ttr. 13 ♦ 44.7ah?g. Msgade A Nr. 7 Bezugspreis. »SÄftTtlidt 10-Eftnnt«, m-n-M» B, Äeiöäinötf roteu» wSUxa. Unui Stccujbanfi für BeuifAlon», Stimm Saar- und iSemdacbttt. Otltercetdi. fit tauen,£uxi »« r den Ereignissen, die sich in den letzten drei Tagen in H a n k a u abgespielt haben und durch die sich die Lage im Janglsekianggebiete wesentlich zugespitzt bat. Wenn auch die von englische? Seite stammenden Noch- richten unklar und widerspruchsvoll sind, so ist kein Zweifel daran, daß das englische Prestige neuerdings einen schweren Schlag erlitten hat. vielleicht sogar den schwersten in der bisherigen Geschichte des Britischen Reiches Daß England die britische Konzession den demonstrierenden Chinesen über- lassen und die südchinesischcn Truppen um Hilfe ersuchen mußte, ist ein nie dagewesener Vorgang.(Dabei haben die Engländer die Kanton- Regierung noch aar nicht offiziell anerkannt, sondern bisher lediglich mit ihr Fühlung genommen!) Die ersten Meldungen besagten sogar, daß das britische Schutz- detachement abziehen mußte unter dem Schutze kantonesischer Soldaten! Das wäre die schlimmste Demütigung, die dem Union-Iack je zugefügt wurde. Roch vor wenigen Monaten hätten die Briten sich auf ihre Maschinengewehre und Schiffs- ge schütze verlassen. Jetzt aber erkennen sie. daß sie mit solchen Mitteln nichts mehr ausrichten können. Aber auch wenn die von Reuter nachträglich verbreiteten Telegramme etwas optimistischer sind, so dürfte der allgemeine Gang der Entwicklung kaum mehr aufzuhalten sein. England hat durch die Schuld seiner konservativen Staats» männer und der imperialistischen Interessenten die Zeichen der Zeit in China zu lange verkannt. Das britische China- Memorandum und die Aufnahm« der Beziehungen zur Kanton-Regierung fft zu spät erfolgt. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, erleben wir gegenwärtig den Schiffbruch der britischen PolUit im fernen Osten der nur das Präludium »u einem der größten Geschehnisse der Neuzeit lein dürste: Da, Erwachen eine? halben Milliarde von Menschen in Ostassen, die die fremd« Vormundschaft abschüttekn wollen, ist auch der Anfang vom End« de« britischen Welt» reichen (Wettere Nachrichten siehe 1 Seile.) Die krästegruppierung in China. -das Ringen um die Herrfehaßt. Wie im antiken Drama, so treten auf der inner- und weltpolitischen Bühne Chinas aus der ursprünglichen Fülle der handelnden Personen neuerdings immer deutlicher zwei «Protagonisten", zwei Hauptpersonen in den Bordergrund: auf der einen Seite Tschangsolin» auf der anderen Seite die Kantonregierung. China zerfiel nach dem Tode Iüanschikais, seit dem Jahre 1917, in eine Reihe von Provinzen in der Hand selbständig auftretender Generale, die unter sich einen erbitterten Kampf führten. Im Laufe der letzten anderthalb Jahre jedoch konzentrierten sich die chinesischen Kräfte. Tschangsolin gebietet heute über die ganze Mandschurei, sowie über die anliegende Provinz Tschili mit der Hauptstadt Peking: außerdem ist chm unmittelbar der Gouverneur der Provinz S ch a n t u n g unterstellt. Auf diese Weise ist er der Macht- haber des ganzen Nordostens Chinas mit einer Bevölkerung von 90 bis 190 Millionen Menschen. In der Gewalt des zweiten chinesischen Generals W u p e i f u blieben zwar auch nach der ihm von den Kantonesen zugefügten Niederlage noch Hupei und Honan, Chinas Zentralprovinzen, mit einer Bevölkerung von öv Millionen Menschen: doch seit der Niederlage Wupeifus können diese Gebiete Tschangsolin zu- gerechnet weichen, der auch die Eisenbahnverbindung zwischen Peking und der Provinz Honan in leinen Händen hat. Ein ähnliches Schicksal hatte auch der General Suntschuan- fang. Bon den fünf Provinzen, über die er noch vor einem halben Jahre gebot, sind ihm heute nur drei verblieben, Kiangsu, Nhanhuei und Tschokiang mit einer Gesamtbevölke- rung von etwa 75 Millionen. In seinen Händen befinden sich Schanghai, der größte Hafen Chinas, sowie N an- king. Doch die ständige Bedrohung' durch Kanton läßt es, als natürlich erscheinen, daß auch Suntschuanfang Anschluß an Tschangsolin sucht. Nach den letzten Nachrichten hat er sich bereit erklärt, die Truppen des Marschalls aus der im Norden benachbarten Provinz Schantung auf sein Gebiet übertreten zu lassen. Noch zwei andere Bundesgenossen des Marschalls sind zu erwähnen. Der eine von ihnen, ein alter Gegner der Kanton- regierung, der Gmwerneur der an der südwestlichen Grenze Chinas liegenden Provinz Iünan, General T s ch a n g- k i j a o. hat bereits früher ein Bündnis mit dem Marschost geschlossen: er bedroht das Hinterland der Kantonregierung. stellt jedoch keine ernste Gefahr für sie dar. Wichtiger ist der andere Bundesgenosse, Goneral I e n l i f ch a n, der Gouve� neur der Provinz Schanfi, die mit der Tschangsolin unter- stehenden Provinz Tschili im Westen benachbart ist General Jen, der seine Provinz bereits feit der chinesischen Revolution von 1911 inne hat, hat sich während der ganzen Jahre im chinesischen Kampfe neutral gehalten. Aber der im Frühling 1926 erfolgte Einfall des Generals Feng in sein Gebiet bewog auch ihn, sich an Tschangsolin an-uschließen. Die Gruppe um Tschangsolin verfügt also über acht Provinzen nebst der Mandschurei, über ein Gesamtgebiet mit 249 Millionen Menschen. Diese Provinzen sind mitcin«' ander durch Eisenbahnen verbunden. Namentlich in der Mandschurei sind ihre industriellen Reservekräfte nicht un- entwickest. Die gegnerische, sich militärisch und politisch um Kanton gruppierende Koalition besteht aus folgenden militärischen Kräften: Im Norden, und zwar in der Mongolei sowie in einem beträchtlichen Teil der Provinz Schanfi stehen die Kräfte des Generals Fengjusiang. Diese Gegenden sind menschenarm.(Die Gefamtbevölkerung wird nicht über zehn Millionen betragen.) Für größere Truppenbewegungen sind sie ein ungünstiges Gelände. Dennoch ist die Mongolei für Feng eine Operationsbasis von großem Werte, da er dadurch eine ständige Verbindung mit der Sowjetunion hat, die ihn mit Waffen beliefert. Anderseits hat Feng keine unmittelbare Fühlung mit seinem Bundesgenossen, der Kantonregierung. Diese beherrscht heute fünf Provinzen: Kuangtong mit der Hauptstadt Kanton. Kuangsi, Chunan, die Wupeifu ent- rissen wurden, sowie Kiongsi und Fukien, die dem General Suntschunfang neuerdings fast ganz abgenommen wurden. Die Gesamtbevölkerung dieser fünf Provinzen zählt etwa 115 Mil- lioncn Menschen. Außerdem hat sich aber in allerletzter Zeit an Kanton auch der General Iangsen, der Gouverneur der westlichsten Provini Chinas Setschuan mit einer Bevölkerung von 60 Millionen Menschen angeschlossen. Die„Roten" haben also fast das ganze Gebiet südlich vom Jangtseflusse inne. mit dem großen Hafen von Kanton, dem mittleren Lauf des genannten Flusses und neuerdings auch mit dem großen Industriezentrum H a n k a u(Wutschang) insgesamt sechs Provinzen mit einer Gesamtbevölkerung von 175 Millionen Menschen. In eine? Beziehung ist Tschangsolin der Kontonregie- nrnk überlegen: in der Waffenlteferung. Während. Feng auf Aie lang« Verbindung mit de? Sowjetunion angewiesen fft. während Kanton seine Waffen offenbar nur aus geh'imem Wege durch russisch« Schiff« aus Wladiwostok bezieht, befinde« sich Tschangsolm in dex vorteilhaften Nachbarschaft Japans. Demgegenüber besitzt die Kanwngruppe eine große moralische Waffe, die zugleich auch eine militärische ist: sie ist von einem unbeugsamen Sturm und Drang beseelt. Und sie wird ein- heitlicher und aktiver geführt als die Armeen der Generale. In der Konzentration der Kräfte auf beiden Seiten tritt in immer steigendem Maße die Einheit Chinas als das Grundproblem des Kampfes hervor. Borodin, der Sowjet- gesandte in Kanton, hat es in seiner jüngsten Rede offen aus- gesprochen: ebenso hat auf der anderen Seite Tschangsolm fast gleichzeitig in dem Interview put dem Pekinger Vertreter der Zu den Ereignissen in China. „Daily Mail" als sein Ziel die Wiedervereinigung Chinas auf der Gnindlage einer starken Regierung bezeichnet. In dieser Hauptfrage, der'chinesischen Einheit, wird sich auch das Schick- sal des englischen Memorandums erfüllen, soweit es sich in China entscheidet. England hat die Unbezwinglich- keit des Südens eingesehen, deshalb ist es bereit, sowohl mit dem Norden als mit dem Süden zu paktieren. Auch Hand- greifliche materielle Interessen führen dazu: liegen doch die Hauptreichtümer' Englands im Süden— Hongkong— und im Mittelgcbiet— Shanghai—. Allein diese politische Friedfertigkeit nach zwei Seiten e.rweckt das Mißtrauen Kantons: denn sie bedeutet eben auch ein Pqttieren mit Tfchangfolin. Japans chinesische Interessen sind territorial den britischen entgegengesetzt: seine liegen im Norden und vor ollem gerade in Tschangsolins Hauptgebiet, der Mandschurei. Hier gehören den Japanern 20 000 Quadratkilometer Landes und sind an zwei Milliarden Jen in der siid mandschurischen Eisenbahn angelegt. So stehen hinter den beiden großen chinesischen Gegenspielern die zwei Weltmächte England und Japan, einst gegen Rußland ostasiatische Bundesgenossen, jetzt Rivalen in dem Ringen um die Herrschaft über China. In Litauen hat die in der Regierung vertretene Bauernpartei die Heranziehung der„Vottssuzialisten" zur Regierung angeregt. Verhandlungen darüber schweben.— Im Memellond wurde der deutsch-evangelische Pastor Weihrauch von einem Begräbnis weg verhaftet und weggeschleppt. Die 6 Mann starke kommunistische Ge- ineindesroktion von Kowno sitzt in der Festung, weil sie gegen die Erschießung der vier Kommunisten protestiert hat? villeöieu. wFriedensgreuel" des Großen Generalstabs in Zrankreich. Bon Hermann Schützinger. Seit Mitte Dezember läuft im„Imparti»! lrangais", dieser mutigen Zeitung des antimilitaristischen Frankreich, die durch Jean de Pierreseu, den„Drachentoter" der französischen Generalität, eine ganz eigene Note erhalten hat, ein Film. Ein Film in schlaglichtartigen Fortsetzungen unter dem Titel:„Ein französisches Dorf wird tzusammenkanonicrt durch den Großen Generalstab der Zlrmee." Prolog: Ein liebliches Dorf in der Franche-Comte namens Villedieu, im Departement Doubs. Der Morgentau liegt auf den Blättern und Blüten, und der sanfte Morgenwind säuselt durch die Scheunen des idyllischen Dörfchens wie ein Pastorale von Grieq. Ein Dorf wie olle anderen Dörfer auch, klein und behäbig, mit Kirche, Schule, Mairie und Friedhof, mit braven, fleißigen und be- scheidenen Bewohnern, ein Dorf ohne Skrupel, ohne Besonderheiten und ohne Geschichte, bis-- ja bis-- Erster Akt: Bis 1914! Das Datum bedeutet pichts Gutes. Hat aber mit dem Krieg nichts zu tun. Eines Sonntags, als die friedlichen Bauern, von Sorgen unbeschwert, die Kirche verlassen. steht blaurot angestrichen, der Feind vor den Toren, die Militär- Verwaltung, die Generalität, und verlangt die„Expropriation" von Villedieu zugunsten des Artillerieschießplatzes von Valdahon. Die Gemeinde protestiert. Erstens protestieren die Bauern immer, wenn man etwas Ungewohntes von ihnen verlangt, zweitens protestieren sie diesmal aus Prinzip. Die Gemeinde hat seit Jahren einen be- sonderen Haß auf die benachbarte Artillerie wegen der Granat- splitter, die unentwegt über die Geschoßfänge flitzen und wegen der Jungfrauen, die der Troß der heUigen Barbara alle Jahre verführt. Zweiter Akt: Billedieu protestiert. Es gibt Krieg, es gibt Frieden, es gibt Invasion, Inflation, Deflation. Reparation, Genf, Cannes, Locarno, Thoiry-- tut nichts. Das Militär will sich den fetten Bissen mit dem schönen Namen nicht entreißen lassen: es will die zwanzig Häuser dem Erdboden gleichmachen. Villedieu aber protestiert und protestiert bis auf den heutigen Tag. Dritter Akt: Der Handel geht los!„Achtung, ein Dorf zu verkaufen? Komplette Garnitur! Prima Schule! Erstklassiges Bad! Vorzügliche Kirche! Ein Friedhof mtt allen Schikanen! Alles in allem 225000 Frank!" Villedieu aber protestiert.„350 000 Frank!" Villedieu protestiert durch alle Instanzen hindurch, ruft Gott und die Well um Hilfe an! Vierter Akt: Der„Jmpartial" springt durch einen Sonder- kvrrespandenten dem bedrohten Villedieu bei:„Wer ist schuldig für den Skandal von Villedieu? Wer wirst dem Gcncralstab mitten im Frieden ein Dorf zun: Fraß vor? Die Deutschen werden ihre Photo- graphen und ihre Reporter schicken und sagen:„Seht! Ihr redet immer noch von den„deutschen Grausamketten" im großen Krieg! Schlechte Zeeunüe. Ein deutschnationaler Bärendienst an der Reichswehr. In der„Deutschen Tageszeitung" rüft ein Ungenannter zum Kampfe gegen die Reform des Mannschaftsersatzes und der inneren Struktur der Reichswehr. Er bezeichnet die Reform als„die zweite Welle". Die zweite Welle? Jawohl, die erfte Welle war die Novemberrevolution. Sie richtete sich gegen die monarchi- stische Form des Staates. Gegen wen kann sich aber in der Republik die zweite Welle richten? Der Anonymus der „Deutschen Tageszeitung" schreibt: „Die zweite Welle des Generalangriffs gegen den letzten Rest st a a t l i ch e r Form ist im Gange." Die deutsche Republik, gegründet auf der Verfassung von Weimar, hat stattliche staatliche Form— und die Reichswehr ist davon nur ein kleiner Teil. Warum letzter Rest? Ist denn alle staatliche Form zusammengebrochen? Der Ano- nynms meint es anders: er sieht in der Reichswehr den l e tz t e n R e st staatlicher For?n desaltenkaiserlichen Staates. Das ist' das schlechteste Zeugnis, das man der Reichswehr der Republik ausstellen kann— es ist zugleich bester Beweis für die Notwendigkeit der geforderten Reform der Reichswehr. Ein anonymer Freund der Reichswehr, der in der „Deutschen Tageszeitung" dies Geständnis ablegt, aber ein schlechter Freund.__ Sckaüigung der Justiz. Die Beschäftigung unwürdiger Richter. Das Disziplinarverfahren gegen richterlich« Beamte ist«in Geheimverfahren. Es findet unter völligem Aus- Muß der Oeffentlichkeit statt. Mitunter wäre man seboch wirklich neugierig zu erfahren, in welcher Art«in solches Verfahren voran- schreitet, wenn der harte Ausdruck voranschreiten hier überhaupt an- gebracht ist. Da sst beispielsweise der Fall des Amtsgerichtsrais Be inert in Wernigerode. Er hat im Jahr« 1924 In einer Druckschrist die Minister der Republik als bestochen« und käuflich« Subjekte be- zeichnet, den ermordeten Erzberger den größten Halunken der Welt- geschichte genannt. Denkbar einfach der Fall: die Druckschrift liegt vor, Herr Beinert bestreitet auch gar nicht. Dennoch dauerte«s bis zum November 192 6, bis sich der Groß« Difziplinarfenat beim Kammergericht dazu aufrafft, gegen Herrn Beinert auf die entsetzliche Strafe— der Strafversetzung zu erkennen. Ob Herr Beinert übrigens wirklich ftrafoerfetzt sst, entzieht stch unserer Kenntnis. Noch unstrer Information zerbricht man sich feit Wochen im Justizministerium die Köpfe darüber, wohin man einen Amts- richter von Wernigerode aus strafversetzen könne. Aber immerhin: wenn«in relativ so einfacher Fall voll« zwei Jahr« zu seiner Erledigung braucht, dann wird man wohl mit der Annahme nickst fehl gehen, daß das Dffzipllnarverfahren gegen den Assessor Kußmann frühesten in zehn Iahren, das gegen Untersuchungsrichter Kölling allerfrüheftens in 25 Iahren abge- schlössen fein wird und— so argumentiert das Justizministerium— man kann doch die armen Leute während dieser Zett nicht ver- hungern lassen. Deshalb wird Herr Assessor Kußmann mit Auf- wertungssachen, Herr Kölling bei einer Zivilkammer beschäftigt. Gegen den Landgerichtsdirektor H o f fmann-Magdeburg ist aller- dings das Unglaublich« zur Taffache geworden: ihn hat der Dffzipli- narhvs bis zur Erledigung des Verfahrens vom Amt« suspen- diert.• Es liegt gewiß nicht viel daran, ob die Herren KölLng, Kußmann und nicht zu vergessen Bewersdorff aus Magdeburg während einiger Monate oder Jahre anstatt ArbeitslofenunterstüMiug Gehoü beziehen. Aber die Sache hat eine ander«, sehr viel ernstere Seit«: So lange Leute wie Bewersdorff, Kölling und Kußmann beschäftigt werden, haben st« gegenüber dem Recht suchenden Publikum die Autorität und das Ansehen der Rechtspflege zu vertreten. Nun weiß aber die gesamt« Oeffentlichkeit um die Taten dieser Herren Bescheid. Hat Geht nach Villedieu! Betrachtet euch die„französischen Grausam- ketten", den französischen„Militarismus" mitten im Frieden in Rein- kultur!" Ich klage an!— Ich klage an!— Ich klage an!" Fünfter Akt: Das Häuflein von Villedieu wird auf- geputscht:„Ihr dürft nicht wanken und weichen! Laßt sie mit ihren Kanonen schießen, wo sie wollen, nur nicht in Villedieu!" Da setzt sich der Gencralstab zur Wehr:„Die Gemeinde Villedieu denkt nicht daran, sich einer Eoakuation zu widersetzen, mtt Ausnahme zweier Greise im Alter von 75 Jahren, die des Friedhofs wegen den Ort nicht verlassen wollen. Der Friedhof wird jedoch verlegt!" Sechster Akt: Das war dos richtige Stichwort für den ,Impartial"I Der Friedhof, der Friedhof! Die Leute wollen auf ihrer Scholle sterben! Ihr aber schmeißt sie zum Dorf hinaus? Was ist denn nun mtt eurem Gebrüll von Jpern und von Verdun? Seid ihr etwa besser wie„le lcrcrnpnnr" et le„baron von Kluck"? Der Friedhof verlegt? Was soll das heißen:„Verlegt"? Hat ein fran- zössscher Bürger die Pflicht, sich„ausbuddeln" zu lassen, wenn der Generalstab für sein Metier einen neuen Acker braucht?" Siebenter Akt: Der Maire Barbier wird alarmiert: „Sie, mein Herr, kennen Sie Ihre Gesetze nicht? Das„Enteignungs"-, das„Gemcindc-Verschmelzungsgesctz"? Der Pfarrer:„Geben Sie Ihre Kirche nicht her, Herr Abbe Huot, kein Mensch kann Sie herausschmeißen, solange sie noch„gewecht" ist! Kennen Sie nicht das„Kirchenrecht". Und die„Friedhofsordnung"? Lassen Sie Ihre Toten nicht im Stich!" Schluß: Der Abschluß des Films ist noch nicht da. Er flimmert immer noch vom.In,partiol" über die ganze Linkspresse hinweg und ganz Frankreich lacht über den Maire von Villedieu und den Lagerkommandanten von Valdahon. Ob Herr Geßler wohl soviel Spaß verstünde wie Mr. Painlevä? Ich glaube nicht. Ein Schreiben an den Oberreichsänwatt und der Spuk wäre aus. Uebrigens— hat man jemals von einem deutschen„Villedieu" nur einen Muckser gehört? Das„Experimenkierlheater" der Volksbühne. Die in unserer Nr. 6 gemachten Mitteilungen über geplante„Experimentier"- Matineen der Volksbühne geben, wie uns vom Generalsekretariat der Volksbühne E. D. mitgeteilt wird, kein ganz richtiges Bild. Es ist weder beschlossen morden, daß regelmäßig etwa alle 6 Wochen Aufführungen stattsinden sollen, noch wurde bisher Piscator mit einer Regieaufgobe betraut. Der Beschluß der lettenden Körper. schasten des Vereins besagt lediglich, daß, wenn stch ein dafür ge- eignetes Stück finden sollte, die Möglichkeit einer Versuchsaufsührüng in einer Matinee geschossen werden soll. Bisher wurde indessen noch kein Stück sür eine Aufführung ausgewählt. verbal der Laulsprecherretlame iu Paris. Der Polizeipräsekt von Paris hat gleichzeitig mit der vom Handelsministerium ange- crdneten Neuregelung des sranzösischen Rundsunkwesens eine An- ordnung erlassen, durch die die Verwendung von Lautsprechern aus den Straßen zu Reklamezwecken oerboten wird. Er hat damit einer Gewohnheit Einhakt getan, die in letzter Zeit immer mehr um sich sich Herr Kußmann doch selber vor der brettesten Oeffenttichkeit feine? Kunstfertigkeit im Heucheln und Lügen gerühmt! Da fragen wir: Welchen Eindruck muß der Staatsbürger von einer Justiz bekommen. die ihm. personifiziert durch einen vewersdorsf. üußmanu oder kölling, gegenübertritt! Wie soll das Publikum noch das hohe Amt des Richters respektieren, wenn es von Rlännern ausgeübt wird, die sich notorisch dieses Amtes als unwürdig erwiesen haben? Was sogt das preußische Justizministerium dazu? Die„Restprnikte� Pcssinrisnrus in Paris. pari«. 7. Januar.(Eigener Drahrberichi.) Der Ankunft des Generals v. Pawels, der am Sonntag zur Regelung der noch ausstehenden Entwasfnungspunkte hier eintreffen wird, sieht man in der hiesigen Presse mit wenig Optimismus entgegen. Die Blätter äußern die Befürchtung, daß allen aus Berlin vorliegenden Nachrichten zufolge der General keine für die Botschafterkonferenz annehmbaren Vorschläge der draschen Regierung mitbringen werde. Mcm hat bereits aus der Tatsache, daß die Reise mehrfach hinaus- geschoben wurde, geschlossen, daß Deuffchland kein Interesse an der schnellen Liquidierung der noch ungelösten Entwaffnungs- fragen habe, da ihm in Graf im voraus die Versicherung gc- geben worden sei, daß die Kontrollkommission am 3L Januar 1927 abberufen würde. Infolgedessen wird in Linkskreisen ebensalls be- fürchtet, daß die Verhandlungen der nächsten Woche das Problem keinerlei Lösung entgegenführen. Ein« solche Verschleppung würde, so wird in parlamentarischen Kressen der Linken betont, angesichts des Zusammentritts der Kammer und der von Vriand geäußerten Forderung noch klarer Stellungnahme der Parteien zu feiner Locarnopolttik äußerst ungünstig wirken. Eine AuSlegungsnote in Berlin überreicht. Die Reichsregierung ist inzwischen m den Besitz einer neuen Entwaffnungsnote der Boffchaftertonferenz gelangt, die sich nach unseren Informationen an zuständiger Stelle jedoch nicht mit neuen Vorschlagen über die restlichen Entwaffmmgssragen an sich. sondern mit der Auslegung des§ 180 des Verfailler Vertrags befaßt. Es handelt sich hier um die nach dem Friedensvertrag statthaften Festungen, die nach Ansicht der deutschen Behörden ohne Verstoß gegen den Vertrag modernisiert werden können. während die Bosschasterkonferenz bisher die Auffassung vertrat, daß eine Modernisierung nicht in Frage kommt, sondern die Festungen in Ihrem allen Zustande zu belassen sind. Die �eitfreiwilligenfrage. Eine Verordnung des Reichspräsidenten bevorstehend' Der Demokratische Zeitungsdienst meldet: Wie verlautet, wird die angeküntngte Verordnung über die Z e: t f r e i w i l l i g e n° frage in der nächsten Zeit als eine Verordnung des Reichs- Präsidenten erlassen werden. Damit sind die Verhandlungen über die Zettsreiwilligenfrage, die zwischen der deutschen Regierung und der Interalliierten Milltär-Knntrollkommissiou gepflogen wurden, auch formell zum Abschluß gebracht. Bei den gegenwärtig geführten Verhandlungen spielt die Frage der Zeitfreiwilligen keine Rolle mehr._ Der Termin der Reichs tagseivberufung. Die kommunistisch« Reichstagsftaktlon hat beim Reichstagspräsidenten Lobe die so- fortige Einberufung des Reichstags beantragt. Präsident Löbe lehnte diesen Antrag ab,„da die ganz überwiegend« Mehrheit d« Fraktwnen sich zurzett von Reichs togsverhandlunaen ohne eine verantwortliche Regierung keinen Nutzen verspricht". 2ünh die Anregung, sofort eine Aeltestenrcktssitzuntz einzu- berufen, wurde vom Präsidenten abgelehnt. Das ArbettSlofcngcseß. Die Regierungsvorlage zum Arbeitslosenverjicherungsgesetz ist nunmehr dem Reichstag zugegangen und zu gleicher Zeit im„Reichsarbeitsvlatt" veröffentlicht worden. Der Hamburger Senat hat für das Jahr 1927 den Bürgermeister Dr. Petersen zum 1. und den Bürgermeister Dr. Schramm zum 2. Bürgermeister wiedergewählt. griff. Auf den Boulevards wurden die Spaziergänger aus den Cafes, Tanzlokalsn und Auktionshäusern durch Grammophone mit enormen Lautsprechern eingeladen, näher zu treten; Reklomeautos durchfuhren vielfach die Stadt und verkündetm unter Verwendung von Megaphonen den Ruhm irgendeines Handelsartikels. Diese Entwicklung zur akustsschen Reklame wird jetzt aufgehoben. Arbeitsgemeinschaft zwischen Thealer und Akademie in Düsseldorf. Der Intendaitt der Düsseldorfer städtischen Theater hat mit dem Letter der dorttgen staatlichen Kunstakademie ein« Arbeits- gemeinschaft vereinbart, nach der Schüler der Bühnenkunstklass« der Akademie zu praktischen Aufgaben im Arbeitsbereich der städtischen Theater herangezogen werden. Sie sollen Gelegenheit haben, im Laufe einer Spielzeit mindestens drei Inszenierungen in bühnen- bildnerischer Hinsicht ganz durchzuführen. Ein deutscher Lyrikerpreis. Von einem bekannten Krmftmäzen fft dieser Tage ein deutscher Lyrikerpreis gestiftet worden, der zähl- lich einmal vergeben werden soll. Dem Kuratorium der Sttstung gehören eine Anzahl bekannter Lyriker, vor allem der� jüngeren Generation an, wie Gottfried Venn, Ernst Blaß, Max Herrmann- Neiße, Armin T. Wegner und Alfred Wolfenstein sowie einige literarische Publizisten. Die Einzelheiten der Ausschreibung werden in den nächsten Togen bekanntgegeben werden. Kunstseide aus Reisschalen. Eine amerikanische Kunstjeidefabrik hat neuerdings die Herstellung von Kunstseide aus Reisschalen in Angriff genommen, nachdem die Versuche ergeben hatten, daß aus diesen Scholen, die bisher als wertloser Abfall behandelt wurden, eine gut spinnbare Zellulose gewonnen werden kann. Zur Sicherung der Fabrikation wurde bereits ein Kontrakt über den gesamten Pro- duktionsansall der Lake Charles Rice Milling Company, einer der größten Reismühlen der Welt, abgeschlossen. Gummianbau in Rußland. Der russische Gummttrust hat die im Botanischen Garten in Suchum in der Krim vorhandenen Gummibaumpflanzungen näher untersuchen lassen und dabei fest- gestellt, daß die Baume sich vollkommen akklimatisiert haben und in größerem Umfange angepflanzt werden können. Das aus den Blättern durch Extraktion gewonnene Guttapercha fft für die Gummi- fabritation verwendbar. Der Gummitrust beabsichtigt jetzt mit Hilfe des Allrussischen Instituts für angewandte Botanik größere Verjuchspflanzungen zu schaffen, um künftig einheimisches Material für die russische Gummünduftrie zu gewinnen. Clara vi«big Hell au? Einladung der VollZbüSne e. 2. am Montag. den tO., abends 8 llbr, im Büroeriaal des Rathauses(Emgang Zlönigstiaße) aus ihren Werte» vor. Einkafi karten SO Pf Der Zunge Srei» gibt seine» ziveiten Autorenabend am lt., 8'/, ULr im Sturm, Potsdamer Str. 131�. Es lesen: Erwin Dorow, Willi R. Fehse und Günther Franzkc. Albert Hlrte spricht einleitende Worte. Karte« zu 2 M. an der Abendkasse. Dr. Otto Ehrhardt vorn LandeSiheater in Stuttgart ist von Beginn der nächsten Spielzctt an als Oberreglffcur o» die Dresdener Oper berufen worden. Die erste deutsche Tagung für Prlvatmusikua'errich». die vom Zentral- institut sür Erziehung und Unterricht in Berlin, den vereinigten nuffik. pädagogischen Verbänden und der Stadt Dortmund veranstaltet wird, soll vom Lt. bis zum 24. Aprll tu Dortmund stattfinde». Sie Reichsregierung erklärt: Es ist tmr ein Uebergang, wenn Milliarden ohne Reichstagsbeschlutz verausgabt werden. Zu unserem Aufsatz..Ein Reichsriesensüandai" wird amtlich folgende Darstellung verbreitet: Zu den in der Presse erhobenen Vorwürfen wegen der in der Reichshouzhaltsrechnung für 1S24 nachgewiesenen über- und außerplanmäßigen Ausgabe» wird fol- gendes bemerkt: Der Reichshaushaltsplan für 1924 ist zu einer Zeit aufgestellt worden, als der Uebergang von der Inflation zur festen Währung gerade vollzogen war. Dieser erste nach der Änfla- iion aufgestellte Goldmarketat tonnte daher zunächst nur«in ta st ander Versuch sein, die Einnahmen und Ausgaben des Reichs in fester Währung einigermaßen richtig zu schätzen. Es kam hinzu, daß auch noch während der Beratung des Etats die Preisbildung fortgesetzten Schwankungen unterlag, und in Verbindung hiermst mehrfach Besoldungs- und Lohnerhöhungen vorgenommen werden mußten. Alle diese Dinge, in Verbindung mit der damaligen polstischen Situation, haben dazu geführt, daß der chaushalt für dos am I. April 1924 begonnene Rechnungsjahr 1924 erst im August 1923, also lange Zeit nach Ablauf des Rechnungsjahres, ver- abschiedet werden tonnte. In der Zwischenzeit war die Reichsregierung gesetzlich ermäch- tigt, die zur Aufrechterhalwng der Reichsverwaltung oder zur Er« füllung der Zlufgaben und der rechtlichen Verpflichtungen des Reiches notwendigen Ausgaben zu leisten. Daß die Reichsregierung von dieser Ermächtigung nur in den unbedingt notwendigen Aus- maßen Gebrauch gemacht hat. ergibt sich aus der der Rechnung bei- gegebenen Begründung der überplanmäßigen Aus» gaben. Von der Gesamtsumme der Etatsüberfchreitungen des ordentlichen und außerordentlichen Haushalts der allgemeinen Reichsvcrwaltung in Höhe von 1,3 Milliarden Mark entfallen über 1 Milliarde Mark auf die Steuerüberweisungen an die Länder, die sich zwangsläufig aus der Höhe des Steueraufkommens ergaben. Weitere größere Posten bilden die Verpflichtungen des Reiches aus der Liquidierung der Rentenbant flü Millionen), die Verpflichtungen des Reiches an die Reichsbank aus der Inflationszeit(14 Millio- nen), der Rückkauf der Goldschatzanweisungen(191 Millionen) sowie ferner der Mehrbedarf für die im Laufe des Rechnungsjahres 1924 eingetretenen Besoldungs« und Lohnerhöhungen im schätzungsweisen Betrage von etwa 259 Millionen Mark. Der dann bei der all- gemeinen Reichsverwallung noch an Etatsiiberschreitungen verblei« bende Rest verteilt sich aus eine große Menge von Einzelposten. von denen der weitaus größte Teil wiederum zwangsläufig war, insbesondere durch Steigerung der Preise. Die Ueberschreitungen des Kriegslastenhaushalts beruhen fast ausschließlich auf den be» kannten Zahlungen für Reparationssachleistungen, über die in einem besonderen Ausschuß des Reichstages verhandelt worden ist. Aufgabe des Rechnungsausschusses des Reichs« tages wird es sein, die Ueberschreitungen im einzelnen nachzuprüfen. Dabei wird sich ergeben, daß der Vorwurf einer fahrlässigen oder gesetzwidrigen Verwendung von Reichsgeldern der Begründung entbehrt. Die Antwort der Reichsregierung hat weniger lange auf sich warten lassen als die Haushaltsrechnung für 1S24— aber sie zeichnet sich nicht durch Gründlichkeit aus. Es waren in dem von uns abgedruckten Aufsatz neben den allgemeinen An- gaben detail lierteAngoben über die E t a t s ü b e r- schreitungen der Reichswehr gemacht worden. Die amtliche Darstellung vermeidet es, darauf einzugehen. Der Aufsatz hat auf die den Reichstag beleidigenden und ganz ungehörigen Begründungen verwiesen, die das Reichs- wehrmini st erium gewissen Etatsüberschreitungen bei- gegeben hat. Auch darüber Schweigen. Es ist ferner getadelt worden, daß im Jahre 1927 erst die Rechnung für 1924 vorliegt— auch darüber kein Wort. Die Prüfung im Rechnungsausschuß wird beweisen, ob ein Grund für die Bureaukratie besteht, chre Haltung gegenüber dem Budgetrecht des Reichstags von vorn- herein mit lauter Stimme als korrekt zu bezeichnen. Tagung der Internationale. Am 12. Februar tu Paris. Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale wird am 12. Februar 1927 in Paris zusammentreten. Auf der Tages- ordnung stehen vor allem weltpolitische Fragen, unter ihnen be- sonders die Rüftungs« und Abrüstungsfragen. Di« Exekutive wird sich auch mit dem Kampf um den Achtstundentag zu be- fchostigen haben und die nächsten Schritte für die Ratifikation der Korwention von Washington festzustellen haben. Außerdem werden eine Reche von politischen Fragen, die einzelne Länder be- treffen, sowie organisatorische Fragen zu behandeln sein, wie Schaffung eines internationalen Frauenkomrtees. zu dem die Brüfleler Internationale Frauenkonferenz Stellung ge- nommcn Hai. Am Tage vorher berät das Bureau der SAJ. die technische und admimstralioe Geschäftsführung. Genosse Stauning, der entsprechend den Statuten der SAI. bei der Uebernahme des Ministsriums in Dänemark feine Funktion als ExekutirnniigKed der TAI. niedergelegt hat, tritt nunmehr wieder in die Exekutive ein. Die Vertreter Dänemarks in der Exekutive sind also hinfort die Genossen Stauning und M a d s e n, während der Parteisekretär, Genosse Aising Andersen, als eventueller Stellvertreter bestimmt wurde. �tenöerungen in öer Crwerbslosenfürforge. Ei« wichtiger Termin für alle, die seit 1. Oktober mit ihre« Ansprüche« abgewiesen wurden. Die'Annahme von Arbeit ist nach der bisherigen Handhabung der Crwerbslosenfürsorgc langfristigen Erwerbslosen häufig zum Verhängnis geworden. Voraussetzung für den Unterstützungsbezug ist, daß in den letzten zwölf Monaten vor Eintritt des Unter- stützungsfalles eine mindestens dreimonatige tranken- versicherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt wurde. Wurde ein« langandauernde Arbeitslosigkeit durch Annahme einer kurzfristigen Arbeit, die also weniger wie drei Monate Krankenversicherungspflicht zur Folge hatte, unterbrochen. dann wurde der Erwerbslose bei Wied er ei Iii ritt der Arbeitslosigkeit mit seinen Ansprüchen abgewiesen, weil in den jetzt vorangehenden letzten zwölf Monaten keine dreimonatige trantenoersichcrungs- Pflichtige Befchöstigung mehr nach gewiesen werden konnte. Dadurch wurde der Arbeitslose für seine Arbeitswilligkeit bestraft. Hätte er keine Arbeit geleistet, wäre die Unterstützung weitergegangen. Durch den neuen Erlaß des Reichsarbeitsministers an die obersten Landesbehörden ist endlich dieser unhaltbare Zustand be- seitigt. Tritt im Bezug« der Erwerbslosenunterstützung jetzt eine Pause ein. Infolge einer Beschäftigung von weniger als drei Monaten, fo wird der bisherige Unlerstühnngssall nicht onier- brachen, sondern der Ablauf der höchstbezugssrist gehemmt. Das gleiche gill bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit durch Krank- heit. während der der Erwerbslose Krankengeld erhält. Ist die Beschäftigung oder die Krankheit beendet, so erhall der Erwerbs- lose die Erwerbslosenuntrrstützung ohne erneute Prüfung bis zu derjenigen Anzahl von Togen weiter, für die er sie ohne die Beschäftigung oder die Krankheit im Höchstfall noch bezogen hätte. Daraus ergibt sich, daß ein Erwerbsloser, der bei Beginn der Pause bereits mehr als acht Wochen unterstützt war und deshalb Anspruch auf die erhöhten Unterstützungssätze hatte, diesen Anspruch bei der Rückkehr in die Erwerbslosen- fürsnrge behält. Dagegen fällt die Wartezelt nur nach elller Beschäftigung von weuiger als sechs Wochen oder nach Krankheit von mindesten» einwöchiger Dauer fort. Die Regelung gill«ntsprechend für die K risenfü rso rg ä, Wird der Bezug der Krisenunterstützung durch«in« Be« schästigung unterbrochen, die die Anwartschast aus Erwerbslosen« smsarge begründet, so kehrt der Erwerbslose in die Erwerbs- losenfürsorge zurück. Diese Reuregelung gilt ab Z. Januar. Sie kann auch aus Fälle angewandt werde«, lu denen seil dem 1. Ok- lober 1926 der Antrag aus Medergewährung der Erwerbslosen- unlerstützung noch den bisherigen Bestimmungen abgelehnt worden ist. Ein entsprechender Antrag muß b i» Sonn- abend, den 29. Januar 1927. bei dem znstSndigen össenilichen Arbeitsnachweis gestellt werden. pensionierte Minister in Preußen. Eine Ucberstcht des Finanzministers. Der preußische Finanzminister hat den» Landtag auf Antrag der Wirtschoftspartei eine Uebersicht über die Zahl der p«ns,o. nierten Mini st er und hohen politischen Beamten in Preußen übcrnnttelt. Aus dieser Uebersicht ergibt sich das gleiche Bild wie im Reich. Dort beziehen die hohen Offiziere und ehemaligen kaiserlichen Beamten geradezu Unsummen an Pensionen, während hier allein für ein paar ehemalige königliche Minister jährlich 272 999 M. zur Verfügung gestellt werden. Der Betrag an Pensionen für die von der Republik Preußen pensionierten 69 P e r- sönlichkeiten höheren Ranges tritt demgegenüber in den Schatten. Im einzelnen befinden sich nach der Uebersicht des preußischen Finanzministers im einstweiligen Ruhestand: 3 Staatssekre- täre. 3 Ministerialdirektoren. 2 Oberpräsidenten. 8 Regierungspräsidenten. 18 Landräte, 12 Polizeipräsidenten und 2 Gesandte. Ins- gesamt Hondell es sich also um 59 politische Beamte, die in den LIahrendes Bestehens der Republik Preußen pensioniert worden sind. Für diese Pensionen werden 439 900 M. benötigt. Dazu lammen 173 909 M. für 6 Minister, die von der Republik Preußen pensioniert wurden; aber 272 999 M. sind jährlich nötig für Pensionen, die die Republik Preußen noch an ehemalig« königlich« Minister zu zahlen hat. Krantreich und die Locarno-politik. Beilegnngsversnche im Konflikt Briand-Poincnro. Parla. 7. Januar.(Eigener Drahtbericht.) In polittschen Kreisen verstärkt sich der Eindruck, daß energische Bemühungen im Gange sind, einen Zusammenstoß Briand-Poincare über die auswärtige Politik nach dem Wiederzusammentritt der Kammer zu vermeiden. Unter dem Hinweis, daß«ine Regierungskrise im gegen- wärtigen Augenblick das ganze noch sehr schwache Finanz- g e b ä u d e Frankreichs über den Haufen werfen könnte» sucht man auf der einen Seit« die Umgebung Briands zu bewegen, nicht auf der sofortigen Aussprache über die Locarnopolttik zu bestehen und auf der anderen Seite den Ministerpräsidenten zu veranlassen, sich zu einem für Briand annehmbaren Kompromiß hinsichtlich des Zeitpunktes der Diskussion über die Locarnopolttik bereitzu- erklären. Die Poincare nahestehende Press« läßt durchblicken, daß Poincare sein«„persönliche" Ansicht über die Locarnopolttik vorläufig zurückzustellen geneigt sei und deshalb ein offener Konflikt mit allen seinen politischen Folg«» zwischen ihm und Briand oermiede« werden könne. der Zlnch der bösen Tat... Der faschistische Staatsstreich in Litauen und' die Bolschewisten. Die neuen Herrscher Litauens haben eine Aera brutalster Verfolgungen aller politischen Gegner eingeleitet. Sozialdemo- kraten, Volkssozialisten, Deutsche und besonders die Kommunisten werden von der faschistischen Regierung drangsaliert. Am grausamsten wütet der Terror gegen die lttauischcn Kommunisten, wie ja überhaupt der Smetona-Putsch unter der Parole inszeniert wurde, daß die Linksrcgiervng Litauen.an Sowjet-Rußland verraten" hätte. Hun- derte von mehr oder minder führenden Kommunisten sind gleich nach dem Putsch verhaftet worden, zahlreiche Todesurteile wurden von Standgerichten in summarischem Verfahren gefällt und sogar in vier Fällen nach wenigen Stunden vollstreckt. Gegen diese barbarische Blutjustiz muß sich der entschiedene Protest der gesamten zivilisierten Welt richten. Es darf kein weiteres Todesurteil vollstreckt werden! Wenn schon die neuen Herrscher Litauens so gewissenlos sind, daß sie auf ethisch« Argumente nicht reagieren, so mögen sie-wenigstens darauf bedacht sein, daß gerade der litauische Staat wie kaum ein anderer in Europa auf den Beistand der öffent. lichen Meinung in Europa angewiesen ist, wenn er überhaupt leben will. Denn kaum ein Staat beruht auf so prekären geographischen und ethnographischen Grundlagen wie der lttauisch«, von den stra- tegischcn und politischen Gesichtspunkten gar nicht zu sprechen. Das hat sich am deutlichsten bei der gewaltsamen Besitzergreisung Wilnas durch Polen gezeigt. Eine Erfüllung seiner zum Teil berechtigten nationalen Bestrebungen kommt für Litauen erst recht nicht mehr in Frage, wenn die neue Regierung durch ihr barbarisches Vorgehen alle Sympathien der Welt— mit Ausnahme der Faschisten— sich verscherzt. Ganz abgesehen davon, daß es in höchstem Maße töricht ist, wenn Litauen es sich gerade mit Sowjet- Rußland verdirbt, das sich am stärksten für die litauischen Aspira- tionen auf Wilna engagiert hatte. Daß die Kommunisten aller Länder sich besonders laut über die Verfolgungen entrüsten, denen ihre dortigen Freunde ausgesetzt sind. ist menschlich verständlich. Daß sie bei dieser Gelegenheit auch Schmähungen gegen die Sozialdemokratie aussprechen, denen sie Sympathien mit der Regierung Smetona-Woldeinara» andichten, ist einfach blödsinnig, aber es entspricht durchaus den bolschewistischen Gepflogenheiten. Und wenn sie schließlich de» litauischen Staats- streich als einen britischen Schachzug in der angeblichen Ein- kreisungspolitik gegen Sowjet-Rußland bezeichnen, so sind das nichts als die üblichen Redensarten, für die jede Spur eines Beweises fehlt. Aber die„Rote Fahne" ist als deutsches Organ der Sowjet- Regierung dazu verpflichtet, jedes Ereignis in der Welt als Bestand- teil eines kommenden Krieges gegen Sowjet-Rußland hinzustellen. Wir erblicken in den traurigen Ereignissen in Litauen einen neuen Beweis für die verhängnisvollen Folgen des von den russtschen Bolschewisten im November 1917 gelieferten bösen Beispiels. Daran wird man gerade durch eine Karikatur erinnert, die kürzlich in den Moskauer.Iswestija" erschienen ist und von der Poriser„Humamte" rbgedruckt wird. Sie zeigt einen litauischen Offizier, der mtt vor- gehallenen Pistolen die Abgeordneten zwingt, die Hände hochzuhallen. Darüber die Ueberschrift:.Abstimmung durch Handaufheben". darunter die Bemerkung:.Parlamentarische Sitten in Lttauen, Polen und anderen demokratischen Staaten." Die.Iswestija" spotten ihrer selbst und wissen anscheinend nicht wie. Denn wer hat in der Neuzeit diese.parlamentarischen Sitten" eingeführt? Doch nur die B o l s ch e w i st e» selber, als sie die demokratisch gewählle verfassunggebende Nationalversammlung mtt Gewall davonjagten, well deren Zusammensetzung ihnen nicht paßte: die große Mehrhett bestand aus Sozialrevolutionären und Mensche- wisten, während die Bolschewisten selber nur über eine hoffnungslose Minderhett verfügten. Wer hat die grausame Verfolgung polttischer Gegner eingeführt. um als Minderheit die Macht zu behaupten, wer hat mit Massen- Verhaftungen, Erschießungen, Deportierungen operiert? Die Bolschc- wisten! Wer hat alle neuzeittichen Freiheiten— parlamentarische Volksvertretung, Vereinsrecht, Presiefreihett usw.— abgeschafft? Die Bolschewisten! Nun mögen die Kommunisten antworten, daß es sich bei ihnen uin die Diktatur des Proletariats handelt, während die Faschisten die Diktatur der Bourgeoisie errichten wollen. Doch ab- gesehen davon, daß sich die bolschewistische Diktaturgcwall am ärgsten gegen die anderen Arbeiterparteien von Anfang an gerichtet hat, so ist das leider nicht der springende Punkt. Bielmehr zeigt es sich, daß das bolschewistische Bei spiel die Faschisten Italiens. Ungarns und Lltauens zu ihrem Vorgehen angeregt hat. Als in Sowjet-Rußland der Beweis erbracht worden war, daß man unter gewissen Voraussetzungen mit einer kletnen bewaffneten Minderhett die Macht an sich reißen und behaupten kann, da haben die Diktaturaposteln von der anderen Seite den gleichen Plan gefaßt und zum Teil durchgeführt. Das ist der Fluch der bösen Tat. Mussolini hat sich mehr als einmal aus das russische Beispiel ausdrücklich berufen und die Wejensgleichhett des Bolsche« wismus und des Faschismus attestiert. Horthy, Primo und Smetona sind nur die Fortsctzcr der bolschewistischen Praxis. Was geht in tzankau vor! Ein optimistischer Bericht- Schanghai. 7. Januar.(Reuter.) Nach den letzten Nochrichten aus Hankau herrscht dort Ruhe. Der Hauptzugang von der Chinesen« stadt in die englische Äonzesiion bleibt geöffnet. Di« Konzession wird von chinesischer Polizei in Gemeinschaft.mit.ge,*., landete» englischen Mari'uetr Uppen bewacht. Die Gemäß i-gten in der nationalistischen Regierung bedape»»«o- sichtlich, daß Zwischenfälle, wie der vom 4. Januar, vorgekommen sind. Es muß sich aber noch erweisen, ob ihr Einfluß auch in Zukunft die Oberhand behalten wird. Wie verlautet, hat der Kommandant der Kantontruppen Ts ch i n a n g k a i s ch e k die Absicht, Weisung«r- gehen zu lassen, daß die Agitation«ingestellt wevden muß. Wie wetter aus Hankau gemeldet wird, haben die Engländer im Ein- Verständnis mit den Militärbehörden der Kantontruppen die Lei- tung der Angelegenheiten der Konzesiion wieder übernom- m«n. Di« chinesischen Truppen, mit Ausnahme der Militärpolizei, sind zurückgezogen worden. London, 7. Januar.(TU.) Zu den alarmierenden Berichten der legte» Zett über die Situation in Hankau legt man in Londoner amtlichen Kreisen Wert auf die Feststellung, daß die Lage in Hankau zu akuter Besorgnis keinen Anlaß gibt, wenn auch auf der anderen Seite gewisse Besorgnisse berech- tigt erscheinen. Es wird erklärt, daß nach direkten Meldungen aus Hankau alle fast täglich von Schanghai aus über die Ereignisie in Hankau verbreiteten Nachrichten gefärbt und übertrieben sind. Die amtlichen Berichte besagen, daß die Lage in den letzten zwei oder drei Tagen eine wesentliche Aenderung nicht erfahren habe. Im übrigen scheine die Situation überhaupt nicht so ernst zu sein, wie man in einigen Kreisen behauptet habe. Die künftige Haltung Großbritanniens werde davon abhängen, inwie- weit der Kanioneser Außenminister in der Lage sei» werde, sei« Versprechen für die Aufrechterhaltung der Ordnung und den Schutz der Fremden und deren Eigentum zu erfüllen. S o l l t e n die Ereig- nisse ihm über den Kopf wachsen, dann glaubt man, daß die unmittelbar verfügbaren Streitkräfte genügen würden, um die sichere Einschiffung aller in der britischen Konzesston wohnen- den großbritannischen Staatsangehörigen zu sichern. Der Kantoneser Außenminister habe gegenwärtig eine Art Probezeitzu bestehen. es werde von seinem Verhallen abhängen, ob und in welchem Maße mit den chinesischen Nationalisten weiter verhandelt werden könne. Der„Buddha der Reichtümer" als Schatten- Ministerpräsident. Paris. 7. Januar.(MTB.) Wie die Agentur Inda Pacisique aus Peking meldet, kündigt man in der Umgebung Tschangtso- lins an, daß L i a n g s ch c i. genannt.Der Buddha der Reichtümer", an Stelle von Wellington Koo nach dem chinesi- sehen Neujahrstage in dem neuen Ministerium Ministerprä- s i d e n t werben soll. Belgiens Bedenken gegen das englische Memorandum. Brüssel. 7. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die belgische Antwort auf das englische Ch i n a- M e m o ra n d u m ist am Frettag abgegangen. Von unterrichteter Sette erfährt der Vertreter des„Soz. Prcsiedienst". daß die Antwort nicht die restlose Zustimmung zu den englischen Vorschlägen enthält, wie man sie zunächst hätte erwarten können. Das nähere Studium des englischen Memorandums scheint gezeigt zu haben, daß die eng- lischen Zugeständnisse nichts von feine» Privilegien opfern und namentlich soll Kanton nichts erhalten, was es sich nicht schon selbst geholt hat, während man die Stellung der kantonfeindlichen Militärs stärkt. Die belgische Antwort ist grundsätzlich sehr sym- pathisch gehalten und erklärt die Zustimmung zu allen Zu- g e st ä n d n i s s e n, die man China machen will. Aber ste spricht sich gegen olle Dorschläge aus, dt« geeignet sind, die Segne- Kanton» in Nordchina zu stärken. Das flrbettsbMaffungsprogramm. DaS vernachlässigte Berlin. Eine Denkschrift über die Auswirkung des Arbeits- beschaffungsprogramms wird zurzeit im Reichs- arbeitsministerium ausgearbeitet und in Kürze dem Reichs- tag vorgelegt werden. Das Kapitel der Notstands- arbeiten wird in der Denkschrift besonders eingehend be» handelt. Augenblicklich setzen in einer Reihe preußischer Prooin- zen die neuen Straßen bauarbeiten ein, durch die vor allem Notstandsarbeiter Beschäftigung finden sollen. In der Rheinprovinz sind für den Straßenbau IS Millionen bereit- gestellt/ bei dem Ruhrsiedlungsoerband 3 Millionen, in Niederschlesien 5 Millionen, Provinz Sachsen 5 Millionen, Provinz Hesscn-Nassau 4 Millionen. Bon den Regierungs» Präsidenten sind bis jetzt für Notstandsarbeiten keine weite- ren Mittel mehr für den Rest des Etatsjahres angefordert worden. Das preußische Wirtschaftsprogramm, das im Anschluß an das Arbeitsbeschaffungsprogramm des Reiches und zum Teil zur Ergänzung dieses Programms auf- gestellt wurde, ist abgeschlossen. Es siegt im Augenblick dem Staa'sm'Nisterium vor. Hierzu möchten wir bemerken, daß die Zahl der Not- tandsarbeiter in Berlin äußerst gering ist. Berlin mit einen bald 300 000 Arbeitslosen müßte im Arbeitsbeschaf- ungsprogrämm ganz besonders berücksichtigt werden. Schieüsspruch für die Lausitzer Tuchmöuftrie Verschärfung des llonfltkts. Don der Schlichtungskammer ist zur Beilegung Les Lvhnstreits tn der Lausitzer Tuchindustrie ein neuer Schiedsspruch gefällt war. den, der inhaltlich dem alten entspricht, jedoch eine andere Laufzeit vorsieht. Nach dem alten Schiedsspruch sollte das Lohnabkommen nur bis zum 31. März 1927 laufen. Infolge der kurzen Lauffrist hat der Reichsarbeitsminister den Spruch nicht für verbindlich er- klärt. Der neue Schiedsspruch sieht nun eine Lausfrist vom 1. Ja- nuar bis zum 39. September vor. Die Arbeiter sind mit der langen Lauffrist nicht einverstanden. Es ist infolgedessen damit zu rechnen, daß schon in den nächsten Tagen im Kottbusser und Förster Bezirk von den Arbeitern Kün« d i g u n g e n erfolgen. Allem Anschein nach ist ein S t r e i k m der Lausiher Tuchindustrie u n v er m e i d l i ch. Die Stickerei arbeiter des Gubener Textllbe. zirks hatten eine Lohnerhöhung von IS Proz. gefordert. Der so- eben gefällte Schiedsspruch sieht nur ein« Erhöhung von 5 Proz. vor. Das neue Lohnabkommen sollte zum 31. Dezember 1927 Geltung haben. Die Stellungnahme der Tarifparteien ist noch nicht bekannt. Die Konferenz des Tertilaubeiterverbandes, in der für die Lohnbewegung in Baden und Württemberg ent- scheidende Beschlüsse gefaßt werden sollen, findet am Sonntag in Stuttgart statt. WeihnachtsbeihUfe and Notlogenunterstützang. Die Willkür der Lahuhofsvorsieher des RDV. Uns wird geschrieben; Der„Vorwärts" hat Stellung genommen zu dem Verhalten erver Anzahl Bahnhofsvorsteher, die die von der Direktion ver- fügten Anordnungen praktisch durchkreuzen. Der Hinweis hat auf den damals benannten Dienststellen allerhand Staub aufgewirbelt. Insbesondere deswegen, well der Nachweis erbracht wurde, daß die Weihnachtsbeihilse nichts mit den auszuschüttenden Geldern aus Titel 19 für notleidende Lohnempfänger zu tun hat. Charakteristisch aber ist. daß nun gegen die b e-a u f t r a g t e n Des chwerdeführer eine Hetze einsetzt, die typisch ist für Beamte rechtsgerichteter, der Republik feindlich gesonnener Reichs- hahnbeamten. Unterstütz' werden diese Beamten" bedauerlicherweise auch von Arbeitern, den Unorganisierten. Diese haben es verstanden, neben der Weihnachtsbeihilse, die ihnen die Tarifgewerk. schaften nach Mühe und Arbeiten oerschafften, ihre eigenen Klassen- genossen und Genossinnen auszuschalten. Die Reichsbahndircktion verfügt über derartig große Unter- ftützlmgsfummen aus Titel 19. daß sie möglichst schnell verausgabt werden sollen, zu dem Zweck, den Bedürftigsten der Bedürftigen aus der fest einem Jahr bestehenden Notlage zu helfen. Sie wird ober denen zugesprochen, die als Günstlinge und Zuträger dem einen oder anderen Dienfistellenoorsteher benannt werden. Ueberall dort, wo die Tarifgewerkfchaften und ihre Betriebsräte Einfluß hatten, sind derartig unsoziale Maßnahmen verhütet worden. Dort aber, wo die Unorganisierten und Radaulustigen ihr Domizil haben, wird'gegen die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen gehetzt, weil sie' das- selbe Recht haben, wie die Günstlinge. Fort mit allen Leistung?- und sonstigen Korruptionszulogen.' Die organisierte Eisenbahner- schaft oerlangt nichts anderes, als einen Lohn und ein Gehalt, mit dem sie aushalten kann. Löhne und preise der Schuhwaren. Die Schuhhändler wehre« sich. Da?«Berliner Tageblatt" veröffentlicht aus Kreisen des Schuh. Handels«inen bemerkenswerten Aufsatz, den wir kn seinen wesent- lichen Teilen um so lieber wiedergeben, well er nur eine Bestäti- gung dessen sst. was wir selbst geschrieben haben. Es heißt da: „Das Ergebnis der Jnventuronkündigungen dieses Jahres läßt deutlich erkennen, daß es noch immer große Posten billiger Schuh- waren zu kaufen gibt, ungeachtet aller Verbands- befchlllsse, die Preise zu erhöhen. Andererseits aber sollte die Taisache, daß der Handel sich immer mehr darauf konzen- triert, Schuhwaren ausschließlich in ganz bestimmten Preislagen zu bevorzugen. W» heute vom PubMum fast allgemein atzzepckert wer» den. ein« solchen Preiserhöhung(wie sie die Schuhfobrikanten mit ihrem Frankfurter Beschluß erwarten lassen) erheblich entgegen- stehen. Die Schuhindustrie kann von der Durchführbarkeit ihres Bs- schlusses kaum fest überzeugt sein, denn es steht außer allem Zweifel, daß die leistungsfähigen Schuhhandelsgeschäste ungeachtet der Preissteigerungsversuche der Fabritanten auch weiter- hin Schuhwaren zu den von ihnen vorgeschriebenen Preisen erhalten werden, wie dos die Vorgänge des letzten Jahres zur Genüge bewiesen haben. Im übrigen ist die Wirkung der Lohnerhöhungen auf die Preise wirklich nicht so groß, daß sie das Verlangen nach einer allgemeinen Preisrevision rechtfertigen könnte. Nach den eigenen Erklärungen des Fabrikontenoerbandes beträgt der reine Arbeitslohn für ein Paar schwarze Boxralfherrenftiesel im Preise von 15 M. 3,39 M., so daß also durch die neue Lohnerhöhung eine Mehr» belastung von rund 29 Pf. entstehen würde, die aber reich- l i ch durch die im letzten Jahre vorgenommenen Rationalisie- r u n g s- und Umstellungsmaßnahmen in den Fabriken eingeholt worden sein dürste Es scheint bei den deutschen Schuhfabriken oder richtiger bei der Verbandsleitung derselben noch immer nicht die nötige Einsicht vorhanden zu sein, daß Lohnerhöhunaen durchaus nicht gleichbedeutend mit Preiserhöhungen der Fabrikate sein müsien. Daß auch das Gegenteil richtig sein kann, beweist immer wieder das Beispiel der amerikanischen Schuhindustrie, die unter Be- rücksichtigung aller Umstände immer noch ganz wesentlich höhere Löhne als die deutsche Schuhindustrie zahlt. Wenn schon die deutsche Schuhindustrie eine Revision ihrer Preise vornimmt, dann sollte sie sich bei dieser Gelegenheit auch mit dem Problem besckiästigen, daß der wirklich gediegene Gebrauchs- schuh für Herren und Domen im Verhältnis zur Vorkriegszeit noch immer viel zu t e u e r' i st. Hier besteht ein so auf- fallendes Mißverhältnis zwischen den Preisen von einst und jetzt, daß eine Korrektur wesentlich dienlicher wäre als die in Aussicht genommene Revision der Preisnotierungen." Wir fügen hinzu, daß das Mißverhältnis nicht nur zwischen den Preisen der Vorkriegszest und denen von heut« besteht. Noch größer ist das Mißverhältnis zwischen den Löhnen und diesen Preisen, wie wir erst kürzlich nachgewiesen haben. Saperistber portikularismus. Cr wirkt sich gegen die Arbeiter anS. Ein schäbiges Gebaren hat sich das bayerische Finanzministerium gegemiber den Staatsarbeitern erlaubt. Als im Landtag vor Weihnachten über die einmalig« Rot- Zuwendung an die Beamten verhandell wurde, verlangten die Sozialdemokraten, daß auch die Staatsorbeiter aller Kategorien in den Genuß der einmaligen Beihllfe kommen sollen. Im Finanz» ausschuß wurde dann auch ein dahingehender sozialdemokratischer Antrag angenommen. Dieser Beschluß legte der Regierung zwar keine direkt« Bindung aus, da die Frage, ob die außerhalb des eigentlichen Staatsarbeitertarifs stehenden Staatsarbeiter die Zu- wendung erhalten sollen, nicht in die Zuständigkeit des Landtags fällt: aber die Regierung war mit dem sozialdemokratischen Antrag einverstanden. Trotzdem ist dank der Quertreibereien im Finanzministerium ein großer Teil der bayerischen Staats- orbeller tatsächlich bisher nicht in den Genuß der Not- Zuwendung gekommen, die in einem Wochenlohn bestehen soll. Den Arbeitern der staatlichen Berg-, Hütten- und Salinenbetriebe gab man nur einen Bruchtell, nämlich 6 Mark für den männlichen Ar- beiter üb« 18 Jahr« und 3 Mark für den unter 18 Jahre und für die Arbeiterinnen. Di« Arbeiter des Hofbräuchaufes erhielten nicht«inen roten Pfennig— trotz der skandalösen Erhöhung des .Bierpreises! Ebenso erhiellen nichts die Arbeiter der landwirt» schaftlichen Staatsgüter. Die sozialdemokratische Fraktion des Landtags wandte sich sofort nach diesen ministeriellen Unfug an den Ministerpräsidenten mit dem Berlangen. die nachträglich« vollständig« Durchführung des Landtagsbeschlusses zu veranlassen. Hoffentlich nützt es etwas! Der Konflikt in der Zkgarrenlnöuflrle. vor entscheidenden Beschlüssen. Eine Konferenz der Gauleiter und Beiratsmitglieder aus der Zigarrenindustris findet am 9. Januar in Bremen statt. Gemein- sam mit der Bnband.'leimng der Tabakarbeit« und ein« Vertretung des Verbandsausschusies werden Gauleiter und Beiratsmitglicder zu d« durch den letzten Schiedsspruch geschaffenen Situation Stellung nehmen. Durch den am 29. Dezember gefällten Schieds- spruch wurde bekanntlich bestimmt, daß die bisherigen Lohnsätze bestehen bleiben, jedoch bis spätestens 31. März neue Der- Handlungen zur Regelung d« Löhne stattstnden. Neben der Lohnsroge muß� auf der Konferenz auch erwogen werden, ob der Reichstarifoertrag zum 31. März gekündigt werden soll oder nicht. Auf alle Fälle wird die Konferenz wichtige Entscheidungen zu treffen haben. Allem Anschein stehen in der Zigarrenindustrie solgenschwere Auseinandersetzungen bevor. öerliner öuchörucker, seid auf dem Posten! Gegen die Spaltungsversuche der Kommunisten. Aus Buchdruckcrkreisen- wird uns geschrieben: Das in der Donnerstagabendausgabs des„Vorwärts" ver- öfsentlichte Rundschreiben der KPD.»Fraklion der Berliner Buch- drucker läßt endlich die Kommuni st en im richtigen Lichte erscheinen. Bieber hatten sie immer den Anschein zu erwecken versucht, als ob sie sich allein„rein gewerkschasllich" einstellen und von der Fraktionsarbcit fernhalten. Noch bei den letzten D e l e- giertenwahlen hatten die Kommunisten für ihre Redner in den Bezirken einheitlich die Parole ausgegeben, dafür einzutreten, daß nur auf die„gewerkschastliche Tüchtigkeit" bei den Delegierten Rücksicht genommen werden solle. Es war für uns selbstverständlich. daß damit nur der Zweck verfolgt wurde, schwankenden Kollegen hje Dahl konnmmksti scher Delegierter„mundgerecht" zu mwchen. Weil am da» rechtzeitig«kannten, haben die Kommunist«, nicht die Erfolg« gehabt, die sie noch ihrem eigenen Geständnis er» wo rieten. Die Kommunisten haben ab« nicht nur chre bisherige Fraktions- arbeit bei den Berliner Buchdruckern im allgemeinen fortgesetzt, sondern sie haben in letzter Zeit ihre Zerstörungsarbeit in ganz besonderem Maße in die Sparten oerlegt. Dort glauben sie gegenwärtig einen für chre Zwecke günstigeren Kampfbode-n gesunden zu haben. Darum ist es in den Sparten doppelte Pflicht aller Kollegen der Amsterdamer Ge.verkschasts- richtung, dem kommunistischen Treiben mit all« Entschiedenheit entgegenzutreten und den Gewerkschastsz«stör«n d i e MaskevomGesichtzureißen. Als besonders wichtig bezeichnen die Kommunisten in dem Rundschreiben die Handsetzerversammlung am 9. Januar und die Bezirksversammlungen am 16. und 17. Januar, weil dort zu den Tarisverhandlungen Stellung genommen wird. Diese vermehrte gewcrkschaftsfemdliche Tätigkeit zwingt alle Kollegen unserer Gewerkschastsrichtung dazu, ebenso auf dem Posten zu sein, damit die kommunistischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Jeder Kollege muß in der Tätigkeit für die Er- Haltung des Verbandes seine vornehmste Aufgabe sehen.� Dann wird jeder Einfluß der Ko.nmunisten auch in Zukunft oerhindert und am Ende des Jahres werden sie erneut feststellen müssen, daß sie in ihren Erwartungen noch mehr enttäuscht worden sind._ die �inheitstom5ö!e bei den Schanfpieieru. Eine Erklärung der Bähnel'geuossensÄiast. Die Bühnengenossenschaft veröffentlicht folgende Erklärung: In der gestrigen Ausgabe eincr Berliner Mittagszeitung ist die Abschrift.einer, angeblich von d«„Arbeitsgemeinschaft der erwerbs» losen Bühnenangehörigen Deutschlands" an den Reichskanzler ge- richteten Eingabe abgedruckt, in der einmal Beschwerde über die Reichsarbeitsverwaltung geführt und außerdem der Bühnenge- nossenschaft das Vertrauen ihr« erwerbslosen Mitglied« abge- sprockien wird. Der Inhalt dieser Eingabe ist voller Unrichtigkeit«, und Entstellungen. Die Bühncngenosscnschaft hat das Erwerbslosenproblem recht- zeitig mifgegrisfen und arbeitet ununterbrochen an dessen Lösung zusammen mit dem Vorstand ihrer Spitzenorganisation, dem „AfA-Bund". und in ständigem Einoernehmen mit den zuständigei« ' Behörden, insbesondere der Reichsarbeitsverwaltung. deren volles Vertrauen die Leitung der Bühnengenossenschoft besitzt. Die Bühnengenosstns6)ait mutz aus schwerwiegenden organisatorischen Gründen die Einleitung selbständig« Aktionen einzeln« Gruppe« von Bühnenmitglied«n zurückweisen, zumal, wenn bei der- artigen Bestrebungen offensichtlich auch partei-politifche Zwecke oerfolgt werden. Im übrigen hat der Führer der löge- nannten Arbeitsgemeinschaft, trotz wiederhost« dringlicher Au!- forderung d« Bühaengenossens6)ast, bis heute nicht den Nachweis zu erbringen versucht, daß seine Gesolgschast tatsächlich aus Berufe bühnenlünstlern besteht.__ Verhandlungen km Sän-stben Lohnstreit. so ovo Arbeiter warten auf Clltscheiduug. Sopenhage», 7. Januar.(M-b.) Die entscheidenden Verhandlungen über die Landesab k ommen für die Hauptorganisa- tionen haben begonnen. Von diesen Verhandlungen wird es ab- hängen, ob Dänemark im neuen Jahre Arbeitsfneden haben soll, oder ob das schon cm sich gelähmt« Erwerbsleben durch«inen schweren Großkonflikt erschüttert werden soll. Es handelt sich zunächst um etwa 99 999 Mann; wenn es jedoch zum Konflikt, z. B. in der Eisenindustrie kommt, werden auch die gelernten Leute in eine Arbeitsstilleg, mg hineingerissen werden. Dosselb« gilt natürlich für das Baufach in der Provinz, die Seeleute und andere Berufe. Man ist- äußerst gespannt, vre sich die VerbaMungen gestalten wcr-cn. Kommt es zum Konflikt, steht dem dänischen Volk« ein« schwere Zeit bevor, denn hinter dem Fragenkomplex über die Weiterarbeit d« noch arbeitenden Betriebe steht ein Heer von säst 109 999 Erwerbslosen. Die neue»«ncrikamischcn EinwattdcrttttgSqitnte«. Washington. 7. Januar.(MTB.) Ein Beschluß des Senats er- sucht den Präsidenten, das Staatsdepartement, das Handelsamt und das Arbeitsam, zur Vorlegung eines �Berichts über die neuen Ein- wanüerungsguoten zu veranlassen. Die neuen Quoten würden am l. Juli d. J. in Kraft treten, falls die betteffende Kundmachung des Präsidenten bis.zum 1. April«folgt. Im Repräsentantenhaus brachte der Demokrat Douglas ebenfalls einen Antrag auf Vorlegung der Bericht« über die neuen Einwauderungsguotcn ein. Er bemerkt« dabei, daß die vorgesehenen Quoten für Deutsch- land und Irland besonders ungünstig sind. In Detroit ncchm ein« von den deutschen, irischen und skandinavischen Bereinigungen veranstaltet« Versammlung eine Ent» schließung an, die gegen die beabsichtigt« Einwonderungsquot« pro- testiert. Die Relchsbahuwerkstöllen BerNn-Grunewald und Frankfurt an der Od« werden, entgegen gewissen Meldungen, nicht stillgelegt, 'ondern bleiben in Betrieb: der Werkstatt Gruneward soll sogar da» neu« ZLogenoersuchsamt angegliedert, also das Personal noch ver- mehrt werden, Zupeitdnriq»»« IX, gd«. 9BoT*n, Sonntag, fntftt fotaontx Sfronitathrn« (*n stau: Lick»»nbnq:?orinilta Beilage und„Unterhaltung und Witze»-. D/e trxver- Bey Zigan-effe fün- 3 von konkunnenz/ose/*- Güte tlr. 14» U.Jafygane"l ♦ d�0 UOMDÖrtÖ S°m>->bn>», t.lmmmlfn Ms der Zeil Die Fundamente de< Aar«inig«n koyen drocht« der.Dorwürts" die Mitteilung, daß de! dem Untergrunvbahndau«n Rosenthaler Platz Fundamentreste des alten Rosentholer Tores freigelegt wurden. Im Allgemeinen Ist dort freilich nicht viel zu sehen, denn die paar Mnuerpfeiler, die, von Erde befreit, sichtbar geworden, lasien In keiner Weis« darauf schließen, daß sie einst Träger eine» schönen und stattlichen Barock- baue» waren. Für den Konservator, den Kun st wissen- schaftler aber können sie von Bedeutung sein, kann man doch von den Maßen dieser Pfeiler au, andere wichtige errechnen. Unsere Zelchinmg ist noch einer alten Photographie au» dm, Märkischen Museum hergestellt. Dort hängt auch(im Raum 42)«in Stich, der un»«in gutes Bild de» bautiinstlcrisch hoch zu bewertenden Werke» gibt. ch. Baluschethatjo,ali«rim UIapda»alt« Berlin wieder erstehen ließ, den Berlinern auch das Rosenthaler Tor vorgefübrt. Doch da» bleibt Kulisse, will nicht mehr sein und kann nie«rnen wirklichen Begrisf von dem Kunstioerk geben. 1868 schon wurde das Rosenthaler Tor«in Opfer de» Ber» kehr». Und man bedauert, daß«» nicht«lxnso wie die Kolonoden im Kleistpork, Schöpstingen desselben Meister», de» Baulunstter» Gontard. wieder an anderer Stell« aufgebaut wurde. Berlin wird alt al» Stadt de» Barock bezeichnet, wenigsten» geben die hervor- rogendsten alten Bauwerte unserer Stadt das Gepräge? ja, der Barockstil ist in Berlin zm»„preußischen Stil" geworden. Es ist im wilhelminischen Zeitalter in dieser Hinsicht viel gesündigl worden. Oh ireigelegiert Fundamente des Barock. Rosenthaler Tores. Der alt« Dom Im Lustgarten muht« dem geschmacklosen wilhelmlni- scheu Dom weichen. Di« beiden Türm« aus dem Gen- d a r in« n m a r k t, auch Schöpfungen Gontords, haben durch ihre An- bauten auch schon verloren. Man kann sogar darüber streiten, ob eo besonders glücklich war, als sie, die früher den Platz beherrschten, durch den Schinfclfcheit Bau des Schaufpielhaufe» zur Rebmfache herabgedrückt wurden. Di« Knobelsdortflch« Oper wird jetzt trotz Das alte Hosenthaler Tor Proteste» der Atademi« der ftunstc verschandelt! Da können die herausgegnobenen Fundament««ine» zerstörten Kunstwerke» noch ein gute» Werk tun, wenn st« mahnend einem lveiteren Zerstören Holt gebieten. Denn wenn auch barock« Baukunst lange Zeit at» schwülstig und überlade» galt, wenn sie auch zu ihm Ast nur dazu dienten, einem absolutistischen Hdfregime«ine prächtig« Dekoration zu geben, un» sind sie heute mehr: baukünftlerische Form, gegossener Ausdruck hervorragender Künstler. Ein neues Museum iu Seilin. Im Qskan-Helene-Hei«. Zm Jahre 1011 fand in Dresden die»Znternattonal« H y a i« n e a u» st e ll u n g' statt. Aus dieser Ausstellung hatte da, in Da h l« m, an der Grenze de« Grunewald», gelegen« O« k o r- Helene-Krüpvel-Heil- und Erzt»hung»h«iw in Gemeinschaft mit der Deutschen Bereinigung für Krüppel fürsorge einen Pavillon für Krüppelkürsorge errichtet, in d?m eine Sammlung von Gipsabgüssen, anatomischen Präparaten, Kunstgltedern und deren Konstruktionszeichnungen, Heilerfolgen und Bildern aus der Krüppstfürsorge zur Schau gestew waren. Dies« Ausstellung erregt« ollgemein« Ausmer?samkoit. Sie war von dem Letter de» Oslar-Helene-Heun». Professor B i e s a l s t i, dem da- maligen ErziehungKinspettor Hon» Würtz und dem Meister der orthopädischen Wertstätten Zeidtg zusammengestellt worden. Sie wurde der Grundstock zu einem Museum, da» heute nach lIZjähriaer mühevoller und durch d-n Krieg und die Rachkrieg»zeit wesentlm, gehemmter Slrbeli endlich der Oeftentlichteit übergeben werdeit tau». Der Erössnungstag ist für da» Oetar-Helene-cheim, Die Vunöer öer Klara van Haag. S7s Vau Johannes Luchholh. Au» dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Sivert kocht« vor Lachen. Cr stieg auf den Sägebock und schlug verrückt mit den Flügeln. „Das tat ich. Bei Gottes weltberühmtem Namen— das tat ich, und es ging gut. Am nächsten Tage kam die offizielle Mitteilung, daß ich mich-- denke dir meinen Schrecken— am selben Abend um elf Uhr auf ihrer Hintertreppe einfinden könnte/ Cr stieg herunter und dämpft« die Stimme zu einein geheimnisvollen Flüstrrn. „Ca drängt mich selbst, es zu erzählen, damit du mich bei Gelegenheit überzeugen kannst, oaß das Gan�e nicht ein bbjer Traum ist. Ich stand da mit dem Brief in der Hand und konnte ihn kaum lesen. Und hinterher lag ich den ganzen Tag wach, gm darüber nachzudenken, was jetzt zu tun wäre. Am Nachmittag entkleidete ich mich und wusch mich mit einem Schwamm bis zum Gürtel in lauem Wasser. Ich wollte ja auf alles vorbereitet sein. Nun. dafür gab es am Abend keinen Bedarf, fostdern erst bei meiner späteren Hochzeit. Dielen Dank für die Aufmerksamkeit. Machen Sie uns nicht dos Bergnügen?" „Danke. ich habe soeben die Ehre genossen/ „Es war nicht in diesem Sinne gemeint— nur eine Nedensart. Aber dieses Waschen— weißt du. was geschah? Hier aus meiner Brust fand ich Minna Lunds Namen, nebst Glaube, Liebe und Hoffnung! Ich nahm das für einen Fingerzeig von oben. Es war zum großen Teil dies Er- «ignis. das mich zu dem Entschluß brachte/ „Ach, die Tätowierung?" „Ja/ nickte Sivert ruhig.„Die Zeichnung kam allmäh- lich auf dem Bauche zum Borschein/ ..E» war gerade wie die Kaltmalerei, die man in der Kirch» verborgen fand/ „Ganz und gar.' � „Erzähle weiter, Alter. „Ist es amüsant, mir, zuzuhören? Hast du noch nie im Leben etwas so lebensgefährlich Interessantes gehört? Schon. aber gesetzt, ich wäre jetzt nicht ausgelegt. Meine Stimme befindet sich im Uebergong. glaube ich. Außerdem Körst'du mich in ber Arbeit. Ich stund gerade«o gut da.— Halt. toa;— Ziehe die Hand Nicht weg von einem Bruder in Not. 3ch i—ch«ohl Siehst da, nach dem Lad« blieb ich eine ganze Stunde nackt vor dem Spiegel stehen. Dann nahm ich Stück für Stück mein Zeug hervor und legte mir frische Zeitungen in die Hose. Du erinnerst dich wohl, daß wir das immer drüben im Westen taten, nichts hält die Wärme so gut/ „Ja, ober es war doch Sommer/ „Never mind. Dann pumpte ich mein Fahrrad auf und putzte die Laterne/ „Du warst bange/ „Ich, nein, da kennst du mich nicht— aber dann nahm ich mich zusammen und fuhr mit rasender Schnelligkeit hin. Die ganze Geschichte war übrigens sehr unheimlich. Ich ver- stehe nicht, daß ich es überstand. Sie saß so recht in über- natürlicher Größe auf dem Sofa, schrieb mir mit strenger Stimme die Beoingunaen vor. Ich glaube, sie wollte mich mietweise nehmen. Ich sagte ja zu allem außer zu dem letzten. Da sagte ich nein/ „Donnerwetter, wozu sagtest du nein?" „Sie fragte, ob ich es mir anders gedacht hätte/ sogt« Sivert mit Grinsen. „Nee/ fuhr er fort,„ich mischte mich nicht in den Miete- kontrakt. Minna tut es am besten allein. Die Ehrenmahlzeit — ich meine die Hochzeit— hätte ich selbst nicht halb so gut machen können. Warum warst du nicht mit dabei, du Teufel?" „Hättest du nicht Ditlöo Plök einladen können?" „Ich wagte es nicht. Ich wußte, daß fein Gummikragen verbrannt war. Aber ich sage dir, du hättest mich sehen sollen. Wenn doch nur ein Grammophon in der Kirche auf- gesteh» gewesen wäre." „Einen Kinematograph meinst du/ .Nein, ein Grammophon. Das hätte da» Geräusch meiner Schritte aufnehmen sollen. Das hätte genügt. Ach, du ahnst nicht-- Ich ging nicht, ich schritt. Ich schleift« das«in« Bein ein wenig nach. Ich tat. als verwickelt« ich mich mit dem Fuß in den Teppich und stolperte. An einer Stelle blieb ich wie in Gedanken stehen, und als ich die Stufen zum Altar hinaufftieg, knirschte ich in der Hose." „Was tatest du?" „Ja, ich hatte natürlich frische» Papier darin. Diel« Lagen— es kam mir vor, als ob es mit einem musikalischen Geräusch knirschte! Ich schwöre dir, daß ich die größte Lust hatte, gerade vor der Gemeinde mein Zeug auszuziehen und meinen herrlichen, weißgejcheuerten Körper vorzuzeigen. Und ebeistolls bei der darauf fofgenden großen Mahlzeit. Ich sage dir, ich war ein Held. Und das, obgleich ich nicht ausessen konnte. Wir bekamen mindestens sechserlei Gerichte zum Wein. Und als wir dam» zu Hühner» im Pilze», in dem da« Mussum untsrgebracht wurde, gleichzeitig der Tag seinez Wiahrigcn Bcftshcns. Wenn diese» Museum auch vor allein für Asrzt«, Sludisrends, Pädagogen, Wohliahnsbcamte wichtig, so bietet e» doch auch dem Laien unendlich viel Anregung zu nachdenklicher Bs- trachtuna. Ja, man sollte in Zutunst kein« Führung durch ein Krüppeiheim vornehmen, ohne sich durch dieses Mussum aus da« vordereitet zu haben, was dem Besucher bevorsteht. Da sind die ent» setzlichen Klumpfüße, durch die die FÜßs zu Keulen vsrunstoltet werden. Die Modell« zeigen die ans wunderbare grenzende Heilung. An zahlreichen Modelle», Gipsabgüssen, Zeichnungen, Diapositiven, RÖnigenausnahmen werden die manniasachcn Formen der Krüppel- gebrechen, ihre Eutstehungsursache und die zum großen Teil bedeulen- den und überraschenden Heilcrsolge dargestellt. Man sieht auch eine Miniatur-Krankenstube, In der nn Puppen die verschiedenen Lage- runaen und Gipsvrbände gezeigt werden. Manches kann nur zwar medizinische Wlssenschast heilen, aber nicht alle». Und wo nichts mehr oder doch nicht alles geheilt werden kann, da bleibt nicht nur ein körperliches, sondern ein seelisches Leiden übrig, und da». ist nur durch seetische Beeinflussung zu behebe» oder wenigsten» zu bessern. Da» aber ist so sehr Arbeit des Pstzchialer» als des Pädagogen. Was dort oben im Ookar-Helene-Heim geleistet und im Museum demon- strlert wird, ist erstaunlich. Der Krüppel wird systematisch an dos große Allheilmittel Arbeit gewöhnt und da» Museum zeigt an sehr unterrichtende» Beispielen Beginn»nd Fortgang dieser Arbeit, die schließlich in einem brauchbaren Handweek, das ofi genug Kunst- hnnöioerk ist, mündet. Eine, möchte man fast sagen, delltale Abteilung hat dos Museum aber in seiner oo» Direktor W ll r tz bearbeiteten Sammlung von Kunstblättern. Rembrandt hat mit Borliebe den Krüppel zum Modell genommc», ebcnss Chodo- ivieckt, Hogarth, Rnmberg, Dürer. Rübe»», M a t s y s, Ja» S t e e n, und auch unser Ludwig Richter. Eine weitere sehr interessante Sainmlung enthält Stiche berühmt gewordener Krüppel. Man sieht sehr erstount, daß Männer wie ©chletermacher, Mose» Mendelssohn, Adolf Menzel, E d u a r d o o n H a r t m a n n. E. T. A. H o f s m a n n, Meunieur, Walter Scott, Lord Byron regelrecht im medizinischen Sinn Krüppel waren. Und selbst Kant und R a- p o l e o n l. sollen davon nicht trei sein. Der eilte preußisch« König Friedrich!. hatte einen Höcker und der frühere Kaiser Wtl- elm II. ist, da er einen verkürzten Arm hatie, gleichiall» ein rüpvel. Allerdings findet man desie» Biid wie auch Bilder noch lebender Berkriippelter nicht in der Sommlung. Im ganzen ein Werk von erstaunlichem Sammeleiser sowohl bei dem Mediziner B i e s a l s k I wie bei dem Pädagogen W ü r tz. Ein Werk, auf das nicht nur die Schöpfer, sondern auch Berlin stolz sein können. Ein Werk, aus dem die frohe Arbeits- und Schöpferkraft feiner Urheber sowie ihre wanne menschliche und soziale Hilfsbereit- schast und Hilfsfähigkeit spricht. Der eiserne Ofen. Ein folgenschweres Brandungliick ereignete sich gestern abei-t» gegen Uhr in dem Hause Fehrbelliner Str. bg. Au» der Wohnung der gkhähriaen Witwe Therese Stahl, die in der 6. Etoae de? Aorderhouse? wr.hnt, drang starker Brandgeruch, so doß Flurnochbarn antmerkiam wurden und iich Einlaß in die Woh- nung oerschafsten. al» aus Klopfzeichen nicht geöffnet wurde. In der Küche Ihrer kleinen Wohnung fand man die Greisin in de? Röhe de««ifernen Ofen» mit völlig verbrannten Klei- der» am Fußboden liegend bewußtlo» vor. Ei wurde sofort da» N«ttung«amt benachrichtig«, da» die Schwerverletzte in tw> Krankenhaus am Fmdrichshain brachte Die Verletzungen sind so schwer, daß der Zustand hofsnungslo» ist. Eniige Körperteile wattb, bereit» verkohlt. Wahrscheinlich Hot Frau St., die in der Näh« de« glühenden«isernen Ofen» hantierte, einen Schwäche� a n f a l I erlitten und Ist so unglücklich gestürzt, daß die Kleider dem Ofen zu nah« kamen und Feuer fingen. * Gestern nachmittag gegen 8 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Koperniku»stroh« 22 abrufen, wo in der Tischlerei von M. Feuer ausgebrochen war. Beim Ausschütten von Holzspänen auf einen eisernen Ofen schlug plötzlich eine Stichflamme heraus und setzte einen Exhaustor in Brand. Der in der Nähe de» Ofens arbeitende lljährige Hnzer K. D r z e? g a aus der Box- Hagener Straße 18 wurde von den Flammen erfaßt. Er erlitt an der rechten Hand und a m A r m erhebliche Brandwunden. Er wurde zur nächsten Rettungestelle gebrach«, wo er einen Not- verband erhielt. meinem Leibgericht kamen, blieb ich stecken. Es war scheiiß« lich. Ich möchte es nicht noch einmal durchmachen." „Dir wurde schlecht!" „O, es ging schnell vorbei. Es schadete jedenfalls meiner glänzenden Stimme nichts." „Ach. du belustigtest die Gesellschaft mit deinem Singen." „Ich mußte. Es ging nicht ohne mich. Minna sollte ja mit dem Ingenieur Duette singen, aber sie konnten die Noten nicht finden. Sie tonnten nicht, du." „Das war ja traurig." „Ein Unglück/ sagte Sivert grinsend.„Wir durchsuchten «Ine halbe Stunde das ganze Haus nach ihnen, Minna, Norcn und ich. Aber da, wo sie waren, suchten wir nicht! Never mind. Ich knirschte bei jedem Schritt in der Hose." Sivert wurde bei dieser Erinnerung von zügelloser Freude ergriffen: er schleuderte seine Holzschuhe gegen die Decke und sprang in Sirümpsen dreimal im Keller herum. „Wo waren die Noten denn?" ..Wo sie waren? Du fragst, wo sie waren? Hier! Sie steckten in meiner Hos«! Ich gräbst« sie an meinem Hochzeits- morgen. Sie nahmen den hinteren Teil meiner Eheuniform ein und knirschten süß und musikalisch. Und jetzt sitzen sie hier, immer meinem Körper am nächsten— herrlich warm— hier sollen sie sitzen bis zum Ende meiner Tage. Wer ist mit Minna verheiratet, der Ingenieur oder ich. Kein Duett hier im Hause ohne meine Mitwirkung. Emanuel dachte wieder: eine breitbrüstige schwere Stut« und ein lustiger Ziegenbock vor denselben Wagen gespannt. Er schüttelte den Kopf und sagte: „Aber es muß doch an deinem Hochzeitstage ein Augen« blick gekommen sein, wo du dein Zeug ausziehen mußtest." „Nein." „Nicht? Wieso?" Sivert erblaßte und sagte: „Laß uns nicht an die Stunde denken. Sie war schreck- lich. Ich saß aus dem Puff, mir war schlecht zumute, und ich hatte da» Gefühl, als ob Vater, Gott und du, jeder tu einer Ecke der Stube ständen und mich auslachten. Sie stand aufrecht im Bett, schreckeinflötzend anzusehen, mit ausgelostem Haar, nur mit ihrem Bodeanzug. Zieh dich aus, schrie sie. Das tat Ich. Aber dann verlangte sie. daß Ich auch noch die Unterhose ausziehen sollte. Da floh ich in„das Zimmer meines Mannes". Und da schlief ich in meinem Eh-ornat, die Tischdecke über mir. Und weiter bin ich seitdem nicht gekommen." (Fortsetzung folgt.) der Serliner Wohnungsbau. Eine Antwort an Stadtrat Busch. Der Berliner Stadtrat Paul Busch, nebenher(oder im Haupt- amt?) noch Direktor einer privaten Terraingefell- s ch a f t. der Petrolea A.-G.» hat im Berlage dieser Gesellschaft eine Broschüre„Zentrale Bauwirtschaft für Groß- Berlin' erscheinen lassen. Herr Busch stellt seinen Ausführungen oorsichtigerweise folgende Bemerkung voran:„Meine Ausführungen haben mit parteipolitischen Einstellungen nichts zu tun, es sind An- rogungen und Vorschläge im Interesse der Allgemeinheit.' Diese Bemerkung ist besonders wichtig, weil Herr Busch in den letzten Wochen mit außerordentlicher Schärfe wegen eines nicht ganz klaren Geländegeschäftes der Stadt Berlin, des Handels um das Rittergut Düppel, angegriffen worden ist. Fest steht jedenfalls, daß Herr Busch ein eindeutiger Vertreter der privaten Grund st ücksspeku- l a t i o n ist. Aus dieser Einstellung entspringt auch seine ganz« Broschüre. Nach einer Kritik der städtischen Siedlungsgesevschaften greift er auch die Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschasten und Gesellschaften an. Er wirft ihnen ebenso wie den städtischen Gesellschaften vor, daß sie, um das Eigengeld beim Bauen zu sparen, die Bauten unsolide und schlechter her- stellet, als der alle„solide Bauunternehmer', der früher baute. Diese„Feststellung' wird bei dem, der die„außerordentliche Soli- dität' der Vorkriegsmietskaseruen kennt, nur ein Lächeln hervor- Vifen. Ferner kritisiert er die zu geringe Höhedes Eigen- k a p i t a l s der Gesellschaften im Hinblick aus die zu hohen Hypo- thekenverpslichtungen, die dem Stammkapital gegenüberstehen. Diese Kritik ist völlig abwegig. Denn wenn die Hypothekenoerpflichtaingen — und das ist bei den gemeinnützigen Gesellschaften der Fall— auf richtig finanzierten Bauten ruhen, und die Bauten mit der guten genossenschaftlichen Fachkenntnis und Solidität vev- waltet werden, dann besagt die Höhe der Hypothekenoerpflichtungen gar nichts. Der Vorschlag von Herrn Busch, der seiner Kritik folgt. empfiehtt die Gründung einer zentraleu B a u g« f e l l s cha s t mit 19 Millionen Mark Kapital, von der die Stadt die eine Hälfte und die orivaten Baugeschäfte und Banken die ander« Hälfte aufbringen sollen. Diese Stelle soll dann auch die Hauszins- steuerhypotheken oergeben und dergleichen mehr. Man kann zur Kritik seines ganzen Vorschlages treffend nur ssqaen, daß er die behördlicheZwangswirtschaft durch die Zwangswirtschaft der Hausbesitzer, privaten Bauunternehmer und der ihnen verbündeten Banken ersetzen will. Deshalb muß jeder, dem das Wohl der Allgemeinheit am Herzen liegt, diese reinen Intereflentenvorfchläge ablehnen. Näheres über die Vorschläge von Stadtrat Busch finden sich in der Zeitschrift der Deutschen Wohnungsfürsorgegesellschaft, der „Wohnungswirtschaft'.___ Anter der Tapetentür. Aufhebung eines Nackttanzbetriebes. Der Berliner Polizei gelang es. in der Nacht zum Freitag wiederum einen Nachtbetrieb auszuheben, dessen Elou die Nor- führung eines Nacktballetts war. Dieses bestand aus zahl- reichen IS- bis 16jährigen Mädchen unter der Führung einer Tänzerin namens„Traute'. Das Unternehmen Halle sich in Neben- räumen des früheren Friedrich-Wilhelmftädtischen Theaters in der Nähe des Stelliner Bahnhofs eingerichtet. Leiter war ein auf diesem Gebiete nicht mehr Unbekannter, Sigismund Kohnk«. gegen den bereits feit einiger Zell ein- Klag« wegen Nackttanzbetriebes läuft. Die Polizei war schon sell längerer Zeit hinter ihm her, um seinem neuen Betrieb ein Ende zu bereiten. Aber der Spannerdienst funktionierte so vorzüglich, daß das erst nach längerer Zell gelang. Die Polizei stellte fest, daß nach Schluß der Polizeistunde zahlreiche Automobile �or dem Nebenhaus vorfuhren. Die Gäste wurden durch eine kleine Seitentür in bk« oberen Klubräume eingelassen. Als die Beamten eindrangen, waren die Räume leer/ Nach fast«in- stündigem Suchen entdeckten sie eine verborgene Tapeten- t ü r. Dahinter stießen sie zunächst auf die Garderob« mit kostbaren Pelzen und schließlich fanden sie in einem ganz verborgenen Hinter- zimmer 8 0 Käste, denen für minderwertigen Sekt -l 9 bis S 9 M ark abgenommen wurden, sowie die Veranstalter. Kellner und die.Künstlerinnen'. Alle mußten den Weg zum Polizeipräsidium antreten, wo Kohnk« und.Traute' festgenommen wurden. Gefängnis für eine« Wucherer. Vor dem Potsdamer Amtsgericht mußte sich der«sZhrige Bureauoorfteher Karl Note aus Potsdam wegen Kreditmucher verantworten. N. war 17 Jahre bei einem Potsdamer Rechtsanwalt tätig, und es hatte sich herumgesprochen, daß N. Darlehen vergibt. Ein junges Ehepaar war zwecks Hergabe eines Darlehens an den Angeklagten herangetreten. In kürzeren Zeitabständen lieh Rote dem jungverheirateten Paar insgesamt 4 99 Mark. Dafür stellt- er«inen Blankowechsel in Höhe von 4 8 S Mark aus. Dos Geld sollte nach einem Monat zurückgegeben werden. Doch traten bei den Eheleuten wirtschaslliche Mißerfolge ein. die eine Rückzahlung des Darlehens bzw. eine Zinszahlung unmöglich machten. Nach wenigen Monaten war die Schuldberechnung bereits auf 1999 Mark an- gewachsen, und das Paar erstattete schließlich Anzeige. Der An- geklagte machte zu seiner Berteidigung geltend, daß nicht er der Geldgeber gewesen, sondern seine Hintermänner, darunter auch«in Ausländer. Das Amtsgericht stellte sich auf den Standpunkt, daß der Angeklagt« trotzdem nicht derartig hohe Zinsbeträge hätte an- rechnen dürfen, zumal das junge Paar in Not geraten war. Der Amtsanwolt beantragte ein« Woche Gefängnis und S99 Mark Geld- strafe� das Gericht ging über das Strafmaß hinaus und erkannte enf einen MonatGefängnis und 3 9 9 Mark Geldstrafe. .�arolostraphie" Berlin— Wien. Die Deutsche Telefunkengesellschast. die m Oesterreich durch Siemens u. Holske A.-G., Wien, vertreten ist. hat ,m April vorigen Jahres erfolgreiche Versuche von Berlin noch Wien zur schnellen Uebermittlung von Nachrichten jeder Art und Bildern nach dem System Telefunken-Korolus-Siemens(Karolo- graphie) gemacht. Inzwischen wurde das System weiter vervoll- kommnet. Es haben bereits Versuche auf sehr großen Entfernungen, zum Beispiel noch Rio de Ianairo, stattgefunden. Alle diese Ver- suche waren bisher einseitig. Nunmehr hat man sich entschlossen. die Ka�rolographie im Gegenverkehr zu erproben. Zu diciem Zwecke werden in einigen Wochen im Einvernehmen mit der deutschen und österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung Be- tnebsoersuche zwischen Berlin und Wien aufgenommen werden. Da- bei wird auf deutscher Seite Telefunken mit der deutschen Tele- graphenverwaltung zusammen arbeiten unter Benutzung des Deutsch- londsenders Königswusterhausen(Welle 1399) in den betriebssreien ££t�nVnLaf?reiil) ästerreichischerseits die Betriebsversuche von der .tiadro-Austria A.-G. im Einoernehmen mit der österreichischen Tele- graphenverwaltung ausgeführt werden. Dabei wird als Scndestation in Wien der Großsender Rosenhügel(Welle S17) von der Ravaq in den betriebsfreien Zeiten zur Verfügung gestellt werden. Anklage gegen den„Montaa.ZNorgen'. Gegen den verantwortlichen R�akteur des.Montag-Morgen', Ruppel, sowie gegen Rechts- anwall Dr. vranz Thema! und einen Beamten der«toatsanwalt- schaft ist Anklage erhoben worden, weil das Blatt gegen Landgerichts- drrsktor Dr. Marsch, isr schwere Angriffe erhoben und ihm vor. geworfen hatte, daß er in einem Prozeß gegen einen Gemeinde- Vorsteher und zwei Iustizbeamte. die sich wegen fahrlässigen Falsch. eides zu verantworten hatten, bei der Abstimmung über dg» Urteil im Beratungszimmer sich ein« Rechtsbeugung dadurch hab«n zuschulden kommen lassen, daß er bei Etimmengleichhell selbst den Ausschlag für den Schuldigspruch des Gerichte« gegeben habe. Die Vereinheitlichung ües Serliner Verkehrs. Schnell und bequem sollen die Berliner fahren. Die dem Magistrat vorliegenden und im.Dorwäts' schon mitgeteilten Pläne gur Vereinheitlichung und Ausge» staltungdesBerlinerVerkehrswesens wurden gestern in einer Besprechung erörtert, zu der die Direktion der Straßenbahn- gesellschast die Vertreier der Presse geladen hatte. Anwesend waren auch leitende Persönlichkeiten aus der Verwaltung der Straßenbahn-, der Hochbahn- und der Omnibusgefellschaft. Stadtrat Genosse Reuter, der neue Vorsitzende des Aufsichts- rats der Straßcnbahngesellschast, setzte in längerem Vortrag ausein- ander, welche wirtschaftlichen und verkehrspoli- tischen Erwägungen zu den Plänen geführt haben und was die Bevölkerung Berlins von ihrer Ausführung und Der- wirklichnng zu erwarten Hot. Die Derkehrsmisere. unter der wir je länger je mehr leiden, fordert eine Entlastung der Straße n. aber diese Aufgabe ist nur zu lösen, wenn das Unter- grundbahnnetz ausgebaut wird� Die hohen Kosten des Ausbaues kann nicht die Stadt auf sich nehmen, sondern sie müssen vom Verkehr selber getragen werden. Die Berliner haben die Wahl. entweder weiter wie die Heringe zusammengepackt ihre Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu machen oder bei einer geringen Erhöhung des Fahrpreises schnell und bequem zu fahren. Wer«in« Verkehrspolitik auf lange Sicht treibt, wird nicht im Zweifel sein, was er zu wählen hat, und auch die Bevölko- rung wird erkennen, wo für sie der wahre Dorteil liegt. Der Ein- heitsfahrpreis von 29 Pfennig, der zur Beschaffung der Mittel für die Ausgestaltung des Untergrundbahnnetzes not- wendig ist. bedeutet gegenüber dem jetzigen Stroßenbahnfahrprei» von 15 Pf.«ine Verteuerung. Sie wird aber wett gemacht durch Derbesserungen, die um diesen Preis wahrlich nicht zu teuer erkauft sind, durch die Zusammenfassung der Verkehr». Unternehmungen, die bisher gegeneinander arbeiteten, durch Umsteigemöglichkeiten, die bei dem Einheitspreis jedem erlauben, das Verkehrsmittel zn benutzen, mit de» er a« besten fährt. Bei der Hochbahn kommt dazu noch die Ein- führung der Einheitsklass«, die wir ja bei der Straßenbahn schon immer gehabt haben, und zwar wird dies« Neuerung auf eine Be- seitigung nicht der zweiten, sondern der dritten Klasse hinauslaufen. da künftig alle Wagen die Polsterung der Sitze erhalten sollen. Die Einbeziehung des Omnibus in die große und allgemeine Der- kehrsgemeinschaft wird solange noch nicht durchzuführen sein, als es an der genügenden Zahl Wagen fehlt, aber auch das wird sich in nicht zu ferner Zeit erreichen lassen. Natürlich muß die Zu- sammeniassung der Verkehrsunternehmen auch in der Berwal- t u n g sich auswirken. Stadtrat Reuter streifte kurz die weit aus- schauenden Pläne, die an diese Umgestaltung anknüpfen� und nur durch sie ihrer Verwirklichung entgegengesührt werden können, die Verlängerung der Schnellbahnlinien bis in die Vororte hinein,� die seit langem geplant« Schnellbahn Moabit— Treptow, auch die weitere Vermehrung der Straßenbahnlinien. Nicht das ist die Absicht, dem Stadtsäckel mehr Einnahmen aus den Verkehrsunternehmen zu ver- schassen, sondern dem Verkehr selber zu dienen. An der Besprechung beteiligten sich ouck» bekannte Derkehrstech- niker, wie Geheimrat Kemmann, Professor G i« s e, Geheimrat W j t t i g. Vollkommene Uebereinstimmung bestand darüber, daß die Entlastung der Straßen Berlins nur durch den Ausbau des Schnelbahnnetzes zu erreichen ist. Die für die bestehenden Hoch- und Untergrundbahnen zu erwartend« Derkehrsmehrung wird auch hier manch« Umgestaltung erfordern, z. B. Umbau und Der- schiebung der Bahnhöfe Hallesche» Tor und Kottbusser Tor. Der «in« soll in noch bessere Verbindung mit der Nordsüdbahn gebracht werden, der ander muß eine Verbindung mit der künfttgen Schnell- bahn Gesundbrunnen— Neukölln erhalten. Stadtrat Genosse Reuter schloß die Besprechung mit der Feststellung, daß das ganze Projekt der Vereinheitlichung und Ausgestaltung des Berliner Ver- kehrswesens bei allem Idealismus, von dem es getragen wird, in engstem Zusammenhang mit den TatsachenundRotmendig- leite« de» Verkehr» bleibt. Die selbstbewußte Hebamme. Drei Monate Gefängnis wegen fahrlässiger DStnag. 24 Jahre Praxi» hatte die Hebamme P. hinter sich: da versteht man doch feine Sache wahrlich nicht schlechter als irgendein Arzt; sollte man sich da noch Vorschriften machen lassen, ob er zu holen sei oder nicht? Die Angehörigen haben ja stets Angst: aber für eine erfahrene Hebamme ist solch«ine Geburt etwas nur zu Alltägliches. Ungefähr so dachte sich wohl die Hebamme P. als sie am 2S. Juni zu den Eheleuten F. geholt wurde. Frau F. erwartete jeden Augenblick dos Eintreten des Ereignisses. Um Uli Uhr war es endlich da. Alles schien normal zu verlaufen. Aber plötzlich be- gannen Blutungen. Der Mann drang daraus, einen Arzt zu holen. Die Hebamme winkte ab. Der Zustand der Frau wurde immer be- denklicher. Run lief der Mann aus eigenem Antriebe angsterfüllt zu einem Arzt. Bei dreien klopfte vergebens an; sie waren nicht zu Hause. Da brachte er vom Rettungsamt den Dr. Sch. Unterdessen war es%1 Uhr geworden. Als der Arzt ankam, lag Frau F. ohne Puls, blutleer. Sie«rhiett eine Kamphereinspritzung. Das Urban- krankenhaus war überfüllt, nach dem Virchow-Krankenhaus war es zu weit. Die Frau starb au Verblutung. Die Hebamme hatte sich aber vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen fahrlässiger Tötung und Richtbefolgung von Borschriften zu verantworten. Das Httwmmenlehrbuch fordert, daß die Hebamme, sobald Komplikationen eintreten, den Arzt hole. Der medizinische Sachverständige Dr. Hommerich ertlärt«. die«Nzige Schuld der Angeklagten bestünde darin, daß sie nicht Nach dem Arzt geschickt habe. Ob allerdings dieser der Frau F. das Leben erhallen hätte, ließe sich im Augenblick nicht sagen. Das Gericht oerurteilte die Hebamme zu drei Monaten Gefängnis, verlieh ihr jedoch Bewährungsfrist. In der Urteilsbegründung führte der Borsitzend« au», daß der Angeklagten zugute zu halten fei. daß ihr in der 24jährigen Praxis bis jetzt ein ähnliches Unglück nicht passiert sei. Der Fall selbst beweise aber, wohin die„unbewußte Ueberhebkich- keit medizinisch nicht voll ausgebildeter Personen' führe. I» Apollokhenter gibt es in diesem Monat eine Art Variete- und Lortragsprogramm, da» insofern eine Besonderheit darftelt. als es nur aus männlichen Kräften besteht. Eine Neuhett mag da» ja sein, aber es ist weder interessant noch komisch. Zudem hat man sich ein paar Komiker geholt, die allenfalls in einem Kaffeehau» am Platze wären, aber bestimmt nicht in einem großen Berliner Variete. Das in Berlin schon reichlich abgesungene Müller-Schadow- Quartett mit seinem schmalzigen„Abend am Rhein' leitet den Abend«in. Dann gab es zwei Kanonendarsteller, von denen der eine sehr übel wirkte, während der andere, S i lv a r e durch eine Art grotesker Verhöhnung des männlichen Dirnentums ganz amüsante Effekte zu erzielen weiß. Der„UniversalkünsUer Fr an- carbi absolviert allein ein ganzes Programm. Bald ist er ein indischer Magir, bald Instrumentalkünstler, bald Bauchredner, bald Kunstschütze und Violinvirtuose. Das ist auch nicht ganz neu mehr, verfehll aber sellen seine Wirkung. Ganz gute Humoristika §ibt übrigens noch der Tanzhumorist Willy Li lt.«. Aber das nsemblespiel am Schluß,„Der arm« Casimir', da» nochmal» alle männlichen Darsteller oereinigt, sollte man sich doch lieber verkneifen, für die kleine Provinz ging« es vielleicht nach. Die Uebertragung des Orchesterkonzertes aus dem Eafe Bater- land war überflüssig, ebenso der Bortrog Selma Joffes:„Die treue Haushilfe". Bloße Vorlesung von Bewerbungsbriefen, in denen Arbeitgeberinnen ihre Hausangestellten zu der Prämiierung für treue Dienste durch den Hausfrauenverein vorschlagen, wird dem Thema nicht gerecht. Orden, ob vom Staat adcr von anderen Stellen verteilt, sind nicht jedermanns Sache. Gerade in solchen Haushalten, wo wirtlich„Treue um Treue' gilt, wird man sehr oft dergleichen Aenßerlichkeiten verachten und an Stelle des Ehren- diploms der Hausangestellten etwas anderes bieten: ein wirkliches Heim, eine Zuflucht, auch wenn sie nicht mehr zu arbeiten vermag. Davon schien Frau Josse nichts zu wissen. Die übrigen Dar- bietungen des Tages hielten das Niveau, das dem Berliner Funk- sender angemessen ist. Ueber„Heimstätten-Gartengebiete im Bebauungsplan der Großstädte' sprach W. Rein hold, der 2. Dar- sitzende des Reichsoerbandes der Kleingartenoereine Deutschlorchs. Er wies darauf hin, daß es eine soziale und hygienische Forderung sei, für genügende Park- und Gartenslächen in der Großstadt zu sorgen, daß sie aber leider, obwohl ausdrücklich durch die Reichs- Verfassung betont, noch sehr geringe Erfüllung sinde. Spinoza» Leben behandelte Dr. Jakob Fromer: Willy Haas bot einen Einblick in die Tragik von Oskar Wildes Leben in seiner Ein- führung zu der„Florenttnischen Tragödie', die�mtt Albert Steinrück, Erwin Faber und Elisabeth Lennartz als Sendespiel gebracht wurde. Die guten Sprecher vermochten indessen nicht immer das Werk wirklich eindringlich zu gestalten, da es oft nur durch eine ausdrucksvolle Darstellung verständlich gemacht werden kann. Das Abendkonzert, vom Havemann-Ouortett bestritten, war ausgezeich- net, auch das Nachmittagskonzert bot gutes. Rur Gisela Springer» spitzer Anschlag löst im Mikrophon einen drahtigen Klavierkömg au» und läßt ihr markante« Spiel hier nunüq zur Geltung tninge«. Zyankali sin« Wasser. Die 24jährt?e Studentin»aleria Keßler au» der Innsbrucker Str.'14 in Schöneberg trank im Laboratorium der Technischen Hochschul« in Charlottenburg ver- sehentlich statt eines Glases Wasser einGlasZyankali. Sie ist auf dem Weg« zum Krankenhaus verstorben. Befiäkigt« Todesurteile. Das Reichsgericht verwarf am Dqnners. tag die Revision de« Arbeiters Reinhold P r i tz k o w aus P o t s■ dam und bestätigte das am 39. September vom Schwurgericht Potsdam wegen Mordes gefällte Todesurteil. Pritzkow hatte im Januar 1926 seine Ehefrau, die ein verschwenderisches Leben geführt hatte, erdrosselt.— Ebenfalls verworfen wurde die Revision der beiden Arbeiter Becker und Buls aus Hamburg. die am 4. August 1919 den Altwarenhändler Friedrich Bringe! in Hamburg in seiner Wohnung erwürgt hatten und vom Schwurgericht Hamburg am 21. Oktober zum Todeverurteilt worden stich. vi« Grippe in Breslau. Die Grippe ist auch in Breslau in ständigem Zunehmen begriffen. Seit End« Dezember lausen bei der Allgemeinen Ortskrankenkasie täglich durchschnittlich 399 neu« Anmeldungen ein. Der bisherige Höchststand wurde am 4. Januar 1927 mit 384 Neumeldungen eines Tages erreicht. 28 000 Grippekranke in Siraßbury. Im«lsaß-lothringischen Industriegebiet hat die Grippe den Umfang einer Epidemis an- genommen. In Straßburg wird die Zahl der erkrankten Per- sonen mit 28 99 9 angegeben. vte venssche Spitzbergen-ExvedMoa?qt im SbAsommer ISS eine Durch- qnerung de» Nordtvestlande» glücklich vollführt. Ueber die Reil«(über Island nach Spitzbergen) und den weiteren Zweck der Expedition hält am Sonnabend, den 8. Januar, abends 6 Uhr. der Letter, Herr Dr. Mar G r o t« w a h I«ine» Vortrag unter Borführung von Lichiblldern und eine» Filme». Herr G«H..Zieg..Ziat Prof. Dr. M ieth e wird ebenlall» über diese«.Mpenland in der ArttiZ- sprechen, da« durch früber« und heutige versuche, die wiiugängliche Arkti» mtt Lulttahr,eug«n zu ersorsSen. wieder in den Vordergrund de« Interesse« gerückt ist. 5l a r t en t«, Nutzen. inftitut der Technischen Hochschul« tZimmer ISS» bei Frl. Koch; Tteinpla? SOOOl 2 Sil; Studierende aller Hochschulen 50 Ps. Fall» n-ch Karten verfügbar, auch an der Li end taste. Sport. Um die deutsche ZMttelgewichvmekfierschast. Lach längerer Paus« fand gestern abend im Sportpalast wieder ein arötzerer Boxkamvfabend statt. Im Hauptkamvf um die deutsche MtttelgewichtSmeisterschaft stiegen unter starke««eisall de« gutbesuchten Hanse« Domgürgeu(149 Psd.> al» Titelbalter und Funke <137 Psd.) o!« HerauZsordererer in den Ring. Wa« vielleicht nicht all- gemein erwartet wurde, trat ein. Der Kamps ging über all« IS Ziunden. Durch Funke« unschöne Boxwelse— er«arvtel in Doppeldeckung und klammerte wiederHoll— nahm der Kampf einen unschönen Verlaus, vergeben« alle Ver- suche Domgörgen«, der sich von seiner besten Seil« zeigt«, Funke einen offenen Kamps aufzuzwingen. In der 15. Runde mutz Funke kurz aus einen Doppelschlag< linker und rechter Kinnhaken) zu Boden, kommt aber über die Runde. Domgörgen bat seinen Tttel siegreich verteidigt. De? Kamps war von lauten MitzsallenSäutzerungen de« Publikum«, die sich gegen Funk« richteten, beglellet. In den Rahmentämpten siegt« Hers e über Brandt und R e« z e r über Stamm« nach Punkte». He»«» mm Sechitageeeunen.»ie die Direktion der Kaiserdamm. L r« n a mitteilt, hat auch am Mittwoch wieder ein lebhafter Telegramm. Wechsel mtt de»«och tn Frage kommenden ausländischen Sech«tage-Kan. didateu stattgefunden, ohne datz e« bisher aber zu«wem Abschlotz der Berhandlnng gekommen wäre. Aller Boraussicht nach aber wird man den Sieger de» letzten Brüsseler Sechstagerennen« Rieten« und seine au«. gezeichneten Landsleuie Stockelhnck und Goos«»« am Start be- grutzen könne», ver die sranzisischeu Farben vertreten wird, ist noch immerw der Schweb«. qeq&tA&Utyz**' täAaXxuuUqung fO*HH nitM z&fH&Hds mMuh. Mufutr Ot&afMr idt*! rntt" . 02504. - dtif&ttrdtH Ttfaßt Bmfatbmtg« fS» dies« Stairö?»d Ccxlin SB«8, eisbtaltrs�c 3, Parteinachrichten für Groß-Serlln stet,«b da» SetixItfeltttarUt, Z. Hos. 2 Xrtp. recht», ,» eichten. 7. Jtrti» adarlottrabnra»ad S panda»! SuritWdj« Sorechstmid« heute. Sonn- abend. 8.?anuar. nachmittags von 5S Uhr, im Zugenndhcim Rosinen. t 7. stiel» iichtenbeeg. Bei der am Sonntag. 9. Januar, 3 Uhr, statt- sindenden Beiiehuna der Asche unseres verstorbenen Genossen Fri« Jubeil wird restlos« Beteiligung sämtlicher Abteilungen«ra>ort«t. Dahnen sind mitsufsibren. 2«. strel» Reinickendors. Montag. U>. Januar, 7 Uhr vsinktlich. mi kleinen Sihungssaai des Rathauses Wittenau. Sihung des engeren strelsvorstandes. heute, Sonnabend, den S. Januar: 3, Äbt. D!« Genossen treffen sich znr Elnäschermrg des Genoffen Möbius unbedingt erforderlich. m« Tbt.«iede?schö»b«»sen. 8 Uhr bei ÄTinht Wichtige 5?nnrtionärfltzunq. Morgen, Sonntag, den 9. Januar: l. Abt. Aormitiags 9 Uhr bei Zschiesing. Ackersir. 1, Sislim» sämtlicher Junktionärr. Stellungnahme tur Neuwahl des Abteilungsvorsimldes. 2X. Abt. ZZ-tmittaqs 10 Uhr bei Grunwaldt. Kameruner Str. 19, Funktionär. sihunq. da wird uui vsinklliches Erscheinen gebeten. 91. Abt. Renkoll». Die Genossen und Genossinnen treffen sich vollzählig Plr Beitehung der Aich» des Genossen Jubeil Sonniaa 1 Uhr Bodditiplah. *2. Abt.«CttStln. Pormittag, 10 Ubr bei Wolfs. Zkaisev.ffriedrich.Str. 17Z, Abtei lungsfnnktionärsihung. All« ffunkrionär« müssen unbedingt erscheine». Die Beiir'r Führer laden bestimmt ein. Jungsozialisten. Hrupp, Prcnzl«ttr Berq: Heute, San 8. IavuQ?, 7� Uhr. im Imstitd- heim Dcikens«, Paikttrahe, SichrbiUxrootfrOft;»Itolien". Referent Erich Msrcuse. Die Genofsmnen uab Venoffen her anderen Vrmiven sind herz. lichst eingebaden.__ Sterbetafel der Sroß-öerliner Partei-Grganifation Sozialistische strbeitersugenö Grost-Serlin. heute, Sonnabend, Uhr: stottbuster tat: Jugendheim Reichenberg er Str. 06, Generalversammlung. Rur eingeladene Genossen und Werdebe�irksvorslandsmitglieder haben Jutriit. Um vllnitliches Erscheinen wird oebetcn.— Lichtenberg-Rorb: 0 Uhr Arbeits. gemcinsäiait. 8 Uhr Prob«.— Werbebezirk Reuköln: Genossen, die malen und ti'chlern können, treffen sich im Jugendheim Eanner Strasse.— Wseb«b«zirk Reinickendorf: BoUslmus Scharnwcbersirass« Werbebezirksvol�landssshung. Er- scheinen ist PNicht.— Tempclhos: Arbeitsgemeinschofi.— Beebebezirk Prenz. laue« Berg: Der Bildungskursus fällt heute ans. Di« Werbebezirksnorsissenben. und»de!«gierienkons«renz findet nicht am 1»., sondern erst inn 16. Januar im Altersheim Tanziger Str. 62 statt. Morgen, Sonntag, den 9. Januar: Zlonserenz der Werbcb»zirk«leit«r und B.»D.. Mitglieder vormiiiags 9iu Uhr in: Jugendheim Lindensir. Z. Tagesordnung: 1. Arbeiterjugend und Wirt. ickiaitsvolitik. 2. Unser« Organisation. Südwest: Jugendheim Lhrdcnstr. 3, Kumorisiischer Abend mit Lichtbildern. — Eharlottenburg-Rord: Jugendheim Rosinenstr. 1. Seimabend mit heiterem Programm.— Steglitz I; Spaziergang. Treffpunkt 1 Uhr Rathaus.— Tempelhof: Besuch des Museums ssir Meereskunde. Treffpunkt 10 Uhr Bhf.— Wannsee: Schul« Charlottenstvasse, Seimabend.— Reukölln I: Museumsdesichti- gung. Treffpunkt 1-9 Uhr Rcuterplatz.— Werbebezirk Reulöll«: Zugendheim Eonner Strasse, grosse Reujohrsfeier. Musik, Gelang. Verlosung ukw. Anfang 7 Uhr. Eintritt 10 Pf.— Werbebezirk Osten: Schulaula ffrantfuvter Alle« 37, starl-Liebknecht» und Rosa-Luiemburg-Gedenkfeier. Deginn sf>8 Uhr. Redner Adolph Soffmann. M. d. R.— Werbebezirk Schöneberg: Jugendheim Säurt- straft« 15, Bunter Abend. Beginn 1H8 Uhr.— Schönhanser Vorstadt: Schön» fliessc: Str. 7, Iii Uhr Heimabend. vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbanaer»Schwarz- Rol Golb". Geschäft, stell«: B-rli»« 14. S-baMansir. 37/38 Hos 2 Tu. 1Z6. Abt. Neinickendwi-Vst. Am?. Januar«r'rath unser Genosse Zkarl; R»rlock. Reinickendorf. Oir. Zustusslr. 7. Ehre seinem Andenken. Die] Einäscherung bat bereits stattgefunden.> Mitt«: Mo., h. 10., 8 Uhr. Turnahend, Gartenstr. 7». � ffriedrich». huiu: Mo., d. 10.. 7'» Uhr, 3. Sektion bei Wegen«, Stralau«! Alle« 31.— Wilmersdorf: Di« ikameraden treffen ssch So., d. 8.. bei Ztroihs, zum Bockbieriest. Die Abteilungen treffen ssch jeden Sonntag 9.40 Uhr auf dem Bhf. Salensee.— Pankow istretsl: So., d. 8., 8 Uhr, Maskenball bei Lindner. Breite Str. 34. Eintritt 1 M. tbäst« willkommen. Mo., d. 10., lieben der Spielleuie 8 Ulm Turnballe Gruiunvstrasse. Erscheinen Pflicht. 7»»-,«-trete. Bornholmer Strasse. Rosen! Hof, Generolversanimlung." So., d. 8� 8 Uhu. Neuwahl dar Ortsleitung. NMiss»fst GEH «r Bah» Perei»»er ffreibenke« sür ffeneibestattnng, e. P.. Ga» Berlin und Varuet«. All- ffreidenter Eross-B-rlins. die ihr- Zkinder an der Jugendweihe der Ar» beitsgemeinschoft freigeistiger Verbände teilnehme» lassen wollen, werden er» sucht, die Amneldungen in allen unseren.Zahlstellen, wo Plakate aushängen� recht bald abzuliefern ober auszufüllen. Deutsche Gesellschaft zur Förderung häuslicher Erziehung, e. Bezirk Eharlotteaburg. Mittwoch. 12. Januar. 8 Uhr. In der Aula der 22. Gemeinde» schule. Wiglebenstr. 34 /nahe Sophie-Eharlotte-Plati). Vortragsabend. Rettvr Mar Staar:„Aus dem Leben und Schaffen des grossen Menschenfreundes und Erziehers Pestalozzi. UnkoNenbeitrag 20 Pf. Eästc willkommen. ffranzöstsch-literarischer Abend. Auf Einladung der Deutschen Liga für Menschenrcchie werden Monte.«. 10. Januar, 816 Uhr. in deren Räumen, WilHelinstr. 48, der Schriftstell« Claude Grander und die Zisinstlerm Elsrtede Johu„Ravnäl, Girauoour, Morand und Bictor Hugo" interpretieren. Bc» sondereo Interesse dürfte die Wiedergabe der letzten ffriedeusvede Briands in Genf haben. Einlass nach Voranmeldung. Oefsentlichc«orträge über Bolksgesundheitsfürlorg». Im Hygienischen Institut der Universität Berlin, Dorotheensir. 28a, spricht Donners tag, 13. Januar, 8 Uhr, Professor Dr. Lewandowsk! über„Ausbau der Sefmlgesundhe-ts» pflege zur Schulkindersürforq«". Einichreidegebühr 1 M. Näheres in der Gesästifisstelle: Deutsch« Gcsuuddeiisfürsorgeschule, Eharlottenburg 5. Frank. strafte 3. Telephon: Wilhelm 5132.— Srieflasten der Redaktion. #. Z. 100. Da die Tochter mit Einwilligung des Vaters die Reüe angetreten Hot. so ist er auch zur Traaung der dadurch entstandenen Soften vev- pflichtet. Beantragen Sie zunächst de» Erlass eines Jahlungsbcfchls gegen ihn.— G. M. 4. l. Soweit uns bekannt, darf ein höherer Betrag nickn b«. willigt werden. Eine etwaige Befchiverd« ist an das Bezirlsauli zu richten. 2. Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht in Siel.— O. R. 25. Der der ablehnenden Haltung der Gefellsästift bleibt nur die Slaoe übrig. Ob diese aber einen Erfolg haben wird, ist zum mindesten zweifelhaft. Wetterbericht der isienllichrn wetterdienstsiellc für Berlin und Umgegend. (Nachdruck vei b.) Meiil bedeckt und Neigmig zu. Niederschlägen. Temperaturk» einige(Suade über Null— Zür Veutschlaud: Sechlelnd bewölkt und Neigung zu Regeniällen. Oektlich der Oder Frost und strichiveisc Schneesall. VolKsdÜKn eHw�dester ldkkw Zffi Bälff*tteti|Tti. am SdiifftuuE/damm:1 sandderiefB*" Ist-hr Preziosa 8 Uhr V o I p o n• Morgen 3 Uhr Nachtasyl 8 Uhr; Valao ae Täglich 8 Uhr: Das Dratinial des cnbekaAn Soldaten. Walliier» Theater Tägl. 8'/, u. Sonntag 3V, Uhr(Kl. 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Hieraol: Da* Vcilctiea von Franr Moinar Regie: Bug. Robert Die KomSdie Blsmaro; 2414. 751« 8 Uhr Die Gefangene Von Hoordet Regie- M. Reinhardt ThBita.ioIlfiidortoI. Kurfürst 2091 8 Uhr; Klablente mit Max Adalbert Zentral-fli. Täglich 8 Uhr: 9er Trompeter vom flheiu Operette Preise von 1—7 M Nollendorf 7360 •ad a-dire Ntrliiten!' SaukmK c. SMglie 2 Vurstelluoeen 3» und S Uhr. 8" zu ermUIgt Preisen d. ganze Programm TH.KAiHrrrltz St Hasenheide 2110 8 Uhr «Irs.CbfneriEBde Elisabeth Bergner HomOdienneB» Norden 6304 8 u- FrSdildiea «.ILWnb t- Mmi «eiaeiia Tveat Wnrtrgivq Nil. 8'/, E» war einmal In Heldelberg mit d. Schlagerlied Ichhab'metnner« In Heidelberg verloren Vorzeig. S0»/,Ermäß. Parkett von 60 PI. an KäteSchmidt-Sams» Gaston Brloor Dt». Künstler-Tb. Frltzl«aa»ar?t 8:„Die Kdnlgln" Sonntag 3>/, Uhr; P trahl. Wein herz lesstng-Theater Alb.Basaenriann 8: aer TitlaHntadne 7»/, Uhr: Premiere Heier■eaaere. Lustspielbans 8'/, Onldo Thielseher florra-elDJDDie Trianoa- Tbeiier Täglich 8>(« Uhr. Oer gr. Lacberfolg Dr.Stlefllltz ■. mit Lobe n. Ebclsbecher «WwtJaugiSa,(.zj, Theater d. Märchen ör. Wiaaspiiütiaoj Tigl.8'.. Ubr: CHAREUL- R EV U E Sonnt, nachm. S Uhr ung»Wrz««Vor»»llg. zu ermäß. Preisen! Reichshalien'Thealiep Abends 8 Ubr u. Sonntag naefam. 3 ÜHr iidnittiis: Halbe frei« Volle« Prunn] Oönhoff-Bretri Varletd. Tanz, Konzert mit Karl Braun aily Fnlndt d. Filmdiva als Elafantendempi.! S Alan Heroen der Kraft Gebr. Caspraa A uto-Sturzfl leger Sonntag 2 mal. 3 und 8 Uhr Nachm. Kinder helbe Preise ©UM DalUgDgs-.K«bait- o.Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl. eeseb. fertigt seit 48 Jahr. als Spezialität Conrad NUler Schkenditz- Leipzig Alben Springare Grobdarage und Tankstelle Tag und Nacht geöffnet Aoio• Reparatur-Werkstatt Femspr. Norden 1276 u. Alezander 4376 Lothringer Str. 107, Ecke Linien strahe 14, om Prenzlauer Tor MoL a. 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Dies alles erreicht der Sänger nur, wenn er es den größten Bühnen-Künstlern nachmacht, das heißt einige W Y B E RT-Tabletten Im Munde hat, WV B E R T-Tabletten lösen sofort die belegt® Stimme, kräftigen und klären sie, verhüten die Ermüdung der Stimmbänder und wirken reinigend auf die Schleimhäute. Ein» Sehaeht»! WYBERT»nftitfi Bb»r 300 Tablett««. In Apotheken O. Drogerien Berliner Konzerthaus MauerstraBa 82 T�jichT Gr. Kaffee-Nachmittagskonzert bei vollem Orcbester.od freiem Eintritt Abends(mit Ausnahme von Montag und Freitag): Großes Doppelkonzert/ Gesellschaftsabend/ Tanz _ Heute ausnahmsweise nachmittags und abends geschlossen. rfolg MMalnterateha Vorwärts ♦HÜNDE ♦ Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt TlerfirzlUdic PollKlinih ChaussaestraBe 93 neoen Kriogervereinshäus a t>U»la.444ftr Nene Weil Hasanhaide den 8. tätlich: 4gjesi6€«6e» g* Unserem lieben Genossen* j Peter Erhardt« st) ZU: einem 75. Geburtstag und st, st, iewer 35 jähr. Parteizugehörigkeit st, ÜZ die herzlichsten«lückmünsch». st, � Do Tmstet nt He Fnktinin f» � IIA Abteilung Lichtenberg. 9«€€€€€< * Jo Bockbierfest in den bayer. Alpen BHapenen» Nene DeKoratlonen ♦ 30 bayer. Nadl und Alpenball Am 6. Januar verschieb plötzlich nach kurzem schwere» Leiden meine .lieb« ijrau. unsere gut« Mutter.Tochici, Schwiegertochter und Schwägerin «arparethe Gelilv. geb. Tankr im 44. Lebensiabr. In»lefstem Schmerz im Nomen aller Hinterbliebenen W.IH. Heid«. Britz. Zohnstr.S2III Dt« EinSicherung sindet am Montag. den Id. Januar, nachm 5' f Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. BlalaS S Uhr Anfang 7 Ubr Voranzeige; "" Sonnlag, den 9. Januar � Großer Alpenball Verkäufe Dürkopp• Nähmaschinen auf kleinste Teilzahlung. Wlosik. Brunnenstrassc 185, Zwilchen Rosrniholerplatz und JnuaUdcn. itrasse. Norden IIS.* Deehrollenteschke. Leistungsfähigste Spezialfabrik. Rollenwandlung 200,— Rosenlhalerstrosse 26.» Teppech.Jnventur.AtiSverkauf. T»p> piche. Brücken. Diwaiwechen. 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Januar zu richtest o» den Bor stand der Postbeiriebskrankern . kasse. Berlin SA..11, Luckemvald,«» «stratze 4—8.» Zwei?ahre Hanöelsvertragspolitik. Der historische RO. Januar 1925— Ergebnisse— Handelspolitik und Arbeiterschaft« Zeit vor und nach Vertragsabschluß, ist noch kein objektives Bild zu Für den Beginn de» Wiederaufbaues der deutschen Handelspolitik in der Nachkriegszeit war der 10. Januar 192S. der Tag. bis zu welchem Deutschland nach dem Bersailler Bertrag den alliierten Mächten die«inseitige Meistbegünstigung gewähren mußte, das historische Datum. Bis zu diesem Tage bestand keine Möglichkeit, von den übrigen Ländern verträgliche Zolloorteile zu erlangen, weil diese der Entente automatisch ohne Gegen- l e i st u n g e n zugewachsen wären. Es tonnte bis dahin nur der Abschluß oder die Erneuerung allgemeiner Meistbegünsti- gungsoerträge, ohne Bindung von Bertragszöllen in Frage kommen. Solche allgemeinen Verträge— darunter auch der Handels- und Schisfohrtsvertrog mit den Vereinigten Staaten von Ende INI— kamen denn auch schon vor dem 10. Januar 1925 zustand«. Schwierigkeiten und Ergebnisse. Aber auch nach Wiedererlangung der Handlungsfreiheit hatte Deutschland erhebliche politische und Stimmungswider- stände im Ausland zu überwinden. Außerdem standen Schwierig- teilen In den valutaschwachen Ländern und der Selbstschutz der neu- oder stärker industrialisierten Länder den Wünschen Deutschlands nach voller gegenseitiger Meistbegünstigung und der hondelspoli- tischen Gleichberechtigung für die deutschen Staatsangehörigen und Unternehmungen im Ausland entgegen. Auf der anderen Seite ver- zögerte stch die Reform des handelspolitischen Handwerkszeugs Deutschlands sehr lange(bis Herbst lS25V dos mit seinen Ein- und Ausfuhroerboten und dem Zolltarif für Verhandlungen mit Ländern nicht geeignet war. die Maximal- und Minimaizöll« hoben und die zollpolitische Meistbegünstigung prinzipiell nicht gewähren. So kamen im Jahre 1925» nachdem der einzige Dertrach mit Zoll- bindungen." derjenige von 1924 mit Spanien, 1925 von Deutschland ' � worden war, t Itali en und gekündigt und durch eine provisoriscke Regelung e nbarunaen nur die ustande, in denen wechselseitige Tarifermähigungen Verträge von wichtigen Vereinbarungen B e l g i en erfolgten. Ferner Bortriegsverttßgen mit Norwegen. und der Schweiz, die durch die bisherigen Einfuhrverbot« praktisch eine Wirtschostsverträge mit Ruß- torifbindungen, da beide Ergänzunas abkommen zu Griechenland. Holland entwertet waren und allgemeine Wirtschostsverträge mit Ruß- land und den Vereinigten Staaten ohne Torifbindungen, da beide Länder nur die allgemeine Meistbegünstigung, aber keine Zollermäßi- gungen gewähren. Im Jahre 1926 wurde der deutsch» schw e di s che und der deutsch- schweizerische Handelsvertrag mit Zollbindungen ab- geschlossen: daneben Ergänzungs- bzw. Vorverträge und einige kleinere 5)andclsverträge mit nordischen Staaten, Frankreich. Spanien, Italien und der Türkei. Die Verhandlungen mit Japan sind so gut wie beendet. Ueber endgültige Verträge wird zurzeit mit Polen, Frankreich und der Tschechoslowakei �verhandelt: weiter- hin stehen durch Ansicht' WD.... und endlich sollen die Beziehungen mit den Balkanstaaten, Estland, Litauen und anderen für den deutschen Export nicht sehr wichtigen Ländern bald in feste handelsvertragliche werden Formen umgewandelt wo» ist erreicht worden? Auf den ersten Blick könnt« au« der Bielzahl dar geschlossenen und geplanten Haupt-, Bor. und Ergänzungsverträg« der Eindruck entstehen, als ob in den vergangenen beide» Aufbaujohren schon sehr viel, vielleicht auch schon da» Wichtigst« geschehen wäre. Aber es fehlen nicht nur zahlenmäßig viele Verträge mit für den deutschen Export hervorragend wichtigen Ländern, sondern«« ist auch festzustellen, daß die bisherigen Vertrag« und Abkommen dem I n- halt nach, da sie nur verhältnismäßig geringfügige Zoll« «rmäßigungen für einen jeweils kleinen Ausschnitt der«spart- wichtigen Waren bringen, doch erst die L» r st« f e für ei» wirtlich befriedigendes System zollpolitischer Abmachungen darstellen. Es liegt nun freilich im deutsche» System der Meistbegünstigung mit listenmäßig gebundenen ZollermSßigrmgen, daß jeder FortschrAt im Anfang nur sehr klein sein kann und daß erst in dem Maße, wie weiter« Handelsverträge zustandekommen, immer mehr Tarifermüßi- gungen herouszuhandeln sind. Während nämlich diejenigen Staaten, mit denen Deutschland zuerst Meistbegünstigungsabkommen mit Vertragszöllen abschloß, tatsächlich nur solch« deutsche Zollzugeständ- nisse erhalten konnten, die speziell ihnen zugebilligt wurden, wo- hingegen Deutschland vom Vertragspartner durch die Meistbegünsti- gungsklausel alle dritten Staaten bereits gewährten Zollzuge- ständnisfe automatisch mit erhielt, ändert sich di« Lage nach Abschluß eines jeden neuen Vertrages zugunsten sämtlicher Vertrags- stooten, die nun in den Genuß der n e u ausgehandelten Ermäßi- gungen des deutschen Zolltarifs msteintreten. Das Entsprechende gilt natürlich auch zugunsten Deutschland». Beispielsweise hat im abgelaufenen Jahre Deutschlands Außenhandel mit Ungarn einen erheblichen Aufschwung genommen, aber nicht deshalb, weil «in neuer Handelsvertrag zwischen beiden Ländern abgeschloffen worden wäre, sondern weil die Zollermößigungen Ungarns aus neu- geschlossenen Verträgen mit Oesterreich, Italien, Frankreich und Spanien automatisch der deutschen Ausfuhr nach Ungarn zu- gute kamen. Für die Frage, ob die deutsche Handelspolitik er- f o l g r e i ch gewesen ist. ist auch auf Grund eines Vergleichs zwischen dem Wert der deutschen Exporte nach jedem der Vertrags- stallten und dem Wert der Einfuhr von dort»ach Deutschland für die bekommen. Von Jahr zu Jahr ergeben stch bestimmte Ver- schiebungen, auch solche zufälliger Art im Handelsverkehr. die die Zuverlässigkeit solcher Vergleiche erheblich beschränken. Gerade im Jahre 1926 haben der englische Streik und die Auswirkungen "Ä2Bit M �— der deutschen t s ch a f t s k r i s e die Auswertung der Zissern des Handelsverkehrs fast unmöglich gemacht. Außerdem läßt die Feststellung, daß Deutschlands Außenhandel mit einem bestimmten Sande noch Abschluß eines Vertrages.aktiver" oder.passiver" ist, nicht alle Wirkungen des Vertragsabschlusses erkennen. Es müßte dazu weiter festgestellt werden, ob der deutsche Anteil geworden an der Gesamteinfuhr einer jeden wichtigen War« nach dem Der- tragsland gewachsen ist, und umgekehrt, oh die Mehreinfuhr Deutschlands an zollbegünstigten Waren aus dem Vertrags- land zusätzliche Einsuhr und Verdrängung inländischer Pro- duktion war oder nur Ersatz der Einfuhr au» anderen Ländern zur Folge hatte. Tatsächlich hat sich im vergangenen Jahre der deutsch« Außen» Handel, da er bei größerem Umfang eine geringere Passivität zeigt. gegenüber fast allen Vertragsstaaten.günstig' entwickelt. Be- sonders deutlich wird dies im deutsch-französifchen Waren. verkehr. Während der Passtvsaldo zuungunsten Deutschlands im Vierteljahresdurchschnitt 1925 noch 95 Millionen Mark betrug, ist unter der Herrschaft de» Frühgemüseabkommens und des Handels- vertraglichen Provisoriums vom August die Passivität während der drei eisten Vierteljahre nach und nach auf 21,6 Mill., auf 17,8 und 0,5 Mill. Mark zurückgegangen. Aehnliches gilt im Handelsverkehr mit den meisten übrigen Vertragsstaaten. Was von der.Besserung' aber auf Konto der vertraglichen Erle Ich terungen zu schreiben Ist und was als Folge besonderer Wirtschaftsverhältnisie angesehen werden muß, das ist schwer voneinander zu trennen. Man kann im großen und ganzen nur feststellen, daß nach dem Wiederauftreten Deutschlands die Normalisierung der handelspolitischen Methoden und Beziehungen ganz ollgemein weiter« Fortschritte gemacht hat und daß Deutschland an dieser Entwicklung mit profitiert hat. SpeziaNnteressen und Staatspolitik. Freilich bedeutet das relativ günstige Ergebnis noch kein Ein» Verständnis mit den deutschen handelspolitischen Methoden. Vieles von dem, was aus handelspolitischem Gebiete getan wurde, fordert zu schärfstem Widerspruch heraus. Das gilt ganz besonders von der Art, wie die Regierung, statt planmäßig und unbeeinslußt von Sonderintereisen selbst zu handeln. Interessentengruppen di« Zeit und Gelegenheit zu Privatoerhandlungen und-ab» kommen gelassen hat. Sicher ist es gerade auf handelspolitischem Gebiet sehr schwer, die Maßnahmen so zu treffen, daß ein gerechter Ausgleich aller Interessen, und schwieriger noch ein v o l t»- wirtschaftlich richtiges Handeln dabei hcronskommt. Es gehört ja gerade zum Wesen der Handels- und Zollpolitik, daß jede noch so kleine Verschiebung im Bestehenden stch unmittelbar in einem finanziellen Dorteil oder Nachteil bei irgendwelchen Inte» essenten auswirkt. Aber eine Handelspolitik, in der die staatlichen Organe, statt der Gesamt wirtsckiost verantwortlich« Förderer und Fuhrer zu sein, lediglich den Interessenausgleich zwischen den mächtigen Wirtschaftsgruppen belorgen und damit zu .Maklern" und bloßen.Geschäftsführern" ihrer Austraggeber werden, ist eine volksnürtschaftliche Unmöglichkeit, vi» Folg« einer solchen Politik muß fem, daß die Interessen aller jener Wirtschafts- kreise preisgegeben werden, die nicht wie Schwerindustrie und Großlandwirtschaft über die Möalichkeit verfügen, sich die Staats- macht durch unterirdische CInflüss« zum Diener zu machen. Da» sind insbesondere die breiten Konsumentenmosien und die zersplitterte Fertigindustrie. Di« groß« Gefahr liegt hier nicht in der.Unge» rechtigkeit", daß bestimmte Wirts chostskreise doppelt« Gewinn« machen, sondern daß durch das Ueberwiegen schwerkapitalistischer und großagragrischer Interessen dos gesamt« Wirtschaftsgesüg« in der Entwicklung seiner Leistungsfähigkeit und der Erhaltung des Gleichgewicht« auf die Dauer gefährdet wird. haadelspoNkik und Ardeikerschtlfk. Es muß deshalb versucht werden, die Handelspolitik de» Händen der Interessenten zu entwinden und st« stärker als bisher nach allge- mein wirtschaftlichen Gesichtspunkten staatspolitisch selbständig zu führen. Nichtdi«.Entpolitisierungder Handelspolttik" ist dos Ziel, sondern im Gegenteil: die richtig verstanden« P o l i t i s i e r u n g. die unter Beseitigung von Spezialeinflüssen da» Interesse der G e sa mt w i rtscha st zur einzigen Richtschnur macht. Der Arbeiterschaft fällt in erster Linie die Aufgab« zu, für die Durchsetzung einer solchen reinen.politischen' Handelspolitik zu kämpfen. Nicht nur, weil die Arbeiterschaft die berufene Bertr'eterin des Mossenhausholts der Konsumenten ist, dessen billigste und wirtschaftlichste Versorgung das Ziel auch für jede Hondelsvertragspolitik fein mutz. Sondern auch weil es in der Arbeiterschaft, und zwar über die nationalen Grenzen hinaus, Gegensätze des privatkapitalistischen Sonderinteresses nicht gibt und die Arbeiterschaft deshalb von vornherein mehr Augenmaß und mehr Fingerspitzengefühl für das wirtschaftlich« Gesamtinteresse zu entwickeln vermag. Denn nur für die Arbeiter- massen gilt, daß ihre wirtschaftlichen Interessen mit den allgemeinen jallen. E. T. Eine Wohnuogszählung im Reich. Im Frühjahr 1927. Wie das Reichswirtschastsministerium mitteilt, hat der Reichsrat einen Gesetzentwurf oerabschiedet, der ein« Reichswvhnungszählung für das Frühjahr 1927 vorsieht. Die gegenwärtig über die Wohnungsverhältnisse im Reich vor- liegenden Unterlagen beruhen auf der Reichswohnungszählung vom Mai 1918 und sind für die Zwecke der Wohnungspolittk nicht mehr zureichend. Bei der in Aussicht genommenen Reichswohnung s- Zählung wird besonderer Wert darauf gelegt werden, diejenigen Wohnungen, in denen mehrere Haushaltungen oder Familien gemeinsam untergebracht sind, besonders eingehend zu erfassen, Gezählt soll in allen Gemeinden werden mit einer Ein- wohverzahl von 2000 Einwohnern.— im Gegensatz zu der Reichswohnungszählung 1918, in der die Grenze auf 5000 fest- gesetzt war, wobei die Länder allerdings die Möglichkeit hatten, auch in Gemeinden mit wenigen Einwohnern die Zählung durchzuführen. Bei der jetzt beabsichtigten Reichswohnungszählung soll den Ländern auch die Möglichkeit gegeben werden, in Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern die Erhebung durchzuführen. Dies wird besonders in den kleineren Orten erforderlich sein, wo sich während und nach dem Kriege neu« Industrien gebildet haben. Die gestellten Fragen sollen i» erster Linie über Größe und Beschaffenheit der Wohnung, über die Art ihrer B«- l e g u n g und über die Zusammensetzung der Wohnungs i n s a s s e n Ausschluß geben. Zur besseren Beurteilung des Umfangs, in den die Wohnungen belegt sind, find auch Angaben über Alter und schlecht der Wohnungsinsajsen vorgesehen. nie»» von fast 12 auf 13,8 Proz der Gelamtmenge angewachsen. Dogegen Hot Deutschland im Jahre 1925— 1926 dürft« sich hieran noch nicht viel geändert haben erst 13 Proz. der Gesamtproduktion gegen fast 20 Proz. in der Vor- krieg»zeit, geliefert. Auch der Anteil aller übrigen Länder i't zurückgegangen, nämlich von 18,4 Proz. im Jahre ISIS aus 15,7 Proz. im Jahre 1925. Wenn es sich hier auch um Schätzungen handelt, so zeigen diese Schätzungen doch für di« Industrie Deutsch- land»«in« sehr charatteristilch« Entwicklung auf, die sicher unter- blieben wäre, weim der deutsche Produttionsopparat in der Inflationszeit nicht unrationell ausgedehnt und dabei der Anschluß an die Äeltkonkurrenz von der Maschinenindustrie nicht versäumt worden wäre._ Der Güterverkehr bleibt rückgangig. Die Güterwogengestellung der Reichsbahn ist in der Woche von 19. bis 23. Dezember weiter zurückgegangen. Da die Woche nur fünf Arbeitstage zählte, darf nicht die absolute Ziffer für di« Wagen- gestellung verglichen werden, die mit 662 300 Wagen um über 200 000 Wogen hinter der Lorwoche zurückbleibt, sondern die Durchschnittsgestellung pro Arbeitstag. Diese ist aber ebenfalls be- trächtlich, von 145 400 aus 132 500 gesunken, womit der st ä r t st e Rückgang seit der dritten Nooemverwoche zu verzeichnen ist. (In 1000 Stück) wöchentlich Wach« tarGschnlttN» pro«rdetlewg Wie die Tabelle zeigt, ist der orbeststöglich« Durchschnitt der ZLagengestellung seit der dritten Nooemberwoche ununterbrochen gesunken. Auch wenn man die Saisonmoment« und den Rückgang der Kohlenerporte in Rechnung setzt, ist da» Tempo des Rückgang» beachtlich. Die setzt allgemein festzustellende Ver- schlechterung auf dem Lrbeitsmarkt erfährt dadurch eine interessante Beleuchtung.___ Die Reichspost im November. Nach dem Monatsbericht für November ist der Verkehr der Reichspost ziemlich rege gewesen. Der Pvstscheckvrrkehr zeigt bisher noch nicht erreichte H ö ch st z a h l r n. Es sind im November 3506 neue Konten zu- gekommen, gegen Ende de» Berichtsmonats bestanden 890 049 Kon- ten mit einem Guthaben von 569 Millionen. Der Telegraphen- verkehr ging zurück, auch der Fernsprechverkehr hat etwas abge- nommen: ebenso zeigt der Auslandsfunkverkehr einen 6pro,entigcn Rückgang. Die Zahl der R u n d f u n k t e i l n« h m« r ist um 4 Proz.. mithin um 51 000 auf 1 337 122 gestiegen. Di« E i n na h- me» bliebe» mit 142 Millionen gexen den Bormot um 8,5 Proz. zurück, die Ausgaben betrugen 137(140 Will. I B). Gegenüber dem August sind die Einnahmen um 10,2 Mill. gestiegen, die Aus- gaben um 4,7 Mill. gefallen, so daß«in« Besserung auch der sinon- ziellen Verhältnisse. festzustellen ist. Meder eine Landbundgenossenschafl pleite. Ueber die Ober.. barnim« Londbundgenvssmfchaft t®. m. b. H., Wriezen, ist nun- mehr da» Konkursversahren eröffnet worden. Ein« Glüu- bigerversammsting wurde auf de» 28. Januar einberufen. Rückgang der Antomobilprodukkloa bei Ford. Die Produktion der Ford Motor Company betrug im Dezember 40 000 Wagen, so daß die Gesamtproduktion für da» abgelaufen« Jahr sich auf 1.447 Millionen Wagen beläuft. Im Vergleich unt 1925 ist dies«in Rückgang um 35100» Wagen oder 19 Proz. Die Kesten der Zählung sind von den Ländern' zutragen, das Reich will jedoch einen Beitrag» o n 600 000 M. zuschießen. Während der Reichsrat den Zuschuß des Reichs an die Länder verdoppell wissen will, hält die Reichsregierung bei dn» zum mindesten gleichwertigen Interesse, das auch di« Länder an der Zählung haben, an ihrem bisherigm Standpunkt fest. Eiiu Tariflohnstatistik 1927. Nach Anhörung des lohnstatistischen Beirat« beabsichtigt der Reichswirtschaftsminister im Einvernehmen mit dem Reichsarbeits- minister neben der bereits bestehenden Tarislohnstatistik im Jahre 1927 Erhebungen über die tatsächlichen Arbeits- Verdienste in einzelnen Industriezweigen, be- ginnend mit der Textilindustrie, durch das Statistische Reichsamt ausführen zu lassen. Die Erhebungen seien erforderlich, um ein einwandfreies Bild über die in der Mrtschaft tatsächlich gezahlten Löhne zu erhalten. Ein entsprechender Verordnungsentwurf ist in Vorbereitung. » Die Maschinenproduktion in den einzelnen Ländern. In dem Halbjahrsbericht der Reichskreditgesellschaft („Deutschlands wirtschaftliche Lage") wird der Wert der Well- Produktion an Maschinen für 1913 aus 13wö Milliarden Mark, für 1925 auf 2 2,0 6 Milliarden Mark geschätzt. Aus Vor- kriegswerte umgerechnet, d. h. unter Ausschaltung der seit 1913«in- getretenen Preissteigerungen, würde stch die letztere Zahl aus 14,70 Milliarden Mark ermäßigen. Danach ergibt sich für 1925«ine Zunahme der Weltproduktion um nicht ganz 10 Proz. Der Anteil der B e r e i n i g t e n S t o a t e n an der Weltproduktion, der 1913 bereits 50 Proz. betrug, ist IN? auf fast 5 8 Proz. gestiegen. Etwa im selben Verhältnis ist die Produktion Großbritau- .MM Das steigende Verlangen »ach PJC-Kea-Bonbon* beweist ihre Beliebtheit in allen Krewel». Stets reiner Mund und dauernd angenehm duftender Atem Der reiche Speichelfluss beim Kauen ist den Zähnen zuträglich und hilft der Verdauung. 6. B. 1 Packchen- 4 Stuck- 10 Pf. 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Ein Mörder also.— Darnach sah er nun eigentlich nicht aus. Sicher hatte er einmal besiere Tage gesehen.— Zu dumm, einer den anderen totzuschlagen! Ja. aus was für'n Blöd- sinn die Leute oft verfallen:"— philoloxhlerte Jette, wendete das Kopfkissen, das noch den Eindruck von des Mörder» Kopf auf- wies, und kroch ins Bett, und schlief bi» zum Abend. Erschrocken fuhr sie auf. Der Kopf war Ihr so benommen. Ja, warum blökte denn die Ziege so laut?— Ach,— natürlich war sie hungrig. Jette rannte hinaus, fütterte dos Tier, ihm dabei zärt» lich da» Fell krauend. Gemolken mutzte sie ja auch werden. Die Hiihnrr saßen schon längst auf ihrer Stange. Na, die hielten es schon noch aus Als Jette sich bückte, um Feuer in den Ofen zu legen, überfiel sie e-n Schwindel. Der Kops schmerzte ihr,— essen mochte sie auch nichts. So kroch sie wieder in« Bett. Der Schlaf wollte aber nicht kommen. Alle Knochen im Leibe taten ihr weh. Sic fiebert«. Ruhelos warf sie sich hm und her. Draußen heulte und tobte der Winterfturm. Ein richtiges Schneegestöber war's. Ganze Schneeberge wehte der Sturm vor Ihre Hütte. Jette fror selbst im Bett. Darum stand sie auf und versuchte nochmals Feuer in den Ofen zu legen. Es wollte nicht brennen: der Schornstein saß voll Schnee. Als es endlich Tag war, kroch sie fast auf allen Vieren in den Stall, um die Ziege hereinzuholen. Da, arm« Tier stand bis an den Hals im Schnee. Durch all« Ritzen war er herein« oeweht. Am ganzen Körper zitternd, verkroch sich das Tier in einem Dinkel. Es erholte sich jedoch bald. Am Boden kauernd, versuchte sie die Ziege zu melken. Mit vieler Mühe gelang es ihr endlich. Wieder verging ein Tag und eine Nacht. Es schien, als ob draußen all« Möchte der Hölle losgelassen. Durch Sturm und Schnee kämpft« Jett« sich nach einem Derschlag> beim Ziegenstall, um ein mächtiges Bündel Heu hereinzuschleppen. Sie ließ auch die Hühner w die Stube, weil die klein« Küche nach der Mndfeite lag Jette füh'k es. sie war krank, todkrank war sie. Alle ihre Sorgen, gallen nur noch den Tieren. Wenn doch nur ein Mensch käme, sich der Tiere anzunehmen. E» kam niemand. Bei solchem Toben fand niemand in»»flexenhaus". Bon Angstschauern geschüttelt, lag Jette und lauschte. Ks raschelte«was über ihr. Es war gewiß im Schornstein. Richtig, da fiel auch schon«ine Ladung Schnee hinunter auf den Feuer» Herd Mit dem Schnee kam eine weiße Taub«. Sie war ganz er- schöpft: ein Cisklumpen hing an den Schwanzfedern. Jette mußte lächeln, obwohl ihr sterbenselend zumute war. Sie hatte um Hilfe gebetet fijr ihre Tiere, nun schickte ihr der liebe Gott noch ein hilf- loses Geschöpf dazu. Jette stand in der Küche. Sie schwankte, als fei sie betrunken. Den herabgefallenen Schnee schaufelte sie in Töpse, Schüsseln und Waschfaß Run hatten die Tiere doch wenigstens Wasser und Futter für die nächsten Tage,— wenn sie nicht mehr da sein sollt«. Der Taube nahm fie den Eistlumpen ab und steckte sie einfach ins Bett, wo fie sich sehr schnell erhalle. Sie flog bald vom Bett auf den Tisch und leerte durstig eine Untertasse voll Wasser. Jette erinnerte sich, daß sie irgendwo eine Tüte mit Erbsen stehen hatte, die sie letzten Herbst auf dem Acker gesammelt hotte. Sie fand sie im Küchcnschrank und leerte den ganzen Inhalt auf den Tisch. Nun konnte auch die Taub« vorläufig nicht verhungern. Und wenn einer von ihren„Gästen" kommen sollte,— Jette lächelte wieder.—«in rührendes Lächeln,— draußen stand ja noch die Nudelsuppe und fast das ganze Hühnerfleisch. Das würden sie schon finden. Nun. wo für Mensch und Tier gesorgt war. kam die große. wundersekige Ruh« über die Nimmermüde Mit Riesenschritten "V ginge bergab. Das Fieber stieg. Aber st« litt nicht mehr: ihr Geist begann sich zu verwirren. Sie sprach mit der Ziege, als sei sie der Ki-tminolbeomte. Sie bat die Taube, ihr doch«in Schlückchen Wasser zu reichen. Durstend öffnete fie die brennenden Lippen. Gurrend saß die Taube auf dem Lettrande und blickt« fie mit ihren roten, runden Aeuglein an. Jette lächelt«. Sie war wieder ein Kind, ein glückliches, frohe« Kind, das auf dem großen Gutshofe im Elternhause Hunderte von weißen Tauben fütterte. Sie stiegen ihr auf die Schulter, sie stiegen ihr auf den Kopf sie fressen ihr aus der Hand.„Annette! Annette!" ruft eine liebe, weiche Stimme. Die Mutter ist's— Schön und stolz steht sie oben aus der Terrasse und lächell und winkt. Und über allem siegt die Sonne, Sonn«,— Licht und Freud«. Begehrend zittern ihre spröden, rissigen, fiebernde» Lippen. Jette ist tot. Draußen ist die Natur auch zur Ruhe gekommen. Der Sturm hat ausgetobt. Es sst Tauwetter eingetreten. Der erste, der sich nach Tage» im �exenhaus" einfindet, ist Jens Sieinklopfer. Er hat so oft sein« Brotschnitte, die ihm in der Tasche zusammengetrocknet waren, in Jettes Slübchen bei einer Tasse Kaffee hinuntergespült. Heute treibt ihn die Sorge um Jette. Cr muß doch einmal nachsehen, wie sse das Unwetter überstanden hat. Jens muß sich erst einen Weg durch Eis und Wasser bahnen. Als er die Tür öffnet, fliegt eine weiß» Taub« an ihm vorbei ms Frei«. Im Stäbchen scharren die Hühner noch dem letzte« Körnchen. Die Ziege blökt, weil ihr das volle Euter schmerzt. Jette liegt friedsich schlafend im Bett und lächelt. Jens geht näher her- an und sieht, daß die Alte tot ist. Jene Steinklopfer nimmt seine Mütze ab und murmell«in stilles Gebet. Dann geht er zum Semomd-vorsteh«. de» Tod der Alten zu meld«. � Biel« Kosten hat Jette der Gemeinde nicht verursacht. Es steckt doch noch allerhand Wert in der Hütte mit allem toten und lebenden Jnoentar. Jette siegt aufgebahrt in der steinen Stube. In der Leichen- halle liegt ein toter Vagabund, schlimmer noch, ein Verbrecher, ein Mörder, den man unweit der Stadt gefunden hat. Er ist im Schneegestöber umgekommen. Der On. wo man ihn fand, gehört zum Iwrfe, also muß ihn die Gemeinde begraben. Yen, Steinklopfer steht in der Halle und betrachtet die Leiche. Dieser ruhelose, zu Tode gehetzt« Mensch, auch er trägt den Ab- glänz de» Friedens im Angesicht. Er sieht aber doch merkwürdig Zu den Kircheuaustritten in öraunfthweig. Der liebe Golk:.Ich selber würde es auch nicht anders machent".'~■ aus in seiner wollenen Deiberjack«. Jen» möchte darauf schwören, daß er diese Jacke oft an Jette gesehen hat. Di« kam es nur, daß so viel« von Jettes„Gästen" von ihrem Tod« erfuhren? Wer kann es jagen? Die Kinder der Landstraße kennen sich ja im weiten Umkreise. Alle, die mehr oder weniger im »Hexenhause" ein. und ausgingen, finden sich hier wieder zusammen zum letzten Schmaus. Zum Leichenschmaus, den ihnen Jette noch selber zubereuet hatte. Jens Steinstopfer wärmt die Nudelsuppe, die er in der Küche findet, st« hat zwar schon einen steinen Stich ins säuerliche, ober das macht absolut nichts, sie schmeckt vorzüglich. Jette liegt im Sarge und lächell ihnen zu. Als das letzte Hühnerbein abgenagt ist. tragen sie den Sorg hinaus. Mit Tannengrün haben sie ihn geschmückt und nun sieht der schwarz« Armensarg gar nicht so häßlich aus. Durch patschigen Schnee gehen sie hin- über zum Friedhof. Das Schneewasser dringt den Aermften der Armen unbarmherzig durch die zerrissenen Stiesel. Sie achten es kaum. Sie ziehen die verschlissenen, dünnen Jacken enger zusammen. Zähneklappernd umstehen sie die Gruft. Jyab' Dank. Mütterchen!— Schlafe wohl, du Gute.— Nimmermüde!" Dumpf poltert die Erde aus Jettes Sarg. Das Gefolge löst sich vom Grabe. Wie der Wind einen Haufen Blätter aufwirbelt und in alle Winde verstreut, so treibt das Schicksal auch dies« Menschen auseenander. Jette ruht nun aus auf dem kleinen Kirchhofe. An der Weiß- dornhecke liegt st«. Neben ihr schläft der Mörder. Man hat ihn zwar an der Mauer verscharrt. Jette liegt aber so nah«, daß sie sich über dem schmalen Pfad, der die beiden Gräber trennt, de» quem die Hände reichen können. Frühlingssonne küßt Jütlonds Heid«. Frühlingssonne küßt Jettes und de« Mörders schmucklose Hügel. Mus To'ftois Leutnantsjahren. Als Tolstoi noch fern im Kaukasus in MMtärdienst stand, ewig umherbummelnd, trinkend, Karten spielend und dabei doch stets von neuem fei« Laster oerfluchend, schrieb er alltäglich sorgsam nieder, was er an Anstagen und Vorwürfen gegen fich vorzubringen hatte. Sogar während des Krimkrieges, auf feinen ausgedehnten Reisen durch Europa und in den ersten Jahren auf dem heimatlichen Gut Jasnaja.Poljano setzt« er nie damit aus, all« feine Erlebnisse, fein« er« kannten Schwächen und Fehl« gedankllch durchzuarbeiten und schrift- sich niederzulegen. Und dann, eines Tages, hörte« auf bannt, er fühlt« sich zum erstenmal glücklich und geläst. er arbeitet« an seinem Wert.Krieg und Frieden". Bis zum Jahre 1878 sollt« das Tagebuch unberührt in seiner Schublade schlummern. Merkwürdigerweise sind die Aufzeichnungen Tosstois aus dieser frühen Epoche erst in der ollerletzten Zell veröffentticht worden, zwei »önte:.Tolstoi» intim« Tagebücher� erschienen in französischer Sprach«, herausgegeben von Chuzevill« und Pozner. Aus diesen Tagebüchern kann man schon im jungen Tolstoi den alten sehen. Tolstoi ist unnachfichtlich gegen sich, er schreibt: ,Lch bin häßlich, bösartig, schlecht erzogen, reizbar, jähzornig und ungerecht gegen andere. Eigentlich bin ich sogar unwissend, dazu bin ich auch un- «ntscfalossen, unbescheiden, unduldsam und dann wieder schüchtern, wie «in Kind. Dabei bin ich unglaublich«ingebildet, wie all« Schwäch- singe. Mir fehlt«s an Tapferkeit." Und so geht es noch lange Zeilen weit«: j» unbarmherzige» Eelbsworwürsen, er erniedrigt sich au» dauernd vor sich selber, er schwelgt fast in Sellsstherabsetzung und in der Verneinung alles Guten in sich. Damals war Tolstoi 25 Jahr« alt. Diese Tagebuchblätter des jungen Tolstoi entheben uns eigentlich der Mühe, fein Leben in zwei Abschnitte zu zerteilen, in den Tolttoi vor und nach der Bekehrung. Denn sein Leben, wie er es in d'.„i«n Blättern genau zergliedert, war doch von einer bewundernswerten und geschlossenen Einheitlichkeit. Aus diesen Tagebuchaufzeichnungen sst klar ersichtlich, daß er schon immer ein Evangelist gewefen ist. Cr schreibt:„Ich erfetze alle Gebete durch das„Dater unser", denn in ihm sind alle anderen enthalten."— Das ist nicht der Alle mtt den buschigen Augenbrauen und dem langen welßen Bart, der so sagt. sondern ein junger strammer Fähnrich, der sein Leben mit seinen Kameraden voll auskostet und zwischen zwei Saufgelagen und zwei Kartenpartien daheim crm Schreibtisch sich selbst zu finden bemüht sst. »Leo Rikolajewitsch", sagte einmal sein Bruder,„hat wieder einmal den ganzen Kaviar vom Brot geschleckt und läßt uns die leeren Scheiben stehen." Am gleichen Abend schrieb, noch den Duft des Kaviars auf der Zunge, derselbe Leo Nikolajewissch in sein Tagebuch. daß er niemals m seinem Leben wieder Kaviar essen werde. So geht er radikal und völlig rücksichtslos gegen sein« Fehler an. In etwas eigenartiger Weise oersucht er, in sein« Sündenbuch- führung Ordnung und Uebersicht zu bringen, er numeriert« sie«in- fach. Er kam bei dieser Methode auf recht hohe Zahlen, denn im allgemeinen war er doch noch seinen eigenen Ermahnungen gegenüber etwas ungehorsam. Eines Tages jedoch erkannte er. daß irgendwo noch ein Denksehler stecken müsse, daß er auf diesem Wege nicht viel erreichen würde. Schritt für Schritt muß ich das Terrain«robern, sagt er sich und sst auf diese Entdeckung sehr stolz.„Mein Haupt- irrtum", schreibt er,„war, daß ich Selbstveroollkommnung mit Voll- kommenheit oerwechselt«. Man muß erst einmal damit beginnen, sich selber klar zu sehen, seine Fehler zu erkennen und dann zu versuchen. dies« Fehler zu tilgen. Das sst richtiger, als gleich nach einer nie erreichbaren Bollendung zu streben." Der von ihm hiermit erkannte Gedanke war an sich banal genug, aber er war doch der Ursprung seiner ganzen moralischen Cntwicstung, die ihn in die geistige Hölx führt«. Zwischen Stößen unbezahlter Milch-, Brot- und Schneider- rechnungen, die alle seine Schubläden füllten, stellte er sein moralisches Soll» und Habenkonto aus. Dabei kam er so weit, daß er seine Hauptfehler auf nur drei reduzieren konnte: Unbeständigkeit, Eharakterschwäch« und Faulheit. Wochen hindurch beschließt er jede Togebuchniederschrist mit dem Satz:„Was mir am meisten in diesem Leben fehll, ist, mich von meiner Unbeständigkeit, meiner Charakter- schwäche und meiner Faulheit zu befreien." Tolstoi wendet also schon damals die autosuggestive Methode an, mit der Jahrzchnt« später der Nancyer Apotheker Couö erfolgreich„arbeitete". Auch Tolstoi sieht Erfolg«. 18S7 schreibt er:„Ick) bin beglückt von der Schnelligkeit, mit der meine moralische Entwicklung fortschreitet." Wenn ein junger Mensch, mitten im Kaukaius. in einem un- kull werten Lande, inmitten unwissender Dauern und einer fast zügellosen Sodoteska ein so naives und doch von starkem Willen zum Guten ersülltes Tagebuch schreiben kann, wenn er sich immer wieder damit abquäll, neue seejische und geistig« Erkenntnisse zu sammeln. dann tonn man schon ruhig von ihm sagen, daß er anders, besser ist, als die ihn umgebenden Menschen, die sinnlos und unüberlegt i» täglichem Einerlei tatenlos ihr Leben abrollen lassen und es ver- geuden. Tolstoi liest viel in seinen stillen Stunden, er liest Dickens, Goethe, vor allen Dingen aber Rousseau, den er zwar später. für viel« seiner Irrtümer verantwortlich macht, den er aber auch als seinen großen Lehrmeister anerkennt. An der übrigen»renzosikchen Literatur kann er sedoch kaum Gefallen finden, er sieht einige Stücke von Molier«, die ihm gar nicht zusagen, er lehnt, und das mit vollem Recht, Roman« von Eugen Sue ab und spricht einige Male von Albernheiten, die er bei Balzac gesunden haben will. Welche—, das sogt er leider nicht. Sicher aber sst, daß ihm der sranzissssche Esprit in seiner etrvas oberflächlichen und spöttischen Art durchaus nicht behagt. Di« Antik« ist ihm bedeutend'kieber. Er war 28 Jahre all, als er die Schönheit der Jlias entdeckt«, er erschauert« innerlich vor Begessterung und Ehrfurcht. In seinem Tagebuch findet sich «in« Notiz, die er macht«, als er gleich noch der Lektüre der Jlias noch einmal das Evangelium gelesen hatte:»Konnte denn Homer nicht erkennen, daß das Schön« die Lieb« ist?" Tolstoi war, entgegen feiner eigenen zu strengen Meinung gegen sich, durchaus nicht faul. Er schrieb unzählige Bogen, voll mit den verschiedensten Beodachtirngen, auch solchen historischen und geographischen Inhalts. Sein Ideal, regelmäßig jeden Morgen einen Bogen zu schreiben, wie es z. L. Zola stets getan, tonnte er nie erreichen, dazu war sein Geist doch zu unruhig. Es war ihm nie möglich, sich zu festgesetzter Stunde programmäßig an seinen Schreibtssch zu setze» und programmäßig zu arbeiten. Nach jahrelangem Kampf« resigniert« er in dieser Beziehung. Wenn er fühlte, daß die Wogen seiner Ge- danken über ihm zusammenschlugen, daß er sie nicht mehr bändigen und in«ine geschlossene Form bringen konnte, dann warf er oie Papier« beiseite, nahm sein Gewehr und ging hinaus aus die Felder zur JaQÄ. Auch über sein« sentimentalsten, sein« intimsten Erlebnisse, seine Erlebnisse mit Frauen berichten diese Tagebuchblätter. Einen ziemlich wciten Raum nimmt darin Valeria Arseniewna«in. Di« Familie Arsenjew wohnt« in allernächster Nachbarschaft von Jasnaja-Poljana Tolstoi war häusiger Gast dort, allgemein nahm man an, daß er Dalerias wegen so viel bei den Nachbarn welle, daß er die Haus- tcchter liebe. Er selber schreibt jedoch, daß er Valeria fast dumm fönde, well sie unverständliche, wenn auch liebenswürdige Torheiten daherrede, daß sie sicherlich leichtjertig. affektiert und stumpfsinnig fei, daß sie häßliche Arme habe und eines Tages entdeckt er voll Entsetzen, daß sie auch noch dicker geworden, als sie bisher gewesen, Lein Urteil lautet«, daß«r auch nich, da« geringst« für sie empfände. Aber am 24 Oktober 185« schreibt er plötzlich:»Ich bin beinah« oerliebt in Valeriol" Seine Meinung sst also ganz plötzlich und scheinbar un- motiviert umgeschlagen, aus einem dummen Gelchöps wurde über Nacht ein reizendes Mädchen. Tolstoi fühlte wohl selbst die Un» Wahrscheinlichkeit dieser Wandlung und er reist nach Petersburg, um feststellen zu können, ob die Neigung einer Trennung standhält. Dort schreibt«r in sew Tagebuch, daß«r zwar noch viel an Valerio denk«, daß dies ober wohl daher kommen möge, daß er in dieser Zest temer anderen Frau begegnet sei. Di« Heirat, die von den Arseniews stark erhofft wurde, kam nicht zustande. Dagegen heiratet« Tolstoi 1862 im Aller von 33 Jahren Sophie Der«. Auch bei dieser Angelegenheil ging nicht alles so glatt, wie man erwartet, auch hier bestand zuerst ein Mißverständnis bei den zukünftigen Schwiegereltern. Alle Welt glaubte, daß er in die Aeltest« der Bersmüdels. in Lisa, verliebt sei. und man war sehr erstaunt, fast ein wenig verärgert, als er um Sophies Hand bat. Von dieser Zeit an müssen die Tagebuchaufzeichnungen vor den alltäglichen Notwendigkeiten zurücktreten. Di« Ehe und landwirt- schafttich« Unternehmungen nehmen ihn zu stark in Anspruch. Sein Leben fließt nicht sehr leicht, er hat viel Schulden und findet überdies m seiner Arbeit keinerlei Befriedigung. 1865 ließ er alles im Stich und«ist« in die Steppen von Samara Er glaubt«, daß er, wie seine Brüder, lungenschwindsüchtig sei und wollte sich durch einen längeren Aufentwalt in der lustigen und freien Stepp« und einer Stutenmilchkur ausheilen. Zu dieser Zeit trat«in Stillstand in der mystsschen Entwicklung Tosstois«in, einer Entwicklung, deren Keim in der Zeit vor semer Verheiratung, in der Zeit, wo«r im Kaukasus fein Tagebuch be- gönnen, gelegen hat.«t. Preise teilweise bis zur Haute MengoBaogatia roroenane«* nein veriuun an wisdenrerkauter Beginnt 3. 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