Ne.4 ♦ 44.�ah?g. Msgabe Q Nr. Z Bezugspreis. � Wöchentlich 70 Wensin«»»-tvch ikcichsmoei l»>rau» tahlbn?. Unter Kreiubaud fiir Deutschl. S-i'�iia. saar» uaS Memelaebiei. cei.-rreich. Litauen. Luiemlnir, 4,Sc Aeichsmart. für das iibri», Tu-Ian» ÖÄO Setchsmart pro M-n«. Der..B°WSrt»� mit ber ivulkier. teu Sonntagsbeilag« �oll und geit� trsis Sc» Beilaacn.Unterhaltung un? Lilien"..Au» der jsilmivalt". .Sueacnitinime*.»Der Rindet. freund".„Juaend-Porroirts" und .Blick in die Bllcherwe.t" erscheint wochentägllch»weimal. Sanntag» und Montag» einrnal. Telegrannn.Adrege: �Sojta>a«u»»tr«t v«rtt»- Morgenansgabe Derlinev Volksvlatt (10 ptennia� Buzeigeupreise: Ml•(«(«•IMtl RontxjwsHe- (lill 80 vtennt«. Steklaniezeile K— Zleichmnart..Kleine An, eigen" da» fettaedrnckt« Wort SS Pfennt, fittioma uvei iettaed ruckte Wortel, »«de« weiter« Wort 12 Pkennla. Stellenaesuch« da« er Ii» Wort Iii Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über lS Puch. fiabe»«üble» für»wei Worte. Ardeitsmarkt gelle 80 Pfennig. SanUlenoiuKigc« für Abonnenten Seile«0 Pfennig. fRr die»üchft, Stanan »Ollen M» IM Ubr nachmittag» im Bannt«schüft. Berlin SW SS. Linden. KnaOeR. abgegeben werden. Geöffnet na» Std Ubr frllb bi- b Ubr nachm. Zcntralorqxn der Soziatdemokratffchen Partei Deutfchlande Neüaktion und Verlag: ö erlin SW. HS, Ändenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2SS— SS7. /lbsthieö von Iritz Zubeil. Gedächtnisrede des Genossen Wilhelm Dittmau«. Gestern nachmittag wurde im Krematorium in der Gerichtstraße. Fritz Zubeil zur letzten Ruhe bestattet. Die große Halle konnte die Erschienenen kaum fassen, so groß war die Zahl derer» die chrem toten Kampfgenosien einen letzten Gruß bringen wollten. Prachtvolle Kranzspenden zeugten von der Verehrung, die der Verstorbene genossen: Viele Orte seines Reichstagswahlkreises hatten Kranz- deputationen entsandt, Vertreter der Brandenburger Bezirks- organisatiou der sozialdemokratischen Partei schlössen sich an. Die Reichstags- und die Stadtverordnetensraktion, der Par- teivorstand, der Verlag und die Redaktion des„Vorwärts". das Reichsbanner, die'Arbeiterschaft des Osramwerkes legten Blumengewinde nieder. Unter den Kränzen der Gewexk- schaften befanden sich solche von der Postgewerkschaft im Verkehrsbund, vom Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Beamtenbundes und vom Zentralverband der Hotel«. Restaurant und Caf6angestellten. Ein Kranz vom Garten- bouamt des Bezirkes Kreuzberg bewies, welcher Verehrung Genosse Zubeil als Dezernent dieses Amtes sich erfreute. Neben zahlreichen Mitgliedern des Parteioorstandes hatten sich viele Bezirksamtsmitglieder, Stadt- und Bezirks- verordnete und Vertreter städtischer Körperschaften ein- gefunden. Eine Ehrenwache von Rcichsbannermitgliedern ftanfiene den Sarg. Zahlreiche Partei- und Reich'sfohnen ständen zu Häupten des'Toten. Mit Aases Tod von Grieg leitete die Musik die Trauerseier ein, darauf sang das Ebert- Manz-Quartett das einfache„Ein Sohn des Volkes". Reichslagsabgeordneter Genosse Dittmann sprach dn"!: in einer tiefempfundenen Gedenkrede von Zubeils Loben und Wirken: Mit wehmütigem Stolz haben wir das Tranergefolge begrüßt, dsz unseren Fritz Zubeil auf seiner letzten Fahrt am Donnerstag begleitete. Die ganze Lsebe und die ganze Verehrung des Prole- tcriats verkörperte sich in den Massen, die dem Trauerzug folgten. Nun nehmen wir zum letzten Male Abschied van ihm, bevor die Flammen seinen Leib verzehren. Noch einmal kommt uns zum TewuWein, was er uns war und was wir In ihm verlieren. Noch einmal ersteht vor unserem geistigen Auge der ausrechte, gerade Kampf,' dip ZabeU in feinem langen Loben für die Armen und Umcrdrückten, für das Proletariat, für den Sozialismus schlechthin, führte. Sem Leben war verbunden mit der Berliner Arbeiterschaft. Hier in Berlin hat der Entschlafene«in halbes Jahrhundert politischer Entwicklung mitgelobt und miterkämpft und stets haben wir ihn in der vordersten Reihe gesehen. Generationen kannten es nicht anders, als daß Fritz Zubeil immer an erster Sielle stand, wenn e-i gast fiir den Sozialismus, für die Partei zu wirken und deshalb leb, in der Masse der Berliner Arbeiterschaft das Gefühl, daß dieser eiicmalige Tischlergeselle Fleisch von ihrem Fleisch und Blick von ihre« Bück war. Er kam mm ante» herauf, er lebte unter der Mass«, er wirkte für sie und war stets mit ihr verbunden. Bon seiner Pionierarbeit kann sich die heutige Jugend kaum «in« rechte Borstellung machen. Zubeil begann seine Arbeit in der Soziaü>«nokvatischen Partei, als der Klassenstoat mit der Klassen- justiz und mst Landesverweisungen gegen seine Widersacher arbeitete. Aber oll das, noch weniger das Sozialistengesetz, tonnte den Der- storbenen von dem als' richtig erkannten Wege abbringen. In dieser schwersten Zeck für den Sozialismus stand Zubeil im Mittelpunkt des Kampfes und besonders in der Landagitation leistete er lange Jahre der Partei wertvoll« Dienste. Don Dorf zu Dorf in seinem Riesenwahlsteis ziehend, redete er zu der unaufgeklärten Land- bevölkerung in seiner einfachen, eindringlichen Sprache. Die Erfolge blieben nicht aus. Noch jahrelanger Kandidatur gelang es ihm im Jahre 1897 den damaligen Wahltreis Teltow— Beeskow— Eharlottenburg das erstemal für die Sozialdemokratische Partei zu erobern. Di« Der- tretung dieses Riesemvahlkreises, der nach der Revolution in acht Wahlkreis« aufgeteilt wurde, war im Parlament nicht leicht. In den Kämpfen um den Zolltarif und um das von uns geforderte Wahlrecht war Zubeil in feinem Element. Besonders aber nahm er sich im Reichstag der unteren Beamten- gr Uppen und in ihnen wiederum der Postbeamten an. Er tat das schon zu einer Zeit, als an eine bewußte Beamtenpolitik im Parlament nach niemand dachte. Im Jahre zog er als Stadt- verordneter in die Berliner Stodtverordneteuver» fammlung«in. Hier hat er in Gemeinschaft mit unserem Paul Sin�- tzi« Grundlagen für«in« sozialistisch« Kam- munalpolitik geschassen. Auf den Parteitagen, wo Zubeil meist als Vertreter feiner Wohlkreisorganisation zu finden war, nahm er oft da, Wort und so manche Entschließung, die angenommen wurde, entsprang seinem Geist und trug seinen Namen. So rauh und schroff er auch äußerlich erschien, im Herzen war er doch eine gütig« Natur, die stets und immer für all« Bedrückten ein warmes Herz hatte, well er selbst die Nöte und Sorgen des Lebens frühzeckig genug kennen ' gelernt hatte. Di« Anfeidungen, die er von gegnerischer Seite erfuhr, verstärkten nur seine Sympathien im Dolk«. Bis in die letzten Tage feines Lebens Hot er«s bitter ernst mit der Vertretung feiner Slustraggeber in den Parlamenten ge- nonmien, selten nur fehlt« er in den Sitzungen. Fritz Zubell wird in unseren Gedanken fortleben als«in ausrechter, würdiger Kämpfer für den Sozialismus. Mit dem Gelöbnis ihm nachzueifern und das von ihm begonnene Werk fortzusetzen, scheiden wir von unserem Wien Genossen." In ttefem Schweigen nahm die Trauerversammlung Abschied von Fritz Zubeil. Dann sank unter feierlich-starken Orgelklänaen der Sarg in die Tiefe, während sich ehrfurchts- voll die Fahnen senkten. Jubiläum öes Reichsjuftizamts. Aber keine Jubilöumsamncstie. Das Reichsjustizministerium hat gestern sein Sstjährige? Bestehen gefeiert. Bell sprach. Marx erwiderte. Bell, der geschäftsfuhrende Reichsjustizminister, sprach beifalls- reiche Worte über die Bedeutung der deutschen Rechtseinheit, kam aber dabei auch auf den beherziaungswerten Gedanken. daß das Recht nicht nur einheitlich, sondern auch g u t sein soll. Darüber sagte er: Lassen Sie mich Ausdruck geben einem aus tiefstem Herzen cnt- sprungcnen Festes wünsch, dessen Verwirklichung zugleich hoch- stcs vaterländisches Ziel und vornehmstes Pflichigebot bedeutet für das meiner Leitung anvertraute Reichsjustizministcrium. Mögen Recht und G er e.chtstg k e i t die Grundpfeiler blrbcn für das Staatsgebäude der Deutschen Republik, Rechtsgedanke und Stoatsgesinnung, die starken Triebkräfte für das Aufwärtsstreben des deutschen Volkes! Mögen Rechtsfindung und Rechtsprechung, getragen von den ewigen Grundsätzen der Sittlichkeit und der Gerechtigkeit, allen berechtigten Anforderungen und Fortschrittsentwicklungen der Neuzeit entsprechen und einen Jungbrunnen finden in der Erneuerung deutschen Volkslebens! Auf einen ähnlichen Ton war auch die Rede des gc- schäftsführenden Reichskanzlers Marx gestimmt. Es sind schöne Worte, die jedoch wirkungslos am Ohr vorbeirauschen, wenn man bedenkt, daß das Reichsjustizministcrium nicht getan hat, was es in seinem Wirkungskreis tun konnte, um di-„Festwünsche" des Reichsjusiizministers der Erfüllung näherzubringen. Eine Amnestierung der zahlreichen Ar- beitcr, die als Opfer kommunistischer Parolenschusterei in den Zuchthäusern und Gefängnissen sitzen, hätte sehr mahl den„ewigen Grundsätzen der Sittlichkeit und der Gerechtig- feit' emsgxochen, die Herr Bell fönend predigt. Ohne eine solche t bleibt das Fest des Reichsjustymimsterhrms leeres Gepräge und hohler Schall.- Srianös Neujahrskunügebung. Gegen Poincars gerichtet?— Unbehagen der Rechtspresse. Paris. 3. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Erklärungen, die B r i a n d dem„Matin" gegenüber zum Jahreswechsel ab» gegeben hat und in denen er zum ersten Mole in der Presse rück» haltlos für seine Loearnopolitit als die eiirzigmögliche Politik der Gegenwart eintritt, finden in hiesigen politischen Kreisen große Beachtung. Man steht sogar, wie in zahlreichen Blättern ver- lautet, einen Bor st oh Briands gegen das Kabinett P o i n e o r ä darin, und verschiedene Blätter, so der„Jntransigeant", sprechen bereits von Krisenluft. Sie sehen eine Bestärkung dieser ihrer Auffassung in der Eindringlichkeit, mit der Briand betonte, es müsse sofort nach Wiederzujammentritt der Kammer eine präzise Aussprache über die auswärtige Polttik der Regierung herbeigeführt werden, in der sämtliche Parteien g e- z w» n g e n werden sollten, dazu Stellung zu nehmen. Es liegt auf der Hand, daß eine derartige Debatte, wenn sie zustandekommt, den Bestand des„Ministeriums der nationalen Einheit" ernstlich gefährden muß, da es kein Geheimnis ist, daß manche Minister und vor allem Poincar� nicht, die Loearnopolitit Briands restlos teilen. Briand gegenüber konnte es von vornherein nicht ent- gangen sein, daß seine sensationellen Erklärungen ein Un- behagen in ministeriellen Kreisen und einen Sturm bei der Oppositionspresse hervorrufen mußten. Diese fühlt sich äußerst beunruhigt und fragt sich, was Briand mit seinem plötzlichen Bor- stoß gegen das Kabinett bezwecke. Er fei sonst keineswegs der überstürzte Politiker und könne zweifellos nicht verkennen, daß im gegenwärtigen Augenblick eine Krise, ja lediglich eine Um- biidung des Kabinetts, wie sie vielleicht durch eine Aussprache über die Briandsche Außenpolitik herbeigeführt werde, ernstliche Gefahren noch sich ziehen würde. Briand scheint die Wirkung seiner Erklärungen von der poli- tischen Atmosphäre fern von Paris abwarten zu wollen? er hat sich am Montttg nachmittag zu einem z ehntügrigen Urlaub im Auw nach Südfnmtreich' begeben: vorwärts-veriag V. m.b.H., Serlin SV. HS» Llndenstr.Z «•««(«MtM Pctfla RM-««»tt»»t»- P»»« bn Ari.ite».«»a-ftcklw- »ab Ptamita.«-10». Iii•bbati.ScttllAatt.»«»»Otentall« Lwd-Nft». 8. Patriotismus oder Profit! Die Feftstelümge« de» Untersuchungsausschusses für RuhreutfchSdiguugeu. Das Jahr 1926 war für die deutsche Schwerindustrie ein Rekordjahr. Das gitt in erster Linie für den Ruhrberg- bau. Er förderte größere Mengen Kohlen als im beste» Vorkriegsjahr, im Jahre 1S1Z. Er erhielt für den Inlands- und Auslandsabsatz günstige Preise. Er hatte infolgedessen entschädigt. Um so größer wird die Freude der Ruhr- industriellen sein, daß sie ihre Abrechnung mit dem Reich für die Leistungen aus dem Ruhrtampf nicht jetzt vorgenom- men haben, sondern bereits 1324, als es ihnen schlecht ging und die maßgebenden Männer der Reichsregierung, Dr. Stresemann und Dr. Luther, ihnen freudig den Griff in die mit Steuergeldern anderer gefüllte Reichskasie erlaubten. Es dürfte wohl von niemand angezweifelt werden, daß die Ruhrindustriellen mit ihren Entschädigungsansprüchen weniger gut weggekommen wären, wenn die Gesamtabrechnung durch ein Reichsgesetz, d. h. unter der Kontrolle der Oesfentlichkeit erfolsit wäre und zwar in einer nicht mehr von Inflationsbegriffen erfüllten Zeit. Beides aber ist durch Regierungen verhindert worden. an denen die Sozialdemokratie nicht beteiligt war. Die Gelder waren ja bereits ausgezahlt, als der dichte Schleier des sorgfältig gehüteten Geheimnisses zum Entsetzen der Ruhrindustriellen und der Reichsregierung plötzlich zcr- rissen wurde. Infolgedessen stand der auf Antrag der Sozialdemokratie eingesetzte Untersuchung sausschuß des Reichs- t a g e s vor abgeschlossenen und vollendeten Tat- fachen. Will man seine kürzlich beendigte Arbeit sachlich würdigen, �o wird man an dieser Tatsache nicht vorbeigehen können. Auch andere Momente haben seine Arbeit sehr er- schwert. Es handelt sich bei der Feststellung bzw. Nachprüfung der Schäden und Leistungen um sehr schwierige technische und wirtschaftliche Fragen, die die Mitglieder des Ausschusses aus eigener Sachkenntnis ent- weder gar nicht oder nur sehr schwer beurteilen konnten. Die Urteile der herangezogenen Sachverständigen aber waren naturgemäß verschieden— Sachverständige sind überdies zumeist Interessenten—, die Angaben der R e» g i e r u n g immer zugunsten der von ihr bereits anerkannten und bezahlten Ansprüche. Bon Objektivität war bei de» meisten Mitgliedern des Ausschusses, wenigstens zugunsten des Reiches, kaum etwas zu spüren. Die Vertreter der Deutsch nationalen und der Deutschen Volks- Partei haben von Anfang an kein anderes Ziel gesehen. als die Großindustriellen von dem Vorwurf reinzuwaschen. sie hätten sich an dem Ruhrkampf auf Kosten des Volkes bereichert. Aber auch andere Mitglieder des Ausschusses haben eine sehr bedenkliche Rücksicht auf die Haltung der Reichsregierung genommen. Die Festsietlungen des Ausschusses find daher das Ergebnis eines erbitterten Ringens zwischen den Vertretern der Sozialdemokratie und den einseitigen Schützern großkapitalistischer Interessen. Trotzdem ist es der ausdauernden und zähen Arbeit der sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses gelungen. ein Gesamturteil durchzusetzen, das trotz gewisser Ab- schwächungen der ursprünglichen Vorlage der Sozialdemokratie sowohl für die damalige Reichsregierung als auch für die Ruhrindustrisllen vernichtend ist. Nach dem Urteil des Ausschusses liegt 1. in der ohne Wissen des Reichstages vorgenommenen Zahlung an die Ruhrindustriellen eine objektive Ver- letzung des Etatsrechtes des Reichstages. Es wurde 2. festgestellt, daß Ueberzahlungen in erheb- lichem Umfange erfolgt sind, deren Höhe sich nur mangels genauer Unterlagen gegenwärtig nicht mehr fest- stellen läßt: 3. wurde anerkannt, daß die Ansprüche derjenigen Geschädigten, mit denen ein Sonderabkommen getroffen war, nämlich der G r o ß i n d u st r i e, günstiger behandelt worden sind als die Ansprüche der übrigen durch die Ruhr- besetzung Geschädigten. Diese Feststellung wird 4. noch durch die Tatsache unterstrichen, daß b i s h e u t c noch keine ausreichende Abgeltung des der Arbeiter- und Angestelltenschaft sowie dem er- werbstätigen Mittelstand durch den passiven Widerstand zugefügten Schaden erfolgt ist. Es steht also zweifelsfrei fest, daß das Reich in und nach dem Ruhrkampf mit zweierlei Mast gemessen hat. Den Großen und Möchtigen gegenüber war die Reichsregierung freigebig und entgegenkommend, ihnen gab sie alles, was sie verlangten, ohne Rücksicht daraus, ob man auch die übrigen Geschädigten ebenso behandeln konnte. Der Masse der'Geschädigten aber zeigte Man sich kleinlich und engherzig. Ihre Schaven over Leistungen wurden entweder überhaupt nicht vergütet oder nur ganz unzureichend. Es ist nicht leicht gewesen, für dieses Urteil im Ausschuß eine Mehrheit zu finden. Aber die Bevorzugung der Großen ist zu offenkundig, als daß sie abgestritten werden könnte. Da- gegen war keine Mehrheit für die Feststellung zu gewinnen, daß die Ueberzahlungen an die Großindustrie rund 87 Mil- Honen betragen, wie das in dem Antrag der Sozialdemo- kratie berechnet war. Unbestritten war die Feststellung, das Reich sei n? oralisch zum Schadenersatz verpflichtet ge- wesen. Selbstverständlich erst nach genauester Prüfung und nach entsprechender Bewilligung der Summen durch den Reichstag. Um so größer war die Meinungsverschiedenheit über den rechtlichen Charakter des Brief- Wechsels zwischen Stresemann und Stinnes, auf den die Reichsregierung ihre Verpflichtung und die Ruhrindustriellen ihren Anspruch auf die erfolgten Zahlungen gründeten. Die Rechtsparteien unterstützten diesen Standpunkt. Sie sahen in dem Briefwechsel einen„privat- rechtlichen einklagbaren Anspruch". S o z i a l d e m o k r a- t e n und Demokraten erblickten in ihm nur eine politische Zusage, die Schäden wieder gutzumachen, falls das Reich dazu imstande sei. Die Vertreter des Zentrums bekannten sich weder zu der einen noch zu der anderen Auf- safsung und verhinderten, daß der Ausschuß sich in dieser entscheidenden Frage überhaupt eindeutig äußerte. Tatsächlich aber hat trotzdem eine Mehrheit des Ausschusses den Briefwechsel als einen privat- rechtlichen Vertrag angesehen, der einen einklagbaren Anspruch enthalte. Alle Künste der juristischen Auslegung hat man dafür springen lassen, obgleich manches Hindernis, z. B. ein Gutachten oes Rcichsjustizmimsteriums, im Wege stand. Man betrat damit freilich eine gefährliche, schiefe Ebene. Denn wenn bei den Ruhrindustriellen ein einklag- barer privatrechtlicher Anspruch auf vollen Schadenersatz durch einen Briefwechsel begründet wird, dann steht dasselbe z. B. den Liquidationgeschädiaten zu, denen sogar durch ein Gesetz vom 28. Oktober 1923 zugesichert ist, daß die Schmälerung ihrer Entschädigungsansprüche nur vor- übergehend sein soll bis zur völligen Wiederherstellung der finanziellen Leistungsfähigkeit des Reiches. Und ähnlich bei all den anderen geschädigten Volksschichten. Zwar hat man damit zugegeben, die R u h r i n d u st r i e habe den passiven Wider st and nicht aus Patriotismus g c l e i st e t, sondern nur, weil sie einen Rechtsanspruch auf Erstattung aller Schäden zu haben glaubte, und weiter zugegeben, Stinnes habe selbst in der Stunde des drohenden Zusammenbruchs nur an seinen privaten Vorteil gedacht, und den Briefwechsel mit Stresemann geführt, um sich gegen jede Möglichkeit eines Schadens zu sichern. Diese moralische Aechtung war der Rechtsmchrheit des Ausschusses weniger unangc- nehm als die Gefahr der Rückzahlung der Ueber- e n t j ch ä d i g u n g e n. Denn hätte man sich auf den Stand- punkt gestellt, es liege nur eine politische Zusage und eine moralische Verpflichtung vor, dann waren die Zahlungen zu Unrecht erfolgt und konnten wenigstens teilweise zurückge- fordert werden. Wenn auch somit unter allerlei mehr oder weniger be- denklichen Interpretationen die Möglichkeit zum Scheitern gehxacht wurde, der Ruhrindustrie einen Teil ihrer zu Unrecht empfangenen Entschädigungen wieder abzujagen, so wird.man dennoch mij der Arbeit des Ausschusses nicht unzufrieden zu sein brauchen. Die Hoff- nung der Ruhrindustrie, die durch die Haltung der Rechts- Parteien gestärkt wurde, der Ausschuß würde sich zu ihrer Meinung bekennen, sie sei nicht überentschädigt, sondern u n t e r entschädigt worden, ist trotz eines in letzter Stunde erfolgten heimtückischen Ueberfalls der Vertreter des Reichs- nnanzministeriums nicht in Erfüllung gegangen. Das G e- i a m t u r t e i l des Ausschusses ist im Gegenteil trotz der er- Ein GotteslästerungsprozeK. Und ein völkischer RÄnfall. In Kassel, mo der„Fröhliche Weinberg" solange verboten war, bis ihn der preußische Innenminister freigab, fand am Montag ein Prozeß gegen den Lljährigen Erich® l a e s e r wegen Gotteslästerung, Beleidigung der katholischen Geist» l i ch t e i t und Erregung össentlichen Aergernisses statt. Das Verbrechen soll durch eine Aufführung des in Berlin an- standslos hingenomnicncn Stückes„Seele über Bord" im Kasseler Kleinen Theater begangen worden sein. In dem expressto- nistischen Stück verfolgt ein als Abbe verkleideter Detektiv eine Frau in eine Kirche und sucht sich ihrer dort mit Gewolt zu nähern, aber ohne Erfolg zu haben. Die Personen sind symbolisch gemeint: da» Alter, die Ehe, die Jugend usw. In der Tatsache, daß der Detektiv im Gewände eines sranzösi- scheu Abbes in die Kirche eindringt, sahen der Plkstor und Dechaut die Beleidigung der katholischen Geistlichkeit und stellten Straf. antragl Die Staatsanwaltschaft kam dem Wunsche nach, trotzdem ein deutscher Dechant niemals für die Beleidigung franzö- sifcher Abbes Strafantrag stellen kann. Sic ergänzte die Anklage nach dadurch, daß sie einige völkische Zeugen aufmar- ichicren ließ, die das notwendige Aergernis genommen hatten. Di« Komik wollte es aber, daß der jugendliche Autor— nebenbei gesagt der Sohn des Amtsgerichtsrats Glaeser in Groß-Gerau in Hessen— der Staatsanwaltschaft nicht das Manuskript der Kasseler Aufführung, sondern das wesentlich schärfere der Berliner übersandt hatte und nun nicht mrr die Kasseler Staatsanwallschaft ihre Anklage auf Gotteslästerung und aus Zlusdrücke stützte, die zwar im Berliner Manuskript standen, aber niemals in Kassel vo-n der Bühne herab gesprochen wurden, sondern daß auch die Staatsanwalt- jchast den Führer der Aergernisnehmcr, einem völkischen Rechts- anwalt, pflichtwidrig dieses Textbuch zur Berfügung ge- stellt hatte, um ihm die Abfassung der Anzeige zu erleichtern. Der nölkische Silllichkcitsapostel verfolgte nun den Zweck in seinem Schriftsatz, bei seiner Anwesenheit im Theater an Ausdrücken, die er nach dem ihm von der Staatsanwallschaft üborlassenen Textbuch diktierte, Anstoß genommen zu haben. Die Hauptverhandlung aber ergab, daß der gute Manu au Dinge» Anstoß genommen halle, die er nicht gehört halle und gar nicht hotte hören können, weil sie gar nichi gesprochen wurden. So kam es, daß die Anklage auf Golleslästerung und Be- ieidigung der katholischen Geistlichkeit völlig zusammen- brach und der Vertreter der Staatsanwaltschaft, die durch nach- lästige Voruntersuchung diesen Kladderadatsch verschuldet hatte, sich aus den ß 183 stützte und eine Unsittlichteit einzelner Szenen festzustellen versuchtel Ein Antrag' auf einen M o n a t G e- j ö n g n i s mit Bewährungsfrist— bei einem Dichter Be- folgten Abschwächungen für die Reichsregierung und die Ruhrindustriellen so ungunstig, daß ihre Presse es tot- schweigt. Es ist ferner die von Herrn Stresemann und seinen kommunistischen Bundesgenosten aufgebrachte Lüge endgültig zerstört, daß die damaligen sozialdemokratischen Minister— Sollmann und Robert Schmidt— mit irgendeiner Verantwortung für die Ruhrentschädigungen belastet seien. Und schließlich ist auch die Feststellung nicht ohne Wert für die weitere politische Entwicklung, daß offenbares Unrecht von fast allen bürgerlichen Parteien gedeckt wird. Recht und Gerechtigkeit vert-eidigen ist also wie im Obrigkeitsstaat so auch in der Re- publik allein die Aufgabe der Sozialdemo- kratie! Sürgerblock im firbeiterintereffe! Gedanken eines Oberpsiffikns. Im„Deutschen", dem Organ der christlichen Gewerkschaften, wird eine interessante Debatte geführt, die manchen Blick hinter die Kulissen zuläßt. Jetzt meldet sich in dieser Debatte ein Oberpfiffitus zum Wort, der beweist, daß es für die Arbeiter am besten ist, wenn eine Bürgerblockregierung kommt. Aber selbst der muß den Gedankengängen der christ- licheix Arbeiter— die für solche Beweisführung schwer zu haben sind— soweit entgegenkommen, daß er schreibt: Sowohl Stegerwald wie der christliche Gewerkschaftler(geeen den der Oberpfiffikus polemisiert. Red. d.„B.".) sagen, daß sie in allen bürgerlichen Parteien— das Zentrum eingeschlossen— soviel rückständige Gesinnung sehen, daß es nicht ratsam erscheint, diese Kräfte politisch zusammenzufassen und sie mit der Führung der Reichsgeschäste zu betrauen. Stegerwald und andere um ihn sürch- ten, daß sich die Stoßkraft der vereinigten Rückschritller aus allen bürgerlichen Lagern gegen die vorwärtsstrebende Arbeitnehmerschast wenden würde. Daß solche Bedenken sehr weitgehend ge- rechtfertigt sind, steht außer Zweifel und soll auch hier nicht bestritten werden. Daraus wäre nun ohne weiteres zu schlußfolgern, eine Bürgerblockregierung sei eine Gefahr, die abzuwenden alle Arbeiter ohne Unterschied der Partei entschlossen sein müßten. Aber der Oberpfiffikus will ganz wo anders hin- aus. Er bestreitet, daß die Sozialdemokraten für die Christen gegenüber der Rechten das kleinere Uebcl feien, und erklärt solche Auffassungen aus der Schlappe, die Stegerwald infolge„der Borniertheit gewisser Parteige- n o s s e n i n K ö l n" in der Frage der Besetzung des Kölner Regierungspräsidiums erlitten habe. Es scheint danach, daß die Ausschaltung des christlich-gewcrkschaftlichen Einflusses bei dieser Besetzungsfrage überaus schmerzlich empfunden wird, und es wäre nach solchen Erfahrungen nichts oerständ- sicher, als wenn die christlichen Arbeiter bei ihren sozialistisch gesinnten Klassenaenossen Koalitionsanschluß suchen würden. Der Oberpfiffikus aber„beweist", daß das Umgekehrte richtig ist. Der Bürgerblock muß gemacht werden! Und zwar warum? Es scheint uns nicht der Weisheit letzter Schluß zu sein, angesichts der zweifellos sich breitmachenden Reaktion in den bürgerlichen Parteien, die Flinte ins Korn zu werfen und die einzige Möglichkeit nur im Zusammengehen mit der Sozialdemokrat« zu sehen. Rich- tiger, wenn auch mühseliger, wäre es unserer Meinung nach, d i e sozialen Kräfte in den Rechtsparteien so stark wie nur irgend möglich zu machen und ihnen das ganze Schwergewich: des Deutschen Gewerkschastsbundes zur Verfügung zu stellen. Es ist doch von der Luther-Koalition ein ganz brauchbares Stück Arbeit oelsistst worden, was auch an dieser Stelle oftmals anerkannt worden ist. Es ist politisch ein schlechtes Geschäft, den sozial vorwärts st rebenden Elementen in den Rechts- Parteien dadurch das Rückgrat zu brechen, daß von Führern des Deutschen Gewerkschastsbundes aus betont wird, es bleibt nichts anderes übrig als die Regierungsbildung mit der So- zialdemokratie. Es scheint aus der Hand zu liegen, daß dadurch mährungsfrist!— fand bei dem Gericht keine Gegenliebe, da es richtig urteilte, daß ein Stück nicht schon wegen einzelner unsittlicher Handlungen und als im ganzen unsittliches Werk angesprochen werden könne, sonst auch die meisten klassischen Werke der Literatur verboten werden mühten. Er erfolgte Freispruch: die Kosten trägt natürlich die Staatskasse. Erfiuöungen von Auf welchen Gebieten sind im vergangenen Jahr die meisten Erfindungen gemocht wroden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Präsiüent des engtischen Patent-Jnstitutes, Lord Askwith, auf Grund der 33 lM neuen Erfindungen, die 1926 angemeldet wurden, und man darf wohl annehmen, daß die aus jo reichen Erfahrungen geschöpften Beobachtungen überhaupt für die ErsindertStigkeit des letzten Jahres gelten. „Die größre Zahl von Erfindungen befaßte sich mit dem �Radio", schreibt er.„Dieses neu« Gebiet zog die Erfinder am 'meisten an. Ebenso wenig verwunderlich ist es. daß eine sehr be- trächtllche Anzahl von Patenten sich mit der Motor-Industrie be- schäftigten und daß besonders die Erfindungen im Bereiche des Explosionsmotors Legion waren. Die Farbstoffindustrie hat ebenfalls viele neue Erfindungen angemeldet: die meisten stammen von deutschen Firmen. Einer der wichtigsten Faktoren, durch den die Ersindertätjgkeit beeinflußt wird, ist die Presse. Sobald in den Zeitungen irgendeine Mtteilung austoucht, nach der irgendwo eine Vorkehrung fehlt, ist dos Ergebnis eine Flut von Patentgesuchen, die das betreffende Gebiet zum Gegenstand haben. So ist im letzten Jahre besonders viel im Bereich der Straßenoerkehrsregelung ge- arbeitet worden, deren Reform ja so dringend war. Natürlich ist ein großer Teil der Patente auch den rein häuslichen Dingen ge- widmet: da gibt es zahlreich« Stoubjaueer und Waschmaschinen. Türschließer usw., die irgendwelchen Bedürfnissen entgegenkommen wollen, und bei der Zunahme der Einbrüche ist es begreiflich, daß sehr viele Sicherheitsmaßregeln zum Schutz der Häuser erdacht wurden. Ist unter diesen vielen Tausenden von Patenten eine Er- findung von überragender Bedeutung, durch die eine neue Welle des Fortschrittes hervorgerufen werden kann? Es ist schwer, dar- über etwas Sicheres zu jagen, aber ich glaube, daß dazu die deutsche Erfindung gehört, Petroleum aus Braunkohle zu erhalten, und manches, das mit dem Problem des Fernsehens verknüpft ist. Auch die Erbauung eines Motorschiffes von 20 900 To. ist zweifellos ein großer Fortschritt für die Entwicklung des Handels." Das Theaker der Masic. so wie es sich im T h e a t e r i n d e r Lützowstraße präsentiert, ist kaum diskutabel, trotz der fchwung- vollen Reden, mit denen es sich einführte. Aber es soll zugestanden sein: es kann vielleicht einmal ein Wegweiser daraus werden für Arbeiter-Theateroereine, junge Schauspielergruppen, proletarische Kleinbühnen. Heute ist es dos Theater der Masse noch keinesfalls. Der Ausbau der vorbildlich primitiven Bühnenbilder dauerte fast länger als das Spiel, zu dem sie benötigt wurden. Was man dar- stellte, hätte man im Jahre 19<)S etwa ein propagandistisches Stück die unsozialen Elemente in den Rechtspartelen erst recht vberwasier bekommen und daß der Kampf der jüngeren Schicht gegen veraltete Auffassungen erschwert wird. Das aber kann nicht Ziel der Politik des Deutschen Gewerkschastsbundes sein. Seine Aufgabe muß viel- mehr darin liegen, in den bürgerlichen Parteien als Sauerteig zu wirken und die Beachtung sozialer Gesichtspunkte zu erzwingen. Interessant, wahrhaftig interessant! Es gibt also inner- halb der bürgerlichen Parteien selbst eine Erscheinung, die wir als Klassenkampf zu bezeichnen pflegen, einen Kamps„sozial vorwärtsstrebender Elemente", gegen die „unsozialen Elemente". Diese„unsozialen Elemente" sind sehr stark. Die Reaktion macht sich breit, rückständige Ge- sinnung macht sich in allen bürgerlichen Parteien, auch im Zentrum, bemerkbar. Es besteht sogar die Gefahr, daß den sozial vorwärtsstrebenden Elementen das Rückgrat gebrochen wird. Ausschneiden und aufheben für die nach- stenReichtstagswahlen! Der Oberpfiffikus, der gerade deshalb den Bürgerblock will, übersieht nur eines: Wenn sich die„sozial vorwärts- strebenden Elemente von dem gleichen Element, der Sozial- demokratie, trennen lassen— besteht dann nicht erst recht die Gefahr, daß ihnen das Rückgrat gebrochen wird? I st es ihnen dann nicht schon gebrochen? Wir glauben nicht» daß der Oberpfiffikus mit seinen überspitzten Knifslichkeiten auf die christlichen Arbeiter Eindruck machen wird. Er wird vielmehr gerade das Gegenteil dessen erreichen, was er gewollt hat. Der weg über öapern. Graf Westarp verhandelt mit dem bayerischen Ministerpräsidenten. Gras W e st a r p war in den letzten Tagen in München, wo er mit dem Ministerpräsidenten Dr. Held eingehende Besprechungen hatte. Graf Westarp sucht den Weg zur Reichstagssraktion der Bayerischen Volkspartei über München, wo die Landtagssraktion der Bayerischen Bolkspartei in der Regierungskoalition mit den Deutschnationalen sitzt. Die Bayerische Volkspartei in München befürwortet den Bürgerblock— die Deutschnationalen hatten von der Reichs- tagsfraktion der Bayerischen Volkspartei bindende Zusagen gefordert, und für den Fall der Weigerung mit dem Austritt aus der bayerischen Koalition gedroht. Westarp sucht eine Front von der Deutschnationalen über die Deutsche Volkspartei bis zur Bayerischen Volkspartei zu- standezubringen, die kleine Rechte, wenn nicht als Regie- rungskoalition, so doch als politische Koalition, die als ge- schlofsener Wille nach rechts ins Gewicht fallen soll. Der Erfolg üer wirtschastsenquete. Vorläufig nur Teilresultatc. Der Gang der großen Wirtschaftsenquete wird oer- schiedentlich jetzt so dargestellt, als ob in diesen Tagen zunächst die vorbereitenden Arbeiten zu End« geführt, dann während eine? Vierteljahres die eigentlichen Untersuchungen, Vernehmungen und Berichtigungen und schließlich während weiterer dreier Monate die Verarbeitungen und Sichtungen des Materials durchgeführt werdein Es liegt auf der Hand, daß ein solches schematisches Verfahren praktisch nicht gut möglich ist. Die einzelnen Ausschüsse, wie z. B. der Ausschuß für das Kreditwesen, für Landwirtschaft, für Ar- betieleistung usw., sind in ihrer Arbeit verschieden weit vorgedrungen. Das Ergebnis der Untersuchungen der einzelnen Spezialgebiete wind ganz naturgemäß zu verschiedenen Zeitpunkten fertiggestellt sein. Wo die Resultate vorliegen, wird man ohne viel Verzögerung die notwendigen Schlüsse und Konsequenzen zu ziehen haben: denn der Gesamtabschluß der Enquete wird so schnell nicht möglich sein und ein vorläufiger Abschluß hat schließlich doch nur einen problematischen Wert. genannt. Lockspitzel, die deutsche Arbeiter in Fallen führen und sich dafür von den Regierungen bezahlen liehen, erregen unsere Empörung jetzt nur noch in historischen Darstellungen. Gewiß würde auch ein Dichter imstande jein, uns in die Atmosphäre jener Tage hineinzuoersegen. Aber ein Dichter sihrieb das hier aufgeführte Werk nicht. Dazu sprechen die meisten Schauspieler ganz ungeschult und häusig völlig unverständlich: nur sehr wenige zeigten überhaupt dar- stellcrische Begabung. T e s. Das Gesetz über die Venutznng der französischen Radtosiaklonen. Das„Journal ofsiciel" veröffentlicht das Gesetz über die Benutzung der französischen Radiostationen. Nach diesem Gesetz ist der Staat Eigentümer aller Sendestationen, deren technischen Betrieb er sicher» stellt und deren Verwaltung und Finan,z«n er kontrolliert. Das Programm der zur Verbreitung kommenden Werke usw. soll von den Gemeinden sowie von privaten Körperschaften wie Vereinigungen von Autoren, Vortragenden, Komponisten, Musikern, Vertretern der Presse usw. zusammengestellt werden. Bis 1. Januar 1933 dürfen private Gefellschafien mit Genehmigung der Postverwalwng Sendestationen errichten und ausbeuten, die jedoch spätestens zu diesem Zeitpunkt mit den vom Staat eingerichteten oder einzurichtenden Stationen ver» schmolzen werden sollen. Ein moderner Pyramidenbau. Der amerikanische Schriftsteller Ealonel Harvey, bekannter unter seinem Pseudonym Coin, plant die Errichtung einer Pyramide, in deren Innerem eine ausführlich« Darstellung des gegenwärtigen Wellzustandes in drei Exemplaren als Studiemnaterial für die Archäologen des Jahres 3990(!) auf- bewahrt werden soll. Mü dem Bau der Pyramide auf dem Landgut Coins ist bereits begonnen. Der Grundstein soll 49 Fuß im Quadrat umfasien, und die Gesamthöhe ist aus 139 Fuß bemessen. Zu den Gesamtkosten in Höhe von 59 999 Dollar hat Coin selbst nur 4999 Dollar beigetragen: der Rest wurde durch Subskriptionen gedeckt. Ein siebenjähriger Multimillionär. Ein Vermögen von etwa 29 Millionen Mark und der Titel des einzigen australischen Baronets ist dem siebenjährigen Rupert Clarke zugesallen, nachdem sein Dater. Sir Rupert Elarke, am Weihnachtsabend in seiner Villa zu Monte Carlo.mit 61 Jahren gestorben ist. Das große Familtenvermögen wurde von dem Urgroßvater des jungen Millionärs erworben, einem englischen Fleiscker, der 1849 nach Australien auswanderte, hier zu Hebort in Tasmanien einen Fleischerladen aufmachte und zu gleicher Zeit große Terratnspekulationen unternahm. Er erwarb damit große Reichtümer, und sein Sohn, William Clarke, wurde zum ersten und einzigen Laronet Australiens ernannt. vrafeffor Max Adler-wien spricht am 7.,><,8 Uhr. in der Aula de« Fxiedrich-Wilhelm.Gpmnasiums, Kochltr. 13, über das Thema„Neue iNenschcn— GrundiätzlicheS zur sozialistischen Er- z i e h u n g' vor den Jungsozialiften und der sozialistischen Arbeiterjugend Gäste sind willkommen. dnleraallonale Archlk-Nuransstellung. Im Mai 1327 wird«ine inter. nationale Architellurausstellung in Melbourne ftattsinden, an der sich auch die hervorragendste» deutschen Bauküojller beteiligen werden. Scheiüemann bei Abrechnung mit den Rechtsparteien.— D In d«r Stadthalle Klosterstraße veranstaltete gestern abend das Reichsbanner eine Kundgebung, in der Reichstagsabgeordneter Genosse Philipp Scheid« mann sprach. Schon kurz nach 6 Uhr— um 8 Uhr sollte die Kundgebung beginnen— rückte Zug um Zug der Kameraden heran. Um 7 Uhr war die Klosterstraße schwarz voller Menschen. Die Eingänge waren noch keine halbe Stunde geöffnet, als die Halle, die Quergänge und die Galerie überfüllt waren. Viele fanden keinen Einlaß mehr. Mit stürmi- scheu Frei-Heil-Rufen wurde Genosse Scheidemann empfangen. In seinem einstündigen Referat, das andauernd von stürmischen Zurufen und Beifall unterbrochen wurde, rechnete Scheidemann ab mit den Rechtsparteien, die immer auf die Linksparteien als Landesverräter weisen. Er führte aus:„Bei dem Jahreswechsel ist es Pflicht der Repu. blikaner, Umschau zu halten. In den letzten Monaten ist eine Landcsoerratshetze gegen uns betrieben worden. Wir wisien, wo die wahren Landesverräter zu finden find. Die„Post" schrieb 191»: „Noch weitere 49 Jahre Frieden, das wäre ein nationales Unglück." Die den Verteidigungskrieg in einen Eroberungskrieg verwandeln wollten, das waren die Parteien von rechts. Wer waren die Loirdesoerräter, die nach dem Zusammenbruch deutsche Lande an Polen, Litauen und die Tschechoslowakei abgeben wollten? Zu den rechten Parteien waren diese ZNänncr zu suchen.(Stürmische Unterbrechungen und Zurufe.) m Reichsbanner. e Republikaner müssen in die Regierung» M«in« letzt« Reichstagsrede war von vaterländischen Absichten getragen. Es muh dem Ausland einmal gesagt werden, daß das aufrechne Deutschland ehrliche Politik treiben will und diese Dinge niqt deckt. Das Ausland hat die Rede richtig beurteilt. Die Republik ist dem Treiben der Reaktion gegenüber viel zu nachfichrig gewesen. Warum wollen dt« De utsch n at i o na le n in die Regierung?, Weil Zölle zu machen sind und dabei ist zu verdienen. Die Re- publikaner müssen dafür sorgen, daß dies Geschäft zerschlagen wird. Die Republikaner gehören in die Regierung. Selbst auf die Gefahr hin, daß die republikanischen Parteien keine Mehrheit haben, müssen sie die Regierung übernehmen. Je entschlossener die Regierung zupacken würde und den unaus- bleiblichen W a h l g a n g vorbereiten würde, um so sicherer würden die nächsten Wahlen«ine sicher« Mehrheit für die republikanische!: Parteien ergeben. Die Bevölkerung wird den entschiedenen Kämpfern. folgen. Die Republikaner müssen heraus aus der Desensive. heraus zur Attacke, heraus zum entschiedenen Kamps für die Republik. Der hieb ist die beste Parade." Stürmischer, minutenlanger Beifall setzt««in, als Scheidomann endet«. Ein kurzes Musikstück beschloß die Kundgebung. Scharfmacher. Er» KoPUsl aus der Geschichte des Unternehmertums Bon August Erdmann. Herr Llöckner, der bekannte Zentrumsindustrielle, ist aus dein Langnamenueretn(Verein zur Wahrung der gemein- famen winschastlichen Interessen in Rheinland und Westfalen) aus- geschieden, weil er die sozialreaktionären Tendenzen, die in diesem Berein hervortreten, für bedenklich häll. Diese Tendenzen Haber» zu einer lebhaften Auseinandersetzung in der Presse des Rhein- lands geführt. Auf der einen Seite steht die„Kölnische Z e i- t u n g", das Organ der Volkspartei, auf der anderen die„K ö l n i- sche Voliszeitun g". das große Zentrumsorgan am Rhein. Zur Debatte steht die sozialpolitische Tendenz der kommenden Reichsregierung. Der Hort der Scharsmachertendenzen ist der Lang- namenverein. Er hält auf Scharfmachertradition. ch Dieser Tage ist Dr. Wilhelm B e u m e r, der langjährige Geschäftsführer des Langnamenvoreine und der Nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Stahlindustrieller, gestorben. Ein Düsseldorfer Blatt widmet ihm einen Nachruf, worin ihm bescheinigt wird, daß„alles in allem Dr. Wilhelm Beumer der treue Ekkehard der rheinisch- westfälischen und der deutschen Industrie gewesen, nie und nirgends fehlend. wenn sie eines Heroldes und eines schneidigen, furcht- losen Vorkämpfers bedurfte". Das ist richtig. Als Beumer 1887 die Geschäftsführung des Vereins mit dem langen Namen übernahm, da war ihm sein Wirken vorgezeichnet durch seinen Vorgänger im Amte, den Ober- scharsmacher B u e ck. Der Verein war im Jahre 1871 gegründet worden. Im nächsten Jahre lieh er sich zum ersten Male über d Arbeiterfrage aus, und zwar aus Anlaß der Eifenacher Tagung bürgerlicher Eozialreformer, die dort über die englischen Gcwerk- vereine und Einigungsämter verhandelten. Dagegen erhob sich der Bueck-Verein, und sein Ausschuß erklärte: „Die Höhe des Lohnes läßt sich ebenso wenig wie die Dauer der Arbeitszeit durch schieds- oder andere qerichtliche Sprüche fest- setzen: st« wird sich wie bisher so auch in Zukunft nach dem ewig gültigen wirtschaftlichen Gesetze von Angebot und Nachfrage regeln... Was aber die G e w e r t- vereine betrifft, io stellen sie, man mag sie betrachten, wie man will, im Grunde genommen, nichts anderes dar, als die O r g a- nifation des sozialen Krieges. Eine Garantie dafür, daß ihre Führung stets nur in den Händen der a n st ä n d i g e n Elemente des Arbeiter st andes ssch befindet, ist nicht vorhanden: die Wahrscheinlichkeit spricht vielmehr für das Gegen- teil." Gewiß waren derlei Gedanken zu jener Zeit keine besondere Eigenart gerade des Vereins mit dem langen Namen, sie waren in Unternehmerkreisen sozusagen ollgemein gültig. Aber die Scharf- macher Bueck-Beumerscher Art blieben das, was sie 1872 waren, auch für die Folgezeit. Als Ende der siebziger Jahre der Reichs- tag die arbeiterschutzgesetzlichen Bestimmungen der Gewerbeordnung uni ein weniges verbessern wollte, fuhr der Verein mit dem lange» Namen eine ganze Reihe von Beschlüssen dagegen aus. Er war so gütig, von einer Verschlechterung der Bestimmungen für die Kinder abzusehen: es sollte bei dem bisherigen Zustand bleiben, wonach Kinder unter 12 Jahren gar nicht, solche von 12 bis 14 Jahren sechs Stunden in Fabriken beschäftigt werden dursten. Der Verein hielt„in Anbetracht der schwierigen Verhällnisse, womit die deutsche industrielle Produktion zu kämpfen hat, die Zeit nicht für geeignet, weitere Beschränkungen in der Verwendung dieser oder jener Arbeitskräfte gesetzlich einzuführen". Ganz allgemein erklärte sich der Verein„gegen alle Bestim- wungeu, die bezwecken, weiter als es durch die bestehende Gesetz- gebung geschieht, die Beschäftigung erwachsener Arbester ein- zuschränken und einzuengen": er erklärt sich also, wie ausdrücklich nochmals betont wird,„gegen die Einführung eines sogenannte Normalarbeitstages'. Do ging es im Jahre 188ö, als im Reichstage über Anträge wegen weitere Ausbildung des Arbeitsschutzes verbandest wurde: so ging es, nachdem Herr Beumer die Sache der rheinisch-westfälischen Scharfmacher in die Hand genommen, im Jahre 1899 bei der Reu- regelung der Gewerbeordnung.„Unter allen Umständen Ruhe!"— Das war der Ruf, den Beumer von jetzt ab jedesmal >n Wort und Schrift ertönen ließ, wenn sich irgendwo der Wunsch oder das Bedürfnis nach sozialpolitischen Maßnahmen äußerte. Als im Mai 1898 die christlichen Bergarbeiter am Piesberge streikten, verkündete Beumer im Preußischen Abgeordnetenhause, es handele sich in diesem Falle darum.„werHerrimHauseseinsolle". Im Anschluß daran,»erlangte er den damals bereits angekündigten „Schutz der arbeitswilligen Elemente", und als die Vorlage kam, erklärte Beumer in der Ausschußsitzung des Zentral- Verbandes Deutscher Industrieller am 17. November 1899 ausdrücklich feine Zustimmung zu einem Beschluß zugunsten der Zuchthausvor- läge. In demselben Kreise trat er am 25. Februar 1899 gegen die Errichtung von gesetzlichen Einigungsämtern, von Arbeitsämtern und eines Reichsarbeitsamtes auf.„Es sei leider so weit gekommen," meinte er bei dieser Gelegenheit,„daß wir hier in den industriellen Verbänden noch die einzige Stelle sind, die gegen eine derartige Schaffung neuer Einrichtungen, die schließlich nur der Stärkung der Sozialdemokratie und der Mehrung ihres Ein- f l u s f e s dienen, Stellung zu nehmen haben" In diesem Sinn« hat Beumer noch zwei Jahrzehnte lang als „der treue Ekkehard der rheinisch-westfälischen und der deutschen In- dustrie" im Dienste des schärfsten Scharfmachertums seines Amtes gewaltet. Während des Weltkrieges niit seinem Burgfrieden war auf wirt- schafts- und sozialpolitischem Gebiete für die Schorfmacher wenig zu machen: sie tobten sich dafür desto heftiger im Ausstellen wohn- sinniger Kriegsziele und Eroberungspläne aus. In den ersten Noch- kriegsjahren hatten sie allen Grund, sich zurückzuhalten: sie sahen ein. daß sie 1918 nicht sofort da wieder anknüpfen konnten, wo sie 1914 aufgehört hatten. Die Dinge und Menschen, über die sie bis dahin mit dem Rechte des Stärkeren glaubten schalten und walten zu können, hatten sich doch«,» wenig geändert. Im Jahre 1924 zog sich der unterdes 78 Jahr« alt gewordene Beumer vom Scharfmachergeschöft zurück. Ob die Zahl der Unternehmer, die das Verfahren der Bueck und Beumer für die Zukunft als unbrauchbar und zweckwidrig ansehen, ob ihr Mut und ihre Ausdauer groß genug sind, um sich gegen die Beschränkthest der anderen durchzusetzen, kann man wünschen, aber leider noch nicht als gewiß annehmen. « Daß im Bereiche des Vereins mit dem langen Namen die scharf- macherische Gesinnung noch lange nicht ausgestorben ist. zeigt ein Borfall, der, wenn er sich auch nicht gerade auf sozialpolitischem, sondern mehr auf gesellschaftlichem Gebiete zugetragen hat, doch gerade deswegen besonders bezeichnend ist für die Anmaßlichkeit und Rückständigkeit namhafter wirtschaftlich führender Leute. Düsseldorf ist der Sitz des Gewerbevereins für Rheinland-West- falen, der in einem der Stadt gehörigen Gebäude ein K u n st» gewerbemuseum unterhält. Die Mitglieder des Vereins sind Einzelpersonen, Industliesirmen, Stadt- und Kreisverwaltungen. Der Staat Preußen und die Stadt Düsseldorf leisten Zuschüsse in erheblicher Größe. Vor einiger Zeit war der Vorstand neu zu wählen. Einige Mit- glicder des Vorstandes(höhere Beamte) waren verzogen oder ge- starben: an ihre Stelle wurden ihre Amtsnachfolger vorgeschlagen. Di« Jahresversammlung erteilte den Vorschlägen ihre Zustimmung bis auf«inen. Dieser betraf den neuen Regier ungspräsi- denken. Gegen ihn lehnte sich der Vorsitzende des Vorstandes, Ge- heimrat Kirdorf, auf mit der Begründung, daß ihm die Richtung des neuen Herrn Präsidenten nicht sympathisch sei. Herr Kirdorf ist zwar reichlich alt und verkalkt, aber so groß ist sein Einfluß doch noch, daß keines der übrigen Mitglieder zu widersprechen wagte. Der sozialdemokratische Regle- rungspräsident wurde, trotzdem er als Vertreter des Zuschuß- leistenden Staates einen Anspruch auf einen Sitz im Vorstände haben sollte, nicht gewählt. Herr Beumer hielt sich als Scharfmacher wenigstens im Rahmen seiner wirtschafts- und sozialpolitischen Aufgaben. Herr Kirdorf geht weit darüber hinaus und darum ist seine Scharfmacherei in diesem Falle um so schlimmer und um so dümmer. Unmögliche Verwendung von Reichsgelöern Weitere Subventionen in Ostpreußen. Die Reichssubventionen für den ostpreußischen Großgrundbesitz, die bereits vor Bewilligung des Reichstages ungesetzlicherweise auf dem Verwaltungsweg« durchgeführt worden sind, sind inzwischen durch«ine neu« Subvention auf Kosten des Reiches ergänzt worden, der wiederum die gesetzliche Grundlage fehlt. Neben den Zuschüssen, die das Reich den ostpreußischen Großgrundbesitzern zu ihren Zinszahlungen leistet, hat man ihnen jetzt auch noch die ain 1. Oktober 1928 fälligen Renten bankgrund- schuld zinsen nachträglich erlassen. Di« offiziös« „Industrie und Handelszeitung" behauptet, es handele sich hierbei ui.» neue Beschlüsse. Seltsam ist nur, daß die ostpveußisch« Landschaft dies« neuen Beschlüsse schon am 1. Oktober angekündigt und am 39. November von neuem als sicher bestätigt hat. Die maßgebenden Erlasse und Verfügungen des Reichssinanzministers sind bis heut« noch nicht bekannt geworden. Di« Transaktion sieht so aus, daß 1,8 Millionen Mark auf Grund des Ostprogramms vom Reich für die Zinszahlung zur Verfügung gestellt werden. Dieser Betrag soll etwa gleich der Halste der am 1. Oktober fälligen Rentenbontzinscn! sein. Di« zweit« Hälfte der Zinsen soll überhaupt erlassen werden. Ein solcher Erlaß kann nur vom Reichsfinanzminister verfügt worden sein, da die Rentenbank nicht das Recht hat. die ihr zustehenden Zins- betröge zu erlassen. In der offiziösen Mitteilung der„Industrie- und Handelszeitung" wird behauptet, der Erlaß der Hälfte der ostpreiihi- sehen Rentenbankschuldzinsen werde dadurch tragbar, daß tatsächlich an Zinsen auf die Rentenbankgrundschuld mehr einlaufe, als durch die obligatorischen Berwendungsoorschriften erfordert werde. Diese nähme nur 85 Millionen Mark in Anspruch, an Zinsen liefen dagegen 199 Millionen Mark«in, und der dann verbleibend-„Ueberschuß" flösse in den Rentenmarktilgungssonds. Dies« Darstellung, die wohl direkt aus dem Reichsfinanz- Ministerium stammen dürfte, ist natürlich völlig irreführend und unzutreffend. Das Vorhandensein eines jährlichen Ueberschusses in Höhe von rund 15 Millionen Mark über die jetzt neuerdings söge- nannten„obligatorischen Verwendungszwecke" hinaus war vom Gesetzgeber vorgesehen, und sein« Zuführung an den Tikgungsfonds ist genau so obligatorisch wie die anderen beiden Verwendungszwecke. Da jedoch der Tilgungsfonds vor allem der Tilgung der Stabilisierungsschuld des Reiches an die Rentenbank dient, so bedeutet eine Verkleinerung der dem Tilgungsfonds zu- fließenden Mittel einfach«ine Belastung des Reichs. Tatsächlich hat also der Reichsfinanzminister auch hier zu einer Sub- vention der ostpreußischen Großlandwirtschaft auf Kosten der Reichs» lasse sein« Hand geboten. Herr Reinhold wird sich nicht beklagen können, wenn man seine Ausforderungen zur Sparsamtest, die er gelegentlich an den Reichstag richtet, nicht lehr ernst nimmt. Ein Finanzminister, der sich nicht scheut, unter Verletzung des Etatsrechts des Reichstags über 5 Millionen Mark Subventionen an ein paar Tausend ostpreußssche Großgrundbesitzer mit offener Hand zu ver- schenken, hat keinen Anspruch daraus, als Sachwolter vernünftiger Sparsamkeit betrachtet zu werden. Disziplinarverfahren bei üer Polizei. Milde bei kleineren Vergehen. Einem Erlaß des preußischen Ministers des Innern an die staat- lichen Polizeibehörden entnimmt der Amtliche Preußisch« Pressedienst folgendes: Bei Durchsicht der Personal- und Disziplinarakten sällt mir wiederHoll die Tatsache aus, daß oft nur geringfügige dienstlich« und außerdienstliche Verfehlungen der Polizeibeamten, insbesondere des Vollzug sdienstes,«ine scharfe Ahndung in Form förmlicher atten- kundiger Disziplinarstrasen erfahren haben und bei ihrer Feststellung „Akten" entstanden sind, die im umgekehrten Verhältnis zur Größe der Straftat stehen. In unzähligen kleinen Fällen aber wird«ine«ingehende Aus» spräche,«in««rn st«Belehrung schon das Ziel der Besserung erreichen und weitere Berfehlungen verhüten. Sind andere Beamte Zeugen des Vergehens gewesen, so kann in ihrer Gegenwart als Abschluß dieser Belehrung die Verwarnung erfolgen. Unter Um- ständen wird auch die ernste Besprechung des Falles vor der Beamten- fchaft, der der Beamte angehört,«in« heilsamere Wirkung und War- nung auf alle Beteiligten ausüben können, als die kalt verhängte Straf«. Wort«, aus denen der warmherzig denkend«, erzieherische und besorgte Vorgesetzt« spricht, werden dabei als solch« empfunden werden und nicht die persönliche Ehre des schuldigen Beamten unnötig verletzen. Ein« derartig auf die Eigenort der dienstlichen Verfehlungen des Beamten abgestellte motivisch« und psychologische Be- Handlung von Disziplinarsällen sst auch um deswillen anzustreben, weil förmliche Strafen In heutiger Zeit, wo der Aufstieg in höhere Stellen bei Bewährung offen steht, den Beamten mittelbar auch wirtschaftlich« Nachteil« verursachen, z. B. wenn«in« Be» förderung gar nicht oder erst wesentlich später infolge einer Diszi» plinarstraf« erfolgt. Außerdem ist zu beachten, daß bis auf weiteres alle Jahre noch«in« bestimmt« Zahl von Schutzpolizeibeamten aus dem staatlichen Dienst wird ausscheiden müssen, ohne bei der Polizei unkündbar angestellt zu werden. Erfahrungsgemäß aber ist den- jenigen Versorgung sanwärtern, die mehrere Dssziplinarstrafen erlitten haben, das Fortkommen bei anderen Behörden erschwert, da vielen Anstellungsbehörden die eigenartigen Berhällnisse der Schutzpolizei, welche ein« besondere straff« Dienstzucht erhesschen, nicht gentium � bekannt sind. Ich ersuche deshalb, die beteiligten nachgeordneten Dienststellen anzuweisen, in Zukunft hiernach zu verfahren, und mache es allen Vorgesetzten zur ernsten Pflicht, sich von der richtigen Aus- Übung der Disziplinargewalt durch die nachgeordneten Dienststellen ständig und persönlich zu überzeugen. Durch«in solches Verfahren wird auch das gerade in Disziplinar- fällen oft sehr umfangreich« Schreibwerk erheblich vermindert werden können. Es wirb meist an Stell« zeitraubender Zeugenvernehmungen zu Protokoll dl« mündliche Erörterung des Falles im Beisein aller Beteiligten unter dem frischen Eindruck der Tat ein klares Bild der Vorgänge ergeben und lediglich in ernsteren Fällen nötig sein, in einer kurzen Aktennotiz Tatbestand und getroffene Maßnahmen niederzulegen. Die Arbeit öes Lanütags. Wiederbeginn der Ausschußberntungen Im Preußischen Landtag, der seine erste Plenarsitzung nach den Weihnachtsferien am 18. Januar abhalten wird, werden die Ausschuß beratungen bereits am Dienstag mst der Fort- sctzung der Vorberatung der neuen Landgemeindeordnung beginnen, die man in zwei oder drei Sitzungstagen abschließen will. In der folgenden Woche wird am 19. Januar der Hauptaussch'ih mit den Etatsberatungen beim W o h l f a h r t s h a u s h a l-t ye- ginnen. Der für Durchberotung des Städtebaugesetzes neu eingesetzte Ausschuß will am 13. Januar seine Arbeiten aufnehmen. Außerdem werden bis zur Wiederausnahm« der Plenarverhand- lungen der Rechtsousschuß, der Ostausschuß, der Siedlungsausschuß und der Geschästsordnungsausschuß Sitzungen abhalten. Im Rechts- ausschuß steht u. a. der kommunistische Antrag auf S t r a f v e r- solgung des Landgsrichtsdirektors Weßling wegen der Führung der Fememordprozesse in Landsberg sowie die Novelle zum preußsschen Gerichtskostengesetz zur Erledigung. Deleiöigung des Hamburger Senats. Drei Monate Gefängnis für einen Kommunisten. Hamburg. 3. Januar.(TU.) Das erweiterte Schöffengericht des Hamburger Amtsgerichtes verurteilte heute den verantwortlichen Redakteur Albert Heinrich Meyer von der kommunistischen „Hamburger Volkszeitung" wegen öfsenllicher verleumderischer 2 e- leidigung de» Hamburger Senats durch einen Arrikel vom 23. September 1926 zu einer Strafe von drei Monaten Gefängnis. „hek Volt" zweimal täglich. Di« Tageszeitungen„De Telegraaf" und„De Courant", die bisher nur in einer tögticher- Morgsnaus- gäbe«ine illustriert« Beilag« brachten, werden von jetzt ab täglich zweimal mit Illustrationen erscheinen. Gestern ist das sozio- listische Parteiorgan �et Volk", das bisher nur einmal täglich erschien, zum erstenmal als Morgen, und Abendausgabe herausgekommen. Das Blatt, das bisher ohne Biiderbeilafc erschien, wird fernerhin täglich einmal eine vilderbeilage erhalten ZUeutcrei in der Fremdenlegion. Wie Havae aus Rabat berichtet. melden die Blätter, daß ein Legionär den leitenden Arzt des Lazaretts von Meknes niedergeschossen habe. Eine Airzahl Soldaten hätten in dem Augenblick, als der Legionär verhaftet werden sollte, sürihnPartei ergrissen. Sie seien ebenfalls wie jener festgenommen worden. Zrieöe in der Schuhindustrie. Amih die Fabrikanten für de» Schiedssprnch ste wolle» aber dara» verdienen. Fraakfnrk a. Z. Zanuac. lwIL.) Der hanplaa-schu� des Verbandes der deutschen Schuh- nnd Schäftefabrtkauteu be- schloß in seiner heute hier abgehaltenen Sihung:.Unker ilusrecht. crhaltung der von Ilrbeitgeberseite geltend genuichten Bedenken nnd unter entschiedener Hervorhebung der Unzufriedenheit mit dem am Zl. Dezember gefällten Schiedsspruch lediglich im Interesse der Zlus- rechkerhollung de» Ztrbeitssriedens in der Schuhindustrie dem ge- nannleo Schiedsspruch z u; u st i m m c n.� Weiler wurde beschlossen, die Mitglieder daraus hinzuweisen. eine Nachprüfung der Verkaufspreise für Schuhwerk vorzunehmen und diese unter Berücksichtigung der iu dem Schiedsspruch festgesetzten Erhöhung zu revidieren. » Mit diesem Beschluß ist der Wirtschastsfrieden in der Schuh- Industrie bis zum 3L März gesichert.� Die Herren Fabritanten wollen sich diese Zustimmung zu dem Schiedsspruch jedoch von der Kundschaft nicht nur bezahlen lassen, sondern dabei noch v« r- dienen. Anders kann man den Beschluß, die Preise einer Re- Vision zu unterziehen, wohl nicht verstehen. Wenn sich die Lohnerhöhung mechanisch voll auf den herstellungs-- preis auswirken sollt«, wenn es den Herren Schuhs ab rikanten wirklich nicht möglich sein sollte, die 6 Pf. Zulage pro Stunde durch betriebe- technische Verbesserungen usw. auszugleichen, wie es ihnen gelungen ist, seit 1914 den Lohnanteit an den Preisen herabzudrücken, dann würde der Derkvufspreis der Schuhe sich je noch der Qualität um 10 bis 20 Pf. pro Paar verteuern, Uns ist nicht bekannt, daß die Herren Schuhfabrikanten bei den Preisen, wenn sie sie erhöhen, mi: Groschen zu operieren pflegen. Di« empfohlene Revision der Preise, wenn sie nicht der augenblicklichen Verärgerung entspricht, be- deutet also nichts anderes, als daß die Herren Schuhfabrikanten au der Lohnerhöhung verdienen wollen. Di« Arbeiter- sthaft hat alle Ui�ache, wachsam und gerüstet zu sein. hartgesottene Ausbeuter. Die badischev TcxliNadustriellen. Die badlschen Textilunternehmer geben sich redlich Mühe, an Rücksichtslosigkeit hinter ihren Kollegen im Reiche nicht zurückzustehen. Die Berbandsleitung der Textilarbeiter hatte am Anfang Dezember 1926 eine Lohnforderung von 13 Proz. Erhöhung gegenüber den bisherigen Löhnen eingereicht. Der Unternehinerver« band lehnte nicht nur jede Lohnerhöhung, sondern auch jede Der- Handlung hierüber ab. Die Unternehmer hielten es in ihrem Machtdünket nicht einmal für nötig, der Organisationsleimng der Textilarbeiter ihre ablehnende Antwort direkt zu übermitteln; sie übergaben ihren Bescheid dem Wolsfschen Telegraphen- b u r e o u, so daß die Organisationsvevtreter und die Arbeiterschaft aus der Zeitung erfahren mußten, wie ihr Gesuch behandelt wurde. Dabei herrscht im badischen Texiilgewerbe zurzeit h o ch k o n« j u n k t u r. Seit Wochen ist die Textilindustrie mit Aufträgen überhäuft, sodah die Fabriken bis zu 54 Stunden in der Woche arbeiten lassen und von der Arbeiterschaft sogar oer« langt wurde, die durch die Weihnachtsfeiertage ausge- fallenen Arbeitsstunden an anderen Wochentagen nachzuholen. Trotzdem weigern sich die Unternehmer, die miserablen Löhne auch nur im geringsten auszubessern. Die Textilarbeiterschaft, wird den Kampf um bessere Löhne auch in Baden aufnehmen und durchfechten. Die beiden Internationalen. Metallarbeiter und Metallinduftrielle. Die Weihnachtsgeschenke der Reichsbahn. Beredtes Schweigen. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn ist sehr erpicht darauf, daß jedes Komma, daß sie in ihrem Namen der Presse schickt, auch veröffentlicht wird. Sie beschwert sich also, daß wir die Mitteilung, di« wir bereits einige Tage vorher veröffentlicht hatten, auch die Reichsbahn habe noch dem Vorgehen des Reiches die Weih- v a chtsb ei Hilfen bis zur Gruppe XII ausgezahlt und dem Steuerabzug unterworfen, nicht nochmals verösfentlichten. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn ist jedoch weniger erpicht, auf die hier gestellten Fragen zu antworten. � Auf djpse Antworten werden wir sicher vergebens warten. Die Stellung derMetallarbeiterzur modernen Trustbildung stand im Bordergrund der Beratungen der großen Betriebsrätekonferenz des Deutschen Metall- arbeiterverbandes.die dieser Tage in Stuttgart stattsaub, an der, wie gewöhnlich, auch Vertreter aus Konzernen sowie Abgeordnete der Angestellten- und Beamtenocrbände. des Bergarbeiteroerbandes und sonstige gewerkschaftliche Funktionäre teilnahmen. Ueber die Trustbildung sprach Genosse Dr. Fritz Raphtali. Die europäische Stahlgemeinschaft, betonte der Redner, ist kein eigentlicher Trust, sondern eine Bildung niederer Ordnung. In ihrem Vertrag befaßte sie sich offiziell nur mit der Produktionsmenge und ihrer Verteilung, nicht ober mit der Festsetzung der Preis«. Wahrscheinlich sind aber neben- her auch die Preise bestimmt worden; denn als Hauptzweck solcher Bindungen gilt ja in erster Linie dieCrhöhungdesGewinns. Wichtig für die Arbeiterschaft ist, daß der Art. 7 des Vertrages der Stahlgemeinfchast Zuschüsse an die Länder festlegt, die den ihnen zugeteilten Anteil in Fällen höherer Gewalt nicht erreichen können. Daß für die Eisenindustriellen der Streik als höhere Gewalt gilt, ist selbstverständlich. Die Folge wird also sein, daß fortan di« Metallarbeiter kaum noch Kämpfe auf notio- naler Grundlage werden führen können; jede größere Lohn- bcwegung wird sofort über die Lanbesgrenze hinausgreifen und die Internationale der Industriellen gegen sich hoben. Zur Frag« der deutschen Stahlgemeinschaft er- klärte Genosse Raphtali, daß die Stahlgemeinschaft sich, wie übrigens auch andere Kartelle, durch Gemeinschastlichkeit des Einkaufs und 1 Verkaufs, gemeinsame Erprobung der herstellungsweise usw. pro. duktionsfordcrnd auswirken könne. Da ober die Umbildung der Produktion in höhere Formen sehr schmerzliche Wirkungen für die Arb«terschoft habe, müsse der Staat mildernd eingreisen. Auch für die verarbeitende Industrie wirke sich die Kar- iellierung der Eisenerzeuger nachteilig aus, weil diese mit dem Monopol der Rohstosflieferung d i e Preise steigern und den ausländischen Wettbewerber der heimischen verarbeitenden In« dustrie wohlfeiler mit Rohstoffen versorgen. Das schlage ober- mals zum Schaden der Arbeiter aus, da die verarbeitende Industrie mehr Leute beschäftige als die eisenschaffende. In die Vereinbarungen der kartellierten Industrien muß e i n am Profitstrebe» unbeteiligtes Cle'MFnt, d. h. da? Element der Arbeiterschaft hineingebracht werden. Also nicht nur Berufung von Arbeitern an die Kontrolle vder in den Aufsicht? rat von Unternehmen, sondern zu deren eigentlicher Gc schäftsführung; denn hier fällt die Entscheidung. Ferner Schaffung einer st a a t l i ch e u K o n t r o l l st e l l e. die bei Streitig- leiten regelnd eingreifen kann. Das Ziel muß ein v o l l e r m ä ch- kigtes Kortellamt sein. Erst wenn nationabe Kartell- ö m t e r vorhanden sind, tonn es zu Einrichtungen für die K o n- trolle der internationalen Kartelle kommen. Darübrr hinaus sind unter Mitwirkung des Völkerbundes Verein- borungen der Staaten zwecks Errichtung eines internationalen Kontrollamtes zu erstreben. Die Betriebsrätekonfcrenz machte sich den sehr beifällig aufge- nommenen Vortrag Raphtalis in seinen wesentlichen Forderungen in einer einstimmig angenonuuenen Entschließung zu eigen. In ihrer neuen Zuschrift beschränkt sich die Reichsbahn nur auf folgende Erklärung: „Nochmals welsen nür darauf hin, daß die Verteilung der Leistungszulagen nach Leistung erfolgt. Auch diese Leistungs- zulagen werden nach den Bestimmungen der Reichsfinanzverwal- tung versteuert. Es ist abwegig, zu glauben, daß eine schernotische Verteilung nach Besoldungsgruppen stattfindet.� In einer vorhergehenden Zuschrift hat die Hauptverwaltung der Reichsbahn die kühne Behauptung aufgestellt, a l l e Beamten erhielten die„Leistungszulagen", heute schränkt sie diese Bchaup- tung dahin«in, daß diese Korruptionszulagen„nach Leistung" er- folgen. Woraus sich ergibt, daß für die höheren und höchsten Beamten das Füllhorn der Zulagen sich verschwenderisch ergießt, so verschwenderisch, daß für die untersten Gruppen so gut wie nichts übrig bleibt. Je mehr Beamte, Angestellte und Arbeiter unter der Aufsicht eines Beamten stehen, desto größer ist die Leistung dieser Arbeiter, Angestellten und Beamten, somit auch entsprechend höher die„Leistungszulage" des einen Beamten. Run behauptet die Hauptverwaltung der Reichsbahn, diese Zu- lagen würden vor st euer t. Nach unserer Kenntnis erfolgt die Auszahlung stets in runder. Summ«. Also etwa 23 Mark an einen Günstling in Gruppe III, 12 000(in Worten zwölftauscnd) Mark an einen Reichsbahndirektor. Aber vielleicht bemüht sich ein- mal die F i n o n z v e r w a l t u n g um die Nachprüfung der Be- hauptung der Hauptverwaltung der Reichsbahn. Daß dieser himmelschreiende Skandal der angeblichen Leistungs- zulagen verschwinde n'muß, darüber gibt es nur«Ine Stimme in allen Organisationen der Beamten und Arbeiter der Reichsbahn. Das ist dem Generaldirektor Dr. Dorpmüller mit aller Deutlichkeit von den Vertretern der Organisationen auch erklärt nwr. den. Diese angeblichen Leistungszulagen sind tatsächlich das Gegen, teil einer Leistungszulage. Sie sind Korruption und ilngerechtig- keit in höchster Potenz. 5ür Sie erwerbslosen Schauspleler. Na Erfolg der Lühaengeoosienschast. Das Wolff-Buveau meldet: „Die Verhandlungen zwischen dem Präsidenten der Reichs- arbeitsverwaltung und der Genossenschaft Deutscher Biihnenange- hörigen haben zu einem raschen und erfreulichen Ergeb- n i s geführt. Die Reichsarbcitsoerwaltung hat aus Reichsmitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge einen Betrag zur Verfügung gestellt, der es ermöglicht, engagementslose Bühnenkünstler für den Rest der lausenden Spielzeit in G a st s p i e l e n's em b.l e s zu beschäftigen. Es sollen.in den fünf im Deutschen Reich zu bilden- den Ensembles 100 Schauspieler und Sänxer beschäftigt werden, die allmonatlich abgelöst werden. Die Gastspieltruppen werden von der Genossenschast Deutscher Bühnenaugehörigen zusammevge- stellt. Die notwendigen Borbereitungen sind bereits in Angriff genommen worden." Das ist der Erfolg der Aktion der Bühnengenossenfchaft, unterstützt vom AfA-Bund. Wir werden ja sehen, was daneben der famose„Reichsausschuß"— außer der Spaltung der Geister und der Organisation— zuwege bringt. Tarifkündigung in der Gips- und Stuckbranchc. Die Fachgruppe für das Stuck- und Gipsbaugewerbe des Deutschen Baugewerksbundes hiell am 29. Dezember«ine- gut besuchte Versammlung im Großen Saal des Gewerkschaftshauses ab, die sich mit der Kündigung des Tarifvertrages beschäftigte. Scheck erwog in seinem Referat das Für und Wider der Kündigung und kam in seinen Ausführungen zu dem Schluß, den Kollegen zu empfehlen, für diesmal den Tarifvertrag nicht zu kündigen. gn der lebhosten Diskussion, machte sich jedoch die Ansicht geltend, daß angesichts der Situation die 5bünd i g u n y des Tarifvertrages angebracht sti. In diesem Sinne wurde auch beschlossen. «r«i«itn«ten. 7% Übt, tagen die ffinrapen: Sronlfntto Alle« c�riedrich�aln 2): UTfUer Str. 4— s, 1 Tr. Keimbewrechnna tBuchkontroll«), Liederabend.— Landeberger Plati! Druvpenhcim Dieste' nienerstr. S. KeimbosureSung.— Lichtend««: Jugendheim Dosseftr Seimdcimchinwi und Diskussion Ober di« Degembervortrilg«.— Treptou- Schule Wildenbruchstr. SS— dt t�ortgiunner). Seimbesprechuim. i�ahrtbericht.- Di« Singschar d«» Südkreisc» ti:i?t iich I«de» Dienstag abend Übt br Schrrflin», Neukölln, Ponnierltr. ZS. zentral»er band der Schuhmacher. OeffentNch« Beriainztrtun« aller In der Echuhinbuchrie beschäftigten Arbeiter und Arbritertnnea am. Mittwoch, ö. Ionuo: ll'-j Uhr, Reuden,.ssestsR«, Andreasstr. a. Stellungnahme ,um Schledsipruo des RcichsarbeitsmuiisteriiltN»- und der angedrohten Eeneralaussvrrruug in d-r Schub induslrie._ Dir Ortsvttwaltung. Die Sparkasse der Bank der Arbelker. Anzeflellten und Beamten Ö.-0303- Am 31. Dezember 192». morgen, 5 Uhr. starb plästltch nach kurzem, schwerem Seiden unser lieber Sohn »nd Bruder»060 im blühenden Aller von 0>/, Zahlen Z» tiefer Trauer Mamille weich Oaapp Hennigsdorf, Birienftratze 25. Siedlung Swderr. Familie. Die Sinäscherung findet am van- nerstag. den s. Januar, um 9V im Sttmolotfum Sertchtftr. Am Sonnentag, den 30 DezbrUSR. verstarb plöstlich unser Sollez«, der Buchbinder Bruno Krause AI» Borstandsmitglied des Kartells der Jigaretienindustrie hat derselbe in jeder Beziehung in selbstloser, ehrlicher Weise die Iutereffen der Äollegenschaft vertreten. Wir ver- lieren in ihm einen Berater und Kämpfer und werden ihm ein ehrliches Andenken bewahren. Die Sinäscherung findet am Mllt- wach, den 5. Januar, abend«'1,7 Uhr, im jkremalorium Gerichtstraße statt Um rege Beteiligung wird gebeten. Ver NarkeNvorstand. zur Miete W50, Ansb»cherstr.1 ArSl'r/i/iyta oft /mw rticbfinHiju Cagtt. Husten, HelscrkeU, versdHebnung Auswurf. MachtsohweiB, Stiche im Rückon and Brustschmerz hörten auf; Schleim ging morgens mühelos ab; Atmung ist bedeutend freier; allgemeines Wohlbefinden stellte sich ein usw.— So und ähnlich schallt es freudig aus Mitteilungen Erkrankter über die vorzügliche Wirkung der Apotheke» berichten, daß sie nur anerkennende Urteile hören, Aerzte empfehlen ROTOLEST In mediziniaehen Zeitschriften ihren Herren Kollegen zur Anwendung! BOTOIIM-Plll? N sind erhältl. in allen Apotheken oder direkt von im» durch unsere Versand-Apotheke, «n» JOHAXNlTER-ApothJte, SW6t, Plan-Ufer 11. zu 23» Rm. p. Scb, bei$ Sch. auf einmal ru 2.50 Rm. p. Sein geg&i Vereinsehdung des Betrages oder geg. Nachnahme mzügl Ko-aeo Ohne koste Bestellung erfolgt kein Versand UMimrUCh« DrnCKsadiea HMtcalO* dank Nyila** CO« Berlin«W«l, Generalvertretung der Chem. Fabrik PLQETZ 4 Co. für Berlin und Prrwlnr Brandenborg. Fernsprecher Hasenheide 8512. Großer Uiveniur-VerftauS vom 3. bis 15. Januar 1927 Reichhaltiges Lager in: Winter- paleftots, Ulstern, Joppen, Anzügen, einzelnen Hosen und Westen, Windjacken, Loden- u. Gummi-Mänteln Oelmäntel und Oellacken für Kutscher, Schiffer und Angler unentbehrlich Trotz der billigen Preise gewShren wir auf Winter-Paletots, Ulster und Joppen 10 Prozent Rabatt, auf alle anderen GegenstSnde 5 Prozent Rabatt extra Elegante MaOanfertigung Kerrenartikel in großer Auswahl „HOFFNUNG" Bekkidungs-Industrie G.m.b.H. BERUM N 54, BrunnenstraQe 1881 90. »s» NX» / Nr. 4* 44.?ahrgaag 1« Beilage öes vorwärts dteastog, 4.5«»uarl427 3m Dienste der Volksgesundheit. Ein neues Genesungsheim der AOK. Berlin. heit roetter chr Ziel verfolgen in der richtigen Erkenntnis, daß nicht nur, Krankheiten zu hellen, ihre Aufgabe ist, sondern noch mehr. Krankheiten zu oerhüten. Die Krankenkassen haben allen Anlaß, sich der dauernden Mehrung ihrer Heime zu freuen. Und die Allgemeine Ortskrankentasse Berlin darf stolz fein auf ihr neues schönes Heim in Oberschreiberhau. Die großen Krankentaffe» fetze» chre Bemühungen fort, sich eigene Genesungs- und Erholungsheim« für chre Mitglieder zu schaffen. Die Allgemeine Ortstrankenkasse Berlin. die seit langem auf diesem Gebiet mit bestem Erfolg arbeitel« hat ihren bereits acht Heimen jetzt ein neunte» hinzu- gefügt. In Oberschreiberhau sRiesengebirge) hat sie das Porlhotel angekauft, das über dem Ort am Bergeshang in etwa 700 Meter Seehöhe liegt, und hat das Haus zu einem neuen Ge- ncsungsheim für Mitglieder der Kaste umgestaltet. Aus dem früher recht nüchternen Gebäude hat Baumeister Albert Gottheiner(Berlin) ein wirkliches Hei« zu machen verstanden, dessen freundlich ausgestattet« Schlafzinn»« und Ausenthaltsräume den Pfleglingen eine wohltuende Behaglich- kell bieten werden. Für KS Pfleglinge(40 Frauen und ZS Männer) find teils Einzelzimmer, teils Limmer mit je zwei Lette», einige auch mit drei Letten, emgerichtet worden. Man hat da» trübselige Grau der früheren Hotelzimmer durch helle und heller« Farben er- setzt. DieMalerhütteBerlinhot hier eine sehr schöne Arbell geleistet, an d« die Znsasten ihr« Freude hoben werden. Diesem Heim fehlt ganz der Eindruck des Kosernenmüßigen. der sonst in An. stallen nicht immer völl'g vermieden wird. Die Ausstattung der reichlich bemessenen gememschafUichen Aufenthallsräume ist so, daß sie auch verwöhnt« Gäste besriodigen kann. Auf guten Wandschmuck hat man bejonderen Wert gelegt, auch wird man in diesen Räumen mögllchst das ganz« Jahr hindurch es nicht an dem anheimelnden Schmuck lebender Blumen fehlen losten. Für lesefreudige und bildungseifnge Heiminfasten wird hier noch ein« kleine Bibliothek aufgestellt werden. Auch die Nebenräume sind mit groß« Sorgsall behandell worden. Die Küchc ist mll all dem ausgerüstet, was man in wirtschofllicher und hygienischer Hinsicht von einer modernen Anstaltsküche fordern muß. Das Haus hat Wasserleitung, Kanalisation. Dampfheizung, elektrische Beleuchtung. Dieses von einer Oberin geleitete Heim ist für erholungo- bedürftige Pfleglinge bestllnint, denen das Gebirgs- kli wa dienlich ist. Der Aufenthalt soll in d» Regel vier Wochen dauern, wovon man bei der günstigen Höhenlage des Ortes und des Heims schon einen sehr merklichen Gewinn für die Pfleglinge er- warten darf. Aufgenonunen werden Genesend«, die durch längere Ärankhell geschwächt sind, auch Blutarme, Unterernährte. Herz- leidende. Neivose. Bon der Aufnahme sind ousgeschlossen Personen, dt« an ansteckenden Krankheiten leiden. Zur gestindheillichen Förderung der Pfleglinge hat das Haus ein« gut ausgestattete Badeeinrich- tnng. Hier werden medlzinische Bäder gegeben. Kohlensäure-, Sauer- stosf-, Fichtennadel., Lohtonninbäder usw. Geschützte Liegehallen, je eine für Frauen und Männer, werden im Winter wie im/Sommer fleißig benutzt werden. Das Haus und dl« Liegehallen sind von einem Garten umgeben, außerdem gehört zu dem Heim ein kleiner Part mit Teich. Ein im Ort wohnender Arzt wird die Heiminfasten betreuen und täglich für sie im Heim eine Sprechstunde haben. In dem sertiggestclllen neuen Heim wurde vor Neujahr eine kleine Eimoeihuogsfeiec veranstaltet. An ihr nahmen tell Mitglieder des Vorstandes der Allgeinemen Ortstrankenkasse. des Ausschusses und der Derwallung sowie der Chefarzt, Vertreter des Versicherungsamts Berlin, des Berbandes der Krankenkasten Berlins, des Hauptoerbandes Deut- scher Ärankenkasten. des Verbandes schlesischer Krankenkassen, Ber- treter van Berliner Gewerkschaften und vom AfA-Bund. Mitglieder der Gememdverwaltimg von Oberschreiberhau und der Kreis- arzt. D««OS.-Vorsitzende Nürnberg gedachte i» fem« An- sprach« des früheren langjährigen Direktors Albert Sohn, der vor kurzem gestorben ist. Hauptsächlich ihm habe die AOK. es zu danken, daß sie in der Schaffung cigener Heime sovorangeschrittenist. Die AOK. kann, hob Gen. Nürnberg hervor, auf sehr gute Erfolge ihrer Heime hinweisen, und sie wird unter der jetzigen Leitung aus diesem Wege fort- schreiten. Bürgermeist« S t a e ck e l- Oberschreiberhau beglück- wünschte die AOK zu dem gelungenen Werk. Im Namen der Per- waltung dankte der jetzige Direktor Julius Cohn dem Bau- meifter und seinen Mitarbeitern. Glückwünsche de» Versicherung«- amts Berlin überbrachte Stadtrat T r e i t« l. Bei d« Besichtigung des Heims durch die Gäste fanden die Lehagllchbell d« Räume und die Zweckmaßlgtett der Einrichtungen des Heims allgememen Bei- fall. Unter Aufwendung mäßig« GeSanittel ist hier mit fachkundiger Umsicht und gutem Geschmack eine Anstalt geschaffen worden, die trotz aller notwendigen Einfachheit und Schlichthell sich durch Ge- diegenhett und Schönhell auszeichnet. Do» neu« Heim wird am Januar feine Pforten für die erst« Pflegling« öffnen. Die Lllgemelne Ortskrankenkasfe Berlin hat mll diesem neunten Heim die Gesamtzahl der Plätze, die sie für Er- holungsbedürftig« b«eithSlt. auf rund S00 gesteigert. Zur Verfügung stehen ihr jetzt die folgenden eigeuenHeime: Lungenheilstätte in Müllrose(Forst bei Frontfurt a. d. O.) mll 100 Betten für Männer und Frauen. Sanatorium.Waldfrieden' in Buckow(Märkische Schweiz) mll 64 Betten für«hc�ungsbÄwrftige und genesend« Frauen. Sanatorium.Zum Gutenberg' in Kudowa(Schlesien)«rll 42 Dellen für herz- und nervenkrank« Männer und Frauen. Stahl- und Eisenmoorbad Doberan(Mecklenburg) mll S4 Bellen für Männer und Frauen, die an Rheumatismus od« an Krankheiten d« Haut. d« Knochen und der Muskeln leiden, Genesungsheim.Saxonia' tn Flinsb«g(Isergebirge) mll 42 Betten für herz, und nervenkraute Frauen. Erholungsheim ,n Groß-Tabarz(Thüringen) mll 2S Letten für erholungsbedürftige Frauen, Ostseekurheim In Swinemünde mit 70 Betten für Männer und Frauen, die an Herzkrankhellen, Nerven- krankheiten und Kranthellen der oberen Luftwege leiden, Kinderheil- ställe Luisenthal(Thüringen) mit 40 Betten für Kind« der Kassen- mllglied«, Genesungsheim in Oberschreib«hau mll KS Betten für genesende und erholungsbedürftig« Mann« und Frauen. Da» sind zusammen 502 Betten in neun eigenen Heimen. Dazu kommen noch etwa 100 Letten, die von der AOK. Berlin In Anstalten ander» Kasten od« in Privatsanatorien belegt werden, in der Lungenheilstätte Krummhübel, im Lad Lippspring«, im Sa- natorium des bayerischen Kastenoerband«« in Kissingen, in der An- stall von Prof Pannwitz in Hohenlychen. in den drei Anstalten von Dr. Lewald, Dr. Köbisch und Dr. Sprengel in Obernigk bei Breslau. Im ganzen kann jetzt die AOK. jederzeit 6 0 0 B e t t e n belegt haben, so daß sie in einem Jahr wohl 6000 Mitgliedern oder mehr die Wohltat einerBerschickung gewähren kann. Eine statt- liche Leistung! Eine gesetzliche Verpflichtung zu solcher Heilfürsorge besteht für die Krankentasten nicht. Aber gut geleitete Krankentosten legen immer mehr Wert auf diesen wichtigen Zweig ihrer Tätigkeit, und besonders die AOK Berlin bemüht sich, die Heilfürforg« immer weiter auszubauen. Von übelwollenden Gegnern der Krankenkasten wird ihnen sogar diese in ooltsgesundheit- licher wie auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht höchst dankenswerte Fürsorgearbeit. die vielen Tausenden tranker, kränklicher oder schwächlicher Mitglieder ihre Arbeits- und Erwerbsfähigkell wiedergibt, als ein Zuviel angekreidet. Unbeirrt werden aber die Krankenkasten im Dienste der Volksgesund- die Serliner Staütspnoöe macht Witze. Na. seien Sie so gut! Eine so fromm«, ernst« und auf Reputation habende Protestantische Kirchenbehörd« macht doch keine Witze. Doch! Die ernstesten Menschen machen oft die besten Witze. Aller- dings mll seltenen Ausnahmen— unfreiwillige.--- . Die Berlin« Stadtsynode hat sich zu einem solchen Witz die Weihnachtszeit ausgesucht. Seit dem vorigen Jahrhundert siitd in Versammlungen und in den Spalten des„Vorwärts' immer wieder Beschwerden laut geworden über die heillos« Wirtschaft in den Kirchen- resp. Kassenbüchern der Kirch«. Leute. die manchmal schon vor Jahrzehnten ans der Kirche ausgeschieden waren, bekamen Aufforderungen zur Zahlung von Kirchensteuern, ja sogar Androhungen von Pfändungen. Alle Kritiken und Annage- lungen waren erfolglos. Jetzt endlich soll, wie es scheint, Wandel geschasten werden. Der geschästsführend« Ausschuß der Berlin« Stadtsykiade oersendet die im.vorwärts' schon erwähnten Frage- bogen üb« den aus der Kirch« erfolgten Austritt. WahUps erhallen Leute dieses Zirkular zugeschickt, di« nicht nur vor Jahrzehnten aus der Kirche ausgeschieden sind, sondern diesen Austrllt auch schon wi«d«holl der Kirche nachgewiesen hoben. Man kann nur annehmen, daß die Kirche beim Einwohnermeldeamt alle Dissidenten heraus- schreibt und ohne Unterschied diesen das Zirkular zuschickt. Das Tollste ist. daß auch Personen dieses Rundschreiben erhalten, die nie einer Kirch« angehört haben, da ihr« Ellern schon lange vor Geburt d« Kind« ausgeschieden waren. Aber nun kommt d« r W i tz des geschäftsführenden Ausschusses der Stadtsynode. Unser Genosse Adolph Hoffmann, der seit 40 Iahren den Kamps gegen eine anmaßend« Kirche in all« Oeffent- lichkeit geführt hat, erhall vierzig Jahre nach seinem Austritt(M. Dezember 1886 beim Amtsgericht Halle a. d. S.) ebenfalls«in solches Zirkular! Wenn j« ei» Mensch von der Stadtsvnode gehaßt, verfolgt und vttiästert ist, so der Sozialdemokrat, Atheist, langjährige Leiter der Freireligiösen Gemeinde zu Berlin und Reoolutions- Kultus- minister, wegen dessen Kirchenaustrittspropagonda bei fast allen Tagungen der Stadtsynode Gottes Fluch auf diesen Teufelsbraten herabgefleht wurde. Wir wollen gern anerkennend feststellen, daß die sozialdemokratische Erziehung doch schon sichtbare Erfolge aui- zuweisen hat, denn aus der Drohung mit dem Steuer-Cxekutor ist eme Anfrage geworden, und sogar ein gedrucktes Freikuvert liegt bei. In weichem Zustande aber, fragen wir wiederum, müssen sich Mit- flliedslisten und Kastenbücher der Kirche befinden, wenn man einen o von der Kirche verfolgten polizei- und gerichtsbekannten Atheisten an feinem 40. Austrillsjubiläum zur Kirchensteuer oeranlagen will. Ihn, einen Mann, der ein ganzes Jahrzehnt die Gerichte, darunter Sei mal das höchste preußische Gericht, das Kammergericht, be- äftlat«, well er fein« acht Kinder unter den Kullusmiuisteril von Z e d li tz. Bosse, usw. vom Religionsunterricht der Schule zurück- behielt! In zwei Kammergerichtsurteilen, die wegen ihrer Gegensätze großes Aufsehen erregten, wurde der nachgewiesen« Kirchenrni stritt festgestellt. Das braucht natürlich die Berliner Stadtsynod« nicht zu wissen. Daß sie aber einem Manne, der nach Aufhebtzng des Sozia- listengesetzcs wieder nach Berlin zog und seit 34 Jahren im Bereich der Berliner Stadtsynode wohnt, 34 Jahre keine Kirchensteuer ab- oerlangt hat, läßt, um mit dem längst zu Asche gewordenen sozial- demokratischen Abgeordneten Sabor zu reden,„t i ef b l i ck e n?!' Was für«ine Teufelswirtschast muß in den KastenrSumen und Büchern der Berlin« Synode herrschen! Mühte da der Herrgott nicht wirtlich mal Pech und Schwesel hinein regne» lassen, um eine neue Ordnung zu schaffen, was bei den alten schweinsledernen Schwarten naih solchen Leistungen auch einem vereideten Bücher- revisor unmöglich sein dürfte? Aber noch eins! Ein Dissident, der 40 Jahre in den amtlichen Listen als solcher geführt wird, ist unglaubwürdig. Er soll den Nachweis seines Austritts nochmals bei der Snnodc führen. Dem- jenigen, der sich in diesen Listen als evangelisch eingetragen hat. glaubt die Synode aufs Wort und sie schickt ihm den Steuerzellel. Ja, auch bei der lutherischen Kirche hat Tetz?! heute noch recht: „Wenn's Geld im Kasten klingt.. Einem Dissidenten traut die Die Vunöer öer Klara van tzaag. 53s van Johannes Vuchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. „Verbringst du deine ganze Zeit damit, Sivert?' .Ich tue es nicht gratis. Nören macht mich dafür bei Minna Lund beliebt. Sie findet mich schon prachwoll und will von mir singen lernen.' Der Vater war in der Ziegelei gewesen. Er wurde gleich belebt, als er hörte, daß es der Tag des Gartenfestes ffei. „Wir müssen hin,' sagte er und riß sich vor dem Spiegel graue Haare aus dem Bart. .La. und man sagt,' sagte die Mutter,, daß es obendrein heute abend Feuerwerk gibt, weil ein Jubiläum oder so was ist.' Um halb acht zog die Familie ab. Sie schlug den Weg über den Strand ein. Der Regen hatte sich gelegt. Im Westen war die ganze Himmelswölbung rot. Das Wasser und der feuchte Tang atmeten ihren fruchtbaren Salzduft in den Abend. Spielende kleine Wellen eilten heim ins Bett. Emanuel nahm hin und wieder einen glatten Stein prüfend in die Hand und ließ ihn wie einen freigelassenen Vogel über das Wasser fliegen. Weit draußen berührte er die Wells mit feinen kleinen Füßen, einmal, zweimal, viele Male hinter- «inander. „Ja.' sagte Sivert.„es gibt nicht deinesgleichen. Du bist ein Großer in feder Art Steinwnrf!' Emanuel ließ unbeirrt feine Steine fliegen. S vsrt fuhr fort:.�Du bist ein Wunder— aber.. Emanuel sah auf: er hatte diesen Rachsatz erwartet: er interessierte ihn mehr, als das aufdringliche Lob. . Aber,' sagte Sivert und lächelte wie im Traum,„heute und d'e letzte Nacht habe ich dich doch übertroffsnl' „üstprin hast du mich üliertroffen?' „Heute nacht habe ich Minna Lunds Liebe he-wungen — heute habe ich mich in einer aparten Stellung photogra- phieren lassen.' .Last du wirklich mit ihr getanzt?' „Ob ich ies tatl Sie ljat fast die ganze Nacht den Arm tun meinen Kragen gelegt. „Ich mag nicht mehr von dem Unsinn hören,' sagte Emanuel und suchte sich einen neuen Stein. Da sagte Sivert mit einem Seufzer:.La, dann will ich dir nur sagen, bah es meine unerschütterliche Absicht»«, sowohl mit ihr zu tanzen, wie um sie zu freien. Als sie aber mit dem Ingenieur angestiegen kam, faßte ich einen anderen — und besseren— Entschluß.' „Du gingst nach Haus«.' „Ja, aber erst stellte ich mich skeptisch mit betrübt ab- wandtem Gesicht volle fünf Minuten vor sie hin. Dann ging ich, ohne Rücksicht auf meine fast unbenutzte Tanzkarte. Jetzt habe ich ihr noch dazu fünf Kronen für ein Dutzend Photo- graphien von mir geopfert' „Die tosten doch wohl nicht mehr als vier bei Ciermann?' „Er verlangte eine Krone extra, um mich in den Schau- kästen zu hängen. Da will ich sie als Wahrzeichen und Warnung an mich gemahnen. Der Kasten hängt ja gerade ihrem Fenster gegenüber." Emanuel lachte und warf«inen Stein. Dann ging er ein Weilchen gesetzt weiter, als er ober einen Seeigel sah, der Im Tang angespült war, beugte er sich aus Knabengewohnheit nieder und stecktcke ihn in die Tasche. „Was willst du damit?' Emanuel wurde verlegen: er wußte wirtlich auch nicht. was ein Bankbeamter mit einem Seeigel sollte. Um sich ober nicht zu verraten, machte er seinen Fund zu etwas großem und einzig Dastehenden, das viel Geld wert war. „Vielleicht." sagte er.„schenke ich ihn einem Museum. Sieh, seine Stacheln sind zu einem feinen Muster geordnet, und weißt du. daß seine Augen in einem Kranz um das After- loch sitzen?" „Um das Afterloch? So einen Igel habe ich noch nie gesehen." „Seeigel, sa. Aber du kannst dir denken, daß er dadurch etwas selten wird." .La, wir haben seltene Leute," sagt« Sivert philosophisch. ..Sie wollen, daß man mit einem Gurt im Rücken und einem Fernglas auf drei Beinen herumläuft. Wenn Ich aber fetzt mit meinem lächerlich traurigen Gesicht im Photogravhen- kosten sitze, dann wird es mir schon glücken, ihre Augen in die rechte Rick>tung zu schrauben. NSml'ch mitten auf mich." Die Eltern, die vorangegangen waren, blieben stehen und winkten. Doit, wo sie standen, mußte man aus den Hang hinauf, der an Staatsrots Garten entlang lief. Schon hier standen ein paar Zuschauer, aber es waren ganz gewöhnliche Leute, die besseren Klassen begannen erst ganz oben am Bahn. hofsweg, wo es einen freien Blick über den Garten nach dem erleuchteten Haufe gab. Drinnen, auf den Gartenwegen, gingen zwei Männer mit Klapplettern und zündeten die bunten Laternen an. Cgholms schlössen sich still der langen Menschenreihe an. die schon da war: sie legten wie die andern die Hände auf den, Heckendraht und warteten geduldig, daß etwas geschehen sollte. Die Dunkelheit begann sich zu verdichten. Ueber dem Bclt war die Röte einer tiefen, duickelblauen Farbe gewichen. „Seht, gerade wie ein Schiff," flüsterte die Mutter. „Wo?" „Staatsrats Schloß— Haus, meine ich. Seht, es segelt mit all den vielen Lichtem auf uns zu.' Ja, das konnte Egholm gut sehen. Er stand lange da und belustigte sich heimlich, Indem er es segeln ließ. Wenn er die Augen schloß und sie wieder öffnete, war es näher gekommen. i Jetzt speisten sie wohl drinnen. Rur die aufwartenden Mädchen und Frauen glitten hin und wieder an den Scheiben vorbei. Sie wurden von den Zuschauern draußen stark beneidet. Hört, jetzt wurde drinnen gesungen. Die Leute summten den Refrain:„Und das fei zu Ehren...'. Ihnen schien, daß auch ihnen auf diese Weise ein Gericht von der Tafel geboten würde. Auf einmal lärmten die Stühle andauernd, und gesegnete Mahlzeit, gesegnete Mahlzeit wurde unaufhörlich gesagt. Gleichzeitig wurde die Balkontür geöffnet und es ertönten Freudenrufe, denn jetzt lagen alle Wege des Gartens feuerpunktiert in rot, gelb, grün und blau da, als ob eine Glückespinne ihr tauperlenfchimmerndes Netz über alles ge- warfen hätte, was Staatsrats gehörte. Die ersten Paare fegten die Treppe herunter, die kies- bestreuten Wege entlang und über die zärtlich geschnittenen Rasenplätze. Junge Rufe ertönten unter den Säumen. Einer der Herren pflückte eine rote Papierlaterne. Alle Damen entzündeten ihre Zigaretten daran. Der breite Gartenweg führte nach rechts, und er war ja durch diese Hunderte von Lichtbojen bezeichnet, so daß niemand den Kurs verlieren konnte. Und doch geschah es, daß zuerst ein langer, etwas vornübsrgebeugtsr Herr und später eine aufrechte, ziemlich hochgewachsene Dame in Rosa auf den falschen Weg— nach links— tns Dunkel einbogen, beide sogar schneller als irgendeiner von den anderen. „Hast du sie gesehen?" flüsterte Elvert. „Sie? Wen?" „Minna und dann Nören. Sie schlichen in der Dunkelheit herum. Ich finde, das ist ein recht guter Einfall von ihnen.' .Außerordentlich zweckmäßig," sagte Emanuel. (Fortsetzung folgt.) christlich« Stadtsynod« oh««««iter« vrku«h«,fSlscha«s ja, denn solche ist es, wenn jemand die staatlichen Personenstandslisten durch sallche Angaben oder Eintragungen fälscht. Also, liebe christ- liche Stadtsynode, was ist die Ueberscndung der Zirkulare an Dissi- deuten? Beweis einer bodenlos unordentlichen Wstrt schaft in den Kirchenbüchern oder ein« Bos- b c i t? Oder soll es ein Witz fein? Die zwei letzten Eoentuoli- täten darf man doch einer christlichen Kirche nicht zutrauen! „Aber bei Gott ist kein Ding unmöglich." Ist doch vor einigen Lohren einem bekannten Schriftsteller und Redakteur passiert, daß er«ine Aufforderung zur Kirchensteuerzalstung bekam, obwohl er vor langen Jahren aus der Kirche ausgeschieden war. Bewaffnet mit der gerichtlichen Austrittsbcscheinigung, begab er sich zur maß- gebenden Stelle. Der diensttuende Herr prüfte lange und eingehend Dokument und Aufforderung. Schließlich erklärte er:„Ja, Sie legen hier eine Bescheinigung über Ihren Austritt aus der e o a n g e- tischen Kirche vor. In Ihrer Steuerausforderung handelt es sich ober um Steuern für die jüdische Gemeinde. Sie müssen also eine Austrittsbescheinigung aus der jüdischen Gemeinde beibringen." Auch die erstaunte Entgegnung, daß dies schon deswegen unmöglich sei, da der Betreffende niemals der jüdischen Gemeinde angehört bot, nutzte nichts. Der Beamte verlangte, der Herr Doktor müsse dafür den Beweis vorlegen, worauf dieser, sich im Bureau um- sehend, mit Bezug auf die anwesenden Bureaudamen entgegenete: „Den einzigen Beweis, welcher darüber vorhanden ist, würde ich gern auf Ihrem Amtspult niederlegen, wenn mich nicht die An- Wesenheit der Damen und die guten Sitten daran hinderten." Etwas verdutzt stellte der Beamte weitere Beweiserhebungen ein. Dieser Fall wurde seinerzeit schon im„Vorwärts" veröfsentlicht. Nach den vielen, dem Schreiber dieser Zeilen fast täglich zu- gehenden Zuschriften und Beschwerden von Leuten, die aus den Religionsgemeinschaften ausgeschieden sind, hat es den Anschein, als ob in den Mitgliedslisten oller Kirchen ein so heilloses Drunter und Drüber herrscht, daß es höchste Zeit ist, daß der Reichstag endlich ein vor acht Jahren im preußischen Kultus- Ministerium projektiertes Gesetz schafft, das einfach durch einen ein- zigcu Paragraphen endgültig und für immer Wandel schafft, zum mindesten aber den Religionsgemeinschaften neue, tadellose Mit- gliederlisten liefert. Dieser Paragraph müßte folgenden Wortlaut haben: .,3» den Religionsgemeinschaften gehören nur diejenigen Personen, die sich innerhalb eines Kalendermonats vom Tage der Beröffentlichung dieses Gesetzes in den ausgelegten Listen der- selben eintragen lasten. Alle andern sind al, konfessionslos zu be- trachten." Damit hörte jede Belästigung Unbeteiligter auf. Wir würden sogar dagegen nichts einzuwenden haben, wenn doppelt so viele Eintragungsstellen eingerichtet würden als beim Volksentscheid, und während eines ganzen Monats jeden Tag während acht Stunden die Eintragung möglich wäre. Gewiß«ine Toleranz, wie wir sie bei den„Gottgercchten" selten erleben werden. Also: Versuch macht klug. Die Annahme eines solchen Gesetzes schafft Ordnung._ Gelöschranktnacker» Pech. Ter Weg über das geteerte Dach. Einen gefährlichen Weg hatten Geldschoonkeinbrecher, die in der Nacht zum Montoc: dos türkische Kofteehau».Mola Efti" an der Ecke der Friedrich- und Leipziger Straße heimsuchten. Die Spezialisten müssen nach dein Befund von Irgendeinem Grundstück der Leipziger Straße aus über die Dächer herangekommen sein. Das Doch des Eckhauses ist frisch geteert und infolge der nasten Witterung noch etwas schlüpfrig, wo rutschte, wie Schleifspuren deutlich zeigen, einer der Einbrecher aus und glitt bis an die R e g c n r i im, e, die ihn ausfing. Seine Helfershelfer zogen ihn dgnu aus der gesährlichen Lage auf die Höhe des Daches wieder zurück. Wäre die Rinne nicht gewesen, so hätte er i n d i e Tiefe stürzeil müssen. Durch die Dachluke gelangten die Verbrecher auf den Loden und von dort in die Räume des 5. Stockwerks, in denen sich auch die Kasse des Betriebes befindet. Hier knabberten sie einen Geldschrank auf und erbeuteten daraus 10 l>Ol> M. Die Knacker müssen sich auf dem Dach Hände, Stiefel und Kleidune, stark mit Teer beschmutzt haben, denn Tecrspuren zeigen sich on> Geldschrank, an den herausgeschnittenen Stücken und besonders ous dem Fußboden um den Schrank herum.— Weniger Glück hatten Knacker bei dem Hoch- und Tiefbaugeschäft von Gottlieb T e s ch am Schönebergcr Ufer 17. Dorthin kamen sie von einem Nachbar- grundstück über die Mauer nach dem Hof. Auf dem Wege über die Himcrtreppe bis zu den Bureaus im 1. Stock mußten sie zwei Türfüllungen herausschneiden. Durch das Geräusch wurde der im Hause wohnende Burcaudiener aufmerksam. Als er sich erhob, um nachzusehen, niüssen die Einbrecher ihn gehört haben. Sie gaben die Arbeit auf und entflohen so eilig, daß sie ihre Werkzeuge im Stich ließen. Auch hier waren ahne Zweifel gewerbsmäßige Spezialisten tätig. Den Rückweg hoben sie vermutlich wieder über den Hof und die Mauer genommen. Mitteilungen zur Aufklärung der beiden Einbrüche erbittet Kriminalkommissar Bünger im Polizei- Präsidium. Oer öerliner Neujahrsverkehr. Der Belriebsumfang der.Berliner verkehrimttkel. Zu Silvester, am Neujahrstage und am dorouffolgenden Sonn- lag« herrschte aus den Berliner Verkehrsmitteln wieder der übliche starke Verkehr. An erster Stelle stand wieder die Straßenbahn mit über 21- M i l l i o n en Fahrgästen am Silvester und mit 1H Millionen Fahrgästen am Neujahrstage bzw. 1,3 Millionen am Sonntage.— Die Stadt-, Ring- und Borortbahn be. förderte zu Siloester 1,1 Millionen Fahrgäste, zu Neujahr 915 000 und am Sonntag. 943 000 Fohrgäste. Der Stadtverkehr war an den Tagen lebhast und der Fernverkehr von Berlin aus schwach.— Die Hochbahn beförderte am Silvester 630 000 Personen, am 1. Januar 310 000 und konnte am Sonntag, den 2. Januar, den üblichen Sonntagsoerkehr verzeichnen.— Die A b o a g befördert« Silvester 410 000 Fahrgäste, zu Neujahr 250 000 und am Sonntag 300 000. 25 Jahre Staütverorüneter. Ja diesen Tagen vollendet sich für unseren Genossen Theodor G l o ck e das 25. Jahr seiner Zugehörigkeit zur Berliner Stadtverord- nctenversammlung. Er wurde zwar schon im Jahre 1900 zum Stadtverordneten gewählt, schied aber wieder aus, nachdem die Wohl aus belanglosen Gründen für ungüllig erklärt worden war. Aufs neue entsandte die sozialdemokratische Arbeiterschaft ihn in die Stadtverordnetenversammlung bei den Wahlen vom November 1901. Genosse Glocke war Vertreter des damaligen 44. Bezirks der dritten Klasse, der die Stadtbezirke 293— 298, den nordwestlichen Teil von Moabit, umfaßte. Anfang Januar 1902, in der ersten Stadtverord- netensitzung des neuen Jahres, wurde er in sein Amt eingefllhn. Dom Januar 1902 ab hat Genosse Theodor Glocke jetzt 25 Jahre ununterbrochen der Stadtverordnete»- Versammlung angehört, der alten bis 1921, und von da ab der neuen. Glockes Mitarbeit an der Kommunalverwalwng galt sofort besonders den Arbeiterfragen, bei deren Erörterung er oft das Wort nahm und die Forderungen der sozialdemokratischen Fraktion vertrat. Ihm kam die wertvolle Sachkenntnis zu- statten, die er durch langjährige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung erworben hatte. Seit dem Jahre 1902 ist er Mitglied der Deputation für das Bauwesen und der Deputation für innere Ausschmückung des N a t h a u s e s. Im Jahr« 1912 wurde Glocke auch Mitglied der Verkehrsdeputation. Eine Zeitlang hat er auch der Deputation für den Arbeitsnachweis und der Kunst- d e p u t a t i o n angehört. Wir wünschen dem jetzt Siebenundsechzig- jährigen, noch viele Jahre an der Arbeit zum Wohle der Stadt reil- nehmen zu können. vom dienst am KunAen. Enttäuschungen eines kleine» Kousutncute». Man kann jetzt nach dem Fest als Konsument einmal ein wenig Rückschau halten über die Erfahrungen beim Einkauf. Sie sind rund heraus nicht sehr ermutigend und mau hat oft den Eindruck, daß es vielfach die ßadeninhaber selber sind, die vom„Dienst am Kunden" keine Ahnung haben und scheinbar die Herrlichkeiten der Kriegszcit, in der ihnen der Konsument ausgeliefert war, nicht vergessen können. Hier ein paar Beispiele: Kauf ejncr kleinen ledernen Handtasche für eine Dame ist be- adsichtigt. Es ist vormittags ein paar Tage vor Weihnachten. Das Spezialgefchäst in der Berliner Straße in Charlottenburg ist däm- merig und leer. Dem einzigen Kunden zu Ehren flammt eine kleine Lampe auf. Die Bedienung ist arstangs sehr nett. Auch der Inhaber kommt freundlich hinzu. Aber, wie das so geht, man findet nichts, spricht das bedauernd aus und verläßt mit höflichem Gruß den Laden. Das Ladenfräulein ist plötzlich wie gewandelt, findet nur einen halb- laut gemaulten Gruß. Der Lodeninhaber aber findet für den Gruß des Käufers überhaupt kein Wort. Natürlich wird man den Laden des unhöflichen Geschäftsmannes nicht wieder besuchen.— In einem Warenhaus läßt man sich Herrenhemden vorlegen. Der Verkäufer ist von größter Liebenswürdigkeit, aber auch hier findet man nicht das passende und verabschiedet sich mit bedauernden Worten. Der Verkäufer, plötzlich verwandelt, sieht den Käufer nur noch mit dem Rücken an und erwidert aus den Gruß kein Wort.— Am Weihnachtsabend braucht man noch zwei Paar schwarze Herrcnsocken, Größe 101-. Der Inhaber sucht selber aus und packt ein. Man fragt ausdrücklich:„Auch 1015?"„Aber selbstverständlich". Zu Hause findet man ein Paar 101- und ein Paar 1215 und der Beschenkte ist ver- stimmt. Der Inhaber ist zum mindesten sehr unaufmerksam gewcien.— Beim Einkauf einiger Konfitüren achtet man nicht auf die Firma. Daheim sieht man den Kassenzettel durch und findet, daß sich die Firma Theodor Hildebrandt und Sohn im achten Jahr der Republik noch als„Hoflieferant S r. M a j. d. Königs" bezeichnet. Darüber dos preußische Königswappen mit den wilden Männern. Die Firma will wohl damit andeuten, daß sie Republikaner als Käufer nicht wünscht. Das kann in Zukunft geschehen. Zum Schluß noch zwei Beispiele für die Torheit zweier Geschäftsleute. Die Hausfrau will ihrem Mann ein Schreibzeug schenken und ersteht es auch in einem der modernen Einheitspveis-Basare in der City. Zu Hause entdeckt sie, daß das Stück abgestoßen und abgeschrammt ist. Sie schreibt das, mit Recht enttäuscht und verärgert, dem In- Haber. Und der? Entschuldigt sich und und bietet Umtausch an? Nicht die Spur. Schreibt patzig:„Sende Ihnen anbei ihr Geld zurück. Das Schreibzeug können Sie behalten. Aber betreten Sie gefl. meinen Laden nicht wieder." Der Mann hat sein Geld natürlich postwendend zurückbekommen, aber dem Befehl, seinen Laden nicht wieder zu Das populäre Orchesterkonzert am Neujohrabend linterscheidet sich wohltuend von den sonstigen gleichnamigen Unternehmungen. Allerdings sollte endlich die„Maritann"-Ouvert>jre Nut ihrem unübersichtlichen Aufbau und ihrer sacharinierten Melodik zu den Akten gelegt werden, aber Tschaikowskys„Eapriceio Italien", Suppes melodiöse Ouvertüre zu„Bandilenstreiche" und der herrliche Ungarisch« Marsch aus Berlioz'„Fausts Verdammung" lassen bald den mißglückten ?lustakt vergessen. Bruno Seidler-Winkler zeigt sich in allen Särteln gerecht, trotzdem könnte der Ungarische Marsch wuchtiger genommen werde». Der Tenor Franz B a u m a n n reicht als Lieder- jünger höchstens für Weingortncrs„Liebesfeier" aus, Wolfs„Ge- stllenlied" ist kein Chanson. Der schönen, stark nasal gefärbten Stimme kehlt es an Ausdruck, und erst bei den Operettcnliedcru bewegt sich Boumaim auf seinem eigentlichen Gebiet. Die Kapelle „Gebrüder Steiner" gibt ein nettes und harmloses Nachmittags- konzert. Daraus spricht Dr. Bruno B o r ch a r d t über„Kalender und Kalenderreform". Nach einem historischen Rückblick behandelt er die Resormvorschlägc, die dem Bölkerbund unterbreitet worden sind. Der Vortrog ist Nor nnd für alle verständlich gehalten, leider kann man dies nicht von dem Referat Forstreuters über„Künstle- rische Emsühlung als Mittel der Erkenntnis" behaupten. Forst- reuter arbeitet zu viel mit Fremdworten und wissenschaftlichen Aus- drücken, die dem Laien unverständlich bleiben, hinzukommt ein ver- stiegeues Pathos. In der Fortsetzung seiner Reihe„Die Männer aus den neuen deutschen Briefmarken" singt der Lortragende Rosen ein über- schwcngliches Lob auf Friedrich den Großen. Schlimm genug, daß in einer Republik ein Kanigskopf auf der am meisten benutzten Brief- marke erscheint, ganz überflüssig aber, daß durch den Rundfunk dazu noch Propaganda für diese monarchistische Entgleisung betrieben wird. Sonst bietet das Sonntogsprogramm Erfreuliches. Am Abend„Die Fledennaus" als«sendeopcrette unter Leo Blechs sprühender, mit- reißender Leitung. Jeder Takt ist hier belebt. Schon die Ouvertüre bietet einen ungetrübten Genuß, auch die Sänger leisten Ausgezeich- netes. An erster Stelle: Vera S ch w a r z als Rofolinde und der Eisenstein Botels. Es bleibt der Funkstunde zu danken, daß sie dies« herrliche. l>is heute unerreichte Operette als Sendespiel«in- richtet, Bronsgeest hätte ober in den Dialogszenen am Anfang des dritten Aktes unbedingt streichen müssen, da die Witze hier nur aus der Bühnensituation erwachsen und auch die Aufführung beinahe drei Stunden dauert. Die„Stunde der Lebenden" bringt den Rigacr Komponisten Schnabel mit sechs Liedern und den Hamburger Wolter Niemann mit den Klavierkompositionen„Alt-China" und„Aus Horn- bürg", die der Komponist selbst vortrögt. Professor W e i ß m o n n entwirft in der Einführung ein knappes, ober eindringliches Bild des musikalischen Impressionismus, zu dessen Bertretern sich Niemann und Schnabel zählen. Weißmann zieht mit einfachen Worten Ber- gleiche zwischen den deutschen Impressionisten und den Franzosen und zwischen malerischem und musikalischem Impressionismus. Immer wieder zeigt sich Weißmann als vorbildlicher Einsührunpsredner, der den schwierigsten Stoff in eine leicht verstänÄiche Form bringt. Max Hansen und Paul Morgan fiel diesmal in ihrem Dialog weniger ein als sonst. Margarete K ä m m« r e r ist es vorbehalten gewesen, am Montag di« Psychologie des Ausgabebuches im Rahmen der Frauenfragen und Frouenforgen zu entdecken. Worin diese Psychologie allerdings be- steht, wissen weder Vortragende noch Hörer, aber wenigstens klingt der Titel so hübsch und dekorativ und niemand erkennt, welchen Zweck dies« Uebung hat. In der Novellenstunde liest darauf Moria M e n o n i schlecht und recht das ,, Domkind" von Nikolaus Schwartzkopff. Sie wird nicht pathetisch, dagegen stört eine ständig wachsende Nervosität. Und durch diese Nervosität der Sprecherin wird die Sache durchaus nicht besser. Gibt es nicht Wertwollerez als das Domkind? In sprachlicher Beziehung ist die Novell« wenig originell und reizvoll, und weihnachtlich Mystisches sollte im Januar bereits vergessen sein. Anders allerdings lägen die Ding«, wenn es ssch hier um ein Kunstwerk handeln würde. Das Abendkonzert vereinigt Goldmarks Sakuntala. Dvorats sinfonische Dichtung„Aus der Neuen Welt" mit Tschai kow- skys Biolinkonjert. Oskar Sie findet in feiner Einführung das verbindende Moment zwischen diesen auf den ersten Blick em- gegengefetzten Geistern in ihrer Stellung zur nationalen und zur europäischen Musik. Es sind europäische Komponisten, deren Musik höchstens durch das Rattonale eine besondere Farbe erhält. An Stelle Seidler- Winklers leitet das Konzert Selmar Meyrowitz, der die Lyrik der Sakuntala voll auskostet. Pro- sessor Alexander Pefichnikoff spielt dos Tschaikowfkysch« Violin- konzert mit glitzernder Technik, aber kühl und beherrscht bis in die Fingerspitzen. j betreten, wird nachgekommen«erden. Der andere ist est, Kolonial. warenhändler, der der Wohnung des Käufers gegenüberwohnt, bei dem aber die Hausfrau nicht kaust, weil sie teils beim Konsum, teils in einem andern Loden der Rolle hat, kauft. Nun kommt, es ist in einem Vorort, eines Tages ein Paket von einem Berliner Geschält. Der Käufer ist nicht zu Hause. Der Bote fragt in dem genannte» Lade» und der Inhaber erwidert: Gewiß kenne ich die Frau, ober da sie nie etwas bei mir kaust, will ich auch ihr Paket nicht annehmen. Das war mehr als unhöflich, das war dumm. Denn die einzig« Ge- legenheit, jene Frau durch eine Gefälligkeit zum Kunden zu gewinnen, schlägt der Mann glatt aus. So geht es dem Konsumenten wieder und wieder, und zwar fast immer nur denen, die wenig Geld haben und rechnen müssen. Die Leute, die mit Pelzen angetan im Auto vorfahren, werden zehn- mal höflicher behandelt. Gewiß sind das im einzelnen nur kleine Dinge. Aber im ganzen gesehen wirken sie sehr unerfreulich und man kann diese Liste leicht vergrößern. Die Preise, die heule überall verlangt werden, rechtfertigen es aber, daß der Käufer gute ein- wandfreie Ware bekommt, daß er freundlich und seinen Wünschen entsprechend bedient wird. Das ist Kundenrecht und Verköuferpflichi. Hoffentlich macht die Geschäftswelt im neuen Jahr bessere Fortschritt- im„Dienst am Kunden", von der in der Fachpresse so viel geschrieben und das von dem Verkäufer so energisch gefordert wird. Eine Umfrage. „Wenn ich Bürgermeister von Neukölln wäre." Ein Lokalblatt in Neukölln hat unter der Ueberfchrift„Was würde ich als Dürgenneifter von Neukölln tun"«ine Umfrage bei seinen Lesern veranstaltet. Wochenlang wurden Antworten spalten- lang abgedruckt. Eine Reihe von Einsendern hatte begriffen, daß das Lokalblättchen die Umfrage veranstaltete, um der sozialdemo- kratischen Gcmcindcpolitik eines auszuwischen, und hatte wünsch. gemäß kleine Hetzereien gegen den sozialdemokratischen Bürger- meister und die sozialdemokratischen Stadträte in die Einsendungen mit eingestreut. Es fehlte auch nicht cm persönlichen Ge- hässigkeiten und Verdächtigungen. Die Redaktion besaß nicht einmal den Takt, nach außen hin wenigstens Sachlichkeit zu markieren und diese personlichen An- rempeleien zu streichen. In einer Antwort heißt es,„daß ich nicht Bürgermeister sein könnte, weil mir die Vorbildung fehlt. Amt und Titel machen es nicht. Oder geht es heute doch?".� Ein anderer fragst ob der Bürgermeister„außer Rechte» auch Pslichten" hätte. Eine tolle Verleumdung leistete sich ein Einsender mit folgendem: „Sollte ich als Bürgermeister auch einmal aus dem Rachaus zu tun haben, so würde ich die Beamten auszeichnen, die bei Beginn der Dienstzeit ihr Tagespensum bereits erledigt haben." Wie tind- lich naiv die Redaktion diese Umfrage redigiert hat, beweist ein anderer Satz:„Ich wäre als Bürgermeister ein Prachtexemplar dieser Art, also ein Mann von eisernem Pflichtgefühl von altem Schrot und Korn." Das Lokalblättchen hat mit seiner Umfrage nur einen großen Fehler begangen. Es hat verabsäumt, wenigstens hin und wieder in die Einsendungen eine mit einzustreuen, die tot- sächlich Mängel aufzeigst Durchblättert man einmal die veröfsenllichten Einsendungen, dann muß man zu dem, sicher von der Redaktion nicht beobsich- tigten, Schluß kommen, daß in Neukölln, abgesehen von einigen Kleinigkeiten, nichts mehr zu tun sei Was wird in denjinzähligen Einsendungen gefordert: Herr M. wohnt in der T-Straße und ueilangt Asphaltpflasterung seines täglichen Weges, Herrn B. stört die Gaslaterne vor fernem Fenster, Herr W. vermißt eine Gas- laterne, Herr W. verlangst daß eine Anschlagsäule versetzt wird. Und so fort geht es durch alle Einsendungen. Nur einer hat ein« größere Frage aufgerollt, de» Bau eines Theaters. Alle anderen verlangen Abstellung von Mängeln, die im Interesse einzelner wichtig sein können, für das Allgemeinwohl aber nicht ousschlog- gebend sind. Neukölln, sst einer der Bezirke, die in den letzten Jahren in der Schaffung sozialer Einrichtungen, der Volksbildung, der Erwerbslos ensürsorg«, vor allem der Jugendlichen, wegweisende Ar- beit geleistet haben. Gewiß ist noch vieles zu schassen, und niemand, vor allein der sozialdemokratische Kommunalpolitiker, wird verkennen, daß die Mitarbeit weitester Bevölkerungsschichten wichtig für die kommunale Tätigkeit ist. Der von der Bevölkerung gewählte Stadtverordnete und der in der Verwaltung arbeitende Stadtrat und Bürgermeister kann unmöglich alle Mängel sehen. Eine solche Mitarbeit der Bevölkerung kann sich aber nur dann praktisch auswirken, wenn sie ohne Boreingenommenheit geleistet wird. Die Bevölkerung i» Neukölln weiß genau— das beweist die dauernde Steigerung der Wahlzisfer der Sozialdemokratie—, wer sich der Not des kleine» Mannes, des Erwerbslosen annimnu und Hilfe bringst wo es möglich ist. lind gerade diese Derösfen:- lichungen des Neuköllner Lokalblättchens zeigen, daß auch der bve- hafteste Gegner nichts Ernsthaftes gegen eine GcmeindeverwaliU!: sagen kann, die in wahrhast sozialistischem Sinne, d. h. im Simu der Allgemeinheit handelt._ Ein Freispruch. Einen überraschenden Ausgang nahm eine Anklage wegen ge- fährlicher Körperverletzung gegen den Kraftwagensührer Lager, der einer Frau sechs Messerstiche" versetzt hatte. Der noch ziemlich jugend- liche Angeklagte wurde, als er nach ISstündiger Dienstzeit an der Haltestelle seine Kasse zählte, nachts von einem Dämchen der Straße angesprochen. Dcrett freundlicher Einladung folgte er auch. Als er"von ihr wieder zur Tür Hinausgelossen wurde, oersetzte er der Nichtsahnenden hinterrücks sechs Messerstiche. Aus di« gellenden Hilferufe der Verletzten wurde er verfolgst ließ sein Auto stehen und eilte nach Hause zu Bett. Er behauptete nun vor dem Schössen- gericht Mitte, daß sie sich über seine Jugend lustig gemocht habe und daß er dadurch gereizt worden sei, zumal er etwas angetrunken gewesen sei. Wegen der Merkwürdigkeit der Tat entstanden Zweifel an der Zurechnungssähigkeit des Angeklagten, und er wurde ie�'S Wochen in der Irrenanstalt Herzberge beobachtet. Oberarzt Dr. Hasse hat dort aber an ihm keinerlei Geisieskronkheil festgestellt. Es wurde zur Prüfung, ob nicht ein pathologischer Rauschzustand in Frage komme, nach modernen Grundsätzen die Alkoholprobe vorgenommen. Der Angeklagte erhiell auf nüchternem Magen 30 Kubikzentimeter reinen Alkohol, ohne daß eine krankhafte Reaktion erfolgte. Der Staatsanwatt beantragt« fünf Monate Geiöngnis. Rechtsanwalt Thomal wies daraus hin, daß der Sachverständige auch kein rechtes Motiv angeben kännei Sadismus liege auch nicht vor, denn sonst hätte der Angetlagte die Tat oben verübst um sich an den Oualen seines Opfers zu weiden. Die Alkoholprobe habe keine ausschlaggebende Bedeutung, da sie nicht unter dem gleichen Erschöpfungszustand nach 18stündiger Arbeit gegeben worden sei. Das Schöffengericht kam zu der Ueberzeugung, daß die Tat so ohne Motio dastehe, daß Zweitel an der Zurechnungssähigkeit des Angeklagten nicht ausgeschlossen seien. Es kam daher zur Freisprechung. Stiefkinüer der Eisenbahn. Die Wriczcner Bahn. Wie überall im Leben und in der Nawr, so gibt es auch bei der Rcichseisenbahn Stiefkinder unhr den von ihr betriebenen Bahn- linien. Der Großstädter, der an Sonn- und Festtogen in die Um- gcbung Berlins fährt, um sich von den Anstrengungen in Fabrik und Bureau zu erholen, und der Siedler, der seine karge Scholle in der Ansiedlung bestellen will, sie alle haben, wenn sie eine der stiesmütterlich behandelten Linien befahren wollen oder müssen, unter den mangclhasleu Berkchrszuständcn dieser Linien zu leiden. Die vom Schlesischen Bahnhof abgehende Wriezener Bahn führt über Friedrichssclde, den Mageroiehhos und den städtischen Friedhof bei Ahrensfelde nach Berneuchen. Hier und um Blumberg beginnt die Besiedlung mit Kleingärten. Diese für eine Großstadt so wich- tigen Ansiedlunaen sind aber bisher von der Reichsbahn wie ein hinterpommersches Krähwinkel behandelt worden. ?st es schon ei» Unding, Teile Groß-Berlins durch einen Fern- verkehr zu bedienen, dessen Fahrpreise erheblich teurer sind als die des illorortverkehrs, so ist es direkt als ein großer Skandal zu bc- zeichnen, wenn Teilnehmer an Beerdigungen auf dem Ahrensfelder Friedhof, der der Zentralfriedhof des Ostens Groß-Berlins ist, sich eines Fernzuges bedienen müssen. Die Reichsbahnverwallung hat, so oft sie auf diese äußerst ungünstigen Verkehrsverhältnisse der Wriezener Bahn hingewiesen wurde, mit dem Vorschügen von ..t e ch n i s ch c n U n ni ö g l i ch k e i t e n" nicht gespart. Aber gehen wir einmal die Gründe durch, die die Verwaltung vorbringt. In erster Linie beruft man sich auf die U n r e n t a b i l i t ä t der Linie, und man weist darauf hin, daß die durchschnittliche Zugbesetzung nur IlO Personen beträgt. Diese schwache Besetzung der Züge ist jedoch sehr verständlich, da die vielen Ausflügler und Siedler durch die hohen Fernfahrpreise von der Benutzung der Bahn abgeschreckt werden. Gewiß wollen wir nicht verkennen, daß die Reichsbahn auch für diese Strecke Wochen- und Monatskorten zu ermäßigten Preisen verkauft, den Siedlern eine SOprozentig« Fahrpreisermäßigung zubilligt und dem Ausflugsoerkehr mit billigeren Sonntagsfohrkarten entgegenkommt. Aber alle diese Fahrkorten werden auf der Grund- läge der gernsahrpreise berechnet und sind daher noch immer, ent- gegen den Vorortstrecken, bedeutend teurer. Alles dies schließt aber nicht aus, daß die vielen Klagen über die Bahn, und in erster Linie an der eingleisigen Linienführung, berechtigt sind. Dos gegenseitige Abwarten der Züge ist etwas, das aus dem entferntesten Winkel des Eisenbahnverkehrs hervorgeholt zu sein scheint. Dieser in die Fahr- zeit zu verrechnende Aufenthalt trägt bestimmt nicht zur Verkürzung der Fahrzeiten bei, und nur so ist es erklärlich, wenn dieses Bimmel- bähnle für 1 2 K i l a m e t e r eine Fahrzeit von 20 bis 32 M i- nuten benötigt, während die Züge auf den Vorortstrecken für die gleiche Kilometerzahl nur 21 bis 23 Minuten benötigen. Der dringend notwendige zweigleisige Ausbau der Strecke sollte so bald wie möglich erfolgen, um den unhaltbaren Der- kchrz, zuständen ein Ende zu bereiten und der übergroßen Erwerbs« losigksit abzuhelfen, chand in chand damit müßte die schnellste Ein- sührung des Vorortverkehrs erfolgen, und sollte man sich hierbei die bereits bestehenden Vorortlinien zum Vorbild nehmen und die End- ftationcn möglichst weit hinauslegen: hier vielleicht die Station T! e f e n s e e mit ihrem recht regen sonntäglichen Ausflugsoerkehr. Noch besser wäre es allerdings, wenn sich die Reichsbahnverwallung entschließen könnte, den Vorortverkehr sofort einzuführen. Der eventuelle Hinweis auf die Unmöglichkeit einer Klasienkontrolle betr. Fahrgeldhinterziehung oder unrechtmäßige Benutzung einer höheren Wagenklaise bei weiterer Bedienung der Strecke mit Fernzügen, ober zu Dororttarifev. ist hinfällig dadurch, als man ja auch auf der Metzlarer Linie den Vorortverkehr einführte und die Strecke noch eine geraume Zeitlang durch die Fernzüge bediente, trotzdem diese Linie damals schon zweigleisig ausgebaut war. Die K o st e n dieser so noiwendiqen Ausbauten schätzt die Reichs« bohnocrwaltuna auf etwa Wt Millionen M a r k und kommt zu dem schluß, daß mit einer Verzinsung des Anlagekapitals mit Sicherheit auf viele Jahre hinaus nicht gerechnet werden kann. Dies dürfte aber kein Hindernis für die Verkehrserschließung dieser Vabn sein, denn die Besiedlung um Groß-Berlin schreitet mit Riclen- schritten vorwärts, und die noch bei Berlin liegenden Rieselfelder werden auch noch der Besiedlung erschlossen werden müssen, wenngleich die Reichsbahn hierin anderer Meinung zu sein scheint. Es muß also festgehalten werden, daß die Rcichsbahnverwaltung von ein-m Ausbau der Wriezener Bahn in absehbarer Zeit nichts wissen will und daß sie sich ibrer hohen Auiaabe, Bahnbrecher und Weg- ebener der Landerschließung, der wicdlungssördcrung und der Industrialisierung zu sein, nicht bewußt ist. „Der Mehrerin Sie ihr gebührenüe Stellung!� In Berlin veranstaltet das Zentrolinstitut für Er- ziehung und Unterricht zusammen mit mehreren großen Lehrerinnenvereinen eine pädagogische Tagung mit dem Thema„Die V o l k s s ch ü l e r i n". Sie ist dem Andenken des großen Pädagogen Pestalozzi geweiht, dessen Todestag sich am 17. Februar zum hundertsten Male jährt. Auf der Tagung sollen, wie der Leiter des Zentralinstituts, Geheimrat P a l l a t, in seiner Begrüßungsansprache ausführte, die Anforderungen erörtert werden, die vom Standpunkt der Frau aus an die Erziehung und Bildung der Polksschülerin zu stellen sind. Wärmste Wünsche des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung überbrachte Ministerialdirektor Kästner. Er leitete die Tagung ein mit grund- sätzlichen Betrachtungen über die S t e l l u n g des Ministers zur Frage der Volksschullehrerin und der Volks- schülerinnenbildung. Dankbar sei anzuerkennen, was gute Lehrerinnen in ihrer unersetzbaren Eigenart zu der Erziehungsarbeit der Polksschule beitragen. Bedauern müsse man, daß in der Schule immer noch eine starke Spannung zwischen Lehrer und Lehrerin besteht. Im Auftrage des Ministers wolle er betonen, daß alle Schwierigkeiten das Ministerium nicht hindern werden in der Verfolgung des Zieles, der Frau in Schule und Schul- Verwaltung allmählich die ihrer Eigenart ge- bührende Stellung zu verschaffen. Jürgens-Prozeß erst im Februar. Wie wir erfahren, ist die Hauplverhondlung gegen das Ehe- paar Jürgens bor dem Schwurgericht III in Berlin erst für den Februar i» Aussicht genommen. Den Vorsitz führt, wie be- reiiä sesrsteht, Landgerichtödirekror Bombe,»vährend di» Anklage von Oberstaatsanwalt Jordan aus Star- gard i. P. vertreien werden wird. Während der Trauerseier für den Genossen Zubell ereignete sich ein höchst bedauerlicher Vorfall. Einer der Traucrgäste, der S2jähdge«christsctzer und Bürgerdeputicrtc Richard Möbius» der in der Ackerstr. K/7 wohnt, verlor plötzlich dos Bewußtsein und fank zu Boden. Ein Arzt der nächsten Rettungsstelle wurde sofort h-"belgerusen, der aber nur noch den inzwischen eingetteienen Tod feststellen konnte. Ein Herzschlag halle seinem Leben ein jäbes Ende bereitet. Gcnoiie Möbius war seit Jahren in der Vor- warts-Bvchdruckerei taug. Er bekleidete das Amt-eines Vertrauens- manncs für feine Buchdruckerorganisation und diente unserer Partei als langjähriger, treuer Abteilungsleiter im Kreis Bcrlin-Mittc. Die erste Zanuarvummer der„Arbeiter wohl fahrt" erösinet den 2. Jahrgang. Aus dem Bericht,„l 9 2 6-2 7 Rückblick und Ausblick" einem Leitartikel der Vorsitzenden der Arbeilerwohl- fahrt. Genossin Iuchacz, gehl das erfreuliche Wachsen der Organi- fation, die zu einer der wirksamsten der Partei geworden ist, hervor. Für die zum 1. Januar neu gewählten Schäften gibt Genosse Ernst Kanwrowicz-Kiel einen„S ch ä s f e n f ü h r e r". Der Hauptteil der Nummer ist dissmal den wichtigsten neuen Gesetzen, die die Arbeiten der Arbeiterwohliahrt berühren, gewidmet. Genossin Mathilde Wurm. M. d. R., behandelt„Ursachen und Wirkungen. des Schmutz- und S ch u nd g es e tzes", Geuosfin Louise j Schroeder, M. d. R., den neuen„Entwurf«ine» Arbeit». schutzgesetzes", Genosse Dr. Wittelshöfer„Die soziale Wohlfahrtsreitte". Ferner werden die wichtigsten Bestimmungen aus neuen Erlassen über die gegenseitige Anerkennung von staatlich anerkannten Wohlfahrtspflegerinnen und die berufliche Fortbildung erwerbsloser Zu- gcndlicher wiedergegeben. Genossin Margarete Starrmann- Hunger- Leipzig berichtet über sächsische Wohlsah rts- fragen. In dem Abschnitt aus der Arbeiterwohlfohrt berichten diesmal Genosse Binder und Genossin Marianne Linder„Aus der Arbeit im Kinderhort". In der B ü ch e r s ch a u bespricht Genossin Wachen heim das Protokoll der Jenaer To- g u n g und die Genossinnen Jensen, 5)ellinger und Breit- scheid wichtige Neuerungen aus dem Gebiete der Iugendwohl- fahrtspslege. � .Berlin in Work. Bild und Lied." Heimatkunde vermittell eine Vortragsreihe, di« das Bezirksamt Berlin--Mitte ankündigt. Das alte Berlin soll in seiner poetischen und künstlerischen Bedeutung dargestellt werden. Die Leitung des literarisch-mustkalftchen Teiles liegt in den Händen von Dr. Franz L e d e r e r, den kultur- historftchen Teil hat Dr. Max O s b o r n übernonmien. Charlotte Freyer und Alexander Fleßburg sowie der Pianist Emil Schwartz- kopff haben ibre Mitwirkung zugesagt. Beginn Mittwoch, den 12 Januar 1927, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Berliner Rat- Hauses._ Ein Mrtsthastskampf auf Toö unö Leben« Svvay selbständige Schuhmacher vor der Vernichtung. Beichenberg>. B, Z. Januar.(Eigener Drahtbericht.) In der Tschechoslowakei vollzieht sich, von der großen Masse der Be> völterung ziemlich unbeachtet, seit Moraten schon ein furchtbares Ringen eines oltehrwürdigen Handwerker st andes um seine Existenz, buchstäblich um Sein und Nichtsein. Mehr als 60 000 selbständige Schuhmachermeister führen diesen Kampf schein- bar aussichtslos und die Hilferufe dieses Standes, der ja auch ein Mehrfaches der obigen Zahl als Gehilfen und Lehrlinge be- schöftigt, ftnden in der Bevölkerung keinen Widerhall und bei den Behörden kaum Beachtung. In den Städten begann dos Ringen. Die Schuhindustrie der tschechischen Republik, ehedem vielfach auf Export eingestellt, mußte sich nach dem Kriege auf Inlandsmarkt umstellen. Seit dieser Zeit blühte das größte Schuhfabrikunternehmen, das der tschechischen Finna BatainZlin in Mähren, gewaltig auf und der kluge und geschäftskundige Firmenchef, eine Art Ford für die tschechische Schuhindustrie, verstand sich unter besonderer Hilse der Regiening nicht nur den Inlandsmarkt zu erobern, sondern er liefert bereits nach Deutschland, Oesterreich und Ueber- see. Trotz der enormen Billigkeit der Bata-Erzeugnisse, die wiederum nur durch rationellen Großbetrieb und Regierungsbeihilfe möglich ist, hätte sich dos Schuhwarengewerbe damit recht bald abfinden müssen, obwohl ein Niedergang schon lange bemerkbar war. Nun hat ober die Grohsirma, die bereits über HundertevonFilia- l e n in allen Teilen des Reichs versügt(in Nordböhmen wurden in den letzten zwei Monaten 7 neue Filialen errichtet, so daß jetzt selbst die deutschen Städte durchweg damit versehen sind), aus mehr oder miirder gesetzliche Weise das Recht erhallen, ihren Verkaufsstellen auch Reparaturwerkstätten anzugliedern. Das ober ist das Todesurteil für das Schuhmacherhandwerk. Bata. der dabei noch die Rolle des Valtsfreundes spielen kann, liefert nicht nur seine Schphe zu einem ganz geringen Preis, sondern er verschenkt geradezu die Reparaturen, sie sind durchschnittlich 50 Proz. billiger, als sie der Handwerker selbst bei geringstem Verdienst machen kann. Alles, arm und reich, deutsch und tschechisch, rennt natürlich zu dem tschechischen Bata. Nachdem die Städte bereits zum größten Teil mit Bcttasilialen und Reparaturwerkstätten besetzt worden sind, wird jetzt auch das Land systematisch besetzt. So stehen 60 000 zu einem mcht geringen Teil deutsche Schuhniacheriamilien vor der Vernich/ tnng und der Meister hat oft nicht die Möizlichkeit, nur das Nötigste für die Familie zu verdienen. Dabei ist die Bewegung erst im An- fange. 60 000 Meister bilden natürlich auch einen beachtlichen Faktor jiir den Staat und die Steuerbehörden, denen sie bisher gaben, während vielleicht die Zeit nicht fern ist, wo der Staat wird diese Leute unterstützen müssen. Zwar werden auch für die Großrepara- turwerkstätten gelernte Kräfte gebraucht, doch wird man diese der jüngeren Generation entnehmen. Man darf gespannt sein, ob den Jüngern Hans Sachsens Hilfe kommen wird oder ob sie unter dem Ansturm der amerikanischen Produktions- und Derkaufsmethoden hilflos zugrunde gehen müssen. Der Weihnachlsbaum. Im Seebad M! s d r o y war in der Wohnung der Witwe Teetzen von einem unvorsichtig be- hondeiten Weihnachtsbaum aus ein Stubenbrand entstanden. Als die Mutter, die ihre drei 2— 5 Jahre alten Kinder allein gelassen hatte, zurückkehrte, fand sie alle drei leblos vor. Es gelang zunächst, sie wieder ins Leben zurückzurufen, indes sind die beiden jüngsten Kinder jetzt an den Folgen der Rauchvergif- t u n g gestorben und das dritte Kind schwebt auch in Lebensgefahr. Ein deutscher Dampfer bei Libau gestrandet. Im Schneesturm strandete unweit Libau ein deutscher 5 0 0- T onnen-Dampser, der auch Passagiere an Bord hat. Er gab Notsignale. Die Rettungsboote der Küstenstationen wurden an den Strand zurück- geschleudert.'■•''--A.ii- -xreie lozlallstlsche h-chlchule! Nach der Unterbrechung wäbrend der Weibnachttserien nebmen die Seminare der Freien iozialiltilchen Hochlchule in dieler Woche ibre Arbeiten wieder aui, und zwar an folgenden Tagen: Sozialismus und Arbciierbewegung iA. Stein) Mittwoch, den 5. Januar. Ter Staat und leine Enlwlckltmg /Prof. Heinrich Cunow) Freitag, den 7. gianuar. Grundlagen der Soziologie lDr. N. Salomont Montag, den 10. Januar. Grundiraaen der WtrtfchaltSpoliiik(Friti Napbtali) DienStaa, den tl. Januar. VeriasiungZ- und Verwaltungstunde lDr. Carl Her,) Donnerstag, den 13. Januar. Sämtliche Seminare beginnen pünktlich 7 Uhr abends im Lehrraum. Lindcnstr. 3, 1. Hof. 3 Treppen. Lbl eferung der SEuermaeken. Im tlnzeigentell der vorliegenden Ausgabe des.VoiwärlS' finden unlere Leier eine Bekanntmachung der Finanzämter de» LandesfinanzamtSbeztriS Berlin über die Abliejerunz der Einkommensteuermarkeu._ So�aliftikbe Arbeiterjugend Groß-öerlin. 1 Kccten für de» Vortrag de, Sraogea Adler, welcher am kommen- -a den Freitag in der Aula der Aochsdrahc ftattfindct. sind im Iugend- ! l lekreßmat zu baden. STftema:„Neue Menschen". Jahresmitgliederversammlutt.gen. heuke, Dienstag. 7% Uhr: Moabit II: Schule Vechumee Str.—«Sesmtdbruuur»: Schule(boten- burqer Str. 2.— Wedding-Nord: Fugendheim Turincr. Eele Secstrasi«.— Voltan: 306. Kem ein de schule. Mondelsir. 2.— Sumannola»! Schule Scheren- bergst-asie.— Vordost ll Fugendbeim Danziger Str. 02.— Senefelder-Viertel- Schule Danziger Str. 2Z.— Kalenheide: Badeanstalt Bijmrxr-ldstr. 64.— SchSn-berg I: sluaendheim Kaiwttn. 15— Wilmersdorf! Fuaendbeim Sitte- aardsir. 4.— Wannsee: Schule Tborlottenstrasie.— Zleukill» I: Zuaendbeim Sander-, Ecke Sobrcchtlrraftt.— ReulZLn III: Schule Wcisestr. M.— Buchbolz: Lokal n»n Nosirck. Sauptlrr. 71.— Bankm»! klugen dbeim(bdrschste. 14. Wedding: Ziniltiouarsihung.— Rofentb-ler Vorstadt: Funltionki-sidung beim Genosieu Malodnstach.— Scsiöudauler Berstadt: Schule Br-escncr Str. 22. Vortrag:»Unsere Arbeit".— kdriedrichebain: AusierordenNich« Funktion!! r. sibung.— Südost(9. v): Schule Dranoalstr. 12». Borstandosisiuna beim Se- rosieu BolfdroM. Waldemar str.£7.— SLdmest: kiugendbcim Belle-Wirncr- Pl.:d l. W-cheln:-Busch-Abend.—«eukillv VI: Besuch der Stcrnrnarte. Treff. nunkt 7 Ubr Wittendrucholad, Elke Elsrnsieo. Seimabend fällt aus.— Zkeinitkendo: f-Weft: kluoendbaus Seidelstre-sie. Bortro«:„Ceben-.Iaus Friedrich Ebertc"— Z?icdersch»nda»l«n: Schule Blankenburger Str. 62—70. Aus- spräche:..llnse-e Welbnochtrseicr". Werbcderirk Westen und Tieraart-n: Morgen. Mittwoch, z. Abend, ktllnqeren- kursus:..Emsilbrung in den Soziaiismus": Aclicrenkrrrsus:„Sozialistische Er- ziobungsfragcn". Beide Kurse im Iugendbcim Rofinenstr. 4. weiterbericht der ösientlichen lvetlerdienstslrlle für Berlin und Umgebung (Nachdruck»erb.). Neiterbi» trübe mid ziemlich mlld, zeitweile Neigung zu Niederschlägen.— Für veulschland: Keine wesentltcheu Aaidenulgeu. Einsendungen ffit diese JtBdril find vorlt» SW 6». Lindenstrohe 3. parteknachrichten für Groß-Serikn stet» an da« Bezirtssekretartat, 2. K»f, 2 Trep. recht«, zu richten. 2. steel» Tiergarten» Dienstaa. 4. Januar, 8 Ubr, Funltlonärversermmluug de» 2� streife» fcn Artusboh. Perlebergter Stzcasie. Togesordnuna:: Tätlakeitsbericht unserer Fraktion im Bezirksamt Tiergarton. Das Er- scheinen aller Funktionär» ist unbedingt erforderlich. 6. strei, isriedrichshain. Mittwoch, 5. Januar. 7V4 Ubr. Eihuna der Ab- teilungsvertrcter bei Wittschusi, Petersburger Str. d. Wichtige Tages- ordnunq. 8. strei» strouzberg. Dienstag. 4. Januar, Ubr, wichtig« Sibung de» Bildungsausschusses bei Reim. Urbanitr. 2». Alle Abteilungen müssen unbedingt vertreten sein. ». itrei» Silmcesdors. Mittwoch, S. Januar. 8 Ubr, Sibung dos engeren streis Vorstandes mit den AbtelluwgÄeitern bei strsibs. Solsieinische Strasie 60. M. strei, Neukölln. Sämtliche Fraktionsmitglied«: nefcmen«rn der mit dem erweiterten streisvorssand gemeinsam abzubaltenden Sisiung am Donnrrs» tag, S. Januar. 7Zb Ubr. im Ratbaus Neukölln teil. heule, Dienstag, den 4. Januar: 47. Abt. DI« säumigen Bezirke müssen schleunigst abrechnen, da sonst di« Quartalsadrechnuna ohne sie erledigt wird. Auch die startotbeKisien sind endlich abzuliefern. ckbgelotteadurg. St. Abt. 8 Ubr wichtig« ssunktlonärsihung bei Lehmann, Königsweg 8.— SS.«bt. 8 Übst bei Reimer. Wilmersdorfer Str. Tl. Tunktionärsidung. 8».«bt. Schirtfbern., Uhr»imkti-närsitama bei Sllrlich. Begasftr l. Wichtig« Tagesordnung. 164.«bt. Riederschönewcid«. Ubr bei Thiele. B«i«n«r Str. 88. Sifcuun sämtlicher Funkttvtkäre und Bertronenzleut« der Abteilung. Taqesordnitng: Stellungnahme zur Jabresgeneralversammlintq und Neuwahl des Tor- itandcs, Bon 7—8 Ubr Büch« rum tausch und-ausgäbe. Morgen, Mittwoch, den 5. Januar: 4.«bt. 7Z4 Ubr bei Schwarz. Blankenfelbeftr. 9, Funktionärsidung. Bor» bereitnirqen zur Neuwahl de« Abteilungsvorsiandes. 74.«bt. stehlenbsrl. Wichttge Funktionärsittung bei Benno Mickle», Boto- damer Str. 2S. Di« Dezirtskassierrr wallen bitte bereits v o r 8 Uhr, oho die Eihnng beginnt, zu einer Sonderbesprochnng anwesend sein. 64. Abt. Lankwi». Pünktlich 8 Ubr bei Lehniami, Kaisor-Willielm-Str. 2S— S1. wichttgc Funktionärsthunq. lZ4.«bt. Buch. 8 Uhr im Lokal(böpfert. am Dahnbot, Borstandssiiuinn. Er- schmnen unbedingt erforderlich. 141. Abt. R-senth-l»nd Rirdorschöi>ba-sen.««st. Pünktlich 7� Uhr w Lokal Frlsch». Ntedorstrasie. ffunktionärsiitung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Neuwahl der«dteilnngsleituug und der Funktionäre. Jungsozlalisten: Sr»pv« Süden: Seute. Dienswg. 4. Januar. 8 Ubr. tn der Jnrkstischen Sprech. stund«. Lindenür. 8. Kruppe»abend. Bortrag und Diskussion:„Die®o. schichte der Inflation". Frauenveranstaltungen: «dt. 128, st«u!»d»rs>Süd. Di« Denosiinnen troffen sich heut«, Dienstag, 4. Jairuar. 6»i Ubr. Ulmen.. Ecke Woldstrasir, zum Portrog der Senossin Schenderlern. \ Sterbetafel 6ct Groß-öerliner partei.«r Borstand._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz Rot-Gold�. «es chäft-stell«: Berlin«14. S-basti-nstr. Z7/Z8 Kos 2 Tr. «f�berg: Di., d. 4.. 8 Uhr, W,t. 8 bei Bieler». Dieffcnbachstrasio. Abt. 8: Di» Bers. muh umständehalber auf So., d. 8.. verschoben Bttich�� Uhr. Dcsprcchung und Uebungs. ..«lax» fetter Lstmatverei»«Ziebirgs» und Seckreis). Dienstag, 4. Januar, 6 Uhr. rn der EchuItherh-Pahenhof-v-Brauerei. Chausseestr. 64. Landsleute wrll kommen. Arbeit-..M-nb-ii»ift«».Bunb(Bezirk Berlin). Soutr, Dienstag, ftnd-n 0 lg ende cvmslabend- statt: MandolinenNUb..A! legr o". abends R«. Uhr, N-staurant P-vatb, Biesdorf. Marzahner Str. Zl.— Freie Mandolincnvrr. oruigung...» d l«.PF h» 1". lJugendodteilnngt im Jugendhoim Adlerahof, Baracke Nvonstrasie. Austunft über Buiidcc.angcleqcithciten durch die thcschäits- stelle des D«MB., Berlin RW.. Jagowstr. i5 «rbetterverein für Biochemie und Lobensresorm!.«. D. Pozirksversanim. lunq iZ-perntck BUttumch h Januar.?.8 Uhr. L-kol-Packcrt, Joponiici.Sorf, P?. drr Sonirich Pfarrer spricht über.Tubcrkulosc". Eintritt frei. Gaste wistkomiuen. �vaaebeantwori-ung. ?reib«llker.B-ltzsirchichnIe«erlin. Mittwoch. 5. Januar, 7)4 Uhr, im SN» w%nsust«mflfc»."" mtlmod). de» 5. Januar: Beilfks-VüitraDensniänDerkoDfereDZSD in folgenden Lokalen: 1 Bezirk: Galla», Weisiensee, Lehder SIrahc IZT nachnl. 4>i, Uhr 2., Rosin. Gubener Str. 18, nach mittaas S Ubr. 8., Seipte. Lichtenberg, stron prtnzen». Ecke Scharnwober strahc, nachm. 5 Uhr, 4.» Bahr, SlralauerAllee 47, nach mittags d Uhr. i., Ewald, Skalixer Straße 126. nachtit 5 Uhr, 6. m Radalph, Neukölln, Hermann», Ecke stnesebeckstraße. nachm. o Uhr. 7., Eaiald, Skalißer Straße 126. nachm ö Uhr. 8., Gewerkschattshnus.Engclufer nachm. d Udr, 8«. Tornow, Wassertorstr.7l, nach- mittag» Z Uhr, Termin wird noch bekannl- gegedon. 16.,.Alezandrtner",Alerandrinen straße»7a. nachm S Uhr. . Rofenthel. Schöneberg Edcrsstraße nachm. S Uhr. 12. m Borchmonn. S t e g I i g. Rhe>n- straßc 4V. nachm. z Uhr, , Reimer, Eh arl o Iten bürg Wilmersdorier Straße 21, nach- mittag« ö Uhr. 14., Pilz. Roftocker Str. 27. nach- mittags S Udr. 15., Berbändshau,(Sißungsaall. LinienftröZ 85, abends 6t/zUbr, 16. m Böldüle,„Schraderhaus". Liebcnwaider Sir. 85,86, nach- mittags 4>/, Uhr. 17.. Leuschner. Ackerstr. 110. nach- mittag, 5 Uhr. 18., Perdandsbau,(Zimmer 28). Linicnttr. 88 85, adcnd» 6 Uhr. l»., Pcrbandshau»(Swaiter 7 die 12), Linienstraße 88/85, pari., nachm. 5 Udr. 26.„ Mend«. stoloniestraße 147, nachnt. 5 Uhr. 2t.„ Imberg, O Kersch önewcide. Wilhelminenhoistr. 8t, nach- mittags 4", Uhr, 22.„ Schulz. Köpenick. Bahn- Hotstraße 84, nachm. 4V, Uhr. 23.„ Schtnnt«. Span bau, Breite Etr. 3t, nachm. 4'/, Uhr AEG.■ Bezlrt,„Humboldttäie", Hufjiten- straße 40, nachm. 4 Uhr. Siemens- Bezirk,„Zur Wartburg", Siemens st adt, Nonnen- damm-Allcc. Ecke Reisstraße, nachm. 4 Uhr. Tagesordnung in allen Konferenzen (außer AEG., und Siemens- Bezirt, dort findet keine Wahl statt): l Bcrwaltungsbericht. 2 Neu- wähl der Bezirksifttuag. 8. Berbands- angelegenheiten und Verschiedene«. iWJT" Die neuen Legitünatronikarten werden am Eingang zu den stonsereuzen ausgegeben. Ohne Mitaliodsduch und Vertrauens- männcr-Legülmationstarte fgrün) lein Zutritt. t tl* Bekanntmachung betr. Ablieferung der Ei»« kommensteuermarten. Jeder Arbeitnehmer, für den im stalenderjahre 1826 Gteue. marken verwendet worden stnd. ist verpflichic!, rnnardalb de, Monats Januar 1827 seine Eteuerkorte sür 1826 und die Sin- ttobobogen mit den verwendeten Stcuev- marken an das Finanzamt abzullefer», IN dessen Bezirk er am 8l. Dezember 1826 seinen Wohnsiß oder in Eruianae- lung eines inländischen Wohnsihes feinen gewöbnlickien Anfenthalt hatte. Da. bor bat er sein« Wohnung am 8l. De- zembcr 1826 sowie die Nummer der Etcuerkarte für 1827 und die Behörde. die diefc Eteuerlarte aus-esteiit hat, anzugeben. Die Etonerkarle für l8"S nebst den vorivendeten Stouermarkcn kann auch bc! dem Finanzamt, das auf der Steueriarte für 1827 vermerkt ist. abgegeben we:dc». Di- Arbettgeder sind verpflichtet, durch«»schlag in den Arbait». nnd Geschäftsräumen auf dies« Ablicfcrumi sv flicht hinzuweisen. Di« Einttobebogen müssen ordnungsmäßig ausao füllt und aufoorechnet sein. D'e Versäumnis der Abliefcrungspfiicht ist strafbar. Steve- karten, zu denen nicht Stettermarien geklobt sind, sondern Bor- abfllhrun« durch den A-bcitgeder erfolgt ist. sind nicht abzuliefern. B e r l!» den I«. Dezember 1826. Di- Finanzämter des Lande-fjnan,- __ amtsbezirk, Berlin. m®,'« o?°�>deu,sch« Schrauben, und Metall-Werk- Aktieimes cllschaft boabsich. � � Aufstellung eines Luf�fyanrnufS m auf dem Buck'kic'I�r Strafte Nr. LN/S4. Ettvaiq« Einwendungen gegen die«'« »nlage stni) b7i dem un'nzeichneten Stadtausschuft binnen U Tacten. vom •taac nach de? Veiöffcntlichun� ab qc. rechnet, schriftlich in dop've�ter Ausferti- ÄÜ!?. u». Vrotokoll anzubringen. Nach Ablauf dtefer ivrist können Ein. »nendunaen nicht ,nebr erhoben werden. Rcschrekchunq und Zeichnungen der Planten Anloae liegen in.unserem Nurcan. Berlin C.?. Waiscnstrafte 27, l Treppen Zimmer 60, on den Geschäfts- tagen in der Zeit von 9 bis � wabrend der oben?»e.vichneten �rist Einsicht aus. Zirr mllndlichen E-örderunq der recht- erhobenen Einwendungen wird vor unserem Kommissar, 5>rru Stadt- p-bemspeftet Sonst, auf Dienstag, den Januar 7927, vormittags 9 Udr, in unserem.Bureau. ein Termin anberaumt, ™ Unterncdme'in sowie di« Mldersvrechenden unter der Eröffnung geladen worden, daft auch d-i ilt'-em Ausbleiben mit d�r Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird. Berlin, den 2«. Dezember l925. Der Stabtansschnft Berlin, Abt J. Schneider. Speziai- 9� � in M. CnSt Bahandl. ont Pei«. w.« - I5tl51l2.§ stwm HUI bBiitiet mrten. öiniilattbjp KelnWn. Betifinn Mli Biftmisn, ürztl. empfohlen. ---------- IMc 9-11, M. laut 10-12. tob �ahresstha«. Konnten wir vor einem Jahre a» diese? Stell« berichten, daß die durch die Stabilisierung der Währung und den Abbau de» Acht- stundenwges verursachte rückläufige Bewegung im Mitgliederbestand der Arbeitersportvereine zum Stillstand gekommen sei, so ist heut« eine erfreuliche Aufwärtsbcwegung festzustellen. So hat der Arbeiterturn- und Sportbund allein einen Z u- wachs von SS 000 Mitgliedern zu verzeichnen. Das will um so mehr besagen, als die Erwerbslosigkeit trotz gelegentlicher Verbesserung der Wirtschaftsloge fast unvermindert angehalten hat. Zu der günstigen Entwicklung im Leipzlger Bunde hat die Errich- tung der Bundesschule viel beigetragen. Die Einweihung?. feierlichkeiten, besonders auch der damit verbunden« internationale Propagandalauf haben die Aufmerksamkeit der Oefsentlichkett erweckt und den Bund in den weitesten jkreisen bekanntgemacht. Die Schul« wird als stolzes Wahrzeichen der Arbeitersportbewegung ihren Ruhm mehren und damit ihre Anziehungskraft steigern. Im abgelaufenen Jahr haben fast alle Verbände ihre Bundestage abgehalten. Dabei hat sich gezeigt, daß die Bewegung politisch so ziemlich zur Ruhe gekommen ist. Die.linke Opposition� hat eingesehen, daß sie mit den bisher angewendeten Methoden nicht zum Ziele kommen kann und ist sozusagen loyal geworden. Dieser Ausgang des unerquicklichen Streites ist zu einem guten Teil dem energischen Durchgreifen der Verbandsleitungen zu danken. Mehr noch" hoben dazu die posikloeu Leistungen der verbände beigetragen. Diese Leistungen beweisen mehr als alle» ander«, wie wenig fubstanziiert die aus parteipolitischem Interesse ausgezogene Opposition gewesen ist. Sehr reich war das Jahr an lnleraakioaaleu Veranstaltungen größeren Stils. Allen voran hat das große Fest in Wien wieder bewiesen, wie mächtig die Arbeitersportbewegung in den deutschen Ländern geworden ist. Oesterreich eifert dem Reich« mit be- mundcrnswertem Erfolge nach: es darf schon heute ein enll-Heidend es Wort in der Internationale mitsprechen. Auch in der Tschecho- s l a w a k e i geht es erfreulich vorwärts. Im kommenden Sommer bält der Verband tschechischer Sprache sein zweites Fest ab. Es wird in der schönen Hauptstadt des Landes zu einem starken mternatio- nalen Anziehungspunkt werden, denn die tschechischen Genossen ver- stehen es, solche Feste zu arrangieren. Aber jjum Mittelpunkt des Interesses des gesamten Arbeit ev- sports dürfte im neuen Jahr das ferne Finnland werden. In HAsingfors tagt im August der Internationale Kongreß. Im Juni hat der finnische Bruderverband sein Lundessest. das sportlich zu«wem Ereignis werden dürft«. Der finnisch« Arbeitersport steht in so hoher Blüte, daß man seine Erwartungen aus dieses Fest ziemlich hochspannen darf. Die Verhandlungen des Sougresses dürsten nicht minder interessant werden. Die Russen geben sich größte Mühe, w die Internationole ausgenommen zu werden. Dem steht aber die sogenannte.Rote Sportinternationale' entgegen. Rußland strebt eine Verschmelzung beider Internatwnalen an. Der russische Spart leidet sehr schwer an der Isolierung, in die er durch die verfehlte Spekulation mit der eigenen Internationale hinem- gekommen ist. Es steht um die.Rote Internationale' nicht zum Besten; der tschechische Verband geht immer mehr zurück und Nor- wegen dürste über kurz oder lang ganz abspringen. Da könnte eine rechtzeitige Verschmelzung vor dem Verfall retten. Die Luzerne? Internationale ist grundsätzlich zur Einigung dereit, muß sich aber ausreicheube dtanraflra verschaffen, daß nicht eine« Tages die beliebte Zellenbauemi weiter betrieben wird. Ob Rußland diese Garantien bieten kann und will. das müssen die Verhandlungen ergeben. Die Frage wird w Heising- fors endgültig entschieden werden. In den letzten Monaten sind w Holland, Estland und Litauen neue Sektionen der Luzerner Richtimg worden. Der norwegische Verband dürft« nach dem Zu- sammenschluß der Parteien des Landes und dem Anschwß der dortigen Gewerkschaften an den Internationalen Gewertscbastsbund in Amsterdam ebenfalls übertreten. Die DerhäUnisi« in Norwegen konsolidieren sich sehr schnell. Die sunq« Bewegimg in I t a l i e n ist leider vom Faschismus erwürgt worden. Die berests erwähMe Technikertonferenz w Leipzig hotte eine schwere Arbeit zu bewältigen. Es galt, die WIernationolen Regeln für alle Gebiete des Sports in letzter Lesung zu verabschieden. Anschließend tagte das Internationale Bureau, um den Kongreß in Helsingfors vorzubereiten. In Deutschland stehen größer« Eveignisse im Jahr« 1S27 nicht bevor. Erst 1S28 wird das zweite deutsche Arbeiter- Turn, und-Sportfest abgehalten werden. Wir haben also ein Jahr stiller Arbeit vor uns, das vorwiegend dem inneren Ausbau dienen wird. Sollte es gelingen, die auf der Arbeiterschaft lastend« Erwerbslosigkeit wenigstens etwas zu mildern, dann wird sich sicher der begonnene Aufstieg der Arbeiter-Turn- und-Sportbewegung fortsetzen. Sonnenwenüläufe üer fiw?. Di« Veranstaltung der Arbeiter-Wintersport-Interessenge meinschast, die im Riesengebirge allgemeine Aufmerksamkeit erregte, ist in überraschend guter Form durchgeführt morden Viel trug dazu die günstige Wetterlage bei. so daß die Spur zum allergrößten Teil in bester Berfafsung war, nur die Hase Ibach er Hänge waren etwas ausgeblasen. In bezug auf Anstieg und Abfahrt wurden hohe Anforderungen gestellt. Vom Schmiede- bergcr Pah stieg die Spur IM Meter zum Landeshuter Kamm, dann Z-Kilometer-Langlauf durch Wald und anschließend 2 Kilometer lang Abfahrt, Höhenunterschied IW Meter. Von den 24 Läufern, die zum l 2- K i l o m e t e r- L o u f starteten, vielen besonders O. W a g n e r- Oberschrelberhau und W. Schu- b e r t- Schmiedebcrg auf. Wagner, der als 13. vom Start ging, lag schon nach 4 Kilometer an 5. Stell«, und beim 7. Kilometer führte er, dicht gefolgt von Schubert, Startnummer 6. Als out ist auch die Leistung des ersten Läufers der AWJ., Paul P o c p i f ch i l, zu bezeichnen, der sich den 5. Platz sichern konnte, er ließ verschiedene Riesengebirglcr hinter sich: allerdings ist seine Langlaufzest infolge der guten Bestzeit ziemlich niedrig. Der Sprunglauf mußte an einer 1,80 Meter hohen provisorischen Schanze durchgeführt werden. Der etwas flache Auf- jpruna beeinträchtigte sehr die Weite und damit selbstverständlich auch den Stil. Darum konnte Wagner-Oberschreiberhau, dessen mittlere Weite bei 35 Meter liegt, auch nur 18,5 Meter erreichen und nur den Sprung im zweiten Gang durchstehen.— Auch der An fängerlauf über 6 Kilometer hatte etwas über 100 Meter Eteigung, so daß dje Zeit als gut bezeichnet werden kann. Die stärkste Begeisterung lag aber bei den Jugendlichen: hier tonnte der kleine R e i m a n n in 26,18 Min. die 4 Kilometer mit 80 Meter Steigung hinter sich bringen. Im Mittelpunkt des Interesses standen die S t a f f e l n. Bei den Männern, die mit fünf Läusern über 12 Kilometer gingen, hatte die 1. Mannschaft der AWI� die als 3. startete, am ersten Wechsel etwas gutgemacht, so daß sie mit etwa 20 Sekunden vor Landeshut und etwa 55 Sekunden vor der 2. Mannschaft führte. Bis zum zweiten Wechsel konnte sich Landes- Hut etwas heranarbeiten, während der scharfe Anstieg vor dem dritten Wechsel den Landeshutern das Ausreißen ermöglichte, wobei die 2. Mannschaft der AWJ. weiter zurückgefallen war. Bis zum vierten Wechsel tonnte Landeshut seinen Vorsprung bedeutend ver- größern, während sich die 2. Mannschaft der AWJ. wieder gut an die l. Mannschaft heranarbeiten konnte, doch war den Landeshutern der erste Platz nicht mehr zu nehmen. Am H a u p t t a g e war oben am Paß und am Sprunghügel großer Betrieb. Außer den 60 Berlinern hatten sich viele Sport- genossen aus dem Riesengebirge eingesunden. Zllles in allem kann man lagen, daß die Sonnenwendläufe der AWJ. gehalten haben, was sie versprochen, und wenn man das Ergebnis dieser ersten Veranstaltung betrachtet, kann man erwarten, daß sich die Sonnen- wendläus«, die von setzt ab alljährlich abgehalten werden sollen, zu einem Ereignis entwickeln. Resultate: Mänuer: Zusammengesetzter Lauf sl 2-Ktlometer-Longlauf, Sprunglauf, 3 Sprünge): 1. Oskar Wagner. Oberschreiberhau, Note 17.825: 2. Gustav Weiqert. Oberschre-berhau. Note 15.18 12-Kilometer-Langlauf: 1. Oskar Wagner, Oberschreiberhau, 62,28 Min. sBestzeit. Not« 20): 2. Walter Schu. bert, Schmiedcberg, 70.10 Min.(Note 16.125). Sprunglaus (3 Sprünge): 1 Oskar Wagner. Oberschreiberhau. 17. 18,5, 19 Meter(Note 15.65); 2. Gustav Weichert, Oberschreiberhau. 11,11.5. 13,5 Meter(Note 15.23). Anfänger, 6 Kilometer: 1. Ru. dolf Zintler, AWJ.. Berlin. 16.3 Min.: 2. Alex Iascheck, AWJ., Berlin. 16,52 Min. Stasfel. 12 Kilometer: l. Landeshut. 73,3 Min: 2. AWJ.. Berlin, 1. Mannschaft. 73,3 Min. Jugend. 1- Kilometer. Lauf: 1. Walter Reimann. Schmiedeberg. 26,18 Min.: 2. H. Schreiber, Schmiedeberg. 27,42 Min. Staffel, 6 Kilometer: 1. Landeshut. 10,58 Min.; 2. Schmicdebcro. 41,1 Min • Am ersten Schneesonntaa im Januar wird die AWJ. ihr Berliner Wintersportsest abhalten. Ausgeschrieben find für Männer: 8-Kilometera«l Sildens burch und schon nach«in-r hakden Minu-e Sviel»eit wirr» der Süden. Lebhaft«dt da» Tempo bis»um Salo- »litpfikf. der die Mannschasien Z: 3 trennt. Bald war dies«, bald Icne Partei im Vorteil. Nach der Pause kain die Wenduna. Dir Läuserreih« des Nordens wurde»usehends besser, während die verteidiauna des Südens abfiel. P» sonders der Torwart»eist schwach, Momente, wodurch der Norden leicht» Erkol« er»ielco konnte.— Beiter« Nesnltat«! Nicht« 2» erbillt von Borusn» «ine nicht aeoad« sanfte Packuna von 0:32. Nicht«an» lo viel wrirdea es bei Teutonia aeaen Biktoria. gönnten doch die Biktorianer den Teutonen 2 Tor« cntaeoenseden. Trotzdem blieb e» bei 12: 2. Ein sehr bartcs Tressen «b es bei Mau-ZSeitz in Sreaennüble. Nwalmrr» führ:- bis»ur Paus« teft mit 1:0. um dann in der.»weiten Aiilkte noch 1 Tore»u buchen. Blau-Weig konnte dem nur«ins entaeaen letzen. Da» Ge«u stück davon war da, Sviel der Nauen« Evarta seaen Brieselana. Nubi« und kair wurde drr Samos, de» Nauen mit 4:0 für(ich entscheiden konnte, von Ansanq bi«�»um Echlutz durcharsührt. Keloetia aewann aeoen Sowlet mtt 2:1. Ein w.ähloes Tmel «einten Britannia und Vorwärt» 20 mit 1: 1. Nur knapp aewann Sadoma aeaen NIchterswalde mit J• 3. Nirr durch»axi Cftrte'er konnte Sadvma den Sien an sein« Nahne« heften. Lldlerebos konnte die Riederlaae. die n in der Acrbstrund« von Nriodrichslx-ocn«rli-ten hatte. Wied« wettmachen. Mit 4: 0 aeschlooen mutzten dl« Mvaaelsoeleut« die Seimreise antreten. Samoslo» »ewann Lichtenbera NI«eqen Komet, da die Nitrstenwalder nur mit 7 Mann antraten. Mit 4: 1 ae>i»'nn Berliner Svortverein 22 aeaen Neuenh.-aeu. Der Trcvtower Vallsviel-EIub, der durch seinen damallqen Siea über die Ctralauer viel von sich reden mach'«, verlor aeaen Äskauia hoch mit 0: st. Dadurch hat Stralau wieder«inia« Aussicht für die Evttze iedoch nur. wenn sie all« anderen Sviel« der Nr2hiahrsrun.de kirr sich entscheide» kännen. Ge. trister Sckimer» ist Hasiber Schwer», saatc sich Einiateit 25 die aeaen Spandau 25 spielt« und Stralau, die Adler stR»u Gast hatten. Beide Spiel« Verliesen äutzcrsl ruhiq und doch flott. Einiokeit und Spandau trennten sich 2: 2 und Clvalau und Adler 06 5: 5. Nichte-Nord weilt« in Küstrin mit»wei Männer- inannschasien und einer Susend. Alle drei Mannschaften konnten die Siea« an sich reiften._ yandballresuliaie vom 2. Januar. Jugend: NeukZlln Berein gegen Adlershes 1:5(0:2). Nichte 1 gegen Echöneberg Sportler. S» nicht anaetveten. Sparta u gecien Grotz.Berlin. Sstden II 2:2(1:0). Nicht« 8«a-n Sv-rta I st:«(0:2). Nrau«»: Weitzensee gegen Neukälln 2. Abt. 1: 5(0: 8). Nicht« S» geaen Spandau 2: 0 (1: st). Lichtenbera I gegen Moabit I(0: 0). Männer: Schmargendorf gegen Spandau II 2:1(1:1). Nichte 3 III et gen gaulsdorf I 1�8(1:1). Nickt« 1 I gegen Wildau II 0: 1(st: l). Nicht« I gegen Srvft.BrrIin.Weddin« I 1: 5(st: 2). Nichte 4 N gegen Srotz-Berlin-Wedding III 1: 1(1:0). Nicht- 23 gegen Neukölln 2. Nertinmnannschast 0:1(0:1). Nicht» 8 I gegen Neukölln 1. Bereinsmannsckost 2:1(0:0). Moabit II gegen Neukälln 2 II 3:2(2:1). Moabit I aegen Zioukölln 2 I 1:7(0:4). Lichtenberg II gegen Stralau 1: 4 (0: 3). Nichte I gegen Nicht, 23 0:1(st: 0). Aanufohrer gogen Sparta II 0:3(0: 2). Spandau I gegen Adlerohof 1 2:2(0:1). Adlersbos ll«egcN Ruderverei».Collegio" 8:0(2:0). Saatwinkl er Paddel-tkl-b 1923, r v. Monatsversammlung Donnerstag. 0. Januar. 8 Uhr. bei Tlimpel. Dunckerftr. 83. Arbeiter-Rads-brer-Annb.Soiibarilätt. Jur ainäscheriing de» verstorbo» nen Bundesgenossen Seemann Lebsch treffen sich alle Genossen am Dienstag 12?i Uhr Krematorium Gerichtstratz«._ Zonristenoerein.Die«a»esrennbe', SnrttaX« Wien, vetsgenope Berlinr Mittwoch. 5. Januar. 8 Uhr. im Sovb en.«n,eum. Weinmeisterstr. 16—17 Nunk- tionärsitzung.— Abt. Nrtebrtchshat»: Dienstag. 4. Januar, tjs Uhr, im Seim Ebertvstr. 12, Seschäftliches. Neuwalzen.— Abt. N�iedenan: Diensiag 4. Ja» Nim, 8 Uhr. wi Seim offendacher Str. sin. Ausspracheabend:.1920— 19 7*.— Abt. Karben: Dienstaa. 4. Januar. 8 Uhr. im Seim Sonnenburger 6'r. iOb Genosse Sosmann:..Rciseschilderunaen".— Abt. Tiergarten: Dienstag. 4. Ja» nuar. 8 Uhr, im Keim Wielrfstr. 5, Singsang.— Abt. Treptow: ZZienotäg, 4. Januar. 8 Uhr, im Seim Ellenstr. 3. Gesanosgruvpe.— Abt.«rdding: Dienstag. 4. Januar. 8 Uhr. im Seim Lurrmbnoger Str. 7. Brettfoielobend— Mnfikgrmeinschaft Werbebezirk Narben: Mittwoch, 5. Januar, 8 Uhr. bei Le> mann. Goudpstr. 21. Uebungsstund«.— Abt. Nrledrichohegen: Donnerstag 0. Januar. 8 Uhr. im Seglerheim. See-. Ecke Bellepaustoatzr. Monaisver» fammlung.— Abt. Pr«n»lm«r Berg: Donnerstag. 6. Jmeuar, 8 Uhr, im Seim Dan»i«?r Str. 23, Palladrnabend.— Abt. NelniSrnborf: Donnerz tag. 0. Januar. 8 Uhr. im Seim Reinickendorf-West. Seideistratze, Zahrrsoe-samm» Iiing. Reinvahlen.— Abt. Lichtenderg: DonnersMa, 6. Januar, 8 Uhr, im Seim Pariaue Ist, Generalversamii-lung.— Abt. NenklZn! Donuersia«, 6. Januar, 8 Uhr, im Seim Eanderstr. Tl. Eenennlpersammlung.— Abt. Pankow: Dienstag. 4. Jammr. 8 Uhr, im Heim Särschftr. 14, Zimmer z, Sumoristischer Abend. Aebeiter-SporSortell Eharlottenbvrgi Donnerstag 8 Uhr im Seim d-C Naturfreunde Nichte, Am Liltzaw, Material, Plakate für die Ausstellung oh- holen. Jeder Lerein mutz erscheinen. Sport-EIu»„Liberta,»«*, Abt. Schlnebeeg. Jeden Mittwoch von 8 hi» 10 Uhr vorläusia im Lokal Winterfeldtstt. 8, Eck« Nrvbenstratze, bis»ur Reg» lung der Turnhalle. Mitglieder«erden dort ausgenommen. Tambourrieg«: Uebi'nasobent ieden Mittwoch von 8 bis Ist Uhr im Lokal Eharlottenbur» Wallstr. 18. Tamboure und Pfeifer werden:ioch aufgenommen «e-olina-Neul-lln— L'btttar.Gharl-tt-nburg. B-rstehend« Brreine ireflen sich im Mannschaftskamps im Ringen Nreitag, 7. Januar. 8 Uhr. Turnhalle Thowasstr-tz« Neukölln. Nreie,«onnperein sttala». Nächst« Mitol'Ä.erpersgmmluna D-nnerotog. E Januar. 8 Uhr. bei Soffmann. Narkgrafendamm 30. Gäste gern willkommen. ne.4*44.5eiyt9«ig 2« Vievstag, 4. Jamatl�u Schluß Mit dem Zollkrieg! Zur Wiederaufnahme der Deutfch-Polnifcheu Handelsvertragsverhaudlungeu. Iu diesen Togen sollen die bisher absolut erfolglosen Handels» Vertragsoerhandlungen mit Polen wieder beginnen. Seit fast Iii Iahren herrscht zwischen den beiden Ländern wirtschofilichcr Kriegszustand. Polen hall« im Bertrag von Versailles das Recht erhallen, bestimmte Warenmengen— w erster Linie Kohle— zollfrei nach Deutschland einzuführen. Dieses Recht lief am 1 S. I u n t 1 S 2 S ab. Vor jenem Termin ausgenommene chandelsoertragsoerhandlungen führten nicht einmal zu einer provi- so tischen Regelung. Polen, das nunmehr ein Aufhören seiner Kohlen- empörte nach Deutschland befürchten mußte, versuchte einen Druck auf Deutschland auszuüben, indem es mll dem 17. Juni neue Ciufuhroerbote für eine große Anzahl von Waren den bestehenden Einsuhroerboten hinzufügte. Diese Maßnahme galt zwar gegenüber der Einfuhr aller Länder, traf aber doch in erster Lmie Deutschland, als den größten Lieferanten Polens überhaupt und speziell für die einfuhrverbotenen Waren. Sie wurde. da sie überraschend erfolgte, während man am Derhandlungs- tisch saß. von deutscher Seile als.Affront" empfunden. Deutschland schrill in den nächsten Togen zu Gegenmaßnahmen, indem es die Bestimmungen der allgemein gellenden Einfuhrverbote gegenüber Waren polnischer Herkunft verschärfte, fernerneue, speziell gegen Polen gerichtete Einfuhrverbot« erlletz und die Einfuhr pol- nischer Waren mll Sonderzöllen erschwerte. Damit war der deutsch-polnische Zollkrieg da. der bis auf den heutigen Tag andauert. Ergebnislose Verhandlungen.— Politische Hindernisse. Die Verhandlungen, die seitdem mit größeren oder Ziel des Dertragsabschlusies besonders deshalb nickt erreicht, weil außer den Differenzen in den eigentlichen Zoll- und Handelsfragen politisch-wirtschaftliche Streitfragen vorlagen, wie z. B. die Freigabe des beschlagnahmten Eigentums, die Freigabe ehemaligen deutschen Reichsbesttzes im abgetretenen Ostoberschlcsien (Slickstoffwert Chorzow), die Regelung der Optantenfrage, die Ab- schiebung polnischer Wanderarbeiter, die Regelung von Verkehrs- fragen im»polnischen Korridor" und in Oberschlesien. Die Rege- lung der zoll- und h uisje wurde während der l« daß Polen seinen Zolltarif Ml " hen Währung-'' die de- pollii bald zu einer Ausdehnung Exports(zu Inflatwnspreisen), bald zu neuen Iniport- erschwerungen(bei Devisenmangel) Anlaß gaben. Ieschwieriger nun die Wirtschaftslage Polens im Verlaus des Zollkrieges wurde, mn so hartnäckiger bestand man in den Verhandlungen mit Deutschland darauf, die Konkurrenz der deutschen Einsuhrwaren von dem ohnedies schwachen polnischen Inlandsmarkt fernzuhalten. Jorderungea und Gegensähe. Die Liste der deutschen Forderungen auf Zoll- «rniäßigungcn wird künftig nicht mehr ganz so groß zu sein brauchen, da Deutschland selbstverständlich die zollpolitische Meistbegünstigung erhallen niuß und damit automatisch in den Genuß der anderen Staaten berclls gewährten Tarifermäßigungen kommt. Von einer Einigung über die beiderseitigen Zollzugeständnisse ist man freilich noch well entfernt. Deutschland, das in normale» Zeiten etwa e,in Drittel bis die Hälfte der polnischen Einfuhr liefern würde, fordert einmal eine möglichst weitgehende Beseitigung der pol- Nischen Einfuhrverbote mit dem Hinweis darauf, daß es selbst fast keine Einfuhrverbot« mehr aufrechterhält, und weiterhin Zollermäßigungen für etwa S00 bis 600 Positionen lvon insgesamt zirka 1800) des polnischen Einsuhrzolltarifs, der allerdings zumeist Hochschutzzollfage enthält. Diese Wünsche beziehen sich auf die verschiedensten Arten von Industriewaren. Endlich wird für 10(von insgesamt 32) Waren des polnischen Ausfuhrzolltariss eine Ermäßi- mg der Sätze gefordert. Polen ist grundsätzlich bereit, s e st e Z o l l- i tz e mll Deutschland zu vereinbaren. Im übrigen stellt es folgende Forderungen: Zollermäßigungen für 186 Positionen des deut- fchen Tarifs, freie Einfuhr von inonatlich 300 000 Tonnen Kohle(Deutschland wollle ursprünglich nur 70 000 Tonnen zu- gestehen, scheint aber im Laufe der Verhandlungen Polen weiter ent- gegengekommen zu sein) und zollfreie Einfuhr von bestimmten Mensen Lebendvieh. Während über die meisten der beiderseitigen Zollermäßigungs- wünsche die Verständigung nicht schwerer und nicht leichter fallen dürste, als in Verhandlungen mit anderen Staaten, ergeben sich «ine Reih« von Punkten, wo die beiderseitigen Ansichten s a st u n- vereinbar gegenüberstehen. Dabei handelt es sich in erster Linie um die polnischen Wünsche bei der Vieh-, Fleisch-, Getreide-, Holz- und Kohleneinfuhr. Für Getreide und andere landwirtschast- liche Produkte werden so hohe Zollermäßigungen gesordert, wie sie mit Rücksicht auf die Machtverhältnisse in Deutschland von den deutschen Unterhändlern nicht bewilligt werden können. Bei der Vieh, und Fleischeins uhr handelt e» sich weniger um die Höh« d«r Zollsätze als vielmehr um ein« Milderung der Veterinär- polizeilichen Dorjchristen Deutschlands, die vielfach einem Einsuhr. verbot gleichkommen. Regierung und Reichstag könnten den Ein uilichen Ol fluß der veterinärpolizeilichen Organe, hinter denen sich agrarische Sonderinteressen zu verschanzen pslegen. sehr wohl zurückdämmen. �.---■-v �"stcherselts aiischeinend Sägewerke und der In den Fragen der H o l z e i n f u h r wird deutscherseits anscheinend nicht nur auf die Interessen der ostdeutschen Sägewerke und d»r dort ansässigen holzverarbeitenden Industrie Rucksicht genommen, sondern auch aus die Interessen der Waldbesitzer. Deshalb sperrt man sich gegen die Einsuhr von 5)olzwaren, Schnittholz und Roh- holz, sicherlich insofern zu Unrecht, als es im allgemeinen Volkswirt- schafllichen Intcressc liegt, einen so wichtigen Rohstoff zollsrei ins Land zu bekommen. Auch den Industrien im deutschen Osten kann durch die Wiederherstellung eines regen polnischen Geschäsisoerkehrs besser geHolsen werden, ol» durch die sorgsame Fernhallung der polnischen Konkurrenz von einzelnen Marktgebieteil. Die Gewährung eines Einfuhrkontingents für Kohle endlich ist heute, nach- dem der deutsch-schlesisch« Bergbau die Versorgung des Inlands- Marktes seil eineinhalb Iahren voll in die Hand genommen und feine Förderung daraus eingestellt hat. mit der Gefahr verbunden. Revier) empfindlich eingeschränkt werden. Die Nokwendigkeik de, Zriedst,. Gerad« die lange Dauer d«» Wirtschaftskrieges hat nun die Verhältnisse so»s e st g» i a h r e n", daß die Auflösung aller Gegen- sätze ohne eine vorübergehende Erschütterung der Absatz-, Renta» bilitäts- und Beschästigungsverhöltnisie geradezu eme Unmöglichkeit geworden ist. Auf der anderen Selle müssen die?« vorübergehenden Erschütterungen in Sauf genommen werden, um endlich einmal den auf die Dauer immer unhallbarer werdenden Zustand des Zoll, krieges zu beenden. Die Frag«, wer den Zollkrieg.gewonnen' und wem er am meisten geschadet habe, ist völlig mützig. Es darf sich hier nicht um Machtproben oder Prestigefragen handeln. Jeder der beiden Staaten könnte den Kriegszustand, in den man»hinein« geschliddert" ist, noch jahrelang aufrechterhalten: dafür aber sind die Opfer zu groß. Deutschland ist zwar auch im Jahre 1926 noch der beste Kunde und der größte Lieferant Polens geblieb«»: 22.4 Proz. der polnischen Einfuhr kamen aus Deutschland, im Bor» fahre liefert« Deutschland aber noch 31,8 Proz. Di« polnische Aus- fuhr nach Deutschland ist von 48,7 Proz. auf 24,3 Proz. gesunken. Die Gesamtmenge der polnischen Ein» und Ausfuhr ist 1926, trotz der günstigen Wirkungen des englischen vergarbeiterftreiek,. um etwa ein Drittel zurückgegangen. Polen wird von diesem Rückgang naturgemäß viel schärfer betroffen, da der H«m. delsverkehr mll Deutschland für Polen viel mehr bedeutet, als um- gekehrt das polnische Geschäft für Deillschland(nur 4 bis S Proz. des deutschen Außenhandels kommen aus und gehen nach Polen). Das ist freilich ein magerer Trost, da natürlich der ganze deutsche Osten durch die Handelshemmnisse schwer leidet. Die neuen Verhandlungen. Henke sollten die deutsch-polnischen Vertragsverhandlungen wieder aufgenommen werden. Leider steht zunächst im vorder- grund eine eigentlich politische Frag«, nämlich das Recht der freien Niederlassung deutscher Staatsbürger und deutscher Unternehmungen in Palen, das Deutschland in allen übrigen Ländern, mll denen Handels- und Wirtschaftsverträge bestehen, im Gegenfeiiigkellsvertrag erhalten hat Polen weigert sich noch auf das entschiedenst«, auf diesem Gebiete bindende Verpflichtungen ein- zugehen: es will allenfalls»Großkaufleuten" die geforderten Recht« gewähren. Es fürchtet von der Freizügigkeit deutscher Kaiifleute in Polen nicht nur«ine Ueberschwemmung mit deutschen Waren, sondern auch ein überstarkee Eindringen deutscher Unternehmungen, die das Geschäft an sich reißen könnten, sowie eine unerwünschte Verstärkung d«r deutschen Minderheiten durch Zu- Wanderung von Reichsdeutschen und Rückwanderung deutscher Optanten. Diese politischen Hindernisse wird Polen allerdings au» dem Wege räumen müssen. Polen wird sich, um die Aera des Zoll- krieges zu beenden, zu einem klaren wirtschaftlichen Ge> schäft unter Ausschaltung aller preftigepoliti- fchen und nationalistischen Gesichtspunkte bereit- finden müssen. Andererseits muß die deutsche Regierung für die Verhandlungen die richtigen Männer und die richtigen Formen finden. An beidem hat es bisher gefehll. Für die Lösung der wirtschafllichen Interessengegensätze aber muß ein Weg gesunden werden, der den gesamtwirtschaftlichen Interessen Deutschlands Rechnung trägt Diese verlangen ein Ende des Zollkrieges, ein Ende der Veriragslosigkeit, den iniensivsten Warentausch beider Länder zu den für beid« zweckmäßigsten Bedingungen und Opfern. Diese zweckmäßigsten Bedingungen und Opfer können allerdings nicht gefunden werden, wenn es auf deutscher Seite bei der einseitigen Bevorzugung mächtiger politischer Gruppen, wie d«s land- und forstwirtschaftlichen Großgrundbesitzes und auch des Kohlenbergbaus bleibt, wie bisher. E. T. Kreöitverbilligung. Eine..Aktion" der Privatbanken. Wir haben die Kreditpolitik der Privatbanken immer wieder scharf kritisieren müssen. In den letzten Monaten, nicht zuletzt durch die Verhandlungen vor der Enquetekommission, hat auch die in erster Linie beteiligie Industrie den Mut gefunden, Wünsche auszusprechen. Die Folge waren Verhandlungen zur Derbilligung des In- dustriekredits zwischen den Privatbanken und dem Reichs- verband der deutschen Industrie. Ein Ergebnis, wenn auch ein recht mageres, liegt jetzt vor. Ab 1. Januar werden Zinsen für gewährte Kredite erst von dem Tage an, und zwar nur zu dem Betrag, in welchem der Kredit wirklich in Anspruch genommne wird, berechnet. So selbstverständlich das klingt, so wenig war das bisher der Fall. Bis- her � mußte ein gewährter Kredit, gleichviel, ob er wirklich in An- spruch genommen war oder nicht, vom Tage der Zusage an in voller Höhe verHinst werden. Für den noch nicht in Anspruch genommenen Teil wurden Einlagezinsen in Ansatz gebracht, so daß den Banken bedeutende Extrazinsen zuflössen. Don diesen Cxtragewlnnen fällt jetzt ein Neiner Teil weg. Beibehalten wird aber für den Fall vorzeitiger Rückzahlungen die Uebung, daß nur Einlagezinsen ver« gütet werden: ebenso bleibt die Provision von 2 Pro» z e n t auf die ganze Kreditsumme, so daß man wahrlich von keinem nennenswerten Entgegenkommen sprechen kann. Die stark kritisierte hohe Ueberziehungsprovision wird ebenfalls beibehalten, nur soll der Kunde innerhalb 8 Tagen von der Ueberziehung de« Konto» benachrichtigt und im übrigen dafür gesorgt werden, daß nicht von vornherein Heber- ziehungskr�tte zur Erzielung höherer Einnahmen festgelegt werden. Man steht, die Privatbanken haben noch ntchts von ihrer Zähigkeit, die Wirtschaft sür ihre Gewinne blute» zu lassen, eingebüßt. Selb st Verständlichkeiten, denen sie sich schon beim ersten Anstoß nicht entziehen können, lassen sie sich mit dem Anschein bezahlen, als ob damit für die Wirtschaft etwas„getan" würde. So natürlich scheint den Privatbanken die Situation der letzten zwei Jahre, in denen sie die Sicherung ihrer Gewinne rück- sichtslos der Erfüllung ihrer volkswirtschaftlichen Funktionen vor- a n st e II t« n. Aus dem»Entgegenkommen", das sie jetzt bc. wiesen haben, läßt sich ermesien, was es noch kosten wird, bis sie ihre doppell gesicherte Pfänder» und Ihre Kredltprovisivnenpolitik fallen lassen werden, Die französische wirtjchasiskrise macht§ortsikMe. Dachsende ArbeUslostgkeit. Was die französische Regierung zu leugnen bemüht war und durch schönfärbende Berichte wegdiskutieren wollte, kann heute von «riernand mehr bestritten werden. Die französische Wirtschaftskrsse im Gefolge der Frankenhausse macht täglich immer größere Fori. schritte. Daß die Bank von Frankreich den Diskont herab- setzte, um durch Kreditoerbilligung die Finanzlage der sranzö- fischen Industrie zu erleichtern, und daß die sranzösisch« Regierung über das Problem der Arbeitslosigkeit und ihre Bc- kämpfung beraten muh, zeigt die Dinge, wie sie sind. Daß die Verschärfung der Wirtschaftskrise unvermeidlich ist, er- gibt sich ohne weiteres aus der Tatjache, daß die Inlandspreise bc- reit» die Weltmarktpreise Überschrst'.en haben und daß aus dem bis- Herlsen Valutadumping durch die gestiegenen Inlandspreise bereits«in« Importvrämie geworden ist. lleber den rapiden Rückgang des inländischen Verbrauchs haben wir bereits berichtet. Aber auch jetzt ist die Regierung noch bemüht, gewissermaßen dura) eine politische Balorisierung des Arbeitsmarktes dir Lage günstiger erscheinen zu lassen, als sie ist. Sie übt auf die Unternehmer einen Druck aus, Entlassungen möglichst zu vermeiden und durch Einlegen von Feierschichten und Kurzarbeit die Zahl der Arbeitsuchenden tief zu halten. Auf diese Weis« erscheint die rasch wachsende Unierbeschästigung der Industrie noch in verhältnismäßig geringen Arbeitslosenzisseni. Immerhin hat in der letzten Woche auch nach den offiziellen Zissern die Zahl der Unterstützten sich verdoppelt, so daß man nach den von den Gewerkschaften bekanntgegebenen Ziffern die Zahl der Unter- stützten in Paris auf 40 000 schätzen darf. Die Zahl der Kurz. arbeiter, die vor Weihnachten aus etwa 100 000 lautete, ist ent sprechend Häher anzunehmen. Nach den letzten Nachrichten haben zahlreiche Schuh- fabriken in Limogcs schließen müssen, wob«, 7000 Arbeiter zur Entlassung kamen. Ebenso werden aus der Porzellan-, Tejrtil-, Möbel- und Metallindustrie täglich neu« Entlassungen gemeldet. Wie die.Usine" meldet, ist auch berells«in erheblicher Rückgang des Eisenbahnverkehrs und der Einnahmen der Eisenbahnen eingetreten. In der Woche vom 3. bis 9. Dezember 1926 sind diese Einnahmeii bereits auf 271 Millionen gefallen, während sie wenige Wochen vorher noch 300 Millionen Franken betragen haben. Am Jahresschluß dürften die Wocheneinnahmen der Eisenbahn kaum noch 250 Millionen überschritten haben. Die Aktienkurse am Jahresende. Die Kurse haben im Monat Dezember nach der vorhergegangenen Abschwächung wieder eine recht kräftige Erholung zu verzeichnen und haben den zu Beginn des November erreichten Höchststand leilweije uberschrillen. Besonders stark hat sich die Aufwärtsbeweaung in den oberen Kategorien ausgewirkt, die eine wesentliche Verstärkung er- fahren konnten. Vor allem hat die Zahl der mit über ISO Proz. bewerteten Papiere eine namhafte Erhöhung erfahren. Insgesamt stehen Ende Dezember S4,4 Proz. aller zur Notierung gelangte» Wert«� über pari, während mir noch 4S,6 Proz. noch unter Parität stehen. Vor Jahresfrist standen noch 90,2 Proz. unter und nur 9,8 Proz. über Parität. Es notierten nach der Commerz- und Privatbank rn Derlin unter 60 Proz. der Parität von 60— 76»., 75-100».. 100—150... 1 50-200... 200- 250., über 250... Ende Dezbr. 9,6 Proz. 14.4. Sl.S„ 29,4. 18.7. 3.7, 2,6. Ende Rovbr. 9.3 Proz. 16.9. 2S.1. 29.8. 15.4. 3.0. 2,0 Absolut ausgedrückt hat sich die Zahl derieuigen Werte, die die Parität erreicht oder überschritten haben, seit dem Borjahr mehr als verfünffacht. Der Lebenshallungvindex für Dezember. Di« Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung. Heizung, Bc- lcuchtung, Bekleidung und„Sonstiger Bedarf") beläust sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts sür den Durchschnitt des Monats Dezember auf 144,3 gegen 143,6 im Vormonat. Sie hat sich sonach um 0,5 Proz. erhöht. Die Ausgaben für die E r n ä h r u n g haben außer für Fleisch und Fleischwaren durchweg angezogen. Die Bekleidungsaus- gaben haben ihren Preisrückgang weiler sortgesetzt. Die Indexziffern sür die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 100:) für Ernährung 149,6: für Wohnung 104,9: für Heizung und Beleuchtung 144,3: sür Bekleidung 157/), für den .Sonstigen Bedarf" einschl. Verkehr 184,7. Der neue Großhandelsindex hat sich zum 28. Dezember gering- sügig, von 137,2 auf 137,1, ermäßigt. Die Indexziffer der Agror- st o s s e ist hiernach gegenüber der Vorwoche um 0,3 Proz. zurück- gegangen. Die Indexziffer der industriellen Rohstoffe und 5)alb° waren um 0,2 Proz. g e st i e g e n, während die Preise der in- dustriellen Fertigwaren um 0,1 Proz. nochgegeben haben. Der Es- samtindex ist uin 0,1 Proz. gesunken.— Di« nach der alten Methode berechnete Großhandelsindexzifser(ohne Fertigwaren) würde sich aus 131,1 stellen, also gegenüber der Vorwoche um 0,5 Proz. höher sew. Kuck ohne Inventur-Verl�ftif sind Salamander Schuhe an Güte. Pormschönheii' und PreiswüräigKetf unüberrroffen. SALAMANDER Cf 5 Sind Sie Meucptädtyf Wissen ist Macht! Ein wenig Neugierde kann nie schaden. Gewiß, alles wissen kann man nicht. Wer wissen Sie denn alles? Wissen Sie beispielsweise, was ein Junggeselle ist? Ja?—— ZluS- geschlossen! Aber Sie sollen es erfahren« ein Junggeselle ist ein Man», dem»um Glück die Frau fehlt!--? Wieso zweideutig? Es ist so gemeint, wie eS dasteht! Doch darüber wollen wir uns nicht streiten. Lieber erzählen wir Ihnen etwas Neues von unserem Münchener Kinbl, dem Wahrzeichen der alten weltbekannten Zuban-Zigarettenfabrik. Frisch und stoh ist das Kindl im Fremdenzimme, des Dr. All Rabi, Frist �..» unseres Tabakdoktors, erwacht. Schnels dreht es sich für einig« Minuten auf die bessere Seite, um sich im Geiste die vielen Fragen, welche der gute Tabakdoktor beantworten soll, zurechtzulegen. Denn reichlich zu fragen und doch nicht neugierig zu scheinen ist eine Kunst. Unnütz sind alle Bedenken. Dr. Ali Nabi arbeitet ja mit dem Kindl st» einen gemeinsamen Gedankenz den verwöhnten Zubamauchern noch voll- endetere Kunstwerke als bisher zu bieten und ihnen noch größere Genüsse zu bereiten denn je zuvor. Auch er weiß ja, daß der Weltruf der Zuban- Zigarettenfabrik diese zu immer größeren Leistungen verpflichtet. Schon ruft die Glocke zum Dr. Ali Nabi. Schnell heraus auS de,«Falles flink ein Bad und dann zum würdigen Hausherrn!—-- Ubermorgen hören Sie mehr! Die Geschmacksrichtungen der Raucher sind wandelbar wie die Zeiten. Wir gehen mit! Die leichten, süffig süßen Mischungen unsere, Zigarette» sind Glanzstücke der heutigen Zigaretten-Herstellungsart. Drum seien sie nicht nur Lebenskünsller. sondem werden Sie Künstler des Geschmacks! Rauchen Sie die 4 Pfg,-Zigarette Zuban Nr. 6! Staats-Theater 'W-1' Opernhaus Plate s. d.Republ. V/t: uer tllegendc Holländer Schauspielhaus Vit Uhr; Hgaros Hochzelt Schiller. Theater 8; Drei Schwestern Städtlsdie Dpei Charlotlenburp TV, Uhr: Maskenball Dirlg.; E. Pollak E. Bettendorf, M. Ol- szewska, Guttmann Abonn.- Turnus III Demsdiet Mt Norden 10334—37 8 Uhr; tieidhanitv.GaciseDaü von Pegie; i WolfgangGoetz gie: Heinz Hilpert Kammerspiele Norden 10334—37 8 Uhr; Ollapotrida von Alexander Uernet-Holenia RiSis: Heinz nilpert. Hierauf; Das Veilchen von Franz Molnar Regle: Eug. Robert Die Komodie BismarcK 3414/ 751' 8 Uhr Die Gefangene Von Bourdet Regie M. Reinhardt Tlieat. a.HoIleiillorlp! Kurfürst 3091 8 Uhr; Klableute mit Max Adalbert 6iniisili)>-S0biies Th. Könlgerätz St. Hasenheidc 2110 8 Uhr Hrt.CheneyiEndc Elisabeth Bergner UornttOieiUiaDf Norden 6304 8 u.: Frttjlitdien R. A. Robitte t. ThellnaM Zentral-Tb. Täglich 8 Uhr: Der Trompeter vorn Mein Operette Preise von 1—7 M. SjllenbiifS-SaiiiCT Dts Künstler-Th. Prltzl Messary; S;„Die Königin' Lesslng-Tbeater Aib. Bassermann '; DerDlKTotor Tb. t.Kurtürstendaniiii Käthe Dorsch su-DieFraniin der Kette '.uttspielhaus SV, Guido Thielscher flarra-elDJciigE ür. SdiauspielliaQs Tägl. 8>-. Uhr: CHARELL- REVUE Sonnt, nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorstlig zu ermäB. Preisen nt iropoi- THeai. Täglich 8 Uhr ZirkiispriDietsin tteiMenzmealer Täglich 8'/« Jhr: WWWM Eintritt Jogtnlliiiitn ttrhitE» TNaUn-Tliealer Täglich 8 Uhr: Der große and der ktelne Klaas Trisnon- Theater Täglich«osen, Schubkarren. Einzelriidrr. Lchfen, ifebem. Globus. Dresdener» ftrafie 55. Moridvlah 127 38.____• Teppiche, Diwanbeden. Tischdeden. Settvorleaer. Läuferftoffe. vracki wolle Auswahl erfr« billiae Eeleaenbeilen. Tonrab ffifcher. seit 1884 Potsdamer. ftraße 109.» öelileidunzssliicke. Wäseti�usw Bette norrkanfl Nene 15�! 19.50! Prachtvolle 22 50! 27,501 Ainderbctlcn 8.75! Bettwäsche! Steopbedent Alle« svottbilli»! Reine Lombard wäret Leih» bau« Stumwnttroke 47._• Sbaiselongocs, Metallbetten. AuNsoe. marragen. Patentmatzatzen. Walter, Staraarderftraße achtäebu. Special. aefchäft.» künlak 6 Uhr Anfang 7 Uhr c�smo-T'n&vreR* uhr; Mister Cornedbee?. Ab 12. Januar; Ein Tag Im Paradies. Cutschein. Faut. 1 Mk-, Sessel Ijo Mk. Voranzeige: Mittwoch. 5. Januar 1927: Elite-Tag! Donnerstag, den 6. Januar: 9� Grones Kcbwdnesdiladilen!"* Scrt L. ffelatnboum beabtichtizt di« Errichtung einer Metallgickeiei in Derlin-Botllgwald« auf dem ffirunbftüdc an der Spandauer Strake, früher Dito Iachmann A.-G. Etwaige Einwendungen gegen diele Anlage sind bei dem unterzeichneten Stadtansschuh binnen 14 Tagen, oom Tag« nach der Veiätfentlichung ab gerechnet, schriftlich in doppelter Ausserti- (Hing ober su Protokoll aniubrinaen. Noch Ablauf dieser ssrist lönnen Ein- Wendungen nicht mehr erhoben werde». Besch;eibung»nb fletchnungen der geplanten Anlage liegen in unserem Bureau. Berlin E. 2. Waisenkirafte 27. 1 Treppe, Zimmer 59, an den Geschäf's- tagen in der Zelt oon 9 bis 2 Uhr wahrend der oben bezeichneten Trift Sur Einsicht aus. Zur mündlichen Erörterung der recht. Mitig erhobenen Einwendungen wirb oor unserem Romm-ssar, Stadtober. inspektor Eenst. auf Dienstag, den 18. Januar 19:7, vormittags 9 Uhr, in unserem Bureau ein Te-min anberaumt tu dem der Unternehmer sowie die Wide: sprechenden unter der E'öfsnung geladen worden, daft auch bei ihrem Ausbleiben mit der Erörterung der Ein- Wendungen ver--eg-'ngen wird. Berlin, den 30. Dezember 1928. Der Stadtar-sfihnft Berlin, Abi. r. Schneider. HsKn i Eiserne Oefen Kache/oefen Kochherde R.Zechlirf �. BEPUNC q SfcändejrSüd :) Bekanntmachung der illgcauläu Ortsbuketikass! Birtin Weiamsee, Der in der Ausschußsttzmra am 5. To- v mber 1926 beschlossen« 29. Nachtrag zu unseren Rassensatzungen ift durch das Dberverftcherungsamt Berlin genehmigt worden und tritt mit dem heutigen Tage in Kraft Drudexemplare können inmlferem Melde- burean 2 Treppen, Zimmer 5, in Empfang genommen werden. Berlin-Deißenfee, den 1. Iqnuar 1927. Der Vorstand. Brühmüller, Borfttzender. Dürkopp. Röhmaschine» auf kleinste Teilzahlung. Wloftt. Brnanenstraße 145, zwischen Rosenthalerplag und Zr.paliden strafte. Norden 118,' Drebrollenteschke. Leistungsfähigste Spezialfabrik Rollenwaudlung 200,— Rosenthalerstraße 26, ♦ «Benin getragene Rovalieroarderobe von Millionären, Aerzten. Anwälten. isabekhakt billig« Preise. Emokeble Toillenmäntel, Palewis, ffrads Smo- kings, Gehrodanzstge, Hosen. Sportpelze. Eebvelze. Gelegenheilskäme in neuer Garderobe. Weitester Wea lohnend. Lothrinaerstrafte 58. 1 Treppe. Rosen. tbaler Plak. Setraaeue Serrengarderohrn Gesell- schastsanzüae für korpulente kliauren staunend billig. Raft. früher Mulad» strafte, ieftt Gormannstrafte 25/28.' Rcsteoerkaui von Möbelstoffen, Läuker- Nossen, Matraftendrelle, Gardinen. Stores. Tisch-, Diwan» und Sdilasdeden. Dresdenerstrafte 78, 17. Hof link» pari.' Ankleideschränke, dreiteilig, mit Spie- gel,»5,—: grofte 95,—. Bettstelle»'48,—. Schlafzimmer. Rüchen, Einzelmöbel. Nuftbanm. Eich«. Zahluidgserleichterunq bis 12 Monat« zu Rassapreisen. Stein, nur Anklamerstrafte 20,• Erstklassig« Tischlerarbeit, langfristige Zahlung, keine Wechsel. 120 Zimmer. einrichtunaen. Rüchen. Einzelmöbel vor- rätig. Tischermeisser Schumann. Zions. kirchstrafte 30, Ede Templineiltrafte,_• Teppich-Schrgger, Znoentur-Anspep. kauf. Berkaufe Teppiche. Gardinen, Läuferstoffe, Diwanbeden Tischdeden. Store», Etepvdeden. Garantiert Rassz. reise. Rleine Anzahlung, niedrige taten. Jnvalidenstraft« 141, Nähe Stet- tiner Bahnhof. Mäbel. Teilzahlung. Gärisch, Etra. lauervlait 1—2. Echleftscher Bahnhof.' Schlafzimmer 350.—. Ruhebetten 25.—. Zahlungserleichternng. Ramerling. Ra- Nauienallee 26.* Husihinstrumente Pianos. Harmonium». Teilzahlung. Scherer. Chausseestrafte 108.__• Piano» preiswert. Link. Brunnenftrafte 85. Rlapiermaaier Drei Mari Wochenrate, 15 Mark Anzahlung. für ein«rstNalftge» Marken- rad. ifahtradhan» Zentrum, Linien- strafte neunzehn.' Kaufgesuche Biel. riftiouat. Zahngebifte, Silderladien. Zinn, Duedftiber, Goldichmelze Christ Röpeniderstrafte 39 iAbalb-rtstrafte Unterricht R-dow» kaufmännisch« Privatschulen W und Dr. A. Badow, Wllh«lmstr. 49, nahe Leipzigerstrafte, Tanenftienstrafte 1. Aleranderplaft 50. 8. und 10. Januar beginnen besondere Viertel, nh res» und Salbjahreslehrgänge zur kaufmännischen Ausbildung für|ung« Damen und Herren mit«infacher und höherer Schuldildung. Lehrvlän« kostenlos. Schnellfördernde Wahlfächer: Duchfüh- rung. Rechnen. Rorrefpondenz. Wechfrl- lehre, Stenographie. Maschinenschreiben, Schönschreiben, Deutsch, ssremdsprachc». fremdsprachlich« Stenographie.* Gewissenhafte Auskunft Trauen. Mäd- che» in vorkommenden ssällen. lang- iähriae Erfahrung. Trau Rammouat, ärztlich geprüft. Lichtenbergerftrafte 5. nahe Landsbergerploft.__' Detektiobnrrau Etafchel, Chaussee- strafte 77, Ternsprecher Norden 7886. Beobachtungen, Ermittelungen. Ans- lllnfte allerorts.* Geldwerkehr Sinlagegelder sucht Bsandltihe Lange, Motiftplaft. Alchingetbau». Gegr. 1895. Arbeitsmarkt* Stellenangebote Zehn Zlleider-Aibeitetinnen auf Well- Neider aufterm. Lohnbuch vorzcigen, verlangt Lierath. Reichenberge rstr. 90, Tabrikgebäude II.___ Schirmnäherin fär dauernd« Beschäfii« gung»erlangt. Schirmfabiik Rlein. Alexanderstrafte 89/40. llsniMemMl Tür die Uebernahme ewer neu zu er- össnenden Betriebskantine wird ein Ehe,, aar gefucht. ES tommen nur solche Bewerber in Trage, welche sich durch langjährige Er- sohrungen im Galiwirtsgewerbe oder als Kantinenwirt ausweisen und mit ia Emp ehiungen und Zeugnissen auiwarten lönnen Bedingung ist gute Rüche Be- werdungen sind>u; ichteu an den R ntinm- odmann W hCbnpn. Curt namelscbe Druckerei, Berlin NW 87, Haller Str. I 2. Wir suchen tüchtige VerkSuferinnen aller Branchen, sowie geübte Kassiorsrinnen und gewandte KassttnkontroliWn Mersmann Pietz Wilmersdorf er Straße Brunnenstraße Kottbusser Damm Belle- Alliance-Straßc Chausseestraße VortieUungen ab 9 Uhr vermilfag» vkenstag 4. Januar 1927 Unterhaltung unö ÄNissen Sellage öes vorwärts viel bunte Wagen. Eine Zirkusgeschichte zu Neujahr vou Max Dortu. Zwei Flüsse einigen sich im eisigen Süss«. Sie umschlingen sich mit grünen Eisarmen. Und die von den Flüssen umschlingen« Landzunge heißt: Die eiserne Hand! Die eiserne Hand ist bestanden mit wintertahleu Kastanien. bäumen, drin zwitschern die lieblichen kleinen Meisen. Trotz der Kälte. Und unter den schwarzästigen Kastanienbäumen stehen im Halbkreise— viel bunte Wagen. Zirtuswagen. Hinten das große Doppelzelt. Hund« bellen. Ziegen meckern. Löwen brüllen. Tiger maulen Affen kreischen Vom Flusse her aber hörst du das brausende Wasser hin übers Wehr. Das braust und das braust— freudiger Strom des Lebens. Zwanzig Grad Kälte. Der Himmel leicht lilablau. Die Sonne geht im weißen Pelze, du freust dich ihres strahlenden Backfisch- antlitzes. Und die Brück« über den Fluß. Tausend Jahre alt. Mit Bastio- nen und Erkern Hinter der Brücke steigt die Stadt, berptreppig. Und der alte Dom steht breitbeinig wie ein unfehlbarer Pfarrherr über der Stadt. Beide Arm« reckt der Dom zum Himmel, Gottes Herz zu suchen Aber da suche du lang«, starrer Dom, Gott wohnt im Herzen der Menschen nicht in den pfarrherrlichen Himmeln Die Menschen waren es. die ihr« Sötter selber schuf«', niemals war es umgekehrt. Am Zirkus brüllen die Löwen Und gezähmte Ziegen nieckern. Und mit Tumtmn und Tamtam ziehen die Zirkusmenschen durch die Stadt: Heute abend groß« Borstellung! Kinder jubeln Fan- saren gellen Und Karlos, der Oberaugust, schlägt schnell seinen Saltomortale. Der Abend ist da. Der erste Neujahrsabend. Ein Samstag. Die Stadt strömt schwarz und bunt in den Zirkus. Offene kohlen» decken glimmen wie schöpferisch« Augen Wärme flieht aus dem Feuer, den Zirkus durchheizend. Und dann der Musiktusch. Und dann da» Peitschengeknall«. Und in der Arena bäumen und springen die Pferde. Weiße Be- reiterinnen fliegen wie lustix« Bälle auf der Pferde gesattelten Rücken Akrobat« lassen ihre hart erkämpfte Geschicklichkeit spiel«. Seiltänzerinn« wirbeln wie Schmetterlinge. Und dreizehn Auguste xebm der unsinnigen Welt den richtig« Sinn. Herr Direktor sehr würdevoll. Glattrasiert,'n bißch« dick. Lm Frack. Frau Direktor bändigt die Löwen Fräulein Direktor reitet auf Dromedar. Und Sohn Direktor kämpft als roter Torrero mit schwarzen Büffeln Jakob der Rabe aber, der sitzt einem grau« Dickhäuter auf der langen Rose: Elefant«, Elefanten Bier geht herum, zur Musike. Bonbons und Schokolade dm Kindern. Die Kinder: Ach. wie ist der Zirkus so schönt Das neue Jahr beginnt mit lustigem Gespiele. Weiter jagt es im Zirkus. Smsation spingt über Sensation. Wer aber schaut auf die Zirkusburschen? Die da Handlangerdienst« tun. Wer schaut in die Augen der kluger dumm« Auguste? Wer versteht die arme kleine Angstflomme in den Aug« der Tänzerinnen und Reiterinnen? Hier geht alles um Vergnügen und um Geschäft. Das kapitalistische Jahr beginnt als Zirkustanz. Profit wird des Jahres Losung sein. Um Brot wirst du mimen, tanzen, ulken und springen müssen. Eooe, hohes Zeitalter der sittlichen Kulturl Sprach ich nicht von Augen des Grams, des Zornes, des Ent. sagers. der Angst, der Not— beim Personal? Beim Zirkus- personal? Frage ich nicht, wer hier verstände? Ja, so frage ich. Und wer versteht? Die Sterne. Die Sterne steh« blank über dem Zirkus. Der Zirkus ist aus. Das Publikum verläuft sich. Zirkusmenschen, nun pflegt eure Tiere, gebt dm« ihr Necht. Und dann, oh, ihr Zirtusmenschen. verkriecht«ch in«re bunt« Wagen. Und so tat« sie alle. Karolus aber, der Auguste Oberster, der schaute noch lange hinauf zu den brenrmd« Siemen. Ein« Schafspelz über die Schullern geworfen, auf- und abgehend unter den kahlen Kastanien. Dos Wehr am Flusie rauscht, rauscht und rauscht! Die Stadt zeigt malle kleine Lichter, treppig ansteigend. Und der Zirtusclown in der Neujahrsnacht, der öffnete fem Herz den Stemm. Hungernd war er räch Harmonie zum All. Hungernd war er nach Einsamkeit. Hungernd war er nach Schön- heit. Er. der Springer Oberster von den bunt« Wagen. Und siehe, in den wirren Sternen da droben am Himmel ward es lebendig Da einten sich Zeich« zu Zeichen, klar wie ein Buch sprach die Himmclsschrift zum nächllichen Einsam«. Fried« und Freude! Es ging wie ein Blühen von d« Stemm aus. und das Blüh« der tiefer Mitternacht ward Blühen im Herzen des Clowns. Schön. heit hatte Wurzel geschlagen. Da blüht« Hyazinth« und Krokus und Adonis. L«z nxir schon, im Herz« des Sternensuchers. Und dieser Len, im Herzen des Clowns und Sternensucher» war überreich, er wollte nicht ungeschaill verblühen. Karolu» ging in den hellst« der buchen Wag«. Da saß« noch beieinander die Auguste, die Tänzerintim am Seil, und die Reiterinren am Pferde. In diesem Kreise war frohe Lustbarkeit. Punsch am Tische. Kuchen und Zigaretten. Ein Ofen strahlte heiß. Karolus saß nun bei den Kolleg« im Kreise. Alle schach« auf seine Augen, welch eigenes Gestrahle! Das war wie Lenz— und wie Sommertaa. Das war selbst wie das Rausch« am Wehr, diese Auge» waren der ewige Fluß. Man hob die Gläser, man pokulierte. unsinnige Worte wurden laut belacht, mar war so ganz oberflächlich— und doch stand hinter allen ein tiefer, tiefer Emst. Eine große Sehnsucht war in all« Zirkusmenschen. Ach, müßt« wir nicht um Brot tanzen und springen— Lust heucheln, wo wir weinen möchten! Könnt« mir ganz' wahrhaftig sein, leb««in Leben voller Vernunft, und kein Leben der öden Springerei.— Draußen aber brüllte ein Löwe. Die alte Stadt schlief längst. Der Dom hatte sein« herrischen Kopf in die Schult err eingezogen. In seinem Nachthaar schrien die Eulen. Im Zirkuswogen war es stiller geworden. Der Punsch war aus. Die Zigarell« erloschen. Der Ofen strahlte nicht mehr. Die Zirkusmensch« sosien siunun unter der gelben Lampe: stumm— und doch sehr laut, laut im Herzen.'Alle hatten sich die Hand ge- reicht, das war eine doppelte Kelle Im Kreise, eine Kette von Händen. Und durch die Hände hm schlug der Takt des rot« Blutes, helle Vision« standen vor den Aug« der Seelen aus: Kommen wird der Tag einer ollmenschlichen Gemeinschaft, der Tag der Liebe, der Freundschaft, des Frohsinns, der freien Arbeit: Der Tag ohne Profit und ohne Zirkus. von üer Wiederkunft des Gleichen. odrackt,cs.liOcinbrelUrBkerbti1l45| Jetzt Meter fj to# oortlment.............. frflher Me 4,90| Jetzt Meter m»__ m_ Eolienne wen« n.» 325 88 •B. 400 ea hrrtt....... trtther bie 9,S0I Jetzt Meter__ Jam u a rd relne wolle S 65 marocain ■PUi%%Bna raber bi, 11, 73, Jetzt 350 •JSO Ein grosser Posten Damen-Hüte der unter: CilwFkneScn grosso Famen- und Farben- ■ IIbSIMKC saswnbl m.Bipehnnilgnrn>tar. Coif'l',1-v|a|- JwlUCnnU-Cmo4.Fnrb, mit Streuungen 'nm Stecken der modernen %l3|#6lint3 Bote, groeeee FnrbooeorUm. 1 Stack I 95 Kleiderröcke 2*3*400 Seidenhüte 3 aut kunüueldenem a Lede aliM, in vor- O sohtedonenSteckTin- � gen......... Stttok ■In grosser Posten Damen-Hüte darunter: > seid.. In elel.S teckung. esrnlerte, klein", _______ nicht»lebtb. Febl.r SaimhÜte mit Bctbergvbltoren 90 «01 uuici. SeidenhüteB�ÄÄ Velo�rshüte 0"" k,e,? 4 Stack■ ■In grosser Posten Nsciitlieniden guter �vgschflgtofi, reiche SU ekereigarn. 2" 275 345 Bie grosser Posten SetSchMr CMtrolft, In groMew Farben- Sortiment Jetzt 2" Bin grosser Posten ist- seiden. Sünterklelder Ccstr. Ut, ia »ielon modernen Farben Jetzt 3 90 StrlckjficKclien 45 u.-hSichen CrSs-e 1-4 durchweg lillHiffllililS Kurzwaren Achseliraier n Knn.tMldo. alle Farben, SPur TkjFl. GfiMelhalter» nun Dr.ll, 4 Halter..... Etttek ISJi'L Oberem.... 1 5 4 fach, schwarz a. weiss. Bolle wPt. Pelzkraleii 7'» Mnfllon.tte, verschiedene Farben Dg Dnnen-Strfiinpfe r.flor, feine 0 «. oehwurz nr 1« prima Seider.fior, feine and etJlrkore Qaalititen, sohw&re and farbig Peer Damen-Strümpfe paJCun8ts.od.SoldenO_mJ)oppel>.B.Nabc oder Herren-Socken pa.FUd'deosae.gBmnBteTi bej.baltb.QBal 45 Peer 1 kOneO. Watcbe.(Bemb.rg-idler-$.14.) Peer 1 Dmnen-Striiinpfe Hebe.(Bembt 2® ■mini Handarbeiten TeIIßrfl2l}!!JlßlIÄ�e?;25p. TdterdKkdiBiJs.�b 25p. OßcMßitezV'lSp Rissenplaiten'�75 1-lehnet. Ii. Vir es i arbi n 1,29#«wP> Leipziger Str.* Alexanderplatz* Frankfurter ßllee* Belle-Allian-e-Str.* Brunnet* str. Kottbuser Damm* Wilmersdorfer Str,* Grosse Frankfurter Str.* Chausseestr.