Nr. 567 ♦ 43, �ohrg. Nusgabe A Nr. 2SY Bezugspreis. Wöchentlich 1» Wennt«.»natlich Reich-marl vorall»»chldar. Unter Kreuedon» für Deutsch iond, Dan, ich Saar, und Merneiaebiet. Oeflercetdi. Lt tauen Lurembur» 4.50 Zietchamart. für da» üdrtO» Ausland 5ch0 Reichsmark vrs Monat. Der.Borwlrt»� mit bor iüuürier. ten Sonntagsbeilage.Balt und fteit� lowie den Beilagen.Uulerbaltung uns Wissen�..Au» der ffilmwelt'. .FtaucnNlmme'..Der«inder» lreund"..Jugend- ZZorwSns' u>d .Blick in die BücherweU* erscheint wvchentäglich tweimal, Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: »SoztalSomotrnt verlin- Morgenausgabe w*/ f. Derlinev VolKsvl�kt (10 Pfennig) Anzeigenpreise: Dt««intvaltige Nonvareillc. »eil« 80 Pfennig. Reklame, eile »✓- Reichsmark..Kleine An, eigen' da» fettgedruckt« Wart 25 Pfennig (lutanin ,w«i fettgedruckte Warte). ledes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengeluch« das erst« Wort 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worts über 15 Buch» Itaben ,ählen für zwei Worte. Arbeiismarkt Keile 00 Pfennig. Samilienan, eigen für Abonnenten Keile 40 Pfennig. Atneiaen für die nächste Rümmer müssen bis 4Mi Ubr nachmittag, im pauvtaefchäft. Berlin SW 08. Linden- strafte Z. abgegeben werden. Deöffnet von 8'.-t Ubr Mb bis fi Ubr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen partes Deutfchlands KcdoEtion und Verlag: Serlln Ew. 6$, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Segen den Zuckerzollanfthlag. (5«ii Gesetzentwurf der Sozialdemokratie zur Senkung der Zucker�euer. Die Agrarier propagieren seit Monaten ein« SrhShung »es Zuckerzolls. Um den Widerstand der Verbraucher gegen diesen Plan abzuschwäcken, fordern sie gleichzeitig eine Ermäbigung der Zuckersteuer. Würoe den Plänen der Agrarier entsprochen und der Zuckerzoll um den Betrag erhöht, um den die Zuckersteuer er- mäßigt wird, so würden die Preise für Zucker, die der Verbraucher zu zahlen hat, unverändert bleiben. Die Reichskasse aber hätte einige Dutzend Millionen jährlich an die Agrarier als Liebesgabe zu zahlen. Die Sozialdemokratie widersetzt sich diesen Plänen. Sie erstrebt seit langem die Ermäßigung der Zucker st euer. Diese ist nämlich nicht nur die unsozialste Steuer, die das deutsche Steuersystem kennt, sondern auch die höchste Verbrauchssteuer. Sic betrögt gegenwärtig 21 M. für den Doppelzentner, b e l a st e t also jedes Pfund Zucker mit lO� P f., was ein Viertel bis ein Drittel des Kleinhandelspreises ausmacht.. Bisher scheiter- ten alle Absichten, die Zuckerfteuer zu ermäßigen, an der Tatsache, daß die Zuckersteuer zu den verpfändeten Einnahmen gehört und ihr« Herabsetzung ohne das Einverständnis des Reparationsagenten nicht erfelgen kann. Trotzdem setzt« die Sozialdemokratie im Frühjahr d. I. bei dem Steuerkonipromiß den grundsätzlichen Beschluß durch, daß die Zucker st euer abzubauen ist, und zwar in dem Maße, wie er- höhte Einnahmen aus dem Branntweinmonopol die Möglichkeit dafür bieten. Nun ist auch dem Reichstag die lang« angekündigte Vorlage über die Neuordnung des Spiritusmonopols zu- gegangen. Die Regierung erwartet davon eine Mehreinnahme von 30 bis 40 Millionen Mk. Diese Summe ist aber vollkommen un- zulänglich, da sie zu einer erheblichen Senkung der Zuckersteuer nicht ausreicht und ein« geringfügig« Senkung keine Bedeutung hat. Die Ursache für diese geringfügige Steigerung de» ErNoge» de» Branntweinmonopols lregt in der Totsache, daß die Regierung die Abgabe für den Trinkbranntwein nicht erhöht, sondern bei 280 Mk. pro Hektoliter beläßt, obwohl dieser Betrag 1924 nur vorüber- gehend Geltung haben sollte und ursprünglich 480 Mk. betrug. Deshalb hat die sozialdemokratische Reichstag»» s r a k t l o n sich entschlossen, die Initiative zur Ermäßigung der Zuckerfteuer zu ergreifen. St« ha« im Reichstage einen Gesetz» entwarf eingebracht, der die Zuckerfieuer von ZI Alk. pro Doppel- Zentner aus 10,50 Alk. pro Doppelzentner ermäßigt. Gleichzeitig soll die Abgabe für den Trinkbranntwein von 280 Alk. aus 500 Mk. pro Hektoliter erhöht werden, würde diesem Antrag entsprochen. so würde zweifellos eine erhebliche Senkung de, Zucker- preise» die Zolge sein. Da, aber würde zu einer Steigerung de» Zockerverbranch» führen, von der sowohl die Konsumenten als auch die Erzeuger vorteil habe«. Der Gefamlabsah au Zucker würde steigen, die Unternehmer könnten das verlustreiche Auslands- geschäft einschränken und die Renlabilität ihrer Unternehmungen erhöhen. Sie brauchten dann auch kein« Zollerhöhuag, nach der fie jetzt so lebhast schreien. Auch für die Reichsfinonzen ist der sozialdemokratisch« Borschlag ohne Bedenken. Nimmt man an. daß der Zuckerverbrauch und der Branntweinverbrouch unverändert bleiben, dann ergibt sich aus der Zuckerfteuerermäßigung um die Hälfte ein Ausfall von 130 Millionen. Dem steht aus der Erhöhung der Trink» branntweinabgabe um 220 Mk. ein« Mehreinnahme von 132 Millionen gegenüber. Aehnlich dürfte da» Verhältnis werden, wenn der Berbrauch an Zucker steigt, der von Schnaps ober zurückginge. Bei dieser Sachlage ist ein Widerstand de» Re« parationsagenten kaum anzunehmen. Dafür aber erwachsen so viele volkswirtschaftliche, soziale und hygienische Borteile, daß e» zweck- mäßig ist, diese Maßnahme so schnell als möglich zu verwirklichen. Noch ein Neichswehrfkanöal. falsche Angabe» dem Reichstag gegenüber.— Protest im Haushaltsausschust. In de; Mittwochsttzung des Ausschusses für den Reichshoushalt wurde zunächst über einen Antrag von Graes« und Genossen(Völk.) oerhandelt, die Regierung zu ersuchen, den bei der Reichsschuldenoerwaltung am 31. Dezember des Jahres gekündigten mehreren hundert Angestellten bei ihrer Entlassung ein Uebergangsgeld in Höhe eines Monats- g e h a l t e» zu bewilligen. Der Antrag wurde trotz Widerspruchs der Rcgierungsvertreter mit den Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Beim Aachlragsetal des Wehrministeriums legte der Bericht- erstatter, Genosse Slücklen. schärsste Verwahrung ein gegen die Be- Handlung, die er als Berichterstatter vom Ministerium erfahre. In keinem Ministerium sei es für den verichlcrstaller so schwierig, zu arbeiten und klare Auskünfte zu erhalten, als beim wehr- Ministerium. Bei der Beratung des Hauptetats für 1927 in wenigen Wochen, bei der er sein Material vorlegen werde, werde er den Herren des Ministeriums zeigen, daß er trotzdem alles wisse, was er zu erfahren wünschte, heule verlange er nur Antwort, und zwar bis morgen, welche Preise das wehrministerium der Firma Simson u. Co., Suhl, pro Gewehr Modell 98 gezahlt habe. Gestühl auf Zahlen, die er ans seine klare Anfrage vom wehrministerium er- hallen hatte, habe er nämlich al» Verichlerstaller von der Tribüne des Reichstages Angaben gemacht, die ihm nachher von dritter Seite als unrichtig nachgewiesen wurden. Das sei ein unglaublicher und unmöglicher Zustand. Dir Vertreter des Wehrministeriums suchten sich in einer kurzen Erklärung damit zu entschuldigen, daß in die Preise, die dem Berichterstatter seinerzeit angegeben worden wären, alle ent- ftandenen Spesen, wie zum Beispiel die der Verpackung, des Trans- ports usw. eingerechnet worden seien. Abg. vrünlnghaus(D. Vp.) versuchte dem Wehrministerium beizuspringen, da hier ofsenfichtlich eine irrtümliche Verständigung vorliege. Demgegenüber führte Genosse Künstler aus, daß bei der letzten Beratung des Reichswehretats das Reichswehrministerium die hohen Mehransorderungen für Waffen und Gerät mit der großen Preissteigerung für Waffen und Munition begrün- det habe. Der Preis für ein Gewehr Modell 98 wurde mit 200 Mark gegenüber KS Mark in der Vorkriegszeit angegeben. Bei Lohn- Verhandlungen mit dem zuständigen Betriebsrat der Firma Simson u. Co. Hot stch dann ergeben, daß die im Reichstag vom Bericht- erstatter Stücklen auf Grund seines amtlichen Materiols gemochten Angaben falsch sein müssen. Die Arbeiter erreichen bei Akkord- arbeit nur in den seltensten Fällen den tarifliche» Stundenlohn von M Pfennig. Die Angaben der Firma und des Lekriebsrols stehen w krassestem Gegensatz ja denen de» Reichmoehrmlnisleriom». Ausführungen des Abg. Schalz-Btomberg(Dnat.), die dahin gingen, die Sozialdemokratie verfolge mit ihren Angriffen be» stimmte politische Ziele und nicht die Absicht, in dieser Sache Klarheit zu schassen, gaben den Genossen Schöpslin und Slücklen Gelegenheit, aufs schärfste gegen die Unterstellung zu protestieren und noch ein- mal darzulegen, wie unhaltbar nach dem ganzen Verlaus der Angelegenheit die Entschuldigung de» Wehrministe- r i u m s ist. Ja der Abstimmung wurden die Elatsposilioaen gestrichen, die Zulagen und Auswandsgelder sowie Hilfsleistungen durch nicht- beamtete Kräfte anforderten. Die übrigen Positionen de« Etat», die in der Hauptsach« nur Erneuerung van Mannschaslshäusern de- treffen, wurden bewilligt. Bewilligt wurde auch der kurze Noch- tragsetat der Marine, bei dem nur«in Etatstitel, der Mittel für die Herrichtung der Kaserne in Friedrichsort als Marineschule ver- langte, gestrichen wurde. * Die Genossen Hermann Müller. Wels, Scheidemann, Breitscheid und Egger st edt hatten gestern vormittag, wie wir bereits in einem Teil der gestrigen Abendausgabe mitteilten, mit dem Reichskanzler Marx eine mehrstündige Besprechung, an der auch der Reichswehrminister Dr. G e ß l e r und der Reichs- außenminister Dr. Stresemann teilnahmen. Es han- delte sich um die Zustände in der Reichswehr. Vas Notgesetz zur Arbeitszeit. Ein Vorschlag der Regierungsparteien. In der Notgesetzfrage haben sich die R« g i e r u n g s- Parteien am Mittwochnachmittag auf eine Formel geeinigt, die vorher von einem besonderen kleinen Ausschuß ausgearbeitet wor- den war. Im Anschluß daran fand eine Sitzung des Reichskabinetts statt. Um 7 Uhr abends begannen dann Besprechungen zwischen der Regierung und der sozialdemokratischen Fraktion. Di« von den Regierungspartelen zur Revision der Arbeitszeitbestmmmngen formulierten Vorschläge, die das Reichs- kabinett angenommen hat, wurden den Vertretern der sozialdemo- kratischen Fraktion unterbreitet. Di« Fraktion selbst wird am Donnerstag zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen. In der Formel der Regierungsparteien spielt der Z 11 der Arbeitszeitoerordnung eine besondere Rolle. Man sucht. bei diesem Paragraphen eine Lösung, die einerseits den Mißbrauch mit der sogenannten freiwilligen Mehrarbeit verhindert, und anderer- seits die Betriebe, die unter Umständen einer Mehrarbeit dringeid bedürfen, nicht allzu sehr beschränkt. Die zulässigen Aus- nahmen in der grundsätzlichen Arbeitszeit sollen genauer prä- zisiert werden. Wie verloutet, beabsichtigen die Regienmgs- Parteien, aus der Basis der vereinbarten Vorschläge»inen I n i t i a- tivgesetzentwurf einzubringen. vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin EW. öS, Linöenstr.S PostscheKIont«! Berlin 87 53«— Bankkonto: Bant der«rbeitee. Buaestelten »nd Beamten. Wallstr. 05: DIeknnto-SeIcINchait. Dcvokitrnkaffe Lindenftr. 8. Wer bekommt Reichspension! Eine amtliche Denkschrift widerlegt reaktionäre Lüge«. Das R« i ch s f i n a n z m i n i st e r i u m hat sich nach langem Zögern zur Herausgabe einer Denkschrift entschlossen, die den Wert eines Kulturdokuments ersten Ranges hat. Die Schmähsucht der Reaktionäre hat in der deutschen Republik vor keiner Ehrenkränkung jener Männer Halt gemacht, die sich in der Zeit der größten Not des Volkes dem Reiche zur Verfügung gestellt haben. Futterkrippengänger war der mildeste Ausdruck für jeden Gewerkschafter oder Parlamentarier, der im Auftrage seiner Partei oder dem Rufe der Oeffenttichkeit folgend die Leitung von Staatsgeschäften übernahm. In Ver- sammlungen, in hinterhältigen Presseäußerungen, in Flug- blättern raunte, rief, schrie man, daß nur schnöde Eigen- sucht einiger führender Männer dem bejammernswerten deutschen Volke das System der Demokratie aufgedrängt habe, das ihm wesensfremd sei. Ministergehälter, Pensionen, wenn nicht sogar Korruption hielt man den Ministern des neuen Staates vor, immer mit dem Hinweis auf ihren privaten „Gewinn". Dies« Hetze ist jetzt jammervoll zu- sammengebrocheni Das Reichsfinanzministerium hat, einem Verlangen des Reichstages vom IS. Dezember 1925 folgend, eine Denkschrift vorgelegt, die die hochgestellten Pen- sionsbezieher der deutschen Republik namentlich aufführt, an- gefangen von den Reichskanzlern und Ministern über die Staatssekretäre bis zu den Generälen und hohen Sanitäts- imd BeterinSroffizieren. Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: 23 Millionen Mark wirft die deutsche Re- publik für Penstonen und Wartegelder aus. 1,7 Millionen da- von entfallen auf hohe Zivilbeamte, das übrige schluckt das Militär. Von den 1.7 Millionen, die auf Zivilbeamte entfallen. beziehen drei sozialdemokratische Minister insgesamt 36 480 Mark. Keiner von diesen drei Ministcrn erhält soviel Pension, wie einer der 416 Generäle, deren Tätigkeit über- wiegend in der Bekämpfung der Republik besteht. Ueberhaupt bieten die amtlichen Angaben, sicherlich nicht zur Freude der Reaktionäre, auf lange Zeit hinaus reiches Material gegen alle d i e j e n i g e n, die von der Republik hohe Bezüge erhalten und das chnen dadurch ermöglichte sorgenfreie Leben dazu benutzen, die Republik zu untergraben und ihre Träger zu schmähen. Der Denkschrift sind sechs Anlagen beigegeben, in denen nach Kategorien geordnet die laufenden Pensionen einzeln auf- geführt sind. Im ganezn werden an die in den Anlagen auf- geführten 18S7 Personen aus Reichsmitteln 23 995 999 Mark gezahlt. Von diesen entfallen auf die früheren Reichskanzler, Minister und Staatssekretäre 194 Personen, und zwar vor nach der StaatSumwälzung 660 000 SR. 81: 510 000 SÄ. 29: 1«: 8: 206 000 47000 8: 20: 180 000 198 000 1. Reichskanzler«nd ReichSminifter. 2. Staatssekretäre: s) Ruhegehaltsempfänger. b) Wartegeld« empsänger._ Znsammen 45 Köpfe 903 000 M. 59 Köpfe 833 000 M. Fast die Hälfte aller Zivilpensionäre ent- fallen also auf die Zeit vor der Staatsumwälzung, auf die Mauarchie. Auch sind ihre Bezüge höher als die der Pen- sionäre der Republik. Zweierlei ist an der Aufftellung besonders interessant: Unter den auf Ruhegehalt gestellten hohen Staatsbeamten be-- finden sich einige Persönlichkeiten, deren Bedeutung und über- ragende Sachkenntnis allgemein anerkannt werden, die aber aus politischen Gründen ausrangiert wurden. Unter den Pen- sionsempfängern jedoch befindet sich eine ganze Reihe von Leuten, die ihre hohen Pensionsanfprüche lediglich dem Fachministerfimmel verdanken: der Ruf nach Fach- ministern ertönte immer dann, wenn die Reaktion o h n e p a r- lamentarische Verantwortung ihre Vertrauens- leute zu Staatssekretären oder Ministern befördern wollte. Da diese Männer im öffentlichen Dienst bereits eine Reihe von Dienstjahren hinter sich hatten, oder, wie der deutschnationale Herr Schiele mit juristischen Vorwänden angedichtet bekamen, tauchen sie mit sehr hohen Ruhegehältern in den Listen auf. Was aber noch schlimmer ist: ein Teil dieser Leute wieder bezieht die Pension nicht etwa als Ruhegehalt, sondern als zusätzliches Einkommen zu riesigen Privatgehältern. Dem Reichskanzler Luther sagt man nach, daß er als Aufstchts- oder Verwaltungsrat der Reichsbahn und anderer Gesellschaften über 199 999 Mark„privates" Ein- kommen erhält, was ihn nicht hindert, dem Reiche nebenher rund 23 999 Mark an Pension und sonstigen Gebühren abzu- nehmen. Reichskanzler a. D. Dr. C u n o. Direktor der Hapag. bezieht vom Reiche 18 28S Mark Penston. Von den 194 Personen, die in den Listen der Zivilpensto- näre aufgeführt siiid, entfallen 69 mit einer Pension von zu- sammen 1 169 999 Mark auf die gewesenen Reichskanzler und Minister. Von den früheren Staatssekretären erhalten 21 Pen- swn in der GesamchShe von 336 000 Mark, während 23 Warte- cieldsr in einer Gesamthöhe von 240 000 Mark beziehen. Die Sozialdemokratie hat im ganzen bisher 13 Dolksbeauf- tragte bzw. Minister gestellt, von denen 16 am Leben sind, nämlich: Barth, Bauer, David, Dittmann. Gradnauer, Hilfer- ding, Köster. Landsberg, Müller, Noske, Radbruch, Sollmann, Scheidemann, Schlicke, Schmidt, Wissell. Von diesen 16 erhalten nur drei, nämlich die früheren Minister Bauer, Radbruch und Schmidt P e n s i on in einer Gesamthöhe von zu- sammen 36 480 Mark! Damit ist wohl die Lüge der Futterkrippenwirtschaft endgültig totgeschlagen worden. Den Löwenanteil des Pensionsetats verzehren die Herren mit den dicken Raupen auf den Achselstücken, die sich so wunder- schön in die deutsche Republik einfügen, wenn sie ihre Pen- sionsquittungen unterzeichnen, im Straßenbild bereits etwas aufreizend wirken, in ihrer privaten Tätigkeit hingegen fast durchweg die Hauptaufgabe darin sehen, wie man das deutsche Volk vor Ruhe und Frieden„beschützen" kann. Die Herren sind gar nicht so ängstlich im Nehmen: während ihre österreichischon Kollegen sich mit ein paar tausend Schillingen Iahrespension begnügen müssen, tut es die Mehr- zahl der deutschen Generäle nicht unter 10000 Mark jährlich: nicht weniger als 136 van ihnen beziehen den Höchstsatz von rund 17 000 Mark, insgesamt S81 mehr als 12 000 Mark, übrigens ohne die Admiräle. Auf der Lifte fehlen auch die hohen und höchsten Namen nicht, die sich in den Fürstenobfindungsprozeffen den Ruf großer privater Geschäfts- tüchtigkeit erworben haben. Ein Wunder wäre es, wenn nicht Prinz Eitel Friedrich und Wring Oskar sowie Prinz Heinrich von Preußen oder gar der noch veichstreuere Rupprecht von Bayern ebenfalls die Pension der ihnen so verhaßten Republik neben ihren„privaten Ansprüchen" an das Volk einstrichen. Den 104 hohen Zivilbeamten, die Pension beziehen, stehen 1753 Genräle und Admiräle gegenüber. Im einzelnen er- halten:> 136 Generäle....... eine Pension von 2 816 000 M. 278 Generalleutnants.....,, 3 828 000. ISS Generalmajore....,., 2 1S3 000. 681 Offiziere des Landheere» mit d. Pension als General» major........,, ,7 781 000, 388 Brigadekommandenre..,., 8 335 000. 1599 19 433 000 Wt. In der Martneverwaltung sind pensioniert: 17 Admiräle...... mit einer Pension von 290 000 M. 36 Vizeadmirale,, 499 000. 5 Konteradmirale in einer Stelle gleich der eines Divisionskommandeur».»,., SS 000» 58 Konteradmirale.,.»,., VSS V00, 6 Kapitäne.......»,, 6t 000. 122 1 682 000 M. Außerdem find pensioniert 82 GanitätS- und Vcterinäroffiziere mit 354 000 M. Man wird auf die Lift« wahrscheinlich noch zurück- kommen müssen. Alle Feinde der Republik, ob sie Ludendorff, Watter, Lüttwitz oder sonstwie heißen, finden sich in dem statt- lichen Register der Generäle zusammen, die als Pensionsbe- zieher der Republik ein sorgenloses Dasein führen. Die große Zahl der K r i e g s b e s ch S d i g t e n, die im Welt- krieg Gut, Blut und Gliedmaßen verloren, sollte sich die Na m e n und die Zahlen, die hier verzeichnet sind, sorgfältig dinchlesen. Dann wird es ein Erwachen geben! Mt der Futterkrippenlüge aber ist es nun«nd» gültig aus. Es wäre ein Wunder, wollten unser« Gegner dies zugeben. Die Republik zahlt ja genug an ihre Feinde, damit diese neue Kampfparolen gegen das Reich schmieden, neue Organisationen finanzieren können... Schmutz und Schund. Ein Kompromiß, aber kein Ausweg. Die Mittelparteien sind angeblich für die Große Koali- tion. Deswegen haben gestern unverbindliche Besprechungen zwischen allen bürgerlichen Parteien mit Einschluß der V ö l- tischen und der Deutschnationalen über das Schund- und Schmutzgesetz stattgefunden. Resultat: in den Prüstellen sollen neben dem Vorsitzenden nur noch vier Sach- verständige sitzen, aber die P r ü f st e l l e n anstatt einer ein- beitlichen Zentralstelle bleiben. Man gibt ihnen zwar des besseren Ansehens halber den Namen R e i ch s prüsstellen. was es damit jedoch für ein« Bewandtnis hat, zeigt die vor- gesehene Bestimmung, daß diese Stellen„im Benehmen mit den Landes regierungen" gebildet werden sollen. Die Deutschnationalen befinden sich in ihrem Fahrwasser. Sie sind gnädig genug, sogar eine Oberprüfstelle zu bewilligen und schlagen als Sitz Leipzig vor. Will Herr Külz, der Minister der Demokraten und der Mitte, sein Schmutzgesetz mit einer Koalition der Rechten machen? Ein Brief Walter v. MoloS. Walter v. Molo hat an den Genossen Dr. L ö w e n st« i n, M. d. R., folgendes Schreiben gerichtet: „Wehe dem Staate, der meint, daß der Geist der sogenannten Politik unterzuordnen fei. Polikit muß Geist sein, sonst ist sie frevelhaftes Spiel. Wehe denen, die zum Gesetze erheben wollen, was sie selbst als fehlerhaft bezeichnen. Es handelt sich bei diesem Gesetzentwurs um mehr, es handelt sich um das Gesetz des Geistes an sich: da Geist Freiheit ist, nicht zu verwechseln mit Zügel- losigkeit, geht es um die Freiheit des deutschen Lölkes. Möge sich der Reichstag im letzten Augenblick als wirkliche Vertretung des deutschen Volkes vor dem In- und Auslande erweisen, die Folgen eines anderen Vorgehens würden sich ungeheuer auswirken und zeigen, daß geknebelter Geist jeden politischen Schacher zerschlägt. Wer unsere Jugend liebt, der schaffe bessere Lebensbedingungen. der schaffe der Jugend Wohnungen und Glauben an den Staat! Wenn der Reichstag unseres Volkes wert ist, dann muß er dieses Gesetz aus dem dunkelsten Mittelaller ablehnen, nur so schützt er wahrlich die Jugend vor Schmutz und Schund: Weg mit diesem Gesetze, das Schmutz und Schund in vielen erwachsenen Seelen zeigt! Gerade wer für den Schutz der Jugend ist, der muß dieses miserable Gesetz, das unser unwürdig ist, ablehnen!" Der Staatsanwalt als Sittenwächter. Der Beleidigungsprozeß in Jena. Am Donnerstag soll in Jena der neue Termin in dem Le- leidigungsverfahren stattfinden, da» der au» dem Meineid»- prozeh Loeb sattsam bekannte Staatsanwalt Floel gegen unser Parteiorgan„Das Volk" angestrengt hat. Nachdem der Ober- staatsanwalt Frieders die Anklagevertretung in der Verhandlung gegen Loeb demonstrativ niedergelegt hatte, stellte Floel trotzdem den Antrag auf Zuchthausstrafe. Er erlitt ein schmähliches Fiasko, denn da» Schwurgericht sprach Loeb stet. Unser Parteiblatt nahm diesen Floel etwas näher unter die Lupe. Es glaubte feststellen zu können, daß der Herr Staatsanwall gewissen sexualpathologischen Liebhabereien fröhne und daß eben au» diesem Grunde seine Ehe geschieden werden mußte. Es behaup- tete weiter, daß Herr Floel die Gastfreundschaft, die eine Bürgers- fämile ihm gewährte, durch gewisse Beziehungen zu der Frau des Gastgebers gelohnt hätte und dafür von dem Ehemann verprügell worden fei. Unser Parteiblatt erklärte, diese Einzelheiten aus dem Privatleben de» Staatsanwalts Floel nur mit dem größten Widerwillen an die Oefsentlichkeit gebracht zu haben: das wäre nicht ge- schehen, wenn Floel nicht mit rechthaberischer Hartnäckigkeit sich zum Sittenrichter über den Genossen Loeb ausgespiell hätte. Ein Mann wie der Staatsanwall Floel dürfe aber nicht das öffentliche Amt eines Staatsanwalts bekleiden. Der erste Termin, der vor etwa zwei Monaten stattfand, muhte vertagt werden. Genosse Paul Levi, der als Verteidiger die Interessen unseres Parteiblattes vertrat, beantragte die Ladung der geschiedenen Ehefrau wie auch der Eheleute aus der befreun- deten Familie und außerdem einer Hausangestellten und eines Chauffeurs» die auch über bestimmte Vorkommnisse wissen sollen. Er beantragte ferner die Ladung des Gerichtsarztes, der darüber aussagen sollte, ob die sexualpothologischen Liebhabereien des Staats- anwalts Floel auf seinen Charakter abfärben müßten. Die Angelegenheit entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Vielleicht bildet sie auch einen lehrreichen Beitrag zum Problem „Sittenrichter und Privatleben". polnifther Protest in öerlin. Wegen der Erklärung der Regierungsparteien über Lberschlesicns Gcmeindewahlen. Warschau, 1. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Wie die pol- nisch« Telegraphen-Agentur mstteilt, hat der polnische Gesandte in Berlin am 30. November der deutschen Regierung eine Note überreicht, die einen P r o t est gegen die am 23. November von dem Abgeordneten Emminger im Namen der Regierungspar- tejen im Reichstag abgegebene Erklärung bezüglich der Gemeinde- wählen in Polnisch-Oberschlesien enthält. Die Note stellt fest, daß die Erklärung ein Urteil über die Wahl sowie eine Kritik des Vorgehens der polnischen Behörde gegenüber den polnischen Staatebürgern darstellt und sich mit dem Verhalten der polnischen Regierung zu den deutschen Minderheiten besaßt. Sie enthalte ferner eine Danksagung der deutschen Rcgicrungs- Parteien für diejenigen polnischen Wähler, die für die deutsche Liste gestimmt haben. In der Note werden diese Feststellungen als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Polens bezeichnet. was im Gegensatz zu den internationalen Sitten stehe und geeignet sei, unerwünschte Folgen auf Kosten der gegenseitigen Be- Ziehungen beider Länder nach sich zu ziehen. ch Da« halbamtliche Wolsfsche Telegraphenbureau bemerkt hierzu: Der Protest der polnischen Regierung ist insofern nicht ganz v e r st ä n d l i ch, als es sich um eine Erklärung politischer Parteien handelt, auf deren Form und Inhalt die Regierung keinen Einfluß hat. Den Parteien als solchen wird man nach der materiellen Seite hin das Recht nicht bestreiten können, zu dem Er- gebnis einer Wahl in einem ehemals deutschen Gebietsteil Stellung zu nehmen, das die Verbundenheit dieses Gebiets mit der deutschen Kullurgemeinschaft zum Ausdruck bringt und in diesem Sinne die Sicherung der Erhaltung dieser Gemeinschaft zu fordern. Anrufung Calonders. Gegen Deutschenhetze in Ostoberschlesien. Beuchen, L Dezember.(WTB.) Als Demonstration gegen den Ausfall der Geineindewahlen in Polnisch-Oberschlesien war am vorigen Sonntag in Kattowitz«in Aufmarsch der pol- Nischen Aufständischenverbände, bei dem der polnische Innen- minister und der Wojewode Ansprachen an die Demonstranten rich� trten. Im Demonstrationszug wurden Plakate mitgeführt, die unter hetzerischer bildlicher Darstellung die Vertreibung der Deut- s ch e n, die Auflösung und Vertreibung des Deutschen Volksbundes, die Entlassung der sich zum Deutschtum bekennenden Staats- und Kommunalbeamten, die Ungültigkeitserklärung der Gemcindewahlen und anderes mehr verlangten. Obwohl zahlreiche Polizei zu Fuß und zu Pferde aufgeboten war, wurde gegen diese verhetzende Agitation nicht eingeschritten. Sie hiell auch den pol-, Nischen Innenminister und den Wojewoden nicht ab, ihre Ansprachen auf dem Marktplatz zu hallen. Der Reichs- und Staatsvertreter bei der Gemischten Kommission wird daher unter Hinweis auf Artikel 83 des Genfer Abkommens die Aufmerksamkeit des Prä- fidenten Calonder auf diese Vorfälle lenken, da nach diesem Artikel die vertragschließenden Teil« oerpflichtet sind, ollen Ein- wohnern des Abstimmungsgebiets ohne Unterschied Schutz ihres Lebens und ihrer Freiheit zu gewährleisten. Leben unö Sterben. Atusik-llmschoo von Kurt Singer. „Auch das Schöne muß sterbenl Das Menschen und Götter be- zwinget, nicht die eherne Brust rührt e» des stvgischen Zeus." Ein Mann, ein Geist, ein Musiker: in der harmonischen Schönheit diese» Dreiklangs werden wir Fritz Cafsirer als Erinnerung be- wahren, den stillen Philosophen unter den Musikern, der einem schnellen Schlag des Todesengels anheimfiel. Manch« von uns kannten ihn noch als Kapellmeister in der Gregorschen Komischen Oper. Den vielseitigen Gesst mit dem umfassenden Wissen hielt es nicht bei der Musik. Die Menschen, die in seinen Kreis traten, be- zwang er durch die Macht seiner Persönlichkeit, und schließlich zwang er, letzte Zusammenraffung seiner seltenen Wesenheit, den gottlichen Geist im Werke Beethovens. Beethoven und die Gestalt— so heißt das künstlerische Bekenntnis diese» Mannes. Hier sst der Weg zur Seele des Beethovenfchen Künftlertum» aufgezeigt, hier sst zum erstenmal die Organik eines sinfonischen Baues aus einem schöpferischen Zentrum heraus philosophisch und gar nicht schön- rednerisch, fern von bequemer Aesthetik, entwickelt. In diesem meisterhaften Buch wird Fritz Eassirer fortleben. Es ist herrlich, einem großen Toten eine„Nänie" zu singen. Es sst schöner, dem Lebenden einen Kranz zuzuwerfen. Ohne die Unterschiede oerwischen zu wollen: ein gesunder, vielseitiger Musikant beging sein 25jähriges Dirigentenjubiläum. Alexander Weinbaum, uns allen als Führer der„Ty p o g ra p h i a" bekannt, wurde mit Recht ob dieses Jubiläum, gefeiert. Eine un- gewöhnliche Energie, wie sie das Spezifikum wirtlicher Chor- dirigenten zu sein scheint, arbeitet in Weinbaum, und er führte im Laufe der Jahrzehnte feinen Männerchor zu einer künstlerischen Höhe, die ihm mll den renommiertesten deutschen Gesangvereinen in edelste Konturrenz bringt. Nur wer selbst die Schwere und die Schönheit eines solchen erzieherischen Berufes kennt, weiß den Wert solcher jahrzehntelangen Pionierarbeit zu schätzen. Neben dem Pädagogen tritt der Musiker Weinbaum durch die Art seiner Programme, durch eine außerordentliche Kenntnis der Literatur, auch als ein sehr feinsinniger Orgel- und Klavierspieler in seinen Konzerten hervor. Unnötig zu sagen, daß die„Typographia" immer dann, wenn eine Arbeiterorganisation zu Festen der Freude oder des Gedenkens rief, zur Stelle war. Der Verein und fein be- währter Kapellmeister seien auch von diesem Platz au» gegrüßt und beglückwünscht. Der Berliner Volkschor führte in seinem letzten Konzert kein abendfüllendes Werk, sondern vier Ehorkantaten auf. Ein sehr erfreuliches Unternehmen, da es gerade in der Vielgestaltigkeit den unverbildeten Hörern eine Menge geschlossener Eindrücke vermittelte. Man begann mit„Mirjams Siegesgesang" von Schubert, der wohl nicht ganz für die räumlichen Ausmaße eine» großen Konzertsaales gedacht sst. Es folgte in einer wundervollen Abtönung, stark empfunden, die„Nänie" von Brahms, und dann„Wanderers Sturmlied" von Richard Strauß. So lebendig die ersten beiden Werke und auch das Schlußstück„Die Walpurgisnacht" von Mendelssohn noch sind, so vorgestrig wirkt Richard Straußen» Iugendwerk. Noch nicht viel sst hier zu spüren von dem Messter eines durchsichtig klangvollen Orchester«, noch nicht viel von einer Persönlichkeit, die eine Versunkenheit in Lrahmssch« Gedankenwelt in jeder Note durchtönen lieh. Der Chor hat hier Unerhörte« in einer langen, äußerlich sinnfälligen Melodieperiode zu leisten, er hat sich mit einem unerhörten Aufgebot an Durchhaltekrast gegen die Instrumentation durchzusetzen. Wie der Chor da» leistete, mit welchem Höchstmaß von Begeisterung und Ausdauer, mit welcher Sauberkeit selbst in den höchsten Regionen des Singens, das war größten Lobes würdig. Ernst Zander darf diesen Abend zu seinen besten rechnen. Ein Festkonzert de« Berliner Mozartchors(Jugend- chors) rief Sonntags nachmittag in die Hochschule für Musik. Der Chorleiter Erich Stessen hat seine Sangeskinder trefflich unter- wiesen, lieber 100 Jungen und Mädchen im Alter von acht bis vierzehn Iahren fügen sich seiner beherzten Leitung außerordentlich diszipliniert. Erst scheint«s, als wolle er die Stimmungen der Musik zu stark nuanzieren. Das wirkt bei Erwachsenen künstlerisch, bei Kindern unnatürlich. Das Terzett aus der„Zauberflöte" (Morgenlied) eignet sich nicht zu der breiteren Form des Chor- gesangs. Entzückend gelang der aus dem Herzen der Jugend heraus gesungene Ferienkanon von Mozart. Gerade an diesem nicht ganz leichten Stück merkte man, wie eifervoll und erfolgreich Steffen mit seinen jugendlichen Freunden arbeitet. Im dritten Konzert der �Internationalen Gesell- schaft für neue Musik" hörten wir fünf Sätze für Streich- quartett opus 5 von Anton Webern. Man weiß, wie wenig weit man bei diesem Schönberg-Schüler auf seine Kosten kommt, wenn man etwa Händel oder Bach oder Beethoven vorher gehört hat. Nach Klang und Form und Stimmführung ist diese Musik keiner ver- gleichbar. Nur wer imstande sst, ganz konzentriert zu horchen, wird auch in diesem komprimierten künstlerischen Ausdrucksphänomen Befriedigung finden. Es sind Aphorismen von Wert, die aber fast allzu unbedenklich geschrieben, kaum entwickett, kaum geformt sind. Ein Aphorismus wird ni« ein vollendetes Kunstwerk fein. Dasselbe konnte man von Max B u t t t n g« Neinen Stücken für Streich- quartett opus 26 sagen, wenn nicht hier in den langsamen Sätzen ein außerordentlich abgeklärtes Gefühlsmoment die Stimmung dik- tierte. Es find in der Folgerichtigkeit ihres Wegs und in der Eben- heit ihrer Zusammensetzung wohl die besten Noten, die Butling je geschrieben hat. In den hurtigen Sätzen kommt er, abhängig oder unabhängig von Strawinskis Soldatengeschichte nicht ganz los. AliceEhlers fetzte mit höchstem Geschmack und bester Kennt- nis ein Programm englischer Kammermusik um 1700 zusammen. Man kennt ihre große, heute unerreichte Fähigkeit des Cembalosplels, der Differenzierung des Klingens auf dem Instrument, und sie be- wies das in Soli von Bull und Bryd und Händel(der ja auch halb zu den Engländern gehört). Vorher ging eine Triosonate von Purzell, in der Anni Steiger- Betzak und Nora W i l l i a m s o n virtuos und energisch, allerdings nicht ganz ohne Nebengeräusche, die Geige strichen, während sich Paul Herrmann hier und an anderer Stelle als grundmustkalischer Cellist erwies. Alfred Schmid-Badekow feiert« in seinem Konzert die dreißigste Wiederkehr des Tages an dem er einst bei Bechstein seine künstlerische Laufbahn begonnen hatte. Er spielte ein wunder- voll klingendes Instrument feiner Förderer. Sein Spiel ist erfüllt von großem Wollen und von technischer Versiertheit. Die Richtigkeit seiner Phrasierungen und seine« Ausbauen» imponiert mehr als die etwas lehrerhafte Art, Gefühl zu vermitteln. Das Umgekehrte bei Gertraud Dirrigl. Dieses junge Menschenkind musizlort aus dem Vollen eines musikalischen Fühlen? heraus, sie steigert sich beim Spielen zu dem Ausdruck von größter Kraft, und sie haut so herrlich daneben, daß man ihr nur eine technische Vollendung zu wünschen braucht, damit sie zu den Großen ihres Faches gehört. Vollendung der Technik, ohne den Geist zu verlegen, ohne das Gefühl zu mißachten: das ist die große Offenbarung, wenn Furt- wängler Beethoven dlrigiert. Das eine Iahreskonzert für die Vensionskasse der Philharmoniker war unter Nilifchs Leitung selbst leer. Bei Furtwängler ein gefülltes Haus, nach den ersten Tönen auch Gefühl mit jener Spannung, die dem Außerordentlichen ent- gegensieht. Die Größe, die Leichtigkeit, die Heiterkeit, mit der Furt- wängler die I V. Sinfonie Beethovens, dieses Stiefkind der Dirigenten, nachdichtete, sind unvergleichlich und immer wieder bezwingend. Er ist der Mann, um das Herrlichste und Schönste an Beethoven, das für viele ja schon zu sterben begann, immer wieder neu zum Leben zu erwecken.__ „Onkel wansa" von Tschechow. Es ist nicht ganz einfach zu er- klären, wie Tschechow zum Dichter eines quälenden, trostlosen Pessimismus werden mußte. In keinem großen Lande war die Bour- geoisie, deren Dekadenz er dramatisierte, jünger, freilich auch in keinem polttisch und geistig unterdrückter. Daß die Inattivität kein allgemeiner russischer Charakterzug ist, hat die russische Arbeiterschaft oft genug bewiesen. War es nur Tschechows individuelle Veran- lagung, die ihn an einem vernünftigen Ziel des Lebens verzweifeln ließ, oder gab er wirklich ein getreues Spiegelbild der bürgerlichen russischen Gesellschaft um 1900? Monoton, niederdrückend, ohne jeden Lichtblick ist das Milieu des„Onkel Wanja", den das Theater in derKommandantenstraße ausgrub. Seinem Stammpubsikum schienen diese endlosen Gespräche lebendiges In- teresse zu bieten, uns anderen sind sie nur noch historisch wichtig als Zeichen einer niedergehenden Klasse. Die Inszenierung gab kaum ein echt russisches Interieur und auch die Regie hätte stärkere Stimmungsreize erstreben können. Ihr war es wohl auch zuzu- schreiben, daß Erna Reigbert die Frau des Professors so ganz hilflos gab und keine Anteilnahme aufkommenlieh. Gut war der räsonnierende, posierende Professor von Paul Marx. Den um sein Leben betrogenen, keines Auftriebes mchr fähigen Onkel Wanja zeichnete Hans L e i b e l t in den verschwimmenden Konturen seines Charakters. Die beste Gestalt, die einzige, die zum Miterleben nötigte, schuf Sonja B o n g s in der Tochter des Professors. Ihre Klage über ihr Leben, das nur noch Arbeit und Entsagung sein würde und auch den Himmel sich nur noch al» Ruhe von der Plag« vorstellen kann, ging zu Herzen.— Aber ist das Kost für eine aus» oder absteigende Klasse?_ r. vertchtigulig. Der ein« der beiden Verfasser de» neuen Schwanke» „Früchtchen- ist im gestrigen Abendblatt infolge elneS HörsehlerS«Ig Mnux benannt worden. Da er aber ein simpler Franzose ist, mutz er sich schon mit G i g n o u x begnügen. INniitchromt Die Gemeinnützige Vereinigung zur Pflege Teulschcr Kunst veranstaltet Freitag K llbr in der Neuen Kirche am Gendarmenmarkt ein„Advent- und SeihnachtSsingen- alter deusscher Volkslieder zu zwei Lauten. Unmögliche Venvenöung von Relchsgelöern Gefährliche Wege der Subvcntionspolitik. In dem sogenannten Sofortprogramm der Reichsregierung, dem zufolge im Nachtragshaushalt für die Ostgebiete 32 Millionen Mark »achgefordert worden sind, findet sich ein Posten von S M i l l i o- nen Mark für Erleichterung der Kreditnotlage der o st preußischen Landwirtschaft. Die Reichsregierung hat zu diesem Posten keine näheren Erläuterungen für notwendig geHallen. Aus einer Bekanntmachung der O st p r e u ß i s ch e n Landschaft ersieht man jetzt den Verwendungszweck dieser S Millionen. Es heißt in dieser Bekanntmachung wörtlich: „Um aber bereits jetzt die Zinslast abzubürden, sind mit Hilse von Reichsmitteln folgende Maßnahmen getroffen und werden hiermit bekanntgegeben: L 1. Für die Landwirte, welche eine Schuld in z e h np r o- zentigen Pfandbriefen aufgenommen und die Pfand- briefe verkauft haben, wird der Z i n f e n d i e n st für den Zins- termin des IL. September 1S2S von 10 Proz. auf 8 Proz. herabgesetzt. 2. Für die achtpriy entigen Pfandbrief« wird für den gleichen Termin der Z i n s« n d i e n st von 8 Proz. auf 7 Proz. herab- gesetzt, soweit die Schuldner die Pfandbriese oerkaust haben. 3. Sind Zinsen bereits in höherem Betrage gezahtt, so wird der überschießende Teil gutgeschrieben. 4. Für die zehnprozentigen Pfandbrief« wird die gleiche Er- Mäßigung wie zum IL. September 192S auch für den IL. März 1S27 erfolgen. II. Es wird darauf verwiesen, daß ein« weitere Entlastung der Schuldner durch Erlaß der Herb st rate der Rentenbank- grundschuldzinsen, wie bereits in der Bekanntmachung der Landschaft vom 1. Oktober 1926 angekündigt, erfolgt.� Damit sind die Gerüchte, die früher dementiert wurden, bestätigt. Damit ist gleichzeitig auch der Verwendungszweck der 5 Millionen Mark de« Nachtragetats geklärt. Diese Maßnahmen fordern die schärfste Kritik heraus. Nicht nur Ostpreußen hat einen Umlauf in zehnprozentigen Pfandbriefen, sondern auch eine Reihe anderer provinzieller Landschaftsbanken, und zwar entfallen von einem Umlauf von rund 22S Millionen 87 auf Ostpreußen, 83 aus Sachsen und LS auf S ch l« s w i g- H o l st ei n. Aehnliche Maß- nahmen bei den zehnprozentigen landschaftlichen Pfandbriefen wür- den also allein mehr als das Eineinhalbfache der an Oftpreußen ge- spendeten Summe beanspruchen. Würden überall die zehn- und acht- prozentigen Pfandbriefe nicht nur der Landschaften, sondern auch der sonstigen Hypothekenbanken, also vor allem die Pfandbriefe, die zum Zweck der Finanzierung des Wohnungsbaues ausgegeben worden sind, gleiche Vergünstigungen erhallen, so wür- den sich außerordentlich hohe Summen ergeben. Das gleiche gill für den Erlaß der Rentenbankzinsen, die im Reich jähr- lich 120 Millionen, cm einem Zinstermin also 60 Millionen Mark betragen. Zweifellos werden jetzt die anderen ähnlich interessierten Kreise für sich das gleiche fordern. Dabei Ist schon heute die ostpreußische Landwirtschaft mannigfach bevorzugt, so z. B. bei der Auf- bringung der Kosten für die Landwirtschaftskammern. Wie u n- gerecht in dem Ostprogramm nach der Vorlage der Reichsregie. rung die Mittel verteill werden sollten, zeigt die folgende Aufstellung deutlich, in der der Versuch gemacht worden ist, soweit es die Vor- lagen gestatten, die Verteilung der bewilligten Mittel auf die ein- zelnen Provinzen ziffernmäßig klarzustellen. Es betragen --- Ostpreußen. Grenzmark. Oberschlefien. Niederschlesien Hauptunterlllltzuna»- empfangrr auf I0M Einwohner am IZ. v. LS am-L 10. LS BeaSIterung in 1000 vro Ropt Marl 5,4 6,0 2275 5,70 8,6, 1,8 388 iM.-__- 12,8 11,6 1373 8,70 17.8 16,4 8169 0,76 Wie man sieht, sind andere Landesteil« durchaus im Recht, wenn sie angesichts der Krise in den einzelnen Gebieten sich gegenüber Ostpreußen benachteiligt glauben. Der jetzt in Ostpreußen bcschrsttene Weg zur Kredithilf« für die Landwirtschast ist des- halb ganz besonders gefährlich, weil ja die Herabsetzung der Zinsen von Landschastspfandbriesen den Landwirten zugute kommt ohne Rücksicht darauf, ob es sich um Groß- oder Kleinbetrieb«, um schlecht oder gut bewirtschaftete Güter, um vorsichtige oder leicht- fertige Kreditnehmer handelt. Im Gegenteil, diejenigen Landwirte, die sich 1924/26 leichtfertig verschuldet haben, haben von der Aktion der Reichsregierung den größten Nutzen. Wir hätten gegen die Verwendung von 5 Millionen Mark für die oft- preußische Landwirtschaft nichts einzuwenden, wenn die Gewähr dafür gegeben wäre, daß sie wirklich unverschuldet notleid en den Landwirten zugute kämen, besonders wenn die arg bedrängte und von den landwirtschaftlichen Kreditgebern stark vernachlässigte Bauernschaft einen wesentlichen Anteil an der Hilfsaktion hätte. Das was hier gemacht wurde, entspricht den Forderungen nach einer produktionsfördernden Agrarpolitik durchaus nicht. Hingegen reizt dm schematische Vergünstigung für verschuldete Betriebe die Organisation anderer Gebietsteil« direkt dazu auf, ähnliche For- derungen zu stellen. Deshalb sollte man endlich mit der wahllosen Verschleuderung von Reichsmitteln für derartige Hilfsattionen auf- bören und statt besten in größerem Maß« Mittel für wirtliche Pro- duktionsförderuni freimachen. Kampf gegen üie Krankenkassen. Der bedrohte Unternehmerprofit. Dem Reichstage liegen Anträge von der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftlichen Bereinigung vor, die von der Reichsregierung di« Einbringung eines Gesetzes zur Aenderung der Reichsoersicherungsordnung verlangen, das den Krankentassen die Möglichkeit nehmen soll, durch eigene Fabritations- oder gewerbliche Unternehmungen oder Beteiligung an solchen für eine bessere und billigere Heilmittel- belieferung der Krankentassenmitglieder zu sorgen. Es ist ein durchsichtiger Kampf, der hier gegen die vom Hauptverband deutscher Krankentassen geschaffenen Selbsthilfeeinrichtungen zur höheren Ehre des Unternehmerprosits geführt wird. Das Ganze paßt vorzüglich in den Kampf gegen die Sozialversicherung. Sonst werden die Unternehmer nicht müde, über mangelnde Selbsthilfe zu jammern. Hier, wo es in zweckentsprechender Weise geschieht, erhebt sich sofort ein Geschrei über.Sozialtsierung des Gesundheitswesens�, weil der Unternehmerproftt den Krankenkassen- Mitgliedern zugute kommt. Auf diesem Gebiete darf nach Meinung der Unternehmer, die sonst den Mund nicht voll genug nehmen können, nicht gespart werden. Relchsregierung und Reichstag haben alle Ursache, diesen Unter- nehmerforderungen mit Nachdruck entgegenzutreten und di« Selbst- hilfeeinrichtungen der Krankenversicherung zu fördern. Relchsregierung und Kruppkredll. Das Reichskabinett befaßte sich niil dem in den letzten Tatzen eingegangenen Kreditgesuch der Firma Krupp in Esten. Die Reichsregierung sah in der Gewährung einer Reichsanleihe aus grundsätzlichen Erwägungen keine brauchbar« Losung zur Beseitigung der ossensichilich besonders starken Notlage. Jedoch wird die Reichsregierung durch die zu- ständigen Ressorts mit der Firma Krupp und der Stadt Este» wegen aoder« Hilfsmaßnahmen sosort in Verbindung treten, Saperns Willkür gegen Reichsrecht. Potemkin-Juterpellation im Reichstag.— Külz versagt kläglich. Der Reichstag behandelt« gestern bei dem Nachtvag zum Ernährungsetat zunächst Anregungen lokaler Natur und ging dann zum Nachtragsstat des Innenministeriums über. Die Beratung ist mit der sozialdemokratischenJnterpellation über das Verbot des Palemkin-Films in Bayern und Württemberg verbunden. Den Bericht über die Ausschußoerhandlungen gibt Abgeordneter Schreiber(Z.). Der Ausschuß empfiehlt in einer Entschließung, die Reichsregierung zu ersuchen, in«ine Nachvrüsung der wirt- schaftlichen Lag« der gealterten deutschen Geistes- a r b e i t e r«inzutreten, in den Haushallsplon für das Rechnungs- jähr 1927 einen namhaften Betrag zur Behebung besonderer Not- stände in der deutschen Kunst einzusetzen und darauf hinzuwirken, daß die Länder die gegenwärtig bestehende Mannigfaltigkeit der Lehrpläne für die höheren Schulen mindern. Ferner soll die Reichsregierung ersucht werden, dem Haushaltsausschuß sobald als möglich«in« Zusammenstellung aller zurzeit in Vorbereitung be- findlichen Gesetz« vorzulegen. Bbg. Crispiea sSoz.j: Während der Debatte über das Schund- und Schmutzgeisetz hat der Reichsinnemninister behauptet, das Lichtspie lg«fetz beweise, daß die Befürchtungen vor einer politischen Zensur unbe- gründet wären. Ich will nicht darauf eingehen, welchen Leidensweg der Potemkm-Film zurückgelegt hat, bis er zur Prüfftelle kam und wie er abgeändert wurde, bis er zur Vorführung zugelassen worden ist. Aber neuerdings geschieht es immer häufiger, daß Filme, die die Zensur postiert haben, trotzdem von irgendwelcher Landesreoieung verboten werden und daß die Reichsslellen bei der Zurückweisung solcher Uebergriffe der Landesslellen versagen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In neuerer Zeit sind häufiger Versuche gemacht worden. Filme zu schaffen, die dem Empfinden der arbeitenden Be- völkerung entsprechen. Die Filme, die sich mit k i t s ch i g« n D i n g« n befassen, finden überwiegend den Beifall der Prüfstelle. Anders aber geht es mit den Filmen, die sich mit den Bestrebungen der Arbeiterbewegung beschäftigen, ihnen werden große Schwierigkeiten gemacht. Zu diesen Filmen gehört auch der Potemkin-Film, der «ine ganz eigenartig« Geschichte hinter sich hat. Der künstlerische Wert dieses Films ist von keiner Seit« bestritten worden, er stellt geradezu eine Spitzenleistung dar, er enthält«in geschichtliches Ereignis, eine Episode aus der großen russischen Revolution. Es wird darin zum Ausdruck gebracht, daß jede Macht, die sich auf Gewalt stützt, auch Gegenbewegungen auslöst. Es ist ein Unsinn, zu behaupten, daß dlefer Film eine bolschewistische Aktion darstelle. Der Kampf gegen den Zarismus ist nicht nur von den Arbeileru, sondern auch von großen Teilen des russischen Bürgertum« geführt worden. Es handelt sich also hier um einen Film von großem künstlerischem Wert mit hohen sittlichen Gehalt. Dieser Film ist zuerst von der Prüfstell« verboten worden. Auf eine Beschwerde der Her- steller hat ihn dann di« Oberprüfst« II« zugelassen. Es wurde dann auf Antrag von Thüringen ein neues Verfahren«ingeleitet und unter dem Vorsitz des Oberregierungsrats Seger ist jetzt dieser Film von derselben Oberprüsstell« verboten worden.(Höril hört!) Man kann nur annehmen, daß Herr Seger irgendwelchen reakttonären Treibereien unterlegen ist. Der Film wurde nun geändert, erneut vorgelegt und wiederum zugelassen. Einen Einspruch dagegen lehnt die Oberprüsstell« ab, nur Jugendliche sollten von der Vor- führung ausgeschlossen sein. Trotzdem wird in Bayern das Verbot aufrechterhalten. In der Begründung des Verbots wird tzesagt, wenn auch nicht unmittelbar ein Ausstand zu befürchten sei, -so sei doch anzunehmen, daß zu irgendeiner Zeit sich irgendwo etwas begeben könne, was gegen die Staatsordnung verstoße, und deshalb müsse man gegen den Film vorgehen. Da» Retchswehrministerium erklärt, daß der Film gegen den Aukoritätsbegriff der allen Arm« verstoße, die Reichswehr ober hebe die Aufgabe, diesen Arüorilätsbcgriss ans sich zv übertragen. (Hört, hört!) Der preußische Vertreter in der Prüfstelle hat sich daraus berufen können, daß der Film in Preußen mehr als 10000 mal aufgeführt worden ist, ohoe daß ein einzige» Wal auch nur die geringste Störung der staatlichen Ordnung eingetreten Ist. Selbst in T h ü r i n ge n, wo di« Regierung gegen den Film ist, hat sich n i ch t die gering st« Störung ereignet. Gegenüber dem„Äutoritäts- begriff" des Vertreters der Reichswehr erklären wir: Die alte Armee war ein Instrument des alten Klaffen st oats, mit ihrem Kasernendrill, mit ihrem Kadavergehorsam. Dieses alte Militärsystem ist ohne jeden Ruhm zusammengebrochen. Di« Republik dagegen ist aufgebaut worden aus der Grundlag« politischer Freiheit und diese Republik braucht kein« Arme« mit dem alten„Äutoritäts- begriff".(Sehr richtig b. d. Soz.) wir lehnen die Begründung de, Retchswehrministerium» ab. wir wollen den Ausbau aller(Einrichtungen des jetzigen Staatswesens in republikanischem Geiste.(Sehr richtig bei den Sozialdemokr.) Eigenartige Methoden werden in Württemberg gegen den Potemkin-Film angewandt. Trotzdem der Film zum zweitenmal frei- gegeben worden war, hat der württembevgische Innenminister Bolz selbst ausgeführt, er Hab« den Oberämtern anheinigegeben,„ent- sprechend" zu handeln und sie dabei auf di« agitatorische Wirkung de» Films aufmerksam gemacht. Diese Anweisung ist nichts anderes als eine Aufmunterung an die polltischen Behörden, den Film zu verbieten. Formell besteht zwar in Württemberg kein Berbot, aber durch«in hinterhältiges Verfahren wird das Berbot doch praktisch durchgeführt.(Sehr wahr b. d. Soz.) Al» die örtliche Polizei in einem einzigen Ort in ganz Württemberg die Ausführung zuließ. ohne daß es dabei zu irgendeiner Störung gekommen wäre, ist er vom Stuttgarter Volizelpröjidium beim Minister des Innern angezeigt worden.(Hört, hörtl) Herr Külz täte bester daran, gegen die ver- steckten Methoden vorzugehen, als sie durch diplomatische Erklärungen zu decken. Der wüvttsmbergssche Innenminister habe sein Vorgeyen dadurch zu rechtfertigen gesucht, daß er behauptet«, der FUm vecherr- liche die russische Revolution. Aber hat nicht jedes Volt sein« revolutio- när« Tradition, hat nicht auch das Bürgertum fein« große revolutionär« Geschichte, die nicht aus der Well verboten werden kann? Ein Bolt, das«ine Revolution erlebt hat, muß sich auch zu seinen revolutio. nären Traditionen bekennen. Herr Külz wäre heut« nicht Minister, wenn Deutschland nicht sein« revolutionäre Geschichte hätte. (Sehr wahr!) Herr Bolz hat gesagt, er habe kein Reichsgesetz mit seinem Borgehen verletzt. Das ist ein« offenbar« Berhöhnung des Reichs, di« wir nicht hinnehmen dürfen. Er kann allerdings auch anders handeln als bei diesem Film. Als Herr Hitler«in« Versammlung oeranstallen wollte, hat er dafür gesorgt, daß sie nicht gestört werden konnte. Wenn Herr Bolz für diesen Film Störungen befürchtet hätte, dann standen ihm doch die gleichen Möglich» leiten zur Verfügung, um die Staatsordnung zu. schützen. Es fleht fest, daß kein Film aus politischen Gründen verboten werden darf. Um so schärfer müssen wir deshalb die EInmlschnng des Reichsweh rnunisteriums in diese Angelegenheil zurückweisen. Es wird doch wohl den Reichswehroffizieren nicht darum zu tun fein, sich mit den Schandtaten des allen Zarismus zu solidarifleven. Di« preußische Regierung hat sich bei dieser Gelegenheit als«ine besser« Schützerin der Reichsgesetze gezeigt als die Reichsregierung. Eine außerordentliche reaktionär« Rolle haben in dieser Angelegenheit der Reichskommissar Küntzer und der O b e r r« g i e r u n g s- rat Mühlcisen gespielt. Herr Mühleisen hat selbst erklärt, daß er die Landesregierungen insormirrt habe.(Hört, hört!) Wie seh«» dies« Informationen au»? Wo nimmt er da» Recht her, die Länder aus sei« Wotje zu insovmieren. Er hatdie würitembergische Regierung geradezu ausgeputscht, ihr« reaktionären Maßnahmen zu treffen. Nicht dieser Film gefährdet die össeutliche Ordnung, sondern das Treiben solcher reaktionärer Beamten! Wir fragen nunmehr die Reichsregierung ausdrücklich, ob sie die Sabolierung der Reichegesctze durch Bayern und Württemberg dulden will. Sie hat die Pflicht, alles zu tun. um die Aufführungen des Films sicherzustellen. Der Reichsinnenminister muß aus die Frage antworten, ob er sich dem reaktionären Treiben gegen den Film unterwerfen will. Die Republik aber wird sich durchsetzen, mögen diese Treibereien kommen, woher sie wollen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichsinnenminister Dr. Sülz: Die in der Interpellation erörterten Vorgänge bedürfen sorg- fälttgster Prüfung durch die Reichsregierung.(Lebhaste Rufe links: Es wird endlich Zeit!) Wir haben uns mit der bayerischen und württembergischen Regierung ins Benehmen gesetzt. Die Antwort der würtlembergischen Regierung fleht zurzeit noch au».(Die So- zialdemokraten weisen aus den Zentrumsabgeordneten Bolz und rufen: Da sitzt ja der zuständige wiirttemberglsche Innenminister?) Sowie diese Antwort vorliegt, bin ich bereit, die Interpellation inhaltlich zu beantworten.(Laute Rufe links: Was hat denn Bayern geantwortet?— Warum schweigen Sje über Bayern?— Er hat Angst vor Bayern!) Abg. Dr. Philipp(Dnat.) erklärt, er kenne persönlich den Potemkin-Film nicht, aber wenn durch ihn tatsächlich die alle Auw- rität im Heere gefährdet werde, dann sei das Verbot gerechtfertigt. Die Interpellation beweise nur, wie notwendig eine Revision der Versassungsbestimmungen sei, die das Verhält- nis zwischen Reich und Ländern regeln. Der Redner fragt die Regierung, wann sie das Reichsschulgesetz vorlegen wolle. Die Frage sei längst spruchreif. Die Mehrheit des Volkes verlange die Verankerung der christlichen Bekenntnisschule in einem Reichsschulgesetz. wir verkennen nicht die Schwierigkeiten, die Dr. Sülz dadurch gemacht werden, daß die Demokraten immer im letzten Moment ausbrechen. Der Minister kann ein großer Mann in Deutschland werden, wenn...(die letzten Worte gehen unter im schallenden Gelächter der Linken) Wenn die Reichsregierung die alle Forderung des Reichsschulgesetzes nicht schnell erfüllt, dann muß an die letzte Instanz, an das deutsche Volk mit dein Mittel des Voltsentscheides appelliert werden. Reichsinnenminisktt Dr. Sülz:> Der Entwurf des R e i ch s sch ul g e s e tz e s ist im Reichs- ministertum des Innern fertiggestellt. Einzelheiten aus feinem Inhalt mitzuteilen, sehe ich mich fotonge nicht in der Lage, als er nicht Gegenstand der Beschlußfassung im Kabinett ge- wesen ist. Wie bisher, so wird auch künftig das Rcichsministerium des Innern diese gesetzgeberische Materie mit der Beschleunigung, aber auch mit der Sorgfall behandeln, die ihr bei ihrer Dringlichkell und bei ihrer weittragenden Bedeutung zukommen. Abg. Torgler(Komm.): Die Antwort des Ministers aus die Potemkin-Jnterpellation war ein starkes Stück. Di? Witz- blätter sind vielleicht auf falscher Fährt«, wenn sie den Minister nur als den harmlosen Rormalbüraer hinstellen. Gewiß, so wie Dr. Külz stellen sich die Eourths-Mahler und die Marlitt einen deutschen Minister vor, aber dadurch darf sich niemand lauschen lassen über die Gefährlichkeit dieses Ministers und seiner Politik. Dieser angeblich demokrattsche Minister ist der b e st e Helfer der Deutschnationalen........ Abg. Rheinländer(Z.): Das Zentrum habe sich innner mit größtem Eifer für die schleunige Verabschiedung eines Reicheschul- gefetzes eingesetzt. Der neuerlich« Eifer der D eutfchnatio- n a l« n weck« aber den B e r d a ch t, als ob es ihnen nicht bloß um die Sache zu tun sei, sondern auch um gewisse Parteiziele. Abg. Mayer-Franken(Komm.) führt Beschwerde darüber, daß in Bayern die Bersammlungstätigkett der Kommuni st ischen Partei unterdrückt werde, und verlangt vom Reichs- innenmini st er, daß er für den Schutz der oerfassungs- rechtlichen Freiheiten auch gegenüber der bayerischen Regierung sorge. �bg. LanSsberg sSoz.) weist darauf hin, daß der Reichsinnenmlnister bereits über das not- wendige Material zum Verbot des Potemkin-Films verfüge, er habe nicht warten brauchen, bis es vollständig sei, um hier eine Erklärung abgeben zu können. Es sei doch nicht zu bestreiten, daß die Ober- prüfftelle den Film freigegeben hat und daß Bayern und Württem- berg dagegen angegangen seien. Die erneute Anrufung der Ober- prüfstelle ist doch das klare Zugeständnis, daß die Regie- rungen dieser beiden Länder nicht die Befugnis hatten, das Rollen dieses Films zu verbieten, sonst wäre die Anrufung der Obersten Prüfftelle sinnlos, und Sinnlosigkeiten traue ich der baye- rischen Regierung nicht zu.(Heiterkeit.) Tatbestand ist, daß trotz der Freigabe des Films die bayerische Regierung das Berbot auf- rechterhält und die württembergische Regierung ein moderiertes Verbot erläßt. Dazu müssen Sie, Herr Minister. Selluna nehmen. Ich weise darauf hin, daß Herr Bolz Mitglied dieses Hauses ist, er hätte also heute genug Gelegenheit gehabt, Sie über die Sachlage zu informieren. Außerdem hat er doch in der Sitzung des Württembergischen Landtages vom 29. Oktober d. I. sein Verbot begründet. Also auch ohne besonderen Schriftwechsel können Sie über seine Gründe unier- richtet sein. Sie nnißlen reden. Herr Minister, deau das hier eine ungeheuerliche Gefahr für die Reichsverfassung entsteht, wenn Sie als deren berufener Hüter nicht gegen die Rerftöße einschreiten, ist klar, wir haben es hier mit einem bewußten verstoß gegen die Grundlage der Retchsversassung zu tu».(Sehr richtig�) Ich mute Ihnen nicht zu, eine Reichsexekution gegen Bayern ein- zuleiten, aber was Sie ttin mußten, das war mit klaren Worten zu erklären, daß die bayerisch« Regierung da» Reichsrecht verletzt hat, und zwar bewußt verletzt hat. Sie mußten Anlaß nehmen, gegen ein solches Verhalten der Re- glerung eines Landes hier zu protestieren. Mit aller Deutlichkeit stelle lch fest, das Recht ist in Deutschland verletzt worden, Sie haben di« Pslickst, heute hierzu Stellung zu nehmen.(Beifall bei den Soz.) Reichsinnemninister Sülz erklärte dazu, daß die Vorkommnisse in Bayern und Württemberg eine einheitliche Handlung darstellen, und daß er erst Stellung dazu nehmen könne, wenn das abschließende Material vorliege. In Württemberg schwebe noch ein Ber- Wallungsgerichtsverfahren, das noch nicht in letzter Instanz erledigt sei.(Zurufe.) Er erkläre offen, daß ein generelles Verbot des Films mit den Reichsgeistzen nicht vereinbar sei.(Zurufe links: Nur ein generelles Berbot?) Di« bayerische Negierung habe erklärt, daß sie nur in Ausübung der ihr zu- kommenden gesetzlichen Rechte gehandelt habe, als sie für die Aus- rechterhaltung der Ruhe und Ordnung gesorgt habe. Zunächst müsse e» der bayerischen Regierung überlassen werden, zu prüfen, ob die unteren Behörden bei der Ausübung dieses Rechtes nicht zu weit gegangen seien.(Lebh. Zurufe links.) Damit schließt die allgemeine Aussprach«. In der Einzeldebatte wird auf Antrag des Zlbg. Sch"ldt(Dem.) der vom Ausschuß ge- strichenc Betrag von 36000 Mark zur Förderung der Beamtenerholungshein,« wieder hergestellt.— Gegen 6* Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag nachmittag S Uhr: Nachtragsetat(Auswärtiges Amt, ,/VAZ.»Affare). der Segriff der ttotftanösarbeit. Burcaukratische Haarspalterei. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, steht sich der ..ciißische Minister für Volkswohlfahrt auf Grund mehrerer Einzel- fälle veranlaßt, auf Z 1 Absatz l und Z 3 der Bestimmungen des Rcichsarbeitsministers über öffentliche Notstondsarbei- r e n voin 30. April vorigen Jahres besonders hinzuweisen. Nach g 1 Absag 1 können als Notstandsarbeiten nur Arbeiten von volks- wirtschaftlichem Wert gefördert werden. Dies gilt nicht nur sür die verstärkt« Förderung, sondern auch für die Grundförde- riing. Da gegen diese bindende Vorschrift vielfach verstoßen wird. ersucht der Minister, in allen Fällen, in denen ein solcher Verstoß vor- lieg'. Einspruch zu erheben. Nach§ 3 der genannten Bestimmungen»dürfen Arbeiten, die auch ahne Unterstützung aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge vor- genvnunen werden können, nicht als Notstandsarbeiten gefördert werden". Es muß sich also bei den Notstandsarbeiten stets um zusätzliche Arbeiten handeln. Oesfentliche Arbeiten, für die et i�ts mähige Mittel zur Verfügung stehen, dürfen n�cht gefördert werden. Bei Arbeiten wie zum Beispiel der»Her- «chtung eines Schulhofes", der„Herrichtung eine» Krankenhaus- gartens". der»Erweiterung des Gasrohrnetzes, de» Kanalisation»- petzes oder einer Wasserleitung' ist die Zusötzlichkest stark zu bezweifeln. Uns will scheinen, daß der preußische Minister für Volkswohl- fahrt, der etwas reichlich in Rundschreiben und Verfügungen über die Auslegung von Rundschreiben und Verfügungen arbeitet, mit vorstehender Aeußerung buveaukratisch« Haarspalterei betreibt. Bei Notstandsarbeiten handell es sich darum, die Gemeinden in die Möglichkeit zu versetzen, durch finanzielle Beihilfe A r b c i t sm ö g l i ch k e i t e n zu erschließen. Wenn die an- geführten. Beispiele nicht als Notstandsarbeiten zugelassen werden sollen— warum, wird nicht gesagt—, dann kann man»stark be- zwesseln", ob es überhaupt Arbeiten gibt, die als Notstandsarbeiten im Sinne der Verfügung des Reichsarbestsministers gelten können. kommunistische Verhöhnung See Erwerbslosen. Reden und Resolutionen. Gestern begann das üble kommunistische Theater mit den sogenannten Kongreß der Erwerbslosen. Was brauchen die Erwerbslosen? Arbeit und. so lange sie keine haden, hinreichende Un-terstützung. Beides zu be. fchaifen, darum bemühen sich nicht ohne Erfolg die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie. Was aber bietet die KPD. den Erwerbslosen? Long» Reden und Resolutionen. Das ist eine Verhöhnung der Not der Erwerbslosen. Aus dem Elend der Arbeitslosen sucht die KPD. für sich politisches Kapital zu schlagen. Um die Not der Arbeitslosen macht sie sich nicht die geringsten Sorgen. Das ist kom- muniftische Erwerbslosenfürsorge. Die Aussperrung in Sachsen-Thüringen Sie ist jetzt allgemein. Sera. 1. Dezember.(WTB.) Obwohl(!) die Unternehmer im süchsisch-thüringischen Weberei verband die beschlossene Aussperrung in den Ortsgruppen Glauchau, Meeran« und Neustadt an der Orla rnn einen Tag verschoben hatten, find die Arbeiter der streikenden Firmen Schulenburg u. Beßler in Gera und Ernst Engländer in Berga nicht zur Arbeit zurückgekehrt, so daß(!) die Aussperrung heute früh für das gesamte Gebiet des sächstsch-thüringischen Weberei« verbände» durchgeführt worden ist. Es sind ungefähr 26 000 Ar- beitnehmer von der Aussperrung betroffen.(Es fällt dem offiziösen Wolsf-Bureau nicht ein, zu sagen:»Obwohl ein für die Unter- nehmer sehr günstiger Schiedsspruch gefällt worden ist, obwohl die Arbeiter diesen Schiedsspruch angenommen haben, obwohl das Reichsarbeitsministerium für heute Verhandlungen festgesetzt hat, haben die Unternehmer die Arbeiter ausgesperrt." Wolffs»Objektivität" bewährt sich.)_ Wie es auf Düppel aussteht. Ein kapiiel wohnungselcnd auf dem Lande. In den höchsten Tönen wurde bisher das von der Stadt Berlin anzukaufend« Rittergut Düppel als„Lunge der Großstadt" be- zeichnet. Hier soll einmal der Oefsentlichkeit die Kehrseite der Me- daille unterbreitet werden. Das Gut befindet sich augenblicklich in Händen des Besitzers der Presto-Fleischwerke, Herrn Paul Bernau. Verschiedent- lich ist er darauf aufmerksam gemacht worden, doch dafür Sorge zu tragen, daß die Arbeiterwohnhäuser In menschenwürdigen Zustand gesetzt werden sollten. In einem Brief an den Deutschen Landarbester-Verband sagte er das auch zu. Aber nichts von alledem ist geschehen. Durch die schadhasten Dächer r e g n e t es in die Woh- nungen. Die Folge ist. daß die Betten. Schränke usw. der Arbeiter vollständig dem Verderben preisgegeben sind. Zudem besteht auch die Gefahr, daß durch die dauernde Feuchtigkeit die Dachsparren und Balken verfaulen und eines schönen Tages die ganze Geschichte zu- sammenbricht und Menschenleben dabei vernichtet werden. Die Woh- nungen, die der Unternehmer nach dem Tarifvertrag und nach der Landarbeitsordnung instandhalten muß, sind schon jahrelang nicht geweißt. Die Dielen sind dermaßen brüchig und von Ungeziefer unterhöhlt, daß man sich gar nicht getraut, so einen Raum zu betreten, weil man Angst hat, sich die Beine zu brechen. In einer Wohnung haben die Ratten große Löcher durch die Dielen gefressen. Wohl hat Herr Bernau die V i« h st ä l l e decken und ausweißen lassen. Als die Besichtigungskommission der Stadt Berlin kam, waren auch die Dunggruben außen schön geweißt, aber an den A r b e i t e r h ä u s e r n hat man keinen Handschlag gerührt. Auch sonst herrschen idyllische Zustände. Das Deputat der Frei- arbeiter und Frauen, das jeden Monat bis spätestens den zweiten oder dritten ausgehändigt werden soll, wird oft zwei bis drei Wochen später geliefert. Es ist den Stadtverordneten zu empfehlen, falls mit Herrn Bernau ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen wird, ihm Nor zu machen, daß er in seinen Betrieben in allererster Linie dafür zu sorgen hat, daß für die Arbeiterschaft anständige Lohn-, Wohn- und Arbeitsbedingungen bestehen müssen Die Lohnbewegung üer Reichsarbeiter. Sämtliche Lohntarife gekündigt. Wie wir schon gestern morgen mitteilten, hat der Deutsche Verkehrsbund den Lohntarif für die Arbeiter der Deutschen Reichs- post zum 31. Dezember gekündigt. Zum gleichen Termin sind auch von den in Betracht kommenden Organisationen die Lohntarif« der Reich»- und Staatsarbeiter des Reichsfinanz- Ministeriums gekündigt worden, dem sämtlich« Ministerien und Reichsbehörden, mst Ausnahme der Reichsbahn, unterstellt sind. Die Organssatwnslettungen werden bei den oonuwfichtltzh an fang» nächster Woche beginnenden Verhandlungen alles aufbieten, um die Löhne der Reichs- und Staatsarbeiter den gegenwärtigen Teuerungs- Verhältnissen anzupassen. Die Forderungen werden der Reichspost sowohl wie dem Reichsfinanzmintstertum beim Beginn der Ver- Handlungen unterbreitet werden. Wie wir weiter erfahren, stehen auch die Tarifgewerkschasten der Eisenbahner mit der Reichsbahngesellschast in Derhand- lungen über die Gewährung einer einmaligen Beihilfe, da infolge der längeren tariflichen Bindung der Eisenbahner eine Lohnerhöhung zurzeit nicht gefordert werden kann. Statistik der Krise«, und Knrzarbeiterfürsorge. Der Präsident der Reichsarbeitsoerwaltung hat alle Vor- bereitungen zur genaueren Erfassung der Krisen- und Kurzarbeiter- fürsorge getroffen und neue Fragebogen und M e l d u ng s- formulare versandt. Für die 1. Berichterstattung über Kurz- arbeitersürsorg« gilt die Woche vom 13. bis 18. Dezember. Bei den Meldungen über die Krisenfürsorge ist die bei der Erwerbslosen- statistil sür Orte mst 10 000 und mehr Einwohnern ein besonderer Vordruck auszufüllen. Der erste Berichtszeitraum in der Krisen- fürsorge beginnt mit dem Tag« des Inkrafttretens des Gesetzes über eine Krisenfürsorge, also mit dem 21. November 1926. Die Kohlengruben förSern wieöer. London, 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Arbeit im britischen Bergbau ist nunmehr überall mit Ausnahme von Südwales und Durhom wieder aufgenommen. In Süd- wales, wo die Verhandlungen abgebrochen worden waren, hat eine Urabstimmung der Arbeiter die Distriktsexekutive ermächtigt, die Verhandlungen mit den Unternehmern auf der Basis ihrer Vor- schlüge wieder aufzunehmen. In Durham hat die Abstimmung üb-r die Bedingungen der Unternehmer eine einfache Mehrheit sür die Ablehnung der Vorschläge ergeben. Da aber bei Urabstimmun- gen über die Weiterführung eines Arbeitskampfes nach den Satzungen des Verbandes«ine Zweidrittelmehrheit notwendig ist, hat die Gewerkschaft die Bergarbeiter angewiesen, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Deutscher Beamtenbund, Ortsau-schuß Berlin. Leute 7 Xlfic Nenimersäle, Teltower Etr. t/4, öffeniliche Bcamtenvcrsunnnluii�. Referent AoUen« Döblin. Teycsordnung' Stellungnahme jnr Besnldungsaltion. Berdand dee Raler und Lachierer. Ab Freitag, z. Dezember, ist das Bureau nicht, wie bisher, Donnerstags, sondern Freitags von 8 bis 7 Ilbr abends aeöffnet. Alle anderen Tage Bureau>e:t von 8 bis Z Uhr. Der Vorstand. Porticta, Wächter. Fahrstndl- und chlcktrowagensiihrer aus allen Berliner Metallbctrieben! Am Sonnabend, 4. Dezember,(Hi Uhr, im Kewertschaftshaus. Engelnfer 2*125, Aufgong B, parterre, Zimmer 4, wichtige Sruppenvcrsamm» lung. Die Kollegen aller Betrieix, auch die Nichtorganisierten, haben rostlos zu erscheinen. Deutscher«rrtchrsbund. Freie Gewerkschaftsingend. Harte. Donnerstag. TA Uhr, tagen die Gruppen: tlipenick: Gruppenheim Zuarndheim Grstnauer Str. 5 Heim- belprechung. Diskussion:.Belnebsverhüllnlsse".— Lichtenberg: Grupvenheim Jugendheim Dossestr. 22 Heimbesprechung. Diskussion:»Unser Mittalungs- blatt".— Tewpelhosr Gruppenheim Lnzeum Gctmoniaftr. 4/8 Heimbesprcchung und Liederabend.— Südosten: Gruppenheim Reichenberger Str. 66< Feuerwehr- hau») Heimbesprechung Diskussion:.Gewrrkschoftliche Tagesfraaen.— Spandau: Gruppenheim Jugendheim Lindenufer 1 Heimbespiechung.— Moabit: Gruppen- heim Städtische, Jugendheim Bremer Sck« Wiclefstrahe Hcimbesprechung und Brettspiclabend.— Zug-ndalteil-ng de» Deutschen Beklcidnngsorbeiterpcrballdrz: Eehasttanstr. 87/38 7ZH Uhr Elternabend._ Lerantwortlich fflr Bolitik: Dr. Gurt»«,-'! Wirtschaft:«rtnr Sötern»»: Gewertschaftsbewegun«: Friedr. Sftkor»: Feuilleton:*. S. Dlfcheri Lokales und Sonstiges: Frist Aarstädt: Anzeigen: Zh. Sloike: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Berla« G.m.b.H.. Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckersf und Berlagsanstolt Baul Singer u. Eo. Berlin SW 68 Lindcnstraste 3. Hierzu 2 Beilage»»ud..Unterbaltnng»ud Wissen". 2 Haltern WEIHNACHTS-VERKAUF Paliwaraw p,1irr"„4.90 Pelzkragen»« •Irankafarben. 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O Rodelschlitten Bncba, goUt, mit IlMnsthlzcn DaVOS 70 cm... 4.25 cm 5.25 26.75 Riesengebirge"5.25 Lm6.75 l'iaOO B E R L I N• C KON I GSTRASSE SPANOAUEPSTR. Nr. 567 ♦ 4A.Fahrgaag 7. Heilage öes vorwärts dovnerstag, 2. Äezember 1H26 Kaufen auf Kreöit? Attgenblicksfreuden verwandeln sich in Znkunftssorgen. Fast über Nacht sind die Familienväter und Haussrauen des Berliner arbeitenden Lölkes in eine schwere Sorge gestürzt worden. Einige Berliner Warenhäuser, ein großer Teil der Berliner Spezial- geschäfte und des übrigen Einzelhandels Berlins laden alle Familien, die mit einem einigermaßen sicheren Einkommen rechnen können, dazu ein, auf Kredit zu kaufen. Jeder, der nach nicht überschuldet ist und monatlich einen gewissen Betrag zur Abzahlung bereit halten kann, soll Kreditbriese in der Höhe von ein oder zwei Monats« gehältern erhalten, auf diese Kreditbriefe innerhalb einer bestimmten Frist alles außer Lebensmitteln und Luxuswaren gegen Abzug von Zinsen einkaufen können und nach einer Anzahlung in bestimmter Höhe seine Schuld in fünf bis zwölf Monatsraten abzahlen können. Diese Einladung ist sehr verlockend: was früher erspart wurde, ist durch die Inflation zum größten Teil verloren, zum Sparen von größeren Summen kommen die wenigsten, das karge Leben, die niedrigen Löhne und kleinen Gehälter lasten wenig übrig, in den Wäsche« und Kleiderschränken sind große Löcher, lange schon konnte man kein wirklich anständiges Stück anschaffen, die Wohnungs- und Küchsneinrichtung ist abgewohnt und erneuerungsbedürftig, viele junge Leute wollen heiraten, manche Eltern möchten ihren Kindern zu einer Ausstattung verhelfen und gern darauf sparen, wenn sie nur gute Ware in guten Geschäften kaufen können, vor den her- kömmlichen Abzahlungsgeschäften, die zu hohen Preisen nicht immer das Beste, oft sehr Schlechtes liefern, haben gerade die sorgfältigsten Bäter und Hausfrauen eine berechtigte Furcht, und schließlich. Weih- nachten ist vor der Tür, wo mancher Gegenstand viel Freude im Haus schaffen könnte. Der Wunsch, sich wieder einmal an dem Er« werb eines soliden Stückes zu freuen, ist riesengroß. In diese sorgen- rollen Erwägungen und Wünsche ungezählter Tausende von Vätern und Müttern platzt nun die Einladung herein: Kauft, kauft, ihr kriegt gepumpt, es kostet nur soundsoviel Prozent. Wahrlich, man mutz reich oder hoffnungslos arm fein, um nicht durch diesen Ruf �Kauft auf Kredit" in einen Gewissenskonflikt gedrängt zu werden oder nicht wenigstens den brennenden Wunsch zu haben, doch auch aus Kredit taufen zu dürfen. Sorgen bringt Sorgen. Aber es ist ein altes Sprichwort, und auf die Weisheit der Sprichwörter soll man hören: Borgen bringt Sorgent Gerade die kleinen Leute, die nicht alles bar kaufen können, wisfen das am besten. Auf Borg kaufen und dann abzahle?» war schcn immer ein Fluch, und der Staat mußte die Ausgebeuteten vor dem Waren- wucher schützen. Wer alt genug ist, weiß noch, wie erst in den neunziger Jahren..Gesehe gegen die AbzahlungsgcschZsl« und die Ansbeukung der Zkollage der ärmeren Volksschichten in Deutschland geschaffen werden mußten, weil olle Abzahlungen verwirkt waren, wenn eine Rate ausblieb, oder weil sofort der ganze Rest fällig wurde daraufhin und mit dem schon ge zahlten Geld auch die Ware für den Käufer verloren war. Aufs schärfste wurde damals der Kampf gegen das Abzahlungsgeschäft geführt, und merkwürdig, gerade der Einzelhandel, der heute zum Pumpen aufruft, bestürmte mit fast 1000 Eingaben den Reichstag. Es wurde als ein großer Segen empfunden, als die Gewertfchajten die Arbeitermasten zum Kampf um höhere Löhne erzogen, statt zum Borgen und Lersinken in der Schuldknechtschaft, und al» die Konsumvereine immer erfolg- reicher die Masten lehren tonnten, daß Barzahlen Sparen und Besterleben heißt. Als xinen Fortschritt empfand alle Welt, wie sehr das Barkäufen, wo es möglich war, allen größeren Nutzen brachte, und daß das Abzahlungsgefchäft. abgesehen von Möbeln und Nähmaschinen etwa, immer mehr als unreell und unsolid, selbst als unmoralisch abgelehnt wurde. Jetzt hat sich nun in wenigen Wochen alles geändert: Alle Welt wird aufgerufen, auf Abzahlung zu kaufen, und, man muß es sagen: Sehr viele, die früher nie auf Abzahlung gekauft hätten, sie erwägen, ob sie es nicht auch oer- suchen sollen. So muß jeder Familienvater und jede Haussrau heute wieder sorgfältig abwägen, ob ihm das Borgen Lorteil bringen kann. Wer aber ist kreöitwüröig! Zuerst ist nun zu beachten, daß die große Mäste der Arbeiter und Arbeilerinnen, die im Lohn stehen, für das neue kaufen aus Kredit gar nicht zugelassen werden. Nur fest angestellte Beamte, die nicht verschuldet sind. Angestellte, die einen langen Anstellungs- vertrag aufweisen können, Kleingewerbetreibende, dje als kredit- fähig angesehen werden, Landwirte, die bei der Ernte auf einmal größere Summen in die Hand bekommen, dann auch Rechtsanwälte, Künstler, Schriftsteller, die genügend hohe und regelmäßige Ein- nahmen nachweisen können, kommen in Frage. Das gilt für alle neuen Einrichtungen, die jetzt geschaffen worden sind, und wenn die Berliner Kundenkreditgenostenschaft der Einzelhändler einmal sagte, sie möchte auch den breiten Massen aus den Betrieben auf Kredit verkaufen, so ist das entweder ein frominer Wunsch, denn die geldgebenden Auslandsbanken und die Kreditversicherungen lasten sich nicht darauf ein, oder es ist ein Versuch,„Gelbe zu züchten, weil die Atriebsverwaltungen gefragt werden sollen, ob der Betreffende auch darauf rechnen kann, nicht entlassen zu werden. Was das heißt, das weiß jeder, der in der Organisation sieht und mit seinen Kollegen um bessere Arbeitsbedingungen kämpft. Die arbeitenden Masten bleiben also, weil sie keine»Kundenkreditbriefe" oder Kundenschecks bekommen, auf t»e alten Abzahlungsgeschäfte an- gewiesen. Selbst die berechtigte Hoffnung, daß auch der Arbeiter für größere Abzahlungskäufe endlich einmal an gute Geschäfte und beste Waren herankommen könnte, ist vergeblich, weil wie die Warenhäuser von Tietz auch die Berliner Spezial- und Einzel- Handelsgeschäfte Kreditbriese nur an Festangestellte ausstellen werden. Für die Beamten und fest Angestellten aber kommen olle Ueberlegungen, die sie zu machen haben, auf ein Rechenexempel heraus. Zunächst werden sie, wenn sie nicht leichtsinnig sind und wenn ihr Einkommen nicht steigt, im ganzen nicht mehr kaufen als bisher, sondern weniger. Es sind hohe Zinsen zu zahlen, und leider bestehen über die Höhe der Zinsen noch sehr falsche Vor- stellungen. Es sind nicht die S oder 7 Proz., die in der Zeitung stehen. Dazu kommt erstens ebenso viel und noch mehr, was in den meisten Fällen der Händler übernimmt. Was der Händler zahlt, kann er nur dann wirklich selbst zahlen, wenn bei Ihm nun sehr viel mehr gekauft wird. Das müssen andere Händler aber einbüßen. Der Handel in seiner Gesamtheit muß kurz über lang das, was er zu zahlen scheint, in den Preis im voraus ein- rechnen. Daß das nicht geschieht, kann kein Mensch kontrollieren oder verhindem. Man muß die Belastung des Käufers durch den Kundenkredit also von vornherein doppelt rechnen, auf 12 bis 15 Proz. Dann muß der Beamte und Angestellte die Zinsen auf sein Jahres einkommen rechnen, nicht nur auf die einzelne ge- taufte Ware. Die Kreditbriefe laufen auf fünf, feths, zwölf Monate. Auf das Jahr gerechnet, sind die Zinsen entsprechend höher. Außer- dem müssen ein Fünftel oder ein Viertel des Kaufpreises sofort an- gezahlt werden; die Zinsen laufen aber für die g a n z e Summe, auf die die Kreditbriefe lauten. Je nachdem, ob am Anfang oder am Sozialistische Arbeiterjugend Grots-Bcrlin Jungsozialistische Vereinigung Groij-Bcr!in Freitag den 3. Dezemb., abends T'/jUhr Großer Saal„Nene Well", Hasenheldc Rand mn den Sdiond Mitwirkende: Mens Reimonn ✓ Erich Weinert/ Günther Plaut/ Sple'gemeinsdiaii der Berliner Soziallstischen Arbeiterjugend und Jung- soziallsten/ Das Trommlerkorps„Wild-West"/ Die Jazzband„Immer feste druff 1"/ Der„Lelerkaslenmann vom Kietz".— Einlafckarie 0.50 M. Ende des Monats gekauft wird, ist die Zinslast größer; die meisten Kundenkredileinrichtungen verpflichten auch dazu, innerhalb des ersten Monats sofort für die ganze Kreditsumme Waren zu kaufen. Die Einzelhändler selbst beziffern die Zinsbelasiung durch den Kundenkredit auf jährlich 18 bis 26 proz. Einer anderen Aus- rechnung von Händlcrseite, die aus 25 bis 35 proz. lautete, wurde von den Vertretern der neuen Einrichtungen nicht widersprochen. Damit aber steht fest, daß der Beamte und Angcstelli«, der auf das Jahr 23 Proz. für den bloßen Kredit zahlt, statt bei Barzahlung für 100 Mark Waren, bei der neuen Abschlagszahlung nur für 73 Mark Waren erhält, oder wenn er für 10t) Mark Waren erwirbt, dafür 123 Mark bezahlen muß. Es ist nun sehr fraglich bei der sehr großen Rolle, die der Kredit schon heute für den Beamten und Angestellten spielt, erstens wie weit er Überhaupt für diesen neuen Kundenkredit in Frage kommt, zweitens, ob er bei dem bisherigen Kredit bei dem ihm bekannten Händler, Kaufmann oder Handwerker nicht bester daran ist. Es müßte nämlich merkwürdig zugehen, daß, wenn mau noch Banken, die das Wort„Verdienen" groß schreiben, zwischen den Händler und den Kunden einschaltet, daß dann der Kunde billiger daran kommt, als wenn ihm nur der Kaufmann borgt. Ja, es entsteht wirklich die sehr ernste Frage, ob die bessere QuaUfäf, die man vielleicht im Spezialgeschäft kaufen kann, nicht mehr als aufgewogen wird durch die geringere Menge, die man auf die Dauer kauft, wenn man die Zinsbelastung, wie es sich gehört, richtig einrechnet. Dazu kommt ein Nachteil, an den die wenigsten heute schon denken, der aber von den Händlern fälschlicherweise meist als Bequemlichkeit oder als Vorteil hingestellt wird. Der Beamte oder Angestellte wird überhaupt nicht mehr dem Händler, bei dem er kaust, sondern der Bank die Raten schuldig. Abgesehen davon, daß diese Bank von vornherein niemand Kredit gibt, bei dem nicht ein schon gesetzlich pfändbarer Einkommensteil frei bleibt. darf und kann eine Bank keine Rücksicht nehmen, wenn die Raten im Rückstand bleiben. Die Bank kennt den einzelnen Kunden nicht, wie ihn der Händler kannte. Für die Bank ist jeder Kredifkäuser eine Nummer, für die es keine besonderen Verlegenheiten geben darf, wie etwa die Kosten für eine Niederkunft, Sterbesälle, Krank- heiten, schuldenmachende Söhne, Konfirmation oder ähnliches. Wer sich auf 5ftindenkredit einläßt, begibt sich in eine große Organisation, wo es auch in der unverschuldetsten Notlage parieren oder zerrieben werden heißt. Am meisten aber muß die große Gefahr beachtet werden, daß das bequeme Kaufenkönnen,» und zwar von allem, was das Herz verlangt, zu viel stärkeren Käufen verführen kann, auch zum Kauf teurerer Stück«, weil sie schöner, wertvoller sind, als das Einkommen auf die Dauer tragen kann. » f Dennoch steckt in der Sache ein ganz kleiner vernünftiger Kern. Es wäre gut, wenn die breiten Masten, die die meisten Ersparnisse verloren haben und den mehr oder weniger unsoliden Abzahlung»- geschäften auch für die vernünftigsten Anschaffungen immer stärker zutreiben, mit Ratenzahlungen sowohl an die bessere, als auch die vielfach billigere Ware von Spezialgeschäften heran könnten. Natür- lich dürfen dabei nur Dinge wie Wohnungseinrichtungen, Wäsche- ausstattungen oder große Teile davon. Fahrzeuge, die sich durch er. spartes Fahrgeld selbst bezahlen, andere Dinge, die lange Jahre ihren Wert behalten, in Frage kommen. Das müßte ober zu viel niedrigeren Zinsen und so geschehen, daß der Kaufmann den Käufer kennt und für den Kredit selbst verantwortlich bleibt. Dafür Wege zu finden, lohnt« sich. Ein Weg dazu wäre, daß sich Banken finden(oder Händlcrorg�nisationen dazu Mittel zusammenbringen), die die Kreditforderungen der Kaufleute zum Teil gewissermaßen beleihen, bis die Zahlungen eingegangen sind. Dann könnte» auch die breiten Arbeitermassen daran teilhaben. Die Modevorsührungen in der Konsum- Werbeschau haben in der Frauenwelt eine ganz besondere Aufmerksamkeit erregt; sie beginnen täglich um 3 Uhr im großen Saal des Gewerkschastshauses und werden in kürzeren Zwischenräumen wiederholt. Am Dienswg wurden in der Konsumschau z. B. nahezu 2000� Besucher gezählt, ein deutliches Zeichen für das starke Interesse, das der Genosteufchafts- bewegung und ihren Veranstaltungen von den Berliner Verbraucher- kreisen entgegengebracht wird. Stärkste Beachtung finden die Ei-aenerzeugnisse der Berliner Konsum-Ge- nossenschaft und der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Kon- sumverein. Die Ausstellung ist bis 6. Dezember täglich von 1 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends geöffnet. die WunSer öer Klara van Haag. 27] von Johannes Duchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. „Ein schöner Banditl" schob der Vater ein.„Hier hat er nun ein langohriges Tier mit erhobenem Schwanz ge- zeichnet, das so etwas wi« Feuer schnaubt. Das ist wohl das arme Milchpferd."' Die Mutter sagte:„Ach, vielleicht stellt es eher dich vor, wie du deinen Sohn ausschiltst, der mit wilden Nawrgeschichts- tieren kämpfen muß!" „Thompson ist Skandinavier wie ich. Sowohl er wie seine Frau Ichäßen mich außerordentlich hoch, wegen meines gebil- deten Wesens und meines schönen Singens. Sie wollen. Jiaß ich auch Methodist werde. Ich antwortete, daß ich erst hören muß, was für eine Art Religion das ist. Aber Thompson und ich sind uns darüber einig geworden, daß wir nicht ein Wort von der Predigt verstehen, außer Dschisos und Kristian, wie er hier heißt, ohne das jemand darüber grinst. Außer mir sind noch zwei Milchkutscher hier, aber ich bin der einzige, der Sonntags mit hereinkommt, well ich vielleicht Methodist werde. Wollt ihr, teure, geliebte Eltern, mir schreiben, ob ihr findet, daß ich soll. Perhaps legt mir dann ein bis zwei Dollar am Wochenlohn zu. sagt Mrs. Thomvson. Aber ich lasse mich in Religionssachen nicht von irdischem Gut und Gold versuchen, zumal der Barbier round the bloc mir zwei Dollar geben will, wenn ich von sechs Uhr nachmittags ab den Kunden vorsingen und sie gleichzeitig ein bißchen einseifen will. Im Fenster soll stehen: Hier seift die schwedische Nachtigall ein! Wie geht es meinem alten, heißgeliebten Schaß Minna Lund? Wenn sie herüberkommen und singen wollte, wäre sie tausend Dollar wert. Schreibt, ob sie verheiratet oder der- gleichen ist. Ich lebe, wie gesagt, ein stilles, frommes Leben und gehe nie des Abends zu Belustigungen, da ich ja so früh am Morgen ausstehen muß. Ader neulich traf ich einen Mann, Ferdinand Madsen, der auch Skandinavier ist, nämlich aus Skelskör auf der Insel Seeland. Wir tranken einen Eimer Bier, und er wollte, daß wir zusammen als Tramps nach dein Westen gehen sollten. Aber ich härte nicht auf ihn. denn er ist «in großer Sünder vor dem Herrn, und ein Gud for Rössing. der mich veranlassen will, meine angenehme, gut bezählte Stellung zur Unzeit zu erlassen, und er will, daß ich tun soll, was der Reger tat, der die Stellung vor mir hatte. Der Neger stahl die Geldkassette und hinterher vergewaltigte er Mrs. Thompson. Aber die fingen ihn, hängten ihn an«inen Laternenpfahl und kitzelten ihn zu Tode. Wir dulden hier so etwas nicht. Ich kitzelte ihn selbst mit. und da ich mich besonders auszeichnete, erbte ich seine Stellung und seinen Namen Jimmy. So etwas wollte und könnte ich nie tun. Dazu bin ich zu stark vom Christentum beeinflußt, das ich von meinen geliebten Eltern gelernt habe. Ich habe es auch dem Verführer gesagt. Nein, ich bleib«, wo ich bin; verrichte meine Arbeit ehrlich und redlich und singe mit meiner wohllautenden Stimme dazu. Das lohnt sich auf die Dauer doch am besten. Binnen kurzem beginne ich, Geld heimzuschicken. Legt es auf meinen Namen in der Bank an und macht keinem gegenüber ein Hehl daraus. Jetzt schließe ich diesen Brief mit den herrlichsten Grüßen für euch, meine innigst geliebten Eltern, meinen hochgelahrten Bruder Emanuel. meine vornehme Schwester Hedwig und ihre Herzogin, die mich aus dem alten Lande fortschaffte. Gruß allen anderen, deren Namen ich nicht nennen mag, da es jetzt spät geworden ist. Gruß insonderheit meiner ersten und einzigen Liebe. Minna Lund. und fragt, ob sie zu allem willig ist. Iours respecktufully Jimmy Egholm." Nachschrift: Wenn ich mit meinem Freund« Ferdinand Madsen trampe, bekomme ich eine new adreß. Wir kommen nach dem Niagarafall und allen ähnlichen geographischen Stellen. Jeder von uns muß mindestens sechs Lagen Zeitun- gen in den Hosen haben, das brauchen alle, die trampen." Als die Vorlesung beendet war, wurde es einige Sekunden still in der Stube. Alle blickten auf Frau van Haag, aber sie schöpfte nur einmal tief Atem und sagte das einzige Wort: .Danke."/ Egholm hatte ganz sicher auf das Signal zu einem großen, allgemeinen Gelächter gehofft. Er merkte zu seiner großen Verwunderung, daß er ohne die? Signal nicht lachen konnte, und sagte enttäuscht:„Wollen wir denn gar nicht lachen über Jimmys Brief?" Anna sah flehentlich auf die Gnädige, aber diese bemerkte es gar nicht. Sie schien von einem Gedanken in Anspruch genommen und sagte:„Dos war zu amüsant, um darüber zu lachen." „Ja, ja. das ist wahr," sagte die Mutter. „Das hat Ihr Sohn geschrieben." Die Gnädige nickte Anna zu. -Äa. ja.« „Und Ihre r." Sie wandte sich an Egholm. „Ich— ich weiß nicht, ob man das sagen kann." „Doch. Sowohl Sie, Egholm, wie Sivert sind Lieblinge Gottes. Der liebe Gott hat Ihre Gehirne mit buntem Christ- baumschmuck geputzt, während das anderer Menschen grau und nüchtern ist. Ich sage: Schließt auf und laßt uns einen Blick auf die Herrlichkeiten werfen. Macht Kunststücke, ihr Spitz- Huben, ihr könnt es!" Aber Egholm wünschte durchaus nicht eine solche Be- urteilung. .Das habe ich noch nie gehört," sagte er verblüfft.„Sind meine Ideen nur Christbaumschmuck?— Meine tiefe Religion nur Gaukelei? Sind meine Erfindungen Humbug? Ist meine Turbine zum Beispiel, ist sie nur ein Scherz?" „Warten Sie, Humbug dürfen Sie nicht sagen, ich Habs das Wort auch nicht gebraucht. Humbug ist nicht mehr amü- fant. Ihre Sachen sind aber das gerade Gegenteil von Hum- bug, vollkommen ehrlich gemeint. Was namentlich die Turbine betrifft, so habe ich soviel von ihr gehört, daß ich sie für eine gute Erfindung halte. Warum sollten nicht auch nützliche Dinge am Christbaum hängen? Aber sehen Sie, Egholm, haben Sie Ihre glänzende Idee nicht in das komischste Knall- bonbonpapier eingepackt? Oder darf ich fragen: Finden Sie, daß ein grabesernster Mann eine Dampfturbine den Göttern opfert aus Zorn darüber, daß ein paar Schuhmacher und Barbiere über ihn gelacht haben? Finden Sie das?" „Vielleicht hätte ich mich lieber in Demut beugen sollen." sagte Egholm unsicher.„Hätte versuchen sollen, die Geschichte zu verbessern. Den Kessel größer zu machen und.. „Sagte ich, das hätten Sie lieber tun sollen? Nein, da haben Sie sich verhört! Ich meine, Sie kannten sich das prachtvolle Opferfest leisten. Und die Welt ist wirklich reicher dadurch geworden, als wenn sie eine neue Turbine bekommen hätte." „Meinen Sie das? So, meinen Sie das?" sagte Egholm. f „Ja, das meine ich. Lassen Sie nur die Welt die paar Jahr? oder zehn stille stehen, bis die Ingenieure dieselbe Turbine auf dem regelrechten grundlangweiligen Weg er- funden haben. Ingenieure haben es leicht. Es kommt alles. Aber wie sesagt, einige Jahre nach Egholm. So will es die Well nun einmal. Ach, diese Ingänieure! Ich kenne einige von der Art. Eingebildet. Langweilig. Aber oft natürlich fleißig und tüchtig. Einer van ihnen �ommt im Laufe der Woche her. Sie werden ihn schon zu sehen bekommen, denn er wird sicher bei Ihnen vorsprechen." (Fortsetzung folgt.) Das Mittelalter regiert! Korvins„Pfaffcnspicgcl" gänzlich verboten. Das, was sich am Montag nachmittag ocr dem erweiterten Schöffengericht Bcrlin-Schäneberg abspielte, war das Wetterleuchten des Schund- und Schmutzabsolutismus der heran- ziehenden Kultur-Reaktions-G. m. b. H. Der Verleger Albert Bock stand unter der Anklage, sich durch Neuherausgabe(43. Auflage!) des bekannten»Pfaffen- s p i e g e l s" von Otto v. C o r v i n gegen den ominösen§ 166 des Strafgesetzbuches(Gotteslästerung) vergangen zu haben. Gestützt auf diele juristische Formel, um die der Geist des Mittelalters weht, lassen sich die tollsten Vergewaltigungen der fortschrittlichen Litera- tur mit Anstand durchführen. Tlfarakteristische Beispiele dafür haben wir genug aus jüngster ltaatsanwaltlicher Praxis. Der ..Pfaffenspiegel", eine Kampfschrift des freisinnigen bürger- liehen Republikaners Corvin gegen den katholischen Klerus und seine kirchlichen Institutionen und Gebräuche, wurde im Jahre 184 7(!!) von dem wagemutigen Verleger Bock- Jena(dem Vater des jetzigen Angeklagten) herausgebracht. Der alte Beck hat aus diesem Grunde fünfmal Gefängnishaft antreten müssen, immer wieder versuchten kulturell� Finsterlinge und der Staatsbüttcl dem unbequemen Verleger etw-as am Zeuge zu flicken. Niemals jedoch gelang es den Staatsanwälten, das völlige Verbot des»Pfaffen- fpicgels" durchzudrücken: arg zensuriert und verstümmelt ging das Buch immer wieder in die Welt hinaus, erlangte eine beispiellose Popularität und ist jetzt in einer Gesamtauflage von IM Millionen verbreitet. Von den 40 inkriminierten Stellen des Urteils des gemischten Landgerichts Rudolstadt(im Jahre 18 9 7!) hatte sich die Staatsanwaltschaft 19„Blüten" ausgesucht, und daraus die gotteslästerliche Anklage konstruiert. Nachdem man in München das bekannte öffentliche Aergernis genommen, ging die Staatsanwaltschaft Schöneberg in Hilssstellung: in Berlin, München und Leipzig wurde beschlagnahmt und das Ende dieser beispiclslosen Kultur-Tragikomödie ist das erstinstanzliche Be- fchlagnahmeurteil in Moabit. Die Verteidigung des Angeklagten hat Rechtsanwalt Dr. Paul L c v i übernommen, den Vorsts führt Landgerichtsdirektcr Wengler, die Anklage vertritt der Erste Staats- anwalt S t e i n b e ck. Nachdem der Vorsitzende die von der An- klage inkriminierten Stellen verlesen hatte, beantragte der Ver- teidiger, den Schöffen auch andere Stellen zu Gehör zu bringen, um tendenziöse Beeinflussung durch gewisse Kraftstellcn zu oernieiden. Nach Feststellung personeller und sachlicher Daten formuliert Staats- anwall Steinbeck, da keine Zeugen zu vernehmen sind, seinen Antrag. Er spricht verhiiltnismüstig maßvoll, bescheinigt dem Angeklagten seine Loyalität und betont im übrigen, daß der Z 166 dazu da sei, religiöse Institutionen vor Beschimpfung und Verächtlichmachung zu schützen. Man hat aber den Eindnick, dah sich der Ankläger in seiner mittelalterlichen Rolle nicht ganz wohl fühlt Er beantragt an Stelle einer Gesängnishaft von einem Monat 390 M. Geldstrafe, Ausmerzung der inkriminierten Stellen, jedoch Freigabe des Buches nach erfolgter Reinigung. Der Verteidiger ging in seinem Plädoyer auf die kulturelle Unsinnigkeit dieser Anklage ein. Wäre die Staatsanwaltschaft konsequent, so müßte sie die gesamten Schriften der Reformation, die Werk« chuttens, Luthers und verschiedene recht bittere Schriften Friedrichs des Großen auf den Scheiterhaufen fordern. Es muß eine Grenze in der Auslegung des ß 166 geben. Mit ihm und keiner bureaukratifchen Anwendung wäre eine Reformation in Deutschland nie möglich gewesen. Torvins Streitschrist ist ein historisches Werk, sie ist aus der Zeit des liberalen Kultur- kampses gegen die Despotie, nicht als aktuelle, aggressive Schrift zu verstehen. Corvins Betrachtung ist historisch und darum un- bedingt st r a f s r e i. Zum Schluß beantragte Levi Freispruch, eventuell eine geringe Geldstrafe. Nach einigen Schlußworten des Angeklagten, der sich gegen die vom Staatsanwalt geforderten Streichungen wandte und betonte, daß sich ein ausländischer Ver- leger, von deutschen Gerichten ungehemmt, des„Pfasfenspiegels" bemächtigt habe, zog sich das Gericht zu einer langen Beratung zu- rück. Das Urteil lautete auf 100 Mark Geldstrafe und, über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, auf gänzliche Einziehung des Buches und U n b r a u ch- bormachung der Platten. Das unglaubliche Urteil wird überall stärkstes Befremden und berechtigte Unruhe hervorrufen. Der Verurteilte wird wahrschein- lich Berufung cinleocn. Der �itweletmmb in üer Schönhauser /lllee. Aufklärung steht nahe bevor. Eine Heilstätte für Nervöse. Die Heilanstalten der Stadt Berlin haben Zuwachs durch eine neue Anstalt erhalten, deren Notwendigkeit man schon seit längerer Zeit empfunden hatte. Von den Wittenaucr Heilstätten aus ist in Wittenau auf einem beim Rathaus gelegenen Grund- stück eine Nervenklinik„Wiescngrund" eingerichtet worden, die der Behandlung von leichteren und noch heil- baren Nervenkrankheiten dienen soll. Die Einsicht, daß Nervenheilstätten auch für Minderbemittelte nötig sind und von den Gemeinden eingerichtet werden müssen, hat sich erst in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt. Die Ncrvenheilstötte„Haus Schönow" bei Zehlendorf, die vor 30 Iahren entstand, war eine Schöpfung aus Äiftungsmitteln von privater Seite. Was diese Anstalt begonnen hatte(sie mußte in der Inflationszeit stillgelegt werden), wird jetzt von der aus Stadtmitteln geschaffenen Nervenklinik„Wicsengrund" fortgesetzt. Zwei schon vorhandene kleine Häuser sind so ausgebaut worden, daß sie 6 0 Männer aufnehmen können. Die vor kurzem er- öffnete Klinik hat die zur Heilung leichterer Nervenkrankheiten nötigen Errichtungen für Bäder verschiedener Art, für elektrische Be- bandluna, für Licht- und Diathermiebehandlung, für Liegekuren in Luft und Sonne, für gymnastische Uebungen, vor allem aber auch Werkstätten für eine die Heilbehandlung unter- stützende Beschäftigung. Von dem Grundstück aus bat man einen Blick auf eins Umgebung, die mit dein schlichten Reiz der märkischen Feld- und Wiesenlandschaft gut zu dem Zweck dieser An- stall paßt. Die Pfleglinge sind in Räumen untergebracht, deren freundliche Ausstattung angenehm berührt, teils in Zimmern zu je vier Personen, teils in Einzelzimmern. Man hofft, daß hier schon durch einen Aufenthalt von sechs Wochen wenn nicht volle Heilung, so doch eine weitgehende Bcßerung leichterer Nerven- krankheiten zu erreichen sein wird, so daß die Pfleglinge dann wieder ihrem Beruf nachgehen könnten. Der K o st e n s a tz betrügt für Pfleglinge aus Groß-Berlin je Tag S,70 Mark(für Auswärtige 7,13 Mark), wofür alles gegeben wird, die Verpflegung und die gesamte Heilbehandlung. Die Anstalt nimmt Pfleglinge als Selbst- zahler auf oder nach Ueberweisung durch Kassen und Behörden. Das mit dieser Nervenklinik gegebene Beispiel verdient Nach- ahmung. Solche Anstalten als Einrichtungen der Gemeinde sind »ine Notwendigkeit für Nervöse und leicht Nervenkranke, die in einer Irrenanstalt, wenn man sie dort unterbrächte, nicht an der richtigen Stelle wären. Es ist zu hoffen, daß der Wunsch, eine Nervenklinik auch für Frauen zu schaffen, in nicht zu ferner Zeit in Er- füllung gehen kann. Großes Aufsehen erregte lm März dleses Jahres ein Zuwelen- raub in der Schönhauser Allee, der mit ungewöhnlichen Mitteln in Szene gesetzt wurde. Der Zuwelier B o n n e ck. der sein Geschäft in dem hause Nr. 45 betreibt, halte damals seit einigen Tagen in der Auslage zwei besonders werlvolle und auffällige Brillanlohr- gehänge. Am 10. März, kurz vor Geschäflsschluß, erfolgten unter dem hochbahnbogen zwei furchtbare Detonationen, und in der dadurch entstandenen Verwirrung gelang es zwei Einbrechern. mittels eines In einen Lappen gewickelten Steins das Schaufenster des Juweliers zu zertrümmern, die vrillantgehänge zu erbeuten und unangefochten zu entkommen. Dieser freche Ueberfoll am hellen Tage steht jetzt unmittelbar vor seiner Ausklärung. Unter schwerstem verdacht der Täterschaft stehen zwei Gebrüder, Alfred und Willi J a s s e. als Hehler aber ist jener Händler Otto v e r n d t verdächtig, in dessen Wohnung in der Mulackslrahe kürzlich sich ein Gallenmord ereignete. Ein kleines zwölfjähriges Mädchen hat wesentlich zur Entdeckung der Tat beigetragen. Die Schwahhafligkeit einer Frau hat auch noch dazu geholfen und eine alle Schürze, in die der ominöse Stein eingewickelt war. Ist zum Verräter gewordc» Sie Seobachtung eines KinSes. Nach dem Diebstahl lief, angelockt von der hohen Belohnung von 10 000 Mark, bei der Kriminalpolizei eine Hochflut von Mitteilungen aus dem Publikum ein. Obgleich jede einzelne genau nachgeprüft wurde, führten sie doch zu keiner bestimmten Spur. Was alle Zuschriften von Erwachsenen nicht zustande gc- bracht hatten, ermöglichten die Aussagen eines zwölfjährigen Mädchens. Das Kind sah unter dem Hochbahnbogcn zwei Männer mit Feuerwerkskörpern hantieren und blieb neugierig bei ihnen stehen. Erst als der große Krach ertönte, rannte es erschreckt davon. Es gab dann seinem Vater eine genaue Beschreibung von dem Muster des Ueberziehcrs, den einer der Männer getragen hatte, einem sogenannten»Fischgrätenmuster". Die Personen selbst konnte es nicht beschreiben. Inzwischen hallen Kriminalkommissar Moritz und seine Beamten ermittelt, daß zwei Gebrüder Alfred und Willi Josse, Männer in den dreißiger Iahren, sich durch ungewöhn- (ich große Geldausgaben verdächtig gemacht hatten. Man konnte sich das um so weniger erklären, weil sie beide arbeitslos waren. So hatten sie mit fünf Bekannten, männlichen wie weib- liehen, zu Ostern einen zweitägigen Ausflug nach Ferch gemacht und dort das Geld nicht geschont. Auf Grund dieser und anderer Per- dachtsmomente wurden die Brüder Josse festgenommen. Das zu- fammengetragene Material reichte aber nicht zu ihrer Ueberführung aus, und so wurde Willi Josse wieder auf freien Fuß gesetzt. Alfred Josse, der noch eine Strafe zu verbüßen hatte, blieb in Hast. Das trug sich im Sommer dieses Jahres zu. Die Naehforsehungen irnS Beobachtungen aber gingen unausgesetzt weiter. Die geschwätzige Schwester. Man spürte eine Arbeitskollegin der Schwester Jasses auf, von der gemunkelt wurde, daß sie von dem Raube etwas wisse. Zur Rechenschaft gezogen, gab diese Frau A. zu, am Tage nach der Tat den Besuch der Schwester der Jasses erhallen zu haben. Sie erschien am Vormittag und bat, einmal in die Zeitung sehen zu dürfen. Mit auffallendem"Interesse las sie die Beschreibung von dem Raub in der Schönhauser Allee und bat dann die Freundin um eine Unterredung unter vier Augen. Hierbei erzählte sie. dah ihre Brüder den Einbruch verübt hätten und daß der Lappen, in den der Stein gewickelt gewesen war, eine alte Schürze ihrer Mutler sei. Sie nahm der Freundin das Versprechen tiefsten Stillschweigens ab. Bei einer Gegenüberstellung der beiden Frauen blieb die A. bei dieser Dar- stellung, während die Schwester M. behauptete, sich an nichts er- innern zu können. Willi Josse wurde jetzt zum zweiten- mal festgenommen und zugleich die elterliche Wohnung über- raschend durchsucht. Man fand hier nicht nur einen Mantel mit Fisch- grütenmuster, sondern machte außerdem eine Entdeckung, die die Angaben der Frau A. bestätigte. Die Mutter der Beschuldigten hatte vor Jahren von einer Händlerin eine Anzahl Schürzen gekauft, die alle von gleichem Stoff und gleichem Muster waren. Eine dieser Schürzen fand man nun in der Wohnung. Das Kleidungsstück wies einen Flicken auf. Als man Frau Josse fragte, ob sie die Schürze selber geflickt habe, gab sie das zu. Da die Ausführung der Flick- arbeit an beiden Stücken zweifellos von ein und derselben Hand gemacht worden ist» so wird dadurch die Aussage der Schwester und der Frau A. wiederum bekräftigt. Wahrscheinlich haben die Brüder Jasse der Mutter die alte Schürze heimlich entwendet, ohne daß sie den Verlust bemerkte. Willi Jasse wurde erneut dem Untersuchungs» richter vorgeführt. Er leugnet jede Teilnahme an dem Raube. 7000 Mark hehlerpreis für Sie Ohrringe. Kriminalkommissar Moritz und seine Beamten konnten weiter feststellen, daß die Ohrringe an einen unbekannten Hehler für 7000 Mark verkausl worden waren.. Der ungewöhnlich niedrige Preis, der nur den siebenten Teil des wirklichen Wertes darstellt, erklärt sich daraus, daß„die Sore heiß war", d. h. daß der Hehler wußte, wie schwer er einen Abnehmer finden würde. Per- mittelt wurde dieses Geschäft durch den Händler Ollo Berndl, dessen Name erst kürzlich in Perbindung mit dem Gattenmord in der Mulackstraße genannt wurde. Auch Berndt, den man zur Rede stellte und festnahm, will sich an nichts erinnern können. Auch er wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Unter Hinweis auf die Belohnung von IVVVV Mark werden alle Personen, die über den Umgangskreis der Gebrüder Josse und des Perndt ausklärende Mit- teilungen machen können, ersucht, sich bei der Dienststelle B 9 im Zimmer 216 des Polizeipräsidiums zu melden. serienreifen für flrbsiter, Angestellte unö öeamte. Eine Reihe interessanter Reisen ins In- und Ausland, die in erster Linie für Arbeiter, Angestellt« und Beamte bestimmt sind, sind im nächsten Jahr vorgesehen. Diese Reisen bieten unendlich viel des Sehenswerten: herrliche Seefahrten, wildromantische Gebirgs- szcnerie», reizvolle Stadlbilder, wertvolle Informationen, kurz, eine Fülle von Anregungen und Eindrücken, wie man sie nur auf einer Reise in Gesellschaft gleichgesinnter Menschen erhalten kann. Die Reisekosten sind so gering wie möglich berechnet und können in be- quemen Monatsraten bezahlt werden. Das Programm enthält fol- gende Reisen: Auslandsreisen: 15. bis 19. AprU: Ostersahrt nach Kopenhagen: 6. bis 16. Juni: Gesellschaftsreise Riviera-Mittelmeer: 18. bis'25. Juni: Gesellschaftsreise nach den Südschweizer Seen; Anfang Juli: Studienreise nach Schweden: 3. bis IV. Juli: Studienreise Brüssel— Paris: 30. Juli bis 8. August: Studienreise nach London: 14. bis 28. August: Studienfahrt Oberbayern— Nordtirol.— Jnlandsreisen: 12. bis 18. Juni: An den Rhein: 31. Juli bis 6. August: Bremen— Helgoland— Hamburg. Die im ursprünglichen Reiseprogramm vorgesehenen beiden Reisen nach Italien müssen infolge der in diesem Land inzwischen eingetretenen politischen Verhältnisse ausfallen. Der ausführliche, schön ausgestattete Reiseprospekt, der alle näheren Einzelheiten über die Reisen, sowie die Teilnahmebedingungen enthält, ist gegen Ein- sendung von 35 Pf. in Briefmarken durch den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu be- ziehen._ Endgültige Aufhebung der Hockerfteuer. Schon vor Wochen hatte der Berliner Magistrat bald nach der Aufhebung der Polizeistunde beschlossen, die bis dahin in Berlin bestehende Hockersteuer abzuschaffen. Gleichzeitig lagen der Stadt- verordnetenversammlung entsprechende Anträge der interessierten Wirtschaftskreise vor. Im Steuerausschuß wurden diese Anträge abgelehnt, die Stadtverordnetenversammlung hat aber in ihrer lctzien Sitzung am vorigen Donnerstag beschlossen, die Hockersteuer doch zu beseitigen. Jetzt mußte nur noch der Magistrat bestimmen. an welchem Tage die Aufhebung der Hockersteuer in Kraft treten sollte. Diesen Beschluß hol der Magistrat gestern gesaßt, er hat den Termin für die Aufhebung der Steuer auf Freitag, den 2 6. November, einen Tag nach der Beschlußfassung der Stadtverordnetenversammlung festgesetzt. Die Berliner„Wirtschaft" ist damit von einer angeblich sehr drückenden Last befreit, der B e r- liner Stenersäckel aber um jährlich eine Million leichter. Dafür wird aber für längere Zeit wieder im Roten Hanse zwischen den Parteien Friede herrschen, denn von der bom- bastisch angekündigten Steuererleichtcrungsaktion der Wirt- fch a s t s p a'r t e i, der„Partei der Zukunft", ist so gut wie gar nichts übrig geblieben, nachdem sie im Steuerausschuß selber alle ihre Anträge zurückgezogen hat. Der Bericht, der der heutigen Stadtverordnetenversammlung in dieser Aktion erteilt wer- den wird, verspricht eine heitere Debatte. Ueber die Bestrebungen der Republikanischen Union und über die gegenwärtige Lage will eine Kundgebung unterrichten, die, einberufen vom Deutschen Republikanischen Reichsbund in Gemeirt- schaft mit dem Reichsbanner, heute Donnerstag abend in der Halle des Stadthauses in der Klosterstraße stattfindet und in der Reichs- tagspräfident Lobe, Reichskanzler a. D. W i r t h und Reichs- tagsabgeordneter Haas sprechen werden. v«jirt»bttdilng»ao»!chuh Sroß-verNn. Am Soimlag, den 5. Dezember, nachmitlagS 3 Uhr, findet im Slaatlichen Schiller-Theater Eharlolteichurg eine Aussühruna„Minna von Barnhelm" stall. Vorkarten zum Prelle von 1 M. einschlieiilich Mardcrobe und Tbenterzettel sind zu haben im Bureau des BezirkSblldungSauSschusseS, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr., Zimmer 8. Einweihung öes Jährschiffes»Schwerin*. Wcihcrcde Dr. Dorpurüllerö. Warnemünde, 1. Dezember.(MTB.) Heute erfolgte die offizielle Einweihung des neuen Fährschiffes„Schwerin" für die Fährenstrecke Warnemünde— Gjedser durch den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschajt Dr. Dorpmüller. Die Reichs- und Landes- behörden hatten zahlreiche Vertreter entsandt. Der Ministerpräsident von Mecklenburg, Schröder, war mit dem mecklenburgischen Finanz- minister Asch erschienen. Generaldirektor Dr. Dorpmüller hielt die Einweihungsrede, in der«r erklärte, es komme heute darauf an, die Verkehrsbezichungen, die der Krieg zerstört hat, wieder anzuknüpfen und auszubauen. Die Staaten Europas sind aufeinander angewiesen. Der Verkehr schweißt sie zu einer Völker familie zusammen. Europa kann nur genesen, wenn es allen Ländern gut geht. Die Länder mit Rohstojsen haben die Pflicht, ihre Schätze aufzuteilen auf die Länder, die in langjähriger Schulung einen Arbciterstand heran- gezogen haben, der in der Lage ist, Rohstoffe in industrielle Fabrikate zu verwandeln. Deutschland bildet das Herz Europas. Zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West flutet der Verkehr durch unser deutsches Vaterland. Sonst sind Schiffahrt und Eisen- bahn getrennt, hier sind sie verbunden im Fährschiff, das ein wichtiges Glied in der Kette der Verkehrsmittel bildet, wie zwischen Saßnitz und Trelleborg, zwischen Deutschland und Schwe- den, so auch hier zwischen Warnemünde und Gjedser, zwischen Deutschland und Dänemark. Wohin geht die Entwicklung, wen» wir die jüngste Linie des Fährbetriebes zwischen Harwich und Vlissingen beachten? Wenn der Verkehr zwischen Nord und Süd weiter steigt, wird die reine G ü t e r f ä h r e in den Vordergrund treten. Das neue Schiff soll ein Sinnbild dafür sein und die Hoffnung geben, daß nach Beseitigung der Gleichgewichtsstörung im Güteraustausch zwischen den Ländern auch für die Menschheit, die heute gebeugt wird vom Joche der Lebensnotdurft, m der Lebenshaltung bessere Tage kommen. Die Rede des Generaldirektors klang aus in ein Hoch auf das Land Mecklenburg und Deutschland. Der Minister- Präsident des Landes Mecklenburg erwiderte und wies besonders auf die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens zwischen Land, Reich und Reichsbahn in Verkehrsfragen hin. Spruch legt Berufung ein. Der Iuwelenraubprozeß Spruch und Genossen wird in einiger Zeit seine Wiederholung vor der Großen Straf» kam mar des Landgerichts III, dessen Vorsitz Landgerichtsdirektor S i e g e r t hat, finden, da die Rechtsanwälte Dr. Herbert Fuchs und Dr. Ludwig Meyer für sämtliche drei Angeklagte Berufung gegen das am Dienstag vom Erweiterten Schöffen- gericht Charlottenburg gefällte Urteil eingelegt haben. 4« Eisenbahnräuber vor Gericht. Düsseldorf. 1. Dezember.(TU.) Unter starkem Andrang des Publikums wurde der Prozeß gegen 4v Eifenbahnräuber eröffnet. Die Beschuldigten sind in den Jahren 1916 bis 1922 auf dem Haupt- güterbahnhos in Neuß auf fahrende Güterzüge gesprungen und haben Bandendieb st ähle verübt. Die Banden waren gut organi- siiert und schwer bewaffnet, so daß es ihnen immer gelang, durch Schnellfeuer die Verfolger abzuwehren. Es werden ihnen ins- gesamt 5 00 Eisenbahndieb st ähle zur Last gelegt, sowie die Beraubung des Leichenwagens des in Moskau ermordeten Bot- schafters Grafen Mirbach auf der Fahrt zum Schloß Harff. Die Täter wurden auf eigenartige Weise gestellt. Ein Bandenmitglied. daß eine längere Freiheitsstrafe wegen Diebstahls im Gefängnis zu Krefeld verbüßt, führte eine namentliche Aufstellung der Teilnehmer bei sich, so daß nach dieser Liste die Täter fest- gestellt werden konnten. Donnerstag Freitag Sonnabend diese serasatlosiell billigen Preise [..Absatz Lackschuhe üm, prima weiss Krieafatur, Laak XV.-Abuts(wie Abbild.) Morgen, Arettag, 3. Dezember: 3. Abt. TO Uhr bei Rrflger, ttnselufet 23, wichtige ffunftionSrlUuii«. 77. Abt. Dchiineberg. s Uhr hei Jürgens, Barbarossastr. i. wichtige ffnicktionIN» ühung. 81. Abt. Fricdena». 8 Uhr hei kNab«. Hanblernltr. KvtQ. FunktionSrAhung. Mitgliedsbuch und„Verwärts�-Quittung ist mitzubringen. 83. Abt. Tcmpelhos. V/f, Uhr in der �inde�. Friedrich. Kerl. Ecke Werder. itrahe, wichtige Funttienäriitiung. Neukölln. 88. Abt. 7(b Uhr bei Bros«. Sanderste. 10, Barftands- und Funk- tionürütiung. Die Aarwthckkarten fiir das Betriebssekretariat lind UN. bedingt mitzubringen.— 86. Abt. IVi Uhr bei Lohann. Wipperftr. 18/18 FunktioniitMuna. Sämtliche Bezirkssiihrer müssen unbedingt ocrireten sein.— 87. Abt. 7 Uhr bei Rohr, Eiegftiedstraße, wichtige Funktionär. sshung. 168. Abt. Köpenick. 7% Uhr bei Fabel, Freiheit 3. Vorssandssshung. 123. Abt. Kaulcdorf. 8 Uhr Furiktionir fitiung bei Hübner. Sämtliche ffmck- tionäre müssen bestimmt anwesend sein. 121a. Abt. Mahl-dorf.Süd. 7Vt Uhr im Lokal Di eh. Uhiondstr. 18. Mitglieder- Versammlung. Bortrag:„Kommunalpolitik�. Referent Stadtverordneter Hans Wonwod. Sämtliche Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. Gäste willkommen. 128./130. Abt. Pankow. TO Uhr bei Meehs. Lindenvromenade Ecke Berliner Strasse, wichtige Fnnktionärsshung. Die Lose der A' beiterwohlfahrtÄvtterie sind akonto abzurechnen. Bisher gesammelte Beträge für die Arbeitslosen ssnd zu melden. Besprechung von Organisationsfragen. Zungsozlalisien. heule, Donnerstag. 2. Dezember: Gruppe Osten: 8 Uhr im Jugendheim Tilsster Str. 1 Diskussionsabend mit der SAJ.— Gruppe Prenzlauer Be-g: 8 Uhr im Jugendheim Danzigei Str. 82 Bunker Abend.— Gruppe Reukäln I: 8 Uhr Beteiligung an der Arbeits, gemeinschaft des Bolksbildungsamtes Neukölln in der Bolksbibliothek Ganghvfer- strass«. Vortrag:„Europäische Wirtschaftsentwicklung�. Leiter Stndienrat Erwin Marguardt.— Gruppe Weissensee: 8 Uhr im Jugendheim Parkssr. 38 Vortrag: .Erziehungsfragen". * Unoerkaufte Karten zn.Rund«n den Schund" werde» nur bis Margen 7 Uhr an der Abendkasse zurückgenommen. Es ist doch sehr die Frage, ob das Volksstück.Der Flieger" von Hans Brennert und John Lehmann in dieser Zeit glücklich für die Sendebühne gewählt war. Das Thema des arbeitslosen Arbeiters ist heute so schmerzlich aktuell, daß die Gestalt, die in diesem Werk aus ihm gemacht wird, sicher bei manchen Hörern recht gemischte Empfindungen auslöste. Der hungernde Arbeitslose, der sich hier vom Bewohner einer Bretterbude in der Laubenkolonie zum Schlemmer entwickelt und nun Portier und Hausmädchen schikaniert, vor einer prinzlichen Visitenkarte aber sehr ergeben dienert, wirkt zumindest in der Sende bühne unertröglich. Bon den Darstellern gaben Lucie Mannheim und Hedwig Mangel zwei Berliner Typen von ergreifender Lcbenswahrheit und Paul Gräg als Motallarbeite'' Mindener amüsierte durch seine bekannte Schnoddnqkeit. A.'lred Braun hat den Ehrgeiz Harry-Walden-Rollen zu spielen. Er ist diesmal der Rennfahrer Willi Mindener. Aber er hat nicht die un- oerwüstliche Jugend Waldens, und seine Stimme wirkt unecht und unlebendig. wenn er sich bemüht, den Zwanzigjährigen zu gestalten. Der Aufführung des.Fliegers" schickte Franz Koppen eine recht ge- schickte Einleitung voran. Er sprach nett und aufschlußreich über das Wesen des Volksstückes. Besonders bot er einen wertvollen Ueber- blick über die Geschichte des deutschen Volks st ückes und charakterisierte treffend die bekanntesten Vertreter dieses Genres.— Am Nachmittag brachte die Juaendbühne eine gute Aufführung von Grillparzers„M e d e a", doch bleiben We�ke dieser Art, die niclst nur Sprechkunst, sondern eben auch ein Bühnenbild und wirkliche Dar- stcllung verlangen, auf der Sendebühne selbst bei der besten Besetzung Literaturgeschichts-Jllustrntion.— Justizrat Prof. Dr. Heilsrons Bor- tragsreihe:„Rechtsfragen des Tages" behandelte wieder einige wichtige Themen, vor allem das Problem derEhescheidung und die Slufwertungsgesetze. •ewppe Rorprai Der Nefcintflaobena fällt en». Vir beteilig ep ans geschlossen on der SecanfMIHin«.Rund um den Schund": Freitag, 8. Dezember, 8 Uhr, in der.Reuen Welt", Hosenheide. 3 taucnoeranff alf ungcn. 38. Abt. Die Genossinnen besuchen am Freitag, 3. Dezember, gemeinsam die Werbeschau ber Konsumgenossenschaft im Gewerkschaftshaus. Enaelufer 21/28. Treffpunkt llih Uhr am Komtureiplass(Tietz). Rege Beteiligung raiid erwartet. 88. Abt. Halensee. Heute. Donnerstag, 2. Dezember, 8 Uhr, bei Sandmann, Westfälische Str. 12, Vortrag:„Frauenleiden". Referentin Dr. Wpgodzinski. 1° 83. Abt. Ehaelottenlmrg. Sonntag. 1. Dezember, nachmittag» 2 Uhr. Treis. Punkt in den Fahlo bendlokalen zur gemeinsamen Berichtigung der Werbe- schau im Gewe:iscl>oftshaiis. Preis pro Karte 28 Pf. ! Sterbetafel öer Groß-Serliner pactei-Grganifatlon 88. Abt. Marlendors. Unser längs ähriger Genosse, der Gasswirt Walikr ssfeumetier, Schöneberger Str. 68, ist versto'.ben. Einäscherung am Frei- igg. 3. Dezember, ngchmittags 8 Uhr, im Krematorium Mlmersdorf. FaHsreiche Beteiligung wird erwartet. Der Vorstand. Soziallftische fird.etejugenö Groß-9erlin. «Rund um den Schund"! Richtverkanste Karten müssen sofort zlrrjickgegebe»«erde«. * ffwi« Sozialistische Kochschnle: Sonnabend. 11. Dezember,„Wirtschaftsbevr»» rratie und Soziallsmus". Redner Prof. Hermberg-Lcipzig. Karten sind im Sekretariat erhältlich. Zlbleilungsmiigliederoersammlungeu heule, 7Vs Uhr: Falkplah: Schule Eberowalder Sit. 18, Fimmer 11.— SchZn'be'a IN: Jligenbheim Saupissr. 18.- Lankwiss: 18. Eeuieindeschule, Schulssroße.— Lichietfclbe: Jugendheim Lichterfelde-West. Alorechtssr. 11».— Fthlendors! Eiidschule. Wilhelmstrasse.— Reinickendoes-Osi: Jugendheim„Seebad", Residenz- strasse 18.— Wittenau: Jugendheim Rosenthaler Str. 18. -b Käpenlcker Viertel: Schule Wrdngelstr. 128. Vortraa:„Schmutz- und Schundliteratur".— Friedenau: Jugendheim Ofsenbacher Str. 8». Vortrag: „Arbeiterjugend und Beruf".— Schönhauser Dorstadt: Schule Driesener Str. 22 sEsszimmer). Bortrag:„Der Faschiams.— Neukölln VI: Schul« Herssbergplatz. Funitionärsttzung(Fortsetzung). Alle interessierten Genossen werden gebeten, zu erscheinen. Werbe bozirk Wedding: Bildungskursus für Aeltere im Jugendheim Luxe«- buraer Ecke Genter Strasse. Thema:„Theorie und Praxis des proletarische» Klassenkampfes". Sport. Radrennen in der Arena am Aalserdomm. Nach Ueberivindung vieler Schwierigkeiten und Hindernisse kommen nun die in den Au-Zstellungshallen Kaiserdamm geplanten Radrennen, darunter vom 13. bist 9. Januar daZ 18. Berliner Sechstagerennen, lowie auch die sonstigen sportlichen Veranstaltungen, wie Hallensportseste usw. doch noch zustande. Mit dem Aufbau der Bahn ist bereits begonnen. Ueber die beabsichtigten Radrennen usw. werden wir demnächst weiter- berichten. Elirlicher Mat zur Heilung von Husten und Erkältungen! Als schnelles und sicheres Heilmittel für husten und Erkältungen wird ein einfacher, selbstzubereiteter Sirup empfohlen, weil er die Ursache sehr schnell beseitigt. Verschafsen Sie sich aus der Apotheke 60 Gramm Ansy(dreifach konzentriert) und rühren Sie dies mit 250 Gramm Streuzucker in Vt Liter heißem Wasser an, bis es auf- gelöst ist. Ein oder zwei Teelöffel davon sind viermal täglich«in- zunehmen. Ansy wirkt schleimlösend, macht den Kops frei, Heist die entzündeten Membranen und ist für schnell« Wirkung ohnegleichen. Wemi Sie die Beengung der Brust loswerden und Ihren husten oder Ihre Erkältung schnell seilen wollen, betrachten Sie' sie nicht als unbedeutend: nehmen Sie noch heute eine Dosis Ansy, und morgen wird Ihr husten oder Ihre Erkältung verschwunden sein. Nusbruch aus dem Zuchthaus. halle a. d. S„ 1. Dezember.(TU.) In der Strafanstalt Lichtenburg bei Torgau erfolgte gestern ein Ausbruch von sechs Gefangenen. Von den Ausbrechern sind zwei zu lebenslänglichem Zuchthaus und die übrigen zu Zuchthausstrafen von mehr als zehn Jahren verurteist. Noch in der Nacht gelang es, drei der Entwichenen wieder einzufangen. Die übrigen hatten sich wahrscheinlich im Annaburger Forst ver- steckt. Es wird von einem großen Sckiupoaufgebot nach ihnen ge- fahndet. Die Verbrecher hatten die Balken einer Wand ihres Arbeitssaales durchsägt und sich dann vom zweiten Stockwerk in den Hof heruntergelassen. Zwei Ingenieure als Kassenrpiuber. Landshnl i. B., l. Dezember.(WTB.) heute früh 6 Uhr drangen während der Auszahlung der Pensionen im hiesigen Bahnhof zwei elegant gekleidete Männer mit Masken in das hauptsächlich von Frauen dicht besetzte Zimmer, hielten die An- wesendcn mit Nevoloern im Schach, streuten dem Kassenbeamten Bfesfer in die Augen und raubten die Kasse mit zirka 5000 M. Bei der sofort aufgenommenen Verfolgung konnten beide Verbrecher festgenommen werden. Es sind zwei Brüder, und zwar der Diplomingenieur Moritz Horn und ein Landwirt- schaftsingenieur Fritz Horn, beide aus Regensburg. Das gesamte Geld hatten sie noch bei sich. Explosion In einem Hüttenwerk. In Athus bei Rodingen in Luxemburg geriet in einem Hüttenwerk eine unteririscheGas- lcitung in Brand. Die Arbeiter des Hüttenwerkes verließen fluchtartig ibre Arbeitsstätte. Einer von ihnen stürzte in einen offenen Gasschacht, besten Verschluß durch die Explosion fort- geschleudert war. Erst naä) Löschung der Hochöfen und Reinigung der Gasleitung mit Gebläsemaschinen gelang es, die v o l l st ä n d i g - s r k o h l t e Leiche des Arbeiters zu bergen. Riesenunkerschlagung. Der Direktor der Bodenheimer Spar- und Darlehnskasse Ferdinand Specht wurde wegen Beruntreuung von 113 MO Mark in Haft genommen. Unter dem Verdacht der angeblichen Bechilse wurde der Fabrikant Hans Kohl ebenfalls verhaftet. In der bekannten Kohlenschiebungsangelegenhell in D u i s- bürg wurden beim Kohlensyndikat in Esten zwei Angestellt« fest- genommen. Ferner wurde der Teilbaber einer größeren Kohlen- Handelsfirma in Duisburg-Meiderich festgenommen. parteinachrichten rlm für Groß-Serlln Einfcndnngen für diese Rnd-ik sind M sW' M sl-ts an das»ejirfsfeftetarlot. Berlin SW 88. Lindenstraße 3. 2. Hof, 2 Step, rechts, ,n richten. 3. Kreis Wedding. Freitag, 9. Dezember, 7 Uhr, Sitzimg de» erweiterten Kreisvorstandes an bekannter Stelle. 11. Kreis Reulölln. Heute 8 Uhr in der Aula der Rathenau-Schule, Boddin- strasse 31/11. zweiter Bücherkreisabend. Theo Maret rezitiert aus dem .—.........— m•»•"' tal'"""""— nber. 227 __________________________ MW»»»WW>WWW„Schulaufbau" loziolistifcher Lehrer. Vortrog:„Warum Freie Schulgefellschaft?" Referent Genosse Weigeli. Interessierte Eltern sind herzlichst eingeladen. 18.»reis Treptow. Freitag, z. Dezember, TO Uhr, im Lokal„flift Post", Niederschöneweide, Berliner Ecke Fennstrasse, Kreisvorsiandssttziing mit den AdteilungÄIeitern. Ferner ist dafür zu sorgen, dass jede Abteilung durch einige Genossen vom Verein der Freidenker für Feuerbestattung»ertreten ist. heute, Donnerstag. 2. Dezember: I. Abt. TO Uhr bei Held(früher Junike), Artilleriestr. 11, Sitzung fänit- licher Funktionäre. 10. Abt. Tie Mitglieder werden ersucht, an der heutrgen krdsmrtglieder» Versammlung in den Arnriniushallen restlos teilzunehmen. 79. Abt. Schöneberg. 8 Uhr bei Gross, Sedanftr. 17, Funktionärsstzung. Wichtige Tagesordnung. Das Erscheinen sämtlicher Funktionär« ist unbedingt erforbettrch. Lederkappenschuhc w&rm eoiftttert, elegaute Haasechuhe, Grösse 43 IW bis 46 6,60.......................... GröM« 86-42 Lederschlüpfer tftttert. mit grossem Pompon..... Grösse 86-42 Dom grösste Sch uhSpezIalhaus mit der grössten Auswahl Berlins V«rt und 9 Uhr. ©farfplaf: München. Aufbruch: nächsten Sonntag. Führung im Orient: Herr Dr. Ali DTaBi. Kosten: darüber wird nicht gesprochen. Einzelheiten stnden Sie übermorgen an dieser Stelle. Passen Sie gut auf! Sie werden sich gut unterhalten. m ' xmuumiiuummuiiinü RjBn Konzendlr. Leonard Yheater des Westens Hanta und Uglicb 8 Uhr: Pawlowa Pappe nlee-Chopinlaoa OiTenUsement Sonnhg naclim t1/« Dbr: lyorsle'lnngnennigliil.PrelHc KieiQeiTüeaHr Sen- "folg säüig 8 Uhr der Sen- sau'onserfolf Jugendliche keinen Zutritt 4 WM. Carici ♦ Laniers ette. Bettdecken. gtores. i.ssuecHen, Btwaudecben. tür.a< nGecheu lielrtt Shnen eine belonnte BetUnet Teppich-Fizwa bei de«lle mite* Rate». ühlaasea ju oriabWi ftofiapreiien Offenen unt L. 38 an die Stpebilbn be-1 Peimgr;.,-'mbenfit 8 '**ar anerkannt beste Stärkungsweine für Kranke, Schwache, Erholungs- bedOrfttge und auch für Gesunde. Seit 1896 im Handel und ärztlich empfohlen Deutsche Maiton-Qesellschaft m.b.H. Wandsbek-Hambugg. Niederlage: Oalwerka Aktiongesallschaft Zweigniederlassung Wandsbek* Hamburg. Vertriebsstelle Berlin N4,Chau88eestr.42. Teü Norden 7' Vonnerstag 2. Vezember mb und �Nissen Vellage öes vorwärts Der tödliche Schuß. IZ Von v. tuschnat. Ein junger Mann, frisch aus der Garnifonstodt hergekommen, faß im Unterstand und genoß seine W-ltmüde� Unentwegt starrte er ins Lichtgeflacker, dessen törichte Unruhe ihm wie«in Sinnbild der Weltereignisse vorkam. Da er gewissenhaft über Menschentorheiten und-schicksale gedacht hatte, war ihm die Unvernunft dieses Krieges völlig klar. Niemals jedoch hatte die Blindheit des Ungeheuers, das Helden und Feiglinge wahllos verschlingt, ihn wie in dieser Nachtstunde erschüttert. Des Tages Erlebnisse traten vor seine Seele. Zischen und Klatschen der(Bejcholse, Schrapnellwölkchcn. die zauberhaft auf- rauchten, Schützengräben in der Schneewüste, all da» traumhast Neue durchzuckte und durchbebte ihn. Die Menschheit— über- menschliches Rätsel— zerfleischte sich selbst und schien noch dunkle Lust dabei zu fühlen. Fast könnte man meinen,«in Unterirdischer sei damit beschästigt, die verhatzte Sonnenwelt zu zerstören. Ihm war wie nach einer ernsten Operation. Was wollte man von ihm, was sollt» er? Töten?— Er lächelte fremd und jen- seitig. Das ging nicht, o nein! Keine Macht war stark genug. ihn zu zwingen. Er war ein Abgeschlossener. Die Erscheinungswelt lag vor seinen lächelnden Augen wie ein Leopard vor dem Dompteur, wild und doch gefügig. Auf seinem Gebiet, dem Reich des Geistes, konnte niemand ihm die Herrschaft streitig machen, dessen war er sicher. In einer Stunden ging sein Körper, mit Mantel und Gewehr versehen, auf Vorposten. Sein Körper, den er so innig liebte und den man jo schändlich mitzbrauchte! Immerhin, möge er gehen. Sein Ich, seine ungreisbare Seele, würde nicht mitgehen. Sic würde bleiben, wo sie war: Jenseits aller Erde. Inmitten dieser Betrachtungen überfiel ihn der Hunger. Lang- sam ausstehend nahm er mit zärtlicher Gebärde sein Kommißbrot vom Speisebvett, das dicht unter der Balkendecke besestigt war. Eine Maus huschte ins Gewirr der Pappschachteln und Konservenbüchsen, eine wallnußgroße Höhlung in der Schnittfläche des Brotes zurück- lassend. Er bedauerte, sie in ihrer Abendmahlzeit gestört zu haben, doch es war nicht zu ändern. Er schnitt die befressene Stelle aus. legte die Krümel— für den Fall, daß die Maus wiederkam— auf das Brett zurück und machte sich an die Zubereitung seiner Schnitte. Dünn mußte sie sein, aus beiden Seiten gleichmäßig glatt ohne Unebenheiten. Sie wurde aus den Tisch gelegt, der natürlich zu» vor von Sand, Zigarrenasche und sonstigen Unverdaulichkeiten ge- säubert war. Jetzt kam der Belag, der leider oft ein Abstraktum blieb. Heute war er Wirklichkeit, strahlende Wirklichkeit, Gott sei Donk, in Gestalt einer Büchse Oelsardienen. Der silberglänzende Schrein wurde geöffnet und ein Teil der settriefenden Fischleichen bekam seinen Platz auf der Brotschnitte. Da lagen sie reglos nebeneinander. Tote Dinge und doch so köstlich und lebenspendend! Und er aß. In Pausen klangen dumpfe Schläge wie von einem fernen Gong: Artillerie schoß. Dazwischen stottert« ei» Maschinengewehr endlos an einem Buchstaben. Jugendwoher rief jemand ein Wort. Auf dem souligen Stroh- und Dreckgemeng«— ehemal» wogt« es als Aehrenfeld auf einem Acker Litauens— lagen Deutschlands Söhne in ihre Mäntel gehüllt und schliefen. Wie die Oelsardincn auf seiner Stull« sahen sie au», ebenso sromm und geduldig. Bald würden auch sie verspeistt werden, dachte er. Da» Scheusal Krieg, dessen Gebrüll selbst im Dunkel nicht verstummte, hatte gesunden Appetit. Die Tür de» Unterstandes knirschte. Eiskalter Wind wirbelte Flocken herein und zugleich die Stimme des Grabenpostens, die seinen Namen rief. Er antwortete, worauf sich die Tür ruckweise schloß. Mst dem Ernst, der ihm von Natur in diesen Dingen eigen war, rüstete er für den Borpostengang. Mantel, Helm, Leibriemen, Kopfschützer, Handschuh«, olles wurde sachgemäß und sorgsam an- gelegt. Als er gerade dabei war, an der Kerzenflamme eine ZI» garette anzurauchen, öffnet« sich die Tür abermals und die Stimme des Grobenpostens erklang:.Man los, los! Die stehen schon all« draußen."„Ich komme sofort", entgegnete er, löschte mit einem Seufzer das Licht, ergriff da, Gewehr und tappte hinaus In die Schneenacht. Der Unterossizier empfing ihn mit einem Gericht würziger Worte, deren Schärfe er jedoch nicht schmeckte. Er war allzusehr mit dem aussteigenden und zerplatzenden Seifenblasengewimmel seiner Gedanken beschäftigt, als daß Realitäten ihn hätten belästigen können. Nacheinander setzten sich die feldgrauen Menschen feindwärts in Bewegung. Es ging durch eine Talmulde. Der im Sommer un- passierbare Sumpf war jetzt hartgefroren und von langen Schnee- düncn durchzogen, die der Sturm oer letzten Nacht aushäuste. Keiner sprach, man hatte«inander nicht, zu sagen. Das Marsch- tempo wurde eiliger, denn die Kälte war scharf und die Mäntel wärmten nicht sehr. Müdigkeit und Hunger flössen wie Gift durch die Adern. Der fast volle Mond wanderte bleich hinter leblosen Wolken, als wolle er die Menschenpunkte im Schnee durchaus überholen, ab«r er kam ofsenbar trotz aller Bemühungen nicht von der Stelle: um so wütender setzte er seinen stummen Bormarsch fort. Einmal peitschte ein Gewehrtnall das Schweigen, dann anderswo zwei Schüsse, dann war wieder alles still. Der junge Mann ging als letzter. Di« eiskalte Nacht kühlte den von der dicken Unterstandslust erhitzten Kopf. Seine Lungen füllten sich mit dem süßen Qualm der Zigarette und stießen ihn mit Atemdampf untermischt durch Mund und Nase wieder aus. Wie glanzlos der Mond herabsah! Wie ein gebrochenes Himmelsaugc. War es nicht grauenhaft, daß es so etwa» gab? Dieser Mond da, Gespenst eines Himmelskörpers, war nicht Planet und nicht Sonne. Was war er eigentlich, dieser allem Menschen- schicksal, ja allem Schicksal überhaupt entrückte? Das Wesenlose dieser Spukerscheinung umdrängte sein Herz. Gedanken tauchten empor, Wortbilder. Verse. Weiterhin kamen Erlebnisse. Gestalten. Hände, die er einmal gehalten und die ihm entglitten waren. E» schwinden, es fallen Die leidenden Menschen Wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen Jahrlang in» Ungewisse hinab. War«» wirklich so? War die Menschheit ein Wasiergesälle, das über abenteuerliches Felsicht hinweg in ungewisser Tiefe ver- rann? Fast schien es so. Tiefe Traurigkeit ergriff seine Seele, während die Bein« über eine vergessene Leiche stolperte» und sich dabei fast zu einem Knoten verschlangen. Er raffte sich hoch und lief einige Schritte, um die Gefährten wieder cmzuholen. Auch ich bin ein solcher Wasserfalltropsen— fuhr er fort—, der. vom Felsen abprallend, in die Luft hinausflog, wo sich nun die Sonne tausendfarbig reflektierend in den Kügelchen spiegelt, bis es wieder in den Schaumwirbel zurücktaucht und gehaltlos dem Dunkel zueilt. Er stopfte die Hände tiefer in die Manteltaschen. Seltsam, jedesmal, wenn Michel Früchte vom völüerbunös- bäum pflüSen will, tritt ein störendes Moment dazwischen! Kämpfen und Wachsen, reisen und Mann werden, wozu? Leer und weiß blickte die Landschaft ihn an, ohne Antwort. Unüber- windliche Todesjehniucht hatte die Menschen crgrissen, weil sie keine Antwort fanden auf ihr Warum, brannte die Zwccklosigkeit ihre» Dasein» wie ein Schandmal aus ihren Seelen. Ekel vor eigenem Schmutz und eigener Kraftlosigkeit würgte sie, und deshalb war dies« Mcnschenschlächterei entstanden. Sie hatten nicht den Mut, frei zu sterben. Sie wußten auch nicht, was eigentlich ihnen das Leben so bitter machte. Sie cnrpfanden nur die Ausweglosigkeit ihre» Schicksale. Tastend erprobten sie die Methode. Durch kompliziert» Maßnahmen der Politik wurde ein zureichender Grund für gegenseitige Tötung hergestellt. Run ging alle» prachtvoll von- statten. Sie erlösten einander von der Qual, vom Ekel, vom Fluch der Zwecklosigkeit. Das war praktisch, die Verantwortung war in unendlich kleine Teilchen zerteilt, so daß der einzelne nicht schwer zu tragen hatte. Deshalb fand auch der Widerspruch im allgemeinen Wordgetobe kein Gehör. Die Frucht„Menschheit" war überreis. Sie begann sich vom Baum zu löfen. sFortsetzung folgt.) Karl Marx unö öle Zensur. Die Jahre 1844 und 1846 sind für den deutschen Kommunismus und Sozialismus entscheidende Jahre gewesen. In diesen Jahren entwickeln sich die grundlegenden sozialistischen Ideen van Marx und Engels, die sofort zu einer radikalen Abrechnung beider führenden Köpfe de» Sozialismus mit den bestehenden bürgerlichen Systemen der Nationalökonomie und den herrschenden Schulen des Sozialismus führten. Karl Marx nimmt zunächst die Kritik der bürgerlichen Oekonomie auf und bereits am 1. Februar 1845 schließt er mit dem Buchhändler C. W. Leske-Darmstadt einen Vertrag über die Herausgabe eines Werkes ab, das den Titel: KritikderPolitik und der Nationalökonomie tragen und zwei Bände jeder Band über fO Bogen— umfassen sollte. Marx geht ans Werk. und der Verleger Leske oerjorat ihn mit der deutschen volkswirtschast- lichen Literatur, so mit der Arbeit Raus zur Kritik des Listschm natlonalökonomischen Systems„Was Ihi Werk: Kritik der Politik betrifft," so schreibt Leske an Marx,„so halte ich auch dafür, daß es am besten sein wird, wenn dasselbe jo viel wie möglich umsaht und auch die in Ihrem werten Schreiben erwähnten französischen Werke berücksichtigt." Zugleich betreibt aber Marx die Herausgabe einer „U e b e r j e tz u n g s b i b l i o t h e k", die vor allem„die neueren französischen und englischen sozialistischen und kommunistischen Schriften" ausnehmen sollte. Die Ver- wirklichung dieses Verlagsuntcrnehmens lehnt Leske— wohl aus Angst vor der Zensur— ab. Im Frühjahr 1846 arbeitet Engels an einer Geschichte der eng- tischen Geseilschast, und Leske ersucht Marx, auf Engels einzuwirken, daß er diese Geschichte dem Üeskeschen Verlage überläßt. Marx stedelt im Frühling 1845 nach Brüssel über und Leske kündigt ihm einen„nicht besonders" erfreulichen Besuch an:„Es ilt dieser der Polizeidirektor Duncker von Berlin, der eine Urlaubs- reise nach Belgien macht. Wae der Spürh... da wohl suchen wird?—?" Marx ist eben schon der überall bespitzelt- Revo- lutionär, der dem„Spürhund" Duncker keine ruhige Stunde läßt. Schnell häufen sich nun die Schwierigkeiten, die das Oberzensurge- richt zu Berlin dem Verleger Leske bei der Herausgabe sozialisti- scher«chriften macht. Dieser schreibt am 18. Mörz 1846 a» Marx I diesen Brief, der sich— wie die folgenden Briefe— im Archiv der ! Sozialdemokratischen Partei befindet: Darmstadt, den 16. März 1546. Geehrtester Herr! Eine inir vor wenigen Wochen zuqekommone Verwarnung des hohen bochpreislichcn Königl. Preuß. Oberzensurgcrichis zu Berlin des Inyalts, daß, wenn ich fortführe,„verwerfliche", insbssonderc aber sozialistische und kommunistische Schriften zu verlegen, das Ver- bot meiner sämtlichen Versagswcrke in den preußischen Landen ausac- sprachen würde, macht es mir leider nur unter der Bedingung mog- lich, Ihr Verleger für die„Kriük der Nationalökonomie" zu werden, daß Sie die Schrist rein wissenschaftlich halten. Dadurch, daß ich sechs Zeitichristen im Verlage habe, von deren gutem Absatz teilweise meine Existenz abhängig ist, wird es mir zur Unmöglichkeit, den Gewöltschriir, den Greußen wieder eininal zu tun vorhat, zu provozieren, indem ich konsequent die eingeschlagene Richtung verfolge.... Mir vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz ergebener C. W. Leske. Marx hat sich nach diesem Bries Leskes ofsenbar sehr rückhaltlos über die bisherigen Maßnahmen der preußischen Polizei gegen ihn ausgesprochen. Leske antwortet dann unter dem 61. März 1846 auf den Marxschen Brief vom 18. März 1846: Darmstadt, den 31. März 1846. Gcehrtestcr Herr! Ihr wertes Schreiben voin 18. März dieses Monats hat mich wieder lebhaft an dos besondere Wohlwollen Preußens, das sich schon mehr als einmal sebr empfindlich für Sie äußerte, erinnert und mich darauf aufmerksam gemacht, wie sehr ich durch die 5)er- ausgäbe Ihres Werkes gefährdet würde, zumal da ich auch bei der hiesigen Regierung wegen des Lerlegcns der„Rheinischen Jahr- bücher" übel angeschrieben bin: um so übler, als die gegen mich ein- aeleitete Kriminaluntersuchung nicht ungünstig sür mich ausfallen dürste. Ich halt- es daher für das beste, wenn Sic sich nach einem neuen Verleger umsehen und mir, sollten Sie einen gesunden haben, aus diesen eine Anweisung im Betrage des Ihnen bereits vorausgezahlten Honorars geben wollten.... Ihr ganz ergebenster E. W. Leske. Der Verleger Leske ist durch die ständige Schikane der Zensur ängstlich geworden. Er will höchstens nach ein„rein wisssnschast- liches Werk" von Marx herausbringen, ein Werk, das etwa in, Stile von„Feucrbochs Wesen des Christentums" gehalten ist. Lezte bat nun„die Mittel" erkannt, deren Preußen sich bedient, um„der guten Presse aufzuhelfen und höchstens eine königlich preußische ver- nünstige Opposition gelten zu lassen". Marx überzeugte sich wohl von der Unmöglichkeit, ein von kritisch-rebolutionärem Geiste beseeltes Merk über Politik und Nationalökonomie herauszubringen. Das Werk blieb in weitläusi- gen, gründlichen nnssenschasiliche» Do: arbeiten stecken. Das hoch- preislich- Oberzensurgericht zu Berlin hatte sich förmlich die Ausgabe gestellt, den kühnen Sozialisten Marx in Deutschland mundtot zu machen. Die auspeitschend- Sprache setner Schriften sollte aus icden Fall unterdrückt werde». P- K. tin neuentdeckter Sinn. Der größte Teil der psychologischen Arbeit des IS. Jahrhunderl» war der Ersorschuno der menschliazen Sinne gewidmet und man sügle den bis dahin bekannten sünf Sinnen noch eine ganze� Anzahl weiterer hinzu: den Gewichlssinn, den Temperatur- und Schmerz- sinn, den stanschen Sinn, den Muskel-, Sehnen- i.ud Gelenksinn uno den allgemeinen Sinn, der die Organempfindungen, wie Hunger, Durst. Sättigung dem Bewußtsein übermittelt. Mai,j(laubtc aber um die Jahrhundertwende, nunmehr olle menichlichen Sinne entdeckt zu haben. Die» ist aber nicht der Fall, denn aus dem diesjährigen Psychologenkongreß hat de, Rostocker Professor Katz über einen neuen von ihn, endcckten Sinn Mitteilungen gen, acht, über den Theo Bonte in der„Umschau" berichtet. Der neue Sinn, der V i b r a t i o n s s i n n, ist ein beiondercr Teil des Tastsinnes und älter als der ebenfalls zum Taftlinn gehörige Drucksinn. Auch der Gehörsinn geht eniwicklungsoescyichtiich aus den Bibrationssin» zurück. Die cnqe Vcrwondtschast der vibratorijchen und akustische» Eindrücke läßt sich an einem von Prof. Katz konstruierten, lautlos arbeitenden Dibrator feststellen. Dabei werden die kleinsten Teile eines Holzwürfels in Schwingungen versetzt, und wer den Würjel mit den Fingern berührt, hat den Eindruck, mit den Finger» zu hören. Dies ist auch bei Tauben der Fall, und durch den neucnt- deckten Sinn erklärt sich die Erscheinung, daß manche Taube Musik „hören" können. Als Ausnahmcorgan bezeichnen diese Gehärlojei, de» Rücken, und anscheinend ist der Vibrationssinn bei Tauben in der Rückengegend besonder» ausgebildet. Die Vibraiionsnerven leiten die Erregung zum Gehörnerv und hier erfolgt dann die Mu- «rregung des akustischen Zentrums. Die„erschütternde" Neben- Wirkung, die wir bei mancher Musik empfinden, ist ebenfalls auf den Zusammenhang zwischen Gehörs- und Vibrationssinn zurückzuführen. Sehr wichtig ist dieser neue Sinn bei der Äaterialbeurteilung. Berührt man eine lange Holzstange an dem einen Ende mit ver- schiedenen Gegenständen, wie Glas, Filz, Eisen, Gummi, so kau» man an den, änderen Ende durch Berührung mit der Hand vielsoch rein vibratorisch die verschiedenen Körper nach dem Material unter- scheiden. Schließlich ist noch eine Bedeutung des JBibratioi'ssinnes als Fernsinn erkannt worden. Manche Taube können bei Quer- stellung der Beine die Richtung einer Erschütterung feststellen, die durch«inen Schlag auf den Boden hervorgerufen wird. Ein Geh»- loser gab die absolut« Entfernung des Ausgangsp nktes einer Er- schütterung an, wenn er beide Zcigcswger aus«Inen großen Tiich hielt. Diese Erscheinung läßt sich mit ähnlichen Verhältnissen beim Hören oergleichen. Gelchästliches. Der moderne Toilettentisch. Die Wege aur weiblichen Schönheit führen über den Toilette- tisch. Hier ist das Waffenlager und Munitionsdepot der kühnen Amazone, die den männlichen Partner durch wohlüberlegte Schach- züge verwirrt und in wohlriechende Pulverdämpfe hüllt� Je nach Beschaffenheit ihrer„Kriegskasse" verwendet sie hierzu kostbares oder einfaches Waffenmaterial. Die Firma Kopp u. Joseph, Lützowstraße 106, führt eine Reihe sehr hübscher Toilette- tische in Elfenbein, Silber und Schildplatt(für die wohlhabenden Streitkräfte), dann aber auch in sehr gut gearbeiteten Imitationen i» billigeren, erschwtngklchen Pretslagen vor. Der vnterfchled zwischen echtem und nachgeahmtem Material ist heute durch die Vervollkommnung der Herstellungsweise ein kaum merklicher, und man trägt dem Zuge der Zeit nach dieser Richtung hin vollauf Rechnung. Die Ausstellung bringt eine reiche Auswahl von Toilettetischen, Putztischen für den Kostümball, mit Perücke, Kostüm und allem nötigen Kleinkram, Schminktische für das Theater und noch vieles andere. Di« ollbefoBittr PelzwaOsfirma R. MichacNs, Berlin N0 18, Drob« ffroni- furter Str. M, 1. Etage, hat neu qrost aufgenounnen Pelzjacken. Pelzmäntel, Mäntelbefith« an seinem«rohen nichhaltigcn Lager in Ekunts sowi« alle Arten ffllchs«. Di« I>«rebrt«n Kunden werden zur zwanglosen Besichtigung freundlichst eingeladen. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Acichsbnnd der«rieMbeschSigten, Kriea-teilnehw«,«»d»riegerhintei. blicbenen. Bezirk Zentrum: Montag, I. Dezember, im Rosenthalcr Sof, Rosenthaler Str. 12, Monatsversnmmlung. Referat Kamerad St«in: �Eie sorgen wir für die Verbreitung dar»azifisiifchen««ltanschauungN Wetterbericht der öffenMchev wekterdtenfistelle für Sersia und kwigebrmg. (Nachdruck derb.). Weiterhw kalt, meist brwöM bei frhchrn nordonlichen Winden. Keine Niederschläge.— Für veutjchlaud. In Nord- und Mitteldeutsch- land trocken, im Süden vcrewzell leichte Niederschläge; weiterhin Abkühlung rm?'* >/%. 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Familie Hans Bauer. Familie Her» mann Henrich als Schwiegereltern. FnmUie Karl Henrich. Famttte Fritz Scholz» Die Beerdigung findet am 4. Dez, nachm. 2 Uhr, oon der Leichenhalle des Emmaus-Friedhofes in Neukölln, 'ermannstrafte, aus statt. Wtafer'Sflefe) zuTerlässig, unverwüstlich nur bei II. Bähr Bsilin, Spülelrnarlil 7, jm der BtSdre Todesanzeige Am Sonntag, den 28. November. verstarb unsere lieb« Kollegt«, bte Botenfrau L,ii!se Heinzmann Neukölln, Nicharbstr. 87, im Alter von 50 Jahren Wir verlirrea In der Verstorbenen eine Itede MUardeitertn. Leiter und Personal der Vorwärts. Filiale ReutSll», Siegfricbste. 28,19 Beerdigung Donnerstag, 2. Dez. nachmtltag» 2 Uhr, auf dem neuen Iatodi'Friehhof, Sermannstraft« Dankt aganst Fllr die herzliche und zahlreiche Teilnahme an der Bestattung meines lieben Mannes, des Sastwiets LrUdwix Taube sage ich hiermit sämtlichen Per» wandten. Freunden und vereinen meinen herzlichsten Dank. Paol» Taube nebit Todtier. Konkurrenzlos!!! 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