Abendausgabe Nr. 600 ❖ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 207 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreis« sind in der Morgenousgad« angegeben Nedallio«: Sw. 6S, cindeastratz« 3 Fernsprecher: VSnhoss 292— 292 Tel. Adresse: Sozialdemokrat SerNo P> Derlinev VolKsvl�tk (iv Pfennig) Dienstag 21. Dezember 1 H2ö Lcrlag und Anzcigenadtetlungz SeschSft-zett Sib bi» S Uhr Verleger: vorwklrls. Verlag GmbH. Berlin SV», es, Clndenslrah, 3 Fernsprecher: VSnhoss 292— 292 �entralorganaily News" glaubt, das Memorandum, das letzten Sonnabend vom britischen Geschäftsträger in Peking dem dortigen diplomatischen Korps mitgeteilt wurde. könne sich als ein epochemachendes Dokument erweisen. Grohbritanniens neue Haltung gegenüber China werde jetzt zum erstenmal eingehend und osfen dargelegt. Das Dokument werde, wenn es veröffentlicht wird, die Behauptung widerlegen, datz die Politik Großbritanniens in China von kommerziellem Im- perialismus diktiert werde. Es erkenne das Vorhandensein und die Bedeutung der nationalen Idee in China an, bedeute aber in keiner Hinsicht eine Kapitulation vor den Forderungen Kantons. Es wird festgestellt, daß nach britischer Ansicht die Zeil für eine Revision der bestehenden Verträge mit China gekommen ist und daß Großbritannien bereit sei, sich mit dieser Frage zu befasien, s o w e i t die bestehenden Berhältnisse dies gestatten. Vorläufig wird jedoch keine Konferenz vorgeschlagen. Das Memorandum fährt fort, es sei notwendig, dem chinesischen Nationalgefühl Zu- geständnisse zu machen und das chinesische Volk vor allem von dem Gefühl zu befreien, daß es ungerechtfertigter auswärtiger Kon- trolle unterworfen werde. Es wird daher im Prinzip U e b e r- « i n st i m m u n g mit dem Bericht der Exterritorialkommission au«. gedrückt, insbesondere, da man der Ansicht sei, daß China viel getan habe, um sein Gerichtsverfahren zu verbesiern. Das Memorandum Ichlägt die vorbehaltlose Gewährung der sogenannten Washingtoner Zusatz steuern vor. Das britische Memorandum ist bisher der Kantonregierung nicht mitgeteilt worden. Es sei nicht als Ultimatum für die anderen Mächte gedacht. „Daily News" schreibt, Großbritannien habe als erste der Mächte einen SchrittzurDersöhnungmit dem neuen China getan. Das Hochkommen des chinesischen Nationalismus habe eine Revision der britischen Politik notwendig gemacht. Der volle Wort- laut des Memorandums werde in dieser oder in der nächsten Woche veröffentlicht werden. * Der Artikel des englischen liberalen Blattes über das Memorandum, das der neue englische Gesandte in China den Gesandten in Peking überreicht hat. ist geschickt aufgemacht. Er dient, ebenso wie ein halbes Dutzend anderer Mitteilungen englischer Nachrichtenagenturen heute morgen, dazu, mit den schönklingenden Sätzen von einer künftigen Gleichstellung Chinas Propaganda zu machen. Ueber die Betonung der Bereitwilligkeit zu einer grundsätzlich neuen Einstellung hin- aus findet sich an wirklichen unmittelbaren Zugeständnissen darin so gut wie nichts. Das englische Memorandum ist nicht der Regierung in Kanton, es ist auch nicht der Regierung in Peking, soweit diese noch vorhanden ist, überreicht worden. Der englische Gesandte hat es seinen Kollegen, den Vertretern der anderen Mächte in Peking, übergeben. Statt m i t China zu ver- handeln, verhandelt England mit anderen Mächten über China. Englands angeblich neue Politik besteht also darin» mit neuen Worten die alten Methoden anzuwenden. Diese eine Tatsache zeigt besser als viele Worte, wie es mit dem neuen Geist englischer Politik gegenüber China bestellt ist. Sürgertriegstragödie. London, 21. Dezember.(EP.) 3n kalgan. der chinesischen leehaodelsstadt südlich von Peking, wurden Z00 chinesische Kulis, die von den Rordlruppen gefangen genommen worden waren, in offenen Güterwagen nach Norden transportiert. Als die wagen am Bestimmungor« angekommen waren, stellte co sich heran», daß die Gefangenen sämtlich erfroren waren. Die Behörden sandten die Z00 Leichen in denselben wagen wieder nach Salgan zurück. Der Gaskrieg � human! Perfhing und Borah für daS Verbot, aber die Oppofitiou auS Humanitätsgründe« dagegen. Washington. 21. Dezember.(EP.) In dem auswärtigen Aus- schuß des Senat« wurde während der Debatte über die Rott- fizierung des Genfer Gaskriegsabkommens ein Schreiben des Generals Perfhing verlesen, in dem sich dieser für die Unter- zeichnung des Abkommens ausspricht. Borah tritt wie Perfhing für die Ratisizierung des Abkommens ein. Die Opposition, die von dem Vorsitzenden der Militärtommission W a t ch h o u s e geführt wird, bezeichnete das Gas als eine humane Kriegswaffe. « Daß es nach den Erfahrungen des Weltkrieges noch mächtige Einflüsse gibt, die sich für den Gaskrieg aussprechen. sollte man nicht für möglich hatten. Und doch ist es, wenig- stens in den Vereinigten Staaten, so. Der parlamentarische Kampf, ob Amerika den Vertrag über dos Verbot des Gas- krieges ratifizieren soll, tobt dort schon seit Monaten. Sein Ausgang ist keineswegs entschieden. Der Antrag der Regie- rung, zu ratifizieren, liegt dem Auswärtigen Ausschuß bereits zum zweitenmal vor. Der Senat hatte ihn nämlich nicht an- genommen, sondern an den Ausschuß zurückverwiesen, ohne ihn zu ratifizieren. Das ist die dort übliche Art, in höflicher Form die Ratifikation eines Vertrages abzulehnen. Es haben sich sehr bald nach Abschluß der Genfer Konferenz des Völkerbundes über das Verbot des Gaskrieges die ökonomischen Kräfte gesammelt, die ein geschäftliches Interesse daran haben, daß der Staat Millionen über Millionen für den chemischen Krieg alljährlich in sein Budget einsetzt. Es wurde ein..Reichsverband für chemische Landes- Verteidigung" gegründet. Seine Propaganda erhielt einen mächtigen Nückhalt dadurch, daß die„American Legion", der einflußreiche Verband der Frontsoldaten, das Verbot der Giftgase im Krieg ablehnte. Immerhin scheinen die fort- schrittlichen Kräfte nicht locker zu lassen, um einen Rati- sikationsbeschluß im Auswärtigen Ausschuß und im Senat durchzusetzen. Aber es sieht so aus, als ob die Regierung nicht mehr den Mut hat, sich mit Energie für das Giftgas- verbot einzusetzen, nachdem ihr Versuch, die Vereinigten Staaten dem Weltgerichtshof des Völkerbundes beitreten zu lassen, in der wachsenden Opposition zu scheitern droht. Als Deutschland den Vertrag über das Giftgasverbot unterzeichnete, erschien das als eine Selbstverständlichkeit. kaum wert, sie zu erwähnen. Soll Europa wirklich das Trauer- spiel erleben, daß Amerika, dessen Massen mit Kreuzzugs- gedanken gegen den Militarismus zur Teilnahme am Welt- krieg begeistert wurden, nun den Giftgasmilitaris» m u s eines neuen Weltkrieges international billigt? Sozialiften gegen pilsuüfki. ParteitagSbeschluh der PPT. Warschau, 21. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Der außer- ordentliche Parteitag der polnischen Sozialdemokratie, der am Sonntag und Montag tagte, bewilligt« den Beschluß des Zentral- exekutivkomitees über die oppositionelle Haltung gegen die Regierung. In der Entschließung heißt« jedoch gleichzeitig, daß dies« Oppo- sition nicht den Sturz der gegenwärtigen Regierung Pilsudski bezweckt, sondern lediglich deren Rekonstruktion anstrebt. Jeder monarchistische Einfluß soll ausgeschaltet und gleichzeitig eine Aenderung der Politik gegenüber den Mindcrheitsvölkern herbeigeführt werden. Die Entschließung wurde einstimmig an- genommen. Polnisch-rusfischer Gefangenenaustausch. Riga. 21. Dezember.(TU.) Zwischen der polnischen und der Sowjetregierung wurde, wie aus Moskau gemeldet wird, ein Aus- tausch von Gefangenen vorgenommen. Die Sowjetregierung hat acht in Rußland verhaftete Priester gegen zwei in Polen verhaftete Kommunisten ausgetauscht. Zrantenfälscher Winüischgrätz wird krank. Er must operiert werden— aber man erfährt nicht warum. vndapest. 21. Dezember.(WTB.) Auf Grund eines ärztlichen Gutachtens des Justizärzterates wurde Prinz Windifchgrätz gestern nachmittag aus dem Gefängnislazarett in das Parkfanatorium übergeführt, wo er einer Operation unterzogen wird. In einer Unterredung erklärte Professor Verebelo, die Krankheit des Prinzen Windifchgrätz mach« unbedingt«ine Operation notwendig, er werde den Prinzen Heu!« einer Untersuchung unterziehen und dann entscheiden, wann die Operation vorgenommen werden soll. Strafantrag im Prozeß Rouzier. Landau, 21. Dezember.(TU.) Im Germersheimer Prozeß bcantragte der französische Staatsanwalt nach kurzem Plädoyer heute gegen den Unterleutnant Rouzier ein Jahr Gefäng- n i s, bei den deutschen Angeklagten stellte er das Strafmaß frei, ersuchte jedoch, die Angeklagten, die sich in das unbesetzte Gebiet geflüchtet haben, schwerer zu bestrafen. Rouzier habe sich im Falle Müller einen absichtlichen Totschlag, bei Matthe» und Hockmann eine gefährliche Körperverletzung zuschulden kommen lassen. Jedoch könne man wegen Herausforderung mildernde Um st än de annehmen. Der deutsche Verteidiger der deutschen Angeklagten forderte für sie Freisprechung, da die Verhandlung ihre Un- schuld ergeben habe. Grübeben in Süüamerika. Ein Vulkan in Tätigkeit. Guayaquil(Ecuador), 21. Dezember,(wlv.) Räch Meldungen von der Grenze von Columbia ist die S l a d t Carlo- sama in Columbia durch ein Erdbeben z e r sl ö r l worden. Man glaubt, daß der Vulkan Cumbal sich in TSiiqteil befindet. Zn Tulkan(Ecuador), 95 Meilen nordöstlich von Quito, wurde mehrere starke Erdstöße wahrgenommen. Der Staatspräsident hat sich an die Unglücksställe begeben. Cs find Lebensmittel. Kleidungsstücke, Arzneien und Zelle dorthin ge- schafft worden. Ein gestern abend von Dpiale»(Columbia) abgesandte» Telegramm meldet, daß in der Gegend des Vulkan« Cumbal keine Opfer an Menschenleben zu beklagen sind. Wandlungen. Das Verhältnis der sozialistischen und der christlichen Arbeiterbewegung. Von August Erdmann. „Der entscheidende äußere und innere Zwang zur Wandlung der kapitalistischen Wirtschasts- g e s i n n u n g wird entweder vom Sozia lismus aus- gehen, oder diese Waidlung wird ausbleiben. Das Heil- mittel für geistige Massenverirrungen liegt erfahrungsgemäß in den Gegenwirkungen, die sie bei anderen Gliedern der Volkswirtschaft auslösen. Der moderne Sozialismus ist die st ä r k st e G e g e n w ir k u n g, die der Geist des Kapitalismus hervorbracht e." Wo steht das? In einem sozialdemokratischen Blatte? Nein, sondern in der Schrift„Kapitalismus und So- zialismus als seelisches Problem" von Dr. August Pieper, Prälat und oberster Leiter des Volks- verein? für das katholische Deutschland. Pieper hat am marxistischen Sozialismus und besonders an der Sozialdemokratie manches auszusetzen. Er sieht im wissenschaftlichen(dies Wort bei ihm im Zusammenhange mit Sozialismus immer in Anführungszeichen gesetzt!) So- zialismus eine Lehre voller Irrungen: er verwirft den Klassenhaß(das Wort Klassenbewußtsein kennt er nicht!) ebenso wie den Klassenkampf. Aber er hat noch viel mehr ett*» C?/-* vt«»ä wsi«*«*,»*•*(.* 4*— v: �____ tr» jl am Kapitalismus auszusetzen während er die angeblichen Fehler und Mängel am Sozialismus in gewissen als tragische, dermals wirkliche Schuld auffaßt. So beim„Klassenhaß", der ihm erscheint als der „natürliche Ge g e n st o ß des tödlich verletzten Lebens- gemeinfchaftswillens der von der alten Volksgemeinschaft ent- erbten Arbeiter gegen den Geist des Kapitalis- m u s", wie nach ihm überhaupt im Sozialismus„hinter allem Hasse eine verletzte große Liebe lebt und webt". Oder beim Klassenkampf, wo er kurz und bündig erklärt: „Der Klassenkampf von oben zwang dem Proletariat den brutalen Klassenkampf a u f." Wenn er dabei weiter erklärt, daß die große Anzahl der Sozialisten einen Klassenegoismus treibe so schroff, wie er früher von den Besitzenden nicht vertreten worden sei, so müssen wir als Sozialdemokraten mit einem Leider! be- kennen, daß er darin irrt. Oder bei dem überaus törichten Vorwurf der„Partei» borniertheit und Parteiunwahrbaftigkeit", aus der heraus die Sozialdemokraten nach 1918 sich als unfähig zum Wiederauf bau erwiesen und ihre„Vormacht" so selbstsüchtig ausgenutzt haben soll, daß der neue Staat hilflos verarmte und nach außen wie nach innen ohnmächtig wurde— worauf er dann bemerkt, das sei„die unabwälzbare tragische Mitschuld der Sozialdemokratie, der herrschende Geist des Ka- pitalismus trägt die größere Schuld." Aber bei allem, was er am Sozialismus, insbesondere am angeblich kalten, nationalistisch marxistischen Sozialismus auszusetzen hat, erkennt Pieper doch an, daß der Sozialismus, mit dem man es im Leben zu tun habe, mehr als ein ab- straktes Verstandeserzeugnis sei: „Er ist Lebenswille. Aus diesen Lebensgefühlen schöpfen die heutigen Sozialisten den Mut und die Kraft, so lange nach neuen Programmen. Mitteln und Wegen des Klassenkampfes zur Der- wirklichung des Sozialismus zu suchen, wenn die alten sich als un- zureichend erwiesen haben, als sie überzeugt sind, daß die Gegner des Sozialismus aus Klasseninteressen dessen Lebenswillen zur Herbeiführung einer höheren Voltsgemein. s ch a f t ablehnen." � Immer wieder betont Pieper, daß der Sozialismus der Träger eines überaus starken Lebens- und Gemeinschafts- willens fei, und diesen Willen möchte er, der sich„nicht zu den Sozialisten, aber auch nicht zu den Parteigängern des Geistes des Kapitalismus" zählt, nutzbar machen in der Weise, „daß die zu einer ernsten ReformdesVolts zusammen- l e b e n S gewillten Nichtsoziali st en und die Anhänger des klassenkämpferischen Sozialismus, beide aus dem zwingenden Bewußtsein, daß sie al» Glieder des einen deutschen Volke» zueinander gehören, über die Bejahung des Sinnes des neuen sozialistischen Lebenswillens eine E i n i- gung suchen, welche dann beide gemeinsam in einer höheren organischen Lebensgemeinschaft des Vertrauens und des Wohlwollens zu verwirklichen gewillt sind." Ein Anhänger des klassenkämpferischen Sozialismus würde das, was hier angebahnt werden soll, ganz gewiß mit etwas anderen Worten ausdrücken. Aber keiner von uns wird die gewaltige Wandlung verkennen, die sich in diesen Aeußerungen aus dem Lager des katholischen Volksvereins gegenüber den dort geltenden Auffassungen in den ersten Jahrzehnten seines Wirkens kundgibt. Der Volksverein wurde 1890 gegründet zur Bekämpfung der„schweren Irrtümer und bedenklichen Umsturzpläne" der Zeit, die„vor ollem die Sozialdemokratie nicht nur verbreiten, sondern auch praktisch ins Leben einführen will". In diesem Geiste wurden von M.-Gladbach die Angehörigen der katholischen Arbeiteroer- eine und die christlichen Gewerkschaften unterrichtet. Der Sozialismus, die Sozialdemokratie war für alles, was sich christlich nannte, der Feind. In dieser Stimmung haben sich katholische und sozialistische Arbeiter jahrzehntelang gegen- übergestanden. Dieser Kampf hat gewiß der Arbeiterbewe- gung im allgemeinen geschadet, aber das, was von M.-Glad- dach beabsichtigt war: der Sozialdemokratie den Weg zu weiterem Aufstieg zu verlegen, ist trotz seiner überaus regen und geschickten, technisch hervorragenden Werbearbeit nicht erreicht worden.. Die von M.-Gladbach aus gelehrten und geleiteten Ar- beiter waren auch eingeschworen auf die Ablehnung des Klassenkampfes. Sie haben ihn, gezwungen durch die Ver- Hältnisse, doch üben lernen müssen, und Prälat Pieper, das geistige Oberhaupt des Volksvereins, muß heute den klaffen- kämpferischen Sozialismus zu Hilfe rufen, weil ohne ihn eine höhere Lebensgemeinschaft, wie sie auch den christlichen Arbeiter!, vorschwebt, nicht herbeizuführen ist. Und noch eine dritte Wandlung ist erfolgt. In katholischen Blättern und Reden hat es lange gespukt von der Einbildung, daß es so etwas wie ein christlich gesinntes Kapital gebe, und daß der christliche Kapitalist den sozialen Forderungen christlicher Ar- beiter gewiß entgegenkommen werde. Dieser Einbildung, wenn sie überhaupt noch bestand, macht Pieper ein Ende, indem er schreibt, daß „alles Betonen der sozial bindenden Heilkraft der Religion Christi so lange bloßes Reden und bloßer L u f t h i e b ist, als nicht hinzukommt die Erweckung der Religion Christi, der Re- ligion der Gottesliebe und Bruderliebe, zunächst in den Herzen, dann in dem tätigen Leben der Bekenner des Christentums. Diese handeln zumeist noch als Individualisten, als Ich- menschen im menschlichen Zusammenleben. Das heißt: sie leben u n r e l i g i ö s." Wer die Arbeiterbewegung, namentlich im Westen Deutschlands, in den letzten Jahrzehnten beobachtet hat, wird mir zustimmen, wenn ich sage, daß die Wandlung im Ver- hältnis der freien und der christlichen Gewerkschaften etwa von 1913 bis 1929 viel größer und auffallender ist, als die Wandlung von 1920 bis 1930 sein würde, wenn sich bis dahin die Einigung der beiden Richtungen zu einer geschlossenen Zlrbeitcrbewegung vollzöge. Grütte-ilehüers angeblicher Wiöerruf. Neue Behauptungen.— Und das Justizministerium? Ein« Berliner Gerichtskorrespondenz meldet: Im Anschluß an unsere Meldung über die Zurücknahme der belastenden Behauptungen gegen die völkischen Führer W u l l e, Kube und Ahlemann durch Grütte-Lehder erfahren wir noch, daß der letztere sich bereits längere Zeit vor seiner Konfrontierung mit dem Abgeordneten Wulle, den er sehr schwer belastet hatte, zu einem Widerruf seiner Angaben bequemt hatte. Vor 14 Tagen erfolgte dann seine Gegenüber st«llungmitWull«, bei der Grütte- Lehder diesen Widerruf ausdrücklich aufrecht erhielt und zu Protokoll gab, es fei ihm unerklärlich, wie er seinerzeit zu seiner Auffassung gekommen sein tonnte. Er hielt nur noch daran fest, daß wulle ihm das Einsehen des Rollkommandos gegen Müller-Dammers. den Grülle-Lehder später ermordert hat, empfohlen habe, während der Abgeordnete das energisch bestreitet. Im übrigen soll jetzt festgestellt werden, von welcher Seite in dieser Angelegenheit dos Schweigen gebrochen worden ist, das Landgerichtsrat Ohnesorg«, der diesen Fall seit sieben Monaten bearbeitet, allen Beteiligten im Interesse einer ungestörten Unter- suchung auferlegt hatte. Bon den völkischen Führern wird hierzu erklärt, daß sie sich strikt an dieses Schweigegebot gehalten hätten und daß die betreffenden Mitteilungen, die noch unrichtiger- weife den Oberstaatsanwalt Sethe mit hineingezogen hatten, von anderer Seit« kommen müßten. ?"••* Die Meldung der Korrespondenz bedeutet eine wesentliche Einschränkung der ersten. Während es zunächst hieß, Grütte-Lehder habe in allen Punkten wider- rufen und sei Wulle gegenüber völlig zusammengebrochen, wird jetzt behauptet, Grütte-Lehder habe die schwerbelastende Aussage, nach der er durch Wulle zum Fememord a n g e st i f t e t wurde, trog der Konfrontation aufrecht- erhalten. Nach diesem Zurückzieher muß der Wert der an- geblichen Indiskretion bezweifelt werden. Aus der zweiten Hälfte der Meldung geht hervor, daß nach dem Urheber der angeblichen Indiskretion geforscht wird. Zu gleicher Zeit aber wird das Spiel fortgesetzt. Unter diesen Umständen ist das Schweigen des preußischen Justizministeriums unverantwortlich. Es ist nicht nur verpflichtet, nach dem Urheber des Treibens zu forschen, son- dern auch der Oeffentlichkeit zu sagen, wie die Dinge liegen. Glpmpia mit M. 9S. Jnfanteriegewehre bei völkischen„Sport"-Gruppen. Die polizeilichen Erhebungen über den Waffenbesitz des in- zwischen aufgelösten Vereins Olympia sind abgeschlossen. Nach den Bekundungen eines ehemaligen Vorstandsmitgliedes der Olympia ist dieser Verein im Herbst 1924 im Besitz von etwa 59 In- fanteriegewehren, Modell 9 8, gewesen, die von dem ehe- maligen Schutzregiment Berlin stammten. Auf Veranlassung der Leitung der Olympia wurden diese Waffen zu ihrem Schießwart, einem Papierhändler im Berliner Westen, gebrocht und nach einem vom Olympiabureau ausgearbeiteten Berteilungsplan auf die einzelnen Sportgruppen verteilt, um die Mit- glieder im Gebrauch dieser Schußwaffe zur Wehrhastmachung gegen „den äußeren Feind" auszubilden. Einige Mitglieder der Sport- gruppen haben bestätigt, solche Gewehre aus dem Papiergeschäft ab- geHoll und in die Bersammlungslokale ihrer Gruppe transportiert zu haben. Auch der damalige Leiter der Olympia Hot zugegeben, daß vor ein bis zwei Jahren Gewehre im Besitz von Olympia- Mitgliedern gewesen seien. Sie seien aber mit seiner Zustimmung eingesammelt und an eine„behördliche Stelle" abgeliefert worden. Wie wir dazu erfahren, ist diese behördliche Stelle, an die der Herr v. Luck die Waffen hat abliefern lassen, durchaus nicht etwa das Berliner Polizeipräsidium. Wir vermuten vielmehr, daß es eine jener bekannten Außenstellen des Gehlerschen Betriebes sein wird. Zweierlei Maß! Wie ein Disziplinargericht eine Beleidigung Eberls ahndete. Der Rektor Heinrich Bohnentamp in Minden hatte als Lehrer beim Unterricht in der Fortbildungsschule am 24. Juli 1923 bei Erörterung über die Verfassung über den Reichs- Präsidenten und seine Gattin, nach Angabe mehrerer Schüler, beleidigende Witze erzählt, so u. a., daß der Reichs- Präsident bei einer Fahrt in einem Speisewagen gezeigt habe, daß er nicht mit Messer und Gabel umzugehen verstehe, daß seine Frau „mir" und„mich" verwechsele und Fremdwörter unrichtig anwende. Herr Bohnenkamp hatte hinzugefügt, daß er zwar nicht wisse, ob dies« Witze wahr seien, aber man könne es dem Reichspräsidenten als früheren Sattler auch nicht übel nehmen, wenn es so wäre. Genosse Ebert hatte gegen Herrn Bohnenkamp Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Das Schöffengericht Minden sprach ihn am 15. Mai 1924 frei. Auf Berufung der Staatsanwalt- schaff verurteilt« ihn die große Strafkammer des Landgerichtes Bielefeld am 19. Oktober 1924 wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 599 Mark. Bohnentamp legte Revision ein, das Oberlandesgcricht Hamm entschied am 13. Mai 1925, daß das angefochtene Urteil be- züglich des Strafausspruches aufzuheben und die Sache an die Vor- instanz zurückzuweisen sei. Infolge des Todes des Genossen Ebert wurde das Verfahren gegen Bohnenkamp durch Beschluß der Ferienstrafkammer in Bielefeld vom 7. September 1925 auf Antrag der Stoatsanwaltschast« i n g« st« l l t, da es unter das preußische Gesetz über die Gewährung von Straffreiheit vom 21. August 1925 siel. Das Disziplinarverfahren fiel nicht unter das Amnestiegesetz und nahm deshalb seinen Fortgang. Am 26. November 1926 hatte sich Bohnenkamp daher vor dem von der Regierung in Minden gebildeten Disziplinargericht zu verantworten. Er wurde Der Zilmtanz. Von John Schikowski. Der gefilmte Tanz, der nach irgendeiner für die Bühne ge- fchaffenen Tanzkomposition aufgenommen wird, unterscheidet sich grundsätzlich vom Filmtanz. Der gesilmte Tanz kann wertvoll als Dokument fein. Er gibt dem Sachverständigen ein« Vorstellung von der Natur des Originaltanzes, nach dem er hergestellt wurde. Indem er die individuelle Leistung, die charakteristische künstlerische Gestaltung festhält, ergänzt er die Tanzschrift, die den allgemeinen Grund- und Aufriß der Komposition fixiert. Ein Kunsterlebnis,«inen Kunstgenuß aber schafft er nicht. Di« Fehler und Mängel der photographischen Perspektive oerhindern es. Jede Bewegung, die den Körper vom Aug« des Beschauers entfernt oder ihn näher führt, erscheint im Kinobild schneller, als sie in Wirklichkeit stattfand. Dadurch wird der Rhythmus der Bewegung aufs empfindlichst« gestört. Dieser Rhythmus aber ist die Seele des Tanzes. Ein Tanz, der im Film als Kunstwerk wirken soll, unterliegt daher gewissen Beschränkungen, die der gewöhnlich« Bühnentonz nicht kennt. Der Filmtanz darf nicht in die Tief« des Raumes gehen, fondern muß sich möglichst in Relief-Form entwickeln. Die Tänzerin Leni Riefenstahl, die in dem neuen Ufa- Film„Der heilige Berg" den ersten konsequenten Versuch zur Schöpfung eines Filmtanzes macht, hat dieser elementarsten und wichtigsten Forderung zielsicher genügt. Sie hat z. B. ihr«.Traum- blüte", die wir von der Tanzbühne her kennen, für die Kino- Perspektive umgestaltet. Die Bewegung geht jetzt ausschließlich von links nach rechts oder umgekehrt, sie vermeidet jede Entwicklung in die Tiefe des Raumes. So bleibt, obwohl die äußere Form vielfach verändert ist, der ursprüngliche Rhythmus gewahrt. Und da die Komposition in dem wundervollen Zusammenfalten zur Schluß- ottitüde gipfelt, so entsteht«in vollendetes Kunstwerk, dessen Wirkung der des uffprünglichen Bühnentanzes mindestens gleichkommt. Sind dern Filmtanz nach dieser Richtung hin Schranken gezogen, die ihn gegenüber dem Bühnentanz benachteiligen, so bieten sich ihm andererseits künstlerische Möglichkeiten, die diesem unerreichbar sind. In erster Linie durch die Benutzung der Zeillupe Mit ihrer Hilfe lassen sich im Film Sprünge, Schritt« und Schwünge produzieren, die in ihrer Befreiung von aller Erdenschwer«, im langsamen Schweben und Wandeln durch die Lust den Charakter des Ueber- irdischen tragen. Dieses Hilfsmittel wird in den Tänzen des „Heiligen Berges" wiederholt angewandt. So im„Tanz um das Meer" und in dem„Hymnus an die Freude". Leider nicht in der „Traumblüte", die mit ihrem sanften Aufsteigen, ihrem grenzenlosen Ausbreiten im Raum, mit ihrem kreiselnden Schweben, mit ihrem Leitmotiv„Los vom Boden! Los von der Schwere!" ganz besonders dafür geeignet erscheint. Aus der Einschaltung der Zeitlupe erwachser, der kompositorischen Tätigkeit des Tänzers groß« Schwierigkeiten. Die Wirkung der ver- langsamten Bewegung läßt sich nicht aus dem Originaltanz erkennen. Sie nruß v»*st«*desgemäß kalkuliert, berechnet werden. Erst der Film kann dann zeigen, ob die Kalkulation richtig war, ob der Rhythmus der Acitlupenbewegung organisch aus dem Rhythmus pez Gesamtkomposition erwächst und sich ihm harmonisch eingliedert. Das ergibt ganz neue Grundlagen und Voraussetzungen des tänzerffchen Schaffens, und erst durch mannigfache praktische Erfahrung kann hier die rechte Methode gefunden werden. Allerdings traten die eigcnt- lichen Schwierigkeiten bei den Filmtänzen der Riesenstahl diesmal nicht in Erscheinung, weil die Partien, die in normalem Tempo und die, die in Zeitlupentempo gebracht wurden, stets als gesonderte Bilder erschienen. Das Problem, beide Tempi miteinander zu ver- binden, harrt noch der Lösung. Der erste klare Versuch, einen stilreinen Filmtanz zu schaffen, bleibt«in« Tat von historischer Bedeutung. Auch wenn er noch keineswegs fein Ziel erreichte und die Wirkung, die er hätte auslösen können, sich nicht restlos«instellte. Daß er im.�eiligen Berg" das Ziel noch nicht erreichte, lag an der traditionellen Oetonomie der Filmaufmachung, die mit einzelnen kurzen Bildern arbeitet und nicht einen einzigen Tanz von Anfang bis zu Ende ungestört durchführen ließ. Sie zerschnitt und unterbrach die Tänze und ließ keinen Rhythmus voll ausklingen. Und da die Unterbrechung der Tänze durch mehr oder weniger gewaltige Naturschauspiele oder spannend- dramatische Szenenbilder stattfand, so konnten die Tänze nicht zur rechten Geltung kommen, ihre Wirkung mußte in diesem Stilwirrwarr verblassen. Der Filmtanz mit semer unübersehbaren Füll« von neuen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten kann sich restlos entfalten nur im Rahmen eines stllreinen Films, in dem die zarten, überirdischen Schönheiten des Tanzes den tragenden Mittelpunkt etwa einer Märchenhandlung bilden. Und er wird sein« künstlerische Vollendung und Gipselung dann erreichen, wenn auch die begleitende Handlung nicht naturalistisch schauspielerisch, sondern in den abstrakten Formen des modernen Tanzstiles gehalten ist. Hoffen wir, daß der Künstlerin, die den ersten Schritt zu diesem Ziel gemacht hat, bald Gelegenheit gegeben wird, unter günstigeren Bedingungen neues zu schaffen und das begonnen« Wert zum glücklichen Abschluß zu führen. hoerth, Direktor der Slaalsoper. Der bisherige Oberregisseur der Staatsoper, Prof. Dr. Franz Ludwig Hoerth, ist vom Kultusminister zum Direktor der Staatsoper Unter den Linden er- nannt worden. Zum schwarzen Sonnlag. Ein Genosse schreibt uns: So oft ich in den letzten� Wochen an Anschlagsäulen oder Kinos die Bilder vom schwarzen Sonntag in Rußland sah, kam mir die Erinnerung an einen Tag meiner aktiven Dienstzeit. Es war am 21. Januar 1996. Der letzte Zar wollte seinem Vetter Wilhelm einen Besuch abstatten. Die Berliner Arbeiterschaft hatte beschloflen, gegen ine Anwesenheit des Blutzarcn zu demon- strieren. Diese Demonstration hatte natürlich dem Friedenskaijer «nen solchen Schreck eingejagt, daß er wohl schon die Revolution gekommen glaubte. � Für alle Fälle wurde am Sonntag, den 21. Januar 1996, in unserer Kaserne, Eisenbahn-Reaiment II, Schöncberg, keinem Mann Sonntagsurlaub gegeben. Dafür war alles in fieberhafter Tätigkeit. Vormittags gab es durch Offiziere Instruktionen über Waffengebrauch, Verhaftung usw. Sogar die Patronen waren bereitgestellt. Es war alles in Alarmbereitschaft. Smntlichc Offiziere waren zur Stelle. Nach dem Mittagessen wurde jeder c-tub« aus Kantinon- oder Kompogniemitteln Bier gestiftet. I für schuldig erklärt, durch Erzählung von Witzen über den ver« storb«nen Reichspräsidenten bei Erteilung des Unterrichtes dis Pflichten verletzt zu haben, die ihm das Amt des Lehrers auferlegt, Bohnenkamp wurde von dem Disziplinargericht zu einer Geld- straf« von 199 Mark(in Worten: Einhundert Mark) und zur Tragung der Kosten verurteilt. Wird gegen dieses unerhört milde Urteil Berufung eingelegt werden? Zu welchem Strafmaß wäre der Lehrer Bohnenkamp verurteilt worden, wenn er über den Reichspräsidenten von Hindenburg ähnliche Witze erzählt hätte?_ Große Koalition oüer Rechtsblock! Eine warnende Zentrumsstimme. Köln, 21. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Das offizielle Kölner Zentrumsblatt,„Die Rheinische Volksmacht, schreibt am Montag abend in bezug auf die Regierungskrise:„Es gab schon einmal ein« schwere Krise zwischen der Wählerschaft und der Fraktion, damals, als die Fraktion mit U m f al l i n d ie Re ch t s- regierung ging. Man täusche sich in Berlin nicht: Die Wiederkehr einer solchen Krise würde katastrophale Verhältnisse schaffen. Wir haben ernsteste Sorge." yie Kaste- hie Volk! Jungdcutscher Lrden gegen Lffizicrsbund. Der Vizekanzler desIungdeutschcnOr den s gibt auf die Verfemung Mahrauns durch den Deutschen Ofsiziersbund eine Erwiderung, in der'es heißt: „Es ist leider nicht das erstemal im Laufe der letzten Jahre, daß deutsche Offiziere Stellung nehmen gegen alte Kameraden. Aber «- zeigt aufs neu« und in voller Schärfe, daß Alter u n d I n» sti n k t l o s i g k« i t sich naturgegeben auflehnen gegen die zung- frischen Triebe des Werdenden— H i e K a st e— � i c 25 0 I f! diesem Augenblick spreche ich als Offizier des ehemaligen koiie-- lichen Heeres zu meinen alten Kameraden und als Angehonaer Der Leitung des Jungdeutschen Ordens zu den jungdeutschen Ofs, zieren. Ich tue dies im Namen unseres gegenwärtig aus Urlaub besmdlnyen jungdeutschen Bruders, des Generalleutnants malzen- b e r g: und ich weiß, daß ich auch im Namen der übrigen im Jung- deutscben Orden befindlichen, teilweise an Rang und Dienstalter weit älteren Offizieren der alten Armee sprechen kann, wenn ich den Generalangriff des Deutschen Ossizierbundes gegen Artur Mahraun mit tiefster Entrüstung und Empörung zurückweise. Ich habe heute schweren Herzens meinen 2lu stritt aus dem Deuts ist c n Ofsiziersbund vollzogen. Ich trenne mich damit nicht von dem Geist des alten Offizierkorps, das den Jmmortellenkranz tteucstcr Pflichterfüllung in Frieden und Krieg um die Schläfe trögt. Aber>cy trenne mich'mit vollem Bewußtsein von einer Standesge- n o f f e n f ch a f t. die das Wehen einer neuen Zeit nicht verspürt, und die in völliger Berkennung volklicher Zlufgaben sich anmaßt, den Schulmeister der Nation zu spielen." Entspricht das Schreiben des Bizekanzlers der Stimmung im Iungdcutjchen Orden, dann richtet sich die gehässige Waffe, mit der der Ofsiziersbund Mahraun zur Strecke zu bringen hoffte, gegen den Bund selbst. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, daß das Heer der Unzufriedenen im Deutschen Offiziersbund sehr groß ist. die neuesten Sozialverräter. Und Agenten der Bourgeoisie dazu. Das Ekki-Urteil gegen Ruth Fischer und Genossen lautest .Pen Ausschluß Maslows, Ruth Fischers, Urbahns. Scholems Schwans aus der KPD. und aus der Komintern zu bestätigen: alle bewußten, der Sache des Kommunismus ergebenen Partei? Mitglieder aufzufordern, jede politische und organisatori- sch« Verbindung mit diesen Agenten des Klassen- seindes abzulehnen und sie ebenso rücksichtslos z u bekämpfen wie alle anderen S o z ia l v e r rä t« r." Agent der Bourgeoisie, Sozialverräter— es lebe die geschwollen« nächst« Phrase im Dienst« der Propaganda der russischen Regierung. Da das Freibier aber nicht ausreichte, um den kuror teutonicus zu erzeugen, mußten wir Rekruten für Unteroffiziere und sogenannte „alte Knochen" von Zeit zu Zeit neuen Stoff aus der Kantine holen. Der Erfolg blieb natürlich nicht aus. Im Lause des Nachmittags war alles in der nötigen Stimmung. Die Unteroffizicre und alten Leute tranken aus Acrger darüber, daß sie keinen Sonntagsurlanb bekommen hatten und wir Rekruten machten die Mode mit. Zum Schluß war alles schwer betrunken. So wie es in unserer Kaserne zuging, wird es auch in den anderen Regimentern in Berlin gewesen sein. Rur der Disziplin der Arbeiterschaft ist es zu danken, daß es nirgends zu Reibereien gekommen ist, sonst hätten wir einen schwarzen Sonntag gehabt, der den russischen weit übertrossen halte. „Spälherbstblüten". Eine literarische Weihnachtsgabc von Adolph Hoffmann Berse und Prosa. Im Mittelpunkt das spannend erzählte Flugabenteuer„In höheren Regionen" und der Einakter„Torturen", der das Verhör eines unschuldig des Mordes Verdächtigten zum Thema hat. Daneben eine bunte Fülle von Ge- dichten.'Schlichtempfundene Raturftimmungen, wie das Oftergedicht „Wecken" von den Menschen, Pflanzen, Käserlein, die alle am Oster- tag beim Auferstehen dabei sein wollen. Oder das frische Liebeslied „Ich und mein Lieb". Oder die Verse„Zu meiner Einäscherung" mit der letztwilligen Verfügung: Und was dann an Asche übrig bleibt, Verstreut im Blumengarten, Hier will ich bis zur Frühlingszeit Der Auserstehung warten. Und wenn's dann blühet, duftet, singt, Raturkrast heiliges Walten, Wenn keck eines Vögleins Lied erklingt, Bin ich's. Kann den Schnabel nicht hallen. Kampflust des allen Streiters in Bersen wie„Michel, reiß' die Augen auf!",„Golgatha",„Krieg!". Und über allem, wie eine goldene Wolke schwebend, die unversiegbare Lust am Leben, Lieben und Lachen: Hunior laßt wallen Bei Jungen und Allen, Und lacht man sich tot, Ist aus alle Rot. Das mit Bildern von Willi Steinert hübsch ausgestattete Büchlein ist zum Preise von 1,59 M. beim Perfosier, Berlin O 17. Koppenstr. 6, zu beziehen. Es wird vielen unserer Leser ein will- kommenes Weihnachtspräfent fein. Alax-ciebermann-AnssteUung der> kadnni« der Künste. Die Puuhiiche Akademie der Künste wird ibren Präsidenlcii Bros. Max Ltebeimann anZ Anlan feines 80. SeburlStaqeS im nächsten Jahr durch eine AnSitellutii, leiner Werke ehren. Die Ausstellung wird voraussichtlich im Juni nächsten Jahres eröffnet werden. Eine Erpedition rnr Erforichunq der mistralilchen Ureinwohner ist mit Lull« der Rockefeller-Stisiung ausgerüstet werden und wird demnächst Adelaide verlaffen. Die Ureinwoliner Australien» sterben nämlich aus oder verwandeln sich io schnell unter europäischem Einfluß, daß nur noch wenige Jahre bleiben, um diese interessanten Stämme genau zu erforschen, Das Volt muß wohnen tonnen! Wann kommt das Reichswohnnngsbauprogramm? Die programmatische Lösung des Wohnungsbau- Problems auf ganz bestimmter, wohldurchdachter Grundlage und auf weite Sicht hinaus wird von ollen leidtragend Beteiligten als unaufschiebbar empfunden. Allein die Reichsregierung scheint noch immer anderer Meinung zu sein. Wie wir erfahren, ist eine cnd- gültige Festlegung der Reichsregierung auf einheitliche Richtlinien und Dorschläge über ein Wohnungsbauprogramm noch nicht erfolgt, es haben vielmehr nur vorläufige Besprechungen zwischen Reichs- rcssorts und preußischen Ressorts stattgefunden. Es find aber nun nicht mehr nur die politisch links orientierten Kreise, die die Regie- rung bedrängen, endlich mit nötigem Ernst an diese Frage heran- zugchen, auch die in der vorangegangenen Woche in Halle abgehaltene Bundesversammlung des Bundes Deutscher Architekten fordert in einer Resolution„angesichts der Unzulänglichkeit aller bis- hörigen Maßnahmen" die sofortige Schaffung eines Reichswohnungsbauprogramms. Eine ganze Anzahl von Organisationen haben Wohnungsbau- Programme in die Oeffentlichkeit geworfen. Auch die freien Gewerk- schasten sind mit einem Wohnungsbauprogramm hervorgetreten. Das Programm der freien Gewerkschaften hat schließlich auch dem Aktionskomitee für Boden-, Siedlungs- und Woh- nungspolitik neben anderen Vorarbeiten als Borlage gedient für die Aufstellung seiner Richtlinien zu einem Wohnungsbau- Programm. Die Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschosts- bundss und des AfA-Bundes haben neben Vertretern des christlichen Gewerkschoftsbundes, des Gcwerkschaftsringcs, des Hcimstättenamts der deutschen Beamtenschaft sowie der Großorgarisationen der Klei n- gärtner, Kriegsbeschädigten, Mieter aller Richtungen und der Siedler im Aktionskomitee für Boden-, Siedlungs- und Wohnungspolitit mitgearbeitet an der Herstellung dieser Richtlinien. Hinter dem Rcich-wohnungsbauprogramm des Aktionskomitees für Boden-, Siedlungs- und Wohnungspolitik stehen mithin breite Masten, die den politischen Parteien von der äußersten Linken bis tief in die Rechte hinein angefchlosten sind und nach Millionen zählen. Es hat bereits eine Fühlungnahme zwischen dem Aktionskomitee und Vcrtrcteln der Reichstagssraktioncn des Zentrums und der Demokraten stattgefunden, wobei die Zustimmung der Politiker zu den wesentlichsten Punkten des Programms sestgeftellt wurde. Das Pro- gramm ist sodann dem Reichskanzler und dem Rcichstagspräfidcntcn sowie den zuständigen Ministern und sämtlichen Reichstagsabgeord- neten zugestellt worden. Das Programm fordert eine Wohnungsvorsorgc des Reiches für die nächsten 10 Jahre und die Erstellung von jährlich mindestens 250 000 Wohnungen. Minderbemittelte sollen vorzugsweise bei d�r Der- gcbung der Wohnungen berücksichtigt werden. Die Finanzierung soll aus der Hauszinssteuer und durch Anleihen bestritten werden. Für den Ausbau der Hauszinssteuer sind bestimmte Borschläge gemacht. Die Beschaffung von ersten und zweiten Hypotheken soll durch Her- anziehung der Sparkassen und der Sozialvcrsicherungsträger sowie durch Senkung des Zinsfußes erleichtert werden. Auch für die Senkung der Baukosten sind unter acht verschiedenen Gesichtspunkten bestinnnte Vorschläge gemacht worden. Die den Mietorschuh betreffen- den Forderungen sind aufs knappste formuliert, weil beabsichtigt ist. ein besonderes Mieterschutzprogramm herauszubringen. Verlangt ist Nicdrighaltung der Altbaumiete durch Reichsgesetz und Verhinderung unberechtigter Gewinne beim Vermieten mit öfsent- lichen Mitteln errichteter Wohnungen. Gefordert wird weiter Ausrechterhaltung des wielerfchuhes für alle Räume bis zur Schaffung eines sozialen Reichswohnungswirtschaftsgesctzcs als Dauerrccht.» Als Voraussetzung für die praktische Durchführung dieses Pro. gramms fordert das Aktionskomitee schließlich die sofortige Ein- bringung beim Reichstag und Verabschiedung des Boden- rcformgefetzentwurfcs des Ständigen Beirats für Heimstättenwescn beim Reichsarbeitsministerium sowie des Städtebaugefetzcntwurfs beim Preußi- schen Landtag und entsprechender Gesetze in den übrigen Ländern. Die Finanzierung der im BödeNrefonngesetzentwurf geforderten Bodcnoorratswirtschast soll in erster Linie aus den Erträgen der Wertzuwochssteuer erfolgen. Dieses Programm erscheint als das Programm der m i t t» l e r e n L i n i e. Es bedeutet für die linksstehenden Kreise das Mi- nimum dessen, was gefordert wird, und für die rechtsstehenden das Maximum dessen, was ersüllt werden könnte. Auf jeden Fall sollte endlich ernsthaft an eine großzügige Lösung des brennendsten sozialen Problems unserer Zeit herangegangen werden. Viktor R o a ck. Nekchswehrmmisterium unö Zilmpolikit. Tie Allianz der Marine mit den Filmstars. Daß die hinter der Kulisse Geßler aufgeregt regierende General- ftabskamarilla ganz nach dem alten Schema R arbeitet, ist durch die bisherigen Feststellungen der nach Sowjetrußland hineinführenden Machenschaften genugsam geklärt. Es ist zweckmäßig, dieses Schema F auch an anderen Zusammenhängen noch zu beleuchten— auch hier geht es um steuerliche S ch r ö p f u n g der breiten Massen des verarmten deutschen Volkes. Geräuschloser als die Reichswehr, aber zumindest ebenso wirkungsvoll nrbe-tet die R e i ch s m a r i n e. Aus den Akten- beständen der Reichsmarine hat der Großadmiral vo n T i r p i tz feine letzten Bücher zurechtgeschncidert. Aus diesen Aktenbeständen hat der Admiral von Levctzow sein„Dolchstoß"ma»erial für die „Süddeutschen Monatshefte" zusammengestellt. Ohne Förderung seitens der Reichsmarinestellen wäre die dauernde Fortexistenz der Organisation Wiking, die auch heute noch überall ihre fest besoldeten Bureaus unterhält, nicht denkbar. Ein Dirpitz-Ofsizier, der in dauernder Verbindung zur Reichsmarine steht, ist seit Jahren maßgebendes Rcdaktionsmitglied der„Deutschen All- gemeinen Zeitung". Neuerdings wird versucht, auch die Reichs- zentrale für Heimatdien st(Lichtbilddienst) auszunützen. Nach dem Vorsitz des Oberst Nikolai, Ludendorsss all- mächtigem Slimmungsmachechef, gehören zur„vaterländischen" Pro- paganda auch Photo und Film. Beides in Verbindung mit lostspieligen, durch militärische llebungszwecke nur ganz unzureichend gerechtfertigten Auslandsfahrten unserer winzigen Marine. Daß bürgerliche Photorcporter an Bord der Schiffe sind, wenn Dr. Geßler„inspiziert", ist(nebenbei bemerkt!) sclbverständlich. Dr. Geßler weiß, was er seiner„Verantwortung vor der Geschichte" schuldig ist und mit welchen Mittelchen sie verankert werden kann. Interessanter, zum Teil bedenklicher sind die Der- bindungen der Reichsmarine zu Filmindustrie und Film- weit. In diesem Frühjahr hielt man es zum Beispiel für not- wendig, den Kreuzer„Hamburg" ausgerechnet noch Los Angeles zu schicken. Kohlen- und Oelverbrauch solcher mehr- monatigen Fahrten ist(für unsere Budgctnöte) enorm. Daß man zur Uebung in der Navigation um die ganze Erdkugel herumfahren muß und darf, ist derzeit nicht einleuchtend. Die einzige greisbare Ausbeute des Kreuzers war infolgedessen lediglich eine Derbrüde- rung mit der in Los Angeles ansässigen nordamerikanischen Stimmungsmaschincrie, der dortigen F i l m w e l t. Das I l l u- strierte Blatt zeigte(neben anderen Ausnahmen) den ? a p i t ä n des deutschen Kreuzers in großem Titelbild mit einer Filmdiva auf dem Arm. Eine recht unnötige Geschmack- lofigkeit. Im Mai/Juni dieses Jahres besuchte, wie in der„vaterländischen" Presse ausführlich berichtet, ein deutsches Geschwader die s p a- nischen Häfen. Das Geschwader dampfte eieens auch nach der weltentlegenen Insel M a l l o r k a und ging auf der Reede von Palma vor Anker. Einziger Zweck: Eine Filmauf- nähme! Der Eiko-Marinefilm„In Treue f e st" wurde von der mit der Reichsmarine in Verbindung stehenden„National-Film- A.-G." dort gedreht. Filmschauspielerinncn versuchten sich damals auch schriftstellerisch und lagerten in„vaterländischen" Blättern Propagandaartikel darüber ob:„Um es vorwegzunehmen," schreibt In einem solchen„Caballeros" überschriebenen Stimmungsartikel ein weiblicher Filmstar,„die Ziele, die mit dem Flottenprogramm verknüpft waren, sind glän- zend erreicht." Eine noch größere Geschmacklosigkeit soll dem- nächst auch in Verlin„wchrpolitisch" dem Publikum auf der Fiimmerwand beigebracht werden: der Film„Emden" der eben- falls mit der Reichsmarine in Verbindung stehenden E m e l k a- A.-G. in München. Das Reichswehrministerium hatte hierzu einen ausrangierten alten Kreuzer um ein Spottgeld der Gefellschost überlassen, statt ihn abzuwracken und vorher in heimischen Ge- wässern etwa als Zielobjekt zu benutzen. Diese„Ersatz"-Emden wurde nun in die ostasiatischen Gewässer, geschleppt. Aber auch ein aktives Geschwader machte die kostspielige Fahrt dorthin, lediglich zur Durchführung der Filmoperation, der scharfen Beschießung dieser Film-Emden. Gewiß, die Leistung der „Emden" verdient heute wie damals alle geschichtliche Anerkennung, aber der Versuch ihrer(lediglich noch mit einer dürftigen Liebes- geschichte umkleideten) Reproduktion ist im Grunde der gleiche Kitsch wie etwa die früher in Wachsfigurenkabinetten dem„Bolt" geböte- nen Reproduktionen der Schlachten von Sebastopol, Gravelotte usw. Der estasiatische Landschaftshintergrund bei dem genannten dürftigen Emelkafilm hat natürlich gerade in den Beschießungsszenen gar nichts zu sagen. Diese Marinepropaganda hätte ebensogut in norddeutschen Gewässern gekurbelt werden können. Die weiter in den Film ein- gestreute sentimentale Note deutsch-englischcr Verbrüderung oder Gentleman-Vcrständigung ist schließlich auch nichts anderes als dos Reichswehrpolitikmittel, die Spitze gegen Frankreich ge- fühlsmäßig noch mehr herauszuarbeiten. Mehr- monatiger Kohlen- und Oelverbrauch nur für die Zwecke„vater- ländischer" Propaganda und einer Emelka-Gesellschast, deren kul- turelle Produktion sonst recht dürftig aussieht, ist jedenfalls eine probe Ungehörigkeit. Kulturell hat Filmphotographie, die Vorgänge der rein militärischen nahen Vergangenheit darstellen will, überhaupt nur dann einen Wert, wenn sie nicht Imitation, sondern geschichtliche WirNichkeit gibt. Schon die Kriegssilme des Obersten Nikolai waren in diesem Sinne Schwindel, denn schon s i c waren gedreht auf irgendeinem Tempelhofer Feld, während der Engländer M a l l i n g z. B. mitten in den Trichterfeldern, mitten im Graus des Tromelseuers waghalsig sein« Filme drehte, die heute allerdings für Pazifisten und Antipazifisten gleicherweise erschütternde Doku- mente bleiben. Die Filmpolitit der Reichsmarine ist kostspieliger wilhelminischer Bluff. Mikes. Zentrum und Verwaltungspraxis. Crinc Erklärunn der rheinischen Sozialdemokratie. Köln, 21. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Im Kölner Rathaus trat am Montagabend der rheinische Provinzial- a u s s ch u ß zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um zu der Besetzung des Kölner Regierungspräsidentenposten» Stellung zu nehmen. Wie nicht anders zu erwarten war, sand der Bor- schlag des preußischen Staatsministeriums, Ministerialrat E l f g e n als Regierungspräsident zu bestätigen, eine Mehrheit. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Provinzial- ousschusses liehen durch den Genossen Steinbüchel- Essen eine Erklärung abgeben, in der u. a. gesagt wird: „Die Sozialdemokratie des Rheinlandes hat sich nach dem Ab- leben des bisherigen Regierungspräsidenten stillschweigend damit einverstanden erNärt, daß ein Angehöriger der Zentrumepartei zu seinem Nachfolger eniannt wird. Die Tatsache jedoch, daß bei der Auswahl des Kandidaten eine lebhafte Auseinandersetzung innerhalb der Zentrumspartei darüber entstand, ob ein An- 8»höriger des Arbeiter st andes und Nichtsachmann berechtigt i, leitende Verwaltungsstellen zu übernehmen, verpflichtet die Sozialdemokratie zu einer grundsätzlichen Erklärung. Leitende Verwaltungsstellen im Reich, Staat und Gemeinden sind politischer Natur und bei der Auswahl der Bewerber dürfen daher nicht in erster Linie bestandene Examina und formale Verwoltungskenntnis maßgebend sein. Ernste Mißbilligung muß es daher erfahren, wenn führende Kreise der rheinischen Zentrums- parte! Angehörige der Arbeiterschaft, die als langjährige Abge- ordnete und Leiter großer Betriebe ihre Befähigung unbestritten erwiesen hoben, von leitenden Verwaltungsstellen ausschließen. Diese Zurücksetzung sieht die Arbeiterschaft aller Richtungen als«ine schwere Herabsetzung und eine'Verminderung ihrer staatsbürgerlichen und verfassungsmäßigen Rechte an. Die deutsche Arbeiterschaft hat sich nach dem Kriege in den Dienst des neu ge- Ichaffenen Staatswesens gestellt. Seine Existenz ist wesentlich von ihrer Mitarbeit abhängig. Es muß daher als ein großes Un- recht bezeichnet werden, wenn heute, nachdem der Staat sich ge- festigt hat, ein bisher geübter Grundsatz grundlos verlassen wird. Grundlos deshalb, weil anerkannt die bisherigen Vertreter des Arbeiterstandes in leitenden Derwastungsstellen diese voll aus- gefüllt haben. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Provinzial- Ausschusses ersuchen die Vertreter der chri st lichen Arbeiter- s ch a f t, in ihrem gerechten Kampf um Gleichberech- t i g u n g innerhalb der Zentrumspartei nicht nachzulassen, sondern ihn mit vermehrtem Eifer fortzusetzen." Die studentische Sestimmungsmensur. Sin mittelalterliches Standes- und Klassenvorrecht. Von Staatsanwalt M a r x- Heidelberg. Der tödliche Ausgang einer in Berlin ausgesochtenen Freund- schaftsmensur bei einem der Poukanten hat neuerdings die ollgc- meine Aufmerksamkeit auf diesen je nach dem Standpunkt des Bc- trachters als Sitte oder Unsitte zu wertenden Brauch gelenkt. In Baden steht die Frage der studentischen Bcstimmungsmensur mit Schlägern schon seit einiger Zeit im Mittelpunkt einer heftigen Diskussion, da die Regierung vor ein paar Monaten an die Justiz- und Verwaltungsbehörden des Landes die Weisung gegeben hat, diese Art von Mensuren mit allem Nochdruck zu unter- binden und alle ermittelten Fälle als Zweikampf mit tödlichen Waffen unter Anklage zu stellen. Dagegen hat sich ein un- geheurer Protest der schlagenden Verbindungen erhoben, den die in ihren materiellen Interessen sich gesöhrdet glaubende Bevölkerung der Universitätsstädte aus das lebhafteste sekundiert. Damit hängt es zusammen, daß ein Fall von Bestimmungs-(Schläger-) Mensur aus einer badischcn Universitätsstadt neuerdings der obersten richter- lichen Instanz in Strassachen, den Vereinigten Strassenoten des Reichsgerichts, auf eingelegte Revision hin Gelegenheit geboten hat, von neuem zur Frage der Strasbarkeit dieser Art von Mensuren Stellung zu nehmen, nachdem dieses Gremium bereits im Jahre 1883 sich für deren Strafbarkeit ausgesprochen hat. Diese Entscheidung vom Jahre 1883 ist besonders in der juristischen Literatur vielfach angegriffen worden. Was aber wesentlicher ist: die Polizeibehörden der Universitätsstädte haben diese Schlägerniensuren geduldet, und sie sind zu vielen Tausenden aus- gefochten worden unter den Augen der Polizei, ohne daß die Paukanten irgendwelche Verfolgung zu befürchten hatten. Sie ge- fielen sich sogar darin, sich mit frischen Kompretten als Zeichen ihrer Heldenhastigkeit behastet in den öffentlichen Lokalen der Städte den Backfische» und anderen Bewunderern zu zeigen. Es war daher sehr begreiflich, daß nian sich in den betroffenen Kreisen gegen die geänderte Praxis sehr energisch zur Wehr setzte. Die V e r- einigten Strassenate haben aber wiederum entschieden, daß die S ch l ä g e r m e n s u r als Zweikampf mit tödlichen Waffen im Sinne der§§ 201 ff. StGB, strafbar sei. In den Kreisen der Anhänger der Mensur beruhigt man sich jedoch nicht mit dieser Ent- scheidung. Sie hat im Gegenteil dazu Anlaß gegeben, die darin zum Ausdruck gebrachte Ausfassung mit aller Entschiedenheit zu de- kämpfen und zu versuchen, ein« Aenderung der Rechtsanschauung der obersten Spruchinstanz zu erreichen, wie dies bei Instanz- gerichten bereits geglückt ist. Es oerlohnt sich deshalb, die Argu- mente der Menjurfreunde etwas näher zu betrachten. Es wird von ihnen zunächst bestritten, daß es sich dabei über- Haupt um einen Zweikampf im Sinne des Gesetzes handle. Man will darin lediglich eine sportliche Betätigune. zur Förde- rung der körperlichen Tüchtigkeit und zur Stärkung des persönlichen Mutes erblicken. Die Schlägermensur wird als eine Art des Sports wie Fußball oder Boxen angesprochen. Es wird dabei ober ein wichtiges Moment außer acht gelassen. Beim sportlichen Kampf werden zum Teil auch die Gegner versuchen, sich zu schlagen und gesechtsunfähig zu machen. Aber der Vorsatz und der Wille geht nicht ausgesprochenermoßen daraus hinaus, dem Gegner eine Der- letzung beizubringen. Soweit dies doch der Fall ist, bliebe zu prüfen, ob nicht Zweikampf vorliegt. Bei der Schlägermensur liegt in der Beibringung einer Verletzung dos Wesentliche. Es wird lediglich durch weitgehende Bandagierung(Augen, Hals, Arme, Brust u. a.) Vorkehrung getroffen, um über„Schmisse" hinaus- .gehende Verletzungen zu verhüten. Der Zweikampf im Sinne des Strafgesetzbuches erfordert nicht die Absichr der Tötung, es genügt die Absicht irgendeiner Verletzung. Der Zweikamps in Tötungs- absicht wird besonders streng bestrast.(8 208 StGB.) Weiter wird eingewendet, der Schläger sei keine„tödliche Waffe", insbesondere nicht unter Berücksichtigung der besonderen Sicheriingsvorkehrungcn. Daß der schorfgeschlifsene Schläger an sich eine tödliche Waffe nicht sei, wird kein vernünftiger Mensch zu behaupten wagen. Es bleibt es für den Zweikampf solange wie die Möglichkeit besteht, damit aus den menschlichen Körper einzuwirken. Wenn die Poukanten sich in mittelalterliche Rüstungen mit herab- gelassenem Visier duellen, deren Scharniere bis auss letzte metallisch gesichert sind, wird man nicht mehr von einem Zweikampf mit tad- lichen Waffen sprechen können. Aber nicht so sehr deshalb, weil die Wofse den Charakter der Tödlichkeit verloren hätte, als weil das Moment des Zweikampfes entfällt, weil die Möglichkeit, sich gegen- seitig nach außer Gefecht zu setzen oder überhaupt ernsthaft ausein- ander einzuwirken, entfallen ist. Das Reichsgericht tut, so wie die Dingt jetzt liegen, wo der Schlager zur Verletzung bestimmt und geeignet ist, sehr wohl daran, ihn als eine tödliche Waffe zu be- handeln. Denn tatsächlich kommen, wie der Berliner Fall zeigt, immer wieder tödliche Verletzungen vor. Wenn sich immer wieder Autoritäten finden, welche die Schläger- mensur als Sport bezeichnen, so sind sie mehr oder weniger besten- falls das Opser uncingestandencr Velleitäten, soweit sie nickst bewußt einem Standesprivileg zu Hilfe kommen wollen. Würden die Arbeitermossen beginnen, Schlägermensuren auszufechten, so würde wahrscheinlich sich die Ausfassung dieser Herren sehr schnell ändern. Die ganze Sache zeigt, daß es höchste Zeit ist, den Zwei- kämpf als strafrechtlich privilegierte Handlung überhaupt vt'- schwinden zu lassen. Er ist ein Ileberbleibsel der Feudal. z c i t und gekört mit vielen anderen Requisiten in die Rumpcl- kammer. Gerade daß bestimmte Kreise sich so sehr für die Sonder- behandlung de» Zweikampfes einsetzen, beweist, daß es sich um ein Standes- und Klassenvorrecht handelt, für das in einem modernen Strafgesetzbuch kein Raum sein darf. die Verwendung der Gstkredite. Der Unterausschuß des Ostausschusses des Landtages beschäftigt« sich am Sonnabend mit der Verwendung der vom Reichstag im Rahmen des„Sofort-Programms" für den Osten nachträglich bc- willigte» neun Millionen. Fünf Millionen davon entfallen auf gewerbliche Kredite, drei Millionen sind als laufende Zuschüsse für Niederschlesicn vorgesehen, von der übrigbleibenden einen Million werden 300 000 M. für die Grenzmark, 300 000 für den Regierung»- bezirk Köslin und 400 000 für die östlichen Teile des Regierung»- bezirks Frankfurt a. d. O. verwandt. Der bayerische Handelsminister von Meindi. der schon lange schwer erkrankt ist, tritt in den nächsten Tagen einen u n d e- fristeten Erholungsurlaub an. Er dürste voraussichtlich auf sein Amt nicht wieder zurückkehren. Eine andere Frage ist, od das bisher von chm verwaltete Ministerium nicht gänzlich aufgehoben und mit einem anderen Amt verschmolzen wird. Heimkehr eines Wektreisenden. Dr. Luther trifft heut« i* Bremen ein. Ob und wann er dann nach Berlin kommt, ist noch nicht bekannt. Die Arbeitslosen im /lDGD. Im Monat November 1SÄ6. >) Die hier mitgeteilten Mitgliederzahlen dienen nur al« Grundlage zur Berechnung der BerhältniSzahlen, für die Beurteilung der Mitgliederstärke der Verbände find sie nicht verwendbar. � Als Stichtag gilt der letzte Arbeitstag der letzten Woche des Monats. ') Als Erhebungswoche gilt die letzte Arbeitswoche des MonatS. Berichtigte Zahlen der Arbeitslosen und Kurzarbeiter. Die Machtprobe üer Schuhfabrikanten. Unwahrheiten und Ausreden dienen al» Begründung. twlv.) Zm Lohnstreit in der deutschen Schuhindustrie haben die ilrbeitgeberverbände den am tv. d. M. gefällten Schiedsspruch abgelehnt. Die Arbeitnehmer- verbände haben ihn angenommen und seine Verbind- lichkeilserrlärung beantragt, hierüber finden V« r- Handlungen mit den Parteien am Donnerstag, den 23. d. M.. im Reichsarbeitsministerium statt. Der Acrband der deutschen Schuh- und Schästesabrikanten hat bekanntlich trotz des vorliegenden Schiedsspruchs der Spruchkammer des Reichsarbeitsministeriums in seiner Generalversammlung am 17..Dezember in Frankfurt a. M. beschlossen, für die Schuhindustrie die Generalaussperrung zu oerhängen. Am 2 2. Dezember soll allen Arbeitern gekündigt und am 8. Januar sollen sie allesamt entlassen werden. Die Schuhindustriellen wiederholen die längst wider- legte Behauptung, die Arbeiter hätten unter teilweisem Vertragsbruch Kampfmahnahmen ergriffen. Richtig ist, daß die Unternehmer Lohndifferenzen in kleinen Betriebsabteilungen zum Anlaß genommen haben, ganz« Belegschaften tündi» gungslos auf die Straße zu setzen. Der Kontraktbruch liegt aus der Unlernehmerseile. Die Unternehmer behaupten, daß die etwa e l s p r o> zentige Tariflohnerhöhung, die der Schiedsspruch vorsieht, zu einer Verteuerung des Produkte» führen müsse, nachdem in der letzten Zeit erst auf einen Preisabbau hin- gewirkt worden sei. Dazu ist zu sagen, daß der Preisabbau, wie er erfolgte, jedenfalls durch die Herabsetzung der Umsatz- st e u e r, die Herabsetzung des Zinsfußes, die V e r b i l l i g u n g der Frachten usw. bedingt gewesen ist. Seit beinahe 1 � I a h r e n ist in der Schuhindustrie keine Lohnerhöhung mehr erfolgt! dagegen ist im verflossenen Jahre in starkem Maße Lohndruckpolitik betrieben worden. Selbst wenn die Lohnerhöhung, die der Schiedsspruch vorsieht, ganz auf das Produkt geschlagen werden müßte(wir lassen das dahingestellt), so würde dies nach genauer fachmännischer Berech- nung auf das Paar Stiesel fein st er Ausführung etwa 20 P f.. auf die gewöhnliche Arbeit etwa 12 Pf. im Durchschnitt ausmachen. Mit ihrem Lamento wollen die Schuh- sabritanten nur oerdecken, daß es ihnen in diesem Lohnkonslikt nur auf eine Macht.probe ankommt. /tach die Hochbahn und die Moag. Einen Wochenlohn als Weihnachtsbeihilfe. Wie uns vom Deutschen Verkehrsbund mitgeteilt wird, haben sich gleich der Direktion der Straßenbahn auch die Direktionen der Hochbahn und der A b o a g entschlossen, ihren Personalen einen Wochenlohn als Weihnachtsbeihilfe zu zahlen. Während jedoch bei der Straßenbahn und der Aboag auch die sozialen'Zuschläge mitbezahlt werden, sollen diese bei der Beihilfe der Hochbahn fort. vie gegen den öetriebsratsvorfitzenden. Lohnsenkung ist Geschäftsgeheimnis. Ein Bericht der„Roten Fahne" über ein« Betriebsversammlung der AET-Transformatorenfabrik gab der Direktion Anlaß, die Amtsenthebung des Betriebsratsvorsitzenden G. beim T« werbegericht zu beantragen. Nach dem Bericht der„Roten Fahne" hat G. in der Betriebsversammlung gesagt, die Transformatoren- fobrik sei nicht genügend mit Aufträgen oersehen, der Anteil des Lohnes an den hersicllimgskosten habe sich von ZZ aus 27 proz. gesenkt. Diese Mitteilungen bezeichnet die Direktion als G e- s ch ä ft s ge he im n i fse, die G. in einer Sitzung des Betriebs- ausschusses erfahren Hab« und die als vertraulich bezeichnet worden feien. Da G. als eifriges Mitglied der KPD. bekannt ist, nahm die Direktion an, der Bericht der„Roten Fahne" stamm« von ihm her oder sei doch von ihm veranlaßt. Diese Annahm« konnte nicht erwiesen werden, sie wurde auch von G. entschieden in Abrede gestellt, ja, er behauptete sogar, die„Rote Fahne" habe seine Ausführungen entstellt wiedergegeben. Di« Be- hauptung, G. Hab« den Bericht oeranlabt, ließ die Direktion fallen, sie hielt ober ihren Antrag auf Amtsenthebung aufrecht mit der Begründung, G. hob« Mitteilungen, die ihm als vertraulich bezeichnet worden seien, in der Betriebsversammlung bekannt ge- geben. Das fei«in« grobe Pflichtverletzung, die mit der Amtsent- Hebung geahndet werden müsse. Ganz besonders schwer- wiegend sei die Mitteilung von der Senkung des Lohnanteils. Uebrigens wurde die Richtigkeit dieser An- gäbe vom Prozeßoertreter der AEG. ausdrücklich zugegeben und weil sie richtig ist, so schließt der Vertreter, könne G. sein« Angabe nur auf die erwähnten vertraulichen Mitteilungen stützen. G. behauptet« dagegen, in der Sitzung des Betriebsausschusses seien die betreffenden Mitteilungen nicht als vertraulich bezeichnet, es sei auch nicht der prozentuale Anteil der Lohn- scnkung angegeben worden. Diesen habe er sich errechnet aus den Zahlenangaben der Direktion und aus anderem ihm zugänglichen Material. In der Betriebsversammlung, wo er die besprochenen Angaben machte, habe es sich um Stellungnahm« zu der drohenden Stillegung der Transformatoren- f a b r i k gehandelt. Nachdem bereits«in Termin in dieser Angelegenheit stattgesunden hatte, kam die Direktion im zweiten Termin mit einem neuen Grunde für die Amtsenthebung G.'s heraus. Das Gericht unter Vorsitz des Obermagistratsrats Schultz lehnt« den Antrag auf Amtsenthebung des Betriebs- ratsvorsitzenden ob mit der Begründung: Di« Mitteilung, daß die Transformatorenfabrik keine Aufträg« habe, könne nicht als Geheimnis gelten, denn solche Mitteilungen aus den verschiedensten Betrieben könne man täglich in den Börsennachrichten der Zeitungen lesen. Ernster sei ober die angeblich« Mitieilung über den Lohn- anteil an den Herstellungskosten zu bewerten. Der Beklagt« stütze sein« Angaben auf Zahlen, die ihm oertraulich mitgeteilt worden seien. Das Gericht halt« ihm aber zugute, daß er fein« Angaben in einer Betriebsoersammlung machte, die, weil es sich um drohende Entlassungen handelt«, noturgemäh erregt gewesen sein wird. Unter diesen Umständen sei der Beklagt« mit seiner Angabe heraus- geplatzt und Hab« mehr gesogt, als an sich zulässig ge- wesen sei. Das Gericht könne nicht so weit gehen, den Beklagten wegen einer Aeußerung, die in der Hitze des Gefechts ge- fallen sei, des Amtes zu entsetzen. Höchstens lieg« ein« Fahr- l ä s s i g k e i t vor. Oer stampf in der sächsischen Textilindustrie. Die Lohntarifverhandlungen für die ostsächsi- sche Textilindustrie haben am Montag in Dresden statt- gefunden. Aller Wahrscheinlichkeil nach werden sie ein ähnliches Ergebnis bringen wie der Schiedsspruch für Westsachsen. Diese veratung ist sehlgeschlagen. Die Verhandlungen sind ge- scheitert! Die durch den w« st sächsischen Schiedsspruch geregellen Tarifverträge treten am 1. Januar in Kraft und gelten mll fester Laufdauer bis zum 30. September 1S27. Der Deutsche Textilarbeiterverband wird am Dienstag in Dresden in einer besonderen Konferenz zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen. In weiteren Berhandlungen wird der Schlichter, wie von den Organisationen beantragt wurde, eine besondere Regelung der Löhne für die berufsfremden Aroeiter, wie Metallarbeiter, Maschinisten und Heizer, Transportarbeiter usw., vornehmen. Wenn durch den Schiedsspruch nicht all« gestellten und b«> rechtigten Wünsche der Textilarbeiterschoft befrieoigt worden sind, so lag dies zum guten Teil mit an der verräterischen Hilfe- leistung, die von der kommunistischen Press« und ganz besonders dem„Kämpfer", dem Unternehmertum geleistet wurde, indem er Beschlüsse und Mitteilungen, die vertraulich in Konferenzen gemacht wurden, zum Schaden der Arbeiter und zum Nutzen der Unternehmer der Oeffentlichkeit vorzeitig mitteilte. Wahlerfolg in Holzmindeu. Bei einer Wahlbeteiligung von 66 Proz. fanden am 5. Dezember die Vertreterwahlen zum AusschuhderAllgemeinen Ortskrankenkasse Holzminden(Weser) statt. Die frei- gewerkschaftlichen Kandidaten vereinigten auf sich 12 91 S t i.nrm e n. während die Gelbenes nur auf139Stimmen � bringen konnten. Die freien Gewerkschaften erhielten 18 Sitze, die Gelben zwei. Bisher hatten die freien Gewerkschaften 17 und die Gelben drei Sitze inne. Durch den Ausfall der Wahl verlieren. die Gelben auch den einzigen Sitz, den sie bisher im Kasienvorftand hatten. Von den 18 gewählten Ausschußmitgliedern gehören 1 S d e r SPD. und 3 der KPD. als Mitglieder an. Ablehnung der Staatsarbeiterforderungen im Saargebiet Saarbrücken. 21. Dezember.(WTB.) Di« Rogierungskommission hat in einem an den Präsidenten des Landesrots gerichteten Schee iben die Forderungen der Stoatsarbeiter auf Gewährung der gleichen Ausgleichszulage, wie sie die ehemals deutschen Beamten des Saar- gebiet«? von der deutschen Regierung erhellten haben(sogenannte Betreuungszulag«) abgelehnt. Di« Staatsarbeiterorganisationen werden morgen dazu Stellung nehmen. Es ist wahrscheinlich, daß sie den Streit beschliehen werden. Zssranzöfische Forderungen zur Arbeitstrife. pari», 21. Dezember.(WTB.) Der Berufsrat für sozial« und Arbeitsgesetzgebung hat heut« ein« Sitzung abg«hallen und beschlossen, die Regierung aufzufordern, im Hinblick auf die drohende Arbeits- krife die«inheimischen Arbeiter durch schärfere Maßnahmen gegen die Beschäftigung ausländischer Arbeiter zu schützen und das Gesetz über den Achtstundentag überall ohne jede Einschränkung durchzuführen. verontw»rlli» für Politik: 9t. Cari»«»«': Wirtschaft: Artar Satrr»-,: Sewerkschaftibewraua«: Z. eiciaft; gcuilleton: St. 0. DIschrr: Lokale, und Eonsliaeo: geiz»arttädt: Anweisen: Td. locke; sämtlich in Berlin. Lerlaa' vor->itrI».BerIaa D. m. b. 0.. Berlin- Druck: Borwäiti-Buchdruckeret und B«rlaa,anftalt Paul Einaer u. So. Berlin SW 83, Liadenstrate 3. Hierzu 1 Seilage. 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Hierauf nahm die Verfamm- lung einen kurzen Aufklärungsvortrag des Bundesvertreters Gen. Dunkel über die Beteiligung an dem Kongreß in Amsterdam ent- gegen.__ Wohnungsbauten aus eigener Kraft. Am 29. November konnten wir von der Grundsteinlegung für «inen Häuserblock des Gemeinnützigen Beamtenwohnungsvereiu» in Spandau berichten. Genau einen Monat später, am 29. Dezember. wurde in Gegenwart von Borstand und Aussichtsrat des Vereins. künftigen Mietern und geladenen Gästen die Richtkrone aufgezoge» Nach altem Herkommen sprach der Polier von der Höhe des Baue» herab einen Weibespruch, auf den der Vorsitzende des Vereins. Genosse Scharfschwerdt, mit Dankesworten an die geschickten und fleißigen Bauarbeiter erwiderte. Bei einem anschließenden Bei- sammensein im Spandauer Ratskeller umriß Genosse Scharfschwerdt noch einmal in packenden Worten die furchtbare Wohnungsnot unserer Zeit. Eindringlich bat er die Behörden, der erfolgreichen Arbeit der auf wirtschaftliche Selbsthilfe beruhenden Baugenossenschast soweit wie möglich entgegenzukommen und ihr Streben nicht durch Ueber- spannung der Vorschriftm zu erschweren. 36 Wohnungen sind jetzt fertiggestellt, deren kleinste(eine geräumige Wohnküche, ein Zimmer von 21,5 Quadratmeter Größe, ein kleines Zimmer,«in Badezimmer, eine Loggia und elektrische Leitung) zum monatlichen Mietpreis von 38 M. abgegeben werden könne. Nach dem Plan der Genossenschaft sollen weitere 699 bis 799 Wohnungen gebaut werden, und zwar voraussichtlich in Lichtenberg, Tempel- Hof, Pankow. Nachmals wandte sich der Redner an die Behörden, von denen er weitgehende Förderung des gemein- nützigen Unternehmens erwartet. Nach seinen mit großem /Aufklärung eines Raubmordes. Ein Ehepaar nach B'/z Jahren als Täter ermittelt. Ein Raubmord, dem im Mai 1923 ein Landwirt und Fahrrad- Händler Willy Heymann au» Langen-Neuendorf im Kreis« Löwen- berg zum Opfer fiel, ist jetzt vollständig aufgeklärt worden. Am 15. Mai 1923 fanden Arbeiter aus Agnetendorf auf dem Herdberg zwischen Saalberg und Agnetendorf die Leiche eines Mannes, der erschlagen worden war. Der Tote wurde fest- gestellt als der L a n d w i r t H e y m a n n. Die Ermittlungen er- gaben, daß H. ein paar Tage vorher In Schönau gewesen war, um der Versteigerung eines Grundstückes beizuwohnen. Seitdem war er verschwunden. In Schönau hatte er ein Fahrrad mit ver- nickelten Speichen und einen Rucksack aus russischer Zelt- bahn bei sich gehabt. Diese wurden bei der Leiche nicht gefunden und kamen nirgends zum Vorschein. Heymann hatte, wie fest- gestellt werden konnte, über 399 999 M. im Rucksock gehabt, um unter Umständen das Grundstück kaufen zu können. Es lag ohne Zweifel ein Raubmord vor. Ein Verdacht gegen bestimmte Per- sonen bestand zunächst nicht. Im Laufe der Zelt aber geriet ein Ehepaar Töpper in verdacht. das in Hermsdorf am Kynast gewohnt hatte und bald nach der Tat von dort weggezogen war. Vor einigen Monaten wurden die Nachforschungen energisch wieder ausgenommen. Bon Berlin aus begab sich der Leiter der Mordinspektion, Kriminalrat Gennat. mit einigen Beamten nach dem Riesengebirge. Zu gleicher Zeit nahm in Berlin Kriminalkommisiar Johannes MüNer die Ermittlungen auf, weil das Ehepaar Töpper sich auch hier aufgehalten hat. Die Ermittlungen ergaben, daß Töpper, ohne im Besitz eigener Mittel zu sein, versucht hatte, Grundstücke zu oerkaufen, die ihm gar nicht gehörten. Es wurde weiter festgestellt, daß Töpper und Frau auch der Versteigerung in Schönau beigewohnt hatten. Dort hatten sie den kauflustigen Heymann kennengelernt. Sie boten auch ihm ein Grundstück an, das sie in den glänzendsten Farben schilderten, tranken mit ihm im Gasthof„Zum Kronprinzen" einige Glas Bier, erfuhren, daß er die große Summe in seinem Rucksack hatte und veranlahten ihn, mit nach Hermsdorf zu fahren. Dort trank man in der Wohnung des Ehepaares Kaffee, und Hey- mann übernachtete auch hier. Am nächsten Tage gingen die Ehe- leute mit ihm weg, angeblich, um das Grundstück zu besichtigen. Dann war heymann verschwunden, bi, er tot aufgesunden wurde. Nachdem die Ermittlungen im Riesengebirge und in Berlin erdrückendes Beweismaterial ergeben hatten, schritten Kriminalrat Gennat und zugleich Kriminalkommissar Müller in Frankfurt a. d. O., wo Töpper jetzt wohnt, zur Verhaftung der Eheleute. Töpper wurde nach Berlin gebracht, leugnete zunächst, gab aber in der vergangenen Nacht endlich zu, daß er Heymann erschlagen habe. Es sollte da» aber nicht in räuberischer Absicht, sondern im Streit geschehen sein. Wie Töpper sagt, gingen er und seine Frau, nach- dem Heymann bei ihnen übernachtet hatte, am nächsten Tage durch das„goldene Loch" nach dem angeblichen Grundstück zu. Unterwegs trat er an Heymann heran, daß er ihm für die Vermittlung eine Provision zahlen solle. Heymann habe sich geweigert. Darüber sei es zu einem Wortwechsel gekommen. Er, Töpper, habe die Selbst- beherrschung verlöten, sich plötzlich auf Heymann gestürzt und ihn mik dem Stock seiner Arau niedergeschlagen. Die Frau sei weggelaufen, er sei ihr dann nachgelaufen und habe Heymann liegen lassen. Von dem Geld im Rucksack wisse er nichts. Soweit das Geständnis Töppers. Seine Frau, die auf dem Grundstück ihrer Mutter auf dem Saalberg festgenommen wurde, sagte nichts von einem Streit, der der Ermordung Heymanns vor- ausgegangen sei. Sie gab zu, daß man das Fahrrad und den Ruck- sack in der Wohnung zurückgelassen hatte, als man den Weg nach dem Grundstück angetreten habe. Nach der Tat begaben sich die Eheleute nach dem Saalberg zurück, tranken bel der alten Frau Heinze Kaffee und fuhren dann mit der Straßenbahn wieder nach ihrer Wohnung in Hermsdorf. Nach drei Tagen begaben sie sich wieder nach dem Saalberg, wo Heymann unterdesien toi aufgefunden worden war. Frau Töpper brach endlich unter der Last des veweismalerial, vollständig zusammen und legte ein umfassendes Geständnis ab. Sie sagte, daß sie um die 399 999 Mark, die zu der Zeit gerade ein Brot und ein Pfund Butter wert gewesen seien, schon viele schlaflose Nächte gehabt habe. Schon ein paarmal habe sie die Absicht gehabt, sich der Polizei selbst zu stellen. Die Frau wurde nach dem Amtsgerichtsgefängnis in Hirschberg gebracht, der Ehemann Töpper wird von Berlin aus auch dorthin transportiert werden. Ein Bruder der Frau stand im Verdacht der Mittäterschaft, ist aber vollständig entlastet und wurde bereits wieder entlassen. Festgestellt wurde noch, daß Töpper den Rucksack, aus dem er das Geld an sich genommen hatte, verbrannt hat. Das Fahrrad machte er dadurch unkenntlich, daß er die ver- nickelten Speichen schwarz anstrich. Er verkaufte es dann nach der Tschechoslowakei und brachte dafür tschechisches Geld mit. wieüer zwei Streckenarbeiter getötet. Gibt es kein Mittel, diese Unfälle zu verhüte«? Ein folgenschwere» Unglück, bei dem wieder zwei Strecken- arbeiter den Tod fanden, ereignet« sich heute vormittag kurz vor �19 Uhr auf der R i n g b a h n st r« ck« zwischen den Bahnhöfen Jungsernheide und Beusselstraß«. Ein« Rotte von fünfzehn Mann war in unmittelbarer Nähe der Bahnunterführung Keplerstraße am Bahnhof Jungsernheide mit Gleisausbesierungs- arbeiten beschäftigt. Um 9,21 Uhr nahte vom Lehrter Bahnhof kommend, der Fernzug 292 X nach Altona und überfuhr den 45jährigen hilfsrotlensührer Ernst Zlpter au» der Schönhauser Allee IIS und den glelchallerigeu vahnunlerhaltungsarbeiter Paul Sirfte aus der vellermannstr. 17. Zipter wurde auf der Stelle ge- tötet. Auch Kirfte wurde so schwer verletzt, daß bereits auf dem Transport nach dem Westender Krankenhaus der Tod«intrat. Beide Leichen wurden beschlagnahmt und dem Charlottenburger Schauhaus zugeführt. Von der Reichsbahndirettion erfahren wir zu dem furchtbaren Unglück noch folgende Einzelheiten: Auf der Ringbahn- strecke Beusselstraß«— Jungsernheide waren eine Rotte von fünfzehn Arbeitern an der Gleisausbesserung beschäftigt. Von Beusselstraß« her nahte«in Ringbahnzug, der von dem ausgestellten Posten vor- schriftsmäßig signalisiert wurde. Gleichzeitig nahte auf dem danebenliegenden Ferngleis der Personenzug 292�, der von Berlin nach Altona fährt. Auch dieser Zug wurde von dem Posten durch Hornsignale angekündigt. Zwei Arbeiter, die das zweite Signal nicht beachteten und das Herannahen des Fernzuges bei dem sehr unsichtigen Wetter nicht bemerkten, traten auf das Ferngleis, um den Ringbahn,zug passieren zu lassen. Dieser Irrtum wurde beiden zum furchtbaren Verhängnis. Sie wurden von dem heran- brausenden Fernzug erfaßt und überfahren. Zipter war sofort tot, während Kirfte so schwere äußere und inner« Verletzungen erlitten hatte, daß er bereits auf dem Transport nach dem Kranken- haus starb. Dieses Unglück erinnert an den Vorfall, der sich vor etwa vierzehn Tagen auf der Anhalter Strecke ereignete, wo gleichfalls zwei Arbeiter auf ähnliche Art den Tod fanden. Man kann sich des Ein- drucks nicht erwehren, daß die Vorsichtsmaßnahmen der Reichsbahn unzuverlässig sind und ganz unvollkommen funktionieren. Wohltätigkeitsreklame. Man schreibt uns: Da»„Rote Kreuz" ist dafür bekannt, daß es in Sachen Reklame merkwürdig großzügig denkt: in frischer Erinnerung ist besonders noch die Affäre des„Samaritermanövers", das in diesem Sommer einem Knaben das Leben kostete. Man sollte meinen, daß dies« Organisation nun wenigstens für eine Weile darauf verzichten würde, Kinder in den Dienst ihrer Reklame zu stellen. Aber weit gefehlt— unbekümmert um Kinderschutzgefetze und ähnliche unbequem« Dinge ging der„Vaterländische Frauen- verein", eine Berliner Filiale des„Roten Kreuzes", sogar dazu über, das Reklamebedürfni» einer Berliner Firma dadurch zu unter- stützen, daß er mit seinem Namen die Schaustellung lebender Kinder im Schaufenster deckte. Drei Stunden täglich arbeiteten acht- bis zwölfjährig« Kinder in einem Schaufenster der City Reklamepuppen: der Erlös au» dem Verkauf dieser Puppen sollte ganz dem Vaterländischen Frauenverein zugute kommen, und die Firma hatte damit ein« lebend«, äußerst zugkräftige Weihnachts- reklame. Es bedurfte erst des Einschreitens der Fürsorgerin der Berliner Polizei, und die Herren der Firma waren sehr erstaunt, daß es selbst mit Hilfe des„Roten Kreuzes" nicht ohne weiteres gestattet sei, sich über unbequeme Gesetze hinwegzusetzen. Die schöne gemütvolle Reklame fand so ein plötzliches Ende. Das„Rote Kreuz" aber dürste doch gut daran tun, endlich einmal einzusehen, daß die Zeit, in der„Beziehungen" über alle Schranken weghalfen, end- gültig vorbei ist._ Arbeiten der Jüngste«. Weltlich« Schule Neukölln, Kaiser-Friedrich-Straß« 4. Am Eingang grüßt, gleichsam als Symbol des Ganzen, eine Landschaft mit zwei mächtigen Tannen, betitelt: S ch ü l e r h e i m. Der Wunsch der kkeinen Aussteller geht nämlich dahin, vom Erlös der verkauften Arbeiten den Grundstock zum Bau eine Ferienheimes zu legen. Den Treppenaufgang entlang weisen kunstvolle Wegweiser den Eingang zum Ausstellungsraum. Die Spitzenleistungen der dritten Klasse sind hier zur Schau gestellt. Nichts, was auf schulmäßig korrekte Linien- und Farbenführung hinzielt, sondern alles„frei" nach Thema und Gestaltung. Keine der üblichen, sauber gezirkelten, süßlichen Stilleben mit Blumentopp und der üblichen Obstgarnitur. Das elterliche Wohnhaus, der groß« schmuck- und lichtlose Hof mit dem typischen Baum, der nicht leben und nicht sterben kann und in all seiner Dürftigkeit trotzdem ein Stück Natur vorspiegeln soll. Vaters Arbeitsstätte, die Fabrik mit Ruß, Qualm, und vor allem, in allen möglichen Gestaltungen die Eisenbahn, das A und B der Knabenphantasie. Solch kleiner Künstler quittierte das gespendete Lob folgendermaßen:„... Ich seh' die ganze Fabrik in eine Rauch- und Dreckwolke gehüllt, und dann nehme ich alle Farben, bis es so richtig verqualmt und verschmiert aussieht." Die trübe, bleierne Atmosphäre all dieser Proletariergegcnden wird hergestellt, indein man über das halbgetrocknete Bild nochmals Farbe aufträgt. Vieles ist überraschend gut in Stimmung und Farbe. Neben all den grauen Häuserblocks dann zarte Landschaften, das große Sehnen aus der freudlosen Gasse in die schöne, lichte Natur. Außer der Malerei gibt es noch Tierplastiken, Buchbinder- arbeiten in Form von Kalendern und Bucheinbänden. Die Mädchen verfertigen Flechtarbeiten und andere nette Kleinigkeiten. Die Nach- frage ist rege, Kalender waren gleich am Eröffnungstage ausverkauft und wurden mit fieberhafter Eile wieder ergänzt. Die Preise be- wegen sich zwischen 19 Pf und 1 M., außerdem hat jeder Käufer ein gewisses Recht, den Preis selbst zu bestimmen. Generalversammlung der Arbeitersamariter. Kürzlich hielt die Berliner Kolonne des Arbeiter- Samariter- Bundes ihre Jahreshauptversammlung in Haberlands Festsälen ab. Der Vorsitzend« gab einen ausführlichen Geschäftsbericht, erwähnt« den Aufbau der Kolonne und bemerkte, daß sogar die Geschäfts- stelle vergrößert werden konnte. Er sprach von der staatlichen An- erkennung und bezeichnete die stattgcsundene Reichsgesundheitswoche als gut gelungen. Zur Erledigung der Arbeiten waren 27 Vor- standsfitzungen und 13 Ausschutzfitzungen erforderlich. Es waren Beifall aufgenommenen Worten erging sich der preußische Landtags- abgeordnete Genosse Heinrich Müller in sehr interessanten und fesselnden Ausführungen über die Bedeutung derHauszins- ft c u e r. Diese Steuer, meinte der Redner, könne und werde b e i richtiger Verwendung imstande sein, zur Beseitigung des Wohnungselends beizutragen. Denn es wird mit ihr aus den Mitteln der Allgemeinheit gesteuert und für die Allgemeinheit müssen auch die Mittel verwertet werden. Diesen gleichfalls mit großem Beifall auf- genommenen Worten folgte dann eine von gesundem Optimismus getragene Ansprache des Baumeisters der Genossenschaft, Fengler. Weihnachtsgeld für städtische Landarbeiter. Die Berliner Stadtgüter G. m. b. H. hat in ihre? heutigen Aufsichtsraissitzung beschlossen, allen Arbeitern und Angestellten der städtischen Güter und ihrer Neben- betriebe eine einmalige Unterstützung in Höhe eines Wochenlohnes bzw. des vierten Teiles eine Monatsgehaltes zu ge- währen. Unser Genosse Siegsried klindt, Pankow. Breite Str. 19, der. wie wir heute bereits mitteilten, von einer Mrtax erfaßt worden war und mit dem Kopf auf das Trittbrett eines Straßenbahnwagens so unglücklich aufschlug, daß er besinnungslos liegen blieb, ist leider heute vormittag um 11 Uhr im Pankower Krankenhaus, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben, verstorben. Die Leiche ist zunächst von der Polizei beschlagnahmt worden. Mit ihm ist ein Genosse hingegangen, der kein« Feinde hatte und ollen ein Vorbild in unermüdlicher Kleinarbeit war.. o Wintersport- Sonderzug nach dem Schwarzwald. Di« Eisenbahn-\ Verwaltung läßt zu Weihnachten einen Sonderzug von Berlin über Frankfurt nach dem Schwarzwald laufen, der am 23. Dezember nachmittags gegen 6 Uhr den Anhalter Dahnhof in Berlin verläßt und aus anderen Gebieten unterwegs noch Zubringezüge hat. Er erreicht in bequemer Nachtfahrt den Schwarzwald etwa um die Mittagszeit. Die Heimfahrt kann innerhalb zweier Monat« mit beliebigem Zitge angetreten werden. Di« Er- Mäßigung von 33 Proz. wird durch dies« Zeitgewährung wertvoller. Einsturz einer Fabrik. In Philadelphia ereignete sich in einer Zuckerwaren- f a b r i k ein schweres Unglück. Ein großer Wasserbehälter IrachdurchdasDach der Fabrik, tötete zwei Personen und begrub über zwanzig Angestellte unter den Trümmern. Der Wasserbehälter schien, als er das dritte Stockwerk erreichte, in seinem Sturz einen Augenblick gehindert zu werden, durchbrach dann aber auch die übrigen Stockwerke und stürzte in den Keller. Dreihundert Feuerwehrleute und Polizeibeamte sind bei den Bergungsarbeiten beschäftigt und haben bereit» sieben V e k- letzte aus dem Keller ans Licht geschafft. Sechs Todesopfer beim Stanwcrksbau. Bad Em». 21. Dezember.(WTB.) Am Montag ereignet« sich bei den Arbeiten am neuen Stauwerk an der Lohn zwischen Dau- senau und Bad Ems ein schweres Unglück, dos sechs Menschenleben forderte. Eine D a m p s r a m m e, die aus zwei Pontons befestigt war, sollte den Fluß herausgezogen werden. Dabei lies der«ine Ponton infolge der reißenden Strömung der Lahn voll Wasser, so daß die Dampsromme ins Wasser rutschte. Von den acht auf dem Floß befindlichen Arbeitern tonnten sich nur zwei retten, die anderen verschwanden in den Wellen. Die Ver- unglückten sind erst vor kurzer Zeit eingestellt worden und bi» auf zwei Familienväter. Es gelang bis jetzt noch nicht, die Leichen zu bergen. Schreckenstat eines Wahnsinnige». Wien, 21. Dezember.(TU.) Der in einem Hotel in Reichenau wohnende ägyptische Arzt Dr. Risfad Bey zerriß in einem Anfall von Geistesgestörtheit seine gesamte Barschast an englischen Banknoten in kleine Stücke. Als ihn seine Frau daran hindern wollte, zerschmetterte er ihr mit einem Dachziegel den Kopf. Er selbst stürzte sich aus die Straße und erlitt so schwere Ver- letzungen, daß er kurz darauf starb. WffluMliföaitfedole Klcdf-Wclt. Neukölln, uergar. Ober 1990 Paar am Lager BaumwoUe,»eh war* u. farbig. 0 60 Mako, schwär* u. farbig... 0.90 la Seldenflor.«chwar» u. farbig 150 I a Seldenflor. stark, seh w.. färb. 2.— Kunstseide, Restposten,.. 0.95 Dauerseide, alle Farben.» 2.15 KaschmltwoIIe....... 2.25 Oberhemd, wtlfi...... 4.-5 Oberhemd. 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