Nr. 563 ♦ 45. Jahrg. Ausgabe A Nr. 2S7 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich S.— Reichsmari voran»»abibar. Unter 5lreu»band für Deutschland, L>rn»ia, Saar- und Memelaebiet, vestcrreich, Litauen. Luiembur» 4,50 öicichsmark. für da» übrige Ausland s,so Reichsmarl uro Monat. Der»Vorwärts� mit der illustrier- ten Sonntagsbeilage.Voll und geit* towie den Beilagen.Unterhaltung und Wiste»-,»Aus der Kilmwelt-, .lsraucnstimmc",.Der itinder» freund"..Lugend-Dorwarts" und .Blick in die Bllcherwelt" erscheint wochentäglich»weimal, Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat verlin- Morgenausgabe Nerliner VolKsdlnkt Pfennig) Anzeigenpreise: Sie e! n s v a i-t i«» N«„»areille. »eil»«0 Pfennig. Reklame, eile d.— Reichsmark,.«leine«nr-Igen" da- ieliaedruckte Wort 25 Pfennig l»ulässta»wci settgedrucktc Worte!, jedes weitere Wort l2 Pfennig. Clellengeluche das erste Wort 1» Pscnnia, icdes weitere Wort Zg Pfennig. Worte über 15 Buch- stabc»»Stilen für»wei* Worte. Ardeitsm-rlt stelle 5l> Pfennig. gamilicnangciaen für Abonnenten steile«L Piennia. «n, eigen kür die nSchste Nummer wüsten bis k'b Uhr nachmittags im chmuvtaelchait. Berlin SWöS.Linden. slraheZ. abgegeben werden. Geöffnet von ö'ch Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokratifchen parte» Deutfchlandö Keüaktion und Verlag: Serlin SW. b8, Linöenftraße 3 Fernsprecher: Tönhoff ÄSÄ— SS7. Dienstag, den 30. November 10Ä0 vorwa'rts-verlag G.m.b.H., Herlin SW. H8, Linüenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 37 öS«- Bankkonto: Bank der Arbeiter,«ngestellte» und Beamten. Wallstr. 63: Diokonto-Hesellschast. Depositenkasse L»ndenstr. 3. Nieöerlage öes Die Pnisungsstellen in zweiter Lesung Der Reichstag hat gestern die zweite Lesung des Soiund- und Schmutzgesehes beendet. In der Einzelabstimmung wurden die Kß 2 und 3 abgelehnt. Diese Paragraphen bilden den K e r n d e s G e s e h e s. sie enthalten die Bestimmungen über die Prüfstellen und ihre Iusammen- schung. 3m Schundgeseh ist also eine Lücke enlstanden. Die dritte Lesung, die über das Schicksal des Gesetzes end- gültig entscheiden soll, wird voraussichtlich am Freitag statt- sinden. ♦ Die Abstimmungen über das Schmutz- und Schundgesctz in zweiter Lesung waren lehrreich. Sie haben gezeigt, daß die entschiedenen Anhänger des Gesetzes, deren Fraktionen geschlossen dafür eintreten, rücksichtslos alle Anträge niedergestimmt haben, die dem Gesetz seinen gefähr- lichsten Charakter nehmen und reaktionär-bureaukratischer Willkür einen Riegel vorschieben sollten. Sie haben aber auch gezeigt, daß die Mehrheit für das Gesetz pro- b l e m a t i s ch ist! Es wurden abgelehnt: Bei§ 1 ein demokratischer Antrag, die Zeil- s ch r i f t e n gleich den Tageszeitungen nicht dem Gesetz zu unterwerfen. Bei Z 2 ein sozialdemokratischer Antrag, statt der Länderprüfstellen eine Reichsprüfstelle einzusetzen, ebenso ein gleicher demokratischer Antrag. Es stimmten für den Antrag 181, dagegen 191 Abgeordnete bei 4 Enthaltungen. Bei§ 3 ein sozialdemokratischer und ein d e- m o k r a t i s ch e r Antrag, die Bestimmung über die Zu- Ziehung von Bertretern der Kirchen als Sachverständige zu streichen, weiter Anträge der Sozialdemokraten, der Demokraten und der" B o l k s p a r t e i, die qnali- fiziertc Mehrheit in den Prüfstellen zu verschärfen. Nach der Ablehnung dieser Verbesserungsanträge aber lehnte eine Mehrheit aus Sozialdemokraten, Demokraten, Deutscher Volkspartei, Kommunisten und Völkischen die Para- graphen 2 und 3 ab! Das Vakuum im Gesetz ist also da. Ohne diese Paragraphen ist das Gesetz ein Messer ohne Heft und Klinge! Nach diesem Ergebnis der zweiten Lesung dürfte es für den Reichsinnenminister wie für das Kabinett nur eine Oos Urteil von hasselfelöe. Ein Angeklagter verurteilt— 7 Monate(Gefängnis. D raunschwcig,?g. Reoember.(Eigener Drahlbcricht.) 3n dem Reichsbanrerprozeß in hasselscldc wurde am Montagabend das Urteil gesiillt. Die Angeklagten wurden bis auf den Reichsbanner- führer Slriebel srelgcsprochen: Striekel erhielt 7 Monate Ge- f ä n g n i s wegen Landsriedensbruch. 3n der Begründung erklärte der Borsihendc:„Es steht fest, daß auf den abmarschierenden Zug der Reichsbanner lc ute Steine oder sonstige Gegenstände geworfen worden sind, auch daß ein Schuß oder mehrere Schüsse gesallen sind. Der Ausschrei des verletzten Angeklagten Künne„halt, hier wird geschossen!" war das Signal, auf das hilmerfche Grundstück vorzudringen." Die Beweisaufnahme am Vormittag war für die Angeklagten so günstig verlausen, daß selbst die Staatsanwaltschaft die Freisprechung von 12 Angeklagten beanlragle. Nachdem der Hauptzeuge. LandjögerMeyer trotz amtlicher eindringlicher Vorhalte des Staatsanwaks sich weigerte, etwas Be- lastendes auszusagen, gab der Vertreter der Anklage sein Spiel«nd- gültig verloren. Das Plaidoyer war eine Variation über das Thema „Meyer, Sie sind kein feiner Mann, Sie haben mich im Stich ge- lassen". Der einzig« Angeklagte, der oerurteilt wurde, ist der Hütten- arbeiter S t r i e b e l, ein bisher vollkommen unbeschol- tener Mann. Stricbel erhielt sieben Monate, weil ein geistes- schwacher Stotterer behauptete, er sei von ihm Im Gedränge geschlagen worden. Der Staatsanwalt hatte acht Monate Gefängnis beantragt. Das außerordentlich harte Urteil gegen einen bisher unbestraften Familienvater, der4!'-JahreimF«lde war, ist wohl nicht anders zu erklären als dadurch, daß das Gericht den Staatsanwalt nicht mit ganz leeren Händen vor den braunschweigischen Justizminifter treten lasten wollte. So wurde Striekel als Sündenbock für den Herrn Staatsanwalt geschlachtet. Schunögesetzes. abgelehnt!— Külz in der Minderheit. Entscheidung geben— das Gesetz zurückzuziehen. Die Re- gierung muß sich darüber klar sein, daß im günstigsten Falle für sie das Gesetz in der dritten Lesung nur mit einer ganz geringfügigen Mehrheit angenommen wird. Ein wahrhafter demokratischer Minister müßte den Schluß ziehen, daß ein so umstrittenes Gesetz, das so leidenschaftlichen Wider- spruch weitester Volkskreise hervorgerufen hat und so tief in das kulturelle Leben einschneiden kann, nicht mit einer gering- fügigen parlamentarischen Mehrheit durchgeführt werden kann. Sollte dennoch der Versuch unternommen werden, so gibt es dafür nur zwei Erklärungen: entweder bösartiger reaktionärer Wille zur Wiederbelebung der Zensur durch Vergewaltigung einer Minderheit, die an der Stärke der Mehrheit nahezu gleichkommt, oder ungeheinmtes Agitotionsbedürfnis bei gewissen Parteien. Es ist unanständig, ein solches Gesetz, das ministerieller und partes- licher Einsichtslosigkcit sein Leben verdankt und von reaktiv- nären Tendenzen gefördert wird, als das Gesetz der an- ständigen Leute gegen die weniger anständi- gen machen zu wollen. Die Argumentation einer deutsch- nationalen Abgeordneten, es müßte doch eine Front der an- ständigen Leute zusammenzubringen sein, sollte der Regie- rung zu denken geben. Ein solches Gesetz darf nur, wenn nicht einstimmig, so doch nur mit überwältigender Mehrheit gemacht werden. Diese Ucberlegung, die mit der sonstigen materiellen Stellungnahme zum Gesetz nichts zu tun hat, sollte die Regierung, sollte aber vor allem ein demokratischer Minister anstellen! Will die Regierung dennoch das Gesetz durchdrücken, so nimmt sie eine Belastung auf sich, für die kein zwingen- der Grund vorliegt. Um so mehr nicht, da sie lebhafte Zweifel haben muß, ob sie das Gesetz im R e i ch s r a t durchbringt, selbst wenn sie eine Mehrheit im Reichstag findet. Aus- sichten für eine Mehrheit im Reichstag hat sie nur, wenn die Länderprüfstellen durch eine Reichsprüf stelle ersetzt werden. Für diesen Fall aber hat die partikularistische bayerische Regierung ihren Einspruch im R e i ch s r a t angekündigt, und es kann leicht fein, daß sich für den Einspruch im Reichsrat eine Mehrheit findet. Ein solches Gesetz trotzdem weiter zu betreiben, ist'alles andere denn staatsklug, alles andere denn ein Zeugnis für überlegenes Führertum, alles andere denn ein Beweis für den Willen zu einer Politik der Mitte. (Reichstagsbericht siehe 2. Beilage.) Es oersteht sich von selbst, daß gegen dieses Urteil Berufung eingelegt wird. Di« Angeklagten fuhren nach dem Urteil auf einem Kraftwagen nach Thal«, wo sie von der dortigen Reichsbannergrupp« mit einem Fackelzug empfangen wurden. Alles in allem war der Prozeß in Hasselselde eine glatt« Pleite der braun- schweigischen Regierung. Bei einigem guten Willen wäre es sehr wohl möglich gewesen, zumal die Tat bereits am 2S. Dezember 1925 stattgefunden hat, der Staatskasse dies« erheblichen Kosten zu er- sparen. Nur der politischen Einstellung des braun- schweigischen M i n i st« r s ist es zu oerdanken, daß dieser Prozeß gegen das Reichsbanner überhaupt stattgefunden hat « Das Interessanteste an dem Urteil ist die Begründung. Sie muß zugeben, daß nicht die Reichsbannerleute die An- greiser waren, sondern daß sie in der Dunkelheit mit Mord- Werkzeugen angegriffen wurden, so daß ihr Leben gefährdet war. Die Reichsbannerleute befanden sich in V e r t e i d i- g u n g, als sie nach den Urhebern der Attacke forschten. Auf- gäbe der Justiz wäre es also gewesen, gegen die deutsch- völkischen Angreifer das Verfahren wegen Land- frieoensbruch einzuleiten. Wenn trotzdem einer der Angegriffenen zu der in diesem klaren Fall besonders hohen Strafe von 7 Monaten Ge- fängnis verurteilt wurde, so bleibt zwischen dem Zugeständnis in der Begründung und dem Urteil eine u n ü b e r- brückbareKlust. Wie in so vielen anderen Reichsbanner- Prozessen wurde auch hier nach der verkehrten Front pro- zessiert und das Gericht hat es versäumt, die Konsequenzen zu ziehen, obwohl es die Tatsache an sich zugeben mußte. Es ist selbstverständlich, daß gegen das Urteil Revision eingelegt wird. Aber das ändert nichts an einem Zustand, der heute von einem Teil der Richter selbst zugegeben wird und den der Reichsgerichtspräsident Dr. Simon in seiner Münchener Rede mit scharfen Worten geißelte. Wie lange soll dieser Zustand noch dauem? Das Feigenblatt der Diktatur. Der Wahlkampf in Ungarn. Von Sigmund Kunfi. Betrachtet man nur die offen zutage liegenden Ereignisse der ungarischen Politik, so wird man kaum«ine Erklärung für die Ueberrumpelungswahlen sinden, die aus Vorschlag des Ministerpräsidenten Bethlen der Reichsverweser Horthy angeordnet hat. Noch zwei Wochen vor der Auf- lösung der Nationalversammlung, die eben die Errichtung eines feudalen Herrenhauses beschlossen hatte, ver- sicherten Mitglieder der Regierung, daß kein Mensch die früh- zeitige Auflösung der Nationaloersammlung plant— die Wahlperiode geht erst im Juli 1927 zu Ende—, und die Ne- gierungspresse lancierte Nachrichten, daß nach der Errichtung des Magnatenhauses die Nationalversammlung in ein Abge- ordnetenhaus umgewandelt werden und bis 1932 tagen solle. Damit wollte Bethlen den Widerstand mancher um ihre Man- date besorgten'Abgeordneten gegen die rasche Verabschiedung des Magnatcnhaüsgesetzes beschwichtigen. Die Unterschrift des Reichsoerwesers an diesem Gesetz war aber kaum ge- trocknet, als Neuwahlen mit nur dreiwöchiger Agitationsfrist ausgeschrieben wurden. Von den 254 Abgeordneten standen 209 fest und sicher hinter der Regierung. Eine Geschäftsordnung, während der gewaltsamen Entfernung der gesamten Opposition beschlossen, sorgt dafür, daß die Nationalversammlung alles glatt und rasch beschließe, was die Regierung wünscht. Um so mehr drängt sich die Frage aus, was die vorzeitige Auflösung be- zwecken soll. Die konterrevolutionäre Diktatur hat ihre gewalttätige, turbulente, auch ihre blutige Zeit hinter sich. Es ist ihr ge- lungen, das moralische Rückgrat fast aller ihr gegenüber- stehenden Gruppen und Klassen zu brechen: sie kann der bluti- gen und gewalttätigen Mittel entraten, denn sie hat den G e i st des W i d e r st a n d e s getötet, der in vielen und verschiedenartigen sozialen und politischen Kräften früher lebte. Die Stürme der Revolutionen und der Konterrevolution hatten das große bäuerliche Meer der ungarischen Tiefebene und der transdanubischen Latifundiengebiete ausgepeitscht: es gab schon in der konterrevolutionären Periode Augenblicke, wo es nicht aussichtslos erschien, daß eine konscrvativ-republi- konische Bauerndemokratie die Macht an sich reißen würde. Das war 1921 bis 1922, als Bethlen sich unter dem Druck der an der Grenze aufmarschierten tschechischen und jugoslawischen Divisionen gezwungen sah, den zurückgekehrten Karl Habs- bürg gefangen zu nehmen, der Entente auszuliefern und d'e Entthronung des Hauses Habsburg der Ra- tionaloerfammlung beschließen zu lassen. Der königstreue Graf gab die Habsburgische Form der Konterrevolution preis, um ihren Bestand und ihren sozialen Inhalt, die Klassen- Herrschaft des Adels retten zu können. Gegen den Habs- burgischen Hochadel suchte er damals bei dem Landadel und den kosiuthschen Bauern Ablehnung. Aber als die Gefahr gebannt war, begann sein Kampf gegen die Macht der ,.G e- stiefelten", wenn auch nicht so offen und gewalttätig, so doch entschlossener bekämpfte Bethlens Politik den Bauern- stiefel, als sogar die schwielige Arbeiterfaust. Um die letzten Rcste der selbständigen Bauernpolitik auszurotten und die gc- stiekelte Fraktion seiner eigenen Partei zu vernichten, macht er jetzt die Wahlen. Denn in dem Bauernlande ist die auf die spärlichen Städte und Industriezentren beschränkte So- zialdemokratie keine unmittelbare Bedrohung der Adelsherr- schaft: die nach den Gütern der Aristokratie lüstern ausblicken- den Bauern, in die frühere Botmäßigkeit zurückzuführen, die soziale Ordnung und Hierarchie der Borkriegszeit wicderher- zustellen, ist der Königsgedanke der Politik Bethlens nicht nur im bildlichen Sinne, sondern auch in der Beziehung, daß diese soziale Hierarchie nur gesichert ist, wenn ein ungarischer K ö n i g in der Ofener Burg sitzt. Zu den Widersprüchen der ungarischen Politik gehört, daß Bethlen, der das Haus Habs- bürg entthronen ließ, nichts anderes im Sinne hat, als Otto Habsburg auf den ungarischen Thron zu setzen. Der Knabe ist jetzt vierzehn Jahre'alt in vier Iahren ist er„großjährig": Bethlen läßt nun das Abgeordnetenhaus wählen und das Magnatenhaus errichten, die die monarchistische Restauration sichern sollen. Ungarn und das Ausland sollen planmäßig bearbeitet werden. Die Legitimisten etwa vom Schlage des Grafen Julius Andrassy. die den Flug Karls des Plötzlichen veranlaßtcn. bekämpft Bethlen ebenso scharf wie die„freien Königswähler": er will ihrer„rhapsodischen" Politik keinen Einfluß aus die Restauration einräumen, nicht weil er etwa antihabsburgisch gesinnt wäre, sondern weil e vor ihrer plump zugreifenden Putschpolitik Angst hat. Darum ist die politische Linie dieses Wahlkampfes die Unterwerfung des flachen Landes unter die Herrschaft des Adels, soweit dieser Adel sich Bethlen unterworfen hat. Ihren anschaulichsten Ausdruck findet diese Politik in der Bestimmung des Wahlgesetzes, die nur in den größeren Städten geheime Abstimmung vorsieht, auf dem flachen Lande aber offen a b st i m m e n läßt. Von den 245 Abgeordneten werden nur 46 in geheimer, 199 aber in offener Abstimmung gewählt. Am 8. Dezember beginnen, am 15. Dezember enden die Wahlen. Am ersten Wahltag wählen 95 Bezirke� in denen offen abgestimmt wird und wo jede oppositionelle Wahlarbeit unmöglich ge- macht ist, die Verwaltungsbehörden die zumeist„einstimmige" Wahl der Regierungskandidaten durchzufetzan haben. Unter dem Eindruck dieser„Wahlergebnisse, die das flache Land, soweit es oppositionell gesinnt ist, entmutigen sollen, stimmen am zweiten Wahltag 97 weitere Wahlbezirke offen ab. Erst nachdem 193 Wahlbezirke mit offener Ab- stimmung gesprochen und die„moralische" und politiscl)« Wir- kung dieser Entscheidung sich ausgewirkt hat, kommen in den letzten drei Tagen, vom 12. bis 15. Dezember, die Wahl- bezirke mit geheimer Abstimmung daran. All dies erscheint als ganz gesetzlich; begründet wird es damit, daß die b e- waffnete Macht nicht genügend groß sei, die„Wahl- freiheit" am selben Tag für das ganze Land zu sichern; in Wirklichkeit ist es aber die schlimmste Vergewaltigung der Wählerschaft. Dies« ist durch das Wahlgesetz schon an sich arg gelichtet: vier Volksschulklassen, zweijährige Seßhaftigkeit, 24. Lebensjahr bei den Männern, sechs Volksschulklassen und 3v Jahre bei den Frauen sind die wesentlichsten Wahlrechts- erfordernisie, die aber durch ein verwickeltes System von administrativen Schützengrabenverhauen und Wolfsgruben noch entwertet werden. Mit dem Ergebnis, daß von den 4 074 476 Vierundzwanzigstihrigen nur insgesamt 2 331958 den Wahlrechtsanspruch haben. Praktisch dürfte kaum die Hälfte der 24jährigen wahlberechtigt sein. Sogar die Wahlberechtigten fernzuhalten, ist die Aufgabe der weiteren Wahlvorschriften und vor allem der Verwal- lungspraxis, die selbst in Rumänien ihresgleichen kaum finden dürfte. Zum Beispiel: in der Wahlbewegung dürfen weder Text- noch Bilderplakate verwendet werden. In Flugschriften darf nur die Tatsache, daß eine Wähleroersamm- lung abgehalten wird, Ort und Zeit und der Referent an- gegeben werden. Plakate, die außerdem die Aufforderung enthielten:„Erscheint in Massen", wurden ebenso k o n f i s- ziert wie solche mit der Unterschrift:„Mit sozialistischem Gruß". Acht Tage vor dem Wahltag muß jede Wahlbewe- gung aufhören, keine Versammlungen mehr, keine Aufrufs mehr, außer in den Zeitungen. In diesem Finish arbeitet nur der amtliche Wahlapparat, fließt Wein und Schnaps und gehen die Masfenoerhaftungen der oppositio- nellen Kandidaten, Vertrauensmänner und Wahlwerber vor sich. Von der politischen Aufklärung gesäubert, von Alkohol benebelt, vom Regierungsterror eingeschüchtert, wird dann das Stimmvieh von den Gendarmen und Großgrundbesitzern zur „Abstimmung" eskortiert. In den Städten mit geheimer Abstimmung weist der b e w u n d e r n s w e r te H e l d e n m u t der sozialdemokratischen Arbeiter diese Wahlmacher in gewisse Schranken. Aber wo die Sozialdemokratisch« Partei den.Ver- such macht, an die Arbeiter der großen Betriebe außerhalb der Städte heranzukommen, das gilt vor allem für die Berg- arbeiter, oder wo sie sich sogar an die landwirtschaftlichen Ar- beiter wendet, dort wird ihr noch schärfer begegnet als den Bauern- oder anderen Oppositionsparteien. Diese Wahl- kämpfe außerhalb der Städte sind Werke wirklichen Helden- »mts und Opfersinnes. Taufende unserer Vertrauensmänner, die Unterschriften für einen sozialdemokratischen Kandidaten sammelten, sitzen in den Dorfgesängnissen, Hunderte haben schon ihre Arbeitsstellen verloren, sind aus der Heimstätte ver- trieben. Diese braven und unerschütterlichen Kämpfer aus der Masse, die unbekannten Soldaten des Klassenkampfes ver- dienen es, daß das internationale Proletariat ihren Helden- kämpf mit Sympathie und Solidarität begleitet. Ein konservatives Blatt,„Magyarsag", das Organ des Grafen Andrassy, fragt angesichts aller dieser Vorgänge, ob die Methode Mussolinis nicht ehrlicher sei. Aber Gras Bethlen will aus Gründen der auswärtigen Po- litik eine durch ein Parlament verschleierte Diktatur haben und er holt sich in diesem Wahlkampf das Feigenblatt dafür._ Stingl verbietet öie Neichsfarben! Postminister und Fridericus- Marke. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der letzten Nummer des Amtsblattes des Reichspostministeriums ist folgende Verfügung zu lesen: „Seit einiger Zeit werden B r i e s s en d u n g e n zur Post- beförderung eingeliefert, bei denen in der rechten oberen Ecke der Aufschriftmarke ein Klebezettel angebracht ist. der ein weißes Mittelstück in der Größe einer Freimarke mit farbiger Um» rahmung zeigt. Auf dieses Mittelstück ist die Freimarke geklebt, fo daß sie in der Umrahmung erscheint. Es wird darauf hingewiesen, daß Aufklebungen dieser Art, auch wenn sie sich an einer anderen Stelle der Aufschristseite be- finden, gegen Z 2, I der Postordnung verstoßen, und daher nicht erlaubt sind. Ueberhaupt muß es als unzulässig bezeichnet werden, die Freimarken— gleich wo sie angebracht find— mit einer farbigen Umrahmung zu umgeben, weil die Umrahmung geeignet ist, das Anbringen der Stcmpelabdrücke zu beein- trächtigen. Die Postanstalten werden angewiesen, Sendungen. die den bestehenden Bestimmungen zuwider mit Aufklebungen versehen sind, von der Postbesörderung auszuschließen." Auf gut Deutsch heißt das folgendes: Briefe, die eine schwarzrotgoldene Umrahmung um die Fridericus- marke tragen, werden nicht befördert. Aber nicht genug mit dieser Anordnung, die sich mit einer bureaukratischen Auslegung der Postordnung zur Not begründen läßt, wird das Auskleben von Reichsfarben auch an andrer Stelle des Brief- Umschlages verboten! Die Reichsfarben sind also für den Post- verkehr gefährlicher als die vielen Wohlfahrtsmarken, die die Post nicht nur nicht verbietet sondern zum Teil selbst vertreibt. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Republikaner. Die Postbehörde, die das R e i ch s m o n o p o l für die Brief- beförderung besitzt, schließt die kenntlich gemachten Briese der Republikaner von der Postbesörderung aus. Hier kommt der rücksichtslose Autokrat zum Vorschein, der Postminister Stingl in Wirklichkeit ist, worüber auch seine jovialen Gesten nie hinweg- täuschen können. Wo bleibt hier die so oft von ihm verlangte„Rücksicht- nähme auf die Kundschaft?" Was nützen alle Höflichkeits- erlasse an die Beamten, wenn der Minister selbst von einer nicht zu überbietenden Rücksichtslosigkeit gegen einen großen Teil des Postpublikums ist? * Im übrigen ist darauf hinzuweisen, daß dieser Erlaß in wesent- tichen Teilen der Postordnung widerspricht. Das linke Drittel der Anschristseite eines Briefes kann zu Aus- llebungen verwandt werden. Die Post begeht also einen Rechts- b r u ch, wenn sie Briefe nicht befördert, auf denen links oben nicht, wie sonst üblich rechts, die Fridericusmarke mit Schwarzrot- gold umklebt ist. Die Republikaner werden sich danach zu richten hoben. Revision ües Zechenbach-Urteils. Getzen bayerische Ablehnung vom Reichsgericht angeordnet! München, 29. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Reichstag hat seinerzeit die Revssionsmöglichkeit gegen Urteile der bayerischen Volksgerichte beschlossen. Daraufhin hat Genosse Felix Fechenbach sofort beim zuständigen Landgericht München die Wiederauf- nähme jenes Verfahrens beantragt, in dem er wegen angeblichen Landesverrats zu der ungeheuerlichen Straf« von 19 Iahren Zucht- haus verurteilt worden war. Am 1. Mai wurde Fechenbachs Antrag vom Landgericht abgelehnt, worauf Rechtsanwalt Dr. Hirschberg als Verteidiger Fechenbachs sofort Beschwerde beim Reichsgericht erhob. Der nach Anhörung des Oberreichsanwalls am 1. November gesaßle Beschluß des Reichsgerichts, S. Strafsenat, hat folgenden Wortlaut: „Der Beschluß der 1. Strafkammer des Landgerichts München 1 vom 1. Mai 1926 wird aufgehoben und der Antrag vom 15. Januar 1926 auf Wiederaufnahme des durch rechts- kräftiges Urteil des Volksgerichts für den Landgerichtsbezirk München vom 29. Oktober 1922 beschlossenen Verfahrens gegen Fechenbach insoweit als z u l ö s s i g und b e g r ü n d« t erklärt, als Fechenbach wegen vollendeten Landesverrats, verübt durch Ver- öffentlichung des sogenannten Ritter-Telegramms, verurteilt ist. Zu diesem Teil des Urteils wird die Wiederaufnahme des Verfahrens und die Erneuerung der Hauptverhandlung o n- geordnet. Im übrigen wird die sofortige Beschwerde als unbegründet verworfen. Di« Kosten des Wicderaufnchmever- fahrens werden zu einem Drittel dem Angeklagten Fechenbach, z u zwei Drittel der bayerischen Staatskasse aus- erlegt." In der Zusammenfassung der 44 Seiten langen Begründung des vorstehenden Beschlusses wird ausdrücklich festgestellt, daß die Verurteilung Fechenbachs wegen Veröffentlichung des Ritter- Telegramms zu Unrecht erfolgt ist. Arbeitsplan ües Reichstags. Der Aeltestenrat des Reichstags traf in der gestrigen Sitzung die Dispositionen für die Plenarberawngen dieser Woche. Vom Dienstag ab soll der N a ch t r a g s e t a t weiter beraten werden und zwar die Spezialetats für das Verkehrsministerium mit Aus- nahni« der Wasserstraßenangelegenheiten, für die besetzten Gebiet«, für das Ernährungsministerium und für das Reichsministerium des Innern. Sodann soll eventuell das Iugendschutzgesetz in dritter Lesung und noch eine Vorlag« über die Arbeits- lofenfürsorge beraten werden. Der Sonnabend und die ersten Tag« der nächsten Woche bis zum.8. Dezember bleiben von Plenar- sitzungen frei. Zusammentritt ües Landtags. Der Landtag tritt am Dienstag, den 39. November, wiederum zusammen, um noch eine Reihe von Vollsitzungen vor denJBkih- nachtsserien abzuhalten. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung steht eine große Anfrage der Kommunisten, die sich gegen den Vor- sitzenden des Landsberger Schwurgerichtes richtet. Außerdem stehen kleine Vorlagen zur Verhandlung. wer hat's befohlen? Haminelsprung. Die Linke marschiert zur Ja-Türe rechts, die Rechte zur Nein-Türe links. Mittwegs stehen Oberfohren und Freytagh-Loringhooen in ein Gespräch vertieft. Sie machen gar keine Anstalten einzutreten und sich zählen zu lassen. Da kommt wie ein Schäferhund, der die Herde umkreist, der alte Ge- heimrat Schultz- Bromberg, und bis weit hinein in die Reihen der vorbeiziehenden Sozialdemokraten hallt folgendes Gespräch: S ch u l tz- Bromberg:„Na los, los! Macht doch!" Obersohren:„Ja doch, ja doch! Wir kommen ja schon." Freytagh-Loringhoven:„Wer hat's be- fohlen? Der Gras? Oder nur der Geheimrat?" So geschehen Montag, den 29. November 1926, 5 Uhr nach- mittags, in den Wandelgängen des Reichstags. Herr hugenbcrg schäumt vor Wut über die Haltung des Herrn M a h r a u n, des Hochschulmeisters des Iungdcutschen Ordens, der sich gegen den Wahnwitz der nationalistischen Desperados gewandt hat. Er glaubt, Herrn Mahraun diskreditieren zu können, indem er der Oeffentlichkeit mitteilt, daß sich Mahraun im Jahre 1925 bei einer Bank, in der Hugenberg ausschlaggebenden Einfluß hatte, um einen gedeckten Kredit von 39 999 Mark für die Zeitung„Der Jungdeutsche' beworben habe. Es handelt sich um ein normales Kreditgeschäft. Es ist nicht ersichtlich, wie dieses Kreditanfuchen Herrn Mahraun politisch diskreditieren könnte. Die Veröffentlichung Hugenbergs zeigt nur die wahre Gesinnung dieses Mannes. lichen Oekonomen längst als irrig erkannte Lehre, da mit der Volks- Vermehrung, nicht mit der Volksverminderung die Möglichkeit zur Erhöhung der Kultur und des allgemeinen Wohlstandes steigt. Der Mensch unterscheidet sich ja dadurch vom Tier, daß er schöpferisch bestimmend in den Gang der Natur eingreift. Weiter zeigte der Redner, weichen gewaltigen Anstoß zum großen Teil durch Napoleons Initiative und Organisationskunst die festländische Industrie durch den Anbau des Rübenzuckers, der den englischen Kolonialzucker verdrängte, und durch die Schaffung der Textilindustrie mit Hilfe des Anbaues von Krapp erhielt. Ganz ähnlich wie die Kontinentalsperre wirkte der Weltkrieg, der neben manchen wertlosen Erfindungen den künstlichen Dünger aus Luststick- stoff brachte, ferner die steigende Berwendung des Aluminiums und die Gewinnung von Treiböl aus Kohle. Freilich sind die Völker in ihrem Rohstoffbezug durch die gesamte Entwicklung voneinander abhängig geworden, und das hat zu einem keineswegs friedlichen, unerträglichen Wcttkampf geführt. In absehbarer Zeit werden die wichtigsten Rohstoffe erschöpft sein und versiegen, und diese alle Kulturvölker weißer Rasse in gleichem Maße bedrohende Gefahr wird sie, nicht aus„schwächlichem Pazifismus, sondern aus schicksal- oerbindender Notwendigkeit zu gemeinsamer Ueberwindung dieser Gefahr und ihrer Folgen zusammenführen, oder die Bestimmung des Laufes der Weltgeschichte wird auf die farbigen Rassen über- gehen, die in den Tropen von beständig im Sonnenschein nach- wachsenden Dingen leben können. Einstweilen freilich sieht es nicht so aus, als ob die weiße Raffe dieser drohenden Götterdämmerung Europas erliegen würde. Chemie und Technik haben schon vieles geschaffen, die schon genannte Stick- stosfgewinnung aus Luft, der Erdölgewinnung aus Kohle, die Ver- Wandlung von Wasserstoff in Helium find nur wenige Beispiele dafür. Binz schloß mit dem Hinweis berechtigten Stolzes, daß gerade in Deutschland in den schlimmsten Zeiten seiner Geschichte Werte an Wissen und Können geschaffen worden sind, die als giinstiges Vo-- zeichen für die Zukunft gelten können. Deutsche Opernuraufsührung in Dresden. Die Leitung der Dresdener Staatsoper hat jetzt ein Iugendwerk C h e r u- binis,„Don Pistacchi, der dreifache Verlobte", in einer Bühnenbearbeitung von Hans Teßmer zur deutschen Uraufführung gebracht. Die Handlung, die Dramatisierung einer Anekdote, ist unterhaltsam genug, um die zahlreichen Unwahrschein- lichkeiten lloersehe» zu lassen. Generalintendant Dr. R e u ck e r, der die Spielleitung selbst führte, hatte für das alte Werk einen der Eni- stehungszeit entsprechenden äußeren Rahmen geschaffen. Zusammen mit Kapellmeister Kutzschbach, der sich mit größter Liebe und Feinheit der Musik annahm, hat er der neuentdeckten Oper einen herzlichen Beifall gesichert._ r«t kunllsalou Hlrzel-Spanler, Schillltraße S eröffnete eine Autstellung von Aquarellen und Oelqemälden von Lenigret Mallwitz. Auswärtige polillk als Drösungsfach 7 An der Universität in Frank- surt a. M. ist jetzt zum erstenmal auch die auswärtige Politik als Haupt. Prüfungsfach für da« slaatSwiffcnfchastliche Tottorexamen eingeführt worden. ES wäre unbedingt wünichenswert, wenn im ilaalSwissenschaftlichen Lehr. vian aller deutschen Universitäten die grobe Wichtigkeit der aw-wärtiae« Politik gebührend berücksichtigt würde. ä palucca. Dritte Tanzmatinee der Volksbühne. Es war der bisherige Gipfelpunkt dieser Tanzfaison. Der große Raum des Theaters am Bülowplatz bis auf den letzten Sitz gefüllt und Beifallstürme, wie man sie hier kaum je erlebt hat. Woher kommt die beispiellose Volkstümlichkeit der P al u c c a? Ihre Kirnst ist spröde. Abstrakter Stil von einer Linienstrenge, die jedes ornamentale Element ebenso ablehnt, wie ihr Konzessionen aus Publikum fern liegen. Und doch ist das Publikum von: ersten Augenblick an im Bamre dieser Kunst. Ihre Bewegungsrhythmen schwingen in jeder Seele mit. Unwiderstehlich. Man erlebt etwas absolut Neues und hat doch das Gefühl, nur das klar und bewußt gestaltet zu sehen, was traumhaft und unbewußt im tiefsten Innern eines Jeden schlummerte. Es ist die einzigartige Persönlichkeit, die uattirwüchsige Kraft und die ernste Redlichkeit der Künstlerin, die dieses Wunder vollbringen. Die Palucca lebt in ihren Tänzen. Sie erlebt jedes Formdetail aufs neue in dem Augenblick, wo sie es gestaltet. Alles erscheint gewachsen, nichts gemacht. Eine ans Wunderbare grenzende Technik erlaubt, jeden Ausdruck spielend zu geben. Aber auch diese Technik erscheint nicht als etwas Erarbeitetes, mit schwerer Muh« Erworbenes, fondem als Angeborenes, zum natürlichen Wesen dieser Persönlichkeit Gehörendes. So entsteht der Eindruck: was die Palucca als Tänzerin gestaltet, das ist sie als Mensch. Sie spielt uns nichts vor. Sie lebt sich aus, un- bekümmert um uns. Und hat«ine unbändige Freude an diesem Leben und Sichausleben. Ihr Stil vervielfältigt sich in den Mädchen ihrer Tanz- g r u p p e. Es sind darunter sehr verschiedene tänzerische Jndi- vidualitäten und künstlerische Qualitäten, aber es lebt in allen der gleiche Geist. Die Technik— namentlich die Beintechnik— schlecht- hin vollkommen. Das Zusammenarbeiten bewundernswert Und nirgends merkbarer Drill, überall fühlbar: Naturwüchsige Freude am Schaffen. Palucca-Gcsst. Der Tanz der Palucca ist reinste Raumgestaltung im Sinne Labans. Wenn die Gruppe zum Einleitungstanz aufmarschiert, hat man den Eindnick: sie rekognosziert das Terrain. In strammen rhythmisch«» Schritten, in Armschwüngen, in geraden und ge- schlängelten, parallel laufenden und sich kreuzenden Linien durch- mißt sie absuchend den Raum. Wenn im Sextett„Tanzlied", in den..tänzerischen Formen", in den..Tanzrhythmen" geschlossene Glieder und Gruppen teilweise fast zu Einzeltänzen zerflattern. noch allen Richtunqen schreiten, laufen, hüpfen, wirbeln und dann wie ein plötzlich sich bildender Kristall zu überraschend neuer einheit- licher Form geballt erscheinen, dann enssteht in uns das Gefühl, ichythinisch aegliederter, gestaffelter Raumgestaltung und-auflösung. Di« ganze Bühne ist beherrscht von dem Wogen einer Bewegung, die in tausend Abwandlungen immer nur dem einen Ziele dient: Roumbeherrschiing. Dieses Ziel ist das letzte und höchste des nioderucn Tanzes, und es wird in den Tänzen der Palucca und ihrer Gruppe klar und konsequent, ohne Umwege und ohne ver- zierende Schnörkel erreicht. Außer den Gruppentänzen sahen wir vier Einzeltänze der Palucca. Bekannte Meisterleistungen:„Stark betont",„Glanz- voll"(vielleicht ihr schönster Tanz).„Tanz zur Trommel" und— in der Ausführung diesmal nicht ganz sattelfest—„Mit Schwung". Zwei Duette:„Wuchtig" von Margot Blank und Lotte Goslar mit prachtvollem Elan und schöner Exaktheit getanzt, und in sauberem, linienfeinem Parallelismus das technisch sehr schwiemge, sanfte, zögernde, in eine leise, halb hingebende, halb fragende Bewegung ausklingende„Verhalten" der Blank und Palucca. Zwei Trios, die die Palucca mit der Blank und der Goslar tanzte:„Tanzlieder" und— in Komposition und Ausführung nach meinem Geschmack die wertvollste Gabe der Matinee—„Bewegt", mit einer Rhythmik, die den Zuschauer bis in die Zehenspitzen elektrisiert und unvergeßlich bleibt. Das Quartett„Beherrscht" von der Palucca, Blank, Goslar und Lifelore Bergmann gebracht, in seinen etwas stereotyp wiederholten anschwellenden und plötzlich abbrechenden Bewegungs- reihen äußerlich wirksam, aber weniger empfunden als Verstandes- mäßig konstruiert, und der interessant« und wohlgelungene Versuch der Else B a r o s, einen der beliebtesten Palucca-Tänze„Leicht" mit hochtänzerischen' Mitteln zu gestalten, vervollständigten das sehr reichhaltige Programm. Die Begeisterung des Publikums stieg mit jeder Darbietung. Immer wieder mußten die Künstlerinnen auf der Bühne erscheinen und zum Schluß nihte man nicht, bis die Palucca noch einmal In der kleinen Tür des Eisernen Vorhanges sich zeigte. _ John S ch i k o w s k i. Chemie, Technik unü Weltgeschichte. Ueber dieses Thema sprach Prof. Binz in der Festsitzung des Märkischen Bezirksvereins des Vereins Deutscher Che- in i k e r. Man konnte einen tiefen bewußten Blick in den Zu- sammenhang des Weltgeschehens mit den allgemeinen durch den Stand der Technik bedingten Wirtschafts- und Kulturverhältnissen erwarten. Aber Professor Binz ist nur Chemiker, nicht Volkswirt- schaftler, und so wurde der Vortrag nur unbewußt in seinem größten Teil zu einer Bekräftigung der in den Kreisen, denen Herr Binz angehört, so arg verschrienen, von Marx begründeten sogenannten materialistischen Geschichtsauffassung. Der Vortragende zeigte, wie die Verwendung der Steinkohle und die ständig sich folgenden Erfindungen, von Arkwrights Spinn- viaschine zur Dampfmaschine und zum Leuchtgas, in England den ungeheuren industriellen Ausschwung schuf, durch den England seine Weltmachsstellung erhielt. Diesen Forlschritt bezeichnete er mit Recht zu einem großen Teil als weltgeschichtliche Tragödie wegen der gleichzeitigen Zunahme der Armut mit ihrem Hunger und Elend. Als Ursache erkannte er freilich nicht das kapitalistische Wirtschafts- syftem, sondern mit dem alten Pfarrer M a l t h u s die fortschreitende Volksoermehrung, mit der die Vermehrung der Nahrungsmittel nicht Schritt halten könne, so daß es ein von Gott gewollter Zustand sei, daß stets eine Anzahl Menschen als überzählig durch Hunger, Krieg und Krankheit zugrunde gehen muß—«ine unter Umständen für die glücklichen Besitzenden sehr gefährliche Lehre, da sie die„Ueber- zähligen" dazu anreizen kann, einmal die anderen als überzählig zu betrachten und totzuschlagen, Uebrigens eine auch von bürger- das �rbeitsschutzgesek. Eine Regierungsvorlage gegen den Achtstundentag. Das Rcichskabinctt hat bekannUich am Freitag dem Ent> wurf des Arbeitsschutzgesetzcs zugestimmt, der inzwischen dem Reichswirtschastsrat zugegangen ist. Die Aufgabe des Arbeitsschutzgesetzes sollte es sein, eine klare und übersichtliche Regelung für das gesamte Gebiet des Arbeiter- und Angcstelltenschutzes zu bringen. Dieser Ausgabe wird der Gesetz- entwurs nach keiner Richtung hin gerecht. Man gewinnt zwar bei einer gründlichen Durchprüfung des Gesetzentwurfs den Eindruck, daß a» Stelle der zahlreichen Arbeitszeitoerordnungen, der Schutz- Vorschriften in der Gewerbeordnung, des Gesetzes betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben und sonstiger Schutzvorschristen ein neues Gesetz tritt, daß aber damit keineswegs die not- wendige Klarheit und Ueberfichtlichkeit verbunden ist. Die Schuld daran liegt nicht zuletzt in dem Bemühen, es auch -'den Unternehmen, recht zu machen. In zahlreichen Bestimmungen werden die unglaublich st en Ausnahme Möglichkeiten geregelt, die in der Praxis ein völliges Durcheinander erzeugen müssen und der Umgehung gesetzlicher Schutzvorschristen Tür und Tor öffnen. Diese Unsicherheit wird noch erhöht durch die L o n- d o n e r Abmachungen der Arbeitsminister Deutschlands, Eng- lands, Frankreichs, Belgisns und Italiens über die Auslegung des Washingtoner Uebereinkommens über den Achtstandcn- tag. Schon damals haben wir bei Bekanntwerden dieser unter- nehmersreundlichen Zurechtbiegung des Washingtoner Ueberein- konnnens schärfste Verwahrung eingelegt und darauf hingewiesen. daß irgendeine Konferenz von Arbeitsministern gar nicht berechtigt ikt. solche Auslegungen vorzunehmen, diese vielmehr letzten Endes nur dem Internationalen Gerichtshof zustehen. Dennoch hat das Reichsarbeitsministerium diese unzulässigen und viel zu weitgehenden Ausnahmen des Washingtoner Ueberein- kommens in seinem Entwurf ausgenommen, um dann großspurig zu verkünden, daß durch das Arbeitsschutzgcsetz auch gleichzeitig die Möglichkeit zu einer Ratifizierung des Washingtoner Uebereinkommens geschaffen wird. Demgegenüber muß immer wieder mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß es Aufgabe des deutschen Arbeitsschutzgesetzes sein muß, die im Washingtoner Uebereinkommen vorgesehenen Ausnahmen zu be- seitigen, um den Achtstundentag in vollem Umfange sicherzustellen. Dieser Aufgabe wird das Arbeitsschutzgesetz nicht gerecht. Es schließt einmal große Teile der deutschen Arbeiter und Angestellten von vornherein aus. Für die unter das Gesetz fallenden Arbeit- nehmer wird dann außerdem durch die vielen Ausnahmen der Achtstundentag praktisch wirkungslos gemacht So wird u. a. bestimmt, daß bei Arbeiten, die ihrer Art nach einen ununterbrochenen Fortgang erfordern, an Stelle der �tzstündigen Wochenarbeitszcit die Sbstündige Wochenarbeitszeit tritt. Bei Bor- bereitungs- und Ergänzungsarbeiten ist die Ueberschreitung des Acht- stundentages zulässig. Es finden sich weiter in dem Regierungs- entwurs die unhaltbaren Bestimniungen über Arbeitsbereitschast, mit deren Hilfe wiederum eine regelmäßige Verlängerung der Aibcits- zeit ennöglicht wird. Auf diesem Gebiete hat ja aujh die Londoner Konferenz der Arbe�sminister Erstaunliches geleistet. Durch diese Unterscheidung, die keinerlei Stütze im Washingtoner Ueber- einkomnien findet, wird die Vorschrift über die Zahlung eines Zuschlages bei Leistung von Mehrarbeit für diese Fälle auf- gehoben. Der Regierungsentwurf bringt noch weitere Bcstim- mungen über zulässige Mehrarbeit. Durch Tarifvertrag können bis zu einer Gesamtdauer von 2S0 Stunden innerhalb eines Kalenderjahres Ueber stunden zugelassen werden. Liegt eine tarifvertragliche Regelung nicht vor, fo kann das Gewerbe- aufsichtsamt im gleichen Umfange Mehrarbeit zulassen. Diese Mehr- arbeit soll mit einem Zuschlag von 25 Proz. bezahlt werden. Wird eine solche Regelung Gesetz, dann ist nicht der Achtstundentag, sondern der Neun stundentag verankert. Die Erfahrungen mit der geltenden Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 zeigen ganz eindeutig, daß gerade mit Hilfe ähnlicher Bestimmungen die regelmäßige Verlängerung der Arbeitszeit über acht Stunden hinaus erfolgt.' Die bisherige Tarifpolitik der Schlichtungsausschüsse, Schlichter und nicht zuletzt des Reichsarbeitsministeriums zeigt, daß diese behördlichen Organe den Zusammenhang zwischen Arbeitszeit- v-rlängerung und Arbeitslosigkeit immer noch nicht begriffen haben und durch ihre verderbliche Arbeitszeitpolitik wesentlich zur V e r- s ch ä rf u n g der Arbeitslosigkeit beitrugen. Aus diesem Grunde fordern bekanntlich die Gewerkschaften aller Richtungen in ihrem N o t g e s e tz zur Verkürzung der Arbeitszeit gerode die Be- feitigung dieser Bcstinimung der geltenden Arbeitszeitoerordnung, weil nur so eine Verkürzung der Arbeitszeit eintreten kann. Das Arbeitsschutzgesetz regelt neben der Arbeitszeitfrage in be- sonderen Abschnitten noch die Betriebsgesahren. die Sonntagsruhe, den Ladenschluß und die Arbeitsaufsicht. Die vorgesehene Regelung der Sonntagsruhe sst vollständig unbefriedigend. Das Reichvrbeitsministerium hat auch auf diesem Gebiete aus den Erfahrungen der letzte» Jahre nichts gelernt. Die Äautschukbestiin- mungen des Gesetzentwurfes konservieren geradezu die bestehenden Mißstände. Es muß mit allem Nachdruck verlangt werden, daß der bereits vor zwei Jahren von der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion in einem eigenen Gesetz gewiesene Weg beschritten und die vollständige Sonntagsruhe eingeführt wird. Unzureichend sind auch die Vorschriften über die Ladenschlußzeit. Auch hier hätte das Reichsarbeitsministerium aus den Erfahrungen der letzten Jahre einiges lernen sollen. Es besteht kein tatsächliches Bedürfnis für die Beibehaltung der Ausnahmen bei Ladenüfsnunz und Ladenschluß: die Einführung des Sechsuhrladen- s ch l u s s e l ist in größerem Umfang zu gewährleisten. Unzureichend sind auch die vorgeschlagenen Regelungen für die Kinderarbeit und für den Schutz der Schwangeren. Die Rcichsregierung hat das von den Gewerkschaften geforderte Notgesetz zur Verkürzung der Arbeitszeit damit abzutun versucht, daß sie erklärte, die gesetzliche Neuregelung der Arbeitszeit müsse dem Arbcitsschutzgesctz vorbehalten bleiben. Der Regierungsentwurf beweist aber geradezu die Unentbehrlichkeit eines Not- gesetzes zur Verkürzung der Arbeitszeit in dem von den Eewerk-, schaftcn vorgeschlagenen Sinne. Der Regicrungsentwurf bringt nicht das. worauf es in dieser furchtbaren Notzeit entscheidend ankommt. Ueber seine Gestaltung sind die schwersten Kämpfe unvermeidbar. Die Krise des Arbeitsmarktes läßt es jedoch nicht zu, die?teurcge- lung der Arbeitszeit bis zur Verabschiedung des gesamten Arbeits- schutzgcsetze» zu vertagen. Hier muß schnell und gründlich gehandelt werden. In der gestrigen Aussprache der Gewerkschaften im Reichsarbeitsministerium ist auf den furchtbaren Ernst der Loge und auf die Dringlichkeit der Frage mit allem Nachdruck hingewiesen worden. Es nützen keine faulen Vertröstungen, die auch gestern wieder von Regierungsseite reichlich geflossen sind. Die im Arbeits- schutzgesetz vorgesehenen Bestimmungen über die Arbeitszeit find ein Hohn auf die Notlage der deutschen Arbeiter und Angestellten. Da» Nolgeseh muh die Entscheidung darüber bringen, ob in Deutschland der Achtstundentag in allernächster Zeit eingeführt wird: es wird damit gleichzeitig die wichtigste Vorarbeit für die Arbeitszeitregelmig im Rahme» de« Arbeit sschutzgefetzes geleistet. Endkampf um die Kontrolle. Was von Deutschland noch verlangt wird. Brüssel, 29. November. sEigener Drahlberichl.) Wie der Vertreter des..S o z. Pressedienstes" in Brüssel ersährt, wird gegenwärtig zwischen den Möchten hinsichtlich der Militärkon- trollc noch über folgende Punkte verhandelt: Zw Vordergrund steht das Abrüstungsprogramm, dessen Erfüllung durch Deutschland gefordert wird, ehe die Kontrollkommission zurück- berufen werden kann. London und Paris scheinen darin einig zu sein, die Veräußerung der deutschen Kasernen und anderer militärischer Gebäude, deren Liste festgesehl ist, zu fordern und die von Deutschland in diesem Punkte erwogenen Einwendungen nicht zuzulassen. Immerhin brauchen nicht alle Gebäude vor der Abberufung der Kontrollkommission veräußert zu werden. Man würde sich mit einem bindenden Versprechen Deutschland» begnügen. Ein sehr heikler Punkt ist die Frage der her- stellung und Ausfuhr von Kriegsmaterial, und zwar sowohl von eigentlichem Kriegsmaterial wie auch von Maschinen zur her- stellung von Kriegsmaterial. Sowohl England wie Frankreich be- stehen hier auf völlige Klarheit unter der Begründung, daß, wenn diese Industrie unter irgendwelchem Vorwand in Deutschland zugelassen werde. Deutschland in kürzester Frist ausrüsten könnte. Bei England mögen dabei auch Konkurrenzrücksichten vorhanden sein. Bezüglich der Polizei scheint Deutschland» verlangen, die Staatspolizei um S000 Mann zu erhöhen und die Gemeindepolizei um ebensoviel oermindern zu können, auf keine besonderen Schwierigkeiten zu stoßen. Tn der Frage der östlichen Befestigungen sind London und Paris anscheinend nicht einig. Frankreich besteht unbedingt aus Schleifung, während England der Ansicht zu sein scheint, daß diese Frage nicht zu dem von Deutschland angenommenem Ab- rüstungsprogramm gehört und deshalb nicht zur Bedingung der Abberufung der Kontrollkommission gemach« werden darf. Hinsicht- lich der Mehrverbände haben einige Erklärungen Strese- manns, wonach es sich hier um eine innerdeutsche Ange- legenheit handele, in Pari« stark verschnupst: dagegen wirk» sein versprechen, energisch einzuschreiten, wo die Verbände die gesetzlichen Vorschriften überschreiten, beruhigend und wird als mögliche Grundlage einer Einigung betrachtet. 3m übrigen ist Paris der Ansicht, daß das Tnvestigationsrecht de> Völkerbundes genau definiert und umschrieben werden muh, ehe die Kontrollkommission zurückberufen wird. Ein Interregnum zwischen beiden Kontrollsystemen wird als gefährlich be- trachtet. Schließlich will Paris von einer Räumung des Rheinlandes nichts wissen, solange Frankreichs Sicherheil und die Dawes-Zahlungen nicht garantiert sind. Paris wäre zu E r- leichlerungen der Besetzung bereit, hält aber eine vorzeitige Räumung für nicht angebracht. Reichswehr unü Außenpolitik. Die jüngsten Enthüllungen und die Abrüstungs- Verhandlungen. V. Seh. Pari», Ende November. Die jüngsten Veröffentlichungen über die Verbindungen zwischen der Reichswehr und den sogenannten vaterländischen Verbänden, die Mahraunsche Denkschrift und die daraus bezüglichen Auseinander- setzungen im Reichstag haben in Frankreich lebhaften Widerhall er- weckt. Da diese Meldungen zeitlich zusammenfielen mit den schwie- rigen Verhandlungen über die Abschaffung der Militärtontroll- kommission, ist es kein Wunder, wenn die mit diesen Verhandlungen betrauten deutschen Vertreter jene innerdeutsche Auseinandersetzung als eine Erschwerung ihrer Ausgabe empfinden. Aber darin liegt wohl ein starkes Maß von Selbsttäuschung. Das Problem der Reichswehr, ihres Wesens, ihrer Verbindungen und ihrer Ziele be- schäjtigt nicht nur die führenden politischen Kreise, sondern die gesamte öffentliche Meinung Frankreichs seit Jahren und besonders jetzt, am Vorabend der Abschaffung der interalliierten Militär- kontrolle. Es ist offenkundig, daß man in den leitenden Kreisen der französischen Regierung über dieses Thema sehr gut unterrichtet ist, anscheinend besser als die breiten Massen des deutschen Volkes und sogar als der Deutsche Reichstag. Deshalb bedeutet die Debatte um das S y st e m Gehler, gerade weil sie mit den VerHand- lungen und die Abschaffung der Militärkontrolle zusammenfällt, in Wirklichkeit keine Erschwerung der diplomatischen Verhandlungen, sondern sie kann umgekehrt die Stellung unserer Vertreter stärken— allerdings Kur unter einer Voraussetzung: daß die bürgerlichen Regierungsparteien endlich den deutlichen Willen zeigen, gründlich Remedur zu schaffen und sich nicht weiter mit vagen Redensarten und mit leeren Versprechungen zu begnügen. Ist das nicht der Fall und fehlt es weiter am Willen, rücksichtslos durch- zugreifen, dann allerdings ist jede Erörterung des Themas„Reichs- wehr und Rechtsverbände" für die Außenpolitik des Reiches ein Schaden und natürlich besonders im jetzigen Augenblick. Dan» aber bedeutet das zugleich: daß die Außenpolitik des Reiches zum min- besten als nicht konsequent erscheinen muß. Man darf nämlich die Franzosen nicht für düminer halten als sie sind. Denn abgesehen davon, daß sie, sei es durch die Interalliierte Militärkontrollkommission des Generals Walch, sei es durch andere Quellen, über alles, was auf diesem Gebiete bei uns vorgeht, jchr gut Bescheid wissen, so ist die Tatsache allein, daß die deutsche Reichs- wehr monarchistisch verseucht ist und im Geiste der Revanche er- zogen wird, eine Erscheinung, die jeden französischen Bürger stutzig macht und stutzig machen m u ß. Das ist vielleicht das Auffallendste für den Deutschen, der in diesen Tagen mit den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung zu sprechen Gelegenheit hatte: es sind nicht nur die Politiker ohne Unterschied der Partei, die das Gespräch sehr bald auf das Thema der Reichswehr lenken, auch der„Mann auf der Straße", der politisch nicht übermäßig interessierte Staatsbürger, der dem Gedanken der deutsch-französifchen Verständigung durchaus sympathisch gegenübersteht— alle empsinden den Widerspruch zwischen dem Friedenswillen der großen Mehrheit des deut- schen Volkes, de» sie nicht bezweifeln, und der Tatsache, daß wir eine antirepublikanischc und nationali st ische Reichswehr besitzen. Auch die verständigungsbereiten Fran- zosen argumentieren folgendermaßen: Wenn die große Mehrheit des Reichstages die Politik von Locarno, Genf und THoiry billigt, wenn sie die aufrichtige Versöhnung mit Frankreich erstrebt, warum duldet sie diese Zustände in der Reichswehr? Dann mutz eben etwas in der deutschen Außenpolitik nicht stimmen! Es ist nicht leicht, den Franzosen, bei denen der Begriff der parlamentarisch-demokratischen Staatssorni und der ministeriellen Verantwortung viel stärker ausgeprägt ist als bei uns in Deutsch- land, auf diese Argumentation etwas Ueberzeugendes zu erwidern: denn die Logik steht auf ihrer Seite: die Schwäche, die die Re- gierungspartcicn gegenüber der Reichswehr an den Tag legen, über- schreitet dermaßen die Grenzen des Erlaubten, daß man, wenigstens bei einem Teil von ihnen, insbesondere bei der Deutschen Volks- Partei, den Eindruck gewinnen muß, daß sie nicht den Mut haben, di« elementar st en innerpolitischen Konsequenzen einer auf Verständigung gerichteten Außenpolitik zu ziehen. Das erklärt auch, warum die französische Regierung die Bil- ligung des größten Teils der öffentlichen Meinung findet, wenn sie bei den Verhandlungen über die Abberufung der Militärkontroll- kommission und über die künftigen Befugnisse des Völkerbunds- komitees für gewisse Forderungen so hartnäckig kämpft, die Deutsch- land ebenso hartnäckig zurückweist. Stresemann dürste bei den be- vorstehenden Verhandlungen in Genf keinen leichten Stand haben: dafür kann er sich aber vor allem bei seinem Ministerkollegen Geßler bedanken. Paris gegen eine viermächte-Konferenz. Aus Furcht vor der Isolierung. Paris. 29. November.(Eigener Drahtberlcht.) Dem von englischer Seite lancierten Gedanken einer Viermächte-Kon- f e r e n z im Anschluß an die Beratungen des Völkerbundes steht man in Paris nach wie vor ablehnend gegenüber. Man scheint sich davon Rechenschaft zu geben, daß Frankreich sich dabei gegenüber den Forderungen Italiens und Deutschlands und angesichts der Haltung der englischen Regierung in einer sehr schlechten Lage be- finden würde, von ganz geringen Ausnahmen abgesehen, rät daher die Presse vriand aus das entschiedenste ab. sich aus irgendwelche vor- schlüge dieser Art einzulassen. Die endgültige Entscheidung darüber dürste wohl erst bei dem für Donnerstag angekündigten Besuch des englischen Außenministers Chamberloin sallen. Elzambcrloin wird zwei Tage in Poris bleiben. An der Aussprache mit ihm wird außer Briand auch Poincare teilnehmen. Trummonds Berliner Aufenthalt. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drum- m o n d, hat am Montagabend nach 48stündigem Aufenthalt Berlin wieder verlassend Seine Reise hatte den Zweck, sür die bevor- stehende Dezcmbertagung des Völkerbundrats eine Reihe technischer Vorfragen zu klären und gleichzeitig eine Verständigung über den Tagungsort der n ä ch st e n Ratsversammlung im März 1927 herbeizuführen. Es ist bekannt, daß die Reichsregierung die Absicht hat, den Völkerbundrat noch Berlin einzuladen und erst dann den ihr jetzt bereits zustehenden Vorsitz der Tagung zu übernehmen gedenkt. Dieser Plan soll aber nur dann verwirklicht werden, wenn ins- besondere die einer Verständigung mit Frankreich noch im Wege stehenden Hindernisse, wie die M i l i t ä r t o n t r o l l c, überwunden und in erträglicher Forin aus der Welt geschafft worden sind. Die Einladung des'Völkerbundrats durch die deutsche Regierung wird infolgedessen offiziell erst erfolgen, wenn die jetzt in Paris geführten Verhandlungen und die anläßlich der Dezcmbertagung in Genf zwischen Briand und Stresemann zu erwartenden Besprechun- gen zu einem befriedigenden Ergebnis führen. Ist das nicht der Fall, dann dürfte die Reichsregierung auf diese beabsichtigte Gast- geberrolle überhaupt verzichten. Nachtragsetat im Ausschuß. Tic besetzten Gebiete.— Taargänger.— Winzer. In der Montagssitzung des Ausschusses für den Reichshaushalt fand beim Nachtragsetat für die besetzten Gebiete zunächst ein von der Sozialdemokratie und mehreren anderen Parteien gestellter Antrag einstimmige Annahme, durch welchen die Not der Franken! och nempfänger eine weitere Linderung erfahren soll. Es sollen die Richtlinien für Unter- stlltzungcn an sogenannte Saargänger dahin geändert werden, daß Arbeitnehmer mit einem landwirtschaftlichen Betrieb von über 15 Morgen ertragsfähigcm Grundbesitz in der Regel von der Unter- stützung ausgeschlossen bleibe». Die V e r s p r e n o t e n, d. h. Ar- beitnehmer, die rechtsrheinisch wohnen und am 1. Mai 1926 Franken- lohncmpsänger waren, sollen in die Betreuung einbezogen werden. Die Auszahlung des Fahrgeldes wird auch für die Krankheitstage erfolgen. Arbeitnehmer mit einem Nebenverdienst sollen nur dann von der Unterstützung ausgeschlossen sein, wenn sich das monatliche Gesamteinkommen der Haushaltung mit einem Kind aus 149 M. beläust, für jedes weitere Kind erhöht sich die Grenze um 15 M. Beim Nachtragsetat des Ministeriums für Ernäh- rung und Landwirtschaft wurde ein Notstandskredit von 15 Millionen Mark für die Winzer bewilligt. Die Genossin Schuch beantragte, eine neue Position von 5 Mil- lionen Mark für Zwecke der Kinderspeisung einzusetzen. Im Gegensatz zu den Regierungsvertretern, die angaben, daß für das laufende Jahr noch genügend Mittel vorhanden seien, erklärte die Genossin Schuch, daß die letzten Mittel bereits im September an die Länder gegeben wurden und daß daher bei der stetig steigenden Not unbedingt neue Mittel bewilligt werden müßten. Um den Widerspruch aufzuklären, wurde der An- trag an einen Unterausschuß gegebe»._... Hefthieöene Leute- Ter Strirlz durch den ttvmmunistcntisch. In dieser Zeit der Wohnungsnot ereignet es sich nicht selten, daß Eheleute, die sich scheiden ließen, doch in demselben Raum zu- sammcnbleiben müssen. Man zieht dann einen Krcidestrich über den Fußboden oder stellt eine spanische Wand auf. Achnliches hat sich jetzt im Restaurant des Reichstages voll- zogen. Dort sieht mqn einen Tisch mit zehn Stühlen. Auf der einen Seite des Tisches prangt eine Tafel mit folgender Inschrift: S Plätze-, nur rilr die koirnnunislische Keichslagsrnklion und die von Ihr elngelUhrten Oasie. Während auf der anderen Hälfte desselben Tisches eine zweite Tafel folgendes verlautbart: S Plätze nur kür die linken Kommunisten und die von Ihren eingcfOhrtcn Oäsie. Da wird man nun sehen können, wie Thälmann knurrend einen Knochen benagt, während Schalem ihn argwöhnisch beobachtet. Da wird man erleben, daß einer durch Moskaus Bannstrahl von einem Ende des Tisches zum andere» geschleudert wird, von den Aus- erwählten zu den verworfenen, den Agenten der Bourgeoisie! Gestern war schon der Tisch ein Gegenstand höchsten Interesses jür den ganzen Reichstag. Mussperrung in Sachsen-Thüringen. Schiedsspruch des Reichsarbeitsministerinms— Aussperrung von 26 000 Arbeitern» Gero, 29. November.(1B1B.) heule nachmittag tagten die Zlnternehmer der sächsisch-thüringischen Textilindustrie in Greiz, um zu dem von den Arbeitern angenommenen Schiedsspruch der Ber- liner Schlichterkammer, der eine sechsprozentige Lohnerhöhung vor- sah, Stellung zu nehmen. Die Unternehmer lehnten den Schied». spruch ab. Die Zolge wird sein, daß. wenn der Streik weitergeht, ob morgen 2 6 00 0 Textilarbeiter ausgesperrt we r d e n. Wie uns dazu aus Gera berichtet wird, hoben die Beratungen der Unternehmer sehr lange gedauert. Es ist den Scharsmachern offenbar nicht leicht geworden, die Oberhand zu gewinnen. Der B eschluß der Textilindustriellen des Bezirks Sachfen-Thüringen, 26 990 Arbeiter auszusperren, weil einige hundert Arbeiter in zwei Betrieben wegen Lohndifferer.zen die Arbeit niedergelegt Häven, dürfte wahrscheinlich nur zustandegekommen sein, weil die Unter- nehmer die stille Hoffnung haben, daß der am Freitag im Reichs- arbeitsministcriuni gefällte Schiedsspruch für verbindlich er- klärt werden wird. In der niederrheinischcn Seidenindustrie ist es den Arbeitern gelungen, nach einem kurzen Streik eine zehnprozen- »ige Lohnerhöhung dlirchzusegea Die streikenden Arbeiter von Gera fordern ein« Lohnerhöhung von 16 Proz. Der Schieds- spmch, der den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 6 Prozent zu- spricht, ist also ein für die Unternehmer, sehr annehmbarer Per- gleich. Denn diese Lohnerhöhung ist nicht nur sehr bescheiden, sie bindet auch die Arbeiter bis zum 1. September 1927. Gleichzeitig ist diese Lohnerhöhung aber für die glänzend florierende Textilindustrie durchaus erträglich. Bielleicht werden in- folge der Lohnerhöhung die stillen Reserven, die in der Textil- industrie aufgehäuft werden, etwas weniger groß ausfallen. Die Dividenden werden davon sicherlich nicht bedroht. Wenn die Löhne in der Textilindustrie heute die n i e d r i g st c n sind, die Lage der Textilarbeiter und insbesondere der Textilarbeiterinnen, «in« elend« ist, so ist die Lag« der Textilindustriellen eine ebenso glänzende und die Dividenden in der Textilindustrie gehören zu den h ö ch st e n der Nachkriegszeit. Wenn die sächsisch-thüringischen Textilindustriellen trotzdem beschließen, über den Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums zur Tagesordnung überzugehen und als Antwort darauf 26 999 Arbeiter und Arbeiterinnen auszusperren, so ist das eine Heraus- forderung, wie sie wohl nicht schärfer ausgedacht werden kann. Die Unternehmer in der sächsisch-thüringischen Textilindustrie pochen auf ihre Geldsäcke, auf ihre Bankguthaben, aus ihre offenen und stillen Reserven und erklären, daß der Schiedsspruch des Reichs- arbeitsministeriums für sie nicht existiert. Sie können es sich leisten, ihre Fabriken zuzusperren und die Arbeiterschaft auf die Straße zu setzen Damit aber beweisen sie erst, was sie abzuleugnen versuchen: daß es ihnen sehr leicht fallen würde, den Schiedsspruch zu erfüllen. DieKpd. üurch Kommunisten gebranümarkt Gewerkschaftliche Hetze in Oberschlesicn. hlndenburg, 29. November.(Eigener Drahtbericht.) Die ober- schlcsischen Bergarbeiter beschäftigten sich in der Reoierkonferenz am Sonntag nach einem Referat des zweiten Bundesvorsttzenden Waldhecker- Bochum und des Bezirksleiters Franz- Gleiwitz mit der dauernden Hetze, die von der Kommunistischen Partei und ihrer Presse gegen die Verbandsfunktionäre des Bergarbeiter- Verbandes getrieben wird. Die Kommunisten, vor allem der ober- schlcsische Gewerkschaftsdezernent, der Reichstagsabgeordnete I a d a s ch, hatten sich wieder einmal bemüßigt gefühlt, anläßlich der letzten Lohnverhandlungen, bei denen die Bezirksleitung gegen den heftigen Wiedcrstand der Unternehmer einen Schiedsspruch auf vicrprozentige Lohnerhöhung erreichte, von„Berrat der Arbeiterinteressen durch die sozialdemokratischen Verbands- funktionärc" zu sprechen. In der Debatte ergab sich, daß selb st die anwesenden k o ni m u n i st i s ch c» B e r b a n d s f u n k t i o n ä r e die Hetze der KPD. und ihrer Presse ablehnten. Zum Schluß wurde bei An- Wesenheit von ZW Delegierten durch ZZ1 Delegierte bei fünf Stimm- enthaltungen e i n st i m m i g eine Resolution angenommen, die die Taktik der Bezirksleitung in der Lohnfrage billigt und in schärfster weise die kommunistische Heß« als verbandsschädigend ablehnt. Weiter wurde darauf hingewiesen, das gelbe Agita- toren unter Hinweis auf die Kommuni st enhetze zum Austritt aus den freien Gewerkschaften auf- fordern. In einer zweiten Entschließung wurde diese Folge kommunistischer Hetze an den Pranger gestellt. Die Reoierkonferenz forderte e i n st i m m i g, mit den Stimmen fast aller kommu, nistischen Delegierten, die Kommunisbische Partei und ihre Presse auf, darauf hinzuwirken, daß im Interesse der Ge- werkschaften diese Hetze e i n g e st e l l t wird. Mit diesem großen Erfolg der Bezirksleitung ist die kommunistische Hetze, die in Ober- schießen in den letzten Wochen von neuem aufflammte, voll- ständig zusammengebrochen. Streikbeschluß iu üer Mzahlungsbranche. Wegen verweigerter Lohnerhöhung. Am Freitag nahmen die in den Berliner Abzahlungsgeschäften beschäftigten Transportarbeiter den Bericht über die Lohn- Verhandlung entgegen. Trotzdem das letzte Lohnabkommen seit August bzw. Oktober o. I. besteht und trotz oerhällnismäßig guten Geschäftsganges lehnen die Arbeitgeber jede Lohnerhöhung ab. In einer äußerst stürmischen Diskussion beschäftigte sich die Bersamm- lung mit dem unsozialen Verhalten der Arbeitgeber. Ein Antrag, s o s o r t die Arbeit niederzulegen, wurde zurück- gezogen, nachdem ein Antrag, welcher den Streik beschließt, e« aber der Berbandsleitung überläßt, Zeit und Art des Kampfes zu bestimmen, angenommen wurde. Schäülinge üer flrbeiterbeweguna. Die hehlügen der APD. Die KPD. ist unter die Reformisten gegangen. Mit der revolutionären Periode ist es vorbei. So will es Moskau. Es wird kein Aufstand mehr vorbereitet, kein Putsch in Szene gesetzt, nicht einmal ein Generalstreik versucht. Die KPD. ist hübsch zahm geworden. Die Kapitalisten können ruhig schlafen. Da man aber den eigenen Anhängern nicht wagt, klaren Wein einzuschenken, muß man so tun, als wäre man wunder wie rcöolutionär. Dieses scheinbar unlösbare Problem löst die KPD. sehr einfach, und zwar auf dem Rücken der Arbeiter- schast. Sowie die Sozialdemokratie oder die Gewerkschaften irgendeine Forderung aufstellen oder einen Gesetzentwurf einbringen, versuchen die Kommunisten sie zu übertrumpfen. Nicht etwa zu übertrumpfen durch sachliche Mitarbeit, sondern durch Aufstellung von Forderungen, deren Aussichtslosigkeit von vornherein feststeht und die nur den einzigen Zweck haben, die Arbeiterschaft gegen die freien Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratie zu verhetzen. Daß diese sonderbare Art, reformistisch zu sein, gleichzeitig die Arbeit der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie erschwert und die Stoßkraft der Arbeiterschaft schwächt, ist eine Begleiter- scheinung, über die ßch die Kommunisten keinerlei Gedanken machen. Die Hauptsache für die Kommunisten, sie erscheinen als „Revolutionäre"' und sie können ihre gewissenlose Hetze gegen die Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratie fortsetzen. So ist es auch fetzt wieder bei dem N o t g e s e tz. Selbst haben die Kommunisten bisher keinen Finger gerührt. Es mußten erst die Gewerkschaften eine Aktion unternehmen, um auch die KPD. auf den Plan zu rufen. Die Gewerkschaften fordern, daß der Reichstag auf dringlichem Wege ein Gesetz beschließt, wodurch die zulässigen Ausnahmen vom Achtstundentag, die die Arbeitszeit- Verordnung vom 21. Dezember 1923- vorsieht, wieder in Weg- fall kommen. Darauf hat die KPD. einen Gesetzentwurf aus- gearbeitet, der den Sieben st undentag verlangt. Hätten die Gewerkschaften den Siebenstundentag verlangt, so würde die KPD. sicherlich den Sechsstnndentag als Mindestforderung ausgestellt haben. Die KPD. weiß natürlich, daß ihre Forderung keinerlei Aussicht auf Verwirklichung hat. Ob sie nun Siebenstundentag oder den Sechsstundentag im Reichstag fordert, ist. an sich völlig belanglos. Gefährlich können solche Forderungen den Kapitalisten gewiß nicht werden. Gefährlich wird dieser kommunistische Reformismus nur der Arbeiterschaft. Durch eine beispiellos verlogene Hetze be- müht sich die KPD., die Arbeiterschaft zu spalten, die Stoßkraft der Aktion der Gewerkschaften dadurch zu schwächen, daß sie ihre Anhänger in den Gewerkschaften gegen die Forderungen der Ge- werkschaften mobil macht. Es wird von der Leitung der KPD. nicht etwa versucht, sich sachlich mit der Forderung der Gewert- schaften auseinanderzusetzen, sondern es wird die verleumderische Fälschung begangen, zu behaupten, die Gewerkschaften forderten den Zehnstundentag und hätten sich schon mit den Kapitalisten darübe? geeinigt. Wenn die KPD. glaubt, ihre Anhänger dauernd dadurch täuschen zu können, daß sie Hetzlügen gegen die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie verbreitet, so wird sie bald erkennen müssen, wie sehr sie auf dem Holzwege ist. So wie kürzlich die General- Versammlung der Gemeindearbeiter die verlogene Hetze der KPD. gestäupt hat, wie die Arbeiter der AEG.-Turbine, deren Betriebs- Vertretung zur Hälfte aus Kommunisten besteht, vorige Woche bei den Wahlkörperwahlen sämtliche Kommunisten hinausgewählt haben, wie am Sonntag die KPD. in Oberschlesien von ihren eigenen Anhängern gebrandmarkt wurde,, so wird diese Hetze auch von der gesamten Arbeiterschaft bald durchschaut werden. Lügen haben kurze Beine. Schutzmaßnahmen für ältere flageftellte. Ein Erfolg des AfA-vundes. Um der Not der älteren Angestellten zu steuern, die unter der Ungunst der gegenwärtigen Wirtschaftslage vielfach besonders schwer zu leiden haben, hat der Herr Reichsminister der Finanzen soeben einen Erlaß herausgegeben, der im Reichsfinanzblatt veröffentlicht wird. Der Erlaß ficht einen Kündigungsschutz und die Berück- sichtigung älterer Angestellter bei der Besetzung freier An- gestelltenstellen vor. Der Herr Minister macht es allen ihm unterstellten Dienststellen zur Pflicht, auf die älteren Angestellten besondere Rücksicht zu nehmen und sie vor dem schweren Los der Arbeitslosigkeit zu bewahren. Sollten sich in Einzelfällen Kündigungen nicht vermeiden lassen, so ist bewährten älteren Angestellten mit Familie in letzter Linie und erst dann zu kündigen, wenn sich ihre Ueberweisung an eine ander« Dienststelle nicht ermöglichen läßt. Um Ueberweisungen an andere Dienststellen zu erleichtern, können Anträge auf Umzugstostenbeihilfe (§ 37 Abs. 2 RAT.) vorgelegt werden. Wo sich Gelegenheit zu neuen Beschäftigungen bietet, sind Bewerbungen tüchtiger älterer Angestellter mit Familie vor anderen Gesuchen zu berücksichtigen. Arbeitsbeschaffung und Verkehrsministerium. Roch immer zwölf Stunden Arbeitszeit. Im„Vorwärts" Nr. 547 vom 29. November 1926 berichteten wir über die 12stündige Arbeitszeit bei der Finna Leymann in d:r Gegend von Fürstenwalde. Die Arbeiten sind vom Reichsverkehrs-' Ministerium im Rahmen des Arbeitsbesch affungs- Programms vergeben. Obgleich der Reichsarbeitsminister durch Erlaß vom 9. November 1926 die Sozialminister der Länder dringend aufgefordert hat, die verlängerte Arbeitszeit zu oerhindern um durch das vom Reichskabinett beschlossen« Arbcitsbeschafsungsprogramm. möglichst viel Arbeiter zu beschäftigen, sabotiert das Reichs-' Verkehrsministerium die Beschlüsse des Reichskabinetts und die Erlasse des Reichsarbeitsministers. Herr Arbeitsminister, es wird Zeit, daß Sie für die Durchführung Ihrer Erlasse durch das Reichsoerkehrsministerium sorgen! Lohnkonflikt im Rhein-Mainstan. Frankfurt a. AI., 29. Novernber.(Eigener Drahtbericht.) Die Lohnoerhandlungen der Gemeindearbeiteroerbändc des Frankfurier Bezirkes mit dem Rhein-Mainifchen Bezirksarbeitgeberverband haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Am Dienstag kommt der Lohnstreit vor das Schiedsgericht, von dessen Spruch es abhängen witzd, ob ein Lohnkampf der städtischen Arbeiter mit all seinen w- hängnisvollen Folgen für das Wirtschaftsleben unterbleibt. Achtung! Bauarbeiter. Baumaschinisten und Heizer! Am Mitl- woch, dem 1. Dezember, gilt im Tarifgcbiet Groß-Bcrlin die�sieben- stündige Arbeitsschicht. Die tägliche Arbeitszeit bis zum 31. Januar 1927 verteilt sich unter Berücksichtigung der Witterungs- und Licht- Verhältnisse wie folgt: Anfang 8 Uhr, Frühstück 9 bis 9X Ith!, Mittag 12 bis 12� Uhr, Feierabend 4 Uhr, Sonnabends bi- 3)4 Uhr. Wo die Lichtoerhältnisse es gestatte»(geschlossene Haue-' bauten mit ausreichender Beleuchtung�, kann bis zu 8 Stunde,» gearbeitet werden. Die Kollegen sind verpflichtet, im Interesse ihrco eigenen Sicherheit die Winterarbeitszeit innezuhalten. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin, Verband der Maschinisten und Heizer. Achtung, Zimmerer! Alle Zimmerer Berlins und Umgegend werden hierdurch darauf hingewiesen und ausdrücklich verpflichtet. unbedingt die übliche Winterarbeitszeit in Berücksichtigung der Witterungs- und Lichtverhältnisse einzuhalten. Für die Winter- zeit vom 1. Dezember 1926 bis 31. Januar 1927 ist die ortsübliche Arbeitszeit für das Lohngebiet: Berlin, Potsdam, Spandau, Nowawes, Großbcercn, Königswusterhauscn, Oranienburg und Bellen folgendermaßen: Ansang 8 Uhr, Frühstück 9— 9)- Uhr, Mittag von 12—12)1 Uhr, Feierabend 4 Uhr, tägliche Arbeitszeit 7 Stunden. Sonnabends Feierabend 3)4 Uhr, Arbeitszeit 6)4 Stunden. Weiter ist noch folgendes zu beachten: Der Uebcrgang von der Sommerarbeitszeit zur Winterarbeitszeit soll nur mit Anfang der neuen Lohnwoche geschehen. Seit Iahren besteht für das Baugewerbe der, Mittwoch als erster Tag für die neue Lohnwoche, es tritt somit die Winterarbeitszeit ab Mit t« och, den 1. D c- zember 1926 in Kraft. Alle Zimmerer des Hoch-, Beton- und Tiefbaugewerbes haben die Pflicht, die Winterarbeitszeit aus Gründen der erhöhten Unfallgefahr und Arbeitslosigkeit unbedingt einzuhalten. Zentraloerband der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin und Umgegend. Arbeitsrechklichc Ausfprachc-Abende für Belriebsräle. Di« D?�> liner Gewerkschaftsschule bittet uns, mitzuteilen, daß der Arbeitsrecht« liche Ausfprache-Abend für Betriebsräte des Genossen Clemens N ö r p e l infolge der Werbeschau der Konsumgenossenschast, die sämtliche Säle im Gewerkschaftshaus belegt hat, heute abend 7 Uhr im Saal 9 des Gewerkschaftshaufes, Engelufer 24/26, stattfindet. Der Tarif der kaufmännischen Angestellten im Mannheimer Einzelhandel ist auf Betreiben des Zemraloerbandes der Angestellten vom Schlichtungsausschuß bis zum 31. März verlängert worden. Di« Kündigung des Tarifs durch die Einzelhändler erfolgte zu dem Zweck, die Sonntagsarbeit sowie die täglich« Arbeitszeit �u v c r- l ä n g e r n und den Urlaub zu kürzen. Achtung, SPD.-Belriebsfunkkionäre! »Der Nimvfcr» Nr. 11 ist frrjiftgestcllt und kuun sofort im Bureau Linden- straß« 3 adacholt werden. Besonder» die Bertretcr der Mittel- und j>le:n- betriebe werden u« beten, da» Material abzubalen.«»»wei, ist witiiubrinacn. _ Da» Bctrieb»sekretariat. Achtung, Graphisches Gewerbe! .Der ftänufer' ist soeben b«rnu»!ieremwen und lann»on beute srüb ab inr »rapblschen«ereiuehau»,«lexaadriueastr. 44, bei Sennin«. aba-boU werden. HB« Betriebe mSsse» sich a» der«erbreitun» uaserer Propagandaschrist b:- teiligea. Der arapbische Berbeausschud. VPD.-Feuerwebr-Seuossen! Am Mittwoch vormittag 10 Ilbr und am Donnerow«. 2. Dezember, nachmittag» 1 Uhr. im Iug-rndlirim Lindenstr. 3, 2. Sof. 8 Treppen, grob» Werbeversamml»»«.« Thema: .Unsere stommunalpolitil im Berliner Ralhau» und die Besoldung der zeuerwelrrbeomlen*. Referent Genosse Stadtrat Wendt. 2. Organi- satorische». Erscheinen aller Genossen und Snmpathisiercnden erwünscht. Der Wtrbeousfchub. vrtsauolchub Berti» de« ADSB., lluterauoschsb Schöurberg. DonncroUfi. 2. Dezember. 7t4 Uhr, im Lokal Will. Martin-Luther-Str. bS, Vcrsaniml»»« der Sewerkschesttsfunktionär« de» II. Berwaltungsbezirk». Tagesordnunii: 1..3 st die Errichtung einer wetltlichcn Schule für Schöncberg und lftirdenau mSgltch?" R-serenr Genosse Eschbnch. 2.„Sozialistische oder kapitolistii-! c Wirtschaftsformen?" Referent Genosse Emil Buchbolz. 8. Aussprache Er- scheinen unbedingt notwendig. Gewerkschaft«, ntelau-schnb SchSncbera-ifriedenau. irrci« Gewerkschaft« jugend. Seute. Dienstag. Uhr, tagen die Gruppen: Fronksurter«Ire: Gruvpenheim Städtisches Jugendheim Tilsster Str. 4 3, 1 Tr. Di« stolleaen Waschinskn und Rupp berichte» von ihrer gericnfohrt.— Landoberger Plch,: Srupvenheim Dieistelmencrstr. 5. Vortrag:„Gcwerlschaitcn und Betriebsräte".— Lichtenberg: Grupvenheim Jugendheim Dosscstr. 22. Bortraa:.Technik im Altertum".— Treptow: Sruppenheim Schule Wilden- bruchstr. M/54 lSortzimmer). Seimbesprechuna.— Roidkrejs-Aur«: Luxem- burger Strasse 7. Thema:.Geschichte der deutschen Gewerkschaften". Berantwortli» sllr Bolitit- Dr. Eurt»euer: ZSirtschaft:«rtur Satcen»»: Deweresch-ftsbeweaun«: Triebe,«dkorn: sseuilleton: St. K. Discher: Lokale, und Sonstiges: Trist«grstadt: Anzeigen: Tb.«locke: sämtlich in«erlin. Verlag: Borwärts-Verlag D. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts, Buchdrnckcret und BerlggsanNalt«aul Singer u. Co. Berlin TW 88 LindenNroste 2. SierM 8 Beilogen,.Uuterhaltuag und Wissen" und.Zugend-Borwärts". enn man infolge Lleberarbeitung, Krankheit, Nervosität:c. das Bedürfnis nach einer gründlichen Kräftigung und Auffrischung verspürt, dann versuche man das wohlschmeckende Biomalz. Es gibt wohl kein einfacheres, bequemeres und angenehmeres Mittel; keines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kräftegefühls tritt fast immer eine auffallende Besserung des Aussehens ein. Man fühlt sich geradezu verjüngt. 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Bis vor zwanzig Jahren noch führte hier eine alte hölzerne Zugbrücke über die Spree, die schlecht und recht ihre Aufgabe erfüllte. SU wurde erneuert. Nicht nur des gestiegenen großstädtischen Verkehrs wegen, sondern vornehmlich deshalb, damit die im Westen Berlins gelegenen Truppenteile der Garnison bequemer und schneller den Tegeler Schießplatz erreichen konnten. Aus diesem Grunde hatte bei dem Neubau der Ma- gistrat der damaligen Stadt Charlottenburg nicht allzuviel mitzu» reden: der Staat setzte ihm einfach die fertige Brücke über die Spree. Sie war nur für Fuhrwerke bis 9 Tonnen Gewicht gebaut, und so zeigte sich denn bald, daH für den anwachsenden Verkehr nach Siemensstadt hin die Brücke zu schwach war. Die Fundamente senkten sich und bereits im Jahre 1916 mußten entstandene Ri se ausgeflickt werden. Aber Flickwert bleibt Flickwerk, und so kam die Katastrophe, die am 3. Dezember v. I. urplötzlich zur Sperrunq der führte. Es hatte sich hr-------'i"'.-~ � . schien und daß der ganze___________„.......... war, ins Wasser zu fallen. Die Berkehrskalamitäten, die sich aus 0,;.'— rv-'--------�v0v...w4. V.(jut w�eiiuiiu uci Brücke führte. Es hatte sich herausgestellt, daß die Fundamente wegrutschten und daß der ganze Brückenbogen in äußerster Gefahr war. ins Wasser zu fallen. Die Berkehrskalamitäten, die sich aus dieser etwas plötzlichen Außerbetriebsetzung sür die Anwohner dieses Stadtteiles ergaben, sind noch in frischer Erinnerung. Bolle sechs Wochen brauchte man, um eine hölzerne Notbrücke zu bauen, die nur ein Straßenbahngleis führt, den Wagenverkehr gänzlich aus- schaltet und für die Fußgänger ebenfalls völlig unzureichend ist. Dann setzte sich der Amtsschimmel in Trab. Langsam und gemütlich kam man zu Verhandlungen mit dem preußischen Staat darüber, wer denn nun den Brllckenneubau zu bezahlen hätte. Die Ersah. rungen mit der allen staatlichen Schloßbrücke reizten nicht dazu, den Bau wiederum durch den Staat ausführen zu lassen. Es wäre auch insofern ein kommunalpolitisches Kuriosum gewesen, als der Bezirk Charlottenburg die einzige im Besitz des Staates befindliche Brücke von Berlin gehabt hätte. Endlich, am 9. Juli d. I. kam eine Magistratsvorlage an die Stadtverordnetenversammlung: Wir sind einig, der Staat zahlt 570 000 M. und die Stadt 370 000 M. Nun sind viele fleißige Hände endlich, endlich daran gegangen, den alten Brückenkörper abzureißen. Ein ganzes Jahr hat man dem alten, in Pension geschickten Eisengerippe noch zu leben gegeben. Ein weiteres Jahr wird es dauern, bis an Stelle des allen, so schnell ausgedienten, eine Brückenneukonstruktion erstehen wird, die nur nach Verkehrsrücksichten und Notwendigkeiten gebaut ist.— Die neue Brücke wird für Fuhrwerke bis 20 Tonnen Traglast gebaut und sie wird breiter als die alte Brücke. Ihre Richtung wird schräg über die Spree führen, damit der scharfe Bogen an den Auffahrtrampen vermieden wird. /n Treptow wird verbreitert! Charlottenburg: Nach 20 Jahren altes Eisen. Noch eine zweite Brücke hat sich für den Verkehr unzureichend erwiesen: die Eisenbahnbrücke, die Stralau mit Treptow verbindet. Dem Fuhrwerksverkehr bot sie schon immer nichts, denn sie war nur für Fußgänger eingerichtet. Das aber mit einer Unzulänglichkeit, die großstädtischen Verkehrsverhältnissen längst nicht mehr entsprach. Die ansteigenden Rampen sind schon einmal nach der Treptower Seite hin verbreitert worden. Der Engpaß zwischen Drahtgllterzäunen hindurch nach Stralau zu blieb aber eng wie er war und auch der Gehsteig auf der Brücke selbst bildete fast ein Verkehrs Hindernis. Nun ist man dabei, auch diese Brücke dem Bertehr anzupassen. Der jetzt anderthalb Meter breite Gehsteig wird vier Meter breit werden; eine Verbreiterung der Stralauer Rampe durch Hinzunahme eines Teiles des Protzenschen Gartens ist ebenfalls vorgesehen. Dampframmen, Bagger und �Zisen- konftrukteure sind eifrig am Werke, bald wird die Arbeit vollendet sein. Der Fuhrwerksverkehr wird aber weiter noch zwischen Nieder- schöneweidc und der Oberbaumbrücke in Berlin zu wählen haben. Im Gesundheilshaus am Kreuzberg, das in wenigen Tagen wieder feine Pforten öffnen wird, ist die Ausstellung oermehrt durch die Ausstellung„Der A r z t". Es handelt sich hier um Aus- ftellungsstücke des Arzt-Hauses in Düsseldorf, das bekanntlich von einem Berliner Arzt im Auftrage der deutschen Aerzteschast in Düssel. darf errichtet worden ist. Die Ausstellung zeigt das Leben und Wirken und den Beruf des deutschen Arztes an Hand einiger Dioramen und bildlicher Darstellungen. weitere tzilfe für üie Erwerbslosen. Der sozialdemokratische Antrag im Ausschuß. Der am Donnerstag von der Stadtverordnetenversammlung den, Erwerbslosenausschuß überwiesene Antrag der s o z i a l d e in o- k r a t i s ch c n Fraktion, der die Linderung der erschreckenden N o t der Erwerbslosen zum Gegenstand hat, beschäftigte gestern den Ausschuß längere Zeit. Die Vertreter des Magistrats waren stark vertreten. Don den Vertretern der Sozialdemokratischen Partei wurde der Dringlich- keitsantrag eingehend begündet und ausdrücklich betont, daß die Forderungen, die in dem Antrag enthalten sind, als Mindest- forderungen gellen müßten, die unter allen Umständen durch- geführt werden müßten. Bürgermeister Scholz ergriff als Ver- treter des Magistrats das Wort und betonte, daß die Forderungen durchgeführt werden könnten. Er schließe sich den Stadtverordneten an. Besonders betonte der Bürgermeister, daß im Etat bereits beträcht- liche Mittel zur Verfügung gestellt seien. Der ebenfalls anwesend« Stadtrat Genosse Brühl machte die Mitteilung, daß das Reich bereits drei Millionen Mark für den Bau von Arbeitsnach- weisgebäuden bereitgestellt habe. Dem Ausschuß erschien diese Summe allerdings reichlich gering. Um ihr Agitationsbedürf- nis zu befriedigen, stellten die Kommunisten«ine Reihe Anträge. Bezeichnend ist die Arbeitsfreudigkell der Bürgerlichen in diesem Ausschuß, wenn es sich um Erwerbslosenfragen dreht und zumal, wenn die Sitzung mehrere Stunden dauert. Dann verschwindet einer nach d«m anderen von ihnen. Der Antrag der Sozialdemo- traten wurde gegen die Stimmen der Bürgerlichen mit einigen Abänderungsanträgen angenommen. Es wird zum Beispiel ver- langt, daß die Bauten, die mll Mitteln der Hauszinssteuer erbaut werden, in erster Linie in kommunaler Regie auszuführen sind. Weiter wurde verlangt, daß eine bedeutende Erweiterung der Betriebswerkstätten der Berliner Anschaffungsgesellschast durchzu- führen sei. In einem besonderen Antrag wird der Magistrat ersucht, mit der Straßenbahngesellschast in Verhandlungen zu treten und darüber zu verhandeln, daß den Erwerbslosen die Fahrt zum Arbeits Nachweis sowie zu einer nachgewiesenen Arbeits- stelle unentgeltlich gestattet wird. Die Vertreter des Landes- arbeitsamtes sowie der Magistrat werden ersucht, bei der Reichs- regierung dahin zu wirken, daß der§ 10 Absatz 2 sür die Erwerbslosenfürsorge gestrichen wird. Endlich wurde beschlossen, daß die Notaktion fortzuführen sei und zu den im Etat bereits befindlichen Mitteln weiter« 5 Millionen Mark zu bewilligen seien. Mit diesen Abänderungsanträgen wurde der Antrag der Sozial- demokraten angenommen. Am Donnerstag wird die Stadtverord- netenversammlung zu den Beschlüssen des Ausschusses Stellung nehmen. Beginn des Prozesses Spruch. Am heutigen Dienstag beginnt um 10 Uhr vor dem erweiterten Schöffengericht Charlottenburg unter Lorsitz de» Land- gerichtsdirektors C r o h n e die Verhandlung über den unter außer- gewöhnlich aufsehenerregenden Umständen ausgeführten Juwelen- raub in der Tauentzicnstraße. Di« Verhandlung findet im Großen Schwurgerichtssaol des Alten Kriminalgerichts stall. Mll Rücksicht auf den zu erwartenden Massenandrang wird auf Anord- nung des Vorsitzenden eine Absperrung des Gerichtsgebäudes und ein umfangreicher Sicherungsdienst vorgenommen werden. Es sind auch etwa 100 Eintrittskarten ausgegeben worden, und es wird bestraften Handelsmann Johannes Spruch, seine Schwester Charlotte Spruch und die Filmstatistin Else Ring- Hausen. Spruch ist angeklagt, gemeinschaftlich mit dem noch flüchtigen Schmied Paul Gcrlach, dem sogenannten„Matrosenpaul" oder auch.Schmiedepaul", am 22. September in dem Juwelen- geschäft von Marotti u. Freink in der Tauentzicnstraße den Raub unter Anwendung von Waffen verübt zu haben. Die wunöer öer Klara van tzaag. 25] von Johannes Luchhoitz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Im selben Stuhle saßen Postmeister Weiß und seine geputzte kleine Frau. Hedwig kannte zwar alle, die in der Kirche waren, und zu denen im obersten Stuhl aufzublicken, war sie von Kindesbeinen auf erzogen worden, aber jetzt hatte ihre Gnädige ihre Meinungen in einigen Fällen kapheister sch'eßen lassen. Daher hatten ihre Augen nicht immer den faden Ausdruck der Ehrerbietung; über den Zollverwalter rümpfte sie die Nase, und über Eisengießer Rothe hob sie die Mundwinkel. Ueber letztgenannten gemütlichen Herrn hatte Frau van Haag gesagt, man könne die Rückseite eines Grinsens an seinem fetten, überhängenden Nacken sehen. Das stimmte, wie Hedwig feststellte. In einem besck>eidenen Winkel entdeckte sie ihren alten, krummgebeugten Freund, Zollassistent Poulsen, der sang und an seinen Manschetten schraubte. Der Choral ging schnell zu Ende, und das Gebet begann. Da hörte Hedwig einige bekannte Stimmen; sie wandte den Kopf und sah, daß es ihre Eltern und Emanuel waren, die leise flüsternd dastanden und sich nicht für einen Platz ent- schließen konnten. Sie konnte hören, daß sie stehen blieben, bis das Gebet ausgebetet war, worauf sie einen der hintersten Stühle wählten. Während der letzten Strophen eines Liedes stieg der Pastor geisterhaft auf die Kanzel und blickte über die Ge- nieinde. Der Pastor war ein schöner Mann. Hedwig spürte em weiches, kindliches Gefühl ihre Brust wärmen, als seine flüsternde Stimme einsetzte. Seine Augen waren groß und tief; sie konnten die ganze Gemeinde auf einmal fassen. Aber schon, als er die ersten Male Atem schöpfte, hob er gleichzeitig seinen Blick; der nahm die Richtung nach rechts, und dort blieb er hängen. Hedwig sah unwillkürlich nach derselben Stelle— ja, da hing Johans Gerüst. Es wurde ein unvergeßlicher Kirchgang für Hedwig. Iohan, und was sein war, stiegen in ihrem Urteil ins Schwindelnde. Sieh, jetzt lehnte auch Rothe seinen Stiernackcn nach hinten, und der kleine Kaufmann Lund putzte seinen Kneifer, um die Einzelheiten zu sehen. Er räusperte sich selbst- bewirßt und puffte seine Tochter Minna. Es war sein Per- dienst, daß das Gerüst dort hing! Schließlich waren nur noch ein paar Menschen in der Kirche, die nicht in der falschen Richtung nach dem neuen, schwebenden Altar sahen. Das waren der Herr von Gammel- hauge, Zolloerwalter van Haag und Hedwigs Bater. Sobald die Predigt vorüber war, mußte Hedwig gehen. Sie nickte auf dem Wege der Mutter und Emanuel zu, aber der Bater sah sie nicht; er saß mit gefalteten Händen und ver- klärtem Gesicht da. Tag und Nacht dachte Hedwig an Iohan. Sie befand sich in eier einzigen Ekstase. Sein Gerüst hatte einen anderen Platz gefunden: er arbeitete in einem der hohen kleingetäfelten Fenster. Bon ihrer Kammer und von den Stuben aus konnte man seinen Kittel schwingen sehen. Zuweilen konnte sie auch sein sonnenverbranntes Gesicht und das helle Wikingerhaar sehen, das sich gegen die Scheibe beugt«; wenn das aber geschah, zog sie sich geblendet zurück. Sie kam ihm nicht näher; nur hie und da erhiell sie seinen großen Gruß, wenn sie zu den rechten Zeiten die Kirche passierte. Da. zu Anfang August, als die hellen Nächte nordwärts gezogen waren, kam die Gnädige eines Abends in Hedwigs Kammer geschossen und sagte die zwei Worte:„Er spielt!" Ihre Stimme war so erregt, als hätte sie gesagt: Es brennt! Hedwig wurde mitgerissen; sie sprang aus dem Bett, und obwohl sie monatelang nicht über Iohan gesprochen hatte, sagte sie nur:„Wo?" „In der Kirche! Hör'!" Sie traten ans Fenster und als sie das Gehör eingestellt hatten, spann ein Ton sich wie ein goldener Faden aus dem Dunkel heraus und verband drei Menschen. Doch nur für einen Augenblick, dann wußten zwei nicht bestimmt, ob es nur das Blut war, das ihnen in den Ohren rauschte. „Komm!" sagte die Gnädige und griff Hedwig fest ums Handgelenk. Das Mädchen wäre fast im bloßen Hemd gegangen, besann sich aber doch so viel, daß sie sich losriß und etwas Zeug überwarf. „Warten Sie! Warten Sie auf mich!" bat sie wie ein Kind, sobald die ungeduldige Frau Klara sich rührte. Als sie vor dem Zollamt standen, sagte die Gnädige:„Wir müssen auf den Hang hinauf. Der Kies knirscht." Hedwig nickte und sie liefen zwischen Fliederbüschen und Brennesseln, bis sie an der Kirchmauer standen. Schon jetzt tonnten sie Johans Geige drinnen hören, aber erst, als sie in die Tür des Seitenschiffes traten, kam etwas Zusammenhang in die Töne. Hier konnten sie in Sicherheit stehen. Iohan hatte selbstverständlich nur den Schlüssel zur Borhalle. Hedwig zitterte vor Aufregung. Es war etwas überaus Schauder- erregendes, so nahe an der sinsteren Kirche zu stehen und ihr Musik entströmen zu hören. Denn wer konnte sagen, daß es Iohan war, der drinen in der Dunkelheit spielt«? Ach. nein, er war es gar nicht, sondern einer von den Toten, der spukte. Kein Lebender konnte so seltsame Töne hervorbringen. Kein Lebender hatte auch den Mut, allein in einer nachtdunklen Kirche zu sein. Die aus den Gräbern zxllrden eine solche Erscheinung nicht dulden. Die Stein« würden beffeite geworfen werden und Gestalten in zerfetzten, erdigen Leinentüchern würden ihn mit dünney Fingern am Halse packen.... Hedwig preßte sich eng an Frau van Haag und wünschte sich heim, aber da erklang die Stimme der Gnädigen ganz nah an ihrem Ohr, vollkommen klar und ruhig:„Der Mann spielt nicht schlecht!" Hedwig hatte bei der kühlen Kraft, die von ihrer Herrin ausging, augenblicklich ihre Furcht verloren. „Es sind Läufe, die er übt. Hör', eine sonderbare Musik. Es ist wie ein Bogel, der sich immer höher bis zur Sonne schraubt, und auf einmal alle Kraft in den Flügeln verliert und zu Boden sinkt. Hör', jetzt steigt er wieder auf. Er ist stark. Hör', wie es ihm in den Federn rauscht. Wer sind eigentlich die Eltern deines Freundes?" „Seine Mutter ist seit vielen, vielen Iahren tot. Sein Vater dagegen starb erst vor ein paar Iahren in Schweden. Er war Korbmacher. Aber er spielte viel. Er hatte die Geig« von einem großen Künstler bekommen, und die erbte Iohan." Jetzt kam«ine neue Melodie: Rik rik rik. Trok-trakkerak. Rik rik rik. Trak-trakkerak. Hör', setzt tanzen sie in Holzschuhen. Das ist ein frecher Kerl, er gibt Bauernball in der Kirche," sagte die Gnädige streng. Aber im selben Augenblick begann sie zu tanzen, und so konnte es wohl nicht so schlimm gemeint sein. „Jetzt ist es genug.. Fang ein anderes an!" Es war. als ob Iohan es gehört hätte. Er brach ab und stimmte die Geig«. Hätte es noch ein Erschrecken bei Hedwig gegeben, so wäre es jetzt zu Boden gefallen beim Anhören dieses nüchternen Stimmens. Sie mußte innerlich lachen, als sie sich vorstellte, wie Johans breite Gestalt unerscbütterlich, wie am Tag auf seinem Gerüst, da stand und seine Geige stimmt. So verteufelt kaltblütig konnte nur einer in der Welt sein. Und der Stolz stieg auf und schloß Hedwig den Hals, als sie daran dachte, daß hier draußen die unbedingt vornehmst« Dame der Stadt als begeisterte Zuhörerin von Johans Spiel stand. (Fortsetzung folgt.) Volksfest unter Schwarzrotgolö. yicue Aufgabe« für das Reichsbanner. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hat gestern abend im Anschluß an die Kundgebung auf dem FeHrbelliner Plag in den Funkhallen am Kaiserdamm ein Volksfest veranstaltet. Die weite Halle konnte die Reichsbannerkameraden, die mit ihren Angehörigen das Fest besuchten, nicht fassen: die Ncbenräume der Funthallen mußten für die Sksucher geöffnet werden. Vor den Funkhallcn vollzog Reichstagsabgeordneter Genosse Franz K ü n st l« r die Weihe des Banners der Kameradschaft Wittenberg des Kreisvereins Charlottenburg. Genosse Künstler zeichnete in seinen Ausführungen ein Bild der politischen Situation und wandte sich scharf gegen die in letzter Zeit erneuerten Versuche der Reaktion, Machteinsluß auf die Regierungsgeschäfte der Republik zu erhalten. Roch kann das Reichsbanner feine Aufgaben nicht als e r fü l l t betrachten, denn schon wieder rüstet Ehrhardt, um mit seiner neuen Organisation, dem Deutschbanner Schwarz-Weiß- Rot. neue Mannschaften zu sammeln, nnt denen er Anschöge gegen die Republik und gegen das Reichsbanner unternehmen will. Das Reichsbanner aber ist und bleibt die Truppe, die Unternehmen von Putschisten und dergleichen m kürzester Frist abschlagen wird. Alfred B e i e r l e sprach dann den Hymnus„Schwarzrotgolö" von Ludwig Lessen. Anfeuernd und emporrichtend sind dies« Verse, und sie wurden, von Beicrle meisterhast gesprochen, begeistert aufgenommen. Unter dem Vorantritt des Spielkorps marschierten dann die Käme- raden in die Funkhalle ein, wo bald bei einem sehr erwählten Programm bei Tanz und Musik ein richtiges Volksfest im Gang« war. Reben Rezitationen des Berliner Ulk-Trios, das mit seinen Vorführungen stürmischen Beifall auslöste, wechselten Sportvorführun- gen der Sportabteilungen des Reichsbanners und Tanz ab. Als besondere Attraktion wurde ein Rhönrad vorgeführt. Hetze gegen das Reichsbanner. Zu den Nachrichten der Rechtspresie über die Vorkommnisse am FeHrbelliner Platz wird besonders hervorgehoben, daß Reichsbanner- leute gänzlich unbeteiligte Fahrgäste belästigten und„in rohester Weise eine Frau init ihrem Kind zu Boden geworfen haben". Dem „L o k a l- A n z e i g e r" und der„Deutschen Zeitung", die mit solchen aufreizenden Anwürfen gegen das Reichsbanner sehr durchsichtige Zwecke verfolgen, sei nur gesagt, daß gerade das Gegenteil der Fall war. Ein Augenzeuge teilt uns mit: „Als ich am Wagen stand, stürzten gerade die Fahrgäste panikartig aus dem Wagen. Eine Frau� die mit ihrem Kinde, das im Gesicht stark blutete, heraus kam, ging sofort auf einen Reichsbanncrmann zu und erklärte, sie fei Zeuge, daß die Hakenkreuzler so mit Messern um sich gc stoßen hatten, daß dadurch die Fahrgäste bedroht waren und schnell den Wagen vcrlasien wollten. Erst hierbei wurden einige Scheiben der Straßenbahn entzweigeschlagen und durch Glassplitter das Kind verletzt. Die Frau gab dem Reichsbannermann ihre Adresse, damit das Reichsbanner Zeugen für den Vorfall benennen kann. Morü unü Selbftmorü. Schreckenstat in einer Gastwirtschaft. Ein entsetzlicher Vorfall trug sich gestern vormittag gegen 1 l Uhr in dem Restaurant von Schellin in der Invaliden- straße 17 zu. Wir erfahren hierzu folgendes: Kurz nach 1ü Uhr vormittags betrat ein junges Paar das Lokal und bestellte einiae Glas Bier. Keinem von beiden war irgendeine Erregung anzumerken. Es wurde eine leise Unterhaltung geführt: plötzlich stand der junge Mann auf, zog einen Revolver hervor und gab auf seine Begleiterin einen Schuß ab. Diese ver- mochte noch entsetzt aufzuspringen, im gleichen Augenblick drückte d»r Täter nochmals ab. Der Schuß traf ins Herz und wirkie auf der Stelle tödlich. Dann richtete der Täter die Waffe gegen sich selbst und jagte sich eine Kugel in die Schläfe, ehe ihn noch einige Gäste, die am Nebentisch saßen, daran hindern konnten: auch er war sofort tot. Das zuständig« Polizeirevier wurde sofort benachrichtigt, das umgehend mehrer« Beamte an den Tatort entsandte. Bei den Toten wurden Papier« vorgefunden, die auf den Namen des 2kjährigen Kinovorführers Alfred Voß aus der Gneifenau straße 12 zu Niederfchönhaufen und der 42jährig«n Gast wirtsehefrau Hedwig Genz, Kaiserweg 19, ebenfalls zu Niederschönhausen, lauteten. Boß unterhielt zu Frau G.«in Ver- hälMis. Die Leichen, die in einer großen Blutlache lagen, wurden von der Kriminalpolizei beschlagnahmt und in das Schauhaus geschafft. Der entsetzliche Vorfall hatte eine groß« Menschenansammlung vor dem Lokal zur Folge, so daß Schupobeamte vorübergehend A b s p e r r u ng e n vornehmen mußten. Wie weiter mitgeteilt wird, bestanden zwischen dem Gastwirt Genz und dem Dater des jungen Baß seit langem freundschaftlich« Beziehungen. Der alt« Voß hatte nun erfahren, daß sein Sohn in letzter Zeit wiederHoll Geldgeschenke von Frau Genz angenommen hatte und ihm das untersagt, weil er eine Trübung der alten Freundschaft befürchtete. Alfred Voß ließ die väterliche Ermahnung ober ganz außer acht und kam auch weiterhin mit Frau Genz zusammen. Es darf als sicher angenommen werden, daß bei der Zusammenkunft am Montag vormittag beide den Entschluß faßten, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Ob wirtlich. wie Zeugen gesehen haben wollen,«in Streit auf der Straße vorausgegangen ist, läßt sich natürlich nicht mehr feststellen. Krassin-Trauerfeier der Kommuuiste«. Die Kommunistm hatten sich gestern nachmittag in Stärke von etwa 6000 Mann im Lustgarten versammell, um der Urne des verstorbenen russischen Botschafters K raff in auf dem Wege zum Schlesijchen Bahnhof das letzte Geleit zu geben Die Abtei- lungcn des Roten Frontkänipferbundes waren mit umflorten Fahnen erschienen. Gegen 5 Uhr erschien der Wagen mit der Urne des ver- ftorbenen Botschafters. Trommelwirbel ertönten, die Menge ent- bläßte das Haupt, und in einem Spalier von Fackeln setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Mehrere Kapellen stimmten revolutionäre Lieder an. An zwei Stellen kam es zu kleinerenZusammen- st ö h e n. In der Nähe der Breiten Straße wollte ein Polizeiauto aus verkehrstechnischen Gründen den Zug trennen, ließ aber wegen der Erregung der Menge schließlich davon ab. In der Stralauer Straße zwangen die Fontkämpser einen Straßenbahnwagen, der in die Menge hineinfuhr, zum Hallen und hängten die Stromgabel ab. Die Trauerfeier fand kurz nach 6 Uhr vor dem Schlesischen Bahnhof statt. Der Abtransport der Urne erfolgte gegen 7 Uhr. Das Notizbuch als Kugelfang. Einem glücklichen Zufall verdankt«in junger Mann sein Leben, dczs ein Einbrecher in schwere Gefahr brachte. Die Baumschule von Wilhelm Leven in der Blumenlhalstr. 13 zu Tempelhos hatte schon wiederholt nächtlichen Besuch von Dieben, die bisher nicht ermittell werden konnten. In der späten Nacht zu Montag schlugen die Wach- Hunde wieder an. Der Nesse des Eigentümers ging hinaus, sah aber niemanden. Auf wiederholte Anrufe erhielt er keine Antwon. Plötz- lich fielen mehrere Schüsie, ohne daß er auch jetzt den Schützen ge- sehen hätte. Eine Kugel traf ihn. durchschlug seine Brieftasche und blieb darunter in seinem Notizbuch stecken. Eine Absuchung des Geländes nach den gefährlichen Verbrechern hatte keinen Erjolg. Nach den Schüssen waren sie spurlos verschwunden. Roch eine ftauanenschau. Trotz des schlechten Wetters sind die Plakate mit frischem Tannengrün umwunden, die den Weg nach der großen allgemeinen Kanarienausstellung weisen, die in Heinrichs Festsälen, Große Frankfurter Str. 30, stattfindet. Der Verein Kanarienzüchter und Vogelfreunde, besten Mitglieder sich die Veredlung des Kanariengesanges angelegen sein lassen, hat das ganze Jahr gespart und gearbeitet, um diese Ausstellung zu veranstalten. Es wurden 31 Kollektionen zu vier Vögeln zur Ausstellung ge- bracht. Wie in den vorhergehenden Ausstellungen erwies sich auch diesmal der dunkelst« Vogel als der beste Sänger. Die große goldene Medaille für die Selbftzuchtklaste und den Ehrenpreis für beste Schocke! erhielt Kirchner-Lichtenberg. Die kleine goldene Medaille der Selbstzuchtklasse und den Ehrenpreis für beste Glucke, sowie den Ehrenpreis für beste Hohlroller finlen an Schadewald-Berli». Aus der allgemeinen Klasse ging Waller-Berlin mit der großen goldenen Medaille und dem Ehrenpreis für beste Hohlroller und Schocke! her- vor, während die kleine goldene Medaille an Karl Diels-Hohenneuen- darf bei Berlin fiel, der ebenfalls den Ehrenpreis für beste Pfeife an sich brachte. Unter den Verkaufskanarien, die 10 bis 15 Mk. das Stück kosten, sieht man meistens helle Vögel und Schecken. der Kampf um üie Schule. Christe» als Vcrsammlungsstörer, Ueber das Thema: ,. Wettliche Schule" referiert« Schulrat U l r: ch in einer von der List« Schulaufbau in Pankow ein- berufenen Clternversammlung. Schon lange vor Beginn merkte man, daß etwas Besonderes vor sich ging. Die„christlichen" Lehrer, Geist- lichen und Eltern erschienen truppweise. Sie kamen alle auf be- sondere Aufforderung ihrer Hirten, um den verhaßten Stadtschulrat Löwenstein, den„Juden", der leider am Erscheinen verhindert war, zu vernichten. Der Redner schilderte d»e geschichtlich« Entwicklung der Schule vom Allertum bis zur Gegenwart, das wechselnde Machtoerhältnis zwischen Staat und Kirche und wie dabei die Schule zur Staatsschule wurde. Er zeigte am Wortlaut der Weimarer Verfassung, daß nun einer reinlichen Scheidung zwischen Konfessionsschule und der Welt- anschauungsschul« die Wege geebnet sind. Alle Eltern, die ihre Kinder nach der modernen Methode der Arbettsschule und zum besseren Fort- kommen im Berufsleben unterrichtet wissen wollen, können jetzt die Errichtung der weltlichen Schule erzwingen. In der Aussprache schickten die Christlichen eine ganze Rednergarnitur vor, um die weit- liche Schule in Grund und Boden zu donnern. Hatten die Anhänger dieser Richtung schon während des Referates laute Störungsoersuche unternommen, so zeigte sich, als unser Gen. M ü h l m a n n zum Wort kam, mit Deutlichkeit, daß man nicht sachlich diskutieren, sondern nur stören wollte. Als unser Redner auf einen beleidigenden Zwischenruf die Frage stellte, ob etwa die Leute aus Landsberg oder die Mörder Rathenaus und Erzberger durch die wellliche Schule ge- gangen seien, begann ein unglaubliches Toben. Dem Verfammlungs- leiter gelang es jedoch immer wieder Ruhe zu fchaifen. Es sprachen dann noch einige Gegner, die von unseren Genossen, Rektor Z i e ch e r t und L ö f f l e r widerlegt wurden. Als die Christlichen sahen, daß es nickt gelang, die Versammlung ernstlich zu stören, ver- suchte gegen 11 Uhr der deutschnationale Peters die Verhandlungen durch lautes Schreien und dauernde beleidigende Zwischen- rufe zu erschweren. Der Versommlungslecter vermahnte ihn mehr- mals und drohte schließlich mit Anwendung des Hausrechts. Darauf stieg Veters auf einen Stuhl und auf sein Zeichen sang die ganze „Christengemeinde" stehend:„Ein feste Burg ist unser Gott". Sie wurden zum Verlassen des Saales gezwungen, und erst jetzt konnte die sehr gut besuchte Versammlung zu Ende geführt werden. Als am Schluß der Versammlungsleiter erklärte, daß man Herrn Peters nach seinem jetzigen Verhalten nicht mehr in unsere Versammlung zulasien werde, gab der im Saale verbliebene Vertreter der evangelischen Schulen,' Herr Lehrer S i e b e r t die Erklärung ab. daß er den Vor- gängen fernstehe und dieses Verhalten persönlich verurteile. Wie weiter bekannt geworden ist. wurde diese ganze christticke Aktion am Totensonntag nach dem offiziellen Gottesdienst verabredet. Das skandalöse Verhalten wird jedenfalls alle Eltern veranlassen, sich für die Erziehung ihrer Kinder durch solche Leute zu bedanken. Für die Liste„Schulaüfbäu" wird eine zweite öffentliche Versammlung am Dienstag, den 7. Dezember im großen Saale von Linder, Pankow, Breite Straße abgehallen. Die Christlichen behauvteten. daß sozial- dentvkratische und der größte Teil der Arbeitereltern die«eltliche Schule nicht wollten. Durch Besuch der Versammlung imd die An- Meldung der Kinder kann ihnen das Gegenteil bewiesen werden. Anmeldungen zur weltsichen Schule nehmen entgegen: Ioh. G a u l k e, Siedlung, Straß« �8 Haus I und P. Schmidt, Brennerstraße 8 II.__ Der ZNagistral hat beschlossen, den Tagesschülern, deren Ernährer erwerbslos sind, für die Dauer der Erwerbslosigkeit Schul- geldfreiheit zu gewähren. In der„Stunde der Lebenden" am Sonntag mittag umreißt zuerst ein Kritiker das Porträt der Künftter, Musiker oder Dichter, die mit chren Werken fällig sind, und dann lesen die Dichter höchst persönlich. Das ist eine lobenswerte Einrichtung: nur müßten die Dichter auch halten, was der Krlliker von ihnen behauptet. Dr. Monty Jacobs schildert zum Beispiel den Novellisten Hans Sochaczewer als einen Künstler, der sich seine Well aus dem Katzenjammer aufbaut. Und dann lieft Sochaczewer zwei Novellen, die im Grunde ein anderes Bild von ihm ergeben, etwa das eines ruhig schildernden Chronisten, der weder Katzenjammer noch Rausch kennt, auch die Stimme klingt beherrscht und lall, allerdings ist der ersten Erzählung„Bericht aus einem Dorfe" wemg zu entnehmen, und auch das kurze Fragment aus„Henri Rausseau" ergibt kein klares Bild. W o l f e n ft e i n wird dagegen von Jacobs als Ekstatiker charakterisiert, man kennt nun seine Dichtungen und weiß, daß diese Bezeichnung stimmt, aber er liest einen Einakter„Henkers- lied", der ihn wiederum als hochbegabten Groteskschriftsteller kenn- zeichnet. Das wirkt merkwürdig. Vielleicht entschließen sich ein- mal die Vortragenden dazu, solche Dinge zu lesen, die ihnen er- lauben, in den vorher mühsam konstruierten Generalnenner für ihr Wesen aufzugehen. Warum soll sich der Kritiker unnötig bemühen? Am Abend machte dann die Funkstunde eine gut einstudierte Ber- beugung vor dem soliden, bürgerlichen Empfinden. Sie feierte den ersten Advent mit Chorälen und erbaulichen Vorlesungen Am Montagnachmittag las Helen« Burg er zwei Novellen von Ludwig Ganghoser. Hin und wieder gerät die junge Dame ins Pathetische, auch sie verwechsell das Rednerpull mit der Bühne. Das Verlebendigen der Situation, das scharfe Umreißen der handelnden Personen, der Versuch, chnen eine individuelle Sprache zu geben, er- übrigen sich beim Vortrag von Prosa. Der Dortragende ist in erster Linie Erzähler, der ruhig und ohne daß die Stimme zittert, den Ver- lauf der Handlung schildert. Auf dieser überlegenen Haltung muß der Hauptakzent ruhen. Leider vergessen dies die meisten Dortragenden, die sich im Rundfunk an Prosa versuchen. Und warum wählt man Ganghoser? Die beiden Novellen„Biberfranzl" und„Der Hochzeit- lader" sind nicht so schlimm wie die sacharinierten Romane, in denen es entschieden salontirolert, aber sie überragen keineswegs das Niveau traulicher Familienblätter und geben dem Hörer so gut wie nichts. Das Nachmittagskonzert wurde von dem Blasorchester Joses S n a g a s ausgeführt. Die Funkstunde sollte nicht so oft mtt Blas- musik aufwarten, die Streicher klingen tonschöner und voller im Rundfunk. Am Abend sodann eine„buitte Stunde" mit Quartetten, Mandolinenchören und Sologesänge» aus Operetten, mit Borträgen von Märschen, Serenade» und ähnlichen Dingen. Vorher sprach Rudolf Wegner über das Planetarium, und der Weltmeister Dr. Emanuel Laster erläuterte den Sinn des Schachspiels. Zwar war es nichts Neues, was er über den Sinn des Spieles sagte, aber desto interessanter waren dann die Probleme, die er vorführte. vor üem Aufammenbruch ües Mieterschutzes Dlktaturgelüstc der Hausbesitzer., Bekanntlich hat der preußische Volkswohlfahrtsminister ein« Verordnung vom 1. November 1S26 erlassen, durch welche die Ge> werbe, und Geschäftsräume und die großen Mietwohnungen aus dem Mieterschutz herausgenommen werden sollen. Der Bund Deutscher Mieteroereine im Gau Berlin hatte die Ge- werbe- und Gefchäftsraummieter zu Montag abend nach dem Lehrervereinshaus zu einer Protestoersammlung einberufen, und der überfüllte Saal zeigte, daß die Verordnung des Wohlfahrtsministers den schärfsten Widerstand in den beteiligten Mieterkreisen findet. Der Referent G r a m s e führte aus, daß der Kampf gegen den Mieterschutz nun endlich den EHolg gehabt habe, daß der preußisch« Wohlfahrtsmiuistcr die Geschäfts- und Gewerberäume aus dem Mieterschutz herausgenommen habe. Wenngleich der preußische Landesverband der Haus- und Grundbesitzer die Parole heraus- gegeben habe, keine Kündigung ohne Grund, keine Mietsteigerung. bevor nicht die Organisation die hierfür demnächst erscheinenden Richttinien herausgegeben hat, beweisen doch zahllose Massen- kündig ungen von Gewerbe- und Geschäftsraum- mietern. daß die Hausbesitzer nicht gewillt sind, der Parole ihrer Organisation Folge zu leisten. Diese Kündigungen sind schon legt ausgesprochen worden, obwohl die Verordnung des preußischen Wohlfahrtsministers erst am 1. Dezember d. I. in Kraft tritt. Die neuen Mietsforderungen gehen bis zu 300 Pro- zent und die Richtlmien, die jetzt herausgekommen sind, lassen eigentlich den Hausbesitzern jede Möglichkeit zur Mietsteigerung. Trotzdem der Hausbesitz durch di« Inflation 75 Prozent seiner Hypothekenschulden los geworden ist und seine Rente höher ist als in der Vorkriegszeit, versucht er, auf Kosten der Mieterschaft Vorteile aus der Raumnot zu ziehen. Denn diese Miet- zinssteigeruno muß eine allgemeine Preissteigerung zur Folge haben.' Noch ist die übrige Mieterschaft von diesen Maßnahmen nicht betroffen. Aber es steht auch hier eine Mietpreissteigerung auf 130 Prozent der Friedensmiete zum 1. April 1927 bevor. Das bedeutet«ine Verringerung des Einkommens um 15 Prozent. Zum Schluß der Versammlung wurde eine Entschlie- ßung angenommen, in der von Regierung und den Parteien ver- langt n-ird, daß sie für die sofortige Zurückziehung der Verordnung des Wohlfcchrtsministers eintrete Ein unglücklicher Tchnß. Gestern abend kurz nach 1�9 Uhr kam es in der Schönwalder Straße zu Reibereien zwischen Anhängern der K o m m u rn st i- schon Partei und Schutzpolizeibeamten. Ein Zug Roter Front- kämpfer, die von einer größeren Menschenmenge begleitet wurden, bewegte sich durch die Schönwalder Straße. An der Ecke Schön- walder und Kunkelstraße sollte eine unbekannt gebliebene Person wegen Nichtbefolaung der polizeilichen Vorschriften sestgestellt wer- den. Zwei Personen aus der Menge entrissen dem Schutzpolizeibeamten den Festgenommenen, der auch in dem entstehenden Ge- dränge entkam. Inzwischen war es den Beamten gelungen, die beiden Täter, di« dem Festgenommenen zur Flucht oerholfen hatten. zu stellen. Vom zuständigen Revier war inzwischen den bedrohten Beamten Verstärkung zu Hilfe gekommen. Die Menge nahm eine sehr drohende Hallung ein und ließ� sich zu Tätlichkeiten verletten. Ein Beamter machte von seiner Schußwaffe Gebrauch und gab einen Schuß ab. Unglücklicherweise wurde ein völlig U n b e- teiligter, der dic� an der Bordschwelle stand, getroffen. und zwar der löjährige Knopfmacher Willi Kühlmann au» der Reinickendorfer Straße 41. Der Verletzte wurde zur Rellungs- stelle in der Lindower Straße und von dort in das Virchowkranken» Haus geschafft. Nach kurzer Zeit stellte die Polizei die Ruhe wieder her. Die beiden Rädelsführer wurden der Abteilung I» des Polizei. Präsidiums zugeführt. Die unzüchtige Anzeige. In der Anwendung des§ 184 unter den allen Veftimmunaen zur Bekämpfung von Schmutzliteratur beschäftigte sich in der Berufung die Strafkammer des Landgerichts I. Der Re- dakteur der Zeitschrift„Freundschaft" war vom Schöffengericht zu 100 M. Geldstrafe verurteill worden, well er eine kleine Anzeige aufgenommen hatte, in der ein junger Mann, der wegen seiner Ne>- gungen aus der Reichswehr entlassen worden war, ander« Beschäfttgung suchte. Gegen das Urteil war Berufung eingelegt, und es waren sowohl von Staatsanwallschaftsrat Hoeer und von Rechtsanwalt Dr. Flato eine Reihe von Sachverständigen geladen worden. Die Strafkammer hiell die Anzeige in der veröffenttichten Form für objektiv unzüchtig, kam aber aus subjektiven Gründen zu einer Freisprechung des Angeklagten. Bogoljubow Sieger im Berliner Schachturnier. Die letzt« Runde des Internationalen Berliner Schachturniers brachte die Be- gegnung der beiden ersten Sieger Bogoljubow und Rubinstein. Nach fiebenstundigem erbitterten Kampf wurde die Partie abgebrochen. unlr'am Nachmittag fiel die Entscheidung: Rubinstein erzielte nur Remis und damit war Bogoljubow mit sieben Punkten Sieger. Andrang zur konfumwerbefchau. Trotz des wenig günstigen Wetters brachte der letzte Sonntag der Konsumwerbeschau einen Massenbesuch: rund 3000 Personen besuchten die in, Berliner Gewerkschaftshaus belegen«» Ausftellungsräum«. Zeitweif« herrscht« «in« geradezu beängstigende Füll«, besonders im großen Saal, in dem di« interessanten Modevorführungen vor sich gehen. Di« Besucher sparten nicht mit ihrem Beifall bei den Darbietungen, di« sich viermal bei je dreioiertelstündiger Dauer wiederholten. Es sei darauf ver- wiesen, daß die Ausstellung bis Montag, den 6. Dezember, täglich von 1 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends geöffnet ist und an jedem Wochentage die Modevorführungen um 5 Uhr nachmittags und 8 Uhr abends stattfinden. Die Anschuldigungen gegen candgerichtsdireklor INarfchner. Landgerichtsdirektor Marschner hat noch am gestrigen Montag dem Kammergerichtspräsidenten und dem Justizministerium eine Dar- stelluna des Sachverhalts gegeben, in der, ohne daß der Richter auf Einzelheiten eingehen tonnte, von ihm dienstlich erklärt wurde, daß die von Rechtsanwalt Thomal angezogenen Voraus- setzungen für seinen Angrisf gegen das Gericht unrichtig seien und daß infolgedessen auch die Schlußfolgerungen hinfällig seien. Trotz alledem wird von amtlicher Seite eine Untersuchung«ingeleitet werden, nach deren Ergebnis dann von der Staatsanwaltschaft em- svrechende Strafanträge gegen die Urheber und Verbreiter der Landgerichtsdirektor Marschner beleidigenden Aeußerungen gestellt werden dürsten. Alle 2 oder S Tage ein Lax/n-Konfekt nach der MeadmahUcit regul/ert�sii*. Yztsiauung vusfpracheavende de» HaupkgesundheKsamt». Da» Haupt- gssundheltsamt der Stadt Berlin veranstaltet im Laufe diese» Winter» eine Reihe von Ausspracheabenden, die den Jroeck haben, die Er- gebnisse der Wissenschaft vom Standpunkt der praktischen Gesundheitsfürsorge zu bewerten, um hierdurch Unterlagen sür die Ausgestaltung der weiteren Arbeit des'Amtes selbst zu erhalle». Der erste Ausspracheabend findet Mittwoch, l. Dezember, 8 Uhr, im Hygienischen Institut, Dorothcein straße Z8s, statt. Es wird sprechen: Reg.-Med.-Rat Dr. Böhm, Leiter der Krüppelsürsorgestelle 7, über das Thema„Reform des Schulturnens oder Schulsonderturncn" auf Grund der Ergebnisse des Kölner Orthopöden-Kongresses 1926. Zur Explosion auf üer Zeche üe VenSel. Der amtliche Bericht— 6 Tote. Die Zahl der Toten des Grubenunglücks aufZechedeWendel ist inzwischen auf 6 gestiegen, da drei der Schwerverletzten im Kran- kenhaus gestorben find. Im übrigen stellt sich die Zahl der S ch w e r- verletzten nunmehr aus 1 7. Nach Angabe der Grubenverwaltung ist der Brand durch Selbstentzündung der Kohle ent- standen, dem eine Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion folgte. Wie der Betriebsrat angibt, soll auf dem Unglücksflöz bereits seit einem Jahr ein Grubenbrand bestehen. Auch das ganze Grubenfeld wird als sogenanntes Störungsgebiet bezeichnet, da hier die meisten Schlagwetter auftreten. In der Unglücksnacht war entgegen der Forderung des Betriebsrates, keine Ueberschichten zu verfahren, zum erstenmal eine solche befohlen worden. Nach den amtlichen Untersuchungen steht bereits fest, daß z w e i zeitlich getrennte Explosionen aufgetreten sind. Ueber den Hergang im einzelnen ist bisher Folgendes bekannt: Während der Mittagsschicht des 27. November hat sich in dem Unfallbetriebe das Gebirge plötzlich gesetzt. Der Steiger der Mittagsschicht, der den Betrieb sofort besuhr, konnte nichts Besonderes feststellen. In der darausfolgenden Schicht trat dann plötzlich gegen 11 Uhr die erste Explosion ein: die zweste Explosion ereignete sich einige Swnden später bei den sofort aufgenommenen Bergungs- und Rettungs- arbeiten. SämtlicheToteundBerletztesindgeborgen. Da die Umgebung der Explosionsstelle in Brand geraten ist, soll das Explosionsfeld abgedämmt werden. Die Abdämmung ist im einzelnen Strom bereits fertiggestellt. Neuterek im �üneburger Zuchthaus. Ueberfall auf einen Oberwachtmeister. Lüneburg. 29. November.(TU.) In dem hlefigeu Zuchk- haus wurde der erst seit kurzem amtierende Oberwachtmeister Meyer II das Opfer einer umfangreichen Meuterei, an der etwa 20 Gefangene Anteil hatten. 3n der Abteilung für Tüten- kleberei, in der sich 52 Zuchthausinsassen befanden, wurde Meyer, als er mit einem der Slräslinge sprach, von einem anderen überfallen und durch Schläge mit einem harten Gegenstand aus Kops und Rücken derartig mißhandelt, daß er besinnungslos wurde. Mieder zu sich gekommen, wollte Meyer sich mit seinen Massen wehren, wurde nun aber auch von anderen Gefangenen zurückgehalten. die ihn an der Kehle würgten. Schließlich gelang es ihm. mit großer Mühe ins Freie zu kommen, was dadurch erschwert wurde, daß die Gefangenen die Alarmglocke außer Funktion geseht halten. Befreiung Politischer Gefangener in Gleiwitz. Wieder einmal ist hier eine„Duplizität der Ereignisie" festzustellen, denn fast zu derselben Zeit fand im Gerichts- gefängnis in Gleiwitz ein Ueberfall von zehn Straf- l i n g« n auf zwei Gefängnisbeamte statt, wobei ein Beamter erschossen wurde. Wie jetzt festgestellt ist, war am Sonntag mittag ein großes achtsitziges Auto über die polnische Grenze nach Gleiwitz gekommen, in dem fünf Männer saßen, die auch die Be- freiung durchführten. Es wurden zehn Gefangene befreit, und zwar sechs Polen und vier Deutsche herausgeholt, in den Kraftwagen gefetzt. Der Wagen fuhr, ohne daß die nahegelegene Polizeiwache etwas bemerkt hätte, in schnellstem Tempo aus der Stadt wieder über die Grenze. Der zweste Justizwachtmeister hatte jedoch die polnischen Räuber erkannt und so gelang es. Auf. schlüsse über die Motive der Befreier zu erlangen. Die Polen wurden angeführt von einem gewisien Smolka, der wegen Spionage zugunsten Polens im Ratiborer Gefängnis saß und vor einem halben Jahr nach Stettin übergeführt werden sollte. Auf dem Wege dorthin gelang es ihm, zu fliehen und die polnische Grenze zu überschreiten. Smolka ist ein in Polen nicht unbekannter Insurgentenführer, der nunmehr noch fünf andere Polen befreit hat, die gleichfalls wegen Spionage verurteilt worden waren und in Ratibor ihre Straf«»erbüßen sollten. Unter diesen Polen befand sich bezeich. nenderweis« auch ein früherer preußischer Pollzei Wachtmeister Hugo Friedberg, derj-benfalls wegen Spionage zugunsten Polens zu einer langjährigen Strafe verurteill worden war. Pier Gefangene, die wegen Kriminaloerbrechens Strafen zu verbüßen hatten, find dabei gleichfalls entwichen. Die Polizeibehörden in Oberschlesien fahnden nun nach diesen vier Verbrechern, da die anderen mit dem Kraft- wagen die Grenze passiert haben. Bon den polnischen B e- Hörden ist trotz mehrfacher Anfrage aus Kattowitz nur die la- konische Misteilung eingegangen, daß die Grenzstellen kein Auw passiert hat, eine Behauptung, die den Tatsachen entspricht, da die Flüchtigen«m einer unbewachten Stell« hinübe rg«weä>felt sind. vortrage, vereine unö Versammlungen. LA» Reichsbanner„Schwarz- Rot-Gold". MAsS) K«schSft»s!eII«: Berlin 1«. SebaMansir. 87M Hof 2 ffr. «cht»»». mnttt\poTila(Ski, Rod«!, Schlittschuh, Ei-hixi-o):«m Di., b. 30., 8 Uhr, finb«t im Eitzungssaal b«» Gauoorstanbes, S«bastionstr. 87—38, ein« Weih«Versammlung mit Lichtbildervortrag statt. Ein» tritt frei.— ssriedrichshain: Do„ b. 2„ 6H Uhr, ltilstriner Platz.— Brenz. la»« Berg: Kameradschaft Balkan, Do., b. 2.. Vers, im Altersheim, Danziq«r Str. 52.— Tempelhof! Mi., b. 1., 8 Uhr, Kreisqenerolvcrs. im Gesellschaft». hau» von törahl. Maricndorf, Chausscestrahe. Deschiiftsbcricht unb Neuwahl de» Borstandes.— Mitte: 3. Kamerabschaft Mi,, b, 1., 9 Uhr, Bersanrmlunq Etallschreiberftr. 2S.;__ SereiB der isreibenker fSe Feuerbestattung ff.«. Neukölln: Mittwoch, l. Dczem- b«r, Uhr, Pasfage.ffestsS!«, Bcrgstratze. öffentlicher Lichtbildervortrag:„Erb» oder Feuerbestattung".— Alle Eltern, die gewillt stnb, ihr« Kinder an unserer Fugendweih« teilnehmen zu lassen, werden gebeten, die Adressen schriftlich recht bald in unseren Zahlstellen und bei den Funktionären abzugeben. Arbeiterverein fllr Biochemie und Seben»reform i. v. B. Der Berein hat nach. stehende Beratungsstellen eingerichtet: Reinickendorf-Ost, Privatwohnung Eugen Schwenke, Sommerstr. 32 III, Dienstags und Freitaas ab 5 Uhr: Lokal Röhler. Restdenzstr. IM. Donnerstags ab 6 Uhr. Daselbst Neuaufnahmen, Mittel- abgäbe und Auskunft. Im Rahmen einer Bortraamih« über»Demokratie und Vaterland" spricht Freitag, 3. Dewnber. 8 Uhr, in Steglitz, Smnnostum, Heesestiahe. Reichstags. abgeordneter Dr. Ludwig Haas Uber.Schwarg-Rot-Gold". Karten zu 40 Pf. an der Abendkasse._________ wetierberichi der öffenMchen Wetterdienststelle für Lerlw und Umgebung. sNachdruck verb.) Teils heiter, teils neblig, sonst trocken. TageSlemperaturen wenige Grad über Null, nachts westverbreitete Bodenfröste.— Fllr Deutschland. Bewölkt bis heiter und trocken. Uebcrall kalt. Große Verkaufs-Meße für den Wmterbeöarf r-Baninwollwarcii-i Hemdentuch d � 0.48 Louisiana jjSii'it, a oc Dedrbtfbrcfte... Meter VJ.c/O LakenftofFÄÄi ae nlCT-gunlttit, e«. 140 cm breit, Mtr. 1.0 O Bctt-Satin i** Deckbett breite....... Meter X*0� Bett-Satin dazu passend, 4 4 fS Kissenbreite....... Meter XchXv SfrOmplc Damcnstrümpfc.Q schwarz. Ferse u. 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Opei Cbarloltenbur� 6'/, Uhr: Iriitan uoi Isolde Musikal. Leitung: B. Walter Wlldbrunn, Ondgin Abonn.-Turnus l. Deotsdiei üiesiei Norden 10334— 3« 8 Uhr Meldbarai v. GneUenan von Wollgane Goetz Regie: Heinz Hilpert Kinder-Vorstellung Mlttw, I.Dez,, 3'/, U! Der WeilmaditsstEm Kamraerspiele Norden 10334—38 8>1, Uhr; Karassell von Louis Vemeull mit Maria Orska. Die Komödie BismarcK 2414, 7516 8 Uhr Oie Gefangene Von Bourdet Regie M. Reinhardt UIlmdiiri-M»-» Ott KUnstter-Th. Prltzt Masearyt 8;„Die Känlgln" Sonnabend 3>-,Uu Firlefanz Sonntag 3'/i: Der fröhl. Weinberg Lesslng-Tbeater 8 u.: Mentdi nne Uebertnensm Tb. a.Kir(llrsttnilaii!ii Käte Dorsch 8 u. Die Fron an ' der Weite LustsplelhaUi 8V« Uhr: D Herzogin r.Elba Stg. 3V,:»ubrabitdrl Hietnei TD. s u. Sirnentragödie Metropoi- Theat. Täglich 8 Uhr: Die große Revue Wieder Metropoi Ttiem. Uhr: Residenz Tägl. 8'- Aitsteigemrartier liitrltt IngnillidiCT«trdowi Tneat.d. Westens SV«: Gastsp. Theat kunstl. M enseben Nollendorf 7360 8 Uhr Variete- Neuheiten Volks büh ne Tkutu ub BOlovplatr 8 Uhr: Nadsiasyi Morgen 8 Uhr: Nadilasyl Tb. im Schiffbaoenlaniin Täglich 8 Uhr; Eds CratiBal dts unbekannten Soldaten. fiomisetke Cper Der froffe Ooerettenerlolq Au Jidvienne «.V. Uh atdl. •ml Serag, Weese/y, VV tri. Blast Bosttchsr. Hall. Loeball, Schlüter. So at.naehmJU.:„DtaPladermaus" i.erst.Bes.\/orverk.v. W b a.ununterbt. CASINO* THEATER p uh> lern Heute Heul Mister Cornedbeef Outschein: Pauleuli 1 Mk, Sessel 1.50 Wallner-Thealer«1» Dergr.EHofg Das Stiftungstest Voo Mi zu Mi �tcüv.mu« «mdeml fcjtfiogtdla. MufeHou�raa. ■fdrni.das-NÖns. Coccfa ymvVbdm* ,.______.und/Äadcon. 6miuu-iafaMeiviTut darduSjclii�"falmin?tuii lanushtr-lOliun' Th. König rätz St. Hasenheide 2110 8 Uj Mn. Ch'MTS Eidi Elisabeth Bergner Sonntnachm.SU. Was Uir wol t HomOttlenhnus Norden 6304 Zum ersten Male ?v,: Pramiinen LetzieVorsteilung der Barnowskg- Bühnen im Tb. a. 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Prüwer Konz.f. Flöte Quantz (Harzer), Sinf. pa- thät Tschaikowsky B esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „Vorwlru- und trotzdem npiiugn g SLm, Das grosse Uiir»Circusprogr Morgen, Mittwoch yrntoecto u.ei. Ausflog nach Uliput. 18 Zwerge 1 Riese. Affen als Irapakünstler uam Karten: Wert-heim Tietz,ab10UhrOrcus» kasse Norden 040- HAGENBECK CIRCUS BUSCH Theater d. Westens. Ab morgen 8 U.: Pawlowa§"znr Miete Puppe nfee-Cboplalcaa DiTertlssemeiit W'. O.Ansbach erst r. t X v.>eVe-be-, UJJJSD, JOJslsXJJÖ. /JUJJ-U.' Ihr Spatzen, pfeift es von den Dächern, Verkündet's zu der Menschheit Wohl: Es gibt ein Hühneraugenmittel, Das ist und bleibet»Lebewohl"*! «Gemeint Ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene HtUkBeraagen-Lebewohl mit druckmilderndem Fllzring für die Zehen und Lebewohl-Balleiiicbelhca für die FuBsohle, Blechdose(8 Pflaster) 75 PL, Lebewohl-FuA- bad gegen empfindliche FüBe und Fußschweiß, Schachtel (2 Bader) 50 PI, erhältlich in Apotheken und Drogerien. Ht. 565 ♦ 45. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts Vlenstag, 50. November 1426 Mafsenkonfum unü Konjunktur. Zum letzten Bericht des Konjunktnrinstituts.— Einkommensverwendnng und Lagerhaltung in der Krise. Die deutsche Konjunkturforschung, insbesondere das Deutsche Konjunkturforschungsinstitut, ist ein Produkt der Not� Es muß pfleglich behandelt werden, auch im Ausmaß und in der Form der Kritik, wenn das Vertrauen in der Oesfentlichkeit, um das es noch wirbt, nicht im Keime zerstört werden soll. E» ist in hohem Maße erfreulich, daß das letzte Heft des Konjunkturforschungsinstituts ein Beweis dafür ist, daß dieses neue Institut durch immer größere Und werwollcre Leistung selbst mit Nachdruck um dieses Vertrauen wirbt. Nicht nur der erheblich gestiegene Umfang seiner letzten Publikation(der Inlandsbericht ist gegenüber dem ersten Heft von 34 auf(50 Seiten erweitert, der Konjunkturbericht aus dem Aus- land gar von 17 auf 60 Seiten), sondern vor allem der Wert des Materials sowohl als auch der gezogenen Schlüsse wächst. Wenn auch infolge der Geringfügigkeit des zur Verfügung stehenden Materials die Einbeziehung der Einkommens statt st ik und, noch wichtiger, der Einkommensverwendung zu vorerst noch spärlichen Resultaten geführt hat, so scheint uns doch mit dieser Einbeziehung der entscheidende Schritt getan, um gegen- über der bisherigen einseitigen Berücksichtigung von Produttions- und Handelsziffern den Schlußfolgerungen jene Sicherheit zu geben, die für eine ausreichende Konjunkturdiagnose und-Prognose notwendig ist. Auch die Beobachtung der Konjunktur im Ausland zeigt erhebliche Fortschritte in der analy- tischen Durchdringung und Verarbeitung der erreichbaren Daten. Es ist ohne weiteres von erheblicher Allgemeinbedeutung, wenn ziffernmäßig aus der Behandlung der französischen Wirtschaftslage in den letzten Monaten ersichtlich wird, wie die Frankenoer- schlechterung im Juli bis in den August hinein den deutschen Einfuhrüberschuß nach Frankreich sinken lieh, infolge der seit- dem eingetretenen starken Besserung des Frankenkurses aber der deutsche Einsuhrüberschuß nach Frankreich bedeutend st i e g. Eben- so belehrend für die öffentliche Meinungsbildung in Europa scheint uns die deutlich gezeichnete Tatsache zu sein, daß die Vereinig- ten Staaten bei fortgesetzt wachsender Erzeugung und steigendem Wohlstand eine in der tatsächlichen Rentabilität ihrer Unter- nehniungen nicht gerechtfertigte Börjenhausse erleben, eine Er- scheinung, die nicht weniger widerspruchsvoll ist als die stürmische Börsenhausse in Deutschland, obwohl beide Erscheinungen doch nur aus Wirtschaftsvorgnngen mit umgekehrten. Vor» zeichen In den beiden Ländern zu erklären sind. Es ist dieselbe Kapitalfülle, die in Amerika zur Börse drängen muß, die richtig von Europa, besonders Deutschland aufgesogen und v e r- nünstig zur Steigerung des Volkseinkommens verwertet. In Deutschland wie in Amerika jede künstliche Börsenhausse verhindern müßte. Einkommensbildung und Einkommensverwendung. Aus den vielfachen neuen Untersuchungen des Konjunktur. forschungsinstituts können wir nur wenige hervorheben. Für die zu- künftige Beobachtung des Zusammenhangs von Einkommens- bildung und Konjunktur wird die aus der Vorkriegszeit von 1893 bis 1913 gewonnene Erkenntnis, daß die Arbeitseinkommen in der aufsteigenden Konjunktur weniger schnell steigen als die Untcrnehmereinkommen, daß aber in Krise und Depression die Unternehmereinkommen heftiger zurück gehen, von großer Bedeutung sein. Für die Einkommensentwicklung im Jahre 1926 wird für das Lohneinkommen festgestellt, daß seit Februar dieses Jahres die Lohneinkommenssumme in Deutschland um etwa 8V Proz. gestiegen sein muh, obwohl sie gegenüber dem gleichen Zeitraum im vorigen Jahre noch be- deutend kleiner ist. Sehr wertvoll ist die Feststellung, daß der Nahrung?- mittelverbrauch bei steigender Arbeitslosigkeit st a v i l bleibt oder sogar steigt, während der Verbrauch für Bekleidung und Möbeleinrichtungen stark zurückgeht. Bei gleichbleibendem oder stei- gendem Nahrungsverbrauch sanken gegenüber dem Vorjahr(= 100) im Nordseegebiet. , Bezirk Solingen. ., Münster.. ,, Hannover. Magdeburg. bei einem Biel» falben der Arbeits- losigkeit von .. 2,9 10.4 12,0 16.8 42,8 die Ausgaben für Betiei- dung auf Proz 91.8 90.8 89,6 86,1 96,8 fflr Miibel auf Proz. 100,4 83.3 90,1 92,9 63,1 Da der Nahrungsverbrauch eher stieg als sank, ergibt sich aus dem scharfen Rückgang des Konsums an Textilien, Möbeln und Hausgerät der sehr wichtige Schluß, daß durch eine Sen- k u n g der Lebensmittelpreise, die durch die bessere Lage der Land- Wirtschaft durchaus möglich wäre, sofort bedeutende Kaufkraft- mengen für andere Zwecke frei würden und so mit einer ver- besserten Absatzlage der Berarbeitungs- und Fertig- i n d u st r i e die Arbeitslosigkeit im ganzen verringert werden könnte. Wie sich im einzelnen die Umsätze beim freien Handel in der Zeit der schwersten Krise und in den letzten Monaten der Wirt- schaftsbelebung im Verhältnis zum Vorjahr oerändert haben, zeigt für mehrere Zweige der Bekleidung und Haushaltscinrichtung folgende Tabelle. Es wurden Umsätze erzielt Februar März September Oktober (in Prozent de» Voriahre») für Herrenkoiitcktion(Rbeinland) 64.2 84,7 43,6 91,1 , Damenkonfektion(Rheinland) 78.6 120.4 71.1 128 0 . Damenunierkleidung(Berlin) 84.3 79,4 86.0 109,3 . Möbel(Rheinland).... 70.2 90,4 72.4 97.4 , GlaS u. Porzellan(Rheinland) 81,6 88,1 105,6 09.7 » Haush.-Gegenst.(Rheinland) 88,1 97,8 101,0 109,8 Diese Tabelle zeigt, wie sehr in jeder Konjunkturlage der Be- darf an Fraucnkleidung und-wüsche sich als dringlicher durchzu- fetzen vermag. Sie zeigt weiter, wie sich sosort mit der Belebung der Wirtschast der Haushaltseinrichtunqsbedarf sofort in den Vorder- grund schiebt und den entsprechenden Fertigindustrien zugute kommt. Wenn es sich bei diesen Beispielen auch nur um wenige und zum Teil private Verbandserhebungen handelt, die allerdings überprüft wurden, so zeigen sie doch mit seltener Eindringlichkeit, wie stark die Verlagerungen in der Produktion und im Handel sein müssen, die durch die Verschicbungen in der Einkommens v e r- wendung infolge der Einkommens Verringerung hervor- gerufen werden. Die Lagerhaltung im Wandel der Konjunktur. Einen tiefen Blick in jene wirtichastlichen Umstände, die im Gefolge des Krisenousbruchs die Zahlungsfähigkeit der Unter- nehimnigen verschlechtern und zu Zwangsoerkäusen führen, erlaubt eine Studie über die Lagerhaltung im Wandel der Konjunktur. Bei dem Zentraloerband deutscher Konsumvereine ist in den Jahren von 1902 bis 1913 die durchschnittliche Lagerdauer von 62 aus 50 Tage gesunken, der Umschlag der Lägxr ist von 5,9 mal aus 7,3 mal pro Jahr g e st i e g e n. Dabei ergibt sich für die Depressionsjahre 1902 und 1908/09, daß die Umschlags- bau er sich gegenüber den Konjunkwrjahren verlängerte, ob- wohl es sich in oller Regel damals bei den Konsumvereinen nur um den an sich sehr raschen Umschlag von Lebensmitteln handeln konnte. Wenn für das Jahr 1925 festgestellt wird, daß die Um- schlagsdauer der Konsumvereinsläger(bei denen übrigens die ört- lichen Zentralläger eingeschlossen sind) mit 54 Tagen noch um vier Tage länger ist als im Jahre 1913, und wenn dabei die Um- schlagshäufigkeit pro Jahr von 7,3 auf 6,8 zurückgegangen ist, so sind allerdings nicht nur die Kreislaufstörungen der Inslation dafür verantwortlich zu machen, sondern auch die erhebliche Ausdehnung der Konsumvereinsgeschäfte auf Textilien, Schuhwaren usw., die an sich eine längere Umschlagsdauer hoben. Aus dem Bericht des Konsumvereins„Vorwärts'- Dresden für das Jahr 1925/26 wird die verschiedenartige Um- schlagshäufigkeit bei den verschiedenen Waren mitgeteilt, chier er- gibt sich für 6 VerteilungS-Gt.(nur Textil-, Schuh- u. HauSh.-Waren) ein 2,28 maliger Umschl. p. Jahr 8„,(wie oben, außerdem Kolonialwaren) ein 2,4—6 maliger Umschl. p. Jahr 30 �„(vorw. Kol.-Waren, auch Text. u. Sckuhw.) ein 6—12 maliger Umschl. p. Jahr 69..(nur Kolonialwaren) ein 18—37 maliger Umschl. p. Jahr Als Vergleichsziffer wird für den Durchschnitt eines deutschen Warenhauses für das Jahr 1924 ein 4,5 maliger und für das Jahr 1925 ein 4,7 maliger Umschlag der Läger mit- geteilt. Es ist ganz klar, daß eine ausgedehnte Beobachtung der Lager- dauer in den einzelnen Zweigen der gesamten Privat- und Gc- nossenschaftswirtschaft nicht nur für die Geschästspolitik der Unter- nehmungen, sondern auch für die allgemeine Wirtschafts, und Kreditpolitik im zukünftigen Ablauf der Konjunkturen von größter Bedeutung sein kann. Eine zweifelhafte Konjunkturprognose. So erfreulich nun diese neuen Beiträge des Instituts für Konjunkturforschung zur Erkenntnis der Konjunkturzusammenhänge sind, so wenig kann die Hauptleistung der letzten Verösfentlichung des Konjunkturforschungsinstituts befriedigen. Im Widerspruch zum mindesten mit den Berichten vom deutschen Arbeits- markt stellt das Institut eine grundlegende Besserung der Kon- junktur fest und sagt einen Aufschwung der Wirtschast ganz im allgemeinen voraus, wobei es allerdings auch nicht an vorsichtigen Einschränkungen fehlt. Fragt man sich, worauf das Institut dies« Meinung gründet, so ergeben.sich leider verzweifelt wenig st i ch- h a l t i g.e Grundlagen. Im ganzen gründet das Institut seine Ansicht auf zwei Vorgänge: Einmal sei die Aussuhr von Fertig- waren gerade in derselben Zeit bedeutsam gestregen, in der die deutsche Wirtschaft durch die gewaltsame Abstoßung von L ä g e r n die Einfuhr habe bedeutsam drosseln können. Die gegen- wärtige Belebung der deutschen Wirtschaft stütze sich keineswegs nur aus die Anregung, die die deutsche Produktion durch die England- konjunktur erfahren habe, wieweit man auch deren Wirkungen ein- kalkuliere. Die gegenwärtige Belebung der Warenerzeugung sei zum großen Teil auf diese Abstoßung van Warenlägern und die jetzt folgende Wiederausfüllung zurückzuführen, und die Wendung der Konjunktur zum besseren sei infolgedessen von der deutschen Wirtschaft selbst herbeigeführt worden, nicht aber vom Ausland her zu erklären. Als zweites Moment der Konjunktur- befserung wird die öffentliche Arbeitsbeschaffung zur Steuerung der Arbeitslosigkeit angeführt. Bei aller Bereitwilligkeit, den Darlegungen des Instituts zu folgen, kann man doch nicht um- hin, diese von ihm ausgezeigten Ausschwungsmomente als außer- ordentlich mager zu bezeichnen. Es darf u. E. keineswegs als ein stichholtendes Aufschwungsmoment angesprochen werden, daß Industrie und Handel deshalb, weil sie zahlungsunfähig zu werden drohten, die Läger geräumt haben und dann wieder aufzufüllen suchen. Das ist eine Erscheinung, die zu jeder Krise gehört und in jeder Depression wiederkehrt, ohne daß darin mehr zum Ausdnick zu kommen braucht, als die rein psychologisch zu er- klärende Erwartung, daß es wieder auswärtsgehen werde. Wir sind durchaus nicht der Meinung, daß es nicht wieder aufwärtsgehen wird: aber wir glauben, daß der belebende und sicher auch nach- haltige Einfluß der Englandkonjunktur und der Besierung der Frankoaluten v o r e r st noch vollkommen die deutsche Wirtschofts- läge beherrscht und daß es zum mindesten für die Voraussage einer grundlegenden Besserung auch heute noch zu früh ist. Zu diesem Schluß zwingt nicht nur die eigene Feststellung des In- stituts, daß in der sogenannten„strukturellen' Arbeitslosigkeit durch die Rationalisierung der Betriebe in der Zukunft noch Verschärfungen zu erwarten sind, nicht nur die gegen- wärtige, keineswegs allein aus Saisongründen zu erklärende Ver- schlechterung der Arbeitsmärkte, sondern auch die Skepsis, mit der man der Fähigkeit der Industrieführer und Banken gegenüber- stehen muß, die massenhaften Auslandskredite in vermehrter und verbilligter Erzeugung zur Wirksamkeit zu bringen. Es ist nur durchaus konsequent, wie man unsere Zahlungs- bilanzen durch Borgen von Geld aktiv gemacht hat, daß man auch die Konjunkturentwicklung Deutschlands durch vorläufiges Borgen aktiviert, denn das müßte die Folge der Auslandskredite sein. Dazu scheint allerdings in Deutschland die sehr wichtige Vor- aussetzung noch immer nicht erfüllt zu sein, daß die verantwoitlichen Unternehmer des Privatkapitals ihre augenblicklichen Gewinn- Interessen den Daucrinberessen eines vergrößerten und verbilligten Absatzes an die breiten Masten unterordnen. Diese Voraussetzung aber durch eine günstige Prognose einfach als schon gegeben er- scheinen zu lassen, wie es das Institut für Konjunkturforschung tut, das scheint uns gefährlich. ver Wohnungsbau In Preußen. Im Jahre 1925 ist die Zahl der in Preußen insgesamt erbauten Gebäude von 68 974 auf 104 826(um 52 Proz.), die Zahl der Wohngebäude von 34 094 aus 54 876 (um 61 Proz) und die Zahl der neuerbauten Wohnungen von 59833 auf 103 442(um 73 Proz.) gestiegen. Von den 54 876 neucrbauten Wohnhäusern waren 48 464 Kleinhäuser mit ein bis zwei Wohngoschossen. Hochöfen an üer Ostsee. 5 Proz. Dividende bei der Hochofcnwcrk Lübeck A.-G„ Angesichts der starken Konzentration der deutschen Eisen, und Stahlerzeugung über und neben der Kohle berührt die Existenz von Hochöfen an der Ostsee merkwürdig. Der Grund dafür sind die hochwertigen Eisenerze Schwedens, die zu Schiff herüber- transportiert und nun sogleich an der Entladestelle verhüttet werden. Der hohe Eisengehalt der schwedischen Erze verlohnt es, die erforderliche Kohle von weither anfahren zu lasten. Die Vcrarbei- tung stellt sich trotzdem noch billiger als die Verhüttung der unter wertigen Siegerländer Eisenerze am Standort der Erz- gewinnung selbst. Die gewaltigen Verschiebungen in der Eisener- zeugung, die Wandlungen in der Eisenhüttentechnit haben die hoch- qualifizierten ausländischen Erze in den Vordergrund gerückt und Hochöfen in der Nähe der See eine Existenzmöglichkeit gegeben. « In Lübeck ist der Sitz der„izochofenwerk Lübeck A.-G.'„ die mit einem Aktienkapital von 12V Millionen Mark an der Ostsee die Verhüttung von schwedischen Eisenerzen betreibt. In Herrenwyk bei Lübeck stehen drei moderne Hochösen, in Kragrink bei Stettin drei weitere, die 1921 von der bekannten„Eisenwerk Kraft A- G.' erworben wurden. Eine Leuchtgossabrik� beliefert die Stadt Lübeck mit Gas. Eisenportlandzementfabriken, Schlacken- aiegelei, Zementwarenfabrik, Kupferhütte usw. sind dem Hochofen- betrieb angegliedert. Außerdem besitzt die Gesellschaft noch iyi Siegerland die Rolandshütte. In die Aktien des Unternehmens teilen sich mehrere große Industriegruppen, darunter auch der Glöckner. Konzern. Die Hochösen der.Hochofenwerk Lübeck A.-G.' haben eine Leistungsfähigkeit von insgesaim 458 000 Tonnen im Jahr. Davon entfallen auf die Hochöfen in Lübeck 216 000 Tonnen, in Stettin 175 000 Tonnen, im Siegerland 67 000 Tonnen. Der Siegerländer Betrieb wurde schon 1924 stillgelegt, in Stettin waren im vergangenen Geschäfts- jähre alle drei Ocfen ausgeblasen, nachdem man schon im Vorjahre teilweise nur mit einem gearbeitet hatte. In Lübeck brannten 1925/26 noch zwei Hochöfen. Die Roheisenerzeugung, die früher einmal 370 000 Tonnen erreicht hatte, sank auf 234 000 Tonnen im Jahre 1924/25 und 176 000 Tonnen im Jahre 1925/26. D. h. die Produktion, die auch früher nicht die volle Kapazität der Oefen in Anspruch nahm, machte nur rund 50 Proz. bzw. 40 Proz. der Kapazität aus. Das ist zweifellos ein starker Rückgang der Erzeugung, eine Zluswirkung der Wirtschastskrisis, der allgemeinen Absatzstockung, die sich erst in den letzten Monaten ge- bessert haben. Dennoch vermochte die Gesellschaft umfangreiche Neu- und Umbauten ihrer Hüttenanlagen durchzuführen. Es wurden fertiggestllt: In L ü b e ck der vollständige Umbau der Koks- ofengruppe III, die Erweiterung der Ammoniak- und Benzolfabrik, der weitere Ausbau der Gleisanlagen und die Errichtung einer Umsormerftatton für die Verwendung von Drehstrom: in Stettin die Errichtung einer neuen Zementfabrik und in Verbindung damit die Erweiterung der Gleis- und Seilbahnanlagen, Verbesserungen in der Kokerei, Modernisierung der Ammoniak- und Benzolfabrik und Neu- und Umbauten der Maschinenzentrale. Die Bilanz bringt diese Neuanschässungen in der Erhöhung der Anlagcwerte von 14,125 auf 17,017 Millionen Mark zum Ausdruck. Seit Jahren sucht die„Hochofenwert Lübeck A.-G.' ihre De- triebe auf den höchsten Stand der technischen Vollendung zu bringen. Teilweise wurden die Mittel hierzu durch Aufnahme einer Aus- landsanleihe beschafft, teilweise aber flössen die Gelder aus den laufenden Gewinnen. Wenn nun trotzdem die Gesellschaft in der Lage ist, in diesem Jahre 618 000 M. oder 5 Proz. D i v>- dcnde zu zahlen, so ist das wieder ein Hinweis darauf, daß auch bei sinkender Produktion die Gewinne der Montan- industrie steigen rönnen, eine Erfahrung, die schon mehrfach bei großen Hüttenwerken gemacht worden ist. Erst 112 Millionen Aufträge für den Zoo-Mill.-Ruffenkredil. Wie mitgeteilt wird, hat die russische Handelsvertretung der auf Grund der 300 Millionen Ausfall-Garantie bis 20. November Bc- flellungen im Werte von 112 589 400 RM. vergeben, von denen solche von 100 157 400 RM. bereits vom interministeriellen Aus- schuh genehmigt worden sind. Für die Summe von 88 401 600 RM� ist vierjähriger, für die Summe von 24 187 800 RM. zwei- jähriger Kredit in Anspruch genommen worden. Es wurden bc- stellt: Werkzeugmaschinen im Werte von 26 695 200 RM., mecha- nischc Ausrüstungen für 56 217 000 RM.. Kraftanlagen für 27 182 400 RM., Meßinstrumente für 1 734 600 RM. und Aus- rüstungen für chemische Fabriken für 760 200 RM. Man wird die oerhäUnismätzig geringfügige Ausnutzung der Kreditgarantie auf die langwierigen und hartnäckigen Schmie- r i g k e i t e n zurückführen müssen, die bis zum Spätsommer dieses Jahres von den deutschen Banken gemacht worden sind. Das Bedenkliche der Verzögerung liegt darin, daß die Ausnutzung der Garantie nach den gesetzlichen Bestimmungen bis zum 31. Dezember d. I. ersolgt sein muß. Die Finanzierung der zweiten Rot« von 110 Millionen(die erste betrug 120 Mill.) ist erst in den allerletzten Tagen endgültig abgeschlossen worden, so dag nur noch 6 Wochen für die Ausnutzung von f a st zwei Dritteln der Garantie zur Verfügung stehen. Der Zusammenschluß in der UZerftinduslric. Die Vorverhand- lungen über den Zusammenschluß und die Umgruppierung in der. Werftindustrie sind beendet: die Vulcanwerke Hamburg und Stettin A.-G. beruft eine außerordentliche Generalversammlung aus den 18. Dezember ein.�die über die Fortführung oder Liquidation der Firma bzw. über Stellung von Liquidatoren beschließen soll Darauf. wird der Veräußerungsvertrag hinsichtlich des Hamburger Besitzes der Gesellschaft vorgelegt mit dem Ermöchtigungsantrag, durch die Verwaltung die Einzelheiten festzuleaen und die Veräußerung bis zum 1 Mai 1927 durchzuführen. Die Vulcanwerke werden nach diesen Beschlüssen den Titel erhalten:„S l e t t i n e r Maschinen- b a u- A.- G. V u l c a n' mit dem Sitz in Stettin. Ferner soll die Verwaltung ermächtigt werden, aus dem Reingewinn des letzten Jahres 3.4 Millionen Mark dividendenfreie Stammaktien— Vorratsaktien— durch Ankauf einzuziehen. Die Satzungen werden dementsprechend geändert, daß das Grundkapital nach Einziehung sich aus 6,7 Millionen Mark beläuft. Die tschechoslowakischen Eisenwerke vor dem Eintritt ins Stahlkartell. In den Verhandlungen der tschechoslowakischen Eisenwerke über die Frage der. Ouotenaufteilung für den Beitritt zur Internationalen Rohstohlgemeinschast ist ein v o l l st ä n d i g e s Einvernehmen erzielt worden, so daß der Weg für die am 9. Dezember in Paris stattfindenden Verhandlungen mit den west- europäischen Eisenwerken frei ist. Die tschechoslowakische Eisen- industrie geht geeinigt in die internationalen Verhandlungen, an denen außer den bisherigen Mitgliedern der Rohstahlgemeinschaft auch die englischen, österreichischen, ungarischen und polnischen Werke teilnehmen werden. Die Verhandlungsbasis wird die gleiche sein wie bei den internationalen Verhandlungen, wobei die aus die Tschechoslowakei entfallende Quote von zirka 1)4 Millto- n e n Tonnen zu der ursprünglichen Basis von 27,2 Millionen Tonnen zugerechnet und dann nach dem neuen Schlüssel aus die einzelnen Staaten aufgeteilt werden soll. Als Basis für den Beitritt wird die tatsächliche Erzeugung des e r st e n Quartals des Jahres 1926 dienen, so daß sich der prozentuale Anteil der einzelnen Staaten, die bisher der Rohstohlgemeinschast angehären, wohl etwe. verringern dürfte, während die Quantität keine Verringerung cr- fahren wird. Heute abend 8 Uhr öffentliche Kundgebung gegen das Schmutz- und Schundgesetz imLehrervere,nshaus am Alexanderplatz Reichstag gegen Schunügesetz. Ter entscheidende Paragraph in zweiter Lesung gefallen. Der Reichstag setzte am Montag die zweite Beratung des Schund- und Schmutzgesetzes bei ZZ 2—5(Errichtung und Zusammensetzung der Prüfslellen) fort. Abg. Dr. Runkel(D. Vp.) erklärt, daß die Zahl von 2 Milliar- den Schundschristen, die in den Ausschuhoerhandlungen genannt um de, von der Regierung stamme. Bayerischer�Bcoollmächtigter t>. Zmbusch gibt eine Erklärung ab, wonach die in Schriflsteller- und Verlegerkreisen gehegten Besurch- tungen, daß durch das vorliegende Gesetz das Reich in Kultur- kreise ausgeteilt werden solle, unbegründet seien. Auch für dieses Gesetz gelte die Reichsverfassung(Zurufe links), der Gesetzentwurf sei im Reichsrat einstimmig genehmigt worden. Die bayerische Regierung halte an den candesprüsslelleu sesl und wenn seht anders beschlossen werden sollte, so werde Bayern Einspruch dagegen erheben. Abg. heuh(Dem.) spricht den Kommunisten den Dank dasür aus, daß sie den Ausschuß von der Qual befreit hätten, die Reden des Abg. Schwarz anzuhören. Schwarz ist vor einiger Zeit aus der KPD. ausgeschlossen worden. Gegenüber den bayerischen Bevoll- niächtigten stellt der Redner fest, daß es durch die Reichsversassuii nicht begründet werden könne, Landesprüsstellen für das ganze Rei entscheiden zu lassen. Wenn das Stimmverhältnis in den Prüf stellen nicht auf 6 gegen 1 festgesetzt werde, könne die demokratische Fraktion für diese Paragraphen nicht stimmen. Der Redner wendet sich dagegen, daß Vertreter der Kirchen in die Prüfstellen kommen. Abg. Rheinländer(Z.) tritt für die A u s s ch u ß b e s ch l ü s s e g. der Rcligionsgesell'' r WWWWW« keit zu kümmern ein. Die Zulassung, der R e l i g i o n s g e s e l l s ch a f t e n zu den ..Prüfstellen" sei notwendig, denn schon seit zwei Jahrtausenden hatten diese die Pflicht, sich um Voltserziehung und Voltssittlich' Abg. Frau Rlüller-Otfried(Dnat.) wirft der Linken vor, das Volk zur Erstickung des Glaubens an die Eristenz einer übersinnlichen Macht zu bringen Der Einflujz der Geistlichkeit und der Kirche auf die Jugend müsse erhalten bleiben. Abg. hörnle(Komm.) begründet einen Antrag, wonach die Prüfstcllcn sich aus Vertretern proletarischer Jugend- und Kultur- organisationen, Schriftsteller- und Künstlerverbänden und der freien Lehrergewerkschaftcn zusammensetzen sollen. Abg. Frau Dr. Rkäh(D. Vp.) begründet einen Antrag, nach dem sich die Prüfstellen aus Vertretern der Kunst und Literatur, der Jugendorganisationen, der Lehrerschaft und der Voltsbildungsorga- nifationen zusammensetzen sollen. Rur bei U e b e r e i n st i m m u n g von wenig st ens S Mitgliedern der Prüsstelle sei eine Schrift in die Liste aufzunehnicn. Abg. Dr. kahl(D. Vp.) ertlält, daß er gegen die Beteiligung der Religionegoscllschasien an den Prüsstellen sei, rrohdem er der obersten evangelischen Kirchenbehörde angehöre. Die beide» letzten Paragraphen, die die Straf- und Aus. führungsbestimmungen enthalten, werden ohne wesentliche Aussprache erledigt. Die Abstimmungen. Darauf beginnen die Abstimmungen. Wiederholt muß das chaus ausgezählt werden, da das Abstimmungsergebnis zuerst zweisel- Haft ist. Ein demokratischer Antrag auf Streichung des Absatzes, der den Verkauf der auf die Liste gesetzten Schriften an Personen unter 18 Jahren verbietet, wird mit 183 gegen 189 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag der Volkspartei, daß mehr als zwei Rummern einer periodischen Zeilschrift auf die Liste gesetzt sein müssen, bevor sie gänzlich verboten werden krnn, wird mit 197 gegen 154 Stimmen angenommen. Der sozialdemokratische Antrag, wonach neben politischen Zei. tungen auch polisische Zeitschristen nicht aus die Liste geseht werden dürfen, wird einstimmig angenommen. Im übrigen wird der Jj 1 gegen die Stimmen der Sozialdemo- traten Kommunisten und eines Teils der Demokraten in der Ausfchußfassung verabschiedet. Bei K 2 beantragten die Demokraten, daß die Entscheidung darüber, ob eine Schrift aus die Liste gesetzt werden soll, durch eine prüsstelle des Reichs erfolgen soll. Die Abstimmung darüber ist namentlich. Bemerkens- wert dabei ist, daß das Zentrum dagegen stimmt und der Reichsinnenminister Dr. Külz, selbst ein Demokrat, eine blaue Karte abgibt, sich also der Stimme enthält. 181 Abgeordnete stimmen mit Za, 191 mit Rein. 4 Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten. Der Antrag ist somit abgelehnt. Das gleiche Schicksal erleben ähnliche Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten. Bei einem Antrag der Sozialdemokraten, wonach der Ent- scheidung eine mündliche und öffentliche Verhandlung men angenommen. Auch ein anderer sozialdemokratischer Antrag, wonach der Antrag, eine Schrift auf die Liste zu setzen, den b e. teiligten Verfassern und Verlegern wenigstens eine Woche vor der Verhandlung zuzustellen ist, wird mit der gleichen Mehrheit angenommen. Bei der Gesamtabstimmung über§ 2 ergibt sich eine lieber. raschung. Für die Ausschuhsassung stimmen nur Deutschnationale. Bayerische Volkspartei und völkische, während die anderen par leien. auch die Deutsche Volksparlei. dagegen stimmen. Der§ 2 ist also abgelehnk. so daß es wenigstens nach der zweilen Lesung überhaupt keine prüsstellen mehr gibl. voranzugehen habe, zu der die beteiligten Verfasser und Ver. leger zu laden sind, wird auf Antrag der Volksparte! die äff ent- lich« Verhandlung gestrichen. Der sozialdemokratische Antrag wird in der sc abgeänderten Form mit 187 gegen 177 Stirn- Trotzdem wird in der Abstimmung über die nächsten Para- graphen, die die Zusammensetzung der nicht mehr vor- handenen Prüfstellen behandeln, fortgefahren. Ueber einen demo- kratischen Antrag, die Prüfstellen aus einem beamteten Vorsitzen- den und vier Sachverständigen, aus den Kreisen des Buch- und Kunst- Handels, des Schrifttums und der Kunst, der Iugendwohlfahrt und der Volksbildung zusammenzusetzen, also trie Religionsgesellschaflen auszuschließen, wird auf Antrag des Zentrums namentlich abgestimmt. Der An- trag wird mit 347 gegen 3S Stimmen abgelehnt. Auch die von den Sozialdemokraten dazu geftelllen Anträge, darunter die Einstimmigkeit der prüsstelle. werden abgelehnt. Bei der Gesamtabstimmung über Z 3 in der Ausschußfasiung ist das Ergebnis zuerst zweifelhaft, trotzdem die Deutsche Volksparte! dagegen stimmt. Auch der 8 3 wird abgelehnt, und zwar mit 190 gegen I7S Stimmen. Das Ergebnis wird von den Kommunisten mit Schimpfereien gegen den Minister Külz begleitet. Dageoen wird 8 4, der von der O b e r p r ü s st e l l e handelt. unter Ablehnung aller Abänderungsanträge von den bürgerlichen Parteien angenommen, desgleichen 8 5 unter Annahme eines volksparteilichcn Antrages, wonach die K o st e n für die Oberprüf- stelle das Reich trägt. Die letzten§8 6 und 7 werden gleichfalls angenommen, womit die zweite Lesung des Gesetzentwurfs beendet ist. Ohne Aussprache werden sodann der Gesetzentwurf über den Verkehr mit Lebensmitteln und Bedarfsgegen- ständen sowie mehrere Anträge der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen und der Wirtschaftlichen Vereinioung zur Aende- runq des Reichsmietengcsetzes und des Mieterschutz- g e s e tz e s den zuständipen Ausschüssen überwiesen. Gegen 614 Uhr vertagt sich das. Haus auf Dienstag nachmittag 3 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung der Nach- tragsetats, beginnend mit den haushalten des Reichsverkehrsmlniste- riums und des Ministeriums für die besetzten Gebiete. Wohnungsbau-Zinanzierung. Zum Preußischen Wohnungsbau 1927. Der Wohnungs- und heimstättenausschuß des Preußischen Land- tagcs beschäftigte sich in der vorigen Woche mit dem Antrage der Sozialdemokratischen Partei, Im Jahre 1927 den Bau von 200 000 Wohnungen zu fördern. Der Wohlfahrtsminister beziffert die Zahl der im Jahre 1926 erbauten Wohnungen auf etwa 130 000, von denen annähernd 20 000 ohne haüszlnssteuerhypothek errichtet wor- den sind. Damit wäre das Mindestprogramm des Landtages für 1926 etwas überschritten. Für dieses Programm standen 400 Mil- lionen Reichsmant zur Verfügung. Da der Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, von dgm die hauszinssteuer ein Teil ist, zum 1. April 1927 keine Aenderung erfährt, wird Preußen aus der hauszinssteuer für den Wohnungsbau im Jahre 1927 nicht mehr als 1926 zur Verfügung stehen. Ist doch der Pro- zentsatz, der nach dem Reichsgesetz über den Finanzausgleich vom 10. August 1925 mindestens zur Deckung des allgemeinen Finanzbedarfs aus dem Auskommen der hauszinssteuer entnommen werden muß. mit anderen Worten, der Prozentsatz, der h ö ch st e n s für Neubauzwecke verwendet werden kann, in Preußen erreicht. Das bedeutet, daß nur der Bau der gleichen Zahl von Wohnungen wie in diesem Jahre gefördert werden kann. Diese 130 000 Woh- nungen reichen bei weitem nicht aus, um den laufenden Bedarf zu decken, geschweige denn, die Wohnungslosen unterzubringen. Mit Ausnahme der Wirtschaftsparteiler und der Deutschnationalen, die einen Wohnungsmangel leugnen, stehen alle Parteien auf dem Standpunkte, daß die Wohnungsbautätigkeit aus mannigfachen Gründen verstärkt werden muß. Will man das. so müssen auch die erforderlichen Mittel hierzu. flüssig gemacht werden. Unser Verlangen, die aus der Hauszins- steuer aufkommenden Beträge restlos für den Wohnungsbau ver- fllgbar zu machen, kann in Preußen nicht durchgesetzt werden, solange der Reichstag den Finanzausgleich nicht ändert. Die diesbezüglichen Demonstrationsanträge der Kommuni st ischen Partei im Landtagsausschuh bringen uns deshalb in dieser hin- ficht keinen Schritt welter. Nun hat der Wohlfahrtsminister den Vorschlag gemacht, die jetzt lOOprozentige Friedensmietc um 10 Proz. zu erhöhen. Dos Aufkommen aus dieser Erhöhung soll restlos für den Wohnungsbau Verwendung finden. Der Finanz- minister schlägt daneben die Aufnahme einer Wohnungsbauanleihe vor. Gegen die Erhöhung der Miete zur ausschließlichen Verwendung des Aufkommens für den Wohnungsbau wäre unter bestimmten Umständen kaum etwas einzuwenden. Ein Anziehen der Mieten ist auch auf die Dauer kaum zu vermeiden, insbesondere nicht, je mehr Familien in Neubauwohnungen zu wesentlich höheren Mietsätzen wohnen müssen. Worauf es ankommt, ist, daß die M e h r m i e t e aus Altwohnungen nicht dem Hausbesitzer, insbc- sondere nicht dem Inflationshausbesitzer und dem in der Vorkriegs- zeit stark verschuldeten Hausbesitzer, der seine Hypotheken aus Spar, kasiengeldern losgeworden ist, zugute kommt, sondern dem ehe- maligen Sparkonteninhaber in Gestalt von gesenkten Neubaumieten. Das kann nur durch hergäbe billiger Bau- und Hypothekengelder erreicht werden, die zurzeit nur vom Staate in Gestalt der haus- zinssteuerhypotheken zu erhalten sind. Trotzdem sind die Neubau- mieten, mit Ausnahme der Genossenschaftswohnungcn, noch jetzt für die breite Masie unerschwinglich. Sie wären es ohne die Verbilli- gung der Hauszinssteuerhypothek noch viel mehr. Der sozialdemo- kratische Antrag fordert deshalb, daß der h ä ch st b e t r a g an Hauszins st eu erHypothek schon bei 70 Quadrat- meter Wohnfläche, also bei 2X bis 3 Zimmer und Küche, gegeben und Wohnungen von über 100 Quadratmeter Größe überhaupt keinen Zuschuß erhalten sollen. Es soll dadurch-r- reicht werden, daß ein möglichst großer Teil der erforderlichen Bau- kosten mit den billigen haiiszinssteuermitteln bestritten werden kann, so daß nur ein kleiner Teil aus dem teuren hypothekcnmarkt beschafft zu werden braucht, was eine Senkung der Neubaumiete» mit sich bringen muß. Das ist um so notwendiger, als die Miete in den Altwohnungen heute bereits eine Hölze erreicht hat. die, wie in der Vorkriegszeit, ein Fünftel bis ein Sechstel des Einkommens des Arbeiters ausmacht. Der deutschnationale Redner im Ausschuß war mit der vorgeschlagenen Mieterhöhung einverstanden, wobei er, durch Zwischenrufe von sozialdemokratischer Seite herausgefordert, auch zugab, daß die Löhne und Gehälter dann entsprechend erhöht werden müßten. Der zweite Redner der Deutschnationalen pfiff allerdings am nächsten Tage prompt ab und nannte die Ausführungen seines Kollegen Architekt Schluckebier eine Prioatmeinung. Die Bolksparteiler fürchteten von einer Steigerung des Wohnungsbauprogramms von 100 000 auf 200 000 Wohnungen n»begründete Lohnsteigerungen, zumal der Frieden im Baugewerbe für 1927 noch mcht gesichert sei! Sie fürchteten serner, daß der„Facharbeitermangel" die Bewältigung eines solchen Programms nicht zuließe, wenn nicht eine Arbeitszeitoerlängeruiig durchgeführt würde! Das sind merkwürdige Besorgnisse. Eins steht fest, bei der j e tz i g e n h o l- t u n g des Unternehmertums, das einem L o h n a u e- gleich für die im Juli eingetretene Mietserhöhung bekämpft, kann an eine weitere Erhöhung der Mieten nicht gedacht werden. Eine Finanzierungsmöglichkeit für ein verstärktes Bauprogromm von" dieser Seite her ist also wenig aussichtevcll. So bleibt noch die Frage offen, inwieweit die vorgeschlagene Wohnungsbauanleihe Aussicht auf Erfolg hat. Ein« Aus- landsanleihe durch Preußen kommt für diesen Zweck kaum in Frage. Jedenfalls dürfte die„Beratungsstelle" für die Auslandsanleihen mit Rücksicht auf die industriellen und landwirtschaftlichen Kredit- wünsche kaum zur Befürwortung der Anleihe geneigt sein. Ob der innere Geldmarkt für eine solche Anleihe zu interessieren.ist, hängt im wesentlichen davon ab, welche Sicherheiten hierfür zur Ver. fügung gestellt werden sollen. Die Sicherheit der bisher ausgeliebe- nen hauszinssteuerhypotheken in höhe von etwa einer Milliarde Mark wird verschieden beurteilt. Wer eine wesentliche Senkung der Baukosten erhofft, wird diese Hypotheken, da sie ins Innerhalb 100 Proz. der Bautosten ausgegeben werden, verloren geben inüsfen. Das Schicksal einer Anleihe ist also höchst ungewiß. So ungewiß ist auch das preußische Bauprogramm für 1927. Die Reichsregierung hat allerdings ebenfalls ein Bauprogramm in petto, heute wird eine Besprechung der Reichsregierung mit der preußischen Regierung sich mit der Wohnungsbausrage beschästigen. Was sie bringen wird, wird in den nächsten Tagen der Mitwelt verkündet werden. Eins steht fest, die Reichsregierung, die im Laufe des Jahres eine Anzahl von Steuern zugunsten des Besitzes herabgesetzt hat, wird dasür Sorge trogen müssen, daß die der- zeitigen Träger des Wohnungsbaues, nämlich die Länder, in die Lage versetzt werden, aus dem Hauszinssteueraufkommen diejemgen Beträge für den Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen, die zur ernsthaften Förderung des Wohnungsbaue» erforderlich sind. WSIIsK«!' WeiSmacMsverlcmig? Herr en• Wi n te r-U I sler Winter- Paletots, r.rT.0 Rock-Paletots I»»oUv>6°««r P-OIorm.. 90—, 75.-, Herren-Ulster xd»-.-. 100.-.90.-. Damen-Wintermäntel Z V3Ä STÄ Qualilät, 39.—, 29.—> 18.—,................. Oamen-WoliplÜSCh und PersUnermänltl. imit... SakkOanZÜSC dunkelgemiuterte Sto'Ie NX—, 45—,.., Herren Ledersportjacken �wnm25r.,,.05:~'S- Motorrad-Ueberziehanzüge. 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Als ich vor sechs Monaten noch Tag um Tag vder Nacht um Nacht unten im t-chacht lag und mit meiner Picke in den schwarzen Flöz hinein- schlug, neben mir nur meine kleine Lampensonne, und nichts weiter um mich war als ein gähnendes, grausiges Schweigen, da habe ich in wilden Sekunden gespürt, was es heißt, von Sehnsucht zerrissen zu werden. Da uuten, in der stillsten Stille, übermannte mich damals eine rasende Begierde nach de,, stolzen Gütern der Erde, nach lichttrunkenen, kühlen Wäldern, nach einem sließenden Strom. in dem sich der Himmel spiegelte, oder ich dachte an eine Weltsegler- Jacht, an Entdcckersahrten in gelbe Dschungel und wüste Wild- nisse... Bis mich die Wut beinahe wahnsinnig machte vor soviel Glück, das da jeden Tag jung mit der Welt erwachte und von wenigen heiter und sorglos genossen wurde, während ich bedreckt und geschunden, halbnackt, nach dem Anblick einer Wolke oder eines Sternes lechzte. Das alles aber ist nun vorbei. Noch spüre ich das giftige Lächeln des Schachtmeisters, als er mir an jenem Tage meine Papiere hin- warf, die ich gefordert hatte, um aus eigener Kraft dem schmalen Saum der Freiheit, der mich wie eine Fata Morgana berauschte, näher zu kommen. Tolltopf! Phantast! Das sagte alles dieses Lächeln. Dann kam die winklige Dachkammer mit der Feldbettstelle, der wracke Tisch, die an den Wänden aufgestapellen Bücher und die vielen Nächte bei der Petroleumlampe— bis jetzt, bis jetzt! Ich habe das letzte Wort meiner Arbeit geschrieben, die mich mit einem Riesensprung an das Land meiner unerfüllten Sehnsüchte bringen soll. Doch wenn ich auch schon in der Bucht stehe mit meiner waghalsigen Freude— es würgt mich etwas, ich muß denken an die anderen unten, an ihre verbissene Fron, der ich ent- rönnen bin, ich allein... 16. 12. Heute morgen war Lissy bei mir. In wenigen Minuten ordnete sie meine verwühlte Kammer und freute sich mit mir meines Glückes. Jetzt noch strahlt alles in dem Schein, den ihre Hände hervorgezaubert haben. Bor mir liegen die dicht beschriebenen Blätter: letzte Korrekturen! Auf dem Fenstersims aber trillert ein leicht gesprenkelter Hänfling, ich begleite in summend im Schreiben: das ist doch noch Musik! 20. 12. Recht respektable Häuser besitzen doch die Verleger! Sie gleichen von außen granitnen Burgen oder schimmernden Palästen. Das Eingangstor mit den dorischen Säulen ist wie eine Fanfare, die den Fremden herrisch aufnimmt. Ich hatte Herzklopfen. Lange saß Ich in einem Vorzimmer und wartete. Wie gedemütigt kam ich mir vor, als man mich rief. So müssen wohl die Mächtigen der Erde, die Herren der Welt wohnen— ich saß einem Menschen gegenüber, aus dessen kalt- klarem Antlitz ein stählernes Herrentum glomm. Erzählen wollte ich ja eigentlich von meiner unermeßlichen Tagsehnsucht, wenn der Förderkorb morgens hinuntersauske in den schwarzen Schlund, von meinem nächtlichen, wilden Schaffen— nichts wurde daraus! Stockend beantwortete ich einige Fragen— ein kühles Nicken— und dann empfing er meinen Schatz, der mein Schicksal ist. Wie nach einer schweren Nachtschicht ging ich heim. Fern liegt der silberne Freiheitssaum... Aber noch muß alle Fülle errungen und erkämpft sein! 21. 12.(Die Glocken läuten.) Flocke sinkt auf Flocke. Und immer mehr Fenster sldmmen auf im trauten Licht der Kerzen: zuerst sieht man nur eine schatten- hafte Hand, dann flackert ein kleines Licht auf und zuletzt schlagen alle Flammen zusammen in eine Sinfonie des Lichts auf grünem Grund. Ich friere in meiner Einsamkeit. Unsichtbare Chöre, die es nicht wagen hinauszufliegen in Sturm und Braus, klingen von unten hoch in meine Dachkammer und beenden ihre Fahrt in mir: Halleluja! Halleluja! Die Wände singen, die Dielen, die Treppen, das ganze Haus— nur hier oben schweigen die Sänger und ihre Stimmen verstummen. O Einsamkeit.... Plötzlich überfällt es mich, als risse mich jemand zornwütig an den Schultern zurück: Du Feiger, du Weicher, du Weib! Schon stehst du mit einem Fuß aus der Treppe, die zur Besreiung sührt, die zerbrochene Fessel klirrt, ein Morgen wächst dir riesig zu, eine neue Welt— und du weinst im dämmerigen Grau der Frühe! Vielleicht ist schon alles entschieden, dein Werk angenommen, du... Ja! Hart bleiben! Eisern! Das ist es. Und während nun all« Waldbäume prangten im festlichen Schmuck, während die Kinderstimmen gebrochen zu mir herauf- klangen, habe ich das Wort, das sie sangen ernst und doch trunken nachgesprochen: Halleluja! 7. 1. Die Feste sind verklungen und der Alltag überbraust wieder die feinen Schmerzen der Stille des Alleinseins. Ich warte fiebernd auf jene Antwort, der ich entgegenjagen möchte! Einige Male habe ich mich jetzt mit Lissy getroffen. Sie machte es möglich, daß wir eines abends ins Kino gehen konnten. Dieser Abend war wie ein Rausch für mich, wie eine Stunde zwischen Lachen und Gluck. Doch später ergriff mich leise Scham: war ich nicht ein Freibeuter in fremden Gewässern? Das alles mag nach- her kommen, jetzt sind es zwar lustvolle, aber verwirrende Wen- teuer. Und ich dachte, daß ich doch eigentlich warte, wie auf den Spruch eines... Gerichts... 11. 1. Sie ist da. Was? Nun die Antwort. Sonderbar, wie man von der höchsten Ekstase des Hoffens hinunterfallen kann in die Eisregionen des Wissens. Mein Buch gilt als abgelehnt. Es ist heimgekehrt. Aus. Meine kalte Sachlichkeit steht— wenn ich mich recht beobachte — im Bunde mit einem grausigen inneren Chaos. Ich könnte jetzt jahrelang schweigen, oder immerzu schreien: es wäre dasselbe. Zu stumpfsinnig bin ich, um zu schreiben. Ich weiß nichts, ich weiß gar nichts!! 26. 1. Mein neuer Glaube heißt Resignation. Was nützt es. wenn ich mich zerfleische? Wenige Tage nach jenem Zusammenbruch setzte ich meine eisigste, geschästlichste Maske auf und pilgerte zu einem anderen Verleger. Aber ich weiß nicht—: so. wie sich das Milieu solcher Buchkönige äußerst angleicht, so gleichen sich auch ihre Mienen, ihre» Gesichter. Unbeweglich empfangen sie solch ein Manuskript, an dem doch hastet: Nächte ohne Schlaf, zitterndes Versinken im magischen Stöfs uno noch mehr— eine Seele in Unruhe. Sie müssen steinerne Herzen laben, wie jene Riesen im Märchen.(Schluß folgt.) die definition. Reichsiuuenminister Külz:.Sie vermissen eine Definition, was Schmutz und was Schund ist, im Gesetz? Sehen Sie: Was ich in der rechten Hand halte, ist Schmutz, was ich in der linken Hand halte, ist Schund." Neue Wege öer �lrbeiterbilüung. Das Gesellschafts- und Wirlschastsmuscum in Wien. Von Friedrich Bauermeister. Die bürgerliche Wissenschaft hat mit Hilfe einer lebensfernen Denkmethode sich zum Monopol einer eng begrenzten Kaste von Wissenschaftlern herausgebildet. Der Mensch des Alltags ist, falls er nicht noch unter dem Einfluß einer aus abstraktes Denken ein- gefuchsten Schulbildung steht, gewohnt in Bildern zu denken. Was er denkt, das sieht er innerlich. Er knüpft Bild an Bild. Der Wissenfchastler knüpft Begriff an Begriff. Hinter dem Begriff steht nur selten ein Bild. Daher ist die moderne Wissenschaft für den Menschen des Alltags unverständlich, daher leben zweierlei Arten von Menschen nebeneinander her im selben Lande und können ein- ander nicht verstehen, als wenn sie zwei Sprachen sprächen. Am ehesten hat die R a t u r w i s s e n s ch a s t, die sich des Experimentes bedient, oder die unmittelbar an das Ding, an den Naturgegenstnnd anknüpft, die Beziehung zum Leben, die Anschau- lichkeit aufrechterhalten. Weit schlimmer steht es um ihre Schwester- Wissenschaft, die Gesellschaftswissenschaft. Da wird von Staat. Wirtschaft, Herrschaft, Demokratie, Gemeinschaft, Klasse, Stand, Volk geredet, lauter Begriffe, unter denen man sich sehr viel denken muß, die aber niemand sich bildlich vorstellen kann. Für dfii modernen Menschen, insbesondere für den Arbeiter, der um den Aufstieg seiner Klasse ringt, ist das Wissen um soziale Zusammenhänge wichtig, die Monopolisierung der Gesellschasts- Wissenschaft vermittels einer abstrakten und unverständlichen Denk- weise daher besonders verhängnisvoll. Sozialwissenschaft als Mittel des Klassenringens, als Instrument der proletarischen Revolution! Das kann nicht mehr im Stile einer profefforalen, lebensfremden Wissenschast sich vollziehen, sondern hier müssen die Tatsachen dem proletarischen Geist nahe gebracht, anschau- lich gemacht werden. Das Wort bedeutet nichts, alles das Bild. Nicht den Umweg über den Begriff, sondern den unmittelbaren Weg über das Erlebnis müssen wir schreiten. Ein Versuch, das Gesellschasts- und Wirtschafts- Museum in Wien. Noch ist es ein Anfang, aber ein Anfang. den alle, die sich um die Arbeiterbildung bemühen, beachten sollten. Hier werden ganz neue Wege gewiesen. Wege, die bisher von niemandem beschritten worden sind. Ein Beispiel: Die Stellung der Bevölkerung im Berufsleben. Wenn jeder von den Millionen Menschen, die unsere Mitbürger sind, immer gegenwärtig hätte. welche Bedeutung die Arbciterschast im Volksganzen hat, so würde mancher sich seiner Klassenzugehörigkeit erst bewußt werden. Ein unvergeßliches Bild: Die Bevölkerung Oesterreichs, sechs Millionen Menschen, wird durch 21 Figuren(jede bedeutet 250 000 Menschen) repräsentiert. Die Hälfte sind Erwerbstätige, die Hälfte Nicht- erwerbstätige. Von den 12 Erwerbstätigen sind 2 Selbständige, 10 Unselbständige(Arbeiter und Angestellte) und zwar 6 Männer, 1 Frauen. Also: Auf einen Selbständigen(Unternehmer, Guts- besitzer, Bauern, Gewerbetreibenden) kommen 5 Arbeiter und Ange- stellte! Die Zahl der Kinder bis 11 Jahre beträgt 6, also ein Viertel der Bevölkerung, die Zahl der Hausfrauen im eigenen Haushalt ist so groß wie die der weiblichen Arbeiter und Angestellten, also ein Sechstel der Bevölkerung.(In Deutschland ist die Zahl der Arbeite» rinnen und weiblichen Angestellten kleiner als die Zahl der Haus- frauen.) Der 12. Teil der Bevölkerung sind Berufslose, ungefähr soviel, wie Selbständige. Keine Statistik, die Zahl a» Zahl reiht, keine Abhandlung, die i» noch so beredten Worten zu schildern sich bemüht, ist imstande, dieses Bild zu ersetzen. Oder drei andere Blätter: Die Sozialversicherung. Die gleichen 10 Proletarier(gleich 2)1 Millionen) wie in der Berufsvcrtei- lung sind dargestellt. An ihnen ist gezeigt, wieviel Personen von der Sozialversicherung ersaßt werden und wieviel schutzlos den Stürmen des wirtfchastlichcn Existenzkampfes ausgesetzt sind. Die Darstellung der Krankenversicherung zeigt, daß hier Oesterreich vorbildtich ist. Aber ist es nicht aufreizend, zu sehen, daß außer den drei Zwanzigsteln öffentlichen Angestellten in Oesterreich nur ein Zwanzigstel der im- selbständigen Berusstätigen, nämlich nur die Angestellten, der Alters- und Invaliditätsversicherung unterliegen? Die Alters- und Invalidi- tätsverficherung für alle Arbeiter ist ja das Ziel, für das unsere Genossen im österreichischen Parlament schon seit Jahren einen heftigen Kamps führen. Stellen wir uns nun vor, wieviel Leitartikel notwendig sind, um einen, Menschen, der diesen Dingen noch fern steht, einzuprägen, wie wichtig dieser Kamps ist! Hier genügt ein Bild. Es ist wie ein lebendiger Protest, w'e eine Kundgebung dieser Massen selber, die in 10 schematisierten Figuren repräsentiert sind. Die Methoden der anschaulichen Darstellung gesellschaftlicher Zustände sind heute noch ganz unentwickelt und zum Teil sogar fehlerhaft. Bekannt ist ja die Anwendung von Kurven in der Statistik. Für den, der gewöhnt ist, Kurven in sctncm Berufe zu verwenden, sind sie gewiß ein Mittel, sich schnell zu insormicren. Er wird auch meist nicht merken, wenn die Kurve in Fällen angewendet wird, wo sie gor nicht am Platze ist. Die Kurve soll uns eine Bewegung wiedergeben, aber nicht einen Zustand. Die Thermo- meterkurve versteht fast jeder. Es ist klar, daß die Temperatur, wenn sie zuerst 37 Grad betragen hat und nach mehreren Stunden 39 Grad, sich inzwischen von 37 Grad auf 39 Grad gesteigert haben muß und nicht gesprungen sein kann. Etwas anderes aber ist es zum Beispiel, wenn wir die Zahl der Geburten oder Sterbesällc in einer Kurve darstellen wollten. Man zählt sie nicht in einem bestimmten Zeit punkt, sondern in einem Zeit r a u in. Daher ist es Abstraktion, wenn wir von einem Wachsen der Geburten- oder der Gcstorbenenzahl sprechen. Hier ändert sich nicht eine Menge all- mählich, sondern ich erhalte die Zahl innner nur, wenn ich cincn bestimmten Zeitraum abgrenze: und je kleiner der Zeitraum, desto kleiner die Geburten- oder Gestorbenenzahl(wenn ich dagegen mit dem Fieberthermometer in kürzeren Abständen die Temperatur messe, so wird deswegen die Temveratur nicht geringer, sondern ich erhalte eine genauere Kurve), lieber solche logischen Fehler der Darstellung setzt sich der Gelehrte ohne weiteres hinweg, er übersieht sie. Für den llngelehrtcn aber, der nicht in Begrissen, sondern in Bildern denkt, bilden sie unüberwindliche Hindernisse der Anschauung. Wo von Mengen die Rede ist, will er mit Recht Mengen sehen, nicht Punkte, aus denen jede Kurve besteht. Grundprinzip des Gesellschaft?- und Wirtschastsmuseums ist daher, Mengen durch Mengen von Signaturen darzustellen. Die Signatur soll schcniatisch im Bild den gezählten Gegenstand wiedergeben, z. B. Menschen oder Tiere oder Hänser oder Fabriken. Für diese Signaturen hat— in Form und Farbe— das Museum schon jetzt eine systematische Methodik entwickelt, die dem Verständnis des Handarbeiters ange- paßt ist.» Die Ausstellung des Museums, die vorläufig nur provisorisch ist, weil es noch an geeigneten Räumen fehlt, wird ständig von Arbeiter- organisationen unter sachlicher Führung besucht. Au? den Erörte- rungen, die sich an die Besichtigung der Schaugegenstände knüpfen, kann die Museumsleitung regelmäßig entnehmen, ob sie auf dem richtigen Wege ist, und wie sie ihre Methodik ausbauen muß. bs ist das Erfreuliche dieses Museums, daß es im innigsten Kontakt mit seinen Besuchern steht und die Anregungen für den weiteren Ausbau von ihnen erhält. Museen sind meist Sammlungen toter Gegenstände, die im Leben sonst keinen Platz mehr haben. Kunst- werke, die man an ihrem Aufstellungsort nicht mehr als Notwendig- keit empfindet, oder Maschinen, die nicht mehr Verwendung finden, die man aber zur Erinnerung ausbewahren will, steckt man in ein Museuin. Das Gesellschasts- und�Wirtschaftsmnseum ist in diesem Sinne kein Museum, sondern eine Schansammlung von Darstellungen aus dem lebendigen täglichen Lebe». Träger des Museums ist die Gemeinde Wien, die eine sozialistische Verwaltung hat, die Wiener Arbeiterkammer und eine Reihe von Sozialversicherungsinstituten. Es sind also die Vertreter der Arbeiterbewegung, die hinter diesem Museum stehen. So ist dos Gesellschasts- und Wirtschastsinuseuin in Wien eine Institution aus der Arbeiterschaft für die Arbeiterschaft! �Lebensart." Von Erna Büsing. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, Reichtum und Armut haben eine grundverschiedene Lebensart. Schöne Reisen, ausgesucht gutes Essen, kostbare Bücher, Kleidung nach persönlichem Geschmack, alles. olles das ist möglich, wenn man Geld hat, und undurchführbar, wenn man keine besitzt. Folglich bestimmt der Geldbeutel die Lebensart, so denkt man für gewöhnlich. Doch die mit der jetzigen. sogenannten göttlichen Wcltordnung Zufriedenen behaupten das Gegenteil. Sie sagen, die Lebensart bestimme den Inhalt de» Geldbeutels. Und sie haben womöglich recht, ich sah es heute morgen an einem lächerlich einfachen Beispiel. An einer Straßenecke etablierte sich ein junger Mann. Das heißt, er stellte ein bretternes Etwas hin, das einen Tisch zu b«- deuten hatte. Darauf legte er einige Stückchen Seife und ein paar Zeuglappen, die er eifrig mit Farbresten und Tinte bespritzte. Dann rieb er die Flecken aus und pries dabei die reinigende Kraft seiner Fleckenseife. Die Anpreisung siel ihm merklich schwer, denn seine Stimme war heiser. Sie war nicht von heute oder gestern über- schrien, o nein, ein vernachlässigstes Leiden war sicher die Ursache. Dem jungen Mann hätte Davos gut getan, vielleicht hätten auch schon die schlesischen Bäder genügt. Doch, wie dem auch sei, er betrachtete es jetzt für der Menschheit dringlichste Ausgabe, sich die Kleider zu beschmutzen, damit er sie reinigen und seine Seife an- vreisen konnte. Die Zuschauer umstanden ihn in einem dichten Kreis. Eine Frau trat vor mit einem fleckigen wollenen Umschlagetuch. Eilig stürzte sich der junge Mann auf das willkommene Demon- strationsobjett. Er rieb mit Eifer, weil das Tuch sehr fleckig, und mit äußerster Behutsamkeit, weil das Gewebe sehr mürbe war. Und der Fleiß sand seinen Lohn, die Flecken schwanden. Beglückt zeigte er das Tuch. Die Besitzerin war nicht nur alt, sie war auch arm. Augenblicklich brauchte sie die Seife nicht, die Alte griff aber trotzdem in die Tasche und holte 35 Pfennige, sie waren der Rest ihrer Barschaft, heraus und kaufte ein Stück Seise. Ein reicher Herr mischt« sich unter die Zuschauer. Kleidung und körperlicher Befund deuteten Wohlhabenheit an. Der reiche Mann nahm seinen Hut ab. der innen einen Fettrand hotte, zeigte mit dem Finger gebieterisch auf die Schmierwolke und gab den Hut dem jungen Mann. Der rieb und rieb, zerrieb ein halbes Stück Seife und reinigte den Hut. Nicht ein Fetzchcn Fett blieb von der ganzen ansehnlichen Ansammlung zurück. Glückstrahlend übergab der heiserne, hustende Mann den Hut seinem Besitzer. Der wohlhabende Herr nahm den Hut. sah ihn scharf prüfend an, nickte wohlwollend, setzte den Hut auf und ging seiner Wege. Jetzt denk« ich, vielleicht bestimmt doch die„Lebensart" den Inhalt des Geldbeutel». MM wm 43i i I' �? M 2 M�W � M M '/Ztmzmx. ■�m�m. S» M W S �%8 •* Kleiderstoffe -Kleiderstoffe«üs�-W 95- 95 M M W M m m m ....... fj * & m m m m#' M* S PC Ä 1� I * Schotte« ssmi� Au- 4! Meter I für Knebcn, ev 140 ob 2�� �njUSftOff e breit,(fmaiw'n..... Ueier JWöwtelfrtW�Ä-'Äi60 ZUpSvoveWtt�Ki�z« Ripseolie««e SS-'is'i'H 4" Velours äv"'«ääsä.si" 4®° ÄoWtwftoffrs-rÄSÄ.�90 WoKÄÄot stÄ-b»,,........«-590 kostümvips s:s:sss!?a!s«7#0 föwiwffa Damen-Strümpfe m V,*2? 90pt Damen-Strümpfe 5i?SÄ«3SÄSSte 1« Unterzieh-Strümpfe M5ÄSÄ l4" Damen-Strümpfe ST.ÄÄpÄ 295 oder fcnnetUche Waschseide, Bembsrg-tdler-QutllUt.............. u Damen-Strümpfe nh�VclithiemierQr�Sw 3" tdvWHW'! yMUtätHW' $l)HO0Ct reine Wolle mit«mitleide mit Kragen und lugen Aermeln............................ englisch, reine Wolle Ä In eehdnen Mnetorn................................... 10, 90 LreptdeWnt'Meldkk In modernen Faiben, beeondcre prelewcrt.......... IB klontet 24 29 mit Pein beeetnt. 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Also die Sozialdemokraten haben einmal wieder die Arbeiter- sportlcr.verraten", als sie die 2S lXX) M. außerhalb des Etats für einen Werbefonds der Arbeitersportler verweigerten. Den Vorwand für den kommunistischen Antrag bot die Berliner Turn- und Sportwoche. Dabei war den Arbeitersportlern zugesagt worden, sie sollten drei ganze Tage für ihre Sportvorführungen während dieser Woche bekommen, der kommunistisch« Borsitzend« Oehlschläger war auch zunächst für den Gedanken zu haben, ebenso lagen in einigen Bezirken Zusagen der Arbeiter- sportler vor: Da pfiff die ZNünzslraße, und alles sagt« ab und wollte nichts von solchem„Kuddelmuddel' wisien.— Nun sind die Mitel, aus denen die Berliner Turn- und Sportwoche be- stritten wird, keine städtischem Jnfolgedesien war die ganze kommunistische Anfrage in dieser Angelegenheit ein Schlag ins Wasier. Die sozialdemokratische Fraktion betonte mit allem Nachdruck:„Uns scheint der Hauptfehler bei der Frage der Berliner Turn- m,d Sportwoche darin zu liegen, daß diese An- gelegenheit, je nach Bedarf, einen verschiedenen Charakter trägt: einmal fft sie eine Angelegenheit der Stadt Berlin, und ein- inal ist sie eine private Angelegenheit, je nachdem der Hase gerade läuft.' Wir verlangten die Kommunalisierung der ganzen Sportfragen. Wir verlangten, daß die Arbeiter- sportler in breiter Front hineingehen— natürlich nur bei gleichen Bedingungen— in die Sportarbeit und in die Sportfeste, gerade, um die Rekordwirtschaft zu brechen. Dies Ziel wird nicht durch Abstinenz erreicht! Die Kommunisten waren es. die solchen.Kuddelmuddel' ablehnten. Und dabei fürchten sie sich gar nicht, an Prinzipienfestigkeit zu verlieren, wenn sie in den Parlamenten mitarbeiten, wenn sie sogar Seite an Seite mit Rechtsradikalen Obstruktion treiben. Dann lieben sie sogar den.Kuddelmuddel' mit Jazzband und Theaterdonner, wie bei der Stadtratswahl in der Stadtverordnetenversammlung. Unsere Fraktion hat keine Mühe gescheut, dem Arbeitersport zu. helfen. Zunächst haben wir im Etatsausschuß durchgesetzt, daß für 1927 für beide große ZentralorganifaNonen je 30 000 ZU. «ingestellt werden. Es wird Sache der Kommunisten sein, beim Etat zu beweisen, was Worte und was Toten sind. Den Etat ablehnen und tüchtige Bewilligungsanträge aus öffentlichen Mitteln stellen, ist eine äußerst bequeme A g i t a t i o n s Politik. Wir haben ferner, weil bisher für Arbeitersport und für bürger- lichen Sport ungleich vorgesorgt war, die Mittel für die Einzel- vereine so verteilt, daß zwei Drittel den Arbeiter- vereinen, ein Drittel den bürgerlichen Sportvereinen zu- floß. Die Redeblüten der„Roten Fahne' wegen.Sabotage', .Verschleppung'..Verrat' sind ganz hübsch als Stilübung, können aber keinen Kenner der Verhältnisse über die Hohlheit dieser Phraseologie hinwegtäuschen. Wer hilft nach diesem nun dem Arbeitersport? Der, der den Etat ablehnt, aber schöne Agitationsanträge stellt, oder derjenge, der die guten, bisher zuriickgedrängten Rechte der Arbeitersportler im Etat festlegt, um Kommunalisierung der ganzen Sportfragen kämpft und praktische Unterstützung der Dereine betreibt, unbeirrt um Verratsgcschrei, treu seinem Wahlversprechen? ..völkerversöhaullg durch Sport!" In einem Bericht über das Fußballspiel zwischen Südschwedcn und einer deutschen lbrandenburgischen) Auswahlmannschaft schreibt die im Hugenberg-Derlage erscheinende„Nachtausgabe": „Ueber dem— vermutlich aus Gründen einer erschöpfenden Kontrolle— viel zu schmalen Zugang zum Fußballplatz unseres Berliner Meisters grüßte am gestrigen Buhtag das gelbe Kreuz im blauen Felde, die schwedische Flagge. Weshalb am korrespondierenden Mast eine schwarzrot gelbe Fahne wehte, war nicht recht verständlich. Zum friedlichen Wettkampse traten Auswahlmannschaften Slldschwedens und Brandenburgs auf den Plan. Da hätten doch sinngemäß die rotweißen brandenburgischen Farben an die Stelle der neu deutschen gehört.' Es besteht kein Zweifel darüber, daß sportliche Veranstaltungen zwischen den Nationen zur Völkerverständigung beitragen können. Auch im vorliegenden Falle haben doch wohl die Veranstaller noch andere als kanonenzüchterische Absichten gehabt. Wenn also neben der schwedischen Landes flagge die deutsche schwarzrotgoldene gezogen war, so hatte die Spielleitung eben größere Einsicht und mehr Taktgefühl, als Herr Sportberichterstatter G. von der„Nacht- ausgab«' auszubringen imstande war Daß es ihm nur auf eine Verhöhnung der verfassungsmäßigen Reichsfarben ankam, beweist der Herr übrigens selbst, indem er am Schluß seines Berichtes von einem„Sieg der Deutschen' spricht. vi« erste Aliersturvabteilung. Der Bezrrk Wedding der Freien Turnerschaft Groß- Berlin erössnete am Freitag in der Turnhalle. Trislstraße, Eck« Müllerstraße, die erste Berliner Altrrsturnabteilung innerhalb des gesamten Arbeiter. Turn, und Sportbundes. In einer kurzen An- spräche sprach ein Allerswrncr über die Bedeutung der Leibes« Übungen zur Gesunderhaltung des Körpers, zu deren Ausübung niemand zu alt sein kann. Einige 30 Altersturner beteiligten sich aktiv an dem ersten Turnabend, der außerdem von zahlreichen Gästen besucht war. So manche Leistung am Barren und Pferd früherer Gipselturner erregte dos Erstaunen der Anwesenden. Einige Spiele sorgten noch für Abwechslung im Uebungsbetrieb. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, daß vor ungefähr 36 Jahren auch vom Bezirk Wedding(dem damaligen T.B.W.) der Grundstein für das Frauenturnen gelegt worden ist, und somit auch die ölleste Frauenabteilung des Bundesgebietes besitzt. Nachstehend die Turn- zeiten unserer Alten: Freitag von 8 bis 10 Uhr in der oberen Turn- halle Triftstraße, Ecke Müllerstraße. Gäste jederzeit willkommen. Der Großkampftag im Ringen de« S.-E. Berolina am Totensonntag gestaltete sich zu einem vollen Erfolg de» veranstalte». den Vereins, da seine drei Messtermannschaften der Liga, A- und L-Klasse, aus ihren Kämpfen flegreich hervorgingen. Die ö-Mann- Ichaft schlug ihren Gegner Einigkeit 1926 mit 19: 9 Punkten. Bemerkenswert sind hier die schnellen Siege im Schwermittel» und Schwergewicht, wo Hintze und Krause-Berolina ihre Gegner in 36, 34, 45 und 47 Sekunden abfertigten. Die A-Mannschaft gewann gegen Adler 05 mit 18: 10 Punkten. In allen Gängen wurde hier äußerst flott gerungen. Im Schwergewicht endete der erste Gang zwischen Drescher A und Wille B unentschieden, im zweiten Gang hingegen unterlag Drescher schon m 25 Sekunden. Die Liga- Mannschaft schickte ihren Gegner Rathenow 08 mit 20: 8 Punkten geschlagen aus den Heimweg. Berolina hatte hier eine Umstellung der Mannschaft vorgenommen, beim Karos, Droas, Hentschcl und Seelenbinder stiegen eine Gewichtsklasse höher. Diese Kämpfe zeigten die Berolinaleute meistens im Angriff und in Technik über- legen._ die Kommunisten suchen.Nassen" l Trotz aller Propaganda scheinen die Kommunisten wegen der Beschickung ihres Kongresses der Wstktätigen' im Druck zu sein. Sie wenden sich setzt an die A r b e i t e r s p o r t l« r, die zu einer Versamnilung in die Sophiensäle eingeladen werden. Dort soll zu den„Fragen des Kongresses und der Arbeitersportbewegung' Stellung genommen werden. Die Berliner Arbeitersportler sollten Besseres zu tun haben, als sich zu Nachläufern und Saalfüllern der der KPD. herzugeben. Die fozialdemokratischen Sportler werden die Kommunisten samt ihren Parteiveranstaltungen allein lassen. Internationales Iusortnationsbureau der Arbeltersamariter. Anläßlich des Wiener Arbeilersportfestes in diesem Jahre wurde ein internationaler Zusammenschluß aller Ärbeitersamariter vollzogen und die Leitung des neugeschaffenen Jnformationsbureou dem Deutschen Arbettersamariterbund übertragen. Das Bureau hat sich bemüht, nähere Nachrichten über die Zahl der vor. handenen Samariter und die Gliederung der Organisationen in den verschiedenen Ländern zu erfahren. Da die einlaufenden Mcldun- gen bis heute sehr spärlich sind, werden die beteiligten Verbände ersucht, umgehend die Zahl ihrer bereits ausgebildeten Arbeitersamariter sowie die Gliederungen(Abtellungen der Turn- und Sportverein«, Radfahrer, eigene Kolonnen usw.) an das In- formationsbureau in E h e m n ij), Dresdener Str. 40, gelangen zu lassen. Außerdem sind Vorschlage zur Einrichtung des Sanitäts- dienstes bei dem zweiten tfchechstchen Sportfest in Prag erwünscht, Arbeiter Tarn- und Sporlbund, L kreis. Am 4. und 5. Dezember findet die Kreisjugendkonferenz in der Schulaula, Stein- straße 32/34, statt. Da für die auswärtigen Genossen und Ge- nojsinnen Quartiere zur Verfügung gestellt werden müssen, richten wir an alle Genossen den Appell, Quartier zu diesem Zweck zur Verfügung zu hallen. Alle Meldungen sind bis zum 2, Dezember an Willi Gerlach, Berlin O. 112, Schreinerstr. 8. zu richten. Die Gäste sind in der Schul- Steinstraße in Empfang zu nehmen. Ueber.Die finnische Sportmassage" schreibt Otto B ö« r, Frankfurt a. M., in der„Intern atwnalcn Arbeitersportkorrespondenz' folgendes: Die Finnen haben uns den Wert ihrer Massage gezeigt, die in ihren Wirtungen der bei uns bis dahin geübten Massage haushoch überlegen ist. Sie gingen von folgender Erkenntnis aus: Soll vom Körper irgendeine Arbest geleistet werden, so ist die ineinander- fließende Tätigkell ganz bestimmter Muskeln erforderlich. Diese Muskeln dürfen nicht in ihrer Funktion irgendwie gehindert sein. Di« logische Folge dieser Erkenntnis war das Bestreben, d i e Muskeln vom Knochen und möglich st auch vonein- ander zu lösen, um sie dadurch frei und wirtsamer arbeiten lassen zu können. Die finnische Methode der Massage war ge- fundcn. Sie stellte natürlich ganz ander« Anforderungen an den Masseur, als dies bisher der Fall war. Ausgezeichnete anatomische Kenntnisse in Gemeinschaft mll Beherrschung der physiologischen Bewegungsvorgänge waren unerläßlich. Sie bildete sich zu einer Wissenschaft aus, die gestützt ist auf Erfahrungen in der Praxis. Die finnische Massage soll in der toten Saison begonnen werden. Das Lösen der Muskeln erfordert in monatelanger Arbeit Hortes Zugreifen. Tiefere Muskelpartien. wie z. B. beim Oberschenkel- strecker der„tiefgelegene Kopf', sind nur durch zunächst schmerz- hafte Griffe überhaupt erreichbar. Sind die Muskeln aber einmal gelöst, so find sie— entspannt— einem Bündel von Stricken ver- gleichbar, die man einzeln fassen und nahezu ihrer ganzen Läng« nach oerfolgen kann. Nur ein finnisch gelöster und geschmeidiger Muskel kann sich in vollkommener Weife kontrahieren. Nur ein finnisch massierter Körper kann aber auch eine völlige Entspannung der Muskulatur eintreten lassen, jene absolute Entspannung, die uns der Jagdhund zeigt, wenn er lechzend auf dem Boden, gleich einer leblosen Masse, zusammengesunken ist. Es sst außer ollem Zweifel, daß die aufsehenerregenden Leistungen der Finnen auf allen spart- lichen Gebieten viel weniger aus besondere körperlich« Vorzüge ihrer Rasse, als aus die Wirkungen der bei ihnen ganz allgemein ein- geführten Massage zurückzuführen sind. Belgische Arbeilerschwimmer in Bremen. Am Sor-iabend und Sonntag weill« in Bremen die belgifche Arbeiterschwimmver- einigung„Freiheit durch Brüderschaft' aus Gent. Aus den Reden der deutschen wie der belgischen Arbeitersporller auf dem Empfangs- abend sprach der Wunsch, die Besuche bei ausländischen Bruder. schaftsorganisationen nicht in erster Linie zur Rekordhascherei zu machen, sondern die Arbeitersportler vor allem als international« proletarische Kämpfer miteinander in Fühlung zu bringen. Bei den einzelnen Schwimmwettkämpfen in der überfüllten Schwimmhalle zeigten sich die Bremer Arbeiterschwimmer ihren belgischen Sport- genossen an Schnelligkeit und Technik überlegen. Auch das Wasser- ballspiel gewann die Bremer Mannschaft 6: 1. Es ist allerdings zu bedenken, daß die Genter Schwimmer die Strapazen einer acht- tägigen Reise durch Deutschland hinter sich hallen und über keine Winterschwimmhalle zum Training verfügen. Bericht über die Kölner Kampfspiele. Der amlliche Bericht über die Deutschen Kamvispiele 1926, von Dr. Karl D i e m, dem General- sekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, und Gerhard Krause, erscheint demnächst mit etwa 160 Seiten Text und 60 Seiten Lichtbildaufnahmen im Verlage der Weidmannschen Buchhandlung, Berlin SW. 68. Das Buch enthüll neben sämtlichen Ergebnissen, einschließlich jener der Wintersportkämpfe, eine ein- gehende sachkrllifche Würdigung der erreichten Höchslleistunaen und kostet gebunden bei Subskription 4 M., nach Erscheinen 5 M. Fußballresultale vom 28. November. Troll bt* starken Rraen,. der ssrntag und Sonnabend über Berlin Kernrederzina. waren dt« Pl-itle«rnn«Bftien Teil spielMi«. Wenn sie auch nicht in vollkonime» einwandfreier Perfassunq waien, so konnten doch die Spiel«»um Auetraa a ob rächt werden. An Ileberraschungen feblie m nicht. So brachte e» im Bezirk Norden Spandau 25 fertia, stch von Siemenostadt mit 2: 1 schlaaen zu lasten. Pankow W-rlana es. Nordioka vollstündia aus der Svib-narupp« zu verdiSnpen. Mit 0:1 blieb Rordisda«eschlagen. Den Turn- verein Pankow ereilte»benkalls das Schicksal. Lier bleib der Arbeitersport- verein 24 mit 4:0 Sieger. In Gruvre E sichert« stch Borussia durch einen 7:1- Sic« über Bernau die ssiioruug. dicht gefolat von Einigkeit 25. die gegen Wacker 20 2: 1 stegreich blieb. Im Osten ist in Gruppe A der Treptower Bastsvielklub von der Svigenaruppe verdrängt. Lichtenberg I gelang der groste Wurf. Vi» zur Pause führte Treptow noch mit 11:1: dann aber erbffnct« Lichtenberg«inen wahren Torregen. Mit 4: S geschlagen, verließen die Treptower den Plag. Ielit führt Lichtenberg mit zwei verlustpnnkten, gefolgt von Treptow mit 3 und Stralau mit 5 Verlafivunkten. Obersore«. die vor acht Tagen gegen Lustig-ssidel ein« Niederlage einstecken mußten, konnten gegen Weißense« nur knapp mit 2: 1 siegreich bleiben. Sparta konnte in Abteilung C die Mbrung weiter behaupten. Auch die Neuhaaener, die schon so montie Ueberraschuna lieferten, wurde» mit 7: 0 geschlagen. Im Südwesten ist in Gruppe 0 strenzberg au« der Evißengruvve verschwunden, da st« rsa Rüstig, Barwärto mit 3: 2 geschlogen wurden. Weitere Resultate: Birkenwerder gegen Wittenau 3: 3. ffichte-Nord gegen Sansa t: 1. Adler 12 gegen Briß 11: 1. !7ichte- Gesundbrunnen aggen Union-Pankow 0: 2. Adler 08 a-gen Blau-Weiß 11: 1. Teael 24 gegen Teutonia 2: 3. Amateur« gegen Viktoria 8: 1. Sowjet aegen Kelretia 5: 3. Iohanniathas gegen Tasdorf 4: 1. Germania gegen fficklte-Südost 2: 1. Luckenwalde 1 gegen Reukiillner BollsvieMub 6: 0. Blktoria gegen stirchmlser 3: 1. ssußballiing aegen Neulistln 1: 12. Schäneberg gegen Eintracht 25 1: 2. Lankwiß gegen Luckenwalde 3 1:8. ffrischauf gegen stolzen- bürg 2: 0. Gruhlsdvrf gegen Britonnia 3: 3. Stern gegen Wollersdorf 2: 1. Turnspiele vom Sonntag. Kandball. Auf der Spielwiese itt Treptow standen stch die ffvaue.nmann- scharten von Iabn-Trepww und Dermsdorf gegenüber. Hermsdorf wird so- fort stberlegen und kann in der ersten Halbzeit«in Tor erringen: st« hielten stch stäwdia vor dem Treptower Tor auf. kannten ober nicht» ISblbaies ein- bringen. Leider wurde da» Spiel durch die lasch« Svielweis« der Turnerinnen verpflfsen. Di« Tu:nerinnen müssen sich da» laute Sprechen abgewöhnen. Dann stellten stch die Männermannschaften Iahn-Treptow vollständig und Serms- dort mit 9 Mann, die stch aber während de» Spie?» auf 10 Spieler ausfüllen. Treptow fänat den Anwurf von Kermsdorf ab und seht stch vor dem Seim»- dorfer Tor fest: noch 10 Minuten kann Rechtoaußen zum ersten Tor«insenden. Eine danach gegebene Strafecke fängt Kermsdorf ob und kann durch gute» stufviel big vor« Treptower Tor kommen, aber die Verteidigung war auf dem Posten. Ein zweit«» Tor für Treptow wirb gegen die Lotte geschossen und dadurch in» Tor gelenkt. Treptow kann wieder«in« Strafecke nicht ver- wandeln, aber ein« Minute vor ber Pause durch Rechtsaußen mit einem prächtigen Schuß in die linke obere Eck« Nr. 3 buchen. In der»weiten Ho-!b. zeit kann Trevtow noch durch Haldlink, das vierte Tor erringen. Hrrmsdorf kann jeßt öfter durchbrechen, aber die Verteidigung verbindert jedes weitere. Drs Sviel wurde von Trevtow viel zu sehr rechtsaußen gehalien. während die link« Seite oollständi« leer stand. Die Verteidigung von Kermsdorf gefiel nicht. Iin Abdecken waren ste schlecht, der Treptower Sturm konnte oft frei- stehend schießen. Schüler: Groß-Berlin-Roienthat«»gen Groß-Berkin-Wedding 0: 0. Wehte 21 (tcoen Adlerohof 3:0(2; Ol. Z-gend: Drvß-Berlin-Norden 3 gegen Eiche- Köpenick 0:9 f0:5l. Adlershof II gegen Eportv-rein Berlin 12 1:1 fO: 1l. Adlershof I gegen Grvß-Berlin-Süde» I 1:1<1:0). ffUto M I OMta»Mtta n I»»:«. Obecfm I eeg* EeeÄ I 1; 0(0:0). Lichtenberg 2 effien Schönow 0: 0. fftdjit-Sftb gegen fficht« 19 10: 0(8: 0). Sparta II gegen ASS. U 0: 4(0:1). Sparta I gegen ASS. 15:0(2:0). Schiineberg I gegen Fichte.Zchrd I«: 0(8:0). Schöne. berq II gegen(sichte, Nord II 2: 1(1: 0). Franeu: Fahn-Treptew gegen Hernts- dorf 0:1(0:1). Seog-Berlin-Norden 2 gegen Eiche-Tegcl, Zierden 2 nicht angetreten. Lichtenberg gegen Schönow 0: 0. Männer: Lichtenberg 2 gegen Schönow 0:2(0:1).(sichte I gegen(sichte 12 2:0.(sichte 10 I gegen Strolau I 3:2(1: 0>. Wrtcrschof II gegen Groit-Berlin-Silde» II 3:0(3 0>. Zsdlcrohoi I gegen Eroß.LcrIin,Slldcn I 7:0(3: 0. Brandenburg 2o gegen (sichtr-Ziord II 1:1. Brandenburg I gegen(sichte-Norb 11:0. Biesdorf II gegen Ruderocrcin CoOcgia und Biesdorf I gegen Grog»AerIin-RoscntI>aI, Plag (rielunfädig. Oberfprce I gegen Eiche-Tegel 1:2(1:1).!srisch.(srei-Nieder, schöneweide gegen(sichte 20 U 4:1(1: 1). Jahn. Treptow gegen Hermsdorf 4:0(2:0).(sichte-Süd III gegen Äurserliammer 4: 3. Kaulsdorf gegen Schönow II 1: 1(1: 0).(sichte-Sitd N gegen(sichte 19 3: 2(2: 1).(sichte 20» gegen Lchöncberg. Turner 2:1(2: 0). Echöneberg�sporttler II gegen Sparta II 2:0(0:0). Schöncbeig-Sportler I gegen Sparta 1 1:0(0:0). Arbeiter. Schachturnier 1920/1927. Bei den Mannschaftswettkämpfen am Totensonntag waren folgende Resultate ,u verzeichnen: X-Grupp«: Gesund- brunnen I— Dedding I 2'»,: 0V>(l Hänge): Osten I— Roter Stern I 8: 2: Westen IN— Wedding II 4:1 tb Hänge): Wedding I— Lichtenberg I 814:1)4: Roter Stern— Westen I 0)4: 314. 0-Gruppe: Norden I— Reulölln I 2)4: 7)4. f. Gruppe: Wcdding III— Weste» II d>4: 414: Humboldthain II— Schiller. park 13:7; Weitend l— Ziordwcil II 7:3; Gesundbrunnen II— Westend I 8' 4 7 0-4: Nordwest II— Osten II 3:7. O-Grupp«:(sriedrichohain II— Char- loUenburg III 8: 2. SC. Lue ich 02, Berlin. Dienstag, 80. November. 8 Uhr. Turnhalle Wrangrl- strafte 128, Ecrienringiampf der Zugendklasse. Es kämpft die 2. Mannschaft des SC. Lnrich gegen die 1. Mannschaft des SC. Roter Stern. Eintritt frei. Zn den nächste» Tagen beginnt in der Turnhalle Köpcnicker Str. 2 sam Schlcstschcn Tor) ein neuer Zin-Zitsu-Knisus(Damen und Herren getrennt). Anmeldungen Montags, Dienstags, Donnerstags und(sreitags 8— 10 Uhr. Dsc Zihnthmischc Abteilung übt iedcn Dienstag 8—10 Uhr Turnholle Bromberger Strafte 13.14(Röhe Bahnhof Warschauer Strafte). Artistcnvercin Berlin, Mitgl. d. AABD., bildet junge Leute mit und ohne Borkenntnissc unter fachkundiger Leitung zum Artisten aus. Anmeldung Dicns- tags und(sreitags von 8—10 Uhr, Augustgstr. 07—08, Tninhallc. Lrcisschule, Schwimmerklais:. Donnerstag. 2. Dczcmder, 8 Uhr, treffen sich alle für das Zahr 1920 27 neugcmeldetrn übenden Genossen zur ersten Uebungsstunde in der Turnhalle Reulölln, Riltlistrafte. Waldlauf de« ASC. Am kommenden Sonntag, 3 Uhr. veranstaltet der ASE. wiederum seinen Wald- und Geländelauf durch den Treptower Park und Plänterwald, an dem alle Bercinc de» A.»T. u. Sp.-B. Icilnahmeberechtigt ssnd. Der Lauf soll ganz besonders der Propagierung des Arbeitersports dienen und gleichzeitig die bestehenden Bestrebungen, auch im Arbeitersport leistungsfähige Langflreckeiitäufer zu erziehen, untcrsMttcn. Start und Ziel befindet stch in der Strafte Am Treptower Park vor dem Lokal Nitschke, Nr. 25/20. wo stch auch die UmNctderSume befinden. Bisbrr stnd die Meldungen recht zahlreich eingegangen, jedoch werden Nachmeldungen bis)4 Stunde vor dein Start angenommen. (freie Turnecschas) GroftBerlin. Zur Iugendionferenz werden noch Quartiere für die Rächt vom Sonnabend zum Sonntag gcbvaucht. Meldungen zur'Tirrnratsstttung am Donnerstag. Schnee, und Stibehandlunq hciftt der erste Vortrag anf der Mitgliederver. sammlung der AWZ.(Arbeiter. Winterspert-Interessengemelnichasi) Donners- tag, 2. Dezember, 7)4 Uhr,(sichtevlaii Boumschulcnwcg. Anschlieftend Licht- bildervortiaq:.Bcrgiahrtrn in den Dolomiten". Anmeldungen für die Winter- sportsahrt in das Riesen aebirge und durch die Mark ebenda. Berliner Arbeitcr-Schachklub, Abt. Westend, spielt jeden Donnerstag 8 Uhr Ehar,'ot!e»bu:g, Sovhic-Charlot!e-Str. 88, Ecke Potsdamer Strafte, bei Liidilte. Gäste sowie Anfänger sind freundlichst eingeladen. Pichelsberger Rude'gesellslbait. Nächste Sitzung am 7. Dezember, 8 Uhr, bei Vehne, Eharlottenhurg, Schloftstraftc. Vortrog:.Mas muft der Steuer. mann Uber die Wasservolizrivcrordnunoen wissen?" Touristcnverein.Die Naturfreunde"(Zentral? Wien). Ortsgruppe Berlin: Mittwoch. 2. Dezember,)48 Uhr. Ziehung der Naturfreunde. Bllcher-Berlosung. Lose sind noch kurz vor der Ziehung zu haben. 8 Uhr in der Aula des Sophien-Lozeums, Weinmeiiterstr. 16/17. Portrag:„Rechtsfragen in Wald und (seid". Referent Landgerichtsrot Dr. Rüben. Sonntag. 5. Dezember, 5 Uhr »nd)48 Uhr, zwei(silmvorstellungen in der Kulturabteilung des DMB.. Linienstr. 197. Karte» zu 00 Pf. bei den(sunktionärcn skeinc Abendkasse).- Abt.(sriedaichehain: Dienstag, 30. November, 8 Uhr. im Heim Ebcrtvstr. 12 Grschättliche».— Abt. Friedenau: Dienstag. 30. November, 8 Üb", im Heim Offcnbacher Str. 5a(srift-Reuter-Abend(Genosse Laut.— Abt. Norden: D'enstag. 30. November, 8 Uhr, im Heim Souncnburger Str. 20 Vorlesung. Donnerstag. 2. Dezember.)4Z Ubr. in der Aula des Luiscnstädtischen Snm. nassums. G/eimstr. 49. Bunter Abend. Karten zu 40 Pf. an der Abendkasse.— Abt. Tiergarten: Dienstag. 30. November. 8 Uhr. im Heim Wiclefftr. 5 . Re(ig!on und Sozialismus".— Abt. Treptow: Dienstag. 30. November. 8 Uhr, im thcim Elsenstr. 3 Gesangsgruppe.— Abt. Wedding: Dienstag. 30. November. 8 Uhr, im Heim Luxemburger Str. 7 Lichtbildervortrag-„Märkische Land» schaftcn".— Abt.(s: iedrichshegen: Donnerstag, 2. Dezember.)?8 Uhr. bei (sren.(sriedrichstr. 73. Mitgliederversammlung.— Abt. Gesundbrunnen: Donnerstag. 2. Dezember, 8 Uhr, im Schiller-Lnzcum. Pank» Ecke Böttcher- strafte. Geschäftliches.— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 2. Dezember, t Ar, te Sehn Danzwr«r.» Geschäftll»««.-«U.»ichirnteig: tag, 2. Dezember. 8 Uhr, im Heim Paibau« 10 Naturwissenschaftlicher Bortrag. — Abt. Reinickendorf: Donnerstag. 2. Dezember. 8 Uhr, im Iugendhaus Reinickendorf-West. Sendelstrofte. Gefchäft/lickes.— Abt. Neukölln: Donnerstag. 2. Dezember. 8 Uhr. im Seim Sandersir. II Geschäftliches. Ruderoerein„Porwärts" E. B. Sonntag, 5. D-zcmder. 4 Uhr, Mitglieder» Versammlung mit anschlirftendem Vortrag:„Weshalb sind wir(sreidenker? Warum(seuerbestattung?" Um l�u Uhr Lorslandssiftung. \ Wasscrsportocreln„Reeomania". Donnerstag. 2. Dezember, bei Soffmann, Wismarplat, 2, Siftung. Jeden Mittwoch 7—8)4 Uhr Bodeabend Bärwaldstraße. Jeden(sreiiag£—10 Uhr Ergäuzungssport Turnhalle Lichtenberg, Lsickslrafte. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW 08. Lindeustraße 3. Parteinachrichten für Groß-öeriin stet»«» da» Bezirkosekretariat. 2. Hof, 8 Trep. recht», zu richte». 4. Krei, Prenzlauer Berg. Mittwoch, 1. Dezember, pünktlich 7 Uhr, Siftung des erweiterten Kreisporstande» bei Klug, Danziger Str. 71.— Voranzeige: Am Dienstag, 14. Dezember. 7)4 Uhr. im Ledigenheim Pappelallee 15 Kreisfunitionärversannnlunq. 5. Kreis(sriedrichahnin. Plakat« mit den Anmeldestellen für die weltlichen Schulen im Dezirk(sriedrichsbain sind sofort vom Genossen Mardus, Loewe- stvafte 7, abzuholen. Gesammelt« Anmeldungen find an die gleiche Adresse zu senden. 0. krei» Krenzberg. Borau,-ig«: Montag, 0. Dezember, 7)4 Uhr, findet ein« Krrismitgliederversammlung statt. Die Abteilungen wevben gebeten, sich diesen Tag von Siftungen freizuhalten. Heule. Dienslag. 30. November: 27. Abt. 7 Uhr Siftung des engeren Abteilungsvorstandes in der Kopen- Hagener Strafte 35. 32. Abt. Die Bczirksfllhter werden ersucht, die Kartothekkarten für das Betrieb ssekretariat sofort bei den Gruppenführern abzuliefen. die sie um- gehend«n den Abteilungsleiter weitergeben. 38. Abt. Meldungen für die weltliche Schule sind sofort abzuholen vom Gl- Nossen Mardus. Loewestr. 7. Charlottcnburg. Ol. Abt. 8 Uhr bei Lehmann, Königsweg 8. wichtige(funk. tionärsiftung.— 57. Abt. 8 Uhr bei Thunack. Wielandfir. 4, wichtige Tunktionorsiftuira. Stellungnahme zu den Neuwahlen. 80. Abt. Sch-ncbcrg. Achtung! Wegen der groften Kundgebung im Lehrer- vereinslious heute abend findet unsere ssunktionärsiftung diesmal am Mitt- woch, 1. Dezember. 8 Uhr. bei Gütlich statt. 104. Abt. Riederfchöneweid«. 7)4 Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38. Siftung sämtlicher(sunktionäre. Morgen. Mittwoch, l. Dezember: 7. Abt. 7)4 Uhr bei Dams. SchlegeAtr. 9. Siftung der kommunalen«om- Mission. Vortrag:..Städtische Wohlfahrtspflege". Referent Stadtrat Rudolf Herrmann. All- in kommunalen Kommissionen tätigen sowie sich dafür interessierenden Genossinnen und Genossen wenden ersucht, recht zahl- reich zu erscheinen..._„...„. 11. Abt. 7)4 Uhr im Lokal Hagedorn. Zagowfiraße Eck« Alt-Moabii.(funk. tionärsiftiing. Stellunanahme zur Neuwahl. 39. Ab:. 7)4 Uhr bei Pohst, Lyckiever Ecke Stargarder Strafte, wichtige (funktionärsiftung. 33. Abt. 8 Uhr bei»ienift. Simon-Dach-Str. 24, wichtige Funktronärsiftung. Achtung! Die Borslandsmitglieder treffen sich bereits um 0 Uhr zu einer wichtigen Besprechung ebenda. 48. Abt. 8 Uhr bei Kohft, Brandenburgfir. 22, Siftung der Kommunalen Kommission. 1. Bortrag:„ErwerbslosenMrsorge und Wohlfohrtspfleg«". Referent Dr.(srift Schloft. 2. Aussprach« über die Behandlung der Ar- be'tslosen. Erscheinen unbedingt erforderlich. 58. Abi. Eharlottenbnrg. 7)4 Uhr im Rankrhan». Rankefir. 4. vorn 4 Tl.. w-chtiac Ounftionärsitiuna. Die Teilnahme sämtlicher Borsiandsmitgliedcr und(sunktionäre ist Pflicht. 74. Abt. Zchlcudors. 8 Uhr be Micklcu, Potsdamer Str. 25, wichtige(funk. tionä: siftung. 84. Abt Lanksift. 8 Uhr bei Lehmann. Kgiser-Wlhelm-Str. 29/31. Zun?. tionärsiftung. Pünktliches Erscheinen sämtlicher(sunktionäre ifi Pflicht. 139. Bot. Tegel. 8 Uhr im Restaurant Christenscn, Schlieperstr. 09. Siftung sämtlick�r(sunktionäre. 140. Abt. Reichedluckerei. Rachmittags 4 Uhr bei Henning Alexandrinenstr. 44. Miigliederverlammlung.„Privat- oder Gemeinwirtschaft". Der Kampf um die Arbeitrn der Rcichsdrucke:ei. Säst« willkommen. 4° 79. Abt. Schön eh erg. Achtung! Am Donnerstag, 2. Dezember, 8 Ar. bei Groft. Sedanftr. 17. wichtige(sunktionSrsiftiina. Aeußerfi wichtig« Tage». ordnung. Das Erscheinen sämUicher(sunktionäre ist unbedingt erforderlich. Arcmeuoeranstaltuagea: 0.»reis(sriedeichsbam. Mittwoch. 1. Dezember, 7)4 Ar. bei Rofin, Gu- bener Str. IL.(sunktionäiiunenkonfevenz. Erscheinen sämtlicher Genossinnen ist unbedingt erforderlich. ».»«f, P-nWa».«twa«. I.«««»»«. 7«»r »reit«. Str. 14, 8.«ursusab-nd:.Einführung te die Wohlfahrt-pflege". Referentin Stadtvervrdnete Minna Todenhagen. 124». Abt. Mahlsd-rs-Süd. Mittwoch, 1. Dezember, 8 Ar. bei Dieft. Aland- strafte 18, Portrag:„Kölperkultur". Reirrentin Genossin Alkrecht. 139. Abt. Tegel. Mittwoch. I. Dezember. 714 Ubr. im Jugendheim Bahnhof- strafte 15 Bortrag:�„Rccht« und Pflichten der Elirrnbeiräte". Referent Bezirfooerordnetcr(sr. Haupt. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. 82. Abt. Steglift. Heute. Dienstag, 30. November, von 4—6 Ar, Spieleck im Heim Albrcchtstr. 47. Neukölln. Am Donnerstag. 2. Dezember, erzählt Mari« Schuhmann lustige Märchen und Geschichten mit Lichtbildern im Saal« Bergstr. 147 für Kinder unter 10 Zahrrn um)44 Uhr. für Kinder über 10 Zähren um 5 Ar. Ctetritt 10 Pf. Kinder der Gruppen frei. Jungsozialisten. Alle Gruppen beteiligen stch heute, Dienstag. 30. Rovember, 8 Uhr, an der Kundgebung gegen das Schmuft- und Schundgefeft im Lehrervcreinshaus. Alle Gruppenveranstoltungeu fallen aus.- Gruppe Süden: Wir beteiligen uns an der Kundgebung im Lchrervereinshaus. Sterbetafel üer Groß-öerliner Partei-Grga�isation � 27. Abt. Am 25. Rppember verstarb im 00. Lebensjahre unser Genosse Hermann Dietrich, Schönhauser Alle« 74. Einäscherung heute, Dienstag. 30. November, nachmittags 1)4 Ar, im Krematorium Serichtstrafte. gohl- reche Beteilguna erwünscht._ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin. Zusammenkunft der Zngendbeiräte und Referenten am kommenden Sonn. abend im Jugendheim Lindenstr. 3. 8 Uhr. Genosse Dr. Siegfried Bernfeld spricht über dos Thema:„Erfassung und Erziehung des proletarischen Zugend- lichen". Laut Beschluft der Borfiftendenkonferenz ist da» Sekretariat heute, Dienstag. bis 7 Uhr abends und morgen. Mittwoch, bis 8 Uhr abends wegen Ausstellung der Ausweis» geöffnet. Zahreswendfeier-Karten können«on den Gruppen abgeholt, die Schund- karten müssen, soweit oerkauf, abgerechnet werden. Generalprobe zum Schmökerspiel heute 7)4 Ar im Grossen Saal her „Reuen Dell", Hasenheidc. Zeltbahnen und Zeltstöcke mitbringen. heute. Dienstag. 30. November, abends 7� Uhr: Moabit II: Schule Bochumer Str. 8d. Portrag:„Alt-Berlin".— Gesund- brunnen: Schule Gotenburger Str. 2. Dortrag:„(serdinand Lassalle".— Dedding.Rord: Jugendheim Turiner Ecke Seestrafte. Bortrag„Berfassungs- fragen".— Balkan: 31«. Gemeindeschul». Mandelstroft«. Bortrag:„Eerueve (sragen".— Seuefelder.Biertel: Jugendheim Danziger Str. 23. Mitglieder- Versammlung.— Sckönebetg l: Jugendheim Hauvtstr. 15. Vortrag:..Bub und Mädel".— Wilmersdorf: Jugendheim Hildegardstr. 4. Bortrag:„Was wollte der Spartakusbund usw."— Manendo es: Alte Schule, Dorfstr. 7. Mitglieder- Versammlung.— Neukölln in: Schule Weiscstr. 19. Bortrog:„Die sozialistisä e Bewegung Oesserreichs".— Neukölln VT: Schule Serfthergplaft: Bortrog: „Sexuelle(sragen". 2. Teil.— Reinickentors-Oft:„Seebad". Ressdenzstr. 48. Ucberblick über„Die heutig« Jugendbewegung".— Rictcrschöuhausen: Schul« Blaukenburger Str. 09. Salzer-Abeud. We:bebe,irk MLogelsc«: Bildungskursus heute im Jugendheim Köpenick. Grünauer Str. 5. Thema:„Einführung in den Sozialismus". Wcrbebczirk Schöneberg: W«:beb«zirksvorstandssiftung beim Genossen Rei- mann, Luitpold str. 15. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. Gesthästliche Mitteilungen. Premier« i« Capitoll Di« Uraufführung de, neuen DLS.-Sroftfilm».Sxta Maro, die lachend« Grille". Während dc, Tonz-Tees findet eine Puftprob« statt, durch die die Preisfrag« beantwortet werden soll:„Wieviel Schuhe können mit einer Dvse Erda! gevuftt werden?" Während dieser Bcr- ansialtung konferiert Herr Harr» Lamberft-Paulsen. Da Ist es nicht zuviel gesagt, wenn wir allen Teilnehmern«inen vergnügten Nachmittag in AnZstcht stelle». Eintrittskarten zu der Beranstaltung find bei der Erdal.jsgiriknieder- log« Berlin SW 29 erhältlich. !ch gebe Ihnen Kredit za Kassapreisen ohne vorherige Prüfung und beredine für Unkosten und Zinsen f/o pro Monai auf die Restkauf summe Ich biete Ihnen: Herren-, Speise- u. Sc&Jaf Stimmer in allen Holz- und Stilarten sowie Küchen in jeder Preislage Metallbettstellen in jeder Form. Möbelfabrik Rob, Seelisch im Osient Rigaer Straße 21'23a im Nordens Rosenihaler Straße 9 an der Samariten/raße Edce Augusistraße Frachtfreie Lieferung durch ganx Deutschland.*4H JfUustr. Katalog nur nach ausuärts gegen-ff. f.— in Brief marhen. 20000 tlk. Bürgschaft bieten wir für die vollkommene Reinheit der aus den edelsten Rohstoffen zusammengesetzten Sun licht Seife. Ihr kräftig reinigender Schaum ver- leiht größte Waschwirkung und Ausgiebigkeit. Sun/icht Seife schont die Wäsche. Sun/icht A.