Mbenöausgabe Nr. 584 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 284 Dezugsiedingungkn uni> Anzeizen»«!?« sind in der Morgenausgabe angegeben Redakkion: SAI. öS, Lindeustrohe 3 Fernsprecher: VSahoff 292— 292 XeL-UBteffcSojinIBemortotSetHa Verliner VolKsvlskk (lO PfetTnio) Sonnabenü 11. Dezember 1H2ö Lerlaz und Anzeigenabtrllung, Geschiiftszett dt, d Uhr Verleger: VorwSrls. Verlag Gindh. verli» SV», v«, cindenstroh» 3 Zernsprecher: VSnhoss 292— 292 Zentralorgan der Sozialdemokrat» feben Parte» Deutfcblands veutjchnationale /lustvertungspraxis. Das Begräbnis der Berbesserungsanträge. Zu Begknv der heutigen Reichstagssitzung gab es eine in- teressante Geschäftsordnungsdebatte über die Frage, an welchen Ausschuß die von dem Abg. Dr. Best und Genossen ein- gebrachten Gesetzentwürfe zur Aenderung der Auswer- rungsgesetze verwiesen werden sollten. Der Bolksparteiler Dr. Scholz beantragte Ueberweisung an den Rechtsausschuh. Abg. Keil(Soz.) widersprach diesem Vorschlag, dessen Annahme ein Begräbnis dritter Klasse für die Anträge Dr. Bests bedeuten würde. Der Rechtsausschuß sei so überlastet, daß für ab- sehbare Zeit jede Möglichkeit, in diesem Ausschuß einige Wochen nur den Anträgen Bests zu widmen, ausgeschlossen sei. Selbst die kürz- lich dem Rechtsausschuß überwiesenen Anträge betr. die Aufwertung, der Fabrik- und Werksparkassev, deren sofortige Behandlung ver- sprachen wurde, seien noch nicht in Beratung genommen und sie werden entgegen den geinachten Zusagen auch vor Weihnachten nicht mehr erledigt. Keil schlug daher vor, die beiden Gesetzentwürfe an den noch bestehenden Aufwertungsausschuß zu über- weisen. Die Abgg. Dr. B e st, S e i f f e r t:.Krvnu»!, Richards Ilt."— Dienst. Kammerfptel«: .011«. paMida."— IMbw. s ch i l l e r t h.:„Di» drei Schwestern.-�. Vomier»«. Städtische Oper:„Lustige Weiber.-— Sonvab. Volks- b ü b N e:„Bolpone- � Over o. Platz d. Republik:„Othello.- K I e i n-« T b- a t e r:„Oh U. E. A.-— T h. t. d. L ü tz o w st r.:„Herr Titan trägt Zinsen." llroaia- Vorträge Moni., Dienst, Donnerst.. Soimab., Sonnt.(S); Mittw., Freit.(5):„Nordlandsahrer-.™ Moni., Donnerst.(5, 1). Dienst.(7), Mittw., Kreit.(0):„Der vechsteln- Kultur, Fi Im: vom Werden eine? Flügels-. � Dienst.(S):.Das Musik- chronotneter-.— Dienst.(9), Mittw.(7, S):.Dern,u-fteForl>. Htm".— Freit., Sonnt.(7)i„Aus verbotenen Wegen in« Rte sen g e b irg«-.— Sonnab.(7)j„S p a z i r r g ü n g e durch« Glashaus-, Die Betrügereien öes Herrn v. Oppen. Heiratsschwindel und Wechselfälschungen. Unter Vorsitz des Lankgerichtsdirektors Dr. Westerkamp begann heute vor dem Potsdamer Schöffengericht der Prozeß gegen den Kaufmann Hermann v. Oppen aus Berlin. Die Anklag«, die Prof. Jüdel vertritt, lautet auf Betrug, Urkundenfälschung und ver- fuchter Nötigung. Wegen Beihilfe bzw. Begünstigung zu diesem Verbrechen ist der Kaufmann Paul Miehe aus Halberstodt mitan- geklagt. Wiehe ist fünfmal vorbestraft. Die Verteidigung hat Rechts- anmalt Dr. Nathan, Potsdam, übernommen. Als Sachverständige sind die Aerzte Sanitötsrat Dr. Magnus Hirschfeld und der Direktor der Irrenanstalt Görden bei Brandenburg, Dr. Splieth, geladen. Ferner sind 40 Zeugen geladen. Für die Verhandlung sind vorläufig drei Tag« in Aussicht genommen. v. Oppen, der bereits ISMonat« in Untersuchung s» Haft sttzt, ist im Jahre 1881 als Sohn eines höheren sehr begüterten Offiziers in Dresden geboren. Als ältestem der Brüder stand ihm das alleinig« Erbrecht an einem der ältesten und wertvollsten Majorate der Provinz Sachsen, Gotersleben-Nachtcrstedt, zu. Durch seinen grenzenlosen Leichtsinn und fein« Verschwendungssucht ist er aber des Erbrechtes verlustig gegangen. Nach siebenjähriger Dienst- zeit hat o. Oppen freiwillig als Offizier seinen Abschied genommen. Den Feldzug hat er nur kurze Zeit mitgemacht und ist eines Herz- fehlers wegen Ende 1S14 entlassen worden. ISIS heiratete der An- geklagte die Filmschauspielerin Sascha Gura in Berlin. In demselben Jahr wurde er von der Nachfolge im Majorat ausgeschlossen. Die Ehe wurde nach einigen Jahren geschieden und nun verlegt« sich der An- geklagte auf H e i r a t s f ch w i n d e l« i« n. Um sich zu sanieren, machte sich der Angeklagt« an mehrere wohlhabende Domen heran, verlobte sich mit zwei Damen z« gleicher Zeil und ließ sie wieder lausen, wenn er Braut und Schwiegereltern ge- nügend geneppt hatte. Sein klangvoller Name und die Borspiegelungen von Ansprüchen auf das Majorat öffneten ihm die Frauenherzen und die Kassen der Darlehensgeber. Ein besonders raffinierter Betrug wurde im Sommer ISÜS in Potsdam bekannt, als v. Oppen dem Kaufmann o. O e t t i n g e n in Berlin vorspiegelte, er brauche echte Teppiche für seinen Landsitz. Der Verkäufer wurde in die Wohnung der Mutter des Angeklagten nach Potsdam bestellt und der Angeschuldigte empfing ihn in den vornehm ausgestatteten Räumen in Abwesenheit seiner Mutter. Vertrauensvoll wurden die Teppich« dagelassen, die dann mit Wechseln bezahlt wurden, die von ihm und dem Mitangeklagten Miehe gefälscht waren und zwar mit der Unter- schrift seines Bruders Werner v. Oppen. Vier ehemalige Bräute, die von dem Angeklagten um größere Summen betrogen sind, treten nun al« Zeugen aus, darunter«ine Schau- sptelerin, der v. Oppen 2S00 M. abgenommen Hot. Schließlich wird v. Oppen zur Lost gelegt, daß er den Kaufmann Gustav Oppenheimer mit vorgehaltener Pistole bedroht habe, um ihn zu veranlassen, von einer Anzeig« gegen ihn Abstand zu nehmen. Bor Eintritt in die Verhandlung verpflichtet der Vor- sitzende die Press«, im Interesse der Verhandlung Einzelheiten über die Aussagen des Angeklagten und der Zeugen vor Verkllndung des Urteils erster Instanz nicht zu veröffentlichen. Die obige Verpflichtung ist zu verstehen, wenn man hört, daß einig« Zeugen noch zu Schiff unterwegs sind, die nicht durch die veröffentlichten Aussagen in ihren zu machenden Angaben vor Gericht beeinflußt werden sollen. vte Prophezeiung öer Kartenlegerin. Letzten Endes scheint es die Kartenlegerin gewesen zu sein, die den Anlaß zu der unseligen Bluttot des Maurers August B. ge- geben hat, der sich unter der Anschuldigung, seine Ehefrau am 13. Januar vorsätzlich getötet zu haben, vor dem Schwurgericht I unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. M a r j ch n e r zu verantworten hatte. Di« Tat war in ungemein roher Weise ausgeführt worden. B. hatte durch einen wuch- tigen Hieb mit der Wärmeflajche seiner Frau den Schädel eingeschlagen und sie dann noch erwürgt. Nach der Tat hatte er sich aus viersache Weise selb st das Leben nehmen wollen. Er hotte die Gasleitung ausgedreht, Salmiakgeist getrunken. sich ein« Schnur um den Hals geknüpft und die Pulsadern an- geschnitten. Es scheinen alles aber nur schwache Versuche gewesen zu sein, denn er wurde durch die infolge seines Stöhnens herbei- gelockten Hausbewohner rechtzeitig ausgefunden, wobei er halb be- wußtlos auf dem Fußboden lag. B. ist ein geistig sehr b e- schränkter Mensch und hatte aus dem Felde ein Herzleiden und eine Nervenkrankheit mitgebracht, weshalb er sich arbeits- unfähig fühlte. Auch die Ehefrau hatte ein Magenleiden und war bei schwereren Anfällen unverträglich und streitsüchtig. Eine Karten- legerin hatte der Frau nun geweisfogt, daß ihr Mann tödlich verunglücken würde. Da die Kanten ihr untrüglich schienen, sprach sie im Hause sortgesetzt davon, daß sie nach dem Tode ihres Mannes durch die Abonncntenversicherung bei einem Familienblatt 9000 Mark auegezahlt erhalten würde. Damit könne sie ein Geschäft anfangen und wieder heiraten. Diese Spekulation aus seinen Tod reizte den Angeklagten stark aus und erweckte in ihm eine gewisse Eisersucht auf seinen„Nach- s o l g e r". An dem verhängnisvollen Tage hörten die Hausbewohner wieder Schreien und Zanken aus der Wohnung. Es muß die Kartenlegerin wohl wieder Anlaß zu einem Streit gegeben haben, und in einer jähzornigen Aufwallung hat der Angeklagte dann feine Frau totgeschlagen. Er wollte nicht wissen, wie es ge- kommen sei und behauptete, daß die Eheleute die Absicht gehabt hätten, wegen ihres Elendes gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Bei der Art der Tötung der Frau erschien das wenig glaubwürdig. umsoweniger, als ein Abschiedszettel an den ISjährigen Sohn nur von dem Angeklagten unterschrieben worden war. Nach dem Gut- achten der Sachverständigen, namentlich von Medizinalrat Dr. Stör-- wer. liegt eine zweisclsfreie Affekthandlung vor. In einer schiefen Auffassung seiner eigenen Lage und Not habe der Angeklagte die Tat verübt. Das Schwurgericht nahm mildernde Umstände an und kam daraushin zu der sehr-milden Strafe von zwei Jahren Gefängnis, unter Anrechnung von einen, Monat Unter, fuchungshaft. Sowjet-Granaten für üie Reichswehr. Und was die kommunistische Presse dazu schreibt. Auf das klägliche Gestammel der„Roten Fahne" gegenüber den Enthüllungen des„Manchester Guardian" haben wir bereits hin- gewiesen. Noch komischer ist es, wie die ausländische Kommunisten. presse von Berlin aus über die Angelegenheit informiert wird. Die Pariser„H u m a n i t ä" unterhält in Berlin einen Korrespondenten. Oder vielmehr: die russifche Sowjetregierung unterhält in Berlin für die„Humanite" einen Korrespondenten. Dessen Auslassungen können daher in besonders hohem Maße als rusfifch-offiziös ange- fchen werden. Schon die Ueberfchrift zu seinem Bericht über die Enthüllungen des„Manchester Guardian" ist vielversprechend:„Um die int er- national« öffentliche Meinung aufzustacheln, be- gehen die Sozialdemokraten Fälschungen." Fälschungen? Was ist gefälscht worden? Die Tatsache der Junkers-Denkschrist gibt der Korrespondent zu und tut sie mit der Bemerkung ab, daß dieses Dokument entsprungen sei„aus der Enttäuschung der Firma Junkers über den geringen Umfang ihrer Geschäfte in Ruhland". Dies« Ausrede klingt geradezu gehler- mäßig. Ist das etwa das Stichwort, das das Reichswehrministerium der russischen Botschaft zugeflüstert hat? „Alle anderen Dokumente sind Fälschungen," erklärt der Be- richtsrstatter der„Humanite". Mit Verlaub— welche Doku, deute? Der„Manchester Guardian" hat keine„Dokumente" ver- öffcntlicht, sondern nur spezifizierte Behauptungen! Die „Rote Fahne" leugnet die Richtigkeit dieser Behauptungen. Sie leugnet, daß in Rußland, namentlich in Krupp-Werken des Kubangebietes, Munition für Deutschland hergestellt wird. Sie leugnet, daß d eu t s ch e Offiziere mit russischen Pässen nach Rußland gesandt wurden, um diese Fabrikation zu leiten. Sie leugnet, daß russifche Munitionsschifse, deren Ladungen für die Reichswehr bestimmt stnd, in Stettin eingetroffen find. Das alles sind ober nachweisbare Tatsachen, ebenso nach- weisbar wie die Fabrikation von Großkompsflugzeugen in Sowjet- rußland durch Junkers mit Reichswehrgeldern und für die Reichs- wehr. Die Kommunisten hoffen inbrünstig, daß das Reichswehr- Ministerium die Wahrheit dieser Behauptungen weiter leugnen, also weiter lügen wird. Wie wäre es aber, wenn die Reichsregierung die Wahrheit bekennen und die Richtigkeit dieser Angaben zu- geben würde? Dann wäre das für die Kommunisten eine Kata- strophe. Deshalb setzen die Kommunisten ihre letzte Hoffnung auf Geßlers bewährte Berlogenhcit. Aber diese Hoffnung wird trügen: die Regierung wird den Tatbestand zugeben müssen, denn sie weiß ebensogut wie die Kommunisten, daß Lügen in diesem Falle zwecklos sind. Um den Vorwurf der Fälschung zu stützen, beruft sich der Be- richterstatter der„Humanite" auf die Aeuherung Tschilscherins in Enxlsncl" und„Made in socialdcrnocraty". Das ist ja äußerst komisch: Als der„Vorwärts" diese Aeußerungen aus dem Bericht der„Vossischen Zeitung" übernahm, keift« die„Rote Fahne" Uns an:„Lüge! Dos hat Genosse Tschitscherin niemals gesagt! Das bezog sich nur auf den Tscherwonez." Jetzt bestätigt der sowjetrussisch« Korrespondent der„Humanite" die Richtigkeit dieser dummdreisten Redensart Tschilscherins und beruft sich sogar darauf! Gleich danad) bemerkt er ganz nebenbei: der„Vorwärts" hätte das Wesentliche der Erklärungen Tschitscherin? verschwiegen. Wir haben umgekehrt nachgewiesen, daß die„Rote Fahne" aus dem schriftlichen Expose Tschilscherins gerade d i e Stellen unterschlagen hat, die die vorzüglichen Beziehungen Sowjetruß- lands mit Deutschland und mit Mussolinien be- tonten. Schließlich erklärt der Berliner Berichterstatter der„Humaniti" kategorisch:„Der Vertreter des„Manchester Guardian" hat diese Dokumente aus den Händen der Sozialdemokraten erhalten und schließlich ist der Urheber dieses ganzen Skandals kein an- derer als B r e i t s ch e i d, der der französischen und englischen Regierung Beweis« seiner hündischen Ergebenheit liefern wollte." Das schreibt der Mann, nachdem ein unzweideutiges Dementi des Genossen Brcitscheid auf die Verleumdungen der„Roten Fahne" erschienen war. Wir erklären den Berliner Berichterstatter der „Humanite". den Herrn 5)« n r i G u i l b e o u x, für einen L u m- p e n. Seine einzige Entschuldigung ist, daß er, der hier als politi- scher Flüchtling lebt und früher als ein Idealist galt, das bittere Brot der Sowjetregierung essen muß. Und wer davon ißt,.der perkommt morali sch daran. polnische Unfreundlichkeiten. Paris, 11. Dezember.(TU.) Der polnisd)« Außenminister Z a l« s ki macht« in Genf dem Vertreter de» wegen seiner Deutsch- seindlichkeit bekannten„Journal des Debats" Aueführungen über die deutsch-polnftchen Beziehungen. Der polnische Außenminister soll erklärt haben, daß er nicht«ine gewisse Unruhe über gewiss« Reden verbergen könne, die kürzlich bedeutend« deutsche Staats- männer gehalten hätten. Besonders betont» Zaleski, daß Dr. Strese- mann in seiner Reichstagerede eine Unterscheidung zwischen der G a r a n t i e r u n g der West- und O st grenzen Deutsch- lande gemacht habe. Er habe gehofft, der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund solle bedeuten, daß das Reich den Völkerbundspakt mit allen feine» Verpflichtungen, besonders diejenige, die terri- toriale Unversehrtheit und polltische Unabhängigkeit der Mitglieder» staaten zu respektieren, übernommen habe. Er müsse aber gestehen, daß sich bis jetzt selne Hossnung nicht verwirklicht habe. Der Ver- sailler Vertrag habe Polen keinen einzigen Quadrat« meter Gebietes gegeben.(1!) Zudem habe Polen nicht alles wieder erlangt, was ihm ehemals gehört habe. » Diese äußerst überflüssigen Bemerkungen des polnischen Außenministers dienen der antideutschen Kampagne, die seit einigen Tagen von neuem«ingesetzt hat. Sie sind ein Beweis dafür, daß Polen feine Mitgliedschaft im Rate in einer Weise auffaßt, die schließlich sogar einmal bei seinen Bundes- gcnofsen Mißstimmung erzeugen wird. Die Hetzkampagne steigerte sich heute morgen in der Warschauer Presse zu Be- hauptungen über deutsche Kriegsvorbereltungen gegen Polen — so werden harmlose Nachrichten über die' Uebungen eines Regiments in Ostpreußen gewissenlos aufgebauscht! keine Alieterhähung im Januar. Ein Rachrichtenbureau ver- breitet« die Meldung, der preußische Wohlfahrtsminister Hirt- si«ser habe aus dem Kreisparteil. q der Zentrumspartei in Mörs eine zehnprezentige Mieterhöhung zum 1. Januar 1027 an- gekündigt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst seststellt, ist diese Nachricht falsch,. Bar dem 1. April 1927 kann bekanntlich nach reichsgesetzlicher Binduno die Miete nicht erhöhl werden. Der Minister hat bei seinen Ausführungen auf die erst am 1. Januar 1928 gesetzlich eintretend« Zinserhöhung der Hypotheken hingemiesen und die daraus sich ergehenden Folgen für die Erhöhung der Miete besprochen. Mietwucher und Mossenkündigungen. In einer großen P r o t e st v e r s a m m l u n g der gewerblichen Verbände und der Micterschaft in de» Blüchersälen sprach Genosse Londgerichtsrat Ernst Rüben über die durd) die Aerordming des Wohlfahrtsministers vom 11. November 1920 geschaffene Lage. Di« von dein kommunalpolitischen Ausschuß der Mieterverbände ge- schassen« Schutzstelle verfügt bereits in diesen wenigen Tagen über ein Material, welches von allgemeiner Bedeutung ist. Der Einzel- Handel, die Kleintndustrie und das Handwerk stagniert in noch schärfcrem Maße als bisher. Die Auswirkungen aus den Groß- Handel und die Großindustrie sind bereits erschreckend bemerkbar. Die bisher schon festgostellten Mietsteigerungen belaufen sich für die Friedrichstraße und die Tauentzienstraße auf durch- s d> n i t t l i ch 3 0 0 bis 4 00 P r o z., in der Dorotheenstraße aus 200 Proz. In der Reuen Wilhelmstraße hat Hirsch-Kupser vor 14 Tagen sein Haus vertaust. Der Erwerber hat sofort um 250 Proz. gesteigert. Die Kleinindustri« in der Ritterstraße ist schwer betroffen. In einem Falle geht die Mietsteigerung von 1700 M. aus 4000 M. Ein Kleintausmann in der Motzstraße, der vor kurzem 2700 M. Reparaturkosten in den Laden gesteckt hat, ist gekündigt. Alte Geschäfte wie Kanzow am Molkomnarkt, Spitzen- Huth in der Leipziger Straße sind ohne Aussicht aus Erlatzräume gekündigt Katastrophal wirkt sich die Verordnung aus bestimmte Handwerker aus, z. B. die Schmied«, die bei Umwandlung der Werkstätten in Garagen brotlos werden. In der B e r g st r a ß e in Neukölln wird eine OOjährjge Witwe, die seit 10 Iahren ein kleines Putzgeschäft betreibt, durch die Kündigung brotlos. In der Dresdener Straße 8 ist sämtlichen Ladeninhabern, die bis zu 20 Jahren dort wohnen, ohne Angabe von Gründen gekündigt worden. In der Köpenicker Straße 150 braucht der Wirt Falken- stein wegen Eigenbedarfs die Räume, setzt aber gleich hinzu, daß er bei erheblicher Mietsteigerung auf die Geltendmachung des Eigenbedarfs verzichten will. Die Auswirkung ist um so größer, weil bei der Arbeitslosigkeit die Umsätze schon an sich sehr gering waren und bei der drohenden Mieterhöhung für die Wohnraum- mteter die Zuriickhaltuna geqenüber der drohenden Preiserhöhung der Waren noch täglich sich steigert. Genosse Rüben wies die Ver- treter des Handwerks und der Gewerbetreibenden darauf hin, daß sie selbst durch die verkehrte politische Einstellung Schuld an diesem Zustande hätten: sie müßten endlich beginnen, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Die stark besudfte Versammlung, der in den nächsten Wochen in den verschiedenen Teilen Berlins weitere Bezirkeuersammlungen folgen werden, ist der A u s t a k t zu großen Kundgebungen Ansang Januar 1SZ7.» Eine kleine Gruppe von Kommunisten versuchte Stimmung für die Beschlüsse des Kongresse» der Werktätigen zu machen, kam aber nickst auf. Hie suchten dann nach eine Sonderversammlung zu ver- anstalten, aber höchsten» zwölf Bersammlung»te>Inehmer leistet«» Gefolgschaft._ Unerhörter Roheitsakt. Eine schwere Bluttat, die von ungeheurer Rohheit zeugt, wurde heute früh gegen 7 llbr vor dem Hause Weiganduser 37 verübt. Der 4kjährige Werkzeugmacher Stefan Goal, der im Hause Weiganduser 37 wohnt, wollt« wie gewöhnlich um 7 Uhr morgens das Haus verlassen, um sich nach seiner Arbeitsstelle, einer K l a v i e r f a b r i t in der Eisenbahnstraße, zu begeben. Er wollte gerade das Haustor verlassen, als sich mehrere unbekannte Personen über ihn stürzten, ihn zu Boden schlugen und Ihm einen mit großer Wucht geführten Messerstich in den Leib versetzten. Während Gaal blutüberströmt zusammenbrach, flüchteten die Täter. Wenige M Sozialistisdie Hodisdiule. Heute, Sonnabend, II. Dezember, 7Vs Uhr abds., im Sitzungssaal des ehem. Herrenhauses, Lcipiiger Str. 8, Vortrag des Genossen Profewor Hermberjj.Lelpztst: Wirtschaftsdemokratie u. Sozialismus Eintrittsicarten zum Preise von SO Pf. sind in der Buchhandlung J. H. W. Dietz, LindenstraBe 2, sowie an der Abendkasse zu haben. / Minuten später wurde der Schwerverletzte pon anderen Haus, bemohnern bewußtlos aufgefunden. Durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes wurde Gaal in das Buckower Krankenhaus gebracht, wo er hofjnungslos danieder liegt. Die bisherigen trimi- nalpolizeisichen Ermittlungen haben noch keinen bestimmten Anhalt sür den etwa in Frage kommenden Täter geben können. Die tote Tättzeriu. Myosa nannte sie sich und war eine junge, schöne Pariser Tön, zerin, trat mehrere Wochen in der Haller-Revue auf und war dort nicht nur der Liebling des Publikums, sondern auch die Freundin und gute Kameradin aller Kollegen und Kolleginnen. Am 1. De- zember ging sie zum Wintergarten, trat zwei Abende auf und mußte dann ins Krankenhaus. Es war nur eine kleine unscheinbare Insck- tion an der Lippe, und sie brachte dennoch dem jungen Menschen den Tod. Im Norden Berlins hat man sie gestern zur Ruhe gebettet. Kalte, unwirtliche Fronten der Mietskasernen stehen um diesen Fried- hos. Und wenn der Geistliche spricht, grollt wie unterirdischer Donner das Rollen der Stadtbahnzüge hinein. Di« International« Artistenloge. die Künstler des Wintergartens und der Haller-Revue, die Direktion des Winisrgartens, der Haller-Revue und des Continental-Hoteis hatten Vertreter mit Kränzen gesandt. Was die Worte des Geist- lichen nicht erreichen konnten, das bewirkten die schlichten, fast un- beholfenen Worte eine? Kollegen, der von dem Los der Artisten sprach und von ihrem ruhelosen Wandern durch die Welt.„Wir, die Kollegen, liebten sie," fagte er,„sie war ein so wahrhast lieber n»d treuer Mensch: wir baben sie alle so sehr lieb gehabt." Da brach dem Sprecher die Stimme, und das erließ ihm die Frage, die allen auf den Lippen schwebte und die auch der Geittlilbc nicht hatte lösen können: Warum mußt« diese Jugend dahingehen? Vom Auto zu Tode geschleift. Ein folgenschwerer Unglücksfall, der noä) durch die Roheit«ine« Droschkenchauffeurs sein« eigene Rote erhält, trug sich gestern nadst gegen Vi 2 Uhr an der Ecke W r a n g e l- und Stalitzer Straße zu. Der sechzigjährige Obergärtner Konstantin Kaiser aus der Gubener Straße tl wollte den Fahrdamm überschreiten und wurde von einer in sehr schneller Fahrt herankominenden Kraftdrosdike, deren Chauffeur entgegen den Vorschriften an der Straßenkreuzung die Geschwindigkeit nicht verminderte, ersaßt und übcrsahren. Der Verunglückte wurde noch etwa 20 Meter m t t g e s ch l e i f t, bis er mit einem doppelten Sdzädel- bruch, gebrochenen Beinen und schweren inneren Verletzungen liegen blieb und bald darauf verstarb. Der Chauffeur kümmerte sich nicht um den Verletzten, suchte sein Heil in schleunigster Flucht und entkam unerkannt. Der verein der Geslügelsreunde Karlshorst-Frtedrichsselde er- öffnete gestern im großen Saale des Deutsdien Hauses in Karlshorst im Beisein von Vertretern der Behörden seine 5. Geflügel- werbeschau. Etwa 1000 Tiere, darunter solche seltenster Rassen, sind zur Schau gestellt. Die Reisebriestauben-Vereinigung Berlin- Südost zeigt ihre weitgereisten Brieftauben. Der Zuchthahnmarkt der Landwirtschaftskammer, der der Ausstellung angeschlossen ist, bietet eine günstige Gelegenheit zum Ankauf guten Zuchtmaterinss. Die Schau ist bis Sonntag abend 8 Uhr geöffnet. Großer Theaterbranü in Rom. Pier Tänzerinnen erstickt? Im Apollo-Barietetheater in Rom brach gestern ein Feuer aus, das erst nach dreistündiger Tätigkeit der Feueripehr gelöscht werden konnte. Das Feuer, das in kurzer Zeit den Saal vollkommen zer- störte, hatte«ine Panik unter den Zuschauern zur Folge. Bei dem durch die Fluckst aus dem brennenden Variete hervorgerufenen Te- dränge, das noch durch die Unterbrechung der Barstellung in dem anschließenden Eliseo-Theater vermehrt wurde, wurden mehrere Per- Ionen seicht verletzt. Ob eine der vier in Ihren Gardecoben erstickten Tänzerinnen tatsächlich, wie es zuerst hieß, eine Deutsch« ist, konnte noch nicht einwandfrei erwiesen werden: es handelt sich angeh- sich um ein Fräulein Lydia Machnik, die«inig« Morgenblätter als eine Ungarin bezeichnen. �vabeho/ internehmerstreit in der Berliner Holzindustrie. Lm Loger der Berliner Unternehmer der Holzindustrie tobt schon it Iahren ein Streit, der zwar äußerlich mehr ein Streit von Personen um die Führung der Organisation der Berliner Holz- Industrie ist, nicht zuletzt aber auch um die'Lohn- und Arbeitszeit- Politik, die gegen die Berliner Holzarbeiter und ihre Organisation angewandt werden solb Soweit die persönlichen Streitigkeiten zwischen dem Obermeister P a e t h von den„Vereinigten Ver- bänden der Berliner Holzindustrie" und dem Syndikus H a e r t- lein von der„Freien Vereinigung der Berliner Holzindustriellcn" in Frage kommen, interessieren sie uns nicht. Von Bedeutung für die Berliner Holzarbeiter ist jedoch, worum es in der Sache bei diesem Streit der Unternehmer untereinander geht. Es dreht sich darum, die Berliner Holzindustriellen unter das Regime des Arbeitgeberverbandes der deutschen Holzindustrie und des Holzgewerbes zu bringen, um in Berlin die gleiche Scharfmacherpolitik zu betreiben wie im Reiche. Es bshagt dieser Unternchmerorganisation schon längst nicht, daß sie auf die Gestaltung der Berliner Lehn- und Arbeitsverhältnisse keinen Eim fluß hat. Diese wurden ausschließlich zwischen dem Deutschen H o l z« arbeiterverband und den Vereinigten Verbänden unter Herrn Paeth, der mit dem Arbeitgeberverband nichts zu tun haben will, geregelt Dem Arbeitgeberverbnnd ist die Taktik des Herrn Paeth gegen die Holzarbeiter und ihre Organisation nicht scharf genug— die Berliner Holzarbeiter sind darüber anderer Mei nung—, weshalb er jetzt niit allen Mitteln in Berlin Boden zu gewinnen sucht. Zu diesem Zweck wurde in einer von der„Freien Vereinigung" einberufenen Versammlung von einer Anzahl Berliner Holzindustriellen und Tischlermeister die„Vereinigung der Arbeit. geberverbände der Berliner Holzindustrie"(Vabeho) gegründet und als Ziel und Zweck der Gründung die Schaffung einer e i n h e i t- lichen geschlossenen Kampforganisation der Berliner Holzindustrie angegeben. Dr. E r d m a n n von der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände und der Syndikus des Arbeitgcbervorbandes der deutschen Holz- Industrie, Herr von Zastrow, waren mit bei der Gründung. Die Ausführungen einzelner Unternehmer in der Gründungsversamm- lung ließen erkennen, daß die Zerschlagung des am 24. März 1924 zwischen dem Holznrbeiterverband und den„Vereinigten Verbänden" abgeschlossenen und später für allgemeinverbindlich erklärten Manteltarifs beabsichtigt ist. Herrn Paeth wurde zum Vor- wurf gemacht, daß er den Vertrag am 15. November nicht zum 15. Februar 1927 gekündigt hat. Das nächste Ziel der neuen Konkurrenzorganisation dürfte sein, in die zurzeit schwebenden Verhandlungen zur Ueberführung der Bezirkstarife in einen Reichstaris Berlin mit einzu- beziehen, was bis jetzt nicht möglich war, weil die am Tarif- vertrag beteiligten Berliner Unternehmer dem Arbsitgeberverband der deutschen Holzindustrie nicht angeschlossen sind. Um dieses Ziel zu erreichen, möchten die Führer der neuen Organisation möglichst ichnell eine stattliche Anzahl von Berliner Holzindustriellen und Tischlermeistern in ihren Reihen vereinigen, um ins Geschäft zu kommen, d. h. um tariffähig zu werden. Sollte das gelingen— und es erscheint nicht ausgeschlossen—, dann dürfte es in nächster pe* zu schweren Kämpfen in der Berliner Holz- i n d u st r i e kommen. Denn die Berliner Holzarbeiter werden sich nicht kampflos ihre Löhne und Arbeitsbedingungen verschlechtern lassen, sondern das Erreichte mit der denkbar größten Zähigkeit ver- tsidigen. Es ist den Berliner Holzarbeitern an sich gleich, wer die Interessen der Uniernehmer vertritt: ihre Gegner sind sowohl Herr Paeth von den„Vereinigten Verbänden", wie Herr Hoerllein von der neuen Fakultät. Sie werden jedoch die weitere Entwicklung der Dinge im Auge behallen und vor allem ihre Organisation durch rege Agitation noch schlagkräftiger machen, um jedem Angriff, von welcher Seite er auch kommen mag, wirksam zu begegnen. Nationalisierung unü Werkmeisier. Das Wort„Rationalisierung" ist heute in aller Mund, die theoretischen Probleme einer rationellen Produktionsgestaltung. werden allgemein erörtert. Weniger bekannt aber sind die prak- tischen Auswirkungen, welche die seit anderthalb Jahren vom Industriekapital betriebenen Rationalisierungsbestrebungen bis- her auf den industriellen Produktionsorganismus gehabt haben. Daß schon starke Wandlungen eingetreten sind, kann jeder bezeugen, der in seinem Berufsleben mit ihnen in Berührung kommt. Vor allem jedoch wissen die W e r k m e i st e r davon zu berichten, deren persönliche Stellung in der Betriebsorganisation und deren Aufgaben durch den Rationalisierungsprozeß weitgehen- den Verschiebungen unterliegen. Die Befragung der Werk» in ei st er über die Folgen der Rationalisierung, die der Deutsche Werk m-e i st e r v e r b a n d auf Veranlassung des Leiters seiner wirtschaftspolitischen Abteilung, Kurt Heinig, begonnen hat, darf daher auch in weiteren Kreisen aus Anteilnahme rechnen. Die Ergebnisse der Unt ersuchungen bei den Wersten, der Berliner Elektro- und Maschinen- großindustrie(die Enquete wird fortgesetzt!) sind in der Haupt- fache folgende: Die Arbeits- und Materialausgabe ist den Werkmeistern fast völlig entzogen und anderen Stellen, spezialisierlen Bureaus, übertragen worden: die Kalkulation erfolgt heute größtenteils durch besondere Methodenbureaus, wenn auch die praktischen Erfahrungen des Werkmeisters nicht zu entbehren sind: der Weg zum höchsten Vorgesetzten ist bedeutend länger geworden, die Zahl der Vorgesetzten hat sich ver- drei- bis versechsfacht: das Schriftwerk beansprucht heute bis zu 78 Prozent der ilrbettszeit der Werkmeister und über» schreitet oft das Notwendige ganz beträchtlich. Zusammenfassend läßt sich schon nach dem ersten Bericht von der Stellung des Werk- meisters im modernen Industriebetrieb sagen: daß in Großbetrieben und bei Mengensabrikation die ehemalige Arbeitsdisposition des Werkmeisters in eine technische Dis- Position von Spezialabteilungen verwandelt worden ist und sich immer weiter in dieser Richtung entwickelt: daß der Werkmeister auch dort, wo er im wesentlichen in seiner Funktion auf Betriebsaussicht beschränkt ist, in der Betriebs- organisation nicht entbehrt werden kann: daß der Vereinfachung der Werkmeisterfunktionen und der Ein- sparung des Werkmeisters an einzelnen Stellen der industriellen Produktion auf der anderen Seite gesteigerte qualifi- zierte Arbeit und neue Tätigkeitsgebiete des Werkmeisters gegenüberstehen. Tie Brauereiarbeiter kündigen das Lohnabkommen. Die Funktionäre der Brauereiarbeiter nahmen am Freitag in einer überfüllten Versammlung in Büttners Festsälen zur Kündi- gung des Lohn- und Manteltarifes Stellung. Genosse H o d a p p vom Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter begründete eingehend die Stellungnahme der L o h n k o m m i s s i o n, die nach reislichen Erwägungen gegen nur zwei Stimmen den Beschluß gefaßt hat, den Funktionären die Kündigung des Lohnabkom- men zum 31. Dezember zu empfehlen, von einer Kündigung des Manteltarifes jedoch abzusehen. Die Lohnkommission ist der Auffassung, daß es auch ohne die Kündigung des Mantelvertrages gelingen wird, einige Positionen desselben, die sich im Laufe der Zeit als untragbar erwiesen haben, zu verbessern. Als Forderung hatte die Lohnkommission eine Erhöhung der Löhne um 4 Mark pro Woche aufgestellt. Nach längerer Diskussion wurde die Kündigung des Lohnabkommens«instimmig beschlossen, die von einigen Diskussionsrednern oerlangte Kündigung des Manteloer- träges jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Beschluß der Lohnkommission, eine Erhöhung der Löhne um 4 Mark zu fordern und nach einem eventuellen Scheitern der Verhandlungen den Schlichtungsausschuß anzurufen, wurde gegen fünf Stimmen(die eine höhere Zulage forderten) angenommen. Ein Antrag, der f ü r Vi'zearbeiter einen um 5 Proz. höheren Lohn fordert als für ständige Arbeiter, wurde ebenfalls mit großer Mehrheit angenommen. 5ür /ichtsiunüentog unü Sefolüungsreform. Lei der Reichsbahn. Di« Funktionärkonferenz des Bezirks Magdeburg des Cinheiis- Verbandes der Eisenbahner nahm am Mittwoch«in« Entschließung an, in der es heißt: Di« Besoldungsordnung muß unverzüglich revidiert und auf eine andere Grundlage gestellt werden. Die lausenden Bezüge der unteren und mittleren Beamten müssen in kürzester Frist eine merklich« Steigerung erfahren. Die Lohnbezüg« der Arbeiter sind den derzeitigen Wirtschafisverhältnissen unverzüglich anzupassen. Die Eisenbahner verlangen,, daß bei der gesetzlichen Regelung der Arbeitszei't für sie kein« Ausnahmebestim- mungen vorgesehen werden. Unter voller Berücksichtigpng der Eigenart des Eisenbahnbetriebes muß es möglich sein, den Acht- stunden Mg bei der Reichsbahn durchzuführen. Di« in den Dienst- dauervorschriften vorgesehenen dehnbaren und willkürlichen Vor- schristen müssen einer menschenwürdigen Arbeitszeitregelung weichen. Keine Aussperrung in München-Gladbach. Alünchen-Gladbach. 11. Dezember.(Mtb.) Um die drohende Aussperrung der saß 49 999 Köpfe zählenden Textilarbeiierschast im Bezirk M.-Gladbach-Rheydt zu vermeiden, veranlagte der Schlich- tungsausschuß gestern eine Aussprache zwischen den Ver- tretern der Arbeitgeber und den Gewerkschaften, die nach mehr- stündiger Dauer das Ergebnis hatte, daß die Kündigung der Passierer aufgehoben und die Tariflöhne um 19 Proz. und die Akkord-Stücklöhne um 4 Proz. er- höht werden. fluß der oberschlesisihen kNontaninüusirie. Auch die Angestellten sollen nichts haben. Die gestrigen Berhandlungen zwischen den Vertretern der An- gestelltenorganisationen und des oberschlesifchen Arbeit- geberverbandes der Montanindustrie über eine zehnprozentige Gehaltserhöhung, Gewährung einer Weihnachtsbeihilfe und Angleichung der oberen kaufmännischen Ge- Haltsgruppen an die technischen Gruppen, sind gescheitert. Die Arbeitgeber haben jede Gehaltserhöhung abgelehnt. Die Angestelltenorganisationen haben den Reichsarbeitsminister um Einsetzung eines besonderen Schiedsgerichts ersucht. Gesperrte Gastwirtsbetrtebe. Wie uns ver ZentrakoervanL der Hotel-, Restaurant- und Cafö-Angestcllten mitteill, sind folgende Gastwirtsbetrieb« für organisierte Arbeitnehmer gesperrt: Max u. Moritz, Oranienstr. 162: Gustav Kappeser, Möckernstr. 155; Gastwirt Lauritz Barth, Baumschulenweg, Baumschulenstr. Ecke Ernststr.: Cafe Komet(Jnh. Hartmann), Warschauer Straße 33: Restaurant„G r o ß- B e r l i n"(Jnh. Karl Keller), Am Alexanderplatz. Der Zentralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutsch- lands wird auch in diesem Jahr« seinen erwerbslosen Miigliedern zu Weihnach'en eine Extraunterstützung zahlen. Unterstützung erhält, wer in der Zeit vom 1. November bis 24. Dezember 1926 arbeitslos ist oder war: länger als vier Wochen olme Arbeit ist oder in den letzten fünf Monaten länger als acht Wochen ohne Arbeit war: bereits vor dem 1. Ottober 1926 Mitglied wurde: nicht länger als sechs Wochen mit den Beiträgen im Rück- stand« ist, und sich in der Zeit o o m 1 5. b i s 2 9. D e Z e m b« r im Bureau anmeldet._..,, Bei der Anmeldung ist Stempelkarte und Mitgliedsbuch vor. zulegen. Die Auszahlung erfolgt am Donnerstag, den 23. Dezember, zwischen 9 und 7 Uhr im Bureau, Zorndorser Straße 32. Bei verheirateten Kollegen wird die Unterstützung" Frauen gezahlt. Die Sparkasie der Bank der Arbeiter. Ungestellten und Beamte» A..G.. Berlin, wallstr. SS. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Eonnabend» von 9—1 Uhr geöffnet. Iugendar-pv- de, z. d.«. Morgen, Sonntag vormittag, BGchtigunz des Buchdrucker-Zierbandshause». Treffpunkt 0,45 Uhr vor dem Gebäude, Dreibund» straffe S. Wir erwarten vollzähliges Erscheinen. nur an die Theater See Woche. Vom 12. Dezember bis 29. Dezember 1926. Streit in mexikanischen Eisenbahnwerkstätten. Mexiko, 11. Dezember.(WTB.) Die Maschinisten der Eisen- bahnen sind wegen der Entlassung von etwa 29 Arbeitern in den Streik getreten. In den Werkstätten einiger Eisenbahnen ruht in- folgedessen die Arbeit. Der Kriegsminister hat die Regierungs- truppen angewiesen, die Arbeitswilligen zu schützen. D-ll-bShwe: 12.. 13.. 1« Nachtosvl. 15., 16., 17. Lysistrata 18.. 19, 20. B-Ipon« tD-r Tan, ums®«Idl— Oprr am Plag d«r Ziepubllkz Ii Rosen- lavalrec. 13 Lieb« zu den drei Orangen. 14. Maskenball. 15. Verlau,t° Braut. 16.' Elettra. 17. Aida. 1». Othello. IS. Tristan u»z> Isolde. 20. Schagaräber— Schauspielhaus! 12. Hamlet. 13. Jugend. 14. Hamlet. 15. Peer Gynt.' IC. Llllu. 17., 18., 19., 20. Hamlet.- Schiller. Theater. 12. Peer Gynt. 13 Soldaten. 14. Der»erbrochen««rng.. Der Bar. 15. Die drei Schwestern 10. Wallcnsteins Lager. Piccolomim. 17., 18., 19.. 20. Die drei Schwestern.— Deutsches Theater! Neidhardt o°n Gneisenon. —«ammerspiele! Bis 13. staruffell. ab 14. Ollapotrida.—$w«omodic: Die Gefanaene.— Lesimg-Theater: Mensch und Uebermenkch. � Theater i» der «önigärägcr Straffe: 12. Mrs. Chcnevs Ende, ab 13. Franziska.— Stadt. Oper. Eharlattenburg: 12.. 10. Jugend im Mai. 13 Alba. 14 Don Pos. anale. 15. Zidelio 16. Die lusttgen Weiber von Windsor. 17. Turandot. 18. Die Meistersinger von Nürnberg. 20. Das Rheiizgold.—«roff-s Echan» spi-lhau«: Bon Mund ,u Mund.— Theater�»es Westen« sPawlowa-Gast» spiel): 14. Puvpen.fee. Chopiniana. Divertissement. 1p. Russslche Boiti»- märchen Schneeflocken. Dmcrtissement. 16. Puppenfee. vchopnnann. Divertissement. 17. Russische Volksmärchen. Schneeflocken. Dwertrssement. 18 AusfeTt'erunq zum Tnnz von(£. M. v. Weber. Puppenfce. Dloerllpe» ment.— Die Tribüne: Der Gedanke.— Deutsche,«»astlertheater! Die Königin.-«omidienhau»! Frllchtli>en.- Berliner Theater! Mrff Rm.erika. — Reue» Theater am Zoo: Rinon am Scheidewege.— Residenz. Theatcr. Das Absteigequartier.— STjcatcr in der Aommandantenstrasie: /xamlUe Hannemann.— Theater am Cchissbauerdamm: Das Grabmal des unbe- kannten Soldaten. 12 vorm. 11� Uhr: Die Krönung Richard 1". � Komische Oper: Die Fledermaus.— Lusifpielbaus: Die Herzogin von Elba. — Metropol-Theater: Wieder Metropol.- Tbalia.Theater: Der große und der kleine Klaus.— Theater am Rosiendorspla�: Dos Ekel.— Theater am Kurfürstendamm: Di« Frau an der Kette.— Kleines Theater: Dcrnentra. qödie.— WaVuer-Tl,ea.«r: Das Stiftungsfest.— Rose-Theater: Bon Stufe zu Stufe— Kasino- Theater: Mister Cornedbeef. Theater in der Lutzow- straße: Die türkischen Gurken.- Theater in der Alosterstraste: 13., 16. Ge. spenster. 14., 15., 17.. IL., 19., 20. Meisekcn.— Theater im Admiralspaiast: Haller. Revue„An und aus".— Wintergarten und Skala: Internationale Barietö— Theater am AottVuser Tor: Elite-Sänger.— ReichshalleN'Theater: Stettiner Sänger. Rachmittagsoorstcllnngcv:«olksbithne: 12. Rachtasvl— Oper»m Plag der Republik: 10. Hansel und Sretel.— Schauspielhau»: 12.. ig Doppelselbstmort.— Schillcr-Theater: 15. Minnna von Barnhclm. 1«. Poffenobend AU-Bertin.— Deutsu,«« Theater: 12, 19. Minna von Barnbelm. 15.. 18. Der Weihnachtsftern— Thea!-« iv der«»«rggrag-r Straffe: 12.. 19. Was ihr wollt.— Städtische Oper«harlottenburg: 19. 3 Uhr Rigoletto lqeschlossene«orstcllungl.— S-off-, Schmispielhan«: 12, 19. Bon Mund zu Mund. 18 sZunkheinzelmonns Mürchenrase.— Theater»es Westens: 19. Puppenfe«. BerlSnaerles Divertissement. Abends: Rnssssche Volksmärchen. Schneeflocken. Divertissement.- Deutsche««ünstler. Theater: 18 Zirlefanz. her Puppendoktor. 19. Der fröhliche Wemberg.— Komödien- hau«: 12, 19, Der Garten Eden.— Berliner Theater: 12. Die Ehre.-- Theater in der Kommandantenstraffe: 12., 19. ssamilic Havnemann.— Theater am Schiffbauerdamm: 12., 19. Der Geizige 15. Humsti-Bumstt.— Komische Oper: 12.. 19. Adricnne.— Lnstspielhans: 19 Dornröschen.— Thalia-Theater: 12..19. Lottchens Geburtstag, Erster Klasse.—»leine» Theater: 12.18 ,10. Schneewittchen.- Rose.Theat-r: 13.. 15. Peippcnspiele Rumpelstilzchen. 18., 19. Max und Moriff und der Wcihnachlsman».— Theater in»er Lugow- straffe: 12.. 19. Ehilstkindchens Puppe.— Theater in der«losterstraffc: lo.. 18., 19. Hänlel und Gretel.— Theater im Admiral»palast: 12,. 19, An und aus 15,. 18, Kinder-Revue„Alle Puppen tanzen".— Scala: 12,, 19. Internationale Variete,— Reich«h-llcn. Theater: 12„ 19. Stettiner Sänger. Berantwsrtlich für Politik: Dr. Enrt Geyer! Wirtfchafl:«rtnr Saternn«: Gewerlfchaftsbeweaung: Z. Stein«; iZeuilleton:«. H. Döichcr: Lokales und Sonstiges: Kriff Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verla«: Barwärts-Berla» G. m. b. K.. Berlin- Druck: Borwärts-Buchdruckerek und Berlagsanstalt Paul Singer u. Eo.. Berlin SW 68. Lindcnstraffe 3. llerliner- Ueillriller- eenosscnsdiall BerIlnN24,ElsässerStr.86-88 1 Filiale Westen, Wilmersdorf Ferosprecber Norden 6525 u. 65 26 1 Landhausstraße 4. Tel.; Pfalzbur« 9831 ansslecm«<5srSnnie nno laGer siexandersir. 39-40(Alexander-Pastooe) TeL: KöniWindi 540. Elektrische Anlagen jeder Art n. jeden llmfangcs zu kulanten Zahlungsbedingungen. Beleuchtungskörper und Osram-Lampen zu Fabrikpreisen. 3 O S E P RODENSTOCK NACHF. OPTIKER WOLFF GMBH BARON OPTIK f« 4*� AÄA \££�\BADIO f®tn.Ti• s e \ � 0Z/////////",/// Leipziger Str. 101-108 Frledrlchstr. 89-60 Joschlmsthaler Str. 44 Roaenthalar Str. 4S Orunewaldstr. 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