ffr. 610 ♦»Z. �ahrg. Ausgabe A Nr. ZN Vet«ll»prett. DSckenlIläi JV Ultnut. monaINch 8. ji«iiti»mart voraus»ad Idar. Uni«,»reiudaa» Mr Leullrdiaa». Dai�ia. Saar, und j»em«Iaedl«t. Oejirriiich Litauen Luiemdur» 4.öl! Zleichsmaii. tür da» l>dr>«e Ausland 5,50 Reichsmark vro Monat. Der.Sorwdrl»' mit der illustrier. ten Sonnlaa-deilag«.Boll und Zeit� towi« den Beiloaen.Unlerdoliung und ZSisten'.An» der i�rwiiveU�. »Kcauenstinmie�.Der Sinder» freund' Luaend-Borwärts' und .Llut in die LUcherwelt' ericheint »ocheniSolich jmtimal, Sonntag» und Mau las» einmal. Zelearamm-Sdreste: �»odialaaenatrat verlt»- Morgenansftalre ZZevlinev VolKsvlakt �10 pksnnig) Anzeigenpreise: »t«»tnipaltiae Nonvareille- ,eile 80 Viennia RcNam»eiI« ts- Reichsmarl.Kleine R-reiste»' da»»ettaedrurkte Wort 2» Viennia tiulllfsta twet fettaedruittr Worte), lede» weitere Wort 12 Rkrnni». Stellenaeiuche dos erste Wort IS Rkenntn iedes weitere Wort 10 Piennia, Worte Uber 15 Buchst« de»»Sdlen für ,wei Worte. «rbeitsmarlt steile 80 Vicnnin. ikamilienanteiaen für Abonnenten steile 43 Biennia. «Nixi-en für die nilchste Rummer »ästen di» 4>4> Udr nachmittaas im Sauvtoeichäft, Berlin SW88. Linden» straiie Z, abaeaebcn weiden, Deöifnet von 8>,!> Ubr trüb di» s Ubr nachm. �entralorgan cler Sosialclemokratifckcn Parte! Oeutfcklancls Redaktion uaü Verlag: Serün SW. 6$, Linüenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff*<492—297. Dienstag, den 28» Dezember 1926 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., herlin SW. 68, Linüenstr.3 B»ft,»»«lelllchalt, Dcsoiitenlast« Lindenttr. t, j Stift Zubeil| Oer Rddjslagsabgeortmete, Genosse Arih Zobeil. ist gestern 9 Uhr abends den Jolgen des Schlagaasalls. den er vor mehreren lagen erlitten halte, erlegen. Nicht nur an Lebensjahren, sondern auch an Dienstjahren n, der Arbeiterbewegung war Fritz Zubeil einer der Aeltesten in der grohen Reihe derer, die im Kampf um soziale Neugestaltung und demokratisches Selbftbeftimmungsrecht eine sittliche Pflicht erfüllten. Im Streite um die Menschenrechte seiner Arbeitsbrüder hat er jahrzehntelang in vorderster Linie gestanden, wirtschaftliche Matzregelungen und behörd- liche Verfolgungen erduldet, ohne zu erlahmen. Als Greis, nahe an die Achtzig, war er noch streitbar wie nur einer, der für eine große Sache ficht. Unser Zubeil stammte aus einem kleinen schlesischen Dörfchen in der Nähe von Grünberg, wo er am 11. Januar 1813 zur Welt gekommen war. Nach Ablauf seiner Schul- zeit erlernte er das Tischlerhandwerk. Als Tischler zog er Ende der sechziger Jahre auf die Wanderschaft, 1872 landete er in B e r l i n, wo er bis zum Jahre 18£K) ununterbrochen in seinem Handwerk, hauptsächlich als Klaoierarbeiter, tätig war. Als er 1890 als Sozialdemokrat zum Stadtoer» ordneten gewählt wurde, setzten ihn die Unternehmer auf die Straße. Wilhelms II. Forderung:„Schickt uns Kollegen aus eurer Mitte, den schlichten Mann aus der Werkstatt", hat bei den Unternehmern niemals Kurswert gehabt. Ein Arbeiter, der sich zum Vertreter seiner Kameraden wählen ließ, war die längste Zeit Arbeiter gewesen. Er mußte schleunigst eine neue Existenz suchen. Auch Fritz Zubeil mußte diesen Leidens- weg gehen. Er übernahm eine kleine Gastwirtschaft, die er unter schwierigen Verhältnissen aufrechterhielt, bis er sie 1898 doch schließen mußte. Seit dieser Zeit glaubten die kapitalisti- sehen Gegner etwas recht Verächtliches zu sagen, wenn sie ihn— bis in die letzte Zeit— einen„Parteibudiker" schimpften. Er hat sich durch diese Anspielungen auf seinen Notberuf nicht irre machen lassen. Eines Tages glaubte ein antisemitischer Abgeordneter im Reichstage ihn verhöhnen fu können. Zubeil hatte wieder einmal, wie es lange Jahre eine Spezialität war, die Klagen der Po st unter- b e a m t e n vorgetragen. Da hatte jener wegen seiner Vor- liebe für einen guten Trunk bekannte Antisemit Werner ein, um dem„Budiker" Zubeil die Fähigkeit zur Vertretung der Postproletarier zu bestreiten. Aber der kampflustige Alte führte den Antisemiten schlagfertig ab, indem er„persönlich bemerkte", er sei gewiß einmal Gastwirt gewesen» habe aber den Betrieb einstellen müssen, weil es bei den meisten seiner Arbeiter- und Beomtengäste zu einem Schnäpschen nicht mehr gereicht habe,„hätte ich nur einen solchen Kunden gehabt, wie den Kollegen Werner, dann wäre ich heute noch Budiker." Er hatte die Locher auf seiner Seite. Aber sonst war sein Leben keinesfalls heiter. Die schweren Jahre des Sozialistengesetzes forderten von jedem Partei- genosien d e Einsetzung der ganzen Person. Und Fritz Zubeil gehörte nicht zu denen, die hinter dem Osen zu hocken pflegten. wenn es galt, für die gemeinsame Sacke einzustehen. Mit Spitzeln und mit der Polizei hatte er sich redlich herumzu- schlagen. Daß dabei auch Gerichtsverhandlungen und Ge- fängnisstrafen für ihn abfielen, war nichts Besonderes. Mit um fo größerem Eifer widmete er sich der Kleinarbeit für die verbotene Partei und für die neu aufkommende Gewerkschafts- bewegung. Don 1883 bis 1886 war er Leiter des Klavier- arbeiterverbandes, dann bis 1890 Bevollmächtigter des holz- arbeiterverbandes. Die schwerste Arbeit aber leistete er als Reichstags- kandidat in dem Riefenwahltreis Teltow-Beeskow-Storkow- Eharloltenburg. Nur eine so robuste Natur wie seine konnte diese Aufgabe bewältigen. Mangelhafte Berbindungswege, ungeheure Ausdehnung des Gebietes, auch die Notwendigkeit, bei Nacht und Nebel stundenweite Fußmärsche zu machen, selbst die Gefahr, von den rückständigen konservativen Bauern körperlich insultiert oder mit Hunden gehetzt zu werden, hin- derten ihn nicht daran, bis zum entferntesten Dorf vorzu- dringen und den Unterdrückten die Ideen des Sozialismus zu verkünden. Seine volkstümliche eindringlich« Vortrags- weise verschaffte ihm gern Gehör. Es war zum guten Teil se'n persönliches Äerdienst. daß dieser Wohltreis 1893 zum ersten Male für die Sozialdemokratie erobert wurde. Bis zum Ende des alten Reichstags hat Zubeil ihn ununterbrochen im Reichstag vertreten. Daß er dann auch in die National- Versammlung— hier als Abgeordneter der Unabhängigen Sozialdemokratie— und später in den Reichstag der Republik gewählt wurde, war eine rechte Selbstverständlichkeit. Im Reichstag wie In der Stadtverordnetenversammlung gehörte Zubeil zu den fleißigsten Arbe"ern. Seine eingehende Beschäftigung mit den Fragen des Postpsrsonals sicherten ihm das Vertra'len besonders der Unterbeamten auch in e'ner Ze't, da jedem Beamten noch die Strafe der Entlassung drohte. wenn er im Verdacht stand, mit SvttasiKmokraten in Verbindung zu sein. Trotz aller Machlsprüche und aller Nach» Ein Hohn auf öen Achtstundentag. Die Zwölfstundeuschicht im Branukohlenbergbau soll verlängert werden.— Die Bergarbeiter lehnen den Schiedsspruch ab. Die Organisationen der Bergarbeiter haben den am 21. De- zember für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau gefällten Schiedsspruch, dessen Wortlaut wir in der gestrigen Morgenausgabe des.Vorwärts" veröffentlichten, abgelehnt. Und zwar ganz selbstverständlich, well mlt vollem Recht. Das den mittel- deutschen Bergarbeitern in der Hochflut der Inflationszeit auf- gezwungene Arbeitszeitabkommen mit einer neun« stündigen Arbeitszeit unter Tag« und einer zwölf- stündigen Arbeitszeit über Tage, das ausdrücklich als .nur vorübergehend" bezeichnet wurde, ist insolge seiner regelrechten Kündigung durch die Organisationen der Bergarbeiter, di« von einer Konferenz der Vertreter der Bergleute gefordert wurde, mit Iahrevschlub abgelaufen. Damit müht» die tarifliche Arbeitszeit ab 1. Januar wieder in Kraft treten. Dies« klar« Rechtslage wollen die Unternehmer nicht anerkennen, und das Reichsarbeitsministerium. da» mit der seinerzeitigen Schaffung des Mehrarbeitszeitabkommens gewistermahen die Garantie dafür übernommen hat, daß dieses Abkommen nur vorübergehend gelten und wieder auf- gehoben werden soll, hält den Unternehmern die Stange. Als ein nur vorübergehender Zeitraum sind drei Jahre wahrhaft lang genug. So lange, daß das Unternehmertum sich anmaßt, ein Gewohnheitsrecht daraus herzuleiten. Was waren die nächsten Folgen dieses Mehrarbeitszett- abkommens? Von 150 000 im Bergbau Bejchäftigten wurden über K0 000 Mann als überflüssig entlassen. Den Abgebauten mußte Erwerbslosenunterstützung gezahlt werden, teilweise mußte die Wohl- sahrtspflege einsetzen, während die übrigen 90 000 Bergarbeiter sich in Ueberstunden abschuften mußten. Der famose Schiedsspruch, der auf eine Beugung des ab Januar wieder eintretenden Rechtszustandes hinausläuft, will die dem Acht- stundentagbegriff über alle Maßen hahnsprechende„Mehr- arbeitszeit" im mitteldeutschen Bergbau zunächst um volle vier Monate verlängern, um ihn dann noch immer nicht zu beseitigen. Eine Kommission soll erst untersuchen, inwieweit eine Verkürzung der zwölfstllndigen Arbeitszeit.wirtschaftlich" durchführbar ist. Keine Silbe davon, daß die Untersuchung dieser Kommission sich mit daraus erstrecken soll, ob und inwieweit d i e A.ch t st u n d e n t a g- sabotage im Bergbau der Gesundheit der Arbeiter, den primitiosten Begriffen des Arbeiterschutzes und dein Familienleben der Arbeiter abträglich ist. Erst kommt die .Wirtschaft", da» Profitinteresse der Unternehmer, und dann der Arbeiter noch lange nicht. Selbst wenn di« Bergarbeiter im mitteldeutschen Braunkohlen- revier noch durchweg auf solch niedriger Kulturstufe ständen, um aus falscher Besorgnis ob einer Verminderung ihres Lohneinkommens, einer Fortdauer dieses durch Ablauf erledigten„Mehrarbeit-- abkvmmens" zuzustimmen, dürfte ein Reichsarbeits- m l n i st e r i u m, das sich seiner Zlusgabe bewußt ist, die Hand dazu nicht bieten. Ob es nun gar wagt, diesen von den Bergarbeileni abgelehnten höchst überflüssigen Schiedsspruch an Stelle des ein- tretenden Rechtszustandes für allgemein o e r b i n d l i ch zu erklären und sich so um den letzten Rest seines Ansehens in den Reihen der gesamten Arbeitnehmerschaft zu bringen, bleibt abzuwarten. Hat das Reichsarbeitsministerium nicht mehr die Kraft und Macht, den unverschämten Zlnsorderungen des Unternehmertums entgegen- zutreten, dann müßte es dies rund heraus erllären. In diesem Falle hat es total versogt. Auf dieser Bahn geht es nicht mehr weiter. Das Mehrarbeitszeitabkommen darf nicht verlängert werden. Dieser Schandfleck deutscher Sozial- Politik muß getilgt werden! fvrschungen lieferten ihm die Beamten immer neues Material, sicher, daß er ihr Vertrauen in jeder Weise zu werten wußte. Das Leben Fritz Zubeils ist— wenn jener biblische Weise recht hat— köstlich gewesen, denn es war Mühe und Arbeit gewesen. Und es war einer großen Sache ge- widmet: dem Aufstieg der Enterbten, der großen proletarischen Masse zu wirtschaftlicher Kraft und politischer Gleichberechti- gung: dem Gedanken der lebenspendenden und erhaltenden Gemeinschaft, der überragenden Idee des Sozialismus! In den Sielen ist Fritz Zubeil gestorben. Es war sein Wunsch, trotz seines hohen Alters nicht ausspannen zu müssen, sondern b�s zuletzt im Dienst der Allg-.'meinhett ausharren zu können. Dieser Wunsch ist ihm in vollstem Maße erfüllt war- den. Bis zuletzt stand er als Abgeordneter, als Kommunalpolitiker. als Kämpfer in Reih und Glied! Vor diesem Tapferen und Treuen senken sich jetzt die Fahnen. Die Treue, d-e er der Bewegung gewahrt, wird ihm nicht vergessen sein. Die Partei und besonders die Berliner Genosien, die ihn wie kaum einen anderen liebten, werden sein Gedenken in Ehren bewahren! Nluffolinis Terror. Der Fall Prcsutti.— Der„provokatorische Name". Wie wir erfahren, hat M u s s o l l n i im letzten italienischen Ministerrat die Amtsentsetzung des Professors für Verwal- mngsrecht an der Universität Neapel. Enrico Presutti, be- sprochen. Presutti genießt im Süden Italiens große Popularität. Bei den letzten und vorletzten Wahlen wurde er in zwei Bezirken zum Abgeordnelen gewählt. Er war lange Zeit Bürgermeister von Neapel, und während des Krieges hat seine Wohlsahrtsaktion der grohen italienischen Stadt viel Leiden erspart. Er hat stets der liberalen Partei angehört, war aber vielmebr aufgeklärter Konservativer. Presutti ist auch ein gesuchter Rechtsanwalt: nun soll er auch aus der Rechtsanwaltsliste gestrichen werden. Sein einziges Verbrechen ist. der Freimaurerei an- gehört und In der Kammer erklätt zu habeir, die faschistischen Gesetze widersprächen der Vorfasiung. Der Haß gegen Francesco Nitti, den früheren Minister- Präsidenten, Haupt der demokratischen Partei, der niemals den Faschismus als legale Regierung anerkennen wollte und jetzt mit seiner Familie in der Verbannung in Paris lebt, ist derartig, daß all« sein« Freunde verfolgt oder sogar deportiert werden. So ist dieser Tage in R o m einer seiner Neffen, der auch F ra n- c e s c a Nitti heißt, bloß deshalb verhaftet worden, weil er denselben Namen trägt, aber nach Ansicht der Faschisten ist das ein provokatorischer Name. N i t t j selbst.st ohne jedes BerufungsreÄt als Profesior der Universität Neapel abgesetzt worden, obwohl er 50 Jahre lang ordentlicher Professor und nennmal Minister gewesen ist. Die Faschisten haben früher schon seine Villa in R o m geplündert und zerstört. Mrbeiterleben in Indien. OFine Studienreise der Textilarbcitersscwerkschaftcn. Von Franz Josef Furtwängler. Bombay, im November. Vor einigen Tagen sind wir, von Aden kommend, hier angelangt: Tom Shaw, der internationale Sekretär der Textilarbeiter, James H i n d l e und Marke! Brothers, die Vertreter der englischen Textilarbeiterorganisalion, Karl Schräder, der Vertreter der deutschen, die Sekretärin Miß Shaw und ich, der Dolmetscher. Von den Wundern dieses tropischen Märchenlandes haben andere erzählt. Wir sind hierher gesandt, um die Lage und das Leben der Arbeiter zu studieren, von ihnen soll auch hier zuerst die Rede sein. I o s h l, der indische Gewerkschaftsführer, empfing uns mit einer Delegation an der Landungsbrücke. Er dürfte etwa Sg Jahre alt sein, war ursprünglich Lehrer�und wurde später Generalsekretär der„Seroants of India", einer übers ganze Land verbreiteten bürgerlichen philantropikchen Gesellschaft, die sich auch sozialreformecisch betätigt und mit den Gewerkschaften in sachlicher und persönlicher Verbindung sehr enger Art steht. Sie stellt der GeweiTschaftsbewegung eine Reihe von Führern. Auch Joshj selbst versteht sein gewcrr- schaftliches Führeramt als Beauftragter und besoldeter Be- amter der„Servants of India". Der Gewerkich afts- bewegung dient Ioshi, wie alle intellektuellen Führer. ehrenamtlich. In der gesetzgeb?nden Versanuniung, dem Parlament Indiens, ist er der einzige Sprecher der Arbeiterschaft, und zwar nicht als gewählter, sondern von der Regierung er- nannter Abgeordneter. Ein Wahlrecht zum zentralen Par- lament hat die indische Arbeiterschaft bis heute nicht, dum das Recht der Stimmabgabe ist an einen Zensus von 2V00 Rupien jährliches Einkommen gebunden, während selbst die höchsten Arbeiterlöhnc 700 Rupien schwerlich übersteigen. Die aus der Arbeiterschaft selbst hervorgegangenen Ge- werkschaftsführer sind noch sehr gering an Zahl, was begreif- sich ist, wenn man bedenkt, daß selbst nur ein ganz kleiner Bruchteil der Arbeiter die Heimatsvrache zu lesen und zu schreiben versteht, indessen zum Führeramt und d?m damit verbundenen Umgang mit Unternehmern, Behörden und Re- gierung notwendig auch dieKenntnisdcsEnglischen gehört." Diese„illiteracy"(Anmlvhabethentum) bezeichnet Ioshi überhaupt als das schlimmste der zahlreichen und schw.-ren sozialen Uebcl hier zu Lande. Nicht nur wird da- durch das Zusammenarbeiten zwischen Europäern und Indern in den Werkstätten erschwert und eine Quelle bedauerlicher Mißverständnisse und unaufhorl'cher Beschwerden geschaffen: die Unkenntn's des Lesens und Schreibms ersSiwert auch das berufliche Fortkommen der wirklich tüchtigen und gualifiperten brannen Arbeiter in mechnni'chen Werk- statten usw., wo das Schreiben von Pestellzetteln. Lesen von Zeichnimgstertcn usw. erforderlich ist. Und daß es unter d:n Indern mit ihren alten Handwerks- und tfunschandwerkstraditionen nicht wenige sehr geschickte Arbeiter gibt, haben wir sowohl im Textil- wie im '�lelall- und Hol�gewerbe bisher feststellen können. Es bedarf nur der technischen Schulung, uin hier Arbeiterqualitäten frei- -umachen. die mit denen irgendeiner abendländischen Nation den Wettbewerb ausnehmen können. Der Beweis, daß diese Annahme richtig ist, liegt bereits in Tatsachen vor. Eine von uns besuchte staatliche Eisenbahnwerkstätte unter- Ichlt Lehrlingsschulen, die in Volkschulsächern und technischem Wissen unterrichten. D.r Erfolg j�eigt sich darin, daß nicht nur die weit überragende Mehrzahl der Hohv und Metallarbeiter Inder sind, sondern auch der Stab des technischen Bureaus so gut wie ausschließlich braune Leute aufweist. Am schlimmsten aber wird doch durch die fast völlig fehlende Schulbildung der proletarische Befreiungen kämpf behindert. Man muß an die polnischen, italienischen, grierbischen und anderen süd- und osteuropäischen Einwanderer der Vereinigten Staaten denken und diese kennen, um sich auch nur einen annähernden Begriff machen zu können von den i'nüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten, denen hier jeder Versuch einer Gewerkschaftsgründnng begegnet. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, wenn trotzdem in wenigen Stunden Massenversammlungen von 2s!00 Personen zuwege gebrocht wurden. Ein klug und sehr individuell gestaltetes System von V c r t r a u c n s ni ä n n e r n ist dabei von großem Nutzen und ermöglicht überhaupt erst di« Massen- lührung. wenigstens in der Mebmahl der Fälle. Nicht immer: die Mustergewerkschaft der Präsidentschaft Bombay, der Vcr- band der Telegraphen- und Postangestellten besteht aus lauier Mitgliedern, welch? nicht nur mindestens zwei indische Landes- sprachen und die Schriften nichrerer indischer Idiome, sondern auch das Eywasche beherrschen. Die erwähnten Bersaiirmlungen sind jedesmal von neuem lehrreich und immer wieder interessant infolge der Verschieden- artigkeit der Zusammensetzung. Gleich bleibt stets nur die rührende Herzlichkeit, mit der wir empfangen werden. Blumenslnüiße und wundervoll gewundene Girlanden, mit denen wir regelmäßig überhäuft werden, sind das landesübliche Zeichen eines besonders freundschaftlichen Willkommengrußes. In jeder der Versammlungen wurde>n uns— zuweilen 'christlich fixiert— die drückendsten Sorgen und Schmerzen der jungen Arbeiterbewegung vorgetragen. Einen erschütternden Eindruck drlebdn wir bei solcher Gelegenheit, als sich uns im vollen Meeting die Invaliden der Industrie präsentierten— der eine mit zerquetschter Hand, der andere mit amputiertem Fuß. Das waren ausgehungerte Knochen- gerüste, spinnendürre Arme, und Beine aus spärlichen Lumpe:: guckend, d:n Kopf mit einem ärmlichen, schlecht gewundenen Turban b. deckt. Bilder des Grauens. Dem hat die Maschine die Hand zermalmt. Des anderen Bein wurde nach ähnlichein Unfall abgenommen, aus dem Hospital hat man ihn so rasch wie möglich wealmrnpeln lassen. Der Arbeitgeber aber erklärt bedauern zu müssen, daß sein Fall von der Unfallgesetzgebung d:« Landes nicht berührt werde und er, der Arbeitgeber, somit »on der Verantwortung und Leistring enthoben sei. So stehen sie da. schall«» mit den großen braunen Augen fragend uns an. Niemand sorgt für sie. Die Delegierten mögen ihren Fall dem Gouverneur vortragen und, wenn möglich, auch dem Vlzekönig. Die Gewerkschaft hat ihnen bereits den Arzt bc- zahlt. Mehr kann sie nicht tu», das sagen sie selbst, denn der Verband habe mit seiner �Einnahme von je vier Annas(60 Pfennig) monatlichem Mitgliedsbeitrag noch mehrere ähnliche Fälle zu bestreiten, stelle auch Nechtsbeihilfe, wenn möglich und notig. Reguläre Unterstützungen in Krcnrkheits- und Unfällen könne er unmöglich zahlen. Welche Aufgaben hat hier noch die Arbeiterbewegung zu erfüllen— die heimisci)e wie die internationale! Ja, hier in Bombay kann man alle Stadien der Zivili- iotionsentwicklung in einer einzigen Stadt, auf engem Räume, wie an einem Ausstellungsinodell demonstriert sehen: Höhlen- Menschentum aus bitterster Armut an den Stadträndern, wo Mensch und Dich in Höhlen und Höfe gepfercht sind: Mittel- alterkultur und buntes Volksleben in den Brennpunkten des Eingeborenenviertels: englischen und deutschen Fnihkapitalis- mus in der Arbater'oehandüing(viel schlimmer natürlich und schwerlich vergleichbar, weil's ja„nur"„natires" sind): Hochkapitalismus in der Fabrikmaschinsrie und -organisation, im Bau- und Verkehrswesen: Ueberzivilisation in den Hotels und Stadtteilen des Europöertmns, die nur dadurch sich von denen Berlins und Londons unterscheiden, daß in Hausnischen, aus Straßen und auf Denkmalssockcln einge- borene arme Teufel ihr Ruhelager suchen. Eingewickelt in ein weißes durchsichtiges Tuch zum Schutze gegen Moskitostiche. liegen sie ohne weitere Unterlage, ohne Kopfpolster auf dem steinernen Ruhebett. „Sie haben es früher auch nicht anders gekannt," hört man hier zuweilen sich das Europäergewissen beru- higen. Das mag stinmien. Und wenn wir w Büchers ökono- misch-historisthen Schriften von Stämmen in Zentratafrika lesen, die tags nach Früchten und kärglicker Nahrung schweife� um sich bei Anbruch der Nacht unter Baumwurzeln zu verkriechen, so wisien wir, daß es sich um Menschen handelt, die sich in einem Stadium der Entwicklung befinden, wo sie nehmen, was die Natur gibt, und dieser Natur leicht und früh zum Opfer fallen, weil sie nicht die technischen Waffen und Mittel besitzen, mit denen die Zivilisation dies« selbe Natur bändigt. Aber unter denjenigen, die hier dem Regen und der Hitze schutzlos ausgeliefert sind, befinden sich nicht wenige solche, die in harter Tagesarbeit den Reichtum der Zivilisation mehren helfen, die Stoffe weben, ohne selbst das notwendige Kleid zu besitzen, die schustern, ohne selber Schuhe zu haben, die Häuser bauen, ohne es selbst auf ein Nachtlager zu bringen. Vollends kläglich ist die billige Redensart, das indische Volt habe keine höheren Bedürfnisse..Kein Inder, der es anders kann, lcqt sich auf die Straße schlafen oder wälzt sich in einer 5)öhle, keiner, der über die nötigen Rupien zu einem an- ständigen Kleide verfügt, wickelt sich in schmutzige, schweiß- getränkte Lumpen. Wir haben bei der ärmsten Klasse in den erbärmlichsten Höhlen die Reinlichkeit der Kochgeschirrs be- wundert und nicht weniger die Trockenplätze ihrer Leibwäsche, wo der letzte Lumpen, sorglich gewaschen, zum Trocknen auf- gehängt wird. Daß auch nach einer ordentlichen Unterkunft dringendes Verlangen gerade unter den ärmsten Arbeiten» besteht, zeigt di« stets wiederholte Klage ihrer Führer darüber, daß Arbeiter der Industrie genötigt find, auf öffentlichen Plätze», in ihrer Tageskleidunq sich im Staube zu wälzen. Diese Menschen sind keine von der Natur verurteilten Höhlenbewohner. Sie haben Kulturbedürfnisse, die kaum erst gelvcckt zu werden brauchen, aber nicht befriedigt»Verden können, derweil sie den Reichtum anderer mehren. Und in diesem Beneußsein, das beim indischen Arbeitervolke zioeiscls- ohne vorhanden ist, besteht die Tragik, die dies Volk mehr bemitleidenswert mackst. als den Höhlenbewohner des Ur- waldes, dessen Anklage sich nicht gcgeneineungerechte gesellschaftliche Ordnung richtet. Krise in Mecklenburg. Der Landtag in Mecklenburg-Schroenn tritt am 30. Dezember zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Di« Einberufung erfolgte auf Antrag der Rechtsparielen, weil die Linksreglerung im Gegensatz zu der Regelung im Reich und anderen Ländern ausschließlich den unteren Beamtenkatc- garten eine Weihnachtsbeihilfe zukommen ließ. Es sst nicht ausgeschlossen, daß über diese Angelegenheit die gegenwärtig« Re- gierung stürzt, ohne daß zunächst die Möglichkeit zur Bildung einer anderen Regierung gegeben wäre. Zubeils Nachfolger im Reichstag. Als Nachfolger des gestern verstorbenen Genossen Fritz Zubeil, dessen Verdienste um die deutsche und die Berliner Arbeiterbewegung an anderer Stelle ausführlich gewürdigt werden, tritt Genosse Kurt H« i n i g in den Reichstag«in. Kriegsgericht. Von Hermann S ch ü tz i n g c r. Der Entrüstungssturm der französischen Linken über das „Kriegsgerichisurteil" von Landau hotte neben der Empörung über diesen Spezialsall der Militärjustiz eine ganz besondere Note, die nur der Kenner der sranzösischen„Frontsoldaten'-Berbände herauszuhören oermag: die Erbitterung der ehemaligen„Poilus" gegen das.Kriegsgericht" au sich. In der ersten großen Massen» ichlacht iin Jahre 1914 tobten sich die schlechten Instinkte im deutschen Offizierkorps, der operativen Lage nach, in erster Linie an der„okkupierten" Bevölkerung aus, während sich der sranzö- fische Offizier an die eigene„Mannschaft" halten mußte, die ihm in, Lauf der großen Rückzugsgefechte, bei denen die drohende „Panik" ganz anders in der Luft lag als bei uns, gewisse Hand- haben dazu bot. Jeder Kenner der Tmppenpsychologie weiß übrigens, daß diese Erschießungen nicht aus den„Blutdurst" der Kommandeure zurückzuführen sind, sondern aus die tiesgehende Nerve, lüberfpannung im modernen Gefecht, die eben noch irgendeiner Entladung schrie. Dazu bot das französische Kriegsrecht dem Regimentskomman» deur ganz andere Vollmachte» als dem deutschen und so wurde ohne das verzögernde Element der Division nach Wollensteinscher Manier lustig drauflos exekutiert, sobald der Kommandeur mit der.Fzaltung" irgendeiner Kompagnie im Gefecht unzufrieden war. Das„Peloton", das Exekutionskommando, tat ja meist seine Pflicht: die Grausamkeit der Militärs fraß sich jedoch trotz oller„Siege" in die Seele der französischen Frontsoldaten hinein. So hatte die„Union federale" und die„ligne de droit de I'kommc" ein leichtes Spiel, als sie vor einigen Jahren mit einer großen Kampagne gegen di«„Schand- urteile" der französischen Kriegsgerichte vorging, die Revision der Urteile und die Rehabilitierung der Opfer unter dem Zähneknirschen der Militärs erzwang. Die Erschießung der beiden Leutnants Hardouin und Millant bei Fleury, ohne jeden Richterspruch, lediglich wegen„vorzeitiger Preisgabe ihrer Stellung"(mein Gott, mit der Begründung konnte inan den tapfersten Mann füsilieren!) und die Erschießung der drei „Sündenböcke" von Maisy im Anschluß on die große Massen- �meutere, am Chemin des Dames sind durch die feierliche Rehabili- rierung der„Opfer"„wieder gutgemacht" worden. Schade, daß man die Füsilierten von ihrer feierlichen Wiedereinführung in die „gute Gesellschaft" nicht mehr benachrichtigen kannl Den tiefsten Eindruck muß aus jeden denkenden und fühlenden Menjchen jedoch die Füsilierung des fchwa d) sinnigen Sol- daten Mordochee Levy, im„Zivilberus" Friseur in Boyonn«, machen, die der Rechtsanwall Danjou im„Quotidien" beschreibt. Mordochee Levy, ein einfacher Soldat des 49. Linienregiments, der »nier seinen Kameraden allgemein als Dummkopf galt, hatte Im Schützengraben die Nachricht vom Heldentod feines Bruders empfan. gen, döste zunächst etwas vor sich hin, machte dann kurz kehrt und ging ohne Befehl zur Kantin« zurück, um sich«inen Liter Wein geben zu lassen. Als der Zugführer den Graben revidierte und das Schützenloch des Levy leer fand,„meldete" er ihn. Im Nu war er gefaßt und ins Loch gesteckt. „Abandon de poste",„unerlaubte Entfernung vor dem Feind", hieß di« Anklage vor dem Kriegsgericht. Man hatte sich mit dem Zeugnis des Hauptmanns und des Zugführers begnügt und auf andere störende Elemente Verzicht geleistet. Offenbar brauchte das Regiment wieder mal ein„Excmpel" und so ging die„Verhand- lung" sehr rasch vor sich. „Am 28. Dezember, 2 Uhr nachmittags, waren Sie nicht auf Ihrem Posten. Stimmt das?� „Jawohl!" „Wo waren Sie?" „In der Kantine. Mein Bruder war eben gefallen. Ich verlor den Kopf und sah mich nach einer Pulle Wein um!" .„Haben Sie Ihren Bruder geliebt?" „Jawohl!" „Und da saufen Sie Wein und verlassen Ihren Posten? Warum haben Sie Ihren Bruder nicht gerächt?" Der Schwachkops Levy bricht in Tränen aus. „Was soll man dazu sogen. Schicht mich halt tot, wenn ihr wollt. Mir ist olles egal!" Protokoll:„Erklärt sich schuldig. Wird einstimmig zum Tode verurteilt." Danjou erklärt sich bereit, ein Begnadigungsgesuch nach Paris zu bringen. Man sagt ihm:„Rein! E» ist nicht der Mühe wert!" � Am andern Morgen holt man den Reditsanwalt Danjou aus dem Bett zur Exekution. Der Rabbiner ist bereits bei Levy. Er tröstet ihn: „Es ist«in Mißverständnis! Wird wohl nichts dahinter sein?" „Sicher!" meint der Sdiwachkopf,„vielleicht schießen sie mit Wasser." Man ging zwanglos zur Exekution, der Anwalt, der Rabbiner und der Arrestunteroiiizicr. Levy hatte immer noch keine Abnung. was vor sich ging. Plötzlich hotten sie sich verlaufen. Der Unter» offizier sah sid) um. „Wo ist denn dos Kommando?� Levy hört das Wort, glotzt erst vor sich hin und kapiert. Das Entsetzen leuchtet ihm aus dem Gesicht. Endlich finden sie das„Feld". Die Truppe empfängt sie mit dem Präsentiergriff. den Levy mit großen Augen bestaunt. Man hat die Rekruten eigens aus der Ortsunterkunft herangeholt, damit sie„Respekt" vor dem Krieg bekommen. Aber der„Poteau", der „Richtblock" ist nicht da. Man weist ihnen ein schwarze» Birken- stämmchen, mitten auf dem Exerzierplatz des Rekruiendepots. Jetzt erst kapiert Levy sein Schicksal ganz und gar. Er zittert und fällt wie ein Kind zusammen. Der Gendarmerichauptmann ruft»ach dem Strick, um ihm die Hände zu binden. Es ist aber keiner da. Da tritt Danjou vor ihn hin:„Um Gsttcswillen, hier haben Sie mein Taschentuch! Machen Sie schnell!" Eine Salve frißt thn weg. Jetzt kämpft man um seine„Rehakülitatian"! Und wir? Haben wir bis jetzt on ein einziges Kriegsgerichts- urteil zu rühren gewagt?___ Da» Mekropoltheater in finanziellen Schwierigkeiten, lieber da» Metropoltheater sst di« Geschäftsaufsicht eröffnet worden. !>ie Hoffnungen üer Deutschnationalen. Die grosse Rechte, die kleine Rechte, das Beamten- tabinett. Der„Demokratische Zeitungsdienst" schreibt: An den Mitteilungen über die Pläne der Rechten hinsichtlich der Regierungsbildung dürste so viel richtig sein, daß von rechtsstehender Seit« versucht worden ist, Löiungen in Dorschlag zu bringen, die mtt drei verschiedenen Möglichkeiten olle auf das gleid)« Ziel, die Recht-regierung, hinsteuern. Zuerst dachte man an die große Rechte mitEinschlußdesZentrums. Für den— wahr- schcinlichcn— Fall, daß sich das Zentrum dazu nicht berell fand, war eine R e ch t s r e g i e r u n g als Minderheitsregie- rung geplant. Diese Regierung hätte nur dann Aussicht gehabt, über ihren Geburtstag hinwegzukommen, wenn das Zentrum zu dem Zugeständnis bereit war, eine solche Minderheitsregierung zu tolerieren. Vorhandene Abneigung gegen eine neue Minderheits- regierung wurde mit dem Hinweis abgetan, daß die Regierung der Mitte ja auch eine Minderheitsregierung gewesen sei. Für den Fall, daß beide Kombinationen nicht zum Ziel führten, war drittens an ein Beamtenkabinett gedacht, das aber auch nur als verschleierte Rechtsregierung amtieren sollte, um so- bald wie möglich einer offenen Rechtsregierung Platz zu machen. Im Hintergrund aller drei Pläne stand der Artikel 4 8. Dabei wußte man sehr wohl, daß im Augenblick auch nicht der Schein einer Berechtigung zur Anwendunig des Diktaturartikels vorlag. Da aber derartige Regierungspläne in absehbarer Zeit zu Konflikten geführt hätten, so wäre die Anwendung des Artikels 48 mir eine Zettfrage gewesen. Diese deuischnailonalen Pläne waren akuk am Sonnabend, den lS. Dezember, an dem Tage also, als der Reichsprösidenk die Parteiführer empfing. Diese Pläne sind zwar inzwischen vertagt worden, aber sie b est e h e n deshalb noch»ort. Von deutsch- nationaler Seit« ist ja auch in den letzten Togen mehrsod» betont worden, daß eine Entscheidung nach links oder noch rechts� nun einmal fallen müsse, und das Königsberger Blatt des Herrn Scholz hat ebenso klar zum Ausdruck gebracht, daß es Wunsch und Wille der veutschnalioualen Voltspartei sein müsse, mit den Dculschnatio- nalen im Kabinett zusammen zu sitzen. Nach unseren Informationen ist die Darstellung des „Demokratischen Zeitungsdienstes" richtig. Es muß lediglich hinzugefügt werden, dag die Deutschnationalen am 18. De- zember mit ihren Plänen eine Enttäuschung erlebt haben. Monarchisten gegen Revanche? Tie Dcutschnationalcn verleugnen sich. Die„Deutsche Tageszeitung" sst böse darüber, daß tn der Bilderbeilagc des„Vorwärts" und anderer sozialdemo- lratisd)er Blätter ein Kriegerdenkmal, das die bekannte Inschrift: „Möge aus unseren Gebeinen einst ein Rächer erstehen!" trägt, durch die Worte glossiert wurde:„Alter Monarchist enget st im neuen Deutschla nd." Sie bemerkt dazu: Ganz abgesehen davon, daß sich der revolutionäre Dichter Ferdinand Frciligrath durch einen spanischen, mit jenem ZZers der Aeneide in engem Zusammenhang stehenden Vorgong zu einem Gedicht begeistern ließ, hat gerade das republikanisch gewordene Frankreich den Vergeltungsgcdanten nach dem Kriege von »870/71, im großen gesehen, zur Richtschnur setncr Außenpolitik gemacht. Es ist also entweder eine Unüberlegtheit oder eine Zwecklüg«, wenn das sozialistische Organ den tn Virgils Vers ausgesprochenen Wunsch aus Gründen politischer Sttmmungsmache„monarchistisch" abstempelt. Das Landbundorgan redet um ein« Tatsache herum. Nicht um den Vers Virgils, sondern um den Geist, der aus dem Denk- mal spricht, handelt es sich hier. Wir stellen deshalb die Frage: Will die„Deussche Tageszeitung" leugnen, daß das schwarz- weißrote, das monarchistische Deutschland dem Vergellungs- godanken huldigt und die Außenpolitik des republikanischen Deutschland deshalb so scharf bekämpft, weil sie pazisistisch ein- gestellt ist. Ja oder Nein? Die Vereinigung künstlerischer Vühnenvorstände erstattet in der von ihr herausgegebenen Zettschrist„Die Szene"(Verlag Oester- Held u. Co.) einen Bericht über ihre Tätigkeit. Danach ist die Zahl der Mitglieder seit Neujahr 1926 um etwa 160 gestiegen. Die Fachausschüsse konnten zahlreiche Auskünste geben, insbesondere in staatsrechtlichen Streitfragen, die in das Gebiet des Künstlerischen übergreifen. Eine Anzahl Ortsgruppen sind neu gegründet worden, n. a. auch in Wien Der Vorstand plant die Veranstaltung einer Buchousstellung, die alles an Literatur enthalten soll, was der künstlerische Bühnenvorstand in Ansübunp seines Berufc» und bei der Bcrussvorbereitung und-fortbildung bedarf. Ferner soll eine Werbeschrift über die ISjährige Geschichte der Bereinigung heraus- gegeben werden. volkstanzfest zum Londoner Neujahr. Die sehr rührige Bc- wegung für die Belebung der allen englischen Volkstänze beab- sichtigt am Neujahrstag in London m der große» Arena der Albert- Hall ein großes Fest zu geben. Unter anderem sollen zwei Mann- schassen mit dem traditionellen Schwertertanz austreten sowie eine Gruppe aus Durham, deren Mitglieder sämtlich über 65 Jahre all sind nnh seit 40 Jahren gemeinsam tanzen. Zum Schluß wird eine Massenvorführung stattfinden, an der über 500 Mitwirkende be- teiligt sind. „vrenzlich«" /folgen der Sparsamkeit. Aus Veranlassung des gegenwärtig in Rußland maßgebenden Bolschewistenführers Stalin ist ein großes Sparprogramm ausgearbeitet und ollen Beamten ans Herz gelegt morden, mit allen Ausgaben soweit nur irgend möglich zu sparen. Diese Ermahnung hatte denn auch, wie die „Franks. Ztg." berichtet, der Leiter der Sowjetregiernng in Scilka in dem Sinne ousgefoßt, daß er der bisherigen Berussfeuerwehr ankündigen ließ, sie würde in Zukunft ihr Gehalt nicht mehr monatlich pauschal erhatten, sondern an die Stelle diese« Gehalts würde- ein Stundenlohn treten, der sid> nach ihrer Arbeitszeit bei Bränden richten und fünfzig Kopeken die Stunde betragen würde. Von dem Tage dieses Erlolles on häuften sid, die Brände in Scilka in erschreckender Weise. Man ging den Ursachen nach und ent- deckte zur allgemeinen großen Ueberraschung, daß es die tüchtigen Herren von der Feuerwehr selbst waren, welche die Brände an- legten, um sich so Arbeitsgelegenheit zu versthafien. Die ganze Gesellschaft wurde nun festgenommen und vor Gericht gestellt. Bei ihrer Vernehmung erklärten sie. daß sie durch den Erlaß der Sowjeibehörde ihrer sämtlichen Subsislenzmittel beraubt worden seien. Einen kleinen Brand pro Tag mußten sie aber mindestens hoben, um ihren Lebcnsunterhall bestreiten zu tönneiu Seorq Oskar Schaman, an» Spandau wurde zum Tbormeister de« Berliner Männer-GesanaveretnL.Namenlo«-(Miialied de» ATB.) gewählt. tzenri von de»«»de. der bekannte, vor dem Kriege in DeutlSland löl-ge Kunstaewerbler und Architekt, wurde zum Direktor der Hochschule fi»r dekorative Kunst in Brüssel ernannt. AntsseinUischer Terror an der Sa'oceller llaloerstlä» Tie die Bukare'ter .Diemineala" berichtet, können die südlschen Hörer die-Vorträge der med!» »Inilchen Fakultät Bukarest seit Wochen nicht betuchen. weil die der Cbrü'llchen Äga angebörenden Studenten vor dem Gebäude eine ständige Wache aus» gestellt haben, welche die jüdischen Hörer an dem Besuch der Vorträge hindert Echt bayerische Grunöfatzpolitik. Grundsatzfeft wie die Deutsche Bolksparteü— Der Traum vom kommenden Reichskanzler. Das Hauptorgan der Bayerischen Volkspartei, der „Bayerische Kurie r", pflegt seit einiger Zeit die Aus- einandersetzung mit dem Zentrum. Sein Ziel ist, Wirth und seine Freunde zu isolieren und die Rechte im Zentrum zu stärken. Seine These ist: die Bayerische Volkspartei ist der Hort grundsatzfester Zentrumspolitik, das Zentrum ist durch Wirth in Gefahr geraten, von der Linie grundsätzlicher Politik abzuweichen. Im Verlaufe dieser Auseinandersetzung hat der„Baye- rische Kurier" einen Vortrag des Professors E g g e r s- d o r f e r wiedergegeben, der die Grundsatztreue der Bayeri- scheu Volkspartci in der Außenpolitik preist. Da heißt es im Hinblick auf die Außenpolitik: „Der letzte Grund der inneren Kcisis ist ja der, daß die beiden großen Flügelparteien, S o z i a l i st e n und Deutschiiationale. in diesem Augenblick gerade deswegen zur Macht drängen. weil das Risiko der Verantwortung kleiner ge- worden ist." „Wenn vor kurzem für die christlichen Politiker die Regel galt: „Man kann mit dem Rationalismus keine Außenpolitik und mit dem Sozialismus keine Innenpolitik machen," so berichtigen sie die letzten Ereignisse: Es ist ebenso schwer möglich, mit dem Rationalismus Innenpolitik zu machen, weil er blind ist für die Notwendigkeiten der Dolksgemeinschast, und es ist noch we n i ge r möglich, mit dem Sozialismus Außenpolitik zu treiben, weil er frivol die Interessen der Nation der Parteidcmagogie opsert." Man könnte versucht sein, den bayerischen Herren ein Kolleg über die Geschichte der äußeren Politik der Republik zu halten mit dem Ziele, zu zeigen, wie die Bayerische Volks- partei mit der Deutschen Volkspartei erst dann auf oie Linie der von der Sozialdemokratie eingeleiteten Verständigungs- Politik getreten ist, als man nicht mehr riskierte, dafür in Deutschland totgeschossen zu werden und als Erfolge winkten. Aber wozu gegenüber dieser edlen Dreistigkeit? Die bayeri- scheu Herren wissen ja selbst ganz gut Bescheid. Rur eins muß ihnen gesagt werden: die Erfolge der deutschen Außenpolitik sind trotz' der Bayerischen Voltspartei und trotz ihres Ministerpräsidenten Held erzielt worden. Noch in jeder schwierigen Verhandlungssituation hat Herr Held sich als Quertreiber betätigt, so daß der Außenminister S t r e s e m a n n ihn öffentlich zurückweisen mußte. Herr Held hat sich vor jedem Erfolg als Gegner der Außen- Politik des Reiches bekannt— er hat es eben erst wieder getan. Nach dem Erfolg möchten seine Leute auch dabei gewesen sein und versichern: man kann mit der Sozialdemo- kratie keine Außenpolitik treiben. Solche Methode ist, kurz und grob gesagt, verlogen. Sic nennen es anders, sie nennen es: Grundsatzpolitik. Der Zweck der Uebung ist klar. Ein Herrn Held nahe- stehendes Organ der Bayerischen Volkspartei in Regensburg versichert, die kommende Lösung der Regierungskrise sei Koalition der Mitte mit mehr oder minder fester A n» lehnuna nach rechts. Vielleicht werde gerade die Bayerische Volkspartei den nächsten Reichs- k a n z l e r stellen. Ausgerechnet die Bayerische Bolkspartei! Etwa Herrn Held, den Partitularisten, den Gegner der er- folgreichen Außenpolitik des Reichs, den Monarchisten und Freund der Wittelsbacher? Oder glauben sie, 5)crr von Kohr sei für Berlin verwendungsfähig? tzdös HeleUenftück. Tas Dementi eines Dementis. Aus München wird uns geschrieben: Der bayerisch« Ministerpräsident hat die ihm in seiner Freisinger Rede in den Mund ge- legte unqualis'zlerbarc Acußerung von den Lehrbuben, die ihre Ge- scllenprüfung abzulegen hätten— womit der Reichstogspräsident Genosse Löbe und der ehemalige Reichspressechef Spieker, ein prominenter Zentrumsmann, gemeint waren— offiziell demen- tieren lassen..Ministerpräsident Dr. Held hat in dieser Rede keinen Satz gesprochen, den man so auslegen könnte, als ob er den Reichs- tagspräsidenten Löbe oder auch Herrn Spieker als politische Lehr- buben bezeichnet hätte", so hieß es wörtlich in dem Dementi. Run erhält aber die ganze Angelegenheit eme durchaus neue, absonderliche Beleuchtung dadurch, daß nach dem Er- laß des Dementis das angesehene und führende Organ der Boye« rifchcn Doltspartei, die.Augsburger P o st z c I t u n g", einen ausführlichen, offenbar wörtlichen Bericht der Freisingcr Rede Heids bringt. Danach hat der.Lehrbubcnpaffus" des Ministerpräsidenten folgendermaßen gelautet: „Ich habe mich neulich im Landtag beschwert, daß es Beamte gibt in Bayern, die in dieser Frage der bayerischen Regierung und | dem Belke in den Rücken fallen. Ich habe von halben Beamten gesprochen, die in dem Augenblick des schwersten Kampfes der Stoatsregierung und Bayerns Staat in München selbst in B«r> sammlungen der Regierung in den Rücken fallen: Ephialtes- Naturen' Ich kann meinen Standpunkt nicht revidieren. Pflicht der bayerisckfen Beamten ist es. die Re- gierung im Kampfe um die Existenz des Vaterlandes zu unter- stützen. Löbe hat mit einem Herrn, der der Zentrumspartei nahestand, einen öffentlichen Brief an mich erlösten, der in den norddeutschen Zeitungen stand, in dem Verwahrung eingelegt wird. Er würde, glaube ich, nicht anders handeln können als ich: ick habe nur meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit getan: ich lehne es ab, mich darüber vom Reichstagspräsidenien belehren zu lasten, auch von dem anderen Herr», der den Brief unter- schrieben hat. Ich stehe länger in der Politik. Ich sage ihm, er soll erst weiter dienen und lernen, und wenn er ausgelernt hat als L e r n p o l i t i k e r, dann soll er erst sein Gesellen- stück vorweisen. Erst mit dem Meisterbrief soll er in der Oessentlichkeit austreten, ob er ihn je bekommt, ist zweiselhast. Ich lehne es ab, mich von einem Herrn Spieker belehren zu lasten. besten Bild noch schwankt in der Welt." Man hat es hier also offenbar mst einer bewußten Kor- rektur des Heldschen Dementis zu tun. die um so schwerer wiegt, als sie von den eigenen Parteifreunden des Ministerpräsiden- ten vorgenommen wird. Der politische Gegner hat nunmehr nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht festzustellen, daß der Mi- nisterpräsident Dr Held sich also in Freising wie der Abgeordnete von Burglengenfeld aufgeführt hat, und daß er dann, zurückgekehrt in die verpflichtenden Mume des bayerischen Außenministeriums. den Mut zu einer unsachlichen wahrheitswidrigen Be- r i ch t i g u n g gefunden hat Die Einigung über üie Entwaffnung. Wo bleibt die„Störung der deutschen Llußenpolitik"? Als der„Vorwärts" die Enthüllungen des„Manchester Guardian" über die Bewaffnung der deutschen Reichswehr durch russische Fabriken wiedergab und Genosse Scheide- mann im Reichstag seine große Rede über die Zustände in der Reichswehr hielt, heulte die ganze Rechtspresse über sozialdemokratischen.Landesverrat" und versicherte, ein „Dolchstoß gegen die deutsche Außenpolitik" sei vollzogen worden. Hier ist den Schreiern sofort erwidert worden, daß von einer Schädigung der deutschen Außenpolitik nicht die Rede sein könnte und daß die Wirkungen des sozialdemokratischen Vorgehens v i e l e h e r g ü n st i g als ungünstig sein würden. Denn wenn das Ausland sehe, daß in Deutschland die Kontrolle durch die öffentliche Meinung und durch das Par- lament lebendig sei, dann fiele damit der wesentlichste Grund für jede Einmischung in die deutschen Angelegenheiten fort. Welche von beiden Meinungen, die der Rechten oder die unsere, hat sich nun als richtig'erwiesen? Seit jenen Eni- hüllungen ist Zeit genug verflosten, um diese Frage beant- warten zu können. Wären Schädigungen der deutschen Außenpolitik eingetreten, so hätten sie sich'doch schon bemerk- bar machen müssen. Wir sehen sie nicht. Vielleicht ist die Rechtspresse so freundlich, sie uns zu zeigen! Vielleicht hat es wirklich— und das gilt besonders für die M i t t e l p a r t e i e n, die sich durch den deutschnationalen Entrüstungssturm beeinflussen ließen— Leute gegeben, die meinten, nach der Rede Scheidemanns müsse zum mindesten der Himmel einstürzen. Wir haben nichts dergleichen be- merkt. Die Verhandlungen, die Deutschland zu führen hat, sind ruhig weitergegangen und haben jetzt gerade in d e r Frage, die durch das Vorgehen der Sozialdemokratie am direktesten betroffen wurde, in der E n t w a f f n u n g s- frage, zu einem sehr anständigen Erfolg geführt. Eine Einmischung in die inneren deutschen Verhältnisse, wie sie früher durch die Forderung einer Auflösung der Wehroerbünde beabsichtigt war, ist aufgegeben worden, und zwar geschah das mit der Begründung,„daß, wenn sich etwa in Zukunft die getroffenen Maßnahmen nicht als aus- reichend erweisen sollten, die deutsche Regierung selbst das Nötige veranlassen wird." Die Botschafterkonferenz hat sich damit auf den Stand- punkt gestellt der hier stets vertreten wurde und der auch in der Rede des Genossen Scheidcmann zu besonders klarem Ausdruck gelangte: Die Verbindung der Reichswehr mit rechtsgerichteten Wehroerbänden bedeutet militärisch gar nichts. Sie bedeutet keine Förderung sondern eher eine Schädigung der deutschen Wehrmacht, die nur dann ihren Zweck'erfüllen kann, wenn sie mit dem ganzen Volk, nicht aber nur mit gewisien Kreisen, die andern sehr verdächtig sind, in lebendiger Verbindung steht. Die Forderung der deutschen Republikaner, daß sich die Reichswehr von ollen Beziehungen zu rechtsgerichteten Verbänden freihalten soll, ist eine innerpolitische, sich auf die Ordnung der Republik beziehende Forderung. Man kann ihre Er- süllung ruhig dem deutschen Volk? selbst überlassen. Nimmt man dazu, daß die französische Regierung das Fehlurteil des Offiziersgerichts in Landau, soweit das in ihrer Macht lag, repariert hat, so ergibt sich das Blld einer durchaus ruhigen Weiterentwicklung der deutschen Außen- Politik, die durch das Vorgehen der Sozialdemokratie in keiner Weife ungünstig beeinflußt erscheint. Das Geschrei der Rechten über die Schädigung der deutschen Außenpolitik durch uo Sozialdemokratie entbehrte von Anfang an nicht der unfreiwilligen Komik. Jahrelang haben die Deutschnationalen der deutschen Außenpolitik, der Die Sozialdemokratie den Weg gewiesen hatte, den heftigsten Widerstand entgegengesetzt: es gab keine Infamie, vor der sie zurückschreckten, wenn es galt, die Außenpolitik der Deutschen Republik zu schädigen. Jetzt auf einmal stellten sie sich als Schützer vor diese Politik und erhoben ein Jammergeheul darüber, daß ihr von der Sozialdemokratie „der Dolchstoß" versetzt worden sei. Man wird den Deutschnationalen nicht unrecht tun. wenn man annimmt, es sei ihnen bei ihrem Th:aterlärm weniger »m die deutsche Außenpolitik zu tun gewesen als um die deutsche Innenpolitik. Sie verfuhren nach dem alten Rezept, die Sozialdemokraten als die„vaterlandslosen Ge- sellen" hinzustellen, deren moralische Isolierung und politische Vernichtung ein gottgefälliges Werk sei. Dieses Rezept hat sich ja im Kaiserreich stets bewährt, wo es galt, im Interesse der Besitzenden unbequeme Ansprüche der arbeitenden Massen niederzuhalten._ Reaktionärer Kulturkampf. Crlrt Kampf gegen die republikanisch-demokratische Staatsautorität. Der Fall Lcssing, der Dortmunder Schulstreit und die Revolte der Deutschen Studentenschaft haben ihre gemein- sam« Ursache in religiösem Uebereifer und im Rassenhaß. Sie sind Akte eines Kulturkampfes. Wenn der völkische Teil der hannoverschen Studentenschaft die Lehrtätigkeit L e s s i n g s ckus irgendwelchen Gründen nicht genehm war, so war es ihr Recht, ihn mit den gesetzlich zu- lässigen Mitteln zu bekämpfen. Haben sie die Lehrtätigkeit Lessings gewaltsam unterbunden, begingen sie einen Akt der Gewalt, der über die rechtlichen Grenzen hinausging. Der Kampf galt weniger dem Dozenten Lessing, als dem Juden. Beim Dortmunder Schul streik wandte sich ein Teil der evangelischen Elternschaft gegen die Bestellung eines Dissidenten zum Schulrat. Auch hier griff man zu einem ungesetzlichen Mittel, dem Schulstreik. Die D r u t s ch e S t u- dentcnschaft mißbraucht das ihr von der demokratisch- republikanischen Regierung gewährte Recht der Selbstver- waltung In ertrem völkischem Sinne. In allen drei Fällen gesellt sich dem Geist der Unduldsamkeit der Geist der Gewalt. Das Kultusministerium oersuchte sowohl im Fall Lcssing wie auch in den anderen beiden Fällen die Fanatisierten mit Vernunftgründen auf den rechtlichen Weg zurückzuführen. Es stieß nicht nur auf Mißverstehen, sondern auf eine Opposition, die allen Begriffen staatsbürgerlicher Disziplin Hohn sprach. Zur Unduldsamkeit und der Gewalt fügte man die völlige Mißachtung der Staatsautorität. Zu gleicher Zeit setzte in demselben Augenblick die Klage über die Ge- sährdung der staatsbürgerlichen Freiheit ein, in dem sich das Kultusministerium entschloß, von seinen rechtlichen Mitteln Gebrauch zu machen. Den Geist der Duldsamkeit, den man in allen drei Fällen mit Füßen trat, verlangte man vom Kultusministerium in einem Maße, das die staatliche Autori- tät erdrücken mußte. Das K u l t u s m i n i si e r i u m hat im Fall Lessing eine Milde walten lassen, die übel belohnt wurde. Das zeigte der Verlaus des Bonner Studententages, auf dem das Ministerium Angriffe einstecken mußte, deren Tonart an Flegelei grenzte. Der Dortmunder Schulstreik ist in sich zu- sammengebrochen, da selbst den evangelischen Geist- l i ch e n die Hetze der politischen Hintermänner des Streiks zuviel wurde. Das Kultusministerium blieb bei seiner festen Haltung, ohne allerdings die letzten Mittel anzuwenden. In dem Konflikt mit der Deutschen Studentenschaft, der von allen drei Fällen der schwerwiegendste ist, hat es einen Termin bis zum t. März für eine friedliche Regelung gesetzt. Der innere Zusammenhang der Fälle steht außer Frage. Sie sind T e i l a k t i o n e n eines reaktionären Kulturkampfes, der an Schärfe zunehmen muß, wenn es den Wühlern gelingt, dem Ministerium eine Schlappe bei- zubringen. Von Nachgiebigkeit kann deshalb besonders im Fall der Deutschen Studentenschaft keine Rede mehr sein. Das wäre mit einer katastrophalen Niederlage d?r demokratisch- republikanischen Staatsautorität gleichbedeutend. Daß gerade diejenigen Kreise, die früher das Prinzip der Staatsautorität vorschoben, wenn es(jalt, anderen ihre Staatsbürgerrechte vorzuenthalten, die gehäsiigsten Schürer in diesem Kampfe sind, ist eine Warnung. Sie hoffen auf eine Niederlage des Kultusministers, w:il sie glauben, damit den demokratisch- republikanischen Staat selbst treffen zu können. die französische Rrbeitslosenkrise. Unverkennbare Zuspitzung. Paris, 27. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die im Zu- sammenhang mit der Frantenhausse eingetretene Wirtschaft»- krlse hat in zahlreichen französischen Industrien zu derartig starken Arbeiterentlassungen geführt, daß für Dienstag vor- mittag ein Ministerrat einberufen morden ist, der sich mit der Fertig- stellung des von der Regierung aufzustellenden Rotstandsprogramms befassen soll. Der Montagabendpresse zufolge soll die Krise besonders schlimm in der Textilindustrie zutage treten. In Roubaix und Tourcoing, den Textilzentren des französischen Nordens, ist in sämtlichen Fabriken die Arbeitszeit um zwei Stunden täg- lich eingeschränkt worden. Diele Fabriten haben einen er- heblichen Teil ihrer Arbeiter entlassen müssen. In der S ch u h- i n d u st r i e ist die Lage nicht viel bester. In Limoges, dem großen Zentrum der französischen Schuhindustrie, sind rund 2000, in Fou- geres rund 1500 Arbeiter brotlos geworden. In der Eisen- i n d u st r i« ist die Krise vorläufig nicht so stark zutage getreten, da die meisten grpßen Werke vorläufig durch stark» Produktions- einschränkungen sich aeholsen haben.(Und weil außardem das inter- nationale Eilenkartell ein gewisses Absatzkontingent den französischen Stahl- und Eisenwerken sichert. Red. d. ,.D.".) In P a r i» hat die Krise vor allem auf die großen Waren- Häuser übergegriffen. Auch die Konfektion hat bereits Hunderte von Arbeitern entlasten. Der Statistik zufolge hat das Pariser Arbeitsamt in der Weihnachtswoche rund 30 000 Arbeits« Meldungen nicht befriedigen können. Der.Soir" kommt infolge seiner Enquete zu folgendem Schluß: Der Optimismus P o i n c a r ä s, den er in der Kammer zum Ausdruck brachte, kann die Regierung und die Mehrheit zufrieden stellen. Wir aber wüsten bestätigen, daß das Land bald die ernsteste Wirtschaftslage, die seit längerer Zeit festgestellt worden ist, kennen lernen wird. Der pogromsiaat. Rumänische Schändlichkeite«. Der Staat, der seine politischen Gefangenen viehisch mißhandeln und sie dann„aus der Flucht erschossen" werden läßt, duldet und fördert dadurch auch zugleich die schändlichsten Ausschreitungen scincr „akademischen Jugend" gegen die wehrlosen Juden. Alle paar Jahre ereignen sich, von der Regierung und ihrer Siguranza wohlgelitten, solche Roheitsauobrüche. Rur zwei der krassesten Fälle seien heute wiedergegeben: Der Berein jüdischer Waisen in Klausenburg(Siebenbürgen) veranstaltete im Hotel New Port ei» Wohltätigkcitskonzert und einen Tanzabend. Gegen Mitternacht drangen etwa 120 mit Stöcken bewaffnete Studenten in den Saal, dse Tel» ler, Messer, BccherundSchüsselnindieReihen der Tanzenden warsen. Mehrere Anwesende wurden schwer mißhandelt. Es entstand eine schwere Panik, um so mehr, da der Angriff vollkommen unerwartet gekommen war. Der Platz- kcmmandant hatte nämlich einen ungestörten Verlaus der Per- anstattung persönlich garantiert. Die herbeigerufene Miti- tärpotrouille konnte mit den Demonstranten den Kampf nicht aufnehmen und es wurde der tumultuösen Szene erst ein Ende be- rettet, als ein« Kavallerieeokadron und eine Artillerie- tompagnie erschienen, die unter der persönlichen Führung des Platztommandanten und des Polizeipräfekten die Demonstranten zer- streute. Einige Demonstranten wurden verhaftet. Di« jüdischen Hörer der medizinischen Fakultät in B u- tarest können seit Wochen die Vorlesungen nicht besuche», weil die der christlichen Liga angehörigen Studenten vor dem Gebäude eine ständige Wache aufgestellt haben, die die jüdischen Hörer an dem Besuch der Vorträge oerhindert. Verbannung von Trohki unü Sinowjew? Stalin will die Opposition vernichte». Riga, 27. Dezember.(TU.) Halbamllich verlautet aus Moskau, daß im Januar«ine neue Vollsitzung des Zentral- t o m i t e e» und der russischen Kommunistischen Partei in Moskau einberufen werden wird. Stalin soll angeblich von dem Zentralkomitee die endgültige Beilegung der Oppositions- tätigtett und Verschickung der Oppositionsführer ver- langen wollen. Fast 2% Millionen Ausländer in Frankreich. Nach der letzten Volkszählung beläust sich die Gesamtbeoölkerung Frankreichs auf 10 743000 Seelen: davon sind 2138 000 Ausländer. Don der Be- völterungszunahmc von 156 Millionen seit 1921 entfällt kaum eine halbe Million aus die französische Bevölkerung und mehr als eine Million auf Ausländer. Schutz der arbeitslosen Augenöl Was Düsseldorf geleistet hat. Es hat bisher nicht an Dorschlägen gefehlt zur Bekämpfung der Gefahren der Zlrbeitslosigkeit der Jugendlichen. Hier und da sind auch einzelne Gemeinden mit mehr oder weniger Erfolg an die Um- (esiung solcher Vorschläge in die Praxis gegangen, meist jedoch ist man über Vorschläge nicht hinausgekommen. Wirklich B o r b i l d- Hches auf dem Gebiet« der Fort- und Ausbildung, der Fürsorg« füt_ die erivcrbslosen Jugendlichen überhaupt hat das Arbeitsamt Düsseldorf geleistet, das über sein« umfangreiche Tätigkeil in einer kürzlich erschienenen Broschüre„Im Kampf gegen die Arbests- losigksit der Jugend' berichtet. Nachdem sich die im Jahre 1g2Z eingerichtete Steinmeyerfche Gartcnorbeitsfchul«. die sogenannt«„Düsseldorfer Arbeits» schule', als ein, wenn auch beschränktes Abwehrmittel gegen die den jugendlichen Erwerbslosen drohenden Gefahren bewährt hatte, ging dos Arbeitsamt im letzten Halbjahr ISZS, als die Arbeitslosigkeit wieder ganz erheblich anstieg, zum Ausbau der vorhandenen und zur Schaffung neuer Fürsorgeeinrichtungen über. Das Schwergewicht legt« man auf den Ausbau der schon feit lS23 bestehenden Schulung», und IorkbUdungslehrgänge für kaufmännisch« und technische Angestellt« und gewerbliche jugend- lich« Arbeiter. Waren in den Fortbildungskursen für kaufmännifche und technische Angestellte im März dieses Jahres schon Svv Teilnehmer vorhanden, so sind es heute rund 900. Zur Teilnahme o« r p f l i ch- t« t sind sämtliche beim Arbeits- und Wohlfahrtsamt«ingetrage» nen und Unterstützung»berechtigten Kaufleut« und tech. nifche Angestellte bis zu 23 Jahren, sofern sie nicht nachweisen können, daß sie das in den Kursen Gelehrt« bereits beherrschen Richtteil- nähme an diesen Kursen hat die Entziehung der Unter- siützung zur Folge. An den Kursen können freiwillig auch Angestellte ü b e r 23 Jahr« und auch solche teilnehmen, die nicht unter st lltzungsberechtigt sind. In den Einzelkursen, die organisatorisch der Fachabteilung für kaufniännisches. technische» und Dureaupersonal angeschlossen sind und durchschnittlich 45 Teilnehmer aufweisen, wird Unterricht erteilt in Kurzschrift, Maschinenschreiben. Deutsch, Englisch, Französisch, Buchführung. Hor.delskunde und Wirtschaftsgeographie, kaufmännischem und technischem Rechnen, Lackschrist, Statistik und Betonbautechnik. Der Lehrplan ist den Bedürfnissen der Praxis ange patzt, so dotz die Teilnehmer keinen unnötigen Ballast in sich aufzunehmen brauchen, wie es leider in so vielen Handelsschulen geschieht. Der Fluktuation am Stelenmarkt wurde dadurch Rechnung getragen, datz man die Kurse unterteilte in drei fortlaufende Kurse zu je 3 Wochen bei 12 Unterrichtsstunden in der Woche. Der Unterricht beschränkt sich auf ein vom Schüler selbst gewähltes Hauptfach und auf zwei Ergänzungsfächer. Für solch« Jugendliche, die fest ihrer Schulentlassung noch kein« kaufmännische Lehrstell« finden konnten, find Sonderkurs««ingerichtet, in denen an das in der Dolksschul« ver- mittelte Wissen angeknüpft wird Der Unterricht wird meist von stellenlosen Jung- und Diplom- Handelslehrern erteilt, da sich der Versuch, älter« stellenlos« Kauf- leute dazu zu oerwenden, bisher nicht bewährt Hot. Sämtliche Lernmittel, wie Konteirbogen, Schreibhefte usw., werden unentgelt- lich geliefert, Sprachlehrbücher leih weis« überlassen. Nach jedem sechswöchigen Kursus müsfea sich die Teilnehmer einer Prüfung unterziehen und erhalten«in Zeugnis, was einmal den Arbeitseifer fördern, zum anderen auch der Vermittlung dienen soll. Di« Düsieldorfer Unter- nehmer sind zmn großen Teil schon dazu übergegangen, sich bei Ein- stellungen diese Zeugnisse vorlegen zu lassen, da sie die Erfahrung gelehrt hat, dotz die Qualifikation der Angestellten durch diese Kurse ganz erheblich gesteigert wird. Beim Nichtbestehen einer Prüfung mutz der Schüler denselben Kursus noch einmal durchmachen. Durch die eng« Zusammenarbeit mit der Stellenvermittlung war es möglich, eine ganz« Anzahl Schüler in Stellen zu vermitteln, die sie ohne die erworbenen Kenntnisse nie hätten erhalten können. Für die gewerblichen jugendlichen Arbeiterinnen waren Schulungs- und Fortbildungskurse schon vor mehreren Jahren«in- gerichtet worden, die aber infolge der besseren Arbeitsmarktlag« im Jahr« 1924/23 unterbrochen wurden Um die Mille des Jahres 1923 wurden dies« Kurse im Nähen, Flicken und Putzmachen wieder aufgenommen. Als Lehrkräfte sind hier einig« erwerbslose Schneidermeisterinnen und Modistinnen tätig, unter deren Anleitung sich die Mädchen und Frauen Kleidungsstücke und Wäsche flicken und auch neu anfertigen können. An den Kursen nehmen etwa 500 Mädchen und Frauen an drei Tagen in der Woche, an jedem Unter- richtstog vier Stunden, teil. Hier besteht ebenfalls Zwang zur Teil- nahm« für Unterstützungsberechtigt« bis zu 21 Iahren. Außerdem sind für Mädchen und Frauen noch Kurse eingerichtet, in denen sie praktisch und theoretisch in der Säuglings- und Slelnklnderpflege unterwiesen werden. Mitte 1923 wurden weitere Schulungs- und Fort- bildungskurse für gelernt« und ungelernt« jugendlich« Arbeiter in der Holz- und Metallbearbeitung«ingerichtet, zu deren Besuch gleichfalls all« unterstützungsberechtigten männlichen Jugend- lichen bis zu 21 Iahren verpflichtet sind, soweit sie nicht bereits an anderen Kursen teilnehmen. In diesen Kursen wird handwert- licher Unterricht erteilt. In den Kursen für die gewerblichen Arbeiter wird jede Bastelei oermieden und Wert darauf gelegt, datz die Schüler eine fachgerecht« und einwandfrei« Arbeil liefern. Diese Kurs«, an denen zurzeit etwa 200 Jugendlich« in Einzelkursen mit je 13 Schülern teilnehmen, dauern acht Wochen und werden ebenfalls mit einer Prüfung abgeschlossen, über die ein Zeugnis ausgestellt wird. Anschließend Vinnen die nach weiterer Vervollkommnung Strebenden an einem Ergänzungskursus in sogenaonteu „Aufbauklosien' teilnehmen, was besonders für solch« Jugendliche von großem Wen ist, die infolge von Betriebsstillegungen ihr« Lehr« ab« brechen mutzten und hier Gelegenhell finden, nach einiger Zell ihr« Gesellenprüfung abzulegen. Ein Teil der in diesen Kursen gefertigten Gegenstände kann gegen die Erstallung des Materialprcises mll nach Haus« genommen werden, wird aber auch bei besonders guten Leistungen ver- schenkt. Der größte Teil der Gegenstände wird jedoch, soweit er nicht zur Ausstattung der Lehr- und Werkräum« benötigt wird, durch das Wohlfahrtsamt an Bedürftige verteilt. Neben diesen Einrichtungen sind noch weiter« Ergänzungs- Veranstaltungen geschaffen worden oder sie sind in Vor- bereitung, wie z. B. Lehrgänge in sportlichen Ilebungen und Schwim- men. Die Dauer dieser Sportlehrgänge, die im Wuller in den städtischen Turn- und Schwimmhallen sortgesetzt werden, beträgt zehn Wochen. Auch bei diesen Sportkursen wird zum Abschluß ein Zeugnis in Form eines Diploms erteilt. Es sind noch Erweiterungen dieser Einrichtung geplant, wie z. B. ein weiterer Ausbau der gewerblichen Kurf« und auch der Kurse für Angestellte. Es sollen weiter mehr jugendpflegerische Einrichtungen getroffen w«rd«n. So sollen Wandergruppen gebildet, die Jugend- heim« weiter ausgebaut und neu« eingerichtet, Theatervorstellungen veranstaltet werden usw. Jedenfalls sind alle diese Einrichtungen angetan, die sittlichen und beruslichen Gefahren von den erwerbslosen Jugendlichen abzuwenden und sie so zu fördern, daß sie den immer größer weidenden Anforderungen der rationalisierten Wirt- schaft gerecht werden können. Die Einrichtungen haben, wie es in der Broschüre ganz richtig heißt, nicht nur«inen rein päda-gogisch- jugendpflegerischen Wert, sondern auch einen a r b e i t s- und b c- rufspolitischen und somit wirtschaftlichen Wert. Auch in Berlin müßten endlich Mittel und Wege gefunden wer- den, die erwerbslosen Jugendlichen besi«r zu. betreuen, als es bisher geschehen ist._ Oer Loknkonflikt in üer Schuhlnüustrie. Die Derbiadlichkeilserklärullg abgelehnt. Der Reichzar beitsminifler hat die von den Arbeitnehmer- verbänden beantragte Derbindlichkeilsertlärung des am 13. Dezember zur Dellegung des Lohnstreile» in der deutschen 5chuhlnduslrie gefällten Schiedsspruch» abgelehnt. Da die Anslegung verschiedener Punkte diese» Schiedsspruches st r i t t i g war. sollen neue Schlichtungsverhondlungca unter einem noch zu erncnnendeo lloparlelischeu statlsiudcu. die unverzüglich ein- geleilet werden sollen. Der Termin uad der Rame des Schlichlers steht noch uicht fest, ver Schiedsspruch war vou deu Arbeitgeber- verbänden abgelehnk worden.___ Beraniwortlich für Politik Dr. a»rt Sm-r: Wiri'-Haft: y.: ibewrrllchofisbcweüuno: Z. Stein«: geuttlctsn: Ä. 9.®uf4e£; Lokales und Sonstiges: g-!st Kaistädt: Anzeigen: Th. Glocke: szmiliiti in BerUit. Strlas Bo-.wärts-Berlag®. m. 6.®.". Berti». Druck: Vorn>Sri»»Docki>rvcker« und Berlogsanstoli Pont Singer n. Co.. BerNn SW 6S, Linden strag« Z. vier»» Z Beil»«» und„Uuterdaltnna»»d Wiste»' in grosser Auswahl Originelle Pt ®iivester*Artikei W Bowlen', Tischweine _ und SKerzkenfett in rmt vilückflein lagen..StOck JV Knall-Attrapvenin, mit rteaerzoimagen, 6iucklllPf' Merzziganttmzg Bsnbsndosen Jfl mi t Pfrfl. r u.ttalz.St? V \Knai3honbons ipt »pr pt pt Originelle»» AusblaWiimi 35 KS, 10, 25 Kadan-Mnelk- 4 M Ff. 4»E anltruimnfciü"']" Originelle««M g'ark 8» IDpf mit Mätxtn s. Scnsrx- niilags-i, Duixtnd von an| MMMiim in f riumckiiu Uoirtn 8t. v. LuMlmiVN-.. 10 MNtkugelli 15 aaai Werfen.......-Beotel M w ttenfetti.......»e»« 5 pt GSessblei** c'äeMt' /tgarsn 6 Stack im Karton mit Citt'Uffel 60 Pf. 13 Stiel 0S Pf- Neujahrskarten in grosser Auswah | ErdbeeMpflKosenS 1924er Maikammerer Letten........>,. ri«che 95 19208r Dienheimer Farrenbers..■;,Fu>che1l25 1922er Könissbacher Müh!weg....'/1pi»«ch«1,6Q 1921er Birkweiler Herrer bers....�FueeheltSO 1922er Citviller Albus kles>lns....',.pi�ede2,7S 1924er DUrkheimer Feuerberg Eotwei«.«/In.1f40 Vorzüglicher larragona«»........... v.n�ebel ,50 1920er ChBt La rose Terz.Bardeeax-T»felv,>/,F1.1,S5 Deutscher WeInbrand***,on».Bperi»ui»iinTig'. herTorregende Qualität................................... Schaumweine bekannter erster Firmen za Originalpreisen Vom JFass: Für Bowlen- und Glühweinzwecke Vorzügl. Rhelnpf. Weisswein Ltr.1,30sur 6,25 Voller Rotwein................. ur. 1,50 8�.7,00 Samaika-Rum-Verschnitt«it. 4 504�00 Deutscher Weinbrand"*«pi. � s| S „üoeero Sptnlulltfc-.............. Liter Ltr. UOA Zur Bowle: 10 FI. 1924er Edenkob. Kirchberg 2 FL Hertle-Fruchtschaumwein 12 50 ohne ri. Für Glühwalnzwecke: IC FL Montagne»»iter dandler Rotwein 1 FLSamaika-Rum-Verschnitt 40% 14 00 ohne Fl. I Rollmops in Retnoutadt, stlletberlnz« la Ramooladi, als- O A marckhsrlnge, firathe Ins«. Qabelblssen.. Dose OVpi Düsseldorfer Punseh-Extrahte erster Häuser, wie Nienhaus, Seiner usw* zu den billigsten Tagespreisen �mimmiimmmfinMntnnHraiwunuiiiiimminmHmimmiimtimimmninmiuiimiimmmitMmu Za aa'crtr«»nvtSmawiw«»: I eoSe Auswahl in SaftiMtMnten I bekannter JBarlen I Aochfeint Srnlhien in SMenkvmklmgtn 1 in reta er Auevahl äuinin:nmunn!n!i2i;:t!!!nmnnaimiii:iitiiuniiHniiiimiiniummmimni:niiuninii:muimitnnn!ii£ Glaswaren poFa.30pi.35pt 14, IZpt. ARpitafofti 550£50 Dvlvlku ulatt......... i D VowltN 890 ©o»kflföt»rÄ.üff.975 Vowienkrngt �'S5pt VowlenlöMl........... l10 Neinrömer P°» jtemoctf�lOaJSMstSSpf LttörbechtkAe qa M•syin'j vern.ck.�Pw�f � w, MUikelllli" Klilbitnöffnec Ä 9Jp;. Koriemjever. 20�30?-. __ AnsgüNorten 35t45pf | Fischkocherenain-S75�56 13" � Gemüse- und Obstkonserven '/»Do?* Stansensparssl extra stari.2,75 Stangensparael �ebr stuk 2,60 Stangensparsel stark..... 2, SO Stangenspargel mittel.... 2, 40 Brechspargel du»»........ 1,50 Gem. GemUse sehr fetn....1,70 Gem. Gemüse ein......... 1,50 ©»flrfÄe'lB.xreasZOpt SrogMer�t35p, t° gH�chii-.«'n................. 90Pt. getchlif. gnilert Rominglöfer 45p, 45p, 3flianaßinfliöiw5flpf50pt M!welnMer3Sp,3Sp. Lttörginfer....... 3Zpt35p. Bierbecher...... ZSp,- Ncinfühler o» vermCAelt. gehämmert....«» SoiteniEEnFw 2woln§f)flllen8bu95(t SCP.'ÖlftivinaltaZänritann 15pf. GlAtMienfAllef ♦'Singles» so »ClPlCniDTItl v rnlck L 4 ji Dofe Gem. Gemüse mittel......1,05 Erbsan lelo, mit Katatten.1,20 Erbsen mittel;el»�n.Karotten E Q!'•. Birnen ranze PrUekte...... 6SPL Apfelmus................... 72'>t. Reineclauden.............. 1,25 Aprikosen................ 1,75 Piirsicüe Erdbeeren halbe Zur Bowle I75 Anmins Früc.ile, .'/i Dobu Mi Dose 175 Frische flnonns Mi Dose I . PM. v, 1 75 Zrnubemosmen prn.d 81p, AvstWtNmr Z0,ßZ.8Z.. Knaikmanbeln..... Pf0Bdi,c Aevfel>».0�.°«. PteDd25vL Ranbarinen..... p.-nd M i Banmwn......... prond 35?, Lebende Spieseikarpfen � 1 5 HBRM4MNTIETZ Unsere MaskenabteilunseD | Lelpilgw Straasa, t. S.cok.ÄlexeacieiFlatr, 1. 51 ck, frankfurter ülee.! block tir.d erct.r.et MasEccnkoslün:a besondsirs pr�is'�rer* Grosse Auswahl sämiCcher Karneva.'artilcel Nr.«I»» 43>?ahrg0�p�uz�!0<�0<��eitkaNenmhaber�lc� 940 000 Personen befördert, am 2. Festtag 740 000 plus 300 000 Zeitkarteninhaber gleich 1040 000 Personen. Recht lebhost war der Besuchs- und Theateroerkchr. Nach den Vororten bestand schwächerer Verkehr. Siegfneü Spackower. 23 Millionen verpulvert! Man tut ihm wahrhaft Unrecht, diesem Spackower. Seit zwei Wochen hadert er bereits vor leeren Zuhörerbänken des großen Schwurgerichtssaales wider Gott und Schicksal: noch sechs lange Wochen wird er seine Anklagen führen, um schließlich doch verurteilt zu werden. Und niemand nimnrt von ihm und seinem Prozeh Notiz. Was war das für ein Getue um Kutisker und sein« Gaunereien. Und war er doch nur ein Waisenknabe gegenüber Spackower! 23 Millionen Goldmark hat er aus dem Nichts hervorgezaubert, Bureauräume von 40 Zimmern mit 43 Angestellten, darunter drei Rechtsanwälte, das Arbeitszimmer Friedrich August', des früheren König von Sachsen, kaufte er für S Goldmark, die Rheinische Industrie» aktiengesellschast mit den vielen Tochtergesellschaften— das war Spackower. Und geblieben ist von all diesen Herrlichkeiten nichts. rein gar nichts. Doch: die Anklage wegen einiger Dutzend Betrüge- reien und zweier betrügerischer Bankerotte. Wenn n,an ihn nicht verhaftet hätte, so behauptet er jetzt, so wäre allen Gläubigern auf Heller und Pfennig bezahlt worden. Was soll er aber tun, wenn er bereits 22 Wochen in Untersuchungshaft sitzt. Wie war nun Spackower zu seinen Millionen gekommen und wie hat er sie ver- loren? Dos Licht der Welt erblickte dieser geniale Geschäftsmann in Swir bei Wilna als Sohn eines jüdischen Kantors ,m Jahre 1888. Die Schule besucht« er in einem rheinischen Städtchen, wohin sein Bater unterdes verzogen war. Er brachte es bis zum Einjährigen- zeugnis Schon als Kausmannslehrling zeigte er regen Geschäfts sinn, er nahm Waren in Kommission und bezahlte nicht. Das nannte man aber Betnig und er wurde mit Gefängnis quittiert,-rrptzdem brachte er es bis zum Substitut des Einkäufers bei Tietz. Aber sein großes Strafregifter wurde ihm mit der Zeit bei seinen Anstellungen und Geschäften doch hinderlich. Alle Welt war vor ihm gewarnt. So ließ er sich einen Paß auf den Namen S i e g f r i e d.S a ch s mit der Unterschrift des belgischen Ministers Banderoelde ausstellen. Natürlich war er gefälscht. Dann kam die Inflation: sie erhob den ! Siegfried Sachs zum ehrlichen Kausman» Nun brauchte er nichl mehr unreelle Kommissionsgeschästc zu machen. Der Weg zum Inflationsreichtum war cinsacher und führte nicht mehr ins Ge- iängnis. Einige Waggonladungen Kriegsdccken, die er nach Eng» lond verschob, brachten ihm die Kleinigkeit von 80 000 Goldmark. Mit einer Hälfte des Geldes kauft« er Effekten, mit der anderen Zigarren. Beides lombardierte er mit dem Ziel von drei Monaten. Mit dem Geld kaufte er wieder zur Hälfte Zigarren und zur Halste Effekten, die wieder lombardiert wurden, usw. Die lombardierten Effekten und Zigarren löste er aber mit entwerteter Papiermark aus. Im Sommer 1923 hatte Siegfried Spackower alias Sachs seine 2 3 Millionen beisammen. Weshalb sollte er nun nicht einen Konzern gründen, wo auch Stinnes einen hatte? Er begann mit der Gründung einer Dachgesellschaft der Rheinischen Industrie- aktiengesellschast. Daiin reiste er in der Provinz herum, dann kaufte er die TochtergeseUschosten auf und verpiilvcrle dabei nicht wenig Geld, lind jetzt schlug in seinen Geschäftshimmel wie ein Blitz die Stabilisierung der Mark ein. Er verlor im Handumdrehen an den Effekten ein Drittel seiner Millionen. Und bald staird er inst 5 Millionen da, statt der 23. Aus Anraten guter Freunde beschloß er zu.kompensieren'. Er pumpte bei dem vom Kutisker-Prozeß her berüchtigten Michael 100 000 M., für die er in zwei Tagen 80 000 Goldmark Zinsen zu zahlen hatte und in drei Wochen 1 300 000 M. Das Ende vom Licde waren Schulden, nichts als Schulden. Nun ließ er seine alten Talente spielen. Er bestellte Zigarren, bald bei der einen, bald bei der anderen Firma, lombar. Vierte sie bei drei verschiedenen Leuten, bestellte auss neue Zigarren. bezahlte keinen Menschen. Als schließlich ein Teil der Zigarren ans ihre Güte geprüft wurden, waren es nicht Zigarren, sondern Holz- wolle. Aus diese Weise hatte er 26 Millionen Zigarren beliehen. Das ist Spackower. Unter den Angeklagten beiindet sich auch sein Bruder Heinrich Spackower, der.montenegrinische Generolkoiisul' und noch vier frühere Angestellte Spackowers. Volt hob acht! Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veranstaltet am Montag, den 3. Januar, abends 8 Uhr, in der Stadthallc Klosterstraße eine große politische Kundgebung mit dem Thema:.Volk Hab acht!' Die Vunöer der Klara van tzaag. 48] Bon Johannes Vuchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Kurz erzählt, verlief der Rausch so, daß Egholm auf das Kräftigste die Proteste und Warnungen seiner Frau zu Boden schlug. Er wurde poetisch und rief:„Was sagst du. ist keine Goldmine? Ich sage ja. Der Lehm, der gelbe Lehm soll zu rotem Golde unter meinen Händen werßen. Habe ich mir nicht stets gewünscht. Großgrundbesitzer zu werden? Jetzt werde ich es im tiefsten Sinne. Die Erde, die Gott uns gut. aber nicht fertig, geschenkt hat, die soll ich vollenden und verherrlichen. Machte ich nicht einmal eine große Erfindung gerade in bezug auf Mauersteine?' „Erkundige dich wenigstens, Egholmchen.' „Das tue ich ja gerade. Ich gehe so weit, daß ich mir einen Berater nehme." Acht Tage später untcrsäirieb er in Worms Bureau den Schlußschein über die Aalbyer Ziegelei. Er kam mit Sechstausend Kronen Anzahlung davon. Die Kaufsumme betrug vierzchntausend. Der reine Raub. Aber obwohl er sich natürlich zu allererst von dem allzuleichten Fünf- hundcrtkronenschein trennte, schwand sein Brustkissen doch gewaltig. Es hatte ihn auf angenehme Art und Weise ge- wärmt und beschwert. Hatte wie ein mächtiges Amulett an seiner Schnur gehangen, eine Hilfe zu allem Guten, ein Schutz gegen alles Böse. Darum hatte er jetzt wohl den Einfall, eine alte Hauspostille mitten zwischen die übriggebliebenen Scheine zu legen, wodurch das Paket nicht allein seinen Umfang behielt, sondern sogar an Gew-cht— und zugleich an Wert stieg. Es war eigentlich die Postille, die Knarreby sich vor Egholm neigen ließ. Die Leute wußten natürlich auf ein Haar, was er von der Eisenbahn für sein Haus bekommen und was er für die Aalbyer Ziegelei gegeben hatte. Jedes Kind konnte also ausrechnen, was ihm blieb. Als aber Egholm am Tage nach feinem großen Handel bei Kaufmann Bro vor- beikam, erinnerte er sich, daß er galvanisierte Nägel für fein LZoo» bronchtc. weshalb er hinein ging Die Regel kosteten zehn Oere Egholm öffnete seinen jPeuiel, es befand sich nicht eine Münze darin. Kaufmann' Bro bekam einen weinerlichen Ausdruck, als er das traurig klaffende Grab sah, das Egholms Beutel darstellte. Aber Egholm wendete sich ab, zog ein Paket unter der Weste her- vor und schnürte es auf, zeigte Bro einen Zehnkronenschein und sagte, sich entschuldigend, daß er es leider im Augenblick nicht kleiner hjitte. Während der Kaufmann wechselte, legte Egholm heimlich das Paket auf die Wagfchale. Es wog über eineinhalb Pfund. So kam es in der Stadt heraus, daß Egholm so unerhört wohlhabend sei, daß er für sein Geld die Wagschale gebrauchen mußte, obwohl es Scheine wären. Dag Gerücht kam auf, er hätte das große Los gewonnen. Die Stadt neigte sich, und das war ja eigentlich Schuld der Postille. Die Stadt neigte sich auch vor Sivert, der heimkam, so schnell der Dampfer fahren konnte. Er glich zwar ausfallend dem Sivert, den man gering geschätzt hatte, aber man konnte doch nicht orr der Tatsache vorbeikommen, daß er unterdessen der Soßn eines reichen Ziegeleibcsitzers geworden war. Außerdem brachte er Geld mit heim. Sowohl einiges, das ihm lose in der Hosentasche klapperte, wie eine hübsche Anzahl echter Dollarscheine. Es waren die, die der Vater ihm für das Billett geschickt, die er jedoch gespart hatte, indem er auf der Uebersahrt in der Kajüte half. O, Sivert war kein Dummkopf! Er trug nicht, wie so viele andere Amerikareisendc, einen Pelz mit den Haaren nach außen, er hatte etwas, was besser war: einen inwendigen Pelz, einen Pelz um sein Wesen. Er war ja früher nackt herum gelaufen, zu Schimpf und Schande für jeden. Ferner konnte Sivert jetzt abwechselnd yes und no sagen, und noch dazu an den richtigen Stellen. Auf den Vater übten diese kleinen, ausländischen Wörter keine geringe Wirkung aus. Er forschte eifrig nach den großen Verhältnissen drüben. Sivert mckte tiefsinnig, zog seinen Wesenspelz gut um sich zusammen und brachte sein ve« und no an. So ging alles gut. Wenn Sivert mit der Mutter allein war, stieg er aus dem Pelz und wurde wieder ihr alter Junge. Am selben Abend. als er gekommen war, hatten sie eine Unterredung in der Küche. „Jetzt wirft du uns docki n'e mi-der v-rlaifen? Für m-ch ist es ein Wunder Gottes, daß ich dich wiederhabe." „Doch," sagte Sivert kopfschüttelnd.„Ich muß fort. Die Verhältnisse sind mir zu klein, alles zu unbedeutend, oer- stehst du." „Ach was— unbedeutend— erstens, wo du mit deinem amerikanisck>en Aussehen gekonimen bist— ist das vielleicht unbedeutend? Zweitens der Reichtum deines Vaters, die Ziegelei und das. Ich finde, du solltest jetzt, so lange es Zeit ist, eine der schönsten Mädchen hier in der Stadt heiraten." „Wenn aber nun keines von ihnen die Eigenschaften hat. auf die ich den größten Wert lege?"> „Rein, natürlich: aber was find das für Eigenschaften?" „Zunächst, daß sie Gold in den Zähnen haben. Das braucht man.all over in Amerika. O, du ahnst nicht, wie geradezu unerträgilch schön sich das. ausnimmt. Ferner, daß sie durchaus nicht an Appetitlosigkeit oder Liebesmangel nach mir leidet. Daß sie sich vollkommen frei- und gutwillig beim ersten Anblick in den Staub vor mir wirft. Ohne Bettelei oder irgendwelche Gewalt von meiner Seite." „Was das betrifft, so wird sie wohl vok und no und Dankeschön sagen, wenn du die richtige findest. Aber Gold in den Zähnen, das ist nur eine Frage der Eitelkeit und Gott zuwider." „Dann will er nur die schöne Mode hier im alten Lande nichl eingeführt haben. Aber wenn ich nun, um mich bei ihm beliebt zu machen, auf den Glanz des Goldes verzichtete— welche hättest ött mir dann zu bieten, die meiner würdig wäre?" Die Mutter freute sich so, daß Sivert doch die Frage er- örtern wollte. Sie war dabei, einen Weihnachtskuchen zu kneten: jetzt stellte sie die Rosinentüte vor ihn hin und sagte: „Nimm eine Rosine. Junge, glaube mir, wir werden schon einig, wenn du nur nett sein und bei uns bleiben willst. Was meinst du zu Uhrmachers Mille. Nimm noch eine." „Darf ich ein bißchen Teig nehmen und herumlegen? Du weißt, ich liebe rohen Teig. Ich habe ihn jetzt bald drei Jahre nicht geschmeckt. Das hat viel dazu beigetragen, daß ich mich heim sehnte. Mille— ja— aber findest du, Uhr- macher klingt nach etwas?" „Du brauchst dich ja auch durchaus nicht heute abend zu entschließen. Wir haben ja auch die drei vom Tierarzt, die unverlobt herumspazieren.' „Die sind zu kurz geraten. Irl, will cme große, flott" habcn. Eine, die aussieht wie eine Zahnarzl-Liebste." ________(Fortsetzung folgt> Kirchliche Steuerwirtjchast. Tie tmberechtigtcn Stenerforderungen hören nicht auf! Immer wieder müssen wir über unberechtigte Kirchensteuer jorderungen berichten, mit denen Dissidenten noch belästigt werden, obwohl sie schon vor vielen Jahren ihren Austritt aus der Kirche erklärt haben. Es ist uns wegen Raummangels unmöglich, alle uns bekannt werdenden Fälle dieser Art in unserem Blatt zu verzeichnen. Wir können nur von Zeit zu Zeit etne Auswahl davon geben, um wieder mal die kirchliche Steuerwirtschaft zu beleuchten. Eine Genossin meldet uns, daß sie. die seit nahezu IS Jahren nicht mehr der Kirch« angehört, jegt zum zweiten Male seit ihrem Austritt noch eine K i rche n st e u e r v.e ra n la g u n g erhielt. Beveiis im August 1917 wies sie nach, daß sie ihren Austritt aus der Kirche schon im Februar 1908 vollzogen hatte.„Die Kirche kann", schreibt uns die Genossin,„nicht gut verlangen, daß ich noch evmal— vielleicht sogar noch des öfteren— meinen Austritt beweisen soll. Es wäre an der Zr«, daß sie ihre Bücher in Ordnung bringt. An Kräften hierzu dürfte es bei der großen Zahl arbeitsloser Angestellten in Berlin wohl nicht fehlen." Führt denn die Kirche überhaupt Bücher, in denen die ihr noch verbliebenen Mitglieder verzeichnet sind? In neuerer Zeit wird bei Beschwerden über unberechtigte Kirchenstcuerforderungen den Beschwerdeführern ein Fragebogen übersandt, der genaue Auskunft über den Austritt(wann? wo? ujw.) oerlangt. Weil die Kirche selber über ihren Miglieder- bestand nichts weiß, müssen Dissidenten sich diese Schererei bieten lassen! Hat schon einmal einer gehört, daß man den mit Kirchensteuerforderüngen belästigten Dissidenten die Mühe und baren Auslagen vergütete, die ihnen daraus entstanden? Bor einiger Zeit hat uns die Zuschrift eines Pastors belehrt, daß wir besser tät�n, unseren Lesern zu sagen, sie möchten bei der alljährlichen Personen st andsauf nähme sorgfältig an- geben, ob und wann sie aus der Kirche ausgetreten sind. Ach, das haben wir oft genug gesagt, und gewiß wird der Rat von den meisten unserer Leser befolgt, aber auch diese Borsicht hat(wie wir schon öfter feststellen mußten) nicht immer davor geschützt, noch eine Kirchenstcuerveranlagung zu erhal. ten. Einer, der für sich und seine Frau den Austritt aus der evangelischen Kirche in der Pcrsonenliste vermerkt hatte, er- hielt nachher eine Aufforderung zur Zahlung von Steuern für— die katholische Kirche! Er schrieb zurück, weder er noch seine Frau habe jemals der katholischen Kirche angehört. Als Antwort kam ein Mahnzettel, der Zahlung binnen zehn Tagen forderte.„Was soll ich tun?" fragt der Gemahnte uns. Ja, von«Rechts" wegen kann er sogar ausgefändet werden, wenn er etwa glaubt, gar nichts tun zu sollen. Wer ganz' sicher gehen will, muß den Steuersordcrern durch Vorlegung der Papiere beweisen, daß er ihnen nichts schuldet. Ein Skandal, daß man auch das noch tun soll! Aber das Geieß gibt der Kirche das Vorrecht, die Beweislast dem anderen zuzuschieben. Ehr Arbeitsloser klagt uns, daß auch er, der 1901 aus der evangelischen Kirche austrat, wiederholt mit Steuerforderungen für die katholische Kirche belästigt worden sei. Bei der Personenstandsaufnahme hatte er stets seine Konfessions- losigkeit vermerkt. Auf seine Beschwerde oerlangte man von i h ni den Nachweis, daß er nicht katholisch ist oder gewesen ist. Auch das wird uns wieder mal gemeldet, daß selbst der Tod nicht vor Kirchen st euersorderungen schützt. Ein Mann, dessen Frau 1923 starb, sollte im vorigen Jahr für sie noch Kirchensteuer zahlen. Er erhob Widerspruch unter Vorlegung der Sterbeurkunde und glaubte, nun von weiteren Be- lästigungen verschont zu bleiben. Aber jetzt wiederholt sich das Spiel. Wieder hat man ihn aufgefordert, für seine Frau Kirchensteuer zu zahlen. Soll er nun nochmals die Sterbeurkunde vorlegen? Oder soll er abwarten, ob man zur Pfändung schreiten wird? Auch der Verein der Freidenker für Feuerbestattung meldet uns«ine Totenbesteuerung, die ihm bekannt geworden ist. In Charlotten- bürg erhielt ein Mann die Aufforder-ung, für seine 1019 ver» storbene Frau noch Kirchensteuer für 192S zu zahlen. Wann wird� man im Lager der Kirchlichen endlich begreifen, daß die Kirche über ihren Mitgliederbestand sich mit einer Zuoer- lässigkeit unterrichten muß. die jede unberechtigte Kirchensteuersorde- rang unmöglich macht? Die unaufhörliche Wiederholung dieser Mißgriffe ist ein Skandal, t«m nur dann ein Ende bereitet werden kann,� wenn die Kirche gezwungen wird, darüber Buch zu führen, wer noch zu ihr gehört und wer nicht mehr, Ein verüorbenes Weihnachtsgeschäft. Bestohlene Straßenhändlcr.— Polizei als Retter. Den kleinen Straßenhändlern geht es nicht gut, Ihr Weihnachts» gefchäft war mäßig. Wenn ihnen dann auch noch ihre Habe gestohlen wird, dann ist ihre Existenz ganz und gar In Frage gestellt. Um sich zu schützen, hakten sich mehrere zusammen getan, um für die Nachtzeit ihre Waren, Tabakpfeifen, Strümpfe und Trikotagen oller Art, sicherzustellen. In dem Hause Turmstraße 51 hatten sie zu diesem Zwecke einen Fluroerschlag gemietet. Als sie eines Morgens wiederkamen, um den Hcyidel aufzunehmen, waren ihre ganzen Vorräte verschwunden. Auf dem Flur und vor dem Hause waren aber vier junge Männer beobachtet worden, die gut beschrieben werden konnten. Beamte der Dienst- stelle B. 7 beobachteten die Gegend und stießen auf zwei Brüder Roßbach und«inen Franz Kajarek, jung« Männer in den zwanziger Jahren, auf die die Beschreibungen paßten. Diese schienen über reichliches Geld zu verfügen. Sie besuchten eifrig die Tanz- böden in Moabit. Ais sie wieder einmal ein Lokal mit ihren jungen «Damen" verließen, griffen die Beamten zu und nahmen sie fest, Man fand bei ihnen noch einige Tabakpfeifen von der Art der gestohlenen und bei ihren„Damen" ieidene Strümpfe, die noch den Firmenstempel trugen. Die Beamten sagten ihnen jetzt den Einbruch, bei dem ihnen für mehrere tausend Mark Waren in die Hände gefallen waren, auf den Kopf zu, und sie räumten ihn dann auch ein, 100 Pfeifen hatten sie an einen Zigarrenhändler verkaust. Auch die Käufer des größten Teile» der anderen Waren wurden ermittelt. So kamen denn die Händler ohne großen Schaden davon, wenn ihnen auch das Weihnachts- gefchäft verdorben war. Für 500 Mark Sachen hat noch d«r vierte Mann hinter sich, ein gewisser Willi Engelmann, den die Kriminalpolizei noch sucht. Mitteilungen zu feiner Er- grcifung erbittet Kriminalkommissar Ziegler. Dienststelle B, 7 fro Polizeipräsidium. Der Blansäuretod eines Zlrbeiters. Wegen fahrlässiger Tötung hotte sich der Chemiker Dr. Walter Rasch aus Frankfurt a. M. zu verantworten. Das Schöffengericht Mitte hatte bei dieser Anklage in erster Reihe die Frage der Der- oruwortlichkeit zu prüfen. Der Angeklagte ist Leiter der von der Deutschen Gesellschaft für Schädlingebetämp- f u n g im ganzen deutschen Reiche veranstalteten Durchgasungsver- fahren, die mst Hilf« von Blausäuredämpfung vorgenommen werden. Am 2. August 192-1, einem Sonnabend, wurden die Räume der Berliner W a l z m ü h l e durchgast. Am Sonntag früh fand die Entlüftung statt, und am Montag vormittag wurden die Räum« wieder zum Gebrauch freigegeben. Als aber ein Arbeiter Bogel einige Stunden später den Kellerraum betrat, wurde er von den dort noch vorhandenen Blausäuredünsten getötet. Der An- §«klagte legte dar. daß die Freigabe nach einem in vielen lausend Wen erprobten Gasmeßversahrcn erfolgt sei. Nach den Gasmch- proben konnte kein Bedenken vorliegen. Interessant waren die ärzr- lichen Gutachten, Danach lag 15ei dem Getötelen eine einzig da- stehende Disposition, die durch die Entbehrung«» des Kriege» vemrsacht worden war. vor. Im allgemeinen wirkten die Restbestände der Gase, wie sie hier vorhanden waren, lmschäd- lich. Da der Angeklagte noch.cn fachmännischen Gutachten in jeder Beziehung die notwendige Umsicht bewiesen hatte, so kam dos >vchöfsengericht Mitte entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts zu einer Freisprechung des Angeklagten, Golü unü Silber. Gefälschte Eisenbahnohligatiouen. Große Betrüg«reien und Wertpapiersälschungen, deren Herd in Wien zu liegen scheint, die aber auch nach Berlin herüberspielen, beschäftigten in den letzten Tagen auch die Berliner Kriminalpolizei. In der Angelegenheit war vor einigen Tagen ein Beauftragter der Wiener Börse in Berlin zu einer Besprechung mit dem Berliner Börsenoorstand. Es handelt sich um vierprozentige Prioritätsobli- g a t i o n e n der G a l i z t f ch e n Karl-Ludwigs-Bahn und der Erzherzog-Albrccht-Bahn, die aus Silber gestellt und zum Teil polnisch gestempell sind. Ein Schwindel- und Fälscherkonsortium hat nun auf vicl«n Obligationen die Stempel ausgewaschen, so daß sie vollständig verschwunden sind. So erschienen die Obli- gationen auf Gold gestellt. Di« Folge war daß die polnisch ge- stempellen einen Kurssturz an der Börse«rlltten und unter die un- gestempelten heruntergingen. Die Ermittlungen tn Berlin, die auf Beranlassung der Wiener Kriminalpolizei vorgenommen wurden, er- gaben ab«r auch noch etne Fälschung anderer Art. Es gibt Stücke zu 100 unü» zu 5000 Gulden. Die Rcspektbogen haben b«i beiden den gleichen Text. Nun sind Respektbogen der einen Sorte abgelöst und an die Obligationen der anderen Sorte an- gebracht worden, so daß auch diese als 5000-Guld«n-Stückc heraus- gegeben wurden Die Wiener Kriminalpolizei hat«inen der Schwindler bereits festgenommen. Die Berliner Kriminalpolizei, an die sie sich dann wandte, ermittelte, daß bei einer Berliner Großbank und bei mehreren anderen Banken im ganzen etwa für 400 000 Mark gefälschte Obligationen ver- kauft worden sind. Sie stellte auch drei Oesterreicher fest, die diese Verkäufe bewirkt haben, vernahm sie gestern sehr ein- gehend, entließ sie aber wieder, weil sie in gutem Glauben gehandelt haben. Das gesamte in Berlin zutage gefördert« Ma- terial wurde bereits der Wiener Kriminalpolizei zur weiteren Ver- anlassung übersandt. Eine Berhaftung ist in Berlin noch nicht erfolgt.__ Gemeins«m in den Tod. Eine furchtbore Entdeckung wurde gestern nachmittag gegen K3 Uhr in dem Hause Büschingstraße 23 gemacht. Aus der Wohnung der 34jährigen Ehefrau M, F a ß h o l z, die von ihrem Manne vor einiger Zeit geschieden wurde, drang starker Gasgeruch, so daß Hausbewohner Berdacht schöpften. Als auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet wurde, rief man Polizeibeamte herbei. Den eintretenden Geamten bot sich ein erschütterndes Bild. Nachdem der Heilige Abend im Rundfunk unter dem Stern von Bethlehem gestanden hatte, blieb das Weihnachrliche am ersten Weih- nachtstage allein auf die Morgenfeier beschränkt. Am Nachmittag gab die Kapelle Gebrüder Steiner, die heute zu den besten'Kapellcn un Rundfunk gehört, ein gut gewähltes und unterhaltendes Konzert, erwähnenswert daraus die Ouvertüre zu„Athalia" und zwei unga» risch« Tänze von Brahms. Da» Abendkonzert unter Bruno Seidler-Wintler» Leitung fetzte sich aus Ouvertüren, Zwifchenottsmusit und Tänzen aus Opern zusammen. Setdler- Winkler beschränkte sich aber diesmal nicht wie sonst auf die Rienzi» und Tannhäuser-Ouoertüre oder auf dos Lohengrin-Vorspiel. Ein- geleitet wurde der Abend mst Schuberts„Rosamunde", es folgte die Einleitung zum dritten Akt des„Tannhäujer". Ausgezeichnet klangen hier die Bläser, überhaupt wußte Seidler-Winkler stark zu steigern, aber bereits im.Traoiata"-Borspiel zeigen sich seine Grenzen, es fehlt dem Dirigenten vielleicht die Leichtigkeit, er nimmt„Traviata" zu schwer, beinahe pathetisch: merkwürdig, daß dagegen Polka und guriant aus Smetanas„Verkaufte Braut" äußerst temperamentvoll behandelt wurden, und im Vorspiel zu„Margarethe" überraschte der volle und gesättigte Klang des Orchesters. In der„Stunde der Lebenden" am Sonntag mittag, d!« dem Schriftsteller Hermann Kasack gewidmet war. spicsten Erwin Zaber, Ernst Deutsch und Johanna H o f e r den vierten Akt aus dem Schauspiel„Vincent". Die Maler Vincent van Gogh und Paul Gaugin stehen sich hier gegenüber, der nervöse überreizte Künstler, der ganz in seiner Kunst lebt und unter dem Dasein leidet, und der kühle, geschäftstüchtige, amerikanisierte Maler, wie Dr. Fritz Landsberger Paul Gaugin in seiner Einführung nennt. Der Akt ist von starker dramatischer Spannung und in einer gehämmerten Sprache verfaßt, die im Gegensatz zu den gelösten Versen Kasacks teht. Am besten Erwin Faber als Dinent van Gogh, zerquält, bebend unsicher und doch dabei von eindringlicher Sprachgewalt. während der Gmigin des Ernst Deutsch manchmal die Schärfe und Kälte der Sprache übertreibt. Am Abend hörte man seit langer Zeit wieder Eugen T r a n f k y s weichen und dunkel gesättigten Tenor. leider nur in zwei Operettenduetten und in dem banalen Walzerlied aus Leoncaoallos„Zaza". Seiner Partnerin Edith Karin» Stimme klingt in der Höhe ungedeckt und schrill wenigstens im Rundfunk. Das Trio Theo M a ck e b e n, Franz von Szpanowski und Julius B e r g e r spielt in dem kunterbunten Abendprogramm harmlose Dinge von Gillet und George. Nur die„Elegie" von Nachmaninoff hat trotz ihrer sentimentalen Haltung künstlerisches Zormat. Prof. R i e ie n st a h l und Klara Kay oersuchen sich an Parodien und humoristischen Plaudereien. Eine Enttäuschung bietet Leo Schützendorf, der Mussergskis„Flohlied" und Webers „Kirmesreigen" zu schwer und trocken singt und erst bei Schumanns „Schlarafsenreigen" feinen Humor und seinen ganzen stimmlichen Ausdruck wiederfindet. Prachtvoll gelingt ihm dann die ostpreußische Volksweise„Der Schneideyjahrestag". Die musikalischen Darbietungen waren am Montag nicht gerade sehr abwechslungsreich zusammengestellt. Vormittags spielte die Kapelle der Gebrüder Steiner ein Programm mit Opern- potpourris, Schlagern, Märschen und„Salonstücken". Nachmittags von �5 bis 7 Uhr gab es eine ähnliche Musikfolge, diesmal vom Ette-Kammerorchester ausgesührt, abends von 9 bis 10 Uhr hört« man nochmals die gleiche Art der Darbietungen durch das Blas- orchefter Wostschoch. Eine lustig« halbe Stunde, mit Theater- anetdoten ausgefüllt, bot Max E h r l i ch am Nachmittag. Unter den wissenschaftlichen Vorträgen waren einige recht hörenswerte. Be- sonders aktuell wirkten dl« Ausführungen Dr. Adolf M a r c u f c s über„Die Sonne als Kraftquelle", in denen der Redner die Be- d-utting der Sonnenstrahlung als Ersatz irdischer Kraftquellen und die Möglidjikeit ihrer praktischen Verwertung eingehend und all- gemeinverständlich erläuterte. Dr. Alfred Kuhn behandelte in seiner Vortragsreihe„Bildends Künstler als Dickiter und Schriftsteller" Michelangelo. Ohne daß es ihm gelang, letzte Zusammenhänge im Dasein dieses Großen und Einsamen starzumachen, zeichnete er doch ein fesselndes, lebendiges Bild seines künstlerischen, vor allem feines dichterischen Schafsens. Zu der Sendeoper des heutigen Tages. Wagners„Lohengrin", gab Alfred Broun eine verständnisvolle Einführung. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die im allgemeinen banalen Froi-«nsraflcn.und Frauensorgcn. die am Nachmittag einiger Wochentage behandcst werden, diesmal sich niit einem wesentlichen Thema„Versicherungen und Sozialabgaben der Hausangestellten" beschäftigten, über das Martha Bode sachlich referierte. Frau F. und Ihr zwölfjährtger Sohn Heinz logen In dem mst Sa- angefüllten Schlafzimmer leblos in ihren B et t e n. Ern hinzuqcrusener Arzt stellte bei beiden den Tod fest, der schon vor vielen Stunden«ingetreten sein muß. Die Leichen wurden de- schlagnahmt und In das Schauhaus gebracht. Das Motiv zu der Tat ist noch unbekannt, wahrscheinlich hat sich Frau F. schon lomger mit Selbstmordgedanken getragen. Während ihr Sohn schties. össnete sie die Eashähne._ Das letzte Glas Dier. Rätselhaftes Ende eines jungen ManneS. Einen rätselhaften Todesfall, der sich m der Nacht zum Montag ereignete, sucht die Kriminalpolizei aufzuklären. In der Wohnung seiner Freundin in der Gossowstraße erkrankte der 26 Jahre altc- Handlungsgehilfe Otto Hofegang aus der Neuenbürg«! Straße 31 so schwer, daß er in ein Krankenhaus gebracht werden sollte. Auf dein Weg« dorthin aber starb der junge Mann bereits Wir erfahren dazu folgende Einzelheiten' Hofegang war am Nachmittag des 2. Feiertages mst ieiner Freundin ausgegangen und befand sich nach Mitternacht auf dem Heimwege durch die Potsdamer Straße. Hier äußerte er de» Wunsch, noch ein Glas Bier zu trinken. Da das Mädchen nicht mit- gehen wollte, so ging sie langsam voraus, und man oerabredete einen ipäteren Treffpunkt. Nach einer Viertelstunde stellte sich Hofsgailg denn auch am oerabredeten Punkte«in. Sein« greundin bemerktc. daß sein Mantel und sein Anzug beschmutzt waren, wie wenn er aus der Erde gelegen hätte. Aus ihre Ulkagen erhielt sie aber kerne Antwort. Schweigend begaben sie sich nun nach der Gossowstraße. Hier legte sich Hofegang— immer noch ohne enr Wort zu sagen— auf das Ruhesofa. Seinem ganzen Aeußeren war anzumerken, daß er sich krank fühlte. Da er kerne Erklärung abgav„ «Ute seine Freundin, der sein Zustand Sorge machte, zu eurem Arzt. Dieser untersuchte den Leidenden, konnte aber nichts seststellen. Man beschloß daher, ihn in ein Krankenhaus zu bringen. Aus dein Wege dorthin verstarb er. Da die Todesursache vollkommen un- geklärt ist, so wurde die Leiche von der Kriminalpolizei beschlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schauhaus« gc- bracht. Man nimnii, da sich an dem Toten weder Vergiftung«- elscheurungen noch äußere Verletzungen zeigten, an, daß er in dem Lokal mit irgend lemand in Streit geraten ist und von leinein noch unbekannten Gegner einen B o x h i e b erhallen hat. der vielleicht innere Zerreißungen oder eine Erschütterung de» Nervensystems zur Folge hatte. Bisher ist es den Nachsorschunqen der Kriminalpolizei noch nicht gelungen, das Lokal, in dem Hofegang einkehrte, zu ermitteln. Personen, die zweckdienlich« Angaben machen können, werden dringend ersucht, sich bei der Kriminal- lnspektion Schöneberg in der Sothenstraße zu melden. Das Arbeiler-Kullur-Sarlell feiert diediesmaligeIahres- wende in einer besonderen, dem proletarischen Gedankenkreis- entsprechenden Form. Sie soll stattstnden nickn in der üblichen Weise in Lokalen, fondern draußen in den Anlagen des Kreuz- berge«. Im Rahmen eines eigens für diesen Zweck von Bruno Schönlant geschriebenen Sprechchorwerks wird die Stunde der Jahreswende symbolisch gefeiert werden. Es wirken mit: der Sprechchor für Proletarische Feierstunden unter Leitung von Albert Florath und Heinrich Witte, ein Blasorchester unter Leitting von Iascha Hören st«in und der„Gemischte Chor Groß-Berlin". Preis der Karte 50 Pf. Karten für alle Veranstaltungen sind zu haben im Ortsausschuß des ADGB., Engel ufer 24"25, in den Bureaus der Verbände, im Zentralverband der Angestellten. Belle-Alliance-Str. 7/10, Tabakvertrieb©FG., Insel- straße 6, Zigarrengeschäft Horsch, Engeluser 24125,„Vorwärts"- Buchhandlung. Lindenstraße 2. bei den Bildungsobleuten der Kreise und Abteilungen, in den„Vorwärts"-Speditionen. Schwerer Verkehrsunfall. Elberfeld. 27. Dezember.(MTB.) DI« Reichsbahn- direktion teilt mst: Am 23. abends stieß w Langenfeld«in Eisenbahnlastzug mit einem Prioallastkrastwagen zusammen. Während der Eisenbahntastzilg später die Fahrt nach Düsseldorf fort- setzen konnte, blieb der P r i o a t l a st k r a s t wa g« n an der Unfallstelle liegen. Am Morgen des 24. fuhr ein Prioatauto in schneller Fahrt in den Lastkraftwagen hinein. Dabei wurden zwei Personen getötet und eine so schwer verletzt, daß sie in Hossnungs- losem Zustande ins Krankenhau« gebracht werden mußte. Drei Kinder erstickt. Königsberg. 27. Dezember.(WTB.) Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Vorwerk Bögen bei Domnau. Während der Jnstmann Kreuzberger sich in Arbett befand, verreist« die Ehe- frau, um Verwandte zu besuchen, und ließ drei Knaben inr Alter von zwei bi» fünf Jahren in der Wohnung zurück. Hinter dem Ofen lag Heu zum Trocknen, das alsbald zu schelen anfing. Als Nachbarn, die durch den Rauch aufmerksam geworden waren, die Wohnung öffneten, fanden sie die drei Knaben erstickt am Boden liegen. Wiederbelebungsversuche blieben leider erfolglos._ Sozialiftistbe flrbeitersugenü Groß-Derlin. Sfenfinn IN: Der Hctmobcnd findet nicht im Heim Dciseftrahe, sondern aoflolftr. 53(tatt._ vortrage, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner.Schwarr-Rok-Gold". T«schZft«I»eIIe:««rlin«il«. S-baNi-nstr. 37-3» Hoi? Dr. Aiatersportabteiwng! Kameraden, die an einem Trockcn-Skiknriu» r lrilnehmen wollen, melden sich sofort schrifllich dri dem Kame-ndoi me, Breelauer. Martgrafenstr. 22, Kursuebeginn Anfang Januar. Kosten nach Bcii-clcgung«ln» 3 M. Uebungsssier tostenloi.— Friodrich-haln: Eettion llr,. d. 3l„ Andreaa-ss-ftsäl«. cfinlrüt 90 Pf,— Reuiiilln.« i»: Radfadrerobieilung Ml., d. 29.. 7>. Ustr, Persammlung bei Biihlr, Wildendruch» Ecke Wesorstroste. Erscheinen Pflicht für siimtliche Ra-dkatirer von Reukölln und Brist.— Panli»»(Krei,)! Di., d. 2S.. nachmitiags 5H Uhr, findet die Einäscherung unsere» tddlich verunglückten Kameraden Elegfriod Klindl nir Krematorium(Bf ichtftraftf statt. Beleiligung mit langer Sosr und Windiocko Pflicht.— grhlendors! Mi., d. 2S., 5 Uhr, bei Schnorre Mitgl.-Bers. Borlrag Ha Kameraden Biewog.__ „Der Junge Chef(Mitgl. d. DASB.f. Dienstaa. 28. Dezemder, Mi«. Wirkung bei der Eonnenwend« de? SPD. Treffpunkt?i8 Uhr vor der„Reuen Welt". Hosenheid«. Alle» muh bestimmt erscheinen. Hein« Tiegen dirigiert. wesserberichl der iffenlNchen lllefserdlenNss. lle filr llerlln und Umgebung- sNachdruck vcrb). Meist bewölkt. Temperaturen um oder üb.-r Null Miad. frische Nordwestwiiide.— Jür Deutschland: In Ro>ddcullchla»d allmähliche» Ansteigen der Temperatur, im Süden weiterhin Frost, nur im Notdoslen Niederschläge. SdiimrMhöJif dtami&en- reinigt durch Seife- kräfiig! durch Kamille dPreiS Si.-JCprc&ga/cke er--Unterhaltung und ZVissen Sellage ües vorwärts Eine harte Weihnachtsnuß. Sie will sich gar nicht knacken lassen! Geschäft ist Geschäft. Don Robert Misch. Trotzdem er Urberliner war, lernt« ich Krause zuerst in München kennen. Da studiert« er„auf Maler" und war in unseren Kreisen wegen seines.�Tricks" berührnt. Er verkaust« nämlich immer Bilder. Dafür sorgt« schon sein Freund Rosetti, den wir„Risotto" nannten, denn er hatte«in« flottgehende italienisch« Weinstube. Risotto gab Krause Logis und Kost und hatte ihm auch mit gepumpten.antiken" Möbeln und Vorhängen«in prachtvolles Atelier eingerichtet; stattet« ihn außerdem mit dem nötigen„Exterieur", goldener Uhr, modernen Anzügen und Lackschuhen aus. Wenn Kraus« mal wieder einige Landschaften(m i t Kuh und ohne Kuh) gemalt hatte— er malt« immer dieselben, gar nicht mal sehr schlecht, sozusagen au» dem Handgelenk—, ja, dann wurde er in die Hall« einiger großer Luxus- hoteis bestellt. Der betreffend« Ponier steckt« mit unter der Deck« und kriegte dafür natürlich Prozent«. Damals, vor dem Kriege, kauften die Fremden nämlich noch Bilder in München, am liebsten direkt. Und wenn dann so«in Großkauftnann aus Berlin oder New Dork oder Chemnitz oder«in englischer Baronett sich beim Ponier nach dem besten Kunsthändler erkundigt«, dann erzählt« er ihnen von Krause« der damals den Namen„Ärafini* führte: „Berühmter Landschafter— stammt aus Italien— verkaust alles von der Staffelei weg— aristokratische und Hoftundschaft usw. usw." und macht« ihnen solang« den Mund wäßrig, bi» sie sich Krause-Krasini vorstellen ließen. Der tat sehr vornehm. Er hätte eigentlich momentan nicht» zu verkausen— alle» bestellti Schließlich lud er den Fremden zum „Ansehen" und zu einem Glas Wein in sein Atelier«in.„Risotto". der schon unterrichtet war, schickt« dann«Inen Kellner in„Livree" mit einem fabelhaften warmen Frühstück(Spesen!). Das und die ganz« Aufmachung imponierten natürlich dem Fremden riesig. Und dann kam der dick« Wirt selbst, sehr elegant, mit Monokel, als ..italienischer Kunstsoeund", der taufen wollt«. Gewöhnlich kauft« dann der Fremde, da Risotto ihm das Blau« vom Himmel vorlog, «in oder zwei Bilder. Der Wirt bekam sein« Prozent« und die Kost- und Logisschulden von Kraus«: und der konnte wieder ein« Weil« davon leben und weiter malen. Bis sich die beiden„Freunde" eines Tages gründlich verzankten, und der Wirt dem Maler das Atelier fortnahm und ihn pfänden ließ. Darauf oerschwand Kraus« aus München. Und dann kam der Krieg. Ich erkannte ihn erst gar nicht wieder, als ich ihn„Unter den Linden" traf, so dick, rund und elegant sah er aus. Er ließ sein Auto halten und fuhr mit mir im Tiergarten umher. Dabei erfuhr ich. daß er oerheiratet sei. „Na, dann brauchst du sa nicht mehr zu malen!" „Menschenskind, wat du denkst"(er kopiert« gern Liebermanns Berlinisch),.chet is nich. So oill« Hab« ich im Leben noch nie jemalt. Also frühstücke mit uns im„Esplanode"! Aber soviel kann ick dir sagen: ich Hab« keen« schlechten Zeiten.", Während wir hinfuhren, erzählt« er mir noch, daß fein Schwieger- vater der größte Fleischkonservenfabrikant in Deutschland sei, und daß «r(Krause) seine„Geschäjtsstundea" püntlich innehalten müsse und in einer Wannsee-Billa wohn«. „Und wo nimmst du die vielen Motive Hers" „Mensch— ick habe doch mein« allen Skizzen— mal mit Wald, mal mit Fluß oder Kuh oder Mächen! Det Bich hau ick nur so aus'm Bermel hin... det is bei die Kundschaft nämlich die Haupt- fach«— na, du wirst sa kieken!" Ich„kiekte" in der Tat. Separatzimmer— fabelhaft« Aus- rnochung— Settfrühstück— außer uns vier Herren. Der schwieger- väterlich«„Fleischkonfervist",«in dänischer und«in polnischer Vieh- Händler und«in Amerikaner, der irgend«in« südamerikanisch« Fleischkonserve lieferte. All« vier sahen sie gewichtig und respektabel aus— na, etwa wie besonders intelligente Bulldoggen. Spezialität: fabel- Haftes Gebiß, mit dem sie die fünf Gänge im Sturm nahmen und sieben Flaschen Sekt dazu leerten. Danach kam erst das Geschäft. Riesig« Zahlen schwirrten durch die havannageschwängerte Luft (zu 1,50 M. dos Stück)— Füllfedern und Scheckbücher wurden gezückt. Kronen— Pfunde— Dollars— Mark, Schweine— Ochsen— Hammel: eine groß« internationale Geld- und Fleisch- sinsonie spielt« sich vor meinen staunenden Ohren und Augen ab. Dann, als die Füllfedern kratzten, flüsterte mir Krause zu:.Letzt iinrm i ck— nu paß auf!" .La. mein« Herren," sagt« dann der Schwiegervater und schenkte eben die siebente Flasche ein—„den Rabatt gebe ist natürlich nur, wenn die bewußten Bilder bestellt werden. Bitte, zu unterschreiben!" Und er reichte jedem ein gedrucktes Formular— auch mir. Das lautet« so:.hiermit bestell« ich bei Herrn Kunstmaler Krause in Wannse«... Porträts... Landschaften— mit Bieh— ohne Vieh... usw. usw."(Die Punkt« natürlich mit Ziffern auszufüllen.) Di« Herren sträubten sich auch gar nicht, schienen das schon zu kennen. Es wurde nur über Anzahl. Preis und Gaftung der Bilder gesprochen. Jeder bestellt« zwei Landschaften(natürlich mit Vieh) und zwei Porträt». Für den Besteller und die Frau Gemahlin. Der Maler rieb sich behaglich die Hände und flüsterte mir zu, während der Pol««inen Shimmy auf dem Piano spielte:.Lunge, Junge, det Jeschäst is richtig!— Doch'ne sanz andere Nummer wie mit Risotto in München..." .Ma ja." sagte ich lachend,„jetzt hast du eben die Fleischkonserven. beilag« zu dem Risotto." Als ich chn dann fragt«, ob er glücklich sei, sog er lang« an seiner dicken Import«,«he er den nachfolgenden weisen Ausspruch tat: .Llück— Jott— Jlück!— Menschenskind, ick will dir was an- vertrauen— Diskretion Nebensache: in München war's doch netter. Damals jabs ooch Sekt und ooch Zijarren... na ja, nich so'ne wie die hier. Aber dafür braucht ick damals keen« Ueberstunden zu machen. — Di« Villa, det Auto und wat so dran bammell, das muß ick mir sauer oerdienen. Mensch.— Risotto war ja'n Oberjauner, aber... na ja, die Jugend! Man wird eben älter!" „Des Leben« ungemischte Freud« wird keinem Sterblichen zuteil, sogt«in gewisser Schiller." „Na prost!" meint« er tiefsinnig, und wir stießen darauf an. Da» astronomische Gewicht. Noch der Statistik beträgt das Gc- wicht des ausgewachsenen Menschen aus der Erde im Durchschnitt 150 Pfund. Di« astronomisch« Wissenschaft hat jetzt ausgerechn«. daß unter den gleichen Verhällnisien das Durchschnittsgewicht auf dem Merkur für den Erwachsenen 64 Pfund, auf der Lknu« 123 Pfund, aus dem Mars 57 Pfund, auf dem Jupiter 397 Psund, aus dem Saturn 177 Psund und auf dem Uranus 135 Pfund be» tragen würde. Zwischen Elbe und Göer. Geschichtliches au» eiuer alten Chronik. Don Hey. Man sollte manchmal in alten Chroniken lesen. Sie geben erstaunliche Aufschlüsse über Geschehnisse und Menschen. Man lauscht in die Zeiten. Und Well und Menschen von heute erscheinen In ihrem Gegeneinander nicht mehr so verwunderlich. Es ist im Wesensgrunde so wenig oerändert. Nur Form und Tempo sind anders geworden. Die Historie der Mark Brandenburg ist trotz Siegesallee nicht sehr bekannt. Und noch weniger bekannt sind chr« alten Chroniken. Sie sind dem Geschehen und auch der Landschaft nach nüchterner und rauher als die im südlicheren Deutschland. Engelbert Wusterwitz, ein geistlicher Rat in der Altenstadt Brandenburg, hat für die Zeit von 1388 bis 1425 ein« Chronik geschrieben, die im Original verloren ist, und die uns durch die beiden Chronisten Peter Hafstitz und Angelus durch eigene Verarbeitung erhalten wurde. Ein lehr viel späterer Historiker, Julius Heide- wann, hat diese Chroniken zusammengestellt. Cr hat in groher Gewissenhaftigkeit auch über die Schicksale seiner drei Vorgänger berichtet. Don eigenem familiengeschichtlichem Interesse flt das von Angelus. Sein Großvater, der lange Zell Ratsherr in Strausberg gewesen, ist 1550„samt allen Mitgliedern des Rcusstuhles" durch die Pest hinweggcrafst worden. Vater, Mutter und fünf Ge- schwister erlagen 1575 einer ähnlichen Seuche, und er selber starb 1598 an„einer epidemischen Seuche". Es ist ein buntes Geschehen, das uns für diese wenigen Jahre übermittelt wird. Bunt— und dennoch eintönig, denn es wieder- holt sich immer wieder: Fehden. Rauben, Plündern, Brennen. Geldgier und Machthunger. König Sigismund— er steht auch in der Sicgesallee und wirkt besonders dekorativ, brauchte Geld für seinen Krieg gegen Ungarn, dessen Königskrone er gewinnen wollt«. So oerpfändete er die Mark gegen eine ansehnliche Summe feinem Vetter Jobst von Mähren Jobst ober wollte nur«in Au»- beutungsobjekt haben. Die Chronik sagt:„Weil er selbst nicht hat können oder wollen Im Lande Hot ha'ten, hat er Statthalter ein- gesetzt." Und Jobst hat die Mark ausgesaugt und„von den armen Leuten eine Schätzung nach der anderen genommen". Alle zwei bis drei Jahre erschien er einmal in Berlin oder Tangermünde, versuchte in dem Wirrwarr Ordnung zu schaffen, setzte Statthalter ab und neue ein, versammelte die Stände und die Städte und oerlangte Geld Wenn er dann seinen Säckel gefüllt, ist er „wiederum ins Land Mahren gezogen und hat die Märker In Irrung und Trübsal gelösten, wie er sie gesunden." Die Mark wurde Tummelplatz für die Streitlust zwischen den märkischen Rittern und dem Magedburgischcn Klerus. Und die märkischen Städte wurden mithineingezogen. Manches bildhaft Ergötzliche wird in dem alten Chronikftil erzählt. So belagert der Statthalter Lippolt von Bredow den Flecken Milow an der Havel, in dem die Erzbischöslichen lagen. Nach dem ersten Büchsenschuß „flog«In Fünklein Feuer Ins Pulverfaß, also daß ste hernachmal nicht mehr haben schießen können". Den Bredow haben die Magdeburgischen gesangen zum Bischof gebracht, der ihn fünf Jahre festsetzte. Er muß schon ein wüster Patron gewesen sein, der Bischof, denn er hat Herrn Lippolt in einen Käfig gesteckt und „ihn viele Tage aus dem Marktplatz in Magdeburg zum Spott aus- gestellt". Ein edles Bündnis hat der Erzbischof mit dem Fürsten zu Anhalt und dem Edlen Herrn zu Querfurlh geschlosten, um die Stadt Rathenow zu übersollen ,4)ans von Treskow hat Verräterei geübt," und„von den Kriegsgurgeln ist in der Stadt viel Ueber- mut, Entbehrung von Frauen und Jungfrauen und viele andere Bosheit ungestraft oerübt". Den Bürgern haben die Herrschaften den Treueid abgenommen, und ihnen, die sich nun wieder sicher fühlten und ihre versteckt« Habe wieder vorholten, besohlen, dem Erzbischof entgegenzuziehen.„Als nun die Mannspersonen alle aus der Stadt waren, hat man die Tore hinter ihnen zugeschlosten und keinen wieder hineil, gelösten. Ja. man hat hernach auch ihr« Weiber und Kinder. Alt«, Kranke. Schwangere und Wöchnerinnen zum Tor hinausgetrieben. Da Hai man ein sämmerlich Seufzen, Schreien und Winseln gehört. Und weil es schon Winter war, sind viele auf dem Wege gestorben und erfroren. Alsbald haben Reiter und Fußknechte, des Erzbischoss Kriegsvolk, all« beweglichen Güter in der Stadt Rathenow sortgenommen und über hundert Wagen mit Hausrat beladen, nach Magdeburg geschickt. Dann baden sie sich in die vornehmsten Häuser gesetzt und alle« was von Esten und Trinken vorhanden, verzehret. Von den ausgetrunkenen Fästcni haben ste aus den Abend ein Freudenfeuer nngezÜTtdet. noch der Weis« der Sckloßjunker und Landsasten. Dazu haben sie getan Tische, Bänke. Türen und Bretter. Des Herrn Markgrasen von Brandenburg Jnsignen und Wappen haben ste mit Koth gräulich beworfen, geichmähet und ausgelöschet. Wahr. lich, etn fein bischöflich Werk!" So geht das weiter Ihre Schlöstsr haben sie untereinander verpfändet, ganze Städte wurden so verschoben. Potsdam bat lang« dem Wichard von Rochow gehört. Und dann kamen die Quitzows. Lippolt von Bredow war alt und müde geworden, zog sich auf fein Schloß Kremmen zurück und übertrug Hans von Ouitzom. seinem Schwiegersohn, die Stcuthallerschaft. Offenbar hat Jobst da» nicht anerkannt, und er ernanme die Herzöge von Mecklenburg. Nun ging erst ein Hexensabbat los. Die Ouitzows verbündeten sich mit den Pommernherzögen, nahmen Strausberg,„schosten feurige Pfeile in die Stadt", zündeten Nauen an: oerwüsteten den Barnim bi» Bernau: Dietrich Ouiftow trieb den Derllnern dos Vieh von den Wiesen am Wedding fort nach Tegel,„das den Nonnen von Spandau gehörte" und besetzt« die Tegeler Mühle. Hans Qultzow trieb den Brandenburgern 300 Schweine nach Magdeburg. Das zwischen heißt e» einmal:„Anno 1399 sind die Märkischen mit den Magdeburgischen aus dem Schloste Ziegesar zusammengekommen und haben durch Gottes Gnade einen ewigen Frieden miteinander gemacht, der aber nicht lange gewähret hat." Dann kam Jobst wieder Geld holen, setzte die Mecklenburger Herzöge als Statthalter ab und ernannte Graf Günther von Schwortzburg. Günther wollte in Tangermünde Hos hatten, kommt mft Hab und Gut und Gesinde an die Elbe, fährt mit einem Teil hinüber und will den anderen holen.„Was geschiehet aber? Diederich von Outtzow lag mit den Seinen verborgen in Gebüich und Gesträuch, übersällt den zurück- bleibenden Teil de» Gefolge» und raubt die besten Kleinodien." Gras Günther ist schleunigst wieder obgezogen. Run war überhaupt kein Regent da. In der Mark Brandenburg hat sich das Raubrittertmn um diese Zeit noch einmal gründlich ausgetobt,„also, daß je näher jemand der Mark kommen, je gefährlicher er gereiset und gewandert ist". Und ein anderer sagte:„Es kommt niemand unberaubt aus ihr heraus, wenn er auch ganz Deutschland durchreist Ist." Dabei hielten die Ouitzows gut« Freundschaft mit Jobst, stehen Ihm auch Geld, und waren angesehene Leute an seinem Hof. Die Berliner Ratsherren haben schließlich erkannt: Gegen die Ouitzows geht's nicht, so wollen wir's mit ihm versuchen. Und sie wollten Diederich die Statthalterschaft verschossen. Als die Ouitzows wieder einmal von einem Raubzug kamen, bei dem sie Bötzow(das jetzige Oranienburg) genommen,„haben ihn(Diederich) die vornehmsten und reichsten von den Geschlechtern in Berlin und Cölln eingeladen zu herrlichen Banketten, dabei ist köstlicher Wein, allerlei Satten- spiel, schöne Weiber und wo» dergleichen mehr zur Freud« dienen möge, gewesen, ihn auch de» Abends mtt Laternen, Fackeln und Gesängen und Freudenspielen nach Hause geleitet. Dies« Wohltaten und Freundschaften hat gedachter Ouitzow hintan gesetzt und den Berlinern so übel gelohnet"— nämlich ihnen die Schweine und Kühe fortgetrieben. Ein« der letzten Regierungshandlungen von Jobst war die. daß er die Mark„um vierzigtausend Schock böhmische Groschen an Landgraf Wilhelm von Thürinaen(den man den Reichen zu nennen pflegte) oerpfändete". Dann Ist er 1411 gestorben und die Chronik meldet noch treulich, daß er im Thomaskloster in Brünn be- graben liegt Nun siel die Mark wieder an den König von Ungarn(zugleich römischer Kaiser) zurück, und die Märker(das heißt Adel- und Geistlichkeit) erkannten ihn als ihren Herren an, auch die Städte jchlosten sich an. Den Abgesandten, die nach Ofen gekommen waren, hatte er zugesagt,„daß er sobald er des Reiches Sachen bestellet hätte, persönlich kommen wolle Er wolle ihnen unterdes einen von seinen vornehmsten Räten schicken.— Aus diese gute Ver. tröstung sind sie wieder heim kommen. Es ist aber wenig Hilfe daraus erfolgt." Sigismund ober schickte ein Jahr später Herrn Friedrich, Burggrasen zu Nürnberg, als Statthalter in die Mark. Don da ab berichtet die Chronik noch über die 13 Jahre, in denen dieser erste Hohemoller die Herrschaft in der Mark Branden- bürg hatte. 1415 war sie ihm aus dem Konzil in Konstanz vom Kaiser„samt der Chur für 400000 Gulden erblich verliehen", mit dem Zusatz:„Wenn der Kaiser oder sei» Bruder Wenzel einen Manneserben zeugten, so sollte Friedrich diese Landschaft samt der Chur wieder abtreten. Würde aber solches oerbleiben, so sollte«r beides beHallen." Der alt« Chronist Wusterwitz lagt« von dem Burggrafen:„Er sei als von der Höhe hergesandt." Und man muß es ihm lasten: Zupegriflen hat er und den Uebermut der alten Stra'�ritter gebrochen, die Ihn mit Spott erwarteten und mtt ihm ebenso ver- fahren wollten wie mit denen von Mecklenburg, Schwortzburg und all den anderen, die Jobst ihnen gesibickt hatte. Er brachte als kriegsgewohnter Führer seine eigenen Ritter ans dem Frankenlande mit, von denen mancher schon bei dem ersten Treffen am Kremmer Damm sein Blut verspritzte. Friedrich hatte dieses feste Zugreifen leichter als die benachbarten Herzäae: ihn verknüpften kein« alten Beziehungen mit dem märkischen Adel Und er mußt« zugreifen, wenn er seine 400 000 Gulden nicht umsonst in den märkischen Sand geworfen haben wollte.— Das acht deutlich au» der Chronik hervor: es war kein Idealismus, der Friedrich von leiner Burg zu Nürnberg in da« sandige Land zwischen Elbe und Oder zog. Den würde so auch niemand verstehen. Vielleicht war es Schaffens- drang, denn er war im Frankenlande auch eingeengt und hatte kein« Ausdehnungsmöglichteit: Aber letzten Endes war es Geschäft— und kein schlecbtes Geschäft. Es führt» durch dl« Jahrhundert« zur Kaiserkrone. Und dann noch Doorn. Und das Ende ist wieder ein Millionengeschaft. Die Hygiene ües Raüfahrens. Die aktiv« Beteiligung an jedem Sport ist durchaus individuell. d. h. von persönlicher Veranlagung abhängig. Man kann daher beim Radfahrsport die Uebersetzungshöhe und die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht ziffernmäßig vorschreiben. Aus diesem Grunde sind all« Zahlen, welche die medizinische Wissenschaft nennt, lediglich durchschnittliche Erprobungswerte, die von der Gesundheit?- lehre empfohlen werden können. So beachtenswert auch langjährige, praktische Ersahrungen eines Fachmannes im Radsport sind, so bedeuten sie doch für die Gesund- heitslehre nur die Erfahrungen eines einzelnen an sich und seinem Sportkreis und eben nur die Beobachtung der Funktion des menschlichen Körpers durch einen Sportler, der in medizinischer Hinsicht Laie ist. Sie können wohl bei ärztlicher Betrachtung über die Hygiene des Radfahrcns als Beobachtungsmoterial mit ver- wendet weichen, aber sie selbst stellen kein Ergebnis der Hygiene de» Radfahrens dar. Als erster hat S ch i e f f e r an Militärradfohrern radiologische Untersuchungen angestellt und bedeutende Vergröße- r u n g e n des Herzschattens nachweisen können. Gleich- lautende Befunde haben kurze Zeit nachher Moritz und D i e t l« n mit der gleichen Methode erhoben. Auch Herxheimer hat bei trmnierten Radfahrern außergewöhnlich stark« Veränderungen ge- funden. Deutsch und Kauf sprechen sich in ihrem Buche.Herz und Sports das 1924 erschienen ist, über das Radsahren u. a. wie folgt aus:.Bei der Berücksichtigung der prozentualen Beteiligung der Radfahrerherzen an den Abweichungen von der Norm stehen diese mit an der Spitze der durch den Sport in Mitleidenschaft ge- zogenen Herzen.� Beide Autoren kommen auch zu dem Resultat, .daß dieser. Sportzweig sich in seinen Einflüssen auf das Herz wesentlich von den anderen Sportdisziplinen unterscheidet. Zuntz faßt die Vor- und Nachteile des Rudfahrens wie folgt zusammen: .Es ist als eine im Freien stattfindende Uebutzg ein vorzügliches Mittel zur Kräftigung des Organismus, speziell für Herz und Lunge. Bedingung für eine gute Wirkung ist: entsprechende Kleidung, guter Sattel, niedrige(maximal 58 Zoll) Uebersetzung, richtig« Haltung, mäßiges(durchschnittlich 15 Kilometer) Tempo, keine zu starke Neigung, Vermeidung heftiger Gegenwinde." Falsche Körper- Haltung wird, wie die tägliche Beobachtung in der Großstadt zeigt, gerade von der heranwachsenden Jugend bedauerlicherweise oft bcoorzugt. Die besteht in eieer starken Vornüberneigung mit ihren Folgen: Verhinderung der Entfaltung der Lunge und Kom- presiion der Baucheingeweide durch Tiefstand de» Zwerchfelles. Von vielen Sportsleuten wird der wichttge Endzweck der Sportaus- Übung weniger beachtet als die Lösung einer gestellten Aufgabe oder die spiclmäßige Besiegung des Gegners. Bei keiner Sportbewegung ist die Gefahr der Uebertreibung größer als beim Radfahren, be- sonders mit Rücksicht auf das' gennge Ermüdungsgefühl: keine Sportbewegung besitzt so zahlreiche physiologische Vor- und Nach- teile. Zum Beispiel bedeutet die an und für sich vorteilhafte ver- tiefte Atmung auf staubigen Straßen einen großen Nachtell durch den bis in die tiefsten Teile der Lunge dringenden Staub. Es ist jedem Radsportler dringendst zu empfehlen, das Rad- fahren als einen individuellen Sport zu betrachten und zu betreiben, d. h. als einen Sport, der der persönlichen Eigenart angepaßt sein muß und die ärztliche Ueber- w a'ch ung nicht entbehren kann. Personen mit Herzklappen- fehler, Arterienverkalkung, Lungenerweiterung und akut entzünd- lichen Erkrankungen des Geschlechtsapparates sollten Radfahren gänzlich vermeiden. Wie notwendig eine ärztliche Ueberwachung für den Radrennfahrer von Beruf ist, möge folgender Borfall be- weisen:.Ein junger Berufsrennfahrer will am Mittag vor dem Renntage in einer Gartenwirtschaft sich zum Essen hinfetzen: aber noch bevor er einen Bisten in den Mund stecken kann, fällt er plötz- lich vom Stuhl und stirbt in wenigen Augenblicken. Der bei dem Dorfall anwesende, über den plötzlichen Tod des Mitarbeiters ganz entsetzte Schrittmacher erzählte, daß er bereits feit mehreren Monaten während des Tramierens schon nach kurzer Zeit ein Zurückbleiben des Rennfahrers hinter der Schrittmachermaschine bemerkt habe: auf Grund dieser leicht eintretenden Ermüdung habe er seinem Mit- arbeiter geraten, sich ärztlich untersuchen zu lassen: sein Vorschlag sei aber nicht befolgt worden. Hätte der Rennfahrer bei dem ersten Nachlasten seiner sportlichen Leistung einen Arzt ausgesucht, so wäre wohl wahrscheinlich sein Leben erhalten geblieben." Wie jeder Sport, so dient auch das Radfahren nur dann der Bolksgefundheit, wenn nach Möglichkeit jede Schädigung aus- geschlossen und die gesundheitliche Kraft gehoben wird. In diesem Sinne muß auch bei der Hygiene des Radfahrens der Strußenunfälle gedacht werden, die durch den Radfahrer herbeigeführt werden können. Durch Loslassen der Pedale oder der Lenkstange hat schon mancher Jugendlicher auf der Straße einen schweren Unfall verursacht. Ebenso wird unvorfichtigerweise häufig ein Straßenbahn- oder Kraftwagen als Schrittmacher benutzt. Bremst nun das vorausgehende Gefährt, so ist die Lage für den darauf un- vorbereiteten Radfahrer gefährlich. Es gilt also immer in ent- sprechendem Abstand hinter einem Wagen zu fahren. Der Radfahrer darf weder plötzlich die Fahrseite wechseln, um Unebenheiten der Straße zu umgehen, noch an Straßenbahnhaltestellen schnell vorbei- fahren oder gar einen neben ihm fahrenden Straßenbahnwagen durch Anfassen als Mittel zur Erleichterung seiner Tretarbeit be- nutzen. Wenn es gelingen soll, die Zahl der Straßenunfälle herab- zusetzen, so müssen die Verkehrsregeln und die Weisungen der Ver- tehrsbeamten streng beachtet werden. Es sind also beim Radfahren die Auswüchse zu bekämpfen, um durch sportliche Erziehung und durch Beachtung der Hygiene des Radfahrens die Voltsgesundheit zu fördern. Dr. med. Mar Grünewald- Dortmund. Sport und Nationalbewußtsein. In der vorletzten Arbeitersportbeilage zeigten wir, wie der Kanalschwimmer V i e r k ö t t e r sich bemühte, von seinem Sport- verband die Erlaubnis für ein.,Sport"turnee nach Amerika zu be- kommen. Unsere daran geknüpften Bemerkungen erfahren eine wertvolle Ergänzung durch die Begegnung mft Vierkötter, die von einem Mitarbeiter der illustrierten Zeitschrift„Berlin" geschlldert wird. Da klagt der Sportsmann dem„Berliner Bär", wie die Nachwehen seines Konalsteges eine neue Illustration der ewigen Tragödie: Der Dank des Vaterlandes ist euch gewiß, darstellen. Als er den ersten Versuch ausgeben mußte, weil der Kapitän des Begleit- dampsers wegen unsichtigen Wetters die Fahrt nicht fortsetzen wollte, ermöglichten ihm französische Passagiere des Beglettdampfers durch Geldzuwendungen, einen Zwesten Dampfer zu chartern und den Versuch zu wiederholen. Als er bettelarm— ohne einen Pfennig zur Heimreise— als Kanalbezwinger ans Land stieg, erbot sich ein Engländer, ihn in seinem Auto heim nach Köln zu fahren. In Brüssel weigerte sich der deutsche Gesandte, die Ueberführung des englischen Autos über die belgische Grenze zu unterstützen und forderte nach acht Tagen das von Brüssel bis Köln vorgestreckte Fahrgeld Z. Klasse in einem Mahnschreiben zurück. Es scheint also nicht nur mit der Solidarität, sondern auch mit dein„Nationalbewußtsein" im sportbürgerlichen Lager und den ge- sinnungsverwandten Kreisen noch kläglich bestellt zu sein, als aus dem eingangs angeführten Aufsatz hervorgeht, wenn dies« idealen Dinge mit dem Bureaukrattsmus und— dem Geldbeutel kollidieren. Um so lehrreicher für die Arbeitersportlerl internationale Technikerkoaferenz. Die Tagung in Leipzig. Am gestrigen Tage sind die Techniker der Luzerner Sport- internationale in der Leipziger Bundesschule zusammengetreten, um die internationalen Regeln für alle Gebiete des Sports fertigzustellen. Es handelt sich um eine recht schwierige Aufgabe, die nicht nur in der Verschiedenheit der Sprache begründet ist. Auch die Ansichten über den Wert mancher Uebungen gehen oft weit auseinander. Ebenso sind die Grenzen in der Wertung und der Zulassung der Wettkämpse noch umstritten. Ueber den Box- spart als öffentlichen Wettkampf auf den Veranstaltungen der Ar- beitersportler stehen sich die Meinungen neuerdings wieder schärfer gegenüber. Dos gleiche läßt sich über den Schießsport sagen. — Ein besonders heikles Problem sst der Wehrsport, der in Oesterreich in hohem Ansehen steht, später in LetUand zur Einfüh- rung gekommen ist und in letzter Zeit in Belgien stark an Wert- schätzung gewinnt. Die Frage wird durch die Verhältnisse in Deutschland sehr kompliziert, weil hier das Reichsbanner und der Rote Frontkämpferbund bestehen und die Pflege des Wehrsports nur im Einvernehmen mit diesen möglich wäre. Dazu ist aber bei den Arbeitersportlern wenig Neigung vorhanden. Man dürfte sich damit begnügen, einige Richtlinien aufzustellen zum Gebrauch in den Ländern, in denen die Voraussetzungen für den Wehrsport gegeben find. Die Frage der Zulassung zur nächsten Olympiade dürfte be- jaht werden.— Die Dauer der Konferenz ist aus vier Tage berechnet. Hoswärtige Iuhballer in verlin. Am ersten Feiertag fand aus dem Adl«r.12.Platz«in inter- nationales Treffen statt. Alemannia haste Gleichheit- Ladowitz(Tschechoflowakei) zu Gast. Um es vorweg zu sagen: Selten sah man ein so ruhiges und faires Spiel. Im ganzen Spiel brauchte der Schiedsrichter nur einmal«ingreisen. Nur wären den Alemannen mehr Zuschauer zu wünschen. Di« Tschechen eröffneten das Spiel und saßen auch gleich vor dem Tor des Berliner Meisters, ohne jedoch Erfolge buchen zu können. Nach viertelstündigem Spiel gelang Alemonnias Sturm«in Durchbruch und Nr. l sitzt im Netz. Dadurch angespornt, wurde Alemannia langsam überlegen. Ein Mißverständnis des linken Verteidigers verHals Alemannia zum zweiten Tor. Jetzt riß sich Gleichheit zusammen. Gute Konibination, die anschließende Flanke vom Rechtsaußen und Halblinks sandte durch Kopfftoß zum Ehrentor«in. Alemannia gelang es, das all« Verhältnis wiederherzustellen. Nach der Pause beherrscht« Ale- mannia das Spiel. Wenn ihnen Erfolge versagt blieben, so hat der überaus gute Torwort der Tschechen daran das Hauptverdienst. Kurz vor Schluß hätten die Tschechen das Resultat noch günstiger ge- stalten können, doch hielt der Mittelstürmer den Ball zu lang«. Am zweiten Feiertag spielten die Tschechen gegen den Beltener Ballspiel- tlub in Vellen. Bis kurz vor Schluß führte Vellen noch mit 1: l>. Durch einen Handelfmeter glich Gleichheit dann aus.— Vorwärts 20 hatte sich Iahn-Landsberg verpflichtet. Vorwärts war wäh- rend des ganzen Spieles überlegen, was sich auch aus dem Resultat (5: 9 für Vorwärts) ergibt. Auch hier war es der Torwart der Landsberger, der seinen Verein vor einer noch größeren Nieder- läge bewahrte.— Am ersten Feiertag verloren die Landsberger gegen Lichtenberg III nur knapp mit 1:l1. Teil«« Beihnachtsrstuliatr: Wack«»Lankwitz halt« fich den Bezirksmeilltt Sintrocht-glein-Allendorf, Beanck Dolha, geladen. Troll sloeker Ueberlrqenheit der Lankwili« können st« bis zur Paus« nur einmal erfolgreich sein. In der zweiten Salbzeit wird Eintracht besser. Doch reicht es nur zu einem Un- entschieden(2: 2). Bruckdors-Holle weilt« beim Beiein für Bewegungsspiele in Köpenick und mustt« stch mit 1: 2 geschlagen bekennen. Eintrocht-Landsberg war bei Askania und grisch-grei als©Ost. Beide Spiele endeten unentschieden anvrreu vopiete nm eiuem Wieg Der zueugen enoeien. rioer auw rftespiel« der heimischen Mannschaften zeitigten gut« Momente. ssug Sparta-Lichtenberg mit 5: 1. Neuköllner Balls vi e-flub konnte i Zeit In unseren Reihen weilende Titania nur knapp mit 2: 1 sirengungrn des Bortag«» demertdar. Reukölln-Brih konnte erst im Endspurt aegcn Kiel- West mit 2: 0 den Sieg erringen. Aus der Provinz Sachsen (2. Krriss kam Eickendorf zu Nowawe». Die Nowaweser spielten wie an» einem ©uh: Eickendorf mustt« stch mit 4:1 geschlagen bekennen. Von allen in Berlin weilenden auswärtigen Bereinen konnten also nur Z unentschieden spielen, während alle anderen Spiel« mit einem Sie« der Hiestgen endeten. Ab« auch die©esellschastsspiel« der heimischen Mannschaften—-------------- Hertha 22 schlt die«oft kurz«.>_.. schlagen. Eharlottenburg und Adler-Mahlsdorf trennten sich 1: 8. Die beiden Plostpartner Minerva und Tegel 24 lieferten stch«inen schönen Kampf, den die innqen Tegeler mit 8:1 für fich entscheiden konnten. tzichte-Rord und Teutonia 0S trennten fich unentschieden 1: 1. Hoch wurden die Lichlendeoger, 2. Abteilung, von Bernau«schlagen. Mit 8: 0 geschlagen, traten die Lichten- berger bt« Leimreise an. Auch gegen Berliner Sportverein 22 konnte Lichten- berg keine Siegeslorbeeren ernten. 2! 0 für BSV. lautete es am Schlust. Lichtenberg I und Rustia-Dorwärts trennten fich 8:1. Deutsche Fnstb»Ispiel»r i» Zsrankreich. Während der Weibnochtsfeiertag« spielten drei deutsch« zufibollmannschafien in Frankreich und blieben Sieger. Austballverein Soorbrückrn schlug Red Stor-Strastburg mit 2: 1, Sportklub Stuttgart den tzustballvereia Strastburg mit 8:0 und PbönstKarlsruhe feinen ©egner In Bvrdeaur mit 8: 1. In Aachen spielt« ber BfB. gegen Red Star- Paris mit 8:1._ handballrefullale von den Feierkagsfpielen. Am ersten Feiertag hatten die Werbespiele überall guten Besuch und guten Spielverlauf. Etettin-Biedow gewann gegen Frisch-Frei-Riederschöneweib« mit 8:1(1-1), Iahn-Treptow gegen Erkner 2:1(1:0). Pankow gegen Schönow 0:4(0:1), Kaulsdorf gegen Echöneberg-Sportler N 1:1(1:0), Schöneberg. Turn« gegen Velten II 0: 1(0:0), Schöneberq�portler I gegen Belten I 1:1(0:0), Adl«shof gegen Moabit I 8:0(8:0): Jugend: Pankow I gegen Weistens«« I 1: 1(1: 0), Pankow II gegen Weistense« II 8:0(2: 0), Adlersbof gegen Magdeburg-Fermersleben 1:0(1:0). Am zweiten Feiertag standen fich Neukölln 1. Perciromonn schoft und Kiel-West gegenüber. Neukölln konnte mit 8:0(1:0) den Sieg erringen. Neukölln 2. Bereinsmonulchaft gegen Bornstedt 8: 1(1: 0), Pankow I gegen Moabit I 2: 8(0: 2). Neukölln-Bcreins- jugend gegen Ficht« 7 8: 8(1: 1)._ Ausschreibung zum waldlaus des AT. und SD. Weißensee o m 16. Januar 1927 im Voltspark nm Faulense e. Männer: 59tzl>-Meter-Einzellauf mit Mannschaftswertung. (4 Mann eine Mannschaft.) Offen für olle. Jugend: ZOOO-Meter- ElnzeSauf mit Maimschastswerimrg.(i Mann ckne Mennschaf� Alle Jahrgänge. Frauen: 1000-Meter.Einzellauf. Start- g« l d: Mannschaft 20 Pf., Einzelläufer 10 Pf.. Jugend und Frauen frei. Es stehen genügend geheizte Umkleideräume zur Verfügung. in Rennschuhen kann gelaufen werden. Fahrverbindung: Straßen- bahnlinien 60 und 72 bis Weißensee, Falkenberger Str. Lausen Falkenberger Str. herunter bis Gierftr. Stadion: am Säuglings- krankcnhaus. Start um 2% Uhr. Stoppuhren mitbringen. Meldungen sind zu richten an A. Hörster, Berlm-We'.ßensee. Lehderstr. 72. M e l d e s ch l u ß am 12. Januar 1927. Der Bezirk Neukölln des Freien Seglerbuudes Deuffch- lands veranstaltete in Rabes Festsälen eine Weih nachts- b« scherung für die Kinder der Kegelbrüder, die zugleich auch ein- Bescherung für Kinder armer Familien war. Eingeleitet wurde die Feier durch den Musikverein.Largo". Sodann wurde allen 120 Kindern Schokolade und Kuchen gereicht. Als dann der Weihnachtsmann alle Kinder reichlich mit bunten Tellern,«piel- fachen, Bekleidungsstücken und anderem beschert hatte, zeigten sich die Kinder dadurch dankbar, daß sie recht mutig aus«inen Stuhl kletterten, und vor Hunderten von Zuhörern ihre kleinen Gcdlchtchen aufsagten. Ganz besonders herzhaft wirkte ein Zehnjähriger, indem er allen Kegelbrüdcrn seines Vaters im Namen aller bescherten Kinder seinen herzlichen Dank aussprach und am Schluß skstner Berfe ein kräftiges„Gut Holz" ausbracht«. Sitzung des Bureau» der Luzerner Sporffnternaffonalc. Im Anschluß an die Internationale Konferenz der Techniker tagt am 30. und 31. Dezember das Internationale Bureau. D:c Tagesordnung sieht in der Hauptsache die Vorbereitung des nächsten Kongresses in Helsingsors vor, der im Juni nächsten Jahres tagen wird. Auch das Verhältnis zur Moskauer Internationale wird besprochen und über den Wehrsport ein Referat K a l n u i s- Riga entgegengenommen werden. Rod«»«ein.Borwört»'. Nächste MitztlieberveTfa-twims am 2. Zamiar. 4 llbr. im Bootsbaus«. Bortrag:-Die Rationalisierung und chee Folgen. �Uf«ub��rcin'.�Ctciniflnog der Nuderfrenndr-«.«. Bürste �rsaunnlung 30. Dezember Bootshaus und BereinSIokai Nieders6)öneWe'.de, Berlluer Str. S?. ÖU.-JJKf&lHVXt UllV~ �""LT �* V f..■ ©äste willkommen. Aufnahm« neu« Mitglieder. Boolsstände frei. N»e>>-Ost-Ri>ig«-Adt»iluag. Zwischen Weihnachttu und Neujahr fallen die tl«bungsstund«n aus. Rächst« Uebungsatxnd Dienstag, 4. Januar... Athletik-Sportklub E. B. Dienstag. 28. Dezcmber, 8 Uhr. Train mg m der Turnhalle Brinzenstr. 72 dm Männer. Jugend und Frauen....., To-risten-creiu-Die Natursrcuntc-(Zentrale Wien). Abt. Friebrichshaio: Dienstag. 28. Dezember.>48 Uhr. im Seim Sbertvstr 12 Se-mabenb.— «bt. Friedenau: Freitag. 81. Dezember. Silvesterfahrt. Näheres IM Scim.— Abt Pankow: Dienstag, 28. Dezember, im S-im©Srichstr. 14, Kimm« 8 (Eingono um die Ecke)...Wanderungen eines Arbeiters um dl« Welt(©enosse Sofinann).— Abt.«edding: Dienstag. 28. Dezember. 8 Ubr. im Seim Luxem burger Str. 7 zwongloie Zusammenkunft.— Mufikgemeinschast de» Werbebez:«» Rorden: Mittwoch. 29. Dezember,>48 Uhr, bei Lehmann, �©audnstr. 21. Urbungsstunde.— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 80. Dezember, 8 Uhr, im Heim Danziger Str. 28 Lustiger Abend. Ep»ri»ercin Moabit. Nächste Ucbunqstvg« und Peranstaltuirgen: Diese Woche Mittwoch Waldig ufobend 7',4 Übe Seestraste(©pmnastilabcnd fäll! aus). Silvesierfeier der Handballer bei Dornbusch. Seestraste. 1. Januar. 2>4 Ubr, Neujahrs-Säinisteliagd durch die Iungfcrnheide, Ablauf Seestraste; alle Ab- teilungen oollzäblia antreten. Anichlicstend Beisammensein mit Tanz. 2. Januar, nachmittags, Handballspiele Evortplast Tiergarten. Montag. 8. Januar, und Donnerstag. 6. Januar, Training zum Hallensvrrifest. Auto. halle Kaiser dämm: Treffpunkt 0 Uhr. All« Staffeln und 8000Meter.Mann. schaften zur Stelle. parteknachrichten für Groß-Serlin Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW»8. Liadenltrastr 3. stet»«n da» Bezirkssekretoriat. 2, Hos, z Zrcp. recht», zu richte». 2. Krri» Ti-rgarten. Mittwoch, 29. Dezember. 8 Uhr, erweiterte»reis. vorNondsfistung bei»rüz«, Putliststr. 10. Abteiwnqsleit« und Kassierer werden gebeten, unbedingt anwesend zu sein.— Boranzeig«: Dienstag. 4. Januar. Funktionäroersammlung des ganzen Kreises, auch der 8. Abt.. im«rtusbof. Perleberaer Straste, 8 Uhr. Tagesordnung: Tätigkettsbiricht unser« Fraktion im Bezirksamt Tiergarten. 11. Kreis Scköncbeig. Friedenau. Am Donnerstag. 80. Dezember, pünktlich 8 Uhr. bei Will. Martiu-Luther-Str. 89. eiweitert« Borstandsfitzung. Restloses Erscheinen wird bestimmt erwartet.— Achtung! Der enger« Borstand , tagt bereits um 7 Ubr im Fimm« III de» Rathauses. 17. Kreis Lichtenberg. Bezirksrerordnet«. BeziiksamtsmitgNod« und Bürger. die Austcnab teilungen. müssen vertrelcn sein. heule, Dienstag. 28. Dezember: 48. Abt. Ab nachmittags ö llbr Abrechnung sämtlicher Listen und Marken beim©«Nossen Siewert,©rünaner Str. 95. Die Kartothekstorten für da» Betriebssekretariat sind unbedingt bis mm Mittwoch. 29. Dezen*«, bei" Abteilungsleiter, Genossen Wanffi. abzugeben. Morgen, Mittwoch, 29. Dezember: 5. Abt.©roste Strasse 11(12. mit »««ins Beriln-Mitt«_____..._____ WXWWWWWM preis 50 Pf. Tanz frei. Reg« Beteiligung erwartet di« Atteilungs. leitung. 38.«dt. Unser« Deibnacht-descherung findet 814 Uhr im Jugend. heim Lindenstr. Z statt. All«©enossinnen und Genossen find herzlichst eingeladen. 17. Abt. 714 llbr Adteilungsversommlung bei Schreib«. Triftstr. 83. Bor- trag: ,Pon-Europa\ Referent Martin Stein. Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen,©äst« und Emnpathisterrnde find herzlichst eingeladen. 58. Abt. Eharlottenburg. 8 Uhr bei Liersch.«antstr. 82, wichtige Funktionär- fistung. 117. Abt. Lichtend««. 714 Uhr Funktionärststung bei©undlach. Kant- Ecke Lessinaslrast«. Alle Funktionärc müssen unbedingt erscheinen. 128.(180. Abt. Pankow. IV, Uhr im Türkischen FeltOIClOIC>0>OOK3QIOO>OOtC>0*OOiOCMOOt0040a focderti Sie nicht einfach Zahnpasta. verlangen Sie ausdrücklich (jeosse Tube 803 kleine Tube 503 Ka lilclojfa Kommunistische? Zusammenbruch. ®«td Eingeständnis dcS Zentralkomitees der KPD. Die KPD. hat aus Anlaß des Hohenzollernvsrgleichs tu Preußen ein fürchterliches Triumphsefchrei erhoben und es so dai> gestellt, als wenn die Arbeiter in Massen aus der Eozialdemolrati- schen Partei ausgetreten wären und ihre Zuflucht bei der KPD gesucht hätten. Dieser Schwindel wurde noch verstärkt aus Anlaß des sogenannten Kongresses der Werktätigen, ganz abgesehen von den Agitationsmethoden mit der angeblichen Arbeiterdelegation in Rußland, den Erwerbelosentongressen usw. Jedesmal marschierten dieselben Statisten über die Bühne und zerrissen ihre mit dem Gclde Moskaus frisch erworbenen Mitglieds' bücher der Sozialdemokratischen Partei. In ollen Belegschasteoer- san'.mlungen, in allen Veranstaltungen der Gewerkschasten wurden dieselben Resolutionen eingebracht, die sich gegen die verantwortlichen Stellen der Gewerkschaften und vor allem gegen die Sozialdemo- kratische Partei richteten. Und was ist nun das Ergebnis dieser großzügigen Agitation, die bestimmt ist. die Arbeiterschaft in Gegensatz zu bringen zu unserer Partei? Wir wollen, um einen ganz unverdächtigen Zeugen zu haben, darüber das Zentralkomitee der KPD. selbst sich äußern lassen. Uiiter dem 30. November 1923 hat das Zentral- komitec der KPD. an die Betriebszellen ein Rundschreiben heraucgcgebcn, das sich zunächst mit gewerkschaftlichen Fragen und dann mit dem Stande der kommunistischen Zellcnarbcst in den Be- trieben beschäftigt. Es werden den Zellen eine Reihe von Fragen vorgelegt. Wir zitieren wörtlich: „Warum hängen die SPO-Arbeiler, insbesondere die betrieblichen Gewerkschaftssunktionäre— lroh allen Verrats der Partei— noch so fest an der SPD.? warum gelingt es den SPD-Vertrauensleuten ihren Einfluß in den Abteilungen zu behaupten? wo müssen wir einsehen, um den SPD- und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter fester an uns zu binden. sie für uns zu gewinnen und dadurch die Betriebe zu erobern? welche Losungen und Maßnahmen erwartet ihr vom Zentralkomitee, die euch eure Arbelt Im Betrieb und die Ge- winnung der SPD- und parteilosen Massen für die KPD. fördern können?" Mit diesen Fragen, die das verzweifelte Zentralkomitee der KPD. an ihre Anhänger in den Betrieben richtet, gesteht die KPD. gleichzeitig den Zusammenbruch ihrer ganzen ver- logenen Agitation ein! Die Verzweiflung der Zentral- leitung der KPD. tomnü so recht deutlich in der letzten Frage zum Ausdruck. Die KPD. hat alle möglichen Parolen ausgegeben. Nichts war ihr zu dumm, nichts zu schlecht, um es nicht gegen die Sozial- demokratie zu gebrauchen. Ob es nun ein beliebiger Beschluß einer beliebigen Stadtverordnetenversammlung oder die Verordnung eines bürgerlichen Ministers, ob es eine Lohnbewegung, ein Schiedsspruch, ein Beschluß des Reichstages, ob es irgendein Ereignis in irgendeinen- Lande der Welt war, alles war der KPD. gut genug, um als Parole gegen die Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratie zu dienen. Den Paroleschmieden ist offenbar der Faden ausgegangen. Es fällt ihnen nichts mehr ein. Sie sehen auch ein, daß ihnen nichts gelingen will. So haben sie einen Anfall von „demokratischem" Empfinden. Die„Massen" sollen auch einmal mitreden dürsen. Weil den Bonzen selbst nichts mehr einfällt, sollen die Massen angeben, was man tun könnte und müßte, um„die Gewinnung der SPD- und parteilosen Massen für die KPD." herbei- zuführen. Die Antworten auf die Fragen des Zentralkomitees der KPD. müssen sehr genußreich sein. Denn auch die braven Mitläufer der KPD. sind in Veizweiflung. Wer sollte es nicht sein, wenn er die Parolen der KPD. nach Strich und Faden zu befolgen hatl Wir könnten aus die Fragen des Zentralkomitees eine zu- b. eisende Antwort geben. Die KPD. braucht nur die Politik er Sozialdemokratischen Partei zu machen, und ann wird sie sehen, wie ihr die Arbeitermassen zuströmen. Allerdings würde sie dann aukhören dieKPD. zu sein. Solange stc als solche besteht, wird sie den Arbeitern durch ihre fort- gesetzte geistige und organisatorische Spaltungsarbcit schaden, im gleichen Maße den bürgerlichen Parteien und den Unternehmern nützen. Das aber wird immer der einzige sichtbare Erfolg der Politik der KPD. bleiben. Um die Weihnachtsbeihilfe der Beamten. Die Wcihnachtsbeihilse ist nicht in allen Ländern den Beamten des Landes und der Gemeinden in der gleichen chöhe gezahlt worden wie den Reichsbeamten. Hessen, Baden und Mecklenburg haben eine Sonderregelung vorgenommen, bei der die Beamten schlechter wegkamen als nach den Reichstagsbeschlüssen. Hessen ha« nur die Beamten bis zur Gruppe VI berück- sichtigt. Baden hat allen Beamten gleichmäßig nur die Mindestsätze der Reichsbeihilfe gezahlt. Mecklenburg hat die Sätze des Reiches bis zur Gruppe VI gegeben und bei den höheren Gruppen Abstriche gemocht. Die Gemeinden sind größtenteils für ihre Beamten dem Beispiel der Länder gefolgt.— Beim Wiederzusammentritt des Reichshausholtsausschusses wollen die Beamtenorganisationen darom hinwirken, daß bis zur grundfätz- lichen Neuregelung der Besoldungsordnung die als Weihnachls- beihilse bewilligt« Sondrrzulage weitergezahlt wird. Dke Verhandlungen lm eaugewerbe ergebnislos. Esse«. 27. Dezember.(MTB.) Die Spitzenoerbände der Ar- beitgcber- und Ardeitnehmerorganisationen des Baugewerbes kamen zum zweitenmal in Berlin zu Verhandlungen zusammen, um eine Verlängerung des Schiedsgerichtsabkommens herbeizu- führen. Aber auch diese Besprechungen führten nicht zu dem ge- wünschten Ergebnis. Eine Einigung der Parteien kennte nicht herbeigeführt werden, doch wurde beschlossen, vom 29. bis 31. Januar 1927 erneut in Besprechungen einzutreten. Am 17. Januar 1927 soll ein engerer Ausschuh zusammentreten, um über wichtige Streit- sragen zu entscheiden. Es Handell sich dabei um die Bestimmungen betreffend die Betriebsvertretung sowie die Abgrenzung des Be- grifss Tiefbau- und Betonarbeiter. Große Erregung im Saargebiet. Die Slaatsarbeiter und Eisenbahner wollen streiken. Im Saargebiet wird«s allem Anschein nach infolge der unverständlichen Haltung der D«utsch«n in der Saarregierung in der Frag« der. W« i h n a ch t»z u l a g« für die Staatsarbeiter und E-ssn- bahner zum Streik kommen. Unter den Arbeitern hat vor allem dtr Umstand große Berbillerung hervorgerufen, daß die Beamten vor kurzem B e i h i l f« n von 9ö0 bis 1840 Franken für die Verheiratelen und 720 Franken für die Unverheirateten erhalten haben, während die Arbeiter nunmehr mit der bloßen Niederschlagung eines Vorschusses für Kartoffelbefchafsung in Höhe von 200 bis 300 Franken abgespeist werden sollten. Dabei ist der Vorschuß seinerzeit gegeben worden, als der Franken noch schlechter stand. Di« Arbeiterparteien und Eewerkschaftsinstanzen nahmen In Saarbrücken in einer besonderen Besprechung, an der auch deutsche Regierungsoertoeter teilnahmen, zur Situation Stellung. Di« deutsche Regierung und der Landesrat müssen sich darüber klar werden, daß es schlechterding» nicht angeht, in der Frage der Weihnachtszuwg« nun auegerechnet bei den Saararbeitern und Saareisenbahnern halt zu machen. «chtvng, SPD. Lokal..Schlefisch« L tionsftkung,»u de.....>...................... g-iedsbuch der Organisation und der Partei lein Rutnit. Der gralli,n«»or stand. Prrvand der Gemeinde-«ad Stnaioaroeiter, Settio» Sn»-«ad Wassermerte. beule Dienelog. adend» 6 Uhr, im Berdandehau», Iohanniestrahe l«/l! iEaai). Auntlionitrversammlung Dcatlchrr Paagemerked-nd.«aagemerksiSast Per»«. K«hgeu»»« der TSpfer: Udo» 8 Uhr in den Restden�gkstsälen Landsberger Str.»I. Persommiung der Töofer Berlins und Umgedun«. Tagctordnung: Bericht von dar Lohn- Die gachgradpialeitung. verhandlun?. Stsstz-Tkester Opernhaas Platz a.d.Repnbl. T/t Ohr; Boheme Schauspielhaus 6 Uhr: Journalisten Schiller* Theater 8 Uhr: Maria Stuart »IM IM Cbartottenbur? « Ubr: Bolofernes Dirie.: V. Rernlcok Bettendorf, Bohnen Abonn.- Turnus II ee«l(l«nz'Tbeaf. Tagt. 8'', Uhn Alistetgeüoartisr ClalrW Itgndl:««! ntihr TNaita-Tneaier Täglich 8 Uhr: Oer groSe and der kleine Haas fciroao!- Theai. Täglich 8 Uhr: DU Mssprinzessio üeMtt Tiieater Norden KÄM— 37 H Uhr: Uarijtv.üneiHDaii von Wolfgang Qoeü Regle: HemzTlilpert Xamtnerspiele Norden 10334—37 8 Uhr; Odapolrlda von Alexander Lernet-Hoienia Hieraul: Das Veilchen von Fram Molnar Regie: Eug. Robert Die Komödie Bismarc* 2414, 7sie 8 Uhr Die Gefangene Von Bourdet Regle M. Reinhardt' Gr. MWIiW Täglich 8", Uhr CHARELU REVUE SIlTeslerrerslell. Ant.7i„Endet 0' ,U. Der Vorverkauf hat bereits begonnen Letzte drei Vorstellungen der Kinder- revue Fu kheinicl- mannsMirch.Relsc mit Ulred Brenn am3S, 29. u. 30. Dezember nachm. 4 U. Eeniral-Theater Täglich 8 Uhr: BRONSGEEST In der Operelte: Der Trompeter vom jlhew J?ose-7lieater «•/.uoPrezlosa Nauendorf 7340 8 Uhr Variete- Attraktionen Sillenbnrg-Btlluai Dts Künstler-Tti. Frltal Masaaryi 8:„Die Königin" Lcsslng-Thcater 8 Uhr: Der OiUtaior Iii. ü.llotfSntkiiilatnn Käthe Dorsch su-DicPranan ■ der Kette Lustspielhaus Tägi. g'l. Uhr: lloldo Thielscher Harra-linJiiiigB VoBksbuhne TS.!B Sdiünuoerter Täglich 8 Uhr Oas Cratmal dts onbekannteB StUatoi Tneatu cm SHIorplEtj 8 Uhr Vomone Morgen 8 Uhr: Volponc Jfiomisefkc CTpec Allabendlich g1/, Uhr Der sensationelle Presse-Erfolg Ballell'l Chauve Sourls Theater Orl�lnenst�RevuehWC�flderm toll SilustiMnitelli Anfang 8 Uhr |«an [Anfa 111)11 Ende 10'. Uhrl Vorverkanf ab 10 Uhr ununterbrochen arMVur-.llu»;' Th. König rate Si. Hasenheide 2110 8 U- Kn. Uran End» Elisabeth Bergner Sonntag, 2. Jan. nachmittags 3 U: Was Ihr wollt Uomaatenhaos Ndrden 6304 8 Vi i rUiAimen S.*. Roiisiti>. TUliium Sonntag, 2. Jan., nachmittags 3 U- Der Uanen Eden Ralchshalieii>Thealer 8 Uhr, Sonn- a. Fe enags nehm..4 Uhr Sleitiner sanier Weihnachts- Programm! Nachm. halbe Preis« I DönhoH.Brelt'l VARIETE- KONZERT- TANZ Theat. a.KoIleodorfpl. Kurfürst 2091 8 Uhr: Max Adalbert in Die leimt' BeBieMeic Meie GASTSPIEL CARL TÄGLICH 8Uhr circu; BUSCt Nom-mr ■muten: wtmmm* //etrrHEiMuTiET, «z-4�1•n rtOO ICV* r CASINO-THEATER« Uhr: Nur noch wenige Aufführungen Mister Cornedbeor Gutschein. Faut 1 MK„ Sessel I JO Mk. ............................. »i Kleines Tb. Täglich 8'/«Uhr Die erste aktuelle politische Revue Oh! U.S.A. PttUbarmoiiie 8; Haydn. Mozart. Beethor,.Abend d.PhllharmonOrcb Dlrig. Prof. Prüwer 8. Sint. Beethoven; Sinf. Nr. 12 Haydn; Sinf. conc. Mozart (F. Veit W. Höber) GEGR. 1815» BERLIN C• KÖNIGSTRASSE• SPANDAUER STRASSE Der Inventur wegen bleibt das Kaufhaus Mittwoch, 29. Dezember geschlossen ★ Der Inventur-Ausverkauf oeelnnt Monftau. den». Januar 1927 langen!, schwerem, mit großer ...... flif Geduld ectraeentm Leiden enllchil. am Mittwoch früh mein inntggrttedter Mann, unict herzensguter Sohn und Bruder, Schwiegersohn, Echwagei und Neffe «ieMei- im blühenden Atter oon SS Jahren 5n tiefer St.uet: CIBre Richter, geb. Schulz Theodor Richter und Frau und Angehörige «erlw Ahlershaf, üriebenftt. 12/13, Berlin NA 6, garlstr. tl, den 22 Dezember iSZÖ. Die Einiifchenmg ffndet heute, Dienstag, den 28 Dezember, mittag« 12 Uhr. Im Jireniatoriurn Berlin. Serichlstrahe 87/83, statt. Am Sonnabend, den>8. d. M verschied nach schwerem Leiden mein' lieber Mann, unter Bcfer, Onfti und Schwager, der Bddct Gustav Ast Im Alfer von 61 Jahren.— Alfen Teifnehmein an der Einiischeruna, insbesondere d. Zionsumg. noffenschast, ia t Ich isiermt meinen besten Dank. Tieefstr. 6. Minna Ast ge d Seran. vanlcaagimg !lgl M: Vaters, Sebvieger- und SroSvaters ttermam» Ksppler sagen vir hiermit alten unseren herzlichsten Für die vielen Beveise inniger Teilnahme be! dem Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Dank, s Ww. Anna Käppier and Kinder. Köpenick-Uhlenhorst, Unter, den Birken 22.| Danksagung, Für die anläßlich des Hinschoidens meines lieben Mannes erwiesene Teilnahme sage herzlichsten Dank. Soebea erschien: Äpäthecbstblüten niuiiiiiiiiiiiuniuiiiuniMiiiiiiiiMitiiiiuiiiuiiiiinui Aüolph fsoffmarai gereimte u. lutgereimie Lebensbilder tttthiU; Not eilen; In Heberen Regionen, Lultdrama. Torturen, Eine moderne JustiztragSdie. Oerelmte Lebensbilder, Ernste and Heitere Gedichte aas dem Leben Illustriert ton Willi Steinerl 6 Vollbilder und das Porträt des Vet tassers mit Faksimile t Jabili- umsb.ld). 94 Seiten, eleg. cor ton. Preis AI. 1,50(Porto TO P/.) Zu beliehen darcH den Verfasser Berlin 0 17, Koppenstr. 6 11, und durch alle Vorwärts- Ausgabestellen nitffffffffWiffWfflillllffiifftWffkffWsiffWWWWs Frau Klara Barteidt geb. Haucke Berlin, Wörtner Straße 19 Silvester- NeoheUen! HonftlUrmODlJ m. Schlange I M. Biesen' brille M PI. Uebesnlnkcr 20 Pf. änrlli- Sbotoiirapb 1 M.«prlna-Bese so Pf. snbenvurfel 30 Pf. Randiersctuiee Schachtel 20 Pf. Hase, schreiend, oder mit Nasentropfen 20 Pf. SctUanpeim&Se SO Pf. Bonbons m Pfeifer oa fem Karton 40 Pf. Blesenbombe m. so Scherzartikeln im. lazz- lurtnitncnle 20 b. so Pf. Pap er: A.anaen. KaCiSnarnitei.<.nM!ht;r:l!OL$ Dtz. v.30 Pf. an. fcicft btei Du. 30 Pt PeaerwerK. naizea Dtz. v. 20 PL an. A.Maas& Co., Ged.(SÜD, Marknralenstr.S� an der Lindenstr. wiedervci bäaier billigste Oneiie. r" x h» v r � M 9tm Weihnacht»» Heiiigabend oee> schied ptötslich und unerwartet meine innigst geliebte pute Feaa. unsere 1 liebe süngste Schwester, Schwazcrin und Tanie, Frau 8clmu Qrüttizer geb. Kiel im 47. Lebensjahre In lle'er Trauer Otto Grütfner, Uadmutr. 107. Die Beerdigung findet am MUtwoch, den 23 Dezember, nachmitiaa« 3 Uhr von der Raprüe de, Jerusaiems-Rirch. Hofe. Beromannstralie an«, statt. �Vallner-'Hiester Tägl. SV« U. dlp erfoigr. Schwankopereöe Das blonde Wunder h IHI.. Call nd Mb, wenn «nfi. teliB'jl 1. h Ii Tara!>»i Dnhttei Mlerfil;i fehlen. 9-11, 1-4- Mi] 10-12. ient, Isdilas Bekanntmachung der nCcemcinen Oclsfrantnilaffe Berlin-lSeifjenfec. «uf Srund unsere» Wahlansschreiben» vom 18 November 1928 find folgend« Bor» Ichlags.isten zur Borstandswahl süc gültig «rf'itrt worden: t Der Berficherien" a) ordentliche Borstandsmitgfiedee, be- pmnrnb mit Olto Lernte und endigend mit Heinrich L am in er t. b) I. Ersatzmänner, beginnend mit Rarl B atz ig und endigend mit Otto RSItzow, c) 2 Eriatzniänner, beginnend mit Ernst Philipp unb enoigenh mit Theo- bor Olfe. 2 Der Ardeilaeber: a) ordentliche BrrstandsmttgNeber, beginnend mit Ernst Friedma nn »no endigend mit Georg Schräge, b) t Ersatzmänner, beginnend mii Eaii Becker und endigend mit Johanne» Schultz. c) 2 Ersatzmänner, beginnend mit Georg Riehndaum und endigend mit Nudots Mäser. Die voestehend ausgeführten Perfonen gelten gl» Borfiandsmilgltedee dezw ai» detw als 2 Eefatzmänner>ür die Wahl- vertode 00m i Januar 1327 bis z>m 81 D-zemder 1382 als gewählt Di« an? den 30. Dezember t928 anberaumt. Saht ist deshalb nicht ertorderttch Bcrtin-Wettzenfee den 27 Dezember 1328 Der Vorstand der Allgemeinen Lrtsrrankenloffe Bertin-Weigentee. Brühmülter, Borsitzenb« Wutel- btzm«. »7 Si idn-n tili» bodtigt latillpn«4 litimni, arstl. empt liralSmlrdi lüo»-II. 14. Mi] 10- Verkäufe Wrtngmoschinen. Waschmaschinen. Waftdemangetn. Niesenauswahl. Repa- raturrn allerlei. Drehrolleniefchte. Waßmannstratze 3. Lnadsdergerstratz«.» »«SIdal SnNeidescheänke,«rofie, mit Spiegel 408—, Bcitstellen 48,—. Sch:afz:mmcr, Rüchen. Sinzelmädel. Sofas, zahfungs- erfeichlerung. Stein, nur Anftamn» strafie 20.__* Teilzahlung. GSrifch. 1-2. SdleWdir Möbel. lauervfad Teilzahlaag. Rüchen sowie samiiiche Stra. er Bahnhol.' Schlafzimmer. Speisezimmer Rüchen fooie samiiiche Einzel. möbtl geringste Anzahlung, broutmfte Ad/tzihlung. Möd-lhag» Luifenstadt. Röpentckerstrofie 7773. Ecke Drückenstrafie. Ehaiselongue», Mcfallbeften. Anflöge. Matratzen. Paten tmatratzen. Walter. Staroarderstratze achtzehn. Speziat- gefchäft.______* Teilzahloo». kulant MÖbel-M fch._' Zeilzahtuag. billig. Möbct-Mifch.' Telfzsbluag. reell Möbel Milch. Krofie fsrankfurfer strafie 48148.___' Schfafzinrarer 350,- Siihfbftten 25.-. fiahrunerserlfirfifetunfl. Rem erlin» Ra- stanrenallee 56.* Miisikinstruiment«' si Ctttno« oretsnxrt. Rlaciermactier Sink■flninnenfttafte 88_ � Piano«. Karmonivms. Teil�i�Iung. CÄerer. Chausseestraste 1«.* \m iiii 1 1 1 1 1 1 iiiiiiiiHi Drei Mari Wochen rate, 15 Mari Anzahlung. für ein erstflaffigez Marlen. rad. itzahrradbau» stenfrmn. Linien- strafie neunzehn.* mmm Deehesllcnteschke. Leistungsfähigste Epezialfadrii Rollenwanblunz 200,— Rofenthalerstrafie 26._* Leiterwagen, Schubiarren. Einzelrädee, Achsen, Gedern, Slobu». Drespener- strafie 55. �Moritzola» 127«._* Teppiche. Diwandecken. Tischdecken Beftoorlsaer. Länferstaffe. orachfoolle Auswad! ertra billige Gelegenheiten. Eonrad bischer seit 1884 Potsdamer- strafie 10». Dtirlopp. Nähmaschinen aus kleinst« Teilzahfnng. wwfik. Brannrnstrafie 185, zwischen Rosen. halcrplatz und ZnvaliÖen. strafie. Norden 115.* Silnester-Dcherzariitef: Luftfct langen, Izeu«: werk, Neujahrspost und .zzazzezczU, ,1 r. u\. £d)riftfcrte«. ------- sauell» T" dauerbrücke Ib. . Engeo». Bezugsauelle Alkred Mokoauer. Ssa». Papiermützen, Re Billigst. fiahngebiffe, Sifderfachen Rinn Biet. Queckstlber Gotdichmelze Edriitionat, Ropenrckcrfirafie 3» iAdold»ef strafie!.' Rackow» kaufmännische Prioaifchulen D. und Dr. A. Rackow, Wilheimstr, 43, nahe Leip, ige: strafie. Tauentzienstrafie 1, Alexanderplatz 60. 8. unb 10. Sonnet beginnen desondere Biertelsahre». und Saldjahresfehrgänge zur kaufmännischen Ausbildung für snng« Damen und fietttn mit einfacher und hährrer Schulbildung. Lebrpiäne kosfenfos. kchnelliördeind« Wohlfächer: Buchsüh» rung. Rechnen. Rorrespondenz, Weckfel. lehre, Stenographie. Maschtnenfch.eiben. Schönschreiben, Denfsch, Fremdsprachen, soemdfprachlich« Stenographie.__• «nchführnag,.. Bilanz.Pripatunterrichi Bücherrepisor Bruno Nilfchfe. Nü n» beroerstiafie 7. Steinvfatz 144 31. Jung. Mädchen.. Damen, trkel Anna Nilfchfe.• Damenfchnelberei. Schnftfzefchnen Zu» schneiden. Anfertigen lehrt Schneider- Meisterin Soffmann. B enMuerallee 84. Rurfusdeginn 1. und 15. VerzcKiecfQne, > Bckleidunijzstuxife Wasche usw «.-it-noekanfl Reul 12,501 13,501 Prachtoolle 25,—, 80.—! daunen 35.— I Rinderdet!en 8,751 wälchel Sieppdeckeni Gardinen! decken! Alle» fpottbllligl Reine Lom dardwarel Leihhau« Bcnnnenstrafie 47. Deieblobnreau Stafchel, Ebauffee. strafie 77 ffernfprecher Norden 78d8. , Beobachtungen, Ermittelungen Aus- 17,50! s fünfte allerorts.• Said- Bett» tan. Bfaadleihe, Söchstbeleidund. Lange, Moritzplatz Afchinaerbau»' Belzwaren! Wolfszieaen Prach.oolle 17.80! 10501 28-1»8.-!' Lombard war»! strafie<7._ 9.75t 12,50! Echt« Wüchse Alle» spottbillig! Reine Laihhaua Brunnen- kä«:I«Iv«!pRetz,T wenig«etragene Rapaiiergarderode oon Millionären Aerzten Anwälten. szobefhaft dillioe Preif«. Empfehle Baillenmäntei Paletot» strack, Smo> king«.»ehrockanzüge. Sofen. Sportpelze. GebPeU«. Geiegenheiiskäufe in neuer Garderobe. Weitester Wr, lohnend Lotfirinaerstrafie 50. 1 Trepp«. Rofen- lbaler Platz. stederdetten verkauft billia Leihhaua Roeifiplafi 55». Reine Somdardware. � »ctraaeae Serrenaarderohen Gefell- fchaflsanzllae für korpulent« stiauren staunend billt». Nafi. früher Rulack- strafie. setzt Gormannltrafie 25/28.» Arbeitsmarkt Stclienangebale Kunstschmiede, eestklaffige. für sofort gesucht. Lerm a. Ludewig. Tempelhof, Ringdahnstoafi« 38.__ Mäntelarbeiteeianen orrfangt Soft- wer. Marfgrofcnst.ofie 16. Sl«d|btntfmafit)>n«nraelder selbständig arbeitend, gesucht Off rt mit zeugntsadschrttt. unt.»..Botmärt»". Aasgodestelle Prlnzenflrofie St.