Nr. 595 ♦ 43. �ohrg. Ausgabe A Nr. 303 vej»g<.iu)ia Saar- und dRcmeiaebiet, Velltrretch Litauen Luiernbur« «.SU jiktchamarl. NU»OH»brt«e Susland 5,5(1 Reichsmart oro Monat. Der.Qormirtt'«tt b*t IBufWn- tcn Sonntagsbetlage.Soll und Reif lomie den Setlaarn.Unieedaltung uno Wissen'.Au» der Rtlmtvelf, .Kraurnltimmf.Der Rinder» kreund' Lugend-Sorwilris' und .Blick in die Biltiierwelf erscheint wdchcntSglich«weintal. Sonntag, und Montag, einmal. leleaeanim-Adrelse: »»«jialdamotral verlia» ZZevlinev VolKsblcrtt �10 Pfennig} «ujeigenpreise: Mi italvattt«! Zionvarei?«. geile 80 Pfennig. Reklame, eile Reichsmark..Rleine An, eigen' da» fettaedruckte Wort 25 Pfennig kiuülsssa»wei kettaedruckie Worte). lede» nxiter« Wort 12 Pfennig. Etellenaeluch« da, erssi Wart ld Pfennig, iede» weitere Wort 10 Pfennig. Vörie Uder 15 Puch» Rade»»üblen für ,wei Worte. Ardeitsmartt Reil« 80 Pfennig. Uamilienawieiaen für Abonnenten Reil««0 Pfennig. Aiueioe» kür die«üchss« Nummer müssen bi, tu, ubr nachmittag, im Sauvtaeschüft. Berlin TW 88. Linden- ftrabe 8. abgeaeben werden. EeSffnet von 815 Ubr frssb bi« 5 Ubr nachm. Zcntralorgan der Sozialdcmokratifchcn Partei Deutfchlands Neöaktion und Verlag: ö erlin SW. öS, �inöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff LV'-S-SS?. Sonnabend, den 18. Dezember vorwärts-verlag G.m.b.H., Gerlin SV. bS, Linüenstr.Z P»sssch»ckk»»tv!»erlii 8? 88«- BanNont,: Bant der Arbeiter. Angesselte» und Ben»,«» valssr.«8t»wlontv-cheseBlchilt.»evolltenlasse Lindenssr. 3. Das Kabinett Marx gestürzt! Der Reichstag hat gestern 3'k Uhr das sozialdemokratische Mißtrauensvotum mit 249 gegen 1�1 Stimmen angenommen. Gegen das Mißtrauens- Votum stimmten nur die Regierungsparteien und die Wirtschaftliche Vereinigung. Nach der Clnzelberatnng des Haushalls teilte Präsident Löbe mit. dah nunmehr die Abstimmung über die Mihtrauen»- a n t r ö g e erfolge. Inzwischen haben sich da» Haus und die Tribünen dicht gefüllt. Auf der Regierungsbant fihen fast sämtliche Minister. An Oer Treppe, die zur Rednertribüne hinausführt, häll sich schon Gras � M e st a r p bereit, um eine Erklärung vor der AbsUmmung ab- zugeben. Die Erklärung ist kurz: die veutschnallonalen werden da» MIH- trauensvolum gegen da» Gefamlkabinctl annehmen. Auf Antrag de» Abg. G u e r a r d Ist die Abstimmung über da» .Mißtrauensvotum Müller-Aranken namentlich. Um 5� Uhr verkündet Präsident Löbe das Ergebni» der Abstimmung über den sozialdemokratischen Mihlrauensantrag gegen die Gesamtregierung. E» haben abgestimmt 420 Abgeordnete. davon 171 mit Nein. 249 mit 3a. Der sozialdemokratische Mihtrauensantrag Ist also angenommen. Das hau» nimmt da» Abstimmungsergebnis mit großer Bewegung auf. Der Reichskanzler zögert. Dann verläßt er den Sihungssaal. Nach ihm. ebenfalls zögernd, eiuzeln und unaussällig, die Minister. Rücktritt See Regierung Marx. Amtlich wird mitgeteilt: Aus Grund der Abstimmung de» Reichstage» beschloß da» Relchskabinell, dem Herrn Reichspräsideulen noch am Freitag seine Demission zu überreichen, und beauftragte den Reichskanzler, dem Reichspräsidenten die Rücktrillserklärung zu überbringen. Der Reichspräsident nahm die Rücktrillserklärung entgegen. Er dankte dem Reichskanzler für seine und der Reichsminister bisherige Arbeit und beauftragte den Reichskanzler und die Mitglieder der Reichsregierung mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte. Der Reichskanzler erklärte sich namens des Reichskabinelts hier- zu bereit. * Das Kabinett Marx, das gestern gestürzt wurde, hatte als Nachfolger des zweiten Kabinetts Luther am 16. Mai dieses Jahres die Geschäfte übernommen. Das erste Kabinett Luther hatte seine Mehrheit aus der Rechten und dem Zentrum, bis die Deutschnationalen durch den Druck ihrer Anhänger gezwungen wurden, wegen der Politik von Locarno ans ihm auszubrechen. Das zweite Kabinett Luther schob sich ein klein wenig weiter nach links, fiel dann aber doch über den Flaggenstreit. Ihm folgte dann das gestern gestürzte Ka- binett Marx, das sich von seinem Vorgänger wenig unter- sch'ed. Marx, Justbminister unter Luther wurde Reichs- kan'ler, im übrigen blieb alles be'w alten Stresemann, Külz, R e i n h o l d C u r t i u s. Brauns, fjas- linde, Krahne, S t i n g l, Geßler, sie alle hatten dem vorangegangenen Kabinett, zum Teil schon früheren, an- gehört. Hätte das Marx-Kabinett der Mitte von vornherein die feste Absicht gehabt, nach links Unterstützung zu suchen, so hätten Männer wie W i r t h und K o ch in ihm nicht fehlen dürfen. Aber das Kabinett hatte diese Absicht gar nicht, und gerav.' gestern erst hat sich mit plastischer Deutlichkeit gezeigt, daß es hinsichtlich seiner polnischen Orientierung überhaupt keine Absicht haben konnte Denn Zentrum und Demokraten wollten die Verbindung nach links, die Volksportei wollte die Verbindung nach rechts. Das Kabinett war infolgedesien innernolltisch verhandlungsunfähig. Daran ist es letzten Endes gescheitert. Seine Position wurde von den Deutscibnationalen Heit'g berannt. Die Sozialdemokratie war zur Hilfe bereit. Sie forderte damals, vor wenigen Wochen, nicht den Rücktritt der Regierung, nicht ihre Umbildung, sie verlangt« kür sich ke'ne M'nistersitze. Es genügte ihr, wenn sich die Regierung und die hinter>hr stehenden Parteien bereit erklärten, sich mit ihr über die gesetz- geber-sche Arbeit nach Mögl'chkeit rn verständigen. Daß freilich ein solches Verhältnis nicht für die Dauer sein kann, sondern, wenn es sich bewährte, zu einem festeren führen mußte, dessen war man sich aus beiden Seiten bewußt. Herr Scholz und die Dolkspartei wollten aber die Ent- Wicklung, die sich da anbahnte, nicht, sie waren vielmehr ent- schloffen, sie zu oerhindern. Erst gestern wurde uns aus den Erklärungen der Herren Scholz und Erkelenz bekannt, daß sofort, als Herr Marx den Führern seiner Regierungs- Parteien über das Abkommen mit der Sozialdemokratie be- richtete, Herr Scholz namens der Volkspartei die Nicht- anerteonung dieses Abkommens aussprach. Daß die Sozialdemokratie bis gestern in Unkenntnis dieser wichtigen Tatsache belassen wurde, das gehört zum Unverständ- l i ch st e n, was in der inneren deutschen Politik passiert ist. Woran sie war, das erfuhr die Sozialdemokratie aller- dings schon mit einiger Deutlichkeit aus derJnsterburger Rede des Herrn Scholz. Sie erklärte das Abkommen— das, wie sich gestern herausstellte, eigentlich nie bestanden hat— für erledigt und kündigte für die dritte Lesung des Nachtrogsetats eine politische Klärung an. Diese Klärung ist nun erfolgt oder wenigstens eingeleitet. Die Deutschnationalen haben für den sozialdemokratischen Mißtrauensantrag gestimmt. Sie hätten das Gegenteil ge- tan, wenn sie von der Mitte feste Zusagen für die Zukunft erhalten hätten. Aber solche Zusagen zu erteüen war nur die Volkspartei bereit, nicht das Zentrum und nicht die De- mokraten. Wieder zeigte sich, daß die Minderheit selbst, auf die sich die Regierung stützte, in sich gespalten war. Aus dem Schicksal der Regierung Marx darf man nicht schließen, daß Minderheitsregierungen schlechthin unmöglich sind. Diese Minderheitsregierung hat immerhin sieben Mo- nate regiert, und sie hätte Jahre regieren können, wenn ein gemeinsamer Wille und eine feste Führung dagewesen wären. Daran hat es gefehlt. Die Sozialdemokratische Partei hat gegen- über diesen unklaren und �objektiv unehrlichen Verhältnissen vielleicht mehr Langmut bewiesen als gut war. Sie hat aber durch ihr Verhalten in den letzten Tagen gezeigt, daß sie Opposition machen kann und daß ihre Opposition wirk- s a m ist. Das ist eine nützliche Lehre für die Zukunft. Der Kern des Uebels ist eine Arbeitsgemeinschaft der Mitte, die nicht gemeinsam arbeiten kann. Diese Arbeitsge- meinschaft der Mitte wurde seinerzeit gebildet als Gegen- gewicht gegen die Wiedervereinigung derSozial- d e m o k r a t i e. Aus Angst vor B r e i t s ch e i d und H i l- ferding flüchteten damals Demokraten und Zentrum zu Becker- Hessen und Scholz. Der Zusammenhalt der repu- blikanischen Parteien, die das Werk von Weimar vollbracht hatten, wurde gelockert. Angebote der Sozialdemokratie, die Weimarer Koalition wieder herzustellen, stießen auf Ablehnung. Gerade dadurch aber wurde unmöglich gemacht, was Demokraten und Zentrum als Ziel vorschwebte: die Große Koalition. Hielten die republikanischen Par- teien zusammen, dann war die Gefahr eines überragenden Einflusies der Dolkspartei in einer etwa zu schaffenden Großen Koalltion gebannt. Die Sozialdemokratie sah aber immer, daß man sie als Hilfstruppe heranziehen wollte für eine Regierung der Mitte, in der die am weitesten rechts stehende Partei den stärksten Einfluß besaß. Sowie sie sich anschickte, selber Einfluß zu üben, fand sie jene Partei in entschlossener Abwehrstellung. Das mußte eines Tages platzen, und nun i st es geplatzt. Run heißt es, der Reichspräsident wolle Herrn Scholz mit der Bildung eines neuen Kabinetts betrauen, und dieser werde sich diesem Auftrag mcht entziehen. Eine Regierung Scholz wäre eine Regierung des offenen oder des verschleier- ten Bürgerblocks, die schärffte Opposition der Sozialdemo- kratie gegen sie wäre von vornherein gegeben. Ob aber das Zentrum einer solchen Regierung beitreten könnte nach den Erklärungen, die W i r t h am Donnerstag abgegeben hat, ist eine Frage die nur das Zentrum selbst beantworten kann. Die Große Koalition wird merkwürdigerweise auch von der Demokrat, npresie zurzeit kür unmöglich erklärt. Ist sie aber nirzeit unmoal'ch. dann ist sie wohl auch schon früher unmöglich gewesen. Die Sonaldemokratie ist auch heute noch genau d'es?l''e die sie gestern und voraestern war: an ihrer politischen Richttiug hat sich nichts geändert. Sie ist nach wie vor bereit, an einer Regierung mitzuwirken, in der sie kür den Schutz der Republik und für die arbeitenden Massen des Volke» etwas erreichen kann. Di« Sozialdemokratische Partei ist die Vertreterin der arbeitenden Masten, sie ist eine republikanische und eine sozialistische Partei. Sie hat an der Geschichte der jungen deutschen Republik entscheidenden Anteil. Was für den Wiederaufstieg des zerbrochenen Reichs nach dem Kriege geleistet worden ist, ist nicht denkbar ohne ihre tatkräftige, vielfach entscheidende Mitwirkung. Wenn sie die Republik und was in ihr an Sozialpolitik besteht, verteidigt und aus- bauen will, so kämpft sie für ihr eigenes Werk. Diesen Kampf wird sie fortsetzen, sei es in der Regierung oder in der Oppo- sition. Läßt sich das Zentrum nicht zum Bürgerblock zwingen, dann bleibt nur zweierlei: Entweder es muß milder So- zia ldemokrati« regiert werden oder der Reichs- tag muß aufgelöst werden. Volkspartei' gegen Deutsthnationale. WcU sie die Regierung stürzen halfen. Wie oollständig für den Augenblick das Durcheinander ist, zeigt «ine Erklärung der voiksparteilichen„Nationalliberalen Korrespondenz", die sich mit folgenden Worten gegen die Deutschnatio- nalen wendet: „Der Stoß der Sozialdemokratie richtete sich gegen die Reichs- wehr, gegen das einzige, dem Reiche verbliebene Machtinstrument. Man hätte annehmen sollen, daß die Deutschnationalen dazu bei- getragen hätten, diesen Schlag gegen den Bestand der heutigen Reichswehr abzulehnen. Sie haben aber nicht einmal Stimm- enihattung geübt, sondern durch positiv« Unterstützung den Erfolg de» sozialdemokratischen Antrags ermöglicht. Damtt haben sie dem Abg. Scheidemann, der sich mtt seiner Partei gestern in völliger Isolierung befand, zu einem unverdienten Erfolge verholsen. Die Deutschnationalen hatten die Gewißheit, daß die Deutsche Volkspartei für eine Erweiterung der Regierung nach rechts eintreten würde, wenn die Partei des Grafen Westarp zur Abwehr der sozialdemokratischen Anttäge bei getragen hätte. Auch Herr Reichskanzler Marx hatte den Deutsch- nationalen erklätt, daß ein Kabinett der Großen Koalition jetzt nicht in Frage kommen könne.(II) Trotzdem hat die Deutsch- nationale Bolkspartei den Weg der äußersten Opposition beschritten, ohne Rücksicht aus die außen- und innenpolitischen Folgen." Danach scheint es. als ob jetzt sogar auch die Volkspartei eine Regierung mit den Deutschnationalen für unmöglich hiette. Auch die Bayerische Bolkspartei ist verärgert. München. 17. Dezember. Das amtlich« Presseorgan der Baye- rischen Dolkspartei, die.Bayerische Dotkspartei-Kor- respondenz", schreibt zum Sturze Marx' u. a: Die Deutschnationalen hatten es in der Hand, das Kabinett Marx zu retten, und das Reich vor einer Re- gierungskrise zu bewahien, zu deren Lösung der gegenwärtige Reichstag voraussichtlich überhaupt nicht mehr sähig fein wird. Sie hat es nicht getan, sondern sich entschieden, die gleiche Taktik wie die Sozialdemokraten zu befolgen, nämlich durch den Sturz der Re- gierung der Mitte eine.Klärung der Lage" herbeizuführen. Es ist zu befürchten, daß dieser Klärungsversuch ein D u r ch e i n- ander herbeisühren wird, wie es größer im Reichstag bisher noch nicht geherrscht hat. Die Deutschnationalen können wohl nicht glauben daß sie durch ihr verhalten gegen das Kabinett Marx den Boden für eine Annäherung zwischen ihnen und dem Zentrum vorbereitet haben. Oer Eindruck in Paris. Paris, 17. Dezember.(Eig. Drahtber.) Hier zeigt« man sich am Freitag abend nicht sehr überrascht vom Sturz der Regierung Morx, den man nach der Rede Scheidemanns für ziemlich sicher gehalten hatte. Mit einer gewissen Beunruhigung fragt man sich nur, ob etwa auf das Kabinett Marx-Strefemami ein reaktio- näres mit den Deutschnationalen folgen soll. Im Parlament, wo schon um S Uhr obends die Nachricht vom Sturze der deutschen Negierung eintraf, wurde vielfach der festen Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß ein neues Kabinett Marx mit parlamentarischer Unterstützung der Sozialdemokraten unter Entfernung der Minister Geßlerund Külz folgen werde. Falls ein reaktionäres Kabinett die'Nachfolge anttäie, könnte das, so bejürchten die Anhänger einer deutsch-sranzösischen Zusammenarbeit, auch die Stellung B r i a n d s den reaktionären Parteien gegenüber ernstlich gesährden. Kommunisten untereinander. Aufklärend, lächerlich und unsagbar traurig zugleich. Im Reichstage haben gestern in entscheidender Situation drei Kommunisten gesprochen. Jeder mit einer anderen Mei» nuna, jeder gegen den anderen. Es sprach der Abgeordnete Rädel für die offiziellen Kommunisten, es sprach der Abge- ordnete Dr. S ch w a r z für die Richtung, die der KAP. nahe- steht, und es sprach der Abgeordnete S ch o l e m für die offi- zielte Opposition um Ruth Fischer. Daneben gibt es im Reichstag noch zwei kommunistische Richtungen: die um K o r s ch und Schlagewerth, und dann Kotz, der mit Pfempfert der AAU.(Allgemeine Arbeiter-Union) nahesteht. Der Abgeordnete Rädel wiederholte die offiziellen Lügen der kommunistischen Fraktion über die Sowjetgranaten. Der Abgeordnete Schwarz aber zerstörte das Lügenge» bäude. Die Sowjetgranaten— keine Ueberraschuna, nur eine Konsequenz der Komintern Politik. Die Erklärungen B u ch a r i n s über das Bündnis zwischen der Komintern und der Bourgeoisie, die Erklärungen Klara Zetkins im Deutschen Reichstag über die Bundesgenossen- fchaft der Komintern mit der Reichswehr stehen gegen die offiziellen kommunistischen Lügen auf. Schwarz schenkt ihnen nichts. Haben die Kommunisten nicht eine stille Koali- tion mit Cuno"gehabt? Herr Schwarz erzählt, im Ruhr- kämpf sei ein Redakteur der„Roten Fahne geflogen, weil er geschrieben habe: Fort mit Tunol Herr Schwarz muß es wissen. Höhnend svricht er vom„Block von Stalin b i s H i n d e n b u r g. Er hätte auch sagen können: Block von Stalin bis Stahlhelm. Ungeheuer aufklärend war diese Rede. Run aber dringt H ö l l« i n vor aus der Mitte der offi- ziellen Kommunisten. Er schreit:„Du gemeines Schwein, du gemeines Schwein!" Run erhebt sich Schalem, der dritte kommunistische Redner und erklärt, die offizielle Ovposition der Kommunisten sei mit Schwarz nicht einverstanden, son- dern mit der Komintern.... Das alles vollzieht sich unter ungeheurem Gelächter der bürgerlichen Parteien. Die Kommunisten raufen, und das Bürgertum grölt vor Vergnügen.„Gemeines Schwein! ruft der eine kommunistische Abgeordnete dem anderen zu, der wie er vor zwei Iahren von Arbeitern als kommunisti- scher Abgeordneter gewählt worden Ist. Soll das Bürgertum nicht lachen? Aber dieser Zerfall einer Partei, gepaart mit moralischer Verlumpung, ist von jener grausigen Lächerlichkeit, die eine Tragödie erkennen läßt. Denn auf die Kommunistische Partei haben Arbeiter Hoffnungen gesetzt. Mögen sie auch irren— es handelt sich um eine Arbeiterpartei. Hinter der Harletinade des kommunistischen Spaltungstheaters im Reichstag steht die Tragödie der irrenden und mißbrauchten Arbeiter. Ihre Vertreter im Reichstag, Virtuosen der Zerfleischung der Ar- beiterbeweauna, zcrreiyen sich gegenseitig. Sie schreien sich ihre Niedrigkeit, ihre Schuld ins Gesicht. Eine Stunde des Kampfes gegen die Reaktion, die Geschlossenheit der Arbeiter- beweguna erfordert— und die Kommunisten, zerfallen in fünf Richtungen, prügeln sich. Haß, Geschrei, die Fetzen fliegen— und das bürgerliche Parkett locht. Ein Zortschritt! Verabschiedung der kleinen Strafprozcßrcform. In der letzten Stunde vor seinem Auseinandergehen hat der Reichstag gestern noch die auf Drängen unserer Reichstogsfraktion zustande gekommene kleine Strafprozeßreform verab- schiedet, die eine erfreuliche Reform der Strafjustiz bringt. Neben kleineren Verbesserungen der Strafprozeßordnung bringt da» neue Gesetz die von unserer Partei seit vielen Jahren geforderte Be» seitigung des Z e u g n i s z w a n g e s der Redakteure, denen nunmehr endlich das in der Monarchie vergeblich geforderte Recht eingeräumt ist, über die ihnen anvertrauten Mitteilungen da» Zeugnis zu verweigern. Prominenzen. Konzertumschau von Kurt Singer. Juri wän gier, Kleiber. Klemperer, Walter— das werden in den nächsten Iahren die Namen sein, um die sich der Kampf der Wagen und Gesänge dreht. Es wird eine Schaukel der Gunst und Mißgunst sein, und in diesen 4t) Konzerten großen Stils sollen sich die Individualitäten abzeichnen. Hier soll man auch erfahren, was in der Welt der Schassenden los ist. Der Reichtum an darstellerischen Nuancen ist ungeheuer. Wenn man dagegen das betrachtet, was nun am End« einer Saison als produktive Leistung, als Erfolg neben der Persönlichkeit des Darstellenden übrig bleibt, so erschrickt man vor der Leer«. Ist wirklich die Welt so arm an Talenten, oder ist die Bequemlichkeit unserer Führer noch größer als dieses Manko? Ich glaube an da» Letztere, obgleich die komponierende Jugend sich von der großen sinfonischen Form, die einen ganzen, abgeschlossenen Charakter verlangt, fortwendet zur Oper, bei der das frische Darauf. losmusizieren aus gute Texte, oder zur Kammermusik, wo das Formen mathematischer Gebilde ohne Phantasie möglich ist. Tat- sächlich kann man bis auf zwei oder drei besondere Musikanten alle anderen nicht inehr von einander unterscheiden: ntcht einmal die Exoten von den Einheimischen. Bruno Walte r, umgeben von dem, was man die gute und reiche Gesellschaft nennt, bringt das Gute' und Anerkannte in reicher Ausmünzung seiner persönlichen Werte. Er bleibt dem Experiment fern, er ist der Sache, die er vertritt, bei den oberen Zehntausend sicher. Nichts stört und ver- ändert seine klassiscke Linie. Wenn er also die Zügel des Pro- gramms mit einer Uraufführung von R o k o f i« f s angezogen hat. so weiß man schon vorher, daß keine Gefahr im Anzug ist. Die „Sxinplionic classique* op. 25 dieses modernen Russen ist eine zierliche, selbstzufriedene, frische, melodiöse Arbeit, mehr skizziert als geformt, mehr dahingespielt als durchgeführt, heiter, tänzerisch, ein- fach. Vor olle«: sie wirkt auf die Naivsten selbst dann, wenn vor- her die Londoner Sinfonie S-Dur von Haydn erklungen ist. Das ist nun ein wahres Wunder an melodiöser Lieblichkeit, an kontra- punktischer Feinarbeit, an beglückendem Humor. Unter Walters Leitung erhält das Werk vertiefte Bedeutung: das Adagio rückt er wie die schwerblütige Einleituno in Beethovens Nähe, und Mozart- sche Seele schwingt allenthalben durch. Diesem weisen Etil- empfinden stellt sich plötzlich, in der Einleitung zum Beethovenschen Violinkonzert, eine erschreckende Verirrung des Tempogefühls ent- gegen. Soll dieses Taumeln zwischen den Zeitmaßen Virtuosität sein, soll es Kraft vom Gefühl scheiden? Es ist sast eine Sünde gegen den Geist: auch Kreisler wird in dieses Chaos gerissen, ohne sich genügend zu wehren. Die süße Fülle seines Tons will der Herb- beit des großen ersten Satze« um so weniger gerecht werden, als Künstler und Instrument verstimmt scheinen. Das Verweilen auf der Kantilene bezaubert nicht wie früher, und erst die Kadenz eigener Prägung, knifflich und interessant, gewährt reinen Genuß. Beide, Walter wie Kreisler, wurde» ausverkaustissimo gefeiert. Ein anderer Typ von Geiger ist Willi Heß. Es wäre un- donkbor, und es wäre sogar ungerecht, ihn unter der Schar derer, die er zur Höhe geführt hat, zu vergessen. Noch immer steht der fast Siebzigjährige seinen Mann. Stolz, wie er dasteht, ist sein Ton. Bor allem gibt die Strakprozeß Novelle den in Anker- suchungshast Schmachtenden ein wichtiges Rechts- mittel, das dem Unschuldigen schneller als bisher zur Wieder- erlangung der Frecheit oerhelfen wird, dos Recht nämlich auf eine mündliche Verhandlung zur Nachprüfung richter- licher Haftbefehle. Ein Teil der Iustizmißstände, die der Fall H ö f l e enthüllt hat, wird damit aus der Welt geschafft. Nicht mehr wie bisher, sondern in mündlicher Verhandlung, unter Gegen- Überstellung der Beschuldigten mit den Zeugen, also unter erheblich größeren Rechtsgarantien als bisher wird von jetzt ab über das kostbarste Gut des Menschen, über die persönliche Freiheit entschieden werden. Die sozialdemokratisch« Reichstagsfraktion kann diese Strafjustiz- resorm als ihren Erfolg buchen. tzohenzollernbesuch in Mexiko. Und beim Gesandten der Republik... In einem begeisterten Artikel berichtet oie„Äreuz-Zeitung" über einen dreiwöchigen Besuch des Prinzen Heinrich von Preußen in Mexiko. Der Prinz ist an sich ohne Zweifel eine vollkommen gleichgüllige Privatperson, dessen ange- nehme wirtschaftliche Verhältnisse den Luxus solcher Reisen gestatten, und die Angelegenheit wäre ohne Interesse, wenn wir nicht in dem Bericht des Junkerblattes diesen bezeichnenden Passus fänden: „Prinz Heinrich stattete zunächst dem deutschen Ge- sandten. Eugen Will, einen längeren Besuch ab. der von diesem alsbald erwidert wurde... Der deutsche Gesandte veranstaltete in der deutschen Gesandtschaft zu Ehren des Prinzen ein Esse n." Da liegt es doch nahe, diese Fragen zu stellen: Wußte der Ge- sandte der deutschen Republik vielleicht nicht, daß der Besuch des Hohenzollernprinzen von reaktionären Mitglledern der deutschen Kolonie durch einen schwarzweißrot umrandeten Auf- ruf angekündigt wurde, der zugleich einen ehrenden Hinweis auf Wilhelm IL enthiell? Ist ihm weiter unbekannt, daß Heinrich von Preußen im November 1918 der erste Hohenzoller war. der die Republik mit einer Illoyalitätserklärung bedachte? Weiß er endlich nicht, daß Heinrich seit der Staatsumwälzung auf seinem Schlosse Irencnhof nur mit den reaktionärsten und republikfeindltchsten Kreisen Verbindung hiett? Wenn aber Herr Will, wie beinahe anzunehmen ist, dies alle» gewußt hat, wie glaubt er dann als offizieller Vertreter der deutschen Re- publik die amtlichen Ehrungen gerade dieses Mannes ver- antworten zu können? Reaktionäre Willkür in öraunsthwelg. Amtsenthebung des Polizeipräsidenten.— Anrufung des StaatsgcrichtShofes. Vraunschwelg, 17. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Das braunschweigische Staatsministerium hat am Freitag durch eine Verfügung den der Demokratischen Partei angehörenden Polizei- Präsidenten von Braunschweig, Haag, sofort seines Postens enthoben und zum 1. April 1927 fein« Pensionierung aus- gesprochen. Mit der Vertretung wurde ein der Regierung nahe- stehender, polttisch rechts eingestellter Oberregierungsrat betraut. Das vorgehen der reaktionären Regierung gegen den Polizei- Präsidenten steht in engem Zusammenhang mit einem Antrag der Linksparteien auf Einsetzung eines parlamentarischen Unter- suchungsausschusses zur Nachprüfung der Beamtenpolitik. Dieser Antrag wurde am Frettag mit knapper Mehrhett von den Rechtsparteien abgelehnt. Die sozialdemokratische Fraktion wird nunmehr den Staatsgerichtshof zur Entscheidung über die Haltung der braunschweigischen Regierung anrufen. Es steht fest, daß die Amtsentsetzung des Polizeipräsidenten letzten Endes deshalb verfügt wurde, weil der jetzige Innenmini st er selbst auf den Posten rechnet, ehe die Landtagswahlen die Rechts- regierung hinweggefegt haben. ebenmäßig, herb, groß, bewußt uneleoant, sein Spiel von dem Willen zum bestmöglichen Ausdruck einer Phrase beflügell, das Einzelne zum Ganzen in Bollendung bindend. Ein männliches, ein charaktervolles Musizieren, wenn er mit Frederic L a m o n d die D-Moll-Sonate von Brahms spielt. Zwei Künstler, die fern von modernen Sehnsüchten nach Etitettierung noch so altmodisch sind, hinter dem Werk, das sie lieben, zurückzutreten. Ein Parkett von Studierenden, von angehenden Geigern und Pianisten lauscht. Einer fehlte unter den Horchenden und Lernenden: Louis van Laar. Der Tod hat ihm fein Instrument aus der Hand geschlagen, die so gern und so inbrünstig dem Instrument verwachsen war. Ohne daß er noch zur letzten Reife gekommen war, ohne daß ihm auch die Blütenträume seines künstlerischen Lebens gereist waren. starb er jung dahin. Ein junger Musiker, berett, sein ganzes Ich dem Ton seiner Geige anzuvertrauen, oft im Flug der Inspiration der Grenze des Außerordentlichen nahe, oft, im nervösen Tages- betrieb, dem Ordentlichen verhaftet, fand man ihn gerade in Arbeiterkreisen stets bereit, zu helfen, wo er konnte. Man wird den liebenswerten Mann im Konzertleben Berlins trauernd vermissen. Gisela Binz: ein neuer Name, eine neue Hoffnung. Stellt ihre Jugend mit in die Rechnung ein, nehmt Ungebärdigkeit und Unaleichhoit des Spiels als Fehler dieser natürlichen Unreife. Aber laßt euch gleichzeitig packen von dem Draufgängertum einer Pia- nistin, die aus Urinstinkten musitalischer Begnadung heraus die H-Moll-Sonate Chopins nachlebt. Das Largo schwebt mit tiefem Singen durch den Raum, und das Finale wird zu einem Schluß von faszinierender Macht gesteigert. Auch im stürmischsten Drang zu letzter klavieristsscher Deutung des herrlichen Stücks bleibt dieses Wesen mädchenhaft. Sie zwingt uns, zu hören, zu folgen. Ein Gewinn im Lotteriespiel der Konzerte. Erwin B o d t y hat diese Zeit des Stürmens hinter sich. Sein Spiel verklärt sich, vergesstigt sich, und vor dem Akademikertum be- wahrt ihn sein Temperament. Dem Chavichord entlockt er(bei den Tänzen der Magdalena Bach) das Volumen an Ton. das eben erreichbar ist. Viel Eindruck macht das nicht, obschon es historisch interessiert. Im Capriccio Bachs, in Sonaten von Haydn offenbart er den Reiz einer großen musikalischen Persönlichkeit, die neben der Heerstraße ihren Weg geht und die Musiker von Geschmack anzieht. Hier oertauscht er, ein stilvoller Pianist, das Monotonochord mit dem Flügel. Auch Adi B e r n a r d spiell Bach. Noch ihren Schumann- Träumereien konnte man Furcht haben. Aber die Gesundheit, mit der sie das Allegro des O-Moll-Konzerts anpackt, mit der sie dem Melodischen des Adagio sein Recht gibt, ohne süßlich zu werden. erquickt. Lernt sie. den Atem des Spielens besser an- und ab- zusetzen, ein richtiges Tempo nicht innerlich durch einen Mangel an Cäsüren zu verhetzen, so wird sie unter den Besten genannt werden. Eduard Moritz begleitete(mit Kammerorchester) zwar sachlich gut, erwies sich aber in einer Suite von Krieger als ein recht wenig sagender, noch weniger vermittelnder Solodirigent. Cr kehre zur Komposition zurück, wo er etwas zu sagen weiß. Das Dresdener Streichquartett musiziert noch immer vor leeren Bänken. Aber es gibt da auch gar nichts anderes zu sehen, als vier Musikanten, die sich redlich um Kunst mühen. Kraft und Leidenschaft, blühender Ton im Ensemble sind selbst dann anzuerkennen, wenn man die fast orchestrale Braoour im Klavier- quintett von Cesar Frcmck bemängeln muß. Mäßigung tut not. der Germershekmer Prozeß. Die Anklage gegen den Unterlcntncrnt Rouzier. Vor dem französischen Kriegsgericht zu Landau hat am Freitag der große Prozeß gegen den Unterleutnant R o u z i e r begonnen, der in Gcrmesheim den deutschen Staats- angehörigen Emil Mü l l e r erschossen und sich an den zwei weiteren Deutschen, Joseph Matthes und Richard Holzmann, tätlich vergangen hat. Die Anklageschrift wirft dem Unterleutnant Rouzier vorsätzliche Tötung und vorsätzliche Körperverletzung vor. Rouzier hat sich herauszureden versucht, indem er behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben. Die französische Anklageschrist bestreitet dos, schlägt aber dem Angeklagten eine goldene Brücke, indem sie erklärt, daß der von Rouzier erst mit der Reitpeitsche geschlagene und gleich darauf angeschossene Richard Holzmann, der ebenfalls von ihm angeschossene M a t h e s, sowie zwei weitere Deutsche namens Kegel und Pächter, eine beleidigende Haltung gegenüber Angehörigen der Besatzungsarmee, besonders gegen Rouzier, ein- genommen haben. Bei Holzmann, der Mitglied des Reichs- b a n n e r s sst, klingt diese Beschuldigung von vornherein unwahr- schemlich. Auch bei den anderen wird sie schwer zu beweisen sein, da die Häufung von Gewalttäligkeiten des Rouzier innerhalb weniger Tage mindestens darauf schließen läßt, daß Rouzier �ein händelsüchtiger Mann sst. Prozessual wird die Prüfung des Tat- beftandes dadurch außerordentlich erschwert, daß die Anklagebehörde die Hauptbelastungszeugen strafbarer Handlun- gen beschuldigt und damit den Wert ihrer Zeugenaussagen für das Gericht beeinträchtigt. Der erste Verhandlungstag wurde ausgefüllt mit der Berlefung der Anklageschrift und einer Ge g e n d« n k s ch r i s t des Ver- teidigers. Diese beantragte mich die Zulassung der verletzten Deutschen und der Hinterbliebenen des Müller als Reben- kläger, was nach französischem Recht zulässig sst. Das Gericht lehnte jedoch diesen Antrag ob und ging sodann zu einem Einzel- fall über, den Fall Kegel. Es hondell sich dabei um eine Schlägerei bei einem Kirchweihsest. Die Vernehmungen, die in- folge der notwendigen Uebersetzungen sehr langsam vor sich gehen, ergeben ein klares Bild. Der ganze Fall steht überdies mit den wich- tigen, dem Prozeß zugrunde liegenden Fällen nur in einen: losin Zusammenhang. Das wankende Spstem öazille. Scharfe Auseinandersetzungen im württembergischcn Landtag. Stuttgart, 17. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) In Württem- berg herrschte seit zehn Tagen polittsche Hochspannung, weil sich die Regierung Bazille in einer ern st haften Krise wegen ihres Gewerbesteuergcsetzes befunden hatte. Der Gesetzentwurf halt« im Land« ein» Ensschließung der Gewerbetreibenden zur Folge. Im Landtag kam es zu stürmischen Auseinander- fetzungen, und bei der Abstimmung in der zweiten Lesung blieb die Regierung in der Minderheit, weil sich die eigene Partei des Herrn Bazille spaltete und in ihre beiden Flügel— Bürgerpartei und Bauernbund— auseinanderfiel. In der Zwifchenzett wurde alles unternommen, um die zer- brochene Koalitton wieder zu flicken. Das Ergebnis war ein Kompromiß sämtlicher Regierungsparteien: dem widerspenstigen Bauernbund wurden auf Kosten der Industrie und des Ge- werbes erhebliche Zugeständnisse gemacht. Bazille hielt 6 dann die große Bersöhnungsrede und nach einer weiteren heftigen Debatte stimmte der schwarzblaue Block für das Kompromiß. Die» ganze Affäre hat immerhin wieder bewiesen, daß das System Bazille mürbe und großen Angriffen in der Zukunft nicht mehr gewachsen ist. Die gegenwärtige Regierung hat jedenfalls im Lande keine Mehrheit mehr hinter sich. Wegen Spionage in Lelttand zum Tode verurteilt wurde der Russe Wazlaw M a f l o w f i i. der mit noch anderen russischen Grenzsoldaten auf lettländischcs Gebiet eingedrungen war, wobei der Borsteher des lettländifchen Grenzpostens unter Mitnahme wich- tiger Papiere nach Rußland oerschleppt wurde. Griedel llllmann debütierte im Blüthner-Saal. Mitglied der Wigman-Tanzgruppe. Hat viel vom Wesen der Meisterin und noch mehr aus Eigenem. Vollendete Technik, die einem ganz per- fönlichen Kunstwillen zwanglos dient. Vor allem(eine Seltenhe>t) ausdrucksvolle Aktton des überfchlanken Rumpfes. Wirksame Profil- stellungen. Schöne, blitzartig �zuckende Uebergäng« aus weich ge- führten Schwüngen in eckige Spannung. Gotische Linie, Inbrunst, Sehnsucht, Demut, Strenge. Beherrschter Gefühlsüberschwang. Asze- tische? Ringen mit inneren Flammen. Seelischer Minimox. Aber—: Im Gliederwirbel des„Alola", im heiteren Hüpfen des.Moderato", im leichten Spiel des„Allegretto' technisch zwar bewundernswert, aber nicht sieghaft zu Herzen dringend, weil nicht glaubhaft von Herzen kommend. Hier deutliche Grenze. Frage an die Zukun't: kann die Grenze überwunden und erwettert werden? Wir wollen es hoffen. Im Interesse der ernsten und vornehmen Künstlerin und im Interesse der Kunst, der in dieser Debütantin eine zweifellos starke und eigenartige Begabung erstanden sst. I. S. Erziehung durch Rundfunk. Die Rundfuntscndestationen in Amerika beginnen jetzt mehr und mehr eine wichtige Rolle in der Erziehung zu spielen. Die meisten Stationen haben eine besondere „Stunde des Kindes" oder„Dämmerstunde" eingerichtet, die mit der Aufforderung beginnt, sich selbst zu kontrollieren, ob man sauber gewaschen und gekämmt ist. Ferner werden die Kinder aufgefordert, regelmäßig jede Woche ihre Eindrücke aus dem Programm in einem Brief an den Rundfunkonkel niederzulegen. Wenn die Briefe nicht sauber geschrieben sind, werden die Namen der unglückliche» Misse- täter durch den Rundfunk bekanntgegeben: die Verfasser der besten Briefe dagegen werden von Zeit zu Zeit eingeladen, den Senderaum zu besuchen und dürfen dann selbst ein paar Sätze in den Sender sprechen._ Ar» Leiter de» Sprech»»» der verliner volk»bükine wurde auf Beschlutz deS BmstandeS Oberrestisieur Karl Voigt verpflichtet. Die BewegunqS- Übungen de» SprechchorS wird nach wie vor Frau Bertde Trümpy leiten. Im Theater t. d. SöniggrSher Straße geht in Adäuderunq de» Spiel- plant vom Sonnabend, dem 18. bis Donnerstag, den 23. Dezember, Shakespeare» Lustspiel„D a t ihr w a l l tMn Szene. ver.Pressebal-' findet In den gesamten Räumen det Hauptrestaurants Zoologsschcr Garten am SO. Januar 1927 Natt. Ivagver-Aefilptete la Port»? Nach einer Pariser Meldung soll der Graf Colloredo gemeinsam mit der Leitung de» Grand-Tbettr« det Thampt- Elvitet beabsichtigen, bereitt im März kommenden Jabret grotze Wagner- FeNipiele zu organisieren. Alt Dirigenten sollen Schalk. Kleiber. Blech und Walter berel:» gewonnen sein. Geplant ist eine Aussübrung deS ganzen Ring«, anschließend„Tannhäuicr",.Lohengrin'.»Die Meistersinger" uud .Rienzi", der in Frank eich bither noch nicht ausgeführt worden ist. Ei» ventmal de» russischen Zaren I« Belgrad. Der verstorbene serbische Politiker Nikolo Pnichilsch bat«in Legat w Höhe von 800 000 Dinar Hinlerlossen, dat nach seinem Testament dazu bestimmt ist, ein Denkmal det lusfischen Zaren Nikolaus II. in Belgrad zu errichten. Der Betrag stammt au» den Geldern, die Paschillch vom Zaren im Jahre tSlk zur HUseleistung für bat serbische Bott erhalten hatte. IvelbUche Hochschullehrer. Tic Hamburger Schnlbehärde plant eine Professur der philosophischen Fakultät mit-wer Frau zu besetzen. Zu gleicher Zeit wird au» Kiel gemeldet, daß dort Frl. Srmentrude von Rancke alt erste Dozentin da» Recht erhallen hat, votlesung« über mi liiere und »euere Geschichte zu halt«». « »Not" öer Agrarier. Eine deutliche Zurechtweisung. Was hinter dem Lamento der landwirtschaftlichen Unternehmer über ihre Notlage steckt, wird jetzt auch durch ein Schreiben der Regierung in Alle»stein an den Domänenpächter Mark- witz in Drygallen in geradezu glänzender Weise charakterisiert. Das Schreiben ist die Folge einer Meldung der„Allensteiner .'Zeitung", nach der das Gut Ncuendorf im Kreise Lyck von dem Domänenpächter Markwitz-Drygollen bei der Zwangsversteigerung käuflich erworben worden ist. Der Wortlaut ist folgender: Regierung Abteilung für Domänen und Forsten. III. D. 8368. Allenstein, den 24. September 1924. Urschriftlich gegen Rückgabe dem Domänenpächter cherrn Markwitz in Drygallen. Vorstehenden Ausschnitt übersenden wir ergebenst mit dem Ersuchen um Aeutzerung. Wenn auch die nach 8 31 der Allgemeinen Pachtbedingungen vorgeschriebene Entfernungsgrenze von 26 Kilometer wohl überschritten ist und Sie daher nicht zum Ankauf des Gutes Neuendorf unserer Genehmigung bedursten, so müssen wir dennoch unserer Verwunderung Ausdruck geben, dah Sie in der Lage sind, im Wege der Zwangsversteige- rung— also doch wahrscheinlich mit sofortiger Zahlungsocrpflich- tung— Güter z u taufen, nachdem Sie uns wiederholt in der letzten Zeit in eingehender Weise Ihre Notlage geschildert und in Ihren, Bericht vom 15. September, be- treffend Schulabgoben, den Zusammenbruch in Aussicht gestellt haben. Wir sehen unter diesen Um- ständen nicht ein. wie wir Ihre Gesuche um Pachtstundung, so- fortig« Uebernahme der elektrischen Anlage usw. beim iherrn Minister mit gutem Gewissen befürworten sollen. gez. chertz. Wenn schon Regierung» st ellen, dazu noch solch« in Ost- preußen, die landwirtschaftlichen Unternehmer in diesem energischen Tone zurückweisen, dann muß es reichlich weit gekommen sein. hoffentlich lernt man aus den Erlebnissen mit dem Drygallener Domänenpächter und befleißigt sich, den Wünschen und Reden der landwirtschaftlichen Unternehmer zukünftig mit schärferer Kritik als bisher zu begegnen. Gärung in öer Sowjet-�rmee. Folgen einer Abbauaktion. In der Roten Armee scheint nicht olles in Ordnung zu sein. Gewiss« Tatsachen weisen auf ein« Gärung in der Roten Armee hin. Di« russische Oefsentlichkeit erfuhr davon aus dem bekannten Offenen Briese des Voikstommissars für Heerwesen, Woroschi- low, an das Offizierstorps, in dem er sich über die Ursachen der durchgreifenden Abbouoktion ausgesprochen hat. Dieser Brief scheint die erwünschte beruhigende Wirkung nicht ausgeübt zu haben, so daß der revolutionäre K r i e g s r a t der Sowjetrepublik sich gezwungen sah, ein« Konferenz mit den Vertretern des Kam- mandobestands des Moskauer Militärbezirks ei�zuberusen, an der auch die Vertreter anderer Militärbezirke teilnahmen. In seiner Schlußrede lüftet« Woroschilow ein wenig den Vorhang, der dos Leben der Roten Armee vor der Oefsentlichkeit verhüllt, die neben der Politischen Staatspolizei(der Tfcheka) die Hauptstütze der bolsche- wistischen Diktatur bildet. Die Unzufriedenheit m der Roten Armee ist unmittelbar durch den Abbau des Kommandobestandes— es wurden etwa 16.660 höhere Militärs entlassen— hervorgerufen worden. Woroschllütv mußte zugeben, daß während der im Jahre 1924/25 erfolgten ersten «Reorganisierung' der Roten Arme« die Sowjetregierung etwas zu voreilig versprochen habe, die Lag« zu„stabilisieren-, was nun- mehr dem Kommandobestand das Recht gibt, auf die Verletzung der ihm gemochten Versprechungen hinzuweisen. DI« Notwendigkeit der neuen Abbauaklion begründete Woroschilow damit, daß das Zahlen- Verhältnis des Kommandobestandcs zur gesamten Heereszahl für die Dauer nicht tragbar sei. Während in den westeuropäischen Ländern dieses Verhältnis 1 Offizier zu 12 und selbst 1 zu 18 betrage, mache es in der Roten Armee 1 zu 5 aus, was eine ungeheure Belastung des Heeresetats bedeute. Auf der Vorsammlung wurde u. a. darauf hingewiesen, daß diese Abbauaktion im Interesie der„Säuberung- des Kommando- bestandes ausgeführt werde. Woroschilow lehnt« diese Beschuldigung selbstverständlich entschieden ab: �Jed« Absicht einer„Säuberung" liegt uns fern, da wir der Meinung sind, daß der Kommando- bestand im großen und ganzen ein gesundes und zuverlässiges Element in der Roten Armee bildet.- Den Hinweis auf die schwere materielle Lage des Offizierstorps parierte er mit dem Hinweis auf die noch schwerer« Lag« der Zivilbeamten. Abgesehen von diesem Konflikt ist die Unzufriedenheit noch auf andere wesentliche Ursachen zurückzuführen. Dt« innerlichen Urravand- lungsprozesse in der Roten Arme« sind nur im engen Zusammen» hang mit dem allgemeinen Prozeß der bürgerlich- bonapar» tistischen Umwandlung der bolschewistischen Dil- t o t u r zu verstehen. In der Konferenz wurde offen darauf hin- gewiesen, daß der Kommandobestand weder die notwendige Autori- tat, noch die Anerkennung im Staate und in der Oefsentlichkeit besitz«, die er beanspruchen dürft«. Woroschilow wies daraus hin, daß die Frag« des �kommandobestandes im Staat« und in der Oefsentlichkeit- zurzeit von den zuständigen Instanzen geprüft werde. Er sprach bei dieser Gelegenheit seine Unzufriedenheit darüber aus, daß einzelne Offiziersgruppen die obengenannte Frage im Sinne der Kastenherrschaft zu lösen versuchen und die Rückkehr zur allen Rangordnung herbeisehnten. Er erklärte mit aller Entschieden- heit, daß die„Rückkehr zur Vergangenheit, sei es unter lommunisti- schein Deckmantel oder unter der Maske sonstiger hochtrabender revolutionärer Phrasen, für jetzt und immer aus- geschlossen sei'. Er wies auch auf die Reibungen zwischen dem Kommandobestand und der politischen Heeresleitung hin, ine bei der Durchführung der einheillichcn Kommandogewalt entstanden sind. Der Kommando- bestand bringe, seiner Meinung nach, den Fragen der polllischen Aufklärung so rbert nicht den genügenden Ernst entgegen in der Meinung, daß die einheitliche Kommandogewall ihm das Recht und die Möglichkeit gewähre, seine Macht nur aus dem strikten Befehls- wexe auszuüben. Andererseits halle die politische Heereslellung noch an den Ueberlieferungen aus der Zell des Kriegskommunismus fest und beweise ein geringes Verständnis für die Tatsache, daß das Gesicht der Roten Armee und insbesondere ihres Kommandobestandes sich seither wesentlich geändert habe und daß die Zell der Doppel- Herrschost vorbei sei. Die Unzusriedenheit hat jedoch nicht nur die Roten Offizier«. sondern auch die Massen der Roten Armee ergriffen. Di« Ursache ist in erster Reihe das sogenannt«»Sparsainkellsregime-, das w der Roten Armee auf Kosten der Soldaten durchgeführt wird. genau so, wie es in der Industrie auf Kosten der Arbeiter durch- geführt wird. Neubesetzungen hoher Reichswehrstellen im Frühjahr. Nach der B.S.-Korrefpondenz rechnet man zum kommeiwen Frühjahr mll umfangreilyen Neubesetzungen in den höheren Stellen der Reichswehr. Es sollen allein neun Generalsstellen und ein« große Anzahl Obersten- und Oberstleutnantsstellen neu beisetzt«erbe». Der litauisthe Staatspräsident und Minister in Haft.— Riga. 17. Dezember.( Lettische Telegraphenagentur.) Di« gesamte Gewolk in Litauen ist aus die Rlililärreglcrung über- gegangen, die den Kriegszustand in ganz Litauen proklomierk und den früheren Skoakspräiidenlen S m e t o n a ausgefordert hat. die Stellung des Staatsoberhauptes zu übernehmen. Smetooa hat dieser Ausforderung entsprochen. Der bisherige Staatspräsi- denk Dr. G r i a i u s ist im Schloß inlernierl, alle Minister sind ver. Hostel worden. Zum Skadlkommandanten von Kowno ist Oberst Grlgollunas Glowackls, der Führer der lllanischen Faschisten, ernannt worden. Der Umsturz hol sich ohne Blutvergießen voll- zogen. Memel. 17. Dezember.(OE.) Der Sturz der sell dem 26. Juni amtierenden Regierung Sljaschewitschius bedeutet das Ende der Regierung der Linksparteien, die erst seit kurzer Zeit zur Macht gelangt waren. Es war längst Nor, daß die durch die letzten Wahlergebnisse zurückgedrängten Rechtsgruppen sich mit ihrer Niederlage nicht zufriedengeben wollten: auch war die Regie- rung sell Wochen sehr besorgt wegen der hitzigen Agitallon. welche die Rechte gegen sie und für ein« Diktatur nach faschistl- s ch e m M u st e r führte. Im Zusammenhang damit waren erst in den letzten Tagen Verhaftungen vorgenommen worden. Dennoch kommt der gewaltsame Umsturz jetzt als Ueberraschung, da man die Opposition nicht für so gut gerüstet hielt. Smetona. der jetzt die Zügel der Regierung ergriffen hat, ist der führende Kops der kleinen Gruppe der Progressisten, die hauptsächlich durch ihn Einfluß auf die Politik ausübt. Die breite Grundlage für den Um- stürz bilden aber die christlichen Demokraten, die von An- fang an der auf die Voltssozialisten gestützten Linksregicrung als erbitterte Feinde gegenüberstanden. Die Nachricht von der Ver- Haftung aller bisherigen Regierungsmitglieder soll nicht zutreffen. Umsturzvorwand: der Vertrag mit Rußland. Königsberg, 17. Dezember.(TU.) Don der litauischen Grenze wird gemeldet, daß Smetona eine Regierung geblldet und diese einen Aufruf erlassen habe, in dem es heißt, daß.das Militär gezwungen gewesen- sei, einzugreifen, da die bisherige Re- gierung und der Sejm Litauen an Rußland verraten wollten. Augenscheinlich find die treibenden Kräfte des Umsturzes in den Kreisen der Opposition, die sich bei den Debatten über den litouisch-russischen Vertrag gegen ihn aussprach, zu suchen. Die Führung beim Staatsstreich hatte der früher« Kriegsminister Ge- neral V I l j a u s ka s: hervorragend beteiligt sollen die litauischen Schützenorganisationen sein. Der in der Nähe Kownos gelegene Grüne Berg soll von einem der volkssozialistischen Regie» rung treugebliebenen Regiment besetzt sein. Der Lbcrfaschist Glowackis. Memel, 17. Dezember.(Mtb.) Die treibende Kraft des Staats- streiches Ist offenbar der litauische Faschistenführer Oberst a. D. S l o w o ck i s, der Herausgeber des Blattes»Tautos Balia", da» Beschlüsse öer sozialistischen Kammerfraktion Dunk an Paul Boncour. Paris, 17. Dezember!(WTD.s Dic s o z i ä li st i f ch e" Kamme r- fraktion hat heute für die nach Wiederzufammentritt der Kammer im Januar stattfindende Neuwahl des Kammerpräsidenten den sozialistischen Abgeordneten Fernand Bouisson. der gegenwärtig das Amt des Vizepräsidenten verwollet, zum K a n d i- baten bestimmt und aus die Aufstellung eines Kandidaten für die Vizepräsidentschaft verzichtet. In der gleichen Sitzung erstattet« Paul Boncour über die letzte Tagung des Völkerbunds- r a t e s Bericht. Von der Fraktion wurde ihm anschließend für die in Genf geleistete Arbeit Dank ausgesprochen. « Der französische Senat verabschiedet« den Etat für 1927 mit 286 gegen 8 Stimmen. Die Kammer wird nun zu den übrigen geringfügigen Aenderungen Stellung nehmen müssen, die der Ent- wurf im Senat erfahren hat. Vermutlich wird dann bereits heute das Budget von beiden Körperschaften endgültig angenommen und die Vertagung auf Januar beschlossen werden. Strafe für Zranzofenhetze. Ein Faschist verurteilt. Pari», 17. Dezember.(Eigener Drahtberichi.) Der llalienijche Faschist, der im Verlaufe der Manifestation vor dem französischen Konsulat in Ventimiglia am 1. November in das Konsulat ein- drang und vom Balkon des Hauses aus eine jrankrcichfeindliche Rede hielt, wurde von der Strafkammer von San Nemo zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das ungarische Wahlergebnis. l.? Sozialdeurokratcn gewählt. Budapest. 17. Dezember.(EP.) Noch den heutigen Stichwahlen dürfte das neue Parlament voraussichtlich folgende Zusammensetzung haben: Regierungsparteien 216, Sozialdemokraten 13, De- mokraten 9, Legitimisten 3, Rassenschützler 3(darunter der Massen- mörder Heijas!), Unabhängig« Kossutpartei 1. Angesichts der Tat- fache, daß im neuen ungarischen Abgeordnetenhaus 216 Mitgliedern der Regierungsparteien bloß 23 linksoppositionelle Abgeordnete gegenüberstehen werden, erwägen die linksoppositionellen Parteien, also die Sozialdemotratcn, die Demokraten und die Kossutpartei, den Gedanken, an den Arbeiten des neuen Abgeordnetenhauses über- Haupt nicht teilzunehmen. Die Linksopposition führt seit gestern oertrauliche Besprechungen, die darauf abzielen, eine ge- meinsame Deklaration der Sozialdemokraten, der Demo- traten und der Kossutpartei zustande zu bringen, die in der ersten Sitzung verlesen und die Feststellung enthallcn soll, daß die Links- opposition die Wahlen als ungesetzlich ansieht und an den parlamentarischen Arbeiten nicht weiter teilnimmt. prager Runöfunkzenfur. Reaktronärcr Bürgerkurs. Prag, 17. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Seit der Bildung der tschechisch- deutschen Bürgerregierung wird in der Tschechoslo- wakei die Radiozensur in unglaublich reaktionärer Weise ge- handhabt. Unter dem Vorwand, der Radiosender dürfe nicht der Polllit dienen, werden ganz unpolitische Vorträge von der Zensur hu zur Unkenntlichkeit zusammen geschnlltcn. Labet handelt es sich Nilitarputsth. er Faschistenfnhrer Kommandant in Kowno. in der letzten Zeit heftig« Angriffe gegen die Regierung gerichtet hat. Glowackis war verhaftet und sein Blatt verboten worden. Seme Verhaftung hatte im litauischen Sejm Veranlassung zu großen Lärmszenen gegeben und die Lage erheblich zugespitzt. In Kowno sollte heute der 76 Geburtstag des Staatsprostdenten G r i n i u s mit großer Feierlichkeit begangen werden. Der Putsch erscheint aufs erste, und wenn man von der unstillbaren Herrschgier richtiger Faschisten zunächst absiebt. politisch kaum verständlich. Denn wenn zwischen Polen und Litauen, zumal seit der gewaltsamen Wegnahme und An- nexion W i l n a s durch Polen, kaum verhüllte Feindschaft be- steht, die sich auch in häufigen Grenzkonflikten äußert, so war doch der Vertragsabschluß mit Rußland, das dabei ausdrück- lich auf Wilna hinwies, eine deutlich« Geste gegen Polen. Und wer in Litauen vernünftig ist, wird doch nicht glauben. daß dieses kleine Land gegen Polen militärisch etwas aus- richten könnte, es wäre denn mit starker Bundesgenossenhilfe: wer aber sonst als Rußland käme als solcher Bundesgenosse in Frage? Rußland aber denkt heute nicht daran, etwa um Wilna wieder Litauen zurückzuerobern, Polen mit Krieg zu überziehen, zumal daraus für Rußland recht fatale Reben- erscheinungen erwachsen dürften. Wie also die Putschregierung in einem Aufruf— so wird auch berichtet— sagen soll. Sejm und Linksregierung hätten das Land an die Bolsthewiti ver- kaust, ist dunkel. Oder wünschen die Putschisten etwa Freund- schaft mit Polen, d. h. endgültigen Verzicht auf Wilna? Freilich soll dieser Ausruf auch„Verkauf an die Fremd- st ä m m i g e n" behaupten. Diese Nebeneinanderstcllung von Bolschewik! und Minderheitsvölkern deutet lediglich auf einen reaktionär-nationalistischen Putsch ohne weitergehende Ziele als der Befriedigung eigenster, persönlichster Herschsucht, und das ist ja ein echt nationalistisch-militaristischer Wesenszug. * Smetona war am 4. April 1919 zum Staatspräsi- denten gewählt worden, am 3. Juli 1929 trat er zurück. Nach dem Aufftond im Jahre 1922 war er eine Zeitlang Regie- rungskommission im Memelland. Die jetzt gestürzte Regierung war getragen von den Volkssozialisten und den Sozialdemokraten. Wohl hatte sie im Sejm eme Mehrheit, aber die Macht der sogenannten Christlichen Demokraten, der ausgesprochenen Rechten, war noch ungebrochen. Dazu kam in der letzten Zeit eine scharfe Wirtschaftskrise, die durch schlechten Ernteaus fall verschärft wurde. Das alles war Wasser auf die Mühle der Faschisten, die, wie überall so auch in Litauen, aus kommunistischen Treibereien Nutzen zogen. Bezeichnend ist. daß der äußere Anlaß zum Umsturz ein G c n e r a l st r e i k in Kowno zur Erringung höherer Löhne war. nicht nur um Vorträge, die für die Sendung verfaßt wurden, son- der» um literarisch wertvolle Werk«, die von Dortiogs- künstlern in den Rundfunk gesprochen werden sollen. Anläßlich der letzten deutschen A r b e tt e r s« n d u N g in Prag wurde eine Szene aus Strindbergs„Traumspiel-, die zwar stark sozial betont, ober natürlich ganz unpolitisch ist, konfisziert. Toü öes Kaisers von Japans New Park. 17. Dezember.(WTB.) Wie eine hiesige Nach- richtenagentur meldet, verlautet in hiesigen japanischen Kreisen, baß der Kaiser von Japan gestorben sei. » Das Abieben des japanischen Monarchen ist in den letzten Tagen mehrfach vorzeitig gemeldet worden, und es mag sein, daß auch diese Meldung noch vcrsrüht ist. Da aber au? offizieller japanischer Quelle schon vor mehr als einer Woche bestätigt wurde, daß sein Zustand hoffnungslos sei, ist die Richtigkeit des obigen Telegramms durchaus wahrscheinlich. V o s h i h i t o, der 123. Kaiser von Japan, regiert seit Jahren nur noch formal, da er vor fünf Jahren geisteskrank wurde. Er war mit 33 Jahren auf den Thron gelangt und ist 47 Jahre alt geworden. Sein ältester Sohn H i r o h i t o, der jetzt Kaiser von Japan geworden ist, ist 26 Jahre alt und war schon seit fünf Jahren Regent. Er hat wiederholt Europa besucht und kennt insbesondere England sehr gut, wo er zeitweilig studierte, ebenso wie sein Bruder, der Prinz T t j i t s ch i b u, der gerade jetzt seine Studien in Eng- land unterbrechen mußte, um auf die Nachricht der Verschlimmerung im Befinden seines Vaters die Rückreise nach Japan anzutreten. Maösen-Mpgöals Programm. Soziale Reaktion. kapenhagen. 17. Dezember.(Eigener Drahtberichi.) Der dänische Reichstag nahm am Freitag das Rogierungsprogramm des neuen Staatsmimflers Madscn-Mygdal entgegen: es bringt keine Ueberraschung« n. Wie erwartet, bezeichnete die neue Re- gierung als chre Houptausgabc, die dänische Wirtschast lonkurrenz- fähiger zu gestalten durch Anpassung» der-Staatsansgoben an die Pari-Krone. Es sollen Reduktionen in den staatlichen und kommunalen Budgets vorgenommen werden. Wenn dabei die„genaue Prüfung einer Reihe von Ausgaben, die während der Kriegszeit und in der Jnflwtionsperiode vorgenommen wurden-, angekündigt wird, so versteckt W) dahinter der Wille zur Kürzungdersozia- len Ausgaben. Eine weitere Spitze gcgen die dänische Arbeiter» schaft enthält ein Passus, der die Vorlage eines Gesetzes zum SchutzderArbeitsfreiheit in Aussicht stellt. Die Regierung will weiter eine Stciwrroform zur Förderung des Sparwillens vor- nehme», was in der Praxis eine Herabsetzung der Einkommensteuer bedeutet. Die Bedeutung der Landmannsbankschulden, die inzwischen ans über 566 Millionen gestiegen sind, soll durch eine Auslandsanleihe erfolgen. Besondere Beachtung wird der Wirtschaftskrise in Dänisch- Nordschleswig zugesagt. Mit der Außenpolitik beschäftigt sich die Regierungserklärung gar nicht. Das bestätigt, daß in dieser Beziehung keine Kurs- änderung zu erwarten ist. Wenn zum Schluß betont wird, daß die neue Regierung nicht als Parteiregierung handeln will, so ist das insofern richtig, als sie, wie die vorstehenden Programmpunktc zeigen, eme Ueberwindung der Wirtschaftskrise durch Unterstützung des Bauern- und Bürgertums auf Kosten der Lohn- c m p f ä n g e r und Beamten wie der Sozialfürsorge herbeizuführen gedenkt. Der Juchs im Eisen. Die Schande der„Wirtschaft" stellt sich selber blosi! On ihrer pathologischen Sucht, di« Arbeiterschaft zu bekämpfen und die zu ihrem Schutze geschafsenen sozialen Einrichtungen herabzusetzen, hat sich die„Deutsch« Bergwerts-Zeitung" in der eigenen Fall« gesangen. Sie brachle am lS.� Dezember einen Artikel mit der Ueberschrift„Erwerbslosenunterstützung, Tariflohn und Notstondsarbeiten, der Beweise dafür bringen soll, daß d i e Erwerbslosenunter st Ützung zu hoch sei und„noch weiier- gehende Erhöhungen, wie sie von der Sozialdemokratie angekündigt werden", als ausgeschlossen gelten sollten. In seinem Uebereifer hat der Artikelschreiber und mit ihm die Redaktion der„Bergwerks- Zeitung" jedoch übersehen, daß all die Beispiele, die gegen die Er- werbslosenunterstützung ins Feld geführt werden, einen schlüssigen Beweis lediglich dafür bilden. wie erbärmlich die Löhne im Wesleu Deutschland» sind. „Relativ günstig liegen die Berhältnisie im Bereüh des Arbeit- gebei-verbandes für die n o r d w e st l i ch« G r u p p e. Der Tariflohn belrägt dort bei verheirateten Facharbeitern mit vier Kindern 41.33 M. in der Woche, liegi also immer noch verhältnismäßig beträchtlich über der Unterstützung eines verheirateten Erwerbslosen mit vier Kindern, die für die ersten acht Wochen je 23,14 und von der neunten Woche an je 2(5,28 M. beträgt. Ein anderes Bild ergibt sich jedoch sofort bei sinkender Beschäst i- ung; in diesem Falle würde der Tariflohn sinken bei einer rbeitszeit von 5l> Stunden auf 37,34 M. und b« i 40 Stunden auf 30,(3S M. In diesen beiden Fällen wird also der Anreiz zur Arbeit infolge Annäherung der Erwerbslosen- Unterstützung an die Lohnsätze stärker beeinflußt, zumal bekanntlich den Erwerbslosen manche Nebeneinnahmequellen zur Verfügung stehen. Wesentlich ungünstiger liegen die Verhältnisi« in der oer- arbeitenden Industrie. In Remscheid z. B. beträgt der Tariflohn für verheiratete Facharbeiter mit vier Kindern 3 3,63 M.: er sinkt bei 50 stündiger bzw. bei 40 stündiger Arbeitszeit aus 30.03 bzw. aus 2 4,14 M. Hier zeigt sich also, daß die Sätze der Erwerbs- losenunlerstützung außerordentlich nahe am Einkpmmen der Arbeiter liegen, daß sogar Ueberschneidungea vorkommen. Dasselbe Bild ergibt sich für die Metallindustrie des Wuppertales, wo bei Facharbeitern mit vier Kindern der Tariflohn 34,96 M. beträgt und wo er bei entsprechender Der- kürzung der Arbeitszeit auf 29,41 M bzw. 24,02 M. sinkt Dieses letz er« Verhältnis läßt sich auch bei anderen wichtigen Industrien des Westens nachweisen. Im Siegerlandz. B. beträgt der Tarif. lohn für Facharbeiter mit vier Kindern 31,86 M., er sinkt bei Svstifndlger Arbeitszeit auf 28,57 Hl. und bei 40stündiger Arbeits- it auf* 22,57 M. In der Textilindustrie lz. B. derjenigen 'es Wuppertales) kommt bei Arbeitseinschränkungen die Erwerbs- losenunterstütznng sehr nahe an den Arbeitslohn heran, da dieser bei öOstündiger Arbeitszeit 31,41 M. und bei 40stündiger Arbeitszeit 25,98 M. beträgt. Ein wesentlich ungünstigeres Bild ergibt sich, wenn man die Erwerbslosenunterstützung oergleicht mit den Tariflöhnen der angelernten Arbeiter. In der Eisenindustrie, wo die Spannen noch am größten sind, be- die kommt ein angelernter Arbester, der verheiratet ist und vier Kinder hat. bei Vollarbeit«inen Torislohn von 3 6,86 M.. der bei övstündlger Arbeitszeit aus ZZ.35 Hl und bei 40slündiger Arbestcdauer aus 27,60 M. sinkt. Es zeigt sich also, daß selb st bei Vollarbeit nur«ine Spanne von rund 11,70 M. wöchentlich bzw. knapp 2 M täglich besteht. Wesentlich ungünstiger sind die Derhälinisie in der« i s« n v«j:- arbeitendenJndustri«. Im Remscheider Bezirk z. B. beträgt bei öOstündiger Arbeitszeit wöchentlich der Taristohn für einen ange lernten Arbeiter mit vier Kindern 28,40 Hl.: er ist also auf den Tag umgerechnet mir rund 50 Pf. höher als di« Erwerbslofenunteo stützung, bei 40stündiger Arbeitszeit ist di« Erwerbslosenunterstützung sogar um rund 2,60 M. höher als der Tariflohn. Noch größer« Differenzen ergeben sich in der Siegerländer Industrie, wo der Tariflohn bei 40 stündiger Arbeits- zeit 21,04 M. betrögt, und in der Metallindustrie des Wupper- tales, in der er sich auf 21.82 M. beläuft. Bei diesen beiden Industrien kommt sogar bei SOstündiger Arbeitszeit die Erwerbslosenunterstützung b!» aus den ganz geringfügigen Betrag von 1,08 M. bzw. l,K2 M. an den Tariflohn heran. Irgendein Anreiz zur Arbestsaufnahm« besteht hier also überhaupt nicht mehr. Für Hilfsarbeiter läßt sich feststellen, daß bei ihnen in der Hegel die Erwerbslosen- Unterstützung höher ist als der Tariflohn oder daß er so nah« an ihn herankommt daß Unterschiede praktisch nicht ins Gewicht fallen. So z. B. erhält in der Remscheid«? Industrie ein vollarb.".tender hllss- arbeiler mit vier Kindern einen Tariflohn von 27.15?N„ der bei öOstündiger Arbeit aus 24,64 Hl. und bei 40slündig«r aus 19,58 M. sinkt: in diesem letzteren Falle ist also die Erwerbslosen- unter st ützung täglich um«ine Mark höher als der oerdiente Arbeitslohn. Aehnlich liegen di« Berhältnisie in der Metallindustrie des Wuppertales und im Siegerland. Im Wuppertal schwanken di« Tariflöhne je nach der Be- schästigungszeit zwischen 28,77 und 1 9 72 M und im Siegerland zwischen 26,85 und 19,04 M.:«» ergeben sich also nicht unwesentliche Unterschiede zu Lasten des Arbeitenden." Der Artiketschreiber hat durchaus recht! Diese skandalösen Löhne gehen zu Lasten der Arbeitenden und ihrer Familien Das Nabe- liegendste wäre also für ein Unternehmerblot!, das. wie angeblich die „Bergwerks-Zeitung". den wirtschaftlichen Frieden erhalten wissen möchte, den Unternehmern zu empfehlen, mit derartigen Clendslöhnen so rasch wie möglich aufzuräumen, da sie«in« stete Bedrohung des wirtschaftlichen Friedens bilden, abgesehen von der Bloßstellung, di« sie für die Unternehmer bedeuten. Daß der umgekehrt« Weg, eine„Anpasiung" der Erwerbslosenunterstützung an diese Löhn« nicht in Frage kommen kann, müßt« auch einem schlimmeren Scharfmacherblatt wie der„Deutschen Bergwerks-Zeiwng". falls ein solches denkbar wäre, einleuchten. Deshalb sind auch wir der vufsosiung, daß dem Mißstand, daß di« Sätze der Erwerbslosenunterstützung zu nahe an di« Tariflöhne heranreichen, schleunig st abgeholfen wird— durch eine allgemeine gründliche Aufbesserung der Tariflöhne. Einmalige �ohnzulage für Neichs-unSStaatsarbeiter Bei den am Frestag nachmittag im Reichsarbeitsministertum geführten Lohnoerhandlungen für die Reichsarbeiter wurden folgende Vereinbarungen getroffen: Die unter den Tarifvertrag bei den Reichsoerwallungen fallenden Arbester erhalten, sofern sie vom 1. Aprst bis 2. Dezember mindestens 90 Tage beschäftigt waren, einen llZochenzeitlohn einschließlich der Frauen- und Sinderzulage als einmalige Lohnzulage ausgezahll. Preußen hat sich dieser Vereinbarung für seine Arbester angeschlosien. Die Zahlungs- anweisungen sollen so rasch wie mögllch herausgehen, damit die Arbester möglichst noch vor Weihnachten in den Besitz dieser Zulage gelangen. Für die Wasserbauarbeiter finden heute Sonnabend um 11 Uhr im Reichsverkehrsministerium ebenfalls Verhandlungen statt. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß dort eine ähnlich« Vereinbarung zustande kommt. Um die Löhne der Metalltransportarbeiter. Verhandlungen mit dem VvMZ. ergebnislos. Gestern nachmittag wurde im Haus« des Verbandes Berkiner Meiallindustrieller über den Neuabschluß des Lohnabkommens für die Tränsportarbeiter der Berliner Metallindustrie verhanid«ll, das vom Metallkartell zum 31. Dezember gekündigt wurde. Gcnosie U r i ch vom Metallarbesterverbond begründet« kurz di« Kündigung des Abkommens, die wegen der völligen Unzulänglichkeit der Löhne erfolgen mußte. Er wies nach, daß die von ihm oertreten« Forderung, die Löhne aller Transportarbeiter und -arbeiterinnen um 10 Pf. zu erhöhen, durchaus be- rechtigt und keineswegs zu hoch ist. Die Metollindustriellen waren ob dieser Forderung so erstaunt, daß sie sich sofort zu einer längeren Beratung zurückzogen. Hievauf bexonte Rechtsanwalt Oppen- h e i m e r die angebliche Unmöglichkeit für die Metallindustriellen, auch nur einen Pfennig Lohnerhöhung zahlen zu können. Er betonte, daß die Löhne der Transportarbeiter in der Berliner Metallindustrie, von zwei Ausnahmen abgesehen, di« höchsten in der deutschen Metallindustrie seien, daß ein« Erhöhung der Löhne die leicht« Besierung in der Berliner Metallindustrie wieder rückläufig beeinflussen würde und die Notwendigkest ein«r Erhöhung der Löhne überhaupt nicht begründet werden könne, da eine Verteuerung der Lebenshaltung seit der letzten Lohnerhöhung im November vorigen Jahres an den Indexzahlen nicht nachweisbar sei. Di« Berliner Metallindustriellen sähen die Unzulänglichkeit der Löhne wohl ein, könnten ab er eine Lohnerhöhung zurzeit nicht zugestehen. Sie seien allerdings bereit, der Frage einer Erhöhung der Transportarbeiterlöhn« näher zu treten. wenn die wirtschaftliche Log« er st besser und über- sichtlicher sei. Die Organisationsvertreter vermochten nicht, die Metallindustrie!- len von der Unrichtigkest ihrer„wirtschafts- und lohnpolitischen", d. h. machtpolitischen Auffasiungen zu überzeugen, so daß die VerHand- lungen nach zwei Stunden ergebnislos abgebrochen wurden. Der Derhandlungsleiter, Direktor Kremmener, schlug zum Schluß vor, die Kündigung zurückzuziehen und da» jetzige Lohnabkommen unverändert bestehen zu lassen. Das Metallkartell wirf» sich mit diesem Borschlag heute be- schäftigen, chn aller Boraussicht nach ablehnen und den Schlichtungs- ausschuß anrufen. Lohnbewegung der Neichspostarbekter. Di« in der Allgemeinen Deutschen Postgewerkschaft(Mitglied- schast im Deutschen Berkehrsbund) organisierten Funktionäre beschäftigten sich am Donnerstag in einer gut besuchten Dersamm- lung mit der Lohnbewegung der Reichspostarbeiter. Genosie V a- l e n t i n von der ADP. wie» in seinem Referat zunächst auf die Gehaltsdewegung der Beamten und Angestellten hin. deren Organi- satianen es wegen der ablehnenden Haltung der Reichsregierung und des Reichssinanzministeriums nicht möglich war, eine Erhöhung der laufenden Bezüge durchzusetzen. Durch dl« Stellungnohm« der R«Ichsr«g!erung m» des Reichs- finanzministeriums kamen di« Organisationen der Reichsarbester, die die Lohntarife der Reichsarbeiter zum 31. De- zember gekündigt und eine generelle Erhöhung der Reiche orbeilertöhn« gefordert hallen, in ein« schwierige Situation. Die Verireier der Allgemeinen Deutschem Postgewerkjchasl hchen am 11. Dezember in einer unoerdinblichen Besprechung �m Reichspost- mimsterium erklärt, daß sie infolge der oeränderten Situation nun- mehr ebenialls eine einmalige Beihilfe!°edern, ohne jedoch ihre Äuffoflu-tw über die unbedingt notwenidige Erhöhung der sehr niedrigen Löhne der Reichspostarbeiler und Arbeiterinnen preiszugeben. Die Vertreter der übrigen Organijationen stellten sich in den Verhandlungen im Reichsfinanzministerium am 15. Dezember auf den gleichen Standpunkt. In der Reichstagsfitzung am 15. Dezember wurde dann die W e i h n a ch I s de i hi l j e iür die Beamten und Angeftelllen env- iültig beschlossen, zugleich aber auch den Reichsarbeilern diese Bei nlfe gewährt. Die Vertreter der Reichsarbeiter werden bei den Der- Handlungen am Donnerstag im Reichssinanzministenum doram dringen, daß allen Reichsarbeitern und Arbeiterinnen eine einmalige Zulage gewähn wird, durch die die bei früheren Lerhondlungen zü- gefügten Nachteile ausgeglichen werden. Vor allem werden sie oei- lanaen, da� auch den ftundenweife befchäftigten heitern und Frauen eine entsprechende Beihilfe gezahlt wird. « Das Reichspostministerium hat angeordnet, daß die am 24. De- zember sälligen Löhne am 23. Dezember auszuzahlen sind. Quartalsversammlung der Kupferschuliedc. Die Kupferschmiede hatten am Donnerstag im Gewerkjchafts- Haus ihre Quartalsoersammtung. Der erste Vorsitzende. Genosse Fabian, schilderte in seinem für das gesamte Gejchästsjahr g«- geben«n Bericht, wie die Organisation durch die schwer« Wirtschafts- Iris« aus der Angriffs- in die Abwehrstellung gedrangt wurde. Die Unternehmer versuchten überall, die Löhne ab zu- bauen, was ihnen jedoch dank der gewerkschaftlichen Geschlofien- heit der Kupferschmied«, mit einigen Ausnahmen in der Metall- industrie, nicht gelang. Es hat den Anschein, als ob jetzt der Höh«- punkt der Krise überschritten ist. Während bei einem Mit- gliederbesland von etwa 800, der während des gon,zen Jahres ziemlich stabil geblieben ist, im Januar l86. im Juni 228 Mitglieder arbeitslos waren, ist die Zahl bis zum Dezember aus 152 ge- funken.(In den Mitgliederzahlen sowie in den Zahlen über die Arbeitslosen sind allerdings die invaliden Mitglieder ein- bezogen, wodurch aber an dem Verhältnis nichts geändert wlu.) Die Krise sp legest sich auch wider in den gegenüber dem Vor- jähre gestiegenen Klagen vor dem Gewerbegericht. Don 24 Klagen wurden 22 entschieden, die für 47 Mitglieder an Eist- schädigunqen usw. 5112 M. einbrachten. Der finanzielle Stand der Organisation ist trotz der Krise so,t unverändert gut geblieben. Die Einnahmen und Ausgaben der Houptkasse im dritten Quartal balanzieren mst 7234 M.: der Bestand der Lokalkasse erhöhte sich von 2679 M. am Schluß des zweiten Quartals aus 2829 M. Genosse Fabian sprach zum Schlüsse seines Berichts di« Erwartung aus, daß die Organisation, wenn die Besserung der Arbeitsmorktlage für die Kupserschmiede anhalten sollte, im neuen Jahr« wieder aus der Abwehr, in di« Angriffs- st e U u n g übergehen und Lohnbewegungen durchführen werde. Die Versammelten verzichteten aus jede Diskussion über den Geschäjtsbericht und wählten in der anschließenden Wahl ihren bis- herigen Vorstand wieder. Genosie F l e i s ch m a n n beleuchtete noch kurz die verleumderische Propaganda des Böckerdutzends der im �!nduslriev«rband' organisierten Kupferschmiede und unterbreitete den Versammelten Material, mit dem sie dem Lügenseldzug dieser„Auchorganisterten" wirksam entgegentreten können. Die Arbeiterschaft iu AustraNen. 19q (IGB.) Einem Originalbericht aus Australien entnehmen wir, daß die Lage der Arbeiterschast nicht in all«n Teilen der Insel gleich gut ist. Besonders günstig ist sie in jenen Staaten, wo dieGewerkschaften sehrstark sind und aus Grund guter Vertreter im Parlament im öfsenUichen Leben eine führende Rolle spielen. Dies gilt zum Beispiel besonders für Re u- S ü d w a l e s und Queensland, wo die 44-Stund«n-Woche allgemein eingeführt ist. In Westaustrolien genießen nur die Staats- beamlen die 44.Stunden-Woche, während zum Beispiel in Süd- Australien und Tasmanien noch um diese Errungenschaft gekämpft wird. Dos Schiedsgerichtsverfahren spiest in Australien bei der Beilegung von Konflikten eine große Rolle. Gerade jetzt plädieren die Gewerkschaften im Bundesschieds- gerichtshof zugunsten der allgemeinen Einsüh. rung der 44-Stunden-Woch e in ganz Australien. Don den sechs Staaten der Insel haben zurzest fünf Arbeiter- regierungen._ Deutscher Hutarbesterverband. Berlin. Die Auszahlung der Weihnachtsunterstützung an unsere arbeitslosen, invaliden und aus- gesteuerten tranken Mitglieder ersolgt am Montag, den 20.. Diens- tag, den 21., und Mittwoch, den 22. Dezember, in unserem Bureau in der Zest von 9 bis 1 Uhr vormittags. Der Borstand. jsrele»en>«eNch«st- I»n«nd. SkotQtn. 6. 6. Berlin Druck: BorwL: is.Buckdrnckerei und Lerlaasanttoli Bau! Sinaer n ilo Berlin kW«i Lindengrabe 3 »Utu?««U»«e»-»»..Unierd-Itnuo»»d«ige»-. pur den Weihnachtstisch... LOESER& WOLFF- ZIGARREN Geschmackvolle Geschenkpackungen(von 2 Mark an) Gute, wertvolle Fabrikate in allen Preislagen Letzte Neueinführung! In Arbeit, Qualität und Preiswürdigkeit Geöater zentralisierter Betrieb der Branche in Europa «lauptfabrik In Eibtng Zentrale: Berlin C �5, AiexanOerslr. 1 eine Höchstleistung! Ich schlage alles in Kisten zu 50 Stück das Stück... 'jng«re FabrlMai« sind«neu in vielen spezlaldesdijinrn>m Reim ernau idi l{ Nr. 595 4A.Fahrgang SonnabenÜ, 18. Dezember 1926 In 13 Räumen hat eine der drei Neuköllner Versiichsschulen, die 3 2. Gemeindeschule. R ü t l i st r a h e, eine Fülle von zeichnerischen und malerischen Kinderarbeiten öfsentlich ausgestellt, und wer die Lebensgemeinschaftsschule, eine Gründung von Wilhelm P au Isen, noch nicht kennt, hat Gelegenheit, annähernd 1000 Bilder von den Dreijährigen bis zu den Vierzehn- jährigen hinauf zu studieren. Ein gedruckter Führer leitet den Besucher an und öffnet ihm den Blick für Sinn und Bau der gesamten Ausstellung. die Zeiten der SrunSsthvle. Kunstwerke von Kinöechanü. fam der Schlüssel für ', r In den beiden ersten Räumen wird r»e Ausstellung ausgehändigt, und es ist ratsam und lohnend, sich recht genau dort umzusehen. Es kommt auf die Entwicklungsstufen hinaus, die die Schule aus den drei Wänden des ersten Raumes zu veranschaulichen versucht hat. Die Stufe der kleinen unter zehn Jahren mit ihrer Märchen- und Geschichtenwelt: Die innere Vor- stcllungswelt in ihrem eingeborenen Glück von Unmittelbarkeit der Ideen, Frohsinn der Einfall?, Gestaltungsleichtigkeit und Anspruchslosigkeit beherrscht die Kinder der Grundschule: die Gegenwart der Außenwelt empfinden sie kaum; sie sieben abseits von der Wirklichkeit, ganz ihrem Impuls, ganz ihren Inneren Bildern hin- oegeben. Die Schule glaubt, durch diese Sammlung der subjektiven Kleintindermalerei ein Beispiel gegeben zu haben, das den Gesamt charakter des geistigen Lebens der Kleinen in der Gnindschule mm zubauen Veranlassung geben könnte. Fünf Räume des ersten Stock- sind dieser Stufe gewidmet. Es geht wie eine große ernste Mahnung über all diese hundert und hundert Bilder, das Innenleben der Kleinen zu hegen und es vor der Außenwelt förmlich ängstlich zu behüten. Eine erste Bildgruppe im zweiten Raum zeigt die Ab- wege des Achtjährigen, der von seinem Fabulieren abgewichen ist und, verführt von dem Gehabe des Erwachsenen, den Boden seines inneren Reichtums verläßt, um..Stilleben nach der Natur"' zu malen. Es ist, als ob ein Stern aus seiner Bahn geschleudert wurde— als ob eine glühende Kohle in das kalte Wasser des Natu- ralismus hineinfällt, um auszulöschen. Das ganze Problem der Unterstufe geht einem aus, wenn man fühlt, wie durch die Brutalität des.Modells" das freudige Schaffen plötzlich bedroht wird— wie das unerhört starke Selbstbewußtsein her Sechs- bis Neunjährigen willkürlich durch psychologisch ganz verdrehte gewaltsame Hinweise auf die Natur gebrochen werden kann, lieber dieser liebreizenden Sammlung der Bilder der Grundschule klingt das Goethe-Wort wie ein ganz ernstes Motto an alle Elementarlehrer:.Man reist doch nicht, um anzukommen." Es gibt kein Ziel. Der Weg selbst ist unser Ziel. Am Berge herumzuklettern war die Ausgabe: den Gipfel zu vermeiden war die Absicht. Der Blick vom Gipfel des Märchen- berges ist die erste große Enttäuschung in der geistigen Entwicklmig der Kinder. Einmal muß ste ja kommen, so sicher wie das Wachs- tum aus der Kindheit zum Alterszuftond des reisen Menschen hinab- führ«. Dann bricht naturnotwendig—»«ist mit der beginnenden Pubertät— die schwere Krisis der ersten Jugendzeit herein. Die Ausstellung folgt dieser Frage aus dos ernsthafteste und mahnt sehr eindringlich alle Unterweisenden— Eltern wie Lehrer—, die Kräfte der Auflösung und Umbildung jenes Märchenwesens deutlich zu er- kennen, damit der Zusammenbruch des Kinderparadieses nicht un- nützerweise beschleunigt und die Zerstörung der Elemente nicht mehr mutwillig und ahnungslos betrieben werde! Di« Zeichenausstellung hätte einen großen Zweck schon erfüllt, wenn sie die Physiognomie dieses ersten großen Zeitalters der Kinderseele bis zum 10. und 11. Lebensjahre richtig herausgearbeitet hätte. Aweite Stufe, öos Naturfkuöium die im ersten Raum an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand mit einer Reihe von Beobachtungsstudien veranschaulicht ist. macht eine neue, ganz anders geartete Individualität erkennbar. Das Kind wird kritisch gegen seine„Pinseleien": es will über seine„Kindereien" hinaus.' Das Verhältnis zur Natur dreht sich um. War das kleine Kind bisher der Tyrann über die Natur, so erscheint seht die Natur als der Despot, der das Kind versklaven möchte. Die Kinder„verlieren" sich an das Modell. Der Gegen- stand wird gemessen, visiert, auf natürliche Farbe beobachtet usw. Die Gefahr des Naturalismus kommt herauf, wenn der Gegenstand isoliert gezeichnet wird. Die bisherige Zeichenschulebringt die Ver- sührung zur photographischen Genauigkeit. Die große Krise zwischen der subjektioistischen Malerei der Kleinen und der objektivistischen der Elf-, Zwölfjährigen verdient— das ist der Ausstellung weitere Mahnung— die sorgfältigste pädagogische Pflege. Es kommt jener denkwürdige Zustand herauf, wo das Kind mehr als je in seinem Leben in die heftige Spannung zwischen dem Minderwertigkeitsgesühl (der Natur gegenüber) und dem Geltungsbedürfnis(der Gemeinschaft der Mitmenschen gegenüber) hinein gerät. Die drillen Bildergruppen im zweiten Raum zeigen die in der Schule erkannten vielfachen Abwege, Gefahren, Entgleisungen, Verführungen und Abweichungen, die in diesem Stadium auftreten können: die koloristische Uebertreibnng der Farbe, die dramatischen Verzerrungen der Häuser, die Pose in der Physiognomie, die Eni- lehnung aus den Malereien der Großen und der Ersatz des unmittel- bar sinnlichen Bildinhalts durch einen mittelbar literarischen. Nach diesen vielfachen Schwankungen zwischen dem Subjekt der eigenen Persönlichkeit und dem Objekt des Modells erklimmt die Jugend die dritte Stufe öer Entwicklung. Cs Ist die Zeit des dreizehn- bis vierzehnjährigen Kinde», wo es den Zwiespalt zwischen Innen und Außen in den ersten An- sängen gleichsam überwindet. Im ersten Raum sind zehn, zwölf Bilder aufgehängt(unter III), die dieses letzte Stadium der geistigen Entwicklung anschaulich machen. Da» Kind der Oberklassen beginnt, sich die Welt mit ihren Objekten geistig zu unterwerfen. Mehr und mehr ist das malerische Erlebnis der Ausgangspunkt der Arbeit, und im Erlebnis bewegt sich das Kind— nun erwachsen— in der „Diagonalebcne" zwischen Subjekt und Objekt. In vier Räumen des drillen Stocks ist ein Bildmaterial zur Kenntnis der Oeffenllichkell gebracht, das imstande wäre, die Richtungskämpfe aus dem Leben der Künstler neu zu entfachen. Ueber die naturalistisch« Präzision hinaus sieht man Hunderte von Versuchen, das im Erlebnis Ge- schaute nach außen im Bild« darzustellen. Es ist der bekannte Vorgang in seiner ganzen Breite in das Schulleben hineingetragen, der sich unaufhörlich auch in der Kunstgeschichte aller Völker wiederhol hat, jener Borgang, für den Goethe die Formel von der„Subjckti- vierung im Objekt" fand. * Die Entwicklung des Dreifachen, die die Ausstellung zu zeigen versucht, ist eine naturgesetzliche und offenbart ganz allgemein— nicht bloß für die Maler— die Naturform des menschlichen Geisteslebens überhaupt. Darum kann die Ausstellung weder eine Parodeaus- stellung, noch eine Fachausstellung sein: sie zeigt vielmehr mit der einen Seit«— der Entwicklung des Kindes im Zeichnen und Malen— zugleich den ganzen Menschen. Ob die Empfindungen nach der künstlerischen oder wisienschastlichen Seite gehen, nach der politischen oder religiösen, immer steht vor dem Menschen die schwei- gende Natur mit ihrer mächtigen Gegenwart des Lebens, und die Ausstellung vennag wohl den Eindruck zu vermitteln, wie hoch die geistigen Taten der Jugend gesteigert werden können, wenn die Natur als schöpferisches Temperament in ihr Leben richtig ein- geschaltet wird. Adolf Jensen. Zeichnungen eines 12 jährigen Schülers. „Hafeneinfahrt."„Dampferanlegestelle." Anmerkung der Redaktion: Die Zeichnungen entstammen nicht dem Su»stell»ng«bestande der obenerwähnten L2. Ge« meindeschule. Sie sind uns von einem Lehrer einer anderen Berliner Schule zur Verfügung geslelll worden, illustrieren aber trestlich alle? in dem Artikel gesagte. Die Wunöer öer Klara van Haag. 41Z van Johannes vuchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. .Kasper Egholm!" sagte der Professor und blieb plötzlich stehen.„Ist es möglich! Gott, es tut förmlich im Kopf weh. an so ferne Zeiten zu denken. Er war ja der Fescheste von uns allen, und der, den Sie vorzogen. Wir sahen auf ihn herab, weil er nur Krämerlehrling war. Aber wir konnten sehen, daß er ein Teufelskerl war, und wir haßten ihn. weil Sie es auch sehen konnten. Wie ging es eigentlich zu? Eines schönen Tages war er verschwunden. Ist es ihm gut ge- gangen?" „Ja, wie geht es uns denn hier auf der Welt," sagte die Gnädige. „Ich meine, ist er schöner geworden als Sie! Runder als ich, oder—" „Wir können zu ihm hineingehen." „Nein, ach. warten S!« ein wenig. Sagen Sie, was i st Kasper Egholm jetzt. Das Haus kommt mir doch etwas ver- wildert vor. Kaufmann ist er nicht mehr. Wie? Ich sehe etwas wie ein Schild an der Tür. Was ist er?" Frau Klaras Stirn runzelte sich. Sie hatte sich so auf eine erfrischende Begegnung zwischen den beiden gefreut. Aber Hans Iuhls kleine Worte verdarben ihre Pläne. Dieses Prosefforenhirn würde im Vogelfluge eine Linie von dem fernen zu dem gegenwärtigen Egholm ziehen und zu dem Ergebnis kommen, daß es ihm sehr elend hier in der Welt ergangen war. „Was er ist? Photograph ist er. Im übrigen aber noch derselbe Teufelskerl wie damals. Ich möchte ihn gegen keinen tauschen! Das Haus gehört ihm— und hören Sie— er ist im Begriff, es zu verkaufen und reich zu werden. Möglicher- weife kauft er sich dann ein Rittergut. Aber kommen Sie! Wir wollen umkehren wir müssen auch heim und sehen, was Hedwig zum Frühstück hat. Sagte ich Ihnen, daß Hedwig Egholms Tochter ist?" Der Professor fühlte sich erleichtert, daß sie umkehrten, doch sagte ihm ein Instinkt, daß er es der Gnädigen nicht recht gemacht hatte. Jetzt versuchte er e» wieder gut zu machen. indem er Hedwig lobte. „Wirklich— jetzt verstehe ich, woher ste ihre Haltung und ihren Blick hat. Nach dieser Mitteilung werde ich sie mit noch größerem Interesse ansehen." „Ja," sagte Frau van Haag schlau,„und jetzt steht es so, daß dieser Iohan Fors der Schatz von Hedwig Egholm ist!" „Tut mir leid—" „Kein Wort vor dem Frühstück, hören Sie!" Herr van Haag und der Professor trafen sich nur bei den Mahlzeiten. All dies Gerede über Musik langweilte den Zoll- Verwalter bis zur Unerträglichkeit. Bei anderen konnte es glänzend gehen mit Londoner Nebel und ähnlichen Erleb- nisten, vor dem Professor aber klang seine Stimme so seltsam leer und hohl. Nur eines tat er. um sich zu behaupten: er wechselte dreimal täglich das Zeug, erschien sogar zuweilen in seiner neuen Uniform. Aber was half das? Niemand beugte sich vor seiner Feinheit. Der Professor zog nur das knackende Futteral hervor, wenn gespielt werden sollt«. Unendlich überflüssig fühlte er sich, wenn die zwei anderen lebhaft zu reden begannen und in Lachen über Dinge und Menschen ausbrachen, die ihm völlig unbekannt waren. Dann schützte er Arbeit im Bureau vor. erhob sich und gab hekab- lassend die Hand, woraus er in Wangs' Hotel ging, ein Glas Tee mit Rum trank und ein interessantes Gespräch mit der Wirtschafterin führte, die Frau Wang hieß und die Schwicger- tochter des alten Wang war. Sie hotte früher ein Pensionat gehabt und war von der Aktiengesellschaft zur Ausnutzung der Touristen engagiert worden. Tüchtig war sie, soweit es Esten und Trinken betraf, außerdem war es. wie gesagt, interessant, mit ihr zu reden. Sie erzählte Herrn van Haag von der Un- tüchtigkeit und Untugend der Mädchen, von der Gasrechnung, die sie um drei Kronen heruntergebracht hatte, von einem Herrn, der sich über die Anchovis beklagt hatti, und dem Kaufmann, der die Dose doch nicht gegen eine neu« eintauschen wollte. Von ihrem Mann, der sich in der Trunkenheit beim Fischfang ertränkt hatte, und der jetzt vielleicht nicht— wahr- scheinlich nicht— bei Jesus war. Mit leicht verständlichem Uebergang erwähnte sie hier daß sie den Herrn Zollverwalter letzten Sonntag in der Kirche gesehen. Sie sprachen dann einiges über Religion und Bekehrung und andere merkwürdige Dinge. Herr van�Haag berichtete z. B. von einer sonderbaren Wanderung, die er einmal im Londoner Nebel unternommen hatte. Die Hände vorgestreckt— so— war er gegangen. Und andere Hände waren ihm begegnet— so. Hier stieß er sanft gegen Frau Wangs Hände, sie faßt« sie mit einem schnellen, kleinen Ruck, ehe sie sie wieder losließ, lachte viel und patschte sie fort. Das tat sie nicht, um den Zollverwalter zu kränken, und er faßte es auch durchaus nicht als Kränkung auf. Frau Wang war nicht gerade jung, aber ihre Absätze waren sehr hoch. Das verlieh ihr Haltung, einen Knick nach vorn, den der Zolloerwalter bemerkte, und der ihm gefiel. Stirnhaare hatte Frau Wang auch. Daheim im Zollamt fand Frau van Haag unterdesten den Augenblick gelegen, um den Profestor zu bitten, sich über Iohan Fors auszusprechen. „Ja," sagte Hans Juhl bedenklich, ergriff sein Litörglas und ließ einen letzten Tropfen auf seine Zunge laufen.„Aber sagen Sie mir zuerst eines: Bin ich ein Humbugmacher oder bin ich—?" „Nicht die Spur, lieber Freund!" „Schön, ich wollte mir ein Attest sichern, ehe es zu spät ist. Hören Sie nun— werden Sie böse— nennen Sie mich undankbar oder was Sie wollen: Iohan Fors kommt durch eine Empfehlung von mir nicht weiter." „Beurteilen Sie ihn so strenge nach dem kleinen Diebstahl von Schumanns Abendlied? Alles andere war doch originell." „Alles war gestohlen!" „Nein, hören Sie, lieber Hans Juhl. Wollen Sie mir einen Komponisten und Kompositionen nennen." „Gut, daß ich mein Attest habe. Die Komponisten kann ich nämlich nicht nennen, und doch ist alles gestohlen. Hören Sie nun: Der Bursche hat ein gutes Gehör. Ein absolut glänzendes Gehör— er saugt Musik von allen Seiten ein. Wenn er heimkommt, nimmt er die Geige und gibt wieder. was er in den Ohren hat, aber— falsch! So kommen seine Kompositionen heraus." „Mir wird es so schwer, zu glauben, was Sie sagen." „Mir auch. Die ersten zehn Minuten war'ch wirklich der Ansicht, einem Künstler gegenüber zu stehen. Künstlerblut ist, weiß Gott, auch in ihm. Aber—" Der Professor schnitt eini Grimasse,„seine„Kompositionen" sind nichts wert, im Gegen» teil, sie würden ihm bei fleißigem Unterricht nicht gutzumachen» den Schaden zufügen, einem Unterricht, für den er. alles in allem, zu alt ist. Abgelehnt also! Ich ärgere mich übrigens, daß er nichts von Ihnen, liebe Frau Klara, gestohlen und umgearbeitet hat. Dann würden Sie mich leichter verstanden haben." Frau Klara hob den Kopf, als wollte sie etwas sagen, gab es wieder auf, trommelte leise mit der linken Hand, seufzte und— verstand. (Fortsetzung folgt.) Ein Schlag ins Wasser. Große Ereignisse werfen schon lange ihre Schatten voraus— f-efjcr kein Wunder, daß man sich den Kops zerbricht, wie die halbe Weltausstellung, die„Internationale" von 193 0. eigenllich aussehen soll. Prof. Bruno Möhring hat nun, wie mitgeteilt, in einer Fachversammlung den Plan zur Debatte gestellt, neben der in der„Neuen Stadt" verkörperten Bauausstellung eine Schau der Geisteswissenschaften aller Völker zu schaffen. Eine Ausstellung der Geistigkeit, die von allen Universitätsstädten der Welt beschickt werden sollte. Abgesehen davon, daß diese Geistigkeit sich einmal durch Vor- träge, denen nur ein kleiner Teil des Publikums folgen kann, ein andermal durch Tabellen u. dgl. tote Dinge verkörpern läßt, ist dieser Gedanke, soweit er sich auf die Berücksichtigung der deutschen Universitäten bezieht, von vornherein von der chand zu weisen. Das fehlte gerade noch, diesen Herren Professoren, die immer noch in stattlicher Anzahl nicht wissen, wie die deutsche Reichsslagge aus- sieht, und ihren hakenkreuzgeschmücktcn Studenten(„Siegreich wolle» wir Frankreich schlagen") eine direkte Beteiligung an diesem, in so eminenter Weise dem Friedensgedanken dienenden Werk zuzuweisen. Ihnen eine solche Gelegenheit zu geben, das republikanische Deutsch. land vor der ganzen Welt herabzusetzen, wäre eine Dummheit sondergleichen, und es steht zu hoffen, daß diejenigen Faktoren, die für die Kosten aufkommen, also doch wohl Staat und Kommunen, sich die Leitung nicht soweit aus den Händen winden lassen, daß sie stumm zusehen müßten, wie der teutonische Mut sich an Phrasen berauscht, die für jedes feinere Ohr den bekannten Unterton haben. Reden und Taten aus der Universitätswelt heraus haben nicht nur die Arbeiter, sondern weite Kreise des Bürgertums mit Zorn dar- über erfüllt, daß jene ernst hochgehaltenen Symbole geistiger Freiheit zu Sinnbildern reaktionärer Hoffnungen geworden sind. So- lange die Mehrheit der Professoren und der Studenten sich nicht von dem nationalistischen Irrwahn lossagt, wird man ihnen ein Mandat, im Namen des deutschen Volkes zu reden, nicht zuerkennen können. Wir waren Monarchisten— dieses von Stresemann geprägte Wort ist in das Bewußtsein der Universitätsherrcn noch nicht genügend eingedrungen. Kritik, wird man sagen, ist leicht— aber besser machen? Nu», der Möhringsche Gedanke, der toten Masse, genannt neue Stadt, etwas Lebendes entgegenzusetzen, kann sehr leicht in die Tat vcr- wandelt werden, wenn man sich entschließt, das Volkslebender einzelnen Nationen und darin ihre heimatliche kunftgcwerb- liche Tätigkeit zur Schau zu bringen. Das würde werktätige An- gehörige der fremden Völker mit den Repräsentanten unserer künstlerisch gegliederten Arbeit zusammenführen und vor allem dem Publikum vorführen, daß da hinter den Bergen auch noch andere zivilisatorisch wichtige Kräfte lebendig sind. Und daneben könnte in Vorträgen, Musik- und Theateraussührungen, Volksfesten u. dgl. eine Buntheit der Belehrung und des Vergnügens erzielt werden, die die Schaffung eines Ausstellungsrummelplatzes überflüssig machen würde. Feste feiern— warum nicht nach einem Zeitraum der Erholung von 12 Iahren—, aber diese Festatmosphäre sollte nicht von niedrigen Spekulationen entweiht werden. Ein geistvoller Engländer hat schon vor dem Kriege gesagt, unsere trüb gewordene Zeit brauche einen Vergnügungsminister— nehmen wir diesen Gedanken auf und bauen das Werk in jenem fröhlichen und— reinlichen Geist aus, den die moderne Kultur- bewcgung in allen Ländern aufweist. Für Roethe-Geifter und Hannover-Hakenkreuzler ist aber bei der Errichtung eines solchen Friedenswerkes kein Platz!_? öluttat eines Epileptikers. Auch eine Kolge des Wohnunnselends. Bor dem Sandgericht I fand gestern unter Vorsitz von Land- gerichtsdirektor Marschner ein Totschlagsprozcß gegen den 61 Jahre alten Sozialrentner Kelch statt, der am 23. März den Händler Salli Dannenberg niedergeschossen, dessen Vater, den Glasermeister Max Dannenberg durch Schläge aus den Kopf mit dem Revolver schwer verletzt und eine Frau Vogel mit Erschießen bedroht hat. Den Anlaß zu der unseligen Tat bildeten Streitig. leiten der Mietsparteien in einer gemeinschaft- lichen Wohnung Höchste Straße 22. Der Angeklagte ist ein stumpfsinniger Greis, der von Jugend auf an epileptischen Krämpfen leidet, seit über 20 Jahren arbeitsunfähig ist und als Sozialrentner lebt. Er gilt als ein sehr streitsüchtiger Mensch und scheint sich darüber besonders geärgert zu haben, daß bei den Dannen- bergs abends viel musiziert und gesungen wurde. In höchster Erregung sprach er immer von dem Gesindel, das ihn fortwährend gequält habe. An dem verhängnisvollen Tage sei er von Vater, Sohn und Schwiegertochter Dannenberg auf dem Flur überfallen worden und habe aus Notwehr zur Waffe gegriffen. Die Zeugen stellten den Vorfall anders dar, und sie behaupteten, daß sie von dem Angeklagten angegriffen worden seien. Nachdem Kelch Salli Dannenberg erschossen hatte, zertrümmerte er mit einem Beil die Türfüllung des Zimmers, in dem das Ehepaar Vogel wohnte und wollte auf Frau Vogel schießen, die sich zu ihrem Glück verstecken konnte. Andererseits brachte Rechtsanwalt Dr. Frey Beweis dafür, daß Salli Dannenberg ebenfalls ein sehr gewalt- tätiger Mensch gewesen war. Es wurden auf Antrag des Verteidigers zwei Polizeibeanüe vernommen, von denen der eine bekundete, daß Dannenberg gedroht hatte:„Warte nur, wenn die Kommunisten kommen, hängst du als erster am Laternenpfahl." Der andere Beamte sagte aus, daß Danenberg, ein Ausländer, ihm bei einer Festnahme an die Kehle gesprungen und mit den Worten „deutsches Schwein" beschimpft habe. Nach dem Gutachten von Prof. Dr. Fräntel ist der Angeklagte ein belasteter Epileptiker, bei dem man in der Gereiztheit eine Affekthandlung annehmen muß, die durch lang aufgehäuften Groll ausgelöst worden ist. Da er sich ober aller Einzelheiten erinnert, kommt ein epileptischer Dämmerzustand nicht in Frag«. Dos Landgericht kam zu folgendem Urteil: Karl Kelch wird wegen oorfätzlicherTötung, fahrlässiger Körperverletzung und Nötigung zu 2 Jahren 8 Monaten Gefängnis verurteilt unter An- rechnung von 8 Monaten Untersuchungshaft. Als Milderungs- g r u n d für die folgenschwer« Tat sah das Gericht an, daß der An- geklagt« ein Epileptiker ist und von leicht reizbarer Natur. Er hatte sich in seinen Aerger hinemgelebt und war zum Teil auch von veränderen Seit« schwer gereizt worden. Die„Einheitsfront" bei den Freidenkern. Aus der Freidenkerverfammlung in Neukölln, über die wir bereits am Mittwochmorgen berichteten, geht uns noch eine die Kommuni st en kennzeichnende Schilderung zu. Wie den Kommunisten überall da, wo sie nicht die Mehrheit zu haben glauben, mit einem Male das Herz für die E i n h e i t s j r o n t schlägt, so bieten sie auch bei den Wahlen von Delegierten zur be- vorstehenden Reichskonferenz wieder dieses Schauspiel. In der Neu- köllner Versammlung trat, schreibt man uns, der Kommunist Rintorf zum Zweck der Aufstellung einer Liste nach der Parteienstärke an die Bezirksleitung heran, doch wurde ihm das abgelehnt, weil nach den Richtlinien des Vereins die Bezirksleitung keine Parteipolitik treiben darf. Während noch verhandelt wurde, flatterte schon die Vorschlagsliste des als entschiedenen Freidenker sich gebenden Kom- mumsten auf den Tisch des Vorstandes und nachher durch den Saal zur Verwirrung der Mitglieder Auf der einen Seite v c r h o n- d e l t e man, auf der anderen Seite bereitete nian schon den Treubruch vor, und der oerhandelnde Rintorf selber war KPV.-Spitzenkandtdot. Di« Vorschlagsliste der Frei- denkersunktionäre Neuköllns, in der Mitglieder aller Parteien oertreten sind, ist aus geheimer Abstimmung der Funk- tionSre hervorgegangen. Sie fand auch in der Versammlung das Vertrauen und den Beifall der Mitglieder, von denen 1600 dafür und nur wenige dagegen sttmmtön. Solange die Forderung, daß aus der Freidenkerbewegung die Gegensätze der poli- tischen Parteien verschwinden sollen, gerade von den Kom- m u n r st e n nicht erfüllt wird und sie ihr« in den Gewerkschaften und in der Konsumgenossenschaft oersuchte Zerstörungs arbeit auch unter den Freidenkern treiben wollen, müssen alle ehrlich den- kenden Sozialisten ihnen entgegentreten. Die Genossen und Ge- nossinnen werden in Zukunft bei Freidenkerdelegiertcnwahlen aus der Hut sein und die sich ihnen als Vertreter einpsehlenden Personen genau daraufhin ansehen, ob sie es mit der Freidenkerorganisation ehrlich meinen._ Ausdehnung des Moabiter Skandals. Neue Belastungen und Verhaftungen von Justiz- bcamtcn. DI« Aufsehen erregende Akkenbeseitigungsasföre Im ZNoabiter kiriminalgericht nimmt immer größeren Umfang an, und es erweckt den Eindruck, als ob ein größerer kreis von Iustizbe- amlen von den Unregelmäßigkeiten gewußt und in die Angelegenheit verwickelt worden ist. Unter dem Verdacht, an den Akiendiebstählen mitbeteiligt zu sein, sind im Lause des gestrigen Vor- mittags weitere vier Justizwachtmeister den Unter- suchungsbehörden zur Vernehmung vorgeführt worden. Einer dieser Beamten, ein Juslizwachlmeister vom Landgericht III, ist sicherem Vernehmen nach ebenfalls verhaftet worden, da er unter dem dringenden verdacht der Mttäterschaft steht. Auch die übrigen drei Beamten scheinen reichlich belastet zu sein, so daß mit noch weiteren Verhaftungen zu rechnen sein dürfte. Der mit der Untersuchung der Angelegenheit, die in Moabit das allergrößte Aufsehen erregt und zu umfangreichen Ermittlungen geführt hat, betraute Kriminalkommissar wahrt mit Rücksicht aus die noch ungeklärten Zusammenhänge und die weitere Entwicklung der Angelegenheit über die Einzelheiten uoch strengstes Stillschweigen, wie auch die Staatsanwaltschaft jede Auskunst über den bisherigen Umfang der Beschuldigungen gegen weitere Zuslizbeamle ablehnt. Wie wir zu der Affäre des Rechtsanwalts Dr. Ludwig Meyer noch erfahren,«vor der Verteidiger infolge kleiner Gefällig- keiten, die er seinen Mandanten gutmütigerweise im Untcrsuchungs- gefängnis gewährt«, und die zunächst durchaus kein« strafbaren Hand- lungen darstellten, so in die Gewalt dieser Schwerverbrecherkreise ge- raten, daß er in letzter Zeit in zahlreichen Fällen diese Leute gratis verteidigen Iii u ß l e und schließlich diesen verbrecherische» An- hang nicht mehr von sich abschütteln konnte. Rechtsanwalt Dr. Ludwig Meyer hatte sich zuerst dazu hergegeben, für die Verbrecher im Unter- suchungsgesängnis e'nen Kassiber mitm nehmen oder ihnen Zieo- retten zuzustecken, Handlungen weniger schweren Charakters, die ihm wohl zunächst nur ein« Rüge des Gefängnisoorstandes«ingebracht haben würden. Nach und nach geriet er, der als gutmütiger, aber charakterschwacher Mensch gekennzeichnet wird, völlig in die Hand jener Derbrecherkreise, die ihn schließlich auch zu direkt strafbaren Handlungen zu bewegen wußten. In letzter Zeit war es in Anwalts- und Rrchterkreisen schon aufgefallen, daß Dr. Lud- wig Meyer fast ausschließlich Schwerverbrecher und Z u- hälter verteidigt«, deren Vertretung ihm ursprünglich manchmal als Offizialverteidiger übertragen worden war. Für die Aktcnbcscitigung. die einen b-cträchtlichen Umfang haben soll, wurden den schuldigen Sekretären Beträge von etwa 100 Mark zur Ver- fügung gestellt, und Dr. Meyer soll in einigen Fällen das aus den Berbrecherkreifen stammende Geld an die Iustizbeomten, mit denen er sehr bekannt war, übermittelt haben. Die Angelegenheit, die schon geraum« Zeit spielt, wurde dadurch entdeckt, daß der verhastet« Pahlke am Sonntag in seinen Diensträumen erschien, obwohl er gar nicht Sonntagsdienst hatte, und sich dort an den Akten zu schaffen macht«. Di« zurückliegenden Fälle tonnten die beiden beschuldigten Beamten dadurch ausfuhren, daß sie die fraglichen Akten einfach von anderen Kollegen anforderten und sie dann, wenn sie ihnen gut- gläubig ausgehändigt wurden, oerschwinden ließen Die Er- mittlungen erstrecken sich auch darauf, ob etwa die anderen Beamten, die den schuldigen Beamten die Akten verschiedentlich auslieferten, nicht die nötige Vorsicht haben walten lassen, oder gar von den eigen- artigen Beziehungen gewußt haben. R.-A. Dr. Georg Löwenthal bittet uns mitzuteilen, daß er nicht mit dem R.-A. Dr. Löwenthal indentisch ist, dessen Praxis Dr. Ludwig Meyer übernommen bat. Stand der Scharlacherkrankungen in Berlin. In den Nachkriegsjahren hatten die Scharlacherkrankungen in Berlin einen ganz erheblichen Rückgang aufzuweisen. Die niedrigste Iahresziffer wurde 1923 mit 1933 Fällen erreicht. Seit diesem Jahre weisen die Scharlacherkrankungen eine langsame, aber deutliche Zu- nähme auf. Sie betrugen 1924 3170 Fälle, 192ö 4156 Fälle, bis zum 1. Dezember 1926 sind bereits 3602 Fälle bekannt geworden. Die Zunahme des letzten Jahres tonzentriert sich auf die Herbsttnonate seit August. In diesen Monaten hat die Zahl der Erkrankungen etwa den dopetten Umfang wie in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. November und Dezember weisen einen leichten Rückgang auf. doch ist nicht mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß dieser Rück- gang ein dauernder sein wird. Erfahrungsgemäß verläuft die Seuchenkuroe des Scharlachs in Wellenbewegungen, die alle 10 bis 15 Jahre etwa zu einem stärkeren Aufstieg führen Ob der Höhe- punkt eines solchen Ausstieges bereits jetzt erreicht ist, läßt sich nach epidemiologischen Erfahrungen bisher nicht mit Sicherhett sagen. Der Verlauf des Scharlachs ist im allgemeinen gutartig, die S t e r b- lichkeit gering. Schuliklossen sind nur ganz vereinzelt zur Schließung gekommen. Die Sonderbeihilfen für Bedürftige. Das Städtisch« Nachrichtenamt teilt mit: Dem Vernehmen nach beschließt der Reichstag erst am 17. Dezember 1926 in dritter Lesung über die Gewährung von Weihnachtsbeihilfen an Sozial- und Kleinrentner und an Erwerbslose aus Reichsmitteln. Die städtischen Stellen können erst nach Eingang der Ausfllhrungs- bestimmungen des Reichs darüber beschließen, in welchem Umfange Weihnachtsbeihilsen für die von der Reichsbewilligung nicht er- faßten bedürftigen Perfonengruppen aus städtischen Mitteln ge- währt werden. Deshalb wird leider voraussichtlich die Auszahlung der Beihilfen an die durch die Wohlfahrtsämter und-kommissionen betreuten Personen in Berlin vor Weihnachten technisch nicht möglich sein. Es bedarf aber wohl keines Hinweises, daß sämtliche in Frage kommenden Stellen der städtischen Verwaltung mit allen Kräften bemüht sind, die Auszahlung sowett irgend möglich zu beschleunigen. Achtung, Nachwahlen znm Elternbeirat! Als am 6. Juni in Groß-Berlin die Elternbeiratswahlen statt- fanden, betelliaten sich auch die drei verschiedenen Richtungen durch Karchidatenaufstellung bei der Knabenschule in Friedrichs- Hägen. Der in der Mehrheit bürgerlich zusammengesetzte Wahl- vorstand crNärte die Listen„S ch u l a u f b a u" und„Kind in Not" für ungültig und die Kandidaten der christlich-unpoliti- schen Liste als gewähst. Hiergegen wurde bei der«chulaufsichts- behörde Einspruch erhoben, die diesem auch stattgab und einen neuen Wahltcrmin im Monat August anberaumte. Das paßte aber den Bürgerlichen nicht, die sich des ungestörten Beisammenseins unter sich erfreuten. Sie legten beim Minister für VottsbildungBeschwerde ein, der zwei Tajje vor der Wahl die Aussetzung des Wahltermins verfügte. Jetzt ist imn die Beschwerde der bürgerlichen zurück- gewiesen und die Wahl zum 19. Dezember anberaumt wor- den. Die Elternschaft der SPD. und KPD. hat sich aus einen gemeinsamen Wahlvorschlag„Einheitsliste gegen Slsiulreaktion" geeinigt. Die Wahl findet am Sonntag in der Zeit von 9 bis Z llhr in der Turnhalle der Schule in der Kirchstraße ftait. Di« Glternschost lmrg nicht nur sowft zur Wahl gehen, sondern auch sich an den Wahlarbetten am Sonntag beWflaen. — Nachwahlen zum Elternbeirat finden auch an der 3 0. G e» meindeschule, Rüdersdorser Straß« 4-5, und 138. G c- meindeschule, Mühlenstraße 50, am Sonntag, den 19. De-- zember, von 9 bis 5 Uhr statt. Besonders an der 30. Gemeindeschule hat ein lebhafter Wahlkomps eingesetzt, denn hier qitt es, die frühere christliche Vorherrschaft unbedingt zu brechen Die Christlich-Unpolitischen hatten im Sommer d. I. versucht, mit allen Mitteln den Genossen Zacharias von der Schule zu verdrängen, indem sie seine Bestätigung als Rektor verhindern wollten Um ihnen die richtige Antwort zu geben und den letzten säumigen Wähler an die Urne zu bringen, ilt es nötig, daß sich noch un- bedingt Genossen zur Wahlyilse zur Versügung stellen. Meldungen am Tage der Wahl von 9 bis 5 Uhr in der Schuls Rüdersdorfer Straße 4-5. Ein königstreuer Gemeindevorsteher. Der Gemeindevorsteher Richter in Mahlow hatte sich vor dem erweiterten Schöffengericht Berlin-Tempelhof wegen ösfent- licher Beleidigung zu verantworten. Als Gemeindevorsteher hatte der Angeklagte dem Kohlenhändler Ruß gegenüber, der irgend- eine Bescheinigung von ihm erbat, erwidert:„So, dazu bin ich wohl gut genug, aber mit den Spitzbuben da unterschreiben, das können Sie." Richter wies dabei mit der Hand auf die nebenan ausliegende Liste zum Volksbegehren auf Enteignung der Fürsten hin Ein Teil der Berliner Presse hatte sich seinerzeit mit diesem Vorfall bereits beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Antrag des Redakteurs Splettstößer, der zu den Unterzeichnern gehörte und der sich wegen der Aeußerung beleidigt fühlte, das Strafverfahren wegenJBeleidigung gegen Richter eingeleitet. Im Termin vor dem Schöffengericht wurde er aber frei- gesprochen, da in der Hauptsache die bei der Gemeinde beschäf- tigten Zeugen. Hilfsarbeiter Heine und Krüger, im Gegensatz zu Ruft nichts gehört haben wollten, und da nicht festgestellt werden konnte, daß zur Zeit der Beschimpfung Sp. sich bereits in die Liste eingetragen hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte 100 M. Geldstrafe eventuell 10 Tage Gefängnis beantragt. Der Verteidiger des Angeklagten, der durch seine unrühmliche Rolle bei der Fürsten- absindung im Rechtsausschuß bekanntgewordene Abg. Everling, verlangte die Anwendung des 8 193 StrGB.(Wahrnehmung de- rechtiater Interessen) und erbot sich schließlich auch zur Führung des Wahrheitsbeweises. In seinen Darlegungen oerstieg er sich zu einem höchst pathetischen Schlußsatz, der etwa folgenden Wortlaut hatte:„Der Herr Angeklagte ist könlgstreu und steht in persönlicher Beziehung zu Cr. Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen, bei dessen Regiment er Offizier war. Ihn, den Angeklagten, beseelten daher tiefere Gefühle. die ihn berechtigen, das Aufwertungsbegehren scharf zu bekämpfen." Muh es gleich der Revolver sein? Ein Kriminalassistent ging in der Nacht zum Freitag, kurz vor 1 Uhr, die Oranienstraße enllang. Ein vor ihn, gehender Mann fühlte sich offenbar von ihm-verfolgt und stellte ihn zur Rede. Bei dem sich entspinnenden Wortwechsel kam es zu Tätlichkeiten, in deren Verlauf der Beamte sich veranlaßt sah, einen Schreckschuß ab- zugeben. Als dieser dann keinen Erfolg hatte, versuchte er. ihn durch einen Schuß in die Hand kampfunfähig zu machen. Zufällig aber bückte sich der Mann in diesem Augenblick, und die Kugel traf ihn am Hinterkopf. Der Verletzte wurde sofort noch der nächste» Rettungsstelle gebracht. Hier erwies sich die Wunde als nicht gefährlich. Der Mann konnte, nachdem er einen Verband erhalten hatte, nach Hause entlassen werden. Ob der Beamte zu Recht von der Schußwaffe Gebrauch gemacht hat, wird von der zuständigen Stelle nachgeprüft. 20« Proz. Jahreszinsen. Der Darlehensschwindel steht wieder in voller Blüte, wie die immer häufiger stattfindenden Prozesse dieser Art zeigen. Der frühere Justizobersekretär Kurt K. hatte sich wegen fortgesetzten Betruges in über 50 Fällen vor dem«Schöffengericht Berlin- Schöneberg zu verantworten. K. war infolge seiner Ehescheidung in Schulden geraten und nahm nun Darlehen auf, die er sich durch Zeitungsinserate verschaffte und auch immer leicht erhielt, weil er sich als Beamter in fester Stellung ausgab, obwohl er bereits ab- gebaut war. Je mehr seine Schulden anwuchsen, um so mehr Dar- lchcn ließ er sich geben. Allmählich war dadurch die Schuldenlast so groß geworden, daß er sich keinen Rat mehr wußte und flüchtig wurde. Er stellte sich dann aber der Behörde. Das Gericht nahm als Milderungsgrund für ihn an, daß seine Gläubiger ihm durchschnittlich über 200 Proz. Jahreszinsen abgenommen hätten und er gezwungen war, diese ungeheuren Wucher. zinsen zu zahlen. Nur deshalb kam er mit acht Monaten Gesängnis davon. Neues Filmatelier in Babelsberg. lim nicht auf die kostspieligen Auhenbauten angewiesen zu sein. hat die llia aus ihrem Gelände in Neubabelsberg ein neues Riesenatelier erbauen lassen. In ihm können zu jeder Tages- und Nachtzeit und vor allen Dingen völlig unabhängig von der Witte- rung, Aufnahmen erfolgen. Die neue Aufnahmehalle, die auf An- regung des Ufa-Direktors Grau und nach dem Entwurf des Archi- tckten Carl Stahl-Urach gebaut wurde, ist 123,50 Meter lang, 56 Meter breit und bis zu den Laufstegen 14 Meter hoch. Durch verschiebbare, ausgemauerte Wände ist die Halle unterteilt, folglich können, ohne daß gegenseitige Störungen erfolgen, mehrere Großsilnie und kleinere Filme zu gleicher Zeit gedreht werden. An der Ostseite zwischen den vorgebauten Kopfhallen befinden sich im Obergeschoß 40 Garderobenräume, 10 Räume für Vor- „Gut gewaschen— leicht frisiert" lautet die«eLbstrerstäiidliclie Regel für die Pflege des anmutigen Bubikopfes mit dem seidenglänzenden, schön sitzenden Haar. Hieraus ergibt sich, daß bei der Babifrisur das Pflegemittel die entscheidende Rolle spielt. Die regelmäßige wöchentliche Haarwäsche mit Pixavon gibt dem Haar schimmernden Glanz, lockere Fülle und weiche Schmiegsamkeit, die wichtigsten Vorbedingungen für die jugendlich-kleidsame Frisur der eleganten Frau. Keine der gewöhnlichen flüssigen Uaarwaschseif en hat auch nur annähernd die ICirkungen von Pixavon. Bestehen Sie fest auf„Pixavon"(nur in geschlossenen Original flaschen), sowohl für die häusliche Haarwäsche, wie auch für die im Frisiertalon. Fordern Sie kostenlos von uns Abbildungen neuer Bubenkopf. schnitte für Winter 1926. LINGN ER-WERKE Dresden Die Schuld der Kriegsverlängerer. Kühlmann über den Kriegswillen der Entente. In der weiteren Vernehmung des Untersuchungsausschusses er- klärte v.�Kühlmann(zunächst zurückgreifend auf eine am Schluß der letzten Sitzung vom Abg. Ivos(Z.) gestellte Frage): Die Mittel- mächte haben mit dem größten Entgegenkommen und in der denkbar höflichsten Form dem Heiligen Vater auf seine Anregung geant- wartet. Sie haben in materiellen Dingen— Abtretung de» Trentino, Erklärung über Belgien— dem Wunsche der päpstlichen Diplomatie nicht sofort ganz nachgeben können. Der Vertreter Englands dagegen hat eine nicht besonders höfliche, vollkommen unbefriedigende Note geschrieben und dann dem Heiligen Vater aus den Ausdruck der Bereitwilligkeit zu weiterer Verhandlung mit einer Empfangsbestätigung, nach diplomatischer Anschauung der schroffsten und unhöflichsten Form, geantwortet. Die päpstliche Kurie hat keinen weilereu Friedensschritt unternommen, da sie von einer der beiden großen Kriegsparteien in verletzender Weise zurückgewiesen worden ist. Ich überlasse der Geschichte ein endgültiges Urteil. Auf eine Frage des Abg. Dr. Moses erklärt v. Kühlmann. daß das Privatschreiben an den Nuntius kein absolutes Nein, sondern ein bedingtes Ja mit nur zeitweiliger Einschränkung bedeutet«. Wir wollen doch nicht die Fiktion aufrechterhallen, als hätten die Ententemächte den Krieg weiter führen müssen, weil Deutschland keine zu Friedensverhandlungen führende Er- klärungen abgegeben habe. Ich habe den bestimmten Eindruck gewonnen, daß England während dieser Periode, jedenfalls bei Abschluß dieser Periode, in der elsah-lothringischen Frage gebunden war. Zu der Frage, warum nicht mehr geschehen sei, um Elsaß-Loth- ringen innerlich dem Reiche anzunähern, führt v. Kühlmann aus: Schon B e t h m a n n H o l l w e g hat die Selbständigkeit Elsaß- Lothringens durch parlamentarische Institutionen ins Auge gefaßt, und als ich mein Amt übernahm, war das der erste Punll. Die Widerslände lagen in erster Linie bei der Obersten Heere». leilung. Ein weiteres Hindernis waren die Teiluagspläne. wonach die Wittclsbacher das Elsaß. Dreußen ober Lothringen bekommen sollte und als Graf Hertling Reichskanzler wurde, der die bayerischen Hansmachtpläne stets gefördert hatte, war die Autonomiehoffnung Elsaß-Lothringens ziemlich begraben. Nun leitete aber Präsident P o i n c a r 6 maßgebend die auswärtige Politik Frankreichs mit, und er strebte die völlige Zertrümmerung Deutschlands an. Dieser Vernichtungswille, der in Poincare außerordentlich lebendig war, der sich im Versailler Frieden ausgewirkt hat und noch in der heutigen Tagespolitik seine Schatten wirft, war das Element, mit dem wir rechnen mußten. Und da gleichzeitig von sehr maß- gebender französischer Seite ausgesprengt wurde, die deutsche Re- gierung habe vertraulich zu verstehen gegeben, sie würde in der elsaß-lothringischen Frage weit entgegenkommen, muhten wir der Welt klar sagen: 3n territorialer Beziehung können wir keine Konzessionen machen. Daß das richtig war, dafür kann ich mich auf einen unverdächtigen Zeugen, den„Vorwärts� vom 21. September 1917 beziehen, der damals sagte: Selbstverständlich ist der Standpunkt: Wir geben Belgien wieder heraus, denken aber gar nicht daran, Elsaß- Lothringen oder sonstige Stücke des Reichsgebiets herauszugeben... würde heute beispielsweise Karl Liebknecht Reichskanzler, so würde er die französische Forderung ebenso zurückweisen müssen wie Michaelis." Die Stellungnahme war einmütig in Deutschland und E b e r t hat sich vertraulich in noch viel schrofferer Form ge- äußert. Die Regierung aber kann nur der Ausdruck der öffentlichen Meinung sein. Die enge Fühlung mit dem Parlament war bei mir der leitende Gesichtspunkt, weil der innere Bestand Deutschtands nicht gesichert erschien. Aber ich befand mich in einem außerordentlich schwierigen Konflikt mit der diplomatischen B o r s i ch t. Nach dem Gut- achten des Professors Bredt könnte man annehmen, daß zwischen Regierung und Parlament eine unüberbrückbare Kluft bestanden hätte. Die Herren, die damals dem Parlament angehörten, werden mir das Gegenteil bestätigen.(Abg. Dittmann(Soz.): Das Mißtraue» richtete sich nicht gegen Sie, sondern gegen Michaelis.) Auf die Frage des Sachverständigen Oberst Schwerdtseger: Sollte es jemals auch nur zu Friedcnsbesprechungen kommen, so war die Ausräumung der deutschen Ansprüche auf Belgien meines Erachten» der e r st e Schritt, erwidert v. kühlmann: Bei der ver- antwortlichen politischen Leitung bestand nicht das leiseste B e- denken, diese Erklärung abzugeben. Man konnte aber nicht ins Dunkle hinein eine öffentliche Erklärung abgeben, die für uns unwiderniflich und bindend war und von der anderen Seite, die ja diplomatisch zweifellos sehr sähig war, als Vorweg- nähme eines Erfolges gebucht werden konnte. Sachverständiger Professor Dr. Delbrück fragt den Staats- sekretär, weshalb man die Erklärung über Belgien nicht abgegeben habe, da man, wenn ein Frieden nicht zustande kam, an eine Er. klärung doch nicht mehr gebunden gewesen wäre. Das war klar, wenn man erst am Friedenstisch saß, waren die Völker nicht mehr in den Krieg hineinzuhetzen, und dann war derjenige, der solches Entgegenkommen gezeigt hätte, ungeheuer uberlegen. v. kühlmann: Professor Delbrück hat mir damals zur Zeit der Beantwortung der Papstnote dieselben Gesichtspunkte auseinander- gesetzt. Dem gegenüber habe ich schon damals versucht, ihm klar zu machen, welche Gesichtspunkte für die Reichsregierung maßgebend waren. Niemand bei uns lehnte die Erklärung ab. Aber, wenn eine Großmacht im Kriege eine Erklärung abgibt, wie die Rcsti- tuierung Belgiens, kann sie sie weder für einen begrenzten Zeit- räum oder sonstwie bedingt abgeben. Und was der Gegner öffentlich vorher breits lundgcgebcn hat, dafür zahle ich ihm bei der Verhandlung nichts mehr. Das ist ein ganz klarer Grundsatz der Diplomatie. Delbrück: Durch die Bedingungen war die Erklärung aber doch vollkommen wertlos. War nun das Motiv für die Be- wahrung des Geheimnisses vor dem Siebenerausschuß: wir sprengen sonst die Reichstagsmehrheit, bekommen keine Kredite mehr be- willigt? Dann wäre es doch besser gewesen, die Regierung stürzen zu lassen. Wir hätten dann vielleicht eine andere bekommen, die zum Frieden geführt hätte. D i k t a t u r war ja Wahnsinn und kam nicht in Frage. v. Kühlmann: Unsere Ueberzeugung von der Schädlichkeit und Gefährlichkeit einer solchen Erklärung, muß doch wohl sehr tief gc- wurzelt gewesen sein. Ganz abgesehen von den Kriegskrediten war meiner Ueberzeugung nach dic� f r c i w i l l> g« Mitarbeit der Linken, insbesondere der Sozialdemokratie, eine unumgängliche Notwendigkeit für die Fortführung des Krieges. Die Rolle der Regierung war außerordentlich schwierig. Aus der einen Seite standen Heeresleitung, Marine und der annek- tionistisch gerichtete Teil der Bevölkerung auf der anderen Seite die Parlamentsmajorität. Daß wir nahe an der Dik olur vorbeigegangen sind, dafür wird Profesior Delbrück als Historiker heute schon Belege haben. Es würde außerordentlich leicht gewesen sein, bedingungs- los mit der Reichstagsmehrheil im Sinne der Fnedensresolution zusammen zu orbeilen. Aber dann war der Konflikt Kanzler und Staatssekretär gegen Oberste Heeresleitung offen, und dann war die Diktatur nicht absurd, sondern sie war da. Diesen Konflikt haben wir in den Friedensschlüssen des Jahres 1918 überbrückt. Und das Vermeiden� dieses Konfliktes war die große staatsrechtliche Aufgabe. Delbrück: Also doch Furcht vor der Obersten Heeresleitung! Abg. Zoos(Z.): Furcht auch den: Siebcnerausschuß gegenüber? Delbrück: Und Furcht vor der Diktatur! Daß wir scharf daran vorbeigegangen sind, leugne ich. Hinter der Friedensresolution des Reichstags standen zehn Millionen Wähler, dagegen waren nur dreihundcrttausend. Gegen eine solche Majorität im Volke läßt sich keine Diktatur machen. (Große Bewegung im ganzen Saale. Rufe: Musiolini.) v. kühlmann: Rein stilistisch weise ich es zurück, daß Furcht bei mir bei irgendeiner meiner staatsrechtlich verantwortlichen Handlungen eine Rolle gespielt habe! Rücksicht mußte ein ver- antwortlicher Staatsmann nehmen aus eine so ungeheure Macht wie die Oberste Heeresleitung, die sich auf einen so erheblichen Teil der Oefsentlichkeit stützte. Wer das nicht getan hätte, würde ein Ideologe gewesen sein, der in Wolken spazieren ging. Die' lieber- legung mit der Zahl der Wähler ist ganz abwegig.' Damit hätten wir verflucht wenig Erfolg gehabt. Die Friedensresolulion hat außenpolitisch eine nennenswert? Wirkung überhaupt nicht gehabt. Gehen Sie doch endlich einmal ab von der F i k t i c n, daß auf der anderen Seite eine Friedensgeneigtheit vorhairden ge- wesen wäre. Sie hätten zu Fuß nach Kanossa gehen können, und Poincarä hätte Ihnen doch genau so einen Frieden aufgebrummt, wie den von Versailles. Zur Frage einer öffentlichen Erklärung über Belgien benrcrkte v. Kühlmann noch: Man stelle sich die Blamage vor: wir geben eine öffentliche Erklärung über die Freigabe Belgiens ab, und von der anderen Seite wäre' eine schroffe Ablehnung ge- kommen! Da wäre die Stellung der Regierung doch unmöglich geworden. Michaelis(auf Acußerungen des Abg. S ch e i d e in a n n ein- gehend): Auch von mir ist die Freigabe Belgiens vom ersten Tage an unbedingt In Aussicht genommen worden. Wir woll- ten gemeinsam alles zurückstellen, was geeignet war, unser einziges und höchstes Ziel, den Frieden, zu verhindern. Ich mußte da auch llnpopularität auf mich nehmen. Der Ausschuß vertagt die weiteren Vernehmungen auf Donners- tag, den 29. Januar. führunge», ein Frisiersalon und sechs Bäder. Im Erdgeschoß sind u. a. vier große Komparsenräume für etwa 169 Personen, ferner Brausen und allerhand Nebenräume. Auf der Westseite liegen die Fundusräume, die alles nötig« und nur erdenkbare Baumaterial für die Filme enthalten. Eine Niederdruckdampfheizung, teilweise mit Lusterhitzern, heizt Hallen und Nebenräume. Für die Ausnahme- beleuchtung werden in neun Umformern und zwei Maschinenhöusern 22 999 Amper« Gleichstrom erzeugt. Aus dem Neubabelsbergcr Gelände steht somit die größte Filmaufnahmehallc Europas. Veihnacht-Zreuüentag. Eine proletnrischc Feierstunde. Es liegt im Wesen des Menschen, das, was er verstandesgemäß erfaßt hat, auch innerlich, seelisch zu begründen. Die Feste der so- zialistischen Arbeiterschast entsprangen immer dem Bedürfnis, sei ez bei Geselligkeit oder Kunstdarbietungen, sich zusammenzufinden und den Glauben an die gemeinsame Sache zu stärken, denn das wäre kein Künder des Menschheitsgedankens, der nicht auch an die innere Kraft und den Sieg, der in der wirtschaftlichen und gesellschaft- lichen Entwicklung begründeten Lehre des Sozialismus glaubt. Die Formen dieser Feste bewegten sich aber fast immer in dem herkömm- lichen Kulturkreise, obwohl die von der Partei hierfür eingesetzten Körperschaften schon lange bemüht waren, den Arbeiterfesten einen besonderen Charakter zu geben. Es kam der Weltkrieg und nach ihm der Zusammenbruch— die Revolution. Das war auch die Geburtsstunde der p r o l e- tarischen Feier st u»den. Zum ersten Male hörte man diese Bezeichnung für festliche Veranstaltungen des Proletariats und der Name entsprach dem Inhalt der neuen Festform. Im Großen Schauspielhaus fanden diese Feiern an Sonntagoormittagen statt. Tilla Durieux, Alexander Moissi, Chöre des Ar- beiter-Sängerbundes, Schubert-Chor, Gemischter Chor Groß-Berlin, „Namenlos" und viele andere stellten ihre Kunst in den Dienst der gemeinsamen Sache. Dann kam der Proletarische Sprechchor unter Albert Floraths Leitung. Die Masse selbst steht auf der Bühne. Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, sie alle sprechen zur Masse der Zuschauer. Es ist wahre und echte Massenkunst. Und das ist das Neue. Was dort oben gesprochen wird, das ist das, was alle angeht, es ist das Lied von Kampf und Not und Hoffnung auf Sieg. Die proletarischen Feierstunden sind ein Kind der Re- volution. Der revolutionäre Gedanke ist abgeflaut, es sind nicht alle Blütcntraume erfüllt. Wenn in vergangenen Iabren oft buch- stäblich Tausende wieder umkehren mußten, weil der Riesenraum des Großen Schauspielhauses die Menge nicht fassen konnte, so ist das heute anders geworden. Aber gerade jetzt, wo das Proletariat seinen Kampf mit der größten geistigen Kraft führen muß, da ist es auch notwendig, auf unsere proletarischen Feierstunden hinzuweisen. Unser ganzes Leben ist Kampf. Bequemlichkeit darf kein Grund fein, diesen Feiern fernzubleiben. Alle, die mitwirken am gewal- tigen Werk, müssen überzeugt sein im innersten Herzen, und müsien den Glauben haben an die gemeinsame Sache. Die proletarischen Feierstunden sind der glückliche Ausdruck unseres Wollens und Kämpfens. Sie sind unsere weltliche Andacht, unsere Hingabe an den großen Gedanken des Sozialismus. Weihnacht— Freudentag heißt die nächste prolcta- rische Feierstunde, die am 26. Dezember(2. Wcihnuchtsseiertag), vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus stattfindet. Das Chorwerk von Franz Rothenfelder besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil überträgt den Gedanken des weihnachtlichen Erlöser- festes auf den proletarischen Befreiungskampf. Der zweite Teil ist voll von Hoffnung und auf Freude gestimmt. Das Chorwerk ist eine Art proletarischer Revue. Es ziehen Bilder aus dem Leben und dem Gedankenkreise des Proletariats an unserem Auge und Ohr vorüber. Wir hören nicht nur das Wo>t, sondern sehen auch rhythmische Bewegung. Das Wert ist durchsetzt und unter- strichen von Musik, die Wolfgang Zeller geschrieben hat(ausschließ- lich der Begleitung der Tänze). Der Sprechchor für proletarische Feierstunden unter Leitung von Albert Florath ist der Träger dieser Feierstunden. Elsa Wagner, Heinrich Witte, Wolf Trutz und Walter Werner� vom Staatstheater sind die So- listen, aber sie sind hier nicht Schauspieler, sondern Führer der Massen im Chor. Die Tänze werden ausgeführt von Gudrun Hildebrandt und ihren Meisterschülerinnen, die m u s i k a- tische Leitung hat der Komponist Wolfgang Zeller. Rentenzahlungen für Jannar 1927. Die Postanstalten werden die Militärversorgungsgcbührnisse für Januar 1927 ausnahmsweise bereits vom 2 7. Dezember an und die Unfall- und Invalidenrenten für Januar 1927 am 39. oder 31. Dezember auszahlen. Zur ordnungsniäßigen Abwicklung des Rentenzahlungsoerkehrs ist es notwendig, daß die Empfänger ihre Januarbezüg« an den durch Aushang an den Postschaltern bekannt- gegebenen Zahltagen abheben. Weihnachten der kleinen. Die 159. Gemeindeschule, Tempelhoser Ufer 29, lud zu einer Weihnachtsfeier mit Gesang. Spiel und Tanzvorfühnmge» ein. Mit viel Liebe und Geschick yattc eine Lehrerin zwei kleine Weihnachtsspiele versaßt, eine andere wieder entwarf die erforderlichen Kostüme, die die Klassenälteste» unter ihrer Leitung anfertigen mußten. Der weihnachtliche Puppen- laden init Balletteuse, Leiermann, Negerjungen, Picrrot und dergleichen wurde von den ganz Kleinen dargestellt. Dann gab's ein Bild vom Weihnachtsmarkt mit Kuchenfrau, Weihnachtsbaum. Ver- käuferin und der kleinen lustigen Käujerschar und schließlich in An- lehnung an Andersens Märchen„Das Mädchen mit den Schwcsel- Hölzchen" eine kleine Weihnachtslegende. Dazwischen Weihnachts- chör« unter Leitung des Chormeisters Krügcl. Es herrschte richtige Weihnachtsstimmung auf der Bühne und im dichtbesetzten Saal. Der Vorsitzende des Elternbeirates dankte zum Schluß in bewegten Worten dem Rektor der Schule, Richard Hagedorn und allen Lehr- krästen, die sich in so aufopfernder Weise in den Dienst der schönen Sache gestellt und Eltern und Kindern viel Freude bereitet haben. Autounglück bei Eichwalde. Am Freitagabend verunglückte ein von Königsivusterhausen nach Berlin fahrendes Privatauto in der Nähe von Waltersdorf bei Eichwalde. Der Wagen überschlug sich und slog in den Chausseegraben. Die beiden Insassen, der Chauffeur Richter und ein Mitfahrer, wurden schwer verletzt: sie wurden von einem gerade vorüberkommenden Auio der Firma Wertheim ausgenommen und ins Buckower Krankenhaus geschafft. Eine folgenschwere Gasexplosion ereignete sich am Freitag- nachmittag gegen 5 Uhr in der Solmsstraße 49. Im Quer- gebäude des Hauses hat hier die Firma K. einen Lagerraum. Kurz vor 5 Uhr betrat der Arbeiter Erich Krüger aus der Gneisenau- straße den Raum, um eine Gaslampe anzuzünden. Kaum flammte das ZUndhölzchxn auf, als unter lauter Detonation eine Gas- erplofion eriolgte. Krüger wurde zu Boden geschleudert und zog sich e r h e b l i ch e B r a n d w u n d c n zu. Sämtliche Fensterscheiben wurden durch den Luftdruck zertrümmert. Der Verletzte erhielt auf der nächsten Rettungsstelle die erste Hilfe. Die herbeigerufene Feuer- wehr löschte da, Feuer. Henry Ford kommt nach Verlin. Der Automobilqroßindustrielle Henry Ford wird auf der Durchreise nach einem südeuropäischeu Kurort im Januar mit seiner Familie zwei Tage in Berlin weilen und diese Gelegenheit benutzen, um der Eröffnung der Ford-Slusstellung am Berliner Schloßplatz beizuwohnen. Die Bureaus und Kassen der Reichshauplbank werden Freitag, den 24. d. M., von 12 Uhr mittags ab geschlossen sein. Tclegraphischer Giroüberwelsung»verkihr. Die ReichSbank richtet am 20. 7cz rnbev veriuchHweisc einen lelegiapbischen GirouberweisungSverkehr ein. Näheres darüber im Inseratenteil der vorliegenden Ausgabe. Ein weihnochlstonzeet der Schuhpolizei. Unter Mitwirkung deS Sinsou!»- orchellerS und de« Gemischte» EgoiS veranilaltet das Kommando der Schnlcholizei am Sonnlag. den 19. Dezember 1920, von 11—1 Uhr mittags im Grosjeii SchaiüPielbauS in der Karlslrahr ein WeibuachlSkonzeil für Kleinrentner, Kriegsbeschädigte und K r i e g e r h i n t e r> b l i e b e n e bei freiem Eintritt. Tie Leilung bat der langjährige Dirigent des Philharmonilchen und Blülhne r- Orchesters, Camilla Hilde- b r a n Ii, übernommen. Als Solistin hat sich Frau Gertrud B i n d e r- n a g e l von der StaalSoper Berlin in den Dienst der Wohltätigkeit ge- stellt. Die KartenauSgabe erfolgt durch die WohlsahrtSftellen. Urteil im Kölner Tpritschieberprozeft. Düsseldorf, 17. Dezember.(WTB.) Im großen Kölner Sprit- schieberprozeh, in dem zahlreiche Kölner und Düsseldorfer K a u f l e u t e beschuldigt wurden, 186 Fässer ausländischen Sprit mit insgesamt 64 999 Litern aus dem Kölner Zollschuppen entfernt und durch die gleiche Anzahl Fässer mit zollfreiem gewöhn- lichen Spiritus ersetzt zu haben, fünf Angeklagte mangels schlüssiger Beweise freigesprochen, die übrigen fünf Angeklagten er- hielten Geld st rasen in Höhe von insgesamt 3 313 999, Mark oder im Nichtbeitreibungsfalle Haft. Die Haupttäter wurden| außerdem wegen Bandenschmuggels zu mehrmonatiger Ge- fängnis strafe oerurteilt. Raubüberfall auf eiuen Werkmeister. Am Freitag vormittag wurde in Düsseldorf der Werkmeister Wilhelm Lückert in seiner Werkbude auf dem Gelände der Vereinigten Staatswerke in Liehrenfeld von drei maskierten Räubern überfallen und unter Vorhaltung eines Revolvers gezwungen,«in« in feinem Gewahrsam befindliche Kassette mit etwa 19 999 Mark Lohngeldern herauszugeben. Trotzdem sich Lückert zur Wehr setzt«, wurde er bald überwältigt. Die Täter flüchteten in der Richtung der Eisenbahnstrecke Liehrenseld— Wersten. Dabei gaben sie aus die sie verfolgenden Arbeiter mehrere Schüsse ab, die jedoch niemand verletzten. Selbstmordversuch iu einer Lfstziersschule. Dresden, 17. Dezember.(BS.) In der Offiziersschule i» Dresden ist, wie erst jetzt bekannt wird, vor einigen Tagen ein Offizier aus einem Fenster des dritten Stockes der Kaserne gestürzt und mit schweren Beinbrüchen und inneren Verletzungen in das Garnison- lazarelt eingeliefert worden. Ob ein Unglücksfall oder Selbst- Mordversuch vorliegt, ist noch nicht geklärt. An zuständiger Stelle glaubte man jedoch, nach den bisherigen Feststellungen, Plötz- lich auftretende geistige Umnachtung annehmen zu sollen. Gegenseitige Hilfe beim Roten kreuz. Zwischen dem nieder- l ä n d i j ch e n und dem belgischen„Roten Kreuz" ist eine Vereinbarung zustandegelommen. Nach der neuen Vereinbarung sollen bei der Bekämpfung der Folgen von N a t u r k a t a- st r o p h e n, von denen beide Länder betroffen werden, beide Orga- nisationen eng zusammenarbeiten. Verhaftung eines russischen Massenmörders. Wie aus Rostow am Don gemeldet wird, ist dort der Fuhrmann Waldawoff oerhaftet worden, da er im Verdacht steht, vierzig Personen auf seinen Fahrten übers Land beraubt und ermordet zu haben. 1 � die heirlidi erfrischende Zahnpaste I entfernt mißfarbenen I l\#l 1 1 Zahnbela Kleine Tube Mark.�öO�große Tube MarkJ.— partelnachrichtta M» für Gr»ß.S°rIin> DßjNK PS�vibllölllLklllMg fitr hiolp Suhril rmh U f* Net» an fto*®Mitf»(ettetariot'____.«* Einsendungen für dies« Soitli sind «erltn S«»». Lindenstratz»' stet» un da» Segiztsfctectartüt Hof. 2 Irn>- recht», ,u richten 7. Erei, Eharlottenbnrg and Sr-nd-n. Juristische Sprech, stund« heute, Sonn- abend, l«, Dcaember. von 5—« Uhr, im Jugendheim Rosinen str.«. U.«rei» Gchdneberg. Friedenau. Unser, Sozialtstisch« Arbeiteriugend veranstaltet heute, Sonnnabend, lZ, Dezember, d Uhr. eine Winter» sonncnwende an de? Siedlunq LIndenhos, Vorher Fackelzug vom Rudolf- Wilde- Vloh um lsi« Uhr, Di« Genossinnen und Genossen werden gc- beten, sich an dieser Veranstaltung der Jugend rege zu beteiligen. 19. Atel» Vanlow. Achtung! Montag, 20, Dezember, 7% Uhr, bei Mever. Tsirkisches Zeit, Breitestr, li,«reiedelegtertenverfannnlung. Die Ab- teilunqsleiter. die nicht erscheinen, rrhaltcn von den gekammelien Geldern sllr die Erwerbslosen keine Betrüg« ausgezahlt. heule. Sonnabend. lS. Dezember: id.«bt. Die Funktionär« werden ersucht, die Einladungen zu der Werbe- Veranstaltung am Montag sofort bei Äcufnrr, Hog«!b«rger Str. 2l», ab- zuholen, «.«dt.' Friedenau. 7 Uhr Zusammenkunft der Bezirkssllhrcr und der Weih- nachtskommtssion bei JHabe, Handsernstr. 60/61. Morgen. Sonntag, 19, Dezember: SS.>tt. Vormittags 10 Uhr bei Bartusch, Friedenstr. SS, Sisiung der Bezirk». fsihrer und der Rcvisoren, Abrechnung fiimtlichcr Marken und Listen. Feder Bezirk musi unbedingt vertreten sein. Mitglicderverzeichnisse sind mitzubringen. 36. Abt. Eha' lottenburg. Rachmittags 4 Uhr bei Ioskowiack, Solgrndorss. Itrohe 20. Weihimchtsbeschcrung. Ansprach«: Dr. Goldstcin. Anschlichcnd Lichtbildervortrag. » K. Abt. Tempelhof. Montag. 2», Dezember. S Uhr. im Restaurant_3>h: Linde", Werder- Ecke Friedrich- Karl. Stra Hr. Vorstand«vsisiung mit den Mit- gliodei n des Vilbunaoausschusscs. IIS. Abt. Lichtenberg. Montag, 20. Dezember, 7 Uhr, Abteilunasfuntlionitr- Versammlung und Abrechnung bei Roth«, Frankfurter Allee Eck« Gudrunstr. Die Kommission siir die Bescherung der nrbeitsloken Genolsen wird um brstimmies Erscheinen gebeten. Iungsozialisien. heute. Sonnabend. IS. Dezember: Gruppe Iierparten: S Uhr im Jugendheim Bremer Ecke Dielefstrnsie, Zimmer 6, Gruppcnveranstaliung. Vortrag:„Ausienpolitlk". Referent Willi Derkow.— Grnppe Süden: S Uhr Weihnachtsfeier bei der Genossin Rcckzeh. Grüfestr. 11. vorn 8?r. Anschiiesiend Fahrt. » Kinderfreunde. 82. Abt. Steglih: Seule. Eonnabenb, 18. Dezember. Spielen km Heim Albrechtstr. 47. Sonntag, 10. Dezember. Treffen am Rathaus. Normal- uhr, mittags 12 Uhr. �Sterbetafel üer Groß'öerltner Pactei-Grga�fation Dahlwit-Soppegartc». Di« Einäscherung unseres am 14. Dezember ver- ftorbencn Genossen Robert Kühler itndet am Montag 20. Dezember, nach. mittag» Z'.; Uhr, im Krematorium Gerichtstrosi« statt. Ehr« seinem Andenken. Westerberichl der össenklichcn welkerdienststelle für Berlin und Umgebung. �Nachdruck nerb>. Meist bewölkt und teilweise Negen. Temperaturen über Null.— Jür Deutschland. Im Süden und Nordosten Frost, sonst meist mild und legneritch. I i 3 0. 25. Dieh Nacht.(ftüher VorwartS-Äuchhandlung), Z Äerlin S25 t»S,-(indenstraße 2, führt I wertvolle Silber als billigen Wandschmuck Sozlalististbe �rbektersugenü Groß-Serlin. henke. Sonnabend. IS. Dezember: «a«er»dgrs: Zugendheim. darf: All- Schul«. Dorfstr. 7.«!-! Görschstr. 14. Weihnachtsfeier. >str. 4. Sonnenwendfcier.— Mari«»- in« Humor.— Pankow: Jugendheim volkebildungsamt Prenzlauer verg, Pros, Dr. D e rt Ipricht am Sonn- abend, den 18, Dezember 192(5. abends 8 Uhr, in der Aula des Suiten. städtischen lShmnafiums, Gieimftraße 49, über: ,DaS Wahre— Das Schön« — Das Gute". Karten sür jedcimann zum Preise von 40 Pf. in den bekannten Vertaussstellen und an der Abendstasse. Wethnachtimusik. In der Lmmanuellirche im Nordosten veranstaltet der Otganisl R. Abel am Montag, den 20. Dezember, 8 Uhr, eine Weib- nachtSmufit unter Mitwirkung des KirwenchorS, eines KtnderchorS und geschätzter Sololräste. Eintritt gegen Entnahme eines Programms. Sport. Mac Jtamara Im 18. Lersiuer Sechslager ennen. Wie uns die Direktion derKaiserdamm-Arena mitteilt, ist jetzt der Vertrag mit Mac N a m a r a abgeschlossen. Der Amerikaner crösinet also die Reibe der 26 sür daS 18. Berliner Sechstagerennen in Aussicht genommenen Fahrer. M«yerb««rs Oper„Die Hugenotten" braucht das Bühnen- bild, die bunte bewegte Szene und das lebendige Spiel der Dar- stellung, wenn das Werk zur vollen Wirkung kommen soll. Sicher war es den Funkhörern, die diese Oper als Sendespiel geboten er- hielten, trotz der guten Regie unmöglich, ohne Textbuch dem Gang der Handlung zu folgen oder auch nur die zahlreichen auftretenden Personen auseinanderzuhalten. Aber die glanzvolle dramatische Musik, die wohl oft kalte Routine verrät, die aber auch in engreisenden, ech: empflmdenen Partien die herzen zu packen weitz, verfehlt ihren Eindruck gewiß nicht. Eine ausgezeichnete Besetzung, aus der Karl hauß, Elsa Kopf, Vera Schwarz und Cornelis Bronsgeest besonders bervorgehoben feien, sorgte mit dem Funkorchester unter Selmar Meyrowitz' Leitung dafür, daß eine treffliche Aufführung zustande kam.— Am Nachmittag spielte das Spandauer Konzert- Orchester unter Leitung von Artur Jonder. Wenn es auch keine Höchstleistung war, so war es doch immerhin begrüßenswert, auch einmal ein anderes Orchester spielen zu lassen.— Das übrige Tagesprogramm brachte die Sportschau des Monats, wichtige Ratschläge für Gartenfreunde über die richtige Sortenwahl im Obstbau und einen Vortrag des Kriminalkommissars Dr. Bartsch über Verbrecher. aberglauben. In interessanten Ausführungen, die allerdings nichts überraschend Neues brachten, zeigte der Vortragende die engen Zusammenhänge zwischen Verbrechen und Aberglauben. Werbe bezirk Ostes: Treffpunkt zur Sonnenwendfeier 846 Uhr Gör- litzer Bahnhof.__ Serbebczirk Pveszlouer Berg: Sonnenwende In Zossen. Decken, Becher, rate Fahnen und Musikinstrumente sind mitzubringen. Treff- punkt 2 Uhr nachmittags. 7 und» Uhr abends. Die Btldungskurse fallen aus... ffi410 Uhr im Jugendheim Kanner Stratze Werbebezirksvorstandssitzung. Vorträge, vereine unö Versammlungen. »Reschsbanner„Schwär, Ttok-Gokd" Geschüft»NelIe: Berlin«! 14. Sebostianstr 87«8 Ho» 2 De. Frirdrlch«h«ls: Mo., d. 20., 7V» Ubr. Mitgl.-Bers. Eomeniu-föle. Bortrag.— Eharlottenburg: So., d. 18., 7 uhr, Spreestratze. Weib«, umzug. Sonntag, d. 19.. vormittag, 9 Uhr. Kameradschaft Zoo Tresfvunkt Bhf. Halenfe«.— Reskölln-Britz: 6. Kameradschaft Monatsvorsammlung Mo., d. 20., 8 Uhr, bei Köster. Karlssarten. Ecke Wissmannstratz«. Zug Ebert bei Rudolf, Sermannstr. lZ6, Ecke Kncsedeckstratze.— Pankow: Mo., d. 20„ Ueben sSmtlichev Spielleute Turnhalle Grunowstratze. Erscheinen Pflicht.— Etchwald«: Sonntag, d. 19., vormittags 9 Uhr, Fli-adloltverbreitunq vom Lokal Lindn«. Psttcht- Veranstaltung.- Wassersportabteilung: Sonntag Arbeitsdienst im Bootshaus. Arbeiter,®« ma«iter»A»l»sse Berlin f.«bt.««»ding. abend« der Abteilung finden Mittwoch, 22. Dezember, und Die Di« niichften Lehr» ________________..... ienstag, 11. Januar. statt und dann immer Dieystog» in der Schule Schulstr. 99. vereisigsug der Freunde»»» Religio»»ud Völkerfrieden. Pfarm Bleier spricht im Rahmen von religiösen Feierstunden in der Trinitaiiskirch« Chat. lottenburg,«arl-Auguft-Plat. an folgenden Tagen: Sonntag. 19. Dezember. abend« 6 Uhr, über das Thema-„Das Weihnochtsevangelium und d« Welt- frted«* Di««rbeitee-Sisterspirt.Interrssengemeluschalt(AWZ) Grotz-Berli» nimmt in diesem Winter das Eishockenfpiel als Eportzweig auf. Es ist das eines der interessantesten Spiele und hat bereits viele Anhüna« gefunden. Zur Bildung mehrerer Mannschaften werden noch Genossen, welch« schlittschuhlausen können und Interesse haben, gesucht. Alle Interessent«» geben sofort ihre Adresse an Walter Höcker, Berlin O 17, Benmestr. 4, ab. VW 1 NMUTi Das beste Gesdienk zum Fest ist ein Mercedes- Gutsdiein RCEDE HtWHAM In Berlin: Friedrichstr. 6t/ Leipziger Str. 77(Dönhoffplatz)/ Potsdamer Str. 55/ Tauentzienstr. 14/ Turmstr. 55/ Brunnenstr. 194/ Gr. Frankfurter Str. 102 BÄMÄG'MEGUIN AKTIENGESELLSCHAFT BERLIN Bltan» am 80 Juni 1926 Aktiv». Grundstöcke.......... Fabrikgebjude......... Wohngcbäude......... Maschinen und Fabrikeinrichtungen Kasse. Wechsel Wertpapi: Beteiligungen. Schuldner.. Vorräte; a> Roh- und Betriebsmaterlal b) Fertige und halbfertige BOrtfschatts• Vtrptllchmngcn RM Verlust........... Teile I 199 943.95 RM I 4 5 673 116 86 5 927 186 53 1 634 908 34 3 968 225 56 53 780 93 118 712 62 173 783 92 2 385 289 10 7 316 499,05 4 168 784 11 5 710 728 44 845 166 11 37 976 183 59 Passiva. Slammaktlen-Kapital... Vorzugsaktien-Kapital..., Reservetonds....... Teilschuldverschreibungen. Aufgewertete Hypotheken. Gläubiger einSchi. Anzahlungen...... Uebcrgangsposten und Vachleistungen... BOrgschafis-Verpflichtungen RM 1199 943.95 R7T 16 000 0001— 63 000— 2 600 0001- >32 0001— 79 591 16 807 554 2 294 037 64 37 976>83 59 Ofwlim- nnd V«rla«t-RechnunK>928 26. Abschreibungen auf: Fabrikgebäude Soll. Wohngebäudc. Maschinen und Fabrikclnrichiungen Unkosten der Hauptverwaltung... (elnschiiebllcn Steuern und Zinsen) Haben. Vortrag aus 1924,25... Uebe'schuS....... Verlust........ Berlin, 16. Dezember 1926 -RÄT 120 339 37 001 602 658 1 868 542 2 628 541129 Tr- 30 309!l3 1 763 066105 845 166.11 2 628 54l!29 Der Vorstand. » I r k• a in sind die KLEINEN ANZEIGEN In dar Gesamtauflage den„Vorwärtr' und trotzdem Iii So e 6 e n neu ersJiienent ßmtiedontiip£7 Ein Märchenbuch für unsere Kn&hen and _ Mhdchtiu Ein schönes Gesdienhwerk für | W den Weihnachtstisch. Reich iUustriert mit Tiefdrude- und Buchdruchhildem. Slreu- _ bildet und Vignetten beleben den Text 1 1| Die Umrahmungen des Kalendariums I M stellen den Kindern bekannte Matchen dar. |l Preis des Buches 1,15 R.-Ai&rk Illustrierter sozmlöemotratischer Abreistkalenöer 1527 Ein reich illustriertes lamilienjahrhuch. | Jeder Tag des Jahres hat sein Bild Aui der Vorderseite sind das Kalendarium und die Gedenktage untergebracht, die _ Rückseiten enthalten statistische Angaben, IM Zitate, Gedichte, Sprüche. Die Rückwand % ist in Drei! laben- T i ei druck hergestellt. H Jn keiner Familie sollte dieser wichtige I Kalender teh.en. 1 Preis des Kalenders£ R.- Mar Je Zu Jähen tn allen\ orwlkrts-Ahgahes teilen, der Buch' handlung RJ. H. W. Pietz hl acht una dirdet von da Vorwärts Vuchörmterei/ v!v. ÖS/ Linüenstr. 5 iiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiniii kommt bekanntlich beim Essen, sagt ein schönes Sprichwort, aber es hat nicht immer recht behalten. Denn einmal gibt es Leute, die niemals Hunger, sondern immer nur Appetit haben. Bei diesen Leuten bedarf es also keiner Anregung. Und ferner gibt es Ell. waren, die selbst bei dem Anspruchslosen keinen sonderlichen Appetit hervorrufen....... Wie anders aber wirkt ein leckerer Aufschnitt, der nett serviert wird. Er bringt nicht nur Appetit, sondern löst oft einen wahren Heiß« hungT aus. Ein Jeder langt wacker zu und verläßt gesättigt und mit einem zufriedenen Schmunzeln oen Tisch. Verwenden Sie dazu aber nur Bölts Wurft» u. Feinkoöwaren, sie sind in allen einschlägigen Geschäften zu haben und mit der links gezeigten B-Plorabe versehen. Achten Sie bitte beim Einkauf auf unser Warenzeichen und verlangen Sie nicht einfach Wurst oder Aufschnitt, sondern verlangen Sie Bölts-Wurst und Bölts-Aufscbnitt BÖlts A.G. Fleischwarenwerke Oldenburg L O. Deutschlands Musterbetriebe. Nr 595 ♦ 45. 7ol>f(tong 2» dC0 Soanabens. lS. dezemberi9?H Die Schlußsitzung öes Reichstags. Einzelberatung des Etats— Die linken Kommunisten gegen die Komiuternpolitik. Nach der großen Nede de« Genossen chermonn Müller. die vom galten Hause mit gespannter Vufmerlsomkeit angehört wurde, ging die allgemeine Zlussproche rasch zu Ende. Bemerkens- wert war eine Rede des linken Kommunisten Schwarz. Zunächst erhielt das Wort Abg. Rädel(Komm.). Er vermißt jeden Beweis für die sozial» demokratischen Behauptungen über Rußland. Der Redner fordert Auflösung des Reichstages. Abg. Gras zu Revenllow(nölt.) bespricht die Genfer Ergebnisse. Der Mißerfolg von Thoiry soll« dadurch verdeckt werden. daß man die Frage der Militörkoiitrolle al» ganz außerordentlich wichtig hinstelle. Stresemaan sei»an Mißerfolg zu Mißerfolg geeilt. Abg. Dr. Scholz(£. Bp.j weis« den Dorwurs der Illoyalität gegenüber den anderen Koalitionsparteien zurück. Die Deutsche Bolkspartei sei aus Grund der interfraktionellen Besprechungen weder noch links, noch nach recht» gebunden gewesen. Wenn er. so erNärt der Redner, in Insterbung vor seinen Wählern seiner Skeosis bezüglich der Großen Koalition Ausdruck gegeben habe, so sei da» sein gute» Recht, da» er sich von niemanden im Reichstag« bestreiten lasse. Im übrigen sei die Rede Scheidemann» ein Beweis dafür, daß er mit seiner Prophezeiung recht gehabt hat. Abg. Dr. Schwarz-Lerlin(wild. Komm.): Wir wilden Kommu- nisten(Heiterkeit) wollen jede bürgerliche Regierung stürzen. Der Streit hier erinnert an dos Wort vom Rabbi und dem Mönch:.Beide stinken!'(Große Heiterkeit.) Es ist meine Ausgabe, zu beweisen, daß hier rechts und link« stinken.(Stürmische Heiterkeit.) Die Kam» m u n i st i s ch» Partei, die in Sachsen sür den konlerrevoliitio» nären Fleißuer stimmt, unterscheidet sich nicht im ge ring st en von den bürgerlichen Parteien.(Heiterkeit.) Ich muß mit einigen Tatsachen belegen, daß der Rabbi und der Mönch stinken.(Heiterkeit.) Es ist eine Heuchelei, wenn die Kom- munisten in Pazifismus machen, und e» ist eine Heuchelei, wenn Gras Reoentlow Mitarbeiter der.Roten Fahne' ist.(Heiterkeit.) Ich eriunere an jene Sitzung im Reichsarbeitsministerium, in der die Sozialdemokraten mit der Cuno-Regierung zusammen saßen. Die Geschichte mit den russischen Schiffen in Stettin und den russischen Flugzeugen für Deutschland hat einen ganz anderen Sinn, als Graf Reoentlow meint, diese Schiebungen seien eine ganz korrekte Sache. Graf Reoentlow war so Mitarbeiter der.Roten Fahne'' und ist in die Redattionsgeheimnisie eingeweiht. Diese Skiffe und Zlugzeuge sind die logische Folge der Polilik der Sommunlstischen Znternallonate und de» kapitalistischen Wiederausbau«» in Sowjetrußland. Klara Zetkin hat vor einem Jahre Hindenburg ein MilitSr bündnts mit Sowjetrußland angeboten. Buchorin hat die arbeiter verräterische Politik der Kommuniftenpartei betrieben, indem er aus dem Weltkongreß lSLZ sür ein politische» und militärische» Bündnis umerdrückler bürgerlicher Staaten mit Rußland gegen die imperia- listischen Großmächte eintrat, um mit Hilf« von bourgeoisen Staaten die andere Bourgeoisie über den Haufen zu wersen.» Ich gratuliere den Kommunisten zu der Einhetlsfrout von Stalin bi» hindenburg. vielleicht gibt man Thälmann die Führung der verbündeten Armeen. der Roten Armee und der Reichswehr.(Heiterkeit.) Als Deutschland dem siegreichen Ententekap'talismu» einen gewisien Widerstand leisten wollte, hoben selbst die obersten Sowjetmächte in Manifesten ihre offene Sympathie mit der Cuno.Re g i e r u n g zum Ausdruck gebracht. Alle diese Dinge erinnern an eine Dirne, die mit zwei Liebhabern ins Best steigt.(Stürmische Heiterkeit.) Die kommunistische Parleizentrale hat eine stille kloallllon mit der Cuno-Regierung gehabt. Wenn da» die Werktätigen und die kleinen Sparer und die Aufwertungsgläubiger wüßten, um deren Gunst Höllein buhst!(Schallend« Heiterkeit. Abg. Höllein stürzt nach vorn und ruft: Du gemeines Schwein!) Die.Rote Fahne' schrieb anläßlich de» Ruhrkampses:»Entweder läßt die Regierung die Mordhetze gegen die Koinmunislen, oder wir brechen da» Schweigen." Die Arbeiter wissen also jetzt, warum sie von den Kommunisten v«r> raten wurden. Bor einem Jahre wurde Klara Zetkin hier aus d:e Tribüne geschickt, um die Stellung der Kommunistischen Inler nationale zu dieser Hindenburg-Republik, zur Schwarzen und zur Weißen Reichcwchr zu oerkünden. Unter dem Deisoll der Döllischen sagte sie:»Die Zukunft beruht auf enger wirtschaftlicher, politifcher und, wenn es fein muß, militärischer Verbindung mit Sowjetrußland. Unter Umständen muß auch ein Zusammenwirken zwischen Reichswehr und Roter Armee zustande kommen.' Und dann stellt man sich her wie der Rabbi und der Mönch und treibt ein« Politik, die folge- richtig zur Lieferung von Sowjetgranaten an die Reichswehr zur Niederschießung deutscher Arbester führen muß. Abg. Schalem(linker Komm.) gibt unter allgemeiner Heiterkeit die Erklärung ab, daß die anderen Mitglieder der kommunistischen Opposition die Ausführungen des Borredners ablehnen. Abg. Erkelenz(Dem.) stellt gegenüber dem Abg. Dr. Scholz fest, daß die Abrede de» Kanzler» mit den Sozialdemokraten vom Zentrum und den Demokraten gebilligt wurde, daß allerdings Dr. Scholz Widerspruch erhoben habe. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Es folgt die veratung üer einzelnen haushalte. »DAZ.' Beim Auswärtigen Amt soll auch die Angelegenheit der besprochen werden. Abg. Stoecker(Komm.) meint, daß zuerst ein großes Geschrei wegen der.DAZ.' erhoben wurde, daß dann ein leises Säuseln im Aueschuh erfolgt« und daß anscheinend jetzt Totenstille im Plenum herrsche. Es handle sich hier um einen politischen Bc> trug allererster Ordnung. Zum Haushalt des Innern begründet Abg. Stücklen(Soz.) einen gemeinsamen Antrag der Mittelparteien und der Sozialdemokraten, den Betrag zur Förderung der Bcamtenerholungeheime für das Jahr 1026 von 35 000 auf 70 000 Mark zu erhöhen, nicht auf 100 000 Mark, wie die Bor- löge vorsah. Diese Herabsetzung geschehe nicht aus Abneigung gegen d'e Beamten, sondern weil man bei der großen Zahl der für ähnliche Zwecke an das Reich herantretenden Anforderungen sehr zurück- haltend sein müsse. Im Etat 1927 seien sür die Beamtenerholungs- Heime wiederum 100 000 Mark eingestellt worden. Der Antrag wird angenommen. Beim Etat des Rcichsfinanzministeriums wendet sich Reichefinanzminister Dr. R e i n h o l d gegen neue Bewilligungen. Daraus wird mit den Stimmen der Regierung»- Parteien und der Sozialdemokraten beschlossen, die Ausgaben für da».Sosort.Programm' von 4« Millionen auf 41 Millionen herabzusetzen. Die Regierungsparteien beantragen, daß der Härtefond» zur Ablösung der Kncgsanleiheschuld, der im Ausschuß von 20 auf 30 Millionen Mark erhöht wurde, wieder aus 20 Millionen herab- gesetzt werde. Gegen den Antrag stimmen die Linken und die Deutsch- nationalen. Da das Ergebnis zweifelhaft ist, muß Auszählung erfolgen. Der Antrag der Regiernngsparteien wurde mit 240 gegen 156 Stimmen abgelehnt. Auf Antrag des Abg. Seil(Soz.) wird mit der gleichen Mehrheit befchloisen, die durch diesen Beschluß entstandene Mehrausgabe durch Erhöhung der Einnahmen aus 250 Millionen zu decken. Die Wuhr- scheinlichleil spreche dafür, daß da» durchaus möglich sei. In der Gesamlabstimmung-iwird der Nachtragselat mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten angenommen. Di« von den Ausschüssen zu den einzelnen Etats vorgelegten Entschließungen werden angenommen. das Mißttaoensvotvm.— Westarps Erklärung. Es folgen die Abstimmungen über die Mißtrauenscmträge. Dazu erhält zunächst das Wort zu einer Erklärung: Abg. Graf Westarp(Dnat.j: Die B e g r ü n d u n a. die in der Debatte dem sozialdemokratischen Mißtrauen»- Votum beigegeben worden ist, findet, soweit sie sich auf die Reich». wehr bezieht, nicht nur nicht unser« Anerkennung, sondern sie widerspricht auch unseren staot»polilisch»n und nationalen Aulsassungen. Dir lehnen die verdächligungeu der Reichswehr und jeden Versuch, sie zu politisieren, mst Entrüstung und Entschiedenhest ab. Wir werden infolgedessen gegen das Mißtrauensvotum stimmen, dos gegen Dr. Geßler eingebrocht worden ist. Bei der Abstimmung über den allgemeinen Mißtrauensanlrag handelt e« sich um etwas anderes. Die letzte Zeil hol klar und unwiderleglich den Nachweis erbracht, daß eine Regierung der TNltte, die Ihre Dollklk aus wechselnde Mehrheiten zu stützen sucht, nicht möglich ist. Der Versuch, die fehlende Stüße durch einseitig« Verhandlungen mit der Sozialdemokratie zu gewinnen, ist. wie wir von vornherein erwartet haben, nun wohl endgültig gescheitert. Im Interesse des Landes, aus außenpolitischen wie aus innenpolitischen Gründen, muß endlich eine stabile Regierung mit klaren Mehrheitsoer- h S l t n i s s e n geschaffen werden. Aus den stattgefundenen Der- Handlungen und Besprechungen haben wir nicht die Gewähr ent- nehmen können, daß der dazu erforderlich« Entschluß nunmehr ge- saßt werden wird. E» handelt sich bei den gegenwärtigen Abstim- mungen also um dl« Herbeiführung der notwendigen Klarheit, nicht um eine'Stellungnahme zur Regierungspolitik der Vergangenheit und der Zukunft, wir werden den gegen da, Gesamikabinell eingebrachten Mißtrauensanlrag daher annehmen.(Bewegung im ganzen Säule.) Die Abstimmung über den Mißtrauensantrag Müller- Franken(Soz.) ist namentlich. Dieser Antrag wird mit 249 gegen 171 Stimmen angenommen. Darnil sind die übrigen Mißtrouensontrag« erledigt. Da» Abstimmungsergebnis wird nihig ausgenommen, nur bei den Kommunisten schreit jemand: Auslösen, Neuwahlen!, was in der Mitte und auf der Rechten mit Heiterkeit ausgenommen wird. kleine vorlagen. Es werden dann noch einig« kleinere Borlagen erledigt. Zwei Anträge des Zentrums und der Deutschnationale» und der Deutschen Volksponer betr. die Grundschulen und Aushebung der Bor- schulen werden dem Bildungsousschuß überwiesen. Angenommen wird ein Antrag de» Zentrum» betr. Bor» legung einer Denkschrift über Entlassung, Ein» stellungszwong usw. der älteren Angestellten. ferner ein G e s» p e n i w u r s über Aenderungen de» Gesetze» über Einstellung de» Personalabbaues, weiter«in Zeiilruins- antrag zur Borlegung einer Denkschrift über entstehende Kosten bei Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 Jahre bei der Invaliden- und Angestelltenver- s i ch e r u n g und schließlich zwei von den Sozialdemokraten und vom Zentrum eingebrachte Gesetzentwürfe zur Abänderung der Strafprozeßordnung. Vertagung bis 19. Januar. Um Ss4 Uhr schlägt der Präsident Lobe die Dertagung des Hauses vor und dessen Wiedereinberusung nach den Bc» chlüssen des Aellestenausschusse, aus den 19. Januar io Aus» ich« zu nehmen. Im Notsall soll die Einberufung schon früher er- olgen, die Festsetzung der Stunde und der Tagesordnung dem Prä- identeri überlasse» werden. Abg. Stoecker(Komm.) wünscht, daß i>er Reichstag beisammen bleibe und auch morgen eine Sitzung ab- halte. Das wird gegen die Stimmen der Kommunisten und der Ml- kifchen abgelehnt. Darauf schließt der Präsident die Sitzung. vorbeugende Seuchenbekämpfung. Landtagsdebatte über die TyphuScpidemie in Hannover. Im Landtag versuchte heute zunächst Abg. Pieck(Komm.) die Aufmerksamkeit von den Beziehungen zwischen Reichswehr und Sowjeiregierung und den Munitionslieserungen Sowjetrußlonds an die Reichswehr abzulenken, indem er behauptet«, die Reichswehr bezieh« Kriegsmaterial au» Finnland und Schweden, da» sie zum Teil nach Ungarn, der Türkei,»ach Ehtno und nach Irland exportier«. Ueber die letzteren Waffentransporte seien insbesondere Ralhenau und Ebert informiert gewesen. Zwischen Serering und Dehler bestehe ein Abkommen, wonach lü» ousgedecklen geheimen Wajjeu loger der Reichswehr von der Polizei nicht beschlagnahmt werden durften. E» folgt die Besprechung de» Ausschußbericht» über die hannoversch» Typhustpidemi e. Ada Ouaet-Faslem(Dnat.) erklärt als Berichterstatter, bei der außerorvemlichen Katastrophe seien außerordentliche Maßnahmen notwendig, zumal die Stadt Hannooer«in Defizit von 12 Millionen habe. Der Ausschuß fördere in einem großen Programm sür die Stadt Hannover Steuerstundungen. Unterstützung der hannoverschen Wirtschaft durch Ueberweisung von Austragen, Beih lien von insgesamt 7 Millionen Mark und e«nen Kredit von 12 Millionen Mark. In EntschließungsontrSgen, die der Ausschuh zur Annahme empfiehlt, wird u. a. die Schaffung einer Zentralstelle sür Typhusbekämpsung gefordert. Da»»Robert-Koch'-Institut und die Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Luslhygiene soll unterstützt werden, und dem sür die Anwohner an dem unteren Laus der Wupper unerträglichen Zustand der Verschmutzung ein Ende bereitet werden. Abg. telnert(Soz.) wendet sich gegen die in Hannover gegen ihn entstandene Hetze, die er als erbärmlich und erlogen und als unbegründet bezeichnet. Auch das Mißtrauensvotum der Sozial- demokraten gegen ihn im hannoverschen Parlament könne ihn nicht treffen, w«il er sich immer dafür eingesetzt habe, alles zur Beseiti- guna der Typhusschäden zu bewilligen. Im übrigen schläft onschei- nend der hanndversch« Magistrot, denn er hat bis heute noch nicht die Schäden anläßlich der Typhusepidemie nachgewiesen, während ssch die Handelskammer sehr gerührt hat. Abg. DItsurth(Dnat.) hält vor allem Vorbeuglingsmahnahmen gegen die Wiederkehr solcher Katastrophen sür dringlich. Hannover brauche ein neues Wasserwerk. Ein Regierungsverkreter erklärt, daß Anträge der Stadt Hannover«ms Veteillgunq am Rot- standsprogramm noch nicht eingegangen seien. Abg. Vlcmt(Z.) verweist daraus, daß dfr Ausschuß ein um- fassendes Hilssprogramm für die Schäden der hannoverschen Typhus- epidemle angenommen habe. Es wäre besser gewesen, wenn z. V. die Stadt Hannover von sich aus den Hinterbliebenen von an Tuphu» Gestorbenen helfend beiqesprunqcn wäre, statt daß sie sich erst vom Landtag dazu antreiben ließ. Vorbeugungsmaßnabmen feien nötig, und Kanalisierungsarbeiten sowie ein Wasserwerkbau seien wahescheinlich auch ohne Tyvhusevidemie erforderlich gewesen. Finanzminister Dr. Höpter-Aschoss führt u. a. aus, daß die Staatsregiernng bereits im Ausschuß betont habe, daß keine rechtliche Verpflichtung besteht, Hannover anläßlich der Typhusepidemie zu unterstützen und daß eigentlich auch kein ausreichender Grund für eine staatliche Notstandsoktion gegeben sei. Es bestehe ein Gesetz, das die Staatsregierung anhält. leistungsschwache Gemeinden bis zu 5000 Einwohnern bei Seuchen- schäden zu unterstützen. i Wenn die Regierung bei Hannover eine Ausnahme wegen der 5000 Einwohnergrenze machen wolle, so würde sie doch nicht über die anderen Vorschriften des Gesetzes hinausgehen, daß nur ein Drittel der entstandenen Kosten erseht werden sollen. Die Kosten Hannover» anläßlich der Typhusepidemie seien auch nicht groß. Die Staotsregierung müsse sich vorbehalten, die in den Haupt- ausschußanträgen gewünschten Barbeträge eingehend nachzuprüfen. An die Kosten des Wasserwerks und der Kanalisation z. B. hätte die Stadt Hannover auch herangehen müssen, wenn keine Epidemie gekommen wäre. Die Slaatsregieruug kann dafür Rlittel nicht bewilligen. Hannover kann sie ja auch auf dem An. l« i h e w e g e beschaffen.» E» wäre ein« ganz ungewöhnliche Sache, wenn die Stadt Hannooer vom Staat Darlehea erhalten sollte, die der Staat sich doch selbst erst beschafseu müßt«, hanaooer kann sich ja die Varlehen direkt hoten. hanuooer sei auch leistuagssähiger ai» vlele auderea preußische» Städte. Da» zeigten die Steuersötz«, die erheblich unter den -Durchschnittszahlen für preußisch« Städte liegen. Bei der Gewerbeertragssteuer Hobe Hannover fast den niedrigsten Satz in ganz Preußen. Hannover habe ferner die G e. tränkesteuer, die 8000 bis 9000 M. im Jahre erbrächte. außer Hebung gesetzt, was auch nicht gerade für eine große Not spreche. Mit der Forderung, die Stadt Hannooer mit Notstands- arbeiten zu unterstützen, sei die Staotsregierung einverstanden. Abg. Dr Schuster(D. Vp.) wendet sich gegen die Berechnung des Finanzministers, wonach die hannoversche Wirtschaft wegen der niedrigen Gewerbesteuer glänzend dastehe Nach weiterer lebhafter Debatte, an der sich die Bertreter aller Parteien beteiligten, und eine Reihe persönlicher Bemerkungen ergibt die Abstimmung über die Anträge die Beschlußunfähig- keit des Hauses. Der Gegenstand wird darauf von der Tages- ordnung abgesetzt. Hierauf beantragt Abg. Kasper(Komm.) zur Geschäftsordnung einen Antrag aus die Tagesordnung zu setzen, auch den Staats- a r b e i t e r n eine Weihnachtsbeihilse entsprechend der jetzt beschlossenen Beamtenzulagen zu gewähren. Der Antrag wird ohne Debatte vom Haus« e t n st i m m i g angenommen. Ueber den Gesetzentwurs. betreffend MeBerlöngerungdes Schutzpolizeibeamtengesetzes von 1922 bis 31. März 1927 wünscht zunächst Abg. ZNaikwald(Soz.), daß nach Ablauf der Verlängerung endlich ein Gesetz vorgelegt wird, das die Schutzpolizei- beamten in das beamtenrechtllche Verhältnis über- leitet, und tritt speziell für die Aufhebung des Eheoer- bot? ein. Abg. Kasper(Komm.): Die Schutzpolizeibeamten sind mit Recht empört über das Spiel, das man mit ihnen treibt. Sie sollten die Gummiknüppel nehmen und den Minister samt dem Parlament fortjagen. Innenminister Grzesioski: Der Vorredner ha> gemeint, früher seien Regierungsversprechun- gen wenigstens noch etwas wert gewesen, jetzt gar nichts. Ich wundere mich, daß gerade die Kommunisten sich so lebhaft nach den früheren Zuständen zurücksehnen.(Sehr gut! links.) Im übrigen kann ich mitieilen, daß das neue Kchuhpolizeibeamtengeszh fertiggestellt ist und bereits im Januar das Parlament beschäftigen wird. Die lange Verzögerung ist bekanntlich gi-äßtenteils außenpolitisch be- s gründet. Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird das Schutzpolizei- beamtengesetz in allen drei Lcsungen bis zum 1. April 1927 ver- längert. Hieraus wird die allgemein« Aussprache über den Etat fort- gesetzt. Abg. Vartels-Krefeld(Komm): Die Steuertlagen der Bour- geoiste find Heuchelei. Herr Friedrich M i n o u x hat erklärt, sein Hauptverdienst sei die Steuer. Um sein Gewissen zu entlasten, habe er in Wannsee eine katholische Kirche gestiftet und dabei gesagt, nur die katholische Kirche halte die Rasselbande zu-. sammen. Abg. hoff(Dem.) begründet an der Hand des Etats die NoHX wendigkeit de» Einheitsstaates. Abg. Frau von Kuleszn(Dt. Bp.) verteidigt den Dortmunder Schulstreit. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Viefler(Hannoveraner) schließt die Etatdebatte: der Etat geht an den Hauptausschuß. Nach Erledigung einiger kleiner Vorlagen oe'tagt sich das Han- auf Dienstag, den 18. Januar 192 7. Der Präsii-c-' hält die Ermächtigung, die Tagesordnung festzusetzen. Inöustrieentwicklung in Herlin. Ein Standort des Massenverbrauchs.— Die beherrschende Stellung der clektro- technischen Industrie. Groß- Berlin mit seinen vier Millionen Menschen, über eine Million Haushaltungen und seinen Reichs», Landes- und Kommunal- bchörden und privaten Verbänden ist die Stätte eines riesenhaft konzentrierten Verbrauchs und damit eines gewaltigen Marktes. Dos ist bestimmend dafür, daß Berlin der Standort einer gewaltigen V e r a r b e i t u n g s> und Fertig- i n d u st r i e ist. die siel) nach ihrem größten Absatzmarkt und der Nähe mastenhaster qualifizierter Arbeit orientiert, nicht wie die industrielle Schwerindustrie nach den Fundorten der Rohstoffe oder der Nähe der Kraftquellen. Die von dem Statistischen Reichsamt veröffentlichten Ergebnisse der Zählung vom Jahre l92S zeigen ein« erstaunliche Entwicklung der Berliner eisen- und metallverarbeitenden Industrien. Fast 40 Proz. der Gesamtzahl der industriellen Arbeiter und Angestellten in Groß-Berlin, die etwa l 000 OVO beträgt, entfällt auf die Eisen- und Metallverarbeitung einschließlich des Maschinen-, Apparaten- und Fahrzeugbaues. Mit seinen 400 000 Metallarbeitern, die an Maschinen mit einer Leistungs- fähigkeit von 420 000 Pferdestärken arbeiten, stellt Berlin eines der größten Zentren der metallverarbeitenden Industrie Europa« dar. An der Spitze steht hier die elektrotechnischeIndustri«, die hinsichtlich der Qualifizierung der Arbeitskraft die höchsten An- spräche stellt und in Deutschland mehr als in irgendeinem anderen Lande der Alten Welt entwickelt ist. In diesem Produktionszweig waren im Jahre l92S mehr als lSO 000 Personen in 3200 Betrieben beschäftigt, die etwa 170 000 Pferdestärken zum An- trieb der Maschinen und noch weitere 20 000 Pferdestärken für die Kraftfahrzeuge verwendeten. Die Zahl der Betriebe der elettro- technischen Industrie(3194) erscheint allerdings nur deshalb so außerordentlich hoch, weil 2107 Installationsbetrieb« und Bureaus mit eingerechnet sind mit 10 700 Beschäftigten. Die Hauptmasse der Beschäftigten entfällt natürlich auf die großen Betriebe der AEG., Siemens und Bergmann. Erstaunlich hoch ist die Frauen- arbeit in der elektrotechnischen Industrie. Mit fast 62 000 von 181 000 umfaßt die Frauenarbeit mehr als ein Drittel der Be- schäftigten. Am größten Ist sie in der Zähler-, Glüh- und Bogen- lampen-, Akkumulatoren-, Installations- und Isoliermaterialindustrie, wo sie SO bis 70 Proz. der Beschäftigten ausmacht. An zweiter Stelle steht der Moschinen-, Apparaten- und Fahrzeugbau mit etwa 110 000 beschäftigten Per- s o n e n und SZ 000 Pferdestärken an feststehenden Motoren und weiteren 27 500 Pferdestärken an Kraftfahrzeugen. Die Herstellung von Eisen-, Stahl- und Metallwaren, die noch im Jahre 1907 allen anderen Zweigen der Berliner Metallindustrie über- legen war, ist im Jahre 1925 mit 62 000 Beschäftigten in 6900 Be- trieben und 42000 Pferdekräften auf die dritte Stell« gerückt. Höchst kennzeichnend ist die Verschiedenheit des Ent- wicklungstempos der einzelnen Zweig« der Metallverarbeitung. Gegenüber 1907 wurden 192S beschäftigt: ---- Äi-tf-SÄ Elektrotechnische Industrie, Feinmechanik und Optik 67 049 196 924+ 128 876+ 192 Maschinen-, Apparaten« u. Fahrzeugbau....68 460 108 762+ 66 302+ 103 Eisen-, Stahl- und Metall« waren...... 67 609 62 463— 5 146— 76 Eisen«». Metallgewinnung 10 233 26 145+ 15 912+155 Zusammen.... 198 341 393 284+194 943+ 98 In diesen Zahlen spiegelt sich die allgemeine Umstellung der deutschen Industrie wider, die durch die Massierung der Bevölke- rung, ihre» gesteigerten Verbrauch» und verbesserten Berkehr» der Elettrotechnik und der Feinmechanik in den Großstädten eine be- sondere Rolle zuweist. Der Aufstieg der Metallverarbeitung in Berlin erscheint um so auffallender, wenn man ihn mit der Entwicklung anderer Pro- duktionszweige oergleicht. Im Jahre 1907 waren in Groß-Berlin in der Metallverarbeitung nicht viel mehr Personen beschäftigt als in dem Bekleidungsgewerbe: 198 341 gegen 187 351 Personen. Dieses Gewerbe, das nicht nur die Bevölkerung der Stadt versorgt, sondern auch für den weiteren Markt arbeitet, hat seitdem nur einen schwachen Zuwachs zu verzeichnen. Sein Personal ist auf 207 965 Personen gestiegen. Dieser Zuwachs von 2 Proz. entspricht ungefähr der Zunahm« der arbeitenden Bevölke- rung in der Stadt, und es ist zu erwarten, daß die weiteren Er- gebnisie der Zählung denselben Zuwachssatz auch In anderen wichtigen Gewerbegruppen ermitteln werden. Um üie Gefrierfleischeinfuhr. Zölle bei der Aufhebung der Kontingentierung? Zur Frage der Gefrierflcischversorgung erhalten wir von beson- derer Seite folgende Zuschrift: Nach Zeitungsmeldungen wurde kürzlich in einer Sitzung des Gefrierfleischbeirats von landwirtschaftlicher Seite nicht nur eine Erhöhung des Gesamtkontingents bekämpft, sondern auch erklärt, daß man der Aufhebung der Kontingentierung nur unter gleichzeitiger Einführung eines möglich st hohen Zolls auf Gefrierfleisch zustimmen könne. Dos ist offen! Der Wunsch ist natürlich der Boter des Gedankens. Wir wollen ebenso äffen antworten.- Wir brauchen das Gefrierfleisch zur Versorgung der minder- bemittelten Bevölkcrungsschichten, die das teure einheimische Fleisch nicht bezahlen können. Wir brauchen es so lange, als unser« Landwirtschast den Gesamtbedarf nicht decken kann. Da» konnte sie schon im Frieden nicht, geschweige denn jetzt. Auch in der Zukunft wird sie das bei der heutigen Getreide- und Futterzollpolitik nicht erreichen. Die stärkste Intensivierung des landwirtschaftlichen Betriebs wird das bei der heutigen Agrarpolitik nicht oermögen. Die I n d u< strialisierung Deutschlands hat prozentual, zugleich aber auch absolut zugenommen. Die Bevölkerungsdichte ist g e st i e g« n. Dieser Prozeß schreitet fort, wenn wir Arbeit für die zunehmend« Be- völkerung schaffen und genügend Werl« produzieren wollen, zum eigenen Verbrauch oder zur Steigerung des Exports. Da» Bedürfnis nach ausreichender leicht verdaulicher Nahrung höchsten Nährwertes, also nach Fleisch, ist mit der Steigerung der Arbeit»- l e i st u n g der breiten Arbcitermaffen in den maschinell arbeitenden Betrieben gewachsen: das Reichsgesundheitsamt selbst hat da» überzeugend nachgewiesen. Vermehrte Nachfrage aber treibt die Fleischpreise, wirkt damit allerdings auch belebend auf die Pro- duktion. Aber diese ist aus den dargelegten Gründen begrenzt. Folglich werden ohne ausreichende Fleischeinfuhr weit« Volkskreise die Fleischnahrung entbehren oder sich im Fleischgenuß stark einschränken müssen. Damit sinkt aber die Leistungsfähigkeit ihrer Arbeit und der Nutzeffekt der deutschen Prdduktion. Dies alles sind Binsenwahrheiten. Den Fehlbedarf müssen wir ans dem Auslande decken, und zwar in dem guten und billigen Ge- frierfleisch. Natürlich nicht mehr, als unbedingt nötig ist. Darüber hinaus haben wir kein Interesse an ausländischen Zu- fuhren. Wer es bezahlen kann, soll das teure einheimische Fleisch kaufen, wenn auch bei möglichster Ausdehnung die V e r b i l l i- g u n g der Frischsleischerzeugung zur Steigerung des Massen- Verbrauchs selbstverständlich das Ziel bleiben muß. Die Fleisch- erzeuger dürfen aber nicht allein an sich denken. Ihre eigenen wissen- schofllichen Autoritäten sind sich über die Sachlage klar. Ihnen ist es mit zu danke«, daß das Gesetz über Zolländerungen die zollfreie Einfuhr einer bestimmten Iahresmenge für die minderbemittelte Bevölkerung zuläßt. Die Durchführung des Gesetzes verriet kein sonderliches Verwallungsgeschick und erregte viel Geschrei auf beiden Seiten. Immerhin ist jetzt leidliche Ruhe eingetreten. Es wird ein Jahres- kontingent von 120 000 Tonnen in Monatsraten von 10 000 Tonnen zollfrei hereingelassen und im großen ganzen auch in praktischer Weise verteilt. Auch für die Ileberwachung der letzten Ab- gäbe an die Verbraucher zu.mäßigen Preisen sowie für die Kontrolle der Verhütung von Mißbräuchcn sind schließlich von den Ländern bindende Dorschristen erlassen. In Preußen brauchte das Landwirt- schaftsmintsterium aber fast dreiviertel Jahre dazu. Böse Zungen lästerten schon, man habe sich absichtlich gar nicht so sehr damit beeilt, damit die erwarteten Mihbräuche(die auch nicht ausgeblieben waren) erst recht deutlich hervortreten sollten. Sei dem, wie ihm wolle. Die Gefriersleischoersorgung ist im großen und ganzen in Ordnung. Und damit sollte man zufrieden sein: aus allen Seiten. Daß eine Einsuhr von 120 000 Tonnen Gefrierfleisch jährlich für den gesamten Fleischverbrauch in Deutschland ein Pappenstiel ist, weiß jedermann: auch die Landwirtschaft weiß das natürlich, und sie weiß auch bereit» aus Erfahrung, daß dann keinerlei Preis- druck auf das Inlandsfleisch zu befürchten ist. Denn einheiinisches Fleisch und Gefrierfleisch haben einen ganz getrennten Markt und beeinflussen sich in der Preisbildung schon längst nicht mehr. Da» Preußische Statistische Landesamt Hot diese Tat- fache erst kürzlich auf Grund von Erhebungen eindeutig festgestellt. Danach wird das Gefrierfleisch fetzt nur noch von den minder- bemittelten Bcoölkerungsschichten gekaust. Sein Hauptverbrauch entfällt außer Berlin auf die großen Industriezentren des Westens mit massierter Arbeiterbevölkerung und großer Arbeitslosigkeit. Für diese ist noch den genannten Feststellungen das Gefrierfleisch unent- behrlich geworden. Ob da» Kontingent von 120 000 Tonnen tatsächlich dem B c- dürfni» genügt oder ob e». wie es scheint, noch einer kleinen Erhöhung bedarf, läßt sich zurzeit noch nicht sicher übersehen. In dieser Richwng können die Landwirte sich schon aus ihren Reichs- .landwirtschafts'minister, wie sie ihn nennen, verlassen: daß er zu- gleich Minister für„Ernährung� sst, vergessen sie gern. Wenn von Handels kreisen gelegentlich aus Heraufsetzung ge- drangen wird, so sst das für die Landwirtschaft noch kein Grund zur Aufregung, ebenso wenig wie der auch nach unserer Ansicht abzu- lehnende Wunsch ewiger mit dem jetzigen Lerteilungsmodus nicht zufriedener Handelskreise, die die Beseitigung des Kontingents und Freigab« der ganzen Gefrierfleischeinfuhr unter Einführung eines mäßigen Zolles wünschen. Man muß es sich aber entschieden o e r b i t t« n. daß die Landwirtschaft sofort schweres Geschütz auf- fährt und mit der Drohung antwortet, gegebenenfalls die Emführung eines hohenZollesfürallesGefrierfleischzu fordern. seine Einfuhr also unmöglich zu machen. Eine solche egoistische, massenfeindliche Politik würde den schärfsten Widerstand herausfordern. Verlängerung üer Exportgarantie für Nußlanö. Um ein Vierteljahr. Die Reichsregierung hat im Sinne der Ermächtigung des Haus- Hallsausschusses des Reichstages vom 11. Dezember 1926 die am 31. Dezember dieses Jahres ablaufenden Bestellfristen für Lieferungsgeschäste nach Sowjetrußland, die unter die Reichsgaronti« fallen, bis 31. März 1927 verlängert. Diese Verlängerung ist mit Rücksicht daraus erfolgt, daß aus Grund der Garantie bis Ende dieses Jahres Bestellungen im Umiange von nur 140 Millionen Reichsmark erfolgt sein werden. Auf Grund und im Rahmen der Ermächtigung ist ferner zugestanden, daß für die in der Zeit vom 1. Januar 1927 bis 31. März 1937 abgeschlossenen Lieferungsoerträge die Garantiefristen für die zweijährigen Ge» schäfte mit dem 31. März 1929 und die Garantiefristen für die vier« lährigen Geschäfte mit dem 31. März 1931 ablaufen. Was die Finanzierung angeht, so kann sie als in vollem Umfange gesichert angeschen werden. Das deussche Bonken. konsortium hat für die Finanzierung insgesamt 180 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt, ein ausländische» Bankenkon- sortium, an dem zwei deutsch« Großbanken beteiligt sind, weitere rund 50 Millionen Reichsmark: der restliche Teil kann auf Grund vorliegender Anhallspunkte als durch die Beteiligten aus anderen Quellen finanziert betrachtet werden. Im übrigen sind mit Rücksicht auf die Verlängerung der eingangs erwähnten Fristen mit den beiden Lonkenkonsortien Verhandlungen wegen einer entsprechenden Verlängerung der Finanzierung aufgenommen worden. Fortschritte üer �grarenquete- Es konnte bereits vor 14 Tagen von der so außerordentlich wichtigen Untersuckung des Unterausschusses für Landwirtschaft über die landwirtschaftlichen Produktions- und Wirts chafts- oerhältnisse m den einzelnen Gebieten Deutschlands berickstel werden. In der gestrigen Plenarsitzung des Unterausschusses bc- standen bei manchen Mitgliedern noch Zweifel darüber, eb diese Erhebungen den erhofften Erfolg haben würden und ob ihre Ergeb- nisse wesentlich zur Behebung der Agrarkrise beitragen könnten. In einer eingehenden Erwiderung wurde daraufhin von Prof. Dr. Lang und vom Genossen Dr. Baad« die besondere Bedeutung gerade dieser Erhebung dargelegt. Es ist bekannt, daß es in Deutschland Gebiet« mit außerordentlich hoch entwickeller Landwirtschost gibt, und daß andere Gebiete in der Technik noch außerordentlich zurückgeblieben sind. Da bis jetzt noch keine Literawr existiert, in der dies« großen Unterschiede der Pro- duktionstechnik und Wirtschaftsweise klar herausgearbeitet sind, ist es. wenn die Arbeiten der Agrarenquete Wege zur Besserung aufzeigen sollen, völlig unerläßlich, diese Erhebungen oorzu- nehmen. Welch wertvolle» Material hier zu Tag« gefördert werden kann, zeigen die bisher durchgeführten Probeerhebungen. Sollte � man es für möglich hallen, daß in einem« unmittelbarer Nähe einer Großstadt gelegenen Kreise der Aufschwung der Milch« Viehhaltung mir dadurch noch immer gehindert wird, daß die Bauern es nicht fertigbringen, Molkereigenossenschaften zu grün- den und infolgedessen heute ihre Milch nur mit 11 bis 12 Pfennig verwerten? Oder daß in demselben Bezirk der Boden nicht gepflügt, sondern nur geritzt wird. wie vor einigen Jahrhunderten, und daß die Bauern diese Boden- bearbeiwng für vollständig richtig halten? In einem anderen Kresse wurde festgestellt, daß dort Tausende von Hektar alten und besten Kulturlandes versumpfen müssen, weil durch die Abwässerüberschüsse eines nahegelegenen Industriegebiets der Grundwosserstand dauernd steigt. Durch«ine Flußregulierung könnte dieses fruchtbare Kulturland der Landwirt- ichast erhallen bleiben— eine zweifellos nützlicher« Maßnahm« als die staatlich unterstützte Kultivierung armen, unfruchtbaren Oed- landes. All diese und viele ander« Mißstände können nur durch eingehendste Einzeluntersuchungen aufge- deckt und beseitigt werden. Nach diesen Ausführungen wurde beschlossen, die Unter- suchung sofort in Angriff zu nehmen: die Enquete-Mitglieder Prof. Dr. Lang. Direktor Hoffmann und Genosse Dr. Baabe wurden be- auftragt, zwecks Durchführung der Arbeiten mit den Landwirt- fchaftskommern in Verbindung zu treten. Geldmarkt und Bankpolittk. Die Studiengesellfchaft für Währungs- und Finanzreform hall- Professor Dr. Prion von der Technischen Hochschule zu eine» Dortraa über.Geldmarkt und Bankpolitik' verpflichtet. Nachde» der Redner die verschiedenen Versuche, dos Gleichgewicht zwifch«. Kopllalmorkt und Geldmarkt zu erzielen(Konzentration der lang- fristig ausgeliehenen Gelder nach dem Vorschlag des Seehandlungs- prästdenten Dr. Schröder und Verminderung der Aassenbeftänd« nach dem Vorschlag des Reichsbankpräsidenten) gestreift Halle, kam er zu dem Schluß, daß den Anforderungen an den Kapitalmarkt zu guter Letzt nur durch Auslands kr edit« genügt werden kann. Be- züglich der Stellung der Reichsbank bemerkte der Redner, daß diese gegenwärtig vom Geldmarkt abgetrennt sei. Sie befindet sich in der Zwangslage, Fühlung mit ihm zu suchen und oufzu- nehmen. Di« Herabsetzung des Diskontsatzes habe bisher immer Aenderungen am Geldmarkt bewirkt. Eine künftig« Diskont. Herabsetzung will Professor Prion aber insbesondere in einer Ermähigunq der Zinsen für langfristige Depositen aus- gewertet wissen. Von einer solchen Zinsermoßigung erwartet er einen Zustrom langfristig verfügbarer Mittel von Banken und Börse auf den Kapitalmarkt. Die Verengung de» Kredit« selbst führt er in der Hauptsache darauf zurück, daß von den Banken gegenwärtig vor allem langfristige Kredit« gefordert werden. Da» zu schnelle Einströmen ausländischen Kredll» führt nach Prion zur Preissteigerung. Andererseits erhöhten die ausländischen Kredite den Dioisenbestand der Reichsbank. An diese Tatsache knüpfte Prion Ausführungen von allgemeinem Interesse. �Der De- nisenbesitz der Reichsbank ermöglichten e» dem Agenten� für Repa- rationszahlungen, seine Markguthaben in Devisen umzuwandeln. So kam der RepnrationsageM in die Lage, den Banktransser bis jetzt durchzuführen. Im Grund« genommen beruht aber dieser Bartransser auf Auslandskredtten. In diesem Zu. sammenhang betonte der Rebner die Wichtigkeit der Bemühungen de» Rcichsbankpräsidenten. dem Reparationsagentcn und der ganzen Welt die Augen über die Zusammenhänge zwischen Auslandskrediten und Dartransfer zu öffnen._ Die devsschen Sachlieferungen nach Frankreich im kommenden Jahre. Nach einer französischen Meldung werden die deillschen Sachlieferungen im Jahr« 1927 für Frankreich sich auf 7 00 M, l- lionen Goldmarl belaufen, und zwar sollen 50 000 Tonnen Papier von Deutschland geliefert«erden. Ferner wird die A u S-. Haggerung des Lorhafens von Le Havr« mit Hilf« deutscher Techniker und mit deutschem Material fortgesetzt werden. Auch irr dem Hafen von Bordeaux sollen Baggerungen und Modernisserungs- arbeiten erfolgen. Au» Hamburg werde em Schwimmdock von 25 000 Tonnen nach Bordeaux geliefert worden. Außer den Arbeiten. die noch in anderen Gegenden vorgenommen werden könnten, siebt das Programm der amtlichen Stelle für die Sachlieferungen die Nutzbarmachung der Wasserkräfte, besonder» in den Departements Basses-Alpes und Alpe» Maritime» vor. Der Plan hierfür soll von dem technischen Komitee in«inigen Wochen fertig- gestellt sein: man will jedoch darauf hinweisen, daß die deutschen Sachlieferungen die französisch« Produktion ichadigen. Sollt« die» eintreten, dann würde die deutsche Mitarbeit auf die Inanspruchnahme deutscher Ingenieur« und deutscher Spezialarbieter deschränkt werden. Große Ueberschüsse der Reichsbahn im November. Die Nr- vembereinnahmen betrugen insgesamt 439 485 000 M., die Ausgaben 389 516000 M., wovon auf persönliche Ausgaben 204 593000 M. und auf sachlich« Ausgaben 127 927 000 M.«ntsallen. Den Grund für die sehr bedeutende Steigerung der Einnahmen bildet ine« besondere der stark« Kohlenverkehr. Der P« r s o n a I» bestand betrug im Oktober 728 377 Köpfe gegenüber 724616 im September. Die Wohnungsgelegenheiten der Eisenbahnbediensteten werden durch die Neubautätigkeit im Geschäftsjahr 1926 eine De?« mehrung um etwa 6600 Wohnungen erhalten, wofür rund 21 Mil« lionen Mark bereitgestellt worden sind. Die Privatbanken zur lleberstandenarbeit und anderen Dingen. In seinem Geschäftsbericht erklärt« der Zentralverband de» Deutschen Bank- und Bankiergewerbes, daß die Arbeit mit Ueber stunden grundsätzlich un« erwünscht ist, daß aber Wege gesucht werden müssen, sich dem nicht vorherzusehenden Anschwellen und Abschwellen der Arbeit im Bankgewerbe anzupassen. Neben diesem etwa» billigen Bekenntnis wird die steuerliche Belastung als Hemmnis der Kapital« bildung bezeichnet, trog der Ablehnung der Besteuerung de» Konto- korrenioeschäfts der Sparkassen diesen der Kampf um„steuer- liche Gerechtigkeit" neuerding» angezeigt, gegen die Bestrebungen zur Reform des Aktienrechts die Notwendigkeit der m e h r st i m-/ migen Vorzugsaktien unterstrichen, und schließlich wird dem Staat dafür gedankt, daß durch die Verlängerung de« Gesetzes über Depot- und Depositengeschäfte den Privatbanken unerwünscht« Kon- kurrenz welter ferngehalten wird. Wir registrieren diese Fessstel- lungen als Zeichen dafür, daß der Geist der deutschen Privatbanken, lies Großbanken, sich nicht geändert hat. ZIn»losica fressen den Gewinn. Di« Berliner Werkzeug. Maschinenfabrik W. Kärger A.. A, Idnrh t. Wallner«Theater Heute 8 Uhr EratauffObrung Das blonde Wunder Musikalischer Schwank von Byjacco M 3 SCAtA Nollendort 7360 V Uhr Variete- Attraktionen ImmM 1. immi I Voratcllaacen 3" and• Ünr. V zu ermäBigt. Preisend, ganze Programm Ccntral-Th. Oiogintig. ZS. IZ, 1 1. Op«rittea-Pnrai»fi DRONSQEEST In Oer Trompeter wnn Rhein uhr:KielfleiTleal prevmere der Revue Oh! U.S.A. Sonnab. u. Stg. 4 U SthheewittöieD Ota lOnttlcr-rn. Prltzl Maasaryt 8: J>le Ifta Igln" Lcstiac-Tbcatcr s U.(1 ernst» mm Cebcrmenscn Tk.■.IndnindiBfl sUzDiePranaa der Mette Lasttplelhaus 8'/, Uhr; 0 Bcnogia v.Elbt Stg. 31',: Ihfiifc Kose-Tkeater 4 Uhn Max u. Marin 8>r. Uhr Tob M n lliti TbalLbltaiMyl Kurflrst 3091 » Uhr: Nur»och Ms 23. 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Dezember abends 6 Ohr StelleDangMl IMn In Vtreifh| tetMiui: » SONDERZUQ» 9 flTTiltit. Um'/«MI 9.1 9S-., Vz.LSi 9 ff«H Etiuo'/>- I.» lab hier Nacbnahne Normaa«»«, Horloef(Holst.)l(a Preü Pfd. nur 5(7pfj8 MARGARINE muss es sein! öekanntmochung. Am 90. Cetember 1930 ntblei dir Rritbobont—»«nächst Der- fu.ljdioetfe— neben dein btte'Itrtjtn einen, telegraphijchen HiroüderweisungsverkeHr ein. >0M brm gmanntm Zogt M» nfbaim sämtlich» MrlchobomfaNflsItr oon brn Znbdbrra brr bei Ibnee gtfBbrtrn Cbirofom» Auilrdg» zur tele- ftraphifibrn Uieb.'riaeifunR oon Beträgen iebec Hbye aal jietcyebontqtrotontrn. ble an anbeten Sie chsi>2nkp dg»n gnübn werben, entgegen, unb jtoat bi» IIb, übe. Sonnabenb, bis Ii ubr vormittags. Für>ebe telegeaabisch« Uederw» iung PI ehr beton beere roter S«t>r>t ausxnftrllrn; er Iii ober bald oee im Fisteeu geschrieben,» Summ« Frei ist öer öursth! Schmutz- und schuadfreier Gesellschaftsromau ia siebev Kapiteln. Von hadwiga Kurz-Ztlalheur. (Schluß.) VI. Fest steht und treu... Noch in den Abendstunden desselben löge» huschte durch die wie im Dornröschenschlaf verträumte ehemalig« Residenz«in Nirrende» Raunen. Und richtig begaben sich pünktlich um sieben Uhr der Herr Etaatsanwaltschastsrat Leols, Herr Dr. med. Bärbchen sowie Herr v. Sechzehnender nach dem„Preußischen Löwen', wo sie der Bor- sitzende des Kegelklubs„Borussia', Herr Oberpostsekretär Zwiebel- back, zu einer vertraulichen Besprechung in das Cliambrezäparee geladen hatte. Getrennt waren sie marschiert, aber vereint schlugen sie jetzt die Hocken zusammen, als sie einander ansichtig wurden. Herr Oberpostsekretär Zwiebelback,«in Mann von echtem Kleinkaliber- schrol und ebenso von echtem Korn, welchselbigen er den modischen Bolschewistenschnaps Allosch vorzog, empfing die Herren mit sorglich gefurchter Miene. Seiner diplomatischen Courtoisie gelang es. die Herren treubrüderlich an einen Tisch zu bringen, zu welchem er ohne Umstände das Wort ergriff. „Meine Herren, ich habe Sie hergebeten in einer ganz persön- lichen Sache, die aber geeignet ist, die uns allen am Herzen ruhenden vaterländischen Belange aus dos Schwerste zu verletzen bzw. zu kom- promittieren. Ich brauche Ihnen, den zunächst Beteiligten, wohl n..,t zu sagen, wa, man einem Ondit zufolg« seit heut« morgen In Potsdams Straßen über Sie, die prominentesten Vertreter des ker- nigen Deutschtums, sagt. Aber bedenken Sie eine», meine Herren. bedenken Sie. daß von dem Gerücht der Straße bis zu den radikalen Rotationsmoschinen nur ein Schritt ist. Bedenken Sie, was. e radikale Presse mit den Belanglosigkeiten, die Herrn o. Sechzehnender und Herrn Staatsanwaltschastsrat Leols trennen, ansangen wird. Bedenken Sie auch, Herr Doktor Bärbchen, in wie g hässiger Weise man aufbauschen wird, daß Sie mit Ihren Dienstboten in Cr- ziehungsfragen nicht konform gehen. Bedenken und bedenken Sie doch, ich beschwöre Sie bei den Gebeinen, die drüben in der Garnison- kirche liegen und uns heilig sind, mit welchem Eifer die schreibseligen Judenlümmels über diese persönlichsten Dinge hersallen werden, wie sich die rote Presie das gefundene Fresien aus den langen Juden- fingern saugen würde. Reichen wir uns doch die Hände zum Rüth- schwur, lasten wir da» Vergangene vergessen sein, und erkennen wir an. daß hier wieder einmal aus einer Mücke ein Hornberger Schießen gemacht wurde.' Di« anfänglich zornmütig geröteten Augen der drei Herren ver» leren nach und nach jede Schärfe. Staatsanwaltschastsrat Leols war der erste, der den Bann de, feierlichen Schweigens brach, indem er erklärte: „Wenn auch schweren Herzen», so soll mir doch für das Baterland keine Wurst zu teuer sein. Ich gebe hiermit mein Chrenwort, sowohl al» Mensch, als auch als Akademiker, Offizier der Reserve und Staat». jurift, daß ich bei Frau o. Sechzehnender nie wieder einen Besuch machen.werde, der vom roten Janhagel irgendwie mißdeutet werden konnte. Unnötig, zu versichern, daß ich der Ehr« der gnädigen Frau nicht zu nah« getreten bin.' Diese? wahrhast männlich erfrischenden Erklärung schloß sich Herr o. Sechzehnender vollinhaltlich an, indem er hinzufügt«, daß er bei genauester Untersuchung die Reputation seiner Gemahlin voll» kommen intakt befunden habe, wie schon au, der Bemerkung seines Herrn Vorredners hervorging«. Auch Herr Doktor Bärbchen, auf so wahrhast schön« Weise bei seiner deutschen Mannesehr« gepackt versicherte unumwunden, daß er zum mindesten allenfalsige Alimente zahlen werde,.denn.' so schloß er: „Wer da, dreisorbig« Band der Hercynen trug, bleibt Ehrenmann und korrekt bi» zum letzten Atemzug!' „Korrekt! Korrekt! Korrekt!' so«choten al»«in wahrhaft pot». damlicher Rütlischwur die Stimmen der drei anderen Herren das rührende Bekenntnis. VII. Still« Nacht, heilig« Nacht! Bim Bam. Bim Dam. Bim Bam Bum! So dröhnten am heiligen Abend die Weihnachtsglocken durch da» festlich erleuchtete Potsdam. Hier und da sah man«Mg noch das gewöhnlicher« Poll «cht« Silbertannen oder dick« Geschenkpaket« durch den weihnachtlich unter den Füßen knirschenden Schnee nach ihren traulichen Hütten schleppen, wo im rotglühenden Ostn schon gar lustig die Bratäpfel schmorten. Nicht ganz so lärmvoll ging es in den von den höheren Ständen, die so naturgemäß weniger zum Festefeiern aufgelegt sind, bewohnten Vierteln zu. Erst in den späteren Abendstunden sammelte sich im einfach geschmückten Salon des v. Sechzehnenderschen Hauses jene klein« Gesellschaft, die wir nun genugsam kennengelernt haben. Herr Oberpostsekretär Zwiebelback hatte seinen Kinderchen Teutogund« und Eieghart ausnahmsweise zeitig beschert, um als erster bei v Sechzehnenders«inzutressen. wo die kühl-stolze aber blendend schöne Gestoll Bertas v. Sechzehnender die Honneurs de» Hause» machte. Doktor Bärbchen und Staatsanwaltschastsrat Leolf kamen wenig später, und zwar gerade, al» Herr v. Sechzehnender in das Be- scherungszmrmer gegangen war, um dort dl« entzückenden Lichter de» duftenden Tannenbaumes anzuzünden. Welche Gelegenheit Herr Leolf benutzt«, der Dame des Hauses beim Handküsse zuzuflüstern: „Du Lühe—*• Frau v. Sechzehnender zeigte sich aber ihrer deutschen Frauengröß« gewachsen, indem sie den Casanovling anzischte:„Mein Herr— wenn Du nicht vorsichtig bist, verdirbst Du alle»!' Bald saß man um die dampfend« Punschbowl« und leert««In« Flasche„Veuve Cliquot* nach der anderen, die wahrhaft«, gemütlich«. deutsche Weihnachtszauberstimmung emsig verbreitend. Bergest«» wurden bald Hader und Zorn, überhaupt all« Kleinlichkett, und jeder schüttet« srohbewegt den anderen sein volles Herz au». Herr Doktor Bärbchen stellte in Abrede, daß er jemals in Beziehung zu der vulgären Person seiner Haushälterin gestanden habe, kein Mensch soll« ihm mehr damit kommen, zumal da nun feit dem letzten Monats- wechfel feststünde, daß«in« eventuell« Fortpflanzung ihrer Rast« nicht in Frage käme. Stootsanwallschaftsrat Leols gab seinen Freunden unter dem Siegel der Verschwiegenheit kund, daß er für sein« Der- dienst« im letzten politischen Prozeß am ersten Januar bestimmt zum Oberstaatsanwalt befördert werden würde. Ein« ungehemmt« festliche Stimmung aber kam erst auf, als Herr o. Sechzehnender unter dem brennenden Lichterbaum seiner Gattin«in Schmuckstück umhängt«, daß sich als ein« Medaille erwies, die der gnädigen Frau als Zeichen äußerer Anerkennung seitens des Germanischen Frauenbundes �Deutsch« Frauen, deutsch« Treue' soeben überwiesen worden war. Tränen der Rührung, deren sich weder die wetterharten, schlacht- erprobten Männer noch die stnnig-keusche Frau schämten, glommen in den Augen dieses sestlichen Kreises auf, als sie rückwärtsblickend sehen konnten, wie sichtbarlich Gott, der Herr, doch alles zum Besten füget. Traulich umschlungen umstanden sie den schimmernden Kerzenbaum und sangen au» vollem Herzen: Christ, der Retter ist da! ?n flagranti ertappt! Was Scheiüemanns Neüe enthüllte! Seelisches Leben öer Tiere. Don Dr. Tonst anze Glaser, Wien. Die methodische Erforschung des Seelenlebens der Tiere geht von amerikanischen und englischen Psychologen aus, die den Der- such machten, das Gesamtverholten von Tieren genauer Beobachtung zu unterziehen. Die wistenschostlich« Psychologie-- bis dahin gab es nur«ine solch« des Menschen— bedient« sich vor allem ver Selbstbeobachtung und Selbstbesinnung, da auch beim Experiment(der künstlich hergestellten Situation) die Versuchsperson auf Grund von Selbstbeobachtung Aussogen zu machen hatte. Und auch dort, wo der Deelenforscher das Bewußtsein anderer beobachten wollte, wurde schließlich die Deutung aus Grund von Einfühlung. die aber wieder nur durch Zurückführen aus eigenes seelische» Erleben möglich war, vorgenommen. Selbstbeobachtung war so Ausgang». punkt und Endstation aller Seelensorjchung. weim man von einigen apparativen Borrichiungcn absieht, aus den«« man Aufschluß über Reuknonsgaschwindigkeit und ähnliche psychophysische Teilfunktionm erhalten konnte. Dadurch war es aber unmöglich. Aussagen über nichtmenschliches Bewußtsein zu machen, die mehr als vermensch. lichende Spielereien hätten sein können. Der Amerikaner Thom- dik« und die englischen Behaviouristen(Anhänger der Lehre vom Verhalte») Lloyd Morgan und Iamiings haben nun um die Wende des Jahrhunderts begonnen, ihr Augenmerk auf das Gesamt- oerhalten der Tiere zu lenken und diese» auf Derhallung» einheilen zurückzuführen. Allerdings ist man hier zunächst versucht, Friedrich Albert Langes Ausspruch von der„Psychologie ohne Seele' dahin zu variieren, daß es sich hier um«ine„Psychologie ohne leelisch« Erscheinungen' handle. Die Ergebnist« dieser Methode, die sich deutsch« Gelehrte zu eigen machten, sprechen aber für sie.— In den Iahren ISll bis ISIS wurde in Teneriffa von der preußischen Akademie der Wissenschaften«ine Schimpansenvcrsuchsstation unter- halten, über die W. Köhler in seinen„Intelligenzprüsungen an Anthropoiden'(Menschenaffen) berichtet. Do» Verhallen der Tier« bei nestellten Aufgaben, wie solch« Ihnen auch im Leben in der Sreiheit vielsach erwachsen, wurde genau beobachtet und registriert. abei handelt es sich um«in Finden von Lösungen, also um Per» die da» Tier vom Gitter au» sehen, zu der es aber nur aus dem Umweg durch«ine hinter ihm gelegene Käfigtür und um den Käflg herunioehend gelangen konnte, hereinzuholen. Auch Hund« lösten diese Ausgabe, während Hühner dazu nicht mehr imstande waren. Schmieriger schon war es. sich«in Ziel, das außerhalb des go- schloiienen Käiigs lag und mit den Armen nicht erreichbar war, zu verschossen. Stöcke, die im Köiig lagen, wurden bald zu Hilfe genommen, als„Werkzeug' benützt, wenn sie sich in derselben Richtung wie da» Ziel befanden also vom Tiere mit diesem zusammen gesehen werden konnten. Lagen sie in einer Eck« so schien es schwerer auf ihre Verwendbarkeit zu kommen. War dies« aber einmal entdeckt, so wurden sie herbeigeholt, wo immer sie sich be- fanden. In ähnlicher Weis« wurden Decken, Lappen, Stäbe ver» wendet. Die Tiere rissen sogar Zweige von einem im Hintergrund de» Käfig» stehenden Baum ab und benützten sie zur Armoerlänge- rung. Eine andere Situation lag vor, wenn ein Körbchen von der Decke herabhing, in dem sich«in« Frucht befand. Waren Stöcke zur Hand, so wurde solang« auf dos Körbchen geschlagen, bi» die Frücht heraus fiel. Fehlten diese, standen aber Kisten im Raum. so wurden sie unter das Ziel geschoben und übereinander getürmt, der„Bau' vorsichtig erstiegen und das Ziel heruntergeholt. Auch wenn die Kisten fehlten, wußten die Schimpansen sich zu helsen. Der durch den Raum gehende Dersucheleiter oder Wärter wurde bei der Hand genommen, trotz seine» Sträubens unter das Ziel gezerrt und al» Leiter benützt. Ebenso versuchte Sultan, der intelligenteste der Affen, der immer als erster die Aufgaben löste,«inen Kollegen zu benützen, der aber seine Absicht nicht verstand oder sich nicht al» Leiter gebrauchen lasten wollte. Der Deckel der Abflußgrub«, der mit Eisenriegeln verschlossen war wuichc von den Tieren beseitigt, und als der Berschluß noch fester gemocht worden war, wurde ein Stock benütz!: der„Hebel' war entdeckt. Getränke wurden mit Strohhalmen aus einer Trinkschale„ausgelosiell'. Ein bei einzelnen Schimvansen, so der fleißigen Ehika, beliebte» Spiel war der Kletterlprung: sie erkletterte«inen mit den Händen gehallenen Stock und sprang schnell ab, bevor derselbe noch umfallen konnte. Da» Spiel ging in Ernst über, sobald der Klettersprung zum Herunter- holen eines Ziele» verwendet wurde. Zu bestimmten Zeiten wurden besondere Spiele bevorzugt. E» entsallete sich so etwas wie Sport oder Mode. Zeitweilig war das Fischen sehr beliebt. Mit den aus dem Gitter hinausgehaltenen Holmen, die vorher abgeleckt worden waren, standen die Schim» pansen und harrten der Ameisenzüge. Oder da» Malen wurde M�de: mll Ton wurde dann alles angemall. Zeitweilig wurden Kostümfeste mit Hilfe bunter Lappen aufgeführt.— Die Tier« boten ei» ganz anderes BUd, je nachdem sie nur jpielle» oder mll der Lösung einer Aufgabe beschäftigt waren Eine große Rolle bei ihren Leistungen spielte das optische Moment. Schon früher wurde hervor- gehoben, daß Stöcke, oie mit dem Ziel nicht zusammen gesehen werden konnten, nicht so leicht als Werkzeug benützt wurden. Steht nun ein Tisch fest in einer Ecke, so kommt der Schimpanse nicht daraus, ihn als Werkzeug zu verwenden, auch wenn er sonst keinen brauchbaren Gegenstand findet. Er wird dann nicht als„einzeln existierend' aufgeiaßt.„Es gibt eine Art optischer Festigkeit,' sagt Köhler,„die das Abtrennen als Berstandesleistung ebenso erschwert, wie die stärksten Nägel das praktische Losreißen verhindern.' Das genaue Studium bestätigt auch die von Tierliebhabern oft gemachte Beobachtung von der Derschiedenheit der tierischen Individualitäten. Wer kennt nicht au» dem Umgang mit Hunden beispielsweise die großen Unterschied« ihrer Charakter« und ihrer Intelligenz. Im hochbegabten und leicht reizbaren Sultan, der Wutansälle bekommt, wenn chm nicht sofort alles gelingt, dem tückischen, bösartigen Grande, der Hühner heranlockt, um sie zu quälen, der dummen, gutmütigen Rona, die das Geflügel füttert und die kleine Koto betreut, dagegen alles versucht, ohne je zu einem Ziel zu kommen, der Sportsdame Ehika und der.rätjelhaft' bleibenden Tercera haben wir ganz verschieden« eigenartige Persönlichkeiten vor un». Geben Köhlers Untersuchungen ein Bild von den geistigen der Schimpansen, wie es sich im Wertzeuggebrauch, �. uen usw. offenbart, und von«inigen sozialen Erscheinungen ihres Lebens in Spiel, Mode, Sport, so gewinnen wir aus den Beobach- tungen Schjelderupp-Ebbes Aufschluß über andere Bereiche de» sozialen Verhaltens von Tieren.— So fand dieser Forscher, daß sich auf einem Hühnerhose nach kurzer Zeit eine Rangordnung herausbildet, derzusolge ein Huhn nach einem zweiten hackt, während dieses zwar ein drittes hocken, nicht aber seine Angreiferin zurück- hacken darf: dos gehackte Huhn huckt jetzt das nächste, wieder nicht die Angreiserin, Schjelderupp-Ebbe nennt da» eine Hackliste im Dreieck. Nur zuweilen findet Auflehung eines untergeordneten Individuums statt, dann wird durch Kamps das für die Zukunst wieder bindende Derhällnis entschieden. Das gesellige Leben der Tiere in Herden, Schwärmen, Staaten, Rudeln, das frühere Forscher au» der Familie abzuleiten suchten, beruht nach neuerer Auffassung auf einem eigenen sozialen Trieb. A l v e r d e s unterscheidet in seiner Tiersoziologie solitäre (einsame) und gesellige Tiere, zu denen nur die höchst entwickelten Tierarten: Tintenfische, Insekten, Wirbelliere gehören. Das Bedürs- ni» nach gemeinsamem Leben mit ihren Arkgenosten ist bei diesen Tieren so entwickelt, daß«» sie gelegentlich sogar dazu treibt. günstigere Lebensumstände mit schlechteren zu vertauschen. Während e» bei einsamen Tieren nur zu„Ansammlungen' kommt(Mücken, Schmetterlingen an einer Lichtquelle, Toiengräbern an Mäuse- leichen, Blattläusen aus Blättern usw.), bilden sich bei sozialen Tieren, die durch Zufall zusammengeführt werden, bald die mannig- fachst«» Beziehungen: Führer- und Anhänaertiim, Schutzverhältnis (Krapotkins gegenseitige Hils«), Spiel- und Kompfgemeinschasten heraus.— Die Staatenbildungen der Insekten haben seit langem die Forscher beschäftigt: ihr» Ergebniste sind in weite Kreise ge- drungen. Bekannte Darstellungen in leicht faßlicher Form sind Maurice Maeterlinck»„Leben der Bienen' und Bonsel,„Biene Mosa'.— Der Fortpflanzung», und Brutpflegeinsrinkt führt zu den verschiedensten Formen der Eheschließung und, im Fall« sich beide Ellernteile oder einer derselben der Aufzucht der Jungen wid- met, zu Ellernfamilien, Boter« und Mutterfamilien. Vom regel- losen Geschlechtsverkehr an. der sehr setten ist und sich vorwiegend nur bei solitären Tieren sindet, kommen alle möglichen Geschlecht»' beziehuneen vor, ähnlich wie sie das Studium der primitiven Völker aufgedeckt hat. Einehe und Blelweiberei, Dauereh« und Laichehe (sie überdauert nicht«ine Fortpflcmzungeperiode) usw., und zwo» sowohl bei einsamem Leben wie auch innerhalb der Herde. So hat jeder Hahn seinen Harem, während der Horemsbcsiüstand der männlichen Tiere bei den in Herden lebenden Zebras, siavaiiruhp, Makaten(einer Affenart) gewahrt bleibt. Besonder» bemerkenswert ist es. daß sich die Geschlechter mancher Tierorten, di, in Saison, he leben, nach der Fortvslanzung trennen und männlich» und weiblich« Verbände bilden. Bei Wildschwein. Edelhirsch und Dammbirsch werden die in einem Verband lebenden Weibcben bis zum nächsten Frühling von den Jungen begleitet: so entstehen Mütterberden. während die jüngeren zeugungsfähigen Männcbcn sich zu Männer- rudeln zusammenschließen und die älteren Männchen einsiedlerisch leben. Hier werden wir an Männer- und Frauenhäuser bei manchen Naturvölkern erinnert. Die genaue Beobachtuna der Tiere gibt so in vielen Fällen Auf- schluß über rein aeistige Fähigkeiten in intellektueller und sozialer Hinsicht, die durch Bewußtsein»so rschung nicht hätte gewonnen werden können._ Sauernhochzeiten im Mittelalter. Festlichkeiten im 14. bis well hinein in das 18. Jahrhundert zeichnen sich au, durch di« Unmengen an Gerichten und Getränken. die von den tneist recht zahlreichen Gästen verzehrt wurden. Das war nicht bloß der Fall bei den fürstlichen Esten und Gelagen,»ne sie z. B. August der Stark« von Sachsen vielfach«ranstalle!«, auch die Junker und nach ihnen die reichen Bauern protzten bei festlichen Geleaenheiten mit großen Mengen von Speisen aller Art, di« sie auf den Tisch brachten. Der Geschmack war noch roh. unenttvickell, für kulinarische Senüst« feinerer Art noch wenig Verständnis. Ueber ein« Bauernhochzeit im 14. Jahrhundert berichtet uns«In Gedicht„Don Metzans Hochzeit'. Der junge Maier Börsihi will feine Liebste heiraten. Der alt« Rudung fragt die beiden, ob sie«inander zur Eh« nehmen wollen, und als sie das bejahen, ist die Ehe geschlossen„ohne Schüler und Pfassen'. Sie bringt mit drei Bienen- stöck«, eine Stute,«inen Dock, ein Kalb,«in« halbe Kuh und etliche Ferkel. Er sichert ihr ein Iuchart Landes mit Flachs besät,«inen Malter Hafer, zoxi Schaf«, einen Hahn und 14 Hühner und«in Pfund Pfennige zu. Noch am selben Abend beginnt di« Hochzeit w Lärschl» Haus«. Hier stillen die GSsl« ihren Hirnger zuerst mit Weißbrot. Dann be- kommen sie einen Kübel mit Hirse. Zwischendurch wird tapfer gezecht und auch dem Spielmann tvird fest« zug«tru»ck«n. damit er nicht müde wird. Da» zweit« Gericht, Rüben mll Speck belegt, findet großen Beifall und man ißt, daß der Bart vom Schmalze trieft, und beim Lochen fallen ihnen die Speckbrocken aus d>« Knie. Wenn auch dies« Schüsseln geleert sind, kommt da, Brautmus und der Braten auf den Tisch. Daneben gibt«» noch Würste. Di« Tafel wird dann auf- gehoben. Die Gesellschaft ist nun in der heitersten Laune. Am nächsten Morgen schenkt Bärschi seiner jungen Frau als Morgengabe«in Mutterschwein. Später kommen die Dauern mll Trommelschall und Querpseisenklana, um die Eheleute nach der Kirche zu begleiten. Dann geht der Zug wieder zurück in» Hochzeitshaus und das Schmausen beginnt von neuem. E» gibt Kraut. Erbsen. Linsen und Würste, und so stopfen sie sich voll, daß manchem der Gürtel platzt. Natürlich wird dazu ordentlich getrunken. Nach der Mahlzeit setzen sich dl« vornehmsten Bauern zur Braut und sammeln die Hoch- z«!:sgab«n für sie ein. Der«ine gibt Geld, der ander««in Tuch oder Hausgerät,«inen Melkkübel,«wen Krug, einen Spiegel oder«Inen Komm usw. Auch der Spielmann wird beschenkt. Dieser spielt dann unter der Linde zum Ton., aus. Da springen die Bauern, daß Ihnen das Stroh aus den Stieseln fällt. Schließlich gibt'» auch Streit, und die Bauern gehen mit den Schwertern aufeinander los. Das Fechten dauert fort, bis dl« anderen sich w, Mittel legen und Frieden gebieten. Dam, wird wieder Freunttschasi getrunken. H. P. Um uns dreht sich alles wenn es heißt, ein Buch— als bestes Weihnachtsgeschenk!— zu kaufen. 5. Auch der Angestellte der Beamte soll ein Buch als bestes Weihnachtsgeschenk erstehen können König: Ausgeburten des Menschenwahns im Spiegel der Hexenprozesse. Illustriert....... Ganzleinen Mk. 8,— Bürgel: Im Garten Gottes...... Halbleinen Mk. 3, so Bölsche: Aus der Schneegrube..... geb. ml 4, so Bö Ische: Stunden im All........... ml 3.- Andersen-Nexö: Kinder der Zukunft Novellen und Erzählungen............. Ganzleinen Mk. 4.— Franci: Das Land der Sehnsucht. Ganzleinen ml s.- Q rotte witz: Unser Wald Ein Volksbuch. Herausgegeben von W. Bölsche..... Ganzleinen ML 6,15 Grottewitz: Sonntage eines Großstädters in der Natur Mit einem Vorwort von W. Bölsche..... Ganzleinen ML 1,90 J. H. W. Dietz Nachf G. m. b. H. Berlin SW 68, Lindenstr. 2(Sortimentsbuchhandlung) (früher Buchhandlung„VorwSrts") Beachten Sie bitte unser nächstes Inserat! Heute(Sonnab.) u. morgen(Sonnt.) ist die beste Gelegenheit, ein Geschenk zn kaufen! 6 Uhr Zentralverband der Angestellten Unser alter und treuer Verbandskollege Albert Kohn Ist am 15. Dezember im 70. Lebenslahr aus dem Leben geschieden. Wir verlieren In ihm einen der ältesten Kämpfer der freigewerkschaftlichen Handlungsgehilfenbewegung. Seit dem Juli 1895 hat er ununterbrochen der freigewerkschaftlichen Angestelltenorganl- sation angehört Er stand in vorderster Reihe in einer Zeit In der es noch auBerordentlich groben Mut und Ueberzeugungstreue erforderte, als Angestellter für die freigewerkschaftliche Bewegung einzutreten. Mit seinen Mitarbeitern in der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin, mit seinen zahlreichen Freunden in der Ange- stelllenbewegung und mit seinen Familienangehörigen ist es uns ein Bedürfnis, zum Ausdruck zu bringen. In wie hohem MaBe die Angestelltcnbewegung Albert Kohn zu dauerndem Dank verpflichtet ist Wir werden allen Jungen seine Tatkraft für die Bewegung als leuchtendes Beispiel schildern und ihm ein dauerndes und ehrendes Andenken bewahren. Der VerbuidtTorafauid Otto Urban Die Orf« Verwaltung Grotj-BerDn Hans Qottfurcht Heute nachmittag 2 Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein herzensguter Mann, unser lieber, guter Vater, Schwiegervater und Großvater Hermann Käppier im Alter von 63 Jahren. Dies zeigen in tiefer Trauer an Frau Ann. KAppler, geb. Fabian nebst Kindern. Köpenick-Uhlenhorst den 16. Dezember 1926. Unter den Birken 22. Die Einäscherung findet am Dienstag, den ZI. Dezember, nachm. 2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt QaUtnngs-.Uball- u.ReklamemarkeD gegen Nachahmung gesetzt, gesch. fertigt sei 1 48 Jahr. als Spezialität Conrad Nfliler Schkeuditz-Leipzig Am 15. Dezember ist unser langjähriges Vorstandsmitglied, Herr Direktor Albert Kohn verschieden. Tieferschüttert stehen wir an der Bahre unseres lieben alten Freundes, mit dem uns Jahrzehnte treuester Gemeinschaftsarbeit auf allen Gebieten der Sozialpolitik verbunden haben. Er war der deutschen Krankenkassenbewegung ein Führer und Wegbereiter wie wenige. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Berlin-Charlottenburg, d. 17. Dez. 1926. Der Vorstand des Hanptverbandes dentsdier Krankenkassen e. V. Verkäufe Sttttoltalcfihlc. Sciftungsfabigflc SpcaiaifabriL StoHenaanbiung 200,— 9loftnthBterftTtt6t 26.__• flaoalietaatSat. fast neue Jackett. anlüge. Rockpalefai. TaMenmdnlef,®tl)- rorfaniüne, Samaniüge,©efeCfdiaftiv amüge«auch leihweife) setfouft fpott- billig TfletanbtritraRC 28». fiochparime.* Nachruf I Am Donnerstag, den 16. Dez> I starb der frühere langjährige 1 I IL Vorsitzende unseres Ver- 1 | bandes Hermann Käppier | an Herzmuskellähmung im 1 Alter von 63 Jahren. Hermann I I Käpplcrs Lebensarbeit war diel 1 wirtschaftliche und soziale He- 1 | bung seiner Berufsgenossen. I brzehntelang hat Käppier alsl hrer und Berater in unserem I 1 Verbände Erfolgreiches geleistet I I Sein Andenken wird dauernd| I In Ehren gehalten. 1 Vcrbandsrorstand d. Verbandes 1 | der Lebensmittel- und Betränke- 1 arbelter Die Einäscherung erfolgt am I ■ Dienstag, den 21. Dezember,! I nachmittags 2 Uhr, im Krema- I torlum Baumschulenweg, Klef- I holzstraße. la. Eiderfettkase 9 Pfd. M. 6,30 frko. Oampfküselabrlk Rendsburg. Die nnterzeichnete Spruchstelle ist von einem Gläubiger, derdie Aufwertung eines Kassenguthabens bei der OreasteiD S Koppel Aktieogejelisdiatt in Berlin beansprucht, mit dem Antrage angerufen, Uber das Vorliegen einer Fabriksparkasse bei der genannten Gesellschaft, Ober die Hobe des Aufwertungssatzes und Ober die Fälligkeit des Guthabens zu entscheiden.(Art 14 der VO. vom S.Juli 1926, RGBl. IS. 403). Die Entscheidung wirkt gegenüber allen Gläubigem, auch sowert sie sich nicht an dem Verfahren beteiligen, einheitlich. Berlin, den II. Dezember 1926. Sprncbstelle beim Kammcrgericht. »obioapparot, Dteitöhren, 25,—, betreibe mit erftflnsfigen neuen Sput- lampen, Rgnzett.Lautsptvcher, Anoden. batteiie, Aflumulator, Zuleiwng 69,—, verkauft Albert t- Z! erlitt, Ltetmnef,. st raste 9, IV._' Alben Sprlitöarc Grofigarage and Tankstelle Tag und Nacht geöffnet Auto- Reparatur- Werkstatt Pemspr. Norden 1276 u. Alexander 4376 Lothringer Str. 107, Ecke Linien» strafe 14, am Prenzlauer Tor. Die M\M\ für elektrisdio Hodi- ood OotergnindbaliDeD in Berlin hat die unterzeichnete Spruchstelle mit dem Anfrage angerufen, über die Höhe des Aufwertungssatzes für die Guthaben bei ihrer WerRsparkasse und über die Fälligkeit der Guthaben zu entscheiden(Art. 14 der VO. vom S. Juli 1926. RGBL U S. 304). Die Entscheidung wirkt gegenüber allen Gläubigern, auch soweit sie sich nicht an dem Verfahren beteiligen, einheitlich. Berlin, den 11. Dezember 1926. 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