Abendausgabe Nr.SS2 4> 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 2SS Sezugsbedingungtn und Anzeigenpreis« sind in der Morgenausgabe angegeben Se&attion: STD. 68. Ciadenfitage 3 Zernsprecher: VSnhoff 292— 202 Tel.-Adresfe: Sozialdemokrat Verls» sw Derliner VolKsvlcrlt (lO Pfennig) Zreitag 10. Dezember 1�26 Verlag und Anzeigenadtellung: Eeschäftszeit Slb bi» S Uhr Verleger: VormSrts-verlag GmbH. verlin SV». 68. ciadenstraNe 3 Zernsprecher! Vönhofl 292— 292 Zcntrn\ov$nn der Sozialdemokratifchcn parte! Dcutrcblands weihnachtsAulagen für Beamte. l�in sozialdemokratischer Antrag im Hauptansschutz angenommen.— Auch die Arbeiter der Reichsbehörden erhalten Weihnachtszulagen. In der Freitagsitzung des Ausschusses für den Reichs- Haushalt wurde zunächst über die Beamtenanträge ver- handelt. Bei Beginn der Sitzung wurde noch der folgende Antrag von den vier Regierungsparteien eingebracht: Im Nach- trag zum Haushalt der allgemeinen Finanzverwaltung für 1926 die erforderlichen Mittel für folgende Maßnahmen einzustellen: Als einmalige Notmaßnahme wird nochvorWeihnachten gezahlt: 1. Den Beamten, Wartegeld- und Ruhegehaltsempfängern, Be- amtenhinterbliebenen und Angestellten der Gruppen I bis IV eine Zuwendung in Höhe von einem Vierte l des ihnen für Dezember 1926 zustehenden Monatsbezuges, den Beamten usw. der GruppenVbis XIII eine solche in Höhe von einem Fünftel des Monatsbezuges, mindestens aber s) den Ledigen 36 M., d) den Empfängern eines Frauenzuschlages 56 M. statt 36 M., c) den Empfängern von Kinderzuschlägen oder Kinder- beihilfen(auch gekürzten) für jedes Kind, für das für Dezember 1926 ein Kinderzuschlag oder eine Kinderbeihilfe zahlbar ist, außerdem je S M., ä) den Vollwaisen insgesamt 16 M., Höchstens jedoch a) den Ledigen 66 M., d) den Empfängern eines Frauenzuschlages 86 M. statt 66 M., c) den Empfängern von Kinderzuschlägen oder Kinderbeihilfen (auch gekürzten) für jedes Kind, für das für Dezember 1926 ein Kinderzuschlag oder eine Kinderbeihilfe zahlbar ist, außerdem je 5 M, d) den Vollwaisen insgesamt 15 M. 2. den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter- b l i e b e n e n ein Viertel der ihnen für Dezember 1926 zustehenden Beträge. Die Scholz-Krife. Teutschnationale Offerte-volksparteilicherKatzenjammer Herr Scholz hat wieder einmal den Krisenmacher ge- spielt. Er hat die„stille Koalition" zerschlagen. Nun leugnen er und seine Fraktion jede Störungsabsiä�. indem sie kühn- lich behaupten: stille Koalition? Hat es nie gegeben! Immerhin waren die Regierungsparteien heilfroh, als ihnen nach den Experimenten der Deutschnationalen mit der „grundsätzlichen Opposition" bei der Erwerbslosenfürsorge die „stille Koalition" die Arbeitsmöglichkeit und der Regierung die Existenzmöglichkeit gab. Herr Scholz hat Arbeitsmög- lichkeit und Existenz der Regierung aufs neue deutschnatio- nalen Bosheitsexperimenten ausgeliefert. Die Deutschnationalen schöpfen wieder Hoffnung, nachdem ihnen Herr Scholz als rettender Engel erschienen ist. Sie bringen sich in Empfehlung. Man liest in der„D e u ts ch e n Tageszeitung": „Den Regierungsparteien ist nämlich durch die Vorgänge der letzten Wochen deutlich vor Augen geführt worden, auf welcher Seite die Leute sitzen, die zuverlässig mitzuarbeiten gewillt und in der Lage sind." Mit den zuverlässigen Leuten meint sie die Deutschnatio- nalen, die den Beweis ihrer Zuverlässigkeit bei der Erwerbs- losenfürsorge geliefert haben. Vor dieser Zuverlässigkeit aber H graut selbst der„Täglichen Rundschau". Sehr klein- laut schreibt sie. nachdem eben erst die Fraktion der Volks- partei den Scholzschen Vorstoß gutgeheißen hat: „Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat sich erneut zur Politik der Mitte bekannt, andererseits aber auch ihre Bereit- schaft zu Koalitionsverhandlungen ausgesprochen. Ihre endgültige Stellungnahme wird natürlich von den B e d i n- g u n g e n abhängen, unter denen gegebenenfalls die Verhandlungen geführt werden. Die Deutschnationalen haben sich gestern mit der parlamentarischen Lage noch nicht befaßt. Es scheint aber leider klar zu sein, daß bei einer etwaigen schroffen Kampf- ansage der Sozialdemokraten gegen die Koalition und die Regierung auf die deutsch na ti onale Rcichstagsfrattion kein Verlaß ist." Herr Scholz hat für die Deutschnationalen gearbeitet, aber auf die Deutschnationalen ist kein Verlaß? Das hätte man sich in der Volkspartei vorher überlegen sollen, noch ehe man seine Bürgerblocksehnsüchte ausgesprochen hätte. Aber das Bekenntnis zum Bürgerblock war Herrn Scholz wich- tiger als die Existenz der Regierung. Nach öen gestrigen Parteibeschlüssen. Noch keine innerpolitische« Besprechungen. Offiziös wird mitgeteilt, für das Reichskabinett und den Reichs- konzler stünden die außenpolitischen Fragen und die Genfer Verhandlungen— zur Stunde tagen am Sitz der britischen Delegation die Vertreter Belgiens, Deutschland?, Eng- lands, Frankreichs und Italiens zur Besprechung des Berichts der Botschafterkonferenz— im Vordergrund, so daß für heut« und morgen Besprechungen mit den Parteiführern nicht g e- Zu diesem Antrag wurden zwei Amendements beantragt, das eine von den Deutschnationalen, statt Gruppe V bis XII zu setzen Gruppe V bis XIII. Da zweite Amendement Müller-Franken und Genossen wollte nicht die Gruppen V bis XII, sondern nur die Gruppen V biß VII. Außerdem hatten unsere Genossen die folgen- den Anträge eingebracht: Die einmalige Rolslandsbeihilfe für die Reichsbcamlen findet auch auf die Arbeiter des Reiche» Anwendung. Den Alt- Veteranen ist als einmalige Beihilfe eine Zulage zu ihren Monatsbezügen in demselben Ausmaße wie den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen zu gewähren. Nach einer sehr lebhaften Debatte wurde der Antrag der Re- gierungsparteien unter Ablehnung der beiden Abände- rungsanträge in der eingebrachten Form angenommen. A n- genommen wurde auch der sozialdemokratische An- trag, der die einmalige Notstandsbeihilse auch auf die Arbeiter ausdehnt, sowie derjenige, der auch den Altveteranen eine allgemeine Beihilfe zuspricht. Zur Begründung der sozialdemokratischen An- träge führten die Genossen Steinkopff und Bender aus, daß der An- trag der Regierungsparteien nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstelle und daß der große Not st and der unteren Beamtengruppen nur durch eine Erhöhung der laufen- den Bezüge gemildert werden könnte. Nur die bindende Zu- sage des Reichsfinanzministeriums, die der Reichsfinanzminister auch in dieser Sitzung wiederholte, daß bis spätestens Frühling 19 2 7 die Revision der Beamtendesoldungsordnung durchgeführt sein solle, veranlasse die sozialdemokratischen Mitglieder, sich im Augenblick mit einer einmaligen Unterstützung zufrieden zu geben, damit die Beamten sofort wenigstens etwas erhielten. Selbstver- stündlich müßte dos, was den Beamten gewährt wird, aber auch den Arbeitern zuteil werden. plant seien. Wahrscheinlich werde das Reichskabinett nach der Rückkehr Stresemanns erst einmal eine Sitzung den außenpolitischen Fragen widmen und erst später sich mit der inneren Politik beschäftigen. Bei der dritten Lesung des Nachtragsetats in der kommenden Woche wird der Reichskanzler auf die i n n e r p o l i. tischen Fragen eingehen. Die tzelfer üer putschverbänöe. Bolksparteilcr allen voran! Zu Beginn der heutigen Landtagssitzung beantragten die Kommunisten die Beratung eines Urantvages über den angeblichen Versuch der Hohenzollern, zur Behebung einer finanziellen Notlage Kunstgegenstände ins Ausland zu verkaufen. Di« Beratung scheiterte am Widerstand der Rechten. Dann wurde die Debatte über die Haussuchungen und die verbotenen Vereine„Wiking" und„Olympia" fortgesetzt. Abg. Mehenthin(D. Vp.) bedauerte, daß der Minister seine Ent- schuldigung gegenüber den unschuldig von der Haussuchung betroffenen Personen nicht früher ausgesprochen hätte. Der Minister sei bestrebt, die Grenzlinie zwischen Kriminalpolizei und Gericht zu versihieben. Dagegen habe der Reichsjustizminister sich mit Recht zur Wehr gesetzt. Mit dem Ersatz der Reichswehr fei alles vollkommen in Ordnung, aus pazifistischen und internationalen Kreisen der Sozialdemokratie könne man ihn nicht nehmen. Der Aufmarschplan gegen Berlin sei lediglich«ine Abwehraktion gegen den drohenden Linksputsch gewesen. Die Denkschrift Grzesinskis habe die Arbeit von Strefemann in Genf gefährdet. In Wahrheit feien in ganz Preußen nur drei Maschinen- gewehre und 55 Gewehr« als Woffenlager versteckt.(Heiterkeit und Widerspruch links.) Abg. Dr. Grzimek(Dem.) protestiert dagegen, daß die Volks- Partei die alten Unterschiede zwischen vaterlandsliebend und inter- national wieder aufstellen wolle. Zrieüensverhanölungen in China. Teilung Chinas in zwei Reiche? London, 10. Dezember.(WTB.) Räch Zeltungsmeldungen aus Peking sind Friedensverhandlungen zwischen Ver- lrelern Rord- und Südchinas eingeleitet worden. Letztere erklärten, die Regierung von Santon wünsche im Besitz der Gegend am Janglse zu bleiben und beabsichtige keinen Einfall in nordchinesisches Gebiet. England verhandelt mit der Kantonregiernng in Hankau. London, 16. Dezember.(MTB.) Der britisch« Gesandte in China, Lampson, ist in Hankau eingetroffen. Zusammen mit dem japanifchen Delegierten auf der Exterritorialitätskonferenz suchte er die lokalen Behörden auf. Anschließend fand eine nichtoffizielle Konferenz mit den Vertretern der Kantonregierung statt, an der der stellvertretende Außenminister Ts che n und der Oberkommandierende der Kanton- truppen teilnahmen. Laut„Daily News" ist es noch verfrüht, von der unmittelbar bevorstehenden Anerkennung der Kantonregierung zu sprechen. Eine Frage von sa weitreichender Bedeutung könne nur vom Kabinett nach reiflicher Erwägung der noch ausstehenden Berichte des neuen Gesandten in China behandelt werden. pafltsih gestorben. Ein Kapitel Balkangeschichte abgeschloffe». Belgrad, 16. Dezember.(IvTB.) Ricola p a s i l s ch erlitt nachts einen Herzkrampf und starb heule früh. * Wie so viele bedeutende Männer des Serbentums, war Nikolaus Pasitsch in seiner Jugend in die Schule der R e- v o l u t i o n gegangen, und als Student des Züricher Poli- technikums saß er, ein Lieblingsschüler des Meisters, zu Füßen Bakunins, und mit Swetoser Marpowitsch, dem ersten Sä- mann sozialistischer Gedanken unter den Serben, verband ihn enge Kameradschaft. Auch die neugegründete Radikale Partei, unter deren Führern Pasitsch früh hervorragte, war ursprünglich als Dolmetsch der Kleinbauernkreise sozial» revolutionär und agrar-fozialistisch und bekämpfte Krone, Kanzlei und Kaserne bis aufs Messer. Wegen des Aufstandes im Timok-Kreis verurteilte ein Kriegsgericht 1833 den aller- dings rechtzeitig geflohenen Pasitsch zum Tode. Aber 1890 war er zum ersten Male Ministerpräsident, um freilich wieder 1899 noch fünf Jahre Zuchthaus zu erhalten, weil man die günstige Gelegenheit eines Attentats auf den Exkönig Nila gegen die Feinde der Obrenowitsch ausnutzen wollte. Aber er, der elastischste aller Opportunisten, verständigte sich um den Preis seiner Begnadigung mit der Dynastie, um dann aufzuatmen, als er im Jahre 1993 durch die Ermorduna des Königs Paresch gerettet wurde. Denn jetzt kamen die Radi- kalen zur Macht und Pasitschs große Zeit begann. In der inneren Politik überließ er die Zügel mehr und mehr feinem Parteifreunde Protitsch und ergriff selbst das Steuer der aus- wärtigen Politik. Als er, der am 13. Dezember 1845 geboren, schon ein Mann war, wehte auf der Festung Belgrad noch die Fahne mit dem Halbmond, war Serbien noch ein türkischer Vasallen- staat. Befreiung und Einigung aller Serben war Pasitschs Ziel, auch nachdem das Fürstentum 1878 ganz unabhängig geworden und 1882 zum Königreich aufgerückt war. Seine revolutionäre Lösung ließ sich nur auf Kosten des Osmanen- und Habsburger Reiches durchführen: aber obwohl Pasitsch sich von vornherein an Rußland angelehnt hatte, gab er auch nach dem Balkankriege bis an die Schwelle des Welt- krieges den Gedanken eines Ausgleichs mit Oefterreich-UngarN nicht preis. Als die Schüsse von Sarajewo fielen, war er Ministerpräsident, doch der Krieg mit der Donaumonarchie kam ihm sehr ungelegen, und daß der Weltkrieg mit der Ent- stehung des Staates der Serben, Kroaten und Slowenen schloß, war ihm, der im Grunde immer Groß-Serbe geblieben war und auch in gewissen Stunden mit Bosnien und Hcrzo- gewina allein vorlieb genommen hätte, auch eine Heber- raschung. Damit war mit dem Jahre 1918 seine historische' Aufgabe erfüllt. Was danach kam, war ein Rest, zu tragen peinlich. Der von einem ewigen Machthunger munter er- haltene Greis klammerte sich fest an die Regierungsgewalt und wußte sich durch leine paschahaftc Autorität unter den Radikalen auch immer wieder durchzusetzen, aber der Re- oolutionär von einst, längst auf Autorität und Orb- n u n g eingeschworen, verstand die Zeit nickt mehr und war ein Hemmschuh am Rad der Entwicklung. Eine neue Epoche in der Geschichte Südstawiens beginnt mit seinem Tode. Von äußerlich sichtbaren glänzenden Fllhrereigenschaften hatte Pasitsch nichts. Der nur selten ein Buch zur Hand nahm, war ein mittelmäßiger Stilist und ein stockender Redner. Auch im kleinen Kreise blieb er einsilbig und zugeknöpft, und wenn er die Lippen auftat, entschlüpfte ihnen' nur Bedeu- tungsloses. Aber gerade die Schweigsamkeit und Leiden- schaftslosigkeit des an der bulgarischen Grenze in Sajetschar Geborenen, gab ihm in einem redseligen und leidenschaftlichen Volke den großen Vorsprung. Wenn alle die Nerven ver- loren, behielt er die Ruhe, wenn alles ungestüm drängte, wappnete er sich mit Geduld, wenn alles über einen Fehlfchlag oerzweifelte, erkannte er in der Zeit seinen besten Bundes- genossen. Die Tugenden einer rein orientalischen Diplomatie — Abwarten und Hinhalten—, die die älteren serbischen Staatsmänner den Türken abgeguckt hatten, waren es, die auch Pasitsch übte. Mit ihnen hat er es weit, bis zum„süd- slawischen Cavour" gebracht und mit ihnen wie mit seiner fprichwörtlichen Schlauheit suchte er noch bis zum letzten Tage die Steine auf dem politischen Schachbrett zu schieben. Der Einundachtzigjührige starb in den Sielen. Scklußberatung in Genf. Die Königsberger Festungswerke sind der Streitpunkt. Genf. 10. Dezember.(WTB.) Die Vertreter der fünf Rheinpaktmächle, bei denen im Laufe der Rächt der ange- kündigte Bericht der Lolschafterkonferenz eingegangen ist. sind heule vormittag 11,30 Uhr am Sitz der englischen Delegation zu einer zweiten gemeinsamen Besprechung zusammengetreten. DI» Besprechung gilt der durch den Bericht der Boischafler- konserenz geschaffenen Lage und dem von den Juristen auegearbci- tcten Bericht über die Abänderung des Rachsorschungsbeschlusies des Völkerbundes, der zunächst von den Vertretern der Rhelnpaklmächle genehmigt werden muß. * Paris. 10. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die Tatsache, dag in der gestrigen Sitzung der Votschaftertonferenz noch keine Entscheidung getroffen wurde, hat in der hiesigen Presse nicht sehr überrascht. In hiesigen Kreisen glaubt man nicht, daß die Frage der Aufhebung der Militärkontrolle von diesem kleinen Zwischen. fall ernstlich bedroht ist, die Blätter sind vielmehr überzeugt, daß in der neuen Sitzung der Botschafterkonferenz, die auf heute vor- mittag anberaumt ist, eine endgültige und günstige Entscheidung fallen wird. In den Blättern werden die Ursachen, die die Ver- tagung der gestrigen Sitzung der Botschafterkonferenz herbeiführten, ausführlich begründet. Einstimmig weist die Presse darauf hin, daß die Frage der Befestigungen von Königsberg in erster Linie die Konferenz veranlaßt hat, noch einmal bei den Regierungen nach- zufragen, ob für den Fall, daß Stresemann beruhigende Erklärungen in diesem Punkte abgeben würde, sie ermächtigt werden könnte, Deutschland Genugtuung zu geben und die deutsche Abrüstung als endgültig zu erklären. Im„Matin" wird ausgeführt, der deutsche General von Pawels habe lange vor der Botschafterkonferenz nach- zuweisen versucht, daß die Königsberger Befestigungen nicht neu seien, und daß die Reichsregierung sich darauf beschränkt habe, alte bestehende Befestigungen zu unterhalten und auszubauen. Die juristischen Sachverständigen hätten diese Auffassung bestritten. Jedenfalls fei noch im Laufe der Nacht ein B e r i ch t der Botschafter- konferenz an die Außenmini st er nach Genf abgeggangen, und man zweifelt hier nicht daran, daß Stresemann in dem Punkte der Königsberger Befestigungen Briand oder Chamberlain be- ruhigende Erklärungen abgeben wird, und daß damit der Aufhebung der Kontrolle in allerkürzester Zeit nichts mehr im Wegs steht. * Der Generalsekretär der Botschafterkonferenz ist gestern abend wieder von Paris nach Genf gefahren, um den Außenministern das Ergebnis der Botschafterberatungen zu übermitteln. Die letzten Meinungsverschiedenheiten über die deutsche Entwaffnung werden heute zwischen Stresemann und Priand besprochen. Können sie sich einigen, dann wird die Einigung offiziell durch den Beschluß der Botschafter herbeigeführt. ßrieöenspreis für Stresemann unü örianü. Ter vorjährige Chamberlain und Dawes verliehen. Oslo, 10. Dezember.(MTB.) Das Nobel-Komitee hat in seiner gestrigen Sitzung den N ob e l- F r i e d e n s p r e i s für das Jahr 1926 dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann und dem französischen Außenminister Briand, den im Vorjahr zurückge- stellten Preis für 1923 dem britischen Außenminister Sir Austen Chamberlain und dem amerikanischen Vizepräsidenten General Charles Dawes oerliehen. Neichsregierung für Nechtsverftänüigung! Erhöhung des Zuckerzolls mit Unterstützung der Deutsch- nationalen. Besprechungen der Reichsregierung mit den Regierungs- Parteien und den Deutschnationalen haben zu einer Ber- ständigung über die Erhöhung des Zuckerzolls von 19 M. auf 15 M. pro Doppelzentner geführt. Auch diese Verständigung hat eine große politische Bedeutung. Es wiederholt sich die Rechtsschwenkung, die bereits beim Schund- und S ch m u tz g« s e tz in die Erscheinung trat. Denn wie die„Vosstsche Zeitung" mitteilt, haben sich die D e m o k ra te n für die Beibehaltung des bisherigen Zollsatzes von 19 M. ausgesprochen. Trotz dieser Un- stinnnigkeit innerhalb der Regierungskoalition hat man sich ein« Mehrheit für die Zollerhöhung durch die Zustimmung der 2« uts chnationalen erkaust. Welchen Preis man ihnen dafür gezahlt hat, steht noch nicht fest, es ist aber anzunehmen, daß es die Zusage ist, die Branntweinsteuer statt um 139 M. nur um 199 M. pro Hektoliter zu erhöhen. Für die Sozialdemokratie ist dieser Borgang von Bedeutung. Di« Reichsregierung hat die Sozialdemokratie nur von ihren Absichten unterrichtet, die Wünsch« der Sozialdemokratie aber in keiner Weise berücksichtigt, ja nicht einmal ein« Verständigung mit der Sozialdemokratie versucht. Wir nehmen an, daß der Reichskanzler Dr. Marx von dieser Sachlage nicht unterrichtet war. An der politischen Bedeutung des Falles aber wird nichts dadurch geändert, daß nur der Ernährungsminister Dr. H a s l i n d e und der Reichs- „Kurpfuscherei/ (Oberreichsanwalk a. D. Ebermeyer gegen die ßurierfreiheil.) In einer Versammlung des Groß-Berliner Aerzte- b u n d e s sprach der Oberreichsanwalt a. D. Dr. E b e r m e y e r über„W eiche Pflichten und Rechtsmittel hat das Deutsche Reich und seine Bevölkerung, vor den schädlichen Folgen der Ku rie r f re i h e i t e n zu schützen?" Er ging davon aus, daß außer in Deutschland, England und den Schweizer Kantonen Glarus und Appenzell keine Kurierfreiheit, das heißt Ausübung der Heilkunde ohne staatliche Approbation, bestehe. Auch in Deutschland gab es bis zum Jahre 1869 ein Kurierverbot, das erst durch die Gewerbeordnung aufgehoben wurde, und zwar ging die Initiative von der Berliner Medi- zinischen Gesellschaft, insbesondere den Aerzten Dr. Löwe, Wiegand und Hanisch, aus. Sie gaben die sehr richtige Begründung, daß Verbote aus einem solchen Gebiet unwirksam seien, und daß für die Aerzte keine Privilegien bestehen sollen. Ebermeyer definierte den Begriff der Kurpfuscherei dahin, daß darunter solche Anordnungen zu verstehen seien, die im Widerspruch zu den ärzt- lichen Anschauungen ständen. Als Laie, der er auch als Oberreichs- nnwalt a. D. ist, brauchte er nichts von den Aenderungen in den Anschauungen der heutigen Schulmedizin zu wissen. Er rechnete deshalb auch zu der Kurpfuscherei die Biochemie, die Hypnose und die Psychoterapie. Dann besprach Herr Ebermeyer die verschiedenen Vorschläge in den einzelnen Reformentwürfen des Strafgesetzbuches und unter- suchte den 8 238 des Entwurfes von 1923, nach dem Eingriffe zu Heilzwecken weder Körperverletzungen noch Mißhandlungen feien. Wohlweislich verschwieg er dabei die Operation, die von dem be- handelnden Arzt bei Beteiligung von Chirurgen einem reichen Patienten als notwendig eingeredet wird. Wie widersinnig ein Kurierverbot ist, demonstrierte er selbst, indem er sagte, es müßten Ausnahmen geschaffen werden, und zwar unter dem Gesichtspunkt der Nothilfe, denn sonst könnte eine Mutter, die ihrem Kinde wegen Husten einen Hustenbonbon gibt, wegen Kurpfuscherei belangt werden. Also auch hier die gleichen Mängel wie bei dem Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Sein Verständnis für die Gedankengänge der breiten Massen dokumentierte er damit, daß er sagte, die Tatsache, daß ein Gesetz ungeheuer oft verletzt würde, wäre kein Beweis dakür, daß es nicht in dem Volksbewußtsein ver- ankert sei. Er verstieg sich zu der Behauptung, daß pro Tag Millionen von Diebstählen begangen würden, die doch auch nicht alle geahndet werden könnten, und führte diese Tatsache als Argument gegen die Aufhebung des 8 218 an, denn, wenn diese Anschauungen einreißen würden,„so könnte man", erklärte er, wörtlich,„die Bude zumachen". Unter den Argumenten gegen die Aufhebung der Kurierfreiheit vergaß er zu erwähnen, daß die Kur- psuscher nur deshalb den großen Zuspruch haben, weil sie mehr mit der Seele de? Volkes vertraut sind als ein großer Teil der standos- treuen Aerzte. Zum Schluß forderte er noch, daß ein Sondergcsetz gegen die Kurpfuscherei im Einklang mit dem kommenden Strafgesetz erlassen finanzminister Dr. Rein hold die Verantwortlichen dafür sind. Denn es unterliegt kaum einem Zweifel, daß in dieser Einzelhandlung sich die Tendenz zeigt, trotz der zugesagten vorherigen Ver- ständigung mit der Sozialdemokratie die großen Probleme der Wirtschaftspolitik nach wie vor mit den Deutschnationalen zu lösen. Auch ein Beweis dafür, daß die durch die sogenannte stille Koalition geschaffene Lage unhaltbar geworden war. Geßler gegen ffeilmann. Eine Antwort an anderer Stelle. Der Reichswehrminister fühlt die Notwendigkeit, aus die gestrige Rede des Genossen Heilmann zu antworten. Er wählt dafür den Weg zur Presse, der er versichern h�ßt, daß Heilmanns Angriffe unberechtigt feien. In seinem ersten Brief an Löbe habe Geßler schon versichert, der von Heilmann erwähnte Brief eines Reichswehrkommandos, worin nach der völkischen Gesinnung von zur Einstellung empfohlenen Leuten gefragt worden sei, sei niemals geschrieben worden; Heilmann habe auch in seiner gestrigen Rede von diesem Brief nicht mehr gesprochen. Der Olympia- Oberst v. Luck habe in seinen Empfehlungsbriefen nicht von völkischer, sondern von„deutscher, nationaler" Gesinnung der Empfohlenen gesprochen. Darin liege keinerlei Parteibezeichnung, denn es nehme wohl jeder Deutsche für sich in Anspruch, deutsch und national zu sein. Die Lächerlichkeit dieser Argumentation liegt auf der Hand; wenn ein Olympia-Oberst jemandes„nationale" Gesinnung be- kündet, so heißt das gar nichts anderes, als daß er den Betreffenden für würdig erachtet, in die„Olympia" oder einen anderen der- artigen völkischen Verband aufgenommen u werden. Unter diesen Umständen wird man die„Zurückweisung" des Heilmannschen Vorwurfs durch Geßler schon richtig zu würdigen wissen. Wer begeht Lanüesverrat? Das Treiben der Kleinkalibrigen am Rhein. Aus Württemberg wird uns geschrieben: Die deutschnationale Reichstagsfraktion behauptet in einer Interpellation, württembergische und oberbadische Reichs- bannergruppen hätten sich bei einem militärischen Gelände- spiel die Aufhebung der Reichswehr in Donaueschingen zur Aufgabe gesetzt. Die Behauptung ist zu dumm, um dementiert werden zu müssen. Ihr eigentlicher Zweck ist es augenscheinlich, die Aufmerksamkeit von dem Treiben der vaterländischen Kleinkaliberschützenverbände in Baden und Württem- berg abzulenken, das sich nachgerade zu einem öffentlichen Skandal entwickelt. Die Hintermänner dieser Verbände sitzen im„Bund für Freiheit und Recht", dessen Bedeutung aus der Marauhnschen Denkschrift bekannt ist. Ihre Gehälter beziehen die Bezirksleiter der Kleinkaliberschützenvereine von einer gewissen Stelle, die für den „Bund für Freiheit und Recht" wichtig ist und die in der Lage ist, den Verbänden Motorräder und Autos zur Verfügung zu stellen. Die Tätigkeit der Kleinkalibrigen erschöpft sich keines- wegs in militärisch aufgezogenen Kleinkaliber- und Revolver- schießereien, die übrigens wiederholt tragische Zwischenfälle hervor- gerufen haben. Innerhalb der Verbände werden theoretische Kriegsübungen veranstaltet und Pläne für einen Kleinkrieg ausgearbeitet, die zur Katastrophe führen mühten, wenn sie je in die Tat umgesetzt würden. Ist es Landesverrat, von diesen Dingen zu sprechen? Dann müßten zunächst einmal die Drahtzieher der Bewegung in Berlin und einigen größeren Städten des Reiches zur Verantwortung gezogen werden. Es ist das eigene Geschick dieser Leute, dafür zu sorgen, daß ihre angeblich streng geheimen„natio- nalen" Machenschaften an die große Glocke gehängt werden. Jeder dumme Junge in Baden und Württemberg, sofern er sich nur auf die nationalistische Phraseologie versteht, wird in die Geheim- pläne eingeweiht. Diese Jünglinge haben natürlich nichts Eiligeres zu tun, als mit ihren Kenntnissen zu prahlen und die werden müsse, in dem aber die Kurpfuscherei nicht als„Ueber- tretung", da diese dann nicht mit Gefängnis bestraft werden könnte, geahndet werden dürfe, sondern als„Bergehen", das wenigstens bis zu drei Monaten Gefängnis einbringen könne. Aus den Ausführungen des Oberreichsanwaltes Ebermeyer ergibt sich wieder die Tatsache, daß man auch als hervorragender Jurist beim besten Willen auf dem Gebiet der Medizin versagen kann, und daß es ratsam ist, bei solchen Exkursionen die äußerste Vorsicht walten zu lassen. Dr. med Norbert Marx. Der zweite Premierenabend des Russischen Balletts im Theater des Westens wiederholte und oerstärkte den Eindruck des ersten. Die Pawlowa riß das Publikum hin und entfesselte stürmischen Beifall. Sie ist in ihrer Art ein Gipfel. Ein technisches Wunder und eine sehr starke tänzerische und vielleicht noch stärkere schauspielerische Natur. In einem Solo, dos sie im ersten Ballett tanzte, und in dem Divertissement„Rondino" wurde die spielerische Anmut, die Koketterie und der liebenswürdige Charme des galanten Zeitalters wie durch einen Märchenzauber lebendig. Diese beiden Tänze allein lohnten den Besuch des Abends. Denn was sich sonst begab--- In kindlich-kitschigem Rahmen—„Russisches Volksmärchen" und„Schneeflocken" hießen die beiden Ballette— wurden Künste geboten, die, sowest sie nur technische Bravourstücke sein wollten, besser in den Zirkus passen, und wo sie darüber hinausstreben, choreographisch und tänzerisch heutigem Kunstempfinden absolut ungenießbar sind. Wenn N o v i k o f f, der männliche Stern des'Ensembles, auf der Bühne erscheint und eine Serie von Hochsprüngen, Pirouetten und Entrechats herunterwirbelt, so ist das nichts weiter als ein Prunken mit Kunstfertigkeiten, die vielleicht die Voraussetzung künstlerischer Gestaltung werden können, mit künstlerischem schaffen selbst aber nichts zu tun haben. Und wenn in die blöde Fabel des„Russischen Volksmärchens" Gruppen- und Einzeltänze eingeflochten werden, so bleibt das Ganze doch seinem Charakter nach eine Ausstattungspantoniime, ein kunst- und kulturloses Zwitterding, das von lebendigem rhythmischem Ge- fühl und tänzerischem Geist kaum einen Hauch verspüren läßt. Wir wollen uns die Grenzen, die solche Künste von wirklicher Tanzkunst scheiden, nicht verwischen lassen. Sie mit aller Deutlichkeit immer wieder zu betonen, ist eine Pflicht gegenüber dem großen Neuen, das heute auf unserer modernen Tanzbühne im Werden ist. I. S. Der moderne Mensch und die ankike Kunst. In der 29. Jahres- Versammlung des Vereins der Freunde des humanisti- schen Gymnasiums sprach der bekannte Archäologe Ludwig C u r t i u s- Heidelberg über die Bedeutung der antiken Kunst für den modernen Menschen. Ausgehend von der Großtat des Schuster- sohnes Winckelmann, der der Vater des neuen humanistischen Gedankens genannt wird, zeigte er, wie die in der antiken Kunst verwirklichte Einheit von Natur und Kultur, von Realität und Symbol, von Persönlichkeit und Welt die Ueberwindung der Problematik des modernen Lebens vor Augen stellt. Der Vortragende deutete die Beweglichkeit unserer Zeit als Erscheinungsform einer typisch revclutionären Ueberganeepoche aus und kündete im Zu- sainmcnhang mit einer Neuordnung aller Lebensbeziehungen das Kommen neuer gültiger Werte an. Er forden« ein« Auseinander- Uebungspläne der phantastischen Kleinkriegsfreunde herum- zuzeigen, so daß ganz Baden und Württemberg unterrichtet ist über die hirnverbrannten Pläne der Kleinkalibrigen und ihrer Hinter- männer im„Bund für Freiheit und Recht" und an anderen Stellen. Das Ausland braucht sich gar nicht erst zu bemühen, die Führer der geheimen Heimkrieger selbst sorgen dafür, daß nichts unbekannt bleibt. Ihr eitles und aufgeblähtes Treiben, das praktischen mili- tärischen Wert nach außen hin nicht hat, ist Landesverrat, wenn etwas Landesverrat ist, und sollte schleunigst unterdrückt werden. Exzellenz von 6erg/ Ein bedenklicher Geburtstagsglückwunsch. Herr von Berg, der in diesen Tagen ungnädigst verabschiedete Sachwalter der Firma Wilhelm I. R. u. Co., wird 69 Jahre alt, und da widmet ihm Herr Dr. von Dryander, deutschnationales M. d. R., einen„Exzellenz von Berg" überfchriebenen Leitartikel in der„Kreuzzeitung". Nicht uninteressant ist, was der bekannte Hohenzollernverehrer zu erzählen weiß. Einmal bedauert er, daß Herr von Berg nicht schon 19 Jahre früher Chef des Zivil- kabinetts von S. M. geworden ist. Ja, ist denn etwa unter de? gottbegnadeten und gesegneten Monarchie zu Zeiten von Lucanus und Valentin! alles verkehrt gemacht worden? Dann meint Dryander, Herr von Berg fei einer„von den ganz wenigen, die für Kaiser und Reich auch das Schafott bestiegen haben würden". Von den ganz wenigen? Nein, wenn Dryander wahr berichtet, war Herr von Berg der einzige, denn im November 1918 beispielsweise saßen die anderen restlos im Helden- k e l l e r. Und dann rühmt der Artikelschreiber, daß Berg seinem Kaiser und König immer„das Beste, was ein treuer Diener bieten kann, gegeben habe: offene, unbedingte Wahrhei t". Sollte er deshalb abgehalftert fein? Man weiß doch, daß Wilhelm zu jenen Monarchen gehörte, die niemals die Wahrheit vertragen konnten. Des weiteren erfahren wir, daß dieser treue Bediente das „besondere Vertrauen der Heimgegangenen Kaiserin und Königin" genoß. Davon, daß er das Vertrauen der gegenwärtigen „Kaiserin und Königin" Hermine besitzt, hören wir nichts. Und was die Auseinandersetzungsfrage betrifft, so belehrt uns Herr von Dryander dahin, daß es nur dem jetzt brüsk an die Luft gefetzten Herrn von Berg zu danken ist, wenn diese Frage in würdiger Form erledigt wurde. Wie steht doch seit längerem wieder im Kopf der„Kreuz- zeitung"?.„Vorwärts mit Gott für König und Vaterland." Vielleicht täte sie gut, in Zukunft zu schreiben:„Vorwärts mit Gott für Herrn von Berg wider Wilhelm und Hermine." Preußen unü öas Schunögefetz. Die taktische Sitnation im Reichsrat. Die„Rote Fahne" muß täglich neue Lügen erfinden, um über die Beziehungen der Reichswehr mit Sowjetrußland hinweggleiten zu können. Ihre letzte Lüge ist, die preußische Regierung gehört zu den Schrittmachern des Schmutz- und Schund- g e s e tz e s, weil sie im Reichsrat nicht Einspruch erhoben habe. Die preußische Regierung hätte bei einem Einspruch höchstens auf die Unterstützung von Sachsen und Hamburg rechnen können. Von den 26 preußischen Stimmen wären nur 16 für den Einspruch mitgegangen. Es hätte sich also nur eine Minderheit für den Einspruch ergeben. Seit wann ist die Minderheit der Schrittmacher der Taten der Mehrheit? Zwangspensionierng italienischer Richter. Siebzehn richterliche Beamte sind wegen ihrer politischen Haltung in den Ruhestand ver- setzt worden. Eine Aktion zur Abschaffung der Paßvisa in allen Staaten her- beizuführen hat die österreichische Regierung beschlossen. Der öfter- reichische Außenminister wird in allernächster Zeit alle Staaten zu entsprechenden Aeußerungcn über diese Absicht ausfordern. sctzung des modernen Lebensgefllhls mit den großen Werken der Alten und rief die Dilettanten auf, sich den Zugang zu den Lebens- kräften dieser Kunst nicht durch den gelehrten Apparat versperren zu lassen. Der zweite Vorsitzende der Vereinigung sprach in einem Schlußwort den Wunsch aus, daß die Idee eines Weltparlamentes des Humanismus der Verwirklichung nicht mehr fern sein möge. rb. Thealer-Rlikrophone für Schwerhörige. Für die Kurzsichtigen wird im Theater gesorgt, indem sie sich Operngläser leihen können. Auf die Schwerhörigen aber hat man bisher noch gar keine Rück- ficht genommen. Diesem Mangel ist nun von der Verwaltung eines New Porker Theaters abgeholfen worden. Hier sind besondere Mikrophone in den vorderen Reihen eingebaut, und diese Plätze werden für Schwerhörige reserviert. Der Erfolg dieser Maßnahmen soll sehr vielversprechend sein, denn man sah ein ganz neues Publikum im Theater und die Schwerhörigen wurden an den von ihnen bisher gemiedenen Genuß gewöhnt. Daraufhin hat sich jetzt auch ein Pariser Theater entschlossen, Mikrophone in den ersten Reihen des Parketts einzurichten und diese Plätze den Schwerhörigen zur Verfügung zu stellen. 7009 Waggons Fledermauscxkremenle. Im Pnin-Gebirge der� siebenbürgischen Karpathen ist in einer Riesenhöhle ein sehr er- giebiges Guanolagcr gefunden worden. Durch vorgenommene Unter- suchungen wurde nach de?„Chemischen Industrie" festgestellt, daß in der alpinen Höhle etwa 7999 Waggons Fledermausexkremente lagern. welche reich an Phosphor und Stickstoff sind. Der Transport dieses für Düngezwccke sehr gut geeigneten Stoffes zur nächsten Eisenbahn- station erfolgt vermittels einer zu diesem Zweck besonders erbauten Drahtseilbahn. Ein Sanalorium für kolle Hundei Im indischen Parlament wurde ein Gesetzentwurs eingebracht, welcher es oerbietet, tolle oder herrenlose Hunde zu töten. Das Parlament kam zu der Entscheidung, daß tolle Hunde wie wahnsinnige Menschen zu behandeln und in ein Sanatorium zu bringen seien. Eine Sekte der Hundefreunde hat bereits eine Summe von 199 000 Rupien aufgebracht, um in Voll- zug des Parlamentsbeschlusses ein Hundeasyl zu erbauen. von Friedrich Eberl».Schriften, Auszeichnungen, Reden-, wird ein Neudruck notwendig. Der Verlag Karl Reifen er, Dresden. N 6, bittet daher alle, die im Besitze von Briefen und sonstigen Schriftstücken Eberls sind, diele im Original oder in Ab christen an ihn zu senden. Der Verlag sagt sofortige unbeschädigte Rückgabe zu. Es besteht die Absicht, die Neuauslage des Werkes um solche Stücke zu vermehren. lilla vurieux und Else Eckersberg spielen englisch. Die beiden Künstle- rinnen haben sur die nächste Neueinstudierung von OScar Wildes„Lady WindermereS Fächer- im Rahmen der Vereinigung„Englisches Theater Deutscher Schauspieler- ihre Mitwirkung zugesagt. Meberer ffnung de» Renaiffance-Ihetaer». Der Umbau des Renaissance- TbeaterS unter Leitung von Baumeister OSlarKauimann ist jo weit vorgeschritten, dafe die Wiedereröffnung Ende Dezember staiisinden kann. Rtusil und tbrbärde. In der staatlichen Hochschule für Musit. Ebarioiienbu'.g, Fasane,, str. 1, werden um it., abends 7 Uhr, Szenen aus äjpernwerten von Gluck bis Wagner von der Kammersängerin Pros. Anna Bahr-Mildenburg dargestellt und gesungen. Die baperisthe Keme. Die Thesen der Berichterstatter des Reichstagsausschusses. Der Femeausschuß des Reichstags trat heute unter Borsitz des Abg. Schctter(Z.) wieder zu einer Sitzung zusammen, um über die Ergebnisse der bisherigen Ausschußoerhandlungen über dieMünchenerFälle Beschluß zu fassen. Der Vorsitzende teilt zunächst mit, daß ein sozialdemokratisches Ausschußmitglied aus- geschieden sei, während die deutschnationale Fraktion ein Mitglied gewonnen habe. Wie der Vorsitzende weiter mitteilt, ist es nicht gelungen, den Zeugen Neunzert, dessen Aufenthalt un- bekannt ist, vor den Ausschuß zu laden. Er sei bald im Auslande, bald auf seinen westfälischen Gütern, jedenfalls sei er nicht zu fassen. Der Ausschuß werde also auf die Vernehmung Neunzerts verzichten müssen. Der Vorsitzende stellt nach längerer Geschäftsordnungsdebatte die Frage, ob der Ausschuß vor Vernehmung von Neun- zert und Dobner die bayerischen Fälle nicht als abge- schlössen betrachten will. Diese Frage wird von der Mehrheit bejaht. Abg. Creuhburg(Komm.) regt an, zum Kapitel„Schwarze Reichswehr" überzugehen. Er könne als Zeugen 84 Offiziere und Verbindungsleute zwischen Schwarzer Reichswehr und legaler Reichswehr mit genauer Adresse namhaft machen. Zunächst wird die Frage erörtert, wie die Zeugen Neunzert und Dobner herangeschafft werden können. Vom Abg. Dr. Mittelmann(D. Vp.) und von anderen Rednern wird bezweifelt, daß bisher die behördlichen Organe den nötigen Eifer zur Ermittlung dieser Zeugen entwickelt hätten. Der Ausschuß dürfe es sich nicht gefallen lassen, daß wichtige Zeugen sich ihm einfach entziehen. Abg. Dr. Levi(Soz.) äußert Zweifel daran, daß die Behörde von Dobners Heimat- gemeinde Stambach in Oberfranken sich e r n st l i ch um die Her- b e i s ch a f f u n g des Dobner bemühen werde. Der Gemeinderat von Stambach habe auf ein dahingehendes Ersuchen mit einem recht eigenartigen Schreiben geantwortet, in dem ge- beten wird, man möge in den Zeitungen oeröffentlichen, daß Dobner die böhmische Staatsangehörigkeit besitzt, damit die Gemeinde Stambach nicht in den schlechten Ruf kommt, daß„der- artige Individuen, die ihr Vaterland verraten," dort beheimatet sind. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wird beschlossen, Dobner für nächsten Mittwoch zu laden und die Bemühungen zur Ermittlung des Aufenthalts des Neunzerts fortzusetzen und auch ihn nach Mög- lichkeit am Mittwoch vor den Ausschuß zu bringen. Der Vorsitzende verliest hierauf die Thesen, in denen die Bericht- erstatter des Ausschusses das bisherige Ergebnis der Untersuchung der bayerischen Fälle zusammengefaßt haben. Der Bericht des Berichterstatters Dr. Levi(Soz.) lautet: „Die Ermordung der am 6. Oktober 1926 tot aufgefundenen Maria Sandmeyer in München, der am 19. Oktober 1929 er- folgte mörderische Ueberfall auf den ehemaligen Reichswehrsoldaten Dobner, endlich die am 4. März 1921 erfolgte Ermordung des Kellners Hans Härtung sind auf eine einheitlich organisierte, mit der Wirtschastsslelle der Landesleltung der bayerischen Einwohnerwehren verbundene Personengruppe zurückzuführen. Die Taten sind begangen worden nach einem gleich- mäßigen Plan unter Mitwirkung von Personen, die zu jener Wirtschaftsstelle gehörten oder in deren Diensten tätig waren, im Falle Sandmeyer und Härtung unter Zurverfügungstellung von Ge- röten zur Ausführung, im Falle Sandmeyer auch unter Gewährung von Mitteln zur Flucht des wegen der Tat Verfolgten. Es ist in diesem Falle auch die Organisation der Einwohner- wehr zur Bewerkstelligung der Flucht in Anspruch genommen worden. Die Taten sind begangen worden als Strafe für ein den Opfern nachgesagtes„gemcinschädliches Verhalten"(„Vaterlands- verrat"). Sie sind aus diesem Grunde von den leitenden Stellen der Landesleitung der Einwohnerwehren mit Genugtuung gesehen worden: es sind von dieser Stelle keine Schritte gegen die Wiederholung unternommen worden. Im Gegenteil: Im Falle Sandmeyer ist durch die dem Verfolgten gewährte Hilfe die Strasversolgung wirksam vereitelt worden, im Falle Härtung ist durch die von der Landesleitung der Einwohnerwehren über das bayerische Justizministerium durch die von Dr. Gademann ausgeübten Einflüsse auf die amtierenden Swatsanwölte die Rücksichtnahme der gegen die als Täter in Be- tracht kommenden Personen erlassenen Haftbefehls entgegen allen kriminalistischen Erwägungen bewirkt und die Unterlassung wirksamer Untersuchungsmaßnahmen veranlaßt, auch die Oessentlichkeit über den Verlaus des Verfahrens getäuscht worden. Die dadurch eingetretene Verzögerung und Verdunkelung hat die völlige Auf- klärung der Tat erschwert oder unmöglich gemacht. Im Falle D o b n e r ist die Tat unter Mitwirkung eines P o l i. zeibeamten der Münchener Polizeidirektion ver- anlaßt worden. Zn allen Fällen haben die als Täter in vetracht kommenden Personen die Sympathie hoher ziviler und militärischer Funk- tionäre aus ihrer Seite, teilweise auch deren hilse gehabt. Der in dem Urteil des Schwurgerichts München in Sachen gegen Neunzert und Genossen festgestellte Glauben der Täter, daß der- artige Bluttaten„von den Behörden gar nicht einmal ernstlich ver- folgt würden", hatte sachliche Grundlagen. Di« drei oben erwähnten Taten sind Femetaten im Sinn« der Definition des Ausschusses, die Landesleitung der Einwohnerwehren war eine Femeorganisation. Die Ermordung des Studenten Bauer durch Mitglieder des Blücherbundes ist ein« F e m e t a t. Sie erfolgte wegen schöd- lichen Verhaltens auf Grund von Verabredungen von Mitgliedern jener Organisation. Sie war geistig vorbereitet durch die von den Einwohnerwehrleuten begangene Femetaten(„verborgenes Waffen- lager zeigen") und unter dem Eindruck der ungenügenden Verfolgung jener Taten. � � � � Es hat sich nicht feststellen lassen, daß der Blucherbund Feme- organisationen als ständige Einrichtungen gebildet oder geduldet hat. Auch in diesem Falle hat der Täter die weitgehende Sympathie staatlicher Stellen gehabt: durch sie ist sein Entweichen ermöglicht worden. Im Fall« der Ermordung des Abg. G a r« i s hat sich der Täter und der Kreis, aus dem heraus die Tat begangen wurde, nicht fest- stellen lassen. Di« gerichtlichen und polizeilichen Untersuchungen sind dazu bis heute zu mangelhaft und unvollständig. Der Ausschuß hat mit seinen Mitteln keine Möglichkeit, die notwendige kriminalistische Ergänzung der Ermittlung durchzuführen. Hierauf verliest der Vorsitzende den Beschlußantrag des Mit- berichterstatters Abg. Dr. Schaesser(Dnat.): er lautet: Der Ausschuß gelangt auf Grund der ihm vorgetragenen ge- richtlichen Akten und aus Gnind seiner eigenen Beweiserhebungen zu folgenden Feststellungen über die Mordaffäre Bauer, Mord- anschlag Bauer auf Scheidemann, Sandmcyer, Härtung, Dobner und Gareis: Nachdem in den fünf genannten Fällen durch gesetzmäßig zustande gekommene rechtskräftige Urteile im Falle Bauer durch das Urteil des Volksgerichts München vom 22. August 1923 der Studeirt August Zwengauer wegen des Mordes an dem Studenten Karl Bauer zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust verurteilt worden ist, und der Arbeiter Ernst Berger von der Anklage des Mordes freigesprochen worden ist: im Falle Scheidemann durch Urteil des Münchener Volksgerichts vom 26.- Juli 1923 der Korrespondent des „Vorwärts", Franz v. Puttkamer, wegen Vergehens der Aufsorde- rung zum Morde an den Reichstagsabgeordneten Scheidemann und wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu acht Monaten Gefängnis und 699 999 M. Geldstrafe verurteilt worden ist: im Falle Sandmeyer durch Beschluß der Strafkammer des Landgerichts München der Leutnant a. D. Hans Schweickardt wegen der An» schuldigung des Mordes an dem Dienstmädchen Sandmeyer außer Verfolgung gesetzt worden ist: im Falle Härtung durch das Urteil des Münchener Schwurgerichts vom 39. März 1926 die Studenten Neunzert und Bally von der Anklage des Mordes an dem Kellner Hans Härtung freigesprochen worden sind, gegen die drei weiteren Angeschuldigten das Verfahren wegen deren Abwesenheit durch Ge- richtsbeschluß vorläufig eingestellt worden ist: und im Falle Dobner durch das Urteil der Strafkammer beim Landgericht München vom 22. März 1921 die Studenten Schuster und Berchthold wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung und wegen Bedrohung zu je 969 M. Geldstrafe bzw. 96 Tagen Gefängnis verurteilt worden sind. ist der Ausschuß nach dem Grundsahe. daß er nickt berufen ist. in die Rechtspflege einzugreifen, und zwar auch nicht hinsichtlich rechtskräftiger gerichtlicher Entscheidungen, nicht in der Lage. andere tatsächliche Feststellungen zu tressen, als sie in den ge- nannten gerichtlichen Entscheidungen vorliegen. Abgesehen hiervon hat aber auch die Beweisaufnahme vor dem Ausschuß selbst eine weitere Aufklärung hinsichtlich der Tat und der Täter, als wie sie durch die gerichtlichen Untersuchungen erbracht und in den genannten gerichtlichen Entscheidungen nieder- gelegt sind, nicht erbracht. Im einzelnen stellt der Ausschuh folgendes fest: 1. Für das Vorliegen von„Feme" im Sinne des Be- schlusses des Ausschusses vom 26. April d. I. ist in den erörterten Fällen, abgesehen vom Falle Dobner, ein Nachweis nicht erbracht.— Im Falle Bauer ist der Student August Zwengauer des Mordes aus politischen Motiven, d. h. weil er den Bauer für einen Verräter an der Organisation des Blücherbundes hielt, überführt. Der Nachweis, daß diesem Morde eine Verabredung im Sinne des Beschlusses des Ausschusses zugrunde liegt, ist nicht ge- führt, wenn auch— wie das Urteil des Volksgerichts München seststellt— ein Verdacht, der aber nicht zur Verurteilung aus- reichte, hierfür fortbesteht. Des ferneren besteht der Verdacht, daß eine der Veranlassungen für den Täter zur Ermordung des Bauer, dessen Verkehr mit dem Korrespondenten des„Vorwärts", v. Putt- kamer, war, der diesen Verkehr des Bauer zum Zwecke der Bespige- lung der vaterländischen Verbände gesucht und unterhalten hat.— Im Falle Bauer-Scheidemann ist der Student August Bauer überführt, ein Mordattentat auf den Abg. Scheidemann geplant und in seinen Einzelheiten vorbereitet zu haben. Er ist in seinem Vor- haben durch den Korrespondenten des„Vorwärts", Franz o. Putt- kamer, bestärkt und unterstützt worden. Daß Feme im Sinne des Ausschußbeschlusses verliegt, ist deshalb nicht erwiesen, weil v. Putt- kamer behauptet, er habe die dem Bauer zur Ausführung des Mord- plans zugesagte Unterstützung nicht ernstlich gemeint. Gleichwohl hat der Mordplan des Bauer auf den Abg. Echeidemann durch das Verhalten des v. Puttkamer eine wesentliche Förderung erfahren. Der Mordplan ist nur deshalb nicht zur Ausführung gelangt, weil Bauer inzwischen ermordet worden war. Ob und inwieweit noch andere Mitglieder des Blücherbundes oder der Organisation Roßbach an der Verabredung zur Ermordung des Abg. Scheidemann beteiligt waren, ist nicht nachweisbar. Im Falle Sand meyer ist Feme im Sinne des Ausschuß» bcschlusses nicht erwiesen. Es besteht jedoch der Verdacht, daß die Sandmeyer wegen Wafsenverrats auf Grund einer Verab- redung einzelner Männer, die damals mit Waffenbergung zu tun hatten, ermordert worden ist.— Im Fall« Härtung ist Fem« im Sinne des Ausschuhbeschlusses nicht erwiesen. Es besteht jedoch auch in diesem Falle der Verdacht, daß Härtung wegen Waffen- verrats oder Verrats an der Organisation auf Grund einer Verab. redung einzelner Männer, die damals mit Waffenbergungen zu tun hatten, ermordert worden ist.— Im Fall« Dobner liegt der be- gangenen gemeinsamen Körperverletzung eine Verabredung einzelner Mitglieder einer Organisation im Sinn« des Ausschußbeschlusses zu- gründe. 2. Es liegt kein Anhalt für die Annahme vor, daß in den gerichllich abgeurteilten Fällen Bauer, Bauer-Scheidemann und Dobner die in den Urteilen festgestellten Straftaten von den Lei- tun gen der Organisationen, denen die Täter angehört haben, gefördert oder gebilligt worden sind. Dasselbe gilt auch für die Leitung der Organisation, der in den Fällen Sand- meyer und Härtung die freigesprochenen oder außer Verfolgung gesetzten, trotzdem aber noch im Verdacht der Täterschaft befindlichen Angeschuldigten angehört haben. Femeorganisationen im Sinne des Ausschußbeschlusses haben nicht be- st a n d e n. Es ist im Gegenteil erwiesen, daß die offizielle Leitung der in Betracht kommenden Organisationen jede Privatjustiz abgelehnt hat. 3. Der gegen einzelne Justizbeamte erhobene Vorwurf Pflicht- widrigen Verhallens der Führung der Untersuchungen ist unbe- gründet. Der Ausschuß erachtet es für widerlegt, daß von Seiten der Beamten der Justiz etwas geschehen ist, um den Täter der Strafverfolgung zu entziehen. Auch der gegen Leiter und Beamte der Polizeidirektion München erhobene Vorwurf der Einflußnahme zur Hemmung des Verfahrens ist widerlegt. der drang nach Gröen. Külz lenkt auf Preußen ab. Eine Aeußerung des Reichsministers Dr. Külz auf dem Demo- kratischen Parteiausschuß mußt« dahin verstanden werden, als ob der Preußische Ministerpräsident Braun Herrn Dr. Külz zur Einbringung eines Gesetzentwurfes betr. Verleihung von Orden und Titeln„gedrängt" habe. Das war ein« der beliebten Ausreden, um sich Rückendeckung bei der Sozialdemokratie zu suchen. Vor genau einem Jahr, um die Weihnachtszeit 1926, herrschte in Bayern besondere Feststimmung. Ueber die„bayerische Seele" wurde eine Füll« von Titeln unerhört schönen Klanges ausgeschüttet. Ge- werberat, Landesarbeiterrvt, Sanitätsvat— es regnete nur so Räte. Die Reichsregierung aber tat nichts, um Bayern zu einer Achtung der Verfassung zu veranlassen. Preußen fragte darauf wiederholt das Reichsministerium des Innern an— das doch der berufene Schützer der Verfassung sein soll—. ob es etwa Bayerns Vorgehen mit der Verfassung für vereinbar halt«. Darauf ist niemals— weder von Herrn Schiel« noch von Herrn Dr. Külz— eine Antwort erteill worden. Stall einer Antwort, die man wohl als zu unbequem empfand, stellt« man vielmehr immer wieder an Preußen die ausweichendeFrag«, ob dieses gewillt fei, einer AenderuNg der Reichsverfassung durch Einbringung eines Gesetzes zuzustimmen, das di« Verleihung der Titel und Orden regeln sollte. Demgegenüber oerwies Preußen immer wieder darauf, daß der Kernpunkt seiner Frag« sei. ob das Reich das Vorgehen Bayerns für vereinbar mit der bestehenden Reichsverfassung halte. In keinem Stadium des Schriftwechsels hat Preußen nur mll einem Wort auf ein« Aenderung der Reichsverfassung„gedrängt", vielmehr stets ihre Beachtung auch durch den süddeutschen Staat und ihren Schutz durch das Reich gefordert. Der Erfolg war gleich Null. Das Reichsminifterium, dank den preußischen Einwänden in schwere Verlegenheit oersetzt, zog es numnehr vor, di« Taktik des Schweigens zu ergreifen, und erst, als von Preußen erneut«in« Klarstellung der Sachlage gefordert wurde, entschloß man sich im Reichsminifterium des Innern— im April dieses Jahres— an di« Einbringung eines verfassungsändernden Gesetzes im Reichstag heranzutreten und das Kabinett mit dieser Frage zu be- schäftigen. Ein halbes Jahr lang geschah nichts, und wenn im Oktober der preußische Ministerpräsident Braun sich nach dem Stand der Angelegenheit erkundigle, so gehört schon kühne Phantasie dazu, daraus eine preußisch« Initiative auf A e n d e- rung der Reichsverfassung abzuleiten. Michaelis vor öem Unterfuchungsauschuß. Tie päpstliche �riedensaktion von 1017. Der Untersuchungsausschuß des Reichstages beschloß heute, am kommenden Dienstag die Vernehmung des Reichskanz- lcrs a. D. Michaelis, gegen den bekanntlich der Abgeordnete Dr. Bredt wegen seines Verhaltens zur päpstlichen Friedensaktion schwere Vorwürfe erhoben hat, vorzunehmen. Außerdem sollen auch die noch lebenden Mitglieder des damaligen S i e b e n e r a u s s ch u s s e s, der die Antwortnote an den Papst zu redigieren Halle, vernommen werden. Es find das die Abgeord- neten Scheidemann, Stresemann, Westarp und Vize- kanzler a. D. P a y e r. Mieterhöhungen in Sicht? Hirtfiefer prophezeit ab 1. Januar 1927 10 Prozent Mieterhöhung. Mörs(Rhld.), 19. Dezember.(Mtb.) Auf dem hiesigen Kreis- Parteitag der Zentrumspartei kündigte der preußische Wohlfahrts- minister Dr. H i r t s i e f er eine zehnprozentige Miet- erhöhung zum 1. Januar 1927 an, die zum Ausgleich der dann fälligen höheren Verzinsung der Hypotheken um 8 Proz. dienen soll. Der Minister betonte, daß.die Friedensmiete von hundert vom Hundert nicht länger beibehalten werden könne. Da die Mieten in Neubauwohnungen nicht höher gesetzt werden könnten, müßten die Mieten in den Altwohnungen erhöht werden, um beide Mietsätze einander anzugleichen. Auch im Auslande seien die Vorkriegsmieten bedeutend überschritten worden. Dieselbe Entwicklung würde für Deutschland bei einer Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft, die nicht ewig auf- rechterhalten werden könnte, ohnehin kommen. Deutsch-italienischer tzanüelsvertrag. Ein Ergänzungsabkommcn. In Rom wurde von dem deutschen Botschafter und Mussolini ein Ergänzungsabkommen zum deutsch-italienischen Handesvcrtrag vom 31. Oktober 1925 unterzeichnet, das einige bisher unerledigte Fragen regelt. Für Deutschland ist von besonderem Interesse das italienische Zugeständnis der sogenannten Comoklausel, wonach auch diejenigen Waren, die nicht im italienischen Zolltarif ausgeführt sind, von einigen Ausnahmen abgesehen, zu den Vertragsätzen derjenigen Waren verzollt werden, denen sie durch das Wort Como gleichgestellt sind. Ferner sind die italienischen Zollsätze für einige Waren, wie Elektrokarren, mechanisches Spielzeug und Hart- papierspulen klargestellt worden. Italien gegenüber ist deutscher- seits anerkannt worden, daß Marsalawein, dessen Fakturen- preis mindestens einem Betrage von 1,69 M. für die Flasche ent- spricht, ebenso wie vor dem Kriege als hochwertig anzusehen und infolgedessen nach der deutschen Weingesetzgebung in der Regel ohne Untersuchung zur Einfuhr nach Deutschland zugelassen wird. Finanz- unö Weltwirtschaft. Genfer Ratsbeschlüsse. Genf. S. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) In einer drei- stündigen Sitzung genehmigte der Völkerbundsrat am Donnerstag nachmittag zunächst drei Berichte über die bulgarische und griechische Flüchtl/iigssürsorge. Die bulgarische Flüchtlingsanleihe wurde be- willigt. Außerdem wurde beschlossen, zur Frage der internationalen strafrechtlichen Verfolgung von Geldfälschern einen Sachverstän- digenausschuß einzusetzen. Den Bericht über die Danziger Anleihe erstattete Vonderveld«. Er empfahl Danzig und Polen, mit- einander mehr persönlich statt in endlosem Schriftwechsel zu verkehren. Der Reichsaußenminister Stresemann unterstütz:« diese Empfehlung Vanderveldes, jedoch nicht nur für die Stadt Danzig. sondern für den Verkehr zwischen allen Völkern. Stresemann erneuerte außerdem das Bekenntnis eines besonderen Interesses, daß Deutschland an Danzig habe. Der Rat ge- nehmigte eine internationale Anleihe von 39 Mil» l i o n en Gulden, die durch Verhandlungen mit der Reparation?- kommifsion noch etwas erhöht werden kann. Als Garantie wird ein staatliches Tabakmonopol eingeführt, das jedoch von einer Privat- gesellschaft betrieben werden soll. Senatspräsident S a h m sprach dem Finanzkomitee den D a n k für das der Stadt Danzig gewährte Wohlwollen aus. Den Bericht über die Einberufung der Wirtschastskonserenz verlas Dr..S tr e s e m a n n in englisch. Er sprach der Vorbe'-eiten- den Wirtschaftskommission den Dan? und die Anerkennung des Rates aus und hob die außerordentliche Bedsutung der zum 4. Mai einberufenen Konferenz hervor. Einladungen sollen außer?n die Mitgliedstaaten auch an die Vereinigten Staaten. Ruß. land, Mexiko, Ecuador und Aegypten erfolgen. Der zum Vorsitzenden der Konferenz gewählte Belgier T h c u n i s dankte für sein« Wahl und erklärte, die Wahl der Konferenzdelc- gierten durch die Regierungen dürfe nicht mit gebundenen Marschrouten erfolgen. Darauf beschloß der Rat, die Zkon- serenz zur Kontrolle der privaten Wasfensabrikalion auf alle Fäll« im nächsten Jahr abzuhalten. Im Vorberoi- tungsausschuß sind die Ratsmächte vertreten und Amerika und Ruß. land eingeladen. Er soll ein neues internationales Abkommen vor- bereiten. Kommunistisch-gelbe Einheitsfront. Bei Orenstein& Koppel in Spandau. Die Kommunisten versuchen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die„Einheitsfront� der Arbeiterschaft zu oerwirklichen, so wie sie sie auffassen. Bei den SPD.-Arbeitern ist ihnen dies vorbei- gelungen, weil diese erkannt haben, daß die Kommunisten immer noch mit den Mitteln der Lüge und Verleumdung arbeiten. NunversuchensieesbeidenGelben.wiees scheint, mit besserem Erfolg. Wenn wir schon verschiedentlich feststellen konnten, daß Kommuni st en und Gelbe Hand in Hand arbeiten, so haben die kommunistischen Betriebsräte von Orenstein u. Koppel hierfür von neuem den Beweis geliefert. Schon bei der Wahl des Betriebsausschusses haben sie durch ihre Hinterhältigkeit die mit den SPD.-Kollegen getroffene Vereinbarung gebrochen. Bei der Wahl des Gesamt betriebsrates gingen sie ganz offen mit den Gelben zusammen, indem Kommunisten und Gelbe eine gemeinsame Liste einreichten. Es hat nicht viel gefehlt, so wäre der Gelbe Spitzenkandidat aus der kommunistischen Liste geworden, lediglich formale Gründe standen dem entgegen. Durch diese Verbrüderung haben es die Kommunisten fertig- gebracht, einen freigewerkschaftlich Organisierten vom Gesamtbetriebsrat fernzuhalten und an dessen Stelle den Gelben zu sehen. Eine wahrhaft revolutionäre Taktik! Der Ausbruch der„Welt- reoolution" kann demnach jede Stunde zu erwarten sein. Unsere Genossen werden es sich nach dieser Tat überlegen müssen, ob sie in Zukunft überhaupt noch irgendwelche Vereinbarung mit den Kommunisten treffen können. Für uns kommen als Bundes- genossen nur Arbeiter in Betracht, die es ablehnen, mit Gelben Hand in Hand zu arbeiten. Wenn nun schon kommunistische Bezirksoerordnete, Fraktionsvorsitzende usw. sich mit den Gelben verbrüdern, was soll man dann erst von den „gewöhnlichen" Kommunisten erwarten? Oie Serliner Holzarbeiter im Z. Quartal. Gegen die Ueberstunden. Die Berliner Ortsverwaltung des Holzarbeiter- Verbandes hatte Dienstag abend im Gewerkschaftshaus ihre ordentliche Generalversammlung. Genosse Frei gang führt« in seinem Geschäftsbericht über das 3. Quartal aus, daß sich die Geschäftslage in der Berliner Holzindustrie i m e r ft e n M o n a t s des Quartals nochweiterverschlechterte, sich aber in den beiden letzten Monaten etwas gehoben habe. Das konimt am deutlichsten in den Zahlen über den Stand der Arbeitslosigkeit zum Ausdruck. Am Schluß des 2. Quartals waren 16 671 arbeitslose Holzarbeiter auf dem Arbeitsnachweis eingetragen, am 28. Juli 17 444, am 23. Dezember 14 193 und bei der letzten Zählung am 1. D e z e m- der 7813, wovon 4S67 auf die Tischlerbranche und 3246 auf die übrigen Branchen entfallen. Im Reichsdurchschnitt gesehen wies Berlin den höchsten Prozentsatz an arbeitslosen Mitgliedern auf. Waren im Juli 28,9 Proz. der Mitglieder des Verbandes arbeitslos, im August 27,2 Proz., im September 24,6 Proz. und im Oktober 22,39 Proz., so waren in den gleichen Monaten in der Berliner Ortsverwaltung 47,7, 44,7, 39,25 und 39,6 Proz. der Mitglieder erwerbslos. Diese ungünstige Situation am Arbeitsmarkt versuchten die Unternehmer wie überall dazu aus- zunutzen, um die Löhne und Akkordsätze zu reduzieren. Die not- wendige Folg« dieses Vorgehens der Unternehmer war eine erheb- liche Anzahl von Abwehrbewegungen und auch Angriffs- streiks, um schon vorgenommene Lohnkürzungen wieder weit- zumachen. Freigang ging dann näher auf die Lohnbewegungen in den einzelnen Branchen und Betrieben ein, für die die Lokalkasse insgesamt 3297 M. verausgabte und die größten- teils mit einem vollen oder teilweisen Erfolg beendet werden konnten. Er verwies sodann auf den im„Mit- teilungsblatt" vom 29. November gegebenen Kassenbericht für das 3. Quartal, wonach sich Einnahmen und Ausgaben der Haupt- kafse mit 249 377 M. ausgleichen. Der Bestand der Lokalkasse er- höhte sich von 7 1 272 M. auf 123 412 M. An Unterstützungen wurden u. a. 57 459 ZU. an Arbeitslose, 15 623 ZU. an kranke und 34 472 ZU. für besondere Zlolfälle ausgezahlt. Der Mitgliederbestand ist an sich stabil geblieben, wenn auch ein ganz geringer Mitgliederrückgang infolge der anhaltenden Krise ein- getreten ist. Am Schluß des 3. Quartals waren in Berlin 2 4 85 3 Mitglieder vorhanden gegen 25 196 am Schluß des 2. Quartals. Genosse Freigang wandte sich zum Schluß ganz besonders gegen das Ueberstundenunwefen in einzelnen Betrieben, durch das nicht nur die Zurückführung der Arbeitslosen in den Produktions- prozeß verhindert, sondern auch den Unternehmern Mate- rial in ihrem Kampf gegen die Verkürzung der Arbeitszeit geliefert wird. Er ermahnte die Delegierten, in den Betrieben dahin zu wirken, daß die tarifliche 4bstiiNdige Arbeitszeit eingehalten wird. In der Diskussion über den Geschäftsbericht sprach nur ein Redner der„Opposition", der das angebliche Fehlen eines Regle- ments der Geschäftsführung in den Versammlungen kritisierte, jedoch vom Genossen Boese sowohl wie vom Genossen Freigang in seineni Schlußwort auf das Irrige seiner Behauptung hingewiesen wurde. Eine ausgedehnte Debatte entfachte ein von der Opposition ein- gereichter Antrag, der in der Sitzung der erweiterten Ortsverwaltung abgeändert, dann einstimmig(einschließlich der Kommunistens an- genommen und der Generalversammlung zur Annahme empfohlen wurde. Der Antrag lautet: „Die am 7. Dezember 1926 tagende ordentliche General- Versammlung der Verwaltungsstelle Berlin des DHV. e r- innert die Kollegen erneut an den bestehenden Beschluß, nach welchem jede Ueberstunde abzulehnen ist. Da durch die Rationalisierung der Wirtschaft auch der Acht- stundentag keine wesentliche Verringerung des Arbeitslosenheeres bringen kann, fordert die Generalversammlung alle Mitglieder auf, es nicht bei dem von den Spitzenkörverschaften im Reichstag ein- gebrachten Notgesetz zur Wiederherstellung des Achtstundentages be- wenden zu lassen/ sondern unermüdlich dafür einzutreten, daß der Sieben st undentag eingeführt wird." Die„Opposition" brachte einen Abänderungsantrag ein, der vom ADGB. den„außerparlamentarischen Kampf um die 42-Stunden- Wache" fordert. Dieser koinmunistische Agitationsantrag verfiel der Ablehnung. Die Versamnilung nahm mit übergroßerMehr- h e i t den Antrag der Verwaltung an. Die Lohnbewegung See Neichs- unS Staatsarbeiter. Verhandlungen nächste Woche. Vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter wird uns mitgeteilt: Wie wir in Erfahrung gebracht haben, finden die VerHand- lungen für die Reichs- und Staatsarbeiter Mitte nächster Woche im Rcichsfinanzmimsterum statt. Ob die Reichsarbeiter eine ein- m a l i g e Zulage oder eine lausende Lohnerhöhung erhalten, wird wesentlich von den Beschlüssen des Reichstages bzw. des Preu- ßischen Landtages abhängen. Im Auftrag der gesamten Tarif, kontrahenten haben wir bei den uns nahestehenden Fraktionen entsprechende Anträge gestellt. Tarifbewegung öer Krastöroschkenfahrer. Am Lohn- und wankelkarif. Die im Verkehrsbund organisierten Kraftdroschkenfahrer beschäf- tigten sich am Donnerstag abend in einer gut besuchten Versammlung in den Residenzfestsälen mit dem Stand ihrer Lohnbewegung. Ge- nosse H e y l voni Verkehrsbund gab zunächst einen Ueberblick über die Entwicklung des Berliner Kraftdroschkengewerbes, dem so viele Chauffeure zuströmten, in der Erwartung, in diesem Gewerbe in kurzer Zeit goldene Berge zusammenfahren zu können. Sie alle sind in ihren Hoffnungen stark enttäuscht worden. Die endlosen Reihen von Kraftdroschken an den Halteplätzen beweisen auch jedem Unkundigen, daß der Beruf eines Berliner Kraft- droschkenführers kein beneidenswerter ist. Es ist keine Seltenheit, daß Fahrer, wenn sie 12, ja bis zu 14 Stunden am Steuerrad gc- sessen haben, mit einem Verdienst von 2 Mark nach Hause gehen! Der Verkehrsbund bemüht sich schon seit Jahren, für die Kraft- droschkenführer einen Garantielohn und tariflich geregelte Arbeitsverhältnisse zu schassen, wie es in vielen Großstädten schon lange üblich ist. Diese Forderung scheiterte bisher aber immer an der ablehnenden Haltung der Droschkenbesitzer. Der Verkehrsbund hat vor kurzen: der Innung der Berliner Droschkenbesitzer einen Lohn- und Manteltarifentwurf eingereicht, zu dem die Unternehmer in ihrer Jnnungsversammlung Stellung genommen haben. Die Droschkenbesitzer beauftragten in dieser Versammlung ihren Borstand, mit dem Verkehrsbund einen Lohn- und Mantelvertrag abzuschließen, und wähllen auch eine Lohnkommission, um die Einzelheiten eines Vertrages festzulegen. Da der Versammlung der Krastdroschkenfahrer eine klare Ant- wort der Droschkenbesitzer noch nicht vorlag, wurde der Verkehrs- bund beauftrag:, den S ch l i ch t u n g s a u s s ch u ß in dieser Ange- lcgenheit anzurufen und an der ausgestellten Forderung: 4 Mark Garanticlohn pro Tag und 15 Proz. von der Gesamteinnahme, fest- zuhalten. Die Versammelten waren der Auffassung, daß sich die Droschkenbesitzer, wenn sie es ehrlich meinen mit ihrer Bereit- Willigkeit zum Abschluß eines Lohn- und Mantelvertrages, in freier Verhandlung zuin Abschluß dieser Verträge bereit- erklären werden. Im weireren Verlauf der Versammlung wurden die Zustände bei der Jnnungskrankenkasse einer scharfen Kritik unter- zogen. Trotzdem die Beitrüge zur Krankenkasse mehrfach erhöht worden sind, ist diese in ihren Leistungen stark zurückgegangen. Die Abführung der Beiträge durch die Unternehmer läßt ebenfalls viel zu. wünschen übrig. So wurden 42 Kraftfahrer vorgeschlagen, die für die bevorstehende Neuwahl des Vorstandes und des Ausschusses kandidieren sollen._ Tie frankfurter Strastenbahner für den Schiedsspruch. Franksurl a. ZU., 19. Dezember.(TU.) In einer Mitglieder- Versammlung am Mittwoch abend nahmen die Straßenbahner zu dem vom Zentralausschuß für Strahenbahnertarifsachen in Berlin gefällten Schiedsspruch Stellung; die Abstimmung ergab eine überwiegende Mehrheit für dessen Anahme. Die Er- klärung de� Stadt über Annahme oder Ablehnung steht noch aus. Streik der Straßenbahnarbeiter in Lodz. Die Straßenbahn- arbeitet haben den Streik proklamiert._ Verantwortlich für Dolitlk: Dr. Gurt Serien Wtrtlchaft: Slrtut Ester NU«: Dewerllchaflsbcweauna: 3. Steiner: sscuillcton: ST. 8. Däicher: Lokales und Sonnraes: gri» itariiädt: Anzeiaen: Td. Eloiie: sämtlich in Verlin. Derlaa: Vorwarts.Verlaa G.m.b.H.. Berlin. Druck: Dorwärts-Buchdruckerel und Verlaasanstalt Paul Einaer u. Go. Berlin S® 68, Linden strake 3. Hier,« 1 Beilage. Qualitätswaren zu kleinen preisen! Mpo0e«en Unsere bekannt guten SpezialqualitSten, lo Sarin, starkfüll. Einlage, solange Vorrat: Billige Künstler-Garnituren elfenbem 3,— 7.— 10,— engl. Tüll 12,— 15,— 18,— 20,— 24,— 28,— 32,— 36,— Etamine u. gltt 6,— 12,— 20,— 28,— Madras, hell 4,— 6,— 9,— 10,— echtfarbig 12,— 18,— 20,— 24,— 28,— SO,— 32,— 36,— Dkl. Mdraö-Zalten- Dekoration 11,— 15,— 20,— 25,— dto. Kunstsd. 20,— 25,— 30,— 36,— dto. Wolken-Dek. 15.— 20.— 30.— dto. dto. Kunstsd. 26,— 35,— 42,— preisw. Salb-Gtores engl. Tüll 3.— 5,— 8,— 10,— Etamine m. Filet 3.— 12,— 16,— 20,— schw. Hand-Filet-Stor. 30,— 40,— Schlafzimmer- Zalten-Sarnituren engl. Tüll 12,— 16,— 20,— 28.— Mull 15,— 20,— 24,— 30,— Madras, hell 20,— 25,— SO,— 36,— »alle 30,— 86,— 48,— 60,— Etamlne, per Meter 35 Pf. „ 150 cm br.„ 60„ Sächsisches Gardinen- und SinrichtungS-Saus Neukölln, nur Sermannstraße 32 Filiale: Filiale: Eberswalde, Nawawes, Eifenbahnstr. 99 Priesterstrahe 57 fpalil- »hinA. Iir für fchwere Filii beuitigt worira. in Hütt., Gesät »ori Sil», wenn JntUestgislelll. IS Tagen tlnS Unanlasthare Htilerfnlge iestftignng nnd Refertnien. firztl. empfohlen. infalitantnlt<06. 4-«. t-450 Anfertigung von Dekorationen innerhalb 24 Stunden Haus Hugo Ahronfcld Gr. Frankfurter Sir. 117 Praktische Wintermäntel 975 JQ50 Reinw. Flanschmäntel rabpe1sateh' 14" 19" ei"kragen2' 2�° 29" Reinw. Velonrman ÄrtrailiiinniäiitünriS30 KrimnierffläDtel Ottoman-Mäntel auf osmast Sd-WiÄra.r8!ret[. Ottoman-MlDtel kT 5f 4950 5900 f. Baer, Berlin N20 Badstra£e 26, Ecke Prinzenallee Neuheiten für Herbst und Winter Total-Ausverkauf zu sensationell billigen Preisen I Bekannt als Qualitätsware Wiener Pelz-Haus Leipziger Straße 89 ladten Mäntel SHnnKS gegenüber Scldenh Michels Föätse/ Hollen ✓ Bflte Qniltnngs-.Rabail- u.Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl.«esch. fertigt seit 45 Jahr. als Spezialität Conrad flflller Schkeuditz- Leipzig in Herren- n. Knabenmoden Fertig und nach Maß Joppen nnd Schlafröcke Sport- und Berufskleidung Trotz billiger Preise nur Qaalllälsware Billige Spielwaren 30— 50 Prag, billiger wegen Ausgabe der Abteilung: Sesellschastsspiele von 20 Pf an, gauberkästen van 75 Pf. an. Zaubcrwürsel 30 Pf.. Wunderröhre 30 Pf.. Dackelwagen, gefüllt mit 20 Spielwaren. jui. 5 Ml; Ti-rschnixer 2 Mr.,»arusfell 1 Ml., qt. fahrbare Tiere mit Stimme 1 Mk.. Märchenguartett 80 Pf. Viele Carlen Spielwaren und Puppen.— FUr Vereine lehr vorteilhail I. Um z Co JhrkgnfmM Großer Welhnatiits-Verkaii!«awunng MiM, lies Ii, Sonntag, d.12.,2-6 geälfnel.»IIA 1 19. SlÄ Braasev, Vorlagen. Uimerslolle, entHiasslä. FahrUtate zn dliugen EnarosUstenprelsen lOOOTeppiche nae ÄSÄK8,,,e 1 zu wesenflldi ermäßlglen Preisen Herren- nun Spelsezimmer-Exempllire' Nachstehend einige Beispiele der billigen Preise: TT0' 250 X�50 32-~,- Ocntstne Perser-teppltne 200 x 300 25.50, zsoyssa Ganz besondere Gelegenheit: nur jequ. SonslS 250 x»'" statt 118.- nur HJ.-, 300 X 400 statt 148.- nur»8.-. la Taarasy:5«X3jO statt 248.- nur 198,—. c«er als®. Woi-perssr:-0x 350 198.—. 300 X 40» 143.—. Uns au 350 X 500 218— Größtes T eppichlager. Seit 30 Jahren in Berlin-Schöneberg, nur Hauptstr. 5. Bitte Haiisniininier zu beachten. Nr. 5S2>4Z.Iahrgasg Seilage öes Vorwärts Irektag, Dezember 1H2ö Eine �rmensache. We«» der Wohlfahrtsarzt nicht zu Hause ist... Viel Glück scheint der Arbeiter j)ellriegel in seinem Leben überhaupt noch nicht gehabt zu haben. Wegen seiner Kriegs- beschädigtenrente klagt er noch, denn angeblich hat er die Anmelde- frist versäumt— aber er verliert wegen seiner Krämpfe eine Arbeitsstelle nach der anderen. Seine Frau ist schwer asthmatisch: kein Gedanke daran, daß sie irgendeine andere Arbeit als die nicht allzu schwere, aber darum auch nicht hoch bezahlte Hausreinigung eines Hauses in der Adalbertstraße annehmen kann. Darum fällt nun das Ehepaar mit seinem sechsjährigen Jungen feit einem Jahr „der Armenpflege zur Last", wie es früher so schön hieß. Sie be- kommen 30 Mark Barunterstützung und 13 Mark in Nahrungsmittel- kons vom Wohlfahrtsamt. 16 Mark trägt die Portierstelle, aber 10,50 Mark sind davon für die Miete zu zahlen.— Bleiben zum Leben für die drei Menschen ganze 60 Mark und 50 Pfennig. Es soll schon ein Kunststück sein, damit durchzukommen, und wenn man damit den Magen halbwegs vollkriegen will, darf man nicht zu wählerisch sein. Also kaufte Frau H. eines Tages„billige" Bücklinge vom Markt. Am späten Abend, nachdem sich die Familie ausnahms- weise dieses opulente Abendbrot geleistet hatte, zeigten sich bei dem Sechsjährigen die Anzeichen einer Fischvergiftung; gleichzeitig lag Frau H. in schweren asthmatischen Krämpfen. Unterstützt von Hausbewohnern, die dem geängstigten Manne gern ihr Telephon zur Verfügung stellten, versuchte der Vater vergeblich, den zuständigen Wohlfahrtsarzt zu erreichen. Schließlich lief er hin— um nach der vorsichtigen Erkundigung:„Das ist wohl eine Armensache?" den Bescheid zu bekommen:„Der Herr Doktor ist nicht zu Hauie!" — Da holte der Mann in seiner Verzweiflung den erstbesten Arzt. der menschenfreundlichcrweise auch mitkam, trotzdem ihm H. sofort erklärte, er selbst habe kein Geld, aber das Wohlfahrtsamt werde wohl zahlen. Der Zustand des Kindes war ernst genug. Der Arzt sorgte für sofortige Ueberführung in ein Krankenhaus. Aber nun... nun sollte das Wohlfahrtsamt außer der Krankenhausbehandlung des Kindes auch die 10 Mark für die nächtliche Arztvisste zahlen. Dieses „unbillige Verlangen" wurde glatt abgelehnt: denn, so lautet die wohlweisc Begründung, die Familie habe sich strikt an den zugewie- lenen„Wohlfahrtsarzt"(Armenarzt war wenigstens ein ehrlicheres Wort) zu halten; Besuche anderer Aerzte könnten nicht honoriert werden. Einige kleine Anfragen: In welchen Stunden darf ein vom Wohlfahrtsamt Unterstützter vorschristsmäßigerweise ertranken?— Und muß ein Vater, wenn der„zuständige" Arzt nicht zu Haus ist, sein Kind eher stundenlang in schwersten Schmerzen, ja sogar in Todesgefahr lassen, als die Hilfe eines menscheinfreundlichen Arztes, wenn der auch kein„Wohlfahrtsarzt" ist, in Zlnspruch zu nehmen? Drei Toüesurteile beantragt. Ter Staatsanwalt im Prozest Lietzkow. In seiner fast einstündigen Rede in dem Prozeß gegen Frau Lietzkow und Schwarz und Pötsch wegen Ermordung des Steinmetz Lietzkow begründete der Staatsanwalt in aller Ausführlichkeit leine Strafanträge. Auch er fand zwar scharfe Worte für den Getöteten, der ein unsympathischer und brutaler Mens ch gewesen ist. D i e T a t s e l b st ist aber von Schwarz und Pötsch mit Vorsatz und Ueberlegung ausgeführt worden. An- gestiftet waren sie von der Ehefrau Lietzkow. Die Frau habe sich nicht nur allein über ihr Leid beklagt, sondern die jungen Leute direkt zur Tat gedrängt, die si« dann aus Mitleid für die Frau be- gangen haben. � Notwehr liege nicht vor. Lietzkow ist hinterrücks er- schosien worden. Menschlich mag man noch soviel Mitgefühl und Verständnis für alle drei, insbesondere für die Angeklagte Lietzkow ausbringen. Rechtlich fallen solche Empfindungen nicht in die Wagschale: sie seien höchstens für die Gnaden- instanz von Bedeutung. Deshalb feien Schwarz und Pölsch wegen Mordes und die Angeklagte Lietzkow wegen Anstiftung zum Morde zum Tode zu verurteilen. Allen dreien seien die bürgerlchen Ehren- rechte auf Lebenszeit abzusprechen.— Wenn noch ein neuer Beweis für die Unzuträglichkeit des Mordparagraphen, der keine mildernden Umständ» kennt, notwendig wäre, so wären es die unverständlichen Bewcisanträge des Staatsanwaltes. Ueberfall im Zrieürichshain. Der Täter verhaftet. Im Friedrichshain wurde in der vergangenen Nacht eine 42 Jahre alte Frau Emma B. aus der Esmarchstraße überfallen. Die Frau hatte Verwandte in der Landsberger Straße besucht und war dort bis gegen Mitternacht geblieben. Als sie dann durch den Friedrichshain nach Hause ging, trat ihr plötzlich ein Mann cnt- gegen, versetzte ihr mehrere Fau st schlage ins Gesicht, warf sie zu Boden, kniete auf ihr und würgte sie. Die Ueberfallene konnte aber noch um Hilfe rufen. So wurden Passanten aufmerksam, die den Schreien nachgingen, andere eilten nach dem nahegelegenen 82. Polizeirevier. Als der Uebeltäter die Leute herankommen sah, ließ er von seinem Opfer ab und ergriff die Flucht. Passanten und Schupobeamte verfolgten ihn. Dabei kam erzu Fall, wurde Typhusgefahr für Serlin? Mehr Erkrankungen in diesem Jahr.— Vorkehrungen zur Abwehr. Eine Zeitungsmeldung spricht von einer Zunahme der Typhuserkrankungen in Berlin und fordert Vor- kehrungen zur Abwehr. In einer Großstadt wie Berlin ist es selbstverständlich, daß eine solche Gefahr jederzeit besteht. Jederzeit ist es möglich, daß von einzelnen Krankhcits- fällen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden und daher Abwehr- maßnahmen unterbleiben, eine Epidemie ausgeht. Ob aber in diesemJahrein Berlin die Typhuserkrankungcn sich ungewöhn- lich gemehrt haben, das möge man nach folgenden Zahlen be- urteilen. Aus Berlin wurden Typhuserkrankungen ge- meldet in den bisher elf Monaten des Jahres 1926(in Klammern die Zahlen für dicfsben Monate von 1925): im Januar 10(21), Februar 13(10). März 14(12), April 12(4). Mai 10(15). Juni 24 (37), Juli 76(64), August 93(62), September 76(46), Oktober 30 (41), November 13(22), das sind zusammen in elf Monaten 371 (334). Daß im Juli, August, September die Erkrankungsziffer be- trächtlich ansteigt, ist eine Erscheinung, die alljährlich wiederkehrt. In 1926 waren die Erkrankungsziffern für einige Monate niedriger als in 1925, in anderen höher als für 1925. Beträchtlich höher waren sie für A u g u st und September, dagegen zeigen Oktober und November in diesem Jahre einen rascheren Absall der Ziffern als im vorigen. Für Dezember können natürlich noch keine Zahlen vorliegen. Die Gesamtzahl aus den elf Monaten ist in diesem Jahre um rund 11 Proz. höher als im vorigen. Solche Unterschiede kommen öfter vor, zum Teil unter dem Einfluß der Witterungsoerhältnisse. Mit den Erkrankungsziffern von 1926 und 1925, die sicb auf die jetzige Viermillionenstadt Berlin beziehen, vergleiche man, daß aus der früheren Zweimillionen- st a d t Berlin z. B. für 1908 und 1911(je zwölf Monate) 359 und 366 Typhuserkrankungen gemeldet wurden. Die in Berlin zur Meldung kommenden Typhusfälle sind, wie amtliche Feststellungen immer wieder ergeben, größtenteils von außerhalb eingeschleppt. Da zurzeit die Einwanderung nach Berlin, trotz drückendsten Wohnungsmangels und entsetzlichsten Erwerbs- lofenelends, sehr erheblich ist, so ist auch mit einer nicht geringen Einschleppungsgefahr zu rechnen. Als Gefahrenquellen ln Berlin selber sind hauptsächlich das Wasser und die Milch anzusehen. Die Kontrolle des Wassers wird in mehrfacher Wiederholung so gründ- lich betrieben, wie es nur möglich ist. Man darf annehmen, daß es zu einer durch Wasserverseuchung herbeigeführten Typhusepidemie in Berlin niemals kommen wird. Gefährlicher ist die Milch, zumal, da in diesem Jahr in einigen Gebieten, aus denen Berlin mit Milch versorgt wird, in Pommern, der Typhus stärker als sonst aufgetreten ist. Zur Abwehr gibt es hier zwei Mittel, die Kon- trolle der Milch und die Abkochung. An der Kontrolle be- teiligen sich auch die Organisationen der Milchhändler, da sie einge- sehen haben, daß eine durch Milchverseuchung herbeigeführte Typhus- epidemie ihnen selber durch sofortigen Rückgang des Milchverbrauchs großen Schaden brächte. Die Milch vor dem Gebrauch abzukochen. ist eine Aufgabe, die den Hausfrauen zufällt. Es kann nicht oft genug betont werden, daß diese Vorsicht nicht außer Acht gelassen werden darf. Selbstverständlich muß die Stadt alles tun, bei einer ausbrechen- den Epidemie auf die Abwehr gerüstet zu sein. Aber das Wichtigste in dem Kampf gegen Seuchen ist, daß schon der Entstehung einzelner Erkrankungen vorgebeugt wird. Die Typhuserkrankungen in Potsdam. Im Laufe des gestrigen Tages sind wiederum drei Typhus- verdächtige in das städtische Krankenhaus eingeliefert worden. Im Joseph-Krankenhaus liegen zurzeit 19, im Städtischen Kranken- Haus neun Fälle. Zu diesen 28 Erkrankten kommen noch zwei Personen, die in Prioatbehandlung liegen, so daß insgesamt die Zahl der Typhusfälle in Potsdam auf 30 gestiegen ist. Die Scharlach- und Grippeerkrankungen in der Staatlichen Bildungsanstalt sind nach den Mitteilungen der zuständigen Gesundheitsbehörde im Abflauen begriffen. Die Scharlach- erkrankungen in der Epileptischen Anstalt in Potsdam, etwa 25 an der Zahl, sind schon vor einiger Zeit aufgetreten. In den letzten Tagen sind keine neuen Erkrankungen hinzugekommen, wie überhaupt die Zahl der Scharlachfälle in Potsdam nicht das übliche Maß übersteigt, also zu Beunruhigungen keinerlei Anlaß vorliegt. ergriffen und nach der Wache gebracht. Hier stellte er sich so, als ob er betrunken wäre und von nichts wisse. Er wurde festgestellt als ein 34 Jahre alter wohnungsloser Schlosser Karl Meier und der Kriminalpolizei übergeben. Wahrscheinlich hat er die Frau nicht nur berauben, sondern auch vergewaltigen wollen. Böser Ausgang eines Familienftreites. Ein Familienstreit verursachte heute früh gegen 3 Uhr in dem Hause Drontheimer Straße 25 große Aufregung. Hier wohnt ein 54 Jahre alter Verwaltungsinspektor Karl M o e b u s mit seiner Frau und einem 32 Jahre alten Max Freitag, einem Sohne aus der ersten Ehe der Frau. Freitag ist schon seit zwei Jahren bettlägerig krank und kann sich nur an Krücken be- wegen. Heute früh kam Moebus gegen 3 Uhr nach Hause und geriet mit seiner Frau in einem heftigen Streit. Als Freitag sich zugunsten seiner Mutter einmischte, wandte der Stiefvater sich gegen ihn, drang auf ihn ein und schlug ihn. Da griff der Kranke, der sich erhoben hatte, wie er sagt, in der Notwehr, zur Selbstlade- pistole, gab fünf Schüsse aus Moebus ab und traf ihn in die Brust, den Bauch, die linke Schulter und den linken Arm. Die Polizei, die von den alarmierten Hausbewohnern herbeigerufen wurde, brachte den Schwerverletzten nach dem Jüdischen Kranken- haus. Freitag mußte feines körperlichen Ziistandes wegen in der Wohnung gelassen werden. Die Kriminalpolizei ist mit der weiteren Aufklärung noch beschäftigt. Der Tod auf den Schienen. In der Näh« von Großbeeren suchten innerhalb weniger Stunden drei Personen den Tod auf den Schienen. Gestern abend warf sich«in noch unbekannter etwa 25jähriger junger Mann vor einen Eilzug und wurde auf der Stelle getötet. Heute früh verübte gleichfalls in unmittelbarer Nähe Großbeerens e i n Liebespaar Selbstmord. Von Bahnbeamten wurde zwischen Kilometerstein 17,680 und 17,335 eine stark verstümmelte weibliche und männliche Leiche aufgefunden. Unzweifelhaft liegt ein Doppel- s e l b st m o r d vor. An der westlichen Böschung wurden die Ober- kleider des Paares gefunden. Die Personalien konnten noch nicht fest- gestellt werden, da keinerlei Papiere, die über Namen usw. hätten Aufschluß geben können, vorgefunden wurden.— Heute vormittag sprang ein etwa 50jähriger unbekannter Mann in der Gitschiner Straße, dicht am HaUefchen Tor, in den Landwehrkanal. Sofort an- gestellte Rettungsversuche blieben ohne Erfolg. Auch der herbeige- rufene Rcichswässerschutz suchte die Stelle vergeblich ab. Eine tausend- köpfige Menschenmenge umlagerte beide Konalböschungen. Ueberfall im Vorortzug? Ein geheimnisvoller Vorfall beschäftigt zurzeit die Berliner Kriminalpolizei. In einem vom Lehrter Bahnhos nach Grunewald fahrenden Zug wurde heute früh kurz nach 7 Uhr von zusteigenden Fahrgästen in» einem Abieil 2. Klasse eine Frau bewußtlos aufgefunden. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche blieben zunächst ohne Erfolg. Die Bewußtlose, eine Frau Dora N. aus der Voigtstr. 22 zu Berlin, wurde mit dem nächsten Zuge nach Berlin zurückgebracht, wo es dem Bahnhofsarzt des Lehrter Bahn- Hofs er st nach einer vollen Stunde gelang, sie ins Leben zurückzurufen. Bei der Vernehmung gab sie an, daß im dem Abteil ihr gegenüber ein jüngerer Mann mit schwarzen Bart gesessen hatte, der sie vermutlich betäubte. Ein falscher Samariter. In der Birkbuschstraße zu Steglitz wurde ein Arbeiter mor« gens gegen 6 Uhr von einem Kraftwagen angefahren. Der Chaufseur fuhr davon, ohne sich um den Ange» fahrenen zu kümmern. Während der Mann besinnungslos dalag, kamen mehrere Leute dazu, die sich um ihn bemühten. Einer von diesen, der auch herangekommen war, um scheinbar Hilfe zu leisten, suhr plötzlich mit einem Rade davon. Als der Angefahrene wieder zu sich kam, wurde festgestellt, daß der„Samariter" ihm sein Rad gestohlen hatte. Der Dieb ist noch nicht ermittelt. Mitteilungen an die Kriminalpolizei des Polizeiamts Steglitz. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der kinderfreund" liegen der heutigen Postauslage bei. Satze und huud In der Mcnschenseele oder die zwei Mrundlriebe de» Lebens. Zu diesem Tbema spricht Prosessor Dr. Th. L e s s i n o- Hannover am Freitag, den 10. Dezember, abends 8 Uhr, im Bürgersaal dcS Rat- hause?. Spandauer Straße. Eintritt 1 Ul. Die Reisebtieftaubeuvercinigung Spandau und Zimgedung vcransialiet am lt. und 12. d. M. in den Hohenzollern-Festsälen, Charloitcnburg, Berliner Sir. 103, eine Schau von seltenen Rcisebriestauben. Da« Pro- iektorat hat der Bürgermeister von Charlottenburg, Herr Augustin, über- nommen. Beginn der Eröffnung 5 Uhr. Schweres Bergwerksungliick in Amerika. Princelon(Indiana), 10. Dezember. Auf der Francisco- Grube im Südwesten des Staates Indiana ereignet« sich eine Schlagwetterkatastrophe. Von den in der Grube eingeschlossenen 6 9 Bergleuten sind bisher nur 30 geborgen werden. Unter den Geretteten befinden sich viele Schwerverletzte. Di« Explosion ereignet« sich kurze Zeit nach dem Einfahren der Morgenschicht. ■ scj&xcL&jri-pTicxfetiSuCihije z�irici Jedes Credüsyflem verieueri erheblich die Ware. Clnsep Verkauf nur gegen bar gewahrleisfel aUerMllgsle Preise Oberhemden weiß, primft EIomU und Rumpf- Stoff.......... M. 7.Ö0 Oberhemden farbig. I» Zephir, mit ncd ohne Kragen......... 7.BO Krawatten seid« und Halbseide, reiche Farben- Aus- wähl...... 3.60, 2.25 Hosenträger Garnitur einschließlich Sockenhalter u. Armiinge M. 3.50, 2.— Herren- Socken farbig, Jacquard M. 2.75, 1.95 Unterbeinkleider prima wollgemlacht, Gr. 3, M. 6.— Unterhemden» prim» iroUgemiKht, Gr. 4, M. 8.75■■ Unter-Garnitur, nc färb., beste Verarb., Gr. 3. M. 5. SO Ob Sil Nachthemden fester Rumpfstotf mit Besats......... farbigem C QIJ M. 7.50 ÜbZIII Schlaf- Anzüge Perkai Jid Zephir, In großer Aus- TT wähl.......... M. 9.75 l.üü H a u s j oppen molliger Flausch, in blau und IQ grau, mit 2 seiden. Agraffen M. iÜb1* Hausjoppen prima warmer Flausch in dunkel- QA olir, mit 3 seiden. Agraffen M. i, i»"""" Schlafrock gut. mollig. Flausch, in praktisch. Farben, m. Agraffe u. Schnur M. Haus-Anzug guter warmer Flausch, in weinrot u. mode, mit Verschnürg. M. Beinkleider moderne Muster. M. 18.- 14.- Frack-Westen imWascb-Piqn« U. 13.50, 11.50 Jql.-Windjacken starke imprägnierte Baumwollstoffe, Gr. 38..... von M. Schlupf-Anzüge aus grauem Cheviot, ganz gefüttert, für 3 Jahre.,... M. Schlüpfer die kleid- samete Form, aus reinw. Flauschetoffen, CQ in vielen Farben, für 8 Jahre M. Kieler Anzüge aus reinwoll. KlelerSerge, prima O*? Ausführung, für 3 Jahro.. M.£0 Eislaufjoppen aus reinwoll. Loden, warm ge- QTf füttert, für 11 Jahre..,. M ih9— Rodel-Garnitur. in entzückenden Farbstellungen, vier- und fünfteilig.. von iL Schwedenmütz. aus Leder, mit Pelzbesatz. M. Pelzkragen In Scballorm, zum EinknOpt M. 18.t IS. uad Soanlag, den 18. Dez«mbar von 2« Uhr aoSfnet töhtihujiiyffo S Pulloverstolfe eR. M in enormer Ausw, 1.S6 M5 P Pn-npline» rei,,e Wo,leiin = ropeime pofl. Farben- 59 fyeiMoHyiHt' Normal-Hemden wollgeailscht, doppelte Brust A75 3.75 3.10 Normal-Hosen wollgemischt.. 3.40 2.75 I Herren-Hosen m. angerauht. Futter 3.90 3.10 Damen-Schlüpfer�� mit angerauhtem Futter 2.50 6 Damen-Schlüpfer Kunstseide, plattiert, m. an ger. �25 Futter, 3 Größen, durchweg 4W cbMWM-fotiHföHMty Wraterstoffen, ��75 Mantel jugendl. Form mit Pelzkrag. aus reinw. Poplin- A.iCia Stoffen, in aparter 4490 Verarbeitung..... II 250 Nachthemd a35 Suckerei-Garnierung.. 4.50 Prinzeßrock T,roär�r 9 mit reich. Stick.-Gamier. 6.75 75 Nachtjacke�jfu�* lege krag. u. Langctlenans. 2.65 fi 95 Kamelhaarschuha S5 ,{. Damen, tn. Filz- u. Lcders.■ Pelzschuh �x"°? 43�92 neues Modell.....■ w Sc'mcesiiefcl tih'e«cbweilitcbe, Marke 4*175 FRE Form...... KS Brokat-Schah Silber, elegant, mit französ �90 Absatz...... Ö La'-k-Halbschuh lör Herren, mit schwarz. 4<5 50 Nubuck-Bins.,Goodyarged. I<£ Morgenrock Flauschstoffen in vieler warmen< iffen in vielen Farben 3�� Pullover-Bluse hochgeschlossen, aus ge- A95 musterten Velourstoff sn.. J* Tanzkleid smwrm 4A75 in aparten Lichtfarben. Iw Winter-Ulster 2rhg..schw Qual mprakt. �OOO Farben.... 54.00«S»? Gehrock-Paletots u.Pal Zrhg.sch warz u.m a- AIO OO rengo. ged. Ausführ. 65.00«W© Winterjoppen 2reihigu.Spoitform,schw. 4090 Stoffe, warm gefütt. 1SL0 SdL Hausjoppen„h eleg. Agraffen, moll. Stoffe s> � 90 in schönen Farben 25.00 I sS TToc«.-v«* in vieL Streif� ge-«H 90 axOSOH diegene S'ofle 7.50 3 ityHtiMW-OUtUM Zephirhemd 790 in modernen Karos 10.75 m Trikolinhemd prima Qualität in mode 4050 und hellkariert.. 14.50 IdC Selbstbinder aparte Muster in großer g Auswahl... 1.45 65 M 9� Selbstbinder 4«q reine Seide. 3.50 2.90 Hosenträger(„l�) mit Sockenhalter, im Karton OH 95 3.50 2.90 äC Klassiker SUmSSS!" weiß, holz fr. Papier. Jed Band Balzac Romane elegante Qeschenkbände, 37 verschiedene. Jeder Band 195 1" Ullstein Jugend- CA «chriiten,«leg. geb. Jed. Band OWJ CarlMay'sR�T'»25 elegant gebund. Jeder Band 9 Füllfederhalter«»45 mit 14 karit Goldfeder... A Rauch-Garnitur 4 Teile, gehämmert.... 1m l�piCr Kassetfan Bogen u. 25 Um- EÄ »chläge mit leidenfutter. 9\ß 4 Kaffee-Service 4 Teile, Messing vernickelt LH 75 und vergoldet...... 9 Schlafzimmer- bilderÄ'ÄlS5« ReisetaschenAuf- spannbügel,VoUrindled�mit M IH 50 gut Futter u. vemick. Bügel I M» Wecker-Uhren gutgab and...... 2 45 Damenschirm tau 4 90 mit schönen Griffen.. � Damenschirm te'ug Halbseide mit breiter Ripskante � 50 schwarz und braun.. 8.90 M Kinderschirme In allen Preislagen und AutfOhrungen Brotkasten �0« 97s Decorc, la QualiUt, 2 kg. a Wandmühle«45 schmicdetes Mahlwerk. 3.95 9 Baumständer 98•' Satz Gasplätten Irbit mit Tür und Erhitzer... 9 � Mülleimer™� m80 ütät mit Schrift..... Jb Roßhaarbesen groß, prima Qualität. 370 2. stock droßo Aussteliyng Sicher und Jtseendschrsften Christbaumschmuck in großer Auswahl, enorm billig! «t._■ Ä£ Jß w NeuOttn G Berliner«teZi Z5 »onlskuelien A keine yliell», 1/4�,1. l/2Pfd. g SpllzkGGhen.. 30j 55�| weifle nasse.. 20� 35 �§ BölOllteWOrfG!. 35� 62�| SchokoiadeB-Herzen-u. Zungen 1 6 Stck. 25-( lilllliiillinHHIIinHIIIIHHIIMifflIHI I QusüUltswaren su kicSnsn Preisenl Slcüsdccken liniere bekennt guten Speziel- qu alitäten. In Satin.■■»ttiri/Q!!. Einlage aolenge Vörie,. 14'- r�SO 23t-_ 2S Qüligp StivaMecKen «»UICZ. iZAir. H-- IW.- 12.- raniatie�ew. 8.- t;».- t2.- fieheünjtew. ,« 14 1«.- ttobelhiftcw. SO.- 28.- 32 nohotr K'irüeütleCKen 29.50 39.- 40.- Feucfeacn 29.50 39- 46- WojJ-ncimeKe 48- 5«.- 80- löeat-„«siaenSinai 85- Biliitle lisdidedien Kockieneincn? 9 11.- P«niaaje9ew. 7« 11 13.- 16.- ««ÄeUnSev. 8- 10.- 13- �.... 16.- 18.- 21.- MOtj seac HO.- 36.- 44 ideal.. seidesisi&nz. 41.- Morhßsdt'Dedien Kunstseide, eleg. m. Fransen besetzt 1.50 8.50 12- Kochel leinen, bedrudet und beslidct 2.50 Z 5- HorAsesaei-Kiggen-Sarnitiir 3- 3.60 5.50 Etamine, per Meter 95 Pia. Wanfl-Gobeilns ca. 50 verschiedene BMder 5.25 8- 12- 17.- Wfidisludie nur la Ware. 10j cm breit 2.00 Sädisisdies Gardinen' und ElnriditungS'Hans leakOlln, nar uermannstr. 32 Filiale; Filiale: Eberswalde, Nowawes, Elsenbohnslr. 99 Prlcstcrstr. 57 jüuftr. sozialdemolratischer MMlenttr 192? preis 2,- Jfeichsmark 3u haben in allen Vorwärts- sbzabestellen, in der Buch- handl.I.Ä.W.Dieh und in der Vorwärts-Suchdruckerei, SW. CindetOraße 5 [MAter-Stteisl ruveel>«5!g, unvr5»ü5t>icb nut bei S?. Bähr Esrüa. Spittslmaikt 7, vor du Mifct äCychoii g fetzt bedenlend billiger roh 40 I 70 W. . 05 M. 125 H. Erlka-Kildicn...... Anridite-Rödte Anna... /■Dridite-RliiJ,.i Larta... Anridjte-KCdie Bremen. Klcidendirdoke. roh, 90 cn emailliert Jusstellung feiner ülieinisäet Küdisn. HädtenmObei-Eaiis lasersfein, Lud