Ztr. 302. Erscheint täglich außer Mantagz. Preis pränumerando: Bierlel- iährlich 8,zo Mark, monallich l.io Mr>, wöchentlich SS Psg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 8 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllnslr. Sonntags-Beilage„Nene Welt" lo Pfg. Post-Abonnement: 3,zoMr. proQuartal. Unter Kreit,- band: Deutschland». Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland ZMk.pr.Monar. Eingerr. tu der Post- geitnngs- Preislist« sür tögö unter Nr. 7t>». 13. Jahrg. JnsertionZ-Debühr beträgt für die siinfgespaltene Petttzeile oder deren Rani» 40 Pfg.. sür Vereins-»nb Bersanimlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer »lüssen bis 4 Uhr Nachinittags i» der Expedilton abgegeben werden. Die(Srpedilion ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geössnet. ternsprechcr: Amt>, Ur. löö8. Tricgramm-Adresse: ,,K«-iiaidei»okrat Keriiu." Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZiedtlKtion: 8V. 19, ZZeutö-Strake SLpedition: 8V.l9. ZZeutö-Straße 3. AblttMtUltNts-EwlkdilNg. Mit dem 1. September eröffnen ivir ein neues Abonne meut auf den mit der illustrirten Sonntags-Beilage „Die Neue Welt". Die Weltlage ist so bewegt, daß sie mehr und mehr das Interesse jedes denkenden Menschen in Anspruch nehmen muß. Die Umsturzvorlage ist zwar gefallen, allein der Umsturz von oben wird eifrigst fortgesetzt. Namentlich richten die Anstrengungen der reaktionären Parteien sich gegen das allgemeine Wahlrecht und das gleiche Recht der proletarischen und besitzenden Staatsbürger. Das deutsche Volk, die deutsche Arbeiterklasse soll politisch entrechtet werden. Und der Kampf um das allgemeine Wahlrecht, um die Rechte des Volkes muß vor allem in der Presse geführt werden. Die Presse ist die mächtigste Waffe des Volkes— und diese Waffe zu stärken, ist Pflicht des Volkes. Wir fordern die Genossen ans, nach Kräften für die Verbreitung des„Vorwärts" thätig zu sein. Nach Beendigung unseres gegenwärtigen Feuilletons: der„Skizzen aus dem südamerikanischen H i n t e r l a n d e", die ebenso spannend als belehrend sind, werden wir mit dem Abdrucke des in der Gegen wart spielenden, hochinteressanten Ronians:„Der Ver- rückte" beginnen, welcher die Vernichtung eines hoffnungs- vollen Menschenlebens durch kirchlichen Fanatis- m u s darstellt und ähnliche Zustände beleuchtet, wie sie jüngst durch einen sensationellen Prozeß aufgedeckt worden sind. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitnngsspcditeure, so- wie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestelllmgen ent- gegen zum nionatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postaisstalten Abonne- ments zum Preise von 1,10 M. für den Monat September entgegen.(Eingetragen in die Post-Zeitungsliste sür 1895 unter Nummer 7123.) Redaktion nnd Expedition des„Vorwärts". lNachdruck verboten. ÄUS dem südttnieviKcmifrTzett Hinkevlsnve. 28 „Und unterstützt seine Behauptung durch einen recht- mäßigen Kaufbrief auf seinen Namen lautend nnd in das Kanfregister der Staatsregierung ordnungsmäßig ein- getragen.. „Habt Ihr vielleicht den Kaufbrief hier, Don Estevan?" „Gewiß, Don Matias, wenn Ihr ihn prüfen wollt... hier ist er..." Der Alte prüfte mißtrauisch zuerst das Papier seinem Acnßcrn nach, dann rückte er noch einmal seine Brille zurecht nnd las halblaut fließend den Inhalt des Dokuments vor sich hin: In der Stadt Asuncion am 30. Dezember 1377 begab ich. der Obernotar der Regierung Pedro A. Gonzalez, mich in die Offizin des Ministeriums des Innern, des Bürgers Minister Bernardino Caballero, nur bekannt von Person, was ich hier bestätige, nnd erklärte seine Exzellenz, daß sie im Namen der Regierung dem Herrn Jose Maria Villagra zu Buenos Aires, zur Zeit in Asuncion im Hotel Hispano Americano aufhältlich, mir ebenfalls bekannt von Person, was ich hier bestätige, einen Kamp fiskalischen Eigenthnms im Bezirk San Fernando, genannt Campo Cerro Tesgracias und 18 Legnas und 1VV0 Duadras groß nach dem Bericht der zuständigen Behörden und des öffentlichen Landmessers in ewigen Besitz gebe für den Preis von 14 500 Pesos nnd 85 Cantavos, die laut Quittung des Ministeriums der Finanzen in die fiskalische Kasse abgeführt sind, und zur Bestätigung dessen ordnete Seine Exzellenz die Ans- fertignng des gehörigen Titels an, den ich Pedro A. Gonzalez unter deni heutigen Datnm Vcrkanfsakten Band Nr. 15 Blatt 215 ausgestellt habe. Geht voran Titel von Pedro Die Megierung und die IununAsfordeettttjgett. ii. Wir theilen im folgenden die weiteren Vorschläge des Herrn v. Berlepsch mit: Für jede Provinz oder Theile einer solchen sollen auf grund eines von der oberen Verwaltungsbehörde zu erlassenden Statuts Handwerkskammern errichtet werden, deren Mitglieder von den Jnnungsausschüssen aus ihrer Milte gewählt werden. Von der Gesammtzahl fallt den Innungen des Bezirkes mindestens die Hälfte zu. Die Handwerkskammer soll bestehen aus: a) dem geschäfts- führenden Ausschüsse, der die lausende Verwaltung und Ge- schäftsfährung wahrzunehmen und nur in wichtigen Fällen mit dem Vorstande zu gemeinsamer Berathung und Beschlußfassung zusammenzutreten bat, b) dem Vorstande, der insonder- heil befugt ist, Vorschriften zu erlassen über den Be- such der von der Kammer errichteten Fachschulen, die An- und?l b m e l d u n g der Gesellen und Lehr- l i n g e, den Umfang und die Art der Gesellen- Prüfung, e) der Gesamnitvertrelnng, der vorbehalten ist: die Wahl der Mitglieder des Vorstandes und des Ausschusses, die Regelung der finanziellen Angelegenheiten und die Abänderungen des Statuts. Zu den Aufgaben der Handwerkskammern sollen gehören: l. die Führung der Aussicht über die Innungen und Junungs- ausscbüsse ihres Bezirkes, 2. die Beaufsichtigung der Durchführung der für das Lehrlings wesen gel- t e n d e n Vorschriften, 3. die Wabriiehmung der durch das Gesetz auf dem Gebiete des Lehrlingswesens ihnen sonst über- tragenen Obliegenheiten und Befugnisse, 4. Erstattung von Ve- richten und Abgabe von Gutachten über gewerbliche Fragen auf Erfordern der Behörden. Außerdem sind die Handwerkskammern befugt: 1. die zur Förderung des Handwerkes geeigneten Einrichtungen und Maß' nahmen zu berathen und bei den Behörden anzuregen, 2. Ver an st alt u n gen zur Förderung der gewerblichen, technischen und sittlichen Ausbildung der Meister, Gesellen nnd Lehrlinge zu treffen und Fachschulen zu errichten. Bei jedem Jnnungsausschuß kann und bei jeder Handwerks- kaninier muß ein behördlicherKommissar bestellt werden, der außer d e ni Stimmrecht die Rechte eines Mitgliedes hat. Derselbe kann die Beschlüsse des Aus- s ch u s s e s und der Kammer mit aufschiebender Wirkung beanstanden. U e b e r die Beanstandung entscheidet die höhere Verwaltungsbehörde. Bei der Handwerkskammer soll ein G e s e l l e n a u s s ch u ß gebildet werden, der aus der Wahl der Gesellen- a u s s ch ü s s e der I n n u n g s a u s s ch ü s s e d e s K a m m e r- bezirks hervorgeht, und im wesentlichen mit den gleichen Befugnissen und in der gleichen Weise an den Geschäften der Kammer betheiligt wird, wie dies bei den Gesellenausschüssen der Jnnungsausschüsse der Fall ist. Kosten der Haudwerkskammer und ihres Gesellenausschusses sind von den Jnnungsausschüssen ihres Bezirks nach Maßgabe des Gewerbesteuer-Solls aufzubringen. Rafino Recalde und folgte ein Titel von Carlos Paniagua. Dieses ist Kopie. Pedro A. Gonzalez. Castor Tarela, Zeuge. Juan de la Cruz Gimenez, Zeuge." Ter Richter dachte einen Augenblick nach, dann gab er das Papier zurück: „Und was befehlen Euer Gnaden mehr?..." „Nicht wahr, Sie haben gegen den Kaufakt durchaus nichts einzuwenden..." � „Wie es scheint, ist er authentisch..." „Und der andere, ich meine den des Dr. James Wilson..." „Sieht genau so aus, nur ist er vom 8. Juli 1878..." „Es thul nur leid, Don Matias; aber in solchen Sachen, wo es sich um einen Besitz dreht, kann man keine Rücksicht nehmen..." „Habt recht... jeder, der etwas besitzt, soll sich darum seiner Haut wehren..." „Und kann man mit den Erben verhandeln? Man muß ihnen doch begreiflich machen, daß sie auf fremdem Boden sitzen... Wer sind die Erben..." „Ich bin für diesen Distrikt als Friedensrichter gesctz- licher Vormund für Wittwen, Waisen, Unmündige und außer Landes befindliche Personen. Ihr könnt immer mit mir verhandeln. Außerdem habe ich eine spezielle Vollmacht in diesem Falle für alle Angelegenheiten, die die Nachlassenschaft des Dr. James Wilson, meines verstorbenen Freundes, augchen sollten, unterschrieben von ihm selber in Gegenwart von Zeugen und außerdem eine andere von den Erben..." „Also sind in der That Erben vorhanden. Soviel man mir sagte, sei Dr. Wilson nie verheirathet gewesen, habe auch keine weiteren Verwandten hinterlassen, die Anspruch auf die Erbschaft erheben könnten.. „Sie irren sich in diesem Falle... Der Dr. James Die Innungen, Jnnungsausschüsse und Handwerkskammern sollen Korporationsrechte haben und ihre Aemter sollen Ehren- ämter sein. Die Vorschläge für die Regelung des Lehrlings- wesens decken sich in allen wesentlichen Punkten mit den früher veröffenllichlen und sind ini einzelnen wie folgt formulirt: I. Die Befugniß, Lehrlinge zu halten oder anzuleiten, steht Personen, die sich nicht im Besitze der bürgerlichen Ehren- rechte befinden, nicht zu. II. Die Befugniß zur Anleitung von Lehrlingen steht nur denjenigen Personen zu, die I. das 24. Lebensjahr vollendet und 2. entweder a) in dem Handwerk, in dem die Ausbildung der Lehrlinge erfolgen soll, oder in einem gleichartigen Fabrikbetriebe eine ordnungsmäße Lehrzeit zurückgelegt und im Anschlüsse daran eine Gesellen- Prüfung undMeister-Uebergangszeit be st an den haben oder b) das Handwerk, in dem sie Lehrlinge anleiten wollen, fünf Jahre hindurch selbständig betrieben haben. Dem selbständigen Betriebe des Handwerks wird die Leitung des Betriebes oder eines Betriebszweiges in einer Fabrik gleich geachtet. III. Der Leiter eines Betriebes, in dein mehrere Handwerke vereinigt sind, ist befugt, in allen zu dem Betriebe vereinigten Handwerken Lehrlinge anzu- leiten, wenn er für eines dieser Handwerke den Voraussetzungen unter 2. entspricht. Wer für einen gesondert betriebenen Zweig eines Hand« werks den Voraussetzungen unter 2. entspricht, ist berechtigt, auch in den übrigen Zweigen dieses Handiverls Lehrlinge anzu- leiten. Wer für ein Handwerk den Voraussetzungen unter 2. entspricht, ist berechtigt, auch in den diesem verwandten Hand- werken Lehrlinge anzuleiten. Lehrzeit. I V. Die o r d n u n g s in ä h i g e Lehrzeit soll nicht unter drei und nicht über fünf Jahre dauern. Die Lehrzeit wird innerhalb der angegebenen Grenzen durch die Haiidwerkskammer nach Anhörung der Jnnungsausschüsse festgesetzt. V. Der Bundesrath ist befugt, für einzelne Handwerke Ausnahmen von den Bestiiuiiiungen unter II. und IV. Absatz 1 zuzulassen. Die gleiche Befugniß steht der Handwerkskammer auch hinsichtlich der Bestimmung unter IV. Absatz 2 im einzelnen Falle zu. L e h r v e r t r a g. VI. Der Lehrvertrag ist schriftlich ab- zufassen und ans Verlangen in einem Exemplar der Innung zur Einsicht vorzulegen. Nichtbesolgung dieser Verpflichtung ist strafbar. Gesellenprüfung. VII. Die Gesellenprüfung erfolgt: ») bei Lehrlingen der Innung durch die Innung, b) bei Lehrlingen, deren Lehrmeister einer Innung nicht angehört, durch den von dem Jnnungsausschuß bestellten Prü- dungs-Ausschuß. Der Prüfung hat ein st a a t- licher Kommissar beizuwohnen, der den Beschluß der Prüfungskommission mit ausschiebbarer Wirkung b e- a n st a n d e n kann. Ueber die Beanstandung ent- scheidet die Handwerkskammer. Die Prüfung hat sich auf den Nachweis zu beschränken, daß der Prüfling ein- gehende Kenntniß der im fraglichen Handwerk allgemein gebräuchlichen Handgriffe besitzt, diese mit genügender Sicizer- hcit ausübt und über das Wesen und den Werth der zu verarbeitenden Rohstoffe unterrichtet ist. Wird die Prüfmig Wilson war vollkommen rechtmäßig verheirathet, und bin ich selber Trauzeuge gewesen. Da keine Kinder vorhanden sind, und um seiner Wittwe keine Unannehmlichkeiten zu machen, hat er vor seinem Tode ein Testament hinter- lassen, das ich selber aufgesetzt habe, das die Wittwe in den ungeschmälerten Besitz der ganzen Nachlassenschaft setzt." „Also existirt eine Wittwe von Dr. James Wilson... und wo befindet sich diese?..." „Die Senora Wilson bewohnt die Estanzia Cerro Desgracias seit mehreren Jahren." „Senora Wilson, also eine wirkliche Wittwe... soll mir leid thun um die Frau... vielleicht könnte man ihr entgegenkomnien... könnte ich sie nicht sprechen..." „Die Senora Wilson empfängt keine Besuche außer denen von einigen wenigen Personen, zu denen auch ich gehöre; nnd wird auch in diesem Falle keine Ausnahme von der Regel machen..." „Mir soll's gleich sein... aber so wollen Sie die Wittwe schleunigst benachrichtigen, daß die Estanzia einem andern gehört. Sie sehen selbst ein, Don Matias, daß hier nichts anderes zn machen ist, als sich zu fügen... es thut einem jeden leid, daß es gerade eine Frau betrifft, aber... mein Auftraggeber ist übrigens ein generöser Mann... man könnte ihr eine Abfindung anbieten..." „Beruhigen Sie sich, Senor, an eine Abfindung ist hier garnicht zn denken. Senora Wilson braucht diese erstens gar nicht, und dann wird sie, soviel ich Ihnen gleich versichern kann, ihre Estanzia nicht sogleich aufgeben." „So zwingen Sie uns zu einem Prozeß, dessen Ans- gang wohl vorauszusehen ist." „Mag sein", sagte der Alte achselznckend,„doch sage ich Ihnen, daß in jedem Falle ein Prozeß wird geführt werden müssen." Dmnit brach der Alte ab, wandte sich emsig seiner Schreiberei zu und schien damit dem Agenten bedeuten zn wollen, daß die Audienz beendet sei. v.idjt fitfiaubon, so Hot die Prüsnugskommission oleichzcitig den Zeitrnuin zu beslimmen. vor dessen Ablauf die Prüfung nicht medacholt n) erden darf. VIII. Die B e f n g n i ß e h rl i n g e zu halten oder anzuleiten, kann solchen Personen entzogen wer- den. die sich grober Pflichtverletzungen gegen d r e ihnen anvertrauten Lehrlinge schuldig pcnlacht haben, oder gegen die Thatsachen vorliegen, die sie in sittlicher(oder technischer) Beziehung z n III Halten oder zur Zl II l e i t u n g von Lehr- li ugen ungeeignet erscheinen lassen. In gleicher Weise kann die Befugniß zur Anleitung von Lehr- lingen solchen Personen untersagt werden, die wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen die sachgemäße Unter- Weisung und Erziehung eines Lehrlings nicht selbständig zu leiten vermögen. Die Entziehung wird auf Antrag der I n- n u n g oder des I n n u n g s a u s s ch u s s e s durch die H a n d w e r k s k a m m e r verfügt. Durch die Zentral- behörde oder eine von ihr zu bestimmende Behörde kann die entzogene Befugniß zum Halten oder zur Anleitung von Lehrlingen nach Ablauf eines Jahres wieder eingeräuint werden. Zahl der Lehrlinge. IX. Durch den Bundes- rath können für die einzelnen Handwerke V o r s ch r i s t e n über die zulässige Zahl von Lehrlingen i in V e r- h ä l t n i ß zu den in einem Betriebe b e s ch ä f- t i g t c n Gesellen erlassen werden. So lange solche Vorschriften nicht erlassen sind, sind die Handiverkskammern zu deren Erlaß mit Genehmigung der höhereu Verwaltuiigsbehörde befugt. L° h r v e r h ä l t n i ß. X. Bei Arbeitern unter 17 Jahren. die mit technischen Hilfsleistungen nicht lediglich ausnahmsweise oder vorübergehend beschäftigt werden, gilt die Vermnthnng, daß sie in einem Lehrverhällniß stehen. Im übrigen ist die Frage, ob ein solches vorliegt, nach den Uiiistniiden des einzelnen Falles zu entscheiden. Ein solches Berhältniß kann auch dann ange- nominen werden, wenn ein schriftlicher Lehrvertrag nicht abge- schlössen oder im Arbeitsverlrage vereinbart ist, daß das Aer- hältniß als ein Lehrverhältniß nicht gelten solle. Ist durch rechts- kräftiges Erkeimtmß festgestellt, daß ein Lehrverhältniß vorliegt, und koiinnt der Lehrmeister der Aufforderung nicht nach, oder ist eine gerichtliche Bestrasung des Lehrmeisters wegen des nn- befugten Haltens von Lehrlingen erfolgt, so ist die Entlassung des Lehrlings aus Antrag der Innung polizeilich zu verfügen. Meistertitel. XI. Wer ein Handwerk selbständig be- treibt, darf den Meistertitel nur führen, wenn er e i n e G e- s e l l e n- und eine Meisterprüfung eines Hand- werks b e st a n d e n hat. Die Meisterprüfung ist vor einer von der höheren Verwaltuiigsbehörde zu bestelleiideu Prüflings- koinmisston abzulegen. Vorsitzender ist in jedem Falle ein von der Behörde ernannter Kommissar. Die Prüfung darf sich nur aus den Nachweis der Befähigung zur selbständigen Aus- Übung der gewöhnlich vorkommenden Arbeiten des Hand- werks oder Handwerkszweigcs und auf das Vorhanden- sein der zum selbstäudigeu Betriebe des Handwerks nothwendigen gewerblichen Kenntnisse(Buch» und Rech- nungsführung) erstrecken. Die unbefugte Führung des Meister- titeis ist strafbar. Der Entwurf unter 2 geht von der Absicht aus, dem Handwerk zunächst eine allgemeine Vertretung in der Form von Haiidwerksknminern zn verschaffen. Diese Kammern sollen die Staats- und Gemeindebehörden in der Förderung deS Handwerks durch thatsächliche Miltheiluiigen und Erstattung von Gutachten unterstützen, sowie Wünsche und Anträge über Fragen des Handwerks berathen und den Behörden vorlegen. Angesichts der großen Meinungsverschiedenheit, die im Handwerk selbst noch über die demselben zn gebende Organisation besteht, und bei der Schwierigkeit deren Durchführung soll den Handwerks- kammern ferner insbesondere die Ausgabe übertragen werden, bei der Organisation des Handwerks mitzuwirken und sich über den den Handiverkskninineru zu gebenden Unterbau gutachtlich zn äußern. Der Charakter der Kammern ist hiernach als ein ledig- lich provisorischer gedacht und ihre Einrichtung würde hinfällig werden, wenn man schon in nächster Zeit zn einer definitiven Organisation des Handwerks gelangen sollte. Bezirke und Statut der Handwerkskammer sollen nach Anhörung von Vertretern der hauptsächlich betheiligten Handwerke unter Berücksichtigung der Innungen und sonstigen Hnndwerkervcreinigungsn von der Landes- Zentralbehörde festgesetzt werde». Das Wahl- verfahren ist im Statut zu regeln. Den Innungen soll die Be- fngniß zustehen, einen im Statut näher zu bestimmenden Theil der Mitglieder zu wählen. Auch anderen Vereinigungen von Hand- werkern soll eine besondere Wahlberechtigung eingeräumt werden können. Die Handwerkskammer soll sich bis zu hs ihrer Mitglieder durch Zuivahl sachverständiger, um das Handwerk ver- dienter Personen ergänzen und Ausschüsse ans ihrer Mitte bilden können, welche befugt sein sollen, Sachverständige zu ihren Be- rathungeu zuzuziehen. Hierdurch soll die Kammer in den Stand gesetzt werden, sich auch über fachgewcrbliche Fragen gutachtlich zu äußern. Ter erhob sich mit einem ärgerlichen Gesicht, nm zn gehen. Er stand schon in der Thür, da rief noch der Alte ihm zu: „Sagen Sie Ihrem Don Joss Maria Villagra, mein verehrter Don Esteban, daß nach der Meinung eines ganz gewöhnlichen Friedensrichters in San Fernando er einen Prozeß gegen die Wittwe des Dr. Wilson verspielen wird, mag der Titel, den er besitzt, noch so acht und authentisch sein." „Lassen Sie mich mit Joss Maria Villagra in Ruhe," rief erbost der Agent.„Der Mann ist schon todt. Mein Auftraggeber heißt German Winterfeld..." Der alte Richter ließ mitten im Schreiben seine er fallen, daß ein großer häßlicher Klex auf seinem säubern Bogen entstand. Er schaute auf den Agenten hin, der ihm den Rücken zuwandte und rief, als dieser eben aus der Thür treten wollte:„Bleiben Sie doch noch, Don Esteban, einen Rum werden Sie doch noch nehmen... das ist so Sitte bei mir, keinen Besuch ohne einen Imbiß zn entlassen..." Ter Agent drehte sich in der Thür nm. Der Alte machte ein ganz anderes Gesicht als er bis jetzt gemacht hatte, wies auf den leeren Stuhl hin und brachte aus einem Koffer eine Flasche mit altem Rum. „Auf Ihre Gesundheit, Don Esteban...* „Danke Don Matias... Der Rum ist gut'." „Ja.... also Ihr Austraggeber ist nicht Herr Jose Maria Villagra, sondern, wie sagten Sie doch nur.. „Don German Winterfeld in Buenos Aires.. haben Sie noch nie von dem großen Bankhause gehört dort uüten..." „Nichts.. ich komme über meine Kampstadt nicht hin- ans.. und wie kommt Herr German Wintcrfeld zu dem Kampo Cerro Dcsgracias. „Sehr einfach, Don Matias; der verstorbene Josö Maria Villagra hat seine Anrechte auf den Kamp zu seinen Lebzeiten an Herrn German Wintcrfeld übertragen oder verkauft. „Wissen Sie vielleicht, was Herr German Winterfeld mit diesem Kampe beabsichtigt?" „Ich glaube, er will eine Kolonie anlegen... oder auch nur spekuliren damit... es ist ein großer Spekulant müssen Sie wissen..(Fortsetzung folgt.) Die aus der E i n r i ch t u n n g und T h ä t i g k e i t der Handelskammern erwachsenden K o st e n sollen die Genieinden des Bezirks nach Ver- hältniß der Zahl der den Eenieindebezirken ange hörigen selbständigen Handwerksbetriebe tragen. Die Gemeinden sollen ermächtigt sein, die Beiträge auf die einzelnen Handwerksbetriebe nach einem von der oberen Verwaltungsbehörde zu bestimmenden Vertheilungs- maßstabe u m z u l e g e n. Auf Beschluß des Bundesraths soll die Errichtung von Handwerkskammern für solche Bezirke nnterbleiben können, wo durch andere Einrichtungen(Eewerbekaiiimern, Handels- und Gewerbekanimern) bereits für eine ansreichende Vertretung der allgemeinen Interessen des Handwerks gesorgt ist. Mehrere Viindessiaateii sollen steh zur Eriichtnng einer gemeinsamen Handwerkskammer vereinigen können. Man steht, daß ein künstliches, höchst komplizirtes Gebäude geschaffen werden soll, eine ganze Reihe von neuen Jnnuiigsbehörden wird' gebildet. So mancher Handwerker wird meinen, daß großartiges geschaffen wird. Haben sie aber erst die neuen Einrichtungen erprobt, so werden sie bald einsehen, daß mit derartigen Mittelchen nichts geändert wird; in ihrem Kampfe gegen die Fabrikindustrie werden sie dadurch nicht unterstützt werden; nach wie vor werden die Handwerker von Jahr zn Jahr in steigender Zahl dem Wettbewerbe des kapitalkräftigen Großbetriebes unterliegen, von Lieferanten schlecht bedient, von Kunden schlecht be- zahlt werden, von den Arbeitern mit ihren Forde- rnngen bedrängt werden und dazu noch von Jnnmigs- ansschüssen und Handiverkerkammern besteuert und drangsalirt werden. Sie werden bald jammern über den Bnrcaukratismiis und die Trangsalirnugen ihrer eigenen kleinlichen Behörden. Die alten Jnnungsmeister werden böse sein, daß sie das Monopol der Lehrlingshaltnng nicht mehr ausschließlich genießen. Waren sie in der bisherigen Innung, blos unter sich, und lebten im wesentlichen in ihrer Innung im Frieden, so werden sie künftighin mit sozialdemokratischen und freisinnigen Meistern sich in der Verwaltung der Innung thcilen müssen und harte Kämpfe ansznfcchtcn haben. Eine ganze Reihe von MißHelligkeiten und Feindschaften wird ob des Rechtes der Lehrlings- Haltung, bei den Lehrlings- und Meisterprüfniigen entstehen. Wir stehen dem Entwürfe kühl bis an's Herz gegen- über, heiter kann uns an demselben blos der Umstand stimmen, daß man auch darin eine Waffe gegen die Sozial- dcmokratie, ein Mittel zur Stärkung des Mittelstandes sehen will. Wir haben, dies zeigt schon unsere vorläufige Kritik, allen Grund, uns gegen den Entwurf auszusprechen, abgesehen von allgemeinen Gesichtspunkten, schon wegen der Stellung, die man den Gesellen einzuräumen wagt. Aber trotzdem werden wir nicht böse sein, wenn der Entwurf Gesetz würde, ja selbst wenn man den Jmuiiigsmeistern noch mehr entgegengekommen würde, ja selbst dann, wenn alle ihre Wünsche erfüllt würden, denn trotzdem würde an der heutigen Lage des Handwerks nichts geändert werden. Das Experiment durch die Bewilligung der Forderungen der Jiinnngspolitiker, das Handwerk lebensfähig zu machen, würde vollkommeu mißlingen und die Handwerker würden dann bald einsehen, daß sie auf falscher Fährte sind, daß ihnen als sozialer Schicht nicht mehr gehotsen werden kann, daß die heutige Wirthschaftsordnnng ihnen nichts bieten kann, daß für sie, als absterbende Klaffe, nur ein Ausweg bleibt, auf die Illusionen zn verzichten, daß sie sich nichts mehr von der Wiederherstellung von Formen versprechen düifen, die in der geschlossenen Stadtwirrhschaft des Mittelalters ansgezeichuet waren, im Zeitalter der Maschinen, der Rcvolutionirnng der Technik, des Handels, der Weltwirthschaft nur ein kindlicher Mummenschanz sind. Die Binde wird ihnen dann von den Augen fallen, sie werden dann gelernt haben, daß ihr Kampf als Handwerker gegen die Maschine Thorheit war, daß sie in die Reihen derer gehören, die die Bortheilc unserer Er- findungen und Entdeckungen, des ganzen Produktions- fortschrittes nicht mehr einzelnen wenigen, sondern dem ganzen Volke zukommen lassen wollen. Sie werden sich dann dem nm seine Emanzipation kämpfenden Proletariat, der Sozial- demokratie anschließen. In diesem Sinne können wir auch den Versprechungen an die Handwerker noch Geschmack ab- gewinnen. Und so gilt auch hier für uns wieder der Satz: Es ist ein Theil von jener Kraft, Tie stets das Böse will und stets das Gute schafft. polikifche Aebevfichk. Berlin, 29. Angnst. Zur Keiinzcichunilg der Bismarck'schen Hetz- Politik. Der Btut- und Eisenmann verfolgte Frankreich gegenüber bekanntlich die Politik der Kaltwasserstrahlc n und der brutalen Verhetzung. Die Masse des Volkes wolle die Revanche; und nur durch eine Riesenarmee könne Deutsch- land sich vor einem Einbruch der Franzosen behüten. In seinem eigenen Blatte schreibt er jetzt(Siehe die „Hamburger Nachrichten" vom 27. d. M.): „Die Revanche-Leute in Frankreich sind mit jedem Jahre ungefährlicher geworden: Und jede Regierung weiß, daß ein Krieg die Republik vernichten w ü r d e." Ganz dasselbe haben wir hundertmal gegen die Bis- marck'sche Hctzpolitik geltend gemacht und wurden deshalb als„vatcrlandslose Reichsfeinde" verschrieen.— Die Nudnrchführlmrkcit des Sozialismus wurde auf dein Müiichener Katholikentag von unserem guten Freund Bachem wieder einmal behauptet und in langathmiger Rede wissenschastlich blechschmiedlich nachgewiesen. Wir rathen Herrn Bachem, seinen nächsten Vortrag über die Durchführbarkeit einer Lust-Eisenbahn aus die Sonne zu hallen. Das hat einen Sinn, denn giebt es auch keinen vernünftigen Menschen, der an die Durchführbarkeit glaubt, so enthält doch ein jedes Irrenhaus verschiedene Gläubige. A- Aber für Narren schreibe ich nicht— wird Herr Bachem uns antworten. Nim, sind, wenn der SozialisnuiZ wirklich Undurchsnhrbar ist, alle Menschen, die an die Durchführbarkeit glauben, nicht auch Narren? Der brave Zukunstsstaatsinann merkt in seinem beiligen Eifer gar nicht, daß er durch die bloße Thatsache seines Versuches die Undurchführbarkeit des Sozialismus zu be- weisen, seinen Glauben an die Du rchsühr barkeit des Sozialismus verrät h.— �• Deutsches Reich. — Wieder ein schweres Unglück in unserer Marine. Das Wolff'sche Bureau meldet: Das Torpedoboot 8 41 ist am 28. August nachmittags in der Nordsee gekentert und untergegangen. Dabei sind ertrunken: Oberfeueriiieister Reichenberg, Oberfeiiermeistersmaat Plumm, Fenermeistersmaat Kröger, Obermatrosen Urban und Allerkainp, Oberheizer Wiese und Vätzek. Mairosen Vnickwitzki, Hanneinaitn, Knrscheit und Schmidt, Heizer Pohle und Wimmers. Eine uns zugehende Privat-Depesche aus Kiel ergänzt diese Meldung folgendermaßen: Das schwere Unglück ereignete sich gestern um 5 Uhr nachmittags, es wird auf hohen Seegang zurückgeführt. Das Divisions- boot 4 rettete den Lieutenant Langeinak und die Slenerinaniis- maaten Jakoby und Boys.— — Die Abhaltung der Lassalle-Feier wird von der gonveriiernentalen und dem mit ihr syinpalhisirenden Theile der Presse eo ixsc» als eine Demonstration gegen die Sedanfeier bezeichnet. Wie die Sozialdemokratie zu den Ge- dächtnißfeiern des dentsch-sranzösischen Krieges steht, ist genügend bekannt. Jedenfalls bedarf es nicht erst demonstrativer Feiern, um die Stellung der Sozialdemokratie zu den Menscheiischlächtereien kund zu thun. In der That ist denn auch ein anderer Umstand die Ursache, daß die Lassalle-Feier am 1. Seplember abgehalten wird. Lasialle ist bekanntlich am 31. August 1864 aus dein Leben geschieden. Der 3t. August fällt diesmal Sonn- abends, der, wie jeder Wochentag, für die Mehrzahl der Arbeiter zur Abhaltung von Feiern ein ungeeigneter Zeitpunkt ist. Was lag nun naher, als die Gedächtniß- feier Lassalle's tags darauf, wie alljährlich, am Sonn- tag abzuhalten, wo auch die übrigen Familienmitglieder mit theilnehnien können, was an Wochentagen in der Regel nicht möglich ist. Auch im Ausland wird die Lassalleseier, soweit wir davon Keuntniß bekamen, am 1. September abgehalten. Beispiels- weise haben die Arbeiter Budapests zur Lassalleseier den 1. Scp- tember gewählt. In Ungarn giebt es, wie in Oesterreich, keine Sedanfeier; es ist dort also auch kein Anlaß zu einer Demon- stration. Dort wie hier ist also bei der Wahl des Zeitpunkts eine rein praktische Frage maßgebend gewesen. — P a t r i o t i s ch e U n t e r n e h m e r. Die„Nordd. Allg. Zeitung" und die„Nat.-Ztg." bestritten gester», daß die Unter» nehiiier Arbeiter zur Feier von„patriotischen" Festen zwingen und den Arbeitern den Lohn für Sie hierdurch versäumte Zeit vorenthalten. Der„Nordd. Allg. Ztg." rathen wir, ihre amt- lichen Verbindniigeii auch einmal zur Klarstellung dieser Sacke auszunutzen. Vielleicht richtet sie an die Eiseiibahn-Hanptiverk- stätle in Tempelhof die Frage, ob in derselben seit Uebernahme in die Staatsbahn- Verivallnng die Arbeiter nicht ge- zwungen wurden, an St. Sedan einen halben Tag zu feiern, wofür kein Lohn ausbezahlt wurde. Der„National-Zeiinng" mit ihren guten Berbindungen bei Unternehmern würden wir die Recherchiruiig des folgenden Falles empfehlen: In der Seifenfabrik, Koinniandit-Gesellschaft, früher Ningert, Linienstraße, ist ein Kutscher, der am Kriege von 1870/71 theil- genommen hat, seit 23 Jahren gegen den fürstlichen Wochenlohn von 18 M. beschäftigt. Derselbe nahm am 13. August d. I. am Beteranenappell am Tempelhofer Felde theil. Er bekam am Zahl- tage seinen üblichen Lohn ausbezahlt. Der patriotische Unter- nehmer ließ aber am folgenden Tage von ihm 3 M. zurückfordern wegen der Geschästsversäiimniß am 13. August.— — Feier des Sedan tages in den preußischen Staatsbetrieben. Das Staatsministerium hat beschlossen, daß, soweit die Natur und die Bedürfnisse des einzelnen Be- triebes es überhaupt gestatten, allen denjenigen Bediensteten, welche am Kriege 1376/71 theilgenominen haben, der diesjährige ganze Scdantag, den übrigen aber der Nachmittag freigegeben und in beiden Fällen der Lohn unverkürzt, gleich als od gearbeitet wäre, gezahlt werde.— — Keine offizielle Sedanfeier in Neuß a. L. Greiz. 28. August. Das„Leipziger Tageblatt" berichtet: „Wie das„Greizer Tageblatt" nültheilt, ist vom fürstlichen Koiisistoriiiin auf das Gesuch militärischer Vereinigungen um einen der Erinnerung an die großen Ereignisse am 1. und 2. Sep- tember 1876 gewidmeten Festgollesdienst bis jetzt ein amtlicher Bescheid noch nickt erlheilt worden, doch ist aus Aenßerungen maßgebender Persönlichkeiten zn entnehmen, daß die erbetene Genehmigung bezw. Anordnung versagt werden wird. wie es bereits bezüglich der Gesuche von fünf Vereinen in anderen Orten des Landes geschehen ist. Die Betheili- guiig der Bürgerschulen an der Enthüllung des Bismarck- denkrnals am 2. September ist vom fürstl. Konsistorium unter- sagt worden. Ans gleichen Gründen muß auch die Betheilignng des städtischen Gymnasiums unterbleiben! Im übrigen wird die „Jubelfeier" sich großartig gestalten. Am 1. September findet für die Veteranen ein von der Stadt gegebenes Ehrenmahl, abends Fackelzug und Illumination statt. Am 2. September findet Auszug der Kinder und abends ein Festkommers statt.— Der Fürst R. ä. L. wird sich vor dein 2. September nach Schloß Waldhans begeben." Da wird ja die„Nordd. Allg. Ztg." ein Ausnahmegesetz gegen den Fürsten von Reuß ä. L. vorschlagen müssen. — Die Gewerbe-Ordnung soll an allen Ecken und Enden reformirt werden, blos auf dein Gebiete des Arbeiter- schntzes soll alles beim alten bleiben. Der Abschnitt über die Jiiiiungeii soll zur Freude der Zünftler reformirt werden und die Novelle zur Gewerbe-Ordnung, die der Reichstag in der letzten Session unerledigt ließ, soll seine nächste Tagung wieder beschäfligen. Osstziös wird hierzu geschrieben: „Die Gewerbe-Ordnungs-Novelle, wie sie in der vorigen Session von den verbündeten Regierungen dem Reichs- tage vorgelegt wurde, hatte sich in dein auf den Tilel III der Gewerbe-Orduung bezüglichen Theile die Ein- schränkung des Hanstrhandels durch Beschränkung der Detail- Reisenden und Verschärfung der Be- dingnngen für die Er theil ung von Wander- Gewerbescheinen zum Ziel gesetzt; von der Einführung eines Bedürfnißnach weises für die einzelnen Ver- waltungsbezirke, in denen der Hausirhandel betrieben werden will, war jedoch abgesehen, obschon im Bundesrathe selbst die bayerische Regierung großen Werth gerade ans diese Maßnahmen gelegt hatte und nur von ihr eine thatsächliche Einschränkung des Hausir- Handels, der durch die Einführung der Sonntagsruhe in den letzten Jahren eine beträchtliche Steigerung erfahren hat, er- wartete. Obschon nunmehr zu dem Votum der bayerischen Re- gicrung auch dasjenige der Mehrheit der betreffenden Reichstags- Kommission getreten ist, so ist es doch nicht wahrscheinlich, daß sich gerade diese Maßregel in der elwaigen neuen Gewerbe- Ordnnngs-Novelle vorfinden wird." Darüber werden die Zünftler, die im Nnklaininern an Stroh- Halmen ihr Heil suchen, wieder zetern. Der Verfasser der zitirten offiziösen Auslassung scheint übrigens nicht zu wissen, daß gerade in Bayern nach den Erhebungen des kgl. statistischen Amtes das Hausirgewerbe nnaiisgesetzt im Rückgange begriffen ist. 1864 wurden 17 778 Wandergewerbescheine ertheilt. 1393 waren es 18 677, 1892 18 614, 1891 19 614.— — Die süddeutschen Negier ungen und der neueste Berlepsch'sche Entwurf. In süddeutschen Regiernngskreisen, so schreibt die„M. P. K", begegnen die ans die Zwangsorganisation der Handwerker abzielenden Pläne mehr- fachen Bedenken. Man glaubt, befürchten zu müssen, daß ins- besondere die Organisation der dort bestehenden Gewerbeverein» durch eine anderweite Ordnung der Dinge leiden werde.— — Herr v. Huene hat sein Mandat zum Abgeordneten- banse, das durch seine Ernennung zum Direktor der preußischen Genossenschastskasse erloschen ist, niedergelegt.— — Amtsrichter Dr. Becker in Dresden war wegen seiner Haltung in Sozialistenprozeffen von unserm Parteigenoffen Lungwitz als befangen abgelehnt worden. Vor der Kammer des Lanbgerickts, die hierüber zu entscheiden hatte, begründete Lung- witz die Ablehnung mündlich und durch eine schriftliche Eingabe, worin es u. a. heißt: .Amtsrichter Dr. Becker ist Aktionär der hicsiaen Wald- schlößchen- Brauerei, derselben Brauerei, gegen die sich der vor Jahreöfrift von meinen Parteigenossen unternommene Boykott richtete, in dein ich persönlich öfsenttich hervorgetreten bin, also persönlich dem Amtsrichter Dr. Becker in seinem G e- schüft geschädigt habe. Dies dürste auch dem Amtsrichter Dr. Becker bekannt sein. Am 5. Oktober 1894 wurden vom Amtsrichter Dr. Becker die Sozialdemokraten Horn und Müller wegen Beleidigung des Geineindevorstandes zu Löbtau zu 5 resp. 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. Dieses Ürtheil wurde später vom Landgericht wegen vorgekommener ganz auffälliger Rechtsirrthümer aufgehoben und das ganze Verfahren eingestellt. Der Tischler und verantwortliche Redakteur Reinhard Hei- wann wurde vom Amtsrichter Dr. Becker am 24. Oktober 1894 wegen„grobe» Unfugs"(Waldschlößchen-Boykott betr.) zu der gesetzlich zulässigen höchsten Strafe von 3 Monaten Haft verurtheilt. In dieser Sache hat sich Amtsrichter Dr. Becker, obivobl er selbst Waldschlößchen-Aktionär ist, nicht als besangen erklärt. A»> 14, November wurde der sozialdemokratische Redakteur Dr. Meorg Gradnauer vom Amtsrichter Dr. Becker wegen Mili- tärlnleidiguug zu zehn Monaten Gefängniß verurtheilt. Das Landgericht hob am 14. Dezember das Urtheil auf und er- mäßigte die Strafe auf fünf Monate Gefängniß. Arno Reichard, sozialdemokratischer Redakteur, wurde am 14.?!ovcmber vom Amtsrichter Dr. Becker(in der Sache Hartmann und Genossen) zu 3 Monaten Gesängniß verurtheilt, weil er einen Be- amlen beleidigt haben sollte. In d-eser Sache stellte das Berufungsgericht fest. daß gegen d,n Verurlheilten überhaupt kein S t r a f a n t r a g vorlag. Jeder Laie weiß, daß ohne Straf- oi trag in eirttr Offiziatbeleidigungssache eine Bestrafung nicht er olgen kann.(Amtsrichter Dr. Becker hat es fertig gebracht, den Sozialdemokraten auch ohne Slrafantrag zu verurtheilen.) Dieses Urtheil wurde aufgehoben und das ganze Versahren e i n g e st e l I t. Am 19. Juni 1895 hat Amtsrichter Dr. Becker gegen den Stelimncher Gruhner und Genosse» verhandelt. In diesem Prozeß hat der Vorsitzende ganz unangebrachter Weise Be- merkuiigen in bezug auf die Sozialdemokratie fallen lassen und dieselbe in einer Weise ganz unangebracht angegriffen, daß die Vcrinntbung sehr nahe liegt, Amtsrichter Dr. Becker ist gegen meine Partei ganz auffällig befangen. Amtsrichter Dr. Becker erklärte da, die betreffenden Angeklagten seien als Opfer des sozialdemokratischen Terrorismus zu betrachten. Und wie entschied das Dresdener Landgericht über den An- trag unseres Genoffen Lnngwitz? Was Lungwitz angeführt hat, „erscheint nicht geeignet, Mißtrauen gegen die Unparteilichkeit des Amtsrichters Dr. Becker zu rechtfertigen, es ist vielmehr die Annahme begründet, daß Amtsrichter Dr. Becker in den von Lungwitz zur Sprache gebrachten Strafsachen pflichtgemäß seines richterlichen Amtes gewaltet hat und dies auch in der vor liegende» Strafsache, welche übrigens mit dem Waldschlößchein Boykott in keiner Weise zusammenhängt, thun werde. Das Ab- lehnungsgesuch Lungwitz' wird daher für unbegründet erklärt." Wir freue» uns schon darauf, wenn dem Staatssekretär des Reirbk-Jnsiizamts im Reichstage diese neueste Blüthe der sächsi- scheu Rechtsprechung prüsentirl werden wird. �—Prügelpädagogik. In der Ministerial-Verordnung über die Aussührnng des Volksschnl-Gesetzes für Sachsen-Weimar- Eifenach findet sich nach der„Franksurter Zeitung" folgender Satz:„Tie Bestimmung, wonach die Verfügung von körperlichen Strafen in der Fortbildungsschule ausgeschlossen ist, konuut in Wegfall." Also die Lehrer sollen auch noch 14— 18 jährige Burschen mit Prügeln regaliren dürfen, um„den Unterricht zu fördern"' Wundersamer Fortschritt! Oesterreich. — Folge des Lederringes. Aus Prag wird tele- graphirt: Die hiesige Schnhmacher-Genossenschast beschloß, am 1. Sep tember die Schuhpreise um 15—30 pCt. zu erhöhen und bei der Regkrnng zu petitionircn, daß für Schuhwaaren für das Militär höhere Preise festgesetzt werden.— Schweiz. — Der Herr A l t- B u n d e s r a t h D r o z, der in den achtziger Jahren als Leiter der auswärtigen Angelegenheiten der Set weiz seinem Vaterlande wenig Ruhm erwarb im Kampfe mit der Bismarcksippe, dafür aber den Züricher„Sozialdemokrat" unterdrückte, die vier Genossen ausweisen ließ, Fremdenpolizei und Bundesanwaltschafl schuf u. s. w., hat die neue Schireizergeschichte in drei Perioden: des Parlamentarismus, der Demokratie und— der Demagogie eingelheilt und dafür von der„Kölnischen Zeitung" die Note I erhalten. Natür lich wegen der„Demagogie", die nach Droz mit der 1891 ein- gefübrten Volksinitiative für Partialrevision der Bundesverfassung eingetreten sei. Tie schweizerische Presse leuchtet der„Kölnischen Zeitung" und ihrem Kronzeugen gründlich heim; namentlich letzterem wird nachgewiesen, daß er an Fähigkeit und Ver ständuiß für sei» hohes Amt als Bundesrath reich lich Mangel litt, daß ihm der Gesammt- Bundesraih sogar die Leitung des Auswärtigen in bestimmten Fragen ans den Händen nehmen mußte und daß er den Posten als Bundesrath schließlich verließ, weil ihm die Besoldung von 13 000 Fr. zu wenig war und er einige Tausend mehr einsacken konnte als Direktor des internationalen Bureaus für Eisenbahn- Frachtverkehr. Ten Herrn Sllt- Bundesrath Droz schenken die Schweizer gerne der„Kölnischen Zeitung" mit Haut und Haaren. Italien. — P r o t e st w a h l e n. Ter vom Kriegsgericht verurtheilte Sozialift Barbato ist von den Genossen in Mailand und in Cesena zun, Kandidaten für die nächsten Wahlen ausersehen worden. Diese Doppelwahl scheint gesichert, da lein Gegen- kaudidat vorhanden ist.— — Das Gleichgewicht im Etat soll hergestellt sein, so verkündete das Crispinische Ministerium laut in der Kaimner n> d zollte sich bei dieser Gelegenheit die lautesten Lobsprüche. Mit diesen steht die folgende Depesche aus Rom im schroffsten Widerspruch: Ter Finauzminister Sonnino wird bei der Wiedereröffnung der Kammer mehrere Anträge einbringen, welche das nächste Budget ins Gleichgewicht bringen sollen. Namentlich soll die schwebende Schuld Italiens vermindert werden. Sonnino erklärte seinen Freunden, wenn er nicht die Hoffnung hätte, das Budget vollständig ins Gleichgewicht zu bringen, würde er seine Entlassung einreichen.— .— Wozu noch immer Geld daist. Aus Rom wird telcgraphirt: Ter Kriegsminister hat mehreren Wassenfabriken Aufträge über neue Gewehrlieserungen ertheilt. Bis Ende dieses Jahres sollen 200 000 Gewehre neuen Systems fertiggestellt sein.— England. — D a s P a r l am e n t ist bis zum 7. September vertagt worden.— Belgien. — Die Kammer hat sich nach einer außergewöhnlich langen Session auf unbestimmte Zeit vertagt. Vorher genehmigte die Repräseutantenkammer mit 69 gegen 55 Stimmen die Er- gänzungsvorlage zum Komniunal-Wahlgesetz in der von der Re- gicrung vorgeschlagenen Fassung, nach welcher die proportionale Vertretung bei Stichwahlen zur Auwendung kommt.— Kuba. Die Aufständischen scheinen nicht blos aus den Vereinigten Staaten, sondern auch bei den anderen amerikanische» Republiken Unterstützung zu finden. Die spanische Regierung hat deshalb bei der brasilianischen reklamirt. Eine Depesche aus Madrid meldet hierüber: Die spanische Regierung hat ihren Vertreter in Rio de Janairo beauftragt, der brasilianischen Regierung Vorstellungen zu machen wegen der von ossiziellen Persönlichkeiten den In surgentcn auf Kuba zugewandten Unterstützung.— _Eiiie Meldung der„Times" aus Havannah besagt, daß Marschall Martinez Campos sein Hauptquartier in Santa Clara aufgeschlagen hat, weil in dieser Provinz die Insurrektion fort während größere Dimensionen annimmt.— China. — Dementi. Das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten erfährt ans Peking, es sei unrichtig, daß der ehemalige Vizekönig von Szechuen zum Leiter der Untersuchung über die Mordthaten in Kutscheng ernannt sei. Der Kaiser habe befohlen, daß der Vizekönig während der Untersuchung über sein Verhalten auf seinem Po st en bleibe. Da wird der Vizekönig es nicht schwer haben zu verhindern, daß die Wahrheit an den Tag kommt.— Müuikzettvv VintholikenkÄg« München, 27. August. Grüne Mauerplakate verkünden, daß die Frauen heute keinen Zutritt haben. Die polizeiliche Weisheit hat damit verrathen, >vie sehr sie die Bedeutung dieser ganzen Veranstaltung überschätzt. Nicht geringer wie die polizeiliche Angst ist die überhebende Selbstgefälligkeit der Hauptgrößen des Tages. In er- niüdenden Variationen erklingt die Phrase von der einzig imposanten Größe gerade der Münchener Versammlung. Bezüglich des Besucbcs mag die Behauptung stimmen, denn die B i e r st a d t München übt auf Gerechte wie auf Un- gerechte ihre Anziehung. Hinsichtlich des Inhaltes der Ver- anstaltung bleibt die Phrase aber Phrase. Wir haben bereits einer Reihe dieser Generalversammlungen beruslich beiwohnen müssen, die Münchener ist, was Betheiligung und Begeisterung der Ortsbevölkerung, was Gedankenstoff der Reden anbetriff!, die ärmste davon. Kein neuer Gedanke, und nicht einmal eine neue Forin für die alten Gedanken: Hohles ermüdendes Pathos, doppelt ermüdend, nervendehnend durch die ewige Wiederholung stereotyper Redensarten. Gewiß die Versammlung verfügt über ein erkleckliches Fähnlein gewandter und wissenschaftlich geschulter Redner, aber feine Köpfe, welche Farben genug hätten auf der Gedankenpalette um auch das Einseitige, das Verbissene, gefällig und geschmackvoll zu koloriren, sind nicht darunter. Wenigstens haben sie sich bis zur Stunde nicht gezeigt. Lebhast in der Erinnerung steht uns noch das Bild des Katholikentages in der alten Stadt Trier vom Jahre 1887. Welcher Euthnsias mus der gläubigen Bevölkerung, welcher Jubel, welche Be geisterung des dicht in der großen eigens erbauten Festhalle zu sammengepferchten Auditoriums. Welcher Genuß bot auch dem Gegner die relhorische und politische Fechtkunst eines Windlhorst; und wie wirkte die ganze gehobene Elim, mung, und hob die gröberen volksrednerischen Leistungen eines Nacks»m viele Stuse» höher. Selbst Herr Lieber hatte in jenem Milieu eine glückliche Nednerstunde. Damals hieß es noch, der Thron hat zur Kirche zu kommen. Und jetzt? Der reifende Engel des Zentrums hält Bierreden zur Verherrlickung be- bänderter katholischer Füchse. In der Domäne Wiudlhorst's macht sich ein schwächliches Epigoncngeschlecht breit, die Bachem und die Orterer. Das wedelt vor den Throne» und bietet seine Leistungen marktschreierisch an; und jedem Feilgebot dröhnt die Menge ihren dumpfen resignirteu Bcisall. Denn die Vielzuvielen haben hier Bravo zu rufen oder zu schweigen. Gehorsam ist deS Christen Schmuck. auch wenn unreine Geister mit seinen Gefühlen Haichel treiben. Mir gegenüber am schmalen Tisch für die Presse sitzt ein junger Geistlicher, der Vertreter irgend eines Zentrnmsblatles Ans das rosige hübsche Gesicht beginnt der Fanatismus eben die ersten erstarrenden Schatten zu werfen. Jemand mag dem jungen Mann gesagt haben, daß ihm gegenüber einer der ver- ruchten und bcklagcnswerthcn sozialistische» Ketzer sitzt. Und halb strafend, halb mitleidig, blickt der Gottesmann aus den träume- rischen Kinderaugen auf sein heidnisches Gegenüber. Soeben giebl, nach Eröffnung der zweiten öffentlichen Ver- sammlnng, der Präsident Herrn Dr. Bachem das Wort. Wie abschiednehmend schaut der junge Gottcsmann noch einmal zu uns herüber, denn Herr Bachem, so geht seit vorgestern die Sage, wird heute die verruchte Sozialdemokratie mit Stumpf und Stiel ausrotten. Total und radikal. Und Bachem sprach. Er begann nicht ungeschickt mit dem Tode unseres Engels, der gestorben sei, wie er gelebt habe: ungläubig und unchristlich, und an dessen Grabe sich die bange Frage erhebe: wird seine Weltanschauung das Christenlhnm ablösen, oder wird sie am Felsen des Christenthiinis zer- schellen? Der glänbigeChrist habe dieAntivort bereit:„Wie diePforten der Hölle das Christenthum überwältigen, so wird die Kirche de» Sozialismus überwinden." Aber es sei doch nölhig, mit der Waffe des Geistes diesen grimmigsten Feind zu bekämpfen, damit der Sieg nicht durch Ströme Blutes erlauft werden müsse. Und Herr Bachem schwingt die Waffen seines Geistes. Es ist noch der alle Herr Bachem, der, wir denken mit Ergötzen daran zurück, im preußischen Landtag einst mit der Kommunalsteuer begann und beim— Klavicrspiel der höheren Töchter aushörte Aber heute stand er nicht einmal ganz auf der Höhe jenes denkwürdigen Sitzungstagcs vom Jahre 1892. Er gab einen kleinen und ach wie dürstigen Abriß von seinen bekannten Ergüssen in der Znkunflsslaats- Debatte des Reichstage?. Ter ultramontane Don Quijote aus den heiligen Hallen„kämpst" gegen den von ihm selbst kom- ponirten Zukunftsstaat. Dabei fehlt es nicht an heftigen Flüchen gegen die Sozialdemokraten von heute; Zernichter der Autorität, des Glaubens, der Ordnung, der Ecksteine der christlichen Welt- ordnung, Verächter der Sparsamkeit, Sohn des Liberalismus, dem Menschengeist entsetzlichster Fanatismus. Theoretische Grund- tage, nur erfunden, um die politischen Ziele zu stützeC„Wäre diese Theorie nicht erfunden, so wäre eine andere erfunden worden." Er(der Sozialismus) regt die Leidenschaften auf, um das Denken zu verwirren. Er hat sich zuerst z» politischen Zwecken seinen Zukunftsstaat konstruirt, da aber die dazu paffenden Nienschen noch nicht vorhanden, so konstruirt er sie sich selbst hinein. (Furchtbares Vergnügen der heiligen Menge). Dann wird der Herr Abgeordnete noch geschmacklos und beschimpft die Führer der Sozialdemokratie,„die am wenigsten dem Jdealmenfchen ent- sprechen."(Wir wagen zu bezweifeln, daß Herr Bachem seiner- seits als christlicher Jdealmensch anfzntreten das Mandat hat; die„freie Liebe" hat in der Dynastie Bachem allein wohl schon eine größere Rolle im Gegenwartsstaat gespielt, als bei alten sozinlistischen Führern zusanimengenonimen.) Dann tödlet Herr Bachem den internationalen Sozialismus und beruhigt sich schließlich damit, daß die christliche Arbeit den Sozialismus überlegen sein werde, wie der»ristliche Geist de» Geist des Liberalismus besiegt habe.— Eine kleine Weite, nach- dem der Mann von Köln also den Sozialismus mit dem Schwert seines erhabenen Geistes niedergestreckt hatte, lugte unser geist- liches Gegenüber neugierig und erwartungsvoll nach Ihrem Be- richterstaiter bin. Da der Jüngling diesen ruhig und vielleicht ein wenig spöttisch und verächtlich lächelnd sitzen sah, riß er er- launt»nv erschreckt die Kinderaugen auf und schlug tief seufzend dreimal das Kreuz... Ehe der nächstfolgende Redner, Herr Lehrer und Landtags- Abgeordneter W ö r l e, das Wort nimmt, verliest der Präsident ein aus Linderhos vom Prinzregenten eingetroffenes Antwort- tekegramm. Es spricht kurz den Dank für die Hukdtgmtg au?. Enttäuschung malt sich auf allen Gesichtern.— Herr Wörle, der Volksschullehrer räth dann M nach- folgendem den Kollegen seines Standes die Selbstentmannung an. Ter Kampf um die Schule sei für das Christenthum ein Kampf aus Leben und Tod. denn das Gespenst des Sozmlrs» mus gebe schrecklich um. Aber dasselbe könne nur durch den chrfft- lichen Charakter der Jugenderziehung und nicht durch ein Umsturzgesetz bekämpft werden. Daher sei die Religion das Lebenselement der Schule. Natürlich nicht das Selbstfabrikat der modernen Pädagogen, sondern die echte katho- lische Religion. Mit der Forderung der Trennung der Kirche von der Schule gehen Hand in Hand der Schulliberalismus und der Schulsozialismus, Vater und Sohn. Dann geht es weiter gegen Freimaurer, Sozialisten u. s. iv., endlich kommt Redner zu seinen Forderungen, welche lauten: Die j'ionfessionsschule und nur die Konfessionsschule, auf welche die Kirche ei» unveräußerliches Recht habe. Desgleichen müssen konfessionelle Lehrerbildungsanstalten ver- langt werden und bei Anstellung der Lehrkräfte müsse der Kirche ebenfalls Einfluß zugestanden werden. Konsessionell müsse auch das Lesebuch sein. Weiter werde gefordert Reform des Lehr- plans; Lesen, Schreibe» und Rechnen genüge für die Erziehung, und ferner kirchliche Schulaussicht. Darauf besteigt Herr Dr. O r t e r e r das Podium, um über„Umsturz in Wissenschaft und Schule" seinen Geist leuchten zu lassen. Der Kampf um die Schule dehne sich aus auf die Mittelschulen, auf die Hochschulen. Nach lang- wierigen Auseinandersetzungen über die Mittelschule», ganz in der Weise des Vorredners, beklagt Herr Orterer die Religions- losigkeit und Religionsfeindlichkeit vieler Universitätslehrer, ohne auch hier der allen Leier einen neuen Ton zu entlocken. Der Weisheit Schluß geht dahin, daß dem Umsturz in der Wissenschaft der Aufbau durch die wissenschaftliche Arbeit katholischer Männer entgegengesetzt werde. Und alle konservativen Männer müssen sich noch nebenbei zusammenlhun, um den„Umsturz im Salon". die Verbindung von Liberalismus, moderner Kunst jc. und Radikalismus zu bekämpfen. Als letzter Redner in vorgerückter Stund« verbreitet sich Reichs- rath Dr. Hertling über:„Rom und der Papst im Jahre 1895". Sehr formvollendet, sehr eindringlich, aber ohne neue Gesichts- punkte, schildert der Herr Professor die Lage des„Gefangenen im Vatikan". Er hält zur Belhätigung der Souveränität der Kirche, die Wiederherstellung der päpstlichen Weltherrschaft für nothwendig und erhofft diese Wiederherstellung von dein Druck der öffentlichen katholischen Meinung. r-Llach richte n. Ngrarprogramm. Der Sozialdemokratische Verein in Köln schloß die Diskussion in seiner zweiten Versammlung durch folgende, von Hengsbach eingereichte Resolution ab, die mit allen gegen 3 Stimmen angenommen wurde:„Die Ver- sammlung spricht sich entschieden gegen den Entwurf der Agrar- kommission im Ganzen und nur zustimmend zu kleinen Ein- schiebungen am Schlüsse bezüglich des Arbeiterschutzes aus. Nach der Auffassung der Versammlung widerspricht der Entwurf in leinen Grundlagen wie in seinen Konsequenzen dem sozial- revolutionären Charakter der Partei. Zudem würde seine Durchführung unter allen Umständen seinen Zweck, die Bauernschaft zur revolutionären Partei zu machen, nicht entsprechen, sondern vielmehr geeignet sein, die heute be- stehende Gesellschaftsordnung durch künstliche Konscrvirung des Bauernstandes noch ans unabsehbare Zeiten hinaus aus- recht zu erhalten und damit den natürlichen ökonomischen und politische» Entwickelungsprozeß zu hemmen. Sie hält die be- stehende» Forderungen des Erfurter Programms, mit Ausnahme der den Arbeiterschutz betreffenden, welche etwas zu ergänzen sind, für ausreichend, die sozialdemokratische Agitation auf das platte Land zu tragen, und spricht demnach die Erwartung aus, daß der Parteitag zu Breslau den Entwurf der Agrarkommission ablehnen werde. Gleichzeitig spricht die Versammlung den Wunsch aus, der Parteivorstand möge dafür Sorge tragen, daß das Agrarprogramm als einer der ersten Punkte dem Parteitage vor- gelegt werde, falls dasselbe nicht inzwischen von der Agrar- kommission noch überhaupt zurückgezogen würde." In Frankfurt a. M. setzte Dr. Q u a r ck sein Referat über das Agrarprogramm in einer zweiten Versammlung fort. Nach dem Bericht der„Volksstimme" führte er aus: Der all- gemeine Charakter des von der Agrarkommission vorgeschlagenen Programms wird durch die Resolution bestimmt, die der vor- jährige Frankfurter Parteitag angenommen hat und der auch unsere Delegirten, sowie diezenigen der benachbarten Wahlkreise mit Begeisterung zustimmten:„Der Bauernschutz soll die Bauern als Steuerzahler, als Schuldner, als Landwrrth vor Nachtheilen bewahren"(Protokoll S. 135). Dadurch hat die Partei ihren Standpunkt festgelegt und sie kann ihre Ansicht doch nicht alljährlich wechseln wie einen Nock. Die schwierigen landwirthschastlichen Verhältnisse sind eben anders zu betrachten als die industriellen. Die maschinelle Technik kann uns niemand mehr nehmen, kein Stumm und kein Krupp und kein Baare. Aber Leute wie Fürst Pleß können, ivenn wir der Entwickelung ruhig ihren Lauf lassen wollen, wie in England durch Vernichtung des Ackerlandes und Verwandlung in Jagd- und Weidegründe unserer Volksernährung den Boden entziehen, während umgekehrt Deutschland bei guter, fort- chreitenber Bodenkultur vielleicht in absehbarer Zeit seinen ganzen Gelreidebedarf zu decken vermöchte. Ausgaben für Ver- besserung der Landwirthschaft sind allgemeine 51nlturausgaben; ede Neuerung, welche der Staat auf dem flachen Lande einführt, ede Bahn und jeder Kanal revolutioniren neue Gebiete, die bis jetzt als abgeschlossene Winkel dalagen. Was aber die zu schützenden Personen anbetrifft, so sind uns die Groß- und Mittelbauern mit Knechten und Mägden natürlich herzlich gleichgilttg. Wir haben uns lediglich um den schon halb proletarisirten Kleinbauer zu küniniern, der mit Familie in Deutschland eine Bevölkerung von ca. 15 Mill. ausmacht. Er ist schon jetzt vielfach mehr bedrückt, als der städtische SWeiler. Und das tiefste Elend erzeugt kein ziel- bewußtes, sondern das Lumpenproletariat, das uns schadet. Wir bemühen uns, auch den städtischen Arbeiter uicht in das tiefste Elend versinken zu lassen. Man hat sich den etwas kecken Witz erlaubt, zu sagen, unseren Engels habe das Agrarprogramm unter die Erde gebracht. Aber Engels hat sich zum Agrar- pragramm geäußert, noch ehe er uns entrissen wurde, vor wenigen Monaten in der„Neuen Zeit", 1894/95(I. Band, Nr. 10). Er kritistrte die Franzosen, aber er war sachlich genug. zuzugestehen:„Wir stehen entschieden auf der Seite des Klein» dauern; wir werden alles nur irgend zulässige thun, um fein Lvos erträglich zu machen... Je größer die Anzahl der Bauer» ist, denen wir den wirklichen Absturz in das Proletariat er- paren, desto rascher vollzieht sich die gesellschaftliche Um- gestaltung... Die materiellen Opfer, die in diesem Sinne im Interesse der Bauern aus öffentlichen Mitteln zu bringen sind ...... sind eine vortreffliche Anlage und ersparen vielleicht den zehnfachen Betrag bei den Kosten der zesellschaftlichen Reorganisation überhaupt." So unser ver- torbener Vorkämpfer, und wo er stand, da darf die Agrar- kommission auch stehen. Die einzelnen Forderungen nun, welche die Agrarkommission aufgestellt hat, haben nicht alle dieselbe Wichtigkeit. Das ver- teht sich von selbst. Auch über die Fassung lassen wir überall mit uns reden. Die vielfach mißverstandene Einleitung zum ganzen zweiten Theil des Programms will weiter nichts besagen als: wir werden den jetzigen reaktionären preußisch-deulschen Staat nicht beute abschaffen und morgen den sozialistischen organisiren. Dazwischen wird ein langes Uebergangsstadium liegen, in welchem wir Schritt für Schritt die Demolratisirung ftel©faflfSiBcftiiS erzwnigen. lind mit jedem Schritt in dieser Richtung vorwärts können wir auch im demokratischen Sinne gemeinte wirthschaftliche Reformen im Interesse der Arbeiter und Kleinbauern, immer neue Maßregeln gegen die gänzliche Proletarisirung und für die technische Vervollkommnung der Industrie und der Landwirthschaft durchsetzen. Darin stehen wir alle zu Bebel: was nicht in der Linie dieser Fortschritte liegt, taugt für uns nicht. Punkte, über deren Ausnahme in das all- gemeine Programm man gewiß streiten kann, sind das land- wirthschaftliche Schulwesen, das freilich bei der Junkerfeindschaft gegen alle Schulbildung auf dem Lande wohl besonders betont zu werden verdient, die Abschaffung aller Rechte von Erb- unterthänigkeit, die Uebernahme und Instandhaltung der Verkehrs- mittel, die Verstaatlichung der Versicherung, die aber der von uns so ost beantragten Verstaatlichung der Apotheken doch gewiß nicht nachsteht, sowie die Wald-, Weide- und Jagdrechte. Die Punkte mögen sich besser, richtiger im einzelnen sormulirt in einer be- sonderen Bauernagitations-Broschiire ausstellen lassen. Von grundlegender Wichtigkeit ist dagegen die Vermehrung und Er- Haltung des öffentliche» Grundeigenthums, sowie die Bewirth- schaftung durch Genossenschaften von Landarbeitern und Klein- Pachtern und der Staalskredit an letzlere. Wir wollen ja keine Riesenproduktivgenossenschafte» zur Entsetzung der Kapitalisten, wie Lassalle, die mit einem Riesenstaatsgeschenk sofort ins Leben treten»vollen. Das»väre freilich eine Utopie. Wir»vollen lang- same, allmälige Förderung des Genossenschaflsivesens in den Einzelzweigen, in denen es sich beivährt hat, und auch Kautsky muß zugestehen,„daß wir in genossenschaftliche» Betrieben den rationellsten sehen, sonst»vären»vir nicht Sozial- deinokraten." Die Hypothckenverstaatlichung hat ebenfalls keinen geringeren Geivährsmann als Engels,»»nd die Aushebung der Grundsteuer hat längst in» alten Programm gelegen. Endlich spreche» für die Einigung auf ein gen»einsa>nes Kleinbauern- Programm noch eine Reihe taktischer Er- »vägungen. Jetzt stellen die Genossen für jeden einzelstaatlichen Landtag(z. B. Hessen und Baden) ihre besonderen Programme für die Landbevölkerung auf; in den ländlichen Reichstags- Wahlkreisen agitirt jeder Kandidat auf eigene Faust. Hier in, iß durch ein gemeinschaftliches Prograinn» eine größere innere Ein- heil erzielt»verde»». Ebenso müssen»vir uns den aiisländischen Bruderparteie» nähern, die längst ihre Landagitations-Programiue habe», im Interesse des internationalen Zusaminengehens. Solche Gesichtspunkte sind»vichtiger, als die, ob die jetzige Agrar- kominission in den» einen oder anderen Punkte fehlgegriffen hat. Mit dem bloßen Verneinen a. la Eugen Richter ist es nicht ge- than. Jeder Genosse, der uns sagt,»vie es besser gemacht»verde», niuß, ist uns willkommen. So sollten auch die Beschlüsse der Versammlungen lauten, die jetzt so zahlreich statlfinden und ein erfreuliches Zeugniß für die Regsamkeit innerhalb der Partei sind: wir haben dies und jenes auszusetzen, aber wir»vollen auf einer gemeinsamen Grundlage»veiterarbeiten. Die klein- bäuerliche Bevölkerung liefert heute noch zum größten Theil die Elemente, die einst die Mordivaffe» gegen ihre eigenen Brüder der Arbeit kehre» sollen, und sie liefert serner die Lohn- drücker und Arbeitsverschlechterer,»velche den jjeiverkschaft- lichen Kainpf i» den Städten erschivere» und zum theil unmöglich »nachen. Gerade die städtisclien Arbeiter haben alles Interesse daran, daß die kleinbäuerliche Bevölkerung, die nach der Stadt strömt, nicht um jeden Preis Arbeit sucht und»venigstens etwas aufgeklärt ist. Mögen sie mithelfen, den angeblich antikollekti- vistischen Bauernschädel zu gewinnen, dainit das große Bündniß zwischen städtischen und ländlichen Proletariern und proletarischen Kleinbauern eine»vettere feste Sicherheit für den Erfolg unserer Kulturbestrebungen biete. An de» Vortrag knüpste sich elne interessante Diskussion. Knoop führte ans: Genosse Quarck hat in der Versainmlung vor acht Tagen gesagt, daß in de» sechziger Jahren innerhalb der Partei ähnliche Vorschläge gemacht»vorbei» seien,»vie heute von der Agrarkommission. Das ist doch »nerkivürdig. Wir frage»: Weshalb hat man denn diese Vor- schläge nicht verivirklicht? Anlivort: Weil man die ungeheueren Schwierigkeiten in der Durchführung der Vorschläge erkannte. Betrachten wir die Vorschläge der Agrarkoininission näher, so sehen wir, daß beispielsiveise drirch die Verstaatlichung der Hripotheken das Privateigenthun, sauktionirt wird. Ebenso»vie der Bauer kann auch der Handiverker kommen und Kapitalien vom Staat verlangen. Aon den übrigen Vorschlägen der Agrarkommission ist zivar einiges brauchbar; aber ein- für alleinal so etivas im Prograinn» festlegen z»»vollen, ist dringend zu widerrathe». Wir können nicht»visseu, ob es nicht schon in 10 Jahren überflüssig geworden ist. Alle Augen- blicke aber Aenderungen an» Hauptprogramm vorzunehmen,»st unthunlich. Solche Nebendinge, praktische Frage» des Augen- blicks, paffen für Aklionsvrogranime und sind in den einzelnen Provinzen verschieden aufzusiellen. Im übrigen, verfallen»vir doch nicht in den Fehler der Antisemiten, den Bauern etivas zu versprechen,»vas»vir nicht halten können! Ferner,»venu der Bauer etivas hört vom Koalitionsrccht der ländlichen Arbeiter ui»d der Aushebung der Gesinde-Ordnung,»vird er uns die größte Opposition machen, da er egoistisch ist bis zun, äußersten. Daß die Agrarkommission Studien angestellt hat, ist zu begrüßen; die Arbeit»vird nicht vergeblich sein. Das praktisch Brauchbare, das sie zu tage ge- fördert hat,»vird bei uns Verivendung finde». Doch machen wir den Bauen, keine zu großen Hoffnungen. Sagen»vir ihm rund heraus:„So lange die Klassenivirthschaft besteht, können wir Euch nicht Helsen." Palliativuiiltelchen werden den Untergang der Kleinbauern nicht verhindern. Wir»verde» vom Auslande mit Getreide überschwemmt»verde»». Diese Konkurrenz»vird der Bauer nicht ertragen können. Die Furcht des Genossen Quarck, daß wir nicht Getreide genug haben könnten, »venn infolge unserer Vernachlässigung der Bauern- stand zu gründe ginge, ist unbegründet, angesichts der großen Zufuhr aus dein Auslände. Mein Endurtheil geht dahin: Der Bauer»vird einzelne, von der Agrarkommission gemachte Vorschläge akzeptiren, darum aber noch lange kein Partei- genösse werden, bis er proletarisirt ist. Fleisch mann erklärt: Ich habe auf dem Fraukfurler Parteitag auch zugestimmt, daß der Agrarfrage näher getreten »verden solle. Daß aber ei» meterlanges Agrarprogranun dabei herauskoininen»vürde, habe ich nicht erivarlet. Ich bin»nit der Vorlage nicht einverstanden. Geivundert habe ich mich darüber, daß Genosse Quarck sich bei seinem Referat auf Kautsk»» gestützt hat, welcher ehedem für die Emanzipation der Bauer» eingetreten sei. Wenn Kautsky jetzt in der„Neuen Zeit" anders spricht, so hat er eben beiviesen, daß er mit der Eulivickeluna fortgeschritten ist. Das Erfurter Progranirn verlaugt Vergesellschaftung von Grund und Boden. Was»vill dagegen die Agrarkommission? Sie»vill Reformen„im Rahuien der bestehenden Staats-»nd Gesellschaftsordnung!" Das ist der Kardinalpuukt in der ganzen Debatte über das Agrarprogranun. Wir sollen nach der Koin- Mission dem Bauer in der Gegemvart Hoffnungen mache». Weshalb denn nicht auch den» Handlverker? Mit der Maschine hat dem Handiverk die letzte Stunde geschlagen. Die aufgeklärten Elemente unter de» Handiverkcrn stehen deshalb schon lauge i» unseren Reihe». DieAgrarkommissio» verlangt nun von u»s,daß»vir den Handlverker» zurufen sollen: Euch können»vir nicht helfen! Aber Dir, Bruder Bauer, wollen»vir zur Seite stehen! Genosse Quarck meinte,»vir müßten n»it den Bauern eine andere Sprache reden, damit sie uns verstehen. Aber infolge der Entivickelung des Verkehrs und der ganzen Wirthschast ist Stadt und Land schon so nivellirt, daß es»virklich nicht nöthig ist, in der Stadt so und auf dem Lande anders z» reden. Die Bauern gehen zn gründe infolge der Entivickeluug der ganze» Verhältnisse. Sie»uöge» sich damit tröste»», daß es ihnen so geht,»vie so vielen Millionen anderer Proletarier. Von den» Augenblicke an, wo»vir dem Bauer helfen,»vird er regierungsfreundlich, reaktionär werden. Wir sollen uns nach der Ansicht der Agrarkommission ver- bluten für e»»»« untergehende Klasse? In 10 Jahre»? nnrd die Zahl der bäuerlichen Habenichtse ungeheuer geivachsen sein, welche nichts mehr ihr eigen nennen könne», als eine ver- fallene Hütte. Wie industrielle Arbeiter,»velche durch eine» Glücksu,»stand zu irgend einen» Besitz gelangt sind, sich von uns abivende»,»vie viel»»»ehr»och der Bauer, der ein richtiger Eigenthumsteusel ist,»venn»vir ihn in seinem Besitze befestigen! Wir sollen nach der Kommission Luftschlösser bauen und wissen nicht, ob jemand darin zu wohnen vermag. Annehnibar iin E»t- »vurfe sind allein die letzten Vorschläge: Sachgeinäße Ausdehnung der Arbeiterschutz- Gesetzgebung auf die Landwirthschaft, die Organisation der Landwirthschaft in Aeintern und Kaminern, landivirthschaftliche Schiedsgerichte, Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung, reichsgesetzliche Ausdehnung der Versicherung auf alle im Lohn- und Dienstverdältniß stehenden Personen. Diese Vorschläge sind deshalb«»»nehinbar,»veil sie den Schutz des ländlichen Proletariats verlangen. Ich schlage vor, daß der zu»vählende Delcgirte n>»r für das läl»dliche Proletariat ein- treten soll. In der Kominissionsvorlage sind Genossenschaften gefordert. Wie»vird sich die Regierung dazu stellen? Blicken »vir doch einmal aus die sozialreformatorische Thätigkeit der Re- gierung hin. Wem» gute Fabrikinfpektoren etivas ordentliches für die Arbeiter forder», so werden sie denuuzirt und erhalte» Nasenstüber. Von der Regierung,»velche die Spitze der kapilalistischen Wirthschaftsordnnng ist, ist nichts zu erivarten. Sie»vird nie die gesorderlen Genossenschalten unterstützen! Unsere Thätigkeit muß darin bestehen, daß»vir die Proletarier zum Klassenbeivußtsein bringen. Erst»venu das Proletariat die Macht in der Hand hat,»vird eine Reform möglich sein! Elvert bemerkt: Genosse Quarck hat viel über die Ent- stehung des Älgrarproqramms, aber»venig über das Prograinn» selber gesprochen. Aus den EiUleitungsivorten der Vorschläge geht hervor, daß die Besitzenden in Landivirthschaft, Ge- »verde u. s. w. geschützt»verde»» solle». Das werden sich die Bauern gern gefallen lassen, nie aber»verde» sie für die ländlichen Arbeiter eintrete». Der Auf- Hebung der Gesinde-Ordnung werden sie sich mit allen Kräften»vidersetzen. Der Bauer sagt: Ich stehe mit meinen» Knechte nicht ans einer Stuse. Genosse Quarck hat gesagt,»vir könnten heute unmöglich einen anderen Standpunkt einnehmen, als vor einem Jahre auf den» hiesigen Parteitage, »velcher beschloffen habe:„Der Bauernschutz soll den Bauern als Steuerzahler, als Schuldner, als Land»virthe vor Nachtheilen bewahren." Genosse Quarck hat aber vergessen hinzuzusetzen, daß in der Resolution nirgends von einem Einschiebsel in das Hauptprogramm die Rede»st, wie es die Agrarkoininission aus- gearbeitet hat. Ich bin der Meinung, daß einige Punkte in den Vorschlägen annehmbar sind, daß diese aber nicht in das Program»» gehören. Das Prograinn» würde sich thatsächlich zu einen» Nilpferde amvachse»,»venn»vir, auf die Bedürfnisse aller Eriverbsziveige Rücksicht»ehinend, Forderungen für diese ins Prograinn» ein- stellten,»venu»vir allen untergehenden Klassen helfen wollte». Genosse Quarck hat gesagt, zu den Bauern müffe eine deutlichere Sprache geredet»verde». Aber selbst die Vorschläge der Agrar- kommission»verde» von den Bauern»icht verstanden werden. Ich werde für eine Resolution eintreten, in welcher gefordert wird, daß alle Unterausschüsse der Agrarkommission ihre Ent- »vürse bekannt geben sollen. Die Disklission»vird liächste»» Dienstag fortgesetzt. Eine Parteikonferenz für die fränkischen Wahlkreise Hof, Bayreuth und Kronach-Lichtenfels tritt Sonntag, den 8. September, vormittags 9 Uhr, in Schivarzenbach a. S. in» Lokale des Herr» S ch i r in e r zusainnie», um über folgende Punkte zu verhandeln: 1. Bericht der Vertrauensleute, 2. Bericht über de» Stand des Parteiblaltes, 3. Organisation »nid Agitation, 4. Siellniignahlne zum Agrarprogramm-Eutwurf (Referent: Redakteur D. Stücklen), b. Stell»l»ig zum Partei- tag in Breslau, 6. Anträge. AlS Reichstagskandidat für den 7. württembergischen Wahlkreis Calw-Neuenbürg»vurde von einer Delegirten- Konferenz in Calw der Parteigenosse P. Benz aus Stuttgart aufgestellt. Badische Landtagswakjkell. Für den 11. Kreis ist an stelle des zurückgetretenen Parleigeuossen Köber der Partei- genösse Wohlschlegel aus Neckarau als Kandidat auf- gestellt. Zu dein Protest, de» der P f o r z h e i n» e r Verein„Vor- »värts" gegen die Kandidatur des Parteigenossen Strotz erhoben hat, schreibt der„Offenburger Volkssreund" noch: „Soiveit»vir nun über die Verhältnisse informirt sind, hat der (größere und ältere) sozialdemokratische Verein zn Pforzheim sich »ach einen» unparteiischen und in Arbeiter-»vie Bürgerkreisen be- liebten und geachteten Kandidaten(nämlich Strotz) umgesehen und ihn in einer kombinirten Parteiversammlung zum Vorschlag gebracht. Der Vorgeschlagene wurde von der Mehrheit akzeplir», und es»väre Pflicht des Vereins„Vorivärts" geivesen, sich dem Mehr- heitsbeschnß zu fügen. Daß er das nicht thut, beiveist für uns, daß der„Vorivärts" Sonderinteressen pflegt. Die Folgen dieses Verhaltens»vird er sich selbst zrizuschreiben haben. Wer in der gegenivärtigen Reaklionsperiode noch derartige veriverfliche Obstruktionspolitik treibt, der verdient nicht den Nainen Sozial- deinorat." Ans Rabenau in Sachsen wird uns geschrieben: Als die Schreckenskunde von der Verurtheilung des Genossen Schröder »nd feiner Kameraden hier bekannt wurde, entschlossen sich sofort hiesige Arbeiter, eine Sammlung zu gunsten der Familien der Verurtheilte» zu veranstalten. Um jeden Konflikt»nit der viel- geivandten sächsischen Polizei zu vermeiden, suchte»»vir>»»» Genehmigung bei der A m l s h a up t m a n n s ch a f t nach. Die Genehmigung»vurde aber»vider alles Erwarten veriveigert und zivar mit der Begründung, für Leute, die wegen Meineids ver- urlheilt wurden, könne eine Sannnliing nicht genehmigt»verde»; für diesen Fall sei ja die amtliche Armenunterstützuiig in West- falen da. Etivas anderes seien Saminlungen für Abgebranute, Uebcrschiveinmte»c. Oder für so arme Leute wie Bisinarck, wollen»vir hinzu- fügen. Ein iiierk>uirdiger Staudpunkt für eine Behörde des „christlichen" sächsischen Staates, schuldlose Frauen und Kinder das angebliche Verschulden ihrer Ernährer entgelten zu lassen. AuS Strasburg i. E.»vird dein Offenburger„Volks- freund" geschrieben: Obwohl die Straßburger Polizeibehörde, solvie das badische Bezirksamt Kehl in genügender Weise bekannt »lachen ließe», daß die öffentliche Versanniilung in Neun» ü h l verboten sei, fände» sich letzten Sonntag trotzdeu» einige hundert Genossen ein, u»n de» Wirth für sein mannhafles Ausharren einigelinaßen zu entschädigen. Noch auf elsässischem Boden»vurde uns mitgetheilt, daß Polizeikommissare und Schutzleute zum Schutze der— Sozialdemokraten bereitständen. In Kehl sah es ga»>z russisch-elsaß-lothringisch aus, sodaß wir uns gerade fühlten, nun — wie man sich i» Elsaß-Lolhringeu fühlt, so recht sreiheilslos. Armes Land Baden! Und die Sonne schien so heiß und schön, als»vollte sie die Freiheit mit leuchtender Schönheit empfangen. Als»vir in Neumühl Einkehr hielten, siel uns sofort auf, daß in jeden» Haus Dragoner waren. Uns»vurde wirklich gruselig. Endlich»vurde das Drogoner-Näthsel gelöst. Die Bauern hatten E i n q n a r t i r u n g. Darum wohl auch hie und da die saueren Gesichter unserer»vackercn Bauernsleute. In der„Sonne" »vurden»vir von drei Gendarmen empfaugei». Im schalligen Garten warteten wir der Dinge, die da kommen sollten. Endlich nach 3>/2 Uhr ungefähr kamen zivei fein gekleidete Herren angefahren. Ter Garten wurde einer genauen Besichti- gung unterzogen und dann mit den Gendarmen berathen. Einige unserer sangeskundigen Genossen fiiuimten heitere und inhaltvolle Lieder an. Jedermann»var ganz Ohr„ allen gefiel es. Gegen Abend»vurde zum Schluß die Marseillaise angestimmt, wozu auch der oben erivähnte Besuch sich einfand. Die ersten zwei Verse schiene» den Herren zu gefallen, wie einige unserer Geuossen aus ihren Blicken deuten wollten. Beiin drittel» Verse aber »vurden»vir tiiit Stentorstimme»nterbrochen:„Sie singen: Das freie Wahlrecht ist das Zeichen, nieine Herren, das freie Wahlrecht ist verböte n." Es ist unglaublich aber »vahr. Ein in» Denkvermögen etivas beschränkter Mann trat aus mich zu und sagte:„Sehen Sie, in Baden haben sie kein freies Wahlrecht, man darf nicht'mal davon singen." Ich mußte dem Mann recht geben, denn»vir hörten es gerade sagen. Der Garten»vurde von der Gendarmerie geräumt und mit sonderbaren Meinungen verließen»vir unser liebes Neumühl. Auf den» Wege nach Kehl konnte man»nanches kräftige Wörtchen hören. Wie bei unseren Märschen es immer der Fall ist,»vurde ein lustiges Lied ge- sungen; aber auch dieses harmlose Vergnügen sollten»vir nicht ungestört genießen. Die zivei feingekleideten Herren fuhren »ach Kehl zurück und in vollen» Trapp in unsere Reihen hinein, sodaß sich die Pferde aufbäumten. Der größere blonde Herr erzürnte sich nochinals; mit voller Kraftstimme»»nd»nit geballten Fäusten rief er uns zu:„Jeder hüte sich selbst vor Schaden". Wie konnten auch»»„sere Genossen verlangen, daß die Herren an unseren Reihen vorbei im Schritt fahren sollten? Da„hütete sich eben jeder selbst vor Schaden!"--- Genossen, beherzigt diese Worte! Es sind goldene Worte. Wählen»vir nächstes Jahr einen besseren Genieinderath, der u>»s Lokale zur Ver- fügung stellt; dann haben»vir nicht niehr nöthig, die badische Gastfreundschaft i» Anspruch zu nehmen.„Jeder hüte sich selbst vor Schaden!" Genossen, beherziget diese Worte! Todtenlifte der Parte». In Z»v i ck a u- P ö l b i tz ist der Berginvalide Karl Moritz Ehnert gestorben. Das„Sächs. Volksblatt" stellt ihm das Zeugniß aus, daß er das Muster eines pflichtgetreuen Parteigenossen war. In München starb der Hafnergehilfe Georg Pierl- »neier, seinerzeit Vorsitzender der dortigen Organisation seines Berufs und in guten»vie schlimmen Tagen als Parteigenosse »vohl bewährt. Polizeiliches, Gerichtliches Zt. — Auf Aulrag des Staatsanwalts in Beuthen(Oberschlesien) nah»»» in Berlin die Polizei am Miltivoch eine Haus» s u ch u» g in den Räumen der Redaktion und der Druckerei der „Gazeta Robotnicza" vor,»vobei sie nach einem Flugblatt fahndete, das in der s e i t 3 I a h r e n nicht mehr existirenden Buchdruckerei von Sillier u. Janiszeivski hergestellt»vorden sein soll und dessen Text mit den Worten beginnt:„Genossen! Brüder! Arbeiter!" und mit den Worten schließt:„Es lebe die Arbeitersache!" Die Haussuchung war vergeblich. Die Polizei mußte»»»verrichteter Sache»vieder abziehen. Wie wir hören, soll einem Bculhener Genosse», in dessen Besitz sich das Flugblatt befand, der Prozeß gemacht»verde». Was nach drei Jahre» in den» Flugblatt schlinnnes entdeckt»vorden ist,»vird man ja hören. — Ein Prozeß wegen Beleidignng des Gendarmen Münter ist gegen unseren Genossen Dr. Lütgenau in Dortmund anhängig gemacht. — Wegen Beleidigung des Polizeiverivalters Witsche! in Tilsit»vurde der Redakteur der„Königsberger Volkslribüne", Genosse Karl Lorenz, zu 3 Wochen Gefängniß verurtheilt. — Wegen Beleidigung von Polizeibeamten, verübt durch eine Lokalnotiz mit der Spitzmarke:„Wie Tumulte entstehen können",»vurde der vcrantivortliche Redakteur des„Volksblatts für Halle", Genosse Fritz Schi» ecke nburger, von» Schöffen- gericht in Halle a. S. zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt und»vegen„Fluchtverdachts" sofort in Haft genommen. In der Lokalnotiz war die Art und Weise,»vie ein alter Bettler ver- haftet»vorden»var, kritisirt. Die Verhaftung hatte zu eine»» Menschenauflauf geführt. Vorsitzender des Schöffengerichts»var der ehemalige Staatsanwalt, jetzige Amtsrichter Bindseil. Er führte in der Urtheilsbegründung aus: Aus Erfahrung sei bekannt, daß die Tendenz des„Volksblatts" sich in der Richtung beivege, bei solchen Vorkonimnissen Beamte bloßzustellen. Der Artikel, der das Gift aus die Leser übertrage, erheische eine Sühne, es sei deshalb»ach den» Antrage des Siaatsanivalts erkannt»vorden. Natürlich wird gegen das Urtheil Berufung eingelegt. Depefchen und letzte Auchvichken. Essen a. d. Ruhr., 29. August.(W. T. B.) Die Reichs- tags-Ersatzivahl für den Wahlkreis Arnsberg 6 ist,»vie die „Rheinisch-Westfälische Ztg." meldet, auf den 2V. Oktober an» gesetzt»vorden. Hamburg, 29. August.(W. T. B.) Der„Hamburgischen Börsenhalle" zufolge ist zivischen der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrl-Aktien-Gesellschaft und der Firma Harland und Wolff in Belfast ein Vertrag, betreffend den Bau eines Dampfers von 20 099 Tonne», der somit das größte Schiff der Welt sein»vird, abgeschlossen worden. Der Dampser soll hauptsächlich dem Waarenauslausch dienen, wird 2000 Tonnen Schiver- gut laden können und Raum bieten für 200 Kajüten- und 1500 Zivischendecks- Passagiere. Die Gesellschaft hat ihre beiden älteren Dampfer„Rugia" und Rhaetia" bei diesem Vertrag in Gegenrechnung verkaust. Die Lieferungsfrist für das neue Schiff beträgt 10 Monate. Deutsche Wersten waren in ihren Bedingunge»»vesentlich theurer und beanspruchten eine Lieferungs- zeit von 19 Monaten. Miinchei», 29. August.(W.T.B.) Der Katholikentag»vurde heute mit einem Festessen beschlossen, an welchem 200 Personen theilnahmen. Karlsruhe i. B., 29. August.(B. H.) Bei einer in Herrischried ausgebrocheuen Feuersbrunst kamen drei Personen ums Leben. Wien, 29. August.(W. T. B.) Gestern Abend kam in Tarnopol eilie Cholera-Eckrankuiig vor. Laibach, 29. August.(B. H.) Heute früh gegen 4 Uhr »vurde hier ein heftiges Erdbeben verspürt,»velches zivei Sekunden dauerte, von unterirdischem Rollen begleitet»var und»Vellen» förmig mit kurzem, krästigen» Stoß auslief. Zahlreiche Häuser sind beschädigt. Die Bevölkerung iit in höchster Aufregung. V'uedig, 29. August.(B.H.)Der hier gelegentlich des Augen- ärzte-Kongresses»veilende berühmte Ailgenarzt Ugo Tailor ans Neapel schnitt sich in einem Wahlisiuusanfalle die Pulsadern auf»»nd verletzte sich dadurch lebensgefährlich. Rom, 28. August.(B. H.) Nach den großen Manövern »vird die Negierung größere Truppen-Abtheilnugen»ach Sizilien, Sardinien und anderen Distrikten entsenden, um das Briganten- thun» zu unterdrücken. Paris, 29. August.(B. H.) Im Munizipalrath zu Saint Etienne kamen in de» letzten Tagen zwischen den sozialistischen und republikanischen Mitgliedern heftige Streitigkeiten vor. Die Sozialisten verließen den Sitzungssaal unter dem Beifall des anivesenden Publikums. Zivei von ihnen, darunter ein General- rath, riefe» beim Hinausgehen dem Vorsitzenden Schimpfwörter z». Wege» dieses Vergehens»vurden sie gestern zu zwei bezw. drei Monaten Geiäugniß verurtheilt, infolge dessen sie ihre Wählbarkeit verloren. Im sozialistischen Lager herrscht dieserhalb große Erregung. Lyon, 29. August.(B. H.) Der Gencralrath nahm eine Resolutio» an, ivorin cncrgiich gegen die Abhaltung der für das Jahr 1900 beabsichtigte» Weltausstellung in Paris protestirt »vird. Der Kammer soll eine diesbezügliche Petition eingereicht »verde». Tundee, 29. August.(W. T. B.) Die Zahl der Streiken- den i» den Jutespinuereien ist heute aus 30 000 gestiegen. Tarnopol, 29. August.(B. H.) Die Cholera breitet sich immer weiter aus; die Todesfälle mehren sich. Da das Brun». en» »vasser ebenfalls iusizirt ist, wurde angeordnet, nur filtrirlcs Wasser zu benutzen. Rio de Janeiro, 29. Anglist.(B. H.) Der von der Regie- rung ausgearbeitete Amnestie- Antrag, der besonders zahlreichen politischen Sträflingen zu gute kommen soll,»vird in» Kongreß eine große Mehrheit finden. Verantwortlicher Redakteur: Max Psnud in Halensce. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Elrcke in Berlin. Tu.ck m.d Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Bcilagcn. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Uv. 302. Freitag, de» 30. August 1895. 12. Jahrg. Dw VAuevnfrNgv in �rnukverch und Dcutftfzldnd. Von Friedrich Engels. (Fortsetzung zu Nr. 201 des„Vorwärts".) Sehen wir uns nun diese„Erwägungen" etwas näher an. Zunächst muß der Satz des französischen Programms, daß die Freiheit der Produzenten den Besitz der Produktionsmittel voraussetzt, ergänzt werden durch die gleich darauf folgenden: daß der Besitz der Produktionsmittel nur in zwei Forme» möglich ist: entiveder als Einzelbesitz, welche Form nie und nirgends allgemein für die Produzenten bestanden hat und säglich mehr durch den industriellen Fortschritt unmöglich gemacht wird; oder aber als Gemeinbesitz, eine Form, deren materielle und intellek- tuelle Voraussetzungen schon durch die Entwickelnng der kapi- talistischeu Gesellschaft selbst hergestellt worden sind; daß also die g c in e i n s ch a s t l i ch e Besitzergreifung der Produktionsmittel zu cikämpfen ist mit allen dem Proletariat zur Verjügung stehen- den Ntitteln. Der Gemeinbesitz der Prodnktioiisinittel wird also hier als einziges zu erstrebendes Hauptziel aufgestellt. Nichi nur für die Industrie, wo der Boden schon vorbereitet ist, sondern allgemein, also auch für die Agrikultur. Der Einzelbesitz hat nach dem Programm nie und nirgends allgemein für alle Produzenten ge- gölten; eben deshalb, und weil der industrielle Fortschritt ihn ohnehin beseitigt, hat der Sozialisniiis kein Interesse an seiner Ausrichthaltung, wohl aber an seiner Beseitigung; denn da, wo und soweit er besteht, macht er den Gemeinbesitz unmöglich. Wenn wir uns einmal auf das Programm berufen, dann auch auf das ganze Programm, das den in Nantes zitirten Satz sehr bedeutend modifizirt, indem es die darin ausgesprochene allgemein- geschichtliche Wahrheit erst in die Bedingungen faßt, unter denen allein sie heute in Westeuropa und Nordamerika eine Wahrheit bleiben kann. Der Besitz der Produktionsmittel durch die einzelnen Produ- zenlen verleiht heutzutage diesen Produzenten keine wirkliche Freiheit mehr. Das Handwerk in den Städten ist schon ruinirt, in Großstädten wie London ist es sogar schon total verschwunden, ersetzt durch die Großindustrie, Schivitzsystem und elende Pfuscher. die vom Bankrott leben. Der selbstwirthschnftende Kleinbauer ist weder im sicheren Besitz seines Stückchens Land, noch ist er frei. Er wie sein Haus, sein Hof, seine paar Felder gehören dem Wucherer; seine Existenz ist unsicherer als die des Prole- tariers, der wenigstens dann und wann ruhige Tage erlebt, was dem gepeinigten Schuldsklaven nie vorkommt. Streicht den Artikel 2102 des bürgerlichen Gesetzbuchs, sichert dem Bauern durchs Gesetz einen unpfändbaren Bestand an Ackergeräth, Vieh«.; gegen eine Zwangslage, worin er sein Vieh„freiwillig" selbst verkaufen, wo er sich mit Leib und Seele dem Wucherer verschreiben muß und froh ist, sich eine Galgenfrist zu erkaufen, könnt ihr ihn nicht sichern. Euer Versuch, den Kleinbauern in seinem Eigenthum zu schützen, schützt nicht seine Freiheit, sondern nur die besondere Form seiner Kucchtschast; sie verlängert eine Lage, worin er weder leben noch sterben kann; die Berufung aus den ersten Absatz eures Programms ist also hier keineswegs am Platz. Die Motivirnng sagt, im Heuligen Frankreich befinde sich das Prodnklionsniittel, nämlich der Boden, noch an sehr vielen Orten als Einzelbesitz in den Händen der einzelnen Produzenten; die Aufgabe des Sozialismus aber sei nicht, das Eigenthnm von der Arbeit zu scheiden, sondern im Gegeutheil, diese beiden Faktoren aller Produktion in denselben Händen zu vereinigen.— Wie bereits angedeutet, ist letzteres in dieser Zlllgemeinheil keineswegs die Aufgabe des Sozialismus; seine Aufgabe ist vielmehr nur die Ueberlragung der Produktionsmittel an die Produzenten als Gemeinbesitz. Sobald wir dies aus den Augen lassen, führt uns obiger Satz direkt in die Irre, nämlich dahin, daß der Sozialis» nins berufen sei. das jetzige Scheineigenthnm des kleinen Bauern an seinen Feldern in wirkliches zu verwandeln, also den kleinen Pächter in einen Eigenthümer und den verschuldeten in einen schuldenfreien Eigenthümer. Der Sozialismus bat allerdings ein Interesse daran, daß dieser falsche Schein des bäuerlichen Eigen- thuins verschwinde; aber nicht aus diese Art. Jedenfalls sind wir nun so weit, daß die Motivirnng es schlankweg für die Pflicht des Sozialismus erklären kann, und zwar für seine gebieterische Pflicht,„die selbstarbeitenden Bauern im Besitz ihrer Laudstückchen zu erhalten gegenüber dem Fiskus, dem Wucher, und den Eingriffen der neuerstandenen großen Gniudherren." Die Motivirung überträgt hiermit dem Sozialismus die gebieterische Pflicht etwas durchzuführen, was Eine AZohenzolleen� Regende pen-iu. Die Magdeburger„V o l k s st i m m e" veröffentlichte in ihrer Nummer 133 vom 11. Juni folgende Notiz: „Eine Kabinetsordre aus dem Jahre 1783, welche— im Hinblick auf die Hamburger Vorgänge von feiten des Majors v. Schultze-Klosterfelde— wohl werlh wäre, ebenfalls erneuert zu werden, wie der vor kurzer Zeit in der„Volks- stimme" veröffentlichte Erlaß an die Bahnbeamten, findet sich in dem Werke des bürgerlichen Professors Biedermann„Deutschland im 18. Jahrhunderi", B. 1, S. 201:„Friedrich der Große glaubte den militärischen Geist seines Heeres und seines Volkes nicht besser kräftigen zu können— schreibt Biedermann—; als indem er eine scharfe Trennung des Militärs von den bürger- lichen Klassen und einen Vorrang des ersteren vor diesen letzteren begünstigte." Nachdem der Verfasser die aus dieser Ansicht eines Monarchen hervorgegangenen schrecklichen Zustände schildert, sagt er weiter:„Ein merkwürdiger Umschwung der Ansichten trat in dieser Beziehung unter Friedrich Wilhelm III. ein. Die französische Revolution mag wohl ihren Antheil daran gehabt haben. In einer Kabinetsordre aus dem Jahre 1793 wird� die Stellung dcs Militärs zu dem Volke in einer Weise aufgefaßt, welche sür alle folgende Zeiten hätte zum M u st e r dienen können." Diese Kabinetsordre lautet: Ich habe sedr mißfällig vernehmen müssen, wie besonders junge Offiziers Vorrang vor dem Zivilstande behaupten wollen. Ich werde dem Militär sein Ansehen geltend zu machen wissen, wo es ihm wesentlichen Vortheil bringt, auf dem Schauplatz des Krieges, wo sie ihre Mitbürger mit Leib und Leben ver- theidigen sollen. Allein im übrigen darf sich kein Soldat unterstehen, weß Standes er auch sei, einen der geringsten Meiner Bürger zu drüskiren; sie sind es, nicht Ich, die die Armee unterhalten; in ihrem Brote steht das Heer der Meinen Befehlen anver- rrauten Truppen, und Arrest, Kassation und Todesstrafe werden die Folge sein, die jeder Kontra- venient von Meiner unbeweglichen Strenge zu erwarten hat. Friedrich Wilhelm 111. Das llingt so zeitgemäß � und doch so fremd! Wie muß sich der Herr Major v. Schultze-Klosterselde freuen, daß diese Kabinetsordre„veraltet" ist." Zn dieser Veröffentlichung brachte nun der„Neichs-Anzeiger" im amtlichen Theile seiner Nummer 20ö vom 23. August solgende Erklärung: sie im vorigen Absatz für unmöglich erklärt hat. Sie giebt ihm auf, das Parzelleneigenlhum der Bauern zu„erhallen", trotzdem sie selbst sagt, dies Eigenthnm sei„unrettbar dem Untergang ge- weiht". Der Fiskus, der Wucher und die nenerstandenen großen Grundherren, was sind sie anders als nur die Instrumente, durch welche die kapitalistische Produktion diesen unvermeidlichen Untergang vollzieht? Mit welchen Mitteln„der Sozialismus" den Bauer gegen diese Dreieinigkeit schützen soll, werden wir weiter unten sehen. Aber nicht nur der Kleinbauer soll in seinem Eigenthnm geschützt werden. Es ist ebenfalls„angemessen, diesen Schutz auszudehnen auf die Produzenten, die unter dem Namen Pächter oder Theilpächter(rnötayers) fremdes Land bebauen, und die, wenn sie Tagelöhner ausbeuten, dazu gewissermaßen gezwungen sind durch die an ihnen selbst verübte Ausbeutung". Hier koinmeii wir schon auf ein ganz absonderliches Gebiet. Der Sozialismus richtet sich ganz speziell gegen die Ausbeutung der Lohnarbeit. Und hier wird es für die gebieterische Pflicht des Sozialismus erklärt, die französischen Pächter dabei zu schützen. wenn sie—„Taglöhner ausbeuten"— so heißt es wörtlich! Und zwar, weil sie gewissermaßen dazu gezwungen werden„durch die an ihnen selbst verübte Ausbeutung"! Wie leicht und angenehm es sich doch abwärts rutscht, ist man erst einmal auf der schiefen Ebene! Wenn nun der Groß- und Mittelbauer Deutschlands kommt und bittet die französischen Sozialisten, sich beim deutschen Parteivorstand zu verwenden, daß die deutsche sozialdemokratische Partei ihn schütze in der Ausbeutung seiner Knechte und Mägde, und sich dabei beruft auf die durch Wucherer. Steuereinnehmer, Getreidespekulanten und Viehhändler„an ihm selbst verübte Ausbeutung"— was werden sie antworten? lind wer steht ihnen dafür, daß nicht auch unsere agrarischen Großgrundbesitzer ihnen den Grafen Kanitz schicken(der ja auch einen dem ihrigen ähnlichen Antrag aus Verstaatlichung der Getreideeinfuhr gestellt) und ebenfalls um sozialistischen Schutz bitten für ihre Ausbeutung der Land- arbeiter, unter Berufung auf die„an ihnen selbst verüble Aus- beutung" durch Börse, Zins- und Gelrcide-Wucherer? Sagen wir hier gleich, daß unsere französischen Freunde es lange nicht so böse meinen wie es den Anschein hat. Der obige Absatz soll nämlich nur einen ganz speziellen Fall treffen, nämlich diesen: Im Norden Frankreich?, wie in unseren Zuckerrübengebieten, wird den Bauern Land mit der Verpflichtung zum Rübenbau unter äußerst lästigen Bedingungen vermiethet; sie müssen die fltüben an die bestimmte Fabrik zu dem von dieser festgesetzten Preis verkaufen, müssen bestimmten Samen kaufen, ein festgesetztes Quantum vorgeschriebener Düngung verwenden, und werden obendrein noch bei der Ablieferung schmählich geprellt. Das alles kennen wir in Deutschland ja auch. Wollte man aber einmal diese Sorte Bauern unter seinen Schutz nehmen, so mußte man dies direkt und ausdrücklich sagen. Wie der Satz dasteht, in seiner unbegrenzten Allgemeinheit, ist er eine direkte Verletzung nicht nur des französischen Programms, sondern des Grund- Prinzips dcs Sozialismus überhaupt, und seine Verfasser werden sich nicht beklagen können, wenn diese nachlässige Redaktion von den verschiedensten Seiten gegen ihre Absicht ausgebeutet wird. Derselben Mißdeutung fähig sind die Schlußworte der Motivirung, wonach die sozialistische Arbeiterpartei die Aufgabe hat,„alle Elemente der ländlichen Produktion, alle Thätigkeiten, die unter verschiedenen Rechtstileln den nationalen Grund und Boden verwerthen, zusammenzubringen in deniselben Kampf gegen den gemeinsamen Feind: die Feudalilät des Grundbesitzes." Ich läugue geradezu, daß die sozialistische Arbeiterpartei irgend eines Landes die Aufgabe hat, außer den Landproletariern und Kleinbauern auch die Mittel- und Großbauern, oder gar die Pächter großer Güter, die' kapitalistischen Viehzüchter und die anderen kapitalistischen Verwerlher des nationalen Grund und Bodens in ihren Schooß aufzunehmen. Ihnen allen mag die Feudalilät dcs Grundbesitzes als gemeinsamer Feind erscheinen. Wir mögen in gewissen Fragen mit ihnen zusammen. gehen, sür bestiminle Zwecke eine Zeil lang an ihrer Seite kämpfen können. Aber in unserer Partei können wir zwar Individuen aus jeder Gesellschastsklasse, aber durchaus keine kapitalistischen, keine mittelbllrgerlicheu oder mittelbäuerlichcn Jnteresseugruppen gebrauchen. Auch hier ist es nicht so schlimm gemeint, wie es aussteht; an alles das haben die Verfasser offen- bar gar nicht gedacht; leider aber ist der Generalisationsdrang mit ihnen durchgegangen und es darf sie nicht wundern, wenn man sie eben beim Wort nimmt. Nach der Motivirung kommen nun die neubeschlosseiien Zu- sähe zum Programm selbst. Sie verrathen dieselbe Flüchtigkeit der Redaktion wie jene. „ K r i e g s m i n i st e r i n in. Die Nr. 133 der am 11. Juni 1392 in Magdeburg er- schienenen„Volksstimme" druckt aus dem Buche von Bieder- " mann„Deutschland im 18. Jahrhundert" eine angeblich im Jahre 1793 erlassene Allerhöchste Kabinetsordre, betreffend das Verhalten besonders der jungen Offiziere dem Zivilstande gegenüber, ab. Das Schriftstück ist, wie die bereits im Jahre 1793 dieser- halb angestellte Untersuchung und die in der„Königlich privilegirten Berlinischen Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen" vom 3. Februar 1798 abgedruckte Bekanntmachung dcs General-Feldmarschalls von Möllendorff vom 31. Januar 1793 ergeben, eine dreiste, anscheinend zuerst durch den 1. Band dritten Stücks der„Gcraer Zeitung" vom 9. Januar 1798 verbreitete Fälschung. Berlin, 23. August 189Z. Kriegs-Ministerinm. B r o n s a r t von Schell e n d o r f f." Die Bekanutmachung des General-Feldmarschalls v. Möllen- dorf, auf die hier bezug genommen wird, findet sich in der Nummer der„Vossischen Zeitung" vom 3. Februar 1798 und lautet: „Die„Geraer Zeitung" hat im ersten Bande dritten Stücks vom 9. Januar d. I. ein angebliches an mich gerichtetes Kabinets- schreiben Sr. Majestät des Königs aufgenommen, worin von den Verhältnissen des Militär- und Zivilstandes die Rede ist. Preußische Unterthanen und jeder, der die Gesinnungen S r. M a j e st ä t des Königs und die Verfassung des preußischen Staats kennt, wird sich bei Lesung des Schreibens von selb st überzeugen, daß solches nicht aus der Feder Sr. Majestät geflossen sein kann. Damit aber das auswärtige Publikum, dem die hiesigen Verhältnisse weniger bekannt sind, durch Publizität, welches die„Gerner Zeitung" gedachtem Schreiben gegeben hat, nicht getäuscht werde, so mache ich hierdurch öffentlich bekannt, daß solches gänz lich erdichtet sey. Berlin, den 31. Januar 1739. v. Möllen- d o r f f." Es verstand sich ja eigentlich von selbst, daß ein König des Militärstantes Preußen nicht eine solche Kabinetsordre erlassen konnte. Die„Geraer Zeitung" hat denn auch wohl nur eine Satire schreiben wollen. Aber das im Kampfe mit dem Junker- thum begriffene Bürgerthnm glaubte die Mär, und glaubte sie bis heute, denn unfähig, sich beim Osfiziersstaud selbst Respekt zu verschaffen, setzte eS damals und setzt es noch heute seine Der Artikel, wonach die Gemeinden landwirthschaftliche Maschinen anschaffen und sie zu den Selbstkosten an die Bauern vermiethen sollen, wird geändert dahin, daß die Gemeinden erstens Staatszuschüsse für diesen Zweck erhalten, und zweitens die Maschinen den Kleinbauern gratis zur Verfügung stellen sollen. Diese weitere Konzession wird den Kleinbauern, deren Felder und Betriebsweise nur wenig Maschinengebrauch zulassen, sicher auf keinen besonders grünen Zweig helfen. Ferner: Ersatz aller bestehenden indirekten und direkten Steuern durch eine einzige progressive Steuer auf alle Einkommen von mehr als 3000 Franken.— Eine ähnliche Forderung findet sich seit Jahren in fast jedem sozialdemokratischen Programm. Daß sie aber speziell im Interesse der Kleinbauern aufgestellt wird, ist neu und beweist nur, wie wenig man ihre Tragweite berechnet hat. Nehmen wir England. Dort beträgt das Staatsbudget 90 Millionen Pfund Sterling. Davon werden aufgebracht durch die Einkommensteuer 13>/2 bis 14 Millionen, die übrigen 73 Millionen zum kleineren Theil durch Besteuerung von Ge- schäften(Post, Telegraphen, Stempel), zum weitaus größten Theil aber durch Auflagen auf die Massenkonsumtion, durch stets wiederholtes Abzwacken, in kleinen, unmerklichen, aber sich zu vielen Millionen aufsummirenden Beträgen, vom Einkommen aller Einwohner, vornehmlich aber der Aerineren. Und es ist in der heutigen Gesellschaft kaum möglich, die Staatsausgaben auf andere Weise zu decken. Gesetzt, man legte in England alle 90 Millionen den Einkommen von 120 Pfd. St.— 8000 Fr. und darüber in progrclsiver direkter Steuer auf. Die durchschnittliche jährliche Akkumulation, die jährliche Vermehrung des gesammten nationalen Reichsthums, betrug 1832/1875 nach Giffcn 240 Mill. Pfd. St. Sagen wir, sie sei jetzt gleich 300 Mill. jährlich; eine Steuerlast von 90 Mill. würde fast ein Drittel der gesammten Akkumulation verzehren. Mit anderen Worten, keine Regierung kann so etwas unter- nehmen außer einer sozialistischen; wenn die Sozialisten am Ruder sind, werden sie Dinge durchzuführen haben, bei denen jene Steuerreform nur als eine momentane, ganz unbedeutende Ab- schlagszahlung figurirt, und wobei den Kleinbauern ganz andere Perspektiven eröffnet werden. Man scheint auch einzusehen, daß die Bauern auf diese Steuerreform etwas lange warten müßten, und stellt ihnen daher „einstweilen"(on attendant) in Aussicht:„Abschaffung der Grundsteuer für alle selbstarbeitenden Bauern, und Verminderung dieser Steuer sür alle mit Hypotheken belasteten Grundstücke". Die letzte Hälfte dieser Forderung kann sich nur auf größere Bauerngüter beziehen als die die Familie selbst bewirlhschaften kann, sie ist also wiederum eine Begünstigung derjenigen Bauern, welche„Tagelöhner ausbeuten". Ferner:„Freiheit der Jagd und des Fischfangs ohne andere Beschränkungen als bedingt sind durch die Schonung des Wild- und Fischstandes und der wachsenden Ernten."— Dies klingt sehr populär, aber der Nachsatz hebt den Vordersatz auf. Wie viel Hasen, Nebhühner, Hechte und Karpfen kommen denn schon jetzt in der gesammten Dorsflur auf jede Bauernfamilie? Etwa mehr, als daß man jedem Bauern einen Jagdtag und Fischtag im Jahr freigeben könnte? „Herabsetzung des gesetzlichen und konventionellen Zins« fußes"— also erneuerte Wuchergesetze, erneuerter Versuch, eine Polizeimaßregel durchzuführen, die seit zweitausend Jahren stets und überall gescheitert ist. Komnit der Kleinbauer in die Lage, wo es für ihn das kleinere Uebel ist, zuni Wucherer zu gehen, so findet der Wucherer immer die Mittel, ihn auszu- saugen, ohne dem Wuchergesetz zu verfallen. Diese Maßregel könnte höchstens zur Beschwichtigung des Kleinbauern dienen, Vortheil bringt sie ihm nicht; im Gegeutheil, sie erschwert ihm den Kredit gerade dann, wenn er ihn am nöthigsten hat. „Kostenfreie ärztliche Behandlung und Lieferung der Arzneien zum Kostenpreis"— dies ist jedenfalls keine spezielle Bauern- schutzmaßregel; das deutsche Programm geht weiter und verlangt auch kostenfreie Arznei. „Entschädigung der Familien einberusener Reservisten während der Dienstzeit"— besteht bereits, wenn auch in höchst unzu- reichender Gestalt, in Deutschland und in Oesterreich und ist eben« 'alls keine spezielle Bauernforderung. „Herabsetzung der Transporttarife für Dünger und land- wirthschaftliche Maschinen und Produkte"— ist in Deutschland im wesentlichen durchgeführt, und zwar hauptsächlich im Interesse der— Großgrundbesitzer. „Sofortige Vorbereitungsarbeiten zu einem Plan für öffent- liehe Arbeiten zur Verbesserung des Bodens und Hebung der landwirthschaftlici e> Produktion"— läßt alles im weiten Feld Hoffnung auf den König. Es ist deshalb eine Art weltgeschicht- licher Ironie, daß ein preußischer Kriegsminister dazu beilragen mußte, den Legendenkreis, der sich um einen Hohenzollern gebildet hat, in einem sehr wesentlichen Punkte zu zerstören. Eheakev. Schiller- Theater. Mittwoch, den 23. August 1392, zur Feier von Goelhe's Geburlstag:„Götz von Bertichingen mit der eisernen Hand", Schauspiel in 2 Aufzügen von Goethe. Zu schweres muthet sich das Schiller-Theater zn, dies bewies die gestrige Aufführung des hervorragendsten und volksthüm« lichsten Jngendwerkes Goelhe's. So sehr es anzuerkennen ist, daß eine Bühne wie das Schiller-Theater seinem Publikum klassische Dichtungen vermitteln will, so sehr muß davor gewarnt werden, daß dies mit unzulänglichen Mitteln geschieht. Dies war gestern leider der Fall. Nur wenige Darsteller waren ihrer Aufgabe einigermaßen gewachsen, so vor allem Herr Patek, der freilich den � Hausvater Götz besser darstellte als den Ritter. Vortrefflich war er in der ersten Szene des vierten Aktes, Ivo er als Gefangener vor dem kaiserlichen Kommissar steht. Glücklich war das Debüt von Fräulein Grethe Meyer, die den Georg gab, und die Darslellung Lerse's durch Herrn Patry. Fräulein Lantus vom Wiener„Raimuud-Tdealer", die als Adelhaid austrat, war nicht ganz in den Geist ihrer Rolle eingedrungen, nur in wenigen Szenen schuf sie die Goethe'sche Gestalt. Die übrigen Darsteller werden nicht böse sein, wenn wir unser Urtheil zurückhalten. Die Massenscenen waren zum großen Theil verunglückt, was wohl ans Sparsamkeit der Regie bei den Proben mit den Statisten zurückzuführen ist. Die mangelhaste Darstellung läßt das Experiment mit der Shakespeare-Savits-Perfall- Lauienschlager'schen Reformbühne doppell gewagt erscheinen. Bei derselben ist die Dekoration bedeutend vereinfacht, die Illusion mehr gestört, der Phantasie mehr Spielraum gelassen. Bei vorzüglicher Darstellung wird man die Einschränkung des szenischen Apparates als einen Fortschritt, als ein Mittel zu reinerem Genuß des Kunstwerks ansehen können. Bei der Auf- führung im Schiller-Theater störte das Experiment. Das Publikum war wie immer im Schiller-Theater deifallSwüthig, eS klatschte oft zur unpassendsten Zeit, was einen anderen Theil des Publikums zu protestirendem Zischen veranlaßte. Der Gast scheint für Claque gesorgt zu haben, auch auf diese Reform ließe sich verzichten.— n. der Uichesiiinmtheit und der schönen Versprechungen und liegt ebenfalls iin Interesse vor allem des Groszgrundbesitzes. Kurz, nack) all' dem gewaltige» theoretischen Anlauf der Motivirung, geben uns die praktischen Vorschläge des neuen Agrarprograinms erst recht keinen Ausschluß, wie die französische Arbeiterpartei es fertig bringen will, die Kleinbauern im Besitz eines Parzelleneigenthums zn erhalten, das nach ihrer eigenen Aussage unrettbar dem Untergang geweiht ist. In einem Punkt haben unsere französischen Genossen unbedingt recht: gegen den Kleinbauer ist in Frankreich keine dauernde Umwälzung möglich. Nur scheint mir, daß, um dem Bauern beizukommen, sie den Hebel nicht am richtigen Punkt angesetzt haben. Sie gehen, wie es scheint, darauf aus, den Kleinbauer von Tiente auf morgen, womöglich schon snr die nächste allgemeine Wahl zu gewinnen. Das können sie nur zu erreichen hoffen durch sehr gewagte allgemeine Zusicherungen, zn deren Ver- theidigung sie gen öthigt sind, noch weit gewagtere theoretische Er- wägungen vom Stapel zu lassen. Sieht rnan dann näher zu, so findet man, daß die allgemeinen Znsicherungen sich selbst widersprechen(Zusage, einen Zustand erhalten zn wollen, den man selbst für unrettbar dem Untergang geweiht erklärt) und daß die einzelnen Maßregeln entweder ganz wirkungslos sind (Wuchergesetze), oder aber allgemeine Arbeiterfordcrungen, oder solche, die auch dem Großgrundbesitz zu gute kommen, oder endlich solche, deren Tragweite im Interesse des Kleinbauern keineswegs sehr bedeutend ist; sodaß der direkt praktische Thcil des Pro gramms von selbst den ersten verfehlten Anlauf berichtigt und die gefährlich aussehenden großen Worte der Motivirung auf ein thatsächlich unschuldiges Maß rednzirt. Sagen wir es gerade heraus: bei den ans seiner ganzen ökonomischen Lage, seiner Erziehung, seiner isolirten Lebensweise entspringenden und durch die bürgerliche Presse und die Groß gnmdbesitzer genährten Vorurtheile» können wir die Masse der Kleinbauern von heute auf morgen nnr gewinnen, wenn wir ihnen etwas versprechen, wovon wir selbst wissen, daß wir es nicht halten können. Wir müssen ihnen eben versprechen, ihren Besitz nicht nur gegen alle anstürmenden ökonomischen Mächte unter allen Umständen zu schützen, sondern auch ihn von de» ihn schon jetzt bedrückenden Lasten zn befreien: den Pächter in einen freien Eigeuthümer zu verwandeln, dem der Hypothek erliegenden Eigeuthümer seine Schuldon zu bezahlen. Könnten wir das, so wären wir wieder da, von wo ans der heutige Zu stand sich mit Nothwendigkeit von neuem entwickelt. Wir hallen den Bauern nicht befreit, wir hätten ihm eine Galgensrist verschafft. Es ist aber nicht unser Interesse, den Bauer von heute auf morgen zu gewinne», damit er uns, wenn wir das Versprechen nicht hallen können, von morgen ans übermorgen wieder abfällt. Wir können den Bauer, der uns znmnthel, ihm sein Parzellen- eigenthum zu verewigen, nicht als Parteigenossen brauchen, ebensowenig wie den kleinen Handwerksmeister, der sich als Meister verewigen will. Diese Leute gehören zu den Antisemiten Mögen sie zu diesen gehen, sich von diese» die Rettung ihres kleinen Betriebes versprechen lassen; haben sie dort erfahren, was «s nlit diesen glänzenden Phrasen ans sich hat und welche Melodien die Geigen spielen, von denen der anti- semitische Himmel voll hängt, dann werden sie in stets wachsendem Maß einsehen, daß lvir, die wir, veniger ver- sprechen und die Rettung in einer ganz anderen Richtung suchen Ittfl! hnr?l hit> f{rf\ovovn Ooitfo ftnS �Ni'-rHovi rtf urr mit daß wir doch die sichercrn Leute sind. Hätten die Franzosen, wie wir, eine lärmende antisemitische Demagogie, sie hätten den Fehler von Nantes schwerlich gemacht. Was ist denn unsere Stellung zur Kleinbauernschaft? Und .wie werden wir mit ihr verfahren müssen am Tag, wo uns die Staatsniacht zufällt? Erstens ist der Satz des sranzösischen Programms unbedingt richtig: daß wir den unvermeidlichen Untergang des Kleinbauern voraussehen, aber keineswegs berufen sind, ihn durch Eingriffe unsererseits zn beschleunigen. Und ziveitens ist es ebenso handgreiflich, daß wenn wir im Besitz der Staatsmacht sind, wir nicht daran denken können, die Kleinbauern gewaltsam zu expropriiren(einerlei ob mit oder ohne Entschädigung), wie ivir dies mit den Großgrundbesitzern zn thnn genöthigt sind. Unsere Aufgabe gegenüber dem Kleinbauer be- steht zunächst darin, seinen Privatbetrieb und Privatbesitz i>. einen genossenschaftlichen überzuleiten, nicht mit Geivalt, sondern durch Beispiel und Darbietung von gesellschaftlicher Hilfe zu diesem Zweck. Und da haben wir allerdings Mittel genug, um dem Kleinbauer Vortheile in Aussicht zu stellen, die ihm schon jetzt einleuchten müssen. Schon vor � fast zwanzig Jahren haben die dänischen Sozialisten, die in ihrem Land nur Eine eigentliche Stadt Kopenhagen— besitzen, also außerhalb dieser fast nur au Bauernpropaganda angewiesen sind, derartige Pläne entworfen Die Bauern eines Dorfs oder Kirchspiels— es giebt in Däne> mark viel große Einzclhöfe— sollten ihr Land zu einem großen Gut zusammenwerfen, es für gemeinsame Rechnung bebauen und den Erlrag nach Verhältniß der eingeschossenen Boden- stücke, Geldvorschüsse und Arbeitsleistungen theilen. I» Dänemark spielt der Kleinbesitz nur eine Nebenrolle Wenden wir aber die Idee ans ein Parzellengebiet an so werden wir finden, daß beim Zusammenwerfen der Parzellen und Großkulrur ihrer Gesammtfläche ein Theil der bisher beschäftigten Arbeitskräfte überflüssig wird; in dieser Ar beitsersparniß liegt ja gerade einer der Hauptvortheile der Groß' knltur. Für diese Arbeitskräfte kann Beschäftigung gesunden werden auf zwei Wegen. Entweder man stellt der Bäuerin gcnossenschaft weitere Landstrecken zur Versügung aus benach barten großen Gütern; oder aber man verschafft ihnen die Mittel und Gelegenheit zu industrieller Nebenarbeit, inöglichst und vorwiegend für eigenen Gebrauch. In beiden Fällen stellt man sie in eine ökonomisch bessere Lage und sichert gleichzeitig der allgemein- gesellschaftlichen Leitung den nöthigen Ein fluß, um die Bauerngenossenschaft allinälig in eine Höhere Form überzuführen und die Rechte und Pflichten sowohl der Genossenschaft im ganzen, wie ihrer einzelnen Mitglieder mit denen der übrige» Zweige der großen Gemein- schasl auszugleichen. Wie das'iin einzelnen in jedem Spezial- fall auSzuftihren, wird von den Umständen des Falls und von den Umständen abhängen, unter denen wir Besitz von der öffent- lichcn Geivalt ergreifen. So werden wir möglicherweise im stände sein, diesen Genossenschaften noch weitere Bortheile zu bieten: Uebernahme ihrer Gesammt-Hypothekenschuld durch die Nationalbank unter starker Zinsherabsetzung. Vorschüsse ans öffentlichen Mitteln zur Einrichtung des Großbetriebs(Vorschüss nicht notchvendig oder vorzugsweise in Geld, sondern in den nöthigen Produkten selbst: Maschine», Kunstdünger tc.), und noch andere Vortheile. (Schluß folgt.) der Arbeitersache liegt. Seine sauer verdienten Groschen opfert' ein solcher Proletarier gegncrischen Blättern, welche fortwährend die gerechten Forderungen der Arbeiter bekämpfen. Arbeiter, durch Unterstützung derartiger Organe schädigt Ihr Euch selbst und die Allgemeinheit! Nur durch Znsammenschluß aller Arbeiter ist es möglich, die Forderungen zn erringen, welche sich die Partei»nd ihre Presse gestellt haben. Agitirt daher für unsere Presse, macht Eure Kollegen auf- merksam aus die Schädlichkeit ihres Treibens und ruht nicht eher, bis sie erkannt haben, ans welche Seite sie sich stellen müssen. In allen Zahlstellen und Lokalen, wo Zahlabende im sechsten Wahlkreis abgehalten.werden, liegen Listen aus zur Aufnahme von Abonnenten. Alle Vertrauenspersouen soivie folgende Partei- peditcure nehmen Abonnements auf den„Vorwärts", den ,S o z i a l d ein o k r a t" und de»„Wahren I a c o b" u. s. w. entgegeu: Für Moabit: Hempel, Lübeckerstr. 16, Hof p.; für Wedding und Oranienburger Vorstadt: S t o l z e n b n r g. Wiesenstr. 14, p.; für Gesundbrunnen: Gaß mann, Grünthalerstr. 67, H. P.; für Rosenthaler Vorstadt: Rosenthal, Granseerstr. 6, im Keller; "üv Schönhauser Vorstadt: Mars, Kastanien-Allee S6, part. An die Parteigenossen von Mariendorf, Marienfelde und Tempelhof! Am Sonntag, den I. September, veranstaltet der„A r b e i t e r- B i l d u» g s v e r e i n für M a r i e n d o r f und Umgegend" eine A g i t a t i o n s e Partie und bittet derselbe die Genossen der oben genannten Orte, sich zahlreich hieran zu betheiligen.— Treffpunkt: Früh b/»? Uhr, Militärbahnhof in Marienselde; daheim sind wir be- stimmt 2 Uhr. Der Vorstand. Reinickendorf. Parteigenossen? Am Sonntag, den 1. September, findet in Schönholz im Restaurant Bagand die Lassalle-Feier statt, bestehend in Konzert, Gesangs vortrügen und Tanz. Es ist Pflicht eines jeden, mit seiner Familie daran theilzunehnien. Höchst wunderbare Verhältnisse scheinen in manchen Ver- waltungen des Berliner Magistrals zn herrschen, die wirklich sehr dringend der Aufklärung bedürfen. Uns wird folgender Fall milgelheilt, der das gerechte Erstaune» jedes Berliner Bürgers hervorruscn muß. Der städtische Techniker im Hgfenbaubnreau H., der bereits seit vierzehn Jahren in städtischen Diensten steht, war an einem hochgradigen Nervenleiden erkrankt, das zum theil»och die Folge der Belagerung von Metz, zum theil die Folge des Tages- und Nachldienstes war, de n der betreffende während 11 Jahre als Oberaufseher bei der städtischen Straßen- reinigung zn verrichten! hatte. Er besaß über seinen Zustand ärztliche Zeugnisse, die einen Urlaub für nölhig hielten, und er beabsichtigle, seine Krankheit durch Tanninbäder zu lindern. Er wandte sich deshalb am 1. Juni an feinen Vorgesetzten, Herr» Stadt-Baninspektor Rohde von der 7. Stadt-Bauinspeklion mit einem Gesuch um dreiwöchigen Urlaub. Das Gesuch wurde ohne weitere Mittheilung angenommen, und Mitte Juni wurde dem Antragsteller durch Verfügung des Ober-Bürgermeisters Zelle vom 12. Juni ein dreiwöchiger Urlaub vom 6. bis 26. August bewilligt. Auch dicse Versügung ging durch die Hände des Stadt-Bauinspektors Rohde, aber auch in den nun folgenden l�/e Monaten wurde dem Techniker H. keinerlei Mit- thcilnng gemacht. H. traf die Vorbereitungen zur Reise und machte 8 Tage vor dem 6. August der 7. Sladt-Vauinspeklioi' die vorgeschriebene Anzeige, die in dem Unterschreiben eines vor- gedruckten Formulars besteht. Endlich, drei Tage vor dem vom Ober-Bürgermeister angesetzlcu Urlaubsanfang, bekain H. den Bescheid, daß der Stadr-Baninspektor das Urlaubsgesuch(das wohlgcmerkt, durch den Ober-Vürgermeister bereits bewilligt war) nicht befürworten könne. H. wandte sich noch in aller Eile an de» Sladt-Baurath Hobrecht, blieb aber ohne Bescheid. Im Be- wußtsein seines Rechts machte er nun, krank und elend, wie er war, am 6. Angnst der 7. Stadt-Bauinspeklion die gehorsame Anzeige, daß er den dnrch Verfügung des Ober Bürgermeisters gewährten 21tägigen Urlaub krankheitshalber angetreten habe. H. ging also in Urlaub, erholte sich und kam am 27. August zurück. Das erste, was er erfuhr, war, daß ihm für die Urlaubs zeit kein Gehalt ausgezahlt werde. Das zweite war, daß ihm der Stadl-Bauinspektor Rohde am 28. August mittheilte, er hätte seine 5lündigu»g beantragt, da er ohne Urlaub abgereist sei. Am 23. August hielt er bereits das folgende vom 28. August datirte Tokuineut in Händen: „Hierdurch kündigen wir Ihnen Ihre Stellung als Technikel bei der diesseitigen Verwaltung zum 1. Oktober 1395, da Sie. ohne den Bescheid auf Ihre Eingabe vom 1. August d. I. abzu- warten, dennoch und ohne Vorwisscn Ihres unmittelbaren Vor gesetzlen den Ihnen von letzterem versagten Urlaub angetreten habe». Städtische Bau-Depntation, Abtheilung II. Friede!." Daß diese Kündigung vollständig unlogisch abgefaßt ist indem erst gesagt ist, H. hätte den Bescheid nicht abgewarte und dann, der Urlaub wäre von dein Vorgesetzten versagt worden erlauben wir uns nur nebenbei zu bemerken. Aber es ist wirklich Schauspiel für Götter, das durch die Magistratsbeamten der Uollttles. Sprechstunde findet heute Tie nächste juristische Abend 7 Uhr statt. Achtung k Parteigenossen des l». Wahlkreises k Dnrch die Solidariiät der Genossen ist das Unternehmen der Partei spedition gesichert. Gegen 8000 Abonnenten sind den Beschlüssen der Volksversammlungen gefolgt und entnehmen ihren Bedarf von der Parteispedition. Aber was will das besage» gegen die große sozialdemokratische Wählerzahl im 6. Kreise. Noch sind es hunderte von Parteig-noffen, welche ihre Zeitungen von Spc ditenre» entnehmen; tausende von Arbeitern lesen noch gegnerische Biälter; sie glauben bisweilen ein höheres Abonnements- geld für Zeitungen nicht zahlen zn können und lassen. sich daher eine Lettüre bieten, die durchaus nicht im Jntrrrssewie berichtet Stadt Berlin hier gebore» wird. Der arme Diälar, für den es keinerlei Pensionsberechtigung giebt und der in Krankheitsfälle» lediglich ans die Gnade des Magistrats angewiesen ist, wird. wenn er im kranken Znstande von der Urlanbserlrnibniß brauch macht, die ihm durch den obersten städtischen Beamten ertheilt ist, ans Antrag eines Stadl-Baninspektors einfach vor die Thür gesetzt. Das ist Humanität in der Stadl der Intelligenz! Das ist moderne städlische Sozialpolitik!— Her Oberbürgermeister Zelle hat jetzt einen s i e b e» w ö ch i g e n Herr Stadt« Baurath H o b r e ch t einen vierwöchigen Urlaub angetreten. Da nicht anzunehmen ist, da' auch diesen Herren des Urlaubs wegen gekündigt wird, wie dein armen Diätar, so finden die Herren nach der Rückkehr vielleicht Gelegenheit, sich über die Angelegenheit des so inenschcnsreundlich behandelten Diätars H. etwas näher zn informiren. Wegen Aufreizung zum Klassenhast, angeblich begangen während der diesjährigen Maifeier, steht am Sonnabend, den 81. August, gegen den Gastwirrh Karl Blanrock und Genossen vor der 11. Strafkammer des Landgerichts l(Vorsitzeuder:-Brause- welter) Termin an. Hell leuchte Kerzenglaiiz a»S jedem Fenster? So hat Herr Zelle geschrieben und die Berliner HauSwirlhe sind emsig an der Arbeit, diesen im höchsten Dichterpathos der erstaunten Mitwelt verkündeten Wunsch in die reale Wirklichkeit zu über führen. I» viele» Berliner Häusern zirknliren Listen, auf denen sich die, Bewohner dnrch Unterschrift verpflichten sollen, am St. Eedantage zn illuminire». Wir brauchen wohl nicht erst be sonders darauf hinzuweisen, daß niemand zu einer solchen Ge schmacklosigkeir verpflichtet ist und deswegen auch kein schristliches Versprechen abzugeben braucht. Offizielle Srdanrnhe scheint jetzt die Parole für das ganze patriotische Verliii zn sein. Wie aus Berichten der bürgerlichen Presse zn ersehen ist, beabsichtigt der Magistrat, am Montag, den 2. September, sämmtliche städtischen Bureaus zu schließen.— Als in de» Jahren l894 und 1335 mehrere hiesige Orts-Kranken kaffen am I. Mai die Bureaus schließen wollten, kam derselbe Magistrat und verbot dieses den Vorständen bei Androhung von Geldstrafen(in einem Falle sind Vorstandsmitglieder sogar vom Gericht bestraft worden, weil am 1. Mai das Kassenlokal ge schloffen war, ivas allerdings nicht in Berlin geschah). Es wurde dies Verbot der Schließung am l. Mai damit motivirt, der I. Mai sei kein gesetzlicher Feiertag. Aber ist denn St. Sedan ei» solcher? triebe». Das S ed a n- F e st k o m it e e zu Könitz hatte 'ich an den Kaiser mit der Bitte um Ueberlassung eines er- oberten französischen Geschützes zur dauernden Aufstellung am dortigen Kriegerdenkmal gewandt.� Vom Kriegs- Ministerium ist nun die Antwort eingegangen, daß die unentgelt- liche Ueberlassung eines Geschützes unzulässig sei, das jedoch das Kriegsministerium im stände sei, ein glattes französisches 9-Zenti- meter-Vronze-Kanonenrohr im Gewicht von 329 Kilogramm oder ein solches 12-Zentimeterrohr im Gewicht von 627 Kilogramm gegen Erstattung von 80 Pf. für das fillogramm ohne Lafette zur Versügung zu stellen. Auch könne mau eine preußische Kanone unter der gleichen Vor- anssetzung erhalten. Das Komitee beschloß die Erwerbung des kleinen eroberten Geschützes. Der Preis von 80 Pfennig für das Kilozr. Bronze scheint uns wirklick sehr niedrig zu sein. Das Kriegsministerinm hätte für die Geschütze in jedem Berliner Lumpenkeller sicherlich einen höheren Betrag pro Pfiind erzielt. Allerdings haben wir die Kanonen ja auch verhällnißmäßig billig erworben, indem dafür blos einige Zehntausend deutscher Soldaten ihr Leben gelassen haben. Tie Verhaftung ans der Straße betreffend, hat das Reichsgericht einen wichligen Rechtsgrundsatz aufgestellt. Danach ist ein Schntzniann, der gegen eine auf der Straße bei einer straf- baren Handlung betroffene, nicht flnchtverdächtige, aber ihm unbekannte Person einschreitet, nach einem Urtheil des Reichs- gerichts vom 5. April d. I.— sofern nicht die Voraussetzlingen für Erlaß eines Haftbefehls vorliegen und Gefahr im Verzuge obivaltet— nicht befugt, diese Person unter Ablehnung der Prüfung der angebotenen Legitimationspapiere zu verhaften. Der Widerstaild des Festgenommenen gegen seine Festnahme ist n i ch t strafbar. Ter Anarchist Schneider Töbs ist nach seiner F>ei- prechmig im Kuppeleiprozeß aus der Uutersuchungshafl jetzt tut- lassen worden. In dem Prozesse der frühere« städtischen Nachtwächter bezw. des eine» derselven, welcher bis jetzt auf Kosten sämmtlicher Wächter gegen die Stadl Berlin klagt, steht die Verhandlung vor dein kkanimergericht am 9. November an. Der Vertreter des Klägers, Rechtsamvnlt Dr. Heinemann, hat zn dieser Verhand» lung zehn andere Wächter als Zeugen laden lassen. Unter den fälnmtlichen früheren Wächtern herrscht, nachdem der genannte Rechtsanwalt in mehreren Versammlungen derselben über die be- deutungsvolle Rechtsfrage eingehend gesprochen hat, vollste Zu- verficht auf einen für sie günstigen Ausgang des Prozesses. Ein Mord- und Selbstmordversuch, hat Mittwoch Abend gegen 9 Uhr die Bewohner der Koppenstraße in große Aufregung versetzt. Wir erfahren darüber: Der Brunnenmacher Frey tag hatte vor etwa vier Jahren nach dem Tode seiner Frau die verwittwete jetzige Handelsfrau Augermann als Wirthschasterin zu sich genommen; zwischen beiden entspann sich dann ein intimes Verhältniß. Aus diesem heraus stammt wohl eine Geldforderung, ivelche die A. an den Geliebten stellte und auf dem Klagewege erstrill. Tie Frau ließ de» F. auspfänden und richtete sich in dem Hanse Koppenstr. 31 ans einem Theil der Pfandobjekte eine Keller- wohnung ein, während sie den Rest der gepfändeten Möbel zu Bekannten brachte. Sie eröffnete einen fliegenden Obsthandel und irai bald in einen engen Verkehr mit einem Obstverkäuser, der sich außerordentlich viel bei der Wülwe aufhielt. Vor etwa einem Monat gab F. seineWohnnng aus, brachte seine beiden Kinder zu Verwandte» nach Brieg und kehrte am Dienstag nach Berlin zurück. Gestern Nachmittag begab sich der Brunnenmacher nach Moabit, wo sich bei einer Schwester der Angermann ein Sohn der letzteren in Pflege befindet und gab an die Handelsfrau eine Depesche des Inhalts auf:„Komme sofort, Franz schiver krank, Anna." Das geplante Altentat kam jedoch nicht zur Ausführung, da die Angermann bei ihrer Ankunft den Brunnenmacher antraf und als sie sich entfernt hatte, Vorsichtsmaßregeln zu ihrer Sicher- heit traf. Nun begab sich F. bald darauf nach der Koppen-). straße 31. Hier versteckte er sich in einer Kellernische und wartete dort bis 9 Uhr abends, um welche Zeit die Handelsfrau mit Sem jetzigen Geliebten nach Hause kam. Als die A. mit einein Theil der voin Fuhrwerk abgeladenen Obslkörbe den Keller be- trat, gab F. aus einem Revolver drei Schüsse auf sie ab, ohne jedoch, da es dunkel war, zu treffen. Dann jagte sich der Brunnenmacher selbst drei Kugeln durch den Kopf. Während die 9l. fluchtete, eilte ihr jetziger Liebhaber in den Keller hinab; hier soll er den Schwerverlctzie» barbarisch mißhandelt haben; packte ihn an den Füßen und schleppte den Wehr- losen, den Kopf nach unten, die Kellertreppe hinauf, über den Hof nach dem Hausflur, wo er den Blutüberströmten dann liegen ließ. Während die A. und ihr Galan den Wagen in aller Ge- müthsruhe abluden, benachrichtiglen die Hansbewohner die Polizei iind Aerzte, und F. ivurde nnn nach dem Krankenhanie Am Friedrichshain gebracht. Trotz der schweren Verwundungen dürste F. dem Leben erhalten bleiben. In einem Brief, den uns F r e y t a g vor dem Selbstmord- versuch geschrieben hat, der aber erst nach demselben in unsere Hände kam, behauptet er, dnrch die betreffende Frau be- stöhlen und vollständig ruinirt morden zu sein. Auch soll der wirkliche Name der Frau nicht Angerman», sondern Könkow sei». Ferner schreibt er:„Meine kleine Tochter Frieda möchle doch unterstützt werden. Sie ist in Brieg bei meiner Mutter, Polnische Straße 2." Tie Untersnchnng gegen die Else San?e gestaltet sich bei weitem nicht so einfach, als man anfangs wohl annehmen durste. Sie ist noch lange nicht abgeschlossen, und es erscheint sehr fraglich, ob die Sache schon in der nächsten Schwurgerichts- Periode zur Verhandlung komme» kann. Selbst die Grundfrage, ob ein Vtord oder ein Todlschlag oder eine Körperverletzung mit lödtlichein Ausgange vorliegt, ist noch nicht ganz geklärt. Tie Sänke bestreitet, den Dr. Sleinlhak vorsätzlich getödtet zu haben, und behauptet, daß die Waffe sich durch einen Zusall ent- laden habe. Ei» LiebcSdrama, das zwei Menschenleben gefordert, üa* sich Mittwoch 10V« Uhr abends im Flur des Hause- Friedrich- straße 245 abgespielt. Der 23jährlge Schlossergeselle Gustav Schwarz, aus Graudenz gebürtig, hat die 18jährige Schlächter- mamfcll Johanna Brun erschossen und sich dann selbst getödtet. Schwarz unterhielt seit einiger Zeit ein LUbesverhältniß mit der Brun, die früher im Hester'schen Geschäft angestellt war»nd seit einigen Wochen bei dem Eigenthümer des Hauses Friedrich- straße 245, dem Schlächtermeister Nietsch ju»., in Diensten steht. Das Verhältniß halle sich in der letzten Zeit gelockert und die Brun halte schließlich dem Schwarz erklärt, daß sie nichts mehr von ihm wissen wolle. Seitdem verfolgte der Schwarz seine frühere Braut ans Schritt und Tritt und machte wiederholte Ver- suche, das Mädchen zu einer Aussprache mit ihm zu bewegen. Schon während des gestrige» Tages fühlte sich die Brun sehr beängstigt und sielen den Kunden, die sich gern von dem flinken und gewandten Mädchen bedienen ließen, ihre verweinten Augen auf. Abends kurz nach 10 Uhr gelang es dem Schwarz endlich, die Brun zu bewegen, mit ihm in die noch offene Hanslhür zu treten. Passanten bemerkten, wie beide hier kurze Zeit ganz ruhig mit einander sprachen. Plötzlich erlönte ein Schuß»nd nut lautem Aufschrei stürzte die Brun ins Hans hinein und brach sehr bald im Flur zusammen. Ehe die bestürzten Passanten hinzuspringen konnten, hatte Schwarz den Revolver auch gegen sich gerichtet. Man be- nachrichtigte die Unfallstation, deren Krankenwagen sofort zur Stelle eilte. Die ärztliche Kunst vermochte jedoch nichts auszurichten. Gnstnv Schwarz war sofort todt, die mehr auszurichten. Gustav Schwarz war Handel mit alten— französischen Kinionen wird jetzt, j Kugel halle die Herzspitze durchschlage»; die Brun gab noch ericktet wird, dnrch das Kmgsnunisterium in Berlin bi-/ch ivache Lebenszeichen von sich, verstarb aber während bcv Nebersührung nach der Unfallstation in der Wilhelmstraße. Tie Kugel war durch das Brustbein gegangen, hatte das Herz geslreisr und Magen und Leber verletzt.— Bemerkenswerlh ist, daß sich im Geschäft des Schlächtermeisters Nietscd schon einmal vor elwa L�/z Jahren ein ähnliches Drama abgespielt hat. Da- mals verlief die Sache zum Glück nicht so schlimm. Die betreffenden wurden damals nur verletzt, das Mädchen kam mit einem kürzeren Kraukenlager davon, der Liebhaber, damals ein Schlächtergeselle, erhielt für die That LVe Jahre Gefängniß. Tie Einverleibung HirschgarteuS in FriedrichShage» ist m der letzten dortigen Gemeindevertreter-Sitznng beschlossen worden. Hiermit ist diese Frage, die die Gemeinden schon des öfteren beschäftigte, erledigt. Nbermals ist anS dem Norden der Stadt eine Blut- that zu melden, wobei wiederum das Meffer eine bedauerliche Rolle gespielt hat. Der Inspektor des ehemals Weimann'schen Volksgartens, Herr Carl Pirna», ist in der zweiten Nachtstnnde, nachdem er den Volksgarten verlasse» hatte und noch einen Schoppen trinken wollte, auf offener Straße von drei Rowdys, in denen der wegen schwerer Körperverletzung vorbestrafte Töpfer- geselle Willy Schulz, Brunnenmacher Meißner jr. und Töpfer Bundes- manu ermittelt worden sind, hinterrücks mit Messern, Knütteln und anderen stumpfen Instrumenten vor dem Grundstück Prinzen- Allee Li) zu Boden geschlagen worden. Nach den polizeilichen Feststellungen hat der Verletzte den Zorn der Rowdies dadurch auf sich geladen, daß er sie in seiner Eigenschaft als Inspektor des Direktors Samst wegen unangemessenen Betragens aus den Volksgarten gewiesen hat. P. hat schwere Verletzungen am Kopf erlitten. Die Messerhelden sind verhaftet. Eine für die Bcrliuer interessante Nachricht bringt die „Allg. Braumeister-Ztg." Aus derselben geht hervor, daß einige zum Verein der Brauereien Berlins und Umgegend gehörige Brauereien beabsichtigen, größere Ausschanklokale in verschiedenen Stadtgegenden zu errichte», die als Restaurationslokale für den öl r b e i t e r v e r k e h r eingerichtet und verpachtet werden sollew Tie Unmenge von kleine» Restaurationen, welche jetzt bestehen und oft Nahrungsmittel von zweifelhaftem Werths bieten, seien schon längst als ein soziales Uebel bezeichnet worden. In den nächsten Versammlungen der verschiedenen Berliner Gastwirlhs- Vereinigungen soll über den vorstehend wiedergegebenen Plan diskutirt werden. Die Sammelliste Nr. für die Familien der un- alncklichen Opfer des Essener Prozesses ist verloren gegangen; dieselbe ist ungestempelt und sind 2 M. darauf gezeichnet. Es wird ersucht, die Liste beim Vertrauensmann C. Helbig, Rügenerstr. 23, abzugeben. Polizcibericht. Am 23. d. M. nachmittags sprang ein Mädchen an der Uferstraße in die Panke. wurde aber noch lebend wieder herausgezogen.— Ans dem Exerzierplatze an der Schönhauser Allee wurde ein elfjähriger Knabe durch einen von einem anderen Knaben abgefeuerten Schuß aus einem Teschin- gewehr an der Schulter verletzt.— Abends versuchte ein Brunnen- wacher im Keller eines Hauses in der Koppenstraße sich durch mehrere Schüsse in den Kopf zu tödten. Er wurde noch lebend in ein Krankenhans gebracht.— Vor dem Laden eines Schlächter- meisters in der Friedrichslraßc erschoß abends ein Schlosser eine in dem Geschäft angestellte Verkäuferin und dann sich selbst. Verschmähte Liebe scheint die Veranlassung gewesen zu sein.— Im Laufe des Tages fanden vier Feuer, darunter ein Dachstuhl- brand im Hause Prinzenallee 33 statt. WitterungSiibersicht vom 29. August 1895. Wetter-Prognose für Freitag, SO. August 1895. Ziemlich warmes, zeitweise heiteres, vielfach wolkiges Wetter Mit elivas Regen und frischen südwestlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Gveilsjks-Scikttttg. Wegen MajestätSbeleidigniig wurde von der Strafkammer in Ulm der Thealerdireklor Weiß Haupt in Göppingen zu sieben Monaten Gefängniß verurtdeilt. Derselbe wurde von einem Schauspieler aus Stäche denunzirt. Sozietlv Meber�llszk� UNd Tie wirkliche Volköstimme. Die„Deutsche Berg HiUtenarbsiler-Zeitung" veröffentlicht folgenden Brief: „Werden, den IS. August 18SS. Geehrte Redaktion! Ich als armer Weber verpflichte mich, so lange wie es eben meine Mittel erlauben, einen vierteljährigen Beitrag von öS Pfennig in Briefmarken einzusenden für die Familien der von dem Essener Schwurgerichte veruriheilten Bergleute L. Schröder und Genossen. Hoffentlich werden viele Arbeiter, wenn sie auch keine Bergleute sind, was für diese armen Familien übrig haben, um die Roth und den Kummer in etwas zu steuern. Schröder und Genossen sind Märtyrer für die Arbeitersache geworden. Möge dieser Beilrag, wenn auch nicht viel, weil nicht mehr in meinen Kräften steht. Euch herzlich willkommen sein. Oktober sende ich weiteren vierteljährigen Beitrag ein. Ick möchte bitten, dies den Familien zu übermitteln. Hochachtungsvoll Ein armer Weber aus Werden. GemeMsisinftliitzes. Achtung, Lohgerber und Lederzurichter BerkiuS! Von R u d o l st a d t i. Th., wo sich die Kollegen seit mehreren Wochen im Ausstände befinden, sind Kypse zum Zurichten nach Berlin gesandt worden. Wollt Ihr nicht den kämpfenden Brüdern ihre berechtigten Forderungen dadurch illusorisch machen, daß Ihr diese Leder zurichtet, sondern wollt Ihr, daß auch die Kollegen außerhalb der Thore Berlins einen zum Leben wenigstens uothdürftig ausreichenden Lohn verdienen, so weist von Euch, den um einen etwas besseren Lohn kämpfenden Kol- legen aus jene Weise in den Rücken zu fallen. Gebt den Kollegen in der Provinz ein gutes Beispiel, damit, wenn auch wir dereinst, von der Roth gedrückt, eine Forderung erheben, auf unsere Standhaftigkeit hinweisend, fordern können, daß der Zuzug fern- gehalten wird. Verband der Lederarbeiter Deutschlands. Ter Feilenhaner-Streik in Erfurt ist nun in vollem Gange, da die Kündigungsfrist abgelaufen ist, ohne daß die Unternehmer den vorgelegten Tarif angenommen haben. Es ist gute Aussicht vorhanden, daß der Streik siegreich durchgefochten werden wird. Zuzug ist daher fernzuhalten. Ei» Streik der Former KaiserskanternS ist dank der gute» Organisation und der Einigkeit der Arbeiter vermieden worden und zwar wurden die Differenzen noch vor dem Tage, wo in den Streik getreten werden sollte, beigelegt. Die Firma bewilligte sämmtliche Forderungen. I» Brünn haben sämmtliche Klempner der Emaille- waarenfabrik Austria(Inhaber Arthur Bartel- m u s) die Arbeit wegen fortgesetzter Lohnabzüge eingestellt. Dem Ausstand schlössen sich die übrigen Arbeiter an, so daß gegen 400 Personen im Streik stehen. Die Nachricht der Telegraphen- bureaus, daß die Forderung nach höherem Lohn Ursache des Ausstands wäre, ist unrichtig. Es handelt sich nur um Abwehr der Lohnkürzungen. Zuzug ist aufs allerstreugste fernzuhalten. Vevscmttttlttmu'n. Der Fachverein der Mnstkiustrumentenarbeiter tagte am 24. August in der Oranienftr. 51 bei Herrn Schulz. M e tz n e r schilderte in längeren Ausführungen die Fehler und Mängel der Schule; der Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen. � In der Debatte über den Pfaff'schen Streik sprach sich die Versammlung Iheils für Streik, theils für Sperre aus, da schon einige Plätze von Streikbrechern besetzt sind. Kollege Blozzies stellt den Antrag, den Streik weiter bestehen zu lassen, jedoch können die Kollegen in Arbeit treten. Der Antrag wird angenommen. In die Werkstalt-Kontrollkoinmission wurde der Kollege Arndt per Älkklamation gewählt. In der Angelegenheit Blum kontra Böker wurde festgestellt, daß die Angelegenheit vom Kollegen Blum aufgebauscht worden ist. Es kommt der Antrag Colli» aus der Vorstandssitznng zur Verlesung: Der Vorstand spricht sich miß- billigend über"die nnkollegialische Handlungsweise des Kollegen Blum aus. Der Antrag Winkler, die Geschäftsleute ans dem Verein auszuschließen, fällt durch den Antrag Blozzies, darüber zur Tagesordnung überzugehen. Neu aufgenommen wurden acht Kollegen._ Vemnifchkes. Die Weber abermals verboten! Als am Sonnabend im Metallarbeiter-Verbande zu Halle a. S. das Hauptmann'sche Drama„Die Weber" verlesen werden sollte, verbot das die Polizei und drohte mit Auflösung der Versammlung, wenn deni Verbote nicht nachgeachtet würde. Jetzt in lichte» wir schon wissen, schreibt unser Parteiorgan in Halle, ans welchen Paragraphen und auf welches Gesetz der Herr Polizei-Obcrinspektor dieses Verbot stutzt. Noch vor acht Tagen hat er selbst gesagt, wenn „Die Weber" in einem geschlossenen Vereine rezilirt würden, so könne er nichts dagegen machen, und acht Tage später macht er doch etwas dagegen. Mehrere in letzter Zeit zu tage getretene Anzeichen machen wahrscheinlich, daß unsere liebe Polizei etwas nervös geworden ist. Wie ans Gotha gemeldet wird, starb dort am Sonntag Prof. Karl Ernst Georges, der Verfasser des bei uns am meisten verbreiteten lateinischen Wörterbuches. Georges hat es aus 88 Jahre gebracht. Wie das Beispiel Daniel Sanders', Littrss und das Georges' zeigt, ist Langlebigkeit ein Vorzug der Wörterbuchschreiber. Fromme Wünsche hegt der antisemitische„Saalfelder An- zeiger". Er schreibt: „Es wäre wahrhaftig ein verdienstvolles Werk, wenn sich eine Anzahl von Leuten zusammenfänden und das orientalisches!!!) Redaktionsbureau des„Vorwärts" so windelweich prügelten, daß diese frechen Lümmel ein Vierteljahr nicht sitzen könnten." lieber die Berhültnisse i» Brotterode, das neulich vom Feuer zerstört wurde, wird folgendes berichtet: Es sind zur Zeit 6 Baracken mit je 10 Wohnungen fertiggestellt. In einer kleinen Baracke befinden sich Apotheke, Arzt, Polizeibehörde und Wache. An Poluei ist in Brotterode kein Mangel. Es sind dort jetzt 12 Gendarmen stationirt. Betten sind im Laufe dieser Woche angekommen und vertheilt worden. Suppe wird nur noch un- entgeltlich an Kranke und Schwache verabreicht, weil es Gelegenheit zuniNrbeitettgiebt.DerBerlineiUnlernehmer.demdasSchuttabfahren übertragen worden ist, zahlt den Arbeitern pro Arbeitsstunde 22>/» Pf. Lohn. Der Schulunterricht hat am 19. d. M. wieder begonnen. Die Schulkinder erhielten neue Bücher. Von den 7 Lehrern Vrotterode's unterrichten zur Zeit 3 am Orte und 4 in umliegenden Ortschaften(da, wo die meisten aus Brotterode verzogenen Einwohner wohnen). Der Gesundheils- zustand ist nicht sonderlich. Masern, Lungenentzündung und Diphlheritis treten ans. Für die Abgebrannten sind bis jetzt im Deutschen Reiche insgesammt etwas über 200 000 M. gespendet worden. Die Wallfahrt«ach Kcvckaar. Aus 5kreseld wird be- richtet: Trotz der besoi deren Heiligtbumsfahrlen nach Aachen, Cornelimnnster, Gladbach nimmt der Zug nach Kevot'.ar außer- ordentliche Dimensionen an. Für Sonnabend und Sonntag waren IS Sonderzüge mit über 11 000 Pilgern angemeldet. Dazu Es darf fast als Thäler bewohnt Waldbesiand ans- so vollenden Berg» kommen noch zehn Fußprozessionen. Trotz der tropischen Hitze ist in der vergangenen Woche kein Tag vergangen, an dem nicht mehrere Prozesstonen auf dem Wege von oder nach Kevelaar unsere Stadt passirten. Die Leute kommen häufig aus beträcht» licher Entfernung. Die für die Reise unentbehrlichsten Dinge werden ihnen auf großen Wagen nachgeführt. Unter den �.heil- nehmern bildet das weibliche Geschlecht den überwiegenden Prozentsatz. Das städtische Element ist so gut wie gar nicht vertreten. FenerSbrnnst in Holland. Aus Amsterdam wird vom 29. August gemeldet: In Hooge Zwaluwe, im nördlichen Theile von Brabant, entstand gestern ein großer Brand, der noch fort- wüthet. 43 Häuser sind bisher zerstört. 50 Familien sind in einem Schuppen des Bahnhofes untergebracht. FeuerSbrnnst in Rußland. Moskauer Blättern zufolge ist die gegen 4000 Einwohner zählende Stadt I u ch n o w im Gouvernement Smolensk zur Hälfte abgebrannt. Falschmünzer in Italien. I» Florenz wurden wiederum mehrere Verhaftungen, darunter solche hochstehender Per- s ö n l i ch k e i t e n, vorgenommen, die unter dem Verdacht stehen, einer Falschmünzerbande anzugehören. Eine Werkstatt ist bisher nicht entdeckt worden. Die Verbreitung von falschen 100 Lire- Noten der Nationalbank, die täuschend nachgeahmt sind, dauert fort. Ei» schreckliches Eisenbahn- Unglück ereignete sich bei der unweit der serbischen Hauptstadt gelegenen Haltestelle von Rakovica. Dort fuhr der Orient-Expreßzug in eine Menge von 3000 wartenden Ausflügler» hinein. Bis jetzt sind fünf Tobte gezählt, doch befürchtet man, daß noch mehr Personen ihren Ver- letzungen erliegen werden. Die Schuld mißt man der Bahn- Verwaltung bei, welche keine genügende Vorsorge getroffen hatte, auch in der dunkeln Nacht die Haltestelle nicht ausreichend be- leuchtete. Zwanzig Personen wurden verwundet. Cholera. Ein Arzt in Tarnopol, welcher das Wasser des Sereth-Flusses und der Teiche in der Umgegend untersuchte, koustatirte, daß dasselbe Cholerabaccillen enthalte. Infolge- dessen hat die Behörde jede Benutzung des Wassers verboten.— Heute ist hier ein neuer Cholera- Erkrankungsfall vorgekommen. Einfluß der Bewaldung auf die Bevölkerungsziffer. Lehrreiche Beobachtungen über den Zusammenhang von Aus- Holzung der Wälder und Entvölkerung eines Landes wurden an der Hand statistischer Nachweise in Frankreich gemacht. Dreißig Departements, in denen ganze Wälder ausgerodet worden sind, haben seil der letzten Volkszählung vom Jahre 1886 nicht weniger als 60000 Einwohner verloren. ein Naturgesetz gelten: Sollen die sein, müssen die Berge einen ausreichenden weisen. Denn wenn der Bergrücken kahl ist, ströme und wandernde Gletscher ihr Zerstörungswerk, ohne daß ihnen Hindernisse im Wege stehen, vernichten die Kulturen und schwenimen den pflanzentragenden Humus fort. Der Land- bebauer, den der unfruchtbar gewordene Boden nicht mehr er- nähren kann, lebt im Elend oder wandert aus. Die Ansholzung ist also einer der Hauptgründe der Entvölkerung. Alle Land- striche Asrika's und Asiens, die der Mensch in seiner Thorheit ausgeholzt hat, sind Wüsteneien geworden. Zentralasien be- völkert sich wieder, nicht nur, weil die Russen dort eine Eisen- bahn gebaut, fonder» vor allem, weil sie sich an« schicken, dort wieder Waldschonungen anzulegen, wo die turkmenischen Nomadenstämme Steppen geschaffen haben, um für ihre Heerde» Weideland zu schaffen, Baum- schlüge verbrannten, das nachwachsende Knieholz ver- nichleteu und den ganzen Boden vollständig abgrasen liehen. In Frankreich hat man berechnet, daß die durch Ueberschwemmungen hervorgerufenen Schäden sich dort jährlich auf 89 Millionen Franken beziffern. Wenn man also in den Alpen- und Pyrenäen- Departements durch Anpflanzung neuer Wälder den Ueber- schwemmungen halt gebieten könnte, würden die Flurschäden außerordentlich verringert werden und das Land jährlich vielleicht 80 Millionen ersparen, was der Erhaltung von 100 000 Bauern- samilien gleichkäme, die bei dem jetzigen Stande der Dinge wirthschasllich zu gründe gehen. Briefkasten der Redaktion. Wir blten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchslaben oder ein« Zahl) anzugeben, uuier der die Amwort erlheill werden soll. Die nächste juristische Sprechstunde findet heute Abend 7 Uhr statt. P. K. Schröder hat eine unversorgte Frau und 10 Kinder, die meisten in unmündigem Alter, hinterlassen. O. B. 291. Sie müssen den amtlichen Bescheid abwarten. Fällt dieser nicht zu Ihren Gunsten aus, so wenden Sie sich wegen des weiteren Borgehens an uns. F. St. 129. Der eine Stein ist der Wolf, die vier Steine die Schafe. N. E. Bezüglich der ersten Frage rathen wir Ihne», in unsere Sprechstunde zu kommen. Man sagt: Bekleidet die Stelle eines Vorsitzenden. Briefkasten der Expedition. Für die Familie» der im Essener MeiueidSProzeß Berurtheilte» gingen ferner ein: Gesammelt von den Lithographen der Finna Heymann ii. Schmidt 10,75. Amerikanische Auktion eines sauren Herings 2,30. Dem langen Gustav zum Acrger gesammelt bei Lamprccht, Alte Jakobstraße 4,20. A. M., Zentrum 3,—. Münterfreunde, zweite Rate 3,95. Tapezierverein Osnabrück 10,—. Möbelpolirer der Equitz'schen Werkstatt 3,—. Für die mein- eidigen Bergleute 5,—. Verein der Zinngießer 20,—. Arbeiter der Zigarrenfabrik Hintze 9,—. A. E. G. 13,70. Schmidt. Freienivalde 1,95 Franke, Berlin 10,—. Mehrere Entrüstete in Marburg a. Lahn 13.45. Malerpersonal Steinmann, Tiefen« furt 14,50. Tischlerei Pankatz 6,95. A. S.—,50. Gesangverein Ephen durch Siegerl 10,—. Summa 147,25 M. Bereits quittirt 2308,91 M., in Samma 2456,16 M. N. St. 45. Darüber müssen Sie mit dem Spediteur sprechen, der Ihnen die Zeitung bringt; wir könne» dies nicht bewerkstelligen. Tcutscher Metallarbeiter- Verband. -vrrwalknng LeHm Osten. Sonnabend, den 31. August 1895, abends S'/a Uhr, bei Mieft, WcbcriNaste 17: Mitglieder- Uersammlmtg. Tages«Ordnung: 1. Vortrag:„Ueber Form und Entstehung des Geldes". Referent: Kollege R o h r l a ck. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und V-r- schiedenes.— Spt" Gäste willkommen."VL 113/11 vis Ortsverwaltung. Zetitrai�epbaiiei des* ßnauer. Konutag, den 1. September er., nachm. 2 zlhr, M o n a t s- K e r s a m n?! n n g ini ElngMselien Ganten(Hoffmann n. Sohn), Alexanocrstr. 28. Tagesordnung: 1. Referat des Kollegen Kliemann über:„Die historische E'twickelang der Gewerkschaften. 2. Wahl der provinziellen Älgitationskommission. 3. Begräbnißangelegenheit. 4. Innere Vereinsangelegenheiien. s2l45b Uni zahlreiches Erscheinen ersucht Der Dorstand. Rohtadak. Grosste Auswahl! Billigste Preise! UJ Lager in Formen, Bockfagous. D Heinrich Franck, Nr. 185, Krnnnenstraße|tv. 185. ophastoff- Ss Reste_ in Drnnnst. Crepe, Nhantaste, Gobelin und Pin sä» spottbiliiG l probe» franko! Liieicrftsjfi Eihil Lefevre, efÄ,®,;'», - 158. 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Gperuhans.(Kroll's Theater.) Der Postillvn von Lonjumeau. Kchanspirllians. Sappho. Deutsches Theater. Der Talisman. Lessing-Tt> rater. Mariana. Neues Theater. Tata-Toto. Schiller Theater. Götz von Ber- lichinge». Frirdrich.-Wilhelmstädt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Aleranderplah-Theater. Liane, die zweite Frau. National- Theater. Berliner im Feuer und Wasser. Theater Unter den Linden. Die Chansonnetie. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor- stellung. Adolph Ernst- Theater. Sonn- abend, den 31. August. Zum I. Male:„Paradebummler" Central Theater. Wiedereröffnung am I. September I8SS: Eine tolle Nacht. Schiller-Theater. (Wsilnei'-l'kester.) Freitag; Eöh von Kerlichingen. Sonnabend: Götz von Kerlichingen. Motyli Ernst Theater. Sonnabend, den 31. August: Zum ersten Male: „psnsetakumnHlon" Gesaugsposse in 4 Akten von Eduard Jacobson und Leon Treptow, Kuplets von Gustav Görst, Musik v. G. Steffens. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Besetzung der Hauptrollen: Anna Bäckers, Josefine Tora, Anna Müller, Lilly Roger, Ida Schlüter, Irma Werner, Julius Eyben, Adolph Ernst, Hugo Hastkerl, Richard Jürgas, Ernst Kettner, Herbert Paulmüller, Guido Tielschcr, Karl Weist, Georg Worlitzsch. Der Vorverkauf findet täglich von 10 bis 2 Uhr statt. Ohne Aufgeld. zriedrich Wilhewstiidt. Thtaicr 25/26. Chanssrestr. 25/26. Heute Freitag, den 30. A u g u st 1893, abends 7'/e Uhr: Erstes Gefammt- Gastspiel der Schauspielgesrllschaft ,Hie Liliputaners Direktion: Carl u. Theodor Rosenfeld. Zum 1. Male: Die Zieise M] kill Mars. Großes Ausstattungsstück mit Gesang und Tanz in 4 Akten und 13 Bildern von Robert Vreiteubach. 1. Bild: Hörsaal des Prof. Hedison. 2. Bild: Observatorium. 3. Bild: Maschinenhalle. 4. Bild:„The New- Jork Herald" Gebäude. 3. Bild: In den Wolken. 6. Bild: Der Flug nach dem Mars. 7. Bild: Die blaue Grotte. 8. Bild: Phantastischer Palast. 9. Bild: Diamantengrotte. 10. Bild: Frühling. 11. Bild: W-nter. 12. Bild: Auf der Kuppel des neuen Reichstags-Gebäudes. 13. Bild: Der Riesen-Weihnachlsbanm. Die Kasse desFriedrich-Wilhelmstädt. Theaters ist von 9 Uhr vorm. ab den ganzen Tag geöffnet. Außerdem sind Billels zu haben im Jnvalidendank Unter den Linden 23. UtiollsI-IIiester. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Berliner m Fever M Wnjser. Volksstück in 5 Akten und 7 Bildern von Fritz Schäfer. Musik vom Kapellmeister A. Wiedecke. Regie: Fritz Schäfer. Dirigent: Kapellmeister A. Wiedecke. Wirkliches Feuer. Wirkliches Wasser. Wirklicher Regen. Hauplbilder: 3. Bild: Im Puce(Henny Schmid sucht den Floh). 3. Bild: 30 bildschöne badende Mädchen im Wasserbassin mit wirk- lichem Wasser. 7. Bild: Groß-Feuer(Rettung von drei Menschen aus Feuersgefahr durch unsere brave Feuerwehr.) Morgen: Dieselbe Vorstellung. keackskstten. Mte Woche HnnmistW Soiree UßMfSdeutsciten Quartett- Ii Ul II y. Couplet-Sangep Sonnabend, den 31. August: Abschieds-Soiree! Sonntag, den I. September: Erste Soiree in de» Gemania-PracUtsälen. der Centrai-Theater. Alte Jalrobste. 30. Direktion: Richard Schultz. Sonntag, den 1. September 1893: Emil Thomas a. 6. Novität! Novität! Zum 1. Make: Eine tolle Nacht. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Bildern von Villi. Haimstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. In Szene gesetzt v.Dir. Eiehard Schulte. Der Billet-Vorverkauf findet täglich an der Theaterkasse von 10—1 Uhr. U a» s n i s Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhri Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Passage- PaiioptiGiun. Tmßlche Trappe: Schlaugenbeschwörer, Arabische Schule, Bauchtänzerinnen, Derwische etc. Castan's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weibliche Eitelkeit. Kaufmann's Variete Königstrasse, Kolonnaden. Arthur Fraenkel, artist. Direktor. |(Wejii stchtionell wirft! Das Dlrltwunder??? Das Näthsrl??? Das Problem??? Castan's Panoptiknm. Urkomische Bnrlcsque. .Japanische Krieger. Japanische Ringer. Der Katzen-Tenor. iFerner 18 Novitäten-Nnmmern. Den verehrlichen Vereinen steht unser Theater zu Matineen zur � gefälligen Verfügung. ABcazar« Varietö- und Spezialitäten-Thealer. Dresdenerstr. 52,53(Clty-Passage), Annenstr. 42'43. Vornehmster Familienaufenthalt! Wieber-EröMiig: Sonnabend, den3l.Aug.l89S: Total umgebaut uud renovirt; Durchweg neues Sensations- Programm. Zum 1. M a 1 e: Mampe'sFlitterwoclieR. Bourlekgue m. Gesang n. Tanz in 1 Akt von F. Valdau. Musik von R. Thiele. Ansang der Vorstellung 1�2 Uhr. Direktion: R. Winkler. iner Sänger (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Täglich außer Sonnabends Victoria-Lrauerei LühomNr. 111-112, nahe Potsdamer Brücke. Im wundervollen ouzert-Garten resp. Saal. Anfang Wochentag 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. E n t r e e _ 50 n Vorvcrkauf-Billets(für die Wochen- tage) k 40 Pf. und Familien-Billets a 1 M.(für 3 Personen giltig). (Siehe Plakate). Großartiges Programm! Jeden Donnerstag und Sonniag nach der Soiree: Tanzkränzchen. Eden-Konzert Welt-Restauraut Dresdenerstr. 97, 2143L Eröffnung desVariete-u. Spezialitäten-Theaters Sonnabend, de» 31. August 1895. C. FrohSich's Gesellschaftssäle und Garten Schönhauser Allee löl. Jed. Sonntag, Dienstag n. Sonnabend: eoueei't.Spedalität.-Voi'stelluug. Anfang 7 Uhr, Entree frei. Sonntags Ans. 4 Uhr. Programm 10 Pf. Bei ungünstiger Witterung im Saal. Jed. Sonntag, Montag, Mittwoch: Ball. Jeden Mittwoch: Kindertest. Entree: Kinder 10 Pf., Erwachsene frei. Kaffeeküche täglich v. 2 Uhr ab geöffnet. Für Vereine u. Gesellsch. v. 200 Pers. Spezialitäten-Vorstellung frei. s2332L lioack's Sommer-Theater, Krunnenstr. 16. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Im Saale: Grosser Ball. Die schone Galathee. Operette von Hennie. 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K o m p., Haidestraste. Das Streikkomitee befindet sich bei Blaurock, Gipsstraße 16. Daselbst auch Arbeitsvermittlung. 256/10 vor Vertrauensmann. laP" Achtung! Parquetbodenleger! Die Kollegen der Firma Rosen» feld& Cie. haben wegen Lohn- differenzcn die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist strengstens fernzuhalten. 76/17" vis' Werkstatt-Kontrollkommission d. Deutschen Holzarbeiter Verbandes. Wung, Mlmrbtittt! Der Streik in der Piano-Fabrik von Jul. Pfaffe, Landsbergerstr. 109, dauert unverändert fort. Zuzug ist strengstens fernzuhalten. 141/15' Die Werkstatt- Kontroll- Kommission. flurtoil Arbeiterinnen, geübte, verl. s A. Eisenstädt, Beuthstr. 5." Lehrmädchen auf Jockels verlangt Thun, Holzmarktstr. 54, S. 4 Tr. Tüchtigen Marmorschleifer verl. W. Priest, Gr. Frankfurierstr. 125. Tüchtige Schriftmaler verlangt Kausmann, Stralauerbr. 3.__ Tücht. selbst. Arbeiter am Stoßwerk sucht d. Brennerfabrik Köpnickerstr. 154 —— a Verantwortlicher Redakteur: Max Pfund in Halensee. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. 2. Beilage zum„Vomiirts" Berliuer Vol Ur. 202. Freitag, den 30. Aagnst 1893. IZ. Jahrg. Bitm Streik in Cnrntnux. Paris, 26. August. � Angesichts der moralischen und materiellen Unterstützung. melche� die Streikeilde» von Carmanx selbst außerhalb der sozialistischen Partei finden, scheinen selbst schon die kapitalistischen Blätter daran zu ziveifeln, daß der Direktor der Glashütten- merke aus dem von ihm provozirten Kampf siegreich hervorgehen werde, und schieben darum, ehrlich wie sie sind, die ganze Schuld an dem Streik— unserem Genossen Jamv's zu. Ja, nicht der berüchtigte Nefsegiuer, der den zum Bezirksralh gewählten Glasarbeiter an> Tage nach dessen Wahl aufs Pflaster warf; nicht der Direktor und Hanptakiionär der Glashütlenwerke, der die von seinen Arbeitern auf grund des Gesetzes vom 27. Te� Zcmbcr 1892 verlangte Einsetzung eines Schiedsgerichts zurück- gewiesen; nicht der Mann, der, nachdem seine Arbeiter trotz seiner Zurückweisung des Schiedsgerichts und trotz seiner Entlassung Baudot's die Arbeit wieder aufnehmen wollten, in einem offenen Schreiben ankündigen ließ, daß er die Fabriken nur unter Aus- incrznng der„Nädelsführer" und Ausstellung eines neuen, niedrigeren Lvhutarises wieder eröffnen werde; nicht ver Cinporkömmling, der mit der Zlrbeilskraft de» ganzen Arbeiter, den Menschen und Körper gekauft zu haben wähnt und durch diesen Streik hoffte, die gewerk- schaftliche wie politische Organisation seiner'Arbeiter vernichten zu könne», hat denselben hervorgerufen, sondern der sozialistische Abgeordnete von Carniaux, der den Glasarbeitern gleich bei Ausbruch deS von Ressöguier provozirten Kampfes angerathen, das Schiedsgericht anzurufen und der, nachdem Ziessoguicr dies zurückgewiesen, ihnen mit gleichem Erfolge angerathen, die Arbeit trotzdem und alledem wieder aufzunchinen. Ja, Jaurös ist an dem ganzen gegenwärtigen Streik schuld, ohne ihn wäre die Harmonie zwischen den Arbeiter» und dem Direktor der Elashüttcniverke schon längst wieder hergestellt, denn dieser ist durchaus nicht der harte Mann, als den ihn seine Gegner darstellen. O, ganz im Gegcntheil. Welches Unrecht begehe» darum diejenigen, die für die Streikenden Partei ergreifen. „Man sagt, so leitartikelt der„Temps"— ich gebe nur die Haupistellen wieder—„man sagt, daß Herr Resseguier sich zu keiner Unterhandlung hergiebt und daß er jedes Uebercinkoinmen und selbst jedes Gespräch über die strittigen Punkte veriveigert. Ist man dessen so sicher? Was hat nia» gelhnn, um es zu wissen? Anstatt einige ergänzende Aufklärungen von ihm zu verlangen, haben sich die Glasarbeiter in gewerkschast- licher Versammlung um Herrn Jaurss vereinigt, den Streik votirt und ihrem Abgeordneten die Gelegenheit ge- geben, einige schöne Stücke beredter Prosa zu redi- giren. Wen» wir all dies sagen, ist es nicht um das eitle Ver- gmigen, die Streikenden von Carniaux in der Art jenes Pedanten belehren zu wollen, der das Kind, das am Ertrinken war, wegen dessen Unvorsichtigkeit ausschalt, fondern um Männern wie Herrn Ranc oder Herrn Huinbat(beide haben in Artikeln für die Streikenden Partei ergriffen) zu zeigen, daß die aufrichtigen Freunde der Arbeiter das größte Unrecht haben, durch ihre unbedingte Zustimmung die Autorität dcs Herrn Janrös oder dcs Bürgers Vnudot vermehren. Herrn Jaurös halber und des Bürgers Baudot oder anderer llindctsführcr halber ist der Friede nicht gemacht worden. Ihrethalben ist der 5krieg erbarmungslos ausgebrochen. Selbst wennfHcrr Ilessögnicr nicht der„gute Arbeitgeber" wäre, als den man ihn schildert, selbst wenn er hundert Mal schlinnner wäre, selbst wenn, mit einem Worte, der Administrator von Carniaux nicht„interessant" wäre, dann hätte man sich gleichivohl mit den Rechten dcs Arbeit- geberthums zu befassen, die ebenso achtbar sind, als die Rechte des Proletariats und ebenso nothwendig für das Wohlergehen der Arbeiter; dann hätte man sich noch mit der französischen Industrie zu befassen, welche die von den Politikern gc- leitete» Gewerkschaften auf dem Wege sind llinzubringen. Es steht Herrn Jaurös frei, zu glauben, daß Carmanx der Mittelpunkt der Welt sei. Aber dies ist nicht wahr. Wir haben um uns herum hurtige Konkurrenten. Wir haben mit der ausländische» Konkurrenz zu rechnen, die stets bereit ist, aus den zwischen Kapital und Arbeit sich erhebenden Konflikte» den Gewinn einzustreichen. Wenn das unheilvolle Werk der Slreikapostel fortgesetzt wird, wen» Männer von Verstand und Erfahrung wie Herr Ranc nicht die Kraft und den Muth haben, sich dem entgegenzusetzen, wenn man das Volk schmeichelt, wenn wenn man ihm von vornherein die Wahrheit verbirgt, dann wird es die Nationalindustrie sein, die daran sterben wird. Alan wird es bald fertig gebracht haben, die Henne mit den goldenen Eiern zu tödten. Hernach werden wir eine akademische Debatte eröffnen, um diese Erscheinung zu erklären. Und Herr Janrös wird auch da noch eine Gelegenheit haben, Reden zu hallen. Wenn das den Arbeitern genügt.. Und mit dieser in die Augen springenden Verdrehung der Thalsachen meint dieser„aufrichtige Freund der Arbeiter", als welcher ja der„Temps" weit und breit genügend bekannt ist— hat er doch nie und nimmer, auch diesmal nicht dem Ausbeuter- th»m irgendwie die Wahrheit zu verbergen gesucht— die Arbeiter- schaft gegen Janrvs ausbringen lind für Herrn Ressöguier gewinnen zn können! Wenn die ausländische Konkurrenz gar so sehr auf der Lauer steht, um gleich aus jedem Konflikt, der sich zwischen dcm Kapital und der Arbeit erhebt, Prosit zu ziehen, wenn jeder Streik und insbesondere dieser eine Gefahr für die Nationaliuduslrie bedeuiet, warum hat denn der„TcrnpS" so gar kein Wort dcs Tadels gesunden, als Herr Ressognicr das Schiedsgericht zurückgewiesen oder als er, nachdem die Arbeiter trotzdem die Arbeit wieder aufzunehmen erklärten, mit neuen unverschämten Forderungen hervortrat? Wo blieb denn da die bedrohte Nationalindustrie, wo da die Fabel von der Henne mit den goldenen Eiern? Die Wahrheit ist, daß die Herren gehofft halten, in den Arbeiter» von Carmanx. jedes Rcchlsgefühl ersticken, jede Männlichkeit ertödtcn und damit zugleich de» Boden für eine» kapitalistischen Abgeordneten vorbereiten zu können. Nu» sie sich hierin verrechnet sahen, nun selbst die bürgerliche» Demokraten ans Seite der Streikenden stehen und diesen von allen Seiten in einer die Herren erschreckenden Weise massenhaft Gelder zufließen, wissen sie nicht, wie sie ihren Rück- zug antreten solle», ohne gestehen zn müssen, daß ihre Sache eine verlorene ist, und suchen darum in ihrer Verlegenheit die „Nationalindnstrie" auszuspielen und die ganze Echustigkeit Ressöguier's auf dessen Opfer abzuwälzen. Dabei vergessen sie, daß sie selber am meisten zur Verbreitung dcs Schreibens bei- trugen in welchem Rcssöguier erklärte, daß„j e d e r in der absoluteste» Weise zurück» werden müsse und daß er, i n d e m i e rg l e i ch gewiesen er dies i n d u st r i e Wollen die sie nur dafür zu werke» von Carniaux der Ltatus gestellt iverde. Da nicht dse Arbeiter thue, sicher den größten Herren wirklich sorgen, sei, der National- D i e n st zu erweise n." den Frieden, dann haben daß in den Glashütten- gno ante wieder her- mit Forderungen hervor- getreten sind, nicht sie den Streik gesucht haben, sondern Herr Resseguier. Will dieser den Kampf fortsetzen, dann um so schlimmer für ihn. da das ganze arbeitende Frankreich aus Seite der Streikenden steht, wie dies ein Blick ans die Subskriptionslisten der sozialistischen Blätter zeigt, von denen die„Petite Nöpublique" allein täglich bis zn 1666 Frks. und darüber zu verzeichnen hat, davon auch die verschiedenen zu guusten der Streikenden abgehaltenen Versammlungen, von denen z. B. die am Sonntag in Narbonne unter dem Vorsitze Ferroul's abgehaltene Versammlung, in der Jaurös über den Streik ge- sprochen, eine Reineinnahme von 1200 Frks. erzielt hat. Bei einer solchen Solidarität der Arbeiterschaft sind die Streikenden, trotz aller Millionen Resseguier's sicher, siegreich aus dem ihnen ansgedrungenen Kampfe hervorzugehen. Dev Ninüdcbnegev Anneifzistvn» VrozeH. Magdeburg, 28. August. Nach Schluß der Verlesung ergreift der Erste Staatsanwalt das Wort zur Schnldsrage. Er führt aus, die Angeklagten gäben zu Anarchisten zu sein, mit Ausnahme Ritzau's, der Sozialist und Kohlmann's, der Sozialdemokrar sein wolle. Sie seien ihrem eigenen Geständnisse nach Revolutionäre. Das Wort Revolution bedeute wörtlich übersetzt Umdrehung, frei übersetzt Umsturz und die Revolution, das heißt der Umsturz würde von „Sozialist" gepredigt und noch nie sei ds in der Weltgcschichls vorgekommen, daß die Besitzenden sich freiwillig ihrer Rechte begeben, daß eine Revolution in Ruhe vor sich gegangen sei, deshalb müßten die Angeklagten sich bewußt gewesen sein, daß sie, wenn sie einen Umsturz anstrebten, nothwendig zu Ge- waltakten ihre Zuflucht nehmen mußten. Daß nun die Zln- geklagten oder ihre Partei besonders peinlich in der Wahl ihrer Mittel sein würden, könne wohl nach Verlesung der beschlag- nahmten Schriften nicht angenommen werden. Tie Angeklagten seien beschuldigt, sich au einer verbotenen Verbindung belheiligt zn haben und behaupten, es habe gar keine Verbindung bestanden, denn der oberste Grundsatz der Anarchie sei der, sich unter keinen Willen, auch nicht unter den der Majorität zu beugen; eine Verbindung erfordere allerdings die Unterordnung dcs einzelnen unter den Willen der Majorität. Ob die Kinder der Angeklagten diesen Zukunstsstaal erreiche» würden, sei mindestens sehr zweifelhaft. Eine Organisation soll nicht bestanden haben und habe Schneider in einer Versammlung ausdrücklich betont, ohne Organisation sei nichts zu machen; thatsächlich habe aber eine solche, ivenn auch nur eine lose, bestandenj und diese kennzeichne sich als Verbindung. In den letzten drei Jahren seien regelmäßig Vertraucnsinänner gewählt, die die Versammlungen einzuberufen, Drucksachen zu bestellen und anzunehmen, Gelder zu sammeln und abzuführen halten. Wie das beschlagnahmte Rcchnungsbuch ausweise, seien Gelder für den Preßsonds, den AgiiationssondS, zur Unterstützung verurtheiltcr Genossen resp. deren Familien gesaminclt. Es seien auch Revisoren gewählt worden, um die Verwendung dieser Gelder zu überwachen. Daß für gemeinschaftliche Zwecke Drucksachen beschafft, allerdings noch nicht bezahlt seien, habe die Zeugin Wille ja gestern bekundet. Den Angeklagten werde nun zur Last gelegt, sich an einer Reihe von öffentlichen Versammlungen dieser Verbindung betheiligt zu haben und zwar theilweise als Leiter. Ferner sollten sie bei einer Anzahl geheimer Konventikel zugegen gewesen sein, die ge- miß nicht so harmloser Natur waren, da sie das Licht des Tages gescheut hätten. Bei diesen sei Henning der eifrigste gewesen. Zu dem Begriff Verbindung sei es durchaus nicht nvthig, daß der Zusammenschluß ein besonders fester gewesen sei, man brauche nicht einmal, nach dem letzten Reichs- Gerichtserkenntniß, Mitglied gewesen zu sein, wenn man nur die Versammlungen besucht hat. Daß auch eine Unterordnung des Willens dcs einzelnen unter den der Gesammtheit staltgesunden habe, sei doch wohl nach der Beweis- aufnähme nicht mehr zu bezweifeln, den» es sei ja durch Zeugen bewiesen, daß Aieinungsverschiedenheiten bei den Ver- sanunlungen hervorgetreten seien. Die Partei habe auch einen Delcgirten gewählt. Allerdings sei nicht festgestellt, daß Rathuiann eine Legitimation bekommen, wohl' aber, daß er eine habe erhalten sollen. Er habe das wohl nicht für nöthig geHallen. Sie wollten die Propaganda der That verabscheuen und sagten, einem deutschen Anarchisten wird es nie einsallen, solche Blutthaten zn begehen, wie sie in Frankreich und Italien begangen sind. Stach Meinung des Redners sei dies doch aber ivohl nicht so unmöglich. Das allerdings nicht aufgeklärte Attentat ans P o l i z e i r a l h Krause in Berlin lasse doch den Glauben aufkommen, daß die Anarchie daran belheiligt sei. Einigen von ihnen scheine der Gedanke nicht allzu fern gelegen zu haben, daß die Anwendung von Gewalt zn befürworten sei. Daß die Verbreitung von verbotenen, staatsgesährlichen Schrislcn ein unerlaubtes Mittel sei, wäre längst anerkannt, und von wie gefährlicher Art die gestern in den späten Abendstunden ver- lesenen Broschüren seien, hätte man ja gehört, einen besseren Katechismus für Ausrührer könne es gar iiicht geben. Den» in den Schriften sei alles waS der Menschheit bisher heilig und theuer gewesen sei, in den Schmutz gezogen und zertreten. Tie Druckschriften seien aber nach ihrem eigenen Eingeständniß von den Angeklagten verbreitet worden. Damit sei der Thalbcsiand des§ 129 des Strafgesetzbuches gegeben. Nachdem der Staatsainvalt die Schuldbewcise für die einzelne» Angeklagten erörtert hatte, beantragte er gegen Leiten- roih(vorbestraft) ö Monat Gesängniß, gegen Kayser(vorbestraft) 5 Monat, gegen Henning(unbcstrasl) 6 Monat, gegen Paul(vor- bestraft) 4 Monat, gegen ZeuteS(unbestraft) 1 Monat, gegen Rathmanu(vorbestrafl) 8 Monat, gegen Ritza»(vorbestraft) 3 Monat, gegen Bäurcr(vorbestraft) 2 Monat, gegen Schneider (vorbestraft) 1 Monat, gegen Kohlmann(vorbeslrast) 1 Monat, gegen Beelmann(unbestrafi) 1 Monat Gesängniß.- Vertheidigcr Rcchtsann alt S o n n e n f e l d giebt zu, daß die Angeklagten öffentliche Versammlungen besucht hätten, üch Anarchisten oder Unabhängige nannten. Auch daß in diesen Versammlungen Verlranensmänner gewählt seien, daß Teller- sammlungcn veranstaltet und zn deren Beaussichligung für jeden einzelnen Abend Revisoren gewühlt seien, aber es sei nicht erwiesen, daß eine strafbare Verbindung be- standen habe. Das Hanptcrsordcrniß einer solchen sei, daß sich der Wille dcs einzelnen dem der Majorität unter- zuordnen habe. Nun sei es aber bei allen sonst meist recht un- einigen Schattirunge» der Anarchisten der einzige unbestrittene Satz, nie dürfe sich der Wille des einzelnen dem dcs anderen, auch nicht dcm der Mehrheit unterordnen. Es sei doch gewiß nicht anzunchmcn, daß die Angeklagten, die sich Anarchisten nennen, durch Schließen � einer Verbindung gcgcn diesen oberste» Grundsatz verstoßen hätten. Um diese Verbindung strafbar zu machen, selbst wenn sie be- standen habe, sei es nothwendig, daß sie ungesetzliche Ziele mit verbotenen Mitteln habe erreichen wollen. Es sei also nöthig, daß der Zweck gesetzwidrig; nun sei es aber nicht strafbar, wie der Herr Borsitzende im Laufe der Verhandlung mehrfach hervor- gehoben habe, wenn man es sich zur Beschnstigung niache, die Verfassungen Preußens und der Bundesstaaten, sowie die bestehende Gesellschaftsordnung durch erlaubte Mittel zu ver- ändern oder ganz zu beseitigen. Es sei unbedingt nöthig, daß die Mittels ungesetzlich feien, nicht das gleiche gelte vom Zweck. Hier greife der jesuitische Grundsatz, daß der Zweck die Mittel heilige, mit Platz. Es sei auch strafbar, erlaichte Zwecke init unerlaubten Mitteln zu erstreben. Was seien denn nun die Mittel der Angeklagten gewesen, mit denen sie ihren an sich unerlaubten Zweck hätten er- reichen wollen. Das Abhalte» öffentlicher Versainnilungen und das Vertheilen von Druckschriften. Beides erlaubte Mittel, denn die Schriften, die später vom Amtsgericht Hannover beschlagnahmt seien, wären erst seit kurzem verboten, zur Zeit der Vertheilung aber erlaubt gewesen. Daun werde der Vonvurf der Geheimbündelei erhoben, ivorauf er— Redner— jedoch später znrlickkommc» wolle und der ihm ungerechtfertigt erscheine. Ferner das Tragen des Kranzes bei dein Begrübniß des Sozialdemokraten Bremer, in dem von der Anklage eine Demon- stration erblickt würde. Nun aber hätten die daran betheiligten Angeklagten eine» glühenden Haß gegen die Sozialdemokraten und daher sei es ivohl anzunehmen, daß sie nicht demoiisirireu, sondern nur den Menschen und Vorkämpfer hätten ehren ivollen. Dies gelte besonders von dem ersten Angeklagten. Gegen� Kayser sei vorgebracht, daß er verbotene und beschlagnahmte Schriften vertheill habe. Lange habe er mit der Erklärung gezögert, die er dann endlich glaubhaft vorgebracht habe, daß nicht er sondern seine Ehefrau diese Schriften bezogen und verbreitet habe, auch seien diesetben damals noch nicht beschlagnahmt gewesen. Gegen Henning liege vor, daß er Vertrouensmami gewesen sei und daß er sich dessen Arbeiten unterzogen hat; dann, daß er dem Komitee zur Gründung eines Disputirklubs angehört habe. � Eine an sich straflose Bestrebung, denn der Klub sollte dazu dienen, die Behörde» über die Ziele der Anarchisten aufzuklären, da dieselben nicht das Licht, sondern nur die iiber sie herrschende falsche Meinung zu scheuen � hätten. Paul{olle in einer öffentlichen Versammlung den Zwischenruf gelhan haben:„Wo kriegen wir die ersten Bomben her!"� Er — Redner— wolle gewiß nicht behaupten, daß der betreffende Polizeikommissar ivissentlich etwas Falsches sage. Denn er könne nicht umhin, seine Bewunderung über die ebenso genaue wie objektive Berichterstattung aller der im Laufe der Ver- Handlung vernommenen Herren Polizeibeamten auszusprechen, aber irren sei menschlich und wenn der Zeuge den Zwischenrufer, wie er sagt, nur sitzend gesehen hat, so ist es wohl schwer, ihn später, wenn er ihn stehend reden sah, wiederzuerkennen. Denn wir alle wüßten, wie sehr man irren könne, wenn man jemand sitzend für groß oder klein halte. Ebenso leicht könne man in der Stimme irren. Aber felbst, wenn Paul den Stuf getha», so könne man gegenüber der Aussage der Lenmnndszeugeu, die ihn als friedlichen Menschen erscheinen lassen, nur an eine Redephrase denken. Zentes endlich könne doch wohl garnicht verurtheilt werden, denn cr habe nur einmal, am 4. November l894, in einer Versamm- lung gesagt:„Wenn mich noch einmal ein Vertreter des Kapitals drückt, dann ftatuire ich ein Exempel", und diese Aenßeruug sei schon einmal Gegenstand eines Strasverfahrens gewesen, das rechtskräftig � eingestellt sei. Bäurcr sei neben Rathmann entschieden der beste klarste!kopf unter de» Angeklagten, aber darum noch lange kein Antonio. Er habe seinem Widerwillen gegen jede Gewalt uvd seinem Glauben an die idealen Ziele der Anarchie wiederholt Ausdruck gegeben. Er habe gesagt, es sei eineGcmeinheit, an blutigenAufstand zu denken, denn die kleinkalibrigcn Gecvehre würde» in einemsolchen Falleschon ihre Schuldigkeit thun. Er habe kein anderes Ziel verfolgt, als dem Elend und der Unterdrückung ei» Ende zu machen. Ob solche idealen Ziele erreichbar seien, sei ja mehr als fraglich. Er habe stets als bestes Mittel die Aufklärung empfohlen, diese und den Austritt ans der Landeskirche und Bildung von Gewerkschaften als erstes Erforderniß zur Erreichung des idealen Zulnnststaates hingestellt. Er hätte ja auch die Attentate als Thaten des Wahn- sinns bezeichnet und wenn cr gesagt habe, das heutige System ist aber auch dazu angethan, die Leute zum Wahnsinn zu treiben, so habe cr damit die in Frankreich und Italien herrschenden Systeme gemeint, aber nicht das in unserem Vaterlande herrschende. Der Angeklagte Schneider habe einnral in einer öffentlichen Versammlung Stellung gegen die Sozialdemokratie genommen und gesagt, es müsse schriftlich und mündlich mehr agilirt werden; wenn dieSozialdemokraten erst einsehen würden, daß sie von ihre» Führern ausgesogen, würden sie alle Anarchisten; er habe sich damit nur gegen die Diktatur der Parteiführer gewandt, aber nicht zum Klassenhaß aufgereizt. Von Kohlmann habe der Polizei'Jnspektor Schmidt bekundet, er sei ein ganz gemäßigter Sozialist, allerdings habe er sich auch als Revolutionär bekannt, wie alle, doch gäbe er— Redner— eine andere Deduktion von dem Begriff Revolution, es gäbe auch friedliche Revolutionen, ohne Blut und Eisen. Mau rede ja doch von einer Re- volution aus dcm Weltmarkt, von einer Revolution im Sieich der Wifseuschast und eine solche unblutige Revolution inr Reiche der Geister hätten die Angeklagten erstrebt. Kohlmann solle dann noch einige Aeußerunge» gethan haben, wie„wir sind alle gleiche Männer u. s. w.", doch Anreizungeu zu Haß und Gcwaltthat seien darin nicht enthalten. Auch hat er, als Krüger einmal eine Brandrede hielt, nichts gesagt, wohl aber, als der- selbe Redner eine fehr gemäßigte beendet hatte, ge- rufen:„Heute hat der Mann uns allen aus dem Herzen gesprochen!" Er spreche nicht etwa aus unedlen Beweggründen, wie etwa ans Faulheit, denn cr habe die Redewendung gebraucht:„In dem Zukunftsstaats wird Arbeil eine Erholung sein und dann kann uns niemand mehr die Arbeit nehmen!" Kohlmann habe schon öfter das Elend der Aibeitslosigkeit empfunden und dies möchte er aus oer Welt schassen. Veelman» solle in der Versammlung vom 4. November 1894 den Ausdruck gebraucht haben:„Wenn wir auf das hinein- wachsen in die neuen Verhältnisse warten sollen, dann können wir lange warten!" Er bestreite dies und da man ihm nicht gleich Gelegenheit zu seiner Vertheidigung gegeben habe, so könne er heule nicht den Beweis führe», daß cr dies nicht gesagt habe. Auch er sei einmal zum Revisor gewählt worden, habe aber dies Amt niemals ausgeübt. Was nun den Besuch der geheimen Konventikel anbetreffe, der den Angeklagten zur Last gelegt werde, so sei gar nichts erwiesen. Nicht etwa, daß cr— Redner— glaube. der Polizei-Inspektor Schmidt habe seine Gewährsmänner aus ihre Zuverlässigkeit nicht genügend geprüst, aber es habe einen Zeitraum von drei Jahren erfordert, um das Beweis- Material zusammenzubringen und so müssen doch den Herren selbst die Angaben nicht recht genügt haben. Zudem ginge das e r st e Erforderniß einer Verhandlung, die U n- in i t t e l b a r k e i t, verloren, es sei das ebenso gut, als wenn der eine Theil, die Angeklagten, gar nicht gehört würde. Anders wäre es, wenn die Kronzeugen hier vernommen werden könnten, dann hätte sich doch der Gerichtshof scbst ein Urtheil über deren Glaubwürdigkeit bilden können, aber ans die bloße Meinung dcsPolizei-JnspektorsSchmidt hin, daß s e i n e G e>v ä h r s:» ä n n e r Glauben ver- dienten, könne man doch niemand ins G e- f ä n g n i ß s ch i ck e n. Er— Redner— könne die Weigerung des Polizeipräsidenten nicht fassen, denn daß durch die Namensnennung einiger Spione das Wohl eines Staates gefährdet werden könne, er- scheine i h m u»möglich, zumal es ja nach Ans- sage des Inspektors Schmidt viele solcher Leute gäbe. Die Gewährsmänner hätte» dcm Zeugen wohl das Thema, das in den Konventikel« besprochen sei, angegeben, aber nicht, ob sich die Angeklagten zustimmend oder mißbilligend darüber aus- xeMochcn hattc». Wie gefaßt, irren sei menschlich, und deshalb !v»ne sich Zeuge Schmidt trotz der größten Sorgfalt in seinen (äieuHrhrsimimient irren. Im id r i e g e s o w o h l m i e b e i d e r Polizei seien Spione unentbehrlich; daß diese nun deshalb aber besonders ehreniverthe, tzlanb hafte Leute seien, würde doch wohl niemand behaupten. Wenn aber der Glaube an das ■oeftehe» der geheimen Versannnlnngen nicht durchdringe, falle zugleich ein Stutzpunkt der ganzen Anklage, denn durch sie Jolle doch der fortwährende Zusammenhang der Verbindung her- gepellt sein. Tie Angeklagten bestritten es, entweder überhaupt rn den Lokalen gewesen zu sei», oder wollen dort ruhig mit Be- o""!™1 em Bier getrunken und vielleicht auch einmal über •■l r- t S�svt'ocfieii haben, doch seien dies nur ge- wohnliche Biertischgespräche gewesen. Der Herr Erste Staatsanwalt ziehe das Attentat auf Krause «r11 Belastung heran, als habe dies etwas tiiit der Anarchie zu thun. Er— Redner— könne nicht umhin, zu erwähnen, daß in Berlin sogar in den Kreisen der Polizei der Glaube herrsche, nicht die Anarchisten, sondern ein früherer Untergebener Krause's habe das Attentat verübt. Mail könne doch unmöglich die Angeklagten dafür verantwort- 1 1 ch machen, wenn irgend welche Parteigenossen 'n Frankreich und Italien Mordt Halen be- ginge n. In den öffentlichen Versammlungen hätte man sich ja auch gemigend gegen jeden Zusammenhang mit solchen Mordbuben verwahrt. Freilich hätten von auswärts verschriebene Redner wie Werner und der als Polizeispitzel verdächtige Rt e k e und Krüger Brandreden gehalten, aber nicht unwahr- scheiiilich sei es, daß gerade diese Redner die Gewährsmänner der Polizei seien. Was diese nun aber gejagthaben, wird als für dieAngeklagten belastend mit hineingezogen und daraus solle der Schluß gezogen werden, daß die Angeklagten rnnerlich ebenso dächten. Dies könne aber nicht angenommen werden und wenn auch, für das, was man innerlich denke, könne man nur dann bestrast werde», wenn es nach außen hin in Er- scheuning trete. Der Vertheidiger bittet deshalb um Freisprechung ev. um Milderung der beantragte» Strase, da die Angeklagten doch nicht aus unedlen Motiven, wie Faulheit u. dgl. gehandelt hatten, die Propaganda der That offen verdammten und ideale, wenn auch unerreichbare Ziele verfolgten. Auch die Vorstrafe», die ja doch meist ans anderem Gebiete lägen, könnten nicht erschwerend wirken, denn seitdem sie der anarchistischen Partei angehörten, hätten die Angeklagte» sich entschieden veredelt und seien nicht mehr mit dem Strafgesetz in Konflikt ge- rathen. Ter Erste Staaatsanwalt meint, es sei durchaus tmnöihg gewesen, daß der Vertheidiger die hiesige Polizei lobe. Er selbst habe kein Wort darüber verloren, er sei das so ge- wöhnt, nun wolle er es aber nicht unterlasse», de» Herren P o l ize i b e a m t e n seine Komplimente darüber zu machen, wie unparteiisch, objektiv und eifrig sie ihres Amtes gewaltet, sowie ihre Berichte erstattet hätten. Gewiß erfreuten sich wenige Städte Deutschlands einer so vorzüglichen Polizei. Ter Staatsanwalt wundert sich auch, wie der Ver- theidiger wissen könne, daß Ricke Polizeispion sei, oder gar der hiesigen Polizei Bericht erstattet habe. Werner sei bereits bestrast und Krüger würde gewiß heute mit ans der Anklagebank sitzen, wenn er nicht flüchtig geworden wäre. Es erfolgen dann noch zwischen dem Ersten Staatsanwalt und dem Vertheidiger einige Richtig- stellnngen, auch entspinnt sich zwischen ihnen über die hervorgetretene Meinnngsverschiedenheit eine längere Replik und Duplik. Zuletzt verwahrt sich der Angeklagte Kohlntatin noch heftig dagegen, daß er ei» Sozialdemokrat sei» solle. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten Paul wegen Vergehens gegen§ 130 des Str.-G-B. zu 2 Monaten Gefängniß, sprach dagegen die sämmtlichen Angeklagten frei und begründete dies Urtheil dahin: Die Frage, ob eine Verbindung im Sinne des Z 129 des Etr.-G.-B. vorliege, sei bejaht worden, denn es habe, wenn auch eine lose,� so doch eine Organisation bestanden. Freisprechung müsse erfolgen, weil nicht erwiesen sei, daß die Verbindung den Zweck gehabt habe. Maß- regeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern und zu ent- kräflen, oder daß dieS zu ihrer Beschäftigung gehört habe. Er- wiesen sei nicht, daß die Angeklagten den gewaltsamen Umsturz der staatlichen und gesetzlichen Ordnung, eine Revolution mit Mittel» äußerer Macht und physischer Gervalt bezweckt hätten. Allerdings liege dieser Verdacht durch ihre Kundgebungen in den öffentlichen Versammlungen und durch ihre Schriften- Verbreitung nahe. Dieser Verdacht sei aber nicht ausreichend. Abgeklärte, bei allen feststehende Meinungen über die letzten, ja nicht einmal über die nächsten Ziele der Verbindung seien den Angeklagten nicht nachzuweisen gewesen. Sie hätten in der Ver- Handlung die verschiedensten Angaben darüber gemacht, wie sie ihre Ideale zu verwirklichen gedächten, aber alle hätten ihre Ge- sinnnng in durchaus friedfertigerweise dargesiellt. Daß diese nicht allen beiwohne, sei zweifellos, der Nachweis aber schwierig zu führen. Dies sei nur möglich gewesen, wenn man von dein Inhalt der geheimen Unterredungen Kenntniß erlangt hätte. Ob Zusammenkünfte statlgesuiiden, hätte nicht bejaht werden können. Zwar seien die St»gaben der Polizei- b e a in t e ii in vollen Ehren zuhalten, ans g r u n d der Mittheilungen ungenanuter Gewährsmänner aber kein lirtheil zu fällen. Die Bedingung der Unmittelbarkeit ginge dadurch verloren. Ferner fei der Nachweis nicht geführt, daß den Angeklagten die Konfis- kation der Schriften durch auswärtige Gerichte bekannt gewesen sei. Zudem sei es auch zweifelhaft, ob sich die Wirksamkeit auf den Bezirk Magdeburg b e- ziehen lasse. Tie verlesenen drei Hefte enthielten allerdings Majestätsbeleidigungen u. dcrgl., doch sei auch hier der Nachweis nicht erbracht, daß die An- geklagten K e» n t n i ß von den beleidigenden Stellen gehabt hätten. Tagegen sei Paul des Vergehens gegen Z ISO d. Str.-G.-V. überführt erachtet, denn es sei erwiesen, daß er in einer öffent- lichen Versaminlung die besitzlosen Proletarier gegen die besitzenden Klassen durch seinen Zwischenruf zum Wersen von Bomben, also zu Geivaltthätigkeiteu angereizt habe. SoziZtlo Mrbevfid'zk. De» Vernfsgeuoffenschafte» soll es, wie die ossiziösen ,, Berliner Politischen Nachrichten" mittheilen, durch die in Aus- sieht stehende Unfallversicherungs-Novelle ermöglicht iverden, gleich- wie die Altersversicherimgs-Anstalteii, einen Theil ihrer Kapitalien zum Bau von A r b e i t e r. W o h» st a 1 1 e n zu verleihen. Neber Geld iiberfl, ist n»d Arbeitslosigkeit wird uns aus Kiel geschrieben: Seitdem ani Nord- Ostsee- Kanal die Haupt- sächlichsten Arbeiten beendet sind, hat sich in der Provinz Schleswig- Holstein eine recht fühlbare Geschäftskrise bemerkbar gemacht. Für die beim Kaualbau beschäftigt gewefenen Arbeiter hat sich innerhalb der Provinz keine Arbeit gefunden, sodaß diese entweder anderswo hinziehen oder arbeitslos umherirren, ivo- durch besonders viele Kleinhändler und Handwerker stark zu leide» haben. Ebenso ist im Banhandwerk eine allgemeine Reaktion eingetreten, sodaß niit recht von den Bauhandwerkern der herannahende Winter gefürchtet ivird. Tieler Roth und Elend verheißenden allgeinei» trostlosen Lage steht ein Geld- Überfluß gegenüber, wie er noch nie vorhanden war. Fast alte Banker, Spa» lassen niid sonstige sichere'Gelviiistitnte haben derartig Kapital atigehänst, daß sie den Zinsfuß ans 2 pCt. herab- gesetzt haben, vielfach aber gar keine Zinsen zahlen nud sich weigern, Geld anzunehnien. So die Kieler Spar- n»d Leihkaffe, bei der seit geraniiier Zeit größere Einzahlungen nicht mehr an- genommen werden. Und obgleich Baugelder zu 4 pCt. bis zum LOfachen Reinertrag massenhaft zu haben sind, verspürt dennoch kein Mensch Lust, von diesem Angebot Gebrauch zu machen. So bleibt denn als einzige Hoffiinng der Schiffsbau, wofür stündlich Aufträge von Japan und China erwartet werden. Wohl sind in letzter Zeit einige Frachtdampfer nach diesen Ländern verkauft worden, doch sind die Neubefiellungen, vor allem an 5iriegsschiffe>i, bis jetzt noch ausgeblieben. Es sch int deiiinach, als wenn sich die von der sozialistischen Presse aus- gesprochene Prophezeihung, England und Amerika würden Frankreich, Rußland und Deutschland von dem ostasiatischen Markt verdrängen, schon jetzt beivahrheite» soll. Die Industriellen scheinen dies jetzt auch schon einzusehen und begrüßen den in japanischer Sprache demnächst erscheinenden Industrie- Anzeiger mit Freuden; hoffen sie doch, durch diesen ihren Platz ans den, ostasiatischen Markt behaupten zu können. Deutsche Hliiigcrlöhue. 30 Pfennig für eine Hose wurde in einein Stuttgarter K leide rgeschäft einem Schneidermeister gezahlt, der auf eine Annonce hin sich dort Arbeit geholt hatte. Der Fall— sagt die„Frauksurter Zeitung"— beweist klassisch die Noihivendigkeit voller Koalitions- sreiheit, die von den„Giitgesinnten" so oft angegriffen wird. Zu 1 Jahr ZnchthanS wurde vom Dresdener Land- gericht ein Mann vernrtheilt, weil er ein Scheit Holz, das dreißig Pfeiinige nerih war, auf dem Kohlenbahnhof in Kölln a. E.,>vo er beschäftigt war, aufgehoben und mit»ach Hanse genommen hatte, um es als Feuerholz zu verwenden. Ter Mann war siebciiinal bestrast und hatte das Zuchthaus zu Wald- heim erst vor kurzer Zeit verlassen. Das erklärt juristisch de» Spruch. Aber nnvereinbar mit der Verminst ist eine Gesellschaftsordnung, wonach auf die VerÜbung eines Schadens von 30 Pf. die Oual einer einjährigen Zuchthansstrafe gesetzt werden kanu. Tie Verwaltung der badischen Anilin- und Soda- sabrik in Ludwigshafen entließ, wie wir in süddeutschen Ar- beiterblätiern lesen, etilen Arbeiter, weil er einige Minuten zu spät zur Arbeit kam. Nicht genug damit, stellte sie ihm auch ein schlechtes Zeugniß aus. Ter Arbeiter fand trotz eifrigen Snchens keine andere Arbeit, verzweifelte darüber und schnitt sich an beiden Arnieii die Pulsader» auf. Er befindet sich jetzt im Spital und es ist fraglich, ob er mit dem Leben davonkoiiimen wird. Seine Faniilie ist im größten Elend. Die badische Anilin- und Sodasabrik ist eine Gesellschaft, die unter den Aktienniiternehmnngeii Deutschlands so ziemlich den fettesten Profit abwirst. Die Börsenpresse ist deshalb über sie des Lobes voll. Anders sprechen die Arbeiter Ludwigshafens. Der hohe Rebbach der Gesellschaft konnnt zu stände durch die rücksichtsloseste, niinntiöseste Ausnützung der Arbeitskräfte. Der Arbeiter kam ei» paar Minuten zu spät,»ni eben so viele Minuten schmälerte er der Gesellschaft die Ansbeutungs- gelegenheit, folglich fliegt er hinaus, und wenn er, in Ver- zweifln,, g, dem Jammerleben in dieser„besten der möglichen Welten" ein Ende machen will, so hat das Kapital höchstens noch Tadel für ihn, daß er seine Faiiiilie unversorgt zurücklassen wollte und dadurch unter Nnistäiiden die Armenkasse belaste» konnte. Liederliche Vehaudknug der Dampfkessel scheint in der Schiveiz noch besouders im Schwange zu sein. Nachdem letzten Jahresberichte des Schweizerischen Vereins von Tawpf- kesselbesitzern, dem die Aufsicht über Anlegung und Betrieb von Danip.skesseln von den Kantonalregierilngen übertragen ist, war der lteffelbefnnd folgender:„Innerliche Reinigung schlecht oder nicht fertig besorgi die 121 Kesseln, schlecht gerußt bei 94 Kesseln, Kesselstein noch in der Dicke von 5 bis 80 Millimetern vor- Händen bei 59 Kesseln. Eine ganze Anzahl von Mitglieder» mußte ansgeschloffeii werden." Wenn es also, so schreibt ein schweizerisches Zlrbeiterblatt, einmal Dampfkessel-Explosionen iiiit hunderte» von Opfern giebt, so braucht sich niemand zu wundern. Solche„llnglücksiälle" iverden durch solch strästich nachlässige Behandlung der Kessel förmlich vorbereitet. Wir fordern staatliche Kontrolle dieser Mordinstrumente! GejvorkschÄftliichcS» Vildhaner. Die Differenz mit der Firma Siövesandt, Blücherstr. 12, ist beigelegt. Tie Firma bewilligte SV-slündige Arbeitszeit und au stelle des früher gezahlten Akkordlohns Zeit- lohn. In der Werkstatt von Schröder, Vlnmenfir. 40, haben drei Kollegen die Arbeit niedergelegt. Es wird von diesen auch die Beivilligmig der 8Vs stündige» Arbeitszeit und des Zeillohns gefordert. Erstere Forderung ist bereits bewilligt. Der Vorstand des Zeiitralvereins der Bildhauer. Verwalinngsstelle Berlin. Ter Streik in der Schuhfabrik von Bergschmidt und Lange in Berlin, Brunnenstr. 10, ist, nachdem zwischen Fabrikanten und Arbeitern eine Einigung erzielt wurde, für beendet erklärt. Die Arbeiter nehinen Heule, am Freilag Morgen, die Arbeit wieder ans. Ter Porzellanarbeiter-Streik in Altwasser dauert fort, da es, trotz aller Benuihnnge» der Arbeiter, zu keiner Einigung mit dein Unleruehmer Tielscb gekoininen ist. Auch in Sophienan und K ö n i g s z e l t dauert der Ausstand fort. Die Norddeutsche Steiiigntsabrik-Altiengesellsckaft in Grohn- Vegesack, über deren Betrieb die Sperre verhängt ist und die deshalb weder im Deutschen Reich noch in Oesterreich Arbeiter bekomnit, sucht Arbeitskräfte in andern Ländern anzuwerben und hatte auch noch England Werber gesandt. Es kainen auch 13 Engländer in Vegesack an.'Als sie aber von ihren deutschen Kameraden über die Ursache der Sperre in ihrer Landes- spräche unterrichtet worden waren, sagten sie:'VVa-will not attack oiir German Colnrades,\ve will not be black-legs, was ans deutsch bedeutet: Wir wollen unsere deutschen Käme- rade» nickt belämpfen, wir wollen keine Streikbrecher sei». Die braven Söhne Albions sind denn auch richtig wieder nach ihrer Heinialh abgcdanipft und haben somit ein schönes Beispiel inter- nationaler Solidarität gegeben. Tie Zahl der streikenden Maler Leipzigs ist auf über 500 gestiegen. 23 Meister haben die Forderungen der Gehilfen durch Unterschrift anerkannt, 7 Meister haben" zwar bewilligt, lehnen aber die Unterschrift ab. 200 Gehilsen arbeiten nach den neuen Bedingniigen. Tie Innung will den alteren Gehilsen de» Lohn erhöhen, den jüngeren 2 bis 5 Pf. pro Stiinde ans den bisher gezahlten Lohn zulegen, lehnt aber die neinislüiidige Arbeitszeit ab. Im„Leipziger Tageblatt" drohten die. Meister, wenn bis Tounerstag eine Eiiiigung nicht erzielt sei, eine General- aiissperrung vornehme» zu wollen. Die Gehilfen beschlossen edoch, an ihren Forderungen festzuhalten. Der Streik steht sehr günstig, denn das Reichsgerichts-Gebände muß fertig� iverden und die Einiveihungsseierlichkeiten bringen wieder eine Menge Arbeit. Ans dem Reichsgerichts-Nenbau haben alle Gehilfen, bis auf die des Berliner Uulernehmers B o d e n st e i n, die Arbeit niedergelegt. Tic letzte Gcilevalbersaminlniig des von der arbeiter- reinidliche» sächsischen Regierung äiisgelösten Verbandes sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter findet Sonn- tag, den 22. Scptcmber, nachmittags 3 Uhr, i», Saale„Zur Zeche" i» H o h e ii st e i ii- E i ii st I h a l statt. Einziger Punkt der Tagesordnung: Tie Liquitation des Verbandes und Wahl einer Lignidationskouunission. Schnh i-iachcr-Fachkotlgrcst tu Kopenhagen.(Dritter Verhandlungstag.) Ein Antrag auf Einsuhrung eines Minimallohnes(statt für Durchführung der Preiskouranle zu wirken) wurde nach kurzer Debatte bis zum nächsten lkongreß ver- tagt. Dann wurde mitgetheilt, daß im Jahre 1897 in Kopen- Hagen ein skandinavischer Schuhmacherkongreß abgehalten werden soll. Auf die Frage, ob die dänische Organisation sich daran be- theiligen wolle, erhob man das Bedenken, daß die norwegischen und schwedischen Organisationen noch sehr schwach seien und daher die danische von eineni Zllsammeiiarbeiten mit ihnen eher Nachlheil als Nutzen hätte. Schließlich erhielt der Vorstand den Auftrag, die Gesichtspunkte aufzustellen, unter denen man mit den übrigen Skandinaviern zusaniineiiarbeiten könnte. Weiter beschloß man, de» nächsten Kongreß 1897 in Kopenhagen abzuhalten, wenn der skandinavische Schuhmacherkongreß zu stände käme, im andern Fall ihn erst 1898 tagen zu lassen. Die Schneider Dänemarks hielten in Horsens einen Kongreß ab, dessen Erqebniß in folgenden Beschlüssen niedergelegt ist: In allen Geschäften, welche Lieserungen für die Bahnen(zu 1890) übernehineii und die Arbeit nicht nach dem Tarif bezahlen wollen, ist die Arbeit iiiederzulegen. Ter Kongreß protestirt dagegen, daß der Staat und die Kommunen Lieferungen ansbieten, ohne daß die Lieferanten verpflichtet werden, nach dem geltenden Tarif zu bezahlen. In anbetracht, daß die Organi- sation das einzige Mittel ist, die Lage der Arbeiter zu verbessern, sprach der Kongreß denjenigen Kollegen einen Tadel aus, die noch nicht Mitglieder des Verbandes sind, da sie durch ihre Ziirückhalluug behilflich sind, den besten Schutz gegen die Beivegung niederzn- halten, die besonders in den nengebildeten Meisterverbänden sich geltend macht. Letztere verhindern eine ruhige Entwickelung der Arbeitsverhältnisse und drücken dadurch den Arbeitslohn heniiiter. Die Zentralleitung wie auch die Lokalverbäude sollen ihre Aiifmerksainkeit den Lagergeschäften zuwenden, speziell dem Arbeitslohn der Frauen, die in diesen beschäftigt werden. Die Zentralleitung habe für die Errichtung eines Arbeitsuachiveise- Bureaus thätig zu sein. Ein Vorschlag, der Verband solle einer von den Fachvereinigungen vorgeschlagenen planmäßigen Streikunterstützung beitreten, wurde zunächst den Lokalverbänden zur Verhandlung überwiesen. Der Kongreß beschloß ferner, daß alle Verbandsnutglieder, welche männliche und weibliche Gehilfen haben, dafür zu sorgen haben, daß diese den betreffenden Organisationen angehören. Wo die Forderung nach Lol)»erhöhung für männliche Arbeiter gestellt wird, innß sie auch für weibliche gelten, soweit diese der Organi- salion angehören und es wünschen. Die Mitglieder werden er- sucht, soweit als möglich mit NichtMitgliedern nicht zusammen- zuarbeiten. Ter nächste Kongreß wird 1897 in Kopenhagen abgehalten. Ter Verband soll ans dem 1397 in Stockholm statt- siiidenden skandinavischen Kongreß vertreten sein. Die Delegirten wählt die Zentralleitiing. Ein wunderbarer Strafbefehl wegen grobeu Nufiigö (Vergehen gegen Z 300, 11 des Str.-G.-B.) ist gegen den ver- antwortlicheu Redakteur des„Börsen- Kouriers" vom Amts- gericht I erlassen worden, und zivar wegen einer von dein Blatte am 0. Juni gebrachten Notiz, nach der„am 5. Juni 1395 auf dem Wörther Platz einem jährigen Knaben von mehreren größeren Jungen Jod in den Mund gegossen worden, so daß der Kleine in entsetzlicher Weise verbrannt ivorden sei". Durch diese „rein aus der Luft gegriffene Nachricht, ivelche geeignet gewesen, das Publikum in seinei» Sicherheitsgefühl zu stören und somit zu belästigen", soll, nach der gerichtlichen Verfugung, also„grober Unfug" begange» sei»! Ueber den Vorgang selbst hatte dem Blatt damals ein Singenzenge berichtet, der im übrigen bei den Eltern deS Knabe» und an amtlicher Stelle Erknndigiinge» eiiigejogen hatte. So ganz„aus der Luft gegriffen" dürfte also die Mit- theilimg nicht gewesen sein; außerdem stimmt sie fast ivörtlicki mit der Meldnng des amtlichen Polizeiberichts, der de» Vorgang wie folgt schildert:„Auf den, Wörther Platze wurde einem 3>/Ljährigen Knaben von einem»och nicht erinittelteii größeren Knaben Jodtinktur in den Mund gegossen." Selbstverständlich ist gegen den Strafbefehl Einspruch erhoben worden. Daß aber die Verfügung, obwohl der amtliche Polizeibericht dem Gerichte be- kannt gegeben wurde, überhaupt erlassen worden, erscheint schwer verständlich! Ein böscS JnbiläuiiiSgesehenk wurde gestern den, In- valide» Wilhelm A a l l e n t i n durch Urtheil der 129. Zlblheilnng des Schöffengerichts zu theil. Der Genannte ist während des Feldzuges 1870 verwundet und als theiliveise erwerbsuusähiger Invalide entlassen worden. Wie er behauptet, ist er nicht theil- iveise, sondern völlig erwerbsnnfähig. Die ihm gewährte Jnvalideiipension reiche znn, nothiveiidigsten Unterhalt nicht ans, seit Jahren bemühe er sich bei allen möglichen Behörden, eine höhere Unterstützimg zu erhalten, aber immer vergeblich. Dann habe er schließlich ein Gesuch an den jkaiser gerichtet, dieses aber vom Bezirkskommando II zurückerhalten mit der Vegründung, daß es nicht befürwortet werden könne, weil er als Halbinvalide keinen Anspruch ans eine höhere Pension habe, als er erhalte. Nun halte der Angeklagte ein zweites Gnadengesnch an den Kaiser gerichtet, worin er das Bezirkskonimaiido der groben Lüge be- zichiigte und behauptete, daß die Behörden ihm nur langsam verhungern lassen wollen. Wenn der Staat be- Haupte, daß er(Petent)»och eriverbssähig sei, so möge der Staat ihm auch Arbeit geben, denn ein Privatmann gebe ihm keine Beschäftigung. Wegen der gegen das Bezirkskomiiiaiido gerichteten Aeußeriingen wurde gegen Vallentin Anklage wegen Bcleitigintg erhoben. Er entschnltigte sich im Terini» mit seiner erbitterten Stiniuning. Wenn der Gerichtshof auch geneigt war, dies als Mildernngsgrund anziirechiien, so wurde doch nach dem Aiilrage des Staatsanwalts auf eine Gesängnißstrafe von 10 Tage» erkannt. Wegen MajestätSbeleidi'gnng und Bedrohung wurde der Schneider Josef Zierer am 20. März 1395 von, Landgericht Nürnberg zu 2 Monaten und 1 Tag Gefängniß vernrtheilt. Er legte gegen das Urlheil Revision ein und rügte unzu- lässige Beschränkung der Vertheidigmig. indem zwei von ihm be- nannte Zeuge» als niierheblich abgelehnt worden seien. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Angeklagten. VersANtmlungen. Die Freie Vereinigung der Graveure und Ziseleure hielt am 20. Sliigust ihre ordentliche Versammlung ab, in welcher Genosse Pöisch über„den Nutzen und die Bedeutung der Or- ganisation" sprach; der Vortrag wurde sehr beifällig aufgenoniuien. Im Geschäftlichen berichtete Kollege Krause über das Fehlen verschiedener Bücher ans der Vereinsbibliothek. Die Versammelten ehrten in üblicher Weise das Andenken unseres verstorbenen Vor- käinpfers Friedrich Engels. Der Vorsitzende gab bekannt, daß in der nächsten Versainnilnng ei» Vortrag über„die neuesten Errungeiischaften der Astronomie" stattfindet. Verband der in HolzbearbeitnngS-Fabrikeu»nd auf Holzplätzc» beschäftigten Arbeiter Deutschlands. Tie Filiale II Berlin- Nord ehrte am 20 d. M. das Andenken Friedrich Engels, nahiii dann mit Beifall einen Vortrag des Gcnosseii Wagner über:„Volksbildung und Volkserziehung" ent- gegen. Die Abrechnung des Danipservergnügens ergab einen Ueverschuß von 22,80 Mark. Ten streikeiiden Kisieninachern wurden 20 Mark bewilligt. Das Stiftungsfest findet am 12. Oktober statt. Der deutsche Holzarbeiter-Verband(Zahlstelle Berlin, Bezirk Osten) hielt am Sonntag, dcn 25. August, seine lebte Miiglieder-Versammlung in Niest's kleinem Saal in der Weder- Hvape ob. Kollege Engmann eröffnete die Versammlung und begründete den Antrag Ahrends betreffend Umgestaltung des Arbeltsnachweises. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Skierits, Bertram, Engmann, Vogelgesang, Suis, Lore, Dulitz, Schölisch und Siebert. Sämmtliche Redner waren gegen das Weiterbestehen der jetzigen Form des Arbeitsnachweises. Kollege Dulitz wünscht die Errichtung von Arbcitsnachiveisen in vler Stadttheilen unter der Kontrolle der Kollegen, wie es heute die Möbelpolirer haben. Diese Form lierursache viel weniger Kosten, und dabei werde gut gearbeitet. Kollege Siebert ist mit dieicr Anregung auch einverstanden. Er verspricht sich jedoch von der Umgestaltung des Arbeitsnachweises nicht viel. sondern wünscht einen städtischen Arbeitsnachweis, in dein jeder Beruf vertreten ist und wo die Verinittelung der Stellen unentgeltlich geschehen soll. Bios an diesen würden sich die Unter- vehmer wenden. Kollege Engmann verlas hierauf einen Antrag des Kollegen Schäfer, welcher lautet: Die heute rn Nreft's Festsälen tagende Vezirksversamnilung empfiehlt, daß der Arbeitsnachweis derartig umgestaltet wird, daß rn� vier Stadttheilen je eine Vermittelungsstelle eingerichtet wird, er bittet, den Antrag der Generalversammlung zu über- weisen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Da der Kollege Dulitz Umstände halber gezwungen ist, seinen Posten als Bibliothekar niederzulegen, wurde an seiner Stelle Kollege Vogel- gesang gewählt. Eine von dem Bevollmächtigte» der Filiale Verlin ein berufene Schneider- und Schneiderinnen- v e r s a m m l n n g. die am LS. August bei Cohn in der Beuth- slraße staltfand, beschäftigte sich mit den sanitären Zuständen in der Hausindustrie und mit der Aufgabe, die der Gewerkschaft hierdurch erwächst. Der Referent, Kollege T i m m, gab hierzu eine kurze Darstellung der wiederholt in der Presse und in Ver- saminlungen gerügten, vielfach geradezu verwahrlosten hygienischen Zustände in der Hausindustrie; er betrachtete es als Hauptaufgabe, die öffentliche Meinung im weitesten Maße hierfür zn interessircn, und erklärte, daß auch ärztliche Autoritäten ihre Bethätignng zugesagt haben bei der Untersuchung der sanitären Zustände in der Hansindustrie. Zum Zwecke genauer Erhebungen auf diesem Gebiet sei von der Fünfer-Konimission in Gemeinschaft mit der Agitalionskommission ein Fragebogen formulirt, der den Kollegen und Kolleginnen zur gewissenhaften Ausfüllung zugestellt wird, und prompt an den Kollegen Zander, Schützenstr. 18,-lS, Arbeitsnachweis und Auskunstsbureau der Schneider und Schneiderinnen Verlins, abzuliefern ist. Der Vorsitzende bespricht darauf die einzelnen Fragen resp. deren zweckmäßigste Beantwortungsweise und thcilt zum Schluß mit, daß sich ein Kontrollkomitee aus dem Verbände heraus gebildet habe, welchem die Aufgabe zusteht, über die Richtigkeit der Ausfüllung der Fragebogen zu wachen, und die sich als nothwcndig herausstellenden Nachkontrollen vor- zunehmen. Genosse H e y m a n n betont die Wichtigkeit dieser Fragebogenagitation für die gesammte Hausindustrie. Er kon- statirt die Gcmeingefährlichkeit der hansindustriellcn Herstellung der Bekleidungsgegenstände durch ein Beispiel, nach welchem im vorigen Jahre die Blattern Eingang in den Vereinigten Staaten gefunden haben. Damals grassirten die Blattern in Chikago und sind von hier aus durch die in der Hausindustrie hergestellten Bekleidungsstücke, die oft in engste Berührung mit Blattern- kranke gekommen sind, überall hin verschleppt worden. Der Nachweis der Gesundheitsgefährlichkeit der Hausindustrie sei für die Allgemeinheit von größter Bedeutung und soll durch das ail§_ den vorliegenden Fragebogen sich ergebende Material geführt werden. Die Meinung des Redners ging dahin, daß es in Berlin keine Werkstatt oder HauSindustricbude gebe, die auch nur annähernd den gesundheitlichen Ansprüchen nachkommt; er mahnt ebenfalls, keine Mühe zu scheuen, um die Erhebungen recht umfangreich zu gestalten, wodurch ein über- wältigeudes Anklagematcrial zu schaffen sei, welches die Regie- rnng zu energischem Eingreifen zu veranlassen hat. Konseklions- schneider K u l l i k, Anhänger der lokalen Richtung, erkennt eben- falls die Bedeutung der Fragebogen-Agitation an und giebt noch einige Anregungen bezüglich der Zibliescrungsräume. Hier- aus erfolgt die Bekanntgabe der Abrechnung voni zweiten Quartal durch Kassirer Timm. Die Einnahmen inkl. Bestand betrugen 788,45 M., die Ausgaben, einschließlich 550,— M., die an die Hauptkasse gesandt wurden, 779,— M., sodaß ein Bestand von 9,45 M. sich am Orte befindet. Die Lokalkasse vom zweiten Quartal weist nebst Bestand vom vorigen Quartal und den am Orte für örtliche Agitation zurückbehaltenen 30 Prozent eine Gesammteinnahme von 443, SO M. auf, der eine Gesammt- ausgäbe von 338,91 M. gegenübersteht; somit ist ein Bestand von 104,09 M. zn verzeichnen. Nach von den Revisoren be- antragter Tcchargecrtheilnng erfolgte die Bekanntgabe der Werkstaltdelegirten- Sitzung für 5inabenkonfektion, die am Donnerstag, den 29. August, bei Wiedemanu, Blumenstraße 38, stattsiudct. In der Malerbersaiumlung vom 27. August erstattete Link seinen Rechenschaftsbericht als Vertrauensmann. Vereinnahmt wurden 449,40 M. und verausgabt 401,34 M. Mit dtin alten Bestände von 1021,89 M. beträgt der gegenwärtige Kassenbcstand nunmehr 1009,95 M. Die Revisoren beantragten die Erlheilung der Decharge und die Versammlung stimmte dem zu. Da Link eine Wiederwahl bestimmt ablehnte, so wurde Tornow als Vertrauensmann der Berliner Maler gewählt. Revisoren für dessen Amtsperiode sind Daus, Link und G e h r i ck e. Der Referent für den folgenden Punkt der Tages- ordnung-Welche Forderungen sind im nächsten Jahre aufzustellen? erläliterte, daß anläßlich der Ge- werbe-Ansstellung die Arbeitsverhältnisse sich auch in der Branche günstiger gestalten würden; es wäre dann möglich, Forderungen, für welche die Maler schon lange eingetreten sind, geregelte Ar- beitszeit, Abschaffung der Ucbcrslunden und der Nachtarbeit, und Festsetzung eines Mindestlohncs, dnrchzubringen. Vor allen Dingen bedürfe es dazu einer planmäßigen Vorbereitung und einer gestillten Kasse. Diesen Ausführungen Linl's traten die Redner in der Diskussion in ihrer Mehrheit bei. An der Debatte belheiligten sich, zum theil wiederholt, Kube, Wenzel, W e n t k e r und Fleischer. Zu einem Beschluß kam es nicht. Es wurde ein Antrag von der Versammlung akzeptirt, daß eine neue Versammlung dieselbe Frage weiter behandeln soll.— Wenlker kam auf den Leipziger Streik zu sprechen und forderte zur Fernhaltung des Zuzuges auf. Auf den Vorschlag von Link erklärten sich die Anwesenden damit einverstanden, daß 30 M. als Ausdruck der Solidarität den Essener Verurtheilteu übermittelt werden. Schriftgicster. Neber ihren Faktor saßen die Schriftgießer der Wöllmer'schen Schriftgießerei am Dienstag Nachmittag bei Zubcil, Lindenstr. 100, zu Gericht. Im Mai d. I. erkrankte die Arbeiterin Frau Krause und wurde von Dr. Wille in seiner Klinik Friedrichstr. 238 operirt. Die Frau wurde zwar gesund, doch wurde ihr von dem Doktor verboten, schwer zu heben oder gar zu tragen. Der Faktor Herr Mohr von der Wöllmer'schen Schriftgießerei ließ anfangs ds. Mts. Frau K. zu sich kommen, um sie zu fragen, ob sie bald wieder anfange zu arbeiten. Die 5k. machte ihn nun mit dem Verbot des Doktors bekannt. Herr Mohr sagte:„Tragen brauchen Sie nicht, dazu habe ich andere." Unter dieser Bedingung nahm die S. am Montag den 12. d. M. ihre Arbeit wieder auf. Am Tonnerstag den 22. d. M. halte Frau K. trotzdem, daß sie nicht tragen sollte, doch 7 von 10 Kolumnen nach dem Lager getragen. Herr Mohr verlangle nun, daß sie auch noch die drei übrig gebliebenen runter tragen sollte. Dieses zu thnn weigerte sich Frau K. Herr Mohr entließ sie, indem er ihr sagte:„Wenn Sic nicht tragen können, dann scheeren Sie sich zu Hanse." Die Versammelten hielten diese Handlungsweise für eine Rücksichtslosigkeit sondergleichen. Von der Vorstellung bei dem Chef wurde Abstand genommen, weil Frau Krause erklärte, dort nicht inehr arbeiten zu wolle». Tie graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen(Litho graphen, Steindrucker, Lichtdrucker, Präger, Prigerinnen und Verufsgenosse») hielten ani 23. August bei Boltz eine öffentliche Versammlung ab, in welcher die Mißstände im Beruf und die Differenzen in der Lnxnspapierfabrik von Priester u. Eick, wie auch in der Lichtdruckerei von Dr. Mertens zur Erörterung standen. Der Referent S ch v p k e bezeichnete die Lage der Arbeiter im Gewerbe als eine überaus traurige. In keiner Anstalt seien die Verhältnisse zufriedenstellende. Was die Arbeiter am meisten drücke, seien die Ueberstunden, die gemacht werden, ebenso die Aklordarbeit, die Behandlung w. Die Differenzen bei Priester u.Eick betreffen das Bestreben dieser Fabrik bezw. des Herrn Direktors, die Präger durch Prägerinnen zu ersetzen. Der Gipfelpunkt der Ueberstunden- arbeit sei bei der Firma Dr. Mertens erreicht. Daselbst gingen die Maschinen bereits Tag und Nacht. Ein Wechsel der Nacht schichten, wie das Gesetz vorschreibe, finde nicht statt. Alle diese und andere Mißstände zn beseitigen, hätten die Arbeiter und Arbeiterinnen das größte Interesse und könne dies nur ge schehen durch Organisation. In der Diskussion wurden die Verhältnisse von Priester n. Eick noch näher erörtert. Es wurde bestätigt, daß systematisch die Präger durch Prägerinnen ersetzt und die Präger nur noch zur Nachtschicht benutzt werden sollen. Wie festgestellt wurde, arbeiten die Prägerinnen bedeutend billiger als die Präger. Letztere verdienen durchschnittlich 17—18 M., die Prägerinnen höchstens 9—10 M. pro Woche. Die Versammlung hatte darüber zn entscheiden, ob sie ein Vor gehen der Präger bei der Firma Priester u. Eick gutheißen wolle oder nicht. Es handelte sich um die Absicht der Präger, am nächsten Morgen die Arbeit einzustellen. Mit einer einzigen Ausnahme haben sich, wie mitgetheill wurde, die Prägerinnen mit den Prägern solidarisch erklärt insofern, daß die Prägerinnen für gleiche Arbeit gleichen Lohn wie die Präger zu fordern haben, da die weibliche Arbeit an sich nichl zu verurtheilen sei. Wie ausdrücklich hervor gehoben wurde, besteht auch bei Priester u. Eick ungesetzlicher- weise— neben anderem— noch ein gemeinsamer Ankleideraum für Arbeiter und Arbeiterinnen. Nach gründlicher Erörterung der Angelegenheit beschloß die Versammlung, die Präger der Firma Priester u. Eick in ihrem Vorgehen gegen die indirekte Lohnreduktion und Maßregelung moralisch und pekuniär zu unter- stützen. Gewählt wurde aus der Versammlung heraus eine vier- gliedrige Kommission, welche mit den Inhabern der Firma unter- handeln soll. Dieselbe wird in einer denmächstigen Versammlung Bericht erstatten. lieber die Firma Dr. Mertens in Charlottenburg wurde ebenfalls längere Zeit dcbatlirt. Von dort beschäftigten Ar- beitern wurden die Verhältnisse klargelegt und konstatirten die Arbeiter, daß die Verhältnisse keineswegs so schlechte seien, wie der Referent sie geschildert. Zur völligen Klarstellung der Auge- lcgenheit soll eine Versammlung speziell von Lichtdrnckern statt- finden und war die Angelegenheit damit für die Versammlung erledigt. Im weiteren erstattete der internationale Vertrauensmann S ch ö p k e Bericht, in welchem er die Bedeutung und die Vor- theile der internationalen Beziehungen klarlegte, worin ihn S i l l i e r unterstützte. Als internationaler Vertrauensmann wurde S ch ö p k e wiedergewählt. Ter Arbeiter-Rancherbnud Berlins nnb Umgegend hielt seine zweite Sitzung im Restaurant von Gorn, Kl. Markus- slraße 10, ab. Ter Kassenbericht ergab einen Gesammtbestand von 73,80 M. Zur Ausnahme meldeten sich vier Klubs, wovon drei anfgenominen wurden und die Alifnahme des vierten vertagt wurde; zur Abhaltung eines Gründungsfestes wurde der Saal der Brauerei Friedrichshain für den 10. November gemiethet und ein Komilee von 10 Mitgliedern gewählt, das das weitere arrangircn soll. Ans Anregung verschiedener Mitglieder wurde das Organ des Herrn Rosenhain,„Die Raucherzeitung", ver- worfen und der Schriftführer beauftragt, die nächsten Berichte dem„Vorwärts" einzusenden. Es wurde ferner folgender Be- schluß gefaßt: Um Unnchmlichkeiten zu vermeiden, können Rauch- briider eingeführt werden, jedoch sollen dieselben nicht Rede- freiheit genießen. Die Bestimmung des Delegirtenlokales wurde dem Vorstand überlassen. Charlottenburg. Der sozialdenwkralische Wahlverein für Teltow-Beeskow-Storkoim Charlottenburg hielt am 28. August im Lokal„Bismarckshöhe" eine Mitglieder-Versammlung ab. Das Andenken an Friedrich Engels und an das verstorbene Mit- glicd August H a r l f i e l(Maurer) wurde in der üblichen Weise geehrt und hierauf die Miltheilnng des Vorsitzenden ent- gegen genommen, daß die diesjährigen Stadtverordncteinvahlen für Charlottenburg am 18. November stattfinden. Sobald der Rusergche, sollen sich die Genoffen zurFlugblattverbreitung einfinden. Die von Scharrnberg verlesene Abrechnung der letzten Kommunal- mahl wies eine Einnahme von 443,90 M. und eine Ausgabe von 433,42 M. ans. Die Listen 13 und 42 der Hauptwnhl und 13 und 14 der Nachwahl stehen noch ans. Revisor Rellin be- stätigte die Richtigkeit der Rechnungslegung. Die Abrechnung für das 2. Quartal ergab mit dem Bestand des vorigen Quartals (69,00 M.) eine Gesammteinnahme im Betrage von 257 M., eine Gesammtausgabe von 184,40 M.. somit verblieb ein Bestand von 72,00 M. Dem Kassirer Schnell wurde ebenfalls Techarge ertheilt. Alsdann wurde in eine Besprechung der bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen eingetreten, als deren Resultat der Beschluß hervorging, die Leitung der Wahl- geschäfte dem Vor stände des Wahlvereins zu überlassen. Dem Vorstande wurde gleichzeitig aufgegeben. innerhalb 14 Tagen eine öffentliche Kommuxalwähler- Versamui- lnng einzubernsen, in der eventuell bereits die Kandidaten nominirt werden sollen. An stelle von Nie mann, der sein Amt als Abtheilungssührcr im 0. Kommnnal-Wahlbezirk niedergelegt hat, wurde Gastwirth Meißner, Schlüterstr. 9, gewählt. Die Arrangements zu dem in der ersten Hälfte des November stattfindenden Stiftungsfeste wurden einein siebcngliederigen Komitee übertragen, dem folgende Genossen angehören: R. Görke, Sasse, Rohr, Kaiser, S i e g e r i st, R e t t g e r und Rohr. Pol«». Sonnall end, den 31.«uguN, abend? 3� m>r: Oesseulliche Ver- saiinnlung im Louiseniiädlische» jiou»e>thaus, Airs Jakobftr. 37. Tagss- ordnung: Vortrag über Lassalle'S Lebe» unb Wirken. Auch Fr» en haben Aulritt. Arb«iker--Kildn»o«k>Il»I». Frcilaa, Abend? von 7r-«?li Uhr: Lcktüre. S?;- 10>; Ubr: Nord-Sch»le, Miillerfrr. 179»; Ecschichte des I». Jahr- hundcri?, speziell: Tie Revolution de? JahreZ jsjs. Enlwilkclung des Sozialismus und der polililchen Parteien Deutschlands. S U d o st- S ch u l e Waldcinarfir. u; Deutsch(Literatur.) Bei allen Nnterrichlssachern werden neue Thcilnehmer, Damen und Herren, jederzeit aufgenommen. Kcrliiur»»> Sryriibnißnirrin für Friinr»»»d Ntüdch»!. Nene Atitglicker werde» jederzetl in folgende» Zablstcllen, sowie bei de» Vorsiandsmitalicdern aufgenomme»: Frau Stolle, L., Oranienstr. 176, 2 Tr.; Frau V e r a e r, NO., Mapniannfnave Str. 36, 2 Dr.: Frau W aschau, N.. CichendorFstr. 2, 3 Tr.: Frau Fe hl au er, 80.. Dresdenerflr. t3, Hof 2 Tr.: Frau Heinrich, 8rv., iSitschinerftr. 2, Keller: Frl. S ch l t ch l i n g, N., Prinz Eugenstr.>, 4 Tr.: Frau N ie cle, SO., Wrongelur. 72, 2 Tr.: Frl. Schulz, N., Arnnneu- ftraße 172, a Tr.; Frau Sachse, O., Kopperrstr. 67, Keller; O. Fischer, Vorsihendcr, N., Parrknraße 21, t Tr.: tt. Werlach, Kassirer, SQ., Mariannen-Ufer 6, Hof park. ieft- nni> Hiollritirlilnb..Mesteir". Jeden Freitag, abends 32 Uhr, bei Hermann Werner, BUlowftr. M. Krt>»it»r- Ki>»yi,i»»>i> Herli»» und Zsmgegrud. Vorsitzender Ad. Rcuniann, Pafewallerftrotze 3.— Alle Aenderunge» im Vereins- kalender sind zu richlc» a» Fried, iior»»», Manrcuffcislr.»», v. 2 Dr. Zrritag. Uebungssiunde Abends s— 11 ubr. Aufnahme von Mitgliedern. Wo llegia, Adalbertsir. 2> bei Roll.— Kaiser' scher M ä» n e r ch 0 r, Schönhauser Allee 28, bei Kelle.— Arbeiler-Eesangverein Nord, Kastanien- Allee Ii, bei Augustin.— B u ch b i n d e r- M u n» 0 r ch 0 r. Holzmaritfrr. 3, bei Derer.— Wesangrcr. M ai g l öchch en I.Lindowerstr. 26 b.ISachs.— W e m U r h l i ch k eil, Nene Friedrichstrabe 4«, bei Rollig.— Tvxographia, Wesangvereiu Berliner Buchdrucker und Schriftgieber, Cohn's Restaurant(grober Saal). Bcutlistr. 2v.— Wesangvereln L or b e e r z w e i g. Swtncmündcrstrabe 36 bei HUbner.— Wcfangverein Nhetngold, Wollnowstr. so bei Miegel.— Wesangvereiu Me lodia, Ripdorf, Berastr. 142 bei Echimkäse.— Jrik- Raunnnstrabe 66 bei Fritz Zndeil.— V r a n d e n b» r g er Männer- Gesa» g v e r e i n in Brandenburg a. H., Mengeris Volksgarten, Bergstraße.— Wesangvereln Freva U(gemischler Whor), Ripdorf, Heimannstr. 140, bei Daniel Böttcher.— Freie Liederiaiel, Wr. Franlsurlerstr. 74 bei Breuer.— R v r d w a ch t, Chausseeslr. 72 bel Meißner. FreieSänger, Echmargestdorf. Warn-mNnderstraßs be! M. Schulze.- Aibeiler- Gesanaverein Sängerlreis(Meißensee). Weitzenburger. straße und Sedanstratzen-Ecke bei Brennert.- Loreley, Grün- thalerstraße t bei Hämmerling.- L u st i g e S ä n g e r. Potsdam.Brau- denburger Kommunilatton is bei Glaser.— Bieber s ch e r M ä n n e r- ch or, Rosenlhalerstr. 57 bei Wernau.- E e se lli gl eil, Hennigsdorf. Böhmert's Easibaus.- Oranke, Weißensee, Kvnigschaustee 41 b.t Frense.— Gesangverein Vereinte Sangesbruder, Moabit, Perlebergerstraße 2s bei H-rmerschmidl.- Eäng-rverein Sargen- frei, Admiralstraße>3 c. Märkischer Hof.— Sa n g e s s r eund. Dragonerstr. 32 bei KamlowSky.— Gesangverein Wacht aus I, Worther- straße is bei Schmidt.- Gesangverein S tral a u er L i eder läse I. Rummelsburg, Hauplstr. 33 bei Bowinlel.— Wesaiigverein Treu und Einigle it, Ripdorf, Prinz Handjertzstraße Nr. 68 bei Reden.- Gesangverein Frohsinn. Nummelsburg, Gothestraße, Ecke Kantstraße, bei Mertens.— G e s a n g v e r e i n d e r M e t a I l a r b e t t e r(Ott), �öii.ienstr. 46. - Morgenroth 2, Charlottenburg. Bismarckstr. 74 bsi Kiause— Rosenlhaler Vorstadt, Bernanerstr. 47.- Sfo h-H o f f> un g (Berlin W.), Grunewaldftraß- 110 bei Keßner.- Braoerschaft. Alle Jalobslr. 37-33 bei Lamprecht.— ffd« thettS»locken. Worther- straße bei Buchholz.- Rosalia, Blnmenstr. 46 bei Tomatscheck.— S n r e Ii e, Rosenthalerstr. 57 bei Julius Wernau.-- Eintracht Ul, EberSwalde, Freisnwalderstr. bei Weber. � ,,. �. Kund der grlelligrn Apbeitorvereiii« Kerl,»« und Zlt>ig«a«»d. Alle Zuschriften stnd zu senden an P. W ent, Adalbertstr. l>S. Lreitag: Slalllub Kairo, Abends 3 Uhr bei Fr. Boche. Rcflaurateur, Nitterstr. 82. — Mustkverein Hossnung, Wroße Franlsurlerstr. 133 bei Wold. «esang-,«»i»->i»d grsellige Uerein». Freitag. QuartsttvereiN Wedding, AbendS 8� Uhr. bei Schäfer, Neue Hochstrabs 49'- W-sang- verein H i l a r i a, abends sli Uhr, Sitzung Blumenstr. 46 bei Tomafcheck. — Karlhaus'scher Gefangverein. Uebungssiunde! abends 9 Uhr bei Wiedemann. Blumenstr. 33.- Ziiherklub„A l p e n g r u ß"(Direktion A. Wollcwitz), bei C. Gomoll, Waldcniarstr. 58, abends 9 Uhr.— Privat- Thealervsrein Crescendo, 9 Uhr, bei Schulz, Puibuserstr. 33.— Ver- gnüaungsverein Thusnelda, abends 3js Uhr, bei Zubeil, Lindenstr. 106. — Mustkverein Hoffnung(Ost), abends von 9-11 Uhr. Uebungsstunde Grobe Franksurlerstraße>33 bei Gold.— Tambourverein Fret-weg, Uebungsstunde bei W. Raddatz, Elsasserftr. li.— Zicherllub Waldrose. abends 9 Uhr, Manleusselstr. es, Parierrc-Restaurant.— Verein Grüne Tanne, abends 9 Uhr, bei Kaiser. Marlusstraße 3.- VergnUgungsvereiN Im Brand, Sitzung abends 9 Uhr bei Feind, Weinstr. ll.- Gesang- verein der B a u a n s ch l ä g e r Berlins, abends 9 Uhr bei I. Wernau, Rosenchalerstr. 67.— Ziiherklub Frohsinn, abends sss Uhr bei Reich, Blumenstr. 32. Gäste willkominen. Turnverein Fichte. 2. Männerabcheilung turnt Diemtag und Freilag abends von s— 10 Uhr tu der Turnhalle Elalltzerstraße 66-57. 4. Männerabcheilung turnt Dienstag und Freitag abends von 3ss bis Ols Uhr in der Turnhalle, Etefanftraßs 3. 6.'Männerabcheilung turnt Dienstag und Freilag abends von 3—10 Uhr in der Turnhalle, Mariannen- User 19.— I. LchrltngSabcheilung turnt Dienstag und Freitag abends von 3—io Uhr, tu der Turnhalle, Friedcnstr. 23.— 3. Lehrlingsabtheilung turnt Dienstag und Freitag abends von 3— lv Uhr, tu der Turnhalle, Boeckhstraße 21—22.— Turnverein Gesundbrunnen die erpe Männer-Abtbeilung turnt heule Abend von e%—io% Uhr in der Turn- Halle des Lesling-CyinnastuniS, Pankstr. 9—10.— Kraft- und Artisten- llub Berolina jeden DUnsta» und Freitag UebungSstnnds bei Srnßner, Waldemarstr. 42.— Turnverein Fichte(Milgited des Ardeiier-Turnerbundes Teulschlands.) Die zweite Männer-Abtheilung turnt jeden Dienstag und Freilag Abends von 3— io Uhr in der Skalitzerstr.{5/60.— Krast-DuruvereiN Hossnung, abends von 9— II Uhr bei Nowak, Manteusselftraße 9. S ka I tlu b Schnitt, abends 9 Uhr, bei Trittclwitz, Faltenstetnstr. 7. - Tavzlchrer-Verein Soltdarität, im Restaur. Grauer, Oranienstr. l2l. Uebungssiunde und Sitzung. Itnzrlt»!» vlnl» SIi»kosi»ci»rc. Meeting every Friday»i 9 p. ra. ai Leherns Restaurant, Königsir. 62. Leeturer Mr. j. Blocli. Guests are welcome. Club Uncle(Sntn. 9 o'clock p. IN. MuMStr. 17. Wasliiugton's birlh day celebrastoa. Guests welcome. Vevmifchkv-s. Eilte schlimme Fuhrt Hnlten die Landsberger, Küstriner und Lausitzer Turner, welche sich am Sonnabend von Küstrin ans mittels Dampfer zu dem Kreisturnfest in Schwedt begaben. Es waren etwa 200 Turner, welche die Passagiere des Dampfers ausmachteu. Das furchtbare orkanartige Unwetter brachte das Schiff wiederholt fast zum Kentern. Die hochschlagenden Wellen zerbrachen die Schaufeln eines Rades, so daß unterwegs die Havarie ausgebessert werden mußte. Dazu strömte unablässig über L'/s Stunden ein Regenguß herab. In den Kabinen konnten nicht alle Turner Platz finden, und so wurden die auf dem Verdeck befindlichen bis auf die Haut durchnäßt. Mit vier Stunden Verspätung— statt um 5 Uhr nachmittags um 9 Uhr abends— langte der Dampfer erst in Schwedt a», nachdem unterwegs noch ein zweiter längerer Aufenthalt durch die Gefahr eines Schiffszusammeustoßes entstauben war. Der Sturm hatte nämlich einen großen Oderkahn mit furchtbarer Gewalt quer vor den Dampfer geworfen, und nur der umsichtige» Führung des letzteren ist es zu verdanken, daß ein größeres Unglück vermieden worden ist.__ Eingckanfcne Druckschriftett. Nuter dieser Rubrik zeigen wir sämmtliche der Redaktion zugehende literarische Neuigkeiten an. Wir bitten unsere Leser die Nennung der Schriften nicht als Empfehlung der Redaktion, sondern lediglich als Smpfanasbssiäiigung aufzusafsen. Bios über disjenißen Erfchsinungsn, welche im Interesse unserer Leser oder aus politischen Gründen besprachen werden müssen, verössenilichen wir, joweii dies der Raum unseres Blaues zuläßt, Kritilen. Genügt einer Verlags- buckihaudlung die Anführung der Uberfandien Rezenflonsepemplare in dieser Rubrik nicht, so bitten wir von der Zusendung der Neuerscheinungen deS Ver- läge« absehen zu wollen. Der Soiiaidemolivat. Zentral-Wocheublatt der sozialdemorralischen Partei TeuischlaudS(Eppediiion in Berlin S1V., Beulhstraße 8). Inhalt der Nr. 36: Wochenschau.— Nochmals zur Abwehr.— Bürgerliche Preßstimmen über das Essener Urtheil.— Tie Internationale «voperaiiv-Konserenz.— Zum Rgrarprogramm.— Die Sitllichtelt aus dem Lande.— Parteinachrtchtcn.— Todtenliste..„ Soziale Bilder aus Belgien.— Giebt es wirklich so viel„Landwirthe In Deutschland?— Arbeilerorganisalionen.— Arbellerschutz.— Wie man uns behandelt.— Literarisches. Bon der.,p«ur» Zeil"(SluNgart, I. H. W. Dtetz' Verlag) ist soeben das 48. Hefl des 13. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Zum Sedantage.— Zur Frage der Konturreuzfähigkett des land- wirthschasltichen Kleinbetriebs. Bon Dr. Eduard David.— Ueber Ludwig Anzengruber.(Fortsetzung.)— Feuilleton: Germinie Laeerteup. Bon Ediiiond und JuleS de Koncourt. Einzig auioristrle Uebersetzung von Emma Adler.(Fortsetzung.)..„„ ,,U«iic llcwiie". Die Wochenschrift für Politik, Wissenschasl, Kunst und öffenliiches Leben„Nene Revue" verössenllicht in Heft Nr. 36(VI. Jahrg.) vom 23. August 1396 folgende Aussätze: S. Richard! Uebervölkerung: L. Turbacki: Die ruthenischen Parteien in Galizien: F. M. Fels: Shakespeare oder Bacon? I. Pap: Zur Aejihetik der moderne» Malerei: Rachilde: Der Panther: Minialurbilver aus der Zeit. Die..Sosiale Zentralblatt für Soiialpolitik«. Nr. 43 ent- hält u. a.: Ter Meineidsprozcb tn Essen.— Freie Hochschule für wirih- schnslliche und polnische Wissenschafien.— Arbeiterschutz in städtischen Sub- inissjonsbedingungen.— Elektrische Straßenbeleuchiung in württem- bergischen Kleinstädten.— Städtische Arbeitsnachweis-Stellen.— All- gemeiner französischer GewerkschasiSlongreß.— Kongreß der füd- und initleldeuisehen �äckergehiisen.— Streiks tn Oesterreich.— Aus dem Sparkassenwesen im Jahre 1894. Bon Dr. Hans Crüger.— Dezentralisation der Armen pstege in Chemnitz.— Staatliche Aussicht Uber Ktndererziehnng in Dänemark.— Lehrervereine über Kinderarbeit.— Zentralverband der deulsch-österreichischen Voltsbildiings-Bereine. Von der Wiener Wochenschrift ,.z>i» Zeit" ist soeben das 47. Heft erschienen. Ans dem Inhalt desteldeü heben wir hervor: Kraftproben. Bon K.— Das bürgerliche Gesetzbuch Deulschlands und die polltischen Parteien. Von Dr. Lutwig Fuld.— Die Aenderungen unserer WirlhschaslSverfassung im 19. Jahrhundert. Bon Prof. Dr. v. Philtppovich.— Die Kohlenhausse. Fioanzieller Brief aus Deutschland. Von E. v. H.— Krebs und Hnlrtgue von Prof. Dr. Adainltcwiccz. Von Dr. Berihold Beer.— Vom Einflüsse der fremden Schulen auf die französische Malerei. Bon Camille Mauclair. - Leo Toilstoi's letzte Werke. Von Dr. V. Minze«.— Kritisches. Bon Rudolph Lothar.— Schweine. Won Hermann Bahr.— Die Woche.— Bücher.- Revue der Revuen.— Der Mondreigen von Schlassaris. Bon Ricarda Such.— Ich sehe—. Bon Viggo Siuckenberg. Soeben erschien im Berlage von W ö r l e in u. Comp, in Nürnberg der Deutsch» Kaudw«rlirr»»»d Arbritir-zlatiz-Kalund«» pro 1896. Ter wirklich reichhaltig ausgestattete, elegani und sehr dauerhaft— besser wie bisher— gebundene Kalender hat solgenden Inhalt! Kalendarium mit den protestantischen und latholilchen Namenstagen. Gcschlchts-Kalender. Die Unfallversicherung für Arbeiter im Deutschen Reich. Bon Dr. Map Quarck. Die wichllgsten Borschristen über den Militärdienst. Militär- ausgaben des Teulschen Reiches seil 1372. Stand der Reichsschulden seit 1370. Verzinsung der Reichsschulden seit 1374. Pöst-Taris(für den inneren Verkehr Teutschlands»nd das Ausland). Bergletchende Tabelle ver- sckiiedener Geschwindigkeiten. Gewichte der deutschen Reichsmünzen. Ve- rechnung des Arbeitslohnes für Löhne von 12—60 Pf. von sj— U Stunden. Meleiinah in Fuß, Zoll?c. der verschiedene» Länder. Fuß-, Zoll-, Flächen- und Kiibtlmaße verschiedener Länder angegeben tn Metermaß. Gewichte. Einnahme- und Ausgabe-Tabellen. Ztnsberechmings-Tabellen. Multipli- talions-Tabelle. Münzwesen. Gesetz wegen Abänderung des Gesetzes betr. die Gründung und Beiwallung des Reichs-Jnvalsdenfonds. Erste Hilfe bei Unglücksfällen. Zetlvergleichung. Adressen der Berbandsvorstände der gewerkschafttichen Zentralverbände und der Zahlstellen der durch Ver- lrauensinänner zentrallsirten Organisationen. Berschiedenes und Notiz- lalender. Die Verlagsfirma hat für den Kalender den sehr billigen Preis von 60 Pfennig festgesetzt. Die Ausgabe von zwei Qualitäten ist unter- blieben und erscheint nur diese eine Ausgabe. Wir tönnen den Pariei- genossen die Anschassung des Kalenders, welcher durch unsere Eppeaitlo», alle Bochhandlnngcu und Kolporteuie bezogen werdju kauu, aus de.S Wärmste empfehlen. KozwldemokratL scher Wahlverein fnr den 4. Kerl. Keichstags-Wahlkreis. Sonntag, Sen l. Sextemver 1395: Z.NSNK�S-- btsithtilh in Koka!- n. Instrumental-Konzert ilil Lokiile„LAllssolll:!", Kottbchch. 4». Gesangs-Aufführungen von Mitgliedern des Arbeiter- Sängerbnndes Berlins nnd Umgegend. iM- Deklamatorische Vorträge. gehalten vom Reichstags- Abgeordneten August Bebel. Nach Beendigung des Programms: l'an-. Herren,»Deiche daran Theil nehmen, zahlen 30 Pf. nach. Eiulalzliavte»» ä 20 pf. Anfang 4 Uhr. Einlaßkarten sind bei den Mitgliedern und in allen inil Plakaten belegten Handlungen zu haben._ 242/5* ! Wdßf Hofen! Sonnabelld, beu 31. August 1895 in der Norddeutscheu Brauerei, Chausseestr. 58, uud im Marielibad, Badstr. 35136: Gr. Lassalle-F eier arrangirt vom MKereiv flr k\\ 6. Berliner NeWilgs-MWeis bestehend in Großem Vokal-«. InMmental-Koazert unter Mitwirkung von je 3 Gesaugvereinen. Aufführnug eines lebeudeu Bildes.— Ball. Eröffnung 2 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Billet 20 Pf. 246/11 Usi» Vorstand. Kassalle Feier w Köpenick. Sonnabend, den 3t. August, in, Fokale de» Herr» Klein (Stadt-Theater): T c» n z k r ei n; rl» o n. Da die wohllöbliche Polizeibehörde unser Festprogramm der Frauen wegen gekürzt hat, so beginnt der l'ans schon um 7 Uhr. Entree■ Damen 20 Pf., Herren 30 Pf.— Kindern ist der Zutritt nicht gestattet. 7/3 Oos rsst-Komitso des Sozialdemokraiisclieu Arbeiter• Vereins. Lassalle-Feier in Charloltenburg. Sonnabend, den 31. August, abends 8 Uhr, in„Bismarcks- höhc", Alilmersdorferstrastc 39; Grosse yoBksversammBung. -Tages-Ordnung: „Ferdinand Lassalle, sein Leben nnd Wirken für das deutsche Proletariat". Referent: Genosse 3. Timm. Nach der Versammlung: KemUtMiches Beisammensein. Gesangs-Vorträge. Darstellungen. □ÜT GroHev Tnnz. In Anbetracht der Bedeutung des Tages erivarten zahlreichen Besuch 202/13 Di» Drrtrancnsirnte. NB. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.-3*0_ RirilorL Wiersing's Salon. Rixdors. Sonntag', den 1. September 1895: Gr. B-assaBIs-Fsisr bestehend in Xon�ert u. komisebe» Vorträgen, unter Mitivirkung des Gesangvereins ,, Grüne Eiche"(M. d. A.-S.-B.) und der Gesellschaft Strzele«uik. IM- Die Musik wird von der Frsien Vereinigung der Zivil-Berufs- mnsiker ausgeführt. Lebende Bilder» Vindvv�Isnlrelzug» wozu ein jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält. Von 4 Uhr ab im Saale: Grosser BaBL Herren, welche daran theilnehme»», zahle» 30 Pf. nach. Antang 4 Uhr. Entree 20 Pf, 202/16 Die Dertraueireperfo». Reinickendorf"Schönholz. Sonntag, den 1. September, im Uestaurant Bagand» Schönhol? Knssalle- Feier. vroLLks Vokal' Mlä lustl'umeuia!- kontert, unter Mitivirkung der Gesangvereine„(Oranienburger Dorstadt" und ,. Weist- Dose"(M. d. A.-S.-B.)._ WM" Festrede.— Ball. Herren,»velche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Entree 20 Pf. Anfang 4 Ohr. Kinder frei. 222/8 Das Komitee. Permanente Zeitungs-AuvsteUnng. Eintritt 10 Pf. „Spiel u. Sport".„Sport im Bild"«„Sl. Hubertus".„Wassersport".„Rad- sahrhumor".„Sportwelt"»„Deutscher Sport".„Radwelt"»„Billard-Ztg." „Athleteu-Ztg.".„Waidwerk"»„Stahlrad" und„tausend" andere Zeitungen Lpifteimarlit in den Berliner Lesehallen Alexanderplatz. „Fonisenstadtisches Konzetthans" Alte Jakobstrafze Nr. 37 29S3b* empfiehlt den renovirte» Saal zur Abhaltung von Festlichkeiten und zu Versammlungen._ E. Lange. Ihrem lieben Wilhelm Erbe Wünschen heut' zum Wiegenfeste Seine Freunde alles Beste. Daß kein Trunk ihm je verderbe, Dafür sorgen seine Gäste, 2159b Trinken aus die letzten Reste. Emil Deich 2147b z. seinem Wiegenfeste e. donnerndes Hoch, daß die ganze Parochialgasse wackelt. Cooponicks Allen Parteigenossen zur Nachricht, daß das Mitglied des sozialdemokra- tischen Arbeitervereins Gustav Wolf am 23. August früh 5 Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonnabend 5�/2 Uhr vom Trauerhause, Nudower- straße 7, aus statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 7/4 Ter Vorstand. ! Bchtniig! MiiglittitrherDckkrlUikcilkiijse i>er IrcPltr imi) vermMn tztivttbe. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 3. September, abends 8 Uhr, im Englische» Garten, Aleranderstr. 27e, eine öffentliche Mitglieder- Ver- samnilnng stattfindet. Tagesordnung: Wie stellen sich die Mitglieder zur Aerztefrage 1896. Verschiedenes. 2142b Um zahlreiches Erscheinen ersuchen mehrere Delegirte. A.: Pank Rnckert. Verbnttd v. Snktler und Tupozivev. �crsKsnndunci «onnabend, 31. Aug., abends 9 Uhr bei Herrn P a s ch, Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung: I. Wahl des Vorsitzenden. 2. Verlegung des Arbeitsnachweises. 3. Verschiedenes. 156/12 Die Ortsverwaltnng. Billige BonZpforfohrf nach Zeutheuer See(Küntzel), von dort Rundfahrt bis Neue Mühle(ohne ans- zusteigen) und zurück nach Zeuthen zu Küntzel. Drei Dampser mit Musik. Abfahrt: Sonntag, den I. Seplbr., morgens 8 Uhr, Stralauer- u. Waisen- brncken-Ecke. Rückfahrt: Abends 7 Uhr. Nachdem im Englischen Garten, Aleranderstr. 27 o: Tanzkräuzchen. B i l l e t s: Tanz und Fahrt: 75 Pf., Kinder 25 Pf. 2146b Kruchbandagen aller Art(eigenes Fabrikat), sowie sämmtiiche Artiliel zur Kraulten- pflege empfiehlt J.Ch.PallmaRii, Ä".. Lieferant für Oris- n. Hilfs-Krankenk. Möbel-Kaufgelegenlleit Zum Umzug passendste Gelegenheit sstr Brand leule, Hotels u. Wtederverläufer. In meinem größte» zuöbctspricher,{Icue Köttigstr. 59. »or» I., sollen sofort ca. 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Eelauft« Möbel lönnen sechs Monate lostensret aus meinen AusbewahrungS- Speichern lagern, werden durch eigene Gespanne tranSporitri und aufgestellt. Heues Club-Haus 72. Kcmmandantonslrassa 72. Jeden Sonnlag: BALL. IHE Empf. meine 4 Säle zu Festlichkeiten n. Versammlungen gratis. 0. Eherf. Englischer Garten Aleranderstr. S7c. Säle zu Festlichkeiten mit Theater- bühne u. zu Versammlung, nneutgeltlich. 29701,' Holtmann& Sohn. Gr. Verefuszimnier»och z. vergeh Empfehle kräftigen Mittagdtisch. 3095L' Flick, Simeonstr. 23. Erieürichsherg. Empfehle den Genossen mein Milch- und Kackiwaaren- Gefchäft. Auch habe ich bei mir eine Niederlage der Genossenschasls-Brotbäckerei errichtet. Ernst Pähl, Scharnweberstr. 14. vNNMNtllNlltMNNMNINlllMIIMtlNlltNMMIMMNMlMIMMNNllNNNllMIlNltNININtNNNMIINttNN»- - uiiMniuHnnuiiiMiiMNuiiiniMiiniiuiiiiiMiiiiiiiinniiniiiiiiinnuiiiiniunMiiiinMimmmmmimiiMH Buchhandlung des„Vorwärts", Verlin SV., Veuih- Slrasj- 2. Soeben ist in neuer Ausgabe erschienen: Llljsallt's Oftilts Aiitivortsllireibk!! nebst Anhang: Die Naklvnal- Werkstälken von 1643. Mit einer historischen Einleitung und Noten von Ed. Sernsteilt. 4 Bogen 30. Preis 20 Psg. Porto 5 Psg. Die Bernstein'sche Einleitung slizzirt die Vorgänge, durch welche Lassalle zur Abfassung des„Antwortschreibens" veranlaßt wurde, reproduzirt u. A. auch den in der„Vollszeitung" erlassenen Aufruf und das Programni zu dem auf IS.— 25. November ISS2 einberufenen Allgemeinen Arbeiterlongreß, kennzeichnet die Stellung Bismarcks und der Fortschrittspartei zu demselben und liefert so die historische Unterlage zum Verständniß der Schrift, in welcher Lassalle die Arbeiter zum politischen Kampfe gegen die Fortschrittspartei aufruft, ihnen gegen Schultze-Telitzfch das sogenannte eherne ökonomische Lohngesetz formulirt, ste zur Bildung einer auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden selbständigen Arbeiterparlei aussorderl. Der Anhang enthält seinen bekannten Atkfsatz über die Nationalwerkstätten, der inhaltlich und zeitlich sich unmittelbar an das Antwort- schreiben anschließt. SütMttlNNIMMIMININIINIttNItNINIMNNNtltttlMMINtlMItlMNIMMNIItllllMtMItMtttlMttNttttlw- ritttlNIItllNMIMttNNMMINttMIMINtNNMIIIMNINtMIItNttNNMMMMMtlMMNtMIIINNMNtttMIttlt: Achtung! Achtung! mslisssiioy■ nwsikssins|■ Mumm d. NMiMmeutku-Mtiter Sonntag, den I. September er., vormittags 10 Uhr, Orameiistr. 51(OranienHallen), Werkstatt- Delegirteu- Versamminng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten. s141 46 Uer Vorstand. Die Vereinskollegen der folgenden Werkstätten werden ausgefordert, Delegirte zu wählen: fj-rrmmut u. Kattro, Mariannenstr. 32. Gottwatd, Schinkestr. 3/9. Äohttr, Köpenickerstr. 143. Kchiuoto n. Co., 5iöpenickerstr. 147. �E. Kranfe, Reichenbergerstr. 57. M. Kraus-, Markgrafenftraße. Leu», Manteuffel- straße 10. Eoncordia, Zossenerstr. 41. Grabom, Manteuffelstr. 57. Mörs, Reichenbergerstr. 142. Karmonir, Wafferthorstr. 37. Kausen. Neuenburger- straße 27. Gramberg, Gitschinerstr. 31. A. Grand, Gitschinerstr. 94. Weber u. Ca., Alexanderstr. 22. Gnterpe, Fruchtstr. 3. SchLis, Oranien- straße 188. Hartman», Skalitzerstr. 99. H-indarff, Louisenufer 54. Zimmererl Heute, Is v v i t 0l g» den 30. August, abends 8'/- Uhr, Lchutl. Sitzilg d. Plllij-Iejiilticki! bei Klaurock, Gipsstr. 16. Erscheinen ist dringend nöthig. (256/3 Der Vertrauensmann. Achtung! MdMalMliMthtr. Achtung! Sonntag, den 1. September, vormittags S- Uhr: Große öffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Grauer, Oranienstraße 121. Vortrag des Geuosseu Um zahlreichen Besuch bittet Der Cinberufer. Deutscher Holzarbeiter-Verbanb. Zahlstelle Berlin. Illontaa, den A. September, abend« 8 Uhr, im Lokale des Herrn Schöning, Stallschreiberstr. 39: Uersammlmtg der Karquetdodenleger. � Tages-Ordnung: I. Bericht über den Streik bei der Firma Rosenseld. 2. Die ver- schiedenen Lohnzahlungen bei der Firma Woizski-Witlendors. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. Vezfrks-VerfmnmUmgeu. Rosenthaler nnd Schönhanser Vorstadt: Montag, den 8. September, abend» 8�2 Uhr, in Mörfchet's Salon, Schönhauser Allee 38. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Boffmann über:„Der Kampf »ms Dasein". 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Kollegen folgender Werlstellen sind zu dieser Versammlung ein« geladen: Franke, Schliemannstr. 3b; Werk, Rykestr. 2; Mar&lnsky, Schwedter- straße 258; Otto, Franseckistr. 6; Reihsch, Zehdenickerstr. 5; Lehmerf, Große Hambnrgerstr. 4. Die Kollegen von Bredov, Drechsler, Lothringerstraße 33, sind ganz besonders eingeladen. Westen nnd Südwesten: Montag, den 3. September, abend» 8>/z Uhr, im Lokale Königshof, Kiitowstraste Ur. 37. Tages-Ordnung: 1. Diskussion des Antrages Arens, beireffend die Aenderung des Arbeitsnachweises der Verbnnds-Zahlstelle Berlin. 2. Ver- schiedene Werkstatt- und Verbands-Angelegenheiten. Die Kollegen aller Branchen werden ersucht, wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung recht zahlreich zu erscheinen. rriedricüsderg-Rnmnielsdnrg; Montag, den 3. September, abend» 8 /2 Zthr, im Lokale de« Herr« Gittle r, Lleue Drinz Atbertstraste 79. Tages-Ordnung: 1. Wie können unter den heutigen Verhältnissen Streiks gewonnen oder vermieden werde»? 2. Antrag Arens betreffend des Arbeitsnachweises. 3. Verschiedenes. Heute, Freitag, bei Schöning, Stallschreiberstr. 39: Silz ung der Ooksvevloalkung. 74/4" Die Grt»nermaitu»g. iZooson u. Umgegend. Große össenMe Uolks- Uersommlliug aller Arbeiter und Arbeitermuen am Sonntag, den I. September, nachmittags Z1/2 Uhr, im Lokal des Herrn Schumann in Zeesen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Ueichstag»- Abgeordneten Fritz Znbeil. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Bitte dringend, daß alle Arbeiter und Arbeiterinnen in dieser Ver- sammlung erscheinen. s13/7 Zur Deckung der Unkosten: Entree 10 Pf. Der Dertrauenvmann der Allg. Arbeiter und Arbeiterinnen O. Schüler. Verantwortlicher Redakteur: Max Psnud in Halensee. Für den Jnseratenlheil verantwortlich Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.