Nr. 18 ♦ 44. Jahrg. Ausgabe � Nr. 10 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pf-nnia. m-n-!I!ch g.- Sieichsmar! voraus»ohlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. gjcujia. Saar, und Memelacbiei. Oeslerreich. Litauen. Luicmbur, «ch0 Reichsmarl. Mr das übrige ilustand ü.öti Reichsmark vro Mouar. Der.Lorwärts' mit der illustrier» tcn Sonntagsbeilage.Volk und Zeit� towie den Beilagen»Unterhaltung Uno Wissen"»Aus der nilmwelt". „lsrauciiilimme"»Der Kiuder» lreund"...Iugend-Dormärts" und ..Blick i» die Büchermelt" erscheint tvochcntäglick, zweimal. Sonntags und Montags einmal, Telegramm.Adrcffe: »�ogioldematro« verll»" orgenausgake Devlinev VolKsvl�kt (�10 pksnnig) Anzeigenpreise: Sie«Insvaltta« Nouvarcille. zeile 80 Psennig. Ncllamezeile 5,— Rcichsmarl.»Kleine Anzeigen" das iettgedruckie Wort 2ä Pkcnnlg (zusliissa zwei scttaedrucktc Worte). iedes weitere Wort 12 Pfennig. Ctcllengeluckie das eril« Wort IS Psennig. iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Bucki» tiabe» zählen für zwei Worte. Oirbeilsinarlt Seile 60 Psennig. ilamilienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Psennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis iVj Uhr nachmittags jin chouvtacschäft. Berlin SW 68. Linden» ttraheZ, abgegeben werden. Ecössnet von SV7 Uhr früh bis S Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrati fchen Partei Deutfcblands Reüaktion und Verlag: öerlin SW. HS, �indenstraße 5 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. heute entstheiöet öas Zentrum. Curtins verhandelt mit den Gewerkschaften. Uebcr öle goskrigen Verhondlungm in der �roge der Rcgierungs- bildung wird amlllch folgender Bericht ciusgezeben: Reichsnüctschaflsminisser Dr. Curlius besprich im verlaus des Heuligen Tages die politische Loge und seine Plane zur Regierungs- bUdung mit den Vertretern der Jraktiovcn der Bayerischen Volkspartei. der Demokratischen Partei, der Wirtschaftlichen Vereinigung. der Drulschnalionaien volkspartci und des Zentrums und unterrichtete am?!och>nittag den Abg. BI ü l l e r- Aranken als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei. Die Besprechungen trugen durch- weg vorbereitenden Charakter. ?>n einzelnen verlautet über die Verhandlungen folgendes: Die Unterhaltuiig des Kanzterkandidoten Eurtius mit dem Vorsigenden der sozialdemokratischen Reichstagssroktion war nichts als ein blohcr Höflichkeitsakt. Von größerer Bedeutung war die Unterhaltung mit dem Zentrumsführer v. G u e r a r d. Aber auch dieser konnte nur sagen,' daß die Entscheidung bei der Fraktion liege, die siir heute abend 6 Uhr einberufen ist, während der Froktiansoorstand schon gestern abend, aber auch erst nach der Besprechung tagte. Was .ezerr Cnrtius mit dem Grafen W e st o r p, den Wirtschastsparteilcrn Bredt und Drewitz besprach, konnte natürlich auch nichts Cnt- scheidendes bringen, da die Entscheidung eben beim Zentrum liegt. Auch Herr Koch von den Demokraten soll erklärt haben, Ver- Handlungen hätten eigentlich noch keinen Zweck, solange dse Stellung des Zentrums nicht bekannt sei. Zu heute mittag 1Z Uhr hat Herr Curtius Vertreter samt- l i ch e r Gewerkschaften, der freien, christlichen und Hirsch- Dunckerschen, zu sich gebeten, um mit ihnen sein sozialpoliti- sches Programm zu besprechen. Do diese Gewerkschaften bc- kanntlich gemeinsam die Forderung des A r b c i t s z c i t- N o t- g e s e tz e s vertreten, kann die Unterhaltung recht interessant werden. Aber, gan,z gleich, wie diese Unterhaltung ausgehen wird, werden die Aussichten des Herrn Curtius übereinstimmend als durchaus un- günstig bezeichnet. Daß übrigens bei der Bildung einer Regierung die Vertreter der Gewerkschaften zu den Verhandlungen mit herangezogen werden, ist eine Neuerung, die vermerkt zu werden verdient. „Zwijchenbeschluß" des Zentcumsvorstanöes. Der»Soz. Pressedienst" meldet: Die erstrebte Bildung eines Brsilzbürgerblocks kann nach den geltrigcu fast ZVHtundigsn Verhandlungen des Vorstandes der Zenlrumxfroklion so gut als c r l e d i g l belrachtel werden. Der Fraklionsvorstand sahie zwar leinen endgültigen Beschluß, sondern brachte seine Aussassung in einem„Awischenbeschluß" zum Ausdruck. Die endgültige Entscheidung soll der am Mittwoch nachmittag zusammentretenden Gesanitsraklion überlassen werden. In dem Zwischcnbeschluß ist die einmütige Aussassung des Froktionsvor- standes des Zentrums dahin niedergelegt, daß die innen- und außen- politischen Bedenken gegen die Bildung eince Regierung mit Einschluß oder einseitiger Anterslühung der Deulschnalionolc» u n- übcrwindbar sind. Als beste Lösung betrachtet der Votsiand der Zcntrumssraklion aus innen- und auhenpolitischrn Gründen eine Regierung von der Volksporlei bis zur Sozialdcinokratic. Die„Tägliche Rundschau", die zu einem gewissen Prozent- sajz nolkspartcilich ist und jetzt die Sache des Herrn Curtius vertritt, schrieb in ihrem gestrigen Morgcnblatt, daß die von Curtius geplante Regierung der Mitte mit den Deutschnotio- nalen den.Hurs nicht nach rechts umbiegen, sondern weiter in der Richtung wie bisher steuern werde. Danach würde sich also nichts ändern, als daß einige Deutschnationale Ministergehälter beziehen würden. Der größte Teil der Rechtspresse schluckt das, ohne Wider- spruch zu erheben. Rur die„Krcuz-Zcitung" äußert sich dazu wie folgt: Zu dem„wie bisher" möchten wir denn doch c i n e n Z u s a tz machen. Bisher ist leider der Sozialdeniokratie ein erheb- licher Einfluß zugesalle». Wir erinnern nur an die Angelegenheit der Arbeitslosenunterstützung, wo die Minderhcitsregierung sich mit der Sozialdemokratie einigte. Also g a nz so„wie bisher" dürfte die eventuelle Regierung Curtius denn doch nicht arbeiten dllrsen. Auch diese vorsichtige Acußerung zeigt, daß sich die Deutschnationalen einstweilen sehr klein machen. Sind wir erst drin, denken sie, ist doch alles ganz anders. Mit einiger Schärfe wendet sich die„Germania", das Zentrumsblatt, gegen Herrn S t r e s c m a n n: Eine undurchsichtige Rolle spielt in dem ganzen Spiel Herr G u st a v S t r e s e m a n n. Ist er nicht der frühere und der prö- destinierte neue Rcichsaußenminister? Ist nicht die Rheinland- räumung sein nächstes Ziel'? Glaubt er im Ernst, die Rheinland- ränmung am leichtesten mit den D e u t s ch n o t i o n a l c n zu er- reichen? Man will uns weismachen, daß er seine eigene Partei nicht hinter sich habe? Wohnen zwei Seelen in seiner Brust? Oder hofft er am Ende gar, daß andere ihm das Odium für das Scheitern der von ihm selbst geförderten Rechtsschwenkung abnehmen werden? Das Zcntrumsblatt weiß außerdem noch folgendes zu melden: Unkontrollierbare Gerüchte wollen von einer Absicht gewisser Rechtskreise wissen, nötigenfalls die kleine R e ch t s r c g i e r u n g zu bilden, diese auf Grund des Artikels 4S der Reichsversassung in den Stand z» setzen, das Wahlrecht im Bcrordnungs- wege zu ändern und sodann den bestehenden Reichstag aus». zulösen und Neuwahlen auszuschreiben. Derartige Gerüchte zeugen von soviel politischer Urteilslosigkeit, dnß sie nicht ernst zu nehmen sind. Daß es Rechtskreise gibt, die bei jeder Gelegenheit mit dem Gedanken eines faschistischen Staatsstreichs spielen, ist be- kamit. Durch die Bildung einer Regierung mit den Deutsch- nationalen würden auch sn zu erhöhtem Einfluß gelangen. Minifterpräsiüentenwahl in Sachsen. Held wiedergewählt.— Mit den Stimmen der Dcutschnationalcn.— Eintritt der Deutsch- nationalen in die Regierung? Dresden. 1l. Januar.(Eigener Drahtberichl.) Räch der Vertagung trat der Sächsische Landtag heute nachmittag um'AS Uhr zur Wiederwahl des Mlnisterpräsldenicn zusammen. Mit 43 gegen 45 Stimmen wurde der bisherige Ministerpräsident Held(ASPS.) wieder zum Ministerpräsidenten gewählt. Für Held stimmten sämtliche bürgerliche Parteien mit Ausnahme der Ralionalsozialisten, ober einschließlich Hier Aus- wcrtungspartel und einschließlich der Deulschnatio- nalen. Für den sozialdemokratischen Kandidaten F l e i ß n e r stimmlen die Sozialdemokraten und die Kommu» v l st e n. Die Dcutschnationalcn, die es erst abgelehnt hatten, für den Ministerpräsidenten Held zu stimmen, ohne daß sie an der Regierung beteiligt wären, waren wahrend der Zeit, in der der Landtag oertagt war, nmgesallen. Dos neue Ministerium wird nun aus zwei Mitgliedern der ASPS- Zwei wirtschaflsparteilern. zwei Deutschen Vcltsparlcilern und eiaem Demokraten bestehen, und zwar wird die Verteilung der Mtnisterieu folgendermaßen sein: Held(ASPS.) Ministerpräsident: Elsncr(ASPS.) Arbeissministerium: Wilhelm(wirl- schaslsparlei) WIrls«hast»ministerium: Weber(WIrtschastsparlei) Finanzministerium: der bisherige Minister Kaiser(Deulsche Volkspartei) Kultusministerium und der bisherige Minister Dünger lveulsche vallapartei) Justizministerium: Dehne(Demakrol) Moislcrium des Juncru. Schon am vormittag ist den V e u t s ch n a t i o n a l e n zugesagt worden, daß zu gegebener Zeit wieder mit ihnen Verhandlungen über den Eintritt in die Regierung slatlsinden würden. -s: Die kleine Gruppe des sächsischen Landtags, die noch inimer, weil sie niemand daran hindern kann, den Nomen „Alte Sozialdemokrat i's che Partei Sachsens" führt, hat nun also zwei der Ministersitze, die sie bisher innehatte, mit Hilfe der Deutschnationalen gerettet! Damit hat sie einen Schritt getan, der sie noch viel weiter als die längst voll- zogene organisatorische Scheidung von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands trennt und durch den sie sich die letzten Sympathien, die sie da und dort in der Partei außerhalb Sachsens noch besessen haben mag, verscherzt. Es wird nur eine Stimme darüber geben, daß die Politik dieser ehemaligen Sozialdemokraten geradezu das Musterbild einer Äoalitions- Politik ist, wie sie nicht gemacht werden darf! Denn das Ergebnis ist wahrhaft erschütternd: Held, der einstige Per- traucnsmann der Arbeilermassen, endet als der Beauftragte einer Gruppierung, in der die schärfsten Klassengegner der Arbeiter den entscheidenden Einfluß ausüben. Er hat alles preisgegeben— nur nicht das Amt! Nachdem sich die sogenannten„Alten Sozialdemokraten" auf solche Weise die Rückkehr zu den Quellen ihrer einstigen Macht, zu den Ardeitermassen, verbaut haben, können sie nur noch ein Spielboll in den Händen der bürgerlichen Parteien sein. Man wird sie bald neben den Deutschnotionalen aus der Ministerbonk sitzen sehen, und sie werden gemeinsam mit diesen den Kampf gegen ih?e einstigen Parteigenossen führen — bis' die nächsten Wahlen dieser traurigen Episode in der Geschichte der sächsischen Arbeiterbewegung ein Ende machen. Vonvärts-Verlag G.m.b.tz., öerlin SW. 68, Lindenstr.Z Postscheckkonto! Berlin Z7 63»- BanNonto: Bank der Arbeiter. Aaacstellten und Beamten. Wallstr. KZ: Biokonto-Selelllchost. Dcpoiitrnkass« Lindrnstr. 3. �rbeitslosenfihutz. Seine Aufgaben und feine Vicschichtc. Der Rci6)stag findet bei seinem Wicdcrzusammcntritk endlich den Gesetzentwurf über die Arbcjtstosenver- sichcrung vor. Es wird zu den vordringlichsten porla- inentarischen Aufgaben gehören, dieses Gesetz möglichst bald zu oerabschiedon. So notwendig das ist, die Gründlichkeit der Beratung darf nicht durch Fixigkeit auf Kosten eines weite- r e n Ausbaues des Arbeitslosenschutzes ersetzt werden. Dos ist bereits mit ollem Nachdruck von dem Sprecher der sozialdemokratischen Reichstogsfraktion, dem Genossen H o ch, bei den Beratungen des Ausschusses für den Reichshaushalt über Verbesserungen der Erwerbslosenfürsorgc am 6. November betont worden. Der Reichssinanzminister hat in dieser Sitzung vom Reichstag eine fo rasche Verabschiedung des Gc- setzes oerlangt, daß es spätestens am 1. April in Kraft treten kann. Die Reichsregierung hat jedoch versäumt, den Gesetz- cntwurf rechtzeitig einzubringen. Das kommende Arbeitslosenversicherungsgesetz schließt eine bedeutsame Etappc sozialdemokratischer Kämpfe um den gesetzlichen Arbeitslosen schul) ab. Wenn man in der amtlichen Begründung des Regierungs- entwuris kaum einen Hauch davon verspürt, so ist das politisch verständlich. Die geschichtliche Wahrheit kommt damii aber keineswegs zu ihrem Recht. Es zeugt nur von der lebendigen Tatsache, daß der soziale Fortschritt auf der politischen und gewerkschaftlichen Macht der Arbeiterklasse beruht: diesen Zu- sammenhang einzugestehen liegt natürlich für eine bürgerliche Regierung und die bürgerlichen Parteien kein Anlaß vor. Dennoch bleibt auch für die Gegenwart das flüchtig ge- sprochene Wort Bismarcks wahr: Ohne Sozioldemo- kratie keine Sozialreform! Die Geschichte der deutschen Soziglpolitik ist die Geschichte sozialdeinokranschcr Kämvfe und des Aufstiegs der Sozialdemokratie zur Macht im Staat. Sie zu befestigen und auszubauen ist unerläßlich für den weiteren sozialen Fortschritt. Und ez beweist mir die Kraft unserer Ideen, wenn selbst die Vereinigung der den:- scheu Arbeitgeberverbände gezwungen ist, ihren Kampf gegen die Sozialpolitik in veränderten Formen zu fuhren. Sie an- erkennt die Notwendigkeit der Sozialpolitik, erklärt jedoch, es müsse eme„gesund e" Sozialpolitik sein. Nun ist der Sinn oller Sozialpolitik nicht, wie die Unter- nehmer meinen, sie den Bedürfnissen der kapitalistischen Wir»- schaft unterzuordnen, sondern überzuordnen. Sozialpolitik ist Zwang zu sozialer Logik, durch den der wichtigste Produktionsfaktor, die Arbeitskraft, geschützt und in seiner Qualität gesteigert wird. Das ist der tiefere Grund, weshalb alle kapitalistischen Prophezeiungen über unvermeidliche Gc- fährdung der„Wirtschaft" durch neue sozialpolitisch?„Lasten" sich regelmäßig als falsch erwiesen. Das Gegenteil war immer der Fall, die Produktivität wuchs. Aus einem sehr verstand- lichen Grunde: denn was die Unternehmer..Wirtschaft" nennen, ist gar nicht die Wirtschaft, sondern ihr Prosit. Das wirkliche Fundament aller Wirtschaft ist dagegen die geistige und physikchc Arbeitsfähigkeit der Menschen. Diese Tinsicht fehlt den Trägern der kapitalistischen Wirtschaft, weil in der privatwirtschaftlich organisierten Wirtschaft nicht der Mensch, sondern der Profit das Ebenbild Gottes ist. Und wenn vrioatwirtschastlich häufig die Rechnung über den Ausbau der Sozialpolitik nicht aufgehen will, weil es begueincr ist, sie auf Kosten der Arbeiterschaft aufgehen zu lassen, volkswirtschaftlich geht sie immer auf. Deshalb ist er- höhter staatlicher Schutz gleichzeitig Zwang zur Höherentwicklung der Wirtschaftsformen, soziale Einsicht und Boraussicht halten immer stärker ihren Einzug. Im Zeitalter des Monopolkapitalismus ist die Sozialpolitik deshalb nach von weit größerer Bedeutung. Dem Arbeitslosenschutz kommt unter solchen Um- ständen im G e s a m t s y st c in der Sozialpolitik er- höhte Bedeutung zu. Es istt das Verdienst der Sozialdeme- kratie und der Gewerkschaften, durch sastematische Aufklärungsarbeit die Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben, daß niemand mehr ernstlich die Notwendigkeit des staailichen Arbeitslosenschutzes bestreitet. Aus Selbsthilseeinrichtungen der Gewerkschaften erwachsen, fand er zunächst seine Fortentwicklung durch vereinzelte kommunale Einrichtungen, die unter tatkräftiger Förderung sozialdemokratischer Gemeinde- Vertreter ins Leben traten. Der sozialdemokratische P a r- t e i t a g 1902 forderte die Einführung der Arbeitsloienoer- ncherung und die Organisation des Arbeitsmarttes. Bereits im Januar 1902 brachte die sozialdemokratische Reichstags» fraktion eine Interpellation ein, in der zur Bekämpfung der Arbeitslosennot neben der Verkürzung der Arbeitszeit die Einfülirung einer reichsgesetzlichen Arbeitslosenunterstützung gefordert wurde. Die Reichsregierung verhielt sich ablehnend und erklärte das für eine Aufgabe der Länder und Ge- meinden. Der Internationale Sozialistenkon- g r e ß zu Kopenhagen forderte eine allgemeine, o b t i g a- torische Arbeitslosenfürsorge, deren Kosten die Besitzer der Produktionsmittel zu tragen. haben, und die von den Ärbetterorganisationen zu verwalten ist. In den da- inaligen Aus«inani)ersetzungen kehrt auch immer wieder die Forderung nach Arbeitsbeschaffung, tarifmäßiger Entlohnung der Ndtständsarbeiten und Verkürzung der Arbeitszeit. Der JenaerParteitog 1913 beschäftigte sich wieder eingehend mit der Arbcitslosenfrage. Er forderte in Neber- einstimmig mit dem achten Gewerkschaftskongreß die ö f f e n k- lich-rechtliche Arbeitslosenversicherung für alle Arbeiter und Angestellten. Für die Durchsetzung der For- derungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sollte der Kampf mit allem Nachdruck geführt werden. Inzwischen hatte Eng- land durch sein Versicherungsgesetz vom 16. Dezember 1911 die Führung auf diesem Gebiet übernommen. Die Kriegszeit brachte auch in Deutschland einigen Fort- schritt. Eine umfassende Regelung erfolgte durch die Ver- ordnung der sozialdemokratischen" Volksbeauftragten vom 13. November 1913. Ihre Geltungsdauer war zunächst be- fristet, weil sie durch ein endgültiges Gesetz ausgebaut werden sollte. Dieser Zeitpunkt ist jetzt"endlich gekommen. Einen weiten Weg hat der Arbeitslosenschutz zurückge- legt: es ist gleichzeitig ein Stück erfolgreicher sozialdemo- kratischer Arbeit. An Stell« vollständiger staatlicher Schutz- losigkeit ist unter der.fierrschast der Sozialdemokratie die um- fassende Grundlage des Arbeitslosenschutzes der Gegenwart gelegt worden, ihn weiter ans, zubauen ist die Aufgabe der bevorstehenden Auseinandersetzungen. Das kommende Gesetz muß erfüllen, was die Reichsversossung im Artikel 163 verheißt:„Jedem Deutschen soll die Möglichkeit gegeben werden. durch wirtschastlichc Arbeit seinen Ilnterhalt zu erwerben. Soweit ihm angemessene Arbeitsgelegenheit nicht nachge- wiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Ii n t e r h a l t gesorgt." Den Regieningseiitwurf in diesem Sinne auszubauen, dafür wird die Sozialdemokratie mit aller Kraft eintreten. das öuögetrecht des Reichstags. Wirksamere Kontrolle der überplanmäßigen Aus- gaben! Vor wenigen Tagen wiesen wir in einem längeren Aus- satz auf die unzulängliche Handhabung des Budgetrcchts durch den Reichstag hin. Wir legten dar, daß die im Etat erfolgende Festsetzung der einzelnen Aus- gabcnansätzc durch den HälishaUsausschi-ß noch keineswegs die volle Wahrnehmung des Budgetrechts bedeute, sondern daß es unbedingt notwendig sei, möglichst bald nach Abschluß des Rechnungsjahres nachprüfen zu können, ob die Regierung sich auch wirklich im Rahmen dieser Festsetzung gehalten habe oder, falls nicht, welche tatsächlichen Mehraus- gaben sie geleistet habe und aus welchen Gründen Ueber- schreituiigen erfolgt seien. Bei der Größe und Vielgestaltig- keit der Reichsverwaltung und unseren noch immer unsiche- ren Verhältnissen werden Ueberschreitungcn mitunter nicht zu vermeiden sein. Ilm die notwendige Kontrolle streng durch- zuführen und durch sie etwaige spätere Uebergriffe der Bureaukratie schon im Keim zu ersticken, sei es geboten, daß die Rechnungslegung der Regierung über ein abgeschlossenes Rechnungsjahr s ch n e l l st e n s erfolge, und daß dann die genaue Nachprüfung dieser Rechnungslegung durch den Rechnungsausschuß unmittelbar einsetze. Di« Rech- nungslegung für das Etatsjahr 192-1. seit der Inflation die erste und letzte, sei aber erst am 26. März 1926 dem Reichs- sag zugegangen, die Nachprüfung durch den Rechnungsaug- fchuß bis heute noch nicht begonnen worden. In einer sofortigen Erwiderung glaubte die Reichs- r c g j e r u n g daraus hinweisen zu können, daß der chaus- haltsplan für 1924 erst im Sommer 1925 vom Reichstag zur Verabschiedung gebrocht worden sei und daß von den Ueber- schreitungen in Höhe von über Iii Millionen sehr bedeutende Summen an die Länder zu zahlen waren. Im übrigen konnte die Richtigkeit der geschilderten Verhältnisse nicht be- stritten werden. Daß unsere Darlegungen auch im Parlament nicht auf steinigen Boden gefallen waren, zeigte sich an Vorgängen, die in der Dienstagsberatung des Ausschusses für den Reichs- Haushalt sich abspielten. Bei der Beratung des Etatsgesetzes für 1927 ergab sich für den sozialdeinokraiischen Redner die Möglichkeit, auf die Mißstände in der jetzigen Art der Rechnungsprüfung ein zu- gehen und zur Eindämmung derselben auf da? nachdrücklichste den folgenden Antrag zur Annahme zu empfehlen: „U eberplan Mäßig« Ausgaben, insbesondere persön- lichc Ausgaben, find zu vermeiden. Soweit überplanmäßig« Ans- gaben unbedingt nötig sind, sind st«, sofern sie im Einzelfall den Betrag von 19 900 Mark überschreiten, unverzüglich vom Beichsfinanzministerinm im Ausschuß des Reichstages für deu Reichs- Haushalt m i t z u t« i l e n." „Ueberplanmäßige" Ausgaben werden gesetzestechnisch die Ausgaben genannt, die im Haushaltsplan nicht vorgesehen und vom Parlament im Etat nicht genehmigt sind. Sie bedürfen, bevor sie von eiher Verwaltung geleistet werden, der Ge- nehmigting des Reichsfinanzministers und find in der Rech- nungslegung besonders eingehend zu begründen. Die R s- g i ckr u n g b e k ä m p f t e den Antrag, da die vorherige Ge- nchmigling durch den Reichsfinanzministcr bereits die Ge- währ für die Notwendigkeit der überplanmäßigen Ausgaben biete und da das Parlament bei der Prüfung der Rechnungen immer noch die Möglichkeit habe, zu erklären, ob diese über- planmäßigen Ausgaben feine Zustimnzung finden oder nicht. Der Antrag wurde aber, trotz des Widerspruches der Regie- rung, e i n ft i in m i g angenommen. Durch ihn wird nun wenigstens erreicht, daß der Haus- Haltsausschuß von allen überplanmäßigen Ausgaben im Be- trage von mehr als 16 666 M. unverzüglich Kenntnis erhält. Er hat dadurch die Möglichkeit, etwaige neue Anforderungen der betreffenden Verwaltung unter Berücksichtigung auch dieser überplanmäßigen Ausgaben zu prüfen, während er nach der bisherigen Hebung von solchen überplanmäßigen Ausgaben, wenn überhaupt, erst nach Jahren eiluhr. Kann die beschlossene einfache Mitteilung des Reichsfinanzministcrs an den Haushaltsausschuß von einer überplanmäßigen Zah- lung auch die genaue Nachprüfung des Rechnungsausfchusies nicht ersetzen, so ist sie immerhin ein Schritt weiter auf dem Wege, den dos Parlament zu gehen haben wird, wenn es eine wirtliche finanzielle Kontrolle der Verwaltung ausüben will. * In der Dienstagssitzmig des Ausschusses für den Reichshonshalt führte bei der Beratung des Etats des Re ch n u n g o h o f e s der Genosse Roßmaan lebhaste Klage darüber, daß der Rechnungshof sich auf dem Gebiete des V e r f o r g u n g s w e f e n s Rechte an- maße, die ihm nicht zukommen. Er mische sich in die Festsetzung von Renten ein und korrigiere Entscheidungen der Versorgungsbehorden, und zwar immer z u U n g u n st e n der Geschädigten. Selche Art von Sparsamkeit sei außerordentlich schädlich und rufe die größte Erbitterung bei den.Kriegsbescl>ädigt«n hervor. Genosse Roßmonn gab im einzelnen Beispiele für die Praxis des Rechnungshofes und verlangte, daß eine genaue Besprechung und Nochprüfung dieses unhaltbaren Zustande? im zuständigen Ausschuß erfolg«. Abg. toibl(Bayer. Dp.) und Abg. tkrsing(Z.) unterstrichen die Ausführungen des Genossen Roßmann. So bemerkte Abg. E r s i n g, daß ihm bisher kein Fall bekanntgeworden, in dem der Rechnung»- Hof auf Verringerung der Zahl der Beamten und Angestellten einer Behörde gedrungen habe, wenn ihm bei seinen Revisionen die Zahl der beschäftigten Angestellten und Beamten zu groß er- schienen sei. Bei der kurzen Beratung des Reichshaushalts des Reichs- Präsidenten beantragten die Kommunisten, dos Gehalt und die Auswandegelder des Reichspräsidenten zu streichen, trotzdem sie selber 1925 ihren Thälmaun als Kandidaten für den Präsidenten- posten ausgestellt und durch diese Kandidatur die Wahl des Prä- sidentcn v. Hindenburg herbeigeführt hatten. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Zlnregung des Genossen Heimann, im Etat de» Reichspräsidenten alle Fonds, die dem Reichspräsidenten zur Verfügung stehen, ersichtlich zu machen, wird künstig ent� sprachen werden. I» der dann vorgenomineneii Besprechung des Etats« g e| e g e s kam eine große Zahl von Beamtenwünschcn zur Be- latung, nachdem vorher vom Genossen herh wie vom Abg. Dr. Eremer(D. Vp.) darauf hingewiesen war, daß im neuen Etat entgegen den mündlich stets vertretenen Grundsätzen des Reichs- smanzinintsters unproduktive Ausgaben, wie z. B. Schistsbauien, zum Teil aus Anleihen bestritten werden sollen — eine Praxis, die auch von uns stets als unzulässig bezeichnet worden ist. der Zall Frieders. Tic Revision vom Reichsgericht verworfen! Leipzig, 1l. Januar.(Eigener Drahibericht.) Bor dem Schwur gericht in Weimar war am 13. Oktober 1923 der Oberstaatsanwalt Dr. Frieders wegen fahrlässigen Falfcheidcs nach § 163 Reichsitrasgesetzbuches zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil war von der Verteidigung Revision eingelegt worden. Sie stützte sich lediglich auf materielle Rechts- Verletzung und begründete das damit, daß die zum Gegenstand b:r Verurteilung gemachten Mitteilungen im Beleidigungsprozeß gegen den verantwortlichen Redakteur unseres Jenaer Parteiorgans„Das Volk" eine Zeugcnanssaae im rechtlichen Sinne überhaupt nicht darstellen. Dr. Frieders soll in diesem Prozeß beschworen haben, daß im Loob-Prozeß der Staatsanwaltsschaitsrat Dr. Flocl den Antrag aus Außerverfolgung des Staatsbantpräsidentcn Locb nach- träglich cigeinnächtig abgeändert habe. Dieser abgeänderte Antrag soll ihm aber vor Abgabe an das Gericht nicht vorgelegen haben. Rechtsanwalt Dr. L ö w e n st c i n begründete seine Revision damit, daß in dem Urteil eine Reihe erheblicher Widersprüche vor- Händen seien. Gleichzeitig wäre es sehr unklar geblieben, welchen eigentlichen Talbestand das Schwurgericht für erwiesen besunden habe. Das Urteil sei»in Justizirrtum und müsse aufgehoben werden. Er beantrage in erster Linie die Freisprechung des Ober- ftaatsanwalts Dr. Frieders, eventuell die Aufhebung des Urteils ünd die Zurückverweisung der Sache an ein anderes Gericht. Der Reichsanwall beaniragle, die Revision als unbegründet zu verwerfen. Das Reichsgericht entsprach dem und verkündete folgendes Urteil-„Die Revision des Oberstaatsanwalts Dr. Frieders wird verworfen und die Kosten werden dein Angeklagten auferlegt." Der Angeklagte habe sehr fahrlässig ge- handelt und es wäre ganz unglaubhaft, daß er die Schrift nicht ge- lesen habe, wenn er sein Signum darunter gesetzt habe. Dieser Spruch des Reichsgerichts zeigt wieder einmal, daß man selbst in den höchsten Spitzen unserer Justiz bei Anklagen mit politischen Hintergrund nur aus die Paragraphen des Strafgesetz- buch«? und keineswegs aus das psychologische Monient Rücksicht nimmt. Im Fall Frieders Handel! es sich um solche politischen Hintergründe. Die Anklage gegen ihn ist aus einer Atmosphäre der politischen Verhetzung entstanden, als deren Urheber der thüringische Ordnungsblock zu betrachten ist. Wäie Frieders diesem Ordnungsblock willig gesolgi. dann wäre nie- Mals«in Meineids verfahren gegen ihn geführt worden. Sta'r dssien wagte er. gegen den Stachel des Ordnungshüters zu lökcn, und das sollte ihm zum Unheil werden. Der verurteilte Obcrstaols- anwalt ist politisch ein Freund der B o l k s p a r t e i. Begründung des Imperialismus. Tie Tchttfcgcfuchc anderer Staaten an Kellogg. Philadelphia. 11. Januar.(WTB.) Senator Willis-Obio saqre in einer Red«: Ich bin in der Loge, Ihnen mitzuteilen, daß in den letzten Tagen die Regierungen von England. Frankreich und 3 t o l i en die Vereinigten Staaten um den Schutz ihrer Staatsangehörigen in Nicaragua gebeten habe». Wenn wir diesen Ländern erklären, daß wir das Leben und Eigen- tum ihrer Staatsangehörigen nicht schützen wollen, so werden sie es selbst tun. Dies gilt insbesondere von England, denn Eng- land schützt seine Staatsangehörigen, gleichgültig wo diese sich auf- halten mögen. Platz für Wolkenkratzer! New Dort macht den Eindruck, als ob es in einem be- ständigen Zerstöriiiigskamps« lebt. Es ist die unruhigste Großstadt der Welt, nicht nur was den Bertehr anbelrisst, sondern auch der vollständigen Uniwandlung, die es fast vön Jahr zu Jahr erleidet. Die kleine Insel, auf der New Jork gebaut ist, ist nicht mit Unrecht als das gewaltigste Goldbergwerk der Welt bezeichnet worden, denn stier wird tatsächlich jeder Stein und jedes Sandkorn mit Gold auf- gewogen. New Port hat keinen Platz für die vielen Menschen und Geschäfte, darum nmß man Platz in den Lüsten schaffen. Die ältesten Wahrzeichen von New Pork oerschwinden vor den harten Forde- rungcn der Zeit, sogar die 5. Avenue ist in ihrem Dasein bedroht. Was man niemals für möglich gehalten hätte, ist eingetroffen. Das gewaltige Palais der Astor ist verkauft worden, um einem Wolkenkratzer Platz zu machen. Das gleiche Schicksal hat zwei der aller- vornehmsten und schönsten Paläste von New Port betroffen, die der Familie Vanderbilt gehören, und auch der prächtige Huntington- palnst muß fallen, denn der Platz, auf dem diese Paläste stehen, ist selbst für die Milliardäre, wie Danderbilt und Astor, zu teuer. Hier werden sich überall Ueberwolkenkratzer erheben, die eine geschäftliche Ausbeutung des kostbarsten Bodens der Welt möglich machen. Was spielt dabei die Tatsache für eine Rolle, daß der Bau des Astor-Palastes 3 Millionen Dollar gekostet hat und daß die Vandcrbilt-Paläste sogar noch teurer waren. Sie werden rückfichts- los abgerissen, denn es handelt sich hier um Grund und Bode» im Werte von Hunderten von Millionen Dollar. Noch ist der große Tag, wo man sich um jeden Zentimeter dieses Landes schlagen wird. nicht gekommen. Aber er tann in einigen Wochen erscheinen oder in einigen Monate». Der Kauf dieses Geländes, auf dem die prunk- vollen Milliardär-Paläst« standen, ist jedenfalls eine glänzende Kapitalsanlage. Auch das berühmte alte Eßlokal von„Lacks" ver- schwindet, denn auch diese berühmte Gaststätte rentiert sich nicht mehr, wenn man bedenkt, daß hier Wolkenkratzer stehen können. Man geht mit Eiser daran, eine Stadt in den Wolken zu er- richten. Amerika wird in kurzer Zeit über einen Wolkenkratzer von 129 Stockwerken verfügen. Da in der inneren Stadt von New Kork über kurz oder long nur noch Wolkenkratzer stehen werden, so wird sich hier das gigantische Bild einer traumhaften Zukunftsstadt dar- bieten, die von keiner FIlmphontasie erreicht wird. Es wird tatsächlich ein« Stadt in den Wolken werden, als Gegenstück zu der Stadt auf dem Erdboden, die bald ihre Bedeutung verlören haben wird. Die gewaltigiien Probleme des Städtebaues bieten sich hier dar. Schon jetzt sind die Ingenieure dabei, alle Maßnahmen zu treffen, um für die Zukunft vorzusorgen und die Vorkehrungen zu treffen, die einen Verkehr in den Wolken ermöglicht. Man will die Fehler vermeiden, die man bisher bei dem Bau der Städte gemacht Hot, und die dazu führten, daß in den Großstädten heute ein regelrechter Berkehr wegen der Enge der Straßen nicht mehr möglich Ist. Man fürchtet für die Enge in den Lüsten! Diese Furcht besagt, daß man mit den gewaltigsten Möglichkeiten der Entwicklung rechnet. Aon Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer werden ganze Straßen in den Lüsten ge- schassen werden müssen, so daß auch der Bau der Wolkenkratzer schon jetzt aus diese Verkehrswege in den Wolken Rücksicht nehmen lyuß. Noch ein anderes Problem bietet sich in ungeheurem Umfange den Baumeistern, denn es handelt sich darum, Wolkenkratzer zu schassen, die nicht verrosten. Die bisherigen Wolkenkratzer erleiden nämlich alle das Schicksal der Zerstörung durch Rost. Es werden aber Maßnahmen getroffen, die derartige Vorgänge verhindern, denn es wird nicht gut möglich sein, in Zukunft die Riesengebäude abzureißen, um frische unverrostete Gebäude dafür auszurichten. New Port steht wahrlich im Zeichen des Wolkenkratzers! Clara viebig am vorlrogstijch. Clara Viebig las auf Ein- ladung der V o l t s b ü h n e im Berliner Rathaus aus ihren Werken. Die beiden hauptsächlichen Eigenschaften ihres der rheinischen Heimat entstammenden Temperamente: warmes innerliches Empfinden und lebensfroher, oft übermütiger Humor kamen in den beiden Erzählungen dieses Abends zum Ausdruck. Die Leier des„Vorwärts" kennen die Dichterin bereits als sozial empfindende Darstellerin der vom Schicksal grausam Unterdrückten. In der ersten von ihr gelesenen Novelle:„Dos Kind" handelte es sich»m die Tragik eines Mädchens aus guten, bürgerlichen Haufe, das, ein Opfer ihrer Klassenmoral, gezwungen ist, das uneheliche Kind in fremde Hönde zu geben. Als sie in späterer Ehe, des Mütterglückes bar, sich nach einem Kinde sehnt, gesteht sie in verzweifelter Swndc dem geliebten Mann ihren früheren„Fehltritt". Das Mitleid des Mannes siegt über Älasscnvorurtcil- und er gestattet Ihr die er- flehte Reise zu ihrem in fremder Umgebung seit etwa zwölf Jahren aufwachsenden Kind. Es kommt zu einer ergreifenden Szene, wo sie sich dem Kinde als Mutter zu erkennen gibt: aber zu spät. Die Tochter flüchtet in die Arme der Adoptivmutter, dem sie ihr« ganze behütete Kindheit zu danken hat. Meisterhaft klar und lebendig ist die Darstellung, womit hier Sehnsucht und Gewissensqual, Ent- täuschung und Verzweiflung des unter Lüge erstickten Mutterqesühls zum Ausdruck gelangt. Reifste Kunst der weiblichen Einfühlung, dem ein entzückendes Genrebild echt rheinischen derben Humors— trotz Schundgesetz— folgt«. Die Erzählung der Buttersahrt, die Nettchen und Tinchen zur Inflationszeit von Köln aus ins Eifel- land unternahmen, und die zwar mit reicher Beute an Butter, aber ebenso großem Verlust an weiblicher Scham endete, gehör» zu den Perlen urwüchsiger und doch dezenter Komik. Hier hat die Dich- terin des„Weiberdorfes" ein Zeitbild von tragisch vertieftem Humor geschafsen, das au die besten Cr, Zählungen Maupassants erinnert Dem sympathischen Eindruck dieser ungewollt künstlerischen Dar- stellungsart ensiprach die schlicht eindringliche Vortragsweise der Dichterin." P. G. Die erste vollständige Ausgabe der werke Tolstoi». Am 28. August 1928 vollenden sich 199 Jahre seit der Geburt Leo Tolstois. Die Haupwerwaltung für Kunstfragen beim Bildungskommissarlat des Sowjetbundes hat ein Komitee gebildet, das die Einzelheiten der Jahrhundertfeier vorschlagen und organisieren soll. Man er- »vartet zahlreich« Delegierte aus den wissenschaftlichen und lilerari- schen jh-cifen des Auslandes, u. a. auch aus Deutschland. Zugleich machen die Sowjetblätter setzt Zlngaben über die au» 96 Bände be- rechnete erste vollständige Ausgabe der sämtlichen Werke Tolstois. Sie werden die Schriften des Dichters in chronologischer Reihen- folge bringen Gleich im ersten Bande finden sich zahlreiche bisher »ngedruckt« Dichiungen, darunter„Die Geschichte des gestrigen Tages". Die nächsten Bände bringen U. a. Tagebücher Tolstois aus den fünfziger und den neunziger Jahren des vorigen Jahr- Hunderts. Unter den bisher nicht veröffentlichten Schriften befindet sich eine dramatische Dichtung mit den» Titel„Die geladene Familie", Tolstoi schrieb dieses Stück iin Jahre 1864 und nannte es Ursprung- lich„Der Nihilist". Aepsel ohne kerne. Die Kuirst des Züchtens von Fruchten hat jetzt einen neue» Erfolg gezeitigt. Wie aus Kalifornien berichte» wird, ist es geglückt, Aepsel zu erzielen, die keine Kerne mehr haben. Kernlose Apselsinen, Zitronen und Weintrauben gib» es schon seit einiger Zeil, und zrvar hat man zunächst dieses Kunststück bei den Apfelsinen»ertiqgcbrocht. Ums Jahr 1829 entdeckte cm Missionar in Bahia in Brasilien eine neue Art von Apfelsinen, die wild wuchsen und den Samen nicht innerhalb des Fleisches der Frucht trugen, sondern in einem kleinen Sack an der Spitze. Der Missionar brachte zwölf dieser Apselsinenbäume nach den Bereinigten Staaten, und aus diesen Flüchten ist es dann gelungen, zuerst kern- lose Apfelsinen hervorzubringen. Eine kern-, d. h. samlosc Frucht tann ihre Art natürlich nicht fortpflanzen: sie entwickelt sich an Zweigen, die von Früchte» mit Samen gewonnen sind. Die saot- haltige Mutterpslanze sorgt für die Fruchibarteit, während die saatlose Fruiht das Fleisch und das Aroma liefert. Schutz K,or Bazillenträgern. Bekanntlich gibt es Personen, die, ohne selbst kränk zu werden, große Mengen ansteckender Krankheits- keime mit sich berumtrogen und dadurch ihrer Umgebung gefährlich werden. Au» Anlaß eines derartigen Falles, der kürzlich in Hull festgestellt wurde— es handelte sich um einen Jungen, der feine Umgebung mit Diphtheritis ansteckte— erwägen jetzt die englischen Gesundheitsbehärden einen gesetzlichen Schutz des Publikums vor solchen Bazillenträgen,. Es soll die Möglichkeit geschaiien werden, sie zu isolieren, wofür bisher eine gesetzliche Grundlage fehlt. Die Großstädte der Dereinigten Staaten. Nach den neuesten amerikanischen Stattstiken steht New Port mit 6 199 389 Einwohnern noch immer ollen anderen Großstädten der Verei»ügten Staaten rveit voran. Aber es tauchen auch andere Millionenstädte auf, so Ehikapo, das jetzt fast 3 Millionen Einwohner hat und Paris über- flügelt, dann Philadelphia, das sich inst 1 979 394 der 2-MIllIonen- Grenze näher». Zwei Slädte, die sich inst überraschender Schnelligkeit zu Großstädten cnttvickelt haben, sind Detroit, die«tadt Fards, die jetzt mit 1 259 999 Einwohnern die viertgrößt« Stadt der Bek- einigten Staaten Ist, und die Filmstadt Los Angeles, die im legten Vierteljahrhundert van 199 999 auf 999 999 Emwahnern anwuchs. Seit der letzten Zählung dürfte Los Angefes schon die Million über- schritten haben. „Sic Provokation mißlingt/ Slann man nicht gcn Ttrcscrnann— müssen eben die Sozi» ran. Die„Jsrocstiia", dos offizielle Organ der Sowjetregicruug. hat dos Tiieldlott ihrer Ausgabe vom 29. Dezember mit einer Zeichnung verschönert, Chamberloin und Briand siyen in einer Loge und klatschen dem bluttriefenden Henker litauischer Äommunisten begeistert Bcisall. Das Bild wird durch den Leitartikel„Die Provokation miß- lingt" ergänzt und erläutert. Hier erfährt man: der litauische Staatsstreich ist ein Glied in der Kette faschistischer Perschwörungcn der internationalen Bourgeoisie gegen die Sowjetunion und ist mit einem neuen Kurs der europäischen Sozialdemokratie verbunden, der aus Isolierung der Sowjetunion gerichtet ist. Nachdem so in voller Kenntnis des politischen Niveaus ihrer Leser das Rcgierungs- blatt die Verbindung des Faschismus mit dem Sozialismus gegen die Sowjetunion glaubhaft nachgewiesen hat heißt es dann: „Die deutsche Sozialdemokratie, die die Genfer Politik des Ministers Stresemann über alles Lob erhaben betrachtet, beschritt den Weg der Feindschaft gegenüber der Sowjet- u n i o n, sobald sie die Gelegenheit zur Teilnahme an der Staat»- gewait witterte: das tat sie insbesondere durch die Scheidemönner, die die ihnen von den Genssr Drahtziehern übertragene Rolle durch- führen und Londoner Befehle ausführen. Scheidcmann und der ultralinke Kommunist Schwarz sind in gleicher Weise Agenten des englischen Imperialismus. Mit der von ihr gt- spielten Rolle ist der deutschen Sozialdemokratie die nllerschmutztgste Berlcumdungsarbeit übertragen: mit Hilfe von gekölschten Doku- menten über die deutsch-russischen militärpolitischen Beziebungcn hat sie den neuesten Feldzug gegen die Sowjetunion unternommen. Dieser noch im vollen Gange befindliche Feldzug stellt ein« Generalprobe dar, um die A r b e i t e r ni a s s e n durch Märchen von geheimnisvollen Absichten der Sowjetunion zu betäuben." Der Artikel schließt mit der Feststellung: die Ergebnisse des konterrevolutionären antisowjetististhen Feldzuges der Sozialdemokraten find schon klar,„der Betrug an den Arbeiterinasscn war wirkungslos— die Provokation mißlingt". Wozu wärmt das russische Regierungsblatt den abgestandenen Kohl über die Sozialdemokratie als Agenten des Imperialismus wieder auf? Die Sowjetrsgicrung tobt von neuem gegen die deutsche Sozialdemokratie, weil die Sowjetregierung die Genfer Politik des deutschen Außenministers bekämpft, der nach Locarno den letzten Rest seines Vertrauens bei ihr eingebüßt zu haben scheint. Warum, kann man nur fragen, schlägt man den Sack, wenn man den Esel nieint?— Die Antwort ist sehr einsach. Der russische Außenminister T s ch! t s ch c r i n. der zur Wiederherstellung seiner sehr angegrissencn Gesundheit in Deutschland weilt und in Berlin der deutschen Presse verkündete, daß er sich auf die deutsch-russisaie Freundschait verlassen kann, hat für die Dauer seines K u r a u s e n t> h o l t e s in Deutschland für seinen Kollegen Stresemann eine persönliche Schonzeit erwirkt. Schweren Herzens wird dieses Opfer im Interesse des erkrankten russischen Außenministers gebracht. Diesem Umstand verdankt Herr Stresemann die Tatsache. daß er sich nicht auf der Karikatur der„Iswestija" mit seinen beiden ihm als Zuschauer litauischer Henkersarbeit durch den Friedenspreis verbundenen Kollegen in der Loge vereint sieht! Die Sowjetregierung bereitet sich auf eine Auseinandersetzung mit der deutschen auswärtigen Politik vor. Was die Sozialdemo- kratie angeht, so sagen wir:„Die Provokation mißlingt!" Der Schutz Schanghais. Kriegsschiffe in der Jangtsc-Mündung. London. II. Januar.(WTB.) Wie der Amtliche Britisch« Funkdienst meldet, ist der Oberkonmiandierend« der englischen Kriegsschiffe in den chinesischen Gewässern, Sir Reginald T y r w h i t t, gestern mit seinem Flaggschiff„Despatch" in Schanghai eingetroffen. Alan erwartet, daß der amerikanisch« Admiral Williams demnächst mit dem Kreuzer„Pittsburgh", von den Philippinen kommend, in Schanghai eintrifft. Außer England und den Bereinigten Staaten haben auch Frankreich, Italien und Japan Kriegsschiff« nach der Langtse-Mündung entsandt. Alle Ausländer räumen Hantau? . P a r i s. 11. Zanuar.(WX'B.) wie der Brüsseler karrefpouoenk des.Tcmps" berichkek. hat Minister Baudervelde ein Telegramm der belgischen Vertretung in China erhalten, demzufolge sämtliche ausländische Kolonien Hantau vollkommen räumen. Propagandavcrbot in den Konzcfjionsgcbictcn. London, 11. Januar. Sicherheit gegen das östliche E ha os verspreche, so sollte man nicht zögern, sie durchzuführen. Wenn dabei eine S e 1 m a u s l ö s u n g nötig werden sollte, so brauche die Regierung sich mit Neuwahlen nicht zu beeilen. Gegen diese Ausführungen polrmisieri scharf das Organ der Volkssozia- listen„Lietuvos Zinios" und betont, daß eine Bcrfassungsänderung nur auf dem von der Verfassung selbst vorgezeichneten Wege denk- bar wäre. Gegen abenteuerlich« Pläne„gewisser Helden" müßten sich all« Patrioten zusammenschließen. prinzeßin Margarete. Noch eine Trauerbotschaft für„Nationale". Martha Barth aus Bad Berka bei Weimar, ehemalig« Hausangestellte, dann Dome mit nicht ganz einwandfreiem Lebenz- wandet, wegen Betrugs und Urkundenfälschung vorbestraft, tl Jahre all, sühste, wie jetzt bekannt wird, ähnlich wie„Prinz" Domela das Bedürfnis, das Byzaniinerlum der Erfurter„N a- t i o n a l e n" zu befriedigen. Sie trat deshalb als Prinzessin Margarete von Preußen, Nichte des Herrn von Dookn, auf. Der Erfolg der Königlichen Hoheit hat nach den Berichten der „Thüringer Allgemeinen Zeitung" in nichts dem des„Prinzen" Domela nachgestanden. Er erreichte seinen Höhepunkt, als Königliche Hoheit durchblicken ließen, daß sie Tochter des Königs von Griechenland und morganatische Gattin des E x- kronprinzen sei. Kein Schwindel ist zu dumm für' den echten„Nationalen", er fällt darauf herein, wenn er nur eine schwarzweißrote Attrappe trägt. Da der Bedarf der Byzantiner durch die echten Prinzen und Prinzessinnen und durch schwarzweihrate Filme ans den Mumien- kellern des Panoptikums nicht mehr gedeckt werden zu können scheint, sollte man die trcudeutschnotionalen Mannen des Vergnügens nicht berauben und die falschen Waldemare, wie es auch mit der Prin- zessin Margarete geschehen ist, hinter Schloß und Riegel tun. Die Anbetung des trügerischen Scheins ist seit jeher das einzige gewesen, was die unentwegten Monarchisten mit Talent betrieben haben. Domela, domela! Köln, 11. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Im verlauf einer neuen Vernehmung durch die politische Polizei erzählte der falsche Hohenzollernprinz Domela weitere interessante, kaum glaublich klingende Einzelheiten über sein Prinzengostspiel in Thüringen. Man habe nicht nur Gala-Thcatervorstellungen und andere rauschende Feste zu seinen Ehren veranstaltet, sondern sei auch sehr uni seine"p e r sö n l i ch e Sicherheit bemüht gewesen. Die Komödie habe ihren Gipfelpunkt erreicht, al» die Kriminalpolizei von Gotha ihm aus seinen Ausfahrten stet» mehrere Kriminalbeamte zur Verfügung stellte, damit er nicht behelligt werde. Die Beamten hasten das Auto„Seiner Königl. Hoheit" auf Motorrädern zu begleiten, wobei sie mit großer Umsicht und Gewissenhaftigkeit für das Wohlergehen des„Prinzen" desorgt gewesen seien. Grinsend plauderte Domela'davon, daß Reichswehrosfizier« und hohe Beamte auch mit ihm politisiert, ihm tiefgründige Ansichten über die Staatsform Deutschlands geäußert und immer versichert hätten, sie hielten voller Ergebenheit und Treue zum„angestammten H e r r s ch« r h a u s e". In den Zügen Danielas entdeckten sie immer wieder eine starke Aehnlichkeit mit dem großen Hohenzollern Friedrich It. Aus seinem, Domelas Auge. so wurde ihm versichert, leuchtet„derAdlerblickdes Hohen- zollern". In vorgerückter Stunde hätten die Herren dann auf seine kommende Regierungszeil geprostrt. Der Wein sei bei diesen Gelagen in Strömen geflossen. Immer wieder habe man patriotische Lieder gesungen und Hochs auf ihn ausgebracht. Nur dadurch, daß er im Saufen den Reichswehrvsslzieren über gewesen sei. habe er die Strapazen der nicht abreißenden Feste ertragen können. Domela bleibt vorläufig Nock» im Kölner Untersuchungsgefängnis. Es ist aber damit zu rechnen, daß er nach Abschluß der Untersuchung nach Weimar übergeführt wird. Bisher haben die Geschädigten in Heidelberg, Milleldeutschland und Köln noch keinen Strajantrag ge- stellt, so daß Domela wahrscheinlich mit einer Gefängnisstrafe von einigen Monaten davonkommen wird. Kammerpräflöent Souiffon. Die Wahl des sozialistische« Kandidaten mit den Stimmen der Linken. Wie aus Paris gemeldet wird, hat die Deputlerlenkammcr im drillen Wohlgong den sozialistischen Abgeordneten Ferdinand B o u> s s o n zu ihrem Präsidenten gewählt. Er erhielt 28 1 Stimmen der Linken, während der Kandidat de» Rationalen Blocks Waglnot, der bekannte scharfmacherisch« Kriegsminister unler Poincarö während der Ruhrbesetzung, mit 188 Stimmen unterlag. * Die Wahl des Genossen B o u i s s o n zum Präsidenten der französischen Deputiertenkammer ist aus mehreren Grün- den ein wichtiges politisches Ereignis. Einerseits ist es das erstemal in der parlamentari- scheu Geschichte Frankreichs, daß ein Sozialist den Präsi- dentensitz im Parlament besteigt. In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts war I a u r i- s zun» Vizepräsidenten gewählt worden und schon damals hatte diese Wahl großes Aufsehen erregt, nicht zuletzt innerlMlb die Partei selber, wo manche Unentwegte die Uebernahme eines solchen Postens im Parlament der bürgerlichen Gesellschaft kriti- sierten. Ihre Bedenken richteten sich u. a. dagegen, daß Jaurds nach dem französischen Parlamentszerernoinell einen Frack tragen müßte, wenn er in einer Sitzung den Vorsitz führen würde.(Inzwischen haben bekanntlich sogar die Bol- schewiki die grundsätzliche Ablehnung des bü'gerlichen Fracks aufgegeben.)— Seitdem sind verschiedentlich Sozialisten zu Vizepräsidenten gewählt worden, niemals aber zu Präsidenten der Kammer, einem Posten, der in der französischen Staats- beamtenordmmg an dritter Stelle, unmittelbar hinter dem Präsidenten der Republik und dem Senatspräsidenten ran- giert. Vor einem halben Jahr war Douisson von der Linken als Nachfolger Herriots präsentiert worden» als dieser sich entschlossen hatte im Kabinett PoincarS einzutreten, er war jedoch infolge des Verrats einiger Radikalen durchgefallen, die ihre Stimme für den— nunmehr zum Senator gewählten — Raoul P6ret abgegeben hatten. Um so bemerkenswerter ist es. daß diesmal— wohl als eine erste Rückwirkung des Rucks nach links bei den Wahlen zum Senat am Sonntag— die L i n k e fast geschlossen für Bouissvn gestimmt hat. Das totgesagte Kartell der Linken scheint praktisch wieder ins Leben treten zu wollen. Für P o i n c a r ö ist, wie ein Pariser Telegramm der Telegraphen-Union mit Recht hervorhebt, die Wahl des Sozialisten gegen seinen eigenen ehemaligen Mitarbeiter eine peinliche Schlappe, die indirekt Briand zugutekommen dürfte. Es verdient schließlich hervorgehoben zu werden, daß nun- mehr sowohl in Frankreich wie in Deutschland die Präsidenten der beiden durch allgemeines Wahlrecht ge- bildeten Parlamente Sozialisten sind: Paul Löbe im Deutschen Reichstag, Ferdinand Bouision in der französischen Deputiertenkammer. Genosse Ferdinand Bouisson(nicht zu ver- wechseln mit dem greisen radikalen Politiker B u i s s o n. dem Führer der Liga für Menschenrechte, der dem Parlament nicht mehr angehört, und auch nicht zu verwechseln mit dem radikalen Abgeordneten B o u>) s s o n, der gestern nach dem zweiten Wahlgang zu seinen Gunsten verzichtete).ist einer der ältesten Abgeordneten der französischen Partei. Seit zwei Jahrzehnten vertritt er ohne Unterbrechung den Wahlkreis von Mar- s e i l l e, wo er besonders unter den Seeleuten außerordentlich volkstümlich ist. Seine Sachkenntnis auf dem Gebiet der Handelsmarine führte dazu, daß er während des Krieges von der Regierung zum Oberkommissar für die Han- delsmarine ernannt wurde, nach staatssozialistischen Grundsätzen handelte und sich deshalb die Feindschaft der Reedereien zuzog. Er ist in Eonstantine(Algerien) am 16. Juni 1874 geboren und steht auf dem rechten Flügel der sozialistischen Fraktion. Beim ersten Wahlgang hatten erholten: Mag in vi 161, Bouisson 145, B o u y s s o u 112 und zwei weitere Kandidaten 40 bzw. 28 Stimmen. Darauf zog Bouyssou seine Kandidatur zu- guusten von Ferdinand Bouisson zurück. Friedensrcden der Alterspräsidenten. Parts, 11. Januar.(Eigener Drahtbericht.y Die ordentliche ParlanieiUssession von 1927 ist am Dienstag in Kammer und Senat durch die übtichen Ansprachen der Alterspräsidenten er- öffnet worden. Beide Ansprachen unterscheiden sich in angenehmer Weite von den bei iolchcn Gelegenhciien üblichen konventionellen Redensarten. Die Redner gaben ihrer Freude Ausdruck, die Ber- sammlung im Zeichen eines erfreulichen Optimismus nach innen und nach außen begrüßen zu können. Der Kammer- älteste knüpfte an die Erklärungen des päpstlichen Nuntius und des Präsidenten der Republik. Daumergue, beim Neujahrsempfang im Elysöe an und sah in ihnen ein Zeichen von dem stärker werden- den Wunsch« der Völker nach Frieden und Versöhnurkg. Auch in der Politik könne man freier in die Zukunft sehen und werde sich, wie beide Redner ausdrücklich betonten, binnen kurzem von den Krisen-der Nachkriegszeit erholen. Die Kaminer schritt dann zur Wahl ihres Präsidenten. Sämt- liche Linksparteien hatten in Gruppensitzungen, die am Vormittag stattfemden, beschlossen, eigene Kandidaten auszustellen: die Sozialistische Partei den Deputierten von Marseille B o u i s- s o n, die Raditalsozi.alist«ii den Deputierten B o u y s s o n, die republikanischen Sozialisten den D«putiertei! Brunei, die Rechte M a g i n o t. Es waren angesichts der zahlreichen Kandidaten mehrere Wahlgänge notwendig. Beilegung des Konflikts PvinearL-Briand. Auswärtige Debatte nur im Senat— und erst in einigen Wochen. Paris, 11. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der Minister- r a t Hot am Dienstag hinsichtlich der von Briand verlangkcn Diskussion über seine auswärtige Politik«ine Eiitfchcidung ge- traffen, die den Wünschen Brionds nicht in dem erhofften Maße gerecht wird. Die Diskussion soll dem amtlichen Kommunique M. folge überhaupt nichi tn der politisch schärfer orientierten Kommer, sondern im Senat stattfinden, dem Briand schon seit langem eine Aussprach« über seine auswärtige Politik versprochen hat. Damit erhält diese Versammlung auch das Recht, das Datum kür diese Aussprache festzusetzen. Bei der durch die Senotswahlen kaum be- rührten politischen Einstellung des Senats dürfte die Debatte kaum 11ar.tlni4.cn Wochen erwartet werden. Damit ist der Konflikt Briavd-Poincar�, der in der Kammer siclier schärfen» Formen an- genommen hätte, vorläufig beigelegt, Der Kampf um öle Arbeitszeit. Gine wissenschaftliche Untersuchungskommission für den Braukohlenbergban. Im Reich?arbettsminiltcrium hokien zur Klärung des Streits lik'er die durch den jüngsten Schiedsspruch ungelöst gelassene Arbeits- ?eirsrage im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau Besprechungen stattgefunden, in welchen sich die Tarisparteien grund- söstlich über die Zusammensestung und den Aufgabenkreis der von der Schlichterkammer am 23. Dezember 1926 vorgeschlagenen .Kommission zur Untersuchung der Möglichkeil einer Kürzung der Arbeitszeit" einigten. Die Kommission setzt sich ans drei, weder den Arbeitgeber- noch Arbeitnehmerkreisen angehörenden Persönlichkeiten zusammen. Die Ernennung des Borsitzenden durch das Reichsorbeits- und Neichswirtschaitsministerium steht, wie verlautet, unmittelbar bevor. Als unparteiische Beisitzer sind die Professoren Spackeler ist Breslau und Brauer in Karlsruhe bestimmt worden. Er- gänzt wird die Kommission durch je eine» Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer als sachverständiges Mitglied ohne Stimmrecht. Die Kommission soll unverzüglich ihre Arbeiten zur Klärung der Frage, ob und wieweit eine Verkürzung der Arbeitszeit im mittel- deutschen Braunkohlenbergbau vor sich gehen kann, aufnehmen und ihr Gutachten b i s z u m 15. Mörz fertigstellen.— Die Deutschen sind ein gründliches Volk. Tatsachen, die die Spähen von den Dächern pfeifen. müssen erst noch einmal wissenschaftlich bewiesen werden. Die Verkürzung der Arbeitszeit im Braunkohlenbergbau! st möglich, das beweisen die gestiegenen Produktionsziffern. Trotzdem z. R. im rheinischen Braunkohlenbergbau ob 15. April 1926 die Arbeitszeit von zehn a u f n« u n Stunden ver- kürzt wurde, blieb der Förderanteil im zweiten Quartal fast auf gleicher chöhe stehen. Er stieg gegenüber dem Jahre 1913 bei der Kohlengewinnung um 4fl,4 Proz., bei der Kohlen- gewinnung einschließlich Abraum um 27,5 Proz. Bei der sortschrei- tenden Technisierung der Betriebe ist die Einholung des geringen Rückganges gegenüber dem ersten Quartal eine Kleinigkeit. Auch mit wissenschaftlichen Gründen wird das Reichs- arbeitsministerium die Unternehmer des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaus nicht überzeugen. Leuten, die sich wie Dr. P i a t s ch c k bei den Schlichtungsverhandlungen, erlauben, d i e Kranksciernden als Faulenzer zu bezeichnen, ist mit V c r n u n s t g r ü n d e n nicht beizukommen. Oder will sich das Reichsarbeitsministerium mit.lstlfs des Gutachtens dafür stark machen, und endlich dos Selbstverständliche, d. h. die Verkürzung der Arbeitszeit, zu ermöglichen'? Die Verkürzung der Arbeitszeit muß und wird kommen. Denn noch Ablauf des Wafsenstillstandes— nichts anderes bedeutet die Laufzeit des Schiedsspruchs bis zum 39. April— werden die Arbeiter des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaus nicht noch einmal so mit sich umspringen lassen wie in den Tagen vor Weihnachten. Mit dem mitteldeutschen Grubcnuntcrnehmertum muß einmal deutsch gesprochen werden; denn die Zustände, die unter seinem Regiment herrschen, grenzen bald an«Sklaverei. Entlastungen und Maßregelungen als Strafe für die selbstverstönd- lichsten Dinge sind an der Tagesordnung. Saninilung für englische Streikende, Kandidatur für Betriebsrätcwahl, Verweigerung von Ueberstundenarbcit, berechtigte Beschwcrdesührung, Teilnahme on der Generalversammlung des Verbandes, Einhaltung der tariflichen Pause, Bekleidung eines gewerkschaftlichen Funktionärpostens— aus ollem und jedem glaubt man dem Arbeiter einen Strick drehen zu können, wie verschiedene Feststellungen be- weisen. Hört man die Notschreie der Arbeiter des mitteldeutschen Bergbaues, dann glaubt man sich in d i e Z e i t d c s S a a r- königs Stumm zurückversetzt. Jedes Entgegenkommen an die wcrksherrliche Willkür muß die Tyrannei verschlimmern. Kommunistische Umtriebe unter den Schauspielern. Der sogenannte Reichsausschuß erwerbsloser Schauspieler, der kürzlich von dem Kommunisten G ä r l n c r begründet worden war, hatte in der Oessentlichkeit heftige Vorwürfe gegen die Bühnengenossenschaft und ihre Spitzenorganisation, den AsA-Bund. erhoben, weil sie angeblich keine össent- lichcn Mittel zur Erwerbsloscnhilse für die Bühnen- künltler erlangt hätten. Inzwischen ist es den gemeinsamen Be- mühungen dieser Organisationen, vor allem aber auch dem Ein- treten der sozialdemokratischen Reichstagsfrak- t i o n, gelungen, erhebliche Mittel aus der produkti- ucn Erwcrbslosenfürsorge des Reichsarbestsministeriums für die Veranstaltung von Theatervorstellungen bewilligt zu erhalten. In diesen Lorstellungen sollen erwerbslose Schauspieler Beschäftigung finden. Ueber diesen Erfolg der Gewerkschaften sind die Kommunisten nun erst recht empört, um so mehr, als er innerhalb ganz kurzer Zeit erreicht worden ist. Hatten die Moskauer Draht- zieher zunächst ob der Nichtbcwilligung öfsentlichcr Mittel für die Erwerbslosen gezetert, so beschweren sie sich jetzt nach der erfolgten Bewilligung darüber, daß diese öfsentlichen Mittel über die anerkannte Gewerkschaft, nämlich die Genossenschost Deutscher Bühnenangehöriger. ihrem Zweck zugeführt werden. Die Herrschaften sind so naiv, von der Reichsrcgierung z u verlangen, daß sie jenen schon erwähnte» wilden„R c i ch s a u s s ch u ß" der erwerbslosen Schauspieler anerkennen und ihm die Verwendung der öffentlichen Mittel überlasten soll. Die Behauptung/daß die Reichsregierung jenen Ausschuß an- erkannt habe, ist natürlich au? der Luft gcgrisfen, und es war lediglich ein auf Sensation eingestelltes Berliner Blatt, das seine Spalten für diese kommunistischen Manöver geöffnet hat. Es charoktsrisiert Herrn Gärtner und seinen Anhang, daß man�neuer- dings sogar dazu übergegangen ist, den Versuch einer Spal- tung der Bühnengenossenschaft, nämlich die Gründung einer sogenannten„Deutschen Bühnengewerkschaft, vorzunehmen.— Die Kommunisten werden unter den denken- den Schauspielern mit diesen Treibereien nicht mehr Erfolg Hobe», als unter den übrigen Arbeitnehmern. Bedauerlich bleibt nur, daß die Not der Erwerbslosen zu solchen gewissenlosen Unternehmungen mißbraucht werden kann. �ine schneiSige Heereslieferantenfirma. wer Tariflohn fordert, fliegt. Be! der Deutschen Unisormtuch- und Militär- Cssekten-Vertriebsgesellschast m. b. H., Großgörschen- straße 19. herrscht Ordnung. Die dort beschäftigten Heim- a r b e i t e r sührten beim Bekleidungsarbeiterverbond Beschwerde darüber, daß sür die Anfertigung von Uniformen von der Firma der tarifliche Lohn nicht gezahlt wird. Daraufhin wandte sich der Berband mit einem entsprechenden Schreiben an die Firma, worauf er unter dem 8. Januar folgende Antwort bekam: „Zum dortigen Schreiben vom 6. d. M. wird bemerkt, daß nur oushilssweise Bekleidungsarbeiter für uns außer dem Hause tätig waren. Den Schneidern ist ausdrücklich vor Uebcrnahme der Arbeit onheimgestellt worden, für den ihnen von uns genannten Preis zu arbeiten oder aber die Uebernahme der Arbeit abzulehnen. Die Schneider haben sich vor Zeugen bereit erklärt, den genannten Lohn als ausreichend anzusehen und dafür zu arbeiten, zumal es sich um Mannschoftsröcke handelte. Im übrigen bitten wir danon Vormerkung nehmen zu wollen, daß für uns der Tarif irgendeines Verbandes nicht maß- gebend ist, da auch wir keinem Arbeitgeberverbande angehören, sür uns also der Tarif nicht bindend ist, da wir keinen anerkannt haben. Um ober unnützen Schreibereien aus dem Wege zu gehen, werden wir für die Folge Bekkeidungsarbelter, die Ihrem Verbände angeschlossen. find, nicht weiterbeschäf- t i g e n." Dos ist deutlich, kurz und bündig und profitlich. Ganz so, als ob ein pensionierter Major der Direktor dieser exklusiven Firma wäre, die im Briefkopf den Reichsadler führt und den als besondere Empfehlung gedachten, in rotem Druck betonten Vermerk: „Arbeilet kontraktlich sür die Heercsklei- dungskasse. Die zur Verarbeitung gelangenden Unisormtuche entsprechen ebenso wie die Esfekten den Vorschriften des Reichs- w e h r m i n i st e r i u m s." Wie doch die Zeiten sich ändernl Es war e i n Major, der während des Krieges der unverschämten Aus- beutung der Heimarbeiter einen festen Riegel vorschob. Jetzt aber steht die Reichswehr mit einer Gesellschaft in Geschäftsver- bindung, die die Ausbeutung der Notloge arbeitsloser Bekleidung?- orbester zu ihrem Ges ch a f t s p r i n z i p zu machen scheint und daraus das Recht für sich herleitet, keinen Tariflohn, sondern niedrigere Löhne zu zahlen, die sie als„ausreichend" hält und die sie sich van den Schneidern, die sonst keine Arbeit haben würden, deren Notlage hohnsprechend, ausdrücklich als„ausreichend" erklären läßt. Zumal esjich nur um Mannschaftsröcke handelt— nicht etwa um«andfäcke. Was schert die Gescllschasi der Tarif? Als kontraktlicher Lieferant der Hecreskleidungskosse hat sie doch nicht notwendig, die höheren Tariflöhne zu zahlen? Und wer sich nicht fügt, der fliegt! Gibt es eine schlichlere Lösung des Streits für die Firma, als die Erklärung, gewerkschaftlich oreanisierie Bekleidungsarbeiter, die nach Tarif bezahlt werden möchten, nicht weiterzu beschäftigen? Mit der Gesellschaft wollen wir uns nicht herumschlagen. Doch das Reichswehrministerium müssen wir schon bitten, in diesem Punkte auf einige Sauberkeit zu achten. Denn außer der moralischen Seite der Sache sollte hier der Standpunkt der Parlamente maßgebend sein, bei Vergebung von Aufträgen die tariflichen Firmen zu berücksichtigen. Sollte das Reichswshrministeriuin dennoch im Zweifel sein, dürfte dos Reichsarbeitsministerium wohl bereit sein, ihm die erforderliche Ausklärung zu geben, so daß es dieser„Deutschen Unisormtuch- und Militär-Esfekten-Verlriebsgejell- schaft m. b. H." den Standpunkt klarmachen kann. Falls dies nicht möglichst bald geschieht, werden wir uns erlauben, on die Erledigung der Angelegenheit zu erinnern. Die vergessenen Kushilfsarbeiter. Bei der Weihnachtsbeihilfe der Reichsbahn. Man schreibt uns:„Bei der Güterabfertigung A n h o l t e r Bahnhof find feit August, Ssptembcr, Oktober ungefähr 3 9 Aushilssarbeiter beschäftigt, die alle zuvor mindestens drei bis neun Monate erwerbslos waren. Da der Betriebsrat auf Befragen wegen der Weihnachtsbeihilfe erklärte, es gäbe keinen Unterschied, wir seien ebenso Eisenbahner wie die anderen, freuten wir uns natürlich auf die Beihilfe. Allein die Direktion machte unseren Sorgen, wie wir die 34 Mark am besten verwenden sollten, ein jähes Ende, indem sie die Karenzzeit so festsetzte, daß alle Aushilssarbeiter van der Beihilfe ans- geschloffen wurden. Da wir schwer arbeiten, und iede dritte Woche in Nachtschicht, sagten mir uns, daß wir die Beihilse wohl verdient hätte» und sie nach langer Arbeitslosigkeit auch sehr gut gebrauchen konnte». Unsere Arbeitsfrendigkeit wäre erhöht, anstatt gedrückt worden, zumal wir Aushelfer jeden Tag mit der Kündigung zu rechnen haben."] Obschon in allen derartigen Fallen eine gewisse Grenze gezogen werden muß, sind auch wir der Meinung, daß auch die Aushilss- arbciter— je noch der Dauer der Beschäftigung— berücksichtigt werden mußten. Die Ersparnis spielt im Etat der Reichsbahn wirk- lich keine Rolle, wird aber durch die begreisiiche Verärgerung mehr als aufgewogen, während andernfalls, abgesehen von der Freude in den Familien der Aushilssarbeiter, sich die Beihilfe in kurzer Zeit bezahlt gemacht hätte. Es ist der Fehler all der Herrschaften, die sür sich selber mit hohem Einkonimen rechnen können, daß sie sich allzu leicht über die Sorgen in den Kreise» der Untersten hinweg- setzen, die ja doch auch denkende und fühlende Menschen sind, die ohne- hm schon nur allzuviel Ursache haben, mit ihrem Schicksal zu hadern. Grundsätzlich ober wenden wir uns gegen alle der- artige„Beihilfen", wie insbesondere auch gegen die „Leistungszulagen" der Reichsbahn. Bei anständigen Löhnen und Gehältern ist dos ganze Drum und Drau überflüssig._ Eroberung" ües öergarbe'terverbanSes. Der„Verbandszerstörer" Husemann. Das komiministische„Ruhr-Echo" vom 5. Januar brachte unter der Ueberschrist:„Berbondszerstörer Hufemann" eine gehässige Schreiberei gegen die Leitung des Deutschen Bergarbeiterverbandes, weil sie verschiedene kommunistische Parteifanatiker aus dem Ver- bände ausschließen mußle. Die„Bergarbeiter-Zeitung" schildert nun, weshalb diese 14 Mitglieder an verschiedenen Orten ausgeschlossen werden mußten. Bier davon aus Duisburg-Beeck- worth hatten in einer Sitzung des Betriebsrats einer Entschließung zugestimmt, die.Las 23fr hatten der B erfr ontisIcH u n g als Schmach" bezeichnet und den Verlmiidsleitern unterstellte, ein„S t r c i k b ü n d n i s mit den G r u b e n k a p i t o l i st c n" geschlossen zu haben.„I! cber die Bcrbandslcitung hin- weg" feien die notwendigen Vorbereitungen zum Kampf zu tresfeii. Als diese„Kämpfer" vor der statutarischen Untersuchungskoininission erklären sollten, sich in Zukuirst der satzungsgemäßen Disziplin unter- zuordnen, lehnte» sie dies ab, so daß nur dos Ausschlußverfahren übrig blieb. Aus den gleichen Gründen mußten sieben Mitglieder von Zeche Diergardt ausgeschlossen werden, die den aus der Ent- schließung hergeleiteten kommunistischen Ausruf uiiterzeichnet hatten und es ebenfalls ablehnten, in Zukunft die iBerbandsbeschlüsse zu befolgen. Und nun find nicht diese.„Helden", sondern die Verbands- leiter„Verbandszerstörer"— nach kommunistischer Logik. Die„Bergarbeiter-Zeitung" erklärt demgegenüber mit Recht: „Eine geordnete und verantwortliche Organisationsführung ver- langt, daß die Mehrheitsbeschlüsse u»d die statutarische» Bestim- imlngen für die Haltung des Verbandes maßgebend sind. Wenn einige Quertreiber sich dem nicht fügen können und trotzdem, durch persönliche und parteipolitische Leidenschaft veranlaßt, ein imoer- ontwortliches Spiel mit den Bergarbeitern treiben wollen, jo können diese Leute nicht länger dem Verband angehören." Auf die Bergarbeilerorganisation scheint die KPD. es ganz be- sonders abgesehen zu haben. Ihre Presse verbreitete einen Aufruf: „An alle Bergarbeiter Deutschlands", den ein„I n t e r n a t i o- nales Propaganda- und Aktionskomitee der re- volutionäreii Bergarbeiter" verfaßt haben soll. Der Ausnis dieses fragwürdigen Komitees fordert die Bergarbeiter auf, zu den Aiisschlüssen aus dem Verbände Stellung zu nehmen, wozu auch Unorganisierte und Gelbe eingeladen waren. Die KPD. kann 'für ihre Zwecke alles und alle gebrauchen. Ttzenn sie sich aber ein- bildet, daß die G e w e r k s ch a st e n sich von ihren Trabanten alle Gemeinheiten bieten lassen, dann ist sie auf dem Holzwege. � vom Lohnkampf in üer Textilmüufirie. Aussperrung im Lausitzer Bezirk angedroht! Im Nicderlou sitzer Textikbezirk hoben die Arbeit- geber den Textilarbeitern, die oui den letzten Schiedsspruch hm m vier Betrieben getündiat hatten, mitgeteilt, daß am 29. die G e s o m> a u s s p c r r u n a im Lausitzer Textllbezirk ersolge, wenn bis zum 13. die Kündiguna nickt zurückgezogen sei. Das ist ein recht me r k w ü r d i g e s Verlangen; denn auch die Unter- n e h in e r haben den Schiedsspruch abgelehnt. Für da? Tertilgewerbe des Münsterlandes wurde m Dortmund ein Schiedsspruch gefällt, der eine Akkordlohn- crhöhung um 4 Proz. und eine Zeillohnerhohung um?'» Proz. vorsieht. Die?l r b c i t s z e! t, die im Montektarif festgelegt ist, soll für die nächste Zeit bestehen bleiben.,.,, Für die Rhein- Pfälzer F i l z tu ch> n d u st r> e hat am Montag ein Schlichlungsausschuß einen Schiedsspruch gefallt, der ab 10. Januar die Ecklähne von 56 aus 58 Pst, also u m ganze 2 Pf., erhöht. Für die Arbeitszeit soll das alte Abkommen bis zum 1. Juli 1927 verlänecrt werden. Dieser Schiedsspruch itt von der Arbeiterschaft sofort abgelehnt wordem Die Filztucharbeiter werden deshalb am Donnerstag, den 13. Ia-.uor, in verschiedenen Distrikien das Arbeitsverhältnis �""In der" badischen Textilindustrie haben die Arbeit- qeberverbände die Forderung aui Neuregelung des Lohnverhalimnes abgelehnt. Die Gewerkschaften haben nunmehr den«chlichlungs- ausschuß in Karlsruhe ongeruscn. Weihnachtsuachhilfe in Bayer«. München. 11. Januar. lWTB.) Der Stoatshaushostsausschuß des Bayerischen Londlaacs stimmt trotz der von der Aegre- r u n(j c r h o e en f eft tö£ re n B e d c n k. e n wegen cct Konsequenzen für die Privatbetriebe e i nft i m m i g e i n e rn s v 3 i a l- demokratischen Antrag zu. der die Regierung b-ausiragt. den Ausschußbeschliiß vom 21. Dezember 1926 betr. Gewährung einer Weihnachtsbeihilfe an die Skoatsarbeiier restlos zur Durchführung zu bringen. Der Antrag war veranlagt durch den Umstand, daß d i e R e g i e r u n g die Gewährung von Weihnachts- zuwendunqen an die Stoa»sarbeiter nicht so durchgeführt hatte, wie der Ausschußbeschluß lautete und die Arbeiter einzelner Staatsbetriebe leer ausgegangen waren. Rund 48 000 Erwerbslose in München werden zurzeit gezählt, wovon 33 247 im Unterstützungsbezuge stehen. Acht»»», SPD.-Rilfittnstrumcntcnarbeiter! Am Dtmiinsta». 15. Ja. dg Z mar nachmitta»» 5 Uhr. im Reliktnbemer ftof, SridriibcnKt Str 14.. ö V4 Urrfo-mmlumi oütc Portcigrnolscn. W.chngc Sogtuotimuitfl. Jeder m muH«tfifclmm. � Der � Zuftendgrurre ix» ZdA. Sml«, Mittw»». 714 Uhr, ÜfmnfioIlutKion in foTftrntxn Pi�irken'«cutolln: fluncnMicim SJoqotftr. 53. Lieder, und Svio- odend.— Wcddiuq-Gesundbrunneui guaendbeim SrfiiinIteMftr. 1 fLediyendoim 5-fr.).(Snirnviibofurcrfiuiui. fliiftfilifbciib Ausspracha-beiib iEschbaen.— Schö-cbera- Schule gueeudbeim iöuuptflr. 15 ttZrairlkiiland�immerf. Heiterer Äbcud iNzchow).— Lichteuberg: Iuqendbnm Erfnilc Glchlerftr. 61.?°ri au: ..eitmHrtluna der Reklume"(Säiirmann).— aharl-tt-nburu: Donn-rsia«. 13. rwmwr, guarnbboim Rosinen ltr. 4. Vortrug:.iSewerlschaftsiugcnd und Zugendbeweguii.L'(MickiaeUsf. Jfrcie Scwei Ifchaftsi»grob. Heuie. Mittwoch, Vi Übt, togen die<5 nippen: ReuISsi, Ii chruppenbeim Zmiendbe!»: Veroftr. 20, Hof. Vortrag:„Die isic. wexlschctten als flutüirfoftor".- Eiibmcftcn: ibruppenbeim Ke�irtsiugeudlieim StöMifdic Schwimmballc Kärwaldftr. 64. Wir feiern unseren 4._ Seburistag.— Schöncderg: chruvpenlieim gugcndbeini Schule, geurigsirasic. DiolullionZ.ibrnd: „Rllikblick- Ausblick".— ckb-'lottenbura: Kruppenbcim Iugcndbeim Deugches Srankenlosirnbous. Berliner Str. 1Z7. Vortrag:„Ein Gong durch bie� Wirt- lchaftsncfchichte".— Rordring: Grupvenlicim Iuaendbeiw Tbcrswalder Sir. 10. u>tterbalt»nasob«nd.— Baumlchulcaweq: ikrniisir. 16. Vortrag:„Die Rünfte'. — Weisicnlee- Porksir. 36. Vortrag:„Vom Ruuftgeiellen v!M freien Arbeiter". — ObcifcboRCaKibc: Miidckcnabrnd im Zuqcnbbeim Riebcrsckönewcide, Berliner Strasie 3l.— Arbeitskrei»: Eewerkschaftshaus, ikngelufer 24.25. 1 St., 3. 74. Sattleraerband. Morgen. Donnersiog. 7 Ilbr. im Sflal 4 des Gewerl- schaktsbaules, ikngelurer 24.25. Iabresbronchenvcriapimlung der Lederworen- brauche. Jahresbericht und Neuwahl der Argnckicnleitung.# Vcroiitworllich fiir Volitik: Dr. ckurt Geq»! Wirtschaft:«. ZUntgelböler; Gewerllchafisbcwcguuq: St. Stzkor»: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lolale» und Sonstiges: Attfi Karsiädt: Anzeigen: TT). G locke;(dinlUd) in Berlin. Verlag: BoiwLrts-Bcrlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buckdruckerei und Verlagsonsioli Vau! Singer u. Co. Berlin EW 65. Lindrnstrosie Z. Hier,» 2 Beilagen.„Unterhaltung und Äisieu", MMter, Angestellte, Beamte! Billetts kür Ziricus Carl Hag nheck zu halben Preisen für Montag bis Freifag im Gewerkschaftshaus- Restaurant täglich von 10 bis 1 und 4 bis 6 Uhr erhältlich. - Vf. Die vielseitige Verwendung von HflGGi" Würze Vorteilhaftester Bezug in großen Originalflaschen zu RM. 6.SO. Achtung auf unversehrten PIombenverschluB. ist mancher Hausfrau noch unbekannt Nicht nur Suppen aller Art sondern auch GemQstn, Soßen und Salaten verleiht ein kleiner Zusatz feinen, kräftigen Wohlgeschmack. ■">Vv? ll>-'-nvo'-; tlr. 1« ♦ 44. Jahrgang 1. Seilage ües vorwärts Mittwoch, 12. Januar 1427 Mofim Die Welt des Mikrokosmos, an Sinn, Ordnung, Wundern und Schönheit der sichtbaren Welt gleich, bleibt uns wie die fernen Himmelskörper oerfchlofsen, wenn wir uns nicht wie bei jenen eines scharfen künstlichen Auges bedienen, des Mikroskops, dos-uns die Kleinwesen näher rückt. Die Gärungsgewerbe. Schritt für Schritt begegnet auch der Nichtsachmonn dem Wirken fccr Mikroben, der Gärungserreger, Bakterien und Bazillen, die nicht nur im Hausholt der Natur treue Helfer bei der Umschichtung der Lebensvorgänge find, fondern auch im besonderen im Dienst des Menschen Arbeiten wie gut abgerichtet« Haustiere verrichten. Doch «ollen sie wie diese zur Arbeit angestellt werden und wollen ebenso gepflegt, gefüttert und gut behandelt sein. Ganz speziell geschieht das tn den Gärungsgewerben, die ja einen so großen Raum im heutigen Wirtschaftsleben einnehmen. Obwohl dies« Gewerbe, wie Bäcker, Brauer. Win.zer u. o. bei ollen Bölkern seit Beginn menschlicher Kultur sich der bekannten Gärungsvorgäng« bedienten, ist es doch erst dem letzten Jahrhundert vergönnt gewesen, schritthaltend mit dem Ausblühen der Chemie Ursach« und Wirkung der Gäruirg wissen- schaftlich zu ergründen. Mit großen, in der Praxis sich schnell aus- wirkenden Resultaten haben diese Untersuchungen die Gewerbe zu iwirtschoftlicher Bedeutung geführt. Das Wissen um die Gorungs- Praxis findet seinen Niederschlag im Institut für Gärungsgewerbe in Berlin, als ein« Berfuchsabteilung der landwirtschaftlichen Hoch- jchule angegliedert. Es gilt an dieser Lehrstälte nicht nur die an- gehenden Fachleute auszubilden, sondern sich auch mit den reich ver- zweigten großen Fragen der Bakteriologie zu beschästigen, so weit ein praktischer Ausblick vorhanden ist. Bei einem Besuch dieses In- ftituts bieten sich Eindrücke von sinnverwirrender Fülle, so daß es schwer erscheint, wo zu beginnen und ouszuhören. Nicht wie im Labgralorium des Chemikers oder Mediziners. erforders«in« Einzel- frage das Interesse des Besuchers heraus, hier sind es immer unge- zählte Hunderte zu gleicher Zeit, die in Lehrsälen debattiert, in großen Laboratorien von geschäftigen Schülern und ernsten Beratern von Weltruf untersucht werde». Draußen um die wissenschaftlichen Lehrgebäude gruppieren sich die großen Versuchsanstalten mit einer eigenen Brauerei, Spritbrennerei. Malerei und Hesebcreitungs- siätten. Glasbrennerei zur Herstellung feiner Loboratoriumswerkzeuge u a.. dazu die vielen Vorführungsräiune für die praktischen Einzel- ding«. In den Lehrsälen zischt und brodelt es aus Reagenzgläsern, in Platin- und Kupfertigeln, schäumt es in braunen und farbigen Flüssigkeiten und zischt es aus großen blitzenden Kupferkesseln, Röhren und Sterilisierapparaten, die reine Alchimistcnwerkstatt. Die Lust ist erfüllt mit aromatischen Düften aus den chemischen Prozessen, die sich hier abspielen. In anderen Räumen sind die Brutstätten für Rein Zuchtkulturen der Mikroben untergebracht: teilweis« in Tausenden von Flaschen, Schalen und besonderen Anlagen, die immerwährend einer sorgfältigen Beobachtung und Wartung bedürfen. Sie, die Mikroben sind der eigentliche Kern des ganzen Lehrgebäudes, um den sich alles dreht, denn es handelt sich nicht nur um die nützlichen Bokterienarten, es gilt auch die Kenntnis von den schädigenden und bisher rätselhaft wirkenden Bakterien zu gewinnen. Ein« allgemeine Einführung in die Bakterienkunde an dieser Stell« würde zu weit führen und auch kaum dem Zweck genügen, obwohl sich hoch- interessante wissenschaftliche Problem« damit verbinden: es sei genug, wenn wir einmal die Auswirkung und Bedeutung der Mikroben für den menschlichen Hausholt zusammenfassen. Die Hefe als Nährpflanze. In erster Linie ist es die Hefe, die als Nutzpflanze wohl am meisten in Erscheinung tritt. Sie ist der Gärungserreger im Back- werk, im wein und Bier: ihr danken wir des Lebens� leichte und schöne Zutoten und darüber hinaus, wie wir am Schluß sehen werden, große wirtschaftliche Vorteile. Die Hefe wandelt, was ja bekannt ist, zuckerhaltige Lösungen in Alkohol: meist aber bestehen irrige Annahmen über den Borgang selbst, die noch vor gar nicht langer Zeit den Streit der Gelehrten herausforderten. Es sind Millionen und aber Millionen dieser sich schnell fortpflanzenden Hefe- lebewesen. die die Gärung und dos Schäumen erregen, um damit ihren Lebenswillen kundzutun, doch die Umwandlung des Zuckers in Alkohol, wie es im Bier, Wein und zum geringen Teil auch in der Backware geschieht, wo er sich durch die Hitze wieder oerflüchtet, wird jedoch durch ein der Hefe anhaftendes Enzym gebildet, also durch einen chemischen Stoff, der bis heute noch nicht kunstlich nach- gemacht werden konnte. Zu den interessanten Lebenserscheinungen der Hefe gehört auch, daß sie ebenso wie der Mensch nur einen be- scheidenen Alkoholgenuß oertrögt.— Den Spaltpilzen, Hcfepilzen in Art und Wirkung verwandt und nur in Form und Fortpflanzung verschieden, begegnen wir hauptsächlich als Rlilchsäurcerreger bei der Zubereitung verschiedener Milchgelränke, im«auerteig und bei der Sauerkohl- und Sauregurkenherstellung. Zu ihnen zählen auch die Essigpilze. Diesen guten Haustieren der Menschen, zu denen sich dann noch eine ganze Reihe von Schimmelpilzen und Fäulnispilzen gesellen, stehen ein« Mehrzahl von Arten mst schädigender Wirkung gegenüber, die biologisch den anderen verwandt sind, sich meist auch den gleichen Nährboden wählen, ihn aber doch verderben oder ins Gegenteil verkehren. So fft der Essigpilz, soweit er nicht der Essig- erzeugung dient, einer der gefährlichsten Schmarotzer, der sich über- all in der Natur befindet und immer auf einen guten Tropfen Alkohol ausgebt. Was es für einen vergorenen Wein bedeutet, wenn sich der Essigpilz ihm annistet, weiß wohl ein jeder. Hier im Institut werden nun olle Verhütungsmittel erprobt, das gelungene Produkt vor dem Befall schädigender Mikroben zu schützen: es zählen dazu auch die Vereitung unvergorener Fruchtsäste, Dauer- konserven, Konservierongsmelhodai von Getreide und Lebens- Mitteln. In Reinkulturen werden alle Hefen und Gärungspilze gezüchtet und an die Fabriken zum Ansetzen abgegeben, so z. B. Rein- hefen für Preßhefefabriken, Brauereien und Spntbvennereien, Bier- ■und Weinessigbakterien, Doghurl und Kefirpilze zur Kronkenmilch- bereitung, Sauerkohlpilze, Einsäuerungspilze für die sauerein- gemachten Futtermittel der Landwirtschaft u. a. mehr. Wenn man auch als bekannt vorausschickt, daß Hefen schon seit langem als Heil- und Nährmittel geschätzt werden, so gehört unzweifelhost dem In- stitut der Ruhm, ein« sehr eiweißhaltige und verdauliche Trocken- nöhrhes« dem Handel erschlossen zu haben. „Eödtnifl' und Motorsprit. Am End« dieser Betrachtung seien noch ein paar Beispiele wiedergegeben, die aus dem großen Aufgabenkreis des Instituts besonders hervorstechen. Die bakteriologisch« Forschung bezüglich des Dungwertes zielt auf ein« Verbesserung des Stalldüngers hin, um so der Landwirtschaft ein« ihrer wichtigste» Sorgen abzunehmen. Tat sächlich ist durch ein einfaches biologisches Gärverfahren ein solches Rezept gefunden worden, dos gewöhnlichen Stalldung durch Gärungsunterbrechung zu„Edelmist" wandelt. Es wird diesem nach gerühmt, daß er den drei- bis vierfachen Ernteertrag zeitigt und daß man bei Anwendung der neuen Methode der Mistlagerung— darin besteht das ganze Geheimnis— bereits iin ersten Erntejahr«inen Ueberschußertrog von 107,5 M. auf 300 Doppelzentner Dung erzielt. Es inacht auf die zwei Milliarden Doppelzentner erzeugten Stallmist in Deutschland umgerechnet nur die Kleinigkeit von 720 Millionen Ueberschußgewinn für das erst« Jahr. Wo bleibt der Diktator, der diese Zahlen in die Köpfe unserer Bauern einhämmert? Eine noch viel weitergehende Bedeutung besitzt die Frage der Nutzbarmachung des Sprits als Molorbetriebsmittel. Bisher wurde Sprit als Streckungsmittel aus wohlbegreislichen technischen Gründen oon der Automobilindustrie abgelehnt, obwohl man von dieser Seit« ein verbilligendes Streckmittel verlangt. Auch ist dem Fachmann bekannt, daß ein Spritzusatz zum Benzol als vorzügliches Antiklopfmittel für den Motor die Leistung erhöhen würde. Nach langwierigen Ver- suchen am Motorprüfstand des Instituts hat man nunmehr da» richtig« Mischungsverhältnis herausgefunden. Dos neue Betriebs- mittel hat den Vorteil, daß es neben ihm auch die alten Betriebs- stoste Benzol oder Benzin ohne Schaden zuläßt, so daß weder Ver» änderungen im Bau des Motors noch eine Abhängigkeit allein von dem neuen Betriebsstoff gegeben sind. Es steht zu erwarten, daß mit dieser chemisch-technischen Großtat sich auch die Spritfrage der deutschen Landwirtschaft mit einem Schlag« ändert. Der gesamte Kartoffelanbau würde fast nicht zureichen, das Bedürfnis an Sprit zu decken, sobald er auch nur in kleinen Quanten als Streckmittel An- Wendung findet. Man wird demnach künstig von der Verstüssigung der Kartoffel sprechen. * Betrachten wir auch ohne optimistische Brill« die gewaltige Arbeitsleistung der Mikroben im Dienste der Menschheit, so werden wir diese» neuen Wundern der Natur unstre Ehrfurcht nicht versagen können. Wenn diest verachteten Kleinlebewesen die gesparten Sonnenenergien der Pflanzen in Alkohol und ander« Stoffe umsetzen, Die Wunöer öer Klara van flaag. 6(1) Von Johannes Vuchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Hedwig atmete schwer und sagte:„Ich glaube nicht an den Stein. Entweder ist man verrückt, oder man ist klug, glaube ich/' „Glaubst du nicht an die Macht der Verhältnisse?" „Aber, wie heißt denn der Stein, über den Dater ge- fallen ist?" „Der bin ich ja, der heißt ja Klara Steen in Helsingör. Ich glaubte, du hättest das verstanden. Er liebte mich ja, und ich hatte ihm Hoffnung gemacht. Wenn das nicht ein scharfer. teuflischer Stein ist, Hedwig! Nein, natürlich hast du nicht verstanden. Das tat ich ja selbst erst kürzlich— vor einigen Iahren. Im Anfang— hier in Knarreby— hielt ich zu deiner Familie, weil ihr amüsante Menschen— und überhaupt mehr Menschen wart, als andere. Aber jetzt ist das Amüsement zu Liebe geworden, zu tiefem Mitleid— und zu wehmütigen Gewistensbissen. Ach, Hedwig— kann ich deinen Vater und die, die ihm gehören, nicht froh und glücklich machen, dann will ich als Sklave in die Welt gehen. Ach. Hedwig — du mußt mir in der Sache helfen— darum habe ich dich hergerufen, du mußt mir helfen, wenn du mich wirklich gern hast." „Wie könnte ich anders, als Sie gern haben— bei allem. was Sie für mich gewesen sind— bei allem, was Sie für mich getan hoben." „Ja, gewiß. Du hast einfach die Pfliäst, mir tief dankbar zu fein. Bekamst du nicht den Koffer mit den Griffen? Den teuren Koffer mit den Schildern von Rom und Paris, aus hie du so stolz warst. Nun ja, vergiß das nie Diese und alle meine andern Wohltaten muß du mir wiederbezahlen. Steckte nicht ein Zehnkronenschein von dem Professor an deiner Hut- nadel?— Ja, aber der war von mir angesteckt, damit du es weißt. Er vergaß es, wie er Herrn von Haags Kragen vergaß. Ja— ich bin gut zu dir gewesen— aber jetzt mußt du mir dafür diesen Augustinus Trillingsbäk abtreten. Lache nicht: du kannst wohi hören, daß ich dich ganz auf den Knien um diese Nichtigkeit bitte." „Was wollen Sie mit ihm," sagte Hedwig. Die Tränen bildeten sich in ihren Augen, trotzdem sie lächelte. S'c hielt sie mit ihren langen, blonden Wimpern zurück, aber sie wurden immer stärker und bahnten sich ihren Weg als große, schwere Tautropfen und fielen ihr nuf die Hände...... „Nichts. Er ist Holländer— laß es ihn bleiben. Laß ihn Bulter machen und Käse formen, aber— du hast ihm doch wohl nichts versprochen, Kind?" „Nein," sagte Hedwig.„Nichts. Ich habe ihn ein- oder zweimal geküßt aber ich habe ihm mit vielen Worten erklärt, daß er sich nicht irren und glauben dürfe, ich hätte ihn lieb. Nein, und ich kann Ihnen ferner eingestehen, Frau van Haag, daß er sich bei meiner Abreise gestern über unser Verhältnis klarer war als ich selbst. Ich sehe dich nicht wieder! das waren seine letzten Worte." „Herrgott," sagte Fxon van Haag voller Mitleid,„und was antwortetest du ihm?" „Daß niemand es wissen könnte. Aber es war ein schrecklicher trauriger Abschied." „Sei froh, daß du es gestern überstanden hast: bald wäre es vielleicht zu spät gewesen. Dann wäre es dein Tod ge- worden." „Zum Mai hätten wir heiraten sollen." „Ja. denk, wie schrecklich." „Er ist ja in jeder Beziehung gut und nett, aber natür- sich—" i „Er! Ja, er ist gut. Aber du— du bist eine Egoistin und Tstrbrecherin! Du weißt ja, daß du ihn nicht liebst!— Steht die Welt vollkommen still? Muß dieselbe Unwissen- heitssünde von Geschlecht auf Geschlecht begangen werden? Sieh mich an! Hier hast du eine, die eme solche Schurkin in der Liebe gewesen ist. Glaubst du, ich hätte Herrn van Haag aus Liebe genommen? Ich nahm ihn, weil er gut gekleidet, weil seine Nägel sauber waren, und weil— wie du dich ausdrücktest— das Angebot recht gut lautete! Wir hoben uns dann durchgestritten auf die Art und Weise, die du selbst kennst. Er Hatzte mich und ich ihn. Manchmal nahm ich ihn mit auf Reisen, um ihn in Wesen und Aussehen gebildeter zu machen. Die letzten Jahre bin ich zu ftaus geblieben, weil mein Geld aufgebraucht war, und weil ich euch zum Trost hatte. Ich hatte sein Reden des Nachts und seine übrigen Schrecklichkeiten wirklich gern. Ich war ja eine Märtyrerin, und was kann man da nicht mit einem Lächeln überstehen. Aber jetzt reise ich— wie kann das sein?" Frau van Haag sah Hedwig mit einem kleinen Lächeln an und strich ihr über die Hände. „Ja, mein Martyrium ist vorbei. Fertig. Und einen schwarzen Stempel habe ich auf die Stirn bekommen statt meiner Dornenkron'. Herr van Haag bat sich oerliebt. In Frau Wang— die, deren Mann sich ertränkte— die mit dem Stirnhaar und dem Protestlächeln— die HochheiligB. Es war sicher schon längst im Gange, ehe ich es merkte. Er ging oft ins Hotel, wo sie die Küche oerwaltet, aber kannst du dir Liebe und Herrn van Haag in einem Atemzug denken? Nein. — Da sah ich ihn eines Tages mit drei oder vier Veilchen am Frühstllckstisch sitzen. Er sah so merkwürdig aus und wollte sie wcgstopfen. Am Nachmittag kamen sie zusammen her- auf, und er teilte mir mit, daß Frau Wang den Haushalt hier übernehmen wollte Engagiert also— als Mädchen oder Fräulein— oder wie man es nennt— zum ersten Mai. Die drei oder vier Veilchen waren mit starken Stecknadeln an ihrer Brust befestigt." „Solch eine schleimige Kröte! Haben Sie nicht beiden ins Gesicht gespuckt." „Ich will dir sagen, was ich tat, Hedwig. Ich habe sie einfach ausgelacht." „Nun ja— auch das war gut." „Nein, das war esi'■..-•»(Fortsetzung folgt.) 1o bedeutet das noch nicht, daß sie ein Rauschgift für den Genuß bereiten, wohl aber, daß fi« die Kraftquellen zu neuer üebens- betätigung erschließen. Unser Dani gilt den Wssenschastlern, di« diese unsichtbare Welt erforschen und sie dem höheren Bedarfszweck der Menschen zuführen. Zörsterphantasie. Ein Abenteuer, das mehrere Einwohner von Großbeeren in einer dem Ort benaäidarten Waldung erlebten, hatte ein sonder- bares Nachspiel vor Gericht. Der Maurer Karl S ch l o m b a ch, der Arbeiter Julius Haupt, der Arbeiter Richard K l a b u n d e und der Maurer Fritz Marquardt wurden auf dem Wecjc von Mahlow nach Großbeeren durch den Jagdaufseher Fräse angehalten, der in Begleitung des Hilfsförsters Henke und eines Kaufmanns Wieser ihnen entgegentrat. Fräse verlangte, daß Schlomboch und seine Begleiter sich auf Waffen untersuchen ließen, und er nahm zwangsweise die Untersuchung vor, doch fand er selbstverständlich keine Waffen. Als Wicser niit einem photo graphischen Apparat dabeistand, wie wenn er die vier im Bilde fest halten wollte, rief Schlombach seinen Freunden zu:„Laßt euch nicht photographicren!" Plötzlich erhielt Schlombach oonFröseeinen Fausthieb ins Gelicht, der ihn zu Boden streckte und ihm die Besinnung nahm, so daß er einige Zeit liegen blieb. Seine Freunde bemühten sich um ihn und nachdem er sich erholt hatte, setzten sie zusammen ihren Weg fort. Schlombach, gegen den, da er als Sozialdemokrat und Reichs- bannermann bekannt Ist, in rechtsgerichteten Kreise» Großbeerens eine feindselige Stimmung besteht, war zunächst über die Ursachen und Gründe der ihm widerfahrenen Behandlung im unklaren. Er wurde darüber belehrt durch eine Anzeige, die der Jagdaufseher Fräse gegen ihn und die anderen einreichte und die alle vier des Jagdvergehens beschuldigte. Sie sollten die Absicht ge- habt haben, in dem Wald— auf Hasen zu jagen. Massen hatte man nicht bei ihnen gesunden, aber die Phantasie des Forstmannes spiegelte diesem das Bild von Wilderern vor, die mit dem Stock auf die Hasenjagd gingen. Er hatte es als ausfällig empfunden, daß die vier nicht nebeneinander gingen, sondern(wie er bemerkt zu haben glaubte) in einer auseinandergezogenen Linie dahin schritten, als wenn sie eine Art Treibjagd planten. Wie man dabei einen Hasen erwischen soll, das wird einem gewöhnlichen Sterblichen rätselhaft scheinen: denn Hasen haben die Gewohnheit, auszureißen, wenn ein Mensch sich nähert. Aber der Forstmann soll dem Gericht die Bersichenmg gegeben haben, daß im Winter die Hasen minder rasch ausreißen und auf dem Schnee sitzen bleiben, so daß sie auch mit dem Stock erjagt werden können. Aus solche Annahme hin wurden die Beschuldigten nicht nur ans die Anklage- bank gebracht, sondern vom Schöffengericht L i ch t e r f e l d e auch tatsächlich wegen vermeintlichen Jagdvergehens verurteilt, Schlombach zu 5 Tagen Gefängnis, Marquardt zu Z Tagen Ge i fängnis, Haupt und Klabunde jeder z» 30 M. Geldstrafe. In der 'Gerichtsverhandlung wurde dem Zeugen Fröse vorgehalten, daß er Schlombach mit einem Fausthieb zu Boden gestrxckt hatte. Er > erwiderte, aus einer Bewegung Schlombachs habe er, Fräse, auf '«ine Angriffsabsicht geschloffen. Der Herr scheint wirtlich eine sehr ; lebhaste Phantasie zu haben. Die vier Verurteilten legten gegen das , Echöffengerichtsurteil Berufung ew, und die Sache kam"nun vor das Landgericht Berlin II. In der erneuten Verhandlung j wurden dieselben Belastungsaussagen vorgebracht, aber die Straf- As a m m e r 5 lehnte es ab, die von dem argwöhnischen Fröse be- hauptete Hasenjagd für„erwiesen" zu halten. Die Strafkammer erkannte auf Freisprechung aller vier Angeklagten, und die Staatskasie trägt jetzt die Kosten des Verfahrens, das der Forstmann mit seiner ausschweifenden Phantasie und der Schöffenrichter mit seiner Leichtgläubigkeit verschuldet haben. Mehrere Wochen vor der� Straskammerverhandlung hatte auf Grund der von Fröse in der Schösfengcrichtsverhandlung gemachten Aussagen einer der Angeklagten eine Anzeige bei der Staatsanwalt- schast eingereicht, in der er Fröse eines Falscheides bezichtigte. Heber ihre Stellungnahme zu dieser Anzeige hat die Staatsanwalt- schast sich noch nicht geäußert. Der Moabiter flktenfkanüal. Staneris Beschuldigungen.— Haftbefehl gegen Kunert. Der Bankier Kunert hat tjpn der Schweiz aus durch seinen Ner- teidiger Dr. Herbert Fuchs dem Staatsanwaltschaftsrat Binder eine Schutzschrift überreicht, in der sehr schwere Angriffe gegen Kriminalkommissar Dr. Uelzen erhoben werden, von i dem Kunert behauptet, daß Dr. Uelzen dem Geiieralkonsul Tonfe i Mitteilungen aus dem Aktenstück gegen Kunert gegeben habe. Die ' Staatsanwaltschaft wird nun umgehend Ermittlungen anstellen, u»d «lan ferner gegen Kunert Haftbefehl eplasien, um den Bankier, der van seinem augenblicklichen sicheren Wohnsitz in der Schweiz aus schwerste Verdächtigungen gegen Beamte und andere Personen aufstellt, nach Möglichkeit auf dem Wege der Auslieferung nach Deutschland zu bekommen. Allerdings ist es fraglich, ob Kunert nicht inzwischen den Wohnsitz ändert und nachFrankreichoder 'Italien geht, so daß. praktisch genommen, eine Festnahme kaum möglich erscheint. Inzwischen ist Kriminalkommissar Kanthak nach der Schweiz gefahren. Er will Kunert dort vernehmen, vorausgesetzt, daß er ihn noch antreffen sollte. Es kommt ihm insbesondere darauf ab, von Kunert eine Erklärung darüber zu erhalten, wo sich die umfangreichen Akten befinden, die der Bureauvorsteher Hübner ihm übergeben hat, und die sich bisher an Gerichtsstelle nicht wieder eingefunden haben. Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs Hot für Bankdirektor Kunert eine Sicherheitsleistung in beträchtlicher Höhe angeboten, und der, Oberstaatsanwalt ist auch bereit, Kunert, falls er sich selbst stellen sollte, mit der Untersuchungshaft unter diesen Be- dingungen zu verschonen. Die Höhe der Kaution dürfte sedoch an- gesichts der Vermögenslage Knncrts auf etwaeinehalbeMil- lion Reichsmark beziffert werden. Wahrscheinlich wird jetzt von der Staatsanwaltschaft die Einleitung einer gerichtlichen Vor- Untersuchung gegen Hübncr, Kunert, Peyser und Genossen beantragt werden, durch welche in erster Reihe Licht in die dunklen Zusamknen- hänge dieses Falles gebracht werden soll. Elve Kindestötung. Die 21jährige K. hatte eines Tages auf der Fahrt von Berlin nach Köpenick, wo sie als Hausstütze in Stellung war, einen jungen Menschen kennengelernt. Man traf sich etwa' dreimal. Da aber der Freund den Wunsch äußerte, daß die folgenden Begegnungen in Berlin stattfänden, gab die K. die Bekanntschast ans. Bald mußte da» Mädchen feststellen, baß es Mutter werden würde. Den jungen Mann kannte sie ober gar nicht mit Namen. Ihrer Herr- schast scheute sie sich anzuvertrauen: sie fürchtete, daß ihre Eltern «avon erfahren könnten. Die waren strenge Leute und hätten sie verstoßen. Die Leute in der Siedlung tuscheUen schon unter- emander über den Zustand der K. Ihre Herrschaft nahm sie vor und drang in sie, die Wahrheil zu sagen. Sie leugnete. Dann fuhr sie auf Urlaub zu ihrer Mutter und kam in' unverändertem Zustande zurück. Am 21. September, um 3 Uhr nachts, aber gebar sie: es wurde eine Sturzgeburt. Dos Kind fiel auf den Zement- baden und beschädigte sich das Köpfchen. Um es am Schreien zu hindern, drückte die K. ihm das Gesicht zusammen, dann wickelte sie es in eine Decke und legte es'n einen Wäschekorb, den sie schloß. Als die Hausfrau am Nachmittag in das Zimmer ihrer Stütze kam, die sich so elend fühlt«, daß sie im Bett geblieben war, erblickt« sie einen großen Blutfleck auf dem Fußboden und wußte nun, was geschehen war. Sie holte das tote Kind aus dem Wäschekorb. Die Obduktion ergab einen Schädelbruch und einen zerbrochenen Kiefer. Würgemale waren nicht vorhan- den. Der Tod wäre auch durch den Schädelbruch erfolgt: herbei- geführt hatte ihn die Erstickung. Bor dem Landgericht II erklärte das Mädchen, es habe aus Verzweiflung, Angst und Scham das Kind durch das Zusammendrücken des Gesichts am Schrei« verhindern wolle«, habe ab« nicht die Absicht gehabt, es{ Eine Rauschgift- Großhanöelsgeselljchaft. Die Häupter der Berliner Zentrale verhaftet. Die größte internationale Schiebergesell- schast, die den verbotenen Rauscygisthandel über viele Länder hin sorgfältig organisiert Hatto und in einem bisher unbekannten Maße betrieb, ist von der Berliner Kriminalpolizei endlich unschäd- lich gemacht worden. Die Haupthändler sind wieder russische Emigranten, die auch im Auslande, nicht nur in Berlin, ihre Hand im Spiel haben. Alle die Kleinhändler, die in Berlin im Laufe der Zeit mit Kokain und dergleichen erwischt wurden, wußten nie die Quellen, aus denen die Gifte in größerer Menge hierher flössen. Das ist erklärlich, weil der organisierte Rauschgistegroßhandel. der sich über Paris, die Schweiz, Italien usw. bis nach Ehina und Japan hin erstreckte, ganz geheimnisvoll betrieben wurde und mit allen möglichen Mitteln seine Wege zu verdecken verstand. Es war äußerst schwierig, heranzukommen und Klarheit zu schassen. Der erste größere Schlag wurde im August und September vorigen Jahres inst der Verhaftung des Berliner ApothekersHahn geführt. Zugleich mit dessen Festnahme trat plötzlich eine Stockung in dem ungesetzlichen Handel ein Wer nach Verlauf von sechs Wochen lebte der Vertrieb wieder auf. Der Verdacht fiel nun auf zwei russische Sausleute L. und S., die gleich nach dem russischen Umsturz nach Deutschland gekommen waren und im Westen Berlins wohnten Die Ermstllungen ergaben demi auch, daß diese beiden das ihnen in Deutschland gewährte Gast recht schnöde mißbrauchten. B. und S. lebten ganz unauffällig gut bürgerlich. Eine Großbank bezeichnete sie auf Er- kundigungen als„höchst ehrenwerte und vollkommen einwandfreie Kaufleute". Das schienen sie auch zu sein. Die Krimmalpolizei haste aber so viele Verdachtsmomente, daß sie die beiden auf Schritt und Trist beobachtete, wie sich nach monotelanger Arbest ergab, sehr mit Recht. B. und S. wurden als die Häupter der Ber- liner Zentrole entlarvi und hinter Schloß und Riegel gesetzt, ihr« ganz« Arbeitsweise enthüllt. Jbre Hauptauftraggeber leben in China und Japan. Der Laie glaubt, daß die Rauschgifte gerode von dort her kommen, übersieht ober, daß Kokain, Morphium usw. wie es als Rauschgift in den Handel kommt, erst in chem'schen Fabriken hergestellt wird, und daß Ehina und Japan m der Rich-- tung doch noch nicht auf der Höhe sind. Die ganze Aufdeckung voll- zog sich nun so, daß man zunächst dem Wege des Geldes nachging, das bei diesen Geschäften rollte. Die Aojtraogeber nn fernen Osten schickten das Kausgeld direkt nach Berlin im B. und S. Die Rauschgifte mochten den umgekehrten Weg. Sie kamen früherdirekt nach dem Hamburger Freihasen. Später wählte man den Freihafen von Kopenhagen. Dort hallen die Gauner mehr Glück, denn sie gewannen einen Prokuristen einer angesehenen Speditionsfirma, der ihnen für ihre falsch deklarierten Ssnirnngen einige Räume in einem im Freihaiengebiet gelegenen Hause zur Verfügung stellte. Der Prokurist verständigte jedesmal, wenn etwas angekommen war, durch Telegramme» deren Jnhast andere nicht entziffern konnten, die beiden Russen in Berlin. Die Russen fuhren dann nach Kopenhagen hinüber und besorgten die Verpackungen für den weiteren Versand. Als es soweit war, fuhren deutsche- Beamte nach Kopenhagen, durch- suchten in Gemeinschaft mit der Kopenhagener Polizei dos Haus im Freihafen und fanden 18 Kilo Morphium und acht leere Morphiumbüchsen. Der Prokurist gab alles zu. In der- selben Zeit griff die Kriminalpolizei in Berlin zu, nahm B. und v. und zahlreich« Helfershelfer fest und beschlagnahmte in der Wohnung von B. 13 Kilo Heroin und vier Pfund Rohmor- p h i u m. Die Russen legten alsbald«in umfassendes Geständnis ab. Zugleich sind auch die Polizeibehörden der übrigen Länder, die durch dos internationale Opiumabkommen miteinandqx in Ber. bindung stehen, für weiter« Ermsttlungen eingehend visterrrchtet worden. Damit diese nicht gestört und beeinträchtigt werden, können die Namen der Verhafteten und westere interessante EinzÄhesten nicht verössensticht werden. zu töten. Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen Kindes- tötung zu zwei Jahren Gefängnis, unter Anrechnung von zwei Wochen Untersuchungshaft: es ließ sie auf freiem Fuße und stellte ihr Bewährungsfrist in Aussicht.— Eine allgemeine Bemerkung scheint an dieser Stelle am Platze: Es scheint notwendig, daß bro Wohlfahrtsstellen mehr als bis jetzt der Fall ist dafür Sorge tragen, daß durch entsprechende Plakate die jungen Mädchen daraus auf- merksam gemacht werden, wo sie in derart kritischen Augenblicken Rat und Hilfe finden könnten. Hettler unü(dbüachlose. Aus dem Bereich des Schncllrichters. Ueber dem Saal des Schnellrichters am Polizeipräsidium in der Dircksenstraße befindet sich der Gerichtssaal für Obdachlose, Bettler und Prostitnierte. Es ist der penetraiste Geruch des Asyls für Obdachlose, der den Gerichtssaal erfüllt. Hierher verirrt sich kein Berichterstatter: hier gibt es auch keine Oeffenllichkest, keine Zu- Hörer. Wo sollten die auch hin? Den Raum, der für si« bestimmt ist, besetzen die Angeklagten. Wf der Anklagebank nimmt der Be- richterstatter Platz— so hat er die Angeklagten vor sich. Und diese Angeklagten!„Der Menschheit ganzer Jammer packt dich an." Da ist einer, der ist bereits vor kurzem verwarnt worden: er schläft monatelang im Asyl in der Fröbelstraße. Das darf man nicht. Die Asylanten sollen Arbeit suchen. Arbeit? Wo sie finde»? Trotzdem behauptet der„Angeklagte", überall wegen Arbeit noch. gefragt zu haben.„Beweise?" Ja, die besitzt er nicht. Also erhält er vier Wochen Haft. Tragikomödie der modernen Rechtspflege, daß sie nun einem hilflosen Menschen mit einer Strafe noch eine Art Wohltat erweist, denn im warmen Polizeigesängnis be- kommt er wenigstens eine Suppe.— Der zweit«, ein 26jähriger Krüppel auf Krücken. Er hat in der Friedrichstraße gebettelt. Das bedeutet Verkehrshindernis: betteln dors man wahrscheinlich nur dort, wo überhaupt keine Menschen sind. Zweimal ist er bereits wegen des gleichen Vergehens oorbestrait. Erst im Dezem- ber hatte er drei Tage Haft. Deshalb lautet die Strafe diesmoi auf eine Woche.— Der dritte, ein 22jähriger. Der lebt mit sich in größter Uneinigkeit: vielleicht ist er auch gesstig nicht ganz gesund. Auf die Frage des Richters, wie die Muster heißt, sagt er: „Ich weiß nicht."„Was bedeutet das?"„Die geht mich nichts an." Schämt er sich seiner Mutter, hat sie ihm etwas Bases getan, liebt er sie zu sehr? Wer weiß! Er ist wegen Diebstahls bereits vor- bestraf- uni als..Strichjunge" bekannt... Drei Wochen Haft. Der junge Mensch sitzt, den Kopf tief in die Hand gebeugt,— ein Häufchen Unglück.— Der v ie r t e ist ein 7-tjähriger. Fünf Male wegen Bettelns vorbestraft. Seine Woche Haft wegen Bellelns tius der Friedrichstraße nimmt er mit giöhter Dankbarkeit entgegen.— Und dann wieder einer auf Krücken. Auch dieser ist vielmals vorbestraft. Er hat in der Untergrundbahn gebettelt. Die Sache wird vertragt. Der Staatsanwalt will sich sein Strafregister näher anschauen.— Es folgt ein 39jähriger Mann. Der ist das letztemol am Zb Oktober oerwarnt worden. Auch er behauptei sich nach Arbeit umgesehen zu haben und besitzt natürlich wie sein Kollege keine Nachweise dafür. Gegen die eine Woche Haft hat auch er nichts zu erwidern. Und schließlich als letzter ein 27jähriger Asylist. Er ist am 27. September verwarnt worden. Nun ist bereits ein Vierteljahr darüber hin. Sein Bergehen war bereits am 26. Dezem- ber verjährt. Er kann von Glück sprechen und im Asyl weiter sein Logis nehmen. Ein gut zusammengesetztes Nachmsttagskonzert der Kapelle Kermbach mit dem Triumphmarsch aus„Aida", der Ouvertüre zum „Oberau, und mit einer reichhaltigen Phantasie aus„Boheme". Beseelt klingt wieder das Eello in der Bruch'schen Bearbeitung des „Kol Nidre" und auch die Bläser entwickeln im Triumphmarsch gesättigten Klang. Am Abend zwei Vorträge: Johannes Müller gibt in seinem Referat„Werglaube und Ahnenkult in China" interessante Einzelheiten. Dr. Herbert Heyde behandest in seinem Zyklus„Ein- sührung in die physische Geographie"„die Lufthülle der Erde". Nach einem historischen Ueberblick kommt er aus die neuesten Farschungs- ergebnisse, aber selbst bei schwierigeren mathemaiischeu Fragen las er klar und verständlich. Daraus folgt die Sendung von �Zar und Zimmermann". Es überrascht jedesmal die Uebersichtlichkett und Reinheit der Cnsemblesiitze und Chorszenen. Selbst das für die Uebertragung schwierige«extett im zweiten Akt und das Finale lassen jede einzelne Stimme erkennen, ohne daß jedoch die Solisten Chor und Orchester zudecken, wie vor einigen Wochen im„Lohengrin". Kraftvoll wirkt die Singschul« im drillen Akt. Die Regie sorgt für Konzentration. Nebensächliches ist im Dialog gestrichen worden. Seimar Meyrowitz, der die Aufführung leitet, nimmt di« Themen ganz leicht und gelöst, betont das Sprühende dieser unverwelltea Musik und kostet nicht einmal das Sentimentale des Zarenliedes aus. Eduard Kandl als van Beet ist mitreißend komisch allein durch seinen meisterlich nüonzierten Dortrag. Artur Fleischer als Zar bleibt nicht im Richrseligen stecken. Seiner«stimme fehlt allerdings für diele Partie die Weichheit. Kustner als Iwanow, Jöken als Chateneuf und Elfe Knepel als Marie bieten gesanglich einwalldfreie Leistungen. vas Enöe ües kleinen Sarmat-Prozeftes. Nach viertägiger Verhandlung vor der Bieruftmgsstrafkammer des Landgerichts I, unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. T o l k. ging gestern zugleich mit dem Beginn des großen Barmat-Prczesses der sogenannte„kleine Barmat-Prozeß" zu Ende. Die erste Der Handlung vor dem Schöffengericht Mitte haste bekanntlich wochenlang stastgesunden. Mehrere Staatsbankbeamt« waren beschul- digt, gegen Bestechungsgelder Bankhäusern Kredite ohne ausreichende Efsektendeckung eingeräumt zu haben. Well dieser Prozeß aber einen nicht so großen Rohmen hat, wie der Wonstre prozeß, wird er der kleine Barmat-Prozeß genannt. Die Vorhand lung der zweiten Instanz ergab für die fragliche Zeit ein zi e w li ch trauriges Bild von den verworrenen Zuständen bei der Staatsbank. Die Lombardabteilung, die die Dcrrlehon gegen Effekten zu verausgaben hat, und in der naturgemäß ein großes sinanzwirtschastliches Wissen erforderlich ist, war tells mit Militär- onwärtern, teils mit ganz jungen Beo m.t e n besetzt. Diese waren dem Ansturm der gerissenen InflationsschZeber, die sich in die Kundschaft der Staatsbank eingeschlichen hast«, nicht ge- wachsen. Es fehlte an jeder Aufsicht und jeder A r b e i t s- t e i l u n g. Die Strafkammer trug diesen� Umständen im weitesten Maße Rechnung, indem sie zu der Begründung seiner erheblichen Strosherabsetzungen im Urteil ausführte, daß den Angeklagten die Pflichterfüllung im höchsten Grade erschwert, die Pflichtverletzung aber im höchsten Grade erleichtert worden sei. Di« Straf«, wurden von der Strafkammer herabgesetzt für die Staatsbankoberiusoektoren Blodow voii einem Jahr fünf Monaten auf elnjjahr, Kersten von einem Jahr neun Monaten auf ein Jahr, für StaatSbaistinspektor� Jost von neun Monaten auf sechs Monate, den Sirnstckbankober- sekretär Reitzel von fünf auf drei Monate Gefängnis. Die gezahlten Bestechungsgelder wurden der Staatskasse für verfallen erklärt. Selbstmord beim Abschied. Bor den Augen seiner Frau hat sich ein 30 Jahre alter Maurer Friedrich Garroe aus der Weserstraß« 82 zu Neukölln er- schössen. G. lebte von seiner Frau getrennt. Die Frau wohnte in der Thomasstraße 8 bei ihren Estern. Gestern abend um 8 Uhr erschien der Mann unter dem Vorwande, daß er Papiere brauche. Frau Garwe suchte zwei Aufrechnung»?« der Invaliden Versicherung, die sie noch besaß, heraus und brachte sie ihrem Manne nach dem Hausilur hinuMer. Dort erzählte er ihr scheinbar ganz ruhig, daß er Aussicht Hab«, bald wieder Arbeit zu bekommen. Ganz unvermittelt zog er dann eine Pistole aus der Tasche, schoß sich eine Kugel in den Kopf und brach sofort t o t zusammen. Wie die Ermittlungen ergaben, Hatte er schon wiederhost Selbstmordgedanken geäußert und dabei auch gedroht, daß er seine Frau in den Tod mitnehmen werde. Gestern abend jedoch ließ er die Frau ganz unangefochten. Die obdachlosen Schnittersamilie«. In Berlin sieht man alljährlich vom Spätherbst an i m v b. dach der Stadt viele Schnittersamilien. die w der Provinz Brandenburg auf den Gütern zur Ernte angeworben, aber nach Beendigung der Arbeiten auf die Straße gesetzt wurden. Ob- dachlos geworden, kommen diele Familien nach Berlin, und die Stadt kann sich dann nicht der Pflicht entziehen, den Zugewanderten für die Wintermonate eine notdürftige Unterkunft zu gewähren. In gesundheitlicher Hinsicht bilden aber diese Obdachgäste eine große Gefahr für die Bevölkerung Berlins, weil in den Schnitterfamilien oft Scharlach, Diphtherie und andere Krankheiten vorkommen, die gerade im Obdach sehr leicht weiterverbreitet werden können. Daß man die Schnstter- samilien an anderer Stelle unterbringen mühte, ist cfdlnitt gUfai'ßßvHACut' OHf, eUe, TfaufrBßHMtg. (MivciHvi' tf&WtH' dy*' AjifoH&Hai&VH' J&uf. MtWitnHty&fhe'"pAofo. /(eifte SchwAeAt: svtMfUW wXdt kctfatofon' MdUfat' yfWietuHm'. £***& nüf\ > otup&MJsCzH ri&W. 1 llingst von her Gesundheitsverwoltuna betont und von der Obdach. -Verwaltung anerlannt worden, doch Iah man bisher kerne Möglich. keit hierzu. Jetzt wird beabsichtigt, die Schnitterfamilien künftig dem Obdach fernzuhalten und für sie bei Zossen ein beson- de reg Schnittelheim in einem zu diesem Zweck geeigneten chause einzurichten. Sicherheit in öen Seriiner Kinos. Dt« furchichare Klnskataftrophe in der kanadischen Stadt Montreal, bei der 76 Tote und 40 Verletzte zu beklagen sind, hat MTB. veranlaßt, sich an die Theaterabteilung des Polizei- Präsidiums mit der Frage zu wenden, ob in den Äinotheatern "Berlins noch die Gefahr ähnlicher Katastrophen bestehe. Es ist die beruhigende Antwort erfolgt, daß für das Berliner Publikum diese Sorgen überflüssig find. Die Sicher- heilsmaßnahmen, die von der Polizei in den Berliner Theatern vor- geschrieben sind und der«» Durchsührungaufdas strengste überwacht wird, sind so groß, daß das Publikum selbst bei einem ausbrechenden Brand der Filinstreisen im Vorführungsraum auch nicht im allergeringsten gefährdet ist. Die Zahl der vorhandenen Ausgänge im Theater selbst ist außerdem so groß, daß sie, wenn das JJkübiifum bei Gefahr die Theater in Ruhe verläßt, vollkommen genügen, die Theater in kürzester Zeit völlig zu entleeren. Am Hublikum selbst liegt« s, sich diese Tatsache immer wieder vor Augen zu holten und genügend Ruhe und Ueberlegung zu de- mähren; dann wird jede Panik unter ollen Umständen vermieden werden. Unterschlagungen beim Potsdamer Amtsgericht. West größer, als man zuerst angenommen, sind offenbar die Unterschlagungen des Juftizoberiekretärs R i e s n e r von der Straf- abteilung des Amtsgerichts Potsdam. Es sollen annähernd 7000 M. Strafgelder fehlen. Festgestellt ist, daß Rissner seine BerfeHlungsn seit 1924 begehen konnte, ohne daß fem direkter Vorgesetzter,«in Fustizinspektor. etwas davon gemerkt hat. chundert« von Strafakten sind nicht weiter geleitet, sondern zurückbe- halten worden. Riesner hat mst Vorliebe bei denjenigen Verurteilten die Strafgelder unterschlagen, denen wegen ihrer wirtschaftlichen Rot- tage Teilzahlungen gestattet worden sind. Stall der Strasmarken hat er nur seine Unterschrift unter die Quillungen gesetzt. Nicht ausge- schlössen ist, daß der Verhaftete sich auch des Meineides schuldig gemacht Hai, den er im Prozeß gegen seinen Untergebenen, den Registrator Hosftneister, seinerzeit geleistet hat. Und der Herr Justiz- wspektvr?, Weil er nicht in seine Wohnung hineinkonnte. Einen unglaublichen Streich verübte vorgestern abend ein 47 Jahre aller Fabrikant Karl Jörn aus der Kaifer-Friedrich-Str. 91 in Neukölln. Er setzte einen Feuermelder in der Kaiser-Friedrich- Straße in Tätigkell mst der Wirkung, daß alsbald ein Löschzug ausrückte und am Hause hes Fabrikanten erschien. Der hatte für die Alarmierung nur die Erklärung, daß er nicht in seine Wohnung hineingetangen könne und deshalb durch die Wehr wolle öffnen lassen. Der Streich wird für den Mann wohl ein empfindliches Nachspiel haben. Das wäre um so wünschen»- werter, als gerade die Feuerwehr in Neukölln durch falsch« Mar- mierungen fortwährend schwer beunruhigt und belastet wird. Eine plattdeutsche Bühne für Berlin. Aus dem ersten Verbandstag des Allgemeinen PlalldeMfchen Levbandes von Verlin und der Mark Brandenburg, der einen un- gemein zahlreichen Besuch der angeschlosseneu Ortsgruppen aufwies, wurde u. a. der bedeutsame Beschluß gefaßt, die Schaffung einer ständigen plattdeutsche» Bühne für BerLn und Branden- bürg sofort in Angriff zu nehmen. Da Berlin und Brandenburg im niederdeutschen bzw. plattdeutschen Sprachgebiet liegen, so wäre die Gründung einer solchen Bühne sehr zu begrüßen, da es uns im Gegensatz zu München, Hamburg, Köln und Straßburg an einer Diafcftböfpie mangelt. Bon der HanStür erschlage». Der STsShrige Händler Hermann Neubert aus Stolloff. Kreis Aalau, wurde am Montag nachmittag auf dem Grundstück Gensfer Straße 11/14 in Weißensee von einem durch den Wind zu- schlagenden Türflügel gelloffen, fiel mll dem Kopfe aus ei» Faß und zog sich eine schwere Kopfverletzung zu, an deren Folgen er am Dienstag früh verstorben ist. Selbstmord einer 18 jahrige« Hausangestellten. Ein zunächst rätselhafter Selbstmord beschäftigt z Urzell die Krisünalpolizei. Di« bei einem Geheimrat am Platz vor dem Neuen Tor in Stellung besindliche ILjährige Hc-usangestellie Margarete 2L verübte gestern in der Wohnung ihrer Dienstherrschast Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas. Als das junge Mädchen in dem gasgefüllten Zimmer aufgefunden wurde, war der Tod bereits eingetreten. Modeabend der äfriseurgehilsen'Fachabteiluug. Den zweiten Modeabend dieses Winters veranstaltete die Fach- abtellung des Arbeitnehmerverbandes des Friseur- und Haar- gewerbes am Sonntag, den 5. Januar, in Havellands Fesfsäle unter lebhafter Anteilnahme der Bevusskreise. O. Schütze begrüßte die an- wesendev Kolleginnen und Kollegen, Gäste und Delegationen der ver- schiedenen Fachvereine. Nach einigen guten Vorträgen des Orchesters begann das Schaufrisieren. Verlangt wurde„Moderne Phantasie"". Die gezeigten Frisuren haben sämllich den Durch- schnitt übertrosscn und machen der Fachabteilung, die in Berlin d!« Führung der Facharbeit besitzt, all« Ehr«. Es wurde» folgende Teilnehmer punktiert: Kollege Weislogel mit 49 Punkten: Kallegin Frl. Steyrer 39 P., Kollege Artur Veit 37 P., Kolleg« Meinel 36 P.(Frisur„Ballkönigin""), Frl. Backaus 34 P., Kollege Schimack(Phantasie„Yvonne"") 32 P.. Kollege Janke 29 P. und Kollegin Frl. Äellermann 26 Punkt«. Den ersten Preis erhielt demnach Kollege W e i s l o g e l mit seiner Phantasie„Frühlings- erwachen"", die ein Kunstwerk ersten Ranges darstellt. Den zweiten Preis Frl. Steyrer für besonders gute Leistung, die noch höher einzuschätzen ist, da Frl. Steyrer noch im LehrverhÄtnis steht. Den drillen Preis erhiell Kolleg« V c i t für sein«„Phantasie a la Pierette", eine Frisur, die sehr groß« Anforderungen stellt. Zu beachten ist noch, daß Frl. Dackaus und Frl. Steyrer Mitglieder der Lehrlings- abteilung des Verbandes sind._ Achtung. Lommunale Sonserenzi Die für Frellag, 14. Januar, bereits angekündigte Kommunale Konferenz sindet an diesem Tag« nicht stall. Späterer Termin wird bekamitgegeben. Ilachkdleust in den Kassenombulaloriea. In unserer Milleilung in der Morgennummer vom ll. Januar muß der letzte Satz richtig wie folgt heißen: Alle Familienangehörigen und die Versicherten. die sich schon in Ambulatoriumsbehandlung befinden, haben die Möglichkest. jederzeit nächtliche Hilfe zu erhallen. Explosion ans der Bismarck-Hütte. KötügZhüLo. 11. Januar.(WTB.) Gestern nachmittag ereignete sich im Unterwert der Brsmarck-Hülle ein schweres Explosiv nsungluck. Von diesem Werk führen umerirdische Anschlußlöhren nach den Rütgerswerken, in denen säure- und gashallige Gewässer abgeführt werden. Nach Aussagen von Augenzeugen sollen diese Röhren un- dicht geworden sein, so daß durch den Zutritt von Lust eine Explosion herbeigeführt wurde. Insgesamt sind dabei IS Arbeiter ver- letzt worden, davon fünf schwer. Die in der Nähe siegenden Betriebe mußten eingestellt werden. Von der Dampfwalze zermalmt. Bad Oeynhausen, 11. Januar.(TU.) Al- die 12jährig« Tochter des Landwirts Brand auf dem Rade zur Schul« fuhr, glill sie, als sie «ine Dampfwalze überholen wollte, aus, und stürzte unter die Wolz«. pl» her sie buchstäblich zermalmt wurde. Klnobraud in Ztasieu. In einem Kinotheater inCosenza ist während einer Vorstellung im Borsührungsraum ein Brand aus- gebrochen. Da das Feuer rasch größere» Umfang annahm und aus die anliegenden Logen übergriff, entstand eine Panik. Mehrere Personen sprangen in ihrer Kopslosigkell aus den Logen in den Saal. ISPerfonen wurden verwundet. Das Feuer konille von Polizei und Feuerwehr gelöscht werden. Bon einem Löwen angefallen. Der Berliner Artist L a b e r o, der zurzeit im Zirkus Busch in Breslau auftritt, wurde während der Vorführung von Tierhypnoseexperimenten von einem Löwen on- gefallen. Das Tier sprang, kurz nachdem Labero die umgittert« Manege belleten Halle, aui den Dompteur und riß ihm mit seinen Pranken den rechten Arm auf. parteinachrkchten für Groß- S erlin SiafenbssgCB für diese ZwdrS find verli» SS 68. Liiide»ftr«ße 3, stet» a« da» Segtetoftbetartat 2. Hos, 1 Trep. recht», in richten. Iraneaveraufialtungea: 58.«dt. öadetiendm#. J>» chrooen werden sSeten, deute, Midrnoch. tZ Satuanv 7% Uir, in der AZueilunasversmirmiunz im Eotal„Sunt SiTöfenbadiwr". Wirde str. 10. aadlnetfi im erscheinen. Zuogsoziaksteu. Srnnve Pankow: che-tt«, Mittwoch, 12. Iannar, deteMgcn sich aUt Geaasten an den HaKlodenden der Partei in den Mständiaen Grunpen. Sterbetafel üer Groß-Serliuer partei-GrgaBifatioa l 8t.«di. griedeoan. Unser lanaiSbrifl« Genost« Will» 6 4 tt T J, ftrofi« 10, ist nersionden. Di« GinZscherunq ist dereit»«rforat. Sein Andenken wenden wir stet» in Cftten halten. Achtung. Genossinnen! Am Freitag, den 21. Zanuar. findet eine große FunktionSrinnen. Konferenz statt, wir bitten, diesen Tag bestimmt freizuhalten. * 5.*10» griedrichitzain.«eawtenwerbeanrschn ü: Donnerstog. 18. gannar, 8 Uhr. Gidun? de! TL-wer. Pmstaier Eck« Riaoer Strafte. Alle Beamten- aenosten mnsten erscheinen. Snmpakhisierende Baamte sind herzllchli will. kämmen. 18. Srei» Temxelftos. Mariendnrk, Marienfeld«, Lichienrade. Di« Gene Ifen werden«Ädeten. am Zreidaa, 14. Aanuar. 7S Uhr. in der Schulaula Ztaiserin-Anansta-Stnaft« mz Griindunaenersammluns der weltlichen Schul« recht zahlreich in erscheinen. 1». Srei» Pankow. Dvnnerstoa. 18. Januar.. 8 Uhr,»reisdrteaierten» nersammluna im Lokal Meier. Türkische» Zelt. Pankow. Breit« Str. 14. VoCUahliaes Erschewen ist i-i bedinat erforderlich. heute. Mittwoch. 12. Januar: 88. Abt. Tfy Uhr Zahlodend an bekannter Stalle. Thema sllr alle Bezirke: Wahl de» Ahieiinnasodrslande» und:.S» wird noch einmal furchtbar iaqen�. Bezirk 156:.Berfastuna-fraaen�. Referent Senost« isrante. B» iirke 18W und 188? bei Zhinius, Aochhannftr. 40. Bortnaa:.Wohlfahrt». rraibTant der Stadtaemei�e Berlin". Referent Stodtnanondnetar John. All« Genosten beachten M« Donner st«q.*undz«bung der Jraien Schul- »emeinie. 45. Abt. 714 Uhr Grunoennersammlunaen bei Minnich. Lautlfter Str. 44: Maischen,, sortier Str. 8: Li-biq. Wiener Str. 58: Wianiier?. Reichen- heraer Str. 104. Stallunanahme«rr Zienwahl der Ahteilunasleitnna. 78. Abt. SchSneterq. Uhr gahladend« in den bekannten Lo kellen. Wir erwarten»ahtretche? Erscheinen aller Genossinnen und Genossen. 81. Abt. Stealift. 8 Uhr Jahwbend in den bekannten. Lokalen. Erscheinen aller Mit-ilied, Uhr. Heute. Mittwoch. 12. Januar, abends 7� Uhr: Wedding: Jugendheim Lurembstrger Eck« Genier Straft«. Ah stamm ungs- lehre.— Kelmholftplaft: Schule Sberswalder Str. 10. ssunktionärnerkammlung. — Roscnthaler Borstadt: Schul« Gipsstr. 2Ze. Jehn-Minuten-Roferate War: „Was ist Sozialismus?""— Balte nploji: Jugendheim Rigaer Str. 108. Wo» bedeutet die Gruppe, und wie lall das Leben in einer Gruppe feint— Jfrank- fnrter Btertcl: JnncniHeim Ziigoer Str. 103. Religion und wir.— Peter»- bürge: Viertel: Jugendheim Ebsrinstr. 13. L-Hrlinaskragen.— varschauer C Uttel: Schul« Tilstter Str. 4. Geschichte der SRI.— Gtollher«Urt« JuocndKeim Reichenberger Str. 66. Jugendschtift und-rocht.— Tempelhnf: Ln.zeum Germaniastr. 4l6. Aus Gorkis Leben.— Zkriedrichsieide: Schul« Bm- liner Ecke Schloftstnaft«. Unsere Jugendschutiforterungen.— Ren» Lichtenberg: Brinz-Albert-Strafte. Was ist Marrismus? Werbebezirk Oberspeee: Jugendheim Niederschönoweibe, Schule Berliner Strafte 31. Siftuim der Funktionär« de» Weabedezirk». Tapesordnusg: 1. Wie werben wir neu« Mitglieder? 2. Neuwahl der Werbebezirksleituirg. Werbe bezirk«chöneberg: Der Bildungskurfu« beginnt nicht heute, sondern erst am IS. d. M. im Jwoendbeim chauptstr. 15. Sport. Mac Namaras 50. Sechstogerenuen! Heute abend um 10 Uhr«ird der alte Boxmeister Samson» Körner die in unserer gestrigen Morgenausgabe mitgeteilten 14 Paare des 18. Berliner Sechstagerennens mit dem Startschuß auf die lang« Reise schicken. Es war für die Renntettuna ein schweres Stück Arbeit, die 14 Mannschaften zusammenzustellen. und unmöglich, alle. Wünsche zu erfüllen. Die sportlich interessanteste Erscheinung ist der Australier Mac Namara, der jetzt sein 5 0. Sechstagerennen bestreitet und aus diesem Grunde eine besondere Ehrung durch die Direktion erfahren soll. Neunmal konnte sich dieser Mann mit den eisernen Nerven mit Sechstagelorbeer schmücken. In Mar Namara hat unser gegenwärtig bester deutscher Sechstagefahrer Oskar Tietz jetzt endlich einen Partner gefunden, wie man ihn"für den Berliner nicht besser finden kann. Vielleicht geiinot es ihm diesmal, an seinem 1923 im Sportpalast mit Bauer erfochtenen Siege anzuknüpfen. weltcrbcrtchl d« kssenilichen weUerdienstslelle für Berlin und Umgegend. «Nachdruck verEO Trübe und mild, onbalfenbe Niederschläge, frische Westwinde— Ittr Deutschland: Int Süden trocken, sonst Neigung zu Nieder- ichlägcn, im Osten eUonS wärmer. Äas Jagi ßer 25ar? tSpoH is/ Gesundheit- Josefii Juno ist Genie Jen/ iDes treffsichere Urfeil des Berliners zeigt sich in seiner Sportheg eisferung und in der Bevorzugung der Jos etti Juno Berlins meisfgerauchfer 4*3 Cigareife. NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN ]tei|Sen*3$ee MITTELMEERFAHR T 1927~*> mit O o p p c lic b r a u b e a 4 a m p f•» »LÜtZOW««7i« Brocto-Regi«ttr-Xooi * vom 13. Mai bis 30. 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Prompt sei darauf„von oben" die Weisung gekommen:.Fehlender Kesselstein ist sofort anzuschaffen". Nimmt man denn so etwas für bare Münze? Nein, nicht wahr? Aber der Andere hat's tatsächlich geglaubt. Doch wir sind etwas vom Wege abgekommen. Auch unser Münchener Kindl, das Wahrzeichen der alten, weltbekannten Zuban- Zigarettenfabrik, ist mit Dr. Ali Sabi, unserem Tabakdoktor, auf das Thema„Märchen" gekommen. „Tin muß ich Dir noch etwas erzählen", so spricht derA Ite.„Die heule besichtigten Lager bergen gute Durchschnittsware, die jedem meiner zahlreichen Kunden zur Verfügung steht, welche sie schrift- fich bestellen. Kaum haben sie die Sendung, dann geht stets ein Märchen- wetterzählen los. Sie berichten der Raucherwelt von romantischen Einkaufsreisen, von eigenen Einkaufshäusem und sie werfen mit Pochnamen um sich, als wären sie in den Tabak feldem geboren. Sei glüddich. liebes Kindt, daß die Zuban-Zigarettenfabrik mit golchen Finessen nicht zu arbeiten braucht. Die Zu ban-Zigarctten bergen wirklich Köstlichkeiten in sidv Übermorgen hären Sie mehr/ Die Geschmacksrichtungen der Raucher sind wandelbar wie die Zeiten. Wir gehen mit! Die leichten, süffig süßen Mischungen unserer Zigaretten sind Glanzstücke der heutigen Zigaretten-Her- stellungsarL Drum seien Sie nicht nur Lebenskünstler, sondern werden Sie Künstler des Gesdimacks! Rauchen Sie die 4 Pfg.-Zigarette Zuban iVr« 6! Waimmo•Theal. Wtiotesswis Täjl. 81/. Es war einmal In Heidelberg mit d. Schlagcrlied Ich hab'meinnerz in Heidelberg verloren Vorzeig. SOt>,.Berd. Graß. Berlin. Reichsverh. h. Aieing.»Der. Deutschlands Zur Bersainmiung sind eingeladen die Dertreter nom Bezirksamt NeukiRn und vom Bezirksamt Treptow Zeder rnud erscheine» k Bez.»Berb. Reurölla.Treptow i.A.- gez. Aorch, g«z. Staels. Kraollev- iimi Zterkekasse der im allgemeinen Verkehrswesen beschäftigten Personen und verw-andlen Berufsgenossen„Eintracht"(V. a. ö.) In Berlin. Einladung zur orhenllichcn Generalversammlung am Montag, hea 14. Februar, abends >/z8 Ahr, de! Kienitz, Renaler Stratzr 14, Eile Simon.Dach.Stratze, Tagesordnung: 1. Kesdiitsfs- und Nassenberichf vom Jahre 1926: 2 Wahlen für den Borsiand, den Aussichfsrai und dasEchiedsgericht; Z.Antran aus Aenderung der Satzung; 4 Berichiedcnes. Der Borstand. F A: K>. Fuhr Neue Berliner Genossenschafts- Bäckerei eine. Genossenschaft m. beschr. Haftpfl. Relnickendorf-Ost, Wilkestr. 62 Liquidation«-Eröffnungsbilanz am 22. Dezember 1926. Aktiva Kassa-Konto...... 371,30 M, Bank-Konto...... 214,40„ Effektcn-Konto..... 10„ Darlehen-Konto..... 29 237.50, Passiva Anteile der Genossen. Reservefonds-Konto.. Bilanz 29 823,30 M. 850— M. 5 385,10„ 6 235,10 M, 29 82330 M. 6 235,10. Aktiva.. Passiva.._ Vermögen. 23 588.20 M. Die Richtigkeit der vorstehenden Bilanz und deren Uebereinstimmung mit den ordnungsmäßig geführten Büchern bescheinigen. Berlin-Reinickendorf, d. 12. Januar 1927. Die Liquidatoren Karl Metzold Karl Schulz. Neue Berliner Genossenschafts- Bäckerei eine. Genossenschaft m. beschr. Haftpfl. Rclnlckendorf-Ost, Wilkestr. 62 Unsere Genossenschaft ist durch Oe- neralversammlungsbeschluß vom 19. Dezember 1926 aufgelöst Die Gläubiger werden hierdurch auf- geforde rt,ihreTorderungen einzureichen. Berlin-Rcinickendorf.d. 12. Januar 1927. Die Liquidatoren Karl Metzold Karl Schulz. BnMO Oft(üemeliioe- o. SiaaisaMer JflUaU:n aiu Einiiihrung dzw itrift? Innehalmng der 48 fiür.Dütcn Ardeuswochs zur Stiuibi. gu»a des Rlaiueltaiiies gezwungen. Zeig: durch oollzähiiges Erscheinen euren Willen, für die Erhaltung und den AuSdau des sozialen Ardeitsvertrage« zu iorgen! Net» dienstfreier darf dicher«äsaemlang serndletden! Xic Am Sonntag, den 9. Januar, oer» starb nach langem Leiden unser An- gestellter, Herr HmÜ Nitsch im Alter von 48 Jahren Stets unermüdlicher Fleiß und Pflichttreue sowie sein ausrichtiges und liebenswürdiges Wesen hatten ihm die Wertschätzung und Zuneigung aller erworben, die mit ihm zusammen tätig waren. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halfen. »er Vorstand und Angestellte dcrOrtskrankenkaste der Schlosser und verw. Gewerbe zu Berlin. Die Einäscherung flnhet am Frei- tag, den 14. Januar, nachmittags 4'/, Uhr. im Krematorium Gericht- straße 37/R statt Deiifote MetailarlieiteHeM Verwaltungsstelle Berlin. Am 5. Januar verflard plötzlich unser Mitglied, der Schlosser Karl Matull Die Bestattung findet am Donners, tag, den 18. Januar, nachm. I Uhr, auf dem Gemeindesriedhof in Oder- schöneweide statt. Am 9. Januar verstarb nach langem. schwerem Leiden unser Mitglied, der Kollege Html Nitsch Die Einäscherung findet am Frei- tan. den 14. Januar, nachm. 4'/z Uhr. im Krematorium Gerichtstr. 37/38 statt. Ehre ihrem Andeuten! Rege Bete-Iigung erwartet Vie Ort»vern»olkung. Anläßlich der Ueberführung, der Feier im Krematorium und der Bei- tetzung in Friedrichsfelde unseres lieben, guten Paters. Großvaters, Bruders und Onkels Fritz Zubeil sagen wir allen Parieigenoffinnen und Genossen, dem Reichsdanner. den Genossen Diltmann und Künftier und allen Behörden unseren herz» lichften Dank. Im Namen der Hinferdliebenen Franz isfa Lklhfe. geb. Zubeil als Tochter. Am Sonnlag. den 9 Januar, starb nach langer Krankheit meine liehe Frau, unsere liehe Tochter, Schwester und Schwägerin Hartha Klasen geb. Ebert im blühenden Alter von 80 Jahren In tiefer Trauer Ernst Klasen Patnllle Ebert Einäscherung Freitag, o U Januar. 51'. Uhr. im Krcmalorfum Gerichtstr Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme hei der Beerdigung meines liehen Mannes, unseres guten Baters AHretl Becker spreche ich den Mietern des Hauses, der Abt. iÄ der SPD., dem Reichs- banner und seinen Kollegen vom Lederarbeiterverband, wie vor allem Herrn Dr. Schütte für seine trostreiche« und lieben Worte auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Anns Becker unä kinäer. Für die überaus zahlreiäien Beweise herzlicher Anteilnahme bei der Ein- äscherung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, des früheren Borwärtsangestestten Karl Klein wrechen wir auf diesem Wege allen Perwandten, Freunden und Be- kannten, weiter aud> den Parteigenossen der 5. Adleilung sowie oem gesamten Borwärtsdetried. ganz de- sonder» oder dem Parteivorsttzende» und Genossen Wels für feine so eingehend und herzlich gebrachten Se- denkworle unseren innigsten Dank aus. WHwa Lina Klein und Kinder. �iM�i��l�iH�IHf��i�� Soeben erschien: Lpatherbstblüten lllllllilllilllllllUIIIIIIIIIIHIUIIiilllliniMIHIIIillllillll von Aöolph fioffmann gereimte u. ungereimte Lebensbilder enthält; Novellen: In höheren Regionen, Luttdrama. Torturen, Eine moderne Justiztragödie. Gereimte Lebens bilder. Ernste und heitere Gedichte aus dem Leben Illustriert von Willi Steinen 6 Vollbilder und das Porträt des Verlassers mit Faksimile fjahüd- umsbild). 94 Seiten, eleg. cor ton. Preis M. 1£0(Porto 10 Pf.) Zu beziehen durch den Verfasser Berlin 0(7, Koppenstr. 6 11, und durch adle Vorwärts-Ausgaire- si eilen Drehrollenteschke. Leistungsfähigste Spezialfabrik. Rollenwandlung 200,—. Rasenthalerstraße 26.* Bekieidungsslüche. Wasche usw Wenig getragene Frockanzüge. Sm». kinganzüge. Gehrockanzüge, Iackettan- züge. Rockpaletots, Entaway-Anzüge. Taillenmäntel, für jede Figur passend, Spezialität: Bauchanzüge, spottbillig. Salvern. Rosenihalerstr. 4. erste Etage. 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Die Kommission bestand aus den Genossen: Otto Braun, Dr. Baade, Dr. David, Everling- Hamburg, G e n t n e r- Pegnitz, Dr. Hagemann- Osna- brück, Dr. Hilferding, Krüger» Lüneburg, Dr. L i p- s ch i tz- Hannover, Peters- Hochbann, Silberschmidt, Georg Schmidt, Wittich- Frankfurt a. M. Genossin Dr. Helene Simon, die ebenfalls in die Kommission be- rufen war, war verhindert, das Mandat auszuüben. Zum Vorsitzenden der Agrarkommission wurde Genosse Dr. Hilferding, zum stellvertretenden Vorsitzenden Genosse Krüger, zum Schriftführer Genosse Dr. Baade ernannt. Beim Zusammentritt der Kommission wurde von den Genossen Hilferding, Krüger und Baade ein Vorentwurf vor- gelegt, der als Grundlage der Verhandlungen diente. Nach eingehenden Beratungen hat die Agrarkommission den Ent- wurf des Agrarprogramms in der Form oerabschiedet, in der er hiermit der Oeffentlichkeit unterbreitet wird. Ertrages der Volkswirtschaft durch Wissenschaft und Tech Die Steigerung des. stets gesteigerte Anwendung von Wissenschaft und Technik ist das gemeinsame Interesse des arbeitenden Volkes in Stadt und Land. I n d e r I n d u st r i e hat der Kapitalismus durch die Vergesellschaftung des Arbeitsprozesses im Großbetrieb und die Ausschaltung rückständiger Betriebsformen ein stän- diges und rasches Wachstum der Produktionskräfte bewirkt. Auch in der Landwirtschaft hat der Kapitalismus die ländlichen Verhältnisse von Grund aus revolutioniert. Er hat die Bindungen und Fesseln des Feudalismus größtenteils beseitigt. Er bat den alten Zusammenhang zwischen gewerb- licher und landwirtschaftlicher Arbeit zerrissen und die länd- lichen Betriebe in den Marktzusammenhang oerflochten. Durch die Erschließung des Bodenreichtums in den entferntesten überseeischen Gebieten und durch die Entwicklung wachsender Märkte für die Produktion der intensiven Landwirtschaft in den europäischen Industriestaaten hat die landwirtschaftliche Veredelungsproduktion eine wachsende Bedeutung gewonnen. Das Handels- und Bankkapital haben einen großen Teil des landwirtschaftlichen Ertrages an sich gerissen. Technik und Wissenschaft haben Jahrhunderte alte Betriebsweisen der Landwirtschaft umgewälzt. Aber der Kapitalismus läßt anders wie in der In- dustrie die Eigentumsverhältnisse und Unter- nehmungsgrößen in der Landwirtschaft bestehen. Die natürliche Begrenzung des fruchtbaren Bodens und die Un- Möglichkeit, die landwirtschaftliche Erzeugung auf gegebener Fläche unbegrenzt zu steigern, erklärt es, daß in der Land- Wirtschaft im Gegensatz zur Industrie auch rückständige Be- triebe neben vorgeschrittenen erhalten bleiben können. In viel geringerem Maße als in den industriellen Betrieben er- zwingen die kapitalistischen Marktgesetze den technischen und organisatorischen Fortschritt der landwirtschaftlichen Pro- duktion. So muß an Stelle der Marktregelung die bewußte Einwirkung der Gesellschaft und ihrer Organe aus die Stet- gerung und Intensivierung der landwirt- schaftlichen Produktion treten. l. Bodenreform. Di« Gewalt des Eroberers und die politisch« Macht der Herren- klasse haben die Grundeigentumsverhältnisse gestaltet. Namentlich im Osten und Norden Deutschlands haben die Grundherren unter Führung ihrer Herrscherhäuser sich durch Raub am Bauern- l a n d für die Aufhebung der Hörigkeit schadlos gehalten. Während in den Gegenden überwiegend bäuerlichen Besitzes die bäuerlichen Produzenten an Bodenmangel leiden und Parzellenbetriebe nicht bis zur Größe einer ausreichenden Ackernahrung ausgestaltet werden können, läßt der Latifundien, und Großgrundbesitz andere Teile Deutschlands entvölkert. Sein Monopol sperrt den ländlichen Produ- zenten, den Bauernsöhnen und Landarbeitern den freien Zutritt zum Grund und Boden. Aus Gründen der Produktions- wie der Bevölkerungspolitik fordert deshalb die Sozialdemokratie«ine grundlegende Aenderung der Grundeigentumsverhältniss«,«in« planmäßige Boden- r e f o r m. Diese muß die heute bestehenden Abhängigkeitsverhältnisse von Grund auf besÄtigen, die sich aus dem Lande durch die jähr- hundertelang andauernde Unterwerfung der Landbevölkerung unter das Joch des Großgrundeigentums entwickelt haben. Wir fordern daher die Beseitigung des auf Raub und Rechtsbruch zurückgehenden herreneigen.tums, das weit« und fruchtbare Strecken des deutschen Bodens mit Beschlag belegt hat. Wir verlangen eine Boden- und Wirtschaftspolitik, die die schädlichen Wirtungen dieses privaten Bodenmonopols beseitigt, und die auch den kleinen und mittelbäuerlichen Betrieben genügende Lebensbedingungen sichert. 1. Zu diesem Zweck oerlangen wir nicht nur die formelle, sondern auch die tatsächliche Beseitigung der Fidei- k o m m i s s« und ähnlicher Landansammlungen in der Hand«in- zelner Familien. Wir fordern weiter, daß die landwirtschaftlichen Großbesitzungen, welch« eine nach den örtlichen Verhältnissen zu be- messend« optimal«, d. h. die volkswirtschaftlich angemessen« Betriebs- große überschreiten— für den deutschen Osten etwa 150 Hektar—, den überschießenden Teil an das Reich gegen«ine Ent- schädigung abzutreten haben, welche nach dem Steuerwert der Grundstücke zu berechnen ist. 2. Waldbe stände über UX) Hektar sind nach denselben Grundsätzen an das Reich abzutreten, das über ihr« Bewirtschaftung endgültig entscheidet. "3. Bei der Verwertung der dem Reich nach Nr. 1 zufallenden Ländereien sind in erster Linie die Bedürfnisse der Sied- l u n g in ihren verschiedenen Formen zu berücksichtigen: Land- wirtschaftliche Neusiedlung, Anliegersiedlung, Gartensiedlung, heim- statten- und Pachtland für landwirtschaftliche Arbeiter und landlose GememdearigehLrig«. Die bisherigen bäuerlichen Wirtschaften sind in ihrem Bestände zu schützen. 4. Auch außerhalb der Enteignung des Großgrundbesitzes ist die Siedlung in allen diesen Formen unter Schaffung lebensfähiger Betriebsgrößen überall mit Nachdruck zu fördern, wo die Voraussetzungen für«in« Steigerung der Produktivität ge- geben sind.., � � Die Siedlung ist besonders in den Gebieten des überwiegenden Großgrundbesitzes durchzuführen. S. Bei der Verwertung des reich-eigenen Bodens(Nr. 3) und bei dT sonstigen Siedlung bezirk« öffentliche unentgeltliche Rechtsberatungsstellen zu schaffen. »» Zum Kampf um diese Forderungen ruft die Sozialdemo- tratifche Partei alle Arbeitenden auf dem Lande auf, um im Derew mit den arbesfenden Massen der Städte die Fesseln zu sprengen, in die sie Feudalismus und Kapitalismus(Groß- grundbesitz und Großkapital) geschlagen haben. Eine tiefe I n t er e s se n so l i d a ri t ä t verbindet die Arbei- terschaft mit den selb st arbeitenden Bauern. Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft bedeutet der Kampf um die Demokratie für die Bauernschaft die Selbstverwaltung des Dorfes, die Beseitigung der Gutsbezirke, die Verwandlung des Herrschaftsstaates der Grundherren und Kapitalisten in den Wohlfahrts- und Kulturstaat der Arbeiter und Bauern. Die Hebung der Lebenshaltung der industriellen Arbeiter, ihre Sicherung gegen Verelendung durch KrankheU und Alter zieht die Erhöhung der nur allzu gedrückten Lage der kleinbäuer- lichen Bevölkerung nach sich. Die Steigerung der Kaufkraft der Industriearbeiter erhöht die Nachfrage nach den wichtigsten Produkten der bäuerlichen Betriebe und sichert ihnen Absatz und besseren Ertrag. Der Sieg der arbeitenden Massen in Stadt und Land unterwirst Großgrundbesitz und Großkapital der Herrschaft der Gesellschaft und befreit die Landwirtchaft von der Unsicherheit und den Wechselfällen des Marktes und der Spekulation. Weit entfernt davon, den Bauern von seiner Scholle zu verdrängen oder sein Eigentum konfiszieren zu wollen, sichert die sozialistische Gesellschaft den bäuerlichen Massen ihr Eigentum und ihre Arbeitsstätte. Ihr Kampf gilt dem Herreneigentum der Großgrundbesitzer, nicht dem Ar- beitseigentum der Bauern und Landarbeiter. Sie beseitigt die Ausbeutung durch das Handels- und Bankkapital und stellt die ungeheure Macht der Gesellschaft bewußt und plan- mäßig in den Dienst der Steigerung der materiellen und geistigen Bedürfnisse der arbeitenden Masse in Stadt und Land. Durchdrungen von dieser Erkenntnis der Interessen- gemeinfchaft, die alle Arbeitenden im Kampfe gegen die Profit- Wirtschaft verbindet, erblickt die Sozialdemokratie in der Eingliederung der ländlichen Massen in ihre Reihen eine ihrer dringendsten Aufgaben: denn diese Ver- einigung beschleunigt den Sieg und macht ihn zu unumstöß- lichen Gewißheit. Der Darmat-prozeß. Barmat durch kaiserliche Behörden nach Deutschland geholt.- Seine Lieferungen während des Krieges. Im weiteren Verlauf semer Vernehmung vor dem Gericht schildert Julius Barmat, wie zu Beginn des Krieges der Direktor der Kruppschen Wohnstattenverwaltung sich an ihn gewandt und um Lieferung von Lebensmitteln ge- beten habe. Wegen seiner Lebensmistelsendungen nach Deutschland sei die Firma 1915 auf die schwarze Liste der Entente gekommen: im Jahre 1916 Hab« er die Amexima, nämlich die Amsterdamsche Export- und Impori-Maatschappij gegründet, die ebenfalls wegen ihrer Beziehungen zu Deutschland auf die schwarze Liste der Entente kam. Im Jahre 1917 sei er dann von dem holländischen sozialistffchen Deputierten Troelstra aufgefordert worden, mit in die Ukraine zu fahren, um für Holland Getreide zu besorgen. Bei den Verhandlungen über die Durchfuhr der Güter durch Deutsch- land sei er mit dem Gesandten v. Rosenberg in Berührung ge- kommen, und seit dieser Zeit habe ihn die Gesandtschast und die Deutsche Pressestelle gebeten, deutschlandsreundliche Artikel in die holländische Presse zu lancieren, da die Stimmung damals drüben sehr schlecht gewesen sei. Professor Brinkmann habe chn dann mehrmals eingeladen, nach Deutschlaud zu kommen, und er Hab« dieser Aufforderung seinerseits 1917 Folge geleistet. Vom Jahre 1919 habe er dann in großem Umfange Lebensmittel nach Deutsch- land geliefert. Das Geld für die Waren wurde 12 Monate bei der Kommerzbank für ihn durch die Regierung angesammelt, und erst dann habe er frei oerfügen dürfen. Er sei der erste Mensch gewesen, der Deutschland damals einen Kredit eingeräumt habe. ivors. Bei dieser zwölfmonatigen Wartezeit müssen Sie doch viel Geld verloren haben? Angekl.: Eigentlich nicht, denn ich habe mich wieder bei meinen Lieferanten gedeckt. Weiter schildert Barmat, daß er damals bereits eiu Permögen von fast 3 Mi Manen holländischen Gulden besessen habe und Filialen in New Port, Berlin und Wien unter- hielt. Zu jener Zeit habe sich auch die„Doma" an ihn gewandt mit dem Ersuchen, ihr Devisen zu verschaffen. Er habe ihr etwa 400 000 bis 500 000 Gulden vorgeschossen und die Markbeträae dafür bei her Reichsbant diskontieren lassen. Damals Hab« er selbst noch größere Markbeträge gekauft. Sein Vermögen habe ssch im Jahre 1923 auf etwa 314 Millionen Gulden belaufen, bestehend aus Häusern, Warenbeständen und Bargeld. Vors.: Hoben Sie an den Markbeträgen verloren? Angekl.: Ja, ich habe etwa 250 000 Gulden an der Mark verloren. Vors.: Hoben Sie denn min� von Ihrem Vermögen auch etwas nach Deutschland gebracht? Zulius Barmat: Jawohl. Die Anklage behauptet zwar, ich hätte nur einmal 8000 englische Pfund nach Deutschland gebracht, aber ich kann eine Be- scheinigung von den Grenzbehörden beibringen, daß ich 30 000 Dollar, 10 000 Pfund und 30 000 Gulden mitgebracht habe. Ich bin nicht nach Deuffchland gekommen, um hier Geld zu suchen, wie die Anklagebehörde es behauptet. Vors.: Wie sind Sie denn mm an die Preußische Staatsbant gekommen? Julius Barmat: Durch Bauer und Gradnauer im Jahre 1923. Vors.: Mich interessieren nicht Ihre persönlichen Beziehungen, sondern nur aus welchen sachlichen Gründen Sie zur Staatsbank ge- kommen sind. Barmal: In Verbindung mit meinen Beziehungen zur Reichsbank. Die eigentliche Vernehmung über die Geschäste mst der Staatsbank und die sonstigen Anklagepunkte wurde dann bis zum Einstitt der Verhandlung über die einzelnen Kapitel der Anklage zurück- gestellt. Henry Barmal schildert seinen Lebenslaus dahin, daß er Volks- chulbildung genossen und sein« Vorbereitungen für das Gymnasium päter nicht beendet habe, weil er 1911 nach Holland ging. Bei einem Bruder in Holland war er dann als Angestellter, kurz vor dem Krieg ging er nach Rußland zurück und mußte dann infolge des Krieges dort bleiben, bis er erst im Jahre 1919 wieder nach Holland zu seinem Bruder kam. Der nächst« Angeklagt«, Slonske, der Geschästsführer der Amexima in Berlin, ist 1894 in Kolberg geboren, ging mit 20 Jahren nach Homburg, wo er Korrespondent wurde. Durch einen Angestellten der Amexima namens Spiegel sei er 1922 in die Berliner Filiale gekommen und wurde ein Jahr später dort Geschästsführer. Oberfinanzrat Dr. hellwig gab bei seiner Vernehmung an, daß er 1885 in Boyern geboren sei und nach Vollendung seiner Studien im August 1913 in das Justizministerium gekommen sei, wo er in der Fideikommißabteiluno tätig war. Nach Beendigung des Krieges wurde er im Januar 1919 Amtsrichter in Charlostenburg, wo er vier Monate blieb. Dann trat er in das Justizministerium zurück und blieb dort bis März 1921. Dann kam er zur Seehandlung. Der Angeklagte Abgeordnet« Lcmge-Hegermcmn bekundete bei seiner Vernehmung, daß er zunächst in seiner Heimat Bottrop das Schneiderhandwerk erlernt und dann die kaufmännische Karriere eingeschlagen habe, um später das elterliche Tuchgeschäst zu übernehmen. Im Kriege habe er von der Handwerkskammer Münster große Aufträge erhalten. Nachdem er bereits 1911 in den Stadtrat und 1915 in den Kreistag gewählt worden sei, sei 1920 seine erste Wahl in den Reichstag erfolgt, nachdem er 1919 auf der Z e n- t r u m s l i st e erfolglos für den Preußischen Landtag kandidierte. 1924 sei er dann für den Wahlkreis Westfalen-Rord von neuem in den Reichstag gekommen, sei jedoch nicht im Vorstand der Zentrums- fraltion gewesen. Sein Vermögen habe sich am 1. Januar 1924 bei vorsichtiger� Schätzung auf 750 000 Galdmark belaufen. Was seine Immunität betreffe, so habe er der Staatsanwaltschaft seiner- zest selbst erklärt, daß er die Aufhebung der Immunität von sich aus beantragen werde, wenn sich das als notwendig erweisen sollte. Er beanspruche die Immunstät nicht als Schutz für sich. Während sich die Vernehmung der Angeklagten Alfred und Hugo Staub sowie Rabbinowitz kurz und unwesentlich gestaltete, verlief dos Verhör der Versichcrungsdirektoren Walther und Hahlo ziemlich dramatisch und aussehenerregend. Generaldirektor walther. der dem Lloydkonzern angehört, oerbrestete sich über seine Tätigkest in der Verstcherungsbranche und über die Gründung der Allge» meinen Garantiebcmk im Jahre 1921, um dann sehr erregt, mit der Faust auf den Tisch schlagend, zu erklären: Gegen mich ist keine Voruntersuchung geführt worden, wäre es der Fall gewesen, meine Herren, dann stände ich jetzt nicht hier.(Bewegung im Saal.) Bersicherungsdirektor hahlo bekundete, daß er in Amerika und Deuffchland, später auch in Wien als Bersicherungsdirektor tätig gewesen sei, daß man ihn in Oesterreich zum Handelsrichter und kaiserlichen Rat gewählt habe. Bon Wien habe man ihn nach Berlin zurückgerufen, und im Oktober 1924> vier Wochen vor der Katastrophe im Barmat-Konzern, sei er in den Borstand der Sarantiebank eingetreten. Der Angeklagte macht dann eingehende Ausführungen zu den ihm zur Last gelegten Tatbeständen und er- klärt zum Schluß: Jeder rechtlich empfindende Mensch wird mit m:? fühlen, wenn ich jetzt nach vierzigjähriger Tätigkeit diese moralffche und finanzielle Niederlage erleben muß. Ich habe die Einleitung einer Voruntersuchung gegen mich be- antragt, der Staatsanwalt hat sie aber abgelehnt, weil ich nicht eines Verbrechens, sondern eines Vergehens schuldig sei. also keinen Anspruch aus Voruntersuchung hätte. (Große Bewegung im Saal.) Dann wurde noch der letzte der An- geklagten, der Finanzoberkontrolleur Stachel, vernommen. Der Angeklagte stammt aus Ostpreußen und wurde 1920 von Soldau nach Bentheim versetzt, wo er als Zeichen des Vertrauens seiner Behörde der selbständige Leiter der Personalabsertigung wurde. Den Hauptangeklagten Barmat hat Stachel 1923 kennengelernt. Damst war die Vernehmung der Angeklagten zur Person vor� läufig erledigt. Die Angeklagten, die nicht direkt benötigt werden. wurden bis auf westeres entlassen, müssen sich jedoch zur Verfügung des Gerichts halten. Der Vorsitzende vertagte die Verhandlung bis Donnerstag morgen und teilte mit, daß zunächst das erste Kapitel der Anklage,„Die Staatsbank", erledigt wird. Hierzu soll der Sachverständige Soldat gehört werden, während Zeugen vor» ausstchtlich nicht in Frage kommen. Zu diesem Punkt der Anklag« werden sich nacheinander die Angeschuldigten Hellwig und Julius Barmat zu äußern haben._ vortrage, vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin El«. Eelx-stinnstr. ZT'Z«. Sok i St. S1 Wint-rsportabtril-na: ffr., d. 14., 8 Uhr, WeNbevercammluna mit Vostiihrun« von Wintersvortfilmen im Logenheim Ioswstr. 4. Eck« Neue ÄBninftrcfte.— Stcinotlen: Do., d. 13., 8 Uhr, V-Ilversammluna im Artushof.— Prenzlauer®crq: Do., i. 13.. Namevndfilxlft ffallc. Milastr. s. ffr.. d. 14.. Simurmrvlah bei Post. Etaraarber Eck« Lochcner Stooftt. Wärthor Pteft bei Pfefferbura, Prcnzlcuct Alle» 126.— ffrtedrichshain: Do., d. 1Z„ 7H Uhr, Schulaula Diestelmenerstr. 44 Uhr. 7. Sektion bei Nostin. Meinrtor Strofit. Di« Turn- und Sportabend« finden pon jeht ab wieder rrarlmähia statt und zwar jeden ffroitaa von -48—'410 Uhr in der Turnhallc Memeler Str. 24/2S.— Charlottonbur?.: Käme. rädschaft ffov Do., d. 13.. Bersammlunq bei Arndt,«anlstrabe.—«Speni-t: ffr.. d. 14.. 8 Uhr, stameradschaftsversaunnlunn im Etadttheoter. Neuwahl des Vorstandes.- S«rm,dors: ffr., d. 14.. 8 Uhr, Generolversammlun« mit Lichtbildervortraq des Kameraden Bütrr bei BBr.ifi, Bismarckstr. 18. An» aehöriae zum ffilmvortraa willkommen.— ffriedrichshain: Do., d. 13.. 8 Uhr, bei Rostin. Memeler Strohe, engere Borstandssthun«.— Tegel: ffr.. d. 14, 8 Uhr, im Alten Brua, vouptstr. 14, Versammlung. Vortrag des flameraden stornemann über Wilhe-lm II.— Erkner: Do., d. 13.. 8 Uhr. Mitol.-Vers im Gefellschaftshaus bei Barbe mit Lichtbilbeivortrilgen. Angehitriq« unserer Mit- alieder sowie die Mitglieder der Ortsvrreine des Unterkreifcs Erkner stnd willkommen._ Sumboldt- Sachschule. Esperanto knrsu« fstr Anfänger(6-4—8 Uhr) Esperanto kursus für ffortc-eschrittene(8V4— 964 Uhr). Beginn ffreitag. 14. Januar, Dorotheenstr. 12 IBursusIeiter Dir. 3. Glück). Berliner Santwerkerveeein. SopHienftr. 18. Mittwoch, 12. Januar, 8 Uhr. Lichtbild orportoaa des Sonderberichterstatters fstr Skandinavien P. Berendt: „Die vier skandinavischen Reich« in Natur und Geisteswelt". Arbeiter.Bnnst, gemeinnühiges loizales Unternehmen..Di« Stellung der Jugend zur Seiualmoral". lleber dieses Thema spricht Rud. ffifcher Donners. tag. 13. Januar, 7(4 Uhr. in der Schule Weinmeistersstahe. Verein der ffreidenker für ffeuerbestattn»«, Steglih. Am Donnerstag. 13. Jommr. 7(4 Uhr, in der Realfchule fftorastrohe Vortrag des Genossen Dr. Dunler über.Die Religisnsfvoge in der Entwicklung der Arbeiterparteien". ffilehner Landsmannschaft zu Berlin. Donnerstag. 13. Januar, 8 Uhr, Joels Veveinshaus. Dranienstr. 36. Gäste willkommen. Geschäftliche Mitteilungen. 8«r AnfNSrnngl Maggi ist keine allgemein« Warenbezeichnung, hrndem der Name de, Begründers der Maggi-Sesellschaft und«ine gesehlich geschürte ffadrikmarke für Maqqi,Erzeuqniss«: Maams Würz« in fflaschen. Magais Suppen in Würfeln. Maggis ffleischbrühwürfel. Dies« stnd inrr»cht, wenn st« den Namen Maggi tragen. �ikATi Halurücheb 1«neroiABSsa- Tm Haustrinkkuren he- CItftt. RiieuDiaiisiuaj ZntHer Nieren. Blasen. DantleiiScn(Barnsiare). Arteiiea- tei käiknnü. Fraaea'.eidsn Haüealeiäen m Man betrage üen Hausarzt. Erha.lt lieh in MineralwasserhAndlnngen. Apotheken u. Dro�'rien sowie in Be-lln bei der Veisandstelie der Siaatscuellea Fachingen u. Niederselters. Be/lin 9W. Il, Öchönebenaer btr.lSa. T Lützow 8260i61 H» unnenschiltten durch das FachlngerZentralbüro,B8rll.i W.GB.Wlinelmstr 55. Mittwoch 12. Januar 1927 Unterhaltung unö �Vtssen Sellage des vorwärts Moti Guüsth, öer Meuterer. Von Rudyard Kipling. (Fortsetzung und Schluß.) �Keine Widerrede, du Schwein aus dem Urwald!" crmahnte ihn Deesa.„Chihun ist jetzt dein Mahout für zehn Tage. Und nun, Tier meines Herzens, sage mir Lebewohl! O du mein Herr, mein König! Perle aller erschaffenen Elefanten! Du Lilie der Herde, bleibe gesund und sei tugendhast! Gott befohlen!" Moti Gudsch schlang als Antwort seinen Rüssel um Deesa und schwenkte ihn zweimal durch die Lust. »Letzt wird er arbeiten," sagte Deesa zu dem Pflanzer.»Darf ich gehen?" Der Pflanzer nickte, und Deesa verschwand im Gehölz. Moti Gudsch ging zurück an seine Arbeit.-- Chihun behandelte ihn gut, aber er fühlte sich dennoch Unglück- lich und verlassen— Chihun gab ihm Numpenweise Gewürze, kitzelte ihn unter dem Kinn, Chihuns Baby umschmeichelte ihn nach der Arbeit, Chihuns Weib nannte ihn»Herzenskind", aber Moti Gudsch war der geborene Hagestolz, genau wie Deesa, und Familienzärtlichkciten lagen ihm nicht. Er sehnte sich nach dem Licht seiner Welt, nach einem Labetrunk, nach dem Schlummer der Trunkenheit, nach den wilden Hieben und den wilden Liebkosungen. Dennoch arbeitete er zu des Pflanzers größter Verwunderung. Deesa war indessen auf den Landstraßen umhergestrolcht, bis er einer Hochzeitsprozession von Leuten seiner eigenen Kaste begegnet war und über Trinken, Tanzen und Schwelgen die Zeit vergaß. Der Morgen des elften Tages brach an, und noch immer ließ er sich in der Plantage nicht sehen.-- Man löste die Stricke von Moti Gudsch, damit er an seine Arbeit gehe; er schüttelte sie ab, blickte umher, zuckte die Achseln und ging fort, wie jemand, der anderswo zu tun hat. »Hi! Ho! Komme zurück, du!" schrie Chihun.»Hierher, du ungestalteter Berg, und hebe mich auf deinen Nacken! Hier komm her, o Glanz des Hügelgelandes. Zierde von ganz Indien, kehre um, oder ich hau dir jede Zehe ab von deinen fetten Borderfllßen!" Moti Gudsch gurgelte höflich, dachte aber nicht im entferntesten daran, zu gehorchen. Chihun lief ihm nach und fing ihn mit einem Strick ein. Moti Gudsch breitete die Ohren aus wie Schirme. Chihun erkannte daraus, wieviel die Glocke geschlagen hatte, und oersuchte es deshalb mit hochtrabenden Worten: »Erlaube dir keine frechen Späße mit mir! Marsch jetzt in deine Abteilung, du Teufelssohn!" »Hrrump!" entgegnete Moti Gudsch. Das war die ganze Ant- mort. Das und das Ausbreiten der Ohren. Dann steckte Moti Gudsch die Hände in die Taschen, taute einen Baumzweig als Zahn- stocher, schlenderte auf der Plantage umher und verhöhnte die anderen Elefanten, die bereits an ihre Arbest gegangen waren. Chihun meldete dem Pflanzer den Stand der Dinge, worauf dieser sich sofort auf den Schauplatz begab und wütend mit der Hundepettsche knallte. Moti Gudsch erwies dem weißen Mann sogleich die Chre, ihn eine Biertelmeil« weit auf der Ausholzung in den Lüften umher- zuschwenken und ihn dann in seine Beranda zu„hrrumpen". So- dann stellte er sich vor das Haus, wiegte sich erheitert hin und her und gluckste spaßhaft in sich hinein, wie das min einmal Elefanten- ort ist. »Wir werden ihn oerhauen, wie noch nie ein Elefant verhauen worden ist!" schimpfte der Pflanzer..»Man gebe Kala Nag und Nazim je eine zwölf Fuß lange Kette: sie sollen ihm damit zwanzig Schläge geben." Kala Nag— was soviel heißt wie»Schwarze Schlange"— und Nazim waren zwei der größten Elefanten aus der Herde, und eine ihrer Obliegenheiten bestand darin, die schwereren Strafen auszuteilen, denn ein Mann ist nicht imstande, einen Elefanten zweckentsprechend zu verprügeln. Sie traten pflichtgemäß an, nahmen die Peitschketten, rasselten sie in ihre Rüssel hinein und schritten auf Moti Gudsch zu, um ihn ?n die Mitte zu nehmen. Nun war Moti Gudsch während seines neununddreißigjährigen Lebens noch nie geprügelt worden und neuen Erfahrungen abhold. Er wartete kalten Blutes, wiegte den Kopf von rechts nach links und erwog genau, an welcher Stelle in Kala Nags fetter Flanke wohl ein Stoßzahn am tiefsten eindringen könnte. Kala Nag selbst besaß keine Zähne mehr: nur die Kette war das Abzeichen seiner Amtswürde,— er zog es deshalb vor, noch im letzten Augenblick möglichst weit von Moti' Gudsch abzurücken und so zu tun. als habe er die Kette lediglich zu seinem Vergnügen mitgebracht. Auch Nazün drehte sich auf dem Absatz um und strebte nach Hause;— zum Prügeln fühlte er sich an diesem Morgen nicht aufgelegt. Und so blieb Moti Gudsch allein auf dem Platz zurück, die Ohren wie Schirme ausgebreitet. Das bestimmte den Pflanzer, klein beizugeben, denn mtt einem Elefanten, der nicht arbeiten mag und überdies nicht angebunden ist, kann man nicht so leicht fertig werden. Moti Gudsch trollte sich, um die Pflanzung in Augenschein zu nehmen, klatschte seinen alten Kameraden leutselig aus den Rücken und fragte sie spöttisch, ob das Baumstümpfeausreißen auch gut von statten gehe, redete dann aller- Hand Unsinn über die Arbeit an sich und über das Recht der Ele- fönten auf eine lang« Mittagspause,— kurz, er demoralisierte, von einem zum anderen gehend und bis zum Sonnenuntergang auf- rührerifche Ansprachen haltend, die ganze Plantage, worauf er sich zu den Futtertrögcn verfügte. „Wenn du nicht arbeiten willst, dann sollst du auch nicht essen," sagte Chihun ärgerlich...Du btft ein wilder Elefant, schäme dich! Du bist überhaupt kein gebildetes Tier. Geh in dein Dschungel zurück!" Da kroch Chihuns kleines, braunes Baby aus der Hütte heraus und reckte die fetten Aermchen nach dem ungeheuren Elefantenschatten vor der Türe.— Moti Gudsch wußte ganz genau, daß es Chihun das Liebste auf der Welt war: deshalb macht««r mit dem Rüssel«inen einladenden Haken, und sofort stürzte sich das Kleine mit einem Jauchzen darauf. Moti Gudsch hob es sofort zwölf Fuß hoch in die Luft über den Kopf seines Baters, wo es laut zu krähen begann. „Großer Häuptling!" schrie Chihun entsetzt,„die allerbesten Mehl- kuchen, zwölf an der Zahl, und zwei Fuß breit und in Rum ein- geweicht will ich dir auf der Stell« geben und zweihundert Pfund srsschgeschnittenes Zuckerrohr dazu, nur geruhe in Gnaden, diesen wertlose» Knirps, der mein Herz und mein Leben ist, wieder sicher niederzusetzen!" Moti Gudsch senkte das braun« Baby behutsam zwischen seine xjeflgen Borderfüße hinab, mit denen er Chihuns ganze Hütte spielend in Brei hätte oerwandeln können, und wartete auf das oer- auf den andern und mit langen gebrummten Selbstgesprächen verbracht. sprachen« Futter.— Fraß es.— Das braune Baby krabbelt« von hinnen. Dann überließ sich Moti Gudsch dem Schlummer und träumte von Deesa. Eins der vielen Rätsel, die den Elefanten umgeben, ist, daß sein ungeheurer Körper fast keines Schlafes bedarf. Vier oder fünf Domela. .Das hätten die Leute doch gleich erkennen müssen, das} der nicht mein Zunge war! Mein Zunge hätte sich doch nicht so intelligent angestellt!" Stunden genügen— zwei vor Mitternacht liegt er aus der einen Seite und zwei nach«in Uhr auf der andern.— Der Rest der stillen Stunden wird mit Fressen, mit Hin- und Hertreten von einem Fuß Um Mitternacht nun schritt Moti Gudsch aus seinem Abteil heraus, denn es war ihm der Gedanke gekommen, Deesa könne möglicherweis« irgendwo im dunkeln Walde herumliegen ohne Schutz und Bewachung. Deshalb jagte er die ganz« Nacht schnaubend und trompetend und die Ohren schüttelnd durch dos Unterholz. Ging hinunter an den Fluß und gab Trompetensignale über die Furt hin- über, wo Deesa zu waschen pflegt«: aber kein« Antwort kam zurück. Er konnte Deesa nirgends erblicken, hingegen wachten alle Elefanten der Herde auf. und«ine Zigeunerbande floh in wildem Entsetzen. In der Morgendämmerung erschien endlich Deesa auf der Plantage. Er war schwer bezecht und sah seiner Bestrafung mit Fassung entgegen: er wußte gar wohl, daß er seinen Urlaub über- schritten hatte, und atmete befreit auf, als er sah, daß das Bungalow und die Pflanzung noch unbeschädigt dastand, denn er hatte, in Hinblick auf Moti Gudschs Temperament, bereits das Schlimmst« befürchtet. Mit vielen Salaams und noch mehr Lügen meldete er sich.— Moti Gudsch war nicht da. Er hatte sich zum Frühstück begeben. Di« nächtliche Forschungsress« hatte ihn hungrig gemacht. ,Muf dein Vieh her!" befahl der Pflanzer ärgerlich. Deesa schrie etwas in der geheimnisvollen Elefantensprache, die, wie viel« Mahouts glauben, aus China herübergekommen ist,— bei Erschaffung der Well— als noch Elefanten und nicht Menschen die Herren der Erde waren. Moti Gudsch horchte auf und kam sogleich.— Elefanten lausen nie im Galopp: sie bewegen sich fort mit w«chfelnd«r Geschwindigkeit. Wenn ein Elefant einen Expreßzug einholen wollte, würde er auch nicht galoppieren,— aber einholen würde er ihn bestimmt— So langt« Moti Gudsch vor der Tür des Pflanzers on,«he noch Chihun bemerkt hatte, daß er im Stalle fehlte. Er fiel Deesa um den Hals, trompetet« entzückt und beide betasteten' sich dann gegenseitig von Kops bis zu Fuß, ob auch keines von ihnen Schaden genommen hätte. .Letzt wollen wir an die Arbeit gehen!" sagte Deesa.„Heb mich auf, mein Sohn und mein« Freude!" Moti Gudsch schwang ihn auf seinen Nacken und dahin gings nach der Kaffeeplantag«, die lästigen Stümpfe ausreißen. Dem Pflanzer aber oerging der Zorn vor Staunen. Die öehanölung öer Grippe. Von Dr. Vera A x e l r o d. Der UMerschied zwischen einem gewöhnlichen ansteckenden Katarrh und der Grippe ist weder in bezug auf Krankheitserschei- nungen, noch auf Krankheitsursachen klar und scharf umgrenzt Das hervortretende Element bei der Grippe ist die rasche Au-- b r e i l u n g über Länder und Erdteile und die Neigmig der schweren Fälle zu eitrigen Komplikationen(Lungenentzündung usw.). Die Grippe kann weder oerhütet noch durch ein direktes Mittel geheilt werden. Sie hellt von selbst, durch die eigene Kraft des Korpers. Nichtsdestoweniger kommt der Behandlung wie einer sorgsamen Krankenpflege große Bedeutung zu, handelt es sich doch darum, den Verlauf der fast unvermeidlichen Krankheit— nach und nach erliegen ihr im Verlaufe einer Epidemie bis zu 75 Proz. der Bevöltenlng— knöglichst mild zu gestalten und Verschlimmerungen zu verhüten. Das zu tun find wir m der Lage. Bei den ersten Anzeichen muß man sofort ins Bett. Während des Auftretens einer Grippeepidemie ist jedes Unwohlsein verdächtig und in neun Zehntel der Fälle als Vorbote einer Grippe aufzufassen. Die Kranthell erfordert fortdauernde ärztliche Beobachtung, um Verschlimmerungen rechtzeitig festzustellen und zu behandeln. Die üblichen leichteren Fälle verlangen Bettruhe, und nach dem Aufhören des Fiebers wenigstens Zimmerruhe. Der Gesunde kann sich schwer vor der Ansteckung schlitzen— aber je mehr der Kranke den Verkehr meidet, desto weniger Ansteckungsmöglichkeiten entstehen. Gegen die Kopfschmerzen, das Halsweh und den quälenden H u st e n kennt der Arzt zahlreiche wirksame Medika- mente. Treten starke Schmerzen auf, bevor noch Gelegenheit ist, den Arzt hinzuzuziehen, so empfehlen wir folgende Mlltel: Bei Kopfweh: Salyzil oder Pyramidon, je nach Geschmack, aber nicht mehr als vier Tabletten täglich. Für den Husten: Fcnchellionig, teelöffelweise, nach Belieben, etwa jede halbe bis ganze Stunde einen Teelöffel. Zur Stillung des Durstes ist kalter dünner Tee mit Zitrone und wenig Zucker am besten. Bei schwerem Fieber Wei», und manchmal Kaffee. Hier ist aber unbedingt der Arzt hinzu- zuziehen. Besonders gewarnt sei vor der verschleppten Grippe Sich mit aller Gewalt aufrecht zu erhalten, ist grundfalsch. Die Krank- hell erlangt schließlick, doch den Sieg und verläuft dann viel schlimmer, als wenn man sich bei den ersten Anzeichen zur Ruhe begibt. Die Spitäler sind während einer Epidemie natürlich überfüllt. Leichte und mittelschwere Fälle gehören deshalb nach Möglichkeit in die Familie. Es besteht ja im Spital auf den allgemeinen Abtei- lungen die Gefahr einer zusätzlichen Ansteckung(Lungenentzündung). Die schweren Fälle, bei denen eine solche Komplikation(Verschlimme- rung) bereits eingetreten ist, gehören aber, wo kein eigenes Kranken- zimmer für den Patienten und keine Person zur Pflege vorhanden ist, trotzdem unbedingt ins Spital, da sie besondere Eingriffe und eine sehr sorgsame Behandlung erfordern. Heiße Umschläge wirken angenehm, je nach dem Ort der subjektiven Schmerzen wende man sie am Hals oder an der Brust an. Jedenfalls schaden sie nie. gewarnt sei aber vor kalten Um- schlügen. Diese sollen nur auf Verordnung des Arztes angewandt werden, sie kommen nur in besonderen Fällen bei Eiterungen in Frage. Kühlende Tücher auf der Stirne sind dagegen gestattet, wenn sie eine Erleichterung bedeuten. Wie bei allen Krankheiten, so ist auch der Arbeiter den Schäden der Grippe in besonderem Maße ausgesetzt. Vor allem bei ausAebrochener Krankheit lassen sich zu Hause Ansteckungen der Angehörigen schwer vermeiden. Der Reihe nach erkrankt oft die ganze Familie. Hier hilft auch nur sofortige Bett- oder Zinimerruhe, indem der Verlauf dadurch zieinlich sicher mild und abgekürzt wird. Im Arbeiterhaushalt läß: es sich in Wirklichkeit natürlich nie vermeiden, daß grippekranke Angehörige Hausarbeiten verrichten müssen— denn wer sollte sie denn machen? Das ist auch nicht un- bedingt ein schlimmes Moment, wenn man alle im Augenblick über- flüssige Arbeit sein läßt. Mit Putzen. Waschen, Flicken usw. muß eben einstweilen ausgesetzt werden. Die Krankenpflege und Küche werden möglichst verteilt auf mehrere Schultern, und die Fiebernden seien vor allem im Bett gehalten. Aber Vorsicht ist natürlich auch so geboten. Holländische Kolonialgreuel.„Mir ist, als ob ein Rauschen im Wald von alten Zeiten spricht____"— wen: kämen nicht diese Worte aus dem»Archibald Douglas" in den Sinn, wenn er von den neuen Kolonialskandalen in Holländisch- Indien, speziell Su- matra, liest.(Siehe Morgenausgabe vom 6. Januar.) Die gleiche Entrüstung, die jetzt über die von den Unternehmern betätigten „Kulturmethoden" erschallt, ist schon wiederholt in der freiheitlich gesinnten holländischen Presse laut geworden, wenn besonders hes- tige Anklagen über die Zustände auf den niederländisch- indischen Inseln das Heimatland erreichten. Namentlich die Kriegführung gegen die im Norden von Sumatra lebenden Atjeh hat zu heftigen Beschuldigungen geführt: die»Greuel in Atjeh" war vor etwa Iahren eine ständig wiederkehrende Rubrik. Größte Entrüstung rief damals eine Meldung hervor, daß bei Kämpfen in Mittel- fumatra, anläßlich der Eroberung einer Stellung, außer 3lZ Männern auch 18g Frauen und 59 Kinder getötet und 20 Frauen und 31 Kinder verwundet worden feien. Di« Erklärung für dieses Gemetzel, daß die Atjehleute Frauen und Kinder in das erste Glied stellen, um dahinter auf den Feind zu schießen, hatte nur wenig zur Beruhigung beigetragen, als Ansang 1907 in dem Blatt..Die Arondpost" eine Reihe Artikel unter dem Titel„Wie das zivilisierte Niederland ini 29. Jahrhundert in Atjeh Frieden und Ordnung schafft" erschien, die der ungenannte, mit„Wekker" zeichnende Ver- fasser später als Broschüre herausgab. In diesen Artikeln wurden als Vorkommnisse während der Kriegführung aufgezählt: Ennor- dung von Verwundeten und Gefangenen, Anwendung der Folter, Raub, Verwüstung, Plünderung, Niederbrennen von Dörfern, Töten von Vieh, UmHacken von Fruchtbäumen usw. Da der Verfasser, der sich als früherer Marineoffizier im niederländisch- indischen Heere vorgestellt hatte, Ort und Zeit der Ereignisse angab und diese Tatsachen durch anderweite private sowie auch durch spätere amt- liche Berichte bestätigt wurden, so nutzt? es der Regierung wenig, das sonst so beliebt« Schweigen auf die Dauer beizubehalten. Wenn trotzdem die Regierung am 6. November 1997 einen für sie günstigen Uebergang zur Tagesordnung erhielt und sie in einer späteren Untersuchung die Schrvere der Wekkerschen Anschuldigungen in etwas abzuschwächen suchte, so wußte der mit politisch- parlamentarischen Sitten(oder Unsitten) Vertraute doch diesen Aus- gang richtig zu würdigen. Wenn mau jetzt von einem Terzweif- luugskampf der in den Plantagen und Gruben ausgenutzten Eingeborenen liest, so wird mau der jetzt beliebten Manier, alle Un- ruhen auf kommunistische Umtriebe zu schieben, ebensolchen Un- glauben emgegenbrinaen, wie jenem älteren Versuch, die Greuel eines Eingeborenen- Feldzuges zu beschönigen. Das alte Lied täuscht heute keinen Verständigen mehr. P.D. Amerikanischer Humor. Vater: Sag mal, mein Junge, warum arbeitest du nichts? Was ist das mit euch jungen Leuten blaß für eine Wirtichaft! Als ich vor dreißig Iahren anfing, habe ich 3 Dollar in der Woche verdient. Nach fünf Jahre» gehörrc der Laden mir.— Sohn: Du magst schon recht haben. Papa, aber so einfach ist da heut« nicht mehr, leider! Heutzutage haben sie Registrierkassen! Schatten im Ächtkonzern. Die Betriebsumstelluug bei Osram.— Wann kommt die nächste Preissenkung? Oeffmtllchkeit und Wissenschast sind im Nachkriegs-Deuts chland den Kartellen nicht günstig gesinnt. Sie wissen, warum: die Kar- telle hallen die Preis« hoch, während das vollswirtschaftlich« Ge- samtinteresse ihre nachdrückliche Senkung verlangt. Mit dem in» ternationalen Glühlampenkartell wird eine Aus. nähme gemacht. Es hat die Produktion gesteigert und die Preise gesenkt. Das Glühlampenkartell wird darum viel gelobt. Das ist begreiflich, denn der massive Schallen, der besonders über Deutsch- land durch die Preispolitik der Kallelle liegt, macht das kleine Licht doppelt willkommen, das vom Osram-Konzern aussllahll. Man ist sehr anspruchslos geworden! Aber man soll darum gegenüber dem Lichtkonzern nicht unkritisch werden. Lobt man Osram und das Glühlampenkallell, so soll da» Lob voll verdient sein. Anders ausgedrückt: Wenn Osram rallonalisiell und Rationalisterungs- gewinne macht, dann soll der Konzern mit den Preisen weller her- unter. Ein« Schwalbe macht noch keinen Sommer, und Osram als Beispiel für ein brauchbares oder wenigstens nicht schädliches Kallell soll in der Zukunft nicht mehr als Kallellköder gellen dürfen, wenn der Konzern auf halbem Wege stehen bleibt und mit alten Lorbeeren Gewinne scheffelt, statt die Preise zu senken. Ersparnisse durch Ratloualisieruag. Die Osram G. m. b. Sj. Komm..Ges. hat ihr siebentes Lebens» jähr kaum erreicht und stammt von sehr stabilen Ellern. Durch die Zusammenlegung der Glühlampenfabllken der AEG.-Siemens- Deutsche Gasgluhlicht-Gesellschast Auer wurde sie gebildet. Ihre Gesellschaftsform ist eine der klügsten unserer Zeit. Kein Auf- s i ch t s r a t ist nach dem Gesetz notwendig, kein Aktionär darf etwas tiefer einen Blick in den Gang der Geschäft« tun. Mit dieser Gesellschaftsform ist es viel leichter möglich als bei allen anderen, in aller Verfchwiegenheic und Stille den Reingewinn zu errechnen, die Verteilung zu regeln und dann„ga n z* sorgfällia die Bilanz aufzu. stellen. Auch die Bilanz erblickt fast nie das Licht der Oeffentlich- kell: die Oeffsntlichkell, auch der Fiskus, tappen im L i ch t k o n- zern im Dunkeln. Mit einem Arbeitnehmerstand von 18 000 begann die Tällgkeit, mit 7 8 00 arbeitet die Gesellschaft heute. Allein vom Frühjahr bis Ende 1926 wurden 3000 abgebaut. Wie aber entwickelte sich die Produttion? Obwohl über 10 000 Arbettnehmer aus dem Produkttonsgange für alle Zellen abgebaut sind, tst die erzeugte Lampenmeng« mit wenigen Schwankungen die gleiche geblleben. Dabei ist besonders ülleresfant daß die Belegschaft der Berliner Le- trieb« nur 43 Stunden im Wochemzurchschnllt arbeitet. Der Nutzeffekt der Umstellung ist im wesentlichen der, daß mit einem Drittel der Belegschaft die gleiche Produktions- mengeerzeugt werden kann, wie mitdervorfechsJahren. Die technischen Einrichtungen sind amerikanisiert, und zwar so gut, daß die Amerikaner hier wieder lernen können. Die Nor- m u n g der Lampenformen(Beschränkung auf wenig Typen) schrei. tet rüstig vorwärts, die Konsumenten werden sehr bald vor einer .amerikanischen Auswahl"' stehen. Die Arbeiterschaft ist schon.genormt" durch Abbau der Leistungsschwachen und mit chilfe der Pfychotechnik. Allerdings, gegenüber der äußerst qualifizierten Arbellnehmerschaft stehen die noch nicht.genormten" höheren Angestellten. Nur ganz schwache Versuche zum D-rwaltungs.abbau" sind zu verzeichnen, obwohl das .Konto unprodukttve Gehaster und Tantiemen emen großen Bellag ausmacht bei dem Gestehungspreis der Lampe. Bon der Scheuer- frau bis zum Tarifangestellten ist das Maximum an notwendiger Senkung der Belegschaftsziffer well überschrillen. Ein Beispiel der Maschinentechnik sei noch angeführt: Zwei Arbeiterinnen produzierten vor einigen Iahren an zwei Maschinen noch 50 Teil- operationen pro Stunde, cheute macht eine Arbeiterin an einer Maschine achthundert pro Stunde. Rakionalisierungsgewinne und Arbeitsverhältnisse. Daß der Reingewinn nicht gerade bescheiden zu nennen ist, da- zu braucht man kein Rechenkünstler zu sein. Wie steht es aber mll den Löhnen? Werden die Arbeiter reell bezahlt? Können sie zu- mindest sich mit Osram-Lampen ihr Heim erleuchten? Osram zähst Tariflöhne. Di« Löhne bewegen sich auf der chöhe, wie sie der VBMI. diktiert. Trotz erhölster Preise für den Lebensbedarf ist der Reallohn gegenüber der Friedenszell gesenkt. Die Arbeller- schaft muß heute einen großen Teil der sozialen Lasten für Er- werbslose und anderes tragen. Unter diesen sind viele, die durch ihren erfinderischen Geist Technik und Rationalisierung gefördert und die Möglichkeit zu ihrem Abbau geschaffen haben. Leistungen und Gewinne gesteigert— Arbeitsmöglichkellen und Löhne gesenkt! Auch bei Osram kennzeichnet diese Feststellung die Rationalisierung»- tragödie der deutschen Arbeiterschaft. Aehnlich sieht das Arbeitsverhältnis bei Osram aus. Jede Konjunkturschwankung enttädt sich über der Belegschaft. Entweder wlld abgebaut, die Arbeitszeit wird verkürzt, oder es werden Ueberstunden gemacht. Viele Arbellerinnen haben ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit mit Erfolg versucht, in 43 Stunden die gleiche Lesstung zu erzielen, wie in der 48-Stunden-Woche. Mit mehr oder weniger sanftem Nachdruck der technischen Angestellten ge> schieht das übrig«, um dann so manchen.Akkord bereinigen" zu können. Ein Gegendruck tritt kaum in Erscheinung, da viele Ar- beller trotz des Unternehmerbeispiels die Wichtigkeit der Organisatton nicht erkannt haben. Daß die sozialen und hygie- nischen Einrichtungen mit der Gewinnsteigerung nicht auf gleicher Höhe stehen, braucht nicht besonders betörst zu werden. Die letten- den Köpfe des Werkes sind keine Scharfmacher: die Mehrzahl der deutschen Unternehmer ist viel reaktionärer eingestellt. Osram hat eine Pensionskasse� schickt ein gut Teil von Kindern der Arbeit- nehmerschast in Erholungsheime, Hai eine Bibliothek und einen Werkssoortverein. Aber die Leitung, ist manchmal ehrlich erstaunt, daß bei so viel Entgegenkommen die Belegschaft kühl bis ans Herz bleibt. was ist mit den Lampenpreisen? E» ist klar, daß der Lichtkonzevn bei solchen Rationalisterungs, .erfolgen" die Preise nicht zu erhöhen brauchte. Es ist begreislich, daß sie nicht unerheblich— einmal— gesenkt werden konnten. Das war klug, es war zum Teil auch notwendig. Dereinfochte Herstellung, ausländische Konkurrenz und der Wille zur Absatz- steigerung waren die Ursachen. Längere Zeit waren die Erzeugnisse im Ausland billiger als im Inland zu haben. Doch diese Zeit der Konkurrenzkämpfe ist gewesen. Vor einiger Zeit wurde in der Schweiz die.P h ö b u s A.-G." gegründet, der all« maßgebenden Glühlampenfabllken der Erde angehören. Alle Maschinen- und Versahrenpatente werden durch die ganze West ausgetauscht. Das Absatzgebiet der Erde ist aufgeteist und wird von Zeit zu Zeit ge- regest. Ebenso sind die Lampenprllse für die ganze West festgesetzt. Sie gelten auch für die Lizenzerwerber. Selbst den Konjunktur- schwankungen in einzelnen Ländern sind Bande angelegt- Wenn in einem Lande der Unternehmer seinen ihm von der Phöbus A.-G. zugeteisten Absatz überschrettet, muß er den größten Teil des dabei erzielten Gewinnes in einen gemeinsamen Topf werfen, aus dem die Unternehmer einen Anteil erhallen, die u n t e r ihrem Kontingent geblieben sind. Man darf gelinde Zweifel haben, ob diese kaplla- listtsche.Planwillschaft" der Lampeninternattonale Volkswirtschaft- lich sehr viel günstiger wirst, als andere international« Kallelle. Für die Senkung der Lampenpreise ist die Lampeninternationale noch sehr wenig wirksam gewesen. Die.berühmte" Preissenkung sst älteren Datums. Eine neue Preissenkung sollte aber, nicht nur nach den großen Rattonalisierungs-, auch nach den Bilanzgewinnen. möglich sein. Wenn wir llchttg im Bilde sind, hat der Osram- Konzern, trotz des Zinsendienstes für die S-Millionen-Dollaranleihe, auf sein 40-Millionen-Kapital im letzten Jahre seine Gewinne verdreifacht. Preissenkulw und Absatzsteigerung, damit Mehr. beschäftigung, wären also das Naheliegende. Wir hoben noch nichts von solchen Absichten gehöll! Sollte die Ausschaltung der Kon- kurrenz durch das Lampenkallell, sollt« der garantterte, mono- polistisch beherrschte Markt auch für Osram da» warm« Kallell- Polster nicht sehr willkommen gemacht hoben? Es wäre nicht oer- wunderlich. Auf hohen Gewinnen ruht sich' so schön! Unsere Volkswirtschaft kann schließlich nicht gefunden durch die heute von den Unternehmern angewendeten Rattonalisierungs- Methoden. Durch.soziales Flickwerk" kann der Gegensatz zwischen Leistungssteigerung und schlechter Entlohnung nicht überbrückt wer- den. Es fehlt die Gegenlllstmig der Unternehmer durch Derbilligung und Derbrauchssteigerung. Osram gibt zur Förderung der ratto- nellen Lichtwillschast(Lichthaus) ansehnliche Summen aus. Dürfen seine Wissenschaftler und Techniker auch den Rat geben, daß die Preise gesenst werden sollen? Jedenfalls müßte das die Wissen- schaft! Uns scheint, daß auch der Lichttonzern nichts geändell hat an dem Erfahrungssatz, daß Dolkswohl und der Dienst der Wissen- schaft an ihm nur durch das Streben immer größerer Massen zu erreichen sst, es selbst zu schassen! Rekchsbanköiskont 5 Prozent. Was tun die Banken? Auf die Bedeutung der ersten Reichsbonkausweise des neuen Jahres für die Frage der Diskontherabsetzung haben wir bei unserer Besprechung des Jahresschlußausweises der Reichsbank nachdrücklich hingewiesen. Di« Reichsbank hat gestern den Diskontsatz um ein volles Prozent auf S Proz. ermäßigt, den Lombardsatz von 7 Proz. aber beibehalten. Die Reichsbank Halle es ellig. Die erwartete Diskontherabsetzung in London ist nicht vorangegangen, und die nicht allzu große Erleichterung der Reichs- bankbilanz in der ersten Januarwoche hätte noch die Prüfung der nächsten Ausweise erwallen lassen. Gegenüber einer Steigerung der Inanspruchnahme der Reichs- bankmillel um 470,3 Millionen in der Vorwoche betrug der Rück- gang in der ersten Januarwoche nur 194,5 Millionen. Der Wechselbe st and, der um 415,8 Millionen gestiegen war, ging um nur 134,2 auf 1694,4 Millionen zurück. Die Lombard- bestände sanken um 60,3 auf 23,8 Millionen. Die hauptsächlichste Erleichterung des Notenumlaufs erfolgte durch die Zunahme der Gelder auf Girokonto um 194,7 auf 842,8 Millionen. Neben den Zinsrückgängen in den letzten Wochen ist diese Steigerung der Girogelder bei der Reichsbank das Hauptzeichen erheblicher Geld- marktflüssigkeit. Der Geldumlauf der Reichsbank ging ins- gesamt um 371 P Millionen zurück. Der Umlauf der Reichsbank- noten sank um 298,7 auf 3436.8 Millionen, der an Rentenmark- scheinen um 73,1 auf 1091,0 Millionen. Di« Goldbestände blieben mll 1831,2 Millionen fast unverändert, die deckungsfähigen Devisen sanken um 5,9 auf 513,3 Millionen. Dem Beschluß der Reichsbank, den Diskontsatz auf 5 Proz. zu ermäßigen, den Lombardsatz aber auf 7 Proz. zu belassen, wird für die Geschichte der deutschen Kreditwillschast historische Bedeutung zukommen. So wünschenswell die generell« Senkung des Zinsniveaus in Deutschland ist, so wird man doch der vom Reichs- bankpräsidenten gegebenen Begründung für die Diekontermähi- gung weniger Bedeutung beimessen dürfen als dem Willen der Reichsbank, den im Dezember erreichten Anschluß an die Zinssätze des Geldmarktes nicht mehr zu ver- l i« r e n. Gerade well die Beanspruchung der Wechselkredite der Reichsbank ziemlich hoch blieb und weil die Lombardbeanspruchung verhältnismäßig zurückging, auch mll Rücksicht auf die noch nicht deutlich erkennbare Konjunktur, wäre eher eine kleinere Diskontermäßigung und ein gleichmäßiges Senken des Lombardsatzes zu erwarten gewesen. Auf der anderen Seite hätte aber die Reichsbank den Anschluß an die Zinssätze des Geldmarktes wieder nicht ganz erreicht, wenn sie so verfahren wäre. Daß der Reichsbankpräsident selbst der rein bankmäßigen Le- gründung der Diskontherabsetzung nicht voll huldigt, daß die Aktion mehr veichsbankpolittsch im großen Maßstab zu betrachten ist, beweisen die Zweifel, die die Begründung der Diskontermäßigung in deren Beständigkeit setzt. Es wird auch ausgesprochen, daß die Herabsetzung des Diskonts um ein volles Prozent die An- ziehungskraft des deutschen Marktes für kurzfristige ausländisch« Gelder herabmindern und die Notwendigkeit heimischer Kapital- bildung und zweckmäßig st er heimischer Kapital Nutzung unterstreichen wird. Nicht gesagt wird, daß auch die Ueberführung langfristigen Auslandskapttals nach Deutschland unter der Diskont- Herabsetzung leiden wird, etwas, was zwar in die Absichten der Reichsbank passen mag, was aber nur dann gerechtfertigt ist, wenn die Koniunktur wirklich auf die Dauer aufwärts zeigt, was wiederum die Diskontermäßigung um«in volles Prozent rein bankmäßig nicht ganz begründet erscheinen lassen kann. Mit besonderem Nachdruck wird daher die Oeffentlichkett den Satz zu beachten haben, nach dem die Reichsbank erwartet, daß die private Kreditgewährung der von der Reichsbank vorgenommenen Z i n S h e r a b se tz u n g in vollem Umfang folgen wird. In dieser Mahnung dürfte der Schlüssel für die Bedeutsamkell der gegenwälligen Situation liegen. Ausdrücklich wird gesagt, daß die Zinsen für die Kredit- gewährung herabgesetzt werden sollen. Es heißt nicht ein- fach, daß die Privatbanken der Diskontermäßigung entsprechend Ausdruck geben sollen. Damit werden die Privatbanken von der Reichsbank zur Verringerung der Zinsspann« auf. gefordert, die allein für die Kreditbedürfnisse der Wirtschaft eine Erleichterung bedeuten kann. Mit dieser offiziellen Mahnung an die Privatbanken zur Verringerung der Zinsspanne wird, da die Einlagenzinsen bei den Privatbanken nicht ohne weiteres mehr gesenkt werden können, jene kritische Phase zwischen der öffentlichen und der privaten Kreditwirtschaft erreicht, die längst fällig war und der die private Bankwell durch die Vernachlässigung der Kreditgewährung an die Wirtschaft und durch die Flucht auf die Börse bisher ausgewichen war. Die Hochhaltung des Lom- bardsatzes, der Druck auf die Debetzinsen und die Gefahren der Kreditzinsensenkung für das Depositengeschäft schaffen eine Konflists- situation in dem Augenblick, in welchem die öffentliche Kon- kurrenz der Privatbanken ohne enssprechende Verringerung der Cinlagenzinsen der Diskontermäßigung in der Kredstgewährnng voll Ausdruck gibt. Jedenfalls kann die Diskontherabsetzung den für die Willschaft notwendigen Erfolg nur haben, wenn in« Kredit- gcwährung durch die Verringerung der Zinsspanne verbilligt wird und die össeilllichen Ban'en zu ihrem Teile dazu beitragen, die privaten Banken zu dieser Verbilligung zu zwingen. Im Augenblick steht es noch dahin, was die Pllvatbanken, ihnen voran dt« Berliner Großbanken, in dieser KonfNktssvuation tun werden. Sie haben sich im Februar 1926 für ihre Kredit- gewährung auf 1 Proz. über Rcich-bank diskont(zuzüglich Provision) festgelegt. Man wird darauf achten müssen, ob sie nicht den unveränderten Stand des Lombardsatzes dazu benutzen werden, um der Kreditverbilligune, auszuweichen. Die Zeit, in der die Banken vor der öffentlichen Meinung ein R e ch t auf eine bestimmte Zinsspanne proklamieren konnten, ist endgüllig vorbei. Die Reichsbank wird es vor der O e f f e n i l i ch k e i t als eine Prestigefrage zu verteidigen haben, daß die Privatbanken der Diskontherabsetzung in der Zinsspanne vollen Ausdruck geben. Ver Edelstahlkonzern des Stahltrust». Bekanntlich gehen die Dereinigten Stahlwerke jetzt daran, ihr Produktionsprogramm weiter zu spezialisieren. Es sind deswegen die Edel st ahlwerte des Ruhrreoiers zu einer Dachgesellschaft zu- sammengeschlossen worden, und als außenstehendes Werk sind die Glocken st ahlwerke A.-G. zu Remscheid diesem Edel- stahltrust beigetreten. Der Grund, der die Verwallung des Werkes zur Ausgabe ihrer Selbständigkeit veranlaßte, war nach der Aus- tunft in der Generalversammlung vor allem die Tatsache, daß die Werke der Gesellschaft technisch sowohl wie auch in ihrer Größe und Kapitattraft der übermächtigen Konkurrenz nicht ge- wachsen wären. Es wäre notwendig gewesen, erhebliche Kapi- tasten aufzuwenden. Der Vertrag, den die Gesellschaft mit den Deutschen Edelstahlwerken A.-G. auf Grund dieser Genehmigung abzuschließen beabsichtigt, läuft vom 1. Januar 1927. Von den 30 Millionen Mark, mit denen die Deutschen Edelstahlwerte arbeiten werden, erhalten die Glockenstahlwerke für ihre Anlagen nominell 3,36 Millionen Edelstahlwerksaktien. Die Vorräte werden bar be- zahlt und die Debitoren und Kreditoren von der allen Gesellschaft, die in Liquidation tlltt, abgewickell. Mrd der Kundenkredit kartelliert? In Berlin besteht seit längerer Zell der Plan, die an der sogenannten Konfumfinan- zierung interessierten Organisationen in einer Interessengemeinschaft zusammenzubringen. Schon gelegentlich der Elektrotogung im Ansang Dezember 1926 wies Direktor Kauffmann von den Berliner Elektri- zitätswerken auf die Notwendigkeit einer solchen Interessengemein- schaft hin. Man folgt dabei durchweg amerikanischem Muster, wo man unter Einschluß des ganzen Landes Kreditlisten anlegt, die über Ellahrungen, die man mit einzelnen Kunden gemacht hat, Auskunft geben. Es handelt sich also sozusagen um eine Kredit- st a m m r o l l e. Für die Berliner Interessengemeinschaft kommen außer den Berliner Städtischen Elektrizitätswerken der Derband des kreditgebenden Einzelhandels, die Citag und die Tietzsche Kauf- kredstgesellschaft in Frage. Es ist zu erwarten, daß die Interessen- gemeinschaft früher oder später aus das ganze Reich ausgedehnt wird. Don besonderem Interesse dabei ist. daß auch die Kredit- bedingungen angeglichen werden sollen, wamst die gegenseittge Konkurrenz wegfällt und gewissermaßen ein Äondi- t i o n e n k a r t e l l für die Kundenkreditgeschäfte geschaffen wird. 6 Proz. Dlvideude im süddeutschen Zuckerkoazeru. In der Auf- sichtsralssitzung der Süddeutschen Z u ck e r- A.- G., Mann- heim, wurde beschlossen, der Generaloersammlung die Delleilung einer Dividende von 6 Proz. auf die Stammaktien und 7 Proz. auf die Vorzugsaktien vorzuschlagen. Die Aussichten auf das laufende Geschäftsjahr werden als nicht ungünstig bezeichnet. Die günstigen Jahresabschlüsse der Zuckerindustrie häufen sich. Die Be- llchte über das neue Geschäftsjahr lauten im allgemeinen günstig. Sie zeigen, wie unberechtigt die Forderung nach der Er- höhung der Zuckerzöll« ist. Auslandsaufträge— 1500 Mann neu eingestellt. In der Generalversammlung der Hannoverschen Maschinenfabrik A.-G. wurde mitgeteilt, daß der Schlcpperbau sich gehoben hat und daß durch den südafrikanischen Lokomotivenauftrag etwa 1500 Arbeiter mehr beschäftigt werden können. So sehr dieser Auftrag zu begrüßen ist, so bedeutet er noch keine Entscheidung für die Hebung der Konjunktur. Es gelangen 6 Proz. Dividende auf die Äorzugsaktien zur Ausschüttung. Thyssen baut in Rußland. Die Firma Thyssen, die bekanntlich vom Kohlentrust des Donezbeckens,..Donugolft, einen Auftrag auf den Bau von drei neuen Gruben erhalten hat, hat mit dem Bau der ersten Grube im Rutschenkowski-Bergwerksbezirk begonnen. Die Vorarbeiten sollen noch im Januar beendet werden, wonach im Februar mit den Verttefungsarbeiten begonnen werden soll. Der größte Teil der Moschinen ist bereits aus Deutschland eingetroffen und wird zurzeit montiert. Ehemietrust uud Sohlenbergbau. Der Farbentrust wird in nächster Zell daran gehen, im Anschluß an das Leuna-Werk den Bau einer Kalksalpeterfabrik durchzuführen. Mit der Genehmigung des Bauvorhabens ist zu rechnen. Die Fabrik soll in den Gemeinden Gölitzsch und Daspig bei Merseburg errichtet werden. Weiter wird in Kreisen, die dem rheinisch-westfälischcn Kolensyndikat nahestehen, betont, daß mit der Möglichkell einer Ver- ständigung zwischen dem rheinisch-wesssälischen Kohlenbergbau und der I. G. Farbenindusttte zu rechnen ist. Di« Verhandlungen sehen besonders die Aufteilung der Produktion in den einzelnen Gebieten der Kohlenchemie vor. Die Gerüchte erhalten dadurch eine Bestätigung, daß die I. G. Farbenindustrie und der rheinisch-west- fälische Bergbau in letzter Zeit auf dem Gebiete der Kohlenwasser- stosfsynthese zusammengegangen sind. Inwieweit von einer mög- lichen Einigung zwischen dem rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat und dem Farbentrust die Klöckner-Rostergschen Misch- düngerpläne berühtt werden, steht noch nicht fest. Sewina-AoSzag 4. Klaff« 28. Preußisch-Süddeutsch«(254. Preuß.) Klaffeulotleri« Hak jede gejogen« Rümmer Nut»»«et gleich hob« Se- wiune gefalle», und»war ie einer auf die Lafe gleicher Rummer iu den beide»«bteiluuge» 1 und 2 1. ZlehungStag 11. Januar, vormittags Ohne Gewähr Nachdruck verboten Es wurden Gewinne über 150 Mark gezogen 2 tktviiuu ,» I« 50 000 92 300992 2 gtcreinne ju je 10000 91. 140102 2 Gewinne zu je 5 000 91 162309 2 Gewinne zu je 3 000 91 302362 4 Gewinne za je 2 000 9t 282563 305014 S Gewinne zu je 1 000 91 117433 236633 319145 12 Gewinne ,» je 600 91 34356 SS912 242399 305152 307511 »21650 32 Gewinne zu ie 500 92 5669 47S99 51671 136543 1 33365 167231 132559 210333 226562 243902 272353 233315 326223 327086 333036 346996 90 Gewinne zu je 400 92 9613 19623 20117 23983 24332 37329 44145 62419 63747 89447 90347 102699 104945 108564 118213 119697 131966 136697 136860 150630 167389 172015 175588 180619 181220 181491 187327 197483 208348 219753 223402 226410 231812 248871 267509 267339 267674 272847 272990 279878 309613 334341 336521 337980 341642 234 Gewinne zu je 300 M 7337 10363 17678 18681 19448 20727 29694 33138 34256 34534 36076 39724 40694 42082 43757 46220 47678 47806 43076 49833 60419 64011 68006 66072 68089 70433 76281 76830 84181 86330 86539 96539 101372 103327 105447 113117 121423 123343 124737 131067 132457 134088 134601 160674 180579 164881 165696 181467 161679 162620 163698 177167 182606 182886 184838 187607 190928 192334 192491 192669 193665 194137 196981 196678 200761 206188 206324 211297 216686 224636 224979 228144 228192 228420 233134 233174 234424 235182 239146 239833 246006 246670 249464 252464 252468 257675 258208 253621 260273 260336 266986 267424 276130 276884 277252 283702 284746 291233 292648 293909 294695 297471 301186 301470 303393 304309 304809 308583 316220 316475 317700 317874 321682 322675 336275 340439 344613