Nr. 551 ♦ 43.7flF>rg. Ausgabe A Nr. 281 Bezugspreis. «Stortlich TO Ps-nni«, nunallü B.— Seidjsntotl voraus»ahlbar. Unter Sreutbond sür Deutschland. Dandia. Saar» und Mrmelaebiet. Oesterreich. Litauen. Luienidur« 4. 50 Zieichmnari. für das Sdria« Ausland S.50 Reichsmark vro Monat. Der.Borwilrt«� mit der Mustrier- ten Sonntagsbeilage.Ball und Zeit' sowie den Beilagen»Unterdaltun« und Wissen�.»Aus der isilmmeU�, »FrauenRmme"..Der Kinder» freund"..Lugend-Borwilrts" und »Blick in die Bilcherwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag« und Montag, einmal. Telegramm-Atresse: »Sozioldemotra« Berlin- Morgenausgabe [fOP«.nnl.) Derlinev VolKsvl�kk Anzeigenpreise: Die einspaltig« Nsnyareille- geile 80 Piennia. Rellamezeile S,- Reichsmark.»Kleine«n, eigen" das settgedruckte Wort 25 Bkenni» lzuläMa zwei settgedruckte Wortes jedes weitere Wor! 12 Pkennia Siellengciuche das eriie Wort IS Blennia. jedes weitere Wort III Biennig. Worte Lder IS Buch» staben zalilen fiir zwei Worte. Arbeitsmarkt Keile 60 Bkennig. gamilienanzeigen filt Abonnenten Keile 40 Picnnig. Anzeigen für die nächst- Rümmer müstcn bis 4'i> Ubr nachmittags im Sauptgeschäk!. Berlin SW 68. Linden. strast-Z, abgegeben werden. Gcöfsuet von SV, Ubr fr IIb Iis 5 Ubr notfint. Zentratorgan der Sozialdemokratifd�eii partei Deutfchlands Neüaktion und verlig: Serlin EW. 88, llinüenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff SSÄ— SS7. Dienstag, den A3. November ISAG vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. 88, Linüenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 6? 68«— Bankkonto! Bank der Arbeiter. Angesiclltrn und Beamten,«allftr. 66: Diskonto-Tesellschalt. Dep-sttink-st- Lindenstr. 8. Unter falscher flagge! Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" seit sechs Monaten Reichseigentnm! Der Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n hat im Auswärtigen Ausschuß folgende Erklärung abgegeben: „In einer Reihe von Zeitungen sind Mitteilungen über B e- Ziehungen der Reichsregierung zu der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" verbreitet worden, die in ihren Ein- zecheiten nicht richtig sind. Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler stelle ich darüber das Folgende fest: Von dem gesamten Verlagsunternehmen der„Deutschen All- gemeinen Zeitung", das seinerzeit von der Preusiischen Regierung im August 192S erworben wurde, ist im April dieses Jahres die Zeitung auf das Reich übergegangen, soweit die Minderheit der Anteile nicht im privaten Besitz sind. Die durch diese Veränderung für das Reich entstehenden Ausgaben werden aus den Dispositionsfonds des Herrn Reichskanz- ler« und des Herrn Reichsauhenministers gedeckt, die etatsrechtlich zur Verfügung des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsaußenministers stehen. Zwischen dem früheren und jetzigen Besitzer sind Verabredungen über die allgemeine Haltung des Blattes getroffen worden, die der allgemeinen Tendenz des Blattes entsprechen." Diese Erklärung ist eine Ueberraschung. Das Reich ist feit sechs Monaten Besitzer der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", ohne daß Parlament und Oesfentlichkeit davon wissen. An diese Tatsache müssen weitere Fragen geknüpft werden, mit denen sich dar Reichstag befassen muß. Zunächst ergibt sich: das Re-ich besitzt eine Zeitung, in der innerpolitisch die Politik der Rechtsparteien oer- treten wird— unter einer Regierung der Mitte. Das ent- spricht sicher der a l l g e m e i n c n T e n d e n z des Blattes noch von Stinnes Zeiten her— aber entspricht es wirklich auch den Berabredungen über die allgemeine Haltung des Blattes? Herr Stresemann scheint das behaupten zu wollen— das wäre doch sehr interessant. Diese Zeitung des Reiches hat die preußische Regierung wiederholt angegriffen— hat das nun der allgemeinen Ten- denz oder den Verabredungen entsprochen? Diese Verabredungen aber sind getroffen worden, ohne daß der Redaktion des Blattes davon etwas bekannt geworden ist. Man hat also die Zeitung mit allem lebenden und toten Inventar gekauft, samt den Ue- dakteuren! Man hat es nicht für nötig gehalten, die Re- dakteure von den Bedingungen ihres Verkaufs zu unterrichten. Das widerspricht allen Begriffen von der Stondesehrc der Journalisten, es offenbart auf der Seite derer, die den Kauf abgeschlossen haben, eine Mißachtung des jour- nalistischen Berufs und der politischen(Se- si n n u n g der Journalisten, die die gesamte Presse mit Empörung zurückweisen muß. Das ist schlimm, und wird nicht zur Erhöhung des Prestiges von Herrn Stresemann beitragen. Schlimmer aber noch ist, daß eine Zeitung, die der Regierung des Deutschen Reiches gehört, sechs Monate lang unter falscher Flagge gesegelt ist! Eingreifen des Rcichsverbandes. Wie wir erfahren, wird sich der R e i chs v e r b a n d der deutschen Presse in den nächsten Togen ebenfalls mit der Angelegenheit der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", soweit sie die Redaktion betrifft, befasien. Ein falsches Reichswehröementi. Jnngdeutscher Orden gegen Wehrministerinm. Das Rcichswehrministerium veröffentlicht gegenüber den aus der Mahraunfchen Denkschrift veröffentlichten Berichten über illegale Reichswehroraanisationen ein Dementi. Ein echtes Reichswehrdementi. Es lautet: „Im Reichswchrminifterium ist über derartige Dinge n i e etwas bekannt geworden. Als vor Jahr und Tag Gerüchte in dieser Richtung auftraten, sind erneut scharfe Befehle gegen jede derartige Verbindungen erlassen worden." Im Reichswehrministerium ist nie etwas bekannt ac- worden... Gewiß, bei den Scheuerfrauen im Reichswehr- Ministerium nicht. Aber Herr G e ß l e r hat im März die Denkschrift des Herrn Mahraun erhalten. Das war wohl auch„nichts"? Es handelt sich nicht um Dinge von„vor Jahr und ? a g". Es handelt sich um Dinge, die sind, und also um ein Dementi von der Art des nach dem Zwischenfall von Münsingen gegebenen. Wir möchten wohl wissen, wer der Fabrikant des Dementis von gestern ist, und was Herr Gehler von diesem Dementi denkt? Man verschone uns mit unverantwortlichen Dementis, denen wir nicht glauben. Herr G e ß l e r möge im Reichstag sprechen. Das dement! Lügen gestrast l Der Ordenskanzler des„Iungdeutschen Ordens", Otto Bornemann, nimmt im„Iungdeutschen Stellung zur Veröffentlichung von Tei schen Denkschrift. Diese Veröffentlichung straft das Dementi des Reichswehrministeriums glatt Lügen. Bornemann steht in Geßler en" vom 28. Rovem- eilen der Mahraun- bereits einen ge- der fche des stürzten Mann: „Roch all den gegen ihn erhobenen Dorwürsen ist anzunehmen. daß der Minister parlamentarisch kaum nochzu halten s e i n d ü r s t e. An Stimmen, welche in Voraussicht der kommenden Ereignisse gewarnt haben, hat es wahrlich nicht gefehlt." Er belastet weiter das Reichswehrministerium mit fol- genden Ausführungen: »Der Jungdeutsche Orden konnte selbstverständlich nicht acht. los an politischen Bestrebungen vorübergehen. sür welche Personen, die in Dien st en der Reichswehr zu stehen vorgaben, in seinen eigenen Reihen Anhänger zu werben versuchten, um so mehr, als er diese Bestrebungen für falsch und für die Zukunft Deutschlands ver- derblich hielt. Die Folgen waren Angriffe oiefer Personen und ihrer Kreise auf den Orden, welche trotz mündlicher Be- schwerden beim Reichswehr minijleriu in nicht ab- gestellt wurden." Bornemann setzt auseinander, daß das Berliner Polizeipräsidium aufmerksam wurde, und von ihm und Mahraun die Zusammenhänge zwischen Reichswehr und Verbänden zu erfahren suchte. Darauf hat die Ordens- leitung das Bureau des Reichspräsidenten um Verhaltungsmaßregeln gebeten! Die Folge: »Der Reichswehrminister bat darauf die Ordensleitung, das ihr vorliegende Material zusammenzu- stellen und schriftlich einzureichen. Diesem Ersuchen konnte die Ordensleitung sich nicht entziehen. Sie reichte sofort einen Teil des Materials am 13. März und den Rest am 18. März ein. Bereits kurze Zeit später kannte Herr v. Soden st ern, der Hauptschriftleiter der„Deutschen Z e I t u n g", den Inhalt der Denkschrift und machte, insbesondere veranlaßt durch die Haussuchungsaktion der Polizei am 12. Mai, die Oesfentlichkeit auf das Bestehen der Denkschrift aufmerksam. Es konnte nicht aus- bleiben, daß die Presse sich mit der.Frage beschäftigte und daß aml- liche Stellen, welche ein Interesse an der Denkschrift hatten, nun- mehr in deren Besitz gelangten. Roch am 18. Mal erklärten auf mehr in deren Besitz gelangten." Erster Vorwurf: das Reichswehrministerium Hot in mündlichem Vortrag und in ausführlicher Denkschrift er- fahren, was angeblich im Reichswehrministertum nicht be- kannt ist. Zweiter Vorwurf: die Putschisten um Soden st ern, die jetzt.Landesverrat" schreien, haben durch eine In- diskretion aus dem Reichswehrmini st erium die Denkschrift erhalten. Zum Schluß schreibt Bornemann: ..Es wird Vorwürfe und Verdächtigungen regnen, so daß die Ordensleitung wahrscheinlich gezwungen sein wird, aus ihrer' Reserve herauszutreten und den Schriftwechsel mit dem Reichswehrmini st erium, evtl. die Denkschrift selbst, zu veröffentlichen. Dann wird die Oeffentllchteit sich überzeugen können, daß diese Denkschrift nichts ent- hält, was dem Reichswehrministerium nicht schon bekannt war, daß sie ferner geschrieben wurde in Sorge um die Unanta st barkeit der Reichswehr, sowie um zu klären, ob die Behauptung politischer Desperados, die Reichswehr deck« st«, entspricht." Die Flucht des Iungdeutschen Ordens in die Oeffenllich- keit ist zugleich Anklage gegen das Reichswehrministerium. Und das Dementi? Will das Herr Geßler decken? Das ffaiferhofprojekt. Ein gutes Ziel— aber eine unmögliche Lösung. Von Hugo Helmann. In einer Denkschrift über die„Unterkunft der Reichs- behörden in Berlin" erbittet das Reichsfinanzministerium von: Reichstag den Beschluß, den Maßnahmen zuzustimmen, die in der„Denkschrift" in Aussicht genommen sind. Das Schick- sal der Denkschrift im Reichstag ist noch ungewiß. Mehrer? Fraktionen, darunter die sozialdemokratische, haben noch nicht gesprochen. Da indessen die Regierungspläne in der Presse fast aller Richtungen schon lebhost erörtert worden sind, sei mich an dieser Stelle eine persönliche Meinungsäußerung gestattet. Die Denkschrift führt aus, daß„für die allseits als not- wendig erachtete Vereinfachung der Zentralverwaltung des Reichs eine der wichtigsten Voraussetzungen darin besteht, die zentralen Verwaltungsbehörden in der Wilhelmstraße zu konzentrieren.„Die Möglichkeit, diesen alten Plan seiner Verwirklichung näher zu führen," sah das Finanzministerium im Ankauf des Kaiserhofs. Es glaubte daher zugreifen zu sollen, als die„Berliner Hotelgesellschaft" den Kaiserhof dem Reich zum Kauf anbot. Reben wesentlichen Ersparnissen in der laufenden Verwaltung ist beim Erwerb des Kaiserhofs nach der Denkschrift„auch zu erwarten, daß der Erlös aus dem Verkauf von Grundstücken, die das Reich bei einer räumlichen Zusammenlegung der Reichsbehörden abstoßen kann, erheblich über die Aufwendungen hinausgehen wird, die dem Reich durch den Ankauf des Kaiserhofs und die beabsichtigten Neubauten erwachsen". Die letzteren Kosten sind auf insgesamt 21 Millionen Mark, die Erlöse aus den Terrainverkäufcn auf Ig Millionen Mark geschätzt.' Der Regienmgsplan sieht im einzelnen u. o. vor, im Kaiserhos mehrere Abteilungen des Reichsfinanzministeriums unterzubringen, das Auswärtige Amt, das zurzeit in den Häusern Wilhelmstraße 74/76 geschlossen untergebracht ist, aus dem Haus Wilhelmstraße 74 aus- und in das Haus Wilhelmstraße 62 einzuquarfferen, das Reichs- innenministerium aus dem früheren Generalstobsgebäude herauszuziehen und in das Haus Wilhelmstraße 74 zu oerlegen, das so frei gewordene frühere General- stabsgebäude einigen Wehrkreiskommandos und der Kommandantur Berlin einzuräumen, das Statistische Reichs- amt aus den vor kurzem für feine Zwecke umgebauten Häusern Lützowufer 6.8 nach dem Kurfürstendamm 193„nach entsprechendem Um- und Erweiterungsbau dieses Gebäudes" zu verlegen und im Block am Lützowufer Reichsbehörden, die noch in Mietsräumen sich befinden, unterzubringen. Wirt- schasts-. Arbeits- und Reichswehrministerium sollen bleiben, wo sie sind. Das einzige zunächst Greifbare an diesen Regierung?- Projekten ist der Ankauf des Kaiserhofs für 8� Millionen Mark ausschließlich Zubehör und Inventar. Alles andere sind unsichere Annahmen und Schätzungen. Und sollte zutreffen, was im Reichstag erzählt wird, daß Preußen gegen den Plan Einspruch erheben wolle, weil gerade die wertvollsten Grundstücke und Gebäude rückfallpflichtig stich, so wäre der ganze Plan in seinen Grundlagen erschüttert. Aber auch abgesehen von der Stellung Preußens dürfte es höchst zweiselhafi sein, ob die„Wirtschaft" in den jetzigen Zeiten bereit und in der Lage sein wird, in der mehr und mehr verödenden City die freiwerdenden Terrains zu den veranschlagten hohen Preisen aufzunehmen. Unterstellt man aber auch diese Annahme als sicher, erscheint der Plan noch immer außerordentlich teuer und nicht geeignet, die räumliche Konzentrierung der obersten Reichsbehörden und die dadurch erstrebte Vereinfachung und Verbilligung des Geschäftsbetriebs in genügender Weise herbeizuführen. Nicht einmal das Finanzministerium selbst wird kon- zentriert, sondern bleibt in räumlich getrennten Gebäuden untergebracht. Das Auswärtige Amt wird im Gegensatz zum jetzigen Zustand zerrissen. Auch sonst kann, wie aus der Wiedergabe des Planes erhellt, von einer Konzentrierung der Ministerien nicht gesprochen werden, selbst wenn die Belassung des Wchrministeriums im Bendlerblock unter den gegen- wärtigen Verhältnissen als richtig anerkanm wird. Dagegen müßte das Auswärtige Amt yegen die Absicht, das frühere Generalstabsgebäude den militärischen Kommandobehörden einzuräumen, Einspruch erheben. Eine solche Verwendung dieses Gebäudes würde ohne Zweifel im Ausland auf das lebhafteste kommentiert werden und die Nichtbeachtung solcher Imponderabilien hat Deutschland in der Vergangenheit doch wahrlich genug Schaden gebracht. Was schließlich den Ankauf des Kaiserhofs betrifft, so ist bekannt geworden, daß das Finanzministerium den Ankauf seit etwa 1900 ins Auge gefaßt, seit 1918„betrieben" hat. Da erhebt sich sofort die Frage, weshalb nicht zugegriffen wurde, bevor der Aschinger-Konzern 1914 das Hotel erwarb, und warum man wartete, bis der neue Besitzer das Hotel„zum Kauf anbot"?! Ueber den von Aschinger gezahlten Kauf- preis kursieren zwei Versionen. Das Finanzministerium beziffert ihn auf zirka ö Millionen Mark. Andere behaupten, dofz vom Aschinger-Konzern eine Majorität von 76 Proz. erworben wurde für 454 s e s ein Schreiben gerichtet, in dem er verlangt, in der nächsten Sitzung als der Mörder des Gutsbesitzers Heß vernommen zu werden, da ihm sein Gewissen die Rehabilitierung des unschuldig verurteilten Hölz gebiete. Das Schreiben besagt, daß Hölz am fraglichen Tage mit Heß im ersten Stock des Gutshauses über die Oefsnung eines Schrankes verhandelte. Der Gutsbesitzer behauptete, die Schlüssel nicht bei sichj zu haben, und ging die Treppe herunter, um den Schlüssel zu holen. Da Friehe, der sich an dem Tage infolge von Mißhandlungen durch die Gegenwartei in sehr starker Erregung befand, glaubte, Heß woll« fliehen, stürzt« er ihm mit einer Armeepistole nach. Hölz entriß ihm die Waffe und rief ihm zu. nicht zu schießen. Heß lief unterdes aus dem Hause über den Hof dem Freien zu. In dem Gefühl. Heß flüchtet, schoß Friehe mit einen, Browning aus ihn und verwundete ihn im Rücken, anscheinend nicht schwer. Indes von der Gehöftmauer her Gewehrschüsse kamen. erhob sich Heß und ging nach der Mitte des Hofes, einen Revolver in der Hand. Friehe forderte seinen Begleiter Günther auf, zu schießen. Günther schoß, sein Schuß ging fehl. Darauf legte Friehe seinen Karabiner an. Die FraudesHeß eiste herbei und hinderte Friehe. Friehe stieß die Frau in das Haus zurück. Heß war inzwischen gestürzt und schrie, sich windend. man solle ihn zufrieden lassen. In maßloser Wut gab Friehe noch e i n e n S ch u ß ab. der H e h t ö t e t e. Der Aussorderung des Hölz an den Täter, ssch zu melden, sei er seinerzeit nicht nachgekommen, well die Flucht vor der Gegenpartei ihn daran gehindert habe. Aus dem Bericht Friehes geht hervor, daß er bei Aus- Übung der Tat 18 Jahre alt war. Er ist heute verheiratet und Vater eines Kindes- Auch der Schlosser Uebe, der Hölz hauptsächlich belastete. bittet den Amnestieausschuß schristlich. ihn in der nächsten Sitzung zu vernehmen. Er sei heute fest davon überzeugt, daß Hölz im Fall Heß schuldlos verurteilt wurde, und daß Friehe der Täter ist. Zurück zum Reich! Ginc Erklärung des Saarländischen Landcsrats. Saarbrücken, ZZ. November.(Eigener Drahtberichl.) Am Montag wurde in der Sitzung de» Saarländischen Landesrals von sämtlichen Parteien folgende Erklärung abgegeben: „Das Saargebiet begrüßt auf das Ausrichligste die Annäherung zwischen dem deutschen Vaterlande und Frankreich. Es ist davon überzeugt, daß die Befriedung Europas und die Zukunsl der beiden großen Länder davon abhängt, daß die Streilpunlie zwischen ihnen endlich beseitigt werden. Einer der wesentlichsten ist die Frage des Saargebiets. Der Landesral als die gewählte Vertretung des Saar- oolkes hält es in dieser Loge für seine Pslicht. dem einmütigen Wunsche der Bevölkerung feierlich Ausdruck zu geben, daß da» Saargebiet in friedlicher Vereinbarung zwischen Deutschland und Frankreich möglichst bald dem übrigen Deutsch- land zurückgegeben werde."_ Die Kriegsschulüfrape. esfizirllc Äufrollung durch, die bürgerlichen Parteien c' Im Reichstage ist'zu der am Dienstag beginnenden auswärtigen Debatte ein Antrag sämtlicher bürgerlichen Par- teien eingegangen, der die Rcichsregierung ersucht, in eine Prüfung der Frage einzutreten, wieweit die Satzungen des Völker- bundes und des Ständigen Internationalen Gerichtshofes Möglich- leiten bieten, eine Prüfung der Kriegsschuldfragc durch diesen Gerichtshof zu erreichen. 15 889 Dokumente umfaßt die Aktenpublikation des Auswär- tigen Amls aus den Iahren 1871 bis 1914, die jetzt fertiggestellt worden ist. Das mörderische Nönnlein. Von all dem Unglück, daß der Kohlenstreit in die Häuser der Bergarbeiter brachte, ist die rührendste, aber auch traurigste Geschichte der Mord, dm das Nönnlein Jim an dem vierjährigen Knabm Bobby beging. Um die Geschichte zu oerstehen, muß man wissen, daß das Nönnlein ein Hund war. Ein schwarzer, drolliger Hund, dessen Köpflcin so mit weißen Flecken gezeichnet war, daß man glauben konnte, er trüge eine Haube. Darum hatte man sich überall daran gewöhnt, das liebe Tier das Nönnlein zu nennen. Und Jim war eng befrmndet mit Bobby. Die Freundschaft bestand schon seit langem. und sie hiell so fest, daß der Junge und das Hiindleln unzertrennlich waren. Man wußte nicht recht, ob Jim treuer war als Bobby, oder Bobby treuer als Jim. Man sah nur, wie die beiden sich selig ain Boden wälztm oder auch umarmten. Bobby liebtoste Ilm, Jim liebkoste Bobby. und Bobby verstand es, eine unglaubliche Menge von Leckerbissen für seinen besten Kameraden zu besorgen. Aber als der Streit die Kassen und die Töpfe und den Brotkorb und die Speisekammer völlig geleert hatte, fand Bobby nichts mehr, womit er die teure Jim erfreuen konnte. Trotzdem ließ Jim nicht in ihrer Munterkeit und Zärtlichkeit nach. Und es war merkwürdig. Man hätte glauben können, daß Ilm sich plötzlich auf den Diebstahl gelegt hätte und irgendwelche geheimen Quellen fand. Denn während hier alles, Greise und Greisinnen, rüstige Matronen und die zu unfreiwilligem Feiern verurteilten Brotverdlener und vor allem die kleinen Kinder entsetzlich herunterkamen und abmagerten, ging es Jim vorzüglich. Man merkte bei dem Nönnlein nichts von der Not. Ja, es wurde täglich rundlicher und fröhlicher, und dies« Aiisgelass-n- heit fing nach und nach an, Bobby wehzutun: öenn Bobby fühlte seit einiger Zelt, da die Fleischrationen ganz ausgeblieben waren und da auch sein Milchtops nur noch ein Viertel der täglichen Ration enchiclt und da sogar seine Brotschnitten allmählich winziger wurden, eine ständige Dumpfheit im Kopfe und in den Gliedern. Bobby wollte nur noch schlafen. Er wollte nicht mehr spielen und springen, 'und da» Nönnlein Jim wollte nur noch springen und spielen und nicht schlafen. E» geschah, daß Jim den Kameraden Bobby. der voller Mattigkeit die Augen schloß, aus der Ruhe herausstieß. Diese Gegen- sätzlichkeit der Wünsche verwandelte nun die enge Freundschaft zwischen dem Nönnlein und Bobby derart, daß Bobby sich keinen Rat und keine Möglichkeit zur Ruhe mehr wußte und auf den Gedanken kam. sich Jims zu«ntledtgen, die er setzt für seine schlimmste Feindin hielt. Eine» Tage» lockte Bobby dos Röimleln zu sich heran. Das Rönnlrtn war nicht arglistig, es war zutraulich. Bobby umarmt« das Rönnlein, wie er es sonst gewohnt war. Doch heimtückisch legte er ihm die Hände um den Hals. Er wollte das Nönnlein erwürgen. Jim rettete sich. Bobby war auch viel zu schwach schon, um ihr' ein Leides anzutun. Jim sprang fort. Bobby tobte in Rachsucht und Wut, Er eilte«it letzt« Kraft hinter dem RSanle» her. Das Nönnlein jagte in einen kleinen See hinein. Bobby achtete nicht auf die Gefahr, die ihm drohte. Er watete ins Wasier. Er fiel, er fiel mit dem Gesicht auf die Wasserfläche. Er konnte sich nicht nichr erheben. Er konnte auch nicht mehr schreien. Bobby, der dem Nönnlein nachgestürmt war, um das Nönnlein zu ersticken, erstickte selber, und das Nönnlein war also die unschuldige Mörderin des Knaben Bobby geworden. Hilflos hüpfte Jim um ihren toten Kameraden herum. Ihre Versuche, den Körper, der regungslos dalag, zu irgendeiner lebendigen Aeußerung der Zärtlichkeit oder der Freude zu bringen, mißlangen. Man weiß nicht, warum Jim plötzlich jammernd ausheulte und so die vorübergehenden Menschen aus das Unglück aufmerksam machte. Man weiß nicht, ob Jim plötzlich entdeckte, daß sie zwar nur ein Hund war, aber doch eine Seele besaß. M. H. Viännerchorkonzerle. Der Männergesangoerein ,.N amen- l o s", der im Fried richshain und der Männerchor„Moabit", der in der Hochschule konzertierte, legten ihren Programmen sehr ver- schiedene Grundsttmmungen unter. Während das des ersteren Chores gleichsam nur einen kleinen Flor um den Arm trug, sonst aber bürgerliches, zum Teil humoristisches Behagen ausströmte, trug des letzteren Programm volle Trauerkleidung. Beide hatten starken Erfolg. Emil Thilo weiß aus seinem vorzüglichen Material den best- männlichen, unverfälschten Chorklang herauszuholen. Ohne Tüftelei und besondere Tricks macht er verständige, klare, jedem einleuchtende Musik. Nur die tiefer Gliederung im.Machtgesang im Walde" von Schubert(wobei auch die Klavierbegleitung den Charakter verfehlte), namentlich das feine gehauchte Piano der vorletzten Strophe, wollte nicht gelingen. Solche gelegentliche Veräußerlichung ist aber viel- leicht ein kleinerer Fehler als ein ionwährendes Zuspitzen aus kleine und kleinste Effekte, wie es aur allzu gebräuchlich ist. Bei der Ausführung der beiden Streichquartette, die als solistische Einlagen galten, fehlte am ersten Pult leider der Primarius und Gründer des nach ihin benannten van L a a r- Quartetts. Aber mit dem temperamentvollen Herrn Kornfand an der Spitze ließ es nichts Wesentliches vermissen, was bei dem schnellen Einspringen nur allzu menschlich zu erklären gewesen wäre. Die Herren ssnd famos eingespielt und ganz auf den intimen, also selbstverständlich Herzens- warmen, breitausstrahlenden Ton der Kammermussk eingestellt. Das Eharaktertstische des großen Außenseiters Schubert wurde so restlos herausgeholt, daß namentlich die köstlichen Mittelsätze mit stürmischem Beifall belohnt wurden. Erste Geige und Bratsche sind hervorragend, den Solisten wäre vielleicht ein besseres Instrument zu wünschen, der zweite Geiger dürste noch etwas mehr hervortreten. Es ist eine Seltenheit, daß ein einziger eine ganze Vortragsfolge bestreitet. Richard Gütte hat als Dirigent und Orgslvinuose es unternommen und restlos durchgeführt. Von dem interessanten Pro- gramm, das Namen wie Mendelssohn, Karl Löwe, Gade, Schubert, Seoger, Reger und Liszt führte, hörte ich nur noch das letzte Drittel. Danach würde ich eigentlich den Orgelspieler noch höher einschätzen als dep Dirigenten, trotz seiner guten Qualitäten und der strengen Disziplin seines Chores. Bei den langsamen, ernsten Gesängen färbt« die Gep flogen hetten des Organisten mit fein« streng scheide» I den Registrierung zuungunsten der sonst tadellosen Ausführung allzu oft ab. Im Piano verliert sich dadurch gern der gut pulsierende, leichte Rhythmus, es kommt etwas Sprödes, Steifes in den Vortrag. Erst im Forte setzt das volle Tempcrainent wieder ein. Hier müßten mehr Brücken gebaut werden, un: den Genuß des modernen Hörers zu heben. Heinrich Maurer. „Das Thealer der kleinen", das im„Theater des Westens" gastiert, hat sich rasch die Gunst des Berliner Publikums erobert. In der Tal ist es von größtem Reiz, dies« überbcweglichen Figuren ihre Varietenummcrn oollsühren zu sehen. Sie sind geschicktere Akrobaten, als wir sie sonst zu sehen gewohnt sind: das Gesetz der Schwere scheint für ihre Grotesktänze aufgehoben. Sie scheinen in einem leichteren Milieu zu leben als ihre großen Kollegen vom Brettl. Aber ihre Stimmen haben den ganzen Wohlklang und die gute Schule des itlienischen Gesanges.' Am Montag wurde ein neues Stück des Repertoires geboten: Rossinis„Barbier von Sevilla". Der Lei conto feierte Triumphe(Lia Podreccna), und die lustigen Szenen, die hier bis an die Grenze der Parodie geführt werden, wirkten brillant. Trotzdem wird man für das ernstere Genre einen Vorbehalt machen. Wer in den Münchenern Marionetten- thcatern, die alle von Papa Schmid und letzten Endes von Pocel ausgehen, kleine Opern von Mozart und graziöse Singspiele gesehen hat, der zieht für dieses Genre die an Umfang geringeren deutschen Theater vor. Hier sind die Figuren kleiner, weniger vollkommen in der Bewegung, aber dafür zierlicher: sie haben inehr den Stil der Marionetten und erstreben keine mechanischen Nachahmungen des Menschen. Das Maginäre dieser Bühne kommt mehr heraus, während die Italiener mit ihren größeren Puppen auf Raturnach- ahmung ausgehen und einen veristifchen Stil pflegen(auch in der Ausstattung). Aber das Bemerken dieser Unterschiede braucht einem die Freude an dieser Kunst nicht zu nebmen, und vor allem: in den Varietenummern, die parodistischen Gesänge, die unvergleichlich ulkige Kannnermusst sind Höhepunkte, wie wir sie noch nicht hatten. Hier haben die Italiener etwas geschaffen, das der Mnrionettenkunst neue Gebiete erobert hat.— r. „Minna von Varnhelm" als Schülcrvorflellung. Man darf nicht erwarten, daß in einer Schülervorstcllung zu billigen Preisen promi- nente Darsteller wie Kortner, Bassermann oder Moissi austreten, aber man kann ein geschlossenes Ensemblespiel mit guten Durch- schnittsschauspielern, die ein einheitlicher Stilwille beseell, verlangen. Leider ist dies in der Schülervorstellung der„Minna von Barnhelm", die die„Deputation für Schulwesen" im Berliner Theater veran- staltet, nicht der Fall. Jeder spielt auf seine Art mehr oder minder an der Rolle vorbei. Regisseur auch Darsteller bemühen sich, so dick wie nur möglich zu unterstreichen. Vielleicht befürchten sie, daß sonst die Schüler vor diesen, Lustspiel kalt bleiben würden. Riccaut ist Konfektionär, Wachtmeister Werner überschreit sich, Tellheim benimmt ssch überzuckert liebenswürdig, der Wirt und Just machen in Hvstheatervathos, Franziska hat kein Gesicht, und selbst Morgante Schön als Minna betreibt eine zu aggressive Koketterie. Dabei sind die Schauspielcr kein schlechtes Material, aber sie lassen sich gebe». Welchen Zweck hat jedoch eine Schülcrvorstellung, die den Charakter des Stückes umbiegt? Ileberragendc Gestalter sind nicht notwendig, hingegen Darsteller, die Lessing spielen und die nach bestem Willen und Könne» die Gestalt« dem Schul« verlebendig«, Reichstag und Arbeitsgerichte. Ergebnisse und Forderungen. Bon S. A u f h ä u s e r. Der Soziale Reichstagsausschuß tritt jetzt in die zweite und entscheidende Beratung des Entwurfs eines Arbeits- gerichtsgesetzes ein. Die erste Lesung hat bereits ge- zeigt, daß auch bei diesem Gesetz mit der S a b o t a g e t a k t i k d e r D e u t s ch n a t i o n a l e n gerechnet werden muh. Die DeutsÄ)nationalen haben es bereits in erster Lesung verhin- dert, daß einzelne wichtige Paragraphen überhaupt zustande kommen konnten. Immerhin war es bei den bisherigen Be- ratungcn möglich, die von den Rechtsparteien gewollte Z e r- schlagung der sozialen Laiengerichtsbarkeit zu verhindern. Der grundlegende Antrag von jener Seite:„Die Gerichts- barkeit in Arbeitssachen liegt den ordentlichen Gerichten ob" ist abgelehnt worden, ebenso all die Variationen, in denen er später immer wiederkehrte. Die Ausschußarbeit der Sozial- demokratie war auch im übrigen nicht ohne wesentliche Erfolge geblieben. So darf die Erweiterung der Zuständigkeit und die des Personenkreises vermerkt werden. Der Streit über das Bestehen von Tarifverträgen, aus unerlaubten Hand- lungen, die mit dem Arbeitsverhältnis zusammenhängen, auch Streitigkeiten, die n a ch B e e n d i g u n g des Arbeitsoerhält- nisses spielen, wie Auskunftserteilung usw., find in den Be- reich der Zuständigkeit mit einbezogen worden. Die leitenden Angestellten und auch arbeitnehmerähnliche Personen, wie Zwischenmeister, Gruppenführer der Artisten usw., sollen bei ihren Arbeitsstreitigkeiten die Vorzüge der Arbeitsgerichts- barkeit gewährleistet bekommen. Die Parteifähigkeit ist um- grenzt auf die Gewerkschaften und, soweit das Betriebsräte- gefetz in Frage kommt, auf die Betriebsräte unter Ausschluß der Werksgemeinschaften. Die eine Rechtsanwaltspraxis ausübenden Anwälte sind als Prozeßvertretung vor dem Arbeitsgericht erster Instanz n ich t zugelassen. Die Gebühren sind, entgegen dem Regie- rungsentwurf, für alle Instanzen abweichend von dem Ge- richtskostengesetz ganz bedeutend ermäßigt worden. Den Gewerkschaften ist bei der Errichtung der Arbeits- gerichte-wie der Fachkammern, ebenso bei Erlaß allgemeiner Anordnungen für Verwaltung und Dienstaufsicht eine Mit- Wirkung zugestanden worden. Die Beisitzerausschüsse sollen nicht mehr berufen, sondern gewählt werden. Ihre Mit- Wirkung erstreckt sich jetzt auch auf die Listenausstellung für Heranziehung der Beisitzer zu den Gerichtssitzungen. Auch die Bestimmungen über die Bestellung der Vorsitzenden zeigen nicht mehr das ur Richter. Die Be »o n prüngliche starre Monopol der ordentlichen chlüsse erster Lesung können aber hierin noch keinesfalls befriedigen. Der beschlossene Schutz der Ar- beitnehmerbelsitzer gegen Maßregelungen ist an die ent- sprechenden Bestimmungen für Betriebsräte angepaßt wor- dex,, so daß für die Beisitzer ein verstärkter Kündigungsschutz besteht. � Schließlich war es auch möglich, das Reichsarbeits- gericht innerhalb des Reichsgerichts als s e l b st ä n d i g e n Senat zu kennzeichnen, wie auch bei den Verfahrensvor- schrjften Verbesserungen erreicht werden konnten. Viele andere wesentliche Anträge der Sozialdemokratie sind aber noch unerfüllt. So muß nach lvfc.vor gefordert werden, daß die Fest.- s t�mfemPelVerletzüng-ckrerMveiterschutz- bestimmunaen und Arbeitsstreitigkeiten der Schisssbesatzungen unter die Zuständigkeit der Arbeitsgerichte fallen. Die Bei- sitzerausschüsse dürfen nicht auf die Arbeitsgerichte unter- st e r Instanz beschränkt bleiben. Der Begriff„Gewerkschaft" muß zwecks Fernhaltung der Gelben eine für alle ein- schlägigen Paragraphen des Gesetzes geltende klare Umgren- zung erfahren. Die sozialdemokratische Reichstogsfraktion wird auch ihre Anträge aus erster Lesung hinsichtlich der Uebernahme und Besoldung der bisherigen Gewerbe- und Kaufmannsgerichtsvorsitzenden wie der dort tätigen Beamten und.Angestellten in zweiter Lesung aufrechterhalten, wobei die besondere Lage der bestehenden staatlichen Arbeitsgerichte der Rheinprovinz nicht unbeachtet bleiben kann. Gänzlich unhaltbar sind die Beschlüsse erster Lesung, soweit es sich um die bedingungslose Zulassung pri- vater Schiedsgerichte in Einzelstreitigkeiten als Er- der Arbeitsgerichte und um die Aufrechterhaltung der nnungsschiedsgerichte handelt. Der Zweck einer einheitlichen sozialen Rechtsprechung wäre nie zu erreichen, wenn von Anfang an eine solche Aushöhlung der Ar- beitsgerichte zugelassen werden würde. Es wäre von den Regierungsparteien nicht zu verantworten, wenn sie in diesen Grundfragen auf ihrem bisherigen Standpunkt verharren wollten. Das Ärbeitsgerichtsgefetz erträgt es nicht, zum Gegenstand parteipolitischer Experimente gemacht zu werden — auch dann nicht, wenn es„der Graf befohlen" hat—, es kann nur mit der Sozialdemokratie zustande kommen oder nicht zustande kommen. Prozeß Stesemann-Müller vertagt. Das Gericht will die Verhandlungen nach Berlin verlegen. ö. 8. flauen, 22. November. Im weiteren Berlauf des Pro- zesses Stresemann-Müller wurde die Aussage Dr. Stresemanns zu den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen verlesen. In diesen Aussagen betont Dr. Strescmann, daß er sich keineswegs strafbar ge- macht habe. Die Tatsache, daß Litwin Jude sei, habe ihn nicht abhalten tonnen, mit ihm zu verkehren. Geduzt habe er sich nicht mit ihm. Er habe die Bitte der Evaporator A.-G. dem Reichswirtschasts- minister weitergegeben und sich nach dessen Ablehnung um nichts mehr gekümmert. Eine Anzahl weiterer Fragen des Angeklagten, zu deren Beantwortung Dr. Stresemann sich ausdrücklich bereit erklärte, wurde von dem vernehmenden Richter abgelehnt. Iustizrat Hahn stellte daraus erneut den Antrag, Dr. Strese- mann in Berlin zu oernehmen. R.-A. Kunz war dagegen der Meinung, daß, wenn durch die Beweisaufnahme erwiesen sei, daß eine verbrecherische Handlung der Evaporator A.-G. nicht vorliege, auch alle B o r w ü r f e gegen Dr. Stresemann gegen st andslos würden. R.-A. Riehsch stellte den Antrag, eine Anzahl Beamter des Reichswirtschaftsgerichts zu laden, die bekunden würden, daß da- mals sehr viel Kriegsmaterial nach Polen gegangen sei. Ferner sollen die Akten der Naturalisation Litv-ins herbeige- zogen werden, ferner Zeugen, daß Stresemann feine Tantiemen in Form von Devisen bezogen hat, daß Litwin die Zeitung„Die Zeit" in Höhe von 300 000 M. finanziert habe. Dr. Oskar Cohn fall bekunden, daß Stresemann Litwin an den russischen Kommissar Krassien empfohlen habe. Der Staatsanwalt bezeichnete diese Anträge als B c r s ch l e p p u n g s v e r s u ch e, da der An- geklagte wohl merke, daß er seine Behauptungen nicht beweisen könne. Als Eventualantrag bat Rechtsanwalt Kunz, den Rcichsbänk- Präsidenten Dr. Schacht zu laden. Christenverfolgung in öer Kirche. Neue Maßregelung eines sozialistische» Pfarrers. Wie uns aus Solingen mitgeteilt wird, hat die dortige Kreis- synode der evangelischen Kirche mit großer Mehrheit fol- genden Beschluß gefaßt: „Die Synode nimmt mit schmerzlichem Bedauern davon Kenntnis, daß durch das politische Berhalten des Pfar- rers Hartmann ein? große Erregung in die Kreiskirchen- gemeinde gebracht worden ist. Sie vertraut, daß das evan- gclische Konsistorium geeignete Wege und Mittel sinden wird, welche die friedliche Auferbauung der Gemeinde dauernd sichern und fördern." Dieser Beschluß bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Aufforderung an die Kirchenbehörde, den sozialistischen Pfarrer so schleunig als möglich aus seinem Amt zu entfernen l Charakteristisch ist, daß weder dem Pfarrer noch dem anwesenden Vertreter seiner Gemeinde gestattet wurde, in der Sitzung der Kreis- synode auch nur ein Wort der Verteidigung zu sagen oder die Motive seines Handelns" darzulegen. Pfarrer Hartmann hat sein« vorwiegend aus Arbei- tern bestehende, rund 6000 Seelen zählende Gemeinde drei und ein Viertel Jahr lang ollein geleilet und ohne jede innere Stö- rung. Der Maßregelungsbeschluh ist nur zurückzuführen auf s ch r i f t st e l l e r i s ch c Aeußerungen des Pfarrers, der in der Zeitschrift„Das andere Deutschland" im Juli einen Artikel über „Christen im Kriegerverein" veröffentlichte. In diesem versuchte er nachzuweisen, daß die Absichten der Kriegervereins- leitung in bezug auf M i li t a r i s m u s und„Wehrhaftmachung" über das hinausgehen, was den Mitgliedern zum Bewußtsein komme. Im Ottober hat er sich außerdem das„Verbrechen" zuschulden kommen lassen, in einem Briefe an den Reichspostminsstcr gegen die Fridericusmark« Einspruch zu erheben. Auf seine Veröffentlichung im Juli ist zunächst nichts geschehen. Erst als Ende Oktober in der„Bsrgischen Zeitung"«in groß auf- gemachter Angriff gegen den Kriegcrvereinsartitel veröffentlicht wurde, hat die Kroissynode es für notwendig erachtet, die Maß- regelungsaktion einzuleiten. Man sieht aus diesem Borsall wieder, daß die evangelische Kirche alle möglichen Hetzpriester und Kriegsprcpagandisten in ihren Reihen duldet, daß sie aber mit allen Mitteln, die ihre Verfassung bietet, gegen sozial! st ische und friedensfrcundliche Pastoren vorgeht. Man kann mit gutem Recht von einer Christenverfolgung innerhalb der evangelischen Kirch« sprechen! Solange sich Sozialisten und Republikaner, die noch der Kirche angehören, dieser Verfolgungswut teilnahmslos und widerspruchslos fügen, wird man dagegen auch nichts unternehmen können. Die öffentliche Anprangerung dieser protestantischen Unduldsamkeit ist das einzige Mittel, um dagegen den Protest aller ernst Gesinnten hervorzurufen. Hier und da haben sich religiös gesinnte S o z i a l i st e n zusammengeschlossen, um sich an den Kirchen- wählen zu beteiligen. Sie haben neuerdings in Baden, An- halt und Thüringen auch beachtenswerte Anfangserfolge er- zielt und gezeigt, daß sie n i ch t n u r O b j e k t in der kirchlichen Behandlung sein wollen. Andere ziehen es vor, auf Grund solcher Vorgänge der Kirche den Rücken zu kehren. Auf jeden Fall aber ruft die evangelische Kirche durch ihr« Maßregelungssucht immer heftigeren Widerspruch gegen sich hervor. Schließlich muß sie mit sich selbst abmachen, ob ihr diese inneren Kämpfe willkommen sind oder nicht. Aber auch die Oeffentlichkeit hat ein Interesse daran, zu erfahren, wie die Dun- kelmänner im Talar mit den Interessen ihrer sozial und pazi- fistisch gesinnten Gemeindemitgliedcr umzuspringen pflegen. Auf eine Frage des Vorsitzenden, ob Dr. Stresemann nach Plauen kommen würde, erklärte der Vertreter, daß das Kabinett Dr. Strescinann bezüglich der Thoiry-Frage oder anderer politischer Dinge nicht die Aussageerlaubnis geben würde. Ueberfiedlung nach Berlin? Nach längerer Beratung verkündete Amtsgerichtsdirektor Gold- b e r g, das Gericht sei mit den Beweisanträgen des Angeklagten insofern einverstanden, als die nachfolgenden Zeugen geladen wer- den sollten: Oberleutnant v. Schleicher, Reichswehrministerium, Dezernent L u d e w i g im Reichswirtschaftsministerium. General- reserent Rosenberg, Reichswirtjchaftsministerium, Abteilungs- dircktor bei der Reichsbahndireklion Ost H a n n e r m a n n, Regie-. rungsrgt Scholz, Oberleutnant Petrich und Oberstleutnant a. D. Neidhardt. Das Gericht beschloß ferner, die Akten des Reichs. wasserschutzcs über den Fall der Brüder Litwin herbeizuziehen. Endlich wurde beschlossen, Reichsaußenminister Dr. Stresemann noch cinmal zu vernehmen, ebenso Dr. Müller-Zehlendorf. Dagegen-wurde der Beweisantrag des Nebenklägers, Reichsbank» Präsidenten Dr. Schacht als Zeugen zu laden, abgelehnt. Der Vor- sitzende verkündete dann weiter: Die Verhandlung wird vertagt. Da nicht die Möglich- kcit besteht, sie nach vier Tagen wieder auszunehmen, vertage ich den Prozeß auf und estimmte Zeit. Die künstige Der- ndlung soll in Verkin stattfinden-Das Gericht wird zu diesem ,,weck nach Verlin kommen. Inzwischen soll Reichsaußenminister Dr. Stresemann darüber gefragt werden, wann er durch seine politische Tätigkeit nicht gehindert sst, der Ladung als Zeuge Folge zu leisten. Wie wir hören, wird sich das sächsisch« Justizministerium be- reits in den nächsten Tagen mit der an sich neuen Tatsache beschäf- tigen, daß das Plouener Gericht seinen Wohnsitz auf längere Zeit wechselt. Bei dieser Gelegenheit wird geprüft werden, ob der Beschluß des Gerichts überhaupt zu Recht besteht und ob die Uebersiedlung nach Berlin nach der Strafprozeßordnung gestattet ist. Jedenfalls wird der Prozeß, wie der Vorsitzende ab- schließend mitteilte, in diesem Jahre kaum mehr stattfinden. Raphaels§luchtversuch. Die Revision der Fememörder verworfen. Leipzig, 22. November.(Eigener Drahtbericht.) Der erste Straf- senat des Reichsgerichts beschäftigte sich am Montag mit der Revi- sion des Fememörders Raphael, der vom Landgericht in Landsberg wegen Anstiftung zu versuchter Gefangenenbefreiung zu einem Jahr Gefängnis oerurteilt worden war. Raphael, der wegen Fememordes längere Zeit im Untersuchungsgefängnis in Landsberg unter strengster Bewachung saß ustd später zu acht Iahren Zuchthaus verurteilt wurde, hatte in einem Gefangenen-Wachtmeister einen Freund gefunden, der ihm mehr Freiheiten einräumte, als die Anstaltsinspektion erlaubte. Diese Gelegenheit nutzte Raphael zu einem Fluchtversuch aus. Mit zwei seiner Mitgefangenen oer- abredete er, ihm bei seiner Flucht behilflich zu sein. Er hatte dem einen Gefangenen 3000 Mark versprochen, dieihmvondervöl- tischen Organisation zugestellt würden, wenn sein Plan glückte. Auch sollten sie von den Hintermännern freies Geleit ins Ausland haben. Am IS. Dezember 1925 wurde zum zweiten Male der Plan zur Ausführung gebracht, nachdem der eine mißglückt war. Bei Anproben von Stiefeln waren Raphael und ein anderer Mitgefan- gener, mit dem er alles besprochen hatte, von dem Gefangenenauf» seher in die S ch u st e r z e l l e gebracht worden. Plötzlich erschien ein dritter Gefangener, schlug den Ausseher nieder und ent- wendete ihm die Pistole und die Schlüssel. Dieser Vorgang war noch rechtzeitig von einem Kalfaktor beobachtet worden, der alle vier in der Zelle einschloß und die Wache verständigte. Auf diese Weise ge- lang es in letzter Minute, Raphaels Fluchtversuch zu vereiteln. Ra- phael fand milde Richter, dieihnnurzueinemIahrGefäng- n i 5 verurteilten. Trotzdem legte er Revision ein, die aber am Man- tag vom Strafsenat des Reichsgerichts verworfen wurde. Subventionen ües Reiches. Einigung über die Richtlinien im Ausschuß. In der Donnerstagssitzung des Ausschusses für die S u b v e n» tions maßnahmen des Reichs wurde von der Regierung die erbetene neu« Formulierung der„Richtlinien zur Gewährung von Subventionen und Krediten sowie zur Uebernahnie von Garantien" vorgelegt. Diese neiten Richtlinien kommen in mehreren Bestimmun- gen den sozialdemokratischen Forderungen erheblich entgegen und be- deuten gegen die frühere Fassung jedenfalls einen Fortschritt. Es gelang in der ausgedehnten Debatte die verschiedenen Stand- punkte noch näher zu bringen, so daß am Schluß der Sitzung die Regierung aufgefordert werden konnte, auf Grund der Ergebnisse der Ausspräche ein« neu« Formulierung aufzustellen, auf die man sich dann vielleicht einigen könnt«,_ Der Faschismus rüstet. Die Nationalmiliz ersetzt die Grenzgendarmeric. Rom. 22. November.(UJIB.) Di« Ueberwachung der italienischen Grenze ist, wie die Vlätler melden, an Stelle der Karabinieri von der f a s ch i st i s ch e n R a t i o n a l m i l i z über- nommen worden. Alarmmcldungen von der französisch-italienischen Grenze. Paris, 22. November.(Eigener Drahtbericht.) In französischen politischen Kreisen herrscht eine gewisse Aufregung über die Ver- öffentlichungen, die der Direktor der„Action franqaise", M a u r ra s, der sich mehrere Wochen in der Provence aufgehalten hat, über große italienische T ru p p e n zu s a m m e n z> e h u n g en an der italienischen Grenze zu berichten weiß. In der Provence soll, wie das Blatt ausführt, eine lebhafte Besorgnis wegen dieser Rüstungen herrschen. Auf 100 Kilometer in Italien hinein sollen Tausende von Truppen konzentriert sein, die eifrig mit der Grenz? bescstigung und der Herstellung großer Eisenbahnlinien von der Grenze nach den großen Truppenzcn.rcn des Innern beschäftigt sein .sollen. Das Blatt führt u. cu.noch_aus, daß unter, diesen Umstände»- eine Ueberrumpelung der französischen Küste bejonders von Toulon und Marseille ein leichtes Spiel wäre, um so mehr, als stanzösischerseits dort keine Truppen ständen und die ganze Küste nur von einem einzigen Iagevoaiaillon verteidigt würde. Di» Blätter kommentieren diese Meldungen verschieden. Die „L'berte", die mit dem Faschismus liebäugelt, rät der französischen Regierung, mit Italien in Verhandlungen einzutreten und ledenfal's alles zu unterlassen, was den Faschismus herausfordern könnte. Es beschuldigt Briand, mit Absicht jahrelang Mussolini bei seinen diplomatischen Besprechungen mit europäischen Staats- männern übergangen zu haben und so in gewisser Weise dem anti- französischen Geisteszustand des italienischen Faschismus Vorschub geleistet zu haben. Frankcnbaissc. Paris, 22. November.(Eigener Drahtbericht.) Der französische Franken hat an der Montagbörse eine plötzliche scharfe Baisse aufgewiesen. Das englische Pfund, das am Sonnabend mit 128,75 und der Dollar mit 26,50 abgeschlossen hatte, stieg im Laufe des Montagvormittag auf 133,50 bzw. 27,55 und im Laufe der Börsen- sttzung auf 13 8,45 bzw. 28,52. Zeitungsverbote in Tirol. Einfuhr österreichischer Blätter untersagt. Innsbruck, 22. November.(WTB.) Zu der Meldung, daß nach «in«r Verfügung der Präfektur Bozen, die Einfuhr sämtlicher deutschen Zeitungen nach Südtirol verboten worden sei, wird fest- gestellt, daß tatsächlich folgende Zeitungen verboten worden sind: „Reichspost-, Wien,„Reue Freie Presse", Wien, „Tiroler Anzeiger", Innsbruck,„Innsbruck«? Nach- richten", Innsbruck und deren Abendausgabe„Neueste Zeitung", Innsbruck, reich- deutsche Zeitungen sind von diesem Verbot nicht betroffen. Die üeutsch- polnischen verhanülungen. Neue Unterbrechung. Die Verhandlungen über den Abschluß eines Handels- Vertrags zwischen Deutschland und Polen, der endlich eine friedliche Regelung der deutsch-polnischen Beziehungen bringen sollte, sind wieder einmal gefährdet. Der Vorsitzende der pol- nischen Delegation Prondzynski ist von Berlin nach Warschau zurück- gereist, um neue Instruktionen einzuholen, da man sich bisher über die wichtige Frage des Niederlassungsrechts Deutscher in Polen nicht einigen tonnte. Die Polen wollen bekanntlich deutschen Arbeitern und Angestellten die Niederlassung in ihrem Lande oerweigern. Neue Schwierigkeiten ergaben sich, als zur Regelung der kon- sularischen Rechte und der Ausweifungsfrag« geschritten werden sollte. Di« deutschen Forderungen, die hierzu gestellt wurden, sollten nicht— wie von einem Blatt« behaup:et wurde—«inseitig zum Vorteil Deutschlands erfüllt werden, sondern sie sollten Grundlage einer gegenseitigen Abrede sein. Die Polen waren damit nicht einverstanden. Durch die Abreise des polnischen Delegationsführers erfahren die Verhandlungen eine Unterbrechung, die unter Umständen längere Zeit dauern kann. Es wäre wirklich an der Zeit, daß beide Parteien dieses Interesse erkennen und zu einer Verständigung gelangen, die den gegenseitig« Warenaustausch regelt. Hinausfihiebung öer Polizeistunde. Verlängerte Arbeitszeit ohne Vorteil für die Unternehmer. Der Zentraloerband der Hotel-, Restaurant, und Cafe-Ange- Uhr fest- stellten hat eine Umfrag« über die Auswirkungen der auf 3 gesetzten Polizeistund« unter seinen Mitgliedern veranstaltet, deren Ergebnis nunmehr vorliegt. Gegen diese Umfrage hat die Presse der gastwirtschaftlichen Unternehmer mit den gröhten Ausfällen gegen den Zentralverband gewütet. Den Gipfel erklomm die Deutsche Gastwirts-Zeitung, die behauptete, dah die Arbeitnehmerverbändc „nur von der Aufhetzung ihrer Mitglieder gegen die Arbeitgeber" leben. Die gastwirtschaftlich organisierte Arbeiterschaft tut gut, sich diese Einstellung des Organs der kleinen Berliner Gastwirte zu merken. Die Angestellten wurden mit fristloser Entlassung be- droht, wenn sie diesen Fragebogen ausfüllen würden. Die Herr- fchaften scheinen außerordentlich viel zu oerbergen zu haben. Das Ergebnis der Umfrage, wie es nunmehr vorliegt, bezieht sich auf die G r o ß- u n d M i t t e l- betriebe, die im Arbeitgeberverband im Gastwirtsgewerbe Berlin zusammengeschlossen sind, soweit sie Angestellte beschäftigen. Die Mit- glieder dieses Arbeitgeberverbandes beschästigen 1l> 000 bis 11 000 gast- wirtschnstlichc Angestellte. Bon der Umfrage werden 120 Betriebe bzw. Betriebsgcmcinschoften mit 8732 Beschäftigten ersaßt. Davon haben 32 Betriebe mit 874 Beschäftigten von der verlängerten Ge- schäftszeit in vollem Umfange Gebrauch gemocht. Das sind 10 Proz. Cs zeigt sich hier treffend, welches Bedürfnis für eine Hinaus- schicbung der Polizeistunde vorgelegen hat und daß es ein Unfug war, den nach vielen Tausenden zählenden kleinen Berliner Kneipen ein Offenhalten über 1 Uhr nachts geradezu auf zu drängen. Für die großen Betriebe kommt nur für einen kleinen Teil, und noch dazu für einige große Cafehäufer«ine verlängerte Ge- schästszelt in Frage. Man zwingt aber den kleinen Gastwirt länger osfcnzuhallen, um seine Kundschaft nicht zu verlieren. In 4ß Betrieben mit 2960 Arbeitnehmern wurde nur zeit- m e i s c von der hinausgeschobenen Polizeistund« Gebrauch gemacht. In diesen Getrieben wird entweder Sonnabends und Sonntags, in wenigen Fällen auch an drei Togen in der Woche, in einer großen Anzahl anderer Fälle aber nur an einigen Tagen bis zwei Uhr nachts offengehalten. Diese Betriebe umfasien 34 Proz. der von der Um- frage erfaßten Angestellten. Bei der Mehrheit, nämlich bei 53 Betrieben mit 4898 Arbeit- nchmern wurde von der verlängerten Geschäftszeit kein Gebrauch gemacht. Alle diejenigen Betriebe, die 56 Proz. der Angestellten beschäftigen, denken gar nicht daran, ihre Betriebe über 1 Uhr nachts offenzuhalten. Soweit von der Verlängerung Gebrauch gemacht wurde, haben sich die Umsätze nurgeringgesteigert, öder aber bewegen sich aufderselbenLinie, teilweise sogar darunter, wie im Oktober, vor Hinausschiebung der Polizeistunde. In einigen Betrieben liegen die Dinge sogar so, daß sich die früheren Gäste, die in der Zeit von 11 bis 1 Uhr nachts diese Betriebe frequentierten, nunmehr v e r- laufen haben, wodurch die Umsätze ganz erheblich zurück- gegangen sind. In einem einzigen Betrieb wird eine wesentliche Steigerung des Umsatzes gemeldet. Interessant ist aber, daß es sich hier um einen Betrieb handell, dessen Gäste zu 80 Proz. gastwirtschaftliche Angestellte sind, die nach Ende der Arbeitszeit hier eine Erfrischung einnehmen. Mit höheren Umsätzen arbeiteten trotz der Automobilwoch« von den 58 Betrieben, die ganz oder teilweise von der Verlängerung Ge- brauch gemacht haben, nur 18, während in 23 Betrieben die Umsätze nicht höher, zum Teil sogar geringer, als bei der 1-Uhr-Polizeistunde im Oktober waren. Cs zeigt sich also auch hier, daß durch die Hinaus- schiebung der Polizeistund« nur für w e n i g e Betriebe etwas heraus- kommt. Charakterisiert wirb dos angebliche„Bedürfnis" für eine Hinausschicbung der Polizeistunde auch dadurch, daß am Mittwoch, den 10. November, nachts um 2/4 Uhr in 43 Betrieben mit 20 000 Sitzplätzen 843 Gäste anwesend waren. Wegen dieser 843 Gäste war wirklich keinerlei Veranlassung, ohne Rücksicht auf die sozialen Ver- hällnisse der Arbeiterschaft eine Geschäftszeit von 6 Uhr morgens bis 3 Uhr nachts im Gastwirtsgewerbe einzuführen. In 34 Betrieben haben 2197 Beschäftigte eiae Verlängerung der Arbeitszeit. bzw. wurden Ueberstunden verlangt, während andererseits in den 68 Betrieben, die ganz oder teilweise von der Verlängerung der Ge- schäftszeit Gebrauch machten, infolge der verlängerten Geschäftszeit sage und schreibe 21 Angestellte eingestellt wurden. Zusammenfasiend kann jedenfalls gesagt werden, daß sich aus dieser Aufstellung, die den größten Teil der Groß- und Mittelbetriebe im Gastwirtsgewerbe umfaßt, ergibt, daß man bei der Hinausschie- bung der Polizeistunde das Kind mit dem Bade ausschüttele. Die Haltung des Ministers Seoering wird glänzend gerechtfertigt. In den anderen preußischen Städten, für die die Polizeistunde verlängert wurde, müssen sich die Verhältnisie noch viel ungünstiger auswirken. In den Kleinbetrieben werden durch die einundzwanzigstün- dige Geschäftszeit die Gastwirtsgehilsen und Hausangestellten, letztere kommen meistens in Frag«, einfach der Willkür aus- geliefert. Dom Standpunkt der Arbeiterschaft muß deshalb immer wieder verlangt werden, daß die allgemeine Polizeistunde nicht über 1 Uhr nachts ausgedehnt werden darf und die jetzigen Bestimmungen rückgängig zu machen sind. Verschärfung in üer Schuhindustrie. Tic Unternehmer lehnen Verhandlnnge« ab. Der Zcntrnlverband der Schuhmacher hat bekanntlich die zen- stal? Lohnreoelung in der Schuhindustrie vom August 1925 gekündigt und die Forderung erhoben, den Tarifstundenlohn, der bi.-her 70 Pf. in der Spitze betrug, auf 80 Pf. zu erhöhen. Der bisherige Tarifstundenlohn genügte schon lange nicht mehr; denn die Verteuerung des Lebensunterhalts ist fort- geschritten und in der Ärisenperiode würden vielfach Lohnregu- lierungen nach unten vorgenommen. Trotzdem lehnten die Unternrhincrverbände neue Lvhnverhandlungen ab. Die Beiratssitzung am 22. November 1926 in Berlin nahm mit Entrüstung von dem ablehnenden Antwortschreiben der Schuhfabrikontenverbände Kenntnis. In einer scharfen Ent- s ch l i e h u n g weist der Beirat daraus hin, daß das Verhalten der Unternehmer eine völlige Außerachtlassung tarif» licher Verpflichtungen bedeute und dadurch ein« besondere, gegen die Arbeiterschaft gerichtete Schärfe erhalte, als sich da» Spiel der Unternehmer bereits zum dritten Male wiederhole. Ferner stehe das Verhalten der Unternehmer im Widerspruch zu der offi- ziellen wiederholten Versicherung der Arbeitgeberverbände, daß Lohn- festsetzungeu durch direkte Verhandlungen der Lertrags- Parteien vorzunehmen sind. Die Vertreter der Arbeiter der Schuh- industrie müssen daher, so schließt der Protest, die Verantwortung für die sich daraus ergebenden Folgen den Schuhfabrikanten über- lassen. Generalversammlung üer Eisenbahner. Erfolgreiches voranschreiien. Am Freitag, den 19. November, tagte in Schmidts Gesellschafts- hc.us die Generalversammlung des 3. Vierteljahres der im Einheit«- verband der Eisenbahner Deutschlands organisierten Eisenbahner, Ortsguppe Berlin. In seinem Geschäftsbericht führt« der 1. Bevoll- mächtigte, Genosse W i n k l e r, aus, daß die seit drei Monaten ein- geletzte Bewegung um die Verkürzung der Arbeitszeit von 9 auf 8 Stunden nicht nur in den Werkstätten, fondern auch in den Be- trieben immer größer« Kreise Zieht. Wesentliche Erfolge wurden erzielt bei den von der Orts- Verwaltung abgeänderten Dienstplänen. Große Anforderungen in lohn- und arbeitsrechtlicher Beziehung wurden gestellt durch die A u s h i l f s- und Zeitarbeiter, um zu verhindern, daß rück- ständige Amts- und Dienstvorstände immer wieder versuchen, die tnriilichen Bestimmungen zu umgehen. Erreicht wurde, daß Zeitarbeiter nach eine bestimmten Beschästigungszeit nicht mehr nach Lohngruppe 7, sondern»ach 6 entlohnt werden. Voraussichtlich fällt im kommenden Frühjahr das zwischen Stamm- und Zeit- arbeitern bestehende zweierlei Recht, weil die in diesen Kreisen be- ftehende Unzufriedenheit auch ihren Niederschlag findet bei Aus- ührung der äußerst wichtigen Gleisumbouarbeiten. Erfolgreich abgewehrt wurden die wiederholten Der- suche diktierender Dienstvorsteher und Bahnmeister betreffend Einführung der 7. Schicht. Der gün st ige Abschluß der neuen Gedingerichtlinien für die Bahminteryalwngsorbeiter ist als wesentlicher Bestandteil für die Berliner Kollegen zu buchen. Die Heraushebung der Schweißer von Lohngruppe 5 nach 8 stößt noch immer aus große Widerstände. Die erneut bevor stehenden Verhandlungen auf eine höhere Bewertungszulage für diese wichtige Gruppe werden voraussichtlich erfolgreich' obge- schloffen. Für die S t r e ck e n l ä u f e r ist eine besondere Auf- wandsentschädigung gefordert. SPD.- Metallarbeiter! Besucht Eure Wahlkörpervcrsammlungcn! Ununterbrochene Schwierigkeiten entstehen bei der Lösung Gepäckträgersragen in lohnrcaitlicher Hinsicht, weil zwischen Reichsbabndirektion und Gepäckträgergemeinschaften zeschlossenen Verträge, an denen msbosondere der All! der die ab- geschlossenen Vertraze, an denen msbosondere der Allgemein« Eisenbahner-Verband sHirsch-Dunckersche Richtung) ein großes Interesse hatte, zuungunsten der Gepäckträger obge- schlössen wurden. Empörung löste das unsoziale Verhallen der Werkleitung vom Eisenhahn-Ausbesserungswerk T e m p e l h o f aus betr. Kündigung von einer Anzahl Schmied« zum Werkhelser und deren Enllohnung nach Lohngruppe 5 statt 3, trotzdem diese Handwerker nach wie vor mitderselbenHandwerkertätigkeit beauftragt werden. Di« Forderung der Beamten auf Gehaltszahlung var dem Urlausantritt ist erfolgreich gewesen. Hoffentlich ist auch der Antrag aus Erhöhung de» llrla'ub» von Erfolg beglellet. Die Mitaliederbewegung ist auch im 3. Quartal als günstig zu bezeichnen. Kennzeichnend ist, daß die Reichsbahn- Hauptverwaltung kein« mündlichen Verhandlungen zugestanden hat auf die von den Beamten gestellten Gehaltsforderungen, trotz des vielen Tamtams de« Deutsehen Beamtenbundes über seine hohen Mitgliederzahlen. I a s e r gab den Kassenbericht und stellte fest, daß die Beitragsleiswng eine immer bessere wird. Auch der Lokal- kassenbestand hat sich um ein Beträchtliches erhöht gegenüber dem zweiten Vierteljahr. Die Mitgllederentwicklung selbst ist eine gesunde und betrug am Schluß des 3. Quartals 6 383. Große Summen wurden auch im 3. Vierteljahr an Unterstützung für Kranke. Arbeitslose, bei Sterbe- und in Notfällen gezahll. Neben der Erledigung einer ganzen Anzahl Anträge kann er- freulicherweise festgestellt werden, daß unter den Delegierten der einheitliche Wille vorhanden est, die Ortsverwallung bei der Lösung der Arbeitszeit-, Lohn- und Gohattsfragen tatkräftig zu unterstützen._ Reden und Taten. Bei Silverberg. Als Dr. Silverberg auf der Dresdener Induftrietagung feine bekannt«, viel besprochen« Rede hielt, in der er ein Zusammen- gehen von Unternehmertum und Gelverkschaften forderte, da wunder- ien sich naive Leute, die bereits„Silberstreifen am Horizont" sahen, über die kühl« Ausnahm« der Silverbergschen Äusserungen bei der sreigewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft. Die Arbeiterschaft, die durch bitter« Erfahrungen mißtrauisch ge- worden ist, will nicht schön« Reden hören, sondern Taten sehen. Wie wemg hinter den schönen Reden steckt, zeigt jetzt«in Vorfall, den„Der Deutsche", das Blatt Stegerwalds, aus dem Reiche Dr. Siloerb crgs, der Rheinischen Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, meldet. Dort wurde ein Arbeiter, der«in Aug« verloren hatte, kurzerhand auf die Straße geworfen. Der Entlassungsschein der Grube Fortuna lautet: Wir bescheinigen dem Herrn Johann Hasenberg, geboren am lZ. März 1898, daß wir für Ihn infolg««Ines erlittenen Unfalls(Verlust eines Auges) kein« paffende Beschäftigung mehr haben. Stegerwald- Blatt bemerkt dazu:„Nicht von ollen guten Geistern verlassene Arbeitgeber haben es bislang wenigstens für ihre Pflicht gehallen, den für ihren Betrieb zu körperlichem Schaden ge- kommenen Arbeitern beizustehen. Bei kier Rheinischen Aktien- gesellschoft aber scheint man von einer solchen Einstellung abge- kommen zu sein. Rücksichtslos wird der Arbeiter, der ein Aug« bei der Berufsarbeit im Betriebe verlor, auf die Straß« gefetzt. An- geblich, weil kein« passende Beschäftigung für ihn vorhanden ist. Kann man das glauben?".. Soziale Reden und soziale Praxis sind eben zwei Paar Stiebe!. Auch bei Dr. Siloerbergl_ Oer V eberstreit in Thüringen. Die Unternehmer wollen aussperren. Lom Deutschen Textilarbeiterverband wird uns geschrieben: In Nr. 272 der„Textilzeitung" vom 21. November 1926 nt «ine Notiz entHallen, die besagt, daß die Streit»»n einigen Orten des s ä chs i s ch- t h ü r i n g i s ch e n W« b e r« i b e zl r k � auf kommunistische Treibereien zuruckzufuhren(evrn und d:« im Deutschen Textilarbeiterverband organisierte Arbeitex- schaft den Schlichtungsausschuh angerufen habe. Die Notiz ist irreführend, ihr InHall entspricht nicht den Tatsachen. Die in Gera und Berka ausgebrochencn Streiks sind vom Hauptoorftand des Deutschen Textilarbeiteroerbandes ge- n e h m i g t. Irgendwelche kommunistische Beeinflussung hat bei den Beratungen, die zu den Beschlüssen zur Arbeitsniederlegung suhrten. nicht stattgefunden. Im Gegenteil, die Forderungen �ch emer Lohnerhöhung liegen bei der organisierten Textilarbeiterschast bereits seit über einem Jahre zurück... Es trifft serner nicht zu, daß die Arbeiterschaft den Schuch- tunasausschuß angerufen habe. Wir erhalten im leßten Augenblick die Nachricht, daß der Schlichter aus Weimar die Parteien auf Montag, den 22. November, zu einer Borverhandlung geladen � Ob der Schstchter von sich aus oder ober auf Grund eines Er suchens der Unternehmer gehandelt hat, entzieht sich unserer Kenntnis. » Gera. 22. November.(MTB.) Nachdem der Streik in den Betrieben von Schulenberg und Bißler in Gera-Zwotzen und bei der Ernst Engländer A..G. in Berga fortgesetzt wird, hat der Sächsisch-Thüringisch« Webereiverband durch Anschlag in den«e- trieben angekündigt, daß am Mittwoch oder Donnerstag in allen Werken in Gera die Aussperrung erfolgen soll, wenn s'uz bis dahin in den bestreikten Betrieben nicht so viel Arbeiter einge- sunden haben, daß die Unternehmen in Gang kommen. Es durften in Gera und Greiz etwa 8000 Arbeiter in Betracht kommen. Notschrei üer Post- unü Telegraphenbeamten. Eine Entschließung. Die am Sonntag, den 21. November 1926, im Gewerkschafte- Haus zu Berlin tagende erweitert« Reichsleitung der A D P., Mllgliedschaft im Deutschen Verkehrsbund, weist daranf hi», daß sich die Poll- und Telegraphenbeamlen, insbesondere die der Besoldungsgruppen II bis Vl. sowie die Lohnempfänger der Deut- schen Reichspost in einer äußerst bedrängten wirtschaftlichen Retinae befinden. v..„. Alle Bemühungen der Organisationsleitung, die w»rage kommenden Stellen zu einem Entgegenkommen zu veranlassen, sind bis heute ohne Erfolg geblieben.. � Das Einkommen der Beamten ist. trotz der Derleuerung aller Lebensmittel und Bedarfsgegenstände, im Jahre 1926 niedriger al� im Jahre 1925. weil die Reichsregierung und die faurnerliche Mehi-- heit des Reichstags es abgelehnt haben, die im Dezember 192/. bewilligte Rotstandebeihilie. durch die der Notstand anerkannt wurde. aus di« lausenden Beziige der Beamten zu überirogen. Das Reichsfinanzminssterium lehnt« auch im Einverständnis mit der Reichsregierung bisher ab. einen Ausoleich für die erhohtsi, Wohnunqsmieten zu gewähren, wodurch die Rertlag« weiter vor- Die erweiterte Reichsleitung beauftragt daher den Bundes- vorstand und die Reichsleitung, olle erforderlichen Schritte zu unter- nehmen, um ein« Besserung der Laxe der notleidenden Dcft- uns Telegraphenbeamt«, und Lohnempfänger herbeizuführen. primo will üie soziale ftag* lösen. Durch pariiälische Ausschüsse. Madrid. 21. November.(WTB.) Ein heute abgehallener Ministerrat hat«in G« s e tz« s d e k r e t über die Regelung der Be- Ziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern angenommen. Es sieht di« Schaffung von örtlichen paritätischen Aus- schüssen. bestehend aus je fünf Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer vor, welche die Arbeitsbedingungen zu regeln haben. Diese Ausschüsse wählen je fünf Bertreter in die 28 sämtliche Industrie- und Handelszweige vertretenden Korpo- rattonen, deren Hauptaufgabe die Unterrichtung der Regierung und die Einberufung von Kongressen zur Lösung von Arbeitskrisen sein soll.(Wer diese Ausschüsse ernennen, wie diese— offenbar Mussolini abgeguckten— Korporationen" konstituiert«erden, wie sie Arbeits- krisen„läsen" sollen, geht aus dieser Mitteilung nicht hervor.) Ueberstundenverweigerung in australischen Häfen. Melboarne. 22. November.(WTB.) Die Hafenorbeiter ganz Australien» weigern sich, von heute an Ueberstunden zu machen. Die Sparkasse der Dank der Arbelker. Angestellten»nd Beamten A.-V.. Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— Z Uhr und 5— 7 Uhr, Eonnabend» von 9— 1 Uhr geöffnet. SPD.-Zkrvkti,» a. Sntni, lempelbvs! Achiunql Dien»tan. 2» Na- vember. S Uhr, irttftigt ZZraktionsversammIung im Laktt EchltMbmh, Tempclkiof, BkNIner Straft». All« Genossinnen und Genossen nrü'tcn erscheinen. Der Fiae.l0»»»«rsiand. Achtung. eBD.-Rohrleger und-Kelfeel Heute adend 8 llbr bei Mogioift, Barnimstr. 18. kurz« wichtig« Besprechung aller EBD.-Denossen. Jeder muft erscheine». Der?raUi»n»»orstand. zrei« Gewcrtschaftaiugend. Heute. Dienstag, Uftr. tagen die Gruvpen: iZrankfurte» AB«: Griipvenftliin S18M. Zugendbetm Tilsiter Str. t—Z. 1 Tr. Boriraasreibc:„Dir Dresse— Die Wirtschastszcilung'.— Landsberger Blaft: Gruppensieim Dieftelnienersir. 5. Lcseadendi.Geihart Aauptnrann".— Lichten- der»: Sruppendeim Jugendheim Dosseftr. 2L. Dortrag:»Jugend und feruell« IZraae".— lreptsw: Sruppenheini Schule Wildendruchftr. 53—54 sHartzimmerl. „!Zrt<> Reuters Leben und Werl." Berantwortlich für Bolitlk: Dr. Dnrt Geyer! ZBIrtschaft: Ae'nr Saternu»! Gcwerkschattsbewegung: ssriedr. Cfttorn; Zeuilleton:*. H. Dlscher: Lokales und Soniligrs: zrjft»BtftäM; An, eiern: Th. Slockc: siimtluki in Der!:». B erlog BorwBrts.Berlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Borwii: Is-Buchdrnckcrel und Berlagsansigl« Baul Singer u. Go. Berlin SW«> Lindenstraft» 8. Hier«, I Beilagen und..Unterbaltnna»nd Wissen-. 2 Teller Suppe für nur-13 Pfennig erhalten Sie mühelos auf die einfachste Weise- durch kurzes Kochen mit Wasser- in reicher Sortenauswahl aus HUdGr Suppen-Würfeln ktr. 551 ♦ 45. Fahrgang 7. Heilage öes vorwärts Dienstag, 25. November 142b Die Lotterie öer �lrbeiterwohlfahrt, Ein Mittel der Tclbsthilfc. Saft immer, wenn Lose zu einer Lotterie angeboten werden, geht ein« frischfröhlich« Debatte an über die moralische Berechtigung eines solchen Glückspieles. Man läßt es sich schließlich noch gefallen, wenn «s sich um Dombau-, Rote-Kreuz- und andere Lotterien handelt. Der Spaß muß aber aufhören, wenn es unser« eigene Sache betrifft. In den letzten Jahr« haben einige uns nahestehende Organisationen kleinere und größere Lotterien ausgespielt. Am umfang- reichsten waren die der Arbeiterwohlfahrt in verschiedenen Orten und Bezirken. Sie hatten Erfolg, und der Zweck der Mittel- Beschaffung auf diesem Wege wurde erreicht. Unseren Lesern ist be- tonnt, daß die Arbeiterwohlfahrt nach einem Wort des Freundes unserer Tätigkeit, des verstorbenen Reichspräsidenten E b« r t„die soziale S e l b st h i l f e der Arbeiter" ist. Es herrscht wohl kaum«ine Meinungsverschiedenheit darüber, daß unser« Wohlfahrisarbeit durch ihr achtjähriges Wirken und Entwickeln ihre brennende Notwendigkeit erwiesen hat. Wir aber soll„Die Arbeiter- Wohlfahrt" ihre gewaltigen Aufgaben lösen, wenn ihr keine größeren Mitiel zur Verfügung gestellt werden können? Gewiß kann ein« Lotterie nicht das Allheilmittel zur Beschaffung von Geldern sein. Aber sie ist«in Mittel aus einer Reihe anderer der„Selbsthilfe". In dem Wirken der„A r be i t« r w o h l fa h rt" drückt sich der höchste und reinste Will« zur Gemeinschaftshilfe. zur Solidarität aus. Darin— und in vielem anderen noch— unterscheiden sich unsere Organisationen von denen bürgerlicher Art. Di« Opfer der kapitalistischen Wirtschaftspolitik dürfen nicht als die armen Teufel, die nun mal Pech hatten, und denen man mitleidig vom Ueberfluß helfen muß, angesehen werden. Ihre Lebens- kraft, ihr Will« zur Mitarbeit sollen ungebrochen bleiben, auch wenn vorübergehend materielle Hilfeleistungen nötig werden. Kein Gefulst der Abhängigkeit und Bedrückung darf als demorali- sierenda Wirkung langsam einsetzen, wie es so häufig in diesen Zeiten arger Not zu beobachten ist. Ein schlimmer Feind des stolzen, un- gebeugten Kampfe zw illens ist der Pauperismus, mit dem der Verlust des Stolzes und die Einbuße der moralischen Widerstandskraft leicht verbunden ist. Die durch die heutige Wirtschaftsordnung veranlaßt« internationale Krise mit ihrer Massennot kann selbst- verständlich nicht von Wohlsahrtsorganisationen privater Art bekämpft werden. Hier müssen großartige Aktionen von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, die in engster Verbundenheit mit- «inander stehen müssen, einsetzen. Was mit der theoretischen und praktischen Forschungsarbeit der »Llrbeiterwohlfahrt" in gesttzgeberischer Hinsicht geleistet werden muß. bedarf keiner besonderen Erklärung. Darüber hinaus aber erwartet «in besonder«? Gebiet der Fürsorgearbeü unsere Schöpferkraft als private Organisation: Wir müsset» dieFührung übernehmen aui manchen Gebieten vorbeugender Hilf«. In den Großstädten brennt lichterloh die Not der erwerbslosen Jugend. Es fehlen L«digenh«ime, sowohl für Männer, als auch für Frauen und Mädchen. Es mangelt an Heimen für solche Kinder, die zwischen Waisenhaus und Fürsorgeanstalt stehen, wo uns das Experiment der Erziehung durch Arbeit im sozialistischen Sinne lockt. Wir denken an V o r a s y l e und Heimstätten für Arbeitslose, Jugendheime, die gleichzeitig alkoholfreie Gast- und Versammlungsstätten für alle unsere Mitarbeiter sind. Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Riesenreich gesellschaftlicher Aufgabelt, die der Staat von heute leider nicht löst, auch nicht lösen kann. Dazu soll uns die Lotterie helfen. Daß die Ergebnisse so reichlich sein werden, daß all« oben genannten Projekt« ihrer Lösung näher gebracht werden, nimmt niemand an. Daß aber von den Be- zrrken schon längst überlegte und durchgearbeitete Pläne durch voraus- sichtlich« Ueberschüsse verwirklicht werden können, ist gewiß. Es ist sehr erfreulich, daß der Hauptausschuß mit einer Zentral-Lotteri« und damit mit einer Zusammensasiung vieler Kräfte begonnen hat. Wir müssen alles tun, um bei diesem ersten Versuch die größten Erfolg« zu erzielen. Denn unsere Lotterie soll sich einbürgern. Sie kann es gewiß bei dem niedrigen Preis der Los« und den in Aussicht stehenden Gewinnen. Sie kann zu einer ständigen Einrichtung des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt werden, geeignet, lausend größer« Einnahmen aus dieser Selbsthilfe zu erreichen. Darum hängt von dem ersten Gelingen sehr vieles ab. Dammrutsth bei Neu-Dranüenburg. 2300 Kubikmeter Bahndamm weggesackt. Ein großer Dammrutsch, der glücklicherweise rechtzeitig entdeckt wurde und so kein Unheil angerichtet hat, ereignete sich am gestrigen Montag früh aus der Strecke S t e t t i n— N c u- B r a n- d« n b u r g. Dort ist das Gelände in der Umgebung des Bahn- dammes sehr moorig, und zwischen den Stationen Spanholz und Netzka, etwa 10 Kilometer von Neu-Brandenburg entfernt, sackte der Bahndamm in einer tänae von mehreren hundert Metern voll. ständig wea, so daß die Eisenbahngleise etwa 5 bis 6 Meter frei in der Lust hängen blieben. Durch den Dammrutsch, der sich kurz nach Possieren eines Personenzuges vollzog, sind etwa 2300 Kubikmes�r Damm verschwunden. Der Personenverkehr wird durch Pendel- betrieb aufrecht erhalten, während der Güterverkehr durch Umleitung weiter geführt wird. Der Personenzug 3Z7 Neu-Brandenburg— Strasburg(Uckermark), der die Unfallstelle gegen 6 Uhr 22 Minuten morgens passiert hätte, konnte rechtzeitig von dem Erdrutsch be- nachrichtiot und annehalten werden, da in der Nähe der Unfallstelle Bahnarbeiten ausgeführt wurden, und der Dammrutsch sofort der nächsten Blockstation gemeldet wurde. Wie wir hören, wird der Schaden bereits bis zum heutigen Dienstagabend ausgebessert sein, so daß weitere Berkehrseinschränkungen nicht eintreten. Düppel als Lunge von öerlin. Die Herrschaft Düvpel-Dreilinden, deren Ankauf durch die Stadt Berlin dem Magistrgt wünschenswert scheint, wurde auf Einladung des Stadtrates Busch, des Borsitzenden der städtischen Grundeigentumsverwaltung. am Montag von Vertretern der Presie besichtigt. Der Gutshof Düppel bietet keine besonderen Reize, aber die ausgedehnten Waldungen, die zum Gut gehören, könnten einmal eine sehr wertvolle Erholungsstätte für die Berliner werden. An der 736 Hektar großen Gesamtfläche, die erworben werden soll, sind Waldungen mit rund 500 Hektar beteiligt, und 400 Hektar hiervon sollen als Dauerwald erhalten bleiben und der Volksgesundheit dienen. Das Gebiet ist auf zwei Bahnlinien zu erreichen, auf der Wannseebahn über Station Dreilinden und auf der Berlin-Potsdamcr Stammstrecke über eine noch einzurichtende Station hinter Zehlendorf-Mitte. Jetzt sind groß« Teile dieser Waldungen noch durch Gitter abgesperrt und dem Verkehr entzogen, so daß die Spaziergänger nur wenig von ihnen zu sehen bekommen. Stadtrat Busch, der bei der Desichti- gung die Vorteile eines Erwerbs von Düppel samt Dreilinden dar- zulegen sich bemühte, wies darauf hin, daß auch die als Bauland verwendbaren Teile des Gebietes von höchster Wichtigkeit für Berlin sind. Es sei dringend zu wünschen, daß diese Ländereien, deren Besiedlung in nicht serner Zeit erfolgen werde, nicht der Ter- rainspekulation in die Hände fallen. Wenn es nicht gelinge, das zu verhüten, werde der Wald für die Berliner verloren fein, und man werde sich auf ein« Verschandelung der Landschaft gefaßt machen müssen._ Unglücksfälle am Lnisenkaual. Die Zuschüttung des Luisenstädtischen Kanals hat in den letzten Tagen weitere Unglücksfälle spielender Kinder zur Folge gehabt. Die Zuschüttung des Kanals wird abschnittsweise vorgenömmeli. Es wird an einem Ufer so viel Sand angefahren, bis ein fester Streifen Sand die Anlegung von Kleinbahnschienen möglich macht. Dann fahren Kleinbahnzüge weiteren Sand heran und der Rest des Kanalbettes wird zugeschüttet. Um das Wasier noch absacken zu lassen, werden in gewissen Abständen noch Stellen freigelassen. Diese Wasierlöcher liegen nun erheblich unter dem ausgeschütteten Sande. Schon während an der weiteren Zu- schüttung gearbeitet wird, spielen die Kinder den ganzen Tag aus dem Baugelände, wobei die Sandberge als Rutschbahn benutzt werden. Häusig werden auch Zeck und andere Spiele gespielt. Bei dem wilden Umherjagen der Kinder ist sehr häufig eines der spielenden Kinder die steilen Ufer zu den Wasserlöchern herabgerutscht und konnte nur mit gewalligen Anstrengungen von herbeieilenden Arbeitern und Passanten gerettet werden. Eine be- sonders gefährliche Stelle ist in unmittelbarer Nähe der Admirals- brücke. Dort spielen die Kinder vor allem in den Abendstunden und Sonntags? Der ganze Abschnitt wird dann von älteren Jungen mit den Loren befahren. Da die Schienen bis an die noch nicht zugeschütteten Kanalstellen führen, ist es als ein Wunder anzusehen, daß bisher keine größeren Unglücksfälle bei diesen Fahrten vorgekommen sind. Wie bereits mitgeteill, ist am Bußtag dort ein Junge er- trunken, zwei Kinder konnten noch in letzter Minute von her- beieilenden Erwachsenen gerettet werden. Am Donnerstag mittag ist wieder ein Junge in ein solches Wasserloch gefallen, doch konnte er glücklicherweise auch noch gerettet werden. Es ist völlig unverständlich, daß der Magistrat den Kindern das Spielen auf so gefährlichen Baustellen ermöglicht. Vor allem muß in den Abend. stunden die Baustelle ausreichend überwacht werden, dazu reicht aber ein Wächter allein nicht aus. Großes ßabrikfeuer in Spanüau. Ein Transformatorcnhnus vernichtet. Ein gefährliches Feuer kam gestern nachmittag gegen 3 Uhr in einem den Deutschen Industriewerken A.-G. gehörenden Gebäude in Spandau, Freiheit 4/6, zum Ausbruch. Aus noch nicht ganz einwandfrei geklärter Ursache, vermutlich aber durch Kurzschluß, entstand in den Transformatorenhaus, das die gesamten Fabrikanlagen mit Licht versorgt, Feuer, das mit rasender Schnellig- heit um sich griff. Infolge der starken Hitzeentwicklung platzte ein Transformator. Das brennende Oel ergoß sich in den Raum und setzte auch den zweiten Transformator in Brand. Beide Um- former fielen den Flammen zum Opfer. Die Fabrikfeuerwchr war zunächst machtlos. Die Spandauer Berussfeuerwehr mußte herbei- gerufen werden, die unter Leitung des Baurates Müller an der Brandstelle erschien. Das Feuer hatte inzwischen auf den Dachstuhl des einstöckigen Gebäudes übergegriffen, der bald lichterloh brannte. Aus insgesamt 4 C-Rohren wurde etwa zwei Stunden long Wasser fegeben. Mehrere Schoumlöschap parate und Trocken- euerlöscher mußten zur Bekämpfung des Feuers benutzt werden. Die Mannschaften hatten nicht nur unter großer Hitze, sondern auch unter beißendem a m p f und Qualm zu leiden. Größte Gefahr bestand eine Zeitlang für das links und rechts an- grenzende Schalt- und Maschinenhaus mit seinem wertvollcn In- halt, doch gelang es unter größter Anstrengung ein Weitergreifen des Feuers zu verhindern. Erst gegen 6 Uhr abends war die Ge- fahr so weil beseitigt, daß die Wehren wieder abrücken konnten. Die Ausräumungsarbeiten, die von der Fabrikfeuerwehr vorge- nommcn wurden, dauerten noch längere Zeit. Arbeiter, die in dem Transformatorenhaus beschäftigt waren, sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Der Betrieb wird durch das Feuer nicht in �Mitleidenschaft gezogen, da die Werke auch noch an das städtische Stromnetz angeschlossen sind. Nach kurzer vorüber. gehender Stromunterbrechung konnte schon gestern die Arbeit fortgesetzt werden. Der Schaden ist erheblich.— Die Schö neberger Feuerwehr wurde gestern abend gegen �8 Uhr nach der Kolonnen st r. 3/6 gerufen, wo in einem Kinovorführraum Feuer ausgebrochen war. Das gesamte Inventar wurde ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit. Die Entstehungsursache ist nicht bekannt. Selbstmorde iu der Badewanne. Auf eine immerhin nicht alltägliche Weise schieden im Laufe des gestrigen Tages zwei Menschen aus dem Leben. Der in der Richard- straße 98 zu Neukölln wohnende Fabrikant Robert P r i tz k o m ertränkte sich in der Badewanne. Vorher drehte er noch den Gashahn in der Badestube auf- Obgleich der Vorfall nach kurze? Zeit bemerkt wurde, war ärztliche Hilfe bereits vergebens.— Einen Selbstmord auf die gleiche Art verübte gestern abend gegen 6 Uhr in der Wartenburastraße 10 zu Schöne borg die Söjahrigc Witwe Marie D z a n z. In einem Anfall von geistiger Umnachtung riegelte sich Frau D. in der Badestube ein, ließ die Wanne voll Wasser laufe» und ertränkte sich. Als man sie ausfand, war der Tod bereits eingetreten. Die Leichen der beiden Selbstmörder wurden beschlagnahmt und in das Schauhaug gebracht. * Der in dem Hause Mariannen straße 49 wohnende 65jährige Tischler Paul Lehmann und seine 61jährige Ehefrau Johanna wurden gestern früh gegen, �9 Uhr in dem mir Gas angefüllten Schlafzimmer in d e n Betten liegend t o t aufgefuilden. Hausbewohner waren auf den Gasgeruch aufmerksam geworden, so daß sich Feuerwehr und Polizei gewaltsam Einlaß in die Wohnung verschaffen mußten. Aus Hinterlassenschaften der Frau geht hervor, daß sie wegen Ehezwistigkeiten und Nervenzerrüt- tung Selbstmord verübt hat. Es wird vermutet, daß der Ehe- die Vunöer öer Klara van tzaag. 10] Von Johannes Vuchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. 7. K a p i t e l. Frau van Haag riet richtig die tapfere Hedwig wünschte, daß Iohan Fors bei Tag oder Nacht, mit oder ohne Geige wieder- käme. Sie wollte ihn nicht von sich stoßen. Er kam nur nicht. Er war wie aus der Stadt verschwunden. Wenn Hedwig Kuchen holen sollte, setzte sie ihrenneuen Hut aus und ging durch Knarrestraße, Aalstraße und Süderstraße, ganze drei Straßen. Sie hätte ohne Hut gehen und sich wohl mit einer Straße begnügen können, denn der Bäcker wohnte gleich um die Ecke. Aber Hedwig meinte, das könne sie nicht, denn in der Süderstraße wohnte ein Maler. Das Tor zu seiner Werk- statt stand offen. Hedwig drehte den Kopf und warf einen raschen Blick hinein. Ach. da war nur der Malermeister selbst und malte an einem trübseligen eichenen Sarg. Hedwig entdeckte, daß die Küchenschränke vergesien waren, als alles andere gestrichen war. Es sähe schrecklich aus, sagte sie zur Gnädigen. „Ja, wenn du die Schmutzerei über dich ergehen lassen willst, dann sag' nur Bescheid beim Maler." „Wollen gnädige Frau nicht selbst so gut sein... Sie kommen doch vorbei." Das sähe am besten so aus, dachte Hedwig. Am nächsten Tage erschien ein Malerlehrling mit seinen Töpfen und Pinseln. Hedwig sah ihn mit nicht geringer Der- achtung an. Er taugte zu nichts als zum Anstreichen. Jedoch ließ sie sich herab zu fragen:„Ist euer Geselle weggegangen?" „Me'nrn Sie Iohan Fors?" „Wen sonst!" sagte Hedwig gleichgültig, aber der Name hatte sie doch getroffen, so daß ihre Wangen rot wurden. „Er arbeitet draußen auf einem Gut, Lundgaard wohl." Jetzt hätte Hedwig viel darum gegeben, zu erfahren, ob Iohan Fors jeden Abend heimkam, aber das konnte sie ja nicht fragen. Statt dessen sagte sie:„Ist das nicht der, der spielen kann?" „Er kann spielen, und er kann alles, was er will," sagte der Malerlehrling und blickte mit Augen auf, die vor Be- ldunderung blitzten. Da gab Hedwig dem Malerlehrling Kaffee mit Wecken. Am Abend machte sie sich auf geheimnisvolle Weise schon um sieben Uhr frei und ging träumend durch den Wald nach Lundgaard zu. Wer konnte wissen.... Sie setzte sich auf eine weiße Bank, wo zwei Wege zusammenstießen, beide führten nach dem Gute, aber unwillkürlich entschloß sie bei sich. das Iohan den breitesten und ebensten, den Hauptweg kom- men müsse. In diese Richtung wandte sie nun ihr Gesicht. Immer wieder versuchte sie vor sich hinzusehen, auf den Tanz der Anemonen über dem Waldboden oder in die hellen Kronen der Buchen— nein, eine Sekunde später starrte sie nach der Wegbiegung auf allerhand phantastische Gestalten, die von selber auftauchten. Keine von ihnen wollte jedoch zum leben- digen Iohan Fors werden. Sie trommelte auf ihre weißen Schneidezähne und ärgerte sich über sich selber, weil sie jetzt mit ausgestreckten Händen einem nachlaufen mußte, der sie vor allen anderen mit seinem Spiel ausgezeichnet hatte, einem, der recht eifrig hinter ihr hergewesen war. Aber das tat alles nicht soviel, wenn es nur wieder gut zwischen ihnen werden konnte. Wenn sie ihn nun direkt um Verzeihung bat, wenn... Es schimmerte ein« süße Träne in Hedwigs Augen. Vor ihm wollte sie sich beugen, aber sonst vor keinem in der ganzen Well. Kam er nicht dort? Ach nein, es war nur sie selbst, die den Oberkörper bewegte, daß die Bäume sich kreuzten. O je, wie steif einem der Hals wurde! Aber da kam er ja. Nein, es war eine Mücke gerade vor ihrer Nase. Sollte sie Du oder Sie zu ihm sagen? Er selbst hatte in jener Nacht ohne weiteres Du gesagt. Hätte sie ihn doch bei sich spielen lassen, daß das ganze Zollamt eingestürzt wäre. Die Gnädige würde ihr schon verziehen haben, wenn sie gehört hätte, wie alles zusammenhing. Wenn er jetzt an der Wegbiegung erschien, wollte sie auf- stehen und ihm entgegengehen. Selbstverständlich wollte sie nicht direkt um Verzeihung bitten, mit Worten, im Gegenteil, sie wollte ihn anlachen— so. Laß uns doch nicht dumm fein, Iohan. Wir haben uns doch so gern, um die Zeit mit ein- gebildeter Beleidigung zu vergeuden. Hedwig erhob sich und veranstallete eine kleine General- probe mit dem Lächeln und der Kopfbewegung, die alle diese Worte enthalten sollte. „Guten Tag, Iohan Fors."(Den Nachnamen konnte sie sich wohl leider nicht ersparen.) Und dann wollt« sie still vor ihm stehen. So.—— Ein, zwei, drei Schritt vor ihm. „Jetzt kannst du ja oersuchen, ob du vorbeikommst!" Da entstand ein Geräusch, das Hedwig als Blätterrauschen auffaßte und nicht beachtete. Als sie aber gerade lachend und triumphierend vor dem eingebildeten Iohan stand, strich der wirkliche, von dem schmalen Seitenweg her, auf dem Rade vorbei. Hedwig wandte sich um, ihre Blicke trafen sich»inen Augenblick, sie sank vor Scham förmlich zusammen. Hatte er gegrüßt? Sein großer Malerhut flatterte in seiner linken Hand, die die Lenkstange hielt, so daß es nur war, als ob er genickt hätte. Gewiß, es leuchtete in seinem starken Gesicht, aber er mußte ja im selben Augenblick das Rad über die Wagenspuren werfen, so daß nicht viel dabei herauskam. Hedwig trat mitten auf den Weg und sah ihm nach. Seine gelbe Mähne stand rückwärts über seinem Kopfe wie der Federschmuck eines Indianers. Aber gesetzt, sein Lächeln müßte ganz anders gedeutet werden. Vielleicht hatte er verstanden, daß sie gerade feinet- wegen hier war. Sonst wäre er wohl abgestiegen. Niedergeschlagen ging Hedwig tiefer in den Wald hinein. Die Anemonen und die Siebensterne verloren ihre Farbe, und das grüne Buchenlaub wurde grau. Und das nicht allein, weil die Sonne unterging. Hedwig schritt stark aus, ohne auf Zeit oder Ort zu achten. bül sie einen mit hohen Adlerfarnen bewachsenen Hang er- rWhte. Hier klapperten zwei Rebhühner mit schrecklichem Spekcakei>n die Höhe. Hedwig blickte sich um und merkte, daß sie sich verirrt hatte. Vor ihr stond ein unheimlicher Tannenwald. Die schwarze Nacht selbst lag hinter seinen Stämmen eingesperrt wie ein wildes Tier in seinem Käfig. Hin und wieder erhob sich ein Geräusch, wie schweres Atmen oder sogar Schnarchen. Aber umkehren wollte Hedwig nicht. Sie tauchte ins Dunkel hinein, wo der Nadelboden alles Geräusch außer dem Rascheln ihrer Kleider erstickte. Es kam ein Augenblick, da der Schrecken des Waldes Hedwig übermannte. Sie dachte, daß ein entsetzlicher Tod ihr nahe wäre. Sie begann zu laufen. Die Zweige rissen und zerrten an ihr mit ihren starren, mageren Fingern. Das alles dauerte weniger als eine Minute. Wenn ich sterbe, so scheide ich von Iohan Fors, dachte sie, und der Gedanke erfüllte sie mit unbezwinglicher Lebenslust. Sie wollte auf demselben Weltkörper bleiben wie er. Gleich darauf hatte sie sich wieder in der Gewalt. Das Geräusch, das sie gehört hatte, mußte ja das Schlagen der Wellen sein! Bald war sie am Velt, dann fand sie leicht ihren Weg. (Fortsetzung folgt.) mann, der keinen Anlaß zum Selbstmord hatte, von dem Vorhaben der Frau nichts gewußt hat. Während er lchlies, hat sie heimlich die Gashähnc geöffnet._. Räuberromantik. „ nalen Kleinarbeit" Hatte kürzlich ihre monatliche Zusammen- kunft, die außerordentlich gut besucht war. Als Referent für diesen Abend war Regierungsrat Donau gewonnen, der als Direktor des Zweigamtes Berlin des IAA. über die Ausgaben des Internatio» nalen Arbeitsamtes in Genf spracht. Organisationen, Aufgaben und Ergebnisse der internationalen Arbeitsorganisationen wurden in klarer Weise dargestellt. Die Größe und Bedeutung dieser inter- nationalen Stelle, die eine Einrichtung des Völkerbundes ist, geht daraus hervor, daß ihr Haushalt für 1927 7V Millionen Schweizer Fronken beträgt und das Personal auf 373 Köpfe angewachsen ist. Aus dem Aufgabegebiete, der Schofjung eines internatio- nalen Arbeitsrechtes, sind trotz aller Schwierigkeiten in den einzelnen Ländern schon erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Es liegen bisher 23 völkerrechtliche Vertragsentwürfe � vor. die bebestimmte Teilgebiete des Arbeitel schlitzrechtes, des Verfassungs-, des Arbestsverfasiungs- und des sozialen Versicherungsrechtes zum Gegenstand haben. Diese von der Arbeitskonferenz beschlossenen „internationalen Gesetzentwürse" sind bisher von 39 verschiedenen Staaten in 214 Fällen insgesamt ratifiziert worden. Reben diesem Bemühen, ein möglichst einheitliches internationales Arbeitsrecht zu schaffen, hat sich auch der sozialpolstische Informationsdienst des Amtes außerordentlich entwickelt, desgleichen die rein Wissenschaft- liche Tätigkeit, durch die eine große Anzahl sehr wertvoller Studien und rechtsvergleichender Darstellungen über den Stand der sozialen Gesetzgebung in den verschiedenen Ländern herausgebracht sind. Es ist die Hoffnung begründet, daß die Tätigkeit des Internationalen Arbestsamtes segensreich für alle Arbeitnehmer wirken wird und damit auch den Weltsrieden befestigt. Dem Bortrage schloß sich eine anregende Diskussion an.—- Unter den geschäftlichen Mitteilungen verdient besonders hervor- gehoben zu werden, daß die Arbeitsgemeinschaft„Die Freund« der Internationalen Kleinarbeit" nunmehr in die Lage versetzt worden ist. ein eigenes Mitteilungsblatt herauszugeben, das zunächst in deutscher und englischer Sprache erscheint. Die Tätigkeit dieser Arbeitsgemeinschaft ist sehr fruchtbor und ver- dient westestgehende Förderung. Interessenten, die die„internationale Kleinarbeit" fördern wollen, werden gebeten, sich an unsere Ge- fchäftsstelle Dr. Adolf Paetz, Berlin NW. 21, Stromstr. 58, zu wenden. Der Arbeiler-Radioklub Halle kürzlich im Rathaus eins Versammlung von Schriftstellern, Künstlern und Vertretern ge- werkschaftlicher Organisationen einberufen, die sich mll der Frag« über die Beeinflussung der Rundfunkprogramme im Interesse des werktätigen Volkes beschäftigen sollte. Di« Referenten führten aus: Es müsie eine politisch nicht festgelegte Gemeinschaft gebildet werden, die jede reaktionäre Hallung des Rundsunks entschieden bekämpft, ebenso energisch aber auch Stellung nimmt gegen eine Derkitschung der Programme. Kritik genüge nicht allein. Notwendig ist es. daß die Gemeinschaft von sich aus Programme, die in dem gewünschten Sinn« gehallen find, entwirft und sie den Sendegesellschaften unter- breitet. Vor allem müsse ein Zusammenschluß aller interessierten Gruppen stallsinden, wie Landtagsabg. Genosse H e i l m a n n darlegte. Nur so gewönne man die nötige Resonnanz und Stoßkraft, es ginge nicht an. daß einzelne auf eigene Faust Handellen. Da einige wichtige Organisationen fehlten, konnten nur vorläufige Beschlüsse gefaßt werden. Das positive Resultat der Versammlung war die Wahl eines Ausschusses von 25 Bertretern, die in verschiedenen Kommissionen Richtlinien für die einzelnen Programmgebiete herausarbeiten und ein- laufende Vorschläge durcharbeiten sollen. Das Urteil im zweiten Schröder-Prozeß. In dem zweiten Schröder-Prozeß, wegen Meuterei unL Fluchtversuchs, wurde gestern nachmittag in Magdeburgs das Urteil gefällt Schröder«chiest drei Jahr« Zucht- Haus und ftinf Jahr« Ehrverlust, Valentin Schultz« zwei Jahre Zuchthau» und drei Jahre Ehroerlust. 1 285 000 Rundfunkhörer in Deutschland. Die Zahl der Rund- funktestnehmer ist im Laufe des Monats Oktober um mehr als 39 009 gestiegen Di« Gesamtzahl der Rundfunkhörer im ganzen Reiche beträgt nach dem Stand vom 1. November 1 286 631. Ein französisches Kinderhospital beschossen. Wie Havas aus Hycre» meldet, fielen bei einem Uebungsschießen des französischen Panzerkreuzers„Marseillaise" drei Geschosse in ein Kinder- hospstal aus der Halbinsel Giens. Sie durchschlugen zwei Stockwerte und blieben im Kellergeschoß stecken. Personen wurden nicht verletzt, der Sachschaden ist bedeutend. 55 Hochzeilsgäste ertrunken. In der Gegend von Madras (Ostindien) haben auf dem Gogovarifluß 55 Personen, die von einer yochzest zurückkehrten, durch Kentern eines Motorbootes den Tod gefunden. parteinachrichten für Hroß-Serlm Ciniratnmgen fit tieft ZiubrU find IITa-* Met« m tos«ejlttafettetarUrt, Berlin e© 68, eintenfttafje 3. 2. S-i. 2 Ttt». rechte, ja richtea. Achtung, Kassierer! Der Beschluß, nach dem alle Abteilungs- kassier«: in jedem Monat eine Abschlagszahlung zu leisten haben. ist bei vielen Kassierern wieder in Bergessenheit geraten. Es wird hiermit daran erinnert und gleichzeitig darauf hingewiesen, daß die säumigen Abteilungen in den nächsten Tagen verösfentlicht werden. I. A.: Alex Pagets. ' 0 ttämm s FÜR ERWACHSENE t/Hü KINDER Gegen Verstopfung t est 7% Wt SaSTaStni Set«chwar,, etötrfcnftlStt Cts. Ut 6. Abt TU Uhr ,Tf.Ii:otcnic In den bekannten Lokalen. 7. BSt TVH Uhr Zahlabende: Hube,©ticURte Str. 56.$5n, Bergkkr. 8L Bortra«:»Die auhenpoMische Lage". Reserent Gerhard Hramer. Doms, Ecklegelstr. g. Bortrag:»Dte politische Lage". Ncfftent Stadtrat Willi Kühne. Bei-.au. Pflugstr. 1. Dicke, Boyenstr. Ig. I i 8. Abt 8 Uhr im Nationalhof. Bülawsrr. 87, öffentliche Versanmi. Tj lnng. Bottrag:„Die weltliche Schule". Referent Rektor Walter Riech. f-ü All« Genossinnen nnd Genossen müssen für guten Besuch der Ber- sammlung Sorge tragen. l». Abt Tie Uhr im geicheusaal der Schule Alt-Moabit ZZ Bortrog: Die politische Lage. Referent Dr. Paul Leui, M. d. R. lll. Abt. 8 Uhr- bei Schmidt, Wiclefstr. l?» Bortrag: Die politische Lage. Referent Wilhelm Richter. lg. Abt 7ii Uhr im Artushof, Pcrlcberger Str. 29, Bortrag: Unfett Justiz. Referent Landgcricktsrat Ernst Rüben. lZ. Abt. 7% Uhr bei Goldbach, Binetaplatz 7, Bortrag: Di« vereinigten Staaten von Europa. Referent: Hurt Seinig. Di« Bezirkssllhrer laden ein. Gäste und„Borwärts".Lcser sind willkommen. 18. Abt. 7U Uhr in den Humboldtsälen, Hussitenstr. 40, Bortrag: Hommu. nalpolitil. Referent Bürgermeister Leid. Sympathisierende und„Bor- wärio".Leser sind herzlichst willkommen. 18. Abt TU Uhr bei Sachse. Lindower Str. 28, Bortrag: Bblkerbund und Auslandspolitik lFortsehung). Referent Otto Bach. 19. Abt. 7ih Uhr in der Schule Gotenburger Str. 2 Bortrag: Sozialpvli- tisches. Referent Helmut Lehmann. Gäste willkommen. 28. Abt. 7>,h Uhr bei Wende, Holoniestr. 147, Bortrag: Hommunalpolitik. Referent Genosse giegler. 21. Abt 7ih Uhr stn Schraberhans, Malplaauetstr. 14— 16, Bortrag: Unsere Arbeit im Etadtparlament. Referentin Stadtverordnete Liesbeth Ktlbner. 24, Abt. 7U Uhr im Altersheim, Danziaer Str. 52, Bortrag: Pazifismus und Sozialismus. Referent Pfarrer Bleier. 25. Abt 7Vb Uhr im kleinen Saal de« Saalbau Friedrichshain Bortrog: Wichtiges über die Hrankenversicherung. Referent Carl Bauer. 27. Abt IVs Uhr in den Schönhauser ssestsälen, Schönhauser Allee 12g, Dar. trag: Hultnrpolitik. Referent Stadtpcrordneter Dr. Siegfried Hawcrau. 28. Abt. 7>� Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 28, Vortrag: Die Tätigkeit der Reichstagsfraktion und ihre Stellung zur Regierungsbildung. Referent Willy Stcinlopf, M. b. R. 38. Abt TVH Uhr Zahlabende in folgenden Lokalen: Bezirke 93 bis 95; Pohst, Lychener Ecke Stargarder Strasse: Bortrag: Der Kaushaltsplan de« Ber. waltungsbezirk». Bezirke 98, 97: Schröter, Pappelallee 34. Bezirke 708 bis 102: Hoffmann, Lychener Str. 8. Bezirk« 117 bis 128: Hilgenfelbt, CarmenZsylva.Str. 5. Bezirke 124 bis 127: Seiler, Hanzowstr. 18: Bor» trag: Haalitionspolitik und Klassenkampf. Referent Genosse Denzer. 31. Abt. Die gahlabende fallen au» und finden dafür am Mittwoch, dem t Dezember, statt. Sonnabend, den 27. November, 7HH Uhr, bei Gold» fchmidt, Stolpifche Str. 3«, ffunktionärssssung. 32. Abt Vn Uhr in Schmidts Gesellschaftshaus, ffruchtftr. 85», Bortrag: Eozwldemokratie und Kommunistische Partei. Referent Robert Breuer. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht.„Lorwärts". Leser und Gäste haben gutritt. 33. Abi. 7 Uhr in ber Schulaula Lohenloheftr. 18, Bortrag: Die bevor. stehenden Arbeiten ber Reichstagsfraktion. Referent Genosse Kröger, M. b. R. Rege Beteiligung wirb erwartet. 35. Abt 7 Uhr m der Schulaula Samaritcrstr. 28 Dortraa de» Genossen Mirn». Da in dieser Bersammlung wichtige Beschlüsse gefasst werden, Ist es Pflicht aller Mitglieder, bestimmt und pllnktlich zu erscheinen. 38. Abt Iii Uhr in ber Schulaula Petersburger Str. 4, fsilmoorfübrung: Unser Konsum. Eintrittslarten sind am Eingang zu haben. Einln 20 Pf. Arbeitslose freu Zahlreiche Beteilianng wirb erwartet. 87. Abt IVt Uhr in der Patzcnhofer Brauerei. Landsberger Allee. Bortrag: Di« politische Lag«. Referent Erich Kuttner, N. b. L. Alle Genossinnen und Genossen sowie„Borwärt«".Leser werben in Anbetracht der Wichtig. keit der Tagesordnuna dringend ersucht, bestimmt zu erscheinen. 88. Abt IM, llhr in Schmidts Gesellschaftshan«, ffruchtstr. 85», Bortrag: loIUischen Parteien des Auslandes. Referent Georg Ratble. .-3....._---- i. � Sprech ssnnd«. Bortrag: -.Dorf Gäste willkommen. 42.»bt 714 Uhr in den Blüchersälen, Blücherstr. 51, Bortrag: Unser« Arbeit tu der Kommune. Referent Bezirksnerorbneter Paul Robinson. 43. Abt 714 Uhr bei Rabe, Fichtestr. 24, Bortrag: Die politische Lage. Res«. rent Franz v. Pnttkamer. 44. Abt 714 Uhr gahlabende. Stadtbezirk 79 bei Bogels Brisser Str. 45. Stadtbezirk 80 Schiebolb, Abi Reichenberger. tri-b-führur�. � j,,}«ichholz, Suvyr. Die po: 45. Abt. 7 strasse Stadtbezirk 108 Bis 109 bei W-llentnn, Görlisser Str. 72. «7. Äbt 714 Uhr bei Nowak, M-nteuffelstr. 9. Bortrag: Jugend und Partei. Referent Ludwig Diederich. Die Bezirksführer laden dazu ein. Charlotte ubnrg 51. Abt 8 Uhr bei Echöllboch, Köntoin.Elisahetb.Etr. 5, Vortrag: Wohnungs- und Steuerfragen. Referent Hermann Llldemann, M. d L. Sympothisserende und„Vorwärts".Leser sind herzlichst ein- geladen.— 53. Abt. 714 Uhr bei Triller. Berllchingenstr. 7. Bortrag: *>0„ X&05« i /ü 4A4|l. UCl u» eui/ z* ey'*—. innenpolitisches. Referent Adolf Wuschick.- 5«.«bt. 8 Uhr bei ioskowiack. Loltzendorffstr. 20. Bortrag: Berus-schnl- nnd Arbeiterschaft Referent Lehrer Emil Reischles.- 87. Abt 7U Uhr bei Th-—" im'- land strasse 4, Bortrag: Internationale Petroleumpollttk. lksschu..______________, 714 Uhr bei Thunack, Wir- ________ tetroleumpolitik. Referent: Dr. Friedrich Sertneck."»äste willloimnen. Schönebero. 77. Abt. 8 Uhr Mltgliedernersammlung. Bortrag: Drei Revo. wtionen. Referent Genosse F-Ick.— 78. Abt 8 Uhr bei Rasenthal, Ebersstrasse, Bortrag: Theorie und Präzis der Verfassung. Referent Genosse Roehlke. Wichtige Parteiangelegenheiten. Erscheinen sämtlicher 83 Abt� Lickterselde.'« Uhr im Lokal Kattum, Bäckstr. 7, Vortrag: Das Arbeitslosenversscherungsaefess. Referent Stadtverordneter Robert Rod«' 85. Abt Martendorf. 714 Uhr in der Kchulaula Königstrasse Bortrag: Die vereinigten Stauten von Europa. Referent Pastor Franke. Gäste will. kommen. 98. Abt Biiss-Buckow. 714 llhr im Reswnremi Lindemxrri. Ghanssetlkr 18, Bortrag:„Gegen das Schmnss- und Schundgssetz". Referent Hans Woy- wod, Lehrer. 128.'138.«St Pankow. 714 Uhr im K-nzerthau« Linder. Pankow, pn Breite Strasse, öffentliche. Eiter» Versammlung Vortrag:„Die weltliche M Schule". Referent Dr. Kurt Löwenslein. Di« Landzettel ssnd unbe- in- dingt bis zum Mittwoch zu verbreiten. Für guten Besuch der Ber- Ei sammlung bitten wir Sorge zu tragen. 136. Abt. Reinikendorf-Oft. Die Mitgliederversammlung fällt aus und findet erst am Mittwoch, 8. Dezember, statt. Weitere Ankündigungen erfolgen. 84. Abt. Achhnm! Die DezirksMbeer werden dringend ersucht, die der erwerbslosen Genossen sowie aller schulpflichtigen Ainder sumtucher Genossen beim Genossen ssräntzel, Kopernitusstr. 33, bekanntzugeben. 41. Abt. Freitag. T6. November. 7V6 Uhr. Mitgliederversammlung bei Bader, Jüterbog er Str. 7. gegenüber der Kaserne. Vortrag:„Kommunale Arbert im Bezirk Kreuzberg". Referent Stadtrat Smil Dittmer. �Borwürts- Leser und Gäste herzlichst willkommen. Frauenveranskallungen: »t«bt Reuköll«. Mittwoch, 24. Ronembee, 714 Uhr, bei Günther. Schiller. Promenade 11, Heiterer Abend. Bortrogender Genosse Hofemann. Gaste bcrzlichst willkommen. �« 141. Abt. Rosenthal nnd Riede eschönhansen-West. Mittwoch, 24. Rovember. 714 Uhr, im Lokal Epmeier. Hauptstr. 15. Reuter-Abend. Bortrag:„Arthur Rachow". Zungsozialisten: Gruppe Süden: Heute, Dienstag, pllnktlich 8 Uhr, Gruppenabend. Bortrog: „Wirtschoftsfragen". Zlrbeilsgemeinschafl der kinderfrenade: 82. Abt. Stegliss. Heute, Dienstag, 23. November, von 4— 7 Uhr Spielen im Heim Blbrechtstr. 47. Sozialiftische Arbeiterjugend Groß- Herlin. Wanderer, und Spieleleiterkonferenz am Mittwoch, 24. November, 714 Uhr, im Jugendheim Lindcnstr. 3. Bortrag:„Arbeite: fugend und Leibesübungen". Z cd« Abteilung muss unbedingt durch einen Genossen vertreten sein, da über die neuen Bestimmunaen der F-hrvrcis-rmässigung berichtet wird. «bteilrrngslciter, holt die Karten für die Beranstaltung„Rund um den Schund" ab. heute. Dienstag. IV» llhr: Gesundbrunnen: Schul« Gotenburger Str. 2, Satirischer Abend.— Weddtng.Rord: Iadh. Turiner Eck« E-estrasse, Bortrag:„Proletarische und merlichc Jugendbewegung".— Rordost ll: Igdh. �" Dichter So? We...____,,, i._....—,—.— �>WWU, tische Lage".— Renkölln Ul! Schule Weisestr. 19, Bortrog:„Der biswrisä'e Materiallsmu,".— Reukclln Vi Igdh. Roaatssr. 58, Vortrag:„Das rote Wirn".— Relnickendorf.Oft: Igdh. Seebad,»estdenzstr. 45, Bortrag:„R«vo. Intion oder Evolutlon".— Buchhol,: Lokal von Rossack, Hauptstr. 71, Bor- trag:„Unsere Gegner".— Rled-rschöirh-nfen: Schule Blankenburger Str.«9/70, Vortrag:„Christentum und Eozialismn»", 2. Teil.— Südost K.-D.: Igdh. Wrongelstr. 128, Mädchcnabend mit Bortrag:„Sexuelle Fragen". W««>—|—"" Straße Äerbebcziü' Müggelsee: BUdungskursus für Jüngere, Igdh. Grünauer aßc 5. Thema:„Einführung in den Sozialismus". gebuni Sa K «abebezirk Renkölln: Achtung! Die für heute, Dienstag, anaeseßte Kund- ng findet nicht statt. Wie beteiligen uns dafür morgen, Mrttwoch, an Kundgebung da Partei. Der Kreistag in Sranöenburg a. ö. Havel. Der 1. Kreis vom Arbeiter-Turn- und Sportbund hat am Sonn- abend und Sonntag wichtige praktische Arbeit geleistet. Diese Tatsache können wir an erster Stelle als erfreuliches Resultat buchen. An zweiter Stelle ist zu vermerken, daß durch die Neuorgani- s a t i o n des Bundes nach Sparten das Schwergewicht der Ber- Handlungen auf die Frage konzentriert wurde, wie die einzelnen Sportarten sich gegenüber der großen Sparte der Turner ihren Ein- fluß sowie die Entwicklungsmöglichkeit sichern können. Dadurch mußte notwendigerweise die Erörterung„ideologischer" Fragen in den Hintergrund treten, an ihre Sielle trat die Beratung praktische? Bedürfnisse. Die Eröffnung des Kreistages erfolgte am Sonnabend um 5 Uhr im„Volkshaus" durch Gesang und Musikvorträge der Bran- denburger. Vom Bundesvorstand"war der Vorsitzende Geliert anwesend. Kreisvorsitzender Reichert gab sodann den Tätigkeitsbericht über die letzten zwei Jahre: Nach dem Rückgang während der In- flationszeit macht sich jetzt wieder ein guter Aufstieg bemerkbar durch Zunahme von 7ll Vereinen und über(5000 Mitgliedern. Diese Vor- wärtsentwicklung wäre sicher noch weit größer gewesen, wenn dl« Propagierung von parteipolitischen Parolen unterblieben wäre. Der Sportbericht ergab eine rührige Tätigkeit der einzelnen Sparten. Beim Kassenbericht wurde festgestellt, daß bei Uebernahme der Kreisgeschäfte von Lieske ein erhebliches Manko vorhanden war. Jetzt ist ein Barbestand von 7800 Mk. vorhanden, so daß erfolgreiche Arbeit geleistet werden kann.— Anschließend an die Berichte hielten die einzelnen Sparten Sondertagungen ab, um ihre Angelegenheiten zu beraten.— Um 10 Uhr abends versammelten sich die Kreistagsteil- nehmer noch einmal im großen Saal« des„Volkshauses", um sich den neuen Film des Bundes anzusehen. Der zwei Stunden laufende Film kann nicht nur den Vereinen, sondern auch den Kommunen als wirkungsvolles Propagandamittel für den Sport bestens empfohlen werden. Am Sonntag begannen früh 8 Uhr die Verhandlungen im „Turnsrheim" des Brandenburger Arbeiterturnvereins. Auf einem 44 Morgen großen Gelände haben die Brandenburger sich nicht nur große Spiel, und Sportplatze, sondern auch einen großen Saal mit vielen Nebenräumen geschaffen. Bei der nun folgenden Dis» kufsion über die Geschäftsberichte der Kreisfunktionär« gab der Dundesvorsttzende Geliert zunächst einige Ergänzungen. Im Bordergrunde stand die Erörterung über die SporkabkeUungen de« Reichsbanners, wodurch den Sportvereinen nicht nur Turnhallen, sondern auch Sportplätze entzogen werden. Trotz zentraler Abmachungen und einer Erklärung des Gauvorfitzenden Koch konnte auch die Zentral- kommisston keine Verständigung herbeiführen. Während in den meisten Orten eine Einigung erzielt werden konnte, werden beson- ders in Berlin und Umgegend Vorkehrungen getroffen, die zur Bil- dung einer Sonder-Sportorganisation und damit zu erhebliche» Differenzen führen müssen. Eine Resolution in dieser Sache wurde nur deswegen nicht einstimmig angenommen(79 gegen 24 bei 28 Eni- Haltungen), well die Antragsteller das Bedürfnis fühlten, den Roten Hrontkämpferbund in empfehlende Erinnerung zu bringen.— Ei» Antrag von zwei Fichte-Mitgliedern zugunsten der Wiederaufnahme von Lieske wurde gegen zwei Stimmen durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, da Lieske allseitig fallen gelassen wurde.— Das neue S t a t ut auf Grund der Sparteneinteilung wurde mit einigen Aenderungen angenommen. Hervorzuheben ist, daß die weiblichen Mitglieder in Zukunft entsprechend ihrer Zahl in be- sonderen Wahlkörpern wählen. Ms neue Sparte wurden neben den Turnern, Fußballern, Schwimmern, Leichtathleten, Ruderern und Kanufahrern auch noch die T u r n s p i e l e r anerkannt.— Die Ein gliederung der Fußballer in die bestehende Bezirkseintei- l u n g mußte wiederum durch Ueberweisung an eine Kommission vertagt werden.— Der Kreisbeitrag für 1927 wurde auf 25 Pf. pro Mitglied über 14 Jahre festgesetzt. Zu einer Probe des Kräfteverhältnisses kam es sodann bei den Mahlen. Trotzdem dem bisherigen Kreisvorsttzenden Reichert, der der SPD. angehört, die Aberkennung für seine Tätigkeit nicht versagt werden konnte, stellten die Kommunisten einen Gegen- kandidaten auf. Bei der Abstimmung fiel der Kommunist Zobel mit 04 gegen 09 Stimmen, die für Reichert abgegeben wurden,. durch. Die knappe Mehrheit zeigt, daß die im Sinne des Bundes arbeitenden Genossen sich in Zukunft enger zusammenschließen müssen, wenn sie sich gegenüber der Fraktionsarbeit der KPD. sichern wollen. Zweiter Vorsitzender wurde Oehlschlaeger, Kassierer Ma; Schulz, Schriftführerin die Sportgenossin Keller. Revisoren Kann, Sportgenossin Frick, Hutmann. Zum Agitationsobmann wurde L e s ch gewählt— Das nächste Kreisfest soll im Juni 1927 in Berlin staitflnden. Eine lebhaste Dis- kufsion entstand, well die SPD.-Genossen verlangten, daß Siche- rungen gegen kommunistische Auswertung der. Arbsiterfvortfeste gegeben werden In diesem Sinne wurde beschlossen, daß nur rote Fahnen und Fahnen mit Bundesabzeichen geführt werden dürfen. Die geübte Kritik wird hoffenllich ge- nügen, um in Zukunft Differenzen zu vermeiden.— Nach einem Referat von Geliert über:„Die Stellung der Behörden zu unserer Organisation" wurde der Kreistag geschlossen. Zwei weitere zurückgestellte Referate über„Werksport" und„Iugendfrage" sollen im Druck erscheinen. � Sieben Jahre Körperbilüung. Ed» Surnfest der„Freie» Turncrschaft Grotz-Berlin" Die„Freie Turnerschaft Groß» Berlin" gab am Bußtag zur Feier ihres siebenjährigen Bestehens ein Turn- und Sportfest Die riesige Zentralturnhall« in der Prinzenstraße barst fast unter der Füll« der aktiven und passiven Teilnehmer. S o sollen Arbesterfeste sein: Feste der Massen, des Volkes, Volksfeste schlechthin. Di« FTGB. Hot das erreicht: sie Hot sich aber damit nicht zufrieden gegeben, sondern hat, ihrem ursprünglichen Zweck und Ziel nachgehend, die Pflege volkstümlichen Turnens und Sportes so nutzbringend betrieben, daß sie die Erfolge vor aller Well zeigen kann. Das tat man am Bußtag in ausgiebigstem Maße. Um es vorweg zu n«hmen: Die Leitung der FTGB. wird sich, je schneller je besser, darüber«inig werden müssen, daß für ihre Vorführungen die Zentralturnhalle, Berlins größte, zu klein ist, und daß die Turn- feste, um wirken zu können, einen anderen Rahmen brauchen. Die am Bußtag beobachtete Ueberfüllung des Turnparketts durch Mil- wirkende irretiert die Zuschauer, wirkt immer undiszipliniert, selbst wenn noch so große Ordnung herrscht Schließlich kann auch der beste Turnwart Hunderten kleiner Sportlerinnen nicht das fröhliche Plappermäulchen verbieten. Aber trotz alledem war es ein schönes Fest. Das Musterriegen. wetturnen, das einen interessanten, umfassenden Ueberblick über den turnerischen Betrieb im Verein gab. war umrahmt von leicht- athletischen und gymnastischen Uebungen. Wunder- bar anzuschauen der Erfolg des Trainings am Mädchen- und Iünglingskörper. Wohlwend und nachahmenswert die rhythmisch- gymnastischen Uebungen der Frauen. Hier zeigte sich der in der Arbeiterschaft steckende Sinn für Schönheit der Bewegungen und der Formen. Eine solche disziplinierte Freihest des Körpers muß ebensolche Freiheit des Geistes notgedrungen im Gefolge haben. Das sind die großen Werte, die zu heben unsere Arbeiterturn- verein« berufen sind. Die„Freie Turnerschost Groß-Berlin" darf für sich in Anspruch nehmen, hier bahnbrechend voran zu gehen! Im Vordergrunde des turnerischen Programms standen die 44 M u st e r r i e g e n an Geräten. Am höchsten bewertet wurde das Altersturnen der Männer von Wedding(1375 bzw. 1349 P.) und Norden II(1188 P.) am Barren mll teilweisen Oberstufen- Übungen, ober auch das Turnen der Frauen über 25 Jahre, be- sonders die Riege von Osten(1242 P.), fand gute Anerkennung. In der Oberstufe der Männer zeigten Norden II(1291 P.), Osten(1201 P.) und Norden III(1223 P.) ziemlich gleichartige Leistungen, bei den Frauen war Norden II an erster Stell«(1277 P.) mll einer Pferd- riege. Da 15 bis 10 Riegen jedesmal zu gleicher Zeit turnten, bot sich dem Zuschauer ein buntes Bild der verschiedensten Arten des Geräteturnens, das durch das gleichzellige Turnen von Männern und Frauen, jungen Mädchen und Burschen noch besonders belebt wurde.— Bei den Sondervorführungen wirkten die Sportler von Wedding mit über 100 Tellnehmern bei ihren Frei- und Massageübungen schon durch die Zahl imposant(04 P.): den ersten Rang erreichte Norden II, Männer, am großen Ring(73 P.). An zweiter Stelle standen die Frauen von Osten mit Freiübungen und Schrittarten(70 P.), die Mustergültiges auf diesem Gebiete zeigten. Gut wirkten 00 Frauen über 25 Jahre von Wedding (09 P.).— Das Handballspiel kann als mustergültige Dar- bietung bezeichnet werden. Die Abendfeier im Gewerkschaftshaus brachte eine Reihe ..eiterer sportlicher Darbietungen und gute gesangliche Darbietungen )er Vereinigten Sängerriegen Wedding und Norden II. ffleiif« Rcsultate. Pferdlprün�c: 1. Osten 858 P.. 2. Silboften 762 P.— pcnbelftofettcn: Zugend: 1. Wedding 2 27 Set., 2. Lüden 27,4 Set., 3. Bed. lina I 23,2 Set.— Altersriegenturner: 1. Norden Itl 29,4 Set.— Männer: 1. Weddin-, 1 53� Set., 2. Süden 154 Set. 3. Osten 54,4 Set.— Stund- («fetten: Männer(4, 3 2, 1 Runden): 1. Süden 1 2 Min. 11,4 Set., 2. Osten ! Min. 12,1 Ecfw 3. Wedding 1 2 Min. 12,9 Set.— Jugend(8, 2, 2, 4 Runden): . Wedding 2 3 Min. 49 Set., 2. Weddinq 1 3 Min. 50 oef-, 3. Wösten 3 Min. S Set.— Frauen(10x1 Runde): 1. Wedding 1 2 Min. 23 Set.. 2. Osten 1 > Min. 24,8 Set., 3. Süden 2 Min. 29 Set.— Kandb«»: Männer A gegen B 1:1.— Kochsprung: Männer: 3 Teile, je 1,55 Meter: Fronen: 1 Teil, „40 Meter: Jugend: 3 Teile, je 1,45 Meter.— SR Ilster riegen; Männer, Nittelstufe: 1. Norden I,-Barten, 1289 B., 2. Osten. Barren, 1235 P., I. Norden II 1188 P.— Jugend: 1. Osten. Barren seit, 1250 P.. 2.«edding, Barten hoch, 1237 P.. 3. Eberonalde, Barrett, 1151 V.— Frauen, Oberstute: !. Wedding. Borten, 1209 P., 3. Slorden 111. Sorten, 1194 P.— Frauen, IRitlelswfe. 1. Norden II, Vferd long. 1234 B-, 2. Zentrum, Borren seit, S09 V.. 3. Osten. Pferd. 1174 P. Unü wieder poftsportverei«. Kassenebbe in einem Werksporkverein. Vor ungefähr Monatsfrist befaßten wir uns schon einmal mit »en merkwürdigen Zuständen im Berliner Postsportverein. In- zwischen scheint sich die Angelegenheit mehr und mehr zu klären, und vas übrig bleibt, ist nicht gerade dazu angetan, den Postsportoerein empfehlende Erinnerung ,zu bringen. In der kürzlich abgehaltenen Verwaltungsratssitzung der Deut- ichen Reichspost hat sich Reichstagsabgeordneter Genosse Stein- topf unzweideutig über diese Ding« ausgesprochen. Er stellte fest, »aß der Postsportverein Berlin von der Deutschen Reichspost ein Darlehen von 600 000 M. erhalten habe, das mit 3 Proz. zu verzinsen und mit 2 Proz. zu amortisieren ist. Bei der Be- Billigung dieses Darlehens hätte man angenommen, daß in der Umgebung Berlins kleinere Sportplätze in frischer, freier Lust er- lichtet werden sollten. Auf keinen Fall war es nötig, ein so umfang- reiches Stadion in einer so ungünstigen Lage zu bauen. Das Stadion kann mit dem Betrag von 600 000 M. nicht erbaut werden. Benvsse Steinkopf fragte den Reichspostminister, wieviel das Sta- »ton denn nun eigentlich kosten werde und ob sonst noch Gelder »em Postsportverein gegeben worden sind. Jedenfalls ist jetzt schon icstzustellen. daß der Postsportverein finanziell am Rande seiner Leistungsfähigkeit ist, denn er hat. nur um Geld in die Hönde zu »«kommen, das Stadion für viele Tage für«inen lächerlichen Betrag »n den Fußballklub„Tennis-Bomssia" verpachtet. Keines der Mit- zlieder des Postsvortvereins— außer dem Hauptvorstand— wisse -twas von dem Finanzgebaren des Vereins. Im Postscheckamt sei »ie Kasse des Vereins beftohlen worden und niemand wisse, wieviel Ke überhaupt enthalten habe. Mehrere Abteilungen hätten sich schon im die Einberufung einer Generalversammlung bemüht, aber der korstand verhindere da� immer wieder. Genosse Steinkopf «arnte den Reichspostminister, dem Postsportoerein auch nur nnen Pfennig Geld zu geben, bevor nicht über die Sache im Ver- «allungsrat vollkommene Klarheit herrsche. Es gehe nicht an, öffentliche Gelder auf diese Art und Weise zu verschleudern. Eine unerwartet« Bestätigung erhielten diese Ausführungen durch den Rcichstagsabgeordnetcn Molloth. der in derselben Sitzung erklärte, daß der Postsportverein sich in den größten finanziellen Schwierigkeiten befinde und Gewerbe- treibende, die für ihn arbeiten, nicht bezahlen könne. Wir können noch hinzufügen, daß unter den Mitgliedern des Postsportvereins über die Geschäftsführung größter Unwillen herrscht. Man fragt sich, wozu ein Sportverein zwei Geschäfts. führer und sechs Schreibmaschinendamen braucht. die natürlich alle besoldet werden müssen. Der Reichspostminister hat sich immer noch nicht bereit finden können, auf alle diese Fragen eine Antwort zu geben. Zu bedauern sind nur die armen Beamten, die sich in den Postsportverein haben locken lassen. Hoffentlich wird »» für sie eine heilsame Lehre sein. Auf jeden Fall finden wir unsere Behauptungen erneut bastätigt, baß der Postsportverein«in Werksportverein ersten Ranges ist, der den von der Privat- industrie hochgepäppelten Werksportvcreinen in keiner Hinsicht nach- steht.-_ Die„unpolikischen" Bürgerlichen! Aus Sachsen wird uns geschrieben: Die beiden Wahl- schlachten um das Landesparlament und um die Gemeindeparla- inente in Sachsen haben auch die Sportverbände in das Getümmel gerissen. Die bürgerlichen Sportosrbände hatren dabei wieder ein- mal Gelegenheit, ihre soviel gepriesene„politische Neu- t r a l i t ä t" zu beweisen: sie stellten sich rücksichtslos in den Dienst der Reaktion. In der bürgerlichen Sportwochenschrfit „Kamp f" fand sich ein Wahlaufruf, in dem zu lesen stand: „Sportkameraden! Wählt nur die Liste der Deutschnatio- nalen Volkspartei!" In einem Begleitartikel hieß es:„Heute liegt eben noch die wirtschaftliche, wie überhaupt jede Interessen- Vertretung in der Hand polltischer Parteien, und wir unpolitischen (! Red.„Vorwärts") Sportler werden eben doch bürgerliche Sportler genannt. Warum vor diesen Tatsachen den Kops in den Sand stecken aus falschen Rücksichten? Es ist nicht unsere Aufgabe, eine bestimmte Partei zu empfehlen Hoffentlich sind wir zur nächsten Wahl soweit, daß der große Kreis der Sporller und ihres Anhangs eigene Kandidaten oder mindestens eigene Ver- treter für ihre Belange im Rahmen irgendwelcher Parteien her- ausbringt." Boxer, Schwerathleten und Jiu-Iitfukämpfer zur Ergänzung deutschnationaler Großagrarierfraktionen müßten sich sehr schön machen. Mannschoslswaldlaus durch die Zungsernheide. Der erste Trainingswettkampf für drei Streckenläufer im Arbeitersport, vom Sportverein Moabit am Bußtag als Mannfchofts-, Walb- und Ge- ländelauf in Gruppen für Schüler, Jugend und Männer durchge- führt, war ein guter Erfolg. 35 Mannschaften mit rund WO Läusern traten zum Start an. Bei den Männermannschaften konnte sich Moabit l gegen Fichte-West und Weißensee erst zum Schluß klare Führung verschaffen. Im Iugendlauf war die Entscheidung zwischen Fichte-West, Neu-Schulzendorf und Nowawes sehr knapp. Bei den Schülern war Moabit mit zwei Mannschaften dem ASC. überlegen. Durch märkisch Land zum Oskseestrand lautet das Thema des Lichtbildervortrages, den Genosse Krämer am Sonnabend, den 27. November. 8 Uhr, in der Schulaula, Tegeler Str. 18/20, auf einem Werbeabend der Abteilung Wedding des Touristenvereins „Die Naturfreunde" hält. Musikalische Darbietungen der Musikge- meinschaft Norden und des Genossen Schulze(Lieder zur Laute). Einlaß 7Z4 Uhr. Eintrittskarten zu 40 Pf. sind an der Abendkasse zu haben Freunde und Gönner der Naturfreundebewegung sind herzlichst eingeladen._ Auhballresuttate vom 21. November. Trott mageren Programms gab es große Iloberroschungen. Zm Norden mußte lich Staaten non Ratlienow eine 2: l-Niederlage gefallen lasfett. Wenn Staaten auch dadurch noch an der Soiße der Abteilung A bleibt, lo ift iedoch S vonbau 25 und Rothonoro in qefabrliche RSHe gerückt. Seloetio tonnte nur tnavv mit 2: 0 gegen Wacker 24 getninnen. Zm Ostbezirt bewies Lichtenberg I feine iofie Form durch den 9: 0-Sieg über tlelschendorf. In Rudow wurde der Favorit Obersvree mit 0: 1 von Lustig-Fidel geschlagen. Dadurch rückt Hertba 22 an die Spifce der Tabelle. Auch Zeutben mußte an Iohannistbal mit 1: 2 die Punkte abgeben. Brandenburg 02 machte mit Berliner Sportverein nicht viel Federlesen. 16: 1 fließ es am Schluß. Adlersdof hatte Mühe gegen Frisch-Frei mit 2: 1 Sieger 4U bloiben. Fichte-Südofl«igte lich Friedrichshogen jeder«it überlegen und oewonn mit 6: 1. Reutöllner Ballfpieltlub hatte im Südwesten gegen Teltow mit 0:6 da, Nachsehen. Luckenwalde 1 tonnte gegen Jüterbog nur den tnapviten aller Siege(1: 0) herausholen. Eintracht 25 scheint sich auf seine Sommerform»u besinnen. Sertha-Luckenwalde konnte nur tnapn ein Unentschieden 2: 2 herausholen. Wilmersdorf tonnte gegen Fortuna 24 ebenfalls nur knapp mit 3: 2 neg- reich bleiben. Ein schäne» flottes Spiel lieferten sich Nowawes und Brandenburg a. d. Havel(0; 0). Wannsee schlug die sie besuchende Biktoria mit 4: 2. NeuMln befeftigte feine Stellung aegen Eharbottenburg mit einem 5; 0-Steg. Luüig.Vorwarls und Wacker-Lantwin trennten sich 0: 1. Fußballring schlug den Kolitenburger Sportverein mit 4: 1. Sreuiberg mußte gegen Frisch-Auf- Luckentoalde durch ein 2: Ü-Reiultat einen Punlt abgeben. Ruhlsdors wurde von Stern-Marienfelde mit 0: 4 geschlagen. Kirchmöser machte den Schmargen- dorfern das Leben sauer. Mit 1: 2 mußten sie sich den Schmargendorsern beugen._ Hockey am 21. November. In G r u v p e A gewann Athletik-Sport-Cliib I Qderrascheni» qe�en Ficht«» Wesr 13:1 und Arbeiter�Turnve' ein Pankow gegen Freie Turnerschan Groß- Per'.in.Zwrdcn II 4:0. Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin führte ein zer» fabrcnes Spiel vor. liest jede Zusammenarbeit vermissen und fehlt ihr besonders ein aules �lüp.elspiel. ohnedem man bei einem so schnellen Gegner nicht aus- kommt. Bis Halbheit<0: 0) war die Äbwehr gut. klappte aber dann zu- sammen und Pankows rechter Flügel hatte leichte Arbeit. Pankows Sturm liest sich besonders in der zweiten Hälfte gut an. Die spielfrei« Mannschaft der Freien Turnerschaft Gharlottenbuig hatte sich zu einem Gesellschaftsspiel mit Tichte 10 I gepaart und gewann wie sie wollte fk: 1). � In Gruppe k. siegten die Lichtenberger Sporller 1 gegen Schmargendorfs? Freie Turnerschaft 1 5: 1 und Sportliche Bereinigung Nordost 1 gegen Lichtenberger Freie Turner- schaft 2 14:1.— In den anderen Gruppen siegten Freie Turncrschaft lottenburg: gegen Aibeiter-Turnverein Staaken 1 2: 1, Athletik-Sportklub 2 gegen Turn- und Sportverein Fiäite 1 11 7:1 und Freie Turnerschakt Grast- Berlin-Norden II 2 gegen Arbeiter-Turnverein Pankow 2 2: V. Die Frauenmannschaften der Freien Turnerschaft Charlottenburg und Arbeiter-Turnveiein Pankow trennten sich 7:1.— Der Vorstand der MSB.-öockcv ruft zum Donners- tag. 25. November, eine Cistung nach der Aaiferin-Augusta-Allee 20. Lokal von Solstein, pünktlich 5 Uhr. ein. Der nächste Bertretertag findet am Mitt- woch. 1. Dezember, im vorstehenden Lokal statt. Der auswärtigen Vertreter wegen ist pünktliches Erscheinen Pflicht. Turnspiele am 21. November. Kanbballresultatr: 17. Nvvembee. Jugend: Fichte 19 gegen Sparta 4: 0, Fichte 7 I gegen Schönow I 7: 0(4: 0). 21. Navember, Zagend! Schöne. berg. Sportler II gegenin.Ngrden 1 3:1(1:1). Groß-Berlin- Bereinsmannschgft gegen Fichte 7 3: 1(1; 1). Frauen: Fichte 16 I gegen Graß- Berlin. Norden 1 0:3(0: 0). Groß-Berlin-Bereinsmannschaft gegen Reu. kölln-Bereinsmannschatt 5:1(1:1). Männer: Groß.Berlin.Rosenibal gegen Groß-Berlin. Norden 1 0: 2(0: 1). Sraß-Berlin-Bereinsmannschaft gegen Neukölln-Bereinsmannschaft 4:3<2:0). Brandenburg I gegen Scklöneberg. Sportler 1: 3. Brandenburg IIa gegen Schöneberg�partler U 3: 1.— Auf dem Platt Schönbauser Allee standen sich die Vereln»>uqendmannschafl Groß- Berlin und Fichte 7 gegenüber. Resultat 3-1 für Fichte. Dann spielten die Bereinsturnerinnemnannschaflen von Groß-Berlin und Neukölln. H:er war das Ergebnis 5: 1 für Groß-Berlin. Im lebten Spiel waren es die Bereins» mönnermannschaften von Groß-Berlin und Neukölln. Es entwickelte lich(ofort ein lebbaftes und offenes Spiel. 4: 2 für Groß-Berlin lautete der Spruch des Schiedsrichters._ SV. Varwärts-Perlin 97, t, V., Grnppe 9». Sonntag. 28. November, 3 Uhr, im Boltsbab Prenzlauer Berg. Sruppenschwimmfest. Srntritt 50 Pf., Finder die Hälfte. Serient-Mps Im Ringen. Dienstag. 23. November. 8 Uhr, Turnhalle Ehar- lottendurg, Peltalozziltr. 40. Serientampf Botet Stern-Charlouendurg gegen Sporl-Club Lichtenberg-Friedrichsfelde. Tonrisienoerein„Die Xatuifiennt*'. Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Sonntag. 5. Dezember, In der»ulturabtrilung de, DMB., Linienstr. 197, zwei FilmooÄellungen. Beginn um 5 und'jS Uhr.„Sannentinder— Sannen» menschen".„Im Paddelboot durch? Neckartal".„Der weiß« Sport". Mitwirkung der Mufitgemeiirschaft Norden,«arten b 60 Pf. bei den Funkiionären und Mitgliedern,«eine Adendlafse.„Der Naturfreund" 9/10 ist bei Hampel abzu. holen.—Abt. Friebrichshein: Dienstag. 23. Noveniber, 8 Uhr, im Heim Ebertn- strafte 12, Bericht vom Führerkursus.— Abt. Friedenau- Dienstag. 23. Novem. bei. S Uhr. im Heim Offenhacher Str. 5», Lefeadend:„Das kommunistische Zffaitisest".— Abt. Barben: Dienstag. 23. November, 8 Uhr, im Heim Sonnen. Hurger Str. 20, I. 5, Hritnahenb. Donnerstag. 2. Dezember.>48 Uhr. in der Aula des Luisenstädtischen Dnmnaßums. Gleimstr. 49, Bunter Abend,«arten 4 40 Pf. an der Abendkasse und in der Abt.— Abt. Tiergarten: Dienstag, 23. Ngpember, 8 Uhr, Im Heim fflielefftr. 5. Glaßdrenner.— Abt. Treptow: Dienstag, 23. November. 8 Uhr. Im Heim Elsenstr. 3, Gesangsgruvve.— Abt. Webding: Dienstag, 23. November. 3 Uhr. im Heim Luxemburger Str. 7, Bretispieladend.— Mnftkgemeivschaft Werbebezirk Barben: Mittwoch. 24. November. S8 Uhe, bei Lehmann, Gaudpftr. 21, Uebungsftunde.— Abt. Friedrichs- Hagen: Donneistag. 25. November, zi-8 Uhr, bei Frey. Friedrichflr. 73, Schach. abend.— Abt. Gesundbrunnen: Donnerstag. 25. November, 8 Uhr. im Schiller» Lyzeum. Pank-, Ecke Böttcherstrgße. Lichtbildervortrag:„Die Mark Branden. bürg". Eintritt frei. Gaste willtonrmen.— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 25. Nooember, 8 Uhr, im Heim Danziger Str. 23, Theatn-Serienspiel f Genosse Lau)— Abt. Reiuickenborf- Donnerstag. 25. Noyember. 8 Uhr. i» Reinickendorf-Ost. Seebad, Voltstanz.— Abt. Lichirnberg: Donnerstag, 25. No. vember, 8 Uhr. im Seim Partaue 10, Muttchen liest und erzählt Ihre Schwarz. waldfghrt.— Abt. Neutölu: Donnerstag, 25. November, 8 Uhr. im Jugendheim Böhmische. Ecke Eanner Straße. Lichthildernartrag:„Die Schweiz. Da» Heim Sanderstr. 11 bleibt geschlossen.—«iuterspor'abteiluug: Donnerstag, 25. November, 8 Uhr. im SophieA-Lyzeum, Weinvieifierstr. 16—17. - Hahn-Maccaroni aus reinem HartorieS hergestellt, sina deshalb so ausgiebig, weil sie, wenn sie in viel Wasser(man rechnet auf>/z Kilo 4 Liter) nicht allzu lange kochen. stark aufquellen. Dann kommt auch ihr guter Geschmack richtig zur Geltung. Seit Jahrzehnten ein Mittagessen, wie es preiswerter und nahrhafter wohl kaum gedacht werden kannl ~ f Wollene Unterkleider bleiben weich und halten länger, wenn ße mit LUX- Seifenflocken gewofdien werden. Reiben Sie aber nicht und ver- meiden Sie fdiarfe Wafchmittel, die die zarten Wollfafem hart und filzig machen. Und wie einfach ift die Wüfdie/ Sie braudien die Stücke nur im lauwarmen L UX- Schaum auszudrücken u. fie dann mehrmals lauwarm auszu/pülen. Doppelgroße Packung 90 Pfg. i Normalpackung SO Pfg. L44 SEIFEHFLOCKEN " SUNLICHT"MANNHEIM QeiitieitietallailiMerW Wahlkörperversammlungen der arbeitslosen Mitglieder. Wahlkörper IV. yeuke, Cienslag, den 23. Kooembcc, vorm. lo uhr. Im„Rofentyaler Oos". Zloseolholee S trotz» 11 12 Zndnstrieschmiede, Kesse schmiede, Kupferschmiede. wagen- und hufjchmiede, vauanschiäger. walz- werkarbeiter. Eisenkonslruktion»-. Auto-, Maschinen-, Sau-, Schwarz- blech» und Karosserlcschlosfer. Wahlkörper V. Mltkmoch. den 2«. Itooember. vor- mittags 10 Ahr. im SItznogosool des verdondohoose», Linienstr. 83 SS: Werkzeugmacher, Scharfschleiser, Einrichter, Mechaniker, Uhrmacher. Optiker. Wahlkörper VI. Donnerstag, den 23. Itoaembec. vormittag» 10 Ahr, im Slhungssaal des vrrbaodvhanles Linienstr. 83 SS: Said- und Silberarbeiler, Arbeiterinnen. Gießerei- u. Hilfsarbeiter. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Beratung der Anträge zur General» Versammlung am 6 Dezember 1926 2. Wahl der Delegierten Zutritt haben nur diejenigen Mitglieder, die im Berdandsduch dieBerulsdezeichnung haben, lür die die Berlamm ung auf» gerufen ift. Ohne Mitgliehsbuch- lein Zutritt. Donnerstag. 2». Aonernber. abends 7 Ahr. in unferer fialtutableilong, Linienstr 197«gegen tl erBerdandShau«) Frauenverfammlung Tagesordnung FUmoorträge: s) Faliche Scham; d) Winteriieuden Der Eintritt-st lreil«arten ftnd de! den weidlichen Bertrauensl- Uten und im Ardeiierinnen�petretgriai zu haben. Es ift dringende Pflicht aller Kolleginnen. für gutenBe uch derBeriammiung zu i argen. Vonnerstag. den 2». Zlonernber. abends 7 Ahr. im parterreloal des Derdondshoule». Linienstr. 63 65: Branchenverfammlung der Elettromontenre und heiser. Tagesordnung: t Berich! 2. Branchenangelegenheucn u. Verschiedenes Erscheinen aller KoNcgen ift Ehrenpflicht. v>« 0r»»o«rwaist»ng. \ die Ihr In harter Pflichterfüllung Tag für Tag die gefährliche Stickluft und den Staub Eurer Arbeitsstätte einatmen müßt, bedenket: daß die Gesundheit Euer einziges Kapital istl Sorgei fur&ierWoM, Indem Ihr während der Arbeit ständig einige WYBERT- Tabletten im Munde habtl Das sei Euer Schutzmittel. WYBERT-Tabletten stillen den Durst, halten Kehle und Mund dauernd frisch, verderben weder die Zähne noch den Magen, u. bewahren Euch vor Ansteckungen. Ein» Schachtal WYBERT enthält Ober 400 Tabletten. nr.55T �43. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts Dienstag, 23. November 1426 >« üü herunter mit dem Hetreiöezoll! Verbilligt das Brot.- Steigert den Absatz der Industrie. In den nächsten Wochen wird sich der Reichstag von neuem mit der Festsetzung der Gctreidezölle zu beschäftigen haben. Das Kompromiß der Regierungsparteien vom Juli dieses Jahres läuft -am 31. Dezember ob. und jetzt müssen bald die neuen Derhand- tungr?. beginnen, um für die Zeit danach eine endgültige Re- g e l u n g zu treffen. Dtese endgültige Regelung kann nicht gut in einer einfachen Verlängerung der jetzt geltenden Zollsätze für Brot- gctreide(50 M. für die Tonne) bestehen. Betrachtet man die Preis. entwicklung im ersten Vierteljahr des Erntejahre» 1926/27, so ergibt sich, daß wir ganz ungewöhnlich hohe Getreideprelse gehabt haben: ihnen ist auch eine entsprechende Teuerung von Mehl und Brot gefolgt. Es betrugen die Reichsdurchschnitts- preise pro Zentner: im 1924 1925 1926 f. Stoggen f. Beijen f. Roggen f. Betjen f. Roggen f. Weizen «ugust.. 8.14 10,80 9,67 12,05 10,10 18,92 September 10,17 11,85 8,81 11,12 10,71 Dliober. 11,46 11,48 8,84 10,79 Der gegenwärtige Roggenpreis liegt also um 40 P r o z., der Weizenpreis um 30 Proz. über den entsprechenden Preisen des Vorjahres. Die Preise sind so hoch, daß trotz der geringeren Ernte der Geldwert des durchschnittlichen Ernte- «rtrages eines Hektars beträchtlich gestiegen ist. Nimmt man an, daß die Landwirtschaft ihr Getreide nach den folgenden Monats- Prozentsätzen oerkauft, August...... 8 Proz. Februar..... 11 Proz. September... 12, März....... 11, Oktober..... 12, April....... 5, November.... 9, Mai....... 4, Dezember.... 10, Juni....... 6, Januar..... 10 v Juli....... 8„ (diese Zahlen, die seinerzeit Herr Dr. Fensch vom Deutschen Land- wirtschaftsrat auf Grund von Buchführungsergebnissen ermittelt hat, scheinen uns den Vorzug vor denen zu verdienen, von denen kürzlich das Institut für Konjunkturforschung ausgegangen ist), so ergibt sich für die ersten drei Monate des Erntejahres für die in diesen Monaten verwandten 22 Proz. des Ernteertrage» folgende Einnahmeustelgerullg pro yekkar fßr 1924/25 Bei einem DurchschnittSertrag v. 13,5 dz ein JBect B. M. 87,65, . 1225/26.... 17.2..... 97,40 ir, . 1926,27.... 15.6..... 109,70. Sei« Beizen ergeben sich entsprechend für 1924 bei einem Ernteertrag von 16,4 dz pro hs Vi. 118,90, . 1925.,.. 21.... 150.90. . 1926.... 19.... 167,25. Während also die Getreidepreise um 30 und 40 Proz.. über den Preisen des Vorjahres liegen, liegen die Erlöse der Landwirtschaft (infolge der verringerten Ernte) noch um 10— 13 Proz. über den Vorjahrserlösen. Gleichzeitig dürften auch die Erlöse aus den tierisch en Produkten yoch günstiger geworden sein, so daß in diesem Jahre von einer besonders ungünstigen Lage der Landwirtschaft keine Rede mehr sein kann, zumal wenn man bedenkt, daß die Kartoffelpreise zurzeit etwa 70 Proz. über den Vorkriegspreisen liegen, und daß die hohen Preise für Zucker auch der zuckerrübenbauenden Landwirtschast«In wesentlich besieres Jahr bringen werden, als das vorige Jahr war. Andererseits ist noch immer für die Industrie keine grundlegende Besserung erfolgt. Gewiß hat der englische Dergarbelterstreik zu einer An- regung der Wirtschast geführt, die Hunderttousenden, die sonst ar. beitslos geblieben wären, die Wiederaufnahme der Arbeit ermög- lichte. Gewiß werden die Nachwirkungen dieser künstlichen Kon- junkturwelle noch in das nächste Jahr hinüberreichen. Daß aber die Lage kritisch ist. hat gerade der letzte Berliner Arbeitsmarkt- bericht nur allzu deutlich gezeigt. Worauf es jetzt ankommt, ist vor allein die Stärkung der Kaufkraft de» städtischen Konsumenten für industrielle Produkte. An dieser Kaufkraft zehren die hohen Lebens- mittelpreise in ungebührlichem Maße. Eine Er- Mäßigung der Getreidezölle um 20 M. für die Tonne würde immerhin monatlich etwa 10 Millionen Mark neuer Kaufkraft in die Industrie leiten. Als seinerzeit die Getveidezälle in ihrer jetzigen Höhe festgelegt wurden, hoffte man allgemein, daß demnächst in Handelsvemugs- Verhandlungen mit Polen oder Kanada eine endgültige Rege- lung der Getreidezollfrage erfolgen würde. Diese Hoffnung ist bitter getäuscht worden. Offiziell haben die Verhandlungen mit Kanada noch nicht begonnen, und die Aussprache mit Polen kommt nicht über den toten Punkt hinaus. Selbst mit den hohen autonomen Getreidezöllen, die der Reichstag der Reichs- regierung als Druckmittel in die Hand gab, war es nicht möglich, mit den beiden Ländern zu vertraglichen Abmachungen zu kommen. Ob daran mehr der Einfluß der deutschen Schutzzoll-Jnteresienten oder die Schwierigkeiten auf selten der anderen die Schuld trugen, ist schwer zu entscheiden. Jedenfalls ist der Schwebezustand allmählich unerträglich geworden. Die dauernd be- schränkte Dispositionsfähigkeit des Handels führt zu einer Derteue- rung der Ware, und die immer weiter oerschleppten Verhandlungen geben der schutzzollbegeisterten Bureaukratie des Reichsernährungs- Ministeriums stets neue sogenannte handelspolitische Vorwände für ihre Zollpolitik. Jlme Sonsumenlen für die Industrie. Angesichts der derzeitigen Lage der deutschen Wirtschaft muß die Arbeiterschaft fetzt eine endgültige Regelung fordern, die die gegenwärtigen Sätze erheblich ermäßigt. Die Preis- entwicklung dieses Jahres hat ihr insofern recht gegeben, als auch die bis zum 1. August geltenden Sätze von 30 M. und 35 M. für die Tonne Roggen bzw. Weizen der Landwirtschast einen ange- mesienen Ernteerlös gegeben hätten. Und die jetzt wieder einsetzende Erschwerung der industriellen Lage macht e» erforderlich, der Industrie neue Konsumenten zuzuführen. Die Rückführung der Getreidezollsätze auf das Niveau, das ursprünglich 1925 von den Zollpolitikern des Bürgerblocks festgesetzt worden war, ist die M i n d e st f o r d e r u n g, die im Interesse einer Gesundung des deutschen Wirtschaftslebens erhoben werden muß. Die Sieölungstrise im britischen Weltreich. Zu viel Land— zu wenig Menschen! Zu den eigentümlichsten Erscheinungen der Nachkriegszeit gehört der starke Rückgang der Auswanderung von Eng- land nach den überseeischen Teilen des britischen Welt- reiches, trotz immer nachdrücklicherer Begünstigung durch öffentliche Körperschaften. Nach der letzten Volkszählung kommen aus eine Quadratmeile(gleich etwa 2,5 Quadratkilometer) im Vereinigten Königreich 389 Personen— in England und Wale» allein 600— hingegen weniger als zwei auf dem australischen Fe st l a n d e, 2.45 in Kanada und 2,27 in Neuseeland. Die slldafrikanijche Union, die 473 000 Quadratmeilen umfaßt, hat eine Bevölkerung von nur 6 928 000 Menschen. Von den 58 778 900 Briten, die über ihr Weltreich verstreut sind, leben nicht weniger als 47 300 000 im Vereinigten Königreich, einschließlich Irlands. Seit Mai 1922 ist nun das britische Reichssiedlungsgesetz in Kraft, wonach sich das Mutterland im Rahmen einer Gesamt- ausgäbe von drei Millionen Pfund Sterling jährlich bis zur Hälfte an allen öffentlichen Unterstützungen für britische Auswanderer und ihre Anfiedlung in den Dominien beteiligen will. Mit den ein- zelnen Dominien wurden in der Folge besondere Siedlung». abkommen getroffen: das wichtigste davon ist das, das im April 1925 mit der australischen Bundesregierung zu- standekam. Diese wurde dadurch instandgesetzt, den einzclstaatlichen Regierungen zu billigem Zinsfuß mit Anleihen in einer Gesamt» höhe von 34 Millionen Pfund Sterling beizustehen, um in ihren Gebieten im Laufe von fünf Iahren 450 000 Einwanderer aus dem Mutterlande, wozu 34 000 Familien gehören sollen, anzusiedeln. Der Bericht des britischen Uebersee-Siedlungs-Komitees für das Jahr 1925 kommt nun aber zu dem Schlüsse, daß die bisherigen Ergebnisse der Reichssiedlungspolitik weit hinter den Er- Wartungen zurückblieben. Trotzdem die Fahrpreise nach allen Häfen der Dominien für unterstützte Auswanderer stark herab- gesetzt worden waren, im Falle Kanadas von 15 auf 3 Pfund Sterling(von 300 auf 60 M.), und m ebendem Maße auch die Eisenbahnfahrpreise ins Innere, blieb die Auewanderung im Vergleich zur Vorkriegszeit unbedeutend. Im Jahre 1913 hatte England 283 045 Menschen an die überseeischen Teil« des Reiches abgegeben: im Jahre 1924 wandten sich nur mehr 32 217 Auswanderer dorthin, und ganz außerordentliche Anstrengungen öffentlicher Unterstützungen tonnten diese Ziffer 1925 erst wieder auf 105 225 heraufschrauben. Statt der 3 Millionen Pfund Sterling, die das Uebersee-Siedlungs-Komitee jährlich ausgeben darf, fand es im Jahre 1925 nur Gelegenheit zur Auswendung von 4 97 93 5 PfundSterling.-. utz. Worauf ist dieser offenbare Mißerfolg der britischen Reichsstedlunaspolittt zurückzuführen? In erster Linie auf die wachsend« Abneigung der Arbeiterschost in den Dominien gegen jegliche unterstützt« Einwanderung aus dem Mutteriande. Landwirt» schastlich geschult« Kraft« und Hausangestellte, für die allem«ine starke Nachfrage besteht, kommen au» dem Mutterlande so gut wie überhaupt nicht mehr, sondern aus den kontinentaleuropäischen Ländern. Von den„Siedlern" aus dem Mutterland« aber, großenteils früheren An- gehörigen des städtischen Mittelstandes, befürchtet man, daß si« früher oder später Schisfbruch erleiden würden, um als L o h n d r ü ck e r auf dem industriellen Arbeitsmarkte wieder aufzutauchen. Jede Siedlungs- Politik großen Stils muß im übrigen vorläufig schon an dem Markt- Problem scheitern. Das britische Reichswirtschastskomitee hebt in einem Bericht über den Handel mit Lebensmitteln aus den Dominien hervor, daß die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Nordamerika auf 400 Millionen anwachsen müsse, um noch Maßgabe der gegenwärtigen Einfuhrverhältniss« soviel englische Waren zu oerbrauchen, wie d i« 27 Millionen Bewohner der Selbstverwaltungs- k o l o n i« n. Zum Leidwesen der Bevölkerung der Dominien finden dagegen ihre Erzeugnisse nicht annähernd so guten Absatz im Mutter- lande. Jeder Bewohner der britischen Inseln ißt z B. durchschnittlich im Jahr« 100 Aepfcl, 70 Apfelsinen und 30 Bananen. Von den Aepfeln kommen 38 au» den Vereinigten Staaten, 25 aus dem Ber- einigten Königreich, während nur 19 aus Kanada und 8 aus Australien und Neuseeland eingeführt werden. Bon den Apfelsinen stammen 57 aus Spanien, 7 aus Palästina und 3, aus Südafrika. Mittelamerika liefert 18 Bananen, 7 kommen von den kanarischen Inseln und 5 von Jamaika. In jedem Fall« hat also ein« fremd« Versorgung«- quell« die beherrschende Stellung inn«. Das ist für die Dominien um so schmerzlicher, als gerade der Obstverbrauch in Eng- land rasch wächst. Der Wert der Obsteinfuhr des Vereinigten König- reichs betrug im Jahre 1924 45 Millionen Pfund Sterling, fast vier- mal so viel wie 25 Jahr« vorher. Die britische Reichssiedlungsknse steht in unlöslichem Zusammen- hange mit der britischen Reichswirtschaftskrise im ollgemeinen. Es handelt sich hier um Probleme, die im Rahmen des britischen Weltreiches überhaupt nicht mehr gelöst werden können, sondern sich zu Problemen der gesamten europäisch-awerikanischen Kulturwelt auszuwachsen begonnen haben. Die Unabhängig- teit der Union wirkt sich seit dem großen Krieg« mit gewaltiger Wucht auf die mehr oder weniger immer noch im Stadium über lebter Kolonialwirtschast festgehaltenen übrigen über- seeischen Tochter st aaten Englands nachträglich aus. Die Dominien brauchen Bewegungsfreiheit sowohl für den Absatz Ihrer Erzeugnisse auf allen nichtbntischen Märkten wie für die'Heran- zieyung geeigneter Einwanderer aus allen Teilen der euro- päijch-amerikanijchen Kulturwelt. O. E. eizeniazen ivruppe vorgenommen, ine matzgevenoen Erzeuger find also in der Organisation oertreten: für ie dem Reich gehörenden Werke Lauta- und Inn- da» im Besitz der Farbenindustrie befindliche Bitter- Zum europäischen flluminiumspnötkat. Mit unerwarteter Schnelligtest sind die erst seit wenigen Wochen schwebenden Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über die Bildung eine, Rohaluminiumkartclls zum Abschluß gelangt. Zwischen der deutschen Alumiumindustrie und der Akliengejellschaft R e u h a u s e n in der Schweiz bestand ja on seit langer Zeit eine Art Jnterejsengemeinschaft. te dadurch zum Ausdruck kam, daß beide Firmen sich gegenjestig über dl« jeweiligen Preis« geeinigt haben. Auch die kürzlich vor- genommene Preissenkung für Hüttevaluminium, die von den deutschen Erzeugern angeregt worden ist. wurde im Einverständnis mit der schweizerischen Gruppe vorgenommen. Die maßgebenden europäischen Erz....... Deutschland die werke und da! selber Werk: sür dfe Schweiz die Aktiengesellschaft N e u h a u s e n. für England die British Aluminium To. und für Frankreich die Aluminium Franqalje. Das Ge- schäftsbureau befindet sich in Neuhausen in der Schweiz, während der Aufsichtsrat seinen Sitz in Paris hat. Der größte Aluminiumerzeuger der Welt, die Aluminium Company von Amerika, zu der auch der bekannte Mellon- Trust (benannt nach dem Schatzsekretär Mellon, der gleichzeitig Präsident dieses aluminiumproduzierenden Unternehmens ist) hat sich dem Synditat nicht angeschlossen. Angeblich sollen formale Gründe mit Rücksicht auf die Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten für die Ablehnung maßgebend gewesen sein. Von den übrigen Aluminium- Herstellern in Europa ist Norwegen, das unter amerikanischer Kontrolle steht, und Italien, das wahrscheinlich ein eigenes Kartell bilden wird, außerhalb des Syndikats geblieben. Zahlenmäßig verfügt das europäisch« Kartell über eine Erzeugung von zirka 850 0 0-Metertonnen aus Grund der Angaben für dos Jahr 1925. Bei dieser Ziffer ist Deutschland mit annähernd 25 000 Tonnen beteiligt, während sür das Jahr 1926 nach Meldungen der Reichs- werke selbst mit einer Erzeugung von mindestens 45 000 Tonnen gerechnet werden muß. Die Vereinigten Staaten kontrollieren ein- schließlich ihrer Erzeugung in Kanada und in Norwegen 95 000 Tonnen. Der Mellon-Tnist will mit Hilfe seiner neuen Anlage In Kanada insgesamt auf eine Iahreserzeugung von 150 000 Tonnen kommen. Die dem Kartell angeschlossenen Firmen haben die Absicht, die Preise und den Absatz zu kontrollieren und außerdem gemeinsam ,hre technischen Erfahrungen auszutauschen. Daneben soll statt des bisherigen Konkurrenzkampfes eine groß- zügige gemeinschaftliche Werbetätigkeit für den Verbrauch von Alu- minium in allen Ländern entfaltet werden. Vor allem will man den Konsum in der Elektroindustrie mit Rücksicht aus das Kupfertartell und in der Zinnfollefavrikation in Anbetracht der hohen Zinskurse fördern. Eine Kontrolle der Erzeugung ist bisher nicht vorgesehen, und man braucht daher auch nicht an eine Preis- erliöhung zu glauben, weil ja die Hersteller, die der neuen Organi- sation angehören, viel eher darauf bedacht sein müssen, den U m s a tz | F. KCl KENTHAL Haben Sie in letzter Zeit unfece TUFUMA geraucht J Im Oefchmack befbnders blumig und mild, | in dae Packung unfecem altberühmten Sortiment angepaßt, fa iß ße feit einigen Wochen auf dem Markt. 6 Pfg« M ein mäßiger� Preis für�einejblche Qualität, durch LerbPgung her Preise zu erhöhen, als durch TmschrZn- kung der(Erzeugung einen höheren Nutzen zu erzielen. Die ameri- konische Erzeugergruppe wird natürlich im Auslandsgeschäft mit einer starken Konkurrenz der Syndikate zu rechnen habe». Beide Kruppen arbeiten getrennt an dem Ausbau ihrer Erzeugung. Der Pertrag ist bisher auf zwei Jahre zwischen den Mitgliedern des Syndikots abgeschlossen worden. Durch das Kartell ist auch für die deutsche Wirtschaft die Bauxitlieferunq— unabhängig non den Abmachungan mit Ungarn— gesichert. Frankreichs Förderung beträgt über 400 000, British Guayana 175 000 gegenüber den Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 322 000 Metertonnen pro Jahr.__ Papiernormung und Industrie. Die Gesellschaft für Organisation veranstaltete im Vorläufigen Reichswirtschcrftsrat eine Tagung mit dem Thema ..Papierformatnormung und ihre Auswirkungen in der Wirtschaft". Den einleitenden Vortrag hatte der Vorsitzende des Deutschen Nor- mungsausschusses Oberbaurat Dr. Neuhaus übernommen. Von der Tatsache ausgehend, daß die Normung heute nicht mehr eine Jngenieurangelegenheit, sondern eine allgemeine Angelegenheit sei, wies er die Notwendigkeit(Steigerung des Sozialprodukts) und die Grenzen(künstlerische Gestallung und konstruktive Entwicklung) der Normung nach. Wesen und Wirken der Din-Formate, des metrischen Formats gegenüber den früheren Einzelnormungen(Folio, Quart, Postkarte, Marineformat usw.) behandelte Dr. Portmann, wirkungs- voll durch Lichtbilder unterstützt. Leider hatten die verantwortlichen Leiter der Gesellschaft für Organisation eine befremdlich anmutende Probe ihres Organisationstalents abgelegt. Ein Teil der Anwesen- den, darunter auch die Presse, war so plaziert, daß ihnen die wert- vollen Bildervorführungen entgingen. Von allgemeinem Interesse waren die kritischen Ausführungen von Georg Kützner, der die Papiernormung vom Standpunkt der Papierindustrie und des Großhandels be- handelle. Kützner, der anscheinend Papierhändler ist, machte der Paplerformatnormung eine Liebeserklärung: allerdings eine durch- aus platonische, denn er betonte, daß die Einführung des Din- Formats der. papierverarbeitenden Industrie und dem Großhandel zu schnell gekommen sei. Hinsichtlich des Großhandels wies er auf die Schwierigkeiten hin, in einer„äußerst kapitalsarmen" Zeit In- folge Einführung des neuen Din-Formats größere Lager anzulegen. Die Einstellung der Papier i n d u st r i e ist ebenfalls vom finanziellen Standpunkt zu verstehen. Das Din-Format entspricht naturgemäß nicht der Breite der vorhandenen Papiermaschinen. Deshalb führt die Verwendung des Din-Formats zu einem gewissen Leerlauf (3 bis 6 Proz.). Außerdem wies Kützner darauf hin, daß gegen- über der allgemeinen Einführung des Din-Formats(Umbau'der Maschinen) gewisse Bedenken hinsichtlich des Exports der deutschen Papierindustrie bestehen, da die' Bezugsländer, besonders die überseeischen, eben nicht aus das Din-Format, sondern auf die üblichen Einzelnonnungen eingestellt sind. Im großen und ganzen handelt es sich bei den Kütznerschen Darlegungen um Ein- würfe, die erfahrungsgemäß von Industrie und Handel bei jeder Neuerung erhoben werden. Sie dürfen keinesfalls zu einer Nück- fichtnahnie auf eine berells rückständige Industrie führen. Denn schließlich ist die rechtzeitige Umstellung gegenüber der Gefahr, daß die Maschinenparks völlig veralteten, immer diejenige, die die wenigsten Opfer verlangt. Ueber die Auswirkungen der Papicrnormung im Bureau sprach dann Robert Breiter. Er zeichnete die Situation treffend durch den Hinweis, daß es leichter sei, über die Nichtauswirkungen als über die Auswirkungen zu sprechen, da sich die Normung nur schwer durchsetzt._ Die englischen Schuhzöllner melden sich. Der Berwaltungsrat der englischen Nationalen Fabrikantenunion hat eine Entschließung über das Wirtschaftsmanifest angenommen. In dieser wird die Auffassung ausgesprochen, daß die Polltik eines allgemein durchgeführten Freihandels praktisch nicht möglich sei. Es liege genügend Beweismatcrial vor, daß«ine Ircihandclspolitik von den wichtigsten ausländischen Konkurrenten Englands niemals angenommen werden würde. Das Manifest könne daher kein anderes Ziel haben, als das Bestreben nach wirksameren Maßnahmen zum Schutze der britischen Industrie gegen unlauteren Wettbewerb zu ermutigen. Der Ausschuß fordere daher die britischen Fabrikanten auf, der erwähnten Politik ihre Unterstützung zu versagen. Peler klöckner ist optimistisch. In der Generalversammlung des Klöckner-Konzerns hat Peter Klöckner, der alte Leiter des Kon- zerns, auch zur gegenwärtigen Lage der Schwerindustrie Stellung genommen. Bei Ausbruch des engllschen Bergarbeiter- streiks sei die Lage der Kohlenwirtschaft in Deutschland verzweiselt gewesen. Die Einschränkungen des Kohlensyndikats betrugen 55 Proz. für Kohlen und KS Proz. für Koks. Infolgedessen habe das Kohlensyndikat den Hauptwert weniger aus Preis- crhöhungen alsaufdenAbfatzgroßerMengen gelegt. Diese Politik sei deshalb richtig gewesen, well sie den deutschen Zechen Gelegenheit gegeben habe, nicht nur verlorene Absatzgebiete wieder zu gewinnen, sondern auch in ollen Teilen der Erde neue Ab- nehmer zu werben. Vor großer Bedeutung dabei sei die Einrichtung moderner Wäschen gewesen, mit dem Erfolg, daß ins- besondere die höhere Qualität den Wellabsatz zu erweitern vermochte. Von dem Abbruch des englischen Streiks befürchte er keinen Zusammenbruch der deutschen Stellung auf dem internationalen Koblenmarkt. Er glaube bestimmt, daß im Jahre 1927 nicht nur das Preisniveau des Kohlensyndikats aufrecht erhallen bleibe, sondern daß auch f ü r 1927 mit der Abnahme der vollen erhöhten Förderung zu rechnen sei. Zurzeit würden über 85 Proz. der Beteiligungsziffern gefördert und man hoffe, bald 90 Proz. zu überfchresten. Auch auf dem Eisen- und Stohlmarkt seien die VerhÄtnisse nach wie vor sehr günstig. Das Inlandsgeschäft habe sich in erfreulicher Weise entwickelt, und besonders aus der weiterverarbeitenden Industrie kämen Aufträge in verstärktem Maße herein, was erkennen lasse, daß auch die Maschinenfabriken allmählich von den Zechen- und Hüttenwerken wieder Aufträge erhalten. Cr sei der Ansicht, daß auch in der Zukunft von denZechen und Hütten große Bestellungen zur welleren Modernisierung der Betriebe an die verarbeiteiche Industrie gehen werden. Di« Verhältnisse aus dem Roheisenmarkt seien so günstig, daß die Abnahme bereits 100 Proz. der Beteiligungen überschritten habe. Alles in allem könne man auch für das Jahr 1927 eine günstige Entwicklung erwarten. Die Ferngasversorgung auf dem Marsch. Die Verwaltung der A.-G. für Kohleverwertung in Essen beruft auf den 24. November eine außerordentliche Generalversammlung und schlägt die Er- höhung des Aktienkapitals von 162 900 M. auf 25 Millionen Mark vor. Die Aktien werden zunächst mit 25 Proz. eingezahll. Der Wsatz- und Verbrauchsbeteiligung im Kohlcnsyndikat entsprechend werden die Aktien auf die Mitglieder �erteilt werden. Ein Restbetrag von 700 000 M. verbleibt im Syndikatsbesitz zum Spitzenausgleich. Von der Verwaltung wird nntgeteill, daß die neuen Mittel im wesentlichen zur Ausgestaltung der Ferngasversorgung und der Fernheizung, noch nicht aber zur Kohleverflüssigung dienen. Der mitteldeutsche Slahltrust gegründet. Die in Berlin bestehende A.- G. für Hüttenindustrie, die über ein Kapital von 50 000 M. verfügte und deren Aknen sich in den Händen der Linke-Hofmann-Lauchhammer-Werke und der Vereinigte Stahlwerke A.-G. befanden, hat nach Durchführung der vorbereitenden Maß- nahmen nunmehr ihr Kapital auf 50 000 000 M. erhöht und gleich- zettig ihren Namen in Mitteldeutsche Stahlwerke A.-G. geändert. voetrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz- Rot-Gold". SeickSktsN-lle: Berlin«5 14. Lebastianstr. 37/38, Hof 2 St. !0 ftrcnftl'CTß; Do., d. 23., 7 Uhr, Antreten aller Kameraden zum Fackel- �ua Fonlancpremenade. Fr., d. 26., 7*3 Uhz. Werdektindgebung int oberen Saale nan Bade. Fichlestr. 23. Referenten: Mlnisterialrat a. D. Robert Breuer, Abc,. Dr. lSr.zimet.— Wilmer-darf: Do„». 23., Hausagilation und Bertcilnna oon Wcrbematerial. Fr., d. 26., Antreten 7ll Uhr Rlolle-Slifl, Mecklenhurjulaie Strafte, Berbelinwiig. Abends 8'i Uhr öffentliche Kundzeh un, ii: den Zohann-Dcora-Sälen, öalensee, Iahonn-iveora-Strafte. Referent Ober- fwdiendircltor Dr, Miillcr.— Schöneberz-Friedenan: Do,, b. 25., Werbe. ummarfch ab 7 Uhr von der Hochkirch., Ecke Monumentenftraftc. Fr., d. 26., Hausvropaaonda.— Steglitz lKrcis): Do„ d, 23.. Turnen fällt ans. dafür 8 Übe in Lickterfelde-Sst. Hennings Feftiale. Bhf, Ost. Portraz des Weltreifenden Kam, Friede! Mcver über feine disherioen Erlebniste, im besonderen über den italienischen Faschismus. Eingeführte Gäste willkommen.— Lankwtz: Mi., d. 24., Werhsveranstaltung in Lehmanns Feftfälen, anschlieftend gemütliches Beisammen. sein mit Damen. Gäste willkommen. Die Kameraden aus Lichtcriclde und Steglitz werden gebeten, ebenfalls»u dieser Veranstaltung gu erscheinen. Sonntag. 28. November, Antreten, Vflichtvcran staltung. Räber» Nachrichten folgen. — Reuiickcltdols fArei»>: Fr., d. 26.,-e8 Übe. Schützenhans Reinickendorf, Restdentzstr. l. Volloers. Erscheinen Pflicht.— Mitte: Do., b. 23.. 7 Uhr, Antreten aller aktiven und posstoen Kameraden Neuer Markt«um Weibe- fackeUii«, Pslichtvcranflaltnng._ «rbcit-gemeinschgft entschiedener RepnbNkaner. Donnerstag. 23. Rovem- bei, 8 Uhr. in der Dönboff-Kanditorei. Koinmandantenstr. 84, öffentliche Sitzting des Ardeitsonsfchnstcs. Entschiedene Republikaner aller Parteien willsrnnmen. Verein der Freidenker für Fenerbestattung, Bezirk Steglitz. Vortrags. «oklus Donnerstag, 23. November, Tyi Uhr. Realschule. Florastraft«(am Stitbeirraucholatz). Referent Genaste Sicwcrs spricht über„Die Kuitnrailf- gaben der Freidenker". In der Braodenbnrgischcn Lande»grnppe der Kentralstellc für Deulschc Per- sancn. und Familiengeschichte gibt Montag. 29. November. 8 Uhr, Stadtarchiv. direktor Dr. Kaeber„Vemerktineen«irr Gründlingaaeschichte von Berlin und Köln" im Habsburger Hof. Askanischer Platz l. Gäste willkommen. Matorrad-Tpoltklub Berlin, c. V., de, DMD. Dienstag, 23. November, 8'� Uhr. im Tucher.BvSn. Friedrichstr. IVO. öffentlicher Vortragsabend. Steuer- synhikus Schütz spricht über„.zeitgcmäfte Steuerfragen, uirter besonderer Berück» stchf-gung der Grm.äftrgungsbestiminungen der vrenftischen Gewerbesteuer und der Einbeitsvorbescheide der Bcrmögenssteuer". Diskufston. Sangesfrendige Genossinnen nnd Senoste», helft mit am Aufbau eine, groftcn Bolkschores. Tretet«in in den„Gemischten EHor Norden", der Mitglied des Deutschen Arbciter-Säitgerbundes ist. Der Eftor wirkt bei vielen Veranstaltungen der Partei mit. In den nächsten Uebnngsstunben wird mit der Einstudierung eines gröftrren Eborwerkes mit Orchester begonnen. Uebungs- stund« jeden Donnerstag von 8— 10 Ubr in der Schill« Grstntbaler Str. 3. Auskunft erteilt der Porsttzcnd« Fritz Arendt. Berlin R. 63, Seeftr. 116. Gruppe freier Menschen im VB. Dienstag, 23. November. 8 Uhr, Schutze Gipsstr. 233, Gen. Maria Krisch«:„Das Sexualleben der Gegenwart". Gäste willkommen. Sonnabend, 27. Novernber, Fahrt nach Fürstenwalde-Petersdorf. Treffpunkt 4 Uhr Schlestscher Bahnhof, Saupteinaanq. Bereinigung der Freunde von Religion und Bölkerfriedeu. Genofstn Schul- riitin Wegscheidel: spricht Dienstag, 23. November.>43 Uhr, in ber Kaiserin- Friedrich-Schul«. Savignttvlatz. Knescbeckstr. 24. über»Moderne Formen der Lebensgestoltung und Geselliakeit". De. med. Leibbrand spricht über das Tbema„Die so«ial« Misston Peter Roseggers" am Sonnabend. 27. November. 8 Ubr. in der Gemeindeschule I, Steglitz, Ringstr. 54—55(Zeichensaal). Gast« herzlich willkommen. Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft. Donnerstag, 25. November, 8 Ubr. im Askanier. Anhaltstr. 11, Bortrag von Paul Olberg über„Ruftland und der Völkerbund". Arbeiter-Mandolinistenbund(Bezirk Groft-Derlin). Spielabend« haben heute: Mandolincnklub„Allearo", 8 Ubr, Restaurant Porath, Biesdorf, Mao. «ahner Str. 31: Iugendabteilung der Freien Mandolfnenvereinigung Adlers- bot im Jugendheim Baracke Roonstrafte.— Mandolinenklüb..Legoto" ist au, bev Organisation ausgeschieden und von der organisierten Arbeiterschaft«u meiden, Gefthästkiche Mitteilungen. Die ff. H. Knorr A.-G.. cher Suppen-Knorr", die Herstellerin des bekannten Knorr-Hafirmehls. mit dem Eencrationen von Kindern aufgezogen worden sind, dringt wieder mal ein« NaiHeit heraus, die ihrem Namen Ehre macht. Es handelt sich um die Knorr-Suppenwurft(Bltlmeukohl, Grünkern. Krebs, Ochsenschwanz. Vil«. Spargel. Tomaten), die ohne alle tzulaien. nur mit Wasser aufeekocht. eine kräftige, wohlschmeckend« Suppe ergibt, die jede den ihrer Bezeichnung entsprechenden Eigenaeschmack hat. Wer«in Freund von guter Suppe ist, der mach« einmal ein« Woche lang den Versuch, jeden Tag ein« andere Knorr-Suppenwurst zu kochen: er wird der Marke„Knurr" treu bleiben. Ivettcrberichl der öffenlllchen Detterdienslslelle für Berlin und Umgebung. (Nachdruck vcrb.) Trocken und meist heiter. Nur vorübergehend starker be- wölkt. Temperatur langsam sinkend.— Für Deutschland. Im Westen strichweise Niederschläge. Ueberall weitere Llbkühlung. l&l? Vkenstag 23. November 7H2S nterhaltung unö ÄVissen Seklage öes vorwärts Die Heiligsprechung. Erzählung von Otto krille. Der Meister seufzte, als das Dienstmädchen wie gewöhnlich am Vormittag den gefüllten Briefkorb auf den alten Bouerntisch in der Cckc des Ateliers stellte und geräuschlos verschwand. Sicher wieder tausend Nichtigkeiten, die viel Zeit beanspruchen und die Schaffens- stimmung beeinträchtigen! Di« kleinlichsten Dinge von der Schotten- feite des Ruhmes, die einem doch niemand abnehmen kann. Der Kernfluch, mit dem er den Pins«! hinwarf und sich anschickte, den Weizen von der Spreu des Briefsegens zu sondern, galt zur Hälfte den Schreibern, zum anderen Teil feiner eigenen Schwäche, die ihn dach nicht ruhig weiterarbeiten lassen würde, bevor er nicht alle Hüllen erbrochen und ihrer Geheimnisse beraubt hatte. Mit Le- hogen zerriß er die Geschästsanzeigen der Kunsthändler,«in« kleine späte, aber doch wohltuende Rache für jahrelange Demütigungen. Schreiben der Akademie, Gesuche wn Befürwortung eines Stipen- diums,— es war der altgewohnte Einlauf, der da verschwenderisch auf den Tisch quoll. Endlich winkte wie ein« verlockend« Frucht unter raschelndem Laub«in Briefchen mit eigensinnig steilen, fast männlichen Schnörkeln. Er betrachtete interessiert die antiquiert vor- nehme Form des Umschlags. Vielleicht entschädigte er für den ganzen übrigen Plunder.„Leopoldine G..., Villa Pussy am... see" stand auf der Rückseite. Was will also diese Leopoldine?. « „Hochverehrter Meisterl Die Zeitungen verkünden Ihren Ruhm bis in meine Einsamkeit. Wenn ich auch fast zwei Jahrzehnt« keinen persönlichen Anteil mehr an dem Kunstleben unserer geliebten Isar- stadt nehmen konnte, so hängt doch mein Herz noch zärtlich an allem, was an die schön« Zeit, unsere schön« Zeit erinnert. Alle Namen aus jenen Tagen wecken unnennbare Gefühle. Schmeichle ich mir doch, vielen heut« geschätzten Künstlern und auch Ihnen, verehrter Meister, ein« gut« und auch nützliche Freundin gewesen zu sein. Ich hege die oielleicht unbescheidene Hoffnung, daß Sie sich meiner kleinen, aber für jene Zeit nicht unwesentlichen Dienst««rinnern. Nur darum wag« ich es, Ihnen die Bitte zu schreiben, die mir schon lange das Herz drückt. Während eines mehrtägigen Ausfluges an den mir nun zur Heimat gewordenen... see malten Sie einmal ein nach dem Urteil Ihrer Freunde gut gelungenes Brustbild von mir. Da es damals für Sie eine schöne Talentprobe war, fand ich nicht den Mut, Sie uni lleberlassung des Bildes zu bitten. Heut«, da mir das Glück ein ruhiges und sorgloses Leben geschenkt hat, wäre mir das Bild nicht nur tröstlicher Abglanz meiner verflosienen romantischen Jugend, sondern auch ein liebes Andenken an den verehrten Meister. Sollte es Ihnen möglich fein, mir mitzuteilen, wo sich das Bild befindet, oder, was ich kaum zu hoffen wage, es mir zu oerschaffen, so würde niemand glücklicher sein als Ihre ergeben« Pussy. Erinnerung ist mein einziges Glück." « . Wir kraus und zierlich dos olles auf den kleinen Bogen zu- sommengedrängt war! Der Meister lächelt«. Ihm war, als feien die Buchstaben winzige Marionetten, die einen der alten, halbvergessenen Walzer auf dem lila Papier in verhaltener Grazie tanzten. Er lehnte sich mit heiterer Stirn zurück und sann. Pussyl Leopoldine G...! Mein Gott, er war auch jung gewesen, aber so groß war die Schar der Frauen doch nicht, die ihm die Jahre des Ringens versüßten. Und doch wollt« es ihm nicht glücken, das Bild dieser Leopoldine G... von den Schleiern der Vergessenheit zu befreien. Er drehte und drehte das Briefchen, bis mit einem Mal« ein herrlicher Sommer- morgen am... see vor seinen Augen stand. Kein Zweifel, sie war es, die ihr« Freunde Pussy nannten. Daß er nicht sofort an sie gedacht hatte! Sie allein von allen Mädchen, die er gekannt hatte, konnte solche ortige Briefchen schreiben, sie, die Geliebt« und mütter- liche Freundin zugleich sein konnte, weil sie fast zehn Jahre älter war als er! Pussy, die Seelsorgerin, wurde sie auch von den. jungen Akademiefüchsen genannt, weil es ihr Stolz war, mit ihrer Gunst«ins Art Vorsehung für den Beglückten zu verbinden. Wehe dem. der sich einfallen ließ, zu faulenzen, wenn er sich ihrer Freundschaft erfreute, und wehe dem Talentlosen! Ihm sagte sie unerbittlich, daß es für ihn besser fei, das ehrsam« Handwerk des Anstreichens zu pflegen, als den aussichtslosen Kanipf um die Gunst der spröden Artemisia fortzusetzen. So kam es, daß ihr Tadel gefürchtet und ihr Lob begehrt war, und zwar in einem Maß«, dessen sich kein Akademieprofessor erfreuen konnte. Pussy liebte, Pussy nähte, Pussy räumte das Atelier auf. Pussy kritisierte, Pussy war der gescheiteste und uneigennützigst« Ratgeber. Ja,«in Stück jenes Fleißes, der Genie heißt, verdankt« der Meister wohl ihr. Jener Sommermorgen am... see erwachte mit allen Lichtern wieder in ihm. Der herrlich« Duft vom See, über die Obstbäume hinweg im strahlendsten Sonnenschein die Bergwand, weitab oon dem kleinen Gasthof das Geschrei und Gelächter der Kameraden und ihrer Freundinnen, und vor ihm Pussy, frisch wie der Morgen selbst, das Haar aufgelöst und den entzückenden Hals durch die kokett ge- öffnete Bluse feinen Blicken preisgegeben. Als büßende Magdalena soll« er sie malen, hatte sie mit übermütigem Scherz verlangt und dazu einen Augenaufschlog getan, der Buße und Versuchung in eins zusammenschmolz. Das fertig« Bild hatte in jedem Pinselstrich die Dankbarkeit des Schöpfers ausgedrückt. Die Erinnerung machte dem Meister warm. Vergessen war die Arbeit auf der Staffelei. Er schritt sich wiegend durch das Atelier, pfiff zahllose Melodien vor sich hin, blieb dann plötzlich wieder stehen und lacht« laut auf. Wo aber war das Bild hingekommen? Befand es sich unter dem Berge oon Skizzen und anderen Kunstabfällen, die er bei seinem Umzug in die bürgerliche Welt des Villenbefitzers großmütig seinem Leibhändler hinterlassen hatte? Dann war kaum eine Hoffnung, es wieder aufzufinden. Wie war es nur möglich, daß der Mensch so die Reliquien seiner heiligen Stunden mißachten und in Verlust gehen lassen konnte! Und wie wertvoll, menschlich und künstlerisch wertvoll jene Zeit gewesen war, empfand der Meister mit stürmischer Gewall in dieser Stunde. Ach, noch einmal schaffen können noch dem Impuls des Augenblicks, ohne an die Forderungen der Oeffentlichkeit, die musfigen Konventionen des berühmten Akademielehrers gebunden zu sein! Wie wohl es tat, wieder einmal an die Zeit der Freiheit nur erinnert zu werden! In diese Betrachtungen fuhr plötzlich ein Donnerschlag der Er- kenntnis, der den Bte ister vor Freude und Erwartung beben ließ Hatte nicht die Frau Oberin des Klosters am... see, wo er seit seiner Studienzeit regelmäßig im Sommer«in paar Wochen zuzubringen pflegt«, ihm vor einigen Monaten geschrieben, ob er die Kiste mit Malgerät, Entwürfen, zehnfach übermalten Pappdeckeln und Lein- wandfetzen noch brauche, obschon sie jahrelang nicht angerührt worden fei. Wenn Pussys Bildnis noch vorhanden war, konnte es nur in jenem Grab seiner ersten Talentsplitter enthalten sein. Wie gut, daß er nicht mehr an den Brief der Oberin gedacht hatte, sonst wäre sein Beschluß, den Inhalt der Kiste verbrennen zu lassen, wohl längst ausgeführt. Ganz in verwunderlichem Gegensatz zu seinem Abscheu vor dem Briefschreiben saß Meister Franz Taver in weniger als drei G«° dankenspannen am Tisch und teilte Frau Leopoldine G... in Villa Pussy am... see in fast jugendlich zarten Sätzen mit, daß ihr Bildnis sich vermuttich in ihrer nächsten Nähe befinde, daß er sich freue, sie wiederzusehen und daß er sie am Mittwoch nachmittag 2 Uhr 30 Minuten auf der kleinen Bahnstation am See, wo er ankomme, erwarte, um mit ihr das Kleinod zu suchen. Als der Brief bereits zur Post war. kamen dem Meister Be- denken, ob er sich damit im Hinblick auf sein« Frau und die heran- wachsenden Töchter sowie sein« Stellung als Akadomieprofessor nicht ein« anstößige Extravaganz geleistet habe, diese Erwägungen kamen indessen zu spät.---(Schluß folgt.) Die Subflöien öer D/iA. .Das Geld vom Auswärtigen Amt ist eingetroffen. Jetzt einen kräftigen Schimpfartikel gegen die Regierung, um die llnadhängigkeit der presse zu beweisen!" Nieöerlänöijch-Jnöien. Während in früheren Jahrzehnten Kämpfe der Holländer auf Sumatra, namentlich an der Nordspitze, in Atschin, an der Tages- ordnung waren, hatte sich in Java die Bevölkerung, deren Sanft- mut stets hervorgehoben wurde, scheinbar mit ihrem Schicksal aus- gesöhnt. Vor mehr als hundert Iahren hatte es auch dort einen langwierigen Krieg gegeben, der aber 1830 mit dem Erfolge der Holländer endigte. Wenn jetzt ein„kommunistischer" Aufstand aus- gebrochen ist, so kann man diese Erhebung wohl auch als eine Folge des Weltkriegs ansehen: die Verwendung nichteuropäischer Soldaten, die rücksichtslose Bekämpfung der Auslandsdeutschen, die Tatsache, daß der Krieg mit der Entthronung dreier mächtiger Herrscher- geschlechter endete, alle diese Momente müssen auch in naiv den- kcnden Köpfen Phantasien von Unabhängigkeitsmöglichkeiten ausgelöst ljaben, zumal wenn Beschwerden über Behandlung durch pie Kolonialmacht vorhanden sind. Die Kämpfe der javanischen„Kom- munisten" werden wohl schwerlich zur Erringung von Freiheit führen: hoffentlich sind sie für Holland eine Mahnung, die Prin- zipien ihrer Kolonialregierung einer Durchsicht zu unterziehen. Der wohlmeinende Verfasser des Kapitels„Niederländische Kolonien" in dem wenige Jahre vor Kriegsausbruch heraus- gegebenen Sammelwerk„Nederland" führt das Wort eines Kolonial- minffters an:„Es ist etwas Wunderbares, daß ein so kleines Land ein so großes Kolonialreich— größer als Deutschland und Oester. reich-Ungarn zusammengenommen— beherrschen kann." Die Er- klärung hierfür liegt in dem Umstände, daß die Inbesitznahme durch die 1602 errichtete Ostindische Kompagnie zu einer Zeit erfolgte, wo asiatische Völker noch leicht zu besiegen waren, und daß die Viel- heit der einheimischen Fürftenregierungen ein Ausspielen des einen gegen den anderen ermöglichte. Immerhin war Ende des 18. Jahr- Hunderts nur Java fester Besitz geworden, während auf den anderen großen Inseln— Sumatra, Borneo, Celebes— nur Handelsfaktoreien mit geringem Landbesitz vorhanden waren. In die eigent- liche Landesverwaltung mischte sich die ausschließlich auf Handels- gewinne bedachte Kompagnie so wenig als möglich. Anfang des 19. Jahrhunderts übernahm der holländische Staat die Erbschaft der Gesellschaft, mußte allerdings von 1811 bis 1815 den Besitz den Engländern überlassen, bis der Poriser Frieden die Inseln den Holländern zurückgab. Nach der Niederschlagung des 1825 ent- brannten Aufstandes in Mitteljava— Dschokschakarta und Surakarta— wurde die Macht der inländischen Fürsten sehr beschnitten. Im Lause des 19. Jahrhunderts hat dann die militärische Besetzung und friedliche Durchdringung aller Teile des Archipels stetige Fort- schritte gemacht— allerdings in jenem kapitalistischen Geiste, den die Kolonialaeschichte aller europäischen Völker ausweist. Bekannt ist, daß ein Beamter der indischen Kolonialverwaltung auf Grund seiner 17jährigen Tätigkeit auf Java in diese Zustände hineinleuchtete: der Roman„M ax Havelaar" von Multatuli(Pseudonym für Edouard Detter) hat nicht nur in Holland, sondern in allen zivil!- sierten Staaten das größte Aufsehe» gemackit. Java, das mir der kleine» östlich gelegenen Insel Madura ein Verwattungsgebiet bildet, erreicht mit seinen 2400 Quadratmeilen nur ein Viertel von der Fläche Sumatras und der dazugehörigen kleinen Inseln, ist aber wegen seiner Volkszahl und seiner wirt- schaftlichen Bedeutung die führende Insel. Dies geht schon aus der Bevölkerungsziffer hervor: mehr denn 30 Millionen gegenüber 414 Millionen auf Sumatra. Zahlen, die in dem angeführten Standardwerk gegeben werden, lassen die Verteilung der Volkszahl Javas auf die verschiedenen Rassen wie folgt erscheinen: Europäer 65 000, darunter aber 53 500 in Niederländisch-Indien geboren, in Europa geboren 7000 Holländer, der Rest setzt sich aus Mitgliedern anderer europäischer Nationen zusammen. Chinesen sind auf Java 300 000 vorhanden, Araber 20 000. Sie sind entweder die„rechte Hand" des Europäers oder im Handel tätig, doch gibt cs auch chinesische Grundbesitzer. Dieser geringen Gesamtzahl kapitalkräftiger Individuen steht nun die Millionenzahl(30 Millionen) Eingeborener gegenüber, die den Boden bebauen, in den Zuckerfabriken arbeiten usw. Ihre wirtschaftliche Kraft ist gering. Welche Werte und Ge- winnstadicn vorkommen, lehrt eine Ziffer aus dem Jahr« 1907: Java- und Sumatratabak hatten einen Verkaufswert von 70 Mil- lioyen Gulden, während der Produktionswert sich auf 56 Millionen Gulden belief. Die Eingeborenen gehören zur malaiischen Rasse: nach der Sprache unterscheiden sie sich in Javaner(Mittel-Java), Sunda- nesen(West-Iava) und Maduresen(Ost-Iavo und Madura). Sie sind Anhänger des Islam: nachdem 1405 die Mohammedaner sich des Landes bemächtigt hatten, verfolgten malaiische und arabische Geist- liche die alte indische Religion(Buddhismus, Tempclruine Boro- Budor) und zwangen den Unterworfenen ihre Religion auf. Die Widerstrebenden wanderten nach der nahen südlich gelegenen Insel Bali aus, wo noch heute der Buddhismus seine Anhänger hat. Für die Erforschung der oonnohammedanischen Zustände auf Java liefert" daher Bali eine besonders wertvolle Ausbeute. P. D. Hamsuns erste Mmerikareife. Aus der erften deuMen Bioqrovbi« des nordischen Dichters itnut Hamsun von Darl David Marcus, die sosben im Sorrn-Berlaa. Bsrlin-Gruncwald. erschienen ist. Nachdem er der Schuhmacherei überdrüssig geworden war, be- gann er seine Wanderjahre: er tritt in einem Fischerdörfchen als Kohlenauslader auf, er reist durch das halbe Land, verweilt nirgends besonders lange, wird von der Not und von einem inneren Drang vorwärts getrieben. Während dieser Wanderjahre war er Lehrer, Angestellter bei einem Landrat, Steinbrecher, Wcgabeiter u. a. m. Einmal war das Glück ihm gewogen, er fand einen Mäzen, der ihn auf eine Auslandsreise schickte. Nach all diesen Erwerbsversuchen und sicherlich manchen heim- lichen Schreibereien wird er der Verdienstmöglichkeiten seines Heimatlandes überdrüssig, greift den alten Familiengedanken wieder auf und wandert, 22 Jahre alt, nach Amerika aus, zunächst in der Absicht, Prediger der Unitaristensekte zu werden. Das soll ihm nicht gelungen sein, und nun beginnt dasselbe Leben wie in Norwegen, nur unendlich viel schwerer, lebensgefährlicher, der furchtbare Kampf eines Emigranten um feine Existenz, um sein Leben unter Ausübung jeder denkbaren und undenkbaren Arbeit. Aber alle, die Hamsun während dieser seiner ersten Amerikaperiode kannten, erzählten, daß sie sellen einen so hübschen jungen Menschen gesehen haben, der so mit rmtzigen Einfällen überraschte und über eine so glänzende Laune und ansteckende Lebensfreude verfügte. In seinen Freistunden arbeitete er schriftstellerisch. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er glaubte, in der gewaltigen Menschenmasje Amerikas leichter ein Publikum zu bekommen, als in dem uns beschrsblich schwach, bevölkerten.Baterlande, Es wird von ihm berichtet, daß er wie ein Berserker schrieb, dann alles zerriß, was er während der Nacht verfaßt hatte, weil es in keiner Weise dem entsprach, was er mit dem geschriebenen Wort hatte sagen wollen. Schließlich aber brachen seine Kräfte. Eines Abends, als er mit gewaltiger Stimme auf einem Basar in Minneapolis Auktio- natordienste verrichtete, fühlte er, wie etwas in seiner Brust entzwei sprang:«r fing an Blut zu spucken, wurde bettlägerig, und die Aerzte stellten die Diagnose: galoppierende Schwindsucht und nur noch etwa drei Monate Leben! Er müßte sich sofort auf den Weg machen, wenn er Norwegen noch erreichen wollte. Knut Hamsun machte sich wirklich auf den Weg, ohne sich besonders darum zu kümmern, was die Aerzte festgestellt hatten. Er gebrauchte eine höchst merkwürdige Kur, auf die er sich zum Glück kein Patent geben ließ. Er stellte sich nämlich auf die Loko- motioe, die drei Tage brauchte, um New Port zu erreichen, und ließ während der Fahrt den starken Luftstrom in seine Lungen ein- dringen. Er selber behauptet, daß er bei seiner Ankunft in New Park schon halbwegs gesund war. In Norwegen wurde er, nach- dem er sich einige Monate ausgeruht hatte, vollständig gesund: die Diagnose dürste unrichtig gewesen sein. Das war im Sommer 1885. Der Kampf um die Dampslokomotive. Nirgends gilt in höherem Maß« als gerade im R«iche der Technik der Spruch, daß das Bessere der Feind des Guten fei. So ist es auch kein Wunder, wenn an einer so ehrwürdigen Maschine, wie es heut« die Dampflokomotive schon ist, immer wieder hennngedoktert wird, um ihr Leben, das durch jüngere und erfolgreichere Konkurrenten arg bedroht ist, zu verlängern. Auf der Verkehrsausstellung in München war im vergangenen Jahr««ine Hochdruckdampflokomotive zu sehen, die ftir eine Betriebs- spannung von 60 Atmosphären eingerichtet war und mit Recht be- wundert wurde. Di« bisher im Betriebe befindlichen Maschinen arbeiten nur mit Ueberdrucken von 10 bis 15 Atmosphären. In diesen Tagen hat nun die Deutsche Reichsbahn bei der Berliner Maschinen- fabrit A.-G. vorm. Schwartzkopff ein« Dampflokomotive für einen Betriebsdruck von 100 Atmosphären in Austrag gegeben. Man er- wartet oon dieser Maschin«, die für eine Dauerleistung von 2000' Pferdestärken gebaut wird, große Ersparnisse an Kohlen, und man erhofft«ine wesenlliche Steigerung der Betriebssicherheit und andere Vorteile. Diese Versuche zeigen, wie stark der Wettbewerb der«in- zclnen Fabriken und System« untereinander ist. Aus der großen Eisenbahnausstellung in Seddin bei Berlln im Jahre 1924 wurde zum erstenmal in Deutschland ein« Turbinen- l o k o m o t i v« gezeigt. Sie war nach dem System des Schweizers Zoelly bei Krupp in Essen erbaut worden und bildete das Glanzstück der Ausstellung. Von der Einführung dieser Maschinen versprach man sich Kohlenerspornisse oon 30 bis 50 Proz. Nunmehr hat die Münchener Lokomotivfabrik von Maffei«ine ähnliche Maschin« für ein« Leistung von 2500 Pferdestärken gebaut, die jetzt mit ihren Versuchsfahrten be- gönnen hat. Die Triebturbine ist über dem vorderen Drehgestell montiert. Di« Welle trägt sowohl die Vorwärts- als auch die Rück- wärtsturbine. Bei einer Stundengeschwindigkeit von 120 Kilometern macht die Well« nicht weniger als 150 Umdrehungen in der Sekunde, also 9300 Umdrehungen in der Minute. Der Abdampf wird in den zu beiden Seiten des Kessels eingebauten Oberslächenkondensatoren niedergeschlagen und von hier in den Speisewasserbehäller geführt. Alsdann muß er mehrere Vorwärmer durchwandern, bevor er wieder in den Kessel zu neuer Arbeitsleistung gelangt. Der Tender ist als Be- rieselungskühlanlag« ausgebildet, um dos zur Kondensation nötig« Kühlwasser ständig auf der gewünschten Temperqtur zu hallen. Hochdrucklokomotiv« und Turbinenlokomotio« ringen miteinander, um die künftige Gestaltung der Dampflokomotive zu bestimmen. In jedem Fall« aber handelt es sich um ein« Revolutionierung des Dampflokomotivenbaus. W. M. Die Dögel als Wetterpropheten. Die neueren Untersuchungen haben gezeigt, daß die prophetische Eigenschaft mancher Vogelarten in bezug auf einen kommenden Wetterumschlag von dem Druck der Atmosphäre auf ihre Nerven herrührt. Besfmders g|llE&sii£|e An�eboie? Um unserer Kund Herr en• Winter-Uis!er:m Winter- Palelots, warm geiült it,.. • 24.—» 18—, raarcngo Ch'viot, srhwarz Eskimo, Rock-Paletots T-X-. Herren-Ulsier"15,01,« mi, ico�,«,.-. Herren-Winterjoppen, Herren-Pelzjoppen. Herren-Lportpeke. ,»d, t Ilm«;.'. 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