!tr. 24 ♦ 44. Jahtgi. Masgabe A Nr. 13 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Ptennia. monatlich 8.- Aeichsmart voraus»ahlbai� Unter Ar lür Deutlchian», Daniio. Saar» und Züemetoebr«. Oellerreich. Litauen. Lurembur« 4,i0 Reichsmark, für ha» itbriae Ausland 5 Reichsmark oro Diana r. Der„Borwäris' mit her iAustri-r. ten Sonntagsbeilage»Dolk und Zeit� lowie den Beilagen �Unterbaltunq und Wissen'„Aus der KilmroeXt*, �Frauen Kimme-„Der Kinde?. freund-..Iugend-Vorwärtz- und �Blick in die Biicherwelt- erscheint wochentaglich zweimal. Sonntag, und Montags einmal. Telearamm-AhrefT*: «Ioziolvewskrot Berlin' Morgenausgabe Verlinev Volksvlstt (10 pksnnig) Anzeigenpreise: «e« t n i v a l t t a e NonviNeNI«-' uüt go Vkennia. ReNgmeeeile d�- Reichsmark..Klein« Anreig«»- das' tettaedruckt« Wort 25 Btenni« izulSMa»we! fettaehrucktc Worte), iedes weitere Wort 12 Pfennig. EtiNenaciuch« das erst« Wort 75 Pfennig, iedes weiter» Wort 70 Vtcnnia. Wort« über 75 Buch» Itgden ,ädlen Mr iwif Wort«. Arbeitsmarkt Keile 50- Pfennig. gamilienanzeiaen kür Wonnenten Keil« 70 Pfennig. «nzeigen tür d'e nächfle »issssen bis ttz Udr nachmittag» nn Sauvtaefchäft. Berlin SW 58. Linden» ftrasse z. abgegeben werden. SeZffpet von Std Uhr KU bis 5 llbr nachm. Zcntmlovgnn der Sozialdcmokratifchcn parte» Deutfchlanda Ueüaktion und Verlag: öerlln EW. öS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SSÄ— SS7. Vonvarts-Verlag G.m.b.H., öerlii, EW. öS, fiitden(It.3 «»McheSonto: Berlin 87 SS«_ B-»n-»t»! Bank«er«rbeiter.«»--Veite, und Beamten.«oAltr. 5!- Diskonte-Setelltchaft.»-»ofiteukaffe«i-ldenvr. K Curtius gescheitert. Das Zentrum will wieder eine Regierung der Mitte. ilmMch wurde gestern abend nach S Ahr genieldet: Aeichzminisier Dr. Curtius bcrichicl« heute abend dem Herrn Aeichspräsidentcn über die durch das Schreiben des Vor» sitzenden der Zentrum sfroklion an ihn oefchassene Lage. und erklärte, daß dcnnit sein Versuch der Bildung einer ZNehrheits» regicrung unter Zustchung der Dcutschnationaleo gescheitert sei. Der Herr Reichspräsident behielt sich seine«»eitere Entschließung noch vor. Das in der amtlichen Meldung erwähnte Schreiben ist dos Ergebnis einer Sitzung der Rcichstagsfraktion des Zentrums, die um st Uhr begonnen hatte und nach etwa einer Stunde schon beendet war. Es ist an Dr. Eurtius gerichtet rmd hat folgenden Wortlaut: Sehr verehrter Herr Minister! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres Schreibens vom 14. Januar d. 3. Dasselbe ist Gegenstand eingehender Würdigung gewesen. Aus diesem Schreiben habe» wir ersehen, daß Sie, Herr Minister, lediglich die Aufgabe übernommen haben, sachliche Verhandlungen zum Zwecke der Herbeiführung einer Koalition zu führen. Anter den gegenwärtigen polilijchen Verhältnissen unterliegt die von Ihnen beabsichtigte Regierungsbildung für uns nach wie vor den schweren Bedenken, die Ihnen von unseren Beau.tragten und auch namens unseres Herrn Varleivorsitzenden Dr. Marz dem Herrn Reichsautzenminiskler Dr. Stresevuum dargelegt worden sind, wir halfen den Versuch der Bildung«ine» R c g i r- rvng der Mitte nach Loge der Dinge für den gegebenen weg zur Bsilcznng der Krise. wir können uns daher von einer Zorfführung Ihrer VerHand. lunge» gnf der Grundlage Ihres Schreibens vom 14. Januar keinen Erfolg versprechen Eiv Eingeben aus die in diesem Schreiben mit- geteilten Richtlinien dürfte sich danach erübrigen. von Guerard. stellvertretender Vorsitzender der Zentrums- fraktion des Reichstags. Teevironus und n. Li il deiner- Wildau verhandelt hatte. Curtius hotte da� Zentrum in dieser Unterredung über die Lormittogsvcrhandlungen, die vertraulich behandelt wer- den. unterrichtet. Der Brief, der dos Ergebnis der Frattions- fitzung bildet, wurde Herrn Curtius übergeben init dem Anheimstellen. ihn zu veröffentlichen oder gleichfalls vertraulich zu behandeln. Herr Curtius zog die Veröffentlichung vor, die unter feine Mission den Schlußstrich setzt. Bedauerlich ist, daß die Verhandlungen, die mit den Deutschnationalen geführt wurden, geheimgehalten werden. Die Weit ipäre begierig, zu erfahren, wieviel Kilogramm Prinzipien die Deutschnationalm zu opfern bereit waren, um ein paar Mimsterfessel für sie zu erholten. Gering scheint dos Angebot nicht gewesen zu sein. Denn Herr S t r e s e m o n n könnte nicht, wie jetzt allgemein erzählt wird, versichert haben. er befürchte von der Heranziehung der Deutschnationolen keine Störung der Außenpolitik, wenn er nicht schon sehr > weitgehende, bindende Zusicherungen in der Tasche hätte. Es ist hier schon oft gesagt worden, daß uns das Vor- bild der Deutschnationalen keineswegs zur Nachahmung reizt. Wir können auch nicht glauben, daß die Deutschnitionalen durch das Bild, das sie bieten, Begeisterung bei ihren Wählern erwecken können. Sie werden, sobald sie die Gewißheit hoben. daß sie diesmal doch nicht zum Zuge kommen, wieder auf die Republik und ihre Außenpolitik in schimpfen anfanaen. Anzeichen dafür sind in der Rechtspresse, die während der Ver- Handlungen auf Filzpantoffeln daherschlich. schon bemerkbar. Nun erklärt das Zentrum:„Wir balten den Versuch zur Bildung einer Regierung der Mitte nach Lage der Dinge für den gegebenen Weg zur Beilegung der Krise." Aber ist diese Krise nicht eben daraus entstanden, daß wir eine Regierun? der Mttc h a t t e n, die sich auf keine feste Mehr- heit stützen konnte? Ist sie nicht daraus entstanden, daß diese Mitte in sich wiederum keine Einheit war. sondern in ihren Zielrichtungen weit auseinanderklaffte? Und dennoch Bei- legung der Krise durch Herstellung einer neuen Regierung der Mitte oder Wiederherit-llung der alten? Eine Regierung der Mitte ist eine Minheiheits- Tregierung. Sie kann sich auch nicht durch Auflösung des Reichstags und durch Neuwahlen m eine Mehrhestsregienina verwandeln, denn keine ihrer Parteien Hot Aussicht, noch weite Wählermassen an sich heranzuziehen, einige voy ihnen würden sogar dem Ergebnis der Wahlen mit großer. be> gründet« Angst entgegensehen. Auch die Minderheitsregierung der Mitte braucht eine Mehrheit, sei es eine Mehrheit von Fall zu Fall, fei es eine f c st e Mehrheit nach rechts oder nach links. Eine Regicrung, dfe sich ihre Mehrheit von Fall zu Fall sucht, widerspricht dem Sinn des parlanimtarischm Regierungssystems. Eine■ feste Plehrheit nach rechts oder nach links läßt sich ober nicht er- zielen, ohne daß zwischen der Mitte und einer der beiden Fiügclparteicn ei» Ausgleich hergestellt wird. Für die Deutschnationale Partei ist ihre persönliche Beteiligung an der Regierung das Entscheidende. Sachliche Wünsche kommen erst hinterher. Bei der Sozialdemokratie war es bisher umgekehrt. Sie schob ihre sachlichen F o r- d e r u n g c n in den Bordergrund und behandelte die Frage ihrer persönlichen Beteiligung an der Regierung mehr als Nebeni ache. Wenn die Deutschnationalen ihre Taktik nicht ändern— und es liegen keine Anzeichen vor, daß sie das tun mallen—, dann werden sie eine neue Regierung der Mitte schon darum bekämpfen, weil sie ihr nicht angehören. Kann nian nun von de? So zioldemokratie erwarten und verlangen. daß sie eine neue Regierung der Mitte unter. Zurückstellung eigener Wünsche, sowohl der persönlichen wie auch der fach- lichen, vorbehaltlos unterstützt? Diese Frage stellen, heißt sie per n e.i n e n. Selbst wenn sich dre Sozialdelnokratie dazu entschließen könnte, ein neues Mmderheitskabinett zu tolerieren, mühte sie diesen Entschluß van der Zusammensetzung dieses Kabinetts und von seinem Programm abhängig machen. Einstweilen Hot sich die Krise nur im Kreise gedreht. Die Mitte kann siel) nicht entschließen, rechts oder links festen An- schluß zu suchen. Die Balispanei will den Bürge rblock— das Zentrum hat die Gegenfordenmg nach der Großen Koalition fallen gelassen und verlängt eine neue Regierung der Mitte. Aber es Hot bisher nicht gesagt, wie nack) seiner Mei- nung diese Regierung der Mitte beschaffen sein muß, wenrr sie nicht alsbald wieder das Schicksal erfahren sost, das die Regicrung Marx am 17. Dezenrber v. I. ereilt hat. Cvrtius' letzte Verhandlungen. Ucber die letzten Verhandlungen des Herrn Curtius wird ückannt, daß dieser an das Zentrum ein Schreiben richtete, in dem er versicherte, die Erklärungen der Deuts ck, nationalen gäben noch seiner Ausfassung die Grundlage zu weiteren P e r h a ii d l u n g c n über die Bildung einer Rechtsregierung. Cr selbst gedenke nicht die Kanzlerschaft in dieser Regierung zu über- nehmen, sondern betrachte sich nur als den vom Rcichsprästdenteu beauftragten Vermittler. Curtius entwarf in feinem Briefe Richtlinien für die künftige Regierungssührung. Dos Zentrum konnte sich jedoch, wie aus den oben wieder- gegebenen Meldungen schon hervorgeht, der Zlussassung des Herrn Curtius nicht anfchlicßl.n. Ob der Reichspräsident den an Curtius und damit indirekt an ihn selbst gerichtete» Rat. es mit einer neuen Regierung der Mitte zu versuchen» befolgen wird, ist zur Stunde nach üiibekamil. Mm 1�. Januar Reichstag. Der Aeltestenrat des Reichstags hielt beut« nachmittag ein« Sitzung ab, um sich über den Termin sür den Wicderzusammen- tritt des Plenums zu verständigen. An der Ursprünglichen Absicht/ die erste Plenarsitzung am Mittwoch, den 19. Januar, abzuhalten, wurde festgehalten. Die Sitzung wird um 3 Ilhr nachmittag» be> ginnen. Aus die Tagesordnung wird die Entgegennahme «in-er Erklärung der R e» ch s r e gi e r u n g gesetzt werden. Sollte sich aber die Zleubilduikg der Regicrung verzögern, so yürd trotzdem cm der Sitzung am 19. Januar festgehalten, der Reichstag wird dann seine Beratungen mit kleineren Vorlagen beginnen. Besetzung ganz Nicaraguas. Protestkundgebungeu iu Mexiko. New Jork, 14. Zanmrr.(IIL) Die Washiugloner Regierung hat angeordnet, daß die amerikaaischeu Truppen jede einiger» maßen bedeutende Ortschost auch im Innern Nicaraguas besehen. In Vashjngtoner diplonrotischen Kreisen wird erklärt, daß Amerika nicht ohne weilere» den vermitt'.ungsvorschlag Costaricos, der allerdings offiziell noch»ich» gewacht worden ist, zurückweisen werde, jedoch müsse Amerika Eigentum und Leben seiner Staatsbürger sicherstellen. In ganz Mexiko finden zahlreiche Protest kundgebun- gen gegen das Vorgehen der Vereinigten Staaten statt. Der vierte Mexikanische Swd-ntenkoogreß erklärte in einer scharfen Resolution. daß ganzCatein- Amerika der brutalen Gewalt der Mashing. toner imperialistischen Regierung gegenüberstehe. Die amerikanische Presse veröffentlicht weiter Greuel- meldungeo ans Mexiko. So sollen in der Röhe oon Mexiko wieder 16 Rebellen ausgehängt worden sein. Aach einer Meldung der„Associated Preß" ist c« der merikanischen Regierung überall gelungen. die Putsche niederzuwerfen. Eine argentinische Stimme gegen Amerikas Imperialismus. Buenos Aires. 14. Januar.(MTB.) Di« Zettung„ßa Nacion" schreibt zu der Loge in Mexiko rnid Nicaragua: Dos Prestige der Vereinigten Staaten von Amerika l)at in erheblichem Maß« g«- litten, weil es der amerikanischen Regierung nicht gelungen ist. die nssenbor gerechffcrtigten Vefhrchtungen über ihre imperia- l I st> s ch e n Pläne zu zerstreuen. ».New Aork TimcS" und„World" gegen Coolidge- Kellogg. New Park. 14. Fairnar. tWTV.) Heute sollen hier 30000 Ab. drück« der sich gegen«ine Jmernention der Vereinigten S4qoi«n in Mexiko und Nicaragua wonvenden Leitartikel der„New Fort Times' und der„New Kork World" verteil, werden. Di« Artikel hebe« ins» besonder« die Gefahr einer Intervention hervor. Di« Verseilung ge» schioht aitf LeranvsiMg***„Freunde«•t««* Frieden» mit Mexiko". Mrbeiterheimkehr nach Ungarn. In Frankreich entlassen— daheim interniert! Budapest, 14. Januar.(Eigener Drahibericht.) Die Wirtschaft»- krisc in Frairkrelch�bat zur Entlassung der vielen ausländischen Arbeiter geführt, die die große Konjunktur der Gsldentwertungszeit nach Frankreich gebracht hat. Ungarn stand an der Spitze der Auswandererländer und ist jetzt durch die Entlastung der ungarischen Arbeiter stark in Mitieidenschost gezogen. Die französische Regie- rung besteht darauf, daß die ungarische Regierung für den Rücktransport der entlassenen Arbeiter sorgen soll. Mittwoch mittag ist der erste Transport der Arbeiter tn Budapest eingetroffen, unter Bcglclttiiiiständcn. die wob! einzig dastehen dürften. Als die erste Knude von der Rückwanderung auftauchte, wurde beschlossen, daß die ganze'Aktion in die Hönde des Polizei- Ministerium» gelegt werde. Der Untersiaatsstkreiär Jsf'e- k u tz, Radossys Nachfolger, wurde mit der Leitung der Rückwände- rüngsaktton betraut: dies geschah mit Rücksicht auf die„kommn- mstische Verseuchung" der in Frankreich lebenden Arbeiter. Das Polizeiministeriiim schickte die aus den Kommunistenprozesten bekannten Beamten unter der Führung des Oberstadlhanptmannez (Polizeipräsidenten) Schweinitzer nach Paris, mit dem Auftrag. die„Stimmung in den Fabriken und Bergwerken auszuforschen". Es wurde beschlossen, die heimkehrenden Arbeiter einer politischen Quarantäne zu unterwerfen, sie in das noch aus der Krstgszeit. bestehende Lager von Raab zu bringen und sie derselben Behandlung zu unterwerfen, wie während des Krieges die aus Rußland heinrgekehrten Kriegsgefangenen. Sie werdcn also interniert. und nur die politisch„Gesunden" wird man entlosten. Dieselben Palizeibeamten, die in der Kriegszeit die russischen Kriegsgefangenen in dem berüchtigten Lager von Csot überwachten, Polizetrot Aladar G y o r f s? und Hauptmann Viktor Wetzet, wyrden heauftrogtt dem Transport entgegenzureisen und die rwtige Auswahl unter den Ardostexn zu treffen. Alx offizielle Ausrede mytz di« in Hest. europa herrschende Grippe herhatten, aber natürlich isi bi» Seif che. die da au» Frankreich eingeschleppt werden könnte und in sora- fältkger Untersuchung und Ueberwachung abgewehrt werden muß, ein bißchen frel« oder gar repzMikmsische» und sozialiOffche? Denke«? Voltspartei im Fentrumsspiegel. Vertreterin der Kapitalintcrcssen. In ihrem gestrigen Abendblatt, noch vor der Sitzung der Zentrumsfraktion, setzte die„Germania" die Gründe aus- einander, die �errn Curtius» für das Zentrum zu einem un- möglichen Kanzlerkandidaten machen. Hier sind sie: Die Hemmungen sind rein politischer, ganz besonders aber sozialpolitischer Natur. Dos Zentrum kann nicht über die Tatsache hinwegsehen, daß Dr. Curtius ReprSsenlant einer Partei ist, die gemeinhin als Vertreterin der fiapitalinleressen angesehen wird und daß seine Fraktion bei der Abstimmung über das letzte bedeutende sozialpolitische Gesetz, nämlich das Arbeitsgerichts- g e s« tz, nur zu einem geringen Bruchteil, unter dem Herr Curtius selbst sich nicht befand, dafür gestimmt hat. während eine erheblich größere Zahl volksparteilicher Stimmen gegen das Gesetz abgegeben worden find. In einer Zeit, die ganz unter dem Zeichen der sozial- politischen Gesetzgebung steht, fällt es dem Zentrum, unterdessen Anhängern die christliche Arbeiterschaft eine so wesentliche Rolle spielt, schwer, die Führung der Reichs- regierung einem Exponenten des wirtschaftlichen und auch des welt- anschaulichen Liberalismus anzuvertrauen. Zum Schluß proklamiert die„Germania", den Frak- tionsbeschluh vorwegnehmend,„die Einigkeit und die ge- schlössen? Zusammenarbeit zwischen den Parteien der Mitle". Aber die Einigkeit zwischen der christlichen Ar- beiterschaft und den Vertretern der Kapitalinteressen wird mehr und mehr eine schwierige Sache. Die Mitte steht auf tönernen Füßen— und ist nicht einmal ein Koloß. Polizei und Wehrverbanöe. Ein notwendiger, aber verspäteter Erlaß der Reichs» regierung. Als ini Mai vorigen Jahres das Berliner Polizeipräsidium gegen militärische Rechtsverbände und ihnen nahestehende Person- lichkeiten scharf vorging, tobt« die reaktionäre Presse. Erst jetzt fühlt sich die Retchsregierung veranlaßt, in einem Rundschreibon auf die U n g e s e tz l i ch k« i t e n der Wehrverbände hinzuweisen und die Landesregierungen zu bitten, in allen Fällen, wo Nachrichten über militärische Tätigkeit der Verbände auftauchen, mit Nachdruck alle zur Ausklärung des Sachoerhalts erforderlichen, Schritte zu tun und- insbesondere unverzüglich die notwendigen poli- ?z eil i ch e n Erniittlungen anstellen zu lasten. Diplomatisch madst der Reichsinnenminister darauf aufmerksam, daß an sich. zwar Geländespiele, Ausflüge, Schießen mit nichtmiiitärischen Waffen Nicht ohne weiteres Hebungen militärischer Art sind, daß sie aber zu solchen werden können/ wenn sie nicht lediglich sportlichen Zwecken, sondern militärischer Ausbildung dienen. Wenn Berbände sport- liche Betätigung lediglich zum Vorwand nehmen, um militärische Uebung'en zu betreiben, so befassen sie sich im Widerspruch zu dem Artikel 177 des Vertrags von Versailles mit militärischen DlNgen und fallen daher unter das Gesetz vom 22. März 1921. Maßgebend für die Frage, ob ein verein entgegen diesem Gesetz sich mit militärischen Dingen befaßt, ist nicht so sehr seine Satzung, als vielmehr seine tatsächliche Beläligung. Dies ergibt sich schon aus dem Wortlaut des Gesetzes selbst, das die Auflösung solcher Bereinigungen vorschreibt, aus deren Satzung oder aus deren Verhalten hervorgeht, daß ihr Zweck im Widerspruch zu den Bestimmungen der Artikel 177 und 178 des Vertrages von Lcr» (anicf steht; � � Ergeben die pelizekllcheii Crwlttkungen, daß«In Verstoß gegen bas Gesetz vom 22. März 1921 vorliegt, so sind die Vereinigungen aufzulösen. Ergeben die ErmitUungen immerhin einen Ver» dacht nach dieser Richtung, so ist der betreffend« Verband unter Hinweis auf die genannten gesetzlichen Bestimmungen ausdrücklich gl verwarnen. Wenn ein Verband zwar im ganzen sich im Rahmen des Ge- . setze? hält, aber einzelne Ortsgruppen sich mit ihm in Die unsichtbare Mrmee. Von Max Barthel. . Zr* vergangenen Jahr reiste ich sechs Monate kreuz und quer durch Deutschland und kam in einigen Städten auch mit den so- genannten Tippelbrüdern zusammen. Die wirtschaftliche Rot hat in den Städten furchtbar gehaust. Ihre Schläge trafen nicht mehr hauptsächlich bloß die Arbeiter und Handwerker, jetzt streiften sie auch die freien Berufe, und unter den .Kunden, die ich kennenlernte, waren quH Kausleute, Buchhändler, .verkrachte Studenten, Musiker und einige Lehrer. Aus der Landstraße nach Lauenburg begegneten uns über ein Dutzend Kunden. Unter ihnen waren einige noch sehr gut an- gezogen, viele waren aber zerlumpt, und Hunger hatten sie olle. Sie. kamen von Hamburg und wollten nach Mrlin. Die Straße, die sie niarschiertcn, war die Hauptelendsstraße in Deutschland, die große Hungcrstraße. die jeden Tag von vielen tausend Tippel- brüdern überlaufen wird. In Hamburg nun, in der Nähe des Hauptbahnhofs, sah ich wieder die Vorposten jener unsichtbaren Armee, die durch die Städte und über die Landstraßen käust. An der fohrbaren Küche einer philanthropischen Mission sammelte sich eine zerlumpte Schar junger und alter Bettler. Sie kamen aus den schmutzigen Herbergen der Neustadt und aus den Kaschemmen von St. Pauli, sie tauchten auf aus der ganzen Hoffnungslosigkeit eines verfehlten Daseins. Man sah die Männer aus allen deutschen Landschaften, aus Bayern und Baden, Sachsen und Hessen, aus dem Rheinland und aus Ost- preußen. Hamburg war wohl ein Tor zur Welt, aber nicht für sie. Füx sie wäre« Hamburg und auck) Berlin nur Tore zur Unterwelt. Vielleicht sollte das ein Trost sein, die Inschrift nämlich, die man in einer Hamburger Kaschemme lesen konnte: Ihr armen Vagabunden hier auf Erden, Im Himmel sollt ihr Bürgermeister werden." Aber sie lebten in keinem Himmel, sie lebten auf der nackten, brutalen Erde, und so stellten sie sich jeden Tag an der philan- thropischen Küche um einen Teller warme Suppe an. Die zwei Pennen in.Cuxhaven waren überfüllt. Nach Cuxhaven kommt man, wenn es in Bremen keine Arbeit gibt und die Hoffnung aus Hamburg noch nicht verloren ist. Aber man kotnmt auch nach Cuxhaven, wenn man in Hamburg alle Hoffnung verloren hat und alle Wünsche auf Bremen setzt. In Cuxhaven nun gab es auch manchmal Arbeit. Arbeit an Fischkuttern, die mit neuen Fängen von ihren Hochseereisen zurückgekehrt waren. Diese Arbeit war eigentlich ein Derlusl, denn der einzige Anzug wurde durch die Fische versaut, und es war mehr als ein Opfer, wenn sich trotzdem einige Kunden fanden, um an den frühen, kalten Morgen zu arbeiten. Sie hungerten einfach nach der Arbeit wie nach einer Widerspruch setzen, so unterliegen die betreffenden Ortsgruppen der Auslösung. Der preußische Minister des Innern G r z e s i n s t i hat Abschrift dieses Erlasses des Reichsnnnisters an die ihm unterstellten Behörden gesandt mit dem Ersuchen, die fraglichen Organisationen in nachdrücklichster Weise erneut anzuhalten, in ihrer Betätigung künftig auch jeden Anschein und Verdacht militärischer oder militärähnlicher Uebungen zu vermeiden. Im Falle der Zu- widerHandlung wird der Minister durch Auflosung der betroffenen Bereinigungen unnachsichtlich einschreiten. Der Minister ersucht, die in Frage kommenden Verbände und Vereinigungen hieraus besonders hinzuweisen und ihm bei Der- stoßen gegen die bestehenden Bestimmungen umgehend zu berichten. die Krise der Justiz« Gegen die Hernbsctznng sozialdemokratischer Richter. Bei der Beratung des Haushalts des Reichsjuslizministerium» im Ausschuß für den Reichshaushalt führte der Berichterstatter Dr. Rosenberg(Komm.) aus, daß es zweckmäßiger wäre, das Reichspatentamt dem Wirts ch astsmini st erium anzugliedern und daß bei der neuen Regierungsbildung die Personalunion des Reichsjustizministers mit der des Ministers für die besetzten Gebiete beseitigt werden müsse. Dann könnte auch der Posten des St a a t s s e t r e t ä r s, der für ein so kleines Ministe- rium gar nicht nötig sei, in Fortfall kommen und das sei um so mehr geboten, als der gegenwärtige Träger dieses Postens, Staatssekretär Joel, einer der reaktionärsten Beamten in der Reichsverwaltung sei. Die Genossen Dr. R o s e n s e l d und Dr. L e v y erklärten namens der sozialdemokratischen Fraktion, daß diese gegen die Streichung des Postens des Staatssekretärs sei, daß sie aber das Urteil des Vorredners über die Person des Staatssekretär« Joel bei aller Anerkennung seiner juristischen Fähigkeiten, in vollstem Umfang unterstreichen müssen. Man brauche nur zu erinnern an die Haltung von Herrn Joel in den Fällen Wandt und Butler- j a h n, an seine stetige, schroffe Ablehnung aller Wünsche auf Am- nestien und Gnadenerlasse, sowie an die Kennzeichnung, die Herr Joel selbst in der demokratischen Presse gefunden habe. Die Person des Herrn Joel sei von der„3 u st i z t r i s i s" nicht zu trennen. Der anwesende geschäftsführende Reichsjustizminister Dr. Bell trat diesen Angriffen in wiederholter Rede entgegen und wurde darin unterstützt von den bürgerlichen Abg. Dr. Kahl(Dnat. Dp.), Dr. Schulle(Zentr.) und Frau Dr. Lüders(Dem.). Der kommu- nisttsche Antrag auf Streichung des Postens für den Staatssekretär wurde abgelehnt. Bei der Etatsposition, die den Beitrag des Deutschen Reiches an das in Bern errichtete Internationale Bureau zum Schutze von Werken der Literatur und Künste be- trifft, ließ das Reichssustizministerium erklären, daß die Reichsregie- rung in der Frage einer Verlängerung der Schutzdauer seit längerem mit den Kreisen der Jitteressenten und Sachverständi» gen in Verbindung stehe, um sie zu einer Stellungnahme zu ver- anlassen. Abschließende Aeußerungen liegen noch nicht vor. Geiwsse Müller- Franken spricht sich scharf gegen eine Verlängerung der Schutzsrist aus. Dreißig Jahre genügten vollauf, selbst wenn man sich ganz auf den privatrechtlichen' Standpunkt stelle. Beim Kapitel„Reichsgericht" polemisierte Genosse Dr. R a senfeld scharf gegen die Rede, die der Reichsgerichtspräsident Dr. Simons am 9. Rovernber 1926 gehalten habe. Simons hat in seiner Rede die schärfsten Angriffe gegen die Sozialdemokratische Partei gerichtet. Es sei unerfindlich, wie der höchste Richter des Reichsgerichts zu dem Schluß kommen könne, daß der sozial- demoträtlf-che Richter nicht zu gebrauchen sei, weil die Sozialdemokratische Partei auf der Theorie des Klassenkampfes aufgebaut sei. Mit Recht sei selbst in der bürgerlichen Presse darauf hingewiesen worden, daß gerade der Klassenkampf das schöpferische Element des sozialen Aufstiegs gewesen sei. Dr. Simons habe doch sein Amt als höchster Richter der deutschen Republik zwei Sozialdemokraten, dem Reichspräsidenten Eberl und dem Reichsjustizminister Radbruch zu verdanken. Nirgends hatte«in Jf Frau und waren glücklich, wenn sie sich selbst und ihr kümmerliches Leben durch die Arbeit an den Fischkuttern bejahen konnten. Auch in Dresden und Köln traf ich die Vorposten der unsichtbaren Armee, und im Schloßpark von Donaueschingen, an der Quelle der Donau, stieß ich aus«inen Trupp junger Leute, die aus den Städten vertrieben waren und die, weil sie jung waren, nach den sommerlichen Landschaften des Südens aufbrachen, nach den Abenteuern der Bergs und Ströme. Nach einer ungenauen. schätzungsweisen Berechnung wanderten im vergangenen Jahn gegen 300 009 Menschen auf den deutschen Landstraßen. Das sind die männlichen Einwohner einer Millionenstadt! ' Das Leben auf der Landstraße ist ein ewiger Kampf um den Bissen Brot, ist Kampf mit dem Bauern, Kampf mit dem Krauter. Kampf mit dem Polizisten, Kampf mich untereinander und gegeneinander, Kampf um Arbeit, und wenn sie auch nichts ist, als nackte Ausbeutung. Kampf, ewiger, aufreibender Kampf, um das arme Leben zu fristen. Die dunkle Tiefe des Landstraßenlebens wurde vor einiger Zeit durch das Eifenbahnattentat von Leiferde furchtbar enthüllt, und die beiden Figuren, deren Schuld die Schuld der Gesellschaft ist, die grausam opfert, um dann diese Opfer pathetisch zu richten und anzuklagen, diese zwei halbverhungerten Menschen, um deren Köpf« jetzt noch das Spiel geht, haben mit zuckenden Händen auch die letzten Schleier zerfetzt, die um die Romantik der heutigen Land- straße wehen. Gegen 300 000 Menschen sind Tag für Tag unterwegs, eine graue, zerlumpte Anne«, die in den Spelunken und Asylen der Großstädte lauert und kauert oder über die einsamen Landstraßen wandert. Dir Armee der Ausgestoßcnen marschiert durch Deutschland. Sie muß sich um jeden Bissen Brot ducken und demütigen. sie wird verfolgt und gehetzt und für rechtlos erklärt. Ja, und jeder satte Mensch darf vor ihren verhungerten Gesichtern die mißtrauisch geöffnete Tür mit einem kräftigen Fluch zuschlagen. Die Oichterokademie für Verlängerung der Schutzfrist. Di« Preußische Akademie der Künste, Sektion für Dichtkunst, betrachtet es angesichts der schwebenden Erörterung als ihre Pflicht, für die Verlängerung der Schutzfrist geistigen Eigentums von dreißig auf fünfzig Jahre nachdrücklich einzutreten. Sie begründet-ihre Stellunjjnohnie damit: »Di« fünfzigjährige Schutzfrist ist sowohl von der reoidierten Börner Uebereinkunft vorgesehen, wie von der überwiegenden Mehr- zahl der europäischen Staaten bereits gesetzlich eingeführt. Sie wird daher in Deutschland schon durch die Rücksicht auf Bereinheit- lichung des Urheberrechts und die nur durch diese zu erzielende Recht-sickcrheit im geistigen Austausch der Völker gefordert- Die Gegner der Verlängerung weisen hauptiächlich darauf hin, daß diese die Aerbilligung der Werke für dos Volt hinausschiebt. Ersahrungs- gemäß ober hiydert der Urhebxranteil die Derbilligung so gut wie gar nicht, und sie wird durch das Freiwerden der Werke nur im sozialdemokratischer Richter ein Urteil gefällt, das den Unwillen der Mehrheit des Volkes erregt habe. Es sei vielmehr erwiesen, daß die sozialdemokratischen Richter stets gewissenhaft und pflichttreu chr Amt erfüllten. Dr. Simons möge sich lieber um die skandalösen Vorgänge im Reichsgericht in Leipzig selbst küm- mern. Es sei dort gebräuchlich, daß die Untersuchungshaft dort sechs oder neun oder gar zwölf Monate in die Länge gezogen werde. Da? geschehe insbesondere durch den in dieser Hinsicht bekannten Landgerichtsdirettor Vogt. Für die einfachsten Fälle müßte der Angeschuldigte neun und mehr Monate in Untersuchungshaft sitzen. Dies sei kein Sondersall, sondern der Regelfall. Reichsjustizminister Dr. Bell erwiderte, daß die Rede des Reichsgerichtspräsidenten keine Amtshandlung gewesen sei, sondern eine private Meinungsäußerung, zu der er nach der Verfassung wie jeder Staatsbürger dos Recht habe. Auf die Frage des Vorredners. wie er. der Rcichssustizminister, sich zur Oualifikation der sozial- demokratischen Richter stelle, wolle er als Reichsjustizminister ant- warten, daß niemandem die Oualifikation zum Richteramt abgesprochen werden könne und dürfe, nur um deswillen, weil er zur Sozialdemokratischen Partei gehöre. Am Schluß der Aussprache über das Reichsgericht wurde eine Entschließung der Genossen Müller-Franken und Dr. Rosen- feld angenommen, die die Vorlage einer statistischen Ucbersicht dar- über wünscht, an wie viel« Personen und welche Beträge seit dem 1. Januar 1924 alsEntschädtgungenfürunschuldiger- litten e Haft gezahlt worden sind und wie lange diese Haft bei den einzelnen Personen gedauert hat. Reichsjustizminister Dr. Bell sagte zu, die gewünschte statistische Uebersicht so schnell als möglich dem Reichstag vorzulegen. �lltsozialiften im Sürgerblock. Tumultszencn im Dresdener Stndthaus. Aus Dresden wird uns geschrieben: Die erste Sitzung des neuen Dresdener Stadtverordneten- kollegiums endete am Donnerstag mit einem großen Tumult. In dem Kollegium stehen 36 bürgerliche Stadtverordnete 26 Soziat- demokroten und 10 Kommunisten gegenüber, außerdem gehören ihn» zwei Altsozialisten an. Bei der Wahl des Präsidiums wurde der Sozialdemokrat Dielitzsch mit 60 Stimmen zum Stadtverordneten- Vorsteher gewählt. Zweiter Vorsitzender wurde ein Deutschnatio- naler. Aus den Posten des dritten Borsitzenden hotten nach der Fraktionsstärke die Kommunisten Anspruch. Die zwei Altsozialisten hatten sich aber mit den Bürgerlichen zu einer Wahlgemeinschaft zusammengeschlossen. Diese Mehrheit wählte als dritten Vorsitzenden einen Volksparteiler, nachdem die Altsozialisten erklärt hatten, daß ste keinem Kommunisten die Stimme geben würden. Da die Wahlgemeinschaft außerdem von den vier Beisitzern drei für sich in Anspruch nahm und nur einen der Sozialdemokratie über- lassen sollte, wodurch die Linke von vornherein in die Minderheit geriet, legte der neugewählte Borsteher im Aus- trog« der sozialdemokratischen Fraktion unter dem Beifall der Tribünenbesucher sein Amt nieder. Im Dresdener Stodtverordnetenkollegiirm haben die Altsozia- listen also bereits in der ersten Sitzung ein offenes Bündnis mit den Deutschnationalen gegen die proletarische Linke abgeschlossen. Die ilnschuldigungsschrisk gegen die Magdeburger Richier hoss. manu und Kalling umfaßt 18Z selten und hält sämtliche Anichuldi- gungspunkte, die bei der Besprechung des Falles Haas im Landtag vom Iustizminifter mitgeteilt worden sind, aufrecht. Die Preußisch« candcsgecnzpollzei wird vom 1. Februar ab njit den Landes kr iminalpolizeistellö» verschmolzen. Die leitenden Grenzkommsssariate bei den Regierungsprösid'en werden ausgelöst. Die Grenztommissariat«� und die Grenzdienst» stellen sind vom 1. Februar ab zugleich Stützpunkte der Landes« kriminalpolizeistellen und führen die Bezeichnung„Kriminal- und Grenzkommissariat". ver tschechoslowakische Gesandle in Berlin. Prof. Dr. Krosla. soll Vertreter des Außenministers und durch Dr. C h o a l k.o v j k y, bisher Gesandter in Warschau, ersetzt werden. Fall« von Massenverbreitung, bei Dühnenaufführungen sogar nie- mal? bewirkt." So einfach wie die Dichterakademiker die Sache darstellen, liegen die Ding« keineswegs. Die Gesellschaft hat alles Interesse daran, die geistige Produktivität zu steigern und ihre Früchte den Volksgenossen mitzuteilen. Es Hai lange gedauert, bis ein geistiges Eigentum sich in der bürgerlichen Gesellschaft durchsetzte. Und mit Recht Hot selbst diese es nicht auf ewig verlängert, sondern es auf dreißig Jahre nach dem Tode des Schöpfers beschränkt. Es liegt kein triftiger Grund vor, diese Schutzsrist auf fünfzig Jahre auszu- dehnen. Bei dem raschen Tempo der modernen Entwicklung sind heute vielfach schon geistige Werte dreißig Jahre nach dem Tod« ihres Urhebers veraltet und vergessen. Andererseits haben wir oft genug erlebt, daß'erst das Freiwerden eines Werkes Ihm den weiten Nachhall und die volkstümliche Berbreitung brachte. Heine, Reuter» Hebbel, Keller, reden eine deutliche Sprache. Die Torheit der Ver« leger, die mit kleinem Umsatz und großem Nutzen rechnen, würde durch solche verlängerte Schutzfrist mir unterstützt. Zudem hat vielfach den Hauptnutzen nur der Verleger, nicht der Autor und seine Erben. Die Dichterakademie dient mit diesem Vorschlag weder dem Geiste noch dem Volke, sie hätte nach Methoden ausschauen sollen, wie man beide noch früher zusammenbringt und die ganze Frage des Urheberrechts von höheren Gesichtspunkten aus anfassen sollen. Dom Schriftsteller zum Bolksbtldungsminlster. Unter den fünf Sozialdemokraten, die der neuen lettischen Regierung angehören, ist der Dolksbildungsminister R a i n i s die markanteste Erschei-> nixng. Dieser Mann mit dem Künstlernamen R a i n> i, dessen bürgerlicher Name Ianis Plietschans lautet, ist nicht nur Po- littker, sondern auch ein bereits im Auslande bekanntgewordener Schriftsteller. Seine dramatisch« Produktion, seine Novellen und Gedichts bilden den Anfang des individuellen Schaisens in der lettischen Litsratui. die vorher in der Hauptsache nur Volkslieder der von den baltischen Baronen jahrhundertelang niedergehaltenen Bauern hervorgebracht hat. Raiiiis ist 1865 als Sohn eines wohl- hobenden Bauern geboren, besuchte das Gymnasium in Riga und hat in Petersburg die Rechtswissenschaft studiert. Eine Zeitlang mar er Advokat in Mitou, ging aber bald zu Schrlftstellerei und Journalismus über. 1897 mochte er in eine? sozialdemokratischen Versammlung die erste Bekanntschaft mit den Kosaken und ward« aus«in Jahr ins Gefängnis und hernach fünf Jahre in die Der- bannung geschickt. Don 1903 bis 1905 war er wieder poliistch tätig und mußte nach der Niederlage� der Revolution von 1905 fliehen. Sein Äfyk war die italienische Schweiz. Erst nach der Be- sreiung Lettlands, dem Ziele seiner Jugend, durste er in die Heimat zurückkehren, in der er durch seine Schriften schon populär ge- worden mar Die sczialdcmokratilche Arbeiterpartei Lettlands schickt« ihn in» Parlament und mochte ihn zum Ehrenmitglied« der Partei. Seine ltterarischen Arbetten und seine Bedeutung für den Kampf um die nationale Befreiung Lettlands wurden durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Hochschule und der Prcssegesellschost an- erkannt. tit Zahl der Raudfontteilaehmrr im Teuilchen Reich beträgt nach dem Stande vom 1. Januar 1327: 1 876 504.■ Im Mona! Dezember>926 haben sich 89 442 Rundiunkbörer neu angemeldet. tiatakawdtn in Ephefu». Eine Wiener archäologische Erdedition entdeckte in EphesuS(Kleinasien) ein« grajze christliche Katakombenanlage. Erste Krasttprobe in öer Kammer. Interpellationen über Teuerung und Wirtschaftskrise werden getrennt behandelt. Paris. 14. Januar.(Eigener Drahtbertcht.) In der Kammer kam es am Freitag anläßlich der Festsetzung der Tagesordnung für die kommenden Sitzungen zu einem scharfen Zusammen- st o ß zwischen dem Sozialisten Blum und der Regierung. Blum verlangt«, daß di« Interpellationen über die Teuerung unddie Wirtschaftskrise zusammengelegt und in einer einzigen Sitzung zur Diskussion gelangen sollten. Dem widersetzte sich P o i ii c a r e, da ihm die Gefährlichkeit einer solchen großen Au?- spräche über die Wirtschaftslage nicht entgehen tonnte, und verlangte, daß jeweils Freitag diese Interpellationen na 6) einander abge- wickelt würden. Mit 385 gegen 182 Stimmen lehnte die Kammer den Antrag Blum ab. Die erste Interpellation über die Wirtschofts- krise wird am Ipmmcnden Freitag stattfinden. BouissonS Antrittsrede. Poris, 14. Januar.(WTB.) In der heutigen Kammersitzung hat der neugewählte Kammerpräsident Fernand Bovis son sein Amt angetreten und in der üblichen Antrittsrede vor allem darauf hingewiesen, daß zum erstenmal ein Mitglied der sozialistischen Partei zum Präsidenten gewählt wurde. Durch die Wahl habe die Kammer siel) nicht für einen Mann, sondern für eine Arbeitsmethode ausgesprochen. Niemals sei die Notwendigkeit einer rationellen und methodischen Organisation der parlamentarischen Arbeit dringender erschienen, als augenblicklich. Seit Beginn'unseres Mandats, so fuhr der Präsident fort, ist unsere Zeit und unser Geist durch die Sorge um den Frieden, den man stabiler und allgemeiner wünscht, beansprucht worden und außerdem durch die beängstigendsten fi- na nzi ollen Schwierigkeiten, die die Kammer je ge- könnt Hot. Durchdrungen von dem Ernst und der Dringlichkeit dieser Probleme hat die Kommer freiwillig während des ersten Teiles dieser Legislaturperiode ihre Tätigkeit e i n g c- schränkt. Diejenigen, deren ganze Politik darin besteht, unsere parlamentarischen Einrichtungen zu kritisieren, glauben darin zur Begründung ihrer Thesen des Mißkreditsystenis Argumente zu finden, deren Nichtigkeit das Parlament jetzt beweisen kann. Nie- wand kann mit Sicherheit voraussagen, an roelchem nahen oder fernen Zeitpunkt man vollkommen von den Sorgen befreit sein wird. Man kann jedoch hoffen, daß dank der schweren Opfer, die man gebracht hat, man an einem Rahepunkt angelangt ist. Das Land erwanet, daß die Kammer ihn dazu benutzt, um alle die Fragen zu erledigen, die am meisten die öffentliche Meinung beschäftigen, sei es. daß es sich um gesetzgeberische Maßnahmen aus administrativem oder wirtschaftlichem Gebiete handelt, sei es, daß es sich um die Beseitigung von Mängeln der S ch u tz b c st i m m u n° gen für die Arbeiter handelt. Der neue Präsident trat als- dann für eine gründliche Borbcreitung der Gesetze ein, wobei er den Ausschüssen in stärkcrem Maße als bisher ein Mitbostim- mungsrccht zuertennen will.. Schließlich crklärie er, daß er ohne Rücksicht auf die Partei, der er angehöre, sein Amt in unparteiischer Weise und unter Berücksichtigung der politischen Ueberzeugiing und Rücksichtnahme auf die Persönlichkeiten ausüben wolle. Doumcr Tenatspräsidcnt. Im Senat wurde der frühere Finaiiznnnister Daum«?. nachdem sich die Linksparteien emschlicßlich der Sozialisten auf sed-� Kandidatur geeinigt hatten, mit 238 von insgesamt 273 Stimmen zum Präsidenten gewählt. Die„Neftpirnkte". Pawels in Versailles.— Günstige Vcrhandlungs- aturosphärc. Paris, 14. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der deutsch« General v. Pawels ist vormittag und nachinittag von der Interalliierten Militärkommisston in Versailles gehört worden. Einzelheiten über den Berlauf der Diskussion sind bisher nicht bekannt geworden, halbamtlich wurde nur mitgeteilt, daß sie>n einer Atmosphäre vor sich gehe, die einen günstigen Ab- s ch l u ß der Verhandlungen noch vor dem 31. Januar � 1927 erhoffen lasse. Paris, 14. Januar.(Eigener Drahtbericht.) In einem Teil der Presse geht die Polemik über den außenpolitischen Gcgeusai; Poincarä'Briand und dessen eventuellen Rückwirkungen auf den Bestand des Kabinetts weiter. So gibt der„Paris Midi" in einem pessiinistisch gehaltenen Artikel ssiner UeberzeugUng dahin Ausdruck, daß der Konflikt zwar äußerlich beigelegt sei, aber die Konsliktsotmosphär« wie«ine schwarze Wolke über der Regierung laste. Wenn Poincare und die Rechte sich mit den gestrigen Erklärungen Briands im Kabinettsrat, daß er keine Verpflichtungen über die Räumung der Rheinlande ab- gegeben habe, abfinde, so sei das Gegenteil bei Briand der Fall. Dieser sei wohl sicher, daß er des Parlaments für seine Locarnopolltik sicher sei und verzeihe deshalb seinen Gegnerg die Zurückstellung der außenpolitischen Debatte nicht. In politischen Kreise» wird diese pessimistische Auffassung keineswegs geteilt. Man betont im Gegenteil, daß Briand ab» sichtlich auf die Zurückstellung der außenpolitischen Debatte ein- gegangen sei, gerade weil er seine Locarnopolltik durch eine Ministertrise nicht gefährden wolle. f' Die Pension ües Putschgenerals 2uttw?tz. weitherzige Rcichsvcrsorgungsgcricht. Das Landgericht I Berlin hat bekanntlich dem General v. Süttistitz trotz seiner hochverräterischen Umtriebe sein Gehält für die drei Monate nach dem Kapp-Putsch unter Aufwertung auf 50 Proz. zugebilligt. Diesem Urteil, das unter dem 20. Oktober 1926 erfolgte, reiht sich würdig ein anderes an die Seite, das vom ersten Senat des R e i ch s u e r f o r g u ng s g c r i ch i s am 23. November 1926 gefällt wurde. Danach werden dein Herrn v. Lüttwig feine 16.983 M. jährliche Pension, rückwirkend bis zum 1. Januar 1923,. zugebilligt. Das Urteil des Versorgungsgerichts stützt sich darauf, daß infolge der Amnestierung der Putschisten„mangelnde Strafbarkeit" ge- geben sei. Das Urteil ist nicht nur deshalb ungeheuerlich, weil hier wieder eine deutsche behördllchc"Stelle entgegen allem Volksempfinden einen notorischen Hochverräter zum Neichspensionär macht, sondern auch deshalb, weil es «ller bisherigen Tradition der Berforgungsgerichtc wider- spricht. Die Strafbarke, t seiner Handlung hat Lüttwitz selber dadurrh zugegeben, daß er sich nach berühmtem Muster ins Ausland verdrückte, so lange er eine Verfolgung zu gewärtigen hatte. Erst als das Strafverfahren gegen ihn niedergeschlagen war, und zwar auf Grund einer Amnestie, die die Strafverfolgung, nicht die Strafbarkeit seines Verbrechens beseitigte, erschien Herr v. Lüttwitz persönlich wieder auf der Bildfläche und beanspruchte mit der ihm eigenen Bescheidenheit die Honorierung seiner Dienste durch dieselbe Republik, gegen die er geputscht hatte. In keinem einzigen Falle, deren es bei kleinen Beamten nicht wenige gibt, hat bisher das Versorgungsgericht eine Amnestierung als Grund dafür angesehen, daß die Beamten- o n s p r ü ch e des Getroffenen gewahrt bleiben. Immer galt die Entlassung automatisch als vollzogen. Auch in solchen Fällen, in denen die„Strasbarkeit"— um mit dem Ber- sorgungsgericht zu reden— durch Zubilligung einer Be- Währungsfrist hinfällig geworden war, hat man rücksichtslos die Veamteneignung und die Gewährung von Ruhegehalts- ansprüchen den Betroffenen aberkannt. Die Konsequenzen dieses Urteils sind nach dieser Richtung hin unabsehbar. Was dem Hochverräter Lüttwitz recht ist, ist natürlich denjenigen entlassenen Beamten billig, die sich geringere Verfehlungen als den Hochverrat häben zuschulden kommen lassen. Wir sind gespannt, unter welchen Vorwänden man den Kleinen klar machen wird, warum sie gehängt zu werden verdienen, während man die großen Verbrecher laufen läßt und dafür bezahlt. . Das Versorgungsgericht untersteht dem Reichs- arbeitsmini st erium. das. wie das..Berliner Tage- blatt" mit Recht betont, die P f l i ch t gehabt hätte, den Reichs- tag über die Konsequenzen des Amnesticgefetzes aufmklären, ehe dieses Gesetz erlassen wurde. Nachdem es das nicht getan hat. ist es für den Spruch des Versorgungsgerichtes voll v e r- ä y t w o r t l i ch und man kann nur hoffen, daß es dafür vom Reichstag zur Rechenschaft gezogen wird. Ungeheuerlich bleibt der ganze Vorgang in jedem Falle. Die Kriegsbeschädigten, die vielfach mit ganz nichtigen Vor- wänden um ihre geringen Ansprüche an den Staat gebrocht worden sind, können wieder einmal daraus ersehen, welche Geldmittel dem Reiche zur Verfügung stehen, wenn es sich um'Versorgungsansprüche von Generälen handelt. Die Mißwirtscbast bei ser Staatsbank. Feststellungen im Barmat-Prozest: Niemand wußte vom anderen! Nach der Mittagspause kam es in der gestrigen Verhandlung des Barmat-Prozesses zu interessanten Erörterungen über die Be- schlüise der Generaldirektion der Staatsbank hinsichtlich der Behandlung d er großen Kreditnehmer. Zunächst Handelle es sich um einen BcsHluß der Generaldirektio» vom 16. Mai 1924, demzufolge zur Erhöhung der Liquidität der Staats- bonk den Kunden mit größeren Krediten eröffnet werden sollte, daß sie über den 15. Juni 1924 hinaus mit diesen Kredite» nicht mehr rechnen könnten. All« Kredite über 300009 Mark müßten zunächst in der Direktionssitzung vorgetragen werden. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärte der Angeklagte Dr. Hell w ig, daß ihm dieser Beschluß bekannt gewesen sti. Weiter trug Staals- finanzrot Soldat aus dem Protokollbuch der Direktianssitzungcn einen Beschluß vom 10. Mai 1924 vor, der sich mit der Tatsache be- faßt, daß die drei große» Kreditnehmer der Staatsbank, B a r m a t, K u t i s k e r und Michael insgesamt über 35 Millionen G o l d in a r k schuldig seien, und daß sie diese Gelder dazu be- nutzten, um sie mit hohem Gewinn me-ter zu verleihen. Diese Kre- dite dürften auf keine» Fall erhöht, sondern müßten langsam verringert werden. Anaekl.: Dr. liellwig: Dieser Beschluß ist mir nicht bekannt geworden. Ich habe erst viel später von anderer Seile davon erfahren. Vors.: Wie wurden denn diese Beschlüsse der Generoldirektion den abwesenden Direktionsmitglicdern zur Kenntnis gebracht? Staatsfinanzrat Soldat: Die Beschlüsse wurden nicht in Umlauf gesetzt, sondern dos Protokollbuch blieb aus dem Sitzungstisch, aber die Herren sprechen doch unterein- ander über die Beschlüsse. Vors.: Dann konnte doch ober mal etwas in Vergessenheit geraten? Angekl. Dr. H e l l w i g: Ich war mit den Obcrsiiianzrälen Habbena und Dr..Rühe sehr be- freundet. Ich weiß genau, daß Habbel, a diese Eintragungen in das Protokollbuch manchmal erst wochenlang nach den Sitzungen auf Drängen des Präsidenten v. Schröder gemacht hat. Beisitzer Landgericht»«!, Unger: Haben Ste sich da? Buch nicht manchmal auf frühere Beschlüsse angesehen? Dr. Hellwig: Rein, es befand sich in Verwahrung des Dr. Habbena. Ein weiterer Beschluß der Generaldirektion vom 14. Juni ,924 verlangt, daß auch Kreditprolongationen über 300000 Mark hinaus zunächst in der Direktion zur Sprache ge- bracht werden mühten. Dr. Hellwig erklärte hierzu, daß er diese» Beschluß selbst herbeigeführt habe. Dagegen müsse er wohl am 19. Mai zu spät zur Sitzung gekommen sein, so daß ihm der damalige Beschluß nicht mehr bekannt geworden sei. Landgerichts- rat. Rosemann: Hat es nicht großes Aufsehen erregt, daß drei Kreditnehmer so hohe Kredite erhalten halten? Dr. Hellwig: Angeblich sollen.einig« Herren de? Direktion überrascht gewesen sein, aber auch das war in meiner Abwesenheit. Staats- finanzrat Soldat: Es ist richtig, daß wiederholt Herren der Di- rektivn wahrend de? Sitzung abgerufen wurden. Vors.: Hat man ihn�t denn nicht bei ihrer Rückkehr gesagt, was für ein Be- fchluß soeben gesaht worden sei? Staatsfinanzrat Soldat (achfelzuckend): Nicht Immer. Auf Befragen des Vorsitzenden verbreitete sich der Sochvcrstän- dige dann über die Beleihungsbedingungen und erklärte, daß sie, obwohl gewiss« Richtlinien vorhanden gewesen seien, doch im wesent- lichen in das Ermessen der Reicrenten gestellt waren. Beisitzer Landgerichtsrat Rosemonn stellt fest, daß noch den Darlegungen de« Sachverständigen«ine einheitliche Bearbeitung der verschisdenen Konten in der Staatsbank überhaupt nicht stattgefunden habe. Es fei vorgekommen, daß z. B. ein Kreditsucher erst bei dem Referenten für die Lombardkredite ein Darlehen erhielt und dann e i n z w« i t e s bei dem Referenten für die Kontokorrent. abtsilung, ohne daß der eine Referent von dem Vor- gehen des anderen etwas wußte. Auch bei der Frage der Prüfung der Wechselbonität bestätigte auf Befragen Staotssinanz- rat Soldat, daß damals jeder Referent gewisiennaßen g« fühle- mäßig handeln mußte, weil eine fachliche Nachprüfung eben nicht möglich war. Auf n, ehrfach« Lorhalte von R.-A. Julius- berger führte der Sachverständige auch aue. daß die Prüfung der Kontokorrent kreditzorst im Oktober 1924 er. folgt sei, weil damals die Konten ganz allgemein nachgesehen wurden. Das Gericht gab Staatsfinonzrat Soldat auf. bei der Staatsbank nachzuprüfen, ob nicht schon eine frühere Prüfung durch die Kassenabteilung erfolgt sei bezw. warum man eine solche Prü- fung unterlassen habe. Auf eine Frage des Iuftizrats Löwenstein, ob nicht gerade Soldat derjenige gewesen sei, der die Kontrollboaen für die Prüfung der Kroditsicherheiten Hellwig zur Eintragung der Zahlen übergeben habe, bestritt der Staatssinanzrat. dies, während Dr. Hellwig daran festhielt und feiner Verwunderung darüber Zlus� druck gab, daß diese Kontrollboaen sich nicht in den Akten befänden und auch dem� Untersuchungsrichter unbekannt gewesen seien. Aus eine weitere Frage des Rechtsanwalts S ch w e r s e n s, ob denn ein Kunde über den Gang des internen Geichöktsbetriebes bei der Staatsbant Ahnung haben konnte, erklärte Slaatsfinanzrat Soldat, daß den' Kunden auf Wunsch die Bcleihungsgrundsötze ausgehändigt worden seien. Die Verhandlung wurde dann auf Montag oertagt. praktische Landwirte in sie Verwaltung! Sozialdemoerattschc Forderungen zum Landwirt, schaftsetat. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtags wies der preußische L a n d w i r t s ch a f t s m i v i st e r bei der Be- ratung des Etats darauf hin, daß Preußen aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen ein« Reichswasscrstraßcnoerwaltung ab- lehnen müsse. Die Maul- und Klauenseuche habe ein Schaden von 9V bis l00 Millionen veiursacht. Milchwirtschaft und Molkerei- wesen stände» nckt auf der Höhe der Vorkriegszeit. Die 1,2 Mil- liarden des Reichsverlehrsmiutstcriums im Arbeitebeschafsungsamt waren besser für Meliorationsarbeiten verwendet worden. Ange- fichts der furchtbaren Hochwasserschäden sei ein umfangreicher Hoch- wasscrschutz notwendig. Abg. Peters(Soz.) verweist auf die vorbildliche Arbeit, die Bayern, das sonst sehr wenig als Aorbild gelten könne, in der Moorwtrtfchaft geleistet habe. In Preußen würden be- danerllcherweife praktische Landwirte nicht genügend zur Derwal- tüng herangezogen. In den 33 landwirtschaftlichen Abteilungen der preußischen Regierung sei kein einziger vormalig p r o t- t i s ch e r Landwirt tätig. Im Reichsernährungsministerium seien von den zehn Landwirten zur Zeit des sozialdemokratischen Ernährungsminifters Robert Schmidt heute nur noch drei Land- wirte übrig. Peters fragte zum Schluß, wo die Kreditvorlage zur Einrichtung der Musterbetriebe für Gemüsebau bleibe. Ein völkischer Scbimpfhelü. Dir wildgcwordene Freund Hitlers. Während sich der Rechtsausschuß des Reichstages mit dem omi- nösen Redeverbot gegen Hitler beschasttgt«, hielt der rabiateste Agi- tator der Nationalsazialtsten in Bayern, der Busensreund Hitlers. der Londtaqsabgeardnetc und ehemalige Volksschullchrer Julius Streicher von Nürnberg, im Münchener Bürgcrbräutcller ein« Rede, die alles in den Schatten stellt«, was von dieser Seite bisher an Volksverhetzung geleistet worden ist. Streicher, der soeben aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er wegen der be° kannte» schamlosen Beleidigungen des Nürnberger Oberbürger- meifters Dr. Luppe und anderer Nürnberger Bürger ZI, Monate abzusitzen hatte, sagt« in seiner Rede u. a.: „Deutschland ist ein durch und durch verlumpter Staat. An der Spitze dieses Staates stehen Lumpen. Die Führer der Sozialdemokratie im Landtag und im Reichstag find alle bestochen von den Juden____ Di« Münchener Polizei duldet In beisven Hotels bewußt die M ä d ch s n f ch o n- düng.... Ein Kronprinz Rupp recht, der sich der Bancriichen Volkspartei perschreibi. wird.zum Verbrecher an seinem Hause_____ Dawes-Nobclprciztraoer mit dem Notzuchtver. brecher Briand und Stresemann...." Nach den Bestimmungen der erst vor kurzem in Bayern er- laisenen verschärston Ehrenschutzverordnung ist wohl damit zu rechnen, daß sich der Staatsanwalt van neuem mit Herrn Streicher beschäftigen wird, allerdings wahrscheinlich nicht ohne Hinzuziehung eines— Psychiaters. Oder sollte der„Ehren- schütz" nur gegen links Anwendung finden? Tiirati-Zeier in Paris. In der sozialistizchen Kaurmerfraktio«. Pari», 14. Januar.(Eigener Drohkberichl.) Die sozialistische Kamnierfraktion veranstalleke am Freilag einen seierlichen Empfang zu Ehren des hierher geflüchtete» Vorkämpfers der italienischen Sozlaldemotralle, Genossen Filippo T u r a l t. Turati gab bei dieser Gelegenheit einen auesührtlchen Bericht über die tage In Zlal'en und die Verfolgungen, denen dl« Sozialdemokraten ausgesetzt sind. Graf Sforza festgehalten. Aus Mailand wird uns berichtd: Als Senator Graf Sforza, der ehemalige italienische Außen- minister und Botschafter, den Bahnhos von Turin in der Absicht betrat, nach Frankreich zu reisen, wurde er von einem P o l i z e i k o in m i s s a r a n g e h a l t e n und aufgefordert, sofort nach Rom zurückzukehren. Dies war der peremptorische Befehl Mussolinis. Senator Graf Sforza ist ein alter und unerschütterlicher Gegner des„Regimes". Seit einem Jahre hat er sich ziemlich van der Politik zurückgezogen und zeigte sich auch nicht mehr im Senat. Auch feine Mitarbeit an der Presse hat er völlig eingestellt. Trotzdem habe» die Faschisten sein Landhaus in Forte dei Marmi eingeäschert und sein« Wohnung m Rom zerstört. Seine Reise nach Frankreich war durch die Tatsache begründet, daß Sforza Mitglied der Carnegie- Stiftung ist. dt« ihren Sitz in Pari« hat. Der internationalc Bcrwaltungsrat sollte dieser Tage eine Arbeiissttzimg abhalten, an der wie an den vorherigen Sforza teilgenommen hätte. Nach Informationen, die uns aus Ron, erreicht haben, sind die Beweggründe Mussolinis zu feinem Vorgehen die. daß er Sforza für die Veröffentlichung eines Artikels über den Revolutionär Mazztni in«tncr englischen nichtsaschistensreundlichen Zeitschrift b e st r a f« n wollte. Sforza botte sich in dem Artikel lediglich darauf beschränkt, die Gedanken Mazzinis wiederzugeben. Einige Stellen in den hierbei angeführt«', Briefen des großen Italieners, in denen er treffende Bemerkungen über die Leiden des Vaterlandes unter den tyrannischen Regierungen der Vergangenheit macht, schienen Mussolini allzusehr für die Anwendung aus die gegenwärtige Lage Italiens ge- eignet. Der alte Marchese De Vitt De Marco, ehemaliger Abge» ordnrter und Professor der Universität Rom, ist ynter der Be» schuldigung verhaftet worden, über Mussolini schlecht g»- i p r o ch e n zu hoben. Deshalb wird er von einem Sondergericht abgeurteilt werden. Marchese De Vit! gehört zur Gruppe der Llbe- ralen, die sich dem Faschismus nicht angeschlossen hoben. Darüber hinaus war er ein Freund des bekannten Historikers und Antifaschisten Professor S a l v e m i n i und das ist jetzt in Italien ein schweres Verbrechen. die Freigabe der gewerblichen Räume. Und die Gastwirlsgehilscn. Die geschaftsflihvcnde Denöoltimg"des Aweirwerems Kerlin des Zenirawerbandes der Hotel-, Restaurant- und llafe-Angestelllen hat m einer Entschließung ge�en die unerhörte Preis- treiberei der Hauswirt«, die nach ffreigade der gewerb- lichen Räuni«, soweit gast wirtschaftliche Betriebe in Frag« kommen, Mieten fordern, die zur Stillegung und Brotlosmachung einer nicht unerheklichen Zahl gastwirt- ldjaftstcher Arbeitnehmer führen muß, Stellung genrmmen, Tin der Entschließung wird betont, daß schon dt« Friedens- mieten für die' Gastmirtsbetriebe exorbitant hoch waren Arbei'nebmerschaft, Trinkgeld und 1K- bis lSstündige Arbeitszeit in und daß solche Mieten nur infolge der skandalösen Ausbeutung der ------.Wersch----"" der Borkriegszeit möglich waren. Die Mieten stehen in gar keinem Verhältnis zu den Räumen und zu den Umsätzen der Betriebe. Ferner wird ausgeführt, daß durch derartig ungeheuerliche Forderungen die Preise in den Gast- w>rtschaftsbetrieben. herausgeschraubt werden, und damit auch der Besuch der Gastwirtsbetriebe leidet. Die Folge sei, daß auch dadurch die gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer betroffen werden. Vom Dohltahrtsminister wird daher erwartet, daß er unter diesen Umständen die Verordnung über die Freigab« der gewerblichen Räum« zurückzieht. Au üer öerichtigung von S. ltarsch. Unser Berccbt erstatter vom Zentraloerbanddc�r Schuh- macher bemerkt zu dieser„Berichtigung": Die Firma S. Earsch hat zwar ihren Betrieb Ende November 192S nicht stillgelegt, die genehmigte Stillegung jedoch dazu benützt, dteunliebsamen Elemente hinauszuwerfen, darunter auch den ihr unbequemen Betriebsrotsvorsitzenden. Und als die Konjunktur im Jahre 1926 sich besserte, hat sie nur solche Ar- beitskräste eingestellt, mit denen sie machen konnte was sie wollte. Die alte Arbeiterschaft und der Belriebsratsoorsitzende wurden nicht wieder eingestellt, weil sie die altem Aktordsäße kannten. Wann und mit welcher Gewerk- schaft hat die Forma Earsch die Akkordsätze der drei entlassenen Ausrichter ocreinbort?_____ - Die Firma Earsch bestrcitü nicht,'daß di-e drei cnt- lasse neu Arbeiter in den letzten 13 Wochen vor der Entlassung durchschnittlich nur 36 Ps. pro Stunde als Familienväter erhalten haben. Wenn die Firma auf ihre Lohn» bücher verweist, um die Behauptung auszustellen, nicht minder- leistungssähigc Arbeiter hätten mehr verdienen können, so will sie doch damit nur sagen, wenn die drei Entlassenen das Doppelte geleistet hätten, dann hätte sich ihr Stlinvenoerd'enst aus 1.12 M. erhöht, ein Lohn, der zur Erhallung der Existenz unbedingt erforderlich ist und der in anderen Schubsabriken von Akkordarbeitcrn bei normaler Arbeit auch erzielt wird. Weil ober die drei entlassenen Arbeiter nur 36 Pi. n-rdienten, stcmpelle sie diese Arbeiter als „m i n d e r l e i st u n g s f ä h i g". Welcher Arbeiter gilt denn bei Earsch nicht als minder- leistungsfähig? Es stehen Nomen von Arbeitern zur Ver- fügung. d-e bei Earsch nicht den tariflichen Mindeftlohn erziehen und in anderen Betrieben denselben weit überschreiten. Sind diese Arbeiter auck..m i n d e r l e> st u n g? s ä h> q" oder tollen sie sich zu dem Schaden, den sie bei Earsch hPten, auch noch den Spott gefallen lassen? Den drei entlosienen Arbeitern wird nachgesagt, sie..muhte.» entlassen werden, weil sie plötzlich»''ne Grund die Ar- bell oerweigert haben. Die drei Ausrichter haben mit vollem Recht die Herstellung von Mustern zu Akkordsätzen verweigert, bei denen sie im günsligslen Aalle 49 ps. Stunden- v e r d i e n st erziell hätten. Sie waren in ihrem Recht, wenn sie verlangten, daß diese Arbeiten im Stundenlohn geleistet werden. Sie hallen noch dem Zarisvertrag den ZNiudestlohn von 78� Pf. zu erhalten, und zwar nicht nur für diese Aeitlobnstunden als Akkord- arbeiter. Die Akkordsätze mußten vielmehr so vemeflen werden, daß im Durchschnllt 78% Pf. verdient werden ohne MeHrarbeit. Daß ein Teil der Arbeiter der Firma Earsch heute unorganisiert ist, ist leider richtig. Und zwar deshalb, weil der Verdienst der Arbeiter>n ollen Abteilungen so niedrig ist, daß die unaufgeklärten Arbeiter in ihrer Kurzsichtigkell sagen, den„hohen Gewerkschostsbeitrag" können sie nicht bezahlen. Dabei vergessen sie aber, daß ihnen dieser Beitrag von Herrn Earsch mehrfach cn Form von niedrigerem Lohn cinbebalten wird., was die Berdiem'te der drei entlassenen Arbeiter zur Genüge beweisen. Wir rufen den Arbeitern der Finna Earsch deshalb erneut zu: Wollt ihr eure elende Loge verbessern, dann zahlt die Dellrägc an den Verband und nicht länger weil mehr an die Firma Earsch. Ihr habt genau wie die Firmen- inhaber ein Recht zu leben. Dieses Recht müht ihr gellend inachen durch geschlossenes, einmütiges Handeln. Schließt euch zusammen in eurer Berufsorganisation, so werdet ihr in der Loge sein, eure Lebenslage zu verbessern! Lohnbewegung in der Wuppcrtalcr Textilindustrie. Elberfeld, 14. Januar(WTB.) Der deutsche T e x t i l- arbeiterverband hat den in der vorigen Woche für die Tertil- Industrie des rechtsrheinischen Bezirkes gefällten Schiedsspruch. der eine Derlängerung des Arbeitszeit- und Ueberarbeitsabkommens sowie eine Erhöhung der Löhne um 5 Proz. und der Akkordsätze um ZM Proz. vorsah, a b g e l e h n.t. Da die ch r t st.l i ch e n G e< werkschotten gleichfalls dcn Schiedsspruch ab gelehnt haben, hat sich auch im Wuppertal d-e Lage der Dextilindustrie sehr zugespitzt. Der Beschluß des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes sieht überd-es vor, daß in den Betrieben, in denen die Möglichkeit und volle Einmütigkeit der Belegschaften besteht, nur acht Stunden gearbeitet werden soll. Bei drei Firmen in Elberfeld sind bereits Kündigungen erfolgt. Xrtie 9twrV Ardeuerinnen der Firmen Siemens, Zwietutch, Lrdwia Lewe. Znqendqrnppe de» ZdSl. Kee.U->. Sonnadend. k Uhr, findet im Raten Saal des Ortsburears ein Arbeiteid ichter-Wend unter SRiimirfune aon Franz Ratbenfellxer statt. verantwortlich für Paiitlki Dr. ttnxi Scqec; Pirischaft:®. JIIinfl«I4ifct; Dewerlschaftsbeweauna: Fe. Etztaen: Fn-illetanr De. Zolin Schikowili: ßotale, und Sonstiqes: Fr,» Nsestödt: Anjeiaen: Tb. Glackei sämtlich in Berlin. Berlaa: Barwaels-Verlog©. m. fi. S.. Derli». Track: BorwartS'ZZuchdrttckcrei und VerlagsemsKJlt Voul Sinscr u, So. Berlin ED CS. Lirdettfirafts 3. chireju 1 Beilade und..Nuteebaltuu» und Witz«»'. t.«ip»iger Strasse, Alexanderplatz, Franfcfurer Allee, Belle-Alliance-Sirasse, Brunnenstrasse, Kottbuser Damm, Wilmersdorter Strasse, Grosse Frankfurter Strasse, Chausseestrassa Heute Schlußtag unseres grossen Inventur-Ausverkaufs WM IfiiiB Wie und Abschnitte Zteftvoften und ReftbeftSude ■*:•s.-.'J- ■.. V-"' . vi■ f S>•.;, zu enorm bittigen Preisen HERMANN TIET flr.?4 ♦ A�.Tahcgano f ��0PUJ0tr�9 SoanobenK, ls.?anumi?Z7 Schloß' Dammsmühle. Unweit mm SchSnwoSie, m ftorbra Berlin«, fiegt Schloß Sammsmülile. Den Namen trägt es nach dem reichen Armee- lieferonten Friedrich Damm, der in der frideriziani�chen Zeit an dem von Basdorf herkommenden Fließe«in« Mühl« an- legte und 17S8 das Anwesen durch den Bau eines vornehmen Land- Hauses vergrößerte. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde hier«ine Gastwirtschaft angelegt, die bald ein beliebter Ausflugsort für die Berliner wurde, die im altehrwürdigen Kremser den idyllischen Winkel aufsuchten. Nach dem Bau der Borort. Hahn, die neu« Ausflugsziel« erschloß, begann es hier stiller zu werden. W o l l a n k, ein reicher Pankower Ackerbürger, erwarb das Gut, baute das Landhaus durch chinzufügung eines Barock- türme s und eines stattlichen Hofflügels zu einem Herrensitz um, legt« eine groß« Anzahl von Teichen an. in denen die verschiedensten Fischarten gezüchtet wurden. Er verschönerte den Park und sperrt« ihn gleichzeitig für fremd« Besucher, indem er die Straße nach Zühls- darf im Bogen mn das Besitztum legen ließ. Wikhelm II., dessen „Hofsagdrevier* an Dammsmühl« grenzte, interessiert« sich lebhast für den Erwerb des Gutes, das er als Jagdschloß einrichten wollte, mußt« ober der zu hohen Kosten wegen verzichten. Von dem lebenslustigen Wollank, der gern fröhlich« Feste gab, bei denen vor allem leichtlebige Damen nicht fehlen durften, werden noch heut« toll« Geschichten erzählt. Er selbst ruht seit Jahren im Park unter einer schmucken Barock-Kapelle: auf dem Schloßteich aber schwimmt als Zeuge einer festfreudigen Bergangenheil der w e i ß« T o n z s o a l in der seltsamen Gestalt einer indischen Moschee mit goldfunkelnden Knäufen und Hufeisensenstern. In dem glasklaren Wasier des Teiches spiegelt sich der leuchtende Bau, Birken und Trauerweiden lassen müde ihr« Zweige ins Wasser hängen; das Hacken des Spechtes in den Kiefern- stämmen und ab und zu der rauhe Schrei der Wasserente unterbricht die Still«. Vom Rosengarten schweift der Blick weit über den Mühlenbecker See. Zwischen alten Buchen und Kastanien lugen steinern« Standbilder hervor,«in kleines Säulentempelchen ziert die Anhöhe hinter dem Rosengarten. Rechts und links vom Parkportal schreüen auf mäßig hohem Sockel zwei gußeisern« Hirsch« ausein- ander zu. Heute ist von der einstigen„Fröhlichkeit� nicht viel geblieben. Das Gut wurde in der Inflationszeit verkauft. Di« Fischteiche sind versumpft: der 53 Meter hohe Wasserturm, den Wollank zur Bewässerung der Gorrenanlagen hatte anffteklen lassen, ist abgebrochen und mancher schöne Lebensbaum, der den Park zierte. wanderte nach Berlin, um sein« immergrünen Zweige zum Kranz- binden herzugeben. Mit Vorliebe drehten hier Filmgesellschaften Szenen, zu denen Park und Schloß ein stimmungsvolles Rokoko- Milieu lieferten. Am 22. Februar soll die zwangsweise Versteigerung !'-"HT Die„Indische Moschee0. Die Wunder der Klara van Haag. 63] von Johannes Duchholtz. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Aber die Knädige drückte Sören die Hand zum Abschied und drückte sie noch einmal. Diesmal mit viel Geld. „Man kann sagen, was man will, es gibt nicht viele Ihres Schlages," sagte Sören und nickte tieffinnig. Der Zug sang sich vorwärts über die sonnigen, grün- sprießenden Felder Fünens. Frau van Haag und Hedwig saßen sich gegenüber. Sie sprachen nicht viele Worte, denn sie hatten Mitreisende, aber hin und wieder sandten sie sich ein kleines Nicken, und Hedwig konnte sehen, daß Frau van Haag mit jeder Station, die zwischen sie und Knarreby gelegt wurde, froher und froher in den Augen wurde. Sie hatte Einfälle. Sie kaufte dos ganze Lager des Zuckermanns auf dem Odenseer Bahnhof und bezahlte ihn, damit er herum- ging und an alle Vorbeigehenden Bonbons, Schokolade und Pfefferminzplätzchen austeilte. Die Leute glaubten, der Zuckermgnn sei toll geworden, und Frau van Haag hatte eine merkliche Freude daran. Eine Minute vor Augabgang kam der Mann angelaufen und sagte mit schimmernden Augen, er hätte noch einen ganzen Kasten Zuckerwaren, sehen sie— vier Kronen. Da kaufte die Gnädige auch den und schenkte ihm ihn gleich wieder. Ausschließlich zu eigenem Gebrauch, sagte sie und tat tiefernst. In Nyborg trafen sie die Morgen, zeitungen aus Kopen- Hägen. Frau Klara kaufte eine von jeder, und als sie und Hedwig an einem kleinen Tisch auf dem Oberdeck der Fähre Kaffee' getrunken hatten, begann die Gnädige zu lesen. Der Wind riß und zerrte an der Zeitung. Sie mußte sie in ein kleines Viereck zusammenlegen. Es war merkwürdig, wie eifrig sie heute las: Zeitungen pflegten sie ja nie zu inter- efsieren. Sie legte die erste auf die Bank, setzte sich darauf und nahm die zweite „Darf ich ein bißchen sehen?" sagte Hedwig. JDn?* sagte die Gnädige JSa, aber wart' ein wemg." Sie blätterte m der Zeihmg, riß ein« Seite heraus und reichte Hedwig den Rest. .Komme ich jetzt unter Zensur," sagte Hedwig lächelnd. ,�Ia,«in wenig. Vergiß nicht, daß du nur dos Vorder Tageblatt gewohnt bist." „Ich bin ja jetzt weg von Barde. Es ist wohl nicht Ihre Meinung, Frau van Haag, daß ich keine guten Zähne habe." „Lies nur hübsch und frage nicht." Hedwig wurde ein wenig gereizt. Was war das nun für eine Beschützermiene, die Frau van Haag auffteckte? Warum wollte sie den Zeitungsfetzen in ihre Tasche stecken? Verzeihung, Hedwig verstand nicht das Belustigende an dem Wisch. Aber jetzt las sie unfreiwillig ein Wort, einen Namen in dem flatternden Zeitungsfetzen: Iohan Fors. Ihr Gesicht wurde ganz weiß und klein, st« atmete beschwerlich und sagte:„Was steht da in der Zeitung von Iohan Fors?" „Nichts— na ja, jetzt ist es doch zu spät. Nichts, als daß er seine Bilder in Kopenhagen ausstellt. Ich wußte im voraus, daß er es wollte: und jetzt mußte ich natürlich die Kritik lesen." „Ist er nicht in Paris?" ,,Da steht eben, daß die Bilder aus Paris geschickt sind." „Ich möchte gern lesen, was da steht," sagte Hedwig. „Wie du willst," sagte Frau Klara und reichte ihr das Papier.„Aber ich dachte, du betrachtest ihn als deinen geistigen Feind, als Humbugmacher." „Ich möchte gern lesen, und ich möchte schrecklich gern seine Bilder sehen." „Dann sehen wir uns seine Bilder an, wenn wir eines Tages Zeit haben." „Ich bin immer zu allen Ausstellungen gegangen, und ich habe ja lange in einem Künstlerhause gelebt," sagte Hedwig, gleichsam um Entschuldigung bittend. „Ja, wenn du meinst, dann—" „Ja." sagte Hedwig und sah weit hinaus über den Großen Belt.„Das meine ich jedenfalls." Sie begegneten einer anderen Fähre und beobachteten, wie der« MSw«schar sie jetzt, da sie sich da« Za»de«ilheet«. dieses prächtigen märffschen Landsitzes stattfinden. Vielleicht bietet diese Versteigerung die Möglichkeit, diesen herrlichen Park in die öffeiUlich« Hand zu bringen, damit in der Zukunft wie früher fröh- liche Wanderer aus der Großstadt hier Erholung suihen können. Der Kreis Niederbarnim hätte damit einen neuen Anziehungspunkt gewonnen. Und wenn es dann noch gelänge, die„HeidekrarnüaHn" leistungsfähiger zu machen, könnt« in Dammsmühl« neues Leben fröhlichen Einzug halten, frühere Grippeepidemien in Serlin. Die Sorg«, daß die Gripp« in Berlin doch noch weitere Aus- dehnung erlangen könnte, weckt die Erinnerung an die früheren Grippeepidemien, von denen Berlin heimgesucht wurde, In den nun bald vierzig Iahren, die seit der mit 1883 einsetzenden Grippeepidemie vergongen sind, hat diese Krankheft in keinem Jahr« unter den Todesursachen gefehlt. Jahr für Jahr mußte eine gewisie Zahl von Grippesterbeiällen gebucht werden, und mehrfach kam es in den ziemlich vier Jahrzehnten auch wieder zu schwereren Grippeepidemien, die Hunderte von Opfern forderten. Die erste Grippeepidemie der neueren Zeit, die van 1883 und den folgenden Iahren, brachte Sterblichkeitsziffern, die uns heute gering scheinen, aber damals starkes Aufsehen erregten. Aus dem damaligen Berlin von rund 114 Millionen Einwohnern wurden Grippesterbefälle gemeldet für 1888 nur 2, ober plötzlich 51 Fälle für 1883 und 30 Fälle für 1830. Das Jahrzehnt 1831 bis 1300 brachte dann der Zweimillionenstadt 426, 223, 336, 154, 478. 136, 246, 133, 170, 603 Grippesterbefälle, und in einem ähnlich wechselnden Auf und Ab bewegten sich die Zahlen in den folgenden Jahrzehnten. Die Statistik aus den ersten Iahren wird übrigens nicht ganz zuverlässig sein, weil damals gewiß mancher Grippefterbe- fall noch nicht richtig erkannt, aber andererseits wahrscheinlich auch manche Todesursache anderer Art irrtümlich als Grippe gebucht wurde. Daß in der durch Eingemeindung zusammengefaßten Vier- Millionenstadt in den Iahren 1321, 1322, 1323, 1324 an Grippe 663, 1831. 785, 388 Personen starben, wird nicht allgemein bekannt sein. und diese Zahlen werden manchen überraschen, der heute vielleicht schon bei einigen Dutzend Fällen von einer Epidemie zu sprechen geneigt ist. Die Zahl der Trippeopfer war, gemessen an der Bevölkerungs- zahl, verhältnismäßig am größten in dem Jahr« 1818, dem letzten Kriegsjahr. In ihm wurden aus Verlin 1015 Grippe st erbefälle gebucht, aus der damaligen Z w e i- Millionenstadt! Die Epidemie von 1318 begann, gegen die Regel, im Sommer. Sie bracht« im Juli 104 Sterbefäll«, ließ aber zunächst wieder nach, so daß im August und September nur noch 17 und 13 Sterbefälle zur Meldung kamen. Dann aber brachte der O k- t o b e r plötzlich die effchreckend hohe Zahl von 433 Grippe- st e r b« f ä l l e n sin einem Monat!), und unter langsamem Nachlassen der Epidemie mußten für November und Dezember noch 201 und III Sterbesälle gebucht werden. Meist sind Grippeepidemien von einer starken Zunahme der Sterblichkeit an Lungenentzündung begleitet— und hier brachte das Jahr 1318 ein geradezu entsetzliches Ergebnis. In 1318 starben in der Zweimillionenstadt an Lungen- «ntzündung 6243 Personen, davon allein 2315 im Ok- tober. Ein Grauen packt uns heute bei dem Rückblick auf die Sterbll h- keit des Zusammenbruchjahres. Das Jahr war nicht nur «in Grippejahr, sondern stand auch unter dem vollen C i n flu ß der Entbehrungen, die der Krieg auch den in der Heimat Per- bllebenen auferlegt hatte. Im allgemeinen fordern Grippe und Lungenentzündung die meisten Opfer unter den Personen höheren Alters, in 1318 aber raffte die Lungenentzündung auffallend viel« Personen mittleren Alters hinweg, begreiflicherweise hauptsächlich Frauen. Besonders die Reihen der Frauen best er Alters- klaffen, der unter 30 Jahre alten, wurden furchtbar gelichtet. Vier Jahre hindurch hotten die Frauen alle Lasten und Leiden des Krieges getragen, nebeneinander die Arbeit in den Fabriken, die Mühen der Hauswirtschaft und die Sorge um den Gatten, der im Felde stand. Roch vor dem Zusammenbruch des Krieges kam im Herbst 1318 für viele Frauen ihr Zusammenbruch, nachdem sie vier Kriegsjahre hindurch in einem stillen Heldentum� ohnegleichen sich aufrechterhalten hatten. Potsdams Hunde ohne Lein« und Maulkorb. Der Potsdamer Polizeipräsident hat die seit IM Jahr bestehende Verordnung über den Leinen- bzw. Maulkorbzwang für Hunde aufgehoben. Die Hunde können also in Potsdam völlig frei von jeder Beschränkung umherlaufen. Der Zwang zum Tragen einer Hundemarke oder eines Halsbandes mit der Adresse des Besitzers bleibt natürlich bestehen. verließ und zu ihrer Fähre hinüberkam, um die Fahrt von neuem mitzumachen. Die Möwen glitten an dem neuen Schiff entlang und begrüßten es mit einem kleinen frischen Schrei. Eine von ihnen setzte sich auf den Flaggenknopf— nicht aus Müdigkeit— weit gefehlt, aber sie mußte sich im Nacken kratzen. Fertig. Auf die Flügel wieder! Wie wenig sie mit Schmutz zu tun hatten, diese Kinder des Meeres und des Windes. Ihre Brust war schimmernd weiß, frisch ge- waschenes und geplättetes Ballzeug. Prächtige, feine arbeit- verachtende Fräulein. Alle diese Menschen auf der Fähre waren nur ihre aufwartenden Sklaven. Esien! schrien die Möwenfräulein und sofort kam Essen. Sie aßen in der Lust, denn das war am frischesten, und wipps— da verrichtete eine ihre Notdurft tadellos fein und weiß, keine Spur anstoßend. nur kokett. Niemand konnte übrigens sagen, ob es nicht nur eine kleine weiß« Feder war, die sich losriß. Hedwig wandte sich an die Möwen und sagte:„Nein. warum sollte ich seine Kunst hassen." „Nein!".' „Nein. Kunst kann einem fast die größte Freude schenken. Kunst bedeutet viel in meinem armen Leben." „Hast du dich nicht selbst in irgendeiner Kunstart ver- sucht?" Hedwig lachte und sagte:„Nein, ich glaube, ich liebe die Kunst zu hoch, um mich mit meinen groben Fingern an ihr zu versuchen." Sie illustrierte mit ihrer Hand und als sie sah, daß ihre Finger sowohl schlank wie weiß waren, fügte sie hinzu:„Die Sache ist wohl, daß ich keine Künstlerin bin. Aber es muß wohl auch Menschen auf Erden geben, die Kunst, die Kunst der anderen, nur genießen. Nicht wahr?— Gemälde. Bücher!— Ach, Kunst kann einen ja über die Erde hinweg heben. Ich glaube, was an Humbug in ihm gesteckt hat— mit Geigenspiel auf Kirchhöfen und'in Kirchen um Mitter- nacht und derlei— das ist in der großen Welt wohl von ihm abgestreift. Begabung hatte er sicher zu allem." .Du freust dich vielleicht ein wenig über ihn?" Hedwig antwortet« nicht gleich. Doch wurde sie mcht ste Mächte ßch wm. �Fortsetzung foigi) der Magistrat für den 2S-pf.-Einheitstarif. Umsteigeberechtigullg auch zu« OmuibuS. Der M a g r st r a t hat m seiner gestrigen außerordentlichen Ägung in zweiter Lesung die Reform der Tarife der Berliner Der- kehrsualernehmen sowie die Vorschläge für die vercinheitilchung dieser Gesevschaslea verabsästedet. Nach diesen Deichiusicn des Magistrats, die sich rrai den Be- ichlüsien der VerkehrsdePutotion decken, wird bei ollen Unternehmen unter Fortfall der Zoncneinteilung und der dritten Wagcnllosse der �ochbahit ein Etnheitsfahr'preis von 2Ü Pseuni� ein- gefichri. der.zum einmaligen Umsteigen entweder innerhalb des eigenen Neges oder zu«nein der anderen Berkehrsunter- nehmen berechtigt. Die Umsteigebercchtigung wird also nach den Beschlüssen des Magistrats auch auf den Omnibus aiisgedehnt. Man glaubt, daß die Zahl der beförderten Fahrgäste der Hoch- und Untergrundbahn, die bisher 150 Millionen im Hahr betrug, wovon rund 1ö Millionen auf die Uebergangsfahrten von und zur Straßenbahn entfielen, auf 2 25 Millionen st e 7 g s n wird. Bei der Straßenbahn, von der bisher 805 Millionen Fahrgäste befördert wurde», errechnet man einen Rückgang aui etwa 780 Millionen, und beim Omnibus, der einen Jahresverkeqr van 107 Millionen Fahrgästen hotte, er- wori« man einen Rückgang aui 95 M i i l i o n c n. Aus den Einnahmen erwarten die Sachverständigen erhebliche U e b e r- Schüsse, die noch und nach zur Deckung der 90-Millioneu-Mark- An leihe verwandt werden sollen. Der Wagenpark des Om- »kbus muß, um die Umsteigeberechtigung durchzuführen, erheblich »ermehrt werdcn. Es wird, wie Stadtrat Reuter feinerzest ausftihrie, daran gedacht, die Autobusse noch und nach zu v« r- doppeln. Die Borlagen de? Magistrats, die inzwischen der Stadt- nerordnetenversammlmtg zugegangen smd. werden zunächst dem H an s ho l t s a u s s chu h der Stadtverordnetenoersammluiig über- miesan werden. Die Beratung im Plenum der Versammlung wird also noch einige Zeit aui sich warieu lassen. Verluste im Staüt-fwstboffungsamt. Direktor Mcbitrq suspendiert. In dem städtischen Anschaisungsamt, dos im Marstall- geböude nntergebratht ist, hat sich die Stadt eine Organisation ge- fchaiien. die die Ausgabe hat. sämtliche städtischen Anstalten sArankenhäuser usw.), die Berwoltungsäimer, die Könmrereidetriebe und sonstig» städtische Bedarisstellen mit allem Kenörigten Material zu oersorgen. Eine kürzlich abgehaltene Anffichtsratsfißimg hat nach einer Priilung der Bilanz eine eingebende Revision der Ge- schästsführvng vorgenommen. Dabei wurde sestgestelli. daß nicht bei allen abgeschlossenen Geschäfte» mit der nötigen Sorgfalt erfahren worden war � und daß dadurch Berluite entstanden sind, die vermieden werden konnten. Dem verantwortlichen Direktor Kirburg ist daraufhin sein Vertrag zum nächstzulässigen Termin gekündigt worden. Er wurde vom Amte suspendiert. Das Nachrichte namt der Stadt Berlin oerbreitet dazu folgend« Mitteilimg: Zu der von nichtamtlicher Seite verbreiteren Meldung über die Verlust« des Anschaisungsamtes teilt der Vorsitzende des Aussichtsrates der Berliner Anschaksungs- 'lelellschast mit: Die Verluste bei der Kleidervertriebsgesellschast, deren früherer Leiter der Direktor Kieburg war, sind dadurch entstanden, daß aus Heeresbeftändey Käufe getätigt wurden, die später nicht abgesetzt werdcn konnten. Was das Berliner An- fchastungsamt betrifst. ist dazu zu sagen, daß bereiis eine Neoision und»ine Generalinoentur vorgenommen wird, deren Abschluß noch nicht vorliegt« Soweit bis jetzt zu ersehen ist, sind eventuelle Der» -lust« dadurch entstanden, daß. übermäßige Einkäufe ge- käUgt wurden, dereit Einkaufspreis beim Verkauf nicht m«hr gehalten werden konnte. Vom Aussichtsrat wird alles umernommen werden, um die Stadt vor Schaden zu bewahren. Von anderer Seite wird zu der Angelegenheit mitgeteilt: Die Verluste der Berliner Anschafsungsgejellsthast. die von einer Sachverständigenkommission' von Mitgliedern der Berliner Handelskammer aus 240000 bis 250000 Mark, alfo ruud eine Viertelmillion Mark, geschätzt werden, find hauptsächlich dadurch hervorgerusen worden, daß große Be- stände von Wirtfchaftsartiteln, Chemikalien, Textilwaren und Lebensmitteln, die das Berliner Anschastungsamt zur Belieferung der städtrschen Krankenanstalten und Werk« benötigte, zu Preisen und Quantitäten einaekaust worden sind, daß die Einkaufspreise beim Weiterverkauf infolge der eingetretenen Koniiinkturschwonkim- gen nicht mehr erzielt werden konnten, also dem Berliner Magistrat ein beträchtliches Verlustgeschäft einbrachten. Wie wir aus Kreisen des Aussichtsrates des Anlchanungsamtes erfahren, ist das Unternehmen in seiner Existenz durch die eingetretenen Verluste finanziell nicht erschüttert, und es besteht durchaus die Möglichkeit, den Schaden bei intensiverer Geschäftsführung zum Teil wieder aus- zugleich« n. Export- und Import-Schwindel. 30 Firmen von zwei jungen Barschen betrogen. .Zwei Lausejungen haben es verstanden. 30 Gejchäjtsfirmen innerhalb zwei Monaten mit 10 000 Mark hineinzulegen�, da» war da» Urteil des Gerichts über zwei sehr jugendliche Angeklagte, den 18jährigen Geschäftsvertreter Kurt Sommerfeld und den ?0jährigen Akquisiteur Walter Llebma.nn. Nach der Ansicht de» Gerichts handelt« e« sich bei den Straftaten dieser beiden jungen Burschen, die sie zusammen mit dem 38jährigen früheren Kellner und jetzigen Kaufmann Werner Hackbarth verübt haben, unter den zahllosen Kreditbctrügereien, die jetzt in Moabit zur Aburteilung an der Tagesordnung stehen, wohl um den bisher vorgekommenen raffiniertesten Betrugsfoll. Diese Burschen�so nannte die drei Aiigeklagten wiederholt Land- «richtsdirettor Crohn«, besaßen sogar die Frechheit. Geschäftsleute, di« vorsichtigerweise auf die ihnen erteilten Austräge hin erst Er- kundigungen einziehen wollten, mit den Gerichten wegen Schadenersatzklagen zu drohen. Der Angeklagte Lieb- mann, trotz seiner Jugend mit den Strafgerichten nicht mehr unbe- kannt, schien schon geahnt zu haben, daß die Sache bos ausgehen werde, denn er war nicht erschienen, sondern hatte ein Schreiben ae- schickt, daß er an Gr i p p e ertrankt sei. Das Gericht hatte sich schon entschlossen,«inen Gerichtsorzt im Auto nach der Wobwrna zu ichucken und ihn gegebenenfalls zwana-weise zur Anklagebank zu schaffen, als sich eine Zeugin meldete und berichtete, daß sie Lieb mann soeben noch vor dem Gericht gesehen habe, wie er in der Turmltraße ans und ab gehe. Der sofort mit der Zeugt» hinuntergeschickte Justiz- Wachtmeister traf dann auch Liebmann auf der Straße an und konnte ihn festhalten. In ihm erkannte der Gerichtsbeamte auch jpiort einen alte» Bekannten, der erst kürzlich nacheinander zweimal wegen Be- trvge». da» eine Mal mit einem Monat, das ander« Mal mit« Mo- nateu Gefängnis vpn einer andercn Abteilung desselben Schöffen- gericht» obgeurteiltfcmrden war. Liebmann mußte sich jetzt bequemen, neben den beiden Mitangeklagten die Anklogebont zu beziehen. Hackbarch mar der Inhaber der von den drei gegründeten„Export- ,»d Jmport-Großfirma*. die sofort begann. Waren- Bestellungen zu machen. Liebmann hatte daneben noch«in« m. h. H.gegrundet,di« nur dem Namen nach existiert« und ledig- Sch dazu diente, günstige Auskünfte zu geben. Di« erlangte» Waren wurden sofort weit unter dem Wert« verschleudert oder ins Pfand- hau« gebracht. Nicht in«wem einzigen Fall« versuchten die Be- trüger.«in reelles Geschäft zu machen. Bücher hatte Hackbarth üdarhauvt nicht geführt, sondern erst al» di« Pollzei ihm mit Eingreife« droht« aufs Geratewohl zusammengestellt. Deshalb lag gegen ihn auch noch Loa kursverbrechen vor. Kr kam ab««cht Die Tragödie am Müggelsee. Der Selbstmord der drei Mädchen noch ganz ungeklärt. Es ist bisher nicht gelongen. das Geheimnis zu erklären, da» drei junge Mädchen trieb, ihrem Leben in den Wellen des Müggel- sees ein Ende zu bereiten. Alle ttachjorfchnngea find bisher erfolglos geblieben: es scheint nun als sicher fest. zustehen, daß die drei Mädchen gemeinsam und mit dem festen Entschluß. sich das Leben zu nehmen, in den Müggelsee gegangen sind. An welcher Stelle sich diese Tragödie vollzog, ist natürlich schwer festzustellen. E» muß jedenfalls dort gewesen sein, wo eine Dampfer. anlegeskelle Gelegenheit zu einem plötzlichen Sturz in dos Wasser bot. Da an den sämtlichen in Friedrichshagen vorhandenen Dampfer. anlegestelleu der vom Rahasdorfer Gemünd kommende.Strom" der Spree vorbei stiehl, so ist das Wasser an diesen Stellen sehr tief und dadurch läßt sich auch das Nirhtwiedersiudeu der zwei«och ver- miß'eu Leichen erklareu. 51« sind eben sofort abgetrieben worden. Di* bisherigen Feststellung«» fassen wir in folgendem zu- sammen: Di« drei jungen Mädchen waren, wie bereits gemeldet, bei einem Postkartenverlag am Eharlotrenburger llf«r 55/56 als K o n» fori st innen in Stellung. Sie waren überall sehr beliebt und ihr munteres Wesen ließ keinerlei Ahnung von ihrem furchtbaren Entschluß auskommen. Bei Arbeitsschluß am 12. Januar verab. schiedeten sie sich in lustiger Weise von ihren Kolleginnen mit der Bemerkung, daß sie sich das Leben nehmen wollten. Niemand Hot aber diese Aeußerung ernst genommen. Die beiden Schwestern Weber und ihre Freundin Frieda Schössow sind dann tot- sächlich bereits an diesem Abend verschwunden, bis man die 18jähngc Charlotte Weber aus der Dolziger Str. 17 gestern als Leiche aus dem Müggelsee landet«. Am Donnerswg nachmittag erhielten die betroffenen Eltern Abschiedsbriefe der drei Mädchen, in denen sie von ihren Selbstmordabsichten Mitteilung machten. Die Briefe enthielten aber kein Wort über die Gründe. Lediglich Charlotte Weber teilte in dem kurzen Brief mit. daß sie glaube,„ihres Lebens nichx mehr froh werdepr zu können", und daß sie deshalb Selbstmord begehen werde. Merkwürdigerweise Hot sich ihre Schwester diesem Abschiedsbrief nicht angeschlossen. Auch in der Familie der Schwestern Web er findet man keine rechte Erklärung für die unselige Tot. Man weiß allerdings, daß die Schwestern über den Wegzug einer dritten. ölte» ren Schwester aus der ellerlichen Wohnung sehr erregt warent und daß sie, was man nicht sehr ernst nahm, dabei auch dem Batar mit Selbstwordabsichten drohten. Es scheint beinahe, daß die bjeiden. trotz aller Lebenslust, etmas tiefsinnig und romantisch veranlagten Schwestern durch ein Mißgeschick, daß die ältere Schwester mit Ihrem Verlobten betroffen hatte, stark betroffer waren, wobei allerdings recht rätfelhoit erscheint, weshalb gerade sie aus dem Leben schieden. Nach anderen Mitteilungen haben auch Verhältnisse im Elternhaus« alle drei in weltlchmerzliche Stimmungen versetzt. Bei einer Stiefmutter sollen die beiden Schwestern jaichi jenes Verständnis gefunden haben, das ihre richtige Mutter, pie vor drrzem d«r Tod ereilt«, ihnen entgegengebracht hatte. Aehrliche Verhältiüss« werden auch im Fall« der Frieda Schösiow vermutet, mit der di« beiden Schwestern ein enges Freundschaftsverhältnis oerband. Es ist aber anzunehmen, daß das Verhängnis, das die. drei jungen Mädchen in den Tod trieb, noch ander« und ttefgeherdere Motiv« gehabt hoben muß. Eine Klärung darüber wird wohl, nie erfolgen. * Die Leichen der beiden anderen Mädchen, also her L o r o- theo Weber und der Lotte Schössow. sind.noch nicht gefunden. Ob sie noch in der Näh« d«r Stell« liefen, an der die Lebensmüden ms Wasser gingen, ist fraglich Der Spreelauf, der vor Rahnsdorf her in einem Bogen durch den Müggelsee geht, kommt oberhalb der Wasierwerke. des Fisch-reiinstitutä und der Seezeichenanstalt näher an das Nordufer heran. So ist es leicht möglich, daß der Strom die Leichen bereits erfaßt m» sie schon wetter abgetrieben hat. schlechter weg al» die anderen, da das Gericht in diesen Beiden die Seele des Schwindelunternehmens erblickte. Dos Gericht hielt es für feine Pflicht, die Eeschästswelt, die in der heutigen schweren Zett ohne Kredite nicht auskommen kann, durch schwere Strafen gegen derartige Parasiten zu schützen Gegen Hackbarth und Liebmonn lautete das Urteil auf je 2 Jahre, gegen Sommerfeld auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Alle drei wurden auch sofort in Hast genommen._ Bankdirektor Kunert im Kinosteckbrief. Zu den bekannten Aktenschiebungen erfahren wir, daß nunmehr einwandfrei e r w i e s en ist, daß der Kaufmann und Bayk- direkter Max K u n e r t gerichtliche Akten beiseite ge- schafft Hai. Deshalb ist,' nachdem er sich der Verfolgung entzogen hat, gegen ihn jetzt ein gerichtlicher Haftbefehl erlassen worden. Die Verfolgung wird mit ollen möglichen technischen Mitteln, die irgendwo zur Verfügung stehen, sofort aufgenommen werden. Max Kuiiert, der am 8. August 1897 zu Forst i. d. Lausitz geboren wurde, besitzt im Grunewald in der Dclbrückstraße 10 eine wert- volle Villa, die er auch bewohnte. Er ist bekanntlich Inhaber der Industrie- und Landwirtschaftsbant am Schloßplatz 1. Wie fest- gestellt wurde, begab er sich am 27. Dezember vorigen Jahres mit Frau und Kind nach der«chweiz, ist von dort jedoch berett» ge- flüchtet. Alle Behörden des In- und Ausländes smd�von der Bor- lincr Kriminalpolizei. bereits. benachrichtigt worden. Sein Bild wird auch in Kino steck b riefen veröffentlicht werden. Bis jetzt ist seine Spur noch nicht gefunden. Mitteilungen über das Auftauchen des Gesuchten und seinen Derbleib nimint Kriminalkommissar Kanthock, Dienststelle F. 3, im Zimmer 10/11 des Polizeidienst- gcbäudes in der Georgenkirchstraße 30». entgegen. Der Abtreibungsparagraph vor dem Schwurgericht. Heute kommt vor dem Landgericht NI(Schwurgericht) zum erstenmal eine Anklage zur Verhandlung, der der Tatbestand der gewerbsmäßigen Abtreibung zugrunde liegt. Wie wir bereits vor einiger Zeit berichteten, sieht die neue Fassung des Abtreibungs- Paragraphen für gewerbsmäßige Abtreibung Zuchthaus ohne An- gäbe des Höchstmaßes der Strafe vor. Diese kann ober im äußersten Falle 15 Jahre betragen, während die frühere Fassung des Ab- treibungsparagraphen die Höchststrafe von zehn Jahren Zuchthaus vorsah. Da aber die Emmingerschen Slböfsentzerichte nur für Ver- brechen zuständig sind, bei denen die Höchststrafe rehn Jahre Zucht- Haus betragen kann, so sind neuerdings für gewerbesmäßig« Ab- treibung„Schwurgerichte" zuständig. Gesellschastsabend der Polizei. In den Fefträumen des Hauses der Deutschen Gesellschaft fand ein Gesellschastsabend der höheren Beamten und Offiziere des Berliner Polizeipräsidiums statt. Außer dem Polizeipräsidenten, dem Polizeioiz«Präsidenten und dem Kom- mandeur der Schutzpolizei waxen der Leiter der Schutzpolizei nn preußischen Ministerium des Innern, Ministcrialdircktor Dr. Klausner, sowie die übrigen leiteirden Herren dieser Abteilung er- schienen. Frau Maria West vom Lessing-Theater, Frau Göndör, ehe- nraliges Mitglied der Königsberger Oper, erfreuten die zahlreichen Teilnehmer des Abends mit ihrer Kunst. Der gute und auch aus weiten Gesichtspunkten entworfene Bor» trag„Die berufstätig« Frau" der Ola Alfen charakterisierte die Einstellung des Rundfunks. Man beschränkt sich allein auf die bürgerliche Sphäre. Sehr hübsch, wenn auch nicht besonders original, behandelt Ola Alfen die Acndenmg in der Anschauung des Bürgertums gegenüber der berufstätigen Frau. Sie zeigt, wie veraltet und im Grunde dumm es ist, daß z. B. heute noch ein junges Mädchen zuerst Kunstgewerblerin wird, bevor sie in einen Modesalon eintritt. Die« fft nichts welter als eine über. flüssig« Konzession an die Vergangenheit. Das alles wird ein- dringlich gesagt, aber mit keinem Dort wird die b e r u s s- tätige proletarische Frau erwähnt. Wenn man sich schon forffchrittlich benimmt, warum bewegt man sich denn nur in io eng gezogenem Kreise? Dr. Jakob Froh m er behandelte den Emwicklungsmsg de« großen Philosophen Spinoza und deutet« di- Sr-llunä Lessing, und Goethe», diesem freiest« und konsequentesten Denker gegenüber an. Da es sich hier nur um dos Lebet)'Spinozas und um seine religionskrttischen Traktate handelt, kann der Vortrag ohne Schwierigkeiten allgemeinveritchrdlich ge» halten werden. Leider ist Dr. Frohmer vor dem Mikrophon kein Redner. Direktor K. Jannot suchte in seinem Vortrag„Das Per- ficherungswesen.«in oft verkannter Wirffchostssakwr auf dialek. ttschem und historischem Wege da» Interesse de» Hörer» für die fett der Inflation in Mißkredit geratenen Versicherungen zu wecken. Da» Rochmittagskonzert sucht ausgefahrene Gleise, aber der erste Teil des Abendprogramms ist Beethoven gewidmet. Das Marke- Trio spielt das Klaviertrio Opus l in lü--Dur, in dem Beethoven noch auf Haydnfchen und Mozartschen Pfaden wandert und das herrlich«.Geistertrio". Di« Interpretation zeigt große» Format. Da» Programm wird dann mit„Lustigen Weisen" beendet. 6. Eine Engelmacherin« 00 Kinder ermordet ttnd verbrannt. Warschau, 14 Zauuar.(Iii.) 3n Pialystok wurde-in« Frau verhaslel, die 60 Sinder ermordet und nachher oerbranvl Halle. Sie nahm dl* Sinder tu Verpflegung und ließ sich für jedes Sind eine bestimmte Summe zahlen. Die Müller wurden hinsichtlich der Unterbringung der Sindcr betrogen, indem ihnen gesagt wurde, daß sich die Kinder aus dem Land« befänden. patronenexplofton in einer polizeibaracke. Ein Beamter durch ein Fenster geschleudert. Gelseukirchen. 14 Januar.(WTS.) Heute vormittag explodierte in einer von Stbutzpolizei belegten Baracke aus dem Flugplatz Gelsenkirchen wahricheinlicb durch Selbstentzündung ein« Kiste mit Leuchtpatronen. Die Wirkung war gewaltig, obwohl di« Kiste nur 20 Patronen enthielt. Der Sackschaden ist sehr groß. Zwei Schutzpolizeibeamte, die sich an der ExpiosionSsiell« befanden, trugen stark blutende Berletzungeu davon, während ein in einem Nebenzimmer besindlicher Beamter durch den. Luftdruck au» dem Fenster geschleudert würde. Der Beamte wurde mit leichteren Verletzungen ebenfalls dem Krankenhaufe überwiesen._ Zuchthausortell im Hochverratsprozeh. Leipzig. 14 Januar.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag begann vor dem 4 Strafsenat de« Reichsgerichts ein Ho ch- verratsprozeh gegen den Bauarbeiter Karl Rleck au» Sachsendorf, Kreis Eckernsörd«. und wurde noch an demselben Tage beendet. Der Angeklagt« wurde beschuldigt, im Jahre 1925 und 1926 in Kiel und mehreren Orten der dortigen Umgebung Hochverräter tsche Unternehmen gefördert zu haben. Bei einer Haussuchung wurden bei ihm kleinere Menagen Spreugstosse und Munition gesunden. Rieck galt als militärischer Leiter der KPD. in dem dortigen Bezirk. Der Ange- klagte bestreitet, sich einer Beihilfe des Hochoerrats schuldig gemacht zu haben. Er wäre nur einlaches Mitglied der KPD. gewesen und hätte die wenigen Sprengkapseln, die auf der Baustelle herumgelegen hätten, für seinen Prioatbedarf mit nach Hause ge- nommen. Das Gericht bezeichnete die Angelegenhett als einen b e- sonders schweren Fall und verurteilte Rieck wegen Ver- gehen? nach§ 7 des Republikschutzgesetzes und§ 6 des Sprengstoff- gesetzes und Rückfalldiebstahls zu zwei Jahren Züchthaus und 200 Mark Geldstrafe. Sport. degraeve-Thollembeet weiter in Jührung. Die dritte Nacht. Die Nachmittagswertungen des Freitag finden im Beisein einer verhältnismäßig starken Sportgemeinde statt. Die Spurts bringen weiter kein« aufregenden Moment«. Zu erwähnen ist, daß Morcillac um Iii Uhr nachmittags wegen der sich in der 17. Stunde bei einem Sturz zugezogeneu Hüftquetschung das Rennen auf- gibt. Manthey fährt als Ersatzmann weiter. Nach den Wertungen ergibt sich, daß das bisherige Führerpaar Degraeve-Thollem- bee k mit 107 Punkten fein« Position nach wie vor behauptet. An Keim wwJfajM, i ntitdmt trtÄqudüudet&H fiUHQQM MjadcflßH wiet tUemdHd fx&vk&t, wenn lArtftt Aitctuks UWWHVt' ttoiUÜ Und tmmaHct n*a�t i&relat kfafetcgZ' /tfuttdAjui&AifQ _ itUt . ODOL W&uaqC Afaht. Steile(legen van Kempen-Bauer mit 80 Punkten vor Mac nara-Tietz mit 62. Buschenhagen-Frankenstein SO, Aoch-Rielens 44 und Tonani-Lorenz 44 Punkten. Eine Ruvde zurück: 7. Goossens-Stockelynck 57 und 8. Wambst-Lacguechay 18 P. Zwei Runden zurück: 8. Petri-Junge SO P. Drei Runden zurück: 10. Seiferth-Mühlbach 27 und 11. Rausch-Hürtgen 11 P. Bier Runden zurück: 12. Dehrendt-Skupinski 32 P. Manthey Ersatzmann. 9 Uhr abends. Die große Arena füllt sich.— Resultate: van Kempen-Bauer und Petri-Junge erhalten je eine Straf» »unde wegen schlechter Ablösung. Seiserth-Mühlbach(onunen mit einer Verwarnung davon. Vielfach mußte da» Rennen aus kurze Zeit neutralisiert werden, mn die au» dem Lattenbelag her- vorstehenden Nägel zu beseitigen. Endlich ertönt die Glocke zur 10- Uhr- Nachtwertung., Mitnlieder. n-riainuiluna. Tayetordnuus: l. Bericht aber Iugendweibe lS27 und Bericht über Errichtuua weltlich«: Schul-n ün B-z-rk Kr-uS-r-. 2. Bericht über die Daurersamniluna uom 1». Dezeuiber tSS6. S. Stererat über: .4 TlS*.«eserenti» Sma ZlpotdÄer Heitev-ReillM». vir enrettea «blreicheo Erscheinen. Sonnkag. 16. Zammr: BormitiatV 10 U»r-utierordentfich« Sc*mm de» Soo bei Pflan,. Prins-Handjer». »Z.«K SenflB*.__________________ Randes und aller Abteilunaofun!tionär«............ L trabe 78. fflenofsintM» und che Nossen,«rscheint pünktlich! S». Abt. Briz-Bochow. Die«um Sounta-,. 15. Januar, anaes-cht« fafammtn* zuaft der Se Nossen von der Gro�.Eiedluna Brit musi auzfassen. Dieselbe kindet am Sonntaa, 28. Januar, im Lokal.BltfWrw*»ormittas, 10 Zlbr Üatt. Räber« Miitelluna orfolst»och. Zungsozialistea. Gr»»»« zlerftarte» Heut». Sonnabend. IS. Januar, Kru»»en»eian0aItunx S llbr o» Jlonendbeim Bremer Sdt SSfcWfbwIte, Kimm«: 6.»ortrag: .ssam ilienfürso rge".--- chrnp»« Süd«»! SomtWa, 16." 9 llbr. Treffen«ur Besschtiauns der Siedlung Bru»«n der Hakteffess« Butch irua der StuaSetibabnlinie<7.«uschlii liedluna Brt» rbend Saftet. Sozialistische flrbelterjugeaü Groß-öerlln. heute. Solluabeud. den 15. Zauuar. abends 7%' Uhr: Konferenz der Referent«» der BiOmaasImfe.«erdebezirBleit» nnb SU. und morgen vormittag mm dunasobl-utc tm Zuaendbeim Lindenstr. 8. Di« Lüchelstube ist beute mm 0-71, llbr 9—1 llbr al, Arbeitmatml geöffnet. Ein« Ausaade»an Bücher» findet nicht statt. «nttbnsser Tor: Jugendbeim Reichenberger Str. 06, einfWrnnasakend. — Lichtendetg-Rord: Zuaendbeim Pariaue. Genossen, die am 18. mrtwiike» wolle», erscheinen beut« abend zur Probe.- Bil»»r,do-s: Zugendbeim Hildo- aardstr. t Abend der Laiensvielzeiu einschalt.— Teuweld-I: Zugeudheun Sermann-Ür. 4/6. AiHeitsaemeinschaff. Werbebezirk Prenzlauer Bergs Der Bildungodrrsu, fällt beute«t». Dafür Rdsa-Lurensoura- und Aarl-Lübknecht-Sedeirkleier»r«tssfteiul Danziger Strafte 52. Rot« ffobnen ssssd mitzbringen. Morgen. Sonn lag. IS. Januar: Llchtrnbeig. Nard: Zuaendbeim Parka»«, wachmittag» 1 llbr. lbeurvalmobe. — Reichenberger Viertel: Beteiligung an dor Demonstration«ll de» Gröbern Rosa Luremburai und Sari Lieblnechts. Abinarfch ibll» Uhr SSrliter Babnhof. — Reulölln I»nd Illt Treffpunkt zur Dernonstoation>» Uhr Hermanuplotz. Rubt nachmittaas wle msmünalich.— Triedenan: Treffvunkt zum Besuch der Rationalgaleri« vormittags 9 Uhr Schillervlaft.— Reulöll« Vis Treffnunkt zum Museuinsbefuch vormittags 9 Uhr Herbberavlaft fZeltungsktosk).— Sottbusser Tor: Trrffvunlt zur!Zabrt ins Blau« l Uhr Tottbusser Tor. Berbebezirk Preuzloer Berg- Treffpunkt zur Deenonssvall»»>415 Ufte vom mittags Schönhauser Alle« Eike Danziger Straft«. All« rote Zahnen mit» bringen. Abends 6 Uhr DerblchezirlsvorsitendellZonserenz. Abends 7 llbr Berbebezirksdelearertentonserenz. Detegloi IwTmftJ»»» 2 Ufa fat des weberstrafte. Werdebezdk Tdtemleaels Deleaiertenkonkronz oermitiags 10 llbr Stegfift. Albrechtstvaft« Z7. WerbcbezlSt Reulölln. Zdoel-Stebknecht- und Rvsa-Lutamburg-Zaier tm Rathau» Sirft. Anfang 8 Uhr. Eintritt 10 Pf. Achtung, Jngendgenosse»! Am Montag beginnen die Lautenkurs« imsere» Sinakreise» um«Zt. 7 uud T6 Ufte. Der Singkrei» selbst trist !MI HS Ufte zusammen. Sammgsott ist. wie bmner. da» Zugendbeim Linbenstrafte 8. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbauaer.Sckwarz Rot�Sold". «ekchäftsfiokloi Ssli» Slft, Sebastianür. Sil». Hof 2 Te. o Kreuzberg: Mo., d. 17.. 9 Ufte. See i». Volloersammlung in den ' Zentnal-ffestsälen. Alt« Zakoblir.»2. Bortrag de» Komerade» Pol.. Sekr. Sildebrandt Thema:.Po.'u-t. Zieichsbanner und Pirblilmn". Die «amoraden erscheine» mu Angrböriaen. Kameraden, die Mitglieder de» sspeidenkeroerein» Tempelhos l Kreis' M-ftvlaft hzw. Mo___ sämtlicher Rotfaftrer. M IWWIW J_ Sründungsoersammlun«. t Kameradschaft, t toft. Eenepolversammluna aar 17. Januar, HS llbr. Ressaurant Lindcnpark, Britz, Chaussee ftr. 18. Erscheinon aller aktiv«» und passiv,» Kamerad«» ist Pflicht.— Wasser, v°rtadteilu»g» Sonntaa. d. 16.. Arbeitsdienll im Bootshaus Wilmersdorf. Zr�cn Sonntag 9.40 llbr Treffen der Wehrfnortler am Babnbnf Halens««. Sonntag 10 Ufte Treffen Hai Wurzbacher am»aftnhof»runmvald zum Waldlauf. Zablroich» Beteiligung dringend erwünscht. Diochemficher Pertin Groß-Serlin. _______________________ DiBnatSO« L_„ WL—r«- bürg: Eden.Palass. Kajser.ssriedrich.Str. 24. Rfferent Herr'Dr. med. Will. Thema:»Staat smehizin und Bolksheilkund«�.— wöldche», Rosidenzstr. 109. Referent Herr ficiton'.— Waidwannolnll: Restaurant Ben Herr ssriedrlch. Reinichendors.vft: Kastanie». r T««n-r. Themar»Geisteskrank. . tgfchloft Waidmannstrofte. Referent Tbemai.Di« Wahrheit Wer Biochemie'.—«ilwer»d«rfr Restaurant.-Si-r Lauenfturg'. Hauendupger Str. A. Referent Hrrr Wille. Thema:.Trauenleiderr'. Mit Lichtbildern. Areie Bereinigung»o» Sternfrennde», Berlin. Zahresftauntoersammluil« am 15. Zamiar. 8 Uhr, beim Borsttzcnde» Herrn Schuldirekior Freund. Halen- ier. Westfälisch« Str. 27», 1 Tr. Berichterstattung de» Vorstande, üb« da« oerflossene Bereinsfahr. über Kasse und Bücherei. Darauf Reinoabl de« Bor- stände, und»orrrag:.Planetenbewegung und Uhr'. Gäste können auf tri» vbonlschen Anruf fllblarid 86221 und durch Mitalledrr eingeführt werden. Reichobnnd der Kriegibeichödtgten, Kriegoteilnehmer n«v Kriegerhinter. »liebenen. Orts»-»ein Steglitz»ad Lichterfelde. 19. Januar. 8 llbr. im Al- brechtsbaf Generalversammlung. Sozial» Isscnschaftllch« Vereinigung. Sonnabend, 15. Zanuar, 158 llftr. hält Gen. Dr. Paul Leoi im Graphischen Bereinshau«. Aleiandrinenstr. 44. ein Referat über»Di« inneroolUische La«-'. Unentgeltlicher Schachkursu». Der Berlin« ArdeitewSchachNub«öffnet Dienstaa 18. Januar. 8 llbr. bei Krieb» OUT. Jüngste. 10,»ine» NN- entgeltliche» Schachlehrkurst»._ wetterb erichi der öffeuINchea wellerdienstffelle für S-rNo und Umgegend. (Nachdruck verb.) Wechselnd bewölkt und obne erbebliche Niederschläge. Temperaturen wenig verändert.— Zür VeuIIchlaad: Im Westen noch viel. fach leichte Niederschläge und ziemlich mild, im äußersten Südosten mäßiger Frost und noch etwas Schnee. 8taat8-7dester Opornvauo Ptat» a. d.Republ, 8 Uhr: Wossok. SsNnanvIaiNnn» S Uhr: Lul» Schiller- Theater 8 Uhr; Vallensfeln« lager. Plccolomlni Müde Opm Cbarlottenburg 7>,, Uhr CesdilasseuB Verstell. Margarethe. ßßiilsiiiss IUsal?! Norden 10334—�7 8 Uhr; tlMMv�WS» von Wolfgang Ooetr Regie: HelnzHilperi Kammerspiele Nprden 10334—37 8 Uhr: Ollapotrlda von Lernet-Holenla Bellt; Kcinz Hilpert. Hierauf: Das Veilchen von Fram Molnar Regie: tug. Robert Die Komödie BismarcK 2414, 7516 8 Uhr lebte Mtagee. Die Gegangene Von Bourdet Regie M. Reinhardt Dienstig, den 18.. 7l;,Uhr: Erstaufführung: Die Perle. Nollendorf 7360 und 8"dere doTUäleo!! ümiindi o. i-arttZi 2 Vorstellungen V- und 8 Uhr, S' ru ermäßigt PreiMnd.ganre Programm IbeaLi Kurfflrst 2091 8 Uhr Klableote mit Max Adalbert Stlteskuri�ÜiMii vis Kiinstler-Th Rritzl Macsary> 8;.Die Königin' Stg.3V»: Der{röh- llche Weinberg Hessing Theater Alb. Bassermann 8: Der Diktator Iii, a.Mntüiäaüm 8 Uhr: llajoi Bäte Lustspiclhaus S'h Guido Thielscber ilorra-BinJangi! iiuropoi- Tfieai Täglich 8 Uhr ZirltDiprlQzessiD uesidejiiiiieater Täglich S>/, Jhr: Hiislßigeprüfif Eintritt t>jje»4tiit« inrboln Tboiia-theaier 8 Uhr: Der grolle ond der kleine Klaus Walhalla-Thcnl. Wfiibrjiwrg läjl. 8'/, Es war einmal In Heidelberg mit d. Schlagerlied Icbbab'meiaflenin Heidelberg verloren Vorzeig. KP/oErmäß. KäteScnmldt-Samst Gaston Briese Dr. MaDspielliaus Tägl. 8'', Uhr: ZEu.*l?tujnjbr CHARELU REVUE Sonnt, nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorsiilg tu ermSO. Preisen: Xose-Ilieater Uhr; Das laviere Scbnelderleln. Preziosa «Uhr Volksbühne Ueatw i» Wlöwplati Th. in Sdiilflimsrtsrom 8 Uhr Sachtasyl Morgan 8 Uhr: ysistrata Volpo ne ty# $ Uhr: Täglich 8 Uhn Das Cratmal f pi imiisitanBteD Sc'üta Vlintep Ji Variete* qcJtatt�t Igi�JQrniayjr«!� Pols NegrS HÖTil STADT LEMBERG ELaer der»tärksten Filmcrfolge, den Ber« lia jemals erlebt hat! 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Eie laj ta Paiadißl ä ri'SäÄ'SÄÄ"' 'iVÄS WöHDas blonde Wunder Dfinhoff�Brott'i Variet«, Tanz, Konzert, mit Karl Braue Metallbetften ,a?: Stahlmatratzen, Kinderbetten gfiattlg der. Marslallbeslchtigung 10—1 Uhr. Erwachsene 60. Kinder 26 Pfg, Berliner||lh-¥riO Neukölln. SD Ubnstr.74/78l Albcri Springare Grofjgarage und Tanksiellc Tag und Nacht peöftnei Aulo. Reparatur- Werks taü Fcrnspr. Norden 1276 u. Alexander 4376 Lothringer Str. 107, Ecke Linien- strafe 14, am Frenz auer Tor Neue weif Sdiolz Hasenbeide 108-114 Sonnabend, IS Januar, sowie täglich: Bockbierfest d«n bayr. Alpen-- 8 Kapellen S— 1771— SüT am oayr* Ä,P®B �• aapoueo Zentral» fn, W Neue oehera«««. Z0 bayr.MacU Täglich 8 Uhr: Oer grolle ope-e teoerlolg! Der Trompeter vorn Khsin LlKeraiMj. Klein. LBarä, 1 L Hzieivk. K. kw* Preise von 1— 7 M.| Großer Alpenball B|nl«B 6 Uhr Antang 7 Uhr Voraiuetst:: lonntag. i«. lanunr«Ml: Bossbblerfest und Qr. Aipcnball DUncla«, den W, Jannar 19»Tj PramUernrKdes K.etiisi« Im Clou Berliner Konzerthaus MauarstraOe 82 Tarnsbau zu Babel! die sehenswürdige Ausschmückung der Berliner Sezession• Triumphator-Fcst. \- V w>//t fwld eine gute Zigarette? Bieher: Eine Zigarette zum Preise Von i Pfennig begegnete nicht dem vollen Vertrauen des urteilsfähigen Rauchen. Entweder— so lehrte ihn seine Erfahrung— Ut der Geschmack der billigen Zigarette unbefriedigend oder zumindest, die Verpackung unansehnlich und nicht haltbar. Künftig; Grundlegende, übrigens technisch sehr interessante, Neuerungen im Hera teilungs verfahren der Kartonnagen ermöglichen eine bessere Gettaltung der Schachteln, die bei eleganterem Äußeren besonders zweckent. sprechend sind. Überdies bringt die neue Arbeitsweise wesentliche Einsparungen. So steht jetzt auch bei der 4-Pfenmg-Zigarette für Tabak ein zulänglicher Betrag aur Verfügung und gestattet die Bereitung einer wohlschmeckenden, milden Zigarette. Die hierfür unbedingt nötigen, hochwertigen Tabake können bei der UischungsbereStupg in hin reichendem Umfange herangezogen werden. Deä-Baucht Eckstein üold 25 Sfck-ZU IMk. Die Stromlieferung an die Reichsbahn Em Bertrag auf 12 Jahre.- Wirkungen für die Berliner Elektrizitatswirtfchaft. Di« Elektrifizierung der Berliner Stadt-, Ring- und Borort- bahnen ist auf dem Morsche. Der elektrische Zugbetrieb wird ein- geführt, um die Leistungsfähigkeit der Bahn hinsichtlich Zahl der zu befördernden Personen und hinsichtlich Reisegeschwindigkeit zu erhöhen. Nach Verhandlungen, die fast«in Jahr ausfüllten, ist dieser Tage nunmehr ein Bertrag getätigt worden, der die Lieferung der elektrischen Energie für den Bahnbetrieb zum Gegenstand hat. Es ist das einer der bemerkenswerteste» Strom» lieferungsverträge, die je abgeschloffen worden find, b«. merkenswert nicht bloß wegen der Größe des Objekts, sondern auch wegen seiner Wichtigkeit für die Berliner Elektrizitätswirtfchaft und damit für das Berliner Wirtschaftsleben im allgemeinen. Ursprünglich hatte die Reichsbahn die Absicht, de« Strom für den elektrischen Zugverkehr in einem eigenen Kraftwerk zu erzeugen. Sie hatte diesen Plan in einer Veröffentlichung mit- geteilt, die im April v. I. in einer Fachzeitschrist erschien. Das Kraftwerk sollte aus einem der Bahn gehörigen Gelände in nächster Nähe de» Berliner Städtischen Großkraftwerkes Rummelsburg?r- richtet werden. Interessant an den Ausführungen der Reichsbahn war der Hinweis, daß sie wegen der größeren Betriebssicherheit es vorzöge, das Kraftwerk innerhalb Berlins zu errichten, statt die Energie aus einem Braunkohlenkraftwerk über lange Hoch- fpannungsfernleiwngen herzuleiten. Bekanntlich war-einer der Hauptgründe für die Errichtung des Großkraftwerkes Rummelsburg das Bestreben, die Abhängigkeit der Stadt von der Strombelieferung durch die langen Fernleitungen der Elektro- «erke zu vermindern. Es sind das Erwägungen, wie sie aus den Kreisen des Gasfaches ähnlich jetzt wieder gegen den viel erörterten Plan der Gasfernversorgung Berlins von dem Ruhrgebiete her geltend gemacht werden. Da» Vorhaben der Reichsbahn, für ihre Zwecke ein eigenes Kraftwerk zu errichten, stieß auf den einmütigen Widerstand der ge- samten öffentlichen Meinung. Sehr wirksam beteiligte sich an diesem Widerstande die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Durch eine Anfrage an den Magistrat brachten unsere Genoffen da» ge- samt« Problem der Bahnstrombelieferung auf der Tribüne des Rat- Hauses zur öffentlichen Erörterung. Es folgten dann Verhandlungen zwischen der Reichsbahn auf der einen Seite und den Elektrowerken sowie der Bewag auf der anderen Seite. Die Elektrowerk« liefern an die Stadt Berlin Fernstrom auf Grund eine» Vertrage» vom Jahre 1917, der noch heute in Kraft ist und bi» 1932 läuft. Dieser Vertrag ermächtigt dl« Elektrowerk e. Reichs- betrieb«— ein solcher ist die Reichsbahn— innerhalb Berlins von sich aus mit elektrischer Energie zu versorgen. Wenn die Bewag, trotz der Ungunst dieser vertraglichen Verhältniff«, es dennoch durch- gesetzt hat. an der Stromlieferung für die Stadtbahn z u r H ö l f i e beteiligt zu werden, so ist da» ei» großer Erfolg ba Benag. »in Erfolg, der freilich nur dadurch ermöglicht wurde, daß die ort»- anwesenden Berliner Kraftwerke von der auf höchste Betriebssicher- heit angewiesenen Reichsbahn nicht übergangen werden tonnten. Die Bahn, die Elektrowerk« und die Bewag einigten sich schließ- lich auf einem Preisniveau, das unterhalb desjenigen Satzes liegt, zu dem die Bewag von den Elektrowerken auf Grund des vorerwähnten Vertrages von 1917 beliefert wird. Die Bewag konnte diesen niedrigen Preis überhaupt nur im Hinblick auf das in Ausführung befindliche Großkraftwerk Rummelsburg annehmen. Der jetzt mit der Bahn abgefchloffene S t r o m l i e f e- rungsvertrag läuft vom 1. Januar 19N bis 31. Dezember 1949, also auf 1 2 I a h r e. Die Bahn ist jedoch berechtigt, schon im Jahre 1928 gewisse Strommengen zu beziehen. Die Stromlieferung wird zwischen der Bewag und den Elektrowerken hälftig geteilt. Die Uebergabe der Energie erfolgt an zwei Punkten der Stadt, von denen einer(Eichkamp) im Westen, der andere(Markgrafendamm) im Osten belegen ist. Jeder der beiden Uebergabepunkte ist sowohl mit dem Netze der Bewag als auch mit dem der Elektrowerke ver- bunden. Es ist also für ein« hohe Sicherheit der Strom- l i e f« r u n g gesorgt. Der Vertrag sieht nach Vollendung der Elektrifizierung des gesamten Netzes der Stadt-, Ring- und Vorort- bahnen eine garankierie Mindestabnahme seitens der Bahn von 30 000 Kilowatt bzw. 150 Millionen Kilowattstunden im Jahre vor. Die tatsächliche Abnahme dürfte größer werden. Die Bewag hätte hiervon die Hälfte, d. i. rund 25 000 Kilowatt, zu stellen. Das ist nicht viel, wenn man er- wägt, daß die Berliner Städtischen Kraftwerke in diesem Jahre, noch Vollendung des Großkraftwerkes, über ein« eigene Maschinen- leistung von mehr als 400 000 Kilowatt verfüg-n werden. Der in dem Vertrage vorgesehene niedrige Strompreis läßt der Bewag keinen großen Nutzen am Strompreis. Trotzdem wird die Bewag aus der Stromlieferung an die Bahn inancherlei Vor- i teile ziehen. Die Dahn hat als Stromabnehmer, wie übrigens all« anderen Stromabnehmer ebenfalls, zwar ihre unangenehmen, aber auch ihr« angenehmen Seiten. Unangenehm ist, daß die Bahn mit ihrem Betriebe in die Spitzen des Belasiungsdiagramms hineinfällt und dadurch die Belastungsspitze vergrößert. Angenehm ist. daß die Bahn einen sozusagen 24stündigen Betrieb hat. Denn auch während der nächtlichen Betriebspouse, d. i. von etwa 2 Uhr bis 4 Uhr morgens, findet noch eine gewiffe Stromabnahme für Bahnhofs- und Streckenbeleuchtung, für Rongierzwecke, für Re- Visionen und dergleichen statt. Angenehm ist auch der stark« Der- kehr der Stadtbahn und damit ihr starker Strombedorf an den Sonntagen im Sommer. Die Sommersonntage sind, wegen des Stillstandes der industriellen und geschäftlichen Betätigung und wegen des Ausfalles der Beleuchtung, die tote Saison der Elettri- zitätswerke. Da bedeutet ein großer Abnehmer wie die Stadtbahn eine willkommene Ausnutzung der Betriebsanlagen. Die Stadtbahn hilft, die Spesen des großen Betriebes der städtischen Elektrizität»- werk« zu decken, sie ermöglicht die weitere Rationalisierung der Berliner Elektrizitätswirtfchaft und trägt so zu ihrem Teile dazu bei, die Gestehungskosten der Berliner Strom- erzeugung weiter zu ermäßigen. Dr.-Jng. W. M a j e r c z i k. Spartaftea unö diskontermäßigung. Keine Ueberorganisation in» Tparkafsentvescn. Wie wir mehrfach dargelegt habe«, ist die zukünftig« Zins- Politik der Sparkassen für die Auswirkung der kürzlich er- folgten Diskontermäßigung der Reichsbank in der deutschen Kredit- Wirtschaft von erheblicher Bedeutung. Dazu erfahren wir, daß man in der deutschen Sparkaffenorganisation der Auffassung ist, daß die Einlagezinsen, die von den Sparkassen vergütet werden. grundsätzlich nicht weiter herabgesetzt werden sollen, da nach der Meinung dieser Organisation die gegenwärtige Zins- Vergütung bereits jene Grenz« erreicht habe, die ohne Gefährdung der Spartätigkeit nicht unterschritten werden darf. Auf der anderen Seit« ist es selbstverständlich, daß die Sporkassen und Girozentralen für die Kreditgewährung der Diskontsenkung um ein Pro- zent vollen Ausdruck geben werden. Dieses Verhalten der Spar- kaffen ist außerordentlich zu begrüßen, weil im Gegensatz zu den Privatbanken die Diskontherabsetzung dadurch«in« Verkürzung der Zinsspanne um«in volles Prozent zur Folge hat und die Konkurrenzfähigkeit der Sparkassen unvermindert fortbesteht. In diesem Zusammenhang außerordentlich interessant ist«in« Leröffentlichung der Spartassenkorrespondenz, in der nochgewiesen wird, daß im Vergleich mit dem Jahre 1913 bis Mitte 1926«in« Lerminderung in der Zahl der deutschen Spar- k a s s e n um 184 Betrieb««ingetreten ist. Ebenso hat sich die Zahl der Sparkassen-Nebenstellen gegenüber 1913 um 112 Betriebe ver- ringert. Bekannt ist, daß auf der anderen Seite die» Zahl der pri- vaten Banken und der Filialen, insbesondere der Großbanken sich vervielfacht hat. Wenn die deutschen Sparkassen in der Lag« sind. schon seit der Währungsstabilisierung, also seit über drei Jahren, sich mit einer bedeutend kleineren Zinsfpanne zu begnügen als die Privatbanken und darüber hinaus den Privatbanken erfolgreich Konturrenz zu machen, so hat da» offensichtlich darin feinen Grund, daß trotz der Erweiterung de» Sparkassengefchäfte» jede Ueber- arganisatio» unterblieben ist. I» der gleichen Korrespondenz werden auch Mitteilungen über die Anlagepolitik der Sparkassen gemacht. Danach waren Mitte 1926 540 Millionen Reichsmark im langfristigen Hypothekar. kredit. außerdem 1090 Millionen in langfristigen ftrediten gegen hypothekarisch« Sicherheit angelegt. Insgesamt waren also 1640 Mil- Konen oder annähernd 70 Prozent der Spare inlagen langfristig begeben. Damit sst der Beweis erbracht, daß die Sparkossen auch bei einer ausgedehnten Pflege des langfristigen Kreditgeschäfte» sehr wohl In der Lage sind, mit niedrigeren Zinsgewinne» hauszuhalten als die Privat- b a n k« n, die bekanntlich au» der Sparkassenkonkurrenz in der Aus- leihung kurzfristiger Kredit« de» Sparkassen«inen Strick zu drehen versucht habe». Erfolge öer KGS. Mer Millionen Mar? Monatsumsatz. Im Dezember 1926 überschritt der Monatsumfatz der Konsum- Genossenschaft Berlin beträchtlich die Ziffer von 4 Millionen Mark. Der Umsatz von 4 179 873 M. stellt«in« Spitzenlei st ung dar, die um so bemerkenswerter ist, als die Drei Millionengrenze erst vor einem reichlichen Jahr, im Oktober 1925, erreicht wurde die Steigerung gegenüber dem Dezember 1925 beläust sich auf 731 869 Mark— 21,22 Proz. Noch diesem außerordentlich günstigen Ergeb- nis ist daran nicht zu zweifeln, daß der Umsatz des Gefchöstsjohres 1926/1927 mindestens 40 Millionen Mark betragen wird. Di« Mitgliederzahl hat im Dezember ebenfalls ein« weitere�Steigerung erfahren und zwar um 1789 auf 143 657. Der Bestand der Sparkasseneinlagen Hot sich um 276 174 M. auf 12 724 443 M. erhöht, was gegenüber den Vormonaten zwar«ine verringert« Zunahme bedeutet, aber durch die Abhebungen und Wiedereinzahlungen um die Weihnachtszeit leicht erklärlich ist. Ungünstige Handesbilanz Englands. Ein Bericht des Handelsamtes zeigt die zerstöreirden Folgen des Siege» der englischen Zechenherren auf die Ausfuhr und Einfuhr Englands. Di« Ausfuhr für das oergangen« Jahr betrug! 2 1 Millionen Pfund Sterling weniger(2,43 Millionen Mark) als im vorhergehenden Jahre. Ihr Gesamtbetrag belief sich auf 652 Millionen Pfund Sterling. Di« Einfuhr zeigt« eine Abnahm« von 78 Millionen Pfund Sterling und ihr Gesamtbetrag belief sich auf 1243 Millionen Pfund. Von den Hauptgruppen zeigt« die Kohl« ein« Ausfuhrverminderung von 30 Millionen Pfund, Baumwollgarn« und-waren von 45 Millionen, Eisen und Stahl von 12% Millionen. Di« Ziffern für den Kohlemnorkt im Dezember geben ein Bild von der außerordentlich schnellen Erholung dieses Marktes. Di« Kohlenausfuhr im Dezember be-! trug nämlich 1 609 000 Tonnen gegenüber 3900 Tonnen im November.' von der tiquidatlov de« Skamm-stonzeen». Di« zum Stumm- Konzern gehörende Westfälisch« Eisen- und Drahtwerk« A.-G. in Werne bei Longendreer hatte noch im Jahr« 1924 zu dem alten Besitz in Werne, Langendreer und Aplerbeck die Draht- und Hanffeileret und Iutefpinnereifirma vorm. T r o i tz s ch i n Berlin- Tempelhof hinzuerworben. Im Zusammenhang mit- den Schwierigketten in der Schwerindustrie, die setz Milte 1925 immer schärfer hervortraten und bald nach dem Zusammenbruch des Stinnes- Konzerns auch den Ctumm-Konzern ergriffen, wurde zunächst das Werk Aplerbeck(Hochofen, Stahl- und Walzwerk) stillgelegt, dann der Betrieb Tempelhof stillgelegt und oerkaust und endlich die Aktien- Mehrheit der Gesellschaft von Smmm an die Vereinigt« Stahl- werke 2LJ&. verkaust. Der neue Mehrheitsaktionär pachtet« so- dann die gesamten Betrielbsanlagen der Westfälisch« Eisen- und Draht- werk« L.-G. und hielten den bisherigen Rohmen der Gesellschaft ausrecht, was an»»etschfabenen Grünben nschi gkMÖg«schien Ö» hat man den Weg der Verpachtungs-Verschochtelung gewählt.— Da im abgelaufenen Jahr der geringe Produklionsgewinn durch Unkosten usw. völlig ausgezehrt wurde und sich erheblich« Wschrei- bungen auf die bisher zu hoch bewerleien Anlogen erforderlich machten, wurde«ine Kapitalzusammenlegung auf die Hälfte des bisher 10,5 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals vorgenommen, so daß nunmehr der 2,43 Millionen Mark betragende Verlust aus den durch die Kopitolermäßigung ein 5,25 Millionen Mark ftenverdender Betrag buchmäßig getilgt werden kann. weiteres Steigen der Roheisenerzeugung im Dezember. Der Monat Dezember weist nach den Feststellungen des Pereins Deut- scher Eisen- und Stahlidustrieller abermals eine beträchtliche S t e i. gerung der Roheisengewinnung auf. Di« Gesamt- gewinnung stellt sich im Dezember auf 1 064 791 Tonnen gegenüber 983 298 Tonnen im Bormonat. Die Gesamterzeugung 1926 bleibt aber infolge der Sommerkris« immer noch gegen das Ergebnis de» Vorjahres zurück. Sie stellt sich 1926 auf 9 643 519 Tonnen gegen- über 10 176 699 im Jahre 1925. Die Zahl der Hochöfen betrug für den Stichtag des 31. Dezember 1926 rund 206. Davon waren 109 in Betrieb und 18 gedämpft. Im Anfang 1926 waren 211 Hochofen vorhanden(davon 84 im Betrieb und 30 gedämpft). Die arbeitstägliche Leistungssteigerung gegenüber dem Monat Ro- vember beträgt 8,3 Prozent. Spescnverringerong für den Realkredit. Auf Vorschlag des Sonderausschusses für Hypothekenbankwesen ist die Vergütung für den Vertrieb von Pfandbriefen neuerdings mit Wirkung vom 15. Januar 1927 ob auf 1 Prozent herabgesetzt worden. Diese Herabsetzung kommt der billigen Versorgung mit Realkredü zugute, die durch die bisherigen 2- und l�prozentigen Bonifcka- teuert wurde. Auch für die Abgabe größerer Pfandbriefsendungen mußten die Bonifikationen noch gesenkt werden. Kapitalerhöhungen bei Privatbanken. Der Darmer Dank- vereine hat noch dem Beispiel mehrerer Berliner Großbanken be- schlössen, sein Aktienkapital von 21 Millionen um 12 auf 33 Mil- l i o n« n zu erhöhen. 5 Millionen davon werden von«mem ausländischen Konsortium übernommen. Bei der Commerz, und P r i vatbon k- Berlin steht ein Kapitalerhöhungsdeschlub um 18 Millionen in den nächsten Tagen bevor. Die Banken haben aus dem Glonzjohr 1926 hohe Gewinne zu verteilen. Di« Vorsorge, die für 1926 nicht ausgeschütteten Gewinne in der Zukunft aus ein größeres Kapital zu verteilen und so den Dividendenfatz zu ver- kleinern, dürste vernünftig sein. Die Oesfentlutikeit wird dennoch an diesen Kapitalverwäsferungen nicht vorübersehen. Gasfernversorgung. In der Dollversammlung der technffchen Ausschüsse des R« i ch s k oh l« n ra t s am 25. Januar im Jngenieurhaus zu Berlin steht als zweiler Punkt der Tagesordnung ein Bericht zur Frag« der Gasfernversorgung des General- direktors Dr. Pott von der A.-G. für Kichlenverwertung zur Diskussion. FranzSsifch-engllsch« 3 ndustri«Verhandlungen. De« verhand- lungen des Verbandes britischer Industrien und de» Reichs ver- bände» der Deutschen Industrie werden nunmehr ahn- lichc Verhandlungen zwischen der englischen und der iranzäsilchen Industrie folgen. Die Berhandlungen sind für März in Aussicht genommen und hoben ebenfalls den Zweck, Fragen von gemeinsamem Interesse zu erörtern. Bor einiger Zeit hat Bücher vom Reichs- verband der Deutschen Industrie darauf hingewiesen, dag man mit Verhandlungen mit ausländischen Industrien zurückhaltender sein müsse. Ob Herrn Bücher die jetzt von der� englischen Industrie in Aussicht genommenen Verhandlungen mit Frankreich bei dieser Aeußerung schon bekannt waren, steht natürlich dahin. icicn S Die Schriftstellerin Louise Diel, New York, schreibt in der ,B. 2L am Mittag-: mDc3 Kauen gibt dem dherarhcHelen, fm Strudel em Jagenden Autos und Bahnen zermürbten Menschen Ablenkung und Beruhigung und erfüllt somit einen guten Zweck Bs Ist hewundemswert, wiebesonnen und sicher der Amerikaner m diesem Verkehrsgetobe bleibt — logischerweise müsste er halb verrückt werden—. Der viel gescholtene Kaugummi hilft ihm, ist seinen Nerven Blitzableiter und Besänftiger, nimmt die IM' mhefori and gibt ein gewisses rhythmisches Phlegma.- »-«-». Päckchen»= 4 Stück= 10 Pf. Ueberall erhältlich! WUKiLEY KAU-BONBONS �'WRICLtYA.Ü. Vor dem Besuch von Oesellschallen, Theater, Bällen usw. versäumen Sie nicht Ihre Zähne mit der herrlich erfrischenden Chlorodont- Zahnpaste zu Chlorodont Kwin» TubeJAerk große Tub« Mark JL— Die Chlorodont Zahnpaste maebt die Zähne blendend weiß, entlerntbäßlleh gefärbten Zahnbelag, beieitlgt nnaagenehman Mnndgerneb. �-Unterhaltung unö Wissen Settage ües vorwärts �prinzePn Margarete�! (Jlcbcn Harry Domria hal eine hachstuplerin Martha Barth als„mar- oanaHschr(Sattln de» Exkronprtnzen- Sifarter Gesetlschaftitreile düpiert.) Das ist einmal eine Links-Verbinüung, für Sie alle Monarchisten sich begeistern—: eine prinzliche Gattin zur linken hanS! Die Züchtigung. Don Oskar Wöhrle. Das war in Burliber. als wir noch in die Christenlehre gingen, da war ein Mädchen da aus Blodsen, eine Doktorstochter, die war jo schön, daß selbst die frechsten und lärmigsten unter uns Buben still und dußma wurden, wenn sie nur zur Tür hineinkam. So groß war ihre Gemalt. Alles war froh über ihre Gegenwart. Sogar der Pfarrer Bieg, der sonst über sieben Berge daherschrie und eine ausgelaugte, ausgewetterte Stimme hatte, als ob er Roßknecht auf der..Rinderzunge" wäre und keineswegs sanfter Gärtner im Wein- berge des Herrn, selbst der bekam Oel in seine Rede und Manierlich- ke>t, wenn er das Doktormädel sah. Sein Meerrohr, sein spanisches, das wir ärger fürchteten als die vom Jungfrauenverein seine Sonn- lagsprcdigten, ließ er erst sausen, wenn die Rcni draußen war; denn die mußte in jeder Christenlehrstunde zehn Minuten eher' fort, weil der Mittagszug so ungeschickt ging. Das war jedesmal ein Schreck für uns, wenn sie ihre Sachen zusammenpackte und aufstand. Zwar war es ein kleines Fest, zu hören, wie ihr Sitz gegen die Rücklehne hochschnellte, und wir renkten diu Hälse türwärts. um sie fortgehen zu sehen, und nachher, wenn wir sie nicht mehr sahen, sondern nur noch hörten, spitzten wir die Ohren wie Karrengäule, daß uns ja kein Klapp verloren ging von ihren Schuhen auf den hellklingenden Steinfließen draußen. Aber mitten in dieser unschuldigen Freude kältete uns der Schreck: wir wußten, sobald sie über den Hof war, verschwunden in die Mülhausener Straße, da ließ der Dietz alle Wut aus, die er unseret- wegen angespeichert hatte, und das war nicht wenig: denn die Silos seiner Pfarrersseele waren riesengroß und hatten immer Ucberfluß an mißvergnügter Laune. Zudem schrieb der 5)err eine Handschrist. die so deutlich war. daß man sie gar oft noch tagelang hinterher in blauen Striemen und vielfarbigen Mosen an der Rückenhaut und noch weiter unten ablesen tonnte. Sogar über die nackten Waden fitzte er un». Eines Tage» aber— es ist mir noch wie heute— tonnte er seine Wut selbst in Gegenwart Rems nicht mehr bemeistern. Dies- mal war ich der Sündenbock. Ich hatte nämlich auf seine Frage, womit denn die Gnade zu vergleichen sei, geantwortet: mit einem Kübel voll Wagenschmiere: denn wenn der Sünderkarren berg- abwärts roll«, der Hölle zu und dem Gescheuche des Fegefeuers, da ginge die Sache auch ungeschmiert: heringegen brauche man, falls der Wagen bergaufwärts keuche, also himmelan, recht viel von dem Gnadenmittel, um es auf die heißen, kreischenden Achsen zu schmieren, damit das Gefährt in Schwung bliebe und ohne Stockung. Diese Antwort, die ihm frech und gotteslästerlich erschien, ärgerte ihn so. daß er auf mir herumzuprügeln anfing, als ob ich gar kein Mensch sei, sondern eine große Iahrmprktstrommel, auf der der Pickclhering feinen Rundschlegel einexerziert, daß man meint, es müsse das Fell platzen. Ich stand stumm und reglos. Ja. ich zog nicht einmal das Genick ein, um mich wenigstens vor den gröbsten Schlägen zu ducken. Dieser Mut erwuchs mir nur aus der An- Wesenheit Renis. Ich fühlte förmlich, wie ihre Blicke an mir hingen. �Eiuen Augenblick zwar war mir durchs Gehirn gefahren, ich solle mich wehren und ihm eins gegen seinen dicken Bauch geben. Er wäre hingefallen, plumps, tätschig wie ein gefüllter Mehlsack: ich weiß es. Ich ließ es aber sein: der Geifer, Wut und Schläge oleichermaßen speiende Mann war mir auf einmal viel zu unwichtig geworden. Als mir das Blut heiß aus der Rase schoß, kam es wie eine Befreiung von dumpfem, unerträglichem Druck über mich. So fuhr der Sturm meiner Seele durch die Adern nach außen, statt durch die Fäuste. Endlich ließ er von mir ab. Keuchend und schwitzend vor Aus. regung, wie ein Metzger, der frisch gemetzget hat, stand er da, mit fleischigen, haarigen Händen, die von meinem Blut über und über besudelt waren. Er wollt« sie im ersten Augenblick an seiner Sou- tane abwischen. Dann besann er sich aber und ließ steh von dem Beierle in der vordersten Bank das Lehrerhandtuch hinter der Tafel geben, das er sonst nie anrührte. Während er dastand und sich die Hände abwischte, guckte er mich steifaus an mit seinen Pflugräder- äugen, als ob er mich umbringen wollte. Ich sah ihn aber auch an, steifaugig, über Minuten. Es war das reinste Duell. Die Klasse war still und hielt den Atem an. Jede Diel« im Schulzimmer konnte man gicksen hören. Da endlich hatte er genug. Er wich meinem Blick aus und schickte mich hinaus auf den Hof an den Brunnen, um mich abzuwaschen. Ueber dem kam die Reni heraus, die auf ihren Zug sollte. Sie hatte es aber nicht eilig wie sonst. Sie blieb bei mir am Brunnen stehen, guckte mir ins Gesicht und sagte:„Da hast du noch einen Blutspritzer an der Stirn, und da auch noch einen!" Und dann nahm sie ihr« Hand, macht« sie naß und wischte mir die letzten Blut- krusten weg. Dann sagte sie:.Komm mit!" und ging Hand in Hand nnt mir zum Schulhof hinaus. Am Rand, wo der Geiser sein Häuslein hat und die großen gelben Feuerräder zieht, die sie bei uns Sonnenblumen heißen. hörte ich meinen Namen nifen. Mechanisch dreht- es mir den Kopf zurück. Da sah ich wie einen schwarzen Teufel den Pfarrherrn breit im Fensterrahmen des Schulzimmers stehen. Wo kommt nur all'öer Regen her? Bon Moritz L o e b. Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag.— Das Shakespeare- Zitat, so oft angewandt, scheint in diesen Tagen seine besondere Be- deumng zu bekommen. Es ist, als ob der Himmel feine Schleusen überhaupt nicht mehr schließen wolle: farbloses Grau kennzeichnet nun schon seit Wochen das Firmament, und an die Tage, da einmal die Sonne vom blauen Himmel strahlte, denkt man wie an ferne Zeiten zurück. In der Tat hat seit dem Beginn des Jahres kW? die Sonne von weiten Teilen des Landes ikbcrhaupt noch nicht Notiz genommen: das gleichmäßig, triste Regenwetter entzieht sie unseren Blicken, und die tiefziehenden Regenwolken lassen überdies die Tage selbst zur Mittagszeit kaum recht hell werden. Das ist unsere so unerfreuliche, aber die Regel bildende Winter- regenzeit. So mancher wird sich angesichts der unablässig einander folgenden Regentage vielleicht die Frage vorlegen, woher denn nun eigentlich das ergiebige Naß stamme, und nicht wenige werden diese Frage auch selbst mit der Antwort abtun können, daß eben der At- lantische Ozean uns von seinem Wasserüberfluh reichlich abgebe. Diese Antwort ist an sich durchaus richtig: doch die Dinge liegen nicht ganz so»Insach, wie sie scheinen, und wie sie auch bis noch vor verhältniemähig kurzer Zeit den Meteoralogen erschienen sind. Wer Art und zeltliche Verteilung der Niederschläg« in den verschiedenen Jahreszeiten eingehender bevbachtet. wird allmählich dahinter- kommen, daß nicht ein Regensall d-m anderen gleicht, daß insbeson- dere die Reoenfälle der wannen Jahreszeit von denen in den Herbst- und Wintermonaten wesentlich oerschieden sind. Tatsächlich kommt denn auch keineswegs jeder Rogen auf die gleiche Art zu- stände. Die mit den atlantischen Zyklonen zu uns geführten dampf- gesättigten Luftmassen verhalten sich im Winter wesentlich anders als im Sommer. Während der kalten Jahreszeit wird das Fest- land im allgemeinen von tragen, unbewegten, durch Ausstrahlung stark abgekühlten atmosphärischen Schichten bedeckt, die namentlich bei heiterem Hochdruckwetter wie ein riesiges Kaltlustkissen über dem Boden lagern. Je käller diese Luftschicht ist, um so träger und un- berr-egter lagert sie dem Boden auf. Pflanzen sich nun, meist vom Atlantik her, um bei dem Beispiel Mitteleuropas zu bleiben, in sehr aktionskrästigen Wirbeln warme Luftmassen in der Richtung nach dem Festland fort, wobei sie gemäß den Drehungsgesetzen der Luft- Zirkulation wlf der nördlichen Halbkugel von Winden aus südwest- licher bis westlicher Richtung fortbewegt werden, so gleiten diese warmen Luftschichten infolge ihrer größeren Leichtigkeit schräg auf das Kaltluftkissei: über dem Festland auf, wobei sich die Berührung der kalten mit der warmen Luftschicht zuerst in Gestalt von einförmig grauer Bewölkung und Nebel zu erkennen gibt. Sobald die Ab- kühlung in der wärmeren Aufgleitschicht zur Kondensation des in ihr enthaltenen Wasserdampfes führt, beginnt es zu rognen: ist die Abkühlung der wärmeren Schicht in der Höhe aber so stark, daß in ihr die Temperaturen alsbald unter den, Gefrierpunkt sinken, was stets dann der Fall zu fein pflegt, wenn die warme Schicht sehr rasch auf eme kalte Badenschicht aufgleitet, so beginnt der Niederschlag in Gestalt von Schnee, um alsbald in Regen überzugehen, eine Er. scheinung, die allgemein bekannt ist und häufig nach kalten, Hochdruck- wetter den Beginn einer Tauwetterperiode einleitet. So haben in den letzten Wochen die Niederschläge in den kälteren östlichen Teilen Mitteleuropas denn auch mehrfach mit Schnee begonnen, wogegen sie weiter westlich sofort in Regenform eingesetzt hatten. Dieser erste, eine sich nähernde Zyklone begleitende Niederschlag, wird Kurs- regen genannt, weil er den Kurs des Tiefdruckwirbels begleitet. Er bildet"gewöhnlich einen langgestreckten, aber nicht allzu breiten Streifen: nach seinem Borübergang klärt sich der Himmel manchmal für kurze Zeit auf, und die Erwärmung setzt sich aus der höheren Luftschichten bis zum Boden fort, weil nunmehr durch die Der- Mischung der beiden Lustschichten die Erwärmung bis zum Boden fortgeschritten ist, und weil der starke atmosphärische Weststrom die träge Kaltluftschicht völlig beseitigt hat. Nicht so schematisch ist der Vorgang bei langen anhaltenden Tau- wetterperioden von der Art, wie wir sie augenblicklich haben. Zur- zeit folgt in ununterbrochener Reihe eine Zyklone der anderen, so daß die höheren atmosphärischen Schichten auf weite Gebiete hin aus warmer und feuchter Seeluft bestehen. In solche» Fällen kommt es nur selten zu vorübergehender Aufheiterung, weil die rasche Auf- einanderfolge der Tiefdruckwirbel nicht den Einbruch kälterer, trocke- nerer Polarluft von der Rückseite eines abziehenden Wirbels ermög- licht. Der sosort wieder einsetzende Weststrom der neuen Zyklone riegell vielmehr die trockene Kaltlust von unserem Gebiet ab, und der Regen beginnt immer wieder rasch von neuem. Dabei sind im allgemelnen die Niederschläge ihrer Menge nach keineswegs besonders ergiebig: sie erscheinen nur wegen ihrer langen Dauer beträchtlich, und sie sind sogar in der Mehrzahl der Fälle ihrer Menge nach ganz gering. Tagesmengen von 3 bis 5 Millimetern waren in dieser Woche z. B. an vielen Orten das Ergebnis fast ununterbrochenen Regens. Wesentlich anders liegen die Verhältnisse in der warmen Jahres- zeit. Statt kalter Luft liegen dann über dem Festland warme Luft- Massen, die demgemäß nicht träge und unbeweglich sind, sondern sich unter der Wirkung der Sonneneinstrahlung auslockern und emporgewirbelt werden, wobei in größerer Höhe eine Wolkenbildung erfolgt, die von der des Winters völlig verschieden ist. Statt der einfönnig grauen, überdies sehr niedrig liegenden Schicht von meist nur dreihundert bis fünfhundert Meter Höhe über dem Erdboden bilden sich dann in weit mehr als 1000 Meter Höhe jene mächttgen, van der Sonne hell bestrahlten Haufenwolken, die dos charakteristische Anzeichen schönen Sommerwetters sind und die gegen Abend, wenn die starke Erwärmung der Lust durch die Sonne nachläßt, wieder ebenso rasch verschwinden, wie sie morgens entstanden sind. Man begreift leicht, daß bei solchen Witterungsverhältnissen durch die An- Näherung feuchter Seeluft eine Regenbiidung nicht erfolgt, weil diese Lust ja nicht auf eine källere Bodenschicht aufgleitet wie im Winter. Sowohl Bodenschicht wie höhere Schicht sind dann warm, und es muß erst eine kalte Luftschicht hinzukommen, um Niederschlag her- vorzurufen. Das ist in der warmen Jahreszeit stets erst dann der Fall, wenn die Rinne, das tiefst« Gebiet einer Zyklone, über uns hinweggegangen ist und wenn wir in den Bereich der kalte» Nord- strömung aus der Rückfeite des Wirbels gelangen. Infolgedessen beginnen im Sommer die Regenfälle immer erst noch dem Vorüber- gang eines Minimums, also beim Wiederanstieg des Barometers, während im Winter der Regen schon einsetzt, solange der Lustdruck noch abnimmt. Der Unterschied zwischen Sommer- und Winterregen ist also sehr erheblich. Im Sommer ist in der Regel die ganze Vorderseite einer Zyklone niederschlagsfrei: sie bringt heiteres»nd warmes Schönwetter. Im Winter regnet es dagegen vorwiegend auf der Vorderseite der Wirbel, wogegen es sich auf ihrer Rückseite stets bald aufklärt, weil hier kalte und trocken« Polarluft einbricht. Rück- settenschauer sind demgemäß Im Winter seltener und rascher vorüber al« Im Sommer, wenn die auch dann stets relativ kalte Rückletteniu-t! aus nordwestlicher bis nördlicher Richtung io lange Regen uo» land-! regenartigem Charakter oder Schauer auÄöst, wie die von der Kall- I luft vom Boden abgehobene dampfrriche Warmluft in der Höhe ihre Feuchtigkeit noch nicht völlig in Form von Niederschlägen ab- gegeben hat. Wenn also in diesen Wintcrwochen ein Regentag dem anderen folgt, so rührt das daher, daß die feuchten ozeanischen Lust- schichten ständig über unseren Erdteil hinstreichen und hier ihre Feuchtigkeit absetzen. Dieser, dauernde Winterregen mag noch so unangenehm empfunden werden: aber er hat auch sein Gutes: er führt dem Festland einen Borrat von Feuchtigkeit zu, der im Boden ausgespeichert wird und eine unschätzbare Reserve für das bei uns oft recht trockene Frühjahr bildet, in dem die Vegetation, Feld und Wald zu ihrem Wachstum bedeutender Fcuchtigkeitsmengcn bc- dürfen._____ Neues über die Geschlechtsumwandlung bei Tieren. Die Tat- sache, daß sich männliche Tiere, wenn sie ein gewisses höheres Alter erreicht haben, in Weibchen umwandeln, ist schon früher von ver- schieden«» Forschern beobachtet worden. Nach den Mitteilungen Rammers in der„Natur" kommen solche Gefchlechisumwandlungen z. B. beim Soestern Bsterina gibdooa vor, scrner bei Krebsen, die ein« parasitische Lebensweise führen, sowie bei den zu der Gattung der Crezpickula. gehörenden Schnecken, bei denen die Umwandlung in der Weise vor sich geht, daß zuerst die inneren und äußeren Geschlechtsmerkmale zurückgebildei werden, während sich gleichzeitig dex Körper vergrößert und die Gcstall des weiblichen Tieres an- nimmt. Bei diesen Schnecken, die, an Austernschal«» festsitzend, leben, läßt sich noch die besonders merkwürdige Erscheinung wahr- nehmen, daß sich an die an den Schalen sitzenden Schnecken nun- mehr andere Individuen der gleichen Art anheften, so daß ganze Ketten van Schnecken entstehen, von denen ein Teil in der Um- Wandlung begriffen ist, der andere Teil aber befruchtet werden kann. Biel seltener beobachtet wurde dagegen die Umwandlung von Weibchen in männliche Tiere. Bisher kannte man diese Erscheinung nur von einigen lebendgebärenden Zahnkarpfen. In letzter Zell ist es mm aber Professor Harms gelungen, solche Geschlechts- Umwandlungen auch bei dem Schwertfisch Hipkopiiams hellen festzustellen. Bei diesen Fischen fällt vor allem die Tatsache auf, daß unter den Jungfischen aus zwei Weibchen ein Männchen kommt. nach der Geschlechtsreife jedoch auf ein Weibchen drei Männchen entfallen. Daraus hat man gesolgert, daß sich mit dem zunehmen- den Aller der Fische die Zahl der Weibchen verringert, während sich die der Männchen erhöht, wobei sich aber die Gesamtzahl der Tiere durchaus nicht ändert. Man mußte also annehmen, daß sich viele Weibchen in Männchen verwandeln, nnd die Beobachtung hat nun diese Annahme tatsächlich bestätigt. Sobald solch« Weibchen älter geworden und ihre Eierstöcke erschöpft sind, beginnen sich als- bald äußere Geschlechtsmerkmale zu entwickeln, indem sich beispiels- weise die Schwanzflosse zum Schwertvorsatz umbildet und die Körperfarben kräftiger werden. Nach drei bis vier Monaten haben sich die Weibchen dann vollständig in Männchen verwandelt. Arbeitsleistung des menschlichen Herzens. Der Londoner Physio- log« Prof. Hill hat neue Studien über die Arbeitsleistung des mensch- lichen Herzens angestellt. Er gelangt« zu dem Ergebnis, daß das Maxin, i-m an Kraft,-das das Herz hergeben kmm, den 69. Teil einer Pferdestärke beträgt. Trotzdem ist infolge seiner unaufhörlichen Tätigkeit die Gesamtarbeitsleistung im Laufe von zwei Iahren die gleiche, die erforderlich wäre, um«ine Last von 1999 Kilogramm bis auf die Höhe des Mount Eoereft zu heben. Die Messung der Meerestiefen. Die Kenntnis von den Formen und Arten des Meeresbodens kann nur durch umfassende Lotungen erreicht werden. Dieses große linternehmen wird erst jetzt in Angriff genommen. Durch die Verwendung des„Echolotes", das die Messun- gen außerordentlich vereinfacht, können die ozeanographischen Expeditionen sehr viel mehr Tiefenbestimmungen ausführen als früher. Mit dem Drahtlot war es schon eine große Leistung, wenn während der ganzen Dauer einer Erpedition 299 bis 399 Tiefen- Messungen vorgenommen wurden. Dagegen hat das amerikanische Kriegsschiff„Steward" auf seiner 1922 durchgeführten Weltreise während seiner Fahrt mindestens jede Stunde eine Lotung aus- geführt. Zur Vermessung eines etwa 199 999 Quadratkilometer großen Meeresgebiets westlich von San Franziska wurden in 38 Tagen gegen S999 Echolotungen in Tiefen von 299 bis 3699 Metern gewonnen. Die deutsche ozeanographische Expedition des„Meteor" lotet ebenfalls während der Fahrt mit akustischen Latungsapparaten, und zwar erfolgt meist innerhalb von 29 Minuten eine Lotung. Daraus kann man schon erkennen welche Fortschritte unsere Kenntnis von der Gestalt des Meeresbodens jetzt aufzuweisen hat. Die Zahl der überhaupt bisher im Meer ausgeführten Draht- lotungn ist von den, finnischen Gelehrte» Henrik Renquist kürzlich berechnet worden und wird danach in den„Naturwisscuschastcn" mitgeteilt. Bis 1914 find insgesamt nicht mehr als 13999 Lotungen in Tiefen von mehr als 1999 Metern im Welrmeer ausgeführt war- den. Dabei ist zu berücksichtigen, daß in solchen Meeresgebieten. durch die Kabel hindurchführen, verhällnismäßig viele Lotungen vor» genommen wurden, während andere nesige Flächen ganz vernachlässigt waren. So gibt es im Stillen Ozean Gebiete von der Größe Europas, in denen die Meerestiefe noch nicht ein einziges Mal ge- messen worden ist. Bei den Teile» tzes Weltmeeres, die über 4999 Meter tief sind und die etwa zwei Fünftel der gesamten Erd- oberfläche ausmachen, kommt durchschnittlich eine Tiefenmessuna ans eine Fläche von der Größe der Schweiz. Wir stehen daher noch IUI Anfting der Ersorschung der Mserestieien, dürfen aber erwarten, daß unsere Kenntnis in der alternächsten Zeit jchr bereichert werden wird, Seschafft ftrbelt! UeLer die Erweiterung deSLrbeitSbesSaffung«, Programm» fanden am Freitag zwischen dem ReichSarbettS« ministe rurp und der Reichsbahngesellschaft Verhandlungen statt. Auf Drängen des Reichsarbeitsministeriums find vom Ober« Präsidenten für den Ausbau deS Berliner Untergrund- bahnnetzeS neue beträchtliche Mittel angeboten worden. Es liegt jetzt an Berlin, von dem Angebot Gebrauch zu machen und schleunigst an die Durchführung der neuen Untergrundbahnprojekte heranzugehen, damit so rasch wie möglich mehr Arbeitslose bei Erd« und Tiefbauarbeiten beschäftigt werden können. Streiknachwehe« in England. föGB.) In Cannock Chase ist«in neuer Bergarbeiter- verband gegründet werden, der sich in ähnlicher Weis« wie die von Spencer in Nottinghomshir« gegründet« Organisation oller Politik fernhält, einen niedrigen Beitrag verlangt und diesen hauptsächlich für möglichst hohe Alterspensionen, Sterbegelder usw. verwenden will. Wie schon der Name der neuen Organisation„'Nie Colllery Worfcers' InäustriaJ Weilars Society' andeutet, ist der Verband«in« Art Un t« rst ü tz un gs> Gefells chaft auf Gegenseiiigtcit, die kaum mehr als Gewerk- ist angesprochen werden kann. lieber den Berus eines Sache» oder Kellners orientieren zwei klein« Broschüren, die der Zeniralverband der Hotel- Restaurant- und Eaiö- Angestellten, Berlin N. 24, Eliäsier Str. 86/88, III, herausgegeben hat und den Interessenten kostenlos zur Verfügung stellt. Bei Bedarf wolle man sich an die angegebene Adresie wenden. Das Jachblatk der Maler, die vom Verbände der Maler (Hamburg 25. Alster-Terross« 10) herausgegebene„Zeitschrist zur Förderung der handwerklichen Wertarbeit in Farbe, Form und Raum" erfreut sich in Fachkreisen infolge ihres gediegenen Inhalts und ihrer trefflichen Ausstattung großen Anklangs. Im Vorwort zum neuen Jahrgang geben Schriftleitung und Verlag ihrer Befriedigung Aus- druck über die von ollen Kreisen des Malergewerbes geleistet« Mit- arbeit und Förderung des Unternehmens. Da sich die Zahl der Be- zieher«rfreullchenveis« trotz des sür das Malergewerbe schlechten Geschäftsjahres ständig erhöht, wird eine Erweiterung der Zeitschrift Der ernst« Wiste, nur Beste» zu geben, soll au» schästsjahr dem„Fochblatt der Maler" sein« Stellung w � im neuen unter den führenden Fachzeitschriften erhalten. Der Bezugspreis für das am Ersten jeden Monats erscheinende Fachblatt beträgt 4.50 M. Die Wurstfabrik Gmyrek. Glciwitz(Oberschlesien), hat seit Iahren— wie o» hier so üblich— die Gesellen täglich vierzehn bis achtzehn Stunden, ja manchmal sogar ganze Rächte durcharbeiten lassen. Wer nicht mehr will oder kann, wird einsoch auf die Straße gesetzt. Da wiederholte Verhandlungen über die Beschränkung der unmenschlichen Arbeitszelt nichts fruchteten, wurden Anzeigen bei der Staatsonwaltschast erstattet. Und nun setzte eine beispiellose Schikane gegen die Gesellen ein. Leute, die schon lange Zeit dort beschäftigt sind, jetzt aber menschenwürdige Behand- lung und Entlohnung perlangen, will man aus dem Betriebe hin- ausbringen. Die Löhne der Gesellen sind bis auf 2 0 P f e n n i g(!) Stundenlohn heruntergesetzt mit dem Bemerken, wer dafür nicht arbeiten will, kann gehen Die Firnza vertreibt ihre Waren nicht nur in Oberschlesien. sondern auch im Reiche. Das Retlameschild zeigt einen alten Waidmann, der ein paar Würstchen in der Hand hält. Di« Konsumenten wissen nun. woran sie mit dieser Firma sind. Die.£n.ven- Bey Zganefte fürt- 3 1% von. konkuwen-z losen- VIRIA1E lUOMATISCHE WASCHMITTEL kranken taste der Perfonen-Cohn- fuhrwerts-Znnuug Bekanntmachung Da zur Wahl d-r Berliner im Bor- stände weder»im den Zlrdeilaeber» nach Arbeitnehmern ein Watiiorlchlag etnge» gangen ist. gilt der vom Dorftand au. oestelli« und w Str.«17 bekanntgegeben« «ahworschlag sür aenehmiat. Oer vorstand tindwia Streu, Vorsitzender. 3»|«s Sinti«. 2 Schrtfiführer. gung oder zu Vrolololl c naen. Räch Ablaut dieser Frist I Einwendungen nicht mehr erhoben Pelttermöbel in allen Preislagen, ab Fabrik, bei Teilzahlung kein Aufschlag. f oouner. UMneberä, Hanptftr.t« t HaUutr. 44 Vorzeiger dieses erhält S Prozent Nebet». Meinen werten G5eten,Frenn' den and Bekannten zur gell. Kenntnis, dall ich eine Groß- deetülation mit ll. Scholtheiß- Sieren eröffne. Am Sonn- send, den 15- Januar 1937: firoBeMtfnnnps-Feier Für ff. Liköre usw. tat reichlichst gesorgt Um regen Zusprach bittet Willy Dietrich Barlin N., Rosanthaler StraBe BS J. 1. St A. L 2A gew. Ani. Errichtung ein« DarmioriieranilaÜ in Berlin aus dem Srundstlick« Hausdurg. ftraße IT. Etwaige Einwendungen gegen diese Anlage sind bei de« unterzetchneteu Eiadt- ausschuß binnen t« Tagen, vom Tage nach der Veröffentlichung ab gerechnet, schristltch in doppeller Ausieiti anzudr können.... WWWWWWWWW werben. Beschreibung und tzetchnnngen der -pwnten Anlage liegen in unserem Bureau. rrlin ES, Woilenstrahc ZI, 1 Treppe. Zimmer Nr. 50, an den l»eschitft»tagcn w der Fett von 0 bis S Uhr wahrend der oben bezeichneten Frist zur Einsicht au» gur mündlichen Eriirieruag der recht- zettig«hodenen Etnwendungrn wird vor unserem gommiffar, Stadt oder' Inspektor Senst. auf Mittwoch, den Z. Fe- bruar>327. vormittags g Uhr. in unserem Bureau ein Termin anberaumt zu dem d« Ilniernedmer sowie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden, daß auch bei ihrem Au»ble4>«n mit der Erörte- rung der Einwendungeu»orgegangeu wird. Berlin, den IT Zanuar 1SZ7. ©er SloMnnsf Botz Oer II«, VM. I Schneider. Genossenschaft Jierlin u, Umgegend e. O, m. b. V€. Zentrale: Ber lin'Lichtenber�, Rittergutstr. 16—30 Zur Abwehr gegen Grippe und Influenza einschl. Flasche und Steuer SUdfranzösischer Rotwein...... 1.30 Dlirkheimer Feuerberg•......„ 1.30 Deutscher Weinbrand H. 3.50» 4.70, 4.50, 4.30 223 Warenabgabestellen In Berlin Die Waretjabgabe erfolgt nur an Mitglieder Die Mitgliedschaft kann jedermann erwerben Die Au!nahnieg;eb&hr. beträgt 30 Pfennig feruwösA IQ Ff; If/w; |100 OnlKnnns-.Bab&il- o.Reltlamemarken gegen Nachahmung gesetzl resch. (ertlgi seil 4* Jahr. als Spezialität Conrad NQiier Schkendltz-Lelpzlz MM Lesdau's Korbmöbel McriUli Fonon Aparte Muster Mäßige Preise InhiHtn I. 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