Abendausgabe Nr. 61343. Jahrgang Ausgabe B Nr. 303 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292- 292 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblaff 10 Pfennig Mittwoch 29. Dezember 1926 Serlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszett 8 bis 5 hr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Deutsch- italienischer Schiedsvertrag. Keine Steuern, aber Geschenke! sprochen: Unterzeichnung heute in Rom. Italienische Kommentare. Der deutsch- italienische Schiedsgerichtsver.| desto geringer wird die Möglichkeit von friegerischen Verfrag wird heute nachmittag 4 Uhr in Rom von Muffolini widelungen. Man fann sogar sagen, daß es empfehlenswert und dem deutschen Botschafter, v. Neurath, unterzeichnet werden. ist, gerade mit folchen Staaten Schiedsverträge abzu Einem römischen WTB.- Telegramm zufolge wird dieser diplo. schließen, deren Regierungen friegerisch veranlagt matische Aft in mehreren italienischen Morgenblättern bereits be find. In diesem Sinne begrüßen wir ganz besonders die Unterzeichnung des Vertrages mit der Regierung Mussolinis. Mussolini hatte allerdings mehr gewünscht als einen bloßen juristischen Schiedsvertrag. Er wollte ursprünglich einen politischen Freundschaftsvertrag mit Deutschland und spielte diese Absicht in Paris als Trumpf gegenüber Frankreich aus, um einerseits die deutsch- französische Annäherungspolitik zu durchkreuzen, anderseits Frankreich in der Kolonialfrage weicher zu stimmen. Die Wilhelmstraße hat sich demgegenüber und mit Recht auf solche gefährlichen Bläne nicht eingelassen, deren Verwirklichung nur sehr hypothetische Vorteile für Deutschland, dagegen den schweren Nachteil gehabt hätte, die Politit von Thoiry zu erschweren. Außerdem verfolgt Mussolini mit derartigen großzügigen politischen Bertragsplänen die Absicht, sein Ansehen in der Welt und in Italien felbst zu festigen. Deutschland hat feinen Anlaß, ihm diesen persönlichen Gefallen zu erweisen. Eine politische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und ta lien, die ein römisches Faschistenblatt für späterhin" in Ausficht stellt, kommt für das deutsche Volk erst dann in Frage, wenn Italien zu einem zivilisierten Regime zurüdgefehrt sein mird. Messaggero" wiederholt in seinem Leitartikel zunächst, daß der Schiedsvertrag weit mehr juristische als politische Bedeutung haben werde und ausschließlich darauf abziele, über etwa auftauchende Meinungsverschiedenheiten nach bestimmten Normen zu verhandeln. Messaggero" hebt ferner hervor, daß der Schiedsvertrag trotzdem auch eine große politische Bedeutung habe, weil er insbesondere den Geist des Krieges zwischen den beiden Völkern vollständig beseitige. Die anderen Mächte hätten im übrigen teinerlei Grund zu Besorgnissen, denn der Schiedsvertrag fei weiter nichts als eine Konsequenz der Politik von Locarno und des Gesprächs von Thoiry. Das Blatt weist zum Schluß darauf hin, daß zwischen Italien und Deutschland feinerlei Interessengegenfäge bestünden, sondern daß im Gegenteil die beiden Länder darauf ange wiesen seien, sich in wirtschaftlicher Hinsicht gegenseitig zu ergänzen. So werde denn der Schiedsvertrag die offizielle Beträftigung der Wünsche von Berlin und Rom darstellen, in Zukunft unter Bermeidung aller Reibungen zusammenzugehen und zusammenzuarbeiten in der Welt, die offen sein müsse für alle Nationen, die in friedlicher Weise für Fortschritt und Kultur arbeiten wollen. Popolo di Roma" hebt heute nur hervor, daß der Schiedsvertrag eine Borbedingung für die Beseitigung von Schwierigkeiten sei, zu dem Zwede, auch späterhin eine politische Zusammenarbeit möglich zu machen. Secolo" erklärt: 3m Grunde genommen bedeutet die neue Annäherung zwischen Deutschland und Italien nichts außerordentliches für gute Beobachter der europäischen Lage, denn diese beiden Mächte waren niemals durch tiefe und dauernde Gegensätze getrennt. Zwischen beiden Völkern, die aus dem Kreige herausgegangen sind mit dem Gefühl, daß die Friedensbedingungen eine Kränkung für sie bedeuten und daß ihre berechtigten Wünsche nicht erfüllt wurden, bestehen mehr Gründe für Gemeinsamkeit als für Gegenfäße. # Gegen den Abschluß von Schiedsgerichtsver trägen läßt fich nicht nur nichts einwenden, sondern man fann ihr Zustandekommen nur begrüßen. Denn sie sind ein Mittel zur Verhütung von friegerischen Konflikten und je ausgedehnter das System der Schiedsgerichtsverträge ist, Tschechische Faschistendämmerung. Das Großkapital heißt fie abtreten. Aus Prag schreibt man uns: In der Tschechoslowakei hat die Nationaldemokratische Partei des Dr. Kramarsch eine faschistische Bewegung organisiert. Die Losung war dabei: Wenn die Deutschen in die Regierung treten, tommt eine faschistische Revolution. Es hat sich später herausgestellt, daß damit nur Die sozialdemokratischen Deutschen gemeint waren, das heißt, die Bildung einer Regierung der tschechischen und deutschen fozialistischen Parteien und der Agrarier, die sogenannte„ rotgrüne" Koalition. Nun find aber die Deutschbürgerlichen in die Regierung getreten, die angesagte Revolution fand auch in diesem Falle, wie gewöhnlich, nicht statt. Die Nationaldemokratische Partei wäre auch gern bereit, in die Regierung zu treten, trotzdem die Deutschen schon drin sind und trotzdem die Partei des Dr. Kramarsch immer grundfäßlich" die Teilnahme der Deutschen an der Regierung ablehnte. Die Klasseninteressen des großen Rapitals, welche die Nationaldemokratische Bartei vertritt, sind aber stärker als die nationalistischen Phrasen. Was soll man jetzt mit den Faschisten an fangen? Die Nationaldemokratische Partei organisiert in diesen Tagen ein breitangelegtes Intrigenspiel gegen die Faschisten, um ihre Bewegung zu zertrümmern. Es ist schon dazu gekommen, daß das Sekretariat der Faschisten auf Drängen der Nationaldemokratischen Partei polizeilich gesperrt und versiegelt murde, daß auch in das Gefretariat der faschistischen Arbeiter organisation", welche hauptsächlich aus Ueberläufern der Kommunisten zusammengestellt ist, die Polizei gerufen wurde, damit sie die unentwegten Anhänger der faschistischen Politit hinauswerfe. Die Faschisten wollen jetzt bei Gericht den Schuß ihrer Organisation suchen. Aber man fann schon heute von einem Abschluß des Kapitels vom tschechoslowakischen Faschismus sprechen. Man braucht Wie sehr es Mussolini darauf abgesehen hat, diesen Vertrag mit Deutschland für seine persönlichen Preſtigezwede auszunuzen, ergibt sich schon daraus, daß er mit allen Mitteln Stresemann nach Italien zum Unterzeichnungs aft loden wollte denselben Stresemann, den er noch vor einem Dreivierteljahr hysterisch beschimpfte. Der Reichs außenminister hat schließlich diesen Lockrufen widerstanden, und die Unterzeichnung erfolgt heute lediglich durch den Botschafter in Rom Freiherrn von Neurath, was übrigens vollständig genügt. Wir hätten es sogar vorgezogen, wenn die Unterzeich nung in Genf zwischen den eigentlichen Bätern diefes juri. stischen Werkes, dem italienischen Völkerbundsdelegierten Scialoja und dem Ministerialdirektor Dr. Gaus erfolgt wäre. Denn ein Schiedsvertrag ist ein Dokument des Fortschrittes, des Friedensgeistes, der Zivilisation. Während an jedem Dokument, das den Namenszug Benito Mussolinis trägt, ein Beigeschmad von Blut, Gewalt und Barbarei haftet. Lösung zu finden. Die Erklärungen seien übrigens nur geeignet, die bereits seit einiger Zeit latente innere Rrife in Spamen zu illustrieren. Faschismus über Gelehrsamkeit. Nur Mussolinier dürfen lehren. Rom, 29. Dezember.( EP.) Nach dem„ Popolo d'Italia" find neuerdings neun Mittelschulprofessoren ihres Amtes enthoben worden. Außerdem wurde der Bizerektor des Kollegiums von Cagliari abgefeßt, ebenso mehrere Privatschullehrer. Der Unterrichtsminister hat zudem den Professor Senator Cirincione als Leiter der Augenklinik der römischen Universität abgesett. Attentat als Terrorfignal. " Bie anders, wenn Faschisten morden! Da dürfen fie ungestraft mitnehmen, was sie wollen; von der Uhr Matteottis und den Schreibmaschinen der sozialdemokratischen Parteizeitung bis zu dem arm feligen Habe der Helden von Molinello. Demokratisch- großkapitalistische Vorschläge zur Stenersenkung. Rürzlich hat der Präsident des" Hansabundes, der demotratische Großkapitalist und Reichstagsabgeordnete Dr. Fischer, Köln, den Vorschlag gemacht, man folle für 1927 eine großzügige einmalige Steuererleichte rung durchführen. Die Kapitalkraft der öffentlichen Hand ermögliche es, für 1927 bei allen Steuerzahlungen auf Berfo nal- und Realsteuern, den Steuerpflichtigen einen einmaligen prozentualen Abzug zu gestatten. Damit fönnte der Gesamtwirtschaft eine einmalige Erleichterung um etwa 750 millionen Mark verschafft werden. Da aber selbst Dr. Fischer einsieht, obwohl er für die Steuerzahlung des Besizes nie großes Verständnis gehabt hat, daß weder die öffentlichen Ausgaben um diesen Betrag ermäßigt werden können, noch daß Barreserven zur Deckung eines Dreiviertelmilliardengeschenkes vorhanden sind, so propagiert er einen Vorschlag, den er für sehr pfiffig halten muß. Würde ihn der Bäckermeister Schulze gemacht haben lo müßte man diesem Herrn den guten Glauben und die besten Absichten zuerkennen. Bei Herrn Dr. Fischer, einem in allen fapitalistischen Geschäf= ten hocherfahrenen Mann, aber fällt das etwas schwerer. Herr Dr. Fischer schlägt nämlich vor, zum Ausgleich dieser Einnahmeverminderung die öffentliche Hand zur Veräußerung von solchen Vermögenswerten und folchen privatwirtschaftlichen Unternehmungen zu zwingen, die die Bewegung gegen die sogenannte talte Sozialisierung hervorgerufen hat". Wir fönnen uns zwar taum vorstellen, daß man Herrn sehr ernst nimmt. Das Reklamebedürfnis vergessener Orga Dr. Fischer einen Gefallen erweist, wenn man diefen Borschlag nifationen und politisch bedeutungslofer Persönlichkeiten hat schon öfters Borschläge entstehen lassen, bei denen den Berfaffern nicht wohl war, wenn man sie ernft er nahm, als fie geb a cht waren. So scheint es auch diefem neuesten Geistesprodukt von Dr. Fischer zu ergehen. Da aber die gedacht Gefahr besteht, daß der Borschlag von anderen ernft genommen wird, so dürfte eine kurze fritische Betrachtung nicht unzweckmäßig sein. Prüfen wir zunächst, welche privatwirtschaftlichen Unternehmungen sich im Besiz der öffentlichen Hand befinden. Einen erschöpfenden Ueberblick darüber gibt die Denk= schrift der Spizenverbände der Unternehmer: Die öffentliche Hand in der privaten Wirtschaft." Die wirtschaftlichen Unternehmungen des Reiches find zusammengefaßt in der Vereinigten Industries Unternehmungen Aktiengesellschaft( Bia g). Ihr Aktienfapital beträgt 120 Millionen Mart. Die Biag fontrolliert alle Wirtschaftsunternehmungen, die dem Reiche gehören, oder bei denen das Reich über einen größeren Teil der Aftien verfügt. Dazu gehören: Die Reichstreditgesellschaft 2.-G., die Elettrowerke A.-G. die Bereinigten Aluminiumwerte A.-G., das Inn wert. Bayerische Aluminium A.-G., die Mitteldeutschen Stidstoffwerte 2.-G., Banerische Kraftwerke. A.-G., Deutsche Werte A.-G. Außerdem besitzt das Reich Aktien der Ilfeder Hütte, der Telerhonfabrik A.-G., der Bayerischen Lloyd Schiffahrts A.-G. Alle diefe Beteiligungen zufammen haben einen Wert von rund 200 millionen Mart. T Außerdem ist das Reich an einer ganzen Reihe von Unternehmungen unmittelbar beteiligt, die in erster Line öffentliche Zwede fördern sollen und bei denen der wirtschaftliche Nuzen start in den Hintergrund tritt. So z. B. das Reichsministerium des Innern am Reichs. und Mailand, 29. Dezember.( EP.) Der Popolo d'Italia" melbet Staatsverlag G. m. b. H. und an der Drahtlosen Dienst A.-G., aus Padua: In Megliodin ist der Faschist Marchu auf dem Heim- Berlin. Das Reichsarbeitsministerium an der wege von Unbekannten erfchoffen und ausgeraubt worben. Deutschen Wohnstättenbank A- G., an der WohnstättenaefellDie Polizei nahm unter den Kommunisten des Ortes etwa 20 Berschaft m. b. 5. und an der Deutschen Deblandkultur G. m. haftungen vor, da nach ihren Erhebungen ein politischer Mord b.. Das Reichsernährungsministerium vorliegt und die Ausraubung nur zur Irreführung. der Reichsgetreide G. m. b. S., an der Deuterfolgt ist. schen Bodenkultur A.-G. Das Reichsverkehrsministerium ist an etwa zwanzig Gesellschaften beteiligt. Die den Kanalbau, den Kraftverkehr und den Flugverfehr einzelner Wirtschaftsgebiete fördern sollen. Bisber bestand auch eine Beteiligung am Flugzeugbau( Junkers). Der Nennwert dieser Beteiligungen beträgt in der Regel im Einzelfalle nur wenige hunderttausend Mark. Alle Beteiligungen zufammen, einschließlich der Beteiligung an der Deutschen Lufthansa A.-G. und an den Junkers- Flugzeugwerken, betragen weniger als 30 millionen Marf. Die wirtschaftlichen Unternehmungen der unternehmungen der Elektrowirtschaft, sowie des Berkehrs2änder sind in der Regel Bergwertsunternehmungen, und Schiffahrts- und des Druderei und Verlagswesens. Die industriellen Intereffen Breußens sind zusammengefaßt in der Preußischen Bergwerts- und HüttenA.-G.( Preußag), in der Bergwerfsgesellschaft Redling= hausen, in der Bergwerksgefellichaft Hibernia. Fast alle diefe Unternehmungen hat Preußen lange vor dem Kriege erworben. Die industriellen Intereffen Sachfens werden wahrgenommen durch die Sächsischen Werte A.-G. Auch hier handelt es sich meist um Bergwerks- und Elektrizitätsunternehmungen. Aehnlich liegen die Verhält niffe bei den übrigen Ländern, wenn auch ab und zu noch Beteiligungen an anderen privaten Unternehmungen vorhanden sind. sie niht mehr, der Mohr im schwarzen Hemd hat seine Schuldigkeit fongreß hat dem Programm der Swarajiften mit großer Mehrheit getan und fann gehen. Rücktritt Primo de Riveras? Meldungen aus Lissabon. Paris, 29. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Aus Lissabon melden sämtliche Morgenblätter, daß dort das Gerücht von dem bevorstehenden Rüdtritt Primo de Riveras verbreitet sei. Er werde sich völlig von der Politik zurückziehen, und an seine Stelle werde General Berenguer treten. Es sei außer ordentlich wahrscheinlich, daß bezüglich der außergewöhnlichen Erflärungen, die die Zeitung ABC vor einigen Tagen veröffentlichte, persucht werde, auf, diplomatischem Wege eine zufriedenstellende Indien fordert Selbstregierung. Der Nationalfongreß unter Führung Swarajs. Gauhati( Affam), 29. Dezember.( WTB.) Der indische National zugestimmt. Auf dem Brogramm stehen u. a. die Nichtannahme Don Aemtern und die Ablehnung des Budgets, bis die Regierung eine befriedigende Antwort auf die von der gefeß gebenden Versammlung aufgestellten Forderungen erteilt habe. Zum Tode Fritz Zubeils. Aus Anlaß des Ablebens unseres Genoffen Friz 3u beit sind beim Parteivorstand zahlreiche Beileidsfundgebungen eingetroffen, die Zeugnis davon ablegen, daß der Verstorbene weit über die Grenzen seines Berliner Wirkungskreises hinaus als ein aufrechter und unerschrockener Kämpfer für die Ideen des Sozialismus gewürdigt wurde. # Außerdem find alle Träger der öffentlichen Hand im Bantwefen start beteiligt. Außer der in den letzten Jahren neugegründeten Reichstredit A.-G. und der Deutschen Verkehrskreditbank hat Sachsen z. B. die Säch fische Staatsbanf. Thüringen die Thüringische Staatsbant gegründet, die ebenso wie die alten Staatsbanken auch mit der Privatwirtschaft Geschäfte machen. Ferner ist eine erhebliche Ausdehnung der Bankeinrichtungen der Gemeinden und Gemeindeverbände zu verzeichnen. Es ist sehr schwierig, den Kapitalwert diefer Unternehmungen genau zu berechnen; denn er wird in erster Linie bestimmt durch ihre Befugnisse und Aufgaben. Nimmt man ihnen diese, dann schrumpft der Kapitalmert natürlich sehr start zusammen. Das aber wäre doch ohne weiteres der Fall, start zusammen. Das aber wäre doch ohne weiteres der Fall, wenn man diese Unternehmungen an das Privattapital veräußern wollte. Deshalb ist es völlig ausgefchloffen, daß man die 750 Millionen Mart, die Dr. Fischer für einen einmaligen Steuererlaß gebraucht, selbst durch eine Verschleuderung des gesamten öffentlichen Eigentums an Wirtschaftsunternehmungen aufbringen tann. Die oben angeführten fünf Möglichkeiten sind somit im Augen. blid auf eine einzige zurüdgeführt: auf die einer Koalition der Kleinen Rechten, einer Regierung also, die sich auf Deutsch. nationale, Deutsche und Bayerische Boltspartei und Wirtschaftspartei stützt. Auch sie verfügt, selbst bei Neutralität der Böifischen, nur über eine Minderheit im Reichstag, wäre demnach nur möglich, wenn das Zentrum sie regieren ließe in ähnlicher Weise etwa, wie es das gegenüber dem ersten Kabinett Luther getan hat. Damals hat das Zentrum eine Fraktionserklärung abgeben iaffen, die, auf fürzester Formel gebracht, etwa besagte: Bertrauen zu euch haben wir nicht; da aber einmal regiert werden muß, so werden wir euch die Möglichkeit geben, das zu versuchen; sowie sich unsere Befürchtungen bewahrheiten, stürzen wir euch. Bekanntlich ist trok dieser schon einigermaßen unfreundlichen Neutralität des Zentrums jenes Kabinett Luther nicht nur monate lang im Amt geblieben, sondern es hat auch schwierige Gesezes aufgaben gelöst, die schier unlösbar schienen und deren Lösung man ihm nie zugetraut hätte. Berstört worden ist das erste Kabinett Luther bekanntlich nicht durch das so mißtrauische Zentrum, sondern, aus außenpolitischen Gründen, von den Deutschnationalen. Schlimmer als verrückt. Deshalb paffend für die Rote Fahne". Die Berleumdung des Journalisten v. Gleichen gegen den Genoffen Breitscheid und den deutschnationalen Reichstags= abgeordneten Qua az ist der" Roten Fahne" gerade recht gekommen. Frech erflärt sie: Breitscheid hat die Ablösung der Junkers- Werte vom Reich betrieben, Breitscheid erklärt nicht, daß er seine Auslagen sich nicht habe erstatten lassen; bodenlose Kor ruption. Der 3wed ist durchsichtig: Ablenkung von den Sowjetgranaten. Tatbestand ist: 1. Genosse Breitscheid hat mit der JunkersAngelegenheit überhaupt nichts zu tun. 2. Er hat von der Berleumbung erst durch die Quaaßsche Veröffentlichung erfahren und fofort das erklärt, von dem die" Rote Fahne" behauptet, er have es nicht erklärt 3ur selben Stunde, in der die„ Rote Fahne" ihre verleumderische Beleidigung veröffentlichte, erschien die Erklärung Breitscheids und strafte dies Kommunistenblatt Lügen. Bei der Verleumdung durch v. Gleichen mag es sich um das Tun eines Nichtzurechnungsfähigen handeln. Bei der„ Roten Fahne Nun tommt etwas Weiteres hinzu, was einer Regierung der um schlimmeres: um eine wissentliche, in vollem Bewußtsein fabriKleinen Rechten( die sich selbstverständlich jederzeit zu einer Re- zierte niederträchtige Verleumdung. gterung der Großen Rechten erweitern, d. h. das 3entrum einbeziehen könnte, sobald dieses wollte) mehr Stabilität verspricht, als das Kabinett Luther schließlich gehabt hat. Aber selbst, wenn man das fönte, so wäre es eine der unverantwortlichsten Handlungen. In der Regel wird öffentliches Eigentum in der Wirtschaft nur dort angelegt, wo die Allgemeininteressen gefördert werden sollen, wo das Privatkapital versagt, oder wo feine Alleinherrschaft öffentliche Intereffen gefährdet. Um der AusHerr v. Loebell, der auf den Reichspräsidenten einen geman erinnert sich an die Affäre des beutung der Allgemeinheit durch das Bergwerkstapital wiffen Einfluß hat man erinnert sich an die Affäre des Schranken aufzurichten, hat z. B. Breußen schon vor Jahr bekannten Hindenburg- Briefs an Loebell über die Fürsten schlägt die Ernennung eines Kabinetts der zehnten Kohlengruben in feinen Besitz gebracht. Um bie enteignung schlägt die Ernennung eines Kabinetts der Versorgung mit Gas, Wasser und Elektrizität nicht privat Kleinen Rechten" vor. Er will dadurch das Zentrum in die tapitalistischen Monopolen auszuliefern, ist auch auf diesem Zwangslage bringen, entweder dieses Kabinett zu tolerieren Gebiet die öffentliche Hand tätig geworden. Und wenn sie oder aber den Kampf im Parlament sofort aufnehmen zu neuerdings auch in das Bankwesen eingedrungen ist, so weil müffen. Der Lokal- Anzeiger" erweitert diesen Vorschlag da auch hier ein fapitalistisches Monopol zu entstehen drohte, das hin, daß der neuen Rechtsregierung auch die Ermächtigung für die Bolkswirtschaft verhängnisvoll werden kann. Bergegeben werden müsse, den Reichstag aufzulösen. fchleuderung des öffentlichen Eigentums heißt also: Auslieferung der Boltswirtschaft anbie wenigen großen Konzerne, schrankenlose Abhängigkeit von unfontrollierten fapitalistischen Gewalten. Aus der einmaligen Steuerfenfung ist auch tein volts. fchaftlicher Rußen zu erwarten. Alle Erfahrungen fprechen dagegen, daß eine vorübergehende Ermäßigung von Steuerlaften eine andere Wirkung haben würde, als die der Steigerung des Kapitalprofits. Es ist völlig ausgeschlossen, daß aus einer vorübergehenden Sen fung der Steuern eine dauernde Verbilligung der Er zeugung oder gar eine dauernde Senfung der Preise entstehen fann. In dieser Beziehung bleibt sicherlich alles beim alten. Dreiviertel Milliarden sollen also einfach verschenkt verden. Und zwar nicht an diejenigen Volksschichten, deren Bedürftigkeit außer Frage steht, sondern an die Besiger von Bermögen und größeren Einkommen. Denn nur die Befih steuern sollen nach dem Vorschlage von Herrn Dr. Fischer gesenkt werden, während er die drückende Verbrauchssteuerbelastung in vollem Umfange aufrechterhalten will! Dr. Fischers Vorschlag ist also eine rein plutotra. tische Maßnahme zum Borteil des Groß belizes, auf den die Demokratische Partei faum stol zu fein braucht. Loebells Vorschlag. Die kleine Rechte mit dem großzen Zentrumsbruder. Der Lokal- Anzeiger" veröffentlicht einen Aufsatz des Herrn v. Loebell über die Lösung der Regierungskrise. Loebell erklärt sowohl die Große Koalition als auch die Weimarer als auch die der Mitte und schließlich auch die der Großen Rechten( einschließlich des Zentrums) für unmög. lich, um dann fortzufahren: Rainer Maria Rilke. Heute früb starb in Montreug im Alter von 52 Jahren nach mehrwöchiger Strantbeit der österreichische Dichter und Romanschriftsteller Rainer Maria Rille. Rilke wohnte seit mehreren Jahren in Siders im Kanton Wallis. Er weilte zu einem Kuraufenthalt in Montreug. Der reinste deutsche Lyrifer, der niemals ein Literat, sondern nur ein ursprünglicher und einsamer Dichter war, starb auch in der Einsamkeit. Wohl führte er ein Wanderleben, bald bei Freunden in Skandinavien, verwöhnt, bald in der Gemeinschaft des mächtigen Bildhauers Auguste Redin, dessen Geheimnisse er erlauschen und aufzeichnen wollte, aber er hing doch durch alle Nerven seines Wesens mit unserem Dasein zusammen. Gerade dadurch, daß er sich vom Kunstgewerbebetrieb der Großstadt abwandte, bewahrte er die Ursprünglichkeit seines Talents. Jeht, da Rainer Maria Rilte unerwartet starb, fühlen wir erst die Größe und Echtheit seiner Begabung. Es fang in diesem Dichter das deutsche Wort in unvergäng licher Schönheit. Er war nie ein Artist, d. h. ein bewußt reimender oder rhythmisierender Poet, der das Handwerthche wegen des Hand werflichen allein übte. Es gelang ihm, das Gefühl, das ihn beseelte, vollendet auszudrücken, weil seine Dichterseele stets mit der Empfin bung für das lebendige Detail des Daseins mitflang. Symbolisch ist in diesem Sinne der Titel, den er über eines feiner Gedichtbücher feßte: Mir zur Feier." Sich zur Feier hat Rainer Maria Rilke ftets gedichtet, Weltliches und Geistliches. Die Religiosität, die er in Marienhamnen ausdrückte, war für ihn teine Artistenpose und auch feine Weltanschauungsmode. Er bewunderte und verehrte alles, was den Menschen beglüdt. Darum wurde ihm auch eine besondere Art von Frömmigkeit zugänglich. Doch all diese innige Berehrung wäre stumm und tonlos geblieben, wenn Rainer Maria Rilfe nicht das Genie der Form beseffen hätte Er war ein Deutscher, der im böhmischen Grenzland geboren wurde. Die Bewohner solcher Grenzländer sind häufig sehr feinhörig und geschmeidige Meister der Form. Sie sehen in der Sprache, die nicht alltäglich vor ihren Ohren flingt, eine besonders verehrungswürdige Kostbarkeit, die sie mit Inbrunst hegen und pflegen müssen. Rainer Maria Riffe ist aber auch ein empfindsamer Beobachter der Länder gewesen, in denen er lebte. Besonders Paris hat er hellfichtig und sehnsüchtig durchwandert. Er sah es zunächst mit den Augen der französischen Meister des Naturalismus. Er enttedte die schwierige foziale Seite unferes Daseins. Er wurde vertraut mit dem Elend der großen Maffe, wenngleich er selbst tein äußeres Elend tannte. Doch sein Gefühl war so aufrichtig, daß er neue Kunde vom Leiden der Menschheit zu geben vermochte. Darum wurde sein Roman ,, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" ein in vibrierende Musikalität getauchtes Meisterstück der Profa. Rainer Maria Rilke, der sich die deutsche Sprache zum gehor. samsten Wertmittel angeeignet hatte, war außerdem ein wunder. voller Ueberseker. Er hat die französische Lyrik der Renaissance und die kunstvollste französische Lyrit der Gegenwart verdeutscht. Er war schließlich so innig vertraut geworden mit dem, was man das Genie einer fremden Sprache nennt, daß er selber begann, französische Berfe zu dichten. Und diese Verse waren außerordent lich schen. In diesen französischen Versen pries er die milde Land " Die Entscheidung, ob dieser Vorschlag realisierbar ist, liegt einzig und allein beim Zentrum. Dieses hat aber gestern wieder durch eine Zuschrift aus parlamentarischen Kreisen, die von der Germania" abgebrudt wurde, der Meinung Ausdrud gegeben, daß eine Berschiebung des Regierungsfurfes nach rechts nicht in Betracht kommen fönne. " Eine Rechtsregierung würde auf dem Gebiet der Steuer-, Wirtschafts- und Sozialpolitik den befizenden Klassen dienen, fie würde eine schwere Kulturreaktion zur Folge haben und die deutsche Außenpolitik aufs ernſteſte gefährden. Darum bekämpfen wir sie schon in ihrer Entstehung, wie wir sie, wenn sie wirklich ins Amt fäme, erst recht befämpfen würden. Als Partei braucht die Sozialdemokratie vor diesem Kampf feine Angst zu haben, und eine Auflösung des Reichstags dürfte sie geradezu als Gottesgeschent betrachten. Die Stimme der Schwerindustrie. Sie will den Bürgerblock. Die letzte erweiterte Borstandssigung der Deutschen Bolts. partei für den Wahlkreis Westfalen Nord hat einstimmig folgende Entschließung gefaßt: „ Die Deutsche Volkspartei des Wahlkreises Westfalen- Nord danft der Reichstagsfrattion, insbesondere ihrem Bor. fizenden Dr. Scholz, für die entschlossene Haltung in der gegenwärtigen Krise. Sie verlangt, daß die Möglichkeit der Schaffung einer bürgerlichen Regierung gemäß dem Ausgang der letzten Reichstagswahlen mit allen Mitteln von der Deutschen Volkspartei betrieben wird. Die Erhaltung des unpolitischen Charakters der Reichswehr und der Justiz muß un veräußerliches Ziel der Politik der Deutschen Volkspartei bleiben. Die Große Roalition ift untragbar." Die Stimme der Schwerindustrie! schaft des Genfer Sees und der Gelände, die ihn umgeben. In dieser Landschaft ist er nun gestorben, furz nach der Vollendung feines 51. Lebensjahres. Er ist still gestorben und in Einsamkeit. Als er zum letztenmal an die Deffentlichkeit trat, war es, um die Ehrung abzulehnen, durch die er Mitglied der Deutschen Dichter akademie werden sollte. Er wollte ein Dichter sein, doch kein Akademiker, so sagte er. Eine gigantische Flußregulierung. zwar wegen der Schönheit seiner tief eingeschnittenen Täler berühmt, Der Kolorado Fluß in den amerikanischen Weststaaten ist aber zugleich ein arger Schädling der umliegenden Gebiete, da fein Hochwasser ungeheure Berheerungen anrichtet. Bei einer Ueber. schwemmung des falifornischen Gebietes brauchte man zwei Jahre, um den Strom wieder in sein Bett zu zwingen. Der Kolorado hat bei einer Länge von rund 2400 Rim. ein Gefälle von über 4000 Meter. Die Unterschiede in der Wasserführung des Stromes find gewaltig und wechseln zwischen 3000 und 200 000 Kubiijuß lim diefe so verhängnisvollen Unregelmäßigkeiten auszugleichen, hat man einen gigantischen Plan gefaßt, über den Norman McLoud diefes Stromes würden sich wirtschaftliche Vorteile im Werte von in der Umschau" berichtet. Bei einer erfolgreichen Flußregulierung hunderten Millionen Dollar ergeben, und Millionen Morgen dürren Landes würden bewässert, Milionen Pferdekräfte Elektrizität wür den erzeugt. 13 Dämme, die wie Stufen einer Treppe in meiten auf einer Strede von 1500 Kilometern bei einem Gefälle von 1000 Abständen untereinander liegen, werden das Wasser des Kolorado Metern nuzbar machen. Dadurch würden 500 Millionen Kubit meter Waffer aufgeftaut, und 24 000 Quadratkilometer dürres Land fönnten bewässert, 5743 000 PS an Energie gewonnen werden. Auf diese Weise tönnten auch noch Städte des Südwestens mit einer Einwohnerzahl von 10 bis 15 Millionen mit Wasser versorgt werden. Der unterste Damm liegt 1250 Meter tiefer als der höchste. In drei Staaten, Utah, Arizona und Kalifornien, wird eine fast zusammen hängende Kette von 30 Seen geschaffen, die 3. T. 160 Kilometer lang und 8 bis 12 Kilometer breit sind. Der größte Damm, der 185 Meter hoch fein soll, so hoch wie ein 40ftöckiger Bolfenkrazer, wird an der " Cannon Bridge" errichtet und wird einen 125 Kilometer langen See bilden. Das Landschaftsbild des Flußgebietes wird dadurch völlig verwandelt; es wird aber dadurch nicht weniger eindrucksvoll gestaltet, und die einzelnen Schönheiten werden nicht beeinträchtigt. Die Schönheit des weiblichen Körpers in der Bewegung." Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, der Mensch befinnt sich gegenwärtig auf die Rechte seines Körpers. Daher war es auch ver ständlich, wenn die Leitung der Urania den Studienrat Alfred Leopold Müller darüber sprechen ließ, was Leib und Seele im Tanze empfinden und gestalten tönnen. Aber wie der Herr Studienrat sprach, das war nicht verständlich. Offenbar ist der künstlerische Tanz, der seelische Kräfte frei macht, bem Redner selbst zum Erlebnis geworden, doch war sein Vortrag nicht derart, daß er den Zuhörern zum Erlebnis werben fonnte. Der fränfische Erbfeind" fann uns, nach einer Bemerkung des Redners, die Freude am Lanz nicht nehmen, aber er felbft fann sie uns nicht Die Berleumdungen des Freiherrn v. Gleichen find übrigens in einer Rorrespondenz verübt worden, die den Titel führt:„ Vera trauliche Informationen des Ringverlages". In einer der neuesten Nummern wird erzählt, daß Breitscheid und seine Gattin' an den Junkers- Werfen intereffiert seien. Genosse Breitscheid hat von dieser idiotischen Verleumdung erst dadurch erfahren, daß Herrn Quaaz, der ja als Deutschnationaler den völkischen Kreisen nahesteht, ein Exemplar des Berleumderblättchens in die Hände geriet. Sonst wäre Breitscheid überhaupt nicht in der Lage gewesen, sich zu wehren! Diese Vertraulichen Informationen" des Ringverlags find offen= bar eine besonders hervorragende Einrichtung. Der Herausgeber verdient das schwere Geld, die Abonnenten freuen sich, daß sie über ihre Mitmenschen etwas Nettes zu lesen bekommen, der verant wortliche Redakteur aber, wenn es einen gibt, braucht sich nicht zu verantworten, da die mehrlosen Objekte des Geschäfts, die Bera leumdeten, von nichts wissen und nicht flagen fönnen. Der Freiherr v. Bleichen follte auf seine Erfindung ein Patent nehmen. Der Fall Rau. Amnestie abgelehnt! Eine Prinzipienerklärung? Die Rote Fahne" teilt heute mit, daß der Reichsa präfident das Gnadengesuch des Redakteurs der Stuttgarter fommunistischen Preſſe, Fritz Rau, aba gelehnt hat.. . Es ist anzunehmen, daß die Entschließung des Reichss präsidenten im Einvernehmen mit dem Reichsjustizministerium getroffen worden ist. Der Fall Rau ist ein Schulbeispiel für unhaltbare Urteile, die das Reichsgericht megen Hochverrats gefällt hat. Die Ablehnung des Gnadengefuchs muß beshalb wie eine Prinzipenerklärung wirken gerichts und wie eine Aufforderung zur Fortsetzung dieser -wie eine Billigung der bisherigen Praris des ReichsPragis. Der Reichsjuftizminister hat laut seine Stimme wegen des Justizunrechts von Landau erhoben. Es steht ihm nicht gut an, die Wiedergutmachung des Justizunrechts in Deutschland schroff abzuweisen. um Unfall des Genoffen Noste. Aus Hannover wird gemeldet: Oberpräsident Roske hat gestern im Harz auf einer Dienstreise in feinem Auto einen Unfall erlitten. Es handelt sich einen einfachen Rippenbruch. Der Oberpräsident hat das Sanatorium Barna in Braunlage aufgesucht, wird aber heute noch nach Hannover zurüdfehren. geben, denn Pathos erfest feine Frische und noch so vorzüglich angewandte Zitate ersetzen feine eigen erarbeiteten Gedanken. Das Bildmaterial war, abgesehen von einigen fünstlerisch hochstehenden Zeichnungen, welche die Bewegung gut erfaßten, recht zweifelhafter Natur. Der Vortragende übte auch schärffte Kritik an den schlechten Bildern. Warum wurden sie denn gezeigt? e. b. Deffentlicher Telephondienst mit New York. Der englische General postmeister teilt mit, daß angesichts der befriedigenden Fort fchritte in den Bersuchen mit transatlantischer Telephonie, die Hoffnung besteht, einen vorläufigen öffentlichen Telephondienst zu eröffnen. Für ein Dreiminutengespräch werden 15 Pfund Sterling Anfang Januar nächsten Jahres mit dem Telephonbezirk New York berechnet, jede weitere Minute foftet 5 Pfund Sterling. fich gezwungen, bas seither in Kraft befindliche Verbot von PrivatRußland gestattet Privatschulen. Die russische Regierung fah schulen aufzuheben, da die bestehenden staatlichen Anstalten der von der Bevölkerung verlangten Berschiedenartigkeit der Schularten und Unterrichtsgebiete nicht zu genügen vermögen. An die Genehmigung von Brivatschulen werden zwei Bedingungen gefnüpft: fie müssen ich der staatlichen Inspektion und Regelung unterstellen und 25 Broz. ber Pläge armen Kindern schulgeldfret überlassen. Der ausgemusterte Napoleon. In Frankreich ist soeben ein neues Gesetz für die militärische Rekrutierung in Kraft getreten, das der mit der Aushebung betrauten Kommission ble Pflicht auferlegt, fich bei der Musterung der Rekruten ausschließlich von wissenschaftgreß von Bariser Anthropologen Anlaß gegeben, die Frage zu er lichen Gesichtspunkten leiten zu lassen. Das Gesez hat einem Konörtern, ob etwa Napoleon I. auf Grund der neuen Bestimmungen zum Militärdienst tauglich befunden worden wäre. Nach eingehender Erörterung wurde diese Frage verneint. Dr. Thoris erklärte fategorisch, daß er, falls man ihn mit der Untersuchung des zufünftigen Raisers der Franzosen betraut hätte, ihn unweigerlich als untauglich erklärt haben würde. Mit 17 Jahren wäre er zu migr, mit 30 Jahren als zu dick befunden worden. Es war ein Körper n.it schwachen Lungen, mit schlechtem Magen, ohne Muskeln. turs ein Organismus, der letzten Endes nur aus einem Kopf bestan und deshalb als anormal bezeichnet werden müsse. Mit Rücksicht auf die förperliche Länge des Retruten Bonaparte hätte er ihn im günstigsten Falle zum Dienst in der Festungsartillerie für iauglich befunden. Der untaugliche Bonaparte hat trotz dieser academischen Bedenken bekanntlich militärisch allerlei geleistet. Die Herbftausstellung der Akademie der künfte am Pariser Plat wird am 2. Januar, nachmittags 5, Uhr geschloffen. Der Kunfifalon Hirzel- Spanier, chillitra 5, am Lüzowplay, stent im Januar Berte von Hermann Hendrich aus. Der neue Borftand des Wertbundes Geb. Rat Peter Brudmann in Seilbronn, der in diefem Jahre als Nachfolger Riemerschmids zum ersten Borfibenden des Deutschen Wertbundes gewählt wurde, hat jest Riemerschmid und Sans Boelzig in den engeren Borstand berufen. Eine Ausstellung der Kunft der Geiflestranten. In Moskau hat Brof. B. 3. Starpon eine Ausstellung von Bildern und Zeichnungen verantalet, be hon ben Infaffen verschiebener Moskauer Irrenanstalten jährigen Sammeltätigkeit. produziert wurden. Das Material umfaßt das Ergebnis einer fünfzebn frantung der Schöpfer durchgeführt. Die Klaffifizierung ist nach der Art der Er Groß- Berlin beherbergt noch heute die größte Windmühle der Mark: die Adlermühle", die südlich der Trabrennbahn Mariendorf steht. Hier weht noch freier Wind aus allen Ecken, und wenn sich rings um die hochragende Mühle bereits eine„ Kolonie Adlermühle gebildet hat, so besteht diese doch nur aus niedrigen Häuschen und Laubengärten, die den für den Müller so kostbaren Wind noch nicht abfangen. Auch die Adlermühle ist eine Holländermühle, d. h. nur die Haube, in der sich die Welle der Riesenflügel befindet, ist drehbar, während bei den" Bockmühlen" der ganze hölzerne Aufbau auf einer drehbaren Achse ruht. Ueber dem Eingang prangt ein gut modellierter eiserner Adler, der, wie es heißt, von Rauch oder seiner Schule herrührt. Auf breitem, achteckigem Ziegelunter bau, den in der Höhe der dritten Etage eine Galerie umspannt, ruht der sich allmählich verjüngende, ebenfalls achteckige hölzerne Turm, oben abgeschlossen von der Haube, in der die Welle der mächtigen„ Ruten"( Windmühlenflügel) lagert, die 25 Meter Durch messer haben und deren Jalousien" verstellbar find, je nachdem fie mehr oder weniger Wind fangen sollen. Dem Rufenfreuz gegenüber befindet sich auf der anderen Seite der Haube, über einer fleineren Galerie, die Windrose", die dafür sorgt, daß die Ruten immer gegen den Wind stehen. Von der fleineren Galerie aus laufen Ketten außen vom Turm bis zum Boden, so daß man von hier aus die Jaloufien und die Presse bedienen fann, die als Bremsvorrichtung um das große Kammrad lagert. Dieses Rad hat ein Gewicht von 1000 Zentnern und besteht in der Hauptsache aus Eichenholz, während die Belle mit ihren 350 3entnern aus Schmiedeeisen hergestellt ist. Man versteht, daß der Bau einer solchen Mühle bei handwerksmäßiger Herstellung Jahre gebraucht hat. Auf schmaler Treppe geht es zur nächsten Etage ,, dem Preßboden, der Bremsvorrichtungen enthält. Mit Ausnahme der Wetterseite enthalten die Wände fleine Fenster, die die mit Mehl überstaubten Räume schwach erleuchten. Bom Breßboden steigt man zum Schneckenboden hinunter. Hier Prinz und Baron. Er wußte seine Leute richtig einzuschätzen. Jener geniale Schwindler, der die Dummheit und Servilität der monarchistischen Bohledlen im Lande Thüringen so geschickt auszunuzen verstand, indem er fich ganz einfach Prinz Wilhelm von Breußen" nannte, ist bekanntlich ein 22jähriger Arbeiter Domella. Jetzt wird mitgeteilt, daß dieser Domella den Behörden von früheren Schwindeleien her bekannt war. In Berlin trat er bereits im Jahre 1924 als Sach walter des Baltischen Roten Kreuzes auf. Mit gefälschten Briefbogen und Sammel listen suchte er gebefreudige Leute auf und machte gute Beute, bis er festgenommen und bestraft wurde. Im November d. 3. tauchte er dann wieder auf in einem vornehmen Hotel als Prinz Wilhelm von Preußen". Er blieb aber nur eine Nacht und verschwand bereits am nächsten Morgen. In anderen Hotels wohnte er auch damals schon unter dem Namen„ Baron von Korff" Einige Tage später nannte er sich Prinz von Liven" Bever die Kriminalpolizei ihn fassen konnte, war er schon wieder verschwunden. Nachträglich ergab sich, daß er in Potsdam und in Berlin auch einige Geistliche um fleinere Beträge angeborgt hatte. Jezt fahndet auch die Berliner Kriminalpolizei nach ihm. Mitteilungen über sein Auftauchen nimmt Kriminalfommiffar Rassow, Dienststelle D. 2, im 3immer 542c des Polizeipräsidiums entgegen. " Silvesterfahrt in den Harz. " Da in diesem Jahr die Sonntagsrüdfahrtarten über Neujahr Dom 31. Dezember, 12 Uhr mittags, bis zum 3. Januar, vormittags 9 Uhr, Gültigkeit haben, fann man von Berlin aus u. a. einen Ausflug in den Harz unternehmen, der zwei volle Aufenthaltstage im Gebirge ermöglicht. Die Sonntagsrückfahrkarte nach Werni gerode kostet von Berlin, Potsdamer Bahnhof oder Stadtbahn, in der 3. Klaffe 14 M. und in der 4. Klasse 9,80 M. Für den Ausflug kann die folgende Verbindung benugt werden: Berlin, Potsdamer Bahnhof, ab 2.05 nachmittags mit Bersonenzug, Magde. burg an 5.42, ab 6.10, Halberstadt an 7.18, Wernigerade an 8.10; hierbei ist in Magdeburg und Halberstadt ein Umsteigen erforderlich. Die Rückfahrt von Wernigerode fann entweder am 2. Januar 6.21 nachmittags erfolgen, Ankunft in Berlin 11.44 nachmittags, oder am Montag, den 3. Januar, Wernigerode ab 6.17 vormittags, Berlin, Potsdamer Bahnhof, an 11.20 vormittags. 39 Empfang der Abordnung des Kreuzers Berlin" im Berliner Rathaus. Heute stattete die Abordnung des Kreuzers Berlin" unter Führung des derzeitigen Kommandanten, Fregattentapitän Rolbe, dem Berliner Rathause einen Besuch ab. Die Abordnung wurde im Beisein der Berliner Stadträte Wege, Bugti und des Stadtmedizinalrats Prof. Dr. v. Drigalfti fowie des Stadt verordnetenvorsteher- Stellvertreters Wegner vom Oberbürgermeifter empfangen. Am Rande der Weltstadt. Krommer mündet der Fahrstuhl ein, der, ebenfalls vom Wind gefrieben, Säde bis zu 10 Bentner befördert. Im Behälterboden stehen große Käften, die das Mahlgut enthalten; daneben der Trieurboden, in dem das Mahlgut von Sämerelen und Halbkörnern gereinigt wird. Der darunter liegende Steinboden mit seinen vier Gängen und einer Quetsche, in der die Körner erst breitgequetscht werben, ehe fie zwischen die Mühlfteine gelangen, mahlt mit Halbfturm" girta vier bis fünf Tonnen Mehl innerhalb 24 Stunden. Die Mühlsteine haben ein Gewicht von 20 bis 24 3entner. Im Sichterboden und Walzenboden wird das Mehl gesichtet. Zu ebener Erde liegt die mischerei, in der das Mehl aufgespeichert wird. In dem darunter befindlichen Keller aber lagert das Getreide, das durch Elevatoren bis zum fünften Stockwerf gehoben wird, um von dort seinen Rundlauf anzutreten. Ob sich das Mahlgeschäft noch lohnt? Resigmert schüttelt der alte Müller den Kopf. Die Großen machen ben Kleinen faput." Die Bauern tragen ihr Getreide lieber in die Dampfmühlen, Landbund und Genossenschaften sorgen schon dafür. Bielleicht, daß der Einbau eines Motors den Betrieb rationeller gestalten würde. Das meiste Geld brachte ihm die Mühle, als eine Filmgesellschaft Aufnahmen machte. Da wurde eine junge Dame in phantastischem Kostüm an einen der Riefenflügel gebunden, er selbst stand am Steuer und ließ die Unglückliche" dreimal durch die Luft freisen, bis an ihrer Stelle eine Strohpuppe den Absturz imtierte. Das ist aber schon Jahre her. Seitdem fommen nur noch Photo graaphen und Maler, die das jeltsame Ding von allen Seiten mit ihren Stativen und Staffeleien berennen, so daß es nach vielen Jahren, wenn die alte Adlermühle" als unrentabel und verkehrsstörend längst abgebrochen sein wird, weiterlebt im Film als Photographie, Zeichnung oder Gemälde oder wenigstens als Namen eines neuen Großstadtbezirkes„ Adlermühle", der mit seinen Häuser blods die legte Windmühle verschlungen haben wird. Lebensgefährliche Sicherungen". Ein Leser schreibt uns: Ich war am Freitag der vergangenen Woche Zeuge eines Unglüdsfalles, der wohl hauptsächlich auf die uns med mäßige Anlage von Sicherungsvorrichtungen bei der Straßenbahn zurüdzuführen ist. Eine ältere Frau wollte am Kurfürstendamm, in der Nähe der Gedächtniskirche, den Fahrdamm überschreiten, bemerkte aber anscheinend nicht, daß zwischen den beiden Straßenbahntörpern ein Drahtnek auf gerichtet ist, das dazu dienen soll, den Bassanten das Ueberschreiten des Straßenbahnförpers unmöglich zu machen. Als die Frau das Drahtnek erreichte, prallte sie zurüd und wurde in demselben Augenblid von einem heranfausenden Straßenbahnwagen erfaßt. Glücklicherweise geriet sie zwischen die Schienen und wurde von der Schutzvorrichtung des Wagens ergriffen, so daß sie anscheinend ohne lebensgefährliche Verlegungen davonfam. Es muß aber trotzdem darauf hingewiesen werden, daß der Unglücksfall hauptsächlich durch die unzweckmäßige Anlage des Drahtzaunes hervorgerufen worden ift. Besonders ältere Bersonen fönnen bei vorgerückter Stunde und mangelhafter Beleuchtung fehr leicht den Drahtzaun übersehen und geraten dann notwendigerweise in Lebensgefahr. Wenn es schon als notwendig erachtet wird, derartige Drahtzäune zu errichten, um den Bassanten das Ueberschreiten des FahrDammes an den nicht dafür bestimmten Stellen abzugewöhnen, so ist unbedingt erforderlich, daß auch außerhalb des Fahrtörpers und nicht bloß zwischen den beiden parallel laufenden Schienen paaren ebensolche Drahtzäune errichtet werden. Wie die Dinge jezt liegen, bedeutet die Anlage eine Lebensgefahr für viele. Die Ueberführung des Genossen Zubeil. Der Aufmarsch des Reichsbanners. Am Donnerstag, dem 30. Dezember, nachmittags 5 Uhr, findet die leberführung des verstorbenen Genoffen Reichstagsabgeordneten Friz Zubeil vom Urbanfrankenhaus nach dem Krematorium Gerichtftraße statt. Die Berliner Kreise des Reichsbanners treten bazu mit mit umflorten Fahnen und mit Trommlerforps wie folgt an: Kreuzberg: 4½ Uhr Fontanepromenade( Alter Urban); Schöneberg: 4% Uhr Urbantrantenhaus; 3ehlendorf: Wilmersdorf: 4% Uhr Urbanfrankenhaus, 4% Uhr Urbanfrankenhaus, Urbanstraße; 4% Uhr Urbanfrankenhaus; Tempelhof: 4% Uhr Urbanfrankenhaus; Neukölln: 4% Uhr Urbanfrankenhaus; Irep tom: 3% Uhr Straßenbahn- Linie 95 oder 4% Uhr Urbanfranken. haus. In der Gerichtstraße( Krematorium) treten um 5% Uhr nachmittags Kreise mitte, Tiergarten, Bedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Charlotten burg, Stegliz, Lichtenberg, Weißensee, Bantow, Reinidendorf ebenfalls mit Fahnen und Trommeln an. Einlaßkarten Feuer in der Markarafenstraße. Die Feuerwehr hatte heute früh zu der auf Montag, den 3. Januar 1927, nachmittags 4 Uhr, fest gegen 48 Uhr in der Markgrafenſtr. 84 mit der Befämpfung eines gelegten Einäscherung gelegten Einäscherung des verstorbenen Genossen Friz gefährlichen Feuers und den Aufräumungsarbeiten über drei gubeit sind vom Bezirkssefretariat der SPD., Lindenstraße 3, Stunden angestrengt zu tun. Das Feuer war in einer Leder anzufordern. Die Ueberführung der Leiche findet am bearbeitungswerkstatt ausgebrochen. Durch eine Holztür griff es auf Donnerstag, den 30. Dezember, nachmittags 5 Uhr, vom das Lager eines angrenzenden Bapierwarengeschäftes über. Größere Urbantranfenhaus nach dem Krematorium Gerichtstraße statt. Der Mengen Papier und Neujahrsscherzartikel wurden durch Feuer- und Bezirksvorstand erwartet zahlreiche Beteiligung. Die Genossen Wasserschaden vernichtet. Eine ungewöhnlich starke Berqualmung ernehmen Ausstellung vor der Leichenhalle in der Grimmstraße. ichwerte das Löschen, Der Bezirtsvorstand. Zu einer Winterfonnenwendfeier hatten sich gestern abend die Mitglieder des 14. Kreises im Großen Saal der Neuen Welt verfammelt. Das sehr gut zusammengestellte Programm begann mit einem Tanz Schnee", den Erna Sydow mit ihrer Kindergruppe ausführte. Nach einem Musikstück für Cello und Orgel, meisterhaft gespielt von Hans Kraus und Karl Stabernad, sprach Alfred Beierle Für Europa" von P. J. Jouve. Der junge Chor unter Leitung von Heinz Tiefsen sang russische Volkslieder, die ebenfalls reichen Beifall fanden. Von dem weiteren sehr umfangreichen Programm gefiel vor allem der Tanz von der Kindertanzgruppe Kindertraum zur Weihnachtszeit". Ein schönes, ein inhaltreiches Fest, das sicherlich lange unvergessen bleiben wird. Zugzusammenstoß auf Bahnhof Schweikershain. Die Reichsbahndirektion teilt folgendes mit: Am Dienstag abend gegen 11 Uhr fuhr auf Bahnhof Schweifershain Linie Riesa- Chemniz der Güterzug 9248 auf den wegen Dampfmangels zum Halten gefommenen D- 3ug 74 leicht auf. Durch den Anprall wurde eine Anzahl Reisender leicht, zum größten Teil ganz leicht, verlegt. Der beschädigte Teil des Schnellzuges wurde mit den Verletzten nach Chemnitz weiter geleitet. Den Verletzten wurde ärztliche Hilfe, soweit es nicht schon auf Bahnhof Schweitershain geschehen war, in dem Arztwagen geleiftet, der in Mittweida an den D- 3ug angehäng worden war. Als Ursache des bedauerlichen Unfalles ist die vorzeitige Freigabe der Einfahrt für den Güterzug anzusehen. Der Materialschaden ist gering. Der Betrieb auf der Linie Chemniß- Riesa wurde nur unwesentlich gestört. Unter dem Verdacht des Giftmordes. Der im Untersuchungsgefängnis zu Lüneburg unter dem Berdacht, vor acht Jahren in Karmig( Kreis Lüchow) feinen 70jährigen Bater und seine beiden vier Jahre alten Kinder ver. giftet zu haben, sigende Maurer Kehbein, beschuldigt nach einer Meldung des Norddeutschen Provinzdienstes neuerdings seine Frau, vor Jahren einen Russen, der in ihrer Wirtschaft are beitete, durch Gift umgebracht zu haben. Ob diese Bezichtigung zutrifft, muß erst durch die Untersuchung der ausgegrabenen Leichenteile festgestellt werden. Bier Gefängnisinsassen entwichen. Breslau, 28. Dezember.( WTB.) Wie die Schlesische Zeitung" aus Krappig bei Oppeln meldet, haben vier Gefangene, die im Gerichtsgefängnis untergebracht waren, am zweiten Weihnachtsfeiertag den Justizwachtmeister Stein, als dieser die legte Runde machte, in eine Belle eingesperrt, ihm die Gefängnisschlüssel abgenommen und sind geflüchtet. Die Verfolgung wurde fofort aufgenommen, ist aber bisher ergebnislos verlaufen. Sämt liche Geflüchtete befanden sich in Anstaltskleidung. Ueberall Kälte und Regen. Bei Nizza ist eine italienische Fischerbarte aufgefunden worden, deren einziger Insasse erst nachy längerem Bemühen wieder ins Leben gerufen werden konnte. 3weifeiner Gefährten waren erfroren und über Bord gespült worden. Nach einer Meldung aus Paris find gestern in Frankreich wiederum feds Berfonen der starken Kälte zum Opfer gefallen. Aus einzelnen Städten berichtet man eine a normale Sterblichteit infolge der Kälte unter den älteren Personen. Im übrigen hat auch in Paris Regen eingesetzt, se daß mit einem Rüdgang der Kälte gerechnet werden muß, wenngleich in der Provinz vorerst noch ein weiteres Sinten der Temperatur erwartet wird. Aus den österreichischen Alpenländern wird bei startem Steigen der Temperaturen große Lawinengefahr gemeldet. Die alpinen Vereinigungen warnen vor Skitouren, besonders im Hochgebirge. In den Staaten Missouri, Tennessee, Rentudi und Alabama bauern die wollenbruchartigen Regenfälle weiter an. Durch Ueberschwemmungen wurden zahlreiche Gebäude beschädigt. 14 Personen sind ertrunken. Ein Meteor in der Schweiz niedergegangen. In Ulmiz bei Murten im Kanton Bern ist ein Meteor niedergegangen. Die Bauern tränkten gerade das Bieh, als eine feurige Rugel unmittelbar vor einem Haus niederschlug. Ein junger Bauer fonnte noch eben rechtzeitig flüchten, um nicht erschlagen zu werden. Unfall eines deutschen Dampfers im Finnischen Meerbusen. Der beutide Dampfer Frithjof" wurde auf dem Wege von Leningrad nach Rotterdam im Finnischen Meerbusen durch Eismaffen schwer beschädigt. Er wurde in den Revaler Hafen gebracht, wo er in Dod gehen mußte. Der Dampfer hat an der Bordwand einen 25 Fuß langen Riß. Der Kapitän berichtet, daß die Eisdede im öftlichen Teil des Golfes zweieinhalb Fuß dick ist. Die estnischen Gewäffer sind noch eisfrei. In der Schießerel an der belgisch- luxemburgischen Grenze. belgischen Grenzortschaft Martelingen gerieten mehrere Lugemburger und Belgier in einen Streit, in dessen Berlauf ein belgischer Steuerbeamter feinen luxemburgischen Gegner durch Revol verschüsse töblich verlegte, nachdem er ihn mit der Waffe bis auf luxemburgisches Gebiet verfolgt hatte. Eine gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet worden. Sport. Breitensträter schlägt Spalla. Hamburg, 29. Dezember.( Tul.) In Anwesenheit von etwa 7000 3ufchauern schlug gestern abend der deutsche Ermeister Breitensträter den Staliener Guiseppe Spalla in einem Zehnrundenkampf sicher nach Puntten, während Sturt Brengel eine Buntiniederlage von von dem Franzosen Bermaut hinnehmen mußte. Geschäftliches. Eine neue Leiser- Filiale. Im Hause Belle Alliance- Straße 106 hat die.tu geiler eine neue Filiale eröffnet. Aus einer üblen Maurereifterfaffade mit Balkönchen, unmöglichen Stuffaturen und dem üblichen Kunstfram früherer Epochen erstand in knapp 2 Monaten ein mogen Geschmacksrichtung vollauf entspricht. An Hand geschickter Fachdernes Geschäftshaus, das in feiner flaren Linienführung der heuti Teute wurde der frühere Hof eines Wohnhauses mit zwei anfchließenden Fräulein Dr. Ing. Frommer und Dipl- Ing. Domány Bureauräumen und einer Garage zu einer großen Halle vereinigt, die nach vorn in den eigentlichen Ladenraum mündet. Auf diese Weise wurde die ganze Grundstücksfläche ausgenußt und damit eine intereffante bauliche Lösung gefchaffen. Das Glasbach, das die Halle überspannt, ist begeh- und befahrbar, so daß dem Hause selbst nichts rerloren gegangen ist. Die Geschäftsräume sind mit allem Komfort neuzeitlicher Geschäftsgebarung ausgestattet. Jedem Käufer wird auf Wunsch ein begutachtender Orthopäde sowie ein Fußocrschönerer zur Verfügung gestellt. Zur Berkürzung der findlichen Langeweile wenn Mutter sich allzu schwer entscheiden fann gibt es ein Raruffell en miniature und andere Beluftigungen. Silvesterpunsch in allen Berliner Familient. Gie find wte befannt von hervor Aschingers Silvester Pfannkuchen find auch in diesem Jahre die Beigabe zunt ragender Güte und dabei ungewöhnlich preiswert. Als befondere Spezialität bec Alchinger Konditoreimaren find die Ananas Pfannkuchen, bie fich weit über Berlin hinaus allergrößter Beliebtheit erfreuen. Su haben sind die Pfanutuchen in allen Aschinger- Konditoreien. Der Schiedsspruch im Braunkohlenbergbau. Einstimmige Ablehnung Hannover, 29. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die am Tarifvertrag für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau beteiligten Arbeiterorganisationen haben gestern in einer Konferenz zu dem Arbeitszeitschiedsspruch des Reichsarbeitsministers Stellung genommen und einstimmig die Ablehnung dieses Schiedsspruches beschlossen. Wie wir erfahren, haben die Zechenbefizer beim Reichsarbeitsministerium den Antrag gestellt, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. Dieser Antrag war zu erwarten. Der Reichsarbeitsminister hat für morgen Berhandlungen darüber festgefeßt. Daß es bei diesen Verhandlungen zu einer Einigung tommen könnte, halten wir für ausgeschlossen. Die Unternehmer stehen auf dem Standpunkt, daß die Arbeitszeit gar nicht lange genug sein fann, während die Arbeiter die Rüd fehr zum Achtstundentag fordern. Der Reichsarbeitsminister wird also vor die Alternative gestellt sein, die unmenschliche Arbeitszeit im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau entweder durch die Verbindlichkeitserklärung aufrecht zuerhalten, obwohl dafür nicht einmal ernsthafte wirtschaft. liche", geschweige denn foziale Argumente geltend gemacht werden fönnen; oder er wird en Antrag der Unternehmer ablehnen und damit die Wiederherstellung des gefeßlichen Zustandes ermöglichen, der wahrhaftig für Ueberarbeit den weitesten Spielraum läßt. Hier wird der Reichsarbeitsminister offen bekennen müssen, ob es ihm auch nur im geringsten ernft ist mit der Rückkehr zum Achtstundentag. Wenn die Gewerkschaften sich im Kampfe mit den Unternehmern befinden, dann können es sich die Kommunisten nicht verkneifen, den Unternehmern zu Hilfe zu kommen. So wie das Schiedsgericht, das die zwölfftündige Arbeitszeit defretierte, gegen die Gewerkschaften und mit Hilfe eines Kommunisten und eines Gelben zustande tam, fo versucht jetzt wieder die Rote Fahne", den Zechenbesitzern zu Hilfe zu eilen. Sie schreibt unter anderem: Der Bergarbeiterverband hatte bisher mit den Braunkohlenunternehmern das Mehrheitsabkommen getroffen, das die tarif liche zwölfftündige Arbeitszeit vorsah. der Gewerkschaften. Nachdem die„ Rote Fahne" wider besseres Wissen. Behauptungen aufgeftellt hat, deren offensichtlicher Zwed die Diskreditierung des Bergarbeiterverbandes ist, somit also eine Hilfeleistung für die Unternehmer bedeutet, spielt sie sich als Lehrmeister auf, um den Gewerkschaften zu zeigen, wie es gemacht werden müßte. Es verlohnt sich nicht, auf diese findlichen Ausführungen, die bei jedem Gewerkschaftsfunktionär, auch wenn er Mitglied der KPD. ist, nur em mitleidiges Lächeln hervorrufen fönnen, irgendwie zu antworten. Wenn aber die„ Rote Fahne" in der Absicht, eine möglichst große Verwirrung unter den Arbeitern anzurichten, schließlich schreibt:" Darüber hinaus zeigen die Borgänge, daß die bisherige Taftık der ADGB.- Instanzen bankerott ist, und daß der Kurs gründ lich geändert werden muß"- so geben wir dem Bolschewistenblatt den Rat, einmal einen Berichterstatter in das mitteldeutsche Braun. fohlengebiet zu schicken, um festzustellen, wer bankerott ist. Das mitteldeutsche Braunkohlengebiet war einmal die Domäne der Kommunisten. Nachdem es der KPD. gelungen war, die Gewerf schaften zu zerstören und die Arbeiter dem Kapital hilflos auszuliefern, hat die KPD. selbst dort so gründlich abgewirtschaftet, daß sie nur noch wie ein Schatten ihrer. vergangenen Herrlichkeit wirft. Inzwischen ist es den Gewerkschaften gelungen, die Organifationen in langsamer, außerordentlich schwieriger, aber stetiger Arbeit zum guten Teil wieder aufzubauen. Das ist gelungen trots der Quertreibereien der bankerotten KPD. Und da diese banterott gemacht hat, würde ihr etwas mehr Bescheidenheit viel besser anstehen. Der Schiedsspruch für Ostfachsen. Lohnerhöhung von 7%, Prozent. Dresden, 29. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die die Grundlöhne sowie die Affordrichtsähe und Affordstüdlöhne werden um 7% ½ Pro3. erhöht. Affordregulierungen, die auf Grund des Rahmentarifvertrages zuläffig find, werden durch diese Regelung nicht ausgeschloffen. Für die 2- Stuhl- Arbeit ist der Grundlohn des 1- Stuhl- Webers um 15 Proz., für die 3- Stuhl- Arbeit um 28 Proz. und für die 4- Stuhl- Arbeit um 36 Proz. zu erhöhen. Auch in der Redaktion der„ Roten Fahne" muß befannt sein, daß die zwölfftündige Arbeitszeit nicht vereinbart worden ist zwischen Die endgültige Einführung und Durchführung des Drei- und dem Bergarbeiterverband und den Zechenbefizern, sondern durch Mehrstuhlsystems ist mit der gefehlichen Betriebsvertretung zu einen verbindlich erklärten Schiedsspruch den Arbeitern aufgeregeln; über technische Fragen entscheidet die Betriebsleifung. 3 mungen wurde. Dieser Schiedsspruch kam zustande, nachdem der Bergarbeiterverband seine Beifizer aus dem Schiedsgericht zu rüd gezogen hatte und der Schiedsrichter auf gut Glück ein Schiedsgericht zusammenfeßte, in das er als Arbeitervertreter einen Kommunisten und einen Gelben berief. Beiter schreibt die Rote Fahne", nachdem sie einigen Unsinn über den angeblichen Inhalt des Schiedsspruches verzapft hat, daß. Die Unternehmer hoffen, die Betriebsräte durch den rücksichtslosesten Terror niederzwingen zu fönnen, zumal der Bergarbeiterverband feine Lohnforderungen gestellt habe. Selbstverständlich weiß die Rote Fahne", daß der legte Lohn schiedsspruch, der eine Lohnerhöhung von 4 Proz. bestimmte, noch nicht abgelaufen ist und also nicht gefündigt werden konnte. Dieses Cohnabkommen gilt ab 1. Januar 1927 und fann mit monafiger, an den Schluß des Kalendermonats gebundener Friff, frühestens zum 30. September 1927, aufgefündigt werden. Erklärungsfrist für die Parteien: Montag, den 3. Januar 1927. Die Weihnachtsgeschenke der Reichsbahn. Die Hauptverwaltung ,, berichtigt". Die Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft schickt uns eine Berichtigung, in der es heißt: ,, Die Leistungszulagen, die, wie bekannt, für besondere Leistungen bei der Reichsbahn gezahlt werden, erstrecken sich auf alle Beamten gruppen. Die in dem Artikel angedeuteten Zahlungen für einzelne Beamte gehören ins Reich der Fabel. Es ist hinreichend bekannt, baß insgesamt etwa 20 millionen Mart unter dem Beamtenpersonal verteilt werden, das über 300 000 Röpfe beträgt. Von einer Rorruptionszulage dabei zu sprechen, muß, wie der Leistungserfolg diefer Zulagen gezeigt hat, mit aller Schärfe zurüdgewiesen werben. Wenn in dem Artifel weiter von einem Fonds für persönliche 3mede in Höhe von 285 Millionen Mark gesprochen wird, für den jede Rechnungslegung fehle, so fann nur bedauert werden, daß der Berfasser sich nicht genügend mit der Zusammensetzung der Betriebsausgaben der Reichsbahn beschäftigt hat. Diefer Posten von 285 Millionen Mart umfaßt alle Ausgaben, die aufs personelle Gebiet außer Gehälter und Löhne entfallen." Soweit die Berichtigung, die nur bestätigt, was wir geschrieben haben. Niemals ist von uns behauptet worden, daß die Rorruptionszulagen an einzelne" Beamte gezahlt und daß die 285 Millionen nur für Korruptionszulagen verwendet werden. Wir haben ohne die Zahlen näher zu bezeichnen, angegeben, welche Summen an die verschiedenen Beamtenfategorien gezahlt werden und daß hierfür fein Steuerabzug erfolgt. Das ist der Kern. Das versucht aber auch die Hauptverwaltung nicht zu bestreiten. Daß die Korruptionszulagen an alle Beamte gezahlt wird, ist einfach nicht wahr. Wir staunen über die Kühnheit dieser Behauptung. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends Don 9-1 Uhr geöffnet. Berantwortlich für Bolitik: Dr, Curt Geyer; Birtschaft: G. Klingelhöfez; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Lokales R. H. Döscher; und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. 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