Kr. 555 ♦ 43. Fahrg. Ausgabe A Nr. 283 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Dknnia, monatlich L.- Zieichsmarl voraus»ahlbor. Unter Kreuzband tiir Deutschland, Donzia, Saar» und Memelaebiet, Oesterreich. Litauen. Luicmbur» «,SV Aeichsmart. sitr dos übti«e Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der»Vorwärts� mit der Illustrier- ten Eonntagsbeilag«.Dolt und Zeit' sowie den Beilagen.Unlerbaltung und Wissen",„Aus der Kilmwelt". .ssraucnstimme",„Der Kinder- sreund",„Zugend-Borwärts" und „Blick in die Bilcherwelt" ericheint wochentöglich»weimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adress«: „Sozialdemokrat verlla- Morgenansgabe Berliner Volksvlnkl (10 PksnnZs) . Anzeigeupeeise: »i««inivalita« Ronpareill'- »eile k» Bkennia. Rekl-me,rile 5,— Reichsmark..Kleine Rnjeiflen* das iettacdruckte Wort 25 Biennia lzulälsta»wei kettaedrucktc Worte), iedes weitere Wort 12 Biennia. Stellenacluche das«rii«. Wott 15 Biennia. iedes weitere Wort ll> Biennia. Worte über 15 Puch- Naben»iählen für»wei Worte. Arbeitsmarkt Keile 00 Biennia. lsamilienanaeigen für Abonnenten Seile« Biennia. Anaeiaen für die nöchste Rummer müssen bis 4lb Uhr nachmittaas im Sauptaeichäft. Berlin SW OZ. Linden- straheZ, abgegeben werden. Geöffnet von Llb Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifcben Partei Deutfcblande Redaktion und Verlag: Serlin EW. 68, Ändenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff ÄS2-SS7. Donnerstag, den AZ. November vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin SV. 68, Linöenstr.Z Postschecktonto: Berlin 37 53«- Bankkonto: Bovk der Arteiter. Anaestriten »ad Beamaen, Wallftr, I5i Viokonto-Gelelllcheit. Dcnosttenkast« Liadenftr, 3. Hermann Müller überverstänöigungspolitik Abrechnung mit den Deutschnationalen.— Vorwürfe gegen den Reichswehr- minister.— Eine Erklärung Getzlers. Die außenpolitische Debatte im Reichstag ist gestern weitergeführt worden. Diese Debatte ist keine Kampfdebatte. Die Angriffe der Deutschnationalen gegen die Außenpolitik der Regierung waren gestern etwas schärfer nuanciert als am ersten Tag— Herr v. Freytagh-Loringhoven als Vertreter der schärferen Tonart der Deutschnationalen liebt schärfere Worte als Herr H o e tz f ch— aber hinter den stärkeren Worten stand ebenso wenig wie bei Herrn Hoetzsch der politische Wille zu einem entschiedenen Kurswechsel der Außenpolitik. Verschiedene Grade des Agitationsbedürfnisses — dos ist alles. I Die DeutschnatI nalen haben sich wohl gehütet, in dieser Debatte ihr Agitationsbedürfnis zu übersteigern, denn unaus- gesprochen und doch von jedem gefühlt, ging durch die ruhigen Auseinandersetzungen im Reichstag die große Alternative: hier die Politi5NZes Friedens und der Verständigung, der Befreiung des Rheinlandes und des Saargebiets, dort die wahnwitzigen Illusionen der national!- st i s ch e n Aktivisten, denen � sich die Deutschnationale Partei in ihrer Agitation im Lande nur zu oft und nur zu weit angenähert hat. Parteipolitisch kommt diese große Alternative zum Aus- druck in dem Gegensatz zwischen der Sozialdemokratie und den Deutschnationalen. Die Sozialdemokratische Partei hat die Politik des Friedens und der Verständigung, deren Früchte heranreifen, von Anbeginn an gefordert und befördert. � In der gestrigen Reichstagsdebatte hat Genosse Hermann Müller das Wesen und die Ziele dieser Poli- k in großen Zügen aufgerollt. Liegt es auch im Wesen dieser Debatte, die im Grunde genommen nur einer Zwischeninforma- iion des Parlaments dient, daß neue Gesichtspunkte nicht her- vortreten können und nur Bekanntes wiederholt wird, so erhielt die Rede des Genossen Müller ihre große Bedeutung durch die starke Stellung, die der Gang der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie und ihren außenpolitischen Gesichtspunkten gegeben hat. Ruhig und überlegen zeigte er die Ziele: die Befreiung des Rheinlandes, der sich alles unterordnen muß. die Rückkehr des Saargebiets zu Deutschland, die deutsch- französische Verständigung die Notwendigkeit der allgemeinen Abrüstung. Seme Rede lehrt, wo wir stehen: Europa ent- wickelt sich zum Frieden, der nur durch die Verständigung ge- funden werden kann. Die Illusionen der französischen Ratio- nalisten brechen ebenso zusammen wie die Illusionen der deutschen Nationalisten. Mit großem Geschick verglich Genosse Müller die Illusion des Poincarismus mit den Illu- sioncn der Deutschnationalen. Vom Standpunkt dieser ruhigen Ueberlegenheit aus, die uns das Bewußtsein verleiht, daß die Geschichte uns recht ge- geben hat, setzte sich Genosse Hermann Müller mit den Deutsch nationalen auseinander. Mit beißendem Sar- kasmus rechnete er ihnen vor, daß sie mit ihrer sogenannten nat' analen Opposition im Grunde genommen nur Zeitungs- manöver betreiben und den Nachweis führen, daß sie das Reifezeugnis für ihren Eintritt in die Regierung noch nicht erbracht haben. Zugleich führte er eine ruhige, aber sehr entschiedene und notwendige Polemik gegen den Reichswehrmini st er. Die gemäßigte Sprache dieser Polemik nimmt den Vorwürfen, d�e er erhob, n'chts von ihrer Härte. Die Tatsache, daß der Reichswehrminister seine Versprechungen vom Jahre 1.92V nicht durchgeführt hat, hat dazu beigetragen, daß die außenpolitischen Schwierigkeiten, denen die Durchführung der Politik der Verständigung be- gegast ist, überaus groß gewesen sind. Der Kampf um die Verständigungspolitik mußte durchgefochten werden, nicht nur gegen die Demagogie der Nationalisten, sondern zugleich gegen die 5)emmungen, die von dem Herandrängen der Nationalisten an die Reichswehr und von der Schwäche des Reichswehr- Ministers ausgegangen sind. Ein schwererer Vorwurf gegen den Reichswehrminister kann kaum erhoben werden. Genosse Müller hat am Schluß dieser Polemik angekündigt, daß damit die Auseinandersetzung mit dem Reichswehrminister keines- wegs zu Ende ist. er hat auf die praktischen Maßnahmen ver- Wielen, die bei der Gestaltung des Etats ergriffen werden müssen, um dem gefährlichen Unfug der Verbindung von Wehrvcrbändcn mit der Reichswehr einen Riegel vorzu- schieben. Diese Auseinandersetzung rief eine Erklärung des Reichs- wehrministers Geßler hervor. Wenn sich diese Erklärung im Praktischen auch in nichts von den Erklärungen unterschied, die Herr Geßler bisher abgegeben hat, so zeichnete sie doch ungewollt die andere Seite der großen außenpolitischen Alter- native. General W a t t e r, der nach den Worten des Reichs- wehrministers im Jahre 1923 die jungen Leute im Ruhrgebiet vor die französischen Maschinengewehre treiben wollte, ist der Typ des wahnwitzigen, naiiona- listischen Aktivisten, der eine Politik der Befreiung durch Ver- ständigung ablehnt, weil sie die Freiheit durch den Frieden und nicht durch Krieg und Waffengewalt herbeiführt. Die außenpolitische Debatte ist aus deutschnationalem Agitaiionsbedürfnis herbeigeführt worden. Sie hat die deutschnationale Agitation gründlich zerschlagen. Der Kontrast gegenüber dem nationalistischen Treiben wird jedem Deutschen die Notwendigkeit der Politik des Friedens und der Ver- ständigung eindringlich vor Augen führen. » Im Reichstag hatte gestern die kommunistische Fraktion einen Mihtrauensantrag gegen den Reichsaiißcnministcr und eine Interpellation wegen des Verkaufs der„DAZ." eingebracht.— Ein Zusatzabkommen zum deutsch-litauischen Ha n- delsvertrag wird den zuständigen Ausschüffen überwiesen. Die Vereinbarung zwischen Deutschland und Frank- reich über den Austausch von Erzeugnissen eintger deutscher und saarländischer Industrien, der deutsch-pol nische Vertrag zur Regelung der Grenzverhältnisse sowie das Abkommen über den geger.seitigen Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland einerseits, Polen und der Freien Stadt Danzig andererseits, werden in 2. und 3. Lesung ohne Aussprache angenommen. Es folgt die Fortsetzung der Aussprache über üie auswärtiae Politik. Abg. Dr. Bredk sWirtsch, Vgg.) erklärt, daß seine Fraktion aus- wärtige und innere Politik nicht miteinander verquicken wolle. Aus der gestrigen gemäßigten Rede des Abg. Hoetzsch könnte gefolgert werden, daß die Deutschnationalcn bald in die Regierung ausgenommen werden möchten Als der Redner den Reichsaußen- minister angreift, weil die Deutsche Volkspartei während des sächsischen Wahlkampfcs ein gemeines Flugblatt gegen die Wirtschaftliche Bereinigung verbreitet habe, schlägt Strese- mann auf den Tisch und ruft entrüstet:„Zch mache doch nicht die Flugblätter für Sachsen." Der Redner kommt schließlich auf die Zustände im besetzten Gebiet zu sprechen, die leider durch Thoiry gar nicht gebessert worden seien. Die Regierung müsse versuchen, mehr für die rhei- nische Bevölkerung zu erreichen. /lbg. Müller-Zranken sSoz.j stellt fest, daß der deutschnationale Redner Abg. Hoetzsch sich be- müht habe, möglich st wenig Geräusch zu machen. Um so unverständlicher ist es, daß eine Partei, das ergab sich aus dieser Rede nnt aller Deutlichkeit, die in die Regierung hinein will, eine Interpellation einbringen kann, in der sie Rechenschaft von den Per- sonen verlangt, die für die B e f l a g g u n g der deutschen Botschaft in Washington verantwortlich sind. Das ist ein neuer Beweis dafür, daß die Doukschnotionalcn das notwendige Reifezeugnis für den Eintritt in die Regierung noch nicht besitzen. (Heiterkeit und Sehr richtig!) Nachdem der Reichsauhenminister selbst erklärte, daß er gar nicht daran denke, diese Personen zur Rechenschaft zu ziehen, werden die Deutschnationalen ja wissen, welche Konsequenzen sie aus diesem Verhalten des Ministers zu ziehen haben. Es ist ganz selbstverständlich, daß der Botschofter, der übrigens Ihrer(nach rechts) Weltanschauung sehr nahe steht, wissen muß, was er zu tun hat, wenn er die deutschen Interessen in Amerika wobrnebmen will. Es ist ganz selbstvcrständ- lich, daß die Reverenz, die er dem amerikanischen Feiertag erwies, nicht im geringsten die Würde des deutschen Volkes verletzte. Er wird wissen, baß die Amerikaner solchen Provokationen, wie Sie (nach rechts) ihm hier zumuten, nicht zugänglich sind. Die A m e- r i k a n c r sind nicht so militari st isch veranlagt, daß sie bei solchen Gelegenheiten an den Krieg denken, sie denken an ihrem Feiertage auch nicht an den Sieg. Trotzdem alles zu Gold geworden ist, wys sie mit ihren Händen berührt haben, haben sie von den europäischen Geschichten genug. Uebrigens war der lt. November gar nicht der Tag, an dem die miliiärische Niederlage besiegelt worden ist. Wer Augen hatte zu sehen und Ohren zu hören, der wußte schon im August Bescheid. Iven« Hoetzsch damals schon dem Reichstage angehört und gesehen hätte, welches Gesicht Graf Westarp gemacht hat. als Bulgarien abgefallen war. so hätte er von diesem Gesicht ablesen können, daß die milllärische Niederlage Deutschlands bereits besiegelt war. Wir haben deshalb gar keine. Ursackz-!, die deutschnalionale Interpellation ernster zu nehmen, als sie gemeint ist. Sie ist nur ein Zeitunasmanöver. Man möchte förmlich Angst dqvor be- kommen, wie schlimm es dem deutschen Volke gehen würde, wenn die Deutschnationalen nicht mehr von draußen Opposition machen. Dr. Hoetzsch hat allerdings angekündigt, daß sie dann von drinnen Opposition mächen werden. Ich glaube auch nicht, daß es großen Eindruck auf die Mittelparteien gemacht hat, als Dr. Hoetzsch seine Partei als das Gewissen der Notion be- zeichnete. D»nn dieses Gewissen hat in den außenpolitisch schwierige» Zeitpunkten der Nation nicht immer funktioniert, die deutschnano- nale Partei war dann zu 50 Proz. für Gewissen und zu 50 Proz. für Gewissenlosigkeit(Stürmische Heiterkeit). Ich weiß auch nicht, ob Herr Hoetzsch jetzt die gesamte deutschnatio- nale Fraktion vertreten hat(Zurus von den Deutschnationalen: Ja- wohl!) Wir sehen nämlich auf der Rednerliste auch noch Herrn v. Freytagh-Loringhoven, der am 5. Oktober i» Brandenburg in einer Rede über den Völkerbund erklärt hat: „Die Völkerbundspolitik der Schwäche muß die deutschnalionale Parle! aufs heftigste bekämpfen und gegen eine Angllederung an den Erbfeind wird sie sich mit oller Macht stemmen." Bei Herrn Hoetzsch hat man von einem solchen Stemmen gegen den Erbfeind nicht das geringste gemerkt. Ludendorss Hot während dar sächsischen Landtogswahlen von jüdischen, römischen und sretmaiarc rischen Einflüssen in der deutschnationalen Partei gesprochen(Heiter- keit). Auch die heutige..Deul/fchr Zeitung" und die „Deuts ch e T o g e s z e» t u n g" find nicht ganz damit zufdieden. wie hier dir deutschnationalen Interessen vertrete» worden sind. Bei der gestrigen Rede haben wir das Gefühl' gehabt, daß Herr Hoetzsch, der von Stresemann nach. G c ms eingeladen worden war, wahrhaftig gern mitgegangen wäre, wenn ihm das nicht vom Grafen Westarp verböten worden wäre.'(Heiterkeit.) Selbst Minderbegabte erkennen, daß die Deutschnationalen diese Art Politik nur deshalb betreiben, weil es die L a n d w i r t s ch a f t ver- langt, daß Politik in ihrem Sinne getrieben werde. Das ist der treibende Faktor bei dem Umsall, den die Deutschnationalen in der Außenpolitik vorgenommen haben.(Widerspruch rechts.)' Der Gras K a l ck r c u t h hat dos doch deutlich genug zu erkennen ge- geben! Run hat Herr Hoetzsch weiter gemeint, man könne mit der jetzigen Außenpolitik zufrieden sein, weil sie die Formeln akzeptiert habe, die die D e u t j ch ii a t i o n a l e n vorgetragen hätte». Er hat nur vergessen, daß gerade bei diesen Formeln immer ein K o m- p r o m i ß dabei gewesen ist, und das wird auch in Zukunft nicht anders sein. Ich glaube, daß meine Fraktion viel mehr Recht hol. zu be- hauplen, daß die Polilik. wie sie die Reichsregierung nach außen belreibl, von Ihr vorgezeichnel worden ist.(Sehr richtig! bei den Bölkischcn.) Die Politik von Genf konnte nur gHnacht werden, weil wir sie in diesem Hause schon seit Jahren unterstützt haben. Draußen im Lande ist jetzt Mehrfach behauptet worden, daß ein Unterschied zwischen der früheren und der jetzigen Politik bestehe. Man sagt üns nach, wir hätten früher Erfüllüngspolitik getrieben, jetzt aber handle es sich um Bcsrciungspolstik, al? ob es nicht selbstverständlich wäre, daß jedcVerständigiingspolitik Befrei ungs- Politik ist. Wollen Ske(nach rechts) aber bestreiten, daß auch diese Besreiungspolitik nichts anderes als Er- süllungspolitik ist? Soll Ich Zhnen die Zahlen vorlesen, die mit dem Dawesplan verbunden sind? Wenn das keine llt- füllungspolilik ist, so weih ich ulcht, was überhaupt eine solche ist. und diese Ersüllungspolitik Ist doch mit Ihrer Hilfe gemocht worden. (Sehr richtig! links.) Hier kann man sagen: Zahlen beweise»! Wir bedauern allerdings, daß diese Politik erst so spät durchgedrungen ist, daß sie so spät Früchte getragen hat. Das lag nicht zuletzt auch an Frankreich. Poincare hat in seiner Rede zu Bar le Duc am 27. September behauptet, Frankreich habe niemal- eine Politik des Hasies und der Ranküne zu treiben versucht. Diese Behauptung ist falsch. Eine solche Politik ist biszum Jahre 192 3 von den maßgebenden Politikern in Frankreich getrieben worden. Ich möchte überhaupt wissen, wie man den Versailler Vertrag anders erklären kann, als wie ein« Wirkung von Haß und Ranküne. Dys Entscheidende aber ist, daß in der französischen Politik durch die Wahlen vom Mai 1924 ein Umschwung eingetreten ist, daß dadurch die Politik der Verständigung und Befriedung ermöglicht wurde, oder um es anders auszudrücken, daß die Franzosen weit früher vernünftig geworden sind als die Deutschnationalen.(Heiterkeit und Beifall lßks.V Viele deutschnationalc Wähler, die vorher den Völkerbund als ein Teufelswerk betrachtet haben, hoben jetzt sicher eingesehen, daß sie ihn ganz falsch beurteilt hoben. Soviel ist sicher, daß die Deutsch- nationalen sich den Lauf der Politik im Jahre 1926 ganz anders vorgestellt haben, als er tatsächlich gewesen ist Ich hohe bereits früher gesagt, daß dieser Völkerbund unserem Ideal nicht entspricht, und wenn meine Fraktion immer wieder für den Eintritt in den Völkerbund gewesen ist, so haben wir das getyn in der Auffassung, daß er nur von innen heraus refor- m i c r t werden kann und nicht dadurch, daß man nach Art der Deutschnationalen Opposition von draußen macht. Wir arbeiten, und das sagen wir den K o m ni u ni st c n, in hieser Beziehung sogar nnt Kapitalisten zusammen, denn in allen Ländern der Welt gibt es Kapitalisten, die eingesehen haben, daß selbst vom pripot- kapitalistischen Standpunkt aus.«sehen die Wiederholung eines Weltkrieges ein sehr schlechtes EesHäft für sie sein würde. Auch in Frankreich hat man allmählich eingesehen, daß der Satz, den der französische Finanz mini st er Klotz seinerzeit geprägt hat: ,1.- Boche paycra tout, d. h.„Der Deutsche wird alles bezahlen", in Wirklichkeit nichts anderes war als die Zlnnonce eines Traumes, der sich nicht erfüllen konnte, der inzwischen längst ausgeträumt ist. Frankreich ist auch nicht deshalb der Verständigungspolitik geneigter geworden, weil man dort vor den Deutschen Angst hat. wie es in manchen„vaterländischen" Kreisen behauptet wird. Der Redner zitierr einige Stellen aus einem Arlikcl des Generalmajors Grafen v. d. Goltz in einer deutsch- nationalen Zeitung vom 3l>. Oktober d. I., worin behauptet wird, dah Frankreich vor dem wirtschaftlichen Ruin stehe, aus dem Sieger wer�e ein Besiegter werden, Frankreich stehe vor einer Revolution und Deutschland vor der Freiheit.(Heiterkeit.) Das ist die gleiche Illusion, die diese Kreise während des ganzen Weltkrieges gehabt haben. So einfach ist das nicht, wie sich der Herr Graf das vor- stellt. Wir wollen mit aller Deutlichkeit feststellen, daß wir auch vom Standpunkt der deutschen Wirtschaft aus am Ruin Frank- r e i ch s ebenso wenig ein Interesse haben, wie am Ruin Rußlands, der tatsächlich eingetreten ist.(Widerspruch bei den Kom- munisten.) Wenn da drüben alles koscher wäre, so würden Sie(zu den Kommunisten) uns doch auch einmal mitnehmen, damit wir uns die Geschichte ansehen könnten.(Heiterkeit.) Der Friede Europas, das ist der große Gedanke von Thoiry und wir wollen feststellen: Wirtschasttlch können Deutschland und Frankreich ohne hilse Amerikas nicht gesunden, ober politisch können sie gesunden, wenn sie nur wollen, und dazu ist Thoiry ein guter Ansang. Illz verstehe es wohl, wenn Briand und Stresemann sich bei der Unterhaltung in Thoiry zum Ziele gesetzt haben, eine Lösung im ganzen zu versuchen, denn jede Halbheit stört das Ziel der Befriedung Europas. Gens und Locarno waren in diesem Sinne e i n A n f a n g. Ich glaube, rein politisch gesehen, ohne jede Verknüpfung init den großen weltwirtschaftlichen Fragen kann diese Politik von Thoiry sich nur dann voll auswirken, wenn man sich klar darüber ist, was sie letzten Endes bedeutet. Ich möchte hervorhebe», daß die politische Velständigung zwischen Deutschland und Frankreich nur möglich ist, wenn man sich in Deutschland völlig darüber klar ist, daß Locarno den endgültigen Verzicht auf Elsaß-Loth ringen bedeutet. Ich freue mich, daß Sie (nach rechts) keinen Widerspruch erheben. Aus der anderen Seite erscheint es selbstverständlich, daß auch die Franzosen ein für allemal aus ihren historischen Drang nach dem Rhein verzichten müssen. (Sehr walir!) Ich glaube, den Franzosen kann das heute sehr leicht fallen. Sic haben bis 1923, insbesondere während der Zeit des R u h r e i n b r u ch s, alle in: besetzten Gebiet vorhandenen Strolche gesammelt und durch solche aus den umliegenden Dörfern noch ver- mehrt, un> ihre separatistischen Gelüste durchzuführen. Sie sind elend gescheitert an dem Willen der rheinischen Bevölkerung, die allezeit bei Deutschland bleiben will. Wenn auf beiden Seiten auf territoriale Erweiterungen verzichtet wird, dann ist der Friede am Rhein gesichert. Eine endgültige Befriedung am Rhein kann sich gegen niemand richten, zumal England und Italien ihre Garanten' sind. Schon daruni kann in dieser Politik keine Spitze ge,gcn die englische und italienische Politik liegen, obwohl die italienische Regierung seit Jahr und Tag einen Herd der Unruh« in Europa bildet. Riussolini fludierl ja die Reden Wilhelms II. und gibt sie bruchstückweise von sich(Heiter- keit). Aber ich glaube, daß die italienischen Arbeiter nicht die geringste Lust haben, sich für Rlussolinis Politik auf� die Schlachtbank führen zu lassen. Angesichts der schiebenden Schiedsgerichtsverhandlungen zwischen Deutschland und Italien möchte ich mit aller Deutlichkeit sagen, daß auch in Deutschland kein zurechnungsfähiger Mensch an eine deutsch-italienische Verständigung denkt, die ihre Spitze gegen Frankreich richtet.(Sehr richtig!, bei den Sozial- dkmokraten.) Für uns ist es selbstverständlich, daß eine verwinde- rung der Truppen am Rhein, so notwendig sie ist, nich! das wesent- liche ist, sondern die völlige Räumung der Rheinlande und der Pfalz. Die Rheinprovinz muß wieder voll unter die deutsche Souveränität kommen. Das jetzige Regime ini Rheinland wird immer der Politik der Verständigung abträglich sein, immer wieder werden sich Zwischenfälle ereignen, wie die von G c r m e r s h e i in. Aber ich erwarte auch, daß die Befriedungspolitik nicht durch eine Feier- Politik gestört wird, wie sie in der Pfalz beliebt wird, wo erst kürzlich das öOjäHrige Jubiläum eines bayerischen Regiments ge- feiert wurde, bei dem die Leute mit ihren alten Uniformen herumzogen und zum Schlüsse sogar sangen: Siegreich wolln wir Frankreich schlagen. Das kann nicht zur Befreiung dienen. Am 19. September wurde sogar gegenüber von Speyer auf der anderen Seite ein sogenannter deutscher Tag gefeiert. Das ist doch nur ein Tag zum Saufen und Randalieren, wie die alten Germanen taten, die am Ufer des Rheins lagen und immer noch eins tranken. Die unsinnigen Provokationen der Besatzung, die sich im Anschluß an solche Feiern ereignen, müssen unterbleiben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir von der Befreiung von Rhein und Pfalz sprechen, dann denken wir selbstverständlich auch an die Befreiung der Saarbevölkerung. Unzweideutig haben erst kürzlich wieder alle Parteien des Saarpalaments zusammen zum Ausdruck gebracht, daß das Saargebiet unverzüglich wieder an Deutschland tcmmen muß. Vielleicht kann man bei der Unbezweiselbarkeit des Ergebnisses der im Versailler Vertrag vorgesehenen Abstimmung sich darauf einigen, daß die Rückkehr des Saarzebietes an Deukschland ohne Abstimmung erfolgt. Wenn die französische Regierung einer solchen Abmachung zustimmt, so würde sie damit die Politik der Versöhnung aufs trefflichst« fördern und damit auch die Revancheschreier aus beiden Seiten zmn Schweigen bringen.(Sehr richtig.) Ganz selbstver- ständlich ist es, daß die Besatzung nichi abgelöst werden darf durch ein anderes Regime, das neue Schikanen ermöglicht. Für«ine Sondsrbehandlung des Rheinlondes nach der Auf- Hebung der Räumung gibt der Versailler Vertrag nicht die ge- ring st e Handhab«.(Sehr wahr.) In einem Briefe vom 2g. April 1919 hat Clemenceau an Poincare geschrieben, daß Deutschland in einer neutralen Zone an der Gren.ze zwar kein« Truppen und kein« Festungen halten darf, daß dann aber auch kein« Kontroll« der deutschen Rüstungen mehr möglich ist. Ich bin überzeugt davon, wenn man ernsthaft französische Militärs fragt, wie sie über«in« solche Kontrolle denken, so würden sie antworten, daß vom militärischen Standpunkt aus gesehen eine solche Kontrolle absolut wertlos ist. In der Zeit des Telegraphen, des Radio urd der Eisenbahn ist es ganz unmöglich, heimlich Festungen aufzubauen und Truppen zu konzentrieren. Warum diskutiert man dann aber in Paris erst dieses ganze Pro- blem? Die liest« Kontrolle, die Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages vorsieht, ist doch die rheinisch« Bevölkerung selbst, die nicht im geringsten daran denkt, ihre Heimat wieder zum Schauplatz für den nächsten Weltkrieg, der noch furchtbarer sein wird, als der letzt«. werden zu lassen.(Sehr wahr!) Auch Sinn und Geist der Locarnoverträge setzt die Gleichberechtigung der Teilnehmer voraus, auch hieraus Kinn kein« dauernd« Kontrolle gefolgert werden. Wenn der Rhein kontrolliert würde, dann müßte auch die M a a s l i n i« kontrolliert werden. Wir erkennen nur an. daß da? ollgemein« Kontrollrecht besteht, wie es der Versailler Vertrag varsieht. Die Lücke kann nur oxisgefüllt werden durch eine wirklich? Slbrüstung, die d?r Völkerbund kontrolliert. Die allgemeine Wrüstung ist noch nicht auf dem Marsch. Auf der leßken So,ialistcnkonserenz in Luxemburg haben wir mii aller Deullichkeit sestgestellt. daß. wenn es nicht gelingt, die Abrüslvnassraqe durch den Völkerbund zu lösen, daß eine Krise den Völkerbund hervorrufen müsse. Die allaemeine Ab- rüstung ist nicht nur Deutschland, sondern allen Völkern versprochen worden, daher muß sie von allen Völkern durchgesührk werden.(Sehr richtig! links.) Es ist aber nicht nötig, daß diese Angelegenheit in den Händen der Militärs bleibt, und ich erinner« nur an das Wort, das Briand zuletzt in Genf sprach: W'e g mit den Kanonen und den Maschinengewehren! Was die Frage der i n t e r- alliierten Militärkontrolle anlangt, so glauben auch wir, daß es Zeit ist, daß sie verschwindet. Bei der Lösung dieser Frag« scheinen sich Schwierigleiien vor ollem bei der Regelung der Ein- und Ausfuhr und der Herstellung von Kriegsmaterial zu«raeben. Ich bin der Ueber.zeugung, daß bei gutem Willen auch hierüber eine Verständigung erzielt werden kann. Wir können nicht dulden, daß Deutschland dabei etwas zu- gemutet wird, was ihm im Versailler Vertrag nicht auferlegt worden ist. Wir denken dabei auch insbesondere an die Wahrung der In- tereffen der Arbeiter, die hierfür in Frage kommen könnten. Der ReichsweHrmimster Dr. Geßler hat gestern eine Er- klärung über die Wehrverbände abgegeben. Und nun fragen wir: Warum mußte es solange gehen und wie war es überhaupt möglich, daß es soweit gehen könnt«? Das war nur deswegen möglich, weil der R e i ch s w s h r m i n i st e r in den vergangenen sechs Iahren das Programm nicht ausgeführt hat, das er im März 1929 in der Nationalversammlung ausgestellt hatte. Damals hat er gesagt, daß er ernstlich und unverzüglich daran geh?» werde, die Reichswehr auf breitester demokralischer Grundlage auf- zubauen und daß er sich dafür einsetzen werde, daß den verfassungs- treuen Mannschaften ihre Rechte gewahrt werden. Wenn der ReichsweHrmimster Las getan hätte, dann wären die auße-npolitischen Schwierigkeiten der letzten Jahre nicht so groß ge- wesen.(Lebh. sehr wahr! links.) Mir erwarien, daß Herr Geßler jetzt endlich dos durchführt, was er damals gesagt Hot. Es wird dafür gesorgt werden müssen, daß die Befehle des Reichswehrminisim restlos durchgeführt werden. Beim n ä ch st« n Reichs wehretat werden wir prüfen, wo die Beträge und Kosten stecken, die für„U e b u n g e n" usw. ge- braucht werden. Der Etat muß besonders darauf hin unter die Lupe genommen werden. Der Grundsatz, daß keine Behörde von privater Seite Geld nehmen darf, muß auch heut« noch Geltung haben.(Lebh. sehr richtig! links.) Wenn dieser Grundsatz durch- geführt worden wäre, dann wäre es dem Reichswehrminister leicht gewesen, die Verbindungen zwischen Reichswehr und industriellen Kreisen aufzudecken. Mir werden dem Minister das Material, das er gestern verlangt ha!, in der nächsten Zeit zugehen lassen. Wenn er sagt«, er könne seinen Leuten nicht zumuten, sich selbst zur Anzeige zu bringen, dann müßte er doch froh darüber sein, wenn andere Seiten die Anzeigen machen. Der Minister hat jedem die Ens- lassung angedroht, der sich gegen die Gesetz« vergeht. W i r werden sehen, was daraus erfolgt. In der Reichs- wehr wird immer von der Aufrechterhallung von alten Traditionen gesprochen, man hört ober nie davon, daß die Disziplin gegen- über den Befehlen des Reichswehrministers aufrechterhalten wird. Es muß dafür gesorgt werden, daß nicht aktive Offiziere sowie sogenannte Sportlehrer in die Reichswehr ein- gestellt werden, die in vaterländischen Verbänden die Gelder ver- möbeln. Ich habe mich darüber gefreut, daß in der Aussprache kein Angriff gegen den preußischen Innenminister und gegen den Reichs- mehrminister wegen des Verbots der Verbände Olym- pia und Wiking erhoben worden ist. Das beweist hier, daß das Verbot zu Recht erfolgt ist. Aus der Denkschrift des preußischen Jmienministers geht hervor, daß die Ausbildung in den Wehr- verbänden nach den Vorschriften der Infanterie vor sich geht. Es wird erklärt, daß gute Soldaten erzogen werden müssen. Das ist ungesetzlich, nach dem Gesetze, das am 22. März 1921 lzerousgegeben worden ist.(Zurufe rechts.) Wenn Sie(nach rechts) in die Regierung hineinwollen, dann müssen Sie solche Maßnahmen mitmachen.(Stürmische Heiterkeit.) Es handelt sich bei diesen Verbänden zweifellos um Verbände, die m i l i t är i s ch e Zweck« verfolgen, die also verboten sind. (Zurufe von den Deutschnationalen: Der Skaaicgerichtehof hat anders entschieden!) Diese Richter schenke ich Ihnen! Der Wortlaut, der von mir zitierten Stellen betreist, daß es sich um Verbände handelt. die gesetzlich verboten sind. Es muß dafür gesorgt werden, daß die gesetzlichen Bestimmungen auch durchgeführt werden. Run wird ja von der Rechten behauptet, daß auch das Reichsbanner ein« militärische Truppe sei. Von allem anderen abgesehen, ist doch aber entscheidend, daß beim Reichsbanner niemand daran denkt, den nächsten Weltkrieg vorzubereiten und das steht im Gegensatz zu Ihren Verbänden. Ich bin gespannt daraus, wenn der zweite Redner der Deuischootionalea austritt, ob er sich noch hinker die vakerlöndischen verbände stellen wird, wie er das auf dem deulsch- nationalen Parkeikog in Potsdam getan hat. Im übrigen ist doch der Aufwand, den die vaterlcindischen Verbände treiben, ganz un> nütz, denn selbst Herr v. d. S ch u l e n b u r g hat doch ausführlich dargelegt, daß sie militärisch ganz zwecklos sind. Ich erwarte aber, daß die Regierung fest bleibt uird sich in der Politik gegen die rerfassungswidrigen Verbände nicht stören läßt. Roch«in Wort zur Kriegsschuldsroge. In der deutschnationalen Interpellation darüber hieß«s zuerst, die Regierung' werde ersucht, dies« Frage vor ein internationale» Schiedsgericht zu bringen. Später wurde es abgeändert dahin, die Regierung solle prüfen, ob man de Angelegenheit vor ein solches Schiedsgericht bringen könne. Das bedeutet schon«in« Entgiftung der Interpellation. Aber was soll denn der Völkerbund überhaupt feststellen? Soll er Deutschlands Unschuld feststellen, oder wie sich die Schuld auf die einzelnen Länder verleilt? Daß Deutschland dabei gänzlich freigesprochen wird, glaubt doch kein Mensch(Zurufe bei den Deusichnationalen: Wir wollen die Beseitigung der Allein- schuld.) Deutschland wird ja nur als Urheber der Kriegs- schäden hingestellt, und was im Versailler Vertrag steht, hat ja längst keine praktisch« Bedeutung mehr. Glauben Sie denn, wenn Deutschland freigesprochen würde, dann hätte es auch nur einen Pfennig weniger zu zahlen? Wir machen jedenfalls solch« Manöver zur Täuschung des Publikums Ton und§arbe. Musik-Rm schau von ßuri Singer. Die Woche des Bußtags und Totensonntags ließe uns Zeit zu Sammlung aller Art, wenn die Konzertgeber nicht von dem Drang, an diesen Tagen ernste Musik zu hören, gar zu starken und gar zu bequemen Gebrauch machten. Es sind auch hier die gleichen Werke, die jahraus, jahrein wiederkehren, vor allem Matthäuspassion und die beiden Requiem von Vraynis und Mozart. Gerade auf dem Gebiete der religiösen Chormusik ist die Auswahl doch nicht so schwer. Man denke an die Messen von Mozart, Liszt, Cherubini, man denke vor allem an die Kantaten Bachs. Von ihnen brachte Wolfgang R c i m a n n vier herrliche Stücke stilvoll zur Ausführung. Johannes S t e h m a n n konnte seine Aussührung in der Garnisonkirche sogar durch das Radio den vielen zugänglich inachen, die von der ruhigen Erbauung im Haus sich Gemüthafteres versprechen als vom Besuch der Kirchen und Konzertsäle. Im Brahmsschen Requiem imponierte Frau Lütge-Schmid durch die innige Eindringlichkeit ihres Sopransolos. Im Baritonsolo wechselten sich Vrsnsgeest und Max Spilcker ab. Rühmenswert, daß Stehmann zu dem allbekannten und in der Häufung der Aufführung schon süßlich werdenden Brahmsschen Rc- quiem den„Einsiedler" von Reger hinzufügte. Reger ist in seinen Ehorkompositionen so gut wie unbekannt. Außer dem 199. Psalm verdiene» auch das Requiem sowie da? Chorwerk„Die Rönne", die Choralkantaten und eben der„Einsiedler" öfter gehört zu werden. Es ist hier eine Stiiiimung der Welteinsamkeit mit stark empfundener Kraft gestaltet, die an Mahler erinnert. Stehmann war dem Werk ein beredter und«indringlicher Deuter, der Oratorien- verein erwies sicb als gut diszipliniert. Zu einem sehr interessanten Experiment lud der ungarische Musiker Alexander Laszlö. Er hat sich in langen Iahren bemüht, eine Synthese zwischen Klang und Farbe zu schaffen und demonstrierte die Erfolge seines bisherigen Schafsens. Es gibt Men- scheu, die bei dem Anhören von Musik Farbcnempfindungen haben, ja, es gibt solche, die bei einem bestiminten Ton eines bestimmten Instruments immer die gleiche Farbe sehen. Es kann nicht behauptet werden, daß dies immer die normalsten Sinnesorgane zuwege bringen, und es scheint do�- so, als ob selbst diese Hörer die Ab- lenkung von der Musik nicht als angenehm empfinden. In den ausgesprochensten Fällen handelt es sich wahrscheinlich um patholo- aische Zustände. Eine Zlhnuyg dieser Zusammenhänge und Zu- sammenklänge von Ton und Farbe haben allerdings auch große Musiker gehabt(Liszt, Schumann, Wagner), und wahrscheinlich wird die Orchesterpalette derartig besonders begabter Musiker auch be- sonders bunt« Forben hergeben. Was Läszlü zeigte, war eine sys!4- matische Umbiegung pathologischer Phänomene in das normale Be- wuhtsein. Die herrlichen Farbkombinationen, die auf der Leinwand erschienen, erinnerten sowohl tonlich wie im Bewegungscharakter der Linien erheblich an die Darstellungen künstlerischer oder visionärer Gebilde,»wie sie die Geisteskranken ans der Gruppe des Jugend- irreseins bieten. Ich will damit nicht sagen, daß Läszlö selbst etwa ein Kranker, auch nur ein Psnchopath sei. Im Gegenteil, in seinem sanatischen Willen, eine Erhöhung der künstlerischen Empfindung zuwege zu bringen, steckt schöpferisches, steckt vielleicht geniales Ber- mögen. Wesentlich ist dabei, daß die von ihm vorgeführten Kam- Positionen tatsächlich i» Ton, Farbe und Rbvthmik aus der gleichen Wesensschau heraus erfuliden und geformt find. Abstrakte Figuren, sich in deutlichen fixierten Rhnthmen gegeneinander bewegend, mit- einander verschmelzend, sich überkreuzend, blitzhaste Zacken, schwe- bende Wellenlinien, weiche und harte Tönung, Hell und Dunkel, Anschwellen und Verschwinden— alle diese Elemente des bewegten Bildes klingen gleichzeitig und gleichmäßig mit dem Bildstreifen auch in der Musik auf. Es ist in den Präludien und in der Sonatine Läszlüs tatsächlich Musik und Farbe einheitlich geschaffen. Für die kleine Form bedeutet das einen Zuwachs an künstlerischer Empfin- dünn, für die größere Form, in der gerade Repitition und Durcki- führung sich durch Wiederkehr oder Neuausbau van Tongcdanken als Wert erweisen könnte», wankt das Interesse, und das Gefühl eines abstrakten Kinaoorgangs mit begleitender Musik herrscht vor. In einer Aufführung„�lusica Sacra" unter Leitung von Kurt D ö b l e r wurde man der Werke von Frescobaldi, Schütz, Vittoria, Eccard nicht recht froh. Eine etwas unklare Orgel, ein die Tempi verschleppender Kapellmeister, ein im Klang flacher Chor und eine Sängerin mit sehr schönem, aber technisch noch unausgereiftem Material wirkten zusammen. Im zweiten Konzert der Staatsoperntapclle begann Kleiber mit Mozarts Bläserserenade in C-Moll, deren Mangel an gesungener Lebensfreude durch den Dirigenten noch unterstrichen wurde. Wie viel schöner wirkt dieses Wert in der Bearbeitung für Streichinstrumente. Novität des Abends vier Tanzstücke für Orchester, Opus 15 von Karol Rathaus. Bei der konservativen Gesinnung dieses Publikums war es nur natürlich, daß das Werk von den meisten abgelehnt wurde. Es ist gewiß ke!» Meisterstück, aber begabt, rücksichtslos, wohl auch ungezogen im Zusammenprall von Jnstru- menten, im derben Schritt der Themen. Rathaus ist vom amerikani- schen Jazz angesteckt. Als Tänze kann man die Stücke nicht auf- fassen. Der innere Schwung spricht aber für eine tänzerische Lebens- freude, und das ist wohl gemeint gewesen. Die Schlußfiige klingt/ zwar nicht sonderlich schön, zeigt aber einen vorzüglichen Bau und> damit zugleich den Wert eines Musikers, der glücklicherweise aus seiner Gärung nach nicht zur Reife oekoinmcn ist. Gesündeste, tiesswerankerte Ausdruckssähigkeit im dritten Kam- mermusikabend des G u o r n e r i- O u a r t e t t s, in dem das Streichquartett Gki-Moll von Beethoven so klangschön, so geistia, so sauber und innerlich erfüllt gespielt wurde, wie einst zu Joachims Zeiten. Fritz Kreis lers Konzert in der Philharmonie bedeutet die gesellschaftliche Krönung eines Konzertwinters. Leider macht dieser Meister des Geigenfpiels diesem Publikum unerhörte Kon- Zessionen. Dia kommennusitalisch« Feinheit der B-Dur-Svnate von Mozart gehört nicht aus das Podium der Philharmonie, und das Mcndelssohnsche Biolinkonzerl sollte nicht mehr mit Klavierbegleitung gespielt werden. Höhe der Spielfertigkeit und der souveränen Ton- bildung Kreislers waren die Stücke in kleinem Format von Chausion, de Falls, Debusiy, Kreisler. Hier kann man so schön an der Ober- stäche der Schönheit hasten bleiben. Friedrich de la Motte- F o u q u ö läßt einen ganze» Abend lang Kompostttonen von sich selber spielen. Dabei zeigt eine Viertelstunde, daß dieser Komponist nicht aus seiner engen Haut heraus kann So wie dieses Streich- quartett Opus 19 gearbeitet ist und klingt, so wurde schon vor 59 Iahren komponiert. Kein Ruhmesblatt übrigens für das van- Laar-Ouartett, daß es. vielleicht selbst entgeistert von der Schalheit solcher Musik, großstädtische Ansprüche an Sauberkeit und Präzision im Zusommenspiel so stark vermissen ließ. In hübschen Liedern, die wie in Goldschnitt gebunden schienen, zeigte Amalie Methner eine im Piano zwar ausdruckslose, sonst aber schöne, weiche Sopranstimme._ Die Satze. Don Hans Reimann „Wem gehecrt denn nur die Götze?" „Die aeheert unsre." „Sie Hamm enne Götze?" „Ija." „'ch weeß nich,'ch däd mr geene haldn." „Nu, wissen Se,'ch halb se ooch bloß wejen dn Meisen." „Sie Hamm Meise?" „Ae, geene Ahnung! Mir Hamm doch geene Meise." „'ch denke, Se Hamm Meise?" „Aewoh, seid mir die Gatze Hamm, Hammer geene eenzje Maus mehr." „Nu, wenn Se geene Meise mehr Hamm, dn brauchen Se doch ooch geene Gatze!" „Ach enah, wissen Se, mr hatsj dran geweehnt." „Ja, da gen» Se recht Hamm." (Mit srioutni» des Verlages lserdlnand Ditinmlcr. Berlin-Donn, dem„Mundartcnbuch" von Julius Schocfflcr enlnommeu.) lleberraschunq im Rundfunk. Der Londoner Funkdienst ver- anstaltete kürzlich eine Diskussion zwischen den Prosessoren Hurley und Lewis über die Frage„Ist die Wissenschaft nützlich für die Welt?". Vrofe�or Hurley kam in seiner Rede auch auf die Versüße einei Geburtenkontrolle zu sprechen. Hierbei wurde er plölssi.'- zurch empörte Zwischenrufe unterbrochen, und die Hörer vernahmen dcut- sich, wie eine andere Stimme erklärte, Geburtenkontrolle je! eine Schamlosigkeit und müßte verboten werden. Der Rundfunkgesell- schast war das Vorkommnis offenbar peinlich, denn sie bebaupiete nachträglich, der Zwischenruf sei im Programm vorgesehen gewelen. um bei den Hörern den Eindruck einer Versammlung zu erwecken. Professor Huxley daqcoen protesiiert in der englischen Pre"e mit der Erklärung, der Zwischenfall sei durchaus programmwidrig. „Vor 5onnrnaufganq- Im Slaalsihcoler. Tie Berliner StaalSthenter haben Kcrbart Haurtmann-5 Iuge-rwerk„Bor Sonnenauszang', das bis- der an den staatlichen Bühnen Berlins noch nie gefpieil woidcn ist. zur Zluffübruna erworben. Die Neuinszenierung wird oorauSiichUich im Früh- jähr'927 herauskommen. Theaterchroalk Das Mnrchenlviel.Firlefanz, der V u v v«n- d o k i v r" von Egon£>. Strnvburoer und Albrechl Brandt. Musik von Cam'llo Hildebrand, wird vom Deutschen Küiiillerthealcr Sonnabend 3'lt Uhr ausgeiübrt. « ne publizistische Ausstellung in München. Zlrläsillch des 190 jährigen lZubiläumZ der Universiläi München veranualiet das dori'ge JnstNut für Zeilungsfoischung eine Autstkllung. in der auSgewäbile AuSschniite der Publizistik gezeigt werden. Die Ausstellung ist zualeich alt eine Ehrung des großen deuilchen Publizisten Iolef KörreS gedacht, der lang« Zeit al» Professor an der Münchener Unwersitäl wirkte. nicht mit. Wir sini> davon ukerzeugt. daß durch dies« Jnter- pellation die Klärung der Schuldfrage nicht gefördert wird. Wir haben aber schon wiederholt erklärt, daß wir damit«inverstanden sind, wenn ein wirklich objektives Gremium in die Lag« käme, auf Grund der Dokumente die von Deutschland bereits veröffentlicht worden sind, aber noch nicht veröffentlicht sind von der Entente, die Kriegsschuld zu prüfen. Die Interpellation der Deutschnationalen bildet keine geeignet« Grundlage zur Erreichung dieses Zieles. Gerade weil wir«ine rasche Räumung des Rhein- l an des wollen, muß olles unterlassen werden, was die Zirkel dieser Politik stört. Gestern hat Dr. Hötzfch für die deutsch- nationale Fraktion erklärt, daß sie bereit sei, weitere Opfer für die Räumung des Rheingebietes zu bringen, wenn es nicht zu umgehen sei. Damit hat er sich dem Standpunkt genälfert, den w i r früher schon vertreten haben. Wir sind im übrigen davon überzeugt, daß die Politik, die wir dies« ganzen Jahre getrieben haben, wenn sie sich auch noch nicht voll ausgewirkt hat. so doch uns einen Schritt in der Befriedung weitergebracht hat. Wir sind noch nicht ans Ziel, aber wir werden auf der bisherigen Bahn weiter arbeiten, bis die europäische Befriedung erreicht ist. Und wir find überzeugt, daß die Geschichte uns für die Vorarbeit und die Mit- arbeit daran einst Dank zollen wird.(Lebh. Beifall bei den Soz.) (Fortsetzung siehe Beilage.) tzerr Geßler! Einzckheiten aus den Grenzgebieten der Reichswehr. Es wäre immerhin interessant zu erfahren, ob Herr Geßler die Verhandlungen von Reichswchrosfizieren mit der„Vereinigung Breslaucr Arbeitgeberoerbände" über die Finanzierung der Ausbildung von Sportlehrern für in Ordnung hält oder nicht. Sein Ministerium interessiert sich anscheinend dafür nicht, sondern nur sür den Gewährsmann, der diese Verhandlungen aus- gedeckt hat. Das„Berliner Tageblatt" schreibt: „Gewisse Kreise im Arbeitgeberverband haben sich zunächst nicht um eine Aufklärung des Sachoerhalts, sondern lediglich um die Ermittlung der Quelle bemüht, aus der unsere Information geflossen ist. Man erkundigte sich sogleich nach Er- scheinen des Artikels beim Reichswehrministerium. Vom Reichswehrministerium wurde nach Breslau bereitwilligst dahin Auskunft erteilt, daß unserer Mitteilung ein von Breslau an das„Berliner Tageblatt" gesandter Brief zugrunde liege, und eine Abschrift dieses angeblichen Briefes wurde dann ebenso bereitwillig vom Reichswehrministerium den Arbeitgebern nach Breslau übersand t." Eigenartiges Benehmen einer Reichsbehörde! Der Sportlehrer. Das Reichswehrministerium hat behauptet, daß die von Reichs- wrhrosfizieren bei den Industriellen gesammelten Gelder„zivilen Sportschulen" und der Ausbildung von„Sportlehrern" durch die Reichswehr zugewendet werden sollen. Was es mit diesen „Sportlehrern" auf sich hat, zeigt ei» kleiner Bericht, der uns von der„Republikanischen Beschwerdestelle" zur Verfügung gestellt wird. B« der Berliner Disconto-Gesellschaft besteht seit«inigen Jahren eine„Kameradschaftliche Vereinigung", die auch eine Kleinkalibcrschießfportabteilung unterhält, nach einem Bericht der Kleinkaliberabteilung(K. K. S.) hat ein „G ö n n e r" dieser Bestrebungen in hochherziger Weise die G e- w e h r c g e st i f t e t. In einem anderen Bericht wird mitgeteilt: „Mit Beginn des laufenden Kalenderjahres haben wir uns die tech- rifche- Durchführung unseres Programms zur teilweisen Entlastung einen beamteten Turn- und Sportlehrer ver- pflichtet." Das ist ein durch die Reichswehr ausgebildeter „Sportlehrer". Die Kameradschaftliche Vereinigung" erfreut sich weitestgehender Förderung durch die Direktion, die bei Preisschießcn auch Preise stiftet. Der t. Vorsitzende ist übrigens Herr Prokurist Grothe. Aus. nahmebercchtiot ist jeder ehemalige Soldat,„der die militärischen Tugenden auch im bürgerlichen Leben achtel und danach wandelt". Selbstverständlich ist die Vereinigung dem Preußischen Landeskriegeroerband angeschlossen und damit die Mitglieder sich völlig im klaren über den Eharakter der Schießübungen sind, gibt es auch Schnellfeuer aus Figuronscheiben. Von besonderem Interesse ist es noch, daß die„Kameradschaft- liche Vereinigung" der Disconto-Gesellschast eine Stammrolle führt. Darin wird neben den üblichen Personalien noch vorgemerkt, wie lange und bei welchem Truppenteil jedes Mit- glied gedient hat, welchen Dienstgrad es erreicht und mit welchen Orden und Ehrenzeichen es bedacht wurde. Auch Fel� züge und Krisgsdienstzeit werden vermerkt. Die Schießübungen finden im Sommer auf den Ständen der Versuchsanstalt für Hand- feuerwo.ffen in Halensee und im Winter auf dem Schießstand des Landwehr-Osfizierskofinos am Bahnhof Zoo statt. Prinz Eitel- Friedrich war wiederholt Gast der„Kameradschaftlichen Vercini- gung". Die Penstonen öer verabschieüeten. Die Denkschrift vor der Veröffentlichung. Auf die Anfrage der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, weshalb die vor einem Jahre vom Reichstag beschlossene Vorlage einer Denkschrift über die Pensionen der Reichs- minister, Staatssekretäre, Generale und sonstigen Offiziere »och nicht erfolgt ist, hat der Reichsminifter der Finanzen jetzt folgende Antwort erteilt: „Zur Ausstellung der mit der geforderten Denkschrift vorzu- legenden namentlichen Uebersicht waren Unterlagen erforderlich, die von sämtlichen beteiligten Pcnsionsregclungsbehörden— insbesondere den Nersorgungsämtern— eingefordert werden mußten. Die Aufklärung zahlreicher Unstimmigkeiten in diesen Unterlagen hat einen weiteren Schriftwechsel erforderlich gemacht. Die Denkschrift, deren Vorlage sich hierdurch verzögert hat, befindet sich im Druck und wird dem Reichstag in den nächsten Tagen zugehen." Dranö und öe? f!nA>luß. Paris, 24. November.(WIB.)„Journal" weiß zu berichten, daß Außenminister Briand gestern nach der Sitzung des Kammer- ausschusscs für auswärtige Angelegenheiten über die Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland befragt, erklärt habe, die Vereinigten Staaten von Europa seien die b e st e Bürgschaft gegen den Anschluß. Pari». 24. November.(WTB.) Wie dem„Journal" aus Nizza gemeldet wird, hat der Polizeikommissar auf Weisung des Ministe- riums des Innern einem englischen und einem a m e r i k a- nischen Zeitungsberichterstatter, die in einer Depesche den Ein- marsch der Faschisten nach Frankreich angekündigt und die Maßnahmen zum Schutze gewisser öffentlicher Einrichtungen übertrieben dargestellt hatte», verwarnt und ihnen Ausweisung an- gedroht, falls sie falsche oder tendenziöse Meldungen an ihre Zsi- tungen geben. Offenlegung öe Die Liften liegen ans Der Präsident des Landesfinanzamtes Berlin veröffentlicht soeben eine Bekanntmachung betreffend„Offenlegung der von den Grundwertausschüssen nach dem Stande vom l. Januar 1Ü2S fest- gestellten Einheitswerte". Es handelt sich hierbei um die erstmalige Durchführung der im Reichsbewertungsgesetz vorgesehenen Offenlegung der Listen, die die Ergebnisse der Neubewertung des Vermögens durch die bei den einzelnen Finanzämtern neu ge- bildeten Grundwertausschüsse enthalten. Die neuen Werte nennt das Gesetz„Einheitswerte". Die Offenlegung beschränkt sich jedoch auf landwirtschaftliche sorstwirtschastltche und gärtnerische Betriebe sowie auf Grundstücke und erstreckt sich nicht auf das B e br i e b s vermögen. Für Berün spielt die Offenlegung der G r u n d st ü ck s w e r t c die Hauptrolle. Da das Reichsbewertungsgesetz alle Grundstücke, die Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, offenen Handelsgesellschaften, Vereinen usw. oder zu einem gewerblichen Betriebe gehören, zum Betriebsvermögen rechnet, so werden die Werte dieser Grundstücke nicht offengelegt. Das Grundvermögen umsaßt nach dem Reichs- bewertungsgefetz den Grund und Boden einschließlich seiner Bestand- teile, insbesondere der Gebäude. Die Offenlegung erfolgt, wenn die Bewertung zum größten Teil abgeschlossen ist. Nachträgliche Aenderungen dieser Werte oder später festgestellte Werte werden nicht offengelegt: das Finanz- amt erteilt aber hinüber auf Anfrage Auskunst. Die Offenlegung erfolgt in Form von Listen. In Spalte 1 der Listen wird die Nummer des Einheitswertbogens verzeichnet, in Spalte 2 sind die Grundstücke deutlich zu kennzeichnen, also z. B. durch Angabe von Straße und Hausnummer. In Spalte 3 wird der festgestellte Einheitswert vermerkt. Die Listen werden auf den Finanzämtern einen Monat lang ausgelegt. Der Präsident des Landesfinanzamts Berlin hat bestimmt, daß bei den Finanzämtern Spandau, Zehlendorf, Steglitz, Tempelhof, Neu- kölln, Oberspree, Ost und Nord die Offenlegung in der Zeit von 1. bis einschließlich Zl. Dezember 1926, bei den übrige n 2Z Berliner Finanzämtern in der Zeit vom 20. November bis ein- schließlich 20. Dezember 1926 stattfindet. Die Listen können auf den Finanzämtern werktäglich von 9 bis 1 Uhr eingesehen werden. Die Offenlegung der Einheitswerte soll eine Kontrolle der O e s f e n t l.i ch k e i t über die Bewcrtungsarbeii der Grundwert- Schwieriger Streikabbruch in England. Die Unternehmer sabotiere»? die Verhandlungen. London, 24. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Verhand- lungen zum Abschluß eines Distriktabkommcns mußten in Süd- walcs nach zwei Tagen von den Arbeitervertretern endgültig abgebrochen werden. In L a n c a s h i r e ist als erstem Distrikt eine Einigung über einen Kollektivvertrag zustande- gekommen, der jedoch nicht vor der am Freitag stattfindenden Delö- giertenversammlung in Kraft treten kann. In Schottland haben die Unternehmer den Arbeitern die vor dem Kampf geltenden Löhne bei einem achtstündigen Arbeitstag angeboten. In den übrigen Distrikten sind die Verhandlungen im Gange, jedoch treten zahl- reiche Schwierigkeiten auf. So weigern sich z. B. in L e i c e st e r- s h i r e die Unternehmer, mit den Bevollmächtigten des Berg- arbeiterverbandes wegen seiner Betätigung während der Aussperrung zu unterhandeln. In Sommerset lehnen es die Unter- nehmer überhaupt ab. in Verhandlungen einzutreten, bis sämtliche Arbeiter die Arbeit wieder aufgenommen haben. Die Regierung hat beschlossen, die Kohle nrationierung in den nächsten Tagen schrittweise wieder abzubauen. Die Einschränkungen für Gas und Elektrizität sind mit Donnerstag, die Einschränkungen für Hausbrandkohle mit Ende der Woche wieder aufgehoben. Den Zechen ist es wieder gestattet, frei über ihre Kohlen zu verfügen, jedoch müssen Kohlenförderungen der lokalen Kohl«»- kommissionen vorzugsweise behandelt werden. Das A u s s u h r- verbot bleibt bis auf weiteres— mit Ausnahme von Irland— aufrechterhalten. Die inländische Kohlenförderung hat nun- mehr die Höhe von zwei Millionen Tonnen wöchentlich erreicht. Es sind bereits, trotzdem die Distnktsverhandlungcn noch nicht beendet sind, 420 999 Bergarbeiter, also beinahe die Hälfte derjenigen, die wieder«ingestellt werden sollen, zur Arbeit zurückgekehrt. Mit welchen Mitteln die Unternehmer die Rückkehr der Ar- beiter zur Arbeit zu beschleunigen suchen, geht aus einer Mitteilung Cooks hervor, wonach die Unternehmer vielfach den Arbeitern ein Rundschreiben geschickt haben, in dem sie seststellen, daß die Verlängerung der Arbeitszeit die Einstellung von weniger Arbeitern als vor der Aussperrung mit sich bringe, und daß deshalb die- jenigen, die Arbeit finden wollten, sofort zur Arbeit zurückkehren mühten. Die Koalitionsfrage in Selgien. Außerordentlicher Parteitag am 25. Dezember. Brüssel, 24. November.(Eigener Drahtbericht.) Der G e- n c r a l r a t der sozialistischen Partei behandelte am Mittwoch die durch den Rücktritt des Finanzdiktators F r a n c q u i geschaffene innerpolitischc Lage und namentlich die Frage, ob die Sozialisten weiter in der Regierung verbleiben wollen. Die Ansichten darüber sind in der Partei stark geteilt. Vandervclde neigte in seinem sehr objektiv gehaltenen Referat zur Fortsetzung der sozia- listischen Mitarbeit in der Regierung. Für die Koalitionspolitik� sprachen die Vertreter der großen Gewerkschaften, während sich' vor allem de Brouckere als Gegner der Koalition bekannte. Vandervelde führte aus, die Partei habe eigentlich nur zwischen zwei Wegen zu wählen: Entweder Ausstellung eines Programms von Forderungen auf steuerlichem und sozialem Gebiet, das zur Be d i n g u n g der sozialistischen Teilnahme an einer mehr oder weniger veränderten Koalitionsregierung zu machen fei, oder aber Eintritt in die Opposition. Eine ausgesprochen sozialistisch-demokra» tische Kampfregierung sei kaum erreichbar und wäre von kurzer Dauer. Sie würde auch infolge der kapitalistischen Gegnerschaft eine neue Finanzkatastrophe heraufbeschwören können. Es sei auch nicht leicht, in die Opposition zu treten, da bei der parlomcn- tarischcn Stärke der Arbeiterpartei keine Garantie sür eine stabile bürgerliche Regierung bestünde. Vandervelde schlug vor, die Eni- scheidung einem außerordentlichen Parteitag zu Weihnachten zu überlasten. Unbedingt nötig sei, daß«ine starke Mehrheit in diesem oder jenem Sinne entscheide. Die sozio- listischen Minister würden nicht im Amt bleiben, wenn die Koalitionspolitik nur eine schwache Mehrheit fände. Brouckere erkannte an, daß die bisherige Koalitionspolitik bessere Ergebnisse gezeitigt habe, als er angenommen halle. Immer- ? Einheitswerte. ich Finanzämtern ans. ausschüsse ermöglichen. Die Oeffentlichkeit soll durch Der- gleichung der Ergebnisse beurteilen, ob die von diesen festgestellten Werte zutrefscnd sind, ob insbesondere die Bewertung gleichmäßig erfolgt ist. Diese Beurteilung stößt aber auf erhebliche Schwierigkeiten, weil die Bcwertungsoorschriften des Reichsbewer- tungsgesctzes sehr unübersichtlich sind. Das Gesetz unterscheidet vor allem zwischen bebauten und u n b eb a u t e n Grundstücken. Die bebauten Grundstücke zerfallen wiederum in z w a n g s- bewirtschaftete und nichtzwangsbewirtschastete. Als zwangsbcwirtschaftete gelten alle bebauten Grundstücke, die vor dem 1. Juli 191» bezugsfertig geworden sind, d. h. also die große Masse der Miethäuser. Für diese Grundstücke erfolgt die Wert- ermittlung auf Grund des berichtigten Wehrbeitrags- wertes in der Weise, daß sür die verschiedenen Gruppen von Grundstücken verschiedene Prozentsätze zugrunde gelegt werden. Und zwar werden Einfamilienhäuser mit 4S bis 6S Proz. des berichtigten Wehrbeitragswertes veranschlagt, M i e t w o h n- g r u n d st ü ck e mit 25 bis 45 Proz. und Gcschästsgrund- ft ü ck e in der Regel mit 79 Proz. Wenn ein Grundstück mehreren Zwecken dient, also z. B. Wohn- und Ecschästszwecken, so er- folgt die Bewertung mit den verschiedenen Prozentsätzen nach dem Verhältnis der Mieten, die auf die einzelnen Zwecke entfallen. Nichtzwangsbewirtschastete Grundstücke werden mit dem Er- t r a g s w e r t bewertet, und zwar ist der nachhaltig erzielbare also nicht der tatsächlich erzielte Ertrag zugrunde zu legen. Unbebaute und im Bau begriffene Grundstücke werden dagegen mit dem g e- meinen Wert, also dem Vertaufswert, bewertet. Zum Bauland sind hierbei auch solche gegenwärtig noch landwirtschaftlich, forst- wirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Grundstücke zu rechnen, Ne in absehbarer Zeit andern als diesen Zwecke« dienen werden. Es handelt sich bei der Offenlegung der Einheitswerte allerdings nicht um eine Offenlegung der Steuer listen, sie ist aber gleichwohl eine sehr wichtige Maßnahme. Denn diese osfengelegten Werte werden schon jetzt der Reichsvermögens st euer und Erbschaftssteuer zugrunde gelegt und sollen künftig auch als Grundlage für die preußische Grundvermögens st euer dienen. Es kommt daher daraus an, die Auslegungsfrist nicht un- genutzt oerstreichen zu lassen, sondern Einsicht in die Listen zu nehmen und zu versuchen, sich ein Urteil über die Gleichmäßig- keit der Bewertung zu bilden. hin sei die Fortsetzung dieser Politik für die Partei sehr gefährlich, da die Massen vielfach die Regierungsbcteiligung der Sozialisten verantwortlich machen für die schweren Lasten der Stabil»- sierung. Einstimmig wurde die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages auf Weihnachten beschlossen. Deutsch-französische Grenz�ommijsion. Eine kanadische Anregung. London. 24. November.(WTB.)„Daily News" verzeichnet einen Borschlag zur Regelung der deutsch-französtschen Grenzfragen, den der kanadische Premierminister Mackenzie King dem vormaligen britischen Botschafter in Berlin, Lord d'Abernon, unterbreitet habe. Der Vorschlag geht dahin, daß eine s ra n z ö s i s ch- d e u ts G r e n z k o m m i s s i o n eingesetzt werde nach dem Muster der Kommission, die die Fragen regelt, die an der unbefestigten Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten entstehen. Die Kommission besteht aus drei kanadischen und drei amerikanischen Kommissaren: jede Angelegenheit kann ihr unterbreitet werden,„die die Rechts, Verpflichtungen oder Interessen eines der beiden Teile gegenüber dem anderen oder gegenüber den Einwohnen» des anderen längs der gemeinsamen Grenze berührt". In gwissen Fällen werden die Entscheidungen durch M e h r h e i t s- b e s ch l u ß gefaßt, in anderen wird nur den Regierungen Bericht erstattet. Wenn der Kommission eine Entscheidung unterbreitet wird und keine Mehrheit erzielt wird, kann die betreffende Frage an einen entsprechend den Bestimmungen der Haager Konvention von 1997 gewählten Schiedsrichter verwiesen werden. Die Mitglieder der kanadischen Delegation in London glauben, daß ein ähnlicher Versuch an der deutsch-sranzösischen Grenze den gleichen Erfolg erzielen wird. Sturmfzenen in der Kammer. Elsässer-Diitsch verboten.— Poincarss Kriegs- tcilnahmc. Paris, 24. November.(Eigeiier«2)rahtbericht.) In der Kammer kam es bei der Beratung des Unterrichtsbudgets zu einem peinlichen Zwischenfall. Als der clsässische Kommunist H u e b e r die Tribüne bestieg und das Verlangen stellte, in elsässtscher Mundart zu sprechen, da er die französische Sprache nicht beherrsche, hielt ihm der Kammerpräsident entgegen, daß ein Beschluß vorliege, wonach in der Kammer nur die französische Sprache angewendet werden dürfe: dieser Beschluß war im vorigen Jahre gefaßt worden, nachdem Hueber bei einer Rede die elsässische Mundart angewendet hatte. Um Hueber möglichst entgegenzukommen, befrngte der Prüft- dcnt noch einmal die Kammer, ob sie geneigt sei, eine Rede in elsässisch anzuhören. Das wurde von der Mehrheit abgelehnt, worauf Hueber auf das Wort verzichtete. Darauf verlas der Kommunist D u c l o s aus dem Manuskript Huebers die Klagen gegen die französische Verwaltung im Elsaß. Als Duclos Poincarä das Recht absprach, von Elsaß-Lothringen zu sprechen, da er die anderen für besten Rückgewinnung habe kämpfen lassen, geriet Poincarä in ungewöhnliche Erregung. R o t vor Zorn und mit der Faust auf das Pult schla- gend, erklärte er. daß er auf seine Weise am Kriege teilgenommen habe.„In Bordeaux!", erwiderte ironisch Duclos, woraus Poincare wütend ausrief, die Regierung habe damals das Menschen- mögliche getan, um in Paris bleiben zu können. Der Oberbesehls- Haber der Armee habe jedoch ihre Abreise nach Bordeaux gefordert. „lind Sie haben es sich nicht zweimal sagen lassen", erwiderte Duclos.„Die erste Pflicht eine- Mannes, der regieren will, ist zu gehorchen", antwortete Poincare vor Zorn bebend. Duclos Replik ging in dem Lärm des Hauses verloren, dessen stürmische Proteste den Redner am Wcitcrsprecher hinderten und so dem Zwischenfall ein Ende machten Die finnische Minderheitsregierung Kallio ist zurückgetreten. nachdem sie in einer Parlamcntsdcbatte über Unregelmäßig- leiten bei M i l i t ä r l i e f e r u n g e n in der Minderheit ge- blieben war. Das Kabinett war zuletzt nur noch eine Regierung der Bauernpartei. Boraussichtlich wird ein Beamtenkabinett die Re- gierungsgeschäfte bis zu den im Frühjahr stattfindenden Neuwahlen führen....... Das Notgesetz üer Gewerksthasten. Es fordert die Rückkehr zum Achtstundentag. Die Geuzcrkschaftcn oller Richtili'.gen haben in eingehenden Be- ratungen den Entwurf eines Notgesetzes zur Verkürzung der Arbeits- zeit ausgearbeitet. Er soll die Grundlage parlamentarischer VerHand- lungen bilden. Die sozialdemokratische Rcichstagsfraktion Hot sich sofort bereit erklärt, diese gemeinsamen Forderungen aller Gewerk- schaften mit größtem Nachdruck zu vertreten. Soll dos große Ziel einer sofortigen Verkürzung der Arbeits- zeit erreicht werden, dann ist eine der wichtigsten Vorbedingungen, daß die Arbeiter und Angestellten sich in einer Einheits- front z u s o m m c n sch l i'e ß e n und ihren Einfluß im Parlament geltend machen. Diese Einheitsfront der in de» Gewerkschaften aller Richtungen organisierten Arbeiter und �Angestellten mißfällt der„Roten Fahne" im höchsten Grade. Sic fühlt sich berufen, den deutschen Kapilalistea zu Hilfe zu eilen, indem sie eine wüste Verleumdungskampagnc gegen die Gewerk- schaften und die Sozialdemokratische Partes einleitet.„Der Wort- laut des Entwurfs ist ein ungeheuerlicher Skandal und ein Verrat der Arbeiterintercssen, wie er schlimmer nicht gedacht werden kann." „Prinzipiell ändert der neue Notgesetzentwurf am bisherigen Zustand nicht das geringste."„Wir stellen fest, daß dieser ADGB.-Entwurf in allen wesentlichen Stellen genau den, Wortlaut der reaktionären Arbeitszeitvcrordnung, die heute noch in Kraft ist, entspricht."„Wird der ADGB.-Entwurf Gesetz, so bedeutet, das sogar noch eine Verschlechterung gegenüber dem bisherigen Zustand, als die Beseitigung des Achtstundentages und die jetzt herrschenden unmenschlichen langen Arbeitszeilen durch ausdrückliches Reichsgesetz verewigt werden." Das sind so einige Kraftstellen aus dem kommunistischen Eleborat.„Bewiesen" wird das dann alles durch Zitate aus den Abänderungsvorschlägen der Gewerkschaften. Unter dein Vorwandc, die wahren Arbeiterinteressen zu ver- treten, versuchen die Kommunisten, die Arbeiter und Angestellten gegen die Vorschläge der Gewerkschaften scharf zu machen. Die Folge davon wird sein, daß die Auseinandersetzungen in die Ge- werkschaften getragen werden, statt daß die ganze Kraft der Arbeiter- klasse dafür eingesetzt wird, so schnell wie möglich aus dem Wege einer gesetzlichen Acnderung der geltenden Arbeitszeitvcrordnung zu einer Verkürzung der Arbeitszeit zu kommen. Was die Gewerkschaften fordern, ist ein N o t g e s e tz. Auch die gegenwärtige Verordnung ist ein Gesetz, so daß das Gerede der Roten Fahne" über Gesetz und Verordnung ein hilfloses Gestammel ist, das eine totale Uskenntnis verrät. Dieses von den Gewerk- schaften geforderte Gesetz oerlangt, daß sechs Paragraphen der geltenden Arbeitszeitveroadnung geändert und fünf Paragraphen dieser Arbeitszeitoerordnung, außerdem fünf Artikel der noch geltenden Demobilmachungsverordnungen gestrichen werden. Die „Rote Fahne" zitiert die Forderungen der Gewerkschaften sehr will- kürlich: sie verschweigt vor allen Dingen die entscheiden- den Forderungen. Nach dem geltenden Recht können auf Grund der§§ 5 und 6 der Arbeitszeitverordnung auf dem Wege des Tarifvertrages, oder falls«in solcher nicht besteht, durch behördliche An- o r d n u n g eine regelmäßige Verlängerung der Arbeitszeit bis zu zehn Stunden täglich vorgenommen werden. Das sind die einzigen gesetzlichen Bestimmun- gen, mit deren Hilfe gegenwärtig die regelmäßige Verlängerung der Arbeitszeit durchgeführt werden kann. Nach den Borschlägen der Gewerkschaften sollen diese beiden Paragraphen gestrichen werden. Außerdem soll auch dem Unternehmer das Recht genommen werden, an dreißig Tagen in, Jahr Mehrarbeit bis zu zwei Stunden zu vereinboren. Das sind die entscheidenden Bestimmungen, durch deren Be- seitigung eine sofortige Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden täglich eintritt. Was die„Rote Fahne" zitiert, sind nur die b e- sonderen Ausnahmefälle, wobei auch hier die Voraus- s e tz u n g ist, daß eine tarifliche Regelung vorliegt. Und nur wenn der Tarifvertrag die Einzelheiten nicht regelt, dann kann der gesetzliche Schlichtungsausschuß über diese Einzelheiten entscheiden, ober auch nur im Ausmaße der allgemeinen Tarifregelung. Der Vorschlag der Gewerkschaften fordert ferner, daß die be- stehenden Bestimmungen von Tarif- und Arbeitsverträgen, die eine längere Arbeitszeit zulassen, sofort auszuheben sind. Außerdem ist die Straffreiheit des Unternehmers bei Annahme sogenannter„freiwilliger Mehrarbeit" nach den Vor- schlügen der Gewerkschaften zu beseitigen. Daraus ergibt sich, daß nach den Vorschlägen der Gewerkschaften der Achtstundentag in vollem Umfange eingeführt wer- den soll. Die Arbeiter und Angestellten werden nicht töricht genug sein, sich durch die„Rote Fahne" und die kommunistischen Manöver von der so notwendigen Unterstützung der Gewerkschaften in diesem schworen Kampfe abhalten zu lassen. Sie werden über das kommu- nistische Spaltungsmanöver zur Tagesordnung übergehen und alle Kraft einsetzen für die von den Gewerkschaften geforderte Wiederher- stellung des Achtstundentages. Krieg oüer frieden im Baugewerbe? Langwierige Verhandlungen. Im deutschen Baugewerbe scheint sich der Abschluß eines neuen Rcichstarifvertrages vorzubereiten.. Am 27. August dieses Jahres waren sich die Vertreter der baugewerb- lichen Arbeiter- und Untcrnchmerorganisationen darüber einig geworden, im Oktober neue Verhandlungen zu pflegen über etwaige Sicherungen des Friedens für dos Baujahr 1927. Diese Verhandlungen fanden statt am 26. Oktober. Dabei hatten sich die Vertreter der baugewerblichen Arbeiterorganisationen auf den .Standpunkt gestellt, unter„Sicherung des Friedens für das Bau- "' iä!ir 1927" könne man nur verstehen den Abschluß eines regelrechten Reichstarifvertrages, da die L o h» f r a g e nur einen Teil der sogenannten Friedcnssichcrungen darstellen könne. Die Unter- nehmervertreter dagegen erklärten, es könne sich nur darum handeln, ähnlich wie im Jahre 1926 ein L o h n a b k o m m e n zu treffen. Da die Unternehmcrvertreter kein Mandat über Abschluß eines Reichstarifvertrages von ihren Auftraggebern hotten, ging die Sitzung rcsultatlos auseinander. Es lag nunniehc dem zentralen Schiedsgericht für das Bau- gewerbe ob, zunächst in dieser Frage zu vermitteln. Dieses Schieds- gericht trat am 22. November zusammen. Nachdem die beiden Par- teien ihren Standpunkt dargelegt hatten, machten die Unparteiischen einen Vorschlag, der von den Arbeiiern wie von den Unternehmern abgelehnt wurde. Nunmehr lag den Unparteiischen ob, einen neuen Vorschlag zu formulieren. Dies geschah unter Mitwirkung der Beisitzer des zen- traten Schiedsgerichts. Der neue Vorschlag hatte nachstehenden Wortlaut: „Die Parteien schließen ein zentrales Abkommm, durch das die Arbeitszeit und die Entscheidung über Lohn st reitig- leiten geregelt werden. Als Arbeitszeit wird grundsätzlich der A ch t st u n d e n t a g votgeschlagen, soweit nicht bezirklich etwas anderes vereinbart wird. Im Falle der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit sind unverzüglich neue Verhandlungen aufzunehmen. Im übrigen scheint den Unparteiischen das zentrale Abkommen nur möglich und dem Wirt- schaftsfricden zu dienen geeignet, wenn in ihm eine über Streitig- keiten aus dem Lohnverhältnis endgültig entscheidend« zentrale Schlichtungs stelle vorgesehen ist. Das neue Abkommen soll gelten bis zum 26. Februar 1928." Zu diesem Vorschlage erklärten am Zwesten Derhandlungstage die Vertreter der baugewerblichen Arbeiterorganisationen, der Bor- schlag sähe etwa» bester aus, jedoch müsse auch über die sozialen Forderungen der Bauarbeiter mitoerhandelt werden. Die Unternehmervertreter erklärten, sie seien zu Verhandlungen über ein Lohnabkommen bereit, sie würden sich auch zu einigen Zuge- stand nisten in der Frage der sozialen Forderungen der Bau- arbeitcr herbeilassen. In der Arbeitszeitsrage könnten sie sich endgültig noch nicht festlegen. Damit war tatsächlich die Bahn freigemacht für die Beratung eines Reichstarifvertrages. Eine engere Kommission unter Mit- Wirkung der drei Unparteiischen beriet nunmehr über einen Reichs- tarifvcrtrag Verhandelt wurde unter anderem über die E i n b e- Ziehung der Poliere und Schachtmeister in das zu schaffende Tarifverhältnis, über Lehrlingslöhne, über Iah- lung von Löhnausfall wegen Krankheit, Todes- fall, Materiolmangel oder Betriebsstörung, über Ferien, Tarifisierung der Akkordarbeit, feste Lohnspanne zwischen Gelernten und Unge- lernten, Grenze des Vollarbeiterlohnes, über Fragen der Betriebsvertretung und Bestinimungen für die Schlichtungsinstanzen. In einigen mehr untergeord- n e t e n Fragen ergab sich eine Einigung, über die Hauptpunkte, die erst teilweise verhandelt sind, jedoch noch nicht. Immerhin steht nunmehr fest, daß beide Parteien gewillt sind, einen Reichstarifvertrag voll durchzuberaten Und wenn möglich abzu- schließen. Allerdings werden bis dahin noch einige Monate ver- streichen. Es ist auch möglich, daß sich der endgültigen Einigung noch derartige Hinderniste in den Weg stellen, die die Verhandlungen schließlich zum Scheitern brickgen. Iedenfall ist beschlossen worden, am 29. Dezember und folgende Tag« weiterzuvcrhandcln. Neue Sesolüungsorünunst Serlins. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion. Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion hat folgenden Antrag eingebracht: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, nachzuprüfen, ob und inwieweit noch der Aufhebung des Sperrgesetzes die Besoldungsordnung anders gestaltet werden kann, vor allem in bezug auf eine Neufestsetzung der Eingangsgruppen und eine Besserung der Aufrückemöglichkeiten. Da die Besölduugsordnung zum Teil Grundlage für den Aufbau der Angestellten- und Arbeiterentlohnung— insbesondere bei den vergleichbaren Gruppen— ist, soll durch diese notwendige Nachprüfung ferner festgestellt werden, ob und inwieweit die hierfür in Betracht kommenden Regelungen gebessert werden können. Keine Anerkennung See Gelben. Das Wolff-Bureau teilt mit: In einem Teil der Tagespreise ist auf eine Allaemeinoerbindlicherklärung eines Tarifvertrages, die eine Ausnahme für Sondertarifverträge enthält, hingewiesen, und daran die Behauptung geknüpft worden, die Reichsarbeitsverwal- tung habe hiermit im Gegensatz zu ihrer bisherigen Stellung d i e wirtfchastssriedlichen Werkvereine als tarif- fähig anerkannt. Diese Auffassung entspricht, wie der Prä- sident der Reichsarbcitsverwaltung mitteilt, nicht den Totsachen. Ausnahmen für Sondertarifvertröge sind auch fricher wiederholt gemacht worden. Sic beziehen sich ober nur auf Tarifverträge im Sinne der Tarifoertrogsordnung, d. h. auf Verträge, die von tariffähigen Vereinigungen abgeschlossen sind. Als tariffähig können aber die wirtschastsfriedlichen Werkvereine nicht angesehen werden._ Tcutschnatronalc Propaganda in Berufsschulen. Im Schönebergcr Rathaus ist zurzeit die Ausstellung des Deutschnationalen Handlungsgehilsenverbandes untergebracht, die bis vor kurzem auf der Gefolei in Düsseldorf gezeigt worden ist. Wenn der DHB. diese«chau der breiten Oeffentlichkeit zugänglich macht, so ist dagegen nichts einzuwenden. Sehr eigenartig muß es ober anmuten, daß Berliner Berufsschulen sowie die Klassen der Schulen der Berliner Industrie- und Handelskam- m e r dorthin geführt werden und der DHV. diese Gelegenheit benutzt, um unter den jungen Angestellten und Lehrlingen s ü r sich Propaganda zu machen. Wenn die Schüler zum Schluß der Führungen von den dort tätigen Führern aufgefordert werden, sich des Werbemote- rials zu bedienen, dos für sie in der Ausstellung ausliegt, so muß man das ebenfalls als ein« eindeutige Propaganda ansehen, die nach Beschlüssen der Deputation für das Berufsschulwesen an den Schulen zu unterbleiben hat. Von der Deputation für das Berufsschulwesen sowie von dem Kuratorium der Schulen der Industrie- und Handelskammer ist vi verlangen, daß sie diesen Dinaen ihre Aufmerksamkeit schenken, sonst müßten sich die Aufsichtsbehörden einmal mit der Angelegen- heit beschästigen._ AfA-QrtSkartell und Wohnungswesen. In der zu Montag abend nach dem Gewerkschaftsholls ein- berufenen Vertretcrversammlung des AfA-Ortskartells gab der Vor- sitzende des Kartells, Genosse F l a t a u, zunächst den Tätigkeits- Bericht für das 3. Quartal ab. Dann gab er einen sehr iMeressanten Bericht über seine Eindrücke von Wien, die er als Teilnehmer der Studienfahrt eines Teiles der Berliner Stadtverordneten gewonnen hat. Neben der fortschrittlichen Entwicklung des Wiener Schul- und Berufsschulwesens beleuchtete er besonders eingehend die Steuer- Politik Wiens und feine vorbildlichen Maßnahmen zur Behebung der Wohnungsnot. Seine geschickt gewählten Beispiele waren um so wirksamer, als er die Wohnungsverhällniste Wiens in der Vorkriegszeit im Vergleich mit den heutigen Verhästnissen schilderte. Wenn auch manche Umstände eine Uebertragung der Wiener Reformen speziell auf Berlin nicht zulassen, so müsse doch anerkannt werden, daß der gewaltige Fortschritt nur möglich war durch die zielklare Politik der sozialdemokratischen Stadtoer- w a l t u n g Wiens. In der Diskussion wurde die Auffassung vertreten, daß eine großzügige Wohnungspolitik auch in Deutschland möglich wäre, wenn die für den Hausbau aufgebrachten Mittel auch wirklich ihrem Zwecke zugeführt werden würden. Immer wieder wurde besonders auf Berlin hingewiesen, das von den in seinem Bezirk aufgebrachten Hauszins st euern nur einen ge- ringen Teil für Wohnungsbauzwecke zurückerhäll. Es wird die Aufgabe der Gewerkschaften sein, immer wieder auf dieses schreiende Unrecht hinzuweisen und mit allem Nachdruck im Parlament seine Beseitigung zu fordern. Achtung, Dodenleger! Wegen Lohn- und Arbeitsdisferenzen ist der Neubau Wercheim, Leipziger Platz, und zwar die Bodenlegcr- arbeiten der Firma T« i s i n g in Münster, gesperrt. Deutscher Serlmeisicruerbaud. Dersmmulmi» der ssmiktionSre in der Bcr- liner Metallindustrie am Dienata«. ZO. November, 7 Übe. in den Musiker» Lesesälen.«aiser-Wilbelm-Str. 31..Was gel» in der Srosi-Berüner Metall» industrie vor?" Referent«allege Rathc. Die Wichtigkeit der Tagrmn dnung vervflichtet jeden isunktionär unseres Berbandes ,ur Terlnakime an dieser Der» sammlung. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Geschäftsstelle des Bezirk» X. Frei« Gewerkschaft, jugend. Heut«, Donnerstag. 7% Uhr, tagen die Sruvven: BSe-niit: Sruppenbeim Jugendheim Grünauer Str. 5. Vortrag: Soziologie der Revolution".— Lichtenberg: Sruovenheim Jugendheim Pari» «nie 10. Eviel. Tan, und Lied.— ZeaqKäsf: Jugendheim Lnzeum Germania» strahe 4— 6. Dortrag„Heber Helden der Arbeit".— Südosten: Gruppenheim Reichenberger Str. 6« llseuerrvehrhausl. Lustiges au» Reuters Werken.— Spandau: Grupvenheim Jugendheim Lindenuser l. Bortrag:„Alkohol und Nikotin".— Moabit: Sruppenherm Etädt. Jugendheim Bremer. Ecke Wielef» ftrasie. Vortrag:„Das Jugendprogramm der ADGV."— Landsberger Platz: Jugendheim Srosic Jrankfurler Str. 1«. Zimmer 3. Bortrag:„Die Jntdr» nationale der Arbeit".— Jugend de, Zeutraloerbaudeo der Schorusteinfeger» gesellen: Gründungsfeier im Saal des Deutschen«rankenkassenhause». Char» lottenbura, Berliner Str. 137. Musik, Gesang, Bemegungschor, Ansprache Verantwortlich für Politik: Dr. Gurt Seqer: Wirtschaft:«r'ur Saternu»: Gewerkschaftsbewegung: grirbr.«tzkor»; stzeuillrton:». H. Difchcr: Lokale» und Sonstiges: gritz ikarftädt: Anzeigen: Th.»locke: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts-Verlag S. m. b. H.. Berli». Druck: Barwärts-Buchdruckerel und Berlaasanstall Paul Sinarr u. So. Berlin TW 68 Lindensirasir 3. Sierz» 2 Beilagen.„Uuterhalluug»ud wiffen" uud„Urauenftimmc". ■AXhs'Wlo&e/iA/ ü&L/tÄatu/mS- X&b A&ißb— TolwjLC/lwfcen KÖNIGIN von?ABA Ö-Ux SWo ÖUyxJ�MJiriy Cei&d; tin, rlhxj-6UjxJlx�ji� KivJb iAb Ate* cxhv iU/tx aUALITÄI klc. 555•>»z. Jahrgang �. Sellage öes vorwärts voanerstag, 25. November 1H2H Das Wert öer Oauhütten. Die Bauhüttenorganisation, der„Verband sozialer Bau- betriebe", hat in seiner Zeitschrist„Soziale Baumelt" den Geschäftsbericht für das Jahr 192S veröffentlicht. Ueberraschend gut hat diese junge Organisation, deren Borläufer die von Bauarbeüern in den ersten Nachkriegsjahren geschaffenen Genossenschaftsbetriebe waren, die Wirtschaftskrise überstanden. Die Bauhüttenbewegung hat sich in der Zeit der wirtschaftlichen Widerwärtigkeiten gut geschlagen. Zahlungsunfähigkeit einzelner Auftraggeber, hervorgerufen durch schlechte Finanzierung der Bauvorhaben, Einstellung von Zahlungen wirtschaftlich schwacher Bauherren, Lieferungsboykott und nicht zuletzt die mit immer unfaireren Mitteln arbeitende Privatindustrie haben nur einzelne Betriebe gefährden können. Der Verband selbst kann das Jahr 1925 als ein Jahr des Erfolges h o r t e r und anstrengender, ober erfolgreicher Arbeit verbuchen. Oer verband sozialer öaubetrlebe. Am 31. Dezember 1S2S waren im„Verband sozialer Daube- triebe" 168 Produktivbetriebe und 11 vauhültenbetrieb, verbände angeschlossen. Von diesen Betrieben berichteten fast 160, und zwar 7 Bauhüttenbetriebsverbände, 139 Bauhauptbetriebe und 19 Bau- nebenbetriebe. An Nebcnbetrieben sind 8 Malerei-, 2 Töpferei- und je ein Elektriker-, Steinmetz-, Tischler-, Klempner-, Dachdecker-, Baustoffhandel-, Heiz- und Wasseranlagenbetrieb und ein Betonsteinwerk vorhanden. Durch eigene Betriebe, die auch die Nebenarbeiten der Bauvorhaben ausführen, ist neben der guten Zusammenarbeit, der sachgemäßen Ausführung der Nebenarbeiten vor allem die Preisgestaltung gesichert. In 162 Betrieben waren durchschnittlich 14 906 Mann Personal beschäftigt. Zur Zeit des besten Geschäftsganges wurden 22 611 Menschen beschäftigt. Der Berliner Bauhüttenbetriebsverband. der 27 Betriebe umfaßt, beschäftigte durchschnsttlich 1337 Mann. Bon 151 Betrieben ist eine Umsatz- und Leistungsstatistik aufgestellt, nach der diese Betriebe einen Umsah von 68,4 Millionen Mark hatten. Davon entfielen aus Bauten für zwei gemeinnützige Siedlungsge- sellschaften und Genossenschaften 38,6 Millionen Mark oder 56 Proz. des gesamten Umsatzes. Auf Bauten für Behörden entfielen 17L und für private Unternehmer und Gesellschaften 12,4 Millionen Mark. Die produktive Lohnsumme für diesen Umsatz betrug 28,1 Millionen Mark. Insgesamt wurden 30 401 Kleinwohnungen bis Ende 1925 erstellt. Die Berliner Bauhüllen erzielten 123 Millionen Mark Umsatz. davon entfielen auf Bauten von Behörden 2,1, auf gemeinnützige Siedlungsgesellschaften und Genossenschaften 8,6 und aus private Bauaufträge 1,5 Millionen Mark. Von den Berliner Betrieben wurden im Laufe des Jahres 1925 7149 Kleinwohnungen erstellt. Alle berichtenden Betriebe hatten im Dezember 1925 einen Auslrags- bestand von 22,4 Millionen Mark, lieber die wirtschaftliche Lage der Betriebe gibt eine weitere Statistik Aufschluß. Die zusammengezogenen Bilanzen ergaben, daß die Anlogewerte mit 6,7, die Umlaufmittel mit 21,3 und die Forderungen für noch nicht abgerechnete Bauten mit 16,2 Millionen Mark zu beziffern sind. Das e ige n e K a p i t a l der Betriebe ist mit 43 und die Kredite mit 23,8 Millionen Mark emgesetzt. Ein« Gewinn- und Verlustberechnung ergab ein äußerst günstiges Bild. Von 146 Betrieben haben 41 mit Verlust und 105 mit Gewina abgeschlosien. Der Gesamtverlust beläuft sich aus 504 000 M. und der Gewinn auf 740 000 M. wie Sie Gegner arbeiten l Die Verluste der meisten Bettiebe sind darauf zurückzuführen. daß die Privatinduslrie mit allen Mitteln arbeitet, um diese Bettiebe zu zerschlagen. Ein Beispiel, wie die sozialen Betriebe schikaniert werden, gibt ein Bericht der Bauhütte Berlin. Dort wurden durch Ausschreibungen Kostenanschläge verlangt und dabei wichtige Tatsachen, die eine Verbilligung des Anschlages zur Folge gehabt hätten, nicht mitgeteill. Den privaten Unternehmern waren diese Tatfachen aber bekannt. Sie konnten bei ihren Anschlägen auch diese Tatsachen berücksichtigen, einen billigeren Anschlag einreichen und den Auftrag für sich erhalten. Die Bauhütte Zwickau hatte für die Stadt Crossen an der Mulde bei einer Ausschreibung den billigsten Kostenanschlag geliefert. Trotzdem erhiell eine Firma Reckmann den Auftrag zu geänderten Bedingungen für 41 000 M. Die Bauhütte hat im ersten Anschlag 40 600 M. verlangt und hätte bei den geänderten Bedingungen den Preis noch um 2636,30 M. ermäßigen können. Ein anderes Beispiel, wie gegen unsere Bauhütten gearbeitet wird, ist der Konkurs der Bauhütte Leer. Die Stadt Leer hatte der Bauhütte den Auftrag überschrieben, die Kanalisations- arbeiten sür den neuen Markt auf der Reese zu einem Preis von 69 000 M., der sich auf gleicher Basis mit den zur Konkurrenz heran- gezogenen Fttmen hielt, auszuführen. Die Bauhütte hatte ttotz großer Regengüsse, die die Arbeiten erheblich erschwerten, den Auf- trag bis auf«ins Strecke von 478 Metern fertiggestellt. Bei dieser letzten Strecke stellte sich heraus, daß die vom Magistrat angestellten Bodenuntersuchungen nicht zutrafen. Die Strecke war vollständig verschlammt und voller Sumpf. Die Bauhütte konnte ttotz größter Anstrengung des Geländes bei den zur Verfügung stehenden geld- lichen Mitteln nicht Herr werden. Geschäftsführung und Arbeiter arbeiteten angestrengt Tag und Nacht. Vergeblich bemühte sich die Bauhütte um Zahlung eines Zuschusses für die erschwerten Arbeiten. Der Magistrat verweigerte den Zuschuß und sperrte, als die Bau- Hütte darauf die Arbeiten einstellte, auch die Mittel für die von der Bauhütte für die Stadt errichteten Hochbauten. Die privaten Firmen beeillen sich und sperrten die Lieferungen. Als darauf die Bauhütte in Konkurs ging, wurde der Auftrag für die restliche Strecke an eine neue Firma vergeben, die allein sür diese Sttecke 95 000 M. verlangte. Der Bauhütte wird ein Zuschuß verweigert, der privaleu Firma aber wurde ohue weiteres eine wesenlli� höhere Summe bewilligt. Einigkeit macht ftark. _ Trotz dieser Schikanen der Privatindustrie hat der Verband sozialer Baubetriebe bei der größten Anzahl seiner Bettiebe nicht nur eine gute Beschäftigung, sondern auch erhebliche Gewinne zu oerzeichnen. In der Erkenntnis, daß der Zusammenschluß der Bau- Hütten eine Macht schafft, der es möglich ist, auf das Baugewerbe erheblichen Einfluß zu gewinnen, hotten die Bauhütten sich zusammengeschlossen. Der Verband sozialer Baubetriebe hat in der Zeit seines kurzen Bestehens für die Betriebe praktische Arbeit durch seine Abteilung für wirtschaftliche Betriebsführung leisten können. Der Leiter dieser Abteilung, Ingenieur Otto Rhode, ist von dem Grundsatz ausgegangen, daß es nicht darauf ankommt, die Baukosten- verbilligung durch Verkleinerung und Vereinfachung der Bauten zu erreichen. Es muß geprüft werden, ob es nicht möglich ist, die Arbeit zu vereinfachen und so zu sparen. Rechnet man nicht nur den Arbeitslohn, der im Bau, sondern auch den Lohn, der in den Baustoffen steckt, so ergibt sich, daß 80 bis 85 Proz. der gesamten Bausumme Arbeitslohn ist. Durch Einführung rationeller Arbeits- mechoden ist eine koflenverminderung bis zu 40 Proz. möglich. Der Verband sozialer Baubetriebe hat sich im letzten Jahr dem Reihenbau zugewandt, um auch in der Bauwirtschaft die Vorteile der Normung zur Anwendung zu bringen. An Hand von Modellbautcn wird der Typ sorgfältig ausgearbeitet und die Arbeit so vorbereitet, daß kein Leerlauf von Arbeitskräften die Produktionskosten ver- teuern kann. So arbeiten in der Großsiedlung Britz je eine Kolonne Arbeiter an einer bestimmten Arbeit, sowie diese beendet ist, ver- richtet dieselbe Kolonne die gleiche Arbeit an dem nächsten Hause. So baut eine Kolonne nur Fundamente, eine andere nur den«sttvis Stock und so weiter. Durch diese Gliederung von Arbeitskolonnen wird eine schnellere Arbeitsleistung gesichert. Für den Reiheybatz besteht die Möglichkeit einer genauen Berechnung der Baüstoff mengen. Dadurch werden vor allem unnötige Transporte vermieden. Auch bei den Grundstücks- und Aufschließunasarbeiten können erhebliche Ersparnisse erziell werden. Die verbilligung der Baukosten durch Maschinen kann sich nur Im Reihenbau auswirken. Schon zur Anschaffung von Maschinen muß ein Kapital investiert werden, das nur größere Firmen aufbringen können. Wie groß die Borteile einer wirtschaftlichen Ausnutzung der Maschinen sein können, beweist wieder die Großsiedlung Britz. Dort werden die Ausbaggerungs- und Regulierungsarbeiten durch einen Bagger vorgenommen, der das Achtfache normaler Arbeit leistet. Die Regiekosten, die Gehäller für das technische Personal, für Bauunkosten, Modelle und dergleichen sind beim Reihenbau niedriger, weil nach einmal fest errechneten und typisierten Angaben Haus für Haus erbaut wird. Die Ueber- wachungsunkosten der Bauten werden durch die Typisierung mäßigt. Der Bau der Großsiedlung Britz mit tausend Wohnungen erfordert nur einen Bauführer. Die Ausgaben für Baugeldzinscn er- en Die Wunöer öer Klara van Haag. 21 f" Von Johannes Buchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Da er, zählte Hedwig alles von Johan. Die Gnädige, die im Nachthemd war, kroch in ihr Bett und lauschte wortlos. Der Schein einer Hafenlaterne zündete in ihren großen, blanken Augen. Erst, als Hedwig schwieg, sagte sie ruhig entscheidend:„Ihn sollst du zum Liebsten haben!" „Aber wie...?" sagte Hedwig kindlich. � „Er kommt von selbst und dann sagst du nur, nein." „Das habe ich doch damals.. „Aber nächstes Mal nimmt er dich ttotz deines Neins. Wenn er der ist, der wir glauben." „Soll ich ihm nachlaufen...? Ich meine..." „Nicht einen Fußbreit." Hedwig war so erleichtert. Die Hafenlaterne funkelte in ihren weißen Zähnen. Sie erzählte von der Begegnung mit dem Bater in dem abendgrauen Wald, dem Opfern, und wiederholte die Worte des Bat;rs:„Sie ist eine Heiligel Sie kann, was sie will. Du wirft sehen, sie schenkt mir ein Nitterautl" „Herrgott— sagte er das?" kam es still von Frau van Haag und der Lichtschein sammelte sich in einem leuch- tenden Punkt, der hastig über ihre Wange hinwegglitt. Etwas später erhob sie sich und sagte:„Ich elendes, unnützes Frauen- zimmer bin hier in Knarreby gestiegen, wie ich noch nie zuvor irgendwo gestiegen bin, zur Herzogin, und jetzt zur Heiligen. Aber, so wahr warmes Blut in meinen Adern ist, will ich mich doch jedenfalls als ein Mensch gegen euch benehmen!" Sie ging in ihr Zimmer und legte sich lautlos zu Bett. Ihr Mann lag mit der großen Bartbinde da, die er sich in Berlin gekauft hatte. Die Hände hielt er fromm, altweibar- Haft über der Decke gefaltet. Sie mußte lachen und dachte im selben Augenblick, daß sie das nie getan hatte,— über ihn. Ja, aber unter diesem Gesichtswinkel konnte er ja auch betrachtet werden. Kurz darauf war sie ungestört hoch droben in lichten Gedanken. Ein Rittergut und eine Predigerstelle, eine Amerikareise und ein Maler mit großem Hut.,. das war zwar nicht so leicht,.- aber..., 8. Kapitel. Zwei Monate vergingen. In der Regel geschieht in Knarreby in zwei Monaten nicht viel. Aber die Regel ist aufgehoben, seit Frau van Haag in die Stadt kam. Sie unternimmt fast täglich etwas Neues, Auffehenerregendes. — Gestern hielt sie ein durchgegangenes Pferd an. Morgen soll Kindtaufe bei— nicht bei Staatsrats, sondern bei— Laternenanzünders fein. Was sie heute will, mag Gott wissen. Sieh, da kommt sie über die Fliesen gegangen— ja, getanzt möchte man fast sagen— nicht nennenswert ange- zogen. Nicht einmal mit Handschuhen, nicht einmal im Mantel, nur mit ihrem weißen Hut. Sie bleibt beim„Manufakturwarenhause" stehen, wie Kaufmann Lund seinen Laden zu nennen beliebt. Im Fenster sind drei Mäntel auf Stativen ausgestellt. Auf die wirft die Gnädige einen flüchtigen Blick. Aber der kleine Lund wird wie eine gereizte Schmeiß- fliege hinter der Scheibe. Du Gütiger, wenn man die Zöllnerin zur Kundin bekommen könnte! Er schießt ans Pult, und im nächsten Augenblick sieht Frau van Haag seine kleine rundliche Hand sich von hinten zwischen die ausgestellten Mäntel schleichen und mit einer Stecknadel einen Zettel auf den häßlichsten heften. Neueste Mode. Herabgesetzter Preis: 52 Kr. 97 Oere. Die Gnädige hebt die Brauen und' geht, aber Lund springt auf die Treppe heraus und ruft: „Prachtvolles Wetter!" Sie wendet den Kopf und sieht ihn von oben bis unten an, daß er wie ein Wisch zusammenfällt. Doch vermag er noch inmitten seines Elends fein heiterlächelndes Gesicht zu bewahren. „Prachtvolles Wetter," wiederholt er und dentt: Einerlei, jetzt bleibt sie stehen. „Ich bemerkte, daß gnädige Frau meine Fenster besahen. Anscheinend mit Wohlwollen. So etwas entdeckt ein ge- übtes Kaufmannsauge gleich. Aber wollen gnädige Frau nicht das Lager in Augenschein nehmen. Außer diesen im Fenster habe ich ja massenhaft Sachen. Massenhaft Sachen. Der braune neben dem, den Sie angesehen, geht für 42,82." »Nein— danke— ich glaube--" „Nein, aber durchaus nicht, daß gnädige Frau etwas kaufen sollen. Es freut mich nur, wenn die Leute meine Sachen sehen wollen. Leute mit Bildung natürlich. Leute mit schickem Geschmack. Davon haben wir nicht soviel hier in Knarreby. Hähä!" Die Gnädige wankte; sie brachte es heute nicht übers Herz, einem Wurm etwas zuleide zu tun. Das entdeckten Lunds kleine, blanke, geübte Kaufmannsaugen: er brauchte nur beiseite zu treten und zu sagen: Bitte, bitte, bitte! Da trat Frau van Haag seufzend in seine Tür. „Ich muß der gnädigen Frau sagen, daß ich soeben neue Waren für die Saison erhalten habe. Prachtvolle Neuheiten in Mänteln zum Beispiel. Zu allen Preisen. Der links geht zu 45. Der, den Sie ansehen, ist natürlich der schönste und geschmackvollste. Vollkommen schick und modern, wie man sie in Kopenhagen ttägt." Lund sprang hinzu und zerrte das erwähnte Prachtstück rückwärts zum Fenster heraus, daß es der Gnädigen direkt auf den Leib rückte. „Ja, nein, offen gestanden, gefällt es mir nicht recht," sagte die Gnädige. Lund stutzte: er wurde einen Augenblick ganz ernst und trat einen Schritt zurück, um selbst zu sehen, was in aller Welt sie dagegen haben konnte. War etwas gespart, um es so schick und geschmackvoll und modern wie möglich zu machen? Nein! Selbst die Architektur war nach den Er- fordernissen des ersten Modeblattes aus- und eingewunden und die Ausschmückung dazu mit verschwenderischer Hand vorgenommen. Auf Kragen, Taschen und Aermeln saßen Knöpfe, so dicht wie auf den Pappstücken, die er in seiner Schublade hatte. Hie und da baumelten kleine Quasten. Nein. Die Leute wurden zu unbillig, sie verlangten wahr- haftig viel zu viel für ihre 52 Kronen 97 Lere. Lund warf einen besonders verliebten Blick auf den kleinen dreieckigen Spiegel aus magentaroter Seide, der auf jeder Kragenspitze eingelegt war. Ob die Zöllnerin auch die beiden gesehen hatte? Und hatte sie die Spitzen gesehen? Die Spitzen mit Gold und Silber und mit Pfauenglanz! „Die Postmeisterin fand ihn bezaubernd," sagte Lund und beobachtete, welche Wirkung diese Mitteilung auf die Gnädige ausübte. Keine! Merkwürdig! Er fuhr fort:„Sie fand ihn auch nicht zu teuer..." „Nein, nein, durchaus nicht..." (Fortsetzung folgt) richten sich nach der Bauzeit. Je länger ein Bau dauert, um so HSHer werden diese Ausgaben. Beim Einzelbau läßt sich die Bauzeit nicht auf ein Minimum drücken, weil die Zeit des Leerlaufes, das Trocknen des Rohbaues, sich nicht oerkürzen läßt. Beim Reihenbau kann während dieses Leerlaufes an anderen Häusern gearbeitet werden, so daß sich die Bauzeit eines Einfamilienhauses mit fortschreitender Entwicklung der Technik von 99 auf 45 Togen ermäßigen kann. * Der verband sozialer Baubetriebe hat mit den angedeuteten Aufgaben praktische Wege zur Verbilligung des Wohnungsbaues be- schritten. Normung ist heute mehr als ein Schlagwort. Aber gerade i» der Bauindustrie ist hier noch so gut wie alles zu leisten. Die Ncr Hütten werden zu ihrem Teil bereit fein, nach den neuesten Er- kelmtn''sscn zu arbeiten. Die llanüjäger Seiner Majestät. Idyll vor Verlins Toren. Der Herr Oberlandjäger Pulz in Großbeeren ist von seiner Erekutiogewalt und ihren Auswirkungen tiefinnerlich über- zeugt. Herr Pulz, der gern Ludcndorsf-Strotegie en miniature betätigt, sah sich von einer Ansammlung von etwa zehn Menschen zu Amtshandlungen gedrängt, da ihm diese„Hausm- bildung" den Großbeercncr Weltdorfverkehr lahmzulegen schien. So trieb er denn die feindlichen Heerhaufen auseinander, unterstützt von seinem Kollegen F e n z, seines Zeichens Polizeibctriebsassistent, dem «ine Anzahl Zeugen in der gestrigen Verhandlung in Moabit be- scheinigten, daß er seinen staatsrettenden Dienst in erheblich an- getrunkenem Zustand versehen habe. Bei der Affäre kam der Rcichsbannonnann S ch l o m b a ch mit den entfesselten Staats- urganen in Konflikt und wurde in erster Instanz zu 39 M. Geld- strafe wegen Widerstands verurteilt, die Nebentlage des sich be- lcidigt fühlenden Assistenten Fenz dagegen abgewiesen. Die zweite Instanz brachte den Aufmarsch von rund 49 Zeugen und sehr charakteristische Momente. Es ist schon ein idyllischer Zustand, wenn republikanische Polizcibeamte Stahlhelmpublikum bei„Straßen- räumungcn" ungeschoren lassen, weil mau, wie naiv oerlautet, doch Zeugen für evtl. Fälle haben müsse, wenn, wie Zeugen vor Gericht aussagen, einer dieser Polizciprätorianer„Im N a m« n Seiner M a.j e st ä t" dos Publikum auseinairdersprengt, ein anderer den Staats der ihn ernährt, als„polnische Republik" bezeichnet. Auf«chlomboch scheint man in den situierten Kreisen des Dorfes eine fast psychopathische Wut zu hoben, sehr bezeichnend dafür ist die angebliche Aeußerung des Amtsvorstehers Teske, ob sie(die Landjäger) es„denn nun endlich mal geschafst hätten", d. h., den Sch. zu provozieren und zur Anzeige zu bringen. Der Tatbe- st a n d ist hier wiederholt wiedergegeben: Ohne faßbaren Grund sind die Landjäger während der„Straßenaktion" zur Verhaftung des Sch. geschritten, als dieser in fein Hausgrundstück treten wollte. Er hielt sich einen Augenblick am Türpfosten fest: Widerstand. Protestierte dagegen, mit dem betrunkenen Fenz zu verhandeln und rief:„Seht, der tjenz ist ja besoffen." B e a m t e n b e l e i d i g u n g. Die Beweisaufnahme, während der es zu hestigeu Konflikten zwischen dem Verteidiger des Zlngeklagten und dem Vorsitzenden kämmt, wird zur moralischen Guillotine für Pulz und Fenz. Fenz versichert unter Eid, daß er völlig nüchtern gewesen sei, mehrere � Zeugen beschwören seine Trunkenheit. Fenz oersichert nicht geraucht zu haben, sechs, sieben Zeugen beeidigen das Gegenteil. Der eigene Sohn steht gegen den Vater auf und bezichtigt ihn einer Ilnrnohrheit. Pulz, der Fenz assistiert, weicht in . seinen Aussogen sehr stark von den Bekundungen der meisten Zeugen ab. Wer schwur hier Meineid? Das Gericht folgt« trotz der Ergeb- nrsse der Beweisaufnahme in ollen Punkten dem Plaidoyer des Nebenklägcranwolts, oerwarf Sch. Berufung, hob das freisprechende Teilurteil erster Inston.z aus und oerurteilte den Angeklagten wegen W Wlderstands zu 59 M. Geldstrafe, Gerichtskosten und Publikation.— Wen nähme das wunder? i"- hinaus mit ihnen!" Seine dritte„Heldentat". „Seh'n Se." meint der Herr Hauswirt nach der Verhandlung, die zu seinen Gunsten entschieden ward,„wen ick raus ham will, den bring ick ooch raus." Dies ist seine dritte„Heldentat". Die traurige Vorgeschichte ist folgende: In einer dumpfen feuchten Kellerwohnung des Hauses, Lichterfelde. M o l t k e- st r a ß e 29, haust ein schwer asthmaleidender, seit langer, langer Zeü arbeitsunfähiger Mann mit einer kränklichen Frau, zwei tuberkulösen Kindern und der Schwester der Frau. Bis zum Jahre 1924 war der Mann in Westfalen als Gruben- arbeiter tätig. Im Oktober 1924 erkrankte er an einer schweren Rippenfellentzündung, die sein jetziges Asthmaleiden im Gefolge hatte. Da sich die Krankheit immer mehr verschlimmerte, nahmen sich die Verwandten der Familie an und ließen sie zurück nach Berlin kommen. Der Mann wohnte nun bei feinem Vater, Frau und Kinder bei ihrem Vater, welch letzterer die jetzige Wohnung gemeinsam mit der unoerheirateten Tochter inne hatte. Als An- fang November 1925 der Vater der Frau starb, trat sie gemeinsam Mit ihrer Schwester den hinterlasscnen Besitz samt der Wohnung als berechtigte Erben an. Bei Ausfertigung des neuen Mietskontraktes beanspruchte der Hauswirt einen Mietszuschlag von monatlich 5 M., auf den sich die Partei nicht einlassen wollte. Die Schwester der Frau verweigerte daraufhin ihre Unterschrift im Mietskontrakt, die Frau unterschrieb und der Hauswirt setzte unter ihre Unterschrift den Vermerk:„Unter Borbehalt". Trotzdem nahm er die An- Meldung des Mannes ohne weiteres an, das Wohnungsamt be- ftätigle den Leuten ihr Wohnrecht und riet ihnen noch, sich des lieben Friedens wegen mit dem Mietbetrage auszugleichen. Der Hauswirt war mit diesem ganzen Vorgang von vornherein nicht recht ein- verstanden, anerkannte bloß die Schwester als mietberechtigt, schikanierte die Menschen auf alle erdenkliche Art und Weise und beschimpfte sie aufs schwerste. Einmal mußten die Blumentäose vom Fensterbrett verschwinden, da sie die Ausficht„verunzieren"— hei welcher Gelegenheit er ihnen aus Wut. die Scheibe einschlug— dann hätten die Kinder nach ihm die Zunge gestreckt und so weiter. Er nannte sie Gauner und Lumpen, die bloß auf den Tod des Vaters spekuliert und sich die Wohnung„erschlichen" hätten. Ohn- mächtig standen die Schwergeprüften all diesen Roheiten gegen- über, immer im stillen hoffend, daß sie vielleicht in absehbarer Zeit eine andere Wohnung erhalten würden, da eine Wohnungs- kommifsion die Wohnung wegen ihrer starken Feuchtigkeit als nicht bewohnbar bezeichnet hatte. Statt dessen zitiert man sie vors Ge- richt und verkündet ihnen mit dürren Worten, daß sie bis 1. Dezem- ber 1926 die Wohnung zu räumen hätten, da sie nur vor. übergehende Wohnberechtigung hatten und auch diese ohne Ge- nehmigung des Hauswirts! Das Urteil, auf Grund dessen sie Einspruch erheben könnten und das bereits anfangs November er- folgte, wurde ihnen trotz endloser Schreiben bis heute nicht zu- gestellt. Das Wohnungsamt weiß von all dem Geschehenen nichts und kann natürlich auch nicht dagegen einschreite». Wenn es der Familie vielleicht gelingt, mit Hilfe der Polizei in der Wohnung verbleiben zu können, dann begibt sie sich ihres Dringlicbkeitsan- fpruches beim Wohnungsamt und ist auf unabsehbare Zeit der Willkür des Hauswirts restlos ausgeliefert. Was geschieht nun? Gerüstemsturz in der Bül»wstraße. Auf dem Treppenflur in Höhe des fünften Stockwerkes im Seitenflügel des Hauses Bülowstraße 99. wo Bauarbeiten aus- geführt wurden, brach gestern nachmittag ein N o t g e r ü st zusammen, auf dem gerade vier Handwerker beschäftigt waren. Glücklicherweise verlief der Sturz äußerst glimpflich. Während diei von den Arbeitern unverletzt blieben und mit dem Schrecken towntanen, zog sich der Maurer 0«{che«inen Knöchelbruch zu Die Polizei ini Mit dem Volk!- Ueber„Die Polizei im neuen Staat" sprach am Mittwoch abend der stellvertretende Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Oberst Heimannsberg, vor zahlreichen Mit- gliedern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in den Prachtsälen am Märchenbrunnen. Oberst Heimannsberg betonte wiederHoll, daß er nicht auf dem Standpunkte stehe, alles Reue fei gut, und alles Alte müsse man in Grund und Boden verdammen. Aber die neue Zeit stelle andere Forderungen und hege andere Erwartungen. Die Grundeiustellung der früheren Polizei kennzeichne treffend der zum geflügellen Wort gewordene Ausspruch eines sicherlich sehr tüchtigen ehemaligen Berliner Polizeipräsidenten ..3ch warne Neugierige!" Der schroffe, kurze Befehlstou. das bewußt hervorgekehrte„Ich" spiegeln so recht das damalige Verhältnis zwischen Polizei und Volk wieder. Daß sich die Polizei in dieser Richtung entwickeln mußte, gehe aus ihren Anfängen im Mittelalter hervor.' Bei den damals herrschenden zerrütteten Zuständen waren die mehr oder weniger absoluten Fürsten gezwungen, sich lleberwachungsorgane zu schaffen, die natürlich ganz in ihrem Sinne arbeiteten. Und je absoluter ein Fürst regierte, um so mebr war die Polizei sein persönliches Machtinstrument. Gesetzliche Grundlagen ftir eine geregelte polizeiliche Tätigkeit gab es damals nicht, und die Begriffe„Ruhe, Ordnung und Sicherheil" wurden erst später geprägt. Durch die Auflehnungen der Völker— in England 1688, in Frankreich 1789, in Deutschland 1848— wurde zwar mit der rein absolutistischen Polizeigewalt aufgeräumt, doch blieb die Grundeinstellung der Polizei zum Volke fast unverändert. Der Redner ging dann im einzelnen auf die P r e s s e z e n s u r, das Vereins- und Versammlungsrecht, die Koali- tionsfrciheit, das Streikrecht ein und erinnerte in diesem Zu- fammenhang an das Iesuitengesstz und das Sozialistengesetz. Das bewußt aufrecht erhallen« klaffenfyfkem in der Bevölkerung, die veoorrechkung einzelner Stände, die Sonderrechte und Sonder- ftellungen, die die vielen kleinen und größeren Fürsten- und Herrscherhäuser mit ihren Familien in den deutschen Landen besaßen, zogen auch in dem Beamtentum dieser Länder einen besonderen Beamtenstand groß und auch die Polizeibeamten waren trotz ihrer dauernden Fühlungnahme mit den sonstigen Benälterungsschichten davon nicht ausgenommen. Sie waren eben nicht Diener des Volkes, sondern Diener des Königs, fühlten sich gewissermaßen als „vorgefehic" der großen Masse des Volkes und führten einen Amtston, der sich leider teilweise noch b i s h c u t e erholten Hot. Der Beamte war eben in der freien Entfollung seiner persönlicher Eigenschaften behindert, ein Produkt seiner Zeit und feiner rein militärischen Erziehung, ganz im Gegensatz zur mehr polizeilichen Erziehung unserer heutigen Beamten. Die Folgen dieser Grundeinstellung der Polizei von einst zum Volk zeigten sich in einer Entfremdung zum Bolk, die sich bis zur Erbitterung steigerte. Aber nach auf andere Weise trat die Gegenwirkung des Volkes hervor: und zwar durch Erstarkung der dem Staate mehr und mehr erwachsenden politischen Gegner, durch Bildung großer mächtiger Organisationen, lind wenn diese sich ebenfalls 19l8 gegen die Monarchie und für Errichtung einer demokratischen Republik erklärt hoben, so waren nicht zuletzt auch die Fehler des früheren Obrigkeitsstaates hinsichtlich der Handhabung seiner Polizeigewalt mitbestimmend hierfür. Und nun die Polizes im volksstaat! Ich möchte der heutigen Einstellung, der Polizei zum Boll die Severingschen Worte voralistLllekH„Bitte, treten Sie näher!" Nehmen Sie vertrauensvoll Fühlung mit Ihrer Polizei, arbeiten Sie Hand in Hand mit uns in der gemeinfameu Abwehr alles dessen, was unserem Staatswesen und damit auch unserem Polt schädlich ist. Wir sind kein Obrigkeitsstaat mehr, sondern e i n Volks st aat, in dem olle staatliche Macht nur dem Volke enllichnt ist und in dem nicht das bevorrechtete Wohl eines mehr oder weniger Sürgermeisterwahl in Spandau. Genosse Münfingcr gewühlt. Die gestrige Bezirksverordnetenversammlung in Spandau wählte den bisherigen Vorsitzenden ihrer Versammlung, Genossen Mün- singer, zum stellvertretenden Bürgermeister. Die bürgerlichen Fraktionen, Zentrum, Demokraten, Deutschnationale und Deutsche Volkspartei, argumentierten gegen diese Wahl mit der Be- gründung, daß für diesen Posten nur ein Jurist in Frage kommen könne und auch der erwünschte Abbau des Bezirksamts dadurch verhindert werde. Die sozialdemokratische Fraktion war mit der kommunistischen dahin übereingekommen, für die Wahl ihres vor- geschlagenen Kandidaten gemeinsam zu stimmen, der dann m i t zwei Stimmen Mehrheit gewählt worden ist Am HZmmclfahrtstag! Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben! Der brutalen Gewall ist man eben schutzlos ausgeliefert. Insbesondere wenn er glaubt, aus sitllicher Ueberzeugung heraus selbst die Hand gegen seinen Nächsten nicht erheben zu dürfen. Tolstoi hatte leicht reden. Er lebte auf seinem Gute und kein Mensch bedrohte ihn mit roher Gewalt. Anders aber die Heilsarmeesoldaten. Sie stehen mitten drin im Strudel des Großstadtlebens: gerade dorthin gehen sie, wo die Wogen am höchsten steigen, um die„Seelen zu raten". Sie dürfen sich nicht gegen die Rowdys wehren, da sie die Hand gegen ihren Nächsten nicht erheben sollen. Es müssen schon ganz feige Halunken sein, die sich da an wehrlosen Männern und Frauen vergreifen. Es war Himmelfahrt. Eine Gruppe von sechs Heils- armeesoldaten lagerten im Freien. Da kam eine Rolle betrunkener junger Leute des Weges. Der eine von den jungen Leuten P., der schon wegen Körperverletzung vorbestraft war. belästigte eine der Frauen. Ein Heilsarmeesoldat wehrte ab: da schlug P. auf ihn ein und spaltete ihm die Lippe. Die Heils- armceleute waren wehrlos. Zum Glück kam ein Schupomann daher. Da ging der Rowdy auch auf ihn los, schlug ihm den Tschako vom Kopf und versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht. So standen P. und sein Kollege N. vor dem Amtsgericht Charlottenburg unter An- klage des Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Der tätlich beleidigte Hcilsarmeesoldat hatte keine Strafanzeige er- stattet. Das Gericht verurteilte den Haupttäter zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis und seinen Freund N. zu 3 Monaten. Jugendliche als Eisenbalznattentäter. In einem Erlaß des Preußischen Kultusministers werden die Provinzialschulkollegien und die Regierungen aus die zahlreichen Fälle von Stein würfen und auf veremzelle Schießereien aufmerksam gemacht, als deren Täter Jugendliche, insbesondere auch schulpflichtigeKinder, ermittelt oder beobachtet worden sind. Neuerdings kommen auch Anschläge auf Züge durch Jugendliche vor, die Steine, Holz u. dgl. auf die Schienen legen oder an Signal- einrichtungen Störungen verursachen. Die Betriebsämter und Be- lliebsinfpektionen sowie die Reichsbahndirektionen sind zwecks Be- kämpfung derartiger Handlungen wiederholt an die örtlichen Schul- behörden herangetreten. Der Minister bezeichnet es vielmehr, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge, in seinem Erlaß als notwendig, allgemein die Schüler auf die Folgen solcher unverant- wortlichen Handlungen nachdrücklich hinzuweisen und diese Belehrungen«"regelmäßigen Zellabständen zu wiederholen. neuen Staat. Für die Republik! beschränkten Pcrsoncnkrciscs ausschlaggebend ist, sondern das Gesamt» wohl aller Staatsbürger als Schicksalsgemeinschaft, als Deutsches Volk. Arbeiten Sie mit!— Die erste Umstellung des Verhältnisses zwischen Polizei und Volk in diesem neuzeitlichen Geiste ergab sich aus der neuen Iveimarcr Reichsverfassung vom 11. August 1919. Diese legte ganz im Gegensatz zu der alten Reichsverfassung des Kaiserstaates die allgemeinen Grundrechte aller Deutschen aiisdrück- lich fest. Dieser Rcichsverfassung liegt nun vor allem ein Gedanke zugrunde: Durch das Volk alles für das Voll! Entsprechend diesem Grundgedanken der Reichsverfassung find auch die Polizeibeamtcn heute nur noch dem Volksganzen, dem Bolksftaate verantwortlich. Und darum haben sie sich nicht als über, sondern im Volk flehend zu betrachten, sie dienen mit dem Publikum den allen gemeinsamen Vottsinteressen und damll auch dem Staatsinteresse. Diese innere Umstellung des Polizeibeamlen zum voll muß verlangt werden und wird oerlangt. Eines der ersten Grundrechte ist die Rechtsgleichheit aller Deutschen. Es gibt keine Standesunterschiedc mehr, die frühere» Privilegien sind aufgehoben. Daß die Polizei sich noch aus alle Polizeiqesetze stützen muß, ändert nichts an dieser Grund- cinstellung der Polizei zum Poll... Sie werden, wo es sein muß, geändert. Dabei hat sich der Aufgabenkreis der Polizei unseres Volksstaclles erweitert und erfordert in der Dltrchsührung immer mehr spczialfachlich geschulte und vorgebildete Beamte für den zusehends anwachsenden Berkehr in den Großstädten, das immer stärkeren Hervortreten des internationalen Berbrcchertums. die immer schwieriger werdende Ueberwachung der Ordnung und Sicher- hell im Großstadtleben, für die wichtige Aufgabe des besonderen Schutzes der Verfassung und der republikanischen S t a a t s f o r m. Und gerade diese letztere Aufgabe wird der Polizei durch die politische Unduldsamkeit der Kreise, die sich mir ganz allein für„deutsch gesinnt" hallen und sich wer weiß wie ..vaterländisch" gebärden, unnötig schwer gemacht. Für die Polizei des republikanischen Vollsstaates ergibt sich die Pflicht, daß in den eigenen Reihen streng ans Beachtung der durch das Treugelöbnis zur Verfassung und zur Republik übernommenen Pflichten geseben wird und daß der Nochwuchs, besonders in den Anhrerstellen der Polizei, in diesem Geiste erzogen und herangebildet wird. Nicht nur Pfllchtersüllung aus Pflichtbewußtsein, sondern aus innerer Ueber- zeugung, aus Liebe zum Staat, aus Liebe zur Republik muß jeder Polizeioffizicr und-beamte seine Pflicht tun und Schützer und Förderer der Republik sein. Und für uns Staatsbürger des freien republikanischen Volksstaates ergibt sich die Pflicht, unsere Polizei in dem Bestreben, die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherhell auf- recht zu erhalten, nach Möglichkeit zu unterstützen, ihr in dem Schutz der republikanischen Bcrsassung und Einrichtungen zur Celle zu stehen und die uns verfassungsmäßig zustehenden Freiheitsrechte nicht zu persönlichen Zwecken zu mißbrauchen, sondern sie zum Wohle der Allgemeinheit, des Volksganzen anzuwenden. * Andererseits muß sich die Polizei von kleinllchen Bevormun- duirgen freizichallen suchen, muß sich der verständnisvollen Mllarbeit der übrigen Volksgenossen zu versichern suchen, und durch höfliches, entgegenkommendes Verhallen im einzelnen Fall, durch Achtung der Persönlichkeitsrechtc der Volksgenossen im besonderen ein hör- manisches Verhällnis zum Dollsganzen herzustellen und aufrecht zu erhallen suchen. Die Polizei der Gegenwart und Zu- kunft soll nicht schrecken, sondern helfen, bilden, fördern. und wenn der Staatsbürger seine Pollzei unterstützt, dann wird die schwarzrotgoldene Jahne über eine Volksgemeinschaft wehen, die ihr Glück in der Republik findet. Der Vortrag wurde von den Vcr» samwellen, die den weiten Saal bis ans den letzten Platz füMen. mit freudiger Zustimmung aufgenommen. Man sah unter den Per- sammellen die Bezirks- und Gruppentommandeure der Berliner Schutzpolizei neben zahlreichen Offizieren und sonstigen Angehörigen der Schupo, sowie Vertreter des Ministeriums des Innern und des Berliner Polizeipräsidiums. Das verbrechen von tzoppegarten. 14 Jahre Zuchthaus. Das Landgericht III hat in der Sache Sljew-insky und Wegner, die in der Nacht auf den 25. April v. I. den Wächter B u ch h o l tz erschossen haben, ein salomonisches Urteil gefällt. Da es nicht mll Sicherheit festzustellen war, wer von den Angeklagten den tödlichen Schuß abgefeuert hat, so wurden beide auf Grund des s 214 des Strafgesetzbuchs zu je 12 Jahren Zuchthaus vcr- urteilt. Das Gericht hat nur 12 Jahre Zuchthaus als angemessene Strafe erkannt. Zu diesen 12 Jahren kam aber für jeden der An- geklagten noch eine Zuchthausstrafe von 6 Jahren wegen dreier schwerer Rücksallsdiebstähle und drei Monate Gefängnis wegen un- befugten Waffenbesitzes hinzu. Alle diese Strafen wurden zu einer Zuchthausstrafe von je 14 Jahren zusammengezogen. Außerdem wurden den Verurteilten auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 19 Jahren abgesprochen. Role Fronlkämpser vor dem italienischen Konsulat. Eine Schar Roter Frontkämpfer, die an einem Demonstrationszug teilgenommen hatten und durch den Tiergarten abmarschierte, machte vor dem italienischen Konsulat in der Tiergartenstr. 6 halt. Laute Niedcrrusc aus Mussolini ertönten. Bald hatte sich eine über hundert Personen zählende Menge angesammelt, die in die Niederrufe miteinstimmte. Durch Stemwürfe sollen mehrere Fensterscheiben zertrümmert worden sein. Schutzpolizeibeamtc kamen hinzu und forderten die Menge zum Auseinandergehen auf. Während der größte Teil dep RFB.-Leute ihr Hell in der Flucht suchten und schnell oerschwanden, wurden zwei von ihnen festge- nommen: sie wurden dem Polizeipräsidium zugeführt. „Siegfried" in der 1t5. Gemeindeschule. Mit Bing Pong, daß die ganze Aula wackelt, schmiedet Jung-Siegsried sich sein Schwert zurecht, das ihm helfen soll, den bösen Drachen besiegen und des Königs Töchterlein befreien. Kling klang tönt hell und froh seine Jungensstimme, die Wangen glühen, die Haare fliegen. Als ver- kappter Königssohn macht er beim alten Schmied seine Lehrzeit durch, verprügelt dabei den bösen Gesellen nach Strich und Faden, erlegt als weitere Kraftprobe einen mächtigen Bär und als er sein Meisterstück, sein Schwert, gemacht, zieht er in die Welt hinaus. Das Publikum unterhielt sich großartig, die Eltern blickten stolz, die Kollegen waren, genau wie die aus der Bühne, mit Leib und Seele dabei und feuerten die raufenden Kämpen durch begeisterte Zurufe immer wieder aufs neue an. Dazwischen gab es Knabenchör« und zierliche Reigen der kleinen Mädchen. Der Abend hieß:„Jung- Siegfried, der wackere Sckmiedejunge", ein Märchenspiel von Heinrich Römer, dargestellt von Schülern der 115. Gemeindeschulc. Sludenlen der Handelshochschule Berlin! Heute, Donnerstag, den 25., und morgen, Freitag, den 26. November, finden die Wahlen zum allgemeinen Studentenausschuß statt.— Wahlrecht ist Wahlpflicht.— Jeder Genosie, jeder Student, der mit der sozia- lsstischen Bewegung sympathisiert, wählt die Liste der Bereinigten Linken.„Republikanischer Block. Liste 3". Ein neues Kabel durch den pazifischen Ozean. Das Kabel durch den pazifischen Ozean ist am Dienstag dem öffentlichen Verkehr über- geben worden. Der englische König richtete an die Generalgouver. neure von Kanada, Australien und Neuseeland eine Botschaft, in der er auf die Bedeutung dieses neuen Verkehrsmittels hinwies. Das Piratenunwesen in China. An Bord des von Kongmun nach Hongkong fahrenden Dampfers „Sßaihoi" töteten am 19. November plötzlich etwa 12 gut ge- kleidete Passagiere die militärische Wache und drei Männer der Schiffsmannschaft durch Schusse. Ein Priester und sieben Schwestern der kanadischen Mission wurden in einer Kabine des Schiffes CiO Stunden lang gefangen gehalten. Die Seeräuber zwangen den .Kapitän, Kurs auf die Schekbai zu nehmen, wo sie den Dampfer auslaufen ließen und die P a f s a g i e r e plün- d e r t c n, ohne ihnen auch wir das geringste zu lassen. Am nächsten Tage raubten sie die Ladung und flüchteten am gleichen Abend, wobei sie als Geiseln chinesische Passagiere mitnahmen. Ein großer Haldenbrand ist nach einer Meldung aus Saar- brücken aus der Schochtanlage„Helene" der französischen Saargrubc i.F r i e d r i ch s t h a l" ausgebrochen, der für die Tag- anlagen gssährlich zu werden droht. Das Feuer, dos einer vor ?1> Jahren aufgeschichteten Löschhaldc entspringt, in der inan nie etwas von einem Brand inerktc, ist soweit vorgeschritten, daß es bald über dem Tunnel Fricdrichsthal-Reeden steht. Auch für die Schachtanlage droht� der Brand gefährlich zu werden, da aus der Halde ein hohes«eilscheibengerüst. zwei ,<ördcrmaschinengcbäude und eine neue große Kompressoranlagc stehen. Der Unglücksfall auf dem Torpedoboot„Möwe". Bei dem gestrigen Unglücksfall auf dem Torpedoboot„Möwe" ist außer den schon als tot gemeldeten Obermaschinistenmaat Blum und Ober- Heizer B l ü m e l noch der Maschinenbauer Schär seinen V e r- l e tz u n g c n e rl e g e ii. Der Zustand der übrigen sechs Berletztcn gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß. Wenn Berge wandern! In Roquebillier, IS Kilometer von Nizza entserirt, sind gestern morgen 20 Häuser eingestürzt, da sich em in der Nähe des Ortes befindlicher Berg in Bewe- g u n g gesetzt und eine große Erdspalte verursacht hatte. Die Be- uöllcrung konnte sich noch rechtzeitig flüchten. Partemachrichten für Groß-Serlin kmseildllnge» für dies« Ziubrik find Berlin SW 68, Lwdcnftrab« 3, stet» an da» Veziri»selrrt-riat. 2. Hos, 2 Trep. recht», zu richten. Sezirksvorstaaü. Sonnabend, den 27. November, abends 6 Uhr. Sitzung des erweiterten Vorstandes im Konserenzzimmer der„Vorwärts"- Redaktion, Lindenstraße 2. 3. Srei, Sedding. Freitag, 26. November. 714 Uhr, findet in der b Aula des Schiller-Lyzeums. Panlftr. 41. Elke Böttgerftraße. zu Ehren � M unseres Sojiihrige» Genossen E iv a l d eine vom 2. Kreise veranstoltete gi - J ffeicr statt. Um regen Besuch wird gebeten. 4. Swi« Pienztaucr Berg. Heute, Donnerstag. 2ö. November, 71c Uhr, bei Klug. Danziger Etr. 7t. gemeinsame wichtige Eigung mit dem Borstaud der slrcien Bchulgeincinde und allen SPD.-Elterndeiräten. Erscheinen oller dringend c:forderli6>.— Achtnng! Beim Kassierer Seelbinber. Rhinower Strohe 4, sind noch Karten d 120 M. für Sortis„3lüchtafi)I" am 38. No- vcirrber zu hoben. !>. Krei, WUmersdori. Älle Porteigenossen werden oufgesordert, sich möglichst on der Derbetötigkcit des Reichsbonners zu beteiligen. 12. Krei» Teuro clhol. Moriendorf, Morienfelbc. Lichienrode. Der Kursus des Genossen Dr. Karl Schröder, der om Montag abgesagt würbe, findet nunmehr orn ssreitog. 36. Ztovcmber, 71- Uhr, in der Miltcllchule Marten. dorf. Kursilrstenstraftc, statt. heute. Donnerstag, den 25. November: Ublt. 8 Ufjc bei Ionekeit. Steicheirvev?««Str. 72, Stmnitccft$un$. Taq«s- oeönunft; Progrmnmaufstelluug zur Weihnachtsibescherun?. Morgen, Freitag, den 2ö. November: A. Abt. T'v Uhr Gwold-Feier.(Siehe 2. Kreis.) 4L Abt. 71c Uhr im Lokal Bober. IiUerdoger Str. 7. gegenüber der Käsern«. "Mitgliedcrnersmnmlung. Bortrag!„Srmmunol». Arbeit im Bezirk Koeuz. berg". Reierent Stadtrat Emil Dittmer. Sämtliche Mitglieder müssen unbedingt erscheinen.„Borwärts"-L«s«r und Symvothistcrende stnb heiz. lübst eingeladen.' 22. Abt. Ehorlottenburg. Die Bezirk-kiihrer treffen sich zur Morkenobrechmtng um 7 Uhr bei Lue, Huttenstr. 36. Neukölln N.«bt. 7 Uhr wichtige Borstondssthung bei Nitschke. Mohlowcr Sirohc 10, Lokal„Surn Flughofen". Erscheinen unbedingt erforderlich.— »o. Abt. 7% Uhr ouhcrordenrliche Sihung sämtlicher Funktionäre mit dem Borslond bei Richter, Brinz-Hondferv-Str. 2. Jeder Bezirk muh unbedingt vertreten seilt. Partei- und Gewerkschaftsbuch ist niitzubrlngen. Abt. 131, Mohl»d»>s.Tnd. 8 Uhr bei Dies,. Uhlondstr. 18. Funktionärschung. Do wichtige Tagesordnung, wird restloses Erscheinen sämtlicher Funk- iionäre erwartet. Iungsozialislen. heute. Donnerstag, den 25. November: Gruppe Ncukolln I: 8 Uhr in der Boiksbllcherei. Gonghoferstrohe, Beteiligung on der Arbeitsgemeinsäioft des Bolksbildungsomtes Neukölln über..Euro» päifche Sirtschoftsentwiitlung". Leiter Studlcnrot Evwin Morguordt.— Gruppe Cftcn; 8 Uhr im Jugendheim Tilstter Str. 4, Jock-London-Abend.— Gruppe Norden: Freitag, 36. November, 148 Uhr, im Jugendheim des Ledigenheimes. Eingang Orthstr. 16. Uebungsobcnd. Sprcchchorwcrk„Licht" von i>. Claudius. Alle Fugendgenossen und-grnosstnnen, die mitwirken möchten, sind herzlichst eingeladen. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle- Berlin S 14. Sebastianstr. 37/28. Hof 2 Tr. „ Mitte! Sonntag, d. 38., 1214 Uhr Antreten Bhf. Zoo zum Werbe- umzug nach der Funklnrlle. Pflichtveranstallung.— Wedding: Sonntag, d. 28.. III« Uhr. Antreten in den Abteilungen. Die Abteilungen fahren vom nächsten Bahnhof so zeitig ab, daß sie 13t, Udr Savignnplaß sind. — Friedrichshain: Sanntag. d. 28.. Antreten 1214 Uhr Bhf. Soo.— Kreuz- berg: Sanntag, d. 38., 1314 Uhr, Pflichtantreten am Bhf. Foo. Schönebcrg- Friedenau: Sonntag, d. 38.. Antreten 13 Uhr Wartburqvlaß zur Gauvcr- anftaltung. Anschließend Fahnenweihe der Kameradschaft Nollcudorf.— Steg- liß: Sonntag, d. 28., Anttetcn 13 Uhr zum Werbe, und Propaganda. ummarsch zum Fchrbelliner Plaß aus dem Earmerplaß. Birkbuschslraßc.— Tcmpelhos: So., d. 37., 6 Uhr, Berliner, Eike Verlängerte Ringbahnstraße. Antreten zum Fackelzug.— Neukölln-Britz: So., d. 27., 614 Uhr, Antreten aller Kameraden zum Fackelzug Schillernromengde. Ecke Allerstraße. Pstichtveran- staltung.— Treptow: Sonntag, d. 28.. 1114 Uhr, SM. Treptow zur Fahrt noch Wilmersdorf-Friedenau. Pstichtncranstaltung.— Köpenick: So., d. 37.. 8 Uhr. treffen sich die Kameraden bei Wöllstein. Ablershaf. zur Fahncnuage. lung der Kameradschaft Adlershof.— Neiuickeudorf(Krei,): Sonntag, d. 38.. 131, Uhr. Antreten aller Kameraden Saoignyvlatz. Pflichtveranstaltnng.— Kenningadorf: Ft., d. 26.. 714 Uhr. Antreten im Pereinslokal zum Werbeumzug. Pstichtvcrgnstaltung.— Bernau: So., d. 27.. 8 Uhr. Stiftungsfest im Elvsium. Eintrittspreis 1 M. Gäste herzlich willkommen. Anzug für Kameraden: Zivil mit Abzeichen._ Inngrcpub lifo Nische Wicdersehensseier. Die Mitglieder des bei Grüttbung des Ncichsbanners ausgelösten„Republikanischen Iugcndbundes Schwarz-Rot» Gold" veranstalten im Rahmen der Wcrbcwoche des Reichsbanners am Sonn- abend. 37. November, eine Wiedcrschensfeicr im Eafz Leon, Nollcndorfplatz, Ecke Bülowstraßc. Beginn 8 Nkr. Eintritt inkl. Tonz 1 M. Für die Vereinigung rhemaliger Kriegsgefangener veran'ialtet da» Musik- koniervatorium Rudols Saul, Berlin 0. 17. Bödcckerstr. 9, zugunsten der Wcihnachtvbtschkrunq sstr die Kinder unserer Kameraden am Donnerstag, 22. November, 8 Uhr, in der Aula des Königstädtischen Oberlyzeums, Greifs» waldcr Str. 24—32. ein Wohltätigkeitslonzert. Der Eintrittspreis beträgt 66 Pf. Eintrittskarten sind in der Geschäftssiell« der Bereinigung ehemaliger Kriensgckongcner. Berlin NO. 22. Grellste. 2. zu haben. Deutscher Esperanto-Bund, Ortsgruppe Berlin. Dannerstag. 22. November, 8 Ubr. Konditotci Dabriu, Hackescher Markt. Uebungsabend. Gäste willkommen. Arbeitcr-Photogrophen, Orlogeuppc Besien. Mitgliederversammlung am Donnerstag, 25. November. 8 Uhr, im Restaurant.„Zum Kurfürsten", Kurfürsten-, Ecke Steinmetzstraße. Gäste willkommen. Ucber„Strasrccht und Klassenkamps" spricht Hermann Laasch am Freitag, 36. November. 7>4 Uhr, im Anti-Kriegsmtlscum, Parochialstr. 29. Jüdischer Arbeiter. Kulturuereiu. Berlin. Oeffcntlicher Bortrag de» be, kannten iüdischen Schyiftsiellers David Bergelkon Wer seine Eindrücke in Sowjctrußland am Sonnabend, 27. November. 8 Uhr, in den Sophien-Sälen, «Sophienllr. 17—18. Ncichsbuitd jüdischer Froutsoldaicn, Ortsgruppe Berlin. Bezirk Norden: Sonnabend. 37. November, in den Gesamträumen des Ulap, Ait-Äoabit 4—10. großer Ball. Nachtkabarett unter Mitwirkung von Egon Jacobsohn. Kurt Serron, Resi Langer. Wicky Werkmeister u g.«arten sind im Barverkauf zum Preise von 1b0 M. im Bureau. Burastr. 28. Zimmer 111. zu haben. Freie Mandoliueu-Bereinigung Adler»hof. Uebitnasstundcn feben Donners» tag von 8—1014 Uhr im Restaurant Gotthardt. Adlershaf, Kackenberqstr. 1: die der Juoend ieden Dienstag von 7—9 Ulir im Jugendheim Adlershof, Roon» itraße lBarocke)._ wrtlerberichl der össenlUchen weiierdienWelle für Berlin und Umgebung. (Nachdruck verb.) Teils heiter, teils wa lig i auch am Tage kühl.— ISr Denlichland. Größtenteils trocken und zeitweise heiter, überall lühl, stellen- weise leichte Nachtjröste. An erster Stelle steht der Dortrag Dr. Friedrich Luthers „Abriß einer Moralphilosophie", der erste in der Reihe„Wissen- schast und Sittlichkeit". Man mag über den Gegenstand anderer Meinung sein, Moralphilosophie ist ein außerordentlich dehnbarer Begrisf, den man verschieden definieren und interpretieren kann, aber man muß zugeben, daß Friedrich Luther sehr geschickt, eindringlich und anschaulich das Thema behandelt) an Beispielen, die jeder Hörer versteht, erläutert er Probleme, die in abstrakter Form für Laien nur schwer zu begreifen sind. Merkwürdige Kullurkuriosa zeigt Dr. Walter� N u ß b e ck in seinem Referat„Aon seltsamen Menschen und Sitten", aber es bleibt bei einer interessanten, seuilletonistischen Plauderei, bei einer Aneinanderreihung gut ge- ordneten Materials, eine psychologische Fundierung wäre vielleicht am Platze gewesen. Der Vortrag Dr. Paul K a ß n e r s,„Fort- schritt und Armut", der sich mit Leben und Lehre Henry Georgs be- faßt, hatte die Lehre in klareren Ilmrissen herausarbeiten sollen. Dr. Richard H. Stein bemüht sich in dem Zyklus„Altgermanische Musik" mit knappen Worten die Stellung der Minnesänger innerhalb der mittelalterlichen Gesellschaft zu skizzieren, illustriert am Klavier diese uns heute fremde Musik, die andere Toktmaßc und Tonfolgcn kennt als die Musik der neuen Zeit, aber Stein dürfte nicht über die Dichtungen so kurz hinweggehen. Nachmittag- und Abcndkonzert bringen Unterhaltungsmusik, einmal spielt die Kapelle Gebrüder Steiner und dann das Woitschachsche Blasorchester. Diese Konzerte sind wohl berechtigt, nur sollten sie an demselben Tag nicht zweimal stattfinden. Die Funkstunde müßte endlich daran denken, einen Aus- gleich in ihren Programmen herzustellen. Uebrigens ist es geschmack- los, Puccinis„Boheme" mit Blasorchester zu spielen. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 25. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm' 12 30 Uhr nachm.: Die Viertelstunde lür den Landwirt 4.30 Uhr nachm.: Klaviervorträpe. I. Chopin: Polonäse Cis-Moll, op. 24. 2. Chopin; Kooturne C-JIolI. op. 48, Kr. L ö. Sgamhati: Kenia(Emil'Oppermann am Flügel). 4.50— S Uhr abends: Nachmittagskonzert des Ette-Kammerorchesters. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst 6.15 Uhr abends: Hans Dominik, der Autor des demnächst in der„Fnnkstnnde" beginnenden Romans„Der Brand der Cheopspyramide", liest aus seinem Werk„Die Macht der Drei"(Werbevortrag). 630 Uhr abends: Professor Dr. Max J. WolS:„Der Arzt in der Dichtung". 7.05—7 50 Uhr abends: Hans-Bredow- Schule(Büdungskurse). 7.05 Uhr abends; Abteilung Sprachunterricht Spanisch(0. M. Alfieri u. G. van Eyseren). 7 30 Uhr abends:(Hochschulkurse). Abteilung Rechtswissenschaft. Dr. Eduard Kohlrausch:„Modernes Strafrecht". 7.55 Uhr abends: Chefredakteur Leopold Schwarz- schild: Das•wirtschaftliche Schicksal des Mittelstands». 8.80 Uhr abends: Sendespiele.„Doktor Klaus", Lustspiel in fünf Akten von Ado)t L'Arronge. Leitung: Alfred Braun. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst Sportnachrichten, Theater- und Pilradienst 10.30 bis 12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester Ettd). Königswusterhausen, Donnerstag, den 25. November. 2.30—3 Uhr nachm.: Zentrale der Hausfrauenvereine Groß. Berlins; Haushalt und Haftpflicht. 3—3.30 Uhr nachm.: Prof. Dr. Amsel. Ober-Sohullcbrer Westermann: Einheitskurzschrift 3 30 bis 4 Uhr nachm.: Prof. Dr. Blum. Dessau: Der Deutschunterricht in der Berufs- und Fachschule. 4.30— 5 Uhr nachm.: Berichte: Aus dem Zentralinstitut. 6—5.30 Uhr nachm.: Dr. med. Tatter: Die Falkneroi und ihre Geschichte. 5.30— 6 Uhr abends; Professor Dr. Weissenberg: Vererbung erworbener Eigenschaften. 6 bis 6.30 Uhr abends: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Fischer: Ueberwinterang der Landmaschinen. 6.30— 7 Uhr abends: Dr. Alfred Kuhn: Museen in Vergangenheit Gegenwart und Zukunft 7— 8 Uhr abends: Dr. James Simon und L. v. Laar: Beethovens Kammermusik. Ab 8 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-öerlin. Heute 6 Uhr Sitzung dt» Bitbungsauslchusse» NN kleinen Zimmer des Jugendheimes. Pünktliches Erscheinen notwendig, da später andere Sitzungen. 7 llhe Sitzung des Bezilksvorstande» im Zugenösekretariat Bollzählige» Erscheinen dringend erforderlich. 8 Uhr Sitzung de» Bczirksoorftande» und der Werbebezirksleiter in der Juristischen Sprechstunde. Wichtig« Tagesordnung. heute, Dounerstag. den 25. November, 7% Uhr: Südost(R. B.): Schule Wrangelstr. 128, Aussprache:„Gemeinschaftsgeist und Gemeinschaftsleben".— Südwest: Jugendheim Lindenstr. Z, Portrag: „Bauernrevolution".— Schöueberg III: Jugendheim Hauptstr. 15, Aussprache über„Lebcnsreform".— Lankwitz: Gcmeindefchule Schulstraße, Bortrag:„SAJ. und Reichsbanner".— Licht crscld«: Jugendheim Albrrchtstt 14», Bortrag: „Dichter der Revolution".— Zehleudors: Südschule. Bilhelmstraße. Bortrag: „Sozialistische Erziehung". 2. Teil.— Wittenau: Jugendheim Rosenthaler Straße, Bortrag:„Aus August Bebels Leben".— Bnchholz: Borstandssitzuug.— Pankow: Beim Genossen Wollersdorf. Talstr. 14, Funktionärkonlercnz. Acußerst wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Funktionäre ist Pflicht Werbebezirk Beddlug: Bildungskursus für Aeltere, 2. Abend, im Jugend- heim Lurcmburger. Ecke Senter Straße. Thema:„Theorie und Präzis des proletarischen Klassenkampfes"._ Sport. Der Sportvereiv Norden-Nordwest veranstaltete zusammen mit dem B. F. Club W e d d i n q in den Pharus-Sälen einen gut- besuchten Boxkampfabend. Die Kämpfe wurden fast durchweg mit großer Härte geführt, ragten aber dennoch über Durchschnitts- leistungen kaum hinaus. Der Abend wurde mit einigen Jugend- treffen eingeleitet. Kirchstcin(AEG.) gewann über Bruckow II (NNW.) und Kriese(Wedding) über Bruckow II einmandsrei nach Punkten. Im dritten Kampf zwischen Katte(Bineta) und Zietz (NNW.) wurde in der dritten Runde zugunsten Kattes durch den Ringrichter abgebrochen. Einen flotten Kamps gab es im Leicht- gewicht. Thielart(Bineta) punktete Gabcrichter(Wedding) m drei Runden aus. Sonst konnten noch nach Punkten gewinnen: iin Leichtgewicht Thränitz(Wedding) über Junge Bineta), Zerbst(NRW.) über Schmidt III(AEG.) und schließlich im Mittel- gewicht Groß(AEG.) über Wille(Astoria). PoKzellan JafeC-JCaffeL Jee-Jeroice 1 gegen 12 Monatsraten Trotz großer Preissteigerung in allen Wein erzeugandan Lindern bin ich durch den günstigen tiinkaut von einer Million Liter In der Lage, ohne PraltarhShung zu varkaulen Apfelwein«üß. 1S1.«»«clesaig.. 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KSnigsUdt 4609 Berlin NjChaussees trade 76 Tel.Norden 7813 Berlin 0, Koppenstraße 87 Tel.K8nigstadt8075 Berlin SO, GrdnauerStr. 15 Tel. Moritzplatz7233 Nenkölln, Berliner Str. 13 Tal. NeukUlln1994 Moabit, Wilsnacker Str. 25 Tel. Moabit 1105 Steglitz. Schloßstrade 121 Tel. SUglitz 3664 CbarIotlenbg..Wilmer8dorferStr.157 Tel.WlllJ21 Pordero Sie sieb ausdrücklich in den Geschäften die neuen zro. Ben 20.Pf.>RoIIen n. ScbleTlcn Kapitän- Kautabak «cht Kopcnhacener Qualität. Peinstat Geschmack. Jedes 20-Pt..Stück wird In Papier verpackt geliefert; nicht vor. packte weise man als unecht zarBck. Wo weht erhältlich, werden Verkaufsstellen mitgeteilt durch C. Röcker, Seilin NO, Lichtenberger Str. 22(Kgst 3861). Adoli Hoffmann Knorke Sdtolhnmoreake mit lllnafraffonen von Willi Steinen Preis 50 Ptg./ Porto 5 Pick. VoirfiHg In allen VorvrÄrtf- Ausgab es teilen fcP&JOPf, »tfw Immer wieder bei C.8iA. diese Preise, die einen in Erstaunen versetzen, und immer wieder— wenn man sich überzeugt— Qualitäten zu diesen Preisen, die das Erstaunen in helle Freude verwandeln. Wer darauf angewiesen ist, mit seinen Mitteln außerordentlich hauszuhalten, aber doch Wert darauf legt, daß man ihn nur in guter, moderner Kleidung sieht, für den gibt's eben nur cins:� na; Die obigen Angebote stehen ihnen ab Donnerstag zur Verfügung!— Schrift). Bestellungen können nicht berücksichtigt werdenl Tbealer Udifrpieie BlW. I»WW I Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Repnbl. 8 Uhr: TOSCA Schauspielhaus 8 Uhr: Lul u Schiller« Thealer 8 Uhr: Willielm Teil »Ml Dp» Charlonenburr 7'/, Uhr; Der Troubadour B. Malkin, Montano S. Onigin Abonn.-Turnus I. MM Tbeater Norden 10334—38 8 Uhr Neidhardl v. Gnelsenan von Wollgang Goetz Regie; HeinzHilpert Volks büh ne rbnttr an Bölowplati 8 Uhr: fiysistrata Morgen 8 Uhr: Nacklasyl Tb. m StbiHbioartanm Täglich 8 Uhr: Das Gralnnal Soldaten. Jiomistfäc Cper Der itroße Operetteneriolg Mi. JSdvicnne � mit Serak, Wessety, Wirf, Blass Boettcber, Hell, Loebell, Scbuaier. Sonnt. nachm.3 U.:„DiePledermaus" i.erst.Bes. Vorverk.v. lüü a.ununterbr. -iDenlsdiesTliealer- Ab Sonntag, 28. November 1926, jeden 3 Uhr Sonntag nachmittag 3 Uhr MINN& von BARNHELM Lustspiel von G. E.�L e s s i n g In der Inszenlemns: MAX REINHARDT Sonlk Rainer/ Grete Mosheim/ Gertrud Eysoldt Werner Schott/ Jos Klein/ Hubert von Mfyerlnck Philipp Mannlng/ Hans Deppe Preise von 1 bin 4 Mark CASINOsatz wurde in der dem Streik solgenden Zeit wieder recht leb- Haft. Auch Deutschland führte 1922 rund 8 Millionen Tonnen Stein- kohle aus England ein gegenüber nur 699 999 Tonnen im vorauf- gegangenen Jahr. Das glänzendste Geschäft aber machte der englische Berg- bau im Jahre 1923 während der Ruhrbesegu n g. Die Förde- rung erreichte mit 289,4 Millionen Tonnen fast die chöhe von 1913. Der Export übertraf mit 85,8 Millionen Tonnen den von 1913 sogar um 7,9 Millionen Tonnen. EnUlands Exporteure hatten sich durch den Ausfall der Ruhrkohle auf dem Weltmarkt fest eingenistet und ihre gute Konjunktur hielt bis 1924 an. Da erschien der Ruhr- bergbau wieder unter wesentlich anderen Bedingungen mit seiner Produktion auf dem Weltmarkt und suchte ins Geschäft zu kommen. Unfassende Rationalisierung im Ruhrbergbau hotten ein« Erhöhung des Fördereffekts zur Folg«. In Jahres- mitte 1925 hatte der F ö r d e r e f f e k t im Ruhrbergbau je Mann und Schicht denjenigen von England crreicbt und dann bis zum Jahresschluß ihn beträchtlich überschritten. Im gleichen Verhältnis wie die Ruhrkohle auf dem Weltmarkt vordrang, mußte der englische Export zilrückgehen. Die englischen Bergwerksbesitzer versuchten zur Erhöhung ihrer Wettbewerbsfähigkeit die Löhne Die Slreikwirkuugeu auf die kohleawirtjchoft. Für die Zeitabschnitte vor dem großen Streik ergeben sich folgende Förder- und Exportziffern für Deutschland und England: � England Deutschland in Millionen Tonnen Export 66,6 34.9 14.3 Jabr Förderung 1924.... 271.4 1925.... 248.3 1926(1. Quart.) 67,8 Bunk.-K. Förderung Export 17.9 118.8 26.5 16.7 132.7 32,7 4.3 33,3 9.5 Unter dem Export sind bei Deutschland die Lieferungen nach dem Vertrag von Versailles einbegriffen. Diese Zahlen zeigen, daß die deutsche Produktion und der Export nach der Erledigung des Ruhrkampfes und seiner Nachwirkungen anhaltend gestiegen ist. Die englische Produktion und der Export gingen trotz Subventionen zurück, ein Beweis, daß diese Mittel nicht geeignet waren, die Lage zu bessern. Die Zeit der Subven- tionen ist auch nicht zur Umstellung des Bergbaus ausgenutzt wor- den. Zwar sind eingehende Uittersüchungen vorgenommen und auch brauchbare Porschläge gemacht worden, aber das Endergebnis war schließlich doch ein erbitterter Kampf. Die Tabelle zeigt weiter, daß im Monatsdurchschnitt des ersten Vierteljahres 1926, also vor dem Beginn des Riesenkampfe», 22,61 Millionen Tonnen Steinkohle in England gefördert worden sind. Davon wurden 4,75 Millionen Tonnen exportiert und 1,44 Millionen als Schiffskohl« abgegeben. Im Monatsdurchschnitt wurden also 6,23 Millionen Tonnen außerhalb des Landes verbraucht. Rechnet man auch nur, daß späterhin im Monatsdurchschnitt 29 Millionen Tonen gefördett worden wären, dann hat der Streik einen Produkttonsaussall von 140 Millionen Tonnen zur Folge gehabt. Der Durchschntttspreis stand vor dem Streik auf 18 M. pro Tonne. Daraus ergibt sich ein Droduklionsverlust von 2,52 Milliarden Mark. Dann hat England während der Dauer des Streiks bis jetzt min- bestens 18 Millionen Tonnen eingeführt. Die Kosten hierfür werden nicht sehr weit von einer Milliarde Mark entfernt sein. Die Verluste für die G e s a m t w i r t s ch äf r lasten sich noch nicht übersehen. Erst viele Manatc nach dem Streik wird man sie einigermaßen berechnen können. In den anderen europäischen Kohle gewinnenden Ländern Hot der Ausfall der englischen Kohlenprodukticn eine außerordentliche Hoch- konjunktur zur Folge gehabt. Dafür nur wenige Zahlen für Deutschland. Di« Förderung und freie Ausfuhr nach Ausbruch des Streiks zeigt folgende Entwicklung:' Förderung (in Tonnen) Steinkohle 1 282 999 1825 999 2 879 999 4 263 999 3 931 999 3 699 909 Ausfuhr 1926 April. Mai. Juni. Juli. August. Steinkohle 19 986 999 10 687 990 11756 999 13 974 990 12 879 999 September 12 876 990 Kok, 237 999 276 999 284 990 497 909 526009 914 999 BraUnk.-Brik. 59 990 74 909 94 999 86 999 119900 131 999 Reparationskohlenlieserungcn sind in diesen Aussuhrzohlen nicht einbegriffen. Die Steinkohlengewiunung ist von April zu Sep- t e m b e r um 2 799 999 Tonnen, d. h. u m 2 1,7 P r o z. g e st i e g e n. Die Steigerung genügte nicht zur Befriedigung der Nachfrage. Dar- über hinaus sind aber auch die H a l d e n b e st ä n d e abgesetzt worden, die sich im April auf 8 519 999 Tonnen Steinkohle und 1 969 909 Tonnen Braunkohlenbriketts beliefen. Wenn auch die er. zielten Preise in den ersten Monaten des englischen Streiks noch nicht übermäßig hoch lagen, so sind doch in den letzten Monaten sehr hohe Preise und große Gewinne erzielt worden. Es stehen auch noch weiterhin solche in Aussicht. Die gute Kohlenkon- junktur nimmt mit dem Abschluß des englischen Streiks noch nicht ihr Ende. Sie dürste wenigstens bis zum Frühjahr 1927 anhalten. Ob dann wieder der erbitterte Konkurrenzkampf zwischen dem eng- tischen und dem deutschen Bergbau einsetzt, wie er 1925 und auch noch 1926 bis zum Streikbeginn geführt wurde, oder man sich über den Absatz zu verständioen bemüht sein wird, niuß die Zukunft lehren. Die sozialen Auswirkungen des Kampfes lasten sich noch nicht übersehen. Nach allem, was berichtet wird, dürften sie aber keines- falls günstig für die Bergarbeiter sein. Serliner Maschinenbau-fl.-H., vorm. Schwartzkopff. Umstellung und Reservenbildung. Vor dem Kriege bildete die Fabrikation von Lokomotiven dos Hauptgeschäft der Berliner Maschinenbau-A.-G. vorm. Schwartz- kopff. Seitdem sich aber die Verhältnisse geändert haben und die Reichsbahn als Auftraggeber fortgefallen ist, mußte das Unternehmen den Lokomotiobau stark einschränken. Es hat statt dessen andere Fabrikate des Maschinenbaus forciert mit einem Erfolg, der aus den Worten des am 39.'Juni 1926 abgeschlossenen jüngsten Geschäftsjahres herauszulesen ist:„In gewissen Spezialfcbrikaten unseres Maschinenbaus haben wir teils gute, teils sehr gute Beschästigung aufzuweisen." Wenn nicht alle Zeichen ttügen, so bereitet sich die Schwartz. kopff-A-G. augenblicklich daraus vor, auch das Lokomotiv- g e s ch ä f t wieder st ä r k e r zu entwickeln. In den letzten Tagen hat sie einen größeren Zluslandsauftrag hereingenommen. Außerdem hat sie das Benutzungsrecht der Patente von Professor L ö f f l e r- Charlottenburg erworben, die den Bau von Hochdrucklokomotiven gestatten. Bisher hat die Reichsbahn eine Schnellzugslokomottve von 199 Atmosphären(gegen- über 12— 14 Atmosphären srüher) bestellt, die im Frühjahr 1927 erprobt werden soll. Die Schwartzkopff-A.-G. hofft dann, weiter« Maschinen dieser Art in Auftrag zu erhalten. Der Erwerb dieses aussichtsreichen Patents, noch mehr die starke Reservenbil- d u n g> die, wie schon in deü Jahren� vorher, auch in der dies- jährigen Bilanz ihren Ausdruck findet, lassen vermuten, daß die Schwargkopfs-A.-G. die Führung in der deutschen Lokomotivindustri« zu übernehmen strebt. Der Reingewinn von 699 999 M., der auf neu« Rechnung vorgetragen werden soll, so daß also wie 1925 keine Dividende(vor dem Kriege waren es 15 Proz.!) verteilt wird. ist nicht als lautere Wahrheit, sondern als rechnerisches Ergebnis einer Vilanzaufstellung anzusprechen, die wichtige Posten des Vermögens beträchtlich unterbewertet. So pflegt das Unternehmen gewohnheitsgemäß den Wert seiner Vorräte, die diesmal 4,6 Millionen ausmachen, sehr vorsichtig anzu- setzen. Der Besitz von Wertpapieren vermochte von 9,5 a u f 1,5 Millionen M. g e st e i g e r t zu werden, wobei zu beachten ist, daß die in die Bilanz eingesetzten Zahlen nicht dem Realwert der Effekten entsprechen. Interessant für die Beurteilung der „stillen Reserven", über die das Unternehmen verfugt, ist, daß die Firma einen Teil ihres Grundbesitzes am Ststtiner Bahnhof gegen eine Barzahlung von 1,2 Millionen M. ver- kauft hat, vom Bilanzkonto„Grundstücke" aber nur 9.5 M i l- lionen abgebucht werden, so daß demnach eine Unterwertung von 9,7 Millionen durch den Verkauf erkennbar geworden sind. Die Schwortzkopsf-A.-G. kann selbst nicht umhin, ihre Lage als günstig zu bezeichnen. Sie schreibt:„Wenn wir im ganzen Hofs- nungsvoll in die Zukunft blicken, so beruht dies vor allem auch dar- auf, daß es uns gelungen ist, unsere Gesellschaft in geldlicher Beziehung flüssig und unabhängig zu erhalten. Wir verfügen auch heute noch über e i g e n e. M i t t« l, die uns gestatten, der Entwicklung der Dinge ohiie Besorgnis entgegenzusehen." Wer die gewohnheitsmäßigen Klagen der Unternehmer kennt, der weiß, wie er eine solche Auslastung über die gut« Lage des eigenen Vetriebes zu bewerten hat. Es muß dann schon recht wenig zu bemängeln sein. Daß die erzielten Gewinne nicht nach außen hin zutage treten, wird mit unserer Annahme, daß die Schwartzkopff-A.-G. neue Pläne auf dem Gebiete des Lokomotivgefchäfts hat, in Zusammen- hang stehen. Jedenfalls sind die Großaktionäre der Firma Schwartz- lopff(Bank für Industriewerte, Berliner Handelsgesellschaft, Dis- contogesellschaft) nicht aus stettge Dividendenzahlungen angewiesen. sondern verzichten um größerer Ziele willen gern eine Zeitlang auf sie. Kürzlich war viel von Konzen trationsplänen im deutschen Lokomotiobau die Rede. Ob sich die Schwartzkopff-A.-G. vielleicht hierauf vorbereitet? Ob sie sür diese Gelegenheit sich die 2,25 Millionen Vorratsaktien aufgespart hat? Weiter steigende Umsätze der Konsumvereine. Die Umsatzstatistik des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, zu der 57 Genossenschaften für die Hälfte der Mitglieder berichten, zeigt für den Monat Oktober eine weitere sehr beträchtliche Steigerung der Umsätze. Die Wochen- Umsätze im Oktober sind in absoluten Ziffern ununterbrochen gc- stiegen, und zwar von 8,38 Millionen in der e r st e n auf 9,32 Mil- lionen Mark in der letzten Oktcberwoche. Die Umsätze pro ein- zelnes Mitglied stiegen von 5,29 auf 5,88 M. Gegenüber dem Monat September ergibt sich eine durchschnittssteigerung von 5,19 auf 5,59 M. Im Vergleich mit dem Oktober des Vorjahres beträgt die Zunahme 1,9 2 M. oder 2 2,3 Proz. Diese außer- ordentlich große Umsatzsteigcrung von fast 25 Proz. pro Mitglied im Laufe einesJahrcs kennzeichnet am besten die L e i st u n g s- fähigkeit und Werbekraft der Konsumvereine, die durch die Wirtschaftskrise offenbar nicht gelitten, sondern stark zu- genommen hat. Erneute Zunahme des Güterverkehrs. Während in der ersten Novemberwoche ein leichtes Abflauen in der Verkehrsleistung der Reichsbahn festzustellen war, ist diese in der zweiten Woche wieder erheblich gestiegen und hat den bis- her höchsten Stand der letzten Oktoberwoche sast wieder erreicht. Die nachfolgende Tabelle gibt die Zahl der g e st e l l t c n Wagen in tausend Stück wöchentlich und pro Arbeitstag ob August und vergleicht sie mit dem Vorjahr: Die Entwicklung zeigt die Grundlagen, auf denen auch die außerordentlich günstige finanzielle Entwicklung der Reichs- bahn möglich wurde, von der wir kürzlich berichteten. Krise und Fleischkonsum. Einen selten deutlichen Beweis, wie die kritische Wirtschaftslage dieses Jahres den Massenkonsum an Fleisch drosselte, liefert eine Veröffentlichung des amtlichsn preußischen Pressedienstes. Danach wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjähr in Preußen weniger geschlachtet: Ochsen und Bullen. Junqrinder... Kälber..... 31 909 Stück oder 9,6 21000,„ 5.9«/° 13 909.„ 0,7% Die Schlachtungen an hochwertigem Vieh gingen also stark zurück. Demgegenüber sind die Schlachtungen sür Kühe um 56 999 Stück oder 9,2 Proz. vennehrt, was auch auf den Milch- verbrauch in dieser Zeit einige Schlüsse zuläßt. Bei den Schweine- schlachtungen ergab sich 1926 eine Zunahme um 73 999. Der un- günstig« Stand der Flcischcrzeugung in diesem Jahre zeigt sich auch darin, daß die Schasschlachtungen sich um 7i8 Proz. gegen das Vorjahr vermindert haben. Im Vergleich zu 19 13 wurden zwar 259 999 Stück Rindvieh mehr geschlachtet, die größer« Ziffer ober bestand lediglich aus Jungvieh, und zwar Haupt- sächlich aus Kälbern: in g r o ß e m Abstand gegen 1913 befinden sich noch die Schweineschlachtungen, und zwar um 1 799 999(29,7 Proz.), die Schlachiungen an Schafen um 49 999 (3,9 Proz.) und die Ziegenschlachtungen um 29 999(23 Proz.). Dividendenloser Abschluß der Rosquin-Farbwerke. Als die Farbwerke Franz Rasquin A.-G. im vergangenen Jahre eine dioidcndcnlose Bilanz vorlegten, wiesen wir auf diese Kölner Firma hin als ein Beispiel für s e l b st o e r s ch u l d e t e U n- rentabilität. Das Unternehmen, das vor dem Kriege fort- laufend eine hohe Dividende ausschütten konnte, hat bei der Auf- stellung der Goldmarterösfnungsbilanz wie so viele deutsche Firmen ihr Kopital zu hoch angesetzt und ist nunmehr nicht mehr in der Lage, eine ausreichende Rente herauszuwirlschaften. Im Geschäftsjahr 1925/26 war der Absatz der Produkte, in Bunt- und Mineralfarben, nach den Angaben des Geschäfts- berichts sehr unregelmäßig. Ersieh sich zuerst gut an, was dazu führte, daß die Verwaltung sich übernahm und mit dem Um- schwung der Konjunktur einen großen Teil ihrer Erzeugung a u f L o g e r legen mußte. Erst im Laufe dieses Jahres hat sich der Umsatz gebessert, eine Tendenz, die auch heute noch anhält. Wie es heißt, hat die Verwaltung sich bemüht, die Unkosten kräftig abzubauen und die Produktionserzeugnisfe durch äußerste Spar- samkeit und rationelle Einrichtungen zu verbilligen. vardinet. Liköre. Die Bardinet-Likörsabrik wurde von d» Krise schärfer mitgenommen, als der Bericht für das Geschäftsjahr 1925/26 erkennen lasten möchte. Der erhebliche Rückgang des Bruttoertrags von 9,43 Millionen im Vorjahre auf 9,13 Mil- lionen fällt am stärksten in der Bilanz auf. Die Vilanz weist zwar einen kleinen Gewinn aus: in Wahrheit aber liegen erheb- liche Verluste vor. Nicht nur der vorjährige G�winnvortrag von über 14 999 M. ist v c r s ch w u n d e n, sondern auch der Reserve- sonds von 189 999 M. Aus der anderen Seite sind die Guthaben erheblich zusammengeschrumpft. Wie der Geschäftsbericht mitteilt, konnte der Kundenkreis gegen die Konkurrenz behauptet werden. Slickslossprodukkion Im Ruhrgebiet. Die Besprechungen zwischen den Klöckner-Werken und dem Wintershall-Konzern über die Er- zcugyng von synthetischem Ammoniak stehen vor dem Abschluß. Die beiden genannten Konzerne werden eine große Stick st offabrik, wahrscheinlich in Castrop-Rauxel, im Rahmen der Klöckner-Werke errichten. Das Fabrikationsprogramm enthält auch die Herstellung von Mischdünger. Durch den Plan werden die Klöckner-Werke und der Wintershall-Konzcrn in Wettbewerb zu der I. G. Farbenindustne treten. Ein« neue große belgische Anleihe. Nach Brüsseler Meldungen sollen die Derhondlungen. die Belgien mit Lertreterg englischer, amerikanischer, holländischer und schweizerischer Banken in London führt, kurz vor dem Abschlug stehen. Es ist die Aufnahme einer großen 7prozentigen Anleihe geplant, von der 59 Millionen Dalla' in den Vereinigten Staaten, 1.25 Millionen Pfund Sterling in Ev' land. 1L5 Millionen Pfund Sterling in Holland und 32 Millie- schweiz. Franken in der Schweiz aufgelegt werden sollen. Mßenöebatte im Reichstag. Die Kriegsschuldfrage.— Appell Wirths an Frankreich. Nach Genossen chermann Müller sprach im weiteren Ver- lauf der gestrigen Reichstagssitzunq Abg. Gras ,u Revenllow(Volk.): Der Antrag auf Wiederausrollung der Kriegsschuldfrage verkennt die Situation. Die Aufrollung der Schuldfroge ist nicht zu erreichen, solange die Dawes-Gesctzgcbung, die Locarnooerträge be- stehen und Deutschland dem Völkerbund angehört. Die Politik von Genf und T h o i r y ist zu einer ungeheuren Blamage für Deutschland geworden. Ueber Vriand täuscht sich dos deutsche Volk in weiten Kreisen heute ebenso, wie 1918 über Wilson. Trotz Briands Abrllstungsrcdeu in Genf rüste Frankreich immer weiter. Im Gegensatz zu den Deutsch nationalen können die Völkischen die Locarnopolitik und Deutschlands Mitgliedschaft im Völkerbund nicht als gegebene völkerrechtliche Tatsachen anerkennen. init denen man sich abfinden müsse. Di« Dawes-Gesetz- gebung ist die geschichtliche Schuld der Deutsch- nationalen Volkspartei, denn diese Partei hätte die An- »ahme verhindern können, wenn sie gewollt hätte. Abg. Dr. v..�reylagh-Loringhoven(Dnat.) begründet kurz den von Mitgliedern aller bürgerlichen Parteien unterzeichneten Antrag zur Kriegsschuldsrage. Der Redner gibt dann für die Fraktion der Deutsch nationalen eine Erklärung ab, in der es heißt:„Die gestrigen Ausführungen des Außenministers find nicht geeignet gewesen, unser durch Dr. choetzsch ausgesprochenes Urteil über die E r f o l g l o i i g k e i t der durch den Namen Thoiry und Locarno gekennzeichneten Politik irgendwie zu erschüttern." Der Redner verurteilt dann die Flaggenhissung des deutschen Bot- schasters in Washington und erklärt zum Schluß, er persönlich habe zum internationalen Gerichtshof des Völker- bundes das voll« Vertrauen, daß er die Kriegsschuldfragc objektiv prüfen und entscheiden werde. Reichswehrminister Dr. Gehler: wendet sich dann in einer Erklärung gegen die neueste Veröffent- lichung des Führers des Jungdeutschen Ordens M a h r a u n. Wenn da von einem General gesprochen wird, der einen Kampf mit Frei- williaen gegen Frankreich unternehmen wollte, so handelt es sich um General Matter. Ihn meinte ich seinerzeit, als ich von den„Verrückte n" sprach. Er hatte totsächlich den wahnsinnigen Plan, die jungen Leute in die französischen Bajonette hinein- zutreiben.. Dieser Mann ist von mir aber sofort aus der Reichswehr entfernt worden.(Rufe links:„Und bezieht heute IZlllX) M. Pension!"— Rufe rechts:„Cr hätte das Ruhr- gebiet befreit. Dank vom chause Geßler'") Wenn Herr Mahraun es so darstellt, als wenn er mich erst 1926 über diese Dinge hätte informieren müssen, so ist dos falsch, darüber waren wir schon 1923 genau informiert. Oberst Nicolai, der weiter erwähnt ist, hat nach dem Kriege niemals irgendwelche Beziehungen zu uns gehabt. Abg. Dr. Wirkh(Z.):" Für den Vorstoß in der K r i e g s s ch u l d f r a g e, den der Antrag v. Freytagh bezweckt, ist kein Augenblick ungünstiger als der jetzige, denn gerade jetzt besteht in England die Absicht, durch anerkannte Wissenschaftler die Archiv« zu öffnen und die Krieosursnchen zu untersuchen. Den paneuropäischen Gedanken sollte man nicht mit einem Lächeln abtun wollen. Wir sehen doch, daß die Herren von rechts gar keine Bedenken haben, die Grenzen der Nation zu überschreiten, wenn es sich um die Wirtschaft handelt. Di« Art und Weise, wie Thoiry und seine voraussichtlichen Wirkungen in der deutschen Presse beurteilt wurden, war höchst unpolitisch. (Sehr richtig!) Man hört jetzt ost, Deutschland solle Präpositionen machen für die Lösung der dort angeschnittenen Fragen. Nein. Deutschland hat jetzt nur die Verpflichtung, kritisch die Auswirkung von Thoiry anzusehen. Es ist nicht unsere Aufgabe, neue Vorschläge zu machen.(Beifall.) Deutschland hat in L o- carno ein politisches Opfer ersten Ranges gebracht. (Lebhafte Zustimmung.) Die Deulschnationalen haben nicht das Recht zur Kritik daran, denn sie find mit verantwortlich für den weg nach Locarno. (Widerspruch rechts.) Ich habe erst jetzt wieder die Auskunft erhalten, daß damals die d c» t s ch n a t i o n a l e n Minister der Politik von Locarno z u- gestimmt haben.(Hört, hört!) Auch der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund war in gewisiem Sinne ein Opfer in nationaler Beziehung, ebenso die deutsche Bereitwilligkeit, die Stabilisierung der französischen Währung zu fördern. 8luch die Franzosen sollten die Größe dieser drei Opfer anerkennen. Nun ist es die Aufgabe des deutschen Parlaments, vor aller Welt zu erklären: Diese Opfer erfordern jetzt auf französischer Seile ein En� gegenkommen.(Stürmischer, allseitiger Beifall.) Wir haben jetzt abzuwarten, was Frankreich auf diese großen Opfer zu geben hat. Neben der Investigation ist dieser Winter der Prüfstein für die Polink, die wir olle machen wollen, mit Frankreich zu einer aufrichtigen, dauernden Verständigung zu kommen.(Lebhafter Beifall) Nach dem das ganze deutsche Volk diese Opfer auf sich genommen hat, erklären wir heute: Jehl hat Frankreich das wort!(Lebhafter Beifall.) Jetzt hat Frankreich zu zeigen, ob es der europäischen Soli- d a r i t ä t oder dem enastirniaen Egoismus einer Nation dienen will.(Erneuter Betfall.) Diese Verständigung kann.ngtür- lich nur das Werk einer ganzen Generation sein, und man sollte nicht mit einem gewissen Hohn über die Mahnungen zur Geduld reden. Den Rheinländern kommt es nicht darauf an, ob da und dort ein Bataillon verlegt wird, sondern sie verlangen Politik auf weite Sicht für die deutsch-französische Verständigung.(Beifall.) F a st ein ganzes Jahrhundert ging die tiefe Kluft des Völkerhasses zwischen Frankreich und Deutschland. Wir haben die Brücken darüber gelegt und laden nun die von der anderen Seite ein. mit uns gemeinsam an dem Aufbau und an der Belebung europäischer Solidarität zu arbeiten. Wir sind jetzt enttäuscht, aber wir haben nicht im Zickzackkurs den Weg des deutschen Volkes weiter zu gehen, fondern in einer allen Völkern der well klar erkennbaren deutlichen Zielrichtung. Wir folgen jenen großen Denkern, die die Solidarität der Meuchen über die nationalistisch« Leidenschaft triumphieren lassen wollen. Wir verstehen den französischen Wunsch nach Sicherheit, aber securit« pour la France hat nur«inen Sinn, wenn sie nicht verbunden ist mit der nationalen Freiheit des deutschen Volkes.(Lebhafter Beifall.) Gegen 7 Uhr wird die Weiterberatung auf Donnerstag. 2 Uhr. vertagt. Auf der Tagesordnung steht weiter die Vorlage gegen Schmutz und Schund. Reichslustfahrt! Aussprache im Ausschuh.— Die Deuts chuatiouule» keine prinzipiellen Gegner. In der Mittwochsitzung des Ausschusses für de» Rcichshaushalt wurde der Nachtrag zum Etat des Reichsverkchrsministeriums behandelt und eine große Reihe von Posittouen angenommen, mit denen neue Mittel für die Fortführung bereits begonnener Arbeiten angefordert wurden. Beim Kapitel„Allgemeine Bewilligung auf dem Gebiete des Luft- und Kraftfahrwesens" verlangte der kommimistischc Vertreter Streichung aller Bewilligungen auf diesem Gebiete für die private Industrie, da eine Verreichlichung des Luftjahrwesens durchgeführt werden müsse. Abg. Schumann(Soz.) ist bereit, diese Positionen zu bewilligen. da nach der Lockerung der Luftfahrt-Begriffsbestimmungen die Mo- torenfrage einer Lösung entgegengeführt werden müsse. Er fordert aber stärkere Betätigung des Lustbeirats. Rcichsverkehrsministcr Dr. Krahne führte aus. daß die Be- tciligung an den großen internationalen Luftverkehrs- Verbindungen zurzeit noch leichter von privaten Gesellschaften ausgebaut werden könne als etwa vom Reich. Nachdem die Luft- fahrtoerhandlung mit der Gegenseite nunmehr zum Abschluß ge- kommen seien, werde in Zukunft der Luftbeirat häufiger zusammengerufen werden. Abg. Dr. Ouaatz(Dnat.) ist für später einer Verreichlichung des Luftfahrzeugbaues nicht abgeneigt, meint aber, daß eine solche zur- zeit unmöglich sei, weil man sich sofort dem Vorwurf der Entente aussetzen'würde, daß es sich für Deutschland dabei um Kriegs, rüstungcn handele. Bei der „Reichswassersirabenverwaltung" gibt der Berichterstatter Dr Ouaatz eine kurze Uebersicht über� die in Angriff genommenen und angeregten neuen Kanalpläne und btttet zugleich den Minister um ausführlichere Darlegung seiner Pläne. In dieiem Zusammenhang erörtert Dr. Ouaatz die Be- zichungen des H a n s a k a n a l s zu den übrigen Kanalwünschen, die s ch l e s i s ch e n Wünsche und die Aachener Pläne. Er betont, daß nach seiner Ansicht auch ungünstiger gelegene Gebiete nicht ver- kümmern dürften, sondern man müsie sie an das Gesamtoerkehrs- netz anschließen. Aehnlich wie mit dem Osten und mit Schlesien stehe es mit den süddeutschen Gebieten. Auch die Gebiete, die weniger Renten abwürfen, müssen als Teile eines einheitlichen deutschen Reichsverkehrsplanes betrachtet werden. Der Hansakanal dürfte nur dann gebaut werden, wenn auch für den Osten und den Westen etwas geschehe. Rdchsverkehrsminister Dr. Srohne machte die Ausführungen des Berichterstatters auch zu den seinigen und erklärte, für ihn und sein Ministerium sei bei der Betrachtung aller Kanalfragen die Grundlage jener Beschluß des Derkehrsaus- schusfes, wonach die Voraussetzungen für die Schaffung neuer und den Ausbau bestehender Wasserstraßen das Vorhandensein maß- geblichen volkswirtschaftlichen Bedürfnisses und ein gesundes Verhältnis zwischen Kostenauswand und Volkswirt- schaftlichem Ertrag sein müsse. Man dürfe bei neuen Wasserstraßen nicht die rein kapitalistische Berechnung aufstellen, was sie für sich kosten und was sie für sich einbringen. Nur der allgemeine oolts- wirtschaftliche Nutzen dürfte in Betracht kommen. Es wurde sodann eine Resolution von Dr. Ouaatz an- genommen, in der die Reichsregierung ersucht wird, baldtunlichst Gegenvorschläge der Reichsbohngesellschaft vor- zulegen, die geeignet sind, die in Frage kommenden Derkehrsbedürs- nisse in gleicher Weise zu befriedigen. ... seif Sciforen Kaffee ßag und ich fühle mich wohl dabei! W, [KflFFEEl HfiB llW.GtSBamml ■. Mi . 1. .»•vtö-fc-.'Jls;*,' P'WchM .\> t'ÄM' X(r.■"■;! 1 •'ix X-! i '■s Be! einer Ccsse Kaffee Hag legte er uns folgendes Bekenntnis ab: Cs tsf schon viele 3ahre her. da muhte ick midi cnfsckllehen, das Kaffeefrlnken ganz aufzugeben. ?ck hatte keine andere Wahl. Scklaflose nackte und wachsende Nervosität warnten midi. Sdi merkte, Irgend etwas, was ick nicht finden konnte. spielte Fangball mit meiner Gesundheit. Mein Brzt sagte mir, es sei das Coffein und verbot mir das Kaffeetrinken. Ein Ersatzmittel nach dem anderen versackte Ick. Keines hatte den vollen» reichen Duft und den reinen Geschmack des Kaffees» und keines gewahrte mir�ie Befriedigung, die leb bisher im Kaffeegenuß gefunden hatte. Da lenzte Ich Kaffee Bog kennen. Seit dem Cage trinke Ich wieder wie früher Kaffee mit vollem Genuß und bin glücklich, daß mir„Bag" ohne Schädigung meiner Nerven die anlegende Wirkung gewdhrt, die ick nach dem Verzicht auf das Kaffee* trinken so sckmerzlick entbehrt hatte. Keine Schlaf* loslgkeit stellt sich ein, keine Nervosität stört mich. Sm Gegenteil, obwohl ich seit Sohren täglich spät abends 2 bis 3 Dassen Kaffee Bag in stärksten Buf* gössen trinke, finde ick festen und erquickenden Schlaf und fühle mich wohl dabei. Mein Brzt hat also recht gehabt. Kaffee Bag beseitigt das einzige Bedenken, das Jemals gegen eckten Kaffee geäußert werden konnte, denn das Coffein ist daraus entfernt. Kaffee Bag Ist also kein ersaß« mittel, sondern der ergiebigste Bohnenkaffee, den ick Je probiert habe. Cr besteht aus den feinsten zentral- und südamerikanlschea Kaffeesorten und hat das anregende Broma und den besonderen Geschmack der allerfetnsten Qualitätskaffees. Das Ist Bogt Überzeugen Sie sich selbst, holen Sie Sick ein Paket Kaffee Bag. Der Preis von NM. 2.- ist wohl angewendet, denn es geht um Stire Gesundheit und um das Wohlsein Stirer Bausgenossen, hassen Sie Kaffee Bag reichen, ohne besonders darauf aufmerksam zu machen. Niemand wird merken, daß Sie ihm anderen Kaffee als sonst vorsetzen, höchstens wird es den Feinschmeckern auffallen, daß der Kaffee noch nie so gut gemundet hat Probleren Sie Kaffee Bag, es wird Shr Vorteil sein. bis 30. November 1026 GGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGG fln die KaHee»BandeIs»Bkflenflefenrchatt Bremen einliegend 40 R.-Pfge. In Briefmarken. � 3 3ch bitte um Zufendung einer Probepackung Kaffee S5ag. 3 Vonnerstag 25. November 1925 Unterhaltung unö �Dissen Settage öes vorwärts Champion. Dim Paul Jlg. Als Tummermann seinsn„epochemachenden" olympischen Sieg errang, wurde er plötzlich Gegenstand genealogischer Betrachtungen. Nicht nur die nationale,— die Presse aller Kontinente beschäftigte sich mit ihm., Sein Ruhm reichte von Hertogenbosch bis Sydney. Die Berichterstatter entdeckten wunderbare Zusammenhänge. Wen- düngen wie:„Schon als fünfjähriger Knabe pflegte er im Fluge über alle Gräben zu setzen,"„Mit zwölf Jahren erblickte er im Läufer von Marathon sein erhabenstes Vorbild" waren an der Tagesordnung. Aber auch seinen Vorfahren wurden dergleichen Tugenden nachgerühmt, namentlich jenem Feldscher Timmermann« der nach der Schlacht bei Mook im Dauerlauf die erste Kunde vom Falle der Nassauer nach Hertogenbosch brachte. Kurz, Timmermann wandelte sich vom Namen zum Begriff. „Der läuft wie Timmermann!" ward zur stehenden Redensart. Jung« Mütter, wenn sie die Arme ausbreiteten, um die ersten Schritte ihrer Kleinsten zu überwachen, riefen selig:„O, min soet Timmennannsche!" Seit Piet Paaltjens hatte in den Niederlanden kein Name solche Volkstümlichkeit erlangt. Es versteht sich von selbst, daß die Königin ihn eigenhändig zu seinem weltbewegenden Sieg beglückwünschte und schallhaft durchblicken ließ, daß es ihr«ine große Freude fein werde, bei seinem künftigen Erstgeborenen Patin zu stehen. Die Rückkehr von der Olympiade nach Hertogenbosch gestaltete sich zum Volksfest. Timmermann wurde vom Bahnhof im Triumph zum Rathaus getragen, wo ihn der Schultheiß in begeisterter Ansprache als Zierde der Stadt willkommen hieß. Er wußte nicht, wie ihm geschah. In allen Auslagen waren BUder des berühmten Läufers zu sehen. Das originellst« zeigte ihn im Schöße der Familie. Als dreizehntes Kind(Ironie des Aberglaubens!) eines spindeldürren Schneidermeisters und dessen rundlicher Gattin war er bis dato dem väterlichen Beruf« treu geblieben. So viele Hertogenboscher liefen in Hosen herum, die der gefeierte Champion genäht und gebügelt hatte. Ein anderer als der übliche Fettglanz lag auf diesen Kleidungsstücken. Di« Schneiderei Timmermann nahm denn auch einen ungeahnten Aufschwung, obwohl der neugebacken« Weltmeister nicht länger mit gekreuzten Beinen auf dem Ladentische saß. Schon mar er umworben von amerikanischen Filmgesellschaften, und nur sein echt niederländischer Bürgerstolz hielt ihn davon ab, den fünf- bis sechsstelligen Dollarlockungen Folg« zu leisten. Hatte er nicht ohnedies herrliche Aussichten? Einen Monat später ereignete sich die Katastrophe. Uneinge- weihte, das heißt, sämtliche Zeitungsschreiber, gaben seine fulminant« Niederlage gegen den Kanadier O. Hara Pmgpong als Ursache an. In Wahrheit lief es auf ein« simple Liebesgeschichte hinaus. Timms rmann hatte einen Schulfreund Oliver van der Putte, der den Hertogenboscher Goldschmiedskreisen angehörte. Ihm oerdankte der ehemalige Schneiderlehrling sein« sportliche Ausbildung. Oliver versucht« den Freund erst für das Boxen zu interessieren. Als er ihn durch die Arbeit am Punching-Ball genügend vorbereitet wähnte, forderte er Timmermann eines Tages zum Kampfe heraus, in den dieser nur zaudernd einwilligt«. Um das zaghaste Bürschchen zu reizen, bracht« er ihm gleich einen zünftigen Kinnhaken bei. Di« Wirkung war verheerend. Der Anfänger taumelte an die Wand, spuckte Blut und fiel in Ohnmacht. Hierbei erreicht« ihn sein Schicksal in Gestalt der Jungfrau Virginie van der Putte, die sich wn den Ohnmächtigen mühte und ihm, als er die Augen furchtsam wieder ausmachte, eine noch weit gefährlichere Wunde schlug. Wie aber hätte«in Schneidergeselle die Lieb« der vornehmen Sportlady ge- Winnen sollen? Da setzte«in, was in keinem Lebensabriß zu finden war: ein heroisches Ringen mit seines Körpers Erbärmlichkeit. Faustkampf? Nein. Dazu war er entschieden zu schmächtig. Aber weshalb sollte er es nicht mit seinen Beinen wagen? Leichtfüßig gleich einer Gazelle, versuchte er sein Heil mit Laufen. Er hätte es wohl auch als Modckünstler probieren können. Was aber war in den Augen eines Mädchens von heut« selbst«in Poiret im Vergleich zu Carpen- tier? Von anderen Künstlern gar nicht zu reden! Bald sah ihn die reizende Putte mit ganz anderen Augen an, und zweifellos hätte er sein höchstes Ziel erreicht, wenn nicht zur Unzeit Pingpongs Herausforderung gekommen wäre. „Sie werden den Kanadier schlagen, nicht wahr? Ach, bitte, bitte, mir zu liebe," drang Virginie grausam, rekordlüstern auf den jüngsten Helden der Arena ein, der sich so gern« einig« Zeit unum- stritten der Sonne seines Ruhmes erfreut hätte. Statt erst sein Glück zu starten, ihr kühn zu entgegnen:„Nach unserer Hochzeit, ja!" trat der unselig Liebende schweren Herzens gegen seinen ge- fährlichsten Rivalen an. Das lj«ick>icap war zu groß, denn Ping- pong kämpft« ja nur um den Weltmeistertitel, den er spielend ge- wann. Timmermann brach vor dem Ziel kläglich zusammen. Cr kehrte nicht mehr nach Hertogenbosch zurück. Der stolzen Virginie van der Putte vor die Augen zu kommen, durste er vollends nicht wagen. Sie hätte ihn vielleicht mitleidig gefragt:„Gedenken Sie wieder in die Werkstatt Ihres Vaters einzutreten?" Um den eben noch himmelhoch Gefeierten entstand ein furchtbares Vakuum. Selbst die Fllmleut« wollten nichts mehr von ihm wissen. Was mochte gar die Königin, der Schultheiß seiner Vaterstadt von ihm denken? Jjic transit gloria muncki. Wie schnell oergißt die Well ihre Favoriten. Zwei Wochen nach seinem selbstgewählten Ted(er hängt« sich auf!) sprach niemand mehr von Timmermann. Neues Nittel gegen die Zuckerkrankheit. Von San.-Rat Dr. Mar Pickardt'(Berlin). Wie war in Köln.. Werni vor einigen Hunderten von Jahren ein Männlein oder Weiblein ernstlich krank wurde und sich an einen Medizingelehrten wandte mit der Bitte, ihm zu Helsen, so gehörte zu den Mitteln, mit denen dieser oersuchte dem Wesen der Er- krankung näher zu kommen, auch— genau wie heute— die Untersuchung des Harns. Aber er hatte nur zwei Mittel ihn zu prüfen: fein Ansehen— es sind zahlreiche Bilder großer Meister bekannt, die uns solche„Harnbeschauer" demonstrieren— und— furchtbarer Gedanke: ihn zu kosten! Welch' ungeheurer Weg von dieser in wissenschaflllcher wie ästhetischer Beziehung so primitiven Methode zum beutigen Wisien und Können auf diesem Gebiet. Und dennoch: man war schon damals, und gerade niit dieser Methode, in der Lage eine Krankheit zu erkennen, in deren Wesen man erst seit noch nicht SO Jahren eingedrungen ist; die Zuckerkrankheit. Bis zu diesem Zeitpunkt— dem Jahre 1889— kannte man wohl die Symptome, wußte man— aber auch das erst damals etwa 50 Jahre—> daß man di« Erkrankung, der viele Menschen zum Opfer fielen, durch eine Diät angreifen könne und müsie: aber in diesem Jahre erfuhr man durch die Großtat zweier deutscher Forscher � Mintowsky und von Mehring in Straßburg—, daß der „Sitz" der Erkrankung die irgendwie gestörte Bauchspeicheldrüse ist, ein unter und hinter dem Magen gelegenes Organ, dessen in den Darm gelangender Drüsensast das Hauptagens der Verdauung ist. Nabm man einem Tier die Drüse heraus, wurde es zuckerkrank, wenn auch nur wenige Stunden— denn dann starb es; nahm man ihm einen Teil, blieb es am Leben, wurde ober zuckerkrank. Und so erfuhr man in stetigem Fortschritt, daß diese Drüse das wesentliche Organ für di« Verwertung des zu verdauenden Zuckers und die Mehle ist, wenn auch nicht durch jenen Verdauungssaft, sondern ein zweites von ihm produziertes Substrat. Vor wenigen Jahren haben dann zwei Forscher in Toronto in Kanada die Konsequenz der Gesamt- das neue kreöitfpstem. Zn Berliner Geichästen wird letzt ein neu« Kreditsystem eingeführt. Reichskanzler Marx:„Vedanre vielmals. Herr Hergl, Ihren kann ich keiren Kredit mehr geben, Sie haben Jhie Partei schon bei der Dawes-Abstimmung um allen Kredit gebracht!" resullate der Neuzeit gezogen und aus den in der Zwischensubstanz der Zellen der Drüse gelegenen„Inseln"— die ebenfalls ein Deut- jcher, Langerhans, entdeckt hatte— einen„Saft" dargestellt— das inzwischen weltberühmt gewordene„Insulin", das heute, in Händen aller Aerzte der Kulturwelt, die Behandlung der Zuckerkrankheit insoweit umgewandelt hat, als man, wenn auch unter strenger Ein- Haltung individuell angepaßter Diät, folgende großen Leistungen für den Kranken aufweist; Es kann in schweren Fällen, die vordem absolut verloren waren, Hilfe bringen; es kann aus„schweren" Fällen leichtere machen; es kann die Fähigkeit, Mehle usw.— die sogenannten„Kohlenhydrate"— zu verarbeiten, beben, so daß der Patient im Lauf der Zeit mehr als vorher an diesen Substanzen schadlos zu sich nehmen darf. Das sind ganz enorme Dinge und des Nobelpreises wert, den die Entdecker und Erfinder dafür er- halten haben. Jedoch— und nun kommt vorläufig noch das„Aber": es hatte zwei Nachteile in sich: nur zwei, aber sie wiegen doch. Erstens: das Insulin war sehr, sehr teuer und ist es— trotz Reduktion des Preises auf etwa den sechsten Teil des Beginns— auch heute noch, und zweitens: es muß einge spritzt werden, weil es anders nicht wirkt— und das mehrere Male am Tage. Aus diesen praktischen und vielen wissenschaftlichen Gründen ist es daher wieder einmal ein fundamentaler Fortschritt— der wieder einmal einem deutschen Forscher zu verdanken ist: Prof. Frank in Breslau, einem Assistenten eben jenes Minkowsky, den wir oben gepriesen—, hat auf einem vom bisherigen ganz ab- weichenden Wege eine Substanz gefunden und ausgeprobt, die diese beiden Nachteile ausschaltet. Ein durch chemische Ueberlegungen ge- sundenes, in einer Berliner Großfabrik hergestelltes und in einigen dazu berufenen Kliniken in langer mühevoller Arbeit ausprobiertes Präparat, das mit dqm Insulin an sich gar nichts zu tun hat: das „S y n t h a l i n"— diesen Namen hat es in der wissenschaftlichen Taufe jüngst erhalten— leistet folgendes: es ist nur etwa ein Drittel so teuer wie zuletzt und jetzt das Insulin und-- es wird vom Mund aus genommen wie jedes andere Medikament: das Spritzen fällt völlig weg. Von jetzt ab ist es dem Publikum in den Apotheken zugänglich und damit wird eine neue große Aera der Behandlung der Zucker- krankheit beginnen. Aber— yneder ein„Aber": jedoch der ver- antwortungsoolle Arzt darf nicht einseitig Enthusiast sein— er darf ein enthusiastischer Therapeut sein, aber nicht ein therapeutischer Enthusiast— man gebe sich nicht der Hoffnung hin, daß nun ein jeder Zuckerkranker„geheilt" ist, wenn er ein paar Tabletten ge- nommen hat und daß er essen kann, was er will, und daß er ohne ärztlichen Rat„seinen" Lebenswandel gehen darf. Davon ist keine Rede: Seine Diät muß ihm nach wie vor auf den Leib geschrieben werden: die ganz besonders schweren Fälle eignen sich vorläufig noch nicht für das„Synthalin", weil es in größeren Mengen ge- nommen sogenannte„Nebenwirkungen" hat. die einen Schaden stiften können, den der Nutzen nicht aufwiegt. Nur der Arzt kann im Einzelsall entscheiden, ob der Fall für die„Synthalin"behondlung sich eignet: nur er darf und kann die Dosierung bestimmen, und nur er— nicht etwa die beliebte„Apothekenanalyse", di« den an sich ganz gleichgülligen„Prozentgehatt" an Zucker bestimmt, nur er darf und muß die Verantwortung tragen. M i t dieser aber wird er der Menschheit sehr, sehr viel mehr Gutes tun, als er es bisher trotz Wissens und Könnens imstande war. Das Nufeum öes Mars. Von Willy Ley. Im zweiten Bande von Laßwitz' berühmten Marsroman„Auf zwei Planeten" ist ein Kapitel dem auf dem Mars befindlichen ,. Erdmuseum" gewidmet. Wer den Roman kennt, weiß, wie meisler- Haft das Museum dieser unsicher tastenden Wissenschaft geschildert ist. Ein irdisches Gegenstück kannte der Autor ja noch nicht. Aber das war 1897, als der Roman geschrieben wurde. Damals sah man die(heute bestrittenen) Marsbewohner als eine um Jahr- tausende vorgeschrittene Rasse an. Sei das nun, wie es sc'— auf jeden Fall ist das Erdtempo schneller. Seit 1897 sind noch nicht Jahrtausende verflossen— aber die Erde hat ihr Marsmuseum. Es befindet sich im astronomischen Museum, das wieder in den Räumen der Treptower Sternwarte seinen Platz gesunden hat. Man steht in etwas gehobener Stimmung— das Wort„Marsausstellung" wirkt auch auf nüchterne Gehirne, am Eingang des Saales. Von den Wänden grüßen große Bilder des bekannten Sternes zum Willkommen, ringsherum stehen Apparate, die den Lauf der Gestirne veranschaulichen, und in Glasschränkcn liegen die Bücher und Bilder, die im Lauf der Zeiten über den Nachbar im All veröffentlicht wurden. Der Führer erläutert das Material, erzählt, daß der Mars etwas mehr als halb so groß sei wie die Erde, daß seine Atmosphäre der unsrigen in etwa 16 Kilometer Höhe entspräche, daß die Pole Eiskappen tragen wie unsere. Der Tag ist nur eine halbe Stunde länger, daß Jahr 687 Tage lang. Zwei Monde hat der Mars, Phobos und Dgimos, jeder etwa 10 Kilometer im Durchmesser haltend. Auf der Erde betrage die Durchschnittstemperatur + 15 Grad Celsius, für den Mars gab Arrhenius— 17 Grad an. Dos ist entschieden zu wenig. Wenn auch die Durchschnittstemperatur nahe am Gefrierpunkt liegen mag, so rechnet man doch für den Marsäquator eine Taaeswärme von+ 14 Grad. Nachts kühlt sich »üerdings wegen der dünnen Luft die Oberfläche stärker ab, als es auf der Erde der Fall ist. Besonders danken muß man es der Leitung der Ausstellung, Jjaß sie fast alle Marsliteratur der Welt zusammengebracht hat. Die ältesten, noch vor Erfindung des Fernrohrs geschrieben, deutsch oder in ehrwürdigem Latein verfaßt, beschäftigen sich mit der astrolo- gischen Bedeutung. Im ältesten Buch der Sammlung, 1595 nach arabischen Quellen gedruckt, ist er als KriegsgoU dargestellt mit dem Vers: Zu strett vn vnseuberkeyt bin ich bereit Ms auch allhier erzeygt mein kleydt, Meine kind machen mannigen haß, Sy wissen nit wie warumb oder was. Bald beschäftigte sich auch die ernste Wissenschaft mit dem Nach- barplaneten. 1609 erschien das Kepler-Buch: De rnotibus stell ae martis, in dem Kepler seine ersten beiden Gesetze aufstellt und sich theoretisch darüber klar wird, daß wir manchmal Stücke der Nacht- seite des Planeten zu sehen vermögen, er uns also nicht völlig kreisrund erscheint. Dann kommt das erste Fernrohr und mtt ihm Galilei. Galilei sah auf der Marsobersläche nichts— wie mir der Sohn des Leiters der Warte, Dr. F. S. Archenhold, erzählte, hat man seine Beobachtungen nachgemacht und festgestellt, daß man mit seinen Rohren wirklich nichts erkennen kann. Die erste Marszeichnung mit Flecken stammt von Fontana.(1636, doch ist der Fleck wahr- scheinlich nur ein Fehler des damaligen Fernrohres), auch war Fontana der erste, der die Phasen des Mars— allerdings stark übertrieben— zeichnete. Soweit die Geschichte der Forschung. Augenblicklich bildet sich auf dem Marsnordpol eine Eiskappx, während sich die Südpol- kalotte in schönster Auflösung befindet. Ms jemand die längst erwartete Frage nach den Bewohnern des Mars stellte, meinte der Führer lächelnd:„Es ist möglich, daß Leben da existiert. Und wäre die Lust etwas dünn, aber wahr- scheinlich würden Marsbewohner, wenn es solche geben sollte, wegen der dicken Erdluft nicht an eine belebte Erde glauben." Ein Ikarus am Hof Iwans öes Schrecklichen. In den Archiven des Moskauer Kreml ist soeben«ine Auf- Zeichnung über«inen Flugversuch entdeckt worden, der am Hofe des Aaren Iwan des Schrecklichen im Jahre 1560 stattgefunden hat. Der Chronist beschreibt diese merkwürdig« Begebenheit falgendennaßen: Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich vor. der Kirche in der Moskauer Alxanidroskaja Sloboda versammelt. Oben auf dem Kirchturm stand Nikischka, der Knecht des Bojaren Luporow. Dieser Nikischka hatte dem Zaren melden lassen, daß er vom Kirchturm herabfliegen werde, ohn« sich dabei zu verletzen. Der Zar hatte zu diesem Schau- spiel di« englische Gesandtschaft eingeladen und versprochen, persönlich zu erscheinen. Von weitem sah man«inen Strelitzen, der mit lauter Stimme die Ankunft des Zaren meldete. Iwan kam in einem Schlitten, der von sechs Pferden gezogen wurde. Er besttsg den mlt kostbaren Pelzen belegten Thron und war zuerst sehr ungehalten darüber, daß seine Gattin noch nicht da war. Bald erschien auch der Schlitten Ihrer Majestät, der mitten in di« Menschenmenge hineinfuhr. Der Zar lachte, als er den Schrecken der Leu!« sah, und drohte der Zarin scherzend mit dem Finger. Die englische Gesandtschaft, die hinter dem Thron stand, entsandte zum Zaren«inen Dolmetscher. Dieser kroch auf den Knien zum Thron Herair und meldete, daß die Engländer sich weigerten, einem Schauspiel, das den sicheren Tod eines Menschen bedeute, beizuwohnen. Der Zar antwortete kein Wort, sondern stieß die messerscharfe Spitze seines Stabes in die Schulter des Boten, der blutüberströmt zusammenbrach. Dann gab der Zar dem wartenden Nikischka«in Zeichen. Der Knecht hatte sich groß« Flügel angelegt. Auf den Wink Iwans bekreuzigte er sich und stürzte sich in die Ties«. Die Meng« schrie vor Entsetzen auf. Aber es geschah cin Wunder: aus seinen Händen wuchs«in riesengroßer Pilz.(Wahrscheinlich war es«in primitiv konstruierter Fallschirm.) Zum großen Staunen der Zuschauer könnt« sich der Knecht tarsächlich wie«in Vogel in der Lust halten und landet« unverletzt am Baden. Di« Engländer eilten zum Thron und gaben ihrer Bewunderung Ausdruck. Der äußerst gut- gelaunte Zar sagt« zu seinem Leibtrabanten:„Ich möckste wissen, ob ein solches Wunder im Lande der imgläubigen Engländer möglich ist." Nikischka strahlte und wurde von den Leuten auf den Schaltern herumgetragen. Dann rief der Zar mit lauter Stimme:„Die verfluchten Engländer sollen den Moskauer Zaren beneiden." Plötzlich aber wurde sein Gesicht finster. Er nahm seinen pelzumbrämten Hut ab, de- kreuziat« sich und sagte mit erstickter Stimme:„Das ist nicht Gottes Werk. Er stteß den Stab auf und befahl, Nikischka vorzuführen. Zwei Trabanten stießen den Unglücklichen aus die Knie und schleppte» ihn vor das Anllitz des Despoten, dessen Gesicht dunkelrot vor Wui geworden war.„Sieh Dir das Kreuz an," schrie der Zar,„der Mensch ist kein Vogel und darf keine Flügel haben." Dann fügt« er mit furchtbarer Stimme hinzu:.Laßt ihn sofort köpfen!" Nikischka wurde fortgeschleppt, und vor der Kirchsntür wurde ihm mit einem krummen Säbel der Kopf abgeschlagen. Der englische Gesandt« wollte aber den seltsamen Apparat kaufen.„Er ist schlau," sagte der Zar und befahl dem Leibtrabanten«„Die Flügel, die vom Teufel erdacht sind, werden morgen nach der Messe öffentlich oerbrannt." Toteupsähle als Skroßenschmuck. Die reichgeschnitztcn Toten- pfähle der ausgestorbenen Jndianerstämme sind nicht nur als Zeug- nisse der Religion dieses Volkes, sondern auch als Kunstwerke von Be- beutung, und man ist glücklich, wenn man bei uns einen solchen Pfahl für das Museum erhält. Der Direktor des kanadischen Staats- museums, Harlan I. Smith, hat nach einem Bericht der„Umschau" angeordnet, daß die indianischen Totenpfähle durch Imprägnieren wetterfest gemacht und dann an den Straßen und Bahnlinien auf- gestellt werden. Er hat kein rechtes Zutrauen zu dem Museums- «such der Bevölkerung und will daher die Betrachtung dieser Denk- mäler erleichtern. Es sind bisher 17 solcher Pfähle aufgestellt worden, und demnächst sollen an den Bahnlinien 33 dieser interessanten Zeug- nisse der amerikanischen Geschichte sich erheben. Vom fahrenden Zug aus kann man also dann die sonst in den Museen verborgenen Sehenswürdigkeiten bewundern, und im Auto kann man in kurzer Zeil an den Pfählen vorbeifahren, von denen mehrere himber> o' mählich als Straßenzlerde aufgerichtet werden sollen. für Binsen nuck Öberhemdm, ca. 80 cm breit Mater fflr Blusen, in vielen Streiten Svvrtflamll In vieler 58 Reinwollene Samn-WerstM ca. 130 om breit A60 Meter Reinwell. Flausch Idr Kiader-M, Intel, moderne Farben, ca. 130 cm breit 2» DamaKs »Icgani JltÄt |25 aparte Master, elegante, ecbtrere Qualität Ereve Georgette --- ca. 100'" )rncbm '90 reine Seide, ca. 100 cm breit moderne Druck mnster Meter Meter' DdMött- Haeedschube Irtbot, lardir u. scb'rvar?, 21>rucbbn. 75. Damen- Kaeedschube 1'rikot, durcdMtiend xetü�tert farbig und sclrwara. 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Der Verstorbene hat in seiner Eigenschaft als Arbeitgeber-Vorstandsmitglied der Kasse stets m engster Harmonie mit den Gesamtvorstandsmitgliedom gestanden und tatkräftig die Interessen aller Beteiligten gewahrt und- sich stets als guter Berater und Mensch erwiesen. Wir verlieren an dem Dahingeschiedenen viel und werden sein Andenken stets in hohen Ehren halten. Der Versland Am 21. November ist das langjährige Vorstandsmitglied unserer Kasse, Herr Architekt, Maurer- und Zimmermeister Paul 0.«immer verstorben. Wir verlieren in ihm einen allzeit wohlwollenden und gerechten Vorgesetzten und werden seiner stets in Ehren gedenken. Das Perionai der OnsHronKenKosse Idr das Naorerdewerbe in Berlin. Poittermöbel in allen Preislagen, ab Fabrik, bei Teilzahlung kein Aufschlag. Sanuner, scnoneiierd, Baqnistr.l 51 «OllZStr. 44. 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I. anberaumten Wahlen finden daher nicht statt Die Gültigfeit der Wahl kann innerhalb icht Tagen nach Beranntmachung des Wahlergebnisses angefochten werben. Anfechtungen sind gemäß 8 30 der Wahlordnung beim Itasienvorstand»ber beim Berstcherungsaml der Siabt Berlin in Beriin-Nieberschiineweide anzubringen Berlin-Ablershos. 25. Nov. 1926. Der Kasienvorstaub. Max Knappe. Votsitzen der_ UMdmpMslieiin-VMi! MMSeinioiniDiisiDitgneDn! Zreitag, 28. Ztooembec, ebb». 7 Uhr BDF" Sitzung TWJ der Mittleren Ortsverwaltung. VI» Orts Verwaltung. Verkaufe Beltsebern., Betten-erfaus! Preis. abbaul Riefenauswahl 11,50, 16.50, 21,—! Pradilvolle 26.—, 32.—! Dau- nenhelien 37,50! Kopfiisien 3.9S! Beltsebern 0.70 auswärl»! Dreiviertel. baunen 4,90! Oberbeltinletl« 6�5! Borzeiger S Prozent Sonderrabatt! Bettensabrik, Brunnenstraße 115.' Obstbäume billig. Dames. Kaulsborf, Frontsurterstraß« 5.' Bekleidunqsslücke. Wasche usw Spottbillig« P-lzwaren. Selegenheit»- fäule von Sporlpeizen. 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