flr. 565 ♦ 43. �aheg. Musgabe A Nr. 2S8 Bezsgspreis. SZch»»tlich 70 Vfennl«, manallUb S,- Reichsmart voraus zalildor. Unter Kreuzband kiir Deutichiauo. Daiuiia. Saar- und Nemelaebie» veiterreich. Litauen. Lurembur» «.SO Reichsmark, für dos Ubtifle Ausland 5,50 Reichsmark uro Monat. Der»BormSrts' mit der llluftrier- ten Sonntagsbeilage.Bolt und Zeit' sowie den Beilagen»UnterhaUung und Wissen».Aus der MlmweU». »ssrauen stimme»»Der ktinder» freund». Lugend-Vorwllrts» und �Blick in die Bücherwelt» erscheint wochentäglich«oeimal, Sonntags und Montags einmal. Telearamm-Abresf«: �»»zialdamokra, verlin» Morgenausgabe � G Vevliner VolKsblakk (10 pksnnis) Anzeigenpreise: St««kui paltia« Ronparewe- »eil« 80 Pfennig. Reklame,-»- Reichsmark..ZtlcKie An, eigen» das fettgedruckt- Wort 25 Pienma s,uISsfla ,wel iettgedrncktr Worte). jedes welter« Wort lZ Pfennig. Stellengesuch« da» ersie Wort 15 Pfennig, jedes«eitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch- Naben ,Sblen für ,wei Worte. «rdeitsmarkt»eile 50 Pfennig. gamiNenan, eigen für Abonnenten Keile«0 Pfennig. »lueignt für die nilchü« Nummer Mülle» bis«Vf. Ubr nachmittags im Kauptgelchäft. Berlin SW 55. Linden- ftroiteZ. abgegeben werden. Geöffnet von 5 Vf. Ubr frllb bis ö Ubr»achm. Zcntmlorgan der Sozialdcrnokrati feben Partei Deutfchlands Ueöaktion und Verlag: Serlin EW. 68, Zindenfhaße 3 II Sc«. 1 1Q'>ß Fernsprecher: Dönhoff 292-297. aVitttWoch, ÖCII I Dezember Vonvärts-Verlag G.m.b.H., G erlin SW. 68, Linden str.Z «oltlcheckl.nto! Bern» s? SZ«-»ankkonto:»au» der Arbeiter.«ngest-Iten »nd Beamten,«allftr. 55:»iskonto-Ges-lllchas«. Devofitenlalle«indcnftr. 3. Srianös ßrieöensprogramm. Neues Bekenntnis zur Verständigung zwischen Deutschland«nd Frankreich. Paris, 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat am Dienstag die Beratung des Haushalts des Ministeriums des Äußeren in einer Bormittags- und Nachmittagssitzung fortgesetzt. Nachmittags ergriff Lriand das Wort und gab einen Ueberblick über die verschiedenen Probleme der internationalen Politik. In China sei ohne Zweifel eine national! st is che Bewegung festzustellen, der Frankreich jedoch nicht in die Arme fallen möchte. In den dunkelsten Teilen des Landes herrsche eine außerordentliche Feindseligkeit gegen die Fremden! es sei eine bedenkliche Propaganda, diese unkultivierten Schichten zur Niedermetzelung der Fremden aufzuhetzen. Frankreich habe in China die gemäßigtere Haltung eingenomnien. Französische Zkanonenboote seien beschossen worden, ohne auf die Herausforderung zu antworten. Dann ging Briand zu dem Dcrhällnis Frankreichs zu Italien üb«. Er erinnerte an die mehrfackzen a u ß e r o r d e n t l i ch p e i n- lichen Zwischenfäll« der letzten Zeit, wegen derer der diplo- matijche Vertreter Frankreichs bei Mussolini Schritte unternommen und Genugtuung erhalten habe. Die guten Beziehungen seien wieder aufgenommen worden, und gegenwärtig trübe nichts die korrekten Beziehungen zwischen Frankreich und Italien. Italien habe Sorgen wegen seiner Ueberbevölkerung. Aber Frankreich habe großzügig sein Land und seine Kolonien der Italienischen Auswanderung geöffnet, um so mehr müsse„der Familien- z w i st" aushören. Auf die Beziehungen Frankreich zu Deutschland eingehend, betonte Briand, daß Frankreichs Politik eine Politik des Friedens sei. Um den Frieden zu erreichen, müsse man darauf gefaßt sein, allerhand spöttischen Kritiken ausgesetzt zu werden. Wenn aber zwischen Frankreich und Deutschland keine Annäherung zustande komme, gäbe es nie einen dauerhaslen Frieden. Der Völker- bund habe im Interesse des Friedens schon Großes geleistet, wenn er dabei auch schwere Kämpfe mit„nationaler Selbstsucht" auszu- fechten gehabt habe. Aber eines Tages sei es ihm, Briand, als Prä- sidcnt des Völkerbundsrates trotzdem gelungen, einen Krieg(zwischen Griechenland und Bulgarien. Red. d.„V.") zu verhindern, als die beiden Armeen sich schon gegenüberstanden. Di« beiden Regierungen hätten sich dem Schiedsspruch des Völkerbundes unterworfen und die Waffen niedergelegt. Die Politik von L o c a r n o sei ein Der- such gewesen, den Völkerbund praktisch auszudehnen. Es sei ohne Zweifel hoch einzuschätzen, daß Deutschland freiwillig ein Zlbkommen unterzeichnet habe, in dem es Frankreichs Grenzen anerkennt und daraus verzichtet, zur Regelung von Konflikten mit seinen Rachbarn zu den Waffen zu greisen. Dieses Abkommen sei rechtskräftig geworden mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Mehrere Redner hätten von„E n t t ä u s ch u n g e n' nach der Besprechung von T h o i r y gesprochen. Man dürfe aber nicht vergessen, daß seither erst drei Monate verflossen sind. Die Besprechung von Thoiry sei nur eine von zahlreichen ähnlichen Besprechungen gewesen, die Locarno folgten. Stresemann und er, Briand, hätten es als selbstverständlich angesehen, durch Be- sprechungen alle Schwierigkeiten zu regeln, die sich zwischen Frank- reich und Deutschland ergsben könnten. Frankreich stehe nicht im Rheinlande, um Deutsch- land herauszufordern: das Rheinland fei besetzt, weil es ein Pfand darstelle. Die Bestimmungen eines Friedensvertrages könnten, wenn beide Unterzeichner einverstanden seien, ganz gut humaner gestaltet werden, und ebenso könnte eine Besetzung erleichtert werden. Briand warnte dann die Kammer vor den zahlreichen Kommentaren, die sich an die Unterredung von Thoiry und besonders an die Reichstagsreden von Stresemann und Wirth angeschlossen hätten. Stresemann sei ohne Zweifel mit ihm in mehreren Punkten uneinig: aber das sei gerade der Sinn und der Zweck der Diplomatie, sich über Unstimmigkeiten auszusprechen. Deshalb könne eine Besprechung zwischen Zwei Ministern In einem Wirtshause nicht plötzlich die Lage zwischen Frankreich und Deutschland umstülpen und eine blutige Vergangen- heit auslöschen. � Die haupksache sei der gute Wille auf beiden Seiten. Das hätten auch die Völker eingesehen, als sie damals aus- riefen:„Endlich sprechen sich die beiden aus."(Leb- hafter Beifall links.) Briand betonte dann, daß er den unumstößlichen Willen Hab«. «ine neue Katastrophe zu vermelden. In einem neuen Kriege gäbe e« weder Sieger noch Besiegte. Es wäre der Zu- fammenbruch Europa». Frankreich fei stolz darauf, daß es den Frieden wolle. Es wolle natürlich nicht den Frieden ohne Sicherheit. Deshalb müsse die völkerbundskoutrolle au die Stelle der gegenwärstgeu Msitär- tontrolle treten und die Frage der deutschen Entwaffnung endgültig geregelt werden. Gewiß sei der Weg zur deutsch-französischen Verständigung lang, aber man werde ihn bei gutem Willen auf beiden Seiten zurück- legen. Ueberall spreche man von.nationaler Einigkeit", ganz be- sonders in Frankreich. Man täte besser, diese nattonale Einigkeit endlich in der auswärtigen Politik durchzuführen. Frankreich sei nach seiner Ueberzeugung entschlossen,.die Nebel", die noch über dem Lande lasten, abzuschütteln und den Weg des Friedens zu wählen. Briand streifte dann m kurzen Worten die Re de Dr. W i r t h s, in der er im Reichstag ausführte, Deutschland habe ein Opfer gebracht, indem es in den Völkerbund eingetreten sei und Locarno unterzeichnet habe. Diese Darstellung Dr. Wirths sei unrichtig. Der Eintritt in den Völkerbund sei kein Opfer, sondern eine Ehre. Opfer habe Frankreich gebracht. 20 Proz. der beschlagnahmten Wohnungen im Rheinland seien den Besitzern zurückgegeben worden: eine weikgreifende Amnestie sei erlassen, neun Zehntel der deutschen Forderungn seien erfüllt worden. Frankreich habe das w e i t« st- gehende E n t gegenkommen gezeigt. Das bedeute nicht einen Bankerott seiner Politik. Diese Zugeständnisse hob« es ge- macht, um die Beziehungen zwischen den beiden Böllern zu ver- bessern. In der Tat sei auch sofort eine Besserung eingetreten, und die beiden leitenden Außenminister hätten sich ausgesprochen. Das sei bereits ein großer Forts chritt Viellei cht sei Locarno ein verfrühter Versuch gewesen. Trotzdem glaub« er, daß dieser Versuch dem Empfinden der weitaus größten Zahl der Fran- zosen entsprochen habe. Man habe ihm den Vorwurf gemacht, daß er in Genf einen Fehler begangen habe, als er dort den Edelmut Deutschlands unter st rich. Wenn das ein Fehler sei, so mache er sich eine Ehre daraus, ihn begangen zu haben.(Lebh. Beifall auf der Linken.) Ueber die zweistündige Red« Briands berichtet WTB. unter anderem: Briand bedauerte lebhast, daß die letzte Reichstagsrede Strefemanns durch eine t/nvollkonjmene Wiedergabe in der französischen Presse in ihrer Bedeutung v o l l k o m- men mißverstanden und falsch gedeutet worden sei. Auch die Rede des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Wirth sei fragmentarisch wiedergegeben worden und hätte deshalb nach ihrer Bedeutung nicht richtig gewürdigt werden können.— Sämtliche Parteien bis in die Reihen des linken Flügels der Fraktion Marin bereiteten Briand nach Beendigung seiner eindrucksvollen Rede, die er mit tiefer Wärme und Ueber- zeugung vorgetragen hatte, und die im Grunde genommen nichts anderes als ein feierliches Bekenntnis zur Politik von Locarno, die er fortzusetzen gedenke, darstellt, stürmische Ovationen. Nach- dem er die Rednertribüne verlassen hatte, drückte ihm Poin- car6 die Hand. « Zum ersten Male seit der Genfer Septembertagung hat Briand öffentlich das Wort ergriffen. Seine Rede ist ge- eignet, die außenpolitische Atmosphäre zu klären, die in den letzten Wochen durch beiderseitige Pressepolemiken und diplo- matische Intrigenspiele getrübt worden war. Gewiß sind die Ausführungen des französischen Außenministers in manchen Punkten nicht restlos befriedigend und besonders die Stellen über das Rheinland werden in Deutschland insofern ent- täuschen, als man nach Thoiry die Hoffnung auf eine baldige Befreiung des deutschen Bodens hegte und man jetzt erken- nen muß, daß das Tempo der Entwicklung doch erheblich langsamer sein wird, als man es nach dem Wortlaut des offiziellen Kommuniquös über Thoiry vielfach glaubte. Wahlsieg öer Arbeiterpartei. Kenworthh wiedergewählt. London, 30. November.(Eigener Drohtberichl.) Die Rachwahl in hüll infolge des Uebertritts des Abg. kennworlhy zur Arbeiterpartei endete mit einem Siege der Arbeiterpartei. Es gelang kenworthy, seine frühere 2000 Stiinmen betragende liberale Wehrheil auf eine Arbeilermehrheil von 4600 Stimmen zu steigern. Der liberale Kandidat vermochte in diesem bisher liberalen Wahlkreis nicht einmal ein Achtel der abgegebenen Stimmen zu erzielen. Ver„Daily Herald" stellt in seinem Leitartikel fest, Hull wie die vorangegangenen Rachwahlen zeigten, daß die nächsten Reu wählen die Regierung valdwiu Hinwegs« gen werden. Briand hat— übrigens in maßvollen Worten gegen die Wirthfche Theorie, daß der Abschluß des Sicherheitspakts von Locarno und der Eintritt Deutschlands in den Völker- bund für das deutsche Volk ein dcwpeltes Opfer darstellen, polemisiert. Er hat darauf die Erleichterungen, die der Bevölkerung des besetzten Gebietes gewährt wurden, seinerseits aufgezählt und als französische Opfer bezeichnet. Wir halten diese ganze Theorie der„Opfer"— sowohl im Munde Wirths wie im Munde Briands— für verfehlt. Die Bemühungen Briands um eine zuneh- mende Milderung des Besatzungsregimes sind gewiß anerkennenswert, zumal sie auf den ständigen Widerstand von Besatzunasgenerälen stoßen, und es soll nicht verschwiegen werden, daß manches in den letzten Monaten im Rheinland besser geworden ist. Aber das sind eigentlich nur Folge- rungen aus dem Sicherheitspakt von Locarno, während nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund die ganze Besetzung überhaupt ihren Sinn verloren hat. Ueber diesen für Deutschland wichtigsten Punkt sagt Briand leider nichts. Er hat nur ganz allgemein die Hoffnung ausgedrückt, daß durch gegenseitige Aussprache und durch beiderseitigen guten Willen die Punkte, über die Stresemann und er noch uneinig seien, bereinigt werden würden. Das kann eine indirekte Anspielung auf das Problem der Räumung sein, von dem Briand wissen muß, daß es eigentlich der letzte große Streitpunkt zwischen Deutschland und Frankreich ist. Briands Worte über die Besetzung, die nichts Heraus- forderndes, sondern nur ein„P f a n d" sein soll, sind nicht besonders glücklich. Denn Briand sollte empfinden— und wir glauben sogar, daß er es sehr wohl empfindet—, daß jede Besetzung des eigenen Territoriums durch fremdes Militär, und möge sie noch so human sein, a n s i ch etwas Herausforderndes hat, selbst wenn es nicht in der A b s i ch t der Okkupationsmacht liegt. Das hat das französische Volk nach 1871 mindestens im gleichen Maße gefühlt, wie jetzt die Deutschen, obwohl sie selbst anerkannt haben, wie human das deutsche Besatzungsregime unter General von Mantcuffel in der Gegend von Nancy und Toul war. Bleibt also die P f ä n d e r- Theorie. Die erscheint aber noch bedenklicher als die Wirthfche Opfer-Theorie. Pfand uns Die Besetzung soll ein Pfand sein— aber wofür? Als Garantie für die deutschen Zahlungen? Das war in der Tat Bismarcks Gedanke nach dem Frank- furter Frieden. Aber, abgesehen davon, daß sogar Bis- marck im Interesse der Konsolidierung des republikanischen Regimes in Frankreich die Besetzung möglichst abgekürzt hat, so glauben wir kaum, daß Briand sich auf die Bismarcksche Pfänder-Theorie gern berufen möchte. Als Garantie für die Sicherheit? Wo bleibt aber dann Locarno? Und ist die Mitgliedschaft Deutschlands im Völkerbund nicht eine unendlich wirksamere Sicher- heitsaarantie als die militärische Besetzung, die sowieso in spätestens neun Iahren aufhören müßte? Alle diese Gesichtspunkte haben in der Resolution der sozialistischen Vierländerkonferenz in Luxemburg ihren Niederschlag gefunden. In der außenpolitischen Debatte vor Briands Rede sind die Luxemburger Beschlüsse durch den sozialistischen Redner F o n t a n i e r mit Entschiedenheit ver- treten worden, insbesondere die Forderung der Räumung. Auch die Redner der Linksparteien, B e r t h o d und M i l- h a u d, haben eine im allgemeinen sehr vernünftige Sprache geführt. Um so engstirniger und gehässiger war die Rede, die unmittelbar vor Briand von dem Sprecher des Ratio- nalen Blocks, S o u l i e r, gehalten wurde. Briands Rede war zum guten Teil eine Polemik gegen diesen Abgeordneten, der ein Fraktionsfreund seines eigenen Ministerkollegen Marin ist. Man darf nämlich nicht vetgessen, daß Briand einem Ministerium des bürgerlichen„Burgfriedens" angehört. Das hindert ihn wohl daran, so zu sprechen, wie er es selber möchte. Wir glauben, daß auch er innerlich auf dem Boden der Luxemburger Resolution steht. Aber er muß zur- zeit noch rhetorische Konzessionen an die andere Seite machen. Und es ist schon allerhand, daß er durch seine im großen und ganzen verständige Rede sogar einen Poin- c a r 6 dazu gebracht hat, ihn öffentlich zu beglückwünschen. Man mag zwar bezweifeln, ob dieser Händedruck Poincarös ganz aufrichtig war: nicht zu bezweifeln ist es aber, daß Briand durch seine Rede den festen Willen bestätigt hat, den er erst vor drei Tagen gegenüber einem Vertreter des„Vor- wärts" bekundete, die Politik der deutsch-französischen Ver- ständigung, die PolttitoonThoiry fortzusetzen. Selgien zur Kontrollfrage. Tie Luxemburger Beschlüsse als Richtlinie Bauderveldes. Brüssel. Jg. November.(Eigener Drahtbericht.) Ueber die b«l> gtjche Auffassung zur Militärkontrollfrage erfährt der Korrespondent des„S o z. Pressedienst" in Brüssel zuverlässig, daß Belgien dem englischen Memorandum zustimmt, das keine Unterbrechung zwischen der Kontrolle der Interalliierten Kom- misston und der Einführung der Inoestigationsrechte des Völker. bnndes eintreten lassen will und deshalb eine provisorische Völkerbundstontrolle gemäß dem Ratsbeschluß vom September 1S2j befürwortet. Belgien legt jedoch Nachdruck auf das Wort»pro- o i s o r i s ch* und unterstützt die deutsche Jnterpreta- tion des Artikels 213, wonach die Bölkcrbundsinoestigation nicht permanent sein darf. Es ist überhaupt anzunehmen, daß Vanderveldes Hallung vollständig dem Geiste der Luxemburger Resolullon entspricht, nach der eine Kontrolle der deutschen Ab- rüstung künftig nur im Rahmen allgemeiner Konven- t i o n e n mit gleichen Rechten und Pflichten für alle Staaten ge> dacht werden kann. Bis zur Verwirklichung dieser Gesamtlösung scheint Vandervelde gleichfalls im. Geiste Luxemburgs die Völker- bundskommission in den deutschen entmilitarisierten Zonen zu be- sürworten, an der Deutschland gleichberechtigt mit anderen Staaten oertreten wäre und die nicht nur über die deutsche Abrüstung, sondern auch über die Achtung deutscher Rechte in den von den alliierten Truppen besetzten Gebieten zu wachen hätte. Das wäre wenigstens ein Anfang von Gegenseitigkeit im Geiste Locarnos, wenn auch nicht übersehen wird, daß die Kontrolle zunächst ausschließlich auf deutschem Boden ausgeübt würde. In hiesigen maßgebenden Kreisen hofft man auf dieser Grundlage zu einer Einigung in den Militärkontrollfragen kommen zu können. vanöervelöe auf üeutschen Vorschlag Natsvorsitzenüer Brüssel. 30. November.(Eigener Drahlbericht.) Der Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n hat dem Generalsekretär des Völkerbundes während seines Berliner Ausenthalles varge- schlagen, den Vorsitz für die Dezembertagung des Völkerbund». rates an Belgien zu übertragen und Deutschland den Vorsitz während der TN ä r z session zu überlassen, wie wir erfahren, weiß Vandervelde die Geste Slresemanns gebührend zu würdigen und er dürste dankend bereit sein, dem vorick»� de? deutschen Außen- Ministers zu entsprechen. Nationalliberale„Politiker*. Was sagt Strcscmann dazu? Wiederholt haben wir in letzter Zeit aus den Schaden hingewiesen, der für die deutsche Außenpolitik mis der Tatsache erwächst, daß die „Tägliche Rundschau' überall in der Welt und ganz b«> sonders in Frankreich als das Organ Stresemanns ange- sehen und bezeichnet wird, ohne daß das Auswärtig« Amt irgend etwas unternimmt, um mit dieser falschen Auffassung endgültig auf- zuräumen. In ihrer Dienstagabendausgab« unternimmt die„Z. R.' einen geradezu hysterischen Vorstoß gegen die deutsch« Linksprefle, well sich ein französischer Abgeordneter in der Pariser Kammerdebatte auf die Enthüllungen der republikanischet�Llätter über die Schwarz« Reichswehr bezogen hat. Man liest da Worte wie:„Iudastreiben", .schmählicher, tückischer, verräterischer Dolchstoß', schmählich« Selbst- entrnannung",„schamlose Selbstenbblößung' und dergleichen mehr. Heute wird vielleicht dieser pathologische Ausbruch im Stll« der„Deutschen Zeitung' und des„Völkischen Beobachters' in der ganzen französischen Presse als„die Meinung des Außenministers Stresemann' wiedergegeben werden. Und jeder Franzose, der das liest, wird sich jagen: Stresemann läßt durch sein offiziöses Organ die republikanische Press« in diesem Tone beschimpf«», well sie das Treiben der nationalistischen Verbände nicht decken will. Folglich will e r die schwarze Reichswehr decken. Wir antworten darauf im voraus: Nein, Stresemann denkt nicht daran, die militaristischen Treibereien zu decken— aber er hat n i ch t den Mut, von der„Täglichen Rundschau' öffentlich abzurücken, weil er sich einbildet, daß er 5 bis 10 Proz. Einfluß auf sie ausübt und weil es ihm alle drei Monate gelingt, ein halbwegs vernünftiges Artikelchen dort unterzubringen. Und wer das nicht kapiert, der weiß eben nicht, was es heißt: nationalliberal sein! Noch nicht genug örotzoll! Ein neuer Borstoss des Reichslandbundcs. Bekanntlich sind in der Zollvorlage für Lebensmittel auf die Dauer höhere autonome Zölle vorgesehen, als sie ursprünglich beabsichtigt waren. Man hoffte, in Handels- vertragsoerhandlungen die Zollsätze für Getreide und andere wichtige Lebensmittel auf einer Höhe halten zu können, die etwa der der Vorkriegszeit entsprach. Diese Hoffnung hat sich bisher nicht erfüllt. Daher muß wieder einmal eine Ueber- gangsregelung getroffen werden, die für«ine bestimmte Zeit die Lebensmittel- und Fleischzölle niedriger hält, als es die ursprüngliche Vorlage vorsah. Die Linksparteien ver- langen, daß eine solche Uebergangsregelung auf die Dauer von sechs Monaten erfolgt, während die Regierung zunächst auf drei Monate ein Provisorium schaffen will. Der Reichslandbund aber sieht jetzt die Möglich- keit, seinen langgehegten Wunsch nach einer weiteren Er- h ö h u n g der Zollschranken und nach einer weiteren Berteue- rung der inländischen Lebenshaltung zur Durchführung zu bringen. Er hat an die Reichsregierung eine Eingabe ge- richtet, die die geplante neue Uebergansregelung ablehnt und fordert, daß die im schwedischen Handelsvertrag enthaltenen erhöhten Zollsätze für Brot- und Futtergetreide, sowie für Fleisch, Speit und Schmalz in Kraft gesetzt werden. Natürlich heuchelt der Landbund die Sorge für die Bauernschaft vor, um diesen Anspruch zu begründen. In Wirklichkeit ist er es aber, der den kleinen Bauern das Leben schwer macht, indem er die Futtermittelzölle in die Höhe schraubt. Vielleicht ist die ganze Kundgebung nichts anderes als eine Demonstration, denn die Großagrarier wissen genau, daß bei den enorm hohen Getreidepreisev der letzten Monate eine Zollerhöhung wenig Anklang bei den bürger- lichen Parteien finden kann. Der Landbund will wieder ein- mal beweisen, daß er da ist. In Wirklichkeit aber beweist er nur die dem Außenstehenden sonst unverständliche Habsucht der Großagrarier, die eine Rücksicht auf das übrige Bolk nicht kennen— weshalb es sich schon lohnt, diese Kundgebung fest- zunageln._ Deutschland in Sapern verboten! Held schmäht die Verfechter des Einheitsstaates. München, 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Im Boye- rischen Landtag erwartete man am Dienstag eine informierende Rede des Ministerpräsidenten und des Finanzminssters über die in Berlin gepflogenen Verhandlungen zum Finanzausgleich. Dr. Held hatte aber zu dieser die Oeffentlichkeit sehr interessierenden Frage nichts zu sagen, sondern nur die Feststellung zu treffen, daß alles noch im Fluß sei und man nur die Hoffnung auf gewisse große bürgerliche Parteien des Reichstages haben könne. An diese Mit- teilung knüpfte er dann eingehende Erklärungen über die viel- besprochene Tatsache, daß der Staat Bayern d«n teuersten Verwaltungsapparat von allen deutschen Ländern habe. Um dieser Behauptung entgegentreten zu können, hatte er sich durch seine Referenten eine Statistik anfertigen lassen, in de? Sinzeloer- gleiche des bayerischen mit dem preußischen Staatsapparat auf- gestellt sind, und die mit der Schlußfolgerung enden, daß Bayern jedenfalls keinen größeren Verwaltungsapparat als Preußen besitze. In diesem Zusammenhang richtete der Ministerpräsident ein« Warnung an alle jene bayerischen Beamten, die sich zum Ge- danken des Einheitsstaates bekennen und dafür wirken. Er ließ deutlich durchblicken, daß diese mutigen Beamten mit Konse- quenzen zu rechnen hätten, da die bayerisch« Regierung ihre Haltung als Felonie ansehe. Eine geradezu ungeheuerliche Entgleisung leistete sich der Ministerpräsident gegenüber dem Nürnberger Oberbürger- meister Dr. Luppe, der sich bekanntlich mit besonderer Energie für die Schaffung des deutschen Einheitsstaates einsetzt. Dr. Held verglich Luppe, den er als bayerischen Beamten in übertragenem Sinne bezeichnete, mit dem Bolks- und Vaterlands ver« räter Ephialtes der alten griechischen Geschichte, eine B e- schimpfung, die. die Parteisreunde Luppes merkwürdigerweise hinnahmen, ohne mit der Wimper zu zucken! Die Strafrechtsreform. Annahme der Kleinen Strafrechtsnovellc im Reichstagsausschuss. Der Rechtsausschuß des Reichstags beschäftigte sich am Dienstag mit der sogenannten Kleinen Strafprozeß- Novelle, die von Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum, Deutscher Bolkspartei und Wirtschaftlicher Vereimgung beantragt ist. um das Recht auf mündliche Verhandlung gegenüber Haft- befehlen sicherzustellen und den Zeugnis zwang für Redak- l e u r e aufzuheben. Für die Sozialdemokratie erklärte Abg. Rosen- feld, seine Fraktion würd« der Borlage zustimmen, obwohl nicht all« Wünsche erfüllt seien; sie bringe aber immerhin einen wesent- lichen Fortschritt. Während der Ausführungen Dr. Rosenfelds ließ sich der Deutschnationale Dr. Everling zu Zwischenrufen hinreißen, die den Vorsitzenden. Abg. Dr. Kahl(D. Bp.) veranlaßten. ihm die Anwendung disziplinarischer Maßnahmen anzudrohen. Daraufhin gaben die deutschnationalen Ausschußmitglieder in einer Erklärung ihrem Bedauern— nicht über das Verhalten Dr. Eoerlings— sondern des Borsitzenden Ausdruck. Abg. Landsb«rg(Soz.) wies darauf hin, daß die Mit- Wirkung hoher richterlicher Beamter an der gehässigen deutsch- nationalen Erklärung gegen den volksparteilichcn Ausschußvorsitzenden am besten beweise, wessen man sich von manchen Richtern zu ver- sehen habe. Richter, die als Parlamentarier so einseitig« Er- klärungen abgeben, könnten auch in ihrem richterlichen Amte nicht hinreichend objektiv sein. Bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen wurde die Bor- läge dann angenommen. Jür tatkräftige Siedlung! Eine Große Anfrage der Sozialdemokratie im Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Landtages hat eine neue„Große Anfrage' über den Fortgang der Siedlung eingebracht. Sie geht davon aus, daß nach einer amt- lichen Ueixrsicht üder die Siedlungstätigkeit in Preußen seit der Revolution 1t 314 Neusiedlungen auf rund 140 000 Hektar Fläche geschaffen worden sind. Außerdem haben 110 000 Ansiedler 120 000 Hektar Landzulage erhalten. Nach dem Reichssiedlungs- gesetz stehen für Siedlungen in Preußen nahezu zwei Millio- neu Hektar Land zur Verfügung.- Demgegenüber muß das wirkliche Ergebnis der bisherigen Siedlungspolitik als sehr bescheiden bezeichnet werden. Die sozialdemokratische Fraktion fragt daher die Regierung. welche Pläne sie hat, um die Siedlung zu beschleunigen, den Rest der Flüchtlingssiedler so schnell wie möglich unterzubringen und die bereits angesetzten Siedler lebensfähig zu hallen. Sie schlägt ins- besondere eine Prüsung der Frage vor, ob nicht durch eine s i n a n- zielte Beteiligung von Staat, Provinz uno Ge- meinden unter Hinzuziehung der Kulturämter als ausführende Organe eine wesentliche Förderung der Siedlungstätigkell zu erwarten wäre. Verhaftung eine» Skahlhelmmörder». In Breslau wurde der Stahlhelmmann Magiera, der am 2. Dezember vor dem Breslauer Schwurgericht wegen Mordes an dem Rcichsbannermann Doktor abgeurteilt werden soll, verhaftet. Wassilv kanöinskp. Bon Dr. Paul F. Schmidt. Am 10. Dezember wird Wassily Kandinsky 00 Jahre alt. Diesen Zeitpunkt wesentlich zu betonen, hat die Galerie Neu- mann-Nierendorf eine glänzende Ausstellung seiner Werke veranstaltet. Selten mag dieser Raum einem Künstler so angemessen gewesen sein: die schönen hellfarbigen Säle am Magdeburger Platz scheinen vom Bauhausgefft eigens für die Farbenoffenbarungen Kandinskys angelegt worden zu sein. An dieser Stelle ist schon wiederholt von seiner Kunst in rüh- mendem Sinne die Rede gewesen. Wie kommt ein Vollblutrusse zu einer solchen Wertschätzung in Deutschland? Warum hat man ihn unter dm Ersten nach Weimar berufen als Lehrer des Bauhauses, warum nimmt er jetzt in Dessau dieselbe hervor- ragende Stellung ein unter den Leuchten dieser kühnen und fort- schrittlichen Kunstschule? Kandinsky sst noch heute Russe in jenem wellmännischen Sinne. der ihn von Anfang an zum Vermittler zwischen Ost und West machte, der ihn zu europäischer Bedeutung führte: und er gehört Deutschland in einem ähnlichen Sinne an durch die Erlebnisse seiner unerhört«» Entwicklung in München, als Mittelpunkt des „Blauen Reiters' vor 16 Iahren wie durch seine Zugehörig- keit zum Verbände des Bauhauses, an der Seite von Schweizern, Deutschen, Ungarn. Nicht im äußerlichen Sinne; oder nur insofern, als Schicksal des Menschen symbolisch sein kann für seine innere Bedeutung. Kunst sst In gleichem Atem national und zugehörig der Menschheit: Kandinskys Krast ruht im mütterlichen Boden Ruh- lands, ihre Bewußtwerdung und Auswirkung aber vollzog sich ganz m Deutschland. Rur in München wollte und konnte er der werden, der er sein sollte; nur in Weimar und Dessau am Baul)aus gab es die Umwelt, die seine Vollendung und Wirksamkeit in die Weite ermöglicht«. Ihn, den Russen, den vornehmen Weltmann und Philo- sophen, können wir den Unsrigen nennen, indem die Bereinigung deutschen und russischen Wesens in ihm sich mst wunderlicher Kom- pliziertheit als europäische Möglichkeit offenbart. Paris hat Archi- penko und Chagall, Russen gleich ihm, gebildet und— verschlungen; Paris duldet jede völkische Sonderheit, sofern sie sich der französi- schen Oberhoheit einfügt. Deutschland aber ist insofern auch das künstlerische Herz Europas zu nennen, als es jeden fremden Geist sich heimisch fühlen Und zu dem ausreifen läßt, wozu er von An- beginn berufen war. Das hat Kandinsky mit allen guten Instinkten gefühll, und darum ging er vor nun 30 Iahren, just in der Mitte seines Lebens, als er dunkel seine Berufung fühlte, nicht nach Paris, sondern nach Münch«», wo er bis zum Ausbruch des Krieges gelebt hat. Und darum kehrte er 1922 aus einem kaum erfolglosen Leben in Sowjetrußland nach Deutschland zurück und nahm den Ruf ans Bauhaus an, wo ihm größere» Heimatrecht zuzustehen schien als in Moskau. Nicht mit Stolz konstatieren wir das, sondern mit der Freud« des Menschen und Kunstliebenden, die in ihm den Bruder und Mit- arbester am Werke begrüßt. Als Deutsche von 1896 oder 1920 haben wir kein Verdienst an dieser Gemeinschaft. Aber als Menschen der Gegenwart und der europäischen Kullurgemeinschast fühlen wir uns ihm aufs engste befreundet und halten ihn fest als einen, dem wir durch seine eigene Wahl zunächst stehen und als solche, die das Recht haben, das künstlerische und menschliche Jubiläum seiner sechzig Lebensjahre als Angelegenheit der Menschheitskunst zu begehen. Biel« werden ihn nicht kennen, viele, die seine Bilder gesehen haben, werden uns das Recht bestreiten wollen, ihn als einen großen Künstler und Lichtbringer zu feiern. Wir aber, die ihn von seinem großen Aufschwung in München her kennen und mit Ver- «hrung sehen, wie er mit jedem Jahr mächtiger seiner säkularen Bedeutung«ntgegenwächst, halten unerschütterlich an unserer Mei- nung fest, die die Ansicht des 20. Jahrhunderts werden wird: daß Kandinsky einer der großen Pfadweiser der Kunst ist, die Neuland erschlossen und unser Empfinden für die Schönheit des Sichtbaren um ein unermeßbares Gebiet erweiterten. Soll man Kandinskys Kunst beschreiben? Es sst nicht möglich. Der Ueberblick bei Neumann-Nierendorf, der von den Anfängen 1908 bis zu den letzten vollendeten Bildern des laufenden Jahres führt, muß durch sich selbst überzeugen. Auch die schöne Rede, die der Kunstfreund Dr. G r o h m a n n bei der Eröffnung der Aus- stellung hielt, ging nicht aus die metavhysischen Probleme ein. zu denen Kandinskys Kunst verlockt, suchte vielmehr das Bild seiner Entwicklung und Wirkung lebendig erstehen zu lassen. Jeder muß sich aus eigener Kraft dieses merkwürdiae Phänomen erobern, dessen Sinn es ist, die Welt des banal Sichtbaren auszuschalten und die Kirnst auf Stimmungs werte der Farbe und geometrische Verhält- nisse zu konzentrieren. Wer es vermag, sich über die landesüblichen Forderungen naturalistischer Darstellung zu erheben, wer die sinn» liche Wirkung klarer Formen und Farben sich in künstlerische Wir- kung übersetzen kann— ein Problem, das ganz einfach und un- problematisch ist für den Begnadeten—. wird aus dieser Schau«in Erlebnis von seltener Intensität davontragen. Womtt gar nichts ausgesagt ist über irgendwelche Wirklichkeits- kunst. Weder darf man Kandinsky.erledigen' durch den Hinweis auf die Unmöglichkeit einer abstrakten Kunst, noch gar aus der Tatsache dieser starten und schönen Malerei eine Waffe schmieden gegen das Gegenständliche. Denn es gibt viele Wohnungen in unseres Vaters Haufe, und niemals wird dos letzte Wort gesprochen werden in dem Streit über den letzten Sinn der künstlerischen Arbeit._ Stimmen der Völker in Liedern. Prof. Wilhelm Doegen, der Direktor der Lautabteilung an der preußischen Staotsbiliothek Berlin, gab im Plenarsaal des Herrenhauses einen Einblick in seine „Bibliothek', die in der Hauptsache aus Schallplatten besteht. Auf ihnen ist der Klang von Stimmen und Instrumenten festgehallen, der in Lichtbildern gleichzeitig illustriert oder phonetisch oder ara- phssch dargestellt werden kann. Die Bedeutung dieser Lautsamm- lung ist besonders für Sprachforschung und Spracherlernung außer- ordentlich groß. Man vermag hier weit gründlicher als unmittel- bar an der menschlichen Stimme den besonderen Tonfall und die Klangfarbe einer Sprache zu studieren. Eine charakteristische Nuance kann man so oft vorsprechen lassen, bis das Ohr ihre Eigen- art erfaßt hat. Dazm dient der sogenannte„ßauthalter', eine Vorrichtung, die die Platte zwingt, an einer gewünschten Stelle zu oerweilen und eine Silbe oder eine Silbenfolge unablässig zu wieder- holen. Prof. Doegen teilte mst, daß die Bibliothek gegenwärtig fast 3000 verschiedener Platten besitzt, darunter Ausnahmen von über 260 Sprachen und Dialekten. Er gab dann in einer Platten- auswahl Lautproben, die durch Lichtbilder ergänzt wurden. Die meisten Aufnahmen wurden in den deutschen Gefangenenlagern ge- macht und so waren es Kriegsgefangene aus aller Herren Länder, die man im Bilde sah. Die Platten, aus die sie ihre Heimatlieder sangen und mit ihnen all ihre Sehnsucht nach ihrem Heim und ihrer Familie, werhen vielleicht das letzte sein, das von dem großen Weltkrieg kündet, den sie erlebten. Denn 10000 Jahre etwa halten die Kupfermatrizen, die davon hergestellt wurden. Sz. Noch ein Aohlenverflüsslqungsversahren? Die internationale .Kohlenkonferenz in Pittsburgh brachte«ine neue Sensation mit dem Vortrag des Ingenieurs W. E. Trent, der über ein von ihm erfundenes Verfahren berichtete, mittels dessen aus pulverisierter Kohle unter starker Erhitzung ein sehr leicht flüssiges Explosioöl gewonnen werden kann, das nach seinen Angaben geeignet sein soll, den Automobil-, Eisenbahn- und Schiffahrtsbetrieb zu reoolu- tionieren. Cr erklärte, daß ein Versuchsfahrzeug für diesen neuen Betriebsstoff in Kansas City bereits im Bau sei. Das von Trent aus pulverisierter Kohle gewonnene Oel fall ohne weiteres mit dem in Amerika zum Automobilbetrieb in erster Linie verwandten Gasolin konkurrieren können, kostet aber nur 0 Cent pro Gallone, gegenüber einem Preis von 20 Cent für Gasolin. Wörterbücher und Kreuzworträtsel. Auf der Tagung der englischen Bibliothekare, die kürzlich in Liverpool stattfand, wurde beschlossen, die großen Wörterbücher künftig nicht mehr in den Lesesälen zu ollgemeiner Benutzung bereitzustellen, sondern sie nur unter strenger Kontrolle im Einzelfall auszugeben Es hat sich nämlich in Auswirkung der Kreuzworträtlelepidemie herausgestellt, daß die Wörterbücher nicht nur fast ausschließlich von den Rätsel- lösern mit Beschlag belegt wurden, vielmehr kam es häufig auch vor, daß jemand, der ein besonders schwieriges Wort glücklich ge- funden hatte, dieses im Wörterbuch schleunigst ausradierte! Staatsprüfung im volksbüchereiwefen. Im Ottober fand in Leipzig vor dem sächsischen Prüsungsamt für Bibliothekswesen die Prüfung für den Dienst an volkstümlichen Bücherelen statt. Der Prüfung unterzogen sich zwölf Teilnehmer, alle mit Erfolg. Bis auf einen waren alle in der Volksbüchereischule der deutschen Zentral- stelle für volkstümliches Büchereiwesen in einem zweijährigen Lehr- gang vorbereitet. Sie fanden sämtlich sofort Anstellung. klage des CxfaHers gegen ein Such über den ftronpttazn. Nach Meldungen dolländischcr Blätter hat der frühere Kaiser gegen Autor und Verlag deS Buche«„DerPrinz aus Wierelavd- Klage erhoben und verlangt die Zurückziehung des Buche». Rudolf von Laban wird mit seiner Schule ans der Deutschen Theater- Au» ttellung Magdeburg lg27 mit Figurinen. Kostümen nnd Photographien vertreten sein. Ferner wird die Laban- Schule Literatur auzstellen, die ihre Ziele zeigt,«eiter wird ein Film der ungefähr 20 Minuten dauert, wichtige lanzteile von Laban» Schöplungen zeigen. Di« AuSitellungZgegen stände gruppieren sich um den Jcolaeder d. h. um einen sphärischen Körper, der nach Laban» künstlerischer Theorie und Praxi» sSmlliche tänzerischen Möglichkeiten umschließt. §ür und gegen Sie viermachte- Konferenz. Bedenken in P«rris. Paris. 30. November.(Eigener Drahibericht.) In der in den letzten Togen viel erörterten Frage einer Konferenz der vier Außen- minister, die nach der Genfer Tagung des Völkerbundes stottfinfden seil, beschränkt sich die Pariser Presie nach wie vor darauf, die bierüber aus SJonbon und Rom vorliegenden Nachrichten wieder- zugeben, wonach diese Konferenz im Prinzip bereits beschlossen sei..uie jranzösische Presse verzichtet dennoch nicht auf chren bis- berigen Standpunkt, daß Frankreich an dem Zustandekommen einer solchen Konferenz nicht dasgeringsteInteresfe habe. Diese ablehnende Haltung findet sich vom„Q U o d i e n* bis zum nationalistischen„Echo de Paris". Di« Linksblätter betonen insbesondere, daß eine solche Konferenz das Prestige Mussolinis zu einem besonders ungeeigneten Zeitpunkt völlig unnötig ver- stärken würde, und Musiolini lediglich eine Entscheidung über rein italienische imperialistische Eroberungsplän« erstrebe, die er gern auf Kosten Frankreichs verwirklichen möchte. Die bereits vor- l?andenen internationalen Schwierigkeiten, besonders das deutsch- sranzöstsche Problem, würden nur verwickelt und erschwert werden. In den Rechtsblättern wird brutal die Ansicht vertreten, daß Frankreich nicht daran denke, zu der Einberufung eines neuen ,L> b e r st e n Rates" seine Hand zu reichen, in dem es alle Aussichten habe, der schwächere zu sein. Der„Temps" erklärt am Dienstag abend, daß entgegen den Londoner Nochrichten die Einberufung einer solchen Konferenz bisher in keiner Weife Gegenstand Narer Verhandlungen von Regierung zu Regierung gewesen sei. Es handle sich äugen- blicklich nur um ein« von interessierter Seite ausgehende„An- rcgung". Wenn man auf italienischer Seite starken Wert auf ein Zustandekommen der Konferenz lege, so geschehe das nur deshalb, weil die faschistische Presse hier eine günstige Gelegenheit seh«, eine politische Gesamlaussprache anzuschneiden, wie Mussolini sie eifrig wünsche. Aber niemand habe für eine solche Konferenz auch nur den Schatten eines Pro- g r a m m e s, und man dürfe sich fragen, wie man sich unter diesen Umständen prakttsch das Zustandekommen der Konferenz vorstelle. Nichts wäre gesährücher, als ohne Programm und ohne genau zu wissen, was man wolle, an eine solche Konferenz heranzutreten. Es sei ja möglich, meint der„Temps" zum Schluß, daß die bevor- stehenden Besprechungen zwischen Briand und Chamberlain in Paris und später in Gens„gewisse Ideen" zutage fördern werden, die ein Interesse an einer Konferenz erhöhen könnten. Dazu müßt« aber vorher in Gens ein« Aussprach« zwischen Briand, Chamberlain und Mussolini stattfinden, und die Kon- ferenz selbst später„mit allen wünschenswerten Garantien" um- geben werden.' Die Ansicht des„Temps", daß noch nichts Bestimmtes über das Zustandekommen der Dierminister-Konferenz aus- gemacht sei, wird auch an offizieller Stelle in Paris bestätigt. * Es wird natürlich schwer für Deutschland sein, wenn sich Paris, London und Rom über das Prinzsix einer Viermächte- konferenz geeinigt haben, gegen deren Abhaltung Einspruch zu erheben. Unserer Meinung nach besteht zu einer solchen Konferenz kein zwingender Anlaß. In Wirklichkeit handelt es sich nur darum, daß Mussolini wieder einmal eine Z�olle in der Weltpolitik spielen will, um sein inner- politisches Pr»st i g e zu heben. Das ist ihm vor einem Inhr in Locarno vorbeigelungen, nun will er es m i t H i l f e Chamberlains wieder einmal versuchen. Chamberlain, der— trotz allen gegenteuigen Behauptungen— eine direkte deutsch-französische Verständigung ungern sieht, well sie der traditionellen Schiedsrichterstellung Englands auf dem Kon» tinent ein Ende machen würde, will mit Hilfe Italiens das Problem der europäischen Friedenssicherung wieder zu einer Angelegenheit aller Großmächte machen und ihm den vor- nehmlich deutsch-französischen Charakter nehmen, den es seit Thoiry angenommen hat. Mussolini hat nun Chamberlain vorgeschickt und Chamberlain hat sich gern vorschicken lassen. Der Einwand des nationalistischen„Echo de Paris", daß Frankreich riskieren würde, auf einer solchen Konferenz isoliert zu sein, ist für uns kein Anlaß, die Viermächte- konferenz zu befürworten. Denn auf etwaige Helferdienste Mussolinis gegen Frankreich verzichten wir, weil sie un- ehrlich sind. Mussolini versucht fieberhaft, in Paris und in Berlin gleichzeitig feine Hilfe anzubieten. Dabei stellt er in Paris die Deutschen und in Berlin die Franzosen als diejenigen hin, die sich um seine Gunst bewerben. Dieses plumpe Doppelspiel ist am Quai d'Orsay und in der Wil- Helmstraße längst bekannt und die Angebote Mussolinis dürfen daher nicht ernst genommen werden. Darüber hinaus müssen wir die Frage aufwerfen: Wenn schon eine Konferenz der Außenminister geplant wird, die eine Fortsetzung der Besprechungen von Locarno dar- stellen soll, warum soll gerade Belgien ausgeschaltet werden? Ist Belgien nicht auch ein Teilhaber des Rhein- paktes, hat es nicht sowohl in Locarno wie auch später in Genf die wertvoll st en Vermittlerdien st e ge- leistet? Deutschland hat kein Interesse an einer Aus- fchaltung Belgiens und für die Sicherung des europäischen Friedens ist Ä a n d e r v e l d e ein wichtiger Faktor, der das Vertrauen von Millionen Menschen in allen Ländern be» sitzt, während Mussolini als Unruhestifter in a l l e n Ländern verachtet wird. Uebrigens wenn Italien besonderen Wert darauf legt, an einer europäischen Besprechung teilzunehmen, warum soll es sich nicht in Genf durch seinen üblichen Unterhändler S c i a l o j a vertreten lassen? Das ist wenigstens ein Mann, dem jeder Staatsmann ohne Unterschied der Weltanschauung bedenkenlos die Hand reichen kann. Und mit Scialoja könnte die Besprechung gleich in Genf stattfinden, während man sonst, um Mussolini zu treffen, mindestens bis in den Kanton Tessin fahren müßte. Denn es ist nicht angenehm, daß Mussolini sich nach Genf begeben wird, wo er sich wegen seiner Iugenderinnerungen und seiner durchaus unpolitischen Konflikte mit dem Strafgesetzbuch zweifellos ungern sehen lassen möchte. Ein«� Besprechung auf italienischem Boden darf selbstverständlich nicht in Frage kommen. Der deussch-flnnische Handelsvertrag. Am 30. November wurden im Auswärtigen Amt in Berlin die Ratifikationsurkunden des vorläufigen deutsch-sinnischen Handelsabkommens zwischen dem Deutschen Reich und der Republik Finnland ausgetauscht. Das Ab- kommen tritt mit dem 30. Dezember 1S26 in Kraft. Ein Besuch. Des deutschen Exkaisers Bruder und Groß- admiral Heinrich besuchte den mexikanischen Staatspräsidenten Calles, der seme Sympathie sür die sozialdemokratische und frei- gewerkschaftliche Bewegung in Deutschland seinerzeit öffentlich und nachdrücklich bekundet bot. Ob nun Wilhelm nicht seinem Bruder droht« wird:„Heinrich, mir graut vor Dir!" Hegen öas Schunögefeh. Kttndgebung gegen die Kulturreaktiou. Der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei halle gestern zu einer öffentlichen Kundgebung gegen die Kulturreaktion in Deutschland aufgerufen. Im Saal des Lehrervereinshauses sprachen die Reichstagsabgeordneten Genossen Dr. L ö w e n st e i n, Genossin Dr. S t e g m a n n und Schreck zum Thema: Fort mit dem Schmutz- und Schundgesetz! Als erster Redner erläuterte Genosse Dr. Löwenstein den In- halt des Gesetzes. Gestern ist das Gesetz im Reichstag in zweiter Lesung abgelehnt worden. Die das Gesetz verteidigenden Blätter haben jetzt schon den Titel des Gesetzes geändert, weil sie sich selbst nicht sicher sind: sie haben ein.Lugendgesetz" daraus gemacht, um den Eindruck zu erwecken, als handele es sich um ein Schutzgesetz für die Jugend. Wir sind der Auffassung, daß die Jugend vor allem Wohnung, Bildung, Kultur nötig hat und daß sie sich dann selbst vor Schmutz und Schund zu schützen weiß. Nach dem Gesetzentwurf kann alles verboten werden, was die Behörden als Schund ansehen. Und zwar nicht nur für die Jugendlichen, sondern für alle. Im übrigen dürfen Schriften, die auf den Inder gesetzt sind, nicht im öffentlichen Verkehr ver- trieben werden. Vielmehr sollen solche Bücher und Schriften nur an Erwachsene über 18 Jahre auf Verlangen abgegeben werden körmen. Was soll mit dieser Vorschrift gesagt sein? Ist nicht eine Schmutzschrist für Erwachsene genau so gut Schmutz und Schund wie für Jugendliche? Was'sollen die Jugendlichen für eine Meinung haben von Erwachsenen, die lesen dürfen, was ihnen ver- boten ist? Schmutz ist Schmutz und Schund ist Schund I Diese Be- stimmung ist also eine sozialpädagogische Gefahr, aber tein Fort- schritt. Die gestrigen Abstimmungen im Reichstag haben ergeben, daß man noch nicht einmal weiß, wer der Prüfer, der Zensor sein soll. Die ungeheure Gefahr besteht darin, daß man schließlich die Vertreter der Kulturreaktion als Zensoren einsetzen wird, die dann dem Volke vorschreiben sollen, was es lesen darf. Unsere Proteste haben bisher schon vermocht, die Demokraten zu bestimmen, in ihren engeren Parteizirkeln das Gesetz abzulehnen. Dieser Ablehnung hat sich eine große Anzahl geistiger Verbände angeschlossen, sie haben vermocht, die Abneigung gegen das Gesetz bis in die Reihen der Volkspartei fortzupflanzen. Ein Dunkelkammerverfahren ist geplant, in dem unter Ausschluß der Oeffentlichkeit über Schriftenverbote verhandelt werden muß. Man will also Schriftstellern und Verlegern das Recht der öffenttichen Verteidigung nehm«. Dieses Ersetz ist ein Unglück für da, deutsche voll. Es bewahrt die Jugend nicht einmal vor den Schmökern, die millionenweise in Winkelläden angeboten werden. � Treffen wird man die freiheitlichen Bücher, die sozialdemokratischen, kommu- nistischen, gewerkschaftlichen Schriften, von denen man vermutet, daß sie„Schmutz" enthalten. Deshalb bedeutet das Gesetz auch eine politische Gefahr, der wir uns entgegenstemmen müssen. Die einheilliche Gegnerschaft des deutschen Volkes wird dieses Schundgesetz verschwinden lassen.(Stürmischer Beisall!) Genossin Dr. Stegmann sprach über das Gesetz und die Kullur. Was ist Kultur? fragt- die Rednerin. Ist das eine Kultur, die sich besitzende Kreise mit chrem Gelds verschaffen können? Ist das Kultur, was man eitlerweise zur Schau trägt und jedem ausdrängt? Kultur ist Freiheit, ist Fortschritt, ist Gemeinschaftsgeist, ist Geist schlechthin. Die Befürworter des Gesetzes erkennen nicht die Herr- lichkeit der menschlichen Seele, wenn sie durch Gesetze die Seele vor Schund und Schmutz bewahren wollen. Auch auf einem Schmutz- Haufen kann eine schöne Blume wachsen. Deshalb soll man auch der menschlichen Seele zutrauen, zu entscheiden, wo sie gedeihen will und kann. So wie sich der Körper vor Schund in der Nahrung schützt, so soll man auch die Seele sich schütze» lassen. Unter dem Beifall der Versammlung erzählte Genossin Stegmann, wie die das Gesetz beratenden Reichstagsabgeordneten ausgelegte Schmutzschristen als in der Jugend von chnen selbst benutzte Schriften erkanitt haben und dennoch— Reichstagsabgeordnete geworden sind! Der beste Schutz für die Jugend ist ihre Immunisierung vor Ansteckung. Schärfen wir das Urteil der Kinder und Jugendlichen, und sie werden selbst den Schund ablehnen!(Lebhafte Zustimmung.) Genosse Schreck führte aus: Immer, wenn die Jugend geschützt werden soll, wird sie mißhandell. Eine Jugend, die die junge deutsche Republik mit sozialem Inhalt erfüllen soll, muß Phantasie, Romantik, Begeisterung haben. Das Gesetz aber ist ein Drahtverhau gegen das Tasten und das Suchen nach Klarheit. Die Jugend hat ein Interesse daran, sich derjenigen Alten zu erinnern, die ihre eigene Jugend nicht vergessen haben. Es gibt heute weniger Verkehr mit Jndianerjchmökern als früher. Früher tauschte man Wildwestgeschichten aus, jetzt sind die Helden der Jugend die großen Sportleute. Damit fall nicht gesagt sein, daß dos erstrebenswert ist, aber ein Fortschritt ist es unzweifelhaft. In der freien Jugendorganisation wird sich die Jugend selbst Ersatz für Schund und Schmutz suchen. Warum sucht man nur immer Gesetze und Verordnungen zu erfinden, die die Jugend.sschützen" sollen, weshalb fördert man die Jugend nicht in posktivem Sinne? Weshalb verkürzt man nicht die Arbeitszeit der Jugend- lichen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, in der Freizeit sich zu schulen, sich zu fördern? Weshalb fördert man nicht den großen, freien, sittlichen Gedanken, der in den A r b e i t e r t u r n- vereinen, in den Kulturorganisationen gepflegt wird? Nicht lumpige 400 000 Mark für die Bundesschule der Ar- beiterturner in Leipzig sind bei der Regierung aufzutreiben. Hier, wo man aus körperlicher Reinheit geistige Kraft entwickeln kann, versagt Regierung und Reichstag samt bürgerlicher Parteien. Da» Gesetz muß unmöglich gemacht werden.(Stürmischer Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt, Befürworter des Gesetzes meldeten sich trotz Aufforderung nicht zum Wort. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der die sofortige Zurück- ziehung des Schundgesetzes gefordert wird. Preußen unü üie Arbeitsbeschaffung. Ostfragen im Preußischen Landtag. Der Preußische Landtag trat am Dienstag, den 30. Ro- vember, wieder zusammen. Präsident Bartels gedachte zunächst der Opfer des Grubenunglücks auf der Zeche de Wendel und sprach den Hinterbliebenen das Beileid des Landtages, und für die Verletzten die Hoffnung auf baldige Wieder- genesung aus. In einer kurzen Ansprache beglückwünschte sodann der Präsident den deutschnationalen Fraktwnsvorsttzenden, Abgeordneten Winckler, zu seinem 70. Geburtstag. Auf den Geschäftsordnungsantrag des Abg. Sobotta(Komm.), die Große Anfrage der Kommunisten betr. die Zunahme der Grubenunglücke auf die Tagesordnung zu setzen, erklärt der Präsident, daß die Regierung erst am nächsten Montag zur Be- antwortung bereit sei. Dann steht auch die sozialdemokratische An- frage über den gleichen Gegenstand auf der Tagesordnung. Ohne Debatte wird daraus der kommunistische Urantrag auf S t r a f v e r- folgung des Landsberger La n d g« r i chts d i r e k t o r s Weßling wegen gesetzwidriger Führung der Fememordprozesse dem Rechtsausschuß überwiesen. In der nun folgenden Beratung der Hauptausschußanträge über die Beteiligung von Ober- und Niederschlesien am Arbeitsbeschassungsprogramm de« Reiches spricht zunächst Abg. Conrad(Dnat.) für stärkere Berücksichtigung der beiden schlesischen Provinzen bei Notstandsarbeiten. Abg. Dr. Hamburger(Soz.) wies auf die Schwierig- leiten hin, in wenigen Iahren das wieder gut zu machen, was die Vorkriegsregierung gegenüber den Ostprovinzen versäumt hat. Mit dem sogenannten Sofortprogramm beginn« ein Zeitabschnitt praktischer Tätigkeit für den Osten, der nach den sozialdemokratischen Wünschen in möglichst kurzer Zeit für die Bevölkerung durch Tätigkeit aus dem Gebiete der Siedlung, des ver- stärkten Wohnungsbaues, der Förderung von Notstandsarbeiten sich auswirken solle. Vor allem die industriellen Gebiet« des Ostens, also von Ober- und Niederschlesien, müßten im Interesse der Linderung der Arbeitslosigkeit und der Verbesserung der ganz unzureichenden Wohnverhältnisse stärker be- rücksichtigt werden._ Abg. Frau Zigal(Z.) tritt für die Behebung der Wirtschaft. lichen Rot der Ostprooinzen durch staatliche Mahnahmen ein. Für das nach Osten verloren gegangene Absatzgebiet müsse Ersatz ge- schafft werden. Der mit Rußland abgeschlossene Handelsvertrog habe bis jetzt nur theoretische Bedeutung. Abg. Merker(Komm.) fordert Vorlegung einer Denkschrift über das Arbeitsbeschassungsprogramm., ,,« Abg. Melzenlhin(D. Vp.) begrüßt für seine Partei mit Genug- tuung, daß sich die Reichsregierung jetzt mehr als bisher um die Ostprovinzen bekümmern soll. Abg. Kleinmeier(Soz.): Wir im Westen sind gern bereit, den Osten in seiner Entwicklung zu fördern. Aber wir bitten um einiges Verständnis auch für die Spezialwünsche des Westens, die mit dem vorliegenden Arbeitsprogramm verbunden find. Die Kanalisierung von Mosel und Saar ist wohl das älteste der bisher nicht ausgeführten Programme. Dabei ist sie, ganz ab- gesehen von der verkehrstechnischen Bedeutung, sür die G e- winnung elektrischer Kraft für die Regierungsbezirke Coblcnz und Trier äußerst wichtig. Für den lange stiefmütterlich bedachten Westerwald liegen drei neue Cisenbahnbauprojekte vor, von denen die Sachverständigen das wichtigste heraussuchen sollen. Di« Debatte wird, nachdem noch zahlreiche Redner ihre Wünsche zum Arbeitsbeschaffungsprogramm vorgetragen haben, auf Mittwoch, 12 Uhr, vertagt. Außerdem stehen morgen Eingemeindungsfragcn in Oberschlesien zur Beratung. Der Arbeitsplan des Landtags. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages legte am Dienstag den Beratungsplan bis Weihnachten fest. In der Zeit bis zum 13. Dezember sollen«ine Reihe kleinerer Gesetz- entwürfe erledigt werden, so die Entwürfe über Aerzte- k a m m e r n und ärztliche Ehrengerichte und über die Notlage der rheinischen Notare. Am Mittwoch soll die Vorlage über die Neu- ordming der kommunalen Verfassung in der Provinz Oberschlesien zur zweiten und dritten Beratung gestellt werden._ Am 9. De. zember soll die Frage des Wohnungsbaues für 1327 das Plenum beschästigen. Auch die Anträge über die Typhusepidemi« in Hannover stehen für diesen Tag an. Am 13. Dezember wird dann der preußische Finanzminister den Haushalt für 1927 einbringen. Man rechnet damit, daß die große politische Aussprache zum Etat bis zum 18. Dezember anhalten wird. Der Landtag will dann an diesem Tage in die Weihnachtsferien gehen, nachdem der Haushalt dem Hauptausschuß überwiesen ist, und zwar bis zum 18. Januar. Der Hauptausschuß soll zur Vorberatung des Haus- Haltes bereits acht Tage früher wieder zusammentreten. die sächsische Regierungsbildung gescheitert. Keine Regiernngsurehrhett.— Die Haltung der Kommunisten. Dresden. 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Im sächsischen Landtag begründete der Kommunist Böttcher den Antrag auf Haft» entlassung des Abgeordneten Ewert, der in das Verfahren gegen die kommunistische Zentrale oerwickell ist. Böttcher machte dabei gellend, daß die Berhaftung offenbar erfolgt sei, um die Mehr- heitsverhältnisse des sächsischen Landtages zu beeinflussen, denn Ewert fei erst zwei Tage vor der Wahl verhaftet worden, ob- gleich er bereits feit längerer Zeit in Berlin weilte. Da von der rechten Celle des Hauses Widerspruch gegen die sofortige Beratung des Antrages erhoben wurde, ging dieser an den Rechtsausschuß des Landtages. Dann kam man zur Wahl des Ministerpräsidenten. Abg. Genosse Abel schlug den früheren Kultusminister Reichstags- abgeordneten Hermann Fleißner als Ministerpräsidenten vor. Er oerwies auf das von der Sozialdemokratischen Partei verfochtene Aktionsprogramm. Der Kommunist Siewert erklärte, auf Grund der im Wahlausruf der Kommunistischen Partei enthallenen Forderung werde seine Partei für den sozialdemokrati- schen Ministerpräsidenten stimmen. Nach den üblichen Redensarten über die Diktatur des Proletariats führte er dann noch weiter aus, die Kommunistische Partei werde jeden ernsthaften Bor- stoß der Sozialdemokratie gegen den Kapitalismus unterstützen, das fei aber nicht gleichbedeutend mit der Verpflichtung, die sozialdemo- kratische Minderheitsregierung unter allen Umständen zu unterstützen. Auch im Falle der Bildung einer sozialdemokratischen Minderheitsregierung werde die KPD. den Kamps gegen die „arbeiterfeindliche" Politik der Sozialdemokratie führen, sie wolle aber der Sozialdemokratischen Partei Gelegenheit geben, den wahren Charakter ihrer Politik vor der Arbeiterschaft zu enthüllen. Gegen eine Koalitionsregierung der Sozialdemokratie mit einer bürgerlichen Partei oder mit der ASP. würden die Kommunisten den schärfsten Kampf führen. Bei der Minlsterprästdentcnwahl wurden von 95 gültigen Stimmen 44 sozialistischeund kommunistische Stimmen sü r den Genossen Hermann F l e i ß n er abgegeben. Die übrigen Stimmen waren zersplittert. Zum Zustandekommen einer Wahl wäre die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, also 4 8 not- wendig gewesen. Da keiner von den vorgeschlagenen Kandidaten 48 Stimmen erhiell, ist die Wahl eines Ministerpräsi- denken überhaupt als gescheitert anzusehen, so daß sie in der nächsten Sitzung von neuem vorgenommen werden muß. Die Sozialdemokraten und Kommunisten beantragten, die nächste Sitzung des Landtages schon am Donnerstag, den 2. De- zember, stattfinden zu lassen. Die Mehrheit des Landtages, be- stehend aus den bürgerlichen Parteien und den 4 Abgeordneten von der Alten Sozialdemokratischen Partei, beschloß jedoch, die nächste Sitzung erst auf Dienstag, den 7. Dezember, festzusetzen. Es ist vorläufig noch nicht abzusehen, ob am nächsten Dienstag die Wahl des Ministerpräsidenten, die eine Einigung der Parteien zur Vorbedingung hat, zustande kommen wird. Bis zur Bildung einer neuen Regierung bleibt noch die bisherige als Arbeitskabinett im Amt, obgleich sie ihre Aemter niedergelegt hat. Dle griechische Regierung ist zurückgetreten, um die Bildung einer Koalitionsregierung zu ermöglichen. Lohnbewegung im Hamburger �ofen. 20 Prozent Lohnerhöhung gefordert. Hamburg, ZV. November.(Eigener Drahlbericht.) heute haben auch die Hamburger Hafenarbeiter da» Lohnabkommen zum Zl. Dezember gekündigt, wie erinnerlich, ist die lehte Lohnbewegung der Hamburger Hasenarbeiter durch die vcrbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches, der die allen Löhne betbehielt, erstickt worden. Die Hafenarbeiter fordern 20 Proz. Lohnerhöhung. Der Lohn der Hamburger Schauerleute betrug vor dem Kriege 5.40 w. pro Schicht. so daß sie. wenn man nur eine Teuerung von 50 Proz. in Betracht zieht, pro Schicht 8,10 211. haben müßten, um den Reallohn der vor- krica zeit zu erhalten. Tatsächlich beträgt der Lohn heute nur 7.7,0 IN. pro Schicht, was besonders in Hamburg gänzlich unzu- reichcud ist. Einigung in den Margarincnicderlagen. 5» den Verbindlichkeitsverhandlungen über den Schiedsspruch sür die Arbeiter in den Margarineniederlagcn wurde eine Einigung dahingehend erzielt, daß die Spitzcnlvhne um 1,75 M. pro Woche — 4 Proz, und die Löhne aller anderen Arbeiter ebenfalls um 4 Proz. erhöht werden sollen. Die Parteien waren siöi darüber einig, daß das neue Lohnabkommen vom 1. November 1926 bis 2. Avril 1927 gelten soll. Da bei der Abstimmung über dieses Verhandlungsergebnis, die in der Versammlung der in der Margarineindustrie Beschäftigten am Sonntag vorgenommen wurde, einige Stimmen an der zum Streik notwendigen Zweidrittelmehrheit fehlten, galt das Ergebnis als angenomincn. Als der Organisotionsvertreter jedoch am Montag van den Unternehmern die Unterzeichnung des Vertrages forderte, verlangten diese plötzlich eine Verlängerung des Ablauf- termins bis zum 15. Mai. Da die Arbeiter schon in zwei Ver- sammlungen eine Lohnfestsetzung über den 2. April für unanneh.n- bar erklärt hatten, lehnte der Organisotionsvertreter diese Zu- mutung ab. Als er den Unternehmern bedeutete, daß eine solche Herausforderung der fast restlos organisierten Arbeiter noch am gleichen Tage den Beschluß des sofortigen S t r ei k s ergeben würde, erklärten sich die Unternehmer zur Unterzeichnung des Vertrages in der vereinbarten Form bereit. Generalversammlung des ZdA. Die Berliner Ortsgruppe des Zentrolverbandes der Angestellten hielt am 26. November i hre Quartals- g c n e r a l v c r s a m ni l u n g ab. Auf der Tagesordnung stand ein Referat des Genossen Fritz Fricke, Leiter der Berliner Gewerk- schaktsschule, über:„Die neuesten Methoden der Unter- nehm er iin Kamps gegen die Gewerkschaften". Fricke machte die Versammelten mit den Versuchen der Unternehmer bekannt, auf dem Wege über die Werksgemein- schalte» Lehrlingswerkstätten, Haushaltungsschulen, Alters- und Jnvalider.hcime die Arbeiter den Gewerkschaften zu entziehen und dem Unternehmer gefügig zu machen. Die große Gefahr dieser Bestrebungen und die möglichen Methoden der Abwehr wurden ausführlich dargelegt. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Genosse G o t t f u r ch t, konnte in seinem Geschäftsbericht über den außerordentlichen Umfang der Organisationstätigkeit berichten. Die Tarifarbeit, d>e gerode bei den Angestellten außerordentliche Schwierigkeiten verursacht Hot, wurde geschildert. In einigen Fällen ist es schon möglich gewesen, aus der Abwehr zum Angriff überzugehen. So war es möglich, in verschiedenen Branchen, beispielsweise im Verkehrs- gewerbe, einen im Frühjahr vollzogenen Gehaltsabbau »nieder auszugleichen. Für die Brouereiange- stellten war es möglich, eine Gehaltserhöhung zu er- iv" ken. In der Zentralheizungsindustrte wurden durch eriolgreichen Streik die Abbaumaßnahmen der Unternehmer abgewehrt. Der Kassierer, Genosse W e y l a n d, konnte über eine erfreu- liche Entwicklung des Mitgli«d»rbestandes und eine nicht unerhebliche Vermögens st eigerung im dritten Quartal berichten. Die gut verlaufene Generalversammlung wurde mit einem Hoch auf die Organisation geschlosien. Unberechtigte Entlassung bei Rudolf Hertz og. Vor der Schranke des Gewerbegericht, steht am Pult des Be- klagten nachlässig an die Wand gelehnt der Inhaber der bekannten Firma Rudolf Hertzog. Ihm zur Sest« als Wortführer ein rede- gcwandier Dr. Hertzog. Etwas abseits mehrer« höher« A n g e- stellt« der Firma.— Warum ein solche» Ausgebot von Promi- nenten? Ein Hausdiener, der 2SIahr«lang bei der Firma tätig war, ist f r i st l o s entlassen, weil er Geschäftsbücher der Firma beiseite gebracht haben soll. Er klagt im Beistande eines Vertreters des Verkehrsbundes aus Bezahlung der Kündigungszeit, denn er fühlt sich der ihm zur Lost gelegten Handlung nicht schuldig.— In mehrstündiger Verhandlung wird der Tatbestand und fein« juristische Bewertung eingehend untersucht. Zeugen werden ver- nommen, dem Kläger wird der Eid zugeschoben. Schars zugespitzt« Reden werden zwischen dem Vertreter des Verkehrsbundes und dem Vertreter der Firma gewechselt.— Aus dem Streit der Parteien er- fährt man folgenden Tatbestand. Vor etwa zwei Iahren wurde einem Angestellten der Firma der Prozeß gemacht, weil Unterschleife im Linoleumiager vorgekommen waren. Als Beweismittel in jenem Prozeß dienten unter anderem einige Hefte, worin der Hausdiener des Linoleumlagers, der jetzig« Kläger, Eintragungen über Ein- und Ausgänge von Waren zu machen hott«. Nach Beendigung des Prozesses gegen den Angestellten wurden die erwähnten Hefte nach dem Linoleumiager zurückgebracht, wo sie seitdem«in unbeachtete« Dasein führten. Kürzlich wurde nun der Prozeß wegen der llntevschleif« von neuem aufgerollt. Man brauchte die besagten Hefte wieder als Beweismittel, fand sie aber nicht mehr. Der Hausdiener und jetzige Kläger, nach dem Verbleib der Heft« be- fragt, wußte nichts bestimmtes darüber zu sagen. Er ist v o r I a h r und Tag in«in« ander« Abteilung des Geschäfts o« r s« tz t worden und glaubt, daß er beim Aufräumen des Linoleum- lagers die Hefte, die er für wertlos hielt, mit anderem Gerumpel ver- brannt habe. Die Firma glaubt das nicht. Der Housinfpektor ver- anstaltet«in« Suche nach den vermißten Heften. Sie werden schließ- lich neben anderem wertlosen Kram im Garderobenschrank des Klägers gefunden. Dieser weiß nicht, wie sie dahin gekommen sind Es kann sein, daß er sie bei seinem Umzug« aus dem Linoleum- loger nebst anderen Kleinigkeiten, ohne dovauf zu achten und ohne Absicht mitgenommen hat. Es kann ober auch sein, daß sie von einem anderen zufällig in den Schrank gelegt und dort unbeachtet liegen geblieben sind. Das ist der Vorgang, der der Firma genügt«,«inen Mann, der 28 Jahre bei ihr in Arbeit stand, aus die Straße zu setzen. Das Urteil des Gerichts ging dahin: Roch der Arbeitsordnung der Beklagten kann wegen Beiseiteschaffung von Geschästspapieren sristlof« Entlastung erfolgen. Das Beiseiteschaffen setzt«inen Vorsatz voraus. Ein solcher ist dem Kläger nicht nachgewiesen. Es ist möglich, daß er bei seinem Umzug aus der«inen in die ander« Abteilung die Bücher aus Irrtum mitgenommen hat. Ein absicht- liches Beiseiteschaffen liegt nicht vor. Die Firma wurde deshalb ver- urteilt, dem Kläger die geforderten 73 M. zu zahlen. Kam es daraus an, den Hausdiener nach 28jährig«r.Lebens» st« l l u n g" los zu werden und ihm selber die Schuld zuzuschieben, dann hat die Firma ihren Zweck erreicht. der Lohntarif üer Reichspostarbeiter gekündigt. Vom Deutschen Verkehrsbund wird uns mitgeteilt: Der Lohntarif für die Arbeiter der deutschen Reichspost vom 27. Juli 1926 ist heut« zum 31. Dezember gekündigt worden. Di« Verhandlungen werden Ansang nächster Woche beginnen. die ftasfperrung in Sachsen verschoben. In Erwartung der verbiadlichkeikserklärung? Gera. 39. November.(WTB.) Auf seiner G r« i z e r Tagung hatte der Sächsisch-Thürmgische Webereioerband b e- schlössen, alle Aussperrungsmaßnahmeii wieder aufzuheben, sobald die Lelegschosten der Firmen Schulenburg und Beßler in Gera-Zwötzen und Ernst Engländer in Berga a. d. Elster die Arbeit wieder aufgenommen haben. Um dies zu er- leichtern, ist die für gestern abend in Aussicht genommene Aussperrung in den Ortsgruppen der Bezirke Glauchau, Meerane und Neustadt a. d. Orla um einen Tag verschoben worden. Die Nichtannahme des Schiedsspruches wird vom Webereiverband damit begründet, daß eine weitere Steigerung der Löhne eine entsprechend« Warenverteuerung und eine Erschwerung des In- und Auslandsabsatzes zur Folg« haben würde. Nach einer weiteren WTB.-Meldung sollen die L e r h a n d- lungen über die Vcrbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches ooraussichllich am Donnerstag im Reichs- arbeitsministerium stattfinden. Wut noch Gefängnis. In einem ver letzten Termine wegen„Vergehens gegen da« Kvankenversicherungsgefetz" empfing der amtierende Richten: den Angeklagten mit folgender Reche: „Wie können Sie denn gegen«in so gelindes Urteil noch Ein- spruch erheben! Es wird fönst nur noch wegen dieser Vergehen auf Freiheitsstrafe erkannt. Sie tun deshalb gut, Ihren mrbegreif- liehen Einspruch gegen das Urteil zurückzuziehen. Eine neu« Ver- Handlung vermehrt die Kosten«mpsindlich und Sie kommen nicht ohne Gefängnis davon. Sie haben die Beiträg« unbedingt am Lohntage z u a ll« r« rst an die Krankenkasse abzuführen. Das Geld für dies« muß sogar vor der Lohnzahlung sichergestellt sein. Wie können Venn sonst die Kassen ihren so ungeheuren, vielseitigen Der- pslichtungen einschließlich der Erwerbslostnfürsorg« nachkommen?! All« Einwendungen und Entschuldigungen von Ihnen sind ganz zwecklos, man hört stets nur dasseW« von Bai oLgemetneu fchtechten Verhältnissen und dem guten Willen. Wir haben hier jetzt so im» ge heuerlich viele derartige Fäll«, daß mit Geldstrafen nicht mehr aus- zukommen ist. Also— ziehen Sie zurück? oder—" Der Angeklagte zog seinen Einspruch gegen das Urteil zurück. Wir haben den Ausführungen des Moabiter Richters nichts hinzuzufügen und können es uns nicht versagen, diesen Ausspruch auch der breiten Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Vielleicht richtet sich doch dieser oder jener Unternehmer etwas hiernach. Er wird dann seine Pflicht der Kasse gegenüber mehr als zuvor erkennen. Also War- nung für die, die es angeht!— Verschärfung deS Frankfurter Straheubahnerkonflikts. Frankfurt a. M.. 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Schiedsspruch im Lohn st reit der Straßenbahner i n F r a n t s u r t a. M., der die Gruppenlöhne um 2 bis 3 Pfennig pro Stund« erhöhte, ist sowohl von den Arbeitgeber- als auch von den Arbeitnehmerverbänden abgelehnt worden. Sollt« es in neuen Verhandlungen zu keiner Einigung kommen, dann erscheint ein Streik der Straßenbahner in Frankfurt unvermeidlich. Der oberschlefische Schiedsspruch verbindlich. Der Schiedsspruch für den o b ersch l e s i s ch e n Steinkohlenbergbau, der db 15. November eine Lohnerhöhung von etwa 4 Proz. des augenblicklichen Lohnes vorsah, ist am Dienstag vom Reichsarbeitsminister für verbindlich er- klärt worden. Lohnbewegung der Gasarbeiter in» Rheinland. Esiea, 36. November.(TU.) DieEssenerArbeitnehmer- oerbände haben die Tarifverträge für Löhne und Arbeits- zeit In den Betrieben der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerte für Rheinland und Wesffalen zum 31. Dezember gekündigt. Die Arbeitnehmer fordern die Wiedereinführung der acht- stündigen Arbeitszeit und eine 15prozentige Lohnerhöhung._ Ergebnislose Verhandlungen der Seeleute. Hamburg, 30. November.(WTB.) Die hier geführten Ver- Handlungen zwischen dem verband Deutscher Reeder und der Or ganisatlon der Seeleute, in der über eine Erhöhung der Bezüge der Seeleute Beschluß gefaßt werden sollte, sind ergebnislos verlausen. Die Seeleute hatten eine 15prozentige Lehnerhöhung verlangt. Die Entscheidung wird vermutlich vom Schlichter getroffen werden. Der kanadische Eifenbahukonflikt. New IJork. 29. November.(EP.) Obwohl die kanadischen Eisenbahner im Prinzip den Ausstand beschlossen haben, fft jedoch der genaue Tag der Eröffnung des Streiks noch nicht bestimmt worden. Die Möglichkeit einer friedlichen Regelung des Konfliktes hält man noch nicht für ausgeschlossen. Die kanadischen Eisenbghner fordern außer der Erhöhung der Gehälter auch Gleichstellung mit allen amerikanischen Eisenbahnern._ Da» Lohnabkommen für dle ZnstrumenlenlrSger war vom Verkehrsbund zum 27. November gekündigt und eine Erhöhung des Wochenlohnes gefordert worden. In freier Verhandlung wurde eine Erhöhung des wöchentlichen Garantielohnes von 48 auf 54 M. sowie de» Tagelohnes für n i ch t st ä n d i g e Arbeiter von 8 aus 9 M. erreicht. Die Stückgelder wurden in ihrer bis- herigen Höhe belassen. Das Lohnabkommen, das unbefristet ab 27. November gilt, ist von beiden Parteien angenommen worden. •nMtttbfc«italled« de»»erkehr,bi»»d»». Dlenswfl, 7. Dezemier, nachmittags 1 mrr. im Saal 1 de, Tewerkschottsftouse», Sngelufer'MKS, Erwerbs- losemnitgliedernersammtuns. Zutritt erhält nur. wer arbeitslos ift uni> neben dem verbondsauswei» die Erwerbslosenkarte, vorzeigen tonn. Shne Legitimation lei» Einig Ii. Die Bezirksverwaltnag. Frei««bewertlchaftirnaend. Heut«. Mittwoch, IV, Ill>r, tagen die Gruvpcn: Neulill» It Sruvvenheim Zugendbeim Berqstr. 2S. Heimbesprechung. Vortrag:.Bändern— Sport im Binter*.—«üdwepen: Sruppenheim Bezirks- ingenddeim EiSdtische SchwimmbaN« BSrrvaldstr. M. Heimbesprechung, Lieber- abend.— Schiineberg: ebruppenheim Jugendheim Rubensstrohe sSportplah). Heimbesprechung. Uirterhaitungsobend.— Eharlottendurg: Sruppenheim Jugend- hei» Deutscher kranken kaffenperbond, Berliner Str. 137. Heimbesprechung, Leseabend.— N»rdri»g! Gruppenheim Jugendheim Eberswolder Str. 10. Heimbesprechung Liederabend. Iugeudgruppe de» lZMl. Heute. Mittwoch. TV, Uhr. finde» holgend« Ver- anfialwirgen statt: Bezirk RrukSlln: Jugendheim No"atstr.»3 Sruppen- besprechun«.— Bezirk Bedding-Sesnndbrunnen: Jugendheim Schönst edtlkr. 1 (Ledigenheim S St.) Gruppenbesprechung.— Bezirk Dchönebcrg: Jugendheim Hauptstr. IS sfirankeniandzimmer) Gruppenbesprechung.— Bezirk Lichen- berg: Jugendheim Schule Goftlerstr. El Gruppenbesprechung.— Bezirk Ehar- lattendnrg: Zugendheim Rolinenstr. 4.Broletarische Dichter' stzerna). Verantwortlich Ntr Politik: Dr. Gurt Geyer! Wirtschaft: klrtue Saternu»! Gewerlschaft-beweaung: Friede. Cftkotn; Feuilleton: F. S. Tischer: Lokale» und Sonstige»: Frij, karftSdt; Änzrioen: Th.»loike! sämtlich in Berlin. Verlag Borwärt».VerIa« G.m.b.H.. Veriiu. Druck: Vorwörts-Buchdruckerel und Berlagsanstatt Paul Singer u. Ho. Berlin SW 68 Lindcnftrah« 3. Hierzu 2 Beilagen und..lluterhaltuna»nd Willen'. Damanslranpra iun,—««» 4 KK Qaalitlt. sehmn und ksrdi»........... UnlcrzlehslrOmpfaretawWoUs 4 7C engl. Llnge, haatfublg................% m i tj OamenstrUmpfa WoU» pUU., 4 QC kräitige, Haltbare Qaallllt,»chwara... I a'w Damanstrttaipfa soidont, extra O 4 A Biarke Winterqual., fchwar» u. tarblg mm» I w DamenslrQmpfa„Bender**, O QA bdosti. Beide, modeino Farben...., 2.2», Sm'W\/ DamensUUmpfa roia» WoU«, O"7 C bcBie Qual., m. Doppels., aohw. m. färb, DamenstrUmpfa woiu mit � C Kunsrseide, mod. gemnet., aparte Färb. F eF Herranseckan MnABanawoiie, A QC modern© Master................... 1.10, Herrensecken rein. Won», 2 2 4 O C gestrickt, grau......................... Herrensecken nineWoU», grau, o 4E oeige, mode......................... mmmrnnJ Herrensocken niae woiie,»it O Qrt Doppelsohle, moderne Ja�aardmuter Klnderstrllmpfe rsina wolle, 4 d A beige, modo, grau, 8r. 1(«Mg. 20 PI.) 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Der turinartige Aufbau, der den Schnürboden enthält, lastet mit seiner KOü Tonnen schweren Masse auf einem Gewirr von Eisenträgern und Stützen, von denen die beiden großen Portalpfeiler die chaupt- last auf sich nehmen. Bis zu einer Tiefe von 10 Metern ist das Erdreich ausgehoben und unten auf der Sohle arbeiten ununter- brachen von Drehstrommotoren getriebene Pumpen, um das Grund- wasser(500 Liter in der Sekunde) fortzuschaffen. Eine Gruppe starker Pfähle, aus dem cholz der polnischen Kieser, die seit 1744 den Aufbau der Proszeniumslogcn trugen, hat sich vollkommen gesund im Gnindwasser erhalten, während sie nun, an die Lust gebracht, in wenigen Wochen vermodern. Ihre Aufgabe übernehmen massive Betonsockel, die in der Höhe der Bühne aus Gründen der Akustik durch Klinkersteine ersetzt werden. Durch den je 6 Meter vorspringen- den beiderseitigen Anbau wird vor allem planmäßig Raum ge- wonnen für Notausgänge für das Bühnenpersonal, Seitenbühnen und Magazine, so daß mit Wiedereröffnung im Herbst 1927 fünf Opern hintereinander gespielt werden können, ohne daß die Deko- rationen nach jeder Oper in das alte Magazin in der Prinz- Friedrich-Karl-Straße zurückwandern müssen. Für das Publikum des 3. und 4. Ranges sind eigene Ausgänge vorgesehen. Den Sims des Anbaues werden die alten Statuen und Kapitäle schmücken, die sich in einem nahegelegenen Schuppen versammelt haben, um dort vom Schmutz gereinigt zu werden. Zum Aufbau werden durchwegs die alten Steinquadern verwendet(Elbsandstetn). Nach erfolgtem Umbau wird die Berliner Staatsoper auch vor dem erst kürzlich mit allen technischen Neuerungen ausgestattetem Hamburger Theater rangieren. Die Freimachung des Platzes vor der alten Bibliothek wird die vornehme Wirkung des Knobelsdorffschen Baues wesentlich erhöhen und den Blick aus die Hedwigskirche durch die Zuschüttung des seit fünf Jahren unbenutzten Tunnels eindrucksvoller gestalten. Weihuachtsmarkt Warschauer Straße. Der Polizeipräsident teill mtt: Der diesjährige Weihnachtsmarkt für den früheren Stadtkreis Berlin findet in der Hauptsache in der Warschauer Straße(von der Revaler Straße bis zur Frank- furter Allee) und in der Petersburger Straße sowie auf dem Arkonaplatz und dessen Umgebung statt. Pfefferküchlcr, Pfcfferkuchenhändler, Verkäufer von Obst, Nüssen, Weihnächte- bäumen, Spielzeug und dergleichen können auch außerhalb des Marktbezirks mit Genehmigung des zuständigen Polizeireviers Ver- kaufsvorrichtungen auf geeigneten Plätzen aufstellen. Der Markt beginnt am 11. Dezember und dauert bis zum 27. Dezember ein- schließlich. Am 28. Dezember morgens 8 Uhr müssen sämtliche Buden und Verkaufsvorrichtungen von den Straßen und Plätzen fortgeschafft sein. Händler, die Weihnachtsbäume in das Gebiet der neuen Stadtgemeinde Berlin einbringen oder in diesem Gebiet feilhalten wollen, haben sich mit den durch die Polizeiverordnung vom 12. Dezember 1923 vorgeschriebenen Bescheinigungen über den redlichen Erwerb zu versehen. Ver Prozeß gegen üen Iuwelenräuber. Spruch zu« Jahren und 1 Monat Zuchthaus verurteilt. Im Prozeß gegen den Zuweleuräuber Spruch verkündete nach etwa einstündiger Beratung des Gerichts der Vorsitzende Landgerichts- direktor Dr. Crohne folgenden Urteilsspruch: Es werden kosten- psllchttg verurteilt: Johannes Spruch wegen schweren Raubes, Nötigung und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Zuchthaus- strafe von 6 Jahren und 1 Monat, sowie zur Ab- erken nung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre. Die Stellung unter Polizeiaufsicht wird für zulässig erklärt. Ein Monat der erlittenen Unlersuchungshast soll angerechnet werden. E h a r- lolle Spruch erhält wegen Sachhehlerei S Monate Gefäng- nis. Elfe Ringhausen gleichfalls wegen Sachhehlerei 3 Monate Gefängnis. Außerdem wurde beiden eine Bewährungsfrist verliehen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung berichtete Spruch: Nach- dem er oerschieden« Pläne, Iuwetierläden zu berauben, fallen gelassen hatte, lernte er eines Tages den„Schtniedepaul* kennen. Beiide freundeten sich bald an und als sie eines Tages in der Tauentzien- strah« saßen, reifte in ihnen der Entschluß, den Jmvelierladen Marotti und Freink zu berauben. Sie beschafften sich Feuerwerkssrösche und Kanonenschläge und begaben sich, mit Revolvern aus- gerüstet, nach dem Iuwelierladen. Hier paßten sie einen günstigen Augenblick ob und sprangen um 5�3 Uhr in die offene Tür des Ladens. Während der„Schmiedepaul" den Verkäufer Schröder mit dem Revolver in Schach hielt, stürzt« Spruch in das Hinterzimmer und rief dem sich dort aufhaltenden Freink und dessen Geschäfts- freunde Oppenheim zu:»Hände hoch!" Ms Freink zögerte, gab Spruch«inen Schreckschuß ob und stürzte dann in den Vorderraum, schob«inen Stuhl zur Fensterauslag« und griff mehrer« Male in die Juwelen hinein. Schröder war unterdessen von dem Schmiedepaul in den Hinterraum gedrängt worden. Dann setzten sie die Papierrolle mtt den Kanonenschlägen in Brand und stürmten hinaus. Spazier- änger, die Spruchs Gviffe in die Fensterauslage beobachtet hatten, türmten beiden nach. Die Täter überquerten die Tauentzienstraße mit vorgehaltenem Revolver, jagten am Portier vorbei in das Kauf- haus des Westens, landeten nach langem Hin und Her auf dem Hof des Neubaues des KdW. und Atmen durch ein Loch auf die Straße. Hier mischten sie sich unter die Menschenmenge, blieben eine Zeitlang ruhig stehen, verabredeten, sich am Abend zu treffen und gingen davon. Um 6 Uhr erschien Spruch in großer Aufregung bei seiner Schwester, erzählte ihr, er sei in eine Schießerei o« r w i ck e l t gewesen und gab ihr einen Teil der Juwelen. Dann fuhr er zu- sammen mtt der Schwester zu den Eltern, erzählte auch hier von einer Schießerei und verabschiedet« sich von ihnen. Am nächsten Tage ver- grub er die Juwelen in einem Weckglas bei Friedrichshagen. Dann fuhr er nach Breslau. Hier beschenkte er seine frühere Freundin und versucht«, durch einen Freund einen Brillantring bei cineni Goldarbeit« loszuschlagen. I n dem Laden erfolgte auch schon seine Verhaftung. Ein Breslauer Freund hatte ihn bei der Polizei verraten. Nun brachte er das Märchen mit seiner angeb- . lichen Freundin„Sonja" aus, die die Juwelen mit nach Polen ge- nommen haben sollt«. Ms er dann im Berliner Polizeipräsidium seinen verhasteten Eltern gegenübergestellt wurde, brach er zusammen und nannte das Versteck der Juwelen in Fricdrichshagen. Die Zeugenvernehmung ergab keine Talsachen von Belang. Die psychiatrischen Sachverständigen, Sanitätsrat Dr.-Leppmann und Prof. Henneberg, erklärten den erblich äußerst schwer bc� lastet« n Spruch— sowohl mütterlicher, als väterlicherseits ist «n« große Anzahl Selbstmörder und Geisteskranker zu oerzeichnen— für«inen psychopathifchen Phantasten, ausgerüstet mit einem kranken Geltungsbedürfnis und übertriebener Sensationslust, jedoch für zurechnungsfähig, wenn auch stark minderwertig. Der Staatsanwalt charakterisiert« den Angeklagten als— gemeinen Verbrecher und beantragte acht Jahre Zuchthaus. D« Angeklagte wehrte sich in seinem Schlußwort mit größter Energie gegen die Behauptung des Staatsanwalts, er fei ein gemeiner Verbrecher. Das Gericht glaubte jedoch aus verschiedenen Einzelheiten seiner Tat aus gewinnsüchtige Absichten und nicht allein aus Sensationslust des Angeklagten schließen zu müssen und wollte auch nicht mildernde Umstünde für ihn gelten lassen. Es erfolgte das eingangs milgeteilt« Urteil. Ein« Erklärung zum Urteil behielt sich Spruch vor. Es ist anzunehmen, daß er durch seinen Verteidiger Berufung einlegen wird, Die Wunder der Klara van tzaag. Don Johannes Luchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus- „Das kenne ich ja," sagte die Gnädige, als der Friedens- ftörer von neuem einsetzte.„Das ist Liszt. Aber Herrgott, das kann er? Woher kennt er das? Herrlich!" Hedwig zweifelte nicht, daß der drinnen alles könne. „Halt, jetzt geht es schief. Was sind das nur für Kunst- stücke, Iohan Fors! Der Mann schüttet einen ekligen Farben- topf über ein herrliches Kunstwerk aus. Nein, pfui, Sohan!" Hedwig fühlte sich in Iohans Namen beschämt und ver- letzt, konnte ober nichts sagen! sie kannte das Stück nicht und fand nicht einmal, daß es anckähernd so hübsch wie die anderen war, die sie gehört hatten. „Komm. Jetzt kann ich es nicht mehr mit anhören! Das stellt Lifzt vor. Aber er bestickt es wie die Spitzenjacke, die bei Lund stand. Na, jetzt hört er glücklicherweise auf. Laß uns das nächste hören." Aber es kam keine nächste Nummer, dagegen hörten sie feine Schritte, zuerst auf Holz, dann auf klingenden Stein- fliesen. Die Gnädige packte Hedwig:„Hast du gehört, er ging eine Treppe herunter? Da hat er auf der Kanzel gestanden! Das ist die einzige Treppe in der Kirche. Haha, er ist glänzend — er ist mehr als glänzend, er ist ganz verrückt: irrsinnig. Er steht in der schwarzen Nacht auf der Kanzel und spielt den Geistern vor, spielt herrlich obendrein— außer diesem Zeugs. Hör', jetzt schließt er die schwere, kreischende Tür. Werde nicht bange, du kleines Schaf. Ich habe leider die Fähigkeit dazu verloren. Jetzt geht er." Iohan ging jedoch nicht den Weg, den sie erwartet hatten. Er bog um die Ecke und seine Schritte knirschten näher. Da erhielt Frau van Haag plötzlich ihre verlorene Fähigkeit wieder. Sie preßte sich im dunkelsten Winkel der Mauer an Hedwig, hielt den Atem an und zitterte. Hedwig zitterte nicht: sie stand in seliger Unbeweglichkeit da und dachte nur. daß jetzt etwas geschähe. Aber Iohan ging ganz dicht an ihnen vorbei und kurz darauf blieb er stehen. Als sie die Köpfe vorbeugten. konnten sie ihn reglos zu äußerst auf dem Hange, das Gesicht dem Zollamt zugekehrt sehen. Eine Viertelstunde hielt er sie auf der Folterbank. Ihnen schien, daß S'nndcn vcrgongen wären, und d-e Beine wallten sie ka"nr ro* fagen. Ihre' Augen rermochtcn nicht, sich so lange durch die Finsternis zu bohren. Zuletzt glaubten sie, er sei in die Erde gesunken. Als aber ihre Geduld zu Ende war. trat Iohan mit festen Schritten aus der Nacht heraus und ging an ihnen vorbei. „Ich habe nie etwas Amüsanteres erlebt," sagte die Gnädige, als sie heimgekommen waren.„Und welches Glück, daß er uns nicht sah. Dann wäre alles vorbei gewesen." „Ja, er wäre wütend gewesen," sagte Hedwig schaudernd. „Das wäre er vielleicht," sagte die gnädige Frau ruhig. „Aber, was schlimmer ist, der Bursche wäre sicher vor Ein- bildung geplatzt." Hierauf sagte sie Hedwig gute Nacht und ging in ihr Zimmer, wo sie Licht anzündete und zu schreiben begann. Der Brief war an einen berühmten Musikprofessor gerichtet. Ein paar Zeilen lauteten folgendermaßen:„Da Sie also doch hier vorbeikommen, müssen Sie Ihr Versprechen halten und mich besuchen. Sie können mein Heim sehen, und Sie können meinen Mann sehen. Außerdem ist ein musikalisches Untier in der Stadt losgelassen. Es zeigt sich nicht am Tage, sondern streift nachts auf dem Kirchhof und in der Kirche herum, und bringt Laute hervor, die mir originell vorkommen. Sie würden der Wissenschaft einen Dienst erweisen, wenn sie Art und Eigenschaften des Tieres näher bestimmten...." Sie schloß den Briefumschlag und wollte sich erheben, aber im selben Augenblick hörte sie, wie ein Streichholz im Schlaf- zimmer angestrichen wurde. Dieses kleine Geräusch genügte, daß sie sitzen blieb. Sie strich sich müde über die Augen. Es war sehr spät. Aber dann nahm sie neues Papier und schrieb an ihren Jugendfreund Fritz, der jetzt Minister war und die Eisenbahnen unter sich hatte. Sie bat ihn, ihr die kleine Gefälligkeit zu erweisen, den Bahnhof da und da zu erweitern und ihn ja nicht nach Westen zu verlegen, wie Lund und seine Partei es wünschten. Ungeheuer viel stände in dieser Sache auf dem Spiel, erklärte sie.„Ich ertrage es nicht, daß sie mir meine Bäume vernichten. Hörst du, Fritz!" 10. Kapitel. Hin und wieder kommt �in Brief van dem Amerikafahrer Sioert. Er fährt Milch aus in Chikago und ist sehr glücklich. Er verdient unermeßlich viel Geld und ersteht jeden zweiten Tag etwas Neues. Bald ein paar gefütterte Handschuhe, bald ein Paar Stiefel(aus einem einzigen Stück Leder genäht), zuletzt einen �neuen Namen, Jimmy. Nachnamen gebraucht man überhaupt nicht hier drüben, schreibt er. So freut er sich über diesen Namen, daß er ihn in zehnfacher Größe hinsetzt und hier und dort Blätter und Blumen auf die Buchstaben malt. Emanuel hat strengen Vesthl, wenn solcher Brief ac- kommen ist, sich bei Frau nan Haag einzufinden nnd es i�r zu melden Die Gnädige beginnt zu'lachen und sich zu freuen, sobald sie Sioerts Namen hört. In der Regel macht sie sich sofort fertig und geht mit, um den Brief vorlesen zu hören. Egholm ist auch nur ein Mensch: wenn sich eine Gelegenheit bietet, benutzt er sie, und als er dies Interesse Frau van Haags für Sioerts Briefe bemerkt, sucht er etwas davon auf sich selbst zu übertragen, indem er sie vorliest. Kein anderer darf es. Dann sitzen die Gnädige mit einem Teller Eingemachten, Anna nur auf dem Sprunge und Emanuel, aufmerksam Frau Klaras wechselnden Gesichtsausdruck über den Rand seines Buches hinweg studierend. Egholm macht große Anstalten, ehe er beginnt. Das geschieht, damit man ihn recht bemerkt. „Wo hast du nun den Brief hingeschmissen. Ich habe dir doch gesagt, daß er hier auf meinem Tisch liegen bleiben soll. Na, er steckt hier in meiner Tasche! Still jetzt. Ordne diese Zettel, auf die er geschrieben hat, und reiche sie mir all/nählich. Nummer eins, Nummer zwei und so weiter. Ich habe sie numeriert. Das hat e r nicht getan, der Windhund. Darf ich beginnen. Zuerst hat er geschrieben: Chikago Jll., 26. 8., und daneben hat er eine Palme gezeichnet, in die ein Affe hinauf- klettert. Die Sonne sitzt darüber wie ein glühendes Zahnrad. Der Affe, denke ich mir, soll ihn selbst vorstellen...." „Wenn wir Kopenhagener Witze haben sollen, dann gehen Frau van Haag und ich," sagte die Mutter scharf. „Und die Palme stellt dich vor...." „Ich mache mir weder etwas aus Unverschämtheiten noch aus Schmeicheleien, von denen nicht ein Wort ernst ge- meint ist." „Teure, geliebt« Eltern, Brüder und Schwestern, Hund Phylla, Freunde und Verwandte von nah und fern, die meiner noch im alten Lande gedenken! Herzlichen Dank für den Brief. Doch möchte ich euch bitten, stets daran zi�enken, außen meinen neuen Namen Jimmy draufzusthreibV, wie ich jetzt heiße, da der alte Sioert hier drüben nicht fünf Cent wert ist. Sonst ist alles all right. und es ist nichts geschehen, was des Berichtens wert wäre. Ich halte mich dicht an den lieben Gott. Man soll schon lernen. ein frommer Mensch zu werden, wenn man in diesem großen Lande allein stehen muß, in dem, wie qeschrieben steht, Milch und Honig fließen. Schon um drei Uhr morgens fahre ick mit ersterer los. Mein Pferd ist ein Maultier. Ich muß selbst anspannen, und eines Tages biß es mich in den Arm. Aber �es war Sonnabend, und als Thompson— der Milchmann— der Methodist ist, in der Kirche war, bombardierte ich es mit Maiskolben, und Tompson, der sah, daß es schwitzte und a"«iKU'fl. sobald sich jemand näherte, glaubte, es hätte den Koller nnd gab mir für drei Tage ein anderes, bis es es vergessen hatte." (Fortsetzung folgt.) tzakentreuzler-Terror. Man schiebt vom Autobus ins Publikum. Bei der gestrigen Veranstaltung des Stahlhelms in Neukölln hatte die Polizei mit zirka 200 Schupobeamten und einer Anzahl Berittenen die Hasenheide abgesperrt und nach Schluß der Ver- sarmnlung die Teilnehmer der Veranstaltung— nur 300 Mann— nach dem Untergrundbahnhof und zum Autobus geleitet. Unsere Partei und das Reichsbanner hatten alle Mitglieder gewarnt, sich vor dem Versammlungslokal aufzuhalten. Infolgedessen kam es dort auch zu keinerlei nennenswerten Ansammlungen. Dennoch kam es an anderer Stelle, und zwar in der B l ü ch er- straße, zu einem Zusammenstoß zwischen Stahlhelmern und Zivilisten. Vmn Oberdeck eines Autobus, der dicht besetzt mit Stahlhelmern war, wunde an der Blücherstrahe Ecke Urbanstraße auf dort stehendes Publikum«in Schuß abge- feuert. Die Zivilisten eilten dem Autobus nach, brachten ihn zum Stehen und wollten den Schützen feststellen lassen. Die Stahlhelmer drängten jedoch aus dem Autobus heraus, erzwangen sich mit vorgehaltenem Revolver Platz und noch ehe die herbeieilende Schupo die Verfolgung der Stahlhelmer aufnehmen konnte, waren vier Mann, unter ihnen der Schühe, nach der Tempelherrenstraße zu entkommen. Die Polizei konnte noch vier Stahlhelmer verhaften. Es ist das nun der zweite Fall in einer Woche, daß Hakenkreuzler von der Schußwaffe Ge- brauch machten. Diese Zustände sind nicht mehr zu ertragen. Die Geschworenen erhalten keine Antwort. Der-Z?all Marschner. An dem Fall des Landgerichtsdirektors Marschner, den wir unseren Lesern bereits dargelegt haben, ist besonders bemer- kenswert die�Nichtbeantwortung der Beschwerde zweier Geschworener gegen diesen Richter. Zu dieser Nicht- beantwortung wird von zustandiger Stelle erklärt, daß die Ein- gäbe der beiden Geschworenen sofort vom Landgerichtsdirektor Marschner den beiden richterlichen Beisitzern des Schwur- gerichts und dem Stellvertreter des Landgerichtspräsiden- ten in Berlin-Moabit zur Kenntnis gebracht und mit ihnen er- örtert worden sei; von der in Aussicht genommenen und bereits entworfenen Antwort an die belAen Geschworenen habe Land- gerichtsdirektor M a r s ch n e r jedoch mit Rücksicht auf die Angriffe in der Oeffentllchkeit einstweilen Abstand genommen und es bestehe auch nicht die Absicht, irgendeine Slenderung an dem Geschäftsgang vorzunehmen. Es liegt also folgender Tatbestand vor: Zwei Laienmitglieder eine» Gerichtshofes fühlen sich durch das Vorgehen des Gerichts- Vorsitzenden in ihrem Gewissen bedrückt und beschweren sich dar- über. Weil aber dieses Vorgehen den Gegenstand einer Kritik in der Presse gebildet hat, unterläßt man die Anwort an die Beschwerdeführer! Sieht das nicht bedenklich nach Richterdünkel aus? weltliche Schule in»Prenzlauer öerg�. Im Verwaltungsbezirk Prenzlauer Berg wurde von der Freien S ch u l g e m e i n d e, die für die Schaffung der dort noch gänzlich fehlenden welllichen Schulen mit großem Eifer arbeitet, am Moinag wieder eine Werbeversammlung veranstaltet. Sie war von Eltern aus der Bevölkerung des Bezirks gut besucht, aber die angeblich christlich-unpolitischen Gegner, die in Flugblättern die Elternschaft vor der weltlichen Schule warnen, waren nur in geringer Zahl vertreten. Aus dem zur Versammlung eingeladenen Kollegium der IS. G e m e i n d e s ch u l e in der Kastanienallee, das gleichfalls mit einem Flugblatt in den Kampf gegen die weltliche Schule ein- gegriffen hat, chatte nur ein einziger Lehrer soviel Mut aufgebracht, sich einzufinden. Der Vortragende, Oberstudiendirektor Genosse Dr. Müller- Potsdam, der über„Bekenntnisschule, Schulreform und Arbeiterschaft" sprach, beklagte, daß in der Bevölkerung die Teilnahme an Schulfragen meist nicht groß ist. Es ist, führte er aus, ganz falsch, Schulsragen abzutun, wie wenn das nur„Schul- meisterfachen" seien. Die S ch u l e ist ein Mittel, den Nachwuchs in die Volksgemeinschaft einzuordnen, darum ist sie eine Angelegenheit von höchster politischer Bedeutung. Das werden wir in der weltlichen Schule erreichen, daß die Eltern- schaft ihre gegenüber Schulfragen bisher bekundete Gleichgültigkeit ablegt. Genosse Müller zeigte dann den Widerspruch, der zwischen dem Bekenntnisunterricht der alten Schule und den Tatsachen des Lebens klafft. In der weltlichen Schule wird die geiftige und sittliche Welt des Kindes sich aus dem modernen Leben entwickeln und aufbauen. Unsere weltliche Schule will es sich nicht länger gefallen lassen, daß sie nur geduldet ist. In dem kommenden Reichsschulgesetz, um das noch ein harter Kultur- kämpf entbrennen wird, muß die weltliche Schule als die Norm anerkannt werden und die alte Bekenntnisschule ist höchstens noch als Ausnahme zuzulassen. Dann wird auch der Name„Sammel- sckule", den ein Boeiitz der weltlichen Schule angehängt hat, ver- schwinden müssen. Die weltliche Schule will nicht nur die Beseitt- gung des Religionsunterrichts, die keineswegs schon einen Kampf gegen die Religion bedeutet. Sie will, was die Bekenntnisschule nie war u�d nie sein konnte, eine Lebensschule werden. Diese Schule auszubauen, muß die Arbeiterschaft ihre ganze Kraft einsetzen. (Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wurden diese Ausführungen von mehreren Rednern noch unterstrichen. Auch Konrektor S k u p i n, das einzige zur Versammlung gekommene Mitglied des Lehrer- kolleaiums der IS. Gsmeindeschule, nahm das Wort. Das Kollegium als solches sei, versicherte er,„nicht politisch eingestellt". Aber er gab zu. daß ae in der Mehrheit nicht für die weltliche Schule ein- tritt. Nun, das wird— die Herren dürfen davon überzeugt fein— die Arbeiterschaft in Prenzlauer Berg nicht hindern, auch hier welt- liche Schulen zu schaffen. Bisher sind im Bezirk schon über 1000 Kinder zur Aufnahme in die weltliche Schule ange- meldet. Damit kann man zu Ostern schon ein paar Schulen füllen, aber die Meldungen werden sich noch weiter mehren, dafür wird gesorgt werden. Im Schlußwort richtete Oberftudicndirektor Genosse Müller besonders an die Frauen die dringende Mahnung, sich vom Einfluß der Kirche zu befreien und m i i j u h e l f e n in dem -Ka mps um die weltliche Schule. Der welllichen Schule gehört die Zukunft! Sozialistische Arbeiterjugend Grofz-Bcrlin Jungsozialistische Vereinigung(xro£'Berlin Freilag, den 3. Dezemb., abend» rVjUhr Großer Saal„Nene Well", Hasenheide RnndiundenSdinnd Miiwirkende; Hans Rdmann/ Erich Welnert/ Günther Plaui/ Spielgemeinsdialt der Berliner Sozialistischen Arbeiterjugend und Jungsozialisten/ Das Trommlerkorps„Wild-West"/ Die Jazzband„Immer feste druff 1"/ Der„Leterkasienmann vom Kietz",— Einlaßkarte 0.50 M. Weil sie so sehr nett war. Eine kleine Enttäuschung bereitet««in weiblicher Gast einem hiesigen Hotel am Anhalter Bahnhof. Hier stieg eine hübsche junge Dame ab, die sich„Auguste Voerse aus Wien" nannte und in der Tat den Eindruck einer lebenslustigen feschen Wienerin machte. Sie brachte zwar nur einen Handkoffer als Gepäck mit, aber man schenkte ihr volles Vertrauen, weil sie so sehr nett war. Der Schein trog. Der. Gast war nicht so unschuldig, wie chre ganz« schneeweiße Kleidung, Hut, Mantel, Pullover und Rock. Zwei Tage lebte „August« Voerse" auf Kosten des Hotels. Sie ging vor- und nach- mittags und auch abends aus, angeblich, um Besuche zu machen. Dann kam sie nicht wieder. Jetzt entdeckte man, daß sie zum letzten Ausgang alle Bettwäsche, die Handtücher und auch noch die Tischdecke aus ihrem Zimmer heimlich mitgenommen hatte. Der Händkoffer, dessen Inhalt man als Unterpfand für die Kreditgewährung betrachtet hatte, enthielt nur zwei Pflaster- st e i n e und ein Exemplar einer Berliner Zettung. Der Prozeh Jürgens kommt nach Berlin. Dem Reichsgericht mar die Entscheidung der Frage ~'* Ehe- der habe. Die kommende Mückenbekämpfung hat ein außerordentliche» Interesse erweckt. Zahlreiche Anfragen und Ratschläge gelangen täglich an das Hauptgesundheitsamt. Es ist unmöglich, sie alle zu beantworten, so wertvoll die Vorschlag auch im einzelnen sein Die Grüne Heimat hatte zu Sonntagabend im Lehrervereins- haus für die Mitglieder und Freunde der Fahrten ihres Kabinen- fchiffes„Baldur" einen Gesellschaftsabend veranstaltet. Wie der Geschäftsführer der Grünen Heimat Herr W e r r e s in seiner launigen Ansprache ausführte, setzen sich die Mitglieder und Freunde aus den verschiedensten Gesellschaftsfchichten zusammen, die aber alle verbunden sind durch die. große Liebe zur märkischen Heimat und durch die Begeisterung �ür ihren„Baldur", der außer den Wochen- endfahrte?t und den größeren Fahrten, die ihn u. a. sogar einmal bis ins Stettiner Haff gefühn hatten, auch 22 000 Berliner Schul- kindern durch Schulfahrten unvergeßliche Eindrücke verschafft hat. Wie stark die Begeisterung ist, konnte man aus den von Herrn Werres vorgetragenen sehr lusttgen gereimten Ergüssen aus dem zoldenen Buch des„Baldur" sehen.— Der Abend erhielt eine be- ondere Note durch Resi Langers Mitwirkung. Die Künstlerin ließ ihrem kecken Uebermut die Zügel schießen, und die Leute lachten, daß die Wände wackelten. Auch Marianne Geyer trug mtt Loutenliedern und Hans Balder mit Schelmenliedern zur Er- heiterung der Gäste bei. Der Berliner Mozarl-Zugendchor. ein Gesangverein für S ch u l- linder, der vor fünf Iahren entstand, gab am Sonntag bereits sein 2 S 0. K o n z e r t. Er besudst alljährlich in der Zeit vom Früh- fahr bis zum Herbst in den Schulferien größere Städte der ver- schiedenen Teile Deutschlands und veranstaltet dort Konzerte, deren Erträge die Kosten der Reisen decken müssen. Aber auch in Berlin hat er sich schon mehrfach hören lassen. Zu dem 250. Konzert, das als Festkonzert im großen Saal der staatlichen Hochschule für Musik veranstaltet wurde, hatte sich eine zahlreiche Zuhörerschaft ein- gefunden. Der Chordirigent Lehrdr Erich Steffen hat' die hundert- köpfige Schar der acht- bis vierzehnjährigen Jungen und Mädel so tüchttg geschult, daß sie auch schwierigere Aufgaben mit gutem Ge- lingen löst. Die jugendlichen Sänger und Sängerinnen ernteten für ihre schönen Leistungen den verdienten Beifall. Dem Chordirigenten wurde ein Blumenkorb überreicht, den man alsEhrungfürden ganzenChor gelten lassen konnte. In dem Konzert wirkten zwei Künstler mit, Konzertmeister Stefan Fr e n k e l(Violine) und Walter Bermel(Klavier). Mit Werken von Beethoven. Kreisler und Smetana entfesselten sie Beifallsstürme. Sprechchor für proletarische Aeierslundkn. Donnerstag, abends TL Uhr pünktlich, in der Aula der Sophienschule, Wcinmeistcrstraße IS/17, UedungSstunde. Sind der Funkstunde die Themen für Vorträge aus- gegangen? Warum verlängert sie eigentlich das Nachmittags- tonzert um eine Stund« auf Kosten der Referate? Eine Ueberflüssig- keit, besonders, wenn es sich, wie in dieser Woche, nur um Unter- Haltungsmusik handelt. Allerdings halten die Leistungen der Kapelle Gebrüder Steiner Niveau. Rein und temperamentvoll wird die zweite ungarische Rhapsodie von Liszt gespielt, klar in den Figuren, gestrafft im Tempo, und Dvorak, Liszt, Moczkowsii, Svendsen und Grieg lassen belanglose Steps übersehen. Doch das Programm bringt zuviel Musik. Am Abend folgt ein hervorragendes Mozart-Konzert. Szell spielt die Iupitersinfonie, und Lotte Schöne singt Arien mit ihrer süßen und reinen Stimme und meistert schwie- rige Koloraturen. Leider zeigen die V o r t r ä g e in ihrer Zu- sammenstellung eine ermüdende Gleichförmigkeit. Wes- halb drei geisteswissenschaftliche Referate unmittel- bar hintereinander? Man rechnet damit nur mit einem bestimmten Hörerkreis, während man sich an alle wenden müßte. Man könnte zwischen zwei Vorträge, die künstlerische und kulturelle Dinge be- handeln, vielleicht einen technischen oder nattirwissenschastlichen ein- schalten. An sich bringen die Vorträge Wertvolles. Werner M a h r h o l z charakterisiert in der vierten Folge der„Strömungen der modernen Literatur" mit knappen, wenn auch nicht für alle ver- ständlichen Worten die dunklen und problematischen Dichtungen Momberts, Däublers und Scherbarts, und Dr. Otto E r h a r d t, Stuttgart, geht im ersten Teil des Zyklus„Zeitgeist und Oper" ein- leitend aus die Gründe ein, die den augenblicklichen Tiefstand der deutschen Opernbühnen veranlaßten: Inflation, gesellschaftliche und geistige Umschichtung, gesteigertes Interesse cm Sport und Technik sind die Hauptmomente. im Berliner Rundfunk über das Thema„Kampf den Mücken! hatten wird. Von den holländischen vereinen. Am 5. Dezember feiert die „Nederlandsche Vereenigung Hollandia" das Niklasfest im Hotel Deutscher Hof, Luckauer Straße.— Ueber die andere Vereinigung. „Nederland an Oranje", war in unserem Artikel„Der Holländer in Berlin" fälschlich gedruckt worden, daß der Verem das Standes- bewußtsein(statt S t a m m e s bewußtsein) pflege, was hiermit be- richtigt wird. Von holländischer Seite wird uns ferner ergänzend mitgeteilt: In Berlin existiert seit etwa zwei Iahren noch ein dritter hol- l ä n d i s ch e r Verein, der sid) Kegelklub„H o n d t Plank nennt. Diesem gehören etwa zwanzig Mitglieder an, und d>e Sitzungen werden jeden Donnerstag in Schöneberg, Kaiser- ririedi ich- Straße 19. abgehalten. Seit Bestehen des Klubs findet alljährlich eine St.-Nicolas-Feier statt, an welcher sich eine Bescherung an- schließt. Der erste Vorsitzende des„Hondt Plank" ist Herr W. R. Ziekenoppasser, Schöneberg, Hauptstr. 135. Der Klub ist dem Niederländischen Bund in Deutschland angeschlossen. Da» Fest der»olberen fodjjfi» ftinl am 2. Dezember d-Z Ehepaar Friedrich und Johanna Borowsli, Gerichtslr. 2(5. Zusammenstoß zweier finnischer Flugzeuge. Bier Flieger soforl toi. Helslugfor». 30. November.(TU.) Zwei finnische Flug. zeuge stießen im dichten Nebel zusammen. Die Flugzeuge stürzten aus einer Höhe von 200 Nietern ab. Die vier Flieger sandcn den sofortigen Tod.— Lei w i b o r g passierte ein ähnliches Unglück. Dort stürzte ein Flugzeug infolge eines Molordefettes von beträchtlicher höhe herab. Das Flugzeug ging in Trümmer, der Flieger konnte gerettet werden._ Großfeuer in üer Magüeburger Aitaüelle. 7 Feuerwchrlenle durch Stichflammen verlebt. In dem ehemaligen Gewehrhaus der Zitadelle von Magdeburg, in dem zurzeit«in« Tischlerei, ein« Lackiererei und eine Bootsbauerei untergebracht sind, kam in der Nacht zum Dienstag Feuer aus, das sich außerordentlich schnell ausbreitet«. Bald darauf ergriff das Feuer auch einen danebenliegenden Schuppen, in dem große Fässer mit Benzin lagerten, die alsbald explodierten. Der sofort entsandte Löschzug konnte bei seinem Eintreffen an der Brandstelle an den Fenstern der Südfront des Gebäudes Flammen herausschlagen sehen. An der Nordseite drang aus den Fenstern dichter Rauch. Sofort wurden in richtiger Erkenntnis der Gefahr für das ganze Gebäude die Züge der Feuerwehren Sudenberg. Neustadt und Buckau zur Untrstutzung auf die Brandstätte gerufen. wo sich das Feuer m kürzester Zett mit ungeheurer Wut, durch große Mengen leicht brennbarer Stoffe genährt, s a st auf die ganz« West Hälfte des riesigen Gebäudes aus- gedehnt hatte. Unter äußersten Gefahren war zuerst oersucht worden, den Brand von innen zu bekämpfen. Nachdem sieben Feuerwehrleute durch Stichflammen verletzt worden waren, darunter ein Wehrmann und ein Ingenieur schwer, und wiederhott dumpfe Detonationen das Vorhandensein von Mi- neralölen anzeigten, konnte diese Kampsweise ohne weitere Geiähr� dung picht fortgesetzt werden. So erfolgte der Angriff mit den nach und nach eingesetzten 17 Schlauchleitungen durch die großen Fenster,/ Es gelang, den östlichen Teil des Gebäudes zu halten. Bis gegen fünf Uhr früh wurden allein 25 000 Kubikmeter Wasser in die»randstelle geworfen. Die B r an dur sa ch e könnt« bisher noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Hauptträgerin des Schadens ist das Reich als Eigentümerin des Gebäudes. Der Schaden läßt sich auch noch nicht annähernd übersehen. Hochwasser der Spree. Kollbus, 30. November. Die Niederschläge der letzten Wochen haben der Spree wieder Hochwasser gebracht. In verschiedenen Orten stehen bereits die Keller unter Wasser. Die Umgebung von Radewiese bis Iänfchwalde gleicht wie im Frühjahr einem großen See. Durch den starken Druck der Wassermassen des Lugk-Kanals wurde hinter der Wormlager Brücke der Damm durchbrochen, den Bemühungen der Einwohner gelang es jedoch, den Damm wieder zu schließen. Abschluhzahlen der Gesolei. Im Vordergrund der letzten Stadtverordnetenversammlung in Düsseldorf stand eine große Rede des Oberbürgermeisters Dr. Lehr über den vorläufigen Absdstuß der„Großen Ausstellung", über die Kosten der Dauerbauten und über den Stand der Finanzen der Stadt. Danach schließt die„Große Ausstellung" ohne Defizit ab und trägt sich selbst. Die Gesamtausgaben bezifferten sich auf 10 6 9 0 0 0 0 Mark, die G e s a m t e: n- nahmen auf 11 051 000 Mark. In dieser Position seien die Eintrillsgelder für die„Große Ausstellung" in Höhe von 5 526 000 Mark aufgeführt. Insgesamt sind etwas über 4 Millionen Eintrittskarten oerkauft worden. Sieben Todesopfer der Schlagwetterexplosion. Hamm, 30. November.(TU.) Von den bei der Schlagwetter- «xplosion auf Zeche„de Wendel" schwer verletzten Bergleuten ist heute noch ein Bergmann seinen schweren V e r l e tz u n- gen erlegen. Der Zustand eines weiteren Bergmannes ist derart, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. 140 000 Mark Sfeuerstrase gegen einen Kohlenschleber. Das Finanzamt Duisburg hat soeben die e r st e Strafe gegen Kohlenschieber erlassen. Einer-dieser Strafbefehlc lautet auf 140 000 Mark, em anderer auf 47 000 Mark. »s«lsv88el>isg, Kew8cl»Sden , aucb veraltete Wunden. Hautjucken und Flechten hellt die milde und wohltuende, seit 100 Jahren bewährte San..Rat D'. S rnhl's Haussalbe. Original-Dose ä M. 1.25, 2.50, 130 versendet spesenfrei BIcfanteo-Apotheke, Berlin SW. 19 Leipziger Straße 74, am Dönhoffplatz Äev Vv A AV..> liSLöKM AWiii:■ w': GejunöhM uuft über gi&älqwuditew. iMatlängccb iTt�tvlci;H Uhr, in Schneiders Hotel. Kloster- Ecke Königslrasse, zu einer Besprechung.— Tiergarten: Kameradschaft Hansa Mi., d. 1.. Kameradschoftsversantmlnng bei Berger. Kameradschaft Stephan Mitql.-Bers. am Fr., d. 3., 8 Uhr, bei Hübner, Wilsnacker Str. 34.— Friedrichshai»: 4. Sektion Fr., d. 3., 7ZH Uhr. bei Busch. Tilstter Str. 27.— Ptenzlanee Berg! Kameradschaft Balkon Do., d. 2., 8 Uhr, Monatsversammlung im Altersheim Danziger Str. 62.— Krcuzberg: Mi., d. l., 3 Uhr, Bersammlung der Abt. 11 bei Ewald. Skalisscr Str. 126. — Kreuzberg! Kameroden, die nicht zum Badeabend geben, beteiligen stch am Do., d. 2.. 7V» Uhr. an der Kundgebung der Repirblikanischen Union in der Stadthalle.— Prenzlauee Belg: Da., d. 2.,-�7 Uhr. Bezirksamt mit Fahnen und Mustk.— Reulölln.Briss: 1. Kameradschaft: Die Eiutragung für die Weib» nachtsbescheruna am 11. Dezember ist bei den Gruppensührern bi- späteste», Do. abend« zu vollziehen. Alter und Anzabl der zu bescherenden Kinder an- geben, ebenso stnd die Svenden dorthin abzuführen.— Ltchtenberg nebst Unter. grvppeu: Sämtliche Zug. und Ortsgruppenführer Sitzung bei Krüger Mi. d. l., 3 Uhr. Die Billett» von der Funkhalle stnd dort abzurechnen.— Fichtenau: Do., d. 2.. 3 Uhr, im Restaurant Lindenhof Monatsversammlung. Brieftauben liebhabe ro«: ein Bleibtreu verastaltet an den drei Weihnachts- feiertagen eine stresse Brieftaubenschau im Restaurant»Bahnschlösschen", In» validen- Ecke Heldestrasse. Berliner Handwerierverein. Mittwoch, 1. Dezember. 8 Uhr, Sophle»- strasse 18 Bortrag von Lehrer«Ifted Boigt:»Mein« Reiseerlebnisse in Spanien 1926". Mit Lichtbildern. »er««- de« Freideirler für Feuerbestattung. Steglitz.«ortragszstksus Donnerstag, 2. Dezember. 7Z1 Uhr. Realschule Floeastrosse. Genosse Dlnkler spricht über:..Proletariat und Kirche". Gäste willkommen. ««band Bolksgesundbei«. Orteoereiv Berlin. Donnerstag. 2. Dezember, 8 Uhr. Schule Ifklandstr. 9. Genosse Dr. Liltwiti spricht Uber.., Sportschäden'. Frcic Aussprache,»äste heizlich willkommen. Freitag Zugeudgruppe Schule Sosslerltr. 61 Brettspiclobend. mottet Vetvei-Hut �jSO K SMdiet Seiden- preisen ohne Aufschlag verkaufen vir gegen 1U Anzahlung und 3 Monatsraten, bei Käufen von tOO Mark an '/,« Anzahlung und 5 Monatsraten. Ungenierter Kauf wie in jedem großen Kaufhaus. Erst nach erfolgtem Kauf hat sich der Kaufer auszuweisen. Selbstfabrikation der gesuchtesten Artikel in Dörnen-, Herren-, Kinder-Konfektion, W&sche und Schuhwören ermöglicht unsere billigen Preise. In unseren Schau fenstem ist Jeder Gegensiand mit Preis ausgeseidinet Cin Vergleich mit anderen Geschäften Oberzeugt Sie von unserer Billigkeit Moderner Hut Wo!/». gesteppt Domen- Herren- Kinder- Konfektion eigene Fabrikation 49.- Fesches Ripskleid Einsatz and Blenden In den Falten feinfarbig Ääw-YO50 «Ukarcf rtJLSr "Jonmsju.Co. 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Heilage öes Vorwärts Mittwoch, 1. Dezember 1H26 Der Kampf um öen Zuckerzoll. Vorschläge des Reichswirtschaftsrats.— Unsere Forderungen. Der Reichswirtfchaftsrat hat der Reichsregierung empfohlen, den Antrag des Derems der deutschen Zuckerindustri« auf Verdoppelung des Auckerzollez abzulehnen. Er hat jedoch der Regierung angeraten, durch geeignete Maßnahmen dafür zu sorgen, baß ein Durchschnittspreis für Zucker aufrechterhalten werden kann, der dem Rübenbauer«inen Preis für die abgelieferten Rüben sichert, der den Anbau auf die Dauer lohnend gestaltet. Zu diesem Zwecke soll« die Regierung erstens«in« mäßig« Zollerhöhung, die mit dem 31. Oktober 1SZ0 spätestens rückgängig gemacht werden soll, um höchstens bis zu 5 Mark pro Doppelzentner vornehmen und zweitens die Zuckersteuer um den Betrag der Zollerhöhung ermäßigen. Leider wird das Reichsernährungsminlstertum diesen Vorschlag sich nicht so zu«igen machen, wie er gedacht ist, sondern eine Zollerhöhung um 5 M. pro Doppelzentner b« a n- tragen. Ein« solche Zollerhöhung muß im gegenwärtigen Augen. blick unerträglich erscheinen. Di« Zuckerprels« haben in der letzten Zeit«in« außerordentliche chöh« erreicht. Ei« stehen erheblich über 20 M. Wie wir neulich bereit» ausgeführt haben, er- wanet die Zuckerindustrie selbst für dieses Jahr«in befriedigendes Ergebnis. Es ist unbestritten, daß im vergangenen Betriebsjahr die Zuckerpreise unzureichend waren. Der Grund hierfür lag sreilich nicht nur darin, daß die Preisgestaltung am Weltmarkt ungünstig war: vor allem konnte sich die Industrie nicht rechtzeitig zur Aus- Nutzung des ihr gewährten Zolles von 10 M. pro Doppelzentner einigen. Seitdem dies gelang, haben die Zuckerpreif« im ganzen«in« Höhe erreicht, die der Industrie«in Auskommen gut ermöglicht hätten. Der Reichswirtschaftsrat hat es nicht für notwendig gehalten, anzugeben, wie hoch ein auskömmlicher Zuckerprels fein müßte. Es ist jedoch nicht schwer,«inen solchen auskömmlichen Preis festzustellen. Im letzten Borkriegsjahr betrug der Groß- Handelspreis für Weißzucker im Durchschnitt 11,70 M. pro Zentner. Da man damals allgemein rechnete, daß 8 Proz. dieses Preises einem Zentner Rüben zukämen, d. h. knapp OS Pf., und 1913— 1914 von einer Notlage der Zuckerinduftri« kein« Red- sein konnte, so bedeutet dies, daß bei einer etwa SSprozentigen Kostensteigerung in der rüben- bauenden Landwirtschast ein Rübenpreis von 1.4S M. als ein aus« reichender Durchschnittspreis für die Zuckerrüben angesehen werden kann. Di« Kosten für die Herstellung eines Zentner, Zucker betrugen etwa 2, SO M. Dies« Kosten dürsten sich heut« n 120 Proz. gesteigert hoben, d. h.. sich heut« aus Die Kosten für die Raffination de» Zuckers werden sich im ungünstigsten Fall auf 3, SO M. pro Zentner stellen. Demnach ist als«in auskömmlicher Zuckerpreis«in Weißzuckerprei» von 1S.4ä M. zu betrachten. In diesem Jahr betrug der Weißz uckerp reis im Durchschnitt de» September 19,13 M.. im Durch- schnitt de, Oktober 19,67 M., im Durchschnitt des November über 20 M. Er bewegte sich also ständig über dem Preis«, der im Interesse der rübenbauenden Landwirtschaft als notwendig angesehen werden muß. Für die Erhaltung eines ausreichenden Rübenpreises ist also ein« Zollerhöhung zurzeit und für dies« Kampagne nicht notwendig. Als weitere Hilfsmaßnahmen hat der Reichswirtschaftsrat ein« Ermäßigung der Zuckersteuer vorgeschlagen. Würde«in« solch« Ermäßigung der Zuckerindustrie einen Inlandsabsatz verschaffen, der jeden Export überflüssig machte, so könnten pro Zentner Zuckerrüben 10 Pf. mehr gezahlt werden, als zurzeit möglich ist(im ganzen jährlich 20 Millionen Mark). Um«ine solch« Ausdehnung des Verbrauches zu erreichen, ist freilich mindestens die Mckkehr zum V o r t r i« g s st« u« rsa tz von 7 M. Zentner erforderlich, d. h.«in« Verminderung der gegenwärti Besteuerung de, Zuckers um ein Drittel. Ein« solche Herabsetzung pro nwärtigen ist mit Leichtigkeit dann möglich, wenn man sich endlich zu einer aus reichenden Besteuerung de» Branntweins entschließt. Während der deutsche Zuckersteuersatz rund 140 Proz des englischen ausmacht, beträgt der deutsche Branntwein- st euersatznurlOProz. desenglischen. Da» ist nicht nur schlechte Finanzpolitik, sondern«ine unerhörte kulturell« Rückständig. feit, die schon in dem von Ostelbien aus regierten Kaiserreich der Vorkriegszeit den Unwillen nicht nur aller demokratisch Empfinden- den, sondern auch den aller ernsthaften Finanzwirtschastler erregt hat. Ihr« günstige Wirkung kann«in« Zuckersteuerermäßigung nur dann entfalten, wenn ein« Zollerhöhung unterbleibt. Ein« wichtige Forderung hat der Reichswirtschastsrat nicht in sein Programm aufgenommen. Der Weltzuckermarkt ist gekenn- zeichnet durch da», was man den Kamps zwischen Rüben- und Rohrzucker zu nennen pflegt. Di« Rüdenzuckerländer trieben aus Grund übermäßig hoher Zölle und anderer Unter- stützungen, die ihnen ihr« Regierungen angedeihen ließen,«in rück- sich:slosts Dumping und drückten so den Welszuckerpreis herab. Dieser Zustand ist auch heut« für die Loge am Wellzuckennarkt bezeichnend. Während die Rohrzucker lönder dazu übergegangen sind, die Pro- duktion einzuschränken, um«in Sinken des Zuckerpreises unter ihre Selbstkosten zu verhindern, erlauben hohe Zollsätze den Zucker- mdustrien der Rüdenzuckerländer, Dumping zu treiben. Demgegen- über müßt« es Aufgab« der deutschen Regierung sein, deren Reichswirtschaftsminister sich wiederholt für international« Der- einbarungen ausgesprochen hat. für«in« Vereinbarung der mittel- europäischen Rübenzuckerproduzenten in der Richtung eines wlernaüonalen Prämien- und Zollabbau» energisch«inzutreten. Dies« Bereitwilligkeit der Ministerien zu internationalen Bereinbarungen besteht aber in Deutschland an- scheinend nur dann, wenn die in Frage kommenden Industrien selbst die Initia iv««rgreisen. Di« Regierung betrachtet sich offenbar nur als Sachwalter der Interessenten und wagt«» nicht, gegen ihren Willen vorzugehen. Dennoch müsten wir an der Forderung festhalten, daß von Deutschland her die Initiative zum mitteleuropäischen Zuckerfrieden bald ergriffen wird. Ein« Zollerhöhung im gegenwärtigen Augenblick würde an Stell« eines unserer Meinung nach möglichen Friedens verschärften Kampf bedeuten. Forderungen an die Zuckerinduftri« zu richten. Wir konnten neulich darauf hinweisen, daß einer der größten deutschen Zuckerkonzern« endlich unter dem Druck der Rot des Vorjahres ernsthaft« Rationalisierungsmaßnahmen getroffen hat. Solche Maßnahmen sind in großem Umfang« überoll in der Industrie noch möglich. In chemischer Hinsicht bieten die Betrieb« der Zuckerindustrie nach den Aussagen fast aller chemischer Sachverständiger«in unerfreuliches Bild. Durch Betriebs- Zusammenlegungen sind groß« Ersparnisse noch heut« möglich. Di« Transportvorrichtungen innerhalb der Betriebe der Zucker- industri« entsprechen vielfach noch den Zuständen der Vorkriegszeit, in denen die Löhn« in den Zuckerfabriken aus einem unmenschlich tiefen Niveau standen. Alle diese Dinge hat die Zuckerindustrie in den nächsten Iahren mit größter Beschleunigung in Ordnung zu bringen. Eine Zollerhöhung im gegenwärtigen Augenblick, selbst bei gleichzeitigem Abbau der Zuckersteuer in gleichem Umfang«, müßte aber gerade für die Rationalisierung höchst nachteilig wirken. Ein« Erhöhung des Zuckerzolls im gegenwärtigen Augen- blick ist also überflüssig und schädlich. Darum hoffen wir, daß die übrigen Ressort» dem Drängen des Reichsernährungsministeriums gegenüber standhast bleiben werden. Dos abgemildert« Programm der Zuckerinduftri«, wie es der Reichswirtschaftsrat onge- nommen hat, bedeutet immer noch Interessentenpolitik, Dumping und Kampf von Erzeuger- und Berbraucherinteresien. Unser Pro- gramm bedeutet Entlastung des Berbrauchers, Kostensenkung in der Zuckerinduftri« und international« Verständigung. das Hotelkapktal auf Sem Kriegspsaö. Zum verkauf des Kaiserhofs. Die außerordentliche Generalversammlung der K a i s e r h o f- A.- G. schloß damit ab, daß die Aktionäre die Der- längerung ihres Verkaufangebotes an das Reich ablehnten, ober den Vorstand beauftragten, weiter mit dem Reiche zu ver- handeln, ohne sich jedoch an den bisherigen Preis von 8%. Millionen zu binden. Wester wurde dem Vorstand aufgegeben, mit Preußen und Berlin zu verhandeln und diese beiden Behörden, die so stark gegen die Veräußerung des„Kaiferhofs� Stellung genommen hätten, zu einer Intereffennahme an dem Objekt zu veranlassen. Da» Vorstandsmitglied Arnold bezeichnete das Verhalten der Stadt Berlin als„unerhört. Berlin, dos durch fein« Finanz- Politik das Hotelgewerbe an de» Rand des Ruins gebracht hätte, dürste sich«ine derartige Agitation gegen den notwendigen Ler- kauf des Hotels nicht erlauben. Arnold stimmte einigen Aktionären zu, die sich dafür eingesetzt hatten, die Stadt Berlin regreh- p s l i ch t i g zu machen, wenn sich der Veräußerungsplan zerschlagen sollte. Die Stadt Berlin wird zweifellos einer solchen Eni- jchädigungsklage mit der allergrößten Ruhe entgegensehen. Die ganze Haltung des„Kaiserhos"-Borstandes ist ja nur ein Versuch, aus die Behörden einen Druck auszuüben. Man hatte der Stadt Berlin in der vergangenen Woche den„Kaiserhof" z u einem beträchtlich höheren Be trage als dem Reich angeboten. Die Stadt Berlin hat das mehr als auf- fällige Anerbieten glatt abgelehnt. In den Kreisen der Groß- oktionäre der Gesellschaft scheint man nun mit allen Mitteln ver- suchen zu wollen, doch einen Verkauf zustande zu bringen. Es ist diesen Herren außerordentlich viel an einer„Rationalisierung" ihrer Konzernbetriebe gelegen, d. h. sie erwarten, daß noch Abstoßung des„Koiserhoss" ihre anderen Hotels mit 100 Proz. besetzt werden. Man kann den Herren nur raten, daß sie jetzt, wo sie ihre Felle bei der Haltung verschiedener Reichetagssraktionen fortschwimmen sehen, ihre privatwirtschastlichen Interessen ohne Ausfälle gegen Behörden, die«in öffentliches Interesse vertreten, geltend machen. Die Stadt Berlin steht mit Recht auf dem Standpunkt, daß es die Sache des Hotelkapitals ist. dafür zu sorgen, daß die Hotel- betten belegt werden._ vie neuen Zwekmonatsdilanzen der Sanken. ZVlrtschaflsfördernde vcnkpolitik? Die Bankbilanzen vom 31. Oktober zeigen von neuem, in welchem Umfange die„L e i h h a u» p o l i t i k" unserer Banken, die den Versuch macht, das Bankgeschäft seine» Risikos zu entkleiden und ihm einen monopolistischen Rentenanspruch statt kapitalistischen Profits zu sichern, zu einer ständigen Fehl- l e i t u n g von Kapitalien in allergrößtem Ausmaß führt. Die Einlagen haben sich bei 6 Berliner Großbanken innerhalb von zwei Monaten um 415 Millionen Mark vermehrt. Das ist der größte Einlagenzuwach», der feit der erneuten Verösfent- lichung der Zweimonatsbilanzen zu verzeichnen war. Von diesem Zuwachs find wieder über 35 Proz., über 153 Millionen Mark, von den Berliner Banken der Spekulation an der Börse zu- geleitet worden. Damit haben die von den sechs großen beut- fchen Aktienbanken der Börse gegebenen Kredite am 31. Oktober die Höhe von 628,1 Millionen gegen 473 Millionen am 31. August erreicht. Dieser mehr als ZOprozentigen Steigerung der Börsenkredite entsprach in den Monaten September und Oktober eine durchschnittliche Steigerung der Börsenkurse um 20 Proz. Während die Börsenkredite am 28. Februar 1925 noch nicht 1.7 Proz., am 31. August 1920 schon 11,5 Proz. der von sechs Großbanken gewährten produktiven Kredite ausmachten, hatte sich. dieses Verhältnis am 31. Oktober noch verschlechtert; die Börsen- kredite mochten an diesem Tage 14,1 Proz., fast genau ein Siebentel der von den sechs Banken gegebenen produktiven Kredite aus. Typisch für die ausschlaggebende Rolle, die die Bcr- liner Großbanken und ihre Kreditpolitik an den deutschen Börsen spielen, ist die Tatsache, daß bei den P r o v i n z b a n k e n die Börsenkredite nicht so hoch sind wie bei den Berliner Instituten. Nicht nur das Anschwellen der Börsenkredit« kennzeichnet die Bankbilanzen. Auch die Leihhauspolitik, die Politik, die auf m!t Sicherheiten überdachte Kredite hält und kein Kredit- risiko auf sich nehmen will, findet von neuem drastischen Ausdruck. Am 31. Oktober 1925 machten die sogenannten ungedeckten Debi- toren der sechs Berliner Großbanken über 20 Proz. ihrer Einlagen aus, am 31. Oktober 1926 nur noch 14,6 Proz., während sie selbst am 31. August noch über 15 Proz. der Einlagen in Anspruch nahmen. In dieser Hinsicht scheint e» sreilich bei den Provinz- instituten noch schlimmer zu liegen als in Berlin. Die Besse- rung der Wirtschaftslage vor ollem in der Großindustrie hat sreilich zu einer geringfügigen absoluten Steigerung auch der ungedeckten Kredite geführt. Noch immer bleiben sie jedoch hinter dem Umfange des Vorjahres erheblich zurück. Noch immer hemmen die Sicherheitsforderungen der Banken den Wiederausschwung der Wirtschaft. Seit dem Vorjahr haben allein die Berliner Großbanken weit über H Milliarde deutsches Kapital an die Börse geleitet und der produktiven Wirt- schast entzogen: gleichzeitig haben sie ihr eigenes Kredit- risiko auf ein Minimum beschränkt. Bei den Russen- krediten hat diese Politik anscheinend die Folge gehabt, daß infolge der stockenden Finanzierung jetzt über eine Verlängerung der ge- setzten Frist verhandelt werden muß. Lcbcnshaltungsindcx. Die Reichsindexzisfer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung. Heizung. Beleuchtung, Bekleidung und„sonstiger Be- darf") belauft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reich»- amts für den Durchschnitt des Monats November auf 143,6 gegen 142,2 im Vormonat: sie hat sich fonach um 1,4 Proz. erhöht. Di« innerhalb der Ernährungsgusgaben in der ersten Novemberhälfte für einige Nahrungsmittel eingetretene Preissteigerung ist in der zweiten Monatshälfte größtenteils wieder zum Stillstand gekommen. Die Ausgaben sür Bekleidung sind erneut leicht zurückgegangen. Bei den übrigen Bedarfsgruppen waren nennenswerte Veränderungen nicht zu oerzeichnen. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14— 100) für E r n ä h r u n g 148,2, für W o h n u n g 104.9. für Heizung und Beleuchtung 144.0, für Bekleidung 158,4, für den sonstigen Bedarf einschließlich Berkehr 184,7. Statt Auslosung eine Reichsauleihe. Die Anmeldung des Altbositze» von Reichsanleihen hat bekannt- lich den Betrag von 40 Milliarden Papiermark erreicht. Aus diesen Betrag sind 1 Milliarde Reichsmark Ablösungsonleihe mit Aus- losungsrechten gewährt worden. Innerhalb von 30 Iahren sollte diese Ablösungsonleihe zum fünsfachen Nennbetrog ausgelost werden unter Vergütung bis dahin ausgelaufenen 4�!prozentigen Zinsen. Das Rsichsministenum plant nun eine Veränderung dieser Regelung. Die Anleihealtbefitzer sollen ab 1. Januar 1927 Reichsanleihetitel erhallen, die aus den fünsfachen Betrag, also 12)4 Pro.z. Nominell lauten und mit 4!ü Proz. verzinst werden. Die Auslosung soll wegsallen. Der Gedanke dabei ist, statt der Tilgungsonleihe eine ewige Schuld zu schassen, mit dem Charakter einer ewigen Rente. Da die Anleihebesitzer die neue An- leihe jederzeit zu Geld machen können, kommt es im ganzen auf dasselbe hinaus Für das Reich dagegen ermäßigt sich zunächst die jährliciv! Belastung von 250 auf 225 Millionen, wobei es dem Reich freisteht, zu gegebener Zeit die Anleihe auszukausen. Eine„Perichligung". Zu unserer Glosse„Eigentümliche Mehlzollpropaganda" stellen wir auf den Wunsch des Vereins Deutscher Handelsmüller fest, daß der Wortlaut der von uns in Nr. 561 aus einem Schreiben des Herrn Matti verösfent- lichten Sätze der folgende ist:„Diese Brotvertcuerung ist unseres Erachtens das wesentlichste Argument gegen die Mchlzölle, das immer wieder und nicht laut genug in der Oeffentlichkeit und im Parlament betont werden kann und muß... Daß eine Brot- Verteuerung durch den Mehlzoll in Höhe der Zölle auf jeden Fall eintreten würde, unterliegt keinem Zweifel.... Daß wegen 17 Mühlen eine die ganze konsumierende Bevölkerung tressende Brotstcuer«ingeführt werden sollte, ist vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus unbegreiflich" Da» ist genau derselbe Wortlaut, den wir veröffentlicht haben, bis aus die Zahl(17) der Mühlen, die auch in unserer Quelle fehlle. Der Verein deutscher Handels- müller gibt also die Richtigkeit des Briefe» von Herrn Matti zu. Gegen die kohlenknapphett. Mit der bedeutenden Steige- rung der Kohlenpreise auf dem Weltmarkt hat sich der Kohlenexport zu einer Kohlennot für bestimmte Gebiet« Deutsch- lands ausgewachsen und dem Reichskohlenkommissar die Frage der Kohlenaussuhrsperre nahegelegt. Bon der Berhängung der Sperre wurde zunächst abgesehen. Jedoch wurde die Kohlenousfnhr des Kohlensyndikats zugunsten de» Inlandsbedarfes um 400 000 Tonnen gedrosielt. Diese 400 000 Tonnen werden auf folgende Gebtete verteilt: 150 000 für Süddeutschland, 80 000 für Homburg und Schleswig-Holstein. 60 000 für Ostpreußen. Pommern, Mecklenburg, Provinz Sachsen und Brandenburg und 110 000 Tonnen sür die anderen notleidenden Teile des deutschen Absatzgebiete». Die Verteilung dieser Mengen erjolgt ab 1. D e- zembcr und soll bi» spätestens 15 Dezember beendet fein. Der Reichskohlenkommifiar glaubt, daß mit dieser Menge den genannten Gebieten geholfen ist. :---■ rwcihnichlt« Anseaoli Seiden» Zenelle SchnittorüSe 160x215 ca mit(einster Gtnse- dftan-afulluag. Daune« ca Steppdeeßen Mandarinendaunen 7 ca, Seit SO Jahren die gute DeckbettfOllung, Pfund» I iHalns.LeTanilDe-srA DaDneodedtöD 1.1« 8 feinste Füllunc M. Av w [feinste Füllung M. Fertise Betten Oberbstt. 1 G.r'""" 9.70 Unterbett\ 7.80 Kissen,.J Kr! 3-40 Kandarinenöaunen- Bettwäsche Ohcrbett 20»->»»-» Auig»b« (reise Inlett, toden-' e c�n Hemden!lll,b- threnfsrbij... AS-W» ObSrbetl'MX2D03.95 Kissen psseend.17.90 Kissen wvm. 1.25 Veiten Bettstellen schwant eo. woiQ.m./ug- federmatratze, stark jaod SiWWlaS. Mengen- Rupffedern| Schleißfedern. Pfsad 80 ei 3.20 4.50 5.5C I fttutd 3.50 5.20 7.50">rd«1»tt.n k/äi iDißttß) i.sej itr. S.CO Otertett S.OO Unlerbe. 2.3B niies ir;rau 1 1 rat e 34' 50 Bohebellen mit buntem Bezug — gut gepolstert— Gchaesev nur bn Sfadflialinhol Börse Hilfe für öas befetzte Gebiet! Besatzuttgsnöte vor dem Reichstag. Der Reichstag befaßte fich gestern. Dienstag, vorwiegend mit der Rotlag« der besetzten Gebiete. Lorher wurden mehrere Auf- wertungsanträg« dem Rechtsausschuß überwiesen und der Rachtragsetat des Reichsverkehrsministeriums entsprechend den Ausschußbeschlüssen angenommen. Zum Haushalt des Ministeriums für die besetzten Gebiete und über Maßnahmen zur Linderung der Rot der Krankengeldempfänger berichtet Abg. v. Guärard(Z.) über die Ausschußoerhandlungen. Abg. Böhla(Komm.) bemängelt die mangelhafte Unterstützung der Arbeiter in den besetzten Gebieten. Auch die Beihilfe für die Saargänger müsse erhöht werden. Abg. kirschmmm(Soz.): Ich erwarte, daß für das besetzte Gebiet unter Berücksichtigung der Gefahren, denen die deutsche Bevölkerung im besetzten Gebiet ausgesetzt ist. ingroßzügigererWeisealsbisher gesorgt wird. Aber ebenso selbstverständlich ist es, daß auch Kommunen und Länder sich ihrer kulturellen Aufgaben im besetzten Gebiet bewußt sind und deren Lösung nicht ausschließlich dem Reiche über- lassen. Es kann zugegeben werden, daß die Beamten des Ministe- riums mit außerordentlichem Fleiß die Fragen bearbeiten, die im Zusammenhange mit dem Ruhrkampf zu lösen sind. Wenn ihnen das nicht im vollen Maße gelingt, so liegt das daran, daß der Rahmen, der ihnen gesteckt wurde, zu eng gefaßt ist. Es ist aber jetzt notwendig, zu einem Abschluß zu gelangen, der den früheren Versprechungen gerecht wird. Der beantragten Erhöhung der für die Unterstützung der Saargänger vorgesehenen 5 auf 8 Millionen Mark wird die sozialdemokratische Fraktion zustimmen. Aber auch für die Luxemburggänger besteht die Pflicht der Unter- stützung. Es' handelt sich hierbei um 2000 deutsche Lohn- empfängcr, die nicht im Stiche gelassen werden dürfen. Sie kommen vielfach mit einem Monatsverdienst von 40 M. nach Hause. Es ist daher begreiflich, daß bei manchen von ihnen der Wunsch besteht, durch den Bezug der Erwerbswsenunterstützung sich aus den großen Schwierigkeiten zu helfen, in die sie geraten sind. Wenn nicht«ine großzügige Behandlung der Bevölkerung im besetzten Gebiet Platz greift, dann wird auch die Begeisterung und Liebe nicht vorhanden sein, die von uns gefordert wird. Das Ministerium mag sich darauf berufen, daß es in dem ihm gesteckten Rahmen einen Unterschied zwischen den Gr o h i n d u st r i«- ellen, den Kleingewerbetreibenden und Arbei- t e r n machen muß, und daß es daran nichts ändern kann. Aber auf Grund der Verhältnisse im besetzten Gebiet wird man es immer wieder hören müssen, daß man in großzügigster Weise die Schäden, die die Industrie erlitten hat, mit 700 Millionen Mark abgelöst Hot, während man auf der anderen Seite die minderbemittelten kreise in NeinNchster weise behandelte. Ihr«(zum Minister gewandt) Aufgabe muß es sein, wieder gut zu machen, was in den schwersten Älgen des besetzten Gebietes und den schwersten Tagen der neuen deutjchen Politik versprochen worden ist, das Worte„Treue gegen Treue" zu erfüllen. Das Reich muß denen beistehen, dl« einst zu ihm gestanden haben.(Lebhafter Lei- fall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Dryander(Dnat.) stimmt dem Nachtrogsetat zu. Ahg. Hosmann-Ludwigshafen(Z.): Im Grenzgebiet von Saar ubd Mosel ist die Not ungeheuer groß. Durch die unnatürliche Grenzziehung bei Eupen-Malmedy seien treue deutsche Gemeinden vom verkehr mit dem übrigen Reichsgebiet ..... chnelle Hilfe erforderlii losgerissen worden. Hier sei schnelle'Hilfe erforderlich. Leider seien die von Genf und Thoiry erhofften Erleichterungen bisher ausgeblieben. Abg. Dr. Zapf(D. Vp.) begrüßt die Erhöhung des Fonds für „Kulturelle Fürsorge für die besetzten Gebiete". Das Rheinland fei den Männern dankbar, die die L o c a r n o p o l i t i k gemocht haben, aber bis zur Stunde warte das befetzte Gebiet auf den Sper- ling, den man in Locarno auf der Hand zu haben glaubte. Die Besatzung dauere noch immer fort mit den Pegleiterscheinungen, die nur als rechtswidrige Ueberschreitungen des Versailler Bertrage» bezeichnet werden könnten. Reichsmimster für die besetzten Gebiete Dr. Bell: Mit dem Geist von Thoiry und Locarno ist die Fortdauer der Besetzung des Rheinlandes unvereinbar. Bon den Hoff- nungen, die an die Versicherungen des französischen Ministers ge- knüpft wurden, kann man mit dem Dichter sagen: „Wie weniges hat sich entfallet, Dies wenige wie klein und arm!" Mr haben volles Verständnis dafür, wenn von der anderen Seite Achtung vor der Ehre Frankreichs verlangt wird. Wir müssen aber erwarten, zumal nach unserem Eintritt in den Völkerbund, daß auch wir als eine Kultur Nation gewürdigt werden, und daß man auch jenseits unserer Grenzen nicht vergessen darf, daß auch wir Deutschen eine Ehre haben, deren Schutz wir in vollem Maße für uns in Anspruch nehmen.(Beifall.) Damit ist nicht nur der Fort- bestand der Besatzung, sondern vor allem auch die fremde Gerichtsbarkeit und die Art. wie wir bei dieser Gerichtsbar- keit behandelt werden, schlechterdings unvereinbar. Gerade well wir von der Aufrichtigkeit der Worte Briands voll überzeugt sind, müssen wir erwarten, daß den Worten nun auch endlich Taten folgen. — Der Minister geht dann auf die Hilfsmaßnahmen für die Saar- und Luremburggänger ein und erklärt, daß auf diesem Wege fort- geschritten werden solle. In größerem Umfange soll auch den not- leidenden Kreisen aus Kleingewerbe und Landwirtfchaft im wefllichen Grenzgebiet geholfen werden. Bisher feien dafür von den Ländern 6 Millionen, vom Reiche 3 Millionen zur Der- sügung gestellt worden. Die Erwerbslosenziffer sei im besetzten Ge- biet weit größer als in anderen Reichsgebieten. Zur Linderung der Not sollte die Wirtschaft bevorzugt berücksichtigt werden bei der Vergebung von Aufträgen des Reiches, der Länder und der Ge- meinden. Neben der Staatshilfe fei notwendig auch die Hilf« durch Handel und Gewerbe und Industrie des unbesetzten Gebietes. Un- zutreffend sei die Meinung, daß bei der Ruhrschädenabgel- t u n g die mittleren und kleinen Betriebe der Großindustrie gegen- über benachteiligt worden seien. Die anfängliche Bevorzugung der Großindustrie durch Beschleunigung der HUf« sei nachher wieder dadurch wettgemacht worden, daß das Härteverfahren nur für die mittleren und kleinen Betriebe angewandt wurde. Nur für diese Betriebe sei auch der Härtefonds eingerichtet. Wenn viele Wünsche unberücksichtigt bleiben mußten, so liege das an der Knappheit der vorhandenen Mittel. Sieben Millionen feien bisher aus dem Härtefonds ausgegeben worden, zwei Millionen ständen noch zur Verfügung. Der Erhaltung der Theater im besetzten Gebiet werde besonder« Aufmerksamkell gewidmet. Hierbei sei die Mll- Wirkung der Landesregierungen erforderlich. Die Revision der Ordonnanzen sei eine wichtige Aufgabe des Ministeriums. Der Minister spricht die Erwartung aus, daß die Verhandlungen über das Ordonnanzsystem im Geiste des Vertrauens und der Ver- ständigung zu einer Erfüllung der feiersichen Zusagen in der Rote der Botschasterkonserenz vom 14. November 1923 sichren. Die Ausschreilungen von Angehörigen der Lesahungsarme« haben sich in aufsehenerregender weise gehaust. Nicht weniger als 43 Fälle überwiegend ernster Natur haben die Bevölkerung in tiefe Erregung versetzt. Wir bemühen uns um eine wesentliche Reform der Militärjustiz bei den Verhandlungen über die Ordonnanzen, über die lebhafte Klagen bestehen. Der Fall von Gcrmersheim wird am 20. Dezember zur Verhandlung kommen, und von deutscher Seite wird alles getan werden, was zu einer restlosen Aufklärung erforderlich ist, damit die Tat, die den Tod eines Deutschen und schwere Verletzungen zweier Deutschen zur Folge hatte, ihre gerechte Sühne sindet. Dank und Anerkennung schulden wir der Bevölkerung des besetzten Gebietes für chre un- beirrbar korrekte Haltung gegenüber den Ausschreitungen und An- griffen. Der Minister spricht zum Schluß die Erwartung aus, daß nunmehr auch auf französischer Seite die Einsicht wachsen werde, daß die Besetzung fremden Gebietes mit einer Polllik der Ver- ständigung unvereinbar fei. Abg. Dr. Zörissen(Wirtsch. Vgg.) bedauert gleichfalls, daß die Hoffnungen von Genf und Thoiry enttäuscht worden seien. Abg. Dr. Bayersdörser(Bayr. Dp.) wünscht eine stärkere Be- rücksichtigung des Mittelstandes im besetzten Gebiet, ins- besondere auf dem Gebiete des Steuerwesens und der Kredit- gewährunq. Abg. Dr. Frick(Völk.) ersucht die Regierung, bei der Prüfung von Beschwerden im besetzten Gebiet weniger auf Fonnalien als bisher zu achten. Abg. Freiherr v. Richthofen(Dem.): Die Polllik der B e- s r e i u n g müsse mit Nachdruck weiter betrieben werden. Mit dem Geist der Verständigung sei die Besatzung unvereinbar. Damll ist die Beratung dieses Haushalls beendet. Der Etat wird unter Ablehnung aller Abänderungsanträge in der Ausschuß- fassung angenommen. Das Haus stimmt einer Entschließung des Ausschusses zu, wonach ausreichende Mittel für die Theater in Koblenz. Trier und der Pfalz zur Verfügung gestellt werden sollen. Schließlich wird noch der Ausschußanträg angenommen, wona-b zur Linderung der Not der Frankenlohnempfänger eine Reihe von Maß- nahmen getroffen werden sollen. Gegen Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch nach- mittag 3 Uhr: Fortsetzung der zweiten Beratung des zweiten Nach- tragsetats, Haushalte für Ernährung und Landwirtschaft. Ministe- rium des Innern, Auswärtiges Amt. Gesthastliche Mitteilungen. 6nt Prul ÄaDi«« bcarfitn« Ztilgadlunasautschlag obgegeben werden kann. Boriäte oon enormer Buswabl bergen die vielen Räum« des Sauses, so dost die ssirnia jedem Geschmack gerecht wird. Dies war von jrber das(Beschäftsvriwv der ffirrna: Nein billiger Preis auf Losten der Qualität, kein Aufschlag trod Teilzahlung. Gute, billig« Weihnachtsgaben. Die Kirma(Bebe. Grumach Kl der LInig- strafte zeigt in ihrem heutigen Inserat vraktischc, n übliche Weihnachtsqaben; Dinge, die man so uätig braucht und die man so gerne schenkt: mollige, warme Unterkleidung, schän« wollene Pullover in allen ssarben, Strlimvs« und Socken in allen modernen Mustern und nicht zuleftt Wolle fstr allerlei Sandarbeiten. Alles— alles in solider Qualität und zu'wirklich billigen Preisen. Lossen Ei« die Tag« nicht vorübergehen, ohne dem Lager der Firma «inen Besuch abgestattet zu haben— es lohnt sich für Sie. Wetterbericht der öffentlichen welterdleaffffell« für verlw und] (Nachdruck verb.) Weite: hin kalt, größtenteils bewölkt, ohne erhebliche Niederlchläge.— Jfit Ventjchlavd. Im Südwesten strichweise Niederschläge. Ueberall kalt. "'.' I'I" I,' V■ 1..— - nkechaltung unö ANissen Mittwoch 7. dezember 1926 Tagebuch eines Schriftstellers. Von Erwin Arehe. (Schluß.) 6. 2. Früh bekam ich eine Karte mit der Bitte um Borstellung wegen meiner Arbeit. Gut! Diel zu erregt für meine resignierende Ein- stellung begab ich mich zum Verlagshaus und wartete, schwankend zwischen Skepsis und leiser Hoffnung. Und wieder zerriß der geflickte Hoffnungshimmel über mir: Nichts! Eine kalte Eröffnung, ein sachlicher Bescheid— nichts! Resignation ist doch etwas Werwolles. Noch in derselben Stunde lief ich zu einem anderen Verleger, zu einem anderen Stahl- block mit Menschenmienen und bot ihm meinen Schatz an. Wir sprachen in hunder'prozentiger Sachlichkeit. Ich werde Antwort bekommen. Schon gut. Doch ist mir jetzt, als stünde ich aus Märzeis. das vom Ztutnde des Frühlings zernagt, zerfressen wird, vor mir... blank... offenes... Wasser... 18. 2.(nachts). Mitten in der Nacht fiel es mir ein. Jäh aufgeschreckt vom Kürren der Fenster kam ich zur Klarheit. Wenn jetzt zum drillen Male der gleiche Spruch fallen sollte, dann lasse ich olles, alles und wandere hinaus zu Wald, Gebirge, Strom und Trist. Ich lann mich nicht mehr bezwingen! Ich will wissen, wie es ist, wenn die Sonne purpurn in die Landschaft versinkt und die Sternzüge ehern am Firmament ausmarschieren. Ich sah das noch nicht. Aber wenn schon alles aus sein soll, dann wenigstens noch einmal die Well grüßen, die prunkende, königliche Well... 1. Z. Ich habe heute schon viel getan. Zuerst der Abschied von Lissy: wie schwer, o wie schwer... Danach besachte ich mein letztes Ver- lagshaus. schrill noch einmal mit einem heiteren Lächeln durch ttefe Teppiche und ließ mir mein berellgehaltenes Manuskript aus- händigen. Heimgekommen, ging ich hinüber zur Wirtin und bezahlte meine Dachkammermiete. Mein Geld ist ziemlich aufgebraucht. Wenn schon. Wozu braucht ein Herrgottsoagabund und Blau- blumensucher schließlich Geld... IS. S. Gras rinnt durch meine Finger. Bon den Bäumen riesell blühendes Licht. Unter einer schlohweißen Wolke segelt ein Sperber. Und Stille liegt um mich, weiche, samtene Stille. Es sind Monate der Qual, die hinter mir liegen auf den langen Landstraßen, die sich hinten am Horizont aufwärts in den Himmel zu schwingen scheinen. In den nächtlichen Herbergen, zwischen fahrendem Volk, wilden Kumpanen und allen Spcckjägern grauste mich manchmal vor dem Leben. Solch ein Dasein! Da sind so viele untetwegs, Deserteure des geordneten Lebens, deren Geschichte einem unglaubwürdigen Roman gleicht. Wie oft lauschte ich nicht im schwarzen Schlassaal den Erzählungen der allen Kunden. � Irgendwo tönt allstem Schwarzen«ine Stimm«, die ein Inferno entsetzlichen Lebens andächtig schildert. Aufspringen hätte ich manchmal mögen, um den Sprechenden zum Schweigen zu bringen. Aber diese klanglose Stimme wühlt eine schmerzende Hölle auf«.. Ruhe liegt über dem kahlen Saal... einer schnarcht... Ja und doch umschlingen mein« Hände jetzt kühles Gras und die Augen folgen dem schwindelnden Fluge eines Sperbers unter Wolken und tiefem Azur. Nur, daß es weiterwandern heißt, getrieben vom Moloch Not und von den vampzre» des Hungers. 28. 8. Em brennendes Heimweh in die Stadt verzehrt mich. Ich krame mir den letzten Brief Lissys hervor und fühle erschauernd, daß ich doch nicht so einsam bin, wie viele andere hier. Auch mein Aufbruch im März erscheint mir jetzt übereilt. Ich weiß mit schärfster Klarheit, daß mein Buch nicht schlecht ist. Mir fehlen nur rechnerische, geschäftliche Impulse. Dennoch glaube ich jetzt härter, zäher geworden zu sein— man muß sich durchsetzen. Darum werde ich zurückgehen und das voll- bringen, was mir damals nicht gelang. Jetzt muß es gelingen! Wandere ich auch mit zerschlissenen Kleidern, so habe ich doch die Musik der Landschaft gehört:— der Sinn meiner Fahrt. 23. g.(heim!). Lange mußte ich vor dem Hause Lissys warten. Endlich, abends— sie wollte schnell hinaushuschen, ich hiell sie jedoch am Arm fest. Sie schrie— und weinte dann gleich... Ein Vorübergehender sah scharf z» uns hin: ein offenbar Heruntergekommener, der ein besseres Mädchen umarmte?... Kopsschüttelnd ging er weiter. Später gingen wir im Park spazieren. Das wundersame Gefühl, einen lebendigen, warmen Menschen im Arm zu haben! Und ich erzählle alles, alles. Trotzdem ich noch ein wenig Geld besaß, mußte ich diese Nacht draußen schlafen. Es fand sich auch eine geschützte Stelle, ein Platz für die Nachtruhe des Heimatlosen. 28. g.(im Asyl). Am nächsten Morgen borgte ich mir von einem arbeitslosen Freunde einen Anzug und lief mit meinem Manuskript von Ver- leger zu Verleger. Ich erriet ihre bedauernden Mienen schon vorher. Bis heute habe ich das jeden Tag so getrieben. Ohl Ich rase manchmal im Zorn und sterbe dann doch wieder hin in stumpfer Melancholie. In diesen Tagen habe ich meine Tapferkell, meinen Mut und meine Entschlußkraft verloren.— Lissy erwartet mich. 29. 9. Mll Lissy sprach ich drei Worte. Man hat es ihrem Vater hinterbracht, daß ein Vagabund sie im Arme gehabt hat. Sie steht unter schärfster Aufsicht. Ich jage wie im Fieber durch die Stadt. 8. 19.(nachts). Keine Hoffnung leuchtet mir mehr. Heute hat man mich aus dem Asyl gewiesen. Jetzt bin ich schon nicht mehr zornig, nicht melancholisch, kaum, daß ich an ein wenig Essen denke. Es ist katt. Vorhin jagte mich ein Polizist von einer Bank fort, auf der ich eingeschlafen war. Ich bin wohl kein Mensch mehr. Nie war ich so müde. Nie war es so kalt. Selal Aus, aus. Für mich ist schon der Schlaf wie ein arkadischer Traum. O Acheron, Nacht und Tod! Die Lokalspitze. Von Heinz Liepmann. Ab und zu taucht mal ein junger Journalist aus der Provinz auf. der furchtbar ungern verhungern, aber noch ungerner Provisions- reisender in Damenwäsche oder Vertreter für«inen gesetzlich geschützten Massenartikel werden möchte. Der setzt sich dann zunächst hin, schreibt wochenlang alle möglichen literarischen Betrachtungen und erbaulichen Erzählungen in sechs Durchschlägen, schickt diese an die größten deutschen Zeitungen und«rhäll dies« Produkt« schlafloser Nächte und armseliger Tag« mll vorgedruckten Begleitschreiben zurück. Immer kleiner werden die Barschast, die Zeitungen, die die Ergüsse höflichst dankend zurückschicken, die Ergüsse selber und der arm« junge Journalist. Wehmutsvoll gedenkt er der fernen Heimat, der offenen Redakteurstellen im Lande und des schlechten Geschmacks der Lektoren. Di« Sache geht meistens so well, daß die vorhandenen Finanzen schließlich noch für zwei Tage ä zwei Mahlzeiten reichen—, und dann kommt gewöhnlich der entscheidende Tag: der junge Journalist trifft einen älteren wohlwollenden Journalisten und dieser Herr liest einen Artikel des jungen Journalisten und bestellt ihn auf den über- Nahrauns Griff ins Wespennest. vorläufig ist da» Ungeziefer nur aufgescheucht worden. wann kommt die Vertilgung? nächsten Tag ins Bureau. Dann klopft er dem plötzlich wieder hoffnungsvollsten Menschen auf die Schuller, gibt ihm ein« Zigarette und sagt:„Schreiben Sie Lokalspitzenl" Wamst die Audienz beendet ist. Nun soll der unglückselige junge Journalist wissen, was Lokal- spitzen sind. Und jetzt kommt die entscheidende Minute: Dreht der Jüngling sich um und geht heim, und erfährt nie, was Lokalspitzen sind, dann verhungert er oder er wird Prooisionsreisender. Dreht er sich aber nicht um, sondern bleibt zum Zeichen, daß ihm die Audienz noch nicht beendet zu sein scheint, stehen, und fragt, Notiz- buch und Bleistift zückend: Entschuldigen Sie, was sind Lokalspitzen? — dann kann eventuell noch etwas aus ihm werden. Denn alsbald erfährt er, daß Lokalspitzen diejenigen Zeitungsartikel sind, die an der Spitze des lokalen Teils stehen.(Stoßseufzer: Darauf wäre ich im Leben nicht gekommen!) Also Artikel in gefälliger, netter Form-über lokal« Fragen, die„sowohl das Volk als auch die höheren Beamten" interessieren und oerstehen. Nun geht der junge Journalist in die nächste Anlage und setzt sich dort auf eine Bank. Nennen wir ihn, da jetzt die Angelegenheit konkreter zu werden beginnt, Meier. Also Herr Meier versucht nun, — nein, zum Donnerwetter, wir wollen ruhig mal ein bißchen ehrlich zu sein oersuchen, und, in Gottes Namen, es sei gestanden: i ch setzt« mich nun auf eine Bank in den Anlagen, kaute abwechselnd am Bleistift und linken Zeigefinger und sog aus diesen ebensowenig Ersprießliches wie aus der Frage: Wo bekomm ich«in Lokalspitzen- thema her? Ich sah mn mich und erblickt« Menschen, Kinderwagen, Vögel, Erde, schiefe und gerade Stiefelabsätze, aber kein Objekt für«in Thema; eine sehr nette junge Frau setzte sich aus dieselbe Bank, auf der ich sah und schlenkerte mit sehr hübschen Beinen—, die Straßenbahn bimmelte, ein Kind schrie auf einer benachbarten Bank und ich rief verzweifelnd: Wo bekomm ich ein Lokalspitzenthema her? Am nächsten Morgen erhob ich mich nach einer schlaflosen Nacht von der Bank, verabschiedet« mich von der sehr netten jungen Frau und ging in die Stadt, um dort Lokalspitzenthemen zu suchen. Und wer beschreibt nach Stunden ergebnislosen Umherirrens mein Glücks- gefühl(fast Glückstaumel), als plötzlich ganz in meiner Näh« ein Radler und ein Auto zusammenstießen. Mit dem Ruf: Presse— Schupo— Arzt— Presse wand ich mich durch die johlende Meng« und kam gerade zurccht, alz der Radler den Chauffeur durch Iut-Schlag kunstgerecht erledigt«. Sonst waren Auto. Radler, Chauffeur und Rad heil geblieben. Ich stürzte zur Lokalredaktton. schrieb unterwegs einen haarsträubenden Artikel„Die Schrecken des Alltags", worin ich die Gefahren der Straß« schildert«, und der wurde am nächsten Tag gebracht.(Am übernächsten Tag entschuldigt« sich allerdings der Redakteur, der Artikel wäre aus Versehen gedruckt worden.) Und«in« Lokalfpitze war es auch nicht Aber, ich war gedruckt; im lokalen Teil, klar und deutlich konnten die etlichen 100 000 Leser meinen Namen erstmalig gedruckt sehen. Ob das nun lösend auf die bisher verkapselle Lokalspitzenabteilung meines Hirns einwirkte, oder welcher sonstig« psychische Prozeß sich in mir abspielt«, weiß ich nicht, auf jeden Fall, nun fielen mir. plötzllch unzählig« Lokalspitzenthemen auf einmal ein: Schreiben wir, sagte ich mir. der Reihe nach über alles, was mir heute begegnen wird. Dies dacht« ich, als ich frühmorgens noch auf meiner Bank in den Anlagen lag. Es begann schon zu dämmern: das sieht sehr hübsch aus, wie«in Gedicht von Eichendorff, wenn die Sony« hinter den Bäumen empor in die Blumen steigt. Ich drehte mich nochmals aus alle Seiten und stand dann auf. Das erste, was mir begegnet«, war «in Hund. Blitzschnell überlegt« ich mir: Hunderassen. Hundesänger, Hundesteuer, Hundetuchen, Hundewetter---..�Heureka, ich veiloge ües vorwärts hab's", schrie ich wie Tarzan unter den Affen, als er im Urwald «ine englische Fibel mit Gebrauchsanweisung für Affen fand.„Ich schreib« über das Wetter!" Was wollen Sie, ich schrieb nicht über das Welter. Erstens war es mir zu unbeständig, zweitens war es dem Leiter der Wetterdienst. stelle magistratlich verboten, Amtsgeheimnisse zu ver.«.'n, drittens tonnte ich keinen Ansang finden. Dann schrieb ich los: über Badeanstallen, öffentliche Straßen und Häuser, Pfandämter, Säuglingsfürsorge, Toiletten(solche und solche), Heilsarmee, Straßenbahn, Bierexport, Oberpostdirektion, Alkoholgegnertagung, Dirnenunwesen, Limonadenbereitung usw. Jede Woche zwei Artikel. Und das mache ich so. Zum Beispiel bei der Oberpostdirektion: 1. Eines Morgens nehm« ich meinen Briefträger auf der Treppe am Rockknopf und frage, harmlos grinsend und nachdem ich mich nach dem Befinden der gesamten Familie erkundigt und das Wetter kritisch bewertet habe, also da frag« ich: Hören Sie mal, mein lieber Herr Postrat, wieviel Postsachen befördern Sie denn täglich durch- fchnittlich? 2. Ich stürz« an einen Schalter der Hauptpost und bttte den Beamten um 5 Briefmarken k 45 Pf., und wenn er dann antwortet, daß es keine Marken zu 45 Pf. gibt, frag« ich: So? Welch« Werte gibt's denn? 3. Ich gehe an den nächsten Schaller und erbitte 5000 Marken k 3 Pf. Wenn mir dann erwidert wird, daß soviel Marten nicht vorrätig seien, frage ich erstaunt: Ja, wieviel haben Sie denn heute schon verkauft? 4. Ich gehe zum Dorsteher der Personalabteilung und frage nach Herrn Melchior Sahnschnitzel. Dann nimmt der Vorsteher einen dicken Aktenband, schlägt ihn unter S auf. und bevor er La hat. frag« ich: Nanu. Herr Postdirektor, Sie kennen noch nicht mal die Namen der 175 Beamten dieses Bezirks auswendig? Was? sagt er, 175! das sind doch—. 5. Ich stell« mich morgens zwei Stunden nnt einem Handbuch der Physiognomie an den Schalter für posllagernde Sendungen. Was man da sieht, reicht für elliche Feuilletons. 6. Ich lasse mich beim allerhöchsten Postdirektor melden und mir von ihm erzählen, daß es behördlich verboten fei, irgendwelche An- gaben über das Postwesen zu machen.„Es interessiert mich auch gar nicht" unterbreche ich ihn,„zu erfahren, daß demnächst die und die Neuerung eingeführt wird--'„Was", schrest er dann,„die Neuerung wird so und so gemacht, Sie sind mal wieder falsch informiert." 7. Ich geh« nach Hause, verarbest« die Zahlen mll nett klingenden Worten und schicke die Mischung an ein« Zeitung. 8. Ich hole das Honorar(als verwendbar) oder das Manuftript (als unverwendbar) ab. Das nächste Thema, bitte: Der Frühling(Sommer. Herbst. Winter) kommt. Und, obgleich diese Geschichte den Nachteil hat, fast ganz wahr zu sein(bis auf die Lokalspitzenberichterstattung, die selbst- verständlich peinlich genau sein muß), möchte ich sie nicht schließen, ohne den jungen Journalisten in Deutschland und Umgebung den Dorfchlag gemacht zu haben: Setzen wir der Lokalspitze«in Denkmal! Denn, nicht nur uns schützt sie vor dem Aussterben, sondern auch die meisten der allen Herren, die heut« Leitartikel in Weltblättern oder Bücher mll 50 Auflagen schreiben, die hoben mll ihr mal angefangen. Ergo: Es leb« die Lokalspitz«! wer war See Sphinx! Wenn wir auch nach der griechischen Sag« in der Sphinx ein weibliches Wesen sehen, so stellt doch dies in Aegypten geschaffene Sinnbild urfprünglich ein männliches Symbol dar, so daß man richtig .her Sphinx" und nicht ,hie Sphinx" sagen muß. Durch die jüngst erfolgte Freilegung des großen Sphinx bei den Pyramiden von Gizeh ist dies« Taffache in ein neues Licht gerückt worden. Es hat sich nämlich gezeigt, daß das gewaltige Monument mit dem Sphinxtempel der Pyramide in engstem Zusammenhang steht, und es fft wahrschein- lich, daß dieser Sphinx ein Idealbild des Pyramidenerbauers Chef-ren war. Der Löwenleib symbolisiert« die Stärke, der Kopf war«in idealisiertes Bildnis des Pharao. Auf diese Erkenntnis weist Emil Waldmann in seinem„Tagebuch einer Mittelmeerfahrt" hin, das er in.Kunst und Künstler" veröffentlicht. Er hebt dies« besondere Bedeutung der Freilegung hervor, die„wohl ein« kleine Einbuße an Wüstenromantik wert ist. Ueber den Zusammenhang des Sphinx mit dem Tempel sagt er:„Der Sphinx lag genau so tief, wie der früher von ihm getrennte, urspriinglich aber mll ihm verbundene Felsentempel, der seinen Namen trägt. Man hat auch hier gegroben und den Verbindungsweg zwischen dem Tempel und ihm freigelegt. Von der Tempelecke führt, an der rechten Flank« des Sphinx entlang, an der Felsmauer ein langsam steigender gepflasterter Gang hin, biegt hinter ihm rechtwinklig um, führt, immer steigend, an ihrer linken Flanke entlang, biegt abermals um und mündet auf«inen gepflasterten Platz, seinem Gesicht gegenüber, da, wo ein Altar steht, vor seinen Pranken. Das war der Prozessionsweg, den die Priester wandelten, wenn sie ihr« Opfer brachten, dreimal ini rechten Winkel darum herum; wie der Prozessionsweg am Parthenon. So dauert« die Prozession länger und wurde immer feierlicher, bis man dann plötzlich dem Menschenantlitz in die Augen sah.' Ein sehr großer, echt priesterlicher Gedanke. Daß für diesen Zweck.zwischen Tempel und Sphinxterrasse an einer Stelle der Fels durchgeschlagen werden mußte, um an dem Punkt, wo Tempelareal und Sphinxareal sich scheiden, unter einer Felsenbrück« durchniarschieren zu können, macht« diesen Sklavenhaltern nichts aus. Arbeitskräfte waren da. Wer die Pyramiden auftürmt, wird auch mit einem kurzen Felsentunnel fertig."_ .Lingerabdrücke" bei Bäumen. Ein System von„Fingerab- drücken", das von dem Forstinstitut der Universität Oxford ausge- arbeitet worden ist, gewährt die Möglichkeit, die Art des Holzes bei jedem Baum genau festzustellen und eine viel eingehendere Klassifizierung der Baum- und Holzarten durchzuführen. Man hat gefunden, daß Holz, wenn cs in einer überaus dünnen Schicht ge- schnitten und unter das Mikroskop �gelegt wird, überaus feine Zeichnungen aufweist, aus denen sich die Art des Baumes so genau erkennen läßt, wie aus dem Fingerabdruck ein bestimmter Mensch. Diese zarten Zeichnungen sind oft von schöner Färbung und auch bei Bäumen verschieden, deren Holz man bisher für ganz gleich- artig ansah. Es sind auf diese Weise 2200 verschiedene Typen eng- lischer Bäume festgestellt worden. Die Auswahl und Bestimmung des Holzes wird dadurch sehr erleichtert und vervollkommnet. So hat inan z. B. herausbekommen, daß 170 verschiedene Holzarten, die als„Mahagoni" angegeben wurden, nicht richtiges Mahagoni sind und daß viele dieser Hölzer überhaupt gar nicht zur Familie der Mahagoni liefernden Bäume gehören. Der Wert dieser„Finger- abdruckprüfung" der Bäume greift auf die verschiedensten Gebiete über. So wünschte eine Eisenbahngesellschaft eine ganz bestimmte Art Holz zu erhalten, die sie seit vielen Jahren für den Bau von Schwellen als geeignet erkannt hat Das Institut war imstande, durch die Prüfung genau dieselbe Holzart nachzuweisen. Anderer- seits kann man Hölzer sesfftellen, die sich für bestimmte Zwecke nicht eignen. Auch für die Echtheit kostbarer Möbel ist nun eine un- zweifelhafte Beweismöglichkeit gegeben. Denn man kann nachweisen. wo überall dasselbe Holz oerwendet worden ist oder unechte Zutaten den Wert des Stückes verringern. KONSUM SONNABEND DEN27.N0V.BIS MONTAG DEN 6.DEZ. 1926 VON 1UHR MITTAGS BIS iOUHR ABENDS IN DEN GESAMTRÄUMEN OES bcriin so GEWIRRSCHAFTSHAUSES EINTRITT 25 PE ENGELUFER 24-25 -GENOSSENSCHAFT BERLIN UND UMGEGEND Tellzaiiiongl 1/ AnzaMiinO /A n. S Nona sraten Gewaltige Lager ii 4 Etag. Das Neueste Ulk tleiw M Mu Anzüge Ulster Paletots M. 18.-, M.-, 78.. bis ISO.-, Anzahlung von 8 M aal für Knaben ReAemnanlel Damen-NAnlel IIIiiiluf.StrafieD.Snelltduft I 24-, 32-,«-h. ILO Anzahlung von 8 M. an I Vittle.OIieriieioiiBii.nie) In besonderen Etagen: NObBl-Etaridinnigefl Damitl Rosenihaler StraDe 4G-47 Icke Reue StaBnluaser Str. I Inserate im Vorwärts bring«» Erfolg I rrrm Genossen « �loel Kerdsra, zum ü jähriaen ParteilnbUSn» die herzlichsten»MckwSasche. Die Abteil. 102, Treptow. ------ % --« 402<17 iwm« >'-» eeP WM MetaliaMr-Verbanii Verwaltungsstelle b erlin. Den Kollegen zue Nachricht, daß unser Aollege, der Dreher Paul pfiKaer am 27. November geftstben ist Ehra seinem«nbenlenl Swssscherung am Donnerstag, den 2. Dezember, nbenba 8 /, Uhr, im Aremntorinm Bnumschulenweg. Rege Beteiligung eruxmei Die OrtsverwaltBB)!. Nach kurzem, ober schwerem Selben verich ed am 28. November unser treuer Bater und Satte, der Gastwirt Vsller«eumezfer Mariendorf. Die trauernden Hinterbliebenen Gertrud Nenmener und Tochter ilharioite Die Swilscherung findet am 8. De- zetnber. nachm. 5 Uhr, im Srema- totium Wilmersdort statt DeiitsdieillletaliailiMtiliand Freiing, bea 3. Oetcmber. abettbs T Ahr in unserer ftaltnrabtcilnng. Cinienfft.iaT(gegenüber Berbandahauoi Filmvorführungen für die Solleginnen und Kollegen der Branche der Wickler«.Zsolierer. Aua dem Programmt l. Im Strudel de» Bertebra. 2. Grossssatlon Nauen im Weitveriehr. 8. Der Radio- strolch(Lustspiel). 4. Twienmünnchen als Boger. Siniritt frei gegen Borzeigung de« ÜRitpl'ebsbuches und der aintniistactc. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet Achtung! ZMxhzigle Achtung! Die Belrtebariiie-getischrisl Nr. 24 ist erschienen und tonn gegen Vorlegung der L- gitimaiionskarie des Betriebsrat». obmanne, für das Iabr IS2K in unserem Bureau. Zimmer 5 oder nach 4 Uhr im Zimmer 4. enlgegengenommen werden. vi« Oclsoctnraltiina Am 28 November verstarb unerwartet an Herzschlag meine innigst» geliebte Frau, unsere herzensgute Mutier und Großmutter Franziska Maaß geb. Rata geb. in Malaga am 24 Juni 1858. Dies zeigen iiefbeirübi an Berlin£ 10, Friedrichsg rocht 61 II Emil Maaß, utbograph und Kinder Die ainSfchcmng findet Donnerstag. den 2. Dezember, mittags 1! 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