Mbenöausgabe Nr. S92 � 42. Jahrgang Ausgabe L Nr. 242 (SejugsMitnguitgea und«njtigrnottif« Fi na in der Morgenausgab« angegeben Ziedattl«»: STB. M, Cfnbenftrofic 3 Fernsprecher: vöahoss 292— 292 ZcL'tfdtcffe: Sojlaldcmotral Berlin Derlinev PuIfiBliIciff (lO Pfennig� Donnerstag 16. Dezember 1926 Dcrlag und Anzetgenabtetlung: Geschäft«, eit 8>/. dt» S Uhr Verleger: vorwärts- Verlag GmbH. Berlin Sw. SS, Llndeustroize 9 Zernsprecher: Vöahoss 292— 292 Tentralorgan der Sozialdcmokratifchcn parte» Deutfchlands Mißtrauensantrag gegen das Kabinett Die Regierung Marx will nicht zurücktreten.— Die Sozialdemokratie fordert klare Entscheidung. Das Reichskabivett trat heute früh um 9 Uhr zusammen, um über die Lage zu beraten, die durch den gestrigen Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion entstanden war. Es entschied sich dahin, nicht zur ück zutreten, sondern vielmehr sein weheres Schicksal der Entscheidung des Reichstags zu über- lassen. In der heutigen Reichstagssitzung, die von 12 Uhr mittags auf 2 Uhr nachmittags verschoben worden ist, wird der Reichs- kanzler Ma r x Erklärungen abgeben, die die innere Gesamt- situatton und die Zustände in der Reichswehr betreffen. Für die sozialdemokratische Fraktion'«wird, wie schon gemeldet, Scheidemann sprechen. Die Fraktion I�t in ihrer heutigen Sitzung nunmehr die Einbringung eines Mißtrauensantrages beschlossen, dessen Schicksal von der Haltung der Deutschnationalen abhängt. Von der Volkspartei und von anderen Stellen aus werden Versuche unternommen, um die Deutschnationalen zu einer Haltung zu bewegen, die der gegenwärtigen Regierung die weitere Existenz möglich macht. Ob diese Versuche Erfolg haben werden, steht dahin. Einstweilen zeigen sich die Deutschnattonalen sehr gereizt darüber, daß das Reichskabinett einstimmig beschlossen hatte, in Verhandlungen über die Große Koalition einzutreten. Sie werden schwerlich ihre oppositionelle Haltung aufgeben, wenn ihnen nicht Zusagen gemacht werden, daß sich die Politik der Relchsregierung nach einer anderen Richtung orientieren wird. Deutschnationale Anbiederungsversuche. Der Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, der den Rücktritt der Reichsregierung verlangt, aber gleich- zeitig die Bereitschaft der Partei, über die Bildung der Großen Koalition zu verhandeln zum Ausdruck bringt, hat in der bürgerlichen Presse einige Ueberraschung hervor- gerufen. Die agrarische„Deutsche Tageszeitung spricht von einem Affront gegen die bürgerlichen Par- teicn, gegen Reichskanzler und Reichsregierung. Mit welchem Recht, das fei dahingestellt angesichts der Tatsache. daß ja auch die Regierungsparteien wie die Reichsregierung sich für die Große Koalition erklärt haben. Der Sinn der reaktionären Taktik ist freilich ein andrer. Der„Tag" Hugenbergs plaudert ihn aus: Daß das Kabinett zurücktritt, wird für ganz unwahrscheinlich gehallen. Wenn die Sozialdemokraten dann ihr Mißtrauensvotum einbringen, hängt das Schicksal des Kabinetts von den Stimmen der Deutschnationalen Volkspartei ab, die nunmehr nach dem Beschluß der Sozialdemokraten heute wichtige Beschlüsse zu fassen hat. Die Haltung der Deutschnationalen wird natürlich davon abhängen, ob die Regierung bei einem Mißtrauensvotum der Sozialdemokraten sich vorher mit den Deutschnatio- nalen in Verbindung setzt. Also die Deutschnationalen wollen in die Regierung. Die volksparteiliche Presse äußert sich dazu nicht. Die Haltung des„Tag" und des„Lokal-Anzeigers" ist sogar eine weitgehende Begründung für den sozialdemokratischen Be- schluß insofern, als die Reaktionäre damit rechnen, daß die Deutschnationalen bei der Deutschen Volkspartei und beim Zentrum einiges Entgegenkommen finden werden— trotz der Erklärung dieser Parteien für die G r o ß e K o a l i t i o n. Also kommt es jetzt darauf an, Klarheit zu schaffen. Die„Germania", das führende Blatt des Zentrums, übt an dem sozialdemokratischen Beschluß eine scharfe Kritik, die der reaktionären Auffassung entgegenkommt: Die sozkaldemokratische Taktik, die gestern in der Fraktion mtt sehr großer Mehrheit, aber nicht einstimmig festgelegt worden ist, kann nur als ein Nachgeben gegenüber ihrem radikalen Flügel auf- gefaßt werden. Mit Politik hat eine solche Taktik wenigmehrzutun. Es ist doch kaum damit zu rechnen, daß die Verhandlungen so beschleunigt werden können, daß noch vor Weihnachten eine neue Regierung zustandekommt. Bis zum Zu- sammentritt des Reichstages hätten wir im Falle des Rücktritts lediglich eine Geschäftsregierung, die doch allerhand nicht unweseM- liche außenpolitische Verhandlungen zu führen hat. Wir glauben nicht, daß die Reichsregierung und die Regierungsparteien viel Neigung zeigen werden, der sozialdemokratischen Forderung nachzukommen. Im Falle des Zusammen- kommens der Großen Koalition hätte die Regierung sowieso zurück- treten müssen, um der Großen Koalition Plag zu machen, aber daß die Regierung zurücktritt, ohne daß die Sicherheit besteht, daß eine Mehrheitsregierung an ihre Stelle kommen kann, ist eine wenig politische Forderung. Kurzum: eine hoffnungsvoll sich an- bahnende neue Sttuation ist durch den sozialdemokratischen Beschluß auf das äußerste gefährdet' worden. Die„Vossische Zeitung" deutet die Möglichkeit einer Verständigung mit der Regierung an: wenn diese scheitern sollten, müsse eine Gesamtdemission des Kabinetts oder die Reichstagsauflösung erfolgen. Ungaristhe Sergarbeiterknechtung. Bethlens„Wahlsieg". Budapest. 18. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Da die Vechlen-Regierung über ihren wohlvorbereiteten Sieg in den Berg- werksbezirken triumphiert und sich beeilt, den unter dem größten Terror erzwungenen Wahlerfolg sc hinzustellen, als wenn die Berg- crbeiier aus Uebsrzeugung der Sozialdemokratie den Rücken gekehrt und sich der Regierung angeschlossen hätten, ist es notwendig, die im ungarischen Kohlenbergbau herrschenden Verhältnisse ins richtige Licht zu stellen. Die Bergleute blldeten in Ungarn von jeher eine Kategorie der fchlechtestbezahlten und in den elendesten Verhältnissen lebenden Ar- bciter. Zu einem menschlichen Dosein, zu leidlichen Werkswohnun- gen gelangten sie eigentlich nur während des Krieges, als der Wert der in Ungarn geförderten Braunkohle stieg, mit ihm die Löhne und die Arbeitsbedingungen besserten sich. Damals begann auch die Or- ganisierung der Bergarbeiter, deren Mehrheit kulturell noch sehr rückständig war. Der Bergarbeiterverband wurde erst 1318 ins Leben gerufen. Nach dem Friedensschluß verringerten die Unternehmer die Produktion, ein großer Teil der Arbetter wurde nach und nach entlassen. Einer großen Zahl der arbeitslosen Berg- leute blieb nichts übrig als auszuwandern. In Frankreich arbeiten zurzeit ungefähr 4000 ungarische Bergarbeiter. Diese Emigration war auch für die Arbeiterbewegung ein schwerer Schlag. Die intelligentesten, am besten organisierten Arbeiter gingen aus diese Weise für die ungarische Bewegung verloren. Die Zuhausegebliebenen verfielen nach und noch in ein immer größeres Elend. Arbeitszeit und Löhne wurden furchtbar herunter- gedrückt. Das Elend, die A'-beitslosigkeit. die Ungewißheit ihrer Pc.ce. die Gefahr der Entlassung, welche als Damoklesschwert be- ständig über ihnen schwebte, trieb die Leute endlich in solch ent- setzliche Verzweiflung, daß im Frühling dieses Jahres einig« Ta- send Bergarbeiter von Salgötärjan sich aus den Weg machten. in der Absicht, zu Fuß nach dem ungefähr 100 Kilometer entfernten Budapest zu marschieren. Durch Gras Bethlens bewaffnete Macht wurde dieser Verzweiflungsplan der Bercorbeiter schon am Ansang vereitelt. Nun kam aber der englisch« Bergarbetterkampf und damtt eine Konjunktur auch im ungarischen Kohlenbergbau. Die ver- schuldeten, verhungerten, herabgekommenen Leute gelangten für einige Monate wieder zu besserem Verdienst. Jetzt aber sieht die ungarische Kohlenproduktion wieder einem Rückfall entgegen, was man natürlich als eine überaus wirksame Waffe des Wahl- t e r r o r s benützt. Man darf nicht vergessen, daß die Abstimmung in all diesen Bezirken öffentlich ist und daß die Wahlpräsidenten und Wahltommissionen Direktoren, Aufseher. Ingenieure der Bergwerks- gesellfchaften sind. Wer hat da noch den Opfermut, sich als Sozial- dcmokrat zu bekennen, was sichere Entlassung bedeutet? Eine Arbeitslosenunter st ützung existiert in Ungarn nicht: der Entlassene wird aus seiner Wohnung mitten im Winter sofort hinausgeworfen, denn die Wohnung gehört dem Werk. Er verliert auch seinen Pensionsanspruch, denn nach dem Gesetz hat jede Unternehmung ihre eigene Penjionskasse, und wenn der Arbeiter entlassen wird, fällt auch die Pension weg! Nichts beweist besser, daß der Wahlerfolg ausschließlich durch dies« terroristischen Mittel erzielt wurde, als die Tatsache, daß die- jenigen Bergarbeiter, welche aus dem Bauern- stand stammen und ihr eigenes Kleinhaus be- sitzen, trotz allem Zwang ihre Stimmen für den sozialdemokratischen Kandidaten abgegeben haben. Ebenso haben die Bauern, die ein Stück eigenes Feld haben, für die Sozialdemokraten gestimmt. Um das Bild zu vervollkommnen, muh man noch erwähnen, daß in Ungarn Wahlpflicht herrscht und N i ch t w ä h l e r b e st r a f t werden. Ist es zu verwundern, daß die von den Ingenieuren, Aufsehern und einzeln bearbeiteten Bergleute, wenn sie vor die Wahlkommission kommen und dort ihre Vorgesetzten er- blicken, nicht ihrer Ueberzeugung nach abstimmen? Dennoch fanden sich in jedem dieser Kohlenwablbczirke T a u s c n d e tapfere Bergarbeiter, die sich heldenmütig zur Sozial- demokratie bekannten und damtt einen Beweis unerschütter- licher Treue zur Arbetterbewegung geliefert haben. Zinnlanös neue Regierung. Ein Kabinett sozialistischer Arbeit. Das neue finnische Kabinett T a n n e r— das zweite sozialdemokratische in der Reihe der fünfzehn seit der 1917 erreichten Selbständigkeit des Landes gebildeten Regierungen — deutet auf einen Wendepunkt in der politifch-parlamenta- rifchen Entwicklung dieser nordischen Republik. Die Gemein- schaft der Arbeiterparteien bei dem sogenannten„Roten Auf- rühr" des Jahres 1918 hatte eine tiefe Kluft zwischen ihnen und den bürgerlichen Parteien geschaffen. Aber während die Kommunisten ihre ursprüngliche Verbindung mit Moskau nicht aufgeben wollten und deshalb noch im Jahre 1924 der Beraubung der Abgeordnetenmandate und der persönlichen Freiheit ausgesetzt waren, hat sich die Sozialdemokratie, die stärkste Partei des Landes, stetig und mit vollem Bewußtsein der in praktischer parlamentarischer Arbeit bewährten Taktik, angenähert, wie sie ihr die Bruderparteien Schwedens, Dänemarks und Englands vorgezeichnet hatten. Das neue Kabinett Tanner setzt sich denn auch fast aus- schließlich aus sehr gemäßigten Elementen de? Partei zu- sammen: der Chef Väinö Tanner ist der Direktor der großen Konsumgenossenschaft„Elanto", der auch der Innenminister Itkonen, der Finanzminister Ryömä, Ursprung- lich Arzt, später Redakteur des„Social-Demokraten", ent- nommen sind, sowie der Handelsminister Hupli und die Ge- hilfin des Sozialministers Miina Sillanpää, ursprünglich Fa- brikarbeiterin, später als Infpektorin der umfangreichen Gast- stätten„Elantos". A u ß e n m i n i st e r ist Woionmaa, Pro- fessor der nordischen Geschichte, Iustizminister Hakklla, Mit- glied des Parteivorstandes und früher Oberdirektor des Ge- fängniswesens, Unterrichtsminister der Direktor des National» museums Ailio, Landwirtschaftsminister Pekkala, Verkehrs- minister der Gutsbesitzer Wuolujoki. der in Deutschland Ma- thematik studiert hat, und Sozialminister Helo, früherer Lehrer und Redakteur. Die Mehrzahl der Kabinettsmitglieder sind Abgeordnete. Auf dem Programm der neuen Regierung steht an erster Stelle die Entwicklung der Arbeiterschutzgesetzgebung, die Forderung der Ratifizierung des Washingtoner Ab- kommens. Steuererleichterungen für die Minderbemittelten, Zollsenkung für Lebensmittel und notwendige Verbrauchs- artikel, Verkürzung der militärischen Ausbildungszeit auf neun Monate und Einschränkung der Gesamtrüstungsausgaben werden angestrebt. Die Stellung der Kleinbauern und Land- arbeiter soll gebessert, die letzten rechtlichen Unbilden gegen die Teilnehmer am Aufstand von 1918 beseitigt werden: das Alkoholverbot bleibt aufrechterhalten und die nationalen Min- derheiten sollen im Geist der demokratischen Regierungsform behandelt werden. Die Sozialdemokraten verfügen unter den 299 Sitzen des Reichstags über 69, die Kommunisten haben 18, die Schwe- dische Volkspartei, Vertreterin der ehemals herrschenden Klasse, jetzt einer nationalen Minderheit mit etwa einem Zehntel der Gesamtbevölkerung, ohne soziales Programm und wesentlich national betont, über 23, der Landbund (Bauernpartei) über 44, die Fortschrittspartei(Demokraten) über 17 und die Sammlungspartei(Konservative aus Jntellek- tuellen-, Handels- und Industrickreisen mit militaristischen und monarchistischen Tendenzen) über 38. Die Sammlungspartei und der Landbund hatten bisher unter dem Agrarier Kallio ein Minderheitskabinett gebildet, fiel über die von ihr trotz öffentlicher Proteste und Enthüllungen an Korruptton gren- zende Munitionslieferungsskandale und dürfte damit auch die von der Sommlungspartei beeinflußte über- nattonalistische Politik ein für allemal erledigt haben. Diese Politik fand ihren Ausdruck, wie vielfach in neuen National- staaten, in einer künstlich gezüchteten Bekenntnistreue und Sprachtyrannei.' Bekannt find so groteske Fälle, daß der Oberkommandierende der finnischen Flotte wegen unge- nügenden Sprachexamens im Finnischen feines Postens ent- hoben wurde— ein Fall für unzählige. Die sozialdemokra- tische Regierung dürfte für einen gerechten Ausgleich zwischen Finnisch und Schwedisch sorgen. Sie wird aber nicht nur damit, sondern auch in ihrer anzen außenpolitischen Haltung dem Ausland ein anderes eficht Finnlands zeigen können als die bisherigen bürger- liehen Regierungen. Zwischen Deutschland besonders und Finnland schienen bisher keine anderen politischen Verbin- düngen zu bestehen als die Erinnerungen an den Sieg der „Weißen" 1918 ttttd die ihnen aufgedrungene Hilfe der d-ut- schen Truppen. Die in Deutschland ursprünglich gegen das zaristische Rußland ausgebildeten finnischen Iägerbataillone gaben den finnischen Hütern dieser Tradition den Namen der Polittk und Verwaltung beherrschenden„Iägerclique"; auch für Finnland schien es kein anderes Deutschland zu geben, als das des unverbesserlichen Baltikumgenerals von der Goltz und seinesgleichen. Diese„Erklusivjtät" dürfte nun einer all- gemeineren und offenen Verständigung und Aussprache weichen. Wi.wett das Kabinett Tanner diese Aufgaben und Ziele, die sich ihm bieten und die es sich selbst gesetzt hat. verwirk- lichen kann, hängt von der jeweiligen Gefolgschaft der anderen Parteien ab. Koalitionsmäß'ge Bindungen wurden abgelehnt. Soweit sich Tanner der Mitwirkung der Schweden und der Demokraten versichern kann, bleibt er immerhin stark genug, um nicht gestürzt zu werden, aber auch die Bauernpartei, die wesenllich liberaler gerichtet ist als chre bisherige Regierungsverbündete, die Sammlungspartei, dürste vielfach mit Sen Sozialdemokraten zusammengehen, und selbst d e Unterstützung der Kommunisten erscheint nicht für alle Fälle ausgeschlossen. Tannei hat auf alle Fälle nur eine Probezeit von sechs Monaten zu bestehen-, denn im Juni n.J. finden die fälligen Neuwahlen statt. Von den Ergebnissen dieser Probezeit wird es abhängen, ob die Mehrheit der Wähler seinem Kabinett und den ihm in praktischer Arbeit verbundenen Parteien weiteres Vertrauen schenken wird. In jedem Fall ist die pohtisch-parlamontarische Verfem ung. der die bürgerlichen Parteien die Sozialdemokratie die letzten sieben Jahre ausgesetzt haben, endgültig gebrochen, und alle Aussichten deuten darauf, daß sie auch künftig in der Po- litik eine ihrer Anhängerschaft entsprechende Bedeutung er- halten wird. Regierungsparteien gegen Regierung. Um die Erhöhung der Biersteuer. Am I. Januar 1927 soll die im August 1925 unter der Rc- gierung Luther-Schlieben beschlossene Erhöhung der Biersteuer um ein Drittel der bisherigen Sätze in Krcht treten. Ein Antrag der Bayerischen Bolkspartci will diese Erhöhung um ein Vierteljahr hinausschieben. Völkische und Dautschnationale beantragen die sstnuusschiebung bis zur Aushebung der Gcmeindegetränkcsteucr»,\ die Kommunisten sogar die völlige Aushebung der ganzen Biersteucr. Am Mittwoch und Donnerstag beschäftigte sich der Steuerausschutz des Reichstags mit diesen Zlnträgcn. Für die Reichsregierung erklärte Staatssekretär Dr. P o p i tz. selbst die Durchführung der Hinausschiebung um ein Vierteljahr sei u n- möglich, da die Reichssinaiizen eine weiirre Schmälerung der Einnahmen nicht gestatten. Bemerkenswert war die Feststellung des Abg. Dr. H o r l a ch e r van der Baycrlschcn Volkspartei, die Lrauereiindustrie beabsichtige«ine P r e i s c r- höhung von 6 Pf. sür den Liter, während die Steuercrhöhung nur 1.65 Pf. für den Liter ausmache! Trotzdem der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold im Plenum des Reichstages oerlangt hatte, daß die Regierungsparteien die Hin- aussllstebung der Biecfteuererhöhung nicht unterstützen dürsten, stimmten sowohl Mitglieder der Deutsmcn Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei für diesen Antrag. Er fand eine Mehrheit, so büß eine endgültige Entscheidung über die Bielsteuererhöhung erst im Plenum des Reichstage erfolgen wird. De? Kampf um öns Zürftenfperrgefetz. Tie Bürgerlicheu helfen den Fürsten iregen die Länder! Der R e ch t s a u s f ch u ß des Reichstags beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit der Rcgierungsvorlage, die im Interesse der Länder die Aussetzung aller Fürstenprozesse um ein weiteres halbes Jahr vorsieht und sür diese Zeit alle Veräuße- rungen von Gegenständen, über die ein Streit zwischen einem Lande und eineni Fürstenhaus? besteht, verbietet. Die Regierungsparteien leaniragten, dieses Verbot nicht unmittelbar von Reichswegen auszusprechen, sondern lediglich den einzelnen Ländern das Recht zu geben, durch Landesgesetz ein solches Verbat auszusprechen. Genosse Dr. R o s e n f c l d wandte sich gegen diese Verwässerung der Regientrigsvorlage. Der Reichstag würde wieder einmal zu- gunstcn der Land«sgesetzgebung abdanken, wenn der Antrag der Regierungsparteien angenommen würde. Damit würde auch de? Streit nicht erledigt, sondern nur in die Länder verlegt. Die ein- zeluen Regierungen würden auch kaum in der kurzen Zeit bis Neu- jähr ein Gesetz zustande bringen. Der Thüringer Landtag gehe jetzt auseinander, und ob die Regierung ein Notgcfetz erlassen könne und wolle, sei noch äußerst zweifelhaft. Genosse Rosenseld schloß mit der Frage an den Vertreter des Thüringer Landes, was die Regierung Thüringen zu dem Antrag der Regierungsparteien zu sagen habe. Minister M ü n tz e l antwortete sür die Thüringer Regierung, daß der Antrag der Regierungsparteien äußerst unerwünscht sei und daß er.befürchte, dieser Antrag würde der Landcsgescg- gcbung große Schwierigkeiten bereiten. Merkwürdigerweise blieb Das moöerne reiche Amerika. Von Otto Hans Joachim. Das ist das moderne Amerika, das auch in der Hinrichtungsart, in der Art, den Verurteilten das Leben zu nehmen, der ganzen Welt Trumpf bietet. Die Einrichtung durch den elektrischen Stuhl soll abgeschafft werden und an dessen Stell? der gewaltsame Gang vom Diesseits ins Jenseits durch Blausäuregas befördert werden. In 50 Sekunden ist das hinzurichtende Individuum bewußtlos, und 199 Sekunden später hat es die Erdenqualen abgebüßt. Die erst« Hinrichtung ist im Beisein von Gelehrten und Forschern vollzogen worden und— gelungen. Dieses Ergebnis der modernen Wissenschaft, Versuche, die Un- summen Geldes verschlingen, tonnte sich Amerika leicht leisten. Amerika hat ja den Vorzug des unermeßlichen Reichtums. Die größte Aufhäufung dieses Vermögens befindet sich im Banken- viertel von New Port. Wohl die größte Menge von Schätzen an Gold und Juwelen, die die alten, wegen ihres Reichtums bekannten Herrscher Indiens oder die Vermögen der morgenländischen Fürsten weit in d«n Schatten stellen, liegen dort beisammen. Schätze, die nur die Phantasie in ihren ärgsten Ausschweifungen sich vorstellen kann. Das alles liegt unten in den mächtigen Gewölben. Stöße von Goldbarren, Kisten mit geschliffenen und ungeschliffenen Edel- steinen, das blinkt und reizt die menschliche Eitelkeit, das lockt die Habsucht, wenn man davon erfährt oder es gar sieht. Diamanten von wunderbarer Härte und zauberischem Glanz, Saphire, Sma- ragde, Türkise und Amethyste. Rubine von Ceylon und auf den Schnüren endlose Perlenrelhen, olles kunterbund aus aller Herren Länder. Amerika zahlt und Amerika besitzt. Als vor einiger Zeit die Staatsbank etwa über drei Milliarden Dollar in die Nnflciustroße überführte, war das sicherlich kein ge- wohnter Umzug. Ohne Zweikel war das der größte Geldtransport, den die Welt jemals gesehen hat. In 37 gaskicheren Panzer- o.utos, durch die von Maschinengewehren und Revolvern strotzenden Straßen, bewacht von etwa 39 Mann des Washingtoner Geheim- dienstes, 69 New-Porker Polizisten, etwa 30 Mann von der Spreng- abteilung und 129 bewaffneten Angestellten der Expreßgesellschast. zog sich der Transport durch die vier Häusergevierte. In der Stille eines Sonnabendmorgen«, just an jenem Tage und �zu jener Zeit, da der allgemeine Verkehr am schwächsten ist, wurde etwa über«in« halbe Milliarde Dollar, bewacht von den oben genannten Beamten, transportiert. Am zweiten Tag« er- folgte der Hauptumzug. Vier mit schuhbereiten Maschinengewehren ausgerüstete Panzerautos, auf jedem mit Revolvern ausgerüsteie Wächter, standen in den zu pasiierendon Zwilchenstraßen, und vor der Eingangshalle des alten Bankgebäudes stand wieder ein die Eingänge bestreichendes Maschinengewehr. Dasselbe Schauspiel beim Eingange des neuen Bankgcbäudes. Sieben Panzerautos be- der Mg. v. R l ch t h o f e n(Dem.) irotzdem bei dem Antrag der Regierungsparteien. Abg. E o e r l i n g(Dnat.) hielt eine seiner üblichen Fürstenvcrteidigungsreden, er erzählte von der Not deutscher Fürsten, tadelt« die Thüringer Regierung weg«n ihres rigorosen Ver- Haltens gegenüber den Fürsten und sprach natürlich gegen icden ge- setzlichen Schutz des Voltes. Genosse Dietrich- Thüringen trat ihm entgegen, indem er daraus hinwies, daß vor allem das sonderbare Verhalten des Ver- trcters der Fürstin von Schwarzburg ein sofortiges reichs» gesetzliches Eingreifen unbedingt notwendig mache. Angesichts des Verschwindens von Gegenständen erheblichen Wertes aus Schwarz- burger Schlössern habe sogar die Thüringer Regierung, die doch Herrn v. Evsrling politisch sehr nahe stehe, an jene Fürsten natürlich nicht mehr die Rente zahlen können, weil der Schadener- satzonspruch des Lande» wegen der Wegschaffung von Werlsachen viel größer als die Rente gewesen sei. Die bestätigte alsdann noch ausdrücklich der Vertreter der Thüringer Regierung. Bei der Abstimmung stimmten für die ursprüngliche Re- gierungsvorlage nur die Sozialdemokraten undKommu. nisten. Alsdann wurde der Antrag der Regierungsparteien gegen die Dcutfchnationalcn und Völkischen angenommen. Die Vorlage wird noch heute im Reichstage verabschiedet. tzilfe für Sie Luxemburggänger. Sinuahmc eines sozialdemokratischen Antrages. Im Reichstagsausschuh für die besetzton Ge- biete wurde folgender Antrag K i r s ch m a n n(Soz.) und Ge- nassen e i n st i m n-Ti g angenommen: „Der Reichstag wolle beschließen, den etwa 2999 im deutschen Reichsgebiet wohnenden Arbeitern und Angestellten, die im Bereich des Großhcrzogtum» Luxemburg beschäftigt sind (sogenannte Lureniburggänger), wird in Anbetracht der großen Rot- läge, in der sie sich infolge der Frankcnlöhnung befinden, unbe- schadet um die von der Regierung nach Prüfung der Verhältnisse m Aussicht gestellten Maßnahmen, noch vor Weihnachten eine ein. m a l i g c Unterstützung in dreifacher Höhe der für die unter gleichartigen Vcrhältniisen lebenden„Saargänger" gültigen Monats- sätzc— rund 89 690 Reichsmark— gezahlt." Weiter wurde ein bürgerlicher Antrag genehmigt, der verlangt. daß die W.-Hrämter das besetzte Gebiet und die neutrale Zone bei den ReichsweHrlieferüngen berücksichtigen sollen. Die Umgemeinöungen in Gberschlesien. Fortsetzung der Ctatödebattc im Landtag. In der heutigen Landtagssitzung stimmte das Haus zu- nächst über den Gesetzentwurf betr. die Ein- und Uingemcindungen in Obcrschlesicn ab. Der Gesetzentwurf der Regierung wurde samt den Abänderungsontrögcn der Regierungsparteien mit großer Mehr- hcit angenommen. Hierauf wurde noch den Vorschlägen des Geschäftsordnungs- ausschusse? der'tlntraz oui Strafverfolgung des?lbg. Graf v. H e l l- darf(Volk.) angenommen, dagegen die Anträge auf Strafver- solgnng der Abgeordneten Dubert(Soz.) und Moericke(Komm.) abgelehnt. In der Fortsetzung der Debatte über den Gesamt- etat spricht zuächst Abg. Fa.k(Dem): Die Deuischnationolcn stellten sich heute anders zum preußischen Staat als früher, well sie in ihm nicht mehr ihre Domäne sehen. Locarno, Thoiry und Genf haben uns weiter gebracht. Die Sozialdemokratie möge ober jetzt im Reiche den Bogen nicht überspannen. Der Redner spricht bei Redaktionsschluß weiter._ Die unZureichenüe Seamtenbefolüung. Stellnngnahme des ATB. Der am 15. Dezember oersammelte erweiterte Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes nahm zu der nunmehr abgeschlossenen Besoldungsbewegung Stellung. Er stellt fest, daß die von der Regierung vorgeschlagen« und von der Mehrheit des Reichstags beschlossene einmalige Zulage sür die Beamten der Gruppe I bis XII nicht als ausreichend« Maßnahme zur Behebung der wirtschaftlichen Notlage der Beamten sorgten den Transport. Auch der Wagen Nr. 591 befand sich dar- unter. Er soll nach der. Ansicht des Erbauers gegen jeden Angriff gesichert sein. Mehr als hundert Fahrten waren notwendig, um an Gold und Silber allein 759 Tonnen zu befördern. Jede Ladung hatte 15 bis 25 Millionen Dollars in bar und an Wertpapieren, die in kleinen Stahlfchränken untergebracht waren, zu befördern. Diese secnhasten Reichtümer, die aus die Autos zum Transport verladen wurden, hatten naturgemäß auch einen großen Teil der sogenannten Derbrechergilde an sich gelockt. Doch die größte, routl- niertcste und waghalsigste Phantasie mußte hier versagen. Ohne es nur überhaupt gewagt zu haben, etwas zu unternehmen, mußten die Kühnsten zurückkehren. Nicht die Furcht vor den Maschinen- gewehren und der Bewachung, sondern die Hilfsmittel und Kunst- kniffe der modernsten Technik zwangen sie zum Rückzug. Alles ist mit Stahltüren versehen, die trotz ihres Riesengewichtes mit einer Genauigkeit schließen, die im Zweifel losten, ob sie Lust hindurchlassen. Der Boden, die Wände, alles Stahlplatten mit Zement verstärkt. Durch die dicken Wände wurden die Kabel ein- gebaut, und mit Eisen- und Stahlstangen wurde geradezu ver- schwenderisch umgegangen. Schlösser voll kunstvoller Kombination, jedes«in Meisterstück für sich, wurden angebracht, und dies« Schlösier wurden wieder durch Vorhängeschlösser, die versiegelt sind, gesperrt. Eine ewig fortlausende Kette technischer Kunst. Ein st»m- mer aber furchtbarer Wächter ist Bürge dieses Riesenvermögens. An dem Ganzen nur zu rühren wäre Wahnsinn, hieße— Tod durch den elektrischen Strom. Der ganze Bau liegt unter der so- genannten»Toten Linie". Dos sind fünfzig Fuß unter dem Grund» Wasserspiegel und muß als eine der ersten Vorsichtsmaßregeln be- zeichnet werden, denn kein vorbestraftes Individuum darf sich in diesem Bereich« erwischen lasten, ohne stch in die Gefahr zu be- geben, sofort verdöstet zu werden. Die Tiefe ist auch deshalb ge- wählt, um eine Untertunnelung zu verhüten. Menschengeist hat in der Rot der Zeit diese Erfindungen machen müsten, um derartig« Riescnvermögen zu sichern. Wieder- halt sind große Bankplünderungen vorgekommen, so ist zum Bei- spiel der verwegene Ueberfall im Jahre 1889 auf die Manhattan- bank erwähnenswert, wo mit einem Schlag« nicht weniger als drei Millionen Dollar geraubt wurden. In den Kellern der Banken mehren stch immer mehr und mehr die Schätze, in den Herzen der Menschen mehrt stch mit den frem- den Schätzen der Haß gegen sie. Erprestungen, Totschlag, Mord sind an der Tagesordnung, und die Folg« ist die Hinrichtung durch den elektrischen Stuhl— doch nein, durch— Blausäuregas. Nachtvorstellungen. Eine wenig beabsichtigte Folge der ver- längerten Polizeistunde sind die nächtlichen Theatervorstellungen, die jetzt in Berlin ausbrechen. Für die Leute, die zu den üblichen Stunden noch nickit genug am Theater hatten, war auch schon gesorgt durch die Sonntagsmatineen, an denen unsagbare dilettan- in den mittleren und insbesondere in den unteren Gruppen an- gesehen werden kann. Der erweiterte Bundesvorstand muß daher nach wie vor an der Forderung festhalten, die wirtschaftliche Lage der unteren und mittleren Beamten endlich durch«ine angemessene Erhöhung des laufenden Teurun'gszufchlages zu erleichtern. Diese Notwendigkeit wird auch durch die sür den Sommer des nächsten Jahres in Aus« ficht gestellte Revision des Besoldungsgesetzes nicht beseitigt. Beamte und Arbeitsgerichte. Zur Arbeitsgerichtsgesetz stellte der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes mit Bedauern fest, daß die Parteien des Reichstags bei der Beratung und Verabschiedung dieses Gesetzes in keiner Weise den vom Allgemeinen Deutsch-n Beamtenbund vorgetragenen berechtigten Wünschen der Beamten- schoft Rechnung getragen haben. Die Forderungen des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes bezwecken, gegenüber der gegenwärtigen unzulänglichen Regelung des Rechtsweges für Beamte die Vor- teile des Verfahrens vor den Arbeitsgerichten auch auf die Beamten auszudehnen. Der erweiterte Bundes- vorstand erwartet, daß wenigstens bei der kommenden Reform der Deamtengesetzgebung diesem berechtigten Verlangen Folge gegeben wird. (hamberlain über öie Räumung. Er spricht davon, aber befürwortet sie nicht ausdrücklich. London, 16. Dezember.(Eigener Drahtbcricht.) Der englische Außenminister wurde am Mittwoch im Unterhaus von mehreren Mitgliedern der Arbeiterpartei über die Zurückziehung der alliierten Truppen im Rheinland interpelliert. Chambcrlain erwiderte: .Wenn sich die Anfragen auf eine Zurückziehung der Truppen vor dem vertraglichen Endtermin beziehen, so kann ich nur sagen, daß für die Haltung der englischen Regierung auch weiterhin die im Artikel 431 des Versailler Vertrages niedergelegten Bedingungen maßgebend sind. Abgesehen davon handelt es sich um eine Frage. in der die Regierung im Benehmen mit den Regierungen der anderen Besatzungsmächtc vorgeht. Im übrigen hat die Zurück- Ziehung der alliierten Truppen den Gegenstand von Erörterungen zwischen Vertretern verschiedener Mächte gebildet, ober für Schritte dieser Art ist nicht nur Zeit erforderlich, sondern die tätige Mit- arbeit sowohl der deutschen Regierung als auch der anderen Mächte, damit eine Lösung gefunden wird." Um Sie Anerkennung von Kanton. Militärische Erfolge des SüdcuS.— England wartet mit der Anerkennung. London, 16. Dezember.(EP.) Der Uebergang der Provinz Tschekiang zu den Kantonesen wird von den englischen Blättern als Tatsache berichtet. Die Verhandlungen zwischen dem englischen Gesandten, Lamp- son, und den Vertretern der Kantonesen in Haukau heben nach den letzten Berichten eine etwas hofsnungsvollere Wendung genommen. Von der»Daily News" wird darauf hingewiesen, daß zwischen den beiden Verhandlungsleiicrn ein enger persönlicher Kontakt hergestellt worden ist. Die Schwierigkeiten liegen jedcch darin, daß der kantonesische Vertreter aus die extremen Elemente in Kanton Rücksicht nehmen müsse, während von feiten des englischen Vertreters eine Anerkennung der Kantonregierung noch nicht erfolgen könne. In England sei man der Aufsassung, daß die Kanton- regierung zunächst beweisen müsse, daß sie tatsächlich genügend« Stabilität sür die Zukunft besitze. Man verlangt anscheinend auch, daß die Kantonesen die Rechte der Ausländer anerkennen. Der »Daily Telegraph" berichtet, daß zwischen den einzelnen Ver- tragsmächten in China zurzeit Verhandlungen stattfinden, um zu einem gemeinsamen Programm für Konzessionen gegenüber den Chinesen zu kommen. Seydoux, Dirigent der politischen Abteilung im französischen Außenministerium, trnt in den Ruhestand. Er war bei den Re- parationsverhandlungcn international bekannt geworden. tische Machwerke von dreisten Nichtskönnern aufgezäumt und vor- geführt werden. Solange die Zeitungen, die wichtige technisch« Errungenschaften, ernste Bücher mit Stillschweigen belegen, über diesen Unfug be- richten, wird er von den Thcatersadisten fortgesetzt. Indes sindige Theaterunternehmer sürchten, daß das vergnügungssüchtige Berlin zwischen 11 und 1 Uhr nachts keine Bleibe hat und lieber als ganze oder halbe Freischärler in die frisch gelüfteten Nochttheater strömen, als 1,50 M. für ein Liter bayerisches Bier(ungerechnet das schlechte Einschenken!) zahlen wird. So rückte denn auch das au» Frankfurt am Main stammende Budapester Postentheater zur nächtlichen Exekution ins»T r i a n o n t h e a t e r". Bei näherem Zuschauen entpuppte es sich als das alte Hcrrnfeld-Theater, das in altge- wohnter Weise mit jüdischen Witzen und koscheren Derbheilen lzausieren geht. Gojim nachcsl Neben Ignatz Herrnfeld tat sich Rudolf Bergt hervor, der wirklich ein Iargonspieler im Quadrat ist.—r. Das Horoskop als Weihnachtsgeschenk. Die Teilzahlungspraxis dehnt sich letz» auch aus die Lebensspiegel aus, die man von einem der vielen„astrologischen Institute" beziehen kann. Die Konkurrenz unter den Sterndeutern macht sich eben auch schon reichlich bemerk- bar. Ein Mar M.. der stch„Praktischer Astrologe' nennt, empfiehlt seine Prima Horoskope als Weihnachtsgeschenk, und zwar ein acht« seiliges Geburtetagshoroskop zu 18 M.. 18seitiges 45 M., 39seitigcs 99 M. und 69seiliges 189 M. Ein Jahreshorostop kann man schon für 49 M. haben. Um die Anschaffung dieses Zukunftsbildes zu erleichtern, gibt der „Praktische Astrologe" sein Horoskop gegen ein Viertel Anzahlung ab.„Den Rest können Sie in monatlichen Teilzahlungen tilgen", schreibt er entgegenkommend,»so wie Ihnen da, nach der Ihnen prophezeiten Zuklinft möglich ist. Dabei wollen Sie meine erst- klassiaen Horoskope nicht mit den vielen minderwertigei, Konkurrenz» Horoskopen vergleichen, die sich oft als plumper Schwindel erweisen. Meine Horoskope sind auf streng wissenschajtlicher Grundlage(!) aufgebaut, wofür schon mein Stab erster Fachgelehrter bürgt." Die Zukunft auf dem Weihnachtstisch— und womöglich noch eine recht rosige Zukunft. Und aus Kredit mit langer Sicht. Mehr kann man in der Tat nicht verlangen! vle Sesellichost iflr stühlenferschiing unb hZhIerkuvb« vkranstaüet cm Freitag. 7'l, Uhr. in der Nteoiogiicheu üanbezaiiftalt. 5;ii»aliScni;taf>e 44. einen Vortragsabend. cu( dem Herr Hcrimonn über..Der geichichtlichc Hintergrund der Abenteuer des OdviscuZ bei der Hödie de« Zyklopen" reseiieren wird. Gäste sind willkommen. Gemeinsame» Thea-er Gera. Altenburg. Da der Fürst zu Reust, bea bisher das Reußilche Zbeater allein unterhalten baue, dazu nicht meljr in der Lage ist, haben die Intendanten des Reujzilchen Theater« und de» Altenbnrgilchen ÜandeStdeaterS die Bereinigung beider Bühnen beschioffen. ES ioll ein Zuichiitz von öOOOOV Mark gewährt werden und zwar die ein« Hälfte vom Fürsten zu Reutz und die andere vom thüringischen Staat. Zu bee Znlernalionalrn LIusit-Av»stellung, die im Mai tS�k in(Senf statlsindet, wird sich eine der bedeutendsten rückblickenden und bistorilchcu Scktlone» bcsinden. ES werden die eurodäilclicn Muleen und die wichlig lcn Privat'ammlnngcn an der Ausstellung teilnehmen, indem sie Instrumente von großer Seltenheit leihen. Die die«Fälschung". ,Rote s�ahne" und das Moskaudokument. Di? �errn Pieck von Moskau eingeblasene Ausrede, daß der im Preußischen Landtag verlesene Brief der Sonijetstaatsbank an die „(Sefu" eine Fälschung sei, wurde gestern abend durch Genossen K u t t n e r völlig widerlegt. Immer verworrener, immer kläglicher wurden �crrn Piecks Ausreden, immer länger die Gesichter seiner lommunistischen Freunde, immer lauter das Gelächter des Hauses über die Berzweiflungssprunge des kommunistischen Moskau- offiziosue, der schließlich— völlig abgespannt und erschöpft— sogar die Existenz der von ihm bisher für„Gespensterschiffc" eiklärten Munitionsdampfer im Etett'ner Hafen zugab und nur noch ihren Ursprung abzustreiten suchte. Die»Rote Fahne" tut freilich, als wäre nichts geschehen und hält eisenstirnig an der Behauptung einer„Fälschung" fest. Wie liegen die Dinge? Genosse Kuttner führte gestern im Landtag aus: An, 20. September richtet die osfiziclle Sowjetbant an die Moskauer Filiale der„Gefu" ein Schreiben mit dem Ersuchen, die in Berlin bei zwei Großbanken für Moskau eingezahlten Gelder künftig nicht mehr direkt nach Moskau, sondern über die Equitable Trust-Bank New Aork nach Moskau anzuweisen. Die Moskauer Filiale der Gefu sendet Abschrift dieses Schreibens an die beiden Berliner Groß- banksn, die prompt vom Eingang dieses Schreibens an den neuen U-berweisungsweg— und zwar handelt es sich um Millionen- summen— einschlagen. Bon Ende September bis zum 10. Dezember. also rund 2VL Monate lang! Das soll auf Grund einer Fäl- ichurag geschehen sein, ohne daß der Absender des angeblich gefälschten Briefes, die russische Staatsbank, jemals gegen das neue Berfahren, das ihm bei einer Fälschung des Briefes doch gänzlich uncr- l l ä r l i ch gewesen sein müßte, Einspruch erhoben hätte! Weiler: Am 10. Dezember wird das angeblich gefälschte Schrei- ben im Landtag verlesen. In den beiden Berliner Großbanken ent- steht ungeheuerste Aufregung: die eine stellt fest, daß dos angeb- lich gefälschte Schreiben aus ihren Akten verschwunden ist. Gegen ihren Willen! Wie konnte das der angeblich« Fälscher vor- aussehen, wie konnte er überhaupt aus den Gedanken kommen, daß seine in den Akten einer Großbank ruhende angebliche Fälschung je an die Oeffentlichkcit kommen würde, und welchen Zweck könnte eine Fälschung gehabt haben, die einerseits durch ihre praktische Wirkung von den Beteiligten sofort als solche erkannt und aufgedeckt worden wäre, mit deren Erscheinen in der Oeffcntlichkeit andererseits gar. nicht zu rechnen war?I Schließlich: Sofort am Tage nach Verlesung des Schreibens im Landtag wlirden die Konten der Gefu bei den beiden Berliner Groß- banken aufgelöst, die Gelder von der Preußischen Staatsbank übernommen. Hätte die Bekanntgabe eines gefälschten Briefes diese Wirkung auslösen können? Die„Weltbühnc" hat schon recht, wenn sie schreibt, daß die .Ehrlichkeit" der deutschen Kommunisten in dieser Sache«inen Grad annehme, daß sie bereits gegen die g u t e n S i tt e n v e r- ft i c ß e. Das vom Genossen Kuttner im Landtag verlesene Schrei- bcn, das die Beziehungen der Sowjetrcgierung zum deutschen Reichs- wehrminiftcrium klar enthüllt, ist echt, unzweifelhaft echt, wie die Wirkung dieser Verlesung und die gesamten Umstände zeigen. Daß die Moskau-Offiziösen sich an einen ungenauen Zeltungsbericht klammern, während sie sich aus dem amtlichen Landtagsstenogramm jederzeit überzeugen konnten, daß Genosse Kuttner das Schreiben im Landtag vollkommen richtig verlesen hat. zeigt ebenso den Grad ihrer Verlegenheit, wie die halben Zugcständniffe, zu denen Pieck sich schließlich bequemen mußte. Wie üer Magistrat arbeitet. Gegen Dr. Ttölzcls Wahl zum Schnldirektor in Berlin. Die sozialdemokratische Stadtverordneten- f r a k t i o n sieht sich genötigt, den Magistrat um Auskunft über ein sehr eigenartiges Verhalten zu ersuchen, das er gegenüber der Wahl des früheren braunschweigischen Landesschulrats Dr. Stölzel zum Direktor des Berliner Sophiengymnasiums für zulässig ge- halten hat. Sie richtet an den Magistrat folgende Anfrage: „Der Magistrat hat nach der Wahl des Herrn Stadtschulrats. aber vor seiner Einführung, beschlossen, dem Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Bolksbildung zu«mpsehlen, die Wahl des von dem Bezirksamt Prenzlauer Berg zum Direk- tor des Sophiengymnasium» gewählten Landesschulrats Dr. Stölzel wegen der Wohnungsnot nicht zu bestätigen, ob- wohl die Dienstwohnung seit Monaten leersteht. Der Magistrat hat diesen Beschluß dem Herrn Minister mitgeteilt, ohne die Schieds- stelle angerufen zu haben, die nach§ 28 des Gesetzes vom 27. April 1920 zu entscheiden hat, wenn der Magistrat den Beschluß eine» Bezirksamtes beanstandet, ja ohne dem Bezirksamt Prenzlauer Berg von diesem Beschluß Mitteilung gemocht zu haben. Wie gc- denkt der Magistrat diesen Schritt zu rechtfertigen?" vie Weihnachtsspende für stäütische Arbeiter. Dem Beschluß der Stadtoerordnetenversamm- l r n g. der für die Arbeiter der Stadt eine noch vor Weihnachten auszuzahlende Wirtschaftsbeihilfe fordert, ist der Magistrat beigetreten. Er hat sich aber nicht mit den Beträgen einverstanden erklärt, die der Stadtoerordnetenbeschluß für jeden Arbeiter und jede Arbeiterin auf 50 M., für eine Ehe- stau aus 10 M., für ein Kind aus 5 M. festgesetzt hat. Der Magi- strat will die Weihnachtsspend« in derselben Höhe zahlen, wie das Reich und der Staat sie ihren Arbeitern zahlen werden. Was Reich und Staat zahlen werden, weiß man noch nicht Soll der Beschluß des Magistrats den Arbeitern der Stadt eine Kürzung der Weihnachtsspende bringen? Schwere Unfälle bei der Arbeit. Ein folgenschwerer Unfall mit tödlichem Ausgang trug sich heute früh gegen 5 Uhr aus dem Rordbahnhos in der Bernauer Straße zu. Der Kutscher Philipp Schreiner aus der Bornholmer Straße 92. der bei einer Speditionsfirma den Eilgutdienst verrichtet, wollte die Gleise überschreiten und übersah, daß noch rangiert wurde. Sch. geriet zwischen zwei Güterwagen und wurde von den Puffern eingequetscht. Mit schweren inneren Beilegungen wurde der Verunglückte durch einen Wagen des Städtischen Rettungsdienstes in das nahe- liegende Lazarus-Krankenhaus geschafft. Aerztliche Hilfe war bereits vergebens, Schreiner starb nach der Einliescrung.— Um 7 Uhr morgens ereignete sich auf dem städtischen Steinlager, Treptower Ehoüsie« 15/16 ein weiterer Unfall. Der ZSjährige Arbeiter Karl Krohn aus der E m s e r Straße 99 wurde so unglücklich zwischen zwei Pferdegespannen eingeklemmt, daß er einen d o p o e l t c n Schädelbruch davontrug. K. wurde durch dos Städtische Ret- tungsamt in das Urbankrantenhaus gebracht, wo er sehr bedenk- lich daniederliegt.— In der vergangenen Nacht wuede vor dem Bahnhofsgebäude in Lichtenberg der 22jährige Arbeiter Hermann W i s k o r e k au» Gleiwitz schwer verletzt besinnungslos aufgefunden. Er wurde in das Auguste-Diktioria-Krankenhaus über- führt, ohne bisher das Bewußtsein wiedererlangt zu hoben. Ob ein jllnglücksjall oder ein Berbrechcn vorliegt, bedarf noch der Klärung. Kmdergefährüung durch Infektionskrankheiten. Das Augusts-Diktoria-Haus(in Eharlottenburg, Frankstraße), die Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglins- und Kleinkindersterblichkeit, ist durch ein« beiondere Wtcilung für Infektionskyan! heilen bereichert worden. Dies« Erweiterung war nötig geworden, weil die Gefährdung der Kleinkinder durch ansteckende Kinderkrankheiten(Keuchhusten, Masern, Scharlach, Dyphtherie usw.) zugenommen Hot. In hin Kriegsjahren und in der ersten Zeit nach dem Kriege war bei diesen Krankheilen ein« erfreuliche Minderung zu beobachten, dann aber kam— unter dem Einfluß von Ursachen, über die man noch im unklaren Ist—«in« erneut« Zunahme. Nachdem es im Laufe der Jahrzehnte gelungen ist, die Säuglingssterblichkeit sehr merklich«in- zudännnen. ist heut« der Kampf gegen die Kleinkinder st erb- l i ch k« i t ebenso wichtig wie der Kampf gegen die Säuglingssterblich- keit. In Berücksichtigung dieser Wandlung hat das Auguste-Viktoria- Haus, das bisher nur die nötigsten Einrichtungen zur gesonderten Ver- pflegung infektionskranker Kinder IM«, jetzt eine selbständige Abteilung«ingerichtet, die dem planvollen Kampf gegen die ansteckenden Kinderkrankheiten dienen soll. Daß dies« Abteilung In einem ehemaligen Kuhstall untergebracht ist, hat sozusagen eine„tiefere Bedeutung". Das Gebäude des eigenen Kuhstalls, den das Auguste-Biktoria-Haus früher unterhielt, ist längst überflüssig geworden. Di« Wissenschast hat„umgelernt", und nicht mehr die im Stall von trocken gefütterten Kühen gewonnen« Milch, sondern die Milch der in freiem Weidegang sich nährenden Kühe gilt heut« als geeignetste Kindernahrung. Man hat das oll« Kuhstollgebäude ausgebaut, und hier ist die nach den Forderungen der fortgeschrittenen Heilkunde«ingerichtete Infektionsabteilung untergebracht worden. Sie wurde am Mittwoch mit einer Feier eröffnet, an der Vertreter von Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden sowie der öffentlichen und der privaten Wohlfahrtspflege teilnahmen. Präsident des Reichs- gesundheitsamts Prof. Dr. B um m, Vorsitzender vom Kuratorium des Aaguste-Viktoria-Haufes. und Prof. Dr. Langst« in, ärztlicher Direktor dieser Anstalt, wiesen in ihren Reden auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit der dem Schutz der Kleinkinder dienenden neuen Infektionsabteilung hin. Langstein betonte, daß dies« Abteilung zugleich ein« Stätte der ärztlichen Forschung sein wird, und daß sie auch Gelegenheit zur Pslegerinnenausbildung bieten soll. Gezeigt wurde dann ein Film„Seine Majestät das Kind", der über richtige Pfleg« des Kindes belehrt. Man wird ihn später auch öffentlich in Kinos zeigen. An dieser Feier schloß sich ein Rundgang durch die Anstalt und eine Besichtigung der Infektionsabteilung. In ihr können 25 insek- tionskranke Kinder verpflegt werden, wobei zur Verhütung von Krankheitsübertragungen strengste Isolierung durchgeführt wird. Was aus einem Kuhstall geworden ist. «Museum für Leibesübungen." Der Verein„M useum für Leibesübungen" hatte dieser Tage die Behörden, die Spitzenvcrbände des Sportes— darunter den Berliner Kartellverband und die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperslege— Aerzte. Turn- und Sportlehrer, Vertreter der Kunst und Wissenschast und eine ganze Reihe Alt- meister des Sportes zu einer Besichtigung des eingerichteten Museums eingeladen. Oberrcgierungsrat Dr. M a l l w i tz gab vorher eine kleine Bilanz des Museumswerkcs. Er sprach allen Helfern den Dank aus, betonte, daß nach großen Mühen und Schwierigkeiten endlich wenig- ftens mit der provisorischen Ausstellung der Schaustücke begonnen werden konnte und stellte wiederum die Forderung nach zureichenden, würdigen Räumen, da die jetzige Unterbringung im Schloß völlig unmöglich sei. Der Verein habe als private Vereinigung mir finanziellen Sorgen zu kämpfen: die von Reich, Staat und Stadt gewährte behördliche Hilfe müsse nicht nur erhalten, sondern vermehrt werden. Das Museum solle nicht nur Sportlern, sondern vor allem Nichtsportlern Anregung und Belehrung bringen, um dies« zu gewinnen, jene zu festigen und zu fördern. Ein geistiger Mittelpunkt im Gebiete des Sporte» soll geschaffen werden. Dr. Mallwitz sprach sich erfreulicherweise gegen eine Ueber- svannung des Kampisportgedankens aus, wodurch Raubbau an der Gesundheit der Jugend getrieben werde. Den kurzen Ausführunaen von Obermagistratsrat H ä u ß l e r über die ideell« Seite des Sportes und der Leibesübungen schloß sich ein Rundgang durch die Museumsräume an. In einzelnen Abteilungen sind der Sport des Altertums und des Mittelalters, die Geschichte des Turnens, eine Ausstellung von altertümlichen und neuzeitlichen Sportgeräten und schließlich eine groß- Anzahl von Modellen gebauter und projettiercer Sport- und Turnstättcn untergebracht. Bis zur endgültigen Auf- stellung und Ordnung kann das Museum Einzelpersonen nur in Ausnahmefällen gezeigt werden. Dachstuhlbrand in Lichterfelde. Mehrer« Löschzüge der Feuerwehr wurden heut« früh gegen %4 Uhr nach der Steglitzer Str. 46 zu Lichterselde gerufen, wo.teile einer Mansardenwohnung und der darllberliegend« Dachstuhl in Flammen standen. Durch da» rechtzeitige Erscheinen der Wehren konnte«in Weitergreifen des Feuers verhindert werden. Nach«in- stür.diger Löschtätigkeil, wobei aus mehreren Schlauchleitungen Wasser gegeben wurde, war die Gefahr beseitigt. Das Feuer war in der Mädchenkammer, das in der Mansarde liegt, durch Ueberheizen eines Ofens entstanden.— Morgen», kurz vor 4 Uhr, wurden die Wehren von Niederschöneweid« und Adlershof nach d-r Bismarck- straß« 61 zu Adlershof alarmiert. In einem großen Lager- und Gerätelchuppen der Kohlenfirma Nask« war aus bisher noch unbe- kannter Ursach« Feuer ausgebrochen, das an den leicht brennbaren Materialien reich« Nahrung fand und sich sehr schnell ausbreitete. Ein anschließender halbmassiver Bureauraum wurde von den Flammen er- griffen und vollständig zerstört- Nach längerer Löschtätigkeit gelang es. das Feuer zu lokalisieren. Di« Aufraumungsarbeiten dauerten j mehrere Stunden._ „TUielwucher und ZUasienkündlgungen." Unter dieser Ueber» schrift hatten wir am Sonnabend mitgeteilt, daß auch dem„Spitzen- Haus H u t h in der Leipziger Straße ohne Aussicht auf Ersatzräume gekündigt sei." Herr Behrendt, der Besitzer des Hauses, teilt uns dazu mit, daß die Lösung des Mietkontraktes mit Spitzen-Huth in freundschastlicher Weise, unter Auszahlung einer Abstandssumme erfolgt sei. nachdem die Firma billigere Ersatzräume gesunden hatte. Die Räume werden vom Vermieter selbst benötigt. Die(Quartiermacher öes Zreikorps Lützow. Kastel, 15. Dezember. In München, Berlin, Erfurt. Dresden, Magdeburg, Hannover und zuletzt in Kastel, vielleicht auch noch in anderen bisher nicht bekannten Städten, trieben zwei Schwind- ler ihr Unwesen, die sich als Quartiermacher des Frei- korps Lützow ausgaben und zu einer„Reichstagung" des Frei- korps Wohnungen und gemeinsames Essen in Hotels und Gastwirt- schaften für 2000 Mann bestellten. Die„Quartiermacher" bekamen jeweils völlig freie Station: fie reichten Sammellisten hemm und ließen sich die gezeichneten Beträge gegen Quittungen mit hochtönenden Worten auszahlen. Die Gelder verschwanden natürlich in ihren Taschen. Es Hai delt sich um die Handlung?- gehilsen Hermann Schlaf aus Erfurt und Kurt Nuß- mann au« Möbisburg bei Erfurt. Schlaf war einer der Führer des Freikorps Lützow: er bemächtigte sich bei der Auslösung des Korps in Oberschlesien Ende 192? sämtlicher Formulare und Stempel. Man erfährt dadurch auch, daß da» Freikorps Lützow ein e-ngetragener Verein war. Mit Hilfe der Briefbogen und Stempel wurden Ausweise und Schriststücke hergestellt, wie man sis gerade brauchte, aber stet»„genehmigt" von einem Haupt- mann a. D. Peter. Der Staatsanwalt beantragte gegen Schlaf ein Jahr drei Monat« Zuchthaus, gegen Nußmann sechs Monate Gefängnis. Das Urteil lautet gegen Schlaf auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis mit mildernden Umständen, gegen Nußmann auf neun Monate Gefängnis. Sie nahmen das Urteil an. Ein gewisser Hermann Schäfer, der auch an der Schwindelet beteiligt ist, besitzt noch einen Stempel vom Freikorps Lützow, weshalb zu vermuten ist, daß er das einträgliche Geschäft auch anderweitig noch ver- iuchen wird. Begnadigung im»>all Flessa. Frankfurt a. 7N„ 15. Dezember.(WTB.) Die Krankenschwester W i l b e l m i n e Flessa, die bekannllich seinerzeit den Chirurgen Dr. Seitz erschossen hatte und deswegen vom Schwurgericht zuerst zum Tode, später im Wiederaufnahmeversahren zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, ist vom Preußischen Staatsmini- stcrium zu sieben Iahren Gefängnis begnadigt worden.__ Ein Förster erschossen und ausgeraubt. Wie au» T s ch e n- st o ch a u gemeldet wird, überraschte der Förster eines dortigen Gutes bei seinem Rundgang einen Wilddieb, der den Förster durch «inen Schuß niederstreckte. Dann durchschnitt der Wilddieb ihm die Kehle, raubte ihm die Uhr, Geld und Doppelflinte und entkam unerkannt. E isenbahn zuscmunensi oß in Frankreich. Am Dienstagfrüh stieß in der Nähe von Saint Quentin ein Güterzug auf«inen alleinstehen- den Wagen, der sich von einem anderen Zug gelöst hatte. Einige Minuten später fuhr ein Personenzug auf den Güterzug auf. Infolg« d«s dichten Nebels hatt«n die Zugführn kein« freie Sicht. Unter den Trümm«rn wurden zwei Tot« geborgen. Z« h n Personen wurden verletzt, davon süns schwer. Die Eisenbahner für Achtstundentag. Die vom 11. bis 13. Dezember in Berlin abgehaltene Reichs- onferenz der Betriebsräte und Beamtenräte oes Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutsch- l a n d s hat folgende Entschließung zur Arbeitszeitsrage an- genommen: „Die Reichskonferenz der Betriebs- und Beamtenräte des Ein- heitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands fordert entschieden die alsbaldige Wiederherstellung des Achtstundentages und eine damit verbundene Neuregelung der Dienst- daueroorschriften auf dieser Grundlage. Der Dorstand wird beauftragt, bei der bevorstehenden gesetzlichen Regelung der Arbeits- zeit geeignete Schritte zu unternehmen, damit das gesamte Reichs- bohnpcrsonal dem Gesetz unterstellt wird und den gleichen gesetzlichen Schutz genießt wie die übrigen deutschen Arbeiter und Angestellten. An das Reichsbahnpersonal richtet die Konferenz die dringende Aufforderung, diesen Kampf mit allen geeigneten Mitteln zu unter st ützen und vornehmlich die freiwillige Leistung von Ueber stunden und überlangen Dienstschichten abzulehnen, sowie notwendige Ueberstunden gemäß§ 11 des Lohntarifoertrages durch Freizeit auszugleichen." Die Konferenz forderte auch eine zeitgemäße Ausgestaltung des Beamte noertretungsgesetzes nach den vom Allgemeinen Deutschen Beamtcnbund aufgestellte» Grundsätzen und eine be- schleunigte Verabschiedung des Gesetzes durch den Reichstag. Im übrigen befaßte sich die sehr gut verlaufene Konserenz, an der nahezu LA) sachverständige Vertreter aller Interessengebiete aus dem ganzen Reich sowie Vertreter des ADGB., des ADV. und der dem Einheit?- verband nahestehenden befreundeten Gewerkschaften teilnahmen, mit wichtigen aktuellen Fragen des gegenwärtig geltenden Arbeiter- und Beamtenrechts. Die Konferenz gab auch, wie der Vorsitzende. Genosse Scheffel, in seinem Schlußwort fest- stellte, auf diesem Gebiete sehr wertvolle Anregungen für die täg- liche Kleinarbeit der Funktionäre im Reiche. Die Konferenz war ein neuer Beweis dafür, daß Räte und Organisation unzertrennbar auf- einander angewiesen sind. Scheffel stellte unter einmütiger Zustimmung der Konferenz fest, daß die Tagung und ihr Ergebnis zu den besten Hofs- n u n g c n für die Zukunft berechtigen. Die Konferenz hat eine ein- heitliche Linie für die wichtigsten aktuellen Gewerkschastsfragen sowie für die tägliche Kleinarbeit geschaffen. Die Kinomusiker zur Tarifkündigung. Die Berliner Kinomusiker bcfchästigten sich am Mittwoch vor- mittag in einer vom Musikeroerband einberufenen ö s f e n t l i ch e n Versammlung in den Sophiensälen mit der K ü n d i g u n g des Tarisoertraaes, die voni Schutzvcrband deutscher Film- theatcr(Ufa) zum 31. Dezember ausgesprockien ist. Wie Genosse S ch i e m e n tz vom Verbandsvorstand berichtete, sind, trotzdem der Vertrag bereits im September gekündigt worden ist, von den Lichtlpielbesitzcrn bis heute noch keine Abänderung?- vorschlage eingereicht worden. Die Absichten der Unternehmer traten aber auf der gemeinsamen Versammlung der Berliner Kinobesitzer am 7. Dezember klar zutage. Die Vertreter der Usa-Lichtspiele vertraten die Auffassung, daß man noch eine weitere Vorstellung geben solle, was infolge der neuesten Berliner Polizei- Verordnung, die die Verlängerung der Spielzeit in den Kinos um zwei Stunden bis 1 Uhr nachts gestaltet, durchführbar ist. Weiter soll bei dem bevorstehenden Neuabschluß des Tarifvertrages versucht werden, die Ueberstundenbezahlung sowie die Bezahlung der Proben abzuschaffen und dergleichen mehr. Diesen Bestrebungen der Usa-Besitzer werden die Vertreter des Musikcrverbandes und die Lohnkommission nicht nur entschieden gegenübertreten, sie werden darüber hinaus verlangen, daß ln den neuen Bertrag noch einige Berbesierungen hineingearbeitet werden.. Nach wochenlanger Verschleppung der ständig ge- forderten Verhandlungen hat sich der&ch utzverband endlich bereit erklärt, heute, Donnerstag, in VerHand- lungen einzutreten. Ob es zu einer friedlichen Verständigung kommen wird, hängt ganz von der Einstellung der Ufa-Vertreter ab. Die Organisation ist jedenfalls entschlossen, jede beabsichtigte Verschlechterung der bis- herigen Arbeitsbedingungen mit allen gewerkschaftlichen Mitteln ob- zuwehren. In der Diskussion traten alle Redner der Ausfasiung des Vor- stände? des Deutschen Musikeroerbandes bei und forderten die Er- schienenen zur regsten Agitation unter den Nicht- organisierten auf, damit es bald wieder gelingt, mit den übrigen Lichtspielbesitzern Berlins ebenfalls zum Tarifabschluß zu kommen. In einer im Sinne des Referats abgefaßten E n t- schließung, die ein st immig angenommen wurde, wird«veiter gegen die Verlängerung der Spielzeit in den Licht- spicltheatern bis 1 Uhr protestiert und verlangt, daß der 11-Uhr- S p i e l s ch l u ß wieder eingeführt wird, da die Mehrarbeit eine derartige körperliche und geistige Ueberanstrengung ertordere, die die Gesundheit der Musiker aufs schwerste gefährdet. Es wurde weiter beschlossen, in der Nacht vom Montag zum Diens- tag eine neue Versammlung abzuhalten, die zu dem Ver- handlungscrgebnis Stellung nehmen soll. Die Versammelten zeigten sich entschlossen, sofort in den Kampf zu treten, wenn nicht noch vor Weihnachten der Tarif in einer annehmbaren Form neu abge- schlössen wird._ die Textilbarone in Müncken-Glaöbach. Den Schiedsspruch lehnten fie ab. Während die Arbeiter dem am 10 Dezember gefällten Schiedsspruch zur Vermeidung des 10000 Arbeiter und Arbeiterinnen er- fassenden Kampfes angenommen haben, brachten die Unter- n e h m e r es fertig, den Schiedsspruch abzulehnen. Durch den Schiedsspruch sollten die Tariflöhne um 10 Proz. und die Akkord-Stücklöhn« um 4 Proz. erhöht werden. Würde dieser Schiedsspruch nicht für verbindlich er- klärt, dann müßten die Passierer ihre Kündigung aufrecht- erhalten, woraus die Unternehmer das Recht zu einem allgemeinen Aderlaß an der Textilarbeiterschaft durch die angedrohte Aus- s p e r r u n g ableiten, mit der sie auch in Sachsen rechnen. So spielen die Unternehmer mit dem Wirt- schastsfrieden, aus dessen Erhaltung sie vorgeblich so großen Wert legen. Freilich, wie s i e den„Wirtschaftsfrieden" auffassen, bedeutete er ein Recht aus unbeschränkte Ausbeutungsfreiheit. Dieser Anmaßung stellt die Arbeiterschaft ihr Recht zum Leben gegenüber. Einigung in der Dresdener Zigarctteninduftrie. Dresden. 15. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die Vergleichs- Verhandlungen vor dem Schlichter führten zu einer Verlängerung des Lohnabkommens bis Ende 1927, mit der Maßgabe, daß die Löhne ab 15. Februar um wöchentlich 2 M.. ab 1. Juni um 1 M. und ab 1. Oktober 1927 nochmals um 1 TO. erhöht werden. Der Streik der Zigarettenmafchinenführer ist damit beendet und die zu Freitag früh angedrohte Aussperrung der gesamten übrigen Belegschaft gegenstandslos geworden. Ter Streik in der Antwerpener Tiamantenkndustrie. Antwerpen, 16. Dezember.(WTL.) Die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Diamantenindustrie verliefen ohne Ergebnis. Der Streitfall ist dem Schiedsspruch des Statthalters unterbreitet worden. Englische Gewerklchastsreformatoren. Lord Cecil für industriellen Frieden London. 16. Dezember.(TU.) In der Dienstagsitzung des Ober- Hauses wurde über die Zusammenarbeit von Arbeilgebern und Ar- beitnehmern verhandelt mit dem Ziel, einen dauernden industriellen Frieden herbeizuführen. Lord Cecil billigte dielen Vorschlag und erklärte, daß das Grundübel, das gegenseitige Miß- trauen, zmst ausgemerzt werden müsie. Die Arbeiter könnten nicht allein durch Anteiluktien oder Kapitalbe- t e i l i g» n g befriedigt werden, sondern nur durch dasRecht, in industriellen Angelegenheiten mitbestimmen zu dürfen. valdwin will die Gewerkschaften entpolitisierea. London, 16. Dezember.(WTB.) In einem von Baldwin an- läßlich der bevorstehenden parlamentarischen Ersatzwahl in Smeth- wick an den konservativen Kandidaten gerichteten Brief heißt es, den Anhängern der Kommunisten müsfeJEinhalt geboten werden. Es sei noiwendig, sie zu verhindern, daß sie auch die Gewerkschaften für ihre bösen Zwecke mißbrauchten. Damit sei nicht g e m ei n t, daß die Gewerkschaften vcrnichtetw erden sollten, sondern lediglich, daß sie wieder zu rein industriellen Organisationen gemacht werden m�ri ß t e n. Havelock Wilson hal's schon geschafft. London. 16, Dezember.(TU.) Die Mitglieder der Nationalen Bereinigung der Seeleute haben auf Grund einer Abstimmung, die sich über insgesamt drei Monate hinzog, mit grcßer Mehrheit ent- schieden, ihre Organisation von allen politischen Verwicklungen frei- zuhalten. Die Gewerkschaft wird infolgedessen auch die Ver bin- dung mit der Arbeiterpartei ablehnen. Die den Mit. gliedern zur Entscheidung vorgelegten Fragen lauten: 1. Besteht nach Ansicht der Mitglieder irgendein Dorteil für die Gewerkschaften darin, irgendeiner poliiiscken Organisation ange- schloffen oder mit ihr verschmol'en zu sein? 2. Ist es die Meinung der Mitglieder, daß die Gewerkschaft ihre aeaenwärtige Verbindung mit politischen Organisationen fortsetzen soll? Das Ergebnis der Abstimmung war 13 986 Stimmen gegen und 2382 Stimmen zugunsten der politischen Verschmelzung. Cook bleibt nicht in Moskau. Er hat jedoch nach einem Bericht, den die„Vossische Zeitung" aus Moskau erhielt, angekündigt, daß er seine drei Kinder im Alter von 4 bis 16 Iahren noch Moskau schicken werde,„damit sie eine gründliche Erziehung im Kommunismus erhalten". Er würde diesem Erziehunaswerk und wohl noch mehr den englischen Bergarbeitern dienen, wenn er sich entschließen könnte, seinen dauernden Wohnsitz in Moskau zu nehmen._ «trnntwrtli'? für Vslitik:?r«urt®«ft; 3Bit}fr Ui 21.-6.->-pz Xt \\ > 4 Kinderrfitler das passende Welhnadiisgesdi enk. JHnbirritbrr für S Aabre. mit JtettcnllBcr- Ub ISA tragung. fflummibtrcminfl, b.mtfarh emaiü. ein, ZU atabcrbcctrabcrf 3—.Rgabr m. Rrttemitier- Ul, qn ItaBUna", Summibtrctfuns bimtiaib emaill Pia. 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