MbenSausgabe Nr. 5S0 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 2S7 ©cjusäftebinsunfleit nnb Unttiottarxll* sind ia btt Morztnauzgab« engcgtica Sebottion: SV. 68, Cinbcnfttabc 3 Ferusprecher: VSnhoff 292— 292 rel.-2l»r«ff«: Sejlalbcmottaf 8 et IIa *1» Derllnev Volksvlskk (10 Pfennig) Donnerstag 9. Dezember 192H Verla««ad«nzetgenabtelluagi Eeschiiftszeit bt»« Uhr Verleger: vorwat«-. Verlag GmbH. verlla SV. 9». clnbeastrabe 3 Zerasprecher: OOnhofl 292— 292 Zentralorgan der öozialdemokratifchen Partei Deutfchlands vor Der Entftheiöung öer Hotsthaster. Briand besucht Ltresemann.— Ratsbeschlüsse über Abrüstung und Weltwirtschaft. Schiedsvertrag mit Italien. Varls.?. Dezember.(WTV.) Die Volschasterkoafereaz»rill heule uachmitlag 5.30 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Paris.?. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Das einzige, was aus den heutigen Genfer Berichten der Morgenpreffe hervorzugehen scheint, ist die Tatsache, daß der ganze Erfolg der Genfer Berhand- lungen von den heutigen Beschlüssen der Botschafterkonse- renz abzuhängen scheine. Je nachdem diese Konferenz sich heute mittag von den wichtigen Erklärungen der deutschen Delegierten befriedigt oder unbefriedigt erklären wird, wird in der Frage der Entwaffnung und der damit zusammenhängenden Militärkontrolle eine endgültige Entscheidung getroffen werden. Dem.Petit Pcuisicn" zufolge scheint die französische Regierung plötzlich nicht mehr zu beabsichtigen, sich mit den bisherige» Maß- nahmen, die Deutschland zur Erfüllung der noch ausstehenden„Ber- fehlungen* in der Entwaffnungsfrage getroffen hat, zufrieden zu erklären. Das Blatt wirft Deutschland heute vor, einen absicht- lich schlechten Willen bei der Erfüllung der von der Bot- schafterkonferenz mehrmals gemahnten„Verfehlungen*, insbesondere in der Frage der Befestigung von Königsberg, der Frage des an- geblich im Auslande angehäuften Kriegsmaterials und der Reichs- wehr an den Tag zu legen. Seit mehreren Tagen wartet die Bot- schafterkonferenz vergebens auf„Präzisionen* seitens der deutschen Regierung. Es liege auf der Hand, schließt der offiziös an- mutende Artikel, daß bei einer derartigen andauernden„Der. fchleppungspolitik* der deutschen Regierung die Atmo- sphäre des Mißtrauens nicht zerstört werden könne, ebenso wenig, wie sie die Annahme der Kompromißvorschläge erleichtere, die gestern noch in Genf zu triumphieren schienen. Aus dieser Darstellung er- sieht man deutlich wieder die Drohung der französischen Regierung, in der heute nachmittag anberaumten Sitzung der Botschafter- konferenz in der Frage der deutschen Verfehlungen, die prinzipiell bereits geregelt schien, Deutschland in letzter Stunde wieder Schmie- rigkeiten zu bereiten. Srianü bei Stresemann. Aus Genf wird amtlich gemeldet: Der französische Minister des Aeußern Briand und Reichsminister des Aeuhern Dr. Slrese- mann, dessen Befinden sich gebessert hat. find heule mitlag 12 llhr am Sitz der deutschen Delegation zu einer Besprechung zu- sammengetreten. Tie Meinungsverschiedenheiten über die Entwaffnung amtlich bestätigt. WTB. meldet aus Genf: In den Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des Artikels 180 des Derfailler Vertrags in bezug aufdieKönigsbergerFestung und über die Frage der Ausfuhr von Kriegsmaterial und Halbfabrikaten ist noch keine Aenderung eingetreten. Die Verhandlungen werden in Paris, wohin der Generalsekretär der Botschafterkonferenz Massigli Mittwoch abend wieder abgereist ist, fortgeführt werden. Der Rat zögert in üer /lbrüstungsfrage. Weltwirtschaftskouferenz am 4. Mai. In der öffentlichen Ratssitzung am Mittwoch nachmittag genehmigte der Lölkerbuudsrat drei von Benesch eingebrachte Eni- schliehungen über die Abrüstungskonferenz. Die erste Ent- schließung war rein theoretischer Natur. Sie empfiehlt den Bundes- Völkern den Abschluß von Schiedsverträgen und bietet ihnen hierzu die, bisher noch nie gebrauchte, Vermittlung des Rates an. In der zweiten Entschließung wurde der Vorbereitungsausschuß auf- gefordert, dem Rat„Vorschläge über die Einberufung der Ab- rüstungskonserenz zu machen und das Konferenzprogramm aufzu- stellen, sobald es der Stand der Vorarbeiten erlaubt*. Dabei w-arn- ten Chamberlain und Scialoja vor einer überstürzten Ein- b« r u f u n g. Paul Boncour sprach demgegenüber den Wunsch nach möglichst baldiger Einberufung aus; angesichts des Standes der berells geleisteten Vorarbeiten könne ein genau umschriebenes und begrenztes Programm bereits in der M ä r z t a g u n g des Vor- bereitungsausfchusfes aufgestellt werden. Die dritte Entschließung des Rates genehmigt die vom Ratsausschuß.in der vergangenen Woche ausgestellten Richtlinien für ein schnelles Zusammen- treten des Rates im Fall von internationalen Verwicklungen, für die Durchführung finanzieller Unterstützung für einen angegriffenen Staat und für das Jn-Gang-bringen Wirtschaft- licher Sanktionen zur Abwehr gegen einen Angreifer. Bei der Debatte hierüber bemerkte das holländische Ratsmitglied, daß man sich bisher zuviel nur mit der Abwehr eines bereits geschehenen Angriffes befaßt habe, statt das Hauptgewicht auf die diplomatisch« Verhinderung eines Angriffskrieges zu legen. In der Dis- kufsion hierüber warnten Benesch und Boncour davor, Art. 16 (über die Sanktionen) hinter Art. 11(über das grundsätzliche Recht des Rates, in diplomatische Konflikte einzugreifen) zurückzustellen; die Artikel seien alle gleich wichtig, der einzige Unterschied besteh« darin, daß sie nacheinander angewandt. Dabei vergesten sie. daß es bester ist. einen Konflikt Im Keime zu ersticken, statt ihn zum Ausbruch kommen zu lasten. In der folgenden vertraulichen Ratssitzung wurde der Beginn der Weltwirtschafts konferenz auf den 4. Mai 1S27 fest. gesetzt und nach längerer Aussprache nicht Amsterdam, sondern Genf als Tagungsort bestimmt. Auf Vorschlag Deustchlands wurde der Oesterreicher Dr. Schüller zum Mitglied des Wirtschafts. ausfchusfes gewählt. veutfch-italienischer Schiedsvertrag. Genf.?. Dezember.(Eigener Drahlberlchl.) Die Berhand- lungen über einen deulsch-italienischen Schiedsvertrag haben zu einer grundsätzlichen Einigung zwischen den Unterhändlern geführt. Es handelt sich um einen Schiedsvertrag, wie er in den L o c a r a o. vertrügen vorgesehen ist. Die deutsch-italienischen Verhandlungen über einen Ver- trag schweben seit Monaten. Sie kamen nicht vorwärts, weil Mussolini mehr als einen Schiedsvertrag haben wollte. Er strebte einen Freundschaftsvertrag mit Deutsch- land an. Dabei verfolgte er die Absicht, mit den Verhandlun- gen über einen deutschen Freundschaftsvertrag auf Frankreich einen diplomatischen Druck auszuüben, sich eventuell den Verzicht auf seinen Abschluß durch koloniale Konzessionen von feiten Frankreichs bezahlen zu lassen. Es war nur selbstverständlich, daß die deutsche Regierung sich nicht für solche diplomat'sche Intrigen hergab. Ebensowenig kam ein G a r a n t i e p a k t in Frage; Deutschland hat jetzt am allerwenigsten Veranlassung. Italien eine Brenner- grenze mit Oestereich zu garantieren, die dem Selbstbestim- mungsrecht kraß ins Gesicht schlägt. So muß sich Italien mit einem Schiedsvertrag begnügen, wie ihn Deutschland bisher mit zehn europäischen Staaten abgeschlossen hat: mit der Schweiz(Dezember 1921), mit Schweden(August 1924), Finnland(März 1925), Estland (August 1925), mit den vier Locarnostaaten Frankreich, Belgien, Polen Tschechoslowakei(1. Dezember 1925), mit den Niederlanden(Mai 1926) und zuletzt mit Dänemark(Juni 1926). Dagegen ist der Schiedsvertrag mit Deutschland für Italien erst der dritte, da Iialien in der Schiedsvertrags- entwicklung zurückgeblieben ist und bisher nur mit der Schweiz einen— allerdings sehr weitgehenden— und mit Spanien einen Schiedsvertrag abgeschlossen hat. Der endliche Abschluß des Vertrages mit Italien ist um so mehr zu begrüßen, als er den Gerüchten ein Ende macht, die sich an alle Vertragsverhandlungen des Faschismus knüpfen. Jeder Staat, der sich mit dem Faschismus in Verhandlungen einläßt, setzt sich zunächst dem Verdachte unreinlicher Ab- sichten aus, da alle Welt be, den Verhandlungen des Faschis- mus mit Recht Bosheiten und Hinterhältigkeiten vermutet. So wiegt der politische Schaden, den jede Intimität mit dem Faschismus zur Folge hat, zunächst den Nutzen auf, der eine engere Bindung mit Italien auf die Dauer mit sich bringt. Daher kann derSchiedsvertrag mit Italien nur auf lange Sicht hin grundsätzlich begrüßt werden. Er ist zugleich ein Beweis dafür, daß selbst der Faschismus, dessen Wesen die Gewaltpolitik ist, dem Geiste internationaler Schiedsgerichts- barteit Konzessionen machen muß. Labours Mißtrauensantrag. Unter Stimmenthaltung der Liberalen abgelehnt. London.?. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Ver Mißtrauensantrag der Arbeiterpartei wurde gestern abend im Unter- haus mit 33? gegen 131 Stimmen abgelehnt. Die Liberalen enthielten sich der Stimme. StM) 000 englische Bergarbeiter auf dem Pflaster. -London, 9. Dezember.(WTB.)„Morning Post* zufolge sind jetzt ungefähr 800 000 Bergleute an der Arbeit, und man erwartet, daß sich ihre Zahl bis zum Jahresende auf 900 000 erhöhen wird. Ob die übrigen 200 000 vor dem Streik beschäftigt gewesenen Bergleute wieder eingestellt werden können, wird, so sagt„Morning Post*, u. a. davon abhängen, ob England seine früheren Märkte wieder- erobern kann. Reichswehr unü Reaktion. Oberst v. Luck, Olympia und Reichswehrminister Gestler. Zu Beginn der heuNgen Landtagssihung verlas Abg. Heil- mann(Soz.) eine Erklärung gegen den Brief, den der Reichswehr- minister Dr. G e ß l e r an dm Genossen L ö b e gerichtet hat. Hell- mann legte eine Anzahl von Briefen des Obersten von Luck vor. aus dmm unzweidmtig hervorgeh!, daß in zahlreichen Fällen Oberst von Luck junge Leute der Reichewehr zur Einstellung empfohlen hat, daß aber auch von sich aus Reichswehrstellm bei Oberst von Luck nicht nur noch der körperlichen Eignung, sondern auch nach der Gesinnung, d. h. der völkischen Gesinnung. der einzuslellmdm jungen Leute gefragt haben, heilmann fügte hinzu, daß die von ihm verlesenen Schreiben dem Reichswehrminifier jeder- zeit zugänglich waren, so daß seine gegenteiligen Erklärungen nur eine leichtfertige Irreführung der Oessenllichkeit dar- stellten.,, der Kriminalprozeß in Leipzig. Notwendige Anordnungen. Von Gustav Krüger, Polizeipräsident z. D. Der Ausgang des Strafverfahrens gegen vier Kriminalbeamte und gegen fünf Taschendiebe in Leipzig lenkt den Blick der Oeffentlichkeit mit starrem Ent- setzen auf die Kriminalpolizei. Es ist glücklicherweise ein Aus- nahmefall, aber niemand kann die Hand dafür ins Feuer legen, daß ein solcher oder ähnlicher„Ausnahmefall* nicht an jedem Tage in jedem anderen Orte in Deutschland, in der die Kriminalpolizei einen wesentlichen Umfang hat, eintreten kann. Die Kriminalbeamten, die sich des Amtsverbrechens schuldig gemacht haben, sind insgesamt zu 20 Jahren Zucht- haus und zu 14 Iahren Ehrverlust verurteilt worden. Mit einer gewissen Berechtigung hat das Strafgericht die gemeinen Verbrecher aus der Zunft der Taschendiebe etwas geringer, aber mit ähnlichen Freiheitsstrafen bedacht. Unter den Kriminalbeamten sind zwei Kriminalkommissare, also inner- halb der Kriminalbeamtenschaft höhere Beamte, die übrigen sind Kriminalhauptwachtmeister. Auch sie gehören nicht zu den kleinen Chargen, denn unter ihnen stehen noch einige Kategorien anderer Beamter. Der außerordentliche Vorgang zwingt die maßgebenden Stellen und die Oeffentlichkeit, sich mit der Kriminalpolizei, deren Wichtigkeit niemand bestreiten wird, näher zu be- schäftigen. Ja gerade die Wichtigkeit und die Ver- t r a u e n s st e l l u n tz, die die Kriminalpolizei einnehmen muß, nötigen dazu, hier die kritische Sonde und die bessernde Hand schnell und energisch anzulegen. Mit vieler Mühe und Arbeit und mit großem Aufwand an Energie und Kosten ist seit dem Zusammenbruch des Obrigkeitsstaates die uni- formierte Schutzpolizei errichtet, wiederholt umorganisiert. ausgebaut und auch in der Richtung der Perfonalpolitik so gestaltet worden, daß heute im allgemeinen gesagt werden kann, daß sie zum mindesten mit 50 Proz. aller Beamten als zuverlässig im Sinne der republikanischen Staatsordnung ist, daß ihre Kraft ausreicht, um Ausschreitungen zu verhüten und, wenn nötig, zu unterdrücken. Bei der grünen Polizei, die nunmehr fast vollständig in eine blaue umgewandelt wor- den ist, ist also viel getan, obgleich noch manches zu tun übrig bleibt. Im Gegensatz dazu ist bei der Kriminalpolizei so gut wie gar nichts gefchehen. Während der frühere„Blaue" heute so gut wie vollständig verschwunden ist, findet man bei der Kriminalpolizei noch alle die alten Beamten und Gesichter wieder, die schon im Obrigkeitsstaat ihren Dienst getan oder zu tun unterlassen haben. Eine Blutouffrischung hat so gut wie gar nicht stattgefunden. Eine Ausbildung und Ertüchti- guna, eine Einführung in das Gebiet der Kriminalwissen- fchaft ist unterblieben. Ich will damit nicht sagen, daß nicht guter Wille und beste Absicht vorhanden gewesen sei, um das zu erreichen. Tätsächlich aber ist so gut wie nichts geschehen. Die Bestrebungen nach einer einheitlichen und guten Landes- und Reichskriminalpolizei find an politischen Widerständen bisher immer gescheitert. Und doch oerlangt geradezu gebieterisch die Zeit auch hier eine durchgreifende Arbeit. Der Kriminalbeamte ist in bezug auf die Ausübung seines Dienstes nicht zu oergleichen mit dem uniformierten Beamten. Während diesen die Uniform nötigt, immer Beamter zu sein, verleitet die Zivilkleidung des Kriminalbeamten ihn gar zu leicht zum Anpassen an seine Umgebung, zum Hineingleiten in die hundertfachen Ver- suchungen, die sich ihm tagtäglich verlockend bieten. Mehr als jeder andere Veamte muß der Kriminalist g e f e st i g t e r Charakter sein, und weniger Beamter als Vertrauens- mann des republikanischen Rechtsstaates, dem er zu dienen hat. Das fetzt voraus, daß einmal in bezug auf die Charakter- eigenschaften und das andere Mal auch in bezug auf die All- gemeinbildung Anforderungen gestellt werden müssen, die nur durch besondere Auswahl erfüllt werden können. Menschen mit solchen Eigenschaften haben aber Anspruch darauf, daß ihre Kraft entspirechend bewertet wird. Das ist heute nicht der Fall. Die Mehrzahl der Kriminalbeamten erhält ihr Ge- halt aus der Gruppe IV bis VII. Das sind Beträge, die den Beamten zwingen, einen ständigen Kampf mit wirt- schaftlichen Sorgen und Röten in seiner Familie zu führen. Nichts zermürbt den Menschen leichter als dauernde Sorge und Not. Und wenn er in einem solchen Zustande Versuchungen zum Opfer fällt, dann darf man die Schuld nicht einzig und allein auf seine Person schieben. Der tüchtige und strebsame Kriminalbeamte muß, wenn er seinen Berufsanforderungen gewachsen sein soll, sich dauernd selbst bilden. Dazu gehört ein laufender Selbstunter- richt, ein Studium der täglich auftauchenden Neuerungen auf den vielseitigen technischen, wirtschaftlichen, Verkehrs- und politischen Gebieten, das Studium von Kriminalliteratur. Das olles ist felbstverständlich nicht ohne geldliche Aufwen- düngen möglich. Es ist nicht angängig, ja unter Umständen sogar schädlich, damit zu rechnen, daß den Kriminalbeamten durch ihre erfolgreiche Tätigkeit ja immerhin erhebliche Zu- Wendungen in Gestalt von ausgelobten Belohnungen zu- fließen. Das Kapitel„Belohnungen" ist eins der unange- nehmsten innerhalb der Kriminalpolizei. Ihr Erringen ist nicht immer ein Beweis für besondere Tüchtigkeit und für hervorragende Leistungsfähigkeit. Oft spielt der Zufall eine große Rolle dabei. Wenn größere Belohnungen in die Hände von untüchtigen, charakterschwachen und nicht gefestigten Be- omten fallen, werden sie keineswegs zur Folge haben, daß adg«haltsn. 5« K«sden Fällen gelang es dem ZenjrÄiomiie/. di« Veranstaltungen durch ihre Vertrauensleute überwachen zu lassen, In der Fraktionssitzung fall B e n k w i tz- Zeitz erklärt habcn� init 200 festen Anhängern könne man noch keine Spaltung machen, darum mijfse man die oppositionellen Gruppen im Lande stärken, um die Spaltimg zur gegebenen Zeit durchführen zu können. Ferner beschäftigte sich die Fraktionssitzung mit der Ausforderung des Prä, sidiums der erweiterten Exekutive an Maslow. Ruth Fischer, U r b a h n s, Schalem und Schwan, ihren Einspruch vor dein Forum der erweiterten Exekutive zu begründen. Zu dieser Aus, sorderung erklärte Ruth Fischer, daß die Aufforderung nur ein taktisches Manöver der Exekutive sei, um die führenden Gruppe», Mitglieder aus Deutschland wegzubekonimen. Im Zusammenhang mit dieser Behauptung erklärte Ruth Fischer: Wenn der Versuch gemacht werden sollte, sie in Rußland festzuhalten, würden sie sich au die deutsche Regierung wenden. An der R c i ch s k o n s e r e n z der Linken nahmen neben den Ausgeschlossenen etwa 40 noch nicht Ausgeschlossene teil, darunter Schlech�t, Epstein. Bartels, Gustav Müller, Gchrmann, Schade, Wischerop, Deutsch in an», Mätzchen, Hitköper, Max Hesse, Reinhard, Jonni 5) a m b u r g und B e n k w i tz. Vilm« ein Ansporn zu persvnltthe? unv vkensMcher Vervollkommnung eintritt. Vielfach und leider nur zu»st tritt das Gegenteiiein. Ganz anders wie bei der uniformierten spielt sich auch der Dienst bei der Kriminalpolizei ob. Der in Zivilkleidung tätige Kriminalbeamte kann sich nur selten auf die Führung eines Vorgesetzten verlassen. Er steht selbständig allen Lagen gegenüber, die vielfach nicht nur gefährlich, sondern auch verantwortungsvoll sind. Infolgedessen ist das Vorgesetztenver- hältnis bei der Kriminalpolizei auch ein viel kollegialeres und muß es auch fein, denn meist ist der Beamte die der Ausübung des Dienstes mehr Kollege als Untergebener. Es hat in der heutigen Zeit niemand das� Recht, die Kriminalpolizei zu schelten. Warum sollen die Schäden des alten Obrigkcitsstaates nicht auch bei der Kriminalpolizei zu- tage treten, wie sie früher bei anderen Behörden und anderen Organen leider in noch viel höherem Maße bemerkbar ge- worden sind? Man komme nicht damit, daß nur in der un- vollkommenen Republik Polizeikatastrophen wie die in Leipzig und die vor einiger Zeit durch den Massenmörder ijaarmann in Hannover zutage getretenen möglich seien. Wenn in Leipzig ein Sozialdemokrat Polizeipräsident ist, so muß man von Hannover schon sagen, daß der durch Jahrzehnte im Obrigkeitsstaat bewährte Polizeipräsident heute noch seinen Dienst tut. Und dieser Polizeipräsident ist alles weniger denn S-ozialdemokrat! Der alte Obrigkeitsstaat hat auch schon seine Polizeiskandale gehabt. Es sei nur an Köln erinnert. Die Kriminalbeamtenschast setzt sich auch nur aus Menschen zu- sammen, und diese Menschen sind aus dem subalternen Militärstaat in die Republik herübergekommen, ihnen haften alle Mängel und Unvollkommenheiten des Verantwortung»- losen Untergebenen und die Gewöhnung an ganz andere Ver- Hältnisse un. Die viel größeren Anforderungen des republi- konischen Staatswesens haben bei ihnen ebenso wie bei allen anderen Beamtenkategorien Mißbehagen, Verärgerung, Vor- cingenommenheit ausgelöst und die Polizeibeamten ließen und lassen sich vielfach auch heute noch zu politischen Zwecken gegen republikanische Vorgesetzte und gegen den republikani- scheu Staat gebrauchen. Besserung wird nur erreicht werden können, wenn dem umfangreichen Gebiet der Kriminalpolizei die Aufmerksamkeit der Regierungen in vollem Maße zugewendet wird. Aber nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die Mittel und die M ö g l i ch k e i t e n sowohl in bezug auf die Personalfrage wie auf die Besoldung und Ausbildung der Beamten. Auch dazu gehört Geld, und dieses Geld haben die Landesparla- mcnte und der Reichstag zu bewilligen, damit eine durch- greifende Umorganisierung der jetzt verzettelten Kommunal-, Landes- und Reichspolizeikräfte zu einein einheitlichen Ge- bilde herbeigeführt wird. Die Sicherheit des Staatsbürgers gegen verbrecherische Gewalten muß ebenso wie durch die uniformierte auch durch die Kriminalpolizei gewährleistet sein. Politik öer Ueberrumpelung. Zentrumsworte ins Stammbuch des Herrn Scholz. Der Scherbenhausen, den der volksparteilichc Fraktions- führer Scholz mit seinen Reden in Ostpreußen hervorge- zaubert hat, ist den anderen Regierungsparteien sehr wenig angenehm. Die„Germania" schreibt Herrn Scholz einige Wahrheiten ins Stammbuch, die ihn vielleicht nicht ändern, aber sicher auch nicht gerade freuen werden. Sie sagt, der Abg. Scholz mißachte das Zentrum bis zu einem Grade, daß e r sich m e h r E i n f l u ß auf die Haltung des Zentrums zutraue.als dem eigenen Willen dieser Partei. Das Zentrum würde ihn aber endgültig von dieser Illusion befreien. Die„Germania" bestätigt diesem Scholz, daß er a b- sichtlich Sand in die Regierungsmaschine werfe, lim die Entwicklung, die sich anbahnte und die ihm unsympathisch war, zu stören. Schiffe öer Toten. Bon Erwin Frehe. Wer kennt ein Totenschiss? Ich meine nun nicht einen fliegenden Holländer, der mit einer unheimlichen Gcspensterbemannung fremde Fahrzeuge in Schrecken jagt, oder ein von Freibeutern ausgeraubtes, menschenloses Segel- schiff, das in grauenvoller Einsamkeit durch den Ozean flieht, auch keine gestrandete Bark, die die Wogen zurück ins Meer holten, um ein Spielzeug zu haben.' sondern eben ein Tolcnschist. Ans allen Meeren der Welt kann man sie treffen mit Fracht und Mannschaft. Rur, daß diese Mannschaft stündlich den Tod vor Augen hat und sich darum, scheint es. auch nicht viel aus ihm macht. Weil aber doch inmierhin ein normaler Mensch mit einem einwandfreien Paß oder Seemonnsbuch solche entsetzliche Kameradschaft nicht gerade als wohltuend empfindet, so kommen aus solchen Schiffen meistens die Desperados des ehrlichen Scemannshandwcrks, Rationslose, Abenteurer und Gestrauchelte zusammen. Solch Schiff Ist unter den Wasserfahrzeugen das, was ein achtzig- jähriger Greis der Menschheit bedeutet: man sieht bei beiden, daß ihre letzte Stunde durchaus nicht in grauer Ferne liegt. Stirbt nun der Mensch, dann holen sich— falls er versichert war— die traurig- fröhlichen Erben den Geldbatzen der Persicherung. Auch die Schisse haben eine Police.... Soll die Reederei etwa das halbwracke Schiff mit den technischen Einrichtungen der Urgroßvntcrzcit im Hase» festlegen und warte», bis die selige Todesstunde von selbst zu dem alten Kasten kommt? Soll sie den Patriarchen aus dem Verkehr ziehen? Als Altmaterial verkaufen? Ja, dann könnten keine Menschen sekündlich zwischen Tod und Sterben stehen, aber, aber, was meint man, was die Ver- sicherungsgescllschast tun würde?... Darum also müssen Totenschisfe fahren mit Menschen, die mit einem Bein noch lose auf der Erde stehen und mit dem anderen schon im Nichts versinken. O, es ist eine Fahrt auf den grünen, märchenumwogten Meeren. Verschollene Sagen flüstert es da manchmal vom trotzigen, wage- halsigen Störtebecker, von den kühnen Ausfahrten mutiger Wikinger, von Mord, Brand und lohenden Schiffen, die den Piraten zur Beute wurden. Vorbei! Heute ist das alles Technik, kühle Organi» sation, Tarifvertrag und Kursroute. Romantik und Abenteuer' ver- wesen am Galgen. Wer die Lotenschiffe fahren und fahren.... Niemand kennt sie. Sie erscheinen in keiner Statistik. Wie eine unwirkliche Fabel ist das Leben derer, die auf solchem Kasten ihrem nassen Grab zusagen. Ihr Leben bedcutet eine stete Folter. Denkt man gar an die „Schwarze Bande", an Heizer und Kohlenzieher, die unten, vor den höllischen Feuern, jeden Augenblick als den letzten ansehen können, die, wenn das Schiff absaust, fast unweigerlich verbrennen oder ver- sausen, dann erlebt man wohl ein wenig von der teuflischen Marter, die sür die Tot»nschifsleute Alltäglichkeit ist. Entwich da einmal ein junger Mensch aus der Fremdenlegion, schlug sich tapser durch Wüsten, Einöden und blutdürstige Beduine»- stämme hindurch und gelange schließlich im Taumel seiner ge- wonncnen Freiheit auf solch ein Schi's. Schon nach wenigen Tagen Gegen di«„Politik der Ueberrumpelung", wie sie Scholz nicht zum ersten Male versucht, wendet sich das Zentrumsblatt mit aller Schärfe. Es nennt den Scholz-Gesang„eine der übelsten K a k o p h o n i c n, die man seit langem zu hören bekommen hat." Sehr scharf und sehr deutlich ausgedrückt. Aber welche Mittel hat das Zentrum, um solche„Kakophvnien" seines Koalitionsfreundes für die Zukunft zu verhindern? Die Ritter unü ihre Rcht. Humoreske aus Bayern. Aus alten Zelten besteht in Bayern der sogenannte„Militär- Plax-Ioses-Orden", ein« Auszeichnung, di« für militärische Tapferkeit verliehen wurde und ähnlich dem Schwarzen Adlerordcn hohen- zollcrnschcr Prägung den persönlichen Adel mit sich brachte. Dieser Orden war auch dem Nürnberger Lehrer Ludwig Rudolph verliehen worden, der als Offizier ani Weltkriege teil- nahm. Ludwig Rudolph wurde dadurch zum„Ludwig Ritter von Rudolph". Wenigstens hat er das Recht, sich so zu nennen. Ob er es tut, ist seine Sache. Nun hat dieser Nürnberger Lehrer ober eine Todsünde gegen den heiligen Gel st des Militarismus be- gangen. Als nämlich in München der Dolchstoßprozeß verhandelt wurde und dort die bekannten Sachverständige» auftraten, um das „Persagen der Front und des Heimatlandes" sestzustellen, meldete er sich freiwillig als Zeuge, um seine Erlebnisse an der F r o nt vorzutragen und zu beweisen, daß die Dolchstoßlegende innerlich vollkommen hohl und unwahr hastig ist. Dieses freiwillige Bekenntnis zur Wahrheit hat ihm nun den Zorn der übrigen Ritter vom Max-Jofef-Orden«inge- tragen. Die alten Offiziere, die sich in ihien Offiziersoereinen zusammenfinden, haben ein vertrauliches Rundschreiben an die Inhaber dieses Ordens verschickt, in welchem dos„Groß- kanzleramt" des Max-Josef-Ordens auf„Verfügung des Herrn stell- vertretenden Großmeisters" mitteilt, daß der Frontkämpfer Ludwig Ritter von Rudolph in die gesellschaftliche Acht erklärt werde, von keinem der übrigen Ritter zu grüßen sei und auch zu gesellschaftlichen Veranstaltungen nicht hinzugezogen werden dürfe! Von diesem Rundschreiben erfuhr 5ierr Rudolph erst durch die Presse. Er antwortet darauf jetzt in einem Offenen Briefe an jenen„stell- vertretenden Herrn Großmeister", den General a. D. v. F a s- bender und sagt diesem alten Haudegen darin sehr kräftig die Wahrheit: „Ich bin un gehört verurteilt und von dem Bor- handensein und dem Inhalt der gegen mich gerichteten Verfügung durch nichts verständigt worden. Cure Exzellenz scheinen diese Handlungsweise mit den Geboten der Ritter- l i ch k e i t vereinbaren zu' können. Das Ritterkreuz des bayerischen Militär-Max-Iosef-Ordens, im Dienste des deutschen Volkes erworben, bedeutet mir eine ständige Mahnung, um dieses Voltes willen den Dienst an der Wahrheit höher zu achten, als die Rücksicht aus gesellschaftliche Bindungen. Seiner Ucberzeugung zu leben, ist ehrenhast." Der von seinen Ritterkollegcn in die Acht getane Nürnberger Hauptlehrer scheint also auf die Meinung der alten Gamaschenknöpfe bayerischen Stils zu pfeifen. Das ist uns viel sympathischer, als der„ritterliche Ehrbegriff" jener Leute, die ihr« oerkolkten An- schauungen aus der Monarchie in den neuen Staat hinübergerettet haben und sich dafür von der Republik Pensionen be- zahlen lassen, von denen ein Dutzend arbeitslose Familien bequem auskommen könnten! Die Krise üer KPD. Abermals 40 zum Ausschluß reif. Wie aus Berichten der„Roten Fahne" hervorgeht, ist die kom- inunistische Opposition ungemein rührig. Zwischen den Ausge- schlossenen und einem Teil der noch in der offiziellen Partei stehenden Funktionäre scheint eine eng« Zusammenarbeit zu bestehen. So haben die Linken während des sogenannten„Kongresses der Werktätigen" eine Fraktionssitzung und am letzten Sonntag ein« Reichskonferenz glaubte er, daß es besser gewesen wäre, in der Leoion zu bleiben. Alle erlittene Knechtung dünkte ihm gering gegen diese ewige Tortur des Toderwartens. Aber davon weiß ja niemand.... Geschichten aus dem Mittelalter sind das, Legenden von einst— Wirklichkeit?! Es ist die schauerliche Romantik von heute. Totenschiffe durch- furchen alle Ozeane. Gibt es doch so viele Menschen, deren Ver- gangenheit irgendwie abwegig ist und die doch leben, atmen möchten, auch wenn es nur noch ein Röcheln aus einem morgen unter- gehenden Schiff ist. Der Wille zun, Leben triumphiert bis zur letzten Sekunde. Trotzdem ihnen allen der Tod wartend im Nacken sitzt.... Wie dunnenials bei Mutter Gräberten, so gemütlich ging es gestern im Theater in der Lützowstraße zu. Es gab „Die lür tischen Gurken",«in Schwank von Max Real und Max Ferner. Di« beiden Autoren haben sich«in« Masse Arbeit gemacht. Sie haben aus den wirksame» Stellen von Possen ältesten Genres«in« Art Schwankgulasch hergestellt und damit den Geschmack der unbefangenen Zuschauer des Theaters in der Lützow- straßc getroffen. Das Publikum quitscht« den ganzen Abend vor Vergnügen. Den Stoff bieten wieder einmal die Seitensprünge schwer verheirateter Pantoffelhelden. DI« Angst, daß alles heraus- kommen könnt«, führt zu allerhand Berwicklungen, die wieder zu derber Situationskomik Anlaß geben. Es wird viel für's Eintritts- geld geboten, sogar«in Harem mit Obereimuchen und Bauchtanz erscheint aus der Bühne. Dem Vorstadtcharakter des Schwan ks entsprechen auch die darstellerischen Leistungen. Die Unbeholfenheit der Mehrzahl der Schauspieler belustigt fast mehr als die routinierte Komik der drei Hauptdarsteller Max Walden, Fritz Ritter- selb und Fritz Kalmann. Kalinann spielt einen Oberlehrer mit eiserner Pedanterie. Das Theater in der Lützowstraße scheint hier ein« starke komische Begabung entdeckt zu haben. Seine bewußt aufgetragene Tranigkeit wirkt zwerchfellerschütternd. Dgr. Gefahr sür den Zuschauerraum des Opernhauses. Di« Berliner Akademie der Künste beschloß neulich ein« Warnung, bei der jetzigen Umgestaltung auch das Inner« des Berliner Opernhauses zu berühren. Auch die neuen Pläne des Umbaus, di« Geheimrot Fürstenau vom preußischen Finanzministerium vorlegte und die mit ihrer Verlegung der seitlichen Rffalitfronten«in« so wesentliche Umgestaltung des ganzen Außenbildes brachten, enthielten von einer Umgestaltung des Zuschauerraumes nichts, sondern nur«in« praktisch billigenswerte Umlegimg der vorderen Treppen, der Kassen und Kletderablageräum«. Aber di« Warnung der Akademie scheint doch nicht grundlos.zu sein. Schon nicht mehr mit Ueberraschung hört man. daß jetzt ein Umbau auch im Zuschauerraum geplant wind. Und zwar soll nicht nur das Proszenium umgestaltet werden. Für das Raumbild noch gefähr- sicher muß die in Aussicht genommen« Rückverlegung der RonAtützen werden: sie durchlöchert die bisher geschlossenen Rangwandungen, sie nimmt dem Zuschauerraum jenen einzigen Eindruck edler Würde, der ihn auszeichnete— die Akademie nennt ihn„einen der künstlerisch wertvollsten Theaterräume in der ganzen Welt". Obendrein bot sich, als die Akademie des Bauwesens neulich den Umbau besichtigt«,«in wenig schönes Bild: unbekümmert und rücksichtslos, ohne das Gefühl, Zwei Ueberschristen unö eine Lücke. Wahrheiten der„Noten Z?ahne". Die„Rote Föhn«" sagt bekanntlich immer die Wahrheit. Wer was anderes sagt, ist ein Lügner. Finden wir da in der„Roten Fahne" zwei Meldungen, deren Ueberschristen für sich sprechen. Die Führer der KPD. Italiens in höchster Lebensgesahr. Ein Gewallstreich gegen die Sowjewertretung in Italien. Man kann sich denken, wie ausregend es ist, was unter diesen Ueberschristen zu lesen ist. Tschitscherin aber hat bei seinem bekannten Interview vor Vertretern der bürgerlichen Press« die glänzenden Beziehungen Sowjetrußlands zu Italien gelobt. Di« Wiedergab« dieses Interviews in der„Roten Fahne" hatte an dieser Stelle ein« ganz unbegreifliche Lücke. Dies« Stell« der Aus- führungen Tschitscherins wunde den deutschen Kommunisten nicht präsentiert. Woraus man wieder ersehen kann, di« Freundschaft Mussolinis zu Sowjetrußland ist gut für die Reklame der russischen Kommunisten unter den Bürgerlichen. Die schmach- volle Vergewaltigung der Kommunisten in Italien ist gut für die Reklame der deutschen Kommunistischen Partei unter ihren Freunden. Man sieht: es hat jedes Ding zwei Seiten, nicht nur die Geschichte der Sowjetgranaten für die deutsche Reichswehr. Die dänische Kabinettsbildung. Bürgcrblock oder Rcchtsrcgierung? Kopenhagen. 9. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Der König hat den Führer der Venstre(Baucrnlinten), Reergaard. nach Befragung sämtlicher Parteiführer mit der Neubildung der Regie- rung beauftragt. Er ersuchte, die Möglichkeit eines Sammlungs- Ministeriums aus allen Parteien zu prüfen und erst in zweiter Linie eine Parteiregierung herbeizuführen. Der bisherige Minister- Präsident, Genosse S t a u n r n g, erklärt in einem Zeitungsintcr- view, daß die Sozialdemokratie sich an einem Sammlungsministc- rium nicht beteiligen könne. Damit muß der Plan einer Regie- rung aus allen Parteien als gescheitert gelten. Es bleibt jetzt die Frage, ob ein B ü r g e r b l o ck zustande kommt oder ein Kabinett nur aus beiden Rechtsparteien. Das neugewähltc Parlament soll am 17. Dezember eröffnet werden. Die Ersparnisse durch Personalabbau in Preußen werden in einer Ucbersicht, die dem Landtag übergeben wurde, mit 30,3 Millio- neu Mark beziffert. Die M e h r a u s g a b e n, die bei dem Personal- abbau entstanden, sind dabei vorweg in Abzug gebracht. hier eines der schönsten Werke Altberliner Raumkunst hüten zu müssen, wird im kleinsten wie nn größten vorgegangen. Wenn das so weiter geht, muß man einfach später alles neu malen, neu be- spannen, neu beziehen— und dos Opernhaus ist bis auf die Maske der Lmdenfront ganz und gar.zerstört. Dr. Max Osborn hielt in den Räumen der Deutschen K u n st g e m e i n s ch a f � im Schloß einen Vortrag über das Thema:„W i c betrachte ich ein K u n st w e r k?" Er warnte davor, mit vorgefaßten Grundsätzen und überlieferten Anschau- ungen an ein Kunstwerk heranzutreten. Es darf sich nicht darum handeln, was man selber über das Kunstwert zu sagen hat, sondern es ist vielmehr wesentlich, was das Kunstwert uns sagen will und sage» kann. Jedes Kunstwerk ist eine Frage an uns, nicht eine Antwort auf unsere mitgebrachten Kunstdogmen. Daher darf man nicht ein Urteil schnell formulieren, sondern man muß versuchen, sich auch in das Kunstwerk hineinzuleben, dem man im ersten Augenblick fremd gegenübersteht. Denn alle„moderne" und heute selbstverständliche Kunst ist einmal ebenso lebhaft abgelehnt worden, wie sie heute— besonders in der Architektur— anerkannt wird. Aber es haben sich nicht etwa die Künstler, sondern unsere Kunst- anschauungen gewandelt, wir haben gelernt, die Schöpfungen der modernen Meister zu sehen. Dr. Osborn zeigte nun den Weg, wie e r ein Kunstwerk betrachtet. Er betonte, daß er absichtlich die Frage sonnuliert hätte:„Wie betrachte i ch ein Kunstwerk?", und daß er keinesfalls dieses„ich" in„man" umgedeutet wissen wolle. Es mag viele Wege der Kunstbetrachtung geben, und der Weg, der ihm gemäß sei, mag anderen nicht zusagen. Er geht von einer von ihm als„Hauptpunkt" enipfundenen Sielle des Bildes aus, in der er gleichsam eine Konzentration der Bildabsichten erblickt, die der Künstler darin unbewußt aibt. Von diesem Punkte her erarbeitet er sich das Kunstwerk. Dr. Osborn demonstrierte an praktischen Beispielen, die zugleich einen Einblick in die Kunstentwicklunjjs seit dem Impressionismus gaben, diese Art seiner Kunstbctrachtung. Tes. Der orientalische Lese'aal der Preuhilcheil StaatSbibliotbek. der bi�kicr den Benutzern nur bis 3 Uhr mflänflljch gemacht werden konnte, ist von jetzt ab ebenso wie der grotze Lesesaal der Staatsbibliothek bis S Uhr abends geöffnet. Da» Berliner Sinsonie-orchester vera»sialt-t am 12., abmdS S Uhr. im sö lülbner-Saal unter Leitung von Emil Sohnke einen Diener Abend. Solistin des Abends ist Stella EiSner(Gesang). Mary Mgmon hat ein ncueS Tanzwcrk komponiert, daS sie mit ihrer Gruppe Ansang Februar in Berlin zum erstenmal oorsiihrc» wird. Eine oölterrechlliche Vreiiausgob«. Die deutsche Gesellschaft sür Völker- recht schreibt eine PretSaufgabe auS:»Wesen und Grenzen der inler- nationalen Gerichtsbarkeit und Schiedsgerichtsbarkeit als Grundlage für das Bölkerrecht der Zukunft.- Di« Preisarbeiten find unter einem Vermerk bei dem Kieler Institut für internationales Recht bis zum 13. März 1S2S einzureichen. Der Preis beträgt 10000 M. Ein Deechooen-Archiv toll dem Beethoven-HauS In Bonn anläßlich deS aus den Sö. März 1927 fallenden 100. TodeStag deS Tondichters an. gegliedert iverdcn. Da« Archiv soll eine möglichst umsassende Sammlung der gesainten Beelboven-Lileralur und sämtlicher ilusgabeii von Beethoveno Tr.leii enthalten, seiner alle sonstigen zum itudium Beethovens und feiner Zell notwendigen Materialien. Der neue Sp Tie Rolle der Brüder Schwarz. Di« Ausdeckung der merkwürdigen Vorgänge, die sich bei der Errichtung der Spritreinigungsonstolt des Reichsmonopolamtes in Monheim obgespielt hoben, erscheinen bei näherer Betrachtung der Ding« immer eigenartiger, und es scheint fast so, als ob außer den behördlichen Untersuchungsinstanzen auch die Parlaments sich mit dieser Angelegenheit noch«ingehend werden beschäftigen müssen. Zunächst muß bei der Erörterung des gesamten Komplexes d i« Roll« der fünf Brüder Schwarz festgestellt werden, die hinter d«n Kulissen einen so wesentlichen Einfluß aus maßgebende Persönlichkeiten in der Monopoloerwaltung ausgeübt haben und die es verstanden, Verträge mit dem Monopolamt, also in- direkt mit dem Deutschen Reich abzuschließen, von denen man wohl sagen kann, daß sie dem zweiten Vertragskontrahenten, nämlich dem Reich, bestimmt nicht zum Nutzen gewesen sind. Die Bruder Schwarz waren schon vor dem Kriege als außerordentlich finanzkräftig im ganzen Rheinland, besonders ober in Köln, bekannt. Sie spielten schon da- mols im internationalen Sprühandel ein« führende Rolle und haben während der Kriegs zeit die Heeresverwaltung mit lllkoholmengen beliefert, die in die Millionen gingen. Diese Tätigkeit, die an sich durch- aus legal gewesen sein mag, machte die Brüder Schwarz zu außer- ordentlich wohlhabenden Leuten, die einen großen Teil ihres Ver- mögens in Grund und Boden anlegten. Allein in der Ilmgegend Kölns haben die Schwarz Grundbesitz von etwa 400 bis 500 Morgen. sie oerfügen über einen erheblichen Höuscrkomplex, nicht nur in der rheinischen Hauptstadt, sondern auch in Berlin. Trotz der Riesen- gewinn«, die ihnen ihr« Geschäft« abwarfen, haben sich die Brüder Schwarz auch auf andere Unternehmungen eingelassen, die sie schließ- lich mit dem Gesetz in Konflikt brachten und 1919 dazu führten, daß Heinrich Schwarz zu einer für damalig« Zeiten immerhin sehr erheb- lichen Geldstrafe von einer Viertel Million Mark wegen unerlaubter Spritgeschäste verurteilt wurde. Bald darauf wurde ein anderer der Brüder in der Schweiz zu der noch höheren Straf« von einer halben Million Franken verurteilt, iveil er in Eisenbahntankwagen, die einen doppelten Boden besaßen, Alkohol unverzollt in die Schweiz einge- führt hatte. Es kam dann, wie schon geschildert, dazu, daß die Schwarz ein« Filiale der belgischen Firma I. A. Schenk-Brüssel in Köln er- richteten, und unter diesem Deckmantel dehnten sie ihre Beziehimgcn nach allen Seiten aus, 1919 bestand«in Konzern, der sich zustmimen- setzte aus der Finna Gebrüder Schwarz-Äöln, den Rheinischen Sprit- werken Monheim, der Firma I. A. Schenk, Köln und schließlich der Firma Alex Frank, Köln. Am 21. Dezember 1919 wurden im Ge- bäude der Firma Schwarz die Rheinischen Spritwerke gegründet. Die Houptgesellschofter waren der Kriegsausschuß für Ersatzsuttcr G. m. b. H., der A Millionen Anteil« übernahm und Peter Schwarz, der nur 160 000 Mark Anteil« zeichnete. Später erhöhte it-Skanöal. - Monopolamt nnd Provisionen. der Kriegsausschuß für Ersatzfutter seine Anteile aus 8 Millionen, von denen I. A. Schenk ,in Brüssel 3 Millionen nominell übernahm, während der Kousmonn Worth in Köln 1,8 Millionen zeichnete. Im April 1921 wurden dann die R h e i n i s ch c n Preßhefe- und« p r i t w e r k e gegründet mit einem Kapital von 8 Millio- nen, das zu gleichen Teilen zeichneten Staatssekretär Busch, A. I. Schenk-Brussel, Abgeordneter Gutsbesitzer Kaulen, Kaufmann Worth und Kaufmann Auer in Köln. Im Dezember 1922 erhöhte man das Aktienkapital auf 30 Millionen, von denen 0 Millionen die Dres- dcner Bank erhielt, während Schenk-Köln, also Peter Schwarz, die Aktienmehrheit besasz. Die Brüder Schwarz hatten sich damals mit der Reichsmonopolvcrivaltung in Verbindung gesetzt und hatten ihr zugesagt, aus Belgien 3 Millionen Liter Sprit zu liefern, da kurz nach dem Kriege der Bedarf an Alkohol sehr groß war und die Monopolvcrwaltung aus dem Ausland« Sprit einführen mußte. Peter und Heinrich Schwarz schlugen nun vor, sich an das belgische Handelsministerium zu wenden und erklärten auch, einen Vertrag zwischen diesem und der Reichsmonopolverwaltung bezüglich Aus- fuhr und Lieserung der genannten Menge Sprit beschaffen zu können. Dieser Vertrag kam tatsächlich zustande, obwohl darin stand, daß der Liter Sprit zehn belgische Franken koste, ein Preis, der etwa 100 Proz. über den damals auf dem internationalen Markt gezahlten Preisen stand. Man hat später aus diesem Grunde den Verdacht geschöpft, daß Schwarz den belgischen Vertrag abgeändert und Zahlen eingesetzt habe, die ihm einen ungeheuren Gewinn zusicherten. Die Fachleute im Reichsmonopolomt haben gleichwohl die u n g l a u b- lich hohen Lieferungsbediiigunge» akzeptiert, und der Sprit wurde geliefert. Die Brüder Schwarz leben nach den letzten Meldungen unangefochten in Brüssel und Parts. Jin Jahre 1922 kam dann die Gründung der Spritreinigungsonstall der Monopalvcrwoltung in Monheim, und im Zusammenhang da- mit haben sich Dinge ereignet, die zunächst fast unglaublich klingen und deren Nachprüfung den ordentlichen Gerichten überlassen bleiben muß. Wie bereits gemeldet, haben die Rheinischen Preßhefe- und Spritwcrkc den Antrag bei der Reichsmonopolverwaltung gestellt, in Monheim die Reinigungsanstalt zu errichten, um die Betriebe de.' Spritwerke gründlich ausnutzen zu können. Eigenartig berührt nun, vaß zunächst einmal die Verhandlungen für die Rheinischen Sprit- werke größtenteils durch den Prokuristen der Firma Schenk, Burg- Hardt, geführt worden sind, und man behauptet, daß Burghardt nur seinen Namen für die Maßnahmen des Peter Schwarz her- gegeben habe. Dann aber sind zahlreiche Verhandlungen zwischen den Spritwerken und maßgebenden Persönlichkeiten im Monopolamt nicht auf dem o s s i z i c l l e n Wege über die Dienststelle geführt worden, sondern man schrieb mit Vorliebe Briese in die Privatwohnung der in Frage kommenden Herren oder ver- abredete Besprechungen außerhalb der Dienststelle. wollte NußlanÜ 1914 öen Krieg? Ein B-richt des„lieben Pourzcl" aus Petersburg und Wilhelms Randbemerkungen dazu. In der Aklenpublikation des Auswärtigen Amtes über die Politik der Großmächte 1871/1914 wird jetzt ein Bericht des Petersburger Botschafters Grafen Pourtales an den Reichskanzler Bethmann-Hollweg veröffentlicht. Er ist vom 11. März 1914 datiert und enthält eine aufschlußreiche Be- trachtung darüber, ob die russische Politik beabsichtigte, in den nächsten" Monaten einen Krieg zu entfesseln. Während der Botschafter diese Frage verneint, versieht Kaiser Wil- Helm II. seine Ausführungen mit ironischen und herabsetzenden Randbemerkungen, die der gegenteiligen Ansicht Ausdruck geben. Das Hauptstück der Pourtalösschen Darlegungen mit den kaiserlichen Randbemerkungen an den betreffenden Stellen in Klammern dahintcrgesetzt lautet: „Die in dem Petersburger Bericht der„Kölnischen Zeitung" an die russischen Rüstungen geknüpften Betrachtungen haben den Ein- druck erwecken müssen, als bereite sich Rußland planmäßig auf einen in drei oder vier Jahren gegen Deutschland zu führenden Krieg vor.(Das ist auch so! Ganz unbedingt!) Diese Ansicht halte ich für falsch.(Dann irrt sich Exzellenz.) Ich glaube nicht, daß in Ruhland Regierung und Volk einen solchen Krieg wünschen und ihn für unvermeidlich holten, noch viel weniger glaube ich, daß hier irgendwelche maßgebenden Faktoren ein politisches Programm versolgen mit dem Ziele eines Konfliktes mit uns.(Das ist Rassensroge! Und Gefühlssache, bei denen sogenannte„maß- gebende Faktoren" die Geschobenen sind und nichts zu sogen haben.) ... Gewiß verdient das, was auf militärischem Gebiet neuerdings hier geschieht, die ernsteste Beachtung unserer militärischen Kreise, daß aber das allmähliche Bekanntwerden des Umfanges der russischen Armeeoermchrung plötzlich eine Situation für uns enthüllt hätte, bei welcher wir mit aggressiven Plänen unseres östlichen Nachbarn in einigen Iahren rechnen müßten,(Unbedingt ja!) vermag ich nicht zuzugeben. Vor allem scheint es mir augenblicklich an Persönlich- keitAi hier zu fehlen, welchen derartige weitausschauende Pläne zuzutrauen wären und welche die Stellung, sowie den Einfluß besäßen, diese Pläne ihrer Verwirklichung cntgegenzufiihren. Die friedlichen Gesinnungen des Kaisers Nikolaus sind gewiß über allen Zweifel erhaben.(Ebenso seine absolute U n z u v e r- I ä s s i g k e i t und Schlappheit einem jeden Einfluß gegenüber.) Daß es unter den russischen Generälen manche gibt, welche einen Krieg im Bunde mit Frankreich gegen uns und Oesterreich gern sehen würden, ist gewiß ebenso wenig zu bezweifeln, als daß es kriegslustige Elemente in jeder Armee gibt.(Uebliche Phrase des pikierten Diplomaten 20ten Jahrhunderts.) Vorher zu jagen, wie es in drei bis vier Jahren aussehen wird, scheint mir an sich gewagt, wenn man nicht die Gabe besitzt, in die Zukunft zu schauen.(Diese Gabe kommt vor! Lei Souveränen öfter, bei Staatsmännern selten, bei Diplomaten fast nie.)" Nachdem der Botschafter seinen Zweifeln Ausdruck ge- geben hat, daß Rußland bewußt und planmäßig einem Kriege zusteuert, so ist er in dem letzten Teil seines Berichts doch auch„weit entfernt davon, die Gefahren zu unterschätzen, welche das Treiben der russischen Nationalisten, die Hetzereien der französischen Chauvinisten und das Verhältnis Rußlands zu Oesterreich mit sich führen". Er will dabei nicht behaupten. daß die russischen Nationalisten alle zum Kriege hetzen. Ein sehr großer Teil, wohl der größte Teil verfolge nur das Ziel, Rußland wirtschaftlich und kulturell vom Auslande unab- hängig zu machen. Innerhalb dieser großen nationalistischen Partei bilden die kriegerischen Nationalisten eine Verhältnis- mäßig kleine Gruppe, die aber aus dem Grunde nicht un- gefährlich sei, weil sie äußerst rührig sei, über einen großen Teil der Presse verfüge und in einflußreichen Kreisen ihre Vertreter habe. Pourtalds berichtet dazu, daß der Außen- minister Sasonoff überzeugt sei, daß hinter den deutschfeind- lichen Hetzereien sehr viel regierungsfeindlichen m- triebe steckten. Daß die russische Regierung angesichts solcher Treibereien ihre Ohnmacht bekenne, gegen die Presse etwas zu tun, scheint Graf Pourtal�s ein bedenklicher Beweis ihrer Schwäche zu sein. In dieser Schwäche, die von fron- zösischer Seite reichlich ausgenützt werde, erblickte er„die Gefahren der gegenwärtigen Lage weit mehr als in der an- geblichen planmäßigen Borbereitung des Angriffskrieges durch die leitenden Faktoren". In seiner Schlußbcmerkung schreibt Wilhelm dazu:„Der liebe Pourzel(statt Pourtalös) hätte diesen Bericht lieber un- geschrieben lassen sollen!... ICH als Militär hätte nach allen MEINEN Nachrichten nicht die allergeringsten Zweifel, daß Rußland den Krieg systematisch gegen uns vor- bereitet; und danach führe ICH MEINE Politik. Wilhelm." Ein Russenfkanöal. Anrufung der deutschen Behörden. In Berliner Sowjetkreisen wird eine neue Skondalaffäre in der hiesigen Vertretung der staatlichen Getreidehandels-A.-G. ,.C h l e b o p r o d u k t" viel besprochen. Den Posten eines Berliner Vertreters der„Chleboprodukt" bekleidete bis zuletzt Herr Miller- Mohlis, eingeschriebenes Mitglied der russischen Kommunistischen Partei und früherer Ernährungskommisiar der Wolgadeutschen Sowjetrepublik. Vor wenigen Wochen trat er unerwarteterweise zurück mit der Motivierung, daß er die illoyale Handlungsweise der ..Chleboprodukt" gegenüber seinen ausländischen, darunter auch deutschen, Vertragsfirmen nicht billigen könne. Zwischen der „Chleboprodukt" und diesen Finnen besteht nämlich seit einiger Zeit ein Konflikt, der durch den Versuch der„Chleboprodukt" hervor- gerufen worden ist, sich von ihren vertraglichen Verpflich- iungen zu befreien. Auf russischer Seite wird nun behauptet, daß Miller-Mahlis bei seinem Rücktritt die ihm als Vertreter der „Chleboprodukt" zur Verfügung stehenden recht erheblichen Summen zurückbehalten hat, ohne der Direktion der Ge- sellschaft eine Abrechiiung vorzulegen. Von seinem Vorgesetzten wurde Miller-Mahlis nach Moskau zitiert, kam ober aus begreif- lichen Gründen dieser„Einladung" nicht nach. Wie verlautet, beab- sichtigt die„Chleboprodukt", Anzeige gegen Miller-Mahlis b e i den deutschen Gerichtsbehörden zu erstatten. Der deutsche Einheilssiaal. Der Deutsche Republikanische Reichs- bund beabsichtigt, im Februar 1927 in D a r m st a d t eine große republikanische Führertagung abzuhalten, die sich mit der Frage der Schaffung des deutschen Einheitsstaates be- fassen wird, und an der Vertreter aus Hessen, Hessen-Nassau, Baden, Württemberg, Bayern und der Pfalz teilnehmen werden. Die Tagung soll schassen ein Bekenntnis der süddeutschen Staaten zum deutschen Einheitsreich. Ein politisches Preisausschreiben über das Thema„Wie kann in der deutschen Republik die S t a a t�s g e s i n n u u g befestigt werden?" veranstaltet die Königsberger„Hartungsche Zeitung". An dem Preisausschreiben kann sich jeder beteiligen. Die Bedingungen jind beim Verlag der genannten Zeitung zu erfahren, � � Der Toü ües Steinmetz Lietzkow. Eine dunkle Tat aus dem Jahre ISIS. Trostlose Familien- und Eheverhällniss« waren es, die den Hintergrund zu einem Prozeß vor dem Landgericht II bilden. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dost, die Anklage vertritt Staats- anmalt Höfer, die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsan- wältc Dr. Puppe und Dr. Mendel. Die Anklage lautet aus Mord bzw. Anstiftung dazu. Auf der Anklagebank sitzen der 28jährige Kutscher Rudolf Schwarz, der 29jährige Arbeiter Franz P ö t s ch und dessen klljährige, viel älter aussehende Mutter Anna Lietzkow.' Die Tat liegt sieben Jahre zurück. Damals hieß es, daß der Steinmetz Lietzkow, übrigens ein Trinker, der im Februar 19l9 in einer Blutlache neben feiner Laube in Oberschöneweide ausgesunden wurde, am Herzschlag und Blutungen gestorben sei. Am 3. Juli 1920 machte aber die Frau des Angeklagten Schwarz bei der Polizei eine Anzeige. Sie erklärte, ihren Mann anzeigen zu müssen, weil er sie beständig nnt dem Tode bedrohe, falls sie zur Polizei gehe. Der Angeklagte Schwarz erklärte aber seinerseits vor Gericht, daß seine Frau, der er seinerzeit mitgeteilt hatte, daß er den Lietzkow erschossen habe, durch ständige Drohung ihn anzuzeigen, ihn zu Diebstählen veranlaßt habe: sie habe, trotzdem er erwerbslos war, stets von ihm Geld gefordert. Das Leben mit ihr sei to schlimm gewesen, daß er Gefängnis und Zuchthaus vorgezogen habe. Er bestreitet, den Lietz- kow mit Ueberlegung getötet zu hoben. Wenn er es in der Bor- Untersuchung zugegeben habe, so sei es nur geschehen, um seine Frau in die Sache als Begünstigerin mit hineinzuziehen. Bei seiner po- lizeilichen Vernehmung hat ober Schwarz den Hergang folgender- maßen geschildert: Er sei oft Zeuge gewesen, wie Frau Lietzkow durch ihren Ehemann mißhandelt wurde. Dann habe die Fron manchmal geäußert, daß es besser wäre, wenn der Mann tot wäre. Und darauf sei sie stets in den Sohn und in ihn gedrungen, sie möchten den Mann doch beseitigen. Am Tage vor der Tat hob« sie ihnen dam, Geld zum Kauf ciue- Revolvers gegeben und ihnen gesagt, daß ihr Mann sich in der Laube in Oberschöneweide aushalte. Sie seien beide Hingegaugen und als Franz Pötsch sich nicht habe entschließen können, zu schießen, habe er es getan. Jetzt vor Gericht erklärte der Angeklagte, daß Frau Lietzkow zwar geäußert habe, daß es besser wäre, wenn der Mann nicht mehr da wäre, daß sie ihm jedoch nicht zugemutet habe, den Mann zu töten. Am frag- lichen Tag« seien sie mit S ch i m p f w o r t e n' v o n Lietzkow empfangen worden und darüber erbost, wollte nun Franz auf ihn schießen, worauf er ihm den Revolver entriß und den Schuß selbst abgab. Die Angeklagte Frau Lietzkow machte einen be- daucrnswertcn Eindruck. Sie ist eine abgehärmte, verarbeitete, kranke Frau, die die Ehe mit einem unwürdigen Mann zerbrochen hat. Ihr Sohn, ein nervöser Mensch, kann sich kaum des Weinens enthalten. In der Familie beider Angeklagten ist eine größere Anzahl von Geisteskranken vorhanden gewesen. Der Prozeß dauert an. Drillantringe. Eine Baronin unter der Anklage des Meineides. Vor dem Potsdamer Schöffengericht muß sich abermals eine Angehörige der Adelsgelelllchast, die ö4jährige geschiedene Baronin Dorotheavon Helldorf aus W i l h c l m s h o r st bei Pots- dam, wegen Meineids und Begünstigung verantworten. Die Angeklagte ist die Tochter eines Generals, die mit 21 Jahren den Mojoratsbesitzcr Baron von Helldorf aus Wolmirstedt an der llnftruth heiratete. Der Ehe entsprossen drei Kinder. Nach dem Kriege wurde die Ehe geschieden, weil der Baron mit der Friseuse der Angeklagten ein Verhältnis anfing. Das Majorat hat jeyt der Sohn Gras Wolf von Helldors, der die An- geklagte unterhält. Zahlreiche Prozesse innerhalb der Familie schweben heute noch. Eines Tages lernte die Angeklagte den Kaufmann und Juwelenhändler Kork N ä g e l e r in Berlin kennen. Die Anklage behauptet nun, daß die Baronin von Nägeler vier Brillantringe als Pfand erhalten und diese Ringe für löOOMark einem Landwirt Gustav Hübener in Michendorf verkauft habe. Nägeler war inzwiscken zu der Baronin»ach Wilhelmshorst gezogen, und zwischen beiden entspann sich alsbald ein Inniges Verhältnis. Im Juni 1924 erschien ein Oberiandjäger in der Villa und verhaftete Nägeler. da dieser ein Hochstapler und vielfach oorbejtrajter Mann war. Die Ringe hatte Nägeler einem Iuwelcnhändler in Stuttgart unterschlagen. In der Voruntersuchung gegen ihn wurde die Baronin als Zeugin vernommen, und sie be- schwor dabei, daß die Ringe von ihr ordnungsgemäß für 4300 Mark gegen Abzahlung von Nägeler erworben seien. Daraufhin wurde das Hauptvcrsahren gegen ihn eingestellt. In Wirklichkeit sollen die Ringe aber gar nicht in ihren Besitz übergegangen sein. Sie hatte die Ringe nur von Nägeler erhalten, um dadurch von Hübner 1000 Mark zu erlangen.. Die Angeklagte bestreitet, gewußt zu haben, daß Nögeler ein vorbestrafter Mann sei. Für die Wer- Handlung sind zwei Tage in Aussicht genommen. Feuer im(Großkraftwerk Rummelsburg. Heute früh, kurz nach 7 Uhr, wurden drei Löschzüge der Feuer- wehr nach dem Großkraftwerk Rummclsburg alarmiert, wo i n dem Kesselhaus A Feuer ausgebrochen war. Im Kesselhaus lagerten etwa 100 Säcke, die mit Isolierungsmaterialien gefüllt und in etwa drei Meter Höhe aufgestapelt waren. In der Nähe wurde mit Schwcißopparaten gearbeitet, so daß vermutlich durch Funkenflug das Feuer entsacht wurde. In kurzer Zeit stand der Stapel in hellen Flammen. Es wurde aus mehreren Schlauch- leitungen längere Zeit Wasser gegeben. Die Aufräumungsarbeiten gestalteten sich ziemlich schwierig.— Fast um dieselbe Zeit wurde die Feuerwehr nach der Optischen Anstalt von Goerz am Schönower Stichkanal gerufen. In der Lackiererei war aus noch unbekannten Gründen Feuer entstanden. Die Fobrikseuerwebr mit Unterstützung der Zehlendorfer Bcrussseuerwehr löschte den Brand, ehe er größere Ausdehnung gewinnen konnte. Auf der Flucht angeschossen. Drei Einbrecher hatten es in der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr aus das Schirnmeschäst von Rutkowski in � der Potsdamer Straße 7 abgesehen,«ie hatten bereits das Schaufenster zer- trümmcxt und aus den Auslagen einen Schmuckkasten mit zehn Spazierstöcken herausgeholt, als ein Oberwachtmeister auf sie auf- merksam wurde. Als die Einbrecher sich beobachiet sahen, ver- zichtetcn sie am weitere Beute, warfen auch die Stöcke weg und ergriffen die Fluchi. Der Beamte verfolgte sie durch mehrere Straßen, gab endlich, als sie auf wiederholt« Anrufe nicht standen, einen Schuß ab. traf einen von ihnen und konnte diesen jetzt festnehmen, während die beiden anderen entkamen. Wohllätigkcllsvorstellung am lvedding. Zum Besten der Bezirksarmen der 314 8 Wohlfahrtskommission sand im Mercedes-Palast, Utrechter Straße, eine Wohltätiakejtsvorstellung statt. Zuerst rollte ein Film über eines Zirkuskindes Leiden und Freuden, dann gab man einen Sketch(Titel unbekannt), gespielt von Erich Kaijer-Tietz. der als„Anti-Äülzurde" gedacht war. Leider verfehlte er aber insofern seine gute Absicht, als das Thema— ein Vater cutbrennt in sträslicher Liebe zu seiner Tochter(Oedipus um- gekehrtes Verfahren)— tatsächlich ein Stück ärgster„Groschen- Literatur" darstellr, so daß sich ein großer Teil des Publikums— und dies mit vollstem Recht— dem vermeintliche»„Zensor" in heftigste» Mißfallsbezeugungen anschloß. So was muß natürlich geschickter angestellt werden, wenn es seinen Zweck erreichen soll. Zum Schluß sang der Meinekesche Männerchor hübsche Weisen. Der Zweck heiligt ja schließlich die Mittel, und wenn der Ertrag des Abends den Bedürftigen zugute kommt, so sei über alle etwaigen „Entgleisungen" der Schleier der Nächstenliebe gebreitet! Selbsthilfe gegen Schund und Schmutz. Die Eltern werden aus die Weihnachtsbuch- und Spielausstellungen der weltlichen Schulen im Norden Berlins hingewiesen. Die Ausstellungen finden in folgenden Schulen statt: Im Bezirk Wedding in der 208. Gcineindcschule, Kothenbnrger Straße, 244. Gemeindeschuic, Pankstr. 20/21, Ecke Wiesenstraße, 262. Gemeindeschule, Lütticher Straße 4, am 19., 11. und 12. Dezember täglich von 5 bis 8 Uhr. Außerdem Sanntag, den 12. Dezember, von 11 bis 3 Uhr. Im Bezirk Reinickendorf-West in der 9. Gemeindeschule. Augusta- Viktorio-Allcc 37, am 9., 10., 11. und 12. Dezember von 4 bis 0 Uhr und 148 bis 3410 Uhr. von Wegelagerern wurde gestern abend«ine 16 Jahre alte Hausangestellte Frida Kube aus der Touroggener Straße 17 an- gefallen und beraubt. Als das Mädchen vom Bahnhof Jungfern- beide her auf dem Heimwege die Ecke der Brahe- und Kamminer Straße erreicht hatte, sprangen zwei junge Burschen von etwa 18 Iahren an sie heran, raubten ihr die Geldbörse mit 12 M., ent- flohen damit»ach dem Laubengelände an der Olbersstraße und Lntkanun., J.____......... - Nr»"iT) ir v,-mirutz"rtdii'-M•»' wutfu � Trvr i"" Hegen öle Lteberftunöenjchieber. Die arbeitslosen Mitglieder des Bertehrsbundes. Die Bezirksverwaltung Groß-Berlin des Deutschen Verkehrs- uui�ies hatte zu Dienstag mittag ihre arbeitslosen Mitglieder noch dem Gewerkschastshauz zu einer Versammlung eingeladen. Der Versammlungsbesuch war so stark, dah bereits vor der Versamm- wngscröjfnung der geräumige Saal überfüllt war und viele Teil- nehmer in den Nebenröumcn Platz nehmen mußten. Der Bezirksbevollmächtigte, Genosse O r t m a n n, verwies zu- nächst darauf, daß alle Maßnahmen, die von den Gewerkschaften im Verein mit den Behörden ergriffen werden, das Unternehmertum mit seinen Rationalisierungsbcstrebungen im Handumdrehen zunichte macht. Gmz andere Mittel werden daher angewandt werden müssen, Eine der wichtigsten Forderungen ist, den Arbeitstag in seiner Stundenlei st ung wesentlich herabzusetzen. Ein achtstündiger Arbeitsag ist nach Lage der Verhältnisse zu hoch. Es muh auf eine weitere Verkürzung der Tagesarbeits- stunden gedrängt werden. Die Arbeiterschaft müsse sich zunächst selbst helfen. Ein« ge- ringe Besserung würde auch jetzt schon zu erreichen sein, wenn die m Arbeit stehenden Kollegen dafür eintreten würden, daß die Ueberstundenarbeit Eindämmung bekäme. Aus dem Material emer Umfrage der Ueberstundenarbeit in den Be- trieben des Handels-, Transport- und Vertchrsgewerbes gehe her- vor, daß an Ueberstundenarbeit das zulässige Maß weit über- schritten wird. Es gibt Betriebe, wo neben der regulären Mochenarbeitszcit die gleiche Stundenzahl an Urberacbelt geleistet wird. Solche Zustände müssen als unhaltbar bezeichnet werden und wirken aufreizend. Dir Organisarion wird alle Mittel anwenden, um die Ueber- stunden einzudämmen. Sic ist bereit, ihre Mitglieder nachdrücklich zu schützen, die gewillt sind, mit ihr den Kampf gegen die Ueber- stundcnunsitte aufzunehmen. Sodann oerwies Ortmann auf die Einführung emer Wochen- beitragsmarke für die arbeitslosen Mitglieder. Es wcrdcn von der Bezirksverwallung Beitrogssätze von Ich 15 und 20 Pf. vorgeschlagen. Bei Annahme dieses Antrages würden dann die bisherigen beitragsfrcien Marken in Fortfall kommen. Die folgende Diskussion gestaltete sich sehr ausgedehnt. Fast sämtliche Redner erkannten die Ausführungen d«s Bezirksleiters als richtig an. Ganz besonders scharf wurde Stellung gegen die Ueberstundenschieber genommen und von der Organisation die schärfsten Gegenmittel gegen solche Verbandomitglieder gefordert. Auch einige„Oppositionelle" glaubten diese Gelegenheit für ihre Tiraden gegen einzelne Gewerkschästssührer ausnutzen zu können. Erfreulicherweise fielen diese Redner bei den Versammelten glatt ab. Im Deutschen Verkehrsbund können die dunklen Gewerkschaftslinter- minierer keinen Boden gewinnen. Ihre Rolle gilt als ausgespielt. Der Antrag für die Schaffung von Arbeitslosenwertmarkcn zum Preise von Ich 15 und 20 Pf. wurde mit großer Mehrheit ange- n o m m e n. Genofie F r o m k e berichtete sodann über die Beschlüsie des Bundesvorstandes und der Bezirksverwallung, in denen zum Aus- druck kommt, den arbeitslosen Mitgliedern zu Weihnachten eine besondere Unter st ützung zuteil werden zu lassen. Im ein- zelnen detailliert und unter Beobachtung der Bezugsberechtigung betragen diese Sätze aus Mitteln: der Haiiptkasse der OrtSkasie Nack einer BeitragSleisiung von 60— 180 Wochcribeiträgen.. 15 M. 10 M. . 181-500.. 20 ,, 12 ,, über 300.... 25. 15, Mit der Auszahlung dieser Unterstützung wird bereits am Donnerstag, den 16. Dezember, begonnen werden. Die Versammlung gab den Beweis dafür, daß die arbeitslosen Verbandsmitglieder den festen Willen haben gemeinsam mit ihrer Leitung an einer Besserung ihrer Lage zu arbeiten. „Unerträgliche Zustände." Mit dieser Ueberschrift brachten wir in Nr. 401 des„Vorwärts" eine Zuschrift über den Arbeitsnachweis der Berliner Holzindustrie. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin ließ uns hierzu eine Aeußerung des Landcsarbcitsamts der Stadt Berlin zugehen, die wir leider erst jetzt zum Abdruck bringen können. Nach fj 13 Abs. 1 der Verordnung über Erwerbsloscnsürsorge vom 16. Februar 1924 ist die Unterstützung u. a. zu versagen oder zu entziehen, wenn der Erwerbelose sich weigert, eine nachgewiesene Arbeit anzunehmen, für die nicht angcmesfener ortsüblicher Lohn geboten wird. Da nach 8 2 Abs. 1 des Arbeitsnachweisgesetzes vom 22. Juli 1922 die öffentlichen Arbeitsnachweise bei der Durchführung von aesetzlichsn Ilntcrsiützungsmaßnahmen für Arbeitslose mitzuwirken haben, sind auch die Fachabi cilungcn beim Landesarbcits- cmt verpflichtet, von Arbeitsverweigerungen eines Erwerbslosen dem zuständigen Bczirksarbeitsamt Anzeige zu erstatten. Ob dem be- treffenden Erwerbslosen die Unterstützung zu entziehen ist. hat nach S27 der Verordnung über Erwerb skoserrfürsorg« derDorsitzend« es Bezirksarbeitsomtes zu entscheiden, gegen dessen Entscheidung nach§29a. a O. der Einspruch beim Verwaltungs- a u s s ch u ß des Bezirksarbeitsamtes gegeben ist. Das Landes- o r b e i t s a m t hat n i ch t das Recht, bei der Entscheidung mitzuwirken. Der der Beschwerde des Deutschen Holzarbeiterver- b a n d e s zugrundeliegende Totbestand ist folgender: Der Bürstenmacher Herr W hat am 4. dieses Monats eine ihm zur Holz- und Bürstenindustrie G. m. b. H. nachgewiesene Arbeit nicht angenommen, weil ihm die gebotene Eni- lohnung nicht als angemessen erschien. Der Arbeits- Nachweis, in diesem Falle die Fachabteilung für die Holzindustrie, mußte die Arbeitsverweigerung pflichtgemäß dem zuständigen Be- zirksarbeitsamt Weißensee melden. Noch vor dem Abschluß der Prüfung dieses Falles ging am 12. dieses Monats beim Verwaltungsausschuß des Bczirksarbeits- amtes Weißensee eine Befchwerde des Deutschen Holzarbeiterver- bandes ein. Der Vorsitzende des Bezirksarbeitsamtes Wgjßensee gewährt» bis zur Entscheidung des Verwaltungsausfchusies Herrn W. die Unterstützung weiter. Der Verwaltungsausschuß beschloß am 21. dieses Monats ebenfalls Weitergewährung der Unter st ützung. Das Landesarbeitsomt Berlin selbst ist mit der Angelegenheit nicht befaßt worden. In Wirklichkeit ist danach dem genannten Erwerbslosen die Erwerbslosenuntcrstiitzung überhaupt nicht entzogen worden." » Hierzu sei bemerkt: Für die Bürstenindustrie besteht zwar kein Tarif, wohl aber haben sich betriebliche Vereinbarungen für die Be- Zahlung der Akkordarbeit herausgebildet, die für den gelernten Arbeiter einen Stundenverdienst von etwa 80 Pfg. bis 1 M. ergeben. Dem Bürstenmacher W. bot die Holz- und Bürstenindustrie G. m. b. H. einen Lohn, der sich auf etwa 30 bis 40 Pfg. pro Stunde belauien, also die Hälfte des üblichen Verdienstes betragen hätte. Weil W. sich weigerte, zu diesem Schundlohn zu arbeiten, deshalb sollte ihm die Erwerbslosenunterstützung entzogen werden. Der Antrag aus Entziehung wurde ohne Prüfung des Falles weitergeleitet. Nur dem sofortigen Eingreifen des.Holz- arbeiterverbandes ist es zu danken, daß in diesem Falle von der Entziehung der Unterstützung abgesehen wurde. Losinbewegunii im sächsischen Transportgewerbe. Dresden, S. Dezember.(Eigener Drahtbcricht.) Die Unter- nehmer im sächsischen Transportgewerbe haben zum 31. Dezember sowohl die Lohn- wie auch die Mantcltarife gekündigt. Die Ver- Handlungen, die am gestrigen Tage zwischen den Parteien, mit Aus- nähme des Bezirkes Chemnitz, stattkanden, führten nur in den wenigsten Punkten zu einer Verständigung. Beide Parteien kamen überein, über die strittig gebliebenen Positionen vor einem Schiedsgericht weiter zu verhandeln. Bewegung der Transportarbeiter in Frankfurt a. M. Für das föandelspewerbe und das Transportgewerbe wurden am 4. und 6. Dezember Schiedssprüche gefällt. Die Mit- glieder des Derkehrsbundes haben sowohl dem Schiedsspruch für Transportgewerbe, der eine Lohnerhöhung von 38 50 auf olieder des Verkehrsbundes haben sowohl dem Schiedsspruch für das das Handelsgewerbe, der eine Lohnerhöhung von 36 auf 38 M. Wochenlohn bedeutet. Die Versammlung beschloß jedoch gleichzeitig, für den Fall, daß die Arbeitgeber diese Schiedssprüche ablehnen, in den Streik zu treten. Die Arbestgeber haben die beiden Schieds- sprüche trotzdem abgelehnt, während der Verkehrsbund beantragt hat, sie für verbindlich zu erklären. Die„Reform" öes englischen Gewerkschafisrechts. Die als Verschlechterung gedachte„Reform" des englischen Gewerkschastsgesetzes scheint doch nicht so ohne weiteres zu machen zu sein. Der amtliche Funkdienst berichtete bereits vor der Kabinetts- sitzung, die sich damit befaßte,„in unterrichteten Kreisen werde betont, daß noch kein Gesetzentwurf vorliege, sondern daß es sich vorläufig nur um die Fe st legung der Hauptgrundsätz« handele. Die Revision des Gewerkschoftsgefetzes werde in Regierungskreisen als eine sehr schwierig« und heikle Angelegenheit betrachtet, die die reiflich st e Ueberlegung erfordere, da es sich um die Grundlagen des englischen Induftriesystems handele". Heute gibt WTB. folgende Meldung des., Daily Telegraph" wieder: In der gestrigen Kabinettsitzung, die sich, wie angekündigt, mit der Frage einer Reform des Gewerkschastsgesetzes beschäftigte, ist noch keine endgültig« Entscheidung getroffen worden. Di« Regierung ist aber grundsätzlich der Ansicht, daß der Generalstreik vom Mai die Notwendigkeit einer Aende- r u n g des Gewerkschastsgesetzes erwiesen hat. Wie die„Morning Post" wissen will, hat sich die Neigung für grundlegende Reformen bei einigen Kabluei l srnll gliedern abgekShkt. Dis Porlage über Abänderung des Gewerkschaftsgesetzes werde also den Erwartungen der Konservativen kaum ent- sprechen. Ter Kampf in der Antwerpener Diamantinduftrie. Wie TU. meldet, ist der Beschluß der Iuweliervereinigung, eine allgemeine Aussperrung durchzuführen, nur teilweise befolgt worden. Viele Fabriken arbeiten ruhig weiter. Von 13 500 Arbeitern sind nur zirka 3500 ausgesperrt worden. In Amsterdamer Diamantkreisen wird den Antwerpencr Vorgängen nur geringe Bedeutung beigemessen. Man glaubt, daß der Streik in kurzer Zeit beigelegt sein wird. Zwischen der Juweliervereinigung und den Diamantarbeitern kam es am Mittwoch zu Vorverhandlungen. Ter Konflikt im tschechoslowakischen Kohlenbergbau. Prag. 9. Dezember(MTB.) Die Sonderkonferenz der Berg. arbeiter am Mittwoch hat die Kundgebung der koalicrien Verbände, in der die Antwort der Unternehmer als Provokation der Bergarbeiter bezeichnet wird, bestätigt. Dies« sei um so herausfordernder, als die Mehrheit der Unter- nehmer in den letzten Monaten aus der guten Kohlen- konjunktur bedeutende Gewinne gezogen habe. Die Konferenz stimmte dem Vorgehen der koalierten Verbände und der Durchsetzung der Forderung nach Teuerungszulagen zu und bevollmächtigte die koalierten Verbände zur Fortführung der Lohnaklion._ Neue Streikwelle in Polen. Warschau, 8. Dezember.(Mtb.) Die Lage im Dombrowaer K o h l e n g e b i e t hat sich erneut verschärft. Ein Streik scheint nicht mehr zu verhindern zu sein. Gleichzeitig kommen aus dem Petrolcumgebiet Meldungen über Arbeiterousstände. In den Raffinerien in Ostgalizicn st reiten bereits 2000 Arbeiter. In Warschau ist ein B ä ck e r st r e i k gegen die Nachtarbeit ausaebrocken. Von 6 Uhr abends an wird in den Bäckereien nicht gearbeitet. Abgesandte der Bäcker, die nach- prüfen gingen, ob auch überoll die Bäcker solidarisch sind, wurden als„D c m o n st r a n t e n" von der Polizei verhaftet. Tie jz-nrbigen suchen Anschlnfl. Die Afrikanische Union der Industriearbeiter und -angestellten, die Organisation der farbigen Arbeiter Afrikas mit 40 000 Mitgliedern, hat den Anschluß an den Internationalen Gewerkschaftsbund nachgesucht. Die Entscheidung über das Gesuch wird in der Ausschußsitzung des Bundes im Januar fallen. Kus öer Partei. Der Fall Gruener. In Deutschösterreich haben die von unseren Genossen enthüllten christlichsozial-großdeutschen Korruptionisten oder Staatsgeldverschleuderer mit einer wilden Kampagne gegen die Sozialdemokratie geantwortet. Dabei ist herausgekommen, daß der sozialdemokratische Tiroler Landtagsabgeordnete Dr. Gruener — wie er selbst zugegeben hat— im Begriffe war, ein Schloß in Italienisch-Tirol zu kaufen, dorthin zu ziehen, italienischer S'aats- bürger zu werden— kurz, die Führerstcllung in der Arbeiterpartei Nordtirols mit einem ruhig-behaglichen Schloßherrenleben als frei- williger Mitbürger der Faschisten zu vertauschen. Da dieser Kauf jedoch nicht zustande kam, hat Gruener ein anderes Schloß in Nord- lirol gekauft. Nicht der Besitz, aber diese Verwendung so großer Geldmittel durch einen össentlich tätigen Vertrauensmann der Pro- leiarierpartei hat starke Mißstimmung unter den Genossen hervor- gerufen. Der Landesparteitag in Innsbruck hat ihr auch Ausdruck gegeben, aber Gruener im Besitz seiner Parteiämter gelassen. Dem Parteivorstand in Wien genügte diese Erledigung nicht und er berief die Partcivertretung zur Entscheidung. Dort hat nun Dr. Gruener erklärt, daß er sich entschlossen habe, sofort sein Bundesrotsmandat niederzulegen und auf seine Funktionen als Landtagsabge- ordneter und Landeshauptmannsstellvertreter nach Beendigung ter gegenwärtigen Tiroler Landtagssession zu verzichten. Die Parleivertretung nahm Grueners Erklärung zur Kenntnis und er- klärte die Angelegenheit damit für erledigt. Zlcranlw-'rtlich für Politik: Dr. Durt tSmer; ZSirtschoki: Prlxr Satcr»»«: Gcwerlsibafisbeweauna: I. Steiner: lscuilleton: jt. S. Diicher: Lokoles und Sonn,»es: ftrifi SkarRäM; Anzeloen: Td. stocke: sämtlich in Berlin. Verlan: Lorwärls-Berlaa E. m. b. S.. Berlin- Druck: Borwärts-Buchdruckerek und Berlaasanstalt Paul Cinaer u. Co. Berlin SW 68, Lindcnftraiie 3. >n't Kantiechiikplatte 1 u. si Hark, ohne AaMaalaE Oanmen. Brücken von 5 Hark.— Teilzahlung gestattet. 3 Jahre weitgehende Garantie. Zahnziehen hei Bestellung gratis. Danziirer Straße 1— Zlmmerstraße 8B laOaVafll L-at-icnstr. 87/ Charlbg., Schlttteratr. T J Volks-Film-BQhne NEUKÖLLN. BERGSTRASSE 147 Per Solui dtr Btrüc Des großen Erfolges wegen die S.Woche verlängert./ Spieltage: Freitag, den 10. Sonnabend, den 11., Anfang 7 und 9 Uhr. Sonntag, den 12., Anfang 5, 7 und 9 Uhr Dreernaras Budienicerwein gesetzl ch geschützt— Seit länger als 60 Jahren als Vorbeuguo�smiUel erprobt und bewährt bei: Tnberkalose.HeiserKelt.BrondifalKalaiTb Haslen. Asimna. Haien- und Darmeritranltuntten erstaunliche Hebung des Appetits und des Körper* Scwtcbts! Besserung des AHsemelnbcUndens. Abnahme des Hustens. Orlfiliiainasche M. 2.50 Fünf Flaschen(eine Kur) M. 12.50. Porto und Verpackung frei. lu haben in allen Apotheken, wo nicht: Einhorn-Apotheke, Berlin SWH.Kurstr. 34. Spittelmarkt.— Gegründet 1658. Bestandteile: Destillat des Buchenteers 1 6, Alkohol 22.0, Enzian 4 0, Pomeranzen schale 4 O.Weißw 1 50, Sirup 45 Op 9cgenjl2 Monatsraten ; Goethe 5 Bde. E. T. A. Holtmann 7 Bde. Schiller 5 Bde. Heine 5 Bde. Keller 5 Bde. fLeumg 4 Bde. Storm3Bde. ReuterS Bde. '_ Shakespeare 5 Bde. u.a.m Anerkannt«erruollc Ausgaben Bc'ie feiedens ÄusUaltung Zu beziehen durch J. H. W. Dietz Nachf., O. m. b. H. vorm. Vorwärts- Buchhandlung Berlin SW. BS, linden• Siran« 2. Der vorteilhafte FREITAG bd An jedem Freitag besonders günstige Angebote an allen Stofflägern, dazu meine preiswerten Reste und Einzelpaare Unter anderem amio.Dez.audi Damen- Hand- „ Marke.Cord- scnuhe6,ana best. Wildleder- Ersatz, mit zwei 1 i/-v Drudeknöpfen.. 1 ,4� Damen-Strümpfe Marke wCord- •iana". Wolle i mit künstlich. A CORDS 5 DAS HAUS DER GUTEN QUALITÄTEN reiBoW«uonr»50 Leipsiger» Eckt Charlotteasttasst