Abendausgabe Nr. 15 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 7 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-292 Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblaff 10 Pfennig Montag 10. Januar 1927 Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszett 8½ bts 5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292- 29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Loebe bei Hindenburg. Beginn der Besprechungen über die Regierungsbildung. Der Reichspräsident empfing heute vormittag zur Einleitung| fie der Kreuzzeitung" recht geben oder dem ,, otal feiner Besprechungen über die Regierungsbildung zunächst den Anzeiger"? Reichstagspräsidenten Genossen Löbe. Ferner empfing der Reichspräsident die Führer derjenigen Parteien, die in der ersten Besprechung am 18. Dezember noch nicht beim Reichspräsidenten waren, und zwar in Bertretung des dienstlich abwesenden Abgeordneten Drewiß von der Wirtschaftspartei Prof. Bredt, für die Bayerische Volkspartei Domkapitular Leicht, sodann den Vorsitzenden der deutschnationalen Fraktion, Grafen West ar p. Im Laufe des Nachmittags wird der Herr Reichspräsident weiter den Vorsitzenden der Zentrumsfraktion, v. Guerard" empfangen. Man rechnet damit, daß noch heute abend ein Auftrag zur Neubildung des Kabinetts erfolgen wird. Tagung des Parteiausschusses. Der sozialdemokratische Parteiausschuß ist heute morgen zufammengetreten, um über die politische Situation zu beraten. Der abgeschüttelte Loebell. Bernebelungsversuche. Die deutschnationale Pressestelle ist angesichts der schlechten Regie in der deutschnationalen Bresse in schrecklicher Verlegenheit. Soll sie sagen, Herr v. Loebell seit abgeschüttelt worden, soll sie sagen, er sei nicht abgeschüttelt worden? Soll 16 50 30 Sie veröffentlicht folgendes Spiel mit Worten: „ Die deutsch nationale Parteileitung hat teine Erflärung abgegeben. Sie fonnte es auch gar nicht, da thre Mitglieder, besonders der Herr Parteivorsitzende nicht in Berlin anwesend sind. Der Vorgang war vielmehr der folgende: Ein großes Berliner Nachrichtenbureau fragte telephonisch bei uns, der Pressestelle, an, ob der Artikel des Herrn von Loebell im Deutschen Spiegel" der Meinung der Parteileitung entspräch e. Wir, die Pressestelle, wiesen als Antwort auf die Erklärung hin, die Herr Minister von Loek ell selbst loŋalerweise in seinem Artikel abgab, ,, daß er vor Abfassung dieses Artikels mit feinem Parteiführer der Deutschnationalen Volkspartei sich über die Regierungsbildung aus: gesprochen hätte. Sein Artikel sei vielmehr lediglich in Ausübung feiner Tätigkeit als Präsident des Reichsbürgerrates geschrieben. Herr Minister von Loebell ist also feineswegs„ des= avouiert" worden, sondern im Gegenteil seine oben wieder gegebene Feststellung ist bestätigt worden." Das ist recht hübsch um den Kern herumgeredet. Unberührt bleibt die Frage: entspricht die Ansicht Loebells der Ansicht der deutschnationalen Parteileitung? Es bleibt dabei, daß man nicht zu sagen wagt: ja oder nein, und es bleibt dabei, daß die deutschkonservative Führung Loebell energisch abschüttelt. Die Senatswahlen in Frankreich. Erfolge der Linken. Paris, 10. Januar:( Eigener Drahtbericht.) Die Senats. wahlen brachten den Linksparteien einen unbeftriffenen Sieg. Gc. wählt wurde in 33 Departements. Von den 108 zu wählenden Senatoren wurden gewählt: Gemäßigte Republikaner 19( früher 22), Linksrepublikaner 16( 21), fozialistische Radikale 48( 51), Sozialiffen 10( 2), Radikale 7( 8), Konservative 4( 4), Sozialistische Republifaner 2( 0), fommunistische Sozialisten 2( 0). Die Sozialiften haben 8 Site, die sozialistischen Republikaner und die tommunistischen Sozialisten je 2 Sige gewonnen. Die gemäßigten Republikaner haben 3, die Linksrepublikaner 5, die Radifalen 1 und die sozialistischen Radikalen 3 Size verloren. Die Sozialisten fönnen nunmehr auch im Senat eine eigene Fraktion bilden. Auffallend ist der Linksfieg vor allen Dingen in den Departements Seine und Rhone; auch in den anderen Departements zeigte fich eine starke Linksströmung. Rechts gewählt haben nur die elsaß- lothringischen Departements, die Pyrenäen und die Vendée. Von den bisherigen Rechtsfenatoren von Paris ist dagegen ein einziger wiedergewählt worden. * Der allgemein angekündigte Rud nach links, den die hätten. geistige Erneuerung eines Drittels des Senats bringen sollte, ist erfolgt. Allerdings nicht in dem Maße, wie manche Optimisten es erwarteten. Der Gewinn der Linken beträgt nicht 15, sondern nur 8 Size. Indessen ist eine starke Linksorien 15, sondern nur 8 Size. Indessen ist eine starke Linksorien tierung insofern doch zu verzeichnen, als innerhalb der Linken die Sozialisten wesentlich gestärkt aus dem Kampf her zum Teil auf Kosten der Radikalen aus dem Kampf her vorgehen. Deshalb zieht der Matin" mit Recht aus der Wahl die Lehre, daß die Sozialisten die Hauptsieger des Tages find. Auch die nichtsozialistischen Blätter der Linken sind mit dem Resultat durchaus zufrieden, während die Blätter des Nationalen Blocks fich gleichfalls den Anschein der Zufriedenheit geben, indem sie darauf hinweisen, daß die hochgeschraubten Erwartungen ihrer Gegner sich nicht erfüllt Das indirekte Wahlverfahren bringt es mit fich, daß Das indirekte Wahlverfahren bringt es mit sich, daß die öffentliche Meinung weniger Intereffe für die Parteien und deren ziffernmäßiges Abschneiden als für den Erfolg oder dem Mißerfolg einzelner prominenter Persönlich feiten zeigt. Deshalb liegt das politische Schwergewicht der gestrigen Senatswahlen vor allem bei der Niederlage einiger der bekanntesten Führer des Nationalen Blods. Daß insbesondere Millerand durchgefallen ist, dürfte, obwohl allgemeinen erwartet, in den Augen der öffentlichen Meinung Frankreichs das politische Symbol dieses Wahltages sein. Für den Mann, der noch vor zweieinhalb Jahren Bräsident der Republik war, und der, als er vor Jahresfrist einen freigewordenen Senatsfig in Baris erobert hatte, meinte, den politischen Kampf als Führer des Nationalen Blods wieder aufnehmen zu können, ist dies ein schwerer Schlag. Möglicherweise bedeutet das für ihn den endgültigen Abschluß seiner politischen Karriere. Das gleiche gilt für den bisherigen Senatspräsidenten de Selves, der im Jahre 1924 mit den Stimmen des Nationalen Blocks zum Senatspräsidenten gewählt worden war. Für die bisherige reaktionäre Senatsmehrheit ist de Selves Niederlage eine empfindliche Lektion. Endlich ist die Niederlage des Pariser Senators Billiet von Interesse, der als Vorsitzender der | Die Sozialisten Sieger. sogenannten Bereinigung zum Schuße der wirtschaftlichen Interessen" der Herrgott der reaktionären Parlamentarier war, deren Wahlen er mit Hilfe seines Verbandes wesentlich finanzierte. Der einzige Erfolg, auf den die Gegner der Linken hinweifen fönnen, ist der Sieg des bisherigen Präsidenten der Deputiertenfammer, Raoul Péret, über den früheren Unterrichtsminister im Kabinett Herriot, François Albert. Diefes Ergebnis hat jedoch mehr persönliche als politische Ursachen. Und, obwohl Péret ein gemäßigter Politifer ist, so darf er doch nicht als ein Mann des Nationalen Blods hingestellt werden. De Selves Niederlage und Bérets Senatswahl werden zur Folge haben, daß die in den nächsten Tagen wieder zusammentretenden beiden parlamentarischen Körperschaften neue Präsidenten werden wählen müssen. Eine Präsidentenneuwahl ist zwar zu Beginn jeder Jahressession immer fällig, aber diesmal werden sowohl in der Rammer wie im Snat ganz neue Männer um den Präfidentenfig fämpfen müssen. Die Namen der einzelnen Parteien haben besonders bei den Senatswahlen nicht viel zu bedeuten; sie sind sogar zum Teil geradezu irreführend. So hat die sogenannte ,, Republitanische Linke" mit der Linken in Frankreich ebenso wenig zu tun wie in Deutschland die Volksparteien mit dem Bolte. Auch die Rechtsradikalen" haben natürlich mit dem Faschismus nichts gemein, sondern sind lediglich nach rechts abgesplitterte Teile der Partei Herriots, die im Senat den Namen„ Demokratische Linke" trägt. gesplitterte Teile der Partei Herriots, die im Senat den " Die Sozialisten waren bisher mit insgesamt 6 Mann dieser Demokratischen Linken gewissermaßen als Hospitanten angeschlossen. Jetzt werden sie wohl mit 14 Mann als selbständige Fraktion auftreten fönnen, zumal die beiden Sozialistisch- Kommunisten", die beiden Pariser Vorortbürgermeister Morizet und Bachelet, die nur ganz furze Zeit bei der Kommunistischen Partei waren, sich zweifellos den Sozialisten wieder anschließen werden. Es sind noch drei weitere Pariser Borortbürgermeister und Abgeordnete im Seine- Departement als Senatoren gewählt worden, der frühere Minister Herriots und Briands Pierre Laval und die Genossen Boilin und Auray. Dadurch wird eine Deputiertenneuwahl in der Bannmeile von Paris notwendig werden, die von den Kommunisten gewünscht wird. 77 Kinder getötet. Kinobrandkatastrophe in Montreal.- Panik unter Kindern. Montreal in Kanada ist von einer furchtbaren Brandtatastrophe heimgesucht worden. In einem Kino entstand während der Vorftellung Feuer, in dessen Gefolge unter den Zuschauern eine Panit ausbrach. Als der Feueralarm ertönte, wurde das Parterre zwar in Ruhe geräumt, dagegen entstand unter den Kindern, die sich auf der Galerie befanden, eine furchtbare Panit. Sie versuchten unter laufen Schreien ins Freie zu gelangen und ftauten sich am Ausgang. Die meisten Opfer fanden in dem Gedränge auf einer nach der Straße führenden Wandeltreppe den Tod. Die Zahl der Berletzten beträgt etwa 30. Nach dem Schauhause find 77 Leichen der bei der Panik erdrückten Knaben und Mädchen gebracht worden. Gajdas Glück und Ende. Der tschechische Faschismus und sein ,, Duce". Bon Senator Wilhelm Nießner, Brag. des Direktoriums des tschechoslowakischen Faschismus abBor einigen Tagen wurde ein gesamtstaatlicher Kongreß gehalten, dem von der faschistischen Presse historische Bedeutung zugesprochen wird, denn er habe drei entscheidungsvolle Beschlüsse gefaßt. Er hat beschlossen, die faschistische Bewegung von der Bindung mit politischen Parteien loszulösen und seine Unabhängigkeit festzulegen, er hat unter bombastischem Getue dem Faschismus einen Führer in der Person des weggeschickten Generalstabschefs Gajda gegeben und er hat ein faschistisches Programm gefchaffen. Das alles hat die 84 Teilnehmer des Kongresses so entzückt, daß sie nach der im Schlußworte ihres neuerwählten Duce enthaltenen Ankündigung, in einem Jahre werde der Faschismus im Staate entscheiden, in wahre Jubelstürme ausbrachen. fangszeiten des italienischen Faschismus getreulich abgeguckt. Das sogenannte Programm ist jenem aus den Ana Auch der tschechoslowafische Faschismus will nicht nur eine nationale, sondern auch eine soziale" Bewegung sein und verspricht unter dem Schlagwort ,, Das Wohl der Heimat sei das höchste Gesez", die soziale Frage zu lösen. Auf den demokratischen Weg foll vorläufig nicht verzichtet werden, was bedeutet, daß der Faschismus das Parlament zur Stärfung seiner Reihen benügen möchte. Dem Sozialismus wird der Krieg erklärt, die bisherigen" Gedanken, Ansichten und Methoden der sozialistischen Parteien werden als ,, unmoralisch und schädlich" abgelehnt. Der Faschismus will weiter gegen Korruption und Lügendemokratie, gegen alle Elemente, die nicht bedingungslos auf dem Boden des Staates stehen, tämpfen und auf die nationale Konzentration der Tschechen und Slomaten hinarbeiten. Interessanter als das Konglomerat von schwülstigen Phrasen, das Programm genannt wird, ist die Person des erwählten Faschistenhäuptlings. Er zählt 34 Jahre und war bis vor furzem Generalstabschef der tschechoslowafischen Arme. Als Rudolf Geidl und Sohn deutscher Eltern geboren, nennt er sich heute Radola Gajda und hat eine abenteuerliche Karriere hinter sich, die nur in unruhigen Reiten, wie es die Kriegs- und Nachkriegszeit war, möglich ist. Nach Absolvierung des Untergymnasiums wurde er Brattikant in einer Drogerie, später Gehilfe und rückte bei Kriegsausbruch freiwillig in die österreichische Armee ein, in der er es bis zum Feldwebel brachte. Gleich vielen anderen überlief er zu den Montenegrinern, wo er sich in edler Bescheidenheit als Regimentsarzt ausgab. Da seine medizini fchen Kenntniffe sich nicht auffallend von jenen anderer öfterreichischer Regimentsärzte unterschieden haben dürften, fchöpfte man gegen ihn erst spät Berdacht, doch entzog er sich dem drohenden Disziplinarverfahren, indem er in Rußland, wo er hingeschickt worden war, in die serbische Legion eintrat. In die tschechische Legion übersetzt, wurde er Stabstapitän, erhielt das russische Georgskreuz, wurde kurz darauf Generalmajor und Regimentskommandant und im Jahre 1918 Oberbefehlshaber aller Truppen an der ostsibirischen Front. 1919 wurde er Generalleutnant in der Armee des Admirals Koltschat, in welcher Zeit eine ungeheure Macht in seiner Hand vereinigt war. Bieles aus dieser Zeit ist in Dunkel gehüllt, doch finden sich einzelne, welche behaupten, Gajda feit mit unerhörter Rücksichtslosigkeit und unmenschlicher Grausamkeit feinen Weg nach oben gegangen. Erst 1920 in die Heimat zurückgekehr, machte er an der Barifer Krieasschule einen Schnellfriensturfus durch, wurde dann Divisionär von Kaschau und 1924 Chef des Generalstabs der tschechoslowakischen Armee. Es erscheint nicht weiter erstaunlich, daß in einer Reit, in der in allen Ländern die Generäle prätorianische Gelüfte zeigen und sich so mancher zum Diftator aufschwingt, ein Mann von dieser glücksritterischen Vergangenheit und solchem Aufstieg mit seiner Rolle nicht zufrieden, nach dem Höchsten, der unumschränkten Macht im Staate gierig, war und er begann daher Fäden zu der aufteimenden faschistischen Bewegung zu spinnen, mit deren Hilfe er sein Ziel zu erreichen hoffte. Schon vor Jahresfrist wurde General Gaida in allen faschistischen Versammlungen als der tommende Diktator gefeiert. Die tschechischen Sozialdemokraten interpellierten aber der damalige Landesver teidiauinasminister antwortete prompt. Gaida fei fein Faschist, nur Soldat, der sich von aller Politit fernhalte und dem unrecht geschehe, wenn man ihn umstürzlerischer Gelüfte bezichtige. Derfelbe Gajda aber saate vor einigen Tagen auf der Faschiftenkonferenz: Als Soldat konnte ich diese Funktion( die Führerstelle) nicht annehmen, weil dies die militärischen Vorschriften nicht erlaubten Doch war ich im Geiste mit euch!" Gajda ist nämlich mittlerweile verabichiedet worden. Man hat festgestellt, daß er zur Zeit seines Pariser Aufenthalts den Sowiets feine Svionagedienste gegenüber Frankreich angeboten habe, was woh. da Marfchall Foch fich heftig gegen Gaida ausforach, in Brag schon früher bekannt gewesen sein dürfte, ohne daß dies feiner Ernennung zum Generalstabschef hinderlich wurde. Erft als er unbequem wurde, erinnerte man sich dieser dunklen Enisode in feiner Bergangenheit und fänte ihn ab. Nach seiner Verabschiedung wurden weitere Dinge über ihn bekannt welche, darüber wird fiefftes Schweigen bewahrt und so wurde gegen den pensionierten General das Disziplinarverfahren eingeleitet, das mit seiner Degradierung endete. Er staunlich ist, daß er wohl den Rang verlor, aber nur ein Viertel der Pensionsbezüge wurde ihm gestrichen. Gajda ist kein General mehr, aber drei Viertel der Pension eines Generals hat man ihm belassen. Zur Bekleidung seiner militärischen Würde wurde er für unwürdig befunden, doch für würdig, den Großteil des Versorgungsgenusses weiter zu empfangen. Das ist der Mann, den der tschechoslowakischen Faschis- mus für geeignet hält, Diktator der Tschechoslowakei zu werden, den auch Dr. Kramarsch, der Führer der Partei des tschechischen Bankkapitals, für geeignet hielt, der Bollstrecker seines Machtruhms zu fein! Dr. Kramarsch und seine Partei wurden in ihrer Vorliebe für die von ihnen aufgepäppelte faschistische Bewegung in der letzten Zeit wesentlich abgekühlt. Das hat der letzte Faschistcnkongreß mit seinem Beschluß auf Unabhängigkeitserklärung getan. Das bedeutet, daß die Faschisten bei den nächsten Wahle nmit eigenen Kandidaten aufzutreten beabsichtigen. Damit hat der Faschismus für die Kramarschsche Nationaldemokratische Par- tci, die in ihm ein Stärkungsmittel für ihre schütteren Batail. lone sah. seinen Zauber verloren. Herrn Dr. Kramarschs großer Lebensschmerz ist e?, daß er nur über eine kleine, seinen Ambitionen durchaus nicht genügende Partei das Szepter schwingt. Seinen Ehrgeiz und noch mehr seinen Rachedurst zu stillen— er fühlt sich als der von der Nation unverstandene Mann—, braucht er eine große Partei, wes- halb er neben anderem auch den Faschismus als Stärkungsmittel zu verwenden suchte. Das Mittel schien erfolgver- heißend, denn in der ersten Zeit lief dem Faschismus neben einer Schar unklarer Pubertätsjünglinge auch alles zu, was hier seinen ungestillten Ehrgeiz zu befriedigen, oder sonstwie Beute zu machen hoffte. Diese Elemente sahen in der Ab- hängigkeit von den Nationaldemokraten ein Hindernis für die Erfüllung ihrer Wünsche, darum sagten sie sich von ihren bisherigen Näbrvätern los und stellten sich auf eigene Füße. Slber gerade dieser Schritt, auf den Gajdas Kumpane ihre Erwartungen setzen, dürste gar bald ihre Hoffnungen knicken. Unterstützt vom Gelde des tschechischen Finanzkapitals, ge- fördert von der mächtigen Presse des Bürgertums und geschützt durch einige der Regierungsparteien, die den Faschismus als D r o b m i t t c l in der Reserve hielten, hatte der tschecho- slowakische Faselsismus noch einige Aussicht, eine gewisie Rolle zu spielen: auf sich allein angewiesen, wird die Giftpflanze wohl bald verdorren. Allein auf die zwei Augen des ab- getakelten Generals Gajda gestellt, wird bewirken, daß seinem Glücke bald das unrühmliche Ende folgt. Die Sowjetgranaten. Tie KPT. wird von der KZlPT. gestellt. Der geschäftsführende Hauptausschuß der Kommunisti- sch.n Arbeiierpartei richtet in der„Kommunistischen Arbeiter- zeitung", Nr. 2, einen Offenen Brief an die Zen- trale der KPD. über die Sowjetgranaten. Es heißt darin: „Die wichtigste Frage für das revolutionäre Proletariat jedoch ist: ist es wahr, daß die deutsche Bourgeoisie im Einverständnis mit der russischen Regierung sich von privatkapitalistischen Firmen eine Kriegsind u st rie aus russischem Boden zum Zweck ihrer Bewaffnung bauen ließ? r Wir behaupten auf Grund von Dokumenten, die eure Presse totschweigt, sowie auf Grund ihrer eigenen Zugeständnisie. daß die Bewaffnung der deutschen Konterrevolution durch Rußland, wo ihre Kriegsindustrie ist,«ine Tatsache i st." Es folgt eine Reihe von Beweisen, die unter folgenden Gesichtspunkten gruppiert sind: 1. Geständnisse der deutschen Bourgcoisie, 2. Geständnisse der KPD. und bolschewistischen Presse, 3. die Ausrüstung Deutschlands durch Rußland ist eine Selbstverständlichkeit nach dem Programm der Kam- intern und KPD. Zum Schluß heißt es: „Trotz der Unbestreitbarkeit dieser Tatsachen leugnet eure Presse, an der Spitze die„Rote Fahne", sie. Sie leugnet sie, weil eingestehen bedeutet, den konterrevolutionären Charakter der russischen Außenpolitik zu ent- hüllen: sie leugnet sie, weil eingestehen bedeutet, den revolutio- nären Arbeitern zu sagen, daß das heutige Rußland nicht das Ruß- land von 1917 ist." Die„Rote Fahne" wird weiter lügen— mit vollem Bewußtsein. Nachdem in einer Sitzung des Politbureaus der kommunistischen Zentrale der Abg. Pieck festgestellt hat, daß die Angaben über die Granaten- und Giftgasfabrikation in Rußland und die Munitionstransporte nach Deutschland auf Tatsache beruhen, erfolgen die Ableugnungsversuche wider besseres Wissen._ Hcuc Knoll-Effekte. Politische AuSschlachtung des Barmat- Prozesses— Wahllügen gegen die Sozialdemokratie. Der B a r m a t- R u m m e l, der zum Kampf um die Reichspräsidentschaft von den Deutschnationalen veranstaltet wurde, um E b e r t unmöglich zu machen, soll jetzt, da endlich der jahrelang angekündigte Prozeß gegen Barmat beginnt, in vergrößertem Maßstabe wieder aufleben. Zweck: Bor- bereitung der Reichstagswahl gegen die Sozialdemokratie! An die„nationale" Provinzpresse ergeht von einem in weitesten Kreisen unbekanten Korrespondenzbureau das fol- gende Angebot zum Barmat-Prozeß: Deutscher Pressedien st Berlin SW 11. S. Januar 1927. G. m b. H. Großbeerenstraß« 5. Sehr geehrte Schriftleitung! Am 11. Januar beginnt der Barmat-Prozeß. Er kann die Sozialdemokratie erschüttern, wenn die Presseergebnisse ein- heitlich ausgewertet werden. Bei der parlamentarischen Untersuchung gab es eine uferlose und dazu meist unklar« Nachrichten- Häufung, die auf die Dauer die Leser irreführt, kopfscheu macht und dann ermüdet. Man muß das Wesentliche heraus- heben, kurz, aber interessant und dazu sachlich so erschöpfend, daß den Vertuschern das Ablenken diesmal nicht gelingt. Die Nachrichtenbureous, die täglich ohne Wahl Wichtiges und Unwichtiges hintereinander monoton wiedergeben, können das nicht. Auch die Berliner Vertretungen der Blätter im Reich« sind an dauernder Berichterstattung in diesem Sinn« durch anderweitige Auf- gaben behindert. Die Möglichkeil baldiger Neuwahlen macht es aber besonders notwendig, den Prozeß fachmännisch auszuwerten, wir hoben uns entschlossen, den besten Senner der Materie mit der Leitung einer besonderen fortlausenden Berichterstattung über den Prozeß und die politisch-parlamentarischen Begleiterscheinungen zu betrauen. Die Zeitungen brauchen dann keinen anderen Bericht. Sie sparen Raum; denn sie werden zwar täglich bedient, nötigenfalls spallenlong, ober an Tagen, an denen nur Gleichgültiges passiert, sollen auch unsere Mitteilungen auf das Aeu Herst« beschränkt fein. Um die Teilnahme der Leser dauernd wach zu erhalten, werden unsere Bericht« nicht farblos, sondern häufig in der Art eines Stimmungsbildes lebendig gehalten fein... Mit der Bitte um freundliche umgehende Zusage oder Ab- lehnung hochachtungsvoll Deutscher Presiedienst Redaktion. I. 21.: A. Japs. Der„beste Kenner der Materie"? Wer ist das? Wer hat ein Interesse daran, die Lügenflut wieder auf- z u w ü h l e n, die seinerzeit sich wie ein Sturzbach über ganz Deutschland ergoß? Der Assessor Kußmann hat sich zwar wiederholt gerühmt, daß er vorzügliche Leistungen im„Theatervormachen" aufzu- weisen habe. Aber er ist doch jetzt als Auftvertungsrichter in Pankow beschäftigt und dürfte kaum Urlaub bekommen, um täglich den Barmat-Prozeß zu besuchen. Bleibt noch jener „Hauptmann" K l u g e- K n o l l, der seinerzeit den ganzen Feldzug aus dem Verborgenen leitete, bis wir ihn entlarvten. Er hatte ein„Pressebureau" aus dem Boden gestampft und die deutschnationalen Blätter spielten mit ihm ein abgekarte- tes Spiel. Ist er es, der jetzt auf dem Umwege über den herzlich unbedeutenden„Deutschen Pressedienst" als„bester Kenner der Materie" sich in empfehlende Erinerungen bringen läßt? Auf jeden Fall sei jetzt schon darauf hingewiesen, daß die „nicht farblosen", sondern„lebendigen" Schilderungen des Ehrenmannes in dem„Deutschen Pressedienst" nach eigenem Geständnis nicht den Zweck haben, der Wahrheit zu dienen, sondern die Sozialdemokratie zu„erschüttern". Aber daran haben sich schon Stärkere vergeblich versucht! Schanghai rechnet mit üer Uebergabe. 40000 Ausländer erwarten die Kantonarmee. Schanghai. 19. Januar.(EP.) In Schanghai sind die ersten Transporte europäischer Flüchtlinge aus Hankau und anderen Städten des Dangtsekiangs eingetroffen. Sie bestanden aus S0 Amerikanern und SSV Engländern, meist Familien von Kauf- lcuten und Missionaren. Man rechnet damit, daß sich Schanghai demnächst in ähnlicher Lage befinden wird wie Hankau. An- gesichts der Unmöglichkeit, die in Schanghai ansässigen 49 000 Aus- länder abzutransportieren, haben die englischen Konsuln dringende Anfragen an ihre Regierung gerichtet und militärischen Schutz er- beten. In der Uangtsemündung liegen zurzeit fünf Zerstörer vor Anker. In Hongkong sind drei englische Kreuzer eingetroffen. Der englische Kreuzer„Pittsburg" und zwei Zerstörerflottillen wer- den erwartet. Er oerlautet, daß I a p a n seine Marinestreitträfte in Nagasaki mobilisiere, um sie nötigenfalls nach China zu senden. Mottenverstärkunge« in China. London. 10. Januar.(EP.) Die englische Admiralität hat ange- ordnet, daß zwei in Malta liegende Kanonenboote, die früher auf der Donau Verwendung fanden, nach Ostasien abgehen sollen. In Schanghai sind ein englisches Flugzeugmutterschiff und ein Kreuzer sowie ein englischer Zerstörer angekommen. Die Ameri- kaner haben weitere fünf Zerstörer gesandt. Deutsche Waffenlieferungen an die Generäle? London, 10. Januar. Reuter meldet aus Kiautfchou, daß ein Fleischtransportdampfer der Rickmers-Schiffahrtsgefellschaft dort mit einer für General Fung Seng bestimmten Ladung von Waffen und Muni tion aus Deutschland eingetroffen sei. Die Be- Hörden hätten festgestellt, daß der Dampfer gegen 3000 aus Deutsch- land stammende Kisten mit Waffen und Munition mit Bestimmungs- ort Futschau mit sich führe. vor üem Vormarsch öer Generäle. London. 10. Januar.(WTB.) Marschall Tschangtsolins Stabs- chef hat mitgeteill, der Feldzug der Alliierten gegen die Kantonesen habe begonnen: Marschall Wupeifus Streitkräfte in Honan hätten zwei entscheidend« Siegs errungen. Des kantonfreundlichen Generals Fengyuhsiangs erster Unter- fühver, General Chang-Chi-Chiang, hat Tschangtsolin unter Ver- rot aller militärischen Pläne Generals Fengs feine Unterwerfung angeboten. Amerika zum Eingriff bereit. Paris. 10. Januar.(WTB.) Wie„New York Herald" aus Washington berichtet, wurde vom amerikanischen Staatsdepar- tement bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten bereit feien. Land- und Seestreitkräfte in China zu landen, um die amerikanischen Bürger zu schützen. Renaiffance-Theater. ..haus Herzenstod" von Bernard Shaw. Oskar Kaufmann hat einen Stall in ein Salontheater verwandelt. Das Renaiffancetheater war baulich so heruntergekommen, daß man es kaum noch wagte, sich auf den zer- brochenen Stühlen niederzulassen. Dab«i tonnt« man sehen, daß der Raum des Hausts eigentlich wohlgegliedert war. Das war der Slrchitekt Kaufmann nun zustand« bracht«, ist ein erfreuliches Kunst« stück. Der Baumeister konnte offenbor tief in die Kasse greifen, mit kostbaren Hölzern die verschimmelten Wände bekleiden, leuchtendes Perlmutter in den schönen Palisander einsetzen lassen und Wände und Zuschauerraum mit einer Meng« angenehmen Lichtes über- schwemmen. 6S0 Menschen können jeden Abend in diesem Theater sitzen. Also müssen diese wenigen Leute viel Geld ausbringen, damit das Theater existieren kann. Denn der Direktor ist ein ehrgeiziger Mann, wenigstens soweit es sich um die berühmten Namen der Schauspieler handelt. Di« Nationalökonomie, die dieser Theater- Wirtschaft zugrunde gelegt wird, ist etwas abenteuerlich im Jahre 1927, da es auch in Kunstdingen um die Devise gehl: gut« und billige Kunst für die Massen. Trotzdem viel Glück für den mutigen Theodor Taggerl Er ist selber Regisseur für die Komödie, mit der er sein neu geschmücktes Haus«inweiht.„Haus Herzenstod" wurde von einem brummigen Bernard Shaw geschrieben, damals, als er der verblödeten englischen Gesellschaft«inen kleinen, wenn auch blanken Spiegel vorhalten wollte. Das oberflächliche Getriebe, die Pferdeliebe, die anstatt der Menschenliebe englischer National- charakter geworden war, hatte Shaw besonders bissig gemacht. Und zwischen oll die Weiblein und männlichen Narren, die snobistisch ihr« Renten genießen und nicht auf den Gedanken kommen, daß es auch ernster« Pflichten gibt, stellt er«inen verkaterten und knurrenden Sozialisten, der ollerdings nur darum seinen britischen Landsleuten an den Kragen will, well er sehr pessimistisch durch die Brillengläser guckt. Der Sozialismus, der geredet wird, ist mehr schlechte Laune als guter Marxismus. Das Stück war noch nicht fertig als der Krieg ausbrach und die ersten Zeppelin« Deutschlands Herrlichkeit in die Weit trugen, indem der Bomenbenwerfer aus der Luft einigen unschuldigen britischen Zivilisten die Köpf« abriß. Dies« etwas niederdrückend« Erfahrung veranlohte Shaw, fein« Komödie gegen die Snobs durch«in Zeppelinabenteuer zu bereichern. Di« närrischen Leckt« werden zwar vor Angst auf den Bauch geschmissen. Als aber das Tedonnsr« in der Luft ausgekracht Hot, verfällt jeder wieder In feine alle Dürftigkeit. Dies« Komödie Shaws ist noch witzig und bitter, wäre sie auch nicht zufammengekittet. Di« Maschinerie des Theatralischen ist nicht recht geölt. Das heißt, der Komödienschreiber Hot mehr gegrübell als so famog gespielt wie er es sonst-konnte. Da es außerdem in Berlin Sitte geworden ist, Bernard Shaw mit Benedix zu verwechseln, nimmt man.die Pointen Bernard Shaws etwas zu sehr im Stil der„Fliegenden Blätter". Man macht aus den Shawfchen Narren Bourgeois und nimmt ihnen die Märchen- hastigkeit, d. h. die entzückende Unwahrscheinlichkeit, mit der sie sich und ihr« Zuschauer amüsieren sollten. Shaw ist niemals ein Schwank, er ist immer«in Sinngedicht. Auch in dieser Komödie, mit der das Renaissancetheater geweiht wurde. Hermann Valentin, Theodor Becker, Rudolf Let tinger, Annemarie Steinsieck, Tilla Durieux und Roma Bahr spiellen in Gehorsam, so wie der Regisseur ihnen befahl. Also: zu munter, zu eifrig Oskar Blumenthal, zu unbesorgt um Witz und Ironie. Wae ein außerordentlich gut angezogenes Parkett von Herren und Damen der höchsten Gesellschaft außerordentlich erquickte. Max Hochdorf. /lrmut ist ein Laster— sagt Shaw in»Major Barbara". Das Theater am Kurfürstendamm, in dem am Sonnabend die glanzvolle Premiere des Schauspiels„M a I o r Barbara" von Bernard Shaw stattgefunden bat, sucht sich seine Stücke auf besondere Art aus. Da ist Käthe Dorsch, Star und 5kassenniagn«t, und für sie muß«ine Komödie gefunden werden. Diesmal ist die Wahl auf Bernard Shaw gefallen. Das eigentüm- liche Verfahren hat sich durchaus bewährt. Bei Shaw zieht man nie und bei Käthe Dorsch fast nie eine Nie!«. Das geno»�20 Jahre alte Schauspiel„Major Barbara" gehört mit„Arzt am Scheidewege" und„Androklus und der Löwe" zu den Komödien des Glaubens, zu den Stücken also, in denen uns Shaw mit listigem und lustigem Augenzwinkern Weltanschauung kredenzt. „Armut ist dos schlimmste oller Verbrechen," sagt Herr Undershaft, der Kanonenkönig, der feine Arbeiter in anständigen Häusern wohnen läßt und ihnen so vernünftige Löhne zahlt, daß sie nicht dazu kam- men, eine von den sieben Todsünden zu begehen. Der selbst- bewußte Schwerindustrielle zählt ihre Beranlasiung an den Fingern auf:„Nahrung, Kleidung, Beheizung, Mietzins, Steuer. Anständig- keit und Kinder" und behauptet, nichts kann diese sieben Mühlsteine vom Nacken eines Menschen entfernen als Geld. In der Komödie. in der auch die Heilsarmee ihren Hieb abkriegt, macht er uns wieder zu unserer Ueberraschung daraus aufmerksam, wie albern Moral- begriffe und Einrichtungen im Grunde sind, die wir bisher als selbstverständlich hingenommen haben. Das ist das Prächtige an der Shawfchen Diktion, daß er seine Lektionen nicht mit erhobenem Paukerfinger, sondern in tändelndem, sckzeinbar oberflächlichem Ton erteilt— im Gegensatz zu Henrik Ibsen, als dessen Nacheiferer Shaw fälschlich hingestellt wird. Seine Methoden, die Welt zu ge- stalten und die Bewohner froh zu machen, scheinen ganz einfach zu sein. Sie scheinen nur. In Wahrheit dürften Shaws Weltverbesie- rungsvorschläge manche Nuß zu knacken geben. Aber das macht nichts. Show ist Lebensphilosoph, sprüht von Geist und Witz und — das ist der Kern seines Erfolges— dazu noch Dramatiker und Dichter. Sein« Stücke leben. Den Heilsarmeesoldaten Major Barbara spielt Käthe Dorsch. Wieder bewundern wir die Zartheit, das Kinderlachen, die«inschmeichelnd« Stimm«. Wenn auch einig« ihrer Ausdrucks- mittel zum Schema geworden find, wie etwa Himmeln mit den Augen, so freuen wir uns doch über die Innerlichkeit und Natur, die aus jeder ihrer Rollen zu uns sprechen. Auch Klöpfer, der Kanonenkönig, hatte sich diesmal gut im Zaum. Er war das Urbild der Kraft und Energie, die aus seiner Roll« strahlen sollen. Zwar überschrie er sich am Sonnabend wieder, aber damit konnte man sich bei dem Gewaltmenschen Undershaft gern hinwegsetzen. Johannes Riemann, Ulrich Bettac, Ferdinand Bonn. Fritz Kampers— ganz famos als brutaler Zuhälter— Werner Hollmann und Grete Schert waren sehr luftige Typen aus den verschiedensten Lagern der menschlichen Gesellschaft. Eine schlimm« Fchlbesetzung war nur Frida Richard, die eine vornehm« Lady spielen sollt«, aber ihr« Roll« als keifenden Rafftetyp ausfaßt«. Di« Regie lag in den bewährten Händen des Karlheinz Martin. In den Vordergrund seiner Inszenierung stellt« er be- schwingte Lustigkeit, und es gelang ihm auch, aus der nachdenklichen Kcnnodie«in buntschillerndes Lustspiel zu machen. Der dritte Akt spielt in der Kanonensabrik. Wenn der Vorhang aufgeht, ist auf die Zuschauer ein Riesengeschütz gerichtet. Plötzlich schiebt sich das Kanonenrohr teleskopartig vor und hängt drohend über den Köpfen der ersten Reih«. Das ist so lustig wie die anderen Szenenbilder, in denen ihm ebenfalls hübsche Regieeinsäll« gekommen sind. Der Beifall, der noch im zweiten Akt sehr laut und herzlich war, erklang am Schluß nur zögernd. Ernst D« g n e r. Der Schriftsteller Houston Chambcrlain. der Schwiegersohn Richard Wagners, ist am Sonntag nachmittag in Bayreuth g e- starben. Chamberlain erreichte ein Alter von 72 Jahren. Er ist besonders bekannt geworden durch dos zweibändige Werk: „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts". Sein Ziel war, den Rassen- antisemitismus wissenschaftlich zu verteidigen. Im Kriege gebürdete er sich trotz seiner englischen Herkunft als einer der lautesten Agita- toren der Alldeutschen. Mit der Republik hat sich Chamberlain nicht oersöhnen können. Er stellt« sich stets willig der„völkischen' Bewegung zur Verfügung. „Lachen links" bringt in seiner neuen Nummer 2 eine große Zahl innenpolitischer und internationaler politischer Probleme im Spiegel der Satire und des politischen Witzes. Westarp stolpert mit seiner Regierungesehnsucht immer über seine eigenen Agitation?- parolen. Külz, Geßler und andere„Berühmtheiten" unseres poli- tischen Lebens liefern reichlich Stoff zu trefflichen Witzen. Die be- kannten ,.Lachen-links"-Zeichner geben gute Illustrationen dazu. „Lachen links" kostet pro Nummer 25 Pf. Zu beziehen durch jede Volksbuchhandlung und Postanstalt, oder direkt vom Verlag I. H. W. Dietz Nachf., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Man verlange „Lachen links" an allen Zeitungskiosken und Bahichofsbuchhano- lungcn. ver Bund. Veleinigung freiieitlicher SItademiker. E.V., verapitoltet am lZ., abends 8 Ubr, im großen Saal des früheren Herrenhauses einen Vor- tragSabend:»Die Bedeulung einer Akademie für die Eniwicklnng dcS deutschen Geisteslebens". Zur Teilnahme find die freibeillich-republitanisch gefinnlen Akademiker Berlins, Altakademiler und Studenten, eingeladen. .Zeus»!«» oo« Sch n. Sch!" Jcnleitg von Schund und Schmud betitelt (ich der Ball der Komiker, der am lö. in den Gcsamlräumen der Philharmonie stattfindet. Im Vorverkaus bis 12. Januar find die Preise der Karlen: Saalkarl- S M., Kllnfllcrtartc 4 2?., ab 12. Januar- Saaltarte 10 2?., KünsUcrkart« 7 2?. Die Kundgebungen de fim Grabe 5ritz Zubeils. Zwischen den Gräbern von Luise Z I e tz und Ignaz Auer ruht nunmehr auch Fritz Zubeil. Viele hunderte waren gestern hinousgepilgert zum Zentralfriedhof in Friedrichs- f e l d e, wo die Asche des Genossen Zubeil der Erde übergeben wurde. Mit umflorten Fahnen ruckten die Abordnungen der Partei heran. Die Kameradschaften Kreuzberg, Lichtenberg und Prenzlauer Berg des Reichsbonners Schwarz-Rot-Gold folgten, die.Banner gesenkt, den sozialistischen Kämpfer, den Mann des Volkes zu ehren. Kaum konnte der Platz die Menge der Erschienenen fassen, immer neue Scharen strömen heran, das offene Grab ist links und recht? von einem Fahnenwall flankiert, von dem die schwarzen Trauer- bänder wie eine ernste Mahnung niederrieseln. Als die Urne mit den Aschenresten in das Erdreich sinkt, ertönen drei dumpfe Trommel- Wirbel, die Häupter entblößen sich, die geneigten Fahnen winken den Abschiedsgrutz. Dann spricht Genosse K ü n st l e r warm« Worte des Gedenkens. Auf historischen Boden, so führte er aus, geben wir den sterblichen Ueberresten unseres Berliner Parteiführers die letzte Ehre. Er hat die Ruhe wahrlich verdient. 79 Jahre stand Zubeil im Leben, mehr als SÖ Jahre diente er in unermüdlicher Aufopfe- rung der Sache des Volkes, stand er in vorderster Linie im Be> freiungskampse des Proletariats. Nicht umsonst ist das Wirken dieses immer lebendigen Kämpfers gewesen. Tausende und aber Tausende sind trotz strömenden Regens vom Urbankrankenhaus durch die ganze Stadt bis zum Krematorium Gerichtstraße gezogen: ein Beweis für die hohe Liebe und Verehrung, die die Berliner Arbeiter- Massen„ihrem Fritz* entgegenbrachten. Von der alten Garde stirbt einer nach dem anderen, nach Liebknecht, Singer, Stadthagen, Fischer nun Fritz Zubeil. Daß wir Jungen das Banner der großen sozio- listischen Idee hochhalten wollen bis zum letzten Atemzuge, getreu wie sie, ist unser heiligstes Vermächtnis an die großen Toten. So wie sie wollen wir ein Leben des Kampfes führen, unermüdlich tätig für die Sache der Menschheit bis zur letzten Stunde. Der Vor- sitzende des<5. Kreises, Genosse Schweikhardt, sprach Erinne- rungswort« an den engeren Kampf- und Arbeitskameraden. Zubeil war im 6. Kreis organisiert. Er sprach von seiner unermüdlichen Kampffreudigkeit, seiner edlen Gesinnung, seiner Treue den Idealen der Jugend gegenüber. Wir wollen weiterkämpfen, damit das Wirk- lichkeit werde, was Genosse Zubeil so heiß herbeigesehnt Hot! Endlich sprach Robinson vom Reichsbanner dem Kameraden Zubeil Worte des Dankes Ins Grab nach. Das Lied vom guten Kameraden schloß die würdige Feier. Noch viele blieben in stillem Gedenken am Grabstein zurück, der mit Kränzen in den roten und schwarzrat- goldenen Farben überreich geschmückt war. Die Einigung üer IreiSenker. Am Sonnabend hatten der V er ein der Freidenker für Feuerbestattung und die Gemeinschaft proletari- scher Freidenker in getrennten Generalversammlungen die letzten Beschlüsse zur Einigung gefaßt. Gestern tagte im Herrenhaus die gemeinsame Generalversammlung. , Der Sitzungssaal des Herrenhauses war in schlichtem Grün ge- halten und mit roten Bannern geschmückt. Bis aus den letzten Platz waren die Tribünen von Genossen besetzt, die der Einigungsfeier beiwohnen wollten. Der Vertreter des Exekutivkomitees der Jnter- nationale der proletarischen Freidenker, Genosse Hartwig- Brünn, führte den Borsitz. In einer kurzen Aussprache wies Ge- nosse Hartwig auf die Bedeutung der Einigung der prole- tarischen Freidenker hin. Die Krise des Christentums weist auch den proletarischen Freidenkern große Aufgaben zu. Im Zeitalter der Kulturreoktipn, der Schund- und Schmutzgcsetzc könne nur eine einige proletarische Freidenkerorganisation die gewaltigen Aufgaben der' Niederringung der Reaktion leisten. Als Vertreter der aus- ländischen Freidenkerorganisationen sprach als erster vom„Bund ; gestrigen Sonntags. der Gottlosen* S u k a t s ch c w s k i, der in seiner Ansprache auf die Kulturreaktion in Litauen hinwies. Genosse F r a n tz l- Wien sprach als Generalsekretär des JPF. seine Freude darüber aus, daß endlich die Stunde der Einigung gekommen sei. Vom deutschen Monistenbund sprach Genosse Professor H e r r m a n n, und vom Volksbund für Geistesarbeit Genosse Peter. Im Namen der Kommunistischen Partei begrüßte der Abgeordnete S t ö ck e r die Versammlung. Die Parteien waren zur Generalversammlung nicht eingeladen. Erst in der Versammlung selbst wurde dieser Fehler bemerkt. Nachdem der Sozialdemokratischen Partei nicht die Möglichkeit gegeben war, de» Einigungskongreß zu begrüßen, hätte die Versammlungsleitung auch dem Kommunisten Stöcker nicht das Wort geben dürsen. Nachdem die Vertreter der Freidenker- und der Monistenjugend betont hatten, daß auch die Jugend sich einigen wolle, gaben Genosse R ü ck e r t für den Verein der Freidenker für Feuerbestattung und K o ck l i tz von der Gemeinschaft proletarischer Freidenker die Erklärung ab, daß die Gencralversanimlungen der Organisationen die Beschlüsse zur Einigung gefaßt haben. Jubelnde Zustimmung folgte den Worten der beiden Ver- treter. Genosse Hartwig-Brünn vollzog nach diesen Erklärungen die Einigung. In einer kurzen, temperamentvollen Ansprache wies Genosse Hartwig auf die Ausgaben des neuen Bundes hin. Mit dem Gesang der Internationale- wurde die Versammlung geschlossen, die allen unvergeßlich bleiben wird, die an den großen Knlturaufgabc» der Arbeiterschaft mitarbeiten. Der Auftakt zum Mieterprotest. Als Auftakt zu den großen Protestkundgebungen der Geschäfts- raummieter, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen, fand gester» im Clou eine-Versammlung statt, in der die Entrüstung über die Mietpreissteigerungen stürmsich zum Ausdruck kam. Besonders hart werden durch die neuen Bestimmungen, durch die die gewerbliche» sowie die großen Wohnungen pus der Wohnungszwangswirtschast herausgenommen werden, di« kleinen Ladeninhaber betroffen. Ihnen kann zum 1. April d. I. von dem Vermieter gekündigt werden. Viele von ihnen find in ihrer Eristenz bedroht, da gerade in der Zeit der Wirtschaftskrise und infolge der mangelnden Kaufkraft der Masien ihre Einnahmen nicht hoch genug sind, um den Anforde- rungen der Hausbesitzer Rechnung zu tragen. In der Versamm- lung im Clou wurden zahlreich« Beispiele dafür angeführt, in welcher Weise sich der Mietwucher unter dem Schutz der gesetzliche» Bestimmungen auszuwirken vermag. Am Kurfürstendamm sind Mietestcigerungen bis zu S50 P r oz. festgestellt worden. Große Firmen versuchen durch Ueberbietung von Ladenmieten in den Besitz größerer Geschäftsräume zu gelangen, und anderes mehr. In der Versammlung wurde aufgefordert, die Parteien zur Rechen- schast zu ziehen, die für diese neuen Bestimmungen verantwortlich zu machen seien. Ob dieser Aufforderung nachgekommen wird, dürste bei der politischen Einstellung zahlreicher Gcschästsleut« mehr als fraglich sein. Gerade die Wirtschostspartei hat ihren Einfluß den Geschäftsleuten zu verdanken: zum Lohn dafür tritt sie denn auch für den Abbau der Wohnungszwangswirtschast ein. Große Ent- rüstung rief in der Versammlung noch hervor, daß der Minister H i r t s i e f e r, der seinerzeit erklärt hatte, daß man den Abbau der Wohnuugzzwangswirtschaft wieder rückgängig machen werde, wenn bei dein ersten Versuch übermäßig hohe Mieten gefordert werden, nicht daran denke, diese Bestimmungen zurückzuziehen.. Eine Resolution, die gegen die neuen Bestimmungen protestiert, wurde einstimmig angenommen. Am nächsten Sonntag finden die großen Kund- gedungen derjenigen Verbände statt, die vor all«m anderen be- rufen sind, die Interessen der Mieter in westestem Umfange zu ver- treten. Man darf hoffen, daß dadurch der Protestaktion die größte Stoßkraft gegeben wird. „Iohirnps letzter Streich." Ein Kompagnon des Pseudo-Willy. Dem Naturell eines Teils ihrer Leserschaft sich anpassend, liebt es die„Deutsche Zeitung*, ab und zu mit sensationell auf- gemachten Kriminolhistörchen aufzuwarten. Und so bringt sie denn unter dem lockenden Titel„Johnnys letzter Streich* di« Geschichte eines gewissen John Alderson, alias Bicomte Dary, „Königs der Gentlemendiebe*, wie Sodensterns Blatt im Stil der Nat-Pinkerton-Hefte schreibt. Wir erfahren, wie Johnny, wieder einmal gewohnheitsgemäß„Gast im Palast eines der höchsten 400 von New Port", eine wertvolle Perlenschnur stahl, dies« zu ver- kaufen suchte, dabei aber gefaßt und von der Jury zu 1 9-Ja h r« n Zuchthaus verurteilt wurde. Di«„Deutsche Zeitung" fährt fort: „Johnnys Laufbahn ist vorläufig beendet. Die Londoner, New Porter, Chikagoer Gesellschaft atmet auf: ein Vampir ist von ihr genommen. Sie hält sich errötend die Hände vor d a s G e s i ch t:... sie hat ihn in ihrer Mitte geduldet, für voll gerechnet, gehätschelt, verwöhnt, umschwärmt! Dieser Dieb war der Liebling ihrer Damen. Peinliche Geschichte!... Man möchte in die Erde sinken.... Aber man entschuldigt sich. G r o ß a r t i. ger Kerl— dieser V i k o m t e. Wer hätte ihm widerstehen können? Seine hohe aristokransche Gestalt war stets mit peinlich- fter Sorgfalt nach der neuesten Mode gekleidet, im Auge trug er das Einglas. So stand er vor ihnen. Bitte! Was wollt ihr?— Sic wollten nichts, als es sich zur Ehre schätzen, den Herrn vikomke gastlich bei sich auszunehmen. Herr Bikomte! O Herr Vikomte!* So berichtet die„Deutsche Zeitung* aus Amerika. Aber, ihr Herren um Sodenstern:„Warum in die Ferne schweifen? Seht, das Gute liegt so nah!" Ihr brauchtet euch doch nur in Erfurt, Weimar und Gotha zu erkundigen. Auch da atmet die söge- nannte„Gesellschaft* der monarchistischen obersten Vierhundert auf. Denn auch da hieß es:„GroßartigerKerl— dieser leibhaftige Hohenzollerl* Keiner tonnte ihm widerstehen, man hätschelte, verwöhnte, umschwärmte ihn. Ehrfürchtig flüsterte man, ganz wie bei Johnny:„Königliche HoheitI O Königliche Hoheit!*,— bis man sich endlich„errötend die Hände vors Gesicht hiett", weil der Staatsanwalt eingegriffen und außer dem falschen Äaisersproh auch die— sagen wir schonend— mangelnde Intelligenz deutfchnationaler Untertanen und Hofschranzen entlarvt hatte. Selbarone an öie ßront! Die Demokraten gegen Coolidge. Washinglon. 19. Januar.(WTB.) Im Senat griffen die De- m o k r a t e n die Polttik der Regierung in Mexiko und Nicaragua an. Die Debatte eröffnete Senator R e e d, der die Berichte über Erklärungen eines Vertreters des Weißen Hauses als Mystifi- k a t i on e n bezeichnete. Der Demokrat H e f l i n richtete an den Präsidenten die Warnung, die Regierung möge nicht das amerikanische Volk im Interesse der Oelbarone in einen Krieg hinein- gleiten lassen. Der Demokrat W h e e l e r erklärte, die Vereinigten Staaten unterd rückten Nicaragua. Shipstead(Far- mer- und Arbeiterpartei) erklärte, wenn das Land in einen Krieg solle, so müsse der Kongreß wissen, aus welchem Grunde. Hierauf verteidigten zwei der Regierungspartei angehörige Sena- toren die Politik de» Präsidenten Coolidge. C u r t i s(Republi- kaner) bat die Senatoren, zunächst mit ihrer Meinung zurückzuhalten, bis Staatssekretär Kellog in der nächsten Woche im Auswärtigen Ausschuß über die Angelegenheit berichtet habe. Der Republikaner E d i g e fragte, ob die Kritiker nicht daran glaubten, daß es sich um den Schutz des Lebens und Eigentums amerikanischer Staats- angehöriger handele. Der Demokrat Huddleston führte aus: Es gibt Interessenten in den Vereinigten Staaten, die seit Jahren versuchen, sich in den Besitz der Oel- und Bergwerksschätze Mexikos zu setzen. Diese Leute beobachten in keiner Weise die Pflichten diesem Lande gegenüber, das eine jüngere Schwesternation ist. Es ist falsch und böswillig, wenn das Staatsdepartement den Versuch macht, den Eindruck zu erwecken, als ob Mexiko den Bolschc- wismus nach Nicaragua verpflanzen wolle. Dioz, der konfervakive Führer in Nicaragua, ist ein Werkzeug der New-Porker Bankiers. Man muß befürchten, daß di« amerikanischen Streikräfte in den Ge- wässern von Nicaragua schließlich eine Situation herbeiführen wer- den, die den Krieg mit Mexiko zur Folge hat und außerdem in den latein-amerikanischen Ländern eine Stimmung gegen die Vereinigten Staaten schafft. Wenn wir den Krieg bekommen sollten, so werde ich vorschlagen, Coolidge und Kellogg an die Front zu schicken. Auch Harst, McLeans und die Oelbarone werde ich zu dem Dienst in der Front vorschlagen. Als Huddleston erklärte, die amerikanische Politik in Nicaragua sei von Selbstsucht geleitet, fragte der Demokrat Moore: Ist die Politik der Vereinigten Staaten nicht ebenso auch anderen Staaten gegenüber durch der- artige Motive bestimmt? « Erklärungen öes prästüenten Calles. New Park. 19. Januar.(WTB.) Wie aus Mexiko gemeldet wird, hat Präsident Calles einer Gruppe amerikanischer Schriftsteller, Geistlicher und Geschäftsleute, die zu dem besonderen Zweck, die Schwierigkeiten zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten zu untersuchen, nach Mexiko gekommen waren, erklärt, er sei bereit, die anläßlich der neuen Petroleumgesetze Mexikos mit der Washingtoner Regierung entstandenen Schwierigkeiten dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten, wenn dies der einzige Weg sei, eine größere Drohung für Mexiko zu vermeiden. Der Präsident gab der Meinung Ausdruck, daß die Zurückziehung der Anerkennung seiner Regierung durch die Dereinigten Staaten den unmittelbaren Ausbruch der Revolution in Mexiko zur Folge haben und von seinen Feinden als Ermuttgung hierzu ange- sehen werden würde. Er hob hervor, daß die Ueberweisung der Angelegenheit an das Haager Gericht ohnehin eine Gesährdung der Souveränität Mexikos bedeute. Der Präsident gob zu, daß revolutionäre Bestrebungen bereits am Werke seien, doch würden diese von der Regierung unterdrückt und die Schuldigen bestraft. Die Petroleumgesellschasten erlitten »ach den neuen gesetzlichen Regelungen keinen Schaden. Diejenigen, die ihren Besitz vor löl? erworben hätten, könnten ihn auf 59 Jahre pachten und nach dieser Zeit die Pacht für weiter« 39 Jahre erneuern. Bezüglich Nicaraguas erinnerte der Präsident an die Ge- schichte des Landes, um seine Ansicht zu bekräftigen, daß die An- spruche Diaz' als konservativer Präsident ungerechtfertigt seien. Es würde sonst zwei Regierungen in Nicaragua geben, eine Regierung der Gewalt und Ungesetzlichkeit und eine der Gesetzmäßigkeit. Mexiko hat die Regierung der Gesetzmäßigkeit aner- kannt, erklärt der Präsident, Amerika die der Gewalt, das Ist alles. Sranüftistung in Nuhleben. Der Brandstifter in den Flammen umgekommen? Ein größerer Brand zerstörte gestern abend den Boden über einem Stallgebäude auf der Rennbahn Ruhleben. Ein 28 Jahre alter Stallmann R o t h m e i e r, der in Ruhleben beschäftigt war, muhte vor einiger Zeit eines Augenleidens wegen ein Kronkenhaus aufsuchen. Am Sonnabend wurde er entlassen. Er äußerte im Laufe des gestrigen Tages wiederholt, daß„etwas passieren" werde. Abends gegen 7 Uhr kam Rothmeier mit stark olutenden Kopfverletzungen auf die S t a l l w a ch e und rief:„Rettet, was Ihr retten könnt! I ch h a b e a n g e st e ck t!" Die Stalleute entdeckten, daß die Futteroorräte auf dem Boden an mehreren Stellen brannten, versuchten selbst zu löschen, riefen die Feuerwehr und retteten unterdessen 18 Pferd«, die in den Stallungen untergebracht waren. Die Spandauer Feuerwehr kam mit einem Zuge angerückt und hatte eine Stunde zu tun,� bis der Brand gelöscht war. Roth- meier war inzwischen verschwunden. Man rechnet auch mit der Möglichkeit, daß er wieder auf den Boden gestiegen ist, um i n d e n Flammen den Tod zu suchen. Bisher aber ist auch hier nichts von ihm gefunden. Ein gefährliches Feuer kam heute früh gegen �8 Uhr in den Fabrikräumen der Lederwarenfirma Sch. in der Alexandrinen- straße 37a zum Ausbruch. Als das Feuer bemerkt wurde, hatte es bereits große Ausdehnung angenommen. Die Feuerwehr er- schien unter Leitung des Baurates Papke mit mehreren Lösch- zügen. Inzwischen hatten die Flammen die Decke durchgesressen und den darüberliegenden Dachstuhl ergriffen. Die Treppenhäuser waren derart verqualmt, daß es den Mannschaften nur mit Schutzmasken möglich war, nach oben vorzudringen, lieber zwei mechanische Leitern wurde fast eine Stunde lang aus mehreren Schlauchleitungen Wasser gegeben. Die Ausräumungsarbeiten dauerten mehrere Sttinden. Die Enfftehungsursache tonnte noch nicht festgestellt werden._ Ein unglaublicher Roheitsakt. Einen bösen Streich, der leicht ein schlimmes Ende hätte nehme» können, spielten am Sonnabend nachmittag gegen 4 Uhr mehrere junge Burschen einem löjährigen Lehrling Erich K. aus der Kameruner Straße. Er sollte im Auftrag- seines Lehrherrn ein kleines Boot, das auf dem Stichkanal am Charlottenburger Schloß lag, ausbessern. Während er noch bei seiner Beschäftigung war, kamen vier junge Burschen heran, hänselten ihn und ver- langten endlich, daß er sie spazieren fahr«. Der Lehrling lehnte das ob. Jetzt sprangen die Burschen kurzerhand zu ihm in das Boot hinein. Während zwei den Lehrling festhielten, stießen die beiden anderen es vom Wasser ab. In der Mitte des Kanals warfen die Bengcls den Lehrling ins Wasser, ruderten ans Land, stiegen aus und rannten davon. Um den unglücklichen Jungen und das abtreibende Boot kümmerten sie sich nicht im geringsten. Es gelang«1K. ans Ufer zu schwimmen. Schiffer, die den Vorgang beobachtet hatten, waren inzwischen mit ihren Booten herbei- gekommen und standen dem Jungen bei. Sie holten auch das ab- getriebene Boot zurück. Leider ist es noch nicht gelungen, die Strolche zu ermitteln. Zugzusammenftoß am Lehrter Bahnhof. In unmittelbarer Nähe des Lehrter Bahnhofs kam es am Sonntag früh kurz vor X19 Uhr zu einem Zusammenstoß zwi- schen zwei Lokoinotiven, wobei eine Maschine entgleiste und sich quer über die Schienen legte. Das Stadtbahngleis wurde durch den Vorfall in Ricktung Charlottenburg— Schlesischer Bahnhof gesperrt, der Verkehr jedoch durch Umleitung, über die Ferngleise aufrechterhalten. Wie tr-ir von der Reichsbahndirektion erfahren, überfuhr morgens um 1.27 Uhr der von Charlottenburg kommende Arbestszug 43 126 das Einfahrtssignal auf Gleis 3 und fuhr einer auf Weiche 4 gerade ausfahrenden Reservelokomotioe in die Flanke. Die Lokomotive des Arbeitszuges entgleiste mit allen Achsen, ebonso ein folgender Güterwagen. Die Reservelokomotioe wurde nur un- erheblich beschädigt. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Im Laufe des Vormittags konnte der Schaden behoben und die Gleise freigegeben werden. In öer fremden Wohnung. Mord»»nd Selbstmordversuch einer Mutter. Eine Familientragödie spielte sich in der vergangenen Nacht in dem Hause Berliner Straße 194 zu Charlottenburg ob. Dieses gehört einem Herrn Handel, der nervenkrank ist und eine Zeitlang in einer Anstalt war. Vor den Feiertagen verließ er die Anstalt, um zu seiner 36 Jahre alten Frau Martha und dem 14 Jahre alten Sohne Heinz zurückzukehren.-Er hotte das Un- glück, hinzufallen und sich einen Schädelbruch zuzuziehen. An dieser schweren Verletzung liegt er in der Wohnung des Vorderhauses- in ärztlicher Behandlung. Seine Frau, auf deren Wunsch er heim- gekehrt war, ließ zu ihrer Unterstützung eine Schwester aus Schlesien kommen. Die reiste gestern abend wieder ab. Das Mißgefchick scheint die Frau so schwer bedrückt zu haben, daß sie beschloßt a u s dem Leben zu scheiden und ihren Sohn in de» Tod mitzunehmen. In der vergangenen Nacht, nach der Abreise der Schwester, begab sie sich mit dein Sohne um 2 Uhr nach einer � Wohnung des Gartenhauses, deren Inhaber verreist ist und ihr die Schlüssel übergeben hatte. Heute morgen nahm«in Mädchen aus dem Hause, das c-n dieser Wohnung vorbeikam, Gasgeruch wahr. Man hörte auch Stöhnen in der Wohnung. Man rief das Ueber- fallkommando und die Kriminalpolizei.. Die Beamten öffneten die Tür und fanden Frau Handel und ihren Sohn in den mit Gas a»- gefüllten Räumen besinnungslos auf dem Fußboden liegen. Die Charlottenburger Feuerwehr machte Wiederbelebungsversuche, und brachte Mutter und Sohn nach dem Krankenhause, ebenso de» Mann, der nicht ohne Pflege im Hause allein bleibe» konnte. Selbstmord ciner Fünfzehnjährigen. Die läjährige Haustochter Lotte Waurich aus der Tulpenstr. 19 wurde t o t aufgesunden. Sie hat ihrem Leben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende gemacht. Das Motiv ist unbekannt. Der Nachlwächter im Sack. Ein vielbesprochener Ulk wurde von einigen Burschen in einer kleinen deutschböhmische» Gemeinde bei L u d i tz t. B. zum Gaudium von jung alt durchgeführt. Der Nachtwächter, ein Freund des Alkohols, wurde tüchtig betrunken gemacht, dann wurde er, als er schnarchte, in einen großen Kor»sack gesteckt und in einer Scheune abgesetzt. Beim Ge- meindevorstande gab es später ein weniger lustiges Nachspiel, das auch für den Nachtwächter nicht angenehm sein dürfte. vorlräg« Im Außeninstliut der Technischen Hochschul«. Im Außen- institut der Technischen Hochschule in Cbarloilcnbnig. Berliner Straße I7l, werden im ersten Viertcljabr 1927 folgende BortranSreihen abgehalten werden: I. Metalle und Melallprüsung. insbesondere in der Elektrotechnik: 8 Vorträge, Montag« 6—8 Uhr. Hörsaal E.B. 801; Beginn 10. Januar. 2. Wtssenschaftliche Mathematik und höhere Schulen: 4 Vorträge. Dienstag« S— 8 Uhr. Hörsaal H. 233; Beginn 25. Januar. 3. Techniiche Sonder- bedürsnisse im Ausland: 8 Vorträge, Mittwochs L— 8 Uhr, Hörsaal 120 H.; Beginn 12. Januar. 4. Technische Filme: 3 Vorführungen, Donnerstag» 6—8 Uhr, Hörsaal E. B. 301; 20. Januar, 3. und 17. Februar. 5. Anwendung de« Flugzeug«: b Vorträge, Beflkhtigungen ürit Auslosung von Freiflügen: Freitag« 6— 8 Uhr, Hörsaal 358 H.: Beginn am 21. Januar. Programme, Einlaßkarten, Auskunft im AußeninstituI Zimmer 138, bei Frl. Koch, Telephon Stemplatz 9000. Denkmirlsschänder. In der Nemahrsnacht wurde das Erzbcrger- Rathenau-Ebert-Denkmal auf dem Hohenstein bei Watter restlos mit roter Farbe beschmutzt. Am Sonntag fand deshalb eine große Protestkundgebung von 2999 Reichsbannerleuten statt, Kommunistischer Gewerkschaftstag. Als ob es sich um die selbstverständlichste Sache der Belt handelte, teilt die„ Rote Fahne" mit, daß am 12. Januar in Berlin der Gewerkschaftstag der Partei stattfindet. Dieser kommunistische Parteigewerkschaftstag sei notwendig, weil am 1. April Bewegungen der Metallarbeiter, der Buchdrucker, der Gasarbeiter usw. bevorständen. Es tomme hier darauf an, den Acht stundentag zurückzuerobern, der durch die reformistische Gemertschaftstattik verlorengegangen" fei. Bevor also noch die Gewerkschaften die Tariffündigungen be= schlossen haben, bevor sie ihre Abänderungsvorschläge formuliert haben, ehe sie auch nur über die Dinge beraten haben, wird der Gewerkschaftstag" der Kommunistischen Partei die Parolen aufstellen, mit denen die kommunistischen Parteimitglieder als Ge wertschaftsmitglieder in den Gewerkschaften hausieren gehen follen. 3war fann heute noch kein Mensch wissen, wie sich in den nächſten drei Monaten die Arbeitsmarktlage geſtaltet, an die doch die Taktik der Gewerkschaften zu einem guten Teil gebunden ist, allein die Kommunistische Partei, der es nicht darum geht, was für die Gewerkschaften gut ist, sondern darum, was der Agitation für die Partei dient, versucht dennoch den Gewerkschaften schon jetzt die Vorschriften zu machen, die im tommunistischen Parteiinterresse geboten erscheinen. Und schon jetzt macht diese Partei den Gewertschaf. ten, den„ Reformisten", den Vorwurf der Sabotage des Achtstundentags. Das systematische Vorgehen der KPD. gegen die Gewert schaften, die Absichten dieser Partei zeigen deutlich die Anmaßung der Kommunisten, deren Schuld es wahrlich nicht ist, wenn ihr Treiben nicht den gewünschten Erfolg hat: der Lähmung der gewertschaftlichen Aktionstraft, der 3erstörung der inneren Geschlossenheit der Gewerkschaften, zum Zwecke der„ Eroberung" der Gewerkschaften als Anhängsel der KPD. Diesem Treiben können die Gewerkschaften auf die Dauer unmöglich passiv gegenüberstehen. Schon bei den bevorstehenden Neuwahlen in den Ortsgruppen der Gewerkschaften, auf die die KPD. ihre Mitglieder besonders hinweist, müssen die Gewerkschaftsgenos sen allesamt auf dem Posten sein, um der Unterminierarbeit der Kommunisten erfolgreich zu begegnen. Jede Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit der nichtkommunistischen Gewerkschaftsmitglieder rächt sich. Die Gewerkschaften müssen alles daranfetzen, die Kommunistische Partei in ihre Schranten zu verweisen. Dann mag sie ihre Deflamationen gegen die reformistischen" Gewerkschaften in ihrer Presse und ihren Konventikeln ruhig fortsetzen. Auch die noch tommunistischen Gewerkschaftsmitglieder werden erfennen, wie es mit der Gewerkschaftsfreundlichkeit der KPD. bestellt ist. Die Drahtzieher der KPD. mögen sich auf den Kopf stellen, sie werden die Gewerkschaften nicht erobern". Gie tönnen jedoch um so mehr Unheil stiften, je soreloser unsere Gewerkschaftsgenossen ihren Gewertschaftstag und allen sonstigen Aktionen gegenüberstehen. Wenn die KPD. erklärt:" Bum Gewerkschaftstag gilt allgemeine Parteimobilisation" dann ergibt sich dar tommunistischen Parteiangriffe auf die Gewerkschaften: Soweit diese Methode bazu dienen soll, die Abgeordneten über| die Forderungen der Beamten zu unterrichten, läßt sich dagegen nichts einwenden, obgleich ein solches Vorgehen nicht unbedingt notwendig und bei den freien Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten unbekannt ist. Es gibt auch genügend andere Wege, feine Wünsche zur Kenntnis des Parlaments und seiner Mitglieder zu bringen. Hin und wieder wird aber von den nichtfreigewerk schaftlichen Beamtenorganisationen versucht, die Abgeordneten der verschiedenen Parteien bei diesen Versammlungen gegenein. ander auszuspielen oder sie auf die aufgestellten Forde rungen festzulegen. Dies hat bereits mehrfach dazu geführt, daß es bei Tagungen folcher Organisationen zu politischen Zusammenstößen fam, die den Tagungszwed gefährdeten und auf die Teilnehmer ſehr ungünstige Rückwirkungen hatten. Deshalb sollten die sozial demokratischen Parlamentsfrattionen jeder Veranstaltung dieser Art fernbleiben, bei der die Gefahr ähnlicher Borgänge besteht. Sind diese Erscheinungen schon wenig berüdend, so stellen fie noch lange nicht das schlimmste dar. Neuerdings ist der Deutsche Beamtenbund" dazu übergegangen, parlamentarische Abende" zu veranstalten, auf denen bei faltem Buffet, Bier, Citör und Bigarren, die gerade atuten Beamten probleme gelöst werden sollen. Dies geht soweit, daß nicht etwa nur die Spigen organisation auf den Gedanken gekommen ist, die Gesetzgebung auf diese Weise zu beeinflussen, sondern, dem schlechten Beispiel folgend, sind auch die einzelnen Verbände hierzu übergegangen. Die Abende der Verbände haben natürlich nur den 3wed, für die Beamtengruppen, deren Verband den parlamentarischen Abend veranstaltet, eine Ertra murst herauszuschlagen. Die Folge ist, daß natürlich fein Verband hinter dem anderen zurückbleiben will, und ein Wettrennen um die Gunst der Parteien beginnt, wie es sich in den abschreckendsten Formen bei der Schaffung des Besoldungsgefeßes von 1920 abgespielt hat. Damals erklärte sich der Deutsche Beamtenbund in der Einstufungsfrage für„ neutral", und nun verfuchte eine Beamtengruppe die andere nach Kräften herunterzureißen, um für sich Vorteile zu erringen. Der Rest war das Chaos. sind die größte Sorgfalt in diefer Beziehung sich selbst und vor allem ihrem Kinde schuldig. Der Zentralverband der Angestellten, Gewerkschaft der Hand lungsgehilfen und Bureauangestellten, steht in diesem Falle gleichfalls mit Rat und Tat zur Seite. Mit seinen etwa 700 Ortsgruppen in allen größeren und vielen fleinen Orten stellt er eine starke Macht der Arbeitnehmer und einen sicheren Schutz für die heranwachsende Jugend dar. Auch seine Hauptgeschäftsstelle, Berlin SO. 36, Oranienftraße 40-41, ist zu Auskünften gern bereit. Lohnbewegung in der westdeutschen Kanalschiffahrt. Dortmund, 10. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Das Personal der Firmen in der westdeutschen Kanalschiffahrt, der Weserschifffahrt und bei den staatlichen Schleppämtern hat beschlossen, zum nächsten Termin die bestehenden Löhne und Vergütungen zu fündigen. Teilweise sind auch schon die Forderungen aufgestellt. Aus der München- Gladbacher Bekleidungsindustrie. M.- Gladbach, 10. Januar.( WTB.) Infolge der Anerkennung des neuen Lohnschiedsspruches für die Textilindustrie des M.- Gladbach- Rheydter Bezirks haben die Arbeiter der Bekleidungsinduſtrie das bestehende Lohn mantelabkommen durch ihre Gewerkfchaft fündigen lassen und dem Arbeitgeberverband der Kleiderfabriken M.- Gladbach, Rheydt und Umgegend Lohn forde rungen in Höhe von 10 bis 15 Pro 3. unterbreitet. Außer. dem verlangen sie Herabsetzung der Wochenarbeitszeit von 54 auf 48 Stunden und für Mehrarbeit Zuschläge nach dem Staffeltarif von 10 bis 66% Proz. Sie wollen nur zentralisieren", die Moskauer. des Pressedienstes des JGB., wonach die gewerkschaftliche Minder( IGB.) Die Berliner Rote Fahne" tommentiert eine Meldung heitsbewegung in Großbritannien einen Plan für die Errichtung eines Bergarbeiterverbandes ausgearbeitet hat. Ohne genau zu wissen, um was es sich bei diesem Plan eigent fich handelt, sagt das Blatt, daß die Minderheitsbewegung nicht etwa auf eine Spaltung ausgehe, sondern den englischen Bergarbeiterverband zu einem straffen Zentralverband umgestalten wolle. Wenn es sich nicht um einen neuen, sondern um den bereits bestehenden Bergarbeiterverband handelt, so scheint es uns, daß ein solcher Plan nicht den Mitgliedern der Minderheitsbewegung, sondern der Exekutive des regulären Bergarbeiterverbandes unterbreitet werden soll, ja daß diese Erefutive die ange= wiesene Instanz ist, einen solchen Plan auszu= arbeiten und durchzuführen. Einer Wiederholung möchten wir im Interesse der Beamten und des Ansehens ihrer Gewerkschaften vorbeugen. Denn schon jetzt, wo die Aenderung des Besoldungsgesetzes von der Regierung faum angefündigt ist, beginnt bereits der Unfug der parlamentarischen Abende. Als erste haben die Reichsministerialerpe dienten" eingeladen; ausgerechnet also jene Beamten, die eine Bevorzugung über die andere genossen haben. Es wird gut sein, wenn der Deutsche Beamtenbund diesem Treiben, das bar jedes Solidaritätsgefühls ist, recht schnell ein Ende macht und Würde es die" Rote Fahne" und mit ihr das Rote Gewerkauch selbst zur gewerkschaftlichen Uebung in der Vertretung seiner schaftsbulletin", das sich ebenfalls in seinen Einheitsgefühlen verlegt Forderungen zurüdfehrt. Wir zweifeln nicht daran, daß die Sozialfieht, auch in fo entgegenkommender und harmloser Weise interdemokratie sich auf diesen parlamentarischen Abenden nicht ver treten lassen wird. Die Berufswahl steht vor der Tür. Manche Eltern bedrückt die Sorge um die fernere Zukunft des Kindes, wenn es jetzt zur Osterzeit zur Schulentlassung fommt. Was soll die Tochter oder der Sohn lernen? Welche Möglichkeit bietet sich für ein weiteres Fortkommen? Eine Antwort auf diese füllung, so daß die jungen Kräfte nach beendeter Lehre vor einem Fragen ist schwer. Eine Anzahl Berufe leiden an großer Ueber nichts stehen und nur schwer in ihrem erlernten Beruf unterfommen füllung leiden, gehört auch der taufmännische. pretieren, wenn z. B. die kommunistische Minderheits= bewegung in Rußland, d. h. die Opposition Tregti- Sinowjem, einen Plan für die Errichtung eines 3entralisierten" russischen Bergarbeiterverbandes ausarbeiten und ihren Anhängern, soweit sie nicht schon hinter Schloß und Riegel figen, unterbreiten würde? Gegenrevolutionärer Berrat" wäre wohl das mindeſte, was sie diesen Genossen an den Kopf werfen würden. Da es sich jedoch um England und um einen Schachzug gegen tion". Ist es vielleicht auch Zentralisation, daß ein anglodie Reformisten" handelt, sagt man manierlich" Zentralisaaus für die Gewerkschaften die Pflicht der Mobilisation gegen die und weiterkommen können. Zu den Berufen, die an dieser Ueber. russisches Bergarbeiterfomitee gegründet werden soll, „ Parlamentarische" Beamtenabende. Bei den Beamtenorganisationen hat sich die Uebung eingebürgert, zu gewerkschaftlichen Bersammlungen, die zu dieser oder jener im Parlament zu entscheidenden Frage Stellung nehmen, Abgeordnete einzuladen. So ist es ein regel mäßiges Bild, daß bei solchen Veranstaltungen von Organisationen, die dem Deutschen Beamten bund" angehören, Bertre ter aller politischen Parteien anwesend sind, während bei derartigen Bersammlungen des ,, Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes" die Bertreter der bürgerlichen Parteien durch Abwesenheit glänzen, weil der ADB. den üblen" Ruf hat, sozialistisch" zu sein. Theater, Lichtspiele usw. Städtische Oper Theat. a. Hollendorfpl. Charlottenburg 72 Uhr: Carmen Dirig. E. Pollak M. Olzweska, Dr. Schipper Abonn.- Turnus IV Beutsches Theater Norden 10334-37 8 Uhr: Neidhardt v.Gneisenau von Wolfgang Goetz Regie: Heinz Hilpert Kurfürst 2091 8 Uhr: Klubleute mit Reichshallen- Theater Abends 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Nachmittags: halbe Preise, volles Programm! Dönhoff- Brett'l Max Adalbert Varieté, Tanz, Konzert, mit Karl Braun Gr. Schauspielhaus Polstermöbel Tägl. 8 Uhr: Von Mund zu mund CHARELLREVUE Sonnt. nachm. 3 Uhr Kammerspiele ungekürzte Vorstlig Norden 10334-37 zu ermäß. Preisen! 8 Uhr: Ollapotrida von Lernet- Holeniá Regie: Heinz Hilpert. Zentral- Th. Hierauf: Das Veilchen von Franz Molnar Regie: Eug. Robert Täglich 8 Uhr: Der grosse Operettenerfolg! Die Komödie Der Trompeter Bismarck 2414, 7516 8 Uhr: Die Gefangene Von Bourdet vom Rhein M. Alfermann, J. Klein, A. Bard, H. Boettcher, L. Hainisch, H. Krauss. Regie M. Reinhardt| Preise von 1-7 M. = Wallner Theater Tägl. 84 u. Sonntag 3% Uhr( kl. Preise) die erfolgreiche Schlageroperette Das blonde Wunder CASINO- THEATER 8 Uhr: Mister Corned beef. Ab 12. Januar: Ein Tag im Paradies. Gutschein. Faut. 1 Mk., Sessel 1,50 Mk. Wintergarten Tägl. 8 Uhr: Athos Follies Dazu das Januar- Programm Sonntags 3 30: Ermäßigte Preise Berliner Tik- Trio Neukölln, in allen Preislagen, ab Fabrik, bei Teilzahlung kein Aufschlag. Sommer, Schöneberg, Hauptstr.151 Nach einer fürzlichen Feststellung ist heute jeder zehnte Erwerbslofe ein Angestellter. Unzählige wurden in den letzten Jahren aus dem Angestelltenverhältnis entlassen. Sie sind abgebaut worden und finden auf unbestimmte Zeit auch fein Unterkommen. Diese Tatsache muß deshalb bei jeder Berufswahl beachtet werden, und die Vorausfegung für ein Forttommen im laufmännischen Berufe ist Eignung und Gesundheit. Es wird leider häufig der Fehler gemacht, daß gerade die schwächlichen Kinder für diesen Beruf vorgesehen werden. der so unglaublich viel Nerven und Ausdauer erfordert. Daher soll. ten die Eltern zunächst einmal selbst prüfen und die entsprechenden Stellen für die Berufsberatung dabei in Anspruch nehmen, ob die Tochter oder der Sohn im Falle der Neigung auch die Eignung für diesen kaufmännischen Beruf mitbringt. Die Eltern Deutscher LJUERGENS ALEXANDER PLATZ Republikaner- Reichsbund das Haus ins Bousteinn RONKOW REKLAME Metallbetten Goltzstr. 44. Vorzeiger dieses erhält Stahlmatratzen, Kinderbetten günstig an Priv 5 Prozent Rabatt. Kat. 650 ir. Eisenmöbelfabrik Suhl Thür. trias Telefunkenröhren No RE 064 RE 154 TELE FUN KEN unerreicht! Teppiche Kokosläufer, 67 cm breit, per Mtr.... 1,68 Läuferstoffo Bouciéläufer, Prima, 67 cm breit, per Mtr. 2,95) RICHARD VOGEL Potsdamer Straße 14 Friedrichstraße 43 Inventur- Ausverkauf TEPPICHE Velour Tournay Axminster Bouclé Extra Extra Kirman m. Fr. 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Die Zigarettenfabrik Haus Neuerburg ist an uns herangetreten und hat uns überzeugend dargetan, daß die hier veröffentlichte Nachricht, wonach sie dem„ Stahlhelm" eine Geldzuwendung gemacht habe, jeder Grundlage entbehrt. Wir bedauern, daß die falsche Noiz in unserer Zeitung Aufnahme gefunden hat. Alle Folgerungen, die man baran knüpfte, find demgemäß als hinfällig anzusehen. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: G. Klingelhöfe:; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lotales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. ,, Nicht " ,, Was" und ,, Wie"? 77 nur was Sie essen, sondern auch wie Sie essen, entscheidet über Ihre Gesundheit!" Aber die Mechanik des Kauens wird vom Gebiß und Magen diktiert, und die sind für Nahrung in beiderlei Gestalt gebaut, nämlich für tierische Nahrung in klugem Wechsel mit pflanzlicher. Also kauen Sie sorgfältig, aber vergessen Sie nicht, die frische Frucht in Ihre Mahlzeiten einzufügen. Esst mehr früchte, und Jhr bleibtgesund! Täglicher Genuß frischer Früchte ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Frische Früchte gibt es zu jeder Jahreszeit. Das Fruchtkochbuch ist zum Preise von 25 Pfg. in allen Buchhandlungen zu haben.