f!e. 577 ♦ 43. �ahrg. Musgabe Sk Nr. 294 Bezugspreis. WSchenNich A> Pfen-i«, moaatlich N»ich-m Mann Landespolizei und SO 000 Mann Gemeindepolizei zugestanden worden sein; die 8000 Mann Polizei der Hansestädte gelten als Kommunalpolizei. Ueber die Verwendung der früher militärischen Gebäude und über den Ausbau der oft- lichen Festungen ist eine Einigung anscheinend noch nicht erzielt. Unabhängig von den Beschlüssen der Botschasterkonferenz soll der Veschluh auf Aufhebung der Militärkonirolle sofort gefaßt wer- den, so daß die Militärkontrollkommission noch im Laufe des De- zembers Deutschland verlassen würde. In der Frage der Uebernahme der Kontrolle durch den Völkerbund sollen nicht nur Vandervelde und Chamber- lain, sondern auch Briand dem deutschen Standpunkt, der das Pecht einer ständigen Kontrolle des Völkerbundes bestreitet, entgegengekommen sein. Infolgedessen werde damit gerech- net, daß in der Donnerstagsißung des Rates die i n t e r a l l i e r t e Militärkontrolle endgültig durch die Völker- bundskontroll« abgelöst wird. Diese Kontroll« würden nichtständige Kommissionen versehen:«in« Kontrollkommission müßt« jeweils auf besonderes Verlangen des Völkerbundsrates ein- gesetzt werden. Die Besprechung der vier Außenminister dreht« sich schließlich, wie verlautet, noch um die Frage der Zurückziehung der B e- satzungstruppen. Hier sollen nach Abschluß der Tagung des Rates weitere Verhandlungen zwischen den Regierungen folgen, um zu einer Verständigung zu kommen. Ein Mbgefanöter der Sotschasterkonferenz. Genf, 7. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Der am Dienstag vormittag hier eingetroffene Generalsekretär der Bosschafterkon- fercnz, M a s s i g l i, hat keinerlei Beschlüsse mitgebracht, sondern Briand über den Stand der Beratung der Botschafterkonferenz unterrichtet. Er wird mir nsuen Weisungen verschen am Mittwoch früh wieder nach Paris zurückkehren. Die entscheidende Sitzung der Vntschafterkonferenz wird unmittelbar nach seiner Rückkehr sein, so daß mit der Entscheidung in Gens für Donnerstag abend oder Freitag vormittag zu rechnen sst. Die -Hauptdifferenzen zwischen den Auffassungen der deusschen Reichs- regierung und der Botschasterkonferenz bestehen noch über die Ein- und Aussuhr von Kriegsmaterial und Halbfabrikaten sowie über den Ausbau der Festungen Königsberg und G l o g a u. Generalsekretär M a s s i g l i hotte im Laufe des Dienstag nachmittag auch ehte Aussprach« mit Staatssekretär v. Schubert. Der Völkerbundsrot selbst behandelte am Dienstag nachmittag eine Reihe von Angelegenheiten ven mehr nebensächlicher Be- deutung. Die Frage der Versorgung der bulgarischen Flüchtlinge konnte noch nicht zum Abschluß gebracht werden, da die Bulgarien umgebenden Staaten Schwierigkeiten bei der Ausstellung des Versorgungsplanes machten, indem sie verlangten, daß die An- siedlung der Flüchtlinge nur SO Kilometer hinter der Grenze erfolgen dürfe. Dann genehmigte der Rat den Tätigkeitsbericht seines Oberkommissars für Danzig, des Holländers van Hömel, dessen Gehalt zur Entlastung Danzigs fortan vom Völkerbund gezahlt werden soll. pariser Darstellung. Paris, 7. Dezember.(Eigener Drahtberichl.) Roch Halbamtlicher Darstellung ist folgendes die Ansicht der französischen Regierung: Militärkontrolle und Jnvestigationsproblem figurierten auf zwei ver- schiedenen Plänen. Die Botschafterkonserenz befasse sich mtt der Kontrollkommission des Generals Walch, also mit allen Entwaff- nungsfragen, während der Völkerbund allein ennächtigt fei, über die Nützlichkeit einer Revision des Investigationsrechts zu entscheiden. In ihren Genfer Besprechungen sind, so schließt diese amtliche Aus- lassung, weder die alliierten noch die deutschen Unterhändler von diesen grundlegenden Richtlinien abgewichen. Auch der„Temps* bestätigt diese von einem vorsichtigen Opti- mismus getragenen Auslassungen, wenn er sagt, daß zwar die Genfer Besprechungen anscheinend eine günstige Wendung nehmen und gute Aussicht bestehe, zu einem prinzipiellen Abkommen zu gelangen, daß es aber gefährlich wäre, in den in Genf bisher erzielten Fortschritten etwas anderes als die besten Aussichten für die allernächste Zukunft zu sehen. Erst wenn das endgültige Kompro- miß, das man ausarbeiten werde, vorliege, würde man Vorteile und Nachteile erkennen und gleichzeitig feststellen können, wer die Kosten des abzuschließenden Kompromisses trage. Die Genfer Meldungen der Abendblätter betonen ebenfalls, daß die Verhandlungen gegenwärtig nicht eine Krise, sondern nur eine Perwde des Abwartens durchmachen. Das Terrain sei gereinigt und die Vertretung Frankreichs hoffe, daß die Argumente Lriands und Chamberlains Stresemanns Zögern überwinden werden. Die nationalistischen Blätter äußern bereits.Beunruhigung' über das in Aussicht stehende Genfer Kompromiß. In der»Liberte' wird betont, man könne sich, wenn man nur wolle, ganz gut für die deutschen O st grenzen eine ähnliche Garantie wie für die Westgrenze vorstellen. Falls Deutschland sich weigern sollte, darauf einzugehen, würde es damit offen seine feindseligen Absichten Polen gegenüber beweisen. Jedenfalls wäre es der größte Fehler, den man begehen könnte, wenn man �en Eindruck erweckte, als ob man sich gegenüber Polen desinteresstere. Die ßrankenfanierung. Poincar6 über seine Pläne.— Die nnvern» eidliche Wirtschaftskrise. Paris, 7. Dezember.(WTB.) In der heuttgen Nachmittags- sitzung der Kammer ergriff im Namen der Sozialisten an Stelle des unpäßlichen Abgeordneten Leon Blum der Abgeordnete Vincent Auriol das Wort, um die Gefahren einer Wirtschaftskrise zu be- leuchten, die die Finanzpolitik der jetzigen Regierung hervorrufen könne und deren Folge eine neue Währungskrise wäre. Der Abgeordnete stellte an die Regierung die Frage: Wir wollen wissen, ob Sie die unbedingte Revalorisierung vornehmen wollen, woraus P o i n c a r ö ausweichend antwortete: Das würde eine Operation auf sehr lange Sicht sein. Diese Antwort legte Vincent Auriol in dem Sinne aus, daß Poincare ohne Zweifel nicht eine unbedingte Revalorisierung plane. Dann also würde die Regierung für die d e m n ä ch st i g e S t o b i l i s i e- r u n g der Währung sein und in diesem Zusammenhang ging der Abgeordnete auf das Stabilisicrungsproblem ein. wie es die So- zialisten auffaßten. Zum Schluß fragte er den Ministerpräsidenten, welche Maßnahmen er zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu ergreifen gedenke. Darauf ergriff Ministerpräsident poincarö tu seiner Eigenschaft als FInanzmmister das Wort. Er betonte, daß zur Entwertung des Fronken, zur Lebensteuerung und zu der Be- drohung des Budgetgleichgewichts keine Tatsache mehr beigetragen habe als die verschiedenen auseinander folgenden Inflationen, die die einzelnen Regierungen vornehmen zu müssen glaubten und die er für seinen Teil stets mißbilligt habe. Alsdann entwickelte Pomcarä ein Programm, wonach eine in zwölf Iahren amortisier» bare Anleihe es ermöglichen würde, die kurzfristigen Dons von 1022 im Betrage von 3 Milliarden, deren Rückzahlung in Höhe von 1400 Millionen beantragt worden sei, einzulösen. Heute vormittag hat man mich gefragt, so fuhr Poincarö fort, ob ich einen Plan habe und ob ich nicht etwa ein Mechaniker sei, der seine Maschine nicht mehr aufhalten könne oder ein Reiter, dem sein Pferd durchgegangen ist. Jedesmal, wenn ich auch noch so diskret auf Fragen geantwortet habe, die mir gestellt wurden, hat sich die Spekulation dieser Worte bemächtigt. Ich babe keine Lust, die Spekulation zu begünstigen. Gewiß kann die Revalorisierung einer Währung eine Wirtschaftskrise hervorrufen und Arbeitslosigkeit zur Folge haben, aber ei gibt keine Stabilisierung, die nicht ziemlich ungünstige wirtschaftliche Folgen hat. Wer eine schwankende Währung in eine gesunde umwandeln will, muß es verstehen, emen Abgrund zu überschreiten. Man beschwert sich über das Steigen des Franken, das übel ist, das Steigen der Währung ist aber nicht so übel, als die Pessimisten ange- kündigt haben. Die Regierung hat ein D e s a st r e o e r h i n d e r t und der Inflation ein Ende gemacht und sie hat schließlich ernstlich mit der Amortisierung der schwebenden Schuld begonnen. Auch die Preissteigerung hat sie aufgeholten und schließlich, was wichtig ist, Frankreich habe aus eigener Kraft seine finanzielle Wieder- erhebung durchgeführt, ohne seine Freiheit aufzugeben und ohne irgendeine Bedingung des Auslandes erfüllt zu haben. P o i n c a r 6 erklärte weiter, es gebe keine Finanz- und Währungsreform ohne eine aktive Handels. b i l o n z. Diese Tatsache dürften auch die ausländischen Glau- biger Frankreichs nicht verkennen. Frankreich könne nur Zahlun- gen an sie leisten, wenn es sie regulär transferieren könne, d. h. wenn es Waren und Devisen zu seiner Versügung habe. Ein« tatsächliche oder rechtliche Stabilisierung würde nicht den ersten Transsenerungsversuch aushalten. Schließlich betonte Poin- care noch, daß man die Einzelheiten des Slablllsierunasplanes angesichts der ausländischen Spekulation nicht bekanntgeben dürste. Unter dem Polizeigesetz. Man spricht leise in Italien. „Was gibt's neues?' fragt einer den anderen in Italien. Die Antwort ist ein Achselzucken, ein skeptischer Hinweis auf die Zeitungen, in denen nichts steht. Dann blicken Frager und Gefragter spähend um sich, ob die Luft rein ist, und schließlich werden die Gerüchte ausgekramt: der soll verhaftet sein, jenem hat man das Haus verbrannt, der andere liegt im Krankenhaus, dem Vierten steht die Verschickung ins Zwangs- domizil bevor. Die Gerüchte sind der Fluch jedes Regimes ohne Pressefreiheit: sie wachsen im gleichen Verhältnis zur Knebelung. Es gibt kein Mittel gegen sie. als Freiheit. Wer durch eigenen Augenschein um die Verwüstungen wußte, die in Rom in der ersten Woche nach dem letzten„Attentat" statt- gefunden haben, und als einzigen Widerhall davon in den Zeitungen die Verherrlichung der faschistischen Disziplin fand, das Lob der strengen Manneszucht der Squadristen, der hatte so eine ungefähre Formel, um sich die Ereignisse in den kleinen Städten und auf dem Lande vorzustellen. Dazu kommen dann Stichproben durch einzelne verbürgt« Fälle, wie die Folterung des maximali st ischen Abgeordne- ten R o b i l i, den man mit einer Zigarette die Augenlider verbrannt hat, so daß die Erhaltung der Sehfähigkeit in Frage steht. Dazu kommen die Berichte der Flüchtlinge, denen man alles vernichtet hat und für die die Rückkehr in die Heimat den sicheren Tod bedeuten würde. Wo alle Berichte verstum- men, da tritt die Erinnerung an frühere Schreckenstage in die Lücke: Was mag in Molin ella geschehen sein? Was mag die feige grausame Gewalt, die dort seit Iahren herrscht, in jenen Tagen geleistet haben, wo Sengen und Plündern als verdienstlich galten, wo sich jede persönliche Rache oder Habgier den Mantel der patriotischen Entrüstung umhängen durfte? Die Geschichte dieser Novembertage wird vielleicht nie genau geschrieben werden können. Viele der Opfer werden nie mehr reden. Jedenfalls sind Dinge passiert, von denen die Regierung, trotz der einschüchternden Wirkung, die sie sich von Roheit und Gewalt oerspricht, nicht erbaut war, besonders deshalb nicht, weil man sie im Ausland nicht hat so geheim- halten können wie in Italien selbst. Vor allen Dingen soll das krasse Hervortreten der persönlichen Motive bei den diesmaligen Verwüstungen die Behörde in Sorge setzen; es ist diesmal in großzügiger Weist geplündert und gestohlen worden. Bürgert sich dieses Faschistenrecht über Hab und Gut des Nichtfafchisten für jedes Intermezzo politischer Störung ein, so wird es schwer halten, es wieder auszubürgern. Man benutzt heute die Attentatsentrüstung zur Begleichung gar zu vieler und verschiedenartiger Rechnungen. Gerade deshalb hat das Bestreben der Regierung, die Verfolgung der Nicht- faschisten ganz der privaten Initiative zu entziehen, mit großen Schwierigkeiten zu rechnen. Was die„Begeisterung" der Horden wachruft, ist eben nicht nur die Lust am fremden Schaden, sondern auch die Rücksicht auf den eigenen Vorteil. Für den fremden Schaden kann die Regierung durch ihre Organe sorgen, aber nicht für die Beute, auf die die Squa-� driften ein Anrecht zu haben glauben. Die faschistische Presse predigt nun in allen Tonarten ihrest Leuten, sich künftighin mit der behördlichen Repression zu- friedenzugeben. Ein Mailänder Abendblatt schreibt:„Das Gesetz über die Verteidigung des Staates, im Verein mit dem neuen Polizeigesetz, gibt der Regierung eine furchtbare Waffe, um jedes Verbrechen mit politischem Hintergrunde sowohl zu verhüten als zu bestrafen. Nichts kann gegen das Regime unternommen werden, ohne zu den strengsten Maßnahmen zu führen, und die Pollzeiorgane können von Gesetzes wegen die genauesten vorbeugenden Erhebungen vornehmen. Ein geheimer politischer Postzeidienst mündet in die politische Ver- schickung und das Zwangsdomizil ein." Hier liegt das ab- schließende Nachwort dieser Novemberunruhen.„Mein ist die Rache!" sagt die Regierung und setzt sich damit in Kontrast zu den Neigungen und Interessen eines Teiles der Faschisten. Freilich kennt die Regierung ihre Leute und verlangt nichts Unmögliches. Wenn sie wünscht, daß man dem Besitzer eines Konkurrenzunternehmens, oder dem Gläubiger, oder dem, dessen Gattin oder Haus man begehrt, nicht die Wohnung vernichtet und ausraubt, weil das im Ausland einen schlechten Eindruck machen kann, so hat sie nichts dagegen, daß der betreffende Faschist seine Interessen auf„legalem Wege" durchsetzt, indem er nämlich den Besitzer des Unternehmens, des Schuldscheins, der begehrten Gattin oder des erstrebten Hauses für dasZwangsdomizil oder die poli- tische Verschickung vorschlägt. In diesen Tagen sind die ersten politischen Verschickungen angeordnet worden, auf Grund des Artikels 18 des neuen Polizeigesetzes. Die Maß- nähme wird ohne den Schein einer Gerichtsverhandlung oder eines Verhörs durch eine Kommission verhängt, die in jeder Provinz vom Regierungspräsidenten. Staatsanwalt, Polizei- direktor, Kommandant der Karobinieri und einem höherer Offizier der Miliz gebildet wird. Die Strafe kann für di, Dauer von fünf Iahren verhängt werden und die Anweisung des Ortes erfolgt durch die Zentralregierung. Der Ort, in dem der Verschickte von seiner Arbeit zu leben hat, kann in Italien oder in einer Kolonie liegen. Die Maßnahme ist anwendbar gegen alle, die„auf den Umsturz der nationalen Ordnung oder auf Behinderung der Aktion der staatlichen Behörden abzielende Handlungen begangen haben oder die Absicht ge- äußert, sie zu begehen". Hier haben wir natürlich mit einer rückwirkenden Bestimmung zu tun, denn das Gesetz ist erst dieser Tage in Kraft getreten. Unter den ersten Opfern be- findet sich in Via Reggio der kommunistische Ab- geordneteSalavatori und der frühere liberale Abge- ordnete Tullio Benedetti, in Aecuila ein Arzt Ippoliti und ein Kommunist de Rubois, beide wegen Beziehungen zu aus- ländischen Umstürzlern. Große Freude herrscht heute in Faschistentreisen auch darüber, daß man eudlich durch unentwegte Spitzelarbeit den früheren Abgeordneten Kapitän Giulietti hat ver- haften können, den wackeren Organisator der italienischen Seemannschaften, der von seinen Leuten beauftragt war, den Verbandsfonds von rund zehn Millionen Lire vor dem Rachen der Faschisten zu retten. Das ist ihm über drei Jahre gelungen, wie es ihm gelang, den zwei gegen ihn organi- sierten Mordversuchen zu entrinnen. Nun hat man ihn aber doch verraten und verhaftet. Um den Vorwand einer Anklage gegen den Mann zu finden, beschuldigt man ihn der Unter- schlogung der Verbandsgelder. In Wahrheit war er ihr bestellter Hüter. Man zieht ihn vor Gericht, well er seine Pflicht getan hat. Es ist eben eine gefährliche Sache, heute zehn Millionen Arbeitergelder ihren rechtmäßigen Besitzern erhalten zu wollen. Die Spitzelei bringt heute Wunder zustande. Da waren die Bourbonen Waisenknaben dagegen. Die Spitzel fahren auf den Bahnen: viele sprechen deutsch, viele tschechisch. Wehe, wer ihnen ins Garn geht. Sie sind in den Hotels, in den Kaffees, im Tram, in den Pressevereinen: sie kommen einem ins Haus mit gefälschten Empfehlungsschreiben. Durch sie hat der sonst so lärmende Italiener endlich gelernt, leise zu sprechen: der sonst so höfliche und gchtfreie, unhöflich und abweisend zu sein. Sie sind die geheime Polizei. Sie sind der Weg zum Zwangsdomizil.... Wie sie wüten! Bei den Berlouftunzen sind diesmal Werte von vielen Millionen zerstört worden. Der im Genuese? Parteiblatt„Jl Lavoro" an- gerichtete Schaden wird auf über drei Millionen Lire veranschlagt. In Treviso hat man die Pr i o a t k l t n i k des republikanischen Ab- geordneten Bergamo verwüstet und teilweise verbrannt. Bei dem wüsten Zerstörungswerk kamen drei Patienten ums Leben: die Klinik beherbergte Kranke mit chirurgisch behandelter Lungentuberkulose, also die allerschwersten Fäll«, Kranke, deren Krästezustand diesem Nachspiel des Attentats nicht gewachsen war. Biete Hundert« von Leuten der Opposition sind heute obdachlos, ihr Haus ist verbrannt oder geplündert, ihre Werkstätten, ihre Bureaus, ihre Fabriken sind vernichtet. Was seit dem 3t. Oktober in Italien geschehen ist, das gräbt eine tiefe, abgrundtiefe Kluft zwischen Bürger und Bürger. Auf dem Markte von Treviso hat man einen republikanischen Fabritbesitzer aufgehängt, und der junge Mann dankt sein Leben nur dem Unistande, daß der Strick riß. Die Schlechtigkeit hes Materials, nicht die Güte der Menschen, hat ihn gerettet. In Mailand hat man den Sekretär. der dortigen Arbeitskammor, Genossen B r i g a t t i, aus seiner Wohnung gehölt, hat ihm die Augen verbunden. Ihn dann in eine Grotte oder einen Keller geführt und„Gericht" über ihn gehalten. Das Urteil lautete auf Erschießen in den Rücken. Dann hat man mit dem Opfer gespielt, wie die Katze mit der Maus, hat mehrmals die Vorbereitungen zur„Hinrichtung" getroffen, um dann unseren Genossen allein zu lassen, anderthalb volle Tage lang, im Dunkeln, ohne Nahrung, ohne Schutz gegen Källe. Nachher haben die Wichte Brigatti mit Stockschlägen schwer verletzt und ihn auf der Straße liegen lassen. Heute ist er Im Krankenhause. pariser Einörücke. Bon Dr. Scharrenbroich-Paris Bor einiger Zeit wohnte ich der Einweihung eines jener fürchterlichen Künstlermonumente bei, mit denen nicht nur der Iardin de' Luxembourg, sondern ganz Paris besät ist. Diesmal hat Masse- net dran glauben müssen, dem ich übrigens so etwas gönne. Ständig diese unvermeidliche Dam«, die zu Füßen dieser Statuen zu stehen oder zu liegen pflegt und begeisterte Hingabe zum Ausdruck bringt. Diesmal ist sie zur Abwechstung nicht nackt, sondern in einer volks- tümlichen Tracht und sieht aus wie Gretchen von Geunod. O, ihr Pfalzgrafen, Kurfürsten und Könige der Siegesallee, wieviel dürrer- liche Verwandte habt ihr doch in dieser guten Stadt! Es ist interessant festzustellen, aus welche Kategorie von Menschen sich diese Denkmäler beziehen. Die Schriftsteller marschieren an der Spitze und die Sportleute koimnen zuletzt, als die Jüngsten: Schriftsteller 49, Gelehrte 44, Fürsten und Staatsmänner 32, Künst- ler 29, Soldaten 11, Musiker 8, Beamte und Philantropen 7, Automobilisten 2. Darunter nur 5 Frauen, wobei Jeann« d'Arc mehrmals genannt wird. Das Fürchterlichste, was ich von Denkmalskunst gesehen habe, sind die Grabmäler von O. Wilde auf dem Montmartre-Friedhof seine Art fliegender Engel im assyrischen Reliefftil von einem Herrn Epstein) und das von Baudelaire auf dem Monparnasse- Friedhof. Baudelaire liegt da auf seinem Grab in Laken eingehüllt wie in einem Schwitzraum bei Lahmann. Ueber ihm der Genius des Bösen, der aussteht wie ein Schüler, der endlich mal ernsthaft über sein Aufsatzchema nachdenkt(etwa„Mein schönster Ferientag"). Uebrigens ist ja auch das von den Deutschen so oft aufgesuchte Grab- mal von Heine nichts weniger als ein Kunstwerk. Der Geschmacksverfall in dieser Beziehung ist international, man beobachtet ihn auch in Italien. Und zwar sogar in den Zen- tren der Kulturstätten, die einen maßgebenden Einfluß ausüben sollten. So habe ich hier in der Akademie der schönen Künste folgendes gesehen. Dort befindet sich ein Hos mit Bogengängen im florentmischen Renaissancestil. Unter den Bogen stehen Marmor- kopien antiker Slawen. Der ganze Ort atmet heidnische Lebens- freude, und gerade ihn hat die Akademie ausersehen, ihre Toten zu ehren, indem sie vor eine Wand mit den Namen der Toten einen Poilu ausstellte, dessen Kunstwert einen kläglichen Kontrast zu den Antiken darstellt. Man könnte ebensogut die Venus von Milo in einer Seitennische der Notr« Dame aufstellen oder auf dem Per« Lachaise«inen Bachus. Andererseits staunt man, daß ein so herrliches Denkmal wie der Balzac von Rodin Tonmodell ge- blieben ist. Und die Architektur? Auch da zehren die Franzosen von ihrer Vergangenheit. Aber neuerdings, besonders bei den großen Wohn- bauten und Hotels, verlassen sie den traditionellen Stil; was sie statt dessen geben, ist der charakterlose Kitsch, den wir nun Gott sei Wie wenig die sadistische Grausamkeit mit wirklicher Entrüstung zu tun hatte, sieht man am besten an der grauenhaften Be- Handlung, die der maximalistische Abgeordnete N o b i l i er- fahren hat. In der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November befand er sich in einem Landhause unweit von Todi(Umbrien). Um 2 Uhr wurde die Familie durch Klopfen geweckt: zwei Karabinieri fragten nach den« Abgeordneten und forderten ihn auf, ihnen in die Kaserne zu folgen. Nobili zögerte anfangs, weil er einen faschistischen An- schlag fürchtete, lieh sich aber schließlich durch die Uniform bestimmen, den Menschen zu folgen. Diese, die offenbar nur verkleidet waren, brachten ihn aufs offene Land und lieferten ihn dort sieben Indi- viduen aus, die mit eisernen Stöcken und Sandsäcken über ihn her- fielen. Schließlich hörte Nobili, wie einer zum anderen sagte: Hole eine Zange, damit wir ihm die Fingernägel ausreißen. Daraus verlor er die Besinnung. Durch einen akuten Schmerz kam der Gemarterte wieder zu sich: einer seiner Peiniger hatte ihm die brennende Zigarette auf die Augen gehalten! Im Krankenhaus wurde der Abgeordnete zunächst wegen drohender Gehirnerschütterung behandelt und für die anderweitigen Ber- letzungen ein Krankenlager von 39 Tagen in Aussicht gestellt. Es ist noch ungewiß, ob ihm das Augenlicht erhalten bleibt. Trotzdem ist Nobili aus dem Krankenhause abgeholt und in das Gefängnis von Perugia übergeführt worden! Im übrigen: wie kann man den Geist, der die Repressalien diesmal beseelt hat, besser kennzeichnen als durch den Hinweis, daß auch die Wohnung des von den Faschisten ermordeten Abgeordneten Amendola in diesen Tagen der Rache und Plünderungsorgien v e r w ü st e t worden ist? Man muß dankbar sein, daß die Leiche des edlen Mannes französische Erde deckt: sonst hätte das Lumpen- pack auch Hand gelegt an die Gebeine...! Die Blockade Italiens durch den Faschistenterror. Aus Malland wird uns berichtet: Di« Regierung hat bekannt- geben lassen, daß alle nach Frankreich adressierten Briefschaften von faschi st ischen Agenten geöffnet und kontrolliert werden. Ausländisch« Zeitungen, die sich mit dem Faschismus beschäftigen, werden an der Grenze befchlag- nahmt. Daher erfährt das italienische Volk, nachdem man die freie Presse in Italien unterdrückt hat, so gut wie gar nichts mehr. Alle italienischen Blätter sind gezwungen, täglich einen großen Teil ihres Raumes übertriebenen Huldig:mg«n für Mussolini und den Faschismus zur Verfügung zu stellen. Da aber Wirtschastselend und Arbeitslosigkeit täglich steigen, nimmt auch die Panikstimmung der Bevölkerung zu. Die ausländischen Zeitungen, die den Faschis- mus kritisieren, laufen insgeheim in Italien um und man zahlt bis zu 10 Live für das Exemplar. Di« Sondernummer des„Simpli- zissimus", die dem Faschismus gewidmet war, hat man sogar mit je 109 Lire bezahlt. Vor wenigen Tagen erst wurden an der fran- zäsischen Grenze mehr als 3009 Nummern antifaschistischer Blätter beschlagnahmt. Ein« Nummer der katholischen Brüsseler Zeitung „La libre Belgique", mit einer Betrachtung über die Lag« in Italien, hat verschieden« Verhaftungen in Italien zur Folge gehabt. Unternehmer für Mietensteigerung. Bürgerliche„Mittelstandspolitik". Die Unternehmerverbände haben einen neuen Sturm gegen die Wohnungszwangswirtschaft in- fzeniert. Der Eentxaloerband des Deutschen Bank- und Bankier g e w e r h e s, der. Deutsche I n d u st r i e- und Handelstag, der Reichsverband des Deutschen Hand- w e r k s, der Reichsverband der Deutschen Industrie, der Reichsverband der Deutschen Privatversicherung, die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Zentralverband des Deutschen Großhandels oeröffentlichen eine gemeinsame Entschließung, in der kurzer- Hand die Beseitigung der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete des Wohnungswesens gefordert wird. Man be- zeichnet die Bestimmungen über die Regelung der Wohnungs- Wirtschaft als einen unerträglichen Eingriff in die freie Ver- Dank allmählich durch besseres ersetzen. So etwas wie die neuen l Bureauhäuser in Hamburg oder die modernen Landhaus- oder auch Fabrikbauten gibt es in Paris nicht. Ja. nur ein Snob kann erkennen, daß es hier wie fast überall in der öffentlichen Kunst einen großen Verfall seit dem 19. Jahr- hundert gibt.- Um der Gerechtigkett willen aber möchte ich zum Schluß fragen: Welches Volt findet eine so großarttge Geste wie das Grobmol des unbekannten Soldaten? Maler ia Dahlem. Der Botanische Garten ist im Winter auch oii den Sonntagen von 19 Uhr vormittags bis zur Dßmmerung geöffnet.� Autobus 29 und Elektrische 77 halten unmittelbar vor seinem Südtor. Die Besucher wenden sich fast alle sogleich den Warmhäusern zu. Wer den zu einem prächtigen Parte ausge- wachsenen Garten durchwandert, hat ihn fast für sich allein. Er ist, auch im Winter, voller Reize. Da sind die Laubbäume, die ent- blättert das wundersam verzweigte Geäder ihrer Kronen zeigen, jede Baumart nach ihrer Weise, jede nach ihrem Stile, den weder Botaniker noch Künstler bisher genügend studiert und gewürdigt haben! Im Gelände der Nadelhölzer, denen die Gliederung in Stamm und Krone meistens fehlt und bei denen die Verzweigung sich nur von außen erraten läßt, fesselt der wechselnde Umriß der ganzen Gestaltung und der Reichtum der Blattsormen. Viele Nadel- Hölzer beginnen gleich vom Erdboden ab als Baum oder Strauch, die untersten Aeste stach aus dem Boden gebreitet— eine alte Urform des Pslanzenwuchses wird so bis heute von ihnen festgehalten. Bon den schuppenartig dicht aneinander gelagerten Nadeln der Zypressen und Lebensbäume bis zu den fingerlangen mancher Kiesernarten finden sich alle Zwischenstufen. An einer Wegkreuzung, dort wo das Nadelgehölz an den Laub- holzbestand grenzt, stehen sich schräg gegenüber die Zeder vom Libanon saus dem Schilde: Ceckrus Libani) und der kalifornische Mammutboum sauf dem Schilde: 8eia, auch Weliivztcmia, bezeichnet), der in seiner Heimat die gewaltigsten und ältesten der noch lebenden Baumarten stellt. Wein das Glück eine Alpenfahrt ver- gönnt hat, kann wenige Schritte weiter am Wege die Zirbelkiefer s?iauz Ccmbra) begrüßen. Es wird ihn, besonders in den Berg- anlagen des„Alpinums", auch sonst manches als bekannt anmuten: Knieholzbüsche, verspätete zollange blaue Enzianblumen, Alpenrosen, die die nächstjährigen Blüten schon als Endknospcn der Aeste ver- raten. Und in den„Boralpen" der Anlagen hat bereits die Rieß- würz oder Weihnachtsröse ihre großen, weißrötlichen Blumen ent- faltet, die im Winter, z. B. bei Berchtesgaden, ganze Berghänge überblüht und Touristen lockt. Hinter dem japanischen Häuschen hunderte der aufgeblasenen, gelbroten Kelche der Judenkirsche. In nächster Nähe chinesische Mispelsträucher mit Tausenden von erbsengroßen ttefroten Früchten. Rote Früchte auch an den Rosen und Stechpalmen. Wallig«, lange Samenbüschel, wie Perücken, an Waldreben. Dann plötzlich wieder eine unbekümmert um die Jahreszeit voll erblühte Staude. Den ganzen Winter hindurch ist dieser Garten nie frei von Blüten, es fei denn, daß der Schnee sie dem Auge entzieht. Wer mehr von ihnen sehen will, schließt mit einem Rundgang durch die Warmhäuser, in denen sich von Woche zu Woche das Bild ändert, weil immer neue fügung über das Eigentum und in die Vertragsfreiheik. Allerdings scheint man auf die staatliche Hilfe beim Wohnungs- bau nicht verzichten zu wollen, denn es heißt ausdrücklich, daß die Frage der Finanzierung des Wohnungsbaues einer besonderen Beachtung bedürfe. Ebenso werden zur Regelung der Zuschüsse aus allgemeinen Mitteln noch besondere Vor- schlüge gemacht. Selbstverständlich lehnen die genannten Unternehmerverbände eine Umwandlung der Hauszinssteuer in eine öffentlich-rechtliche Rente„unter allen Umständen" ab. Die Forderung der Unternehmerverbände ist nicht neu, sie ist aber selten insobestimmter Form erhoben worden wie diesmal. Das Wohnunqsmangelgefetz und damit die Zwangsbewirtfchaftung der Wohnungen und gewerblichen Räume soll sofort beseitigt, die Angleichung der Mieten der alten an die der neuen Räume mit größter Beschleunigung fortgesetzt werden. Die Eingriffe in das freie Vertragsrecht zwischen Mieter uckd Vermieter sollen abgebaut werden. Allerdings betont selbst die vorliegende Entschließung, daß bei einem Ausgleich der Mieten z u n ä ch st in genügender Anzahl Wohnungen für die breiten Volksmassen erstellt werden müssen. 9 Das Programm der Unternehmer ist zugleich eine Ant- wort auf das gemeinnützige Wohnungsprogramm, das kürz- lich von den freien Gewerkschaften formuliert worden ist. Dieselben Unternehmer, die sich gegen eine an- gemessene Erhöhung der Löhne und Gehälter nach Kräften sträuben, schrecken nicht davor zurück, Forderungen aufzu- stellen, deren Erfüllung eine ungeheuerliche Belastung der Lebenshaltung der breiten Volksmassen bringen würde. Ihnen geht die Rente der Hausbesitzer über alles, selbst über die schweren sozialen und sittlichen Gefahren, die eine Beseitigung der Wohnungszwangswirtschaft und eine rapide Verteuerung der Mieten bei der gegenwärtigen Zeit der Arbeitslosigkeit nach sich ziehen müßten. Die Arbeiter- schaft muß daher gegen dieses Ansinnen der Unternehmer- verbände schärfsten Protest einlegen. Uebrigens richtet sich auch diese Stellungnahme der Spitzenverbände der Industrie gegen die Interessen des ge- werblichen Mittelstandes, der neuerdings von den Rechtsparteien besonders umworben wird. Während man kürzlich bei der Kundgebung der Unternehmerverbände gegen die„kalte Sozialisierung" die Interessen des gewerblichen und industriellen Mittelstandes vorschob, um den Kampf gegen die öffentliche Wirtschaftstätigkeit zu propagieren, zeigt sich hier deutlich, daß die Unternehmerverbände gar nicht daran denken, von sich aus den Wünschen der Kleingewerbetreibenden Rech- nung zu tragen. Von der Mietpreissteigerung, die allein die Freigabe der gewerblichen Räume bewirken würde, wird zum Beispiel der Einzelhandel auf das schwerste betroffen. das dürfte auch der Grund dafür fein, daß die Hauptgemein- schaft des Deutschen Einzelhandels nicht zu den Unterzeichnern der Kundgebung gehört, obwohl sie sich sonst gern ebenso räuspert wie die Herren vom Großkapital. Besonders interessant ist es aber, daß der Reichsverband des deut- fchen Handwerks sich von den Hausbesitzerintereffen ins Schlepptau nehmen läßt, obwohl die in Mieträumen wohnen- den großstädtischen Handwerker auf die Dauer sicherlich bei einer Freigabe der Mieten mehr verlieren als gewinnen würden. Die Stellungnahme des Handwerks muß um so mehr ausfallen, als die Handwerkerorganisationen nie- mals fehlen, wenn vom Staat und Reich Unterstützungen oder Kredite zur Förderung des Mittelstandes verlangt räerden. Daher lohnt es sich schon, das Bedürfnis des Handwerks nach hohen Mieten für künftige Fälle festzuhallen. Die Gemeindewahlen in Schweden haben auch in den Provinz- städten der Sozialdemokratie große Erfolge gebracht. Sie hat zwar in Göteborg. Helsingborg und Malmö einige Mandate ver- loren, aber in 37 weiteren Provinzstädten im ganzen 8 7 neue Mandate erobert. INacdonald und Clynes wurden zum Präsidenten bzw. Vize- Präsidenten der parlamentarischen Arbeiterpartei wiedergewählt. Blätter und Blüten sich entfalten, um wieder zu welken und neuen Platz zu machen. Und lieber als unter den schönsten Vcrkehrs- ampeln mit all dem Wechsel ihrer Farbensreudigkeit wandeln wir doch unter Palmen, sei es auch nur für ein Viertelstündchen! L. L. Balladenabend. Im Bürgersaal des Rathauses veranstaltet« die Volksbühne«inen Rezitatiosabend. An Stelle des angekündigten Programms„Groteskes und Grausiges in der Dichtung" las Nora H e p l e r Balladen alter und moderner Dichter. Das Programm umfaßt« Goethe, Herder, Hein«, Konrad Ferdinand Meyer, Storm, Karl Henckell und Rainer Maria Rllk« mit manchen bereits zu oft gehörten Balladen wie etwa„Die Wallfahrt nach Kevlar",„Die Füße im Feuer" oder ,Die Braut von Korinth". Nora Zepler war am stärksten im Lyrischen und Bolkshasten. Ganz ausgezeichnet gelang eine alte, bretonisch« Legende, ober hier wie auch im „Edward" und in Karl Henckells„Dirne" zeigt sich Nora Zeplers Neigung, die einzelnen Personen zu scharf zu umreißen, sie zu stark schauspielerisch zu erfassen, die„Dirne" streifte bereits das Kabarett. andrerseits entgeht Nora Zepler wiederum nicht der Gefahr, die Dichtung unnötigerweise zu dehnen und„Die Braut von Korinth" z. B. zu weich und sentimental zu sprechen. Man vermißt die Sicigerung im Tempo und Ausdruck. Alles deutet darauf hin, daß Nora Zepler eine sehr gute Jnterpretin lyrischer Gedichte ist, auch das Grausige muß ihr liegen. Deshalb Vermittellen Storm und Rainer Maria Rilke die stärksten Eindrücke, allerdings wurde manches so leise gesprochen, daß man selbst in den ersten Reihen nur schwer verstehen konnte. Die gehämmert« und gedrängte Sprache Konrad Ferdinand Meyers oerlangt jedoch«inen Interpreten wie Kortner oder Deutsch. Uebrigens wäre zu empfehlen, daß während des Vortrages das Schreibmaschinengeklapper in den Nebenräumen eingestellt würde_— t. walther-Ralhenau-vortrog. Ihren letzten diesjährigen Dortrag Uber .Wallher Raihenaus Reich der Seele" hält Elia Federn< Kohlhaas heule abend 3 Uhr im ReichSwirtichastsrat, Bellevueslratzc IS. ver Oesterreichisch-Veulsche Uolksbund veranstaltet am Freitag, 8 Uhr, im Reichstagsgebäude einen Vortrag von Dr. Werner Leibbrand über.Die soziale Mission Peter Roscggers-. Daran schlietzt sich eine Vorlesung mann ftieitzls aus mundartlichen Dichtungen RoseggcrS. Der Eintritt ist jrei! Sven Scholaader veranstaltet zum Besten der Hedwig-Wrangel-Hilfe am 8. Dezember im Meistersaal einen Liederabend zur Laute mit vollständig neuem Programm. Vorträge. Sonnabend 7'/, Uhr spricht in der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Unter den Linden 38, Pros. Heinrich M a i e r über das Thema:.Streifzüge durch die Philosophie der Gegen- wart". Eintrittskarten 2.— Mark; Stehplätze für Studierende 0.50 Mark. Die Uussahruog der.Krönung Richard» III.-' von H. H. Jahnn durch die.Junge Bühne" findet nunmehr endgültig Sonntag, 11'/, Uhr, im .Theater am Schissbauerdamm" statt. Der Kuban- Kosaken- Ehor(Dirigent:«. Jgnatteffi veranstaltet am 10. Dezember im Blüthner-Saal ein Konzert mit neuem Programm. Gründung� eine» Tabak- Aorschuog»- luslilut». Mit Unterstützung der Reichs- und StnaiSbehörden ist i» Karlsruhe die Gründung eines deulschen Tabak-ForschnngS-Jnstituts vollzogen worden. Die badische Land- wirtschastskammer hat ihm einen Bmyilatz und ein BerfuchSfetd zur Der- jüguug gestellt. Tschktstherkn unter Kpd.-Zensur! Was die Leser der„Roten Fahne" nicht erfahren dürfen. Aus dem Bericht der„Vossischen Zeitung" über den Vor- trag Tschitscherins vor bürgerlichen und kommuni- stischen Pressevertretern erfährt man. daß der russische Volks- kommissar den von ihm empfangenen Berichterstattern ein schriftliches Expose seiner„Rede" überreichen ließ. Ein Vergleich zwischen der Wiedergabe dieses Schriftstückes im „Berliner Tageblatt", in dem es anscheinend wörtlich ab- gedruckt worden ist, und in der„Roten Fahne" ergibt s o n- derbare Lücken in dem Bericht des Berliner Sowjetorgans. Es fehlt insbesondere folgende Stelle: .Ich kann hier betonen, daß die Freundschaftsbande, die uns mit Deutschland verbinden, bereits so fest geworden sind, daß ich mich völlig daraus verlasse." Die Gründe, die die„Rote Fahne" bewogen haben, ge- rade diese drei Zeilen herauszustreichen, sind nicht schwer zu erraten: Seit Monaten versichert das Kommunistenblatt tag- lich, daß Deutschland im Bunde mit England eine antirussische Politik betreibe: sie fordert die deutschen Arbeiter täglich auf, die„deutschen Kriegstreibeveien gegen Sowjetrußland" zu durchkreuzen— und da kommt der russische Außenminister und versichert genau das Gegenteil: die deutsch-russische Freundschaft sei jetzt so gefestigt, daß er sich völlig darauf ver- lassen könne! Ein böser Schlag ins Kontor. Deshalb: raus mit der verflixten Freundschaftsstelle! Nicht so klar sind die Beweggründe, die die Weglasiung folgender Stelle in der„Roten Fahne" veranlaßt haben: Entscheidend bleibt die Tatsache, daß unser« Regierung Eng- land immer einen Ausgleich geboten hat und bietet, und immer ohne Erfolg, Wir reichen England die F r i e- denshand, diese chand bleibt aber in der Luft hängen." Vielleicht meinten die KPD.-Zensoren Tschitscherins, daß diese betonte, fast unterwürftige Friedensbereitschaft des revo- lutionären Rußlands gegenüber dem britischen Imperialismus schlecht in Einklang zu bringen sei mit den Vorstellungen von„Welrevolution" und von„proletarischer Würde", mit denen die Leser der„Roten Fahne" gefüttert werden. Daß der Leser des KPD.-Blattes nicht aus dem Munde Tschitscherins hören darf, daß die deutsch-russischen Be- ziehungen sich seit einem Jahre befestigt haben, zeigt die Streichung eines zweiten Passus, in dem dieser Gedanke noch einmal und ausführlicher vom Volkskommissar entwickelt wurde. Gleichfalls der KPD.-Zensur zum Opfer gefallen ist die Stelle, in der Tschitscherin von den guten Beziehungen Sowjet-Rußlands zu Italien spricht. Das auf- fallend gute Verhältnis zwischen Mussolini und Moskau ist nämlich eins der heikelsten Kapitel der bolschewistischen Außenpolitik. Wie soll man nämlich dem kommunistischen Arbeiter klarmachen, daß Bolschewismus und F a s ch l s- m u s sich außenpolitisch ausgezeichnet vertragen, während die italienischen Kommunisten auf Befehl Musiolinis massenhaft eingekerkert und erschlagen werden? Deshalb wird diese Aeußerung Tschitscherins unterschlagen, genau so wie d'e„Rote Fahne" seinerzeit die Tatsache des Frühstückes Tschitscherins bei Seeckt totgeschwiegen hat. Man komme uns nicht nachträglich mit der faulen Aus- rede der durch Raummangel bedingten Kürzungen. Die für deutsche Leser relativ gleichgültigen Aeußerungen über Persien, Afghanistan usw. sind in der„R. F." unverkürzt wiedergegeben. Und es k a n n einfach kein Zufall sein, wenn gerade die Ausführungen Tschitscherins, die das gefestigte deutsch-russische Verhältnis betonen, gestrichen wurden. Es bleibt dabei: der bolschewistische Volkskommissar ist von der Redaktion der„Roten Fahne" zensuriert worden, und zwar gerade an den Stellen, die für die kommunistischen Leser am peinlichsten gewesen wären! Abgeführte venunzkantea. Der Berliner Korrespondent des„Manchester Guardian", der zurzeit in Genf weilt, hat dem dortigen Vertreter des„S o z. Pressedienstes" folgende Erklärung übermittelt: „Ich erfahre, daß die„Rote Fahne" Dr. Breitscheid für die Veröffentlichungen des„Manchester Guardian" über den deutsch- russischen Waffenhandel verantwortlich macht. Ich erkläre hiermit diese Behauptung für u n r i ch t i g und füge bei, daß Dr. Breit- scheid mit jenen BeröffeMlichungen nichts zu tun gehabt hat. gez. Voigt." Wo die Kommunisten denunzieren, können auch die Nationalen nicht fehlen. In dem in Mannheim erscheinenden oolkspartei- l i ch e n Organ wurde am Dienstag behauptet, daß die Frau unseres Genossen Breitscheid als Urheberin der Enthüllungen im . Manchester Guardian" zu betrachten fei. Dies« Behauptung ist genau so plump erlogen wie die Behauptung der„Roten Fahne"._ Keine Regierung in Sachsen. Auch diesmal keine Mehrheit. Dresden. 7. Dezember.(Eigener Drohlbecicht.) dn der heutigen Sitzung des Sächsischen Landtages verlief die Minister- Präsidentenwahl wieder ergebnislos. Don 35 abgegebenen Stimmen erhielt der sozialdemokratische Kandidat Hermann A l e i ß n c r nur 44 sozialdemokratisch« und kommunistische Stimmen. Die bürger- lichen Stimmen zersplitterten sich wieder. Bemerkenswert war bei dieser Wahl, daß die Auswertungs- parte! und die Nationalsozialisten für den Kandidaten der Wirt- schastspartei, Kaiser, stimmten. Nachdem die Wahl vorüber war, kündigte der kommunistische Redner Böttcher einen Antrag auf Auflösung des Landtages an. Genosse Böchel von der sozialdemokratischen Fraktion gab im Namen der Fraktion eine Erklärung ab, in der er daraus hinwies, daß draußen Tausende warten, die vom Landtag Hilfe fordern, daß die bürger- lichen Parteien und die vier Leute von der alten Sozialdemo- kratischen Partei, die es verhinderten, daß eine Regierung zustande komme, die B e r a n t w o r t u n g für die Folgen tragen müßten. Der Abgeordnete Böttcher von der Kommunistischen Partei brachte einen Antrag ein, die provisorische Regierung besitz« nicht mehr dos Vertrauen des Landtags. Der Abgeordnete B e t h g e von der alten Sozialdemokratischen Partei erklärte, daß seine Partei keine Regierung unterstützen würde, die von den Kommunisten abhängig sei. Er forderte die Große Koalition. Die nächste Sitzung des Landtags wird am Dienstag, 14. Dezember, stattfinden. Auf der Tagesordnung steht wieder die Wahl des Ministerpräsidenten. Außerdem auch der Mißtrauens- anrrag der Kommunisten gegen die provisorische Regierung, der aber praktisch vollkommen bedeutungslos ist, weil die Regierung ja be- reits zurückgetreten ist. Das Wieüeraufnahmeverfahren gegen tzölz. Ein Antrag der Verteidigung. Die juristischen Vertreter des im Groß-Strehlitzer Zuchthaus sitzenden Kommunisten Max h ö l z haben bei dem Reichsjustiz- minister in einem ausführlichen Schriftsatz die Wiederaus- nähme des Verfahrens durch den Oberreichsanwalt von Amts wegen und die Amnestierung des hölz. wegen der politischen Delikte beantragt. Der Reichsjustizminister hat die Akten unoerzüg- lich dem Oberreichsanwalt nach Leipzig zur Stellungnahme übersandt; ebenso das ihm zur Verfügung gestellte Material über das Geständnis des Bergmanns Erich Friehe und den Widerruf des früheren hauptbelostungszeugen Uebe. Kußmann wieder im Richteramt. Pankow darf sich gratuliere». Der Varmat-Asiesior Äußmann, früher bei der Staatsanwalt- schaft, hat sich hervorgetan als der Ritter Georg, der der Sozial- demokratie und der— Korruption den Kopf zertreten wollte. Er war als„fliegender Staatsanwalt" berühmt geworden, er machte kostspielige Dienstreisen und sann Tag für Tag auf neue Heldentaten, soweit ihm seine mehr oder weniger galanten Abenteuer auf seiner Jacht dazu Zeit ließen. Sein Zusammenwirken mit dem Inhaber des dcutschnationalen Verleumdungsbureaus, Knoll, hatte ihm jedoch schließlich den Sturz gebracht. Er wurde Knall und Fall aus dem Dienst„beurlaubt". Seine Vorgesetzten und Mitverantwortlichen Linde und Peltzer wurden aus der Staatsanwaltschaft entfernt, aber als hohe Richter in noch verantwortlichere Stellen gesetzt. Kuhmann selbst erhielt einen Prozeß wegen der Ueberlassung von Dienstatten an jenes Knoll- Bureau. Zwar sprachen ihn die Moabiter Richter frei und sehr prominente Richter drückten chm glückwünschend die Hände. Aber im Dolksbewußtsein blieb dieser Freispruch ein übler Fehl- spruch. Was im Volksmunde darüber gesprochen wird, wollen wir hier lieber nicht wiederholen. Es ist für die Richter nicht sehr schmeichelhaft. Noch schwebt übriger« ein Disziplinarverfahren gegen den Assesior Kußmann. Wann es erledigt wird, mögen die Götter wissen. Inzwischen aber hat es dieser Held bei hugenberg— oder Hilgenberg mit ihm?— nicht mehr ausgehalten, wo er einen Unterschlupf gefunden hatte. Deshalb drängte er wieder zum Dienst der Republik, die er so bitter haßt. Und das preußische Justiz- minffterium gibt diesem Mann die Stellung zunächst eines „Hilfsrichters" in Pankow! Dort soll er Auswertungs- fachen bearbeiten. Doch ist nicht ausgeschlossen, daß er auch in Strafsachen mitwirken muß. Da ihm jede Fähigkeit fehlt, objektiv zu sein, wird er sich nicht wundern dürfen, wenn er von sehr vielen Angeklagten als befangen abgelehnt werden sollte. Das preußische Justizministerium sollte sich darüber äußern, welche Einflüsse tätig gewesen sind, um diesen fliegenden Geflogenen wieder in den Richterhafen zu bringen! Eine ßaschistenpartei in Polen. Marschau, 7. Dezember.(Eigener Bericht.) Dieser Tage ist als neue politische Organisation das„Lager des großen Polens" gegründet worden. Wie die auf der Gründungstagung verlesene Erklärung zeigt, hat sich die neue Partei den Faschis- mus zum Vorbild genommen: sie soll auf den Prinzipien des Gehorsams und der Disziplin gegenüber den Führern, die nicht gewähtt, sondern ernannt werden, aufgebaut werden und eine hierarchische Verfassung hoben. Man glaubt, daß Dmowski. der Begründer der polnischen Nationaldemokraten. sein„Lager" in engen Kontakt mit der Nationoldemokratischen Partei leiten wird. Vor allem aber hat die neue Organisation eine Aktion zum Ziele, die sich g e g e n P i l s u d s k i und seine Anhänger richtet. Vorerst wird versucht, durch Heranziehung nationalistischer Agrarier dem Beitritt der Großgrundbesitzer zu der unter deni Ein- fluß von Pilsudski stehenden Konservativen Partei entgegenzuwirken und eine finanzielle Stütze für das„Lager" zu erlangen. Gleich- zeitig wird danach gestrebt, alle Behörden, Aemter und Reglerungs- stellen mit..Lager"-Leuten zu durchsetzen. Wenn die gegenwärtigen Machthaber gestürzt werden, womit die Führer des„Lagers des großen Polens" rechnen, sollen Dmowskis Vertrauensleute in der Lage sein, die Gewalt im Lande zu übernehmen. Dmowski und seine Anhänger streben ganz eindeutig als erste Etappe ihrer Ziele die Schaffung eines großen(noch größeren? Red.) Polens, den Sturz P i l s u d s k i s und, was mit der Person des Marschalls allerdings nicht in Zusammenhang steht, die Ausschaltung der fort- schrittlichen Elemente in Polen von dem politischen Leben an. Lloyd George besprach mit einem Ausschuß der Liberalen die Einzelheiten seines Finanzplanes, nach dem er aus seinem Privatfonds die Partei unter st ützen wolle, wenn sie ihn zum Führer wähle. Die Entscheidung liegt beim Ver- waltungsausschuß der Partei. Die Schc Eine Antwort Scheidemanns auf Die Jnsterburger Rede des Vorsitzenden der oolkspartei- lichen Reichstagsfraktion, Dr. Scholz, beschäftigt die Presie sehr lebhaft. Unter der Ueberschrist„Wieder einmal eine Scholz-Krise" schreibt die„Voss. Ztg.": Die Quertreibereien der Abgeordneten Scholz, Heinz«, K a r d o r f f gegen die Große Koalition sind nicht neueren Datums. Es ist eine ununterbrochene Kette von 1923 bis jetzt. Dr. Scholz und seine engeren Freunde in der Fraktion wollen den Bürger- block, chnen ist es zu sehr zu Paß gekommen, daß das Schund- und Schmutzgesetz mit den Deutschnationalen gemacht werden konnte, ihr Streben zielt dahin, auch das Arbeitsgesetz und nachher das Schulgesetz mit der Rechten unter Dach und Fach zu bringen, und sie hoffen, schließlich das Zentrum, ebenso wie 1924, zum Bürgerblock zwingen zu können.... Will Dr. Scholz die Auflösung des Reichstages und Neuwahlen erzwingen, um das Exempel dar- aus zu machen, wieviel nachher von der Deutschen Volkspartei noch übrig bleib en? Nun, wenn er das will, ist seine Intterburger Rede zu begreisen. Die„Köln. Volkszeitung", das rheinische Zentrumsblatt, äußert sich mit ähnlicher Schärfe: Es ist kein Geheimnis, wenn wir mitteilen, daß man in Kreisen der Reichsregierung über diese Wendungen in der Rede des Abgeordneten Scholz nicht nur überrascht, sondern auch verstimmt ist. Wir müssen zunächst sachlich unserer stärksten Verwunderung darüber Ausdruck geben, daß Herr Scholz In einer derart herausfordernden Weise in schwebende Verhandlungen eingegriffen hat. In der Tat war beabsichtigt, die Frage der Arbeitszeit durch eine ruhige und sachliche Diskussion mit den Sozialdemokraten zu einer Lösung zu bringen, nachdem sich die Regierungsparteien untereinander geeinigt hatten. Wenn der Führer einer Regierungspartei, die an den Abmachungen über eine bestimmte Verhandlungsmcthode beteiligt ist, es jetzt für angebracht Hütt, in einem so kritischen Augenblick das Porzellan zu zerschlagen, was überhaupt noch übrig ist, dann muß man sich doch ernstlich die Frage stellen, wieweit hier Ungeschicklichkeit oder Absicht im Spiele ist. Man möchte doch allen Beteiligten den Rat geben, die unsichere Lage, die an inneren Spannungen schon an sich reich genug ist, nicht unbedacht in eine offizielle Krise ausmünden zu lassen. Wir erwarten, daß man auch von feiten des Zentrums Herrn Scholz ohne Um- schweife bedeuten wird, daß Politik nicht gemacht werden kann, wenn man gegenseitige Verein- barungen trifft und dann einen Teil davon in einer öffentlichen Rede desavouiert. Die volksparteiliche„Köln. Zta." spinnt dagegen den von Scholz angesponnenen Faden weiter fort, indem sie sich mit folgender Licbserklärung an die Deutschnationalen wendet: Darf man zu der politischen Einsicht der Deutsch- nationalen das Vertrauen haben, daß sie die Lage vernünftiger zu meistern verstehen werden, als sie ihre Entscheidung bei dem kommenden sozialdemokratischen Mißtrauensantrag nicht von Stim- mungen abhängig machen, und daß sie sich bereit finden lassen werden, bei künftigen wichtigen Aufgaben sachlich und opfermütig mitzuarbeiten? Wer es mit der dringenden Arbett am Staat und am Regierungssystem gut meint, der kann noch hoffen. So zeigt sich auch in der Presie der tiefe Riß, der durch die sogenannte„Arbeitsgemeinschaft der Mitte" geht. Auch Graf Westarp äußerte sich gestern in einer Sitzung der deutschnationalen Parteivertretung— die ihn übrigens einstimmig zum Parteivorsitzenden wieder- wählte— zur Rede des Herrn Scholz. Freilich tat er das in ziemlich dunklen Worten: Die Rede des Führers der Deutschen Bolkspartei Dr. Scholz, schaffe eine völlig neue Situation, die schleuniger Klärung bedürfe. Die Partei halte an den Grundanschauungen in nationaler und wirtschaftlicher Hinsicht fest. Bei Mißtrauens- voten, ob sie von Kommunisten oder Völkischen kämen, könnten die Fraktionen sich die Linie ihres Handelns von niemand vor- schreiben lasten. Den Mittelparteien müste,«iebeimErpoerbs- IZ-Knft. die Provokation von Jnsterburg. l o s e n g e s e tz, immer wieder der Beweis erbrocht werden, daß es mit der Linksregierung auf die Dauer nicht gehe. Die„Köln. Ztg." kann sich nun an den Knöpfen ihrer Weste abzählen, ob sie„hoffen darf" oder nicht. Entweüer— oöer. Scheidcmann über das Doppelspiel der Bolkspartei München. 7. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag- abend sprach in einer überfüllten Versammlung der soziäldemökra- tischen Partei Münchens der sozialdemokratische Reichstogsabgeord-. nete Scheidemann im Bürgerbräukeller. Scheidemann befaßte sich dabei mit den bekannten Auslastungen des Volksparteiführers Scholz in Insterburg.„Wir wollen— so führte er aus— wie ein ordentlicher Kaufmann am Jahresschluß Bilanz machen, um die politischen Konsequenzen ziehen zu können. Wie stehen die Dinge heute? Unsere Stellung zum neuen Staat, zur Republik, ist ganz klar, ist die Republik doch in der Hauptsache unser' Werk. Als stärkste Partei des Reichstags erheben wir die grundsätzliche Forderung der Beteiligung an den Regierungen, besonders an der Reichsregierung, um die Republik zu stützen und weiter entwickeln zu können. Wenn die kleineren Koalttions- Parteien uns von der Teilnahme an der Regierung fernzuhalten suchen, so ist das im Grunde genommen nichts anderes als eine Wiederholung der Taktik in früherer Zeit, als sie uns bei den Stich- wählen um die Mandate betrogen haben. Das mag kurzsichtigen Politikern besonders gescheit erscheinen. In Wirklichkeit ist es eine große Torheit, die sich rächen muß, denn in der Politik rächen sich alle Fehler. Am schwersten bei denen, die sie machen. Bismarck glaubte besonders klug zu handeln, als er den Kulturkampf entfesselte und das Sozialistengesetz machte. Er ist daran zugrunde gegangen. Ebenso stürzte das alte wilhelminische Reich zusammen, weil das bornierte preußische Junkertum sich bis in den November 1918 hinein weigerte, auch nur die geringsten Konzessionen in bezug auf das preußische W a h l r e ch t zu machen." Dann kam Scheidemann auf die in den letzten Tagen gehaltenen Roden der Führer der beiden Rechtsparteien. Scholz und Westarp. zu sprechen.„Die Frage ist die— so erklärte Scheidemann—, ob die Deutsche Bolkspartei sich hinter Scholz stellt, denn es ist ganz klar: Wer jetzt zu Scholz steht, ist Gegner der Republik und will ausschließlich kapitalistisch orientierte Wirtschaftspolitik treiben. Diesen Leuten ist das Schicksal der zwei Millionen Erwerbslosen gleichgültig. Von einer achtstündigen Arbettszeit wollen sie nichts wissen und die Reichswehr soll monarchistisch bleiben. Jedenfalls muß man Scholz dankbar dafür sein, daß er uns eine klare Entscheidung wesentlich erleichtert hat. Wir haben die Regierung bisher toleriert und sind sogar dazu übergegangen, engere Tuchfühlung zu nehmen. Nun sollen wir aber die Reichswehr loben, den Achtstundentag preisgeben und dem Klastcnkampf abschwören. Ich weiß nicht, ob Herrn Scholz das alles genügen würde, aber das weiß ich, daß ihmhören undSehen vergehen wird, wenn unsere Partei jetzt klar entscheidet. Dann ist nicht nur die Tuchfühlung erledigt, die Zeit des Tolerierens vor- bei. die Zeit des Sitzens zwischen zwei Stühlen, dann sind wir frei und dann wird der K a m p f beginnen.(Stürmstcher Beifall.) Ich kann nur für mich sprechen. Ich bin nicht ein Parteiführer wie Herr Scholz, aber Millionen stehen zu mir, wenn ich sage, jetzt heißt es Entweder— Oder.(Sehr richtig!) Entweder Beteiligung an der Regierung oder rücksichtslosen Kampf. Kampf heißt hier das ganze Volt aufrufen gegen eine Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien, die draus und dran sind, unser Volk wieder in gefährlich« Situationen zu stürzen.(Sehr richtig.) Wir kennen unsere Pflicht für die Republik und die Demokratie, auf daß wir um so schneller zum Sozialismus kommen. Wir weiden zu ringen haben um das Vertrauen der Welt, damit wir unsere Wirtschaft sicherer aufbauen können als nach den Methoden der Scholz. Wir sind zur Mitregierung bereit, zum äußersten Kampf gerüstet. Es lebe die Soziaüiemokrotie, es leb« die Republik!"(Stürmischer Beifall.) Die Reichsbahn Für das Privatkapital- Heute sitzen im Verwaltungsrate der Reichsbahngesellschast neben den internationalen, nur die Vertreter schwerindustrieller und groß agrarischer Interessen, sowie ein Handels- kammerpräsidcnt. Als Feigenblatt hat man wohl auch einige höhere Reichsbeamte hineindclegiert, die aber entweder sich nicht durchsetzen können oder wollen. An der Spitze des Verwaltungsrates stand bisher Herr von Siemens, der für all die geradezu unglaub- lichen Dinge persönlich verantwortlich gemacht werden muß. Es ist ein unmöglicher Zustand, einen Großindustriellen, der selbst die größten Geschäfte mit der Reichsbahn macht, als Vorsitzenden des Verwaltungsrates an seinen Posten zurück- kehren zu sehen Auch entspricht dieser Zustand keinesfalls den Grundsätzen, die dieselben Kreise sonst an die geschäftliche Reinlichkeit öffentlicher Verwaltungen stellen. Herr von Siemens ist auch persönlich verantwortlich dafür, daß die Verwaltung der Reichsbahn vor einiger Zeit erklären konnte, daß die Verweigerung de» Eides auf die Republik nicht die Nichtigkeit des Beamtenverhältnisses im Reichsbahnbetriebe nach sich zieht. Aus diesem Grunde glauben bestimmte Teile der Beamtenschaft ungestraft monarchistische Agitation teils offen, teils in versteckter Form treiben zu können. Darauf zurück- zuführen ist auch die Tatsache, daß heute noch die Reichsbahn eine schwerbewaffnete Organisation, wie den Vahnschutz, der mit Geschützen, Maschinengewehren und anderen netten Dingen ausgerüstet ist, glaube unterhalten zu können. Dieser sogenannte Bahnschutz, der überall Kleinkaliberschießen abhält, der mit Panzer- wagen in der Welt herumfährt, der bei solchen Uebungsfahrten seine Mitglieder frei verpflegt und mit 1l1 M. Tagegeldern extra ent- schädigt, ist gewiß keine Schutztruppe der Republik. Herr von Siemens ist verantwortlrch dafür, daß die Reichsbahn- gesclljchaft erklärte, sie brauche einen für verbindlich erklärten Schiedsspruch nicht auszuführen, weil sie innerdeutschen Gesetzen nicht unterstehe. Daß diese Halwnjj gerade von den deutschen Mitgliedern des Verwaltungsrats emgenommen wurde, ist nur zu bekannt. Die Beiseiteschiebung der sogenannten altpreußischen Sparsamkeit, aus die die leitenden Beamten keinen Wert mehr legten, als sie Gesellschaftsbeamte wurden, ist auf die Initiative des Herrn von Siemens zurückzuführen, wie ihn auch die Derant- woriung für die Einführung der Korruptionszulagen trifft. Nach dieser kurzen Blütenles« allgemeinwirtschaftlicher Dinge sei noch kurz auf die Rechtsverhältnisse der Beamtenschaft hingewiesen. Mit Erstaunen mußte kürzlich in der Oesfentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden, daß auf Anweisung des Der- waltunasrats ungefähr l4 00t) Beamte plötzlich ihres Beamten- charaktcrs entkleidet und in das Arbeiterrechtsoerhältnis riicküberführt wurden,«ie waren damit nicht nur ihrer erworbenen Rechte aui Pension- und Hinterbliebcnenbezüg«, sondern auch ihrer früher erworbenen Rechte aus der Reichs- verfichcrungsordnung mit einem Federstrich beraubt. Für diese im Arbeiterverhältnis minder brauchbaren Kräfte wurden gleichzeitig ebensoviel Arbeiter rücksichtslos auf die Straß cgesetzt.- Es sei noch an dix Schließung duhender Werkstätten, die Eni- lossung Zehntausendcr von alten Streckenarbeitern und die Uebcrweisung der von ihnen bisher ausgeführten Arbeiten an private Unternehmer gedacht, Arbeiten, für die die Reichs- bahn dadurch bedeutend mehr zahlen muß, als bei dem f/rühcren Zustande. Die Beseitigung des Achtstundentages und Einführung von 16- bis Zvstündigen Dienflschichten gab seinerzeit das Signal für die Privotindustrie, diesem Beispiel SchWsre Nieöerlage üer Kommunisten. Bei den Berliner Metallarbeitern. Am Montag hiett die Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeitcrvcrbandcs in den Sophiensälen ihre Quartalsoersamm- lung ob, in der der K a s s e n b e r i ch t über das 3. Quartal gegeben wurde sowie Ergänzungswahlen zur engeren Ortsverwaltung auf der Tagesordnung standen. An Stell« des erkrankten Kassierers Schmidt erläutert« T i r- Pitz den gedruckt vorliegenden Kassenbericht. Der Redner zergliederte besonders die in der Lokalkasse angegebenen Summen für Unter- stützung bei beionderen Notfällen, die in Ausgaben nur mit 435,50 Mark stehen, wozu für S o n d e r u n t e r st ü tz u n g an die aus- gesteuerten Kollegen im September die Summe von 52 375 M. ge> zahlt worden ist. Aus eine Anfrage, wie hoch die Ergebnisie der L i st e n s a m m- lung für die englischen Bergarbeiter sind, teilte der Redner mit, daß bis zur Stund« an die Berliner Gewerkschafts- kominifsion der Betrag von 50 400 Dl. abgeliefert worden ist. Turnusgemäh scheidet alle halben Jahre die Hälft« der Ortsverwaltung aus und muß neu- refp. wiedergewählt werden. Dieses Mal standen zur Wahl die Genossen Urich als De- vollmächtigter, T i r p i tz als Kassierer, Holz, Tischmann und Gustav Müller als Revisoren und G u t s ch e als Beisitzer. An Stelle von Gutfche, der aui eine Wiederwahl verzichtete, wurde von der Ortsoerwaltung S k u b e l l a in Vorschlag gebracht. Von der komniunistischen„Opposition" wurde ein Gegen- Vorschlag eingereicht. Die Vorschläge und Gegenvorschläge lösten eine längere Diskussion aus, in der von der sogenannten Opposition die Taktik der Gewerkschaften in den Brennpunkt ihrer Kritik gestellt wurde. Dieser Kritik traten besonders Urich, Sommerfeld und Eckert entgegen, die die Arbeitsweise der sogenannten Oppo- sition in den Verwaltungsstellen, in denen sie am Ruder ist, Revue passieren liehen. Die„Erfolge" der oppositionellen Verwaltungs- stellen, z. V. Torgelow, Suhl und Eberswalde, errmitigen nicht zur Nachahmung. Die„Opposition� beantragte über die eingereichten Wahlvor- schlüge Urabstimmung. Die Generalversammlung lehnte diesen Antrag ab. Die Wahlhandlung ergab, daß für den Wahlvorschlag unter Siemens. gegen die Eisenbahner. folgen. Dabei sei betont, daß die Bureaubeamten der irektionen und.Aemter ihre Arbeitszeil lang« wieder verkürzen konnten: sür die Beamten und Arbeiter der äußeren Dienststellen ist die neueingeführte Arbeitszeit dagegen geblieben. Kein Ruhmesblatt für die Reichsbahngesellschaft stellt auch der Raub des Petitionsrechtes, den das Reichsverkehrz- Ministerium sich unbegreislicherweise stillschweigend gefallen ließ, dar. Auf Grund der Eisenbahngesetz« war die Reichsbahngesellschast berechtigt, eine Personalordnung aufzustellen. Bezeichnenderweise kam sie dieser Berechtigung dadurch nach, daß sie eine Personal- ordnung für die Beamten der Gruppen 1 bis 9 erließ und veröffentlichte, eine andere dagegen, die sie nicht veröftentlichte, in der sie im Gegensatz zu der ersteren die Rechtsverhältnisse der oberen Beamten analog den Bestimmungen des Reichsbeamtenge- setze» festlegte. Diese Handlungsweise stellt einen direkten Bruch der gesetzlichen Ermächtigung dar, da sie eben nur eine Personalordnung erlassen durste. Auch die Aufhebung ganzer Beamtengruppen. entgegen einer e i n st i m m i g gefaßten Entschließung des Reichstags, gehört zu den vielen Rechts. brächen der Derwottung. Wenn die Verwaltung über ihre hohen Personals us- gaben Nagt, so muß immer wieder daran erinnert werden, daß durch das System Siemens, Abbau der Beamten und Arbeiter und Uebertragung der Arbeiten an die Privatindustrie, von der Reichsbahn ein« halbe Milliarde Mark für Wartegelder und Pensiouell gezohtt werden müssen. Durch diesen Abbau wurde nicht zuletzt die Sicherheit des Betriebes arg gefährdet. Man hat es in der letzten Zeit mehr- mals erlebt, daß die Gesellschaft Betriebsbeamte vor den Staatsan- walt brachte, wobei ihr dann im Laufe der Verhandlungen nach- gewiesen wurde, daß sie selb st die Schuld an Unfällen traf. Durch die großkapitalistische Einstellung des Verwaltungsrates, die nur möglich ist, weil kein einziger Vertreter de, Personal» zu diesen heiligen Hallen Zutritt hat, ist eine grenzenlose Der- bitterung in das Personal hineingetragen worden. Es ist unbedingt erforderlich, daß Vertreter des Personals künftig im Verwaltungs- rate Sitz und Stimme haben, wie selbst in jeder privaten Aktien- gesellschast das Personal vertreten ist. Die Hauptverwaltung führt letzten Endes nur die Befehle des Verwaltungsrates aus. Be- stimmungen, die jedes sozialen Charakters entbehren, sind auf das Konto des Verwaltungsrates und insbesondere seines Vorsitzenden zu setzen, dessen Bettiebe eine Hochburg nationalistischer Elemente darstellen. Heute liegen die Dinge bei der Reichsbahn so, daß durch die privatkapitalistische Einstellung des Verwallungsrats der Reichsbahn wertvolle und moderne Produktionsftätten des Reiches o e r- schleudert, Zehntausende von unentbehrlichen Beamten und Ar- beitern entlassen wurden, der Haushalt der Reichsbahn dadurch mit Hunderten von Millionen für Wartegelder und Pen- f i o n e n und für privatkapitalistischen Profit belastet ist. Hand in Hand damit geht eine unerträgliche Per- sonalpolitik, die gleichfalls echt Siemenscher Prägung ist. Dieses System wird gekrönt durch den einzigartigen Zustand, der unvereinbar ist mit den elementarsten Begriffen jeder öffentlichen Verwaltung. Das Personal ist im Verwaltungsrat unvertrsten, aber der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Reichsbahn ist gleichzeitig ihr größter Lieferant. Wir werden sehen, ob die Reichsregierung es wogen wird, diesen Skandal zu verlängern. der Opposition insgesamt nur 113 Stimmen abgegeben wurden, eine Zahl, die nach den Bestimmungen des Statuts nicht einmal ausreicht, den Wohlvorschlag zu unterstützen. Da- gegen wurden für die von der Ortsoerwaltung vorgeschlagenen Ge- nassen Amsterdamer Richtung 290 Stimmen abgegeben, so daß unsere Genossen mit nahezu Dreiviertelmehrheit gewählt wurden. Dos ist für die Kommunisten ein böser Reinfall. Die Werktätigen der Ber- liner Metallindustrie haben damit gezeigt, was sie von dem kom- munistischen Theater hatten. Reichstarif für Sie Süß- und Teigwarenindustrie. Allgemeinverbindlich erklärt. Durch die Entscheidung der Reichsarbeitsverwaltung wurde der im August vereinbarte Reichstaris für die Süß- und Teigwaren- industtie nebst Lohntabelle und Ortszuschläge mit Wirkung vom 1. September 1926 als allgemeinverbindlich erklärt. Als Tarifkonttahenten kommen in Frage der Deutsche Arbeitgeberbund der Schokoladen- und Zuckerwarenindustrie und der Deutsch« Nah- rungs- und Genußmittelarbeiterverband(Denag). Durch die Allgemeinoerbindlichkeit erstreckt sich der Tarif auf etwa 2000 Bettiebe mit über 60 000 beschäftigten Arbeitern und Arbetterinnen. Im Tarif sind die tägliche achtstündig« Arbeitszeit. Bezahlung der Ueber stunden und gefetz- lich zulässige Sonn- und Feiertagsarbeit, Ferien von 3 bis 12 Tagen. Bezahlung des Lohnes bei Krankheit. Lehr- lingsentschädigung, Derchot der Heimarbeit und Anerkennung des gewerkschaftlichen Vertrauensmän- n e r s y st e m s in den Betrieben vereinbart. vas Sude des Prälaten. Wo bleiben die Angestellten? Kouni ist die Gefahr, daß die 300 Angestellten des Hotels Kaiferhof«xistenzlos werden und das große Heer der erwerbslosen gastwirtschastlichen Arbeitnehmer vermehren sollten, vorüber, wird auch schon die Schließung eines größeren Berliner Restaurants be- kannt.„3)«r Prälat" am Alexanderplatz soll sein« Pforten am 1. Februar 1927 für rntmer schließen, angeblich wegen des gepftiitten Baues 5er Untergrundbahn. Im„Prtzlaten* sink In». getarnt 186 Arbeitnehmer beschäftigt, hiervon sind 64 Arbeit- nehmer seit 10 bis 40 Jahren bei der Firma tälig. Beim Staa: oder der Stadt Berlin würden sie als Angestellte zum großen Teil pensionsberechtigt fem, so aber werden sie sang- und klanglos auf die Straß« gesetzt und mit ihren Familien der Erwerbslosenfürsorge überwiesen. Nicht einmal eine Entschädigung aus Grund des Z 87 des BRG. kommt in Frage, da„höhere Gewalt" respektive ,chas Interess« der Allgemeinheit" vorliegt. Di« Stadt Berlin läßt die Notstandsarbeiten verrichten, um Arbeitslose zu beschäftigen, macht dabei jetzt aber leider 186 Arbeit- nehmer brotios, wenn auch ohne es zu wollen. Bon der Betriebsvertretung und der Gewerkschaft ist deshalb der Antrag an den Magistrat gestellt worden, den zur Enllassung kommenden Arbeitnehmern«ine Entschädigung zu zahlen. Einzelnen Fraktionen des Stadtparlaments ist ebenfalls Material zugeleitet mit der Bitte um Unterstützung. Wir sind der Meinung, daß, obwohl das öffentliche Interesse den privaten Interesien vorausgeht, man doch nicht ohne weiteres an dem Schicksal der Arbeiter und Angestellten vorübergehen kann. die jetzt ihre langjährig erworbenen Rechte verlieren. Gründliche flbfnhr der Kommunisten. Bei den Buchdruckern. In der Mehrzahl der Bezirke des Vereins der Berliner Buch- drucker und Schriftgießer war die Wahl von Delegierten zu den Generalversammlungen des Gaues bereits zugunsten der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung ausgefallen. Gegenkandidaten waren entweder nicht ausgestellt, oder sie fanden nicht die notwendige Unterstützung. Am Momag erfolgte nun die Delegiertenwahl in den fünf Bezirken, in denen auch die Kommunisten imstande waren, eine eigene Borschlagsliste einzureichen. Aber auch hier sind die Kom- munisten ttotz aller Anstrengungen überall unterlegen. Selbst in dem heiß umstrittenen 4. Bezirk, in dem die Kommunisten bis vor einigen Iahren die Bezirksleitung inne hatten, gelang es ihncn nicht, gegen die Kandidaten unserer Richtung aufzukommen. Die Bezirksleitungen sind in sämtlichen 11 Bezirken mit Kollegen der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung wieder- resp. neubesetzt worden. Damit haben sich die Kommunisten bei den Berliner Buchdruckern trotz aller großsprecherischen Er- Wartungen die oerdiente Abfuhr geholt. Zum Anschlust des Litauischen Gewerkschaftsbundes. Die Presieberichte des Internationalen Gewerkschaftsbundcs schreiben: Nach dem auf Grund der letzten Sejmwohlen erfolgten Sturz der reaktionären Regierung der christlichen Demokraten erhielten die freien Gewerkschaften Litauens so viel Bewegungsfreiheit� doß .s kürzlich dank der Initiative einiger größerer Gewerkschaften zur Gründung eines Zentraldureaus der litauischen Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften kam. Da sich in diesem Zusammen- hang die Organisationen der Lederarbeiter, Landarbeiter, Eisen- bahner, PTT-Angestellten sowie der Allgemeine Arbeiterverband in ihren Generaloersammlungen ausdrücklich für den Internationalen Gewerkschaftsbund ausgesprochen haben, hat nun die litauische Landeszentrale ofsiziell den Beitritt zum IGB. beschlossen. Es ge- hören ihr folgende Verbände an: Litauischer Landarbciterverband(50 Abteilungen, insgesamt 2000 Mitglieder): Allgemeiner Arbeiterverband(54 Abteilungen, KOOO Mitglieder): Eisenbahn-, Arbeiter, und Angestelltenverband (32 Ortsgruppen, 4509 Milglieder): Verband der Staats- und Gc- meindearbeiter(19 Abteilungen, über 2000 Mitglieder): Leder- arbesterverband(5 Abteilungen, 1000 Mitglieder): Metallarbeiter- verband(4 Ortsgruppen, 900 Mitglieder, die Zugehörigkeit zuin Zentralbureau ist noch nicht endgültig beschlossen): Musikerverband (150 Mitglieder): PTT.-Verband(1200 Mitglieder). Die Adresse der litauischen Landeszentral« lautet: Kaunas, Kestucio g. 40, b. i. Acht»>»g. Iimwerer! Ktrbondskmneradcn, am Donnarstaa, 9. Dezember, 1 Uhr. findet in Kaverlands Keltsälen, Reue ftriebrichstr. 3ö(Sinjmng Robi■ strah«), unsere Arbeitslosenversammmlung statt. Äste arbeitslosen Kameraden müssen zu dieser ilusterst wichiigen Versammlung unbedingt erscheinen. zentralverband der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin u. Umg. Zugendgrupp« de« ZdA. Heut«, Mittwoch, 7 Vi Uhr, tagen folgende Vezirlc: Neukölln: Iugerrdheim Nogatstr. bZ. Heilerer Abend sFrih Weigclt).— Wcdoiug- Gesundbrunnen: Jugendheim Echiinstcbtslr. 1(Ledigenheim), 5 Tr.„Internationale Aibeiterbewegnng" sLache).— Schöneberg: Jugendheim Hauptirr. tb sssrankenlanbzimmer). Wir lesen Zeitschriften.— Lichtenderg: Jugendheim Schule SoKIerstr. 61. Bedeutung der Tagespresse"(Michaelis).— Charlotten. bürg(Donnerstag): Jugendheim Rostnenstr. 4. Gruppe ndeivrechung. An- schließend Leseabend. Verband der Gemeinde,»nd Staatsarbeitee, Branche V, Strastenreinigung und Fuhrpark. Donnerstag, 9. Dezember, 6 Uhr. in Heinrichs Tests lilrn, Berlin RO. 18,©roste Frankfurter Sit. SO, Nähe Strausberg« Plast, Vollversammlung der Funkfionäre(Drlealerte der Strastenreinigung der Bezirke 1—20). Freie Sewerkschaslslugend. Heut«, Mittwoch, 71h Uhr: Neukölln I: Grupven- heim Jugendheim Bergstr. 29. Hof. Vortrag:„Die Sonnenflecken und ihre Bedeutung".— Südwesten: Gruppenheim Vezirlsjugcndheim S'ädt. Schwimmhalle Bärwaldstr. 64. Vortrag:„Freie Gewerkschaften und Arbeilszcii".— Schöneberg: Gruppenheim Jugendheim Rubensstraste(Sportplast). Diskusston: „Unsere Mädchenarbeit".— Charloitenburg: Gruppenheim Jugendheim Disä. Krankcnkassenverbgnd. Berliner Str. 137. Glastbrenncr-Abenb.— Nordring: Gruppenheim Jugendheim Ebersrvalder Str. 10. Vortrag:„Gewerftch'ftlichr Jugendarbeit im Reiche".— Weistensee: Gruppenheim Jugendheim Parkstr. 30 Vortrag:„Aufbau ber FGZ."— Ostkreis: Der Jugendkursus des Osikreifts tggt jeden Mittwoch im Jugendheim Lichtenberg, Schornwrberstr. 29. pünktlich 71h Uhr.— Achtung! Arbeitskreis-Gruppenleiter und.funkfionäre ieden Mitt. woch im Eistungssaal des AfA-Ortskartells, Dewertschaftshaus. Engclutor 24— 2a, 4 Tr.. pünktlich 7ih Uhr. Verantwortlich für Politik: Dr. Gurt Seurr.- Wirtschaft: Arwr Saternn,: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton:*. S. Däscher: Lokales und Sonstiges: Frj» Karstadt! Anzeigen: Th.»locke! sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Perlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und BerlagsanNalt Paul Singer u. Co. Berlin TB 68 Lindenstraste 3. Hrerz» 3 Beilage» und„Aaterhalwug und Wiste»". Nr. 577 ♦»Z.�ahrgaug 1. Seilage ües vorwärts Mittwoch, S.dezember lyIö Zur Änderung ües Erwerbslosenelenös Annahme des Antrages der sozialdemokratischen Stadtverordnetensraktion. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung Hat die zweite Beratung des von der sozialdemokratischen Fraktion«ingebrachten Dringlichkeitsontrages aus ch i l f e m a ß- nahmen der Stadt zur Linderung des Erwerbs- losenelends gestern in langer Sitzung beendet. Was zur Be- gründung der in dem Antrag aufgestellten Forderungen noch anzu- führen war. hatte bereits in der vorigen Sitzung unser Genosse Urich gesagt. In der gestrigen Sitzung, die fast ganz durch die weitere Debatte ausgefüllt wurde, kamen die übrigen Fraktionen zu Worte. Den Antrag empfahl der Ausschuß zur Annahme in einer Fassung, die von der ursprünglichen nur wenig abwich. Diese Fassung wurde gestern, unter Einfügung einiger Aenderungen. an- genommen. Bei mehreren wichtigen Punkten versagten die Bürgerlichen die Unterstützung, namentlich bei mehreren der Forderungen, die der Magistrat, wie der Antrag wünscht, an die Reichsregierung richten soll. Die Bürgerlichen waren z. B. nicht dafür zu haben, daß die Befristung der Unterstützungs- daucr ausgehoben wird, die Bedürstigkeitsklausel außer Kraft gesetzt wird, der Richtsatz geändert wirb, die Pflichtarbeit fortfällt usw. Aber die Linksmehrheit setzte auch hier die Annahme durch. Jetzt ist es Aufgabe des Magistrats, teils die der Stadt in dem Antrag zugewiesenen chilfemaßnahmen schleunigst ins Werk zu setzen, teils im Sinne des Antrages auf die Reichsregierung einzuwirken. * Bor Eintritt in die Tagesordnung der gestern abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung gab der Vorsteher haß den Eingang folgender Anträge unü Anfragen der Spv.-Zraktion bekannt: Die Versammlung beauftragt den Magistrat, alsbald eine Vorlag« auszuarbeiten, die«ine angemessene Erhöhung der Unter st ützungsrichtsätze der Kleinrentner, Sozialrentner. der diesen gleichgestellten Unterstützungsempfänger und sonstiger hilfebedürftiger bringt. Dieser Antrag wurde ohne Debatte angenommen. In einer Anfrage wird der Magistrat gefragt, ob ihm be» kannt sei, daß in vielen Verwaltungsbezirken die Mittel für die Verschickung Tuberkulöser völlig erschöpft sind. Der Magistrat soll Auskunst geben, wie er diesem Uebelstand ab> helfen will. Die Anfrage ging an den Magistrat. In einem weiteren Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, dem sich alle Parteien des Hauses anschlössen, wird der Magistrat ersucht, allen städtischen Beamten und den in der Be- soldung gleichgestellten Angestellten dieselben Zuwendungen zu gewähren, die Reich und Staat ihren Beamten und An- gestellten geben. Di« Auszahlungen sollen noch vor Weihnachten ersolgen. Auch dieser Antrag wurde ohne Aussprach« einstimmig angenommen.— Bon ollen Parteien wurde dann«in« Borlog» des Magistrats angenommen, die die Aufnahme einer Anleihe von 20 Millionen Dollar für die Elektrizitätswerk« zum Gegenstand hat.— Nunmehr wurde die am vorigen Donners- tag abgebrochen« Debatte über die Erwerbs losenhilfe fortgesetzt. Aus der Red« de» Kommunisten Roth klang sehr oft der Kummer darüber heraus, daß die Sozialdemokraten die Initiative in der Sorge um die Erwerbslosen«rgrifsen haben. Roth verbreitete sich in langer Red« über die Rationalisierung der Arbeitsmethoden, die er ganz besonders für den hohen Grad der Erwerbslosigkeit verantwortlich machte. Cr empfahl seine Partei als Freunde für die ausgesteuerten Erwerbslosen, wobei er es nicht unterlieh, die üblichen Angriffe gegen die Sozialdemokraten zu richten. lieber die kürzlich stattgcfundcne Stadtratswahl, die ge- forderte Mietbeihilfe für Erwerbslose, die Befreiung von der Haus- zinssteuer, die Forderung»ach einer Besserstellung der Notstands- arbeiter kam Roth schließlich auf die von den Sozialdemokraten an Stelle der Erwerbslosenfürsorge geforderte Erwerbslosenverstcherung zu sprechen, wobei er unserer Partei unterstellte, den Entwurf der Regierung gutgeheißen zu haben. Der Redner beendete seine Rede mit den üblichen Agitationsphrasen und kündigte schließlich die Ein- bringung der jetzt und früher von den Kommunisten gestellten Er- werbslosenanträge an. Sommer(Dem.) versicherte die Erwerbslosen des vollsten Verständnisses der Demokraten. Der Redner erklärte sich mit dem Neubau von Schulhäusern, Kranken- Häusern und Wohnungen als Notstandsarbeiten einverstanden. Für die beantragten S Millionen für Zwecke der Extraunterstützungen vermißte Sommer eine Deckungsvorlage. Der Achtstundentag müsse aufrechterhalten bzw. wiedereingeführt werden. paelh von den Deutschnationalen polemisierte gegen einige Abschnitte des Ausschußbeschlusses. Er trat insbesondere für einen ausgiebigen Wohnungsbau«in. Der Redner der Volkspartei Falh unterzog die einzelnen Abschnitt« des Erwerbslosenprogramms einer Kritik und erklärte schließlich, daß die Volkspartei bei der Hilfeleistung für die Erwerbslosen durchaus nicht zu den Neinsagern gehöre, daß seine Freunde aber keine solche Maßnahmen beschließen helfen wollen. die„unpraktisch" erscheinen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde mit großer Mehrheit angenommen. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wurde in der Abstimmung über das Projekt der Erwerbslofenhilje zunächst ein Zusatzantrcig der Deutschnationalen angenommen, die Ihren Antrag vom Juli wiederholten, 15» Millionen Mark zum Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Diesmal präzt- sierten sie ihren Antrag dahin, daß dafür 13500 Wohnungen gebaut werden sollen. Im übrigen wurde beschlossen, die Not- standsbauten durch gemeinnützige Baugesell» sch asten ausführen zu lassen. Dann wurden die einzelnen Bs- Ichlüste des Erwerbslosenausschusses angenommen. Dafür stimmte in den meisten Fällen nur die Linke des Hauses. Ein Stück vergangenes Berlin. Rudolf Nelson feiert In diesem Monat sein ZOjährtff«« Kampa. nistenjubiiäum. In revueartigen Stegkeifbildern marschieren im Nelson- Theater am Kurfürstendamm seine musikalischen Sprößlinge der Reihe nach auf. Erst sein Kabarett Anno IVOS, wo man sich noch für wohlbekleldete Diseusen und ihre Chansons begeistern und über cake-walkende, leichter bedeckte Tanzgirls entrüsten tonnt«. Dann gehts weiter im nächtlichen, Relson-Schlager summenden Berlin mit Schusterjungen. Leutnants und grimmigen Schutzleuten in die Neuzeil der Revue mit ganz großen, oder ganz kleinen Kostümen, Tanz, Tanz und nochmals Tanz. Konfektionswitzen und ollem nötigen Bühnenkomfort. Und weil man schon mal beim Sich- lustigmachen ist. so soll auch das große Theater dran glauben. Es erscheint Hamlet, selbstredend im Frack, Nelsomnotive lallend, der königlich« Voter stammt diesmal aus Sachsen und stimmt begeistert für Külzen» literarische Jugendfürsorge, dies um so mehr, als der verworfene Knabe Hamlet sich zum Schluß gleich Wedekind« Franziska eines kleinen Geschlechtswechsels begibt. Ophelien unter lieber- gab« des erforderlichen Schlüssel» an einen»stillen Ort" verweist und beseligt in Laertes kräftige Männerarme sinkt. Dann gab e» einen lustigen Sängerkampf mit Punktsiegen und Backpfeifen, im nächsten Bild singt Faustens Gretchen, die sich mit unsoliden Ab- sichten trägt, den bekannten Schlager„Wenn du meine Tante siehst, ich laß' sie grüßen, heute komm' ich nicht mehr nach Haus!" Für jeden Reißer das passende Thema z» finden, ist natürlich nicht so einfach, und so kochte man eben ein Ragout, da kommt» aus ein paar weniger schmackhafte Bissen nicht so genau an. Wandlungen bei der Eisenbahn. Di« Personenwagen der Zukunft. Die deutsche Reichsbahn beginnt ihren Betrieb nach jeder Rick)- tung hin auszugestalten. Man erfährt, daß Brücken erneuert werden, um den Lasten der Lokomotiven widerstehen zu können, daß man sich bemüht, den Bahnunterbau zu verstärken und Sicherhcitsvorrich- tungen einzubauen und anderes niehr. Jetzt ist die Reichsbahn dabei, auch ihren Wagenpark umzugestalten. Im Wettbewerb mit vielen zahlreichen Eisenbahnen des Auslandes darf sie, wenn sie ver- kehrewcrbend wirken will, nicht zurückbleiben. Was auf diesem Gebiet geplant ist, wie das Wagenmaterial für den Personenverkehr in der Zukunft aussehen soll, wurde gestern den Vertretern der Presse aus dem Güterbahnhof in Potsdam gezeigt. Dort hatte man neue Wagen vierter Klasse sowie neue v- Zug. Wagen und auch einzelne aus Güterwagen gesetzte Modellabteile zur Besichtigung aufgesteW. Besonders zu begrüßen sind die neuen Wagen der vierten Klasi«, die, wie alle übrigen, Stahlkonstruktion ausweisen, die sie bei eventuellen Un- glücksfällen widerstandsfähiger machen. Diese neuen Wagen der vierten Klasse bedeuten mit ihren großen Räumen und weiten Fensteröffnungen und vor allem mit ihren guten Eitzplätzen als den wesentlichen Fortschritt gegenüber den zahlreichen alten Wagen, die leider noch neben den neuen auf lange Zeit hinaus im Verkehr bleiben müssen. Große Sorgfalt ist der I n n e n a u s st a t t u n g der O-Zug-Wagrn gewidmet worden. Ausgezeichnete Künstler wurden beauftragt. Entwürfe für die Probeausführungen anzufertigen. Man hat versucht, Zweckmäßigkeit und Schönheit gleichnmßig zu berücksichtigen. Sämtliche Wagen sollen in Zukunft mit elektrischer Beleuchtung ausgerüstet werden. Man wird auch in den v-Zug-Wagen der dritten Klasse Wirtschast s- abteile einrichten, um die Wagen in solch« Züge einstellen zu können, die wegen des schwachen Verkehrs keine Speisewagen führen. Die Abteile der zweiten und ersten Klasse sind in jeder t)insicht vornehm und geschmackvoll ausgestattet. Daneben hat man versucht. ältere Schlafwagen neuzeitlich zu gestalten. Vor allem ist es zu begrüßen, daß in den V-Zug-Wagen die Ausstattung der Aborte wesentlich verbessert ist. Man wird nun hofsentlich bald in allen v-Zügen hygienisch einwandfreie Aborte finden, in denen es auch möglich ist, sich während der Fohlt wirklich zu säubern. Die Reichsbahndirektion deweist zum mindesten, daß sie den guten Willen hat, für die Bequemlichkeit der Reisenden zu sorgen. Diese aber wünschen, daß der Ersatz der alten Wagen so schnell als möglich durchgeführt werden möge, und man muß es in ihrem Interesse be- dauern, daß alle diese Dinge viel, leider viel zu viel Zeit erfordern. Die Betriebsleistungen der Reichsbahn. Die Statistik der Betriebsleistungen der Deutschen Reichsbahn» Gesellschaft zeigt für die kleinste Rechnungseinheit. die Wagcnachs- kilometcr, fast astronomisch« Zahlen. Die Züge des Personen- und Güterverkehrs, sowie die Dienstzüge leisteten im August d. I. dem Monat mit dem bisher stärksten Verkehr, insgesamt 2 525 000 000 Wagenachstilometer. Der Monatsdurchschnitt der Jahre 1013 und 1025 betrug 2,370 bzw. 2,092 Milliarden Achskilometer� In Zugtilometer gerechnet, find diese Zahlen zwar bedeutend kleiner, aber immerhin auch noch recht imposant. Die Zahlen be- tragen für August 1926 5? Millionen Zugkllometer. während die entsprechenden Durchschnittszahlen für 1913 und 1925 56 bzw. 45 Millionen betragen. Wäqrend der größteJJIntei! an den Zugk-lo. meiern, 32 Millionen, auf den Personenverkehr und der Rest, 20 Millionen, auf den Güterverkehr einschließlich Dienstzüge entfällt, ist nach WagenachskUometern gerechnet das Verhältnis umgekehrt. Hier entfielen im August 1926 auf den Personenverkehr 882 Millionen Kilometer und auf den Güterverkehr einschließlich Dienstzüge 1,643 Milliarden Kilometer. * Michendorf— Großbeeren. Bor kurzem ist die 20 Kilometer lange Streck« Michendorf— Großbeeren dem Verkehr übergeben worden. Die neue Linie bildet«inen Teil der im Süden Berlins geplanten Umgehungsbahn. Sie dient ausschließlich dem durchgehenden Güterverkehr, und zwar in der Hauptsache zur Enllastung der stark belegten Strecke Grunewald— Wannsee. Die wunöer öer Klara van Haag. 32) van Johanne» Luchholß. Au» dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Wiederum bekämpfte Empörung bei der Gnädigen. Aber jetzt näherte sich die Uhr den zehn Minuten vor neun, wenn der Zollverwalter bei seinem Tee sitzen mußte, und daher tat Eile not. „Wie gesagt. Klara, laß sie da, Hellgraue herauslegcn. Wenn die Abrechnungen mir Zeit lassen, komme ich nach- mittags herauf, aber es ist zweifelhaft. Doch das tut meinet- wegen auch nichts, dagegen finde ich, daß du nach deinem La- ternenanzünder und deinem Photographen und deinem an- deren Perkehr etwas Erholung brauchst.—- Das Kleinge- würfelte." Als noch immer kein Erwachen folgt«, schritt Herr van Haag einmal knirschend über den Boden und zurück, um er- neute Kraft zu sammeln. „Mit dem Photographen mußt du jedenfalls Schluß machen Ich will das nicht mehr. Man verkehrt nicht mit den Eltern seiner Dienstboten. Ich kann es jedes- mal riechen, wenn du in seiner Stube gewesen bist. Außer- dem habe ich in Erfahrung gebracht,' daß er einmal im Staatsdienst gestanden hat— bei der Eisenbahn— aber in Ungnaden oerabschiedet wurde. Als königlicher Beamter kann und als dein Mann will ich nicht erlauben, daß du dich— und damit auch mich— mit diesem— diesem Lumpenhändler gemein machst!" Jetzt geschah es. Im Nu saß die Gnädige aufrecht im Bett, mit brennender Haut, dunkel und teuflisch in ihrer Haarpracht. Ihre weißen Hände hoben sich zitternd über ihrem Kopfe, keineswegs ungefährlich anzuschauen, obwohl sie mit Spitzen bekränzt waren. Sie schöpfte tief Atem. Ein Schrei kam. und schwarzweiße Augen kamen. „Geh! Hinaus! Verstehst du? Lumpenhändler sagst du. Du bist kein Lumpenhändler, wie? Deine Hosen haben scharfe Bügelfalten. Lumpenhändler!— Das scheint dir das Schlimmst«, was du einem Mann nachsagen kannst. Aber— in meinen Ohren hast du nicht das Schlimmste gesogt: Du hast nicht gesagt, Egholm ist genau wie i ch! Das wäre ein Schimpfwort gewesen! Hast du gehört? Aber jetzt sage ich dir, daß du dir nichts darauf einzubilden brauchst. Ich will dem Gerede morgens und nachts zu mir nicht haben. Ich reise weg. Du bist so sicher, weil du mich überlistet hast: all mein Geld hast du mich in ein hoffnungsloses Unternehmen stecken lassen, nämlich deine Erziehung. Darum nahm ich dich mit auf Reisen. Du glaubst vielleicht der Gesellschaft wegen! Hahal Aber ich will nicht hier bleiben, und es gibt Orte genug, wo ich Hinreisen kann, wenn ich auch kein Geld habe. Ich will vor allem nicht das Schlafzimmer mit dir teilen. Du bist ja nicht recht bei Berstand. Liegst da und schwatzt im Dunkeln und morgens, wenn ich schlafe! Wenn ich aufwach«, schwatzt du mit deiner harten Äureaustimme. Ferner dulde ich nicht ein einziges herabsetzendes Wort über Egholm. Du darstt nicht einmal an ihn denken. Oder, wenn du willst, so denk die Wahrheit, daß du i h m die Ehre meiner Gegenwart hier verdankst. Hast du gehört, was ich sagte?" Es war schon nötig zu fragen, denn der Zollverwalter beendete sein Ankleiden, ohne daß ihm die Hand zitterte. Augenblicklich untersucht« er in einem Handspiegel die klein« Warze am Mund. Die Gnädige riß und zerrte an ihrem Zeug. Das Nachtkleid glitt ihr von d« Schulter. Als er aber den Blick hob und sie ansah, deckte sie sich fröstelnd ganz bis zum Kinn zu. Und ihr fiel noch etwas ein. das sie ihm sagen mußte:„Egholm und ich sind einmal so gut wie«in Liebespaar gewesen, das weißt du vielleicht? Wir können es noch einmal werden. Hörst du! Noch oft! Und du hast dich dareinzufinden!" Der Zolloerwalter war fertig: er öffnete nur das Fenster und schöpfte dreimal tief Luft, was sein Atemsystem war. Die Gnädige sank zusammen. Feuer kann Nebel nicht durchdringen. Sie sagte mit Tränen in der Stimme:„Und wenn du irgendwelche abscheulichen Menschen herschleppst. dann ist das deine Sache. Ich bin krank und stehe nicht auf.. Sie bohrt sich wirklich in die Kissen und stöhnt: alz aber einige Minuten vergangen sind, sitzt sie wieder und schüttelt den Kopf. Dann steht sie auf, bleibt einen Augenblick stehen und geht ans Fenster: aber nicht, um zu �un, was Herr van Haag tat: es ist verunreinigt. Aber durch da« andere kommt gute salzige Luft, die stark macht. Sie wirft den Kopf in den Nacken und ist schön. Sie läßt das Zeug hsrabgleiten und ist deshalb nicht weniger herrlich. Sie steht in der Bade- wanne und läßt das Wasser in klaren Ouellen aus einem großen Schwamm über sich kerabrieseln. Biel, viel Wasser. daß das Blut zum Herzen strömt, und sie wird vergeßlich für alles Böfe. In junger Lebensfreude veginnt sie mit dem Wasser zu spielen, läßt einen Strahl zwischen ihre Augen fallen und sich in kleinen Bächen und Wasserfällen den Weg suchen, den er will. Jetzt sammeln sich die Wolken um den Bergesgipfel und es regnet im Tal, denkt sie und lacht. Herr van Haag denkt vielleicht dasselbe. Er hat die Tür geöffnet und sieht Interessiert zu. Ohne jedoch zu lachen. Ach nein,«r denkt es wohl kaum, denn.r ist zwar zwischen Bergen mit schneeweißen Zinnen gewandert, aber von diesen Wanderungen erinnerte er sich nur seiner wunden Zehen. Der kalte Zug veranlaßt die Gnädige, sich umzudrehen. „Belauerst du mich!" sogt si:.- „Du hast wohl verstanden, daß ich sagte, das Klein« gewürfelte," sagte Herr van Haag mit schläfriger Gleich- gültigkeit. „Das Kleingewürfelte— ja, ja, ich habe verstanden. Es ist am besten, du bekommst eine Quittung, daß ich oerstanden habe... Bitte!" Im selben Augenblick sitzt ihm der Schwamm wie ein großer schwerer Vogel mitten im Gesicht. Herr van Haag schließt die Tür und geht in die Küche. um sich abzutrocknen. Einige Minuten später, als die Uhr neun schlägt, tritt er knarrend unten in die Bureautür. So viel konnte in einer Stunde in dem kleinen Zollamt von Knarreby geschehen. Und obwohl der Zollverwalter ei.n sehr kleine», trockenes, eingeschrumpftes Gehirn hatte, geschah nur eines außerhalb feiner Berechnung, nämlich der Schwamm, der die vornehme Fasson seines Bartes ja völlig verdarb. Das andere hatte er selbst durch kleine Mittel her- vorgerufen. Gr konnte es morgen wieder tun. wenn er wollte und das wollte er sicher. Es war wirklich uinterhaltend, Frau Klara Komödie spielen zu sehen. Vielleicht schon heute nachmittag. Was würde sie logen wenn er auch Kaufmann Lund nebst Tochter zu dem Füns-Uhr-Tee einlüde? Lund war ja etn gebildeter wie auch angeschener Mann, dazu ein Mann, der die rechte Ehrerbietung vor einem königlichen Beamten hatte. Ja— das wollte er tun und es ihr beim Mittagessen erzählen. Guter Einfall! Er wußte, daß si« Lund mehr verabscheute als Irgend jemand sonst. So gießen germsse Knaben Petroleum über eine Katze und zünden ein Feuer an, um in aller Unschuld zu sehen, was geschehen werde. i Die Gnädige reagiert« jedoch merkwürdig wenig, als sie die Mitteilung erhielt. (Fortsetzung folgt.) Exotistbe Vunöer. Eine kleine Märchenwelt ist diese Schau von Zierfischen und Amphibien in Reinhardts Festsälen(chasenheide). In ihrer fremdartipen Schönheit wirken diese Wesen so wenig erdhaft, daß man fürchtet, die zierlichen Fischlein könnten in dieser Umgebung Schaden nehmen. Aber sie leben ihr Leben genau wie andere, nionchmal sogar noch viel interessanter. Die amerikanischen und afrikanischen Zechlinen, die lebende Junge zur Welt bringen, haben einen ausgesprochenen Familiensinn. Vater baut den zu erwartenden Sprößlingen die Wiege und beschützt sie in jugendlichem Alter vor jeder Gefahr. In den Nilgegenden trägt das Weibchen den Laich bis zum Auswerfen im Maul, da das schlammige, trübe Wasser die Brut zerstören würde. Es nimmt während dieser Zeit keinerlei Nahrung zu sich, bekommt durch die Anstrengung einen ganz dicken Kopf, rettet aber mit wahrer Selbst- Verleugnung die Generation. Sehr hübsch sind die siamesischen Kampssische, auf deren kämpferische Talente in ihrer Heimat sogar Wetten abgeschlossen werden. Japanische Schleierfische in verschie- denen eigenartigen Farbtönen, Teleftopschleiefische, so benannt nach ihren außergewöhnlich großen, stark hervortretenden Augen, und viele andere interessante Exoten. Die Guppys sind unbewußte Wohltäter. Ihre Lieblingsspeis« ist die Anophelesmücke, die Trägerin des Malariakcimes, und in Gegenden, wo diese Krankheit stark grassiert, hält man die Tiere in großen Mengen. Eine Eigenart der Kampffische, die am Aequator leben, ist es wieder, daß sie ihren Kindern außerhalb des Wassers«in sogenanntes„Schaumnest" bauen, das heißt, sie führen dem Nest durch Spritzen eine gewisse Kühle und Bewegung der Lust zu, um die allzu hohe Temperatur des Wassers auszugleichen. Dies alles sind wirklich höchst eigen- artige, ungemein interessante Vorgänge in der Natur, und man kann begreifen, daß Menschen, die mit all diesen Dingen vertraut sind und immer tiefer in die Geheimnisse einzudringen versuchen, stark abseits vom nüchternen, ewig gleichbleibenden Alltag stehen. In Verbindung mit der Fischschau steht eine Ausstellung verschiede- »er Reptilien. Spanische und kalifornische Eidechsen.(Letztere, die sogenannte Schaucrechse, ist die einzig giftige unter den Eidechsen- arten.) Unter den Molcharten war der mexikanische Quermolch bis- her der einzige, der sich seit Hunderten von Jahren nur in der Wasserform(Kiemen) vermehrt hatte. Durch Schilddrüsenfütterung ist es gelungen, auch bei ihm eine Wandlung in die Landform zu erzielen. Die Geckonnen, ebenfalls eine Eidechsenart, sind die Kammerjäger der Natur. Sie nähren sich mit Vorliebe von Wanzen und anderem Ungeziefer. Eigentlich ein äußerst nützliches Haustier. Leider vermehren sie sich aber in genau demselben, wenn nicht noch größcrem Umfange. Alle diese exotischen Reptilien— auch eine Garnitur Alligatorenbabies sind da— haben getreu Ihrer Heimat nachgeschaffene Heimstätten mit Wüstensand und glühender Sonne (letztere allerdings auf elektrischem Wege). Im wohldurchwärmten, sonnenbeschienenen Sande sitzen all diese interessanten Exoten. Eine hübsche Kakteensammlung vervollständigt das sremdländisch-schöne Bild. Veranstalter der Schau, die bis zum 12. Dezember geöffnet lllcibt, ist der Verein der Aquarien- und Terrarien- züchtcr._ Das Kinö im Brunnen. Eine furchtbare Entdeckung. Ein schauerlicher Fund, den seit mehr als einem halben Jahr die Landeskriminalpolizeistellen Altona und Wandsbek aufzuklären suchen, beschäftigt jetzt auch das Landeskriminalamt Berlin. Anfangs Mai d. I. nahmen die Bewohner eines Hausgrund- ftückes in der Gemeinde Bönning st edt wahr, daß das Wasser ihres offenen Brunnens schlecht zu schmecken und zu riechen begann. Das wurde von Tag zu Tag ärger. Noch einigen Wochen mußten die Leute den Genuß einstellen und das Wasser aus einem benachbarten Brunnen holen. Als jetzt der Brunnen untersucht wurde, entdeckte man einen Fund, dem allem Anscheine nach ein schweres Verbrechen zugrundeliegt. Unter Wasser im Brunnen lag ein Paket, das die stark verweste Leiche eines mittelgroßen Knaben von etwa S Jahren enthielt. Nach dem Befund muß angenommen werden, daß dieser Knabe noch lebend in den Brunnen hineingeworfen worden war. Die Leiche war in zwei graue Wolldecken eingehüllt, die durch eine Ler- schnürung festgehalten wurden. Die eine war mit einem Stein be- schwert. Unter dieser äußersten Umhüllung befand sich eine zweite aus Lumpen und Teilen einer zerrissenen Decke. Darunter waren die Beine und die Hände mit Bindfaden verschnürt. Die Lumpen- hülle wurde durch ein blaues Band, anscheinend den Gürtel einer Strickjacke, festgehalten. Der ganze Körper des Knaben war stark abgemagert, ob durch Krankheit oder schlecht« Ernährung, läßt sich nicht sagen. Die Füße waren mit alten Geschwüren bedeckt. Vom rechten fehlte die Hälfte, vom linken die ganze Zehenreihe. Es ist möglich, daß der Fußteil und die Zehen abgefroren waren, bestimmt läßt sich das jedoch nicht mehr feststellen. Die Leiche war nur mit einem an verschiedenen Stellen zerrissenen und geflickten Hemde ohne Zeichen bekleidet. Die eine der Decken hat an der Seite zwei braune Streifen. Sie ist mit großen Buchstaben„H. F." gezeichnet, die mit brauner Wolle eingestickt sind. Der Knabe muß, wie schon gesagt, etwa 5 Jahre alt gewesen sein. Er war l1,9l> Meter groß und hatte dunkelbraunes, 3 bis 7 Zentimeter langes Kopfhaar. Die Nachforschungen der Landeskriminalpolizeistellen Altona und Wands- bok nach seiner Herkunst hatten inimer noch keinen Erfolg. Diese wandten sich deshalb jetzt an das Kriminalpolizeiamt Berlin, weil es nicht ausgeschlossen ist, daß der unbekannte Knabe aus Berlin stammt. Die Nachforschungen der Vermißtcnzcntrale des Polizei- Präsidiums haben aber auch dafür bisher keinen Anhalt geliefert. Weitere Mitteilungen zur Aufklärung, insbesondere zur Feststellung der Person, nimmt die Kriminalinspektion A. 3 im Polizeipräsidium entgegen. Selbstmordversuch eines Lehrlings. Ein Selbstmordversuch unter eigenartigen Umständen rief die Polizei des 213 Reviers nach der Lenaustr. 6 in Neukölln. Als die Beamten auf Telephonanruf dort erschienen, fanden sie in der Wohnung eines Bäckermeisters den bei diesem beschäftigten 20 Jahre alten Lehrling Fritz N., der in der Weserstraße bei"dyz Eltern wohnt, mit einer S ch u ß w u n d e in der linken Schläfe in der Küche auf dem Fußboden liegen. Die Frau des Meisters, die allein zu Hause war, gab an, daß der junge Mann kurz vorher mit einer blutenden Wunde hereingekommen sei und ihr mitgeteilt habe, daß er sich am Kanal geschossen habe. Dabei warf er das Futteral der Waffe auf den Fußboden. Dann habe er sich in der Küche auf einen Stuhl gesetzt, sei zusammengebrochen und herunter- gefallen. Die Untersuchung ergab, daß die Kugel noch im Kops steckt, die Verletzung aber nicht lebensgefährlich ist. Ueber die Veranlassung zu dem Selbstmordversuch gibt N. keine Auskunft. Der Verletzte wurde nach dem Krankenhaus gebracht. Arbeit und Wirtschaft. Im Nahmen einer geselligen Veranstaltung des Verbandes Berliner Baubetriebe sprach Dr. Ernst N o e l t i n g. der Leiter der Staatlichen Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung in Berlin, über„Arbeit und Wirtschaft". Er legte dar, daß sich die heutige Krise im Gegensatz zu den vorangegangenen Perioden des Früh- kapitalismus mit seiner liberalen Auffassung und.zu dem seit 1873 entstandenen, mit Kartellen geführten Kampf um den ausländischen Markt aus der Beschränkung der ausländischen Ab- satzmöglichkeiten und aus dem Selbständigwerden der frühe- rtti Kolonialländer ergebe, die früher Menschen und Kapital auf- genommen haben, während sie heute die Gläubiger Europas sind. Die Hemmungen im internationalen Warenverkehr, die daraus ent- standen, haben die Bedeutung des inneren Marktes außerordentlich gesteigert. Das Unternehmertum habe dabei vollständig versagt. In überzeugender Weis« führte der Redner aus. daß der Sinn der Tasihenöiebe unö Krimmalbeamte. Zuchthausurteile in Leipzig. Im Prozeß gegen Leipziger Kriminalbeamte des Dezernats für Taschendiebe und fünf Toschendiebe wurde gestern nachmittag unter großem Andrang nach lötägiger Verhandlung das Urteil ge- fällt. Wegen fortgesetzter Beihilfe zum Bandendiebstahl. Anstiftung zum Amlsverbrechen und Freilassung von Gefangenen wurden ver- urteilt: Kriminalkommissar Rouvel zu 7 Iahren ZIKona- tc n Zuchthaus und 6 Iahren Ehrverlust, Kriminalkommissar Hermann Kühle zu 5 Iahren Zuchthaus und 5 Iahren Ehrverlust. Kriminalhaupkwachtmeifler S ch ä f t e r zu 4 Iahren und 9 Monaten Zuchthaus und 5 Iahren Ehrverlust, Kriminalhauptwachlmeister Grandke zu Z Iahren und ö ZNonaten Zuchthaus und 4 Iahren Ehrverlust. Das Arteil gegen die Taschendiebe lautete wegen fortgesetzten Bandendieb- stohls und veamlenbestechung gegen: Eisekowicz auf 4 Iahre 6 Monate Zuchthans, 5 Iahre Ehrverlust, Skebnik Z Jahre b Monate Zuchthaus. 4 Iahre Ehrverlust, Amster 7 Iahre 9 Monate Zuchthaus, S Iahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, Wagschal 3 Iahre 9 Monate Zuchthaus, S Iahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Rubi» 3 Iahre 6 Monate Zuchthaus, 4 Iahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Leipziger Diebessilm ist nun abgerollt. Ein tüchtiger Ge- schäftsmann sollte die lötägigc Gerichtsverhandlung auf die Lein- wand bringen. Es gäbe«inen Bombenerfolg. Ein noch nie dag«- wesener Film, der den Vorzug besäße, direkt aus dem Leben ge- kurbelt zu sein. Der Librettist könnte sich jede eigen« Fantasie- anstrengung ersparen. Alles war da vorhergesehen—«cht ameri- kanisch: Schnellzüge, Massenansammlungen auf der Messe, Bordelle, Cafös, aufregende Szenen, in denen Taschendiebe sich auf ihre Opfer stürzen, Liebesafsären mit Ehefrauen und Dirnen, Funk- spräche mit dem Auslande, Intermezzi in Berlin, Hamburg, München usw. usw.— Eine Kolonne arbeitete in Leipzig neben der anderen. Um sich lästige auswärtige Taschendieb« vom Leibe zu halten, zahlte man ihnen Abstandssummen. Der Kriminalbeamte Rouvel trug sich selbst mit dem Gedanken, lichtscheues Gesindel zu dingen, um diese Eindringlinge zu verprügeln. Allein die Herbstmesse ergab 400 Geschädigte. In München wußte man, daß die meisten An- zeigen aus Leipzig kämen und daß sie stets erfolglos blieben. Dafür fand man aber in Bahnhofsbriefkästen Brieftaschen zu Dutzenden. Kam so ein Schnellzug aus Amsterdam, aus Hamburg oder aus Ehemnitz, so beschäftigten sich gewöhnlich drei junge Leute mit den Passagieren und im Nu war die Beut« weg. Der„platte" (gekaufte) Beamte stand in der Nähe und sorgte dafür, daß alles glatt ablaufe. Wurde der eine oder der andere Taschendieb doch gefaßt, so hieß es im Protokoll„verdachtlos" oder„der Verdächtige lvar«in belgischer Kaufmann". Ein andermal sagte der Beamte zu dem Bestohlenen:„Können Sie schwören, daß der«s gewesen ist?" Natürlich konnte er es nicht. Auch setzte sich gewöhnlich schon der Zug in Bewegung, der Reisende mußte fort. Die Bahnbeamten waren schließlich davon überzeugt, daß die Festnahm« des Verdächtig- ton zwecklos ist. Und während z. B. der„Macher" Skrebnik auf dein Bahnhofssteig arbeitete, hing das Bild desselben Skrebnik in de? Kriminalstelle des Bahnhofs: er wurde streckbrieflich verfolgt. Die Herren Diebe waren aber schließlich übermütig geworden. Als ein frecher Eindringling von einem Beamten einmal entferni werden sollte, meinte er zu diesem:„Du willst wohl mit mir ,.v c r- schütt" gehen? Ich habe Beamten in Berlin, Wie», Breslau, Köln kennengelernt. Da arbeiten wir ganz anders mit den Beamten." Natürlich renommierte er nur. So war es auf dem Bahnhof. Nicht anders ging es auf der Messe, in der Garderobe der Operette, auf der Post, an den Haltestellen der elektrischen Bahn, im Kaushaus Altdorf. Hier wurde ein Kriminalbeamter eines Tages selbst des Diebstahls bezichtigt. Allerdings war auch die Arbeit der Kriminal- beamten keine einfache. Nicht selten befanden sie sich in einer bösen Klemme, sie hatten schwere Kämpfe auszustehen zwischen ihren kontraktlichen Verpflichtungen gegenüber den Dieben und der Not- wendigkeit, sie zu verhasten. Es fand sich aber schließlich immer ein Ausweg: man schrieb einen gefälschten Namen ins Proto- k o l l, man vernichtete es, man erhielt eine falsche Auskunft vom Erkennungsdienst, man gab falsche Funksprüche in die Welt hinaus, man unterrichtete in lügenhafter Weise die Untersuchungsrichter. Die Diebe waren aber ehrliche Kerle. Sic teilten mit dem Kriminalbeamten, wie verabredet, ihre Beute: 20 bis 60 Proz. kam auf sie. Als einige Diebe gelegentlich verreisen mußten, hinterließen sie einen Brief mit Einlage; auf einem Zettel stand zu lesen:„Das Geld i st für die Beamten." Allerdings nicht selten mußte auch gehandelt werden. Dem Beamten war der Prozentsatz zu gering. Oder er brauchte Geld, dann drang er aus einen Taschen- diebstahl. Oder er war verdrießlich darüber, daß die Kolonne seines Kollegen besser arbeitete. Hin und wieder zahlte man auch mit gestohlenem Gut. Der Kriminalbeamte. Grimm, der es vorgezogen hatte, freiwillig aus dem Leben zu gehen, nahm dem Schützling seinen Teil auf Ort und Stelle ab. Die Diebe hatten ihre Absteigequartiere. Da brauchten sie sich nicht zu melden. Sie lebten völlig sicher. So ging es monatelang. Es waren herrliche Zeiten für internationola Taschendiebe und sie verstanden es, diese zu schätzen. Kaum waren die Beamten verhaftet, so war es aber aus mit der Herrlichkeit. Die nächste Messe gab nur 80 An- zeigen. In der Gerichtsoerhandlung waren etwa 40 Diebstähle zur Verhandlung gekomnien. Es genügte aber. Jeder einzelne Fall bedeutete ein Meisterwerk in der Zusammenarbeit von Taschendieben und Kriminalbeamten. Alle aber boten ein lehrreiches Material für die Psychologie der einen wie der anderen. Der Schaden, der der Kriminalpolizei in ganz Deutschland durch diesen Prozeß zugefügt ist, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Jedenfalls wird er eine Warnung für die Zukunft fein. Die zu große Nähe der Kriminalbeamten zu der Verbrecherwelt ist schon so manchem von ihnen zum Verhängnis geworden. gesamten Wirtschaftspolitik auf die E r z i e l u n g niedriger Preise bei hohen Löhnen gerichtet sein müsse. Jeder müsse dafür sorgen, daß die großen Opfer, die die Arbeiterschaft während der Krise gebracht habe, nicht vergeblich bleiben. Kritik am Hefängniswefen. Der demokratische Landtagsabgeordneke Dr. G t z i ni e k. der vor kurzem' in der Presse aufsehenerregende Mitteilungen über die unhaltbaren Zustände in preußischen Gefängnissen machte, sprach am Montag abend im Klubabend der Deutschen Liga für Menschen- rechte über„Gefängniswesen". Er behandelte scharf kritisch die schweren Mängel im heutigen Strafvollzug, der dringend reformbedürftig sei. Das Stufensystem könne sich erst dann richtig auswirken, wenn die Beamten pädagogisch und psychologisch geschult würden. Mit Entschiedenheit wandte er sich gegen das Ein- sperren politischer Gefangener zusammen mit den übrigen Insassen der Zuchthäuser. Die politischen Gefangenen müßten eine besondere Behandlung erfahren, es sei aber schwer, in allen Fällen festzustellen, wer ein„Politischer" sei. Der Strafvollzug müsse das Prinzip der Vergeltung völlig fallen lassen und vom Geiste der Menschlichkeit erfüllt werden. Nur so könnten Straffällige wieder zu sozialen Individuen gemacht werden. Dr. F i n k l e n b u r g, Präsident des Sürafvollzugs in Brandenburg, sprach als erster Diskussionsredner. An Hand der letzten Kriminalstatistik zeigte er auf, daß in Deutschland jährlich über eine Viertel- Million Menschen zu Freiheitsstrafen verurteilt würden. Ein schweres Hemmnis für die Reform des Strafvollzugs sei bisher d i e Interesselosigkeit der Oeffentlichkeit für diese Fragen gewesen. Der Strafvollzug sei immer so eine Art Geheim- Wissenschaft gewesen. Erst ganz allmählich hätten Vertreter der Fürsorgcorganisationen Zutritt zu Strafanstalten erlangt und seit einiger Zeit gäbe es auch Gefängnisbeirätc. Nur bei stärkster Anteil- nähme der Oeffentlichkeit könne eine gründliche Reform durchgeführt werden. Bei der Urteilssindung wirken Laien mit, aber gerade im Strafvollzug fehle noch das Laienelement. Die Reform dürfe nicht nur eine Verwaltungssache sein, sie müsse eine Angelegen- heit des Herzens werden. Im Gefangenen müsse der Mensch gesehen werden, den es gelte, wieder ins Leben und in die Gesellschaft esnzu- ordnen. In der weiteren, sehr lebhaften Diskussion sprachen noch Juristen, Aerzte, Angehörige von Organisationen, die sich für die Angehörigen politischer Gefangener verwenden, unter anderem auch Genosse Felix F e ch e n b a ch, der die Zustände in einer bayerischen Strafanstalt"schilderte, sich gegen die unwürdigen Disziplinarstrafen (Einsperren in Eisenkäfigen, Anschließen an Ketten), gegen das Kübel- fystcm und die Arbeitsausbeutung der Gefangenen wandte. Vor allem forderte er, daß Gefangene init längeren Strafen, wenn sie keinen Beruf erlernt haben, in der Anstalt eine gründliche Berufs- ausbildung erfahren. Dadurch würde besonders bei jüngeren Menschen Rückfall in Straffälligkeit verhindert. Wer den Abend besucht hat, mußte es bedauern, daß er nicht im Rahmemeiner großen öffentlichen Versammlung stattfand. Kokainhändler. Zwei Kokainhändler auf der Anklagebank! Kotainhändler!? Kokainisten, die so nebenbei auch Kokainhandel treiben. Gescheiterte Kriegsexiftenzen, Lebensinvaliden, die, um über ihren sittlichen Dalles hinwegzukommen, sich durch das Rauschgift betäuben, geistig minderwertige Menschen, die nicht die Kraft besitzen, wieder die gerade Ebene irgendeines Berufes zu beschreiten, wenn sie einmal die Bahn des bürgerlichen Daseins verlassen haben. Der eine mußte drei Jahre französischer Gefangenschaft durchleiden, erlitt einen Nervenzusammenbruch und griff, nach vergeb- lichen Versuchen sich in das Nachkriegsleben einzugliedern, zum Uni- Versalheilmittel Kokain. Der andere, ein Kriegsneurotiker mit fahrigen Bewegungen und flackernden Augen, bekam vom Arzt in, m er wieder Kokain verschrieben, weil er ohne nicht dahinvegetieren konnte. Von diesem Kleinod gab er einiges seinem guten Freunde ab. Beide sind bereits wegen ähnlicher Ver- gehen vorbestraft. Test zwei Monaten sitzen sie in Untersuchungshaft. Die gut situierten Familien beider erklären sich nun bereit. sich ihrer anzunehmen. Der Antrag des Staatsanwalts lautet auf vier Monate Gefängnis, das Gericht beschließt auch dem- gemäß, rechnet jedem zwei Monate Untersuchungshast an und erläßt ihnen den Rest der Strafe. Zur Kirchenaustrittsbewegvng. Die für den Kirchenaustritt notwendigen Formalitäten werden als überaus lästig, ja als schikanös empfunden. Es ist unbegreiflich, daß für den Austritt aus einer Religionsgemeinschaft eine persön- liche Vorstellung bei dem zuständigen Amtsgericht notwendig ist. Es wäre an der Zeit, daß hier durch gesetzgeberische Maßnahmen eine Aenderung herbeigeführt wird. Eine schriftllche Benachrichtigung an die Kirche selbst sollte genügen, und wenn man wirklich eine Beglaubigung als notwendig ansieht, dann sollte jedes Polizeirevier diese vollziehen können. Tatsache ist, daß sich die Zahl der Kirchenaustrittc immer mehr steigert. Abgesehen von der schwindenden Werbet ras? der religiösen Institutionen können als Ursache die bei den herrschenden wirtschaftlichen Verhältnissen besonders drückend empfundenen Kirchen st euern angenommen werden, als weiterer Grund die Haltung der Kirche in der Frage der F ü r st e n a b f i n d u n g. Durch diese Austvittsbewegung sind die betr. Stellen der zuständigen Amtsgerichte überlastet, und die Abwicklung vollzieht sich äußerst schleppend. Dazu ist der Weg zum Amtsgericht selbst auch nicht als eine Annehmlichkeit zu betrachten. Durch eine Einrichtung der frcigeistigen Verbände kann der Kirchen, austritt auch durch einen Notar in den Abendstunden und gegen eine mäßige Gebühr vollzogen werden. Für diejenigen, die den Austritt beabsichtigen, ist gerade jetzt der Zeitpunkt gegeben, da das Steuerjahr der Kirche vor dem Abschluß steht.'Wer den Austritt jetzt vollzieht, hat die Steuer für das nächste Jahr Stcuerjahr 1927/28 nicht mehr zu entrichten. Folgende Sprechstunden können benutzt werden: Verein der Freidenker für Feuerbestattung E. V., Berlin NO. 18, Friedenftr. 60(Loden). Dienstags und Freitags 7 bis 8 Uhr abends und bei den Notaren: Dr. I. Herzfeld. Berlin SW. 61, Gitschiner Str. 110: Dr. Th. Tichaucr, Charlottenburg, Kant- stroße 137 und A. Grün, Berlin N. 65, Brüsseler Str. 2. Ein Unterausschuß für Düppel. Bei der gestrigen Verhandlung der Vorlage des Magistrats über den Ankauf der Herrschaft Düppel im st ä d t i s ch e n Haus- Haltsausschuß erwies sich die Verabschiedung der Borlage wegen der geäußerten Bedenken als unmöglich. Die Bedenken bezogen sich auf die Höhe des Preises und das noch un- geklärte Verhältnis zum Kreise Teltow. Ein Unterausschuß wurde mit der Klärung der Frage der Notwendigkeit des Ankaufs von Düppel betraut.' Selbstmord eines Börsenmaklers. In seiner Villa in der Bernhard-Beyer-Straßc 9 zu Wannsee schoß sich während der Abwesenheit seiner Frau und Kinder der 29jährige Börsenmakler Kurt Lewinsohn eine Kugel in den Kopf. Als L. von einem Hausangestellten in seinem Arbeitszimmer aufgefunden wurde, war er bereits tot. cfas fefea/e J}6füfirmt7/el macht zarten reinen Teint. Denn gute Verdauung fchafft zarten reinen Teint. Also nehmen Sie rege/mäßig ein 1AX/M'KONFEKT Auf Grund neuer direkter Einkäufe im Orient sind wir in der Lage, trotz des billigen Preises, diese Cigarette in einer unerreichten Qualität herauszubringen. Wir können daher die Ansprüche der Raucher, die eine milde und aromatische Cigarette suchen, vollauf befriedigen. Vis Austänöe See Reichswehr. In der K r e i s m i t g l i e d e r v e r s a in m l u n g Bezirk KreuzberI sprach im gutbcsetzten Saal von Rabe, Fichtestr. Zfl. Reichstagsabgeordnctcr Genosse K ü n st l c r. In einem anssühr- liehen, von den Mitgliedern sehr beachteten Vortrag ging Genosse K ü n st l e r auf die Zuständcin der Reichswehr ein. Er gab an Hand von werlvollem Material einen Ucberblick über den Kampf, den unsere Genossen im Reichstag führen. Die Bereinigung der Reichswehr von den reaktionären Offizieren muß erreicht werden, und wer sich dieser Säuberungsaktion in den Weg stellt, muß gehen. Es ist schwer, Material über die Reichswehr zu erlangen. Die Soldaten wollen nicht immer sprechen, weil sie Angst haben, es konnte für sie dienstlich unangenehm sein. Die Wi'rtschafts- läge Deutschlands hat keine Besserung erfahren, ja es muß noch damit gerechnet werden, daß unter Umständen eine Berschärsung eintreten kann. In der sehr ausführlichen Diskussion wurde besonders an die Fraktion im Reichstag appelliert, alles zu tun, um die Reichswehrzustände abzu- ändern. Als in der Versammlung bekannt wurde, daß die R e i ch s- tagsfraktion infolge der legten politischen Ereignisse energisch Einspruch beim Reichskanzler erhoben hat, fand dieser Schritt die Billigung aller Genossen._ Arbeitcr-Mandolittifte». Der Mandolincnklub„S t e r n", Mitglied des DAMB., veranstaltete in der Aula des Friedrich-Werderschen Gi)nmasiums, Bochumer Straße, unter Leitung des Dirigenten E. R u p p, ge- meinsam mit der Jugendabteilung, ein Mandolinenkonzert. Im Doppelquartett hörte man Romanzen und Tänze— Brahms Ungarische Tänze eignen sich allerdings nicht sonderlich für die Mandoline—, dann produzierte sich das über 20 Mann starke gesamte Orchester mit einem schmissigen Marsch als Einleitung, dem verschiedenartige Musikstücke— Keler Belas Lustspielouvertürc, ein feurig-tcmperainentvoller spanischer Bolero, Walzer und dergleichen — folgten. Das saubere, slottc Zusammenspiel holte allerhand Wirkung aus den kleinen Instrumenten. Während die Mandoline im einzelnen dünn und unselbständig wirkt, entsteht im Gesamtspiel bei richtiger Wahl der Stücke ein schöner, wohlgerundeter Ton. Man sollte, der Klangwirkung Rechnung tragend, hauptsächlich die heiinatliche, wohlerprobte Mandolinenmusik pflegen. Der dicht- besetzte Saal spendete den jungen Künstlern herzlichen Beifall. Die vorderen Reihen waren durchwegs von allerjüngsten Musikinter- cssenten besetzt. Mäuschenstill verblieben sie bis zum Schluß aus ihren Plätzen und tauschten ganz leise mit dem Nachbar ihre Meinung aus— ganz wie die Großen! Eine neue Eisbahn am Zoo. Auf dem Gelände der Zoo- arena, wo im Sommer die Indicnschau Tausende von Besuchern anlockte, wird für den Winter eine künstliche Eisbahn erstehen. helsk den Aermsten! Die 1ö. und 16. Gcmeindeschulen(weltliche) in Neukölln, Lessing st raßc, werden größtenteils von Kindern besucht, deren Ellern infolge der wirtschaitlichen Verhältnisse in besonders große Not geraten sind. Es fehlt sehr oft an dem Allernotwendigsten, weshalb die Elternbeiräte dieser Schulen an die Genossinnen und Genossen die Bitte richten, abge- legte, noch tragbare Kleidungs st ücke für Knaben und Mädchen, evtl. auch Spielwaren, zur Verfügung zu stellen und diese im Schulhause abzugeben. wohlsahrlspflege für verarmten Mittelstand. Im Rahmen einer von Frau Staatssekretär Weismann getroffenen Veranstaltung sprach Landesdircktor von Winterjeldt über die von Frau Jenny Bärwald geschaffenen Wohlsahrtseinrichtung. In s ü n s Küchen speist Frau Bärwald verarmte Leute aus dem Mittelstand. In eiizer Studien- gnstall werden die Kinder, die aus der Gemeinde zum Besuch einer höheren Lehranstalt ausgewählt wurden, mitags gespeist. Slelteren Leuten, die die Küchen nicht mehr besuchen können, werden Essen und Kleidungspakete ins Haus geschickt. Der Etat dieser Wohlsahrtseinrichtungen beief sich 192Z aus 23 000 M. und wird in diesem Jahr 30 000 M. betrogen. Die Mittel zu ihrem hochherzigen Werk bringt Frau Bärwald hauptsächlich in Amerika, zum Teil aber auch in Deutschland auf. Der Oes! ea eichisch- Deutsche volkebund veransialtet am Freitag, den 10. Dezember, abends 8 llhr, im ReichStagSgcbäudc, einen Vortragsabend. an dein Herr Dr. Werner L e i b b r a n d über„Die soziale Mi l i i o n Peter RoscggcrS' sprechen wird. Daran schliesji sich eine Vörie i u n g Hermann K i c n z l s au» mundartlichen Dichinnaen NoseggcrS. Der Eintritt ist frei! Eine siiisikcsse für kilndergärlnerinnen Der FachanSschuh lür Kinder-- gärten und Horte der Berliner Woblfabrtsvcrcinignng(der Zusammenfassung sast aller freien WoliljabriSvcrbände Berlins! hat ein P-cisaus- lchleiben ausgestellt, von dessen Ertrag eine HiisSkalsc gegründet werden soll zur Unicrstützung der alten Berliner Kindergältnerinnen und Hort- nerinnen. deren wirtschastliche Not zum Teil ganz besonders fchiver ist. Die PreiSauigabc besteht darin, ein selbiterdachies und leibstauSgcarbciieieS GeduldS- oder GesellschailSspiel elnzuichicken. Zur Bcleiligung find in erster Linie Kindel gärtnerinnen und Horlnerinnen aufgefordert. ES wäre aber sehr erwünscht, wenn alle Kreise, die neben dem guten Zweck an der Schaffung pädagogisch wertvoller und geschmacklich einwandsrcier Spiele interessiert sind(z. B. Kunstgewcrbler, Lehrer und Mütter) sich am Weit- bewcrb beteiligten. Die näheren Bedingungen sind in der weschästsstelle der Berliner Wohlfahrtsvcrelnigung, Berlin W 35, Flottwellstratzc 4, zu erfahren. Da» Sekretariai der paneuropäischen Union in Deutschland e. V. ist von Wilbelmstr. 23 verlegt worden nach Berlin. Schöneberg, NordsternhauS, Nordsternplatz. Telephon: Stephan 1170—1172. Freie SoiloNstische hochschnle. Am kommenden Sonnabend, den 11. Dezember 1926, findet im großen Saal des ehemaligen Herrenhauses, Berlin, Leipziger Str. 3, ein Vortrag des Genossen Prof. Hermberg. Leipzig über da? Thema: WirtschattSdeinokratic und Sozialismus, statt. Karten zum Preise von 50 Pfg. sind an folgenden Stellen zu haben: Bureau des BezirkSbildungsauSfchusseS, Lindcnstr. 3, 2. Hof, links 3 Treppen. Zimmer 8; Buchhandlung I. H. W. Dietz. Linden- stiatze 2; Verband der graphischen Hilfsarhciter, Ritterstr., Ecke Luifenuler; Zigarrengeschäst Horfch, Engelnfer 2 1/25 tGewertschaftShaus): Verlag des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreibundilr. 5; Tabakocrtrieb, Jnselstr. 6;„Werlsreunde"-Bucherstuben, Potsdamer Str. 10t, sowie in allen VorwärtS-Spcditionen. berliner varietös. Die Scala läßt in diesem Monat wieder bewährte Artisten aus- marschieren: Die U e s s e m s, die man eine Weile nicht gesehen hat, fabelhaft sicher ohne Mätzchen, die A l l i s o n s etwas oufge- frischt im Akrobatischen und die gute komische Paetzold- Truppe mit ihren rasselnden und knallenden Rädern(der Entree- akt dieser Nummer ist wohl gut durchgedacht und in seiner grotesken Wirkung abgewogen, verdient aber trotzdem eine Erneuerung). Neu für Berlin ist eine mit guten Anlagen alisgestattete brasilianische Drahlseilkünftlerin M i a c a h n a, die ohne Schirm und Balance- stanze noch nicht absolut sicher, aber vielversprechend arbeitet. Stuart und C a m e r o n sind Tylophonkünstler mit exzentrischer Geste, ein wenig zu gewollt, aber nicht langwellig. Dann gibt es wieder R i st o r i, der im Tanzen und Bolteschlagen Violine spielt, immer noch so, daß man den Eindruck hat, er kann es sogar, wenn er ruhig auf beiden Beinen steht, und die M a r i o n e t t e n s p i e l e C h a r t o n s, die auch nicht neu für Berlin sind. Charwn gibt ein buntes Programm kleiner grotesker Szenen und übertrifft auf diesem Gebiete sogar die Spiele der Italiener, die augenblicklich in Berlin gastieren. Eine der besten Nummern steht diesmal im zweiten Teil des Programms: es ist der amerikanische Komiker C h a z Chase, der auf eine Weise Vernunft in Unsinn wandelt, daß man von innen heraus erschüttert wird. Er kaut auf un- nachahmlichc Art brennende Streichhölzer mit der Schachtel dazu und findet Vergnügen ain Genuß seiner Vorhenidchengarnitur. Im Hanlaassclüag, Beinschaden (Krampfadern), auch veraltete Wunden, Hautjucken und Flechten heilt die milde und wohltuende, seit lOOJahren bewährte San.*Rat D«*. SirahTs Haussal'oc. Ori�inal-Dose ä M. 1.25, 2.50. 4.30 versendet spesenfrei lW Elefanten-Apotheke, Berlin SW. 19. Leipziger Straße 74, am Dönhoffplat? Sandrini- Ballett, französischen Ursprungs, gefällt Mlle. K l o tz a, neben einigen Damen und Herren, die auch tanzen können, aber eben gerade nur das. Gautic-rs Hundepaniomime, die ohne sichtbare Direktion vor sich geht, hat man hier schon gesehen. Man läßt sich aber diese Art freundliche" Dressur gern gefallen, ebenso wie das bekannte Tohuwabohu de. M a ck ui e y- T r u p p c, die nach allem Brauch den Abschluß des Programms bildet. Lcnefizvorslellur.g der Stelllr.cr Sänger für die Herren Brition, Stcidl, Girardi, Brauer, Aachs am Doancislag, 9. Dezember. ES nclangt an diesem Abend u. a. das diesjährige große WeihnachtSprogramm zur Auf- jilhrung. BilletS sind schon jetzt an der Kasse zu haben. LawinenunglEck am Groste» St. Bernhard. Ain Dicnstagnachmittag wurden etwa 10 Mönche und Novizen des Hospizes auf dem Großen St. Bernhard, die sich auf der italie- nischen Paßseite im Skifahrcn üblen, von einer Lawine überrascht. Fünf Novizen wurden von der Lawine fortgc- rissen. Während zwei gerettet werden konnten, kamen drei ums Leben. Die Leiche eines der Verunglückten konnte noch nicht aufgefunden werden.__ Vlittelholzers Abflug nach Kapstadt. Der Schweizer Flieger Walter M i t t e l h o l z e r hat am Dienstag vonniitag von Zürich aus mit seinem Dornier-Flugzeug seinen 20 000-Kilometer- Flug nach der Südspitze Afrikas angetreten. Das Flugzeug führte 110 Kilogramm Post für Neapel, Athen und Alessandrien mit sich. Bis Neapel macht die Frau Mittelholzers die Fahrt mit. Der Flug des ersten Tages führte über 450 Kilometer bis Pisa. Schissszusammenstößc. Zwischen den Feuerschiffen Elbe 2 und Elbe 3 sind nach einer Meldung aus Hamburg der von London kommende Hamburger Dampfer„Lorenz R u ß" und der schwedische Dampfer„Ella", der von Rochesort kam, zusammengestoßen. Beide Schisse wurden ziemlich stark beschädigt und mußten in Hain- bürg aus Dock gelegt werden.— Der mit Kohle nach England aus- gehende englische Dampfer„Motto" ist bei Stadersand mit dem deutschen Segler„Erna" zusammengestoßen. Di«„Erna" ist gesunken. Großseuer aus einem holländischen paketdampser. Auf der Höhe von V i g o brach auf dem holländischen Pakeldampfer„M a s- dan" Feuer aus, wobei sich der Passagiere eine unbeschreib- liche Panik bemächtigte. Sie versuchten teils die Rettungsboote zu lösen, teils sich ins Wasser zu stürzen, so daß der Kapitän Befehl geben mußte, die Passagiere gewaltsam aus dem Hinterdeck zurück- zuhalten. Nach mehrstündiger schwerer Arbeit gelang es der Bc- satzung, das Feuer zu löschen. Der Dampfer lief im Hasen von Vigo ein und setzte die Passagiere an Land, deren Gepäck zum größten Teil verbrannt ist. Großer Erfolg der siamburgcr PclizeioiiisteUung. Noch dem Auster der oroßen Berliner VeranstalUing bat die Hamburger Polizei eine bis zum 12. Dezember dauernde PolizelauSslelluug' erösinci. die mit interesiantein Material aus allen Gebieten der früheren Justiz und des moderneii Polizei- weieirs ausgestaltet ist. Am Tage nach der Eröffnung konnte die AuZ- stellung über 15 000 Besucher zählen. Wetterbericht der öffentlichen wellerdienstslclle für Berlin und Umgebung, lNachdruck Verb.). Nebelig oder sta rk bewölkt, obne erhebliche Niederschläge TageStcmPeraturcn über Null.— Aür Deutschlaud. Im Südosten und äuffcrsteu Süden leichte Niederschläge, im Nordwesten etwas milder. B»>»>>>>>>>>>>»>>>>>>»»>»>»»»»>»»»»»»>>»>»>»»<<<<<<»<<<<<«<<<«<<<<<<■«<■<<*««<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<« Herren-Hosen nonjud&tbi«. wotlhalHg, haltbare OuaÜtäi..... 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Verband angehören UN» siir diele Zeil ihre P.ciitaae entrichtet haben,-»r-usgesetzt, dah sie in der Woche oom IS— 18. oezemder arbe tslos, kran! oder Invalide sind. Die Auszahlung srfo gt lür dis in Frag» lammenden Mitglieder mit den Anfangs- bud) stoben A+B am 13 Dezember, vormittags uvn 9 bis 12'/, Uhr, C+D am IS Dezember, nachmittag« von W/, hl. i Uhr. 64- P am Ii Dezember, oatmittag« von 8 bl« IB/, Uhr. Q+H am Ii Dezember, nachmittags van ich/, bi» 4 Uhr. J4K am>5. Dezember, vormittag» van S di« Ich/, Uhr. L4M om 15 Dezember, nachmittag, aon 12'/, bi, 4 Uhr. N— P am Ist. Dezember, vormittags ovo S bis 12'/, Udr, O— It am Ist Dezember, nachmittags non 12'/, bis 4 Uhr. s am 17. Dezember, vormittags von 8 bis 12'/, Uhr. T-4ll am 17 Dezember, nachmittag»»»« Ich', bis 4 Uhr. V— Z am Ist Dezember, vormittag» vvn 9 d„ 12'/, Uhr im Berbandsham». Linienstrasie 81/85, Parterrelaal /Schaiier 1— S) Ausweis Uber Erwerbslosigfeit. Strani. heit unb bei Inoaliben ihrer Erwerbs» unfsthialeit neb» Mitgliedsbuch sind bei Ksntrslle vorzulegen Invalide Mitglieder, die ihren Aufenthalt in Siechenbäusern oder Armen- anftaiten haben, mllsien eine Bescheinigung Uber den Aufenthalt in diesen Bnsiaileu und ebenfall» ihr Mitgliedsbuch einie/iden ober einen ihrer FamillenangehSrigrn beauftragen, diese Ausweile vorzulegen Ohne genügenden Ausweis erfolgt feine Anszahtuna. Es Wied ausdrücklich darauf aufmerffam zemacht, daß die feftgefeizteu Termine nnegeha'Ien werden müssen und lönnen Nachzügt erteinesweg bei ückfufitlgt werden, da die bememfvrechendea MitleUungen zeitig genug erfolgt sind. _ Ol« Orlsoenoattnoa Verkäufe Beachteamverti Teuische» Tepvichhau» Emi! Lefdvre seit 1882 nur Oranien strasie löst Keinerlei Beziehungen zur Mrma gleiche» Namen» Potsdamer, sirasie- öcli>?»lunq!3lllclck. u Teilzah lang, billig. Möbel-Misch.• reilzahlu-g. reell. 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Der abgeschlossene englische Bergarbeiterstreik war entstanden aus der Absicht der Unternehmer, die Kosten der dringend nötigen Umstellung und technischen Erneuerung des Bergbaus aus die Arbeiter abzuladen. Bor der Kohlenkommisfion haben die Unter- n e h m e r ganz eindeutig erklart, das einzige zum Ziel führende Mittel bestehe in einer Verlängerung der Arbeitszeit und einer Herabsetzung der Löhne. Dagegen meinten sie, daß sonst nur wenig zur Verbesserung der Organisation des Bergbaus getan werden könnte. Eine andere Einstellung gegenüber der Organisation des Bergbaus war von den Unternehmern nicht zu erwarten, denn sie würde eine Selbstanklag« bedeutet haben. Die Kohlenkommission war ganz anderer Meinung. Sie sprach in ihrem schriftlich erstatteten Bericht folgendes aus: „Unter den betriebenen Gruben befinden sich manche aus einer weit zurückliegenden Zeit, die nach den gegenwärtigen Anschauungen schlecht angelegt sind. Diese Mängel sind teils dos Ergebnis des hohen Alters unseres Kohlenbergbaus, teils des privaten und dadurch zersplitterten Eigentums an den Kohlenvorkommen mit seinen Einflüssen aus die Anlagen der Gruben: daneben kommen auch noch andere Gründe in Betracht. Viele Gruben sind zu klein, als daß sie gut« Betriebseinheiten abgeben, andere sind unzuläng- lich in der Ausrüstung, bei weiteren läßt die Betriebsleitung zu wünschen. Andererseits gibt es eine große Zahl von Gruben, die vorzüglich angelegt, ausgebaut und geleitet find." Die Vorschläge öer Kohlenkommisfion. Die Kohlenkommission trat der Forderung der Unternehmer nach Verlängerung der Arbeitszeit nicht bei. Nur eine Aenderung hielt sie für zweckmäßig. Die �2stündige Arbeitswoche vor Ort, die in sechs Arbeitstagen abgearbeitet wurde, sollte nach ihrem Vor- schlag künstig in fünf Arbeitstogen erledigt werden. Zu bemerken ist hier, daß in die siebenstündig« Schichtzeit des englischen Berg- manns die Ein- und Ausfahrt und der Weg vom Schacht zum Arbeitsplatz und zurück nicht einbegriffen war. wie dies in Deutsch- land üblich ist. Aus deutsche Begriffe zurückgeführt, bestand schon vor dem Streik die siebeneinhalb- bis fiebendreioiertelstündige Schichtzeit. Um den Bergbau ohne Subven klonen rentabel zu machen. befürwortete die Kohlenkommission eine Herabsetzung der Löhne. Sie meinte, daß diese in einer Zeit außerordent- l i ch e r Hochkonjunktur im englischen Bergbau, nämlich während und auch noch kurz nach der Ruhrbesctzung, sehr hoch getrieben worden seien und in einer Zeit wirtschaftlicher Depression nicht zu halten wären. Aber auch dann, so heißt es sinngemäß in dem Bericht, würden die Unternehmer in keinem Distrikt angemessene Gewinne und in vielen Distrikten überhaupt noch keine Gewinne erzielen. Wenn aber die Bergarbeiter eine gewisse Verlängerung der Arbeitszeit einer geringeren Herabsetzung der Löhne vor- ziehen sollten, dann würde das Parlament bereit sein, auch diese Maßnahme zu bewilligen. Die Kommission hoffte jedoch, daß dieser Schritt nicht nötig wäre. Das sollte wohl heißen, daß die Ar- bciter auf Verlängerung der Arbeitszeit auch in schlechter gestellten Bergwerksdistrikten möglichst nicht eingehen sollten, son- dem besser Lohnherabsetzungen zugeständen. Die Kommission be- fllrwortete auch die Beibehaltung der nationalen Lohnbasls, die sich durchaus bewährt hatte, nur sollte sie durch örtliche Ueber- einkommen ergänzt werden, die aber von einem nationalen Lohnamt zu genehmigen seien. Es handelt sich hier um eine Kompromißsormulierung, die aber erkennen läßt, daß das Notionalabkommen möglichst bestehen bleiben sollte. Daher auch der Vorschlao. örtliche Lohnabkommen der Aufsicht eines Nationalen Lohnamtes zu unterstellen. Dazu kamen weitere Vorschläge der Kohlenkommission: Familienzulagen aus nationaler Basis oder distriktsweise, Gewinnbeteilignna der Bergarbeiter, nach wieder- hergestellter Rentabilität bezahlte Ferien, und, kennzeichnend für die teilweise schondvollen Zustände im englischen Bergbau, die Ein- sührung fehlender Badegelegenheiten. Zalfihe Taktik.— Der Jehler. Es kann nicht bestritten werden, daß unter den Dorschlägen der englischen Kohlenkommission auch solche sind, deren Annohme für die Bergarbeiter nicht unbedenklich gewesen wäre. Vor allem hätten die Bergarbeiter bei der Annahme des Berichts in Lohnkürzungen eingewilligt. Andererseits aber brauchte keine Verlängerung der Arbeitszeit hingenommen zu werden. Es ist nicht leicht, die damalige Stimmung der Bergarbeiter in Eng- land zu beurteilen. Eine umsichtige Gewerkschastssührung aber hätle stutzig werden müssen, daß die Grubenbesitzer als erste den Bericht der kohlenkommission ablehnten. Sie hielten offenbar die Zeit zur rücksichtslosen Offensive für günstig. Aber auch der Bergarbeiter- verband lehnte die Borschlage ab. Das war, wie jetzt nicht mehr bestritten werden kann, ein Fehler. Die Verlängerung der Arbeits- zeit hätte durch die Annahme des Berichts abgewehrt werden können. Hätten dann die Unternehmer bei seiner Ablehnung ver- harrt, würde sich die gesamte össentliche Meinung Eng- l o n d s gegen sie gekehrt und zum Nachgeben gezwungen haben. Die öffentliche Meinung ist heute einer der wich- tigsten Faktoren für den Erfolg oder Mißerfolg von Arbeits- kämpfen. Als der Kampf begonnen hatte, führten bald die Erklärungen und teilweise wilden Reden der Bergarbeiterführung zum Verlust der tattischen Beweglichkeit. Ein Gewerkschaftsführer soll nicht mir reden, sondern auch in gewissen Situationen und über gewisse Ziele schweigen kön- n e n. Die Folgen der wilden Beredsamkeit waren, daß sich die Zentralleitung bei den Abschlußverhondlungen ausgeschaltet hatte, als die Streikenden ihres Rates am dringendsten be- durften. Die Regierung offensiv für öie Unternehmer. Als die Regierung vor dem nahen Ende noch einmal in den Kampf eingriff, unterbreitete sie den Bergarbeitern Vorschläge, die u.a. folgende Bedingungen enthielten: 1. Es sollten Kreistarise mit den Grasschaftsverbänden auf die Dauer von 3 Jahren vereinbart werden. 2. Voraussetzung zum Abschluß von Tarifen sei»er- l ä n g e r t e Arbeitszest und Verkürzung der Löhne. Mit diesen Vorschlägen machte die Regierung offenkundig, daß sie sich den Wünschen der Unternehmer im Lause des Kampfes voll- ständig genähert hatte. Das Ergebnis. Eine Delegiertenversammlung, die am 13. November stattfand, nahm dennoch die Regierungsvorschläge an. ober in den Distrikts- Versammlungen wurden sie abgelehnt. Schließlich näherte sich der Streik praktisch immer mehr dem Zusammenbruch. Eine neue Delegiertenversammlung, die dann am 20. November stattfand, stellte eigene Richtlinien für die Verhandlungen in den D i st r i k- t e n auf, die aber auch nicht mehr zur Durchführung gelangen konnten. Bezeichnend war, daß in diesen Richtlinien kein Wort über die Arbeitszeit, das Kernstück des Kampfes, mehr ent- halten war. Oft hat Cook, der Sekretär des Verbandes und Liebling der kommunistischen Presse in Deutschland, ausgerufen, daß er kein« Minute Arbeitszeitverlängerung hinnehmen werde. Am Ende mußten die Belegschaften eine Stunde hin- nehmen, ohne sich noch dagegen wehren zu können. Abgesehen von den Distrikten Nottingham und Norkshire, ist nach dem, was bis jetzt bekannt wurde, die achtstündige Arbeitszeit, einschließlich Ein- und Ausfahrt 8� Stunden, durchgeführt worden. Nur in Notting- ham und Porkshire wird die Arbeitszeit mit derjenigen des Ruhr- gebiets gleichkommen, d. h. sie beträgt einschließlich An- und Aus- fahrt acht Stunden. Die Lohnkürzungen betragen im Durchschnitt 15 Prozent. Vergleicht man dieses Ergebnis des Kampfes mit den Vor- schlügen, die von der Kohlenkommission gemacht wurden und damals mindestens durchzusetzen gewesen wären, dann muß man sagen, daß die Bergarbeiter eine schwere Niederlage erlitten haben. Das wird jetzt auch von Cook zugegeben. Es wäre aber die Aufgabe der Führung gewesen, dieses Ergebnis zu verhindern. Der Verlauf des Kampfes hat gezeigt, an welchen Stellen und mit welchen Mitteln die offene Niederlage von heut« ein starker A b- wehrsieg der Bergarbeiter hätte sein können. An Auseinandersetzungen über diesen Kampf wird es in der englischen Gewerkschaftsbewegung nicht fehlen. Aber auch die organisierte Ar. bciterschaft aller anderen Länder wird in ihren Kämpfen die wich tigen Lehren nachdrücklich zu beachten haben, die der so Helden- mütig geführte, schließlich aber nicht ohne eigene Schuld verlorene englische Bergarbeiterkampf gezeittgt hat. Heinr. Löffler. Der neue Nohüe-Konzern. Der Stumm-Konzeru nach der Umstellung. Unter dem Druck der Großbanken, die Ende vergangenen Jahres für die leichtsinnig auf 50 Millionen Mark angc- laufcnen Wechselschulden gutstanden, hat der Stumm- Kon zern einen beträchtlichen Teil seiner Betriebe zur Ablösung der U n t e r st ü tz u n g s g e l d e r abstoßen müssen. Wie be- könnt, sind einige wertvolle Unternehmungen vom Ruhr- montantrust aufgekauft worden. Der Gelsenkirchcner G u ß st a h l k o n z e r n dagegen ist. zum großen Teil in den Besig von Paul Rohde, dem ehemaligen Inhaber der Metallhandels- sirnia Otto Mansfeld u Co. in Berlin, übergegangen. Die zahl- reichen Metall- und Stahloerarbeitungsgesellschaften des Rohde- Konzerns(Ankerwerke, Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik Pittler. Nähmaschinen- und Fahrradiabrik Stocwer usw.) benötigen viel Stahlsormguß und finden durch den Erwerb de, Gelsenkirchener Gußstahlkonzerns eine gute Produktionsgrundlage. � Der Gelsenkirchener Guhstahlkonzern selbst be- darf allerdings eines völlig neuen finanziellen Aufbaues, da die Mißwirtschast der Stumm-Leute auch hier viel verdorben hat. Das Stumm Unternehmen, die Gelsenkirchener Gußstahl- und Eisen- werke A.-G., weist in der Bilanz vom 31. Juli IS26 einen Verlust von 1,3 Millionen Mark aus. Außerdem erweisen sich als notwendig 3,6 Millionen Mark Sonderabschreibungen, weil die Anlagewerte m der Goldmarkeröffnungsbilanz zu hoch angesetzt waren, und 3,5 Millionen Mark, um Darlehen an Tochtergesellschaften tilgen zu können. Insgesamt i st also ein Verlust von 8,3 M il- l i o n« n Mark bei einem Aktienkapital von 4,5 Millionen zu verbuchen. Die Sanierung erfolgt nun so. daß das Aktienkapital auf 1,5 Millionen herabgesetzt und wiederum auf 6,5 Millionen MUrk erhöht wird. Die neuen Aktien gehen völlig i n d e n Besitz de« Rohde-Konzerns über, die Stumm-Leute scheiden aus denr Aufsichtsrat aus. Welche inneren Reserven durch die Sonderabschreibungen entstehen, kann man daran erkennen, daß die Anlagewerte anstatt mit 8,2 mit 5,6 Millionen Mark ausgewiesen werden. Bei den Annener Guß st ahlwerken, einem zweiten wichtigen Konzemuntemehmen, ist die Entwicklung die gleiche. Hier müssen 1,7 Millionen Mark ausgebracht werden für Ver- lustdeckung und Sonderabschreibungen. Auch hier findet eine Kapital- Zusammenlegung der IL Millionen im Verhältnis von 9: 2 und eine Erhöhung auf 1 Million statt Das Anlagevermögen wird noch der Sanierung mit 0, 9 M i l l i o n e n, vorher mit 2, 1 M i l- l i o n e u Mark ausgewiesen. Der Ruf nach öem Kartell. Wo das Preiskartell noch nicht die Untüchtigkeit und den man- gelnden Wagemut der deutschen Unternehmer schützt, da ertönt laut der Ruf nach dem Kartell. So heißt es in den jüngsten Geschäfts- berichten der Walzwerke„Geisweider Eisenwerke" (Thyssenkonzcrn!) und„Ea p i t o u. Klein"(Krupp!) überein- stimmend, daß die Gründung eines Feinblechoerbandes zur Hebung der Preise dringend notwendig sei. Die Absicht der beiden Unternehmungen sst klar: sie wünschen durch ein Hochschrauben der Blechverkaufspreise trotz ihrer durch die Wirtschaftsdepression stark oerminderten Produk- tion derartig auf ihre Kosten zu konunen, daß sie kein Risiko zu übernehmen brauchen, um aus der herrschenden Krisis durch eigene Anstrengungen und neue Ideen herauszukommen. Angesichts der beträchtlichen Produktions einschränkung geht es den Werken durchaus nicht schlecht. Die„Geisweider Eisen- werke" weisen nach Abzug aller Unkosten und Steuern einen Rohgewinn von 201 090 M., die„C a p i t o u. Klein" von 59 009 M. aus. Die„Geisweider Eisenwerke" benutzen diese Summe zu reichlichen Abschreibungen, so daß also der innere Wert des Unternehmens keinen Schaden leidet. Und wenn die „E a p i t o u. Klein A.- G." schließlich zu einem Verlust von 288 000 M. gelangt, so ist daran nicht der Betrieb, sondern eine falsche A n g l i e d e ru n g s p o l i t i k der Verwaltung schuld, die zur Abschreibung von 200 000 M Beteiligungen an den Matthes-Fischer-Werken in Düsseldorf und von 82 000 M. Forderungen an diese Firma führte. Bemerkenswert ist noch, daß beide Walzwerke von einem größeren Auftragseingang seit Mitte dieses Jahres sprechen. flus öer Drahtinöufirie. In den jüngsten, am 31. Juni 1926 abgeschlossenen Bilanzen von Unternehmungen aus der D r a h t i n d u st r i e findet man neben den Klagen über die schlechte Konjunktur de» vergangenen Geschäftsjahres hoffnunsfreudige Äeußerungen über einen beginnenden Umschwung. Charakteristisch sind Äeußerungen wie die der„Süddeutschen Drahtindustrie A.-G." in Mannheim, die schreibt:„In den letzten Monaten hat tOas fagf öer 25ar? KON LINON c$Peunde gewinnen können heifjt-- Fneund schaff verdienen. Er Sie liebe Berliner, was es bedeutet, sagen zu dürfen-- JOSETTI JUNO Berlins meistger Cigar sich die Absatzmöglichkeit gebessert: die Werke werden laufend mit Austrägen versehen." Oder die„Osnabrücker Kupfer- und Droht werk A.- 0." führt aus:„Im neuen Geschäftsjahr ist für einen Teil der Erzeugung der bisher verlustbringend war, eine Besserung eingetreten. Dies bezieht sich vor allem aus Eisen- und Stahldrähte, für welche in den letzten Monaten günstigere Verkaufspreise erzielt werden kannten. Einen U eb erblick über die Abschlüsse einiger Firmen der Drahtindustrie bringt nachfolgend« Ausstellung: Von den vier Werken verteilen die Süddeutsche Drahtindustrie A.-G., Mannheim, 5 Proz. und die chindrichs-Aussermann-Werke, Barmen, 6 Proz. Dividende Gebesserte tage in der Maschlnenindustrie. Vom Verein Deutscher Maschinenbauer wird uns geschrieben, daß es den Anschein gewinne, als ob auch die Maschinenindustrie nach dem langen An- halten der tiefen Depression am Ansang einer wenn auch geringen Besserung der Wirtschaftslage stünde, die allerdings nur ganz allmähliche Fortschritte machen dürste. Es ergab sich im Gesamt- durchschnitt eine weitere Zunahme des Eingangs von Anfragen und Auftrögen. Am stärksten nahm die Anfragetätigkeit der In- l a n d s kundschaft zu: aber auch vom Ausland liefen mehr Ankrngen ein als im vorhergehenden Monat. Der Zugang von Jnlandsauf- trägen steigerte sich zwar noch nicht in dem Maße wie die Anfragen, war jedoch ebenfalls höher als im Oktober. Etwas stärker nahmen die Auslondsabschlüsse zu. Die Meldungen lassen auch er- kennen, daß sich allmählich wieder ein gewisser Austrogsbe- stand bildet, der wenigstens für einige Zeit eine gleichblei- bende Beschäftigung sichert. Unter den Firmen, die noch verkürzt arbeiten, machen die Betriebe mit stärkerer Arbeitszeit- Verkürzung(mehr als 8 Stunden wöchentlich) kaum noch mehr als 1l> Proz. aus. Verstärkungen der Belegschaften konnten bis jetzt nur in beschränktem Maße-vorgenommen werden. Im einzelnen liegen nur bei der Landmaschtnenindustrie Rückgänge der Aufträge vor, während die Lage des Lokomotivbaus als noch immer ganz un- befriedigend bezeichnet wird. Mehr Aufträge bei Schwartzkopff. In der Generalversammlung der Berliner Maschinenbau A.-G. vorm. L. Schwartzkopsf wurde mit- geteilt, daß im laufenden Geschäftsjahr weiterhin einige Aufträge hereingekommen sind und der Stand der Arbeiterschaft er- höht werden konnte. Die infolge der durchgeführten Konzentra- tionspolitit gesunden finanziellen Verhältnisse der Gesellschaft werden, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, voraussichtlich ge- statten, auch das lausende Geschäftsjahr verhältnismäßig g ü n st i g abzuschließen. Zur Sanierung der Waggon- und Maschinenbau A.-G. Görlitz. Di« Loge der deutschen Waggonindustrie ist ungünstig, wie wir schon mehrfach ausführlich darlegten. Der Bedarf der Reichsbahn ist so stark zurückgegangen, daß die volle Inanspruchnahme vielleicht schon einer einzigen der großen Firmen ihn befriedigen könnte. und der Konkurrenzkampf drückt naturgemäß auch die Preise der hereinkommenden Auslands auftrage. Daß aber nicht nur die äußeren llmstände, sondern auch eine falsche llnternehmer, pB/litik an der schlechten Lage der deutschen Waggonindustrie Schuld trägt, dafür ist die Waggon- und Maschinen- b aA A.»G. Görlitz ein besonders anschauliches Beispiel. Diese Gesellschaft, die ihr Geschäftsjahr 1925/26 mit einem Gesamt- oerlust von Millionen Mark abschließt und zum Zweck der Sanierung ihr Aktienkapital von 12,12 Millionen a u s 8,94 Millionen Mark zusammenlegen muß, erhält heute ihre Quittung für ihre Sünden der Inflation s- zeit. In übertriebenem Maße hatte sie sich in den Jahre 1921 bis 1 928 pr�>duktionsfremde Betriebe angegliedert, die sich nur während der Scheinblüte des Währungsverfalls rentierten, später aber wieder in ihre frühere Unrentabllität zurückfielen. Die Waggonfabrik Görlitz vermochte nicht, diese Fremdkörper ihrem Organismus anzupassen, zumal auch ihre finanzielle Lage iir der Nachinflationszeit eine gespannte war, weil der Gesellschaftsvorstand sich mit Materialien übernommen hatte. Nur das Eingreifen der Görlitzer Stadtverwaltung, die für 4 Millionen Mark Bürgschaft leistete, hat damals den Zusammenbruch der Firma verhindert. Eine grundlegende Umgestaltung erweist sich- aber nunmehr doch als unumgänglich. Ein Teil der in der In» flationszeit angegliederten Werke soll verkauft werden: neben der scharfen Kapitalzusammenlegung sollen f ü r Z,06 Millionen Mark neue Vorzugsaktien ausgegeben werden, die das Recht einer achtprozentigcn Vorzugsdividende genießen und von denen die Stadt Görlitz zur Ablösung ihrer Bürgschaftsverpflichtung 1 Million übernimnit. Damit hofft die Firma, wieder auf eins gesunde Basis gestellt zu werden, was im Interesse der durch die Fehler der Unternehmungslcitung hart bedrängten Arbeiterschaft der Werke dringend zu wünschen wäre. Ju� Falle der G o t h a e r Waggonfabrik hat der Magistrat der Stadt Gotha die Ueber- nähme eines Pakets junger Aktien von ebenfalls 1 Million übrigens abgelehnt. Die Hamburg-Bremer Werstcnsusion perfekt. Der von uns angekündigt« Zusammenschluß mehrerer Wersten ist verhältnismäßig schnell zur Durchführung gekommen. In der Tagesordnung ihrer auf den 28. Dezember«inberufenen Generaloersammlungen schlagen die Weserwerst A.-G., die I. C. T e ck l e n b o r g A.-G- und die Stettiner Vulkanwerft(diese nur für ihr« hombur- g e r Werftanlagen) die betriebliche Fusion vor. Die auf- nehmende Gesellschaft ist die Weser wer st, die ihr Kapital von 7,5 auf 20 Millionen erhöhen wird. Von der Erhöhung kommen nach den vorliegenden Meldungen 6,12 Millionen zum Aktienumtausch an die Tecklenborgwerft, und 3,30 Millionen erhalten die Stettiner Vulkanwerke für ihre Hamburger Anlagen. Ein Rest von 3,08 Millionen neu« Aktien geht an ein Konsortium. Unklar ist noch die Verwendung dieses Aktienpakets. Möglich sind weitere Anschlüsse: wahrscheinlich aber ist die Verwendimg des Pakets zur Beschaffung von Betriebsmitteln. Der doppelte Druck, der auf den Gesellschaften von feiten der Banken und auch des Norddeutschen Lloyd lag, der den Auftrag eines 3 5 00 0 Tonnen Personenschnelldampfers von dem Zu- sammenschluß abhängig machte, hat das anfänglich« Widerstreben der Gesellschaften also schnell zu überwinden vermocht. Die Reichspost im Oktober. Die Deutsche Rekchspost veröffent- licht ihren Monatsbericht für Oktober 1926. Danach hat sich der Verkehr in fast allen Geschäftszweigen gehoben und teilweise höhere Monatsziffern erreicht als in den vorauf- gegangenen Monaten des Wirtschaftsjahres. Die Zahl der Post- scheckkunden erhöhte sich im Berichtsmonat um 3383 auf 886 543. Das Guthaben hat am Monatsende mit 542 Millionen Mark seinen höchsten Stand seit Beginn des Kalenderjahres erreicht. Der Telegrophenverkehr zeigte eine erhebliche Steigerung. Ueber 3'A Millionen Telegramme wurden im Oktober aufgeliefert. Auch der Sprechverkehr hat sich der Aufwärtsbewegung angeschlossen. Die Zahl der Sprechstellen erhöhte sich um 10 756 auf 2 606 733. Der Auslandsfunkverkchr ist gegen den Vormonat um fast 18 Proz. gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 17 Proz. gestiegen Die Zahl der Rundfunkteilnehmer hat um über 39 000 zugenommen und betrug Ende Oktober 1285 631. Der ge- stiegene Berkehr hat auch erhöhte Einnahmen gebracht: hierdurch hat sich die Finanzlage der Deutschen Reichspost etwas er- leichtert. Im Oktober wurden rund 162 Millionen Mark ein- genoinmen und 141 Millionen Mark ausgegeben. Im ersten Wirt- jchaftshalbjahr betrugen die Einnahmen 809 Millionen, die Aus- gaben 831 Millionen Mark. Die ersten fechsprozentigen Pfandbriefe. Die Preußische Hypotheken-Aktienbank hat beschlossen, mit der Ausgab« von sechsprozentigen Goldpfandbriesen zu beginnen. Sie geht dabei von der Erwägung aus, daß auch dieser verhältnismäßig niedrig verzinslich« Goldpfandbrief ohne Schwierigkeiten Käufer finden müsse, nachdem die niedrigen Geldmarftzinsen auch den bisher billigsten deutschen Pfandbrieftypus, den fiebenprozentigen, dem Paristand bereits angenähert hat. In diesem Versuch kommt ein großes Vertrauen in die Fortdauer, nach der letzten An- spannung bester Wiederkehr der starken Flüssigkeit des Geld- Marktes zum Ausdruck, auf die man aber eigentlich nur dann bauen darf, wenn man keine entscheidende Besserung der Wirtschasts- lag« erwartet. Immerhin sst der Versuch zu begrüßen, weil die Nachfrag« nach dem neuen Pfandbrief«ine interessant« Probe darauf sein wird, ob Kapitalmarkt und Geldmarktlag« den niedrig verzinslichen Pfandbrief bereits vertragen. 45-ZNUlionen.Anleihe für die„Bing". Die Vereinigten Industrie- Unternehmungen A.-G.(Viag), die Dachgesellschaft der gewerblichen Unternehmungen des Reiches steht vor dem Abschluß einer Anleihe über rund 45 Millionen Mark, die für den inneren Ausbau der Viag-Unternehmungen neue Mittel bereitstellen soll. Auch sollen aus dem Erlös Kredite zurück- gezahlt werden, die früher für den gleichen Zweck aufgenommen worden waren. Die Anleih« wird mit 20 Millionen Reichs- mark von dem in der Viag vertretenen Bankenkonsortium i n Deutschland ausgelegt, und zwar als 2öjährige, mit 7 Proz. verzinsliche und zu 96 Proz. aufzulegende Inlandsanleihe. Sechs Millionen Dollar werden von dem Bankhaus Harris, Fordes u. Co. als löjährige mit 6(4 Proz. verzinsliche Anleih« zu 97)4 Proz. in New Bork ausgegeben. Werkzeugmaschinen auf Abzahlung. Zwischen der Interessen- Vereinigung des Werkzeug- und Werkzeugmaschinen- Handels E. D., der die Mehrzahl der Fachgeschäfte angehören, und der„Tita g", der Tochtergesellschaft des Eommcreial Investment-Trust, ist ein Vertrag geschlossen worden, der den Mitgliedern der Jnteressenvereiniguna die Möglichkeit bietet, das im Werkzeug- Maschinenhandel schon von jeher übliche Teilzahlungsgeschäft auf eine breitere Grundlage zu stellen. Der Maschinen- und Werkzeugkauf auf Abzahlung erfolgt in der Hauptsache durch Hand- werkerkreise und Kleinfabriken. Verluste bei der Lervusa A.-G. in Berlin. Die Cervusa Kakao- und Schokoladenfabrik A.-G. in Berlin wurde im Jahre 1922 mit einem Kapital von 300 000 Mark gegründet. Das Unternehmen arbeitete von Anfang an unrentabel. Der Ertrag einer Kapitals- erhöhung von 200 000 Mark mußt« zur Deckung laufender Ausgaben verwendet werden. Für 1924 wurde noch«in bllanz- mäßiger Gewinn von 15 000 Mark ausgewiesen. Die Bllanz für das Geschäftsjahr 1925 schloß aber mit einem Verlust von 190 000 Mark. Zur Sanierung wurden 300 000 Mark Aktien eingezogen. Die Verlust« werden«ine Reorganisation auch dann notwendig machen, wenn die heftigen Vorwürfe der Opposition gegen die Geschäftsführung nicht berechtigt fein sollten. Der Bergbau in der Provinz Sachsen. Nach den vorläufigen Ergebnissen der gewerblichen Betriebszählung in her Provinz Sachsen dienten der Gewinnung von Rohbraunkohl« und Braunkohlenbriketts am Zähltage, dem 16. Juni 1925, 115 Betriebe mit 31582 Personen. Ueber die Hälfte der Arbeiter- zahl war in kombinierten Betrieben des Bergbaus und der Brikett- Herstellung beschäftigt. Auf der Braunkohlengewinnung baut sich eine weiterverarbeitende Industrie auf.— Im reinen Kalisalz- b e r g b a u arbeiteten 18 Betriebe mit 2753 Personen, in der Kom- bmation Kalisalzbergbau und chemische Industrie 13 Betriebe mit 5386 Personen Die Gewinnung von Erzen findet sich durch 18 Betriebe mit 11 608 Personen vertreten. Ohne den Eisenerz. bergbau verbleiben 13 Betriebe mit 11 328 Personen, die im wesem- lichen den Mansfelder Kupferbergbau repräsentieren. Im Anschluß an den Bergbau ist in erster Linie die chemische Großindu- st r i e zu nennen, die dem Braunkohlenbergbau durch ihr Auf- treten als Großabnehmer den Antrieb zu seinen heutigen Leistungen gegeben hat. Größere Umsähe, aber noch Verlust nach der Umstellung. Die zum Konzern der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen ge- hörenden Bolta-Werke Elektrszitäts- A.-G., Berlin, die nach einem Verlust von 274 000 M. bei 600 000 M. Aktienkapital im vorigen Jahre saniert werden mußte, hat auch nach der Sanierung wieder mit einem Verlust, und zwar von 157 000 M. abgeschlossen. Obwohl sick die Umsätze offenbar stark gesteigert haben, wie sich aus der Erhöhung des Bruttogewinnes von 0,24 auf 0,44 M. ergibt, wurde der Mehrertrag durch die von 0,38 auf 0,50 M. gestiegenen Handlungsunkosten zum großen Teil aufaezehrt. Der Verlust ergab sich, obwohl die hohe Zins- belastung"von 108 000 auf 27 000 M. zurückgegangen ist. Der Verlust wird durch Auflösung zweier Reserven im Betrag von 86 000 M. auf 71000 M. verringert und in das nächste Jahr vor- getragen. Die Schulden sind bedeutend, von 0,91 auf 1,56 Mill. gestiegen, wofür die auf 326 000 M.(178 000 M. im Lorjahr) gestiegenen Forderungen und der von 0,78 auf 1,14 Millionen erhöhte Warenbestand noch keinen Ausgleich schaffen. Der Geschäfts- b e r i ch t führt den ungünstigen Abschluß selbst nur auf die hohen U m st e l l>i n g s k o st e n für Betriebe und Verwaltung, nicht auf die Geschäftslage zurück, so daß die endgültige Renta- b i l i t ä t des Betriebes, der durch feine Zugehörigkeit zu kapital- starken und rentablen Konzernen ohnehin nicht gefährdet ist, wohl nur eine Frage der Zeit sein wird. JstJhi'Haar blond? Dann erhalten Sie ihm seinen schimmernden Goldglanz! Sein natürliches Pflegemittel, die altbewährte Kamille, war früher nur umständlich anzuwenden. Heute ist's bequem o. einfach: benutzen Sie„Schwarzkopf- Kamillen- Haarwäsche", Wödientl. einmal. Die 2 Mk.- Flasche reicht monatelang. Sckwatskopf ulaar mmyfduröi Seife-krqßgi durch Kamiüa AN ALLE„URBIN"-FREUNDE! Ein Beweis für die Beliebtheit des Namens„ U r b i n" ist der Massenandrang zu den Urbin-Weihnachts- Kinderfesten in der Neuen Welt, Hasenheide. Obwohl wir eines der grössten Etablissements wählten und trotz Ausgabe einer beschränkten Anzahl von Eintrittskarten konnten wir nicht verhindern, dass infolge des ungeheuren Massenandranges tausende von Gästen ohne gültige Eintrittskarten die Festräume betraten. Zu unserem Bedauern waren wir gezwungen, wegen Ueberfüllung die Säle zeitweise zu schliessen und so kam es, dass manche Inhaber gültiger Eintrittskarten keinen Einlass mehr finden konnten. Wir machen darauf aufmerksam, dass wir infolgedessen gezwungen sind, schärfste Kontrolle der Eintrittskarten durchzuführen. Es werden nur noch diejenigen Gäste zugelassen, die im Besitz von Karten mit dem richtigen Datum sind. Die gelben Karten gelten von 4— 6 Uhr, die blauen Karten von 6—8 Uhr. Diejenigen, die wegen der Ueberfüllung am Eröffnungstage unserem Feste fernbleiben mussten, hoffen wir durch unsere hübschen Urbinspiele ein wenig zu entschädigen und weiterhin als unser� Freunde betrachten zu können. Die Urbinspiele gelangen von jetzt ab in allen einschlägigen Geschäften zur Verteilung. Urbin-Fabrik Urban& Lamm, Charlottenburg Unterhaltung unö Ä9issen Die Vitzbolöe von Neu-Gibbon. 2� Von Jack London. Slief und Wallenstein packten den Schwarzen je an einer Seite und hiellen ihn fest. Und der Mann sträubte sich aus allen Kräften und biß die Zähne über der Zange zusammen. Die Gruppe schwankte hin und zurück. Die Anstrengung war so groß, daß allen der Schweiß von der Stirn troff. Der Stuhl, auf dem der Schwarze gesessen hatte, war er umgestürzt, und er wand sich vor Schmerzen. Kapitän Word, der sich gerade einen Whisky eingoß, hielt in dieser Beschäftigung inne. nur um sie mit Zurufen anzufeuern. Worth ermahnte seine chelfer. festzuhalten, und arbeitete selbst wie toll. Er drehte an dem Zahn, daß er knackte, und dann versuchte er es mit einem plötzlichen Ruck. Keiner von ihnen bemerkte einen kleinen Mann, der die Treppe heroufhumpslte und dann stehenblieb und zusah. Koho war konser- vatw. Seine Vorfahren hatten nie Kleider getragen, und er trug auch keine, nicht einmal einen Lendenschurz. Die vielen leeren Löcher in Nase, Lippen und Ohren zeugten von seiner längst oer- gangenen Putzsucht. Die Löcher in seinen Ohrläppchen waren auf- gerissen, und die Fetzen welken Fleisches, die ihm ganz bis auf die Schultern hingen, zeigten, daß sie von ansehnlicher Größe gewesen waren. Jetzt besaß er nur noch Sinn für das Nützliche und hatte sich daher in eines der sechs kleinen Löcher in seinem rechten Ohr eine kurze Tonpfeife gesteckt. Um den Leib hatte er sich einen ein- fachen Gürtel geschnallt, und darin steckte die scharfe Schneide eines langen Messers. Außerdem hingen am Gürtel sein Betelnußbambus und die Kalkdose. In der chand hielt er eine kurzläufige, groß- kalibrige Sniderbüchse. Er war unbeschreiblich schmutzig und am ganzen Leib voller Narben, am schlimmsten war die, welche eine Lee-Enficld-Kugel an seinem linken Bein hinterlassen hatte, das nur halb so dick wie das andere war. Sein eingefallener Mund ließ darauf schließen, daß nicht mehr viel Zähne übrig waren. Gesicht und Körper waren eingeschrumpft, aber seine kugelrunden, schwarzen Augen, die klein waren und dicht beieinander saßen, waren ganz klar, und ihr ruhiger, besorgter Blick erinnerte mehr an einen Affen als an einen Menschen. Er sah und grinste vor Vergnügen wie ein Aesfchen. Die Freude, die er beim Anblick des leidenden Patienten empfand, kam ihm aus dem cherzen, denn die Welt, in der er lebte, war voll von Qualen. Er hatte selbst ein gut Teil davon gehabt und dafür gesorgt, daß andere noch mehr bekamen. Als der Zahn aus dem Kiefer und die Zange mit einem nervenzerreißenden Geräusch über die anderen Zähne des Patienten und zu seinem Munde herausfuhr, leuchteten die Augen de» alten Koho geradezu auf, und er betrachtete mit Freude den armen Schwarzen, der brüllend zu Boden gesunken war und sich den Kopf mit beiden Händen hielt. .Ich glaube, er wird ohnmächtig/ sagte Gries und beugte sich über das Opfer..Geben Sie ihm einen Schnaps, Kapitän Ward. Sie nehmen am besten auch gleich einen. Worth. Sie zittern ja am ganzen Leibe/ „Ich glaube, ich nehme auch einen/ sagte Wqllenstem und wischte sich den Schweiß vom Gesicht. Da bemerkte er Kohos Schatten und wurde dadurch auf den alten Häuptling aufmerksam. „Hollo! Was ist das für einer?" „Ach. das ist Koho/ sagte Gries liebenswürdig, aber ohne ihm die Hand zu reichen; er wußte Bescheid. Es war nämlich eines von Kohos, ihm von den Teufel-Teufel- Medizinmännern bei seiner Geburt auferlegten Tambos, daß sein? Haut nicht mit der eines weißen Vtannes in Berührung kommen durfte. Worth und Kapitän Ward von der Wonder begrüßten Koho, Worth bezeigte jedoch sofort seine Unzufriedenheit, als er die Snider- büchse erblickte, denn eines seiner Tambos war, daß kein Busch- mann, der die Plantage besuchte, Waffen tragen durfte. Büchsen hatten die unangenehme Eigenschaft, plötzlich loszugehen. Er klaschte in die Hände, und ein schwarzer Hausboy aus San Christobal kam angelaufen. Auf einen Wink von Worth nahm er dem Gast die Büchse ab und brachte sie ins Haus. „Koho/ sagte Gries und zeigte ihm den deutschen Regierungs- kommisiar.„Dies groß fella Herr gehören Bougainville— mein Wort, sehr groß fella Herr." Koho, der sich noch gut an den Besuch des deutschen Kreuzers entsann, lächelte, wobei ihm die unangenehmen Erinnerungen beut- lich auf dem Gesicht geschrieben standen. „Reichen Sie ihm ja nicht die Hand, Wallenstein/ warnte Gries. „Tambo, verstehen Sie." Dann wandte er sich wieder zu Koho...Mein Wort, du werden zu dick, du machen stopp. Du bald nehmen dich neu fella Mary (Frau), he?" „Zu alt fella mich," antwortete Koho und schüttelte betrübt den Kopf.„Mich nicht mögen Mary. Mich nicht mögen Kai-kai(Essen). Alles fertig für mich." Er warf einen sehnsüchtigen Blick aus Worth, der gerade den Kops zurücklegte und ein großes Glas hinuntergoß. „Mich mögen Rum." Gries schüttelt« den Kopf. „Tambo für schwarz fella." „Er schwarz fella nicht Tambo," protestierte Koho und wies auf den Arbeiter, dem der Zahn gezogen war. „Er fella krank," erklärte Gries. „Mich sella auch krank." „Du fella großer Lügenpeter," lachte Gries.„Rum Tambo, immer Tambo. Hör', Koho, wir haben groß Rede mit dies groß fella Herr." Und er, Wallenstein und der alle Häuptling setzten sich auf die Veranda, um ihre Staatsaffären zu verhandeln. Sie machten Koho Komplimente, weil er Frieden gehalten halle, und er schwor immer wieder mit Hinweisen auf seine Altersschwäche, daß er jetzt in alle Ewigkest Frieden halten würde. Dann erörterten sie den Plan, zwanzig Meilen weiterhin an der Küste eine deutsche Plantage an« zulegen. Der Boden müßte natürlich Koho abgekauft werden, und der Preis wurde in Tabak, Messern, Perlen, Körben, Walzähnen und Perlmuttergeld— in allem möglichen, nur nicht Rum— berechnet. Während der Unterredung beobachtete Koho durch das Fenster, wie Worth drinnen Medizin mischte und die Flaschen wieder in die Hausapotheke stellte. Ferner sah er, wie der Verwalter seine Arbeit damit beschloß, daß er einen Whisky nahm. Koho merkte sich genau, wo er die Flasche, aus der er sich einschenkte, hin- stellte. Obgleich er aber noch eine geschlagene Stunde noch Schluß der Konferenz sitzen blieb, fand er keine Gelegenheit, sich ins Zimmer zu schleichen: es war immer jemand drinnen. Als Gries und Worth sich dann niedersetzten, um über ihre Geschäft« zu reden, gab Koho sein Vorhaben auf. „Mich gehen auf Schoner," sagte er und humpelte ab. „So endet alle Größe auf Erden," lachte Gries. Wenn man bedenkt, daß das der furchtbarste, blutrünstigste Mörder auf den Salonwninseln war, daß er den Kampf mit zwei der ersten Groß- mächte der Welt aufgenommen hat, und jetzt kommt er an Bord, um uns einen Schnaps abzuluchsen." ZlWge kohle. in Flütsigteit..." Es war das letztemal, daß der Superkargo der Wonder einem Eingeborenen einen Streich spielle. Er war gerade in der Kajüte dabei, eine Liste über die' Waren aufzustellen, die mit den Wal- booten an Land geschafft wurden, als Koho die Kajütstreppe her- untergehumpell kam und sich ihm gegenüber an den Tisch setzte. „Mich gleich ganz sterben." wimmerte der alle Häuptling. Alle- Lebensfreude schien ihn zu verlassen zu haben.„Mich nicht möge» Mary. Mich nicht mögen Kai-kai. Mich zuviel krank sella." Es folgte eine lange Pause, in der sein Gesicht unsagbare Sorge um seinen Leib ausdrückte, den er mit allen Zeichen des Schmerzes zärtlich streichelte. „Bauch gehören mich zuviel krank," wieder folgte eine Pause, die offenbar eine Aufforderung an Denby bedeutete, seine Meinung zu sagen. Schließlich mit einem Uesen Seufzer.„Mich mögen Rum." Denby lachte herzlich. Der alte Kannibale hatte ihm früher schon wiederholt Schnäpse abgeluchst, und das strengste Verbot, das Gries und Mac Tavish ausgestellt hatten, galt gerade dem Ausschank von Alkohol an die Eingeborenen von Neu-Gibbon. Das Unglück war, daß Koho auf den Geschmack gekommen war. Er hatte die Freuden des Trinkens in früheren Tagen nach einem Ueberfall auf den Schoner Dorset kennengelernt, mußte aber damals die Freude mit allen anderen Männern des Stammes teilen, und so hatte der Vorrat nicht so weit gereicht. Als er später mit seinen schwarzen Kriegern die deutsche Plantage überfallen hatte, war er klüger gewesen: er legte gleich Beschlag aus alle Trinkwaren. Das Ergebnis war natürlich ein einzig dastehender prachtvoller Rausch gewesen, die gemeinsame Wirkung von einem Dutzend verschiedener Spirituosen, von Bier mll Chinin bis zu Aprikosenschnaps. Der Rausch hatte monatelang gedauert, und als er vorbei war, saß Koho da mit einem Durst, den erst der Tod löschen konnte. Wie alle Wilden hatte er eine Neigung für starke Getränke, und jetzt hungerte jede Fiber seines Körpers danach. Er sehnte sich nach dem ange- nehmen Gefühl, wenn die Würmer in seinem Hirn krabbelten, nach dem seligen Frieden und dem Wohlbefinden, das der Rausch ihm schenkte. Und je älter, je überdrüssiger er der Weiber und Feste wurde, je mehr sein alter Haß ausbrannte, desto größer wurde seine Sehnsucht nach dem lebenserneuernden Feuerstrom, der sich, aus Flaschen ergoß— aus jeder Art von Flaschen, er erinnerte sich deutlich des Geschmacks jeder einzelnen Sorte, die er versucht hatte. Stundenlang konnte er jetzt in der Sonne sitzen und der Erinnerung an die gcwalttgen Orgien nachhängen, die der Zerstörung der deutschen Plantage gefolgt waren.(Fortsetzung folgt.) Mm Lagerfeuer öer Serglappen. Der deutsch« Arzt Dr. Ludwig Kokil verSfsrntltcht soeben im Verlag von Strecker und Schröder, Stuttgart, unter dem Stiel„Rordlicht und Mitternachtsonnc"«in Buch l« M.) Uber seinen Aufenthalt, bei den Lappen, unter denen er im Auftrag der norwegischen Regierung vier Jahre als A-gt gewirlt hat. Mit den nomadisierenden Naturkindern und ihren Serdcn zog er zur fltist« und teilt« mit ihnen Lager und Mahl. Ein solclies Lager schildert der nachstehende Abschnitt. Wenn je das Wort des Dichters„Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar" Sinn hatte, so hier. Die beiden Naturkinder, Ole Aslaksen Sombi und Anne II waren Neulinge in der Ehe, denn eist vor einer Woche hatte sie der Pfarrer in Pvlmak kirchlich verbunden. Aber nicht einmal sie konnten ungestört ein Zell für sich in Anspruch nehmen, denn die Wächter der Herde besuchten häufig dieses Stilleben, und wenn sie von ihren Wachen kamen, loderte jedesmal das Feuer für ihre Mahlzeiten wieder auf. Anne I und Anne II waren zwei grundverschiedene Menschen- kinder. Erstcre, die in unserem Zelte wohnte, war fünfundzwanzig Jahre alt, schalthast und zu allerlei Spaßen aufgelegt, wie sie auch jeden kleinen Scherz belachte. Sie war von mutwilligem Tem- perament, das etwas Außergewöhnliches ist bei diesem Volke, so daß wir mehr als einmal die Diagnose Manie auf der Zunge hatten. Doch, da wir keine Psychiater waren, nahmen wir sie als da», was sie auch anderen Menschen schien: als eine glückliche, ungeschminkte Natur, die man vielleicht am besten als„wunderlich" bezeichnen würde. In Höhenluft und Hüttenrauch aufgewachsen, gingen ihr« Gedanken kaum über die Feucrstelle hinaus, an der sie allerding? Meisterin zu sein schien. Im Gegensatz zu ihren dunkelbraunen Augen und ihrer gelben gegerbten Haut hatte die Neuvermählte helle Augen und einen zarten, fast milchigen Teint. Wohl handfester in ihrem Körperbau, war sie doch von weicher, fast verträumter Art, mit einem Zug von Traurigkeit oder Schwermut um den Mund. Erst zwciundzwanzigjährig, war sie durch ihre Che in dieses unruhige Wanderleben geworfen worden, nachdem sie ihre Jugend in warmen Balkenhäusern verlebt hotte. Die Männer der beiden waren kurz und stämmig gebaut: der junge Ehemann hatte einen breiten stierigen Nacken, der auf die schwere Arbett der Berglappen wies. Im Zelte aufgewachsen und in der Wiege mit aus diese Wanderungen genommen, waren die weiten Oedmarken seine Welt und werden es bis zu seinem Tode bleiben. Aslak Olsen war dagegen nur mütterlicherseits Nomade. Sein Vater ist ansässiger Flußlappe und übergab ihn mit zwölf Jahren dem Zelt und den Herden. Aber diese Schule ist ihm gut bekommen. Er gitt als ein ganz besonders tüchtiger Berglappe in seiner Zunft, im Fahren im Pulk, im Wersen des Lassos, im Zähmen und Stehlen von Renntieren. Mit ihm habe ich die meisten meiner Reisen ausgeführt, harte und leichte, und er war mir immer ein brauchbarer und verläßlicher Kamerad. Noch ein Gast aber teilte in diesen Tagen unser enges Zelt. Dilgo, der Hund, wich nicht von seinem Lager, zu dem er mit besonderer Borliebe unsere müden Leiber erwählte. Ihm fiel auch die Rolle des Geschirrwaschens zu, das unter seiner Zunge blank wurde wie ein Spiegel. « Oft traf uns am ersten Abend ein fragender Blick unserer Gast- geber, was uns fremde Männer wohl veranlaßt haben möchte, unser Leben für diese Tage mit ihnen zu teilen. Denn das Wort Wissenschaft ist ihnen fremd und daher unfaßbar, wie man Freude an einer Sache haben kann, di« ja ganz außerhalb unseres ruhigen Lebens lag. Auf vielerlei kam die Rede an diesem Abend. Jeder Abschluß des Tages dringt diesen Menschen ein« Erleichterung, die erst zu- gänglich werden, wenn die ersten Flammen aus den Scheiten schlagen: noch mehr, wenn ein Jodaska, ein kleiner Schnaps, die Worte leichter macht. Dann verstummt das Thema über dos Herr- liche Reisewetter und die gute Före, und aus überlieferten Schätzen berichten die Worte. Nach zögerndem Beginn hören wir seftsame Geschichten in solchen dämmernden Nächten. Hinter dem Bekenntnis zum Christen- tum lauern auch heute noch Jbmil, der alt« Lappengott, dessen Name mit Scheu genannt wird, die Noeidi, Zaubermänner und Vermittler zwischen Geistern und den Menschen, die Gusittars, die unterirdische Geister darstellen und ihre Rennby haben wie die Menschen mit weißen und gesprcnleltcn Renntieren. Lassen di« Menschen sie nicht in Frieden, io stellen sie Schlimmes an. Sie nehmen den Menschen das Leben und senden Tod und Krankheit zu ihnen. Nur des Nachts kommen sie. und es ist einerlei, ob es Winter oder Sommer ist. Ja. Aslak hat bei Polmak it re Ronnby gesehen, und um sie freundlich zu stimmen, setzte er Renntierfleisch unter die Birkenstomme. Er hat auch an den Uferbergen des Varangerijordes, tu Morien- nas. Giertanas gesehen, der unter der Erde lebt und so stark ist, daß sich niemand findet, der stärker ist. Er hat ihn gesehen mit seinen drei Kopsen, als er in der Erde verschwand. Ob ich denn nicht den großen Stein gesehen hätte, der den Eingang in sein« Höhle verschließt, oder den großen Wal, den er mit seinem Lasso aus dem Fjord gezogen habe, fragte er mich. Obwohl wir so zwischen Menschen lebten, denen die Kultur neben anderen Erscheinungen, wie Syphilis und Tuberkulose, den Stempel des Christentums gebracht hat, spürten wir doch unter diesem dicken Firnis den Zauber und die Macht ihrer alten Geister- welt. Jeder hatte sich im Lause des Slbeuds aus feinem beschränkten Räume häuslich eingerichtet. Die Fellkleider hielten gut die Wärme. Als noch ein neues Scheit aus die Glut gelegt wurde, sahen wir über unserem Gegenüber ein Stück Zeltttich wie einen Borhang fallen, der dem Ehepaar Ruhe und unserer Neugier für heute ein rasches Ende brachte. Die Menschen hier sagen sich nicht„gute Nacht". Sie sind darin von einer wohliitenden Formlosigkeit, und auch die Scheidung in Fremden- und Familienlager war sicher nur eine augenblickliche Errungenschaft. Da rollten auch wir uns zusammen, zogen die Beine an, klappten die warme Lappenmlltze über die Ohren und Stirn und schliefen bald ein, wenn auch gelegentlich ein Windstoß an die Zeliwand stieß, so störte uns das weiter nicht. Aus der Fern« aber drang ab und zu ei» scharfer Anschlag der Hunde oder der Ruf eines Wächter», der die Herde betreute. Das Ende der Zahnschmerzen. Wenn man die Lebensbeschrei- bungen und eigenhändigen Auszeichnungen der Menschen der Ver> gangenheit durchsieht, so findet man sehr häufig ausführlich wchmerzen geschildert, die heute kaum noch erwähnt werden. Zum Beispiel das Zahnweh. Friedrich II. hat bekanntlich gesogt, daß bei Zahnschmerzen einem auch die Kantische Philosophie nichts nützen könne, und er wollte damit zeigen, wie ohnmächtig der Mensch diesen Qualen gegenüber ist. Hottet bekennt in seinen Lebeuserinnerungen, das Zahnweh habe ihm seine ganze Jugend zerstört, und er sei erst von dem Augenblick an überhaupt ein Mensch geworden, da er— keine Zähne mehr hatte. Der Junge mit der dicken Backe und dem umgebundenen..Maulkorb" war früher eine ständige Erscheinung, die in ollen Bilderbüchern eine halb komische, halb tragische Rolle spielte, und jeder Mensch des lg. Jahrhunderts— von früheren Zeiten ganz abgesehen— hat noch mehr oder weniger oft an Zahn- geschwüren gelitten. Nunmehr aber scheint es, als wenn das Ende dieser„Mcnschheitsplage" nahegerllckt sei. Die Zohnheiltunde ist heute so weit,, daß sie den Leidenden nicht nur rasch von seinen Schmerzen befreit, sondern sogar überhaupt das Auftreten dieser Pein verhindern kann. Amerikanische Zahnärzte klagen in neuester Zeit darüber, daß sich die Zahl ihrer Patienten ausfällig oermindert, daß die Menschheit„zu gute Zähne" bekommt. Heutzutage geht nicht nur jedermann reckjtzeitig zum Zahnarzt, sondern die Zahnpflege wird schon bei den kleinsten Kindern durchgeführt, und die Schulzahnärzte sorgen dafür, daß die älteren Kinder auf einen guten Zustand ihres Gebisses halten. Die Verbesserung der hygienischen Bedingungen, die Aufklärung der Mütter, die früh eingreifende Sorgfalt der Aerzte— all das hat die Zahnschirerzen. unter denen früher der Mensch wie unter einer„gottgewollten Prüfung" litt, vertrieben oder zum mindesten sehr verringert. Auch englische Aerzte versichern, daß die Zahl der Kinder, die schlechte Zähne haben, sich sehr vermindert hat, und das gleiche ist sicherlich auch bei den deutschen Kindern der Fall. Leipziger Strasse ASexanderplatz Versandabtellungi Leipziger Strasse? . Schriftlicht Bestellungen MgUnkr i:e| werden prompt erledigt Bei Anftrigen nach auswärts ve güten wir für LS» je 20 M. 8üFf� die nar für Porto bzw. 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Körner, Sämtliche Werke. 2 Bände in 1 Band.... ILer.au, Sämtliche Werke. 2 Bände in 1 Band..... Lessing, Werke. B Bände............................ Mörikc, Sämtliche W erke, 4 Bände in I Band.... Reuter, Sämtliche Werke. 15 Bände in 4 Bänden. Schiller, Sämtlich© Werke. 12 Bände in 4 Bänden Sliahespeare, Sämtliche Dramen. 12 Bände in 4 Bänden........................................ Stifter, Werke. 6 Bände in 2 Bänden.............. Storni, Werke. 3 Bände............................ Uhland, Werke. 3 Bände in 1 Band.............. Wagner» Meisterwerke. 1 Band................. Kiiüur- und Sittengeschichte Berlins 725 Bin kulturgeschichtliches Dokument ersten Banges mit Eepro- dnktionen neuerer Mefsierv. Menzel bis ZilletLBalaschek von Hau« Ostwald. 600 ß. mit 545 Abbild. imTextn. 12 farbig. Kunsl bei lagen.•'uartformat. Halbleincnband,lrüh. 18,00, letzt 100 Dahre Berliner Humor Ein heiteres Stück Kul. Urgeschichte Bernns, gesammelt von Gnst. 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"Hago, Der Glvekner von Botro Dame. Immer, nenn, Ober bot. ».laeobsen, Frau Marie O r n b b e. ".laeobsen. Niels Lyhna Keller, Zdrieher Novellen. »Keller, Die Lente von S e I d w y 1 a »Koller, Martin Salander. »Kflgelgen, Jngeaderlnne- rungen eines alten M a n q es. »tagcrlfif, GOsta Berlin g. LagerlOt, Jerusalem. Ii» nd. Dar Mfidchan mit dem Goldbelm. Iindwlg, Zwischen Himmel und Erde. Mnrccr. Zigennerleben. Prevost, Manen L e s c a n t. Scheffel, Ek kebard. Scott, I v a n h o a Sienklewlcz, Mit Fener u. Schwert. »Slcnklewlez, Quo vadls? Storni, Ausgewählte Novellen. Strats, Dn bist dl. Bnh (ant.). Sue, DcrewlgeJnda Sne, Die Gehelmnisse von Paris. »Tolstoi, Anlerstohnng. »Tolstoi, Krentzersooata Tolstoi, Anna Karenlna »Turgenjew, Tätern. SQbne. Twain, Abentener Buckle b e r r y Floos. »Verne, Der Bartor des Zaren. »Vlsrher, Aneb einer. "Wiillace, Ben H n r. »Wilde, Bildnis desDortan Gray. Wolrogen. Wenn dl. alten Türm- stürzen. »Zola, G e r m 1 n aL »Zola, Nana »Zola, Das Paradies der Damen. Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. 7Vs Uhr: Zar nnd Zimmermann Schauspielhaus 8 Uhr: L u I u Schlllcr-Theatcr 8 Uhr: Wilhelm Teil Charlottenburü 7',o Uhr; Fldelio Apikal. Leitung: B. Walter Wildbrunn, Schöne Abonn.-Turnus III Deütsdies Iheater Norden 10334—33 8 Uhr Keidhardt v. fitjcisenau von WolfgangGoetz Regie; Heinz Hilpert Kinder-Vorstellung Heute nehm, 31/, U-: Der WiiLnaditsstsrn Preise 1—4 M. Kammerspiele Norden 10334—38 S'/i Uhr; Karussell von Louis Verneuil Die KomSdie BismarcK 2414, 7516 8 Uhr Die Gefangene Von Bourdet Regie M. Reinhardt Kose-Theater 8Vc Uhr ¥03 Mi zu Stufe Dts Künstler-Th. Frttzl Massaryl 3:„Die Königin" Sonntags1/.; Der tröhl. Weinberg Lessing-Theaier i U.; ncBHU nnd cebermeasdi IlLa.Künürstsnilarpia U- Die Fron an der Kette Lustspielhaus 8>/< Uhr: D.Herzogin v.Eibs Stg. 3llz: 0«mrlhdn» Or. StUauspieiSiaus Täglich»>,« Uhr VonWmß SufTtujriS' CHARELL- REVUE Sonnt, nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorsfllg zu halben Preisen! Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend nachmittag 4 Uhr: die neue Kinderrevue Funkhelnzcl- manns March.-Reise mit Allred Braun Nollendorf 7360 8 Uhr: Attraktionen Beide Sonntage von 2 bis 6 Uhr geöffnet /# Deutsches er Emil ef&vre Berlins. Sei" 1882 nur eranScntiL 158 Wir haben keine Filialen! bittet seine Kunden WMMM recbizeitib zn machen. S? bevor derhrolieAniirBDl SeBsaliflBelles! Wir bieten Vorboten kommender Weihnachts Freuden find die Bäckereien aller SCrt. die schon lange vor dem Fest unter den fleifilgea Händen der HauSsrao entstehen, vor allem der leckere Weihnachtsstollen. Fe schöner er gerät, desto hen» llcher die Borsrende ausS Fest. Mll«3kama-M«stj!»n Lose. Jede Abteiluna muh unbedingt vtrsrrtr» sein. S. Breis gricd-ichshain. Deamtenwe beauslcknh: Donnerstag, 9. Dezember, 8 Uhr. Eihung im Restauvont Strvner, Rigoer, Ecke Proelauer Straft»- Alle Bcamtengcngssen sind dringend«ingaladen. Uns politisch nage. (ichrnde Beamte können eingcsührt werden. 6. B.eis Breu, derg.«ibeiterw-bliahrt: Donnerstag, 9. Dezember, 8 Uhr, im Leibniz-Dnmnasii'm, Mariannenplah 97—28. Aibeitsgemeinschaft: ..Wohrnrngsfrogen�. Referent Stadtrat Hermes 7. Brei» Dharletienbnrg. Donnerstag. 9. Dezember, VA Uhr. in Ahlerts iselisälen. Derl'ner Str. 88, Mitalieberoersammliing des Derein« der Freidenker Mr sscuerbesiatiunq. Alle SPD..!7reid«ntergenossen müssen er» scheinen, da wichtsae Tao«»ardm,ng und Wah"«». 14, Brei» RculZlln. Oesf-ntlschc Beamlenversammlung am Donners- lag, 9. Dezember, 7 Uhr. in der Aula de» Dnwir' Uhr, Mitaliedervertamm» lung her Freien Schulgemelirb« bei Rubel, Bövenilk. Freiheit 5. Tagesordnung: Bericht über den Stand unserer Bowogung. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. 17. Breis Lichtenberg. Donnerstag. 9. Dezember. VA Uhr, In der Diblio'hek, Wcichselstr. 28, Sihung der Rcilungslommifsion. Auch die Ausienabteilun» acn müssen nertreten sein 20. Brei, Vr'mekelito-s. Sonntag. 12. Dezember, vormittag» 914 Uhr, im Lokal Brückner Reinickendo' f»Ost, Promnzsir. 74 sNöhe Bahnhof Schön- holz), Versammlung aller der dem Verein der Freidenker für Feuer. bestatl»mg angehörenden Eenossinnen und Genossen. Erscheinen ist Pflicht. heuke, ZRitttvoch, den S. Dezember: 82. Abt. 714 Uhr Fahlabenb. Srupr« Blug« tagt diesmal bei Valentin, Braulstr. 36«. Vortrog des Genossen Weiht. 34. Abt. Der Rahlabend fällt au». Am F eitag. 17. Dezember. Weihnacht». fcier. Rcfirentin Clara Bohm-Schuch, VI. d. R. Die Eintrittskorten zum Heiteren Abend sind sofort abzurechnen. 31. Abt. Unsere Abteilung«ranstaliet oemeinsam mit der Juaendgruvv« zu Weihnachten«ine Besche'una der Arbeitslosen und der Binder. Die Genossen werden gebeien, überflüsstg« Sachen, wie Bleidungestücke. Spiel» fachen. Bücher, auch geldlich«.-uwenduno.en an folgenden Stellen obzu- itlfern oder abbolen zu lassen: A bort Ulrich, Fronksuricr All« 287. Gisl. 4 Tr.: Susi. Sabath. Schreinerstr. 12. v. 4 Dr.: Martha Schwcrscns, Pettonkofrrstr. 26, 0. 8 Tr.: Gertrud Vier!«!, Schreinerstr. 88, o 2 Tr. Allen Soendrn im aarau» besten Dank. 38. Abt. 714 Uhr Rahladende in den dclonnlen Lokalen. 159. Bezirk bei Straub. Paitsabonstr. 71. Bortrag:.Heinrich Seine'. Referent Paul Schacht. 161. Bezirk bei Oesterreich, Troß« Frankfuiter Str. 14. 185. bis 188. und 195. Bezirk bei Mogwib, Barmmfir. 18. Dortraa des Denosscn Franke. 42. Abt. 8 Uhr Rohlabende: Wagner, Blücherttr. 61; wi-rsdorff, Urban. straste 6: Duhr. Blücherstr 83: Bogcler, Mittenwalder Str. 16: Seehaak, Willibald.AIcriS.Elr. 5: Löhlke. Bergmannstr. 69. 43. Abt. 7rr Uhr Rohlalende in den bekannten Lokalen. 47. Abt. 714 Uhr Rah"ad»nd bei Siedentopf. Äuekauer Str. 85. Bortrag: .Alt, und neue Schule'. Referen'in Fchonna Bllhn. Charlottenburg. 51. Abt. 714 Uhr Rchlobend«. 1. Grupvc: Schellbach Königin» Elssabe'H.Str. 6. 2. Gruppe: Scheidthauet. Eophie-Charlotten-Str. 24. Vortrag. 3. Gruppe: Dörr«. Danckclmgnnftr. 18. Vortrag:..Dir Arbeit in der Bommune'.— 55. Abt. 2. Gruppe: 714 Uhr Rohlabend bei Ioskowiack, Holdcndortfftr. 20. Vortrag'.De" erreich und«kr. Nefe ent Genosse dzartinsli. Berich t von der Borstandssthung. DI« Gruppen- und Bezirlekafsti: er werden ersucht, die nach ausstehenden Bartathekkarten f»! fort aZzuoobon. 82.*15. Steglit,. 8 Uhr Rahlabenb In de» bebannt«» Lokale». S., 8.. 8. Bs. i »irk: Thiel, Albrechtstr. 87. vortra«:»Das rot« Wien'. Referent Stadt» rat Si-aen R'semann. 85. Abt. TcmjKlhes. 7. Bezirk: Lokal WanzNS, Oberlandstr. 1. Bortrag: „Die Rukunk'sausgaben der Sozialdemokram'. Rrserent Hermann flrügor, Achtung! 1. Bezirk: Lokal Wendt, Borusstastr. 71. 88. Abt. Marienbors. 714 Uhr Rahlabend. 8. bi» 10. Bezirk- Finde'sen. Friebenstr. 6. Vortrag:„Sis SchmuR- und Schund zote»'. Referent Dr. Schönberq. Reukölln. 96. Abt. Di« Rahlahend« fallen in allen Beztrie» aus.— 9» Abt. 714 Uhr Rahlabenb bei Trich. Bnesebeckflr. 185. Vortrag des Genossen Hermann Harnisch. M. d. L. IIS. Abt. F-.IcdrIcheha.gen. 8 Uhr bei Schot». Frtebrichstr. 81, Mitaliederver» saMmlung. Pol trag:„Rotgoteh'-.. Blatt. und Ächtstuttdentag'. Referent Genosse 110. Abt. ffi'finim. 8 Uhr im Lokal Werner, Bö penicker Slrof«, Miim!»d«r- perfammlung. Vortrage„Politische Tagest ragen'. Referent Franz Waluga. ZNorgen. Donnerstag, den S. Dezember: IL Abt. 714 Uhr Rahlabend im Lokal Schuster, Ghamissoplatz 4. » 33. Ab-. Vereinigung für Schul- und Erjlehuugsfeag««, Strelauor Tor: Bindertpielzeug und Binterbuch. Bortrag. Auestellung. Borfsthrung am F eitag, 10. Dezember, 7 Uhr, in der Aula der 227. SemeindsickuU», Hohen. lohcstr. 10._ SoAialiftiscke flrdeiterjugenü Groß-Serlin. Bezlrk-uerstandsstguug vonnersta« 714 Uhr. Abteilungsleiter, rechnet umgehend dl« Barten"en der Repolutionsfoier und von der„Ri:i:d-um.den.Schund"-2h!ran,i!aItung ab, reicht die Januar. Proarammr ein! «bteilungslelflerer, heule. Mittwoch, von 5—7 Uhr Adrechnuug. Ausgab« des D c m bc r-„?, u eend voran' und der..Arbeiter-Zugend'. Die Blüherfti-be ist bis We'hnachten geschlossen. Besichtigung des P» telakchtv« für dt« W-rbebeztrk- Breujcherg. jieuköllir. Oberspiee und Müggelsee cm Sonntag, 12. Dezember, vormittags 10 Uhr. Treffpunkt Linden fit, 3, 2, Hof. -■- Die Warenhäuser der Konsum-Genossenschaft Berlin ............. und Umgegend............... sind an den beiden folgenden Sonnlagen (Sonntag, den 12. Dezember und Sonntag, den 19. Dezember 1926) von 2—6 Uhr nachmittags geöffnet Die Warenhäuser befinden sich: Charlottenburg, Rosinenstr. 4« Berlin Ii., Reinickendorfer Str. 21 Manufakturwaren-Abgabestellen: Berlin O», Prankffurter Allee 60* Straße 5-6« Neukölln, Siegfriedslraße 36*37» Teltow, Sandstraße 3 « Berlin S., Gräfestr. 21 Berlin SW., Dreibund* fjeah, Mittwoch, den 8. Dezember: Wekdiag: Jugendheim Luxemburger, Ecke Genter Straß«, Bortrag:„Arbeits- di«nswili»t�. Rosenthaler«orftadt: Schute Girsstr� 23», Portrag: �Zroeck und giete der SStj."— Baltenplatz: Jugendheim Rizaer Str. 1(&— 108, Stoß- brenner-Abend.— Landsberger»icrtel: Jugendheim Tilsit er Str. 4. Bortrag: „Der Völlerbund".— Kürlitzer Viertel: Jugendheim Reick>enberger Etr, 6«. Aussprach«:„Was ist aiatfcnfcunpf?*— Reichender zer Viertel: Jugendheim Reichenberger Str. SS, Vortrag:„Proletarische Iuqenddcwegung in der Nach- kriegsieit".— Tcmpelhas: Lriieum, Gerinaniastr. 4— 6, Vortrag:„Gemeinschaftsarbeit Bursche und Mädel",— Zsallenberg: Jugendheim Am ss-lkenberg 117, Dortrag:„Was ist Utopismus?"— Frichrichsfeldc! Jugendheim Berliner. Ecke Schlosistrosi«. Bortrag:„Wilhelm Busch".— Aaulsdorf: Schule Adoltstrasie, Bortrog:„Die Papierhersiellung". Lichtenberg- Mitte: Jugendheim Dosse» strasi« 22, Vortrag:„Soziale Strömungen im Christentum".— Lichienberg-Rord: Jugendheim Parsau« 10, Bortrag:„Grundideen des Marximnus", 3. Teil.— Lichten berg.Dest: Zugendheim Schorn weder str. 2S, Bortrag:„Einführung in die sozialistisch« Gedankenwelt", Werbebezirk Prenzlauer Berg: 3 Uhr in der Borwärtsspoditio» Greifen. Hagener Str. 22 B-rslhendenkonferenz, Jede Abteilung muß vertreten sein. Werbebezirke Tiergarten und Westen: Bildungskursu, für Jünger«. Ehar- lottenbnrg, Jugendheim Rosinenstr. 4. Thema:„Einführung in den Sozialis. mus":l für Aeltere, Thema„Sozialistische Erziehungsfragen. vortrage, vereine unö Versammlungen. # Reichsbanner. S chwarzRol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin®H. S-Hastianstr. 37/88 Kok 3 Tr. Wassersportabtellung! Do., d. S.. 8 Uhr, Bollvers, im Gewertschaft«. Haus, Saal 1. Bortrao:„Der deutsch« Rhein" sLichtbilder). An. schließend gemütliches Beisammensein mit Damen, Gäste willkommen. Reichs- hanneikameraden. welche sich der Ruderriea« anschließen wollen oder Ruderer sind, werden gleichfalls eingeladen.— Wintersportabteilnng: Eislaufgrupee, !sr., d. 10,, 8 Uhr, in Schneiders öotel, König., Eck« stlosterstraße, wichtige Sißung. Gäste, auch Damen, willkommen.— Prenzlauer Berg: Kameradschaft Talke. Do. d. 9,, 8 Uhr. Monatsvers, bei Bourdallier, Mitoftr, 5. Äamcrad- schast Wörther Blaß. sfr.. d. 10., Komeradschoftsvers. bei Büttner, Schwedter Str. 29. Ref. Kam. A. Scholz.— Wilmersdorf: Sintrittslarten vom Repudli- konischen Boiksfest sind sofort abzurechnen.— Stegllß< str eis): Do., d. 9., wich- tig« Bekanntmachungen 8 Uhr abends in der Turnhalle Ringstraße. Erscheinen oller Kameraden wird zur Pflicht gemocht.— Tcmpelhof: ffr.. d. 10., 8 Uhr. bri Pommerening. Tempelhof. Berliner Str. 100, Lichtbildervortrag de. Kam. Erich Bredow über„Eine Reise durch das schön« Oesterreich". Republikaner al» Gäste willkommen.— Erkner: Do., d. 9.. außrrvrdentl. Generaloers. im Gesell- schastshaus Karbe.— Eharlottenburg: Jngendkamerodschaft, Mi., d. 8.. 8 Uhr. Vers, im Jugendheim Wallstr. 7«. Vortrag de,«am. Dr. Zaff« über„Gesundes Leben".— Reukölla-Briß: 1. Kameradschaft, Mi., d. 8. ab 7 Uhr Gruppen. fkkhrer fitadBAc Listen fest abrechnen im Derbeburaau. Gabe» und Geldibetrklqe sowie auch stneZe» vom MS» Berein der ffreidenker für ffeuerdestatimng. In dem Thema„Unsere Per. schmelzung mit der GPff." finden Donnerstag, 9. Dezember, IVi Uhr, folgende Mitgliederverlaniririunqen statt: Bez. 1 Mitte: Rofenthaler chof. Rosenthaler Straß« tt— 12; Bez. 2 Tiergarten: Schulaula Wiclefsir. 33— 54; Bez. 3 Wedding! Schiller-Lnzeum, Pank-, Ecke Böttgerstraßet Bez. 4 Prenzlauer Berg: Pracht- säle am Märchenbrunnen, Am ffricdrichshain 29—32; Bez. 7 Charlottenburg: Ahlerts ffeftsäle, Berliner Etr. 88. Außerdem findet überall Wohl der Delc- gierten zur R-ichogeneralversammlunq statt. Berllncr Verein siir Sinheitsknrzschrist,«. v. Uebunqen jeden Mittwoch, s48 bis'/HO Uhr. im ffriedrich-Wilhclin.Siimnalium, stochstr. 13.(Bereinsheim: Restaurant Wilhelmshof, Anhaltstr. 12.) Lichtenierger Verein für Sinhcitskurzschrist. llebungen jeden Donnerstag von 8 bis 10 Uhr in der Knobenmittelschul« Lichtenberg, Marktstr. 10—11. Berliner Aandwerkernrrcin. Sophienstr. 18. cheutr. Mittwoch, 8 Uhr, Lichta bildrrnortrag von Dr. Hedwig Michaelson:.Humor, Witz und Satire in der Kunst Alt-Berlins. Der«ieterbnnd d«, 12.«erwaltungsbczirk»(Stealitz).«. B., veranstaltet am ffreitag, 10. Dezember. 8 Uhr, im Saale des„Albrechtshof". Steglitz. Albrecht- ltraße 1» sRähe Rothaus),«ine öffentlich« Versammlung, in der u. a. Rechts- anrvalt Hans Levg-Bcrlin über das Thema„Zum Abbau des Mieterschutzes" spricht. Esperendegrnppe Berlin-Osten. Donnerstag, 9. Dezember, 8 Uhr, Restau- rant„Berliner Kindl", Waldeyerstr. 4, Uebungsabend. Gäste willkommen. fftlehaer Landsmannschaft zu Berlin. Donnerstag. 9. Dezember, 8 Uhr, Jorks Dereinshaus, Oranienstr. 36. Gäste willkommen. Gesthäftliches. Die Sieger der Schuhpuhkonkurrenz. Bei der Erdal-Putzprobe im Sportpalast, über die wir berichteten, wurden 152 Schuhe geputzt. Unter den zirka 300 MI «Ingelaufenen Lösungen waren 1102 richtige Lösungen. Herr Notar Werda loste unter diesen 1102 Lösungen die Gewinner aus. Es ist besonders erfreulich, daß die ersten Preise auf Gewinner gefallen sind, die die ihnen zufallende Summe sehr gut gebrauchen können. Der Gewinner des ersten Preises in Höhe von 5000 M. ist Herr Hermann K ö p p en, ein 6-Zjähriger Arbeit«, welcher seit 9 Jahren Invalide ist. Der zweite Preis von 2009 M. fiel einem 20jährigen Dienstmädchen, Frl. Margarete Korn, zu, welche ihre schon lange gehegte Heiratsabstcht dadurch ermöglichen kann. Der dritte Preis von 1000 M. fiel auf Frau grtfa Hllbser. gthttifum. Auch dick übrigen Gewinner werden jetzt kurz vor Weihnachten für die zufallende Summe recht gut Verwendung haben. Weihnachten steht»or der Tür, und fürsorgend« Lieb« ünwt, mit Gaben sie ffrend« bereiten kann. In heniiger schwerer Zeit wird man in cister Lim« zum praktischen Geschenk greifen. Rennen wir». B. nur Mostgis bewährte Erzeugnisse: Maqgis Würze. Maggis Suppen, Maggi» ffbeischbrüb- würsel, die jedem Haushalt willkommen sind. Durch ihre vielseitig« Berwend» darkeit helfen sie nicht nur da» teure ffleisch, Kohlen und Ea, sparen, sondern erleichtern außerdem der Hausfrau die Kocharbeit. 1* Jlhnuncßmt (glauben Sie daran? Wer kann wisse«—? Irgend etwas Wahres wird schon dran sein. Leider sind sie noch nicht Mgemeingut geworden. Unserem sieben Baterlande wäre sonst sicher viel Unbill erspart geblieben. Beinahe wären wir in die hohe Politik hineingeritten. Zwar sollte unser Münchener Kindl vor Jahren schon in den Reichstag gewählt werden, aber als Repräsentant der alten weltbekannten Zuban-Zlgaretteufabrik mußt« es schon seiner vielen Arbeit wegen ablehne». Außerdem stellen wir einzig und allein hSchstrangig« Zigarette« her, machen aber keinen blauen Dunst in Schachteln. Aber, bitte, verstehen Sie das doch mcht gleich falsch! Wir sprachen von Ahnungen. Unser lieber Dr. Ali Nabi beschäftigte sich gerade mit dem Gedanke» eine» Einladung an das KinW. als ihn unsere Anfrage wege« einer Besuchsmög- lichkeit erreichte. Kann man hier nicht auch an eine Ahnung glauben? Oder gar an eine Gedankenübertragung? Aufrichtig freute sich der ergraute Man» über die Gelegenheit, da» Lindl endlich einmal empfangen zu können. Schatzkammern köstlichster Tabakernte» hatte er für seine» Schützling zu- sammengebracht, Mischungen von wundervollster Vollkommenheit mit seinen treuen Gehilfen erprobt. Viele hatten mit blinkendem Golde versucht, ihm seine Geheimnisse ab- zulauschen. Nichts hat der gute Doktor preisgegeben. Seme Arbeit gilt nur dem Werke semes JugendsreundeS Znban, dem er die Treue hält. Wie wird er das Kindl in Erstaunen versetzen! Sofort an das Kindl die Antwort heraus: Willkommen in deine» zweiten Heimat.— Ubermorgen hören Sie mebr l Die Geschmacksrichtungen der Ranch« find wandelbar wie die Zeiten. Wir gehen mit! Die leichten, süffig süßen Mischungen unserer Zigaretten sind Glanzstücke der heutigen Zlgaretten-Herstellungsart. Drum seien Sie nicht nur Lebenskünfiler, sondern werden Sie Künstler des Geschmacks! Rauchen Sie: Lucy Doraine, die Zuban'Fünfer! anerkannt beste Stärkungsweine flir Kranke, Schwache, Erholungsbedürftige und auch fUr Gesunde. Seit1895 im Handel und ärztlich empfohlen. Deutsche Malton-Gesellschaft m.b.H. Wandsbek- Hamburg. Niederlage: Ostwerke Aktlengesellsehaft ZwoIgniederlMsung Wandabok• Hamburg. Vertriebsstelle Berlin N4, Chausseestr.sü. Tel.; Norden 710. Zp betSohon zu Mk. 2.60 pro �-Literflasche durch die Apotheken, Drogerien und Felnkostgeschüfte. J** Unserer langjährigen G enossw « Elise Haeske~ zu ihrem 50. Geburtstage J bl« herzlichsten Glückrvüusche. Die Genossinnen und Genossen ü der 141. Abteilung. ft) Unserer Heben Genossin ! Elise Heeske-Roeentbels j zu Ihrem fünfzigften Geburtstag« bi(| herzlichsten Glückwünsche Die ffnnk- z m ttonärinnen de» 20 Ar. Reinickendorf z »»»»»»»»»»»»r Äseeeec««»«»»ssssz ff Unserem lieben Genossen Otto Scherer Teltow, Lindenstr. 13, senden wir zu seinem Zsijährlge» Parteijubiläum die herzlichsten � Glückwünsche. SPD.-Fraktlou Splonsiotfabrlk und Armlt, Ü Zrhlcndorf Je » sssssssssesEse«� OrtitraDkenkassi tör die Ceweriia der Iis(]il8rD.Pianoforteait!eiterzDBerliD. Die Vertreter der Arbeltgeber und der B ersicherten werden hierdurch zu der ot&cnfltiften«uaschutzslhun, an Donnerstag, den 1«. Dezember, nachm. 5 Uhr, im„Reichenberger Hos", Reichen- berger Straße 147, eingeladen. Tagesordnung: L Wahl de, Vorsitzenden de» Aueschusse». 2. Beratung und Festsetzung des Bor» anschlaa, illr da« Rechnungsjahr 1927. 8. Wahl de» RechnnngSausichusse, für die Prüfung der Jahresrechnung 1928. Satzungsänderungen$9 SO und 44. Berschledene». Berlin, den 7. Dezember 1928. Dar vorstand. Fr. Meersbach H. Ehrlich Vorsitzender Schrilttlldrrr. rp= Oefen # Eiserne Oefen\ f Kache/oefen | Kochherde R.Zechlin Sfenderö# 3iiQnngstian(entolfe der IifKiler-3nnDDg z» Berlin. (finlobang zur ordentlichen Außschutzsitzuna der Per- treter der Kassenmitglieder und der In- uungsmitglieder am 15. Dezember 192», abends 8 Uhr. im Restaurant Paul Prasser, SO 18, Mlchaellirchstr. 29 a (Ecke Wusterhauiener Straße). Tagesordnung: t. Bericht des Vorstandes. 2. Beschlußfassung über den oom Vorstand ausgestellten Boranichlag für da» Jahr 1927. 3 Wahl des Rech: nungsausschusses zur Prüfung der Jahre». rechnung 1928. 4. Beschlußfassung über die Abänderung der Dienstordnung für die Angestellten. Z 10 S. Verschiedene». Die Ausschußmitglieder erhalten noch eine desondere schristttch« Einladung. Berlin, den 30. November 1928. Dar vorstand. Ott» Gronau, W. Lindemaua, Borsttzeuder. Schriftführer. »erlwerklelilrUler U Genossensdialf angcschl. dem Verb. soz. 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