Nr.»14 ♦ 43. �ahrg. Msgade A Nr. 313 Bezugspreis. BMentlid) 30 Sfenai«. msnaiNch 8, Aeichsmart doccu«»adldai. Unter SituitMiBt ffiz Seurtdilon», 3>cum. Soor*»od•toulacbut. Otliitictd) Li tax»» Luitmbut« AiO faiibemart. für da» ttbcis« All»5and 5 j0 ZleiS-mart»CO Monat. See.Sormärt«* mit der COufttic» tu) Sonntaaebtilaa«»Soll und Seit* loa»« den Seilaixn.Unlerboliun» uno Birten*.Au»»et SilmweU*. .ifrouenfitmmc*.Der Rinder» freund* Luaend- Lorwirts* und JBlirf in die Bücherwelt* erscheint wochenlZalich»weimal. Tonntag» und Montags einmal. Teleetramin. Adresse: «SazlatMoMtcat Perlla" Morgenansgabe Vevlinev Volksblatt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: 9it einloatttac ZionvareMe. teile 80 Tlennio, ReNamezeile B/- SReicbsmarf. JMelne«»»eigen* da» fettaednufte Bort 25 Lienni« (»uliffia ,wei fettaedrutftt Borte), lebe» weitere Bort 12 Lfenni«. ktellenaesuche da» etile Wort 15 üfenma. iede» weitere Wort 10 Lfennl«. Borte Ober 15 Buch» (loben»Sblen für«met Borte. «rbeitsmorft Seile 60 Bfennln. ffotnillenanjeiaen für Abonnenten Seile« Pfennin. «Meiden für die nichüe Zlmnmer mürten b!»«'b Ubr nachmittaa» wt SauotoefchSfi, Berlin EW 6». Linden- ftrasiei, obneneben werben.(BeBffnet oc ii 8Vb Ubr früb bt» 5 Ubr nachm. Zentralorgan der Soztaldemokratifcben parte! Deutfchlanda Reöaktion und Verlag: öerlia Ew. 68, Linöenstraße 3 Fernsprecher: TSuhoss 292-297. Donnerstag, den BO, Dezember 1026 Vonvärts-Verlag E. m.b.H.» öerlln EW. 6$, einüenllr.? «•RfcheAentai Berlin n IM- BenNonie: Lank bee«rbeiter.«ngeBeltea NN» Leoauen Balte. Bi CUbnU-chelelldiafi. Scnorttcntarte Linbcnftr. 8. /xpolitisthe Sriketts.� Die Anklage der„Juugdentscheu".— Mißbrauch wirtschaftlicher Macht zu politischen Zwecken Die ,.National"g«slnnung der Schwerindustrie hat sich wieder einmal im herrlichsten Lichte gezeigt. Diesmal ist es sine„nationale" Orgamfalion, die den Zorn der Ge- waltigen kennen lernen muß. weil sie in einigen Dingen ihre eigenen Ansichten hat. ,£kr Iungdeutsche". dos Organ des Jungdeutschen Ordens, gibt eine Nachricht wieder, die ihm von seinem Vertreter in Naumburg zuging. In dieser Mitteilung heißt es: «Im vergangenen Jahre hatte gelegentlich unserer Kohlen- und Geldsammlung sür die Bedürftigen der Stadt Naumburg Herr Karl F. Richter, Inhaber der gleichlautenden Alrma, außerdem Stahlhelmmitglled, uns WO Zentner Brifetls zum A u s n a h m e p r e i s von 250 Wart besorgt in seiner Eigenschaft als ilufsichtsralsmitglied der Riebe ik-Moalaowertc Sn_ diesem Jahre verweigerte er dieselbe Litte mit der Be» gründung:«daß er für den Znngdeulscheo Orden kciuea Federstrich mehr tne, solange Herr Mahraua an der Splhe stände". Er be- denkt dabdi nicht, daß die Kohlen ia für Arme, die dos städtische Wohlfahrtsamt auswählte, bestimmt jind und mit dem Orden nichts zu tun haben." Weil Mahraun bei aller Betonung seiner deutschen Gesinnung— Ordensgruß: Treudeutsch allewege!-- einer Verständigung mit Frankreich das Wort redet, desHall' will das Äufsichtsratsmitglied der RiebetL-Montan» werk-. keinen Finger mehr rühren", um durch Vermittlung der Jungdo einigen Armen billige Kohlen zu verschoffen! Kaum jemals ist der Charakter dieser„privaten Mild- tät'gkeit" so offen als Mittel politischer Korrup- t i o u gekenn.'eichnet worden, als durch diese Weigerung in Naumburg. Der„Iungdeutsche" spricht in d-esem Zusammen- bang von„politischen Briketts" Es zeigt sich, daß sie früher nur vermittelt wurden als L o h n für„gute" Gesinnung, nicht aus einem sittlichen Gebot. Ebenso brutal tritt diese Tendenz in einem anderen Falle «ms. den die Ordensleiwng aus Es s e n mitteilt. Die„B e r g- Werksgesellschaft Dahlbusch in Essen hatte bisher auch gern Iunndo-Leute in Arbeit genommen, solange sie als„national" im Sinne der Schwerverdiener galten, also als Sturmbock gegen Sozialdemokratie und Gewerschaften betrachtet wurden. Als aber neuerdings die„Druderichaft Essen" sich wieder einmal um Unterbringung arbeitsloser Mitglieder bei der Gesellschaft bewarb, erhielt sie von dem Generaldirektor folgende Antwort: «Zurückkommend auf Ihre Zuschrift vom 10. dieses Monat», mit welcher Sie baten, stellungslose Mitglieder bei Besetzung von Stellen zu berücksichtigen, teile ich Ihnen mit, daß ich zwar früher dem Iungdeutsche» Orden das allergrößte Inleresi« entgegengebracht habe, diese» aber restlos oerloreo habe durch die Art und Weise, wie der Großmeister Mahraun es für gut befunden hat, in letzter Zeit vorzugehen." Das ist ein« Absage in aller Form, und man kann die Gefühle Iungdeulschen begreifen, die angesichts dieser kapi- taiistischen Herrschermethoden in ihrem Blatte zornig aus* rufen: «Um das politisch« Ziel der vereinigten PlutokraNe zu erreichen, Mahraun vom Orden, den Orden von Mahraun zu trennen, läßt man arbelUlose deutsche Menschen verhungern, nennt sich aber trotzdem seelenruhig weil»»national*, wir»warten mit ecidenschast die Stunde, in d» mit diesem»Notionolismu»* ausgeräumt w»dea wird. Daß seine Mentalität ia immer weiteren volkskreise» erkannt wird, dafür sorgen nicht nur wir Iungdeutschen, sondern dazu Helsen vor allem seine vertrei» selbst.* Was dem— treudeutsch allewege!— Jungdeutschen Orden jetzt widerfährt, ist den klassenbewußten Arbeitern frei- lich seit Jahrzehnten nichts Neues mehr. Seit die Vorfahren der heutigen 2lrbeitergeneration begonnen hatten, sich in Ge- werkschaflen und Partei eigene wirtschaftliche und politische Organisationen zu Ichassen, seit sie Menschenwürde und Gleich- berechtigung für sich forderten, hat die. vereinigte Plutokratie" mit de» gleichen Mitteln des sozialen Boykotts und der poli- tischen Unterdrückung gegen sie gekämpft. Die„Jung- deutschen", die bisher einen schwärmerischen„Volksnationa- lismus" predigen, fangen jetzt an, zu erleben, was sozialistische wie christliche Arbeiter seit Jahrzehnten erfahren mußten, daß den Vertretern des Kapitals das Profitinteresse immer so hoch steht, daß daneben ideologische Begriffe, wie „christlich",„national" und dergleichen völlig erblasien. Wenige Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Das Interesse für„national« Belange" gilt für sie nur so lange, als sie ihre Kapitelsinteressen durch sie nicht gefährdet glauben. das Zentrum will nicht! Absage an Locbell. � Die Regierung der„kleinen Rechten", wie sie Herr o. L o e b e l l vorgeschlagen hat, wird von der„Germania" in der allerbestimmtesten Form abgelehnt. Das Zentrums- blatt führt aus: Bei dieser„kleinen Rechten" käme, wie Herr von Loebell richtig sagt, alle« auf die Haltung des Zentrums an. Aber er irrt, wenn er glaubt, die Zentruinssrottion könne gegenüber der kleinen Rechten dieselbe Haltung einnehmen, wie zu dem Kabinett Luther. Konnten wir damals sagen„Vertrauen haben wir nicht, aber wir lassen euch regieren," so müßte die Formel des Zentaims gegenüber dem Loebellschen Gebilde diesmal lauten:„wir haben med» vertrauen, noch lassen wir euch regi»en.* Von den innenpolitischen Unmöglichkeiten, vor die sich das Kabinett der kleinen Rechten ge- stellt sähe, wollen wir einmal schweigen. Daß man aber glauben könne, das Zentrum würde die Geschicke Deutschlands einer Regie- rung überlassen, in der die Gegner des Dölkerbunde» und unserer Außenpolitik die Mehrheit haben, zeugt doch von einer Vertennung der Gesamtsituotion. Westarp zum maß- gebenden Mann der deutschen Politik zu machen, hieße: Poincarä stärken, bedeutete eine Gefährdung aller Erfolge, die die deutsche Außenpolitik in den letzten Iahren erzielt hat. ist überhaupt in dem Jahre der von uns»hofften Rheinlandräumung eine glatte Unmöglichkeit. Das Zentrum würde einfach seine Politik oerleugnen, wenn es auch nur indirekt die Regierung der kleinen Rechten unter- stützen wollte. Dieses Experiment darf nicht gemacht werden. Dann ist es schon besser, daß der Reichstag gleich auf- gelöst würde. Denn die Regierung der„Neiueu Rechten* dürste den »sten lag im Reichstage nicht übnleben. Di«„Germania* verweist zum Schluß auf die von ihr veröffentlichte Zuschrift aus der Zentrumsfrattion. die sich gleichfalls gegen eine Rechtsschwenkung ausgesprochen hatte, und schließt:„Damit erledigen sich alle Spekulationen «ms Tolerierung eines Kabinetts der kleinen Rechten durch das Zentrum." Deutlicher kann man nicht sein. Sölu. 29. Dezember.(Eigen» Drahtbericht.) Die..Kol- uische Dolkszeitung" äußert sich am Mittwochabend zu dem Vorschlag de» Bürgerblockpropagandisten von Loebell in scharf ablehnendem Sinne. Sie schreibt u. a.:«Herrn von Loebell» Pläne sind durchsichtig: ihnen gegenüber kann nur fest- gestellt werden, daß sich im Zentrum niemand finden wird, der es mit seiner Verantwortung vereinbaren würde, die Politik der mittleren Linie nach rechts oerschieben zu lassen. Das Schwergewicht muß bei den Mittelparteien verbleiben, von denen wir meinen, daß sie ihre Aufgabe darin zu sehen hätten, die außen- politische Befriedung durchzuführen und sämtliche, insonderheit aber die besitzlosen Volksschichten in ein innigeres Verhältnis zu Volk und Staat zu bringen. Dazu ist die Mitarbeit der Sozial- demokratie erwünscht." * Auch die«B a d i s ch e Zentrumskorrespondenz" äußert sich scharf ablehnend. Sie schreibt:«Rur einem deutsch- nationalen Gehirn können Gedankengänge entspringen wie: das Zentrum soll eine Rechtsregierung stillschwelgend tolerieren oder sich nochmals mit d» Aschenbrödelrolle der Fachminister begnügen. Die Zeiten sind vorbei. Wenn die Deutsche Dolkspartei sich vom Zentrum trennen und ohne Rücksicht auf ihren langjährigen Weggenossen mit anderen Parteien zusammengehen will, so können wir sie daran nicht hindern. Ueberraschen würde dies uns nicht, dagegen für die Zukunft die Situation erheblich klären." Kanzlerkanüiöat Steyerwalü. Kein Kabinett der„kleinen Rechten". Der aus Zentrumskreisen unterrichtete„Reichsdienst der deutschen Presse" schreibt: Nach unseren Informationen hat der Reichspräsident es bereits abgelehnt, einen auf Bildung eines Kabinetts der kieinen Rechten hinauslaufenden Auftrag zu erteilen. Ebensowenig dürft« der Reichs- Präsident geneigt sein, den bisherigen Reichskanzler Marx erneut mit der Kabinettsbildung zu beauftragen. Als aussichtsreicher Kandidat gilt vielmehr der Zentrumsabgeordnet« Stegerwald, der aber die Kanzlerschaft nur in einem Kabinett der Großen Koalition, für das sich gestern auch die„Germania" einsetzte, zu über- nehmen bereit sein soll. Für den Fall, daß Stegerwald scheitert, gilt die Betrauung von Dr. Curtius als wahrscheinlich, die aber im Zentrum auf Schwierigkeiten stoßen dürste, da man stch im Zentrum kaum damit einverstanden erklären wird, daß sowohl der Kanzler» Posten wie der des Außenministers der Boltspartei überlassen werden. Das Interessanteste an dieser Meldung ist, daß nach der Absicht des Reichspräsidenten eine neue Betrauung an Marx nicht mehr in Betracht kommen soll. Im übrigen ist man ge- wohnt, im Lauf der Verhandlungen über eine neue Regierung Namen auftauchen und wieder verschwinden zu sehen. Versammlungen in öombap. Anfänge der indischen Arbeiterbewegung. Von Franz Josef Furtwonglcr. Bombay, Ende November. Neben den Besuchen von Arbeiterwohnungen und Fabrik- betrieben, über deren Ergebnis erst nach Abschluß der Reise eingehend berichtet werden kann, sind es besonders die abend- lichen Bersammlungcn.die unsere Zeit in diesem Lande in Anspruch nehmen. Wenn die Schwäche der Menschen- und Finanzziffern der jungen indischen Gewcrkschas- ten zur Mullosigkeit Anlaß geben könnten, so zeigen diese Versammlungen, die stets gut besucht sind, daß auch in dieser Arbeiterschaft Interesse und Disziplin genug vorhanden sind» um zu guten Hoffnungen für das weitere Gedeihen der Bc- wegung zu berechtigen. Wir hatten Versammlungen von zweitausend und dreitausend Köpfen. Solche Meetings finden dann nicht wie die kleineren in öffentlichen Lokalen, sondern unter freiem Himmel statt. Nicht auf offenem Felde, sondern in einer eigens dafür abgesperrten Straße. Dann wird zuvor die ganze Straße mit Teppichen belegt, auf denen die Inder mit übcreinandergeschlagenen Beinen hocken. Was auf der Straße keinen Platz findet, besetzt die Holzveranden der drei- bis fünfstöckigen Häuser. Ueber die ganze Straße kreuz und quer werden Schnüre gespannt, die dicht mit Wimpeln bc* hängt sind, und die Beleuchtung stiftet zurzeit der gütige Himmel dieses Landes in Gestalt eines hell leuchtenden, off fast senkrecht über uns hängenden Silbermondes, neben dem zur Ergänzung höchstens noch ein Lämpchen für den Redner- tisch erforderlich ist. Dieser Tisch aber wird regelmäßig mit Blumen überschüttet, die In immer neuer Zusammenstellung mit farbigen'Bändern kunstvoll zu Sträußen und Girlanden gewunden sind. Drum herum ein Gewoge von Fez, Turbans und weißen oder farbigen Kitteln und Hemden. Wahrlich romantisch genug ist eine solche Versammlung in Indien. Obgleich alle Redner sich schärffter Knappheit befleißigen. dauert eine Bersammlung selten weniger als drei Stunden, denn was der englische Delegierte Tom Shaw in seiner Sprache sagt, muß Ioshi oder ein anderer Führer ins „Mahratti", die Sprache von Bombay, und diese abermals ein anderer für die anwesenden Mohammedaner in deren Hindustaniidiom—„Urdu"— übersetzen. Und wenn gor erst Genosse Schräder vom Deutschen Textilarbeiterverband in unserer Muttersprache redet, so müssen diese Worte erst den Weg übers Englische nehmen, um dann in die indischen Idiome übertragen zu werden. Darüber gibt es jedesmal Heiterkeit. Erstaunlich ist, daß während des ganzen lang- wierigen Uebersetzungswerkes die Nichtsverstehcnden völlige Ruhe bewahren, niemals unter sich plaudern, was in Europa wahrscheinlich überall geschehen würde. Der Begriff der Langweile scheint diesett Menschen mit ihrer traditionellen Be- schaulichkeit völlig fremd zu sein. Einmal, es war in einer Versammlung, die fast völlig aus Mohammedanern bestand, versuchte ich die Prozedur des Uebersetzens zu umgehen und hielt meine Ansprache in Hin- dustamsch. Die Freude und Verwunderung meiner dankbaren Zuhörer war so rührend, daß ich mir wie>cin Betrüger vor- kam, als es mitten drin nicht mehr gehen wollte und ich ihnen die Enttäuschung bereiten mußte, in Englisch sortzusaliren» wodurch die Dolmetscherkette wieder in Funktion treten mußte. Und ich hätte so gerne vom Herzen zu den Herzen gesprock'en! Denn unter diesen Fez und Turbans steckt so manches junge, fast kindliche Gesicht von unverkennbarer Intelligenz und Be- geisterungsfähigkeit, so daß sich mir in jeder Versammlung von neuem der frohe Gedanke ausdrängt: vielleicht steckt in diesem hier, vielleicht in jenem dort ein künftiger Bebel, welcher dem Freiheitskampf seiner Klassen- genossen Pfade bereitet. Nein, die Arbeiterbewegung dieses Landes wird nicht erfassen, vi�r sie nach der gegen- wärtigen Mitgliederziffer und Finanzlage bemißt. Denn hier müssen zahlreichere Hindemisse als in Europa bestitigt wer- den, ehe das Gros der proletarischen Armee mobilisiert wer- den kann. Schon haben wir etwa ein halbes Dutzend Verfamm- lungen hinter uns, und obgleich sie in ein und derselben Stadt abgehalten wurden, zeigte uns fast jede einen neuen Arbeiter- typ, irgendein neues soziales Element des Landes. Vom- b a y ist gerade in diesem Punkte wohl eine der lehrreichsten Städte Indiens. Es ist Hafenstadt, Pforte für die Ankömm- linge aus Europa und dem westlichen Asien. Als M i l- lionenstadt und Industriestadt saugt es aus weitem Umkreise das verarmt« Landvolk auf und quetscht es in dni großen Armuttvinkel seiner Proletarierviertel.. Wo Rassen- und Klassengegensatz zusammenfallen wie hier, da verdovpelt sich der Kontrast. Sind die proletarischen Stadtteile von Berlin, London, Paris enge Gesindestuben netzen den Herrschaftsvierteln des Westens, so kann man hier nur den traurigen Vergleich eines Kehrichtshaufens anwenden. aii� dem die Millionenmosie armer Eingeborener zusammengefügt ist.' Bombay ist H a n d e l s st a d t und hat eine bunt» gemischte einheimische und weiße Handelsbourgeoisie, es ist außerdem die einzige Stadt, die eine große Zlnzcchl der aus Persien stammenden Anhänger der Zarathushtrareligion. von P a r s e n. aufweist, die. etwa kl) Ml) an der Zahl, meist Händler, Industrielle und Intellektuelle sind. Ferner liegt Bombay in einer Landesgegend, wo das meist im Süden zusammengedrängte, alteingesessene, dunkelfarbige Urein- wohnerelement der Drawiden und die arischen Inder zu- jammentreffen. Neulich hatten wir eine Versammlung des See» leuteverbandes� einer der besten und größten Organi» sationen in ganz Indien. Den großen, dicht besetzten Ber- sammlungsraum zierte ein mit Kerzen umgebenes großes Bildnis der Jungfrau Maria. Wir tonnten uns diese merkwürdige Erscheinung nicht erklären, bis wir belehrt wurden, daß etwa die Hälfte dieser Seeleute und fast alle Fichrer der Gewerkschaft aus dem noch heute portugisischen Goa stammen und strenge Katholiken sind. Hier wurde außer den zwei anderen noch ein weiterer indischer Dialekt gesprochen, der stark mit portugisischem Wortbestande vermischt ist. Die Leute waren ungewöhnlich groß und kräftig, ihre Organisationsleitung erwies sich als gut und zielklar. Doch so strikt und klar auch die gewerkschaftsichen Grund- sätze und Richtlinien betont wurden, so fiel uns auch in dieser Versammlung auf, was wir in allen anderen wahrnahmen: die Tatsache, daß der politische Emanzipations- kämpf dieses Landes von dem gewerkschaftlichen Streben noch weniger als irgendwo sonst zu trennen ist. Zu groß sind die Hindernisse, die von der politischen Seit« her sich der freien Entfaltung der ökonomischen Arbeiterbewegung in den Weg stellen und zu gering ist das Interesse der Regierung und ihrer Organe, auch nur die vorhandene spärliche Sozialgesetzgebung«durchzuführen. So ist es zu er- klären, daß jede flüchtige polltische Andeutung, ob sie von Tom Shaw oder einem indischen Führer gemacht werde, be- sonders starken Beifall auslöst. Immer wieder wird man darauf gestoßen, daß die große Masse des Proletariats p ä r» l a m e n t a r i s ch kaum zu Wort kommt Der deutsche Proletarier kämpft auf der Tribüne der Demokratie um sein soziales Recht. Der indische kämpft noch um diese Tribüne selbst.___ »vaterlanösverrat und Gehirnerweichung� das ist die deutsche Außenpolitik im Urteil der „Deutschen Zeitung". Die Ausführungen der„Germania" über die Unmöglich» keit. der Rechten maßgebenden Einfluß auf die Außenpolitik einzuräumen, die wir an anderer Stelle wiedergeben, finden ihre ungewollte Bestätigung in einem Aufsatz, den Graf v. d. S ch u l e n b u r g in der„Deutschen Zeitung" veröffent- licht. Darin wird ausgeführt, daß man bisher bei den Be» sürwortcrn der deutschen Außenpolitik wenigstens guten Willen hätte unterstellen können. Anders aber sei das nach Landau: Wenn aber jetzt nach der neuen deutschen Schmach von Landau noch irgend jemand in Gedanken. Worten oder Handlungen Der- sShnung mit Frankreich erwägt oder betätigt, so ist das bös» willig. Eine Entschuldigung gibt es nicht mehr dafür, weder vor dem menschlichen noch vor dem politischen Gewissen. Denn Politik ist die Kunst des Möglichen: dies aber ist unmöglich. Hier gäbe es also keine andere Erklärung mehr, als die der ffranzosenfrcundschoft. d. h. aber bei der Gesinnung der Franzosen gegen uns de» Vater- landsverrate» an die Franzosen. Die Schmach von Landau ist das Stichwort für jeden Deutschen, das in ihm die Erkenntnis wachruft: alles, was vor. in und nach Versailles in den Verhandlungen mit Frankreich geschah— von der Zusammenkunst im Walde von Eompiegne augesangen— war grundverkehrt(fotvett es nicht aus Böswilligkeitver- brechertsch war), weil es mit einem Frankreich rechnete, das e» nicht gab und nie gegeben hat. Wem aber, wie gesagt, Polit'k die Schneesturm am Dachstein. Von Dr. Volkmar I r o-. Di« Spitzen des Toten Gebirge« stehen scharf umrissen, unheimlich nahe gegen den grün-blauen Himmel. Weit im Norden verlieren sich die blauen Wälder in den Hügelwellen. Drüben über den Salzburger Bergen steigt ein« schwarze Wolkenmauer auf, vor ihr fliegen weitz« Fetzen und verschleiern trüb die Mittagssonne. Drohend türmen sich vor uns die schwarzen Nordwönd« des Dachsteins. Di« Simonyhütte, noch eben deutlich sichtbar, verschwindet schnell im Dunst. Wir machen kurze Rast und öffnen die Rucksäcke, Schnee ho übe. Fäustlinge, die Wollweste werden hervorgeholl.«in Stück Schokolade in die Tasche der Windjack« gesteckt, die Latern« sorgfältig überprüft. Kompaß und Karte vorbereitet. Zur Sicherheit werden noch«in paar Fäustling« unter der Weste oerstaut, damit ein Wechleln rasch möglich ist. Denn ein richtiger Schneestunn aus dem Dachstein ist kein« Kleinigkeit, und die Wand drüben, die sich höher und höher schiebt, verkündn, daß uns«in harter Kampf bis zur Simonyhütte bevorsteht. Heber Äruchharsch geht der Ausstieg weiter, vorbei an der Ochsen- wiesalpe, die bis zum Dach« oerweht ist. Schon segen die ersten Windstöße herüber und bringen Eiskörner mit. In Sekunden sind die Wände vor uns, das ganz« Plateau verschleiert, die Markierung»- stangen verschwinden bereits in dem weißen Wirbel. Ein« Wächte. die nicht zu umgehen ist, sperrt den Weg. Der Erst« schnallt die «retler ab und arbeitet sich, jeden Schritt prüfend, bis zur Brust im Schnee, keuchend hinauf.«Räch einer Viertelswnd« sind wir andern vier gleichfalls oben. Der Sturm wächst von Minute zu Minute, wir kämpfen uns durch die fahle Dämmerung schrittweise vorwärts, mein Vordermann bewegt sich wie«in wsißer Klumpen, der nächst« ist trotz der kurzen Abstände nicht mehr zu sehen. Wir hallen nach Kräften Tempo, um vor Einbruch der völligen Dunkelheit möglichst nahe gegen die Hütt« zu kommen. Nach einer Stunde wird die Führung gewechselt und beraten, ich die Hütte bei diesem Orkan überhaupt erreicht werden kann? Im schlimmsten Falle haben wir zwei Zell« für fünf Mann: die Aussicht aus ein Biwak im Schneestunn Ist allerding, nicht verlockend. Also vorwärts! Jetzt ziehe ich als Erster los und gleit« durch den siellenweis« schon«inen halben Meter tiefen Neuschnee. Der Sturm peitscht da» Ei« in die Augen: nur blinzelnd kann ich die nächste Markierungs» stange suchen. Kein Wanderer, der im Sommer diese Stangen und Pflöcke sieht, weiß, was sie im Nebel und Sturm dem Schneeschuh. läuser bedeuten! Jeder dieser schwarzm Schatten, die plötzlich wieder gespenstisch auftauchen, ist von Bedeutung: das Fehlen von zwei oder drei Stangen kann einer nicht sehr gut orientierten Parti« zum Aer» hängms werden. Ich verliere ein paarmal den Anschluß, da einzeln« Staugen vom Sturm« geknickt oder umgeworfen sind, sind« aber Kunst des Möglichen ist, so kann sie ja nur mit wirklichen Nationen umgehen, verhandeln. Beträge schließen und nicht mtt phantosttschen, in den erweichten Gehirnen von Pazifisten und anderen Sonder- lingen lebenden... Also handeln wir danach! Aber wie? hört man Verschiedene mit zitternden Knien fragen. Für wen zittern sie? Für sich selbst? Dann sind es elende Feiglinge, die nicht wagen, jür die ehrliche deutsche Sache, wenn nöttg. ihre haut zum Markt zu tragen den Vaterlandsseinden im eigenen Lande gegenüber.... Es gibt für uns keine andere Möglichkeit mehr, denn die eine Möglichkeit Ist widerlegt: jene Möglichkeit aber des Widerstandes gegen französische Anmaßung ist durchaus erfolgversprechend f ü r jeden, der das französische Volk kennt, das nur so- lange frech und herausfordernd ist, wie es sich andere gefallen lassen. Denn die Frechheit der Franzosen mag uns gegenüber zugleich politisches Mittel sein, das ja auch jahrelang sich trefflich bewährt hat: sie ist aber außer- dem im Charakter mindestens der französischen Führer begründet, also deswegen polltisch um so weniger ernst zu nehmen. Da» Ueber» h'ebliche, ja Niederträchtige der französischen Führer entspricht einem rassischen T i e s st a n d, wie er den führenden Schichten Frankreich« eignet. Daß solche Auffassungen in der Deutschnationalen Partei heute die maßgebenden sind, soll nicht behauptet werden. Sie können aber in jedem Augenblick für die Partei maßgebend werden, und die Führung muß daher auch in jedem Äugen- blick mit ihnen rechnen. Sie waren maßgebend, als die Deutschnationalen, dem Druck ihrer wilden Männer folgend, wegen der Locarnopolitik aus der Regierung austraten. Was der Graf v. d. Schulenburg die Politik des„Vater- landsocrrats an die Franzosen" und der„Gehirnerweichung" nennt, ist die Politik, die selbstverständlich fortgesetzt werden muß. Die„Vaterlandsfeinde im Lande", gegen die man nach seiner Meinung„die eigene Haut zu Markte tragen" muß, sind die Minister von gestern und die Mnlster von morgen — vielleicht deutschnationale Minister! Auch von diesen Mi- nistern muß verlangt werden, daß sie für die Sache de» Volte» „ihre Haut zu Markte tragen", wie es z. B. R a t h e n a u fietan hat. Dazu gehört Mut. Die deutschnationalen Minister ind aber, als es mit der Locarnopolitik ernst wurde, aus- gekniffen. * Di« Vereinigten Vaterländischen Verbände hatten gestern abend zu einer Kundgebung In den Kammersälen aufgefordert, wozu auch der Landesverband Berlin der Deutschnationalen Volk«» parte! und der„Eportbund" dieser Partei eingeladen hatte, vor dem Hauptredner des Abends, dem bekannten Dr. Stadtler sprach zunächst der deutschnattonale Landtagsabgeordnet« Bachem. Er erklärte, daß man das. was vor dem Dawes-Abkommen und Lo» earno als„Schmach und Schande" empfunden worden wäre, später unter der Bezeichnung Locarno und Thoiry gut- geheißen hätte. E» schien so. als wenn in den großen Beifall auch die anwesenden Deutschnationalen einstimmten. Dem preußischen Ministerpräsidenten Braun hat Herr Bachem sehr übel genommen. daß er eine amtliche Ausstellung aller französischen Uebergrisf« ab. gelehnt hat. Einen sotchen Ministerpräsidenten sollt« ein Ent- rüstungesturm von seinem Platz sortfegen. Di« Staatslenker sollten keine törichten Phrasen reden, sondern der Well die Augen darüber öffnen, daß wir uns da. Vorgehen der Franzosen nicht mehr g«. sollen lleßen.. Dr. Stadtler erklärte, er habe Frankreich hassen und ver» achten gelernt. Der Gegensatz zwischen dem deutschen und dem fran- �ö fischen Volk« sei unausgleichbar. Unter dem Jubel der Versamm» lung schlug Dr. Stadtler vor. einen Bund oller Frankreich hassenden Bölker zu bilden, der bi» noch Afrika und Asien reichen soll. ver preußische Mlnisterprästdenl Genosse Braun, der von einem vor kurzem erlittenen Unfall noch nicht völlig wiederhergestellt war, hat sich durch einen neuen Unfall eine schmerzhaft« Quetschung der linken Hüfte zugezogen und muß infolgedessen da» Bett hüten. immer wieder die Route, die trotz bester Kenntnis höchstens an einem Felsblock oder Latschenfleck zu erkennen ist. Di« rasch einfalleich« Dunkelheit erschwert die Orientierung aufs äußerst«. Nach einer Dreioiertelstund« habe ich genug, mein« Augen sind vom Schnee verschwollen und verweigern den Dienst. In einer Mulde übernimmt»in anderer die Führung, ver Sturm ist«in wenig ab. geflaut: wir täuschen un» jedoch nicht, daß es nur ein« Atempaus« ist, und stärken uns schnell mtt einem Schluck Tee und einem Bissen Schokolade. Bei normalem Weiter wären wir schon In der Hütt«: heute haben wir zu«wer Streck«, die sonst in fünfzig Minuten zurück- gelegt wird, fast drei Stunden gebraucht. Sobald wir«n Rande der Mulde find, bricht da» Toben von neuem los. Wie tausend Teufel brüllt es Im Dunkel, die Stöße sind derartig heftig, daß man sich mit den«ingerammten Stöcken dagegen stemmen muß. Der Führende hat sein« Laterne an der Brust: der dünne Schein zieht langsam vor mir her. Kein Wort wird gesprochen. Ringsum nur graues, jagendes Flimmern, Schnee, dunkle Latschen. Plötzlich Halt. Die Markierung fehlt wieder. Der Lichtschein des Ersten verschwindet. Wir rücken langsam nach,— er gibt m Abständen Signale mit der Pfeis«. Der Lichtschein taucht wieder auf: Wir sind von der Route abgekommen und müssen auf unserer Spur zurück bi» zur letzten Stange. Wieder Signal ein verdämmernder Lichtschein. Warten im Sturm. E» dauert kostbare Minuten,«he wir weiterziehen. Schon kommt langsam die Abspannung, das Atemholen wird schwerer, die Augen schmerzen. Wir sind jetzt vier Stunden im Schneesturm. Di« Hütt« muß in nächster Nähe sein. AU« Kräfte werden angespannt, denn wir ziehen jetzt gegen den Sturm. Di« Führung kommt wieder an mich. Der Schein meiner Lampe reicht kaum zwei Meter— es ist fast nur mehr«in Tasten im Schnee. Ein dunkler Schatten dicht vor mir: Fels. Wir sind an dem Felskopf, auf dem die Hütt« steht. Di« Bretter werden abgeschnallt und Steigeisen genommen. Die Bretter auf der Schulter, stapfen wir metertief durch den Neuschnee, dann wieder über glattes Ei». Der Schein der fünf Laternen zittert über die weiß« Fläche. Da, von weit her, das Bellen eine» Hundes. Ein kräftiges„Hurra" gellt In die Stacht, der Hund antwortet un». Rascher steigen wir die letzten Serpenttnen hinauf. Ein großer, schwarzer Fleck taucht vor uns auf: nach wenigen Schritten nimmt er die Umrisse eine» Hauses an. aus dem«in trüber Lichtschein fällt. Wir sind vor der Simonyhütte. Roch ist die letzt« klein« Schwierigkest zu überwinden. Der Wintervorbau, in dem sich der Eingang befindet, ist vollkommen ver- weht: mtt den Brettern schaufeln wir un» einen Schacht durch. Rasch wird im Vorraum die dicke Eiskruste abgebürstet, und dann kommt der köstlich« Augenblick, da man in die warn« Küche tritt und fich am Herd trocknet. Ein stundenlang erkämpftes warmes Essen, dos Ausstrecken neben dem Ofen, während man fein« Pfeift raucht: das sind d« kleinen Freuden de» Alpinisten, die er gegen kein« der be- gehrtejftn mondänen Vergnügungen tauscht. Parteiausschuß. Der Parteioorstand teilt mit, daß die Sitzung des Partei- ausfchusses vom Dienstag, den 11., au? Montag, den 1 l). Januar, verlegt worden ist. Weitere Zunahme üer Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Untcrftühtcn am 7 Proz. gestiegen. Dft Zahl der Hauplunierstühungsempsänger in der Erwerbs- lofenfürsorge hol auch in der ersten Dczemberhälste eine weitere Zunahme erfahren. Zn der Zeit vom l. bi» 15. Dezember 1926 ist die Zahl der mäanlichen Hauptunlerslühungsewpsäuger von l 12 4 ODO aus 1 208 000 gestlegeo. die der«eib- licheo von 245 000 aus 256 000, dlc Gesamtzahl von l 569 000 aus l 4 6 4 0 0 0. Die Gesomlzunahme beträgt rund 9 5 0 0 0 oder 6L Proz. Di» Zahl der Zuschlagsempsänger sunler- stühung»berechtig« Familienangehörige) ist lm gleichen Zeilraum von t 465 000 aus 1 592 000 gestiegen. das richterliche difziplinarrecht. . Preußischer Richterverein für ceffentlichkeit der Hauptvcrhandlung. Der Preußische Richterverein teilt mit: Der Preußisch« Richterverein hat sich wiederholt für die Schaffung eines neuen richterlichen Disziplinargesetzes ausgesprochen, dos an die Stelle de» veralteten Gesetze» vom 7. Mai 1841 treten soll. Eine von ihm eingesetzte Kommission hat sich deshalb bereits in mehreren Beratungen mit der Reform des richterlichen Disziplinar- rechtes besaßt. Es erscheint aber zweckmäßig, erst dann abschließende Vorschlägt zu machen, nachdem da- Disziplinarrecht für die Reich»- b« a m t e n In der neuen Reichsdicnststrafordnung, über die zurzeit im Reichstag noch beraten wird, endgültig noch gercgett worden ist. Zu den Punkten, in denen man eine Reformierung de» richterlichen Disziplinarrechtes erwägt, gehört auch die H e r st e l- lung der Oeffentlichkeit in der Haupwerhandlung. Hier möchte der Preußisch« Richterverein, um allen Mißverständnissen vorzubeugen, schon jetzt erklären, daß er die öffentliche Verhandlung vor dem Disziplinargericht, soweit die Allgemeinheit ein Interesse daran hat, grundsätzlich für geboten erachtet. Konfession und Schule. Die Paritätssrafte im Rheinlande. Der preußische Kultusminister widerspricht in Beantwortung einer deutschnationalen Anfrage den Angaben einer Broschüre über die Parität an den höheren Schulen der Rhein- Provinz tm Jahre 1S2S. Der Antwort werden statistische Unter- lagen über das Verhältnis zwischen evangelischem und katholischem Bekenntnis in der Lehrer- und Schülerschaft der höheren Schulen der Rheinprovinz im Schuljahre 192.V26 beigegeben. Daraus ergibt sich, daß an den staatlichen höheren Lehranstalten det Rheinprovinz 4572 Schüler und Schülerinnen evangelischen und 10 922 katho« tischen Glauben» waren. Don den festangestellten Lehrern und Lehrerinnen waren 228 evangelisch und 442 katholisch. Von den Schülern und Schülerinnen an allen öffentlichen höheren Lehr- anstalten der Rheinprovinz waren 37 663 evangelisch und 414 6 7 katholisch. Von den preußischen Studienassessoren waren in der Rhelnprooinz 178 evangelisch, 628 katholisch, einer jüdisch. In Brandenburg 613 evangelisch, 50 katholisch. 23 Indisch, in Hannover 256 evangelisch. 47 kacholisch, in Westfalen 192 evangelisch, 396 kvtho- lisch, in Hessen-Nassau 228 evangelisch. 98 katholisch, 6 jüdisch. polikischer Selbstmord ln der Sowfttunlon. Das Miigiled des allrussischen Zentralvollzugskvmitees und Vorsitzender de« Gewert- schastsrates des Gouvernements Woronefh, Martowitsch, hat Selbstmord verübt. Auf dem letzten Kongreß der Gewerkschaften in Moskau vertrat Markowitsch Ansichten, die denen der Opposition nahekamen. Wegen der ihm deswegen gemachten vorhallungen ging Markowitsch in den Tod. Draußen tobt noch immer der Sturm und verweht die Hälft bis zum Dach. Während die Latschenscheiftr im Ofen knistern, sitzen wir in vorsintflutlichen Filzlatschen und machen Pläne für den morgigen Tag. Das Barometer steigt, und der wacker« Seetaftr prophezeit eine herrlich« Abfahrt von der Dachsteinwarft über das Karls-CTüJftld. Fertigstellung der Bauten aus der TNuseumsinftl. Die im Etat für 1927 für Museumsbauzwecke vorgesehene Summe von 400 000 Mark, zu der noch andere lausend« Mittel kommen, ermöglicht es, die gertlgstellungsae»eiten so zu beschleunigen, daß man damit rechnet, bis Ende 1927 den lltardflügei beziehen zu können. Es wird deshalb vorläufig am Innenausbau der vorhandenen Räume gearbeitet, während die Vollendung weniger wichtiger Teile(Säulen- halle usw.) zunächst auf eine soötere Zeit oerschoben wird. In dem neuen Nordflügel, der durch einen direkten Zugang mit dem Kaiser- Friedrich-Museum verbunden wird, kommen außer der gesamten Deutschen Kunst, die zurzeit im Kaiser-Friedrich-Museum unter- gebracht ist, die alten niederländischen Gemälde de» IS. und 16. Jahr- Hunderts zur Aufstellung. Die Pergamonousgrabungen werden erst ln einer späteren Bauperiode untergebracht werden können. Schund- und Schmuhgeseh auch in Ungarn. Die Königlich« Kurie in Budapest als oberste Instanz Hot den Schriftsteller Eugen I. T« r» s a n s z k y wegen SiUlichkeitsvergehen», begangen durch eine ftii»er Novellen, zu zwei Monaten Gefängnis und 5 Millionen Kronen Geldstrafe verurteilt. In der Begründung wird ausgesprochen, daß die Novelle ein« Schundschrift sei, die geeignet sei, die Moral zu untergraben und Seele und Leib der Jugend zu verpesten. Al» b«. lastender Umstand wird angesehen, daß der Schriftsteller e» für absolut unnötig hält, daß«in Mädchen sich verehelicht. Da» Motiv der Verteidigung, wonach der Schr.ststeller in der inkriminierten Novelle rein künstlerische Gesichtspunkte verfolge, wurde von der Kurie als unhattbar bezeichnet. Tesiament eiue» Hundenarren. Einem englischen Gericht liegt zurzeit eine Anfechtungsklage gegen ein eigentümliches Testament vor. Ein Amerikaner, der fest langer Zelt in England lebte und Junggeselle war, hat sein Vermögen im Werte van 500 000 Dollar seinem Hund« v«rmocht mst der Bestimmung, daß der Testaments- vollstr«ck«r zu Lebzeiten d«» Hunde» keinen anderen Gebrauch von d«m Ertrag de» Vermögen, machen dürfe al» für dt« Ernährung und Pflege de» Tiere». Erst wenn der Hund«ines natürlichen Todes gestorben ist. was durch besondere Untersuchung nachgewiesen werden muß, soll da» Geld an«Inen Neffen und zwei Nichten d«, Erblassers fallen. In der ersten Instanz ist die Anfechtung ab- gewissen worden: es sei zwar zuzugeben, daß ein Hund keine rechisfählge Persönlichkeit sei. das Testament jedoch stelle ein« suristtsch unanfechtbare Stiftung dar. vi« Siloefler-vorsteviingen Im Teullche» Künftlerthesicr,»Tie Königin" mit Fritzi Massary»nd Pallenberg, im Ltsting-Neater,.Der Diktator" mit Albert vassermaim, im Tbcater am Kuriii vilendamm.»Di« Frau an der Kette" mit Käthe Dorsch, beginnen um 7 Uhr. Alfred vöblla lieft am Donnerstag, ben 13, Januar 1927, am 5. Dichterabend de» Verbandes Deutscher SrziUer. abend» pänkllch 8 Uhr, im Plenarsaal det Herrenhauses au» seinen Werken. Das Recht auf Rückwirkungen. Der Oberpräsident der Nheinprovinz erwartet baldige Räumung. Düsseldorf, 20. Dezember. sMtb.) Der Oberpräsident der Rheinprovinz Dr. Ii. c. Fuchs eröffnete namens der Staats- rcgierung heute nachmittag den 72.(oiitzerordentlichcn) r h e> n>- fchen Provinziallandtag mit einer Ansprache, in deren ersten Teil er ausführte: „Mu besonderer Teilnahme uerfolgt die Rheinprooinz die augenblicklich schwebenden außenpolitischen Fragen, von deren Entwicklung die wichtigsten Lcbensintereslen des besetzen Gebiete? betrossen weiden. Wir Höpen und wünschen, daß unsere auswärtige Polilit zielbewußt oui dem bisher«ingeschlagenen Wege sorlschreitel und daß ihren Talen der erwartete Ersolg b«, schiede» ist. Mit Reich und Staat ist die Bevölkerung unserer West« Provinz vom ausrichtigen Willen zur Befriedung und B« r s ö h n i, n g crsüllt. Wie in der Vergangenheit, so wird sie auch weiterhin in Ruhe und Besonnenheit die Last der Besaßung trogen. Es ist mir ein Bedürsnis. bei dieser Gelegenheit wiederum der Bevölkerung der besetzten Rheinprovlnz Dank und Anerkennung zu sagen für die mustergültige ijoltung, die sie auch in schlimmsten Tage» stets bewiesen hat. Dos beseßle Gebiet kann aber vor aller Well beanspruchen, daß dle unter schweren Opfern vom deutschen Volk zugestandenen außenpolitischen Vesrtedungsmaßnahmen endlich auch dle- senigcn Rückwirkungen slnden, dle un, nach Recht und Maral zustehen. Wir verkennen nicht, daß die Zusammenkünfte der Staatsmänner in London, Locarno, Thoiry und Genf ein« gewisse Entspannung gebracht haben und einen Fortschritt auf dem Wege zum Frieden bedeuten. Wir können aber auch unsere tiefe Enttäuschung darüber nicht verhehlen, daß dos Jahr 1926, das seine außenpolitische Kennzeichnung durch den Eintritt Deutschlands ln den Völkerbund erhält, unser heißes Bestreben um die Räumung der Rhein- lande und damit um die Freiheit unsere» Vaterlandes nicht merk- lich gefördert hat. Roch dem Elnlrlll Deutschlands iu den Völkerbund ist dle An- Wesenheit fremder Vesahungstruppen aus deutschem Boden ein Unding. Mir hoben ein Recht aus die baldigste Entse—ung der Besahung, die ein uabedingie» hindern!» für eine wirkliche Befriedung isk und stet» bleiben wird. Dabei nt et nicht einmal erforderlich, daß unser Bersöhnungswille derart mit Keulen niedergeschlagen wird, wie es vor wenigen Tagen durch«in völlig unverfländliches militärgerichtiiches Urteil in der benachbarten Pfalz geschehen ist. das zu unserer Genugtuung auch bei den maßgebenden Stellen der betreffenden Besaßungsmacht Anklang nicht gefunden hat. Was wir wollen, da» ist aber nicht Gnade, sondern Recht. Das Recht, wenn schon nicht auf völlig« Freiheit, dann doch weigstens aus ausreichenden Schutz aller friedlichen Bürger des unfreien Gebietes. Als oberster Derwaltungsbeamter derjenigen Provinz, die noch immer de» größten Anteil an der Besatzung zu tragen hat, habe ich geglaubt, vorstehende Erklärung abgeben zu müssen, bevor ich mich nun zu der einzigen Vorlage wende, zu deren Beratung die preußisch« Slaatsregterung Sie hierher gerufen hol."' Der Oberprästoent erwähnt« dann kurz das Grundsätzlich« dieser Vorlage, die bekanntlich die Genehmigung des Baues einer Auto- bahnstraße zwischen Köln und Düsseldorf cnt�sichlt. Von der sozialdemokratischen Fr a�t i o n wurde im Verlaus der Sitzung ein Antrag eingebracht, der Äfcfh uitd Staat auisordert, mehr wie bisher den Rotleidejide" am Rhein zu helfen. Gerade hier sei die Zahl der Erwerbslosen an» größten: die beste und erfolgreichste 5)ilse für alle sei die Arbeits- beschatsung. veutschlanös N. Schiedsvertrag. Ter vertrag mit Italien unterzeichnet. Der deutsch-ualienische Vertrag, der gestern nachmittag in Rom unterzeichliet wurde, ist kein Freundschaftsucrtrag. wie die amtliche italienische Nachrichtenagentur mit einer Zwecklüge behauptete. Er ist ein gewöhnlicher Vergleichs» und Schiedsvertrag: er gleicht nach Wortlaut und Aufbau fast völlig seinen zehn Vorgängern, die Deutschland mit anderen europäischen Staaten abgeschlosten hat. Der Vertrag unterscheidet politische Streiisragcn von iuristischeu Streitfragen. Di« politischen Fragen, die „nicht auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege in freund- ichaftlicher Weise geschlichtet werden können", sollen einem Vergleichsversohren umerworfen werden. Zu diesem Zweck wird eine aus fünf Mitgliedern bestehende ständige Verglcichskommission ernannt; jeder Staat ernennt einen seiner Bürger und beide Staaten zusammen drei Bürger anderer Staaten zu Vergleichskommissaren. Die Vergleichs- kommission tritt in Wirksamkeit, sobald sie von einer Partei angerufen wird. Die Vorschläge der Koinmission zur Bei- legung des Streites sind innerhalb von sechs Monaten zu er- statten; innerhalb von weiteren drei Monaten müssen die Parteien sich über diese Vorschläge aussprechen. Dabei haben diese Vorschläge keinen endgültig bindenden Eha- rakler. Wenn aber das Vergleichsverfahren nicht zum Erfolge führt, wird die Streitigkeit— und das ist eine Neuerung gegenüber den früheren deutschen Schiedsverträgen— einem «chiedsgcricht oder dem Internationalen Gerichtshof im Haag als zweiter Instanz unterbreitet. Ist aber eine Rechtsfrage strittig, d. b. z. B. die Aus- legung eines Vertrages, so wird«in besonderes S ch l e d s- g« r i ch t oder der Internationale Gerichtshof die Streitigkeit entscheiden. Jede Vertragspartei ist ver» pflichtet, sich auf den Prozeß einzulassen und die Entscheidung nach Treu und Glauben auszuführen. Ausdrücklich ist bemerkt, daß der Vertrag weder die Be- fugnisse des Völkerbundes einschränkt, noch die Rechte und Pflichten der beiden Staaten als Mitglieder des Völker- bundes berührt. Der Vertrag soll in Rom ratifiziert werden. Cr ist auf die Dauer von zehn Iahren abgeschlossen und bleibt stets für weitere fünf Jahre in Kraft, falls er nicht sechs Monate vor dem Ablauftermin gekündigt wird. Die Veröffentlichung dieses„harmlosen" Vertrages zer- stört die Legenden, die innerhalb und außerhalb Italiens an ihm geknüpft wurden, um aus ihm einen machtpolitischen Freundschafts- oder aar Bündnisvertrag zu machen. Die internationalen Beziehungen der europäischen Staaten haben sich so geändert, daß selbst die Diktaturregierung des Aaschismiis mit solch«,, Verträgen nicht mehr ihr Glück macht; auch ihre Verträge mit der Schwetz und mit Spanien sind bloße Schiedsverträge gewesen. Daß die Außenpolitik einer absolutistisch regierten Großmacht heut- .zutage aber auf solchen Wegen außenpolitische Erfolge suchen muß. beweist, welche gewaltige Kraft der Gedanke der inter- nationalen Organisation des Friedens ausübt. Paris cinversternden. Varl». 29. Dezember.(Eig. Drahtb.) Di« Unitrzeichnung des beutsch-Itollenischen Schiedsgerichtsvertrag«» ist von den politischen Kreisen in Paris mit großem Interess« ausgenommen worden. Man verzeichnet mit betonter Gen ugtu un g di« Tatsache, daß her deutsche Außenminister seine Reis« nach Rom zur persönlichen Unterzeichnung des Vertrages aufgegeben hat, und sieht darin «inen Beweis dafür, daß die deutsche Relchsregterung auch die geringste Gest« oermeiden wollt«, die den von den natlnna- listischen Blättern geäußerten Befürchtungen Vorschub leisten könnt«, al» ob der Bertrag«in» Spitz« j�gen Frankreich und Sudslawien enthalt«. Der üeutsch-finnische Vergleichsrat. Der in dem deutsch-finnischen Schiedsgerichts- und Vergleichs- vertrag vom 14. März 1925 vorgesehen« Ständige Dergleichsrat ist jetzt konstituiert worden. Der Vergleichsrat besteht aus 5 Mitgliedern. Die deutsche Regierung hat den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht Prosessor Dr. Riem ey er. dt« sinnische Regierung den Ministerpräsidenten a. D. Tulsnheimo er- nannt. Gemeinsam von den beiden Regierungen berufen sind der schweizerische Prosesior Delaquls, der ehemalige norwegische Außenminister Mowinckel und der Präsident de» S ch w«» d> s ch e n chofgerichts Marks von Württemberg. Der Vorsitz ist Herrn Mowinckel übertragen worden. die Aufteilung öes Kalikonlums. Zwischen Teutschland und Frankreich. Varl». 29. Dezember. schädigt hallen, die Todesstrafe verhängt worden(„Prawda" Nr. 274). Das gleiche Schicksal traf drei Konterbandisten in Schepelow(„Rote Zeitung" vom 15. November). Aus Todesstrafe erlannte das Gericht gegen drei ehemalig« Gefängnisbeamte des Rigaer Zuchthauses, die Im Jahre 1907 sich politischen Gefangenen gegenüber besonders grausam gezeigt haben(„Prawda" vom 27. November). Ebenso lautete das Urteil in Moskau gegen zwei Kriminelle, die einen Eisenbahner, der wegen Trunkenheit zu ihnen in die Arrestzelle gesetzt wurde, zu Tode geprügelt hatte»(„Isweslija" vom 29. November). In Kasan wurden vor einigen Tagen 19 Sowjetbeanite, darunter Richter und ein Staatsanwalt, wegen Amtsverbrcche» zum Tode verurteilt(„Iswtstiia"). Um nur noch drei weitcr« Fälle zu nennen, in denen die Todesstrafe in verschiedenen Städten ver- häng, wurde: gegen einen Danern, der zusammen mit anderen an der Tötung ein. i» KommUiusten teilgenommen hott«: gegen einen Buchhalter, der sich einer Äerimtrciiung schuldig gemocht haue, un!» schließlich gegen eine» Beamten, der auf betrügerische Wels« unter Vorlegung gefälfchler Dokumente mit verschiedenen Hioots- inslitutionen Vertrüge abgeschlossen hatte! Die» nur ganz zufällig herausgegrstien« Fälle. Man darf ruhig sagen, daß fast kein Tag oergeht, ohne das wegen irgendeines Der- brechen? irgendwo in Rußland ein Todesurteil gefällt wird. Wenn es noch«Ines weiteren Beweises bedürfte, daß dle Todesstrafe tn, Kampfe gegen das gemeine Verbrechen unwirksam ist und daß fclbft dieser blutige Verbündete der bolschewistischen Regierung nicht im Stande ist, die Wirkungen der sozialen Ursachen de» Verbrechens auszuscholien, so wären hier die Beweise gegeben. Seitdem durch die Emmii�cr Verordnung die alten Schwur- gericht: kn Deutschland abgeschafft sind, sommt die Todesstrafe auch hier leider nur allzu oft in den»rteilcn zur Anwendung. Zur Voll- streckung gelangen jedoch nur ganz wenige von diesen Urteilen. Die Sozialdeinokralle ist prinzipielle Gegnerin der Todesstrafe, die i» Deutschland oller!-ig? alle!» auf Mord steht. Die Bolschewisten sind jedoch n i ch l prinzipiell Gegner der Todesstrafe. Im Gegenteil, sie glauben ohne sie nicht auskomnien zu können. Sie ist gegen eine große Reihe von Berhvechen im Sowjetstrafgefetzbnch vorgesehen. Mehr noch: man scheut selbst nicht, sie a» f dem Wege des S t a n d r e ch t s zu verhängen, so daß jede?iachpn1fung de» lirtrb unmöglich gemacht ist. Grauenhoster Sürgerkrieg in Ehina. Die(*ntschiinfl einer belagerte« Stadt. London. 29. Dezember.(MTB) Einer Rcutermeldung aus Schanghai zufolge spielten sich herzzerreißende Szenen ob, als dl« Streiimochl Fengyusiang» da» von einem der Generäle Wupei- fus seit sieben Monate belagerte Siansu, die Haupl- stak» der Provinz Schcnsi, entsetzte. Taufende von Menschen ström- ten an die Tore der Stadl und nahmen unter Freudenträncn Karrenladungen mit Lebensmittel» entgegen. Seit mehr als einem Monat sterben täglich mehr al».V»0 Menschen an Hunger und Kälte. An manchen besondere kalten Tagen sogar mehr als 1000. D i e Todesfälle während der Belagerung werden ous 15000 bis 20 000 geschätzt. §rankretch und ithtaa. pari», 29. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Im Anschluß an die gestrigen Erklärungen Briand» Im Ministerrat über dt« Haltung Frankreichs in China veröfsentlichen die Blätter aus Grund ossiziös-r Mitteilungen de» Quai d'Orsoq länger« Ausiührungen, in den:» nochmals betont wird, daß mindestens gegenwärtig Frankreich nicht daran denken könne, Hand in Hand mit Großbritannien in China vorzugehen. Keine der in China so häusig wechselnden Regierungen habe bisher irgendwelche Feindseligkelten gegen französische Staat?« angchürig« an den Tag gelegt. Auch der Boykott erstrecke sich nicht aus die französischen, sondern ausschließlich aus die englischen Waren. Die französisch« Regierung müsse also in ihrer gegenwärtigen ab- wartenden Haltung fortfahren. Sie lehne e» ab. sich irgendwie in Verhältnisse einzumischen, die sie als durchaus innere Ange- legenheiten China« ansehe. Solonae nicht eine Regierung in China ans Ruder gekommen, die weniosten» in einem anvif:: i Maße eine Stabilität zeige, könne von e'ner Abänderung der be, stehenden Verträge mit China keine Si l- bin, wenn auch Frankreich Wert darauf leg«, zu betonen, daß ss..., Prinzip bereits jetzt mit einer solchen Abänderung«inverstau den war«.. Die Ratifizierungszusage. Nur ein Mihverständnis. berichtigt:„Durch einen Teil der Presie ist in den letzten Togen eine Kotia über Mitteilungen gegangen, die die Reichsregie. rung dem Internationalen Arbeitsamt in Genf durch den Dil�ktor Thomas in der Zroge der Ratifizierung des Washingtoner Heber- cinkommens über die Arbeitszeit habe zukommen lassen. Diese Notiz ist in mehrsacher Beziehung irreführend. Es handelt sich lediglich um mündlich« Auskünfte, die Herr Thomas bei seinem letzten Besuch in Deutschland im Reichsarbeits- Ministerium erhalten hat. Diese Auskünfte decken sich durchaus mit den der Oeffertlichkeit mehrfach bekanntgegebenen Erklärungen des Reichsarbeitsminifters, datz die Ratisizlerung des Washingtoner llebereiokommens bei entsprechendem Vorgehen der «ichtigstcn anderen Znduslriesiaaten möglich seiu werde, falls nicht der Entwurf des Arbeitsschuggesetzes im Verlause einer parlamen- torischen Behandlung wesentlich« Aenderungen erfahre. Der Entwurf liegt zurzeit nicht nur dem Reichswirtfchaftsrat, sondern auch bereits dem Reichsrat vor. Ueber die Beendigung der Beratung in diesen Körperschaften, von der die Lorlage an den Reichstag abhängt, konnten sichere Angaben naturgemäß nicht ge- macht werden." Der Reichsarbeitsmimster hat sich damit in glänzender Weise von dem Verdacht gereinigt, in den ihn die berichtigte Notiz bei den Unternehmern gebracht hall«, als ob er die Absicht gehabt hätte, die Ratifizierung des Washingtoner Achtstundentogabkommens energisch zu betreiben. Es bedurfte jedoch kaum erst dieser Recht- seriigung. Der Ftinwois auf den E ch i e d s s p r u ch zur Berlänge- rung des nur uorübcrgehenden Mehrarbeitszeitabkommens i ni mitteldeutschen Bergbau hätte vollauf genügt. Deut- licher konnte nicht gut zum Ausdruck gebracht werden, wie man im Reichsarbeitsministerium zum Achtstundentag und zum Washingtoner Abkommen steht. Drehte es sich lediglich um die Förderung der Produktion, dann laxe nichts näher, als die Einführung des Dreischichten- s y st e m s. bei dem in dreimal achtstündiger Arbeitszeit zweisellos Mehr geleistet wird, als in zweimal neun- und zwölfstündiger Schicht. Freilich müßten dann die Unternehmer ein Drittel mehr Arbei- ter beschäftigen, die Arbeits! o�senreserv» ver- mindern und die Auswendungen der E r w e r b s l o s« n u n t e r- st ü tz u n g und schließlich vermehrte sozial« Lasten tragen. Die Unternehmer aber wollen gerade die.sozialen Lasten" nach besten Kräften herabmindern und eine möglichst große Reserve von Arbeitslosen haben, um das Lohnniveau zu hallen. Sie dann zu unterstützen, erscheint offenbar dem Reichsarbeitsministerium weit wichtiger, als»in Ardeitszeitgesetz. da» die Ratifizierung de» Acht- stundentagadkommens erleichtert und sie in absehbarer Zeit ohne weiteres ermöglicht. Klagen öes hanüwerks. Ueber unerfüllte Hoffnungen". Mu dem gleichen Recht, mll dem das Unternehmertum sich als die„Wirtschaft" bezeichnet, geben die Bereinigungen der Hand werksmeister sich gewohnheitsmäßig als das Handwerk aus. Es sst keineswegs Wortklauberei, wenn demgegenüber immer wieder daran erinnert wird, daß zur Wirtschaft wie auch zum Handwerk auch die Arbeitnehmer gehören: daß älso die Interessen der Unternehmer nicht ohne weiteres gleichbedeutend sind mll den Allgemoininteresien. In einem„Unerfüllte Hoffnungen" iiberschiebcnen Jahres- ruckblick de» Präsidenten der Berliner Hqndwerkskommer, Karl Lubert, wird geklagt, daß die Hoffnungen der Optimisteu im Handwerk sich nicht erfüllt hätten- Das Handwerk mag sich in diesem Punkte mll den Optimisten in Arbeitnchmerkreksen trösten, deren Hoffnungen noch weit schlimmer enttäuscht wurden. Dem Berichterstatter ist das auch nicht entgangen, denn er erklärt:„die Mehrzahl der Konsumenten verfügt über ein so geringes Einkommen, daß beinahe von Zahlungsunfähigkeit des K u ndenkrctses die Rede lern kann." Die Arbeitslosigkest treib« die Gesellen zur Schwarzarbeit. wodurch den Selbständigen Lerdienstmöglichkellen genommen würden. Nun sa, der Arbeiter ist auf die Derwertung seiner Arbeitskraft mindestens so sehr angewiesen wie her Handwerks- ----- Kam» er sie im Arbeitsverhältnis nicht verwerten, wirb er es auf eigene Faust tun, weim sich ihm Gelegenhell dazu bietet. Bei ausreichender Beschästiemug braucht er nur feinen Gewerbe- betrieb anzumelden, um dem Vorwurf der Schwarzarbeii zu ent- gehen. Da jedoch der Betätigung der arbeitslosen Gesellen tu der Praxis allerlei Hindernifle entgegenstehen, selbst bei Austrägen,«st diese Klag« nicht allzu tragisch zu nehmen. Sie soll auch nur über- leiten zu der Klage, die gegen Staat und Gemeinden erhoben wird, sie machte» durch eigen« Betriebe dem Handwerk starke Konkurrenz. Auch staatliche oder kommunal« Hand- Wertsbetriebe müssen darin Handwerker beschäsrigen, darunter solche, die vordem selbständig waren oder andere, die sich sonst selbständig gemacht hätten. Das Hondlverk, das ein Selbständiger ausübt, ist beute aber kein privilegiertes„Amt" mehr! Und die Gewerbe- freiheit ist ein« derjenigen Einrichtungen die die Republik von der Monarchie übernonunen hat und selbst durch ein faschistisches Regime kaum wieder beseitigt werden könme. Schon in der Vorkriegszeit hatten wir Selbständige, die weniger an Steuern zu zahlen hallen als die von ihnen beschäftigten Arbeiter. Es märe recht zweckmäßig, daß die Steuerbehörde einmal feststellte, wie hoch die durchschnittliche Steuerleistung der Unternehmer im Kleinbetriebe heute ist und wie hoch die der Gesellen. wobei die Befreiungen von der Steucrleistung, die nur für Selb- ständig«, nicht aber für Arbeiter in Frage kommt, mit anzugeben wären. Es atbt nicht lvemge Arbeiter, die seder für sich mehr an Lohnsteuer zu entrichten haben, als ihre Meister Steuern aufzu- bringen haben. Dennoch klagt das Handwerk über übermäßig« steuerliche Belastung. Möglich, daß sie in etlichen Fällen vorkommt, in denen dann aber Einspruch erhoben zu werden pflegt. Iedensalls hat die Arbeiterscbast well mehr Grund, über steuerliche Belastung zu klagen, die sie nicht abwälzen kann, als „das Handwerk", das die Steuern in seine Preise mit einkalkuliert. Auch die gesetzgeberische Tätigkell sei dem Handwerk nicht günstig. Jjier steht vor ollem obenan der Entwurf des Preis- abbaugesetzes." Ueber di« ganze klägllch oescheiterie Preisabbau- aktion besteht jedoch wirklich auch in Handwcrkcrkreisen mehr Grund zu lochen als zu Nagen. Ferner wird geklagt, daß der Entwurf einer Reichshandwertsordnung dem Reichstag immer noch nicht unterbreitet wurde. Die Reichsoerfassung, die nun im 8. Jahre in Kraft ist, sieht Bezixkswirtschaftsräte vor. Wenn der Reichstag sich damit nicht lpäter beschäftigt als mit einer Reichs- Handwerksordnung, müßten wir noch zufrieden sein. Charaktcristtsch ist die Klage darüber, daß da» Arbeitsgerichts- gesetz den Innungen die I n n u n g s s ch i e d s g? r I ch t e ge- nommen habe. Als ob nick» höchste Zeit aewesen wäre, mst. dieser zünftlerischen Einrichtung auszuräumen. Die Gesellen als Objekte aies-er Einrichtung weinen ihnen keine Träne»ach. Der r)err Handwerkskammerpräsident, der früher lahrelang der Borsitzend« eines Verbandes Freier Vereinigungen van Selbständigen war, freut sich zivar. daß die Lehrlings st reitigkeiten den Innungsschlichiungsausschüssen in erster Instanz überlassen wurden, klagt jedoch darüber, daß durch die Fassung des Gesetzes der Lehrling zum Arbeitnehmer gestempelt werde, zu dem ihm die Handwerksmeister längst gemacht haben, aller dings nur mit der bekannten KostgeldeMfchädigung. Es sei„auss äußerste zu bedauern, daß der Lehrling als Arbeitnehmer zu gelten hat. da das Lehrverhältnis dann nicht mehr ein Erziehungs- Verhältnis bleiben kann und wird. Es sst nur zu hofsen. daß der Reichstag hier noch Aenderungen schafft." Wir wollen das nicht hassen und könnten an vielen Bei spielen.zeigen, wie es mll dem„Erziehungsoerhältnis" bestellt sst, zumal in den Lehrlingszüctperei betrieben, wo der Unternehmer zwanzig, dreißig und mehr Lehrlinge zu.erziehen" hat. Da» lebensfähig« Handwerk verdient zweifellos Schutz und Förderung. Die zünftlerssch-reaktionäre Einstellung aber fördert feinen Fortschritt nicht, es hemntt ihn nur. Von» WohntmgAeletri) auf dem Lande. Bei der Besprechung des fürchterlichen Wohnungselends auf dem&»»zbf verdienen auch einige Beobochiimgen festgehalten zu werden, die ein Angestellter des Deutschen Landorbeiteroerbandes kürzlich im Kreise Rügen gemacht hat. In Trent bewohnt eine aus siebe» Köpfen bestehende Landarbeiterfamilie eine einzig, Stube. Sie sst mehr als ein Loch zu bezeichnen, da sie nur 2,50 Meter breit. 5,80 Meter lang und lM Meter hoch ist. Der Putz sst vollkommen verschwunden. Der Fußboden sieht aus wie ein wenig ausgetretener Landweg. Die Wohnung ist derartig feucht, daß sich die Möbel vollständig vor- zogen haben und fast unbrauchbar geworden sind. In dem Wohn- loch ist ein kleine» Fenster, durch dessen Ritzen der Wind pfeift vnd der Rege» derartig in Unordnung, das elndnngeu kann. Der Okm ist da» Hetzen wegen der damit oerium- denen Brand- und Erstickungsgcfahr unmöglich sst. Die beim Gemeindevorsteher, Amtsvorsteher, Pastor. Londjägess. bei der Fürsorgeschmester und dem Wohnungsamt eingebrachte« Beschwerden haben bis jetzt zu keinerlei Ergebnissen geführt. Der Fall wird noch interessanter, wenn man hören muß, daß J» Trent und in der näheren Umgebung einige Wohnungen schvn seit längerer Zeit unbewohnt sind. In G r o b i tz bei Rambin herrschen ähnliche Verhältnisse. Kürz- sich wurde ein Arbeiter als«chweinesüllerer unter der Vedingung angenommen, daß ihm der Besitzer eine Wohnung ausbaut. A l s der Arbeiter eintraf, wurde er in Gemeinschaft mit seiner Frau in einem Raume untergebracht. der im Schweinestall mit eingebaut ist. Der Raum aewähtt deni Wind, Regen und Schnee ungehindert Einlaß. Der Fußboden sst ebenfalls völlig schadhaft und für eine Wohnung durch aus unbrauchbar. Das Fenster ist ein Eisengllter mit kleinen Glasscheiben, wie sie in den Schweineställen allgemein üblich sind. Ober- halb des Raumes befindet sich das Kornlager. Das führt dazu, daß der Wohnungsinhaber fortwährend von ungebetenen Gästen in Gestalt von Ratten und Mäusen heimgesucht wird. � Es gehört wirklich eine Portion Dreistigtest dazu, einer Familie zuzumuten, in solchen Elendslöchern noch merzehnstündiger Arbeits zeit zu wohnen und zu schlafen. Die Wohlfahrt»- und Gesundhettsbehördei� iniigten mit Voll machten ausgestattet werden, dt« es ihnen ermöglichen, rücksichtslos gegen solche Landwirte vorzugehen, die ihren Arbeitern das Wohnen in Räumen zumuten, in denen man nicht einmal das Vieh unter- bring»._ YntseHädigung«rwrrbsloscr als Pflichtarbeitcr. Der preußische Minister für Bolkswabsiohri erkläri in einer Antwort aus ein« Kleine Ansroge, die im Preußischen Landtag ein-- gebracht wurde, daß es recht und billig sei, Erwerbslosen, die mit Pflichtärbeit beschäftigt werden, eine Entschädigung fü' Mehraufwendungen infolge erhöhter Abnutzung von Be-- k l e i d u n g und Schuhwerk zu gewähren. Die geltenden Be stimmungen sehen vor, daß den Pslichtarbeitern ein Zuschuß in Höhe van 50 P r a z. der Hauptunterftiitzung gewährt werden muß._ Wcnfcr Ucbcrcintommcn zur Unfallvcrsiecheruug. Der Reichsarbeitsminsster hat dem Reichstag die von der Internationaien Arbeitskonserenz während ihrer 7. Iohresiogung angenommenen Entwürfe zu Uebereinkommen über die Entschädigung aus Anlaß von Betriebsunfällen Und Berufskrankheiten sowie über die G l e i ch b e h a n d l u n g einheimischer und ausländischer Arbeitnehmer bei Entschädigungen ans Anlaß von Betriebsunfällen vorgelegt. Tarifkundigunfl In der Ziegelindustric. Dortmund, 29. Dezember.(UTB.) Der am 14. April 192H zwischen dem Verband Rheinisch-Westsälischer Ziegeleien und ver- wandter Betriebe Dortmund und dem Verband der Ziegeleien Rhe>n londs«. B. Köln einerseits, dem Verband der Fabrik- a r b« i t« r Deutschlands und dem Gewerkoerein Deutscher Ziegler andererseits abgeschlossene Rahmeistarif für die Ziegelindustric des Rheinlands und Westfalens ist beidersests zum 31. März 1927 ge kündigt morden gr»i« G«in-rNchof»»>m«ad. Heute. Teanetsta«, 7ir llb». tnflf« Sie ®nippen: JUpesiif: Gruovenhet« Zuaendbei m SeUnauer Str. 5. ötlnefter■ »iumnun«.— euftcnbcia:©rupjxniftm SufleirtrJwtm Dostest».*2. Silvester. feiet in Luft und Loune.— leuivelluil: Gruvvenbiim Lnzeum Dermanio- liicke 1/6.©tuntwnabenj füJli«jus.— Südosten i Scupreitbeint Reick-enbeeoer Strafte 66 iFeueruxtirdaus). Abschied von» aUen Iabr.— Spondeu! Geuvven-, bei»» tzliaendbeim Lindenufer 1. Gruvvevadend fällt au».- fflottWi: Eruvven' bei»» Städtische» Iliaendbeii»»trtitr(Sic Sictefftrafte. deitewt Abend.„ Achtum»! Die Scn eitstund« der äucenfcjrnt'-ale findet am Donners:«» in der. Kit von 1—7 IXbt abends statt—. Anaend-bteilum, ttf Deutsche»»ekse>dnm>». arbeiteruerhande«, Sebastianstr. 37,38, abends T1-, IDvr guaendver lamm luve. Achtu»». Zimmerer Aeulöll».«estrk AN gieilaa.71. Denembrr. in bereit von 6.-6 Übe. werden bei Dautacker. Zie'benstr 36. die Bciba>id»be>>aae dagierii»ualeich dt« Beiiräae für die KmraUrord- n/eiT< der Zimmerer. Das- flrotrfenaelb wird in der Zeit von 6—6 Ubr au-a er ab it. Zeutraloeidoub der ZUnmere». Berantworkljch für Politik: Dt. Anrt Seaer-, Wirtschaft:®. Äliuflettift«: 3. Steiner; SeutDeur: n. 0. Do Icher: Lala' itarstidt! Anzeie.en: rb. ffilo««: sämtlich in Berlin. Seipecfichaftsbemeaunc; 3- Steine»; i?»utQcur: K. 0. Dolcher; Lolale» und oonfttwls: Zriz jlarftidt: Anleinen: Ib. Slock«! sämtlich in Berlin. Verlag: Boiwarts-Berlaa E. IN. b. 0.. Perlin. Druek: LorwSris-DuchdiNckerei und Verlaasanstalt Paul Slnqer u. So.. Berlin SW«8. Lindenftvafte 3. 0ter,u? Beilaaeu und.Uuterboltuuo und Willen' A.WERTHEIM j&bemnümi Leipziger Str. jübSSC« KKnlgtir. Roscnihalcr Str. Moritzplats Sowett Vorrwt Obst, Qemöse, Fleisch und Fische werden nicht zugesandt. Spiegelkarpfen p*l 1»"££125-. Schelltische...*** 16* 25* Kabeljau HZL*0*1 20* 28*. Grüne Heringe...... 5 � 95* Hasen g****, Hirsch blalt. 890~ 95*. ho Gänse*d. 95% Hühner** hs« Obat u. SOdfrOehta Mandarinen.• Pfcnd 35 w. TafelÜpfel WHom.. pm. 40 Pf Apfelsinen Dfx 48, 60, 90 pl Bananen..... pfond 35 P' Zitronen... v-d«»! 48»*' Ananas..... pfmd 1.10 Trsubanroslnsn Krachmandeln Räucherwaren BOckllnge au. 46 n. 68 p» Rundern Pfund 68Pf- 90» Spickaale Pwvd 2.75 3.30 Kalte Küche �,, '«p« 9 m Kronenhummern 5 m 10 m Italienischer Salat n». 1.20 Kaviar Präger Schinken M 2.65 Qsbranntar Kaffee Böoieeet, Pfaad von 2.40 Ms 4.60 Kalbskamm u. Brust»w 85*. SChmOrfleiSCh mUKnothen, Pfund 1* Schweinebauch 1* Kaßler, Speer u. Kamm*d. I25 Liesen*ä. 85 Gehacktes 75*. Suppenfleisch gefroren, Pfand 55*. Kamm u. Brust �0»«, /w 60 p, Wein ■r V. BerUner OeirSnkesfi Spirituosen, Punsch-Extrakt Edel-Apfelwein an Tafuiotwi. nud. 60 p> 1922 Roxheimer(Wa«« Kapaai bim... im 1924 Caseler Riesling k*nri«. pnum 1.16 1924 Burg Sponheimer SchloBberg voilnaaeh 1923 Forster Strafie wndkimt»... 1922 ClOsserather Kfinigsberg.f.". 1921 Niersteiner sei« ah........ 1922 Berncasleler Rosenberg �252$. 2 m 1920 Forster Schnepfenflug Wachmlwn Wlnzcrvtnin 1922 Uerziger WOrzgarten 1921 Hsardter HofstOck Spätlese eharal>t«rvoll«r PUijwnfn 2.90 1921 Zeltinger SchloBberg 3.35 1921 Sauternes***• satt......- 2.85 1.20 1.30 1.55 1.80 2.35 wOfilger o BK Mosel �•00 San Antonio-nsd-r 1922 DOrkhaimer Rotwein 1823 St Justin 1922 Ingelhelmar Rotwein...... 1921 Mef'.dnhelmar Michelsberg Wadiaiaw Muih 1922 Chät. Raba Propr Bl—m. BorSaau« 1919 BeauJoIalsSuparieur���üw 1821 Chäteau Haut-Brlon-Larrivet Tarragena Extra wifarb««. as» Malaga Golden«der Dunkel- Oouro-Portweln„Reserve"• Fruchtwein Fruchtschaumwein jCarU Bland«*, la Qnl. lobam labaer-, Siachclbecr- u HeWeltxcrwetn, Cyder.... JCemetongold* lad dnadiL Pto, Steuer 1.05 1.25 1.35 180 175 2M 2.40 280 1.55 1.70 2.30 95 Pf 1.25 Traubenachaiimwein Flmsthengäi mg, cinsdibefiUdt Gtas, ohne SakMcmtr Moselhochgold Mosdeekt........ 2.85 Spezial-Cuväe tfemnarke Tafclsekt... 3.50 „Rotkäppchen"«Ol! ch rsrnier.. 4.75 Schultz„QrQnlack".......... 5« u. slls�akanntan Sektmarken zu Original-Preisen Vom Faß, Preis per Itter Johannisbeerwein rot. ans....... 95 p' Spanischer Rotwein«hr miw» ouaiiin 1.35 Tarragona Spezlai->»0........ 1.50 Gold-Muskateller euo....... 1.30 Feiner Insel Madeira......... 2.80 Jamaica Rum-Verschnitt«vN�'r 4.20 Jamaica-Rum-Varschnittlk«voi.«* 3 30 Jamaica-Rum-Verschnitt** ♦ alter Supe«lor, 46 Vol. Prozent 5.40 Batavia-Arrak-Verschnitt Ar«voi.«/. 4m Weinbrand Verschnitt«»id..... 2.70 Deutscher Weinbrand Quaiitätsbrand Ar Ar......... 4.50 Kempe-'s Exquisit........... 5m Asbach Uralt 7m R6my Martin A Co........... 8.60 Schlummer-Arrak- u. Rum Punsch SD Vol. Prozent.>,, Pleeeti» 4 20'> Pleodte 2.30 Feine Düsseldorfer Panschessemen Schlummer u. Burgunder ri. 6m � 3.25 Ananas-Rum u. Arrak wm. 7.50'en. 4m Silvester-Scherzartikel jz... Pfannkuchen /»- 2 so 330 Nr. S14 � 4Z.�ahrgaag voanerstag. 30. Dezember 192S Hat dos Handwerk auch seinen»goldenen Boden" verloren, so kann doch von einem Untergange de» Handwerksbetriebes nicht gesprochen werden. Dos Wort gilt eben nur im altväterlichen Sinne. Vor dem Beginn des Maschinenzntalters blieben Umfang' Und Methoden eines handwerklichen Betriebes unverändert von Gene- ration zu Generation die gleichen. Der Kundenkreis ebenfalls. Die Konkurrenz der fabrikmäßigen Produktion fehlte, und somit der Antrieb, von der althergebrachten Weise abzugehen. Darin brachte der aufkommende Jndustrialismus umfassende Aenderung. Die Bedürfnisse der Bevölkerung wuchsen, und dementsprechend Quantität und Qualität der Erzeugnisse. Den veränderten Verhältnissen mußte das Handwerk sich anpassen. Die zahlenmäßige Erfassung des Hand- werks hat der Statistik von jeher große Schwierigkeiten bereitet, weil es an hinreichend klaren begrifflichen Abgrenzungen vom Fabrik- betrieb einerseits und von der Hausindustrie andererseits fehlte. Unter diesen Umständen war es eine dankenswerte Aufgabe des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, über das Hand- wert innerhalb der Reichshauptstadt nähere Feststellungen zu machen. Der Bearbeiter, Dr. Kürten, hat sich dabei an diejenigen Merkmale gehalten, die für die Handwerkskammer bei ihren Zählungen maß- gebend sind. Es sind das in der Hauptsache die folgenden: Der Unternehmer bzw. der Geschäftsleiter ist gelernter Handwerker und nimmt regelmäßig— Ausnahmen können in größeren Betrieben vorkommen— an der Arbeit der Gehilfen teil, die Gehilfen sind— von Handlangern usw. abgesehen— Handwerksgesellen, die im Hand- werk ihre Lehrzeit durchgemacht haben, die Arbeitsteilung ist. wenn überhaupt, so doch nicht in dem Maße durchgeführt, daß auf Hand- werksmößige Ausbildung der Arbeiter verzichtet werden könnte, es findet handwerksmäßige Lehrlingsausbildung statt. 71 904 hanüwerksbetriebe in S erlin. Durch ein« von der Handwerkskammer 1925 noch den obigen Grundsätzen vorgenommene Zählung wurde festgestellt, daß in Berlin »och 71 904 Handwerksbetriebe vorhanden find. Allerding» liegt bei «wem nicht geringen Teil von ihnen der Schwerpunkt auf dem klein- Handel mit Fabrikwaren, dem gegenüber die eigene handwerksmäßige Tätigkeit, überwiegend Reparaturarbeiten, an Bedeutung ganz zurücktritt. Gerade diese enge Verbindung zwischen Handel und Handwerk hat viel zur Erhaltung und Stärkung des letzteren beigetragen. Die Zahl der ermittellen Arbeitnehmer sGejellen, Arbeiter) bezifsert sich ans insgesamt 197 444, darunter 17 693 unge- lernte Arbeiter, die der Lehrlinge aus ZSS8S. Unter Einrechnung der Betriebsinhaber selbst sind demnach im Berliner Handwerk noch über 300 000 Personen erwerbstätig. Die handwerksmäßigen Be- vrei Gruppen von Hanöwerksarten unterscheiden, zwischen denen natürlich Uebergänge vorhanden sind. Die erste Gruppe umsaßt solche Gcwcrbezweige, die trotz gelegentlicher Ansätze zum Großbetrieb mit weitgehender Arbeitsteilung, Verwendung von Maschinen und kaufmännischer Organisation, doch ihre typische handwerksmäßige Eigenart bewahrt haben und auch weiterhin behalten werden. Zu dieser Gruppe gehören vor allem das Fleischer- und Läckerhandwerk, weiter das Frlseurgewerbe, dann das Laugewerbe mit seinen verschiedenen Nebenzweigen. Die Bäckerei- und Konditoreibetriebe sind mit 4292, die Maler mit 2902, Maurer und Zimmerer mit 1061 vertreten. Weiter zählen hierzu die Installateure mit 2339, die Photographen mit 564, die Juweliere mit 538, Töpfer(Ofensetzer) mit 553, Dachdecker mit 463, Schornstein- scger mit 302 Betrieben. Eine zweite Gruppe bilden diejenigen Gewerbe, die nicht mehr ausschließlich unmittelbar für den Verbraucher, sondern daneben in mehr oder weniger großem Umfange für Großunternehmer(Handel) tätig sind. Die wichtigsten Beispiele für diese Art von Handwerks- betrieben bieten das vekleidungs-, Metall- und holzbearbcitungs- gewcrbe. Die große Zahl der Schneider,.zirka 18 000, erklärt sich daraus, daß es sich hier nur teilweise um Kundenschncider handelt, sondern um solche, die nebenbei oder in der Hauptsache für Konfektionsgeschäfte arbeiten. Auch werden hier die sogenannten Z w i s ch e n m e i st c r als Bindeglied zwischen der Äonfektwn und Wäscheiitdustrie und den Heimarbeitern in Betracht kommen. Auch die Kürschner(1019), Hut- und Mützenmacher(266) und Handschuh- macher(133) zählen mit zu dieser Gruppe. Des weiteren die zahl- reichen Handwerksbetriebe in der M e t a ll i n d u st r i e. So finden sich in Berlin noch 2918 Schlossereibetriebe, serner 1523 Klempner, 882 Mechaniker, 549 Schmiede, 338 Maschinenbauer. Biete von diesen Handwerkern leisten Hllfsarbeit für die große Berlmer Metall- industrie. für die sie Fertigfabrikote oder Teile von Apparaten oder Maschinen liesern. Aehnlich liegen die Dinge in der Möbel- b r a n ch e. So zählt das Tischlerhandwert nicht weniger denn 4352 Betriebe, obgleich hier in den letzten Jahrzehnten der Fabrik- betrieb zunehmend an Boden gewonnen hat. bestehen daneben doch noch Mittel- und Kleinbetrieb« in großer Zahl, wobei zu beachten ist. daß hier eine westgehende Spezialisierung Platz gegriffen hat. Auch die bemerkenswerte hohe Zahl von 1474 Tapezierer-, 276 Drechsler- und 272 Holzbildhauerbetriebcn wird mit der ausgedehnten Möbel- fabrikation verständlich. Eine dritte Gruppe von Handwerkern endlich ist im Kampf mst dem Fabrikbetrieb völlig unterlegen und im Absterben be- griffen. Am augensälligsten zeigt sich diese Entwicklung bei der Schuhmacherei. Darüber darf auch die noch vergleichsweise sehr große Zahl von 6647 Schuhmachereibetrieben nicht hinwegtäuschen. Den wahren Charakter dieser Betriebe erkennt man daran, daß hier im Durchschnitt auf je 100 Betriebe nur 52 Gesellen und 6 Lehrlinge entfallen. Soweit hier noch Handarbeit in Anwendung kommt, wird sie in der Hauptsache als Hausgewerbe ausgeführt. Da» Schuh- macherhandwerk selbst, die Maßansertigung von Schuhwerk ist heute nahezu völlig ausgestorben.— Ein weiteres Beispiel für die nahezu völlige Berdrängung des Handwerks durch den Fabritbetrieb bietet dos Textilgewerbe, das noch vor 100 Iahren den bei weitem bedeutsamsten Gewerbezweig Berlins darstellte. Gegenwärtig sind in Berlin als Handwerker nur noch 11 Weber und Wirker tätig. In etwas größerer Zahl haben sich die Sticker mit 477 Handwerks- betrieben, die Färber mit 74 und die Posomentiere mit 46 Betrieben erhalten. Die noch vorhandenen 34 Seiler und 19 Segelmacher- betriebe dürften ihr Dasein hauptsächlich dem ausgedehnten Fischerei- und Wasjersportbetrteb in Berlin verdanken. Die Lehrlingshaltung. Bon ganz besonderem Interesse ist die Frage der Lehrlings- Haltung in den Handwerksbetrieben. Aus allen Arten von Hand- werksmähigen Betrieben sind schon zahlreiche Beispiele von Lehr- lingsausbeulung beigebracht worden. Fälle also, in denen es ersichtlich war, daß der Meister die Lehrlinste nicht hält, um ihnen die Künste des Handwerks beizubringen, sondern in erster Linie, um aus ihrer Beschäftigung große Vorteile zu ziehen. Nimmt man als Maß- stab das Verhältnis der Zahl der beschäftigten Gehilfen zu der der eingestellten Lehrlinge, dann kann im aUgememen heute nicht mehr von übermäßiger Lehrlingsausbildung oder-ausbeutung in den Berliner Handwerksbetrieben gesprochen werden. So sind z. B. in den 3549 Bäckereibetrieben neben 6785 Gesellen 2369 Lehrlinge beschäftigt: es kommt also aus je fast drei Gehilsen ein Lehrling. In den Fleischereibetrieben sind die be- treffenden Zahlen 4396 bzw. 6223 bzw. 902. Bei den F r i s e u r e n stehen den 976 Lehrlingen 5131 Gehilfen gegenüber, mehr als fünf Gehilfen auf einen Lehrling. Bei den Buchdruckern ist dos Berhältnis fast dos gleiche(3721 Gehilfen zu 740 Lehrlingen). Im Schneiderhandwerk arbeiten 51 628 Gesellen und 6502 Lehrlinge. Große Ausdehnung hat in Berlin auch noch das Kürschner« Handwerk, von denen 1019 Betriebe mst 1992 Gehilfen und 661 Lehrlingen vorhanden sind. Es Handell sich also hier fast meist um Kleinbetriebe. An Umfang größer sind die Betriebe in der Holz-undMctallindustrie. In den 4342 Tischlereien sind neben 15 680 Gehilfen 3054 Lehrlinge beschästigt. Weit ver- breitet ist noch immer der Handwerksbetrieb in einigen Branchen der Metallindustrie. Nach diesen scheinen sich auch die Berliner Jungen? am meisten zu drängen. Hierzu zählen die Wertzeugschmieder(1192 Gehilfen und 713 Lehrlinge), Elektrotechniker(215 zu 84), I n st a l l a t e u r e(3650-zu die Wunöer öer Klara van Haag. 50] Von Johannes vuchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. „Gehst du nicht auch bald fort," sagte er zu Sivert. Aber der schüttelte energisch den Kopf. E r langweilte sich nicht. Als der„Gesellschaftliche" Waldfest im Königswald ab- hielt, war er der erste Mann auf dem Tanzboden— und der letzte. Er zog seinen Wesenspelz an, wenn er ausging, und fein Xo und Y „Ich hätte mich ja einschränken können. Ich könnte zum Beispiel unten wohnen und die Wohnung vermieten. Der Zahnarzt hätte sie gern genommen." „Ja, hier ist ja reichlich Platz für einen einzelnen Menschen. Aber warum taten Sie es denn nicht?" „Rein, denn er wollte nur auf mindestens fünf Jahre mieten."> ./Das wäre doch nur ein Vorteil für Sie, finde ich." „Ich will, daß ich," sagte Minna und richtete sich auf dem Stuhl auf,„daß ich— meinem Mann— ich meine, wenn ich mich verheiraten sollte— ein Heim bieten kann!" Minna stotterte zwar ein bißchen, aber es lag Energie in ihrer Stimme. Sie warf ihr« ausgegangene Zigarette klatschend gegen den Ofen, obwohl der Aschbecher neben ihr stand. Der Ingenieur saß tief in einem niedrigen Sessel. Seine Knie staken so hoch empor, daß er flüchtig an sein eigenes drei. beiniges Fernglas erinnerte. „Außerdem kann das Geschäft es tragen," fuhr Minna fort,„ich verdien« mit meinen Hüten mehr als Vater mit all seinem Kram. Das Grundstück steigt aucb im Wert, wenn die Stadt sich ausbreitet. Aber was lagen Sie. Herr Svejdal? Meinen Sie. daß ich mich einschränken sollte?" „Ich wohne auch zu teuer." sagte der Ingenieur, der in tiefen Erwägungen zu stecken schien,„zweieinhalb Kronen für ein einziges Zimmer im Hotel." „Ja." sagte Minna mit Klang in der Stimme. „Für den Preis hätte ich ein« ganze Wohnung habe» können. „Ja." „Und hier stehen Ihre Zimmer ganz unbenutzt außer wenigen Stunden täglich. Das ist doch ganz sinnlos" „Das ist auch sinnlos. Feuer, Ingenieur! Dante, so." Minna griff die schlaffe Hand des Ingenieurs, zwischen deren Fingern eine Zigarette steckte, ums Handgelenk, führte sie an ihren Mund, hielt die Zigaretten zusammen und paffte los.„Danke?" „Ich habe eigentlich auch eine Idee. Wollen Sie mir einen guten Rat geben? Ich k a n n Ihnen nicht raten, aber Sie können mir raten—" Der Ingenieur schlug Feuer mit seinem Feuerzeug, denn Minna war zu gewalttätig mit seiner Zigarette umgegangen. „Und das wäre—?" sagte Minna tonlos. (Fortsetzung folgt.) 659), Schlosser(8742 z» 4461), Schmiede(978 zu 506), Mechaniker(1289 zu 882). Dagegen gibt es eine ganze Reihe von Handwerkern, deren geringe Zahl andeutet, dah ihr Gewerbe zuriickgchs, bis es vielleicht ganz verschwunden sein wird, und andere, zu denen die Berliner Jugend anscheinend wenig Neigung verspürt. den letzteren sind wohl die Scisensieder, Sciter und Stempelsehet zu rechnen, die nur je einen Lehrling aufweisen, während die Gerber es zu zwei Lehrlingen brachten. » Ist also, wie die obigen Zahlen zeigen, ein Mißverhältnis zwischen der Zahl der beschäftigten Gehilfen und der der Lehrlinge nicht festzustellen, so ist damit noch kein Beweis für eine durchaus -anwandfreie Lehrlingsausbildung in allen Handwerksbetrieben erbracht. Eine übermäßige Lchrlingszüchterei ist in einzelnen Br trieben gewiß vorhanden. Das Urteil darüber muß von Fall zu Fall gefunden werden: es hängt von einer Reihe von Umständen ab. In vielen Berufen werden heute gewinnsüchtige Meister durch Tarif- vertrüge an der Einstellung einer unverhällnismähig großen Zahl von Lehrlingen gehindert. Auch die zum Schutze der jugendlichen Arbeitskraft erlassenen Gesetze, sowie der„weitgehende Schulbesuch", dem der Lehrling unterworfen ist, ferner die Berliner Wohn- und Berkehrsverhältniise wirken hier wohltuend hemmend auf die Hand- werksmeister. Endlich zwingen auch die Roumverhältnisse in den Werkstätten, die teure Miete und anderes den Handwerksmeister, den Platz möglichst durch vollwertige Arbeitskräfte auszunutzen. »Keine unbilligen Härten." Ein(vtlttst über die Behandlung Wohnungsuchcndcr. Slmtlich wird mitgeteilt: Orn Laufe dieses Jahres ist die Wohnungszwangswirtschast, und zwar insbesondere der Mieterschutz, van den Ländern in nicht unerheblichem Umfange für Wohnungen bestimmter Art aufgehoben worden. Mit der Slüfhebung traten an die Stelle der Mieterschulz- Bestimmungen wieder die Borschriften des Bürgerlichen Gesetz- -buche?, vor- allem erhielten die Vermieter wieder das Recht, den Mretsoertrag zu kündigen und eine Räumungsklage zu erheben. Es sind nun verschiedentlich Schwierigkeiten dadurch auf- getreten, daß Wohnungsämter die Inhaber derartiger Wohnungen 9 auch dann, wenn sie infolge Aufhebung des Mieterschutzes die Wohnung räumen müssen, entweder überhauvt nicht alsWohnungs- suchende in die Liste eingetragen oder ihre Unterbringung nicht als dringlich anerkannt haben. Um die davon Betroffenen vor unbilligen Härten zu bewahren, hat der Retchsarbeitsminister die Landesregierungen in einem Rundschreiben gebeten, dieGemeinde- behörden anzuweisen, derartige Wohnungs- suchende in gleicher Weise zu behandeln wie Wohnungssuchende, die auf Grund einer Aus- Hebungsklage zur Räumung verurteilt find und bei denen die Zwangsvollstreckung von der Sicherung eines Ersatz- raumcs abhängig gemacht ist. Ein folgenscbwerer Soxhieb. Aufklärung dcä rätselhaften Todesfalles. Sehr schnell ist es gelungen, den zunächst rätselhasten Tod des Handlungsgehilfen H o f e g a n g, über den wir berichteten, aufzu- kkären. Der junge Mann mußte, wie erinnerlich, in der Nacht zu Montag in ein Krankenhaus gebracht werden, da er den Eindruck eines Schwerkranken machte. Auf dein Wege verschied er jedoch schon. Die Nachforschungen, die die Kriminaliuspskiion Tiergarten sofort anstellte, ergaben, daß- verschiedene Zeugen dem.Borsall bei- gewohnt hatten. Es Meldeten sich mehrere Mädchen, die, zu' her krjtischeg Zeit Hotegang an der ßreuzung der Pvtsdatmr vnd Aurfürstenstraßc beobachtet hatten. Wie sie aussagten, war der sunge Mann leicht a n g e t r u n k e n die Straße entlanggekommen sind hatte in seiner weinseligen Stimmung einige Pasfanten an- geulkt. Die meisten beachteten seine Anzapsungen nicht, sondern setzten ihren Weg ruhig fort. Die Mädchen sahen weiter, daß an der Autobpshallestelle zwischen einem Mädchen und einem Manne, der in diesen Kreisen unter dem Namen„W a s s e r k a r l" bekannt ist, ein heftiger Streit entstand. Bald hatte sich ein Kreis von Neugierigen um die beiden gesammelt. Unter den Zuschauern befand sich auch Hofegang. Als ein Invalide den Streit schlichten wollte und von„Wasserkarl" angegriffen wurde, drängte sich Hose- gang, schützend vor den Hilflosen. Die Wut des Angreifers richtete sich jetzt gegen ihn: er erhielt einen so wuchtigen Kinnhaken, daß er rücklings zu Boden stürzte und so unglücklich fiel, daß sogar die Umstehenden den Ausschlag des Kopfes auf das Straßenpflaster hören konnten. Als der Getroffene sich ahn« Hilfe nicht wieder aufrichten konnte, ahnte„Wasscrkarl" Unheil und machte sich aus dem Staube. Die anderen Leute trugen Hofeggng in einen Hausflur, wo er wieder zu sich kam. Jede Begleitung aber lehnte er barsch ab. Man ließ ihn gewähren, und die Menge zerstreute sich. Im Lause des Mittwoch gelang es nun den Kriminalbeamten,„Wgsserkarl" in einem Lokal in der Blumenthal- straße zu ermitteln und festzunehmen. Auf dem Polizeiamt Tier- garten wurde er festgestellt als ein 38 Jahre aller berufsloser K a r l W i t t i g aus der Schöncbergcr Straße. Er gibt zu, den Boxhieb geführt zu haben, behauptet aber, daß die Einmischung der fremden Leute ihn zur Wut gereizt habe. Wittig wird heute dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Cinigc Tage zu früh. Hätte der Müller Stürmer feine zweite Eheschließung einige später vollzogen, dann wäre ihm vieles erspart worden. Als er aus dem Felde kam, hatte er in Wittenberg geheiratet. Die Ehe gestaltete sich aber von Anfang an sehr unglücklich, und die Frau machte ihrem Manne das Leben schwer.„Das Wandern ist des Müllers Lust," sagte er sich, ergriff dm Wanderstab und verlieh h e i m l i ch F p a u und Heim. Um seine Spur zu verwischen, änderte er in seinem Paß feinen Namen und lebte fortan als Stürmann weiter. In Berlin lernte er ein junges Mädchen kennen. und als sich Folgen einstellten, sühlle er sich verpflichtet, die Ge- liebte zu heiraten, denn er hatte nicht den Mut, ihr zu offenbaren, daß er«in ganz anderer sei als derjenige, für den er sich ausgab. «o machte er sich der Doppelehe und zugleich der Urkunden- s a l s ch u n g und der intellektuellen Urkundenfälschung schuldig. Er hatte dabei keine Ahnung, daß inzwischen bereits seine rechtmäßige erste �rau auf dem Wege der öffentlichen Zustellung die Ehe- s ch e i d u n g von ihrem seit Jahr und Tag verschollenen Ehemann beantragt hotte. Aus demselben Wege der öffentlichen Zustellung J''.6 auch wenige Tage, bevor sich Stürmer alias Stürman» der Bigamie schuldig machte, geschieden worden. Inzwischen lebte der Neuvermählte in glücklicher Ehe mit Frau und Kind. Da kam durch eine» sonderbaren Zufall sein Sündenregister an den Tag. Seine Schwester kam zu Besuch, konnte aber erst durch Nachfrage die Wohnung des Bruders im Hause erfahren, da an der Tür Stur- mann stand. Die Schwägerin war wie aus den Wolken gefallen, als sie von der Schwester ihres Mannes hörte, daß dieser Stünner heiße. Rcchtsanwall Dr. E. H. Treitel bat das Schöffengericht Wedding, vor dem sich jetzt Stürmer wegen der schweren Straftaten zu verantworten hatte, um verständnisvolle Würdigung der Verhall- niste, unter denen die zweite Ehe zustondegekommen war, ins- besondere um die Zusammenfassung aller Straftaten als eine Tot- einheit und um die Zubilligung einer Bewährungs- f r i st für den bisher unbescholtenen arbeitsamen Mann. Das Schöffengericht erkannte in diesem Sinne aus acht Monate Gefängnis und gab dem Angeklagten hierfür dreijährige Bewährungsfrist, da er seine Straftaten mehr aus Unbesonnenheit als aus verbrecherischer Neigung begangen hat,. Nach üen Feiertagen beim Schnellrichter. Pechvögel. Vorgestern ein„Fall", gestern vier. Diese vier letzten kleinen Strafsachen offenbaren aber das ganze Elend des Rückfälligen und alleinstehenden Arbeitslosen. Wie eine böse Ironie klang es aus dem Munde der ersten beiden vielmals Borbestraften: Arbeitslos seit August— d. h. seit der Zeit, als sie das Gefängnis verließen. Und alle vier ausgesprochene Pechvögel: der einzige Erfolg ihrer Tat waren— Gefängnisstrafen. Der versuchte Betrug im Polizeipräsidium. Da war z. B. der Friedrich Sch. Er zähll 27 Jahre, ist aber bereits zehnmal vorbestraft, darunter auch mit Zuchthaus. Wovon er seit August nach seiner Entlastung aus dem Gefängnis gelebt hat, wurde in der Gerichtsverhandlung nicht seftgestellt. Jedenfalls hatte er zu Weihnachten keinen Pfennig in der Tasche. Da geriet er auf den sonderbaren Einfall, sich in die Höhle des Löwen zu begeben. Er ging am ersten Feiertag nach dem Polizei- Präsidium und machte hier Anzeige: Er sei der Jockei Willi Plüschel, komme aus Magdeburg; man habe ihm unterwegs seine Taschen um 290 Mark erleichtert; er bitte um Unterstützunoi. Der Krimrnalbcamte stellte ober fest, daß der Plüschel schon seit langem tot sei. Da wollte Sch. der Jockei schwarz sein, hatte aber auch mit diesem Nomen kein Glück und mußte schließlich seinen richtigen nennen. Das Gericht quittierte seinen schlimmen Witz mit drei Wochen Gefängnis und fünf Tagen Haft. Die Papierrolle. In einer anderen Weise hatte der 22mal vorbestrafte Pauh G. Pech. Auch ihm schien die Zlussicht, Weihnachten ohne einen Pfen- nig Geld in der Tasche zu verbringen, wenig reizvoll. So begab er sich in das Viertel der Reichen. An der Ecke Kurfürstendamm und Wilmersdorfer Straße schien ihm das Schicksal hold sefn zu wollen: auf der Straße stand ein Auto, auf dem unbewacht unter einer Decke eine Papierrolle lag.?lls er sich mit seinem Schatz ent- fernen wollte, wurde er angehalten. In der Papierrolle war aber nichts dr-n; es war nur eine Rolle Papier. Zwar erklärte der Eigentümer, auf eine Strafanzeige verzichten zu wollen: der bc< hördliche Apparat war ober bereits in Funktion und G. mußte zu- geben, daß er gehofft habe, in der Papierrolle etwas einigermaßen Wertvolles zu finden. Also war es ein Diebstahlsversuch iin Rück- falle und dafür gab es vier Monate Gefängnis. Die neun Paar Socken. Der Mechaniker Franz M. ist dagegen noch ein Neuling— er wird Gelegenheitsdieb, weil er nur gelegentlich Arbeit hat. Am Heiligabend schlenderte er durch die hell beleuchteten Straßen und befand sich plötzl'ch im Kaufhaus Wertheim. Vor einem Berg Socken blieb er nachdenklich stehen, dann griff er herzhaft hinein. Zlber schon im nächsten Augenblick sah er sich beobachtet, legte die Socken zurück und entfernte sich aus dem Hause. Man holte chn aber zurück und die Nacht verbrachte er bereits im Pelizeigefängnis. Das Urteil lautete auf sechs Wochen Gefängnis. Die Tabakspfeife. Der vierte von den Pechvögeln, der Maler Franz St., ist noch nicht vorbestraft. Nach Berlin kam er vom Rheinland, wo er zu Hause ist. Hier wollte er Zlrbeit finden: sand natürlich keine und war nach zehntägigem vergeblichen Suchen ohne einen Pfennig Geld. Trotzdem ging er ins Warenhaus. Böse Absichten will er nicht ge- habt haben. Was er vermißte, war eigentlich nur eine Tabakspfeife. Als er nun vor dem Ladentisch voll Tabakspfeifen stand, holte er sich eine und dazu noch ein Zigarettenetui im Gesamtwert von 2,50 M. Er behauptet, daß ein Bekannter ihm erzählt hätte, man könnte sich die Ding« dort ruhig holen. Die Strafe war mild: ein Tag Hast. Trotzdem: Nun ist er wegen. Diebstohss vorbestrost!.„. �>..... itirf• völkische Erzieher auf üem Sauernhof. Das Jugendamt vermittelt sie. Ein Leser unseres Blattes, der im Jahre 1924 seinen damals Istjährigen Sohn durch Bermittelung des Städtischen Jugendamts zu einem Bauern in die Gegend von Rheinsberg bringen lieh, trägt uns Klagen darüber vor, daß der Junge dort in einer Richtung becinskuht wird, die dem Vater verhängnisvoll erscheint. Bei dem Jungen hat sich die mangelnde väterliche Fürsorge während des Krieges insofern ausgewirkt, als er Dummejungenstreiche ver- übte, so daß sich der Vater veranlaßt sah. Hilfe beim Jugendamt zu suchen. Nach den Angaben des bäuerlichen Arbeitgebers hat sich der Junge dort bewährt. Was dem Vater allerdings nicht gefiel, war, daß der Junge in Beziehungen zur B i s m a r ck j u g e n d sie- bracht wurde. Als der Vater nach einem gelegentlichen Besuch bei seinem Sohn diesen darauf aufmerksam machte, daß er sich besser der Arbeiterjugend in Rheinsberg und vielleicht auch dein Reichs- banner anschließen könnte, fand er, wie auch der Junge, Widerstand bei seinem Arbeitgeber. In einem Brief, den ein Verwandter im Namen des Bauern an den Vater schrieb, findet sich folgender Satz: „Robert wird hier in unserer Gesinnung erzogen. dumm genug, wenn er seine Arbeitskraft als M i t- läufer für dos Judentum zu Markte tragen soll. Jeder Arbeiter sollte deutsch sllhlen und denken, dann stände es bester in unserem Vaterlande____" Daß es den Leuten bei Rheins- bcrg mit diesen Erziehungsabsichten ernst ist, bestätigt der Verwandte des Bauern in einem weiteren Brief an den Vater, in dem er noch- Der Berliner Sender hat sich die lobenswerte Aufgabe gestellt, durch eine Reihe von Vorträgen das Verständnis des Publikums für die verschiedenen Berufszweige zu wecken. Manches vorschnelle, falsche Urteil mag auf diese Weise schon korrigiert worden sein, manches andere wird hoffentlich noch künftig berichtigt werden. Wenn die Ausführungen Georg Waneckes:„Vor und hinter dem Schalter" auch nicht im Rahmen eines Vortrags- zyklus gehalten wurden, so stauden sie ihm dem Sinne nach doch sehr nahe. Manecke wies darauf hin, daß Postbeamte, Telepho- nistinnen und Fahrkartenverkäufer, an denen das eilige Publikum so oft seinen Unwillen ausläßt, nur sehr selten die wirklich Schul- digen sind. Ein wenig freundliches Entgegenkommen, genauere Beachtung oller Ratschläge und Hinweise wird häufig schon Wunder wirken. Freilich wird der vermehrte Beamtenstob in Postämtern und im Fcrnsprechdienst durchaus nicht ollen kaufmännisch Denken- den aus dem Publikum eine so unerfüllbare Forderung scheinen, wie der Vortragende meinte.— Die„Rechtsfragen des Tage s", die Geh. Iustizrot Prof. Dr. E. I. Heilfron behandelte, beschäftigen sich besonders mit den sehr aktuellen Themen des Umtauschs gekaufter Waren und der Weihnachtsgratifikationen. Interessant waren auch die Ausführungen Dr. Kurt T h o- mallas über„Das Rätsel der Blutdrüsen".— Die Abendveranstaltung, Kleinkunst, wirkte zum Teil ein wenig verstaubt und antiquiert. Res! Langer ist keine sehr geeignete Sprecherin für das Mikrophon, ihre Sprache ist weder farbig noch prägnant genug dazu. Robert Koppel sang Holländers „Mädel mit den Schwefelhölzern" peinlich sentimental-kitschig. Bester wirkte Fritz Berger mit Nelson-Schlagern, und"Margo Liotj, die man allerdings auf dem Podium sehen muß, wenn sie richtig zur Geltung kommen soll, sorgte für einen flotten Ausklang des Abends. mals betont, daß er„der nationalsozialistische» deute schen Arbeiterpartei angehört, also völkisch sei 5 Diese Tatsache und auch der Ilmstand, daß weder das Jugendamt noch der Vater oder der Junge irgendeinen Einfluß auf die Bar- gcldentschädigung für die geleistete Arbeit des Jungen hat, oeranlaßte den Vater, beim Jugendamt den Antrag auf Zurück führung des Jungen in die väterliche Obhut zu stellen. Die Entlohnung ist ein Kapitel für sich. Der Bauer scheint einer von denen zu sein, die sich schon öfter billige junge Arbeitskräfte vom Jugendamt vermitteln lassen, denn in dem erwähnten Brief ist noch die Rede davon,„daß es noch nie das Prinzip des Bauern gewesen wäre, einen Jungen zu halten". Wenn der Brief schreiber dem Vater unterschiebt, daß dieser lediglich des lieben Geldes wegen den Jungen fortnehmen wolle, so trifft dieser Bor wurs viel eher den Bauern als den Vater. Es wird nämlich in den Briefen besonders betont, daß„die Jungen soviel bezahlt bc.- kommen, wie es uns(den Bauern) paßt". Unter diesen geschit- derten Umständen kann man es dem Vater nicht verdenken, daß er den Jungen wieder zu sich nehmen will. Aber das Jugendamt sollte sich überlegen, ob es weiter als Zutreiber für jene Kreise wirken will, die die nationalistische Verhetzung in Reinkultur bc- treiben._ Silvestersorgen. Morgen„feiern" wir Silvester. Es wird ja zwar wie immer den kommentmäßigen Spektakel des„Prosit-Neujahr", der obge- fchossenen Raketen und Frösche, diverse«chlägereien und unzählige Betrunkene geben. Wir leseu in einem Berliner Blatt folgendes: Die Theater machen seit Iahren wieder gute Geschäfte, die Kinopaläste sind überfüllt, desgleichen die großen Cafäs, c i n B a l l jagt den anderen, man muß anstehen, um bei den oll- wöchentlichen Galaabenden der großen Hotels nach einen Platz zu bekommen. Und die aus dem Boden schießenden Tanzlokale kennt man nur von außen, weil sie immer wegen NIebcrfüllung geschlossen sind. Kein Zweifel: die tiefe Depression, die noch im vorigen Jahre auf allen und allem lastete, ist gewichen. und die Berliner, ein Iahrdutzend lang von Krieg, Inflation. Deflation und Aufbaukrise hin- und hersieworfen, wollen jetzt ein bißchen nachholen von dem, was ihnen verloren gegangen: ein wenig Wohlleben. Alle Wetter, ist das nicht wie ein Blinkfeuer höchst entwickelten Lebensgefühls? Geht's uns wirklich wieder so gut? Diese unternehmungslustigen Berliner wollen ein wenig von den Amüfe- mentsverlusten der Inflations- und Depressionszest nachholen? Hier scheint aber doch ein kleiner Bilanzsehler. Die damals hungern und entbehren mußten, die feiern auch heute nicht. Den Besuchern der „Galaabende" und Modebälle ging's auch 1923 nicht schlecht. Wie aus allem, so machten sie auch aus dem Irrsinn der Inflation ein Bombengeschäft. « Der Berliner hat so feine Sorgen, und eine gewisse gut- bürgerliche Presse hilft sie ihm tragen. Da ist das Silvester- vergnügen, es will gründlich vorbereitet sein, wie es in den Zei- tunge» steht, die sich mit diesen Dingen von berufswegcn beschäftigen. Es wird also ausgezählt, was der Berliner am Silvester- abend tut.(Der Berliner beginnt für diese Journalisten mit dem 24 000-Mark-Jahreseinkonnnen'.> Unsere noblen Hotels und Nestau- rants find bereits fest Tagen für die Siloesternacht ausverkauft. Dabei kostet das Souper bloß 40 Mark, aber— ohne Getränke. Na und die sind doch schließlich dabei die Hauptsache. Aber wir wallen ehrlich sein. Einige geben das Eiloestcrestcn pro Person schon für 30 Mark her, andere gehen hinunter bis auf 20 Mark, und die ganz bescheiden«, schofle Pension tut es schon für 10 Mark. Was das groß sein mag, kann man sich ja vorstellen. Der Durchschnittsunterstützungssatz für einen Arbeitslosen be- trägt im Monat in Berlin etwa 40 Mark. Es wird also an- genommen, daß er von. diesem Betrag 30 Tage leben und wohnen kamt.- De« Berlther. die die oben erwähnten Zeitungen lqsen. und nehinen wir sogar an mit Vergnügen lesen, sind also in der Lage, für«ine Mahlzeit dasselbe auszugeben, was ein Arbeitsloser für seinen gesamten Lebensbedarf im Monat zur Verfügung hat. Diese Feststellung bc- deutet ja nichts Neues, aber l'je scheint in den Leserkreis«» der Berliner bürgerlichen Presse nicht bekannt zu sein. Oder würde einer, wenn er es wüßte, sich das 40-Mark-Diner mst Appetit zu Gcmüte führen können— ohne daran zu ersticken? Die neuen Mchbackstuben. Seit Jahrzehnten wird in Deutschland für Fischnahrung Pro» paganda gemacht. Man kann gerode nicht behaupten, daß diese Bemühungen mst großem Erfolg gekrönt worden sind. Weshalb hat sich nun der Fischgenuß immer noch nicht einbürgern wollen? Nach den kürzlich mitgeteilten Zahlen ist in England, das nur zwei Drittel der deutschen Bevölkerung hat, der Fischgenuß sechsmal so hoch wie in Deutschland. Man führt oft das leichte Verderben der Fische aus dem Transport ins Inland an. In England liegen durch seine geographischen Verhällnisse die Dinge weil günstiger. Aber auch in den deutschen Küstenstädten ist der Fischkonsum keineswegs hoch. In England erfolgt neun Zehntel des Umsatzes durch Berkauf über die Straße, nur ein Zehntel wird an Ort und Stelle verzehrt. Die Fischbratküchen sind in. England auch nur selten als große Fischrestaurants eingerichtet: einige kleine Tische mit Hockern bieten die Möglichkeit, die Speisen dort zu essen. Eine andere Methode hat in Frankfurt a. M. sehr schnell Ein- gang und umfassende Verbreitung gefunden: im Frischfischladen steht ein Bratofen und man verkaust gebackene Fischkotelcttstücke über die Straße. In einfachen Fischrestaurants darf der Preis für die Portion, bestehend aus Pfund Fischfilet, gebacken mit Kartoffelsalat oder Röstkartosfeln, möglichst 50 Pf. nicht übersteigen. Zu bedenken ist dabei, daß der Deutsche leider immer noch für Fisch nicht soviel ausgeben will wie für Fleisch. Ein Preis von 50 bis 60 Pf. muß als Richtschnur gellen, wenn man wirklich mit großen Umsätzen rechnen will. Die erfolgreichsten Geschäfte, die bis zu 2000 Portionen täglich umsetzen, arbeiten fast olle nach diesem Prinzip. In diesen Geschäften wird die eßfertige Portion für 30 bis 40 Pf.(ohne Salat) über die Straße verkauft. Die Erste Ber- liner Fischbackstube G m. b. H. hat in Berlin den Versuch ge- macht, diese Fischbackstuben einzuführen! Die Leiter der Gesellschaft waren es, die im Juli dieses Jahres auf eigene Faust ihre Stube in der M i t t e l st r a ß c(Ecke Eharlottenstraße) eröffneten und da- mit Berlin die erste Fischbackstube gaben! Der Erfolg war gut! Gleich in den ersten Tagen stiegen die Umsatzzisfern— und noch heute werdne täglich 1000 bis 1200 Portionen ge- backener Fisch in dieser Stube umgesetzt. Am 1. September wurde mit den führenden Reedereien der Hochseefischerei in Bremerhaven- Geestemünde die jetzt bestehende G. m. b. H. gegründet, die nun in den Stadtteilen Berlin ihre Stuben eröffnen wird. Vier davon gibt es bereits in Berlin. Die Stuben sind in meergrüner Keramik gekleidet, über der die Fische des Meeres sich tummeln. Die Back- räume sind dem Publikum auf der Straße wie in der Stube ficht- bar, und jedermann kann sich von der Güte und Frische des Ma- terials überzeugen und das Backen beobachten. Täglich morgens kommen die Fische enthäutet und entgrätet frisch von der Röste und stehen mittags den Gästen zur Konsumie- rung zur Verfügung. Die Portionen bestehen aus zirka% Pfund (zwei Stück) gräten- und hautlosem Fischfleisch(das zirka 1 Pfund Rohfisch entspricht). Der Fisch wird in-reinstem Oel, bei einer Erhitzung von 220 Grad, in wenigen Minuten gebacken, wodurch dem Der Jleue(Rundfunk ARBEITER• FUNKZEITSCHRIFT »W- Heul« neul"MU U• b• r• I I Im StrbbeiihbHd«!«rblltllebt Fisch alle Näbrwerte restlos erhalten bleiben. Dazu»eichen stn gleichen£M gebackenc Kartoffeln oder Kartoffelsalat— oanz nach Wunsch— gereicht. All das kostet nur M Pf. und ist für diesen Betrag non keiner 5)aussrou im Rohmaterial zu kaufen. Täglich wechseln die Fische, so dah der Fischlicbhaber immer eine Ab- wechslung findet. Besonders bedeutsam für die lloussrau also ist neben der Er- jparnis an Geld, die Ersparnis an Zeit. Roch in der letzten Minute kann die lfaussrau in die Fischbackstubc schicken, um dos fertige Mittagsmahl nach Hause holen zu lassen. Besondere Transport- tüten gestatten dem von der Arbeit Heimkehrenden eine gebackcne Portion in der Tüte mit nach Hause zu nehmen. Der Fisch holt sich durch die umgebende Hitze lange warm, Ist aber auch erkaltet eine Delikatesse, wenn man ihn mit einer Ma- yonnaisensauee oder Kartosielsalat ißt. Ebenso leicht ist er in einer trockenen Schüssel zu erwärmen— und wer ganz üppig leben will, mag sich eine Buttersauce dazu herrichten. Die Untersuchungen des Hamburger Physiologenproseslors Dr. Kestncr wiesen nach, dah die Verdauung des gebackencn Fisches sich über neun Stunden erstrecke, also den doppelten Sättigungswert von Rind- fleisch habe. Dr. Ködert(Dessau) stellte fest, daß gcbackener See- lach? fast dieselbe Zusammensetzung aufwies, wie der Schenkel des Rindes und dah sich durch das Becken die Kalorien des Schellfisches von 88 aus 210, des Heelachses von 89 aus 210 erhohen. Die eführt in den Tod. Der Kutscher Kurt Werner hatte ain 17. Oktober d. I. aus einem sogenannten Asphaltwagen, auf dem zwei Kessel unbe- festigt standen, vier Arbeitskollegen mitgenommen, die zu einer anderen Arbeitsstelle gebracht werden sollten. Er hatte an dein Wagen keine Laterne, trotzdem es bereits Abend war. Als er nun durch die Greijswalder Strohe gekommen war, bemerkte ihn ein Schupobeamter, der ihn aufforderte, anzuhalten. Werner, der eine Bestrafung wegen des nichterleuchtcten Wagens befürchtete, kehrte sich nicht daran, sondern trieb die Pferde zu schnellcrem Tempo an. Als er merkte, dah der Beamte ihn verfolgte, bog er in eine Seiten- stratze ein. In rasender Fahrt gelangte er so bis zur Earmen-Syloa- Straße, wo er mit einem dort stehenden Leiterwagen zu- sammenstieh. Er hielt ober auch jetzt noch nicht an. Plötzlich mochte em auf dem Wogen stehender Mann die Entdeckung, dah einer der mitfahrenden Kollegen namens Fauftmann zu- fammengebrochen war. Die anderen bemühten siih sofort um ihn und fuhren ihn zur Unfallstation: es war aber bereits zu spät. Der Berunglückte, der verheiratet und Dater unmündiger Kinder war, starb noch am selben Tage an Dormzerreißung. Wie sich später herausstellte, hatte der Kutscher durch sein u n v o r- schrifbs mäßiges Fahren den Tod seines Kollegen verursacht. Faustmann war bei dem Zusammenstoh mit dem Leiterwagen an einen Kessel mit solcher Gewalt gedrückt worden, dah eine schwere Dormzerreißung eintrat. Das' Schöffengericht Lichtenberg, vor dem der Kutscher Werner unter der Anklage der fahrlässigen Tötung stand, verurteilte ihn zu sechs Monaten Ge- fongnis. (5'xplosion bei Achering. In einem Laboratorium der Scheringschen Fabrik in der Müller- strahe ereignete sich gestern nachmittag eine folgenschwere Ex- p l o s i o n. Ei» mit einer gefährlichen Flüssigkeit gefüllter Behälter explodierte. Der in unmittelbarer Röhe beschäftigte Laborant,«in Dr. Walter B e ch aus der Kleiststr. 23 in Zehlcndors wurde so schwer verletzt, daß seine sofortige Ueberführung in das Birchow- Krankenhaus erfolgen muhte. Die Polizei ist mit der Klärung des Falles beschäftigt. Das Reichsbanner treibt Wintersport! Die neugeoründete Berliner Reichsbanner-Wintersportabteilung nahm zu Weihnachten schon an Wintersportkonkurrenzkämpsen in Tanne ini Harz teil. Bon der Harzer Bevölkerung wurden die Kameraden auf das herzlichst« emofangen. Die Kurverwattuntz veranstaltete ein Wintersportsest, an dem unter anderem auch der norddeutsche Skisprungmeister, Kamerad Walter Wagner' aus Braunlage, teilnahm. Das Reichsbanner erhielt von 13 Preisen drei erste, drei zweit« und drei dritte Preise. Ein lOjährigcr Ski- lpringer der Reichsbanner-Wintersportjugend aus Benncckenstein erhielt außer dem 1. Preis noch einen Ehrenpreis für einen 18-Mcter. Sprung. Auch im Rodeln auf der Tanner 900-Meter-Bahn erzielte dos Reichsbanner namhafte Erfolge. Die Wintersportanlagen erbaute die Gemeinde aus eigenen Mitteln und stellte zum Bau nur Arbeits- lose ein. Tanne ist nicht nur der republikanischste Ort des Braun- schweizer Harzes, sondern auch rein sozialistisch trotz der Stahlhelm- regierung. Bon 900 Einwohnern besindcn sich 160 Männer im Reichsbanner. Der Ueberfall im Wettburean. Ein schlanker, blasser lunger Mann, dem die Tränen aus den Augen perlen, steht vor der Großen Straskamnicr. Sein Bater war Rittergutsbesitzer. Dem Angeklagten wird oersuchterRaub zur Last gelegt. Er ist eine? Mittags in das Wettbursau in der Hordenberg st rahe hineingestürmt, in der Rechten hatte der aufgeregte Jüngling eine Zange, die in ein Toschentuch eingewickelt war, und init dieser Zange wollte er den Kassierer bearbeiten, um dann Geld an sich zu reihen. Der Kassierer widersetzte sich aber tapfer, der blasse Angeklagte muhte von ihm ablassen und wurde auf der Stelle verhaftet. Run erzählt er den Richtern, hastig und schluchzend, eine grohe Leidensgeschichte. Der Vater habe das Ritter- gut verloren, er selbst hätte sich mehrfach mit Kommunisten herum- geschlagen, und als er im Kriege zwei belgischen Frauen das Leben rettete, auf die zwei zügellose Pferde anstürmten, eine Gehirn- crschütterung erlitten. In Berlin habe er dann gesehen, wählend seinen Eltern das letzte vom Hof getragen wurde, wie Ausländer in wenigen Tagen Riesen-Aktisnpakete mühelos aufkauften, zu Millionären wurden und die eigenen Volksgenossen immer mehr ver- armten. Die Ausländer bekamen dafür noch, wenigftens der eine oder der andere, den Or. h. c. Eine gute halb« Stunde schildert das der innerlich offenbar ganz aufgewühite Mann auf der Anklagebank und er schließt damit, dah ihn zuletz» wilde Empörung und Rache gepackt Hobe, als er die Schiebcrwctten in den Wettbureaus sah.„Eine Republik, die etwas Derartiges duldet, hat m i r den Rest gegeben!" So sei die Tat in ihm gereift.„Dos ist aber ein etwas kühner Gedankensprung, und der arme Kassierer war doch dann eigentlich ein ungeeignetes Objekt für Ihre Rache gelüste!" Das sagt der Vorsitzende, und es klingt nicht scharf und zeigt dos Bestreben, etwas tieser in das Seelenleben des Mannes da vor ihm zu blicken. Der aber bleibt dabei und sagt nur noch, als der Staatsanwalt ein Jahr und drei Monate Zuchthaus beantragt, daß er den Gedanken an das Zuchthaus nicht ertrage und hier um sein Leben kämpfe. Der Gerichtshof will ihm diesen Kamps er- leichtern, legt zwar die beantragte Zuchthausstrafe zugrunde, wandelt sie aber in Gefängnis um und erkennt auf ein Jahr zehn Monate Gefängnis. Der Angeklagte dankt und tritt diese Strafe sofort an. Ein Wirrkops, vielleicht ein Schwächling, den ein «chicksal zu hart packte! Einsturz eines Lau-Fahrstuhlgerüfles. Kurz noch Arbeitsschluh, etwa gegen 6 Uhr ahends, stürzte aus einem Neubau in der Rubensstraßc 28 in Friedenau ein 20 Meter hohes Fahr- st u h 1 g c r ü st ein und riß mehrere Rüststangen und Mauerwerk mit in die Ties«. Die Feuerwehr wurde alarmiert, nahm die Aus- räumungsarbeiten vor und isolierte die bei dem Einsturz zerrissene Starkstromleitung. Von großem Glück ist, daß der Einsturz nach Arbeitsschluh passierte, da gerade an der Einsturzstelle zahlreiche Arbeiter beschäftigt sind. Die Baupolizei ist mit den Er- mittlungen der Einsturzursoche beschäftigt. Ueberfall In der llaunnnstrahe. Gestern nachmittag wurde aus einer Rettungsstelle im Südosten Berlins ein Mann mit einer schweren Stichverletzung eingeliefert. Der Arzt stellte einen schwere» Lungen st ich fest und ordnete die sofortige Ueberführung in das Urbankrankenhaus an. Der Verletzte, ein ZZjährigcr Buchdrucker Alfred Hauff aus der Monteusfelftr. 22. war in der Naunynstrahc von noch unbekannten Tätern über- fallen und niedergestochen worden. Sein Zustand gibt zu ernsten Besorgnissen Anlah. Die Kriminalpolizei ist mit der Auf- klärung des mysteriösen Dorfalles beschäftigt. Die Mitglieder der StadlverordnetenfraNion und die sozial- demokratischen Maqistratsmitglieder erhalten Karten zur Ein» äscherung de« verstotbenen Genossen Zabeil durch daS kommunale Sekretariat zugesandt. Der Sonderzug in» Riesengebirge verkehrt bestimmt. Der von der Reichjbahndirektion Berlin vorgesehene Sonderzug am 80. Dezember(heute) von Berlin nach Bad Flindherg, Hirschberg, Oberschreiberhau und Krummhübel verkehrt— wie wir erfahren— bestimmt. Die Abfahrt von Berlin Bahnhof Friedrichstrah« erfolgt beute, am 30. Dezember, um 11.30 Uhr abends, die Rückkehr am Sonntag, den 2. Januar, in Berlin um Mitternacht. Die Juristische Sprechstunde fällt am Freitag, den ZI. Dezember 1926, aus. Jahre» endsei er de» Arbeiter-Kulwr- Kartell»«roh-Serlin. Die Ordner für die Iabresendseier treffen sich am Freitag, den Zl. Dezember, adendS pünktlich VjlO Uhr, im Jugendhelm Lindenslr. 3, 2. Hos III. V«zirr»bildung»an»schvh«roh• Berlin Nächst« Tbeatervorftellung am Smmiag, den 30. Januar nachmittags 3 Ubr, im Thrater der VoltSbübne am Bulowplatz. Zur Aufführung getaugt„V o I p o n e'(oder der Kampf umS Geld), Komödie in zwei Teilen von Stefan Zweig(nach Ben Jouson). Preis der Karte einlchlichlich Garderobe und Tbeaterzettel l,S0 Mk. Karten sind ab Anfang Januar in allen bekannten Verkaufsstellen zu haben. schwere Bluttat i« Stuttgart. Stuttgart, 29. Dezember. Heut« mittag erschien bei der in der Rotenwaldstrohe wohnenden 41 Jahre alten, von ihrem Ehemanne getrennt lebenden Koufmannsehrfrau Hilene Schairer der 44 Jahre alte Hilfsarbeiter Gottlob Fischer. Seine Frau Theodora Fischer und seine 20jährige Tochter Anno, die er fortwährend bedroht und vor einige« Wochen durch Messerstiche verletzt hatte, wohnten seit einigen Wochen bei Frau Schairer, einer Schwester der Frau Fischer. Fischer geriet mit den Frauen in einen Wortstreit, in dessen Berlaus er ein««elbsUadepistole zog und auf die Frauen Schüsse abfeuerte. Frau Schairer und die Anna Fischer wurden durch die Schüsse sofort getötet, die Frau Theodora Fischer durch einen vchuh in den Unterleib lebensgefähr- lich oerletzt. Roch vollbrachter Tat richtet« Fischer die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich so schwer, dah er noch aus dem Trans- port ins Krankenhaus verstarb. DaS Eisenbahnunglück bei Schweitershai«. Bei dem gestrigen Unfall deS Berliner D-ZugeS bei SchweikerShain sind nach amilicker Feststellung 11 Personen verletzt worden. Eine Frau aus Chemnitz muhte mit icknvereu Rippenbrüchen dem Krankenhau» zugeführt werden, während die übrige» leichte Verletzungen erlitten haben. D»e Sckrnld an dem Unfall ickeint dem Fahrdienstleiter zu treffen, der den Güterzug hatte einlaufen lassen, obwohl der D-Zug noch nicht heraus war._ 3m Gebirge herrscht welter SSlke. Nach den gestern bei der ReichSzemrale für Deuliche Verkehrewerbung eingegangenen tele» graphischen Meldungen hält in den Bergen da» kalte Wetter weiter an. So meldet O b e r st a u s e n im Alg äu 6 Grad Kälte. 80 Zentimeter Schneehöhe und prächtige» ivollenlose« Wetter. In St. Andreasberg(Harz) beträgt bei 1 Grad Kälte die Schneehöhe 55 Zentimeter. Einfendunge» für tiefe StntrU sind Berlin SW 68, Lindenftrasie 3, Parteinachrichten für Groß-Serlln stet» d« d«,»ezirkssetretdridt. 2, H»s. 2 Trep. recht», zn richten, 7.»reie Ctatlditeatnen. Die(fienolTtnnen unt©enoffen treffen sich beute. Demnersifl«, 30. Dezember, ndchmittan» i'-> Ubr. in der©rimmsNafie. Urbankrantenbous. zur Ueberfllbruna der Leiche drz©eiwsscn Tri» gubeil. 14. ttrei»»entölln. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich beute. Donnerst»«. 30. Dezember,«n der Uederfwiruna der Leiche des Genossen Tri» gubeil nach dem.«trematorium Gerichtssrasse und treffen sich nach- mliwao 4", Ubr in der Grimmssrasie. |M Werbeaueschn» der Post. Und Telegraphenbeamten»«ch Anwärter, f-j UZ Die Ueberfsthruna unseres verstorbenen Vorkinnvfers Tri» tzubeil nach s -U dem kremaloriinn findet am 3st. Dezember, nachmilta«» 5 Ubr, statt. Hl Auftnorfchvlan liebe„Vorwärts- Mittwobr-Abendausgabe. Wir bitten gj El um regste Teiinabme. möglichst in Uniform. 8ui Bestattung selbst A iS sind Karten im Bezirtssckretariat Lindenstr. Z abzuholen. heule, Donnerslag. 30. Dezember: 3. Abi. Dir Vezrrksfilbrrr melden bis zum 31. Dezember die Adressen der Genossen, die crwerbe-chs oder Rentenempfänger stnd. bei dem Genosse» Runae. Steinmehstr. sti. Die Sammellisten zum Deibnachisfest sind eben. ialls sofort abzurechnen beim Genossen Runae.— Achtunal Leute 3 Ubr bei Riefert, St«inme»str. 36, wtchtiäc Vorstandsss»ung. 44. Abi. Wir erwarten zablreich« Vktciliquna an der Ucberfllbrun« der Leiche des Genosse» Tri» Kubeil noch dem Krematorium Serichtstrosie. Trett- vunkt nachiniilaas 4*4 Ubr Grimm strasi«. Am Urban. 45. Abt. Sämtliche Genossinnen und Genossen beleiliaen ssch an der Uebcr- Mbrun« der Leiche des Genossen Tri» Zübeil. Treffpunkt nachmittags 4?« Ubr in der Grimmstrasi«. Charlettentaia. 51. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich nach» mittaas 464 Ubr am Kranlenbaus in der Grimmstrafte zur Ueberfilbruna der Leiche des Genosten Tri» Kuberl. Erweist unserem Treunde die Ie»te eilt«.— 53 Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich zur Teil» nabm« an der Ueberfllbruna der Leiche des Genossen Tri» tzubeil nach» mittag» 4 Ubr bei Lux. Luttenstr. 36. Nachzügler schlieften sich unter- weg» an. �_-_,■•,_■_* 8«. Abi. Schönebeig. Wie alliäbrlich, veranstaltet unsere Abteilung E- auch in diesem Iabre ein« lleinr Tamilienweihnachisfcier mit Tanz heute D abend in der Menzelklanse. Menzel- Ecke Thvrwaldsenstrafte. Alle Genossinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. 14». Abt. Borfigwaide. Sämtliche Genossinnen und Genassen beieilioen sich nachmittags 5'/b Uhr im Krematorium Gerichtsttgftc an der Ueberführung der Leiche des Genossen Trift Zubeil. • 11. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich am Siwestfrabent in ihrem Parieilvfol Berger, Leveftowstr. 21. 82. Abi. Stegli». Achtung! Bei der Weihnachtsfeier im Albrechtsbof ist»in» Brille mit Tutieral gefunden worden. Abzuholen beim Genossen Svlies- gart!. Albrechistr. 118, Gartenhaus 2 Tr. Zungsozialiste«. Gr»ppe PDen�laver Berg: fällt der Vruvprnsbrnd aus. Nächster Grupvenabend am K. Januar 1927.__ Sterbetafel üer Groß-öerliner partel»Grganifation| 84. Abt. Lankwift. Am 25. Dezember verstarb vloftlich unser alter und allseitig beliebter Genosse, der Schuhmachermetstcr Triedrich Riedballa, Lankwift, Vittoriaftr. 42. Einäscherung beute. Donnerstoa. 36. Dezember. nachmiiiaas 3',4 Ubr. im Krcmatoirurn Kaumschulenweg. Kiefbolzftr. 221. Wir werden dem alten Kämvler ein ebiendcs Andenken bcwabren und bitten um zahlreiche Beleilianng an der Trouerfcicr. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner»Schwär, Rol-Gold". « e k» ö f t»»« 1 1 1: Berlin<6 14. Sebaftianstr. 37/38 Sof 2 Tr. Tricdrichsboin! Sonntag, d. 2.. Bloftkonzart auf dem Betersburger Blaft>42— Vt3 Ubr.— Reukölln-Bri»! 1. Kameradschaft! Alle, die an. der Silvesterfeier des Tambvurlorvs nicht teilnehmen, treffen sich Silvester bei Witte(frühe e Bockmannl, Reuterstr. 47, Ecke Lenoust.afte.— Treptow (HeeU); Bonnernoaeluna bei Silidifc in Treptow am 1. Januar. Antrelen 2 Ubr Wiener. Brücke zum Ummarsch. Bon 4-6 Uhr»afseekouzert. Bor träge usw.. onschlieftend Tanz. Sinlritt 50 Pf.— Treptow: Sonnabend, d. 1., nach. mittags ISi Uhr. Anirelen Wiener Brücke. BNichtveranstalluba für alle Kameraden. Angebäriae und Gäste sind herzlichst eingeladen.— Ker»»t»rt: Tr.. d. 31., Silvesterfeier bei dem Kameraden Känia. Bismarckstr. 16. Rontgental: Do., d. 36.. 8 Uhr Lokal Werner. Oberländer Str. 2, Zahre»- Versammlung, chfcheinen aller Kameraden ist Pflicht. Sozialdemokratischer Mövnerchor Triedrichshain. Am Trriiag.»1. De- zember. fällt die Uebungsstunde aus. Sport. vi« 4 Stunden am Kaiserdamm. Der letzte Berufssabrerrenntag vor dem 18. Berliner Sechstagerennen— am Sonnabend, den 8. Januar 1927 veranstaltct n« enthaften große Möglichkeiten, die Wohn- und häusliche Wirtschaftsweise der Arbeiterfamilie zu verbessern Die Vertreter der Lohnorbeiterschaft in Parlamenten, sonstigen ösfent- lichen Körperschaften und Verwaltungen müssen aber die Gesetze kennen, sich in ihren Inhalt vertiefen, ihn erst ganz be- griffen haben, um die Rechte, die sie dem Boll gewähren, wahr- nehmen und verfechten und ihre praktische Anwendung erkämpfen zu können. Sie muß mächtigen Feinden abgerungen werden. Der Kampf de» Volkes gegen das Wohnungselend ist ein Ringen um seinen sttllich-n Bestand. Er ist nicht nur ein Kampf gegen die Mietkascrn«, gegen das großstädtische Hochhaus: denn auch dds flache Kleinhaus in der ländlichen Gemeinde wird zur Hölle, wenn es mir Menschen überfüllt ist. wenn es' seinen Insassen nicht Raum bict-t, ein sittliches und gesundes Eigenleben zu führen, persönlich« Hab- seligteiten in Ordnung zu halten, Ruhe zu finden, sich vom Lärm der Arbeit zu erholen, sich auf sich selbst zu besinnen, ein Buch zu lesen und geistig zu arbeiten. Das Kleinbaus an sich bietet also noch nicht Gewähr für das Gedeihen der Familie. Auch das Ein- samilienhaus kann Herd leiblichen und sittlichen Elends sein: jedoch der Kreis der vom Wohnungselend im Vtelfamilienhauje Betroffenen ist so viel mal größer als im Sleinhaufe, wie mehr Menschen" der Miettaserne als im Kleiichouse wohnen. in Staats-Theater Operahaa» Platx a. d.Nepubl. 7Uhn Tannnfiiiaer Schanaplalliaii* > Uhr; Lnlu Pchliitr-Tbaalar t Uhrj Oer«rbr Krug— Der Bär SfüHe Opst Charlotten burp Die Walküre H. Wlldbrunn Q. StOckgold ' Abonn.-Tuntusn Dentidies Iheatet Norden 10334-37 * Uhr: BnlMv.liiiäaD von WolteangOoetz Regle; HelneHllpert )(ammerspiele Nordan 1033t— 37 « Uhr; Ollapstrida von Alexander Uernet-Holenla kta Heina nllpert. Hierauf: Das vcilctaan von Prani Molnar Regle: Eug. Robert Theat.aloHerlillirtpl Kurfürst 2041 Heute geschlossen, Silvester 7 Uhr: Klubleote mit Max Adalbert als Onteel Ale» Die Komödie »lamatc- 2414, 75ie 8 Uhr Ole Gefangene Von Hourdei Kaaie M.Ramhartu Gr. Miauspleliiaaj Täglich 8>, Uhi '%hr<'Vlu/rtS CHARELL- REVUE SilmlerTorilill. Anf.71 j, Endel 0' jU. Der Vorverkauf hat bereits begonnen Letrte Vorstellung der Kinder- Revue Fnikbeiniclmanas Mirehcnrclse mit Ulred Bronn heute nachm. 4 Unr fiose-lheater «�Preziosa Nollendorf 7360 « Uhr Variett* Attraktionen I. und 2. Neujahrttag: MM 3a und 8 Uhr. Nachm. S" m «rrnäU. Preisen das raaae Progr. Volksbühne Tbejt» im niovplih «Uhr Volponc Morgen 8 Uhr: Voüpone Th. m SAitfhiitritiisir Heute 4 Uhr; Das Orakmal des inliakaoiiten Soldaten Morgen 8 Uhr: Oer Heizifte omisene Cper Allabendlich 8'/, Uhr Der sensationelle Presse-Erfolg Sailen I„ChauveSourla" Theater Revue In 20 <0rlj�neljstel ■SalpvpSii «■rifcobr: Croai SilvsstiHorstElluni 1 8 Uhr_ Ende 10'- Uhr| Infant� Sonnabend(Neujuhri. t. 2. Januar, nachmit- l. Januai und Sonntag. tags 3 Uhr, hei halben Kassenpretsen „Die Heaer in aasin erster Besetzung. Vorverkauf ab IQL'hr ununterbrochen Wallner- Theater Tägl. gv4 U. die erfolgt Schwan koperette Das blonde Wunder CASINO-THEATER« Uhr: Nur noch wenige AuffQhrungen Mister Cornedbeer Outschein. Faut 1 Wk-, Sessel IJOMk. — Zieh. 14.— 17. Januar. WoSilfahrts- ,... ZU fieulra vermlttw J i liliPrlP Knaben. 11917 Icwlnoe' uuilcllc In leunnaar-t tn MuH 900001 30000 20000 10000! tose zu l20 M. 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Jan. nachmittags J U.- Was Ihr wollt HomOeueniinDf Norden S3»4 8 u.: PrSOUdien R. t. Kcbnh r. ThdinisD Sonntag, 2. Jan., r.achmitugs 3 U- Der Qanen Eden Neue Weif ARNOLD SCHOLZ Hasanhaida 108-114 Sonnabends de 1937 Eröffnung der bayer. Bockbiersaison 30 bayer. üafll» Nene PcKoraHonen« sHaoeiicB PlenslaO, Mtltwodi, PonncrataO: KUTE'TflJOE DiemlaO. fliitwocb, Donners tai. Ar flsnorT.ftoll Sonnabend nnd Sonnfad: Ul.itipeil-ödU ISilvester Anpehot! Wagan Sauborkoit Walna nur in Flasch n. Pa. Jam.-Ruai-Yersciin. 3.05. 5.-. 5.75 4- 4.8 4.8C j Einlaß wochentags 6 Uhr Einlaß Sonntags 4 Uhr Anfang wochentags 7 Uhr Anfang Sonntags S Uhr Voranzeiget Dienstag. 4. Januar 1927 1 Elite• Tag I Große Damen-Sdiönheils-Konkurrenz Drei bare OcIdpreUc so—, 80.—, 20__ Mark (W OroBa Oehaanbrataral"MW AaaatoB dea berßhmten BerzscbloB.Beckblarea „ Rumpansch. Exlrakt ., Sctivrcdenpanscb....... „ OlQb-Extrakt......... Preise InM. Steuer nnd Gla»! 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Es mag dahingestellt bleiben, ob die Festigung der Wirtschast schon so weit vorgeschritten ist, um Konjunkturprognosen auf längere Sicht aufstellen zu können. Datz es an dieser prominenten Stelle geschieht, ist jedenfalls ein sicherer Beweis dafür, datz die durch Krieg und Inflation ganz aus Rand und Band gesprengte Wirtschast sich schon wieder in hohem Matze zusammengefügt haben muh. In der Tat wird auch ein Pessimist nicht bestreiten können, datz seit dem Kriegs- ende, namentlich aber seit der Währungsstabilisierung ein Wieder- aufbau in grotzem Motzsiad» vor sich gegangen ist. Für die wirt- schaftliche Entwicklung in jedem Stadium, nicht zuletzt dem eines solchen Wiederaufbaues, ist die Politik der Arbeiterschaft von erheblicher Bedeutung. Auch wenn die Tewerkschaften nicht die Absicht hätten, Wirtschaftspolitik zu treiben, mühte sich ihre Politik in dieser Richtung auswirken. In der Rachkriegszeit haben sie aber bewutzt noch mehr als früher einen solchen Einftutz gesucht und die Mitwirkung an der Wirtschaftsführung als ein un- veräutzerliches Recht der neuen Zeit gefordert. Mit einem un- bändigen Hochmut sahen die alten Alleinherrscher über die Wirt» schaft auf dieses Beginnen herab. Waren diese Lrbeitervertreter überhaupt in der Lage, die Wirtschaft und ihre Notwendigkeiten begreifen zu können? Irrlehre« der Wirkschastsführer. Denn einmal ein« umfasiende Darstellung der Wirtschaft»- politischen Irrungen und Wirrungen der letzten acht Jahre ge> schrieben würde, so würde das ein erstaunliches Dokument für die Unzulänglichkeit der sogenannten Sachverständigen der Wirtschaft fein. Wie oft haben sie sich in entscheidenden Punkten getäuscht und durch kurzsichtige Sonderinteressen auf katastrophale Irrwege treiben lasten. Man denke etwa an die K o h l e n f r a g e. Mit absoluter Sicherheit wurde das dauernde ökonomische Siechtum Deutschlands infolge der Kohlengebietverluste phrophezeit. Man erinnere sich des Auftretens von Stinne» in Spa. Nur wenige Jahre dauerte es, und wir gerieten in eine Krise de» Kohlenüberflusses hinein, über vi« sich die Praktiker und Theoretiker auch in der Zukunft noch den Kopf werden zerbrechen müssen. Oder man denke an die Währung» st abilisierung. Im Herbst 1922 wurde im Reichswirtschafts rat ein Aus- schuh eingesetzt, der die Möglichkeit einer Stabilisierung prüfen sollte. Die Arbeitnehmervertreter drängten aus eine schnelle Lösung. Diese Forderung stieh aber auf den schärfsten Widerstand der prominenten Sachverständigen au» Finanz, Industrie, Handel und teilweise auch der Wistenschaft, die die Erfüllung von drei Bor- oussetzungen als unumgänglich für jede Währungsstabili- sierung bezeichneten: die endgültige Regelung der Reparationsfrag«, die Beseitigung de» Autzenhandelsdefizits und das Gleichgewicht im öffentlichen Haushall Wir haben aber erlebt, datz auf dem Gipfelpunkt der Not und nach der Ausblutung durch den Ruhrkampf die feste Währung geschaffen werden konnte, ohne datz auch nur eine der drei Voraussetzungen erfüllt gewesen wäre. Mel-. leicht hätten auch die Sochoerftichdigen> schon früher-den Glauben oft! das W u n d e r der St a b i li s ieru ng gcfunben.l wenn ihre Kreise den Fluch der Inflation ebenso gespürt hätten wie Vi« breiten Masten. Aber die Großen der Wirtschaft hatten sich schon lange vor der offiziellen Stabilisierung sozusagen eine private Gold- w-hrung für den eigenen Gebrauch zurecht gemacht. , Länger arbeikeo und weniger verbrauchen!" Mit der Stabilisierung der Währung stabllisierte das Unter- nehmertum und seine Sachverständigen auch die wirtschaftspolltische Grundauffastung, datz Deutschland nun ein bitter arme» Land ge- worden sei und seine Bevölkerung die Folgen davon zu tragen habe. Erst wenn der zerstörte Reichtum wieder hergestellt sei. könne eine Lebenshaltung ermöglicht werden, wie sie vor dem Krige üblich war. Mehr arbeiten und weniger verbrauchen! Das war, auf ein« kurze Formel gebracht, ihr Wiederausbauprogramm. Hugo Stinne» hielt eine allgemeine Arbeitszeit von zehn Stunden auf die Dauer von 10 bis 15 Iahren für erforderlich Die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberoerbände bezifferte den„E n t- behrungsfaktor�, den die deutsche Arbeiterschaft im Reallohn tragen müste, auf ein Drittel des Dorkriegswhnes. Aber auch über die Kreise de» Unternehmertums hinaus war man geneigt, diese Marschroute als notwendig anzuerkennen. Der widerstand der Gewerkschaften. Die Gewerkschaften haben sich selbst aus den Kreisen der Wistenschaft, bittere Vorwürfe gefallen lassen müssen, daß sie einer solchen Wirtschaftspolitik den heftigsten Widerstand entgegensetzten. Die Gewerkschaften haben nie vcr- leugnet, datz sie in erster Linie die sozialen Interesien der Arbeiter- klaffe oertreten: aber nie waren sie so beschränkt,«ine ausreichende Befriedigung der sozialen Bedürfniste auf dem Boden einer uizzu- länglichen Wirtschaft für möglich zu hallen. Für ihre Stellung- nähme waren in höchstem Matze gerade Volkswirtschaft- l i ch e Gesichtspunkte entscheidend. Sie waren der Aufsastung, datz sowohl eine Verlängerung der Arbeitszeit, als auch jede Ein- schränkung des Verbrauchs gerade zum Gegenteil einer Gesundung führen müste. Heute wogt niemand mehr die Behauptung, datz durch«ine Verlängerung der Arbeitszeit die Produktion gesteigert werden müste. Die überraschende Wendung in der Kohlensrage ist zum Sinnbild der Gesamtwirtschast geworden. E» Handell sich nicht mehr um die Frage, od und wie wir cenügend produzieren können, sondern da» Problem ist umgeschlagen in die Sorge, wie die überschüssigen Kräfte unserer Produktionssähigkeit zu bändigen sind. Der Rationalisterungsfeldzug, der sicher erst noch in den Ansängen steckt, hat heute schon schlagend erwiesen, datz die Möglichkeiten einer Lerlängerung der Arbeitszeit für die Leistung». steigerung von untergeordneter Bedeutung sind gegenüber den technischen und arbeitsorganisatorilchen Möalichkeiten, die noch ungenutzt bleiben. Selbst wenn im achtstündigen Arbeitstag alle vorhandenen Produktionsanlagen voll im Betrieb« wären und wenn dann die Gelamtleistung nicht ausreichen würde, wäre es«in Leichtes, durch die Anwendung auch nur der heute schon bekannten technischen und ardeitswistenschaftlichen Dersohren die Produktton um ein Gewaltige» zu steigern. Aber wir sehen ja, datz schon die vorhandenen produkttoen Kräfte auch nicht entfernt in genommen werden und datz Millionen Arbellshände mützig sind. Sein prodnkSoasproblem. sondern ein Soasum- und probla» ist zu lösen. Die Enthaltsamkettstheoretiker gehen von der Vorstellung aus, datz in einer Volkswirtschaft einerseits die Grötze der P r o d u k- t i o n, andererseits die des Konsums, und aus der Differenz zwischen beiden die Grötze de» Reichtumszuwachses will- türlich bestimmt werden könne. Die Rechnung geht aber nicht auf, weil die Grötze de»«inen dieser Faktoren absolut abhängig ist von der des anderen. Es ist nicht so, daß der Derbrauch sich von selbst auf den Umfang der Produktion einstellt, sondern umgekehrt: s o viel oerbraucht wird, so viel wird produziert. Jede Einschränkung de» Verbrauch» führt aulomoiiscb zu einer Einschränkung der Produktion, und sede Steigerung des Verbrauchs ruft ebenso sicher eine Produktionssteigerung hervor. Zwar könnte man sich vorstellen, datz«in unzureichender Absatz im eigenen Lande durch Ex v ort so ergänzt würde, datz trotzdem die produktiven Kräfte voll ausgenutzt werden können. Aber diese Illusion ist zer- flattert, seitdem wir Klqrheit darüber gewonnen hqben, datz das, was man so gern für eine nur vorübergehend« Störung des Kell- Handels angesehen hat, tatsächlich die Auswirkung von welt- wirtschaftlichen Strukturveränderungen ist. Heber- all in der Welt haben sich die industriellen Kräfte entfallet, überall will man einen Produklion» Überschutz los werden und ver- barrikadiert sich gleichzeitig gegen die Einfuhr. Sowett überhaupt ausländische Absatzgebiete zu erobern sind, haben diejenigen lkswirtschasten die größten Chancen, die durch einen starken In- .londsabsatz über sichere und feste Grundlagen für die Massen- f a b r i k a t i o n versügen. Für sie bedeutet der Export eine Zu- satzbeschäftiguna mit oerbilligten Generaluntosten. Daraus erklärt sich ja gerade das Lordringen Nordamerikas auf dsm Weltmarkt. trotz leiner viel höheren Löhne. An Bedarf fehlt es in den allen Industrieländern Europas wahrhaftig nicht, um die Produktion voll in Gang zu bringen. Aber wie diesen Bedarf in Kauftraft um- wandeln? Man darf die wirtschaftliche Bedeutung der Kaufkraft nicht nur m der Größe des nationolen Gesamt einkommens sehen, als ob es auf die Untervertellung nicht so sehr ankäme. Wenn dos Gesamt- Anspruch freiwillig Absatz. einkommen etwa so oerteilt wäre, datz die ein« Hälft« einer dünnen Oberschicht zufiele und m die ander« sich die breiten Mosten zu teilen hätten, so wäre damit dem Derbrauch eine Richtung gegeben, die mit den Produktionsverhältnissen unserer Zeit nickt mehr übereinstimmt. Ein Plus an Kaufkraft bei den Oberschichten und ein Minus bei den Unterschichten können nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Auf die Kaufkrostgrötze der breiten Mosten kommt es an. cohukostea und Absatzsteigerung. Wir sich dies« Erlennmi» fai einer fortgeschrittenen Industnc« Wirtschaft zwangsläufig durchsetzt, lehn anschaulich Amerika. Zu unserem Erstaunen sind es dort nicht nur die Arbeiter, sondern oüch die Staatsmänner, welle Kreise des Unternehme rtnms sechst und die Rationalötonomcn, die im Lobgesang der.hohen Löhne als Vor- oussetzung der wirtschasUichen Blüte miteinander wetteisern. Was einer von ihnen. Mr. G o r r e t t. für die Wirtschaft seines Landes feststellt, gill genau so für die unser«: »Weshalb sollten sich denn Leute auch Entbehrungen aus- erlegen, wenn e? in ihren Kräften steht, Waren well über ihren eigenen Bedarf hmaus zu erzeugen? Das»st aber heute möglich. Unsere industrielle Produktionssähigkeit übersteigt unseren Pe- darf. Die Warenproduktion könnte schon heute tyll unseren bestehenden Werken noch ungeheuer vermehrt werden, vorausgesetzt,. datz Bedarf vorläge und die Nachfrage«ssektiv würde. Die Frage:: Wie können wir genug produzieren? gibt es heute nicht mehr. Diese» Problem haben wir gelost. Die Frage lautet heute: Wie- können w,r da», wo» hergestellt wird, oerkaufen?" Nach Garrett gibt es dazu nur öfftLn Weg, nämlich immerfort die Reallöhne steigern, im gleichen Tentpo wie die Produktivität wächst. Der Honbelsminifter der Vereinfjftxn Staaten. Herbert H o o o e r. schrieb kürzlich in der»Deutschen Bergwerkszeltunij" den deutschen Unternehmern in» Stammbuch: »Es ist uns ollen klar, datz das Weseittlichp, ja die Quintessenz einer Massenfabrikation hohe Löhne, aber ftiedrig« Verkaufspreise sind. Das ganze System ist in dem Bestrebe» verankert, den Umfang des Konsums nach Möglichkeit zu vcr- grötzern, um dadurch die Produktion nach Kräften anzuregen, den Reallohn z u steigern und den allgemeinen Lebens- standard des Arbeiters entsprechend zu erhöhen. Auch ft>ir haben in Amerika zeitweisig selbst in k r i Unternehm« eh« sie zu einem Lohnabbau schritt« n." In den Köpfen der deutschen Unternehmer spukt immer noktz die Meinung, datz Hunger und Entbehrung die besten Bausteine für den Piedelaufbau feien. Für sie ist der Arbeitelohn nur ein lästiger Produktionskostenfaktor, den so ttes wie mögtich zu drücken als die vornehmste Kunst der Detnebsführung gill, Sie machen gewaltige Anstrengungen, um nach amerikanischem Vor- bild die Massenfabrikation auf allen Gebieten zu steigern und die Masse der Sie sind auf der Borkriegszeii zu oerdoppeln und reden nichtsdestoweniger Immer tioch von den: Entbehningsfaktor, den das deutsche Boll noch auf viele Jahre hinaus tragen müsse. Mobilisierung der Masientauftrasi. Wir sind aber so weit, daß ein weiterer Ausbau der produk- ttoen Wirtschaft zur sinnlosen Vergeudung von Kraft und KäplUi wlrd, wenn nicht die Kaufkraft an die Produktionskrast heran- geholt und weiter aufgebaut wird Für die Mobilisierung: der Massenkauskrast gibt e» aber nur den Weg- über den Arbeitslohn. Die Lohn- und Kehalisempsänger, find die zählreichste Schicht im Voll und für die allgemeine-Kovfkrask um so mehr entscheidend geworden, seitdem die Jnflativlt die zu- sötzliche Kaufkraft aus ReMeneinkdmmen zerstört hat. Von der durchschnittlichen Höhe der Reallöhne hängt die Blüte der Wirtschaft ab. Hier zeigt sich die Bedeutung der gewerkschaftlichen Aktion für. dt« gesamte Volkswirtschaft und für deren Wiederaufbau. Man stelle sich vor, daß das Unternehmertum, ohne auf den Widerstand der Gewerkschaften zu stotzen, seine wirtschostspolitischen Ideen restto? hätte durchsetzen können. Dann hätten wir den zehnstündigen Normalarbeitetog, wahrscheinlich ein doppÄt so großes Arbells- losenheer. einen noch größeren„Entbehrungsfaktor" im Verbrauch und entsprechend geringere Absatz- und Produkttonsmöglichkeiten. Ohne die aktive Lohnpolitik der Gewerkschaften wäre die Wirtschast zur Stagnation und zuöi Rückgang verurteilt. Von den weiteren Erfolgen im ge werkschasllichen Lohntampf wird e» in erster Linie abhängen, ob der Aufstieg der deutschen Mrtschaft seinen Fortgang nehmen kann. rveliers emtprecyeno zu erhöhen, rtucy pur yaoen tweilia schlechte Zeiten durchgemacht.... Aber ritifchen Zeiten haben hei untk-, die >er eher alle anderen Mittel versucht, Ballschuhe u»?»?»«» oeue» Farben........................... Chromlack-Hcrrcn-Sdinur- 4050 sefauhe Goodyear gedoppelt, sehr elegant I Lack-Herren-Schnürschuhe sehr elegante und moderne Form........... Prima Chromlack-Hrrren- Schnürsliefcl mit schwarzem und KaramgÄrneinsatz. 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Auf dem Geldmarkt hat sich seit einiger Zeit eine erheblich« Steigerung der Zinssätze durchgesetzt, die gleichzeitig zu einer Verringerimg der Spanne zwischen den Sätzen des Geldmarktes und den Zinssätzen für lang- sristige Krediigewährung geführt hat. Der Widerspruch, der bisher zwischen den von der Reichsbank geforderten und den auf dem Geld- markt üblichen Zinssätzen» bestand, hat weitgehend aufgehört. Damit ist für die Reichsbank der Zeitpunkt gekommen, wo die seit über zwei wahren verlorengegangene Verbindung mit dem Geldmarkt wiederhergestellt wird. Wie wir es schon ge- kegentlich der beiden letzten Wochenauswcis« der Reichsbank für die Lombarddarlehen feststellen konnten, ist es für die Reichsbank- tundschaft jetzt auch lohnend geworden, Wechsel bei der Reichsbank direkt oder auf dem Umweg über die Danken diskontieren zu lassen. Die bsdeutsame Steigerung des Wechselportefeuilles der Reichsbank wird wesentlich auf dieses Moment zurückzuführen sein. Es hat nach dem Bericht auch den Anschein, als ob der llteuzugang an Wechseln zum überwiegende» Teil« nicht in Devisen, sondern in Inlands- wechseln besteht. Di« Lombard bestände.der Reichsbank gingen zwar um tZ.Z auf SM Millionen zurück, doch bleibt auch dieser Bestand noch relativ hoch. Allerdings scheint der Geldbedarf bei der Reichs- bankkundschaft noch erheblich zu sein, worauf die ausfällig« Ver- ringerung der Kundengelder auf Girokonto schließen läßt, die um 68,4 auf 585,4 Millionen zurückgegangen sind. Der Umlauf an Reichsbanknoten und Renlenbonkscheinen IM sich um 191,6 Mil- lionen erhöht. Der Reichsbanknotenumlauf ist um 182,3 auf 3298,1 Millionen, der an Rentenbankfcheinen um 59,3 auf 1147,2 Millionen angewachsen. Die G o l d b e st ä n d e der Reichsbank find wieder beträchtlich oermehrt worden. Sie stiegen um 33,6 auf 1805,9 Millionen. Die Bestände an deckungsfähigen Devisen wuchsen um 11,9 aus 472,0 Millionen. Entsprechend dem v«rmel)rtcn Notenumlauf ist die Gold- deckung der Reichsbanknoten von 56 Proz. in.der Borwoch« auf 54,8 Proz. zurück gegangen. Die Deckung durch Gold- und dockungsföhige Devisen zusammen ist von 69,1 ans 70,5 Millionen gestiegen. Wieder keine Dividende bei Adler a. Oppenheimer. Die große, mit einem Aktienkapital von 15 Millionen M. arbeitende Leder- fabrik Adler u. Oppenheimer in Berlin weist auch in l iefem Jahre nur einen geringfügigen Rein gcwrnn von 361 0 00 M. aus. Teilweise wird dieser Gewinn aus neue Rech- nun» vorgeschrieben, teilweise wird er dazu verwandt, um die Bor- zugsakticn einzuziehen, was die Besitzer der Borzugsaktien, die Familien Adler und Oppenheimer, unbesehen zugestehen, da die Aktienmajorität ohnehin schon in ihren fänden sich besuchet und sie die Krücke der Mehrstimnircchtsaktie zur Bchcrrfchung der Gefell- fchaft nicht gebrauchen. Das ungünstige Gcschäftsergebiiis(Rückgang des Bruttogewinns von 4,2 auf 3,2 Millionen M.) wird von der Der- wallung auf die A b f a tz k r i f i s des letzten Jahres zurückgeführt. Scheinbar trägt aber onch die Verkettung mit einer Reche von in der Jnflotion»z«ll erworbenen Tochtergesellschaften, von denen die wichtigst« die A.-E. für Ledersabritation München ist, schuld an der Dividcndenlosiakeit. Mit rund 11 Millionen M. ist die Passivseite der Bilanz durch Zahlungsverpflichtungen an Betcili- gungsgejellschaftcn belastet. Welcher Art diese Schulden find, jpird allerdings nicht gesagt, wie sich überhaupt das Verhältnis der Muttergeiellschaft zu ihren Töchtern hinter einem dunklen, der ösfcnllichen Kritik undurchsichtigen Schleier verbirgt.(Die Be- teiligungen stehen mit 5,6 Millionen M. zu Buche und sind ziemlich hoch bewertet.) Di« finanzielle Lage, die im ver- gangenen Jahre sehr angespannt war. hat sich gebessert, doch weist die Firma auch heute noch einen Ueberschutz von 1 Million Bankschulden aus. lieber das laufende Gcschästsjahr wird berichtet, daß sich die Umsätze wieder beträchtlich gesteigert haben. Gleichzeitig sei der Betrieb vereinsacht und dadurch die Kosten herabgesetzt worden. Das Ergebnis dieser Maßnahmen werde sich in der nächsten Bilanz zeigen. Die gegenwärtige Beschäftigung der Be- triebe sei günstig. Werden die Aerngasprosekte Wirklichkeit? Von verschiedenen Sellen wird gemeldet, daß die von den Ruhrzcchen beabsichtigte Ferngasversorgung bald in Angriff genommen werden soll. Be- reiis in den nächsten Monaten solle der Bau einer Sammcllciiuvg zwischen Hamborn und Hamm beginnen, in der die erzeugten Gas- mengen zusanimenflicßen sollen." Von diesen beiden Städten aus seien Hochdruckoerteilungsleitnngcn in Aussicht genommen, und zwar mit den Endpunkte» Hamburg. Berlin, Dresden, München und Stull. gart. Wir glauben Anlaß Zu der Annohme haben zu dürfen, daß diese Meldung den Ereignissen weit vorauseilt, und von interessierter Seite veranlaßt ist. Es ist kaum airzunehmen, daß die Bauten in Angriff genommen werden, bevor eine Ueberficht darüber besteht, welche Gemeinden und Landgebiete für die Der- sorgung durch die Ruhrzechen in Frage kommen. Bis zu dieser Feststellung dürfte aber noch sehr lanee Zell vergehen, da nach unserer Kenntnis der Dinge Vertragsentwürfe den in Betracht kom- wenden Gemeinden noch nicht vorliegen und die Erörterungen der beteiligten Körperschaften über die Zweckmäßigkeit des Anschlusses sich noch im ersten Stadium befinden. Konvertierung der zehnprozenligen Pfandbriefe beschlossen. Seit langem bemühen sich die Landschaften der Provinzen Ostpreußen, Sachsen und Schleswig- Hol st ein für d,« Umwandlung ihrer zehnprozentigen Pfondbriese in niedriger oeczinsliche, um die Zinslast der landwirtschaftlichen Darlehns- �ehmer zu senken. Durch die Vermittlung der Reichsbank wurde jetzt der Beschluß gefaßt, die zehnprozentigen in siebenprozentige Pfondbriese umzutauschen. Die Besitzer dieser Pfandbriefe sollen au,« gefordert werden, ihre Psandbriesc in siebenprozentige gegen«ine entsprechende Prämie umzutauschen. Anderenfalls soll Rückzahlung zum Nennwert erfolgen. _ Noch dem Bier auch Preissteigerung für Schokolade. Die �chokoladefabrikcn wollen offenbar nicht gerechier sei» als die Bier- brauer. Auch sie scheinen sich vor einer Abjatzdrosselunq nicht zu fürchten, die Preiserhöhungen folgt. Acht führende Firmen der deutschen Schokoladenindustrie habe» eine neue Preiokonoention beschlossen und gleichzeitig die Preise für S6)otoladentafeln wie für Kakao und Schokoiadenpulver herausgesetzt. Wie wir hören, ist im einzelnen für die verschiedenen Sorten die Preisheraufsetzung noch nicht genau festgestellt. Die Firmennennuiig der beteiligten Werke wird noch vermieden, weil die Verhandlungen mit den»och außenstehenden größeren Werken weitergehe» und man eine allgemeinere Pveisregelung über die soeben erfolgte freiwillig« lose Konvention hinaus anstrebt. Man wird also bald mit einem mehr oder weniger geschlossenen Schokolad» nk ort cll zu rechnen habe». �abritgründungen in der Stabilisicrunqskrise. Mit einem Ka- rital von 16 Millionen Franken ist in Frankreich eine neue Kunst- eidenfabrik unter dem Namen„Soie Artijicielle d'Ainicns" gegründet worden. Die Tätigkeit der Volksfürsorge. Bor kurzem fand im großen Sitzungssaal des Herren- Hauses eine allgemeine Funktionärversommlung der..B o l k s f ü r> sorge" und.Eigenhilfe" statt. Der Bersamnilungsleitcr Ge- noise Kloß begrüßte insbesondere den als Gast anwesenden Schatz- meister der Amerikanischen Arbeitermobiliarfeuerverstcherung, New Tork, Genosien W o l l st r o e m. Genosse Brillke hielt einen Vortrag über„Das privat« Versichc- rungsgewerbe und die Dolksfürsorge". Er wies dabei nach, daß die Versicherungsunternehmungen trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise ihr Geschäft im Lause der letzten zwei Jahre nicht imr sanieren, sondern auch in hohem Maße auf- und ausbauen konnten. Dieser Erfolg sei zum großen Teil auf die tatkräftige Mitarbeit der Angestellten und die vorhandenen Organisationsgrund- lagen des Lersicherunasgewerbes, die der jeigen wirtschaftlichen Struktur angepaßt wurocn, zurückzuführen. Im weiteren schilderte der Redner dann die Entwicklung des deutschen Dersicherungsge- werbes überhaupt und behandelte dabei die einzelnen Sparten und ihre Geschäftsaussichten für die Zukunft. Es fei heute schon als feststehend anzunehmen, daß die Zuscmnnenballung der vielen Ber- DüladclpliU■ Ottawa a L»j ci i\ e j a Kop enka�nva L o n d o n a Dublin a Amatcvdaota Stockholm a Berlin a Madrid a P ra i a Mailaoda R I|.. Wars ch« um Wien a Rom■ 16«» 1159 1 5 J Iii-« »99 1103 lOO RealldKne i 70 157 151 • auf Grund der NaKp uiTfcsnuH plpr o i NN Juli 19 9.6 *16 Nach Anhabend»» Internationalen Arbeitsamts :} »Kb 'ji!!, LondonbJuIi 19 9»«» 100 sicherungsb«triebe zu wenigen Unternehmungen noch nicht abge- schlössen sei, sondern daß die Konzentration im Bersicherungsgewerbe wellere Fortschritte machen werde. Die gewertschastlich-gencssenschafttich« Organisation der„Volt s. f ü r s o r g e" habe ihr Ziel, reformierend in der Volksversicherung zu wirken, erreicht. Der Aufbau der Volkssürforae und die 5)ani>- habung ihrer Versicherungsarten haben sich als richtig gezeigt, was durch die starken Sympathien, die der„Bolkssürsorgc" von weiten Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht werden, bewiesen wird. Wenn die„Volkssürsorge" sich zu der heutigen be- deutimgsvollcn Stellung im Versicherungsgewerbe durchgerungen habe, so sei das nicht zuletzt das Verdien st ihrer ehben- amtlichen Mitarbeiter. Als zweiter Redner konnte der Leiter der R e ch n u n g s st e l l e Berlin, Genosse Fritz Kloß, mit Genugtnung feststellen, daß die Entwicklung der Rechnung» st eile gute Fortschritte ge- macht hat. Sowohl in der Volks- wie in der Sächschadenversicherung liegen gute Ergebaisse vor. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage und der herrschenden, immer noch steigenden Arbeitslosigkeit war es möglich, den Berstcherungsbestand um ein Beträchtliches zu oermehren, so daß sich die Zahl der Berücheningsabschlüsse seit An. fang des Jahres fast um dos Fünffache verm ebrt hat. Auch in den anderen Versicherungszweigen, speziell in der Feuer. Versicherung, die von der„Eigenhilfe" in»igeiier Regie geführt wird, konnten gute Ergebnisie erzielt werden. Trotz dieser anerkennenswerten Erfolge, herbeigesührt durch die emsige, selbstlose Tätigkeit der ehrenamtlichen Funktionäre, dürfe man nicht rasten, müsie vielmehr bestrebt sein, dos einmal Erreichte zu befestigen und weitere Erfolge.zu erzielen.__ Die ungeheizte Arbeitergarderobe bei Siemens. Reben der Gießerei bei Siemens u. Halske befindet sich über dem B o d e r a u m die Garderobe der Arbeiter. Die Kleider hängen in Gitterschränken, zu denen die aus dem Baderaum herauf» strömenden Wasierdämpt« ungehindert Zutrüt haben. Als die Former an einem Montag zur Arbeit erschienen, fanden sie ihre Arbeitskleider derart durchnäßt, daß sie ste nicht anziehen konnten, ohne eine stark« Erkältung bcsürchten zu müssen. E» war damals vom Sonnabend bis zum Montag ein starker Teinperaturrückganq eingetreten Da die Räume üb«c Sonntag nicht geheizt werden— ein Großbetrieb spart im kleinen— so konnten die Kleider, die sich am Sonnabend mit Wasierdainpf vollgesogen hatten, nicht trocknen und ihre Temperatur war nahe am Gefrierpunkt. Es hieße die Gesundheit leichtfertig aufs Spiel setzen, wenn man in solcher Kleidung in den noch ungenügend er- wärmten Räumen hätte arbeiten wollen. Di« Arbeiter warteten also, bis sich die fieizirng soweit ausgewirkt hatte. daß die Kleidung ohne Gefahr für die Gesundheit ihrer Träger gewechselt werden konirte. Darüber oergingen zwei Stunden, für die Firma— der Großbetrieb spart im kleinen— den Lahn verweigerte. Die Arbeiter klagten beim Gewerbegcrichi. Der Syndikus der Firma bestritt die Zuständigkeit des Gerichts, weil es sich nicht um eine Forderung aus dem Arbeits- Verhältnis handele. Im übrigen, sagte der Syndikus, sei ja ein Schaden noch gar nicht nochgewiesen. Die Kläger hätten doch die nasse Kleidung anziehen und abwarten sollen, ob sie dadurch Schaden gehabt hätten. Beim Arbeiten würden sie warm geworden sein, ober nicht beim Herumstehen. Sollten denn, erwiderte der Vertreter des Metall- arbeitervcrbandes, Trfe Kläger erst dann aus Schadenersatz klagen, wenn sie sich durch Verschulden der Firma eine schwere Grippe oder eine Lungenentzündung zugezogen hätten? Das Gericht(Kammer 11, Vorsitzender Magistratsrat Dr. Seil), verurteilte die Firma zur Bezahlung der zwei Lohn stunden, wen eine Bestimmung des Tarifoertrages be. sagt, daß dem Akkordarbeiter der Stundenlohn für die Zeit zu zahlen ist. wo er ohne fein Verschulden verbinde rt ist, zu arbeiten. Also: Ausreichende Heizung schükt die Arbeiter vor Gestindheits- schaden und die Firma vor Lohnzahlung für nicht geleistete Arbeit. ftuslänüer in franzosischen Sergwerken. Die Klagen eines Arbeiter». Ans dem nordfranzösischen Bergwerksdistrikt von Bruai, Pas de Ealois, erhall das.Grazer Voltsblatt" von einen» aus Steiermark dorthin ausgewanderten Bergarbeiter, der bei der Eom» pognie des Mines de Bruai beschäftigt ist, einen Brief, in welchem die traurige Lage der ausländischen Arbeiter geschildert und vor Ein- Wanderung nach Nordfrankreich gewarnt wird. Einleitend bemerkt der Schreiber, daß er. als er in Gemeinschaft einer größeren Anzahl von anderen Bergarbeitern nach sechstögiger Reise an seinem Be- stimmungsort anlangte, nichts von den Versprechungen erfüllt sah. die ihm und seinen Kameraden bei der Anwerbung gemacht worden waren. Die Arbeiter sind in einem ehemaligen Kriegsgesan» genenlarger untergebracht. Die Quartiere sind sehr schlecht und unrein. Waschgelegenheiten sind nicht vorhanden. Unter diesen Berhältnisien leiden begreiflicherweise die Kinder besonders schwer. Die Verpflegung ist ä u ß e r st m a n g e l h a f t. Al» Früh. stück und al» Abendesieu wird schwarzer Kaff« und Brot gegeben. Ebenso sind alle anderen Lebensverhältnisse bedeutend ungünstiger als in Oestskreich. Auch sind die Beziehungen zur einheimischen Bevölkerung keines- megs freundliche. Die Franzosen verkehren nicht mit den Oester- reichern und verweigern selbst die Erteilung höflich erbetener Au-- tünfte. Der Briesschreiber empfindet es bitter, daß er durch den von ihm unterzeichneten Vertrag für ein Jahr zum Bleiben gc zwungen ist. Viele Arbeiter verlassen aber trotz dieser vertraglichen Bindung die Arbeitsplätze und versuchen sich nach Deutschland durch- zuschlagen. Es ist dies aber bei der weiten Entfernung der deutsch- französischen Grenze ein sehr gewagtes Unternchinen, das im Falle des Mißlingens sehr schwer« und unangenehme Folgen für den Sc- troffen«» haben kann. Das Schreiben schließt mit einer abermaligen Warnung, französischen Werbern Gehör zu schenken, auch wenn diese scheinbar noch so günstige und mit verschiedenen Rückendeckun- gen versehene Arbeitsverträge vorlegen Wir geben diesen Klagen Raum, zunächst, um eine Abstellung der vorhandenen Mißstände zu erzielen und außerdem als Warnung für solche Arbeiter, die sich nach dem Auslande anwerben lassen, ohne genaue Erkundigungen bei den zuständigen Gewerkschaften einzu- ziehen. Was die geschilderten Zustände bei der Compagnie des Mincs de Bruai betrifft, so erscheinen sie uns kaum glaublich, obwohl gerade diese Gesellschaft ziemlich berüchtigt ist. Wenn der Brie,- schreiber fürchtet, daß er aus der„Flucht" erwischt werden und dann „schwere und unangenehme Folgen" zu erleiden haben könnte,>v beweist das nur. unter welchen Zuständen geistigen Terrors er lebt. Cr würde gut tun. sich an die sronzäsische Bergarbeiterorganisotien zu wenden. Wir werden jedenfalls veranlassen, daß die Angaben des Briefschreibers nachgeprüft werden. vie Herren auf üer See. Sie wollen die Arbeitszeit selber bestimme«. Der Vorstand der Internationalen Reedervereini- g u n g befaßte sich in einer Sitzung in London mit der Seejahri- konserenz des Internationalen Ardeitsamts. Rie Reedcreiuntcl nehmer wandten sich scharf gegen die paritätische maritime Kommission des Internationalen Arbeitsamtes und wollten selbstverständlich nichts wissen von dem Streben der Verbände der Seeleute nach internationaler Regelung der Arbeits zeit im Schifsahrtsbetriebe. Man drohte, leine Vertreter der Reeder mehr zu den internationalen Arbeitskonferenzen zu entsenden, falls in Genf den Forderungen der Unternehmer nicht Rechnung getragen würde._ Der Ausschlag des Pendels. (JGB.) Daß nach einem verlorenen Streik dos Pendel der politischen Einstellung der Arbeiter nach ganz rechts und ganz links ausschlägt, ist eine Erfahrungstatsache. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, daß sich in Großbritannien hauptsächlich die kam- munistische Minderheitsbewegung mit der Aus- orbeitung von Plänen für einen Bergarbeiterverband be- saßt, von dem niemand genau weiß, um was es sich eigentlich handelt, und man andererseits da und dort von der Möglichkeit der Abspaltung undisziplinierter Gruppen spricht, die einen eigenen lokalen Laden aufmachen wollen, was als eine Verirrung nach rechts bezeichnet werden muß. Dies gilt u. a. für den Bergarbeiterführer Spencer, der in R o t t i n g- h o m s h i r e eine neue Distriktsorganisationzu gründen versucht, der die Unternehmer seltsam sympathisch gegenüberstehen. Es ist zu hassen, daß die zur Besprechung des Berichtes des Gencralrates über den Generalstreit für den Monat Januar 1927 anberaumte Konferenz der Verbandsexekutioe der britischen Gewerkschaftsbewegung zur Klärung der Lage und zur Abkühlung der überhitzten Gemüter von ganz rechts und ganz links führen wird. Der britisch« Transport- orbelteroerband hat die Mittellinie ohne Zweifel bereits gesunden, wenn er in einer den Generalstreik betreffenden Bolschait an sein« Mitglieder u.a. sagt:„Wir haben uns nie auf die Seit« jener gestellt, die in übereilter Weise„Niemals wieder' sagen... Wenn die Eretutive des Bergarbeiterverbandes an» 12. Mai den Beschluß des Generalrate» ausgeführt und da, in der Mcmorial-Hall-Konserenz festgelegte Prinzip angenommen hätte, demzufolge dasInteress« eines Teiles der Bewegung nie wichtiger ist, als dos Interesse der Geiaint- bewegung. so wären die Resultate des Generalstreiks vollständig andere gewesen, und niemand hätte je Ursach« gehabt,„Nie wieder" zu sogen."_ Der Zerfall des Anarchostindikalismus. (IGB.) Laut einem Bericht von„El Sociolista", dem offiziellen Organ der Arbeiterpartei und des Gewerkschaftsbundes Spaniens. find einig« der wichtigsten Gewerkschaften Portugals. d. h. die Organisationen der Holzarbeiter, Metall- orbeiter, Buchdrucker und Bauarbeiter, aus dem an- archosyndikalsstischen Gcwerkschastsbund Portugals ausgetreten. Ueber die Gründe, die zum Austritt führten, liegen noch keine zu- verläsiigen Mitteilungen vor. Der Tatbestand beweist, daß der An- archvsyndikalismus sogar m einer semer Hochburgen dem ret- tungslosen Zerfall preisgegeben ist. Andererseits kann mit Befriedigung f«stg«stelli werden, daß dank der umfangreichen Propogardatätigkeit der fortschrittlichen Element« der sreigewerkschaftlich« Gedanke in der portugiesischen Arbeiterbewegung jeden Tag an Bedeutung gewinnt. Forderungen der kanadischen Gewerkschaften. (IGB.) Eine Abordnung des dem Internationalen Gewerk- schaftsbund angeschlossenen kanadischen Gewerkschaftsbun- des hat sich an die Regierung gewandt und ihr u. a. fol- gende Forderungen unterbreitet: Einführung de» Acht- stundentages in allen Fabriken unter Kontrolle der Regierung: Einführung einer Arbeitslosenversicherung, noticrnaie Politik zugunsten des Ausbaues der Bergwerk«. Grün. düng eines beratenden Bureaus zur Behandlung der Wanderung?- frage und des Problems des Mitspracherechtes der Ge- wcrkschaften._______ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-öerlin. ?os Iuecndlekretoriat bleibt om XL. Dueurbcr aeschlossen. heule, Donnerstag. 30. Dezember, abends IVi Uhr: SoUrtati: Sckwl« Ebcrswaldcr Str. 19. swalvroche-„Zuqenb u»t> Abcr. «laubcn�.— eibneft: Zuoenbhcim Ciirtenftr. S. fflttIina(Mjf»tcr.—».ifbcnou: Bctoilunni« an der Weilinachtoccier der 00. Partci-b«ilni'.a in dkl MriuO floufc. Mengst.<Äf» TborwalbsenNragr. Trcttminkt 5.8 Ubr Saitertid«.— gtdjiftftlb«: Zuofnibdtn AlbrcSilltr. U*. Bericht itbcc unser« Urbcit.— Lichtrubca-SliLt«- Zuocnddeim Soneftt. 22. Befrcechunq für alle Zeilnrbmrr an der ZicuiabiFfabrt. Morgen. Areitag, 31. Dezember: St-ich-aberpcr«irrtrl: ffabrt ftTctenmoU*. Jr-tfeuntt abend?',£« Uhr Badndof.— Sdöncbctq Ii Zlcuiadrsfahrt. Trctftmakt abend«'40 Uhr Kaisir-WiNielrn-Blah. cRodelschlitten initbrtnarn.l— vtrallt, l! Aahrr�nvnd. fahrt. Treftpunkt hL Ubr abend« Bismarck. Eck- Illori-ndoifcr Stvh«. Ktttr- ftell« bat 88— SntUDn IT: ffohet krrssyuirkl vormUta«, Vsi Übt Stettin« Bahnhof, nachmittaa» HS Ubr R-utrr- Eck« Bcr'inrr Stroh«.— Ei-httnbcij). Ritt«: Sehrt. Trrffpmttt 7 Uhr ahrndz Bahnhof Strate-SHuBiiiwIobuw. Mus öer Partei. Zlakionalral Raine gestorben. Wie funs aus Bern gemeldet wird, ist Genosse Charles Raine, Nationalrat für Neuenburg, im 53. Lebensjahre gestorben. Genosse Naine gehörte seit einem Vierteljahrhundert zu den hervor- ragendsten Führern der westschweizerischen Sozialdemokratie. Bor einigen Tagen erkrankte er an einer Grippe, die in eine Lungen- «ntzündung überging und unerwartet rasch seine» Tod herbeiführte. sr:.,. Unterhaltung unö �Dissen Ms Gotha. „Schön, wir fiaö auf einen Hochstapler als Prinzen hereingefallen, ffeer wenn nun ein Prinz als Hochstapler gekommen wäre... Der märchenhaste Tanz. Bon Heinz Liepmann. Dieser verworrenen und seltsamen Geschichte Seele ist einfach und ohne Falsch. Aber ebenso wie das Geschehen dieser Geschichte folgerichtig zu dem müden Schluß sich runden mußte, ebenso wahr ist sie, erlebt in einer Stadt des Nordens und gesehen von einem, der sie manchmal erzählt hat, aber nur nachts und denen, die sie verstehen konnten. Ein alter Arbeiter, müde gearbeitet für nichts auf lockeren Ge- rüsten der Neubauten einer Großstadt, Bigge Baum, hatte, das ist schon lange her, eine Frau geheiratet und von ihr einen Sohn empfangen, Lars, einen blonden und weichileischigen Sohn, der Ate hatte schwielige Fäuste. Der klein« Sohn Lars, dos alles war schon lange her, und wenn einer davon erzählte am Abend, hörie es sich wie ein« Anekdote an, war ein großer Sohn Lars geworden. aber immer noch war er blond und seine Hände waren weich. nicht wie die anderen sünfzchnjährigen Jungen mußte er die .Hunde", die schweren Kohlenwagen unter Tag, in den Bergwerken schieben. Aber es hingen die nächtlichen Sorgen der Eltern, der täglich« Schweiß des Bolers und die Tränen einer grausträhntgen Frau über seinen Alltageil, so ward er ein scheuer und stiller Knabe, spielte einsam in den Ecken der Hös« und war öfter krank, al» es sich der Vater erlauben konnte, einen Arzt zu bezahlen. Eines Tages nahm dann der Alte den Jungen und ging mit ihm in die Stadt, daß der Kleine Zlugen und Ohren aufriß, kleine Schreie stieß er vor Entzücken aus, brüllte vor Dergnügfn los, aber nur imierlich, vor Jubel: Schousenster, voll Licht und glitzernden. wunderbaren Farben, die schönen herrlichen Damen, die Auto- mobile, und in all dem, sogt«' der Alte zu ihm, dem sein Glück und sein« Andacht Tränen in die Augen trieben, sollte er nun leben, wenn er fleißig sei, und er soll ein Kellner werden und ein eleganter Herr mit blitzsauberen Händen und einem Kragen mit umgebogenen Ecken. Das alles ist wieder nun schon sehr lange her. der Alte selbstverständlich ist eines Tages doch mal gestürzt.— Winter glatte, vereiste Hölzer, steise Finger, dumpse Stirn vom Schnaps und dann der Sturz. Die Mutter hat irgendwann angefangen zu lächeln, und da war sie tot. Nun ist Lars allein, ein Kellner Im Weinhaus, früher war er Stist. war Kellner hier und dort, tn Städten an Flüssen, In kleinen Schenken, er ist immer scheu und gehorsam. Die anderen sind laut und sie sind gescheit, kennen die glitzernden, ja, unheimlichen Freuden dieser Well, die haben Mädchen und sprechen von ihnen— blasiert, gesund. Irgendwie immer wohl schnoddrig. Lars wagt es nicht. Er hat auch einmal eine Erfahrung gemocht. Ein«, nach der die Nächte doppell lang schienen, und sie hatte ihn doch oerlassen. Do» ist vorbei, und Lars ist siebenundzwanzig Jahre alt. Eine» Tages, es war im Winter, kalt war es und man war immer müde vom Glühwein, den man nach dem Dienst trinken mußte, um warm zu werden, kam er nach Haufe. Es war eine falle stille Nacht, da» Echo feiner Schritt« kletteri» die Wände der ftäuser empor, die Hund« bellten in den oberen Etagen,«in Auto zerschnitt auf Sekunden die Nacht durch Lichtstrahl und Schrei der Hup«, nun ist man wieder am Haus, geht die sinsteren Swfen in gewohnter Rundung, schließt eine Tür, stolpert gegen«inen Schrank, ein Stretchholz flammt auf,«in Fluch, man tritt in die gähnend« Kammer, aufflackert die Kerze und dann geht man in» Bett: wieder ein Tag ist herum und morgen ist wieder alle» da»- selbe. Einmal aber hält man e« auch nicht mehr au», aber e» ist wohl so koll, wenn man dann im Hemd am Fenster steht und den Mond anschreit.. Unkt es hilft ja auch nichts. Die Sterne bleiben gelbe, höhnische Punkte, so legt man sich ins Bett, von allen» verlassen und hojst aus«inen guten Traum. Aber ach, auch die Träume haben ihn oerlossen. Der Kellner Lars erwachte, da war es schon fast Mitlag. Er stand auf, wusch sich kall ab, war wieder jung und frisch, reckte sich in der scharfen Sonnenlust, wusch Antlitz und Hände, ging aus dem Hause, nachdem ihm mit dampfendem Kassee, den sie brachte, die noch jugendliche Wirtin, auch eben erst aufgestanden, freundschast- lich« und neckende Worte wegen des nächtlichen Krach« gesagt hatte. Er ging auf die Straße. E» war gar kein Winter mehr. Sonnenschein lag warm und gut aus den Türen und in den Fenstern standen wieder grüne Blumenkästen. Er ging durch die Menschen hindurch, war froh und beglückter Laune: plötzlich blieb er stehen. da Ihn ein blondes Mädchen im Vorübergehe» angesehen hatte, er dreht« sich nach Ihr um und sie sich noch ihm, beide lächelten sie, dann gingen sie beide in verschiedenen Richtungen weiter und auf einmal einpiand er ganz deutlich: Heute geschieht noch irgendetwas! Am Abend ging er mit sellsam klopfendem Herzen heim. börsicU den Frack au», er war abergläubisch wie alle einsamen Leute, zog ein frisches, nach Stärke und Kälte duftendes Hemd an und ging ins Geschäft, tn die Weinstube», ein elegantes Lokal im Zentrum der Stadt. Und ich behaupte, daß er etwas geahnt hat von dem. was an diesem Tage geschehen würde, ich behaupte es. man hat für so etwas Instinkt, und der Kellner Lars hat es gewußl, den» er war an diesem Tage ausgeregter als sonst und nicht gleichgültig und scheu wie immer. Er machte mit dem alten Garderobenmann einen Witz, pfiss dann leise, sich das.Haar glänzend bürstend, ei"« kleine fröhliche Melodie. Donn kam der Ehcf, die Tische wurden gedeckt, frische Blumen besorgt, weißes Linnen ausgelegt, in den Logen Silber und edles Porzellan, nun trafen die ersten Gäste ein, Kommis und junge Stuheitten, ein junges Brautpaar kam auch. das Mädchen kicherte andauernd, schüttete Sauce aus das Tischtuch. Man mußte ein neues nehmen. Nun wurde es Nacht. Die üblichen Gäste kamen und nun auch die Musik. Herren in dicken Pelzen und sorgsam gepflegten Ge» sichtern, Damen mit hochmütigen Bewegungen, ab und zu tanzt« man. die Kellner hatten zu tun. liefen hin und her, gönnten sich keine Ruhe. Man wurde warm. Sektpropfen knallten schon, Gc- lächter flog aus, man sprach ungenierter, behaglich word es und dann wurde es sogar laut und freimütiger in den Scherzen, um die vorgerückt« Stunde. Da kam eine Dame. Ihr folgten zwei Herren, ein Knabe, der eine noch und sichtlich Favorit, ein soignie.rter, graumelierter, kluger Kopf, der ander«, der wohl doch, obgleich er höflich und unbe- kümmert lächelte, das Rachtehcn haben würde. Die Dam« aber. ja, der Teufel, war das auch wirklich eine Dam«? Der Körper aus schmiegsamer Seid«, stete in gewölbter Bewegung, schlangen- Haft weich und gedehnt, und wieder zusammengezogen wie eine Kotz«, schwarz vom Seidenlchuh bi» zum geränderten Monokel. Alles schwarz und herrlich und wild und schön, nur blutrot wie ein Strich die Lippen. Und das Gesicht ist trotzdem ganz schmal, oder «» sieht nur so aus, weil die Augen, die schwarzen, unter den langen Wimpern tief versteckt, unnatürlich groß erscheinen. Ja, ist das eine Dame? Der Junge, beide Herren sind im Abendfrack, hat zitternd» Schläfen und sein Mund wird hart und wild, wenn sie ihn an- sieht, der andere aber lächelt, nur seine weiße schmale Ha»d, die auf dem Tisch Legt, ist nervös. Ja. ist das eine Dame? Die Herrschaiten soupieren. Lars ficht sie gar nicht. Die Stimmung ist laut und ausgelassen. Der Kapellmeister kommt mtt setner Geige in die Logen, singt leise und zärtliche Refrains vor den Damen. Die drei am Tisch sind schon lange beim Champagner. Sie hat die Augen ganz geöffnet, ruht lässig hingestreckt im Sessel. lacht mit tiefen Tönen, sie Ist etwas beschwipst, scheinbar, die beiden Herren haben fiebrige Augen und rücken die Sessel näher. Sie, betrachten sich jetzt unverhohlen als Feinde, aber ihre wütenden Blicke, den ihren begegnend, werden klein, geduckt und dann hungrig. Die anderen Gaste find längst gegangen. Es ist schon sehr spät. Sie aber löst die Hände hinter ihrem Haupt, läßt einen Spitzen- schal aus schwarzem Filet ntedergleiten und sie sogt, sie will tanzen. Sie tanzt mit beiden, hört ober beider heiße Wort« nicht und des jeweils am Tisch Zurückbleibenden Blicke sieht sie nicht. erst nach dem Tanz, am Tisch, lacht sie aus:„Sekt!" ruft sie, gießt Gläser hinunter, sprüht donn von Schönheit und Wildheit, daß die Musik sogar wild wird und besinnungslos spiell: Tempo, Czordas, Blut, da sieht sie plötzlich den Kellner Lars, der an ihrer Loge steht und sie nicht ansiehi, er steht da, unberührt von dem allem und devot und korrekt, da schreit sie mit hoher, heller Stimme, scharf durch das Lokal:„Kellner!" und der Musik:„TstNgo!" zu. Als er dann kommt, steht sie auf. vor seinem scheuen, hilflosen Gesicht, sagt:„Kellner, Ich will mit Ihnen tanzen!" mit süßer und verhangener Stimme, und ehe die beiden Herren ein« Bewegung machen können, bevor sie begriffen haben, was da vor sich geht: Skandal und Shoking und Eifersucht, hat sie die Arm« um den Hals des jungen Kellners Lars gelegt und tanzt mit ihm die ersten Schritte. Und nun erwacht er. Begreift nichts, fühlt nichts in der Welt als diese Frau. Sieht sie. Tanzt. Er hat es nie gelernt. Sie führt. Tango. Milde, schmerzhaft. süße Bewegung über hinaus- und hinabverschwindenden Tönen Schritte, im Rhythmus des träum- hast schweren, nebelhasten Blutes, Bewegung und Schritt und Klang und Blut m eins, diese Frau mit ihm. ein märchenhafter Tanz, ein märchenhafter Tan.z. Es ist aus. Die Musik erstarb in einem Seufzer, der Schlag der Herzen setzte aus. die Lampen scheinen wieder gelb, dort Ist ein bekanntes Gesicht, die Frau sitzt schon lange wieder in ihrem Sessel, hier steht der Kellner Lars und ist mit offenen Augen ohne Bewußtsein. Eine Stimme, hart:„Herr Ober!". Lachen, helles, hohes. Glöserklang und gewöhnlich« Rede, Jazz und Ruf. nun erwacht er. Er geht an seine Arbeit, rechnet ab, die letzten Herrschasten gehen, da» Licht wird halb ausgedreht, die Türen verschlossen, Lampen verlöscht, die Musiker packen«in. sie ftuchen, heute gibt e» kein Geld, die Scholen mit kaltem Rauch über den Zigarettenstummeln werden abgeräumt und die Tücher. Und dann geht man durch eine mild« Nacht noch Hause, in eine enge Kammer, entkleidet sich, schläft ein. Noch in der Dämmerung erwachte er. Klar war sein Kopf. Er erinnerte sich. Erinnerte sich wie im Fieber an olle», daß er es hätte greisen können. Und da hat der Kellner Lars, so peinlich es auch ist, derart Sentimeittale» zu erzählen, zum erstenmal in seinem Leben, in seine Kissen geheult.--- Nun ist er Steward aus einem großen Dampfer. Er kommt manchmal auch noch hier und dann besucht er mich. Er ist sehr schmal geworden, er lacht nie mehr, und die Schwindjucht hat jetzt wohl nicht mehr viel Arbeil mit ihm, Das ist die Geschichte von dem märchenhaften Tanz, den der Kellner Lars in einer Winternacht mit einer unbekannten Frau getanzt hat, obgleich er es niemals gelernt hatte. Gebeizte Kleidung. Seit einiger Zeit beginnen sich eleltrisch ge» heizte Kleider einzubürgern. Namentlich dir Luftschisfer sind Ab- nehmer für geheiste Gamaschen und Handschuhe, Schon während des Krieges haben sich die Flieger aller Nationen dieser Vorrichtung mit Erfolg bedient, zumal bei Flügen im Winter. Ietzl entwickelt sich die Industrie für geheizte Kleidung immer stärker, da für die be- sonderen Bedingungen der Flieger die ElektrlzUät die einzig« zu- oerlitssige Möglichkett der Hetzung bietet. Die Himmelserscheinungen im Januar. Die Sonne hat ihren tiefsten Mittagsstand überwunden und steigt langsam höher, zugleich nimmt die Dauer ihres Verweilens über dem Horizont, also die Dauer der Togeshelligkeit allmählich zu, zu Ende des Monats ist sie iüns Viertelstunden länger als zu An- fang, der Tag dauert dann fast schon 9 Stunden. Der Mond Ist in den ersten Tagen überhaupt nicht z» erblicken, denn wir haben am 3. Januar Neumond, er geht dann also mit der Sonne zugleich aus und unter, verschwindet daher vollständig in ihren Strahlen, und erst am 5. etwa wird die zarte Mondsichel nach Sonnenuntergang am Westhimmel sichtbar. Am 1». ist das erste Viertel erreicht, und am 17. wird Dollmond sein, der Mond also erst bei Sonncnuntergaüg aufgehen und bei Eonnenausgang untergehen, so daß er während der ganzen Nacht am Himmel steht, ihn erhellt und den Glanz der Sterne verdunkelt. Der dann abnehmende Mond geht immer später aus, so daß ein immer größerer Teil der Nacht in tiefes Dunkel gehüllt bleibt. Am 2ii, ist letztes Viertel, und die weiter abnehmende Sichel ist dann des Morgens am Osthimmel sichtbar. Die gegenseitige Stellung von Sonne und Mond bedingt am 3, Januar eine Derfinsterung der Sonne, die aber für Deutschland zur Nachtzeil stattjindet, also nicht sichtbar ist, währen» sie an der Ostküste Australiens, im Stillen Ozean und im südlichen Teile von Südamerika als ringförmige Finsternis beobachtet werden kann, weil der Mond am 3. Januar um«i» Heniges kleiner erschein! al» die Sonn«, sie daher nicht völlig bedeckt, sondern einen schmalen Ring frei läßt. Bon den großen Planeten leuchtet Venus nach Sonuemmter- gang als heller Abendstern. Ihre scheinbare Entfernung von der Sonn« und damit die Dauer ihrer Sichtbarkeit nimmt beständig z», gegen Ende des Monats ist der Abendstcrn schon fast«ine Stunde lang am Westhimmelzu sehen. Mars, der wegen setner Erdnähe in den vergangenen Monaten das besondere Interesse der Himmels- forscher erregt hat, ist auch im Januar noch während des ganzen Abends bis tief in die Nacht zu sehen. Zu Ansang de« Monats steht er um ti Uhr. gegen Ende des Monat? schon gegen.'�7 Uhr gerade im Süden, wo er an seinem rötlichen Glanz leicht zu erkennen ist: wenn er auch nicht mehr so hell leuchtet und ein so schönes Bild bietet, wie In den letzlen Monaten, so Ist er doch immer noch heller als die Fiyfterne erster Größe. Die Sterne, unter denen er steht, gehören zum Sternbild der Widder, von dem er nach der Gruppe der Plejaden im Stiere zu wandert. Der größte Planet Jupiter, der vielleicht noch etwas eigenes Licht hat und mit den neun um ihn treisenden Monden, von denen die vier hellsten schon in kleinere» Fernrohren erblickt werden können, selbst ein Planetensystem im kleinen darstellt, ist jetzt nur noch wenige Stunde» nach Sonnen- Untergang am südwestlichen Himmel zu sehen, zu Ansang des Mo- nat» noch drei, gegen Ende nur noch eine Stunde. Er steht zwischen den Sternbildern Steinbock und Wassermann, deren nicht sehr hell« Sterne durch ihn beanein aufgefunden werden können. Der S a- turn, dessen Ringsystem nur mit guten Fernrohren beobachtet werden kann, zeigt sich im Januar nur den Leuten, dir schon früh um 6 Uhr, zwei Stunden vor Sonnenaufgang, zur Arbeit eilen müssen: er steht dann des Morgen» am südöstlichen Himmel. Der F i x st e r n h i m m e l ist besonders schön in de» mondlosen Nächten, also zu Ansang de» Monats. Die Stestung, in der die Sterne dann um 1l> Uhr zu erblicken sind, nehmen sie in der Mitte de» Monats schon um 9 Uhr, gegen Ende bereits um 8 Uhr ein, da sie täglich 4 Minuten früher ausgehen. Man kann dann den zarten Schimmer der Milchstraße von Südosten über den Zenit, wo der helle Stern Copella oo,» Sternbild des Fuhrmann steht, nach Nordwesten sich hinziehen sehen. Dort erblickt man i» ihr ziem- sich tief den hellen D e n e b vom Sternbild des Schwan, und noch etwas tiefer nördlich davon, jast schon im Untergang begriffen, den hellen Stern Wega vom Sternbild der Leier. Im Süden steht das prächtige Sternbild Orion, ein großes Biereck aus vier hellen Sternen, dessen hellster. Betetgeuze. von der Milchstraße fast gestreift wird. In der Mitte de» Bierecks stehen drei helle Sterne, der Gürtel oder das Schwert des Orion, deren Berbindungslinie nach Südosten verlängert auf den hellsten Fixstern, den funkelnden Sirius vom Großen Hund führt, noch Nordosten dagegen auf den rötlichen Aide daran, das Auge de» Stiers, und weiterhin zur Gruppe der Plejaden. Auf der anderen Seite der Milchstraße sieht man den P r o c y o n vom Kleinen Hund und darüber das Zwillingspaar K a jt o r und P o l l u x. während ganz im Osten der helle R e g u l u s vom Löwen schon üb« den Horizont heraufgekommen ist. Am nördlichen Himmel rrientiert man sich am leichtesten durch das bekannte Sternbild de» Großen Bären oder Himmels» wagen, dos im Nordosten leicht aufzufinden ist. Die Verbindung»- linie der Hinterräder führt unmittelbar auf den Polarstern, den hellsten Stern des Kleinen Bären oder Wagen, der ganz nahe am festen unverrückbaren Himmelspol steht, woher auch sein Name rührt. Etwas über ihm nach Welten zu erblickt mcm in der Milap st ruße die fünf hellen W-fönnig angeordneten Gterne, d'e das schöne Sternbild Kasslopeja bilden. Bt. Lebende Spiegel-�» karpffen I Verkaui nu. soweit Vorrat %mti mm Berliner Schlachthauswara Pa. Schweineschinken Piandl�S Pa.Schwelneschullerblatl Ptd.1,08 Pa. Schweinebauch o3«uag6. Ptd.1,04 Pa. Kasseler................. rtnsd 1,25 Pa. starke Uesen.......... Pfand 8Si'> Pa. RUckenfett cnU(rd?dorclit;eilr..Pfonif 88P>. Pa. Eisbe n u-cpok. mit Spiub.. ptd. 70Pt Pa.Hammelfleisch(Dick iiippejpid. 84p. Pa.Hammelrücken........ Pfand 88pi Pa. Schmorfleisch°. Kn., ptsud 1,30 Pa. Routaden............... Pfand 1,40 Pa. Suppenfleisch......... Pfand TSm Pa. Fehlrippe u. Kamm Pfand 88pi Pa. Kalbskamm............ Pfand Mn Pa. Kalbsrücken........... Pfand 99P< Pa.Katbsnierenbrat. u.Biatt. Pid98P> Pa. Rindertalg eelbstaasgel., Pfand 62i't niiiiiniiiiMiimiiiiMnimiiiiniiniiiiiiiiuuiiiiiinu Pa.Ochtenschmorfl.>«i<.o.K..Ptun 1 80 Pf. Pa. Ochsensuppenfleisch Pfd. SSpi. Pa.Ochsenkammu.-brust Pid. 60 Pt Pa.Ochscngulasch o. Kn., Pfand 78Pt. Pa.Schweinskäpfe(r,m.B»ck,Pid.S5P'. Pa.Cehacktes.............. Pfand 75pi WiUfjUiWHHhi' Knoblauch««�..Pfand 1.26 Schinken warat.. Pfand l ,70 Bierwurst....... Pfand 1,70 Salami-n.Zervelatw.iti.�SO Lachsschinken..Pmnd3,50 Teewurst........ Pfand 1,80 Kaffee trlacb gebrannt ans rlgnner Eflsterel. Pfand Z40 Z70 310350 ObwiiUn* ünt 'I, Do«. Stangenspargel extr.st. 2,75 8 angsnspargel Mkr ot 2,90 Stangsnspargsl«uk..3,50 Stangenspargel nittni.2 40 Brechspargel dann.... 1,50 Gem. Gemüse«ahr fein 1,70 Gem. Gemüse'«In....... 1,50 O&UÄHUlHMHHt' Do.' Gem. Gemüse mttM... 1,05 Erbsen bin. aüt Karotton t ,30 Erbsen mituH ,« c.rott, 88pi. Birnen aanae Praoht... 95 Pf. Apfelmus 72 Pf Reineclauden.......... 1,25 Aprikoaea.............. 1.75 Mi* JUttStäf* Molkerei-Butter Pfand 1,95 v>n Tafelbutter Ptnad 2,10 Kokoalett l-POL-Pakot 9ZPf. Margarine..... Pfand OOPt. Tilsiter TOllfett..Pfund 1,05 Emmenthaler-Küeand. 1,50 Menaenntoanb« Tort>«n»lIen Erdbeer.FprikostN-ll.Alrsch.KMt.Bfm»'1" QänSG itSrortn........ Suppenhühner Ptnad 90 Pf- a Pfand 1.25 Hamburger FettbllckUnge Pfand 42 p. Chln.Tee Pfand yo 480 jao Silvester-Ansebot in Weinen und Spirituosen ttFi. 10 n UMerDarklielinerFeiterberK.ToUetEotweln 1,40 IS, SO Roter Tarrnaonn, vorzügUche Qaaliut....... 1,.1» 14,50 1930 er Cli&tean Laroac, vorzflel Bordoaaxwam 1,85 I7,ÖO 1923er Chatenu LeorlUc Poylcrrd.......... 2,50 24.00 1931er Birkweilerer Herren berg........... 1,60 15, oo 1923 er Königabachcr Mtbblberg............ 1,0 15,00 1931er Al.terweilerer RlcallncT............. 1,05 17, SO 1923er Stkloaa Bötkelbeim.Maiilberg, Hpltl. 1,85 17, SO 1923V N&n.terer Pltteraberg, Spttl.'1, 1.2.00.10 PI. 19, OO 1930 er R&dcsheljner Berg Kowneck. 3,35, 5 FL 17,50 1921V Hackenbelm er Galgenberg- Platte, berrorrageada Art edle Weine...'�FL 4,70, 5 FL 22,50 Zur Bowle i'liPi- 1939«r Malkawercr Letten..................... 93 Pt. Hertle-Silber-Cablnet, KrucUtaehaamweln........ 1,45 Clnb-Star n. Knrplali-Rleallng, Traabensehaumw. 4,45 Schönberger Cablnet, eixtra Cuvde................. 5.60 FL«|,FL••'j FL VJL kl Ä78 oao snr�Weissvrein.MRotwemÄ;.-itsssrsä Sttfmif wn �»rtimuttn Sggaaag isrz II Ml lllllll Feinkost Delikatessheringe>-9-. srhlrdrnen 8ot«i.................. Appetitsild.......... Doae35, SOpt Gabelbissen in Tomaten, Do..' 40 Ff. Nordseekrabben v» 35,60?!. Holl. Sardelleniiu.1 ,1 0, 1 ,65 Oelsardinen____ Aa parto�les., ca. ♦ kjr 2,20, Do§€«Of wöj Pi. ROllmOpS in Remoulade,... Bismarckheringe..... Filetheringe in Bemooiade Bratheringe.............. Gabelbissen............. ■ Dose| 80 PL Traubenrosinen... Pfand 85 pl Knackmandeln..... Pfand 1,10 Mandarinen........... Pfand 35 pt. Apfelsinen... du. 50, 65, 85 pt. Aepffel Amerikaner...... Pfand 25 PL Bananen................. Pfand 35 pl Zur Bowle: halbe Fracht«, ITC .......«/, Dooe lf# b Pfirsiche Erdbeeren....-i.D°« 1,7� Ananas........... �v«.1,75 Frische Ananas-fd.l.uvan � i. stock. Alexanderplatz, partorro Frankfurter Allee, partcrr«.Kurfllrstendamm23 Uli Am Montap. den 27. Dezember, abends 9 Uhr, verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber, enter Vater, Großvater, Bruder und Onkel, der Reichstagsabgeordnete und Stadtverordnete Fritz Zubeil im 79.Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrflbt an hn Namen der Hinterbliebenen Franziska LDiüte, geh. Zobeil, all Tochter. Baumschulen weg, Baumschulatr. 74. Kondolenzbesuche höfL verbeten. Die Einäscherung findet am Montag, den 3. Januar 1927, nachm. 4 Uhr, im Krematorium Gerichts traße statt. SUvesler-NeuheHen! BOBfltOrenülas m. Sehlange ,1 M. Bieten. briue 60 Pf. UebeswlnHer 20 Pf. tpntz- pboiograph i M. torin*- Helte so Pf. Zanuerwurlei 30 Pf. Handii tsOibm Schachtel 20 Pf. Mfige, schreiend, oder mit Nasentropfen 20 Pf. SCtllongeniUKe SO Pt. Bonbons m Pfeifer od. Senf Karton 40 Pf. Wesen liorr.De m. SO Sehe rrarti kel n IM.)azz- imtramente 20 b. so Pf. P ip.ersrtiionsji n. BadoaarllKei, Hnailbonbon« Dtz.v.3opf.an. eleb biet ütz. 30 Pf. Fenerwerk. MOfzen utz. v. 2» Pf. an. A.Maas A Co., Markqrafanstr.84 an der Lindenstr. WlederverHSuter blltlStle Onelle. Am 27. Dezember verstarb mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater, der Maschinen- '*" Rudolf Werner im 51. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen Ww. Ann« Werner and Kinder. Die Einäscherung erfolgt am 31. Dezember. vorm. 10 Uhr, Im Krematorium Baumschulenweg zur Miete W O.Anabacheritr.l Haittaiiqs-.Btbftii- a.Eeklamemarken gegen Nachahmung gesetzi i csch fei tigl Mit 43 Jahr. als ftpezlkllilt Conrad HUller Schkeuditz- Leipzii{ Bettfedern m» erster Hanb, Plb grau «0«,.gelchl 90 Pf. Aap' 175. fwlbbean» 275. 4 well. Ulaumrupt 4. beste 5. Daane 7. a>elß 8-10, Edlleistbaun»»50-6. Obrrbett la dich! Inlett 8 Pid 12 18 ftilTcn 3 8lfb. 8 50 5.50 aalm. aegk» Radin. Masttr-Prei»! Irrt fein Rist!». Richfpcstettb zurück Böhm. Beitfedemspeeislhsu» ssrhsef t Stadler Berlin(£ 12 ßanbnheraer Str. 41 Hggfmifche Dump reinipung a t n t l n freußische Central- Bodenkredit- jlktiengesellsehafl Mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde machen wir den Inbabein unserer in der Inflationszeit ausgegebenen 67o KornnL-Öbligateen 1.3.1922 87».*».3.1928 10/207. h. 1.3.1928 welche nach Art 79 der Durchführungsverordnung zum Aufwertung. fa I Im'fitt.rtni- >5 PI, a4a niknVa 11 Pf Wall all atüi
  • /] Ob: udmittw i 1« Bwjl-taebit»«(ei Vrvirh. LmOijtril* 1. ikmebn wrOtDifMlb» itaabatOi mi burbi >' ,Ubf bil wba. 5 Mi Verkäufe D-ekisK-»leichte. i!«iiiuug»fabi8iie SpezialFabrit SUDtEBaablune 200.— Koftnfbaletfnflle 2«._* Sllnestv,. Scher»«etiTeli PanierwIItzen. stuhid.lcnftfn, fftutiiMrt, Neuiobr.voft UIUIU.UJIIHIU,(ycuE.•vwtz, unb er. A. Packow. Wilke'mstr 49, nahe Lripziv stroste. Tauenstienstraste 1, AlerandernlaA 50. 4.■F M" tnaiM, Span. beklndunqssiuclir. Wisrhe usar BetttaMitanfl Seal 12J01 17J0I 19J01 Pracht»- 0« 26/—.».-! Haid- boutun 85�-1 Binbetbefttn 8,751 Bett- wäschel Steppdecken i Sardinen! Tüll» decken! Alle» spotlbilligl Beine Lam- bardWarel Leibhau» locunnenkraße 47. Pelzwaren! Balf»zleaen 9,751 13.50! Prachi-alle 17�01 19.57,! Schi, üllchfe 25—! 35.— I Alle, fpottbiHifl! Beine Lombarbaiate! Et ü) bau» Brunnen, ftrnge 47._* Benin«ettaatne BanotirrMtberebt non Millionären letzten Anwälten. Rabetboft dillia« Breite. Empfeble Tailleninänrel. Balelai» ltrnck» Smo- tina». Sebrackanzüae. Kosen. EpoctptUe. SebneUe. Seleaenbeiizfifufe in neuer Sarderob». Beilester Ben labnend Lotbrinaerltraste 53. 1 Treppe. Boten. tbaler Bfa*.__ Setrnaene Beceenaarbtnben Gefell- (diaftMniflae für forpairntt Uiaueen staunend billig. Bast, trüber Mulack- strast«. iekf Sannannstroste 25128.• (Bökel cbaiielonaae», Meialldetten. Auflege. rna tragen, Patentmatrasten. Walter, Staroarderstraste achtzebn. Spezial- gelchäft.__* Büchern 38.—. stlnraerdernben 35,—. Babluna»«. leichterung. Bamerling. Ba- stanienalle« 53.' MmaiklM»tF»HW,e«iIe uxb M. Januar beginnen befonbere Blerielsabre«-"tb volblabreelebraänge zur faiifmännifa.:« Auedildung für iunge Samen und »erren mit einfacher unb bäbeeer schulbildunq. Crtirplllne fostenfr», Schxeilförderxb« W-hifächrr:«uchiüb» runq, Rechnen Borreinondenz. Wr�iel- lebre, Stennnrapsti». Maschinenfch- eiben. Schänschreiben, Deutsch, slrembfprgche». lrembfpeachliche Stenogpapbi'' Verschiedenes BttAbinbcrei Slebee. Iafepbstraste zwei, Moristplak 4312. empfiebll stch. QeliäiferkeTir Oinlngegeldee fuchf BfanMelbe Sange. Moristp.'an Afchinaerbaus Sear>805. Arbeitsmarkt Stellenangebote Singete» Mädchen, solide, mite fleug- niste für mittleren ß