Mbenöausgobe rif—wyk«BMOMM—■— Nr. 609 ❖ 45. Jahrgang Msgabe L Nr. 501 »e,ua«bedw«wn!>e» und?n>el!>»nv?elsi lind in du Morzknaiidnade anocatbtn Redattlon: SM. 68. Clndetiftcoge t Aernfprecher: VSnhofl 292- 292 XeL-Htcene: Sojialdemolral Berlin ZZerlinev Volksvlerkk (lO Pfennig� Montag 27. Dezember 7 92ö B«rI«S und?»t«ts«u. dem.faschistischen Dliegierien- in Deutschland, über die Entwicklung der soschistischen Oiganisalion In Dculschland Berich! erslaltcn lassen. Räch den Mitteilungen der Blätter über die lvirk- samkelt Renzcllis bestehen saschi.tischc Sektionen in Berlin, München. Köln, Hamburg. Düsseldorf, Esse« und Duisburg. 3» Leipzig. Dresden. Breslau und anderen Städ.en bestünden vorläufig faschistische Gruppen oder seien solche in Bildung begriffen. Für die sa'chisllsche Organisation der in Deutschland lebenden Ztaliener werde Deutschland in süns Zonen eingeteilt und jede einem Vertrauensmann übertrogen. Dos italienische Botschasts- und Kon- sula spersoaal gehöre vollständig der saschislischen Partei an oder würde von ihr kontrolliert, serner auch die beiden italienischen Handelskammern von Berlin und München. Die italienischen Faschistenvereine in Deutschland, ob schon statuiert oder erst in Bildung begriffen, sind natürlich gar nichts anderes als Zwangsoereinigungen, in die man jene Italiener hineinpreßt, di« irgendwie von den diplomatischen Aemtern oder„Handelskammern" Mussolinis abhängig sind. Jeder anständige Italiener, selbst wenn er noch so nationa- litisch, militaristisch und konservativ gesonnen, ist froh und glücklich, wenn er fern der Verbrecherbandenherrschaft seines unglücklichen Heimatlandes leben kann, und nur stärkster Wirt- schaftsdruck kann ihn schließlich zwingen, mit den Vertretern und Parteigängern dieses Schandregimcs in„freundschaft- liche" Beziehungen zu treten. Der Bericht des Ren- zetti an Mussolini zeigt, daß diese Abhängigkeit rücksichtslos zur Erpressung des Beitritts benutzt wird. Um so mehr sollte der Völkerbund jenen An- regungen folgen, die durch Gewährung eines'nternatio- nalen Paßersatzes für Italiener im Ausland diese Abhängig- keit von solchen Botschaften. Konsulaten und„Handelskam- mern" aufheben wollen, die nichts anderes sind als Zutreiber- stellen von Zwangsbeiträgen in besserer Valuta für die Banden Mussolinis! Was aber diesen Handelsmojor Renzetti anbelangt, so will uns scheinen, daß sich nicht bald ein anderer Ausländer so lästig gemacht hat, wie dieser. die belgiscbe Koalitionsfrage. Besprechung aber nicht Entscheidung auf dem Weihuachts- Parteitag. Lrüsiel. 27. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Der zu Weih- nachten abgehaltene aufzerordenUiche Parteitag der Arbeiterparts: beriet die Frage, ob die Partei ihr« Mitarbeit an der Regierung fortsetzen oder in die Opposition zurückkehren icll. Außenminister Genosse Vanderoelde ging in seinem Reserat von dem Sturz der Regierung Poullet aus und befaßte stch dann mir der Regierung Iafpar-Francgui. deren Hauptaufgabe die F r a n k e n st a b i l i- f i e r u n g gewesen sei. Als einmünge Ansicht der Partei stellte der Redner fest, daß die heutige Iaspar-Regierung nicht weiter regieren könne, ohne nunmehr ein positives Regisrungeprogromm zu verkünden und durchzusühren. Dandervelde ist gegen die Rückkehr zur Opposition und ebenso gegen die Wiederholung des Experimentes einer sozialistisch-chriftlich-demokratischen Regierung: ein solches KabincU würde der erbittertsten Feindschaft der Kopitalistenklasse be- gegnen. Ueberhaupt hält Bondervelde die Bildung einer Kampf- regierung, sei sie nun rechts oder links eingestellt, im Augenblick für höchst gefährlich. Das gleiche äußerte er über eine Parlamems- ouflösung. Am Schluß forderte Vanderoelde Fortsetzung der Koalition unter gemäßigten, aber sofort durchführbaren Bor- aussetzungen. Eine Anzahl Mitglieder der Kammerfraktion erklärte sich aus taktischen und prinzipiellen Gründen gegen die Fortsetzung der Koalition, während die bisherige Politik insbesondere bei den Ge- werkschaftsführern wärmste Anerkennung fand. Arbeitsminister W a u t e r s setzte sich für die Fortsetzung der Rcgierungskoalition ein und erklärte, daß seine ganze Tätigkeit, vom Standpunkt des Klassen- kampses aus gesehen, der schärfsten Kritik standzuhalten vermöge. Die Diskussion wurde schließlich abgebrochen, nachdem eine Kommission eine Entschließung im Sinne der Erklärungen Bänder- Veldes ausgearbeitet hatte. Darin heißt es, daß die Rolle der gegenwärtigen Regierung an sich. mit der Frankenstabilisierung beendet sei. Aber es gelte jetzt noch den Frieden zu konfoli- dieren und besonders dem Schutze der Arbeiterinteressen zu dienen. Die Partei sei deshalb bereit, weiterhin sich an der Koalition zu beteiligen, und zwar auf Grund eines genau festzulegenden und unmiitelbar durchzusührenden Programms. Dieses Programm soll der Generalrat aufstellen und es dann den Kreisorganisationen zur Billigung unterbreiten. Trotzdem Vanderoelde sofortige Abstimmung über die Entschließung verlangte, wurde der Gegenvorschlag der Opposition angenommen. Er besagt, daß die Eni- schließung zunächst den Kreisverbänden zur Abstimmung unterbreitet werden soll. Der Kongreß faßte also nicht einen endgültigen Ent- schluß, sondern diente im wesentlichen einer ausgiebigen Aussprache. Zaschistenüruck im Memellanü. Schärfste Prcfsezcnsur. Memel. 27. Dezember.(TU.) Die Z« n s u r der memelländischen Presse dauert weiterhin in der s ch ä r s st e n Weise an. Das ..Memeler Dampfboot" wies in seiner Weihnachtsausgabe große Zensurlücken auf. Die memelländischen Abgeordneten, die morgen nach Kowno zu Borstellungen bei der Regierung reisen wollten, hoben ihre Reise aufgegeben aus die Nachricht hin, daß der neue Ministerpräsident Woldemaras bereits für die nächsten Tage seinen Besuch in Memel angekündigt hat. Der deutsche Gesandte hat gegen die Ausweisungen Reichsdeutscher aus dem Memelland energisch protestiert. Woldemaras wird in Memel di« Ausweisungsgründe prüfen und sich entscheiden, ob er sie aushebt. Da di« Ausweisung erst zum Neu- jahrstag ausgesprochen ist, besteht auch di« zeitliche Möglichkeit, sie noch vor ihrem Dollzug ungeschehen zu machen. Amerika greift in Nicaragua ein. Truppenlandung und Gebot einer neutralen Zone. In Puerto Eabezas(Nicaragua) landeten nordamerikanische Streitkräfte zum Schutze des Eigentums der amerikanischen Staats- angehörigen und haben eine neutrale Zone geschaffen, deren Betreten den Streitkräften beider Parteien, nämlich der liberalen und der konservativen, oerboten ist. Dr. Boca, der Vertreter der liberalen Regierung Nicaraguas In Washington, bezeichnet die Landung als Intervention Amerikas zugunsten der konservativen Regierung. De la Seloa, der Sekretär des Arbeiterverbandes von Nicaragua, der mit dem amerikanischen Arbeiterverband In engen Beziehungen steht, erklärte, der Zweck des amerikanischen Vorgehens fei die Be- s e i t i g u n g der Regierung Sacasa um jeden Preis. Das Staatsdepartement In Washington erklärte, außer den Wünschen amerikanischer Staatsbürger in Nicaragua nach aus- reichendem Schutz sei der amerikanischen Regierung kein weiterer Anlaß zur Landung der Marinctruppen in Puerto Eabezas bekannt. Die Begnadigung der vom Landauer Kriegsgericht verurteilten ist unterzcichnet warben, ohne daß ei» formelles Gnadengesuch ein- gereicht worden sei. Die französische Regierung Hot also diesen er- srenlichen Beschluß gefahl, obne daß der sorniälen Vorschriften voll Rechnung getrogen wurde. Die Begnadigung erfolgte, so lautet die offizielle französische Version, aus Empfehlung des Oberkommisiars Tirard und des kommandierenden General» Guillaumot. Der Zoll Kau. Si« Beitrag zum Kapitel NeujahrSamnestie. Von Otto Landsberg. Der Redakteur der in Stuttgart erscheinenden kommu- nistischen„Süddeutschen Arbeiterzeitung". Fritz R a u, ver- öffentlichte am 14. Dezember 1925 in seinem Blatte die Be- sprechung einer Aufführung des Films„Sein Mahnruf". Es hieß darin, der Abend habe für die Besucher nicht in zwei Slunden Unterhaltung bestanden, sie hätten vielmehr eine Lektion revolutionärer Aktivität, aktiven Klassenkampfes und heroischen Wiederaufbaus unter der Herrschaft der Arbeiter und Bauern erhalten Manchem Arbeiter werde erst jetzt bewußt geworden sein, welch' ungeheuer mächtiges Propa- gandamittel der Film in der Hand der bürgerlichen Klasse sei und wie er von ihr zur Verdummung der Arbeiterklasse benutzt werde, während er auf der anderen Seite in der Hand der Arbeiter ein hervorragendes Mittel zur Bildung und Be- lehrung, wie in diesem Falle zur Propagierung der revolu- tionären Idee sein könne. Haß, unauslöschlicher Klassenhaß gegen eine Gesellschaft, deren typische Vertreter gewisse im Film vorgeführte Emigranten seien, grabe sich in die Seelen der zuschauenden Arbeiter ein: ihre Herzen schlügen mit denen der russischen Arbeiter, denen sie zujubelten, und.in ihnen erstehe der Wille, ihrem Vorbilde nachzuahmen.„Lenin ist tot, aber sein Werk lebt." Das sei der Mahnruf, den der Film an Tausende und aber Tausende gelangen lasse. Mögen die deutschen Arbeiter, so schließt die Besprechung, diesen Mahn- ruf ebenso hören, wie di« russischen, die ihn damit l antworteten, daß sie zu Hunderttausenden in die Kommuil. ische Partei, in die Reihen der Partei Lenins, eintraten. In diesem Aufsatz, dessen Inhalt ich absichtlich so aussühr- lich wiedergegeben habe, hat der vierte Strafsenat des Reichs» gerichts eine ein hochverräterisches Unlcrneh- m e n vorbereitende Handlung erblickt und hat gegen Rau ain 13. Juni auf eine Gefängnisstrafe von neun Monaten er- könnt. Die Urteilsgründe lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Kommunistische Partei will ihre Ziele durch Gewalt- anwendung erreichen. Die Mahnung Raus, das Beispiel der russischen Arbeiter nachzuahmen, fordert die deutschen Arbeiter zu gewaltsamem Handeln auf. Daher ist der Aussatz hoch- verräterisch. Die Mitglieder des vierten Strafsenats mögen gute Juristen sein, wenngleich sie übersehen zu haben scheinen, daß der von ihnen angewendete 8 RStrGB.„eine hinreichende Bestimmtheit des hochverräterischen Unternehmens" erfordert, die ich in dem Artikel Raus v e r in i s s e, auf alle Fälle sind sie schlechte Psychologen. Ein Kommunist, der Speise zu sich nimmt, denkt nicht daran, der Revolution einen Kämpfer zu erhalten, sondern er will nur essen, um seinen Hunger zu befriedigen, und ein Kommunist, der Artikel schreibt, will seinen Lesern etwas sagen, was sie gern hören. Rau hat ganz sicherlich nicht bezweckt, daß die Bezieher der„Süd- deutschen Arbeiterzeitung" nach der Lektüre seines Aussatzes und unter ihrem Eindruck auf die Straße gehen sollten, und sie haben es auch nicht getan. In London verhastete einst ein Polizist einen Mann, der im Hydcpark eine Menschenmenge zum bewaffneten Austand gegen die Regierung aufgefordert hatte, und schleppte ihn vor den Richter. Der fragte den Rebellen, ob er denn die Regierung für schlecht balte, und ob er sie tatsächlich mit Gewalt stürzen wolle. Der Fest- genommene antwortete trotzig mit Ja. Darauf sagte der Richter:„So gehen Sie hin und stürzen Sie sie. Ich entlasse Sie." Der Mann geriet in die größte Verlegenbeit und die englische Regierung blieb am Leben! Unsere Richter zeigen nur gegenüber blutrünstigen Aeußerungen von Rechts- radikalen dieselbe Nachsicht und Klugheit wie ihr englischer Kollege. Dagegen ahnden sie jede revolutionäre T i r a d c eines Kommunisten als Hochverrat, statt sicki darauf zu verlassen, daß die Langweiligkeit der ewigen Wiederholung von Drohungen, die nicht verwirklicht werden, das denkbar beste Schutzmittel des Staates ist. Es ist gut, daß dem Jonglieren mit dem ts 86 des Strafgesetzbuches aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit der Boden entwgep werden wird. Der Entwurf eines neuen deutschen Straf- gesetzbuches verzichtet nämlich auf die Bestrafung von Hand- lungen. die einen Hochverrat vorbereiten sollen und das mit Recht. Der Obrigkeitsstaat hat Furcht vor seinen„Untertanen" und läßt seine Angst an Gesetzesbestimmungen erkennen, die ihn gegen einaebildete Gefabren schützen sollen. Die Grund- läge des Volksstaates ist das Vertrauen zu den freien Bürgern. Er fühlt sich stark geug. um über Worte, denn das sind di« vorbereitenden Handlungen zumeist, zur Tagesordnung über- gehen zu können. Wenn ein Zeitungsaufsatz ihn wirtlich in seinem Bestand erschütern könnte, so kann ihm auch die Ver- urteilung des Verfassers nichts helfen.> Rau ist aber nicht nur wegen hochverräterischen Unter- nehmen?, sondern in Tateinheit damit auch wegen Zuw'der- Handlung gegen<5 7 Nr. 4 des Republikschutzgesetzes verurteilt worden. Dieses Vergehen hat er sich nack Ansicht des Reichsgerichts schuldig gemacht,„indem er als Mitglied der KPD. und kommunistischer Funktionär an einer staatsfeind- lichen Verbindung, die die Bestrebung verfolgt, die versos- sungsmäßig festgestellte republikanische Staatsform des Reiches zu untergraben, teilgenommen hat. Denn, sagt das Urteil, daß mindestens der sogenannte Funktionärkörper der KPD. eine solche Verbindung darstellt, ist außer Zweifel und in ständiger Rechtsprechung angenommen worden." Die Kommunistische Partei wirkt in voller Oeffentlichkeit. Ihre Wahloorschläge werden von den Behörden den Wählern unterbreitet. Ihre Abgeordnetenfunktionärc sind in den Parlamenten und ihren Ausschüssen tätig. Niemandem fällt es ein, ihnen die Gleichberechtigung mit den Vertretern anderer Parteien flu bestreiten. Aber jeder Funktionäre, den die Staatsanwaltschaft vor Gericht flu stellen beliebt, ist nach der Ansicht des Reichsgerichts, wenn nicht wegen anderer Delikte, so wegen seiner Zugehörigkeit flum Funttionärtörper der KPD. zu bestrafen. Die logische Folge wäre, daß auch jeder. der für die Kommunistische Partei propagandistisch tätig ist, eine Verurteilung zum mindesten auf Grund des Republik- schutzgesetzes flu gewärtigen hat. Nun wird aber die KPD. durch nichts in so hohem Maße gefördert, wie durch Urteile von der Art derjenigen, das der vierte Strafsenat gegen Rau gefällt hat. Danach müßten, streng genommen, auch die Urteilsfasser wegen Förderung der Bestrebungen der KPD. flur Verantwortung geflogen werden. Die Herren werden einwenden, daß sie sich der Folgen ihrer Handlung nicht bewußt gewesen seien. Ich gebe die Berechtigung dieser Ein- rede ohne weiteres zu. Man mag flu Amnestien stehen, wie man will: sie werden, solange in der deutschen Republik Richter in höchster Stellung am Werke sind, die durch Voreingenommenheit er- setzen, was ihnen an Lebenserfahrung und politischer Klugheit abgeht, in ständiger Wiederkehr notwendig sein. Welche Folgerungen gedenkt der Reichsjustiflminister aus den Urteilen gegen Rau und viele andere zu ziehen? Die Sowjetgranaten für Sie Reichswehr. Vergebliches Leugnen der„Roten Fahne". Es bleibt dabei: aus Sowjetrußland ist die deutsche Reichswehr mit Munition beliefert worden. Die kom- munistische Parteizentrale weiß genau Bescheid— trotzdem sucht sie die Tatsache den kommunistischen Parteimitgliedern ti verheimlichen. Damit sie schließlich nicht selber an ihre ügen glaubt, wollen wir ihr das Gedächtnis ein wenig auf- frischen. Genosse Scheidemann führte im Reichstage aus: „Aus Stettin werden uns von absolut zuverlässiger Seite Mitteilungen gemacht, wonach die Transporte der russischen Munition auf mehreren Schissen erfolgt sind, die Ende September und Ansang Oktober aus Leningrad angekommen sind. Sie gehörten der Stettiner Dampserkompagnie. Sie hießen „Golhenburg".„Rastenburg" und„kolberg". Ein viertes Schiff, dessen Namen ich nicht kenne, Ist unter- gegangen. Die Schiffe wurden bei Stettin gelöscht und dann die Ladung in Eisenbahnwagen verladen. Di« betelligte Firma verpflichtete ihre Arbcitsleute zur Verschwiegenheit. Die kommunistische Hafenzellle war, wie uns mit- geteilt wird, von all diesen Vorgängen genau unterrichtet. Jedenfalls steht fest, daß die kommunistische Zeitung in Pommern über alles mögliche berichtet hat. aber niemals über diese Schiffe. Wir können Ihnen fzu den Kommunisten) auch sagen, was driu war, die Ladung war deklariert als Rundelsen und Aluminium. Der Vertrag mit der Firma wurde im Februar 19LZ getätigt. während der Lunkers-Vertrag bereits im März IS22 abgeschlosien worden ist. Von ISA bis 192« bestand dann die Gefu, die die Aufgabe hatte, in Rußland Einrichtungen zur Herstellung und Füllung von Gasgranaten zu schaffen, woran eine bekannt« ham- burger chemische Fabrik beteiligt wurde.* Wir erkennen gern an, daß die„Rote Fahne* alles menschenmögliche getan hat, um über diese Tatsachen hinweg- zureden. Nächstens wird sie von Kriegsdrohungen der Re- gierung des Mondes gegen die Sowjetunion schreiben, um über die Tatsache der Lieferung von Sowjetgranaten an die Reichswehr hinwegzukommen. Der»Prinz* auf Reisen. Köpenick in Thüringen übertrumpft. Den Monarchisten von altem Schrot und Korn im schönen Lande Thüringen ist ein« unheilbar« Blamage zuteil geworden. Sie hallen in den ersten Dezemberwochen„hohen Besuch*. Der älteste Sohn des deutschen Extronprtnzen hall« die Gnade gehabt, unter dem unscheinbaren Titel„B ar o n K o r s f* zunächst in Erfurt. dann in Gotha und schließlich in Weimar Gastrollen zu geben. Unser Erfurter Parteiblalt. das von den in der Stadt umtaufen- den Gerüchten Notiz nahm, wonach der Baron Korsf der Kronprinzenlohn sein solle, macht« auch darauf aufmerlsam, daß zwischen diesem „Baron* und Offizieren des Erfurter Reichswehr- regiments«in reger Verkehr beobachtet worden sei. Zunächst schwieg darauf die Monarchistenpresse, um mehrer« Tage später mit der„Feststellung* zu antworten, daß„der Sohn des Kronprinzen* sich nur wenig« Tag« in Erfurt aufgehalten habe, „was ihm wohl niemand oerwehren kann*. Von Erfurt au» übersiedelte der.Prinz* noch Gotha, wo er im Schloß-Hotel abzusteigen geruht«. Der fürstliche Besuch brachte die chonoratoren der Stadt in Aufregung. Das Landestheater gab zu seinen Ehren eine F e st o o r st e l l u n g. Nach dieser hiell „Kgl. Hoheit* Cercle im Schloß-Hotel. Selbstverständlich konnte es sich der O b e r b ü r g e r m e i st e r der Stadt ebenfowenlg wie der Theaterintendant versagen, an diesem erlauchten Treffen teilzu- nehmen. Außerdem waren ein Polizeimajor, ein Polizeiinspektor, ehemalige Offiziere und sonstige Stützen der Gothaer Gesellschaft an- wesend, um sich ln der prinzlichen Gnadensonne zu wärmen. Wie sich das ln diesen Kreisen gehört, wurde die»Kgl. Hoheit* auch mehr- fach eingeladen, so von dem Grasen vonNassau und dem herzoglichen Obersorstmeister v. Blücher. Der junge.Zollern- sproß* entzückte die Gefelllchast und es fief auch weiter nicht auf, wenn ihm momentan das Geld ausging und er mehrfach kleine Anleihen aufnehmen mußte. In Weimar fand Hoheit nicht minder freundliche Ausnahme.... Peinlich überrascht war man jedoch, al» der.Prinz* Plötz- lich von der Bildsläche verschwand. Al» man näher nachforschte, stellte sich heraus, daß oll die Ehrungen einem Abenteurer zuteil geworden waren. Denn der.Prinz* war in Wirklichkeit ein etwa 2l)jähriger Balte von etwas dunkler H e r t u n s t. Man weiß nur, daß er in Wirklichkeit Domello heißt, zellweilig Kohlenarbeiter war und mehrfach schon im Ge- sängnig wegen Betruges gesessen hat. Jetzt hat die Kriminalpolizei»n Gotha einen Steckbrief hinter ihm hergejagt, in dem es heißt: Es ist anzunehmen, daß der Betrüger jetzt sein Tätigkeitsfeld wo anders hinverlegt Hot und auch dort in den besten Ge'ellschast»- kreisen zu verkehren versuchen und auch mit Reichsivehrojsizieren und ehemaligen Offizieren in Verbindung treten wird. Bei seinem Auftreten lasse man ihn sestnehmen. Nach dieser Fassung des Steckbriefes muß man schließen, daß der„Prinz* auch in Gotha mit Reichswehrofsizieren in Verbindung getreten ist, was immerhin einige Schlüsse aus die bevorzugten Um- gangskreife von Reichswehrofsizieren zuläßt. Jetzt, da die große und peinliche Blamage für die ge- treuen Untertanen„Seiner Königlichen Hoheit* offen zu- tag« llegt, will es begreiflicherweise niemand gewesen sein. Der Direktion de» Erfurter Hotels, in dem der Pfeudoprinz wohnt« hat man ln der Oeffenttichkeit den Vorwurf allzugroher Dummheit und Vertrauensseligkeit gemacht. Sie antwortet daraus in einer Berichtigung an die Erfurter Monarchistenblätter, in der es heißt: I. Der in unserem Hause unter dem Namen.Baron von Korfs* eingekehrte Hotelgast Ist uns von verschiedenen Personen. die es eigentlich wissen müßten, u. o. auch von einem Beamten der Kriminalpolizei, als Sohn des Krön- prinzen bezeichnet worden. 2. Genannter»Baron von Korlf* hat nachweislich des öfteren Telephongespräche mit verschiedenen Stellen in P o t»- dam geführt. 2. Durch die Art seine» gesellschaftlichen Auftretens und infolge seiner Aehnlichkeit mit dem Kronprinzen, die von vielen Hotelgästen bestätigt wurde, wäre auch jeder andere auf diesen Betrug hinein- gefallen.... Boxkampf. Der Boxkampf, der diesen Zellen Anlaß und Titel gibt, trögt sich in einem etwas ungewöhnten Milieu zu: in einem prächtig erleuchteten Festsaal, vor Gläsern mit perlendem Sekt und Schüsieln mit raffinierten Speisen, vor schönen Frauen in eleganten Toiletten und würdevollen Männern der hohen Gesellschaft, die unter der Lost Ihrer Arbeit sich nun mühsam für diese„Gala zu wohltätigen Zwecken für Kriegsopfer*— dies der offizielle Titel— freimachen konnten. Auch die beiden Helden de» Abends bieten einen Anblick, der sie nicht nur als sellsame, vielmehr auch als recht traurige Helden erscheinen läßt: der eine hat nur«in Bein, da dos zweite an der Bser blieb, und der andere ist blind— ihn hat gleichfalls die große Zeit geblendet. Nun boxen sie sich gegenseitig an und nieder unter dem Beifall der seinen Damen und der feinen Herren der hohen Gesellschaft: der Blinde hat eine gute Faust, aber sie schlägt oft ins Leere, und der Lahme weiß geschickt zu zielen, merkt ober, daß ein Bein, da» nicht da ist, einem recht böse Streiche spielen kann— eine Erkenntnis, deren praktische Demonstration den Zuschauern höchstes Vergnügen bereitet. Nun boxen sie sich gegenseitig an und nieder, und man könnte sich fragen, wieso sie sich nicht schämen. Vielleicht— sa, vielleicht, well sie ohne ihr Gebrechen, das sie freilich dazu bestimmt, eine hervorragende Rolle zu spielen, in diesem Moment unten bei den Zuschauern, vor dem Sekt und vor den Speisen, säßen, denn der eine war Hauptmann während des Krieges und der andere Kapitän: das. Bauer, das ist etwas anderes, das, Bauer, das erklärt dir vieles Man könnte weiterhin geneigt sein, zu fragen, weshalb zu dieser sportlichen Veranstaltung zu Bri gthon in England, wo sich die hier beschriebene Szene am 19. Dezember 1926 zugetragen hat, nicht englische Arbeiter erschienen sind, um sich gleichfalls„zu wohltätigen Zwecken*, nur mit etwas ernsterer Miene und unter Beachtung abgeänderter Spielregeln, an dem Boxkampf zu beteiligen Der Chronist ist der Meinung, daß das nur deshalb nicht geschah. weil die Arbeiter von Brighton zu spät von diesem Fest erfahren hoben. Er stellt Indessen seinen Lesern frei, sich auszumalen, was es gibt, wenn das Volk einer Stadt zur rechten Zeit erwacht. E. schlug der Aommlisian lBarlt. DSde-lein. v. Romberg, Sauerbruch> dem Diretior de» Kalier-ISUdelm-Fnfiliuts für iSioloji«, Prof. Otto War dura in Berliu-Dahlem, verliehe« worden. Schwermöuftrie Die Tpnltung in Peter K l ö ek n e r, der Chef des Klöckner-Konzerns, Ist für sich und feine Werte aus dem Berein Deutscher Eifen. und Stahlindustrieller und aus dem Verein zur Wahrung der gemeinsamen Interessen in Rheinland und Westfalen(Lang- namen-Derein) ausgetreten. Man mußte zunächst vermuten, daß dieser Austritt, der zunächst mit der von der ädrigen Ruhrindu» strie abweichenden Aussosiung Klöckners über die Konjuntturlagc be- gründet wurde, aus wirtschaftliche und politische schwere Interessen- nicht aber Aussasiungsgegensätze über die Konjunkturentwicklung zurückgehe. Di« Art dieser Interessengegensätze ließ sich aber noch nicht erkennen. Jetzt ist die Situation klar geworden. Zwar noch nicht sofort durch die spätere ergänzende Meldung, daß die Gegensätze aus sozial- polnischem Gebiete lägen.»Entsprechend seiner Tradition," so hieß e». sei Klöckner geneigt,.sozialpolitisch maßvolle Zuge- st ä n d n l s s e z u m a che n." ohne die Konkurrenzsähigkeit der In- dustrie zu beeinträchtigen. Man mußte sich noch fragen, weshalb es in der Schwerindustrie zu einer Spaltung kommen solle, well Peter Klöckner. der rechte Zentrumsmann, in sozialpolitischen Dingen ein kleines bißchen milder denkt als die zahlreichen scharfmacherischen Kollegen rechts von ihm. Jetzt hat die.Kölnische Dolkszeitung" das Geheimnis gelüftet. Es geht um die kommende Regierung. Sie führt in einer Zuschrift aus Jndustriellenkreisen au», daß man bei den kommenden Verhandlungen über die Neubildung der Regierung daran denken solle, daß in den Kreisen der Dürgerblockanhänger sich zahlreiche und einflußreiche Elemente befinden, für die der j)aup!- kämpf um die Verhinderung des sozialen Fortschritts. um die Aufrichtung der stillen Herrschaft unsozial denkender Wirt- schaftegruppen gehe. Nach dem Willen mancher Wirtschaftsführer und Wirtschaftskreise müßt« die wirtschaftliche Annäherung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach dem Silverbergschen Gedanken ver- mieden werden. Aber die egoistische Einstellung der Unternehmer wachse mit der fortschreitenden Vertrustung der Wirtschost riesig und habe in gewissen Trustgebildcn eine kräftige Stütze. Es wachse ein Wirtschaftsstaat Im Staate heran, der erhebliche Acnderungen der sozialen Struktur im Gefolge habe, dessen Träger aber zum Teil mö Sürgerblock. er Rnhrindnftrie. soziale» Empfinden fast völlig vermisien ließen. So die.Kölnische Valkszeitung". Die.Kölnische Doltszeltung" ist das führende Blatt des rheini- schen Zentrums. Die Zuschrift läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Auf Scholz im Osten Ist die Antwort der Schwerindustrie im Westen erfolgt. Die Situation ist klar. Die überwiegende Mehr- heit der Schwerindustrie ist zur Bildung einer sozialreak- tionären Regierung entschlosien. Das Vorgehen S i l v e r- b e r g s auf der Dresdener Tagung des Reichsvcrbondes der Deut- schen Industrie wird nicht nur abgelehnt, es wird darüber hinaus zum politischen Kamps, zur Bildung einer sozialreoktionären Front geschritten, die ihre Spitze gegen die Arbesterschaft richtet. Schwer- industrie und Großagrariertum, die aus den Tagungen des Lang- namen-Vereins und des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustriel- ler vor wenigen Wochen durch die Erklärungen des Herrn General- direktors R e u f ch und des Herrn Dr. V ö g l e r gegen das Frei- handelsmaniscst von neuem Bundesbrüderschafl geschlosien haben, haben sich mit der Parole für Schutzzoll und gegen Sil- Verberg zum Zusammengehen gegen die Arbeilerschast geeinigt. Das Ist es, was in diesem Augenblick den Austrist Peter Klöck. nsrs, des Zentrumsmannes, der Oefsenlllchkest klar zeigt. Peter Klöckner, der Geschäftsmann und Konzernmagnat, will maßvolle sa- ziale Zugeständnisse, weil die gute Konjunktur der Schwerindustrie noch nicht ausgeschöpft ist, well er die glänzende Konjunktur des Ruhrgebiets, die gegen alles Erwarten eine vielfach mehr als hundert- prozentige Beschösligung der Eisen- und Stahlindustrie und gcwal- tige Gewinne gebracht hat. nicht durch dl« Entsessewng sozialer Kämpfe gefährden will, die er als Politiker notwendig kommen sieht. Cr sieh, sie nowendtg kommen, weil die.egoistisch« Einstellung" der Trustmagnaten mit fliegenden Fahnen zum schärfsten sozial, reaktionären Kampf übergehen will, um die Fortdauer der Kon- junktur auch aus dem Rücken der Arbeiterschaft gegen die erstarkende Auslands- und besonders Englandkonkurrenz zu erzwingen. Da» ist ein Piegramm, würdig den besten Scharfmachertradi- tionen des Schwerkapllals und ganz dem größenwahnsinnigen Milieu entsprechend, das die unerhörte Englandkorjunkwr bei den Ruhr- gewastigen geschaffen hat. �US Not zum verbrechen. Warum keine Bewährungsfrist? In der Abteilung des Schöffengerichts Mitte standen zwei Sachen an: ein Betrug und ein Raub. Die erste Sach« nahm fü»l Stunden in Anspruch, die zweite war in kaum zwanzig Minuten erledigt. Dort erzählte ein behäbiger Herr, der in den besten Kreisen Eingang hatte, in aller Ausführlichkeit fein Leben und feine Betrügereien, die keine gewesen sein sollten. Hier war h ein junger Arbeiter, unterernährt und scheu, dessen Verhör nur ganz kurz währte. Bei dem Betrüger— ein großes Aufgebot von selchen, die der Angeklagt« geschädigt hatte. Hier, bei dem kleinen Räuber, nur e i n Zeuge, dem letzten Endes nichts passiert war Der eine wurde zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt unter An- rechnung der Untersuchungshaft, der andere zu einem Jahr, das noch abzusitzen sein wird. Ein Räuber!... Allerding» war es eine böse Tot. die sich der damals Z�jahrige K. Im Jahre 1924 hatte zuschulden kommen lasten. Er hatte nach dem Kriege die ganze Zeit hindurch gearbestet, zu- letzt zwei Jahre bei Blom u. Voß in Hamburg. Als er hier wenen Arbeitsmanoel entlallen wurde, fubr er in Begleitung eines Ma- trafen nach Berlin. Beide hatten keinenVsennig. auch kein« Au ssicht auf Arbeit. Da drückte der Matrose dem K. «Inen Revolver in die Hand. Er begab sich mst seinem Kum- p.in in einen Iuwelierladen und biell kort dem Inhaber die Waffe vor die Brust. Dieser bewahrte aber sein« Geistesaegenwart. packte den Räuber am Handgelenk und iagte sogar dem Flüchtenden nach und führte ihn der Rolizei zu. Man fand bei K. auch einen Tot- sch'äger und einen Glasschneider. Der M-strose, ein vielfach vorbestrafter Mensch, war nicht aufzufinden. K. wurde ober bald aus der Haft entlasten. Er hörte dann zwei Jahre nichts mehr über seine Straftat. Er fand in Esten Arbelt, bis«r wegen seiner Tot, an die er vielleicht längst nicht mehr dachte, verhastet wurde. W'e er sich zu dieser Tat entschließen konnte, über seine Jugend und Entwicklung, erfuhr man nicht...—Der Vorsitzende erkannt« in der Urteilsbegründung an. daß K. sich damals ohne eigenes Verschulden in Not befunden habe, daß er, bis dahin ein un- bestrafter Mensch, sich bei der Tat äußerst ungelenk benommen und daß er auch noch der Tat die aanze Zeit gearbeitet habe. Deshalb feien ihm mildernde Umstände zuzubilligen. Wegen der Schwere der Tat müste aber auf«in Jahr Gefängnis er- kannt werden. Das Urteil mag in Anbetracht der Dreistigkeit und Gefährlich- keil nicht zu hoch erscheinen. Es entsteht jedoch die Frage: Wäre gerade in diesem Falle nicht eine Bewährungsfrist anaebracht. Mehr als zwei Jahr« hindurch hat K. nach der unseligen Tat, d'» er unter dem Einfluß der Not und des Matrosen beging, ebrlich und fleißig gearbeitet. Dadurch hat er seine feste Absicht, sich zu bester», bewiesen. Jetzt wurde er, direkt aus der Arbeit heraus, ver- haftet. Das Gefängnis bedeutet imter diesen Umständen mehr eine Gefahr für ihn als«in« Sicherung für die Gesellschaft. Es ist auch jetzt noch nicht zu spät, ihm eine Bewährungsfrist zuzubilligen. Eisenbahners Tod. Ein folgenschwerer Unfall ereignete sich am ersten Feier- tag gegen 142 Uhr in den Eisenbahnbetriebs- w e r k st ä t t e n am Schlesischen Bahnhof. Beim Hereinbringen einer Lokomotive wurde der Sljähng« Cisenbahnarbeiter Otto Eismann, der in der Rüdesdorfer Str. 65 wohnt, zwischen Prell- bock und Puffer«Ingequetscht. Arbeitskollegen befreiten den Verunglückten und riefen«inen Arzt herbei, der aber nur den Tod infolge schwerer Innerer Verletzungen feststellen kante.— Em weiterer schwerer Unfall ereignete sich am gleichen Vormittag gegen 1410 Uhr in der Nähe des Bahnhofs W a n n s e e. Der Eisenbohnorbeitcr Otto B e r g h o l z wurde beim Ucberschviten des Stadtbahn- geleises von einem herankommenden Zug ersaßt und mehrere Meter mitgeschleift. B. zog sich einen Schädel- und Beckenbruch zu lnid verstarb nach kurzer Zelt. Seine Leiche wurde nach der Wannseer Friedhosshalle gebrocht. Auch hier bedarf die Schuldfrage noch der Klärung Die findige Kriminalpolizei. Eine Wejhnachtsüberrafchung konnte die Kriminalpolizei einem holländischen Kaufmann bereiten. Dieser hntte im Herbst ein deutsches Dienstmädchen,«ine 2S Jahre alte Martha H o f e r, an- genommen, war ober schon nach kurzer Zeit von dieser um Schmuck- lachen im Werte von 25 000 M. bestohlen worden. Der Diebstahl war seinerzeit nicht nach Berlin««melde: worden. Als nun der Kaufmann am 23. Dezember wieder in Gefckäften nach Deutsch- land und Berlin kam. wandte er sich an die Dienststelle C. I der Kriminalpolizei, um zu hören, ob vielleicht von den ihm gestohlenen Wertsachen etwas ausgetaucht sei. Die sofort annestellten Nach- sorschungen nach der Diebin führten noch am gleichen Tage zu ihrer Ermittlung in einer Penston in der Zlugsburger Straß«, wo sie unter falschem Namen die fein« Dame spielte. Ein Teil der Schmuck- stücke wurde noch hei ihr, ein anderer bei ihrem„Bräutigam" ent- deckt und beschlagnahmt. Andere Sachen hatte sie in verschiedene� Leihhäusern der Friedrichstadt versetzt. In Begleitung der Beamten machte die Hoier die Rundreis« zu diesen Versatzstellen, bis endlich alles zur Stelle war. Die Kriminalpolizei konnte dem glücklichen Holländer den gesamten Schmuck als Weihnachtsgeschenk aufbauen. Die Hofer wurde jestgnommen. Morgenfeiera öer flrbeitersänger. Die Arbeitersänger haben die„Morgensprachen" von früher, bei denen es weniger aus die Güte des Vorzutragenden als aus die Pfleg« der Geselligkeit ankam, umgewandelt in künstlerische Morgen- s e i e r n. Am zweiten Feiertag vormittag» konzertierte der achte Bezirk des Gaue» Berlin vom Arbeitersängerbund in der P h I l h a r m o n> e. Bei den Massenchören siel unter der ru- higen, sicheren Leitung von Musikdirektor Knöchel besonder» die schöne Ausgeglichenheit der Stimmen aus. Die Disziplin war muster- gültig, Aussprache und Tonhattung gut. Ma? Bruchs„Vom Rhem", dessen Schwierigkeiten selbst den einzelnen Vereinen harte Hebung»- arbeit bringt, gelang im zusammengesetzten Mossenchor sehr gut. nur den Einsatz der zweiten Bäste in der Mitte jeden Verses hätte man sich weniger hart gewünscht. Di« ersten Tenor« waren hier wie in ihren Halbsolo» beim„Morgenlied" hervorragend schön. Mozarts„Wethe des Gesanges" war eine Musterleistung. Die A-canpella-Verelnigung des Berliner Volkschors glänzte mit Brahms.Nänie", diesem oratarienartig gesetzten Werk, das Fritz K l« i n e r an der Orgel begleitete. Als Einzelchor brachte„Fichte- G« o r g i n i a" zwei Chorwerke von Ksmpter und Lendooi zu Gehör, in denen die Sängerschar ihre all« Meisterschaft auf» neue bewies. Knöchel als Vereinsdirigent oersteht es. den Verein auf leiner Hohe zu erhalten. Der Tenor unserer Staatsoper Karl I ö k e n steuerte drei Waanerlieder bei. In der.Neuen Welt", Hasenheid«, hatte sich der Deutsch« Arbeiter, Sängerbund. Gau Berlin. Ü. Bezirk. unter Mitwirkung de» Bruderoercin»„Lerche Glocke»klang zu einer Morgenfeier eingesunden. Mozarts„Weihe des Gesanges" leitete die stimmungsvolle Feier ein. dann wurden Weihnachtsliedcr. frohe Wandcrweisen und Freiheitsgesänge vorgetragen. Feiertags- iiimmung tag über der ganzen Veranstaltung. Hell und freudig klangen all die frohen Weisen, voll Innigkeit die weihnachtlichen Gesänge, stark und zutunftssroh die Lieder von befrettem Menschen- tum. chenschels»Heilige Freiheit" und Guggenbuhlcrs„Gesang der Völker" waren gleichsam ein Ausatmen aus langer Äiiechtschaft, ein Jauchzen dem strahlenden Licht, der lockenden Freiheit entgegen. Die einzelnen Sängervercinigungen, die sich aus Neuköllner, Rudower und Berliner Chören zusammensetzten, brachten das gut gewählte Programm sehr wirkungsvoll zum Vortrag. Di« Ausstattung des Saales der„Neuen Welt"(augenblicklich gibt es hier großen bayerischen Rummel mit Alpenlandschastt bot greade nicht das richtige Relief. Trotzdem wirkte die Feier schön und stimmungsvoll. Für die Silvesternacht ist die Polizei st undeaufgehoben worden. Gefahr für üie frankfurter Güerbrücke. Hoher Wasserstand und Strömung. Frontsurl a. d. Oder, 27. Dezember 1926.(Elgcner Drahtberichl.) Am ersten Weihnacht Feiertag fuhr ein aus Schi:siea kommender und mit 8000 Zentern kohlen beladener kaho gegen einen Brück enpseiler der Oderbrücke in Frank- f u r t. Der Kahn wurde l e ck und sank; der Besitzer konnte sich mit seiner Familie mit knapper Not retten. Der gesamte verkehr aus der Oder ist durch den Vorfall unterbrochen: d'e Brücke wurde inzwischen für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Da hier angenommen wird, daß die Brückenpfeiler unterspült werden und mll einem Ein- sturzdervrückezu rechnen ist, versuchte man bereits am zweiten wsihnachtsfeiei lag den Kahn mit großen Dampsschlssen abzuschleppen. Liese Anstrengungen blieben ersolglo», so daß heul« ver- sucht werden soll, das gesunkene Sch'ss durch Planiere sprengen zu lassen. Die Schiskcladuiig war für Skandinavien bestimmt und gilt ebenso wie das Schiff als verloren.'Der aus den hohen Wasser- stand und dl« Strömung zurückzuführende Schaden ist durch B?''- sicherung gedeckt. � 24 Tote bei einem Schiffszusammeustoh. In d«!r Nacht vom 25. Dezember stieß der britische Dampfer „V u r u t u". der auf der Fahtt von Hamburg naib Sovel, in West- asrika begriffen war. auf der Höhe von Portland, dreißig Seemeilen von der Küste entfernt, mit der französischen Barr„Eugene Schnieder" zusammen. Es wird besürchtet, daß von der aus 28 Mann bestehenden Besatzung per französischen Bart 2 4 er- trunken sind. Der englische Dampfer, der nur wenig beschädigt wurde, fuhr mit den Ucberlebendcn nach PorUand, wo er zwei oder drei Tage zur Untersuchung bleiben wird. Einstellung des Schiffsverkehrs auf der vnlereu Dvnao. Die T i s v e r h ä l t n i s s e auf der unteren Donau zwingen die Schiff- sahrtsgesellschasten, den regelmäßigen Personen- und Güterverkehr auf dem Strome einzustellen. Der Hasen von Konstanza am Schwarzen Meer soll für die unterwegs befindlichen Schisse frei« gehalten werden. kälte in Frankreich. Aus einzelnen Gegenden Frankreichs wird ein« Temperatur von 9 bis 14 Grad Kälte gemeldet. In Paris sind am zweiten Welhnachtsfeicrtag zwei Personen erfroren. Schneestürme in Spanien. Die Weihnachtstage brachten Spanien eine ungewöhnliche Kälte. In Madrid selbst wurden sechs Grad Kälte festgestellt. Der Zugverkehr erlitt durch heftige Schnee- stürme starke Störungen. In der Provinz Santender drang ein Rudel hungriger Wölfe in die Dörfer ein. Mehrere Menschen sind erfroren.__ Sport. VeihnachtsraSrennen am Kctferöamm. Zricke-Hcstcbaut gewinnen die 100 Kilometer. Die Weihnachteoeranstaltung der Kaiserdammarena am 2. Feiertag konnte einen nur verhältnismäßig guten Besuch auf- weisen. Im intenrationalen Fliegermatsch, der vier Läufe vorsah, starte» tcn Lorenz, Oszmella, De Martini und der bekannte W a l t h o u r jr. Im e r st e n Lauf siegte D r Martini gegen Lorenz und Oszmella, während den zweiten sich Wa l t h o» r vor Lorenz und De Martini sicherte. Den dritten Laus holte sich ebenfalls der Amerikaner vor Oszmella und De Martini. Im vierten endlich besetzte Oszmella den eisten Platz vor Lorenz und Wollhour. Im G e s a m t k l a s s e rn e n t hatte W a l- t h o» r die meisten Punkte(9) auf sich vereinigt. Den zweiten Platz erhielt Oszmella(7) vor Lorenz 16) und De Mariini(6 Punkte). Im 100-Kiloineter-Mannschastsrenne» tonnten Im Verlaus der 30-KitomeIer-Wertung Fricke-Hellebaut das gesamte Feld überrunden. Bei einem späteren Voistoß Seifert- de Martini gelang es Fricke-Hellebaut und Frankensiein-Auschenhagen eine Runde auszuholen! Hier stürzte Oszmella und muhte da» Rennen ausgeben. Soldow oerließ ebenfalls die Bahn, so haß Schorn und Persyn«ine neue Mannschaft bilden konnten. Durch den äußerst zähen Vorstoß vermochten noch Lorenz-Ver- scheiden eine Runde auszuholen. Als Sieger gingen die um zwei Runden vorliegenden Fricke-Hellebaut(16 Punkte) durch» Ziel. Sie fuhren die 100 Kilometer in 2 Stunden, 25 Minuten. 54.2 Sekunden. IRundezurück:?. Frankenstein» Buschenhagen(62), 3. Lorenz-Derschelden(35). 2 Runden zurück: 4. Krollmann-Nörenberg(37 Punkte).— Da» 1 0 0- R u n d e n, Ist o n n s ch a f t" r e n n e>>' r Amateure so Ehmex-Kroschel als Sieger in 26 Minuten 59 Sekunden. Weihnachtsarbeit öer Polizei. Die Verhaftung am Weihnachtsabend.— Der Einbruch bei der Braut. Dar einigen Tagen wurde In der Restdenzst�aße zu Reinickendorf ein großer Geschäft seinbruch verübt, bei dem den Verbrechern für 14000 Mark Trikotagen in die Hände fielen. Sie hatten an einem Hoffenster die Gitterstäbe auseinandergebogen, eine Scheibe zertrümmert und sich so Eingang oerschaist. Bei ihren Nach- sorschungen stießen die Kriminalbeamten der Dienststelle B 3 auf einem Laubengeländc an der Genfer und Radetzkystraße aus mehrere Männer, die in den späten Abendstunden de» 23. Dezembers große Pakete mit einem Plattenwagen fortschassen wollten. Die M ä n n er wurden s« st genommen und als ein 21 Jahre alter Landwirt Hermann B. und«tu 25 Jahre alter Richard W. fest- gestellt. Dem dritten Manne gelang es, zu fliehen und auf dem dunklen Laubengelände zu entkommen. Die Paket«, die verladen werden sollten, enthielten den größten Teil der Beute aus dem Reinickendorser Einbruch. A m Heiligabend gelang es dann, auch den dritten Mann, einen 45 Jahre alten Händler Arthur Seefeld aus der Gerichtstraße, zu ermitteln. Er wurde. als er gegen abend In seiner Wohnung erschien, festgenommen und der Kriminalpolizei eingeliefert. Wie sich jetzt ergab, war er der Ilrheber des Einbruchsplanes gewesen, der die beiden anderen zur Milw rkung überredet hatte. Auch in Seefelds Behausung fand man «inen Teil de» gestohlenen Gutes, so daß bis aul einige Wolljacken nunmehr die ganz« Beute herbeigeschafft und für den Geschäfts- mann sichergestellt werden konnte. Die drei Berhafteten werden nun dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Eine unangenehme Ueberraschung erlebte am zweiten Feiertag eine Derkäuferin, die In der Schererstraße das Zweig- peschäst einer Buttcrhandlung leitet und hinter dem Laden wohnt. Sie lernt« vor einiger Zett einen 23 I-.hr« allen Handlunpsgehilse» Hclmuth Garschke kennen, der einen so netten Eindruck macht«. daß sie sich In Ihn verliebte und Im stillen mit Ihm verlebte. Gestern nachmittag besuchte sie mit dem Geliebten«ine ihr bekannte Frau M. In der Wöhlertstraße. Während sie sich mit dieser unterhielt, ver- schwanden au» ihrer Handtasche, die im Nebenzimmer auf dem Tische lag, die Schlüssel zu dem Geschäft und ihrem Wohnraum. Bald daraus aber waren sie wieder da und Garschke, der allein im Nebenzimmer gewesen war, erklärte, daß er sich einen„Scherz" gemacht habe. Gegen 8 Uhr abends ging der jung« Mann weg. um. wie er sagte, in der Nachbarschaft ein Glas Bier zu trinken. In 20 Minuten wollte er wieder da setn Man wartete aber eine Stunde und Garschke kam immer noch nicht zurück. Von Unruh« ge- trieben, nahm das Mädchen jetzt ein Auw und fuhr nach dem Ge- schüft. Als sie Licht darin sah, holte lie schleunigst die Moltzei des 47, Reviers. Die Beamten stellten fest, daß mehrere Türen er- brachen waren, fanden aber niemanden in den Räumen. Erst als sie diele genauer absuchten, entdeckten sie Garschke in einen Schrank, in dem er sich verstcckt hatte, ol» er sich überrascht sah. In seincm Besitz fanden sie außer den Schlüsseln des Mädchens noch einen Hammer, ein« Zange und«inen Schraubenzieher. Der Er- tappte gab zu, daß er«» aus einen Wandschrank Im Wohnraum der Verkäuserin. In dem er dl« Kalle der letzten Tag, vermutet«, ob. gesehen hatte. Er hotte die Haustür mit dem zun, zweiten Male au» der Handtasche de» Mädchen» herausgenommenen Hausschlüssel ge> öffnet, zwei weitere Türen mit Gewalt erbrochen, weil er diese Schlüssel nicht besaß und auch bereit» versucht, den kleinen Geld- schrank au» der Wand herauszunehmen Als er entdeckt wurde, fand er bereits den Ausweg durch die Beamten versyerrt. Garschke wurde der Kriminalpolizei übergeben. Er behauptet, daß er durch Arbeits. losigkeit in Kot geraten sei. Die Werkzeuge hatte er heimlich aus der Wohnung der Frau M. mitgenommen. Weihaachts- und Neujahrsgrotifitatkonen. Tie Rechtslage. In diesem Jahr« werden wahrscheinlich wieder in etwas ver- -ehrtem Umsange Wechnachts-»der Nenjahrsgratisikationen gezahlt werden. Da«in« besondere gesetzlich« Regelung, wenn die Tarif- Verträge nicht etwa in irgendeiner Form normatives Recht schaffen, nicht besteht, so entstehen immer wieder Zweifelsfragen über die Rechtsnatur der Gratifikationen. Soweit Gratifikationen irgendwie vereinbart worden sind, ist die Frage ziemlich einfach mit„Ja' zu beantworten. Sie sind in diesem Fale als«in Teil des Arbeitsentgelts, also des Gehaltes oder des Lohnes, anzusehen. Sie sind es auch dann, wenn die Zahlung der Gratifikationen ohne besonder« mündliche oder schrift- liche Vereinbarung regelmäßig und ohne Hinweis auf den be- sonderen freiwilligen Charakter der Gratifikation erfolgt. Aus der Regelmäßikeit der Leistungen hat die überwiegende Mehrzahl der Gerichte einen Rechtsanspruch gefolgert. In vielen Fällen liegen jedoch wedsr schriftliche noch mündliche Vereinbarungen vor, und auch in den Tarifverträgen sind die dies- bezüglichen Bestimmungen so allgemein gehalten, daß nicht ohne wei- teres ein Rechtsanspruch auf die Zahlung der Gratifikation erhoben werden kann. Sie sind in solchen Fällen als«in« besondere An- « r k« n n u n g für die bisher geleisteten Dienst« und als Ansporn für wei. er« treue und zuverlässige Mitarbest anzusehen und können in das freie Ermessen des Arbeitgebers gestellt fein. Ein A n- s p r u ch besteht in solchen Fällen nicht. Für d.n Fall, daß die H ö he der Gratifikation in der Derein- b a r u n g nicht festgelegt ist, ist sie doch«inklagbar. Nach der überwiegenden Praxis der Gerichte ist sie in solchen Fällen in der ortsüblichen oder in angemessener Höhe zu zahlen. Eine Minderung haben die Gerichts in den letzten Jahren nur zugelassen, wenn z. B. die Geschäftslage sich ungünstig gestallet hatte und der Nachweis darüber erbracht wurde und wenn etwa die Arbellsleistun- gen nicht mehr voll befriedigten, worüber jedoch das Erbringen eines Nachweises ziemlich schwierig ist. Ebenso ist die Frag« strittig, wie es sich mit der Gratifikationszah- lung der ausgeschiedenen oder in gekündigterStellung befindlichen Lohnempfänger verhält. Bei Vorliegen einer schriftlichen oder mündlichen Vereiirbarung oder auch bei gewohnheitsmäßiger Zahlung haben sehr viel« Gerichte die Gratifikation den Lohn- empfängern zugesprochen, dagegen ist der Anspruch beim Fehlen einer Vereinbarung sehr zweifelhaft und auch die Beanspruchung nur an- teiliger Gratiji.alionen wird in solllien zweifelhaften Fällen von den Gerichten sast durchweg abgewiesen. Eine Rückforderung ge- zahller Gratifikationen durch den Unternehmer kann rechtlich nicht erfolgen. Eine sowohl für den Unternehmer wie für den Lohnempfänger im Fall« der Zahlung einer Gratifikation wichtige Frage ist, ob die Gratifikationen dem Steuerabzug unterliegen. Hier liegt«in Ur:«!. des Reichsfinanzhofes vom 27. Januar 1928 vor, in dem es u. a. heißt: Der Umstand, daß die Gratifikationen neben den Gehällern usw.... aufgezählt sind, kann nicht dazu führen, unter Gratifika- tionen nur die dem Arbeitnehmer vom Arbellgeber gewährten Leistungen zu verstehen, auf die der»Arbeitnehmer einen klag- baren Anspruch hat. Abgesehen vom Sprachgebrauch, der dem Worte„Gratifikationen" eine weitergehende Bedeutung beilegt, spricht dagegen, daß die angeführten Aorschristen auch alle sonstigen dem Arbeiinchmer gewährten Bezüge oder geldwerten Vorteile als Arbeitslohn angesehen wissen wollen und daß die allgemeine, auch für den Arbeitslohn in Betracht kommende Bestimmung des 8 5 des bisherigen Einkommensteuergesetzes zum Einkommen nicht bloß Ciillünftc rechnet, die dem Pflichtigen aus einem rechtlichen Grunde zugeflossen sind, sondern auch Ein- künste. die er aus einem tatsächlichen Grunde bezogen hat. Vm- ausgesetzt ist danach nur, daß die den Arbeitnehmern zugeflossenen Bezüge ihren wirtschaftlichen Grund in dem Dien st oerhält- n i s des Arbeitnehmern haben. Wieweit dies der Fall ist bei Leistunaen des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer, die weniger ihren Grund in dem Dienstverhältnis als in gewissen sozialen Rücksichten hoben, kann unter Ilmständen zweifelhaft sein... Danach unterliegen also Gratifikationen an Beamte, Angestellte und Arbeller dem Steuerabzug, gleichgüllig unter welchem Namen sie gegeben werden und ob eine rechtliche Verpflichtung vorliegt oder nicht. Einen Fingerzeig, was für Zahlungen nicht dem Steuerabzug zu unterliegen brauchen, gibt lediglich der letzte Satz. Die Zahlung würde dann nicht dem Steuerabzug unterliegen, wenn sie aus rein sozialen Erwägungen heraus erfolgt, die mll dem Dienstoerhällnls in keinem Zusammenhang stehen, etwa von Mensch zu Mensch als reine Schenkung im Sinne des§ S16 des BGB., so daß die Beteiligten von ihrem persönlichen Standpunkt die Zuwendung nicht etwa als Gegenleistung für die geleistete Arbell angesehen wisien wollen. Wir glauben, daß dann die Steuer- behörde entgegenkommend auf den Abzug verzichten wird und zwar schon aus dem einfachen Grunde, weil wahrscheinlich die Gratifika- tionen angesichts der Verhältnisse nicht so hoch bemessen sein werden, daß ein Abzug nicht etwa ins Gewicht fallen würde. W. H. Die Personalordnung der Reichsbahn. Tie Rechte der Beamten. In den letzten Wochen sind zwischen der Reichsbahnge- e l l s ch a s l und den Eisenbahnerorganisationen und em Hauptbeamtenrat Verhandlungen über Aenderun» gen der Personalordnung geführt worden. Neben Aende. rungen rein formaler Natur handelt es sich vor allem um die Be- stimmungen über die unkündbar« Anstellung und den Kündigung? fchutz für Hilfsbeamte. Während bei den Reichsbeamten die Bestimmungen für die Erlangung der unkündbaren Anstellung für die Beamten aller Gruppen einheitlich sind, will die Reichsbahngesellschaft ein« recht» liche Dreiteilung vornehmen, und zwar sollen die Beamten der Gruppen 19 und höher nach dreijähriger, der Gruppen 8 bis 9 nach fünfjähriger und der Gruppen 1 bis 5 nach zehn- jähriger befriedigender Beamtendienste unkündbar angestellt werden. Da bei der Natur der Pcnsionsversorgung der Beamten der einzelne Beamte an der Umwandlung seines jederzeit kündbaren Anftellungsverhältnisses in ein Daueranstellungsverhästnis im hoch- sten Maße interessiert ist, wehren sich die Reichsbahnbeamten natur» gemäß gegen eine solche Benachteiligung der uMeren und mittleren Gruppen. Sie fordern unter Hinweis auf die Bestimmungen des Reichsöohngesetzes eine Regelung, die mll den Berhältnifsen beim Reiche übereinstimmt. Sie fordern also für die Beamten aller Gruppen gleiche Bestimmungen BeidenVerforgungs- a n wä r t e r n sind die Bewährungsfristen etwas kürzer, well die zurückgelegten Militärdienstjahre teilweise angerechnet werden. Die Eisenbahnerorganisationen fordern die für die Militäranwärter gellenden herabyesegten Bewährungsfristen auch für solche Beamte. deren Beamtendienstzeit eine ununterbrochene Beschäftigung als A r- b« i t e r oder Angestellter im Staatsdienst vorausgegangen ist. Immerhin bedeutet die Festsetzung einer zehniährigcn Karenzzeit für die Gruppen' 1 bis 5 einen Fortschritt gegenüber der ursprünglichen Regelung. Danach sollten diese Beamten erst nach 20 Iahren unkündbar werden. Tiotzdem muß gesordett werden. daß in dieser grundsätzlichen Frage des Beamtenrechts die voll- kommen« tteberelnstimmung In den Verhältnissen der Reichsbahn und des Reiches hergestellt wird. Sehr wich.ig ist auch die Frage des Kündiaungsschutzes für die Hilfsbeamten. Ein großer Teil der Reichsbahnbe- ernten wird vor der Anstellung als Hiljsbeamter verwendet. Diese Hilfsbeamten gelten ihrer Dienstleistung und Verantwortung nach als Beamte, in ihren Rechts- und Lohnoerhältnissen aber als Arbeiter. Bisher hatten sie nicht das Recht, im Falle chrer Entlassung die Arbellsgerichte anzurufen. Sie stehen insolgedessen ohne jeden Kündigungsschutz da. Die Reichsbahngesell- schast will nunmehr die zu den Beomtenräten wählenden Angestellten und Lohnempfänger den Einspruchsausschüssen unterstellen. die in der Pcrsonalordnuno für die Beamten im Falle der Kündi- gung vorgesehen sind. Dieser Stondpunkl der Reichsbahngesellschaft wird aber nur von einem Teck der Eisenbahnerorganisationen geteilt. Der Einheitsoerband der Eisenbahner Deutschlands und die Gecrerkschast Deutscher Lokomotivführer fordern den weiter- gehenden Schutz der Arbeitsgerichte, zumal die Ein- spruchsausschüsse der Personalordnung sehr ungünstig zusammenge- |C8t Die�Reichsbahngesellschoft hat zugesagt, in den strittigen Punk- ten nochmals zu den Vorschlägen der Organisationen Stellung zu nehmen. Jedenfalls muß erwartet werden, daß mll der Methode der rechtlichen Benachteiligung der Reichsbahnbeamten endlich Schluß gemacht wird._ ?nstanzenzug und flrbeitsgememschast. Iii Sotvjctruftland. Der Volkskommissar für Arbeit, Schmidt, Hot auf dem letzten Gewerkschaftskongreß iver Sowjetunion mll Besorgnis auf das Anwachsen der Arbeitskonflikt« in der Sowjetunion hingewiesen. Im Jahre 1925 sind in den S ch l i ch t u n g s- kammern und Schiedsgerichten insgesamt 11889 Arbeits- konflikts, im Jahre 1928 allem während der ersten sechs Monate des Jahres 12 9S8 Kanflikt« beigelegt worden. Die.Ftote Fahne" würde sagen„abgewürgt", wenn es sich um Konflikte in Deutschland handelte. Die Autorität der Schlichtungskammern ist dabei sehr gering, und in den meisten Fällen'uchen die Parteien die Beilegung des Konfliktes unmittelbar einem Schiedsgericht zu übertragen: „Die Schiedsgerichte werden in der Regel nicht auf Grund einer Vereinbarung der Parteien, sondern auf dem Weg« der o b l i g a- torischen Schiedsgerichtsbarkeit, d. h. durch die Er- nennung eines Schiedsrichters durch das Volkskommissariat für Arbeit oder durch die lokalen Arbellsämter, eingesetzt. Dies verleih: den Schiedsgerichten den Charakter eines Zwangs- läufigen, nicht freiwilligen Organs. Das ist keineswegs als normal zu bezeichnen. In der Praxis führt das dazu, daß die von den Parteien dem Schiedsgericht zur Entscheidung vorgelegten Streitsachen oft 89 bis 60 Streitpunkte enthalten, die zu 90 Proz. von der Schlich- tungskammer entschieden werden könnten... Die Termine vor dem Schiedsgericht sind sür 4 bio 6 IDochm im voraus sesigif.'ht. Es ist klar, daß die Schiedsgerichte unter diesen Umständen nicht in der Lage find, sich mit jeder Sache im einzelnen näher zu befassen und ihre Entscheidung in Ruhe zu tressen. Auch lassen ihre Beschlüsse an Deutlichkeit oft zu wünschen übrig, was zu einer Wiederholung der Konflikte führt. Wenn man die Zahl der Konflikte vor und nach dem Abschluß der Kollektivverträge ver- gleicht, so ist der Unterschied ganz enorm. Es ist sestgestcllt worden, daß von der Gesamtzahl von etwas mehr als 12 000 Kan- flikten— im ersten Halbjahr 1926— 2776 Konslitte vor und 10 180 nach dem Abschluß der Kollektivverträge entstanden sind. Diese enonne Steigerung der Zahl der Konflikte nach dem Abschluß der Kollektivverträge muß ausschließlich auf die unklar« F o r in u- lierung der Schiedsgerichtsurteile zurückgeführt werden... Gegen das Urteil der Schiedsgerichte kann man nur aus f o r- Mellen Gründen Einspruch erheben, aber in der Regel wird dies nicht im geringsten berücksichtigst Wenn die Arbeiter oder das be- treffende Wirlsthaftsorgan mll dem Urteil unzufrieden sind, so appellieren sie an«in« höher« Instanz— an das Arbeitsamt und weiter a» das für ihr« Republik zuständige Volkskommissariat für Arbeit. Als letzt« Instanz gill das Arbeitskommissariat der Sowset- union. Es oergehen oft bis zur endgültigen Lösung des Konflikts « i n b i s e i ne i n halb Iah r«. Oft werden die Sachen auch mir BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN BEAMTEN, AG ANNAHMESTELLEN IN SÄMTLICHEN STADTTEILEN BERLINS UND BEI ALLEN ORTSAUSSCHOSSEN DES ALLGEMEINEN DEUTSCHEN GEWERKSCHAFTSBUNDES IM REICHE ZENTRALE BERLIN S 14 wallstrasse 65 POSTSCHECKKONTO: BERLIN 3898 HAMRIIPH BESENBIN ERHOF 57-5, FILIALEN: nAttlöUKU POSTSCH.-KTO. HAMBURU 32538 RDFQI*11 MARQARETENSTRASSE 17 DKCaLAU POSTSCHECKKONTO HRESLAIMU || BEI TÄGLICHER KÜNDIGUNG......<>/z°° p.»- DZ BEI MONATLICHER KÜNDIGUNG.... 5° n p-». « BEI VIERTELJÄHRLICHER KÜNDIGUNG 6' 5% p. 8. | EINZAHLUNGEN VON I R.M. AN B KASSENSTUNDEN VON 9 BIS 3 UHR UND 5 BIS 7 UHR 1 SONNABENDS VON 9 BIS I UHR £ mit KantschuLplatte 1 u. 8 Hark, ohne J« E eeaiimt-n. UrUok<-n von 5 Hark.— Teilzahlung gestatteL 3 Jahrs weitgehende Garantie. Zahnziehen bei Bestellung gratis m � M■ Oanzlsrr Straße 1— ZlmmerMtraße 86 nalVäfll Laiscaatr. 27/ Charlbjg., SchiUterwtr. 73 persönlich vorgelegt und umfassen nicht weniger als 500 Seiten mit Resolutionen, Unterschristen usw." s.Arud" vom 12. Dezember.) Zwangsschiedsgerichte, also„Arbeitsgemeinschaft" in Reinkultur. Durch diese Zwangsschiedsgerichte wird die Zahl der Sireitfragen ver- fünffachst Jeder Streitsall dauert Monat«, bis er durch die Eni- scheidung der Instanzen— neue Streitfälle erzeugt Es ist nicht aus- zudenken, wie die„Rote Fahne" über solch« Zustände herziehen würde, wenn sie außerhals Sowjetrußlands herrschten. So aber schweigt sie, soweit sie nicht Lobeshymnen singt. Der Kampf in passaic. Der Streik der Textilarbeiter von Pasiaic ist beendest Elf Monate hat er gedaüerst Der Streik ist eins der merk- würdigsten Ereignisse in der Geschichte der Arbeite,- bewcgung der Vereinigten Staaten. Die Spinncrciarbciter der Stadt Passaic waren zu Beginn des Streiks unorganisiert. Der Streik brach völlig spontan aus. Die Führung des Streiks ging nach kurzer Zeit auf einen kommunistisch eingestellten Intellektuellen Albert Weißbord über, der die Arbeiter in einer besonderen Organisation vereinigte. Der Streik änderte hierauf seinen Eha- rakter. Die Unternehmer, die während des ganzen Streiks die brutalsten Mittel gegen die Arbeiter cm- wandten, erklärten sich bereit, die Lohnkürzungen rückgängig zu niachen. weigerten sich jedoch, die neu gegründete Gewerk sich oft anzuerkennen. Al? der Streit monatelang weiter fortdauerte, erklärten die Unternehmer sich bereit. mit den Arbeitern in Verbindung zu treten, falls sie bereits wären, sich dem Vereinigten Textilarbeiterverband beim ameri-- konischen Gcwerklchaftsbund anzuschließen. Weißbord trat hierauf zurück und die loiale Sireikoryamsation von Passaic trat als Orts- gruppe dem Tcxtilarbeiterverband bei. Die Unternehmer erklärten jetzt, mit den Arbeitern nur ver- handeln zu wollen, wenn sie sich in(gelben) Fabrikorgamjationen zusammenschließen würden. Das gab dem Streik neues Leben. Er wurde nunmehr von der offiziellen Gewerkschaftsbewegung Amerikas anerkannt und dauerte, mll voller finanzieller Uillcr- stützung der amerikanischen Gewerkschaften, solange fort, bis die Einheitsfront der Unternehmer zerbrach. Zunächst anerkannte die Kammgarnfabrik von Passaic die osfi- zielle Organisation und auch die übrigen großen Spinnereien mußten nun nachgeben. Die Bedingungen, unter denen die Arbeit nach elf Monaten wieder ausgenommen wird, zeigen, daß die Ar- beiier trotz dieses langen Ausharrens nur einen Tcilsteg errungen haben: die Anerkennung ihrer Gewerk- schafst Sie mußten jedoch einer Klausel zustimmen, wonach zu- künftige Streitfragen der Schiedsgerichtsbarkeit unter- warfen werden sollen. Weiter haben sie der Aujrechterholtung des Prinzips des„o p e n s h o p' zustimmen müssen, d. h. unorga- nisicrte Arbeiter neben sich in den Betrieben zu dulden. Allerdings haben die Unternehmer die formelle Versicherun�abgegebe», keinerlei Arbeller von außen heranzuholen, ehe alle am«treit beteiligten Ar- beiter wieder aufgenomnien worden sind. Damit ist ein Kampf zu Ende, der zu den erbittertsten Auseinandersetzungen zwischen Kapital und Arbeit gehört, welche die Gewerkschaftsgeschichte der Vereinigten Staaten kennst Generalstreik im polnischen Kohlenbergbau? Warschau, 26. Dezember.(TU.) Die im Kohlenbergbau be- schäftigten Arbeller haben den Schiedsspruch der Schlichtungs- tommission, der ein« ochtprozentlge Lohnerhöhung vor- sah. abgelehnt und der Regierung mitgeteilt, daß sie im Falle der Nichtberücksichtigung ihrer Forderungen den Generalstreik im Kohlenbergbau proklainieocn würden. Vcrbend der«emeinde. tmd Btuatsorteiter, Sektion:®a«- nnd Dngerwrrke. SRorarn Dienstag, abends ti Uhr, im Vcrdanbshaus, Iohannisstrahe U/15(Saal), Sfunfilonäcoerfammlang. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten U.'G.. verlin. wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Eonnadend von S— 3 Uhr und 5— 7 Uhr. Sonnabend» von 9—1 Uhr geöffnet. Derantworttich(ilr Politik: De, Cati«Seqei; Wirtschaft: 9. JUingeihSfet; Ecwerkschaflsbcweguna: I. Steiner! Feuilleton: Ist ch. Dölchee: Lokales und Sonftlffes: is->S Itarslädt! Anzeigen: Th. Stocke: sämtlich in Berlin. Veolaa Botwäris-Verlag S. m. b. Ä.. Berlin. Druck: Vorwärle-Buchdruckcrei und Berlagzanstalt Paul Singer u. Co., Berlin EW 68, Linden strahe 3. Gesandhclf im neoen Jahr! T\7ir sollten den Arxt mehr um unsere Gesundheit, als " um unsere Krankhelten befragen. Er würde uns sagen, da6 die Grundlage des Wohlbefindens eine nalurgemSfie Ernährung Ist. die hinwieder nicht ohne die unmittel. barste Gabe der Natur, die Irischen Früchte, denkbar Ist. Das neue Jahr stärke In uns die Absicht, so zu leben wie wir, wenn wir slerben. wünschen werden, gelebt zu haben. undJhrbleibtgesund! Tätlicher Genuß frischer Früchte ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit Frische Früchte gibt es zu jeder Jahreszeit. Das FnichtVocbbuch ist ruin Preise von 25 Plg. in allen Buchhandlungen zu haben.