flr.616 ♦ 45. �aheg. Ausgabe ü Nr. 314 ecjng�rtt*. BSAtntHift TD Cttnnit,«onafM s.- Selduirmrf voraus«adlbar. Unter«reusdavd Hit Deutlchian». Saat, vsi äRemeiaebiat, Deltttctidi Li taue» Luienbioa iM ÄeiBsmorl, fftr da»«dri«, Vuslonb 6J0 Seutsmart pro XtaBSt. Set.Bonrürte* ml) bet fUnftrie*. t>n Sonnlagsbeilag«.Salt und Reit* sowie de» Keila aen.Umetdallun» uno iSissen�.Aus der Riwuoelt�, «israutnstimvie".Der Rindet» freund�.Zuaend-Borwärts" und „Blick in die Klicherwrlf erscheint wochentSzlich tweimal. Sonntag« und Rontags einmal. Telegtaunn.Adresfe: .Sazialde-oatral Varls»- Morgenansgabe Verliner Volksblakt c>o Anzeigenpreise: Die einlvaltiae Nonvareillo» Seile SD Piennia� KeNameveile 5.— Reichsmarl..Kleine»nseigen� das fettgedruckte Dort Li Pfennig ftulSlfta swe) fettoedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. ölellenaefuche dos erSe Wort Ii Pfennig jede» weitere Wort TD Pfennig. Worte oder IS Buch» ltaben willen für«tnei Worte. Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. ffamilienonjielaen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. An, eigen für die nichste Rmnwer mlillen bis iMt Übe nachmiltoas Im HauptaelchSf!. Berlin SW 68. Linden. ItrafteZ. obaegeben werden. Seöffnet von Sdd llbr früh bis S Ubr nachm. Zentmlorgan der Sozialdcmokratifchcn parte» Deutfcblande Neüaktioa und Verlag: S erlin Ew. öS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff ÄSÄ— SS7. Jasthiftengruß an Litauen. Mussolini schickt Sondergesandschasten. »0MN0. Z0. ve,ember. kOC.) Slaokpräsideni Smekona ha« aon k>em Generalsekretär der faschistischen Partei Italien» eine De- grühungsadresse erhalten. In welcher e» heißt:.Wir halten cilaven für die zweite junge Macht, die in die Reihen der Kämpfer gegen olle Zersetzungslendenzen tritt. Mit Glückwünschen Turati." Diese Adresse hat eine persönlichkeil an» dem näheren Bekanntenkreise Mussolinis überbracht. « Dieser Glückwunsch— und noch mehr seine Annahme— kennzeichnen genügend das neue Regime in Litauen und passen zu seinen ersten Taten: der Unterdrückung jeder Oppo» sition, der Ersetzung der Pressefreiheit durch den Kriegszu- stand, der Ermordung der Kommunisten„von Rechts wegen� und der grundlosen Ausweisung von Bürgern des großen westlichen Nachbarstaates. Ob die Gleichstellung mit Pilsudski- Polen— denn das soll die andere„junge Macht" sein, von der der römische Glückwunsch spricht— dem braven Smetona besonders angenehm ist, das möchten wir bezweifeln, da Smetona der Hauptrufer im Chor„Wilna muß litauisch sein!" ist. Für die Zustände in Litauen ist es bezeichnend genug. daß wir die Nummern des„Socialdemokrotos" vom 8. und 15. Dezember heute erst, am 30. Dezember, durch die Post er- halten hoben: ste sind laut Poststempel erst am 29. Dezember von Kaunas fKowno) abgegangen, man hat sie offenbar so lange zurückgehalten. Seit dem 15. dürfte das Blatt nicht mehr erschienen sein. Und wie„Dst-Expreß" meldet, erklärt dos Bolkssozialiftenorgan„Lietuvos Zienios", daß«sauf jede Art von Kommentar zu den politischen Ereig- nisten verzichten werde. Feldgerichte! kawno, 30. Dezember.(OE.) Alte Kommunisten, die jetzt nach dem Staatsstreich in Litauen noch abgeurteilt werden sollen, werden Feldgerichten übergeben werden, die au» zwei Offizieren und zwei Soldaten als Mitgliedern und einem Offizier als Vorsitzenden bestehen. Moskauer Beurteilung. Itloskau. 30. Dezember.(OE.) In ihrer Wochenschau beschäs- tigt sich die..Prawda" nochmals ausführlich mit der durch den Staatsstreich in Litauen für Osteuropa geschaffenen Lage. Da» Blatt will wisten, daß da» litauische Wahlrecht schon in nächster Zeit in einer Weise verändert werden wird, welche das Proletariat und überhaupt die nichtbesitzenden Klassen um jeden Einfluß bei den Wahlen bringen würde. Die offiziösen litauischen Mitteilungen über den geplanten Kommunistenputsch, zu besten Vereitelung der Staatsstrelch notwendig gewesen sei. weist die„Prawda" al» halt- lose Erfindungen mit größter Verachtung zurück. In außen- politischer Hinsicht fürchtet dos Sowjetblatt sehr ernste Verwicklungen, da Polen ohne Zweifel schon beim geringsten Schatten eine» Vor- wände» gegen Litauen in der Art de» General» Zellgowski(der Wilna den Litauern entriß) vorgehen werde. Somit sei im neuen Jahr mit gefährlichen Komplikationen in Osteuropa zu rechnen, die Litauen» große Nachbarländer, Deutschland und die Sowjetunion, nicht gleichgültig lasten könnten. Wiöerrechtlicher polensst striffrei, wenn er den Autor n« n» t und dieser vor Gericht gestellt werden kann. Wer einmal wegen Preßvergehen» verurteilt wurde, darf drei Jahr« lang nicht verantwortlich zeichnen. Der Strafvollzug wird nicht durch ein« Berufung gegen das Urteil des zustöndiAen Drei- Richter-Kollegiums aufgeschoben. Eigentlich sind all diese Bestimmungen alt« Bekannte— von reaktionären Gesetz Vorschlägen in verschredenen Ländern her: sie in Kraft zu setzen, blieb dem ehemaligen Revolutionär der Tat, Joseph Pilsudski, vorbehalten. Damit sollen natürlich die Verdienste anderer Reaktionär« um die Maulkorbversehung der Preste nicht geschmälert tverden. Tschechischer Beschlagnahmerekord. Prag, 30. Dezember.(EP.)„Rarndni Lffty" veröffentlicht«In« Stafftik der Prestezensur in der S l o w a k« i. In den letzten sieben Jahren erschienen 33 tschechisch« und ltz deutsche Tagezzeilungen, sowie ein« madjarische. Diese 50 Blätter wurden in sieben Iahren 830mal beschlagnahmt: die tschechisch« Press« TOOntal, die deutsch« llOmol und die madjarische ZOmal. Den Hauptanteil trägt das kommunistische„Rüde Pravo"(Rote Fahne), das 400 mol der Beschlagnahme verfiel, somit möchenllich mindestens einmal. Nückwirkungen öes englischen Streiks. Die Arbeiterbochsksiulc mutz eiugehen. London. 30. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Da der Generalrat der Gewerkschaften infolge Erschöpfung seiner Kassen durch den Generalstreik außerstande ist, die für die Auf- rechterhaltung einer Arbeiter Universität erforderlichen Mittel zu beschossen, hat er sich gezwungen gesehen, das ihm von der Gr ä s i n Marwick zu diesem Zweck übergeben« Schloß Easton Lvdge der früheren Eigentümerin zurückzugeben. Ein demonstrativer Leichenzug. London. 30. Dezember.(EP.) Das Begräbnis des verstorbenen Hindusührers Swami Schraddhanda zu Weihnachten in Delhi, gestaltet« sich zu einer gewaltigen Kundgebung der Hindubevölkerung. Es nahmen daran rund 100 000 Menschen teil. i Di« Prozession dauerte sechs Stunden. Regierungssieg in Mecklenburg. Der Angriff der Rerhten im Landtag abgeschlagen. Schwerin, 30. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Im Mecklenburgischen Landtag wurde am Donnerstag das Programm der oereinigten Rechtsparteien zum Sturz der Regierung zerschlagen. Der Antrag der Deutschen Boltspartev ,chie Weihnachtsbeihilfc den Beamten, Angestellten und Arbeitern entsprechend der Reichsrogelung zu gewähren", wurde bei voll- besetztem Hause und überfüllten Tribünen nach reichlich agitatorischer Begründung durch Deutschnattonale und Balksparteiler in namem- sicher Abstimmung m i l 20 gegen 28 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten Deutschnationale, Bolksparteiler und Völkische, da- gegen Sozialdemokraten. Demokraten, Wirtschaftsparteiler und Kommunisten. Ein deutschnationaler Landwirt blieb der Abstimmung ostentativ fern. Der Beschluß de» Hauptausschuste», die Weihnacht». beihilf« nach sozialen Gesichtspunkten zu gewähren. wurde mit 25 gegen 24 Stimmen gutgeheißen. Bei dieser Ab- stimmung stimmten die Wirtschaftler gegen die Regierung, da sie den Beamte» keinerlei Weihnachtsbeihilse gewähren vollten. vorwarts-verlag G.m.b.H., Herlin EW. öS, Hindenftr.Z Pssttchecklsot» Berti» 67 636- BenNont»! Bant der«rbeiter. Anaeftelte» »»d Beamten, vnttflr. 66. Dtskonto-Setelllchott. Lepokite» tafle Li»de»ftr. 6. ——■ das belgische Koalitionsproblem. Vertagung der Entscheidung. Der Weihnachtsparteitag der belgischen Arbeiterpartei sollte die Entscheidung darüber bringen, ob die belgischen Sozialisten weiter der Regierung ange- hören oder die vier sozialistischen Minister aus dem Kabinett austreten sollen. Eine wochenlange Debatte über diese Schicksalsfrage war in den einzelnen Bezirksverbänden und Ortsvereinen sowie in den Spalten der Parteipreste dem Kongreß vorangegangen. Auf dem Kongreß selbst haben neben den beiden Hauptreferenten Vandervelde(für die Fort- keinem Beschluß gekommen, nicht einmal zu einer Ab- stimmung, vielmehr wurde die Entscheidung dadurch um- gangen und vertagt, daß ein ausgearbeitetes konkretes Regierungsprogramm an die Bezirksorganisationen zur Stellungnahme und Beschlußfastung zurückverwiesen wurde. Schon dieser unerwartete Ausgang des Parteitages bc- weist, wie sehr das zur Debatte stehende Problem umstritten war. Die beiden Grundrichtungen, die allerdings in sich keineswegs geschlosten sind, sondern verschiedene Schattierungen aufweisen, waren anscheinend gleich stark, so daß man es im gegenwärtigen Zeitpunkt für besser hielt, eine Kraftprobe zu vermeiden. Dabei muß betont werden, daß der Parteitag von Anfang bis zu Ende auf einem sehr hohen, sachlichen Niveau stand und daß die Debatte von geradezu vorbildlicher Sacklichkeit war. Zur Vermeidung von Mißverständnissen und verfehlten Rückschlüssen sei vor allem festgestellt, daß das Problem von fast allen Rednern als ein taktisches aufgefaßt wurde. Die belgischen Sozialisten sind fast in ihrer Gesamtheit über das rundfätzliche Stadium hinaus. Die theoretische Zulässigkeir er Koalitionspolitik steht überhaupt nicht mehr zur Dis- kussion. Dagegen wird die aktuelle Frage, ob man die b i s h e r ig e Koalitionspolitik fortsetzen darf, durchaus verschieden beurteilt. Man darf nämlich nicht vergessen, daß seit dem Sommer 1926 in Belgien eine Regierung des Burgfriedens am Ruder ist, der alle drei großen Par- teien angehören, die Klerikalen, die Liberalen und die Sozia- listen. Nach den Aprllwahlen von 1925, die der Partei einen so großen Erfolg brachten, daß ohne sie nicht mehr regiert werden konnte, war eine Ltnksregierung(P o u l l e t- Vandervelde) gebildet worden, die sich einerseits auf die Sozialisten, andererseits auf die fortschrittlichen Ele- mente der Katholischen Partei, besonders auf die christlichen Gewerkschaftsführer, stützte. Diese Koalitton war zwar zahlen- mäßig stark genug, sie wurde jedoch durch die Treibereien innerhalb der Katholischen Partei unterminiert. Vor allein aber erwies sie sich als nicht stark genug, um dem Druck des finanziellen und industriellen Großkapitals Widerstand zu leisten. Der belgische Franken war das Opfer dieser wirt- schaftspolitischen Erpressungder vereinigten katholischen und liberalen Kapitalisten. Die Frankenpanik erreichte im Sommer 1926 gleichzeitig mit der französischen ihren Höhepunkt. In dieser tragischen Lage opferte sich die Sozialistische Partei, um größeres Unheil für die Ar- beiterklasse zu verhüten, und willigte in eine Burgfrieden- koalition aller Parteien ein, die als Hauptaufgabe die S!abi- lisierung der Währung durchführen sollte. Diese ist nun im Herbst erfolgt. Die Frage war nun: soll nach Erfüllung dieses Hauptpunktes ihres Programms die Koalition gekündigt werden? Die einen— unter Führung Banderveldes und der meisten Gewerkschaftsführer— sagten: Selbst angenommen, wir wären in der Währungsfrage über den Berg und es drohten keine Rückschläge mehr— jetzt gilt es, durch unser Verbleiben in der Regierung dafür zu sorgen, daß die Folgen der Sta- bilisserung nicht nur von der Arbeiterklasse getragen werden. Außerdem haben die Sozialisten in der Regierung noch an- der« große Aufgaben zu lösen, insbesondere auf außenpoliti- schem Gebiete. Daß unsere bisherige Tätigkeit in der Regierung nicht voll befriedigend war, daß viele Genossen mit den Konzessionen, die wir an die bürgerlichen Koatitions- partner machen mußten, unzufrieden sind, wissen wir. Trotz- dem haben auch wir den anderen wesentliche Zugeständnisse abgeningen, sowohl hinsichtlich der Krisenfürsorge, wie auch der Militärdienffzeit und endlich durch die bedingungslose Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Acht- stundentag. Versuchen wir es also nach auf weitere sechs Mo- natc auf Grund eines fest umrissenen, wenn auch sehr beschei- denen Programms— dann werden wir sehen, ob mir melier in der Regierung bleihen können Die anderen— unter Führung des an sich keineswegs „radikalen" Genossen de Brouck�re— der sich übrigens schon vor Monaten gegen die Beteisigung an der Burgfrieden- cegierung ausgesprochen hatte— antworteten: Unsere Koalitionspolitik ist unbefriedigend. Wir verlieren durch sie immer mehr an Stimmen, und mir laufen Gefahr, durch sie sogar unseren sozialistischen Seist einzubüßen. Insbelondere die Jugend, Mc an offenen Kampf gewöhnt kst, versteht uns nicht, wenn wir immer nur hinter den Kulissen kämpfen und Kompromisse abschließen müssen. Das ist aber ganz besonders in der jetzigen Regierung der Fall, die die Vertreter der schlimmsten sozial- und wirtschaftlichen Reaktion einschließt. Gewinnen wir unsere Freiheit wieder, und zwar schon jetzt, denn wir riskieren, wenn die Krise überwunden ist, wenn das Land uns nicht mehr braucht, von den Bürgerlichen hin- ousgedrängt zu werden. Dann ist der politische Schaden um so größer. Kündigen wir die Koalition im Interesse der Ge- schlossenheit der Partei! Das sind auf beiden Seiten Argumente, die deutschen Ohren heimisch klingen, aber sie gelten, wie gesagt, für den besonderen Ausnahmefall einer Burgsriedenregierung, an der alle Parteien beteiligt sind. Das Schwierige und fast Tragische an der jetzigen Situation liegt darin, daß auch ein Bruch der Koalition keine Lösung bringt. Die jetzige Kammer besteht aus-78 Sozialisten, 78 Klerikalen, 23 Liberalen, 6 flä- mischen Nationalisten und 2 Kommunisten. Eine rein bürger- liche Regierung ist angesichts der tiefen Gegensätze zwischen Liberalen und Katholiken(und auch des Widerstandes der katholischen Arbeiter gegen eine solche Lösung) kaum denkbar. Eine Rückkehr zur Koalition von Sozialisten und„christlichen Demokraten", wie sie ein Jahr lang bestanden hat, erscheint nach den Erklärungen DanderveDes ausgeschlossen. Eine Auf- lösung und eine Neuwahl würde im jetzigen Zeitpunkt für die Sozialistische Partei, wie der Gewerkschaftsführer Mertens, ohne Widerspruch zu begegnen, festgestellt hat, sehr ungünstig sein. Eben diese Schwierigfeit, einen Ausweg' zu finden, mag dazu beigetragen haben, die Entscheidung des Parteitages zu verschieben. Für die europäische Arbeiterklasse ist der Ausgang dieser Auseinandersetzung von großem Interesse. Nicht zuletzt des- halb, weil es für die künftigen außenpolitischen Berhandlun» gen, insbesondere über das Schicksal des Rheinlandes, nicht gleichgültig sein kann, ob die offiziellen Bertreter Belgiens In Genf Vandervelde und Brouckdre oder Iaspar und chymans heißen, tzugenberg-Gist. Wie man öffentliche Meinung iu Krisenzeite« macht. Herr Hugenberg versorgt durch die„Wipro", ein Korre- spondengunternehmen, täglich ein paar hundert Zeitungen in der Provinz mit Artikelmatertal. Er hat vermiedene Aus- gaben, die jeder Parteistellung gerecht werden. In der deutschnationalen Ausgabe verschickte die„Wipro* einen Artikel „Regierungsweihnachten-, w dem folgende Blüten enthalten sind: „Herrn Dr. Marx ist der Sturz von der Leiter, just, wenn er nach dem schönen Apfel greifen will, gerade nichts Neues. Und um ihm auch das Aeußerste nicht zu ersparen, hielt ihm Scheidemmm noch kurz vor der Katastrophe in seiner landesverröteri- s ch e n Rede„die kalte Teufelsfaust entgegen". Aber nur der ist restlos aufgeschmissen, der keine Ausrede mehr weiß. So gilt es, zweierlei fertig zu bringen: den Landesver» räter Scheidemann zu absolvieren und die Schuld am Sturz der Regierung von den Sozialdemokraten abzuwälzen. Und die Presse des Zentrum, und der Demokraten macht sich mit löblichem Eifer an diese Sisiphusarbeit. Zunächst Scheidemann. Während die anständige Presse des Auslands in den fchärssten Ausdrücken ihrer Entrüstung über den deutschen Thersites Luft macht, von einer Schmach spricht, während die feindliche Presse jubelt, daß ihr wieder mal ein Helfer„für die Militärkontrollkommission" erstanden ist, haben die Zeitungen der Weimarer Koalition nur Tön« sanft melancholischer Lyrik. Sie finden das Porgehen des Manne» mit der ge- reizten Leber erstaunlich, schwer begreiflich, taktisch unklug, ober nichts von Empörung über den Hessershesser Poincarä». Da ist nicht einer, der es wagt«, der Katze die Schelle umzuhängen, Verrat Verrat zu nennen, die Gemeinschaft mit dieser Ge- vom Mäüchen, öas immer kalte Züße hatte Von Karl Ettlinger- München. Es war einmal ein fünfzehnjähriges Mädchen. O, wie schön war das! Und es hatte die wundernettesten Beinchen, die ihr euch denken könnt. Aber, ach, sie fror so entsetzlich an den Füßen. Mitten im Sommer, wenn andere Leute am liebsten barfuß gelausen wären, konnte man sie stöhnen hören:„0, wie friere ich an de» Füßen!" Da strickte ihr gutes alles Mütterchen ein Paar dick«, wollene Strümpfe. Die waren so mollig warm— ei. so ein Paar möchte wohl jedermann habenl Und da« Mädchen zog sie an und ging damit im hellen Sonnenschein spazieren— aber als sie nach Hause kam, jammerte sie wieder:„D, wie friere ich an den Füßen!"— Ich glaube, ihre Füßchen waren verhext. Da besorgte ihr die gute Tante Lina ein Paar pelzgefütterte Schuhe. Man hätte eine Nordpolexpedition damit machen können. Aber als das Mädchen eine Piertelstunde damit spazieren gegangen war. kam sie wimmernd zurück:„O. wie stiere ich an den Füßen!" Da kam der gute Onkel Karl zu Besuch, und well gerade ihr Geburtstag war, kauft« er ihr ein Paar seidene Strümpfchen, die waren so zart wie der Windhauch und so dünn wie Spinnweb. Die zog das Mädchen an und schlüpfte in ihre dünnsten Schühchen und lies hinaus. Es war aber ein eisig kalter Wintertaz. die ganze Stadt war wie ein einziger Eisschrnnk. Und fünf Stunden blieb das Mädchen aus, und als sie zurückkam, hatte sie erfrorene Ohren, und ihre Nase war ein Eiszapf, aber das tot ihr gar nicht weh. sondern sie lachte und jauchzte:„O, habe ich warme Füße! O. sind meine Füße warm!" Und sie stand den ganzen Abend vor dem Spiegel, um zu sehen, wie warm ihreFüße waren? Unter öem Schmuhgefetz. Eine Schundgeschichte zum neue» Jahre von Bob Wille y. An der Jahreswende packt den Menschen ein-- nun eben ein menschliches Rühren. Er interessiert sich ganz entsetzlich, was das neue Jahr ihm bringen werde. So ging es auch mir. Ich suchte gewappneten Herzens einen Astrologen auf. um mich zu in- formieren. Der kluge Mann baut vor und der gewitzte Astrologe und Okkultist fragt nach dem Beruf. Auf die Antwort„Schriststellcr" hin verdüsterte sich sein Gesicht und er meinte mit Grabesstimme, daß er mir von der Zukunft des Schund- und Schmutzgesetzes er- zählen müsse. Als künfttgen Benif prophezeite er mir übrigens den Schnürfenkelv�rkauf. Aber das andere— in Monatsraten lieferbar: Januar: Die ersten zehn Verbote. Februar: Schließung des Intimen Theaters und Umwand- lung des Zuschauerraumes zum Sitzungssaal für den Aufsichtsrat sevfchast abzulehnen, die einen Scheidemann ak» Führer duldet. Mit diesen Leuten soll ein Hindenburg verhandeln? Die Herren Volksvertreter sind mit einem„Uff" der Erleichte- rung nach Haufe gefahren und können nun unter dem Tannenbaum vergnüglich singen: Wir haben kein Präsidium! Der 19. Januar ist noch weit, und mögen die Herren Minister sehen, wie sie wieder in den Besitz ihrer schönen Sessel kommen." Man wird sagen, das sei ein blödes, unpolitisches Ge- schimpfe, oerlogen, verleumderisch, verhetzend? Bitte, nein, das ist Hugeubergs Politik. Das drucken Hunderte vvn Zettungen in Deutschland, die sich„national" nennen. Unbesehen, so wie die Giftsudler von Hugenberg es ihnen vorsetzen. Oeffentliche Meinung, Marke Hugenberg. Eine nette Viper, diese Wiprv! »Ein unerhörter Skanüal/ „Nreuz-Zeitnng- gegen„Deutsche Zeitung". Die ,K r e u z- Z« i t u n g" wendet sich gegen Ausführungen des Professors F. W. Foerster in der„Germania", in denen ge- sagt wird, daß die nationalistischen Kreise Deutschlands die Berstöttdi- gung mit Frankreich zu hintertreiben versuchen. Es sei«in un- erhörter Skandal, daß das offiziell« Sprachrohr des Zentrums derartige Betrachtungen dring«. Dl« französische Press« werde sich zum Schaden der deutschen Politik gierig auf die Aeuße- rungen stürzen. Das deutfchnationole Parteiorgan hat nicht unrecht. Aber die stanzösische Presse braucht Ihre Aufklärungen über die Absichten der deutschen Nationalisten nicht aus zweiter Hand entgegenzunehmen. Das Quellenstudium ist bequemer. Di«„Deutsch« Zeitung", die erst m der vorhergehenden Nummer die deutsch« Außenpolitik als „Baterlandsverrat und Gehirnerweichung" bezeichnet hott«, weil sie nicht frnnzosenfeindlich ist, veröffentlicht folgend« Neujahrssorderung der.�vereinigten Baterländischen Verbände Bayerns": 1. Es gilt henke zo überwinden alle Gedankt»»nd die Träger der Gedanken, die eine Verbindung mit unserm Erbfeind, dem Franzosen, wollen. Heulende Protest« machen keinen gemordeten Deutschen mehr lebendig, die allzuspäi« Entrüstung wirkt als Theater. Der Franzose bleibt Franzose. Z Wir müssen all« Verbände und Parteien, mtt denen wst arbeiten sollen und wollen, dohln prüfen, ob sie irgendwie pak- iieren wollen mit der vaterlandsfeindlichen Partei eines Scheide- mann, mit der christentumsfcindlichen Sozialdemokratie, mit der eigentumsfeindlichen Sozialdemokratie. Wer hier in unklaren Wendungen der Antwort sich entzieht, wird nie die Verantwortung in unserem Sinne auf sich nehmen. S. Als FeindedeutfcherArt sind zu betrachten all« jene Gruppen, die den Unitarismu» wollen. Er fit das beste Mittel, um das Deutsche Reich zu zertrümern und die Verwirklichung eines größeren Deutschlands zu verhindern. i. Zu überwinden gilt es alle jene Bestrebungen, die in einer sogenannten„dentschen Bepublik" ihr Ziel erblicken. Die Republik ist die Verneinung des deutschen Führergedankens, der unlöslich ist von unserer wahren Volkhett. Wer diesen deutschen Führer» g« danken, der in der Monarchie gipfelt, ablehnt, Ist deutscher Art fern. Was sagt die„ftreuz-ZeÜung" dazu? Ist es iassch, wenn man aus diesen Forderungen den Schluß zieht, daß die Rationalisten Deutschlands die Verständigung mtt Frankreich zu hintertreiben wünschen? Indem sie die Ausführungen Foerster» in der„Ger- mania" einen„unerhörten Skandal" nennt, spricht die„ftreuz- Zeitung" über die Politik der„Deutschen Zeitung" das Todes- urteil ans� Eine Zulage für Sie flerzte. Sechzig Millionen. Di« Preußische Gebührenordnung für Aerzte ist durch die Ler- ordnung des preußischen Ministeriums für Volkswohlsahrt mit Wir- kung vom 1. Januar ab um 2S Prozent für die reichsgesetzlichen der„Hosiannah" Dompsorgelbau und Bibelttattowerbreitungs A.-G. Marz: Schließung der Haller und Eharell-Revuen. Bei Haller werden in Zukunft astrologisch«, bei Charell iheosophische Vorträge gehatten. April: Polizeierlaß gegen Frühlingsgedichie. Die Reime „Sonne-Wonne",„Triebc-LIebe" werden zur allgemeinen Hebung der Sittlichkeit, der Reim„Öiebe-Hiebe" wegen Andeutung sexueller Perversitäten untersagt. M a i: Das Schaufpielbaus bringt unter gemischtem Jubel eine ernwandfreie Faustbearbeitung zur Aufführung. Goethe dreht sich ob dieser Tat so oft im Grabe herum, daß man diese Rotation zur Elekirizitätsgcwinnung ausnützen will. Eine Aktiengesellschaft zu diesem Zweck wird gegründet. Juni: Offizielles Schreiben stgendeines Ministeriums an die I. G. Farben zur Erlangung einer gefühlstötenden Reichseinheiis- färbe für Damenkleider. Juli: H. H. Ewers. A. Landsberger, Hans Hyan. Hans Rei- mann und noch einigen Dutzend Leuten wird das Schreiben ver- boten und ihre Bücher kommen auf den Index der kaiserlich deutschen Republik. Hans Heinz Ewers rächt sich und gräbt aus Tacitus Annalen III L7 eine Stelle aus, deren Ucbersetzung lautet:„Und schon wurden nicht nur gegen jedermann, sondern gegen einzelne Menschen Gesetze geschaffen. Und je verlotterter der Staat wurde, desto mehr und desto willkürlichere Gesetze gab es." August: Es erscheint ein einwandfreier Roman. Textprobe: „Die jungen Leute sahen sich zum erstenmal. Da die Ellern fest- slellten, daß sie sich noch Vermögen. Stand, politischer Gesinnung usw. liebhaben müßten, oerlobten sie sich. Do küßte unter Frendentränen der Jüngling der Jungfrau die Hand.—(Der Kognak des Astrologen, den ich genehmigen mußte, war nicht viel besser.) September: Mein Roman erscheint. Er sst sehr hübsch, bloß ein bißchen zensiert. Ebenfalls Textprobe:„----- ------- hübsche zierliche Füße------- -- gern küßte-------------- ging." Oktober: Antrag des Abgeordneten Taoer Hinterhuber aus Obertupsenhausen in Niederbayern..Zusatzantrag zum Schund- und Schmutzgesetz: Der Reichstag wolle nunmehr noch beschließen, anschließend an da? durch Ausfuhrungsbestimmung Nr. SSS8 geregelte Gesetz vom 23. Lenzings 1927(betrifft verschärfte Zensur) zwecks sichtbarer Dokumentierung der christlichen Nächstenlieb« rück- wirkend bis zum ersten Eismond 1927 die Hexenoerbrennungen mtt verschärfter Anwendung auf Fremdrassige wiedereinzuführen." ---- Meine Ohnmacht war ttef und schwer!-- Jetzt spar« ich zu einer Fahrkarte(auf Raten) nach Südbrasilien. Erstens sollen dort die Leute rückständiger sein als hier, und dann sagte man mir. daß Malaria«in wirksames Mittel gegen Gehirn- erweichung ist.--- Peslalozzl-Feier an den preußischen Schulen, ver preußisch« Kultusminfiter hat in einem Runderlaß die preußischen Schul- kollegien auf den hundertfähriqen Todestag Johann Heinrich Pestalozzis am 17. Februar 1927 hingewiesen. Bei der Bedeutung des Lebenswerkes PZtalo-zis und dem tiefgehenden Einfluß, den sein« Gedanken und sein Lorbild auf die Entwicklung gerade de« preußischen Schulwesens geübt hoben, erschein« es ihm als ein« Pflicht der Dankbarkeit, daß die IVO. Wiederkehr seines Todestage» Krankenkossen erhöht worden, ven Krankenkassen ek- steht durch diese Erhöhung der Arzikosten eine jährliche Mehr- ausgab« von 60 Millionen Reichsmark. Eine nette, runde Summe! Die gleiche Freigiebigkeit hat man bei Behörden noch nicht fest- stellen können, wenn es sich um die Erhöhung der Löhne und Ge- hälter handelte. Dafür dürfen aber die Arbeiter und Angestellten dies« Mehrsmnm« aus ihren Beiträgen aufbringen, denn sie haben zwei Drittel der Lasten zu tragen. Di« Erhöhung der Arzthonorare wird nicht ohne Cinwir- long auf die Beiträge bleiben. Die Krankenkassenverbände haben vergeblich gegen diese Erhöhung Einspruch erhoben, zumal sie nur mtt 48stündig«r Frist zu den Verhandlungen telegraphisch eingeladen waren. Eine Anhörung der Arbeitnehmerorgonisationen ist überhaupt nicht erfolgt. Sachsenkrise. Besprechungen im bürgerlichen Lager.— Auslösung in Sicht? Die Sozialdemokratie wird bei der nächsten Minister- Präsidentenwahl im Sächsischen Landtag am 11. Januar wieder Genossen Hermann Fleißner zum Ministerpräsidenten vor- schlagen. Die Altsozia lisi en werden am 4. Januar ein« erweitert- Vorstandssitzung abhalten. Die Deutsche Lolkspartei hat am Mittwoch Fraktions- sitzung abgehallen. Sie bezeichnet den Eintritt der A l i s o z I a- listen und der Deutschnattonalen in die Regierung als dringend erwünscht. Also Bürgerblock. Die Deutschnatienalen haben am Donnerstag in ihrer Frottionssitzung sich auf den Standpunkt gestellt: daß sie eine bürgerliche Minderheitsregierung nicht unterstützen würden, daß sie vielmehr auf aktive Beteiligung an der Regierung nicht verzichten wollen. Kommt eine Regierung nicht zustande, so bleibt nur die Auf- lösung de« Landtage». die Million für Antwerpen. Vorgeschichte des Urteils. Wie schon gemeldet, hat das deuisch-belgische Schiedsgericht Deutschland zur Zahlung von einer Million Franken nebst Zinsen an die Stadt Antwerpen verurteikt. Der Angelegenheit liegt sol- gender Tatbestand zugrunde: Bei Ausbruch de» Krieges hatten in Antwerpen Ausschreitun- gen stattgesunden, durch die deutschen Reichsangehörigen schwere Schäden verursacht wurden. Für diese Schäden war nach belgischem Recht die Stadt Antwerpen haftbar. Nach der Eroberung der Stadt durch deutsch« Truppen setzte die Besatzungsbehörde ei» Sondergericht zur Entscheidung über dl« Ansprüche der Ge- schädigten ein. Dieses Gericht sollte aus zwei von den deutschen Behörden bestellten Mitgliedern und einem Mitglied bestehen, das von der belgischen Behörde zu ernennen war. Die belgische Behörde hat ihre Mitwirkung verweigert, so daß auch der dritte Richter ein deutscher war. Die Entschädigungen, die dam, durch Spruch des Sondergerichts oder ttn Dergleichswegc festgesetzt wurden, beliefen sich auf rund 2,4 Millionen Franken. Di« Stadt Antwerpen hat noch dem Krieg vor dem deutsch- belgischen Gemischten Schiedsgericht Klage auf Ersatz der gesamten Summe erhoben. Das Schiedsgericht hat sich auf den Standpunkt� gestellt, daß die Einrichtung des Sondergerichts mtt der Haager Landkriegsordnung nicht im Einklang gestanden habe, daß aber die Stadt Antwerpen auch von belgischen Gerichten zur Zah- lung einer erheblichen Entschädigung o e r u r t e i l t worden wäre, die von der Klagesumm« abgezogen werden müsse. Es hat den Betrag, der danach der Stadt Antwerpen zu ersetzen ist, in freier Schätzung auf«w« Million Franken sestgesetzt. Eine Zahlung außerhalb der Dawes-Annuitäten kommt nicht in Frage. als„Pestalozzi-Gedenktog" würdig gefeiert werde. Der Minister hat daher bestimmt, daß am 17. Februar der Unterricht in allen preußischen Schulen oussällt und eine Pestalozzi-Feier abgehalten wird, deren Ausgestaltung den Schulen überlassen fit. Der Minlster empfiehlt, an den Schulfeiern auch die Elternschaft teilnehmcn zu lassen, oder neben den Schulseiern einen besonderen Elternabend abzuhallen. Ver Sledlungsbau des Vessauer Banhause». Zu dem Siedlung«- bau in Törten bei Dessau, den die Stadtoerwaliung dem Dessau er Bauhaus in Auftrag gegeben hat, wird mitgeteilt, daß ein Siedlungshaus mit fünf Räumen fchlüssessertlg und einschließlich 450 Quadratmeter Grundstück 8300 M. kosten soll: eine vollständige Möblierung wird für 2000 M., in«insacher Ausführung für 1350 M. von den Bauhauswerkstätten geliefert. Die Arbeiten an der Siedlung haben bereits begonnen und die ersten Häuser konnte» im Verlause von zehn Wochen fertiggestellt werden. Arbeitslosigkeit im srauzösischen Theater. Die Pariser Theater- zeitung„Eomoedia" stellt fest, daß die Arbettslosigkeii der französischen Bühnenkünstler gegenwärtig in raschem Anwachsen ist. Sie sieht bei einem weiteren Fortschreiten der Frankenstabilisierung eine ernste Krise für das französische Theaterwesen voraus und ieiii mit, daß einzelne Künstlerorgonisationen sich mit der Frage einer gemein- sam organisierten Hilfeleistung beschäsiiaen. Man verweist dab«i auf die deutschen Ersahrungen während oer Marksiabilisierung und regt eine von den Theatern und den Autorenverbänden getrogene Erwerbslosenversicherung an. llnslücksfall und Blutprobe. Eines Tages überfährt ein Kraft. Wagenführer in der Umgebung von Paris einen Menschen. Kc!» Zeuge wett und breit, ober dos ist kein Vorteil für den Chauffeur, denn er wird vor Gericht gestellt, und man glaubt ihm nicht, als er sagt, der Mann sei vollkommen betrunken gewesen und trotz aller Warnungssignole direkt in den Wagen hineingciaumett. Aber die Wissenschast liefert dem Unglücklichen einen vollgültigen Zeugen in Gestalt einer Blutprob«. Der Gerichtsarzt Dr. Boon. der die Leiche untersucht hat, erklärt, wenn der Tote wirklich große Mengen Alkohol kurz vorher In sich ausgenommen habe, so müsse sich dies im Blut nachweisen lassen. Ein Chemiker untersucht das Blut und findet darin Anzeicken für eine kürzliche Aufnahme von etwa 4 Litern starken Weins, dl« ein« schwere Betrunkenheit zur Folge haben mußte. Der Krasttvagensührer ist dadurch gerettet, und er kann sich bei der modernen Wissenschast bedanken, die ihm den Be- weis seiner Unschuld geliefert hat. Mener Zestwochev 1927. Während der für die Zeit vom 5. die 19. Jim 1927 angesetzten Wiener Festwochen wird die SlaatSoper einen Zyklu» von Musleraufführungen von Mozart bis Richard Strang bringen. Wewqartner wird ein« Sufiübrung der Neunten von Beeiboven mit verstärktem Orchester und Cdoc dirigieren Di« Theater veranstalten Nufterlvlele deutscher Literatur, zahlreiche Neuinszenierungen und große FreUuflauIsüdruugeii. Führl Amerika da» metrisch« System ein? Der SandelSau«lchus! de-' anteiilanifchen Senat» verhandelt zurzeit über verschiede»« Aniräa«. die die Einführung de» metrischen Systems sür alle Matze und(Sewichte in den Vereinigten Staaten verlangen. So soll an Stelle de» Aard da» Meter. sür da» Quart da« Liter und sür da« englische Pfund da« metrisch« Psund zu 300 Gramm gesetzt werden. Aufhebung öes Feugniszwanys. Revision der Untersuchungshaft.— Preußische Anordnungen. ?as vom Reichstag beschltisscnc Tefeg zur Aenderung der Etrasprozeßordnung enthält über den Zeitpunkt des In- krasttretens keine besonderen Bestiininungen: es wird daher zwei Wochen»ach dem Tag der Verkündui'--n Kraft treten. In einer Mgemeinen Verfügung gibt der preußische Justizminister die wesentlichsten Aenderungen, die das Gesetz bringen wird, unter hin- zusügung bestimmter Auswirkungen für die preußische Justiz bekannt. Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt einen Auszug der wichtigsten Vorschriften wieder: Nach den neuen Vorschriften wird Redakteuren, Verlegern und Druckern einer periodischen Druckschrist sowie den bei der technischen Herstellung der Druckschrist beschäftigten Personen dos Recht zur Verweigerung des Zeugnisses gegeben„über die Person des Verfassers oder Einsenders einer Deröfsentlichung strafbaren Inhalts, wenn ein Redakteur der Druckschrift als Täter bestraft ist oder seiner Bestrafung kein rechtliches Hindernis entgegensteht." Dem der neuen Bestimmung zugrunde liegenden Gedanken, so bemerkt hierzu der preußische Justizminister, wird es entsprechen, wenn schon setzt von der Ausübung des Zeuguiszwanges gegen die vorflehend bezeichneten Personen beim vorliegen der angegebenen voraussehungen Abstand genommen wird. Diese Vorschrift wird in Preußen auch für das Difziplinaroerfahren Gellung haben, da die Gesetze vom 7. Mai 18S1 und vom 21. Juli 18S2 entgegenstehende Bestimmungen nicht enthalten und die heran- Ziehung der StPO. zur Ergänzung daher insoweit der ständigen Praxis der Disziplinargerichte entspricht. Für das ehrengericht- liche Verfahren gegen Rechtsanwälte trifft ß(5K der Rechtsanwaltsordnung ausdrückliche Bestimmung im gleichen Sinne: für Reichsbeamte gellen gleichfalls die einschlägigen Bor- schriften der StPO. im Disziplinarverfahren entsprechend. Personen, die sich wegen Derbrechens oder Vergehens in ilntersuchungshast befinden, wird das Recht gegeben, in mündlicher(nicht öffentlicher) Verhandlung vor dem für die Untersuchungshaft zuständigen Richter, die für die Aushebung de« Haftbefehls oder des Haftvollzug» sprechenden Umstände gellend zu machen. Zu der mündlichen Verhandlung ist, wenn der Be- schuldigte nicht vorgeführt wird, oder wenn die Haft zurzeit des Beginnes der mündlichen Verhandlung bereits drei Monate gedauert hat. stets ein Verteidiger zuzuziehen. Der preußifche Justiz- minister bestimmt hierzu, daß die rechtzeitige Vereitstellung der verhandlungsräume für derartige Verhandlungen, die Voraussicht- lich insbesondere während der Uebergangszeit in größerer Zahl zu erwarten sind, sofort Sorge zu trage» ist. Der§ 126 StPO., soweit er sich auf die Haftsristen bezog, wird durch Vorschriften ersetzt, die— ohne Beschränkung aus das vorbereitende Verfahren— eine richterliche Nachprüfung der Voraussetzungen für die Fortdauer der Untersuchungshaft innerhalb gesetzlich vorgeschriebener oder vom Ge- richt zu setzender Fristen sicherzustellen bestimmt sind. Im hast- prüfungsoerfahren wird bis zur Eröffnung des Hauptverfahrens auf Antrag des Beschuldigten gleichfalls auf Grund mündlicher Verhandlung entschieden. Hierzu ordnet der Justizminister an. daß die Staatsanwaltschaft alsbald alle Sachen, in denen die llater- suchungshast bis etwa Mitte Zanuar üb« zwei Monat« gedauert haben wird, zu ermiltetu hat, damit ste rechtzeitig zur richlerlicheu Nachprüfung gestellt werden können. Die Oberstaatsanwalt- schaften haben die pünktliche Durchführung dies« Vorschriften besonders zu überwachen. Der Wegfall der hastfnsten wird voraus- sichtlich zu einer nicht unerheblichen Verminderung der Anträge aus Voruntersuchung führen: hierauf ist bei der GeschästsverteUung Rücksicht zu nehmen. Die Ueberwachung de» mündlichen Verkehrs des Verhafteten mit seinem Verteidiger darf in Zukunft nur durch den Hastrichter persönlich oder durch einen beauftragten oder ersuchten Richter ausgeübt werden. In die Anklage- I ch r i f t ist das Ermittlungsergebnis bei allen Verbrechen und, wenn Voruntersuchung geführt worden ist, auch bei Vergehen aufzunehmen. In allen Fällen, in denen da» Ermittlungsergebni» in die Anklageschrift aufgenommen ist. ist diese dem Angeschuldigten nach der neuen Fassung des Z 201 StPO. mitzuteilen. Die Einlassungsfrist muß auch dem Verteidiger gegen- über gewahrt werden. Die Revision kann in den Sachen, in denen nach g 313 StPO. die Berufung ausgeschlosien ist, auch auf die Verletzung anderer Vorschriften über das Verfahren als der Vorschrift des Z 358 gestützt werden. * Der Reichsjustizministcr hat dem Reichskabmett den Entwurf eine» Reichsstrasvollzugsgesetzes zur Befchlußfasiung zugeleitet. Die neu« Regierung wird sich infolgedessen in einer ihrer ersten Kabinettssitzungen mit diesem wichtigen Gesetzentwurf zu befassen haben._ Gefährliche Experimente. Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft in Bayern. München. 3V. Dezember.(Eigener Drahlbericht.) Die baye- rische Regierung hat dem housbesttz ein„anständiges" Weihnacht?- oeschent gemacht. Sie hat sich seinein fortgesetzte» Drängen ge- fügig gezeigt und eine neue, tiefeinschneidende Lockerung der W o h n u n gsz w a n g s w i r t f ch a ft angeordnet. Sehr wohl scheint ihr bei diesem Erlaß nicht gewesen zu sein, denn sie selbst bezeichnet in einem Nachsatz die Derordmmg als Maßnahme von einschneidender Bedeutung. Sie erklärt die Verordnung zunächst als widerruflich und will sie sofort wieder rückgängig machen, wenn sich eine nichts reundlichc Handhabung zeigen follte. d. h. wenn Masienkündigungen oder Mostenmietsteigerungen auftreten sollten. Die Verordnung sieht u. o. vor, daß die Grenze für die sogenannten hochwertigen Wohnungen nach Ortsklassen geregelt wird. Die Grenze betrögt für die Großstädte München, Nürnberg, Fürth und Ludwigshasen 3000 M., für die Orte der Weriklossc v 000 M. Solche Wohnungen bleiben künftighin von den Bestimmungen über MictpreisregeUmg und Mieterschutz völlig frei. Bei der Vergebung von Wohnungen mit einer Jahresmiete von 2000 bis 3000 M. in München und 360 bis 900 M. in der Ortsklasse K wird künftig die Mitwirkung der ortspolizeilichen Bc- bördsn fortfallen. Für das flache Land und Gemeinden unier 2000 Einwohnern ist, falls die WohnungsmarkUage dies zulaßt, die völlige Aufhebung all« Zwangsverordnungen oerjügt worden. Für gewerblich oder geschäftlich benutzte Räume fallen mit Wir. kung vom 1. Juli 1927 die Bestimmungen über Mieterschutz und Mietpreisbildung gänzlich weg. Es ist lediglich für kleinste Betrieb« eine gewisse Schutzgrenze vorgesehen worden. Religiöser ZwangskurS in de« Schulen. München, 30. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Mit Beo�m des Schuljahres 1927/88 erhalten die bayerischen Volks- schulen eine neue Lehrordnung, die im wesentliche» den Charakter l Eine unbeliebte Die Finanzämter vor dem An der Tatsache, daß Behörden unbeliebt sind, hat sich auch im neuen Deutschland nichts geändert. Die unbeliebte ste Be- Hörde aber ist zweifellos der Steuerfisku». Gegen die Steuer- und Finanzverwaltung des Reiche» wird fest Jahr und Tag von ollen Kreisen der Bevölkerung Sturm gelaufen, als ob sie die überflüssigste Einrichtung wäre, und als ob ihre Beamten nur das eine Ziel»«folgten, der Bevölkerung zu schaden. Da der Steuerdruck, insbesondere bei den unteren und mittleren Schichten des Dolkes, sehr hart ist, so ist e» begreiflich, daß den Steuerbeamten bei der Slusübung ihre» schweren Amtes von den Steuerpflichtigen nicht immer das Verständnis entgegengebracht wird, auf das sie An- fpruch hoben. Um so mehr ab« ist e» die Pflicht all« L«antwort- lichen, die Finanzbeamtenschaft bei ihr« schw«en Aufgabe zu unter- stützen. Statt dessen haben sowohl wirtschaftlich« Organisationen, z. B. der R e i ch s l a n d b u n d, als auch politische Parteien, z. B. die Wirtschaftspartei, den persönlichen Gegensatz zwischen Steuerpflichtigen und Steuerbeamten verschärft. Sie sind an- scheinend vo» der Anschauung geleitet, je weniger Steuer- beamte, je weniger Steuern. Uahaltbore Zuftänöe bei öen Iiöanzämtera. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall. Da» mangelnde ver- jtändms und die Abneigung gegen die Finanzoerwattung haben mit dazu beigetragen, daß in den Finanzämtern ganz un- haltbare Zustände«ingetreten sind, die gleichermaßen den Steuerfiskus als auch den Steuerzahler schädigen. Ohne Rück- ficht aus die dauernd gestiegenen Aufgaben der Finanzo«wallung ist der Beamtneapparat künsllich klein gehalten worden, ohne daß gleichzeitig eine Verminderung der Arbeitslast herbeigeführt worden wäre. Zwar verlangt seit Jahren die gesamte Oefsenllichkeit die Ver- cinsachung der Steueregesetzgebung und d« Stenerverwaltung. Als die neuen Steuergesetze der Luther. Schlieben-Re« g i e r u n g vargelegt wurden, erhoffte man ste von ihnen. Aber diese Hoffnung wurde bitter enttäuscht. Die Derelnfachung ist nicht eingetreten. Die praktische Durchführung der Gesetze hat vielmehr eine ungeheure(slul von v«ordnungea. Erlassen und Anweisungen gezeitigt, durch die sich der Steuerzahler überhaupt nicht, der Steu«- beamte nur selten und mit großen Schwierigkeiten hindurchfindet. Da außerdem im Jahre 1926 diese neuen Steuergesetze zum ersten Male durchzuführen waren, und infolgedessen sowohl die Deran- lagung zur Einkommen- und Körperschaftssteu« als auch zur Ver- mögens- und Erbschaftssteuer mit der gleichzeitigen Neub«w«tung oller Vermögenswerte zeitlich zusammenfiel, so ist es völlig begreiflich. daß der nur für normale Zwecke ausreichende Finonzapparat dieser gewaltigen Aufgabe in keiner Weise gewachsen ist. Es war eine verdienstvolle Arbeit, die Oeffentlichkest auf die Gefahr de» Versagen« des Steuerapporate» ausmerk- sam zu machen, wie das im Frühjahr 1926 durch die.Steuer- warte", das Organ des Bundes Deutscher Relchssteuerbeamten, geschehen ist. Wenn sich auch dadurch an de» tatsächlichen V«- hältnissen nicht viel geändert hat, so ist es doch möglich, daß d« erneute Notschrei dieses Blattes mehr Gehör findet. Unter bei Ueberschrift:.Wer will noch weiter die Derantwortung tragen? Ein Mahnruf vor dem völligen Zusammenbruch d« Finanzämter" bringt die �.Steuerwarte" Berichte aus den Finanzämtern des Reiches zum Abdruck. Sie enthüllen ein erschreckendes Bild von der augenblickliche» Desorganisation In d« Finanzverwaltung. In allen Dienstzweigen, bei fast allen Finanzämtern sind trotz erheblich v«- iängert« Arbeitszeit Berge von Rückständen vorbanden. Die laufenden Beranlagungen für die verschiedenen Sreuerarten müssen mehr als durchgepeitscht werden. Die Folge sind Tcmsead« und ab« Trnijevde von Verufungen und vefchwerden der Steuer- psiichiigcn wegen dieser Ramscharbeit. Die unter dem Zwang der Verhältnisse sehr oberflächlichen Beranlagungen müssen daher zum großen Teil nochmals überprüft werden. Buchprüfungen, Lohn- steuerkontrollen, Steueraußendienst liegt im Argen, hunderte von Slundungsgesuchen berechtigter und unberechtigt« Art liege» unerledigt bei den einzelnen Finonzäml«». Das Publikum schimpft inzwischen in Wort und Schrift über die faulen Beamten. In- zwischen aber sind bereits neue Veranlagungen fällig, die zu nahen Terminen erledigt sein sollen. Die Durchführung der Einheit»- bewertung ist besonders durch die Sabotage der Landbünd« z» einer riesigen Belastung der Finanzämter geworden. Auch bei den Ftaanz- kassen Hausen sich die Rückstände zu V«gen. Die Kontrolle wird er- schwort, Unregelmäßigkeiten werden erleichtert. Ungezählte Boll- streckungsaufträge liegen unerledigt, die Außenstände steigen mehr des klerikal beherrschten bayerischen Kultusminisl«iums trägt. Als Erziehungsziel wird hingestellt.die im inneren Gleichklang entwickelte Persönlichkeit, die religiös und sittlich, deutsch und sozial empfindet, denkt und handelt". Der größte Wert wird dabei, wie aus Einzelheiten der Neuordnung hervorgeht, auf die Begriffe religiös, sittlich und deutsch gelegt, während die soziale Ein- stellung im Hintergrund verschwindet. die türkische Arbeiterbewegung. Tchwicrige Anfänge.— Unterdrückung durch die Regierung. Aus K o nsta n t i n o p«l wird uns geschrieben: Da in einem wirtschaftlich und kulturell zurückgebliebenen Lande wie der Türkei alle Boraussetzungen für die Geburt einer Arbeiterbewegung im westeuropäischen Sinn« fehlten, war bisher alles, was auf diesem Boden aufschoß, ein mehr od« minder künstliches Gewächs. Zuerst regte es sich, als mit der jungtürkischen Revolution von 1908 ein wenig frei«« Luft wehte. Damals«schien tn Konstantinopel unter dem Namen.I s ch t t r o k" ein Oppositionsblatt, das sich gern sozialistisch gab, ohne es zu sein; nach zwei Monaten wurde es unterdrückt, und in dem bis 1918 mährenden Abschnitt innerer und äußerer Kriege(Albaner- und Araberausstänbe, Krieg mit Italien. Balkankriege. Weltkrieg) war jeder Widerspnich gegen das herrschende Regime stumm gemacht. Kennzeichnend genug, kam auch nach Ablauf dieser Periode der Anstoß zur Sammlung der Arbeiterschaft von außen. Schon 1917 gerieten in Ruhland türtische Kriegsgefangene, die die Oktoberrevolutwn aus ihren Lagern befreit hatte, unter den Einfluß der bolschewikischen Ideologie. Ein angesehener Politiker und aus- gesprochen« Otegn« der Jungtürken, M u st a s a S u b h», unternahm die Gründung einer komm» nistischen Partei und begab sich zu diesem Ende nach Aserbeidschan, wo bald das Wochen- blatt.Je»i Dunja"(Reue Welt! und die Jugendzeitschrift„Gentsch- ler"(Die Jungen) erschienen. Als die Anhäng« Mustafa Subhis Reichsbehöröe. völligen Zusammenbruch? und mehr. Dazu konunen alle möglichen und unmöglichen Sonder- austräg«, Statistiken und Erhebungen, deren Durchführung Tage und Wochen in Anspruch nimmt. die Zolgen. Das solche Zustände die Grundsätze unserer Steuergesetzgebung gefährden und schwere Folgen für dos Finanzgefüge von Reich, Ländern und Gemeinden heraufbeschworen, ist ahne weit«es klar. Zutreffend sagt der Bericht aus Hamburg über die Folgen: 1. große Steuerausfälle fürs Reich, die um so größer werden, je läng« dieser Zustand andauert, 2. viel« Reibereien und Unzuträglichkeften nnt den Steuerpflichtigen und 3. unausbleibliches und vorzeitiges Abnutzen der Arbeitskräfte. Der Bericht aus Berlin stellt außerdem fest, daß die Anzahl der willigen Steuer- zahler immer geringer wird und die Zahl der Dollstreckungsauftrage dauernd steigt. Der Bericht aus Magdeburg unterstreicht mehr- fach den Schaden, der durch die nicht sachgemäß« Arbeit vor ollem den ehrlichen Steuerzahl«» zugefügt wird..Daß diese« System den ehrlichen Steuerzahler am schwersten trifft, liegt klar zutage. der Drückeberg« wird hierbei stets gut abschneiden." Die Zorderungen der Veamten- Diese Zustände müssen also schleunigst ge- ändert werden. Wie ab« kann dos geschehen? Die Finanz- beomtenschaft fordert, daß angesichts der gewaltigen lieber- lastung der Finanzämter an einen wetteren Abbau des Beamten- körpers nicht gedacht werden könne, man müsse melmehr die bereits abgebauten rund 6000 Planst ellen wieder zurückgeben. Durch die jetzige Arbeitsüberlastung werde die Gesundheit und die Arbeitskraft der Beamten geradezu vernichtet. D« Berechtigung dieser Forderung wird man sich kaum entziehen können, zumal der Staat ein eben so große» Interesse an der Erhaltung der Arbeits- traft seiner Beamten hat wie der Beamte selbst. Daher ist es über- aus bedauerlich, daß den schönen Worten des Reichsfinanzministers Dr. R« i n h o l d auf der Münchener Tagung d« Reichssteuer- beamten keine entsprechenden Taten gefolgt sind. Herr Dr. Rcinhold hat damals den Eteu«beamten Schlitz vor den unmotivierten per- sönlichen Angriffen versprochen, ohne daß inzwischen irgend etwas gegen diejenigen Organisationen und Parteien geschehen wäre, die dau«nd die Beziehung d« Steuerpflichtigen zu den Steuerbeamten verschärfen. verelnfachang von Gefetzgeboag unö Venvaltung. Entscheidend aber ist und bleibt die Vereinfachung der Steuergesetzgebung und der Steuerverwaltung. Auf dem letzteren Gebiet könnte zweifellos viel mehr geschehen, wen» man sich nur von den bureaukratischen Ueberlieferungen im stärkeren Maß« frei machen wollte. Die Vereinfachung der Gesetzgebung ist zwar ein Progrommpunkt aller Parteien, in der Praxis aber erweisen sich die theoretischen Anhänger der Ler- etnfachung al» ihre schärf ften Gegner. Denn nicht die Vereinfachung der Steu«gesetzgebung ist das wahre Ziel ihrer Sehnsucht, sondern die Ermäßigung ihrer Steuerlast. Wenn st« diese zu erreichen hoffen, nehmen sie selbst die größte Erschwerung de? Steuerapparotes ft, Kauf, So j. B. schreit das ganze Bürgertum.� noch der Gewährung de« Zuschlagsrechtes zur Einkommen- und Körperschaftssteu« an Länder und Gemeinden, obwohl dadurch der Steuerapparat ungeheuer kompliziert würde. Man kann sogar annehmen, daß d« Steuevapparot w seiner jetzigen Berfassuna in kurzer Zeit oöllig zusammenbricht, wenn man ihm diese Aufgabe übertragen wollte. Bei den Etatberatungen im Reichstag wird man den Reichs- sinanzminister fragen müssen, was er zur Abwendung der Gefahr de» Bersagen» de» Steuerapparate» zu tun gedenkt. Es handelt sich hier keineswegs nur um die Frage der Arbeiteentlastung der Be- amten der Finonzverwaltung. Für uns steht lm Vordergrund die Erwägnng, daß ohne einen ordnungsgemäß arbeilenden Skeuerapparot keine befriedigende Durchführung der Sieu«gesehe zu erwarten ist. daß eine sozialere vcricilung der Sleuerlost erschwert, die Steuermogelei und die Steuerunwllllgkelt begünstigt wird. Gerade die Arbeiterklasse aber hat dos dringendste Interesse daran, daß ihr Kampf für ein« auoreichcnde Belastung des Besitzes und für eine Entlastung des Arbeitseinkonimens und des Verbrauchs nicht auch noch durch dos Versagen dcs Steuerapporate« erschwert wird. aus Einladung Äemal-Paschos nach Angara kamen, ging es ihnen zum Teil schlecht: aber aus der anderen Seite war durch Abwände- rung intelligenter und sozial regsamer Elemente aus Konstantinopel in Angara der Boden immerhin«was berettet, und alsbald riefen in der neuen Hauptstadt d« neuen Türkei der frühere Gouverneur hazim und der Tierarzt hadschioglu«ine kommunistisch« Partei ins Loben, die zwanzig Abgeordnet« in die Große National- Versammlung brachte. Ihr Zentralargan.E m e k"(Arbeit) wurde zwar nach drei, vier Rununern verboten, aber Kemal-Pascha faßte die Kommunisten ziemlich sanft an, solange er der Rückendeckung durch Sowjetruhland bedurfte. Auch aus Deutschland kam ein Anstoß zu einer proleta- rischen Bewegung in der Türkei, denn die rund 1000 Arbeiter, die während des Krieges von der Konstanlinopeler Regierung in deutsche Munitionsfabriken und Speziolwerkstätten geschickt worden waren, wurden im November 1918 revolutionär„angesteckt". I n Berlin schlössen sie sich zu einer Partei zusammen, die, etwa auf dem Boden der früheren deutschen Unabhängigen stehend, ein Blatt.„K u r t u- l u s ch"(Befreiung), herausgab. Bei ihrer Rückkehr in die Heimat brachten diese Arbetter den sozialistischen Gedanken mit. In Kon- stantinopel, da» wenigstens die Umrisse eines Proletariats nach abendländischen Begrissen aufweist, gab Dr. S ch e s i k h s u s n« von September 1919 bis März 1920 sechs N»mm«n von der„Kur- tulufch" heraus. Auch als das Blatt auf Weisung der brt» tischen und der sronzäslschen Besatzungstruppen eingestellt werde» mußte, gelang es dem gleichen Kreise aber- mal», ein Wochenblatt.„Aidanluk". erscheinen zu lassen. das sich ausdrücklich als„Organ der Arbeiterklasse' bezeichnete:.zeit- weilig hotte es eine Auflage von 2000 Exemplaren, die auch nach Smyrno, Angara und Adrianopel gingen. Da d« Bor- such, während des Konstantinopel« Setzerstreiks Im Oktober 1923 als Ersatz für die übrig« Presse eine sozialistische Tageszeitung herauszubringen, eingeschlagen hatte, strebte Dr. Schefik hjusnl die Gründung eines regelmäßigen Togblattes an. ober all blesen Planen und Entwürfen machte das während des Kiirdenaiifstande? erlassene Ausnahmegesetz vom 5. März 1925 ein Ende, das den Macht- habern gestattete, die' Ansätze«in« Arbeiterbewegung und Arbe'te-- presse mit Stumpf und Stil auszurotten. Der Mbeitsmartt 1�26. Die langfristige Erwerbslosigkeit. ..c schwer« Wirtschaftskrise, die im fterdst 1925 ausbrach, und �ic ihr folgende Arbeitslosigkeit haben ein neues Problem entstehen lassen, dos die deutsche Arbeiterschaft in dieser Hörte bisher noch nicht kennen gelernt hat. Es handelt sich um das Problem der long- friftigcn Erwerbslosigkeit. Leider liegen die statistischen Aufzeichnungen erst bis 15. November vor, aber das Bild, das sie entrollen, ist ein überaus traurige?, lieber die llnterftützungsdauer der erwrrblofen Honviuntersttihungsempsanger gibt folgende Darstellung Ausichlnfr> ubrr 13 UocMi» in% dar HmptunirslOtii* hj i, m»' ti m•%•••• ,,,«• 31•••»•• «9% der najfMsnWiufiqtmafprtqtr Diese graphische Darstellung zeigt deutlich, dah trotz des Rück- ganges der Gesamtermerbswsigkeit die Zahl der langfristig Erwerbs- losen immer noch zunimmt. Der volle Umfang dieser Zunahm« wird freilich verdeckt. Wer von den rund KZ 000 Erwerbslosen. die am IS. September länger al» 39 Wochen Unterstützung bezogen, bis zum 15. Dezember keine neue Arbeit gefunden hatte, ist beute a u? g e st e u e r t und der Krisensürsorge überlassen. Wenn nun von dein Reichsarbeitsministerium behauptet wird, inner. halb der Zahl der Erwerbslosen fände eine lebhaft« Fluktuation statt, die dazu führe, daß die Zahl der langfristig Erwerbslosen perhältnismätzig gering sei, so wird damit der Ernst des Problems unterschätzt- Unsere Zahlen zeigen, daß von den Erwerbslosen, die am IS. November noch Unterstützung bezogen, zwei Fünftel über ein halbes Jahr, ein Sechstel länger als drei» viertel Jahre ohne Arbelt waren. Dabei smell die Zahl derer, die durch Mahnahme» der öffentlichen Hand Arbeit erhallen, eine außerordentlich grohe Rolle. Wie groß wirklich die Zahl der Arbeiter ist, die durch die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsregie- mne beschäftigt werden, ist nicht bekannt und kann der Natur der Sache nach nicht bekannt sein. Sicher ist, daß die für den W o h- nungsbau ergriffenen Maßnahmen von Reich, Ländern und(tze- meinden für die Bauarbeiter eine fühlbare Entlastung geschai- fen hoben Dagegen steht fest, daß die große Siedlungsaktion bisher praktisch negativ geblieben ist. Die Gelder, die man der Reichsbahn gegeben hat— über 100 Millionen M.—, sind zu einem 7eil der Verkehrskreditbank zugeflossen und dürsten aus dem Umwege über die verkehrskreditbank auch die Börse miternährt haben. Denn die außerordenllich günstige Finanzlage der Reichsbahn hätte es ihr ermöglicht, für die unter- nommenen Bauten Eigenmittel heranzu.ziehen. Wenige Millionen Mark zum Zwecke der Zinsverbilligung hätten das gleiche getan wie der viel größere Betrag, der dazu diente, den ubermäßigen Kaflenbestand der Reichsbahn unnörigerrvetse anschwellen zu lassei-. Bei den Sonalbaute« sind sicherlich nur wenige tausend Ar- bellnehmer neu beschäftigt worden, und für den Landstraßen. bau ist bisher Großzügiges von keiner Stelle getan worden, so notwendig das auch wäre. Am schlimmsten sieht es freilich bei den kommunalen Notstandsarbeiten aus Die schwierige Finanzlage der deutschen Stadt« und wohl auch buveaukratischer Schematismus bei der Derwaltunq der Mittel der produktiven Er- werbslofenfürforg« haben dazu geführt, daß die Zahl der Not» siandsarbeiter, die Mitte Mai 170 000 betrug, nicht auf 500 000 gestiegen ist, wie es der Reichstag gefordert hat. sondern um fast 25 Proz. auf weniger als 130000 zurückging. Zwar hat der R e i ch s w i r t s ch a f t s m i n i st? r im Juli feierlich versprochen, daß die Zahl der Notstandsorbeiter vom 15. Mai wieder erreicht und wesentlich überschritten werden solle. Er hat aber sein versprechen bi» heul, nicht elngelSst. So hat der Arbeitsmarll im Lause des Jahres 1320«in immer unerfreulicheres Aussehen bekommen. Die Zahl der Arbeitslesen ist zwar zurückgegangen, aber die langfristige Erwerbslosigkeit ist ständig gewachsen. Die Mittel, die man gegen diese langfristige Erwerbslosigkeit zur Amvendung bringen wollte, sind teil» überhaupt nicht, teil» unzweckmäßig verwandt worden. Am End« de» Jahre» hat schließlich der»rbeitsmarkt jene un» sinnige Gestaltung angenommen, daß zahlreiche Arbeiter in einem unerhörten Maße Neberstunden leisten, die tinen Raubbau an ihrer Ardettskraft bedeuten— es sind Fälle be» könnt geworden, in denen über 30 Stunden die Woche gearbeitet wurde, und 70 Sttmden sind in der Textilindustrie kann, noch be- sonders selten— während Hunderttausend« länger ol« Jahr außer Arbeit sind m-d in der Not der Erwerbs« losigkeit körperliche und geistige Spannkraft einbüßen. Aul den.Ge- bieten der Arbeitsbeschaffung und der Arbeitszeit grundlegenden Wandel zu schaffen, ergibt sich damit al» wichtigste arbeitsmarktpoli« tische Aufgabe für das neu« Jahr. Der Schiedsspruch im Sraunkohlenbergbau für verbindlich erklärt. IvTS. meldet: lieber die Regelung der Arbeitszeit im mittel- deutsche» vrauakohlenbergdou ist. wie gemeldet, am 23. Dezember d. 3. Im Reichsarbeiismlaisterluw ein Schiedsspruch gefällt worden, der gewisse Erleichterungen in der Arbeitszeit vorsieht. Außerdem Hot der Schlichkungsausschuh vorgeschlagen, ei« llulersmhuogstommission zur Prüfung der Möglichkeit einer weil« reu Verkürzung der Arbeit». zeit einzusehen. Der Reichsarbeitsminister hat nunmehr den Schied». sprach für verbindlich erklärt und die Parteien zv Einigungsverhaud- langen über die Auswahl der lMlgileder der Untersuchuugskommlsiion «ms den tk>. 5 an vor 1927 In da? Reichsarbeitswinlsteriuw eingeladen. 50?ahre Deutscher verkehrsbunü. Vi» zweifaches Jubiläum. Am 1. Januar 1927 vollenden sich 30 Jahre des Bestehens des Deutschen Bertehrsbundes. Im Vergleich zu manch anderen im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund vereinigt e» Brudervrganisattoneu ist der Deutsche Berkehrsbund verhällntemäßig jungen Datum». Eine Erklärung hierfür liefert die besondere Beschaffenheit feine« Organisattonsgediete». E« gibt kein« andere Organisation in der deutsche» Gewerkschaftsbewegung, die au« so vielen kleinen Berufsgruppen und Branchen zur einbertlichev G«. Werks chast emporwuchs. Der am L Januar 1897 ins Leben getretene �Zentroloerband der Handels«, Transport- und verkehrsarbeller und Arbellerinnen Deutschlands� konnte bei der Entfaltung seiner agitatorischen Tätigkell nicht an zünftlerischeu Traditionen anknüpfen. Großbetrieb», wo die Berufskollegen in größerer Zahl beschäftigt und somll leichter dem Organisationsgedanken zu gewinnen gewesen wären, gab e? nur sehr wenige. Zudem handelt« e» sich bei der Arbellerschicht, die nunmehr in die Gewerkschaftsbewegung eingereiht werden sollte, um die Parias unter den Arbeitern, die.ungelernten' Handels- und Trans- portarbeiter. die zur damaligen Zeit wohl der schlimmsten Au». beutung unterworfen waren. Da» sind nur einige, wenn schließlich auch die hauptsächlichst« unter den vielen Hemmnissen, die sich der Ausbreitung der jung« Organisation in den Weg stellten. Ader die gestellte Aufgabe wurde gelöst. Ueberraschend entwickelte sich die Organisation aus den kleinsten Anfängen heraus sehr bald zu einem stark« Machtfaktor. Verfolgt man die wichtigsten Entwickiungsetappen, so ergibt sich ei» Wachsen der Mitgliederzahl von 2759 am Echlusie de« Jahres 18»? auf 152 352 im Jahre 1910, dem Jahre de» Zufammmschlusies mit den Verbänden der Hafenarbeiter und Seeleute. Li» zum Ausbruch des Krieges stieg die Mitgliederzahl auf 229<27, mll> heut« ist diese Zahl auf rund ZOO 000 angewachsen. Längst sind die engen Grenzen de? Tätigkeitsfeldes, die ihm bei seiner Gründung gezogen waren, überschritte», und heute umfaßt der Deutsche Berkehrsbund nicht nur das gesamte private Handels-, Transport« und Berkehr»- geroerbe, sondern auch das gesamte Berkehrsgewerbe mit der einzigen Ausnahm« der Reichseisenbahn. Wenn es richtig ist, daß Gewerkschaftsarbeit gleichbedeutend mll Kullu rarbell ist— und es i st richtig—, dann darf der Deutsche Berkehrsbund an sein«! 30. Geburtstag« mit besonderer Genugtuung zurückschauen auf die Erziehungsarbeit, die er gs< leistet, und auf die praktischen Erfolge, die er für seine Mllglieder errungen hat. Di« völlig verändert« Lage der Handels-, Iransport- und Berkehrsarbellerschast von heut«, in Parallel« gestellt mit den Berhältnisien zur Zeit der Organisation?. griindung. ist in Wahrhell die Eroberung eine» wertvollen Stücke» sozialer Kultur durch die Orgawsation. Glelchzeittg mit der Organisation blickt der Genosse Oswald Schumann auf eine dreißigjährige ununterbrochene Tätigkeit ol» ihr erster Vorsitzender zurück. Die bisherige Geschichte des Deutschen Bertehrsbundes ist untrennbar mll dem Namen Oswald Schumann verbunden. An dem, was die Organisation ist und was sie leistete, hat er ein« stark« persönlich« Anteil. Zusammen mll dem im Jahre 1323 verstorben« Han» Dreher gab Schu- mann den Anstoß zur Einberufung des Berufskongresie» in Alten- buvg. der während der Weihnachtstoge 1890 zusammentrat und den „Zentral verband der Handels-, Transport, und Derkehrsorbcller imd Arbellerinn« Deutschland»', den Borläufer de? heutig« Deut- schen Berkehrsbundes. aus der Taufe hob. Seme Führereigenschast« Hab« ihm seither das Vertrauen der Lerbandsnutglieder in einem Maße erworben, daß er auf ollen Lerbandstogen immer wieder als erster Borsttzender an die Spitze de» Derdandes beruf« wurde. Seit 1912 gehört Genosse Schumann auch dem Reichstage an. wo er für die Partei und die Arbeiterschaft wertvolle Dienste leistet. Da» in dieser Art in der Arbellerbewegung wohl selt«e Ereignis eines Doppeljubiläum» gibt un» Leranlasiung, beiden Jubilar« im Interesse der Gesamtarbeiterbewegung Glück«ud Erfolg für ihr weitere» Wirk« zu wünsch« die hochbahn-Setriebsrätewahlen. Gin freigerverkschaftlicher Erfolg. Bei den gestrigen Bei rieb« rätewahlen bei der Hochbahn entfielen auf die List« 1 de, freigewerkschastsichen v« r ke h r» p« rs o na l» 1215 Stimm« lgegen«7 bei der vorhergehenden Wahl) und auf die Liste 2 de» technischen Personal, 2517 Stimm«(gegen ANS bei der letz»« Wahl). Die SP« 3 der ThrssMch«(Gaoerkfchast deutscher Eisenbahner) erhielt 875 Stimme»(vorher 820 Stimmen). Ungültig waren 73 Stimmen. Von den Mandaten entfallen vovausstchtlich aus List« 1 vier Betriebsräte und«in Arbeiterrat, auf Lift« 2 elf Betriebsräte und auf List« 3 drei Betriebsräte und«in Arbeiterrat. Seim postminifter Stingl. Ei« Empfang der gelbe» verbände. Im Mo, dieses Jahres berief der Reichspostminister Stingl die Vertreter der Winschastsverbände(lies: Arbeitgeber- verbände) zu einer postwirtschafttichen Tagung, um mit ihnen die verschiedenen Fragen de? Post-, Telegraphen- und Fernsprecb- wejens zu besprechen. �Reichlich spät ist dem Minister dann eingefallen. daß zur Wirtschaft ja nicht nur die Unternehmer, Ivndeni auch die Organisationen der Arbeiter. Ange stell- ten und Beamten gehören. Er ließ deshalb endlich Ende November Einladung an„einige Arbeitnehmer- verbände' ergehen, darunter auch an die gewerksch-rftlichen Spitzenocrbönde, um am 13. und 14. Dezember vor den Vertretern der Gewerkschaften und gleichzellig auch der gelben„wirt- schoftsfriedlichen' Wer ko ereine, wie auch der evon- ge tischen und katholischen Arbeitervereine die Wirtjchastspvlitik der Reichspo st Verwaltung.zu behandeln. Die(öewerkschaslcn aller Richtungen lehnten aber entschieden ab, in Gemeinschaft mll dieser au» Mitteln der Unternehmer ausgehalte- nen gelb« Gilde Vorträge von einem„republikanischen" Minister «lgeg«zunehme», und sie haben ihren ablehnenden Standpunkt dem Minister schriftlich unterbreitet. Sie konnten es allerding? nicht verhindern, daß der Herr Reichspo st mini st er in Gemeinschaft mit sechs Staatssekretären und Ministerialdirektoren vor dem er- wuchten Kreise von vier Vertretern der Gelben an zwei aufeinander folgenden Tagen Vorträge hielten über Wirtschaftspolitik. Finanz-, Verkehrs- und Tarif- ftagen der Reichspost. Wenngleich in den Kreisen der Gelten eine größere Sympathie für die Fridericus-Rex-Briefmarke bestehen mag, so dürste doch diese Gelbenkvnserenz selbst den Herrn Minister nicht vollauf befriedigt haben. Da nun aber solche Lonferen.zen fortgesetzt und zu einer st ä n- digen Einrichtung werden sollen, müssen die Gewerk- schaste« erwarten, daß die Hinzuziehung der Gelben nur ein« Episode bleiben wird. Sie wäre sicherlich vermieden worden, wenn dem Herrn Minister die Weimarer V e r s a s s u n g des Deutschen Reiches etwas geläufiger»nd ihm die Gewerk- schaitsbewegung in Deutschland weniger fremd märe. Ueber die Frage, welche Vereinigungen als wirtschaftliche Organisationen der Arbeiter. Angestellten und Beamten im Sinne der Reichsverfassung und der bestehenden Gesetze und Verordnungen anzusehen sind, wird daher dem Reichspostminister zweckmäßig in einer der nächsten Sitzungen de? Verwaltnngsrotes der Reichspost entsprechende Aiiflläning zuteil Weder die Unternehmerverbönde noch die Regierung haben die Gelben al» wirtschaftliche Vereinigungen anerkannt, und auch Herrn Stingl wird es nicht gelingen, die von einigen Sozial- reaktionären geforderte Anerkennung der Bereinigiii, gen ihrer Gunst- lingc durchzusetzen._ Haus Neuerburg nicht für Staftlftclni. Wir hatten eine vom Sozialdemokratischen Pressedienst»er- breitete Notiz veröffentlicht, in der u. o. mitgeteilt war. daß die bekannte Firma„Haus Neuerburg' den„Stahlhelm' subventioniere. Die Firma teilt uns in einer Zuichrist mit. „Diese Nachricht ist in vollem Umiangc unwahr und entspricht in keiner Beziehung den Tatsachen. Es liegt un? daran, daß dieses vermutlich oon einer unlauteren Konkurrenz ausgestreute Gerücht keine Derbreiwng findet und überall dementiert wird, wo es er-' schienen ist.'__ Tarifkündigung im Tra nsporkgewerbc. Di« Arbeitnehmerorganisationen de? rheinisch- westfälischen Tronsportgewerbe» haben beschlossen, zum l. Januar 1327 den sei« dem l. Juni 1320 gellenden Lohn- tarif zu kündigen. Das Verlangen der Arbeitnehmer, diesen Tarif zu kündigen, ist sehr begreiflich, da der Lohnlarif für eine ttzstündige Wochenarbeitszeit nur einen Spitzenlohn von 34 Mark vorsieht. Di« Organisationen haben sich vorbehalten, den Arbeftgebern noch nähere Forderungen zu unterbreiten. Ter Lohnschiedsspruch der Kaliindustri« verbindlich. Do» lReichsarbellsministerüim hat den Lohnschiedsspruch der Koliindustri« vom 14. September l3A!, der eine Erhöhung der Lohn« um 3.5 Proz. vorsieht und dessen Lavfftist mll dem 28. Februar 1327 beginnt, für verbindlich erklärt. Ausaehobene Sperre Die Differenzen zwischen dem Inhaber des Restaurants„G r o ß- B e rl i n', Inhaber Karl Keller. Alexanderplatz, und dem Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und EaseangesteMen ist beigelegt. Herr Keller erkennt den Berliner Tarifvertrag für sich als verbindlich an und verpflichtet sich, in Zukunft den städtischen Arbeitsnachmei», Fochabteilung für das Gastwirtsgewerd«, zu benutzen. Der Riederländifcke Gcwerkschaftsbund zählte am 1. Oktober 190 849 Mitglieder, wa« einer Zunahme um 4437 Mitglieder in den eisten neun Monaien de« JahreS 1920 gleichkommt. Tptit SonlfdMftataftcah. 9nppt»riwvr»i>«wi Stiwti» lche» Iuaeudbelm L»ir»b>i>wr ikckr Strafe. Dir tasten»rm neuen Seht entaefltn.—»r»,»««eddina I:©TOOpenheirn Stadldad Sttabiuna. Se. richtstra�e«'SP, Wir lind auf itadet.— Di« ande.cn®uuj*n dereiliaea lud an der Zabresw endfrier de» Ardeltev-Nultur-Kariells. Berant« ertlich für«alttik:»r.€axt«ean;»irtfchatz-<*■»««««ftöf et; chewertschaflsdeireguna: 3- Stelaer!* S. Tisch«! Lotale» und(sonfllges: Sri»«arftidt: Anzeigen: Tt». Sta. . übergibt man nur dem Nachweis de» 1 II f II II lir II 111) Deutsch. Muliterverbande». Berlin 027. Iii Uli III II III IIIEr«nd.eaSftr.2I iSÖnigltabUSlO,«US). VlIUllKUwIll-IIIIV Geschäftszeit SbiSS. Sonntags lvbi« 2 Udr. Aul Wunsch Bertriierbewih oW\- die auff reiche- mildfeine die aurireicne- miiaiei Oadem -Göareäe in Kästchen aus Dapanholz und auch in KAM- Packung. 3ie kostet in allen Ibbakläden 6 Pf das Stück Nr. 616 ♦ 4Z. Jahrgang 1. Seilage ües vorwärts Ireitag, Zl.dezemberiy26 Der letzte weg eines Kämpfers. Die Ueberführung des Genossen Znbeil in das Krematorium Gerichtftratze. Unablässig strömte der Regen hernieder, al» sich gestern schon kurz nach 4 Uhr die ersten Freund« vor dem Urban-Krankenhaus emsanden. Aus S Uhr war die Ueberführung der irdischen Reste des Genossen Fritz Z u b« i l nach dem Krematorium Gortchtstrabe ange- setzt, und schon gegen Uhr standen Tausende wie eine Mauer. Immer neue Scharen rückten an: die Abteilungen der So- zialdemokratischen Partei, die roten Fahnen ausrecht im Wind, die Kameradschasten des Reichsbanners mit um- starten schwarzrotgoldenen Bannern und viel«, viele Freunde und Bekannte unseres Totea In der großen Halle war der verstorbene ausgebohrt. Zu beiden Seiten der Stufen hielten die roten Banner Ehrenwacht. Für diese Symbol» unserer Ueberz'eugung, die zugleich die Hoffnung der Menschheit ist, hatte Aubeil in selbstloser Aufopferung gestritten, solange noch ein Atemzug in ihm war. An den Fahnen vorbei, strömten sie unablässig in feierlicher Stille herein. Alte und Junge. Männer und Frauen, um noch einen Bt'ck aus den Tote» zu werfen, der so still im geöffneten Sarge lag. Viele Kränz« der Liebe, de» Danke» und der Verehrung: Sie olle zollten dem verschiedenen Kämpfer den schuldigen Tribut: die Familie, die Partei und die Bezirkskörperschosten von Kreuzberg, wo Fritz Zubeil außer seinem Siodtverorduetenmandat da» Amt«ine» unbesoldeten Stadtrats irnehclte. Kurz nach 5 Uhr ist die Umgebung des Krankenhauses schwarz von Menschen! viele Zehntausende Jind erschienen Als der Savg die Stufen hinuntergetragen wird, senken sich die Fahnen zum letzten Gruß, entblößen sich die Häupter zum endgültigen Abschied. Ehrfurchtsvolle» Schweigen ruht für Minuien 7Hs der Menge. Die Trommelwirbel des Reichsbanners ehren den sozialen Republikaner, unzählige Fackeln entzünden sich, unter den Klängen de» Lieds vom braven Kameraden setzt sich der gewaltige Trauerzug tn Bewegung. Parteigenossen und Reichsbannerkameraden begleiten den Sargwagen, den ein Kranz lohender Fackeln umgibt. Hinter dem Sarge marschieren die Mitglieder des Bezirksvorstandes Berlin der Partei, ihr folgt die Kreisleitung des Bezirks Kreuzberg und des Reichsbanners Echwarz-Rot-Gold, dem Zubell als tätiges Mitglied angehörte, die Anverwandten folgten und dann tn endlosem Zuge Reichsbannermitglieder und Parteiangehörige. Im Zuge marschieren Postbeamte und Beamte der städtischen Werk« in Uniiorin, deren sich der Verstorben« in seiner parlamentarischen Tätigkeit stets ganz besonders angenommen hat: auch die Gastwirt« haben eine Deputation entsandt. An den Seiten des Fahrdamms stehen Arbeiter und Bürger in dichten Massen, die den Kondukt ehr- furchtsyoll grüßen. Man liest auch auf den Gesichtern von vielen Leuten, an denen der lange Zug vorbeimarfchfert. den Ausdruck des Erstaunens und der Bewunderung vor dem Opfermut und der Disziplin unserer Parteigenossen. Viele Zuschauer, die bisher der Sozialdemokratie fremd oder gar ablehnend gegenüberstanden, werden sich gesagt haben, daß keine andere Partei einen solchen Zug bei einem derartigen Wetter zu einem sast zweistündigem Marsch hätte veranstalten können. Am Opernhaus eilt eine Gruppe Bau- arbeiter herzu, um dem toten Genossen einen letzten Gruß zu bieten. — Weiter geht d«r Zug zum Krematorium im Norden Berlins. In der Gerichtstroße stehen seit Stunden in langen Spalieren Partei- und Reichsbannersreunde. AI» der Zug sichtbar wird, kommt in die unübersehbaren Reihen Bewegung. Entblößten Haupte» lassen sie den Trauerzug pafsieren. Da» Reichsbanner bildet auf dem Friedhof Spalier. Mann neben Mann stehen sie, ehren den Toten, der von seinen näheren Freunden unter Trommelwirbel zur Halle getragen wird, Hunderte von Fahnen ziehen noch einmal an dem Sarg vorbei. Genosse Künstler mmmt in schlichten Worten Ab- schied von Fritz Zubeil: In einem imposanten Trauerzuge hat die Berliner Arbeiterschaft zum Ausdruck gebracht, wie unser alter Zubeil verchrt wird. Die Sympathien der Berliner Arbeiterfchaft sind dem Toten zuteil geworden für seinen aufopfernden Komps für die arbeitende Bevölkerung, die tr«u und fest zu ihren Führern steht. Wir haben die Gewißheit, daß jeder von uns das rote Banner, dos der Hand dieses treuen Kämpfers entfallen ist, ergreifen wird, um es im weiteren Kampfe ooranzutragen- Zweierlei Naß. Berliner Justiz am Jahresende. Zufammenftöh« zwischen Angehörigen rechts- und linksrahitaler Organisationen bilden gegenwärtig ein ständiges Aburteilungsgobiet der Strafgericht«. Bald sind es Mitglieder der«inen Richtung, bald der anderen, die auf der Anklagebank zu erscheinen haben. Am Dienstag hat sich wiederum das Amtsgericht Mitte an zwei ver- fchiehenen Stellen gleichzeitig mit derartigen Zusammenstößen Rechts- und Lintsraditaler zu befchästigen. vor«iner Abteilung des Erweiterten Schöffengerichts Miste unter Lorsitz von Landgerichtsrat S t e r n h e i m erschien unter An- klage der Teilnahm« am LandfriedenÄtruch«In M> t g n e d de, Rote» Fronttämpferbunde». Im Osten haue ein« völ- kijche Versammlung stattgefunden, und«in Test der Mitglieder war nach Schluß mit dem Redner de» Abend», dem Abgeordneten K u b e, noch im Lokal beisammen, als drei jun�e Männer vom Roten Front» kämpierbund dort erschienen. S>« waren angetrunken und belästigten die Anwesenden. Als dann zwei älter« völkilche Herren sich ent- sernten. folgten ihnen die drei. Einer der Herden Herren wollte am Echlesifchen Tor in sein Haus gehen, als der Angeklagte, ein Arbeiter St.. ihm ein„Halt" zurief, mit„dickes Schwein" titulierte, an die Brust faßt« und derb schüttelte- vi« Anklage nahm an, daß es sich um eine„Zusammenrottung zum Zwecke von Gewalttätigkeiten" gehandelt habe, und Staatsanwaltschaft»«! Zimmermann crbltckte in dem Angeklagten den Rädelsjührer. weshalb er gegen ihn sechs Monate Gefängnis beantragte. Da» Gericht verneint? die Frage des Landsriedensdruche». da nicht angensnnnen werden konnte, daß die Leute sich zu Gewalttätigkeiten gemeinschaftlich zusammengerottet hätten. Dagegen wurde öffentliche und tätlich« Beleidigung de» Angegriffenen angenommen. Derartige Ausschreitungen aus der Straße aus politischen Gründen müßten nach Ansicht de» Schössen- gerichts, von welcher Seite si« auch ausgehen, streng bestraft werden. Deshalb erschien dem Gericht eine Geldstrafe nicht ausreichend, und e» erkannte aus ein» Woche Gesängni«. Der Einwand de» Angeklagten, daß er sinnlv» betrunken gewesen sei, wurde vom Gericht nicht für stichhallig erklärt. In dem zweiten Falle vor einer anderen Abteilung d«« Er- weiterten ochossengerichs Mitte, unter Vorsitz von Landgericht»- direktor F i e l i tz. wurde gegen ein Mitglied derNattonal- sozialistischen Arbeiterpartei namens O d a n s r i oer- handelt. Der Angeklagt« hatte mit zwei Parteifreunden gezecht und war aus der Straß« einem Mitglied de» Reichsbanners begegnet. Er war diesem jungen Manne nach. gerannt und hatte ihn derart in» Gesicht geichlagen, daß er erheblich« Verletzungen davontrug. Der Angeklagt» behauptete, daß er durch den vorübergelfenden Reichebannennann schwer gereizt worden sei. weil dieser ihm..Faschistenstrolch' zugerufen hätte. Sein« beiden Begleiter hatten diesen Au, druck nicht gehört, auch der Zeuge selbst bestritt, ein Schimpfwort gebraucht zu hoben. Er will ruhig seines Weges gegangen fein, als er von dem Angeklagten an der Gurgel gepackt und mißhandelt wurde. Da, Gericht kiest»» auch nicht für erwiesen, daß der Zuruf.�oschistenstrolch" gebraucht worden sei. Gegen eine derartige Verrohung de? Sitten müsse durch empfindliche Strafen eingeschritten werden. Deshalb oer- urteilte das Schöffengericht den Angeklagten wegen Körperverletzung in Tateinheit mit grobe,« Unfug zu—«0 Mark Geld st rase, bewilligt« ihm ober Ratenzahlungen von monatlich 40 Mark. Also beide Gerichte wenden sich mit vollem Recht gegen die Ver- rohung der Sitten. Beide wünschen mit Recht, daß Ausschreitungen aus politischen Gründen streng bestrast werden. Der eine Täter, ein Angehöriger des Roten Frontkämpferbundes, schüttelt einen wohl etwas beleibten Herrn derb, tituliert ihn allzu derbe, tut ihm aber sonst gar nichts und bekommt dasür acht Tage Gesöngnis Der andere, ein Nationalsozialist, schlägt einen Reichsbanner- mann derart zusammen, daß er erhebliche Verletzungen davonträgt und büßt die unsägliche Rohheit mit SO Mark, eine Strafe, die das Gericht durch langfristige Ratenzahlungen noch mildert. Die unerträglichen und unhaltbaren Zustände in der deutschen Justiz können nicht krasser illustriert werden, als durch diese beiden Urteile. Setriebsftörung bei üen LEW. Straßenbahnen bleiben auf der Strecke liegen. Am Donnerstag nachmittag gegen Z-i!5 Uhr trat zwischen dem Kraftwerk Moabit und dem Umspannwerk Mauer- straße der Berliner städtischen Cicttrizitfitswcrke infolge eines Kabeldefektes im 30 stliv-Bolt-Kabel eine sehr empfindliche, zum Teil mehrstündige Strom Unterbrechung ein. Zahlreiche Geschäftshäuser, Läden und auch einige Straßenbahnlinien wurden von der Stromkalamität in Mitleidenschast gezogen. Ganze Straßenzüge in der Innen- stodt lagen in der Zeit von H4 Uhr bis gegen 7 Uhr abends völlig im Dunkeln. Teile der Friedrich'ftadt bis zur Königgrätzer Straße und weiter hinaus bis zum Halleschen Tor wurden am schwersten betroffen, wo zum Teil nach um 8 Uhr abends die Strom- zufuhr unterbrochen war. Es braucht kaum betont zu werden, daß der Lichtausfall gerade von den Ladeninhobern, die sich mit Not- beleuchtungen beHelsen mußten, am schwersten empfunden wurde. Von der Betriebsdirektion der Bewag erfahren wir über die Störung folgendes: Um 4 Uhr 32 nachmittags trat in dem 30« neues Leben in alles bringen sollte. Nur kamen keine Touristen, und er saß da mit Unmengen von Badelaten und Badeanzügen. Do nahm er eines Tages selbst ein großes, rotgestreiftes Badelaken über die Schulter— zum erstenmal in seinem Leben---- und ging in die Badeanstalt er wollt« gleichsam das Touristen- und Bodeleben herzmingen, verstehen Sie. Am nächsten Tage hatte er die Lungenentzündung, die seinem Leben ein Ende machte. Ihr Kranz wurde allgemein bewundert! Und er hielt solange." Svejdal strich sich übers Kinn und sagte, bah sei ja nichts. aber Minna wand ihr Uhrtetteimudalllon hervor und zeigte« daß zwei rot« Buchenblätter darin lagen.„Ja," sagte sie klangvoll. Dann nahm sie den Ingenieur mit in die Küche, um Wasser zum Glühwein zu kochen. Das Mädchen hatte sie gleich nach Tisch fortgeschickt. Und da sie sich jetzt zwischen den Kochtöpfen besonders nett ausnahm, geschah es, daß der Ingenieur sie. ehe dos Wasser kochte, einige Male küßte. Den Glühwein stellten sie auf da» kleine Tischchen vor dem großen Soso, aber obwohl sie ganz dicht beieinander saßen, wurde nicht mehr geküßt. Der Ingenieur war noch schweigsamer geworden, schien es, und noch länger, seine Knie ragten spitz und unbesteigbor in die Höhe. Minna versuchte. wieder lN die Küche zu gehen, um mehr Zucker zu holen, und sich vom Ingenieur begleiten zu lassen, aber auch da, Kols Nichts. Erst, als Minna das Gespräch auf seine Arbeit brachte, wurde er etwas lebhafter."Er erwartete in den nächsten Togen eine Betonmischmaschine. Zwei vielleicht, sagte er, und seine Stimme wurde rauh. Ja, er hatte die ganze Ver- antwortung. Cr hatte niemand über sich. In den nächsten Tagen wollte er Egholms Pappeln fällen und ihren ganzen Garten wegfahren lassen. Denn sie hotten nur das 5zaus gemietet und auch das nur solange, bis er. Ingenieur Svejdal, verlangte, daß es geräumt und abgerissen würde. Minna nickte bewundernd. „Aber schließlich— Egholm ist ein nester Mann, warum sollte er Ihn also zwecklos genieren? Nein. Das Haus konnte gute noch ein halbes Jahr stehen. Die Pappeln und der Garten eigentlich auch. Man würde sehen, was man für ihn tun könnte. Minna nickte noch bewundernder. Ingenieur Svejdal wurde das Herz weich bei dieser Be- wunderung. Er sagte, einem Mann wie Egholm müsse man eher helfen als schaden, wie Rechtsanwalt Worm es täte. „Wissen Sie nicht, daß er Egholm eine Ziegelei verkaust hat. deren Lehmgrube eine Kiesgrube ist?" „Ich kann mir alles Schlechte von dem Lumpen denken,' sagte Minna mit zusammengebissenen Zähnen. „Ja, und er prahlt noch im Hotel damit." „Sie würden nie jemand betrügen!' sagte Minna und stieß mit ihrem Gla» gegen das seine. Es war jetzt spät geworden, und de? Ingenieur brach mit vielen Danksagungen auf. Minna wollte ihn durchaus hin- unter begleiten, und da es dunkel auf her Treppe war. faßte sie ihn um den Hals, um nicht zu stolpern. Lrautzen war es feine stille Sommernacht. (Fortsetzung folgt.) V griffe enthielt und unwahres behauptete. Er habe darauf Ver- anlassung genommen, mit dem verantwortlichen Redakteur in Füh- lung zu treten, bestreite aber, daß er der Verfasser oder Informator des Artikels des Blattes, der bald darauf als Antwort erschienen war, gewesen sei. Der als Zeuge vernommene Redakteur Ciefc weiter hatte ausgesagt, daß er den Artikel' selbständig verfaßt und dabei den„Völkischen Courier" und eine völkische Kor- respondenz benutzt habe. Aus diesen Gründen konnte dem Angeklagten weder nachgewiesen werden, daß er den Artikel verfaßt habe, noch daß er der Anstifter, desselben gewesen sei. Er wnrde daher auf Kosten der Privatklägcr freigesprochen. die mörüerische Zensur. Unter den vielen Unglücksfällen, Bränden, Selbstmorden, von denen auch die Weihnachtsfeiertaqe nicht oerschont blieben, verdient ein Ereignis der Vergessenheit entrissen zu werden. Der siebzehn- jährige Untersekundaner Fritz H. griff unmittelbar vor dem Fest zum Revolver. Die Ursache war leider dieselbe wie schon bei vielen früheren Schülerselbstmorden: eine schlechte Zensur. Alle Vierteljahre erhalten -die Schüler» höherer Schulen ei» Zeugnis über ihre Leistungen. Sind diese so schlechte, daß das weitere Fortkommen auf der Schule frag- lich ist, so wird dies in einer besonderen Bemerkung den Eltern mitgeteilt. Auf dem Zeugnis des Schülers Fritz fj. stand nun eine Bemerkung, daß die Versetzung zu Ostern zweifelhaft fei. Und das 'traf den wchülcr sehr schwer; denn damit wäre sein Lebensplan in Frage gestellt worden. Er wollte zur Marine. Nun ist zuzugeben, daß auch der Offizier der Handelsmarine über ein gewisses Maß von Kenntnissen, in Mathematik, Technologie und in der englischen Sprache oerfügen muß. Und eine möglichst gute Allgemeinbildung ist ihm ebenso oonndren. Zugegeben, daß es hieran bei dem Toten gefehlt hat. Aber dafür verfügte er über Fähigkeiten, die ihn nicht nur über das Niveau seiner Mitschüler hinaushoben, sondern ihm gerade für den gewählten Beruf manche natürliche Anlage mitgaben. -Er war nach dem Zeugnis seines Rektors ein vorzüglicher Ruderer und als solcher der Stolz seiner Schule. Ist das nicht unter Um- fsönden ein vollwertiger Ersatz für kleine Bildungslücken, die bei Fleiß, Energie und Ausdauer im späteren Leben sicher noch aus- gefüllt werden? Energie und Ausdauer sind aber dem gewiß nicht abzusprechen, der im Rudern der erste ist. Unsere Schulen sollen dein Schüler gewiß ein gediegenes Wissen mit ins Leben geben. Aber da, wo Charakterstärken und andere formalen Eigenschaften immerhin so ausgebildet sind wie bei dem jungen Fritz H., sollte man ein Auge zudrücken, wenn irgendwo ein Vierer auf dem Zeugnis steht. Vielleicht mag aber auch hos Ehrgefühl bei dem unheilvollen Schritte des Jungen mitgespielt haben. Leider gilt es trotz Revo- lution, strotz Wandervogü und trotz Montesiori immer noch als -„ehrlos", wenn man in irgendeiner geistigen Disziplin zurückgeblieben sit. Alle unsere überreiche moderne pädagogische Literatur vermag �bcn Loch nicht über die Tatsache hinwegzuhelfen, daß die Eltern des Mittelstandes ihre Kinder desi gesteckten Bildungszielen so schnell als möglich zuführen lassen müssen. Jedes verlorene Jahr trifft die Familie finanziell aufs schwerste. Und was dem Bürger wider den Geldbeutel geht, das nennt er nun einmal ehrlos. Es hieße natürlich den Eltern unserer höheren Schüler unrecht tun, wollten wir auch nur einen Moment glauben, daß sie ihre Sohne nicht lieber fünfmal sitzenlassen, als sie dem Zensurenmord zu opfern. Aber der Gesamtgeist macht's. Und der kann erst ein anderer werden, wenn wahr geworden ist, was in der Weimarer Verfassung steht: Kunst und Wissenschaft und ihre Lehre sind frei. Wenn jedem, der danach dürstet, alle Bildungsgüter zugänglich gemacht worden sind, dann wird's nur noch grotesk wirken, daß es einnial eine Zeit gab, in der es als ehrlos galt, wenn jemand irgendeinen Lehrabschnitt noch einmal durchgehen mußte. An der Herbeiführung solcher Zu- stände zu arbeiten, ist Aufgabe aller, denen solch Schülerselbstmord ans Herz geht. » Auch gestern war wieder der Selbstmordversuch eines Zwölf- jährigen zu verzeichnen: Ein 12 Jahre alter Schüler Heinz S. aus der Goetheslraße zu Neukölln hatte seine Taschenuhr zer- brachen. Weil er fürchtete, deshalb von den Eltern bestraft zu werden, drehte er in der Küche alle Hähne des Gasherdes auf und setzte sich auf einen Stuhl, um den Tod zu erwarten. Zum Glück wurde eine Flurnachbarin aus den starken Geruch zeitig auf- mcrksam. Ihr gelang es, den Knaben ins Bewußtsein zurückzu- rufen, bevor noch die Feuerwehr erschien. Rowdytum am Koppenplatz. Durch den Bau der Untergrundbahn hat der K o p p e n p l a tz das Aussehen eines riesigen Bauplatzes bekommen. Nun haben sich auf dem Platz Zustände herausgebildet, die für die Anwohner ein stetes Aergernis sind. Abend für Abend finden sich dort recht zweifelhafte Gestalten ein und treiben ihr Unwesen. Durch Bäume und durch Lagerplätze von Baumaterialien ist der schon immer un- genügend beleuchtete Platz erst recht unübersichtlich und ein Zu- fluchtsort für junge Burschen geworden, die Frauen und Mädchen belästigen und auch die umwohnenden Geschäfts- leute ständig in Angst und Schrecken halten. Die Polizei hat jchon mehrfach versucht, den Rowdys beizukommen, aber bisher nur den Erfolg gehabt, daß, solange Beamte in der Nähe waren, die Burschen harmlos spazieren gingen, um nachher ihr freches Spiel fortzusetzen. Vielleicht faßt die Polizei doch einmal fester zu und kontrolliert den Platz stärker als bisher. Nochmals: kein Eisenbahnattentat. Zu dem Eisenbahnunfall bei Zehlendorf er- fahren wir ergänzend, daß auch nach den weiteren Feststellungen der Kriminalpolizei kein Attentat vorliegt. Das Gerücht ist entstanden durch die ersten Mitteilungen eines«Schaffners Emil Schramm. Die beiden Züge, die sich an der Seebos-Brücke. 200 bis 300 Meter von der Haltestelle Zehlendorf-Mitte ent- sernt, streiften, fuhren ohne Austnthalt weiter. Der O-Zug meldete den Vorgang von Berlin aus, der Vorortzug von Schlachten- see, der nächsten Haltestelle, aus. Der Bahnhoftsoorsteher von Zehlendorf-Mitte schickte nun den Schafsner Schramm hinaus, damit er sich an Ort und Stelle umsehe. Schramm kam bald mit der Meldung zurück, daß er auf dem Bahnkörper Tau- sende von Glassplttern, Holzsplittern und Eisenstücke gefunden habe, außerdem aber eine Schienenkarre, wie sie die Eisenbahnarbeiter gebrauchen. Außer Zweifel steht, daß die Karre mit dem Unfall nichts zu tun hat. Wäre ein Zug auf sie gestoßen und hätte er sie beiseite geschleudert, so müßte sie zertrümmert oder verbogen, auf jeden Fall stark beschädigt sein. Tatsächlich ist sie aber ganz unversehrt. Was an Holz- und Eisenstücken gefunden wurde, stammt alles von der angerissenen Tür. Gänzliche Sperrung der Schloßbrücke. Der Polizeipräsident teilt mit: Die Erneuerungs- arbeiten an der Schloßbrücke machen aus sicherheitspolizcilichen Gründon die gänzliche Sperrung notwendig. Die Schloßbrücke wird daher vom 3. Januar ab bis Ende April nächsten Jahres für den gesamten Fuhroerkehr gesperrt. Der O st- W e st- V e r k e h r wird über die E r s e r n e B r ü ck e. der W e st- O st- V e r k e h r über die Schleus. enbrücke geleitet. Gleichzeitig werden für die Dauer der Bauarbeiten nachfolgende Straßen zu Einbahnstraßen erklärt: Schinkelplatz vom Platz am Zeughaus zur W-rderstraße. Oberwall- stroße von der Werderstraße zum Platz am Zeughaus. Straße am Zeughaus vom Platz am Zeughaus zur Straße Hinter dem Gjeß- hause, der Straßenzug Hinter dem Gießhause am Kastanienwäldchen von der Straß« am Zeughaus bis zum Platz am Zeughaus. Reue lvildschweinaclen im Zoo. Im Zoologischen Gatten ist die große, wohl einzig dastehend« Sammluna interessanter Schweine- atten wieder wesentlich vermehrt worden durch einen afrikanischen Warzenschweinkeiler, der schon starke„Waffen" aufzuweisen hat, durch ein junges«eftqfrikaniiches Pinielichwem(wohl die jchöujte Wlldschweinatt durch ihre lebhaft rotgelbe Chromfarbe) und durch ein drittes kleines Wildschwein, zunächst noch unbestimmbarer Att. Die neuen Ankömmlinge sind einstweilen im Straußenhaus unter- gebracht, da mit tropischen Schweinen zur jetzigen Jahreszeit größte Vorsicht geboten ist. Geldschrankeinbrecher bei der Stadtsynode. Schwere Arbeit und wenig Erfolg hatten Geldschrankeinbrecher, die in der Nacht zum Donnerstag der Kasse der Stadtsynodc in der Marchstraßc 4/S zu Charlottenburg einen Besuch machten. Sie kamen, wie der Befund ergab, von dem Nachbarhaus Marchstraße 3, in dem sich das 126. Polizeirevier befindet, über die Dächer her, stiegen durch eine Bodenluke ein und wählten einen Umweg, um in die gut gesicherten Kassenräume im Erdgeschoß zu gelangen. Mit einem Nachschlüssel öffneten sie die Tür zu den Bureaus im ersten Stock, bohrten hier ein Loch in die Decke und stiegen durch dieses in das Erdgeschoß hinab. Im Kassenraum schweißten sie zwei Geldschränke auf, fanden aber nur 334 Mark, das Gehalt eines Kassierers, das dieser vorläufig in einem Schrank aus- bewahrt hatte. Den Rückweg nahmen sie wieder über die Dächer. ArbeUerwohllahrf-loficrie!!! Die Gewinnlisten(Stück 10 Pfennige) sind in allen Konsum-Filialen, Vorw&rls-Speditionen und im Sekretariat, Lindenstra�e 3, IL Hof 2 Trp. Zimmer 1 zu haben. Potsdams architektonische Geschichte. Im Lichchof des K u n st g e we r b e m u s e u m s in der Prinz Albrecht-Straße ist zurzeit eine recht instruktive Ausstellung von architektonisch-bautechnischen Studentenarbeiten über Potsdam und seine Umgebung ausgestellt.(Leitung: Prof. vr. inx. A. Zeller, Charlottenburg)..Zahlreiche architektonisch besonders markante Häuser, Plätze'und Kirchen vereinigen sich in künstlerisch und technisch klarsichtiger Produktion zu einem interessanten Abbild dieser Stadt. Erwähnt seien Entwürfe der«Stadtschule Protsdam, eine Feder- Zeichnung vom alten Markt mit dem Rathaus, Abbildungen des schönen Berliner Tors, das, wie es im Marginal heißt,„dem Ver- kehrsfanatismus zuliebe verstümmelt wurde", das Haus Blücher- platz 2 aus der Zeit des englischen Klassizismus und der englischen Romantik(1753— 1764), dos Nauener Tor(1731), das chinesische Haus im Park von s-anssouci nach dem Vorbild des chinesischen Pavillons im Jardin Royal in Luneville 1754, dos Brandenburger Tor, die französische Kirche(Spätbarock in Ellipsensorm) und so manches andere. Die Ausstellung ist noch am Neujahrstage geöffnet und für den Besuch kostenlos freigestellt. Reinigung der Bnrgerstcige. Der Polizeipräsident weist erneut darauf hin, daß nach Z 1 der Polizeiverordnung über Straßenreinigung vom 4. März 1923 die Straß enanlicger in Groß-Bcrlin"verpflichtet sind, von morgens sieben Uhr b»s abends acht Uhr die Bürger- st e i g e frei von Schnee und Eis zu halten und von morgens sieben Uhr bis abends neun Uhr in i t Asche oder anderen abstumpfenden Stoffen derart zu bestreuen, daß der Entstehung (lefahrdrobcnder Glätte vollständig vorgebeugt wird. Gegen äuniige Streupflichtige soll mit allem Nachdruck eingeschritten werdcp. Zwei Krankenkasscn-Betrüger. Besonders schwere Strafen verhängte das Schöffengericht Mitte gegen zwei Gauner, die sich Krankentassen zur Brandschatzung ausgewählt hatten. Der Maler Willy War- necke und der Kellner Otto Neuendorf, beide bereits mehr-, fach vorbestraft, hatten sich bei Krankenkassen Listen von Krank- gemeldeten verschafft, dann die Unterschristen der Arbeitgeber und der Aerzte gefälscht. Daraufhin hatten sie sich unrechtmäßigerweise Kassenbeiträge auszahlen lassen. Wariiecke hat dasselbe Manöver auch in München gemacht und wird dott noch verfolgt. Das Gericht war der Meinung, daß die Krankentassen als soziale Einrich- t u n g e n eines besonderen Schutzes bedürfen gegen Ber- brecher, die auf ihre Kosten sich ein Wohlleben verschassen wollen. E» erkannte gegen Warnecke auf ein Jahr drei Monat«, gegen Neuendorf auf ein Jahr Gefängnis, gegen Beide auch auf j« drei Jahre Ehrverlust. Turmmusik«m Neujahrstage. Der Koßlecksche Bläserchor wird in Gemeuschaft mit dem Organisten der P a r o ch i a l t i r ch e in der Klosterstraße, n i« alljährlich, um 12 U h r>r i t t a g s in Verbindung mit dein Glocken- spiel eine Neujahrs musik veranstalten. Jedoch wird der Bläserbuird nur bei gelinder Witterung spielen können, um die Instruinente nicht zu schädigen. Im anderen Falle würde das Glockenspiel allein erklingen.__ Reichstogsabgeordnelcr Genosse Philipp Scheidemann hat auf der großen republikanischen Kundgebung des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold am Montag, den 3. Januar, abends 8 Uhr, in der Stadt- Holle, Klofterstraße, das Referat zu dem Thema:„Volk, Hab' acht!" übernommen. Eine Ehrengabe für da» Verllaer Messeamt. Die Preußische Staatsregierung bat dem Berliner Mesieamt als Dank für eine großen Verdienste bei Vorbereitung und Durchführung der »Großen Polizei-Ausstellung Berlin 1926" eine Ehrengabe in Form de» großen Staatspreises der Polizei-AuSstellung übermittelt. Ein hervorragendes Abendtonzert. Das Haoemann- Quartett spielt zwei Quartette von Beethoven: Opus 18 Nr. 3 und das Harfenquartett. Immer wieder kann man feststellen, daß Kammermusik unter den gegebenen Umständen am geeignetsten für den Rundfunk ist. Jedes Instrument kommt klar zur Geltung, ohne fein« Klangfarbe einzubüßen und die musikalischen Figuren werden nicht verwischt. Leider räumt die Funkstunde augenblicklich der Kammermusik wenig Platz in ihrem Programm ein. Darauf unter Alfred Brauns Regie das Tschechowsche Lustspiel:„Ein H e i r a t s a n t r a g", ein harmloser und liebenswürdiger Sketsch, vielleicht ober zu kraß gegen Beethoven, trotzdem eine Teilung der Abendveranstaltung durchaus zu begrüßen ist. Man oermißt bei diesein Tschechow nicht dje Bühne. Der Dialog allein gibt ein klares Bild der einfachen und küftigen Vorgänge.' Es wird mit viel Tempo und Witz gespielt. Gretl Scherl und Hermann Lallentin geben zart umrissene Figuren. Nur Erwin Kalser, der für den verhindetten Gülstorsf eingesprungen ist, übertreibt. Außerdem zwei Votträge. Der Leiter des Stadtreinigungsamtes, Direktor Gustav E r d m a n n spricht über die Technik im Komps gegen Eis und Schnee. Erdmann erzählt von dem Kampf, den die Stadt Berlin mit allen technischen Mitteln gegen Eis und Schnee fühtt, und versucht es, den Hörern klarzumachen, warum die Hausbesitzer oerpflichtet sind, die Bürgersteige reinigen zu lassen. Professor Dr. K o h l r a u s ch von der Berliner Universität nennt seinen Vottrag„Modernes Strafrecht". Man erwattet ein Referat über die bevorstehend« Sttasrechtsresorm, die Kohlrausch aber erst am Schluß erwähnt und dann nur in bezug auf den Strafvollzug. Sonst gibt er einen sesielnden Ueberblick über die verschiedenen Farmen der Strafe und über ihre geschichtliche Entwicklung Aenderung der Straßenbahnlinie 32. Die Linie 32 verkehrt vom 3. Januar 1927 ab vom Hermannplatz über Kaifer-Friedrich« Straße— Reuterstraße— Berliner Straße— Zietenstraße(zurück Stein« metzstraße)— Hermannstraße(statt über Wisimannstratze, Karlsgarten- straßc, Hermaunstraße). Auf der Linie 40 wird ein neuer Fahrplan eingeführt, der einen früheren BetriebSbeginn— 5.35 Uhr ab Ramlerstraße, 5.13 Uhr ab Steglitz— vorsieht. Die Juristische Sprechstunde fällt heule aus. freireligiös« Gemeinde.?lm t. Januar, vorm. 1l Uhr, Papbelalle« 15: Vortrag des Herrn A. Domdev„Das Ich und das All." Am 2. Januar: Herr P. Kogal»Alter nnd neuer Geist." Gäste willkommen. Jahre, endseier des Arbeiter-Sulwr Kartell» Groh-Serlia Di« Ordner für die Jahresendseier treffen sich am Freitag, den 31. Dezember, abends pünktlich'/,10 Uhr, im Jugendheim Lindensir. 3, 2. Hof III. Zm Saalbau Friedrichshain findet heute eine stimmungsvolle Silvesterfcier statt. Seppel Pius mit seiner lustigen Bayern- kapelle wird für Stimmung und Humor sorgen. Eine reichhaltige Bühnenichau, humoristisches Schneetreiben, sowie Ueberraschungen jeglicher Art werden die Besucher in die sröhlichste Stimmung ver- setzen. Eintrittspreis von nur 1 Mark einschließlich Ball und Steuer. Zteichabund bn»ri»a»b«schädi»t«», ttrienateilachm««»crio:mn- luna Chausscestr. 54, Patienhofer. Zn bei Psychologischen Seselschaft na Beelin syricht Dotmerste«. 5. Januar. im Institut für vrattische Psycholoaie. flurfürslenbonun 45, 8 Uhr, Hern Dr. Kurt Piorkowski über:.SchlKunq von Bertüuserinnen uttb Beitretern auf vsychoiechnischer(Sruniloae'. Es wird oebefen, Gäste vorher bei Scrrn Dr. Albert Moll. Kursürsienbamin 45, schriftlich anzumelden. Der Arbeiter. Absiinentenbund veranstaltet zwei Eilveüerseiem: In der Iilgendherberae Bfrlenbrück bei Iürsienwalde, die vorzuqstveise den jüngeren Genossen»ilt. Trefsvnnkt zweSs vetbilliater ftahrt am 31. Dezember um Ssj, Z. 51, und T Uhr am gahrkar enschalter des Bahnhofs Friedrich strafe. Ssilich der griedrichslrahe. Nachzügler sohlen Sonntag. 9 Ubr früh, ab Schlessschen Bahnhos. Die andere Beransialtung findet im Begetarischen Sveisedaus Marauardt. Aolzmarkt- Ecke Aleranderstvahe, ob 9 Uhr statt. 1 Vi Meter Schneehöhe in Spanien. Ein Zng im Schnee stecken geblieben. Madrid. 30. Dezember.(MTL.) Aus der Strecke Madrid— Albaceto ist ein Personenzug in dem Meter hohen Schnee steckengeblieben. Die abgesandten hilsszüge mußten umkehren, da es unmöglich war. die Strecke freizumachen. Die Regierung hat angeordnet, dofc ein Ilugzeoggefchwader übet der Unfallstelle Leben», und Stärkungsmittel abwerfen soll, um die Lage der Reisenden und Angestellten bis zur Befreiung des Zuges zu erleichtern. Der Schneefall ist immer noch sehr stark. Furchtbares Erdbeben in Südamerika. Gewaltige Ausbrüche des an der Grenze der beiden füdameri- kansichen Staaten Kolumbia und Ecuador gelegenen B u l- kons Cumbal haben verheerende Erdbeben zur Folge gehabt. Mehrer« Städte und Orte der benachbarten Gebiete Kolumbiens und Ecuadors wurden in Mitleidenschaft gezogen. Vollständig vernichtet sollen die Städte Aldana und Guachural sein. Die Stadl N a r a n j i t o ist durch eine Feuerobrunst fast vollkommen ein- geäschert worden. Ob die Katastrophe auch Menschenleben er- fordert hat. steht noch nicht fest. Jedoch ist der Schaden gewallig, da auch große Vorräte an Rohprodukten des Landes, vor allem Eisen, Kupfer und Edelmetalle, die aus den Kordilleren gewonnen werden, vernichtet worden sind. 68 Flughäfen und Ländeplätze tu Deutschland! Der Reichs- verkehrsminister gibt in den„Amtlichen Nachrichten für Lnftfahrer"' ein Berzeichni» der deutschen Flughäfen und BerkehrSlandcplätze nach dem Stand« vom 1. Dezember 1926 bekannt. Da» Verzeichnis umfaßt 68 Flughäfen und Vertehrslandeplätz« und nennt die An- schriften der Fiughafenunternehmer. Einsenbungea für diese StabtU sind Colin 6» St, Lwbeastrnhe 3. parteinachrlchten ffwk für Sroß-Serlin stet»»n da» CestebfcfaetarUt. i. H»l, 2 Trip, recht», z» richten. 7.»«et,««rl-tteNbaea. Montag.». Ianuckr. m Uhr. Sitnrnä de» engeren Borfionde, mit ollen«dt eilungsvo rüstenden im Jugendheim Rosinen str. 4. — Ackitungl Alle Genossinnen und Genossen werden oebeten, s>» recht zoWitidi an ber Einäscherun« des Genoffen Frih Zuheil am Montag. 3. Januar, zu deteilioen. 24. Abt. Einige Bezirksführer hohen immer noch tucht die restlichen florto- IhttfOTten-ftllr dos Betriobssetretoriat zutückgegedeu. Dieselben mllffen nunmehr sofort beim Ahteilungskoffieter abgeliefert werben. 34. Abt. Achtung! Karten zur Trauerfeier für brn ocrslmVnen Genossen ffriti Rubeil am Montag, 3. Januar, nachmittag» 4 llhr. finb zu haben beim Genossen Willi grünstes. Kvpernikussle. 83. Zungsoziali steu. S raupe«fibea: Leute, greitaa. 31. Dezember. Stefftranfi nachmittags 3 Uhr Wriezener Bahnhof. Jährt nach liefenfee. Sonnlngsrückfahrkorten losen. 2V-Taae.iZahrt durch den Blumenlhal.— Gruppe Bchäneberg; Leus«, ckreilaa. 31. Dezember, Fahrt nach Lüwenberg. Trefsvunlt abends 7 Uhr an der Normal» i'kzr ein ctfttincr fwmjttxrfinljof.<5oniitözs Uhr Kaiser-Dilheim-Piast.(Rodeischlitt«» mitbringen.)—_ Westen: Jährt Jossen. Treffpunkt abends 8 Uhr Bahnhof Dorckstrahe.— LtegUst 1» Iahrrswend- sahrt. Treffpunkt 948 Uhr abends Bismarck- Eckc Mariendorser Strafte. Latte. stelle der 88— Neukölln II: Jährt. Treffpunkt vormittags>/,9 Uhr Stettiner Bahnhof, nachmittags>46 Uhr Reuter- Ecke Berliner Strafte.— Lichtenberg. Ritte: ITaHrt. Treffpunkt 7 Uhr abend» Bahnhof Stralau-Rummeisbuea. «erbe bezirk Teitowkanal: fsohrt Tiefensee. Treffpunkt abends?49 Uhr pünktlich Schlcsischer Bahndas iWriezener Bahnsteig). Fahrtleitun« ff. Seifert. Sonntag, 2. Zanuar: S Hatto ttcnburq; Jugendheim Rosinensir. 4. Muftkabenb(Löndel, Mozart usw.). Gäste herzlichst willkonnnen. Montag. 3. Zanuar, abends 7H Uhr: Moabit T: Schute Waibcnferfft. 20. Bortrag:„Bismarck und feine Zeit".— KelmholsipiaS: tzuaenMicini Greiienhagener Str. 58. ffunktionärpersammlung. —©Uotouet«ieetel: Iu«enbheim ffiofticrftr.«1. Gtaftbrennerabend.— Friedenau: Mitwirkung am ffrauenahend. Rathaus.— Ehariottenburft.Rord: Schute Wiebestrafte Ecke Neues User. Mitaiieberpersammiuna. Anschlieftend Aussprache.— Bauaisckulenweg: Schule Ernststr. 16. Mitalieberpeesatmnlung. — Lermodors: Jugendheim Roonstrafte. Aussprach«:„Unsere Weihnachtsfeier und Grumte nardeii".—»«4»: Jugendheim Rathaus. Chausscestr. 48. ffunk- tionärsiftun». Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. Werbebeziek Prenzlauer Berg; Altersheim Sanziger Str. 92, 8 Uhr. Sprech. chorprobr. All« Gruppen nillssrn verieten sein. lltesteederscht der öffentliche« wetterdlenststell« für Eerliu«ad Umgebung. sNachdruck perb.).— Weiterhin ziemlich trübe und sottdauernde Neigung zu Niedettchlögen. Noch ziemlich mild bei Ittschen westüchen Winden.— Aüe veulschlaad: In Süd- und Mtteldeuttchland ziemlich zadlreiche Nieder, unb jffrr im Gilten meist fiter SiewochenenöabflchtenöesMagiftrats 5J500 M. für ein Wochenendhaus?— Vorschläge der Freibadvereine. Zu den Veranstaltungen, die das Berliner Messeamt im nächsten Jahre in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm trefsen wird, ge- hört auch eine Wochenend-Ausstellung. Man will den Berlinern die Einrichtungen, die dazu dienen können, das Wochen- ende in freier Natur zu erleben, an Ausstellungsgegenständen in Bild und Schrift zeigen. Nach den Meldungen einer Berliner Tageszeitung ist den städtischen und staatlichen Behörden ein An- trag zugegangen, nach dem die Stadt schon jetzt geeignetes Gelände in ollergrötztem Umfange für den Bau von Wochenend- Wohnungen in der näheren Umgebung von Berlin bereitstellen soll. Dieses Gelände an Seen und Flüssen soll, natürlich ebenfalls aus öffenllichen Mitteln, kanalisiert, elektrifiziert und mit Holzhäusern. sogenannten Wochenend-Häusern, bebaut werden. Die am Wasser gelegenen Blockhauser und ihre Gärten sollen, wenn irgend- möglich, schon im nächsten Sommer beziehbar sein; die einzelnen Grundstücke und die Häuser will man gegen einen Betrag verpachten, der auch für die werktätige Bevölkerung erschwinglich ist. Jedes Haus soll zwei Stuben und eine kleine Küche enthalten und so solide gebaut sein, daß man auch im Winter darin wohnen kann. Und Sie kosten! Der Gedanke ist so verführerisch, daß man ihm ohne weiteres beitreten könnte, wenn nicht ganz außerordentlich große Bedenken in finanzieller Hinsicht beständen. Der„Zentralvcrband der Freibadvereine von Groß-Berlin e. B." hat zu dieser Frage Stellung genommen. Es wird zunächst betont, daß der vom Messeamt und"von dem erwähnten Antrag propagierte Gedanke der Wochenend-Siedlungen iv den Freibadvereinen längst seine Verwirk- lichung gefunden Hrn. Am Müggelsee, am Wannsee und am Tegeler See haben die Mitglieder, meist in Verbindung und in unmittel barer Nachbarschaft mit den dort befindlichen städtischen Freibädern, wochenend-hauskoloaien gebaut, die dem Geschmack des einzelnen angepaßt sind, dabei aber auf die Vermögensoerhältnisse des er- bauenden Mitgliedes die notwendige Rücksicht nehmen. Nach den Angaben des Zentraloerbandes werden sich die Häuser in den von der Stadt geplanten Wochenend-Kolovien auf etwa 2500 Mark pro Haus stellen, ein Betrag, der selbst unter erleichterten Zahlungs bedingungen— man spricht von Sl> M. monatlicher Abzahlung— für die große Masse der arbeitenden Bevölkerung unerschwinglich ist. Der Zentraloerband vertritt dem gegenüber die Auffassung, daß nur durch eine weitgehende behördliche Förderung und Unterstützung der Freibadvereine der Wochenevd-Aufenthaltsgedanke die richtige Förderung erhalten kann. Daran mangelt es aber noch recht sehr Obwohl sich der Zentralverdaad der' Freibädbereln» Tu unzähligen Gesuchen und persönlichen Unterredungen mit seinen Forderungen und Bitten an städtische und staatliche Körperschaften gewandt hat, hat er stets nur nach langen Kämpfen und dann auch nur in sehr beschränktem Maße Unterstützung gefunden. Die Freibadoereine haben sich in jeder Hinsicht fördernd den städtlschen Freibädern zur Verfügung gestellt. Sie üben den Rettungsdienst aus, sie unter- stützen die Aufseher, die Forst» und Polizeibeamten bei ihrer Arbeit und haben dafür bei den Leitungen der Freibäder wie auch von den Sicherheitsorganen volle Anerkennung gefunden. Nur offiziell ver- sagt man ihren die Anerkennung, obwohl sie als gemeinnützige In- stitute gelten. Noch im vorigen Sommer hat der Zentralverband mit feinem Antrag an die städtischen Behörden aus Lieferung von Rettungskähnen und Sanitätsutensilien keine Gegenliebe gefunden. Nur durch das Endgegenkommen anderer Stellen war es dem Ver- band möglich, den so notwendigen Bettungsdienst in der ersorder- lichen Form auszuüben. Das sieht nicht gerade nach einer bewuß- ten behördlichen Förderung des Freibadwefens und der Wochenend- Bewegung aus. Ein gangbarer weg. Der Zentralverband der Freibadvereine stellt die Forderung, daß im Anschluß an die bereits bestehenden Freibäder schon vor- handenes, anschließendes Gelände zur Verfügung gestellt und den Interessenten gegen eine Gebühr überlasser wird, die für den Arbeiter, Angestellten und kleinen Beamten erträglich ist. Die Or- ganisation der dazu notwendigen Arbeiten wird der Zcntraloerband gern übernehmen Daß er dazu in der Lage ist, hat er in seinem 15jährigen Bestehen tauserdfach bewiesen. Die Ausgestaltung des Geländes kann im Wege der Notstandsarbeiten vorgenommen ir«r Isiripatlyzcen zur Erledigung gebracht zu haben.— Unsere Fraktion setzt« sich ferner für die Erhaltung des Spielplatzes im Schustehrvspark an der Scharrenstraße ein— die Sache wanderte dann in eine» Ausschuß.— Zluf eine Ansraoe der KBD. wecn der Erwerbslosennot antwortete Bürgermeister August in ausführlich: es seien Arbeiten von 30 000 Notstandstagen neu beantragt. Schließ- lich vertagt« sich die Versammlung gegen den Widerspruch der Linken auf den 26. Januar.___ ®lc Verlängerung der Llndenstraste. Der bereits vor dem Kriege ausgearbeitete Plan der Per- löngerung der Linden st raße durch die Kommandanten- und Beuthstroße zum S p i t t e l m a r t t. der bisher aus sinan, ziellen und verkehrsiechnilchen Gründen zurückgestellt worden war, oll nach Möglichkeit im Laufe des Jahres 192? zur Ausführung >elangen. Den zur Durchführung der Lindenstraße netwendig wer- > enden Hausniederlegungen stehen sinonzielle Schwierig- k e i t e n nicht mehr im Wege, ha sich die erforderlichen Häuser bereits seit Iahren im Besitz der Stadt Berlin befinden und der Aermaltung des Bezirksamts Mitte unterstehen. Der Plan ist kürzlich einer kritischen Umarbeitung unterzogen worden, und vor allem hat man neue Fluchtlinienplän« für die oer- längerte Linden st raße aufgestellt, um diesen neuen Der- kehrsweg, d»r ein« Entlastung der Jerusalem»* Straße bringen wird, den neuzeitlichen verkehrstechnischen Erfordernissen anzupassen. Die neuen Fluchtlinienplän« sind unter Berücksichtigung des jetzt durchgeführten Kreisverkehrs am Spitielmarkt umgearbeitet worden, und es ist Vorsorge geirasfen, daß der Verkehrszuwachs aus der Bevthstraße reibungslos in den starken Verkehr am Spitielmarkt hineingeleitet wird.__ Wasser- und Milchkontrolle. Die in neuerer Zell verschiedentlich aufgetretenen Typhus- erkrank»ngen geben dem pmißisch-m Minister für Volts- wohliahrt Veranlassung, die nachgeordneten Behörden dringend zu ersuchen, der Trinkwasserversorgung und namenllich der, »mgen durch zentrale Anlagen sowie den Molkereien und »eren Betrieb sortgesetzt besonder» Aufmerksamkeit zuzu. wendm. Wo die» bisher noch nicht geregelt ist, soll, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolg«, eine sortlaufende b a k t e r i o- logische Untersuchung und Kontrolle de» Wassers zentraler Anlagen erfolgen. Die bei diesen Untersuchungen etwa vorgesun- denen Abweichungen von der normalen Keimzahl nach oben sind unverzüglich dem Besitzer de» zentralen Wasserwerk», dem zustän- diaen Kreisarzt und auch dem Regierungs- bzw. Polizeipräsidenten besonders mitzuteilen. Die hiernach etwa notwendigen Anord- nungen sollen sogleich getrosten werden. vi« Atodemi« sür soziale«ad pädagogisch« Araumorbeit veranstaltet im Kabinen der Müüertufic einen neuen Ikutlu« von Herrn Dr. Roien- dtra über.Vau und ftunvwnen de» tindlichen tlSrper». Seine Eni. wialung und lein« Hygiene'. Diel« Arbkiltgemeinschali läuft von Januar bis Ostern. DienStagS von 10—11 Uhr imd beginnt am Dienätna, den 11. Januar. Arbeitersport. Amaieurartisten. Der Artistenverein»C i n i a k e i t' hatte am ersten Feiertag zu einer Weihnachtsvorstellung in die„Neue Welt' eingeladen. Unter Mitwirkung des Orchesters Winnig wurden zum Teil recht gute artistische Leistungen, die oft über den Amateurdurchschnitt hinaus- ragten, geboten. Bewunderung erregte die Arbeit der drei Ottos. bis mit Ihrer eigenartigen Akrobatik recht schwierige Ausgaben zu lösen hatten Mit größter Ruhe und Sicherheit ausgeführte Pro- duktwnen zeigten die Kunstturner„Eckardi-Trio*. Viel Applaus fanden die humoristischen Reifenspiele der George Ott Co. Die sünf Dorris-Akrobaten vollbrachten auf dem Schleuderbrett recht halsbrecherische Dinge. Robby Ror und Morrey als Step-Chansons walzten mit viel Rhythmus spielend leicht über die Bühne. Bor. träge aus eigener Feder trug Kutt Hossmann vor Erwähnenswert noch die Equiltbristen 9 Bretanos, die gute turnerische Darbietungen und lebende Gruppenbilder brachten. Auch die übrigen Darbietungen fanden allseitigen Beifall. Bleibt noch zu erwähnen, daß der große Saal übersiillt war und daß tüe FefttefGehmer bei bester Stimmung nach Schluß des offiziellen Teils beim Tanz beisanrmenblieben. Auhballsplele am 2. Januar. Am 1. Januar finden keine Serienspiele statt. Während Im Norden und Osten die Serienspiele am 2. Januar ihren Fortgong nehmen, besteht im Südwesten Spielverbot, da hier ein Spiel der Auswohlmannschosten de« Nordens gegen Südwesten A stattfindet. Zu diesem Spiel sind folgende Mannschaften ausgestellt: Siert»»! tidloi (Alemnnnio) Rold»» (Paniow 08) NInrqnnrdt StrOuet (Minerva)(BorulNa) Seelinger Ellemannio) Lindenau (Adlee 08) Pude«uchenbecker («bin 08) Kühner MU l! er (Minerva)(Adler 08) Bistlcher (Minerva) ?I»de (Rswawev) ESdiveste«: Feibier (Berr F Butt (Brandenburg) Meter H. Hammerschmidi ollna)(Potsdam)(Teltow) Meier Malier Burchardt (tSilrnnsdorf)(Neukölln)(Lanlwi» Sa-rainn, Fischer (Lantwil,)(?!owawes) Buckihoiz (Pikloria) Das Spiel findet auf dem Sportplatz in der Württembergischen, Ecke Zähringer Straße in Wilmer-'dors, nachmittags 2 Uhr, statt. Die S-Mannjchast des Südwesten sährt nach Luckenwalde, um gegen die dortige Städtemannschast ein Spiel auszutragen. Vctte»« S»i»l«! Beeirk Norden. Naibenvw gegen Rebin In Nachenow. Sporia gegen Brieselana in Nauen. Santa gegen Na rb-Oro menburg in Sodennonendorf,«ochlendauien aege» Wittenau in Sachsendaule». Ntdeiier- Turnverein Pantow gr-lien Ardeiter-Lportverein S« IN Pankow, Andreoo-Snier» Plag. Adler II aegon Scrida.Steinfurid in Pdopkondur«. Röinrnftrab». Ten- ton in gegen viklvem in d«r i!driflla»iastr«ste. Pidu-Wriß aegen Amateur« in S»»>ikNnUbie. Uiua qogen Kichle-Selunddrunnen in Pantsw. Mnrimilian- ftroste. Kelvelio gegen Koroiet auf dem Srerziewlab in der Schdndauler Allkk. Kichle 24 gegen Bornsti« in NirderlchSnhousen. Raiserwea. Bernau arnen tzoochimoid«! in Revernuf.— Ccjirt Osten; Aokania gegen Trep-ower BafUgirl» Und in Rövenich Sriin, Trift. Brii-uinia«reen Po uuirt, 20 in Lichtenberg. Waancrürost«. Nichteroanüd« araen Sadowa in Stzchterawalb«. Lichtenberg l ae«n Wrie-en am Badndgf Stralau Runnnetsburg. Tavmania gegen Bereu, für Bervoaunaefviere in T: ebeteborf(vstbadni Berliner Sportverein 18««««» woibense« in Friedrichof�de.,»roelvwallo,. Brandenburg 03 aeaen Tatort in Lichtenberg. S-vdirnstrad«. L cdtenbera N gegen Sertdo 22 im Lich'enderg-r St-dion. Luftia-Fidel ge-en Riuldcn in Nudow. Ncntölln«,«trabe. All. Glienicke«««» kledannU-dcl in Alt. Glienicke, am Rieocherq. Odersrree aegcn Wslieradorf in der«ichlbeide. Lichtenberg M qvge» Rirnief in Friedriche- fetj«. Rartellpla* Trealo maller. Berliner Svgetvrrvin 22 gegen Neuendogen in Sodenschöndaulen. Sommerstroste. Frilch-Frr! gegen Germania in Nieder» schönem, ide. Eaewnftav. Lvorta regen Fichte-sadvi! in Lichtenberg, Souff. stiebe, gldler od. gegen ffriednch-doarn in Adfersdvf. Rövonichcr chdonssee. -» Sin Sekelllchaftzfviel Reden sich Spa»da» 2Z und 5"i: gleit S3 im S'adlon Kaken«, rde oeeeniidee.— Paginn dor S«l«lo nachmittag» 3 Udr. vord«« untere ZRernifchaften,* ein hotNindftcher«tbettfr-turn. m-d-Sporttwnd. In e'tiet versanynlung holländischer Freunde des Arbeitersports in A mst er» dam wurds mit A gegen 6 Stimmen die Gründung ein:» holländi» schen Arbeiter-Tvrn' und«Epottbundes beschlossen. Der Detusch« Arbeit«r.Iurn. und-Sportbund hatte»in Glückwunschialegraimn aesandt und hie wettestgeh-md« Unterstützung der Bestrebungen der holländischen Ard«st«rsportl»r durch di« d«utjch«n SpoHßenossen zu- gesagt. «ten((rtr»-®ch)i>H|etli«gd durch dl» z-ngf,rab«ib«. Da» neu, tzachr begrllbrn di« BeNri ger Arbeitersport l-r aus eigene Ali durch eäiu Echn deliagb durch da» Geliii, de der Jungs- rndrid, bei den Reddergey. di, der Sportverein Morbid am Reuiad'eiaq«»eranftaliet. In drei Gruppen! MÄnner. Jugend sowie SckSler und Fraucn nimmt dt,..SPUtit«' dt, Emir der mit Ponnode ah. gelaff-nen..tfttch'e' auf. Ablan- ZZ) Uhr nachmiltogo S«e- Sck« 2It> ittnilch« Str«be(gvgenlider der Sochschutdrauoi,t). Anfchliestrnd per,!niat die Arbei!,,!» lnorrter ein geirNigee Beisamenseip mit Tan, im„Iungfernkeidesch dächen', Aebriic'.Nadiay'erbund.Scltdg'itA', Veranstallungen gm 81. Beeember, I. und 2. Januar: Ge*. 1 unb«: Freitag, 91. D«,»mber.«dendo. bei R!!,m. Safenbeid«, SilpesterveronstaUung � Be». 1 am l. Januar! t.«bi.i W-iy, »achisbelckeruna ftir Rinder brr Abteilnn« nochmitwaz d Ulir bei»killkrrt, Steinmedstr. 80». 8. Abt.: 2 Ultr Streisziige durch die Iun?fcrnt>eide. Start Waldenlerftr. 19.— 2. Januar: J. Adt- 1 Udr»m Start Dieffenbachftr. 80. 7. Abt.: 1 Ubr cm Start Rs'vvieft». 1*7. Sil-ester-Maekerad« der Arbeiter.«ofcsahteT.®et 1. und 2. Pejirf dra Gaues 9 veranstaltet am Stl»efterab«nd in Rllcms Festsölen. Kasenbetb» 18/15, eil», Maskerade. Saalössnung 7 UI,r Driiigofierupg U Ulf,. Gportllnd.P»>,lin»'«mir«»»,«cichtatdtetilab eilung. Treffpunkt tömt- Nchn Mitglied«». Sanugr,»H Ubr. W> Velodrvm Raiferdamm. Kalle 8, «ipaang Neue Rantlkaste. Aetelter.Kgbsateerveeein G-reg.Perli». Freiiaa,«. Peeember. 9 Übe. Ztzeptvw, Jäqerööuschen. Sonnabend. 1. Januar. N-Nigbr. ilz lldr Adlers- M, Neitrnjrant Jisae. Sonntag,?. Januar 114 Uhr. Kirfch.'ar'en, Netzauvant Wilböensdof. Start Woldemarsirastr Ecke M.rriannenplatl. Gaste willkommen, «»»ufchaftelckachwettflmple. Sonnlag. 9. Jenuar, 10 Ubr. finden di, «ettlampfe in dor A- und«.»rupste ihre Fertlifüin«. So Ivielrn!>> der OH«! Westen T gegen Licht- nbrra I. Schötirder«. s-bgnstr. 1? Osten l goaen Woddinq i,»eb-rfkr. 8. Siidwest I««gen«eddlna� fk. Sankmidste.», Ste-N. Raitrr-Friodrich-Strgst» ß?. Spiel- pe: Vsikav II geoen Riwigibadi I, Rt»'er dumwdtba'st M. MMlerftr. 7st. Osten M (kbgrkolienburq k getgen Noter Str-n, Rflifi k««I Sefunbbvunnen l S-Gruppe Gtr«»,«r, Schiklernark N gegen»MW>>W>W. W> !N lll, Waderstr.». Spielfrei Nein>ckendorf-Oft I und Noibense« Ii. ____-»»«eei».Di««atu-ir-ngd»' sJentznle Wie»), A»J«ropto»! Sanntzi». 3. Januar, arkne,. LSckn-ö. Irekwunkt 8 Ubr Schlelt schr- Badnbgf. W>It»r1»»ttedteiI»P«! Bei günstigen SchnerpcrstZrtstl�rn ,weitö»-ge Ski. Wanderung nach Fre-enwald- Ttcffptmli l. Jgnuar frllb 8 Udr, stetitner AoÖnbok. Im Jwetlels-olle At okunft Tel. Neukölln ,344. Aiafseeipoetverei»«leepp-gni». Sü-unq Donnerslgq. 8. Januar. 8'-! Ubr.. Aieibagchtefeier de» SSwimv-kirbe verwö't»' B. int Nestou'-rnt .BUieeipar»'. Obrrfchdnoweide. Östendstrahe. am Sonntag, 3, Januar,, Uhr, Sint'iii dll Bf..„ Rvdeipertt».«er»»«,,'>. P. Sonnt»,. 2. Ja»»«, 4 Ubr. VItgkicder, «erfammluna. Um 2 Ubr»Onktl ch Borste ndestbunq, »eei« Turperfchaft»rob.Berli». B»ü'k Gstdeni Neuiabrepariie n-rch Nowawe», Lok»! Ki-wke. Wallftr. 4. Abfobrt 1 Ubr Voiedomer Kauv'babnbak. wittniach. 10. Januar, erweiterte Turn otostbuna dkl Rfchienna. Ackerst?. 1, 7>aeu«ceirlotr.ssieter, Keeirkaturnwurte gnb Kpartenlriter.(Finone-rage. >-!«uten,'nI»sfun«.). � ArteiAe.Spoitkartell de« t«, Jleneathingebeeirt» Terptow. Unser,»rdeaK lich« S!»una findet Montag, 8. Januar., 7 Ubr, im Zugendbeim Sbersckiilne- mmdo, Lausencr Str 3 statt. Aldei e'-Spoei-«nd»uiturfg-tell fankow, Mvn'aa. 8. Januar. 7H Ubr. im Jteeenddeim Banko«. R'st!na«nstr»ns. Raeiell-Dervaiertenstduna. Boschtu», sgllung u.«.! Rulturaupftelluna, Haalveransta«»«. Wini»(»qnderunK vortrage, vereine unö Versammlungen. LA-» Reichsbanner.Sckwar, Rot-Gold* mmm«etchlft»stelle: Berlin« 14. Sedastianstr. 87;38 Kos? tt. rieegarte» kRr,t»>t M«.. d.».. 8 Ubr. dei Beraer. OcvtSOffl.«ck, v«wOnti Borsfandoiigung. W-bl de« Rreisaoiltcn. de». Festdtlch»»,!»: Da» fstr g-onn!»a. d. 2„ one-lggte itkonvri sindrl nichl auf dem Landaderaer Bieg, sondern auf brm Andro-Splob von V49 di» (48 Ubr st«tt. Sitr-Iirrfeiar mit Angebirigen Anbreas-ssestsötr. Gintrllts- preis 90 Bf.— Reenibe: g: Sonntag, d. 2., vormittags 10 Ubr. wichtig, Funktlonörkonferenü mit erweitertem Rreisvorstand in den Btilcherfölrn. Blücher- Ccke. Urbanstraste. Lichtrnbcrg nebst Ua ergrnpvrn: Fr. d. 81» H»bnb»s Strgfzu.Nummels. willkommen.— Adle-«boft Silvesterüter Ubr im Lsk.tl ■.._■■— m_. M— tuna an der BonurinagÄun» i» Treptow. Ttelipunft tulchnmtegs 1>4 Ubr Bainbof«dlersbvf. veeb«»d Ayerechtorefor». OeffenNich««erkammlung Montaa. 8.&nnm. » Übt, i» Restaurant Gieiffenbcran, Berlin. Zerusaiemer Str. 8. Nr. 616 ♦ 4.1. Jahrgang 2. Beilage ües vorwärts Freitag, ZI. dezember1626 Klarheit im Lanöbank-Skanöal. Die Verlustgeschäfte der Hugenberg-Verwaltung.— Ei» Notwehrakt der Behörden. Es war hohe Zeit, daß die neu« Verwaltung der in diesem Frühjahr in den Besitz des preußischen Staates und der Grenzmark Posen-Westmart übergegangenen Land dank Zl.-G in aller Oessent. lichkeit ein Geschwür ausgeschnitten hat, mit dem nach allen Rezepten rechtseingestellt« Kreise die Oesjentlichkeit zu ver- giften und durch die Aufstellung falscher Behauptungen den Staat und die öffentliche Hand herunterzusetzen versuchten. Die Landban! A.-G.. dos jetzt staatliche Institut zur Anstedlung von Flüchtlingen, hat, wie bekannt, das Zwifchengefchöftsjahr vom 1. Januar bis 30. Juni 1926 mit dem beträchtlichen Berlust von 1,23 Millionen abgeschlossen, was bei einem Aktienkapital vor 1,30 Millionen den Berlust des gesamten Kapitals bedeutet hätte. Der Ber- tust wäre noch bedeutend höher gewesen, wenn nicht die völlige Abwertung von 1,21 Millionen Schuldverschreibungen beantragt würde, die nicht in die Bilanz ausgenomema worden sind. Die neue Berwaltung der Landbank war gezwungen, sollte nicht das ganze Siedlurgswerk gejährdet werden, neuerdings eine Kapital- Zusammenlegung von 20. 1 aus 65 000 M. zu beantragen, um den Berlust zu beseitigen. Diese im Oktober beschlossene Herabsetzung des Kapitals war der Ausgangspunkt für eine Anfechtungsklage der größtenteils der alten Hugenberg-Majorität nahestehenden Opposi- tion und der Zlusgangspunkt zu einer wüsten hetze gegen den Staat. In Uebereinstimmung mit jener neuen widerwärtigen Bewegung, die di« Betriebenes Reichs, der Länder und der Gemeinden wieder privatisieren will mst dem Argument, die öffentliche Hand habe ihren Besitz nur durch die Beraubung der Sparer und Rentner erhalten und erweitert, hat die.Bttgisch-Märkische Zeitung� den Bankerott der Hugenberg. Landbank als einen«Sozialisierungserfolg' bezeichnet, und hat auch die führend« Opposition in der Landbank die Kapitalzusammen- legung als eine Beraubung der Kleinaktionäre und Obligations. inhaber der Landbonk dargestellt. Diese Hetz« drohte zum Ausgangs. punkt zu werden für eine neue d-utschnationale Agitation und für eine neu« unverantwortliche Irreführung der Oeffentlichkeit zum Nutzen der Reaktion und des Privatkapitals, ganz ähnlich jener von den Deutschnationalen entfesselten Aufwcrtungspropaganda, bei der die Mafien schließlich von der polstis-t�n Rechten schändlich im Stich gelassen wurden. In der Notwehr xegen solche Verleumdungen hat die neue Berwaltung der Landbank endlich, und man muß sagen, reichlich spät und nach überflüssig lang geübter Geduld, das Lügenneh zerrissen und auch senen beteiligten Kleinaktionären und Obligationsinhabern die Augen geöffnet, die sich nicht zur Hugenberg-Clique zählen. In einer gesonderten Denkschrift zum Geschäftsbericht vom 30. Juni wird nachgewiesen, daß alle Berlust« der Landbank unter der alten Hugenberg-Derwaltung erfolgt sind, kein Verlust unter der neuen Verwaltung etngetrelen ist,/ und daß die neue Berwaltung. im Gegen- sag zur alten ausschließlich und- mil Erfolg bestrebt ist, soweit sie durch die Opposition nicht gehindert wird, dem Stedlungswerk im Osten zu dienen. Die Anfechtungsklage wird von der neuen Ber- waltung begrüßt und die Notwendigkeit der Sapitalzusammenlegung aus den zum großen Teil äußerst verlustreichen und zum Teil sehr zweifelhaften Geschäften nachgewiesen. Bereit» im August 1923 mußte das gesamte alte Kapstal von 20 Millionen Aktien imd 20 Mil- lionen Obligationen al» verloren angesehen werden. Di« im August 1923 vorgenommene Kapstalerhöhung um 45 Millionen, von der die alt« Verwaltung den preußischen Behörden gegenüber de- hauptete, daß sie di« Lage der Landbant erheblich erleichtert habe, hat in Wahrheit nur den lächerlichen Betrog von 42,96 Goldmart gebracht. Der am 8. Januar 1926 gestellte Antrag aus Geschäfts» oufstcht mußt« durch ein Gutachten der vom Amtsgerich Berlin- Mitte bestellten Sachverständigen abgelehnt werden, well die Geschäftsaufsich der Schuldnerin nicht» nützen könne, wenn nich der Staat eingreife. Selbst ein Konkursverfahren könne wegen der fehleirden Mittel nicht in Frag« kommen, da dazu ein Dorfchuß von 130 000 M. erforderlich fei, für den di« Landbant aber nicht gut fei. Am 28. Januar 1926 hat der Vorstand der Landbank selbst an das Amtsgericht Berlin-Mitte ein Schreiben miT dem Antrag auf Eröffnung des Konkurfes gerichtet. Nachdrücklicher kann der Beweis nich geführt werden, daß die Landbank pleite war und der Fiskus, fo sehr er von Mißtrauen gegen die Berwaltung erfüllt war, eingreifen muhte, wenn das Siedlungswerk im Osten nicht ver- loren und di« bereits angesetzten Siedler nich dein Ruin preisgege- bcn werden sollten. Für die sage und schreibe 42.96 M.. die ans der Kopitalerhöhung um 43 Millionen erzielt wurden, hat das über- nehmende Konsortium von der alten Berwaltung aber erhalten. und zwar aus der Substanz der Landbant: 800 000 M. Aktien der Saarow-Pieskorv-Gesellschast. die im Sommer d. I. von einem früheren Borstandsmitglied mit 300 000 bis 330 000 Goldmark bewertet wurden, außerdem 80 000 M. Aufwertungshypotheken, die einem Wert von 101 000 M. entsprechen. Darüber hinaus erhielt das Konsortium 33 000 M. vom Fiskus gegen die Ausfolgung der Aktien an die öffentliche Hand. Mit anderen Worten, der Hugen- berg-Borftand der Landbank hat Vermögenswerte van 400 000 bis 450 000 Goldmart an das Kochortium ohne Gegenleistung aus der Substanz der Landbank herausgegeben, die vor dem Konkurs stand. Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat am 6. März 1926 die Unzulässigkeit dieser Transoktion ausdrücklich festgestellt. Mittelpunkt dieser Transaktion war die Ostdeutsche Privatbanl, die Herr Hugenberg kontrollierte. Obwohl aus die Frage der heutigen Verwaltung bei den Sanierungsoerhandlungen an den alten Borstand, warum man der Ostdeutschen Privatbank nich die Zemenioktien von Oerling. Hausen gegeben habe, der ungeheure Zukunftswert dieser Aktien de» tont wurde, steht heut« fest, daß die Aktien wertlos sind und auch damals bereits werllos waren. Dennoch hat ein Vorstandsmitglied diese Aktien der Landbank für 1060 Proz. de» Kurs» werte« verkauft. Die zu hohe Festsetzung des Aktienkapitals auf 1,30 Millionen war auch den, asten Hugenberg-Aufsichtsrat schon bekannt. Auf die Vorhaltungen des Bücherrevisors Kindler wurde von einem Dorftandsmitglied geantwortet, die weitere Herabsetzung des Aktienkapitals könne erst später vorgenommen werden, weil die Aufsichtsratsmstgsieder nich so schnall heranzubringen seien. Erschütternd wirkt der Itachweis der Verluste. die die Landbank aus Kreditgeschäfte» erlitten hat. In einem Falle hatte her Uebernehmer eines Gutes kurz noch der Uebernahme den Offenbarungseid geleistet. In dem Zeitraum von 1917 bis 1922 wurden diesem Mann« aber Kredit« im Wert« von 1,07 Mil. lionen Goldmark gewährt, auf die im ganzen noch nicht 3000 Goldmart zurückgezahlt worden sind. Ein düstere» Bild von der Geschäftsführung gewährt die Tatsache, daß die Landbank unter der alten Berwaltung sich einen großen Posten hochwertiger In- dustrieaktten lieh, um sich damit Geld zu beschasjen, diese Aktien aber im Verlauf der Transaktion oerschwanden und zur Entfchädi- gung an die Besitzerin der Papiere rund 800000 M. Entfchädi- g u n g gezahst werden mußten, was den zweiten von der Derkschrift aufgeführten großen Verlust darstellt. In einem Finanzgeschäft, über das mit der Gothaer Kreditbank noch ein Prozeß schwebt, und dessen günstiger Ausgang die Landbank heute auch noch nicht in den Besitz der Forderung, kommen lassen würde, entstand ein Berlust von 1,4 Millionen Mark. In einein Geschäft mst einem Zementunternehmen, bei welchem die alte Verwaltung schuldhafter» weise einen größeren Posten in ihren Büchern überhaupt nicht aus. wies, gingen weitere 4 60 0 00 M. verloren. Endlich werden noch Verluste einer Industrieb eteiligung im'Ausmaß von 850 000 M. und in Geschäften mit Roggenrenteydrtefen Verluste zwischen 500 000 und 600 000 M. aufgeführt. Darüber hinaus liegen aber noch weitere Verlust« vor, wie aus den Ausführungen des Aussichtsrats. oorsitzenden, Landeshauptmann Dr. Caspari, zu entnehmen war, die aber scheirbar aus Diskretion verschwiegen werden, well sie die Geschästsgebarung der alten Landbank in noch ungünstigerem Licht erscheinen lafien würden. Im letzten Teil der Denkschrift wird endlich zahlenmäßig bewiesen, daß keine andere Bewertung der Aktt» und Passivposten in der Laudbontbilanz mögstch ist und kein anderer Ausweg al» die Kapitalherabsetzung aus 65 000 TO., wie sie im letzten Geschäftsbericht vorgenommen urd von der außerordent. llchen Generaloersammlung am 9. Oktober beschlofien worden ist. Die Verlesung dieser Denkschrift und die wetteren Ausführungen des Herrn Landeshauptmann Dr. Caspari dazu wirkten aus die Führung der Opposition niederschmetternd und waren für die an- wesenden selbständigen SlelnakllonSre ein grausames Erwachen. Gegenüber der Behauptung von der kalten Sozialisierung, die Herr Rechtsaawall Donner von der Opposition als eine Methode bezeichnete,»Privateigentümer um ein Butlerbrot um ihr Eigentum zu bringen*, führt« Landeshauptmann Dr. Caspar! den Nachweis, daß die aste Verwaltung der Landbank, die heute von den Opposii- ttonsführern vertreten wird, nichts so heiß ersehnt habe, wie diese»S o z i a l i s i e r u n g*. und Inständig den preußischen Staat darum gebeten habe. Am 29. November 1925 wurde Dr. Caspari gegenüber die drkgendc Bitte ausgesprochen, doch den Fiskus zur Rettung der Landbank zu oeranlassen. Schon vorher war die gleiche Bitte an die Grenzmark Posen-Westpreußen und ihren Prooinziallandtag gerichtet worden. Gegenüber diesen Ausführungen vermochte sich die Opposition nur zu einem hilflosen und beschämen- den Gestammel ouszurosse«. Und ein. Vertreter der allen Berwaltung und des alten Vorstandes mußte sich darauf beschränken, den absolut nicht erhobenen Vorwurf persönlicher llnehrenhafttgkeft zurückzu- weisen. Pollklsche Bedeutung. Selten ist die Generalversammlung einer Aktiengesellschaft ein Ort, wo für politische Angelegenheiten eine wichtige Entscheidung fällt. In dieser Generalversammlung der Landbank aber haben sich der Vorstand und der Aufsichtsrat der Landbank ein öffentliches Verdienst erworben. Sie haben der Brunnenvergiftung durch rechtsstehende Kreise, wie sie von der Hugenberg- Clique nicht erst seil heute ausgeübt wird, im Fall der Landbank ein Ende gemacht, wo unabhängige Kleinakttonäre und Obllga. tionsinhaber diesen Kreisen für ihre Sünden wieder einmal die Kastanien au« dem Feuer holen sollten. Nach vielstündiger Debatte wurde die Bilanz, der Geschäftsbericht und damit auch die Kapital- Herabsetzung endgültig genehmigt und dem neuen Vorstand Eni» lostung erteilt. Der alten Hugenberg-Derwaltung wurde die Entlastung aus ihrer Geschäftsführung verweigert. Die Umsätze in üen Konsumvereinen. Weiteres Austeige» im November. Dem Zentraloerband deutscher Konsumverein« hat der Monat November ein wettere« erfreuliches Ansteigen der Wochenumsätze und der Umsätze des Monatsdurchschnitts gebrocht. Obwohl der Monat Oktober die Zett des Herbstgeschöftes für die Hereinnahme von Kartoffeln und Kohlen und sonstigen Wintervor- röten ist, konnte der durchschnstttiche Wochenumsatz im Monat No- o e m b e r gegenüber Oftober doch noch von 5,59 Mk. aus 5,75 Mk, also um 16 Pf. pro Kops gesteigert werden. Damit ist seit der Stabilisierung für den Wochenumsatz pro Mitglied der berichtenden Vereine, die über die Hälfte der Gesamtmitgliedschaft umfassen, der Rekord wieder erhöht worden. Gegenüber dem Monat No- oember des Vorjahres liegt ein« Steigerung des durchschnitt- lichen Wochenumsatze» pro Mitglied von 4,63 Mk. auf 5,75 Mt. vor, also ein« Stetgerung um fast 25 Prozent. Wie gewöhnlich waren auch diesmal die Umsätze in der e r st e n Monatswoch« am stärksten mtt insgesamt 10,06 Millionen, auf die berichtenden Genossenschaften betrug der Durchschnittsumsatz pro Kops in der Woche vom 29. November bis zum 4. Dezember 6,35 Mk.: gegenüber einem Gesamtumsatz von 9,27 Miillonen und 5,85 Mt. pro Kops in der Woche vom 1. bis 6. November d. I. Nur in z w«i Revisionsverbänden war der wöchentliche Durch- schntttsumsatz im Monat November geringer als der des Vor» monats. In Nordwestdeutschland um 1 Pf. und in Württemberg um 5 Pf. In diesen beiden Revisionsverbänden wirkt sich also das auf den Oftober entfallende Herbstgeschöft besonders stark aus. In allen übrigen Revisionsverbänden ist eine erhebliche Zunahme des wöchentlichen Durchschnittsumsatzes zu oerzeichnckn. in Bayern sogar um 62 Pf. pro Kopf. Den st ö r k st e n wöchentlichen Durchschnitts- umsatz hatte auch diesmal noch Sachsen mit 7,70 Mk. pro Kopf. Ihm folgt Nordwestdeutschland mtt 6,57 Mk., während Südwest« deutjchland mit 3L8 Mt. am wettestev zurückgeblieben ist. Wie di« allerletzten Berichte aus dem Monat Dezember erkennen lafien, sind auch in der zweiten Dezemberwoche die Ge- samtumsätze bei den zehn berichtenden Konsumgenofienschoften ge- stiegen, die sich an der S o n f u n k t u r st a t i st I k des Zentralver- bandes deutscher Konsumvereine beteiligen. Besonders interessant ist die Entwicklung des Konsumvereins„Dorwärts* in Dresden, der seinen Umsatz in der Woche vom 6. auf den 11. Dezember von 630 000 M. auf über 1,22 Mill. TO. erhöht hat. Bei den Übrigen berichtenden Dereinen liegen die Umsätze allerdings zum Teil unter denen der Dorwoche, was mit dem Eharakter der Vorwoche als Gehallszahlungstermin zusammenhängt. Für kohlenwirtschastslage. Noch gute Absahverhälkttisie.— Ungünstige Meldungen au» Polen. Nach Ausführungen w der Mitgliederversammlung des rhei- nisch-westfällschen Kohlensyndtkat« hatte der arbelts« tägliche Gesamtabsatz des Syndikats im November mtt rund 324 000 Tonnen einen Höchststand erreicht. In der Zett vom 1. bis 21. Dezember ist der orbeitstägliche Gesamtversand auf ruriS 307 000 Tonnen gesunken, gegenüber rund 317 000 Tonnen in der entsprechenden Zeit des Dormonats. Bemerkenswerterweise wird gesagt, daß durch die Beendigung des englischen Bergarbeiter st reiks di« Konjunktur für den'Bergbau bisher, was die Absatzmenge betrifft, noch kaum u n t e r b r och e n worden ist. Die lebhafte Nachfrage hat sowohl im Ruhrgebiei als auch in den anderen Revieren unverändert an- geHallen. Man werde damit rechnen können, daß sich die englische ZUM NEUEN JAHRE NEUE SAU AMAN DER I BEACHTEN SIE BESONDERS DIE PREISIAQEN 1250 i�50 iS50 Konkurrenz auf dem Weltmarkt in der nächsten Zeit erst allmählich verschärfen wird. Immerhin sei durch die Anstrengungen Englands da« Verkaufsgeschaft sehr schwierig geworden, und das sohlen- snndikat spricht die Besorgnis aus, doh durch gegenseitiges Unterbieten das Preisniveau auf dem Weltmarkt„unnötig ge- senkt" werden könne. Der dabei ausgesprochene Wunich, daß'sich der Gleichgewichtszustand zwischen englischer und deutskyer Kohlen- ausfuhr im Wege eines maßvollen Wettbewerbs herstellen möge. erfährt durch die geäußerte Meinung eine interessant« Beleuchtung, daß ein, deutsch-enolische Vereinbarung über den Kohlenmartt in absehbarer Zeit wohl nicht zu erwarten sei. Im Gegensaß zu den Ausführungen des rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats, daß die deutschen sKeviere weiter mit chochdruck fördern, und daß die Besserung der Wirtschaftslage über den No- nember hinaus auch im Dezember fort gedauert habe, steht eine Kundgebung der o st oberschl'e fischen Schwerindustrie. Darin wird festgestellt, daß die günstige Konjunktur für die ostöberschlesische Kohlen- und Hutlenindustrie der Vergangen- heit angehöre, weil der Druck der englischen Konturrenz nicht nur auf den skandinavischen, sondern auch in den für Oberschlesien besonders wichtigen italienischen und österreichn'chen Märkten immer sühlbarer werde. Angesichts dieser Tatsachen, die noch durch die Erschwerung der Situation in der dortigen Eisenindustrie v e r- säiärft würden, stehe Ostobetschlelic» vor einem gewaltigen An- wachsen der Arbeitslosigkeit, weil die Verwaltung unter dem Druck der Verholtniss« zu erheblichen Betriebseinschrmikungsn und damit zu Arbeiterentlasiungcn schreiten müßte. Wie weit diese Alarmmcldung aus Palen auch für dos deutsch- ostöberschlesische Gebiet und weiterhin für die übrige deutsche Kohlenwirtschost symptomatisch werden mag, muß erst die Zukunft lehren. Auflösung einer Inleresiengememschofi. In, Jahre 1922 wurde chen der Metallbant, der Metall-Gesellschast und der Deutschen »ll>- und Silber-Scheideanstolt auf die Dauer von 39 Iahren ein Interefsengemeinschastsvertrag abgeschlossen. Bei formeller Selbständigkeit der einzelnen Firmen sollten die Geschäftsabschlüsse gemeinsam vorgcnomemn und die Gewinne gleichmäßig verteilt werden. Das fünfte Jahr dieser Interessengemeinschaft ist am 39. September 1926 abgelaufen; die beteiligten Gesellschaften haben jetzt die Auflösung des Vertrag e s beschlossen. Die Metall- baut und die Metall-Gesellschast gehören zu den führenden Konzernen innerhalb der gesamten deutschen Metallwirtschast und haben trotz Ihrer industriellen Beteiligung vorwiegend Handels- mäßigen Charakter. Die Geschäftslage ist in der gesamten Metall- industri« während der letzten zwei Jahre nicht gerade glänzend ge- wcsen; andererseits war für die Deutsche Gold- und Silber-Scheide- anstatt bis zum Sommer 1926 die Situation wesentlich günstiger. Di« Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt ist als Verarbeitungs- betrieb von Edelmetallen aller Art dos führende deutsche Unter- nehmen. Die Firma hat sich auch seit vielen Jahren bereits in der chemischen Industrie betätigt. Schon seit langem ist bekannt, daß die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt, die im Grunde ge- nommen doch etwas andere wirtschaftliche Interessen als die Metall- gesellschast und die Metallbank hat, ihre volle Selbständigkeit wieder erringen wollte, um so mehr, als auch bei der Bilanzierung ein günstigerer Stand festgestellt werden konnte, gegenüber den beiden anderen Firmen. Die Auflösung des Interessengeme.inschaftsvertrages erfolgt mit Rückwirkung vom 1. Oktober 1926. Zwischen der Metall- gesellschast und der Metallbank wird ein neuer Interessengemein- schaktsoertrag abgeschlossen, während die Deutsche Gold- und Silber- Ccheideanstalt ihre freundschaftlichen Beziehungen, die wohl Haupt- sächlich auf dem Gebiete der Finanzierung liegen dürften, zu den beiden anderen Gesellschaften aufrechterhalten will. Die Auslösung der Interessengemeinschaft ist ein Beweis dafür, daß es vielfach nicht möglich ist, während der Inflation recht vorteilhaft scheinende Bindungen in normalen Wirtschastsverhältnissen aufrechtzuerhalten. Sechs Millionen Reichsbahnousträge für die kabelinduskrie. Die Reichsbahn hat für eine Strecke vo» elma 230 Kilometern Kobe-. aufträge im Wert von 6 Millionen Mark vergeben, die sich auf 12 deutsche Kabelgesellschaften oerteilen und diesen Werken für etwa einen Monat Beschäftigung geben. Au» dem Stumm-Konzera. Das Schicksal des bisher zum Stumm-Konzern gehörenden Stahlwerks Oeling in Düssel- darf ist noch immer ungewiß. Es war den Gelsentirchener Gußstahl« und Eisenwerken angegliedert, ist aber von ihnen losgelöst worden, als diese Gruppe in den Besitz des Rohde-Konzerns überging. Wia alle Stumm-Firmen Hot auch das Stahlwerk Oeking unter der Wechselreiterei der Stumm-Gesellschaften untereinander schwer g c- litten. Rur dadurch, nicht aber, wie die Verwaltung es darstellt, allein infolge der Absatzkrisis, erklärt sich der beträchllrche B e r- tust von 37 7 000 Mark. Die finanzielle Lage der Gesellschaft zeigt eine ziemliche Anspannung(37ö 090 Mark Außenstände gegenüber 712 090 Höhe von nicht vorhanden zu sein. Bei dem großen Warenbestand wird es allerdings trotz der im Geschäftsbericht gemeldeten Belebungdcs Absatzes noch einige Zeit dauern, ehe die Betriebseinschränkungen aufgehoben werden. Eine dänische Slabilisierungsanleihe. Die dänische Nationalbant hat in England einen Kredit von 3 Millionen Pfund Sterling aufgenommen. Die Anleihe soll eine Sicherheit für die Stabilisierung der Krone darstellen. Mark Schulden; beträchtliches Warenlager in 1 228 000 Mark!), doch scheint eine unmittelbare Gefahr Staats-Theater Opernhaus Platt n.d.Repuhl, 6'/,: Ziceuncrbaron Schauspielhaus 6'/, Plederrnaus Schiller- Theater »U.- Charleys Tanle «!ÄZ 6;JI Chtrloilenburp 6 /, Uhr: Jugend im Mai Mus. Lg.: Guttmann ziPtam-Wallerstein E. Kochhann Abonn.-Turnus II Sllv«sl«ri Beginn aller Rrln- hardl-Bühnen 7 Uhr Mes msaisi Norden!n334— 37 7 Ohr: RtiMtv.GneiHDaii »on Wolfgang Qoeti Regle: HeimHllpcri Kammersptele Norden 10334—37 7 Uhr: Oüapelrlda von Alexander Lernet-Holenia Ri, Ii: Heinz Hllperl. Hieraut; Das Veilchen von Frenz Molnar Regie: Eug. Roben Kleines Tli. Täglich 8'/, Uhr Die erste aktuelle nolltlsche Revue Oh! U.S.A. ftose-7heater suhr: preziosa Die Komödie Bismarc« 2414, 7oie 7 Uhr; Die Gefangene Von Bourdei Regie M.Reinhardi Iheat. iRolleadirtpi. KurfOrst 2091 7 Uhr; Max Adalbert Klnbiente N'ollendorf 7360 8 Uhr V&rteit' Attraktionen " I. und 2. Neujabrstag; 3» und« Uhr. Nachm. 3* zu ermää. Preisen das ganze Pro:r. Gr. MWW Heute SliTesiermstell. Anfang 7'.. Uhr Ende IO: ocritard nach f»r»cm Rtantenlager mein lieber Mann, der Angestellte Franz Schulze im Atter tum 50 stohren. mtlme 3ba Sdialj«. Berlin NO, Mand-INr.I. 29, Dez TSÄi llinä'cheruno am Montag, den S Januar 1927, abend, SV« Uhr. hn Rrcmatorium(Serichtstraße. ZuderSttaWe gegen den Fabrikanten und Verlag». buchhändler Gotthard Roll In vharf offen bueg, tvoeffiekfrahe 71, geboren om 1l. Juni 183« in Polen wegen Seleidlguag dat die 2. grobe Sliafkamwer de» Landgerichts II in Berlin am 1«. November 132« für Stecht erkannt. Auf die Berufungen des Angeklagten und der Elaafsanwaltlchaft wird daS angeiochten« Urteil ausgehoben. Der AngeNagt« wird wegen sortgefetzler öffentlicher Beleidigung ju einer Haft> strafe von ,wei Wochen und in die Koste» de! Verfahrens berurfeitt. Dem beleidigfen ReichSbankpräst- denten Dr. Schacht wird die Befugnis tugeibrochen, den veriügenden Teil de» Urteils binnen eines Mongts ieil MU! eilung der RechlSktaft des Urteils an ihn aus Kesten des lüngeklagten in den Anzeigenteilen d«S.Berliner Lokal-AnzeigerS", d«S.Berliner Tage- blatteS- und de-5.Vorwärts' ästen!- Itch bekannt zu machen. Germanja- Prachtsäle Hart Adder, thaassaeste 110 Am Dienstag, den 28. Deiember, vor- mittagsT'/, Uhr. verschied nach längerem schweren Leiden der Gfiztlermeister finsiav Wolf im 72. Lebensjahre. Der Verstorbene gehörte bis ran seiner Erkrankung dem Vorstande seit mehr als 25 Jahren als stellvertretender Vorsitzender an und hat während seiner Amtsdaaer sich bei allen Beschlüssen and Handlangen von eoht sozialem Geiste leiten lassen. Das gleiche gilt für seine Tätigkeit im Vorstande der Invalidenkasse der Gürtler zu Berlin. Wir werden daher sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Montag. den 3. Jannar 1927, nachm. 2'/. Uhr, auf dem alten Jakobikirohhof, Neukölln, Berliner Straßo, statt D erVorstand and die Angestellten der Orfskrankenkasse der Gürtler zu Berlin. Vorstand der Invalidenkassc der Gürtler zu Berlin. Heute Grosse Sflvefterfelcr Anfang'/,» Uhr Tisehbestellungen«erden erbeten. Berliner Ulk-Trio Meukölln. wSW Uhns'.r. 74 7S U R.Zechiin LIE ßisW' --- Aaasloß de* berfihmeaa B i �10� ru l t Paiüt*!. Verseil-'•ia -Unterhaltung unö Wissen Seilage ües vorwärts Einst unö jetzt. 1900:, kusch dich, China! Schön pfötchen geben 1920:„Wollen Sie bitte den Hot ziehen, Fohn Sull!� Gottes öuchführung. Voa Franziska Maun. Seltsam! Des Jahre» letzte Stunden wollen Gottes Buch. führung offenbaren, mag sie auch zwölf Monate hindurch vernach. läffigt worden fein. Wir Menschen vernehmen dann Älänge, die wir sonst nicht hören: Alltagsgeräusch« überdröhnten sie. Nicht nur der Ueberempfindlichs ist von diesen Melodien gefangen. Auch den Trotzigen, den Verbitterten, den längst schon Stumpfgewordenen paiten Erfindungen— sei es auch nur für Minuten— die sonst mit einem raschen Achselzucken abgeschüttelt werden. Heute, in dieser Nacht, will Gott den Jahresabschluß machen: aber nicht ein Gott.da oben", nein, der Gott in der eigenen Brust. „Was bin ich doch eigentlich für ein schlechter Kerl/ kann ganz deutlich der angesehenste Mann in sich fühlen, an desien Wert und Würdigkeit in der Welt niemand zu zweifeln wagt. Und dieser äußerlich Hochstehende hält«in paar Augenblicke tnne im Jagen nach Erfolg: er sieht sein Tun in seiner ganzen Dürftigkeit, doch Stellung und falsche Lebenssührung halten ihn zu fest in ihrem Bann. Nur«in kurzes Zögern, ein flaches Besinnen, und schon mit dem Wiederbetreten seiner glänzenden Räume sind dies« Stimmen spurlos verschwunden. Ganz anders kann der Künstler in der Neujahrsnacht an seines Gottes Buchführung leiden. In reißendem Schmerz wird es ihm klar, wie wenig das ist,.wodurch er e» zu was gebracht hat". Er weiß, daß er trotz des Beifall» der vielen wenig von dem aus- zuströmen vermochte, was ihn durchzitterte. Er weiß, daß er nimmer, wie er einst wähnte, die Welt aus ihren Angeln heben wird. Schwer sinkt sein sonst hoch erhobenes Haupt auf den Rand des horten Tisches. In dieser Stunde sieht er nichts von den Sternen, zu denen er sonst immer die Augen erhob. Er fühlt nichts von dem trügerischen Taumel, der ihn sonst von den anderen unter- scheidet. Er erinnert sich nicht der strahlenden Blicke, die sich oft tief und leuchtend in die seinen senkten. Qualvoll klar erkennt er nur feines Schaffens Bedeutungslosigkeit.— Wie stöhnt es in denen, die Hunger und Kälte zum Abstieg zwangen, und die sich in diesen Stunden nach ihrer einstigen Würde sehnen. Sie fielen von Höhen in Abgründe: denn im Rennen nach Arbeit, nach Brot, nach einem mrr eingermahen menschenwürdigen Dasein hörten sie auf, sich der Wege zu schämen, aus die die Not sie drängte. Lange schon stieg es ihnen nicht mehr heiß in die Wangen, wenn sie eine Wohltat anzunehmen gezwungen waren. (Wer aber entscheidet über das, was wir uns anmaßen.Wohltat" zu nennen?) Nicht mehr bäumt Zorn sich in Zermürbten auf,.so weit gekommen zu sein". Darben zwang sie, vieles zu.können": aber sie wollten auch leben, leben um jeden Preis für die, denen sie sich nötig wähnten: leben, weil sie sich vor der Finsternis fürchteten. Heute nur, in der Still« dieser Nacht, rötet Scham ihnen wieder die Wangen. Bielleicht falsch« Scham: sie sehen ihr« ausgestreckten, zum Empfangen hingehaltenen Hände, sie sehen ihre eigenen ängstlich-erwartungsvollen Blicke, und— sie weinen, weinen bitterlich.— In dieser Nacht fällt eine andere Befeuchtung in Hütten und in Schlösser. Unklar ahnen die im Geiste Einfachen das gleich«, wie es in heißer Heftigkeit in dem Starken schreit: Wir haben das schöne Leben verstümmelt,— vielleicht nur aus Gedankeolosigkeit und Ungeschick. Warum ließen wir uns vom Leben oerbrauchen? Und glühendes Verlangen nach ihrer einstigen Schuldlosigkeit er» schüttert müde oder verhärtete Herzen. Die.Dornehmen" rüsten sich zum Festmahl in eleganten Speisesälen. Sie fahren in ihre Pelze, m ihre seidenen Strümpfe. steigen in ihre Autos. Sie denken auch heute nicht an die, deren Glieder erstarren, weil sie in nichts steigen können ol» in den Karren, der sie mit ihren Aengsten immer weiter in jähe« Eni» setzen jagt. Menschen, denen immer nur äußeres Genießen alles bedeutet, wissen nichts mehr von dem Gott, der einst auch in ihnen lebte. Sie ahnen daher auch nichts von dem Defizit, mit dem immer wieder ihre Jahresbilanz säiließt. Sie bleiben Geschöpfe der Dunkelheit, mögen auch noch so vieler Kandelaber Kerzen sie umfluten: Helle können sie nicht verbreiten. Sie fühlen sich nur zu denen hingezogen, die ihre Zeit in der gleichen leeren Ueppigkeit verschwende?». Allen Landen des Elends halten sie sich fern. Auch heute oernehmen sie in sich keine sie quälende Stimme.— In vielen Seelen aber mahnt in dieser Stunde ein Gott, daß sie ihre Heiligtümer entstellten. Und doch sind diese Heiligtümer nicht unwiederbringlich verloren: jedem von un» kann neues starkes Leben au» seinen Schmerzen erblühen. Ueberfatzren. Elve Elseubahnernooelle von vlar Maria von IVebrr. „da war am Silvesterabend wie heut«, anno lS4ä. vor vollen ausgeschlagenen dreißig Jahren, und ein Hundewetter, Schneetreiben und Regeirschlacker durcheinander." Der alt« Lokomotivführer trocknete sich die Stirn, tat einen Schluck au» dem Punschglas und fuhr dann fort: „Beim Hin- und Hersinnieren hatte ich nicht viel auf Wetter, Wind, Weg und Steg geachtet und ich bemerkte nur eben, daß es noch wirbelte und heulte in der Luft, als ich in den Einschnitt bei der allen Oelmühle eingetreten war. durch den hindurch man die enster meines Hauses gesehen hätte, wenn man überhaupt zehn chritte weit hätte sehen können. Ich ging im rechten von beiden Gleisen im Einschnitte fort, weil es für meinen Weg schneefrei war und ich von ihm aus das Haus zuerst sehen tonnte. Und zwar ging ich ganz ruhig, denn ich kam vom Bahnhof, und ihr wißt, es ist das Einfahrteglels, also konnte mir kein Zug von rückwärts nachkommen, und von vorn war keiner zu erwarten. Auch hätte ich ihn kommen hören müssen. Als ich nun mitten In dem Einschnitte war, der. wie es euch bekannt ist. in der Kurve liegt und in dem man an jedem Abend nicht eine Wagenlänge weit sehen konnte, hör' ich Himer mir pfeifen, und gleich darauf dös Klipp und.Klapp der Räder eines langsam herankommenden Zuge». Ich hörte auch, daß die Maschine den Zug vor sich herschob, denn der Maschinenschlog war viel weiter hiMen al» da» Räderrollen. Ich dachte: Aha! Das ist der Reservezug von ungefähr zwanzig Achsen, der vorhin aus dem Gleise drüben stand, und den sie nach dem Güterbahnhof hinüberdrücken. Alle» das ging mir aber?mr ganz dunkel durch den Sinn, wie man immer mechanisch an den Dienst denkt, auch wenn man Kopf und Herz von anderen Dingen voll hat. Ich sage: ganz dunkel: lm Grund ging's mich ja nichts an, denn der Zug mußte gleich auf dem linken Gleise an mir vorbeikommen. Als aber das Ping und Pang der Räder aus dem hartgefrorenen Gleise ganz nahe herangekommen war und ich schon hörte, wie die Notkette von dem vordersten Packwogen hin- und herklirrt«, und sah. wie das Licht seiner Signallaterne neben mir auf dem Schnee hinzugleiten begann, drehte ich den Kopf zur Seite, um den Kerl» drüben auf dem Zug ein„Prosit Neujahr! zuzurufen. Aber da war kein Zug auf dem Gleise drüben— und In dem selben Augenblick— nun— da bekomme ist einen gewalligen Stoß in den Rücken. Feuer sprühte mir aus den Augen— puff, liege ich flach im Gleise, auf dem Gesicht, und pung— pung— beginnen die Wagen über mich wegzugehen." Der alle Lokomotivführer machte hier wieder eine Pause. Es war totenstill im Führerzimmer, weitgeöffneten Auges, porgeb...ot, bleich, umgaben die kräftigen Gesichter der Führer den Tisch. „ftittder, in dem Augenblick, der zwischen dem Stoß und meinem Flach-auf-der-Erde- liegen war, habe ich soviel gedacht, wie'-.ist zwischen Ostern und Pfingsten nicht. Zuerst an daheim, die warme Stube und alle» darin und an das Neujahrsgeläut und den Neujahrs- kirchgang morgen— na, und dann kalkulierte ich so deutlich, rls hätte ich fein Rangieren zu kommandieren über ken Zug, der über mich hinwegging. Warum kam er denn auf.em unrechten,..m Gleise, in dem ich gegangen war, dem Einsahrtsgleise herauswärts? Und da hatte ich es gleich, was ich vorhin bei meinem Grübeln ver- gesien hatte. Das Ausfahrtsgleis hatte ich ja am Mittag noch tief im Schnee verweht gesehen, und deshalb fuhren sie auf dem Ein- fahrtsgleise hinaus. Dann sah ich den Zug deutlich stehen: es konnten nicht mehr als zwanzig bis zweiundzwanzig Achsen Güter- wageii sein, alles unsere eigenen Wagen: die gingen alle hoch über den Schienen: die taten mir nichts— ich log flach genug zwischen den Gleisen. Aber die Maschinen, die Aschkästen der Maschinen! Ich kannte die drei Maschinen, die noch auf der Station im Feuer fta?lden, wie meine Töbaksdose. Der„Wittekind" ging wohl harmlos über mich hinweg, auch wenn ich beleibter gewesen wäre als ich da- mals war: der„Hermann" konnte mir allenfalls noch gnädig sein, wenn er wenig Wasser und Feuer im Kessel hatte, und die Kies- füllung, auf der ich lag, nicht dick war, aber unter dem„Sirius", einem von den neuen niedrigen Elefanten, war ich ein toter Mann. Ja. ein gleich Toter, das wäre nicht das Schlimmst« gewesen, aber «in langsam in Stücke zerrisiener und zerdrückter Mann. Welche Maschine war es nun, die da kam? Alles das. seht ihr Kinder, hatte ich eigentlich zwischen Ätoß und Liegen gedacht, aber al» ich einmal lag, hörte alle» Kalkulieren auf. und nur gaiü Instinklmäßig streckte ich mich und zog den Atem an und machte mich dünn, wie der Marder, der aus der Falle will, und zählte die Achsen, die über mich hinweggingen. Da sprach beut- lich jedes Ping Pang Silben au», die sprachen: Ein schlechter Tod — ein schlechter Tod. Und fetzt greift mich etwas Schweres an, nein, es ist noch nichts: es gleitet und streift nur klirrend der Läng« nach über mich hin und schlägt mich kalt ins Genick, es ist eine herabhängende Zugkette. Aber jetzt kommt's, dann sah ich von der Seite, obwohl ich den Kops in eine Tagerinne drückte, daß die Schiene und der Schnee und die rollenden Räderschatten über mir Heller rot beleuchtet wurden: das war das Maschinenfeuer, das aus dem Asch- kästen schien.— Jetzt fühlte ich es heiß werden, am bloßen Kopf und Genick. Die Schwellen drückten sich nieder: das Gleis dröhnte und bog sich: der Boden bebte unter mir, da ist's.— Und zugleich packte e» mich auch mächtig im Rücken, drückte vorwärts— Gott sei mir gnädig!— da ritz und ratz— riß etwas an mir entzwei— und pang— pang— wälzend, donnernd und stampfend war die'„ta- fchine über mir hinweg. Der Boden zitterte nur noch nach. Vom freien Himmel herab stürzte das Schneewehen wieder auf mich nieder. Wie ich auf die Beine gekommen, weih ich nicht. Ich stand da und schüttelte mich und sah die roten Lichter der Maschine in der Kurv« verschwinden, die mir aussahen wie die Augen de» leib- haftigen Todes. Dann fühlte ich mich an, was mir denn die Maschine vom Leibe gerisien habe, und seht, da fehlten mir die ordnungsmäßigen Knöpfe Kimen am Dicnstmantcl. Ich ging zum nächsten Weichenwärter, ließ mir ein« Laterne geben und suchte die Knöpfe im Schnee. Als wir aber zu Hause um die Bowle saßen, in die ich bald zuviel Arrak, ballt zuviel Zucker tat, daß die Luise mich verwundert jragtc:„Mann, was host du denn heute? Du zitterst ja und spricht gar nicht!", da kam mir erst Berstand und Sprache wieder:�und ich zeigte Luise die Knöpse und erzählte ihr die Geschichte. Seht, hier habe ich die Knöpfe und werde sie tragen, bis der Tod einmal wirklich kommt." (Mit Erlaubnis des V D I.- Ve r lag e s. Berlin, dem Buche „Aus dem Reich der Technik" von Max Mario von Weber entiwmrnen.) Neujahr auf Korchposten. Ein Erinnerungsblatt von Paul Franke. Die Neujahrsnacht 1915/1316 war eine der schrecklichsten, die wir je wähveicki de» langen Kriege» erlebt hatten. Tagelang schon tobte bei grimmiger Kälte ein hefttger Schneesturm. Die Luft war so eisig und scharf, daß man sich ein Tuch oder ein Stück Sack vor da» Gesicht halten mußte, um überhaupt atmen zu können. Die Gräben, die 2 Meter bis 2,26 Meter tief waren, waren vollständig zugeweht und mll der Erdoberfläche gleich. Nur ar einigen gesckiüg len Stellen lag der Schnee nur etwa einen Meter hoch. Eine solche Nacht war die Neujahrsnacht und wir zogen auf Horchposten. Bei diesem Wetter war jede Krleg»handlu?»g fast unmöglich. Der Russe, der unsere nur äußerst schwach besetzten Linien mit seiner vier- bis sechsfachen Uebcrmacht leicht hätte übernimpeln können, da er ja den Schneesturm im Rücken hatte, begnügte sich damtt, uns ab und zu eine„schivarze Sau" zu schicken. Eine solche„schwarze Sau" schlug dicht hiltter unserem Unterstand ein, gerade als wir auf Horchposten waren. Ein„Splitter" aber, der ziirückslog, durch- schlug die leichte Tür unseres Unterslandes und traf einen Kameraden, der sich gerade zur Ablösung fertig machte so, daß er laut- mld schmerzlos in» bester« Iensetts hinüberglitt. Bei dieser grimmigen Kälte hatte das weif« Oberkommando zwar angeordnet, daß die Nachtposten statt zwei nur eine Stunde stehen sollten, wo ober der Ersatz herkommen sollte, daran hatte man nicht gedacht. Und so standen wir trotzdem immer zwei Stunden, um wenigstens vier Stunden Ruhe zu haben. Und so stierten wir mit zujammengeknifsenen Augen in die finstere Nachr. Bon oben in die Schaftstiefel dringt der Schnee. Bald sind die Füße wie ein Eisklumpen, die Unterschenkel, die Hände und Arme wie abgestorben. Es ist uns nicht mehr möglich, da» Ge- wehr zu halten, und gleichgültig legen wir es in den Schnee, wo es bald zugeweht ist. Hätte uns jetzt jemand den Kopf abgeschlagen, uns wäre es egal gewesen, wir vermochten keinen Widerstand mehr zu leisten. Währenddessen saßen die Offiziere m ihren Unterständen und besoffen sich, teile aus Berzweislung. teils um während der er- höhten Alormbereitschast wach zu bleiben. Als wir nun endlich ab- gelöst wurden, rvaren wir halb erfroren. Der Mantel war steif vor Kälte und stand vom Körper ab, der Kopfschützer war an den Haaren festgefroren und taute erst im Unterstand allmählich auf. Die Augen waren durch den feinen salzigen Schnee schrecklich entzündet und schmerzten noch tagelang danach. Am anderen Tage meldeten wir beide Horchposten uns krank. Ich hatte Fieber und furchtbare Schmerzen in den Unterschenkeln. Die erste Frage des Arztes war, ob ich schon einmal geschlechtskrank gewesen wäre. Auf meine Höf- liche Antwort, daß wir in dieser Nacht auf Horchposten waren und 18 Grad Kälte hatten, gab er mir zu>:l Aspirintabletten, bepinselte meine Beine mit Jod und wickelte ste in schwarzgraue Watte, die ich ober nach zwei Tagen ins Feuer steckte, da sämtliche Läuse meines Körpers in dieser warmen Hülle ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatten. Meinem Kameraden erging e» schlimmer. Er wäre ein Simulant, schnauzte ihn der Arzt an. und meldete ihn dem Kam- pagnieführer. Dieser schickte ihn am Tage aus Einzelposten. Als er nach zwei Stunden abgelöst werden sollte, zog man ihn, stcis wie ein Brett gefroren, ans dem Horchloch. Er war den„Heldentod" ge- starben. In kurzer Zeit verlor unser Bataillon durch die entsetzliche Kälte 76 Mann an Toten und Verwundeten, und noch elf Monate später, als ich verwundet im Lazarett lag, erzählte man sich dort von den furchtbaren Verstümmelungen und Amputationen, die die Halberfrorener über sich hatten ergehen lassen müssen. Der Ausenthalt in unserem Unterstand mar auch mcht gerade verlockend. In dem Loch von viermal vier Meter Größe hausten wir zu fünfzehn Mann auf einem Tannenreisiglaqer. Das„Fenster" hatten wir uns aus Heiligenbildern gemacht, und ein Ofen aus alten Ziegelsteinen lieferte die dürftige Wäriyc und den dazugehörigen Qualm. Eine Anzahl Konservenbüchsen bildeten den Schornstein und eine runde, flache Blechbüchse, in der wohl früher mal schmück- hafte Delikatessen aufbewahrt wurden, war unsere Waschschüsiel. Bor etwa hundert Iahren ping in fast derselben Gegend die ruhmreiche große napoleonische Armee zugrunde, und noch heute gibt es Leute, die da singen:„Mit Mann und Roß und Wagen, hat ste der Herr geschlagen." AI) 3.