Gottesdienst waren Kränze mit schwarzrotgoldenen Schleifen in den Kirchen zu Schlachtensee und Zehlendorf niedergelegt worden, sehr zum Er- staunen der Kirchenbcsucher, denen ein solcher Anblick ungewohnt war. Am Nachmittag, als sich die nationalen Verein« auf dem Friedhof versammelt hatten, marschierte eine starke Abteilung mit entrollten Fahnen gleichfalls zum Friedhof und legte an dem Denkmal der Kriegstoten einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife nieder. 5ür die Gefallenen aller Nationen. Auf dem englischen Friedhof in Stahnsdors versammelte gestern die„Vereinigung ehemaliger Kriegs- gefangener" ihre Kameraden, uni an den Gräbern der ehe- maligen Feinde eine kurz« Feier zu veranstalten. Schlicht stehen die weißen Sandsteintafeln— gleich einer Kartenregistratur— im Halbkreis um die wuchtigen Torpfeiler. Inmitten des Gräberfeldes wächst ein noch oben zugespitztes Kreuz in den grauen Himmel. Vorn auf dem Kreuz ist ein Schwert— das Symbol de» Krieges— angeschlagen. Abgegrenzt wird das Sondfteintafeifeld von einem wuchtigen quadratischen Steinblock, unter dem— oereint in einem Grabe— die unbekannt Verstorbenen ruhen. An das Kreuz tritt Kamerad Rasenberg und spricht herzlich mitfühlende und auf- rüttelnd« Worte zum Gedenken„der Gefallenen aller Nationen. „Unsere ehemaligen Feinde stehen zur selben Stunde drüben in England und Frankreich an den Gräbern unserer Käme- raden, versöhnt durch die Macht des Todes, zusammengebracht durch den Wahnwitz des Krieges. 11 Millionen Bäter, Sohn«, Brüder, vor deren Grab niemano in Liebe gedenken kann. Millionen, auf denen der weiß« Sandstein lastet, und die niemand mehr haben, der ihrer gedenkt. Draußen ader in den Schützengräben gingen oft unlere Gedanken über die Grabengrenzen hin zu den Franzojen oder Enzländern, die gleich uns ihrem unsichtbaren Schicksal ent- gegenharrten. Mensch flüchtet« vor Mensch in die Gräben. Laßt über den Nationalitätcnhoß hinaus wieder die Liebe wachsen. Im Gedenken an die Gefallenen aller Nationen rufen wir hinaus in die Welt: Es muß Frieden sein. Ueber die Nationen hinweg muß Liebe uns verbinden." Am Sockel des Kreuzes legten Kameraden einen Kranz im Namen der„Bereinigung ehemaliger Kriegsgefangener" nieder. Die kurze Feier am Grabe der ehemaligen Feinde, an der auch Ver- treter der englischen und belgischen Botschaft teilnahmen, war ein starkes Zeichen der im Grauen des Weltkrieges geläuterten intcr- nationalen Solidarität.___ Kommunistischer Zusammenstoß mit Schutzpolizei. Die Kommunisten veranstalteten am gestrigen Totensonntag auf dem Michaelkirchplotz. mittags gegen 143 Uhr, eine„Jung- arbeiterkundgebung", die sich mit dem sogenannten„Kongreß der Werktätigen" beschäftigte. Im Anschluß an dies« Kundgebung be- wegten sich mehrere Demonstrationszüge des Roten Iungsturms und der Kommunistischen Jugend zum Lichtenberger Friedhos der Rcvolutionsgefallenen. Ein Zug kam in der Königsberger Straß« mit einem Polizeioffizier des Kommandos Friedrichhain in Äonslikt. der von mehreren Jiingsturmleuten tätlich angegriffen wurde. Der zu Hilfe eilende Inspektionskommandeur wurde von den Demonstranten beschimpft und persönlich belästigt. Das Begleitkommando griff mit dem Gummiknüppel ein und säuberte nach einigem Widerstand der Komunisten, die sich u. o. mit den Fahnenstangen zur Wehr setzten, die Straße. Verletzungen erheb- licher Art sind nicht festgestellt, auch wurden keine Sistierungen vorgenommen. Die fortgesetzten Rüpeleien der Kommunisten sind auf die Dauer nicht mehr zu ertragen. Sie stellen in Wahrheit einen Mißbrauch der Versammlungssreihcit dar, gegen den sich zu wehren die Republikaner allen Anlaß haben. Schwere Unwetter in Europa. Au» den verschiedensten Teilen Europas kommen Meldungen von außerordentlich schwerem Unwetterschaden. In der Gegend des Wald- und Kochelsees in Bayern herrschte in der Nacht zum Sonntag ein überaus heftiger Föhn. Gewaltige Wasserhosen jagten bis weit ins Land hinein. Die Ortschaften S ch e e d o r f und Unterau wurden am stärksten mitgenommen und weifen schwere Verwüstungen auf. Die Häuser gleichen vielfach Ruinen. Auch am Königsee tobte ein furchtbarer Wirbelsturm, der erst am Sonntag vormittag nachließ.— Im Kanton Tessin in der Schweiz wurden infolge der heftigen Regengüsse der letzten Wochen an verschiedenen Stellen große Ueberschwemmungen hervorgerufen.— In B r e g e n z am Bodensee hat der Sturmwind den F r ü h z u g der Linie Benzau— B r e g« n z aus den Gleisen g e- warfen, wobei sechs Wagen entgleisten. Zwei Reisende wurden leicht verletzt. Im Se m m e r i n g und Schneeberggebiet wüteten drei große Waldbrände, die enormen Schaden anrichteten.— In Spanien sind schwere Unwetter niedergegangen. Fast all« Flüsse sind über die Ufer getreten. Es werden zahlreiche U n- fälle gemeldet. Neun Fischerboote zerschellten an den Uferfelsen von Sanlucar. Mehrere Menschen sind ertrunken. Ein völkischer Mörder fliichtig. Der deutsch-völki sche Stadtverordnete Werner Dietz- Altona, der im vorigen Jahre seinen Schwager, den Kauf- mann Vollrath in Boberz. erschossen hatte, ist flüchtig geworden. Dietz, der gegen das Urteil der ersten Instanz Revision eingelegt hatte, wurde in der erneuten Verhandlung vor dem Altonaer Schwur- gericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteill: der gegen ihn erlassene Haftbefehl wurde aufgehoben. Dietz hatte hierauf wiederum Revision beim Reichsgericht eingelegt. Die Tragödie am Posilippo. Die Leiche der bei dem Seilbahnabsturz be! Pafilisipo in der Nähe von Neapel ertrunkenen Dame ist bei Santa Lucia aus den, Meere gefischt worden. Wie festgestellt wuxde, handelt es sich um eine Baronin Helene Parisch, die mit dem Schweizer Musiker Cherbullier verheiratet war und in Ehur wohnt«. Da sie lungenleidend war, hatte sie sich i» die Behandlung de» Schweizer Arztes Dr. Gruemhoch begeben, der auf der Insel La Gosola bei Posilippo eine Villa besitzt. Nachdem es nach verschiedenen oergeblichen Versuchen gelungen war. trotz des Sturmes die kleine Insel mit einem Boot zu erreichen, fand man Dr Gruem- bach in seinemArbeitszimmererschossen vor. Er hatte sich durch einen Revolverschuß getötet Groß-Serliner partemachrkchten. 13. Ärei« Tempelhof Marlendorf. Der Kursus htf Ocii Dr. Sckiröder wird vs» heute(Montag) auf Freitag, den 28. Rov. verlegt. Vegwu piurttUch 7*/| Uhc. Eft»»Sieg'" öer Kommunisten. Wie ihre Gewerkschaftsarbeil aussieht. Die„Rots Fahne" berichtet über eine„Niederloge der Rc- sonntsten im DMV." in Essen, die darin besteht, daß die von der „reformistischen" � Ortoverwaltung des DMV. beantragte Ein- führung des Delegiertensyftems zur Generalversammlung abgelehnt wurde. „Die Essener Metallarbeiter haben bewiesen, daß sie nicht gewillt sind, sich dos Vi i t b e st> m m u n g s r e ch t rauben zu lassen Die Reformisten wiesen bei ihrem Eintreten fiir das Delegiertensystem ständig aus die iv e i t e r e n t f c r n t c n Ortsbezirke hin, denen es unmöglich wäre, die Versammlungen zu besuchen, deren Interessen also durch die Delegierten besser gewahrt würden." Nach dem Bericht haben sich 2 2 8 S Mitglieder an der Abstimmung beteiligt, wovon 1156 mit nein und 1994 mit ja gestimmt hätten. 2ö Stimmen waren ungültig.„Damit ist die Vorlage mit einer Mehrheit von 72 Stimmen abgc- lehnt." Der Fall ist geradezu ein Musterbeispiel für die g e w e r k schastsseindliche und gcwerkschasts schädliche Tätigkeit der Kommunisten. Trotz der Ablehnung der Vorlage der Ortsverwaltung, die trotz aller Anstrengungen der Kol» munisten nur mit 72 Stimmen Mehrheit erfolgte, sind die s a ch lichen Gründe auf feiten der Ortsoerwaltung. An genommen, die 228Z abstimmenden Mitglieder nehmen alle an der Generalversammluirg teil. Jeder, der das Versammlungslcben kennt, zumal da. wo die kommunistischen„Eroberer" mit am Werke sind und derart unsachliche Stellung nehmen, wie dieses Beispiel zeigt, kam: sich einen ungefähren Begrisk davon machen, wie es um den Erfolg solcher Generalversammlungen und um ihre praktischen Ergebnisse bestellt ist. Der chinweis auf die in solch großen Mit- gstedschaften einfach selbstverständliche Notwendigkeit der Zusammen- setzung der Generalversammlung durch Delegierte, in Ver- bindung Mit dem nicht minder zutreffenden Hinweis auf die weiter entfernten Ortsbezirke, wird von den Kommunisten init unsachlichen Argumenten bekämpft und die entsprechende Borlage als„c i n Raub des Mitbestimmungsrechts" stigmatisiert. D e Kommunisten, die über diese„Niederlage der Reformisten" jubeln und sich damit als. die Hüter des Mitbestimmungsrechts anbiedern, hätten selbstverständlich auch in der Dclcgierten-General- Versammlung die ihrem Einfluß entiprcchende Vertretung gefunden. Doch obwohl es sich hier um eine Angelegenheit rein ge- w e r k s ch a f t l i ch e r Z w e ck m ä ß i g k« i t handelt, machte man sie zu emein Richtungsstrcjt. Das ist k o m m u n i st i s ch e Gewerkschaftsarbeit. Noch mehr solcher„Siege" der KPD. und solcher Niederlagen der„Reformisten", und auch der ungeschulteste und schwankendste Gewerkschafter niuß begreifen, daß die ganze„G e w e r k s ch o f t s- arbeit" der K om m u n ist e n lediglich von dem Haß gegen die „Reformisten" diktiert ist, zu dein Zweck, die G e w c r k s ch a,f t c n der Kommunistischen Partei auszuliefern. Trauerfe:'er für Robert vißmann. Die Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes hatte zu Sonntag oormittag die Mitglieder der erweiterten Ver« waltung nach den Musikersälen zu einer Trauerseier für den ver- storbenen Verbandsvorsitzenden Robert Dißmann eingeladen. Der große Saal war entsprechend der Bedeutung des Tages schwarz ausgeschlagen und mit Lorbeerbäumen und Palmen weihevoll ge. schmückt. Nach dem„Adagio" von Mozart, gespielt vom Lombinon- Streichquartett, sprach der Bevollmächtigte U r i ch ehrende Worte für hen Verstorbenen. Er entwarf ein Bild des Werdens und rastlosen Schaffens dieses ausrechten-Kämpfers, dessen Herz nur für die große Masse der Unterdrückten schlug. Sein Ziel war stets, die E i n i- g-un g des zu seinem eigenen Schaden so zerrissenen Proletariats wenigstens auf gewerkschaftlicher Grundlage herbeizu- führen. Auch seine letzte Reise, von der er lebend nicht mehr zurück- kehrte, hatte zum Ziel, den Anschluß der amerikanischen Metall- orbeiter an die Eiserne Internationale herbeizuführen, was ihm auch gelang. Beispiellos war auch seine unermüdliche Klein- arbeit: er scheute sich trotz seiner arbeitsreichen Funktion als Vor- fitzender der größten vrganisafio« der Welt nicht, selbst«ruf Agitation zu gehen und für die Partei Flugblätter zu verbreiten. Sein allzu großer Arbeitseifer hat nicht zuletzt dazu beigetragen, daß er allzu früh dahingerafft wurde. Sein Tod war ein wahrer O p f e r t o d für die Sache des Proletariats. Trotz des Schmerzes über das Hinscheiden des unvergeßlichen Führers darf aber keine Verzweiflungsstimmung Platz greifen. Es gilt für alle, im Geiste Robert Dißmanns weiterzuarbeiten und die Ziele, die er sich steckte, und die er leider nicht mehr erreichen konnte, zu oerwirklichen. Den tief empfundenen Worten folgte stimmungsvoll abschließend das „Andante cantabile" von Beethoven. Zum Schluß ehrte die Trouerversammlunq das Andenken an alle Toten durch eine stille Minute der Andacht. Tagung der Versicherungsangestellte«. Der Reichssachausschuß derimZentralverbandderAn- gestellten(ZdA.) organisierten B e r s i ch e r u n g s a n g e st e l l- ien tagte am 17. und 18. November 1926 im Erholungsheim des ZdA. in Bad Finkenmühle(Thür.). Neben organisatorischen und Agitationsfragen beschäftigte sich der Reichssachausschuß mit der allgemeinen Wirtschaftslage und deren Auswirkung auf das Versicherungsgewerbe, insbesondere auf die w i r t- schaftliche und soziale Lage der V e r s i ch e r u n g s- angestellten. Ebenso eingehend wurde auch zur Frage der Kündigung des Reichstarifvertrages Stellung genommen. Die ar- bestsreiche Tagung, bei der die ehrenamtlichen Kollegen mehrfach ihre uneingeschränkte Anerkennung der wertvollen organisatorischen Ar beit des ZdA. für die Versicherungsangestellten zum Ausdruck brach ten, wird zur weiteren Förderung der freigewerkschaft- lichenVersicherungsangestelltenbewegung in hohem Maße beitragen._ Die Christlichen für den Achtstundentag. Bochum. 22 November.(TU.) Im christlichen Gewerkschafts. haus fand eine stark besuchte Versammlung der Vertreter aller christlichen Gewerkschaften des Bezirks Bochum statt, die sich zu einer Kundgebung für den Achtstundentag gestaltete. Eine Entschließung fordert von den Parteien die Annahme des verlangten Arbeitszeitnotgesetzes zur Wiederher st ellung des Achtstundentages, für den technisch die wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben seien. Acht Monate zu spät gekommen. Dar Gasamtoerband deutscher Metallindustrieller verschickt« a m 3 0. März d. I. eia Rundschreiben an seine Bezirksverbände, das sich auf die Kündigung des Lohntarifs in der Berliner Metallindustrie durch den Verband Berliner Metallindustrieller bezog und einen ollgemeinen Abbau der Löhn« in der Metallindustrie befürwortet«. Am 2 0. November veröffentlicht« die„Rote Fahne" dieses Rundschreiben, zwar unter Angabe der Nummer 70/26 und der Tagebuch-Nummer 3082, jedoch unter Weglassung des Datums. Unter der Tag«buch-Nr. 10 280 teilt der Gesamt- verband deutscher Metallindustrieller der Presie den Inhal! einer Be richtigung an die„Rote Fahne" mit, daß es ficß weder um ein Rundschreiben neueren Datums noch um«in g«> Heimes Rundschreiben handelt. Streikgesahr im tschechischen Bergbau. Prag, 22. November.(TU.) Am Mittwoch wird der Ver- band der Grubenbesitzer in der Tschechoslowakei über die Frage der Lohnerhöhung verhandeln. Das Ergebnis wird von den Arbeit- gebern noch am selben Tage den Bergarbcitervcrbänden mitgeteilt werden. Nach einer Meldung sozialdemokratischer Blätter werden die Bergardeiterverbändc zu den schärf st en Kampsmitteln greifen, eventuell werden sie einen Generalstreik aller Berg- arbeiter in der Tschechoslowakei proklamieren, falls ihre Forderun. gen abgelehnt werden sollten._ Noch ke'ne allgemeine Arbeitsaufnahme. London, 21. November.(Eigener Drahtbericht.) Die D i st r i k t s- vorstände der Berqarbeiterverbändc haben während des Wochen- endes einen Appc(l an ihre Mitglieder gerichtet, d i e Arbeit nicht aufzüuehmen, bis die osfiziSle» Dtstrittsve» Handlungen zwischen den Unternehmern und dem Distriktsvorstand abgeschlossen sind, da die Verhandlungen der Arbeiter- Vertreter dadurch äußerst erschwert würden. Abkommen für den Bezirk Boklinghamshire. London. 21. November.(WTB.) Die Bergarbeiter und Berg- Werksbesitzer von Nottinghamshire sind zu einem U e b e r e i n- kommen gelangt, das für einen Zeitraum von fünf Iahren den 71--Stundentag und die Errichtungeines Lohnomtes vorsieht, in dem Arbestnehmer und Arbeilgeber in gleicher Zahl vertreten sind. Das Lohnamt, das einen unabhängigen Vorsitzenden hoben wird, wird in bestimmten Zeiträumen die Löhne gemäß den ermittelten Ergebnissen festzusetzen haben. Der gering st« Tageslohn soll 7 Schilling 11 Pente betragen. Dem Abkommen wird erhöht« Bedeutung beigemefsen. da es als geeignet angesehen wird, den Weg für ähnliche Regelungen in anderen Bergwerksbezirken zu ebnen. Sport. Rennen zu Ruhleben am 5onnlag. den 21. September. 1. Rennen. 1. Lampe lM. Hulh), 2. Schüler Ted ich, 3. Qualität. Toto: 2603:10. Platz: 178, 16, 46:10. Ferner liefen: Modedame, Leising, Leuchtkäfer, Lachmuskel, Effi, Rebhoferin. Augenstern G, Vola Frist o, Leuchtturm, ZIngra, Großmogul, Moi ostatos, Wintermärchen. 2. R e n n e n. 1. Baron Silvester(A. Finn), 2. Möglich, 3. Hans BebrenS. Toto: 35:10. Platz: 19.31,81:10. Ferner liefen: Kasimir, Cirano, Kartenfpieler, Goudster jun., Niederländer, Salome, Ciifpa, Dreiste, Anvil, Armenier, Kurfürst, Lebemann, Cosimo, Küraffier, Bronze, Herostratos, Dante. 3. Rennen. 1. Abteilung: 1. Lindowkind sBef.), 2. Mantua, 3. Quitte B. Toto: 17:10. Platz: 14, 85,27:10. Ferner liefen: gram, Elfentönfgin, Struwelpeter, Kronsbeere, Ludwig, A., Eckstein, CoriotauuS, LLCaptain Leerberg, Langemann, Ingrid. Halle. 2. Abteilung: 1. Petronella(Bes.), 2. Erb gras, 3. Notula. Toio: 80:10. Platz: 29, 56, 33:10. Ferner liefen: Kerringan fr., Lord Bolo, Peter Hall, Liebesbote, Ilona, W., Friedrich Rex, Srifa, Beloedere, Morgentau, Betwin. 4. R e n n» ir. 1. Soff erlauf(Hrn. Schleufener), 2. Trettour, 3. Alpengeier. Toto: 277: 10. Platz: 40. 12, 26: 10. Ferner liefen: ClematiS btau, Stella Harf, Altmark, Doritha. Fcnelon, Progrcß. Edith Worthy, Frettchen. 5. R e i, n c n. 1. Bitar(Schröder), 2. Dolman, 3. Eadana. Toto: 31:10. Platz: 16, 19. 11: 10. Ferner liefen: Meistersänger, PirnS, Com- panula, Jngelinde, Millionär, Regenbogen. 6. R e n n e n. 1. Der Beste(Ch. MillS), 2. Kopeke, 3. Arnfried, Toto: 33:10. Platz: 22, 19, 22:>0. Ferner liefen: Brilon. Prinz, Minz, CoriofanuS, Harletin, Lumpi, Michael, Quelle W., Burmida, Indianer, Weinbrand, Carl-AIexander, Frida, Magowan, Befsie, Raßgrad, VenuS, SonntagSprinz, Czillag, Sphinx 1, Denkmünze. 7. R e n n e n. 1. MrS. BoSworth(Ehr. Mills), 2. Corona Mt Kinneh, 3. Königsadler. Toto: 13: 10. Platz: 15, 21, 40: 10. Ferner liefen: Odessa. Heidemann, Tudora, Interessent, ManzanareS, Dompsafs I. Jeanette, The Kitty, Ouinlora, Harry, W. S R e n n e n. 1. Cypresse II(Ebert), 2. Buchdrucker, 3. Prinzessin Etawah. Toto: 359: 10. Platz: 41, 15, 3i: 10. Ferner liefen: Gawein, Blaumeise, Marne, Euba. Unheil, Cadiax Axworthy, Prinz Adbell, Manfred, Stella Hais, Frankenstew. Berantworillch kür Politik: Br. Cuti»eye»: Wirtschaft: Atta» Sater aa«: Sewerkschattsbeweauna: ikriedr.»»!»:-: KeuM-ton: Zt. S. DZscher: Lokales and Sonstige,: Reift Ztarstä«: Anzeigen: Tb.«locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Berlag«.m.b.H.. Berti». Druck: Borwä: ts-Buchdruckerei und Berlaasanstalt Paul Singer a. To. Berlin Sffi 66, Lindcastrane Z. 5fln TflflO Im IflflP tturd in unserem Klima durchschnittlich fallll«UyC IUI jUI|l in den Wohnungen geheizt. Das bedeutet. daß man% des Jahres fast zu seinem Wohlbefinden und zu seiner Gesundheit der Zimmerbeizung bedarf. Deshalb sollte man den Heizvorrichtungen in unserem Klima die größte Sorgfalt zu- wenden und Nur daS Beste zur Erwärmung der Wohnung verwenden. Einer der bewährtesten Heizöfen ist der albrkannte Winters Sparofen.Germane", von dem über eine Million im Gebrauch sind. Verlangen Sie aufklärende Druckschriften über die zweckmäßigste Heizung durch WmierS Germanen-Oefen von den besseren Osenhandlungen oder durch Postkarte von dem Fabrikanten Vohwerke Aktiengesellschaft, Hannover, Arndtstraße 21. �, Allgemeine Oriskrankenkasse für Berlln*Stesl|tz« Bekanntmachung. Die Bert reter der Arteitgeber und Der- sicherten»m Ausschuh«erden hiermit zu der am Dien»Iag, den 30 November 1926 abend» 8 Uhr, im Kasten total, Hierselbst. itärncri'tr. 55, stallhndenden ordentlichen Tusfchuhsttzung höflichst eingeladen. Tagesordnung: l WahldesAus- schuhvorügend:::. 2. Festsetzung de» Por- anschlago iü.r IN7, S. Wail de» Ausschuste» hltr die Pellsung der Rechnungen de» lausenden Jahre». 1 Verschiedenes. Ber.in-Sieglitz. den 22. November 1928 Der Vorstand. Finger. Borsitzender Kogltn, Schriftführer. Otiirloliendur,- 7 ,Ukr: ver Zwerg. Mus. Loit. Fr. Zweig L. Schöne, K. Aagaard-Ostvlg. Abonn.-Turnus I. Eeniidiei IUeater Norden 10334—38 8 Uhr Neiahardl v. Gnelsenan von WoltgangOoetz Regie: Ueinanilpen iKammerspiele Norden 10134—38 8'/« Uhr: UWe 2»ufUhnijjfil von Tristan Bernard Regie: Eue. Robert ihrjn leirit IthShrai;: DergetallljeTMcrry Ab Mittwoch, den 2„. Karussell mit Maria Orska. 0| rogi a'l, Uni � Tsester im Admiralsp&fast KiewcasnoiS Kaller- flenue Ann. ans Preise von 2-16 M. |.'«mrt« unontertt-| Täglich 8'/, Uhr ''l/on nZcunä &a,e/l&urid' CHARELL- REVUE Dienst, Donnerst, u. Sonnabend nachm. 4U.die neue Kinderrevue Funkhelnzcl- mannsMärch.-Reise mit Alst. Braun TU. Tägl. abends 8 U. Der große Erfolg die ounts Tüte I2stöhl. Bild, vom Frühling, von der Liebe und was dazu gehört Vorverk. lt l Uhr Stg. nachm. 3l/jU.: Familien-Vorstg. bei halb. Preisen vi« buaie TtUe Die Koüiöüle iismarcii 2114. 75 le 8 Uhr: Die Gefangene Von Bourdet rtesit M. Reinhardt CASINO-fHEATER 8 Uhr Heni Heute Deal Mister Cornedbeef Cutschelo: Flute«« t Mk. Seisei 1.50 Jiomiadhe Cper Der zroße Ooerettenerfoig ml Jldrienne% mit Ssrak, Wessely, Wir!, Blas* Boettcher, Hell, Loebell, Schuster. Vorverkauf v. 10(j an ununterbrochen. Relchshalien�Thesier Abends 8 Uhr, SuaRiig nachm. ö Uhr Sfelllner Sänger LidiiDi: Piepers Diele _ Burleske von Meysel Kachm halbe Preise! Dönhoff.Brett'i VariclO Konzert• Tanz Volksbühne ldnt» ao B6lowplati 8 Uhr: Nadüasyl Morgen 8 Uhr: Nachtasyl Tb. m Sdiiffbagenlaini Täglich 8 Uhr: Das Grabnul des iiEbekanBt» Soldaten Wallner-Thealer?��-r Das Stiftnngsfest Lu3sA&in von Moser. Sonnt, nachm. 3 Uhr; Liebe € Trianon- Theater Täglich 8'/, Uhr: Ccva irr von k ug-tztnü Amerik. Sens.-Stt!ckin3Akt. 1 B eriinerEleklilker Genossensdiall angeeetal. dem Verb. soz. Baubetriebe Berlin 14.21, Elsisser Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6523, 6526 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.: Pf alzburg 9831 Ausstellungsräume und Lager: Alezanderstrafle 39-40(Alexander Passage), Telephon: Königstadt 540 Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. Ver- kauf aller eleKtr.Bedarfsartikel Ausiühra. sämti. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Adolf Hoffmann Knorke Sdmlhomoreake mit Illustrationen von Willi Steinen Preis SO Plg.' Porto 5 Pfg. 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