Hbenöausgabe Nr. 611 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 302 f-cnuaibtbinmrrotn Bnb anwiaenmit« ftnb in der Morgenausaad« anatatbcn Sctotlisa: SS. OS, Ctabcnftrab* 3 Aernsprecher>»BnfcolT 292- 292 XeL-Kdreffc: Sajialtcmofral Setila Derlinev VolksltlÄkk Zentralorgan der doztaldcmohratirchen Partei Deutfcfolands (lO Pfenria) Dienstag y 2S. Dezember 1 �26 Verlag und Unztlgenabltllungi S«sch»ft5»elt 81» bl» 5 Uhr verleget! Vota, Stl».»erlag Garby. Setlla SS. 92, Lladeasktatze 3 Zerasptechet: vlnhoff 292— 292 hmöenburg statt Majorität. Die Pläne der Deutschnationalen. Es hat diesmal etwas lange gedauert, bis die Nachrichten über die geheimen Pläne der Deutschnationalen in die Oeffent- llchkeit durchsickerten: setzt sind sie vom„Demokratischen Zeitungsdienst" in einer Form wiedergegeben worden, die im Wesentuchen den Tatsachen entspricht. Der 18. Dezember war in der Tat ein kritischer Tag. ein Tag. an dem auf den Reichspräsidenten der stärkste Druck ausgeübt wurde, um eine Lösung der Regierungskrise im Sinne der Rechten herbeizuführen. Die Rechte will im Reich regieren, sie hat aber keine Mehr- Heit, solange das Zentrum sich ihr versagt. Was liegt mm der Rechten ihrer ganzen Geistesverfassung noch näher, als die Anwendung des alten Rezeptes:„Und bist du nicht willig. so brauch ich Gewalt"? Gewalt kann aber unter den gegebenen Umständen nur vom Reichspräsidenten ausgeübt werden. Er kann eine Regierung ernennen, ohne den Reichstag durch seine Parteiführer zuvor zu fragen, ob sie ihm gefällt— er kann freilich den Reichstag nicht hindern, diese Regierung schon am Tage nacb chrer Ernennung wieder zu stürzen. Auf der Rechten rechnete man schon offenbar damit, daß das Zentrum sich der Autorität des Reichspräsidenten beugen und jede von ihm ernannte Regierung zunächst wenigstens tolerieren würde. Sollte aber das nicht der Fall sein, dann spekuliert man auf einen Konflikt, der mit zunehmen- der Verschärfung schließlich auch die bestehenden staatsrechtlichen Formen sprengen könnte. Das Gerede von einer Anwendung des Art. 48 der Per- fassung liegt ganz in dieser Richtung. Jetzt von Art. 48 sprechen, heißt zu einer Verletzung der Verfassung ermuntern. Der Art. 48 ist dazu da. um im Fall eines Notstandes' an- gewendet zu werden. Es hieße ihn bewußt mißbrauchen, wenn man durch cheraufbefchwörung eines Konflikts den Notstand erst künstlich schaffen wollte, um dann den Art. 48 auf ihn anzuwenden. Außerdem aber muß jed«. Ver- ordnung, die aus Grund dieses Artikels erlasien wird, sofort wieder aufgehoben werden, wenn der Reichstag es verlangt. Im Rahmen der Verfassung wäre der Art. 48 für einen Kampf de? Reichspräsidenten gegen den Reichstag eine un- taugliche Waffe. Die Rechte erkennt indirekt selbst an, daß bei der be- stehenden Rechtslage der Reichstag der stärkere Teil ist. Deshalb ruft ihre Presse unausgesetzt nach einer Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten. Diese Stärkung kann aber eben auch nur, solange kein Staatsstreich beliebt wird, aus verfassungsmäßigem Wege erfolgen, d. h. der Reichstag müßte in seiner Zweidrittelmehrheit bereit sein, einen Teil feiner Rechte zugunsten des Reichspräsidenten aufzugeben. Wie immer man die Sache auch dreht und wendet, immer wieder zeigt sich, daß der Reichspräsident nicht in der Lage ist. dem�Reichstag eine Regierung aufzuzwingen, die er nicht will. Wer dergleichen von ihm verlangt, stellt an ihn eine Forderung, die er nicht erfüllen kann, ohne den Geist und schließlich auch den Wortlaut der Verfassung zu oerletzen. Dem Geist der Verfassung entspricht es, wenn der Reichs» Präsident die Stimmung des Reichstages erkundet und dann die neue Regierung so zu gestalten versucht, daß eine ge- deihiiche Zusammenarbeit zwischen ihr und dem Parlament zu erwarten ist. Nach dieser Regel ist bisher verfahren worden. Man könnte von ihr nicht abweichen, ohne d i e ruhige Entwicklungim Innern zu gefährden, die, trotz allen Geschreis der Rechtspresse, durch parlamentarisch entstandene und verfassungsmäßig gelöste Regierungskrisen noch nie gestört worden ist. Fubeils letzte ßatzrt. Einäscherung am nächste« Montag. Die Leiche des gestern verstorbenen Genossen Fritz Zubell wird am Montag, den 3. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium in der Gerichtstraße eingeäschert werden. Ihre Ueberführung dorthin erfolgt vom Krankenhaus Am Urban am Donnerstag, den 30. De- zember, nachmittags 5 Uhr. Für den feierlichen Kondukt wie für ein« Trauerversammlung, die später in einem großen Saal Berlins obgehallen werden wird, ist eine zahlreiche Beteiligung der Gc- nossinnen und Genossen zu erwarten. * Der Staatssekretär der Reichskonzlei, Dr. P u e n d e r, hat der Reichstagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei zum Hinscheiden des Abg. Zubeil im Rainen des abwesenden Herrn Reichskanzlers telegraphisch die aufrichtigste Teilnahme ausgesprochen. Vergleich zwischen üem Reich und Junkers. Zustimmung des ReichSkabinetts. Die Abmachungen zwischen den maßgebenden behördlichen Stellen und den Iunkers-Werken über das Ende der ReichsbeteUi- gung an den Dessauer Flugzeugwerken sind jetzt vom Reichs» kobinett gebilligt worden. Di« Ausführung der darin vor- gesehenen Maßnahmen macht die Einberufung einer General- Versammlung der Iunkers-Werke notwendig, die Ansang Januar stattfinden und in der wahrscheinlich die Wahl eines neuen Aufsichtsrats erfolgen wird._ Rüstungshetze in Amerika. Gegen den Abrüstungsvertrag von Washington. tz Rem Jork, 28. Dezember. wirkliche seiner vergangenen Koserncnhofgeltung, in der e r die „Schweinskerte" austeilte und wo der andere sie einstecken mußte, und hält dies für die einzige Wahrhaftigkeit. Seltsame Bcrkehrung aller Vorzeichen! Gespenstischer Spuk in Herzenstitfen! Phantastischer Wirbeltanz der Begriffet Flammen- geschriebene» Menetekel einer noch immer herumgeisternden Kasten- gestnnungl Herr o. Netto ist nach seinem Wunsch von seiner Roll« befreit worden und braucht sich von dem Schauspieler Werner Krauß nicht als„Schweinskcrl" titulieren lassen. Wehe, wenn dte Schauspieler o. Netto wieder zu Rittmeistern würden! Sie dächten gewiß nicht daran, im» auf so leichte Art von unseren„Schwewskerl'-Rollen zu entbinden. (Ein nenr» Dorstadttheater. Nach alter Ucberlieferuna spielen bekanntlich im Sommer manche Theater unter dem Titel„Sommer- gastlpiel" wertlose Stücke. Herrn Direktor Kuhnert gebührt das Verdienst, an diesem geheiligten Brauch gerüttelt zu haben. Er bringt schon im Winter, mitten in der Saison, eine albern« Komödie heraus, und zwar Im Theater am Nollendorfplatz„Die leicht bekleidete Adele"! von einem bekannten Schwank- fabrikanlen, der sich hinter dem Pseudonym Walter Heim ver> birgt. Bei dem Titel spitzt man sich auf eine tesse Sache, aus das lockere Erzeugnis einer leicht geschürzten Muse, auf jeden Fall auf etwas Lustiges. Leider verwirtlichen sich solche Hofsnungen nicht. Die Komik des Schwants ist ziem Weinen. Dem Herrn Wolter Heim ist tatsächlich nichts weiter eingefallen als eine Voriatcon der alten, tausendmal behandelten Geschichte von dem Pantoffelhelden aus der Provinz, der in der Großstadt über die Sträng« schlägt und deshalb zu Hause von einer Verlegenheit in die andere gejagt wird. Im ersten Bild lacht man noch. Max Adalbert gerät in ange- säuseltem Zustande in ein falsches Hotelzimmer, zieht sich aus und legt sich ins Bett, als plötzlich Adel« ein! ritt, sehr leicht bekleidet, da sie aus dem anstoßenden Badezimmer kommt. Was folgt, ist un- diskutabel. Der Derfaster geniert sich nicht, die ältesten Pollen- Mätzchen, ein fäckfelndes Flitterwvchenpaar, seitenspringende Mit- glieder eines Bundes für ebeliche Treue und was sich sonst im Be- stand alberner Schwankkomik vorfindet, zu bringen. Es ist traurig, daß für Max Adalbert keine vernünftige Aufgabe da ist. Cr sagt: „Ich weih nicht, mir kullern heute die Worte so raus" und es ist aller Ehren wert, wie dieser unvergleichliche Komiker mit Wortver- drehungen und lustigen Extempores die verfahrene Sache zu retten sucht. Aber es ist alles vergebens. Wer sich einen verlorenen Abend schaffen will, der gehe ms Theater am Nollendorfplatz. Dgr. als natürliche Selbstverständlichkeit die Auffassung entgegen, daß der Bezahlung des Lohnes auch die H e r g ab e der vollen Kraft des Arbeiters entsprechen müsse." Ueber das wahre„Geheimnis" geht Herr Tänzler mit einem Satz hinweg: „Die Frage der hohenLöhn« gewinnt daraus eine unmittel- bare Beantwortung, und man braucht sich nicht das Hirn mit tief- gründiger volkswirtschaftticher Weisheit zu zermürben, ob hohe Löhne ein Fallen der Preise verursachen, die Prosperität der Wirt- schaft ermöglicht es eben, dem Arbeiter so hoheLöhnezu zahlen, wiesie ihm auch der deutsch« Arbeitgeber wünscht." Ja, da liegt schon der Unterschied: der deutsche Arbeitgeber wünscht dem Arbeiter hohe Löhne, der amerikanische aber zahlt sie ihm. Dabei liegt im ersten Teil des Satzes noch eine Beschönigung. Es ist gerade die Mentalität der deutschen Scharfmacher, daß sie dem Arbeiter hohe Löhne n i ch t e i n- mal wünschen, aus Klassenüberheblichkeit und borniertem Kastengrößemvcchn._ wirtschoftspartei. Wenn Mittelständler unter sich find. Di« Wirtschaftspartei ist das Saumielbecken des kleinsten und kleinlichsten Berussegoiemus. die. Partei jenes kurzsichtigen un- politischen Mittelstandes, der nicht über die Grenze seiner engsten Interessen hinaus auf die Notwendigkeiten des Ganzen zu sehen vermag. In der Zeit der Krise hat die Wirtschaftspartei aus diesen unpolitischen Kreisen steten Zuzug erhallen. Die Sachsenwahl hat es drastisch gezeigt. Dies«„Partei" aber ist in Wahrheit nur ein zusammenhangloses Gebilde sich durchkreuzender kleiner Interessen. In Halle sprach der zweite Vorsitzende der Wirtschaftspartei K o l o j s e r über die Aufhebung der Zwongswirt- schaft für gewerbliche Räume. Er forderte die Ge- werbetreibenden auf, dem Hausbesitz, der sich um die Wirtschaftspartei so oerdient gemacht habe, jetzt besonder» zur Seit« zu stehen, wo es um die Beseitigung der Woh- nungszwangwirtschaft gehe. Die Gewerbetreibenden aber sind in diesem Falle die Leidtragenden, sie wollen nicht der Willkür der Hausbesitzer ausgeliefert werden. Es erhob sich ein großer Sturm in der Versammlung. Herr o l o s s e r mußte hören, wie ihm zu- gerufen wurde:„Ihr seid ja alleAasgeier." Ein nicht unberechtigtes Bild für den kleinlichsten Egoismus, der der Wirtschaftsparte! das Gepräge gibt. Spaniens neue Tanger-ldjfensive. Frankreich lehnt Zugeständnisse ab. Paris, 28. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die französische Linkspresse protestiert lebhast gegen den Artikel des Madrider „A-L-C", den man als osfiziös von Primo de Rioera inspiriert glaubt, und in welchem der spanische Diktator von neuem die Frage von Tanger aufwirft und die Einverleibung dieser Stadt in das spanische Protektorat verlangt. Der Artikel hat hier um so mehr Aussehen erregt, als da» Blatt eine gleichzeitige Erklärung Alfons XIII. verösselttlicht. die die neue Forderung des Dilta- tor» zu unterstützen scheint. Die Blätter weisen hier darauf hin. daß diese Frag« für Frankreich endgültig geregelt ist und daß man sich fragen müsse, ob nicht der spanisch« Diktator unter dem Einfluß von Mussolini genau wie vor«inigen Monaten diese Frage wieder aufwerfe. Er werde aber auch diesmal damit keinen Erfolg haben._ Drummond bleibt Generalsekretär. Aus Genf werden englische Meldungen, daß der Generalsekretär des Völkerbundes, Drummond, eine englische Botschast erhalten werde, dementiert. Damit entsallen auch die daran geknüpften Kombinationen, die bereits Benesch als seinen Nachfolger bezeichneten. Der Soloniolmiaister im belgischen Kabinett. Pecher, ist ge- starben. Pecher wurde erst vor einem Monat aus seinen Posten berufen. Zweite» Arbeiler-Stafonie-Konzert in der Philharmonie. Es bleibt gewagt, nach Mozarts Jupiter-Sinfonie Arthur Honeg» gers„Pacific 231" zu spielen, auch wenn eine Pause da- zwischen liegt. Warum soll nicht ein Konzert Gegensätze veremen? In diesem Falle sind ste aber zu kraß. Bei der Honeggerschen kom- Position handelt es sich um die Impression einer fahrenden Lokomo- tive, aber die Musik bleibt mehr im rein Beschreibenden stecken, als daß sie das Erlebnis de» Zuges bringt. Bielleicht bietet eine Kom- bination von großem Orchester mit Jazzband in formaler. Be- Ziehung eine Möglichkeit der musikalischen Lösung, aber die Musik muß sich vom nur Beschreibenden und Ausmolenden lösen. Honeg- ger, ein virtuoser Kontrapunktik«?, legt am Anfang den Hauptakzent darauf, die anfahrende Lokomotive zu schildern. Die tiefen Streicher übernehmen es, die rhythmischen Stöße des Kolbens zu illustrieren. allmählich aber, besonders zum Schluß hin, wächst die Komposition darüber hinaus und vermittelt tatsächlich den Eindruck und mehr noch des Erleben von etwas Dahinrasendem. Der Dirigent I a s ch a Hören st ein zeigt sich als kongenialer Ausdeutcr des Kompo- nisten, als exakter Rhythmiker. Dieser Vorzug aber wird Ihm bei Mozart und Richard Strauß verhängnisvoll. Er gibt hier zu scharfe Einsätze, läßt zu stark spielen, ist zu wenig gelöst und tänzerisch. Ueberhaupt geht Horenstein in der Gegensätzlichkeit der Tonstärke zu weit, für ihn gibt es pisnissimo oder lortissirno, Uebergänge gelingen ihm weniger. Deshalb wirkte Mozarts Musik merkwürdig kalt und hart. Das Konzert war gut besucht, der Beifall, besonders noch Honegger, Komposition, sehr stark.— t. Temperawranzeigend« Farben. In den Laboratorien der amerikanischen General Electric Company ist ee gelungen, Farben herzustellen, die sich bei Erwärmung verändern und die die ur- sprüngliche Tönung wieder annehmen, wenn eine Temperatur- abnahm? eingesetzt hat. Die Farben enthalten doppeltes Kupfer- und Quecksilber- oder dovpeltes Silber- und Quecksilber- Jodid. Bei gewöhnlichen Temperaturen ist die erstgenannte Farbe leuchtendes Rot: sie wird dunkel schokoladenbraun bei einer Temperatur von etwa 70 Grad Celsius und vollkommen schwarz bei der Temperatur des kochenden Wassers. Sobald die Temperatur abnimmt, ändert sich die Farbe, durchläuft all« Schal- tierungen in rückläufiger Bewegung geaerniber dein ersten Voraang und ist wieder leuchtend rot bei normaler Temveratur. Wird silber- und quecksilberhaltiges Salz benutzt, so ist die Ausgangsfärbung ein Gelb, das sich bei einer Temperatur von etwa 70 Grad Celüus in «in dunkle« Orange- oder Ziegelrot verwandelt. Die neuen Farben eignen sich für Wellenlager und andere Maschinenteile, die leicht über- htgt werden oder warmlausen können. Sehr wichtig erscheint aber auch ihr« Verwendung als W sserstandeanzeiger bei Warmwasser- behöltern, da«in senkrechter Farbstreisen an der Außenwand des Vehätter« alle Wasserstandsänderungen anzeigen kann. Ein Wörterbuch be» Fluevertebr». DaZ amerikanische Fluftverkebr»- komiiee bat ein Wörterbuch de» Flugwesens rulammengeslekll. da« die'« Tage von der RegierungSdnickerei in Wasdingto» beraiitgegebcn wr.d. Schon seit>g�3 bcncbt»war ein Ivlche« Wörterbuch, e» bat sich aber her- ausgestellt, das, die Entwicklung de» Flugwesen» etne große Zabl neuer Ausdrücke gebracht hat. Dte neu« Ausgabt umlaßt nicht weniger als 2000 Sorte, dte hier eindeutig in ihrem jetzigen Gebrauch destntert sind. Um die Autonomie �lfaß-Lothringens. scharfe Gegensätze in der Liga fiir Menschenrechte. Paris, 23. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die.Franzö» fisch« Liga fiir Menschenrechte' beschäftigte sich auf ihrem diesjährigen Weihnachtskongreh in Metz besonders mitderelsatz-lothrin. oischen Frage. Berichterstatter war der Elsässer und Sozialist lg r u m b a ch, der in einem langen Dortrag sich über die ganzen verwickelten Fragen des Derwaltungssystems im übrigen Frankreich und«on der in erster Linie daraus abzuleitenden Autonoinisten- bcwegung erging. Der Bericht Grumbachs war sehr optimistisch gehalten. Von der Voraussetzung ausgehend, dah die Oppositions- bewegung eine Stütze im elsässischen Klerikalismus habe, kam der Redner zu dem Schluß, dah nur eine schnelle Verbindung der Verwaltung von Elsaß-Lothringen mit der im übrigen Frank- reich der Autonomistenbewegung die Spitze abbrechen könne. Jede Schwächlichkeit Frankreichs auf diesem Gebiet wäre ebenso in fran- zösischem, wie im Interesse des Weltfriedens schädlich; denn eine Minderheitenfragen in internationalem Sinne gäbe es in Elsaß- Lothringen nicht. Nichts wäre nach Ansicht des Berichterstatter» gefährlicher als irgendein Entgegenkommen auf oerwaltungstech- nischem Gebiet, der Autonomistenbewegung Vorschub zu leisten. Mehrere Redner widersprochen den sozialistischen Aus- führungen auf das heftigste; viele teilten die Auffassung Grum- bachs über die Autononnstenbewegung in Elsaß-Lothringen nichr. Speziell W e i l l wies darauf hin, daß diese Bewegung sofort mit der Rückkehr der Verw-altung der lothringischen Provinzen an Frankreich im Jahre 1S18 eingesetzt habe, daß diese Bewegung also keineswegs als Reaktion gegen das Linksregime in Frankreich nach den Wahlen vom 11. Mai angesehen werden dürfe. Es sei also falsch, den elsässi- schen Klerikalismus allein für die Autonomistenbewegung verant- wörtlich machen zu wollen. Sie habe ohne Zweifel viel tiefere, teils kulturelle Gründe, denen Frankreich nicht entgegen- treten, sondern denen es Rechnung tragen müsse. Der Redner forderte dann, speziell auf oerwaltungstechnischcm Gebiet, hn Entgegenkommen der französischen Regierung und ent- fesselle einen Tumult in der Versammlung, als er ein Eingehen auf die elsaß-lothringischen Wünsche in der Frage der Laiengesetzgebung verlangte. In der Abstimmung über den von Grumbach Im Namen des Zentralkomitees eingebrachten Bericht über die Frage Elsaß- Lothringen wurden ISstv dafür und 43 Stimmen dagegen ab- gegeben. Der Kongreß verlangte über den Bericht von Grumbach hinaus, daß die deutsch« Sprache bei Gericht, verhand- l u n g e n in gewissen Fällen zugelassen sein solle. Starke einwanüerung nach Irankreich. pari«. 28. Dezember.(WTB.) Das Ministerium des Innern veröffentlicht das Ergebnis der im März 192k vorgenom- menen Voltszählung. Danach beläust sich die zu diesem Zeitpunkt festgestellte Zahl der in Frankreich ansässigen Personen auf 40 740 000, davon 38 245 000 Franzosen und 2 498 000 Ausländer Bei der voraufgegangenen Volkszählung am 5. März 1921 war die Zahl der In Frankreich wohnhaften Personen mit 39 209 66« fest- gestellt worden. Don dem Bevölkerungszuwachs von rund eineinhalb Millionen Einwohnern entfallen etwa eine halb« Million auf die Franzosen und mehr als eine Million auf die Ausländer. Das am dichtesten bevölkert« Departement, das der Seine, wird von 4«30 000 Personen bewohnt, davon 4 200 000 Franzosen und 430 000 Ausländer. Gegen Sie ungeregelte Einroanüerung. Paris. 28. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Der gestrige zweite Tag des Kongresses der Liga für Menschenrechte hat sich mit der Frag« der Ausländer in Frankreich befaßt. Mehrere Red- ncr veNangten die Regelung der Einwanderung in Frankreich ähnlich derjenigen in den Vereinigten Staaten, da Frankreich das zweite Einwanderungsland nach den Vereinigten Staaten darstelle und die Einwanderung keinerlei gesetzlichen Formalitäten unter. warfen sei. Es wurde eine Resolution angenommen, welch« die Schaffung«ines Naturalisations- und eines Einwanderuns- amte» in Frankreich vorsieht. Dann ging der Kongreß zur Diskussion der Gefahren des Faschismus über. Er beschloß endlich, den nächsten Kongreß am 14. Juli in Paris abzuhalten. Um öle Erledigung der Reffpun'te. pari», 28. Oktober(WTB.) Die in der französischen Press« rerbrestete Nachricht, General von P a w e l s z habe einen Brief an den Vorsitzenden de» Interalliierten Militärkomitees in Versailles, Marschall Fach, gerichtet, kann als nicht den Tatsachen entsprechend bezeichnet werden. Dagegen kann berichtet werden, daß alle Fragen, die sich auf die Entwafsnung beziehen und die mit der Botschafter» tonferenz zu regeln waren, bis auf die zwei strittigen Fragen betreffend die östlichen Befestigungen und da« Kriegs- material geregelt sind, und daß ein amtlicher Notenaustausch hier- über schon erfolgt ist und zum Teil im Augenblick durchgeführt wird. General von Pawelsz wird in den ersten Ianuartagen In Paris eintreffen und dl« Verhandlungen mit den militärischen Sachver- ständigen und mit der Botschasterkonserenz über die beiden noch zu erledigenden Fragen fortsetzen. In sranzösischen beteiligten Kreisen nimmt man an. dah»ine Einigung über dies« beiden Punkt» mit der Botschasterkonserenz bis zu dem festgesetzten Termin, dem 31. Januar, erfolgen kann, so daß der Völkerbundsrat jedenfalls keine Veranlassung haben wird, sich hiermit zu beschäftigen. England drängt auf Schuidenregelung. Frankreich soll endlich ratifizieren. London. 28. Dezember.(WTB.) Der diplomatische Korre- spondent des.Daily Telegraph' meldet: Der erhebliche Rückgang in den E i n n a h m e n des Landes(durch die Folgen der Berg- arbeiteraussperrung) zwingt das britisch« Schatzamt dazu, eine festere Haltung als bisher gegenüber den Regierungen ein- zunehmen, die bisher ihr« Schulden an England noch nicht fundiert haben. Churchill hat seinen letzten Besuch in Paris dazu benutzt, Poincari aufzusuchen und informell und diskret anzu- deuten, daß Großbritannien eine baldige Ratifizierung des Abkommens zwischen Churchill und Caillaux vom Jahr« 1923 durch Frankreich erwarte. Es hat sich aber als unmöglich heraus- gestellt, Potncar4 zu einer endgültigen Antwort zu veranlassen. Weiter hofft man tn London, daß Belgrad, nachdem jetzt ein« neue Regierung in Jugoslawien am Ruder ist. nunmehr ernstlich an Fundieningeverhandlungen herangehen werde. Die Derhand- lungen mit Griechenland machen keine Fortschritte. Was die Portugiesen anbetrifft, deren Delegation jetzt hier«ingetroffen ist. so rechnen sie anscheinend aus Annullierung von etwa 73 Proz. ihrer Schulden. Opfer öer Glätte. Ueber SV Personen verletzt.— Das rettende Glatteis. Etwas unerwartet ist über Nacht Tauwetter eingetreten. Während das Thermometer noch gegen 1 Uhr Temperaturen unter 0 Grad anzeigte, stieg die Quecksilbersäule wenige Stunden später über den Gefrierpunkt. Ein feiner Sprühregen rieselle hernieder. Die Kälte des Erdbodens verwandelte Straßen und Bllrgersteige in spiegelblanke Flächen. Als heute früh Arbeiter und Angestellte zu ihren Arbeitsstätten gingen, mußten sie das schönste Glatteis überwinden. Eine große Zahl von Stürzen ereignete sich schon in den frühesten Morgen- stunden. Auf den Rettungsstellen wurden forllaufend Verletzte ein- geliefert, die«in Opfer der Glätte geworden waren und sich erheb- liche Verletzungen zugezogen hatten. Allein auf der Rettungsstelle in der Bad- und W i n s st r a ß e und in der Kaiser- Friedrich-Straße zu Charlottenburg wurden j e sechs Verunglückte behandest, die Arm-, Beinbrüche, Kopfverletzungen und ähnliches erlitten hatten. Auch auf allen übngen Rettungsstellen wurden„G l ä t t e o p f e r' mit mehr oder minder schweren Verletzungen behandelt. Im Westender Krankenhaus fanden vier, im Krankenhaus am Friedrichshain drei und im Elisabeth-Krankenhaus zwei Personen Aufnahme, die sich schwere Brüche zugezogen hatten. Insgesamt nahmen bis in die Mittagsstunden etwa 30 Personen die Hilfe der Rettungs- stellen in Anspruch. Hinzu kommen noch zahlreiche Ler- unglückte, die sich in privatärztliche Behandlung begaben. Auch die Feuerwehr mußte wiederholt eingreifen, um zu Fall gekommene Pscrde aufzurichten und durch die Glätte entstandene Verkehrshindernisse zu beseitigen. Im Tiergarten fuhr «in Kraftwagen infolge der Glätte gegen einen Baum. Der Fahrgast und der Chauffeur wurden erheblich verletzt und in das Elisabeth-Krankenhaus geschafft. Wenn auch der Witterungs- Umschlag etwa» überraschend gekommen ist, kann den Hauseigen- tümern der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie zum größten Teil ihrer Steuerpslicht nicht nachgekommen sind. Von allen Seiten wird dieser Uebelstand bemängelt. Es muß dringend an die polizeiliche Streuvorschrist erinnert werden, die bei Nichtbeachtung erhebliche Geldstrafen voraussieht. » Die Glätte, die heute in den frühen Morgenstunden vielen Menschen sehr übel mitspiette, kam einem Hllhnerdieb in Nieder- schönewetde höchst gelegen. Ein Polizeioberwachtmeister vom 234. Revier beobachtete um 3 Uhr einen Mann, der mit einem schweren Rucksack beladen nach dem Bahnhof Niederschöneweide zu ging. Als er ihn stellen wollte, um den Sack zu untersuchen, warf ihn der Verdächtige ihm vor die Füße, drehte sich um und lief davon. Bei der Glätte kam der Beamte zu Fall, gab aber noch ein paar Schüsse hinter dem Fliehenden her ab. Dieser schrie aus, muß also wohl getroffen worden sein. Trotzdem aber lief er weiter und entkam. Der Sack enthielt 10 frisch geschlachtete Hühner und ein Kaninchen. Die Kriminalpolizei des Reviers stellte fest, daß bei einem Direktor der Kuhnheimschen Fabrik 20 Hühner und mehrere Kaninchen im Stall abgeschlachtet und gestohlen worden waren. Entweder hat der entkommene Dieb einen Teil der Beute schon vorher weggeschafft oder die ganze Beute mit einem auch noch unbekannten Helfershelfer geteilt. Wahrscheinlich wird sich der Ent- kommene irgendwo verbinden lassen. Mitteilungen an die Kriminal- polizei im Berliner Polizeipräsidium oder aus dem 234. Revier. Der schadhaste Gfen. fetter in drei Stockwerken. Schwere Arbeit hatte die Feuerwehr heute früh um Uhr in der B e u t h st r a ß e 15 zu bewältigen. Im dritten Stockwerk des Seitenflügels war Feuer ausgebrochen, da» sich in kurzer Zeit durch die Decken bis zur ersten Etage durchfraß. Im Seitenflügel de» genannter Grundstücks sind hauptsächlich Geschäftsräume. Hausbewohner nahmen kurz vor s4K Uhr st a r k e n Brandgeruch und einen Feuerschein wahr. Die Feuerwehr wurde herbeigerufen, die unter Leitung des Baurat» M e u s e r erschien. Ueber die völlig verqalmten Treppen drangen die Löjchmann- schoften, mit Rauchschutzgeräten versehen, zur dritten Etage vor. Die Türen wurden aufgeschlagen, der Raum, tn dem ein« Schirm- f a b r i k untergebracht ist, war ausgebrannt. Das Feuer hatte bereit« die Decken zum zweiten und ersten Stock, in dem sich eine Knopsfabrik und ein Rechtsanwallsbureau befanden, durchgefressen. Es wurde aus mehreren Schlauchleitungen länger« Zeit Wasser ge- aeben. Zum Glück befanden sich in allen von dem Feuer erfaßten Räumen nur wenig brennbare Sachen, die Foloen wären im anderen Falle unübersehbar gewesen. Als weiterer Glücksumstand sst anzu- sprechen, daß das Feuer nicht nach dem vierten Stockwerk übergriff, wo sich die Portierwohnuna befindet. Erst um �10 Uhr vormittags, also nach ziemlich viereinhalbstündiger Tätigkeit, rückte die Feuer. wehr ab. Die Entstehungsursache ist wahrscheinlich ein s ch a d- h a f t e r Ofen, aus dem glimmende Kohlenstückchen sielen und einen daoorliegenden kleinen Preßkohlenvorrat in Brand setzten. Das Metropol-Theatcr unter Geschästsaustlcht. Wie erst jetzt bekannt wirk», ist unmittelbar vor Weihnachten auf Antrag der Metropol-Theater-Aktlengesellschaft die G e s ch ä f t s- a u s s i ch t über das Unternehmen verhängt worden. Wir erfahren hierzu, daß es sich hierbei angeblich nur um eine kurzfristige, auf einige Wochen berechnete Maßnahme zur Sicherung der Liegen- schaslen der Gesellschaft handeln soll, und daß die Aussicht besteht, daß die finanziellen Schwierigkeiten in den nächsten Monaten, wohl auch dank des Erfolges der neuen K a l m a n- Operette, behoben sein werden. Die Hauptschuld an der jetzigen krittschen Loge der beliebten Bühne soll neben dem schlechten� Ge- schästsgang in dem jetzt abgelaufenen Jahre«in mit der Stadt Berlin um Hauszins st euerbeträg« von«inigen 100 000 Mark geführter Prozeß tragen, txn dos Metropol-Theatcr verloren hat.__ Lärmszene» beim Emdevfilm. Bei der Vorführung de»„Emden'-Films im E m e l k a- P a l a st am Kurfüistendomm 68 kam es am gestrigen Montag abend zum End« der Vorstellung gegen 11 Uhr zu stürmischen Lärm- szenen, die schließlich vor dem Filmtheater zu einer ernstlichen politischen Schlägerei ausarteten und das Eingreifen der Polizei not- wendig machten. Die Zwischenfälle wurden dadurch verursacht, daß drei junge Leute heftige Protestruse ertönen ließen, als gegen Ende des Films das Bild der neuen Emden sichtbar wurde, die die schwarz- wcißrote Flagge hißte, während die Beglettorchester das skandalöse Flaggcnlied.Stolz weht die Flagge Schwarzweihrot' intonierte. Die Protestierenden nesen u. a.:.Wo bleibt die Gösch?', und es entstand schließlich eine Kontroverse mit einem Nationallsten, der die junge Leute beschimpfte und u. a..Lausebengels' nannte. Der Streit und die politischen Auseinandersetzungen fanden vor dem Theater ihre Fortsetzung und es entwickelte sich schließlich zwischen den Streitenden eine Schlägerei. Die Polizei mußte eingretsen und zehn Perjonen nach der Mommsenwache zur Feststellung der Personalien bringen. Die Schlägerei auf dem Kursürftendamm hatte eine riesige Menschenmenge herbeigelockt, die gleuhfalls von der Polizei zerstreut werden mußte. Zu weiteren Zwischenfällen Ist es dann nicht mehr gekommen. � Zu den Zwischenfällen bei der Vorführung de» Emden-Filme» erfahren wir noch von der Leitung de» Emelka-Paiastes, dah von der Münchener Direktion der Emelta-Yllmgesellschaft die Anordnung getroffen war, daß beim Hissen der Flagge aus der neuen Emden auf der Leinwand von dem Orchester das Flaggeniied.Stolz weht die Flagge Schwarzweißrot' gesviell werden müsse. Die Berliner Leitung hatte sich, weil sie auf Grund dieser Anordnung Zwischen- fälle bei der Vorführung des Films befürchtete, nach München ge- wandt, um eine Aushebung dieser Anordnuno und eine Kürzung des Film», d. h. eine Beseitigung der Flaggenhissung zu erreichen. Von München her kam aber die Weisung, daß das Flaggenlied gespielt und der Film unverkürzt laufen müsse. Infolge der gestrigen Zwilckensäll« soll nun, wie wir hören, dos Flagoenlied nicht mehr gespielt und der Film in verkürzter Form vorgeführt werden. Ein« Maßnahm«, zu der sich die Direktion schon'lange hätte entschließen müssen, da es chr ja nicht unbekannt war. daß sich das Berliner Publikum nicht nur aus Schwarzweißroten zusammensetzt. Kleingärtner» Weihnachten. In den P h a r u» s ä l e n, Müller- straße, feierten die Kleingärtner der Kolonie.S ch i l l« r h ö h e' Weihnachten. Sämtlich« Kolonisten mit Famllie waren erschienen. Weihnachtslieder, vom Chor der Kolonisten gesungen, leiteten die Feier ein. Dann kam ein Weihnochtssptel. dargesteM von Kindern der Kleingärtner, vom Weihnachtesest des armen Kindes, da» arg umhergestohen wird und schließlich doch bei guten Menschen ein jchönes Weiknachtssest verleben darf Daraus sang der Männerchor .Bleibtreu-Waldesrauschen'. Zum Schluß folgt« die Bescherung von 400 Kindern. An endlosen Gäbentischen waren all die nützlichen und süßen Ding« aufgebaut, darunter Spielsachen, zum Teil mit unendlichem Fleiß und viel Liebe selbst zusammen- gezimmert. Die Musik spielte dann fröhliche Weisen, und man saß noch lange gemütlich beisammen. Gegen den Silvesterunfug. Polizeiliche Maßnahmen zur Einschränkung. D«r Polizeipräsident teilt mit: In den letzten Iahren hat sich in steigendem Maße die Unsitte eingebürgert, in der SUoesternacht auf Straßen und Plätzen Feuerwerkskörper abzubrennen. Hierdurch sind ständig zahlreich« Unfälle verursacht worden. Es■ wird daher im Hinblick aus den bevorstehenden Silvestertag darauf hingewiesen, daß da» Abbrennen von Feuerwerk»- körpern auf Straßen und Plätzen, aus Fenstern und auf Baltonen nach jj 144 der Straßenpolizeioerordnung vom 25. Januar 1917 verboten und st r a f b a r ist. Da vor allem auch Jugend- liche mit Feuerwerkskörpern vielfach leichtsinnig umgehen, wird allen Aufsichts- und Erziehungsberechtigten hierdurch besonders nahegelegt, diesem gefährlichen Treiben der Jugendlichen ihr« Slufmerksanikeit zu schenken und dagegen einzuschreiten. Der Straßenoufsichtsdienst der Schutzpolizei wird in diesem Jahr« durch umfangreich« kri» minalpolizeilich« Streifen oerstärtt werden. Di« Be- amten haben Anweisung erhalten, gegen den Unfug, Feuerwerls- körper In der Silvesternacht abzubrennen, unnachsichtlich einzu- schreiten. Ueber die Maßnahmen der Polizei in der Silvester- nacht erfahren wir. daß die Polizei selbstverständlich dem besonderen Anlaß durchaus Rechnung tragen und auch, soweit es mit der Auf- rechterhattung der öffenttichen Ruh« und Sicherheit vereinbar ist, den harmlosen Aeußerungen der Lebensfreud« und«ines fröhlichen Ueber- mutes keine engen.Schränken ziehen wird, daß aber andererseits 51 u s s ch r e i t u n g e n in der Silvesternacht unbedingt verhindert werden müssen. Zu diesem Zweck wird der polizeilich« Straßendienst wesentlich verstärkt und insbesondere von Krasiwagen- und Radfahr- streifen ausgiebig Gebrauch gemacht werden. Für den besonderen Schutz des Bannkreises sind entsprechende Maßnahmen ge- trosfcn worden, vor ollen Dingen wird daraus geachtet werden, daß die Straßendämm« für den Verkehr freigehalten werden. Ansammlun- gen werden zerstreut. Gegen den Unfug des Abbrennen« von Feuer- werkskärpcrn und gegen Musikaufführungen auf den Straßen wird in jedem Falle unnachsichtlich«ingeschritten. Auch den gemein- gefährlichen Unfug, Feuerwerkstörver aus Wohnungen auf die Straße zu werfen, durch den in der vorigen Silvesternacht zahlreich« Per- fönen zu Schaden gekommen sind, wird die Polizei mit allen Mitteln unterdrücken. Schließlich wird die Polizei ihr Augenmerk darauf richten, daß Zusammenstöße verschiedener politischer Organila- tionen unter allen Umständen verhindert werden. Der rasende Liebhaber. Eine furchtbare Eifersuchtstragödie spicltc sich heut» vormittag gegen MIO Uhr in dem Hause Liebenwalder Strohe 34 ab. Der 32jährip« Konditor Walter Schmidt, der in der Kirchstraße 2 in Moabit wohnt, gab aus seine frühere Verlobte, die 33 Jahre alte Elise Hossmann aus einer Mehrladepistole drei Schüsse ab und jagte sich selbst eine Kugel in die Schläfe. Der Täter war mit Fräulein Schmidt längere Zeit rerlobt. Das Verhältnis war in letzter Zeit sehr getrübt; die Der» lebte schien ihre Gunst einem anderen Verehrer zugewandt zu haben. Da» Zerwürfnis spitzte sich so zu, daß es vor etwa 14 Tagen zu einer E n t l o b u n g kam. Schmidt, dem die Angelegenheit sehr zu Herzen ging, suchte wiederholt«ine Aussöhnung herb'elzusühren. Er hatte jedoch keinen Erfolg. Auch heute vormittag erschien er wieder bei seiner früheren Verlobten, die In der Liebenwalder Straße 34, Ecke Hennigsdorfer Straße, ein Ztgarrenaeschäst hat. Wieder versuchte Schmidt. Fräulein H. umzustimmen. Als sie auch jetzt wieder bei Ihrer Weigerung verharrte, geriet Sch. in maßlose Erregung, zog»ine Mehrladepistole hervor und gab die Schüsse auf sie ab. Einer traf die Br u st,»in anderer die Hüfte, der dritte blieb im Oberschenkel stecken Schwerverletzt brach die Getrossene zusammen. Dann richtete der Täter die Waffe gegen sich selbst. Er war sofort tot. Fräulein H. wurde in da» Vircho--'- Krankenhaus gebracht; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt Eine zchnköpfige t?am'lie ermordet. Auf einem Gut in der Näh« von Farwell wurden nach einer Meldung aus London der Gutsbesitzer Georg« gasseil und sein« Gattin im großen Saale des Herrenhauses ermordet aufgefunden Kürz darauf wurden in einem Schuppen die Leichen der acht Kinder des Ehepaares entdeckt. All« zehn Leichen wiesen deutlich« Würgemale auf. Man glaubt, daß der Schwiegervater des Gutsbesitzers der Urheber der schrecklichen Tat sst. Slrandung eines devischen Frachldampscr». Der große Fracht- dampfer„Elise Schulze' aus Emden ist, nach einer Meldung aus Oslo, am Auslaus des Trondhjemfjordes gestrandet. Die Be- jatzung ist von Bord gegangen. Es sst zweifelhast, ob das Schiff au retten ist- Zwei Bergungsdampfer sind an die Siran- dungsftelle abgegangen. Die„Elise Schulze' war in Ballast von Rotterdam nach Narwik unterwegs, um Erz zu laden. Sech» Millionen für das Begräbnis de» Mikado. Die japanische Regierung fordert in einer Vorlag« an da» Parlament rund 6 Millionen Mark zur Bestreitting der Kosten für die Begräbmsfeierlich- ketten de» verstorbenen Mikado. Generalaussperrung oöer Lohnöruck. Ter Reichsarbeitsminister weicht vor den Schnhfabrikanten zurück. Nürnberg, 2S. Dezember.(Eigener Drahlbericht.) Der Reichsorbeltsminisler hat die Parteien zu neuen VerHand. l u n g e n aus Donnerstag, den 30. Dezember. 10 Uhr vormittags. nach Berlin einberufen. Wenn es in der Mitteilung, dah der Reichs- arbeitsminister die verbiadlichkeilserklärung des Schiedsspruches für die Schuhtndustrle abgelehnt hat. heifzt, dah dies geschehen sei wegen der Unklarheiten, die in dem Schiedsspruch enthalten wären. so ist demgegenüber sestzustellen, dah von irgendwelchen Unklar- heilen keine Rede sein kann. Zn Wirklichkeit scheint der Rcichsarbeitsminister mit seiner Weigerung, die Verbindlichkeit des Schiedsspruches auszusprechen, vor der Drohung der Unternehmer zurückgewichen zu sein, die mit einer Klage wegen der angeblich sor- malen llnzulässigkeit des lehlen Schiedsverfahrens gedroht und erklärt hatten, dah der Schiedsspruch sür die Schuhindustrie un- tragbar sei. Wenn der Reichsarbeitsminister erklären läßt, dah in dem letzten Schiedsspruch einige Unklarheiten enthalten seien, so scheint uns die einzige Unklarheit darin zu liegen, dah der Reichsarbeitsminister vor der Drohung der Schuhfabrikanten zurückgewichen ist und nicht den Mut aufbringt, dies e i n z u g e st e h e n. Wenn die Schuhfabrikanten erklären, dah ein Spitzenlohn von 78 Pf. für einen Facharbeiter„untragbar" für die Schuhindustrie ist, so ist dies nichts weniger als ein Beweis. Diese Behauptung der Schuh- (abrikanten beweist höchstens die soziale Rückständigkeit ier Unternehmer der Schuhindustrie. Bei de:, Teuerungsver- bältnisten in Deutschland, bei der ungeheuren Arbeitslosigkeit und oer auherordentlich �gesteigerten Produktivität dürste es heute in Deutschland keinen Facharbeiter geben, der weniger als 1,50 W. die Stunde verdient. Wenn den Schuhsabrikanten als Spitzenlohn schon die ch ä l f t c davon zu viel ist, so ist das wirklich kein Grund, um die staatlichen Schlichtungsinstanzen bis hinauf zum Reichs- orbei'sministcr in ihre Dienste zu stellen. Denn auf was kommt das neue Schlichtungsverfahren, das mit den Verhandlungen am Donnerstag praktisch eingeleitet ist, hinaus? Doch auf nichts anderes, als auf den Versuch, den ersten Schieds- spruch so zu verschlechtern, dah er sür die Schuhfabri- kanten annehmbar erscheint. Wenn die Schuhfabrikanten mit einer gerichtlichen Klage drohen, wegen der angeblich formalen Unzulässigkcit des letzten Schlichtungs- Verfahrens, so hätte der Reichsarbestsminister zu allerletzt seine chand zu einer Desovouierung des von ihm eingesetzten Schlichters bieten dürfen. Die Fabrikanten stützen sich bei ihrer Behauptung auf folgende Datsache: Bei den Schlichtungsverhandlungen muhte Plötz- lich einer drei Untcrnchmerbeisitzer abreisen. Wir haben begründete Ursache, anzunehmen, dah diese plötzliche Abreise aus Veranlassung der Unternehmerorgauisation erfolgt ist, die die Verhandlungen aus- stiegen lassen wollte. Darauf ordnete der Schlichter kurzerhand ein neues Versahren ./N und bestimmte von sich aus als Beisitzer je zwei Vertreter der Unternehmer und der Arbeiter. Da die Fabrikanten sich weiter störrisch verhielten, hielt ihnen der Schlichter ein Pcioatissimum, in dem er ihnen klar machte, daß er es in der Hand habe, die Sabotage- versuche der Unternehmer zu durchkreuzen und entschlossen sei, von den ihm zur Verfügung stehenden Machtmitteln Gebrauch zu machen. Die Fabrikanten finden dieses Verfahren unerhört. Dazu möchten wir erklären, daß gegenüber den Arbeitern schon ganz andere Mittel angewendet worden sind. Wir erinnern nur daran, wie der skandalöse Schiedsspruch im mitteldeutschen Braun- kohlcngebiet, der die Zwölf st undenschicht festsetzt«, zu- stände gekommen ist. Hier hatten die Arbeitervertreter im Schieds- gericht ihre Aemter niedergelegt. Durauf fuhr der Schlichter mit den Unternehmern nach Halle, Holle sich dort aus einem Betrieb zwei Arbeiter einen Kommunisten und einen Gelben, ernannte sie zu Beisitzern, und mit diesem Schiedsgericht wurde jener berüchtigte Schiedsspruch gefällt, den der Reichsarbeitsministcr a tempo als verbindlich erklärte. Dieser Schiedsspruch hat unglaubliche Zustände im mittel- deutschen Braunkohlengebiet hervorgerufen. Er hat das Familienleben der Bergarbeiter vollständig untergraben. Er soll weiter zu Recht bestehen, weil es den im Geld« schwimmenden Zechenbesitzern so gefällt und weil der Reichsarbeitsminister nicht wagt, gegen den Willen der Zechenbesitzcr das Gesetz in Anwendung zu bringen. Die Schuhfabrikanten haben hunderttausend Arbeitern gekündigt und drohen, sie auszusperren. Dieser Drohung tonnte begegnet werden durch die Verbindlichteitserklärung des Schieds- spruches. Der Reichsarbeitsmintster zieht es vor, sich vor der weder sozial noch wirtschaftlich zu rechtfertigenden Drohung der Schuh- sabrikanten zu beugen. Die Arbeiterschaft ist nicht gewillt, diesem Beispiel zu folgen. Die Weibnacbtspescbenke üer Reicbsbahn. Wo gespart und wo verschwendet wird. Uns wird geschrieben:' Der Reichsbahn blieb es vorbehalten, kurz vor de» Feiertagen den übergroßen Teil aller Zeitlohnarbeiter zu entlassen. Sic stellte ihnen in Aussicht, sie in den ersten Januartagen wieder ein- zustellen. Die Reichsbahn'park dadurch eben eine Woche Lohn- Zahlung. Die Arbeiter können zu den Feiertagen hungern. Was sie hier spart, gibt die Reichsbahn in verschwenderischer Fülle den leiten- den Beamten als Weihnachtsgralifikation. Man erinnert sich, daß die Weihnachtsbeihilfe für die gesamte Beamtenschast. ebenso wie die viel zu geringen Weihnachtsgelder der Arbeiterschaft der Reichs- und Staatsbetriebe zunächst grundsätzlich davon abhängig gemacht wurde, daß die Reichsbahnverwaltung er- klärte, auch diese Beihilfen sür ihre Beamten und Arbeiter zu zahlen. Dieser Vorgang spielt sich jedesmal ob, sobald sür die breite Masse der schlecht bezahlten Arbeller und Beamten der Reichs- und Staatsbetriebe eine dringend notwendige Ausbesserung gewährt werden soll. Stets ist die Hauptverwaltung der Reichsbahn die Verwaltung, die auf Anfrage der Regierungsstellen nach längerein Druck erklärt, daß die Beihilfen so niedrig wie möglich bemessen sein müsien, weil andernfalls die Reichsbahn die erhöhte finanzielle Belastung nicht tragen könne. Di« durch Gesetz beschlosienen Zulagen für Beamte und Arbeiter sind auch im Reichsbahnbetrieb kurz vor Weihnachten ausgezahlt worden. Die Vsrwallung der Reichsbahn hat dabei 10 Proz. Steuern abgezogen, da es sich nach einer Auskunst des Reichs- finanzministers um steuerpflichtiges Einkommen handelt. Bei der Reichsbahn hat man aber noch ein übriges getan, indem man einige Tage vor der Zahlung der Weihnachtsbeihilfe an die Lieblinge der Verwaltung die berüchtigte Korruptionszulage ausgezahlt hat. Diese Zulage bleibt steuerfrei.(Anmerkung der Redaktion: Selbstverständlich unterliegen diese vierteljährlich zur Auszahlung kommenden Zulagen der Steuerpslicht.) Einige Konzessionsschulzen aus den mittleren und unteren Beamtengruppen durften die ihnen gezahlten armseligen Beiträge wie jede andere Zahlung auf ihren Stationskasscn abheben. Bei den Beamten, so ungefähr von Gruppe VI an aufwärts, zog man ein anderes Verfahren vor. Sie erhielten einen Scheck über eine dreistellige Summe ausgehändigt, wodurch man der unangenehmen Kontrollmöglichkeit des übrigen Personals ausweichen wollte. Die Beamten ungefähr von Gruppe auswärts konnten auf ihrem Scheck eine v i e r st e l l i g e Zahl erbl'cken, während die Schecksumme bei den leitenden Be- amten der Hauptoerwoltung, deren Dienstcinkommen ja von Anfang au nicht von der Hauptkasse gezahlt wurde, eine hohe fünf- stell ige Zahl aufwies. Man sieht, daß die Herren zu leben verstehen, jedenfalls es dazu hoben. Tie Mittel dazu bewilligen sie sich einfach selbst. Wodurch der Skandal zwar nicht an die große Glocke kommt, deshalb aber nicht kleiner ist. Den Arbeitern und Beamten der niederen Besoldungsgruppen wird also von ihrer geringen Beihilfe von 30 bzw. 50 Mark 10 Proz. Lohnsteuer abgezogen, den höher stehenden Beaniten wird dieser Abzug von der Weihnachtszulage wohl auch gemacht, dafür erhalten sie aber außer der unversteuerten Korruptionszulage eine Entschädigung, die bei den leitenden Beamten ungefähr das Tausendfache der Steuersumme des mäßig bezahlten Bc- amten ausmacht. An dieser Stelle ist schon oft genug über den demoralisierenden Einfluß der Korruptionszulagc geschrieben worden. Während die Reichsbahn iede Lohn- und Gehaltsaufbesserung damit glaubt ab» drosseln zu können, daß sie erklärt, diese finanzielle Belastung nicht tragen zu können, wirst sie auf der anderen Seile geradezu unge- heure Summen zur Korrumpierung des Personals zum Fenster hinaus. Hohe Tarife und dadurch eine starte Belastung des Waren. konfums ist die Folge. Die Oeffentlichkeit hat also ein direktes Jnleresie daran, die Verwendung des?S5 Millionen Mark betragen- den Fonds„für persönliche Z w e ck e". für den jede Rechnung. lcgung fehlt, nachzuprüfen. Es wäre eine dankbare Tat, wenn auch der Reichstag durch Einsetzung eines Untersuchungsausschusses daran mitarbeiten würde Falls die Hauptverwaltung wieder erklären sollte, daß sie infolge der Dawes-Gesetzgebung dem Reichstag und auch der Regierung ein Auskunftsrecht nicht zugestehen konnte, wäre darauf hinzuweisen, daß ihr diese Gesetzgebung lediglich das Betricbsrecht und nichts weiter zugewiesen hat. Eine solche Untersuchung würde einen außer- ordentlich übel duftenden Korruptionssumpf aufdecken. Eine Erhebung über sie Arbeitslosigkeit. Wie sie sich in Baden auswirkt. Ueber dieErwerbslosigkeitinBadenhatdas badische Ministerium des Innern dem Landtag eine„Uebersicht über die unter st ützende und produktiv« Erwerbslosen- fürsorge nach dem Stande von Mitte November 13 2 6" vorgelegt, die anschaulich zeigt, wie ungeheuer schwer die Last der Erwerbslosigkeit selbst ein so kleines Land wie Baden mit kaum 2 Millionen Einwohnern und verhällnismäßig wenig In- dustrie drückt. Nach der Denkschrift des Innenministeriums stiegen die Gesamtausgaben für die Arbeitsnachweise und die Erwerbs- losenfürsorge vom Juli 1925 bis zum Dezember 1925 von 731 000 M. auf 2 030 000 M. im Monat: sie erreichten ihren Höchststand mit 5 315 000 M. im März dieses Jahres. Auf die ersten neun Monate 1S26 entfällt eine Gesamtausgabe von 36�80 561,49 M. Von diesen Ausgaben wurden aufgebracht: aus den Beiträgen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer 13.9 Millionen— 33 Proz., von den Gemeinden 4,3 Millionen== 12 Proz., Zuschüsse des Landes und Reichs je 7,9 Millionen— je 21,8 Proz. Don den Gesamtausgaben entfallen: 2 Millionen--- 5,6 Proz. auf Verwaltungskosten, 27,6 Millionen— 75,58 Proz. auf Unterstützung für Vollerwerbslose einschl. Fannlienzuschläge, 3L Mil- lionen— 9,19 Proz. aus Ausgaben für Kurzarbeiter, 3,5 Millionen= 9,6 Proz. auf Krankenkassenbeiträge und Darlehen. An den Notstandsarbeiten ist das Land wie auch das Reich nur in geringem Maße beteiligt, beide werden es insgesamt auf höchstens 420 000 Tagewerke bringen. Die Gemeinden dagegen hoben vom 1. Januar 1926 bis Mitte November rund 1,2 Jülillionen Tagewerke übernommen und haben für weitere 1 Million Tagewerke Notstandsarbeiten geplant. Nach dem Stande vom 15. November 1926 waren im ganzen 21 485 Hauplunterstügungscmpfänger niit einer Unterstützungsdauer von über 26 Wochen vorhanden. Von den Fürsorgeoerbänden werden zurzeit 1711 ausgesteuerte Erwerbslose unterstützt. Die Zahl der Notstandsarbeiter betrug in den letzten Monaten immer an. nähernd 10 Proz. der Erwerbslosen. Den höchsten Stand der Ar- bettslosigkeit hatte der Bezirk Pforzheim(Schmuck- und Goldwarenindustrie) mit 5 Erwerbslosen aus 100 Einwohner. Der Landesdurchschnitt der Erwerbslosen betrug im Monat Oktober 2,23 Proz. Bei den Kurzarbeitern wird der Hauptanteil von den Tabakarbeitern gestellt. Zahlenmäßig stellt die Metallindustrie die höchste Zahl an Erwerbslosen, well sich in diesem Gewerbe die Betriebsrationalisierunq am stärksten auswirkt, außer- dem wurden einzelne Betriebe und Betriebsabteilungen außer Landes verlegt. Gemessen an der Zahl der Berufsangehörigen stellen jedoch die k a u s m ä n n i s ch e n Angestellten den größten Teil der Erwerbslosen, ihnen folgen die Bureau- und technischen Angestellten. Die Denkschrift stellt fest, daß die Angestellten an dem zahlenmäßigen Rückgang der Erwerbslosen der letzten Monate nur geringen Antell haben._ Tie Ausicnmonteure der AEG.»Turbine. Die Außenmonteure der AEG.-Turbinenfabrik kommen zu jedem hohen Fest außer der allgemeinen Monteurversammlung noch zu einer Sonderversammlung zusammen, in der sie sich mit Fragen beschäftigen, die hauptsächlich nur Betriebssragen der Turbinen- sabrik betreffen. In der gestrigen Zusammenkunft, an der 85 Tur- binenmonteure teilnehmen, wurde vom Betriebsrat zunächst ein Bericht gegeben über die Vorgänge während der letzten Monate im Betriebe und den Beschäftigungsgrad. Die Monteure anerkannten besonders das Verhallen der Belegschaft gegenüber den Lohnabbauwünschen der Direktion, die nur eine Herabsetzung der Löhne und Akkordpreise um 3 Proz. erreichen konnte anstatt den von ihr geforderten 10 Proz. Dem Verlangen der Direktion, nunmehr auch die Löhne der Monteure im gleichen Maße herabzusetzen, brachte die Versammlung kein Verständnis entgegen. Sie beschloß vielmehr einmütig, an dem bisher gezahlten Monteurlohn fe st zuhalten und jedem Versuch auf Lohnobbau scharf entgegenzutreten. Die Monteure beschäftigten sich auch mit den Forderungen ein- zelner Betriebe, daß sie sich der im Werke üblichen Kontrolle(Uhr- stechen usw.) unterziehen sollten. Die Turbinenmonteure hatten es bisher stets abgelehnt, sich einer solchen Kontrolle zu unterwerfen, sondern sich höchstens durch Kontrollbeamte kontrollieren lassen. Die Versammlung erneuerte einen berells vor Jahren gefaßten Beschluß, der die Monteure verpflichtet, sich diesen mechanischen Kontrollen der Werke nicht zu unterziehen. Angeregt wurde ferner, mit der Werkleitung über eine Lebensversicherung der Jnlandsmonteure zu ver- handeln. Die Werksleitung hatte sich bisher einer Versicherung der Jnlandsmonteure gegenüber ablehnend oerhallen, da nach ihrer Auffassung die Gefahren auf Jnlandsmontagen nicht größer seien als im Werke selbst. Die Erfahrung zeigt jedoch das Gegenteil. Der Betriebsrat versprach, noch einmal mit der Wcrksleitung über diese Frage zu verhandeln. Es soll mit der Volkssürsörge ebenfalls ver- handelt und dann versucht werden, die Firma dazu zu bewegen, wenigstens die Hälfte der Beträge zur Volkssürsorge zu zahlen. Nach der Erledigung weiterer reiner Betriebsangelegenheiten bc- schlössen die Versammelten, am 3. Osterfeiertag wieder zusammen- zukommen._ Kongresi der„neutralen" Gewerkschaftsvercinigungen. Amslerdamm, 28. Dezember.(WTB.) Wie die Blätter melden. findet dieser Tage in Utrecht ein internationaler Kongreß von Vor- standsmitgliedern neutraler Gewerkschaftsvereinigungen zu den» Zwecke statt, die im vergangenen Jahr in Luxemburg abgehaltenen Besprechungen über die Gründung eines interstationalen neutralen Gewerkschaftsverbandes fortzusetzen. Der Kongreß wurde vom Vor- sitzenden des Allgemeinen niederländischen Gewerkschaftsbundes, de Boer, eröffnet und gelettet. Dos Vorstandsmitglied des Deut- scheu Gewerkschastsrings, L e m m e r teilte mit, daß auf Grund einer Vereinbarung mit dem Direktor des Genfer Internationalen Arbeitsamtes. Thomas, vom 1. Januar ab ein Vertreter dr: neutralen Eewcrkscl>aftsbewegung dem Genfer Arbeitsamt zugeteilt werden ioll, wozu der Vorsitzende des Deutschen Angestelltenbundes. S chn e i d e r(von den Hirsch-Dunckerschen Organisationen), aus- ersehen sei. Auf Vorschlag von Lemmer wurde serner beschlossen. die endgültige Gründungsversammlung der neutralen Gewerkschafts- internationale in der zweiten Hälfte des Jahres 1927 in Berlin abzuhalten._ Arbeitszeitverkürzung bei ftorb auch in Holland. Rotterdam. 28. Dezember.(WTB.) Mit Wirkung vom 1. Ja- nuar 1927 wird bei der hiesigen Niederlassung der amerikanischen Automobilgesellschaft Ford die fünftägige Arbettszett eingeführt. Alle Bureaus und Fabrikräums werde» daher den Sonnabend über geschlossen sein. Damit die Arbeiter von der neuen Arbeitszeitein- teilung keine Nachteile haben, werden ihre Stundenlöhne ent- sprechend erhöht werden.(Womit Ford den Beweis liefert, daß auch in Europa der Grundsatz„Hohe Löhne, kurze Arbeitszeit" durchführbar ist. Was sogen nun unsere Automobilfabritanten dazu?)___ ver-nw-rtlich für Politik: Dr.«urt««»et: Wirtschaft:». ÄllmgflWfet: ©«»ctffifioftsbcircflun«: I. Stein»; Feuilleton: St. S. Dilcher; Lokales und Sonstiges: Fei*«arstädt: Anzeigen: Tl>.»lo»«: sämtlich tn Berlin. Verlag: Boimärts-Verlag©. m. b. S.. Berlin. Drult: Borwärts-Buchbruckerer mtb Vcrlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin£38 68, Linbenftrafte Z. M Rum* Arac Deutsche Rotweine Bordeaux Silvester- NenheUenl Honniürenaus m. Schlange 1 M. Blesen- brtlie 60 pniebeswlnHcr 20 pt. kvrttr- pbotograph> M. SortnO- Rexe so Pf. zaDberwflrfel 30 Pf. Baudiersdnie« Schachtel 20 Pf. Hase, schreiend, oder mit Nasentropfen 20 Pf. SCIIIaiU>«IUiase 50 Pf. Ronbons m Heller od. Senf Karton 40 Pf. «Icsenüombem. 50 Scherzartikeln IM. Jail- insirnmcnte 20 b. 50 Pf. Papfersmianß. n. SMaanortiKel, HnalUionbon» Dtz. v.» Pf. an. fileb Diel Dtz. 30 Pt renerwem. HlUsen Dtz. v. 20 Pf. an. A-Maas& Co» ütrr.1890. Markgrafenstr.84 an der Undenstr. 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