\ Nr. 5�1 ♦ 43, �ahrg. Ausgabe A Nr. 301 vetogSpret». Wöchentlich 70 Bienni«, aunoiM S,- Reichsmarl voraus»ahldar. linier itreuedand kür Dcutkchlan», D'.u�ia. Saar-»ad Wemtlutfeiti. üeiterreid) Litauen Luiemdur» 4jü Reichsmark, für da» üdriae Ausland S.ü0 Reichsmark vr» Monat. Der.BorwSrts' mit der Muürier» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit� iowie den Beilage» Ululerhaltun« uno Dillen'.Au, der Filmwelt'. .lrraucii stimme'.Der Sinder- freund' Lugend-Bormirts' und -Blich in die Büchermeld" erscheint wochentäglich»weimal. Sanntags und Montag» einmal. Telegramm-Adr-ffe: »S»5ialo««nokral Sariin- MargenansAalre ZZerlinev VolKsdlakt Anzeigenpreise: Die« t a i v a I t t a» Nonpareille. »eile»0 Bkennia. NeName,eiIe ö.— Reichsmark,»ktleine An, eigen' das lettaedruckte Wort 2S Blennig lrulälüa»wci fettaedrucktr Worte), icdes weitere Dort 12 Pfennig. Stellengesuch» da» erste Wort lZ Psennig iedcs weitere Wort 10 Psennia. Worte über lö Buch- stabcn»ädlen kür rwei Worte. 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Nach längerer Aussprache faßte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion folgenden Beschluß: Die sozialdemokraNsch« Reichs tagssrakllon. ist zv Verhandlungen über die Bildung einer Regierung der Großen SoaliUon bereit. Sie ist aber der Aufsasiuag. daß hierzu der» ü ck t r l t t der Reichs» regicrung ersorderlich ist. Debatte und Abstimmungsergebnis zeigten, daß e� der Fraktion mit ihrer Bereitschaft, über die Bildung einer Re- gierung der Großen Koalition zu verhandeln, durchaus ernst ist. Selbstverständlich will sie in der Großen Koalition für die Republik und für die arbeitenden Massen etwas« r- reichen. Selbstoerständsich will sie auch, daß die zu bildende neue Regierung nicht etwa nur als eine ergänzte Fortsetzung der bisherigen erscheint. Darum hält sie oen Rücktritt der Regierung für notwendig. Eine Regierung der Großen Koalition kann nicht ge» grundsätzlich alle Porte» aus, s� schließt natürlich nicht : Neubildung schaffen werden, ohne daß feuilles neu besetzt werden. daß der eine oher der andere Minister bei der der Regierung wieder in sein Amt zurückkehrt. Aber nur nach dem Rücktritt kann eine Neukonstruktion erfolgen, wäh- rend es sonst dabei bleiben würbe, einige Flicken aufzusetzen. Das ist der technische Grund für den Beschluß der Frak- tion, er hat aber auch politische Gründe. Die Tätigkeit der Regierung in einzelnen Resiorts war nicht so und das Der- halten einer der hinter ihr stehenden Parteien war nicht so, daß die Sozialdemokratie in diese Regierung eintreten könnte. Das würde so aussehen, als ob die Sozialdemokratie gleichsam aus Begeisterung für diese Taten der Regierung zu Hilfe kommen wollte. Und das kann doch wirklich niemand von ihr oerlangen, daß sie Herrn G e ß l e r und Herrn Scholz in ihre Arme schließt! Eben wegen jener Taten war in der Fraktion eine starke Strömung dafür, gegen die Gesamtregierung ohne weiteres einen Mißtrauensantrag einzubringen. Ein solcher Mißtrauensantrag bedeutet im parlamentarischen Leben keine Zensur und keine persönliche Unfreundlichkeit, sondern nur den Ausdruck des Willens, daß die Regierung in der bis- herigen Zusammensetzung und Richtung nicht weiterregieren solle. Die Mehrheit aber beschloß, von einem Mißtrauens- antrag zunächst abzusehen und der Regierung den Gedanken eines freiwilligen Rücktritts nahezulegen. Der Reichskanzler ist von dem Beschluß der Reichstags- fraktion sofort verständigt worden. Es ist wohl anzunehmen, daß das Kabinett heute zu einer neuen Sitzung zusammen- treten wird, deren Ergebnis auf das weitere Verhalten der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion von starkem Einfluß sein wird. Sollte die Regierung sich den Gründen der sozlaldemo- kritischen Fraktion verschließen und nicht zurücktreten, so wurde der Versuch notwendig werden, durch eine A b st i m- m u n g im Reichstag für die Neubildung der Regierung freie Bahn zu schaffen. Im einzelnen ist hoch zu sagen, daß das Mißtrauen der Sozialdemokratie gegen Geßler durch wie immer geartete Erklärungen nicht mehr beseitigt oder be- fchwichtigt werden kann. Sollten sich die Parteien der Mitte mii der Sozialdemokratie über die notwendigen Reformen bei der Reichswehr einigen, so wird der Mann« der diese Nesonnen durchzuführen hat, noch zu finden sein. Bemerkenswert ist der Beschluß der B o l k s p a r t e i. sich an Verhandlungen über die Große Koalition zu beteiligen. Jedermann wird zugeben, daß dieser Beschluß mit der Rede des Herrn Scholz in Insterburg und ihrer Billigung durch die volksparteiliche Reickistagsfraktion nicht recht in Ueberein- ftimmung zu bringen ist. Solange keine andere Erklärung vorliegt, muß man annehmen, daß durch das Wiedereintreffen StreseManns in Berlin ein Umschwung herbeigeführt worden ist. Nun muß aber Herr Stresemann unglücklicher- weise Berlin sehr bald wieder verlassen, um für sechs Wochen in Aegypten Erholung zu suchen. Daß es für die Sozialdemo- kratie ein ziemlicher Unterschied ist, ob sie mit Stresemann oder mit Scholz zu tun hat. wird man verstehen. Auf eine Vertagung der Krile kann sich die Sozial- demokratie nach alledem nicht einlassen. Es muß über die Regierungsverhältnisse Klarheit geschaffen werden, und Siar so rasch wie möglich. Der Beschluß der sozialdemokraii- en Reichstagsfraktion zeigt den richtigen Weg, zu diZer Klarheit zu aelanaen. Es besteht allgemeine Uebereinstimmung darüber, daß die Regierung Marx, so wie sie ist, nicht weiter- regieren kann, weil sie keine Mehrheit hat. Die einzig logische Folgerung aus dieser Erkenntnis ist im parlamentarischen System der Rücktritt der Regierung. Erst wenn er tsc......... Bil sodo Reichtagsfraktion aufrichtig bereit sein wird. erfolgt ist, ist der Weg frei zu Verhandlungen, die mit dem Willen, �um Ziel zu kommein, geführt werden müsien und die sodann m diesem Geiste zu führen die sozialdemokratische Heut« Ii Uhr mittags beginnt im Reichstag die dritte Lesung de« Rochtragsetats und mit ihr die große politische Aussprache. Dies« war, wie wir hören, von der Regierung so gedacht, daß der Reichskanzler Marx über die notwendigen Reformen bei der Reichswehr formulierte Erklärungen abgeben wollte. Es war zu erwarten, daß die inner« Politik in den Vordergrund trat, zumal Herr Stresemann sich wenig geneigt zeigle. in eine große Plenar- debatte über Gens einzutreten: lieber wollte er im Auswärtigen Ausschuß darüber berichten. In Kreisen der bürgerlichen Mittelparteien nahm man vielfach an, daß die Sozialdemokratie sich mit den Erklärungen des Kanzlers zufrieden geben und der Regierung die Möglichkeit, über die Weih- nachtsserien hinaus zu regieren, verschassen würde. Man dachte also an eine recht undramatische Debatte ohne entscheidende Abstimmungen. Infolge des Beschlusies der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion stellt sich nun die Situation verändert dar. Zunächst wird die Fraktion dem Reichswehrministcr Gehler ihr Mißtrauen befunden. Do» weitere hängt von den Beschlüssen de» Kabinetts ab. Für die Sozialdemokratie wird Genosse Scheidemann da» Wort ergreifen. Der �ohnkonfiikt in öer Textilinöustrie Morgen Verhandlungen vor dem Schlichter. J. St Chemnitz. 15. Dezember. Am Freilag werden in Dresden vor dam Schlichter die Ler- Handlungen in der Textilindustrie von Mittel- und Westsachsen be» ginnen. Während der Deutsch« Textilarbeiterverbmtd kein« Lohntaris« gekündigt hat, haben die Unternehmer 34 Lohntarif« gekündigt, sind also im Gegensaß zu dem Deutschen Textilarbeiter- verband bestrebt, dem Konflikt die größte Ausdehnung zu geben. Entgegen ihren sonstigen Behauptungen von der gewerkschaftlichen Gleichmacherei, sind es also die Unternehmer, die über die einzelnen Branchen und Berus« hinweggehen und sie in einem großen Tarif zusammenfasien wollen. Der Konflikt in der sächsischen Textilindustrie beschränkt sich nicht nur auf West- und Mitielsachsen, wo 150 000 Arbeiter und Arbellerinnen beschäftigt sind, er greift auch auf di« sächsisch» thüringischen Fabriken über, deren Tarif die Unternehmer gleichfalls gekündigt haben, und hat sich weiterhin auch auf Ostsachsen, für da» ein« besonder« Unternehmerorganisation besteht ausgedehnt Gegenwärtig herrscht in der sächsischen Textll- Industrie Hochkonjunktur. Das merken di« Arbeiter vor allem daran, daß die U e b« r st u n de n, di« gefordert und gemacht werden. well über das Maß des Erträglichen und auch des Notwendigen hinausgehen. In Chemnitz zum Betspiel, das eine Hochburg der KPD. ist, ist es den Kommunisten gelungen, die Organisation im Jahre 1923 zu zerschlagen. Don 36 000 Mitgliedern, di« damals der Deutsche Textilarbeiteroerband in Chemnitz hatte, ging die Organisation aus 3500 zurück. Erst jetzt geht es wieder ganz langsam aufwärts. Diese „revolutionären Unorganisierten", die es ablehnen, ihr« Beiträge zu leisten, werden durch Ihre revolutionäre Einstellung nicht daran be- hindert. Ueberstimden bis zur Bewußtlostgkeil und auch Sonntagsarbeit zu verrichten. Die KPD. hat allerdings ein sehr einfaches Mittel an der Hand, um den Ar- beitern zu beweisen, daß sie eine Gewerkschaft nicht brauchen. Im sächsischen Landtag haben die Kommunisten beantragt, daß d i e Regierung die Unternehmer zwingen soll, die ge- forde r.ten 15 Proz. Lohnerhöhung zu zahlen, ein pariser Zrieöenssorgen. Ernste tkonfliktsgefahr mit Jtoliei.. pari». 15. Dezember. fEigener vrahtbericht.j Zu den Wandelgängen der kommer befchäsllgle man sich am Mittwoch trotz der beruhigenden offiziellen Erklärungen über die Lage lebhast mit den Ereignissen an der sranto-italienischen Grenze. Die starken Truppenverstärkungen, die man besonders stauzöstscherseits nach dem Süden schickt scheinen zu be» weisen, daß die koasilkisgesahr mii Zialleu unverändert fortbesteht Dem»pari» Midi" zufolge sind in fast ollen franzöfi» scheu Garnisonen die llriaubserteiiuagen eingestellt worden. Zahlreiche, au» Marokko herübergezogene Truppenteile mii Tanks und Artillerie sind nach dem Alpengebiel abgegangen. Ebenso sind zahlreiche Flugzeuggeschwoder im Süden zusammengezogen nad vor Eanne» soll eine starke Abteilung der französischen Mi iei» meerflolte. besonders U-Boofe und Torpedoboot«, in Alarmbereit- Ichost vor Anker liegen. sehr einfaches Mittel, das sich sehr schön ausnimmt für naive Leute, das den Kommunisten nichts kostet und den Unternehmern nicht weh tut Freilich, so schlimm, wie es in Chemnitz war und zum Teil heute leider noch ist, ist es im übrigen Sachsen lange nicht Da haben die kommunistischen Zerstörer der Organisation es nicht vermocht, die Arbeiter zur Einstellung der Zahlung der Beiträge und zum Austritt aus der Organisation zu bewegen. Dort war es möglich, die Tarif« zu halten und dj� Unternehmer zu zwingen, wenn auch un- gemigende, so doch Lohntarife einzuhalten. Wenn man hinauffährt ins Erzgebirge, dann findet man dort Dörfer, deren feier- licher Charakter so gut wie ganz verlorengegangen ist, da überall die Textilindustrie herrscht Ganz besonders ist es hier im Erzgebirge die Strumpfwirkerei wie auch die Trikotagenfabrikation. In T h a l h e i m, einem Ort von etwa 8500 Einwohnern, das eine gute Bahnstunde hinter Chemnitz im Erzgebirge liegt, ist ein Hauptzenttum der Strumpfwirkerei. Hier werden nicht weniger als 6000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, zum größten Teil in den Fabriken, deren es über ß0 gibt, zum geringe- ren Teil in Heimarbell. Während hier die Berhältnisse noch durch- aus geregelt und erträglich sind, sieht es anders aus, wenn man weiter hinauffährt ins Erzgebirge, wo die Posamenten- Industrie daheim ist. Hier herrscht vor allen Dingen die H e i m- arbeit Di« Löhne, die dort gezahll werden, sind wahre Hunger- löhne. Bei 12- und 14stündiger Arbeitszeit, und zwar bei einer Arbeit, die sehr anstrengend ist und die ganze Aufmerksamkell der Arbeitenden in Anspruch nimmt, verdienen diese Arbeiterinnen die Woche doch nur 14 bis 15 Mk. Noch schlimmer ist es im Oels- nitzer Steinkohlenrevier. Infolge der ungenügenden Löhne der Bergarbeiter sind deren Frauen gezwungen, noch nebenher Arbeiten zu verrichten, und zwar machen sie die sogenannten Ber- edelungsarbeiten der Striimpfe, die hier in Chemnitz, Thalheim usw. erzeugt werden, die Handstickereien, die an den seidenen Strümpfen angebracht sind. Für diese Handarbeit die außerordentlich an- strengend für die Augen ist, verdienen die Frauen bei einer sozu- sagen unbeschränkten Arbeitszeit nicht mehr als 5. V und 7 Mark die Woche. Es ist dort der Organisation bisher auch nicht miig- (ich gewesen, einzudringen, die Arbeiterinnen zu organisieren und ,.itte Kontrolle über die Heimarbeit auszuüben. In den eigentlichen großen Tcxtilreoieren, wie hier zum Bei- spiel in dem sächsischen Manchester Chemnitz und in den großen Industrieorten im Erzgebirge sind die Berhültnisie allerdings bei weitem nicht so ernst Die Löhne sind tariflich festgelegt und wenn sie auch ungenügend und teilweise geradezu Hungerlöhne sind, so sind die Berhältnisse doch nicht sp entsetzlich, wie in den eben geschilderten Gegenden. In Chemnitz, wie überhaupt in der sächsischen Textllindusrrie. schwanken die Löhne zwischen 29>» und 38 Ps. die Stunde für die sogenannten Hilssarbeite- rinnen, die aber keineswegs ungelernte Arbeiterinnen sind, sondern Nebenarbeiten mll Ketten usw. zu verrichten haben und nicht an der Wirkmaschine stehen. Die Löhne der so» genannten Hilfsarbeiter schwanken zwischen 46 und 50 Pf. pro Stunde. Dos ist in Klasse 1; in den Landorten, wo die Lebens» Verhältnisse keineswegs billiger sind als in der Stadt, sind diese Löhne um 5 Prozent niedriger. Die Akkordarbeiter, die an den tmb Webmaschinen stehen, erhalten LSHn« von SS bi» 71 Pf. die Stunde, die Arbeiterinnen solche von 39 bis 63� Pf. Dabei ist zu bemerken, daß die latfächlich erzielten Löhne oft über diese Akkordlöhne hinausgehen, die Unternehmer dagegen immer be- strebt find, die verdienten Löhne abzubauen. Das haben sie insbesondere mit großem Erfolg im vergangenen Sommer getan, al»«ine stille Geschäftszeit herrschte; da wurden die Löhne bis zu 39 Prozent abgebaut. Wenn die Arbeiter damit nicht einverstanden waren, dann wurden die Betriebe einfach stillgelegt und erst wieder eröffnet, wenn die Arbeiter mürbe gemacht waren. Man müßte, um diese Löhne richtig einschätzen zu können, einmal selbst zugesehen haben, wie diese Arbeiter und Arbeiterinnen in angestrengtester Tätigkeit von morgens bis abends eingespannt sind. Da ist zum Beispiel eine Strumpfwirtmaschine, die gleichzeitig L4 Strümps« oder vielmehr 24 Strumpsbeine strickt. Diese eine Maschine, die alle halbe Stunde ein Dutzend Strümpfe fertigstellt, wird von einem eiozigsn Arbeiter bedient, der vom Morgen bis zum Abend von einem End« bis zum anderen Ende der Maschine läuft und überall achtgeben muß, ob nicht ein Faden reißt, ob nicht ein Drähtchcn hängt. Es ist ohne weiteres klar, daß bei einer solch angestrengten Arbeit die Arbeitskraft schnell verbraucht wird. Di« S p i tz« n l ö h n«, mit denen die Unternehmer gern pvunken, werden nur oerdient von Arbeitern zwischen 25 und 40 Iahren. Sowie der Arbeiter das 49. Lebensjahr überschritten hat, beginnt seine Arbeitskraft langsam zu sinken. Mit 5 9 I a h r« n ist der Arbeiter und erst recht die Arbeiterin schon so gut wie«in« halb« Ar- beitskraft. Und wie leben diese Arbeiter! Wenn man in das Erzgebirge fährt und zum Beispiel sich in einen Ort wie dem schon erwähnten Thalheim nähert, dann ist festzustellen, daß die Arbeiter- schast dort außerhalb der Zlrbeiten in einer völligen geistigen Oeds verkümmert. Besucht man die Heimarbeiter, dann findet man Stuben, die peinlich sauber gehalten sind. In diesen Stuben wird gekocht, gegessen und gearbeitet. Die Arbeit geschieht an Maschinen, die so fein sind, daß sie di« Augen außerordentlich anstrengen und die an di« Aufmertsamteii der Arbeiterinnen oder der Arbeiter di« größten Anforderungen stellen. Es gibt daneben noch Schlasrömn«, aber es gibt keinen Heimarbeiter, der es sich leisten könnt«, sein« Werkstatt außerhalb seines Wohnraumes zu halten. Di« Unternehmer haben es freilich nicht nötig, in diesen Jndustrieorten, die oft viele Bahnstunden von jeder größeren Stadt entfernt sind, irgendwie für geistig« Cr- holung der Ardeiierschast zu sorgen. Die Unternehmer selbst haben ihre Autos zur Berfügung, mit denen sie jederzeit bis In die nächst« Stadt fahren können, soweit sie das Bedürfnis noch geistiger fsint- fpannung haben. Den Arbeitern bleibt allerdings außer zur Deckung ihrer Notdurft sehr wenig übrig Die Unternehmer verstehen es, soweit es sich um Aktieugesell- schajten handelt, ihre tatsächlich außerordentlich großen Gewinne zu verbergen. Das wird so gemacht: Wo vor dem Kriege ein Direktor und ein Prokurist und drei oder vier Aufflchtsrats- Mitglieder waren, da sind heute drei bis vier Direktoren, etwa zwanzig Prokuristen und eine nicht geringe Zahl von A u f f i ck) t s r ä t e n. Diese beziehen natürlich an Gehältern und Tantiemen erkleckliche Summen, die auf L o h n k o n t o ver- rechnet werden und nicht als Gewinn erscheinen. Trotzdem haben die fächsifchen Textilfabriken in den letzten Jahren niemals weniger eis fünf Prozent Dividende verteilen können, wobei es auch Fabriken gibt— und zwar gerade die bedeutendsten—, die im Durchschnitt 29 Proz. Dividende verteilen, abgesehen von den stillen Reserven, die goinncht werden. ,, Unter' diesen Umständeu ist es nur zu begreifen, wenn die Textilarbeiter verlangen, daß für die Arbeit, die heute un- gleich intensiver und anstrengender als vor dem Kriege ist, eine ent- Iprcchcndc Lohnerhöhung erfolgt, die es dem Arbeiter ermöglicht, feine verbrauchten Kräfte wiederherzustellen. Die Unternehmer klagen über den Rückgang der Ausfuhr, aber sie selbst sorgen für eine sehr ineckwürdige Ausfuhr. Wie mir der Kassierer der Filiale des Textil- orbciter-Verdandes eines größeren Ortes des Erzgebirges erklärte, werden alle Neuaufnahmen für die Organisation so gut wie gänzlich ausgewogen durch die Verluste, di? durch die Auswanderer nach Anierika entstehen. In Thalhelm allein sind in diesem Jahre nicht weniger als 399 Textilarbeiter nach Amerika auegewandert, und es sind die deutschen Strumpffobrikanten. die die amerikanische Strumpfindustrie durch diese Abkehr der besten Arbeitskräfte ge- gründet'und entwickelt haben. Die Amerikaner beziehen aus Chem- nitz die Maschinen und aus dem Erzgebirge die Arbeiter. Wenn die Unternehmer wirklich wollen, daß die zurückgegangene Ausfuhr wieder auf den Stand der Vorkriegszeit gebracht wird, dann müssen sie auch dafür sorgen, daß die Arbeiter nicht durch die Sorgen ob der tristen Löhne und Arbeitsverhältnlfle die Flucht ergreifen. * Der zur Beilegung der Lohnbewegung in der München- Eladbacher Textilindustrie gefällte Schiedsspruch des Schlichters wurde von den Arbeitgeberverbänden abgelehnt, während die Arbeiter ihn annahmen. Kühlmanns Vernehmung. Sine Anklage gegen das politische Tpstem des Kaiserreichs. Die beiden öffentlichest Verhandlungstagc des Untersuchungsausschusses waren lehrreich: Der erste zeigte die Un» Möglichkeit einer Person, der zweite die Unmöglichkeit eines Systems. Herr Michaelis, der einmal deutscher Reichskanzler war, ist ein braver kleiner Beamter, besten Gestalt sofort mit einer leisen Komik behaftet erscheint, sobald sie den Boden der Politik betritt. Von ganz anderem Format ist K ü h l m a n n. Ein gelernter Diplomat mit viel natürlichem Verstand, der die Welt mit offenen Augen sieht und die Weltgeschichte nicht nur aus preußischen Schulbüchern kennt. Selber unvermögend, sich zu verteidigen, hatte Michaelis feine ganze Hoffnung auf Kühlmann gesetzt. Immer wieder hatte er vorgestern jammernd verlangt, daß doch an seiner Stelle gleich Kühlmann selbst vernommen werden möge. Gestern saß er nun da und hing, wie ein armer Sünder im Gerichtssaas, mit weit aufgerissenen Augen an den Lippen des Verteidigers. Kühlmann sprach langsam, bedächtig, jedes Wort wägend — und man sah, wie alles war und alles kommen mußte. Keine Ordnung im Staat, keine Ordnung in den Köpfen! Da eine wild annexionisttfche Heeres« l e i t u n g als maßgebender Faktor, dort eine halb und halb anticmnexionfftische Reichsleitung. Zwischen beiden thront Majestät als Schiedsrichter. Die Regierung mit dem einen sozusagen verantwortlichen Reichskanzler und den unverant- wortlichen Staatssekretären steht wiederum in einem gänzlich ungeklärten Verhältnis zum Reichstag. Jeder dieser Faktoren hat seine eigene Vorstellung von Sinn und Zweck des Krieges, alles wirtschaftet durcheinander und gegenein- ander los. Aus diesem Chaos entsteht dann dieMißgeburtdes Siebenerausschusses, dieser Vertrauensmänner, denen man nichts anvertraut, die man eine diplomatische Rote redigieren läßt, ohne sie zu unterrichten. Natürlich will jeder auf seine Art, das Beste", aber was dabei herauskommt, ist eine schmachvolle Behandlung des Ausschustes und damit des Reichstags, über die man heute noch erröten könnte, und ein diplomatischer Mißerfolg. Wenn. Kühlmann sagt, man hätte auch dem€*ebeneraus- schuß nicht alles erzählen können, fo mag man das hinnehmen. Aber dann durfte eben der Siebenerausschuß nicht dazu be- rufen werden, diplomatische Noten zu redigieren, und dann durfte man ihm gegenüber nicht so tun. als erzählte man Ihm alles. Kühlmann spricht plastisch. Man steht, wie die Fäden sich postenhaft oerwickeln, um sich zum Schluß trogisch zu ver- knoten. Im Sommer 1918— davon war gestern nicht die Rede — wurde Kühlmann aus Befehl der Obersten Heeresleitung Unsere Entlarvung. Volles Geständnis des„Vorwärts". Die„Rvle Fahne" hat verdächtig? Aehnlichkeiten zwijchen den Genscr Beschlüssen und der Luxemburger Resolution entdeckt. und die Sozialdemokratie auss neue„entlarvt": Wels und Breit- ichcid seien seinerzeit nicht als Beauftragte der Partei, sondern der Rcrchsregierung nach Paris gefahren, auch die Luxemburger Reso- lution sei von der Reichsregierung verfaßt worden, die Leröffent- lichungen des„Manchester Guardian" seien in Luxemburg beschlossen worden usw.— Jedes Leugnen ist zwecklos. Wir sind endgültig ent- larvt. So ist es wohl das Klügst«, die ganze Wahrheit zu bekennen. Sie ist. wie man sehen wird, noch viel schlimmer: Eines Tages erschien Strcsemann Lindenstratze 3, I. Hof, 4 Treppen. Und sprach: Thoiry stockt, es muß einer von euch nach Paris fahren, ganz heimlich: einer, den kein Mensch keimt, eine ganz unauffällige Erscheinung, zum Beispiel B r e t t s ch e i d. Hier sind drei Millionen ans dem Fonds des Reichswehrministcrinms für Sowjetgranaten. Zur Bestechung Briands, Polnear6s und der ganzen Internationale. Was übrig bleibt, Ist für euch. i Und Brcitscheid fuhr. Aber da die Gcldpakete— drei Millionen!— zu schwer für ihn allein waren, fuhr Wels mit. So entstand der Plan zur Luxemburger Konferenz. Danach begab sich H i l f e r d i n g nach Doorn zu Hermiue. Und sprach:„Majestät, ich lege Ihnen den Entwurf einer Resolution zu Füßen, die wir in Luxemburg vorlegen werden." Hermlne antwortete leutselig:'„Zu Füßen? Stehen Sie auf. Herr Doktor, ich kann mich»icht bücken. Und warten Sie draußen: ich werde jetzt das Dokument mit meinem kaiserlichen Gemahl prüfen." Nach einigen Stunden kam ein Lakai und über- reichte Hilferding den korrigierten Entwurf mit den Worten:„Für diesmal verzichtet Majestät darauf, daß die Internationale die Wiederherstellung der Monarchie in Deutschland verlange. Das n ä ch st e m a l ober, muß es unbedingt drin stehen. Dann kriegt jedes Parteivorftandsmitglied den Kronenorden III. Klaffe." Jubelnd kehrte Histerding heim. Eine Kabinettssitzung unter Hindenburg billigte einstimmig die Resolution. Nonrod Ludwig begab sich als Kassierer des Parteloorstandes zur„Gefu" und wollte dort neue sechs Millionen zur weiteren Korrumpierung der sozialisti- schen Internationale und zur Deckung der Reisespesen abheben. Die „Gefu" wollte zunächst nicht'ran. Der Oberstleutnant auf Prioatdienst- vertrag erklirte, er müste heut« noch a» die Sqnitable Trust Co. in New lsiork zwanzig Millionen telegraphisch anweisen, denn es seien neue russische Mumtlonsschifse in Stettin eingelaufen. Dann einigte man sich auf drei Millionen. Unter der Last teils des schlechten Gewissens, teils der Bank- notenpakete schwankend, fiel Breitscheid beim Einsteigen In den Zug auf die Schienen. Gerechte Strafe de« Himmels. Das kommt davon, wenn man Gelder, die für die Förderung der Wellrevolution bestimmt find, ihrem ursprünglichen Zweck entzieht. In Luxemburg erklärten Lonwur, Blum und de Brouckere, es seien sechs Millionen vereinbart gewesen und da die Deutschen nur drei Millionen mitgebracht hätten, müßte die Resolution entsprechend abgeändert werden. Nur 59 Proz. der ursprünglich ausgestellten Forderungen würden bewilligt werden. Es begann ein fürchterliches Ringen zwischen den Delegierten, das bis spät in die Nacht dauerte. Schließlich einigte man sich auf einen gemeinsamen Text und die Konferenz wurde mll einem dreifachen„Hoch!" auf Hermin« ge- schloffen. Nur T ri» p I e n, der noch einen Rest von proletarischem Gefühl befftzt, halle sich vor dieser Apotheose gedrückt unter dem Vorwand, den verletzten Breitscheid nach Berlin zu geleiten. Das ist die Vorgeschichte der Genfer Beschlüffe. Jetzt wißt ihr alles, alles, alles! dlsviculus. Johann Wilhelm Mtter.- Heute vor 159 Jahren wurde zu Samitz bei Hagnau in Schlesien ein Mann geboren, der von seinen Zeitgenossen und vor allem auch pon Schiller und Goethe al» Namrwissenschaster von hohem Range geschätzt wurde: Johann Wilhelm Ritter. Schiller nannte ihn in einem Brief« an Goethe„eine Erscheinung zum Erstaunen,«inen wahren Wissenshimmel auf Erden". Ritter ist vor allem ausgezeichnet durch seine Arbeiten über die galvanischen Elemente, in deren Verlaus er auch zum. Schöpfer des ersten Akkumulators wurde. Sehr intereffant ist die Tatjache, daß er die rudlige Erklärung für die Wirkung der Batterie Ballas fand. Während Dolta Ritters Anschauung nicht teilt«, sie vielmehr hart bekämpfte, gab er später für Ritters Akkumulator eine richtige Theorie an, mit der nun Ritter wieder nicht einverstanden war. Gerade dieser Kampf zweier ausgezeichneter Geister zeigt, wie schwer es in jener Zeit war, die Grundlagen der Elektrizität zu erkennen. Der Akkumulator Ritters bestand aus einer Reihe von Kupfer- platten in Talergröße, die von einander durch Papp-Platten getrennt waren, die er in eine Kochsalzlösung getaucht hatte. Wenn er nun die Pole dieses Sammlers mll denen ein«r galvanischen Batterie verband, so entstand nach vollendeter Ladung in ihm ein Strom. Ritter untersuchte seinen Akkumulator sehr gründlich. Er beobachtete an ihm Erscheinungen, die später in Vergessenheit gerieten, bis der Akkumulator in anderer Form in unseren Tagen seine Auserstehunq feierte und so Gelegenheit gab, die schon einmal gemachten Entdeckungen zu wiederholen. 1395. 22 Jahre vor O h m. sah er bereits die Zusammenhänge zwischen Stromstärke, Spannung und Wider- stand, als er sich mit Polarisationserscheinunaen beschäftigte. Bei diesen Unterfuchui�en gelang es ihm auch, golvanoplastifche Ueber- zügs auf Metall herzustellen. Ritter, der lange Zeit Medizin studiert hatte, stellte auch viele Beobachtungen über Sie Wirkung des elektri- schen Stromes auf den menschlichen Körper und das Nervensystem an. Er machte einen großen Teil dieser Beobachtungen an seinem eigenen Körper, den cr dadurch oft erheblichen Schädigungen aus- setzte. Als ärzllicher Forscher beschäftigte er sich auch damit, die Wirkung der verschiedenartigsten Liäitstrahlen zu ergründen und ist mit allen diesen Arbeiten seinen Zeitgenossen weit vorausgeeilt. ßavongejagk. weil er im Reichstag ja sagen gewags haste. daß der Krieg nicht durch das Schwert allein ent- schieden werden könnte. Ein paar Wochen später schrie die Oberste Heeresleitung nach Waffenstillstand. Das war der Schluß. Das System brach zusammen. Richtiger, das Chaos löste sich endgültig in seine Bestandteile auf und der sogenannte„Dolchstoß" öffnete den Weg zur Ordnung._ ,(Z>tympia' trotz Ües Verbots! Nachforschungen der Polizei bei Mitgliedern des aufgelösten„Sportvereins". Bei den Angehörigen des ausgelösten Sportvereins„ O l y m- pia" sind am Mittwoch, wie der Berliner Polizeipräsident mitteilt, in Berlin auf Grund bestimmter Anhaltspunkte Erhebungen darüber durchgeführt worden, ob die Organisation, die nicht nur auf Grund des Republikschutzgesetzes, sondern auch euf Grund des Gesetzes vom 22. März 1921 endgültig aufgelöst ist, noch eine weitere Tätigkeit ausübt. Die Ergebnisse der durchgeführten Er- Hebungen werden nach Abschluß der polizeilichen Ermittlungen an die zuständige Staatsamoaltschast zur Straf oersolgunz weitergeleitet werden. Für da» Fortbestehen der„Olympia" sprechen verschiedene Tatsachen, insbesondere die, daß in der Frobenstraße in Berlin ein von der Olympia unterhaltenes Bureau besteht, dos zeitweis« auch von dem �Deutschbanner Schwarzweiß- rot" benutzt worden ist, zurzeit aber nur von zwei Angehörigen der Olympia, einem Major und einem Hauptmann a. D., benutzt wird. Ferner wurde ein Schriftstück gefunden, in dem ein früherer Führer der Olympia selbst die Tatsache erörtert, daß die aufgelöste Olympia in Form eines„Preußenbundes" fortbesteht. Bei vier der in die Erhebungen einbezogenen Personen wurden Pistolen beschlagnahmt, für die ein Waffenschein nicht vorhanden war, bei zwei weiteren Personen sind ein« Reihe von Militär- trommeln und Signalhörnern vorgefunden worden, die nach Angabc der Besitzer aus Beständen der Reichswehr an die Olympia zu Propagandazwecken ausgegeben worden sein sollen. Weitere Feststellungen ergaben, daß ein Vorstandsmitglied der Olympia noch im Herbst 1924 im Besitz eines Lagers von Militärwaffen gewesen ist, und daß etwa um di« gleiche Zeit von zwei Mitgliedern der Olympia ein Transport von Mili- t ä r w a f f« n außerhalb Berlin, ausgeführt wurde. Bund Wiking hat sich wie vorher schon sein Führer dem Stahlhelm angeschlossen._ Das Definüen ües Genossen Anbei!. Im Befinden des Genossen Zubeil ist. wie uns auf Anfrage im Urbankrankenhau» mitgeteitt wird, keine Aenderung eingetreten. Der Erkrankte hat da» Bewußtsein noch immer nicht wieder erlangt. Zwar Ist der Krankheitsbefund nach wie vor sehr ernst, doch geben die Aerzte die Hoffnung nicht auf, den Kranken doch noch am Leben zu erhalten.-_ öerichtigung. Der„Enthüllungs'-Artikel der„Roten Fahne" über die Bor- gejchicht« der S e n f e r Beschlüsse, den wir unter dem Strich würdigen, hat wenigsten»«inen politischen Nutzen gehabt: Wir sind durch ihn nachträglich aus einen Fehler aufmerksam gemocht worden, der in dem von un» verössentlichten Text der Luxemburger Reso- lution entstanden war. Im Abschnitt IV mußte e» heißen:„um zu- verhindern, daß durch schikanöse Forderungen die notwendige Aufhebung der interalliierten Mll'itärtonkr'ol'le hinausgezogen werde". Infolge eines telephonischen Hörfehlers bei der Uebermittlung aus Luxemburg hatten wir gedruckt:„notwendige Ausführung."_ SVV�Spaltung in Hagen. In der Hagener kommunistischen Stodtoerordnetenfro ktion hat sich— wi« uns von dorr gemeldet wird— eine Spaltung vollzogen. Schon vor einiger Zeit wurden zwei Stadtverordnet« wegen eines Verstoße» gegen Frakttonsbeschlüss« ausgeschlossen: jetzt hat ein wetterer Stadt- verordneter sein Mandat der Partei zur Berfügung gestellt. So war es nicht verwunderlich, wenn Goethe sich seiner bedient«. um sich fem physikalisches Kabinett einzurichten. Auch Ritter hatte sich sehr eingehend mit der Farbenlehre besaßt und teille Goethes Anschauungen auf diesem Gebiete. Ritter, der im Alter von 33 Iahren am 23. Januar 1319 in München starb, hat noch kurz vor seinem Tode«in Wert vollendet, das seine Kämpfe und sein Streben nach der Erforschung der Wahr- heit schildert. Es wurde nach seinem Tode unter dem Titel„Frag- mente aus dem Nachlaß eines jungen Physikers" herausgegeben. Ritter wurde Mttglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften des In- und Auslandes. Er hat ein« große Menge wissenschaftlich beachtenswerter Schriften verfaßt. Trotz seines un- geheuren Fleißes und trotz zahlreicher Ehrungen, di« ihm sür sein« Arbeiten zuteil wurden, ist er in München arm und verlassen ge- storben, betrauert von seiner Frau und vier unmündigen Kindern. Erst vierzig Jahre nach seinem Tode wurde die Welt wieder auf das Schaffen dieses Mannes aufmerksam, als Professor Dubois-Reymond auf feine Arbeiten hinwies und von ihnen sagte, daß sie der Ausgangspunkt zu seinen eigenen Untersuchungen der tierischen Elektrizität seien. Mit Ritters Tode war«in Menschen- leben ausgelöscht, das berufen schien, der Welt noch manche neue Erkenntnis zu vermitteln._ üunstwcrke al» lveihnachlsgeschente. Da aus der 299 Arbeiten enthaltenden Weihnachtsausstcilung der Deutschen Kunst- aemeinschaft im Schloß bereits jetzt 39 Werke verkaust wur- den, ist ein« Neugestaltung der Ausstellung erforderlich geworden. Neben n«ucn Gemälden sind die Jahresgaben der Deutschen Kunst- gemeinschast ausgestellt, 10 handsignierte Originalgraphiken von Baluschek, Bastanier, O. H. Engel. Feininger, Hengst«nbevg. Kon- dinsty. Kollwitz, Richter. Waske und Zill«, von denen die Deutsche Kunstgemeinschaft ihren Mitgliedern gänzlich kostenlos ein Blatt nach freier Wahl zum Weihnachtsgeschenk macht. Die reiche Auswahl guter Gemälde. Aquarelle und Graphiken in jeder Preislag« und die gemeinnützigen Abonnementsbedingungen der Deutschen Kunst- gemeinschast ermöglichen jedermann den Erwerb eines Oriflinal- .kunstwerkes für sich selbst oder als willkommenes Weihnachtsgeschenk 'für Angehörige und Freunde. Die Kunstausstellung im Schloß ist täglich(auch am..Gotdenen Sonntag") von 9 bis 7' Uhr bei freiem Eintritt geöffnet._ ttefle prolelorilche.geierssvad«. Am SS. Dezember(2. WeiinachlS' feici lag), vorniitlagS 11 llfiv, finde! im Großen Zchaufplelbeu«. lkarlsliaße. die erste Feierstunde in dieiem Winter statt..Veibenacht- Freudenlag", ein Cborwerk von Franz Rotbenfelder, wird vom Epreibchor «elvrochen. Tie Tänze werden auSgestlhrt unter Leiwnq von Gudrun fiildebrandt. DI« musikalilche Leituna bat gavellmeister Volfgcm« Keller, er auib die Mufik eigen» sllr dtese« Werk geschrieben hat. Der SintrittS- preis beträgt 1 SB. lieber den„ Krieg der.Zukunft- tmlt Lichtbildern) spricht Ernst Friedrich am 17. abend» 8 Uhr tm Aliti-KttegSmuscum, Parochialftr. 2?. Tat Tavzsludio wy Magilo veranstaltet am 17.. abend» 8'/, Ubr. in der Galerie Neumann-Rierendorf, Lützowstrafte 32, einen Abend mit neuen Tänzen nach Musil von Strawinski), Diener, Protosicss. Millaud, Kodaly, Grimberg, sowie von ZBaSkentänzen mit japanische» No- SXaileu.» Hegen die Inflationsgewinne öer Hausbefltzer. Etatsdebatte im Landtag.— Weitere Enthüllungen über die Sowjetlieferungen. In der Etotsdcbatte de« Landtags, deren Beginn wir bereits im gestrigen Abendblalt verzeichneten, fuhr Abg. Mnckler(Dnat.) fort: Der einzige Lichtblick in der Gegenwart sind die preußischen Richter, die seste Säule des Staates, die uns aus besserer Zeit überkommen ist.(Bravo! rechts). Der ftritik des Herrn v. Kar- dorff am heutigen Sozialismus schließen wir uns restlos an. Der Kultusminister vergewaltigt Gewissenssreiheit und Elternrecht. Hat er wirklich den Studenten gesagt, der völkische Gedanke sei im republikanischen Staat unmöglich? Dann ist die ganze Deutschnationale Bolkspartei unmöglich, denn wir sind alle völkisch. Im Staatstheater verbreitet Jeßner Schund und sälscht die Klassiker.(Zuruf links: Soll er denn Wilhelms Flitterwochen spielen?) Die preußischen Minister wetteifern miteinander, lede Sympathie für die Republik unmöglich zu machen. Mir kann's recht sein!(Stürmisches Gelächter links.) Abg. Dr. Waentlg(Soz.): Zu der Erklärung des Abg. Pieck will ich einstweilen nur feststellen, daß die Direktion der Danat-Bank und der Dresdener Bank das angeblich gefälschte Schreiben aus Moskau erhalten haben, und daß dementsprechend tatsächlich über die Konten verfügt worden Ist.(Lebh. Hört! Hört! bei den Soz.) Wir wünschen im gegenwärtigen Etat wenigstens die An- stalten etatisiert, die speziell der Ausbildung von Arbeitern dienen, also, die Arbeiter-Akademie in Frankfurt a. M., die Wirtschaftsschulen in Düsseldorf und Berlin, die Bolkshochschulen. Di« dafür nötigen Mittel könnten selbst durch eine bescheidene Ver- waltungsreform gewonnen werden. Die Erfolge der preußischen Anleihepolitit sind sehr begrüßenswert, und wir heißen auch An- leihen für die produktive Erwerbslosenfürsorge und die Förderung der Bautätigkeit gut. Aber grundsätzlich ist jede Anleihe nur ein« vorläufige Bedarfsdeckung und eine dauernd« B«rmehrung der ordentlichen Ausgaben. Mit außer- ordentlicher Genugtuung haben wir der theoretischen Darlegung des Finanzministers über das Wesen der Hauszinssteuer als Jnflations- steuer und Werterhaltungssteuer zugehört. Leider hat er die praktischen Konsequenzen daraus nur unvollständig gezogen. E» wäre ote größte Ungerechtigkeit, nachdem man die Hypotheken- gläubiger wirtschaftlich auf die Dauer entrechtet hat, den Hppotheken- schuldner, d. h. den Hausbesitzern,«inen unverdie nten Wert- zuwachs in den Schoß zu werfen. von einer Aushebung der Miel zinssteuer käme den Mietern kein Pfennig zugute: deshalb muß die Steuer erhalten bleiben, am besten vielleicht in Form einer Grundschuld. Man sollt« sogar den Ertrag der Steuer wesentlich st e i g e r n, nicht durch Mietserhöhung, sondern durch Beseitigung der Ausnahmen zugunsten der Landwirtschost und der gewerblich benutzten Mume.(Sehr gut bei den Soz.) Wir wollen im übrigen ganz genau wissen, auf welche Ziel« im Finanzausgleich der preußische Finanzminister zusteuert, und lasten uns auf keinen Fall vor vollendete Tatsachen stellen. Die?rage des Finanzausgleich» ist eine eminent versastungs- politische Frage. Seit 1871 sind darum in Deutschland sortdauernd die schwersten politischen Kämpsc geeührt worden. Aus diesem ewigen Spannung«- zustand müssen wir heraus. Bismarck wollte im alten Deutschen Reich-die Einzelstaaten zu dauernden Kostgängern des Reiches machen. Dieser Grundgedanke hat sich jetzt durchgesetzt, und an diesem Resultat der Entwicklung zum Einheitsstaat wird nicht mehr g e rli t t e l t werden können.� Aber wie das lleberweisungs- system elastisch zu gestalten stt und wie dabei die Semeinden aus ihre Kosten kommen, etwa durch Zurückgehen, aus chie alten. Mtauelscheii Lorschläge, darüber müssen wir Klarheit erhalten. Wir sind 11 n i t a r i- r, aber wir sind bereit, die Frage des Finanzausgleichs auf dem Boden der gegebenen Berfastungsverhält- niste zu lösen. Wir wollen auf den Bahnen der Vergangenheit der Zukunft entgegenschreiten.„Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag." (Lebh. Beisall bei den Soz.) Abg. Grebe(Z.): Wichtiger als der Hinweis des Abg. Winckler auf den angeblichen Mißerfolg von Genf scheint uns die Der- nehmung von Dr. Michaelis vor dem Reichstagsausschuß zu sein. Dort ist festgestellt, warum wir keinen besseren Frieden bekommen haben. Wir wollen aber der Bolkspartei nichts vorwegnehmen.(Heiterkeit.)— Wir wollen die Hauszins- steuer nicht verewigen(Zuruf bei den Soz.: Dann wollen Sie also den Hausbesitzern die ganzen Beträge geben?) Darüber wird sich reden lassen. Abg. Dr. Memer(D. Bp.): Wir sind im Gegensatz zu Herrn Winckler der Auffassung, daß auch Genf ein Erfolg ist. Die Deutsche Volkspartei steht hinter der Politik des Herrn Stresemann. Die Hauszinssteuer befriedigt uns nicht. Sie ist eine ungerechte Steuer. Abg. Pieck(Komm.): Die preußische Regierung mit den Sozial- demokraten an der Spitze ist durchaus reaktionär und arbeiterfeindlich. Neun Zehntel der Etatsausgaben werden zugunsten des Bürgerwms gemacht. vergebliche kommunistische Ausflüchte. Hierauf wird die Debatte abgebrochen. In einer persönlichen Bemerkung erklärt Abg. Suktaer(Soz.): Abg. Pieck hat meinen Brief als gefälscht bezeichnet. Als Beweis dafür führt er den.Vorwärts" an. der in einem Druckfehler die Adresse der Sowjet-Commerz- und Industriebant mit.Karmulin- Platz" statt, wie von mir richtig verlesen,.Karunin-Platz" angegeben hat. Der von Pieck genannte angebliche Fälscher des Briefes ist mir völlig unbekannt. Für die Echtheit spricht die Tat- fache, daß tastächlich von dem von mir genannten Zeitpunkt an die eingezahlten Gelder nicht direkt nach Moskau, sondern über New Park gingen. So am 4. Dezember 1926 etwa 1.7 Mil- lionen Reichsmark, kurz noch meiner Rede am 10. Dezember haben die beiden von mir genannkea Berliner Banken nachforschen lasten, ob der von wir verlesene Brief noch bei ihren Akten ist. Die Dresdener Bank hat ihr Exemplar gefunden: das der Danat-Bank ist verschwunden. Die Direktion hat danach eine Untersuchung ein- geleitet. Nach erregten Aussprachen in der Direktion sind die Konten der.Gefu" aufgelöst und auffälligerweise von der See- Handlung übernommen worden. Darüber hinaus hat auch der Reichswehrministsr bisher nichts dementiert. Abg. Pieck(Komm.): Die Angaben Kuttners bleiben unwahr. Die.Gefu" hat im September 1926 überhaupt nicht mehr be- standen. Abg. Kuktner(Soz.): Die.Gefu" hatte sich damals allerdings in Deutschland in Wiks(Wirtsckaftskontor) umgetauft.(Pieck ruft: Jetzt kommen Sie der Sachs näher!— Schallende Heiterkeit.) In Rußland hieß sie weiter.Gefu", und chr Leiter van der Lieth hatte nach wie vor einen Sonderpaß der Sowjetregie- runq. Daß auf Grund eines gefälschten Briefes zwei V. Banken monatelang über 2 bis 3 Millionen Mark disponiert hätten, glaubt Herrn Pieck nicht einmal ein Verrückter.(Sehr gut bei den Soz.) Abg. Pieck: Gewiß Ist etwas faul bei Herrn Geßler. Aber was beweist das gegen Sowjetrußland?(Lachen bei den Soz.) Die Schiffe, die im Slettiner Hafen Granaten ausgeladen haben. sind gar nicht aus Sowjetrußland gekommen. �(Großes Gelächter bei den Soz.) Das Haus bewilligt in allen drei Lesungen die Weihnacht?- zutage für Beamte, Lehrer usw. gemäß den Bestimmungen im Reich.— Nächste Sitzung: Donnerstag 12 Uhr: Fortsetzung der Etatsdebatte, Eingemeindungen in Oberschlesten. Vit tveihnachtsferien öes' Landtags. -- Der AeUeftenrat de». Landtags beschloß am Mittwoch, daß die Weihnachtsserien am kommenden Freitag beginnen sollen. Neben der allgemeinen Aussprache zum Haushalt will das Haus auch noch, voraussichtlich am Freitag, verhandeln über die nichtstrittigen Punkte zur Typhusepidemie in Hannover. Außerdem soll mit beschränkter Redezeit auch die dritte Lesung des fchlefischen Umgemeindungsgesetzes noch behandelt werden, ferner dir Vorlage über die Weihnachtszulage. Hedenkliche Strafrechtsreform. Stellungnahme sozialdemokratischer Juristen. Der Entwurf.zum neuen Strafgesetzbuch liegt augenblicklich dem Reichsrat zur Begutachtung vor. Somit tritt die Auseinandersetzung über sein« Grundprobleme aus dem Stadium der reinen Theorie heraus. Es dürsten nur wenige Monate verstreichen und der Reichstag hätte dann die Frag« zu entscheiden, ob an Stelle des gänzlich veralteten Strafgesetzbuches, nach desten unzulänglichen Paragraphen das Wohl und Weh« tousender von Männern und Frauen bestimmt wird, durch«in modernes Straf- gesetzbuch ersetzt werden soll und wie es aussehen müßte. Er- schwerend kommt nicht allein der Umstand hinzu, daß die Reform des Strafgesegbuches bei dieser Zusammensetzung des Reichstags unter Dach und Fach gebracht werden soll, sondern auch die Tatsache, daß dies in einem Augenblick geschehen soll, wo das Vertrauen in den Richter st and erschüttert ist wie nie zuvor und daß die Gerichtsoersassung. die Strafprozeßordnung und der Strafvollzug. die mit dem Strafgesetz ein einheitliches'Ganzes bilden, äußerst reformbedürftig sind. Die sozialdemokratischen Juristen befaßten sich am Montag mit dieser Frage. Genost« Rechtsanwall Oborniker referierte dazu über«in« der Gnmdstogen de« neuen Entwurfes, nämlich über das freie richterliche Ermesten. Er ging davon aus, daß die parteigenössischen Juristen sich zum Kampf gegen das Zu- standekommen eines Strafgesetzbuches rüsten müßten, das wie das vorgelegte unter Umständen auf Jahre hinaus eine nicht wieder gut zu machende Gefahrfürdaspolitisch«. wirtschaftliche Lebendes Proletariat», sonnt auch des gesamten deutschen Volkes bedeuten würde. Es soll nicht bestritten werden, daß der neue Entwurf m mancher Beziehung«inen Fortschritt bedeutet. Das Fortschrittlich« ist aber hier, wie dies ja überhaupt sür die in der letzten Zeit zustandegekommenen Gesetze charakteristisch ist, mit derart großen Mängeln verkoppell, daß man auf der Hut sein müsse. Es genügt in dieser Hinsicht auf die Beibehaltung der Todesstrafe, auf die unbedingte Derhängung des G e f S n g- nisses für Unbemittelte im Falle der Unmöglichkeit, für sie die Geldstraf« zu zahlen, auf die unzureichende Formulierung des Begriffes des Notstandes, auf den Bruch mit dem Grundsatz, keine Straf« ohne Gesetz bei der Lerhängung von Sicherheitsmaß- nahmen rnch auf dergleichen mehr hinzuweisen. Die größte Gefahr droht von den im neuen Entwurf durchgeführten Grundsatz des freien richterlichen Ermesse nh«. Unter den heutigen Ber- hältnisten würde die Einführung diese« Prinzips in d e m Ausmaß«, wie es der Entwurf vorschlägt, und bei der Formulierung einer ganzen Reihe von Tatbeständen, wie sie der Entwurf voraussieht, einer völligen Aufhebung der Rechtssicherheit gleich- kommen. So stünde nach diesem Entwurf in der Willkür des Richters,«in« gonz geringfügig« Straf« oder die schärfsten Strafen bis zur lebenslänglichen Einsperrung wegen der gleichen Handlung über den Angeklagten zu verhängen. Stall scharfer präziser Fastung der Tatbestände«nchäll der Entwurf ein« groß« Reihe von Kaut» schukbestimmungen und ethischen Legriffen wie„gegen die guten Sitten",„gewissenlos",„gegen den Anstand gerichtet",„ver- werjliche Gesinnung" usw. Di« volkstümliche Anwendung von ethischen Begriffen erfordert aber, daß das juristische E m p- finden dem Volt»«mpfind«n entspräche. Daß aber zwischen diesen beiden ein Abgrund dehnt, Ist ja zum Gemeinplatz geworden. Selbst bürgerlich« Strosrachtslehwr� rvi» Lstzt, Rechts- Politiker wie Jhering und Politiker wie Bismarck(seine Rede am 3. Dezember 1878 zur Strafgesetznovelle) mußten anerkennen, daß die Richter auf Grund ihrer Erziehung einfach unfähig sind, die ersor- dersiche soziale Einstellung aufzubringen. So erklärt sich die große Z a h l d« r ß« h l u r t e i l«. Sie ist viel größer als man annimmt. Denn ein« groß« Zahl solcher Urteile wird in der Oefsenllichkell überhaupt nicht Letannt, und noch größer ist die Zahl derer, die durch die Schuld d>s Ermillelungs- und Beweisverfahrens als solche einfach nicht erkannt werhen. Symptomatisch stt die Stellung der Richterorganisationen gegenüber den Fehlurteilen. Es besteht auch kein« Hoffnung, daß es in absehbarer Zeit besser würde, da dar juristische Rachwuchs noch reaktionärer ist als die alten Richter. Unter solchen Umständen ist an die Erweiterung de« richterlühen Er- Messens, wie sympathisch dieses Prinzip an und für sich ren Schmähschristen. die in großer Zahl überall verbrettet werden Wenn man die wohlbedachten Ausschreitungen im politi- schen Kampf, wie man sie täglich in der reaktionären Press« ver- folgen kann, zu Gesicht bekommt, so muß man sich mit Staunen fragen, welche Beweggründe bei der Beschlagnahme dieser Schrift maßgebend gewesen seien. Dir brauchen nicht erst zu betonen, daß derartige rednerisch« Entgleisungen keineswegs zu billigen sind und auch einer guten Sache mehr schaden als nützen. Was ober wird der Republik mit dem Verbot einer Schrstt-gedient, die nicht«mmol eine sorgfällig vor» bereitete publizsttische Arbeit darstellt, sondern die proto- kollarisch« Wiedergabe von Bersammlungsreden, in denen sich«in leidenschaftlicher Redner leicht zu temperamentvollen Wendungen hinreißen läßt? Gegen die flechtung von Republikanern! Ei« offener Brief an den bayerische« Ministerpräfidentea. Nachdem der bayerische Ministerpräsident Dr. Held ii� einer Parlamentsrede den demokratischen Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe wegen seine» Eintreten» für den Einheitsstaat auf eine Stuf« mll gemeinen Landesverrätern gestellt hat, wenden sich jetzt die beiden Vorsitzenden de» Republikanischen Reichsbundes, V �.■■■■■■•. Reichstagspräsident Gen. Lobe und Ministerialdirektor a. D. Spieker, mit folgendem öffentlichen Protest gegen derartige Schmähungen: Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! In der Sitzung des Bayerischen Landtages vom 30. Nooern- bor d. I. haben Sie sich anläßlich Ihrer Rede zum Finanzausgleich mit der Stellung mittelbarer und unmittelbarer bayerischer Beamter zur Frage de- deutschen Einheitsstaates beschäftigt. Ihre diesbezüglichen Darlegungen sind allgemein als gegen den Ober- bürger meist er Dr. Luppe-Nürnberg, der Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Deutschen Republikanischen Reichsbundes ist, verstanden-worden. Uns liegt es fern, Ihnen Herr Ministerpräsident, das Recht streitig zu machen, Beamte des bayerischen Staates zur Unterstützung der von der bayerischen Regierung für richtig erachteten und oer- folgten Politik abzuhalten. Unerträglich aber erscheint uns, daß Sie treue deutsche Männer, die nicht nur in Bayern, sondern auch im Reiche eine hervorragende politische Stellung einnehmen. von der Bühne des Landtages, also vor breitester Oeffentlichkeit, der Felonie beschuldigen und als Ephialtesnaturen bezeichnen, nur weil sie in der von allen einsichtigen politischen Köpfen Deutschlands mit vaterländischer Sorge erwogenen Frage der staatlichen Gliederung de» Deutschen Reiches nach bestem Wissen und Gewissen einen anderen Stand- punkt einnehmen zu müssen glauben, al» ihn die derzeitige bayerische Staatsregicrung vertritt. Die von Ihnen gegen Männer, die von dem verfassüngsmäßig Ihnen garantierten Recht der freien Meinungsäuße- r u n g Gebrauch gemacht haben, gerichtete» Beschuldigungen sind nicht deswegen wenigen ungerecht und verwerflich, weil Sie für gut befunden haben, die Angegriffenen nicht mit Namen zu nennen. Da aber in der Oeffentlichkeit als das Ziel Ihrer Beschuldigungen und unwidersoroche» der Oberbürgermeister Dr. Luppe- Rum- berg, der mtt den Unterzeichneten den Borstand des Republikanischen Reichsbundes bildet, bezeichnet wird, erachten wir es als unsere Pflicht, nicht nur Herrn Dr. Luppe, sondern allen bayerischen f Mitgliedern des Republikanischen Rcichsbundes gegenüber rn i t Entrüstung und Entschiedenheit die von Ihnen erhobenen Vorwürfe zurückzuweisen. Wir bedauern auf das tiefste, daß Sie, Herr bayerischer Minsster- Präsident, der erste gewesen sind, der in dem unbeweisbaren, aber gerade darum mit stärkstem voterlästdischen Lerantwortungsgefühl und unter aufrichtiger Achtung vor der ehrlichen Ueberzeuaung des politischen Gegners auszutragendem Kampfe um die durch die Wei- marer Verfassung noch nicht zum Abschluß gebrachte Gliederung des Reiches den bedauerlichen Ton persönlicher Kampfes- weise hineingetragen zu haben. wie gewöhnlich— Gerichtsentscheidung sür die Fürsten. In der Schwarzburger Zeughaussache hat da» Oberlandesgericht Raum- bürg gegen dos Land Thüringen und für die Fürstin Anna Luise und den Hofmarschall von Halem entschieden. Amnestie in Irland. Alle aus Grund des Gesetzes über den Ausnahmezustand im Freistaat Irland Verhasteten sind anf An- ordmuig de» Lollzugsrates freigelassen worden. Die Schuhfabrikanten suhlen sich! Sie verhandeln nicht— sie sperren aus. Die Organisation der Schuhfabrikonten benützt geringe Lohnforderungen der Arbeiter zu einer Haupt- und «taatsattion. Diese Forderungen sind erst gestellt worden. nachdem die Fabrikanten den Lohntarif Stück sür Stück abgebaut haben. Die Organisation der Schuhfabrikanten steht im Tarisoertragsoerhältnis mit der Organisation der Schuh fabrikarbeüer. Trotzdem brachte sie es fertig, jedwede Aus spräche abzulehnen über die durch den Lohndruck ihrer Mit glied.'r heraufbeschworene Lohnbewegung. Das Reichsarbeitsminiflerium hat von Amts wegen die Parteien zu einer unverbindlichen Aussprache eingeladen, die am Dienstag ersvlgen sollte. Der Hauptausschuh der Arbeitgebcrverbände trat oin tt> Dezember in Berlin zusammen und beschloß, die Beteiligung an dieser Aussprache ab z u l e h n e n. Daraus ergibt sich, dah die Herren chrer Sache nicht recht sicher sind, daß sie keine Beritändigung wollen,>ondcin den Kamps um jeden Preis. Eine zu morgen, Freitag, nach Berlin einberufene Mit- glicderoersammlung der Unternehmerorganisation soll die Generalaussperrung sämtlicher Arbeiter in der deutschen Schuhindustrie beschließen\ Die Organisation der Schuhsabrikanlen hat sich ihren Orts- gruvpen gegenüber die Information der Tagespresse vorbehalten. Wie sie die Presse„informiert*, sei an einigen Bei- spielen gezeigt: In einer Notiz über Massenkündigungen in der niederrheinischen Schuhindustrie wurde behauptet, im Bezirk M.-Gladbach-Rheydt-Krefeld sei nach Ablehnung oer ttohnsorderungen als Gegenmaßnahme den gesamten Beleg- sch asten gekündigt worden. Mit dieser Meldung sollte der Eindruck erweckt werden oon� einer Gesamtauzs'perrung. Als der bedeutendste Plag der Schuhindustrie in jenem Bezirk kommt Cleve in Betracht, ein Ort, der in der Meldung gar nicht genannt ist. In Wahrheit ist lediglich in M.-Gladbach wie auch in Rheydt nur i.n je einem Betrieb die Lohnforderung mit der betrieb- lichen Aussperrung beantwortet, weiter« Betrieb« sind über. Haupt nicht beieilig t. In einer Zuschrift der Vereinigten Schuhindustriellen des Maingaues vom 3. Dezember an die„Frankfurter Zeitung* wird behauptet, daß in einer Offenbocher Schuhfabrik ein Teil der Arbeiterschaft unter Bruch des Arbeitsvertrages die Arbeit niedergelegt hätte. Die Gewerkschaften hätten das verhalten der Arbeiter gebilligt. Am Schlüsse der Notiz, heißt es dann:„In Mainz haben bereits zwei Betriebe w e g e n ä h n- lichen Vorgehens die Arbeit eingestellt.* So wird die Presse„informiert*! Die Meldung über einen Bruch des Arbeitsvertrages ist eine direkte Falschmeldung. Es handelt sich in Osfcnbach um Arbeitskräfte, die mit einem Tag Kündigung angestellt waren. Nachdem mit diesen Arbeitsdisfercnzen entstanden waren, wollten die Unternehmer die übrigen Arbeiter zwingen, die unerledigten Arbeiten mit zu übernehmen. Das wurde abgelehnt, und darauf kam es zu Entlassun- gen. Auch die Mainz betreffende Meldung ist irreführend. In den dortigen Betrieben ist noch Ablehnung von Verhandlungen durch die Fabrikanten in ganz ordnungsmäßiger Weise, und zwar von den Arbeitern, das Arbeitsverhältnis gelün- oigt worden. Mit falschen Darstellungen ist für die Fabrikanten die Situation jedenfalls nicht zu retten. Selbst die„F r a n t f,u r be r Z e I t u n g* sah sich veranlaßt, den Schuhfabrikanten im Anschluß an ihre Kriegsberichte eine Pille zu drehen. Sie schrieb: „Wir hoffen, daß die Parteien angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse den Weg zur BeUegung des Konflikts finden werden. Der tarifliche Mindeststundenlohn in der Schuhindustrie ist gegenüber dem allgemeinen Lohnniveau tatsächlich etwas zurückgeblieben. Und wenn auch der Durchschnittsoerdienst der Schuhfabrikarbeiter in einem Teil der Betriebe über diejem Minimum liegt, so gibt es doch noch eine Anzahl Betrieb«, wo er nicht darüber hinausgeht. Daß deshalb von den Gewerk- schaften zentrale Lohnforderungen gestellt wurden, war begreiflich, daß die Schuhindustrie sie kurzerhand ablehnte, war ungeschickt: man hätte dem Tarif- geoanken wenigstens insoweit Rechnung tragen sollen, daß mgn sich einmal an den Verhandlungstisch gesetzt hätte. Eine Aussprache wäre wertvoll gewesen, selbst wenn es beim gleichen Resultat geblieben wäre. Es ist bedauerlich, dah nun ein Teil der Arbeiterschaft dem bedrängten Herzen in der oben ge- schllderten Form Luft macht. Man darf auch von den Gcwerk- schaften erwarten, daß sie sich zu der von den Unternehmern ge- wünschten Erklärung bereitfinden werden, um Schlimmeres zu verhüten. Eine sachliche Aussprache der Parteien über den Tarif und die allgemeinen Verdienstverhältnisse in der Schuhindustrie sollte aber unbedingt hinterher folgen, um eine Beruhigung der Verhällnisle herzustellen.* Der cohndruck ist die Ursache de» Streiten Die„Frankfurter Zeitung* beurteilt die Derhältnisie aber zu rosig, wenn sie sogt, der Verdienst gehe in manchen Betrieben nicht über den Torifmindestlohn hinaus. Durch den Lohirdruck in der Krisenperiode ist es soweit gekommen, daß dieser Mindestlohn viel- fach nicht mehr erreicht wird. Aus einem mittleren Jndustrieort in Thüringen wird berichtet, daß in einem Betriebe von 14 Hand- Zwickern in zehn Wochen nur vier Mann den Mindestotkordlohn um einige Pfennige überschritten, während die übrigen 1l> Zwicker den Mindestlohn nicht erreichten. Daß die Gewerkschaften den ihnen gegebenen guten Rat nicht befolgen können, ergibt sich aus der Ab- lehnung einer unverbindlichen Aussprache im Reichsarbeit». Ministerium. Den immer noch unorganisierten Schuhsabrikarbeitern wird das Verhalten der Unternehmer die Augen öffnen und sie end- lich auf den Weg zur Organisation führen. Das Schwer- gewicht des Kampfes wird jetzt von den Unternehmern in die Be- triebe verlegt, deshalb muß jeder Arbeiter im Betriebe seinen Mann stehen. Der Zentral oer band der Schuhmacher sieht der großen Aktion der Scharfmacher im Unternehmerlager in aller Ruhe entgegen. Der von der Fabrikantenorganisation vom Zaun gevrochene Kampf muß sür die Arbeiter und Arbeiterinnen erfolgreich verlausen, wenn alle zur Organisation stehen und ihren Weisungen folgen._ vie Lohnverhonülungen üer Neichsorbe'ter. Bei den Lohnverhandlungen für die Rcichsarbeiter am Mittwoch im Reichssingnzministerium stellten die Zlrbeitnehmeroertreter den Antrag, den Arbeitern dieselben einmaligen Zu» l a g e n z u g e w ä h r« n, wie sie der Haushaltsausschuh des Reichs- tages für die Beamten beschlosien hat. Die Regierungs- vertreterertlärten, mit einem solchen Antrag nicht gerechnet zu hoben und daher auch keine Bollmacht für einen end- gültigen Abschluß zu besitzen. Die Verhandlungen wurden daraus- hin auf Freitag nachmittag Z Uhr vertagt. wo bleiben Sie Neichsbahnarbeiter l Die Verwaltung hat es nicht eilig. Wie bekannt, halten die Organisationen der Eisenbahner, ohne die Lohntorif« zu kündigen, von der Reichsbahn«in« lausende Erhöhung der Bezüge der Arbeiter gefordert. Die Reichsbahngesellschast lehnte diese Forderung ab. erklärte sich jedoch gegenüber der dann von den Tarisgewerkschaften erhobenen Forderung aus Gewährung einer einmaligen Wirtschafts- beihils« nicht ablehnend. Sie oersprach, die Gewerkschaften bald zu Verhandlungen über diese Forderung einzuladen. Bis heut« ist dies« Einladung jedoch noch nicht ergangen. Di« Erregung über dieses Hinausziehen der Verhandlungen unter den Eisenbahnern steigt täglich. Di« Erregung ist nur zu begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Verhandlungen über die Weihnacht»- beihils« der Beamten in den nächsten Tagen durch die Entscheidung des Reichstages beendet werden dürsten. Für die Reichs- und Staats- arbeiter, die chre Lohntaris«»um 31. Dezember gekündigt und eine lausend« Erhöhung chrer Löhn« gefordert haben, finden die Verhond- lungen heut« im Reichsfinanzministerium statt. Wenn die Wirtschasts- beihilf« noch vor Weihnachten zur Auszahlung kommen soll, dann wird es Zeit, daß sich die Reichsbahngesellschast zu Verhandlungen bequemt. Sonntagsruhe in Spanien. Madrid. 16. Dezember.(MTB.) Der Ministerrat genehmigte den Entwurf eines Erlasses über die Sonntagsruhe. Dabei weroen die geltenden Bestimmungen sür die Press« beibehalten.� Die Hälf.e der Schantstätten und ütr Tabail)andlungen wird am Sonntag ge- schlosien bleiben. Die Schauspielertruppen werden in der Woche einen ganzen Ruhetag haben. Der Deutsche Verkehrsbund, Bezirk Groß-verfia. macht seinen arbeitslosen Mitgliedern bekannt, daß ab Donnerstag, den 16. Dezember und den folgenden Tagen in der Zeit von 3 bis 2 Uhr die Auszahlung der Weihnochtsunter- st ü tz u n g im Gewerkschastshous, Zimmer 4, stattsrndet. Die Unterstützung wird gezahlt an arbeitslos« Mitglieder, welche ihre Beitragspflichten erfüllt, am Tage der Auszahlung mindestens 30 Wochenbeiträge entrichtet haben und seit dem 1. Dezember mindestens zwei Wochen nachloeisbar arbeitslos sind. Mitglieder mit unter 30 Wochenbeiträgen, ober mit mehr als sechs Wochen- beitragsleistungen haben sich im Zimmer 38 zu melden und erhalten von dort weiteren Bescheid. Arbeitslosenkarte und Verbandsausweis sind vorzulegen. U«t« Kr>»»rN»s«nd. Aeut«. Donneret««. 7 Vi Uhr, tagen die Grupven: tUpenitf;©mppenhmn Iiigcudheini©tilnauex Str. 4. Heiterer Abend.— Lichtenberg: Sruvpenheim Jugendheim Dosseftr. 22. Lese dcnd: Lunalämpferinnen».— Ten-pclh-l: Sruvpenhelm Lyzeum Sermoniaf!:. 4ii. ffrih-Reuter-Abend.—«iidoste»! Grupvenheim Rcichenbcrger Str.« fgeuer- wchrhou-t. vortrogofortichung:„Cedenerekorm und glaffent-myi".— Spanda«: ©ruvvenheiin Juxend beim L.nd«nuser 1. Vortrag:„Sonnenwende, Weihnacht. Sbriltentum".— Moabit: Gruppenhelm Stiidtischeo Jugendheim Bremer Sck« Wicielstrahe. Der Giup penabend säM aus. Veranimorlliih Mir Volitit: Dr Gurt Ge»er: Mlrtichatt: Artnr«aternn»! Sewerkschaftsdeweaun«: Z. Stelner: Iseullleto» X. H. Dilcher: Lokal«« und Sonniges, is.i« Xarftäd«: Aiueloen: Id. Glocke: liimtlich in Berlin. Verlag Vorwärts. Verlag G.m.b.H. Berlin Druck: Vorwä: ts-Buchdruckeret und Berlaasanllali Paul Sinaer u Co. Berlin SWS!! Lindenftrahr t. Hierzu i Beilagen»nd.Unterhaltung NN» Wiflcn». Gardinen Garnitur Etamine, mit Filet antiqv Karos und Klöppel-EinaitzeB.... Gamitur Etamine, mit großen 6.25 Filet-Motiven und Hohlsäumen... X 3«50 Bettdecke Etamine. m. Filetantique- y � CZ Motiven u.KIßDpel-Emaätr�E 2 Betten I• i O MadraSStoffe sweifarb.,goteQuaL, QO ca. 130cm breit......... Mtr. �«c/W Tisch- und Hauswdsche EinzelnehalbLJacqu.-TUchtiichcr o 0/"h 1)0x160 cm...................... 0*0\J Kaffeedecken i qc 1 /2 c buntfarbig. 110x1251. OO IIOxIlol.OO Stubenhandtuch weiB, haibieüL. nr\ Strrifenmu.ter, 50x100 cm........ V'.Ov' K üchenhandtuchweiß. imnleiae» f\ qj- Gerstenkorn. 48x1 00cm........... Bettwäsche Deckbettbezug 1x1x200 cm.£ 7c Linon, zum Knöpfen............. O« I O Kissenbezug soxso cm. 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So sind sie uns oft gute Freunde. Das arbeitend« Volk hat in großem Maße erkannt, wie wichtig das Buch in seinem Leben ist. Und mancher, der sür wenige Wochen seine Arbeitskraft verkaujen muß, spart und darbt, um sich hier und da ein Buch anschaffen zu können. Gewiß— es gibt auch Biblis. theken. Aber hier kann man die Bände nur entleihen. Vielleicht wird auch einmal von dem einen oder dem anderen der Inhalt zum dauernden Besitz de» Leser». Vieles, das meist« vielleicht und gewiß oftmals da. Wichtigste, wird er aber mit dem Buche auch vom Inhalt zurückgeben. Daher ist die Sehnsucht nach einer wenn auch kleinen, so doch gut gewählten Bibliothek gewiß berechtigt. Die beiden gemeinnützigen Lesergemeinschasten, der„B ü ch e r k r e i s* und die.Büchergilde Gutenberg*, haben sich die Aufgabe gestellt, diesem Bücher- und Bildungshunger der arbeitenden Klaff« Rechnung zu trogen. Bücher, im Inhalt wie in der Form gleicher- maßen einwandfrei und vorblldlich, suchen— hier für die Mitglieder für wenig Geld zum Kauf— und finden dankbar«, begeisterte Ab- nehmer Ist immer wachsender Zahl. Und da» ist gewiß der beste Dank, der denen, die diese Einrichtungen ins Leben riefen und für ihr Bestehen sorgen, abgestattet werden kann. Der Weg zum Such. Sellen weiß der. der einen dieser gut ausgestatteten, inhalts- reichen Bände in der Hand hält, die Arbeil richllg einzuschähen. die dazu nötig war, um ihn mit einem neuen Buche*u erfreuen. Vielleicht sieht er einen Augenblick im Geiste den Verfasser oder den Dichter, der in Tagen und Nächten, in glückoollen, reichen und In erschüttsrnden. unfruchtbaren Wochen am Werke formlc, vielleicht gedenkt er auch flüchtig des Illustrators. Aber sehr häufig wird da» Buch al» naturgegeben« Sache betrachtet, die nicht langsam oder schneller, doch immer wurde, sondern die einfach ist. Und doch, wie grundfalsch ist das. Ein Buch entsteht sogar zwei-, dreimal; und noch öfter. Das erste.Fertig* kann der Verfasser an da» Ende ein«, Manuskript» setzen. Doch ein Manuflript Ist noch kein Buch. Der Verleger wird also gesucht. Stöße von Manuskripten lausen bei der.Büchergilde Gutenberg* und dem.Bücherkreis* ein. Lelloren sichten da» Material und machen einem Ausschuh dann ihr« Vorschläge. Wieder wird gelesen, erwogen, diskutiert, vielleicht— das Wert angenommen. Eine neue Etappe ist erreicht. In die Atmosphäre der reinen Geistigkeit tritt setzt die Technik. dos Such wird»gesetzt". In einzelne Teile zerlegt wird das Manuskript an die Setzer verteilt, die ihre Setzmaschinen fast wie riesige Schreibmaschinen de- dienen. Eine solche Setzmaschine ist von unerhörter Lebendigkeit. Sie hat nicht nur tausend seltsam geformte, nimmermüde Glieder— sie scheint auch ein Gehirn zu haben. Aus einem Magazin, eine Art von umgestaltetem Setzkasten, fallen die Buchstaben oder Typen in einen Sammler, formen sich zu Worten und Sätzen und gleiten dann zu einer Eußform. in der sie, festgekeilt, dem flüssigen Metall ihre Schriftzüg« ausprägen. Der Setzer entnimmt seiger Moschine den fertigen Schriftsatz in Metall gegasten. Nur Kapitel- und Textüberschriften, soweit sie in besonders großen Buch. stoben gesetzt werden sollen, werden gewöhnlich im Handsatz her- gestellt. Die Seit« wird dann zusammengesetzt, mit Druckerschwärze bestrichen und ein Probeabzug davon hergestellt. Diese.Fahnen- abzöge* werden gesammelt und entweder dem Autor des Buche» �ur Korrektur zugestellt oder aber, wie es auch recht häufig geschieht, im Verlag selber auf Fehler durchgelesen. Der Buchdruck. Erst wenn man festgestellt hat, daß die Seiten fehlerfrei sind, wird von den Gutzseiten der Molernabdruck genommen, das heißt, der Metallguß wird in eine Pappmatrize geprägt, die besonders «ssü-ri An der Setzmaschine. widerstandsfähig gegen Wärme ist. Das ist sehr wichtig. Denn in diese Pappsorm wird jetzt flüssige» Blei mit einem geringen AnIImonzusatz gegossen und so die zum Druck fertige Buchseite her- gestellt. Stapelweise werden in einem großen Maschinensaal die Buchseiten gedruckt. Die Buchdruckmaschine oder Schnellpresse nimmt einen hohen Stoß weißer Bogen auf, die je nach Größe des Buches 8 bis 64 Seiten enthalten, und bedruckt die Bogen einseitig, 1600 bis 1100 in einer Stunde, zwischen 4000 und 32 000 Seiten also. Werden Illustrationen in den Text eingeschaltet, so müssen die Ma- lchinen langsamer laufen, da der Jlllistrationsdruck größere Sorgsalt erfordert. Man wird sich dann mit 100 bis 800 Bogen stündlich etwa begnügen. Wenn dann auch die andere Seite des Bogens bedruckt ist, so kommen die Bogen in die �alzmaschine, in der sie je nach Wunsch ein- bis viermal gebrochen werden. Auch kann man sie von dieser Maschine gleich heften lasten, das heißt richtig mit Fäden, denn ein Band, der einigermaßen dauerhaft sein soll, darf nicht mit Metallstisten geheftet werden. Illustrationen und Einband. Inzwischen haben Künstler die Einbanddecke entworfen und die Illustrationen gezeichnet, die aus Metallplatten photographiert und zum Zwecke des Druckes geätzt werden. Der Zeichner hat das Werk noch einmal durcherleben musten. Seine Bilder sind der Nieder- schlag des Inhaltes, der in ihnen gewissermaßen erneut geboren wird. In Tiefdruck, Offsetdruck, Kunstdruck und wie die Techniken alle heißen, werden die Originale wiedergegeben und dem Buche zu- gefügt. Bei der Auswahl der Schriftzcichen, in denen der Text gesetzt ist, hat man schon darauf geachtet, das Buch möglichst seinem Eharakter entsprechend zu formen. Auch für den Einband ist es natürlich wichtig, daß er zum Inhalt und der übrigen Ausstattung des Buches paßt. Erst zu einem solchen, durchaus stileinheitlichen Buch können wir ein wirklich persönliches Verhältnis gewinnen. Der Einband aus Papier oder Pappe wird ebenfalls maschinell hergestellt und geprägt und das Buch dann in diesen farbigen Band gebunden. Einzelexemplare oder besonders kostbare Bücher bindet man wohl auch mit der Hand, das heißt, der Einband wird vom Buchbinder erst am Buche selber zusammengefügt. * Do» Buch hat mit der Fertigstellung des Einbandes sein tech- nische» Werden durchlaufen und ist nun bereit, seinen Weg in die Well anzutreten. Aber wer aus seinem Inhalt und seinen Illustra- tionen Freude und Belehrung schöpft, der soll auch nicht vergessen, daß außer dem Berfaster und Zeichner ungezählte andere noch an dem Werke schassen mußten, ehe wir es uns auf unser Bücherbrett stellen konnten. Literarische Abende im Gewerkschaftshans. Im. Rahmen der großen Weihnachtsbücheraus. st«llunst. die täglich von 12 Uhr ab im Berliner Bewerkschafts- haus« geöifnet ist. finden an ollen Abenden besondere literarische Abend« statt. Sie sollen den vielen Besuckzern des Gewerksäiasts- houses einen Uederblick über dies wirklich gut« Schrifttum aus den verschiedensten Gebieten vermitteln. Für diel« Beranftaltungen. die allabendlich um Uhr beginnen, wird ein Eintrittsgeld nicht erhoben. Nachmittags um 3 Uhr spielt regelmäßig ein Kasperletheater zur Belustigung der Kinder. vir wunöer öer Klara van Haag. 39s van Johannes Vuchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Frau Klara sah den«eltfernen Ausdruck in den Augen des Professor» und sagte nur:„Kommen Sie Tee trinken! Aber wir müssen das Tier ja dazu einladen.* „Ja, natürlich müssen wir das. Aber wenn sie mich «inladen, dann sage ich ab." „Reden Sie mir nicht ein, daß Hans Iuhl ein Snob ist, sagte Frau van Haag mit Ueberzeugung und trat ins Wohn- zimmer. Der Professor bedachte sich«inen Augenblick, dann folgt« er ihr. Aber die Gnädige konnte nicht leugnen, daß sie beim Anblick von Johan Fors sehr enttäuscht war. Sie hatte ihn sich Im Malerklttel, bunt wie eine Biene im Frühling, am liebsten mit einem großen Hut aus dem Kops« und einem fleckigen Farbentopf in der Hand gedacht. Jetzt stand er da, in fertig genähtem, ziemlich schlechtsitzenden Zeug von un- bestimmter Farbe, Blechuhrtette und gewöhnlichem Kragen. Auf dem Stuhl nehmen ihm lag ein schwarzer Filzhut, unheimlich steif und konfirmandenartig. Aber das schlimmste von allem war vielleicht doch, daß der romantische alte, ver- fchlissene Fuchspelzbeutel mit dem nickelbeschlagenen Geigen» tasten vertauscht war. O, pfui Johan! Jetzt war nur zu hoffen, daß er sich grob und amüsant bei seinem Tee benahm. Der Professor war«in solcher Mann, datz er alles für den tun konnte, der ihn amü- sierte. Aber nein. Johan Fors fügte sich auch der Gnädigen in diesem Punkt schlecht.... Die Hand zitterte ihm, wie sie es bei jedem verlegenen jungen Mann getan haben würde, er aß nur wenig, möglicherweife, weil er sich reichlich versorgt hatte, ehe er von Hause wegging. Der einzige Punkt, in dem er sich, wie man sagen konnte, auszeichnet«, war, daß er viel Sahn« in seine Teetasse goß— aber damit konnte er sich keinen Erfolg schaffen. Selbst den Goldhelm hatte er ge- waschen und gekämmt, daß er ganz verdorben war. „Gesegnete Mahlzelt!" Der Professor schob seinen Stuhl zurück, sah hilflos aus und ging einige Male zum Fenster und zurück, setzte sich seinen Kneifer auf und flehte das Gesicht der Gnädigen an, sagte aber, da keine Gnade darin zu lesen war. mit plötzlicher Barschheit:„Schließen Sie auf! Bitte! Ich bin bereit!" Johan schloß aus. Die Schlösser knackten zweimal flott. Und Gott weiß, ob die Gnädige und der Professor jetzt das strahlend neue rote Tuch im Kasten sahen? Es schien nicht. Johan war beklommen und wagte nicht einmal zu denken, daß er einmal gemeint hatte, der Professor solle dl« Stücke nieder- schreiben, die er, Johan, spielte. Verflixter Blick, den der Professor hatte. Er glich dem Blick des Auges, das über dem Altar gemalt war. Sollte die Musik zu etwas werden, so mußte ver Blick einigen Abstand einnehmen. Johan drehte die Wirbel und setzte Bogen und Geige an. Rein, jetzt wußte er, was schlimmer als alles andere war. Hedwig sollte alles, jeden Ton mit anhören! Sie sollte ihn unter die Erde höhnen können, wenn es schief ging! „Spielen Sie los!* sagte der Professor. Nein, nein, es ging nicht. Hier nicht. Johan wagte nicht einmal den Bogen auf die Saiten zu legen und zu stimmen. „Wenn ich mir erlauben darf," begann er und drehte die Geige in den Händen,„dann möchte ich mir gern erlauben— den Herrn Professor zu bitten, mit in die Kirch« zu gehen und mich dort zu hören." „Was sagen Siel In der Kirche? Mir schien, Sie sagten. in der Kirche!" „Ja, es klingt besser in der Kirche, wenn also „Donnerwetter, was sagen Sie. Mann," sagte der Pro- fessor und knackte mit rasender Schnelligkeit sein Futteral auf. „Ich sage, hier klingt es ja nicht richtig— ob wir nicht in die Kirche gehen wollen. Hier ist der Schlüssel, und da sind wir ja mehr unter uns." „Sind Sie Organist?" „Nein!" „Glöckner vielleicht?" Die Gnädige wehrte schnell ab, indem sie sagte:„Ich erzählte Ihnen ja gestern, Professor, daß Johan Fors die Kirche malt." „Vom Stadtrat gewählt," sagte Johan bescheiden. „Dann möchten Sie vielleicht vor dem Altar stehen und spielen, während wir in den Stühlen sitzen?" „Nein, ich pflege aus der Kanzel zu stehen," sagte Johan und drehte die Geige noch einmal. Der Professor blinzelte eine Weile von Johan zu Frau Klara und wieder zurück. Verflogene Erinnerungen stürmten auf ihn«in. Wahrlich, er verstand, daß Frau Klara das mit- machen konnte. Sie hatte stet» gewußt. Sensationen um sich zu schaffen. Er erinnerte sich merkwürdiger Dinge aus dem Hause des Konsuls, ihrem Heim in Helsingör. Herrlicher Dinge. Amüsanter Dinge. Er selbst war übrigens die glück- liche Hauptperson in einigen von ihnen gewesen Aber— Aber nein! Jetzt war er Professor Hans Jvhl, bekannt hier und in einigen anderen Landern. Keine Sensalion— keine Reklame sollte seinen Namen schwärzen. Wer sicherte ihn gegen Entdeckung bei diesem sonderbaren Kirchenkonzert? „Nein" sagte er und stampfte mit seinen kleinen Füßen auf den Teppich.„Ich lasse Ihnen zwei Minuten, wollen Sie spielen, so spielen Sie. und ich werde Sie hören. Wenn nicht. dann—- für mich macht es keinen Unterschied." „Selbstverständlich spielen Sie." sagte die Gnädige hyp- notisierend. „Aber dann müssen Sie wenigsten» ins andere Zimmer gehen. Ich kann doch nicht--" Der Professor machte ein paar Schritte vorwärts, als wollte er schlagen, aber Frau van Haag drehte ihn um, nahm 'einen Arm unter den ihren und ging ine Kabinett. Dort hielt ie ihn die halbe Stunde gefangen, die Johan zu seinen Kunst- tücken brauchte. Vderkwürdige Töne strömten zu ihnen herein. Das. was die Gnädige an jenem Abend vor der Kirche erlauscht hatte, war nichts gegen das, was er jetzt hervorzauberte. Eine einfache kleine Melodie lieh sich hören: sie kam wieder, sie war so leicht erkennbar. Einer lichten Frau glich sie. Da geschieht etwas mit ihr. Was? Die Frau löst ihr Haar, sie sitzt an einem rauschenden Elv, ihr Bild zeigt sich zitternd bewegt lm Strom. Singend geht sie zwischen weißen Birken den Elo entlang, und jetzt— jetzt streckt der Wasser- mann seine mächtigen Arme aus und zieht sie an sich. Ein Höllenlärm schäumender Wellen, fallender Felsen, krachender Stämme. Ein Erdruffch von Tönen—! Johan fiedelte auf allen Saften auf einmal. Der Pro- fessor setzte sich den Kneifer zurecht und studierte ein Bild, das Hyazinthen im Grase vorstellte. Stille. Aus dem rauschenden Strom gleitet die kleine Melodie. Gleitet die lichte Frau heraus. Tot und herrlich gleitet sie am grünen Elvufer unter weißen Birken entlang. Johan schloß ersterbend mit Tönen, so fein wie Mondlicht. Der Professor nahm das Bild herunter und trat ans Fenster, um die Signatur zu finden. Bunte Töne. „Wie heißt das?" ruft die Gnädige. „Aus Budapest!" antwortete der Musikmaler, ohne ein- zuhalten. .Konnte es mir denken!" nickte die Gnädige. (Fortsetzung folgt.) Der Skanöasprozeß von Oppen. Zwei Jahre Gefängnis für den Hauptangeklagten. Es widerspricht der Würde der Presse, von der Gnade eines Gerichtsvorsitzenden abhängig zu sein. Auch für Landgerichtsdirektoren existieren Gesetzesoorschriften: ihnen den erforderlichen Respekt zu oerschaffen, wird die Oesfentlichkeit Manns genug sein. Nachdem nun cherr Westerkamp in Potsdam geruht hat, in der gestrigen Verhand- lung zur Mittagspaus« auf Antrag des Verteidigers und des Staats- anwalts die S ch r e i b s p« r r e. die er über die Berichterstatter oer- hängt hatte, a u f z u h e b e n, soll zur Orientierung unserer Leser ein ganz kurzer Bericht über diesen neuesten Skandalprozeß des Pots- damer Adels gebracht werden. Es hietze, dem Londgerichtsdirektor Westerkamp und der gesamten Potsdamer Gesellschaft«inen allzu großen Gefallen zu tun. wollte man diese ruhmreich« Episode aus dem Leben der Potsdamer Hofgesellschaft mit völligem Stillschweigen übergehen. Wie bereits berichtet, waren die Angeklagten v. Oppen und Paul Miehe wegen gemeinschaftlichen Betruges, versuchter Nötigung und schwerer Urkundenfälschung angeklagt. Beide bestritten in allen Fällen, sich schuldig gemacht zu haben. v Oppen bezeichnete sich als Opfer des Sekretärs und homosexuellen Freundes feines Bruders, den Zöjährigen Joachim v. Albert, von dem er auch im, sein Majorat und den Vcrzichtsoertrag an dein Majorat betrogen sein will. Der Bruder des Angeklagten oerweigert aber in der Gerichtsverhandlung jede Aussag«. So konzentriert sich das Interesse auf die Heiratsfchwindeleien des Angeklagten. Biel« Bräute treten auf: von der kleinen Schauspielerin, der Kranken- Pflegerin bis zur reichen Fabrikantentochter. Allen Hot der Angeklagt« nicht nur unter Heiratsversprechungen bares Geld abge- nommen, sondern hat sie auch Akzept« unterschreiben lassen. Die betörten Mädchen, geblendet durch Namen und seine Persönlichkeit, unterschrieben und werden heut« als zahlungspflichtig in Anspruch genommen. In unerhörter Weise hat der Baron einen Lausitzer Fabrikanten hereingelegt. Nachdem er sich mit dessen Tochter verlobt hatte, ließ sich der Baron mehrere tausende Mark Aussteuergeld von seinem Schwiegervater geben. Wochenlang oenoß er die Gastsreund- schast des Fabrikanten und als seine Braut ihm Wechsel in Höh« von 10 000 Mark unterschrieben hatte, fuhr der Baron auf und davon. Als der Fabrikant gestern als Zeuge vernommen wurde, rief er dem Baron entrüstet zu:„O du feiner Edelmann! Was hast Dumit meinem Kind« getan T Ein« junge Schauspielerin in Berlin hat der Angeklagte, nachdem er sich mit ihr verlobt hatte, bewogen, ihre Wohnungseinrichtung zu verkaufen und ihm das Geld zu geben. In Wirklichkeit war der Herr Bräutigam aber mit einer arvderen Braut verlobt. Auch ein« Berliner Krankenpflegerin ist um ihr Barverinögen gekommen. Kaum schlug aber ihr Versuch, von ihrem Vater ein Darlehen zu bekommen, fehl, da entlobte er sich auch schon der Kavalier. Einer schwachsinnigen Frau in Neukölln nahm Herr v. Oppen unter der Vorspiegelung, daß er Gelder zu erwarten hätte, 1200 Mark ab. Der Berliner Kunsthändler n. Oellingen sandte in die Wohnung semer Mutter kostbar« Perser- brücken. Der Baron oersetzte sie bereits am nächsten Tag« durch Miehe. Erst gestern nacht ist es gelungen, diese Brücken in Berliner Pfandleihen sicherzustellen. Der Sachverständig«, Sanitötsvat Dr. Magnus Hirsch- selb, schilderte den Angeklagten als«inen hochgradigen Neurotiker und Erotiker. Solange er über unbeschränkt« Mittel verfügte und er sich als zukünftiger Majoratsherr fühlt«, hätten sich diese Eigenschaften bei ihm ungehindert ausleben können. Dem Wechsel der Geschehnisse, vor allem der Verarmung,.zeigte er sich als schwerer Neuropath nicht gewachsen, zumal inzwischen auch die vom Dater ererbte Zuckerkrank- Hut,«ine venerische Infektion und die Neigung zu starken alkoholischen Getränken sein Nervensystem weiter ruinierten. Soweit bei dem An- geklagten strafbar« Handlung«,,, vorliegen, feien dies« aus Impuls« zurückzuführen, deren Folgen und Tragweite v. Oppen nicht abge- messen hat. Seine Zurechnungsfähigkeit im Sinn« des ß S1 ist infolgedessen als stark vermindert, aber nicht als ausgehoben anzusehen. Um 4 Uhr nachmittags haben die Plädoyers begonnen. Der Staatsanwalt beantragt« gegen v. Oppen wegen gemeinschaft- lichen Betruges, versuchter Nötigung und schwerer Urkundenfälschung insgesamt zwei Jahre sechs Monate Gefängnis unter Anrechnung der vollen Untersuchungshaft, gegen den Mitangeklagten Kaufmann Paul Wiehe wegen gemeinschaftlichen Betruges und schwerer Urkundenfälschung ein Jahr neun Monate Gefängnis. Das Gericht oerurteilte v. Oppen wegen Untreue, Betruges und schwerer Urkundenfälschung unter Freisprechung von der Anklage wegen versuchter Nötigung zu insgesamt zwei Jahren Gefängnis. Ein Jahr Unter- suchungshaft gilt als verbüßt, drei Monat« der Straf« muß der Verurteilt« noch verbüßen, für den Rest wurde ihm eine Bewährungs- frist von drei Jahren zugebilligt. Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. Der Angeklagte Miehe erhielt wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung«in Jahr sechs Monat« Gefängnis. Sechs Monate wurden als verbüßt erachtet. Miehe bleibt in Haft. Ireifpruch im Straßenbahnerprozeß. Zum Stratzcnbahnunglück in Tempelhof. Nach halbstündiger Beratung sprach das erweitert« Schöffen- gericht T e m p e l h o f den Straßenbahner G. von der Anklage der fahrlässigen Transportgefährdung und der fahrlässigen Körper- Verletzung frei. Es war somit dem Antrage des Staatsanwalts, der auf 150 M. Geldstrafe plädiert hatte, nicht nachgekommen. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende unter anderem aus, daß das Gericht sich nichr davon habe überzeugen können, daß die Strombremse oder der Sandstreuer oersagt hätten. Es habe jedoch keine Fahrlässigkeit vorgelegen, da der Talbestand der Fahrlässigkeit und unter Berücksichtigung der Persönlichkeit des Angeklagten zu beurtellen sei. Es handle sich in diesem Falle um einen jungen Fahrer, dessen Intelligenz überdies nicht sonder- lich hoch zu sein scheint Wenn er also schon an und für sich der gesahroollen Lage, die hier entstanden war, nicht gewachsen war, so kam noch der Umstand hinzu, daß das Gleise durch den Staub von dem nebenan aufgeführten Bau und von den hinabgefallenen Linden- blütcn glitschig war, was er nicht wissen konnte. Zur Sache selbst mögen noch folgende interessante Einzelheiten nachgetragen werden, die auch einer grundsätzlichen Bedeutung nicht entbehren: Wie zu erwarten war, konzentrierten sich die Aussagen der Zeugen und Sachverständigen, wie auch die Ausführungen des Verteidigers auf die Frage, ob die Strombremse eine ge- nügende Gewähr für ein zeitiges Stoppen des Wagens bietet. Eine große Anzahl von Straßenbahnfahrern, ehemaligen und noch im Dienst befindlichen, wegen Zusammenstöße bestraften wie auch straflos gebliebenen, bezeugte, daß auch bei ihnen die Strombremse oersagt habe. Der Sach- verständige der Straßenbahn-Gesellschast. Ingenieur Meyer, mußte zugeben, daß die Handhabung der Strombremse eine größere Er- fcchrung erfordere, die einem jungen Fahrer unter Umständen fehlen könne. Er bestritt auch nicht, daß augenblicklich bei der Straßen- bahn-Gesellschast Versuche im Gange seien, deren Zweck es ist, einen Apparat zu schaffen, der dem Fahrer anzeigen soll, ob die Strombremse in Ordnung ist oder nicht. Ein zweiter Sachverständiger gab zugunsten des Fahrers zu. daß sowohl Strombremse als auch Sandstreuer versagt haben könnten Auffällig war die Behauptung des Verteidigers, daß die so viel umstrtttenen Strombremsen bei der Straßenbahn in größerem Umfangt erst eingeführt worden seien, als in den Vorstand der Straßenbahn-Kesellschaft Herr Direktor Psorr eingetreten sei, der Bruder eines Direktors der AEG., die die Strombremse her- stelle. Ob der Verteidiger recht hat und inwiewett die Strom- bremsen noch verbefferungsfähig sind, mögen die in Frage kommen- den Instanzen entscheiden. Schließlich berührte es aber In diesem Prozeß sympathisch, daß all die Zeugen, die als Fahrgäste erhebliche Verletzungen davongetragen haben, für den Angeklagten Partei nahmen._ Zamilientragöüie in Charlottenburg. Mordversuch an Frau und Kind und Selbstmord. Eine furchtbare Familientragödie, die erst im Laufe des gestrigen Abends zur Kenntnis der Behörden kam, spielte sich in der Dienstag- nacht im Hause Fraunhofer st raße 20/21 ab. Der 3Sjährige Kaufmann Max G., der zugleich Verwalter«des umfangreichen Grundstückes ist. gab Dienstagnacht auf seine Frau einen Schuß ab, der die linke Kopfseite iraf. Dann gab er zwei Schüsse aus das Kind GroßeWeihnachts-Ausfielsung der Sozialistischen Arbeiterfugend Groß> Äerlins im Zugendheim, Lindenstraße 3, 2. Hof, 3 Treppen Iugendschristen und toissenschastliche Literatur Aluminium- und Wanderartikel— Instrumente Kunstgewerbl. Metallwaren- Keramik— Spiele Geöffnet: Werktags von 4-S Uhr, Sonntags von LO-S llhr ab und jagte sich schließlich selber ein Kugel in die Schläfe, die seinen sofortigen Tod herbeiführte. Frau G. lag bis zum Morgen ohne Bc- wußtsein im Schlafzimmer. Endlich kam sie zu sich und sah mit Eni- setzen, daß ihr Mann tot neben ihr und das Kind schwer- verletzt in seinem Bett lag. Es gelang ihr sich noch anzukleiden und trotz der Kopfverletzung nahewohnende Verwandte aufzusuchen, denen sie den Vorfall schilderte und die sofort die Polizei benachrichtigten. Frau G. und das Kind fanden im Urban-Krankenhaus Aufnahme. Die Leiche des Täters wurde von der Kriminalpolizei beschlagnahmt und in das Eharlotienburger Schauhaus geschafft. Der Tat sollen Verfehlungen des G. zugrunde liegen. Ceicbenfunö im Grunewald. Selbstmord, kein Verbrechen. Unter verdächtigen Umständen wurde am Mittwoch im Jagen 10 des Grunewaldes, in der Nähe des Jagdschlosses«in zunächst unbekannter Mann tot aufgefunden. Der Tot« lag mit dem Kopf und dem Oberkörper gegen einen Baum gelehnt, in halbsitzender Stellung. Um seinen Hals war ein« starke Zuckerschnur geschlungen und zusammengezogen, und in den Händen hielt der Tot« krampfhaft die Enden der Schnur. Weil der Fund Verdacht erregte, wurde die Mordkommission der Kriminalpolizei alarmiert. Der Ehef der Kriminalpolizei, Regierungsdirektor Dr. Weiß, sowie die Kommissare der Kommiffion begaben sich mit ihrem Stabe von Beamten unver- züglich an die Fundstelle. Die Besichttgung der Leiche durch den Ge- richtsarzf Dr. Fraenkel ergab, daß der Mann unzweifelhaft durch Selbstmord geendet hat. Nach dem Befunde hat er sich selbst die Schnur um den Hals gelegt und zugezogen. Noch im Tode hielt er die Enden fest. Es gelang bald, die Persönlichkeit des Selbstmörders festzustellen. Es handelt sich um einen 47 Jahr« alten Kaufmam: Fritz K., der mit seiner Familie am Rüdesheimer Platz wohnt«. K., der sich in der Lederbranche betätigte, hatte in letzter Zeit mit schweren geschäftlichen Sorgen zu kämpfen. In einem Ab- Muedsbiriefe,> den man bei ihm sano, beteuert er sein« U n- schuld an 1h* tiwgllnsilgeu Loge und sagt seiner Frau, seiner 10 Jahre alten Tochter und seinem 14jährigen Sohne Lebewohl. Offenbar hat K. unter der Einwirkung der Sorgen in einem Anfall von Nervenzerrüttung Hand an sich gelegt. Di« Leiche wurde be- schlagnahmt und nach dem Schouhaufe gebracht. Taubstumme Kunstler als Aussteller. In der Staatlichen Taubstummenanstalt Neu- k ö l l n. Mariendorfer Weg 47/60, haben 20 Insassen Malereien, Radierungen und Plastiken ausgestellt. Die meisten sind seit ihrer Geburt der Sprache beraubt, sind einzig und ollein aus ihre kleine Gemeinde der Unglücklichen und jene Menschen angewiesen, deren Beruf es ist, ihnen die menschliche Sprache durch jahrelanges, müh- iames Studium notdürftigst zu übermitteln. Die Ausstellung enthüll Arbeiten von künstlerischer Begabung. Zarte Stimmungsbilder, wie sie wohl gerade diese Menschen, die abgesondert von der großen Welt ihr Dasein führen, besonders empfinden und wiedergeben können. Sehr stark im Ausdruck ein Bildnis von Beethoven mit dem Symbol der„toten Ohren", Tierbilder und Plastiken des bekannten Tiermalers Christlieb und viele andere sehr gute Leistungen. Viel Leid ist unter all diesen Künstlern. Einer ist Vater zweier Kinder, die, gleich den Eltern, ebenfalls taubfdimm zur Welt kamen, ein anderer, der in jungen Jahren große künstlerische Erfolge hatte— er erhielt vor Jahrzehnten für einen Denkmalsentwurf einen Preis von 5000 Mk.— lebt heute als Sechzigjähriger in traurigsten Ver- Hältnissen und ist obendrein schwer lungenleidend. Wohin sollen sich diese armen, der Sprache beraubten Menschen in ihrer Not wenden? Sämtliche Ausstellungsstücke sind verkäuflich, manches allerdings ein wenig zu hoch im Preise, aber es gibt auch wiederum für 5 bis 6 Mk. sehr feine Radierungen und andere kleine Bi'der. Der Aus- stellungsraum ist auch nicht gerade glücklich gewählt. Vielleicht könnte auf dem Wege über die Kunstdeputationen der verschiedenen Be- zirksämter die Aufmerksamkeit auf die Ausstellung gelenkt werden. Wasserrohrbruch in Charlottenburq. Ein Wasserrohrbruch mit beinahe katastrophalen Folgen er- eignete sich am Mittwochnachmittag gegen 4 Uhr in der Berliner Straße zu Charlottenburg. An der Ecke der Berliner und Eosanderstraße platzte ein 40 Zentimeter im Durchmesser starkes Wasserdruckrohr. Ein dicker Strahl schoß an die Oberfläche und schleuderte Sand und Steine einige Meter weit fort. Die Berliner Straße, die hier etwas Gefälle nach dem Luisenplatz zu hat, wurde teilweise überspült. Große Wassermengen überfluteten auch Teile des Luisenplatzes. Die Straßenbahngleise, die hier im Erdreich liegen, wurden derart unterspült, daß der gesamte Straßenbahnoerkehr nach Siemens st adt und Spandau umgeleitet werden mußte. Durch die Umleitung traten starte Verzögerungen und Verspätungen ein. was sich besonders in einer teit bemerkbar machte, wo die Straßenbahnen von Arbeitern und ngestellten dicht besetzt sind. Die Charlottenburger Wasserwerke wurden sofort benachrichtigt, die eine Arbeitskolonne zur Behebung des Schadens an die Unfallstelle entsandte. Es mußten umfangreiche Arbeiten vorgenommen werden, um an die Bruchstelle heranzu- kommen: die Arbetten dauerten bis in die späten Abendstunden hinein. Durch die notwendig gewordene Absperrung des Haupt- Wasserrohrs war ein großer Teil der westlichen Straßenzüge Char- lottenburgs ohne Wasser. Wieder ein großer Hoteldiebftahl. Schwer bestohlen wurde ein schlesischer Großindustrieller, der in einem größeren Hotel im Zentrum der Stadt mehrere Zimmer im 3. Stock bewohnt. Er ging am Mittwoch vormittag um 10 Uhr aus und schloß alle seine Zimmer ab. Als er ungefähr zwei Stun- den später zurückkam, entdeckte er, daß ein Dieb die Zwischenzeit benutzt hatte, mit einem(juten Nachschlüssel eine der Türen aufzu- schließen und sich über seinen Koffer herzumachen. In die Hände sielen ihm ein goldenes Zigarettenetui, das ein vierblättriges Klee- blatt mit Smaragden ziert, eine goldene Uhr ohne Sprungdeckel mit einer siebenzackrgen Krone, zwei Pertenkrackhemdknöpf« und 2500 polnische Zloty und 100 Dollar an barem Gelde. Den mitge- stohlcnen Reisepaß des Industriellen hatte er auf der Toilette wieder weggeworsen. Deutsches Komitee für Paläftiuaarbeit. Im Hotel.Kaiserhos" fand am Mittwoch ein« Zusammenkunft von Politikern verschieden st er Parteirichtung statt, in deren Verlauf ein Komitee zur Förderung der jüdischen Palästina- siedlung gegründet wurde. Zweck der Gründung ist, die deutsche Oesfentlichkeit über die Bedeutung des jüdischen Kolonisationswerks in Palästina aufzuklären, die Beziehungen zwischen Deutschland und Palästina zu pslegen und die Erkenntnis zu verbreiten, daß die jüdische Ausbautätigkeit in Palästina ein beachtliches Mittel für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Orients, für die Aus- breitung der deutschen Wirtschaftsbeziehungen und für die Ver- söhnung der Völker sei. Staatssekretär Dr. Puender überbrachte als Vertreter des Reichskanzlers die Wünsche des Ministers und der Reichsrcgicrung und betonte, daß die Regierung an den Ar- betten des Komitees lebhaftesJntercsse nehnze. Zum Schluß sprach Kultusminister Pros. Becker, der in klug abgewogenen Worten die Entwicklung des modernen Judentums, seine Assimilation und ihre Gegenströmung vom Standpunkt des objekttoen Betrachters skizzierte. Auch er sprach dem Unternehmen seine herzlichen Sym- pathien aus. Ihren Beitritt zum Komitee haben bisher u. a. vollzogen: Der preußische Ministerpräsident Otto Braun, der preußische Kultus- minister Prof. Dr. Becker, der Präsident des Reichstags, Paul Löbe, Botschafter z D. Gras Bernstorsf. M. d. R.. Freiherr von Richthosen, Ministerialdirigent im Auswärtvigen Amt, Prof. Dr. Albert Einstein, Thomas Mann. Geh. Iustizrot Prof. Dr. Kahl, M. d. R., Domkopitular Prälat Prof. Dr. Haas, M. d. R., Reichs- kanzler a. D. H e r m a n n Müller, M. d. R., Geh. Legationsrat Dr. R. Kuenzer. Hauptschriftleiter der„Germania", Dr. R. Brei t- scheid. M. d. R.. Eduard Bernstein. M. d. R., Prof. Dr. O. Hoetzsch, M. d. R.. Prof. Dr. I. V. Bredt. M. d. R.. Prof. Dr. Walter Schücking, M. d. R., Gesandter Dr Gradnauer. Zum Tode Albert Sohns sandte die s o z i a l d e m o k r at i s ch e Reichstagsfraktion an die Witwe folgendes Beileidsteie- gramm:„Aufs schmerzlichste berührt von deni plötzlichen Ableben Ihres Galten, der uns stets ein wertvoller Berater in der sozial- politischen Arbeit gewesen ist, und der als einer der besten Bor- kämpfcr für die Entwicklung der Krankenversicherung große Ver- dienste erworben hat, sprechen wir Ihnen und Ihren Kindern aus- richtige Teilnahme aus." Ein Parteigenosse verschwunden. Der Schriftführer der 30. Ab- teilung, Genosie Ernst Steinhäuser, ist am Sonnabend- abend gleich nach 7 Uhr von seiner Wohnung in der Komman- dantenstraße fortgegangen und bis heute nicht zurück- gekehrt. Da St. in durchaus geordneten Berhältnisfen lebte und von seiner Arbeitsstätte nur Lobenswertes über ihn berichtet wird, so muß leider angenommen werden, daß er einem Unglücksfall oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Genosie Steinhäuser ist auch Mitglied des Reichsbanners und trug bei seinem Weggang grünen Hut, graue Windjacke, hellbraunen Kammgarn- anzug, Stehumlegekragen und braune spitze Schnürschuhe. Auf den Fingern hat er vermutlich einen goldenen und einen silbernen Ring. Falls er am Sonnabendabend noch von einem Bekannten gesehen worden ist, werden Angaben sofort erbeten nach der Wohnung, Kommandantenstraße 26. oder an Kriminalkommissar Gahmig, Ver- mißtenzentrale im Polizeipräsidium. Sprechchor für proletarische Zeierslundcn. Die nächste Unbungs- stunde findet am Freitag, abends pünktlich �-8 Uhr, im Zetchenjaal der Sophienschule, Weinincisterstr. 16/17, statt. Sonntag, den 19., vormittags 10 Uhr, tiauptprobe zur Weihnachtsfeierstunde in der Aula Weinmeisterftraße. .Unser Uochbarplaael Mm», eine zweite Erde» lautet da» Thema des mit tHoelimenten, zablreicken Licht- und Trebbtldein und einem Film auSgeilattctcn Vortrages, den Dr. F. S. Archendold am DonnerSlag, tS. Dezember, abends 8 Uhr, im großen Hörsaal der Treplow-chternwarte hält._ Das Attentat auf die �Schleswig-tzolsteiV. Der Feuerwerksmaat als Kcttcnsprcngcr. Gegen den Feuerwerksmaat Köhler, der, wie berichtet,� eine Munitionskammer aus dem Linienschiff„Schleswig-Holstein" in Brand zu setzen suchte, ist von der Staatsanwaltschaft bereits das, Verfahren eingeleitet worden, ohne daß jedoch Köhler bisher ver- nommen worden ist. Man will vielmehr zunächst das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung abwarten, da manches dafür spricht, daß der Feuerwcrksmaat in einem Anfall von Pyromanie gehandelt hat. Köhler war früher auf der„Ama- zone" und fiel den Kameraden und Vorgesetzten mitunter durch ein unberechenbares Wesen auf. Man nahm an, daß der Maat, der zu alkoholischen Exzessen neigt, in einer anderen Um- gebung auch sein Wesen ändern werde und versetzte ihn deshalb auf die„Schleswig-Holstein". Die nähere Untersuchung hat nun er- geben, daß Köhler bei der Begehung seiner unsinnigen Tat Kräfte entwickelt hat. die fast über menschliches Maß hinaus- gehen. Die Munitionskammcrn auf dem Linienschiff sind nämlich durch starte mit Eisenblech beschlagene Türen gesichert, die ein Schuv- schloß besitzen, um zu verhindern, daß Unbefugte eindringen können. Zur weiteren Vorsicht sind dann aber noch quer vor die Tür Eisen- ketten gespannt, die aus fingerdicken Stahlgliedern bestehen. Diese ungeheuer starken Ketten hat Köhler mit einer starken Brechstange zerrissen und dann mit Hilfe eines Dietrichs die Türen selbst geöffnet. Für die Geistesstörung des Mannes spricht auch der Umstand, daß er, als er festgenommen werden sollte, versuchte, seine metallene Trillerpfeife mit einem Streichholz m Brand zu setzen. Selbst wenn es Köhler gelungen wäre, durch Petroleum oder Oel ein stärkeres Feuer in der Munitionskammer zu entfachen, wäre nach Ansicht der Fachleute eine Katastrophe doch oermieden worden, weil schon nach wenigen Sekunden die auto- matische Riegeloorrichtung in dem Raum in Tätigkeit getreten wäre. Der Bubikopf ist ehrlich! Bei ihm sind keine künstlichen Verdccknngs- mittcl möglich, wie man sie hei langem Haar anwenden konnte. Der Bubikopf verlangt eine regelmäßige Pflege mit Pixavon, wodurch das Haar leicht jede Frisur annimmt. Kein» der gewöhnlichen flüssigen Uaarwaschseifen hat auch nur annähernd die Wirkungen von Pixavon. Bestehen Sie fest auf„Pixavon"(nur in geschlossenen Originalßaschen), sowohl für die häusliche Haarwäsche, wie auch für die im Frisiersalon. Fordern Sie kostenlos von uns Abbildungen neuer Bubenkopf- schnitte für Winter 1926. LI N CN E R W E R K E Dresden JJuf die Preisfrage: Wieviel Schuhe können mit einer Dose Erdal geputzt werden? sind etwa 300000 Lösungen eingelaufen» Die unter Leitung des Herrn Carl Eckerlein, Obermeister der Schuhmacher-Zwangsdnnung Berlin und Sachverständiger der Handwerkskammer Berlin am 4. Dezember nachmittags im Sportpalast abgehaltene Putzprobe ergab, dab 152 Schuhe selbst unter ungunstigen Bedingungen, wie sie hier vorlagen, geputzt werden können» Die Zahl von 152 Schuhen war als Lösung von 1102 Teilnehmern am Wettbewerb bezeichnet worden. Herr Notar Werda ermittelte bei der Auslosung unter diesen 1102 Lösungen folgende Gewinner: 1. Preis: fIM 500©.— J Herr Herrmann Koppen, Reinickendorf, Wsnterstr. 6, 2. Preis S RM 2000.—, Fräulein Morg. Korn, Berlin NO 55, Aliensteiner Str. 3Z 3. Preis: RM 1000.-, Frau Erika Hübner, Tegel, Steinbergstrage 52 10 Vierte Preise von JC RM 200.— fielen auf nadistchcnde Damen und Herren: Berta Puchert, Berlin NW, Paulstr. 37— Margarete Boge. Steglitz, Bcrgstr, 72— KSthe Engel, Berlin SW Junkerstr. 12— Gertrud Jagusch, Berlin, Liescnstr. 18, b. Springer— Frieda Schüncmann, Berlin, Paul-Singcr-Str. 76— Valeria Papertfufi, Weificnsee, Rölkcstr. 176— Ida Ncscncr, Lichtenberg, Margaretenstr. 9— Richard Henkel, Berlin 0 112, Travestr. 2— Gertrud Schimstack, Hennigsdorf, Berliner Str. 22— Emma Grohmann, Berlin 0 54, Linienstr. 67 50 fünfte Preise von je RM 100.— fielen auf nachstehende Damen und Herren: Hedwig Ziclinski, Neukölln, Bergstr. 146— Kayarlz, Berlin, Fürbringcrstr. 5— Otto Schneider, Neukölln, Johann-Husstr. 10— Gertrud Sültz, Reinickendorf, Appenzeller Str. 14— C Schopp, Berlin N 4, Bergstr. 5— Frieda Mayer, Friedenau, Brunhildstr. 6— Käthe Bockhovcn, Britz, Jahnstr. 76— Georg Borchardt, Niederschönhausen, Waldowstr. 29— F. Gutschc, Lichtenberg, Schillcrslr. 4— Klara Wölke, Lichtenrade, Krügerstr. 10— August Rieh, Neukölln, Berliner Str. 52— Frieda Dcckcrt, Berlin C 2, Neue Königstr. 67. bei Heinemann- Walter Hoppe, Sieglitz, Frcgcstr. 34— Minna Kernkc, Charlottenburg 2, Fasanenstr. 4, bei Unger— Carl Pfaff Berlin SO 33, Görlitzer Str. 44— M. Waller, Berlin SW 68, Markgrafenstr. 14— Erna Schulz, Berlin O 34, Kochhannstr. 37— Max Rahtzsch, Darmstädter und Nationalbank, Depositenkasse Werderscher Markt 10— Hedwig Handke, Berlin O, Königsbcrgerstr. 14— Erich Reinwarth. Berlin W 30, Haberlandstr. 10— Charlotte Hirlc, Berlin O 112, Holteistr. 23— Zopf, Berlin, Skalitzer Str. 34— Robert Winzer, Deutscher Athletik-Club, Geschäftsstelle Berlin N 24, Augustastr. 75. Hof links, II Tr.— August Schwarz, Spandau, Bismarcksir. 5— Luise Ruhland, Berlin N 58, Korsörer Str. 1— A. Stopka, Berlin SO 36, Graetzstr. 3— Reinhold Thecl, Schöneberg. Leutenstraße 7— Paula Kurkowski, Berlin NW, Alt Moabit 84a— Hans Spieler, Berlin, Pcttcnkofcrsfr. 18— Erwin Susat, Berlin NO 55. Wörtherslr. 30— Eduard Jcrmanczyk, Wilmersdorf, Meklcn- burgische Str. 13— Paul Wernitz, Oranienburg, Elisabethstr. 14— Alice Dankwarth. Berlin SO 26, Britzer Str. 33— Paula Schulze, Berlin O 17, Fricdrichsfcldcrstraßc 31— Anna Harz, Reinickendorf, Wachholderstraße 33/34— Margarete Reimer, Berlin O 112, Simplonstraße 4— Max Engel, Stubbenkamcrstrafee 3— Fritz Mellin, Steglitz, Südendstraße 15— Ella Großkopf, Berlin. Wilhelrmhavencrstraßc 67— Sabine Koner, Berlin W 15, Kurfürstendamm 24— Willy Romcyke, Friedenau, Handjerystraßc 76— J. Szatkowski, Berlin O 112, Dolzigcrstraßc 38— Richard Spiller, Berlin S, Fichtestraße 3— Martha Horn, Spandau, Predigergarten 3— Paul Lange, Berlin, Artilleriestraße 32— Marie Klötzer, Pankow, Demerowstraße 49— Paul Neumann, Berlin N, Kino Ballschmicder, Badstraße 16— Charlotte Lachowitz, Berlin NW 5, Feldzeugmeisterstraße 6— Otto Kicburg, Berlin, Lübeckerstraße 41— Karl Schulze, fecrlin, Luckauerstraße 3 und außerdem 500 sechste Preise a RM 10.- Wir gratulieren den Gewinnern aufs herzlichste und sagen allen Teilnehmern für das auherordenf- liche Interesse, das sie derErdal-Preisfrage entgegengebracht haben, unseren verbindlichsten Dank. Erdal'Fabriknicderlage Berlin* Berlin SW 29 ik V Vf �, Sic findcn's sicherlich umesgHc« scn Angeboten 1 Oder- besser noch- Sie kommen zu uns! 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Als Goldwert gilt nach dem Gesetz für alle von uns ausgegebenen Pfandbriefe der Nennwert, mit Ausnahme der 5% Inflations-Pfandbriefe vom Jahre 1922. für welche durch Erlaß des Ministers für Volkswohlfahrt vom 22 April 1926 der Goldwert auf 2,28 GM für je 1000 PM festgesetzt und von uns ein besonderes Abfindungsangebot gemacht worden ist. Die Goldpfandbnefc sind eingeteilt in Stücke zu 5000, 2000, 1000, 500, 200, 100 und 50 GM. Für Beträge unter 50 GM werden Certifikate in Stücken zu 30 und 10 GM. ausgegeben. Den Ooldpfandbriefen und Certifikaten sind Anteilscheine mit je 4 Ratenschclnen für die späteren Ausschüttungen aus der Teilungsmasse beigefügt Die mit 4,/,0/o zahlbaren Jahreszinsen der Pfandbriefe sind je zur Hälfie am I. April und 1. Oktober nachträglich zahlbar. Zins- und Erneuerungsscheine sind beigefügt. Auch die Certifikate sind verzinslich wie die Goldptandbriele. aber die Zinsen werden nicht halbjährlich, sondern zuzüglich der jeweils gesetzlich festgesetzten Zinseszinsen erst bei Einlösung des Certifikats ausgezahlt. Ceitifikate über zus. 50 GM oder ein Vielfaches davon können jederzeit in Goldpfandbriefe umgetauscht werden. Die Einführung der Pfandbriefe. Certifikate und Anteilscheine an der Berliner Börse wiid alsbald beantragt werden. Durch 10 nicht teilbare Spitzenbeträge werden in bar in Höhe von 10°/, ihres Nennbetrages ausgezahlt, wodurch die sämtlichen Ansprüche der Pfandbriefinhaber an die Teilungsmasse abgegolten sind. Die Rückzahlung dieser Pfandbriefe erfolgt durch Auslosung zum Nennbetrage, zu welcher die auf die Deckung bei uns eingehenden ordentlichen und außerordentlichen Rückzahlungen zu verwenden sind. Wir fordern hiermit die Inhaber der von uns ausgegebenen Pfandbriefe alter Währung auf, Ihre Ansprüche anzumelden und gleichzeitig die Pfandbriefe bei uns einzureichen um dagegen die erste Ausschüttung in Goldpfandbriefen bezw. Certifikaten nebst den zu gehörigen Anteilscheinen in Empfang zu nehmen. Beizufügen ist e n nach Jahrgang und Nummern arithmetisch geordnetes Verzeichnis auf den dazu bestimmten Formularen. Diese werden kostenfrei von uns ausgegeben und auf Verlangen zugesandt. Geschieht die Anmeldung und Einreichung der Pfandbriefe bis zum Ablauf von 3 Monaten nach der zweiten Wiederholung dieser Aufforderung im Reichsanzeiger nicht so sind wir berechtigt, den auf die nicht eingereichten Pfandbriefe entfallenden Anteil an der Teilungsmasse zu hinterlegen, sofern nicht inneihalb der Frist der Antrag auf Einleitung eines Aufgebotsverfahrens oder auf Zahlungssperre nachgewiesen ist Die Anmeldung und Einreichung der Pfandbriefe hat bei unserer Kassa In Bariin NW 7, Unlar den Linden 48/49 zu erfolgen, kann außerdem auch bei dem Bankbaus S. BlalchrSdar In Berlin, . der Dlrectlen dar DUcenle-OasallschaN und daran Nladarlasaunncn, , der Orasdnar Bank und daran Nladarlassunsan und an anderen Orten bei unseren sonst bekannten Zahlstellen und anderen Bankfirmen statt finden, wo auch die erforderlichen Formu are erhältlich sind. Die Versendung der Goldpfandbriefe an die Einreicher erfolgt bei uns kostenfrei. Bei Aushändigung sind wir zur Prüfung der Legitimation des Einreichers berechtigt, aber nicht verpflichtet. Unberührt hiervon bleibt unser Abfinduncsangebot für die 4% Pfandbriefe vom Jahre 1922 weiter bestehen. Es wird deshalb gebeten, diese Ptandbriefe getrennt einzureichen und dabei ausdrücklich zu bemerken, daß die Abfindung nach dem Sonderangebot beansprucht wird. Kommunal-Obligationen werden von dieser Bekanntmachung nicht betroffen; sie sind deshalb nicht einzureienen. Berlin NW 7, im Dezember 1926. Preußische Ceatral>Bodenkredit«Aktleii2;eseIlschaft Die Direktion Kaoh 88 j ihriger trenester Pflichterfüllung ist unser Inspektor, Herr Gustav Redlich nach schwerem Krankenlager verschieden. Obgleich ihn sein Leiden sehen seit Jahren quJUte, hat er es sich nicht nehmen lassen, neeh bis vor»inigen Monaten seine Tätigkeit zu verrichten und schwer war er zu bewegen, sich mehr Buhe tu gönnen, weil er nur Arbeit und Pflicht kannte. Sein Name wird uns unvergessen bleiben! AnthraciMager F. Wilhelm Schnitze 6. m. b. 0. Berlin SW. II, Schöneberger Str. 19c. F. W Schul tze-Lüteew. Max Tiedemann. Verkäufe »«Hrolliateschke. L-istung-MigN, SewalfabriL JtrQenDantluna 200,—. SioftnIhaUtftraR, m._* Sutiioanporal, HtchBtittn,, betreibt mit etnNcsliaea ueutn Spar- lompcn. Ronjttl-SjaulftKedxit,«nooen- bollvrif, atfumutatot, Suteinmfl 80,—. oetlaufi AMtrii. Sellin, Stefnuieg- ftrtfte#, IV.• SsncatetAca. Moderne SeuteL Sc- fudigtafeben Stltenmonrcn, Rindleber. von 8A0 an. Sdiulmapptn. Reise. tafdien, Markttasdien. Auch Sinzeiner» kauf. Sebectoacenfabrlt Metel. Drin- jiPlw!»e 89.' ä p k I r i o u a d s s u>& Wü i r h i- V. e Pelzwaren Mreft vom Riltschnermeister. Noch nie baaewesene Auswahl. Ridnio!- peUbeiakoarnlturen 22,— Mark. DeU- möntel, DeUiacken. Sportpelze. Slunio- fraflen 60,—. Slunlsopolfutn. Ameritsnischer Oooffum 38,—. Slunio- tanin. breite Rotm, 18,—. Rt Silber-, Röbel-, Alaolafucho 80,—.____ W Ziepen, alle ffatbeit. 15.—. Multen, D-Ublite 18,— Wart. 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Auf Antrag der sozialdemokratischen Reichstagsfraktlon wurde schließlich ein Untersuchungsausschuß ein- gesetzt, der am Mittwoch seine Untersuchungen beendet und das Er- gebnis in folgendem Beschluß zusammengefaßt hat: 1. Die Entschädigungszahlungen des Reiche» an den Bergbau des besetzten Gebiete» beruhen auf dem Schriftwechsel zwt- schen dem Reichskanzler Dr. Stresemonn und chierrn .flugo S t i n n e s vom 20. Oktober bis 13. November 1923. Dieser Brieiwechsel stellt Abmachungen dar. deren rechtliche Berpslichtung für das Reich im Ausschuß verschieden beurteilt wurde. Der Wille der Beteiligten ging nach den Zeugenaussagen der Herren Dr. Stresemann und Dr. Luther dahin, daß durch den Briefwechsel rechtlich bindende, einklagbar« Derpslichtungen des Reiches entstehen sollten. Unbestritten bleibt der moralisch« Anspruch, der allen durch den Ruhrkomps Geschädigten zugesprochen werden muß. 2. Da Ausgaben des Reiches nur aus Grund von Raichsgesetzen oder des Etats geleistet werden dürfen, liegt unabhängig, davon, ob eine prioatrechtliche Bindung vorliegt, in der ohne Wissen de» Reichstages vorgenommenen Zahlung auch«ine objektive Verletzung des Etatsrecht? des Reichs- tag» vor. 3. Doppelzahlungen an den Ruhrkohlenbergbau find nicht er- folgt. Dagegen find Ueberzahlungen in erheb- lichem Umfange aus der Abgeltung der Kohlenlieferungen, aus der Kohlensteuer, aus Zinsen usw. erfolgt. Diesen Ueberzahlungen stehen nach den Erklärungen der Regierung und nach dem Gutachten der Sachverständigen Mindereinnahmen de» Ruhrbergbaue» bei anderen Positionen gegenüber, die angeblich«inen Ausgleich der Ueberzahlungen darstellen. Der Ausschuß kann sich dieser Aus- fassung nicht in vollem Umfange anschließen, hält vielmehr daran fest, daß Ueberzahlungen stattgefunden haben, deren Höhe heute mangels genauer Unterlagen nicht mehr festgestellt werden kann. 4. E» i st fe st gestellt worden, daß die Ansprüche derjenigen Geschädigten, mit denen ein Sonder- abkommen getroffen war, auf Grund dieses Ab- kommen» wesentlich günstiger behandelt wurden ols di« Ansprüche der übrigen durch die Ruhrbe- setzung Geschädigten. Gegenüber den GeschäMgten, die nach dem Sonderoerfahren behandelt wurden, liegt neben der befchlcu- ' nigten Erledigung eine Besserstellung vor: 1. durch die Entscbädi- gung von Zinsleistungen und 2. durch die Entschädigung von Der- lusten bei der Einlösung von ki-Schatzanweisungen. Beide An- spräche sind im Sonderverfahren nicht anerkannt worden. 5. Unbestritten ist, daß eine ausreichende Abgeltung de4 der Arbeiter- und Angestelltenschaft sowie dem erwerbstätigen Mittelstand des Ruhrgebietes durch den passiven Widerstand und seine Auswirkung. zugefügten Schadens bj.» hellte zum Teil noch nicht erfolcht i�Her.Aüsichuß.' P fef� daß es erwünscht ist: die der Großindustrie des besetzten Gebiete» gewährt« Begünstigung durch ausreichend« Ent schädigung der Arbeiter und Ange st eilten und des Mittel st an de s au»zugleichen. Dieser Beschluß lehnt sich an einen Entwurf an, der dem Aus- schuß von den sozialdemokratischen Mitgliedern unter- breitet war. Ein Gegenentwurf de» deutschnationalen Abgeordneten von L i n d« i n e r blieb ebenso unberücksichtigt wie«in k o m m u- n i st i s ch e r Entwurf. Der angenommene Antrag unterscheidet sich aber in wesentlichen Punkten von dem sozialdemokratischen Entwurf. Während die Sozialdemokratie zu Punkt 1 beantragt hatte, daß der Briefwechsel zwischen Stresemann und Stinnes„einen privaten Brief- Wechsel darstellt, der Rechtsoerpflichturitzen de» Reiche, nach keiner Richtung hin schaffen konnte und geschaffen hat", hat«in« Mehr- heit des Ausschusses, gebildet aus der Rechten und dem Zentrum, dies« klar« Beurteilung abgelehnt, und lediglich festgestellt, daß die rechilich« Verpflichtung verschieden beurteilt wurde. Di« objektiv« Verletzung des Etotsrecht» de» Reichstag» ist von einer Mehrheit de» Ausschusses anerkannt worden. Dagegen gelang es nicht, ein« Mehrheit zu finden, die klar feststellt«, wie hoch die f« st gestellten Ueberzahlungen sind. Der sozialdemokootisch« Antrag beziffert« die Ueberzahlungen auf 8 7 M i l l i o n« n und oertrat die Meinung, daß Minderbezahlun- gen im erheblichen Umfang nicht vorliegen. Der Ausschußbeschluß stellt fest, daß Ueberzahlungen in erheblichem Umfang erfolgt sind. Ein Ausgleich durch Mindereinnahmen lieg« ober nicht vor. Daß die Großindustrie bei den Enlschödigungszahtungen wesentlich günstiger behandell wurde als die übrigen Beschädigten, ist ebenfalls anerkannt. Daher hat der Ausschuß festgestellt, es sei erwünscht,„die der Großindustrie des besetzten Gebietes gewährt« Begünstigung durch aus- reichende Entschädigung der geschädigten Arbeiter und Angestellten und des Mittelstandes auszugleichen." Di« allgemein« Würdigung des Verlaufs und des Ergebnisses der Untersuchung dieses trübsten Kapitels des Ruhrkampfes muß vorbe- halten bleiben. Im Augenblick sei nur die Tatsache festgestellt, daß von Anfang an«in« Mehrheit der bürgerlichen Parteien sehr weitgehende Rückficht auf das früher« Verhalten der Reichsregierung und die Ansprüche der Groß- industrienahm. Würdigt man unter diesem Gesichtspunkt das jetzt zuftandege- kommen« Ergebnis der Arbeit des Ausschusses, dann wird man die dort geleistet« Arbeit nicht als völlig zwecklos ansehen können. Der Ausschuß hat mit Mehrheit festgestellt, daß 1.«in« objektive Verletzung des Etatsrechts vorliegt, die von der Regierung bestritten wird. 2 Ueberzahlungen in erheblichem Umfange vorgekommen sind, was auch entschieden bestritten wird. Es ist 3. anerkannt, daß bei den Entschädigungszahlungen im Ruhrgebiet die Großen günstiger gestellt waren als die Kleinen und daß 4. die Arbeiter und Angestellten, sowie der Mittelstand besonders stark benachteiligt wurden. Aus diesen Feststellungen politisch« Konsequenzen zu ziehen, insbesondere die noch vorhandenen großen Schädigungen der 'Ruhrbevolkerung" und khrer Einrichtungen zu mildern, ist«in« dringende Ausgab« der Politikl Der Mannesmonn- Röhren- fibscbluß. Fast 50 Proz. weniger Steuern.— Rationalisierungsgewinne. Dank der Roll«, die der Rame„Mannesmann" in der Marokko- krife 1911 gespiell hat, gehören die Mannesmann-Werk« in Düsseldorf zu denjenigen Unternehmungen, die der deutschen Oeffentlichkeit am bekanntesten sind. Wenn auch die Gebrüder Mani'esmann inzwischen von der Deutschen Bank au» den Mannes- munn-Röhrena'erkcii hinausgedrängt worden sind, so ist doch das Interesse der Arbeiterschast an diesem bedeutendsten Röhrenwert Europas nicht geringer geworden. Schon die 72 Millionen Mark Aktienkapital, die die Mannes- m»nn»Werke vor dem Kriege besaßen, und die 16 000 Mann, die 1914 beschäftigt wurden, bewiesen genügend die beachtenswerte Stellung des Unternehmen» in der deutschen Wirtschaft. Aber wäh- rcnd die Mannesmann-Werke sich vor dem Kriege im wesentlichen auf den Betrieb ihrer Walz- und Schweißwerke beschränkten, haben sie sich seitdem eine große Zahl von Steint ohlenberg- werten und Erzgruben mit dem ofsenkundigen Zweck der Selbstversorgung angealiedert. Ihr Aktienkapital deträgt heute 115,5 Millionen Mark. Sie beschäftigten 1925 27 000 Personen. Am 30. Juni 192« standen allerdings nur noch 22 000 Mann in Lohn oder Gehalt. Die Verwaltung glaubte einen solchen Abbau, verbunden mit, Betriebsstillegungen aus Ratio- nalisierungsgründen. in Anbetrocht der widrigen Absatz- Verhältnisse durchführen zu müssen. Aber trotz der schlechteren all- größeren RöhrenproduzeMen de» europäischen Kontinents angehören. Auch heute sind die Mannesmann-Röhrenwerke noch auf E x p a n- s i o n eingestellt, wie' ihr Angebot auf die Louchhommer- E i s e n we r k e gelegentlich der Gründung de» Mitteldeutschen Stahl- trusts beweist. Das t s ch e ch i f ch s l o w a k i s ch e Final- werk i n Komotou hat auch im vergangenen Jahr wieder 10 Proz. Dividende gebracht, die in dem Reingewinn noch nicht ent- hallen sind. Wie sich aus dem Geschäftsbericht ergibt, ist der günstige dies- jährige Abschluß teilweise auf die Auswirkungen des eng- tischen Kohlenarbeiterstreiks zurückzusühren, der schließ- lich zu einer Vollbeschäftigung der Hütten- und Bergwerke Anlaß gab Erwähnt sei noch, daß Mannesmonn einen Betriebs- o« r l r a g mll den früher ihm gehörenden«nglischenMannes- mann-Firmen abgeschlossen hat. gemeinen Wirtschaftslage ergibt sich aus der Bilanz 1926 ein bedeutend günstigeres Bild von dem Stand der Ge- feUfchaft als im Vorjahre. Schloß das vorjährige Geschäftsjahr bei einem Reingewinn von 2,7 Millionen Mark dioidendenlo» ab, so wird in diesem Jahre ein Reingewinn von 8L Millionen Mark errechnet, aus dem ein« fünfprozentige Dividende ausgeschüttet werden soll. Der Rohgewinn hat sich allerdings von 28,7 auf 2 7 Millionen Mari verringert. Dafür sind aber— eine Auswirkung der neuen, den Besitz bevorzugenden Steuergefeg- gebung— die Steuern v o n 8.2 auf 4,4 M i l l i o n e n Mark heruntergegangen. Noch bedeutsamer für die Beurteilung der Lage der Mannesmann-Werke ist aber eine Betrachtung des so- genannten„Betriebsvermögens". Wies die Firma im Borjahre nicht weniger als 43,6 Millionen kurzfristiger Schulden aus, so haben sich diese 1926 aus 7,1 Millionen Mark verringert, zu denen noch 22,6 Millionen langfristiger Bankschulden kommen. die dem Werk von der amerikanischen American and Continental Corporation zur Verfügung gestellt wurden. Damit ist die Flüssig- keit des Unternehmens wiederhergestellt und vor allem auch die Mög- lichtest zu bedeutenden Zinsersparnissen gegeben. Höchst beachtlich ist auch der bedeutende Rückgang der Be- legjchaftezisser angesichts der Steigerung der Gewinn«. Die finanzielle Ertragssteigerung bei gleichzeitiger Verringerung der Arbeiterzahl bleibt auch dann ein Beweis für die L e i st u n g s- steigerung der Belegschaft, wenn die Mannesmann-Ge> sellschaft ihre Produktion»- und Absatzzissern verschweigt. Absatz und Preise für die Mannesmann-Röhrenwerke sind bekanntlich durch den kontinentalen Röhrenverband gesichert, dem sämtliche Riesenbauten Oes Norüüeutfthen Llvpö. Der Ivettlaus der Reedereien. Nachdem vor einigen Wochen die Hamburg-Amerika-Linie ihre großen Fusionen vollzogen halle und damit zur größten Reede- rei Deutschlands aufgewachsen war, war eine Gegenaktion des Nord- deutschen Lloyd mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten. Schon damals folgte unmittelbar auf die Hapag-Fusionen die Kapital- erhöhung des Norddeutschen Lloyd um 50 Millionen Mark, die die Kapitalien der beiden Gesellschosten etwa aus gleiche Höhe brach:«. Daß der Norddeutsche Lloyd nicht durch Fusionen, sondern durch Schisssneubouten den Wettbewerb mit der Hapog aufnehmen würde, war schon längere Zeit bekannt. Im Zu- sammenhang mit der W e r s t e n s u s i o n zwischen der Weser-A.-G.. der Tecklenborg-Werst und der Hamburger Abteilung der Stettiner Bulkan-Werst wurde auch bekannt, daß der Norddeulsche Lloyd einen Schnelldampfer von 35 000 Tonnen und fünf schnelle Fracht- dampfer bauen wollte. Dieses Programm des Norddeutschen Lloyd wurde aber zugunsten eine» viel größeren Neubauprogromms u m- gestoßen. Mit einem Kapitalaufwand von rund 100 Millionen Mark, ine nach den Mitteilungen des Norddeutschen Lloyd au« den letzten Kopitalerhöhungen verfügbar sind, hat dieser nunmehr zwei Riesendompfer von je 46O0O Bruttotonnen in Aus. trag gegeben. Die Schiffe werden den Namen„Bremen" und „Europa" führen, das eine wird bei Dlohm u. Boß, das andere, wie seiner-eit bei der Werftenfvsion schon voraeseben, bei der Weser- Werft A.-G. gebaut werden und die beiden Schiffe werden, obwohl sie der Größe nach neben amerikanischen und englischen Schstsen erst an vierter Stelle stehen werden, mir über 26 Seemesten in der Stunde, die schnellsten Schiffe der Well sein. Die Reise von Bremerhaven nach New Bort soll in sechs und die voy den Kanalhäsen in fünf Tagen zurückgeleat werden. Außerdem werden zunächst bei der Weser-Werft A.-G. zwei Frachtschnell- dampfer erbau». Dageaen ist noch unbekannt, ob das ganze frühere Frochtdampferproaramm zur Ausfübruna oelonoen wird Durch diese Banten erweitert der Norddeutsche LGnd seinen Schiiisbestand auf 780 000 Tonnen und ist damst nahezu dem Schisssbestand der tkiambura-Anierika-Linie mi» 880 000 Tonnen sehr nnheaerückt. Uefaer di« Bedeutung der Anitröge wird mitaeteill. daß sie auf zwei Jahr« für etwa 6000 Mann Beschäftigung geben werden. Der Norddeutsch« Lloyd verfolgt offenbar mit diesem Pro- gromm in dem gestiegenen und noch weiter steigenden Amerika- Europa-Berkehr eine q u a.l i t.a t i pe„U e b e r l e g e n b e i t zu er- � reichen/"So ratinndll d'»ser'Gcdonke"sesn thäg, so stebt e» doch' außer Frage, daß der Känkurrenzkampf untere'den Reedereien zm dieser außerordentlichen Ausd'hnunq des Pallagierschiffsbestandes die eigentliche Veranlallnug ist. Wenn die finanzielle Lage des Noiddeistschen Lloyd auch offenbar günstig ist sdie Frachtschiffe sollen nämlich aus laufenden Einnahmen des Reederei» betrieb» gebaut werden), so bleibt doch die Frage der Rentnbil'tät offen. Dos ist zwar zunächst eine Sache des Reedercikapital», dach wäre es keineswegs im Jnterelle der Wirtschaft und des Arbeits- markte«, wenn eine künstlich« Konjunkllir des Sch'ffsbaues später wiederum in einer Werftenkris« Ausdruck finden würde. Reparationobout�n in Zrankreick. Bor einigen Tagen haben wir von der Gründimg der Reparation? w'irtschaftsbank in Paris berichtet. Di« Gründung, an der neben«nglischen, französischen und deutschen Banken auch ein französischer und«in deutsch«? Tiefbauunternehm«r- «rband bet«istgt sind, hat den Zweck, R«parationsbaut«n In Frank- reich, zu denen zwar deutsch« Sachleistungen Verwendung finden, di« aber nicht vollständig üb«? Reparationskonto durchgeführt werden können, zu finanzieren. Nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Gründung, wohl ab«? im Rahmen weiterer Reparationsbaupläne in Frankreich steht ein großes Talsperrenbauprojekt, üb«r das vor etwa sechs Wochen«in vorläufiger Vertrag abgcfchl ssen worden ist. Der Vertrag bedarf allerdings noch der Genehmigung der Reparationskommifsion. Der Bauplan, der sofort nach seiner Genehmigung in Anoriff gcnommeu werfen soll, betnist*■■» in früheren Jahren im Zusammenhang mit dem Lehrer-Siemens-Konzern «rört«rt« Verdonprojekt.das d«n Berdonfluß in Südfrankreich stauen und sein« Wasserkräfte zur Erzeugung von«iektrischer Kraft SALAMANDED-SCHUHE FÜR JEDERMANN, SALAMANDER WEIL PREISWERT ELEGANT. HALTBAR UND VON HERVORRAGEND GUTER PASSFORM NUR 6 PREISE: «50|450 1550 1550 21°° 2400 ausnutzen will. Di« Bauausführungen sollen Imrch die Deutsche Baut o n s o r ti u m G. m. b. Berlin, in Zusammenhang mit französischen Unternehmern erfolgen. Das Projekt hat einen Wert von 20 Millionen Mark, die Bauten sollen sich aus etwa zweieinhalb Jahr« erstrecken, wobei auch gemäß den Be- stimmungen über die Reparatlonssachlieferungen deutsche Bau- orbeiter Verwendung sinden sollen. Wie wir erfahren, kommt für die ch a u p t b a u z« i t. die un- gesähr zwanzig Monat« dauert,«ine Belegschaft von 8S0bis 1000 Mann in Frage, die nach Vereinbarimg mit dem Reichsarbeits- Ministerium in bestimmten Gebieten Deutschlands angeworben werden sollen. Di« Teilnahm« der Gewerkschaften bei dieser Ueberführung deutscher Arbeiter noch Frankreich steht noch nicht endgültig fest. Der Frachtcnvcrkehr der Reichsbahn. In der Woche �um 4. Dezember zeigt die Gütcrwagengestellung der Reichsbahn wieder einen ziemlich erheblichen Rückgang von 9M 500 auf 907 200 Wagen. (Die Angaben versieben sich in 4000 Stück) Woche wöchentlich butdiMmWUib Vre Arbeitstag Wie die Tabelle erkennen läßt, ist eine deutlich« Aufwärts. oder Abwärtsbewegung der Wagenoestellung. die auf die R i ch» tung in der Entwicklung der Wirtschaftslage schließen ließe, noch nicht festzustellen._ Auch Unternehmer gegen die Kartellierunq. In der General- Versammlung der künftigen Dachgesellschaft F. Ä u l f A.> G., Werl i. W., des chefefabriktrusts des O st w e r k e» und des Rück- forth-Konzerns, wurden über die Gründe, aus denen zur Vertrustung geschritten wurde und die Bildung eines chefesyndikats abgelehnt wird, grundsätzliche Ausführungen geniacht. Jode Erneuerung der Snndikatsbestrebungen in der cheseindustrie sei un- zweckmäßig. Nur durch freien Wettbewerb und Rationali- sierung könnten die Fabrikationsmethoden so«nt- wickelt werden, daß den Verbrauchern zu billigen Preisen ein» wandsrei« Qualitäten geliefert werden können. Diesem Ziel soll« der Zusammenschluß zu einer einheitlichen ilnternebmung dienen. Dos Eingeständnis, daß Kartelle preisverteuernd wirken und zur technischen Rück st Snd iglest führen, ist wertvoll. Im Falle der Ostwert« und des Rücksorth-Kon.,erns allerdings ist es ein Fußtritt, den man den selbständigen Werken gibt, nachdem die Trusttocrke ihrer Uetierlegenheit sicher sind, lieber den Zusammenschluß haben wir schon berichtet. Es handelt sich um neun Werke, die mit der Wulf A.-G. finanziell verschmolzen werden. Das Kapital der Wulf A.-G. wivd dazu von 3,6 a u f 16,6 Millionen Mark erhöht. Quolenwirlschafk auch in der optischen Industrie! Wir hoben schon mehrfach darauf hingewiesen, daß letztlich jede Quoten- Übertragung Verschwendungswirtschast ist. weil Geldkapital mit Gewinnen oersehen wird, das nicht mehr arbeitet. Neu aber ist. daß das System jetzt auch in der letzten Fertigmdustrie einzureißen scheint, und zwar ausgerechnet wird im Zelß-Jkon- Trust die Zusammenfassung und Spezialisierung der Produktion dadurch zum großen Teil unwirksam gemocht. Für die Uebertragung der Kinoapparatesabrakation von der A.-G. Hahn in Kassel nach Dresden wird die Zeiß-Ikon-A-G. der chahn-A.-G. für 10 Jahrs jährlich 30 000 M. zahlen. Das ist eine Vor- belastung der Preise, die nach dem Aktienaustausch aus- geschlossen sein müßte, und die auch hier notwendig die Ratio- WeilemliliMtt'VeiliMkMelle Restauten werden dringend um sofortige Abrechnung ersucht! nalisterungs- und Konzentrotions v o r t e i l e aufzehren muß, die die Konkurrenzfähigkeit stärken und die K o st e n senken sollten. Äurzarbeii in der französischen Seidenindustrie. Die Seiden- sabrikanten des Lyoner Bezirks haben beschlvsien, die 40-Stunden. Woche in ihren Betrieben einzuführen, um größere Entlassungen des Personals zu verhindern. Wenn auch zurzeit noch Aufträge vorliegen, so betrachtet man die Lage doch als ziemlich ernst. Wenn nicht bald ein« endgültige Stabil!- sierung der Währung erfolgt, fürchtet man, daß neu« Ein- jchränkungen der Produktion notwendig werden. Eine lO-Millionen-Anleihe des Llnoleumtrusts. Di« Deutsche Lin o l e u m- W e r ke A ktiengesellschait in Berlin hat eine hypothekarisch stchergestellte Anleihe im Betrage von 10 000 000 Reichsmark aufgenommen. Preußische Cenkral-Vodenkredil Zl.-G.. Berlin. Die Preußische Central-Bodenkredit-Abtiengesellschoft nimmt eine erste Teil- aus der chypocheken-Teilungsmasie in Höh« von 10 Proz. des Nennwertes ihrer Dorkriogspfandbriese(Jahrgänge 1886 bis 1912) vor. Sie fordert die Inhaber dieser Pfandbrief« auf, ihre Psandbriefe einzureichen, um dagegen Goldpsandbriese, die vom 1. Januar 1927 ob mit 4% Proz. verzinslich find, nebst den zugehörigen Anteilscheinen über die späteren Ausschüitungen in Empfang zu nehmen. Einzelhelten für Interessenten im Inserat dieser Ausgab«. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner»Schtvarz- Rot-Gold". Berlin« U. Sedastiankr. yiiSS&)f 2 Sr. tSancrfpaciab teils ne: ftufl Kavel ffr.. d. 1?..«H Uhr, Srrgmnnlun� bot Wmi Lotchko. SolioristaufonNr. 32. Sck« SHÜmScnor Sttofce.- Zirrgarton: 5>», vaupt- ocrftnninlunet._ Gefthästliche Mitteilungen. «Ichinger, llinditorer am«lezanberplatz. Diese ttondiioroi im Kerzen ""■ �un jjjjj Pfoten wiet« geüsinet. Der mir ber alten Botüinor Tiin bat nun Aschinaericher GrLnblichloit beirchgefllbrte Umbau enisteben lassen, ba« sie tu einem Uberaus bebagln at ss« in einem Semand« o» Aufentbalt macht. Mir den bekannten SpeziaUtäien der Alchinser-ttonbitoreien(ftaffoe uttb Kuchen »orzllalich uttb von seltener Breisatüroiafrit) wirb bitse Konbiiorei dem Publikum ou» ben grossen Eeschitt'ebüukern, ben bebiirblicten Aamtern. ber eiitkatisenben Berlinerin unb ben Zieisenbov-am nabcn Babnbof bald wieber der alto Anziebungspunkt sein, ber sie so long« Zabr« schon gewesen ist. Z» vinteegart«», dessen Weib nachtrvroaram m von Publikum und Press« mit grossem Bmfall aufgenommen wurde, finden am sogenannten„gblbenen Sonntag' zwei Vorstellungen— 8'-, lermüsstgt« Preise) und abend« 8 Ubr— statt. 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Ober das Vorliegen einer Fabrik- oder Werksparkassc bei der genannten Gesellschaft, über die HOhe des Aufwertungssatzes und Ober die Fülligkeit der Guthaben, sowie dar Ober, ob und Inwieweit bei den Betriebs- pensionskassen der Gesellschaft(Hugo- kunheim-Stiftung und Ruth-Kunhelm- Stiflung) die Mittel der Kassen aus freiwilligen Zuwendungen des Arbeitgebers herrühren, über die Höhe des Aufwertungssalzes und dich FafWgkert derCtft- haben zu entscheiden(Art 14 der VO. vom 8. Juli 1926, RQBL 1, S. 403). Die Entscheidung wirkt gegenOher allen Gläubigern, auch soweit sie sich nicht an dem Verfahren beteiligen, einheitlich. Berlin, den 11. Dezember 1926. Spruchstellc beim kammergericht. zur Miete W!0,Ansbachers(r.t f nserate ftn vorwärts sichern Erfolg! liMssUMMMklHl WDenoiiinittgsnillfllieOft! Am Freilag. den N.Dezember ünbet kein, Sitzung de« Mittleren Ort»- Verwaltung statt. Die Auszahlung ber Liquidationen ge- schiebt am Freitag w ber Zeit von S dis 7 Uhr abends Achtung! Bchfunq! UnlertOcrlraocnsmannerfonfetca} füllt in diesem Monat an». VI» Ortnoeraealtnna. Ratten und Mäuse werden total ausgerottet wenn Sie unser anerkanntes und totsicher wirkendes Nagertötungsmlttel„ROTSALZ" verwenden. Viele Anerkennungen, iS'achbestdlungen und Weiterempfehlungen gröBter Firmen und Behörden beweisen verbTüdende Wirkung. So schreibt u. a. die StMnvtktlli 1,-iL Iftfeld: IWir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, da6 die bisherigen Versuche in zwei unserer Fabriken günstig ausgefallen sind und nachhaltige Wirkung gezeitigt haben. Wir bitten uns zu senden: lotsalz gegen Ratten und Mdnse Grünsalz gegen schädl. Insekten sind absolut sicher wirkende Tötungsmittel, unbegrenzt haltbar, von den Schädlingen gern genommen. Ron und Grünsalz kostet:* /j-Pfd-Päckchen 2,10 M., 1 Pfd. 3,60 M.. 2 Pfd. 6/0 M, 6 Pfd. 18/0 M-, 10 Pfd. 30/0 M. 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Fröhlich schallt« ihr Gelächter an den stummen Häuser- wänden empor, die schon den Schritt der friderizianischen Garden aufgefangen hatten. „Ja. meine Herren," sagt« Herr vberpostsekretär Awiedekback. der Vorsitzende des Kegelklubs„Borussia",„war dos nicht heute wieder ein wahrhaft erhebender Z&end? So haben wir doch fett langem nicht gelacht." Zlls die drei Herren unter einer einsamen Laterne vorbeikamen, hielt der Oberpostsekretär den einen seiner Begleiter am Mantel» knöpf fest. „Wissen Sie was, Herr Staatsanwaltschastsrat, zeigen Sie hier, wo wir ganz unter uns sind, die Bilder doch noch mal her." Der Dritt« im Kleeblatt, der bis dahin immer nur vor sich hin gegluckst und gelacht hatte, sekundiert« ihm: „Aber gewiß doch, Kommilitone, nochmal her mit dem Zeugs, so'» alter Mediziner wie unsereiner kann das stärkst« Gift vertrogen - h-hi. hihi." „Der Herr vr. meck. Bärbchen hat recht, Herr Staatsanwall- fchaftsrat. Sie sollten uns das Bündel einmal leihweise mll nach Haus« geben. Im trauten Heim kann man der Frau schon mal so was Konsiszierliches zeigen. Ein« Frau muß doch auch mal sehen, in welchem Schlamm sich die jüdischen Schmutz- und Schundproduzenten wälzen." Doktor Bärbchen schob den also redenden Oberpostsekretär mit starker Hand beiseite, so daß er allein dem Stoatsanwoltschoftsrat Leolf gegenüberstand: „Gewiß, gewiß, aber dann sollte erst ich dran kommen. Lei so'nem alten Junggesellen wie mir besteht doch nicht die geringst« Gefahr, daß«in unschuldiges Gemüt oergiftet wird. Wissen Sie, Herr Kommilitone, besonders die Kloppbilderseri« und dann das dick« Buch von dem Rops oder wie da» Schwein heißt--" Der Staatsanwaltschastsrat Leolf hob bedauernd beide Hände in Höhe seiner Schullern, zuckte mll diesen und antwortet« mit seinem sprichwörtlich liebenswürdigen Lächeln:„Meine Herren, ich weiß, Sie sind viel zu korrekt, als das Ihr Wunsch ein« Aufforderung involviert«, mich von meiner selbstverständlichen Pflicht abzuziehen. Sie glauben kaum, wie schwer es ist, sich immer und immer wieder diesen Schmutz und Schund anzusehen, den man täglich zu konfiszieren gezwungen ist. Ich würde ja diese Zeugnisse tiefster Moral gar nicht zu unseren Kegelabenden m abringen, wenn ich nichj der begründeten �Anficht wäre. Naß es von Nutzen ist, wenn auch der Nicht-Iurlsl ab und zu Einblick in dies« sogenannten künstlerischen Schweinereien gewinnt, sofern er nur staatsbürgerlich die selbstverständlich« Garantie bietet. Und das, meine Herren, ist natürlich bei Ihnen der Fall. Aber immer korrekt, mein« Herren, korrekt!" „Selbstverständlich," echot« Doktor Bärbchen,„Korrektheit is erste Pflicht des Akademikers und Staatsbürgers. Aber wissen Sie, Stoatsanwüllchen, die Illustrationen zum Kiesewetter--* „waren wirtlich phänomenal," ergänzte Oberpostsekretär Zwiedelback. Unter herzlichem Lachen und mit markigem Händedruck oerab- schiedeten sich die drei deutschen Männer und marschierten getrennt dem Frieden ihres Hauses entgegen. II. Da» Aug« sieht den Himmel offen. Doktor Bärbchen hätte nicht vom alten deutschen Studentengeist erfüllt sein müssen, wenn er schon das dumpf« Philifteobett aufgesucht hätte. Zwar begab er sich nach Haus«, aber noch nicht in die Federn. Im Herrenzimmer, das dem Ordinationszimmer benachbart lag. braut« er sich noch«inen steifen Grog und holte sich die Memoiren des aben- teuerlichen Casanova hervor, um bei einem kräftigen Trunk und einem guten Buch noch«in wenig bi« Mühsal« de» Tages zu oergessen. Sein schmunzelndes Gesicht wurde von der traulichen Lampe hell beschienen, und immer wieder hob«r prüfend da» Glas mit dem roten Naß gegen das Licht, und ab und zu wischt� er sich mit der Zunge über die Lippen, wenn ihm der Ausruf entfuhr:„Dieser Kiesewetter ist doch ein Schweinehund, da kann der Knabe Casanova nicht mitl" Als er di« ganze Flasche Modoc zu Grog verwandelt hatte, schaut« er sich tränenden Auges im'Zimmer um. Di« ganze Wucht seiner Einsamkett schien aus ihn niederzustürzen. Dumpf polternd warf er den Casanova in di« Ecke, schob mißmutig das leer« Blas beiseite und schick« sich an, sich für das Nachtlager herzurichten. Plötzlich glitt«in ausdämmerndes Lächeln über sein Gesicht, und«r zog die bereits gelösten Hosenträger nochmal fest, knipst« dos Licht im Zimmer au» und das auf dem Stiegenflur an. und begab sich auf unhsrbarer Sohl« hinauf ins erst« Stockwerk seines Hauses. Als ihm hinter der zur linken Hand liegenden Tür ein blauäugiges Frauenschnarchen entgegendrang, wußte er, daß er aus rechtem Weg« war. Nochmols, aber fast un- hörbar murmelten sein« im energischen Entschluß gestrafften Lippen: „Dieser Kiesewetter ist doch ein Srhweinehund!", dann drückte«r fast unhörbar die Klink« der Tür aus und verfchwand im Zimmer, durch besten Schlüsselloch nunmehr der Schein de» angetnipsten elektrischen Lichtes drang und«in weiblicher Ausruf dem geneigten Leser verriet, daß dieses Zimmer nicht unbewohnt war. III. So klopf« nur bei edlen Frauen an. vielleicht hatte Herr Staat so nwaltschaftsiot Leolf wirklich die Absicht gehabt, sogleich nach der Berabsch lebung von sein«, Segelgenossen nach Haus« zu gehen und dort noch nächtelang in den Akten des ihm unterstehenden Schmutz- und Schunddezernates zu arbeiten. Aber wie das so in lockenden Sternennächten zu gehen pflegt: dem jungen Juristen graute es vor der dumpfen Stubenluft, und dem- zufolge suchte er die einsam gelegen« Äurfürstenstraß« mtt ihren vor- nehmen Patriziervillen auf. wo ihm au» einem im Festungsstlle erbauten herrschaftlichen Hause«in einziges Fenster erleuchtet ettt- gegenblinkt«. Staatsanwaltschastsrat Leolf konnte dieser Lockung schwer widerstehen, zmnal er wußte, daß dieses einzig« Licht«in Sirenenrus war, der ihn daran mahnt«, daß Herr v. Sechzehnender wieder einmal erst gegen Morgen aus dem Spielklub nach Hause kommen werde und daß Frau v. Sechzehnender auf seine, des Herrn Staatsanwaltschastsrat» Segeveoart«inigen Wert leg«. Furchtlos Zeuge Michaelis .Ich habe 1917 öem Siebenerausschuß Sie volle Wahrheit gesagt— wie ich fie auffasse!" schritt der Jurist durch den finsteren Vorgarten, aus Berufsinstinkten den Tritt dämpfend, wo er an verborgener Stell« den bereitgelegten Schlüssel fand, der ihm den Eintritt in das jetzt inännertose Haus erlaubt«. Frau v. Sechzehnender,«in« mit öhrengelbem Haar und treu- blauen Augen ausgestattet« Dame in den besten Jahren, empsing aus «in leises Geräusch hin den Staatsanwaltschastsrat in korrektem Nacht- anzug«, der seinerseits mtt korrekter Verbeugung der Dame di« ring- geschmückt« und zartgeäderte Hand küßt«. „Sie kommen spät, mein teurer Freund, gewiß hast Du in einem Deiner Bumsvereine vergesten, daß mein Alter die Nacht wieder bei den Karten zubringt." Der Staatsanwaltschastsrat hob beschwörend die Hände und hob sein sieg hast strahlendes Frihenauge zu der schönen Dame empor: „Du irrst Dich, mein« Liebe, di« Not des Vaterlandes braucht« mich. Wir homm'n« neue Offensioe gegen die Republikfritzen aus- geheckt." „Du Süßer," hauchte das berauschend stolze Weib und führt« den heftig Errötenden in das anschließend« Zimmer, vorher sich noch- rnals mit nach der Treppe lauschendem Ohre vergewisternd, ob die Dienerschaft an dem Platze sei. der ihr zu so später Stund« er- wünscht war.(Forstetzung folgt.) Spanisches Königsschloß. Von Richard huelsenbeck. (Sonderbericht für den„Borwärt»".) Es ist gleichgültig, wit es heißt, es ist gleichgültig, wo es liegt. Man jährt ein« Zeillang von Madrid mit dem„treno rapiäo", ein uralter holpernder Kutschwogen bringt uns bis an das gußeiserne Tor. Di« Landschaft ist weit, kahl und grau, am Horizont ein Strich von Bergen. Dann erscheint die Sonne mit südlicher Kraft, die Ebene wird zur Wüste, in die sich tief die Räder des Gefährte» graben, irgendwo wett heult ein Hund, das Gebirge erhebt sich wie ein drohender Schatten gegen das Unbekannte. Hunderte solcher Schlösser stehen auf den spanischen Hochebenen, die Landschaft ist so typisch, als hätte man sie von der Leinwand Goyas oder Riberas genommen, die Sonne hat die Kraft, die das Land ausdörrt und ihm seinen afrikanischen Charakter gibt. Man fragt sich, warum man sich wieder und wieder ein solches Schloß ansieht, sich durch endlose Weiten karren läßt und schließlich vor einem.Tor steht, wie man es ja oft gesehen hat. Diese Schlöster gleichen sich wie ein Ei dem anderen, ihre kalte Pracht leuchtet wett in» Land, man weiß genau, was man hinter dem schmiedeeisernen Gitter zu sehen bekommen wird. Der Kastellan ist uralt, er kommt hinkend hinter den Taxushecken hervor, ein riesiges Schlüsselbund schwenkend. Er wittert Trinkgelder, er strahlt, es kommt nicht allzuost vor, daß Gäste sich bis hierher verirren, zumal heute, wo das Luxus- bedürfnis und die Bequemlichkeit der Amerikanerin die Fremden regiert. Der Alte kichert, als er hört, daß wir Deutsche sind, aber seine Freude erscheint mir künstlich, der Mann ist schlau, er weiß genau, wie er sich bei den einzelnen Nationen zu benehmen hat. Er beginnt In einem Französisch zu sprechen, daß mir kalte Schauer den Rücken herunter lausen, es ist, al» wenn man eine alte Kinderknarre in Bewegung setzt. Wir kommen an alten zerfallenen Wasserbecken vorbei. Hier sprangen einst Fontänen, die Wege sind von Unkraut überwuchert, eine gestürzte Statue liegt auf einem Rasenbeet. Der All« redet ununterbrochen in seinem Französisch, ich hätte einen Kongoneger eher verstanden, ober wir nicken uns zu und lächeln, als schöben wir uns gegenseitig die Pointen von fabelhaft interestanten Geschichten zu. Ich komme mir vor, als hackte ich Holz. Manchmal nur verstehe ich etwas von Krieg und von Alemanos, ich begreise, daß er uns wegen unserer kriegerischen Haltung loben will. Ich werbe immer mißgestimmter, ick verfluche mich, daß ich mich habe bestimmen lasten, hier hinauszufahren. Wir steigen die breiten Marmortreppen hinauf, die in der prallen Sonn« liegen. Bon der obersten Stufe hat man einen guten Blick über die ausgebrannte Oede des Landes, fern am Gebirge sieht man die dunkleren Punkte menschlicher Ansiedelungen. Dos Geheul des Hundes dringt bis hierher. Der Alte macht auch eine Bemerkung über den Hund, ich ver- stehe nichts, ich sehe ihm beim Sprechen in seinen schrecklichen zahn- losen Mund. Wir kommen in einen Gang, an der Wand hängen in endloser Folge die Mitglieder des Geschlechts, die hier wohnten, lebten, Kinder zeugten und starben. Die starre Gleichgültigkeit dieser Gesichter ver- schlechtert meine Stimmung noch mehr, ich sehe hier Arroganz, Dummheit, eine endlose Folge von Dummheit. Irgendwo haben sie alle den stupid-freundlichen Gestchisausdruck, den Könige und hohe Herren zu haben wünschen, wenn der Photo- graph seinen Apparat auf eine„leutselige Szene" eingestellt hat. Die Säle nehmen kein Ende, Marmor folgt auf Marmor. Kanarischer Marmor, bunter ägyptischer Marmor, Marmor aus Tunis. Da ist ein Prunkbett, in dem diese oder jene königliche Hoheit bis In den hellen Morgen hineinschlief, dort ist eine Wiege, in dem ein königlicher Prinz die königlichen Windeln beschmutzte, lind hier ist sogar ein Nachtstuhl, ein veritabler Nachtstuhl, den die königliche Hoheit vorkommendenfalls benutzte. Der alte Kastellan sprudelt dunkle Erklärungen, er weist auf den Rachtstuhl und kichert, ich nicke ihm zu, wir fühlen uns durch etwas Menschliches verbunden. In kleinen mit kalter Pracht ausgestatteten Borzimmern warteten die Minister, Schranzen und Kämmerer, ein Räuspern aus dem Schlaf ihres angestammellen Meisters ließ sie tief bis ins Knochen- mark erzittern, es ist mir, als könnte ich auf den marmornen Wänden noch den Niederschlag ihrer.Seufzer sehen. Meine Gedanken schweijen ab» ergehen sich in den.. Vorstädten Madrids. In niedrigen schmutzigen Häusern haust dort das arcke Volk, heute wie vor Hunderten vor Jahren, als diese ganze königliche Herrlichkeit noch im alten Glanz erstrahlte. Wie oft mögen die Gedanken und Träume der Unglücklichen zu diesen Prachtgcmächern gewandert sein, hier hatte sich der Himmel aus die Erde gesenkt, hier lebte einer der Stellvertreter Gottes, dessen Worte Schicksalsschlöge bedeuteten� Der Kastellan zeigt neue Goldgemächer, neue Prunkbetten, Gobelins, griechische Bosen und Oelbilder in kostbaren Rahmen. Eine unsagbare Traurigkeit geht von allem aus, die Zwecklosig- keit der Anhäufung so großer Schätze erfüllt mich mit Trauer und Zorn. Der Alte kommt jetzt erst in sein Element, die Erinnerungen scheinen ihn zu beleben, er will mich in eine höhere Etage bringen, aber ich lehne ab. Er ist überrascht und schweigt verdutzt. Kann es denn Menscken geben, denen es nicht das höchste Vergnügen ist, Prunkbetten. Luxuobadcwannen und vergoldete Nachtstühle an- zusehen? Ich enttäusche ihn tief, er fällt fast in sich zusammen, aber ein gutes Trinkgeld bringt ihn wieder auf die Beine. Er begleitet mich bis ans Tor und macht eine Verbeugung, die eines königlichen Dieners würdia gewesen wäre. Ich fasse lässig an meine Mütze, ganz lässig und werfe einen mißmutigen Blick auf das Bauwerk. Der Alte sucht meinen Blick zu verstehen und lächelt bekümmert, es ist eben alles anders seit einigen Iahren, man weiß nicht mehr, was man von den Menschen halten soll. Ich sehe ihn. wie er an den zerfallenen Wasserbecken vorbei hinter den Taxushecken verschwindet. Gespensterbäume. Ein in unseren forstlich so sorgsam gepflegten Wälder» seltenes Naturschauspiel erleben zurzeit die Wanderer, die sich in den Kiefernwäldern der Umgebung Berlins verspätet haben. Bald noch Eintritt der Dunkelheit beginnen einzelne Stämme in einem unwirklich anmutenden, milchig-phosphorelziereirden Lichte zu strahlen, so daß man bei völliger Dunkelheit ihre Umrisse aus weite Entfernungen scharf abgezeichnet erkennt. Diese Erscheinung ist eine Folge des großen Forleulen-Raiipenjraßcs. der vor zwei Iahren die Kiefernwälder Ostdeutschlands bis in die Mark hinein verwüstet hat. Biels tahlaefresiene Stämme, die man noch zu retten hoffte, sind in- zwischen abgestorben. Der Specht und das Wetter haben die Borke abgeschält und auf dem Bast, der das tote Holz mit einem dünnen Ueberzug bekleidet, haben sich Pilze angesiedelt, welche das gespenster- hafte Leuchten hervorrufen, wie man es sonst gelegentlich in hohle» Kopfweiden und an in Mooren lagernden Holzftücken beobachten kann. Unzählige Sagen der Dergaugenheit sind durch solche Cr- scheinungen veranlaßt worden, und man kann annehmen, daß der- artig« Bäume früher in de» deutschen Wäldern bei nächtlichen Wanderungen in so großer Zahl zu beobachten waren, daß sie wohl geradezu zum Bilde des unheimlichen Waldinneren gehört haben mögen. Von ihrer Wirkung auf ängstliche Gemüter kann man sich einen Begriff machen, wenn man sie in größerer Menge zu Gruppen vereinigt sieht, wie man es jetzt besonders gut Im staatlichen Forst von Erkner in der Nähe von Hohenbinde beobachten kann. Uebrigens leuchten sie nicht an allen Abenden gleichmäßig trästig, sondern der Grad der Phosphcckeszenz scheint vom Wetter abzu- hängen. Und zwar benötigen die Leuchtpilze augenscheinlich«inen gewissen Grad von Luftfeuchtigkeit, der ober nicht zu stark sein darf. denn bei trockenem Wetter geht d' bei anhaltendem Regen. Trockener kommenem Erlösche». Wahrscheinli. Forstgebieten so seltene Naturschauspiel nicht sehr lange zu sehen sei». Die diesjährige Auslichtung hat in den meisten Förstereien begonnen und wird wohl im Lauf« dieses Winters mit sämtlichen Gespenster- bäumen der Groß-Berttner Wälder ausrckrmen. m r:f*>r.r MM 1 WitMHff«' SwnenStrümvfen�r: Uockicr e uad NiUit,(f.lwtr» und tork!«....... SmmnStrüWse 2s.ä Hoehfers« und abi, cüvaiB und furblr...1,®5 H. I45 SmmnStriimvfe l95 l&dig, mii Doppe.so ile, Hochicrse«ad Naht..... 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Gnelsenou von Wolfganc Gocti Regie; HeiniHilpen Stg. 19, nachm. 3 Uu Minna T. Barnhelm Kamtnersplele Norden I0US— 38 8 Uhr: Ollapotrida von Alexander Lernet-Holenla Regle: Heinz Hilpert Die Komödie Bismarc-; 241«, 7316 8 Uhr vie Gefangene Von bourdm Regie M. Reinhardt Omt. a.Sollaalvfpl. Kurfürst 2091 8 Uhr: Max Adalbert �SasSUel" uhr:Kle:neiljeat. Dirnen tia'dDle Sonnab. u. Stg. 4 U.: Stkaeewiiioea luku: Katperle-Th. Sonnabend S Uhr; Prcnitre t Ohl D. S.A. TigLS'.. Uhr; Alnteiseoartier liitrilt' WkamaMM er| kie 8 Uhr; eise Hau Uta Künstier-Tn. Prltal Masaarjr: 8; ,01« K«nlg InSonntag 3'/.: Oer (rthl. Weinberg Lesslog-Theater s u, NraMh mu DeDermcudi fL«.InflntiediBB 8 Uc B:e Fran an der Ken« Lutispialkaua 8'/. Uhr; D Hcrikglne.Elba Stg. 3'/,: DenrhAcs Gr. imaospieibasi raglleh 8>. Uhr CHARELL- REVUE Heute u. Sonnabend nachmittag 4 Uhr die neu« Kinderrevue Fu khelnicl mannaMlreh.-Relsc mit Alfred Braau Rose-Theater <•/. Uhr Von Mi zu Mi VMUWT-.ueu m.Kdnlr rkls St. Hasenheide 2t 10 9 u. Totenuua SteinrQck Uomödlennooi Norden 6304 8 Uc Frflmtdken LLWuh Volks büh ne Tkutv» UlravKti 8 Uhr: Sysistrata Morgen 8 Uhr: Sysistrata Tl.!» IdifftiHrtm Tlgtlch 8 Uhr; Das Cratraal das ynbekaDBtra Saldatai üiiBi-IkNfaT 8T1tf; Hiitir DirnM An allen Feiertagen X Voratelluageu Nachm. 3'/, Uc Vtttn Tl] Abenda 8 Uhr: BUiler I Reichahalldn-Theatsr Abcads 8 Uhr, Maniag nachm.- Uhr Siciflacr sanRcr Das wundervo.le s- Williuilits-PniTann I /den Nachm. halbe Preise! Volkes Programm OTt ikönheff-Brctt'i VA AI n- KONZERT- TANZ Isdiias s ««.. tuin i mit tutH't VtAftsttsTiilt. ■ I! iNtt Iii« Itrlnlk»» Irltililet Rm. Intl. empfohlen. HL H. ernto ItU. lade Nach Dollendetem Umbau heute Wiedereröffnung MMWMIMIIlMIllliMIÜUIlllllWIIMil Jlschingers Konditorei u. Kaffee i am Alexanderplatz Beleuchtungskörper Gegen JUcnaU- J?addatz&€9 _�»rf/r�Jei£zy£erSrM2£�CJ__ Bekanntmachung. Dir Firma MSbelfabrlk..Bache», B. Q. rn. b. H.. Brrlin O 34 Raminrenr; Stratzr II,>R burib•rnrtalarr'aaimlunae- befdiltrft aam 8 Dunrbrr 1970 onfpflüft Dl» eiüubigrr werden aulpeler ert, ihre anfprüd)» unarrtüil ch anjumelbcn. Dia Cianlbetacru; Friedrich Linde. 2 Z 6laslt. Jfiomistdke Cper Allabendlich 8'l, Uhr SHc Fledermaus mit Martha serak, Mollv Wesse';. Aagela Sax. Falken. Baettcher, Hlass, Letbel, Suckmann, Schuslcr u. a. Ab 23 Bcrembeei Gastspiel d. weither. Hallet,'» Chaovre-Saurls Theaire. ich Uhr; Wallncr-Tlicalcr Das Stiftonssfesl Sonnabend, 18. Dczj Dss blonde Wunder Musik. Schwank von Byjocco / Das Weihnadtrs-fiesdie�k Teppiche Linoleum DciilsdicPersCT�Ä ziz imiister-. Telonn-, Toanui-TeiipiAe CuuoalAoter....*7 cm breit. Ulr. U. S.SO ■laacle-LAurer.. 87 em breil.'Mtr. IL S.SO Uwolenn-Tepplehe, 150*200 cm, v. M. IS.— an. G. Bargende Charlottenburg r-VV-'ii Telapbea. Stelaplati 4194 5835 5838 Wlndsch«idstraB* 11 Ott« Bmhahol OhuriotU Wllmersdorfer Strafte 79, NIhe Karfflrstendaznm .-CS. K. Q. Auch Teilzatüuag. 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Krähig(Soz.) wendet sich dagegrn, daß derartige Dorlagen so spät eingebrocht werden, daß eine gründliche Beratung nicht erfolgen kann. Die Sründ«, die für die Verlängerung dieses Gesetzes vorgebracht wurden, sind n i ch t st i ch h a l t i g. Der einzige und wirkliche Grund dafür fei eine Begünstigung der Privatbanken zuungunsten der öffentlichen Wirtschan. Es werde ja auch in der Begründung hervorgehoben, daß der weiteren Ausdehnung des kommunalen Bankvertehrs, besonders ihres Giro- und Ccheckwesens, begegnet werden müsse. Der bankmäßige Verkehr der Kassen soll erdrosselt und dafür ein Kreditmonopol der Privatbanken geschaffen werden. Wie in der ganzen Wirt- schast, so sehen wir auch im Bankgewerbe eine zunehmende Kar- tellierung, die hier besonders gefährlich wirkt. Daher lehnt die Sozialdemokratie die Vorlag« ab. Abg. Zischbeck(Dem) lehnt das Gesetz gleichfalls ab, da die Maß- nahmen aus der Inflationszeit endlich beseitigt werden müssen. Abg. Rmich-'Münche»(Bayer. Vp.) tritt für das Gesetz ein. da die Depositeneinleger geschützt werden müßten. Von den kommu- nalen Banken werde heute vielfach Mißbrauch mit der Verwertung der eingezahlten Gelder betrieben. Die Abgg. Wienbeck(Dnat.) und vauch(D. Vp.) treten für die Vorlag« ein Das Gesetz wird schließlich durch Auszählung mit 156 gegen 12b Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten In zweiter und driller Lesung angenommen. Die Gesetzentwürfe zur Aenderung der Wechselordnung und zur Entlastung des Reichsgerichts werden in zweiter und dritter Beratung angenommen. Be, der zweiten Beratung des Entwurfs eines weiteren Gesetzes über die Erstattung von Rechtsanwaltsgebühren in Armensachen weist Abg. Dr. Rosenseld(Soz.) darauf hin, daß die L a g e der Rechtsanwälte sich wesentlich verschlechtert habe und bah man ihnen nicht zumuten könne, einen Teil der Sozlallasten zu tragen. Die Verteilung der Lasten müsse aus andere Weise ge- regelt werden. Ein entsprechender Antrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt. die Vorlage daruf angenommen. Noch einmal üas Zürstenvermögea. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfs auf weiter« Der- längerung des Soerrgefetze» für die Auseinandersetzungen mit den vormals regierenden Häusern aus«in weiteres halbes Jahr. Die verbluduog mit dem sozialdemokratischen hohenzoll««- Antrag, wonach die Auseinandersetzung den Ländern überlassen werden soll, wird abgelehnt. In der Vorlage wird auch die Der- -öußerung von Vermögens stücken d« Masse ohne Zustimmung der Länder verboten. Relchdjusttzmillister Dr. Dell erklärt, die Reichsregierung habe feinerzert ihre Auseinander. fetzungsvorlag« zurückgezogen in der Erwartung, daß in absehbarer Zeit in den noch schwebenden Auseinandersetzungen ein gütlicher Ausgleich gelingen werde. In P r e u ß e n sei da» geschehen. Durch die Lerlänacruno de, Spervgesetze» um ein Kalbes Jahr soll« ver- bindert werden, daß die in anderen Fällen noch vorhandenen Vergleichsmöglichteiten durch Wiederaufnahme der Prozest« ver» «itelt werden. Die Reichsregierung hoffe, daß die Verlängerung des Sperrgesetzes von den Parteien zur gütlichen Verständi- fl u n g ausgenutzt wird. Der Artikel über da» Deräußerungsverbot ei auf Beschluß des Reichsrats in die Vorlage aufgenommen worden. Abg. Rosen feld(Soz.): Meine Freund« begrüßen die Vorlage. Leider wird über unseren Antrag, wonach den Ländern das Recht gegeben werden soll, die Auseinandersetzungen selbständig zu regeln, nicht mitberaten. Wir begrüßen die Vorlag« auch aus dem Grund«, weil ihr Artikel 2«ine Verbesserung de» bisherigen Zustandes bringt. Wenn dagegen Bedenken vorgebracht worden find, well dadurch die rechtzeitige Verabschiedung des Gesetzes ver- hindert werden konnte, so trägt daran dl« Regierung die Schuld, die die Vorlage nicht frühzeitig genug eingebracht hat. Der Atttkcl 2 ist deshalb notwendig, weil schon vor Jahren im Sonderhauser Schloß Dieb stähl« von Silbergegenständen in großem Maße vorgekommen sind. Damals find die Täter zu hohen Strafen verurteilt worden. Man hat ihnen nicht geglaubt, daß sie die Diebstähle aus veranlass ung de» sürftlichen Ver- walter» oerübt hätten. Tatsächlich find dann später noch aus dem Sonderhauser Schloß Wertgegenständ« heimlich entfernt worden, die dem Thüringer Lande gehören. Der Verwalter hat sich h Itter die früheren Fürsten versteckt und sich geweigert, den Verbleib der Gegenstände anzugeben. Au» diesem Grunde mußte«in Offenbarungsversahren gegen die Fürsten ein- geleitet werden. Die jetzige Fassung de» Artikels 2 genügt allerdings noch nicht, da» muß noch ergänzt werden durch die Bestimmungen, daß auch hypothekarische Belastungen, wie es be'splels- weife in Gotha vorgekommen ist, oerhindert werden. Wir werden zu prüfen haben, ob die jetzige Formulierung ausreicht, um Schiebungen von Aermögensstücken, die dem Volk« gehören, zu verhindern. v'.e bisherigen Vorgänge find für uns eine Warnung, den ver- tretern der oormal gen Fürflenoermögen kein vertrauen entgegenzubringen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Rosenberg(Komm.) tritt für die Vorlag« ein und wendct sich gegen den Milderungsontrag der Regierungsparteien. Abg. Schulte(Z.) begründet einen Antrag der Regie- rungsporteien, wonach der Artikel 2 der Vorlage erfetzt werden soll durch eine Bestimmung, die die Länder zum Erlaß eines Dcräußerungsverbots auf dem Wege der Landesgefctzgebung ermächtigt. Abg. hampe(Wirtfch. Vgg.) äußert Bedenken gegen die Der- längerung des operrgefejzes, bei dem es sich um ein Ausnahmegesetz handle. Im Gegensatz zu der Mahnung des Reichsjustizininifters habe der Vertreter der preuß'schen Regierung das Dergleichsangebot eines 1866 deposiedierten Fürstenhauses abgelehnt mit der Be- gründung, Preußen fei durch das Sperrgefetz gefchützt. Die D« u t f ch- Hannoveraner würden die Vorlage ablehnen. Abg. Stoecker(Komm.) macht den Regierungspartelen den Vor» wurf der Verschleppung. Der Reichstag sollte noch am Sonnabend zufammenbleiben, um die Fürstensrage zu beraten. Abg. Rönneburg(Dem.) wirst die Frage auf, ob die ganze Wirt- schaftliche Vereinigung den Standpunkt des Abg. Hampe teilt.(Abg. H a m p e: Ich habe die Ablehnung nur für die Hannoveraner aus- gesprochen!) Die Vorlage wird dem Rechtsausschuß überwiesen. Reichstag, Regierung, Reichsfinanzen. Nunmehr wird die zweite Beratung des Nachtragsetal? fort- gesetzt beim Haushalt des Relchssiaanzminlstcriums und der Allge- meinen Finanzverwaltung. Den Bericht über die Verhandlungen des Ausschusses gibt Abg. Kell(Soz.): Im Haushalt der allgemeinen Finanzverwaltung hat der Hausholtsausschuß den Mehrertrag aus Steuern, Zöllen und Abgaben mit 227 Millionen angesetzt statt 90 Millionen in der Regierungsvorlage. Bei den Ausgaben hat er den Härtesonds für die Rotopferabsindungen von 20 auf 30 Millionen erhöht. Für die W e i h n a ch t s b e i h i l f e für die Beamten usw. sind<1,5 Mill onen neu eingesetzt, für die Arbeiter der Reichsverwaltung 3 Millionen. Der Redner er- wähnt in seinem Bericht, daß der Ausschuß im ganzen M e h r a u s- gaben im Betrage von 117 Millionen über die An- forderungen des Rachtraasstats hinaus beschlosien habe. Zur Deckung sei die Erhöhung der Zolleinnahmen um 90 Millionen vorgeschlagen worden, statt dessen habe der Ausschuß aber ein neues Kapitel eingefügt als Mehrbetrog aus Zöllen, Steuern und Abgaben ganz allgemein. Ueber die Köhe des ein- zustellenden Betrages für diese Mehreinnahmen seien M e i n u n z s- Verschiedenheiten gewesen. Der Finanzminister habe nur 200 Millionen zugestehen wollen, der Ausschuß habe aber, um den ganzen Etat balancieren zu können, diese Mehreinnahmen mit 227 Millionen angesetzt. Reichssinanzminlster Dr. Reluhold wiederHoll seine schon im Ausschuß abgegebene Erkläning, daß die Regierung unmöglich mit den großen Erhöhungen, die der Reichstag beim Ostprogramm und bei den Rotstandsbeihilsen be- schlössen hat,«inverstanden sein könne. Er erinnert an seine frühere Erklärung, daß das Gleichgewlchi des Efats nur dann gesichert sei, wenn der Reichstag nicht zu wetteren ungedeckten Ausgaben drängt Er bitte den Reichstag, bei der drillen Beratung zu deu urfprünglichea Sätzen für Oftprogramm und Rolslaodsbeihiljeu zurückzukehren. Sollte das ircli! geschehen, so werde die Regierung die Vlehrbervilllgung nicht ausführen, denn sie erhalle vom Reichstag wohl die Au-gobenberechtlgung. aber nicht die Verpflichtung. Ein solcher Zustand würde sehr bedauerlich sein. Abg. v. Dryander(Dnat.) führt Beschwerde über den Abbau höherer Beamten in der Reichsfinanzverwaltung. Abg. höllein(Komm.) erklärt, die Steuermilderungen des Mi- nister» seien eine Prämie für den Besitz auf Kosten der arbettenden Massen. In der Finanzverwaltung werde Verschwendung mit den Steuergeldern der Armen getrieben, besonders von dem Magde- burger Landesfinanzamtspräsidenten v. S ch l i« b« n, dem frü- Heren Minister. Abg. Dr. herh(Soz.): Der Reichsfinanzminister hat heute den Grundsatz aus- gesprochen, daß ihm durch den Etat nur eine Ermächtigung, aber teine Verpflichtung erteilt werde. Ich bewundere den Mut, mit dem er diesen Grundsatz so absolut hier ausgesprochen hat. Denn es kann ihm doch nicht entgehen, daß die Ausgabenan- sätze im Etat ganz verschiedenen Charakter haben, je nachdem ste allgemeine Bollmachten oder die Erfüllung ganz be- stimmter gesetzlicher Pflichten enthalten. Wenn dos feststeht, dann kann ich nicht die Ansicht teüen, daß der Reichsfinanz. minister von sich aus die Ausgabenbewilligung vornehmen kann. Hier handell es sich um Etatansätze, bei denen nicht eine gesetzlich« Verpslichwng vorliegt, wo aber diese gesetzliche Verpflichtung er- setzt wird durch den klaren Willen des Reichstags: für diesen oder jenen Zweck soll diese oder jene Summe ausgegeben werden. Ich taon deshalb nicht anerkennen, daß der INlnister nicht gebunden sei an die Beschlüsse des Reichstags. Ausdrücklich stelle ich das fest und ich möchte annehmen, daß dieser Grundsatz von allen, die gleich uns cm dem Budegetrecht des Reichstags als eine der wichtigsten Grundlagen des parlamentarischen Systems fest- halten wollen, geteilt wird. Der Reichsfinanzminister hat nur eine Ausgabe, wenn zu große Ausgaben gesordsrt werden, dann muß er sich nach den nötigen Mitteln umsehen, um die Aus- gaben vorzunehmen. Das ist teine ongcnchme Aufgabe, aber der Minister soll ja nicht nur Stunden des Glücks haben, sondern auch unangenehme Ausgaben erfüllen Da, Verantwortungsgefühl wild ihm niemand nehmen, aber ich muß noch hinzufügen, daß dieses veine ParteiMhandlung 3. ö. 2D. Oieh Aachs,(früher Vorwärts- öuchhdlg), �illdenstr.2, bringt für deine Zungen die prächtigen Mtador-Vauiästen von M. an Verantwortungegefühl sich nicht nur auf die Bewilligung beschränken, sondern sich auch aus die Forderungen ausdehnen muß. Entsprechend den parlamentarischen Grundsähen muß der Reichssinanzminlster auch die Frage stellen können, ob der Reichstag ihm folgen will oder nicht. Ich kann dem Reichs- sinanzmlulster den Vorwurf nicht ersparen, daß er die Situa- tion, über die er so beweglich klagt, zu einem erheblichen Riaße selbst herbeigeführt hat. Er Hot lange Monate hindurch über die Entwicklung der Finanzen weit günstigere Ausfasiung vertreten, so daß er sortgesctzt von dem Abbau der Besitzsteuern sprach. Di« B ö r s e n st e u e r hat er gegen eine Mehrheit de» Reichstags ermäßigt, unter Benutzung einer unter anderen Voraussetzungen erteilten Ermächtigung.(Hört! hört!) Deshalb steht es ihm nicht an, über die Bewilligungsfreu» digkeit des Reichstaas zu klagen, angesichts der Tatsache, daß sie unterstützt worden ist durch die zu günstige Prognose der Entwick- lung der Reichsfinanzen. Ich nehme für die sozialdemokratische Fraktion in Anspruch daß wir weit mehr al» das sonst einer O p p o s i» t i o n s p a r t e i entspricht, uns an die für richtig erkannten Grund- sätze der Etatswirtschast gehalten hoben. Wir haben diese Grund- sätze auch gegenüber der Reichsregierung verteidigt, als sie für Subventionen, Zinsoerbilligungen usw. viele Hun- derte von Millionen übernommen hat und wo die Reichsregierung unsere Initiative abgewartet hat. um ein- Barriere gegen diese ufer- losen Anforderungen zu schassen. In dieser Beziehung haben wir immer gegen eine bürgrliche Mehrheit ange- kämpf und diese hat weniger Verantwortungsgcfühl als wir an den Tag gelegt. Das vom Reichssinanzministerium vorgelegte Ost- Programm hat nicht den ganzen Osten gleichmäßig berücksichtigt. sondern war ursprünglch eine Hilfsmaßnahme für den o st p r e u- ßischen Großgrundbesitz.(Hört! hörtl links.) Es brachte eine Benachteiligung anderer Gebietsteile, wo die Rotloae weit größer ist als dem ostpreußschen Großgrundbesitz, so besonders in Niederschlesien. Der Reichstag hat die Ausgabe gehabt, diese Ungleichmüßigkeit zu beseitigen, und daraus haben sich mit Notwendigkeit die Forderungen für die anderen Gebiete gegeben. 5 Millionen wurden angefordert zur Z i n s o c r b i l l i> gung für die ostprerßischen Pfandbriese, obwohl die Reichsregierung wissen mußte, haß in anderen Gebieten des Reichs die gleichen Verhältnifle vorliegen. Der Relchsfinanzminister hat bisher kein Wort zu der Ankündigung gesagt, daß diese Verbilligung vorgenommen worden ist, ohne die Bewilligung der Regierung, ohne etatsrechtliche Grundlage.(Hört! hört!) Der Reichssinanzminister sollte erst einmal Ordnung, im eigenen Hause geschaffen und verhindern, daß der Reichs- criiährungsminister solche Maßnahmen trefsen kann.(Sehr richtig!) Es ist hier vor einigen Tagen festgestellt worden, daß Ausgaben für den Bau einer Militärschule gemacht worden sind. ohne daß vorher Anforderungen an den Reichstag ge- stellt waren.(Hört! hört!) Es wäre auch eine verdienstvolle Ausgab« des Flnanzminlsters., wenn er für Ordnung in der Reglerungskoalltion sorgen wü-de. denn unter den Parteien, die eine hinaussch'ebung der Vler- steuererhebnng wollen, beslndet sich auch eine Regiernngsparlei. Der Minister hat darauf hingewiesen, daß die geschätzten Mehrein. nahmen die Mehrausgaben nicht decken würden. Wenn man rein rechnerisch vorgeht, so kommt man aber zu einem Ueberschuß von2<8 Millionen im Jahre. Nun gebe ich zu, daß man so schematisch nicht rechnen kann, weil nicht alle Monate die gleichen Einnahmen liefern und weil die Rückzahlungen aus der Lohnsteuer Veränderungen bringen können. Aber selbst wenn man sehr vor- stchtia rechnet, bleibt immer noch eine Spanne von 20 Millionen. Bei der Vermögens, und der Erbschaftssteuer hat der Reichsfinanzmintster aber noch zwei Reservequellen. Di« Ver- mögenssteuer, die nach dem Voranschlag für 1926<00 Millionen er- bringen muß. hat in den letzten 7 Monaten wesentlich niedrigere Beträge als die Hälfte gc bracht. Hier liegt also eine Reserve, die sehr gut ausgenützt werde kann, ebenlo bei der Erbschastssteuer. Man kann also mit einer Mehreinnahme an Steuern von 2<0 bis 250 Millionen Mark im Rechnungsjahr 1926 rechnen. 3ch will keine Zweifel darüber lassen, daß die sozialdrmokrallsche* Fraktion den Absichle», am 1. Aprll 1927 die Sperrsrisi für die Erhöhung der vielen aufznheben, mit den allergrößten Bedenken enlgegenlrltl. Das müßte die schlimmsten Folgen für da» wlrtschastliche und das soziale Gcbict wie auch für den Aus- bau des Elais für 1937 haben. Wenn der Etat jetzt schon bis zum äußersten angespannt ist, woher sollen die vielen Millionen herkommen, die bei einer Mietsteigerung zur Elhöhung der Löhne und Gehälter notwendig sind? Wir be- dauern es außerordentlich, daß die Entwicklung dahingeht, daß der soziale Eharakter bei den Ausgaben des Reiches sinkt, während die Einnahmen des Reiches in immer steigerndem Maße aus den Massensteuern genommen werden. Bei der allgemeinen Etotsbera- tung werden meine Freunde durcb entsprechende Anträge eine gün- stigere Entwicklung der Finanzverwaltung herbeizuführen suchen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Henning(Dölk.) spricht gegen die für dm 1. Januar 1927 vorgesehene Erhöhung der Biersteuer. Abg. Sender(Soz.): Die Reichstogsfratlion der sozialdemokratisckm Partei hat zur Besserung der Lage der Beamten ebenso die Initiative ergrissen, wie sie dies In der Frage der Erwerbslosen und Sozialrentner ge.an hat. Ihre ursprüngliche Forderung, mit der sie an die Reichsregierung herantrat, die Zuschläge zu den Grundgehältern für die Beamten der Besoldungsgruppen V und VI von 12% auf 20 P r o z. zu erhöhen und gleichzeitig die Arbeiter de» Reichs entsprechend zu berücksichtigen, ist sowohl von der Reichs, regierung als von den Regierungsparteien abge- lehnt worden. Die weiter« Verfolgung dieser Forderung war Jn jesfles na&BS essa also aussichtslos, zumal in Anbetracht der Vorgänge, die sich bei der Auseinandersetzung über die gleiche Forderung vor Weihnachten 1 9 2 S im Plenum des Reichstags abgespielt haben. Deshalb und weil von der Reichsregierung die Zusage abgegeben wurde, sowohl die Arbeiter des Reichs zu berücksichtigen, als auch die neue B e- soldungsordnung gleichzeitig mit dem endgültigen Finanz- ausglcich im Frühjahr 1927 schaffen zu wollen, hatte sich die sozial- dcmckratische Reichstagssraktion ebenso wie die deutschnationale Reichstagsfraktion einem Antrag auf eine einmalige Notmaßnahme angeschlossen, der ihr von dem Herrn Reichssinanzminister mit dem ausdrücklichen Bemerken unterbreitet wurde, daß er eine bindende Abmachung zwischen der Reichsregierung und den Regierungs Parteien darstelle. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion konnte annehmen, daß diese Mitteilung des Herrn Reichsfinanzministers den Tatsachen ent- spricht. Nachdem dann dieser Antrag an dem Widerspruch des Zentrums gescheitert war und die Regierung auch er- klärte, die Arbeiter des Reichs nicht berücksichtigen zu wollen, hatte die sozialdemokratische Reichstagssraktion ihre Handlungsfreiheit zurückgewonnen. Sie stellte im Haushaltsaus- schuß die Anträge, die Notmaßnahmen auf die Beamten der Be- soldungsgruppen I bis VII zu beschränken, dafür aber die Arbeiter des Reichs einzubeziehen. Der Antrag, die Notmaßnahme auf die Gruppen I bis VII zu beschränken, würde von den bürgerlichen Parteien abgelehnt: der Antrag, die Arbeiter des Reichs zu berücksichtigen, aber angenommen. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion erwartet, baß dem Antrag, die Reichsarbeiter zu berücksichtigen, auch im Plenum zugestimmt wird und die Reichsrcgierung diesem Beschluß Rechnung trägt. Die Fraktion wünscht serncr, daß die Reichsregie. rung ihrer Zusage aus Schasfung der neuen Vesoldungsordnung nachkommt und erwartet, daß dabei die Reuregelung der Besoldung in gerechter Weise vorgenommen wird, um das Besoldungsunrecht vom Zuli 1924 zu beseitigen. Im übrigen werden wir den Beschlüssen des Ausschusses zustimmen. Abg. Torgelcr(Komm.) bezeichnet die Weihnachtsbeihilfe als ganz unzureichend. Reichssinanzminister Dr. Reinhold erklärt: Die Reichsregierung ''st sich bewußt, daß eine gerechte und ausreichende Besoldung der Beamten eine Staatsnotwendigkeit ist. Sie wird jetzt mit der größten Beschleunigung die Besoldungsneurege» l u n g in Angriff nehmen und sie gleichzeitig mit dem endgültigen Finanzausgleich im nächsten Frühjahr den gesetzgebenden Körper- schaften zuleiten. Damit schließt die Aussprache. Die Etats des Reichsfinanz- Ministeriums und der allgemeinen Finanzverwaltung werden nach den Ausschußanträgen bewilligt, dazu der Ausschußantrag über die Wethnachtsbeihilfe für Beamte und Arbeiter der Reichsverwaltung. Ohne Aussprache werden erledigt die Haushalte des Auswarti- gen Amtes und das Haushaltsgesetz. Um<5*1 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag mitwg 12 Uhr mit der Tagesordnung: Zweite und dritte Lesung des Sperr- gesetzes, dritte Lesung der Nachtragsetats. Einsendungen für diese Rubrik stud Berlin«98 68, Lindeustraße 3, Partemachrichten für Groß-Serlin stet» un da» Bezirkisekretariat. i. Hos, 2 Trrp. recht», zu richte». 'fiofämw, € Achtung, Genossinnen und Genossen, besucht vor euren weihnachtseinkäusen die Weihnachts-Ausstellung der Sozialistischen Arbeiterjugend im Jugendheim, Sw.. Lindenftr. 3, 2. Hof, 3 Trp. links, geöffnet wochenläglich von 4 bis S Uhr und Sonntag von 10 Uhr vormittags bis S Uhr abends. 6. ttrei» Friedrichehaiu. greie Schulgemeinde: Heute, Donnerstag, '-......"| Iffentllche (weltliche sämtlicher Eltern wird dringend gebeicn. tt. Rrei, Schöneierg.Fricdenau. Die aemeinsam« Weilinochtsfeier mit den Nindetfreunden findet am Freitag. 17. Dezember, in der Echiog» brauerei Schöneberg, Haigitstr. 122/123, statt. Saalüfsnung nachmittags 5'A Uhr. Unlzstcnbeilrag 30 Pf. Kinder und Erwerbslose frei. Die Helferinnen und Helfer treffen sich viinlilich nachmittags 2 Uhr in der Schlohbroucrei.— Unsere Sozialistisch« Arbeiterjugend veranstaltet am Sonnabend. 18. Dezember, abends g Uhr,«in« Wintersonnenwende an der Siedlung Lindenhof. Vorher Fackelzug vom Rudo'f-Wilde-Platz mn 7*i Uhr. Die Parteigenossinnen und-genossen werden herzlichst gebeten. sich an dieser Veranstaltung der Jugend zahlreich zu beteiligen. 13. Rrcis Tcmpcllios, Mariendors, Maricnscldc. Lichtenrade. Freitag, 17. Dezember, 8 Uhr, Fraktionssshung mit den Bllrgerdeputicrten. Vortrag: „Wohnungswesen". Referent Genosse Noack. Heule, Donnerstag, 16. Dezember: 34. Abt. 7ZH Uhr wichtige Vorst» ndssshung beim Genossen Reichenbach, Äo- vernikusstr. 37. Erscheinen sämtlicher Vorstand smitgliedei ist unbedingt «rforderllch. 37. Abt. 7H Uhr be! Pfeiffer. Hauschurgstr. 2, wichtig« Funktionärsshung. 85. Abt. Tempelhof. Di« erwerbslosen Genossen werden gebeten, sich sofort bei ihrem Bezirkssiihrer»der beim Genossen Bielschowski. flaiser-Wilhclm- Strasse 21, zu melden. Die Vezirksstihrer werden ersucht, die Wählerlisten aus den Bezirken 16, 17, 21, 22, 23 und 24 sofort dem Genossen Vurge- meister zu Übergeben. »2. Abt. Renkölln. Pünktlich 8 Uhr bei Wolfs. Koiser-Friedrich-Str. 173, Ab- teilunq-funklionärsissung. zu der all« Funktionäre bestimmt erscheinen müssen. Hauptpunkt: Beschlussfassung über die Arbeiislosenbescherung. All« Sanunaklissen müssen zur Abrechnung unbedingt zur Stelle kern, des« gleichen die Adressen der erwerbsloscn Abteilungsmitglreder. 112. Abt. Banmschnlenwcg. Die Bezirksfllhrcr werden gebeten, die Vcrzeich» niste der erwerbslosen Genossen sowie der weiteren zu Weihnachten zu bedenkenden llreise umgehend dem Kassierer Hertel zu übermitteln.— Achtung! Frei lag. 17. Dezember, 7 Uhr, bei H-ss, Baumschulenstr. 72, wichtig« Funktionärs, hu, ig. Erscheinen unbedingt erforderlich. Morgen, Freitag. 17. Dezember: 34. Abt. 714 Uhr in den Eomcniu»sLlcn, Memcler Str. 67, Weih- Ansprache: Clara Bohm-Schuch, M. d. R. Alle Gc- nachisfeier. nossinncn und Genossen sind herzlichst eingeladen. 38. Abt. 8 Uhr bei Wachs, Friedenstr. 53. Vorstandssitzun« mit den Mit» gliedern der Weihnachtskrnnmission. Jungsozialisten, heule. Donnerstag. 16. Dezember: Gruppe Osten: 8 Uhr im Jugendheim Vortrags- und Diskussionsabend übei! „Die Psych« des Arbeiters".— Gruppe Prenzlauer Verg: Pünktlich 8 Uhr im Jugendheim Danziacr Str. 62 Vortvag:„Wege zur GemelnwiristfÄsi". Referent Otto Lamm. Die Zuacndeenossen anderer Abtsilunaen sind herzlichst«inaeladcn. | ArbeitAgemeinschast der Kiaderfreualx. Gruppe Sallesche, Tor: Sonntag. 18. Dezember, 8 Uhr, im Jugendheim Bclle-Allianee.Plass 1 Sonnenwendfeier unter Mitwirkung der Sozialistischen Arbeiteringend, Gruppe Südwest. Ansprache: Rektor Max Krcuziger. Söst« herzlichst willkommen. ratdCi Beim Kauf von Bohnermassc darf nicht der Preis den Ausschlag gehen; denn von billigen Sorten braucht man doppelt und dreimal soviel als von Wichsmädel. Wichsmädel ist aus besten Edel-Hartwachsen hergestellt, daher nur hauchdünn aufzutragen. Preis: V.Dose 85 Pf-,% Dose RM ISO, 1 1 Dose RM 2.80. Eihiltlich In allen einschlägigen Geschäften. Beethoven-Musik nimmt im Programm des Berliner Senders einen breiten Raum ein. Beethoven wird hier für die Masse neu- entdeckt. Gewiß oft langsam und tnühevoll muß Beethovens Ton- weit von Musikbegeisterten, doch musikalisch ungeschulten Menschen erobert werden, und so verdient es nur Lob, wenn durch den Rund- funk seine Werke hin und wieder immer neu gestallet werden. Auch soll man dem Berliner Sender dafür danken, daß er diesen Beethoven- Konzerten stets eine erläuternde Einleitung vorausschickt. Dr. Leopold Schmidt versteht es gewiß, aufschlußreich die ge- botenen Werke zu behandeln. Immerhin wäre es wünschenswert, wenn er seine Aussiihrungen noch einfacher gestaltete und alle Fachausdrücke nach Möglichkeit vermeiden— oder ober ic sofort erklären würde. Auch wären ergänzende Erläuterungen am Klavier trotz der sehr beschränkten Zeit, die ihm leider stets nur zu Gebote steht, vielleicht doch möglich un.d sicher sehr wertvoll. S e l m a M e y r o w i tz, der für den oerhinderten Georg Zell diesen Abend dirigierte, bewährte sich als Beethoven-Interpret. Das Klavierkonzert in R-Dur, von Paul Schramm mit dem Funkorchester gespielt war ebenso wie die Egmont-Ouvertüre auch für musikalisch sehr empfindliche und sehr verwöhnte Ohren ein Genuß. Die IV. Sinioni« dagegen blieb nach einem lebendigen Anfang merk- würdig kühl und unpersönlich. Anläßlich dieses Abends sei aber auch wieder einmal lobend unseres Funkorchcsters gedacht. Sozialistische firbeiterjugenü Groß-Serlin. Achtung,«btriluug,. und Wanberleitee! Die Ausweisöarten für 1827 unb die Führerausweise(1. Lieferung) sind eingetroffen. Es braucht von jeder Ab- teikunq nur ein Genosse zu erscheinen. Die Abteilungen, die bisher noch keine drei Ausweise beantragt haben, können dieses noch nachholen. Die dofür in Fra« kommenden Genossen müssen persönlich, mit Lichtbild sPassdild) oersehcn, bis spätestens Mittwoch, 22. Dezember, im Sekretaiiat erscheinen ileszter Termin). Ab/eilungsleiter, rechnet die Reoolutionsfcier- und Sehundveranstaltung-- karten ab. Heute, Donnerstag, TU Uhr: Schönhauser Vorstadt: Schule Dricscner Str. 22. Vortrag:„Sonnenwende oder Weihnachten?"— Küpe nicke? Viertel: Schule Weangelstr. 128. gehn- Minuten-Referai«.— Schöneberg III: Ingcndheim Houvlstr. 15. Bort rag: „Parteiprogramm der SPD."— Lonkwiss: 15. Gemcindeschule, Schulstross:. Bortraa:..Bruno Bürgel"— Lichrrfcld«: Jugendheim Albrechtstr. 14». Au». spräche:„Wie steht die VAI. zu den rcligiöfen Feiern?"— Wittenau: Jugend. heim Rosenthaler Str. 16. Vortrag:„Büigerliche und prolclarischc Jugend» bcwegung". Bildungskurse: Werbebezirk Weddiug: Für Aelteve Zuaendheim Luxemburger Ecke Genier Strasse. Thema:„Theorie und Praxis des proletarischen Klassenkampfes". Werbebezirk Kreuzberg: Für Jüngere Schule Stall fchrciberitr. 51. Themen .Volkswirtschaftlich« Grundbegriffe". TVetferberichi der öffentlichen weklerdiensislelle sür Berlin und Umgebung. sNachdruck vcrb.). Wechselnd bewölkt und Neigung zu leichten Schneefällen. Temperaturen um Null Grad.— Für Deutschland. Im Ostc» wechselnd bewölkt und Niederschläge in Sibauern. Im Süden meist heiier und trocken. Temperaturen um Null Grad. Die Gesahr einer Erkältung. Ein Husten oder eine Erkältung wird am schnellsten und sicherstem behandelt, indem man ein einfaches und billiges, selbstbcreitetcs Mittel einnimmt. Besorgen Sie sich aus der nächsten Apothcle <59 Gramm Ansy(dreifach konzentriert), bereiten Sie einen gewöhn- lichen Sirup aus 250 Gramm Streuzucker in U Liter heißein Master und fügen Sie Ansy hinzu. Ansy verschofst selbst in den schlimmsten Fällen augenblickliche Erleichterung und löst schnell den Schleim, welcher oft die Ursache des Hustens ist und Ihre Erkältung immer verschlimmert, indem sich tödliche Keime darin aushalteii. Ansy ist in jeder Apotheke zu haben. 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Berlin SW 68, Lindenstr. 2(Sortimentsbuchhandlung) (frOher Buchhandlung„Vorwärts") Das fdiönfre Feflgcfdienk: m Budi! Niedrig Im Preis, dodi im Werfe beffändig! i