Morgenansgave(10 Pfenni9: Bezugspreis. A Anzeigenpreise: Wötenlll» W üfrnnui. m-naiNH � Die,>» I o a I« I a» Ronvirrkille- I. ji-ich-mar! ooraus«odldar. V M'(eile 80 Plennia Rekwme»-ile Unlft RteuAbanö füx Seutldllan#, MWÄW>s( UM/.. A- UM B,- 3fci(tl9mart.«Hin» flnjfiacii' SXWK« oaat. und Scinttaebiet. HM�WZVVi BMI A\ A. Av H das fetiorbrudn ffion 25 T�rnnia Oeflumd) Citouen Luikmdur, B- MBI �fsrr.I.J� tM.nrhVnrf r IJO-RfiAsmarf. für da, ttbr.« H l HB Hs W>�><,ulaMa ,w.,'.ttakdruck', W-rd-,. Sualand 5L0 Zieickamari uro Monat. I!�W tK gj n � �0r n JJ-t »,._.,... H BB n V)■ Ea ÜB[h H BS l_C« �Br�� 15 Pk'nnia lebte weitere Wort len Sanittasabeilafl«.«oll und aeit* ls�W SB S H Bf fl| ffi I H to Piennia. Worte llber 15 Vu». towie den Beilaaen.Unterdaliuna y�B I I HW BB|H W» BS DB BD BD DB IB Hl»oben»adlen für ,we>«orte. «no Wissen'.Aua der iiilinwelt'.- WD I SW Mi BBl BBlV Ma.N BW IM! WM H| BD Arbeitamarkt Reile»0 Psennia. .ffrouenllimme'.Der»inder- RW I DW MJs �Ni WHkk'IKL. J�KV DM �W�WD ikamilienan,eiaen iitr Abonnenten treund'.Zuaend-Lorwärta' und WA I W»! 9�-� �EBz'WBFVW/' �Bi 7/ Hl• Reite«L Piennia. »Blick in die Bilcherwelt- erscheint I HWMX JE&./ 8�— osdienlitnliA«mcimal. Scnnwas KkÄ«.ueioen wr die nZ«». Nummer und Montana..-mal. �WDW� müssen bia«'b Uhr no»mit»aaa im jässsä.- Dcvltltcv t SuäHSs Zcntraloman der Sozialdemokratifchen Parte» Deutfchlands KcdaEtiDD und Verlag: S erlin EW. HS, Linöenstraße 5 Fernsprecher: Tönhoff 292-297. Varl«, 22. Dezember.(Ctg. Drahtbericht.) Auf der Rechten hat Sa» Landauer Urteil twchüllte Verlegenheit, auf der Linien heftigenProtest ausgelöst. Hier zeigt man sich besonders über die lebhajte' Entrüstung b e u n r u h i g t. die der Urteilsspruch in der Lsfentlichen Meinung Deutschlands hervorgerufen hat und über die «venluellen Rückwirkungen, die das auf die kaum begonnen« B-rftändigungspolitit zwischen den beiden Völkern haben könnte. Da»„Oeuvre' hat breits am Mittwochmorgeu das Landauer Urtell als verbrecherisch gekennzeichnet. In der Zlbendpresse der Linken vom Mittwoch ist der Ton noch schärfer. Das neue grofje Linksorgan ,£e Svir" erklärt. das Urteil werde sicherlich zum europäische« Frieden nicht beitragen: man fiirbe in ihm weder Sinn für Gerechtigkeit noch für ver- «ünitige Politik. Wieder einmal mehr Hab« ein Kriegsgericht gezeigt, daß es unfähig sei. die Dinge anders als durch die militärische Brille zy sehen: das Landauer Gericht Hab« gar nicht den Sinn des Drama» ve-standen. worüber es zu richten hatte, noch sich über die Schlüsie Rechenschast gegeben, die man aus feinem Urteil irgendwie ziehen könnt«. Es sei besonders gefährlich und charakteristisch, daß sogar der Regierungskommissar sich gegen jede Ent- s p a n n u n g der deutsch-sranzösischen Beziehungen aussprechen zu müsien glaubte: er habe diese Entspannung nämlich als die Ursache der Landauer Schießerei hingestellt.s!) Ohne Zweifel, schließt dos Blatt, hat da« Landauer Kriegsgericht eine verhäng- nisvolle Rolle in bezug auf den europäischen Frieden gespielt, indem es noch sieben Jahr« nach demWaffen still st and Kriegsziele verfolgt. In bitterer Ironie äußert sich der„Poris Soir':„Welch präch. tiges Urteill Wie glänzend beweist es. daß sich nichts an dieser wunderboren Institution geändert hat, die man Armee nennt. Was überrascht uns eigentlich an dem Urteil? Da- Kriegsgericht hatte mehrere Angeklagte, einen französischen Offizier und mehrere deutsch« Zivilisten, abzuurteilen. E» hat den Offizier freigesprochen und die Zivilisten verurtellt. Entspricht das nicht ganz der Tradition und dem Brauch? Man hält uns entgegen, daß das Urteil in- opportun sei und das Dersöhnungswerk der Staatsmänner der beiden Länder zu stören riskiere. Man laste uns doch in Ruhe mit solchen Redensarten. Ist es die Roll« eines Kriegsgericht«, Frieden zu stiften?' Der deutsch« Botschafter hat bereits am Mittwochmorgen im Alißenministerium vorgesprochen und über die lebhaste Eni- rüstung Mitteilung gemacht, die das Landauer Urteil in Deutsch- land ausgelöst hat. Es hat gleichzeitig auf die gefährlichen Folgen hingewiesen, die ein derarttger Zustand für die vernünftige Ent- Wicklung der deutsch-sranzösischen Verständigungspolitik haben könnte. Es ist anzunehmen, daß in allerkürzester Zeit die soziall. stisch« Fraktion eine Interpellation über dos Urteil in der Kammer einbringen wird. Das Telegramm des Vorstandes der deutschen Sozialdemokratie an die französischen Sozialisten ent- spricht vollkommen deren eigener Auffastung. vie Revisionsmöglichkeiten. Ueber die Reolsionsmöglichkeiten des Landauer Fehlspruch«» sind, wie au» verschiedenen deutschen Presiekommen» taren hervorgeht, irrtümliche Ansichten verbreitet, die auf mangelnder Kenntnis des französischen Strafrecht» beruhen. So wird im„Berliner Tageblatt' die Erwartung ausge- sprachen, daß der Anklagevertreter Berufung gegen den Kurswechsel in polen! Tic Bedeutung des sozialistischen Nongrcßbeschlnsses. Zu unserer Drahtmeldung über den Parteitagbeschluh der polni- schen Sozialisten— Opposition mit dem Ziele: Unzwandlung der Re- gierung erholten wir noch folgende Erläuterung unseres War- schauer Berichterstatters: Aus der Resolution geht mit aller Deutlichkeit hervor, daß die Vertreter des sogenannten Parteizentrums sowie die An- Hänger Dilsudski» immer noch die Mehrheit haben, odzwar die breiten Arbeitermassen zweifellos zu der radikalen Minderheit stehen, die Pilsundski und der gegenwärtigen Regierung gegenüber ollerschärsste Opposition einnehmen will. Da die Partei ihren Standpunkt vor Wahlen sicherlich einer Revision wird unterziehen müssen, ist der gestrig« Beschluß daher als ein« Aufforderung an die Regierung zu beurteilen, der die Soziallsten noch einmal ih« Mitarbeit anbieten, falls sie von Ihrem bisherigen antiporlamentarischen und asozialen Kur» abzuschwenken bereit wäre. In der sozialistischen Partei hält man«ine solche Schwenkung für durchaus möglich: hierfür soll sich Staatspräsident Moscicki einsetzen, der unlängst ein« länger« Unterredung mtt dem Abgeordneten Genosien Dr. D! a ma n d gehabt hat Jen anderen Fall«, so läßt die Resolution durchblicken, würde die PPL. olles aufbieten, um der Regierung«in« ge- Donnerstag, den 23. Dezember 19*46 Freispruch Rouziers einlege. Dos ist leider n i ch t m ö g l l ch. Das französische Strafrecht— sowohl das zivile wie das militärische— kennt kein B e r u f u n g s r e ch t für den Antlageoei:. t r e t e r. Ein Freispruch ist»mmer endgültig. Das ist in diesem Fall zweifellos sehr bedauerlich aber im allgemeinen liegt darin ein starker Schutz für den Angeklagten gegenüber dem Staatsanwalt. Das Berufungsrecht steht nur dem Derurteilten zu. Leider sind die Berufungsmöglichkeiten in der Militär gerichtsbarkett beschränkt. Eine zweite Instanz gibt es nicht. Rur der Kasfationshof in Paris kann ein Urtell wegen Formfehler — ähnlich wie in Deutschland das Reichsgericht in Leipzig— aufheben und an ein neues Kriegsgericht zurückverweisen.(Das würde aber in diesem Falle nur für die deulschen Angeklagten gelten, nicht für den freigesprochenen Rouzier.) Im Fall« des General» von R a i h u s i u s, der im November 1324 vom Kriegsgericht in Lille verurteilt worden war. war zunächst Revision eingelegt worden. Do aber die Unschuld des Generals offenbar war und da die Begnadigung eines Verurteillen nur möglich ist, wenn«in Urteil rechtskräftig, d. h. endgültig ist, kamen di- deutsch« und die französische Regierung damals darin überein, ÜMHusius zu bewegen, aus die Revision zu verzichten, woraus die Begnadigung sofort durch den Präsidenten Doumergu« auf Anraten von Herriot erfolgte. Es muß nun die Frage geprüft werden, ob es nicht zweckmäßig wäre, ähnlich wie damals zu verfahren und sich darüber mit der französische» Regierung zu oerständigen Denn es ist kein Zweifel daran, daß das Kriegsgerichtsurteil von Landau B r i o n d min- besten, ebenso peinlich Ist. wie das Kriegsgerichisurteil von Lille Herriot unangenehm berührte. Ein nachträglicher Verzicht auf Revision bei gleichzeitiger Begnadigung der Deutschen wäre vielleicht das Zweckmäßigste, da eine Umstoßung bes Freispruchs von Rouzier leider doch nicht möglich ist. Und was die Ehre der verurteillen Germersheimer betrifft, so kann sie durch ein französisches Kriegsgerichtsurtell nicht befleckt werden, sie braucht also auch nicht reingewaschen zu werden. ve Marzerie bei Stresemaan. Der Reichsaußenminister empfing am Mittwoch den fron- zösischen Botschafter in Berlin, den er auf die ollgemeine Entrüstung des deutschen Nolles über das Landauer Urteil und aus die sich hieraus ergebende» Gefahren für die Berständigungs- Politik aufmerksam machte. Der fianzösische Botschafter erstattete daraufhin sofort Bericht an das Auswärtige Amt in Paris. ver Protest beim öesatzungskommanöo. Koblenz, 22. Dezember.(WTD.) Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Boischoster Freiherr Langwerih von Simmern. hat heute dem Stellvertreter de» hiesigen französischen Oberkommandos gegenüber die tiefe Erregung der Bevölkerung des be- setzten Gebiets über das Urteil von Landau zum Ausdruck gebracht und die Besorgnis ausgesprochen, daß dieses Urteil die von den L o c a r n o- Mächten versoigte Politik der Berständigung und Befriedung in beklagenswerter Weis« beeinträchtigen konnte. Im gleichen Sinne hat sich der Reichskommissar telegrophisch an den in Paris weilenden Präsidenten der Interalliierten Rhein- landkommisiion, Tirard, gewandt. schlössen« Front sämtlicher sozial! st ischen und demokratischen Parteien entgegenzustellen. Blutiger Kampf zwischen Arbeitern und Polizei. Warschau, 22. Dezember.(WIB.) In Dzwiniacz in Ost- galizien kam es gestern mittag zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Arbeitern einer dortigen Erdwachsgrub«. Die Arbeiter, die wegen Lohnstreitigkeiten schon seit Monaten streiken, verlangten die Stillegung der Grube, die vor einigen Tagen durch neue Arbeiter in Betrieb gesetzt worden war. Als dieses Begehren abgeschlagen wurde, rüsteten sich die streikenden Arbeiter, nachdem ste sich mit Stöcken, Eisenstangen und Steinen bewaffnet hatten, zum Sturm auf die Grube, die sie v e r n o g e l n wollten. Bald entspann sich zwischen zum Schutze der Grubenein- richtung herbeigeetller Polizei und den Arbeitern, ungefähr 1S0 Mann, ein regelrechter Kamps. Als sich nach einiger Zell das U e b e r g e w i ch t aus die Seite der Arbeiter neigte, die bereit» in da» Gebäude einzudringen begannen, mochte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch und zerstreute die Meng«. Ins- gesamt wurden bei den Zusammenstößen aus beiden Seiten drei Personen getötet, fünfzehn schwer, und zwanzig leicht oerletzt. Dieser Darstellung sieht man sosort das Bestreben an. di« Polizei zu»ntschuldigenl vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. H8, Linöenttr.Z Boftlchretanla- Serlia I? 58»- Banttoata: Baal»er Arbeiter. Aaaegeltea aa» BeaaUea vaBItr. 55. Viakaata-Selellchatt De»»iitenlasle iiadenitr.». Tschechischer Militarismus. Friebenspolitlk und Aufrüstung. Prag. 21. Dezember. Die Rüstungsarbeit des tschechischen Militarismus wird begleitet von den Friedens- und Abrüstungsreden des Herrn Dr. B e n e s ch. Der tschechoslowakische Außenminister hat es verstanden, sich einen Namen als aufrichtiger Friedens- freund zu machen, aber auch den Glallben zu erwecken, der von ihm vertretene Staat sei selbstloser Förderer des Ad- r ü st u n g s gedankens. An der Friedensliebe des tschecho- slowakischen Außenministers ist nicht zu zweifeln. Aber die Außenpolitik der Tschechoslowakei ist zwiespältig, ist ebenso von modernen, wie von vorkriegsdiplomatischen An- schauungen bestimmt, ist zugleich Friedens- und Macht- Politik, und so kann es nicht anders sein, als daß diese Außen- jjolitit ergänzt wird durch eine die Kräfte des Staates aufs äußerste anspannende Militärpolitik. Zwiespältig war von allem Anfang an die tschecho- slowakische Außenpolitik; sie war Völkerbunds- Politik, wollte also Durchsetzung eines neuen, friedlichen Geistes in Europa, des Geistes der Verständigung und der Zusammenarbeit, ober sie war'"zugleich angepaßt der Ausrechterhaltung der Vorherrschaft Frankreichs in Europa, war Bündnispolitik, war Politik der bewaffneten Bereitschaft für den Fall anderer als friedlicher Methoden. war Politik im Dienste Frankreichs und der eigenen anti- deutschen Tradition und sollte aus der Tschechoslowakei einen wichtigen Eckpfeiler im Wall gegen das„germanische Meer" machen. So war denn die Tschechoslowakei, die eben erst entstanden war im Kampfe gegen die alten mitteleuropäischen Militärstaaten, von den ersten Stunden ihres Werdens an schon darauf bedacht, sich ein starkes Heer zu schaffen. Und Frankreich half dabei. Französisches Kriegsmaterial wurde bezogen in jenen Tagen, da die eigene Waffeninduftrie noch nicht auf der Höhe war, Frankreich lieferte abgelegte Flug« zeuge und stellte Generalstäbler zum Aufbau der tschecho- slowakischen Ärmee bei.. Seither ist die politische Situation in Mitteleuropa ein wenig anders geworden. Mit der Berständigung zwischen Deutschland und Frankreich hat der antigermanische Wall an Wert verloren. Die Wirtschafts- entwicklung wies die Tschechoslowakei immer nachdrücklicher auf gutnachbarliche Beziehungen zu Deutschland hin. Kon- flikte mit Deutschland hat es übrigens nie gegeben. Und doch: man wird ein geheimes Bangen vor dem Wiederaus- stiege Deutschlands nicht los. Die Tschechoslowakei hat doch dreieinhalb Millionen— trotz deutschen Ministern!— mit ihrer Stellung im Staate unzufriedener, mit dem Staate nicht ausgesöhnter Deutscher. Und hat dreiviertel Millionen Magyaren und ein die Amputationen der Friedensverträge nie vergessendes Ungarn als Nachbarn. Das einzig wirksame Rezept, die Minderheitsoationen durch weitgehende Selbst« Verwaltungszugeständnisse an den Staat zu binden, will man nicht befolgen— den Nachbarn traut man nicht, den Staats- angehörigen traut man nicht, die ganze Bündnisreihe von Frankreich bis Rumänien hat an Aichcrungswert viele ver- loren— so erscheint denn den Chauvinisten und Militaristen das gewaltige Heer als einzige Bürgschaft der Unantastbar- keit des Staates. Dieses Heer kann sich schon sehen lassen! Hundertzwanzig- tausend bis Hundertvierzigtausend Mann, allgemeine Wehr- Pflicht bei achtzehnmonatiger Dienstzeit, modernste Aus- rüstung,— käme es auf die Armee an, dann könnte der Tschechoslowakei wirtlich nichts mehr geschehen. Fest ein- genistet scheint sich in den Köpfen der Militaristen der Glaube zu haben, daß es irgendwie und irgendwann doch einmal zum Kriege kommen müsse. U d r s ch a l, der Minister für nationale Verteidigung, hat erst vor kurzem im Parlamente prophezeit, daß es im Ernstfalle nicht bloß eine Mobilisierung der Armee geben werde, sondern, daß der ganze Staat, daß die gesamte Bevölkerung mobilisiert werden müsse. Um die Bevölkerung vorzubereiten, genügt die militärische Ausbildung der Assen- tierten nicht. Ein Gesetz, das diegesamte männliche Jugend vom achtzehnten Lahre an zur mili- tärischen Vorbereitung oerpflichtet, ist im Werden, und wird wahrscheinlich auch beschlossen werden. Dann erst, wenn es in Kraft und wirksam geworden ist, dann erst wird die Dienstzeit oerkürzt werden, aber nur für die Infanterie! Das Auffüttern des tschechischen Militarismus hat bis jetzt achtzehn Milliarden gekostet. Im Budget für 1927 ist zwar der Voranschlag des Verteidigungsministcriums auf 1409 Mil- lionen herabgesetzt worden, aber da» ist nur ein Täuschungs- Manöver, denn gleichzeitig wurde ein Rüstungsfonds gefchaf- fen, der für elf Jahre je 315 Millionen für die Anirbaffung von modernen Waffen sichert. Dieser besondere Rüstungs- fonds wird nicht hindern, daß in den nächsten Iahren das Verteidignngsministerinm neue Bedürfnisse de» Heeres ent» deckt und ein« Erhöhung dr» normalen Budgets fordert. D�efe stark«. woh'm>sgerüstete Armee hat natürlich auch wesentliche innere Wandlungen durchgemacht im pariser Proteste gegen tanöaii. Sozialistische Interpellationen angekündigt. Laud ihres Werdens. Als die Armee geschaffen wurde, gab es keine Grußpflicht, nannte der Soldat den Offizier„Bruder", durften die Offiziere außer Dienst keine Waffe tragen. Das, was man die demokratischen Kinderkrankheiten der Armee nennen könnte, ist längst ausgemerzt worden. Längst schon sind die Offiziere zu einer besonderen Kaste in der Armee geworden, die nicht mehr die Brüder der Soldaten, sondern ihre gestrengen Borgesetzten sind. Und doch: selbst wenn man sich ganz auf den militari- stischen Standpunkt stellt, wenn man ihre Rolle in einem etwaigen Krieg überprüft, erscheint einem dies« groß«, starke Anne« als kostspieliger und doch unbrauchbarer Luxus. Wenn es zu einem Kriege käme,— wie wollte die Armee die ungemein langgezogenen Grenzen, diese unmöglich zu ver» teidigenden Grenzen halten? Es ist kein landesverräterischer Gedanke, der hier ausgesprochen wird(man kann in der Tschechoslowakei f a st so leicht wie in Deutschland„Landes- Verräter" werden), sondern der tschechische Sozialdemokrat M o d r a c e k hat in einer Broschüre, in der er die N e u t r a- litätserklärung der Tschechoslowakei fordert, auf diese Schwierigkeiten der Verteidigung aufmerksam ge- macht. Auch Lloyd George hat einmal gefragt, ob denn die Tschechoslowakei im Kriegsfalle sich mit ein paar Armee- korps im Böhmerwalde festrennen wolle.— Aber der Minister für nationale Verteidigung hat im Parlamente seinem Er- staunen darüber Ausdruck gegeben, daß Modracek von der Neutralität zu reden wagte. Argumente der Politik und der Wirtschaft, der Strategie und der Geographie, die alle gegen den tschechoslowakischen Militarismus sprechen und eindringlich genug sagen, daß die Tschechoslowakei auf unbedingte Friedenspolitik angewiesen ist, weil ihr jeder Krieg verderblich werden müßte, versagen. So wie die Bourgeoisie Deutschlands, wenn sie nur die Möglichkeit dazu hätte, aus der Reichswehr wieder ein großes Reichsheer zu machen, so will die tschechische Bourgeoisie ihre Armee immer größer, immer stärker, immer schwerer bewaffnet haben. Noch lange wird sich der Welt das schöne Schauspiel der Arbeitsteilung zwischen dem tschechoslowakischen Außen- minister und dem tschechischen Kriegsminister bieten,— der «ine wird mit rührungbebender Stimm« von den S e g- nungen der Abrüstung schwärmen, der andere vom Parlamente neue Riesensummen für die Armee fordern.... Reichsetat 1927. Konflikt zwischen Reichsregiernng und ReichSrat. Später als im Vorjahr wird der neue Relchsetat für 1027 dem Reichstag zugehen. Erst am Mittwoch hat der Reichs- i-ot ihn oerabschiedet, so daß der Reichetag ihn kaum vor Anfang Sanuar erhalten wird. Liese Verzögerung ist sehr bedauerlich. Sie gefährdet die rechtzeitige Verabschiedung des Etats durch den Reichstag vor dem 1. April, die im Jahre 192? zum erstenmal hat durchgesetzt werden können. Der wichtigste Grund für diese Verzögerung sind die Meinungsverschieden- Helten zwischen der Reichsregierung und dem Reichsrat, die wahrscheinlich dazu führen, daß in wichtigen Punkten dem Zieichs- tage Doppelvorlagen von der Reichsregierung und dem Reichsrat Unterbreitetwerden. Der Etatentwurf der Reichsregierung balanciert +* Einnahme und Ausgabe mit 8474,5 Millionen, gegenüber 8428,7 Millionen im Jahre 192ö. Innerhalb des Gesamtbetrages ober ist eine größere Verschiebung eingetreten. Di« Ausgaben und Einnahmen des ordentlichen Haushalts sind gegenüber 1S2S um 409.6 Millionen gestiegen, die Ausgaben und Einnahmen des außerordentlichen Haushalls dagegen um 363,8 Millionen gesunken. Gegenüber dem Jahre 1926 ist infolgedessen nur eine Mehrbelastung von 4S,8 Millionen«ingetreten. Von der Gesamtbelastung de« Reiche« entfallen 7965 Millionen «uf die ordentlichen Ausgaben, und zwar auf folgende Zwecke: Steuerüberweisung an Länder und Gemeinden 2644,9 Mil- Aahlabenö in Paris. Part«, Mille Dezember 1926. Ein winziges Restauram in einem Pariser vrrondistement— es zählt gerade süns Tische— hat anschließend einen kleinen ver- sammlungssaal von etwa gleicher Größe. In diesem Sälchen finden alle zwei Wochen die Zusammenkünfte einer Sektion der soziall- stischen Partei statt. Pari» zählt zwanzig Arrondistements, also zwanzig sozialistische Sektionen und etwa zwanzig Sälchen. Der letzte Mittwoch war besonder» wichtig. Jede» der siebzig Sektionsmitglleder halle eine besondere Einladung in» Hau, ge- schickt bekommen, während im allgemeinen nur ein Hinweis auf die Sektionssitzung im Dersammlungsanzeiger de» wöchentlich er- scheinenden Pariser Soziallstenorgon» ,Le Combat Social* veröffentlicht wird. .Infolge der Wichtigkeit der Tagesordnung bitten wir all« Genossen, zu dieser Versammlung zu kommen oder die Ab- stimmung stir die Senatskandidaten innerhalb der nächsten vier Tag« dem Sektionssekretär zu bringen oder zu schicken. Tages- ordnung der Eektionssttzung: 1. Bericht über die letzt« Tagung des Rate« des Seinedepartements.— 2, Die Senatswahlen.— 3. Der Fall Steeg im Seinedepartement.— Beiliegend«ine Ab- stimmungsliste." Auf die Einladung hin waren dreißig Genossen gekommen. So ein« Sektionssitzung bietet oft interessant« Studien über die Zu- sammensetzung de» Pariser Viertel». So umfaßt zum Beispiel die Sektion, die in der Schulgegend liegt, vor allem sozialistische Lehrer, in anderen Sektionen wieder sind mehr andere Arbeitsarten vor- herrschend. Unter den dreißig befinden sich zwei Soldaten und vier Frauen Die Organisierung der sozialistischen Frauen liegt in Frankreich noch sehr im Argen. Der Bericht über die letzte Tagung de« Rate» des Seine- departements wird sehr bequem gegeben: der Sekretär liest einfach vor, was»L« Combat Social" darüber geschrieben hatte. Di« Kruppe, in der ich mich gerade besind«, gehört zu den radikaleren. Einig« Mitglieder sind sogar der.Roten Hilfe" angeschlossen, jenem kommunistischen Hilfswerk für die politischen Gefangenen, da» noch nie einem der von der Moskauer Regierung geknechteten russischen Sozialistenführer half. Manche Mitglieder verteidigen die russisch« Wirtschaftsordnung so schön, daß man sie überhaupt nicht mehr von Kommunisten unterscheiden kann. Der Sekretär der Sektton sst Mitarbeiter an der Zeitschrift der äußersten sozialistischen Linken .kitineelle"(.Funke"), deren Herausgeber Maurin womöglich bald aus der Partei ausgeschlossen wird. So gehört diese Seltion auch zu jenen, die dagegen Stellung «ahmen, daß am 9. Januar bei den Senatswahlen die sozialistischen Stimmen de» Seinedeportement» im Fall« eine» zweiten Wahl- gang» sür den Senator Steeg abgegeben werden sollen. Auf der lionen, innere Kriegslasten 175.6 Millionen, Reparationszahlungen 831,2 Millionen, sonstige fortdauernde Ausgaben 3868.1 Millionen, einmalige Ausgaben 445,2 Millionen. Von den auherordent- lichen Ausgaben in Höhe von 509,5 Millionen entfallen auf innere Kriegslasten 19,4 Millionen, aus Reparationszahlungen 67,5 Millionen und auf sonstige Ausgaben 422.6 Millionen. Diese Ausgaben sollen durch folgende Einnahmen gedeckt werden: Der ordentliche Haushalt rechnet mit Einnahmen aus Besitz- und Derkehrssteu«rn in Höhe von 5,025 Millionen, aus Zöllen und Verbrauchsabgaben von 2430 Millionen und mit Ver- waltungseinqahmen von 510 Millionen. Im auherordent- lichen Haushalt ist lediglich eine Einnahme von 8,1 Millionen vorgesehen. Während also im ordentlichen Haushalt Einnahmen und Ausgaben sich ausgleichen, verbleibt beim außerordenllichen Haus- Jhaü ein Betrag von 501,4 Millionen, dessen Deckung durch ein« Anleihe vorgesehen ist. Sieht man von den Steuerüberwetsungen an Länder und Ge- meinden. den inneren Kriegslasten und den Reparationszahlungen ab, so verbleibt beim ordentlichen Haushalt eine Ausgabe des Reiches von 4313,3 Millionen. Davon sind 3868,1 Millionen fort- dauernde Ausgaben, 445,2 Millionen einmalige Ausgaben. Von den fortdauernden Ausgaben beanspruchen die persönlichen Bezüge der Beamten, Soldaten, Angestellten und Arbeiter des Reichs 659,7 Mil- lionen=- 17,06 Proz, die Versorgungsgebührnisse der Reichsver- waltungen und der Wehrmacht einschließlich der Militärrenten für Kriegsbeschädigte 1467,6 Millionen--- 37,94 Proz„ die sachlichen Ver- waltungsausgaben 1740,8 Millionen_ 4� Proz. Der Ausgabebedarf des außerordentlichen Haushasts beträgt 509,5 Millionen. Darin sind für innere Kriegslasten und Repa- rationszahlungen 86,8 Millionen entHallen, so daß die eigentlichen Ausgaben der allgemeinen Reichsoerwaltung 422,7 Millionen be- tragen. Davon entfallen auf den Haushalt des Reichsarbeit»- Ministerium» 195 Millionen, 130 Millionen für produktive Eewerbslosenfürsorge, 50 Millionen für Siedlung»- zweck«, den Haushall des Reichswehrministerium« 62 Millionen, den Haushall des Reichsoerkehrsministeriums 90,7 Mil- lionen. Der Rest ist für verschiedene Zweck«(Betri«bsmittelsonds sür die Branntweinmonopolverwaltung 23 Millionen, Darlehen zur Fort- führung begonnener Eisenbahnen 30 Millionen) vorgesehen. Die Gesamtbelastung des Reichs durch die Reparations- Zahlungen beträgt im Etatjahr 1927 1778,7 Millionen, das sind 468,5 Millionen mehr als 1926. Aus dem Reichshaushall selbst sind 1927 898,7 Millionen zu decken gegenüber 550,2 Millionen im Jahre 1926, also 848,5 Millionen mehr. Der Etatentwurf de» Reichsrat» weicht von der Vorlage der Reichsregierung ab. Bereits bei dem Gesetzentwurf über die Verlängerung de» vorläufigen Finanzausgleich» hat der Reichsrat beschlossen, an der besonderen Garantie der Umsatzsteuer in Höhe von 450 Millionen Mark festzuhallen. Das bedeutet eine Mehrüberweisung an Länder und Gemeinden von 1l2,5 Millionen. Um diese Mehrausgabe zu decken, hat der Reichsrat gleichzellig neben unbeträchtlichen Ausgabekürzungen Erhöhungen der Einnahmesätz« von rund 100 Millionen vorgenommen. Demgegenüber vertritt die Reichsregiernng den Stand- puntt, daß ihr« Ansätze der Einnahmen bis an die äußerste Grenze des Vertretdaren gehen. Eine Reserve für den Fall einer Der- schlechterung der deutschen Wirtschaftslage sei in ihren Zahlen nicht enthalten. Vielmehr sei damit gerechnet, daß die eingetretene Besse- rung der deutschen Wirtschaft im Rechnungsjahr 1927 wester fort- schreitet. Sie hält es auch für fraglich, ob der Reichsrat ver- fassungsrechtlich in der Lag« sei, die Einnahmeschätzung ab- weichend von der Reichsregierung vorzunehmen und häll diese Hand- lung auch sachlich für falsch. Der Reichsfinauzminister hat deshalb im Reichsrat angekündigt, daß die Reichsregierung an ihrer Vorlag« festhallen wird, so daß der Reichstag endgüllig über den Streit zwischen Reichsregiernng und Ländern zu entscheiden haben wird. Zeuge gesucht, vom Femeausschußdes Reichstag» wird der am 1. Aprst 1899 in Stammbach, Dezirksamt Münchberg (Oberfranken), geborene Reisende Hans(Johann) D o b n e r als Zeuge gesucht. Zweckdienlich« Mitteilungen über den Aufenchall des Gesuchten sind an das Bureau des Reichstags zu richten. letzten Tagung de, Rats des Seinedepartements waren für den diesbezüglichen Antrag der Linken unter Führung von Zyromski 900 Stimmen abgegeben worden, während der Gegenantrag Läon Blum» 1700 Stimmen auf sich vereinigte. Die sozialistische Partei de» Seinedepartements wird also für die Wohl von Steeg im zweiten Wahlgang stimmen. Dann schreitet man zum Borschlag der Senatskandidaten des Seinedepartements. Jede» Mitglied hat eine Abstlmmungsliste von vierzig Namen vor sich, Daraus sollen zehn erwähll werden, in- dem die Ramen der nicht genehmen Kandidaten durchzustreichen sind. Don den zehn gehören vier Paris an und sechs den Bor- orten. Auch in jedem Poriser Borort befindet sich natürlich«ine Sektton der Partei. Die zwanzig Pariser Sektionen haben 6000 Mitglieder. Sie zusammen mit jenen der Vorort« bilden die soziali- stische Gruppe des Seinedepartements. Zufrieden stellt der Sektionssekretär fest, daß der Name von Brack«(des Chefredakteurs vom.Combat Social*), der noch auf der Abstimmungsliste gedruckt steht, ebenfalls ausgestrichen werden muß, da es Bracke au» Aerger über die Ablehnung des Antrags Zyromski) abgelehnt hat, Senatskandidat zu werden. Steeg, mit dem er sonst aus die gleiche Liste beim zweiten Wahlgong hätte kommen müssen, sei Minister im Kabinett Millerand gewesen, und ein früherer Parteibeschluß lautet ausdrücklich, daß mit niemanden aus einer anderen Partei eine Wahlkoalition«ingegangen werden darf, der früher oder jetzt Vorbindungen mit dem Nationalen Block hatte Dann werden andere Anträge von Mitgliedern beraten, und schließlich kommt der Wirt— auch ein Parteimitglied(im Anfang der sozialistischen Bewegung suchte die Polizei diese Wirte zu be- stechen, damit sie Verschwörungen belauschen sollten)— und erst kurz vor Schluß der Versammlung, gegen UM Uhr abends, nimmt der Wirt die Bestellungen auf die Getränke entgegen. In Frankreich geht immer alle» mit der Gemütlichkeit. Und so war man die ganze Beratung, zell üb« trockengelegt. Kuet Lenz. v« Urahn von Mensch und Asse. Zwei bekannte amerikanische Raturwissenschastler vom Museum für Naturgeschichte in New Park, Dr. William Gregory und Dr. Milo Hellman, rühmen sich, da» letzt« Glied der Beweiskette gesunden zu batxn, die die Abstammung des neuzetllichen Menschen zugleich mit der der neuzeillichen Assen auf einen gemeinsamen Ahnen zurücksuhrt. Dieser Ahn ist der schon geraum« Zeit bekonnte Dryopilhecus Fontani, eine tertiäre Asfen- form, die in dunklen Wäldern auf Baumwipfeln gehaust haben muß. Die Hyporhese stützt sich nach der Veröffentlichung der ameri- konischen Gelehrten über die Ergebnisse ihrer Forschungen aus die vergleichende Untersuchung der Zähne von Menschen und Assen. Danach zeigt d«r Vergleich der Zähne neuzeitlicher Assen und Men- schen mit fossilen Menschen, und Affenzähnen, daß die Form des Zahnaufbaus vom Dryopithecus angefangen bis zu den beutigen der„yerr von üer Reichswehr../ ... und seine Arbeit beim Werwolf. Im Zusammenhange mit den Erörterungen über die Verbindung der Reichswehr mit rechtsradikalen Verbänden veröffentlicht unser Halberstädter Parteiblatt einen sehr inter- essanten Brief, der ihm im Original vorliegt. Hier der Wortlaut: W a s s« r l« b« n, d. 17. 6. 25. Sr. Exellenz Herrn Generalleutnant Pohll Ew. Exellenz haben an Herrn Henneberg«inen Lries ge- schrieben, den mir H. Henneberg zur Kenntnisnahme vorgelegt hat. In diesem Brief bringen Ew. Exellenz die Befürchtung zum Aus- druck, daß bei uns im W e h r w o l f ein Stillstand(zum) eingetreten sei. Hierzu kann ich Ew. Exellenz schreiben, daß das durchaus nicht der Fall ist. Wohl haben wir in letzter Zell den Herrn von der Reichswehr nicht in Anspruch genommen, und zwar aus dem Grunde der Zwecklasigkeit. Die jungen Leute sind fast alle in der Landwirtschaft beschäftigt und haben demzufolge erst spät Feier- abend. Es würde sich also kaum einrichten lassen, daß der Herr noch in Tätigkeit tritt. Do habe ich denn diese Ausgabe kurzerhand selbst in Angriff genommen. Da ich al» Unteroffizier und ehemaliger Unterosfizierschüler schon selb st Rekruten aus- gebildet habe, darf ich mir das schon zutrauen. Mr sparen aus diese weise da» Reise- und Zehrgeld sür diese» Herr». Nachher zum Winter dachte ich wieder den Herrn zu beanjpru- chen. Daß wir tatsächlich keinen Stillstand haben, beweist, daß ich fett meiner Uebernahm« des Wehrwolf 12 junge Leute neu aus- genommen habe. Außerdem habe ich einen Jungwolf gegründet, in dem ich bis setzt zehn jung« Burschen von 15 bis 17 Jahren habe. Wehrwols und Jungwolf werden vorläufig getrennt b« arbeitet. Zum Uebungsschießen werde ich den Jungwols erstmalig in vier Wochen heranziehen, wir betreiben in Exerziere« olle notivendigen Sache», dann Freiübungen unb in Spork, Dauer- lausen usw. Zum Herbst, wenn die Felder frei sind, denke ich an die Felddi«n st Übungen beronzu gehen. Bor allem aber wird auch ganz fleißig geschossen. Hierbei sind schon teilweise recht gute Resultate«rzi«lt. Ich bitte deshalb Ew. Exellenz, für die Sommer- monate auf den Herrn der Reichswehr verzichten zu dürfen. Sein Herkommen würde uns wenig nützen und dafür aber unnötig Kosten verursachen. Sollten Ew. Exellenz aber trotzdem anderer Ansicht sein, so werde ich gern nach Maßgabe Ew. Exellenz verfahren. Mit treudeutschem Gruß Ew. Exellenz sehr ergebener Hopp«. Der Empfänger des Briefes ist der Generalmajor o. 2. Pohl in Wernigerode, Bibensftraße 1, der sich als Ver- mittler von Reichswehroffizieren für monarchistische Ber- bände zu betätigen pflegt. Aus dem Brief ist zu ersehen, daß die„Herren von der Reichswehr" gar nicht erst lange gebeten zu werden brauchen, sondern vielmehr gerade- zu ausgeboten werden! Die Frage, was die„Herren von der Reichswehr" bei den völkischen Verbänden zu tun haben, ist schon so oft gestellt, daß man auf ihre Beantwortung in diesem Falle verzichten kann. Der Unteroffizier und ehemalige Unter- offiziersschüler Hoppe hat in seinem Briest so deutlich alle Arten des„Sports" beschrieben— vom Exerzieren bis zum Schießen und zur F e l d d i e n st ü b u n a—. daß ein nachträgliches Zlbleugnen kaum Zweck haben durfte. Es verdient nur daran erinnert zu werden, daß der Führer des Werwolf, der Studienrot Kloppe, sich in seiner Korrespondenz, die in der Denkschrift des preußischen Innen- Ministeriums über Wiking und Olympia abgedruckt ist, ganz offen dazu bereit erklärt hatte,..nationalfeiitblichen R e- fierungs stellen die Faust an die Gurgel zu « tz e n,... wenn wir in der Lage sind, auch durchzudrücken"! Affen und Menschen grundsätzlich gleichgeblieben ist. Dr. Gregorys Untersuchungen knüpfen an den berüchtigten Affenprozeß an, der im vorigen Jahr zu Dayton(Tennessee) verhandelt wurde. Wie er- innerlich, richieten damals die Anbanger der Schöpfungsgeschichte an die Naturwissenschaftler die höhnische Aufforderung, endlich einmal ichlüsstge Beweis« für die Darwinsch« Entwicklungslehre zu erbringen. Die beiden genannten Gelehrten haben den Fehdehandschuh aufge- nommen und den Versuch gemacht die Lücken, die in der Beweiskette vorhanden sind, auezufüllen. Ihre Untersuchungen erstreckten sich' in der Hauptsach« auf den ersten und zweiten Backzahn. Vor allem dieser zweite Backzahn erbrachte den Beweis, daß die Zahnsorm, wie mtaaen geöffnet sein, und»war von 10 bis 8 Uhr. Arn 24. Dezember wird sie bereit« um 2 Mr zeschlollen. Die Besuchszeiten nach Weihnachten find alsdann wieder unverändert b«n 10 di» 5 Mr. Va» Lerliuer Slnsenic vrchester»eransiellet unter steituna nen Emil Bobnte am 1. und 2. WelbnachtSseiertaq, abends 8 Mr. im Blütiinet- Saal zwei Konzert». Solist de» 1. Feiertag» ist B.«ernfeld(Llol.j, am 2. Feiertag findet ein Sagner-Wend statt. AlluiederiSndlsch» reoadadoaeNeder. In der Berliner Universitöt»- blbliothek wurden Troubadourlieder au« dem 13.?>ob> hundert awaesund-n. die w einer bisher unbekannten vu«druck«westt der»ltniederlöndilchen Sprache aus Beraam-nt ausgezeichnet find. Bisher waren nur französilche Troubadourliedcr bekannt. Ein plouetarium für Loodsu? Der Londoner GraslchastSrat belchöiügt sich mit dem Plan, ein Zeih'sche» Planetarium ssir London errichten zu lasic». verleguag der krarvard-SIcruwarte. Die Harvard-astronomische Station in Areguipa OBenti wird mit Rücksicht aus die güniligeren klimatischen Be- dingungen in Südasrita tn die llmaebung von Bloemfontain»erlegt werden. Sie ist im Jahre ISS» gegründet worden und ein« der gröüteu der südlichen Halbkugel., 53,6 Millionen Mark Lohnsteuer zurückgezahlt Ein Erfolg der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die erstmalige Durchführung der Lohnsteuererstatwngen für das Jahr 1925 Hot einen über Erwarten großen Erfolg gehobt: drei bis vier Millionen Anträge find gestellt und 53,6 Millionen Mark Lohnsteuer sind zurückgezahlt worden. Für 19Z6 werden die Erstattungen noch größere Bedeutung gewinnen, weil während des ganzen Jahres die große Arbeitslosig. keit andauerte, und weil das Verfahren weiter vereinfacht worden ist. Auf Grund von Vorschlägen der sozialdemokratischen Reichstagsfroktion hat der Reichsfinanzminister das Er- stattungsversohren in einem Erlaß vom 36. November 1926— Illc 9759— neu geregelt. Einen kurzen Ueberblick über diese Bor» schristen erhall der Steuerpflichtige durch ein.Merkblatt" über die Lohnsteuererstattungen für das Kalenderjahr 1926". das auf den Finanzämtern kostenlos erhältlich ist. Es handelt sich danach vor allem um folgendes: Einen Erstattungsanspruch für 1926 können nur Lohnsteuerpflichtige stellen, die nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden und mindestens i M. Lohnsteuer gezahlt hoben. Arbeitnehmer mit mehr als 9299 M. Jahreseinkommen oder 599 M. sonstigem Ein- kommen haben also keinen Erstattungsanspruch, der Auegleich erfolgt hier bei der Veranlagung zur Einkommensteuer. 1. Wann tritt eine Erstattnng ei»? t. Erstattung wegen Verdien st au sf all erfolgt, wenn z. B. wegen teilweifer Arbeitslosigkeit, Krankheit. Aussperrung, Streik. Kurzarbeit usw. der steuerfrei« Lohnbetrag von regelmäßig 1299 M. und die nach dem Familienstande freibleiben- den Beträge(z. L. bei einem Ledigen 2t M.. bei einem Lerheirateten mit einem Kind 28,80 M. wöchentlich usw.) während des Jahres 1926 nicht voll gutgsbracht worden sind. 2. Erstattung wegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse tritt ein. wenn z. B. die Leistungsfähigkeit eines Steuerpflichtigen durch besonder« hohe Ausgaben für Unterhalt oder Erziehung der Kinder, mittellose Ange- börige, Krankheit, Körperverletzung, Verschuldung, Un- glücksfölle usw. wesentlich beeinträchtigt worden ist und dies nicht schon durch Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrags berücksichtigt worden ist. 3. Eine Erstattung der gesamten Lohnsteuer wird ferner vor- genommen, wenn der Jahresarbeitslohn des Steuerpflichtigen die aus der nachstehenden Tabelle ersichtlichen Johresfreibeträge nicht überschritten hat. AiMaM der NW der Zahre-freldetrSge Sei«rdrUnehmrr» dl R. * mit«hefnor ohne Shefra» Keine Kinder........ 1320 1200 1 Kind.......... 1440 1820 3 Kinder.......... 1680 1560 8........... 2190 2040 4........... 2880 3760 5........... 3840 3720 6........... 4800 4680 7........... 6760 5640 S........... 6720 6600 2. Wie mutz ein Erstattungsantrag gestellt werbe»? Alle Erstattungen ersolgen jedoch nur aus Antrag. Die Anträge müssen in der Aeit vom 1. Januar bis zum 31. März 12 27 bei dem Finanzamt gestellt werden, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer am 31. Dezember 1926 gewahnt hat. Bei Antrögen wegen Verdienstausfall bedient sich der Stauerpfllchtige am besten des amtlichen Antragsformulars, das auf den Finanzämtern und Berufsverbänden kostenlos erhältlich ist. Den Anträgen müssen folgend« Unterlagen beigefügt werden: 1. stets die Steuerkarte für 1926. unter Umständen auch die Emlagebogen mit den darauf gellebten und entwerteten Steuer- marken. 2. Die Durchschrift des Lohnsteucrüberweisungsblattes, da» der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer aushändigt. 3. Bei Ter- dienstousfall wegen Krankheit eine Bescheinigung der Krankenkasse, wegen Erwerbslosigkeit, Aussperrung oder Streit die Erwerbslosen- kontrollkorte. eine Bescheinigung der Erwerbslosenfürsorge oder emes Berufsverbandes. 4. Bei besonderen wirtschaftlichen Derhältnisien Rechnungen und sonstige geeignete Belege. 3. Welche Beträge werden erstattet? Erstattet wird niemals mehr, als im Kalenderjahr 1926 an Lohnsteuer einbehalten worden lst. Beträge u n t er 4 M. werden nicht erstattet. Bei Verdien st ausfall werden für jede volle Woche folgende Pauschbeträge erstattet: Bei Kurzarbeitern und unständigen Arbeitern wird dagegen der Erstattungsbetrag für joden Fall besonders berechnet. Bei Borliegen besonderer wirtschaftlicher Derhältnisse steht die chöhe der Erstattungen im Ermessen des Finanzamts. 4. Wann erfolgt eine Erhöhung der Freidetrage? Neben den Erstattungen dürfen aber auch die Möglichkeiten der Erhöhung der steuerfreien Beträge nicht vernach. lässtgt werden, da sie unter Umständm eine soflwrtige Ermäßigung der Lohnsteuer bringen und deshalb besonders wertvoll sind. 1. Eine Erhöhung des steuerfreien E x i st e n z m i n i- m u m s erfolgt wegen besonderer wirtschaftlicher Der« h S l t n i-ss e: 2. eine Erhöhung der Werbungskosten- und Sonderlei st ungspanschale. wenn die tatsächlichen 2luf- Wendungen des Steuerpflichtigen dafür über den Betrag von 9,69 M. wöchentlich oder 49 M. monatlich hinausgehen. Der 2. Erhöhung?- anspruch ist jetzt besonders wichtig, weil eine Erstattung aus diesen Gründen nicht mehr möglich ist. Im Gegensatz zu den Erstatwngsanträgen können die Anträge auf Erhöhung der Freibeträge jederzeit bei dem zuständigen Finanzamt eingereicht werden. Krieg», und ZtvtlbeschSdigte, die mindesten, 25 Proz.«rwerbsbeschränit sind, genießen folgende Vergünstigungen: 1. tue Pauschbeträge bei Erstattung wegen Derdienstaustoll werden um den Prozentsatz Ihrer Crwerbsbeschränkung erhöht. 2. ihr steuerfreier Lohnbetrag wird auf Antrag um den gleichen Prozentsatz erhöht, und 3. erfolgt auf Antrag eine teil« weise Lohn st euerer st attung, wenn ein Antrag auf Er- höhung de« steuerfreien Lohnbetrages nicht gestellt worden war. AI« Nachweis für die Höh« der Erwerbsbeschränkung dient entweder der Renienbescheld oder ein ärztliches Gutachten. Jeder Steuerpflichtig«, dmr auf Gni�> dieser Dorschristen einen Rechteonspruch auf Erstattung oder Erhöhung der Freibettäge hat. muß einen entsprechenden Anttag stellen, ynsbesonder« bedeute« die Erstattungen wegen Berdienstausfall für die Erwerbslosen ein« wertvvll« Hilf«. Für ste wirkt die Lohnstauer al« Zwangssparkass«, da au» technischen Gründen ein« lieber. zohlung der Steuer unoermotdlich ist. Ihr Gutachten bei dieser Zwangssparkass« verfällt aber, wenn st« es nicht bis zum 31. März 1927 zurückverlangt haben. Erich Rinner. der unbekannte?euge. Fünfzeh» Jahre Zuchthaus auf Hörensagen vom Hörensagen! Im Dezemberheft des Organs des Republikanischen Richterbundes..L i e I u st i z". behandelt der Berliner Rechts- anmalt Dr. Ernst Emil Schweitzer einen Landesver- ratsprozeß, in dem er als Verteidiger wirkte, und den er nicht mit Unrecht ein Seiten stück zum Magdeburger Mordprozeß nennt. Es handelt sich um folgenden Fall: Ein Oberlagerver- walter Walter Bullerjahn hatte in einem größeren Industrie- unternehmen eine Vertrauensstellung inne. Politisch hat er sich nach Schweitzers Angaben nicht betätigt. Gegen ihn wurde plötzlich ein L a n 0 e s v e r r a t s o e r f a h r e n vor dem Reichsgericht eröffnet, unter der BeschuDiguntz, er habe der englischen Abteilung der Interalliierten Militarkontroll- tonnnission, und da diese sich nicht sprechen ließ, der franzä- fischen Abteilung gewisse Mitteilungen gemacht, und er habe für seine»„Verrat" etwa 1200 bis 1400 M. erhalten. Der Beschuldigte hat von Ansang bis zu End« des Verfahrens die Behauptungen der Anklage bestritten. Die Verurteilung er» folgte auf Grund eines Indizienbeweises und— das ist das Entscheidende— auf Grund der Aussage eines Unbekannten, über dessen Mitteilungen nur Untersuchungsrichter und Kriminalkommissare vor Gericht Bekundungen machen konnten. Weder der Verteidiger, noch der Angeklagte haben jemals die Adresse dieses Zeugen er- fabren können. Rechtsanwalt Dr. Schweitzer sagt darüber wörtlich. „Der chauptbelastungszeuge ist systematisch durch Ein- griff der Verwaltungsbehörde der Verhandlung vor dem Reichsgericht ferngehalten worden. Man hat weder mir noch dem Angeklagten, noch den Richtern des Reichs- gerichts die Möglichkeit gegeben, auch nur den Namen dieses .houptbelaftungszeugen in Erfahrung zu bringen. Das Urteil, das hier gefällt worden ist, verdient dieselbe Autorität wie ein Urteil, das etwa gefällt worden wäre, wenn es Schröder(Magdeburg) gelungen wäre, sich der Verantwortlichkeit zu entziehen und wenn in der Hauptverhandlung gegen Haas lediglich Kriminalkommissar Tenholt aufgetreten wäre und erklärt hätte, daß ein Unbekannter, aber nach seinem Eindruck unbedingt glaubwürdiger Zeuge ihm die Schuld de» Angeklagten mitgeteilt habe. Der Fall Dreyfus ist in Frankreich zu einer Angelegenheit geworden, die das ganze Land aufs äußerste erschüttert«, weil man dem Angeklagten, bzw. dem Verteidiger einzelne Dokumente nicht zugänglich mochte. Hier, im Falle Dullerjahn, wird«In Angeklagter zu fünfzehn Jahren weiß, gesagt haben. Bullerjahn ist als auf Hörensagen vom trouensperson, deren Erscheinen vor dem Gericht von der Verwaltungsbehörde verhindert wird. Daß diese Dertrauensperson wissentlich die Unwahrheit ge- sogt hat, kann ich sederzett nachweifen. Die Aussagen dieses Menschen waren nicht glaubwürdige�, als die Aussagen eine» Schröder... Hierbei muß hervorgehoben werdcn, daß die Ver- trouensperson die fraglichen Tatsachen gor nicht aus eigenem Wissen bekundet hat, sondern nur bekundet hat. was ihr angebllch andere Leute, von deren Glaubwürdigkell überhaupt niemand etwas weiß, gesagt haben. Bullerjohn ist als auf Hörensagen vom Hörensagen zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteitt worden." Da die Verhandlung vor dem Reichsgericht unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefunden hat, kann der Verteidiger aus Einzelheiten in der Verhandlung nicht eingehen, aber er versichert, daß er auch heute noch von der völligen Unschuld des Verurteilten vollkommen überzeugt ist. und er deutet an. daß bestimmte Kreise an der Vernichtung Bullerjahns ein Inter- esse hatten. Es handelte sich dabei nicht um politische, son- der« um private Gegensätze, denn Bullcrjahn wußte um Verfehlungen gewisser Stellen auf rein privatem, wirtschaftlichem Gebiet und man siirchtete. daß er diese Kenntnis an Konkurrenten oder an die Behörden verraten würde. Das Urteil des Reichsgerichts ist bekanntlich nur durch ein Wiederaufnahmeverfahren um, zustoßen. Um ein solches vorzubereiten, hat der Verteidiger gegen«inen Belastungs- zeugen den Antrag auf Einleitung eines Meineids- Verfahrens gestellt. Er vermutet, daß dieser Zeuge, der sich erst kurz vor der Verhandlung gemeldet hatte, das W e r k- zeug jener Kreise sei, die an der Vernichtung Buller- johns ein Interesse hatten. Merkwürdigerweise wurde die E-nleitung des Verfahrens gegen diesen Zeugen durch eine Behörde lange Zeit verhindert. Erst als der Verteidiger einen D i fz i p l i n a r a n t r a g gegen den betreffenden hohen Beamten beim Justizministerium stellte, griff das Justizministerium ein und ordnete zwar nicht das Disziplinar- verfahren, wohl aber die Einleitung des Strafverfahrens gegen der Zeugen an! DiZe von dem Verteidiger mitgeteilten Tatsachen sind so seltsam, daß die Oeffentlichkeit ein Interesse daran hat. zu erfahren, welche Gründe für die Erschwerung des Verfahrens geltend gemacht werden, und vor allem, was die Justiz zu tun gedenkt, um einen zweiten Fall Dreyfus auf deutschem Boden zu verhindern. das schweigsame Justizminifterium. Grütte-Lehder, Kubc und Wullc. Das preußische Justizministerium läßt durch den amtlichen Pressedienst folgende Mitteilung verbreiten: Es muß daran festgehalten werden, daß Mitteilungen über einzelne Lorgänge in der schwebenden Voruntersuchung gegen die Slbgeordneten Wulle und Kube nicht gemacht werden kömien. Die Voruntersuchung wird nach dem Gesetz nicht ösjentllch geführt. Ueber ihre Ergebnisse hat nach ihrem Abschluß, der bevorsteht, das Gericht zu entscheiden. Eine„Einstellung" des Dersoh- r e n» gegen Wulle und Kube durch die Staatsanwaltschaft kommt nicht in Frage. Darüber, ob etwa gegen Grütte-Lehder wegen wissentlich falscher Anschuldigung emzuschretten ist, kann nach der ausdrücklichen Vorschrift des Gesetzes erst entschieden werden, wenn das Verfahren gegen die Abgeordneten Wulle und Kube förmlich zum Abschluß gekommen sst. Die Mitteilung des JustiMinisteriums macht dem Schwindel der„Indiskretionen ein Ende. Die von einer unbekannten Stelle ausgestreuten falschen Behauptungen versuchten es so darzustellen, als habe die bisherige Vorunter- suchung die Schuldlosigkeit der Wulle und Kube ergeben. Das Versehren werde demnächst eingestellt werden.„Einstellung" k mmt nicht in Frage, stellt nunmehr das Justizministerium fest. Damit ist die E n t l a st u n g s o f f e n f i v- für Wulle und Kube gescheitert. 1 Schunö- und Schmutzgesetz. Die AnsfiihrnngSbestimMNngen dcS Reichsinnen- Ministeriums. Das Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger macht Mitteilungen über die Ausführungsbestimmungen de» Reichsinnenministerium» zum Schund- und Schmutzgesetz. Danach sind neben der Oberprüfstelle in Leipzig zunächst zwei wettere Prüsstellen für Berlin und München vorgesehen. Der bayerischen„Eigenart" sst also auch hier wieder einmal ein Opfer gebracht worden. Zuständig soll in jedem einzelnen Fall die Prissstelle sein, in deren Bereich der durch den Antrag betroffene Verleger seinen Sitz hat, falls er im Handelsregister eingetrogen ist. Ist das nicht der Fall oder hat der Verleger seinen Sitz im Aus- lande, oder ist er nicht bekannt, so bestimmt der Lorsitzende der Oberprüfstelle die Zuständigkeit. Die Einleitung eines Prüfverfahrens geschieht ans Antrag der candeszentralbrtörden oder der Londesfngendämter. Von dem Verhandlungstermin sind der Verleger und der Verfasser so rechtzeitig in Kenntnis zu setzen, daß Ihnen die Teilnahm« an der Verhandlung möglich sst. B« r t r e t u n g ist z u l ä s s i g. Die Entscheidung erfolgt aus Grund mündlicher Verhandlung nach An- hörung von Verleger, Verfasser und Antragsteller. Der Beschluß, durch den die Ausnahme einer Schrift in die Liste angeordnet wird, sst mtt Begründung dem Verleger und dem Verfasser zuzustellen. Gegen die Entscheidung der Prüfstelle steht dem Betroffenen dos Recht zu, eine Oberprüfstelle anzurufen. Geschieht da», so soll nach den Ausführungsvorschriften die Aufnahme der betr. Schrift in die Liste einstweilen unterbleiben, fall» nicht besondere Bedenken hiergegen bestehen. Wenn in der Mitteilung behauptet wird, das Schund- und Schmutzgesetz habe schon durch sein Inkrafttreten allein da» Er- scheinen neuer Schundltteratur unterbunden und es werde auch weiter p r o h i b i t i v wirken, so ist das ein Optimismus, der zu- mindestens sehr versrüht ist. Auch für die Boraussage, daß sich die Begrifssbildung über Schmutz und Schund rasch und reibungslos vollziehen wird, wird man den Beweis abwarten müssen. Jeden- falls bleibt die Gefahr, daß«in« Schrift wegen ihres restgiösen, politischen oder den Zensurstellen sonst unbequemen Eharakters auf die Liste gesetzt wird, trotz aller anderen Bestimmungen bestehen. die Virtsthastekrife in Zrantreich. Sozialistische Abordnung bei PolneauS. Paris, 22. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch morgen sprach eine Delegation der sozialistischen Kommcrgruppe. darunter L6on Blum, Renaudel und Dincent A u r i o l bei Poincare vor, um zu verlangen, daß die Regierung möglichst bald ein Wirsschaftsprogramm zur Linderung der dural die Franken» Hausse hervorgerufenen Arbeitslosigkeit einbringe. Gleich- zeitig forderte die Delegation Poincare auf, endlich einmal beim Senat darauf zu drängen, daß er das Sozialversicherung«- g e s e tz möglichst noch im Januar verabschiede. Endlich erinnerten dl« Delegierten noch an die sett langem erwartet« Ratifizierung de» Washing toner Abkommens über den Achsstundentag- Poincarö erklärte, daß er sofort nach den Ferien einen Gesetz- entwurs über die Verwirklichung großer Wirtschaftearbeiten ein- bringen«erde. Weiter versprach er, sofort den Senat um ver- abschiedung des Sozialversicherungsgesetzes zu ersuchen. Was die Ratifizierung de» Washingtoner Abkommens betrifft, müsse die Regierung auf ihrem Standpunkt bestehen bleiben, daß Frankreich dieses Abkommen nicht unabhängig, sondern nur gleichzeitig mtt anderen daran interessierten europäischen N-.tionm ratifizieren wolle. Die ungetreuen Treuhänder. Der amerikanische Ricsenskandal. Washington, 22. Dezember.(WTD.) Im Senat erhob B o r a h gegen die Verwaltung des beschlagnahmten Eigentums durch die Amtsstelle des Treuhanders während der vergangenen acht Jahre den Vorwurf des Diebstahls, der Veruntreuung und des Leichtsinn». Senator Lorah hat Pressevertretern gegenüber aus die Frage, ob er vir Absicht habe, In der Untersuchung des Falles fortzusahren, erklärt, er sei dazu bereit, wenn der Senat die 2lus- gaben bewillige. Borah äußerte serner noch, er zweifele nicht daran. daß Millionen Dollars von denen, die mit der Derontwort- lichkeit für den Schutz des Privateigentums betraut waren, unter- schlagen oder in ungesetzlicher Weise genommen worden seien. Er er- klärte ferner, zu seiner Verblüffung habe er herausgefunden, daß alle Opfer dieser Vorgänge bei der Rückerstattuna des Eigentums ge- nötigt worden seien, Quittungen über den vollen Betrag auszustellen und so die Treuhandstelle von jedem Mißbrauch der Amtsgewatt oder Nachlässigkeit in der Berwoltung zu entlasten. Wenn es sich herausstellen sollte, daß dos betreffende Eigentum nicht mehr zurückgegeben werden könne oder daß dos Unrecht wieder gut- gemacht werden könne, so sei er nicht besonder» begesstert für«ine Fortsetzung d«r Untersuchung. Ein Sowjetjubiläum. Ren« Jahre russische Terrorpolizei. Moskau. 21. Dezember.(OE.) Die ehemalige Tscheta. die fetzt den Namen„Siaatspolttische Polizei" führt, hat soeben da» Fest neunjährigen Bestehens begangen. Die Sowjetblätter erinnern an die Gründung dieses wichtigen Werkzeuges der Sowjetregierung und gedenken dabei D s e r s ch i n s k i», auf dessen Initiative die Gründung der Tschela vor neun Iahren erfolgte. Der Sowjet von Moskau richtete an die Leitung der Tscheta«ine B r- grüßungsadresse. Die Monopolisten der Schwerindustrie. Sie suchen die Hilfe der Gelben. das Organ der Ruhrindustriellen, die„Deutsche Bergwerks- �euung', ist wieder einmal entrüstet. Das Blatt kann es nicht fassen. daß der Reichstag und, nach dessen Beschlüssen, da» Reichsarbeits- Ministerium die von den Unternehmern mit so viel Geld und so wenig Erfolg gepäppelten Gelben nicht als Gewerkschaften aner- kennen. Daß die Unternchmerorganisationen die Vertreter der Unternehmer in den Reichswirtschastrat, in die Arbeitsgerichte usw. bestimmen, findet das Blatt offenbar ganz in der Ordnung. Jedenfalls läßt es dagegen nicht die leiseste Andeutung oerlauten. Etwas anderes ist es aber, wenn es sich um dos„Monopol" der Gewerkschaften handest. Dagegen erhebt das Blatt der Monopolisten der Schwerindustrie ein großes Wehgeschrei. Um ihre Beweisführung eindrucksvoller zu gestalten, operiert die„Bergwerkszeitung" mit gefälschten Zahlen und gefälschten Zitaten. Aber gerade dadurch entwertet das Blatt feine Beweis- führung. Es läßt z. B. geflissenUich die Organisationen der Ange- stellten, freien Berufe und Beamten außer seiner Rechnung, um be- haupten zu können, sämtliche Gewerkschaften aller Richtungen hätten zusammen nur 5 Millionen Mitglieder, lieber die Mitgliederzahlen der Gelben schweigt stch das Blatt wohlweislich aus. Was die Monopolisten so sehr bekümmert, ist die Tatsache, daß nicht allein die freien Gewerkschaften, sondern auch die christlichen, chirsch-Dunckerschen und neutralen Organisationen es ablehnen, stch zu Schleppenträgern der Schwerindustriellen herabzuwürdigen. Das Blatt des Großkapitals, das immer noch in den Handels- und Land- wirtschaftskammern ein verfassungswidriges Monopol besitzt, dem sein wirtschaftliches Uebergewicht ein jaktisches Monopol verleiht, entrüstet stch über das angeblich verfassungswidrige Monopol der Gewerkschaften in den paritätischen Vertretungskörperschaften! Di« Herrschaften sollen sich nicht lächerlich machen. Sie mögen e» sich damit Genüge sein lassen, daß ihnen ihre finanzielle und wirt- schaftliche Machtstellung einen verderblichen Einfluß sichert, gegen den die Arbeiterschaft sich nur mühevoll wehren kann. Die Großkopi- tollsten haben außerdem monopolistische Dertretimgen, von denen die Arbeiterschaft gänzlich ausgeschlossen ist. In den Körperschaften aber, zu denen die Arbeiterschaft zugelassen ist, sitzen auch die Unter- nehmer. Mögen diese dort, wenn sie Kerle sind, sich selber Helsen und nicht immer greinen, weil ihnen die gelbe Schutz trupp« fehlt. � GroZer Erfolg de« verkehrsbuoöe«. -ohn. und Maukellarif für die Kraftdroschken führer. Schon feit Iahren bemühte sich der Deutsch« Lerkehrsbund, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Berliner Kraftdroschken- f ü h r e r tariflich festzulegen. Bisher blieben alle seine Bemühungen ohne Erfolg, einmal wegen der Ungunst der Verhältnisse, nicht zuletzt aber wegen der Interesselosigkeit der Kroftdroschkensührer selbst, die zum grogen Teil von einer Gewerkschaft nichts wissen wollten. Trotzdem ist die unermüdliche Arbeil der Funktionäre und Or- kanisalionsverlreter endlich von Erfolg gekrönt worden, nach- dem auch die Zahl der Kraftdroschkensührer, die sich der Organisation anschlössen, gestiegen ist. Der Deutsche Verkehrsbund hat, nachdem die Forderungen bereits im Januar dieses Jahres eingereicht wurden, in freier Verhandlung für die in den Betrieben der Innung der vereinigten Kraftdroschkenbesitzer Berlins beschäftigten Krastdroschken- führ er«inen Lohntarif und aucb einen M a n t e l t a r i f abge- chloslcn. Der Mantelvartrag gill vom 1. Januar, bi» zum 31. Dezember lg?7 und legt zunächst grundsätzlich die achtstündige Arbeitszeit fest. Im Höchstfälle darj dre AlbcitszLü Ii Stunde» be« tragen. Bisher war eine 11- bis Itzstündige Ärbeitszest säst die Regel. Es wurde nicht selten 2 4 Stunden d u r ch g e. fahren! Der Beginn der Arbestszert bzw. des Schichtwechsels und die Festsetzung der freien Tage muß im Einvernehmen mit dem Be- triebsrat geregelt werden. Allen Befchäsliglen sind nach einjähriger Tätigkeit S Tage Urlaub zu gewähren, steigend nach jedem weite. ren Jahr um einen Tag bis zur Dauer van 12 Tagen. Für jeden Urlaubsiaa sind S M. Urlcrubsgeld zu zahlen. Das Lohnabkommen' gilt zunächst vom 1. Januar bis zum 1. April 1SZ7. Es kann am 28. Februar zu diesem Termin gekündigt werden und läuft ein Vierteljahr weiler, wenn es nicht «kündigt wird. Durch diese» Abkommen wird den Fahrern ein est er täglicher Lohn von 2 M.. außerdem 20 Proz. der ruttoeinnahme garantiert. Dies ist besonders ein großer Erfolg, bedeutet doch diese Regelung eine Lohnerhöhung von etwa 2S Proz., wozu noch kommt, daß die Einnahmen bisher vielfach zufällige waren. Das Lohnabkommen enthäll weiter folgenden wichtigen Passus: Bei Außerbetriebsetzung der Kraftdroschke wegen geringer Desekle wird die angefangene Schicht mit 2£0 M. bezahlt. Bei Arbeitsleistung in der Werkstatt oder Garage zur Behebung von Defekten wird pro Schicht 5 M. bezahlt. Bisher erhielten die Chauffeure für den entgangenen Verdienst oder die Reparaturen gar keine Entschädigung. Alles in allem ist das ein Erfolg, der nicht hoch genug bewertet werden kann. Den bisherigen skandalösen Zuständen, die eines Ar- bei. eis unwürdig waren, ist wenigstens im größten Teil des Berliner Krastdroschkengewerbes ein Ende bereitet worden. Zum ersten Male werden in Berlin dem Kraftdroschkenführer Rechte zu- gestanden, die jedem anderen organisierten Arbeiter Selbst- Verständlichkeiten bedeuten und seit Iahren in Tarisoerträgen verankert sind. Bon dieser tariflichen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse werden etw-a 7000 Kraftdroschkensührer ersaßt, die in den Innungsbetrieben beschäftigt sind. Schon durch den Kamps der Kraftdroschkensührer der Panzer A.-G. im August dieses Jahres kom der Stein ins Rollen. Die Streikenden muhten nach zähem Ringen den Kampf erfolglos ab- brecben. Dieser Streik hat jedoch nicht zuletzt dazu beigetragen, daß sich die Innung zur tariflichen Regelung bereit fand, um ähnliche Kämpfe zu vermeiden Für die rund 2000 Kraftdroschkensührer, die in den Groß- betrieben beschäftigt sind und unter den alten unwürdigen Der- Seneralaussperrung oöer Irleöen? Zu den Vergleichsverhandlungen in der Schuhindustrie. Heute finden im Reichsarbeitsministerium über den Antrag des Zentraloerbandes der Schuhmacher auf Verbindlichkeitserklärung des vor kurzem für die Schuhindustrie gefällten Schiedsspruchs die der Entscheidung vorausgehenden nochmaligen üblichen Verhandlungen statt. Bei der Halsstarrigkest der Unternehmer bleibt dem Reichs- arbeitsministerium gar nichts anderes übrig als die Verbind- lichkeitserklärung des Schiedsspruches. Wo sind die überzeugenden Argumente dafür, daß der gefällte Schiedsspruch für die Schuhindustrie untragbar ist? Auch die„Frank- furter Zeitung", die stch aus freien Stücken bis zu einem gewissen Grade zum Anwalt der Schuhsabrikanten gemacht hat. kann beim besten Willen kein durchschlagendes Argument gegen den Schiedsspruch in» Treffen führen. Was soll die De- merkung, daß der heutige Tarismindestlohn rund 160 Proz. des D o r- kriegslohnes ausmache? Wozu diese ewigen Hinweise auf die Vorkriegszeit? Wer in der Borkriegszeit einmal einen Blick in die Werkstatt eines Schuhhandwerkers oder einer Schuhfabrik geworfen hat. der weiß, was Arbeiishöllen sind. Die Elendslöhne der damaligen Zeit sind wirklich kein geeigneter Ausgangspunkt zur Feststellung dessen, was heute und infolge der Leistungssteigerung möglich ist. Die Lebenshaltung der Schuharbeiter steht schon seit einer Reihe von Iahren nicht mehr mit den gesteigerten Lebens- Haltungskosten im Einklang. Bei den Verhandlungen im Früh- jähr lehnte man die Forderungen der Arbeiter ob, weil der Ge- schäftsgang ein schlechter war. Jetzt, bei verbessertem Geschäftsgang will man aber auch nichts von Lohnaufbesserungen wissen. In der vergangenen Periode des Niedergangs haben die Unternehmer von den Lohnregulierungen nach unten ausgiebig Gebrauch gemacht. Viele Aktordarbeiter stehen heute schlechter als im August 1S2ö, dem Zeitpunkt der letzten Lohnregelung. Ob durch die Lohnerhöhung eine Erhöhung der Schuh- preise notwendig wird, ist mindestens sehr die Frage. Die R a t i o- nalisierungsperiode ist doch auch an den Schuhfabriken und -Werkstätten nicht spürlos vorübergegangen. Man wird nickt be- haupten können, daß die Arbeiter für erhöhte Anstrengung im Lohne am erhöhten Ertrag entsprechend berücksichtigt worden sind. Deshalb muß das Reichsarbeitsministerium fest bleiben. * Wie angekündigt, sind gestern auch in Berlin die Kündigungen der Arbeiter und Arbelterinnen der Schuhfabriken vorgenommen worden. Wir haben noch nicht ermitteln können, welchen U m i a p. j| dies« Kündigungen angenommen haben. Das„Berliner Tageblatt � das offenbar von den Unternchmern diese Mitteilung hat, spricht von 5000 Arbeitern und Arbeiterinnen, die in Berlin die Kündigung er» halten hätten. Ob diese Mitteilung den Tatsachen entspricht, möchten wir vor» läufig bezweiseln. Wie auch die Verhandlungen heut« im Reichs- arbei:sministerium ausgehen mögen, so viel können wir wobt jetzt schon sagen, daß die Bäum« der Scharsmacher in der Schuhi-.d ls�ie ganz gewiß nicht in den Himmel wachsen werden. So wie es s-.'ch die Führer der Fabrikanten ausgedacht haben, werden die Dinge nicht oerlaufen. hällnissen weiterarbeiten müssen, gilt es setzt, das Organisationsoer. hältnis gründlich zu oerbessern. Die Zweifler, die immer betonen, die Organisation rüge ihnen gar nichts, dürften jetzt von der Irrig- teil ihrer Auffassung überzeugt sein. Wenn es gelingen soll, auch mit den Großbetrieben Derträge abzuschkießen, die neuen Verträge zu holten und auszubauen, kann es für die un- organisierten Kraftfahrer jetzt nur noch die eine Parole geben: Hinein in den Deutschen Derkehrsbund! Selbsthilfe der erwerbslosen Artisten. Di« Notstands-Darletö-Ermmission der Artistenselbsthilse(No- Da-Co) hatte zu Mittwoch pachmiltag nach dem Gewerkschaftshaus eine öffentliche Versammlung der Artisten einberufen, in der das dslosenproblem eingehend behandelt wurde. Diese Kommission Internationalen Ar- Erwerbslosenproblem eingehend behandelt wurde. Diese Kommis hat mit Unterstützung der t i st e n l o g e eine eigene produktive Erwerbslosenfür- sorge geschossen, indem ste mit erwerbslosen Artisten Not» stondsoorstellungen veranstaltet, die bei der Bevölkerung sehr bekannt und wegen ihres künstlerischen Niveaus überaus beliebt geworden sind. Seil dem Februar dieses Jahres wurden insgesamt 207 Nolstandsvcrstellunqen veranstoliet mit über 300 Barietedarbie- lungen, in denen riing ,00 erwerbslose Artisten, die meisten wieder- Holl, beschäftigt wurden. Bon den etwa 02 000 M. Einnahmen wurden nach Ab�ug aller Unkosten für Musik, Inserat«, Steuer usw. 32 000 M. an die engagementelosen Artisten ouegezohll. Die dieser Selbsthilse zur Verfügung stehenden Mittel sind aber völlig unzureichend, um diese Notstandsaktivn im größeren Maße durchführen zu können. Die Kommisston hatte einen Eni- wurf ausgearbeitet, der an das Reichsarbeitsminister üun gesandt werden soll und in dem gewünscht wird, daß aus den vom Reichstag bewilligten Mitteln zur produktiven Erwerbslosenfürsorge auch der Artistenschoft größere Zuschüsse gewährt werden zur Fortführung ihrer Rotstcndsmaßncchmen. In dieser Eingabe wird betont, daß die Artisten, die in der Sozialgesetzgebung immer ziemlich stiesmütler- [ich behandelt wurden, trotzdem aber ihre Pflichten gegenüber dem Reiche stets erfüllt und vor ollem der deutschen Kunst im Ausland« zu Ehren verHolsen Haben, vom Reich erwarten, daß es einen großen Teil der hungernden Artisten nicht im Elend versinken lassen wird. Genosse K o n o r a h von der Internationalen Artistenloge oer- sprach den erwerbslosen Artisten die vollste Unterstützung der Loge und des AfA-Bundes bei der Vertretung dieser aus der Not ge- borenen Forderungen, desgleichen auch der Stadtoerordrete Genosse F l a t a u vom AsA-Ortskoriell. Die Versammlung stimmte dem grundsätzlichen Inhalt der Ein- gab« einstimmig zu und wählte eine siebengliedrige Kommission, die die vom Genossen Konorah vorgeschlagene und von der Dersamm- lung gebilligt«?1bänderuno der Eingabe in einigen Punkten vor- nehmen soll. Diese mit Hilse der zuständigen Organisation unternommene praktische Selbsthilse hebt sich erfreulich ab von der bom- bastischen Zersplittenmgsaktion oes sogenannten Neichsausschnstes der erwerbslosen Schauspieler, hinter dem die KPD. steht, praktisch also nicht»..»_____ Weihnachtsfeier der Lithographen. Di« Mitgliedschaft Berlin des Derfxmdes der Lithographen und Steindruck«? hall« zu Dienstag nachmittag ihr« arbeitslosen Mitglieder noch dem Gcwerkschostshaus zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Bon den zurzeit 351 arbeitslosen Verband»- Mitgliedern waren fast olle erschienen. Es war kein« gewöhn- liche Weihnachtsfeier mit seichten sentimentalen Vorträgen und traditioneller Tannenbaumstimmung, sondern eine selten künstlerisch« Feier. Di« allen Rundfunkhörern bekannte Kapelle der Gebrüder Steiner hatte sich in anerkennenswerter Weise unentgeltlich zur Verfügung gestellt und bestritt den größten Teil des geschmackvoll und abwechselrmgsreich zusammengestellten Programms. Werke von Wagner, Puccini und Lifzt wechselten ab mit bekannten Melodien von Strauß, Brahm». Kreisler usw. Der bei der Ueberreichung eines Lorbeerkranzes und auch sonst geboten« Beifall der Eilchterienen dürste den Künstlern genügend Lohn gewesen sein für ihre hohen künstlerischen Leistungen. Der Beifall und die Auftnerksamkeit dürft« ihnen weiter auch bewiesen haben, welches Verständnis auch die Ar- befterfchaft Künstlern und ihrer Kunst entgegenbringt. Ein� von Frft©tagen oorgstragener Prolog des Acbefterdichters Franz Rothenfelder erntete ebenfalls reichen Beifall. Genrsie Gustav H o f s m o n n schilden« in einer kurzen Ansprache die Bedeutung des Weih nachts festes für die Arbeiterschaft, die sich an diesem Fest der Sonnenwende immer wieder geloben muß. einig� zusammenzustehen im Kampfe für den wahren„Frieden aus Erden". Die Arbeitslosen erhielten außer einer geldlichen Unterstützung «in reichhaltiges Mittogesien und frei« Getränke,«in Paket mit Lebensmitteln und Rauchwaren. Einig« Rezitationen und humoristi- fche Vorträge beschlossen die gut gelungene Feier. Den Arbeit-lcftn war die Feier ein erneuter Beweis für die im Berbande der Lithographen von jeher geübte praktische Solidarität. Eine Fälschung der».Noten Fahnc�. Durch«in technisches Versehen ist die von uns im gestrigen Abendblatt niedriger gehängte Fälschung eines Zitats des Ge- nassen Leipart durch die ,Mot« Fahne" nicht gesetzt worden. Zu dem Satz, daß sich Vertreter der Sozialdemokratischen Partei ge- s un den haben, die die Argumente der Unternehmer wicderh ftten, halte die„Rote Fahne" aus eigenem die Wort« hinzugefügt: „allen voran der„Vorwärts". Dies« Fälschung ist allerdings saudumm, denn gerade der„Vor- wärts" Hai vom ersten Augenblick eine scharf« Kampagne gegen die Arbeitszeiioerordnung geführt. Aber wenn man den beövuernsweiucn Lesern der„Roten Fahne" vorschwindeln kann, die SPialdemokratie und die deutsch« Regierung plante»«inen Krnpg gegen Sowjetrußland, während zur selben Zeit Sowjet- rußlond der Reichswehr Munition unj> Flugzeug« liefert, warum sollen die oerdauungsstarken Leser der Berliner„Pvawda" nickst auch diesen Schwindel schlucken. französischer öeamtenkongreß. Paris, 22. Dezember.(Eigener Drohtbericht.) Die Mittwoch- tagung des Aeamtenkongresies war beinahe vollständig mit einer Rede des Generalsekretärs Laurent ausgefüllt, der sich gegen die am Dienstag von kommunistischer Seite gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen, er vertrete die Interessen der Beamtenschaft nicht genügend und sei zu regierungsfreundlich, verteidigte. Im Laufe der Rede kam es zu wüsten Kundgebungen der kommuni- st i s ch e n Minderheit, als der Redner erklärt«, er habe einen Augenblick daran gedacht, stch gegen die Führer der Minderheit in der Föderation der P o l i z e i b e r i ch t e zu bedienen, aus denen hervorgehe, daß diese mit den Kommunsten in Verbindung stünden. Der Larm wurde zeitweise so wüst, daß Laurent in seiner Rede nicht fortfahren tonnte. Laurent schloß mit einer Mahnung zur Verstän- digung innerhalb der Föderation und forderte die kommunistische Minderheit aus, sich den Beschlüssen der Mehrheit zu unterwerson. Trotzdem der kommunistische Abgeordnete P i c q u e m a l das Wort sosort verlangte, um auf die Rede Laurents zu antworten, beschloß der Kongreß, die Debatte für Mittwoch zu schließen. Deutscher We:kmcist«r»ert,ud. Die Deslbäslslie?« des Bezirks I bleibt cum ssreitaq, 24. Dezember, naämitiaes 1 Ubr. bis clnlülicblich 26. Dezember si«- ichloilsn. Auch für bis Reit vom 31. Dezember, nechmiltag« 1 Uhr. bis«»» lchllckiich 2. Januar 1327 bleiben die Bureaus aefchlosse». Die Deschitfisftell«: gez. P. Rotb«. ifrei« Dewerkschofteiusnnd. Die Lprechstunbe am Heiligabend fallt au« un» findet basllr bereils heut«, Donnerstog, statt.— Ääyenich: Srupvenbeim Jugendheim Grünauer Str. 5. Wsihnachtsfcier.— Zemveihos! Giuvvenheim Lvzcum Germania sir. 4- 6. Weibnach sfeier.— Siibosteu: Gmivvendeun Reichenberger Sir. 66(Jsuerwclirhaus). Sonnenwendscie-.— Epavbau! Gruvvsnheim Iuaendhcim Lindenufrr i. Besprechung der Weihnachtsfeier.—» Moabit: Gruppenhcim Stadt. Jugendheim Bremer. Ecke Wi-lciilrah«. Winte» fonnenwend«. Berantmortlich für Politik Dr. Gurt Geyer; Wirtschaft:«. ttllngelhöffr; Dewerkschofisdewcguna: J.«triner; iseuiNtton: K. S. Dl'cher; Lok.dle» und Sonfliges: z itz ttarüäbt: Anzeigen: Zh. Glocke! fitmlllch in Berlin. Verlag Bormarts-Pmlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: PormSrls-Buchbruckerrt und Brrlogsenfialr Paul Sin-er u. Go.. Berlin SW 63, Lindenfirahe 3. Hierzu l Beil»««.„Unterhaltuua»üb Willen' und..Ilrauenftimm»'. tZezcjimscjrvolle (Zesdienkpadtungen Zigaretten Rauchtabake * Heißhunger Das schönste Weihnachtsgeschenk: *mit Ring mj überall erhältlich nx> schicken mir ab 20 M. franko. Berliner Straße 29-30. flr. 603 ♦ 4S.�ahrgang 7. Seilage öes vorwärts Vonnerstag, 23. Dezember 1026 Ein unmöglicher Umsteigebahnhof. Morgens zirka HS Uhr auf dem Hochbahnhos Halle- s ch e s Tor. Der Bahnsteig Richtung Warschauer Brücke hat sich trotz des 2 H-Minuten-Verkehrs schnell wieder gefüllt. Ein Zug fährt ein. Noch ehe er hält, springen aus den längst geöffneten Türen die, die es immer eilig haben(sie stehen immer fünf Minuten zu spät auf) und die den Betrieb hier kennen, sie schlängeln sich mit einer Gewandtheit, die lange Uebung erkennen läßt, zur Treppe. Eehr sanft sind die Püffe nicht, die sie erwischen und wehe, wenn irgend jemand die Regel durchbricht und nicht rechts geht..Rechts gehen, zum Donnerwetter!"' erscheint dann noch als ziemlich höfticher Zuruf. Im Umsehen ist dann der schmale Bahnsteig von einer sich drängenden und schiebenden Menschenmenge bedeckt. Nachzügler, die den Zug noch zu erreichen versuchen, schwimmen vergebens gegen den Strom. Sie können froh sein, am Treppengeländer festge- klammert, nicht mitgerissen zu werden. Und kaum hat sich die schmale Treppe entleert, donnert ein neuer Zug in die Halle. Noch schlimmer wird es beim Ausgang und dem Zugang zur Nordsüdbahn. Ein ununterbrochener Strom von Menschen hastet von der Nordsüd- bahn aus Richtung Kreuzberg, Neukölln oder Seestraße kommend die Treppen zur Hochbahn hinauf. Wenn es der Zufall will, daß gleichzeitig mit dem von Gleisdreieck kommenden Zug ein anderer aus Osten in den Hochbahnhos einläuft, entsteht«in wahr- Haft beängstigendes Gedränge. Man hat jedenfalls da» Gefühl: jetzt K 4� ist die Höchstbelastungsgrenze der Treppen erreicht, jetzt kann im buchstäblichsten Sinne.kein Apfel mehr zur Erde fallen" und wundert sich, daß trotzdem die Massen im Fluß bleiben und sich nicht einfach zu einem unentwirrbaren Knäuel stauen. Das ist freilich der bewunderungswürdigen Disziplin des Hochbahn- fahrenden Publikums zu verdanken. Ohne Schupo, ohne Verkehrs- regelung geht alle» seinen Gang, wenn auch longsam und mit«inigen nervösen Ausbrüchen. Was den Bahnhof Hallesches Tor aber besonders zu einer Plage de» Publikums macht, sind die hohen Treppen, die beide Bahnhöfe miteinander verbinden. Mige- sehen von der Länge de» Ganges find SS Swfen zu steigen, um von der Nordsüdbahu zur Hochbahn zu kommen. Das ist für den Normolmenschen schon ein« anständige Leistung, wenn er in der Berliner verkehrshetz« zwischendurch noch die Höhe eine» vier- stöckigen Hauses erklimmen mutz. Für Herzkranke und Schwächliche ist dieser llmsteigebahnhos direkt eine Katastrophe. Die letzt« Berkehrszählung wird der Hochbahngesellschaft gezeigt haben, daß die Umsteigetreppen teine halb« Sekunde leer sind. Also her mit der Rolltreppe! Bei der letzten Verkehrszählung hat die Hochbahngesellschaft m dem Derbindungsgang besondere Zähl» schalter aufgestellt. Es mußte sich also genau feststellen lasten, wie- viel Personen die Treppen täglich benutzt hoben. Zum Nammutfunü in Neukölln. Der kürzlich beim Bau der Untergrundbahn am Hermannplatz in Neukölln aufgefundene Backenzahn eine» Mammuts, der von beträchtluher Größe ist, läßt wieder einmal blitzartig einen Einblick tun in jene erdgeschichtlich ferne Zeit, in der das Mammut hier lebt«. Gerade Neukölln hat uns schon manchen wertvollen Fund aus jenen längst entschwundenen Tagen beschert. In den Kiesgruben, die sich in der letzten Hälfte de» vergangenen Jahrhunderts an den ehemaligen Rollbergen hin- zogen, wurden vielfach Zähne und Knochen jetzt ausgestorbener Tier« gefunden, unter anderem auch vom Mammut. Die Schichten oberhalb und unterhalb der Kieslager bestehen aus Ablagerungen, die von der Eiszeit hinterlasten wurden. Die Kieslager müsten in einer Zeit entstanden sein, in der das Land eisfrei war; sie gehören einer Zwischeneiszeit an. Di« zwischen«»- zeitlichen Funde von Neukölln, das bekanntlich bis llll? Rixdorf hieß, haben wertvollen Erkcnntnisstoff für den erdgeschichtlichen Auf- bau der Heimat geliefert. Der.Rixdorfer Horizont", wie die!« Schichten in der Wistenschoft genannt werden, hat gut« Aufschlüsse über das Aussehen der Heimat in jenen Urwelttogen gegeben. Au» den vielen Funden, die auch an anderen Orten gemacht wurden, ist man über die Gestalt des Mammuts sehr gut unterrichtet. In dem dauernd gefrorenen Boden Sibiriens, den Tundrensümpfen, wurden Kadaver des Mammuts von der Eiszeit her aufgefunden. Sie waren noch mit dem Fell bekleidet, und das Fleisch war so gut erhalten, daß die Hunde der Forschungsexpedition mit Wohlbehagen über dieses älteste„Gefrierfleisch" der Erde herfielen. Teil- weise hatten diese Tiere sogar noch unverdaute Pflanzennahrung im Magen. Diese Pflanzen gaben wertvollen Aufschluß über das eis- zeitliche Pflanzenleben. Das Mammut war etwa Meter hoch und mit einem duntelrotbraunen Haarkleid versehen. durch das es als Bewohner kalter Gebiete gekennzeichnet ist. Es hatte die größte Aehnlichkeit mit dem jetzt lebenden indischen Elefanten. Die Ohren waren kleiner, der Schwanz kürzer, ober an der Wurzel dicker. Die gewalligen Stoßzähne waren spiralartitz gebogen. Sie gingen erst nach auswärts, dann nach innen und zeigten mit den Spitzen einwärts, rückwärts und aufwärts. Eine natur- wahre Nachbildung des Mammuts im verkleinerten Maßstab befindet sich im Märkischen Museum. Andere Fund- stellen tierischer Ueberreste aus der Zwischeneiszeit find in der Berliner Umgebung besonders in den Kiesgruben an den Müggelbergen und in den Ziegelei gruben des Hovellands(Phöben, Ketzin). An dem Hause Molken- markt 12/13 in Berlin befindet sich«in Schulterblatt und ein Stoß- zahn vom Mammut, die man in früherer Zeit hier ausgegraben hat. Nach dem Dolksmunde sollen es Schulterblatt und Rippe eines „Riesen" sein. Das Haus aber heißt heute noch„die Rippe". vom Schicksal verfolgt. Krankheit— Not— Kokain. Die Kokainseuch« nimmt trotz energischer Bekämpfung nicht ad. Di« Großstadt kennt tausend Schlupfwinkel. Aus unzähligen ge- Heimen Wegen findet das weiße Gift den Weg zu seinen Unglück- lichen Derbrauchern. Die Großhändler verstehen es meist, sich den Zugriffen der Polizei zu entziehen. Dafür fallen ihr die kleinen Vermittler um so eher in die Hände; in der Regel sind diese Händler auch selbst Kokainisten. Die wenigen Monate Gefängnis, die sie erhalten, bringen ihnen keine Heilung: besondere Entziehung»- an st alten für Kokainisten, in denen sie bei nutzbringender Be- schäftigung sich solange aufzuhalten gezwungen wären, als es nötig stt. um sie vom Gift zu entwöhnen, gibt es nicht. In die Irren- o»stalten zu gehen, scheuen sie sich. So kämpft im Richter das Bewußtsein von der Nutzlosigkeit der Gefängnisstrafe für den Kokainisten mit dem Glauben, durch harte Maßregelung aus die Kokainhändler abschreckend wirken zu können. Die großen Kokain- Ichieber lachen sich aber ins Fäustchen. Das Schicksal des Kellners N. ist für den Lebenslauf eines Kokainhändlers typisch. Der Kriez hat ihn unversehrt gelösten trotz zweier Verschüttungen und zweier Verwundungen. Als er aber später in Hannover in einer Kessel- schmiede arbeitete, fiel er vom Gerüst und zog sich einen Schädel- und Nosenbeinbruch zu, die sein Gesicht verunstalteten. Trotz- dem heiratete ihn seine Braut. Im Krookenhaus gewöhnte man ihn an Narkotika. In Berlin arbeitete it dann als Kellner. Der Versuch, einen falschen Sl)-Dollar-Schein loszuschlagen— ein Gast hatte ihm den Schein untergeschoben, und er wollt« den Verlust nicht tragen— brachte ihm ein Jahr Gefängnis ein. Während seiner Haft wurde seine Frau von Einbrechern völlig ausgeplündert. Nun standen beide vor dem Nichts. Da fanden sein« neuen Gefängniskollegen bei ihm«in williges Ohr, und«in neuer Diebstahl führt« ihn wieder ins Gefängnis. Nun war er physisch und seelisch ge- brachen, nur das Kokainschnupfen bracht« ihm Ruhe. Um sich materiell über Master zu halten, versorgte er in gewissen Lokalen die Kokser mit dem welßen Gift. Cr ließ es sich immer wieder von Aerzten zum eigenen Gebrauch verschreiben. Trotzdem versucht- er, von seiner Kokainsucht loszukommen; er konsultierte auch eine» Facharzt, und als dieser ihm wieder Kokain verschrieb, hatte«x nichts Eiligeres zu tun. als es wie gewöhnlich in den Handel zu bringen. Die Polizei war aber schon fest langem hinter ihm her. vie Wunöer öer Klara van Haag. «i Vau Johannes Vuchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Die Augen der Mutter folgen feinen Händen; sie ant- wortet nervös:„Von wem? Von niemand. Es kam ja mit der Post— vom Minister selbst, oder von der Bahn— ach Gott, du Aermster, jetzt Hab ich dein Essen nicht gewärmt— aber dort liegt der Umschlag, da kannst du selbst sehen, wo es herkommt. Ging es dir gut in der Arithmetik. Ema- nuelchen?" Jetzt verstand Emanuel plötzlich: das äußerte sich gerade- zu als ein stechender, körperlicher Schmerz in seinem Gehirn. Ach, so, haha. Das war also das Geld für das Haus. Die Abtretung an die Eisenbahn war in aller Stille geordnet. Die Examenarbeit hatte ihn von allem ferngehalten. Die Eltern axvren in dieser Sache auch geheimnisvoller als je gewesen. Und jetzt war es also geschehen. Wie merkwürdig: Früher hatte er Interesse für die Verlegung des Bahnhofs gehabt, aber das unendliche Hin- und Hergerede hatten ihn schlaff gemacht. , Rührt euch nicht vom Fleck," sagte der Vater plötzlich. „Es ist durcheinander geraten. Warum bist du auch nicht drinnen geblieben, wie ich sagte, jetzt sind es zwanzig Kronen zuviel geworden." Emanuel kam zu sich: ,L>ie werde ich wohl verloren haben." lachte er. „Es ist gar nicht zuviel," sagte die Mutter,„wir haben es vorhin gezählt, als du es hinlegtest. Laß mich einmal." „Nein, nein, ich will selbst!" Er begann die Augen ruckweise von Schein zu Schein gleiten zu lassen, während die Lippen flüsterten, daß das Ergebnis sicher schlechter als vorhin würde: er fagte ganz verzweifelt:, Ihr könnt wohl sehen, daß hier vierzehn Reihen zu je stebenunddreißig siegen. Das macht—" er sah auf «inen Zettel—„Fünftausettd einhundertundachtzig. Merkt euch die Zahl. Wie sagte ich? Gut. Dazu der Fünfhundert- kroncnschein. Wartet ein wenig. Laßt uns sehen, ob er echt ist. Nun. das macht— wieviel hatten wir vorhin?" ..Das macht zusammen Fünftausendsechshundertund- ���Rein, es muß mehr fem Nt«. vielleicht hast du Recht. Fünftausendsechshundertundachtzig und hier hinter mir liegen einhundertvierunddrcißig Zehner. Also, zwanzig Kronen zu viel. Jeder Zweifel ausgeschlossen. Die müssen gleich zurück geschickt werden!" „Die Bahn fft ja so reich, so reich." sagte die Mutter. „Du meinst, wir sollten es lieber Gott opfern— keine schlechte Idee—" „Halt, halt," sagte Emanuel, ,cha fehlt einer m dieser Reihe und einer in der!" Es zeigte sich, daß es dort war, wo die Klavierfüße den Platz einnahmen. Die Scheine wurden nun zu je hundert gebündelt. Die Mutter und Emanuel saßen auf dem Fußboden und sahen zu. Der Vater war der Meinung, daß die geringste Bewegung einen Wind verursachen würde, der ungeahnte Summen— hui— für immer wegwirbeln könnte. Erst, als er sie fest verschnürt hatte, atmete er erleichtert auf und wurde gemütlich „Kommt, hebt mich auf. Ach, Holl schnell die Küchemvage. Wir müssen wissen, was es wiegt. Der Teufel soll den Fünf. hunbertkronenschein holen, dadurch wiegt es ja weniger." „Schade, daß es nicht lauter Cinörestücke sind." meinte Emanuel. „Siebenhunderttausend. Ja. Rein, wenn es richtig zu- Singe, müßte man es in Gold haben, in Goldbarren. Dann rauchte man nur jedes Jahr ein bißchen abzubeißen! Aber Schein« gehen auch an. Weißt du. daß dreißig Zehner fort- laufend numeriert waren. Dreißig Glieder aus der Kette des Reichtums, die die Erde zusammenhält, sind in meinem Besitz!" Sie saßen gemütlich beisammen und besprachen sich. Emanuel aß mit ungewöhnlichem Appetit. Die Mutter ging immer wieder in die Küche. Gerade vor Egholm auf der Eck» des Klaviers lag das Geldpaket mtt der Schnur darum. Sie lachten und hatten unglaubliche Einfälle, alle das Geld be- treffend. Es war, als wäre das ganze Haus vollgepropft mit Geld in allen möglichen Formen und Werten. Aber hörten sie da nicht ein leises Klopfen? Sie sahen, daß die Tür Plötz- sich aufging, daß Frau van Haag sich wie eine Offenbarung zeigte. Egholm zog mit einem Ruck an der Schnur, und das Geldbündel hüpitze wie ein kleines Hündchen vom Klavier unter seinen Stuhl. . Egholm und sein feiner Sohn sitzen je wie versteinert da. Sehe ich»irklich jo gefährlich au»?" sagte Frau»au Haag. „Nein, nein, keineswegs," sagte Egholm,„aber ich glaubt«, meine Frau hätte die Tür verschlossen." „Ja, darum war ich. auck gezwungen, auf die Gartenbank zu klettern und durchs Fenster zu steigen." Da mußte Egholm wieder lacken, denn es war doch ein schrecklich prächtiger Gedanke, daß die feinste, herrlichste Frau der Welt durch ein Fenster zu ihm hereingekrochen kam. Er wollt« etwas recht Luftiges sagen, da er aber im Augenblick nichts herausbringen konnte, trat er vor den Stuhl, auf den Frau van Haag sich gesetzt hatte, und begann die Schnur auf- zubinden, daß das Siebentaufendkronenbündchen über den Fußboden gezuckelt kam. Schließlich hißt« er es hoch und lotst« es unter vielen Tanzschritten und Flügelschlägen in den Schoß der Gnädigen. Es folgte ein verwundertes Fragen, gefolgt von schnelle»» Antworten, siegreich wie Hurrageschrei. „Wir sind glücküch." sagte die Gnädige, als sie aufstand. Sie erhob sich mit Tränen in den Augen und schlang ihren seidengekleideten Arm um seine verblichenen Schultern. Die Gnädige verlangte, daß das Geld aufgeschnürt würde. Egholm tat es. Jetzt fürchtete er nicht im geringsten mehr Zugwind oder andere Katastrophen. .La," sagte Frau van Haag und blätterte hin und her. „Ja, das ist Geld, richtiges Geld. Herrlich viel Geld." „Sie haben mehr Geld als dieses gesehen. Im Geld- schrank Ihres Daters lagen die Rollen so hoch vom Boden!" Die Gnädige schüttelte den Kopf.„Hm— nein, das waren nichts als Attrappen. Wie lange reicht« es, als der Zoll aufgehoben wurde. Nein, Geld muß dort sein, wo Rauni dafür ist. Ich meine, wo«s nichts im voraus gibt. Bei Ihnen, Egholm." „Wir sind uns außerordentlich einig." sagt« Egholm mit einem Kratzfuß,„aber wo soll ich den Schatz heute Nacht aus, bewahren?" „In der Bank wohl--" Nein. Egholm hatte keinen Glauben an s» etwas. Er wollte es selbst verwahren. Den lieben Gott würde es auch nicht gefallen, wenn man sich so gut sichert«, daß er nicht mit Finger daran kommen konnte, wenn er es wünschte. „Beryrab es vnter dem Kirschbaum." schlug Emanuel vor. Die Gnädige ging völlig in diesem romantischen verstecken auf. „Wenn Sie es nun mit ins Bett nähmen?" „Da» ist wirklich«in« Idee!" »Sa,«a unter,«opfklsse» legt»»."(Fwrtfetzung so 31.) »»' hatte ihn bereits einmal verhostet und schaffte ihn min vor den Richter. Dieser vemrteille ihn vier Monaten G e i ä n g- n i s. Gleich einem Häuslein Unglück, am ganzen Leibe zitternd, saß er auf der Anklagebank. Wenn er aus dem Gefängnis heraus« kommt, geht das Koksen natürlich von neuem los. Was soll hier eigentlich die Gefängnisstrafe? Die Schnellbahn nach Lichtenberg. Fortführung der U-Bahnbauten«ach alle« Richtungen. Ueber die neue Schnellbahnlinic, die künftig durch die Frank- furterAllee nach Lichtenberg und Friedrichsfelde geführt werden soll, wurde in einer Besprechung folgendes mitgeteilt: Es ist vor aesehen, die Bahnhofsausgänge nicht in der Mitte der Straße anzulegen, sondern sie unter Beibehaltung der Bahnsteig onordnung zwischen den Gleisen nochdenSettenderStraße zu verlegen. Die Schnellbahn wird bis Friedrichsfeld« durch geführt, wo ein besonderer Betriebsbahnhof gebaut werden soll. Di« neue Strecke nimmt nicht, wie ursprünglich vorgesehen ihren Ausgang van der Klosterstraße, als Fortsetzung der bestehenden thoch- und Untergrundbahn, sondern sie erhält die wesenllich leistungs iähigeren Abmessungen der Untergrundbahn Gesundbrunnen— Neu kölln. Dementsprechend wird st« auch vom Alexanderplatz aus un- mittelbar durch die Königstraße noch dem Stadtinnern fpaterhm zu verlängern sein. * «luch die Untergrundbahnbauten über dos T e m p e l hofer Fe lh hinweg bis zum Ringbahnhos Tempelhof sind im letzten Monat gut vorangeschrttten. Bon den hier zu bewältigenden rund lSl)000 Kubikmeter Boden sind zurzeit etwa 100 000 Kubik meter ausgescbachtet. Die Erdarbeiten werden auch auf dieser Strecke selbst bei Frostwetter sortgesetzt werden können und werden End« Januar beendet sein. Es sind alle Vorberettungen getroffen, daß alsdann sofort mit den Bctonierungsarbeiten des eigentlichen Tunnels begonnen werden kann, so daß auch hier in den nächsten Monaten eine große Anzahl von Notstandsarbettern Beschäftigung finden wird. Auf der Baust recke am Südring Neukölln bis zur G r e n z a k l» e sind die Arbeiten In erhöhtem Maß« in Angriff genommen worden. Zurzeit schlagen zwei Rammen in doppelter Schicht die eisernen Rummträger für die Baugrubenaus- steifung und es wird zu gleicher Zeit die provfsorische Fahrbahm obdeckung, welche die später« Baugrube für den Straßenverkehr überbrückt, hergestellt. Die hier zu fördernden Bodenmassen, dt» sich auf etwa 130 000 Kubikmeter Boden belaufen, sollen zum größten Teil zur Aufhöhung des Jndustriegeländes in Neukölln oerwendet werden. Auch diese Arbeiten werden bei nicht all zu strenger Kälte einer großen Anzahl von Arbeitern den ganzen Winter hindurch Arbeitsmöglichkett jjeben. Bon der Bouverwaltung wird mit größter Energie darauf hingearbeitet, den Baubetrieb vorwiegend mit Notstandsarbeitern zu unterhotten. Es muß jedoch hervorgehoben werden, daß bei der Eigenart de« Untergnindbahn- baues, welcher neben der Absenkung von Grundwasser die Sicherung der in der Nähe stehenden Häuser erfordert, nicht immer Notstands- arbeiter beschäftigt werden können und speziell für die zum Teil recht umfangreichen Unterfahrungen von Häusern gut geübte Stamm- arbetter herangezogen werden müssen. Der neue Vahnhof Hennigsdorf. Am 15. Dezember ist an der vom Stettiner Lahnhof nach Betten (Start) führenden Borortstrccke der neue hochgelegtc Bahn- Hof Hennigsdorf mtt den gleichfalls hochgelegten Anschluß- strecken in Betrieb genommen worden. Damit wird der alte, zu kleine Bahnhof ausgeschaltet. Der infolge der Anlage der L o k o- motiofabrik der.AEG." und des.Stahl« und Walz- werks Hennigsdorfs mit den dazugehörigen Siedlungen rasch angewachsene Ort erhält einen seiner Berkehrsbcdeutung ent- sprechenden, neuzeitlich«Ingerichteten Bahnhof mit weitgehenden Er- Weiterungsmöglichkelten. Mit der Dollendung dieses Bauabschnittes. der febr umfangreich» und schwierige Arbeiten, wie die Heranschasfung von 530 000 Kubikmeter Erdmassen aus etwa 6 Kilometer Entfer- nung, die Beseitigung dreier verkehrsreicher Straßenübergänge in Schienenhöh« durch weitgespannt» eiserne Ueberbrückungen, die An- läge breiter Personentunnels sowie sonstiger Baulichkeiten für den lO yt la»>S ff)«««• 9 m(%.• C«% w S....i. Z/l.Ii. �. w t.- V___...4. X 1 Betrieb und Berkebr, erforderte, ist ein weiterer bedeutsamer Schritt zur Verbesserung der Derkehrsverhältniss« an dieser Strecke getan. Für dieses Werk, da» einer großen Zahl von gelernten und ungolern- ten Arbeitern Beschäftigung geboten hat, mußten rund 2,5 M i l. l i o n e n M. ausgewendet werden. Weitere erheblich« Mittel wurden daneben für die Einführung des elektrischen Betriebe« auf dieser Borortstrecke verausgabt, der im Anschluß an die Hoch- legung des Bahnhof, Henm'gsdorf voraussschtlich a m 1. M ä rz 1927 eröffnet werden soll. Cr wartet noch hente... Die Unterschlagung eines Personenautos Kriminalpolizei. Am lS. d. M. erschii beschäftigt dl« nem Autm schien bei einem Autoverleiher in Halensee ein etwa 35 Jahre alter„Dr. Hans Mrozek*. stellte sich als Generaldirektor eines Farben- und Lockwerkcs in Hamburg vor und gab als Wohnung �Hamburg, Lehmweg<7" an. Zunächst bestellt« er einen Wagen für einen ganzen Tag. Am anderen Tage aber erklärte er den Wagen nur auf zwei Stunden zu brauchen, und wählte einen„Zweisitzer�, einen dunkelblauen„Eitroen'wagen mit schwarzem Kunstlederbezug, elektrischem Licht, der Erkennungs- nummer I. A. 28 434 und der Motornummer 22 277, im Werte von 3800 Mk. Als Sicherheit gab er einen Scheck der Dresdner Bant in Homburg über 100 Mk. Der Verleiher wartet noch heut« vergeblich auf die Rückkehr des selbstfahrenden Kunden. Dieser hat den Wagen wahrscheinlich längst irgendwo in Berlin lombardiert oder oerkauft. Die Kriminalpolizei stellte fest, daß«In Mann unter dem angegebenen Namen früher einmal in Hamburg gewohnt und auch ein Bankkonto gehabt hat, das aber längst erloschen ist. Von daher besitzt er noch da» Scheckbuch. Mitteilungen über den Verbleib des Wagens und de» Selbstfahrers an Krlminalkommlslar Seine- meyer Im Pvlizeiprästdium. v. Oppen legt Verufong ein. In voriger Wach« verurteilte das Potsdamer Schöffengericht den früheren Oberleulnant Baron Hermann v. Oppen wegen Untreue, Betrug und schwerer Urkundenfälschung zuzweiIahren Gefängnis mit Bewährungsfrist. Segen diese» mild« Urteil hat».Oppen auch noch Berufung eingelegt. Die Potsdamer Strafkammer wird lich nun mit diesem Fall noch einmal zu be- schäftiaen haben. Man kann gespannt sein, ob der Vorsitzende der Strafkammer von den Pressevertretern gleichfalls Schwelgepflicht über die Aussagen oerlangen wird. Da» Arbeiler.gullur.Sartell feiert die diesmalige Jahreswende in einer besonderen, dem proletarischen Gedankenkreis eiusprechcnden Fcrm. Sie soll stattfinden nicht in der üblichen Weis» in Lokalen, fondern draußen in den Anlagen des Kreuz. berges. Im Rahmen eines eigen» für diesen Zweck von Bruno Schönlant geschriebenen Sprechchorwerks wird die Stunde der Jahreswende symbolisch gefeiert werden. Es wirken mit: der Sprechchor für Proletarisch» Feierstunden unter Leitung von Albert Florath und Heinrich Witt«,«in Blasorchester unter Leitung von Sascha Härenst«in und der„Gemischte Thor Groß-Derlin*. Preis der Kart« 50 Pf Karten für all« Ler- anstottungen sind zu haben im Ortsausschuß des ADGB., Engelufer 24/23, in den Bureaus der Verbände, im Zentralvcröand der Angestellten, Belle- Alliance-Ste. 7/10, Tabakvertrieb©FG., Insel- maße 6, Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25.„Vorwärts". Buchhandlung. Lindenslraße 2, bei den B'ldungsolckeuten der Kreise und Abteilungen, in den ,Borwärt»".Speditionen. Ein Dämon. Ein gefährlicher Erpresser. Als die Frau eines Postschaffners am 12. Oktober d. I. von einem Ausgange heimkehrte, fand sie ihren Mann mtt dem Gas- schlauch lm Munde tot vor. Auf dem Tisch log etn Abschiedsbrief folgenden Inhalts:„Liebes Urselchen! Ich habe meinem Leben ein Ende gemacht. Ich konnte es nicht länger ertragen, denn ich bin in Erprcsserhände gefallen. So einer war der Franz B e r g e r. Er war schon wieder da und hat von mir 200 M. oer- langt, indem er mich auch mit dem Revolver bedrohte. Er will wiederkommen. Mein letzter Wunsch ist: Wenn er wiederkommt, nehmt ihn fest. Ich habe schwere Qualen erduldet. Lebe wohl. mein liebes Urselchen. Ich bin unschuldig." Am Zlbend fand sich tatsächlich ein junger Mann vor der Wohnung ein. der sich Franz Berger nannte und ein Schriftstück angeblich übergeben wollte. Er wurde von der herbeigeholten Polizei festgenommen und stellt« sich als der 20jShrige Kellner Alois Dämon heraus. Dieser hatte sich nun unter der Anklage der Erpressung und Bedrohung mit Mord vor dem Schöffengericht Mitte unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Steinhaus zu oerant- warten. Wie die Verhandlung ergab, muh ein verhängnisvoller Zufall den Verstorbenen mtt Dämon in Verbindung gebracht haben. Dieser ist nämlich trog seiner Jugend einer der gefährlichsten Er- vrcsier aus den Kreisen der männlichen Prostituierten. Er ist ein schmächtiger blasser Bursche, den man nach seinem Aeußeren für einen harmlosen Menschen hallen könnt«, wenn dem nicht sein ver. schlagener Blick und sein Auftreten Lügen spräche. Dämon hat eine böse Vergangenheit hinter sich. Die Kriminalkommissare I a a p und Keßler wußten viel von der Gesährlichkeit dieses Burschen zu erzählen, der mehrfach Männer auf der Straße angesprochen und verfolgt hall«, sogar bis in die Prioatwohnung und das Geschäft. In diesen Fällen hatten die Verfolgten sich aber nicht ein- schüchtern, sondern den Burschen festnehmen lassen. Wenn Z. si-y vertrauensvoll an uns gewandt hätte, so meinten die Krimi. nalisten, so wäre er wahrscheinlich am Leben geblieben. Der An- geklagte versuchte es so darzustellen, als ob er Z. in einen Soielklub eingeführt habe und ihm dort nach Derlusten im ganzen 800 M. geliehen hätte. Das Geld habe er zurückverlangt. Aus den Vor« halt, daß die Briefe etwas ganz anderes sagten, kam der Ange- klagte mtt dem„Dreh", daß vor der Frau die Spielverwste ver- schleiert werden sollten. Er bestritt auch die Bedrohung mit dem Revolver, da er nur eine Schcinpistole besessen habe. Die Witwe des Verstorbenen schilderte unter Tränen, daß sie nicht den gering- sten Anhatt dafür habe, wie ihr Mann mtt dem Jungen in Ber- bindung gekommen sein könne. Daß er gespielt habe, glaube sie nicht, denn er sei nie abends oder nachts, außer wenn er Dienst hatte, weggebliebem Don der Postbehörde ist Z. dos Zeugnis eines einwandfreien Beamten ausgestellt worden. Staatsanwattschaftsrat Dr. Seidenspinner bezeichnete den Angeklagten als einen der gemeinsten Erpresser, der den Tod des unglücklichen Mannes auf dem Gewissen habe. Er beantragte drei Jahre Zucht- Haus und vier Jahre Ehrverlust. Nach längerer Beratung hielt das Schöffengericht den Angeklagten Im Slnne des Strafanttogc» schuldig. Das Gericht mußte sich aber nach der von Landgerichts- direktor Steinhaus gegebenen Urteilsbegründung freimachen von dem berechtigten Abscheu vor der Person des Angeklagten, der zu der erbärmlichsten und verächtlichsten Sorte von Menschen zähle. Es war auf seine Jugend Rücksicht zu nehmen. Deshalb wurde nicht auf Zuchthau» erkannt, sondern es wurden ihm mildernd« Umstände �gebilligt. Cr muß aber aus erzieherischen Gründen auf längere Jeit hinter Gefängni-mauern oerschwinden. Daher hat dos Gericht auf zwei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehroer- tust erkannt. Zwei Monate wurden aus die Untersuchungshaft an- gerechnet. Mtt dem milden Urleil war dek Angeklagte keineswegs zufrieden und erklärte, daß er Berufung einlegen werde. Ein neuer Heilapostel. > Der König Ist tot, es lebe der König! Schon hat der ver- storbene Heilapostel Couä, dessen Methode auf der optimistischen Behauptung ruhte„Mir geht es schon bedeutend besser", einen Roch- folger gefunden. Karl Hagendorf, der neue Messias, sprach im M eiste rrsaal vor einer kleinen Schar Gäste über seine Heil- method«. Er will mit gütigem Empfinden, das in Worten und liebevollen Handbewegungen seine Zlusstrahlung findet, den Heilfaktor für alle Krankheiten, ja noch mehr, für«in Derhüten jedes Krankwerden» und unumschränkte Berlängerung der Lsbensdauer gefunden haben. Also die Wissenschaft kann einpacken! Natürlich glauben diese Seelenärzt« an ihre Mission und deren Heilkraft felsenfest, und dieser Glaube oersetzt sie in eine Art Autosuggestion, die sie auf die Schäslein ihrer Umgebung zu übertragen suchen. Hagendorf hatte seine geheilten Patienten als lebende Referenz gleich mitgebracht: sie sollen ihm Helsen, leln» Lehr« in die wette Wett zu tragen. Glaub« macht bekanntlich selig, und es hat ja zu allen Zelten solch« Menden gegeben. Eine Proletarische des Arbeiker-Suttnr-Sarkclls rt erstünde Groß-Vertin findet am sonntag, oen 26. Dezember, vormittags 1 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße, statt.„Weihe- nacht— Freuden tag" ist der Gesamttitel dieser Feier. Es ist ein Sprechchor mit Musik, Gesang und Tanz von Franz Rothenfelder. Die Musik— mtt Ausnahme der Begleitung Im Gegensatz zu Mar g.ß ret« Caemmerer und ähnlichen Haus» kulturgeschichtliche Studie, die Olo Alfen entwirst, der ..._________ Einfachheit die beiden entzückenden Andersenschen Märchen„Der Tannenbaum" und„Zwölf mit der Post". Am Abend dann der interessont- Bor- trag des Oberingenieurs Siegfried H a r t m o n n über„Technische Fortschritte im Jahre 1026". Hartmann bezeichnet dieses Jahr als da» Revolutlonsjahr der Technik, da von hier aus durch die Erfin- dung der Kohlenoergasung und-oerölung ein neuer Abschnitt In der Gesamtwirtschast der West beginnt. Gustav H o ch st ä t t« r ist in 'einer Plauderei„Was wünschen Sie zum Fest?" mit mehr Ein- ällen gesegnet als sonst, und der„Bunte Abend" bringt hauptsächlich Bruchstücke au, Winterbergs neuer Operelte„Der Trompeter vom Rhein, mit Bronsgeeft. Helmut Krauß. Else Knepel und Josefine Klein als Solisten. Bronsgeeft Ist in der Höhe behindert, und die Stimm? von Helmut Krauß kommt im Rundfunk zu keiner besonderen Wirkung, dogeaen singt Else Knepel sehr klangschön. Di« Musik, soweit aus diesen Bruchstücken aus das Ganz« geschlossen werden kann, hat unbedingt Einfälle und schöne, langbare Melodien. Am störksten sst sie Im Tänzerischen. Das Wolzerduett„Wir Mädel, vom Rhein" und die Gavotte„Alles in der Welt Ist doch nur Illusion" lnd sprühend In der Melodie, aber die Parti« des Temperament, scheint stark mit Sentimentalität überzogen zu sein. Bereit» das Walzerlied„Wenn jede Frau" kommt kaum über ein« schmachtende Haftung hinaus, und die Erzählung erinnert an den Trompeter von Neßlers Gnaden und an verstaubte Salonstücke,«in Interrnezzo jedoch beweist, daß Winterberq zu den wenigen modern«» Operetten- komponisten gehört, die die Instrumentation beherrschen. üanze ausgeführt Schülerinnen. Die vorkommenden Tänze sind im 1. Teil:„Schicksal", im 2. Teil:„Frühling und Kind— Wollen und Wind— Dirnen- tanz— Rachtsput— und Frühlingslust." Figuren: Dichter— Hein- rich Witte, Frau— Elsa Wagner. Aller Mann— Walter Werner. Junger Mann— Wolf Trutz. Kriegskrüppel— Heinrich Witte, Blindenführer— Wolf Trutz. Geiger— Waller Werner. Dirne— Elsa Wagner, ein Lateriienoirsteckcr— ein Zlehharmonikaspieler, ein blinder Mann, Kinder des Sprechchors, der Sprcchchor für Prole. tarischs Feierstunden. Der Eintrittspreis beträgt 1 M. Die taglicher» Verkehrsuufälle. Ein schwerer Straßenunfall ereignet« sich gestern nachmittag an der Ecke der Hermann- und Erfurter Straße zu Neukölln. Leim Ueberschretten des Fahrdammes wurde der 48jäh- rig« Arbetter Albert Bergemann aus der Melchiorstraße von einem Geschästsfuhrwerk überfahren und schwer ver- letzt. B. fand im Buckower Krankenhaus Ausnohme. Bor dorn Hause Friedrich-Ebert-Sir. 17 wurde der 52iährif< Kaufmann Als ed Flachs aus der Freiherr-vom-Stein-Str. S von einer Kraftdroschke überfahren. Mtt schweren inneren Verletzungen wurde F. tn das Elisabeth-Krankenhaus über- geführt. Belm Spielen auf der Straße wurde der 11jährige Schüler Heinz Schröpfer aus der Libauer Straße 9 am Helsingforfer Platz von einer Kraftdroschke überfahren und schwer verletzt. Sch. wurde in das Krankenhaus am Friedrichsliain gebracht.— Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Dungwage» und einem Straßenbahnwagen der Linie 27 kam es vor dem Hause Hermann- siraße 66 67. Der 38jöhrige Kutscher August Dallow aus der Friedrichsburger Straße mußte schwer verletzt in dos Buckower Krankeichaus geschafft werden. O Eine längere Verkehrsstörung, die sich sehr empfind- lich auswirkte, entstand gestern nachmittag um Vi5 Uhr bwch Achsenbruch eines Straßenbahnwagens der Linie 48 am Kott- busser Damm. Erst um%6 Uhr war das Verkehrshindernis durch eine größer« Arbeiterkolonne der Straßenbahn, die mit einem Hilfs- gerätewagen erschienen war, beseitigt. Der gesamte Straßen- bahnvertchr mußte umgeleitet werden. Selbstmord aus Bahnhof Frledrlchftrahe. Ein aufregender Dar- fall spielte sich gestern abend gegen zL8 Uhr auf dem Stadt- bah»steig Friedrich st raße ab. Ein jüngerer Mann, der gerade den Zug verlassen hatte, zog plötzlich eine Selbstladepistola hervor und brachte sich einen Schuß in die Herzgegend bei. Der Selbstmörder, ein 26jähriger Kaufmann Bruno R. aus der Gubener Straße, wurde durch«In n Wagen des Städtischen Rettungsamtes zu der naheliegenden Klinik in der Ziegelstraße ge- schafft, wo er hoffnungslos darniederliegt Der neue Leiter der„Dewog". An Stelle des zum Stadtbaurai "an Berlin gewählten bisherigen Leiters der Dewog, D«»� �e Woh- nungsfürsorge A.-G. für Beamte. Angestellte und Arbeiter(der gemeinwirtschltfttichen Zentralstelle �er freien Gewerkschaften und Geitossenschaften für das Kleinwohnungswesen), vr. ing. Marlin Wagner, ist in einer Sitzung des Aufsichtsrats der bisherige Keschäftsillhrcr der B liiv" Tuchlergefellschast d«r Dewog(der Gehag, Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktienges?ll- schaft), Architekt Richard LInneke gewähtt worden, der sein Amt bereits angetreten hat. Herr Linneke hat ebenfalls dt« Redak- tion der Zeitschrift„Wohnungswirtschast" übernommen. Wintersonnenwende der SPD. im großen Festsaal der Reuen Wett. Hasenheidc, am Dienstag, den 28. Dezeinbcr. Mitwirkende: Dcr junge Chor, Dirigent Heinz Tiessen. Die Solotänzeriu der städtischen Optr Erna Sydow mtt ihrer Kindertanzgruppe. Hans Kraus. Cello. Kurt Stabernack, Orgel. Alfred Bcisrle, Rezitation Am Klavier: Dr. Felix Günther. Ansprackte Reichstagsprästdem Lenoss« Paul Lobe. Einlaß 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. EintnUslarlen 60 Pf. für zwei Veranstaltungen l M., in den„Vorwärts"- Speditionen Neckarstraße 2, Siegfriedstraße 28/29, und an der llbendkasse. Das 2. Arbeiter- Slnsonle-Konzert findet am Dienstag, den 28. Dezember, abends 7>4 Uhr, in der Philharmonie mit dem hilharmonischen Orchester, unter Leitung von Jajcha orenstein, veranstaltet vom Arbetter-Kiütur-Kartell Groß-Deriin, statt. Programm: 1. Brandenburgisches Konzert Nr. 3 Ioh. Seb. Bach. 2. Sinfonie in C-Dur(Jupiter) A. Mozart. 3.„Pactflc 2 31" Artur Honegger. 4. Til Eulenspiegels lustige' Streiche Richard Strauß. Ein- trittspreis 1,60 M. Schorfchl Ehrngruber, der bekannte Veranstalter Münchener Ortginol-Bergnügungsstätten, ist wieder in Berlin und hat diesmal sein Lager im Lunapark ausgeschlagen. Es ist alles wieder da und es ist alles noch beim alten! Die Münchner Duld mit echt Münchener Inventar, boarifche Modeln, Buam in Lederhojen. aus- gezeichnete Schuhplattler, eine Kapelle, die viel Radau macht und eine Anzahl von Ständen zum Würfeln, Schießen, Porzellan- zerwerfen, ein Karussell usw.. alles mit bayerischer Originolbesetzung. Dazu Münchener Küche und süssige»„Münchener". Vom 1. Weih- Nachtsfeiertag ab sst außerdem täglich großer. Kölnischer Karneval". Schorschl scheint mit seinem Motto: großer Jubel, großer Trubel mit Humor, wie nl« zuvor, nicht zuviel versprochen zu haben. Nustus der Fiiairenleomarkicheiae. Fm Imeialenteil der i>o> liegenden Nummer veiöffenilicht die Deullche Rentenbanl eine Set-inntmachu»z, die den ilufnif und dl« Einziebunq der Fünsrenlenmartschei»« vom 1. No« Demier 1923 zum Ergenstand bat. ArelreligiSse Gemeinde, l. Feiertag, vorm. 11 Uhr. DadDelallee l.'i, FekIDorlrag De» Herrn C. Willbnuer:»Die Macht in unserer Mufil" lFIü.rel. aieige. Tebo). 1. Lieder odne Warle lTschaikowIty). 2. Filb>Img-»cd iSach). L. Feiertag! Herr Dr. M. Brie„Verbotene Llleralur'. Gäste willlourmen. Goldne Taten sind mehr wert als goldne Worte. Eine Kopfwaschung wöchentlich mit„Pi- xavon" fördert die Gesundheit und Schön- faeit des Haares mehr als hundert Schriften, Vortrage und Ratschläge über Haarpflege und Haartracht. Durch die Pixavon-Pflege wird das Haar seidenweich und geschmeidig, Voraua- Setzungen für die geschmackvolle Bubifrisur. Ktina der gewöhnlichen flüssigen Haarwaschseifen hat auch nur annähernd die Wirkungen von Pizavoiu Bestehen Sie fest auf„Pixavon"(nur in geschlossenen Originalflaschen), so- wohl für die häutliche Haarwäsche� wie auch für die im Frieier talon. Fordern Sie kostentos ran uns Abbildungen neuer Bubenkepf- schnitte für Winter 1926. LIN GN ER. WERKE Dresden Die neue Nummer der.UrbeNerwohlfahri" vom IS. Dezember 1926 bringt wieder zahlreich« üuer€)[aiUe Beitröge. So ichreibt Direktor Rudolf Schlosser, Leiter der Lübecker Erziehungs- anftakl Wackenitzhof„Hober sozial! st ische Erziehung", in drei Abschnitte gesccht:„Die sozialistische Idee".„Bon der?dee zur Wirklichkeit" und„Sozialistische Erziehung". Ministerialrat Dorothea Hirschfeld behandelt den„Entwurf eines Reichsgesetzes über die Fürsorge für hilssbedürs- t i g c Wanderer". In der Umschau ergänzt Luise Schröder, M. d. R., ihre Darstellung der Neuerung der Erwerbsloiensürsorge nach dem neuesten Stand der Gesetzgebung. Frau S. W r o n s k y behandelt Probleme der„Behebung der Wohnungsno.", Frau Klara Henriques schildert Aufgaben, Mittel und Organisa- rion der„K i n d e r s p e i s u n g". Die Umschau enthält auch einen Berich über die Tagung des Deutschen Dereins zur Fürsorge für jugendliche Psychopathen. Im Abschnitt„Aus der Arbeiter. wohlfahrt schildert Frau Schulz-Friedrich vom Verband der Gemeinde, und Staatsarbeiter„Die Ausbildungsbedingungen für Krankenpflegerinnen". Dem Artikel sind die neuesten preußischen Erloste, soweit sie die Ausbildung von Gesundheitsfürsorgerinnen für die Wohlfahrtspflege betreffen, beigegeben. Terichte aus der Organisation und ein Ueberblük über die wichtigsten Veröfsent- lichungsn der Fachpresse folgen. Der Elektroingenieur. Eines der Merkblätter, wie sie von der Deutschen Zentralstelle für Berufsberatung der Akademiker heraus- gegeben werden,„Der Elektroingenieur", ist soeben m neuer Auflage erschienen lVtrlag: Trowitzsch u. Sohn, Berlin «sW. 43, Wilhelmstr. 29.) Bersoster des Merkblattes ist D r.- I n g. W. Mojerezik- Berlin Das Merkblatt gibt zunächst einen Ueberblick über die Berzweigungen, in die der Berus des Elektro- ingenieur» sich spaltet. Es werden dann die geistigen und körper. lichen Eigenschasten aufgeführt, die für eine erfolgreiche Ausübung des Eleklroingeneurberuses die Voraussetzung bilde». Weiter wird der Ausbildungsweg geschildert, den der angehende Elektroingenieur bis zur Vollendung seines Studiums zu durchlaufen hat. Schließlich verbreitet sich das Merkblatt auch über die wirt» schaftilchen Aussichten des elektrotechnischen Berufes. Was der Verfasser hier sagt, bietet wenig Tröstliches. Der elektrotech- nische Beruf in Deutschland ist überfüllt. Zwar ständen dem Elektroingenieur eine Reihe von Betätigungsmöglichkeiten Im pri. vaten wie im öffentlichen Dienste offen. Auch habe das Elektrizi. tätswes-n in Deutschland noch eine gewisse Entwicklung vor sich. Aber die fortschreitende Rationalisierung habe zur Folge, daß so- wohl in der elektrotechnischen Fabrikationsindustrie wie bei den Stromlieferungsunternehmungen eine gewisse Einschränkung des Bedarfes an Personal eingetreten ist. Gegenwärtig hat es, nach Majerczik, sogar den Anschein, als ob die Rationalisierung!n einem rascheren Tempo fortschreitet, als die Ausdehnung der Pro- duktion, so daß In der Wirtschaft vorläufig weniger Personal statt mehr benötigt wird. Unter diesen Uwstmchen könne das Studium der Elektrotechnik nur denjenigen empfohlen werden, die sich dafür befähigt und berufen halten.„Aber auch diese müsten sich darüber klar sein, daß sie— von Ausnahmen abgesehen— ihr Leben lang in einer abhängigen Stellung sich befinden werden, und daß sie, wegen der Ueberfüllung des Berufe», sich mit einem ver- hältnismäßig geringen Einkommen begnügen müsten." Em �uftizmorü. Der Gentlemanräuber von Mitan. In diesen Tagen ist in Riga(Lettland) da« Untersuchungsv«. fahren in einem Verbrechen zu Ende geführt worden, das in mancher Beziehung an die Tat von Leiferde erinnert. Dort waren aber die handelnden Personen nicht zwei grün« Jungen, sondern ein« größer« Anzahl von Banditen. Die Bedingungen zur Ausführung solch einer Tat in Lettland mögen auch günstiger gewesen sein, als sie unter deutschen Verhältnissen sind. Am 27. September 1923 wurde w der Entfernung«ine» Kllo- Meters von Daudsewa ein Zug durch irgend ein Hindernis zum Stehen gebracht: wie es sich später herausstellte, war ein« Schiene quer über das Geleise gelegt worden. Im nächsten Augenblick er- tönten auch Revoloerschüsse. In die Wagen stürzten einig« Männer, die mit vorgehaltenen Revolvern 18 Personen ausplünderten. Sie erbeuteten 19 500 Mark und beraubten Post, und Güterwagen. Ein Schaffner und ein Pastagier wurden bei diesem Ueberfall verwundet. Die Täter konnten lange Zeit nicht gefaßt werden. Zu gleicher Zeit fanden aber in der Nähe von Mitau immer wieder Raubübersäll« statt. Und lmmer wieder blieben die Täter unentdeckt: bis man«ine« Tages«inen der Täter zu fasten geglaubt hatte. Er wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Di« Raubüberfälle dauerten jedoch an: die Räuberbande bestand also weiter. Und da verhastete man Ansang dieses Jahres in Verbindung mit einem neuen Raubüberfall«inen gewisten K a u p« n. Es war dies ein eleganter junger Mann; er oeriehrt« in den besten Häusern Mitaus, war einer der beliebtesten Tänzer auf den Festlichkeiten und Bällen und befand sich eben im Begriff, eine reiche Hausbesitzerin zu heiraten. Dieser Lebemann war es nun, der im Lauf« der letzten Jahr« größtenteils allein ohne Komplicen die Raubüberfälle begangen hatte. Nicht, daß er sich etwa ungerechtjertigterweise selbst bezichtigt«. Nein, er konnte na.hweisen, daß er es gewesen war. Auch den Raubüderfall hatte er begangen, wegen de n man jenen anderen hinge- richtet hatte. Die Beteuerungen dieses Mannes, daß er un- schuldig sei. waren also richtig gewesen— ein Justizmord war be- gangen worden. Auch der Uebersall auf den Eisenbahnzug war von Kaupen ausgeführt worden. Nun wird er sich zusammen mit einem KTjährigen Mann, der ihm ein Gewehr verkauft hatte, und einem Hehler vor dem Kriegsgericht zu verantworten haben. Das Urteil wird wahrscheinlich aus Todesstrafe lauten. hochwaster In Lübeck. Infolge des scharfen Nordwestwlndes in der letzten Nacht stieg in den frühen Morgenstunden das Master der Traue um 1,28 Meter über den Nonnvlstand. Gegen Mittag war die Obertrave an oerschiedenen Stellen über die Ufer getreten. Das Hotel„Stadt Kiel" mußte geräumt werden, da im Gastzimmer das Master einen halben Meter hoch stand. Der Schlsssnnsall vor Norderney. Dar Norderney verlor, wie mitteilten, in der Sonntagnacht der Schlepper„Titan" zwei bcladene Leichter. Der Leichter„B o r g f e l d c" kenterte, der andere konnte Ankergrund finden, von dem gesunkenen Leichter Borgfelde trieben zahlreiche Trümmer auf Norderney an. Die Leiche eines Angehörigen der Besatzung konnte geborgen werden. Der Leichter„Neuenselde" liegt infolge des unstchtigen Schneewetters noch immer vor Borkum. Jüns Opfer einer Dynamllexploflsn. Wie aus Santiago ge- meldet w-rd, wurden bei der Esplosion eines Dynamitlagers fünf Personen getötet und vier schwer verletzt. Drei Personen werden vermißt. wir vor der Hochzeit in den Tod. In Siebenbäumen(Kreis Lauen- bürg) ereignete sich ein Unglücksfall, dem ein kurz vor derHoch- zeit stehendes Brautpaar zum Opfer fiel. Um dos Zimmer zu erwärmen, stellten die jungen Leute abends einen Zinkeimer mit glühender Holzkohle in das Zimmer. Am anderen Morgen fand man das Brautpaar durch Kohlenoxydgas vergiftet auf. Aushebung einer Alkoholfabrik in Amerika. Prohibitionsagenten aus Washington haben nach einer Meldung aus New Hork in der Nähe von Rome eine Anlage zur Destillierung von Alkohol ausgehoben und dabei Alkohol im Werte von etwa 199 999 Dollar beschlagnahmt. Verhaftungen stnd nicht erfolgt. Es soll stch um die größte Razzia handeln, die bisher im Staale New Park durchgeführt worden ist. Sport« Sportliches Schaufechteo. Das sportliche Fechten ist in Deutschland eine wenig geübte und wenig bekannte Kunst. Das Kriegerische im Zweck des Fechtens ist heute lange dahin und seine verderblichen Reste erhalten sich heute nur noch auf den studentischen Mensuren. Damit hat aber das sportliche Fechten nichts gemein. Nicht die Körperkrast macht aber den Fechter, sondern der Wechsel von Angriff und Abwehr, das gute und sichere Auge, der rasche Entschluß.— Es ist darum zu begrüßen, daß der Berliner Fechtklub mit einer ersten Veranstaltung schaumößigen Fechtens in seinem neu eingerichteten Fochtjaal im Flugoerbandshaus, Schöneberger User 49, in die Oesfentlichkeit trat. Der neue Saal soll eine Pslegestälte der Fechtkunst werden, der den Mitgliedern des Klubs täglich zur Berfügung steht. Das Programm umfaßte sowohl Wettkämpfe als auch Schausechten. Zu den Weit- kämpfen hatten Zlusscheidungen stattgefunden, so daß sich nur die Besten der bewährten Kampfmannschaft des Klubs gegenüberstanden. Im Florett begegneten sich Battke und o. Finettl, im Säbel Sommer und Davidsohn, un Degen aus 3 Treffer Sommer und Battke. Im Dogen und Säbel siegle Sommer in ganz ausgezeichnetem Stil: im Florett Battke, nicht ganz so klastisch. Besonders interessant ge- staltete sich das Programm durch die Beteiligung der berufensten Vertreterin des Domenfechtens, Frau R u d l o s f> Kyritz, die einst aus der berühmten Schule des Meisters Gazzera hervorging. Sie zeigte in zwei Gefechten mit Eomlnl Ihre hohe Klaste. Auch die übrigen Begegnungen leiteten den Beginn dieser neuen Periode sportlichen Fechtens In Berlin sehr vielversprechend ein. NI»i»»duage» füt diel« Stnbril sind verll» SB»8. Liadeoltraii« 3, parteinachrichten färn für Groß-Serlin fltt« ob da» 99ciirt>|(lr(taciat 2. Kol. i Step, recht», ,u richten Achtung, Zunktlooärel Ilm Jrrilag, den 24. Dezember, vtoalag, den 27. Dezember und Freilag. den 31. Dezember, wird das Bezirkxsekrrtacial um 1 Uhr gefchlostcn. Alle Parteinachrichten müssen an diesen Tagen 'bis um 12 Uhr im vezlrkssekreiarial abgegeben sein. Der Bezirksvorstand. » 10. Jttri»«eluickendots. Sit Adltilunozkasytt«? nMttcn gcVtcn, M« zum 27.©tzenrfwt mit dem firciEfctricm, Ättioiltn Saut Comitndura, Jieimdctt- dorf.Öft, Wülestt. 2, obzurcchntn. Wc?rn Abschluß des(Solch llfls ich res muß bk? Termin unbed!n«t eingebogen werben. 8. Abt. Di« PezirkeiUbr«! rechnen mit dem Sicfttem U« zum 28. Dezember ab. Mörlen und Mitgliederlisten sind mitzubringen. 47. Abt. Die Bezirtskasgerer miliien bis zum iÄ. Dezember abgerechnet haben. Die Zieftanien In den Bezirken lind vorher noch lümilich zu lmsgeren. auch bi, febienbe» aaitoibekborien müssen endlich beim Nassterer, Genossen Äarl Zoeobi, abgeliefert weiden. 138. Abt. Aeiuickesdois-Vst. Die Rlzirkskassieiet und BezirkefUhrer müssen un- bedingt bi» zum 27. DezembSr beim Genossen Paul Konnenburg. Wille. Nroße 2. abgerechnet baden. 8. Abt. Eonnabcnd, 25. Dezember. Im Gewerkschafksbou». ckngel- p Ufer 24—25, grosse Weihnachtefeicr in den cxslen l. 2 8. Beginn abend« Z S Uhr. EintriUsiaite 80 Pf. Ton» frei. Allseitige Beteiligung er» i-- wartet der Lorsicnd. 22. Abt. Eonnwg. 28. Dezer-ber, nachmiilag, 4 Uhr. Im kleinen Pharussaal, Miiüerstr. 142. W«ihnacht»lei«r. Die Genossinnen und Ge- Nossen ssnb herziichsc eingeladen. 54. Abi. tkhgrl»! enbÄ' g. Moniag, 27. Dezember. Weihnochisfeiet im Türkischen Heli. Berliner Lir. 54. Beginn abends 8 Uhr. Sic G«. nassen mit ihren AngohSrioen sind frennblieüsi eingeladen. 101. Abt. Treptow. Beim Weihnochisunlrrh'imngs dend wirken mit: Ghildo,?unsihan». c-chelbon, siouderkitnsil«- Ovpermann. Bolleldii� der Arbeiterjugend. Tanz« und Theolerausführung der Arbcilsgemein- schaft der tiinberfreund«. Anschlirssend Tanz. Eintritt 75 7s. 114. Abt. Lichtenberg. Sonnalend. 25. Dezewbei, nachmiltag» 5 Uhr, --i grmüilich-s Beif.rmmen'ein mit Tan» bei Piechek, sirossener Sir. 14. g Eintritt frei. All« Genossinnen und Genossen sind freundlichst ein- geladen. Arbeilegemeinschaft der iiinbcrkrennde. G'nppe Ouelle.ReukSlln: Keule, Donnereiag, 23. Dezember. S Uhr, W«ihnachi»f«ter bei der Genossin Borckwald, Kermannftr, 1S4 l. I Sterbetafel dcc Groß'Oerliner pactei'Grganssation IIb. Abt. Lichtenberg. Unser Genosse Gokar K I n d e m i t h ist im Aller nvn 47 Iah en am Montag, l.l>, Dezember, verstorben. Ehre seinem Airdenken. Einäscherun« am Freiiag. 24. Dezember, nachmiltag« 8 Uhr, im»reinatorium Eerich slvosse. Wir erwarten recht reg« Beleiliguno. Bet.ieb-s'Bktion bee Bezirteamte, Prenzlnuer�Berg. Am Moniag. 20. De- »ahlreich, Beteiligung. VmÄle&l eure EinMufe an 25üd)crn— als bestes Weihnachtsgeschenk!— nicht aus die lehte Minute: Äuchhandlung I. K. W. Dieh Nachf.(früher Vorwarts-Äuchhandluna), �indenstr. 2 Mus der Partei. das Eiaigungswerk in Norwegen. Oslo. 20. Dezember.(Eiaener Bericht.) Dor wenigen Wochen wurden in Oslo Einigungsveryandlunsen zwischen der norwegischen Sozialdemokratie und der norwegischen Arbeiterpartei peführt, bei denen auch Dr. Friedrich Adler als Vertreter der Jnternatio- nale anwesend war. Sie führten zu dem glücklichen Ergebnis, daß die beiden Hauptoorstände sich auf ein S a m m l u n g s p r o- g r a m m geeinigt Hadem das nach Billigung der Mitgliedschaft zur geeinten norwegischen Sozialistenpartei führen soll. Sowohl die Sozialdemokratie wie die Arbetterpartei haben außerordentliche Parteitage zum 28. und 29. Januar 1927 einberufen, die die Ein!- gung endgültig beschließen sollen. Die Elnigungsarundiage ist in vierzehn Punkt« zu- lammengefaßt und durchaus von gesunder sozialistischer Tendenz getragen, wenn sie auch den naturgegebenen Kompromißcharakter an einigen Stellen deutlich zeigt. Norwegischen Derhältnissen ange- paßt, wendet stch das Einigungsproqramm nicht nur an die In- dustriearbeiter, sondern auch an die Bauern und Fischer.„Arbeiter- bauer" heißt jene zahlenmäßig nicht klein« Schicht in Norwegen, die »ine kleine Siedlung von vielleicht einem bis zwei Hektar ihr Eigentum nennt, aber im Winter in den Fischkonservenfabriken und in anderen Industrien arbetten muß und deshalb zur Arbetter- klaste gezählt werden kann. Das Einigungsproqramm bringt ein Bekenntnis zur Sozialistemng und zur Demokratie, aber keine Fest- legung auf die parlamentarische Regierungsform. Dagegen kün- digt es dem Faschismus Kampf mit ollen Mitteln an. Kompromihchorakter trägt die Einigung über die I n t e r- nationale Frage. Hierzu erklärt stch die norwegische Sozial- demokratie bereit, vorläufig aus der Züricher Internationale aus- zutreten, während auf der anderen Seite auch die Arbeiterpartei dem Internationalen Iniormatlonsbureou", einer ziemlich unbe- kannten Gründung von Ledebour und S t e i n b« r g, den Rücken kehren will. Di« Arbeiterpartei nimmt schließlich in ihren Kommentaren zu dem Einigungsprogramm den Dorbehall der So- zlaldemokratie, auf dem ersten Iahrestongreß der geeinten Partei einen Antrag zum Eintritt der geschiostenen Partei in die Züricher Internationale einzubringen, ohne Widerspruch zur Kenntnis. Mit Recht betont die sozialdemokratische Presse, daß erst die vollbrachte Einigung im Laufe der Zeit die Kluft zwischen der Ar- beiterpartei und der Internationale überbrücken kann und daß die Soziaid-mokrotle in diesem Punkte der Einigung der norwegischen Arbettertlaste zwar ein Opfer gebracht hat. Ihre vnrnekmste Auf. gäbe aber darin erblickt, für ihre Aufsastuna. daß die aeeinte Partei der Züricher Internationale beitreten muß, möglichst bald die Mchrbeit in ihr zu erringen. Ausdrücklich stellen die Einigungsverhandlunaen fest, daß die Landesoroanisation der Gewerkschaften neutral ist und die politischen Partelen ihr keine Vorschriften in bezua aus ihre internationalen Verbindungen zu machen haben. DI« Landes- organisation, die übrigens eben dadurch wieder stärker aewvrden ist. daß der vor einsäen Jahren auegetretene Maurerverband in Ur» abstimmuna stch sür den Wiedereintritt erklärt hat. wird nun wahrscheinlich noch schneller nach Amlterdom oehen als die oeeinigte Partei nach Zürich, denn wie Halvard Olsen, der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes, erklärte, ist schon ietzt die Mebrheit im Vortiand der Landeeorganisation für einen Ans�luß an Amsterdam. Man kann hoffen, daß auch aus dem nächsten Kon- greß der Landesorqanisation stch ein« Mehrheit sür Amsterdam zushr: Kopenkfe? Wcrtfl» Tckn'le SBrcmcIftr, 128.— Lmkroitn 15. GemeindesHule, Schulftirfte.— Wittenau: Jugend hrtm Rosen!ba'«r Gtr. 15. Vorträge, vereine unö Versammlungen DeuisGe Londemannschaft de- Provinz Posen, Ge»ss-P«'lin. W«!l>n lle fir Leriii und llnigebuvg. fRgchdnick nerb). Tiocken und zeitweise brter, bei mähigem �roii und lebholien Ssliichen Winden.- Alis Veu schlaad: Im Oiici, und Lüden ,'emlich ilrengvr, im Weslen gelinder Frost, nirgends nennenswerte Niederschläge., SALAMANDER SCHUHE UNTER DEM WEIHNACHTSBAUM! Der Lohnanteil in öer Lanöwirtfthast. Eine verdienstvolle Untersuchung des Deutschen Landarbeiterverbandes. Der Gflterbicttst 5er NcichSbaHn. Die Untersuchung des Lohnanteils an den Produtttons tosten war unmer von sehr erheblicher Bedeutung. Bis vor' nicht allzu langer Zeit waren diese Untersuchungen allerdings eine ausschließliche privatkapitalistische Angelegenheit bei der Fest- stellung der Selbstkosten und in der Durchführung der Kalkulationen. um in die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Betriebe einen llaren Einblick zu erholten. Je stärker die privatkapitalistische Gesellschaft stch kapitalmäßig konzentrierte und in Verbänden organisierte, mn so größer wurde die Bedeutung solcher Untersuchungen aber auch für ganze Industriezweige und die sozialpolitischen Kämpf«, die von der Arbeiterschaft zu führen waren. So wenig an sich diese Kämpfe eigenllich durch theoretische Argumente verhindert oder ge> fördert werden können, so spielt doch die öffentlich« Meinung eine immer größer« Rolle bei diesen Kämpfen. Die öffentliche Mei- nung aber für oder gegen die kämpfenden Parteien Stellung nehmen zu lasten, erfordert eine sachlich« Jllformakioa der veffealllchkeit darüber, wie sich die gegensätzlichen Interessen der Kämpfenden zahlenmäßig in der Betriebsrechnung der Gewerbezweig« darstellen. Zweifellos ist, daß sich die Oefsenllichteit immer für eine Stelgerung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität in den einzelnen Gewerbezweigen gewinnen lasten und einsetzen wird. Außerordentlich schwierig aber ist für die Oeffentlichkeit die Unter» scheidung zwischen p r i v a t wirtschaftlicher Rentabilität und oolks wirtschaftlicher Produktivität. Immer wird der privatkapitalistische Unternehmer nur dos als produktiv aner- kennen, was seinen privatkapitalistischen Reinertrag erhöht, auch wenn dieser Reinertrag nur durch Senkung der Löhn« gesteigert «erden kann. Auf der anderen Seite ist es schon heute kein Problem mehr, daß die volkswirtschaftliche Produktivität im großen und ganzen nur gesteigert werden kann, wenn im Laufe der Wirtschaft- tichen Entwicklung der Lohnonteil noch st ä r k« r steigt als der Ge- winn, den der private Unternehmer erzielt. Da» gilt, obwohl für die Landwirtschast teilweise andere Be» trieb»- uns Entwicklungsgesetze gelten, als für die Industrie und den Handel, im ganzen auch für das landwirtschaftlich« Gewerbe. Die Landwirtschaft ist für den sozialpolitischen Kamps recht eigentlich im letzten Jahrzehnt erst entdeckt worden. Aus der anderen Seit« ist die sozialpolitische Kampsführung in der Landwirtschaft ganz be- sonders veranhwortlich, eben weil in ihr andere Gesetze gelten, als in der Industrie. Die Einsicht in die Produktwität und Rentabili- tat der Landwirtschaft ist heute überdies sehr erschwert. Wie die letzten Jahre gezeigt haben, war die Inflation mit ihrer enormen Zerstörung von Hypothekenschulden nicht nur eine bedeutend« Ent- lastiing für den Landwirt, sondern auch, well die Beschaffung neuen Betriebskapitals nur sehr schwer und unter teuren Bedingungen möglich war, weil der Landwirtschaft vielfach der Absatzmarkt gerade für ihre hochqualifizierten Produkte verknappt worden war. eine erhebliche Belastung. Darüber hinaus hat die Inflation in der Landwirtschaft wie in der Industrie die Kontinuität der Rechnung unter- brachen und die Fe st st e l l b a r k e i t der Rentabilität erschwert. Bekannt ist, wie die Organisationen der landwirtschaftlichen Unter- nehmer, besonder» da« Großagrariertum, au» dieser Unklarheit Kapital zu schlagen versucht haben. Nachdem sie erst die schrankenlose frei« Wirtschaft gefordert hatten, haben sie nach ihrer Wiederherstellung in außer- ordentlich großem Umfange Staatshtlfe verlangt und erhalten, und die maßgebend« Organisation, der deutsche Landwirt- s ch a f t s r a t, hat schlechthin gefordert, der Staat habe die Rentabilität in den landwirtschaftlichen Be- trieben wieder herzustellen. Eine große Rolle in diesen Kämpfen, die stch heute in der Forderung nach einer weiteren Ber- schärfung de» Zollschutzes der Landwirtschaft übersteigern, hat die Behauptung gespielt, daß die landwirtschaftlichen Löhne um ll>l) Prozent gegenüber der Vorkriegszeit g e st e i g« r t worden seien, und baß darin ein wesentlicher Grund der Unrentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe zu suchen sei. Allerdings haben sich alle prominenten Vertreter der landwirtschaftlichen Organisationen ge- hütet, über die Größe des Lohnanteil» an den landwirtschaftlichen Produktionskosten sich genauer zu äußern. Es ist deshalb ein V e r d i e n st, daß der Reichstagsabgeordnete und Vorsitzende des Deutschen Landarbeiterverbandes, Genosse Georg Schmidt, in einer Spezialarbeit der Diskussion über den Lohnantetl in der landwirtschaftlichen Produktion eine fester« Grundlage gegeben hat. Seine Schrift„DerLohnanteil in der Landwirtschaft"(in der Sammlung„Gewerkschaften und Wirtschaft". Herausgeber Kurt H e i n i g, Derlagsgesellschast des ADKB.) geht au» von einem Grundsatz Professor Aereboe», den dieser in seiner ollgemeinen landwirtschaftlichen Betriebslehre ausgesprochen hat: Erst wenn die Menge von Naturalien, die der Landwirt für den gezahlten Lohn verlausen müsse, oder richtiger noch, wenn der Anteil des Landes wächst, den der Land- wirt zur Entlohnung des Arbeiter» benutzt, steigen die Opfer, die der Landwirt für diese Entlohnung zu bringen hat. Werde diese Menge bzw. Fläche kleiner, so sinke das Lohnkonto und steig« unter sonst gleichen Verhältnissen der Reinertrag des Betriebes. In diesem Grundsatz wird ausgesprochen, daß die nominelle Steige- rung des Lohnanteils für die Rentabilität nicht entscheidend ist. Trotz der erheblichen Schwierigkeiten, die wegen der Tellung der in der Landwirtschaft gezahlten Löhne in Barlohn, Deputate und Naturalien für die Feststellung der Löhne bestehen, kam Schmidt zu eindeutigen und wichtigen Ergebnissen. Danach betrug der Gesamrstundenverdienst Mitte Januar INS in der Provinz Schlesien 28,l1l Psg.(niedrigster Durch- schnittslohn), in der Provinz Westfalen 46,08 Pfg.(höchster Durchschnittslohn). In Roggenpfunde umgerechnet betrugen die Lohnkosten pro Stunde im Durchschnitt der erfaßten Provinzen pro Pfd. im Jabre l9tS 8,40 Pfd. Roggen bei einem Preise von 8 Pf. . Dezbr. ,S2ö 4,52...,. 7.5. , August 1926 3,62..... 9.8. Der Vergleich zwischen 1913 und 1926 ergibt eine Differenz von 0,22 Pfg. Roggen, um den die Lohnkosten gegenüber 1913 gestiegen sind. Die Löhn« liegen mit anderen Worten nach dieser Berechnung etwa 6 Proz. über den Vorkriegslöhnen, keinesfalls aber 100 Prvz., wie behauptet worden ist. Auch bei den sogenannten„Knechten und Mägden" liegt das Verhältnis keineswegs so, wie die land- wirtschaftlichen Wortführer behaupten. Während sich die Entlohnung der männlichen Hilfskräfte für das ganze Jahr 1913 auf 4481 Pfund Roggen berechnen läßt, ergibt die Rechnung für 1926 nur die minimale Steigerung auf 4599 Pfund. Bei den weiblichen Kräften ergibt sich eine Steigerung von 2928 auf 3398 Pfund Roggen. Diese Berechnungen sind durchgeführt aus Grund jener Ziffern, die von den landwirtschaftlichen Arbeitgeber organi- sationen bzw. wissenschaftlichen Bearbeitern der Frag« festgestellt worden sind. Was die Larentlohnung anbelangt, so ergibt sich im Höchstfall« eine Steigerung um 12 bi» 20 Proz.; bleibt also noch beträchtlich hinter der allgemeinen Verteuerung der Lebenshaltung zurück. Von besonderem Interesse aber sst eine Feststellung, die die Schrift des Genossen Schmidt gewissermaßen nur anhangsweise macht, weil es stch hier um ein« eigene Untersuchung de» Deutschen Landarbesterverbandes handelt. Danach haben die Vuchführungsfiellen der ostpreuhischen Laadwirtschaftskammer für d» Wirtschast-sahr 1924/25«inen Betriebsverlust von 6 6,20 M. pro Hektar landwirtschaftlich benutzter Fläch« errechnet. Wester wurde behauptet, daß an dem Betriebskostenaufwand für einen Hektar die Borlöhne und Gehälter mst 36,37 M. und das Getreidedeputat mit 27 M. beteiligt feien. Die Nachprüfung führte nun zu einem überraschenden Resultat Sie erfolgte durch den Deutschen Landarbeiterverband in 35 Großbetrieben mit einem Flächenareal von 23 314 Hektar. Zugrundegelegt wurden die von den Krankenkassen festgestellten Arbeiterzahlen und der sich aus dem Tarifvertrag ergebende Lohnsatz. Das Ergebnis besagt: Die Aus- gaben für Gehälter und Löhne belaufen sich nicht a u f 5 6, 3 7 M. pro Hektar, sondern für den Kreis Gerdauen auf 33,60 M.. also um 21 M. weniger, und für den Kreis Wehlau auf nur 33 M., d. h. um 23 M. weniger. Der durchschnittliche Deputatlohn erreicht bei Zugrundelegung eines Roggenpreises von 11 M. pro Zentner im Kreise Gerdauen die Höh« von 22,20 M. und im Kreise Wehlau die Höh« von 23,80 TO., gegenüber 27 TO., die die ostpreußisch« Londwirtslboslskommer festgestellt hatte. Die Buch- führungsstellen hoben demnach bedeutend höher« Beträge errechnet, als in Wirklichkeit verausgabt wurden und wenn bei den sonstigen Ausgabeposten ähnlich verfahren worden ist, dann sind allerdings Betriebsverluste in der errechneten Höh« wahrschein. lich, können aber für die Beurteilung der tatsächlichen Rentabilität nichts mehr beweisen. Di« Schrift des Genossen Schmidt beweist, daß von einer großen Steigerung de» Lohnkontos in der Landwirtschast nicht die Rede sein kann und daß, wo die Rentabilität ungenügend ist, die mangelnde Rentabilität durch die Entwicklung der Löhne gegenüber der Borkriegszest nicht verursacht sein kann. Man wird daher als das Ergebnis dieser Untersuchung feststellen dürfen, daß das Argument der landwirtschaftlichen Wortführer. die außerordentliche L o h n st e i g e r u n g für die landwirtschast- liche Arbettskraft mache die Rentabflstät der landwirtschaftlichen Be- triebe unmöglich und zwinge zu einer besonderen sozial- und wirtschaftspolitischen R ü ck s i ch t n a h m« auf die Landwirtschast, aus der öffentlichen Diskussion verschwinden muß. Da» sst ein Ergebnis, daß um so höher veranschlagt werden muß, als feine Feststellung durch den Verband der deutschen Landarbeiter erfolgte, der Im Kampf um die Information der öffentlichen Meinung aus eigener Kraft das leistete, was die offiziellen und offiziösen Körperschaften festzustellen bisher sorgfältig vermieden haben. Die Kalipreiserhöhung beschlossen. Die Vertreter der Landwirtschaft stimme« dafür. Der Reichskolirat beschloß unter Stimmenthaltung der Arbestnehmer und Angestellten eine Erhöhung der Kali- preise im Durchschnitt um 9,51 Proz. mtt Wirkung vom 23. De- zember 1926. Die Verteilung der Erhöhung erfolgt so, daß die Preise einzelner Ealzsorten mit geringeren, anderer mst höheren Zuschlägen festgesetzt sind. Der Reichswirtschaftsminister hat diesen Beschluß nicht beanstandet. Die Folge de» Be- schlusses war eine scharfe Hausse der Kaliaktien an der B ö r s e. Deutsche Kaliwerke sprangen von 122,73 auf 131,87 Proz., Salzdetfurth von 189,0 auf 200,50 Proz., Aschersleben von Iö2ch0 auf 163/) Proz. Von der Verantwortung zur Geschäftsführung Ist ei» weiter Weg. Dazwischen liegt«in Mißtrauensvotum des Reichstages. Der verantworlliche Reichswirtschaftsminister, Herr Dr. Eurttu», kam im August dies«, Jahres zu dem Ergebnis, daß eine Er- höhung der Kalipreis« n i ch t n o t w«» d i g sei. In klaren Worten stellt« er fest, daß bei den in der Laliindustri« nachweisbaren Kosten ein« Kalipreiserhöhung sein« Zustimmung nicht finde» könne. Wir haben gestern festgestellt, daß sich die Lage der Industrie in den letzten vier Monaten verbessert hat. Di« Vereinbarungen mit der französischen Konkurrenzindustri« und die Steigerung der Satt- exportpreise haben die Erlöse der Industrie beträchtlich gesteigert Aber Herr Eurtius ist inzwischen die Verantwortung los- geworden: nur die Geschäftsführung ist ihm geblieben. Der geschäftsführende Minister Dr. Eurtius glaubt offenbar Preiserhöhungen zulassen zu dürfen, die der verantwortliche TOInister Dr. Eurtius vor vier Monaten glaubte beanstanden zu müssen. Bei der jetzt beschlossenen Kalipreiserhöhung sst aber nicht nur die Haltung des Reichswirtschaftsministers interessant, fondern vor allem die Hallung der Vertreter der Landwirt fchaft Die sogenannten Vertreter der Londwirsschaft im Reichskalirat hoben dm Preioerhöhungsanträgen des Kalisyndikat, zugestimmt Damit werden die Zustände, die im Reichskattrat herrschen, zu einem öffentlichen Skandal. Es sst dringend notwendig. daß endlich eine wirkliche Vertretung der Landwirtschaft im Reichskalirat geschaffen wird. Sie besteht heute nicht: denn tat- sächlich handeln die sogenannten Landwirte im Reichskalirat als Händler, die ihr Votum praktisch für hohe Rabatssätze dem Kalisyndikat zur Verfügung stellen. Hier scheint uns eine Aufgabe für den geschäftsführenden Reichsernährungsminifter zu liegen, der bei anderen Gelegenheiten für die Landwirtschaft so energssch gegen die übrigen Reichsressorts auftreten kann. Aller- dings nimmt auch die„Deutsche Tageszeitung" im Streit um die Kalipreise in der Regel eine Hallung ein. daß man sie mit Recht als ein Organ des Kalisyndikat» bezeichnen kann. Und wenn die.Deutsch« Tageszeitung" nicht zum Kampf ruft, wogt auch der Reichsernährungsminsster stch nicht zu rühren. Ueber die Einzelheiten der Preiserhöhung hüllen sich bis auf wetteres Minssterium und Syndikat in Schweigen. Jedoch fcheiut man tatsächlich von einer Preiserhöhung bei den für den Export wichtigen Sorten abgesehen zu haben. Nachdem ver- antwortlich« und geschäftsführend« Reichswirsschaftsminister drei Jahre hindurch die ständig« Gesetzesverletzung durch das Salisyndi. kat, die da» Kalidumping darstellte, geduldet, wenn nicht gar ge- billigt haben, hat man anscheinend jetzt die Gelegenhest benutzt, das Dumping zu legalisieren, wie wir e» bereit» gestern ftüh angekündigt haben. Lohnpolitisch werden die Arbeitnehmer hoffentlich bald die Konsequenzen ziehen. Trotz der Preiserhöhung darf das Kalisyndikat im Frühjahr ein gute» Kaligeschäft erwarten. Die setzt zugestanden« Preiserhöhung erlaubt den Koliindustriellen ein« Lohnerhöhung um 45 Proz. Wir hoffen, daß die Arbeiter- schaft der Kattindustrte, die die Preiserhöhung im Interesse der bäuerlichen Landwirtschaft auch dann noch bekämpft hat, als die angeblichen Vertreter der Landwirtschaft längst um ihrer Handelsinteressen willen geneigt waren, sie zu bewilligen, jetzt von dieser Preiserhöhung im eigenen Interesse Gebrauch machen werden In der Doch« vom 5. bis 12. Dezember gestellung der Reichsbahn weiter von 907 200 Ueber die Entwicklung seit dem 5. September Auskunft. Woche (In 1000 Stück) wöchentlich ging die Güterwagen- auf 881000 zurück. gibt folgende Tabelle SurchllhntUIild pr» ArdeUstag ö. 9. 12. 9. 19. 9. 26. 9. 3. 10. 10. 10. 17, 10. 24. 10. 31. 10. 7.1 l.- U.ll. 21. 11 28. 11. 5. 12.- —11. 9. —18 9. -25. 9. — 2. 10. 9.10. —16. 10. -23. 10. -30. 10. - 6. 11. -13.11. -20.11. -27. 11. - 4. 12. -11. 12. 1926 824,3 842,2 848,1 859,3 880,3 901,9 931,4 060,1 900,3 943.2 848,4 939.5 907,2 881,0 1925 776,2 784,9 782,5 785,6 803,4 835,2 841,1 842,7 822,2 806,7 718,6 793.4 731,4 702,4 1926 137,4 140,4 141,4 143,2 146,7 160,3 155,2 158,3 150,0 157,2 141,4 156,6 151,2 146,8 1925 129,2 1303 130,4 130,9 133,9 139,2 140,2 1403 137,0 134,5 115,1 132,2 122,0 117,1 Wie in der ganzen Zeit fest Anfang September liegt auch in der zweiten Dezemberwoche die Wagengestellung noch bedeutend über den entsprechenden Ziffern des Vorjahres. Man wird mindestens abwarten müssen, wie die Zissern sich im Januar stellen werden, um die Bedeutung der Dezemberziffern für die Entwicklung der Wirsschastslage einigermaßen würdigen zu können.__ Ernste Hintergründe oder bloß verschnupft? Zwischen den Ver» tretern des Schwerkapitals Deutschlands aller Art herrschen Gegen- sätze ernster Art Man braucht nur an die Machtkämpfe in der Kali« industrie, die Stickstoss- und die Kohleocrwertungskämpfe zu er- inner». So fällt es schwer, eine Mitteilung l e i ch t zu nehmen, nach der Herr Klöckner für sich und seine Werke den Aus- tritt aus dem Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und aus dem Verein zur W a b r u n g der gemeinsamen Interessen in Rheinland und Westfalen(Langnamoerein) erklärt hat. Begrün- det wird der Austritt mtt den Differenzen zwischen Klöckner einer- setts, Dr. Vögler und Dr. Reusch anderseits über die zukünftige Kon- junkwr der Schwerindustrie. Die letzteren hoben Klöckners opti- m i st i s ch e Prognose offiziell scharf zurückgewiesen. Ueber solche Meinungsverschiedenheiten streiten sich diese Herren gewiß in der OesfenUichkett nicht, wenn nicht ernsteste Interessen mit- spielen. Welche Interessen Klöckner nun oerletzt hat, ist noch un- klar. Jedenfalls müssen Aktionen gestört worden sein, die es nicht vertragen, daß Herr Klöckner aus der Schul« plaudert Daß Herr Klöckner über die erfahrene Kritik bloß verschnupft ist, ist sicher nicht anzunehmen. So wird man Herrn Vögler und Herrn Reusch zusamt ihren Konzernen in der nächsten Zell besonders auf dieFingersehen müssen. Bierdwidenden und LIerprelse. In einem Saale, der mit dem Bilde Wilhelme von Doorn geschmückt war, hielt die Berliner Kindlbrauerei unter Leitung des Äufsichtsratsvorsitzendcn Abraham ihre Generaloersammlung ab. Daß der Biervertrieb ein sehr lohnender ist, beweist der Reingewinn von 1 286 231 M.. der die Ausschüttung einer- Dividende von 18 Proz. aus die Stammaktien, von 20 Proz aus die Prioritätsstammaktien er- möglicht. Die Gesellschaft kann sich über ihre Gewinn« also gewiß nicht beklagen, um so weniger, als bei den 18 bzw. 20 Proz. Dividende gewiß noch die kürzliche Mahnung des Brauer. b u n d«» berücksichtigt wurde, keine allzu auffälligen Dividenden zu verteilen. Kindlich mutet die Bemerkung des Geschäftsberichts an, daß die Lohnerhöhungen, die in der Brauereiindustrie be- kannttich nicht zu Buch schlagen, nicht zu Bierpreiserhöhungen be- nutzt wurden. Die hohen Gewinne der Brauereien, nicht nur die der Kindlbrauerei, zeigen aber auch, daß die für 1927 als Antwort auf die Erhöhung der Bier st euer beabsichtigte Preiserhöhung absolut überflüssig ist. Sollte daraufhin der Absatz leiden, so haben sich das die Brauereien nur selbst zuzu- schreiben. Große Auslandsaufträge für Srupp und Honoma g. Nach einer Londoner Meldung haben die südafrikanischen Eisen. bahnen der Firma Krupp in Essen und der Hanomag in Hannover einen Austtag zur Lieferung von 54 Lokomotiven zum Preise von 300 000 Pfund erteilt Das entspricht einem Auf- trag von über 10 Millionen Mark. Schnelle Zunahme der enqllschen Sleinkohlensörderung. Die englische Steintohlenförderung kommt in stark steigendem Umfang wieder ihrer Normalproduktion näher. Nachdem sie in der letzten Nooemberwoche die Höhe von 2.32 Millionen Tonnen erreicht hatte, stieg sie in der am 4. Dezember beendeten Zlrbetts- wache auf 3,23 Millionen Tonnen. Die Zahl der tätigen Berg- arbeiter erhöhte sich gleichzeitig von 433 034 auf 730 100. Uber den Antraf and die Elnniehanc der Kenten- bankectaefne ru 5 Kentenmark ohne Kopfblldnle mit dem Anaferttcnncsdatam 1. KoTember 1928. Mit OeoehmiffiiBff 6«r Reichsrejssernngr rnfen vir hierdareH gem&O S 21 der Darchführnnffsbestiinmiuwren vom 8t J&nn» 1925 zum Gesetz über die tiquidierrm� des Umlaufs an Bentenbank- scbeinen(R G Bt II, S. 29j die Rentenbankscheine zu 5 Rentenmark ohne Kopfbildnis mit dem Ausfertigungsdatum I. Novemb. 1923 zu Einziehung auf. Die aufgerufenen Scheine können bei den öffentlichen Kassen noch bis 81. Januar 1927 in Zahlung gegeben, bei den Kassen der Reichsbank aber bis 14. April 1927 gegen andere Rentenbankscheina oder gegen gesetzliche Zahlungsmittel umgetauscht werden. Mit Ablauf des 14. April 1927 werden die aufgerufenen Renten- banksebeine kraftlos, nnd erlischt damit auch die Umtausch- und Einlösungspflicht der Deutschen Bentenbank. An Stelle der durch diese Bekanntmachung aufgerufenen Roo- tenbankscheine gelangen nene Scheine»n 5 Rentenmark vom 8. Januar 1990 mit dem Kopfblldnlo eine« L,andmSdctaena mit einem Aebrenbdndel wia solche sieh bereite seit 16. Juni 1926 im Verkehr befinden, rar Ausgabe. Barlin, 20. Deseraber 1926. Deutsche Rentenbank# ge». Lipp. gea Szagnnn. Zum Weihnachlsfesti �"V'_ liefere ich fugenlose Trauringe 1 tili 9U gtit(Ditetugslt) 7?. tAn L 28.51 .... i„ 515, 5... 14.M 1. 313.. 4... 7,18 gratis' StindU ca. SOOO Steck auf Lager GraTierex» gratts« zum Mitnehmen Hermann Wiese, Berlin t";.*srKS.;? Ges. geschätzt Vonnerstag 23. Dezember 1926 Unterhaltung unö �Nissen Settage Kes vorwärts Liebe auf öen ersten ölick. Erzählung von Max varthel. lEchlutz.) In j«n«n Tagen, als Carlos Nina liebt«, ging auch in Jos««in« groß« Veränderung vor. Sein« rebellischen Reden wurden immer wilder, ganz finster wurde sein blatternarbiges Gesicht, unbeherrscht und verworren seine Gesten und Gebärden. Carlos ließ er ganz links liegen, wie man so zu sagen pflegt. Mit uns fuhr er durch die großen Wälder, besuchte die Fabriken und schloß«in« dick« Freundschaft mit dem Koreaner Wang, einem Professor der Philo. sophie, der nach Rußland gekommen war, um in einem verrückten Englisch für die Freiheit seines unterdruckten Baterlandes zu werben. Immer waren in diesen Tagen dies« zwei Männer zusammen, der koreanische Professor Wang mit dem unbeweglichen gelben Gesicht und den sehr kultivierten chänden, und der Student Ios6 mit dem kalten Mund und dem trommelnden Alarm einer immer sprung bereiten Rede. Auch Nina hatte sich in den vi«r Togen verwandelt. Jeder Blick, jeder Seufzer, jeder Kuß und jedes Lächeln löst« sie innner mehr aus ihrer jünglingshaften Berkleidung. Wie blühte der knaben hast« Mund auf! Die früher so klaren, offenen Augen verschleierten sich, strahlten, wurden mädchenhaft und schienen zu lächeln, so schön waren st«. Am zweiten Tag ihrer- Bekanntschast mit Carlos legte sie auch die Soldatenuniform ab und wir erkannten im ersten Augen blick in der jungen Frau mit der vollen Brust, dem sonst«» Gesicht und dem schwebenden Gang die einstig« Rotgardistin nicht wieder. Im Kampf der Soldaten an der Front vermännlicht« sie und wurde geschlechtslos, im Kampf der Geschlechter aber, im Ausruhr des Blutes unterlag und siegte sie zu gleicher Zeit. Ihr Blut wollte erlöst werden und in dem Schrei nach Erlösung war schon die B« freiung und der uralt« Sieg da. Carlos wollte in der Stadt bleiben und uns allein ressen lassen. Da war es Josö, der«in« wütend« Rede hiell und Carlos durch uns unverständliche Won« zur Abfahrt zwang. Der letzt« Tag bracht« noch«in kleines Bankett mit dröhnenden Reden und rauschender ver brüderung. Am Abend oerlieben wir Wyatka. Ein« Stund« vor der Abfahrt kam Carlos mit Nina nach dem Waggon. Mein Schlaf abtell lag neben dem von Carlos. Dies« vier Tage hatten mich sehr erschöpft; ich log schon im Bett, als die zwei Menschen kamen und hört« nun, ob ich wollt« oder nicht, den verzweifelten Abschied Carlos' von Nina. Ich hört« ihr Seufzen, Stammeln, Weinen und Zärteln, die wilde Süßigkeit unendlicher Umarmungen, das schmerzliche Ber- gessen in brennenden Küssen: ich hörte die Urstimme des Blutes, die Musik des Herzens, dm Seufzer der armen Kreatur Mensch:„Ich lieb« bichl" Als Zuhörer erlebt« ich die grenzenlose Hingab« zweier Menschen, ihr Lächeln unter Tränen, chr« klopfenden Herzen, ihr blühendes Blut. Und das sage ich euch: da litt und seufzt« ich mit. Trotz allem Jammer und Kimnner beneidet« ich Carlos und Nina um ihr Schicksal.. Der junge Pracht stützt« die Hände in den Kopf und blieb lange stumm Auch wir sprachen kein Wort. In unserer Gesellschaft war ein junger Amerikaner,«in gut gewachsenes Exemplar Mensch, das da drüben aus der Blutmischung des alten Europa geworden ist: klar und selbstbewußt, ein wenig hochmütig und voller Ideen über die Führerroll« seines unerschöpflichen Landes. „Ist ein guter Film, Mister Pracht," sagt« er kühl in unser Schweigen hinein,„aber nur bis zum vierten Akt. Hoff«, daß olles allright wird und Nina und Charly«in Paar werden." „Nein," antwortet« Pracht sehr schnell und hob seinen Kopf. „Die Geschichte geht anders aus. Höven Sie gut zu... Bon Wyatka aus fuhren wir in den Ural nach Jekaterinenburg. Diele und seltsam« Ding« sahen wir, die Mauer in einem Hau-, an der der letzt« russische Kaiser erschossen wurde: einen siebzigjährigen Arbeiter, der als Kind noch leibeigen war— verstehen Sie die Zusammenhänge zwischen dem toten Zar und dem lebendigen Arbeiter. Mister Bell?—, dann haben wir noch Platingruben besucht. Kinderheim«, Gefängnisse und«in großes Eisenwerk. Mit Carlos aber war es aus. Zu nicht» war er mehr zu gebrauchen. Di« schwarzen Augen verloren den Glanz. Gelb wurde sein Gesicht. Reden wollt« er kein« mehr halten, die ganz« Well war ihm zuwider, und nun wurde er wieber wie früher: das farblos« Echo seines Freundes Josö, mit dem er sich auch wieder ausgesöhnt hotte. Nun weiß ich nicht genau, ob er schon damals krank war oder ob er sich nur oerstellte: jedenfalls verließ er uns und reiste mit Josö nach Wyatka zurück. Ueber«inen Monat hört« ich nichts mehr von den Freunden aus Uruguay. Wir fuhren nach Sibirien, kamen durch schrecklichen Winter und Schneesturm In den Ural zurück, blieben«inen Tag in Slatoust und ratterten über Ufa und Samara über die Wolga nach Moskau zurück. Erst in Moskau knüpft« sich wieder der Faden zu meiner Geschichte von der Liebe aus den ersten Blick. Ja, Carlos war im Ural wirtlich krank geworden, Fieber hatte ihn überfallen. Dann kam der Typhus. Todkrank kam er nach Wyatka. In seinen Phantasien wimmert« und schrie er nach Nina. Hundert zärtliche Worte gab er ihr. spanische und russische, und wenn er„Nina" sagt«, da wurde sein Gesicht ganz fröhlich, sein Herz friedvoll. Der Tod hatte keine Gewall über ihn. Auch Nina hatte Carlos nicht vergessen, trotzdem sie ihre Soldatenkleider wieder angezogen hatte. Aber sie war ein schlechter Soldat und trotz der Uniform war sie nur ein« Frau. Ein« Frau mit einem Herz voller hoffnungsloser Lieb«. Als sie nun ihren fiebernden Freund zum ersten Mal« wiedersah, brach sie lautlos zusammen. Erst an, anveren Tag« erwachte sie. Aber da war Carlos gestorben.. Ja, Mister Bell, jetzt kommt der Fllmabschluß: Josö, der in Wyatka Carlos nur haßte, weil auch er Nina liebte, Jose blieb zwei Wochen in der Stadt, sorgte für das kranke Mädchen, machte sie vom Soldatendienst srei und nahm sie dann nach Moskau mit. Als wir Jose und Nina trafen, war si« schon sein« Frau. Sie ist mit ihm einige Wochen darauf nach Uruguay gefahren." „Und Carlos?" fragt« der Amerikaner. „Carlos liegt begraben in der Stadt Wyatka, unweit des Hotels Eremitage, das heißt des Hauses, in dem er das Mädchen Nina zum ersten Male sah und liebte." sagte der jung« Pracht. „Ob joung Weib, ob old Frau." sagt« nachdenklich Mister Bell, „sie sind eines der großen Rössel aus die Well, yes." „No." antwortete Pracht.„Das Rätsel Nina hat in Moskau der koreanif-be Professor der Philosophie, Mister Wang, sehr gut gelöst. Einmal besprachen wir beide den Fall Nina und Carlos, da sagte der Koreaner mit einem absonderlichen Lächeln um den schmalen Mund: ,Was wollen Sie, Mister Pracht? Ein Rätsel? 0 nein. Missi? Hermersheim. Srkage« Sie Ihre« Gchsen In den Stall zurück, örianü, es ist Sie höchste Zeit! Nina liebt ihren Freund Charly ewig in seinem Freund Jose." „Auch ich glaub«, daß es so ist." „Also doch ein Film," sagte kühl und klar Msster Bell.„Ich werde schreiben das Manuskript und an Chaplin senden. Carlos ist eine sehr gute Roll« für ihn. Wenn es sie spielt, wird er si« spielen allright." Ein Y7jähriger Gelehrter. Bon Dr. W. Wächter. Die Botanik ist eine äußerst gesunde Wissenschast: in Deutschland gibt es etwa ein Dutzend Hochschulbotaniker, die über 70 Jahr« alt und dabei noch wissenschaftlich tätig sind. Berlin besitzt sogar über KOjährige Gelehrte, aber den Bogel schießt doch München ab, das sich rühmen kann, einen fast Hundertjährigen zu leinen Mitbürgern zu zählen.— Ilm 19. Dezember wurden es 97 Jahre, daß Ludwig Ra d l k o f e r das Licht der Welt erblickt«, und täglich geht dieser Mann noch in sein Institut und arbeitet dort von 10 bis 4 Uhr am Mikroskop und am«Schreibtisch. Kürzlich erlitt er alte Herr noch einen Unfall, als er die Straßenbahn erreichen wollte, aber schon der nächste Tag sah ihn wieder an der Arbeit. Die Aller-grenz« vermag keinen der ollen Herren zur Arbeits- cinstellung zu bewegen, und wenn sie auch ihr Hauptwerk wohl vollendet haben und die Geschichte der Wissenschaft sie bereits „reoistrien" hat, so staunen wir doch zuweilen darüber, was sie noch zu leisten imstande sind: sie beschämen manchen jüngeren durch ihren Fleiß und ihre geistige Beweglichkeit. In der Geschichte der Botanik wird Ludwig Radlkofer fortleben als derjenige, der als erster einwandfrei die Sexualität der Blütenpflanzen nachwies, als Begründer der jysieinalischen Anatomie der Pflanzen und als Spezialist für die Erforschung der Familie der Sapindaceen, einer ausländischen Pflanzenfamilie. Daß die Staubgesäße die männlichen und die Stempel die weib- lichen Geschlechtsorgane der Blutenpflanzen sind, nahm man schon seit langem an und der berühmte Linne, der Mann, der zum ersten Male Ordnung in die Zoologie und Botanik brachte, benannte schon einige seiner„Klassen" noch'„Männern" und„Weibern". Aber die Sexualität war doch immer noch nicht bewiesen und so konnte es sich' ereignen, daß Goethe, der bekanntlich einen großen Einfluß auf die botanische Wissenschaft gehabt hat, sich�durch den Pioiessor Scheloer in Jena bewegen ließ, die eigentliche Sexualität, an die auch er bisher„geglaubt" hatte, zu leugnen. Er begrüßt die Ansichten Schelvers, weil er findet, daß es doch ojel anständiger sei, wenn bei den Pflanzen nicht von einer wirklichen Sexualität gesprochen werden könne: es sei für den Lehrer doch höchst peinlich, zumal wenn er junge Leute und Frauen unterrichte von Geschlecht und Befruchtung anstatt von Berstäubung reden zu müsse». Er meint, daß das sittliche Gefühl der Jugendlichen und Frauen beleidigt würde. Die ewigen Hochzeiien, die man nicht los wird, wobei die Monogamie, aus welche Sitte, Gesetz und Religion begründet sind, ganz in eine vage Lüstern- heit sich auslöst, bleiben dem reinen Menschensinn völlig unerträglich. Wenn das ein Goethe jagen konnte, dem man doch wirklich weder Prüderie noch Philifterhaftigkeit nachjagen kann, welche Darstellung müssen damals wohl die kleineren Geister von„Schmutz und Schund" gehabt haben! Die sexuelle Frage bei den Pslanzen ließ natürlich die Forscher nicht ruhen und der Lehrer Radlkojers, der berühmte Begründer der Zellentheorie, Matthias Jakob Schleiden, ebensalls Professor in Jena, suchte mit dein inzwischen verbesserten Mikrvikop der Frage aus den Leib zu rücken, und ihm gelang es auch, das Problem beinahe zu lösen. Infolge eines Beobachtungsfehlcrs kam er aber zu der cigentüinlichen Vorstellung, daß sich der pflanzliche Embryo aus dem Pollcnkorn entwickle, woraus er folgern mußte, daß die Staub- oesäße eigentlich die weiblichen Geschlechtsorgane feien. Dos Der» dienst Radlkofers besteht nun darin, daß er einwandfrei nachzuweisen in der Lag« war. daß der Blütenstaub, der zu einem Schlauch aus- wächst, die männliche Geschlechtszelle enthält, die das Ei im Frucht- knoten befruchtet. Das war vor nunmehr 70 Jahren, und Radlkofers Beobachtungen haben sich als richtig erwiesen.— Unser Forscher wandte stch nunmehr systematischen Studien zu und legte dadurch den Grund zu seiner zweiten großen Leistung. Bisher suchte man die Berwandtschaft der Pflanzen durch Vergleichung ihrer äußeren Organe festzustellen: Radlkofer kam nun auf den Gedanken, dle innere Struktur, die anatomischen Merkmale sür die Pflanzenver- wandsschaftslehre nutzbar zu machen, und es zeigte stch, daß sein Gedanke richtig war: verwandte Pflanzen zeigen auch in ihrem ana> tomischen Aufbau Aehnlichkeit, und so hat sich diese Methode bis heute neben der alten vergleichend morphologischen als äußerst frucht- bor erwiesen. In neuester Zeit ist als dritte Methode die erperimen- telle hinzugekommen, die aus dem Berholten des Blutserums beruht. Diesen Fortschritt der Wissenschaft hat unser greiser Gelehrter also auch noch erleben dürfen. Was nun die Sapindaceen anbetrifft, so geben sich noch heute fast sämtliche Hcrbarpslanzen dieser Familie aus der ganzen Welt in München ein Stelldichein. Wenn sie dort vergllchen. mit den vor- handenen und beschneben sind, wandern sie wieder zurück nach Poris» nach London, nach Amerika oder woher sie sonst gekommen sind. Das Pslanzenmoterial der Welt ist so groß, daß ein einzelner immer nur von wenigen Pflanzen eine genaue Kenntnis haben kann, aber das Spezialistentum auf dem Gebiete der Pflanzensystematik ist so aut international organistert, daß jeder Fachmann weiß, wo in der Welt der geeignete Bearbeiter sitzt. Wenn aljo ein Forsckungs- reifender mit einer Wagenladung gesammelter Pflanzen in die Heimat zurückkehrt, dann geht es ans Sichten des Materials, und die Samm- lungen werden an die verschiedenen„Monographen" verteilt. Die große Masse, selbst unserer sogenannten Gebildeten weiß nichts von der großen Arbeit, die da im stillen in den botanischen Laboratorien und Museen geleistet wird: sie hält die Botanik für«ine „brotlose" Wissenschaft im Gegensatz zur Chemie und Physik, deren Ergebnisse vor aller Augen sich industriell verwerten lassen. Aber die Zeit liegt gor nicht weit zurück, da man weder elektrisches Licht, Dainpfmaschinen. Telegraph und Automobile kannte. Die wissen- schastlichen Grundlagen unserer ungeheuren technischen Fortschritte sind ober auch in stillen Gslehrtenla boratorten gewonnen worden. ohne daß die Forscher damals geahnt haben, welche Bedeutung ihre Arbeiten nach einmal für die menschliche Zivilisation haben würben. Der große Peitenkoier hat einmal gesagt, der Staat könne aar nicht genug Geld sür die reine Wissenschaft ausgeben, den« es wird immer eine Zeit kommen, in der das Kapital einmal reichlich Zinsen träg:. Der Aufdeckung der Geschlecht-verhältnisse bei den Blüten. pflanzen haben wir es zu danken, daß sich die moderne experimentelle Dererbungsforschung entwickeln konnte, und die Ergebnisse dieser Forschungen hat sich die Landwirsschait in so hohem Maße zunutze gemacht, daß es jetzt keine Schwierigkeit mehr macht, bewußt ein «Saatgut mit gewünschten Eigenschaften zu züchten. Daß Radlkofer auch dies« praktischen Konsequenzen seiner Jugendarbeiten noch erleben durfte, ist ein Lohn, der selten einem Irdischen zuteil wird. Bon brotloser Wissenschaft zu sprechen sollte also auch der sich hüten, der kein Verständnis für den reinen Erkenntnistrieb hat und dem die Wissenschot' nur Mittel zum Zweck ist. Wie Utopien von gestern morgen zur Wirklichkeit werden, so können auch bratlot« Künste von heute ül'ermorgen materiellen Gewinn bringen für die menschliche Gesellschaft, und darum ist es gerechtfertigt, auch einmal das große Publikum in die stille Werkstatt derjenigen Gelehrten schauen zu lassen, die scheinbar weltabgewandt ihr Tagewerk voll- bringen. Im asiatischen Venedig. Der Reisende, der die etwa 500 000 Einwohner zählende Stadt Sutschou in der chinesischen Provinz Kiangfu am See Taihu und dem Kaiserkonal besucht— von dem Chinesen wird sie als„irdisches Paradies" gepriesen—, wähnt sich in ein verkleidetes Venedig versetzt.„Man Hot den Eindruck," so schreibt ein Bcrichterstottcr der„Tribuna",„als habe sich die Königin der 2ldria sür ein großes Kosrümjest in Mandarinengewändern gehüllt. Brücken überspannen die Kanäle, die Häusermauern umspielt das plätschernde Wasser, ja selbst der Riolto und der Canalc Grande fehlen in dem Bild io wenig wie die Gondolieri. Die Aehnlichkeit ist so verblüffend, daß die Chinesen, die nach Italien kommen, Venedig das europäische Sutschou nennen. Das ist ganz richtig. Die Orientalen sehen das Abendland mft demselben Recht vom Standpunkt des Morgenland.'? an, wi« wir den Orient vom Westen aus betrachten, und deshalb wollen die Chinesen auch bei aller Anerkennung der künstlerischen Uebcrlegenheit und der bevorzugten Lage der Perle der Lagunen Ihrem, dein asiatischen Venedig den Vorrang gewahrt wissen. Wenn das charakteristische Merkmal Venedigs der Conale Grande ist, so gilt dos für den Kanal von Sutschou noch in erhöhtem Maße, sowohl was sein Aller als auch was seine Länge angeht. Als die Bevölke- rung des italienischen Festlandes auf der Flucht vor Attila die Inseln der Lagunen noch nicht erreicht und zur Siedlung umgeschaffen hatten, diente bereits der große Kanal Asiens dem Verkehr. Er ist ohne Zweisel die längste künstliche Wasserstraße, die es in der Welt gibt. Er führt von Hangsschou nach Tientsin: er ist rund 1500 Kilo- meter lang und bildet seit Jahrhunderten den einzigen Verkehrsweg für den Handel zwischen Nord- und Südchina. Er ist für Sutschou dasselbe, was der Canale Grande für Venedig ist: in chn münden die kleinen Seitenkanäle, und von diesen wieder zweigen, genau wie in Venedig, die kleinen Flußläuse ab, wenn diese auch in geringerer Zahl vorhanden sind als in der Lagunenstadt. Aber eine andere Eigentümlichkeit macht Sutschou noch oene- zianijcher: die Gondolieri nämlich. Auch die chinesischen Boots- führer haben die Gewohnheit, ihre Fahrzeuge mit einem einzigen, sehr breiten SÄauselrudcr durch die Kanäle zu steuern, und an Geschicklichkeit, Zusammenstöße zu vermeiden und mit fabelhafter Schnelligkeit das Boot durch die enge Fahrrinne zu treiben, stehen die chinesischen Bootssuhrcr hinter ihren venezianischen Kollegen wahrlich nicht zurück. Da Sutschou nun einmal mit dem Namen des„asiatischen Venedig" behaftet ist, so sind die Reisenden bemüht, auch im einzelnen Zlehnlichkeiten zu entdecken. So wird der „Tach'iao". die große Brücke, die als älteste aller Brücken den Haupt» kanol überspannt, ohne weiteres mit der Rialto-Brücke verglichen. In der Nähe des Kaiserkanals von Sutschou steht ein uralter Turm. der eine Zeitlang zur Ueberwachung des Kanalverkehr« diente, und der deshalb von den Chinesen noch heut« der„Wachtturm" genannr wird. Die Fremden haben in dem merkwürdigen Bemühen, um jeden Preis Aebnlichkeiten mit Benedig festzustellen, sogar nicht gezögert, diesen Wachtturm mit— dem Eampanile am Markusplatz zu vergleichen, obwohl viel Phantasie und guter Wille dazu gehört, ein in chinesischem Stil ausgeführtes Bauwerk dem Eampanile an die Seite zu stellen, der schön durch die Poesie der Umgebung eine Ausnahmestellung genießt, was an sich jeden Vergleich hinfällig erscheinen läßt._____ Man lernt nie aus. Neben dem Haus in Sttatford, in dem Shakespeare einst ge- wohnt hat, wurde ein Garten angelegt, der die ZOO verschiedenen Blumen enthält, die in des Dichters Werten erwähnt sind. -» Die älteste Sternkarte ist in der Pariser Nationalbibliothek. Si« wurde in China 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung hergestellt und enthält die Stellung von 1400 Sternen. Afrika besitzt soviel Aequatoriallond wie die anderen Erdteile zusammen. Staats-Beater Opernhaus ». Platz d.Republ. 8; MadameButierfly Schauspielhaus VI, t'hr: Hjatos Hochzelt Schiller» Theater 8: Drei Schwestern Chsrlottcnbur? 7V, Uhr: Maskenba!! Wildbrunn, Schöne Oehman Abonnem.-Turnus! Eisiritl Ijjntli 2. Feiertag mji. 3'/,; Abzielgcquartlcr Thaiiti- n-T.nsafer 8 Uhr: Oer groSe und der kleine Klaus Netropoi- TSieat. 1. Feiertag 7 Uhf Zum 1. Male; DK ZirkospriiizetJin Gr. wWelbM Täglich SV, Uhr Der Vorterk. t. alle neiahardibllhn. ist bis einschl. 31, Dez. eröffnet Dentidies Tbeater Norden 10334-38 8 Uhr Seidliariitv.Qneiseiiau An beid. Feiertagen nachm.'MU- Max Adalbert in„Cas BKe:M(1-6 m,) Jtammerspiele Norden 10334—38 «Uhr. Ollapotrida Hierauf: Das Veilchen Die Komödie Bismarck 24 U, 7516 8 Uhr Die Gefangene An beid. Feiertagen nachm. 4 Uc Maria Orska in Karussell 2—7 M. Tbeat. a.RfllWorfpl. Kurfürst 20V1 8 Uhr? Saht mm ItÄta Rilt MUt»asUlvTl in »as hhef Ab morgen: IMax Adalbert in Dte leidilüe- Ueidete adele Sallmhirj-Blllian Ots Künstler-Tb. Prltzl Massary: 8:„Die Königin' Sonntag 3'/.: Oer fröhl. Weinberg Lesslng-Theaicr Heute 7>/, Uhr: Premiere Der Duuaior Tk.«.KarfürstemlsimB Käthe Dorsch SU- Die Fron an der Hefte Uistspiclhaus TägL 8V, Uhr: (julao Thielscher üQrra-einJDnge Nollendorf 7360 8 Uhr Variete- Attraktionen An beiden Feiertagen: 2Varstel!o.2 3.30 und 8 Uhr Nachm. 330 zu ermäB. Preisen dasganzeProgr Heiligabend geschlossen ssnmUT-JlUieai Th. König'rätz St. Hasenheide 2110 8: w&s mrwoni von Shakespeare Ab2S.(1.>elka.-Fiitit) 8 Uc Un. Chunjz Ende mit Elisabetb Bergner nnd 2. Feiertag nachmittags 3 U- Was Ihr wollt HomSdlenliaiu Norden 6304 8 U. FrüSitdsen B.e.üibwh».1115110131» 1. und 2 Feiertag nachmittags 3.Uä Der Garten Eden Der Trompeter vom Jtheia Kleines Id. Täglich SV, Uhr Die erste aktuelle politische Revue Oh! U.S.A. Sbd. u. Stg. 3', Uhr: SdlDESWiltdißO Vaber: Kasperle-Tb. CHARELL- REVUE Heute nachm. 4 Uhr die neue Kinderrevue Funkhelnzel- mannsMäreh.-Reise mit Alfred Braan /Sose-Thester Geschlossen Central-Th. Heute 7 Uhr Cperettin-Prroiert BRONSGEEST in znr Niete W50,Acsbacberstr.l f.JUERGtNS >r«xaRdernla(r Volk s büh ne Tbeatn in BDIoTplitz 8 Uhr: Volpone (DerTanz ums Geld) Morgen keine Vorstellung Th. an Sdiiffbaunlaniiii Täglich 8 Uhr Cas Gratmal des enbekanntee liaaasknpl und Ragl«: Arnold Fanok Ohglnalmus'k: Edmund Uslaal Auf der BOhnei Tanzgastspial Leni ßiefenstahl Täglich S Vortlellungcei OD H]»wr An den» Weihnacht«. Feiertagen 4 Vorstellungen OD B 0[9l Uhr Vorvarkaut IQr 7 Tage Im Voraua •O" f2-a Uhr an dar Theatarfcanaa (■"•h tu daa Kammortlchtaplalaa *on 11-« Uhr). UFA-PALAST AM ZOO c Wallner.Theater TägL SV, U. die erfolgr. Schwankoperette Das blonde Wunder 25. und 26. Dezember, nachm. 3V, Uhr: zu ermäSigt Das Stiftungsfest Preisen! | Komische Operl ■ Direktion: Doyen n. Heister 1 I Wege ■ Prem Theal ■ heu Direktion: Wegen Vorbereitung zur Premiere des Chauve Souris Theaters bleibt das Theater heute geschlossen! KASINO-THEATER An allen Feiertagen 2 Vorstellungen Nachm. 3V,U- Cfrfiün Tigpmaniiell Abends 8 Uhr; nis/« Uhr Feiartaga nrohinittags dia ganze Vorstellung zu halben Pralsa«! Vorvarkaut ununtarbroaban / Silvester l Im Anstfituß an äit Vorstttung Großer Baff leisem des aesi— Ensemiles. Der Vomriauf hatpeffontien. Moritzplatz 8197. 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Orisarupp« Dahlwill-Birfenstein, iür die überaus herzlichen Wort' sagt besten Danl Brau Marie Köhler, Birfenssein Nr 8 WMJWiiliiM-MsiüI uMBeMiftingsiiinneiiei! nachlsfetertag), oormitiags 10 Ahr. Im.Jngendhetm- des Ocvbaaba. Hanl» ctnlcnstr. 83 85, Porkai I 2 Tr Konferenz der aus ZNontage arbdlcnbrn J ohrleger und heiser. Tagesordnung: Berhanbs- und Lranchenangeiegenhetten. Das Ericheinen aller auf Montag« He- IfchSftigten Kollegen ist Pflicht. , Sonnlag, ben 20. Ocjombrr(2. fflvU) nadtlsfeietfag). oatmlttags 10 tthr. ilmSifjangBioal OcoDerbonOshaafes, 1 Cinlenffr. 83 85, Portal UL 2 Treppe: s»- Versammlung"MS der Autzeumeuteure. Die Tageeorbnuna wirb m der Bersammiung dekannlgegeden. gaar* Das Erscheinen aller Monteure wirb erwartet Mitgllebsbuch legitimiert. Die Octsornoalttiaa. 5111'................................................................. 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Es wird ersucht, im Belretungssalle denselben zu verbajten und demnäch'len M-tichlSgeiängnis zuzujühren sowie Hierher Nachricht zu geben. — 5e J. 2997. 23.— Berlin, den 20. Dezember 1926. Der Oberskaalsonwalt beim Laucgertcht II. SZenig getragene Kavalieraarberobe oon Millionären Aerzten Anwälten. Fobclhoft dilliae Preise. Emvkchle � Taillenmäntel. Palewk«. Fracks-mo» fing», GcHrockanzüge. Sosen. Evorkvelze. Sehveize. Eeieaenheiisfäuse in nruev !Sarderobe. Weiiefier Wea lohnenb. �Loihrinaerlttafie 56. t Ttevve. Bolen- i kbalet Plok.__ ■{ wenig gettageae Serrenanzüge. Din» Tiervaleiois staunend billig. Wolfzzicgen 16.� Pelzsacken 40.—. Eämti che Pei, arten ivolibiilig. Leibhaus Ziofen- thaler Tor. Linienstrafie 263/264. Ecke Ziolenthalerstrafie� Keine Lomdorbware. ! Betttnvetlans! Neu! 12.56!' 17561 1950! Prochwolle 25,-, SO— I Said. baunen 35,— i Kinderbetten 8,75! Bett» wasche! Steppdecken I Sardinen! TM- decken! Alles svottbilligl Seine Lom- barbware! Leihhaus lecunnenstrafie 47. 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